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	<title>Bahaiworks - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_8/Text&amp;diff=75377</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 8/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:17:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = April 1962&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 7/Text|Heft 7]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 9/Text|Heft 9]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{page|175|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=1}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh: Frohe Botschaften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltreligionstag 1962 in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinduismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Bahá’í-Geschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRIL 1962 HEFT 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|176|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|177|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===100000 Menschen besuchten „Muttertempel“ des Westens===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Haus der Andacht der Bahá’í in Wilmette, an den Gestaden des Michigan-Sees nahe Chicago, hat im vergangenen Jahr seine Rolle als „stummer Lehrer“ glänzend bewältigt. Rund 100 000 Menschen besuchten 1961 den „Muttertempel“ des Westens, unter ihnen eine ganze Anzahl bedeutender Zeitgenossen, wie zum Beispiel der englische Historiker Arnold {{Sperrsatz|Toynbee}}. Aus insgesamt 82 Ländern der Welt kamen die Interessenten. Sehr häufig besuchen Mitglieder anderer religiöser Vereinigungen aus der näheren Umgebung Chicagos den Tempel. Groß ist auch die Zahl der Schüler- und Studentengruppen. Darüber hinaus ist das Interesse seitens der Architekten und Bauingenieure an dieser beispiellosen Konstruktion sehr beachtlich. — Unser Luftbild, das wir den „Bahá’í News“ der USA entnommen haben, zeigt den Tempel am Michigansee mit den jetzt fertiggestellten Anlagen rund um das Gebäude.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|178|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bahá’u’lláhs Sendschreiben aus &#039;Akká===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den „Frohen Botschaften“ beginnen wir den Abdruck von fünf der&lt;br /&gt;
wichtigsten Sendschreiben Bahá’u’lláhs, die im Anschluß an das Kitáb-i-Aqdas, &lt;br /&gt;
das „Buch der Gesetze“, in ‘Akká geoffenbart wurden und zu den&lt;br /&gt;
ersten Seiner Schriften gehörten, die in westliche Sprachen übertragen&lt;br /&gt;
wurden: Bereits 1912 erschienen sie auch in deutscher Sprache; 1921 kam&lt;br /&gt;
die zweite Auflage heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die einzigartige Bedeutung dieser Sendschreiben führt Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi aus („Gott geht vorüber“, Frankfurt 1954, S. 246 ff.):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Formulierung, die Bahá’u’lláh in Seinem Kitáb-i-Aqdas den fundamentalen Gesetzen Seiner Sendung gab, folgte gegen Ende Seiner Mission noch die Darlegung gewisser Vorschriften und Prinzipien, die im Kernpunkt Seines Glaubens liegen. Er bekräftigt nochmals die Wahrheiten, die Er früher schon verkündigt hatte, vervollständigt und erläutert einige der Gesetze, die Er schon niedergelegt hatte, offenbart noch weitere Prophezeiungen und Warnungen und erläßt zusätzliche Weisungen als Ergänzung zu den Verordnungen Seines Heiligsten Buches. Diese wurden in unzähligen Tablets niedergelegt, die Er fortwährend bis in die letzten Tage Seines Lebens offenbarte. Zu ihnen gehören als die bemerkenswertesten das Tablet “Ishráqát“ (Pracht), „Bishárádt“ (Frohe Botschaften), „Tarázát“ (Ausschmückungen), „Tajallíyát“ (Strahlenglanz), „Kalimát-i-Firdawsíyyih“ (Worte des Paradieses), „Lawh-i-Aqdas“ (das Heiligste Tablet), „Lawh-i-Dunyá“ (Tablet über die Welt) und das „Lawh-i-Maqsúd“ (Tablet von Maqsúd). Diese Sendschreiben, die machtvollen letzten Ausgießungen Seiner unermüdlichen Feder, müssen zu den erlesensten Früchten gezählt werden, die Sein Geist hervorgebracht hat, und stellen die Vollendung Seines vierzig Jahre währenden Wirkens dar.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Von den in diesen Tablets enthaltenen Prinzipien ist das wesentlichste von allen das Prinzip der Einheit und Ganzheit des Menschengeschlechts, und man darf wohl gerade dieses als das Kennzeichen der Offenbarung Bahá’u’lláhs und den Angelpunkt Seiner Lehre betrachten... Er spricht von der Religion als einem „strahlenden Licht und einer uneinnehmbaren Feste für den Schutz und das Wohlergehen der Völker auf Erden“ und bezeichnet sie als „das wichtigste Werkzeug für die Begründung der Ordnung in der Welt.“... Er schreibt die „Halsstarrigkeit der Gottlosen“ ihrer „Abkehr von der Religion“ zu und verheißt so schwere „Erschütterungen“, daß „die Glieder der Menschen darob erzittern werden.“ ...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Seiner majestätischen, bilderreichen Sprache stellt Bahá’u’lláh in&lt;br /&gt;
diesen Tablets immer neue geistige, politische, soziale und wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Aspekte Seiner neuen Weltordnung in den Vordergrund. Was ‘Abdu’l-Bahá zu Beginn &lt;br /&gt;
unseres Jahrhunderts auf Seinen Reisen in den Westen&lt;br /&gt;
als die zwölf Prinzipien des Bahá’í-Glaubens formulierte, die Grundsätze,&lt;br /&gt;
die Er in Seinem Testament für die Bahá’í-Verwaltungsordnung aufstellte — dies &lt;br /&gt;
alles geht in großem Umfang auf diese Sendschreiben&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs zurück, die in den nächsten Nummern der „BAHA’I-BRIEFE“&lt;br /&gt;
dem Leser ins Bewußtsein gerufen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|179|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die frohen Botschaften===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist die Stimme Abhás, die sich am erhabenen Horizont erhob und&lt;br /&gt;
aus dem Gefängnis von ‘Akká ertönt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist der Erklärer, der Kennende, der Allwissende!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott und das Erscheinen Seiner Namen und Eigenschaften bezeugen,&lt;br /&gt;
daß diese Stimme und das erhabene Wort nur deshalb laut wurden, &lt;br /&gt;
damit die Ohren der Völker der Welt durch den Kawthar&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; der göttlichen&lt;br /&gt;
Äußerung von falschen Darstellungen gereinigt und vorbereitet werden,&lt;br /&gt;
auf das gesegnete, reine und erhabene Wort zu hören, das aus der &lt;br /&gt;
Schatzkammer der Erkenntnis des Schöpfers von Himmeln und Namen &lt;br /&gt;
hervorging. Gesegnet sind die, die gerecht sind!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk der Erde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE ERSTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die in dieser Größten Offenbarung durch das „Mutterbuch“ &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; dem ganzen&lt;br /&gt;
Volk der Welt geschenkt wird, ist die Aufhebung der Verordnung über&lt;br /&gt;
den Religionskrieg aus dem Buche. Erhaben ist der Wohltätige, der &lt;br /&gt;
Besitzer großer Gaben, durch den das Tor der Gnade für alle im Himmel&lt;br /&gt;
und auf Erden geöffnet ist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE ZWEITE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird gutgeheißen, daß alle Völker der Welt in Freude und Wohlgeruch &lt;br /&gt;
miteinander verkehren. O Menschenkinder! Stimmet in Freude&lt;br /&gt;
und Wohlgeruch mit allen Religionen überein. Auf diese Weise sandte&lt;br /&gt;
die Sonne der Erlaubnis und des Wunsches ihre Strahlen vom Himmelszelt &lt;br /&gt;
des Gebotes Gottes, des Herrn der Geschöpfe, hernieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE DRITTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
betrifft das Erlernen von Sprachen. Dieses Gebot ist schon früher aus der&lt;br /&gt;
Höchsten Feder geflossen. Die Könige — möge ihnen Gott beistehen! — oder &lt;br /&gt;
die Verantwortlichen auf Erden müssen miteinander beraten und&lt;br /&gt;
entweder eine der bestehenden Sprachen oder eine neue Sprache zur&lt;br /&gt;
Weltsprache bestimmen. In dieser sind alsdann die Kinder in den Schulen&lt;br /&gt;
der ganzen Welt zu unterrichten, und dasselbe hat auch hinsichtlich einer&lt;br /&gt;
Weltschrift zu erfolgen. Dann endlich wird die Erde als eine Heimat &lt;br /&gt;
angesehen werden. Gesegnet ist, wer auf diese Stimme hört und das &lt;br /&gt;
erfüllt, was von Gott, dem Herrn des größten Thrones, befohlen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE VIERTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Könige — möge Gott sie stärken! — sollen sich aufmachen, diese&lt;br /&gt;
unterdrückte Gemeinschaft beschützen und ihr beistehen. Jeder muß den&lt;br /&gt;
anderen im Dienen und Erweisen von Liebe zu übertreffen suchen. Dies&lt;br /&gt;
ist allen zur Pflicht gemacht. Gesegnet sind die, die sie erfüllen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE FÜNFTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In welchem Land oder unter welcher Regierung die Angehörigen dieser &lt;br /&gt;
Gemeinschaft auch leben mögen, der betreffenden Regierung gegenüber &lt;br /&gt;
{{page|180|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
müssen sie sich stets ehrlich, vertrauensvoll und wahrhaftig verhalten. &lt;br /&gt;
Dies wurde aus der Gegenwart des ewigen Gebieters geoffenbart.&lt;br /&gt;
In jeder Hinsicht ist es den Menschen der Welt zur Pflicht gemacht, &lt;br /&gt;
diesen erhabensten Glauben, der aus dem Himmel des Willens Gottes, des&lt;br /&gt;
Immerbestehenden, herniederkam, zu unterstützen, damit so das Feuer&lt;br /&gt;
der Feindschaft, das in den Herzen einiger Völker lodert, durch das &lt;br /&gt;
Wasser der göttlichen Weisheit, durch himmlische Gebote und Ermahnungen&lt;br /&gt;
gelöscht werde und das Licht der Vereinigung und der Eintracht alle &lt;br /&gt;
Regionen der Erde erleuchte. Wir hoffen, daß die Kriegsrüstungen der Welt&lt;br /&gt;
durch die Hilfe der Träger der göttlichen Macht (der Könige und Regenten) &lt;br /&gt;
in Frieden verwandelt werden, und daß Entartung und Streit für&lt;br /&gt;
immer unter den Menschen verschwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE SECHSTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bezieht sich auf den Größten Frieden, dessen Bedeutung schon früher&lt;br /&gt;
durch die Höchste Feder geoffenbart wurde. Wohl dem, der sich an ihn&lt;br /&gt;
hält und das zur Ausführung bringt, was von Gott, dem Allwissenden,&lt;br /&gt;
dem Weisen, befohlen wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE SIEBENTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läßt den Menschen in der Kleidung und in Schnitt und Form des Bartes&lt;br /&gt;
freie Wahl. Aber hütet euch, o Menschenkinder, daß ihr euch nicht zum&lt;br /&gt;
Gespött der Unwissenden macht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE ACHTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frommen Übungen der Mönche und Priester im Volke Seiner Heiligkeit &lt;br /&gt;
des Geistes (d. i. Christus) — der Friede und Ruhm Gottes ruhe&lt;br /&gt;
auf Ihm — wird vor Gott gedacht; aber an diesem Tage müssen sie ihre&lt;br /&gt;
Einsamkeit zugunsten der Öffentlichkeit aufgeben und sich mit dem &lt;br /&gt;
beschäftigen, was ihnen selbst und anderen nützt. Wir haben allen die Ehe&lt;br /&gt;
erlaubt, damit Kinder daraus hervorgehen mögen, die das Lob Gottes,&lt;br /&gt;
des Herrn alles Sichtbaren und Unsichtbaren und des erhabenen Thrones,&lt;br /&gt;
anstimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE NEUNTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich der Sünder in einem Zustand befindet, in dem er sich von&lt;br /&gt;
allem außer Gott befreit und gelöst fühlt, muß er Gottes Vergebung und&lt;br /&gt;
Verzeihung erbitten. Es ist nicht erlaubt, seine Sünden und Übertretungen&lt;br /&gt;
vor irgend jemand auszusagen, weil dies Gottes Vergebung und Verzeihung &lt;br /&gt;
nicht herbeiführt noch je herbeiführte. Diese Art des Bekennens der&lt;br /&gt;
Sünden vor den Geschöpfen führt vielmehr zur Demütigung und Erniedrigung &lt;br /&gt;
des Menschen, und Gott, erhaben in Seiner Herrlichkeit, wünscht&lt;br /&gt;
die Erniedrigung Seiner Diener nicht. Wahrlich, Er ist der Mitleidvolle,&lt;br /&gt;
der Wohltätige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein mit Gott muß der Sünder um Gnade aus der See der Barmherzigkeit &lt;br /&gt;
flehen, Vergebung vom Himmel der Gnade erbitten und beten:&lt;br /&gt;
O mein Gott! O mein Gott! Bei dem Blut Deiner Geliebten, die von&lt;br /&gt;
Deinen lieblichen Worten derart hingerissen wurden, daß sie sich zu&lt;br /&gt;
der höchsten Höhe, dem Ort des erhabenen Märtyrertums, begaben,&lt;br /&gt;
{{page|181|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
bei den Geheimnissen, die in Deiner Erkenntnis verborgen ruhen, und&lt;br /&gt;
bei den Perlen, die in der See Deiner Gaben liegen, bitte ich Dich:&lt;br /&gt;
Vergib mir, meinem Vater und meiner Mutter! Wahrlich, Du bist der&lt;br /&gt;
Barmherzigste der Barmherzigen! Es gibt keinen Gott außer Dir, dem&lt;br /&gt;
Vergebenden, dem Wohltätigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Herr! Du siehst, wie dieser Irrende der See Deiner Gnade,&lt;br /&gt;
dieser Schwache dem Reiche Deiner Macht, dieser Arme der Sonne&lt;br /&gt;
Deines Reichtums zustrebt. O mein Herr! Versage ihm Deine Großmut &lt;br /&gt;
und Barmherzigkeit nicht; beraube ihn nicht der Gnaden Deiner&lt;br /&gt;
Tage und weise ihn nicht von Deiner Türe, die Du für alle in Deinem&lt;br /&gt;
Himmel und auf Deiner Erde geöffnet hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach! Ach! Meine Übertretungen hinderten mich daran, mich dem&lt;br /&gt;
Hofe Deiner Heiligkeit zu nähern, und meine Missetaten hielten mich&lt;br /&gt;
davon ab, mich dem Zelte Deiner Herrlichkeit zu nahen. Ich habe in&lt;br /&gt;
der Tat begangen, was Du mir verboten hast, und ich habe vernachlässigt, &lt;br /&gt;
was Du mir zu tun befahlst. Bei dem König der Namen bitte&lt;br /&gt;
ich Dich: Verordne für mich aus der Feder der Gnade und Barmherzigkeit, &lt;br /&gt;
was mich näher zu Dir zieht und was mich von meinen&lt;br /&gt;
Sünden, die sich zwischen mich und Deine Vergebung und Verzeihung&lt;br /&gt;
drängten, reinigen wird. Wahrlich, Du bist der Mächtige, der Gütige!&lt;br /&gt;
Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allmächtigen, dem Gnädigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE ZEHNTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eine besondere Gunst aus der Gegenwart Gottes, des Urhebers dieser &lt;br /&gt;
großen Botschaft, haben Wir die Verordnung, wonach andere religiöse&lt;br /&gt;
Bücher zu vernichten sind, aus den Episteln und Sendschreiben gelöscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE ELFTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist gestattet, Wissenschaften und Künste aller Art zu studieren; doch&lt;br /&gt;
sollten es nur solche Wissenschaften sein, die nutzbringend sind und zur&lt;br /&gt;
Erhöhung der Menschheit beitragen. So wurde es von Gott, dem Gebieter,&lt;br /&gt;
dem Weisen, bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE ZWÖLFTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedem einzelnen von euch ist es zur Pflicht gemacht, sich in irgend&lt;br /&gt;
einem Beruf — wie Künste, Gewerbe usw. — zu betätigen. Wir veranlaßten, &lt;br /&gt;
daß die gewissenhafte Erfüllung eurer Berufspflichten dem Dienste&lt;br /&gt;
Gottes, des Wahrhaftigen, gleich geachtet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Menschenkinder, denkt über die Barmherzigkeit und Gunstbeweise&lt;br /&gt;
Gottes nach; alsdann dankt Ihm am Morgen und am Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergeudet eure Zeit nicht mit Müßiggang und Trägheit, sondern beschäftigt &lt;br /&gt;
euch mit dem, was euch und anderen Nutzen bringt. Dies wurde&lt;br /&gt;
vom Horizont, von dem die Sonne der Weisheit und göttlichen Äußerungen &lt;br /&gt;
strahlt, in diesem Tablet verordnet. Der, der nur dasitzt und bettelt,&lt;br /&gt;
wird von Gott am meisten verabscheut. Haltet euch an das Seil der Mittel&lt;br /&gt;
und Wege; vollbringt eure Arbeit im Vertrauen auf Gott, den Schöpfer&lt;br /&gt;
aller Dinge! — Jeder Seele, die sich in einer Kunst oder einem Gewerbe&lt;br /&gt;
betätigt, wird dies vor Gott als eine gottesdienstliche Handlung &lt;br /&gt;
{{page|182|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
angerechnet. Wahrlich, dies ist allein Seiner großen, überfließenden &lt;br /&gt;
Gunst zuzuschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE DREIZEHNTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angelegenheiten des Volkes sind in die Hände der Männer (Mitglieder) &lt;br /&gt;
des Hauses der Gerechtigkeit Gottes gelegt. Sie sind die Vertrauten &lt;br /&gt;
Gottes unter Seinen Dienern und die Quellen des Gebotes in Seinen&lt;br /&gt;
Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk Gottes! Der Erzieher der Welt ist die Gerechtigkeit, denn sie &lt;br /&gt;
besteht aus zwei Pfeilern: Belohnung und Vergeltung. Diese beiden Pfeiler &lt;br /&gt;
sind zwei Quellen des Lebens für die Menschheit. Sofern für jeden&lt;br /&gt;
Tag und für jede Zeit eine besondere Regelung oder Anordnung ratsam&lt;br /&gt;
ist, sind die einzelnen Angelegenheiten den Mitgliedern des Hauses der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit anvertraut, damit diese alsdann das ausführen, was ihnen&lt;br /&gt;
zur gegebenen Zeit als geeignet erscheint. Die Seelen, die sich aufmachen,&lt;br /&gt;
um Unserer Sache aufrichtig und Gott wohlgefällig zu dienen, werden&lt;br /&gt;
(bei ihrem Dienst im Hause der Gerechtigkeit) durch die unsichtbaren&lt;br /&gt;
göttlichen Eingebungen geführt. Ihnen zu gehorchen, ist allen zur Pflicht&lt;br /&gt;
gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungsgeschäfte unterstehen sämtlich dem Haus der Gerechtigkeit; &lt;br /&gt;
aber in bezug auf gottesdienstliche Handlungen ist das zu beachten, was &lt;br /&gt;
im Buch geoffenbart wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk Bahás! Ihr seid die Quellen der Liebe und die Aufgangsorte&lt;br /&gt;
der Vorsehung Gottes! Befleckt die Zunge nicht mit Flüchen und &lt;br /&gt;
Verwünschungen gegen irgend jemanden und behütet eure Augen vor dem,&lt;br /&gt;
was unwürdig ist! Legt dar, was ihr besitzt! Wird es angenommen, so ist&lt;br /&gt;
das Ziel erreicht; wenn nicht, so rechtet und streitet nicht mit denen, die&lt;br /&gt;
es verwerfen, sondern überlaßt sie sich selbst und schreitet vorwärts, hin&lt;br /&gt;
zu Gott, dem Beschützer, dem Selbstbestehenden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seid nicht die Ursache des Kummers oder gar des Aufruhrs und des&lt;br /&gt;
Streites. Wir hoffen, daß ihr im Schatten des Baumes der göttlichen &lt;br /&gt;
Vorsehung erzogen werdet und daß ihr euch in dem betätigt, was Gott von&lt;br /&gt;
euch verlangt. Ihr seid alle die Blätter {{Sperrsatz|eines}} Baumes und die Tropfen&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|eines}} Meeres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE VIERZEHNTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen zu unternehmen, um die Gräber der Verstorbenen zu besuchen,&lt;br /&gt;
ist nicht notwendig. Wenn diejenigen, die die Mittel hierzu haben, den&lt;br /&gt;
Betrag, den sie für eine solche Reise aufwenden würden, dem Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit geben, so wird dies vor Gott angenehm sein. Glücklich ist,&lt;br /&gt;
wer dies tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE FÜNFZEHNTE FROHE BOTSCHAFT&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich eine republikanische Regierungsform allen Völkern der Welt&lt;br /&gt;
nützt, so ist doch die Würde des Königtums eines der Zeichen Gottes. Wir&lt;br /&gt;
wünschen nicht, daß die Länder der Welt derselben beraubt werden. Wenn&lt;br /&gt;
die Staatsmänner diese zwei Regierungsformen in eine vereinen, wird&lt;br /&gt;
ihre Belohnung durch Gott groß sein. Entsprechend den Erfordernissen&lt;br /&gt;
früherer Zeiten bestimmten und befahlen frühere Religionen, &lt;br /&gt;
{{page|183|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
Religionskriege zu führen. Sie untersagten jegliche Verbindung und jeden Verkehr&lt;br /&gt;
mit Andersgläubigen und verboten das Lesen gewisser Bücher. Aber in&lt;br /&gt;
dieser größten Offenbarung und höchsten Botschaft erstrecken sich die&lt;br /&gt;
Gunstbezeigungen und Gaben Gottes auf alle, und das unwiderlegliche&lt;br /&gt;
Gebot hierzu wurde schon in dem geoffenbart, was bereits vom Horizont&lt;br /&gt;
des Willens des urewigen Herrn ausging. Wir preisen Gott — erhaben und&lt;br /&gt;
verherrlicht ist Er! — für das, was Er an diesem gesegneten, mächtigen,&lt;br /&gt;
wunderbaren Tag geoffenbart hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hätte jeder Mensch auf Erden hunderttausend Zungen, um Gott in alle&lt;br /&gt;
Ewigkeit zu preisen und zu verherrlichen, so würde wahrlich sein Dank&lt;br /&gt;
noch nicht für einen einzigen der in diesem Tablet erwähnten Gnadenbeweise &lt;br /&gt;
genügen. Dies wird jeder mit Wissen und Erkenntnis, Weisheit&lt;br /&gt;
und Verständnis ausgestattete Mensch bezeugen. Ich erbitte und erflehe&lt;br /&gt;
von Gott — erhaben ist Er in Seiner Herrlichkeit — daß Er die Könige&lt;br /&gt;
und Herrscher, die Aufgangsorte der Kraft und Quellen der Macht, &lt;br /&gt;
befähigen möge, Seine Vorschriften und Gebote auszuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist der Kraftvolle, der Mächtige, der alles Gewährende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:--------&lt;br /&gt;
Deutsch aufgrund der englischen Übersetzung von ‘Ali Kuli Khán, Chicago 1917;&lt;br /&gt;
vgl. „Bahá’í World Faith, Selected Writings of Bahá’u’lláh and ‘Abdu’l-Bahá“, Wilmette, Ill., &lt;br /&gt;
1943/1956, S. 191 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Kawthar = arab. „Fülle, Überfluß“. Im Islám Name eines Sees oder Flusses im Paradies. Vgl. Qur‘án 108.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Mutterbuch = Kitáb-i-Aqdas, das „Buch der Gesetze“ Bahá’u’lláhs. Vgl. „Gott geht vorüber“ von Shoghi Effendi, Frankfurt 1954, S. 202 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religion ist der Sieg über die Furcht===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Feier des Weltreligionstages 1962 in Stuttgart&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Über Sinn und Ziel des Weltreligionstages, der heuer zum elften Male begangen wurde, haben wir in Heft 4 (April 1961) der „Bahá’í-Briefe&amp;quot;, S. 84 ff., berichtet. Auch in diesem Jahr hatten die Bahá’í — in zahlreichen deutschen Städten wie in der ganzen Welt — wieder zu diesem feierlichen Bekenntnis der Einheit und Wesensgleichheit aller Offenbarungsreligionen aufgerufen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;{{Sperrsatz|„Religion ist der Sieg über die Furcht.“}} Dieses Wort von Sarvepalli Radhakrishnan, dem indischen Religionsphilosophen und Staatsmann, stand als Motto über den Ansprachen der Feierstunden am 21. Januar 1962, mit denen sich in Hamburg, Hannover, Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg und andernorts Vertreter des Hinduismus, des Buddhismus, des Judentums, des Islams, verschiedener christlicher Bekenntnisse und der Bahá’í-Religion an die Öffentlichkeit wandten. Repräsentativ für diese Veranstaltungen, die in der Tagespresse ein durchweg positives Echo fanden, sei hier die Morgenfeier in {{Sperrsatz|Stuttgart}} geschildert.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über 400 Menschen, Angehörige der verschiedensten Glaubensgemeinschaften, &lt;br /&gt;
hatten sich zu der vom Geistigen Rat der Bahá’í in Stuttgart im&lt;br /&gt;
Zusammenwirken mit der Überkonfessionellen Arbeitsgemeinschaft Stuttgart &lt;br /&gt;
veranstalteten Morgenfeier im großen Saal des Gustav-Siegle-Hauses&lt;br /&gt;
eingefunden. Ausgewählte Texte aus den Offenbarungsschriften aller&lt;br /&gt;
{{page|184|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
Hochreligionen und Klavierstücke alter Meister, die Karl {{Sperrsatz|Kleber}} zu&lt;br /&gt;
Gehör brachte, leiteten nach einführenden Worten von Dr. Adelheid&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Schwarz}} zu den Ansprachen von Präsident J., {{Sperrsatz|Hoffmann}}, &lt;br /&gt;
Dr. O. A. {{Sperrsatz|Isbert}}, Professor D. Dr. Friedrich {{Sperrsatz|Heiler}} &lt;br /&gt;
und Dr. Eugen {{Sperrsatz|Schmidt}} über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Präsident Hoffmann von der Tempelgesellschaft ging von der&lt;br /&gt;
„Atomangst“ der heutigen Menschheit aus. Die wahren Gläubigen nicht&lt;br /&gt;
nur der christlichen Bekenntnisse, sondern aller Religionen setzen diesem&lt;br /&gt;
Zeitgefühl die Vorstellung von der Geborgenheit im Glauben entgegen,&lt;br /&gt;
die ihnen zu einem wahren Sieg über alle irdische Furcht verhilft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. O. A. Isbert sprach als Kenner der indischen Religionen aus der&lt;br /&gt;
Schau des Hinduismus heraus: Wenn die Materialisten behaupten, daß&lt;br /&gt;
alle Religion aus der Furcht entsprungen sei, mag dies, vom Rein-Menschlichen &lt;br /&gt;
her betrachtet, eine gewisse Berechtigung haben; aber es trifft&lt;br /&gt;
nicht den Kern der Sache. Das Sanatana-dharma, das ewige religiöse Gesetz, &lt;br /&gt;
begründet nach hinduistischer Lehre eine urewige geistige Bruderschaft &lt;br /&gt;
aller Menschen in ihrem Streben nach Vervollkommnung. Yoga,&lt;br /&gt;
der Weg der Gottesfurcht, und Bhakti, die reine Gottesliebe, die sich im&lt;br /&gt;
Menschen verkörpert, sind die Mittel des Suchers, drei Grundforderungen&lt;br /&gt;
für sein Erdendasein zu erfüllen: Freiheit von Begierde, Wahrhaftigkeit&lt;br /&gt;
und Gewaltlosigkeit. Der so herangereifte Mensch hat dann, wie von&lt;br /&gt;
selbst, auch alle Furcht überwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kosmische Christologie — Einheit aller Religionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor D. Dr. Friedrich Heiler, Direktor der Religionskundlichen&lt;br /&gt;
Sammlung der Universität Marburg, war in letzter Minute durch eine &lt;br /&gt;
Erkrankung verhindert, an der Feierstunde teilzunehmen. Seinen Ausführungen, &lt;br /&gt;
die verlesen wurden, entnehmen wir folgende Einzelheiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In der heutigen Zeit hat die Christenheit in ungeahnter Weise die&lt;br /&gt;
verschlossenen Türen zu den anderen Religionen aufgestoßen. Auf der&lt;br /&gt;
Tagung in New Delhi im Dezember des letzten Jahres haben Vertreter der&lt;br /&gt;
abendländischen wie der asiatisch-afrikanischen Kirchen nicht nur von den&lt;br /&gt;
nichtchristlichen Brüdern gesprochen, die zur gleichen Menschheitsfamilie&lt;br /&gt;
gehören, sondern feierlich erklärt, daß längst ehe die christlichen Boten&lt;br /&gt;
von Jesus Christus Zeugnis abgelegt haben, dieser ihnen zu den &lt;br /&gt;
nichtchristlichen Völkern vorausgeeilt sei, ja, selbst in dem dunkelsten&lt;br /&gt;
Winkel der Erde habe längst vor dem Beginn christlicher Mission&lt;br /&gt;
das Licht Christi geleuchtet. Ein lutherischer Professor aus Chicago hat&lt;br /&gt;
— freilich unter dem Widerspruch deutscher Lutheraner — eine neue&lt;br /&gt;
kosmische Christologie gefordert, wie das schon 1960 ein evangelischer&lt;br /&gt;
Theologe auf dem 10. internationalen religionsgeschichtlichen Kongreß in&lt;br /&gt;
Marburg getan hatte. Dieser sprach von dem ‚ungeheuerlichen‘ Wort des&lt;br /&gt;
‚größeren Christus‘, d.h. des Logos-Christus, dessen umfassendes &lt;br /&gt;
Offenbarungswirken nicht nur die ganze vergangene, sondern auch heutige&lt;br /&gt;
nichtchristliche Menschheit umfaßt. Ich erinnerte damals an das noch &lt;br /&gt;
gewaltigere Wort Augustins von dem ‚ganzen Christus‘, dessen Wirken&lt;br /&gt;
nicht auf seine irdische Erscheinung in Jesus von Nazareth beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieselbe Richtung stieß auch der derzeitige Papst Johannes XXIII. &lt;br /&gt;
vor, als er bei der Weihe von 14 neuen Bischöfen für die Missionsländer&lt;br /&gt;
{{page|185|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
am Pfingstfest des vorigen Jahres im Petersdom zu Rom erklärte: ‚Diese&lt;br /&gt;
Länder, aus denen ihr kommt oder für die ihr geweiht werdet, bewahren&lt;br /&gt;
und verherrlichen mit Recht das väterliche Erbe uralter Kulturen, deren&lt;br /&gt;
heimliche Schönheiten, übersät von offenkundigen Spuren der geoffenbarten &lt;br /&gt;
Wahrheit, Gegenstand eines aufmerksameren Studiums werden&lt;br /&gt;
könnten und als höchst wertvoll sich erweisen für die monumentale&lt;br /&gt;
Sammlung und Erkenntnis des menschlichen Geisteslebens. Laßt uns&lt;br /&gt;
Gott dafür preisen, daß der Eintritt dieser Völker in die internationalen&lt;br /&gt;
Beziehungen auf breiter Ebene von allen ehrlichen und urteilsfähigen&lt;br /&gt;
Menschen als ein edler Ansporn aufgenommen wird für die Festigung der&lt;br /&gt;
übernationalen Gemeinschaften, die bestimmt sind zum gemeinsamen&lt;br /&gt;
Dienst an der Kultur, an der geistigen und leiblichen Wohlfahrt und am&lt;br /&gt;
Frieden.‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche bahnbrechenden Bekenntnisse enthüllen uns die {{Sperrsatz|tiefste &lt;br /&gt;
Einheit aller Religionen}}. Ein Beispiel für diese Einheit ist die Überwindung &lt;br /&gt;
der Furcht durch die in der Religion siegenden Macht der Wahrheit und Liebe. &lt;br /&gt;
Alle Religionen suchen die Furcht zu überwinden... Aus&lt;br /&gt;
dieser dunklen Atmosphäre der Furcht haben die großen Gottesboten,&lt;br /&gt;
die weisen Lehrer, die Mystiker und Propheten, in lichte Höhen &lt;br /&gt;
sich erhoben... Dieser Aufruf zur Furchtlosigkeit geht aus dem &lt;br /&gt;
Alten Testament ins Neue über, nur ertönt er hier noch lauter. &lt;br /&gt;
Die Weihnachtsbotschaft des Engels beginnt mit dem Ruf: „Fürchtet &lt;br /&gt;
euch nicht!“... Das Symbol für das Zurücktreten des zürnenden Gottes &lt;br /&gt;
hinter dem liebenden ist das göttliche Kind in der Krippe. Mag der &lt;br /&gt;
‚absolute‘ oder ‚nackte‘ Gott, der ‚Gott an sich‘, ein Flammenmeer des &lt;br /&gt;
Zornes sein, der ‚inkarnierte‘ Gott, der ‚mit einer so lieblichen Maske &lt;br /&gt;
bekleidet‘ ist, ist ‚eitel lauter Liebe und Huld‘ — so belehrt uns &lt;br /&gt;
Martin Luther...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen blicken heute mit Furcht in die Zukunft, Das große&lt;br /&gt;
Schreckensgespenst des Krieges und der Atombombe läßt sie nicht zur&lt;br /&gt;
Ruhe kommen. Wer aber im Ewigen verwurzelt ist, ist frei von Furcht.&lt;br /&gt;
Das Ewige ist unzerstörbar; die menschliche Seele, die am Ewigen Anteil&lt;br /&gt;
hat, kann von keiner Vernichtung betroffen werden. Und die Liebe, &lt;br /&gt;
welche das Wesen des Ewigen ausmacht, die Kraft, welche nach Dantes Wort&lt;br /&gt;
‚die Sonn’ bewegt und alle Sterne’, ist unzerstörbar. So wenig der Ewige&lt;br /&gt;
selbst sich fürchten kann, so wenig braucht der mit dem Ewigen Verbundene &lt;br /&gt;
vor ihm oder vor irgend etwas sich zu fürchten. Und so wenig der&lt;br /&gt;
liebende Gott sein Geschöpf fürchtet, so wenig braucht dieses Geschöpf&lt;br /&gt;
seinen liebenden Schöpfer zu fürchten. Vor dem Mysterium der ewigen&lt;br /&gt;
Liebe stehen wir in anbetender Ehrfurcht. Aber diese Ehrfurcht ist nicht&lt;br /&gt;
Furcht, sondern grenzenloses Staunen, demütiges Sich-Beugen und brennende &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach liebendem Einswerden. In der Anbetung dieses&lt;br /&gt;
Liebesmysteriums wollen wir Christen uns mit den Bekennern aller&lt;br /&gt;
hohen Religionen vereinen und mit dem Apostel ihnen zurufen: ‚Gott ist&lt;br /&gt;
Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.‘ “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einheitsbewußtsein überwindet die Furcht&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Dr. Eugen Schmidt ging von der allgemeinen Furcht aus, die&lt;br /&gt;
heute alles menschliche Leben überschattet: „Der Siegeszug der Wissenschaft &lt;br /&gt;
und der Technik, das Atomzeitalter, die beginnende Erschließung&lt;br /&gt;
des Weltraums — dieser epochale äußere Fortschritt der Menschheit&lt;br /&gt;
{{page|186|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
wurde um den Preis der existentiellen Bedrohung unseres Planeten &lt;br /&gt;
erkauft... Frieden aus Furcht vor der Macht des anderen ist kein wahrer&lt;br /&gt;
Frieden und verursacht immer größere Unsicherheit und Verwirrung.&lt;br /&gt;
Die Zwielichtigkeit der Weltlage, die argwöhnische Entfremdung zwischen&lt;br /&gt;
den politischen Mächtegruppen, der Rüstungswettlauf lassen in &lt;br /&gt;
erschreckendem Maße die {{Sperrsatz|metaphysische Entwurzelung der&lt;br /&gt;
Welt}} erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein durch den wandelnden und erlösenden Geist der Religion läßt&lt;br /&gt;
sich die Furcht vor einem Atomkrieg, der, wie Radhakrishnan in Frankfurt &lt;br /&gt;
sagte, nur ‚in einer wilden Orgie der Zerstörung enden‘ kann &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;, &lt;br /&gt;
überwinden. Furcht und Angst sind für die ganze Menschheit unteilbar geworden. &lt;br /&gt;
Wir stehen an einem Wendepunkt, in einer Wandlung des religiösen Bewußtseins: &lt;br /&gt;
Der exklusive Absolutheitsanspruch der Weltreligionen muß im Blick auf ihren &lt;br /&gt;
gemeinsamen Ursprung und auf die lebensnotwendige Einigung der Völker und Rassen &lt;br /&gt;
unbedingt überwunden werden. Damit das Religiöse in der heutigen Weltlage als die &lt;br /&gt;
einende, gemeinschaftsbildende, furchtüberwindende, friedenstiftende Kraft wirksam &lt;br /&gt;
werden kann, gilt es zu erkennen, daß den geschichtlichen Erscheinungsformen der &lt;br /&gt;
Hochreligionen letztlich die gleiche, unteilbare, göttliche Wahrheit als Wort &lt;br /&gt;
und Wille Gottes in fortschreitender Offenbarung zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh spricht: ‚Religion ist ein strahlendes Licht und eine &lt;br /&gt;
uneinnehmbare Feste für den Schutz und das Wohlergehen der Völker der &lt;br /&gt;
Welt; denn die Gottesfurcht treibt den Menschen an, sich an das festzuhalten, &lt;br /&gt;
was gut ist, und alles Böse zu meiden. Sollte die Lampe der Religion &lt;br /&gt;
verdunkelt werden, so werden Chaos und Verwirrung die Folge&lt;br /&gt;
sein, und die Lichter der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit, der Ruhe und&lt;br /&gt;
des Friedens werden zu scheinen aufhören... Das Wohlergehen der&lt;br /&gt;
Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wofern nicht&lt;br /&gt;
und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist... So mächtig ist das Licht&lt;br /&gt;
der Einheit, daß es die ganze Erde erleuchten kann... Dieses Ziel überragt &lt;br /&gt;
jedes andere Ziel, und dieses Streben ist der Fürst alles Strebens.‘ &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Einheit Gottes und Seiner Offenbarer, der transzendenten Einheit &lt;br /&gt;
der geschichtlichen Religionen wird es uns zur Gewißheit, daß wir&lt;br /&gt;
lernen müssen und lernen können, aus religiöser Überzeugung und aus&lt;br /&gt;
ganzem Herzen uns in den Dienst der Menschheit als einer einzigen &lt;br /&gt;
Familie zu stellen. Ebenso sicher, wie eine ausschließlich nationalstaatliche&lt;br /&gt;
Geschichtsbetrachtung von einer planetaren Konzeption abgelöst werden&lt;br /&gt;
muß, ist in diesem Umbruch der geistigen Entwicklung des Menschengeschlechts &lt;br /&gt;
der {{Sperrsatz|göttliche Auftrag aller Weltreligionen}}, in wechselseitiger Achtung &lt;br /&gt;
und Liebe aus letzter Verantwortung eine Weltgemeinschaft des Geistes, &lt;br /&gt;
ein {{Sperrsatz|Menschheitsbewußtsein}}, zu begründen. Der Weltfriede kann dauerhaft &lt;br /&gt;
nur durch die weltumfassende Verbundenheit der Herzen — der &lt;br /&gt;
Wohnstätten Gottes — errichtet werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrheitserkenntnis, die uns die Religion durch göttliche Führung,&lt;br /&gt;
Liebe und Gnade in solcher Schau vermittelt, führt zum endgültigen&lt;br /&gt;
Sieg über alle Furcht und Angst.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. „BAHA’I-BRIEFE“ Heft 7/Januar 1962, Seite 172 f.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Shoghi Effendi, „Die Entfaltung der neuen Weltzivilisation“, Stuttgart 1936, Ss. 32, 33 und 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|187|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gott und das Wesen der Natur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Antwort auf Fragen von Shaykh ’Ali Akbar-i-Shahíd über einige&lt;br /&gt;
Verse aus dem „Tablet der Weisheit” von Bahá’u’lláh &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du Herold des Bundes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast zwei wichtige Fragen über die Auslegung zweier göttlicher&lt;br /&gt;
Verse gestellt. Diese Verse bedürfen eigentlich einer ausführlichen &lt;br /&gt;
Beschreibung in einem großen Buch. Aber ‘Abdu’l-Bahá fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
wohl und ist mit Arbeit überhäuft. Briefe kommen von Osten und Westen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bahá’í -Glaube wächst in Borneo&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das ist eine Gruppe Bahá’í aus Ulu Limbang, im Norden von Borneo. Nord-Borneo ist derzeit in drei Staaten unterteilt. Die beiden größeren, Sarawak im Westen und Britisch Nord-Borneo im Osten, sind englische Kolonien. Brunei liegt in der Mitte und ist ein Sultanat unter britischem Hoheitsschutz. Der Bahá’í-Glaube wurde 1951 zum erstenmal in Sarawak gelehrt, 1954 in Brunei und 1960 in Nord-Borneo. Die Eingeborenen leben zum großen Teil noch unter äußerst primitiven Verhältnissen. Sie wohnen in Pfahlbauten ca. drei bis fünf Meter über dem Erdboden und ernähren sich vorwiegend vom Reisanbau und der Schweine- und Geflügelzucht. Als gebräuchlichstes Verkehrmittel dient das selbstgebaute Paddelboot, da große und kleine Flüsse sich weitverzweigt durch das Land schlängeln. Die Bahá’í sind im ganzen Land sehr aktiv. Die Zahl der Menschen, die sich zum Bahá’í-Glauben bekennen, nimmt ständig zu.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|188|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
wie der Regen vom Himmel; unzählige Fragen werden gestellt, und zahllose &lt;br /&gt;
allgemeine Anordnungen sind zu treffen. Wie kann Er da Zeit zur&lt;br /&gt;
ausführlichen Auslegung dieser beiden herrlichen Verse finden? Deshalb&lt;br /&gt;
nur eine kurze Erläuterung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Was war, ist schon zuvor dagewesen, aber niemals so, wie du es heute siehst.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem gesegneten Vers geht klar und deutlich hervor, daß das&lt;br /&gt;
Dasein im Fortschritt begriffen ist — wie es auch bei den Gelehrten und&lt;br /&gt;
Philosophen des Volkes unbestritten ist, daß die Welt des Daseins sich&lt;br /&gt;
entwickelt und fortschreitet, das heißt, von einem Zustand in einen &lt;br /&gt;
andern übergegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche europäische Philosophen haben sich aber die Entwicklung so&lt;br /&gt;
gedacht, daß eine Art in die andere übergeht. Zum Beispiel sei das Tier&lt;br /&gt;
fortgeschritten, bis es Mensch geworden sei. Aber nach den Propheten&lt;br /&gt;
trifft diese Anschauung nicht zu, wie es auch in dem Buch „Beantwortete&lt;br /&gt;
Fragen“ steht. Entwicklung und Fortschritt vollziehen sich vielmehr&lt;br /&gt;
innerhalb der Art selbst. So durchläuft zum Beispiel der Same verschiedene &lt;br /&gt;
Stufen in den vorembryonalen und embryonalen Welten; dann folgen die &lt;br /&gt;
Welten des Säuglings, des Kindes, der Reife, des Erwachsenen. Hier ist &lt;br /&gt;
die Art selbst fortgeschritten, das heißt, der Same, etwas Lebendiges, &lt;br /&gt;
hat sich fortschreitend entwickelt, bis er die Stufe erreicht hat,&lt;br /&gt;
die auf den „besten der Schöpfer“ &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; hinweist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Und das, was existiert, entsteht aus der schaffenden Wärme.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt: Die Materie und der Urstoff der Dinge sind Ätherenergie;&lt;br /&gt;
diese ist unsichtbar und durch Erscheinungen beweisbar; zu den &lt;br /&gt;
Erscheinungen gehören elektrische Kraft, Licht und Wärme, die Ätherwellen&lt;br /&gt;
sind. Die Naturwissenschaft hat dies bestätigt und den „Ätherstoff“ genannt. &lt;br /&gt;
Dieser „Ätherstoff“ ist aktiv und passiv wirksam, d. h. in der&lt;br /&gt;
Welt der stofflichen Dinge ist er ein Zeichen des Urwillens: „Gott schuf&lt;br /&gt;
die Menschen durch den Willen und den Willen durch Sich Selbst.“ Also&lt;br /&gt;
wirkt jener „Ätherstoff“ auf der einen Seite aktiv, denn Licht, Wärme&lt;br /&gt;
und elektrische Kraft sind seine Erscheinungen. Auf der anderen Seite ist&lt;br /&gt;
er passiv wirksam, er wird wahrnehmbar. Zum Beispiel besteht das Licht&lt;br /&gt;
aus Wellen, die im „Ätherstoff“ entstehen. Durch diese Wellen wird das&lt;br /&gt;
Sehvermögen gereizt, und die Wirkung ist Sehen; genau so, wie in der&lt;br /&gt;
Luft Wellen entstehen, durch die der Hörnerv gereizt wird; dieser Reiz&lt;br /&gt;
ist ein Laut, und die Wirkung ist Hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Natur in ihrem Wesen ist die Offenbarung Meines erweckenden und gestaltenden Namens.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Philosophen sind der Meinung, daß die allumfassende Natur nicht&lt;br /&gt;
wahrnehmbar und nicht erkennbar sei: Das Begriffsvermögen sei schwach,&lt;br /&gt;
und die Vernunft unzureichend. Aber das Geschehen in der Welt des&lt;br /&gt;
Daseins gehöre notwendig zum Wesen der Natur, wie etwa Schlaf,&lt;br /&gt;
Hunger und Durst zu den wesentlichen Notwendigkeiten des menschlichen &lt;br /&gt;
Körpers und das Brennen zum Wesen des Feuers gehören. Kurz,&lt;br /&gt;
die Philosophen beziehen alle Geschehnisse, alle Zufälligkeiten und &lt;br /&gt;
Vorgänge, ja sogar jede Bewegung innerhalb der Reiche der Schöpfung und&lt;br /&gt;
das Wachstum der Dinge auf die Natur, die als Urquell aller Dinge &lt;br /&gt;
aufgefaßt wird. Bahá’u’lláh meint: Diese Natur, die sie als Ursprung der&lt;br /&gt;
{{page|189|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
Dinge und Quelle aller Formen des Daseins annehmen, ist der &lt;br /&gt;
Offenbarungsort Meines Namens, des „Erweckers“ und des „Gestalters“; das&lt;br /&gt;
heißt: der heiligen Wesenheit, die weder zu erkennen noch zu erfassen,&lt;br /&gt;
weder zu preisen noch zu beschreiben ist, die unvorstellbar ist und außerhalb &lt;br /&gt;
der Fassungskraft liegt, geheiligt über alle Attribute, über jeden Lobpreis &lt;br /&gt;
und jede Beschreibung, erhaben selbst über jeden Versuch, sie auch&lt;br /&gt;
mit dem Begriff „Ursache der Ursachen“ auszudrücken. Dies ist die Erste&lt;br /&gt;
Ursache, von der alle Dinge ausgehen, die Er (Bahá’u’lláh) als die &lt;br /&gt;
„allumfassende Natur“ bezeichnet; denn alle Wirklichkeiten und Geschehnisse, &lt;br /&gt;
welche die Philosophen der Natur zuschreiben, sind genau dieselben Kennzeichen &lt;br /&gt;
und Vollkommenheiten, mit denen in den Heiligen Büchern der Urwille &lt;br /&gt;
erklärt worden ist. Es ist klar, daß der Urwille der Offenbarungsort &lt;br /&gt;
des Namens „Gestalter“ ist.&lt;br /&gt;
:--------&lt;br /&gt;
Entnommen aus „Má’dih-Asamání“, Band 2, Seite 140-143 (Sammlung von Ishráqi-Khávarí).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Bahá’u’lláh, „Tablet der Weisheit“, 19-Tagebrief 9/15 vom 20. 8. 58, S. 3 und 4&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Qur&#039;án 23:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religionswissenschaflliche Kurzinformationen (III)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hinduismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man spricht vom Hinduismus oft als von einer „gewordenen“, nicht&lt;br /&gt;
„gestifteten“ Religion. Dem {{Sperrsatz|Namen}} nach bedeutet Hinduismus: &lt;br /&gt;
die Religion des vom Fluß Indus durchzogenen Landes; mit anderen Worten:&lt;br /&gt;
die „indische“ Religion. Der Name des Flusses Indus (Hindu) ist in dieser&lt;br /&gt;
Form nicht indisch, sonder persisch; der entsprechende altindische Name&lt;br /&gt;
ist {{Sperrsatz|Sindhu}}. Es handelt sich daher um eine nationale, in gewissem Sinne&lt;br /&gt;
der alten römisch-griechischen ähnliche Religion. Man kann nicht Hindu&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|werden}}, man wird als Hindu geboren. So ist der Hinduismus &lt;br /&gt;
typologisch als eine archaische, von den neueren, prophetisch gestifteten, &lt;br /&gt;
fast immer übernationalen Religionen grundverschiedene Religion zu betrachten. &lt;br /&gt;
Wir sollten uns auch der Antwort erinnern, die ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
auf die Frage einer amerikanischen Bahá’í gab, als er sagte, Buddha und&lt;br /&gt;
Konfuzius seien geistige Könige in alten Epochen gewesen; ihr Zyklus sei&lt;br /&gt;
nun vollendet. Und Bahá’u’lláh spricht vom „Jubelfest“ der überkommenen &lt;br /&gt;
Religionen durch Seine Sendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe Alter solcher „gewordenen“ Religionen bedeutet aber nicht,&lt;br /&gt;
daß sie keine Stifter oder Offenbarer kennen würden. Auch die Wissenschaft &lt;br /&gt;
vermutet, daß am Anfang dieser typologisch ahistorischen Religionen, &lt;br /&gt;
im Nebel der Urwelt, gewisse Offenbarerpersönlichkeiten gestanden&lt;br /&gt;
haben. Traditionell betrachten manche Hindus {{Sperrsatz|Krishna}} (der Schwarze)&lt;br /&gt;
als den Stifter ihrer Religion. Es handelt sich aber um eine Persönlichkeit, &lt;br /&gt;
von der wir geschichtlich nichts wissen — um ein übernatürliches&lt;br /&gt;
Wesen. H. von Glasenapp sagt: „Der indische Geist hat weder das Bedürfnis, &lt;br /&gt;
alle Glaubensinhalte zu einem starren System zusammenzufassen, noch die &lt;br /&gt;
Erinnerung an die Persönlichkeiten, welche sie schufen,&lt;br /&gt;
festzuhalten.“ („Die fünf großen Religionen“, Düsseldorf/Köln, 1951/52,&lt;br /&gt;
S. 39). Es ist deshalb wissenschaftlich äußerst schwierig, jetzt festzustellen, &lt;br /&gt;
wer diese Persönlichkeiten gewesen sind, und {{Sperrsatz|wann}} sie gelebt&lt;br /&gt;
haben. Es gilt, sich vor Augen zu halten, daß der Hinduismus keine &lt;br /&gt;
{{page|190|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
einheitlich und logisch organisierte Religion ist, sondern eine Menge &lt;br /&gt;
verschiedener theologischer und philosophischer Schulen, die vom Atheismus&lt;br /&gt;
bis zum persönlichen Theismus reichen. Das Gemeinsame ist lediglich&lt;br /&gt;
das Bewußtsein der Hindus, einer Nation und einer Religion von Menschen &lt;br /&gt;
anzugehören, welche die alten Riten und Gebräuche entweder befolgen &lt;br /&gt;
oder — im Falle der modernen, „aufgeklärten“ Hindus — als historisch &lt;br /&gt;
wertvolle, menschlich-heilige Traditionen betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Bahá’í-Lehren haben alle Gottesoffenbarer ein {{Sperrsatz|Bündnis}}&lt;br /&gt;
mit der Menschheit oder mit einer Nation geschlossen. Welches ist das&lt;br /&gt;
Bündnis von Krishna, wenn wir ihn als den göttlichen Stifter der &lt;br /&gt;
Hindu-Religion betrachten wollen? Die {{Sperrsatz|Bhagavadgita}}, der von den &lt;br /&gt;
modernen Hindus vielleicht am höchsten verehrte Grundriß der Hindulehren, &lt;br /&gt;
zeigt uns in schöner Sanskritdichtung Krishna als Propheten der&lt;br /&gt;
Unsterblichkeit der Seele, als Helfer der Menschheit. „Er (der Geist) wird&lt;br /&gt;
nicht geboren und stirbt nie... Der Ungeborene, Ewige, Unsterbliche,&lt;br /&gt;
Uralte wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird... Nicht ihn&lt;br /&gt;
durchbohren die Waffen, nicht ihn verbrennt das Feuer, nicht ihn machen&lt;br /&gt;
die Wasser naß, nicht ihn dörren die Winde aus!“ (Bhagavadgita, II,&lt;br /&gt;
20, 23). „Wenn immer die Gerechtigkeit verfällt und die Ungerechtigkeit&lt;br /&gt;
triumphiert, offenbare Ich Mich wieder, um die Guten zu beschützen, um&lt;br /&gt;
die Unheilvollen zu zerstören, um die Richtigkeit fest wiederherzustellen &lt;br /&gt;
in jedem Weltalter, werde Ich geboren.“ (Bhagavadgita, IV, 7, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wiederkommen der {{Sperrsatz|Avatara}} (Offenbarungen) der höchsten &lt;br /&gt;
Gottheit (Krishna wird als ein Avatara von Gott Vishnu verehrt) in jedem&lt;br /&gt;
Weltzyklus ist einer der Grundbegriffe der Hindureligion. Gott verläßt&lt;br /&gt;
die Welt nie. In diesem Sinne wird Bahá’u’lláh von den zahlreich Bahá’í&lt;br /&gt;
gewordenen Hindus als der moderne Avatara von Krishna-Vishnu betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Gottheit“, haben wir gesagt. Aber welche? Indra, Vishnu, Brahma,&lt;br /&gt;
Shiva? Oder ein unpersönliches abstraktes „Göttliches“? Diese Frage, die&lt;br /&gt;
von den verschiedenen hinduistischen Schulen verschieden gelöst wurde,&lt;br /&gt;
zeigt, daß der Hinduismus {{Sperrsatz|als Religion}} vom Hinduismus &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|als Philosophie}} ganz verschieden ist. Diesen Unterschied &lt;br /&gt;
zu verkennen, kann zu Mißverständnissen führen. Manche moderne Bewunderer &lt;br /&gt;
des Hinduismus begehen diesen Fehler, gleichsam als ob sie, von den Lehren eines Plato,&lt;br /&gt;
Aristoteles, Epikur oder Seneca bezaubert, uns überzeugen wollten, daß&lt;br /&gt;
die altgriechische oder die altrömische {{Sperrsatz|Religion}} eine der höchsten&lt;br /&gt;
Religionen wäre. Tatsächlich ist der Hinduismus als {{Sperrsatz|Religion}} eine&lt;br /&gt;
ziemlich primitive, einer archaischen Epoche der Entwicklung des &lt;br /&gt;
Menschengeistes entsprungene Religion. Gott ist nicht ein höchstes &lt;br /&gt;
ethisches Prinzip, sondern vielmehr eine die ganze Welt durchfließende &lt;br /&gt;
Naturkraft, die sich in zahlreichen Göttern offenbart. Aus diesem Grund &lt;br /&gt;
konnte sich einerseits eine tiefsinnige, tendenziös monistische Philosophie, &lt;br /&gt;
andererseits aber auch ein wildes Wirrwarr von Göttern, Symbolen, mehr oder&lt;br /&gt;
weniger magischen Riten und Formeln entwickeln. Dogmen im westlichen&lt;br /&gt;
Sinne des Wortes kennt der Hinduismus nicht; er hat aber sehr strenge&lt;br /&gt;
soziale Gebräuche und ein striktes Kastenwesen. Als Grundbegriffe des&lt;br /&gt;
Hinduismus werden auch zwei halb philosophische, halb religiöse Lehren,&lt;br /&gt;
die untereinander sehr eng zusammenhängen, betrachtet: die des &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Karma}} („Tat“) und die der {{Sperrsatz|}}Seelenwanderung. &lt;br /&gt;
Die guten oder bösen Taten&lt;br /&gt;
{{page|191|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
schaffen — mehr metaphysisch als ethisch — ein Schicksal, einen Körper,&lt;br /&gt;
und zwingen zu unendlichen, guten oder bösen Wiedergeburten (samsara&lt;br /&gt;
= „Schicksalskette“). Endziel der Seele ist das Freiwerden ({{Sperrsatz|moksha}})&lt;br /&gt;
von dieser Kette, damit sie unpersönlich und endgültig in das Absolute&lt;br /&gt;
eintreten kann. Diese Lehre, die zum erstenmal in den Upanishaden klar&lt;br /&gt;
ausgedrückt wird, könnte wohl die philosophische Umdeutung einer&lt;br /&gt;
älteren, einfacheren und rein ethischen Lehre von der Belohnung der&lt;br /&gt;
Taten im Jenseits sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Texte}}, die für die Hindus als von Gott (oder von den die &lt;br /&gt;
absolute Gottheit vertretenden Göttern und archaischen Propheten, {{Sperrsatz|rishi}})&lt;br /&gt;
geoffenbart gelten, sind hauptsächlich die vier Veden ({{Sperrsatz|Rig-, Sama-,&lt;br /&gt;
Yahur-}} und {{Sperrsatz|Atharvaveda}}). {{Sperrsatz|Veda}} heißt die „Weisheit“; &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Rig}} = „Hymne“, {{Sperrsatz|Yajur}} = „Opferformel“, &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Ssama}} = „Melodie“, {{Sperrsatz|Atharva}} = „Priester“. &lt;br /&gt;
Der {{Sperrsatz|Rigveda}} ist der älteste dieser Texte (sein Kern entstand um 1500 &lt;br /&gt;
v. Chr.); die anderen wurden in sehr verschiedenen Zeiten verfaßt (bis ungefähr &lt;br /&gt;
1500 n. Chr.). Die eigentlichen Veden enthalten&lt;br /&gt;
Hymnen und für den Kultus geeignete Formeln und Lieder; zu diesen&lt;br /&gt;
vier Vedas gehören auch drei Arten von Schriften anderen Charakters,&lt;br /&gt;
nämlich {{Sperrsatz|Brahmanas}} (Opfertexte), in welchen die heiligen Handlungen &lt;br /&gt;
beschrieben und erklärt werden, {{Sperrsatz|Aranyakas}} („anachoretische&lt;br /&gt;
Texte“), welche die heiligen Riten mystisch-theoretisch behandeln, und die&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Upanishaden}} (philosophische Traktate). Alle diese Texte werden&lt;br /&gt;
als {{Sperrsatz|Shruti}} („das Gehörte“, Offenbarung) betrachtet. Außerdem gibt es&lt;br /&gt;
eine ungeheure Menge von Texten, die als {{Sperrsatz|Smriti}} („das Erinnerte“,&lt;br /&gt;
Überlieferung) verehrt werden. Der berühmteste dieser Texte ist die schon&lt;br /&gt;
zitierte {{Sperrsatz|Bhagavadgita}}. Der Grundgedanke der sekundären Shruti-Texte &lt;br /&gt;
(Brahmanas, Aranyakas, Upanishaden) ist die äußerst sorgfältige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gebet für die Menschheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;O Du mitleidvoller Herr, der Du großmütig und hilfsbereit bist! Wir sind Deine Diener und suchen Schutz in Deiner Vorsehung. Gieße Deine Gunst über uns aus, verleihe unseren Augen Licht, unseren Ohren Hörvermögen, und senke Liebe und Verständnis in unsere Herzen. Laß uns freudig und glücklich werden durch Deine Frohen Botschaften. O Herr! Zeige uns den Pfad zu Deinem Reich und belebe uns mit dem Hauch des Heiligen Geistes. Schenke uns ewiges Leben und verleihe uns immerwährende Ehre. Einige die Menschheit und erleuchte den Menschengeist. Laß uns alle Deinen Weg beschreiten, nach Deinem Wohlgefallen trachten und die Geheimnisse Deines Reiches suchen. O Gott! Einige uns und verknüpfe unsere Herzen mit Deinen unzertrennlichen Banden. Du bist wahrlich der Geber, Du bist der Gütige und Du bist der Allmächtige!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Bahá’í Prayers No. 31, Wilmette 1957)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|192|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
Regelung der Riten, besonders des Opfers {{Sperrsatz|(brahman)}}, und eine &lt;br /&gt;
tendenziell pantheistische Interpretation des Opfers selbst und seiner magischen &lt;br /&gt;
Kraft. {{Sperrsatz|Tat tvam asi}} („Das bist du“) ist die Grundlehre der&lt;br /&gt;
Upanishaden — in anderen Worten: Du (Dein intimster Geist, {{Sperrsatz|atman}})&lt;br /&gt;
bist das höchste Prinzip, das die Welt belebt und regiert ({{Sperrsatz|brahman}},&lt;br /&gt;
das als magisches Weltprinzip betrachtete Opfer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Hindureligion pflegt man in drei Perioden einzuteilen: &lt;br /&gt;
die {{Sperrsatz|vedische}} Periode (2. Jahrtausend v. Chr. bis ungefähr&lt;br /&gt;
800 v. Chr.), in der eine Naturreligion herrschte; die {{Sperrsatz|klassische}} Zeit&lt;br /&gt;
(800 v. Chr. bis 1000 n. Chr.), als die elastische Form der alten Naturreligionen &lt;br /&gt;
eine Fülle neuer Anschauungen und Bräuche in sich aufnahm. Dieses Neue spiegelt &lt;br /&gt;
sich in den großen Epen {{Sperrsatz|Mahabharata}} und {{Sperrsatz|Ramayana}}, &lt;br /&gt;
in den {{Sperrsatz|18 Puranas}} und den zahlreichen Lehr- und Gesetzbüchern &lt;br /&gt;
wieder. In dieser Epoche sind zwei große „Häresien“ des Hinduismus, die &lt;br /&gt;
buddhistische (Gautama Buddha, 560-480 v. Chr.) und die jainistische &lt;br /&gt;
(Jaina Mahavira, 549-477 v. Chr.) zu unabhängigen Religionen geworden. &lt;br /&gt;
Der Jainismus, eine streng asketische und vegetarische Heilslehre, blieb &lt;br /&gt;
aber auf einige Gebiete Indiens beschränkt. Die {{Sperrsatz|neuere}} &lt;br /&gt;
Periode (von. 1000 n. Chr. bis auf unsere Zeit) weist — auch unter dem&lt;br /&gt;
Einfluß des fast acht Jahrhunderte lang Indien beherrschenden &lt;br /&gt;
Islams — theistische Tendenzen auf: {{Sperrsatz|bhakti}}, die persönliche &lt;br /&gt;
Verehrung einer bestimmten, als einzigen Gott betrachteten Gottheit, &lt;br /&gt;
insbesondere Vishnu und Shivas, und die Befreiung vom {{Sperrsatz|Samsara}} &lt;br /&gt;
durch diese persönliche Verehrung und Liebe. Besonders unter dem Einfluß &lt;br /&gt;
des übernationalen, gegen die Kastenordnung gerichteten Islams und &lt;br /&gt;
später des Christentums traten im modernen Indien Bewegungen hervor, &lt;br /&gt;
welche dem Hinduismus einen über die Grenzen Indiens hinausreichenden &lt;br /&gt;
universalen Charakter geben wollten, wie die {{Sperrsatz|Brahmo-Samaj}} &lt;br /&gt;
(„Gemeinde der Gottesgläubigen“, Raja Rammohun Roy, Calcutta, 1828) oder &lt;br /&gt;
die {{Sperrsatz|Ramakrishna-Mission}} (Ramakrishna, der letzte der großen &lt;br /&gt;
Hindu-Heiligen, starb 1886). Stark nationalistischen Charakter weist dagegen &lt;br /&gt;
die Arya-Samaj („Gemeinde der Arier“, Dayanand Sarasvati, 1875) auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für uns Bahá’í kein Zufall, daß diese Reinigungsversuche des&lt;br /&gt;
Hinduismus mehr oder weniger mit dem Kommen der Bahá’í-Offenbarung &lt;br /&gt;
zusammenfallen. Die zahlreichen modernen Hindus, welche den&lt;br /&gt;
erstarrten, veralteten Aberglauben ihrer Religion und ihr äußerst &lt;br /&gt;
konservativ-reaktionäres soziales System nicht mehr als geistig lebendige,&lt;br /&gt;
für unsere Zeit gültige Kraft betrachten, welche aber die ewigen &lt;br /&gt;
religiösen Werte der frommen Haltung des Hinduvolkes und der großartigen&lt;br /&gt;
menschlichen Hinduphilosophie nicht verwerfen wollen, finden in&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh als letztem, modernem {{Sperrsatz|„Avatara“}} Gottes die Vollendung&lt;br /&gt;
auch ihrer Religion. Sind nicht die ethischen Grundlehren der Bahá’í-Religion &lt;br /&gt;
in einem Spruch des unter islamischem Einfluß stehenden großen Hindu-Dichters &lt;br /&gt;
Kabir (1440-1518) glänzend ausgedrückt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ramas Haus, das steht im Osten,&lt;br /&gt;
:Allah nahm im Westen Wohnung.&lt;br /&gt;
:Schau’ in die Herzen, suche darin&lt;br /&gt;
:und du wirst sie beide finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Professor Dr. A. Bausani, Rom.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|193|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In Memoriam===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Amelia Collins&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amelia Collins, Hand der Sache Gottes, von so vielen&lt;br /&gt;
Bahá’í in der weiten Welt gekannt, verehrt und geliebt, ist&lt;br /&gt;
am 1. Januar 1962 aus dieser sichtbaren Welt aufgestiegen&lt;br /&gt;
in das geistige Reich, dem sie auf Erden so lange in treuer&lt;br /&gt;
Hingebung gedient hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wurde am 7. Juni 1873 in Pittsburgh geboren. Ihr Vater&lt;br /&gt;
war ein lutherischer Pastor gewesen, ein Emigrant aus&lt;br /&gt;
Deutschland. 1919 fand sie den Weg zum Bahá’í-Glauben.&lt;br /&gt;
1923 machte sie mit ihrem Gatten die erste Pilgerreise nach&lt;br /&gt;
Haifa. Fast vier Jahrzehnte ihres gesegneten Lebens wurden durch unermüdliche &lt;br /&gt;
Tätigkeit für ihren geliebten Glauben geadelt: in örtlichen Geistigen Räten &lt;br /&gt;
in Kalifornien und in Illinois, seit 1924 auch im Nationalen Geistigen Rat&lt;br /&gt;
der Bahá’í in den Vereinigten Staaten und Kanada, auf ausgedehnten Lehrreisen, &lt;br /&gt;
die sie zu fast allen Bahá’í-Zentren in Nordamerika und später auch in &lt;br /&gt;
Lateinamerika führten, häufig im ausdrücklichen Auftrag des geliebten Hüters. &lt;br /&gt;
Sie war es auch, die als erste den Indianern Nordamerikas die Botschaft brachte &lt;br /&gt;
und weitere Lehrer dorthin aussandte. Zahllos waren ihre Spenden, die vielen &lt;br /&gt;
Unternehmungen der örtlichen, nationalen und internationalen Institutionen &lt;br /&gt;
des Glaubens zugute kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1937 war sie ein zweites Mal als Pilgerin in Haifa gewesen, nunmehr&lt;br /&gt;
soeben zur Witwe geworden. Und nach dem zweiten Weltkrieg hatte sie&lt;br /&gt;
als eine der ersten Bahá’í-Freunde aus der weiten Welt mehrere Länder&lt;br /&gt;
Europas besucht, darunter auch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese so verschiedenartigen Verdienste würdigte der Hüter 1951, als&lt;br /&gt;
er Amelia Collins zum Mitglied und zur stellvertretenden Vorsitzenden&lt;br /&gt;
des damals ins Leben gerufenen Internationalen Bahá’í-Rates, des &lt;br /&gt;
Vorläufers des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, ernannte, und im &lt;br /&gt;
Dezember des gleichen Jahres zur Hand der Sache Gottes. So verlegte sie&lt;br /&gt;
nun ihren Wohnsitz nach Haifa. Noch zu des Hüters Lebzeiten war sie&lt;br /&gt;
von ihm zu seiner Vertreterin auf der Internationalen Bahá’í-Konferenz&lt;br /&gt;
1958 in Frankfurt bestimmt worden. Und noch einmal war sie dort &lt;br /&gt;
gewesen zur Grundsteinlegung des Hauses der Andacht bei Langenhain &lt;br /&gt;
am 20. November 1960.&lt;br /&gt;
{{page|194|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele von uns haben sie dort kennenlernen dürfen, trotz des hohen Alters &lt;br /&gt;
und der so schmerzhaften Gelenkversteifungen, die sie quälten, eine&lt;br /&gt;
unermüdliche Dienerin Bahá’u’lláhs, ein unvergeßliches Bild strahlender&lt;br /&gt;
Würde, Güte und Ergebenheit, eine Siegerin über die Leiden des Körpers,&lt;br /&gt;
eine getreue Pilgerin auf dem Pfade zur Erfüllung der Worte, die der&lt;br /&gt;
Meister in Seinem Tablet vom 6. Dezember 1919 ihr zusandte: „... mögest&lt;br /&gt;
du täglich fortschreiten im Königreich, ein himmlischer Engel werden, &lt;br /&gt;
bestätigt durch den Hauch des Heiligen Geistes, und einen Bau errichten,&lt;br /&gt;
der in alle Ewigkeit fest und unerschütterlich bleiben wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:B.A/Dr, A.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus der Bahá’í-Geschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der „König der Märtyrer” und der „Geliebte der Märtyrer“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man die Geschichte der beiden Brüder erzählen will, die&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh den „Geliebten“ und den „König der Märtyrer“ genannt hat,&lt;br /&gt;
kommt man unwillkürlich darauf, daß das Leben und die Taten dieser&lt;br /&gt;
beiden hervorragenden Männer die Krönung einer nicht alltäglichen&lt;br /&gt;
Familiengeschichte darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Überlieferung}} führt uns zwei Generationen zurück zu &lt;br /&gt;
einem, wie es heißt, rechtschaffenen, gottesfürchtigen Manne, geboren &lt;br /&gt;
und aufgewachsen in der Nähe von Isfáhán, mit Namen Hájí Siyyid Muhammad&lt;br /&gt;
Hindí. (Hájí ist ein Beiname, den jeder Muslim führen darf, nachdem er&lt;br /&gt;
eine Pilgerreise nach Mekka gemacht hat; Siyyiden heißen alle Nachkommen &lt;br /&gt;
aus der Familie Muhammads.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann wanderte aus nach Indien und erhielt deswegen den Beinamen &lt;br /&gt;
Hindí. Er brachte es dort zu Reichtum und Ansehen und gewann&lt;br /&gt;
die Tochter eines indischen Prinzen zur Frau. Nun war es bis in die&lt;br /&gt;
jüngste Zeit im Orient üblich — besonders in reichen Familien — hin&lt;br /&gt;
und wieder einen mehr oder weniger berühmten Astrologen über das&lt;br /&gt;
Schicksal und die Zukunft zu befragen. Hájí Siyyid Muhammad Hindí&lt;br /&gt;
hielt es nicht anders; und so wurde ihm eine seltsame Weissagung. Der&lt;br /&gt;
Spruch lautete, seine späteren Nachkommen seien ausersehen, sich für&lt;br /&gt;
den Verheißenen, den „Mahdí“, der in Bälde sich offenbaren werde, zu&lt;br /&gt;
opfern. Siyyid Muhammad war von dieser Vorhersage so tief beeindruckt, &lt;br /&gt;
daß er alsbald sein Testament änderte und bestimmte, daß ein&lt;br /&gt;
Drittel seines Gesamtvermögens dem verheißenen Mahdí, sobald er &lt;br /&gt;
erscheine, und dem Dienst an seiner Sache zufallen müsse. Hájí Siyyid&lt;br /&gt;
Muhammad Hindí wurde der Stammvater einer Familie, die in eine&lt;br /&gt;
glanzvolle, ruhmreiche Geschichte eingehen sollte. Er war der &lt;br /&gt;
Urgroßvater nicht nur der beiden Märtyrer Mírzá Husayn und Mírzá Hasan,&lt;br /&gt;
sondern auch der Gattin ‘Abdu’l-Bahás, der Bahá’u’lláh den Namen&lt;br /&gt;
Munirih verlieh (das heißt: die Leuchtende).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon der Sohn dieses Siyyid Muhammad zeigte nicht alltägliche Taten.&lt;br /&gt;
Nach dem Tode seines Vaters hatte er sich entschlossen, nach Persien&lt;br /&gt;
{{page|195|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
zurückzukehren, in die Heimat seines Vaters, nach Isfáhán. Es fügte sich&lt;br /&gt;
jedoch, daß sich ihm unterwegs günstige Gelegenheit bot, Grundstücke&lt;br /&gt;
und ein Geschäft zu kaufen. So kam es, daß er sich in Najaf, unweit von&lt;br /&gt;
Karbilá, niederließ und bald darauf heiratete. Es dauerte nicht lange,&lt;br /&gt;
und er hatte sich nicht nur Wohlhabenheit, sondern auch hohes Ansehen&lt;br /&gt;
in der ganzen Stadt erworben, denn unter seiner Führung und finanziellen &lt;br /&gt;
Hilfe wurde die Wasserversorgung der Stadt erheblich verbessert,&lt;br /&gt;
und da er einen neuen Kanal baute, gab man ihm den Beinamen „Nahrí“&lt;br /&gt;
(nahr = Bach, Fluß).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt seines ersten Sohnes — Ibráhím — hatte seine Frau&lt;br /&gt;
einen Traum, der wiederum dahin gedeutet wurde, ihre Nachkommen&lt;br /&gt;
sollten in der Sache des Verheißenen Großes wirken, und sie werde noch&lt;br /&gt;
zwei Söhne gebären. Sie bekamen tatsächlich noch zwei Söhne, die eine&lt;br /&gt;
ganz besondere Aufgabe haben sollten. Dies sind die drei Söhne: 1. Mírzá &lt;br /&gt;
Ibráhím Nahrí = Vater des „Geliebten“ und des „Königs der Märtyrer“;&lt;br /&gt;
2. Mírzá  Muhammad-‘Alí Nahrí = Vater der Munirih, der Gattin ‘Abdu’l-Bahás; &lt;br /&gt;
3. Mírzá Hádí Nahrí = Märtyrer des Báb, Vater der Gattin des&lt;br /&gt;
„Königs der Märtyrer“. Der Titel „Mírzá “ am Anfang des Namens weist&lt;br /&gt;
darauf hin, daß alle drei wenn nicht gelehrt, so doch überdurchschnittlich&lt;br /&gt;
gebildet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mírzá Ibráhím wurde ein reicher und angesehener Mann in Isfáhán&lt;br /&gt;
und alleiniger Verwalter der Güter und Obliegenheiten des Imám-Jum’ih&lt;br /&gt;
der Stadt. Ein Imám-Jum’ih ist ein hoher Geistlicher, dessen besondere&lt;br /&gt;
Aufgabe und Vorrecht es ist, an Freitagen in der Moschee das Gebet zu&lt;br /&gt;
leiten; außerdem obliegt ihm die Verwaltung der monatlichen Opfergaben&lt;br /&gt;
der Gläubigen. Auch die beiden anderen Brüder waren im kaufmännischen &lt;br /&gt;
Beruf tätig; sie neigten jedoch mehr zu religiösem, geistigem Studium, &lt;br /&gt;
und so kam es, daß die Söhne Mírzá Ibráhíms, die späteren großen&lt;br /&gt;
Märtyrer, besonders stark von ihren Onkeln beeinflußt waren und viel&lt;br /&gt;
von ihnen hörten und lernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hatte Muhammad-‘Ali, der eine Onkel, schon in seiner Jugend sich&lt;br /&gt;
immer wieder mit den heiligen Schriften befaßt, ebenso wie der andere,&lt;br /&gt;
Mírzá Hádí. Es war demnach nur natürlich, daß die beiden Onkel eines&lt;br /&gt;
Tages die Niederlassung des Familienunternehmens in Baghdád übernahmen, &lt;br /&gt;
um Gelegenheit zu haben, im nahen Karbilá ihren Wissensdurst&lt;br /&gt;
zu stillen und theologische Studien zu treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Karbilá setzten die wunderbaren, längst prophezeiten Ereignisse&lt;br /&gt;
ein. Denn ihr Aufenthalt dort traf gerade noch in den letzten Abschnitt&lt;br /&gt;
der Zeit der Shaykhiyyih, d. h. jener Gelehrten, die das baldige Kommen&lt;br /&gt;
des verheißenden Mahdí in ihren Schulen lehrten und allmählich immer&lt;br /&gt;
mehr Beachtung und Bedeutung gewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Brüder hatten nun das Glück, einige Zeit Schüler von Siyyid&lt;br /&gt;
Kázim-i-Rashtí zu sein, dem zweiten Vorläufer und Verkünder des Báb.&lt;br /&gt;
In den Stunden bei Siyyid Kázim-i-Rashtí war es auch, daß sie den Báb&lt;br /&gt;
das erste Mal erblickten, der einige Male dort anwesend war. Und schon&lt;br /&gt;
damals war ihnen, wie erzählt wird, das Außergewöhnliche Seiner &lt;br /&gt;
{{page|196|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
Gestalt und Seines Wesens aufgefallen. Nicht lange danach, im Jahre 1843&lt;br /&gt;
(1259 n. d. Hijra) verstarb Siyyid Kazim, und schon ein Jahr später drang&lt;br /&gt;
die Kunde von der Offenbarung des Báb in Shíráz nach Karbilá. Kaum&lt;br /&gt;
hatten die Brüder diesen Ruf vernommen, als sie unverzüglich in Richtung &lt;br /&gt;
Isfáhán aufbrachen. Dort trafen sie mit ihrem Bruder Ibráhim und&lt;br /&gt;
mit Mullá Husayn, dem Bábu’l-Báb (= Tor des Báb), zusammen. Sein&lt;br /&gt;
Wort und seine Belehrung besiegelten endgültig ihren Glauben an den&lt;br /&gt;
Báb, und auch Mírzá Ibráhím, der älteste der Brüder, erklärte sich&lt;br /&gt;
schließlich als Gläubiger. Obwohl in religiösen Dingen weniger bewandert &lt;br /&gt;
als seine Brüder, war es vielleicht gerade Mírzá Ibráhím, der Vater&lt;br /&gt;
der beiden großen Märtyrer, der eine wichtige Schlüsselfigur werden&lt;br /&gt;
sollte; denn im Laufe der Jahre hatte sich seine geschäftliche Beziehung&lt;br /&gt;
zu dem Imám-Jum’ih zu einem freundschaftlichen Verhältnis ausgedehnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnern wir uns nur, daß dem Báb nicht lange nach seiner Erklärung&lt;br /&gt;
nahegelegt wurde, Shíráz zu verlassen; daß er unterwegs einen Boten an&lt;br /&gt;
den Gouverneur von Isfahán (übrigens ein ehemaliger Christ, der zum&lt;br /&gt;
Islám übergetreten war) sandte mit der Aufforderung, für Ihn eine &lt;br /&gt;
Unterkunft zu bereiten — und daß der Gouverneur wiederum Ihn ausgerechnet &lt;br /&gt;
als Gast in das Haus eben jenes Imám-Jum’ih vermittelte, bei&lt;br /&gt;
dem er dann auch vierzig Tage verbrachte — dann haben wir sofort die&lt;br /&gt;
Verbindung zu den drei Brüdern, und zwar besonders durch Mírzá &lt;br /&gt;
Ibráhím. Und dann kam ein Tag, an dem Mírzá Ibráhím zu Ehren des&lt;br /&gt;
Báb in seinem eigenen Hause ein Fest gab. Seine beiden jungen Söhne,&lt;br /&gt;
Husayn und Hasan, damals etwa zehn und elf Jahre alt, gingen zwischen&lt;br /&gt;
den Gästen hin und her und bedienten auch voller Ehrfurcht den Báb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neigten die Söhne Ibráhíms schon von Kind an besonders zu ihren&lt;br /&gt;
Onkeln Hádi und Muhammad ‘Alí, so zeigte sich in der Folge dieser &lt;br /&gt;
Einfiuß noch viel ausgeprägter. Mírzá Hádi war auf der Rückreise von der&lt;br /&gt;
bekannten Bábi-Konferenz in Badasht 1848 den Feinden des Glaubens als&lt;br /&gt;
Märtyrer zum Opfer gefallen. Als Muhammad ‘Alí wieder einmal nach&lt;br /&gt;
Baghdád reiste zu Bahá’u’lláh, durften Husayn und Hasan ihn begleiten.&lt;br /&gt;
Sie standen nun im Jünglingsalter, und man erzählte von ihnen, sie seien&lt;br /&gt;
an Wuchs und Gestalt von außergewöhnlicher Schönheit und Reinheit&lt;br /&gt;
gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Reise fiel in die Zeit nach dem Märtyrertod des Báb, aber noch&lt;br /&gt;
vor die Erklärung Bahá’u’lláhs, und sie wurde für Husayn und Hasan zu&lt;br /&gt;
einem unvergeßlichen, entscheidenden Erlebnis. Sie hatten nach den &lt;br /&gt;
lebhaften und ausführlichen Erzählungen ihres Onkels der Begegnung mit&lt;br /&gt;
diesem Husayn ‘Alí — in dem sich Bahá’u’lláh, die „Herrlichkeit Gottes“,&lt;br /&gt;
noch verbarg — voll Spannung entgegengefiebert; sie waren daher nicht&lt;br /&gt;
nur erstaunt, sondern erschrocken, als sie sehen mußten, wie Muhammad&lt;br /&gt;
‘Alí, der Oheim, vom ersten bis zum letzten Augenblick seines Besuches&lt;br /&gt;
kein einziges Wort hervorbrachte, vielmehr stumm und taub schien und&lt;br /&gt;
nur immer wieder, wie verwundert, Bahá’u’lláh scheu ins Antlitz schaute.&lt;br /&gt;
Sie waren mit warmer Herzlichkeit empfangen worden, und nach einiger&lt;br /&gt;
Zeit trat Bahá’u’lláh selber zu dem Sprachlosen: „Wir waren doch so gute&lt;br /&gt;
Freunde — warum, lieber Freund, bist du so schweigsam?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Muhammad ‘Alí blieb stumm, als wäre er gelähmt, noch während&lt;br /&gt;
der ganzen Rückreise. — Was seine Zunge, ja sein ganzes Wesen gelähmt&lt;br /&gt;
{{page|197|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
hatte, erzählte er später folgendermaßen: Im ersten Augenblick seiner&lt;br /&gt;
Ankunft in Baghdád hatte er, der Bahá’u’lláh bisher als einem hoch &lt;br /&gt;
verehrten Menschen, aber doch als einem Freund begegnet war, eine &lt;br /&gt;
durchgreifende Veränderung an Ihm wahrgenommen — und wie in einem&lt;br /&gt;
Blitzstrahl des Erkennens sah er Ihn in Seiner erhabenen Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Diese Erkenntnis, dieses Gesicht, wirkte schockartig; es war zu &lt;br /&gt;
unvermutet und überstieg sein Fassungsvermögen — und er war zum &lt;br /&gt;
Schweigen gezwungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Begebenheit ist nicht weiter verwunderlich oder mysteriös,&lt;br /&gt;
wenn man bedenkt, wie verschwindend wenig Menschen fähig waren,&lt;br /&gt;
auch nur einen Lichtstrahl dieser Sonne zu ertragen. Nicht umsonst war&lt;br /&gt;
die erste Offenbarung Bahá’u’lláhs heimlich und nur für ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch in Husayn und Hasan entzündete sich bei diesem Besuch&lt;br /&gt;
allein an der Gegenwart Bahá’u’lláhs ein Feuer der Begeisterung, Liebe&lt;br /&gt;
und Hingabe, das nie mehr erlöschen, sondern in der Flamme des &lt;br /&gt;
Märtyrertums auflodern sollte. Als Mírzá Ibráhím Nahrí, ihr Vater, gestorben&lt;br /&gt;
war, übernahmen Husayn und Hasan ein großes Vermögen. Die Brüder&lt;br /&gt;
waren von Kind an dadurch aufgefallen, daß sie immer zusammen und&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden waren, und auch jetzt taten sie nichts ohne&lt;br /&gt;
gegenseitiges Einverständnis. Ihr ganzes Leben blieb eine einzige &lt;br /&gt;
Harmonie und Einigkeit, bis zum gemeinsamen Tode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Historiker schreibt von ihnen: „Ihr Haus stand stets für Freund&lt;br /&gt;
und Feind offen, und ihr Reichtum hinderte sie keineswegs, jedem &lt;br /&gt;
Notleidenden mit warmer Liebe zu helfen, ja dies ging so weit, daß man&lt;br /&gt;
sagen kann, ihr Vermögen war für alle verfügbar. Jeder Reisende und&lt;br /&gt;
Vorübergehende wurde von ihnen aufgenommen und bewirtet, Jeder&lt;br /&gt;
Mensch war für sie ein Freund und Bruder. Kam aber einmal jemand&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh, dann waren sie seine ergebensten Diener und stolz &lt;br /&gt;
darauf, ihn eigenhändig bewirten zu dürfen. Man brauchte nur den Namen&lt;br /&gt;
des Geliebten (Bahá’u’lláhs) zu nennen, so glänzten ihre Augen in Freude&lt;br /&gt;
und Liebe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab Tausende glühender Anhänger Bahá’u’lláhs, und Tausende gaben &lt;br /&gt;
auch ihr Leben für Seine Sache; dennoch hat Er Husayn den „König“&lt;br /&gt;
und Hasan den „Geliebten der Märtyrer“ genannt — sicher nicht allein&lt;br /&gt;
deswegen, weil sie frohen Herzens ihr Leben opferten, sondern weil sie&lt;br /&gt;
schon in all den Jahren ihres Lebens nichts anderes im Auge hatten, als&lt;br /&gt;
mit äußerster Reinheit, Hingabe und Liebe ausnahmslos allen Menschen&lt;br /&gt;
und damit ihrem Herrn zu dienen, weil sie sich in jeder Sekunde des&lt;br /&gt;
wahren Lebens bewußt waren, das nicht an diese irdische Hülle gebunden &lt;br /&gt;
ist, und weil ihr Leben, was sie auch taten, ein Dienst an jener Welt&lt;br /&gt;
des Geistes war. — Kurz, sie lebten ein Bahá’í-Leben im wahrsten Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Jahre 1872 eine schlimme Hungerzeit über Persien hereinbrach,&lt;br /&gt;
machten sich die Brüder auf, überall zu helfen, wo es ging, bis sie ihr&lt;br /&gt;
ganzes Vermögen ausgegeben hatten. Sie pflegten Muslim, Juden, Zoroastrier &lt;br /&gt;
und Armenier ohne Unterschied und eroberten dadurch die&lt;br /&gt;
Herzen der Gläubigen aller Religionen. Schließlich kam es so weit, daß&lt;br /&gt;
{{page|198|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
sie selber vor dem Nichts standen. Aber der göttliche Vers: „Jedes Darlehen, &lt;br /&gt;
aus Güte gegeben auf dem Pfade Gottes, vergilt Er mit dem Zehnfachen“ erfüllte &lt;br /&gt;
sich hier wunderbar. Der Handel blühte binnen kurzem&lt;br /&gt;
wieder auf und brachte in kurzer Zeit ein Vielfaches des Ausgegebenen&lt;br /&gt;
ein, so daß sie bald wieder als die „reichen Brüder“ bekannt waren.&lt;br /&gt;
Wie ihr Vater seinerzeit, so besorgten sie immer noch neben ihrem&lt;br /&gt;
Handel die Vermögensverwaltung für den neuen Imám-Jum’ih. Ausgerechnet &lt;br /&gt;
dieser Dienst sollte zur Ursache ihres Martyriums werden. Verstehen&lt;br /&gt;
kann man dies allerdings nur einerseits aus der Machtstellung der &lt;br /&gt;
Priester im Orient und ihrem unabschätzbaren Einfluß auf das Volk, und&lt;br /&gt;
zum andern aus der besonders gespannten Situation, die gerade damals&lt;br /&gt;
durch die Bewegung des Báb und später Bahá’u’lláhs entstanden war,&lt;br /&gt;
wodurch ein Weiterbestehen dieser Vormachtstellung ernstlich gefährdet&lt;br /&gt;
war. Kurz und gut, der äußere Anlaß der nachfolgenden erschütternden&lt;br /&gt;
und tragischen Ereignisse war eine einfache finanzielle &lt;br /&gt;
Auseinandersetzung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Brüder hatten eines Tages feststellen müssen, daß sie mehr als&lt;br /&gt;
18 000 Túmán aus ihrer eigenen Tasche für die Auslagen des Imám-Jum’ih&lt;br /&gt;
bezahlt hatten. In unserer heutigen Sprache würden wir sagen: Der&lt;br /&gt;
Imám-Jum’ih hatte sein Konto um 18000 Túmán überzogen... Das sind&lt;br /&gt;
nach heutigem Wert 9000 DM und für die damaligen Verhältnisse fast&lt;br /&gt;
ein Vermögen. Selbstverständlich verlangten sie das vorgestreckte Geld&lt;br /&gt;
zurück und stellten alle weiteren Zahlungen ein, denn sie waren Kaufleute &lt;br /&gt;
und sahen ein, daß auf diese Weise leicht allmählich ihr ganzer&lt;br /&gt;
Besitz zum Imám-Jum’ih überwechseln konnte. Mit dieser entschiedenen&lt;br /&gt;
Haltung kamen die Brüder aber nicht gut an. Keine Rede davon, daß der&lt;br /&gt;
Würdenträger eine Anstrengung gemacht hätte, seine Schuld abzutragen — das &lt;br /&gt;
wenigste, was man von einem Menschen in seiner Stellung erwartet hätte; &lt;br /&gt;
vielmehr tat er sich mit einem Freund und Kollegen, ebenfalls ein hoher &lt;br /&gt;
Geistlicher, zusammen und brachte die Geschichte vor den&lt;br /&gt;
kaiserlichen Gouverneur von Isfáhán, damals Zillu’s-Sultán, der Sohn&lt;br /&gt;
des Sháhs Násiri’d-Dín.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nun folgte, kann man sich beim besten Willen nicht anders &lt;br /&gt;
erklären, als daß die Geistlichen, da der Imám-Jum’ih ohnehin nicht &lt;br /&gt;
willens oder in der Lage war, seine Schuld zu begleichen, es zielbewußt &lt;br /&gt;
darauf anlegten, nun auch vollends den ganzen Besitz der beiden an sich zu&lt;br /&gt;
bringen. Die Brüder waren reich — und der Gouverneur, wenn er dem&lt;br /&gt;
Spiel seine Hand lieh, würde selbst als Dritter im Bunde nicht schlecht&lt;br /&gt;
wegkommen. Zudem gab es noch einen besonderen wunden Punkt, der&lt;br /&gt;
diesen Beherrschern des öffentlichen Lebens schon lange ein Dorn im&lt;br /&gt;
Auge war: Die Brüder waren nicht nur reich, sondern geehrt, geschätzt&lt;br /&gt;
und geliebt, durch ihr strahlendes Wesen und ihre hervorragenden Taten&lt;br /&gt;
mehr geliebt als irgendwer in der Stadt. Ob nicht zu befürchten war, daß&lt;br /&gt;
durch all dies eines Tages ihr eigener Einfluß, der Einfluß der oberen&lt;br /&gt;
Schicht, die Macht der Geistlichkeit untergraben würde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Vorzüge konnte man ihnen, zusammen mit dem Gelde, auf&lt;br /&gt;
einen Schlag abnehmen. Denn einen „Fehler“ konnte man, wenn man nur&lt;br /&gt;
wollte, ohne sonderliche Mühe nachweisen und benützen: Sie waren&lt;br /&gt;
Bahá’í!&lt;br /&gt;
{{page|199|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waren Husayn und Hasan bis dahin als große Gläubige, als gütige und&lt;br /&gt;
religiöse Menschen angeblich geschätzt und geachtet, so hießen sie jetzt&lt;br /&gt;
plötzlich Gottesleugner, Atheisten und Verleumder. Zillu’s-Sultán hatte&lt;br /&gt;
einen Grund, die Brüder fürs erste einmal ins Gefängnis setzen zu lassen, &lt;br /&gt;
und von diesem Augenblick an waren sie auch nicht mehr ihres Lebens &lt;br /&gt;
sicher, denn der Haß der Geistlichkeit war nun unersättlich, und&lt;br /&gt;
mit einer Gefangennahme gaben sie sich keineswegs zufrieden. Dem&lt;br /&gt;
Zillu’s-Sultán hingegen war es mehr um das Geld und weniger um Leben &lt;br /&gt;
oder Tod der Brüder zu tun, und so griff er zu einer List, um mit&lt;br /&gt;
„reinen Händen“ aus der Geschichte herauszukommen: Er begab sich am&lt;br /&gt;
Vorabend des entscheidenden Verhörs persönlich in den Kerker zu&lt;br /&gt;
Husayn und Hasan und riet ihnen, beim Verhör der Sache des Báb und&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs abzuschwören und sie zu leugnen. Die Haltung der Brüder&lt;br /&gt;
war zu seinem großen Erstaunen ruhig und gefaßt: „Eher wollen wir&lt;br /&gt;
sterben als der Sache Gottes untreu werden.“ Mit dieser klaren und &lt;br /&gt;
unmißverständlichen Antwort mußte der Gouverneur abziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zillu’s-Sultán war von der Standhaftigkeit und Würde dieser Menschen&lt;br /&gt;
so beeindruckt, daß er öfters gesagt haben soll: „Was mag es nur sein,&lt;br /&gt;
was diese Menschen geschaut haben, daß sie so unbeugsam geworden&lt;br /&gt;
sind? Mit einem einzigen Wort könnten sie sich retten — und sie lehnen&lt;br /&gt;
es ab! Die Größten unter unseren Gelehrten und Geistlichen brauchen&lt;br /&gt;
nur ein wenig Angst um ihr Wohlbefinden zu bekommen, und schon&lt;br /&gt;
leugnen sie ohne weiteres, was sie eben noch beschworen; diese hier, die&lt;br /&gt;
zu den Bahá’í gehören, scheuen keine Gefahr, selbst nicht den Tod, und&lt;br /&gt;
leugnen kein einziges Wort!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch einmal neigte sich das Zünglein an der Waage zwischen Leben&lt;br /&gt;
und Tod dem Leben zu, denn unerwartet kam ein Befehl des Sháhs, die&lt;br /&gt;
Gefangenen nach Tihrán zu schicken. In einer Familienchronik wird &lt;br /&gt;
erzählt, daß diese Maßnahme des Sháhs beeinflußt war durch Briefe von&lt;br /&gt;
zahlreichen, im ganzen Lande bekannten und hoch geachteten Kaufleuten,&lt;br /&gt;
Freunden und Geschäftspartnern der Brüder. In Isfáhán indessen wollte&lt;br /&gt;
man es nicht soweit kommen lassen, daß der Fall in Tihrán verhandelt&lt;br /&gt;
würde — aus gutem Grunde, wie sich leicht denken läßt. Zudem aber&lt;br /&gt;
hatte sich der Imám-Jum’ih samt Geistlichkeit nicht nur der Hilfe des&lt;br /&gt;
Zillu’s-Sultán versichert; in ihrer Macht lag es ja auch, das Volk &lt;br /&gt;
aufzuwiegeln und für ihre Zwecke zu benützen, so daß bald ein &lt;br /&gt;
schneller Prozeß gerechtfertigt erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man dann nach Tagen der Ungewißheit Husayn und Hasan zum&lt;br /&gt;
„Sháh-Platz“ führte, um sie angesichts des Volkes zu enthaupten, gab es&lt;br /&gt;
dennoch nicht allein jene Gruppe der Einwohner Isfáháns, die nach dem&lt;br /&gt;
Bericht des Historikers unter Schmähungen die leblosen Körper mit Steinen &lt;br /&gt;
bewarfen, sondern eine große Anzahl von Menschen, die diesen Doppelmord &lt;br /&gt;
als größte Schande und Erniedrigung und als menschenunwürdig&lt;br /&gt;
ablehnten und bittere Tränen vergossen. Ein christlicher Priester aus dem&lt;br /&gt;
armenischen Nachbardorf Julfá weinte laut und tadelte heftig und mit&lt;br /&gt;
erhobener Stimme diese Tat der Muslim und rief: „Von keinem noch so&lt;br /&gt;
niedrigen Menschen hätte man sich denken können, daß er imstande&lt;br /&gt;
wäre, solch hochgesinnte Männer umzubringen!“&lt;br /&gt;
{{page|200|file=Baha&#039;i_Briefe_08.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh war durch den Tod der beiden in tiefste Trauer versetzt.&lt;br /&gt;
Man erzählt, daß Er, als die Nachricht vom Tode dieser auserwählten&lt;br /&gt;
Seelen zu Ihm gelangte, an jenem Abend kein Licht angezündet, sondern&lt;br /&gt;
allein und sinnend im Dunkel gesessen habe. Bahá’u’lláh selber war es&lt;br /&gt;
auch, der Husayn und Hasan in einem besonderen Nachruf, der an ihrem&lt;br /&gt;
Grabe gelesen wurde, ein unsterbliches Denkmal gesetzt hat, und in&lt;br /&gt;
Sendschreiben würdigte Er sie mit Worten höchster Wertschätzung. So&lt;br /&gt;
schreibt Er im Kitábu’l-Sidq: „...Diesem Diener (Bahá’u’lláh) sind von&lt;br /&gt;
Anfang an bis jetzt alle Einzelheiten der Angelegenheiten dieser beiden&lt;br /&gt;
strahlenden Sterne bekannt; sie waren beide begnadet, im Iráq den &lt;br /&gt;
Heiligen Hof zu erreichen. Es wurde ihnen die größte Gnade erwiesen. Dies&lt;br /&gt;
geschah, obwohl manche Menschen das Gegenteil erwarteten. Aber die&lt;br /&gt;
mächtige Hand Gottes hat sie erhöht, bis sie die Stufe erreichten, die du&lt;br /&gt;
gesehen und von der du gehört hast. Nachdem sie vom Heiligen Hofe ins&lt;br /&gt;
Land Sád (Isfáhán) zurückgekehrt waren, haben sie zwei Briefe an Uns&lt;br /&gt;
geschrieben und haben, was ihnen geschehen ist, mit höchster Bitte und&lt;br /&gt;
Demut von Gott erfleht... Du hast gesehen, was die Feder des Höchsten&lt;br /&gt;
über sie niedergesandt hat. Ich schwöre bei Gott: Über das, was auf sie&lt;br /&gt;
gekommen ist, wehklagten alle Dinge, schrie der Fels und weinten die&lt;br /&gt;
Bewohner des Paradieses. Wenn jemand die ganze Welt besäße und alles&lt;br /&gt;
opfern würde, könnte er diese Stufe nicht erreichen, und das ist die&lt;br /&gt;
Stufe, die alle Propheten und Gottnahen erfleht haben und noch erflehen. &lt;br /&gt;
Bis jetzt sind beinahe hundert Tablets über dieses tragische Ereignis &lt;br /&gt;
herniedergesandt worden...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in einem Tablet an Varqá steht: „Der Reichtum hat sie von der&lt;br /&gt;
Nähe Gottes nicht abgehalten, und Pracht und Ansehen nicht von dem&lt;br /&gt;
Opfer von Besitz und Leben... Preis sei Gott! Der Verstand des Menschen &lt;br /&gt;
geriet darüber in Staunen... All das, was sie besaßen, hat sie&lt;br /&gt;
nicht abgehalten von dem, was Gott besitzt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Helga Ahmedzadeh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::--------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschichtliche Quellen: Eine Familienchronik der Hindí Nahrí „Kavák&#039;i-bul-Durríyyih“ — Geschichte &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Bewegung in Persien (Avárih).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tablets von Bahá’u’lláh: entnommen aus der Sammlung von Mádih-Asamání von &lt;br /&gt;
’Ishráqi-Khávarí, Band 4, S. 302 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Hindenburgstraße 161; Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 7/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:17:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Januar 1962&lt;br /&gt;
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 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{page|148|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: Das Geheimnis göttlicher Kultur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs Weltordnung — Weg zum Weltfrieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und die Sehnsucht nach Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JANUAR 1962 HEFT 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|149|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
{{page|150|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du sollst Gott so verehren, daß es&lt;br /&gt;
keinen Einfluß hätte, wenn der Lohn für&lt;br /&gt;
deine Anbetung das Feuer wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ihr Gott aus Furcht anbetet, so ist&lt;br /&gt;
dies der Schwelle der Heiligkeit Gottes unwürdig. &lt;br /&gt;
Desgleichen auch, wenn euer Blick&lt;br /&gt;
auf das Paradies gerichtet ist und wenn ihr&lt;br /&gt;
Ihn in der Hoffnung darauf verehrt, denn&lt;br /&gt;
dadurch stellt ihr Gott und Seine Schöpfung&lt;br /&gt;
auf die gleiche Stufe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:El Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|151|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu‘l-Bahá:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Geheimnis göttlicher Kultur (IV)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Niedergang Europas im Mittelalter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nun die Zeit herannahte, in der die strahlende Schönheit Muhammads &lt;br /&gt;
über der Welt aufgehen sollte, fiel die Macht über die Christenheit &lt;br /&gt;
unwissenden Priestern in die Hände. Der himmlische Hauch, der&lt;br /&gt;
aus den Gefilden göttlicher Gnade strömte, verflog, und die Gesetze&lt;br /&gt;
des erhabenen Evangeliums, der Felsgrund, auf dem die Kultur der Welt&lt;br /&gt;
ruhte, zeitigten keine Erfolge mehr, weil sie mißbraucht wurden und&lt;br /&gt;
weil gewisse Menschen, äußerlich vollkommen, in ihrem Innersten je-&lt;br /&gt;
doch hohl und leer, gegen sie verstießen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Europäische Geschichtsforscher von Rang und Namen berichten &lt;br /&gt;
übereinstimmend, wenn sie die politischen und sittlichen Zustände, &lt;br /&gt;
die Bildung und die Kultur des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit &lt;br /&gt;
in allen ihren Aspekten schildern, daß während der zehn Jahrhunderte&lt;br /&gt;
des Mittelalters, vom Beginn des sechsten Jahrhunderts christlicher &lt;br /&gt;
Zeitrechnung bis zum Ende des fünfzehnten, Europa in jeder Hinsicht und&lt;br /&gt;
in höchstem Maße finster und barbarisch war. Der wichtigste Grund ist&lt;br /&gt;
folgender: Die Mönche, von den europäischen Völkern als geistige und&lt;br /&gt;
religiöse Führer angesehen, hatten den bleibenden Ruhm des Gehorsams &lt;br /&gt;
gegen die heiligen Gebote und die himmlischen Lehren des Evangeliums &lt;br /&gt;
aufgegeben und mit den vermessenen, tyrannischen Oberhäuptern der &lt;br /&gt;
weltlichen Regierungen jener Zeit gemeinsame Sache gemacht. Ihre&lt;br /&gt;
Augen hatten sie, die einen wie die anderen, abgekehrt von der &lt;br /&gt;
Herrlichkeit des Ewigen und all ihr Streben darauf gerichtet, ihre &lt;br /&gt;
weltlichen Interessen, ihren vergänglichen Nutzen zu verfolgen. &lt;br /&gt;
Schließlich kam es so weit, daß die Massen hilflose Gefangene in den &lt;br /&gt;
Händen dieser beiden Gruppen waren und das ganze Gefüge der Religion,&lt;br /&gt;
Kultur, Wohlfahrt und Zivilisation der Völker Europas in die Brüche&lt;br /&gt;
ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein neuer Impuls: Die Offenbarung Muhammads&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses würdelose Tun und Denken, dieses schimpfliche Streben der&lt;br /&gt;
Mächtigen brachte den süßen Hauch des Geistes Gottes (Jesu) zum Erliegen &lt;br /&gt;
und ließ ihn aufhören, die Erde zu umweben. Die Finsternis bigotter&lt;br /&gt;
Unwissenheit und gottloser Taten hielt die Erde umfangen. Da leuchtete&lt;br /&gt;
das Morgenlicht der Hoffnung wieder auf, und der göttliche Frühling&lt;br /&gt;
kehrte zurück; eine Wolke von Barmherzigkeit spannte sich über die Welt,&lt;br /&gt;
und aus den Gefilden der Gnade wehten die Winde der Fruchtbarkeit.&lt;br /&gt;
Im Zeichen Muhammads erhob sich die Sonne der Wahrheit über Yathrib&lt;br /&gt;
(Medina) und dem Hijáz; über das ganze Weltall ergoß sie das Licht ewiger&lt;br /&gt;
Herrlichkeit. Dies verwandelte den Baugrund menschlicher Möglichkeiten, &lt;br /&gt;
und die Worte: „Die Erde wird leuchten mit dem Lichte ihres Herrn“&lt;br /&gt;
(Qur’án 39:69) waren erfüllt. Die alte Welt wurde wieder neu, und ihr&lt;br /&gt;
toter Körper erwachte zu reichem Leben. Tyrannei und Unwissenheit&lt;br /&gt;
{{page|152|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
wurden überwunden, und hoch ragten die Paläste der Erkenntnis und&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit empor, die an ihrer Statt errichtet wurden. Ein Meer von&lt;br /&gt;
Aufklärung brandete heran, und die Wissenschaft goß ihre Strahlen über&lt;br /&gt;
alle Lande. Bevor die Flamme höchsten Prophetentums in der Lampe&lt;br /&gt;
von Mekka entzündet wurde, waren die wilden Stämme des Hijáz das&lt;br /&gt;
tierischste, finsterste Volk auf Erden. In allen Geschichtswerken werden&lt;br /&gt;
übereinstimmend ihre entartete, lasterhafte Lebensführung, ihre Wildheit, &lt;br /&gt;
ihre ständigen Fehden beschrieben. Damals betrachteten die zivilisierten &lt;br /&gt;
Völker der Welt die arabischen Stämme von Mekka und Medina&lt;br /&gt;
nicht einmal als menschliche Wesen. Aber als das Licht der Welt sich über&lt;br /&gt;
ihnen erhob, wurden sie — durch die Erziehung, die ihnen aus dieser&lt;br /&gt;
Schatzgrube der Vollkommenheiten, diesem Lichtquell der Offenbarung&lt;br /&gt;
zuteil wurde und durch die Segnungen des göttlichen Gesetzes — innerhalb &lt;br /&gt;
kürzester Frist unter dem Schutze des Grundsatzes der Einheit Gottes &lt;br /&gt;
vereinigt. Später erlangte dieses tierhafte Volk eine so hohe Stufe&lt;br /&gt;
menschlicher Vollkommenheit und Verfeinerung, daß alle Zeitgenossen&lt;br /&gt;
darüber erstaunten. Dieselben Völker, die bisher immer die Araber &lt;br /&gt;
verspottet und verlacht hatten, indem sie behaupteten, jene seien bar &lt;br /&gt;
jeglichen Urteilsvermögens — diese Völker suchten nun eifrig die &lt;br /&gt;
Gesellschaft der Araber und bereisten ihre Länder, um Bildung und Kultur,&lt;br /&gt;
technische Fertigkeiten und Staatsklugheit, Künste und Wissenschaften&lt;br /&gt;
zu erlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket, welcher Einfluß auf die materiellen Verhältnisse von der&lt;br /&gt;
Schulung durch den wahren Erzieher ausgeht! Hier waren Stämme, so&lt;br /&gt;
unwissend und wild, daß sie in der Zeit der Jáhilíyya&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
ihre siebenjährigen Töchter lebendig begruben — eine Tat, die selbst &lt;br /&gt;
ein Tier, geschweige denn ein menschliches Wesen, verabscheuen und &lt;br /&gt;
vor der es zurückschrecken würde, die aber jene Stämme in ihrer &lt;br /&gt;
unbeschreiblichen Entartung als den höchsten Ausdruck der Ehrbarkeit &lt;br /&gt;
und Sittentreue ansahen — aber dank der klaren Lehren jener großen &lt;br /&gt;
Gestalt entwickelte sich dieses barbarische Volk in solchem Maße, daß &lt;br /&gt;
es zunächst Ägypten, Syrien und dessen Hauptstadt Damaskus, Chaldäa, &lt;br /&gt;
das Zweistromland und Iran eroberte und dann so weit kam, daß es jedes &lt;br /&gt;
wichtige Problem in vier Hauptregionen des Erdballs aus eigener Kraft &lt;br /&gt;
lösen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Araber übertrafen damals alle Völker der Welt in Kunst und Wissenschaft, &lt;br /&gt;
Gewerbefleiß und Erfindergeist, Philosophie, Staatskunst und Gesittung. &lt;br /&gt;
Und wahrlich, der Aufstieg dieser zügellosen, verachteten Horden zur &lt;br /&gt;
höchsten Stufe menschlicher Vollkommenheit in solch einer kurzen &lt;br /&gt;
Zeitspanne ist das größte Zeugnis für die Rechtmäßigkeit der&lt;br /&gt;
Offenbarung Muhammads.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Islam — Grundlage der abendländischen Kultur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Frühzeit des Islam erwarben die Völker Europas die Wissenschaften &lt;br /&gt;
und Künste der Zivilisation vom Islam her, wie es die Einwohner &lt;br /&gt;
Andalusiens taten. Eine genaue und eingehende Untersuchung&lt;br /&gt;
der geschichtlichen Aufzeichnungen wird die Tatsache bekräftigen, daß&lt;br /&gt;
der Hauptteil der Zivilisation Europas auf den Islam zurückgeht; denn&lt;br /&gt;
alle Schriften der muslimischen Gelehrten, Theologen und Philosophen&lt;br /&gt;
{{page|153|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
wurden nach und nach in Europa gesammelt, mit emsiger Sorgfalt geprüft, &lt;br /&gt;
in akademischen Versammlungen und in den Bildungszentren diskutiert, &lt;br /&gt;
worauf das, was als wertvoll erachtet wurde, Verwendung fand.&lt;br /&gt;
Heute sind zahlreiche Abschriften von Werken muslimischer Gelehrter,&lt;br /&gt;
die in den islamischen Ländern nicht mehr zu finden sind, in den &lt;br /&gt;
Bibliotheken Europas erhältlich. Auch die in allen europäischen Ländern&lt;br /&gt;
herrschenden Gesetze und Rechtsgrundsätze sind in beträchtlichem Maße,&lt;br /&gt;
genau genommen in ihrer Ganzheit, von den Werken muslimischer &lt;br /&gt;
Gottesgelehrter über Rechtsprechung und von ihren Urteilssprüchen &lt;br /&gt;
hergeleitet. Wäre nicht zu befürchten, daß sich diese Abhandlung &lt;br /&gt;
übermäßig in die Länge zieht, würden wir diese Entlehnungen eine &lt;br /&gt;
nach der anderen aufführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anfänge der europäischen Zivilisation gehen auf das siebte &lt;br /&gt;
Jahrhundert islamischer Zeitrechnung zurück. Die näheren Umstände waren&lt;br /&gt;
folgende: Gegen Ende des fünften Jahrhunderts nach der Hijra erhob&lt;br /&gt;
der Papst, das Oberhaupt der Christenheit, ein großes Zetern darüber,&lt;br /&gt;
daß den Christen heilige Stätten, wie Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, &lt;br /&gt;
unter muslimische Herrschaft gefallen waren. Er stachelte die&lt;br /&gt;
Könige und das Volk Europas auf zu einem Unternehmen, das er als&lt;br /&gt;
heiligen Krieg ansah. Sein leidenschaftlicher Schrei der Entrüstung&lt;br /&gt;
schwoll so an, daß ihn alle Länder Europas erwiderten, und an der&lt;br /&gt;
Spitze endloser Heerscharen zogen kreuzfahrende Könige über das&lt;br /&gt;
Marmarameer und bahnten sich ihren Weg in den asiatischen Kontinent.&lt;br /&gt;
Damals herrschten die Kalifen aus dem Haus der Fatimiden über Ägypten &lt;br /&gt;
und einige Länder im Westen der arabischen Welt, und die meiste&lt;br /&gt;
Zeit waren ihnen auch die Seldschuken, die Könige Syriens, untertan.&lt;br /&gt;
Kurz, die Könige des Westens fielen mit ihren unzähligen Truppen in&lt;br /&gt;
Syrien und Ägypten ein, und während einer Zeitspanne von 203 Jahren&lt;br /&gt;
war ständiger Kriegszustand zwischen den Herrschern Syriens und&lt;br /&gt;
Europas. Fortgesetzt kamen Verstärkungen aus Europa herüber; immer&lt;br /&gt;
wieder stürmten und bezwangen die westlichen Herrscher jede Burg&lt;br /&gt;
in Syrien, aber genau so oft warfen die islamischen Könige sie wieder&lt;br /&gt;
hinaus. Schließlich vertrieb Saladin im Jahr 693 n. H. die europäischen&lt;br /&gt;
Könige und ihre Heere aus Ägypten und von der syrischen Küste. &lt;br /&gt;
Hoffnungslos geschlagen, kehrten sie nach Europa zurück. Millionen &lt;br /&gt;
Menschen kamen im Verlauf dieser Kreuzzüge ums Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß zwischen 490 und 693 n. H.&lt;br /&gt;
Könige, Feldherren und andere Führer Europas ständig vom Westen&lt;br /&gt;
nach Ägypten und Syrien kamen, und als sie schließlich alle heimkehrten, &lt;br /&gt;
verbreiteten sie in Europa, was sie im Laufe von über 200 Jahren auf &lt;br /&gt;
den Gebieten der Staatskunst, der sozialen Entwicklung und Bildung, &lt;br /&gt;
des Volks- und Hochschulwesens und der Verfeinerung des Lebens in &lt;br /&gt;
den islamischen Ländern kennengelernt hatten. Die Zivilisation &lt;br /&gt;
Europas geht auf diese Zeit zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene Gebildeten Europas, die über die Tatsachen der Geschichte des&lt;br /&gt;
Abendlands gut Bescheid wissen und sich durch Wahrheitsliebe und &lt;br /&gt;
Gerechtigkeitssinn auszeichnen, stimmen darin überein, daß die tragenden&lt;br /&gt;
Elemente ihrer Zivilisation in allen Einzelheiten vom Islam abgeleitet&lt;br /&gt;
sind. So hat zum Beispiel Draper&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;, ein bekannter europäischer &lt;br /&gt;
{{page|154|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Fachmann, dessen Genauigkeit, Fähigkeit und umfassende Bildung von allen&lt;br /&gt;
europäischen Gelehrten bestätigt wird, in einem seiner meistgelesenen&lt;br /&gt;
Werke: „Die geistige Entwicklung Europas“ (The Intellectual Development &lt;br /&gt;
of Europe) einen ausführlichen Bericht in dieser Hinsicht niedergelegt, &lt;br /&gt;
d. h. im Hinblick darauf, daß die Völker Europas die Grundlagen der &lt;br /&gt;
Zivilisation, des Fortschritts und der Wohlfahrt vom Islam&lt;br /&gt;
hergeleitet haben . . . Er untersucht einen dieser Beiträge nach dem&lt;br /&gt;
anderen und gibt an, wann sie jeweils vom Islam übernommen wurden.&lt;br /&gt;
So beschreibt er auch, wie die Araber in den Westen, ins heutige Spanien&lt;br /&gt;
kamen und wie sie dort eine hochentwickelte Zivilisation aufbauten,&lt;br /&gt;
welche hervorragende Stufe ihre Verwaltung und ihr Gelehrtenstand&lt;br /&gt;
erreichten und wie festgegründet und gut geleitet ihre Schulen und&lt;br /&gt;
Universitäten waren, in denen Wissenschaften und Philosophie, Kunst&lt;br /&gt;
und Technik gelehrt wurden; ferner, wie führend sie damals das &lt;br /&gt;
Kulturleben bestimmten und wie viele Jugendliche aus den maßgeblichen&lt;br /&gt;
Familien Europas an die Schulen von Cordoba und Granada, Sevilla und&lt;br /&gt;
Toledo gesandt wurden, um dort die Wissenschaften und Künste des&lt;br /&gt;
gehobenen Lebens zu erlernen. Er schildert sogar, daß ein Europäer&lt;br /&gt;
namens Gerbert sich an der Universität Cordoba im arabischen Land&lt;br /&gt;
immatrikulierte, um dort Künste und Wissenschaften zu studieren,&lt;br /&gt;
und wie er nach seiner Rückkehr in Europa solche Bedeutung erlangte,&lt;br /&gt;
daß er schließlich die Führerschaft in der katholischen Kirche &lt;br /&gt;
erlangte und Papst wurde (Sylvester II).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gottesoffenbarung — Quelle aller Kultur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zweck dieser Hinweise ist, die Tatsache zu untermauern, daß&lt;br /&gt;
die Religionen Gottes die wahre Quelle der geistigen wie der materiellen&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten des Menschen sind, der Ursprung der Aufklärung und&lt;br /&gt;
des nutzbringenden Wissens für alle Welt. Wer dies mit gerechtem&lt;br /&gt;
Sinn erwägt, wird feststellen, daß alle Gesetze des öffentlichen Lebens&lt;br /&gt;
in diesen wenigen heiligen Worten beschlossen sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Und sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrecht und beeilen&lt;br /&gt;
sich, gute Taten zu vollbringen. Dieses sind die Rechtschaffenen“. (Qur’án&lt;br /&gt;
3:110). Und wiederum: „. . . auf daß unter euch ein Volk sei, das zum&lt;br /&gt;
Guten auffordert, das Rechte befiehlt und das Unrecht verbietet. Dies&lt;br /&gt;
sind diejenigen, um die es gut bestellt sein soll.“ (Qur’án 3:100). Und&lt;br /&gt;
weiter: „Wahrlich, Gott gebietet Gerechtigkeit, rechtes Tun . . . und&lt;br /&gt;
er verbietet Schlechtigkeit und Unterdrückung. Er ermahnt euch, auf&lt;br /&gt;
daß ihr eingedenk seid.“ (Qur’án 16:92). Ferner, über die Verfeinerung&lt;br /&gt;
des menschlichen Betragens: „Laß Billigkeit walten und gebiete, was&lt;br /&gt;
rechtens ist, und halte dich fern von den Toren.“ (Qur’án 7:198). Und&lt;br /&gt;
gleicherweise: „. . . die ihren Zorn bezwingen und anderen verzeihen.&lt;br /&gt;
Gott liebt jene, die Gutes tun.“ (Qur’án 3:128). Und wieder: „Nicht&lt;br /&gt;
das ist Frömmigkeit, daß ihr (beim Beten) euer Gesicht nach Osten&lt;br /&gt;
wendet oder nach Westen; fromm ist vielmehr, wer an Gott glaubt,&lt;br /&gt;
an den Jüngsten Tag, an die Engel, an die Schrift und an die Propheten,&lt;br /&gt;
wer aus Liebe zu Gott seinen Besitz hingibt an Anverwandte, Waisen,&lt;br /&gt;
Arme, an Bittende und um Gefangene loszukaufen, wer das Gebet &lt;br /&gt;
{{page|155|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
verrichtet, den Armenbeitrag zahlt, wer zu denen gehört, die ihre Verträge &lt;br /&gt;
einhalten, und wer geduldig ist in Drangsal, Unglück und Zeiten der Not.&lt;br /&gt;
Diese sind es, die rechtschaffen sind, diese sind die Gottesfürchtigen.“&lt;br /&gt;
(Qur’án 2:172). Und abermals: „Sie ziehen jene sich selber vor, auch&lt;br /&gt;
wenn Armut ihr eigenes Los ist.“ (Qur’án 59:9). — Seht, wie diese wenigen &lt;br /&gt;
heiligen Verse die höchste Ebene und den tiefsten Sinn der Kultur&lt;br /&gt;
umschließen und alle vortrefflichen Eigenschaften des menschlichen&lt;br /&gt;
Charakters in sich vereinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gott, dem Herrn — und es gibt keinen Gott außer Ihm! Selbst&lt;br /&gt;
die winzigste Kleinigkeit des zivilisierten Lebens rührt von der Gnade&lt;br /&gt;
der Offenbarer Gottes her. Welche Sache von Wert für die Menschheit&lt;br /&gt;
ist jemals in Erscheinung getreten, ohne daß sie zuvor ausdrücklich &lt;br /&gt;
oder mittelbar in den heiligen Schriften dargelegt worden wäre?&lt;br /&gt;
Aber ach, was hilft dies alles! Sind die Waffen in den Händen von&lt;br /&gt;
Feiglingen, dann ist keines Menschen Leben und Eigentum sicher, und die&lt;br /&gt;
Diebe werden nur noch verwegener. Und desgleichen, wenn eine &lt;br /&gt;
Priesterschaft, die alles andere als vollkommen ist, die Macht an &lt;br /&gt;
sich reißt, dann steht sie wie ein eiserner Vorhang zwischen dem Volk &lt;br /&gt;
und dem Licht des Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrichtigkeit ist der Grundstein des Glaubens. Das heißt, ein religiöser &lt;br /&gt;
Mensch muß seine persönlichen Wünsche vergessen und danach streben, &lt;br /&gt;
auf jede ihm mögliche Weise und von ganzem Herzen dem öffentlichen &lt;br /&gt;
Wohl zu dienen. Andererseits ist es einem menschlichen Wesen&lt;br /&gt;
nicht möglich, sich von seinem eigenen, selbstsüchtigen Nutzen &lt;br /&gt;
abzuwenden und sein Wohl dem Wohl der Allgemeinheit zu opfern, es sei &lt;br /&gt;
denn durch wahren religiösen Glauben. Denn Eigenliebe ist in jenen &lt;br /&gt;
Klumpen Lehm, aus dem der Mensch gemacht ist, hineingeknetet, und ohne&lt;br /&gt;
die Aussicht auf eine ansehnliche Belohnung wird keiner seinen &lt;br /&gt;
handgreiflichen materiellen Nutzen hintanstellen. Ein Mensch aber, der &lt;br /&gt;
an Gott und Sein Wort glaubt, wird um Gottes willen seinen eigenen &lt;br /&gt;
Vorteil und seine Behaglichkeit aufgeben und sich mit Herz und Seele, aus&lt;br /&gt;
freien Stücken, dem Allgemeinwohl weihen, weil er die Verheißung und&lt;br /&gt;
die Gewißheit hat, daß ihn im nächsten Leben reicher Lohn erwartet,&lt;br /&gt;
und weil ihm aller irdische Nutzen nichts bedeutet im Vergleich zu der&lt;br /&gt;
immerwährenden Freude und Herrlichkeit künftiger Stufen des Seins.&lt;br /&gt;
„Ein anderer aber ist unter den Menschen, der sein eigenes Selbst&lt;br /&gt;
verkauft aus Verlangen nach dem Wohlgefallen Gottes.“ (Qur’án 2:203).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gibt es ein angeborenes Rechtsempfinden?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche stellen sich vor, ein angeborener Sinn für seine Würde bewahre &lt;br /&gt;
den Menschen davor, Böses zu tun, und biete die Gewähr für seine &lt;br /&gt;
geistige und materielle Vervollkommnung. Dies soll besagen, daß ein &lt;br /&gt;
Mensch, den natürliche Intelligenz, hohe Entschlußkraft und edler&lt;br /&gt;
Eifer auszeichnen, nicht wegen zu erwartender schwerer Bestrafung&lt;br /&gt;
für ein Verbrechen oder einer reichen Belohnung für Redlichkeit, sondern&lt;br /&gt;
unbewußt davor zurückschreckt, seinen Mitmenschen Leid zuzufügen, und &lt;br /&gt;
danach hungert und dürstet, ihnen Gutes zu tun. Aber wenn wir über &lt;br /&gt;
die Lehren der Geschichte nachdenken, wird uns klar, daß dieser&lt;br /&gt;
{{page|156|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
Sinn für Ehrbarkeit und Würde nichts anderes als eine der Wohltaten&lt;br /&gt;
ist, die von den Lehren der Propheten Gottes kommen. Auch nehmen&lt;br /&gt;
wir bei kleinen Kindern Anzeichen von Angriffslust und Zügellosigkeit &lt;br /&gt;
wahr; wenn ein Kind keine Anleitung durch einen Lehrer empfängt, &lt;br /&gt;
vermehren sich seine unerwünschten Eigenschaften von einer Stunde&lt;br /&gt;
zur andern. Zweifellos tritt deshalb dieser natürliche Sinn für &lt;br /&gt;
menschliche Würde als Folge der Erziehung auf. Zweitens: Selbst wenn &lt;br /&gt;
wir um der Beweisführung willen annehmen, daß unbewußte Einsicht und&lt;br /&gt;
angeborene Sittlichkeit Übeltaten verhindern, ist augenfällig, daß derart&lt;br /&gt;
begabte Menschen so selten wie der Stein der Weisen sind. Eine Annahme &lt;br /&gt;
dieser Art läßt sich nicht durch bloße Worte bekräftigen; sie muß&lt;br /&gt;
durch Tatsachen untermauert sein. Prüfen wir deshalb, welche Wirkkraft &lt;br /&gt;
in der Schöpfung die breiten Massen zu guten Vorsätzen und guten &lt;br /&gt;
Taten treibt! Übrigens wäre das Streben nach Rechtschaffenheit,&lt;br /&gt;
das solch ein seltener Mensch mit diesen Anlagen an den Tag legt, &lt;br /&gt;
sicherlich noch weit intensiver, wenn er darüber hinaus noch &lt;br /&gt;
Gottesfurcht in sich verkörperte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Allumfassende Wohltaten strömen aus der Gnadenfülle der göttlichen Religionen, denn sie führen die wahren Gläubigen zu aufrichtigen Absichten, edlen Zielen, Reinheit und makelloser Ehrbarkeit, umfassender Herzensgüte, Mitempfinden, Vertragstreue, Rücksichtnahme auf die Rechte anderer, Großzügigkeit, Gerechtigkeit in allen Lebenslagen, Menschlichkeit und Nächstenliebe, Tapferkeit und unermüdlichem Eifer im Dienst an der Menschheit. Mit einem Wort, es ist die Religion, die alle menschlichen Tugenden hervorbringt, und diese Tugenden sind das strahlende Licht der Kultur. Wenn ein Mensch diese hervorragenden Eigenschaften nicht aufweist, hat er sicherlich nie einen Tropfen aus dem unergründlichen Strom der Wasser des Lebens gekostet, die aus den Lehren der heiligen Bücher fluten, noch hat er den leisesten Hauch von den Duftwolken aus den Gärten Gottes verspürt; denn nichts auf Erden kann allein durch Worte belegt werden, und jede Ebene des Seins ist an ihren Zeichen und Symbolen erkennbar, jede Stufe menschlicher Entwicklung hat ihr besonderes Merkmal.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Ausführungen ist, zur Genüge klar zu machen, daß&lt;br /&gt;
die göttlichen Religionen, die heiligen Gebote und die himmlischen &lt;br /&gt;
Lehren die unanfechtbare Grundlage menschlichen Glücks sind, und daß die&lt;br /&gt;
Völker der Welt ohne dieses sichere Heilmittel auf keine wirkliche &lt;br /&gt;
Linderung oder Erlösung von ihren Leiden hoffen können. Dieses &lt;br /&gt;
Allheilmittel muß jedoch von einem weisen, erfahrenen Arzt angewandt &lt;br /&gt;
werden, denn in den Händen eines Unbefugten könnten alle Heilweisen,&lt;br /&gt;
die der Herr der Menschen jemals erschaffen hat, um den menschlichen&lt;br /&gt;
Nöten abzuhelfen, keine Gesundung bringen, sondern würden im &lt;br /&gt;
Gegenteil die hilflosen Opfer nur zugrunderichten und denen, die &lt;br /&gt;
bereits krank sind, das Herz noch mehr beschweren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Prüfet alles, und das Beste behaltet&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urquell göttlicher Weisheit, die Verkörperung umfassenden &lt;br /&gt;
Offenbarertums (Muhammad) hat die Menschheit angehalten, Künste, &lt;br /&gt;
{{page|157|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
Wissenschaften und andere nutzbringende Kenntnisse zu erlernen und bis&lt;br /&gt;
in die hintersten Winkel Chinas danach zu suchen. Aber die unverständigen, &lt;br /&gt;
spitzfindigen Schriftgelehrten verbieten dies und rechtfertigen &lt;br /&gt;
sich mit dem Spruch: „Wer ein Volk nachahmt, ist einer davon.“&lt;br /&gt;
Sie haben nicht begriffen, was mit „Nachahmung“ in diesem Zitat gemeint &lt;br /&gt;
ist, geschweige denn, daß sie wüßten, wie die göttlichen Religionen&lt;br /&gt;
alle Gläubigen auffordern und ermuntern, sich Lebensgrundsätze anzueignen, &lt;br /&gt;
die zu ständigen Verbesserungen führen, und bei anderen Völkern Künste &lt;br /&gt;
und Wissenschaften zu erlernen. Wer sich für das Gegenteil &lt;br /&gt;
ausspricht, hat nie vom Nektar des Wissens getrunken, ist in seine&lt;br /&gt;
eigene Unkenntnis verstrickt und tappt den Trugbildern seiner &lt;br /&gt;
Begierden nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urteilt gerecht: Welche der modernen Errungenschaften an sich, welche&lt;br /&gt;
ihrer Anwendungsmöglichkeiten steht im Gegensatz zu den göttlichen&lt;br /&gt;
Geboten? Denkt man an die Errichtung von Parlamenten, wird dies im&lt;br /&gt;
Text des folgenden heiligen Verses ausdrücklich bestimmt: ». . . die &lt;br /&gt;
ihre Angelegenheiten durch Beratung regeln . . .“ (Qur’án 42:36). Und &lt;br /&gt;
an anderer Stelle werden die folgenden Worte an das Morgenlicht alles&lt;br /&gt;
Wissens, die Quelle der Vollkommenheit Selbst (Muhammad), gerichtet,&lt;br /&gt;
obwohl Er doch allumfassende Weisheit besaß: „. . . und berate Dich mit&lt;br /&gt;
ihnen in dieser Angelegenheit.“ (Qur’án 3:153). Wie könnte angesichts&lt;br /&gt;
dessen die Frage gegenseitiger Beratung im Widerspruch zum religiösen &lt;br /&gt;
Gesetz stehen? Die großen Vorteile der Beratung können auch durch&lt;br /&gt;
logische Beweisführung belegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es eine edlere Tat als den Dienst am Allgemeinwohl? Gibt es&lt;br /&gt;
etwas Segensreicheres für einen Menschen, als daß er zur Quelle der&lt;br /&gt;
Erziehung, des Fortschritts, der Wohlfahrt und der Ehre für seine &lt;br /&gt;
Mitmenschen wird? Nein, bei Gott dem Herrn! Es ist die höchste Tugend&lt;br /&gt;
für begnadete Seelen, hilflose Weggenossen bei der Hand zu nehmen&lt;br /&gt;
und sie von ihrer Unwissenheit, Erniedrigung und Armut zu befreien,&lt;br /&gt;
sich mit lauteren Beweggründen und aus reiner Liebe zu Gott &lt;br /&gt;
aufzumachen und zielstrebig dem Dienst an den Massen zu weihen, dabei &lt;br /&gt;
den eigenen weltlichen Nutzen zu vergessen und nur im Dienst am &lt;br /&gt;
Allgemeinwohl zu wirken. „Sie ziehen jene sich selber vor, auch wenn &lt;br /&gt;
Armut ihr eigenes Los ist.“ (Qur’án 59:9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Weise Überlegung in der Entwicklungspolitik&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was jene betrifft, die der Ansicht sind, wir müßten bei der &lt;br /&gt;
Durchführung notwendiger Reformen mit Überlegung vorgehen, wir müßten&lt;br /&gt;
Geduld haben und die Ziele eines nach dem anderen zu erreichen suchen,&lt;br /&gt;
so sei gefragt: Was meinen sie damit? Wenn sie sich mit „Überlegung“&lt;br /&gt;
auf die Umsicht beziehen, die in der Staatskunst erforderlich ist, hat ihr&lt;br /&gt;
Gedanke Hand und Fuß und ist zeitgemäß. Sicherlich können gewichtige &lt;br /&gt;
Vorhaben nicht in Eile zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht&lt;br /&gt;
werden; Übereilung würde in solchen Fällen nur Unheil anrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Welt ist wie die des Menschen: Dieser ist am Anfang&lt;br /&gt;
nur Same und schreitet dann stufenweise zum Zustand des Embryo und&lt;br /&gt;
Foetus, wobei er ein Knochengerüst erhält, mit Fleisch umgeben wird&lt;br /&gt;
{{page|158|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
und seine eigentliche Gestalt annimmt, bis er schließlich die Stufe &lt;br /&gt;
erreicht, auf der er schicklich das Wort erfüllt: „. . . der erhabenste&lt;br /&gt;
der Schöpfer.“ &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies ist ein Erfordernis der Schöpfung und &lt;br /&gt;
in der Weisheit des Allumfassenden begründet. In gleicher Weise kann sich auch&lt;br /&gt;
die politische Welt nicht sofort vom Nadir der Zerrüttung zum Zenith&lt;br /&gt;
der Rechtlichkeit und Vollkommenheit entwickeln. Befähigte Persönlichkeiten &lt;br /&gt;
müssen sich vielmehr Tag und Nacht bemühen und alle Mittel, die&lt;br /&gt;
zum Fortschritt führen, anwenden, damit sich Regierung und Volk&lt;br /&gt;
Stufe um Stufe entwickeln, Tag für Tag, ja Stunde für Stunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Welt des Staubes belebt sich, wenn durch Gottes Segen drei&lt;br /&gt;
Dinge auf Erden wirken; dann erstrahlt sie wundersam geschmückt und&lt;br /&gt;
voller Anmut. Dies sind erstens die befruchtenden Frühlingswinde,&lt;br /&gt;
zweitens die strömende Fülle der Frühlingswolken und drittens die&lt;br /&gt;
Wärme der Sonnenstrahlen. Wenn diese drei von den zahllosen Gaben&lt;br /&gt;
Gottes zusammenkommen, dann werden nach Seinem Willen langsam&lt;br /&gt;
dürre Bäume und Zweige wieder frisch und grün und schmücken sich&lt;br /&gt;
mit vielen Formen von Blüten und Früchten. Genau so ist es, wenn&lt;br /&gt;
die reinen Absichten und die Redlichkeit des Herrschers, die Weisheit,&lt;br /&gt;
vollendete Geschicklichkeit und Staatsklugheit der Verwaltungsbehörden &lt;br /&gt;
und die entschlossenen, unermüdlichen Bemühungen des Volkes &lt;br /&gt;
zusammentreffen: Die Erfolge des Fortschritts, der weitreichenden &lt;br /&gt;
Reformen, des Blühens und Gedeihens von Regierung und Volk werden&lt;br /&gt;
Tag für Tag klar und offenbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Falls jene Leute aber mit Überlegung, Aufschub und Verzögerung &lt;br /&gt;
ausdrücken wollen, daß man sich in jedem Menschenalter nur&lt;br /&gt;
mit einem verschwindenden Teil jener notwendigen Reformen befassen&lt;br /&gt;
sollte, dann ist dies nichts als Trägheit und Teilnahmslosigkeit, und&lt;br /&gt;
ihr Verhalten würde zu keinem anderen Ergebnis führen als der &lt;br /&gt;
endlosen Wiederholung leerer Worte. Übereilung ist schädlich, aber &lt;br /&gt;
Trägheit und Teilnahmslosigkeit sind tausendmal schlimmer. Der Mittelweg&lt;br /&gt;
ist der beste, wie geschrieben steht: „Es obliegt dir, Gutes zu tun&lt;br /&gt;
zwischen den beiden Übeln,“ wobei sich dies auf die goldene Mitte&lt;br /&gt;
zwischen zwei Extremen bezieht. „Und lasse deine Hand nicht am&lt;br /&gt;
Nacken gefesselt sein, und weite sie auch nicht in voller Ausdehnung ...&lt;br /&gt;
Suche zwischen diesem einen Mittelweg!“ (Qur’án 17:31 u. 110).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Erziehung — die wichtigste Aufgabe&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste und dringendste Notwendigkeit ist die Förderung der &lt;br /&gt;
Erziehung. Man kann sich nicht denken, daß ein Volk zu Wohlstand und&lt;br /&gt;
Erfolg kommt, ohne daß diese ausschlaggebende, grundlegende Frage&lt;br /&gt;
vorangetrieben wird. Die Hauptursache für den Niedergang und Verfall &lt;br /&gt;
der Völker ist Unwissenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist deshalb dringend nötig, daß brauchbare Aufsätze und Bücher&lt;br /&gt;
geschrieben werden, die klar und bündig darlegen, wessen das Volk&lt;br /&gt;
heutzutage bedarf und was dem Glück und dem Fortschritt der &lt;br /&gt;
Gesellschaft dienlich ist. Die Veröffentlichung edler Gedanken ist die &lt;br /&gt;
dynamische Kraft in den Schlagadern des Lebens, ja die Seele der &lt;br /&gt;
Menschenwelt. Die Gedanken sind unendlich wie das Meer, während die &lt;br /&gt;
{{page|159|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
Auswirkungen und die wechselnden Umstände des Daseins den Wellen in&lt;br /&gt;
ihrer unterschiedlichen Gestalt und räumlichen Begrenzung gleichen;&lt;br /&gt;
erst wenn das Meer wogt, steigen die Wellen an und tragen die Perlen&lt;br /&gt;
der Erkenntnis ans Ufer des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die öffentliche Meinung muß auf das gelenkt werden, was dieses&lt;br /&gt;
Tages würdig ist. Dies ist jedoch nur möglich durch angemessene &lt;br /&gt;
Argumente und durch klar verständliche, schlüssige Beweise. Zweifellos&lt;br /&gt;
suchen die Massen nach ihrem Glück und sehnen sich danach, aber wie&lt;br /&gt;
ein dichter Schleier trennt sie ihre Unwissenheit davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überleget, wie sehr der Mangel an Erziehungsmöglichkeiten ein Volk&lt;br /&gt;
schwächt und erniedrigt. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist heute&lt;br /&gt;
(1875) {{Sperrsatz|China}} mit seinen über 400 Millionen Einwohnern die größte&lt;br /&gt;
Nation der Welt. Demnach sollte die Regierung Chinas die &lt;br /&gt;
hervorragendste auf Erden sein und sein Volk das berühmteste von allen. &lt;br /&gt;
Aber ganz im Gegenteil handelt es sich, aus Mangel an kultureller und &lt;br /&gt;
zivilisatorischer Erziehung, um die ohnmächtigste und hilfloseste aller &lt;br /&gt;
schwachen Nationen. Vor kurzem zog ein kleines Kontingent englischer und&lt;br /&gt;
französischer Truppen gegen China zu Feld und besiegte dieses Land so&lt;br /&gt;
gründlich, daß sogar die Hauptstadt Peking eingenommen wurde. Hätten &lt;br /&gt;
Chinas Regierung und Volk mit den Fortschritten der Wissenschaft&lt;br /&gt;
in unseren Tagen Schritt gehalten, wären sie in der Kunst und Technik&lt;br /&gt;
der modernen Zivilisation bewandert, dann hätten alle Völker der&lt;br /&gt;
Erde zusammen sie nicht zu überwinden vermocht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch erstaunlicher als dieses Ereignis der Zeitgeschichte ist die &lt;br /&gt;
Tatsache, daß die Regierung {{Sperrsatz|Japans}} ursprünglich unter der &lt;br /&gt;
Schutzherrschaft Chinas stand, und die Art und Weise, wie Japan vor ein &lt;br /&gt;
paar Jahren erwachte und sich die Technik des modernen Fortschritts und&lt;br /&gt;
der Zivilisation zu eigen machte. Wissenschaften und Industriezweige,&lt;br /&gt;
die dem öffentlichen Wohl dienen, wurden gefördert, und die Regierung&lt;br /&gt;
setzte alles daran, was in ihrer Macht und ihren Kräften stand, um die&lt;br /&gt;
öffentliche Meinung auf notwendige Reformen zu lenken. Diese Regierung &lt;br /&gt;
ist jetzt so vorangekommen, daß sie kürzlich der chinesischen &lt;br /&gt;
Staatsführung gegenüber eine herausfordernde Haltung einnehmen konnte,&lt;br /&gt;
obwohl die japanische Bevölkerung nur ein Sechstel oder ein Zehntel&lt;br /&gt;
der chinesischen ausmacht. Beachte deshalb, wie das Bildungswesen und&lt;br /&gt;
die Zivilisation einer Regierung und ihrem Volk zu Ehre, Wohlstand,&lt;br /&gt;
Unabhängigkeit und Freiheit gereichen.&lt;br /&gt;
{{page|160|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies eine unumgängliche Notwendigkeit, in ganz Persien,&lt;br /&gt;
selbst in den kleinsten Landstädten und auf den Dörfern, Schulen &lt;br /&gt;
einzurichten und das Volk auf jede nur mögliche Weise anzuhalten, daß&lt;br /&gt;
es die Kinder lesen und schreiben lernen läßt. Notfalls sollte die &lt;br /&gt;
Schulerziehung sogar zwangsweise eingeführt werden. Solange nicht die &lt;br /&gt;
Nervenstränge und Blutadern der Nation von neuem Leben durchpulst werden, &lt;br /&gt;
wird sich jedes in Angriff genommene Vorhaben als fruchtlos erweisen; &lt;br /&gt;
denn das Volk ist wie ein menschlicher Körper, die Entschlossenheit &lt;br /&gt;
und der Wille, sich durchzusetzen, sind wie die Seele, aber ein&lt;br /&gt;
seelenloser Körper bewegt sich nicht. Diese dynamische Kraft ist in&lt;br /&gt;
höchstem Maße im Wesenskern des persischen Volkes beschlossen; die&lt;br /&gt;
Vertiefung des Erziehungswesens wird sie zutage fördern...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk Persiens! Das Herz ist ein göttliches Pfand. Reinige es vom&lt;br /&gt;
Makel der Eigenliebe und schmücke es mit der Krone reiner Absicht, auf&lt;br /&gt;
daß die heilige Ehre, die immerwährende Größe dieser erlauchten Nation &lt;br /&gt;
über der Welt erstrahle wie das Morgenlicht von einem glückverheißenden &lt;br /&gt;
Himmel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glücklich der Mensch, der sein eigenes Wohl außer acht läßt und wie&lt;br /&gt;
die Erwählten Gottes mit seinen Weggenossen wetteifert im Dienst am&lt;br /&gt;
Wohle aller, bis er, gefestigt durch den Segen und die unablässige &lt;br /&gt;
Bestätigung Gottes, die Kraft erwirbt, diese machtvolle Nation erneut zu&lt;br /&gt;
den ehrwürdigen Gipfeln ihres Ruhmes zu führen, dieses verdorrte Land&lt;br /&gt;
mit köstlichem neuem Leben zu durchfluten und wie ein geistiger Frühling &lt;br /&gt;
jene Bäume, die das menschliche Leben verkörpern, zu schmücken &lt;br /&gt;
mit frischen Blättern und Blüten und mit den Früchten heiliger &lt;br /&gt;
Glückseligkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Geheimnis göttlicher Kultur“ ist eine Stellungnahme ‘Abdu’l-Bahás aus dem&lt;br /&gt;
Jahre 1875 zu Reformversuchen, die unter Sháh Násiri’d-Din in Iran unternommen&lt;br /&gt;
wurden. Deutsche Übersetzung nach der englischen Fassung &amp;quot;The Secret of Divine&lt;br /&gt;
Civilization“, translated from the original Persian text by Marzieh Gail, Bahá’í&lt;br /&gt;
Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA, 1957. Die Überschriften wurden von der&lt;br /&gt;
Redaktion eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Jáhilíyya, „das Zeitalter der Unwissenheit“ vor der Offenbarung Muhammads in Arabien.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Draper, im persischen Text als „Draybár“ wiedergegeben. Offensichtlich bezieht sich hier ‘Abdu’l-Bahá auf John William Draper, 1811—1882, einen bekannten Chemiker und Geschichtsforscher, dessen Werke in viele Sprachen übersetzt wurden, Ausführliches Material über die Beiträge der Muslime zur Kultur des Westens und über Gerbert (Papst Sylvester II) finden sich im zweiten Band des zitierten Buches. Über einige der Entlehnungen des Westens vom Islam, die systematisch verschwiegen werden, schreibt der Verfasser: „Ein Unrecht, das auf religiösem Haß und nationaler Eitelkeit beruht, kann nicht in alle Ewigkeit fortgesetzt werden.“ (Band II, S. 42 der revidierten Ausgabe).&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Qur’án 23:14: „Verherrlicht sei deshalb Gott, der Erhabenste der Schöpfer!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bahá’u’lláhs Weltordnung - Weg zum Weltfrieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Leser wird schon aus der Beleuchtung und Beantwortung der&lt;br /&gt;
Lebensfrage „Geht die Menschheit ins Ungewisse“? in der letzten &lt;br /&gt;
Ausgabe dieser Zeitschrift entnommen haben, daß wir den Angelpunkt des&lt;br /&gt;
Weltfriedens in der geistigen Einigung der Kontinente und ihrer Völker&lt;br /&gt;
im Sinne der Sendung Bahá’u’lláhs erblicken. Wir haben im vorgenannten&lt;br /&gt;
Beitrag versucht, sowohl die geistige, als auch die existentiell &lt;br /&gt;
alternative Situation der Menschheit von heute kurz zu kennzeichnen. &lt;br /&gt;
Seit Bahá’u’lláh, der heutige Künder des Willens Gottes, diese Erde verließ&lt;br /&gt;
(1892), sind viele Seiner prophetischen Warnungen bereits geschichtliche&lt;br /&gt;
Wirklichkeit geworden. 100 Jahre Bahá’í-Geschichte, wie sie {{Sperrsatz|Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi}}, der erste Hüter der Bahá’í-Religion, in seinem Werk „Gott&lt;br /&gt;
geht vorüber“ &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; aufgezeichnet hat, spiegeln zugleich die &lt;br /&gt;
schicksalhafte Wirkungsmacht der Offenbarung Bahá’u’lláhs unter den &lt;br /&gt;
Völkern und Kulturen dieses Zeitabschnitts eindrucksvoll wider.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zerfall und keimhafte Ordnungskräfte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald man versucht, anstelle einer vordergründigen, flüchtigen &lt;br /&gt;
Betrachtungsweise unseres Zeitgeschehens die tieferen, geistig bestimmten&lt;br /&gt;
Zusammenhänge aufzuspüren, vorgefaßte Meinungen gegen selbständige &lt;br /&gt;
{{page|161|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
und vorurteilslose Einsichten einzutauschen, wird der ernste &lt;br /&gt;
Weltkrisencharakter sichtbar. Die Gespaltenheit der Welt, die &lt;br /&gt;
furchtverbreitende Macht der Atombombe, die geistige Heimatlosigkeit des &lt;br /&gt;
Menschen, seine innere Zerrissenheit, der Verlust seiner inneren Lebensmitte&lt;br /&gt;
und Geborgenheit, die Fragwürdigkeit der heutigen Lebens- und Staatsordnungen &lt;br /&gt;
infolge der weitgreifenden Erschütterung des moralisch-sittlichen Gefüges &lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft sind Zerfallserscheinungen, die ihre &lt;br /&gt;
tiefste Ursache in der menschheitlichen Orientierungs- und &lt;br /&gt;
Führungslosigkeit haben. Vom Blickpunkt der Bahá’í-Religion aus erkennt&lt;br /&gt;
man neben dem Prozeß der Auflösung der alten politischen, sozialen&lt;br /&gt;
und religiösen Institutionen einen schöpferisch-aufbauenden Vorgang,&lt;br /&gt;
der nach der Verheißung Bahá’u’lláhs auf eine neue, göttlich bestimmte&lt;br /&gt;
Weltordnung abzielt, die Shoghi Effendi als die „Arche der &lt;br /&gt;
Menschheitserrettung“ bezeichnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Durch den zeugenden Einfluß des von Bahá’u’lláh verkündeten Glaubens &lt;br /&gt;
ist, so kann man sagen, diese neue Weltordnung empfangen worden. Wir &lt;br /&gt;
können im gegenwärtigen Augenblick ihre Bewegungen im Mutterleibe &lt;br /&gt;
einer in Kindesnöten befindlichen Zeit wahrnehmen — einer Zeit, &lt;br /&gt;
die auf die festgesetzte Stunde wartet, in welcher sie ihre Last &lt;br /&gt;
abwerfen und ihre schönste Frucht tragen kann.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese weltgeschichtliche Krisenentwicklung schrieb Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
bereits im Dezember 1938 u. a. folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„Die Gleichzeitigkeit solcher welterschütternder Krisen und die fortschreitende Entfaltung und Wahrnehmung ihrer göttlich bestimmten Aufgabe ist selbst das Werk der Vorsehung, der Plan einer unerforschlichen Weisheit und das Ziel eines allesbezwingenden Willens, eines Willens, der auf seine eigene geheimnisvolle Weise sowohl das Geschick des Glaubens, als auch das Schicksal der Menschen leitet und kontrolliert. Solche simultane Prozesse des Aufstiegs und Zerfalls, der Integration und Auflösung, der Ordnung und des Chaos, mit ihren fortgesetzten und wechselseitigen Reaktionen, sind nur Aspekte eines größeren Planes, eines einzigen und unteilbaren, dessen Quelle Gott ist, dessen Urheber Bahá’u’lláh, das Schauspiel, dessen Bühne der ganze Planet und dessen Endziel die Einheit der menschlichen Rasse und der Frieden der ganzen Menschheit sind.“ &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zwielichtigkeit dieser planetaren Krise, der Frieden aus Furcht&lt;br /&gt;
vor der Macht des anderen, die apokalyptischen Zukunftsbilder, die&lt;br /&gt;
immer häufiger heraufbeschworen werden, scheinen den Glauben an&lt;br /&gt;
eine sinnvolle höhere Entwicklung der Erdenbewohner radikal in Frage&lt;br /&gt;
zu stellen. Andererseits mehren sich die Stimmen, welche die Abwendung &lt;br /&gt;
der drohenden Gefahren allein aus einer weltweiten und&lt;br /&gt;
tiefgreifenden religiösen Erneuerung des Menschen erhoffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur auf dieser gleichzeitig Freiheit und höhere Bindung schaffenden &lt;br /&gt;
Grundlage wird es schließlich gelingen, eine gerechte und befriedete &lt;br /&gt;
Weltordnung aufzubauen. Sie muß unabdingbar die {{Sperrsatz|Erkenntnis der &lt;br /&gt;
geistigen Einheit der Menschheit als höchste organische Ganzheit}} zum &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt wählen. Toynbee schrieb einmal, daß, wenn es für das Problem &lt;br /&gt;
der Welteinheit eine Patentlösung gäbe, wir unsere Gelehrten dafür &lt;br /&gt;
bezahlen könnten, sie&lt;br /&gt;
{{page|162|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
zu finden. „Wenn diese Aufgabe aber — wie es in Wirklichkeit der&lt;br /&gt;
Fall ist — einen inneren Wandel des modernen Menschen erfordert,&lt;br /&gt;
dann können wir sie nicht irgendwelchen Fachleuten übertragen. &lt;br /&gt;
Jeder einzelne von uns muß die Arbeit selber leisten ... . Die großen &lt;br /&gt;
geschichtlichen Entscheidungen sind immer sittlich fundiert.“ &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|S. Radhakrishnan}} sagt in seiner Arbeit {{Sperrsatz|„Die &lt;br /&gt;
Gemeinschaft des Geistes“}}: „Wenn die Quellen des Geistes, aus denen &lt;br /&gt;
schöpferisches, individuelles und soziales Leben fließt, versiegen, brechen &lt;br /&gt;
intellektuelle, moralische und soziale Krankheiten aller Art aus. . . . Weder &lt;br /&gt;
wirtschaftliche Pläne noch politische Vereinbarungen können uns den&lt;br /&gt;
Frieden auf Erden bringen. Nur Menschen reinen Herzens können in der&lt;br /&gt;
Aufrechterhaltung des mystischen Akkords der Seelen Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe aufrichten.“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religion — aufbauende Ordnungsmacht&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer der Bahá’í-Religion, Bahá’u’lláh, schrieb über die&lt;br /&gt;
zentrale Bedeutung der Religion für das Zusammenleben der Menschen&lt;br /&gt;
und Völker: „Religion ist das vorzüglichste aller Mittel zur Begründung &lt;br /&gt;
von Ordnung in der Welt und zur friedlichen Begnügung aller,&lt;br /&gt;
die darin wohnen. Die Schwächung der Pfeiler der Religion hat die&lt;br /&gt;
Unwissenden gestärkt und sie kühn und anmaßend gemacht. Wahrlich,&lt;br /&gt;
Ich sage, was immer die erhabene Stufe der Religion erniedrigt hat,&lt;br /&gt;
das hat die Widerspenstigkeit der Gottlosen vermehrt, und das Ergebnis &lt;br /&gt;
kann nur Gesetzlosigkeit sein. . . Religion ist ein strahlendes Licht&lt;br /&gt;
und eine uneinnehmbare Feste für den Schutz und das Wohlergehen der&lt;br /&gt;
Völker der Welt, denn die Gottesfurcht treibt den Menschen an, sich&lt;br /&gt;
an das festzuhalten, was gut ist, und alles Böse zu meiden. Sollte die&lt;br /&gt;
Lampe der Religion verdunkelt werden, so werden Chaos und Verwirrung &lt;br /&gt;
die Folge sein, und die Lichter der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit, &lt;br /&gt;
der Ruhe und des Friedens werden zu scheinen aufhören.“ — „Wisse, daß &lt;br /&gt;
die, welche wahrlich weise sind, die Welt mit dem menschlichen Tempel &lt;br /&gt;
verglichen haben. Wie der Körper des Menschen eines Gewandes bedarf, &lt;br /&gt;
um sich zu bekleiden, so muß der Körper der Menschheit mit dem Mantel &lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit und Weisheit geschmückt sein. Ihr Prachtgewand ist &lt;br /&gt;
die Offenbarung, die ihr von Gott verliehen worden ist.&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion ist ihrem Wesen nach dynamisch, schöpferisch und &lt;br /&gt;
fortschreitend. Im Lichte der Einheit der göttlichen Wahrheit und ihrer&lt;br /&gt;
Offenbarer und im Hinblick auf die unbestreitbare geistige Verworrenheit &lt;br /&gt;
der Weltlage wird die weltgeschichtliche Sendung Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
jedem wachsamen und aufgeschlossenen Menschen erkennbar. Nach&lt;br /&gt;
göttlichem Willen wies Er uns den Weg über alle vermeintlichen&lt;br /&gt;
Grenzen hinaus zu einer universalen Verständigung und einem neuen&lt;br /&gt;
Menschheitsbewußtsein. Folgende Worte Bahá’u’lláhs verdeutlichen dies:&lt;br /&gt;
„Es steht dem nicht zu, sich zu brüsten, der sein eigenes Land liebt, &lt;br /&gt;
sondern eher dem, der die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur {{Sperrsatz|ein}} &lt;br /&gt;
Heimatland und die Menschheit ihre Bürger... Der, wahrlich, ist ein Mensch,&lt;br /&gt;
der sich heute dem Dienste am ganzen Menschengeschlecht weiht.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{page|163|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mancher mag einwenden, die Unterschiede und Gegensätze zwischen&lt;br /&gt;
den Völkern und Rassen seien unüberbrückbar. Völkerkundliche, &lt;br /&gt;
kulturgeschichtliche, psychologische, religionswissenschaftliche und &lt;br /&gt;
andere Untersuchungen haben erwiesen, daß der Mensch als Geschöpf und &lt;br /&gt;
Zeichen Gottes in seinen Grundanlagen ungeachtet seiner unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Lebens- und Haltungstypen entscheidende Gemeinsamkeiten mit seinesgleichen &lt;br /&gt;
hat. Der Biologe und Philosoph Hans Driesch schrieb in den 20er Jahren &lt;br /&gt;
unseres Jahrhunderts, es sei einfach nicht wahr, daß die verschiedenen &lt;br /&gt;
Völker sich grundsätzlich nicht „verstehen“ könnten. Er sagt mit&lt;br /&gt;
Recht, „daß {{Sperrsatz|grundsätzliche}} Verschiedenheiten der &lt;br /&gt;
seelischen Struktur bei den Völkern {{Sperrsatz|nicht}} vorlägen, &lt;br /&gt;
sondern nur {{Sperrsatz|Einseitigkeiten}} des Gesichtsfeldes und &lt;br /&gt;
Unterschiede in der kritischen Höhe der Ausbildung des &lt;br /&gt;
Weltbildes.“ &amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Neubildung afrikanischer und asiatischer&lt;br /&gt;
Staaten und ihre Aufnahme in die Vereinten Nationen liefern anschauliche &lt;br /&gt;
Beispiele für die Verstehbarkeit der Menschengrundrechte in den&lt;br /&gt;
sogenannten Entwicklungsländern und für die entscheidende Bedeutung&lt;br /&gt;
der Erziehung und Aufklärung. Eine der grundlegenden Forderungen&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs für die Verwirklichung Seiner Weltordnung ist die von&lt;br /&gt;
Staats wegen sicherzustellende gleichberechtigte Erziehung und &lt;br /&gt;
Ausbildung beider Geschlechter aller Völker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neues Geschichtsbewußtsein&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, geschichtlich betrachtet, verständlich, daß sich die Emanzipation&lt;br /&gt;
der afrikanischen und asiatischen Stämme und Völker meist noch in &lt;br /&gt;
rassisch-nationalistischen Formen vollzieht. Es sind dies nicht zuletzt &lt;br /&gt;
Spätfolgen falsch verstandener Kolonialpolitik. Hier kommt den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen keine leichte Aufgabe zu. Gerade dieser Prozeß der Neuentstehung &lt;br /&gt;
von Nationen zeigt deutlich, daß es mit wirtschaftlicher und sozialer &lt;br /&gt;
Hilfe allein nicht getan ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren seit der Französischen Revolution bis heute sind für die&lt;br /&gt;
Neuorientierung der Völker und Staaten so eindringlich, daß es eigentlich &lt;br /&gt;
keines Beweises bedarf für die Notwendigkeit, sich von einer &lt;br /&gt;
nationalstaatlichen Denkweise ab- und einer weltgeschichtlichen &lt;br /&gt;
Betrachtungsweise zuzuwenden. „Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die&lt;br /&gt;
Zeit einer ausschließlich nationalstaatlichen Geschichtsbetrachtung vorbei&lt;br /&gt;
ist. Die Geschichtswissenschaft muß den Sprung in die planetarische Zukunft &lt;br /&gt;
wagen, auch in der Erfassung der Vergangenheit. Sie wird den Nationalstaat &lt;br /&gt;
als geschichtliche Wirklichkeit, aber nicht mehr als letzten&lt;br /&gt;
Sinn der Geschichte begreifen.“ &amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit als Ganzes steht an einem einschneidenden Wendepunkt &lt;br /&gt;
ihres Schicksals. Den von ihr so sehr ersehnten Weltfrieden wird&lt;br /&gt;
sie nur durch eine föderative Weltordnung erringen, die Freiheit, &lt;br /&gt;
Vertrauenswürdigkeit, Gerechtigkeit und Einheit im Sinne ihrer göttlichen&lt;br /&gt;
Bestimmung verbürgt. Die Bahá’í-Religion vermittelt in großer und &lt;br /&gt;
überzeugender Klarheit den Weg zur Begründung dieser Einheit der &lt;br /&gt;
Menschheit. Darüber schrieb Shoghi Effendi:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Offenbarung Bahá’u’lláhs, deren höchste Sendung keine andere &lt;br /&gt;
ist als die Vollendung dieser organischen und geistigen Einheit&lt;br /&gt;
{{page|164|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
der ganzen Körperschaft der Nationen, sollte, wenn wir gegen deren&lt;br /&gt;
Folgerungen ehrlich sind, so betrachtet werden, als kündige sie durch&lt;br /&gt;
ihre Herabkunft {{Sperrsatz|das Kommen des Zeitalters der ganzen Menschenrasse}} &lt;br /&gt;
an. Sie sollte nicht nur als noch eine weitere geistige Wiederbelebung in &lt;br /&gt;
den immer wechselnden Geschicken der Menschheit betrachtet werden, &lt;br /&gt;
nicht nur als eine weitere Stufe in einer Reihenfolge fortschreitender &lt;br /&gt;
Offenbarungen, noch selbst nur als der Höhepunkt in einer Reihe &lt;br /&gt;
wiederkehrender prophetischer Zyklen, sondern vielmehr als ein Markstein &lt;br /&gt;
der letzten und höchsten Stufe in der erstaunlichen Entwicklung des &lt;br /&gt;
menschlichen Gesamtlebens auf diesem Planeten. Die dringende &lt;br /&gt;
Notwendigkeit einer Weltgemeinschaft, das Bewußtsein eines &lt;br /&gt;
Weltbürgertums, die Begründung einer Weltzivilisation und -kultur — die &lt;br /&gt;
alle mit den Anfangsstadien der Entfaltung des goldenen Zeitalters der &lt;br /&gt;
Bahá’í-Ara zusammenfallen müssen — sollten in ihrer wahren Natur, soweit &lt;br /&gt;
dieses planetarische Leben in Betracht kommt, als die äußersten Grenzen &lt;br /&gt;
in dem Bau der menschlichen Gesellschaft betrachtet werden, wenn auch &lt;br /&gt;
der Mensch als Einzelwesen in der Tat als Ergebnis solcher Vollendung &lt;br /&gt;
unbegrenzt weiter fortschreiten und sich entwickeln wird, ja muß...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum Gedenken an ‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor kurzem jährte sich zum 50. Male der Tag, an dem ‘Abdu’l-Bahá auf Seiner ersten Reise in den Westen in Paris eintraf. Dies nahmen die Pariser Bahá’í zum Anlaß einer Gedenkfeier, zu der sich 150 Freunde und Gäste am 1. Dezember 1961 im Hotel Lutetia im 7. Arrondissement zusammenfanden. Louis Henuzet sprach über die Grundlagen der künftigen Gemeinschaftsordnung, Lucienne Migette gab einen Überblick über die Geschichte der Bahá’í-Religion, und Professor A. Tamenne referierte über die Ansprachen, die ‘Abdu’l-Bahá seinerzeit in Paris hielt. Unser Bild zeigt (v. l.) Louis Henuzet, Professor Tamenne und Fräulein Migette während der Feierstunde.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|165|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinigung der ganzen Menschheit ist der Stempel der Stufe,&lt;br /&gt;
welcher sich die menschliche Gesellschaft jetzt nähert. Die Einheit&lt;br /&gt;
der Familie, der Sippe, des Kleinstaates und der Nation ist nacheinander &lt;br /&gt;
versucht und völlig erreicht worden. Welteinheit ist das Ziel,&lt;br /&gt;
dem eine gequälte Menschheit zustrebt. Das Werden von Nationen&lt;br /&gt;
ist zu einem Ende gekommen. Die einer staatlichen Herrschaft &lt;br /&gt;
anhaftende Gesetzlosigkeit nähert sich dem Höhepunkt. Eine Welt, die&lt;br /&gt;
zur Reife heranwächst, muß diesen Fetisch aufgeben, die Einheit und&lt;br /&gt;
Ganzheit der menschlichen Beziehungen erkennen und ein für allemal&lt;br /&gt;
das Räderwerk aufbauen, das diesen Hauptgrundsatz ihres Daseins&lt;br /&gt;
am besten verkörpern kann.“ &amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mächtige schon vor nahezu 100 Jahren ergangene Ruf Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
an die Staatsmänner, geistlichen Würdenträger, Philosophen, Wissenschaftler &lt;br /&gt;
und an alle Völker, Rassen und Menschen zu dieser aussöhnenden und &lt;br /&gt;
aufrichtigen Vereinigung zu {{Sperrsatz|einer}} Völkerfamilie in &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einem}} Glauben und im Gehorsam gegenüber dem {{Sperrsatz|einen}} &lt;br /&gt;
und {{Sperrsatz|einzigen}} Gott zieht sich wie ein goldener Faden durch &lt;br /&gt;
Seine Sendschreiben und umfangreichen Schriften, die auszugsweise in &lt;br /&gt;
mehr als 250 Ländern in über 270 Sprachen verbreitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wendet sich Bahá’u’lláh u. a. mit folgenden Worten an uns: „O ihr&lt;br /&gt;
Menschenkinder, die Grundabsicht, die den Gottesglauben und Seine&lt;br /&gt;
Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu schützen und&lt;br /&gt;
seine Einheit zu fördern . . . Dies ist der gerade Weg, die festgesetzte und&lt;br /&gt;
unbewegliche Grundlage. Was auch immer auf dieser Grundlage errichtet ist, &lt;br /&gt;
dessen Stärke kann Wechsel und Wandel der Welt nie beeinträchtigen, noch &lt;br /&gt;
wird der Umschwung unzähliger Jahrhunderte dessen Bau untergraben.“ — „Das &lt;br /&gt;
Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, &lt;br /&gt;
sofern nicht und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist . . . Dieses Ziel &lt;br /&gt;
überragt jedes andere Ziel, und dieses Streben ist der Fürst &lt;br /&gt;
alles Strebens.“ &amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesetze für organische Körper liegen nach den Lehren der Bahá’í-Religion &lt;br /&gt;
im übertragenen Sinne auch den Gemeinschaftsgebilden der Menschen zugrunde. &lt;br /&gt;
Krankheitsbilder lassen sich daher auch auf die&lt;br /&gt;
{{page|166|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschafts- und Staatsformen anwenden. Spannungen&lt;br /&gt;
und Gegensätzlichkeiten in den menschlichen und zwischenstaatlichen&lt;br /&gt;
Beziehungen haben in ihren organfeindlichen Störungen und &lt;br /&gt;
Ordnungswidrigkeiten immer geistige Gründe. So verstehen wir auch heute die&lt;br /&gt;
religiösen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen, die mehr und&lt;br /&gt;
mehr alle Kontinente und Völker ergriffen haben. Die Überwindung dieser &lt;br /&gt;
globalen Krisen übersteigt offensichtlich menschliches Vermögen. Um&lt;br /&gt;
im Bilde zu bleiben, ist der Menschheitskörper als Ganzes lebensgefährlich &lt;br /&gt;
erkrankt. Bahá’u’lláh spricht davon, daß nur Er als der göttliche Arzt&lt;br /&gt;
Heilung bringen könne. Die heilenden Kräfte strömen aus dem Geiste&lt;br /&gt;
Seiner Offenbarung. Der Heilprozeß erfordert, wie schon gesagt, sowohl&lt;br /&gt;
die geistige Wandlung und Erneuerung des einzelnen Menschen, als die&lt;br /&gt;
Verwirklichung Seines Heilsplanes für die ganze Menschheit, der &lt;br /&gt;
dokumentarisch und authentisch in der von Ihm niedergelegten, göttlich &lt;br /&gt;
bestimmten Welt- und Gemeinschaftsordnung seinen einzigartigen Niederschlag &lt;br /&gt;
gefunden hat. Diese durch ‘Abdu’l-Bahá im einzelnen autoritativ&lt;br /&gt;
erläuterte Weltordnung verbürgt in ihrem Aufbau soziale Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
treuhänderische, beratende und übernationale Zusammenarbeit im &lt;br /&gt;
Bewußtsein wahrer und weltoffener Bruderschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend von der tragenden Idee der geistigen Einheit der Menschheit &lt;br /&gt;
zielt die Weltordnung auf die Bildung eines föderativen Weltgemeinwesens &lt;br /&gt;
(Weltbundesstaat) ab, das als wesentliche Einrichtung eine Weltregierung, &lt;br /&gt;
ein Weltparlament, ein Weltschiedsgericht und eine Weltexekutive haben wird. &lt;br /&gt;
Eine Welthilfssprache, eine Weltschrift, ein welteinheitliches Währungs-, &lt;br /&gt;
Gewichts- und Maßsystem sollen den Verkehr und die Verständigung unter &lt;br /&gt;
den Nationen und Rassen aller Kontinente&lt;br /&gt;
vereinfachen und erleichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch Gottes „unwandelbaren Plan“ für die Menschheit vorbestimmte &lt;br /&gt;
Weltordnung ist in der Bahá’í-Weltgemeinschaft nach den geistigen &lt;br /&gt;
Prinzipien Bahá’u’lláhs und den Anleitungen ‘Abdu’l-Bahás keimhaft&lt;br /&gt;
als praktisches Vorbild in einer weltweiten Entwicklung und sinnvollen&lt;br /&gt;
Anwendung begriffen. ‘Abdu’l-Bahás religionsgeschichtlich einmalige&lt;br /&gt;
Stellung als der von Bahá’u’lláh testamentarisch eingesetzte „Mittelpunkt&lt;br /&gt;
des Bundes“ und als Ausleger des Wortes Gottes verbürgt den Schutz&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion vor einer Spaltung. Die geistige Einheit und &lt;br /&gt;
Unveränderlichkeit der Wahrheit des Wortes Gottes in der Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs einerseits und die administrativ örtlich, national und &lt;br /&gt;
übernational verankerte Bahá’í-Weltgemeinschaft ruhen auf den &lt;br /&gt;
Zwillingspfeilern des Hütertums und des Universalen Hauses &lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Shoghi Effendi schrieb, „verschmilzt (die Gemeinschaftsordnung&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs), wie keine von sterblicher Hand geformte Herrschaft es&lt;br /&gt;
seither vollbracht hat, die zweifellos in jedem“ der bisherigen &lt;br /&gt;
Regierungssysteme „enthaltenen gesunden Bestandteile und bringt sie &lt;br /&gt;
miteinander in Einklang, ohne die Reinheit jener gottgegebenen Wahrheiten, &lt;br /&gt;
auf die sie sich letzten Endes gründet, zu verfälschen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die neue Gemeinschaftsordnung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachstehend wird versucht, die wesentlichen Leitsätze der von Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
aufgestellten Gemeinschaftsordnung in kurzgefaßter Form wiederzugeben.&lt;br /&gt;
{{page|167|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1.&#039;&#039;&#039; Die Mitverantwortung jedes einzelnen ist durch seine aktiven und&lt;br /&gt;
passiven Wahlrechte in organischem Aufbau an der Gemeinschaft einer&lt;br /&gt;
gegliederten örtlichen, nationalen, überrassischen, übernationalen und&lt;br /&gt;
interreligiösen Ordnung sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;2.&#039;&#039;&#039; Das Wahlrecht ist durch geheime Persönlichkeitswahl ohne Wahlvorschläge &lt;br /&gt;
unabhängig in eigener Gewissenserforschung vornehmlich nach&lt;br /&gt;
Würdigkeitsgesichtspunkten und ungeachtet des Ranges und der Stellung der &lt;br /&gt;
zu wählenden Mitglieder auszuüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;3.&#039;&#039;&#039; Den periodisch zu wählenden Treuhändern der erforderlichen Einrichtungen &lt;br /&gt;
kommt volle Autorität und Unabhängigkeit gegenüber ihren Wählern in höchster &lt;br /&gt;
Verantwortung vor Gott zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4.&#039;&#039;&#039; Die Mitglieder der Treuhandgemeinschaften (Geistige Räte) müssen&lt;br /&gt;
„in Gebetsstimmung den Vorschriften und Eingebungen ihres Gewissens&lt;br /&gt;
folgen“ (Shoghi Effendi). Nach gewissenhaftem Vertrautsein mit dem Einzelfall &lt;br /&gt;
steht der Institution das Recht freier Entscheidung nach der erforderlichen &lt;br /&gt;
Beratung und auf Grund ordentlicher Beschlußfassung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;5.&#039;&#039;&#039; Die Freihaltung von Vorurteilen jeglicher Art ist ein wesentliches&lt;br /&gt;
Gebot. Die unheilvollen Folgen von Vorurteilen politischer, religiöser,&lt;br /&gt;
ständischer, rassischer und anderer Natur sind hinreichend bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6.&#039;&#039;&#039; Die Führung ist immer in die Hände eines gewählten Gremiums zu&lt;br /&gt;
legen, das jegliche diktatorische oder persönliche Machtausübung ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;7.&#039;&#039;&#039; In allen Institutionen für gemeinschaftliche Belange ist stets das&lt;br /&gt;
grundlegende Prinzip der freimütigen und harmonischen Beratung hochzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8.&#039;&#039;&#039; Allen Beratungen und Lösungen liegt der Leitgedanke der Förderung &lt;br /&gt;
und Erhaltung der geistigen Einheit der Menschheit als das oberste&lt;br /&gt;
Gemeinwesen zugrunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9.&#039;&#039;&#039; Für den Geist aller Gemeinschaftsformen ist die Einheit der göttlichen &lt;br /&gt;
Offenbarungswahrheiten und der wissenschaftlichen Erfahrungswahrheiten der &lt;br /&gt;
tragende Grund. Insbesondere gilt dies auch für die Begegnung der Religionen &lt;br /&gt;
und die Förderung der Völkerverständigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;10.&#039;&#039;&#039; Die Lösung der sozialen Fragen als Grundbedingung für die Befriedigung der &lt;br /&gt;
Welt beruht auf der Grundlage der wechselseitigen Abhängigkeit von Kapital und Arbeit &lt;br /&gt;
einerseits und einer gerechten Begrenzung von Reichtum und Armut unter Wahrung des &lt;br /&gt;
Leistungsprinzips und gerechter Entlohnung andererseits. Jede Arbeit, die &lt;br /&gt;
menschendienend ist, trägt gottesdienstlichen Charakter. Arbeit ist soziale &lt;br /&gt;
Verpflichtung des einzelnen. Gerechte Steuer- und Erbgesetzgebung ist Bestandteil der&lt;br /&gt;
sozialen Gebote der Bahá’í-Religion. Die sozialen Probleme erfahren durch diese eine &lt;br /&gt;
umfassende Lösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;11.&#039;&#039;&#039; Die Verankerung der Menschenrechte und -pflichten soll in einer von allen &lt;br /&gt;
Staaten aus freiem Entschluß anzunehmenden Weltverfassung vollzogen und einheitlich &lt;br /&gt;
in die nationalstaatlichen Verfassungen eingebaut werden.&lt;br /&gt;
{{page|168|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;12.&#039;&#039;&#039; Mitentscheidend wurzelt die Bahá’í-Weltordnung in der religiösen Wiedergeburt &lt;br /&gt;
des einzelnen als Zellträger jeder Gemeinschaft und in der Verwirklichung der Religion &lt;br /&gt;
als die schöpferische Lebensmitte und gemeinschaftsbildende Kraft zur Aussöhnung und &lt;br /&gt;
Einigung der Völker und Rassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sehnsucht des Menschen nach Frieden und Freiheit, nach Herausführung &lt;br /&gt;
aus Furcht und Unsicherheit findet Antwort in dem verheißungsvollen Plan &lt;br /&gt;
Gottes für die Zukunft der Menschheit. In unendlicher Liebe und Gnade für &lt;br /&gt;
Seine Geschöpfe hat Gott in Erneuerung Seines Bündnisses durch Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
den Heilsweg gewiesen. An uns Menschen liegt es heute, gläubig, zuversichtlich &lt;br /&gt;
und entschlossen diesen Weg zu beschreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. Eugen Schmidt&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; George Ronald Verlag, Oxford, deutsche Ausgabe, 1954&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Shoghi Effendi, „Die Entfaltung der neuen Weltzivilisation“, Stuttgart, 1936, S. 12.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; „The Advent of Divine Justice“, New York, 1939, S. 60.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Holle Verlag, Sonderausgabe Europäischer Buchklub, S. 370 und 371,&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Entfaltung der göttlichen Weltzivilisation, S. 32/33.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; ebenda, S. 47.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Die sittliche Tat“, 1927, S. 145.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt; Prof. Dr. Hermann Heimpel, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 1959, Nr. 71, S. 9.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Entfaltung, S. 5 und 51.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt; ebenda, S. 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religion und die Sehnsucht nach Einheit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Ansprache des indischen Vizepräsidenten Sarvepalli Radhakrishnan anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 22. Oktober vergangenen Jahres wurde dem indischen Vizepräsidenten und Religionsphilosophen, Sarvepalli {{Sperrsatz|Radhakrishnan}}, in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Es war in mehrfacher Hinsicht ein bedeutsames Ereignis; nicht nur, daß dieser Preis erstmals an eine Persönlichkeit außerhalb des christlichen Kulturkreises vergeben worden ist — der Träger des Preises hat in seiner Ansprache auch Gedanken entwickelt, die in dieser Prägnanz hierzulande selten zu hören sind, zumindest kaum in einer so weiten Öffentlichkeit. (Die Verleihung wurde vom Deutschen Fernsehen übertragen.) Sarvepalli Radhakrishnan hob vor allem auf die {{Sperrsatz|Einheit}} der {{Sperrsatz|Religionen}} ab und auf ihre gemeinsame Quelle, Gott. In der Würdigung der Person Radhakrishnans hatte zuvor der Marburger Theologie-Professor D. Dr. Ernst {{Sperrsatz|Benz}} u.a. gesagt, Sarvepalli Radhakrishnan habe mit seinen Werken eine neue Periode geistiger Begegnung der großen Weltreligionen und der durch sie geprägten Kulturen eröffnet. Mit der Erkenntnis der Pluralität der Weltreligionen sei eine gründliche Veränderung in der Struktur des religiösen Bewußtseins des heutigen Menschen eingetreten, betonte Professor Dr. Benz in seiner „Laudatio“. — Die Redaktion der „Bahá’í-Briefe“ veröffentlicht im folgenden den Wortlaut der Ansprache von Sarvepalli Radhakrishnan, der, und das ist sicherlich von Interesse, die Lehren Bahá’u’lláhs, des Begründers der Bahá’í-Religion, sehr gut kennt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich danke dem Vorsteher und den Mitgliedern des Vorstandes des &lt;br /&gt;
Deutschen Buchhandels für Ihren freundlichen Vorschlag, mich für den&lt;br /&gt;
{{page|169|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
Friedenspreis 1961 auszuwählen. Es ist eine wirkliche Auszeichnung für&lt;br /&gt;
mich, zu denen gezählt zu werden, die ihr ganzes Leben und ihre Schriften &lt;br /&gt;
in den Dienst des Friedens gestellt haben, und ich würdige dies&lt;br /&gt;
ganz besonders. Wenn meine Schriften und anderen Werke der Welt&lt;br /&gt;
etwas Wertvolles geben konnten, dann vielleicht deshalb, weil ich tief&lt;br /&gt;
an das menschliche Wesen und an den freien Geist des Menschen glaube. &lt;br /&gt;
Die Auszeichnung für jemanden, der nicht der traditionellen Kultur Europas &lt;br /&gt;
und Amerikas angehört, kennzeichnet ihren internationalen Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Dr. Benz war in der Würdigung meines Werkes außerordentlich &lt;br /&gt;
großzügig. Er bezog sich auf die hervorragenden Beiträge, die deutsche &lt;br /&gt;
Indologen, deutsche Forscher und deutsche Verleger für das Studium des &lt;br /&gt;
indischen Denkens geleistet haben. Wir stehen Ihnen gegenüber in tiefer &lt;br /&gt;
Dankesschuld. Als Mensch, der sich sein Leben lang dem&lt;br /&gt;
Studium der Philosophie und der Religion gewidmet hat, glaube ich ein&lt;br /&gt;
feines Empfinden für die metaphysischen Nuancen und mystischen Feinheiten &lt;br /&gt;
Ihrer klassischen Denker und Ihrer betrachtenden Propheten zu besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Professor Benz bezog sich auf eine Erklärung, die ich 1947 in&lt;br /&gt;
Delhi abgegeben habe. Ich darf sagen, daß sich diese Worte auf die &lt;br /&gt;
gegenwärtige Lage in Deutschland anwenden lassen. Politik als Ganzes mag&lt;br /&gt;
nicht existieren, aber Geschichte als Ganzes lebt, unabhängig davon, wie&lt;br /&gt;
weit der Geist fehlt, ob von sich selbst getrennt und ob unbewußt ihrer&lt;br /&gt;
eigenen Existenz. Der Weg zum Ziel mag lang und anstrengend sein,&lt;br /&gt;
er mag voller Mühsal und Leiden sein, aber es wird schließlich erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit, in der sich neue Wege der Einrichtung menschlichen&lt;br /&gt;
Lebens zu behaupten beginnen, werden Schriftsteller auf den Plan gerufen, &lt;br /&gt;
die eine Verpflichtung für die menschliche Wohlfahrt fühlen, um&lt;br /&gt;
die neuen Ideale konstruktiv anzupacken und um sich mit Begeisterung&lt;br /&gt;
und Hingabe ihrer Darstellung zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Gebäude war das Symbol deutscher liberaler Bestrebungen seit&lt;br /&gt;
dem ersten vereinten Parlament, das sich hier 1848 versammelte. Es ist&lt;br /&gt;
eine Mahnung für uns, in dieser schweren Stunde menschlicher Geschichte&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit für moralische und geistige Werte klar zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In materieller Hinsicht haben sich die Bedingungen, unter denen wir&lt;br /&gt;
leben, in wenigen Jahrzehnten radikaler geändert als im Zeitraum von&lt;br /&gt;
Jahrhunderten der Vergangenheit. Das Maß und die Schnelligkeit dieser&lt;br /&gt;
Veränderungen schließen einen radikalen Bruch mit früheren Bedingungen &lt;br /&gt;
ein. Die rasche Vereinigung der Welt, die jetzt durch moderne Methoden &lt;br /&gt;
des Verkehrs und der Nachrichtenverbindungen stattfindet, ist die&lt;br /&gt;
wirksamste und weitreichendste, die wir bisher gekannt haben. Führende&lt;br /&gt;
Menschen der Zivilisationen und Propheten der Religionen träumten von&lt;br /&gt;
einer einzigen Welt, aber ihr Ideal konnte zu ihrer Zeit nicht erfüllt&lt;br /&gt;
werden. Heute sind alle Teile der menschlichen Rasse miteinander in&lt;br /&gt;
Kontakt. Wenn wir in Frieden leben wollen, können wir nicht auf halbem&lt;br /&gt;
Wege zur vollständigen Vereinigung stehenbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sache ist dringend geworden, da wir militärische Waffen mit&lt;br /&gt;
Atomkraft herstellen. Jeder Atomkrieg kann nur in einer wilden Orgie&lt;br /&gt;
{{page|170|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
der Zerstörung enden. Wir haben zwischen zwei Alternativen zu wählen: &lt;br /&gt;
uns zu zerstören oder zu lernen, als Mitglieder einer einzigen Familie&lt;br /&gt;
zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die menschliche Rasse überleben soll, müssen wir den Nationalstolz &lt;br /&gt;
dem internationalen Denken unterordnen. Eine Nation hat ihren&lt;br /&gt;
Platz in der internationalen Ordnung, aber wenn sie ihre eigenen Interessen &lt;br /&gt;
über die der menschlichen Gemeinschaft stellt, wird es gefährlich.&lt;br /&gt;
Die Geschichte ist voll von Konflikten — Persien und Griechenland,&lt;br /&gt;
Karthago und Rom, die Christenheit und der Islam, die Achse und die&lt;br /&gt;
alliierten Mächte Heute haben wir gespannte Beziehungen zwischen&lt;br /&gt;
den großen Gruppen, die von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion &lt;br /&gt;
geführt werden. Es ist notwendig, daß diese sich nicht in passiver,&lt;br /&gt;
bewaffneter Koexistenz lösen, sondern in tätiger Zusammenarbeit, um&lt;br /&gt;
daraus eine menschliche Gesellschaft zu entwickeln, die sich auf eine&lt;br /&gt;
Gemeinsamkeit von Idealen und Zielen gründet. Überzeugung und &lt;br /&gt;
Zusammenarbeit sind moralische Imperative geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Stuttgart wurde Sarvepalli Radhakrishnan (mit Schriftstück) von Professor Theodor Heuß (rechts) empfangen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die gegenwärtige Situation nicht im Chaos enden soll, müssen wir&lt;br /&gt;
uns bemühen, eine weitaus bessere Welt zu bauen als die, die jemals zuvor &lt;br /&gt;
bestand. Es liegt an uns zu wählen. Wir sollten nicht glauben, daß&lt;br /&gt;
alles durch die rein physische Kette der Ereignisse bestimmt ist. Wenn&lt;br /&gt;
wir die menschliche Freiheit verwerfen und glauben, daß wir vom Strudel&lt;br /&gt;
der Ereignisse mitgerissen werden und daß dieser Strom uns in ein Chaos&lt;br /&gt;
schwemmt, dann wird das auch geschehen, und wir werden verantwortlich &lt;br /&gt;
{{page|171|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
dafür sein. Wenn wir auf die Torheiten, Verbrechen und die Massaker&lt;br /&gt;
der Geschichte schauen, dann finden wir, daß sie möglich waren, weil&lt;br /&gt;
die Menschen die Stimme ihres Gewissens unterdrückten, unter dem Gesetz &lt;br /&gt;
des Staates Schutz suchten und ihre Freiheit der Masse überantworteten. &lt;br /&gt;
Einige Führer der Religionen und Nationen töteten die öffentliche Meinung &lt;br /&gt;
ab und kontrollierten sie durch Massenpropaganda, Gehirnwäsche usw., bis &lt;br /&gt;
ihre Nachfolger aufhörten, sich für ihre Handlungen verantwortlich zu fühlen. &lt;br /&gt;
Sie wurden Bündel von Vorurteilen und Feindschaften, engherzigen &lt;br /&gt;
Treuegefühlen und geistiger Verwirrung. Dieses unnatürliche Abschütteln &lt;br /&gt;
menschlicher Verantwortung findet sich sehr&lt;br /&gt;
klar in dem Epigramm: „Es war nicht Adams Schuld; es war nicht Evas&lt;br /&gt;
Schuld, es war nicht die Schuld der Schlange; schuld war der Apfel“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder einmal, wie so oft in der Geschichte, zeigen sich in Zeiten&lt;br /&gt;
großer Gefahr Möglichkeiten eines Auswegs. Vielleicht langsam, Schritt&lt;br /&gt;
für Schritt, unmerklich, ungeachtet all dessen, was die geistige Wiedergeburt &lt;br /&gt;
der Menschen dafür aufwendet. Denkende Menschen leiden unter&lt;br /&gt;
der Unordnung, sie leiden unter einer schweren Last von Schuld. Sie&lt;br /&gt;
fühlen sich zutiefst gedemütigt. Sie beginnen, an sich selbst und ihrem&lt;br /&gt;
Wert zu zweifeln. Ihr Vertrauen ist erschüttert, wenn sie sich darüber&lt;br /&gt;
klar werden, daß wir, menschliche Wesen, die Anspruch darauf erheben, &lt;br /&gt;
zivilisiert zu sein, im letzten Krieg unfaßbare Grausamkeiten begingen und &lt;br /&gt;
dies sogar jetzt noch in manchen Teilen der Welt tun. Sie fühlen, daß ihre &lt;br /&gt;
Hoffnungen zerstoben sind und ihre Träume entwertet.&lt;br /&gt;
Sie sind darüber besorgt, daß unsere Führer wieder den Kopf verlieren&lt;br /&gt;
könnten und uns durch Mißbrauch von Atomkraft vernichten. Sie sind&lt;br /&gt;
zornig über den offensichtlichen Zynismus, die Heuchelei und Ziellosigkeit &lt;br /&gt;
einer Generation, zu der sie keine Sympathie haben. Sie protestieren &lt;br /&gt;
gegen die Gemeinheit und Niedrigkeit des Lebens. Dennoch leben sie&lt;br /&gt;
in Hoffnung. Es ist eine grundlegende menschliche Forderung, mit den&lt;br /&gt;
Dingen, so wie sie sind, unzufrieden zu sein, nach etwas Besserem zu&lt;br /&gt;
verlangen als dem, was ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre großen Denker verstehen die gegenwärtige Situation, die geistige&lt;br /&gt;
Gefahr der menschlichen Persönlichkeit, die ein Zahn in der sozialen&lt;br /&gt;
Maschine wird und damit ihre Substanz, ihre Freiheit, ihre Eigenart verliert. &lt;br /&gt;
Sie versuchen, die Freiheit und die Eigenart zu erhalten. Es gibt&lt;br /&gt;
eine geheimnisvolle Schicht in unserem Ich, die nicht von äußerlichen&lt;br /&gt;
Prozessen berührt wird, ein Element, das uns befähigt, Qualen auszuhalten &lt;br /&gt;
und Druck zu widerstehen. Der Mensch ist kein Automat, der mit&lt;br /&gt;
vorherzusagenden Antworten auf äußere Reizeinwirkungen reagiert. Er&lt;br /&gt;
hat eine Dimension der Tiefe. Er lebt auf der Oberfläche, wenn er sich&lt;br /&gt;
mit Äußerlichkeiten begnügt. Aber es gibt eine reinere Freude, die&lt;br /&gt;
der innersten Tiefe seines Wesens thront, die ihm in all ihrer Majestät&lt;br /&gt;
bewußt wird, wenn er auf seine eigennützigen Begierden und seinen&lt;br /&gt;
äußerlichen Besitz verzichtet — eine Freude, die nicht einmal der Tod&lt;br /&gt;
stören kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen heute Geschichte. Durch die Wahl, die wir treffen, können&lt;br /&gt;
wir den Strom der Ereignisse verändern. Wir können dies nur tun,&lt;br /&gt;
wenn wir das individuelle Gewissen bewahren. Wir müssen den Nationenstaat &lt;br /&gt;
der Aura des Absoluten entkleiden und das individuelle &lt;br /&gt;
{{page|172|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
Gewissen wieder auf seinen zentralen Platz setzen. Wir müssen aufhören,&lt;br /&gt;
Menschen anderer Nationen als Fremde oder Feinde anzusehen, sondern&lt;br /&gt;
müssen sie wie menschliche Wesen unserer eigenen Art behandeln. Wir &lt;br /&gt;
müssen uns an der Rückkehr zu den Prinzipien individueller Freiheit&lt;br /&gt;
und der Weltfreundschaft begeistern. Dies ist keine Zeit für Zorn, &lt;br /&gt;
sondern für Demut, für Sorge, für Anstrengungen, für Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was uns hilft, Herren unserer selbst zu werden, ist die {{Sperrsatz|Religion}}.&lt;br /&gt;
Doch sie ist leider auf einem Tiefstand angelangt. Ihre Erfolge liegen&lt;br /&gt;
auf der Hand, aber die Massen der Menschen in vielen Ländern sind&lt;br /&gt;
ihrem wirklichen Geist entfremdet. Man muß scharf unterscheiden zwischen &lt;br /&gt;
philosophischem Verstehen und Befreiung von der Tyrannei der&lt;br /&gt;
Begierden. Ein orthodoxer Christ wurde gefragt, was nach seiner Ansicht &lt;br /&gt;
mit ihm geschehen würde, wenn er stürbe, und er antwortete: „Ich&lt;br /&gt;
glaube, ich werde in einen Zustand ewiger Wonne eintreten, aber ich&lt;br /&gt;
wünschte, Sie würden nicht über solche niederdrückenden Dinge sprechen.“ &lt;br /&gt;
Intellektuelle Wahrnehmung unterscheidet sich vom gefühlsmäßigen &lt;br /&gt;
Begreifen. In den Tiefen seiner Natur sehnt sich der Mensch nach&lt;br /&gt;
einem umfassenden Bewußtsein der Wirklichkeit, in der er lebt und sich&lt;br /&gt;
bewegt. Über den Sorgen, Verwirrungen und Enttäuschungen, die den&lt;br /&gt;
Menschen belagern, strahlt in der Welt die geistige Macht, die, wie in&lt;br /&gt;
allen Dingen der Schöpfung, in der Seele des Menschen wohnt. Diese&lt;br /&gt;
geistige Macht beleuchtet seinen Weg zum wahren Leben. Das Ziel&lt;br /&gt;
aller Glaubensbekenntnisse liegt darin, im einzelnen Menschen das &lt;br /&gt;
Bewußtsein für das Königreich des Lichts in sich selbst zu wecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Licht zu sehen, im Geiste wiedergeboren zu werden, ist die hohe&lt;br /&gt;
Mission, zu der wir alle berufen sind. Wenn Religion als innerer Wandel&lt;br /&gt;
und Selbstreinigung verstanden wird, werden ihre Triumphe entscheidend&lt;br /&gt;
sein. Sie wird mit neuer Kraft strahlen, und eine neue Macht wird von&lt;br /&gt;
ihr ausgehen. Wenn wir unter Religion persönliche Begegnung mit &lt;br /&gt;
dem Höchsten verstehen, dann werden wir auch demütig sein in der&lt;br /&gt;
Beschreibung der Natur des Wirklichen. Im Geiste der Upanischaden und&lt;br /&gt;
Buddhas sagte Goethe: „Gott wird ihnen, besonders den Geistlichen, die&lt;br /&gt;
ihn täglich im Mund führen, zu einer Phrase, zu einem bloßen Namen&lt;br /&gt;
wobei sie sich auch gar nichts denken. Wären sie aber durchdrungen&lt;br /&gt;
von seiner Größe, sie würden verstummen und ihn vor Verehrung nicht&lt;br /&gt;
nennen mögen.“ Jede Religion hat ihre Priester, Philosophen und Propheten. &lt;br /&gt;
Eine Religion lebt durch ihre Begnadeten, die Heiligen, die Seher und&lt;br /&gt;
Propheten. Darf ich William Penn zitieren: „Die demütigen, sanftmütigen, &lt;br /&gt;
dankbaren, gerechten, frommen und ergebenen Seelen sind überall von &lt;br /&gt;
der gleichen Religion. Wenn der Tod die Maske abgenommen hat,&lt;br /&gt;
dann werden sie einander kennen, trotz der verschiedenen Gewänder,&lt;br /&gt;
die sie hier tragen und die sie hier voneinander unterscheiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Benz hat das Zusammentreffen der Religionen im Laufe der&lt;br /&gt;
Geschichte aufgezeigt. Der Westen ist sich seit langem der drei großen&lt;br /&gt;
Religionen Judaismus, Christentum und Islam bewußt. Im 19. Jahrhundert&lt;br /&gt;
wuchs die Kenntnis vom Hinduismus, Buddhismus und anderen asiatischen &lt;br /&gt;
Religionen, und dies beeinflußte das religiöse Denken des Westens.&lt;br /&gt;
Er bezog sich auf Schopenhauers Führerrolle auf diesem Gebiet. Heute&lt;br /&gt;
wirken christliche und nichtchristliche Religionen wie nie zuvor &lt;br /&gt;
{{page|173|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
gegenseitig aufeinander ein. Lassen Sie mich klar sagen, daß ich nicht von&lt;br /&gt;
der Notwendigkeit eines Weltglaubens überzeugt bin, einer Auslese, die&lt;br /&gt;
die wertvollen Elemente aller Religionen vereint. Jeder Versuch, eine&lt;br /&gt;
Religion zu schaffen, die doch nicht eine Religion im besonderen ist,&lt;br /&gt;
muß ebenso unhaltbar sein wie der Versuch zu sprechen, ohne eine&lt;br /&gt;
bestimmte Sprache zu reden. Wir anerkennen die verschiedenen Religionen, &lt;br /&gt;
aber erkennen die {{Sperrsatz|Einheit}}, die ihnen zugrunde liegt. Wir wollen&lt;br /&gt;
nicht die Vielfalt verflachen oder Gleichförmigkeit auferlegen. &lt;br /&gt;
Verschiedenheit bedeutet nicht Teilung, ebenso wie Vielfalt nicht Zwietracht&lt;br /&gt;
bedeutet. Jede Religion wird es lernen, unter Aufrechterhaltung ihrer&lt;br /&gt;
Individualität, die Werte der anderen anzuerkennen. Wir glauben nicht&lt;br /&gt;
an irgendwelche begünstigten Rassen oder auserwählte Menschen oder&lt;br /&gt;
ausschließliche Wahrheiten. Unsere Seher boten allen Glaubensbekenntnissen &lt;br /&gt;
Gastfreundschaft und verkündeten, daß „er allein sieht, der alle&lt;br /&gt;
Lebewesen in sich selbst sieht“. Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse &lt;br /&gt;
sind wie die verschiedenen Finger der liebenden Hand des Höchsten. &lt;br /&gt;
Sie wenden sich an alle und bieten Vollkommenheit des Seins für&lt;br /&gt;
alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nächsten Monat wird der Weltkirchenrat seine dritte Versammlung&lt;br /&gt;
in Neu-Delhi abhalten. (Das war im November 1961. D. Red.) Die Mitglieder &lt;br /&gt;
der verschiedenen nicht-römischen christlichen Bekenntnisse bemühen sich &lt;br /&gt;
um Verständnis untereinander und Zusammenarbeit miteinander. Der Besuch &lt;br /&gt;
Dr. Fishers, noch in seiner Eigenschaft als Erzbischof von Canterbury, &lt;br /&gt;
beim Vatikan ist ein Zeichen der Zeit, ein Ausdruck der Sehnsucht &lt;br /&gt;
nach Einheit. Die gleiche Annäherung kann auch zu&lt;br /&gt;
den nicht-christlichen Religionen gefunden werden. William Penn sagte:&lt;br /&gt;
„Es wäre besser, zu gar keiner Kirche zu gehören, als irgendeine zu&lt;br /&gt;
hassen.“ Wir werden durch eine lebendige Verbindung des Geistes und&lt;br /&gt;
des Herzens, durch einen gemeinsamen Sinn für das letzte Geheimnis&lt;br /&gt;
der Gottheit, eine geistige Haltung entwickeln, ein intellektuelles Maß,&lt;br /&gt;
das Rassenstolz und religiöse Anmaßung entmutigt. Es ist unsere Hoffnung, &lt;br /&gt;
daß Religionen nicht nur passive Koexistenz entwickeln, sondern&lt;br /&gt;
aktive Zusammenarbeit, und zwar nicht durch Gewalt oder Kompromiß,&lt;br /&gt;
sondern durch Selbstkritik und Selbsteroberung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein alter Upanischad-Text sagt: „Er, der der Eine ist, der keine Unterschiede &lt;br /&gt;
der Rasse kennt, der über den angeborenen Bedürfnissen der&lt;br /&gt;
Menschen aller Farben steht, der alle Dinge vom Anfang bis zum Ende&lt;br /&gt;
zusammenfaßt — möge er uns miteinander vereinen in der Weisheit,&lt;br /&gt;
die das Gute schafft.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Hindenburgstraße 161; Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|174|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
{{page|175|file=Baha&#039;i_Briefe_07.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
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		<title>Bahai Briefe/Heft 5/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Juli 1961&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 4/Text|Heft 4]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 6/Text|Heft 6]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|103|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
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WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: Das Geheimnis göttlicher Kultur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol und Tabak&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und der moderne Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JULI 1961 HEFT 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|104|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|105|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Offenbarung jedes himmlischen Buches, ja,&lt;br /&gt;
jedes von Gott geoffenbarten Verses liegt die Absicht&lt;br /&gt;
zugrunde, alle Menschen mit Rechtschaffenheit und Einsicht &lt;br /&gt;
zu begaben, damit Friede und Ruhe dauerhaft&lt;br /&gt;
unter ihnen begründet werden. Alles, was den Herzen&lt;br /&gt;
der Menschen Sicherheit einflößt, ihre Stufe erhöht oder&lt;br /&gt;
ihre Zufriedenheit fördert, ist vor Gott wohlgefällig.&lt;br /&gt;
Wie erhaben ist die Stufe, die der Mensch erlangen&lt;br /&gt;
kann, wenn er sich dazu entschließt, seine hohe Bestimmung &lt;br /&gt;
zu erfüllen! In welche Tiefen der Erniedrigung&lt;br /&gt;
aber kann er sinken, Tiefen, die die niedrigsten &lt;br /&gt;
Geschöpfe noch nie erreicht haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Freunde, ergreift die Gelegenheit, die dieser Tag&lt;br /&gt;
euch bietet, und verscherzt nicht die großmütigen Gaben&lt;br /&gt;
Seiner Gnade! Ich flehe zu Gott, daß Er euch alle&lt;br /&gt;
gnädig befähigen möge, euch an diesem Tag mit dem&lt;br /&gt;
Schmucke reiner, heiliger Taten zu zieren. Wahrlich,&lt;br /&gt;
Er tut, was Er will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese CI. S. 135&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|106|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu‘l-Bahá:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Geheimnis göttlicher Kultur (II)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortsetzung von Seite 97 der „BAHA’I-BRIEFE&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; “The Secret of Divine Civilization’ by ’Abdu’l-Bahá, translated from the &lt;br /&gt;
original Persian text by Marzieh Gail, Bahá’í Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA,&lt;br /&gt;
1957 Seite 33 ff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung mit Genehmigung des Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rates der Bahá’í von USA von Peter A. Mühlschlegel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eigenschaften des Gebildeten&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistig Gebildeten sind Leuchten der Führung unter den Nationen&lt;br /&gt;
und Sterne des Glücks, die vom Horizont des Menschentums strahlen.&lt;br /&gt;
Sie sind Springbrunnen des Lebens für solche, die dem Tode stumpfer&lt;br /&gt;
Unwissenheit verfallen sind, und reine Quellen der Vollkommenheit für&lt;br /&gt;
jene, die dürstend durch die Wüsten ihrer Fehler und Irrtümer wandern. &lt;br /&gt;
Die Dämmerorte der Zeichen göttlicher Einheit sind sie, und Eingeweihte &lt;br /&gt;
in die Geheimnisse des ruhmreichen Qur’án. Sie sind erfahrene Ärzte für &lt;br /&gt;
den kranken Körper der Welt und das sichere Heilmittel&lt;br /&gt;
gegen das Gift, das die menschliche Gesellschaft verderbt hat. Sie&lt;br /&gt;
sind es, die als starke Feste die Menschheit beschützen, sie sind die&lt;br /&gt;
unantastbare Freistatt für die Bedrängten, die Bekümmerten und Gequälten &lt;br /&gt;
und für die Opfer der Unwissenheit. „Wissen ist ein Licht, das&lt;br /&gt;
Gott ins Herz wirft wem immer Er will.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jedes Ding hat Gott ein Zeichen und Sinnbild geschaffen, hat Er&lt;br /&gt;
Maßstäbe und Prüfsteine aufgestellt, nach denen es beurteilt werden&lt;br /&gt;
kann. Die geistig Gebildeten müssen sich durch innere wie äußere&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten auszeichnen; sie müssen einen guten Charakter, ein&lt;br /&gt;
aufgeschlossenes Wesen, reine Absichten so gut wie Verstandeskraft,&lt;br /&gt;
Scharfsinn, Unterscheidungs- und Einfühlungsvermögen besitzen, ferner &lt;br /&gt;
müssen sie besonnen, vorsichtig, beherrscht und ehrerbietig sein&lt;br /&gt;
und Gott aufrichtig fürchten. Denn eine Kerze, die nicht brennt, ist,&lt;br /&gt;
so dick und groß sie auch sein mag, nicht besser als ein dürrer Baum&lt;br /&gt;
oder ein Haufen Reisig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine bestätigte Überlieferung sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Wer ein Gebildeter&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist, muß&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(I) sich selbst bewahren,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(II) seinen Glauben verteidigen,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(III) seinen Leidenschaften widerstehen und&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(IV) die Gebote seines Herrn befolgen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sodann ist es die Pflicht des Volkes, sich an sein Beispiel zu halten.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; ‘ulamá (vom arabischen ‘alima = wissen) kann auch als „Gelehrter“, &lt;br /&gt;
„Wissenschaftler“, „religiöse Autorität“ übersetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diese erlauchten und heiligen Worte alle Voraussetzungen der&lt;br /&gt;
Bildung beinhalten, ist eine kurze Erläuterung ihres Sinns angebracht.&lt;br /&gt;
Wem es auch immer an diesen göttlichen Fähigkeiten gebricht, wer&lt;br /&gt;
{{page|107|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
diese unabdingbaren Erfordernisse nicht in seiner Lebensführung an&lt;br /&gt;
den Tag legt, sollte nicht als ein Gebildeter angesehen werden und ist&lt;br /&gt;
nicht wert, den Gläubigen als Vorbild zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;. . . sich selbst bewahren&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste dieser Erfordernisse ist, sich selbst zu bewahren. Offensichtlich &lt;br /&gt;
bedeutet dies nicht, daß man sich vor Unglück und materiellen Prüfungen &lt;br /&gt;
schützt; denn alle Propheten und Heiligen waren dem&lt;br /&gt;
bittersten Leid, das die Welt zu bieten hat, ausgesetzt und dienten der&lt;br /&gt;
Menschheit zur Zielscheibe ihrer Grausamkeit und Angriffslust. Sie&lt;br /&gt;
gaben ihr Leben für das Wohlergehen des Volkes, und aus ganzem&lt;br /&gt;
Herzen strebten sie ihrer Opferstätte entgegen. Durch ihre innere und&lt;br /&gt;
äußere Vollkommenheit schmückten sie die Menschenwelt mit neuen&lt;br /&gt;
Gewändern vortrefflicher Eigenschaften, angeborener wie anerzogener.&lt;br /&gt;
Die Grundbedeutung dieser „Selbstbewahrung“ ist deshalb, die &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Attribute geistiger und materieller Vollkommenheit}} zu&lt;br /&gt;
erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissen — Attribut der Vollkommenheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Attribut der Vollkommenheit sind Wissen und die kulturellen &lt;br /&gt;
Errungenschaften des Geistes. Diese hohe Stufe ist erreicht, wenn jemand &lt;br /&gt;
eine umfassende Kenntnis besitzt von der vielschichtigen, übernatürlichen &lt;br /&gt;
Wirklichkeit Gottes, den Grundwahrheiten der politisch-religiösen &lt;br /&gt;
Gesetze des Qur’án, dazu von dem Inhalt der heiligen Schriften anderer &lt;br /&gt;
Bekenntnisse sowie von den Bestimmungen und Maßnahmen, die zum Fortschritt &lt;br /&gt;
und zur Zivilisierung dieses hervorragenden Landes beitragen können. Darüber &lt;br /&gt;
hinaus sollte ein solcher Mensch über anderer Länder Gesetze und Grundsätze, &lt;br /&gt;
Gebräuche, Lebensumstände und Gepflogenheiten sowie über die materiellen &lt;br /&gt;
und sittlichen Vorzüge, die deren Staatskunst kennzeichnen, Bescheid wissen;&lt;br /&gt;
er sollte in allen nutzbringenden Wissensgebieten seiner Zeit wohl beschlagen &lt;br /&gt;
sein und die Annalen der Geschichte studieren. Denn wenn ein&lt;br /&gt;
Mann von Bildung nicht die heiligen Schriften und den Gesamtbereich&lt;br /&gt;
der Gottes- und Naturwissenschaften, des religiösen Rechts, der &lt;br /&gt;
Staatskunst, des Tageswissens und der großen geschichtlichen Ereignisse&lt;br /&gt;
kennt, dann kann es leicht sein, daß er einem Ernstfall nicht gewachsen&lt;br /&gt;
ist, und das wäre unvereinbar mit dem notwendigen Erfordernis &lt;br /&gt;
umfassenden Wissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn zum Beispiel ein islamischer Gelehrter im Wortstreit mit einem&lt;br /&gt;
Christen liegt und nichts von den herrlichen Melodien des Evangeliums&lt;br /&gt;
weiß, dann wird es ihm nicht möglich sein, den Christen zu überzeugen; &lt;br /&gt;
er wird tauben Ohren predigen, so viel er auch aus dem Qur’án&lt;br /&gt;
vorträgt. Merkt der Christ jedoch, daß der Muslim über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten des Christentums besser Bescheid weiß als die &lt;br /&gt;
christlichen Theologen und daß er den Sinn der Schriften tiefer &lt;br /&gt;
erfaßt hat als jene, dann wird er den Folgerungen des Muslims gern &lt;br /&gt;
zustimmen; tatsächlich bleibt ihm dann keine andere Wahl.&lt;br /&gt;
{{page|108|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf zwei Kräfte ist der Staat gegründet: die gesetzgebende und die&lt;br /&gt;
ausführende Gewalt. Die ausführende Gewalt geht von der Regierung&lt;br /&gt;
aus, während im Mittelpunkt der Gesetzgebung der Gebildete steht.&lt;br /&gt;
Wie wäre es denkbar, daß ein Staat Bestand hätte, wenn diese letztere&lt;br /&gt;
starke Stütze, dieser Grundpfeiler, schadhaft ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Weitere Attribute der Vollkommenheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Attribut der Vollkommenheit sind {{Sperrsatz|Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Unparteilichkeit}}. Dies bedeutet, keine Rücksicht auf persönlichen &lt;br /&gt;
Nutzen und eigensüchtige Vorteile zu nehmen, vielmehr die&lt;br /&gt;
Gesetze Gottes ohne den leisesten Hintergedanken an irgend etwas &lt;br /&gt;
anderes anzuwenden. Es bedeutet ferner, sich selbst nur als einen der&lt;br /&gt;
Diener Gottes, des Allbesitzenden, anzusehen und nie danach zu&lt;br /&gt;
trachten, sich von den anderen abzusondern, es sei denn im Streben&lt;br /&gt;
nach geistiger Würde. Es bedeutet, das Wohl der Gemeinschaft als das&lt;br /&gt;
eigene zu empfinden. Kurz gesagt heißt dies, die ganze Menschheit als&lt;br /&gt;
ein einziges Lebewesen, sich selbst als ein Glied dieses großen Körpers &lt;br /&gt;
zu erkennen und in der Gewißheit zu wirken, daß jede Not, jede Wunde, &lt;br /&gt;
die irgend einen Teil dieses Körpers trifft, unweigerlich alle&lt;br /&gt;
übrigen Glieder in Mitleidenschaft zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Voraussetzung für die Vollkommenheit ist, sich aufrichtig &lt;br /&gt;
und mit der lautersten Absicht aufzumachen, die {{Sperrsatz|Massen zu &lt;br /&gt;
erziehen:}} sich bis zum äußersten anzustrengen, um sie auf den verschiedenen &lt;br /&gt;
Gebieten der Gelehrsamkeit und der nutzbringenden Wissenschaften zu &lt;br /&gt;
unterweisen, um neue Fortschritte zu fördern, die Reichweite des Handels, &lt;br /&gt;
der Industrie und des Kunstgewerbes zu vergrößern und solche Maßnahmen &lt;br /&gt;
zu unterstützen, die die Wohlfahrt des Volkes erhöhen. Die breiten &lt;br /&gt;
Schichten der Bevölkerung wissen nämlich nicht Bescheid über jene &lt;br /&gt;
lebensspendenden Kräfte, die die chronischen Leiden der &lt;br /&gt;
Gesellschaft rasch heilen könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unbedingt nötig, daß die Gelehrten und geistig Gebildeten &lt;br /&gt;
aufrichtigen und reinen Herzens und nur aus Liebe zu Gott daran gehen,&lt;br /&gt;
die Massen zu beraten, sie zu ermahnen und ihr Gesichtsfeld zu weiten&lt;br /&gt;
mit jener „Brille“, die Wissen heißt. Denn in ihrem tief verwurzelten&lt;br /&gt;
Aberglauben meinen viele Leute heutzutage, ein Mensch, der an Gott&lt;br /&gt;
und Seine Zeichen, an die Propheten, ihre Offenbarungen und ihre&lt;br /&gt;
Gesetze glaubt, der fromm und gottesfürchtig ist, müsse notwendigerweise &lt;br /&gt;
müßig gehen und seine Tage mit Nichtstun verbringen, um in den Augen &lt;br /&gt;
Gottes dazustehen als einer, der der Welt und ihres Trugs&lt;br /&gt;
entsagt, sein Herz dem künftigen Leben zugewandt und sich von den&lt;br /&gt;
anderen abgesondert hat, damit er dadurch Ihm näher kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Attribute der Vollkommenheit sind, Gott zu fürchten, Ihn&lt;br /&gt;
zu lieben, indem man Seine Diener liebt, Sanftmut, Geduld und &lt;br /&gt;
Gelassenheit zu üben, aufrichtig, willfährig, milde und mitleidsvoll, &lt;br /&gt;
entschlossen und mutig, zuverlässig und tatkräftig zu sein, zu ringen und&lt;br /&gt;
zu streben, edelmütig, treu und ohne Hintergedanken zu sein, Eifer und&lt;br /&gt;
{{page|109|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
Ehrgefühl an den Tag zu legen, hochgesinnt und großmütig zu sein und&lt;br /&gt;
die Rechte anderer zu achten. Wem es an diesen hervorragenden &lt;br /&gt;
menschlichen Eigenschaften fehlt, der ist unvollkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... seinen Glauben verteidigen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite jener geistigen Maßstäbe, die an den Gebildeten anzulegen &lt;br /&gt;
sind, ist, daß er seinen Glauben verteidigen soll. Natürlich beziehen &lt;br /&gt;
sich diese heiligen Worte nicht nur darauf, daß man nach dem&lt;br /&gt;
tieferen Sinn der Gesetze forscht, gottesdienstliche Formvorschriften &lt;br /&gt;
einhält, größere und kleinere Sünden vermeidet, Riten und Bräuche &lt;br /&gt;
wahrnimmt und auf diese Weise den Glauben schützt. Weit eher bedeuten&lt;br /&gt;
diese Worte, daß alle Menschen geschützt werden sollen, daß alle &lt;br /&gt;
Anstrengungen unternommen werden, um durch die Zusammenfassung&lt;br /&gt;
aller erdenklichen Maßnahmen das Wort Gottes zu verbreiten, die Zahl&lt;br /&gt;
der Gläubigen zu vermehren, die Sache Gottes zu fördern, sie zu &lt;br /&gt;
erhöhen und zum Sieg zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelne Menschen, denen die Wirklichkeit unter der Oberfläche der&lt;br /&gt;
Ereignisse verborgen bleibt, die den Pulsschlag der Welt nicht fühlen&lt;br /&gt;
können, die nicht wissen, welch große Dosis Wahrheit der Menschheit &lt;br /&gt;
eingegeben werden muß, damit sie von dem chronischen Leiden&lt;br /&gt;
der Lüge geheilt wird, sind der Ansicht, daß der Glaube nur durch das&lt;br /&gt;
Schwert verbreitet werden kann; sie unterbauen ihre Meinung mit der&lt;br /&gt;
Überlieferung: „Ich bin ein Prophet durch das Schwert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sie diese Frage jedoch sorgfältig prüfen würden, müßten sie&lt;br /&gt;
erkennen, daß das Schwert heutzutage, in diesem Zeitalter, kein &lt;br /&gt;
passendes Mittel für die Verbreitung des Glaubens ist, weil es die Herzen&lt;br /&gt;
der Menschen nur mit Abscheu und Schrecken füllt. Nach dem göttlichen &lt;br /&gt;
Gesetz Muhammads geht es nicht an, daß das Volk des Buches &lt;br /&gt;
gezwungen wird, den Glauben anzuerkennen und anzunehmen. Während &lt;br /&gt;
es eine heilige Pflicht für jeden ist, der mit Überzeugung an die &lt;br /&gt;
Einheit Gottes glaubt, die Menschen zur Wahrheit zu führen, beziehen&lt;br /&gt;
sich die Überlieferungen: „Ich bin ein Prophet durch das Schwert“ und&lt;br /&gt;
„Mir ist befohlen, den Leuten nach dem Leben zu trachten, bis sie&lt;br /&gt;
sagen: ‚Es gibt keinen Gott außer Gott‘“ auf die Götzendiener aus&lt;br /&gt;
den Tagen der Unwissenheit, die in ihrer Blindheit und Tierhaftigkeit&lt;br /&gt;
tief unter die menschliche Stufe gesunken waren. Auf einen Glauben,&lt;br /&gt;
der durch Schwertstreiche begründet würde, wäre schwerlich Verlaß; der&lt;br /&gt;
geringste Anlaß würde ihn in Irrtum und Unglauben zurückverwandeln.&lt;br /&gt;
So fielen z. B. auch die Stämme in der Umgebung Medinas nach dem&lt;br /&gt;
Heimgang Muhammads, nach Seinem Aufstieg auf „den Sitz der Wahrheit &lt;br /&gt;
in der Gegenwart des allmächtigen Königs“ (Qur’án 54:55), von&lt;br /&gt;
ihrem Glauben ab und wandten sich wieder dem Götzendienst der &lt;br /&gt;
heidnischen Zeit zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glaube Gottes muß durch menschliche Vollkommenheiten, hervorragende, &lt;br /&gt;
gefällige Charaktereigenschaften und ein durchgeistigtes Betragen &lt;br /&gt;
verkündet werden. Wenn sich eine Seele aus eigenem Antrieb&lt;br /&gt;
Gott zuwendet, wird sie an der Schwelle der Einheit aufgenommen; denn&lt;br /&gt;
{{page|110|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
ein solcher Mensch ist frei von persönlichen Beweggründen, von Habgier&lt;br /&gt;
und selbstischer Gewinnsucht. Er hat unter dem Schutz und Schirm&lt;br /&gt;
seines Herrn Zuflucht gesucht. Unter seinen Mitmenschen wird er durch&lt;br /&gt;
seine Vertrauenswürdigkeit und Wahrheitsliebe, Mäßigung und Gewissenhaftigkeit, &lt;br /&gt;
Großherzigkeit und Treue, Unbestechlichkeit und Gottesfurcht bekannt &lt;br /&gt;
werden. So wird das höchste Ziel der Verkündigung des göttlichen &lt;br /&gt;
Gesetzes — Glück im kommenden Leben, eine hochentwickelte Kultur und &lt;br /&gt;
edle Charaktereigenschaften auf dieser Welt zu schaffen — verwirklicht. &lt;br /&gt;
Das Schwert hingegen wird nur Menschen hervorbringen, die äußerlich &lt;br /&gt;
Gläubige, in ihrem Herzen aber Ketzer und Verräter sind.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... seinen Leidenschaften widerstehen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Forderung des heiligen Textes, den wir hier besprechen,&lt;br /&gt;
ist, „seinen Leidenschaften zu widerstehen“. Wunderbar sind die &lt;br /&gt;
Folgerungen, die sich aus diesem scheinbar einfachen, doch umfassenden&lt;br /&gt;
Wort ergeben. Es beinhaltet die wirkliche Grundlage jeder menschlichen &lt;br /&gt;
Tugend; in der Tat verkörpern diese wenigen Silben das Licht&lt;br /&gt;
der Welt, den unumstößlichen Unterbau aller geistigen Attribute des&lt;br /&gt;
Menschen. Es ist das Steigrad im Uhrwerk des guten Betragens, das&lt;br /&gt;
Mittel, alle edlen Eigenschaften eines Menschen im Gleichgewicht zu&lt;br /&gt;
halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leidenschaft ist eine Flamme, die schon ungezählte Male die Ernte&lt;br /&gt;
des Lebens vieler Gebildeter in Asche verwandelt hat, ein allverzehrendes &lt;br /&gt;
Feuer, das sich auch nicht mit dem Meer ihres aufgespeicherten&lt;br /&gt;
Wissens löschen ließ. Wie oft ist es schon geschehen, daß jemand mit&lt;br /&gt;
allen Attributen des Menschentums gesegnet war, das Kleinod wahren&lt;br /&gt;
Verstehens besaß, aber dennoch seinen Leidenschaften nachging, bis&lt;br /&gt;
seine außergewöhnlichen Eigenschaften die Grenzen der Mäßigung &lt;br /&gt;
überschritten und er sich zu Ausschweifungen hinreißen ließ. Seine guten&lt;br /&gt;
Absichten wandelten sich zum Bösen, seine Anlagen waren nicht länger &lt;br /&gt;
auf Ziele gerichtet, die ihrer wert waren, und die Macht seiner Begierden &lt;br /&gt;
lenkte ihn von der Rechtschaffenheit und ihrem Lohn ab auf gefährliche &lt;br /&gt;
und dunkle Wege. In den Augen Gottes, Seiner Erwählten und aller &lt;br /&gt;
Einsichtsvollen ist ein guter Charakter das Erhabenste und&lt;br /&gt;
Lobenswerteste, was es gibt, jedoch immer unter der Voraussetzung, daß&lt;br /&gt;
die Quelle seiner Ausstrahlung Vernunft und Erkenntnis sind, und daß er&lt;br /&gt;
wahre Mäßigung zur Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sind alle Völker Europas trotz ihrer vielgepriesenen Zivilisation&lt;br /&gt;
versunken und ertrunken in diesem furchtbaren Meer der Leidenschaft&lt;br /&gt;
und Begierde, und das ist der Grund, warum alle Erscheinungen ihrer&lt;br /&gt;
Kultur zu nichts führen. Niemand sollte über diese Feststellung erstaunt &lt;br /&gt;
sein oder sie beklagen. Dafür, daß machtvolle Gesetze niedergelegt, &lt;br /&gt;
hohe Grundsätze aufgestellt und Einrichtungen geschaffen werden,&lt;br /&gt;
die sich mit jedem Gesichtspunkt der Zivilisation befassen, ist das&lt;br /&gt;
{{page|111|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
Glück der Menschen der oberste Zweck, der tiefste Grund. Das Glück&lt;br /&gt;
jedoch besteht ausschließlich darin, der Schwelle Gottes, des Allmächtigen, &lt;br /&gt;
näher zu kommen und den Frieden und die Wohlfahrt jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Angehörigen des Menschengeschlechts, sei er hoch oder niedrig, zu &lt;br /&gt;
sichern; und die besten Mittel, dieses zweifache Ziel zu erreichen,&lt;br /&gt;
sind die hervorragenden Tugenden, die der Menschenwelt verliehen &lt;br /&gt;
worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Äußerliche Zivilisation ...&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine oberflächliche Zivilisation, die nicht von kultivierter Sittlichkeit &lt;br /&gt;
getragen wird, ist nur „ein verworrener Mischmasch von Träumen“ &lt;br /&gt;
(Qur’án 12:44; 21:5), und äußerlicher Glanz ohne inwendige Vollkommenheit &lt;br /&gt;
ist „wie ein Dunst in der Wüste, den der Dürstende für Wasser hält“ &lt;br /&gt;
(Qur’án 24:39). Denn eine rein äußerliche Zivilisation kann niemals &lt;br /&gt;
Ergebnisse zeitigen, die das Wohlgefallen Gottes finden und für&lt;br /&gt;
Frieden und Wohlfahrt der Menschen Gewähr leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Völker Europas haben sich noch nicht zu der höheren Stufe sittlicher &lt;br /&gt;
Kultur erhoben, wie ihre Ansichten und ihr Verhalten klar beweisen. &lt;br /&gt;
Sehet zum Beispiel, wie es das oberste Ziel der europäischen&lt;br /&gt;
Regierungen und ihrer Völker heutzutage ist, einander zu überwinden und&lt;br /&gt;
zu vernichten, und wie sie, obwohl sie insgeheim tiefste Abneigung &lt;br /&gt;
gegeneinander hegen, doch ihre Zeit damit verbringen, Äußerungen &lt;br /&gt;
nachbarlicher Liebe, Freundschaft und Harmonie miteinander &lt;br /&gt;
auszutauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannt ist der Fall von dem Herrscher, der Frieden und Gelassenheit &lt;br /&gt;
um sich verbreitet und gleichzeitig mehr Kraftaufwand als die&lt;br /&gt;
Kriegshetzer darauf verwendet, Waffen anzuhäufen und eine noch &lt;br /&gt;
größere Armee aufzubauen mit der Begründung, daß Frieden und &lt;br /&gt;
Eintracht nur mit Gewalt herbeigeführt werden könnten. Unter dem &lt;br /&gt;
Vorwand des Friedens bietet man Tag und Nacht alle Kräfte auf, um noch&lt;br /&gt;
mehr Kriegsgerät zusammenzutragen, und das unglückliche Volk muß den&lt;br /&gt;
größten Teil dessen, was es unter Mühe und Schweiß erwirbt, aufbringen, &lt;br /&gt;
um für diese Rüstung zu bezahlen. Wie viele haben ihre Arbeit&lt;br /&gt;
in nutzbringenden Gewerben aufgegeben und mühen sich Tag und Nacht,&lt;br /&gt;
neue, immer tödlichere Waffen herzustellen, mit denen das Blut der&lt;br /&gt;
Menschenrasse noch reichlicher als zuvor vergossen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag erfindet man neue Bomben und Granaten, und dann sind die&lt;br /&gt;
Regierungen gezwungen, ihre veralteten Waffen wegzuwerfen und damit &lt;br /&gt;
zu beginnen, die neuen herzustellen, weil sich die alten gegen die&lt;br /&gt;
neuen Waffen nicht behaupten können. So wurden zum Beispiel zur&lt;br /&gt;
Zeit dieser Niederschrift, im Jahr 1875, in Deutschland ein neues &lt;br /&gt;
Gewehr und in Österreich eine neue Kanone entwickelt, die größere &lt;br /&gt;
Feuerkraft als das Martini-Henry-Gewehr und die Krupp-Kanone haben,&lt;br /&gt;
eine schnellere Schußfolge zulassen und noch wirkungsvoller im &lt;br /&gt;
Auslöschen menschlichen Lebens sind. Und die überwältigenden Kosten &lt;br /&gt;
all dessen müssen von den unglücklichen Massen getragen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urteilet gerecht: Kann diese Zivilisation dem Namen nach den Frieden&lt;br /&gt;
und die Wohlfahrt des Volkes herbeiführen oder das Wohlgefallen Gottes &lt;br /&gt;
{{page|112|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
finden, solange sie nicht von einer wahren Zivilisation des Charakters &lt;br /&gt;
getragen wird? Zerstört sie nicht vielmehr den Wohlstand des Menschen &lt;br /&gt;
und reißt die Pfeiler des Glücks und des Friedens nieder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... und wahre Kultur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten,&lt;br /&gt;
sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen und hochsinnigen &lt;br /&gt;
Herrscher — leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschlossenheit — mit&lt;br /&gt;
festem Entschluß und klarem Blick daran geht, den Weltfrieden zu&lt;br /&gt;
stiften. Sie müssen die Friedensfrage zum Gegenstand gemeinsamer&lt;br /&gt;
Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln &lt;br /&gt;
versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen &lt;br /&gt;
verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen &lt;br /&gt;
eindeutig, unverletzlich und bestimmt sind. Sie müssen ihn der ganzen &lt;br /&gt;
Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschenrasse &lt;br /&gt;
für ihn erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses erhabene und edle Unterfangen — der wahre Quell des Friedens und &lt;br /&gt;
Wohlergehens für alle Welt — sollte allen, die auf Erden&lt;br /&gt;
wohnen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht&lt;br /&gt;
werden, um die Dauer und den Bestand dieses größten aller Bündnisse&lt;br /&gt;
zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes&lt;br /&gt;
einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen &lt;br /&gt;
der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet&lt;br /&gt;
und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt&lt;br /&gt;
werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede&lt;br /&gt;
Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunähme der&lt;br /&gt;
Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet &lt;br /&gt;
würde, so würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt werden. Die &lt;br /&gt;
Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so festgelegt &lt;br /&gt;
werden, daß bei einer späteren Verletzung irgendeiner Bestimmung &lt;br /&gt;
durch irgendeine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, &lt;br /&gt;
um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu&lt;br /&gt;
bringen, nein, die gesamte Menschheit sollte sich entschließen, mit &lt;br /&gt;
allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu vernichten. &lt;br /&gt;
Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Weltkörper &lt;br /&gt;
angewandt werden, so wird er sich gewiß wieder von seinen Leiden &lt;br /&gt;
erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn solche erfreulichen Zustände einträten, müßte keine Regierung&lt;br /&gt;
mehr ständig Waffen speichern oder sich gezwungen sehen, immer&lt;br /&gt;
neues Kriegsgerät herzustellen, um damit die übrige Menschheit zu&lt;br /&gt;
unterwerfen. Eine kleine Streitmacht für die Aufrechterhaltung der&lt;br /&gt;
inneren Ordnung, die Verfolgung von Verbrechern und Asozialen und&lt;br /&gt;
die Verhütung örtlicher Unruhen würde genügen — nichts weiter. Auf&lt;br /&gt;
diese Weise wäre die ganze Weltbevölkerung von der drückenden Last&lt;br /&gt;
der Rüstungsausgaben befreit; außerdem bräuchten zahllose Leute nicht&lt;br /&gt;
länger ihre Zeit darauf zu verschwenden, ständig neue Vernichtungswaffen &lt;br /&gt;
zu ersinnen, neue Beweise der Habsucht und Blutgier zu liefern,&lt;br /&gt;
die in unvereinbarem Widerspruch zu den Gnadengaben des Lebens&lt;br /&gt;
{{page|113|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
stehen. Stattdessen könnten sie ihren Eifer darauf richten, solche &lt;br /&gt;
Geräte herzustellen, die das Leben erleichtern, Frieden und Wohlstand&lt;br /&gt;
fördern, und sie könnten so dem Fortschritt und der Wohlfahrt der ganzen &lt;br /&gt;
Welt dienen. Jede Nation auf Erden würde dann in Ehren regiert,&lt;br /&gt;
und jedes Volk fühlte sich geborgen in Ruhe und Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelne, welche die im menschlichen Streben ruhende Kraft nicht&lt;br /&gt;
kennen, halten diese Gedanken für völlig undurchführbar, ja für &lt;br /&gt;
jenseits dessen, was selbst die äußersten Anstrengungen des Menschen je&lt;br /&gt;
erreichen können; doch ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil kann dank&lt;br /&gt;
der unerschöpflichen Gnade Gottes, der Herzensgüte Seiner Begünstigten, &lt;br /&gt;
den beispiellosen Bemühungen weiser und fähiger Seelen und den&lt;br /&gt;
Gedanken der unvergleichlichen Führer dieses Zeitalters nichts, was&lt;br /&gt;
es auch sei, als unerreichbar angesehen werden. Eifer, unermüdlicher&lt;br /&gt;
Eifer ist nötig. Nur unbezähmbare Entschlußkraft kann das Werk vollbringen. &lt;br /&gt;
Manches hat man in vergangenen Zeiten als reines Hirngespinst betrachtet; &lt;br /&gt;
heute ist es leicht durchführbar geworden. Warum sollte diese wichtigste &lt;br /&gt;
und erhabenste Sache — das Tagesgestirn am Himmelszelt wahrer Kultur &lt;br /&gt;
und die Ursache des Ruhmes, des Fortschrittes, des Wohlergehens und &lt;br /&gt;
Erfolges der ganzen Menschheit — unmöglich sein? Der Tag wird sicher &lt;br /&gt;
kommen, an dem ihr klares Licht Erleuchtung über die gesamte &lt;br /&gt;
Menschheit gießen wird.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung folgt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Um seine Ausführungen zu bekräftigen, flicht ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
an dieser Stelle die Erzählung ein, die wir auf Seite 113 wiedergeben. &lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Abschnitt wurde von Shoghi Effendi übersetzt und in „The World Order of&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh“, S. 37-38 zitiert. Vgl. Bahá’í-Studientexte II, 2 „Göttliche Weltordnung“, &lt;br /&gt;
Frankfurt 1952, S. 2 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hanzala und Nu‘mán===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá erzählt eine Geschichte aus dem alten Arabien&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die arabischen Chroniken berichten, wie in der Zeit vor dem Kommen &lt;br /&gt;
Muhammads Nu’mán, der Sohn Mundhirs des Lakhmiten — ein&lt;br /&gt;
arabischer König aus den Tagen der Unwissenheit, dessen Residenz&lt;br /&gt;
die Stadt Hirih war — dem Wein einmal so sehr zugesprochen hatte,&lt;br /&gt;
daß sich seine Sinne verfinsterten und der Verstand ihn verließ. In&lt;br /&gt;
diesem betrunkenen, gefühllosen Zustand gab er den Befehl, seine beiden&lt;br /&gt;
Zechbrüder und vertrauten, vielgeliebten Freunde, Khálid, den Sohn&lt;br /&gt;
des Mudallil, und ‘Amr, den Sohn des Mas’úd-Kaldih, vom Leben zum&lt;br /&gt;
Tode zu befördern. Als der König nach diesem Gelage erwachte und&lt;br /&gt;
nach seinen beiden Freunden fragte, wurde er an das entsetzliche&lt;br /&gt;
Geschehnis erinnert. Kummer befiel sein Herz; in seiner aufrichtigen&lt;br /&gt;
Liebe und Sehnsucht ließ er über den beiden Gräbern zwei herrliche&lt;br /&gt;
Denkmäler bauen, die er „die Blutbeschmierten“ benannte. Daraufhin&lt;br /&gt;
bestimmte er zwei Tage des Jahres zum Gedächtnis an die beiden &lt;br /&gt;
Gefährten. Den einen hieß er den „Tag des Übels“, den zweiten den „Tag&lt;br /&gt;
der Gnade“. Jedes Jahr pflegte er an diesen Tagen mit Pomp und Gepränge &lt;br /&gt;
hinauszuziehen und sich zwischen den beiden Grabmälern &lt;br /&gt;
{{page|114|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
niederzulassen. Wenn an dem „Tag des Übels“ sein Auge auf irgend jemand&lt;br /&gt;
fiel, wurde dieser umgebracht; wer jedoch am „Tag der Gnade“ vorüberging, &lt;br /&gt;
wurde mit Geschenken und Gunstbeweisen überschüttet. Solcherart war sein &lt;br /&gt;
königliches Gebot, das mit einem mächtigen Eid besiegelt und immer streng &lt;br /&gt;
eingehalten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages bestieg der König sein Roß, Mahmúd genannt, und ritt&lt;br /&gt;
hinaus in die Steppe, um zu jagen. Von ungefähr erblickte er in der&lt;br /&gt;
Ferne ein Wildpferd. Nu&#039;mán gab seinem Roß die Sporen, um das Wild&lt;br /&gt;
einzuholen, und hetzte mit solcher Geschwindigkeit davon, daß er von&lt;br /&gt;
seinem Gefolge abgeschnitten wurde. Die Nacht brach herein, und der König &lt;br /&gt;
war hoffnungslos verloren. Da entdeckte er fern in der Wüste ein Zelt; &lt;br /&gt;
er wandte sein Pferd und ritt darauf zu. Als er zu dem Eingang gekommen &lt;br /&gt;
war, fragte er den Besitzer, Hanzala, den Sohn des Abí-Ghafráy-i-Tá’i: &lt;br /&gt;
„Nimmst du einen Gast auf?“ Hanzala sagte zu, trat herfür und half &lt;br /&gt;
Nu’mán beim Absteigen. Dann ging er zu seiner Frau und sprach zu ihr: &lt;br /&gt;
„Es sind deutliche Anzeichen hohen Ranges in dem Verhalten dieses &lt;br /&gt;
Menschen. Tue dein Möglichstes, um ihm Gastfreundschaft zu erweisen, &lt;br /&gt;
und bereite ein Fest.“ „Wir haben ein Mutterschaf, das du darbringen &lt;br /&gt;
könntest“, erwiderte sie, „und ich habe noch ein bißchen Mehl für &lt;br /&gt;
solche Gelegenheiten aufgespart.“ Hanzala molk zunächst das Schaf &lt;br /&gt;
und bot Nu’mán die Schale zum Trunk, dann schlachtete er das Tier &lt;br /&gt;
und bereitete ein Festmahl, und dank seiner gütigen Gastfreundschaft &lt;br /&gt;
verbrachte Nu’mán die Nacht in Frieden und Behagen. Als die Dämmerung &lt;br /&gt;
heraufzog, machte sich Nu’mán fertig und sagte zu Hanzala: &lt;br /&gt;
„Du hast mir größte Freigebigkeit erwiesen, wie du&lt;br /&gt;
mich aufgenommen und festlich bewirtet hast. Ich bin Nu’mán, der&lt;br /&gt;
Sohn des Mundhir, und freue mich sehr darauf, dich an meinem Hofe&lt;br /&gt;
begrüßen zu können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit ging dahin, Hungersnot zog ein im Lande Tayy. Hanzala kam&lt;br /&gt;
in große Bedrängnis, und darum suchte er den König auf. Ein &lt;br /&gt;
seltsamer Zufall fügte es, daß er am „Tag des Übels“ eintraf. Nu’mán&lt;br /&gt;
zeigte sich höchst beunruhigt. Er machte seinem Freund Vorwürfe:&lt;br /&gt;
„Warum bist du gerade heute zu mir gekommen? Denn dies ist der&lt;br /&gt;
‚Tag des Übels‘, der Tag des Zornes und der Pein. Selbst wenn mir&lt;br /&gt;
heute Qábús, mein einziger Sohn, unter die Augen träte, käme er nicht&lt;br /&gt;
mit dem Leben davon. Nun bitte mich um irgendeine Gunst, die du&lt;br /&gt;
willst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hanzala erwiderte: „Ich wußte nichts von deinem ‚Tag des Übels‘.&lt;br /&gt;
Die Gaben dieser Welt sind für die Lebenden da. Was sollen mir alle&lt;br /&gt;
Schätze dieser Erde, wenn ich den Tod kosten muß?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Daran ist nichts zu ändern“, sagte Nu’mán.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hanzala sprach: „So gewähre mir denn Aufschub, daß ich zu meinem&lt;br /&gt;
Weib heimkehren und meinen letzten Willen machen kann. Im nächsten&lt;br /&gt;
Jahr werde ich am ‚Tag des Übels‘ wiederkommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nu’mán verlangte einen Bürgen, der an Hanzalas Statt hingerichtet&lt;br /&gt;
würde, falls dieser nicht zurückkehrte. Bestürzt und hilflos sah sich&lt;br /&gt;
Hanzala um. Da fiel sein Blick auf einen aus Nu’máns Gefolge, Sharík,&lt;br /&gt;
{{page|115|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
den Sohn des ‘Amr-ibn-Qays-ibn-Shaybán, und an ihn wandte er&lt;br /&gt;
sich mit den Worten: „O Sohn des ‘Amr, mein Gefährte! Gibt es &lt;br /&gt;
irgendeinen Ausweg vor dem Tode? O du Bruder jedes Bedrängten, du Bruder&lt;br /&gt;
des Bruderlosen, du Bruder Nu’máns! Du könntest dem Scheich Bürgschaft &lt;br /&gt;
leisten. Wo ist Shaybán der Edelmütige — möge der Allbarmherzige ihm &lt;br /&gt;
Gunst bezeigen?“ Aber Sharík erwiderte nur: „Mein Bruder, ein Mann &lt;br /&gt;
sollte nicht mit seinem Leben spielen.“ Da wußte das&lt;br /&gt;
Opfer nicht mehr, wohin es sich wenden sollte. Doch ein Mann namens&lt;br /&gt;
Qarád, Sohn Adjas des Kalbiten, stand auf und bot sich als Bürge an;&lt;br /&gt;
er willigte ein, daß der König mit ihm, Qarád, tun könne, was er wolle,&lt;br /&gt;
wenn er zum nächsten ‚Tag des Zornes‘ Hanzala nicht beibrächte. Daraufhin &lt;br /&gt;
schenkte Nu’mán dem Hanzala fünfhundert Kamele und entließ ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im folgenden Jahr der „Tag des Übels“ hereinbrach, zog Nu’mán&lt;br /&gt;
wie gewohnt mit Pomp und Prunk hinaus zu den beiden Grabmälern,&lt;br /&gt;
die die Blutbeschmierten hießen. Er führte Qarád mit sich, um seinen&lt;br /&gt;
königlichen Zorn an ihm auszulassen. Die Pfeiler des Staates lösten&lt;br /&gt;
ihre Zunge und baten um Gnade; sie flehten den König an, er möge&lt;br /&gt;
Qarád bis zum Sonnenuntergang Aufschub gewähren, denn sie hofften,&lt;br /&gt;
Hanzala käme noch. Aber des Königs Absicht war, Hanzalas Leben zu&lt;br /&gt;
schonen und diesem die Gastfreundschaft zu vergelten, indem er&lt;br /&gt;
Qarád an seiner Stelle hinrichtete. Als sich die Sonne zum Abend&lt;br /&gt;
neigte, zog man Qarád die Kleider vom Leibe und schickte sich an, ihm&lt;br /&gt;
den Kopf abzuschlagen. Da wurde in der Ferne ein Reiter sichtbar,&lt;br /&gt;
der in gestrecktem Galopp näherkam. „Warum zögerst du?“, wandte&lt;br /&gt;
sich Nu’mán an den Henker. Der antwortete: „Vielleicht ist es Hanzala,&lt;br /&gt;
der da kommt.“ Bald sah man, daß es kein anderer war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nu’mán war höchst ungehalten. „Du Dummkopf!“, sagte er. „Einmal&lt;br /&gt;
bist du den Klauen des Todes entronnen. Mußt du ihn nun zum zweiten&lt;br /&gt;
Male herausfordern?“ Aber Hanzala erwiderte: „Süß schmeckt mir das&lt;br /&gt;
Gift des Todes in dem Gedanken, daß ich damit mein Unterpfand&lt;br /&gt;
auslöse.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da fragte Nu’mán: „Was ist der Grund für solche Pflichttreue? &lt;br /&gt;
Weshalb hältst du dich so genau an deine Obliegenheiten, so streng an&lt;br /&gt;
deinen Eid?“ — „Das macht mein Glaube an den einen Gott und an&lt;br /&gt;
die Bücher, die vom Himmel kamen“, gab Hanzala zur Antwort. Nu’mán&lt;br /&gt;
fragte: „Zu welchem Glauben bekennst du dich?“, und Hanzala sagte:&lt;br /&gt;
„Es war der heilige Odem Jesu, der mir das Leben gab. Ich folge dem&lt;br /&gt;
geraden Pfad Christi, des Geistes Gottes.“ Da bat Nu’mán: „Laß auch&lt;br /&gt;
mich diesen süßen Hauch des Geistes atmen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam es, daß Hanzala die weiße Hand der Führung aus dem Busen&lt;br /&gt;
der Liebe Gottes zog&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; und das Blickfeld derer, die ihn umstanden,&lt;br /&gt;
mit dem Lichte des Evangeliums erleuchtete. Dem klaren Klang einer&lt;br /&gt;
Glocke gleich trug er einige der göttlichen Verse aus der Bibel vor.&lt;br /&gt;
Da wurden Nu’mán und alle seine Diener ihrer Götzen überdrüssig und&lt;br /&gt;
wollten diese keinen Augenblick länger anbeten. Im Glauben an Gott&lt;br /&gt;
wurden sie bestätigt, und sie riefen: „Wehe uns, tausendmal wehe uns,&lt;br /&gt;
{{page|116|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|117|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
daß wir uns bis heute nicht um diese grenzenlose Gnade kümmerten&lt;br /&gt;
und sie vor uns verborgen blieb, daß wir dieser Segensströme aus den&lt;br /&gt;
Wolken der Gunst Gottes beraubt waren!“ Sofort riß der König die&lt;br /&gt;
beiden Denkmäler ab, die die Blutbeschmierten hießen. Er bereute&lt;br /&gt;
seine Gewaltherrschaft und ließ fortan Gerechtigkeit walten in seinem&lt;br /&gt;
Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*  *  *&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket, wie hier ein einfacher Mann aus der Wüste, namenlos&lt;br /&gt;
und ohne Rang und Würden, imstande war, diesen stolzen Herrscher&lt;br /&gt;
und eine große Schar anderer aus der Nacht des Unglaubens zu befreien &lt;br /&gt;
und sie in das Morgenlicht des Heils zu führen, wie er sie aus&lt;br /&gt;
dem Verderben der Götzendienerei an das rettende Gestade der &lt;br /&gt;
Einheit Gottes brachte und den Verirrungen ein Ende setzte, die ganze&lt;br /&gt;
Kulturen untergraben und ganze Völker zur Barbarei herabwürdigen — nur &lt;br /&gt;
weil er eine der Eigenschaften jener aufwies, die reinen Herzens&lt;br /&gt;
sind. Man muß tief über dieses Geschehnis nachsinnen, um seine volle&lt;br /&gt;
Bedeutung zu erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Entnommen aus „The Secret of Divine Civilization“ by ‘Abdu’l-Bahá, &lt;br /&gt;
Bahá’í Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA, 1957, S. 46 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Zu diesem Sinnbild vgl. 2. Mose 4:6, Qur’án 27:12,&lt;br /&gt;
7:105, 20:23, 26:32 und 28:32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Unter der Lupe: Alkohol und Tabak===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Technik unserer Zeit, die rationalisierte und automatisierte Arbeit &lt;br /&gt;
erfordern vom heutigen Menschen seine ganze Gesundheit, größte&lt;br /&gt;
Verläßlichkeit und äußerste Konzentration. Der Straßenverkehr nimmt&lt;br /&gt;
unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Sorge um die Existenz &lt;br /&gt;
der Familie belastet unsere Nerven in erhöhtem Maße. Tagtäglich&lt;br /&gt;
bedeuten diese Anforderungen für den Durchschnittsmenschen ein&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|„Muß“}}, dem er sich nur ungern beugt. Als Ausgleich macht sich bei&lt;br /&gt;
ihm ein {{Sperrsatz|„Will“}} geltend: Der Mensch {{Sperrsatz|will}} Entspannung, &lt;br /&gt;
Freude, er {{Sperrsatz|will}} genießen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In raffinierter Aufdringlichkeit und Fülle bietet sich ihm eine Wunderwelt des &lt;br /&gt;
Vergnügens, des Genusses dar. Im Vordergrund der verlockenden Anpreisungen: &lt;br /&gt;
Alkohol und Tabak. Diese beiden Genußmittel ziehen auf der ganzen Welt die &lt;br /&gt;
Menschen in ihren Bann. Es erscheint deshalb notwendig, sie einmal gründlich &lt;br /&gt;
zu durchleuchten. Lassen wir zuerst die Medizin sprechen, und sehen wir dann, &lt;br /&gt;
was die Religion dazu zu sagen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In der Sicht des Arztes&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Natur aus ist der Mensch mit Trieben ausgestattet, die vornehmlich &lt;br /&gt;
der Erhaltung und Fortpflanzung seiner Gattung dienen. Die&lt;br /&gt;
Befriedigung dieser Triebe ist lustbetont. Eine Befriedigung bedeutet es&lt;br /&gt;
auch, zu essen und zu trinken, um damit Hunger und Durst zu stillen.&lt;br /&gt;
Während jedoch diese Lust-Befriedigung etwas durchaus Normales, Gesundes &lt;br /&gt;
ist, kann die Lust, der Hang nach Alkohol und Tabak leicht gefährlich &lt;br /&gt;
werden. Dies gilt besonders für Menschen, die körperlich und seelisch &lt;br /&gt;
labil sind. Aus dem Hang wird die Gewohnheit, nach der Gewohnheit kommt &lt;br /&gt;
die {{Sperrsatz|Sucht}}. In diesem Stadium ist der Mensch dann reiner Sklave.&lt;br /&gt;
{{page|118|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir die alkoholischen Getränke: Hiezu gehören Bier mit&lt;br /&gt;
3—5 Prozent, Wein mit 8—10 Prozent, Sherry mit 17 Prozent, Wodka mit &lt;br /&gt;
über 40 Prozent, Cognac mit 55 Prozent, Rum mit 80 Prozent Alkohol. &lt;br /&gt;
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sei hier festgestellt: &lt;br /&gt;
Alkoholische Getränke kräftigen und stärken in der Regel {{Sperrsatz|nicht}}.&lt;br /&gt;
Nach vorübergehender Anregung, einer gewissen Aufpeitschung der&lt;br /&gt;
Körperkräfte — und auch des seelischen Zustands — folgt rasch &lt;br /&gt;
Erschlaffung. Die vermeintliche Erwärmung des Körpers beruht auf einer&lt;br /&gt;
erhöhten Herztätigkeit. Betrunkene erfrieren beispielsweise schneller&lt;br /&gt;
als Nüchterne. Nur in besonderen Fällen, wenn vom Arzt verordnet,&lt;br /&gt;
kann Alkohol Heilwirkung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist erwiesen, daß Alkohol hemmend auf jede körperliche (auch&lt;br /&gt;
sportliche) und geistige Arbeit wirkt. Die durch Alkohol verursachten&lt;br /&gt;
Verkehrsunfälle sprechen eine deutliche Sprache. Daß ein beachtlicher&lt;br /&gt;
Teil der begangenen Verbrechen auf das „Konto Alkohol“ fällt, sei nicht&lt;br /&gt;
unerwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über alkoholbedingte Krankheiten schreibt Dr. med. A. {{Sperrsatz|Esser}}&lt;br /&gt;
(„Rauschgifte“, Berckers Kleine Volksbibliothek Nr. 1007, Kevelaer 1949)&lt;br /&gt;
u. a. folgendes: „Um die Alkoholwirkungen auf den Menschen zu erkennen, &lt;br /&gt;
muß man wissen, {{Sperrsatz|wie}} er auf den Organismus wirkt. Da ist&lt;br /&gt;
zuerst zu sagen, daß der Alkohol schnell und fast restlos vom Darm aus&lt;br /&gt;
ins Blut geht, mit dem Blutkreislauf in alle Organe des Körpers gelangt&lt;br /&gt;
und in die Zellen eindringt. Es ist eigenartig, daß die Körperzellen, die&lt;br /&gt;
im allgemeinen gegen schädliche Stoffe ein gewisses Abwehrvermögen&lt;br /&gt;
besitzen, allen rauscherzeugenden Stoffen gegenüber widerstandslos sind.&lt;br /&gt;
Trinkt also ein Mensch „über den Durst“, werden alle Organe in einen&lt;br /&gt;
Rauschzustand versetzt, und der auf das feinste ineinanderarbeitende&lt;br /&gt;
Apparat des Stoffwechsels gerät durcheinander. Ganz speziell jedoch&lt;br /&gt;
wirkt das alkoholische Gift auf das Zentral-Nervensystem, das Gehirn&lt;br /&gt;
und Rückenmark. Alkohol ist, wie die Medizin dies ausdrückt, ein &lt;br /&gt;
Nervengift ersten Ranges.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Bedrohung der körperlichen Gesundheit und die Zerstörung &lt;br /&gt;
des Familienlebens als Folge übermäßigen Trinkens sagt Dr. Esser: &lt;br /&gt;
„Chronische Alkoholeinwirkung führt allmählich zu schweren&lt;br /&gt;
körperlichen Störungen. Infolge Gefäßerweiterung in der Haut entsteht&lt;br /&gt;
das typisch gedunsene, rötliche Trinkergesicht, der Magen zeigt den&lt;br /&gt;
Befund der chronischen Schleimhautentzündung, es treten Verfettung&lt;br /&gt;
des Herzmuskels und Herzerweiterung auf, mehr oder weniger schwere&lt;br /&gt;
Leber- und Nierenstörungen werden beobachtet. Charakteristisch ist&lt;br /&gt;
das ständige feine Zittern der Hände. Sehr häufig sind Nervenentzündungen &lt;br /&gt;
mit deutlichen Schmerzen. Die Sehfähigkeit läßt nach. Diesem körperlichen &lt;br /&gt;
Bilde gesellen sich schwere Charakterveränderungen zu: Der&lt;br /&gt;
Säufer ist in seinem häuslichen Milieu ein brutaler Tyrann, der zu&lt;br /&gt;
Mißhandlungen von Frau und Kindern neigt, zu Wutanfällen, bei denen&lt;br /&gt;
er sinnlos Mobiliar zertrümmert. Die Arbeitslust sinkt immer mehr, der&lt;br /&gt;
Trinker gleitet auf der sozialen Stufenleiter tiefer und setzt schnell&lt;br /&gt;
seine Familie dem Notstand aus. Leicht verfällt solch ein Mensch &lt;br /&gt;
mannigfachen Straftaten. Die bösartigsten Folgen des Säufertums aber &lt;br /&gt;
betreffen wieder, wie beim akuten Rausch, das Triebleben.“&lt;br /&gt;
{{page|119|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches läßt sich auch über den Tabak sagen. Er ist gleichfalls als&lt;br /&gt;
Suchtmittel anzusprechen, führt jedoch nicht zur Berauschung. Es ist&lt;br /&gt;
erwiesen, daß die Zigarette für den Menschen auf die Dauer am schädlichsten &lt;br /&gt;
ist, da ihr Rauch am tiefsten inhaliert wird, und Nikotin und&lt;br /&gt;
Tabakteer am weitesten in die inneren Organe vordringen. Stimmband-,&lt;br /&gt;
Kehlkopf- und Lungenkrebs können die Folgen sein. Raucherkatarrh,&lt;br /&gt;
chronische Bronchitis, erhöhter Blutdruck sind ebenfalls, neben &lt;br /&gt;
anderen negativen Auswirkungen, dem übermäßigen Tabakgenuß zuzuschreiben. &lt;br /&gt;
Rauchen und Alkoholgenuß bei nüchternem Magen sind am&lt;br /&gt;
gefährlichsten und schädlichsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Bilanz dieser giftigen Genüsse?&lt;br /&gt;
:— Verluste an Gesundheit und Arbeitsleistung;&lt;br /&gt;
:— Trunkenheit und Trunksucht lassen viele Menschen mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kommen;&lt;br /&gt;
:— Zerrüttete Familien, Ehescheidungen gehen oft auch auf das Konto des Alkohols;&lt;br /&gt;
:— Verkehrsunfälle! Bei 70 Prozent aller Führerscheinentziehungen lag die Ursache im Alkoholgenuß.&lt;br /&gt;
:— Vielfältige Erbschäden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr für Jahr werden — und zwar in steigendem Maße! — Milliarden&lt;br /&gt;
Mark für Alkohol und Tabak ausgegeben! Etwa 9,6 Prozent des gesamten &lt;br /&gt;
westdeutschen Volkseinkommens, nämlich rund 20 Milliarden DM, &lt;br /&gt;
wurden 1960 für Tabakwaren und Alkoholgetränke ausgegeben. Das ist &lt;br /&gt;
nahezu die Hälfte dessen, was aus Beiträgen und Steuern für die &lt;br /&gt;
öffentlichen Sozialleistungen dieses Jahres veranschlagt ist, &lt;br /&gt;
die nach dem „Bulletin“ der deutschen Bundesregierung &lt;br /&gt;
insgesamt 39,57 Milliarden DM betragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rauschmittel im Lichte der Religion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stellen sich nun die {{Sperrsatz|Religionen}} dazu? {{Sperrsatz|Moses}} &lt;br /&gt;
z. B. führt in bezug auf Alkohol keine Ge- und Verbote an. Lediglich einmal&lt;br /&gt;
lesen wir: „Das Haus des Hohepriesters Aron enthalte sich von allen&lt;br /&gt;
alkoholischen Getränken“. Lehrreich und interessant ist indes die Geschichte &lt;br /&gt;
des Propheten Daniel im Alten Testament. Hier wird gezeigt, welche Fähigkeiten &lt;br /&gt;
und Segnungen jene Propheten durch ihre Enthaltsamkeit empfingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im {{Sperrsatz|Evangelium}} Jesu Christi finden wir {{Sperrsatz|keine}} &lt;br /&gt;
ausdrücklichen Verbote. Dem Sinne der christlichen Botschaft entsprechend ist&lt;br /&gt;
aber Mäßigkeit in allen Lebensbezirken notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der {{Sperrsatz|Islam}} strengstes Alkoholverbot hat, ist bekannt. Dafür&lt;br /&gt;
wird „als Ausgleich“ Haschisch geraucht, was fast noch größere Schäden &lt;br /&gt;
verursacht und ebenfalls — wenn auch vielleicht nicht ausdrücklich — dem &lt;br /&gt;
Willen des Propheten zuwiderläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion verbietet den Alkoholgenuß, ausgenommen im Falle &lt;br /&gt;
einer ärztlichen Anordnung. ‘Abdu’l-Bahá, der bevollmächtigte Ausleger &lt;br /&gt;
der Lehren Bahá’u’lláhs, sagt u. a.: „O Freunde Gottes! Die Erfahrung &lt;br /&gt;
hat gezeigt, wie sehr die Enthaltsamkeit von Tabak, Wein und&lt;br /&gt;
{{page|120|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
Opium Gesundheit, Kraft, geistige Freude, ein scharfes Urteilsvermögen &lt;br /&gt;
und physische Lebenskraft mit sich bringt.“ &lt;br /&gt;
(„Sonne der Wahrheit“, 6. Jg. H. 5, S. 77.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen heute, daß Alkohol und Tabak mehr noch denn in früheren &lt;br /&gt;
Zeiten die Menschen schädigen. Männer und Frauen, jung und alt,&lt;br /&gt;
huldigen heute — und leiden unter diesen „Genüssen“. Sollen wir &lt;br /&gt;
untätig bleiben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein! Wir sollten uns bemühen, aktiv gegen diese Geißeln der Menschheit &lt;br /&gt;
zu wirken. Heute, da es gilt, nach dem Willen Gottes die Einheit&lt;br /&gt;
unter den Menschen fest zu begründen, eine Einheit in dauerhaftem,&lt;br /&gt;
göttlich gewolltem Frieden, — jetzt, da wir aufgerufen sind, die latent&lt;br /&gt;
in uns schlummernden göttlichen Fähigkeiten endlich zu entwickeln, sie&lt;br /&gt;
zu Nutz und Frommen der gesamten Menschheit einzusetzen, brauchen&lt;br /&gt;
wir gesunde Organe, schöpferische Kräfte, klaren Blick. Alkohol- und&lt;br /&gt;
Tabakgenuß birgt Suchtgefahren in sich und wirkt auf die Dauer&lt;br /&gt;
zerstörend. Diese Genußmittel schädigen — das haben wir erkannt — nicht &lt;br /&gt;
nur den Körper, sie trüben auch den Geist. Unser Zeitalter erfordert &lt;br /&gt;
aber „ganze Menschen!“ Aufklärung darüber, besonders auch&lt;br /&gt;
unter den Jugendlichen, tut dringend not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Georg Schlotz&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religion und der moderne Mensch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiöse Erziehung der Menschheit zu einer friedvollen &lt;br /&gt;
Weltgemeinschaft ist eine Aufgabe, der größte Bedeutung zukommt. Sie &lt;br /&gt;
kann indes nicht erfolgen ohne ein gewisses Minimum an Kenntnissen, ohne&lt;br /&gt;
einen bestimmten Grad an Wissen darüber, wessen der Mensch zu seinem&lt;br /&gt;
Fortbestehen in materieller, vor allem aber geistiger Hinsicht bedarf.&lt;br /&gt;
Dieses Grundwissen, wie es hier einmal genannt sein soll, haben in&lt;br /&gt;
der Vergangenheit alle großen Religionen gelehrt; angewandt hat es die&lt;br /&gt;
Menschheit allerdings kaum, ja, sie hat vielleicht nicht einmal richtig&lt;br /&gt;
erfaßt, welche Möglichkeiten ihr durch die Gottesoffenbarer aller &lt;br /&gt;
Zeiten zuteil geworden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Bahá’í-Religion lehrt dieses Grundwissen; sie rückt aber&lt;br /&gt;
die Begriffe Religion und Erziehung in ein ganz neues Licht und macht&lt;br /&gt;
sie dadurch für uns moderne Menschen verständlicher. Bahá’u’lláh, ihr&lt;br /&gt;
Begründer, macht unmißverständlich klar, daß Gott zu verschiedenen&lt;br /&gt;
Zeiten im Laufe der Entwicklung des Menschengeschlechts Seine Offenbarer &lt;br /&gt;
auf die Erde gesandt hat, die, jeweils der geistigen Erkenntnisfähigkeit &lt;br /&gt;
der Menschen gemäß, Religionen begründeten und religiöse Gesetze schufen. &lt;br /&gt;
Es leuchtet ein, daß eben diese Gesetze durch die Jahrtausende hindurch &lt;br /&gt;
Änderungen unterworfen, „relativ“ sein mußten. Gleich geblieben ist &lt;br /&gt;
jedoch von Anbeginn ihre Quelle: {{Sperrsatz|Gott}}. Deshalb&lt;br /&gt;
lehrt die Bahá’í-Religion, daß alle Hochreligionen göttlichen Ursprungs&lt;br /&gt;
sind, daß sie {{Sperrsatz|einem}} Ziele zustreben und sich in ihrer &lt;br /&gt;
Absicht — die Menschen hinzuführen zu Gott — ergänzen. Somit ist ein &lt;br /&gt;
weiterer Grundsatz der Bahá’í-Religion geradezu selbstverständlich, &lt;br /&gt;
daß nämlich die Völker aller Rassen dieser Erde ihre Glaubenskräfte aus &lt;br /&gt;
derselben göttlichen Quelle schöpfen und die Diener ein und desselben&lt;br /&gt;
{{page|121|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
Gottes sind. Bahá’u’lláh spricht davon, alle Propheten der &lt;br /&gt;
Vergangenheit — „Werkzeuge“ und „Kanäle“ der Ewigen Wahrheit — zusammen&lt;br /&gt;
bildeten „das Wort Gottes“. Die Menschheit kann deshalb nicht bei&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einem}} Propheten verharren, wie wenn eben dieser &lt;br /&gt;
der letzte wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Zyklik der Religion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte beweist, wie bedeutungsvoll diese Erkenntnis ist. Mit&lt;br /&gt;
dem Auftreten eines jeden großen Propheten und Offenbarers sind &lt;br /&gt;
geistiger Aufschwung, aber auch materielle Entwicklung verknüpft. &lt;br /&gt;
Wissenschaften und Künste blühen auf, es geht allenthalben vorwärts. Bis eines&lt;br /&gt;
Tages die materiellen Gedanken überhandnehmen, und das geistige Leben &lt;br /&gt;
zurückgedrängt wird. Dieser Niedergang geht nur schrittweise, aber&lt;br /&gt;
er hinterläßt in der Geschichte deutliche Spuren. Zunächst schwindet bei&lt;br /&gt;
den Menschen der Glaube; es reißt die Bindung zwischen ihm und seinem&lt;br /&gt;
Schöpfer, die zu Beginn und in der ersten Phase des prophetischen&lt;br /&gt;
Zyklus bestanden hat. Der Glaube, der die Märtyrer und Heiligen beseelte, &lt;br /&gt;
wird nach und nach durch Verstandeskräfte, durch gefühlsmäßige&lt;br /&gt;
Glaubensformen und Philosophien ersetzt. Anstelle einer Religion, die&lt;br /&gt;
sich tätig im täglichen Leben auswirkt, finden wir einen Glauben, gelenkt&lt;br /&gt;
durch Riten und Gebräuche der Kirchen. Allgemeine Formen des &lt;br /&gt;
Gottesdienstes — von der Geistlichkeit für eine ihr untertane Gemeinde &lt;br /&gt;
ausgearbeitet — treten an die Stelle des vom Offenbarer gebotenen &lt;br /&gt;
selbständigen Forschens. Blinde Nachahmung alter Gepflogenheiten und &lt;br /&gt;
theologische Auslegungen prägen das religiöse Leben. Die verschiedensten &lt;br /&gt;
Dogmen schleichen sich ein. Aberglaube verdunkelt die ursprüngliche Wirklichkeit. &lt;br /&gt;
Die Welt wird dunkel, wahres religiöses Leben erlischt schließlich. Uneinigkeit &lt;br /&gt;
macht sich breit, neue Dogmen kommen hinzu, denn die&lt;br /&gt;
Menschen sollen an die Kirchen gebunden werden. Am Ende hält sich der&lt;br /&gt;
Mensch nur noch an bloße Nachahmung und wird so des Glanzes der&lt;br /&gt;
Religion völlig beraubt. Was ein Zeugnis des Wissens sein sollte, wird&lt;br /&gt;
ein Beweis von Unkenntnis. Die sogenannten Religionsgelehrten wie auch&lt;br /&gt;
die Philosophen verlieren sich in selbstsüchtigen Auslegungen und &lt;br /&gt;
Phantastereien und führen auf diese Weise ihre Anhänger den falschen Pfad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh ermahnt sie mit diesen Worten: „O ihr Toren, die ihr für&lt;br /&gt;
weise geltet! Warum behauptet ihr, Hirten Meiner Herde zu sein und seid&lt;br /&gt;
doch zu Wölfen unter Meinen Schafen geworden? Ihr gleicht dem Morgenstern, &lt;br /&gt;
welcher, der Dämmerung vorausgehend, noch strahlend hell erscheint, danach &lt;br /&gt;
aber zur Ursache der Irreführung und des Untergangs der&lt;br /&gt;
Pilgerzüge zu Meiner Stadt und zu Meinem Hause wird.“ (Verborgene&lt;br /&gt;
Worte). Und an anderer Stelle sagt er: „O ihr äußerlich Vollkommenen&lt;br /&gt;
und doch so Unvollkommenen! Ihr seid wie bitteres, klares Wasser, das&lt;br /&gt;
rein und vollkommen scheint, von dem jedoch, wenn es in die Hand des&lt;br /&gt;
göttlichen Prüfers fällt, nicht ein Tropfen angenommen wird. Wahrhaftig,&lt;br /&gt;
die Sonnenstrahlen fallen gleicherweise auf den Staub wie auf den Spiegel, &lt;br /&gt;
doch siehe, wie groß der Unterschied ist zwischen Stern und Staub!&lt;br /&gt;
Wahrlich, der Unterschied ist unendlich!“ (Verborgene Worte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blätter der Geschichtsschreibung zeigen uns, daß der Pfad noch&lt;br /&gt;
weiter nach unten führt. Es kommt zur Spaltung innerhalb der Kirchen.&lt;br /&gt;
{{page|122|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
Sie treten in Konkurrenz zueinander, wobei jeder Teil versucht, seine&lt;br /&gt;
„Ware“ so günstig wie möglich zu „verkaufen“. Um die Zivilisation dann&lt;br /&gt;
noch zu retten, einigt man sich zuguterletzt auf politische und &lt;br /&gt;
wirtschaftliche Thesen, denen es an geistiger Substanz vollständig &lt;br /&gt;
mangelt. Dieser innere Zerfall des Menschen ist es, der letztlich &lt;br /&gt;
all unsere Nöte, all unsere Kriege verursacht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier aufgezeigten Vorgänge haben sich zu allen Zeiten und in allen&lt;br /&gt;
Teilen dieser Erde zugetragen, wenn natürlich auch in unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Graden. Wir leben in einer Welt, die sich ständig wandelt, und dieser&lt;br /&gt;
Wandel scheint überhaupt das einzige Beständige zu sein. Entweder die&lt;br /&gt;
Menschheit macht Fortschritte, oder sie ist auf dem Wege des Niedergangs. &lt;br /&gt;
Stillstand gibt es nicht. Jeder geschichtliche Zyklus hat aber seine&lt;br /&gt;
zwei Seiten: eine positive und eine negative. Bislang haben wir das &lt;br /&gt;
Negative dargelegt. Wir müssen aber auch das Positive hervorheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Selbständiges Denken&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich dem absteigenden Pfad gibt es einen aufsteigenden, einen, der&lt;br /&gt;
zu Erleuchtung führt. Am Ausgangspunkt dieses Weges steht das Geschenk &lt;br /&gt;
der neuen Offenbarung Gottes. Der Prophet erscheint, und mit&lt;br /&gt;
Ihm kehrt der göttliche Geist auf Erden ein. Dieser Geist beflügelt den&lt;br /&gt;
menschlichen Willen; er schenkt dem Menschen die diesem verloren &lt;br /&gt;
gegangene Freiheit des unabhängigen Forschens nach geistiger Wahrheit&lt;br /&gt;
wieder. Im Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes kann der Mensch&lt;br /&gt;
seine Kräfte so entfalten, wie dies in der Absicht der Schöpfung stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus Christus z. B. gebot Seinen Jüngern, selbständig zu denken, „alles&lt;br /&gt;
zu prüfen und das Beste zu behalten“. Die Menschen insgesamt ermahnte&lt;br /&gt;
Er: „Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan.“&lt;br /&gt;
Muhammad, Buddha, Zoroaster und all die anderen Propheten und Offenbarer &lt;br /&gt;
lehrten zu ihren Zeiten, in ihrem Zyklus, genau das&lt;br /&gt;
Gleiche. Doch wie das Falsche von dem Wahren unterscheiden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht umsonst hat Gott dem Menschen die Gabe der Vernunft verliehen; &lt;br /&gt;
wir sollen prüfen, meditieren und so zu Erkenntnis gelangen. Die&lt;br /&gt;
Freiheit des unabhängigen Suchens und Forschens erst öffnet dem &lt;br /&gt;
Menschen den Weg ins Reich Gottes. Gleichzeitig aber führt sie auch zu&lt;br /&gt;
schöpferischer Tätigkeit des Menschen. All dies ist indes nur möglich,&lt;br /&gt;
wenn der Mensch sein Herz und seinen Verstand dem Offenbarer öffnet,&lt;br /&gt;
wenn er Ihn anerkennt. Denn es ist der Geist des Offenbarers, welcher&lt;br /&gt;
die Fesseln der Dogmen, des Aberglaubens und der Unkenntnis sprengt.&lt;br /&gt;
Der Offenbarer selbst trennt das Wahre vom Falschen; Er gibt den Maßstab &lt;br /&gt;
für unser Tun und Denken. Wir leben — wie zuvor schon festgestellt — in &lt;br /&gt;
einer Welt ständigen Wandels. Doch Gott ist eins, das Wort Gottes ist &lt;br /&gt;
eins, Seiner Herolde sind viele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der erste Hüter des Bahá’í-Glaubens, sagte: „Wenn&lt;br /&gt;
lang gehegte Ideale und Einrichtungen, wenn gewisse soziale Gewohnheiten &lt;br /&gt;
und religiöse Gebräuche aufgehört haben, das allgemeine Wohl der&lt;br /&gt;
Menschheit zu fördern, wenn sie nicht länger dazu beitragen, den &lt;br /&gt;
Bedürfnissen einer sich ständig entwickelnden Menschheit zu dienen, dann&lt;br /&gt;
werden sie weggefegt. Warum auch sollten diese alten Lehren in einer&lt;br /&gt;
{{page|123|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
Welt, die dem unveränderlichen Gesetz des Wandels unterworfen ist, frei&lt;br /&gt;
sein von der Entfremdung, die notwendigerweise jede menschliche &lt;br /&gt;
Einrichtung anfallen muß? Denn alle Maßstäbe des Rechts, alle Theorien der&lt;br /&gt;
Politik und Wirtschaft sind einzig und allein geschaffen worden, um die&lt;br /&gt;
Interessen der Menschheit als Ganzes zu wahren, und nicht etwa, um die&lt;br /&gt;
Menschheit zu opfern, damit irgendwelche besonderen Rechte oder Lehren &lt;br /&gt;
geschützt werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gerade diese überkommenen Lehren, Dogmen und abgenutzten&lt;br /&gt;
Prinzipien sind den Menschen derart eingefleischt, daß es göttlicher Kraft&lt;br /&gt;
bedarf, sie auszumerzen. Deshalb müssen die Propheten als die Verkünder &lt;br /&gt;
von Gottes Wort anerkannt werden, denn sie öffnen den Zutritt ins&lt;br /&gt;
Reich Gottes und erleuchten den menschlichen Verstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Echter Glaube bewahrt die Menschen davor, sich mit unwahren &lt;br /&gt;
Philosophien zu befassen; er macht sie gewissermaßen immun gegenüber allen&lt;br /&gt;
negativen Lehrmeinungen. Er gibt uns den sittlichen Maßstab für all unser &lt;br /&gt;
Tun, er verfeinert die menschlichen Empfindungen. Disziplin herrscht,&lt;br /&gt;
und sie weckt im Menschen das Verlangen nach Moral; überkommene &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, überlebter Ballast, die den einzelnen bislang gefesselt &lt;br /&gt;
hielten, werden ausgemerzt. Die öffentliche Meinung wird für einen solchen&lt;br /&gt;
Menschen belanglos, und er findet sich am Ende in den Garten göttlicher&lt;br /&gt;
Einheit versetzt. Das ist die Kraft, welche die großen Propheten aller&lt;br /&gt;
Zeitalter in die Welt gebracht haben, und sie wird auch weiterhin strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Umbruch zur Einheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer ungewöhnlichen Zeit. Wir haben zuvor &lt;br /&gt;
festgestellt, daß es im Laufe der Entwicklung ab- und aufsteigende Pfade&lt;br /&gt;
gibt. Unser Jahrhundert befindet sich auf dem aufsteigenden. Sein &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt ist das Kommen von Bahá’u’lláh, Der, wie einst Jesus &lt;br /&gt;
Christus, Falsches von Wahrem getrennt, der Menschheit neue geistige &lt;br /&gt;
Impulse verliehen und für ein Zeitalter ohne alle Trennungen göttlich &lt;br /&gt;
verordnete Gebote gebracht hat. Eine neue Menschheit ist im Werden; ihre &lt;br /&gt;
Einheit ist die Achse, um welche sich alle Lehren Bahá’u’lláhs drehen.&lt;br /&gt;
Neue Gesetze sind geoffenbart, neue Einrichtungen sind im Entstehen,&lt;br /&gt;
abgestimmt auf eine neue, veränderte Welt. Eine neue Weltordnung muß&lt;br /&gt;
geschaffen werden, und es bedarf neuer Wege, sie zu erreichen. Der neue&lt;br /&gt;
Lebensstrom, der Bahá’u’lláhs kraftvolle Offenbarung durchpulst, wird&lt;br /&gt;
unsere Welt reinigen und erneuern. Seine Lehren, der Wille und die&lt;br /&gt;
Macht Seines Heiligen Geistes bewirken neue Taten und richten die &lt;br /&gt;
Welteinheit auf. Wohl begegnen wir heute in der Welt noch allenthalben&lt;br /&gt;
Haß und Aberglauben, wohl herrschen Mißverständnisse, und überwuchern &lt;br /&gt;
Dogmen die Religionen. Schuld daran sind unsere innere Trägheit und das &lt;br /&gt;
Unvermögen, die uns innewohnenden schöpferischen Fähigkeiten anzuwenden. &lt;br /&gt;
Gottes neues Wort, Seine Gesetze sind jedoch so stark und mächtig, daß &lt;br /&gt;
die Menschheit ihnen folgen muß, will sie nicht einer Katastrophe &lt;br /&gt;
zum Opfer fallen. Fast scheint es, als müsse der Mensch erst &lt;br /&gt;
Leiden erfahren, ehe er sich Gott zuwendet. Er muß aber&lt;br /&gt;
{{page|124|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
heute erkennen, daß alles, was er auf politischem, wirtschaftlichem, &lt;br /&gt;
kulturellem Gebiet beginnt, in Einklang stehen muß mit den neuen, weltweit &lt;br /&gt;
gültigen Gesetzen, die Bahá’u’lláh geoffenbart hat. Zum erstenmal&lt;br /&gt;
in ihrer langen Geschichte haben die Menschen ein ganz bestimmtes Ziel&lt;br /&gt;
vor Augen, das zu erreichen es alle Kräfte einzusetzen, alle Möglichkeiten &lt;br /&gt;
auszuschöpfen gilt. An dieser Stelle sei dies nochmals mit allem&lt;br /&gt;
Nachdruck gesagt: Es gibt heute keine größere Aufgabe als die religiöse&lt;br /&gt;
Erziehung zu einer friedvollen Weltgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke des Friedens muß heute in einem viel höheren Bereich&lt;br /&gt;
des menschlichen Bewußtseins Platz greifen. Um Friede zu haben, muß&lt;br /&gt;
der Mensch ganz persönlich in diesen Bereich vorstoßen. Er wird nie und&lt;br /&gt;
nimmer zu erreichen sein, wenn nicht Vorurteil, Selbstsucht, Aberglaube&lt;br /&gt;
und Haß abgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier Gesagte ist nur ein Teil dessen, was die Bahá’í-Lehren &lt;br /&gt;
religiöse Erziehung zu einer friedvollen Weltgemeinschaft nennen. Dem&lt;br /&gt;
Sucher wird in diesen Lehren dargetan, daß alles Wissen von Gott&lt;br /&gt;
kommt, und daß eben dieses Wissen in immer umfassenderem Maß geoffenbart &lt;br /&gt;
wird, je weiter sich die Menschheit geistig entwickelt. Ergebenheit &lt;br /&gt;
in den göttlichen Willen und die göttliche Wahrheit ist die höchste&lt;br /&gt;
Bestimmung der Erschaffung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh sagt in den „Worten der Weisheit“: „Die Quelle alles &lt;br /&gt;
Wissens ist die Erkenntnis Gottes. Erhaben ist Sein Ruhm. Diese Erkenntnis &lt;br /&gt;
kann auf keine andere Weise erlangt werden als durch die Erkenntnis &lt;br /&gt;
Seiner göttlichen Manifestation.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Wesen der Liebe ist für den Menschen: Sein Herz dem Geliebten&lt;br /&gt;
zuzuwenden, sich von allem anderen, außer Ihm, zu lösen und nichts zu&lt;br /&gt;
wünschen außer dem, was sein Herr für ihn wünscht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Wesen der Religion ist, das anzuerkennen, was der Herr offenbarte, &lt;br /&gt;
und zu befolgen, was Er in Seinem mächtigen Buch verordnet hat.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Quelle alles Guten ist: Vertrauen in Gott, Gehorsam Seinen &lt;br /&gt;
Geboten gegenüber und Zufriedenheit mit Seinem heiligen Willen und&lt;br /&gt;
Wohlgefallen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Erziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh ermahnt die ganze Welt, die Erziehung für alle Völker zu&lt;br /&gt;
einem unabdingbaren Gebot zu erheben. Diese Erziehung soll sich auf&lt;br /&gt;
dreierlei beziehen: das rein Materielle, das Menschliche und das Geistige.&lt;br /&gt;
Erziehung im materiellen Bereich heißt, das zu fördern, was die physischen &lt;br /&gt;
Kräfte des Menschen stärkt, was zu seiner Bequemlichkeit und seinem &lt;br /&gt;
körperlichen Wohlergehen beiträgt. Auf dieser Ebene sind sich im&lt;br /&gt;
übrigen Mensch und Tier gleich. Erziehung im menschlichen Bereich &lt;br /&gt;
erstreckt sich auf die Errungenschaften der Zivilisation und deren &lt;br /&gt;
Fortschritte. Erziehung im Bereich des Geistes bedeutet, himmlische&lt;br /&gt;
Eigenschaften zu erlangen und dem Reiche Gottes zuzustreben. Dies ist&lt;br /&gt;
wahre Erziehung, denn durch sie wird der Mensch zum Bilde Gottes. Er&lt;br /&gt;
verkörpert dann das Wort: „Lasset Uns Menschen machen nach Unserem&lt;br /&gt;
Bild und Gleichnis.“ Dies ist das höchste Ziel der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligen Manifestationen Gottes, die göttlichen Propheten sind die&lt;br /&gt;
ersten, die vornehmsten Lehrer der menschlichen Rasse. Sie sind &lt;br /&gt;
{{page|125|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
universale Erzieher, welche uns im materiellen, menschlichen und geistigen &lt;br /&gt;
Bereich lehren und deren Autorität überall gilt. Sie alle vermitteln ihren&lt;br /&gt;
„Lehrstoff“ aus der gleichen Quelle: der göttlichen Wahrheit. Was sich&lt;br /&gt;
heute an Nachahmung und Aberglauben in diese Lehren eingeschlichen&lt;br /&gt;
hat, steht im Widerspruch zum Ursprung. Seine Heiligkeit Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
hat heute alle diese Lehren wieder auf ihren Kern zurückgeführt, indem&lt;br /&gt;
Er alles Nebensächliche weggewischt und die Religion von jeder menschlichen &lt;br /&gt;
Auslegung gereinigt hat. Die Bahá’í-Lehre bringt die Religion mit&lt;br /&gt;
der Vernunft in Einklang; Aberglaube hat in ihr keinen Platz. Religion&lt;br /&gt;
und Weltordnung schließen sich nach Bahá’u’lláh nicht etwa aus, denn&lt;br /&gt;
das Universum ist eine vollkommene Schöpfung Gottes. Wenn wir unser&lt;br /&gt;
Wissen und unsere Vernunft anwenden, wie die Propheten Gottes gelehrt &lt;br /&gt;
haben, wird unser Lebensschiff auf dem Lebensstrom stetig vorankommen &lt;br /&gt;
und nicht kentern, und unser geistiges, sittliches und materielles &lt;br /&gt;
Leben wird Fortschritte machen und in geordnete Bahnen geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh spricht: „O Sohn des Geistes! Ich habe dich reich &lt;br /&gt;
erschaffen. Warum machst du dich selber arm? Edel erschuf Ich dich.&lt;br /&gt;
Warum erniedrigst du dich selbst? Aus den Tiefen des Wissens&lt;br /&gt;
offenbarte Ich dich. Warum suchst du anderes außer Mir? Aus dem Ton&lt;br /&gt;
der Liebe formte Ich dich. Warum trachtest du nach anderem als Mir?&lt;br /&gt;
Schaue in dich selbst, damit du Mich in dir findest, aufrecht und mächtig&lt;br /&gt;
in Kraft und Beständigkeit.“ (Verborgene Worte, aus dem Arabischen,&lt;br /&gt;
Nr. 13.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ben Schreibmann&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Anhänger des Evangeliums, seht, die Tore&lt;br /&gt;
des Himmels sind geöffnet. Er, Der zu Ihm emporgestiegen &lt;br /&gt;
war, ist nun gekommen. Hört auf Seine&lt;br /&gt;
Stimme, die laut über Land und Meer ruft und der&lt;br /&gt;
Menschheit das Ereignis dieser Offenbarung ankündigt,&lt;br /&gt;
einer Offenbarung, durch deren Wirksamkeit die Zunge&lt;br /&gt;
der Größe heute verkündet: ‚Seht, das heilige Versprechen &lt;br /&gt;
wurde erfüllt, denn Er, der Verheißene, ist&lt;br /&gt;
gekommen‘.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|126|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In Memoriam:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Corinne True&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alter von 99 Jahren starb am 3. April 1961 die&lt;br /&gt;
Hand der Sache, Corrinne {{Sperrsatz|True}}, in ihrem Heim in&lt;br /&gt;
Wilmette/USA. Die Nachricht vom Hinscheiden dieser sehr verdienstvollen&lt;br /&gt;
Anhängerin des Bahá’í-Glaubens übermittelten die&lt;br /&gt;
Hände der Sache im Heiligen Land in einem Telegramm voll Trauer über&lt;br /&gt;
den Verlust und voll der Ehre und des Lobes für&lt;br /&gt;
diese ausgezeichnete Persönlichkeit, deren Leben,&lt;br /&gt;
Dienst und Standhaftigkeit „die Annalen des Glaubens der westlichen Welt“&lt;br /&gt;
bereichern werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau True gehörte zu der kleinen Gruppe unerschütterlicher Anhänger des&lt;br /&gt;
Meisters, die sich dem Bahá’í-Glauben kurz vor&lt;br /&gt;
der Jahrhundertwende zuwandten. Sie stammte aus&lt;br /&gt;
einer Familie des Südens der USA, die tief im orthodoxen Glauben wurzelte. &lt;br /&gt;
Ihr Vater war ein protestantischer Pfarrer. Frau True vollzog&lt;br /&gt;
einen radikalen Bruch mit der gesamten Tradition und Strenggläubigkeit &lt;br /&gt;
ihrer Familie. Paul {{Sperrsatz|Haney}}, Hand der Sache, sagte anläßlich&lt;br /&gt;
der Gedenkfeier: „Erinnern wir uns daran, wie die Anhänger des Báb,&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh angeführt, auf der Konferenz von Badasht gänzlich mit&lt;br /&gt;
der Vergangenheit, d. h. mit der muhammadanischen Strenggläubigkeit&lt;br /&gt;
und Überlieferung, brachen. Frau True tat genau das gleiche.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon kurz, nachdem sie Bahá’í geworden war, schrieb sie an ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
und bat Ihn um einige Leitprinzipien für ihr Leben. Sie erhielt&lt;br /&gt;
das folgende Tablet von Ihm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„O Du geschätzte Dienerin Gottes! Deinen Brief habe Ich erhalten und seinen Inhalt gelesen. Was die von dir verlangten Lebensregeln betrifft, so lauten sie: Glaube an Gott, wende dich dem höchsten Königreich zu, lasse dich von der Schönheit Bahás anziehen, stehe fest im Bündnis, sehne dich danach, zum Himmel des Alls aufzusteigen, löse dich von der Welt und lasse dich durch die Düfte der &lt;br /&gt;
{{page|127|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
:Heiligkeit im Königreich des Höchsten beleben. Sei ein Verkünder der Liebe, sei gütig zu allen Menschen, sei freundlich zu allen, nimm Anteil an dem Volk dieser Welt, verlange nach Harmonie und suche Freundschaft und Ehrlichkeit. Sei ein Heilmittel für jede Wunde, eine Hilfe für jeden Kranken und eine Quelle der Eintracht unter den Menschen. Singe die Verse der Führung; bete zu Gott, erhebe dich zur Rechtleitung der Menschen. Deine Zunge künde und dein Angesicht sei erleuchtet von der glühenden Liebe zu Gott. Raste nie und tue keinen Atemzug der Ruhe, bis du zum Zeichen der göttlichen Liebe und zum Banner von Gottes Gunst geworden bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau True hat sich große Verdienste bei der Errichtung des Muttertempels &lt;br /&gt;
des Westens in Wilmette erworben. Lange Jahre war sie der&lt;br /&gt;
Rechner, durch dessen Hände die Beiträge für den Tempel gingen. Dieses &lt;br /&gt;
Amtes nahm sie sich in nimmermüder Weise an. Während das&lt;br /&gt;
Tempelbauvorhaben voranschritt, kam Frau True zu der Überzeugung,&lt;br /&gt;
daß es nicht mit dem Bemühen der Bahá’í in diesem kleinen Gebiet um&lt;br /&gt;
Chicago getan sei, sondern daß die Verantwortung für seine Weiterführung &lt;br /&gt;
mit den anderen Freunden in Amerika geteilt werden müsse. Sie&lt;br /&gt;
schrieb dem Meister und machte einen entsprechenden Vorschlag. Sie&lt;br /&gt;
erhielt von Ihm Anweisungen, die zur Bildung des „Bahá’í Temple&lt;br /&gt;
Unity“, des ersten nationalen Gremiums der Vereinigten Staaten von&lt;br /&gt;
Amerika, führten, und obgleich es zunächst nur für den Tempel &lt;br /&gt;
zuständig war, war es dennoch der Vorläufer des ersten Nationalen &lt;br /&gt;
Geistigen Rates der Bahá’í-Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben ihrem urübertroffenen Dienst an der Errichtung des Muttertempels &lt;br /&gt;
des Westens war das {{Sperrsatz|Lehren}} ein anderer großer Beitrag von&lt;br /&gt;
Frau True. Sie lehrte nicht nur durch ihr Beispiel, ihre Freundlichkeit&lt;br /&gt;
und ihre weitherzige Liebe, sondern auch dadurch, daß sie viele direkt&lt;br /&gt;
zur Offenbarung Bahá’u’lláhs hinführte. Der Meister schrieb ihr: „O&lt;br /&gt;
du vom Feuer der göttlichen Liebe Entzündete! Gesegnet bist du, denn&lt;br /&gt;
Gott hat dich für Seine Liebe in diesem neuen Zeitalter erwählt, und&lt;br /&gt;
Freude sei mit dir, denn du wurdest zum größten Königreich geleitet.&lt;br /&gt;
Wahrlich, dein Herr hat dich erwählt, um den Menschen den Pfad zum&lt;br /&gt;
Königreich Gottes zu zeigen. Ich war glücklich, von deinen Bemühungen &lt;br /&gt;
in der Sache Gottes zu hören. Dies ist in der Tat ein großer Dienst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau True gehörte zu jenen im Bündnis standhaften Gläubigen, die&lt;br /&gt;
den Übergang von ‘Abdu’l-Bahá zu Shoghi Effendi ohne Bruch vollzogen.&lt;br /&gt;
Sie fuhr fort, dem Glauben mit der gleichen tiefen Ergebenheit und&lt;br /&gt;
Hingabe zu dienen, und gleich dem Meister lobte der Hüter oft ihre&lt;br /&gt;
Dienste. Achtmal hatte Frau True den Vorzug, das Heilige Land &lt;br /&gt;
besuchen zu dürfen: das erste Mal 1907 und das letzte Mal 1952 im Alter&lt;br /&gt;
von 91 Jahren. Der Hüter ehrte Frau True auf jener achten Pilgerreise&lt;br /&gt;
in das Heilige Land im Jahre 1952, als er den 10-Jahres-Plan verkündete.&lt;br /&gt;
Damals sagte er: „Frau True ist die verehrungswürdigste Gestalt unter&lt;br /&gt;
den ‚alten‘ Pionieren des Glaubens im Westen.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;U. Gr.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|128|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Göttliche Lebenskunst“, zusammengestellt aus den Schriften von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá von Mabel Hyde Paine, Bahá’í-Verlag, Frankfurt/Main 1961, 144 S. geb. DM 6,35.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter demselben Titel wie eine frühere Auswahl heiliger Texte, die von&lt;br /&gt;
Mary M. Rabb besorgt wurde (vgl. „Sonne der Wahrheit“, Jahrgang 18—20,&lt;br /&gt;
Stuttgart 1948/51), ist nun eine neue Sammlung von Auszügen aus den &lt;br /&gt;
geoffenbarten Schriften der Bahá’í-Religion auch in deutscher Sprache &lt;br /&gt;
erschienen. In weitgespanntem Bogen geben die fünfzehn Kapitel dieses&lt;br /&gt;
Buches Antwort auf eine Vielfalt von Grundsatzfragen und praktischen &lt;br /&gt;
Problemen unseres persönlichen Lebens. „Gottvertrauen“, „Gebet und Meditation“,&lt;br /&gt;
„Heilung und Gesundheit“, „Gehorsam und Demut“, „Ewiges Leben“ sind &lt;br /&gt;
einige der Überschriften. Sein handliches Format macht dieses kleine Buch zu&lt;br /&gt;
einem rechten Vademecum für alle, die das Leben nach göttlichen Prinzipien&lt;br /&gt;
zu meistern suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;P. M.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;William Sears, „Thief in the Night — The strange Case of the Missing Millennium“ („Der Dieb in der Nacht — Der seltsame Fall des Tausendjährigen Reiches“), Talisman Books No, 5, Verlag: George Ronald, London 1961, zu beziehen durch Bahá’í-Verlag, Wiesbaden-Sonnenberg, Am Kirchgarten 9, 304 S., DM 2,75.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der seltsame Fall des Tausendjährigen Reiches“ betitelt William Sears&lt;br /&gt;
die Schilderung seines Sucherweges, die wie eine Detektivgeschichte angelegt &lt;br /&gt;
ist: Er baut streng auf der Bibel und ihren Prophezeiungen auf, die&lt;br /&gt;
ihn zu der Hypothese führen, daß Christus in der Zeit zwischen 1830 und&lt;br /&gt;
1850 wiedergekommen sein müßte, Aus den verschiedensten Büchern des&lt;br /&gt;
Alten und des Neuen Testaments — insgesamt mehrere hundert Textstellen —&lt;br /&gt;
entwickelt er nahezu dreißig Kriterien für den Messias, die er alle in&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh erfüllt und bestätigt findet. Eine Darstellung der wichtigsten&lt;br /&gt;
Bahá’í-Lehren, der Sendschreiben Bahá’u’lláhs an die Herrscher der Welt&lt;br /&gt;
und der spannungsgeladenen, chaotischen Übergangszeit, in der sich die&lt;br /&gt;
Menschheit heute befindet, leitet über zu einem flammenden Aufruf an alle&lt;br /&gt;
Christen, sich dem Geist des neuen Zeitalters aufzuschließen, das Gebot der&lt;br /&gt;
Stunde zu erkennen und ihr Teil zur Verwirklichung des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
auf Erden beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das flüssig und spannend in der Ich-Form geschriebene Werk mit seinen&lt;br /&gt;
einprägsamen Induktionen, Beispielen und Anekdoten ist für den christlichen &lt;br /&gt;
Sucher wie für den Bahá’í-Lehrer gleichzeitig unterhaltsam und&lt;br /&gt;
lehrreich. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn das Buch bald in deutscher&lt;br /&gt;
Fassung erscheinen könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;P. M.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Georg-Deuschle-Straße 86, Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 4/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = April 1961&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 3/Text|Heft 3]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 5/Text|Heft 5]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{page|79|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltreligionstag 1961&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Dr. F. Heiler: Gott ist der Gott der ganzen Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: Das Geheimnis göttlicher Kultur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Muttertempel in Afrika eingeweiht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte zu Ridván&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRIL 1961 HEFT 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|80|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|81|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dies ist der König der Tage, der Tag, welcher die Ankunft des Heißgeliebten schaute, dessen, nach dem die Sehnsucht der Welt seit aller Ewigkeit gegangen .. ..&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Welt des Daseins strahlt an diesem Tage wider vom Abglanz dieser göttlichen Offenbarung. Alle erschaffenen Dinge rühmen und lobpreisen Seine rettende Gnade. Das Weltall ist erfüllt von einem Rausch der Freude und des Glückes. Die Bücher der vorausgegangenen Gesandten feiern das große Jubelfest, das diesen größten der Tage Gottes grüßen muß. Wohl dem, der diesen Tag erlebt, geschaut und seine Stufe erkannt hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Die Sendung Bahá’u’lláhs, S. 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|82|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ridván - der „König der Feste“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gedächtnis an die Erklärung Bahá’u’lláhs in Baghdád&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wohl eines der entscheidendsten aber auch bedeutendsten Ereignisse, &lt;br /&gt;
wenn ein Gottgesandter Seine Ihm längst bewußt gewordene Berufung in aller &lt;br /&gt;
Öffentlichkeit verkündet und damit unwiderruflich nicht&lt;br /&gt;
nur Seinen eigenen Lebensweg, sondern auch den der Menschen bestimmt.&lt;br /&gt;
In dieser begnadeten Stunde, in der solches geschieht, beginnt eine neue&lt;br /&gt;
Periode in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. „Im Anfang war&lt;br /&gt;
das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat nicht jenes machtvolle, göttliche Wort: „Es werde“ die ganze&lt;br /&gt;
Schöpfung ins Dasein gerufen? Und haben nicht immer wieder zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten die Worte der Propheten und Gottesoffenbarer die Entwicklung&lt;br /&gt;
der Menschen, ihren Fortschritt auf allen Lebensgebieten beeinflußt und&lt;br /&gt;
gestaltet? Es liegt eine gewaltige schöpferische Macht, ein Mysterium in&lt;br /&gt;
solchen Worten, die, einmal ausgesprochen, allmählich ihre volle Kraft&lt;br /&gt;
entfalten und erzieherisch und umgestaltend auf das Leben der Menschen&lt;br /&gt;
einwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich, für den Offenbarer selbst hat es noch immer ein reiches Maß&lt;br /&gt;
an Leid, an unvorstellbaren Entbehrungen und oftmals Opfer des Lebens&lt;br /&gt;
bedeutet. Die Saat einer besseren Zeit war noch immer mit Blut und&lt;br /&gt;
Tränen getränkt. Doch die große Liebe zu Gott und den Menschen und&lt;br /&gt;
der absolute Gehorsam Gott gegenüber ließen Seine Gesandten jene &lt;br /&gt;
bedeutsamen Worte aussprechen und alle Qualen und bitterstes Leid auf&lt;br /&gt;
sich nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So geschah es auch im April vor 98 Jahren im Garten Ridván in Baghdad, &lt;br /&gt;
als Bahá’u’lláh Seinen Gefährten Seine hohe Sendung offenbarte.&lt;br /&gt;
Wohl hatten sich die Anhänger des Báb&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; nach Dessen Tod um &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh geschart, denn sie erkannten in Ihm eine starke Persönlichkeit, &lt;br /&gt;
von der eine unbezwingbare Kraft und Macht ausging; noch wußten sie aber nicht,&lt;br /&gt;
daß in Bahá’u’lláh der Verheißene, auf den der Báb in so wundervollen&lt;br /&gt;
und zwingenden Worten hingewiesen hatte, unter ihnen weilte. „Erkennet&lt;br /&gt;
die Grenzen, die euch gezogen sind“, schrieb einst der Báb, „denn auch der&lt;br /&gt;
Punkt des Bayán&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Selbst hat an Ihn geglaubt, den Gott geoffenbart hat,&lt;br /&gt;
noch bevor alle Dinge erschaffen waren... Keine Anspielung, die Ich&lt;br /&gt;
gemacht habe, kann Ihm genügen, auch das nicht, was im Bayán geschrieben &lt;br /&gt;
steht. Ich selbst bin nichts als nur der erste Diener, der an Ihn&lt;br /&gt;
und Seine Zeichen glaubt. Der einjährige Keim, der alle Möglichkeiten&lt;br /&gt;
der zu erwartenden Offenbarung in sich trägt, ist mit einer Kraft ausgestattet, &lt;br /&gt;
an die sämtliche im ganzen Bayán konzentrierten Kraftströme&lt;br /&gt;
nicht heranzureichen vermögen. Der gesamte Bayán ist nichts als ein einziges &lt;br /&gt;
Blatt unter den Blättern Seines Paradieses...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit solch eindringlichen Worten kennzeichnet der Báb die hohe Stufe&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh, und Er weist in anderen Worten auf die Zeit hin, in&lt;br /&gt;
welcher Seine mächtige Sendung offenbar wurde.&lt;br /&gt;
{{page|83|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun hatte Bahá’u’lláh Sein Schweigen gebrochen. Er bekannte sich&lt;br /&gt;
rückhaltlos zu Seiner Berufung, furchtlos allen Konsequenzen gegenüber,&lt;br /&gt;
um die Er wohl wußte. „Zu einer höchst kritischen und anscheinend sehr&lt;br /&gt;
ungünstigen Stunde“, schreibt Shoghi Effendi, der erste Hüter des Bahá’í-Glaubens, &lt;br /&gt;
in „Gott geht vorüber“, „entschloß sich Bahá’u’lláh, einen so&lt;br /&gt;
herausfordernden Anspruch zu stellen, das Geheimnis, in das Seine &lt;br /&gt;
Person gehüllt war, preiszugeben und sich in vollem Umfang die Macht und&lt;br /&gt;
Autorität anzueignen, die als ausschließliches Vorrecht Dessen galt, Dessen&lt;br /&gt;
Kommen der Báb verheißen hatte. Er tat dies ungeachtet der Aussicht auf&lt;br /&gt;
die entsetzlichen Nöte, die, wie Er Selbst vorhergesagt hatte, bald über&lt;br /&gt;
Ihn kommen würden, tat es am Vorabend einer weiteren Verbannung, die&lt;br /&gt;
zahlreiche Gefahren und Wagnisse mit sich bringen sollte... und tat es&lt;br /&gt;
trotz Seines Wissens um die Erweiterung des Kreises Seiner Gegner, zu&lt;br /&gt;
denen bald auch ein so despotischer Herrscher gezählt werden mußte“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Eintreffen Bahá’u’lláhs im Garten Ridván“, schreibt Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
an anderer Stelle, „kündigt den Beginn eines Ereignisses an, das nun als&lt;br /&gt;
das heiligste und bedeutsamste aller Bahá’í-Feste begangen wird, das Fest&lt;br /&gt;
zum Gedächtnis der Tage, an denen Er Seinen Gefährten Seine Sendung&lt;br /&gt;
offenbarte.“ Bahá’u’lláh Selbst spricht über die Bedeutung jener Offenbarung, &lt;br /&gt;
indem Er dieses historische Ereignis als das „Größte Fest“, den&lt;br /&gt;
„König der Feste“, das „Fest Gottes“ bezeichnet und die Menschen&lt;br /&gt;
ermahnt, sich von nichts abhalten zu lassen, um die Größe dieses Tages&lt;br /&gt;
zu erkennen und zu preisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So umgab Bahá’u’lláh beim Verlassen jenes Gartens Ridván (nach zwölf&lt;br /&gt;
Tagen am 3. Mai 1863) unbeschreiblicher Jubel der Menschenmenge, die&lt;br /&gt;
sich dort angesammelt hatte. Reitend auf einem Hengst, den Seine Freunde&lt;br /&gt;
für Ihn erworben hatten, umgeben und begleitet von tief erschütterten&lt;br /&gt;
Menschen, die sich vor Ehrfurcht vor Ihm verneigten, verließ Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
die Stadt Baghdad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es berührt uns seltsam, wenn wir von den Huldigungen hören, die&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh damals entgegengebracht wurden, werden wir doch so sehr&lt;br /&gt;
an die Begebenheiten zur Zeit Jesu Christi erinnert, als Er auf einer&lt;br /&gt;
Eselin durch die Straßen ritt, umringt von jubelnden Menschen, die Ihm&lt;br /&gt;
begeistert ihr „Hosianna“ zuriefen. Ein Triumph, der doch zugleich &lt;br /&gt;
Vorbote Seiner qualvollen Leiden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für Bahá’u’lláh begann sehr bald unbeschreibliches Martyrium.&lt;br /&gt;
„Das schlimmste, unheilvollste und andererseits doch auch wieder &lt;br /&gt;
glorreichste Kapitel in der Geschichte des ersten Bahá’í-Jahrhunderts Seiner&lt;br /&gt;
Sendung hatte begonnen“ (Shoghi Effendi). Doch das göttliche Wort war&lt;br /&gt;
ausgesprochen, und niemand und nichts vermochte und vermag jemals&lt;br /&gt;
Seine Wirkung zu schwächen oder aufzuheben, noch die Enthüllung des&lt;br /&gt;
tiefsten Geheimnisses, das es in sich birgt, zu verhindern. „Neues Leben&lt;br /&gt;
regt sich in allen Völkern der Erde“, sprach Bahá’u’lláh, „und doch hat&lt;br /&gt;
niemand seine Ursache entdeckt oder seine Triebkraft wahrgenommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer denkt bei diesen Worten nicht an die gewaltigen Umwälzungen,&lt;br /&gt;
die wir heute im Leben der Völker und Nationen wahrnehmen? Wann&lt;br /&gt;
war jemals alles Geschehen von so weltweiter Bedeutung wie heute?&lt;br /&gt;
Zwingen die Geschehnisse heute die Menschen nicht zum Umdenken? Gott&lt;br /&gt;
hat durch Bahá’u’lláh die ganze Menschheit angesprochen, sie aufgerufen&lt;br /&gt;
{{page|84|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
zur Einheit, zum Weltfrieden. Er hat eine Weltordnung geoffenbart, wie&lt;br /&gt;
sie in unserer Zeit für das Wohl der ganzen Menschheit notwendig ist.&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs Wort ist nichts anderes als die Erfüllung früherer Prophezeiungen, &lt;br /&gt;
der Beginn einer neuen Ära. Gott hat erneut gesprochen, Sein&lt;br /&gt;
Wort hat Gültigkeit, hat dynamische, schöpferische Kraft. Sollten wir&lt;br /&gt;
Menschen achtlos daran vorübergehen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;H. Schubert&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Báb „Das Tor“, selbständige Manifestation und Wegbereiter für Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Ein vom Báb geoffenbartes Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der Mannigfaltigkeit die Einheit sehen ...===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom Sinn des Weltreligionstags&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind heuer gerade zehn Jahre, daß die Bahá’í-Weltgemeinschaft auf&lt;br /&gt;
Anregung eines einfachen amerikanischen Bahá’í begonnen hat, jeweils&lt;br /&gt;
am dritten Sonntag des Monats Januar {{Sperrsatz|in aller Welt}} den &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Weltreligionstag}} zu feiern. Seither ist dieser Tag in vielen &lt;br /&gt;
Ländern, insbesondere in Städten, in denen sich größere Bahá’í-Gemeinden befinden,&lt;br /&gt;
zu einem Begriff, zu einem Ereignis geworden. Es ist beglückend, zu&lt;br /&gt;
sehen und zu erleben, wie von Jahr zu Jahr das Interesse am Weltreligionstag &lt;br /&gt;
und damit auch die Besucherzahl bei den Feiern wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was will der Weltreligionstag? Er soll die Menschen darauf hinweisen,&lt;br /&gt;
daß die Bahá’í-Religion eine {{Sperrsatz|Weltreligion}} ist, so allumfassend, daß&lt;br /&gt;
alle anderen Religionen und Lehren in ihr Raum haben, sich in ihr aus&lt;br /&gt;
der all-einen großen Wahrheit heraus, die in allen lebt, finden, achten&lt;br /&gt;
und lieben lernen können. Die Menschen sollen an den Weltreligionstagen&lt;br /&gt;
spüren, daß die Bahá’í ihnen keineswegs {{Sperrsatz|etwas nehmen}} wollen,&lt;br /&gt;
sondern Achtung und Ehrfurcht vor ihrem Glauben haben, ihm ein tiefes&lt;br /&gt;
Verständnis entgegenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das zu beweisen, laden die Bahá’í, wo immer es geht, als Mitwirkende &lt;br /&gt;
am Weltreligionstag Angehörige anderer Religionen und Bekenntnisse ein. &lt;br /&gt;
In {{Sperrsatz|Stuttgart}} ist aus diesem harmonischen, gemeinsamen&lt;br /&gt;
Begehen des Weltreligionstages die „Überkonfessionelle Arbeitsgemeinschaft“ &lt;br /&gt;
entstanden, als Beweis für die Möglichkeit, sich in Harmonie,&lt;br /&gt;
gegenseitigem Verständnis und gegenseitiger Ehrfurcht vor der &lt;br /&gt;
Überzeugung des andern {{Sperrsatz|gemeinsam an einen Tisch}} zu setzen und&lt;br /&gt;
sich zu finden in dem, worin wir uns alle einig sind: im {{Sperrsatz|Glauben}} an&lt;br /&gt;
den {{Sperrsatz|einen Gott}}, dem Gehorsam Ihm gegenüber und in der Bereitschaft, &lt;br /&gt;
Ihm und {{Sperrsatz|allen}} Menschen in Liebe selbstlos zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sollen von einem Weltreligionstag den Ansporn mit nach&lt;br /&gt;
Hause nehmen, ihr Leben aus einer letzten Verantwortung heraus zu&lt;br /&gt;
führen und sich ehrlich zu mühen, ihre religiöse Überzeugung in einem&lt;br /&gt;
Leben der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit und einer alles umfassenden&lt;br /&gt;
Liebe, die keine Grenzpfähle und keine Zäune kennt, zu bewähren. Die&lt;br /&gt;
Menschen sollen sich allezeit der großen Gemeinsamkeit bewußt bleiben&lt;br /&gt;
und in der Mannigfaltigkeit die Einheit sehen. Den Bahá’í erscheinen die&lt;br /&gt;
verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen wie ein bunter Strauß&lt;br /&gt;
verschiedenartiger und verschiedenfarbiger Blumen, von denen sie wissen,&lt;br /&gt;
daß alle aus {{Sperrsatz|ein und demselben Garten}} stammen und daß es&lt;br /&gt;
gerade ihre Verschiedenheit ist, welche die Schönheit und den Reiz des&lt;br /&gt;
Gartens ausmacht.&lt;br /&gt;
{{page|85|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenn die Menschen lernen, sich gegenseitig auch in ihrer Unterschiedlichkeit &lt;br /&gt;
und Andersartigkeit zu achten und zu lieben, wird es möglich sein, sie zu einer &lt;br /&gt;
großen Menschheitsfamilie zu vereinen; nur dann werden wir zu dem von allen &lt;br /&gt;
heiß ersehnten Weltfrieden gelangen, der doch niemals erreicht werden kann &lt;br /&gt;
auf dem Boden politischer und wirtschaftlicher Abmachungen und Verträge, &lt;br /&gt;
der auch niemals hervorgehen kann aus dem Gezänke rivalisierender &lt;br /&gt;
Parteien, der nicht erdacht und konstruiert werden kann in den Gehirnen &lt;br /&gt;
noch so kluger Menschen, wenn sie nur intellektuell und materialistisch &lt;br /&gt;
ausgerichtet sind. Dieser Weltfrieden wird einzig von Menschen geschaffen, &lt;br /&gt;
die gelernt haben, sich wieder {{Sperrsatz|Gott zuzuwenden}}, die bereit &lt;br /&gt;
sind, selbstlose Werkzeuge zu sein in Seiner Hand, die willens sind, ernst &lt;br /&gt;
zu machen mit dem, was die Gottgesandten aller Zeiten gelehrt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í wissen, daß alle Menschen auf dem ganzen Erdenrund, die&lt;br /&gt;
guten Willens sind und letztlich demselben Ziel zustreben, sich finden&lt;br /&gt;
und zusammenschließen müssen zu einem gemeinsamen großen Werk&lt;br /&gt;
der Liebe und Bruderschaft. Wenn wir Einzelgänger bleiben, wird unser&lt;br /&gt;
Tun erfolglos sein. Er nützt nichts, wenn ungezählte Rinnsale allein &lt;br /&gt;
versuchen wollen, das Rad der Welt umzutreiben; wenn sich aber alle zu&lt;br /&gt;
einem einzigen, kraftvollen, großen Strom vereinigen, wird das erstrebte&lt;br /&gt;
Ziel gewiß bald erreicht. Wenn es gelingt, durch den Weltreligionstag die&lt;br /&gt;
Menschen für diese Gedanken aufzuschließen, ist viel gewonnen und&lt;br /&gt;
mancher verkrustete Boden aufnahmebereit gemacht für die goldene Saat&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. A. Schwarz&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltreligionstag 1961===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Von der Erkenntnis der grundsätzlichen Einheit und Wesensgleichheit aller Offenbarungsreligionen ausgehend, sind die Bahá’í in aller Welt seit vielen Jahren bestrebt, durch eine gemeinsame Feierstunde am dritten Sonntag im Monat Januar dem Gedanken der Toleranz und Brüderlichkeit zwischen den verschiedensten Bekenntnissen beredten Ausdruck zu verleihen. Auch heuer fanden wieder in den meisten deutschen Städten, in denen es kleinere oder größere Bahá’í-Gemeinden gibt, solche Veranstaltungen statt. Wo die Vertreter anderer Glaubensrichtungen ihre Teilnahme verweigerten oder der Kontakt zu ihnen noch nicht genügend ausgebaut war — wie z.B. in Nürnberg, Wiesbaden, Heilbronn, Göppingen, Karlsruhe und Baden-Baden — wurde die Ansprache eines Bahá’í-Redners von Musikstücken und Lesungen aus den verschiedenen heiligen Schriften umrahmt. Anders die Morgenfeiern in Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg: Hier hatten sich Angehörige anderer Religionen — Christen, Juden, Moslim, Hindus, Buddhisten und Freidenker — bereitgefunden, das diesjährige Leitthema „{{Sperrsatz|Taten offenbaren die Stufe des Menschen}}“ unter dem Aspekt ihrer Überzeugung zu beleuchten. Diese Veranstaltungen fanden regen Zuspruch und zum Teil auch ein lebhaftes Echo in der Presse.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir wollen im folgenden kurz über die Feier in Hamburg berichten und die Ansprache wiedergeben, die Professor Dr. Friedrich {{Sperrsatz|Heiler}}, Marburg, dort gehalten hat.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{{page|86|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Morgenfeier in Hamburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über zweihundert Menschen waren am Sonntagvormittag im Weißen&lt;br /&gt;
Saal des Curiohauses in Hamburg zusammengekommen, um an der &lt;br /&gt;
Feierstunde zum Weltreligionstag teilzunehmen. Als Redner hatten &lt;br /&gt;
sich Professor Dr. {{Sperrsatz|Heiler}} von der Universität Marburg, ein Mitglied der&lt;br /&gt;
Buddhistischen Vereinigung in Hamburg, Herr {{Sperrsatz|Rieker}}, und Dr. Eugen&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Schmidt}} aus Stuttgart zur Verfügung gestellt. Für die musikalische&lt;br /&gt;
Gestaltung sorgten Trude und Walter {{Sperrsatz|Girnatis}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Sekretär der Bahá’í-Gemeinde&lt;br /&gt;
sprach {{Sperrsatz|Professor Heiler}}. Der Redner war von dem Gedanken&lt;br /&gt;
religiöser Toleranz so sehr durchdrungen, wissenschaftliche Erkenntnis&lt;br /&gt;
und menschliche Bescheidenheit, Lehre und Haltung waren so sehr eins&lt;br /&gt;
geworden, daß seine Worte wie eine Mahnung an alle Menschen unserer&lt;br /&gt;
Zeit wirkten. Neben Eindrücken, die Professor Heiler auf einer längeren&lt;br /&gt;
Studienreise durch Asien empfangen hatte, reihten sich die Namen großer&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten aus dem Bereich verschiedener Religionen, die alle dem&lt;br /&gt;
Gedanken religiöser Toleranz huldigten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr {{Sperrsatz|Rieker}} ging in seiner Ansprache vom Leitgedanken des &lt;br /&gt;
Weltreligionstages „Taten offenbaren die Stufe des Menschen“ aus. Aus der&lt;br /&gt;
Sicht und Höhe buddhistischer Lebensweisheit entwickelte er die Lehre&lt;br /&gt;
von der echten menschlichen Tat, die aus dem Kern einer Persönlichkeit&lt;br /&gt;
hervorgeht wie eine mühelose Vollendung des Menschen selbst. Worte&lt;br /&gt;
und Wünsche bleiben vorläufig — es kommt auf die Taten an! Eindrucksvoll &lt;br /&gt;
wiederum war die spürbare Einheit von Wort und Haltung in der&lt;br /&gt;
Persönlichkeit des Redners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Eugen {{Sperrsatz|Schmidt}} als Sprecher der Bahá’í zeigte zunächst, daß aus&lt;br /&gt;
der Lehre Bahá’u’lláhs von der Einheit der Religionen eine besondere Art&lt;br /&gt;
von Toleranz hervorgehe, eben die Haltung der Bahá’í-Religion anderen&lt;br /&gt;
Religionen gegenüber, die mehr sei als Toleranz, nämlich Hinwendung,&lt;br /&gt;
Aufgeschlossenheit und Verständnis. Durch eine Reihe wunderbarer&lt;br /&gt;
Äußerungen von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá wurde der universale &lt;br /&gt;
Charakter und der verstehende Geist der Bahá’í-Religion lebendig.&lt;br /&gt;
Der Redner ließ die Begeisterung des Bahá’í-Glaubens, seinen Schwung&lt;br /&gt;
und seine Weite fühlbar werden und betonte, daß diese neuen Kräfte sich&lt;br /&gt;
Taten zuwenden wollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:H.R.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Gott ist der Gott der ganzen Menschheit”===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache von Professor Dr. Friedrich Heiler, Marburg, zum Weltreligionstag &lt;br /&gt;
am 15. 1. 1961 in Hamburg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwei Jahren unternahm ich mit meiner Frau von New Delhi aus&lt;br /&gt;
auf meiner Pilgerreise, die mich rund um die Erde führte, eine lange&lt;br /&gt;
Bahn- und Autofahrt, um an einen ganz abgelegenen Platz in den Vorbergen &lt;br /&gt;
des Himalaja zu kommen, nach Khalsi. Diese Pilgerfahrt galt nicht&lt;br /&gt;
einem Tempel oder einer der vielen Erinnerungsstätten des Buddha, sondern &lt;br /&gt;
einer in Felsen in einer altertümlichen Schrift eingeritzten Inschrift,&lt;br /&gt;
die heute in einem schmucklosen Gehäuse vor der Witterung geschützt ist.&lt;br /&gt;
{{page|87|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
Diese Inschrift war für mich seit langem eines der größten Heiligtümer&lt;br /&gt;
der Welt. Sie ist eine der Felsinschriften, die König {{Sperrsatz|Ashoka}}, der im&lt;br /&gt;
3. vorchristlichen Jahrhundert ganz Indien beherrschte, an einer Reihe von&lt;br /&gt;
vielbesuchten Pilgerstraßen anbringen ließ. Neben mehreren anderen&lt;br /&gt;
Edikten, in denen dieser vielleicht edelste Herrscher der Weltgeschichte&lt;br /&gt;
seinen Untertanen hohe sittliche Mahnungen gibt, enthält diese Inschrift&lt;br /&gt;
das sogenannte {{Sperrsatz|Toleranzedikt}}. Es hat folgenden Wortlaut:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:“Der Gottgeliebte legt nicht so viel Gewicht auf Gaben und Ehrenbezeugungen wie darauf, daß bei allen Religionen ein Wachstum im Wesentlichen stattfinde. Die Grundlage hierfür ist aber die, daß weder ein Preisen der eigenen Religion noch ein Tadel der fremden Religionen bei unpassenden Gelegenheiten stattfindet. Andere Religionen sollen bei jeder Gelegenheit geehrt werden. Wenn man so handelt, fördert man seine eigene Religion und erweist den anderen Religionen Gutes. Im anderen Falle schädigt man seine eigene Religion und fügt den anderen Religionen Übles zu. Denn wer immer seine eigene Religion preist und die anderen Religionen tadelt, und das alles aus Zuneigung zur eigenen Religion und um die eigene Sache zu verherrlichen, der schädigt, wenn er so handelt, seine eigene Religion sehr. Einigkeit allein frommt, und daß ein jeder die andere Religion höre und gern höre.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses nicht nur von höchster Weisheit, sondern auch von tiefer Frömmigkeit &lt;br /&gt;
erfüllte Edikt ist umso bemerkenswerter, als dieser Herrscher&lt;br /&gt;
ein Missionar auf dem Königsthron war. Er war einer der eifrigsten&lt;br /&gt;
Laienjünger Gotama Buddhas, der Missionare der buddhistischen Heilslehre &lt;br /&gt;
nach allen Himmelsrichtungen aussandte, ja selbst einen eigenen&lt;br /&gt;
Sohn und zwei eigene Töchter. Aber trotz dieses missionarischen Eifers&lt;br /&gt;
für Buddha, Dharma und Sangha, das dreifache Kleinod, ja gerade wegen&lt;br /&gt;
dieses Eifers wurde er zum Herold der Toleranz in der Menschheitsgeschichte, &lt;br /&gt;
denn er folgte damit seinem großen Meister. Ja, es ist mehr als&lt;br /&gt;
Toleranz, denn was Ashoka predigt, ist keine bloße Duldung, sondern&lt;br /&gt;
Aufgeschlossenheit und Lernbereitschaft, Anerkennung und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2200 Jahre sind seit dem Erlaß dieses Ediktes vergangen, und hätte die&lt;br /&gt;
Menschheit auf diesen königlichen Prediger gehört, so wäre die Menschheitsgeschichte &lt;br /&gt;
anders verlaufen. Diese Geschichte ist voll von &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Kämpfen der verschiedenen Religionen}}, ja Konfessionen einer und&lt;br /&gt;
derselben Religion, Kämpfen mit den Waffen der Unwahrheit und Lieblosigkeit, &lt;br /&gt;
oft genug mit den Waffen der Unterdrückung, des Feuers und&lt;br /&gt;
des Schwertes. Wenn auch die Christen den traurigen Ruhm haben, am&lt;br /&gt;
grausamsten mit Juden und Ketzern verfahren zu sein, so können doch&lt;br /&gt;
die anderen Religionen nicht ausschließlich ihnen Intoleranz vorwerfen;&lt;br /&gt;
auch die Muslim, die Konfutsianer, die Juden haben andere Religionen&lt;br /&gt;
verfolgt, selbst die wegen ihrer Toleranz gerühmten Hindu und Buddhisten &lt;br /&gt;
sind von ihr nicht frei geblieben. Im christlichen Abendland haben&lt;br /&gt;
auch die großen geistigen Erneuerungsbewegungen des Humanismus, der&lt;br /&gt;
Reformation und der Aufklärung die Menschheit noch nicht frei gemacht&lt;br /&gt;
von der Geißel der Intoleranz. Nicht Europa, sondern Nordamerika wurde&lt;br /&gt;
das Land, in dem ernst gemacht wurde mit dem religiösen Toleranzgedanken. &lt;br /&gt;
Während in den USA die Grundsätze von der religiösen Freiheit &lt;br /&gt;
{{page|88|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
allen Bürgern in Fleisch und Blut übergegangen sind, stehen sie bei&lt;br /&gt;
uns für viele noch auf dem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Fortschritt in der Überwindung konfessioneller Intoleranz&lt;br /&gt;
haben in diesem Jahrhundert die ökumenische Bewegung und die ihr&lt;br /&gt;
folgende Una-Sancta-Bewegung gebracht. Die christlichen Konfessionen&lt;br /&gt;
sind nach jahrhundertelangen Religionskämpfen einander so nahe gekommen &lt;br /&gt;
wie noch nie zuvor. Gerade die Initiative des jetzigen Papstes&lt;br /&gt;
Johannes XXIII. hat der christlichen Einheitsbewegung einen mächtigen&lt;br /&gt;
Impuls gegeben. Es ist ein erhebender Gedanke, daß die Zahl derer, die&lt;br /&gt;
an der Gebetswoche um Einheit teilnehmen — die immer vom 18. bis&lt;br /&gt;
25. Januar stattfindet —, von Jahr zu Jahr wächst. Dennoch ist die &lt;br /&gt;
christliche Einheitsbewegung noch nicht groß, weit und tief genug. &lt;br /&gt;
Ja, in gewisser Weise bedeutet sie sogar einen Rückschritt gegenüber &lt;br /&gt;
der Aufklärungszeit und der Zeit der deutschen Klassik. Sie hat nicht selten&lt;br /&gt;
den Charakter einer Einheitsfront gegen die nichtchristlichen Religionen&lt;br /&gt;
angenommen. Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie Vorkämpfer der&lt;br /&gt;
christlichen Einigung als eines ihrer Motive die Renaissance der &lt;br /&gt;
nichtchristlichen Weltreligionen bezeichneten. Die innere Erneuerung der&lt;br /&gt;
großen Religionen Asiens und das Aufblühen ganz neuer Religionen, zumal &lt;br /&gt;
in Japan, die dort in wenigen Jahren ungleich mehr Anhänger gewonnen haben &lt;br /&gt;
als die christliche Mission in Jahrhunderten, macht christlichen Kirchenmännern &lt;br /&gt;
erhebliche Sorgen. Statt sich darüber zu freuen,&lt;br /&gt;
daß so viele Menschen Gott und das Heil suchen und dem Nächsten in&lt;br /&gt;
ihrem Leben mit ganzer Hingabe dienen wollen, sprechen sie von einer&lt;br /&gt;
Gefahr, welche die Christenheit zur Einigung aneifern sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist falsch, die Einheit als Ideal zu verkünden, das Ut omnes unum&lt;br /&gt;
des johanneischen Jesus als sein Testament zu preisen und die ganze&lt;br /&gt;
nichtchristliche Welt davon auszuschließen, wenigstens in dem Sinne, daß&lt;br /&gt;
man von ihr verlangt, ihre jahrhundertealten und großenteils noch viel&lt;br /&gt;
älteren Traditionen als die christliche preiszugeben. Die Christenheit ist&lt;br /&gt;
nur ein Bruchteil der Menschheit, heute etwas weniger als ein Drittel. Und&lt;br /&gt;
die Zahlenproportion ist ständig im Rückgang, weil die nichtchristlichen&lt;br /&gt;
Religionen sich ungleich schneller vermehren als die christlichen. Gott ist&lt;br /&gt;
und bleibt der Gott der ganzen Menschheit und der ganzen Welt. Schon&lt;br /&gt;
Paulus hatte den Römern die Frage vorgelegt: „Ist Gott nur der Juden&lt;br /&gt;
Gott und nicht auch der Heiden?“ und darauf geantwortet: „Ja, auch der&lt;br /&gt;
Heiden, wenn anders es nur {{Sperrsatz|einen}} Gott gibt“ (Rö. 3, 29). Man muß die&lt;br /&gt;
Vertreter des Dogmatismus fragen: Gelten die zentralen Sätze des Neuen&lt;br /&gt;
Testamentes oder nicht: „Gott ist Liebe“ (1. Joh. 4,8); „Also hat Gott die&lt;br /&gt;
Welt geliebt...“ (Joh. 3,16); „Gott will, daß alle Menschen gerettet werden &lt;br /&gt;
und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim. 2,4). Wenn diese&lt;br /&gt;
Sätze gelten, dann kann Gott seine Beziehung zur Menschheit nicht auf&lt;br /&gt;
einen Bruchteil derselben eingeengt haben. Dieser Bruchteil schrumpft&lt;br /&gt;
überdies noch zu einer mathematisch kleineren Zahl zusammen, wenn wir&lt;br /&gt;
bedenken, daß Gott nicht erst 2700 Jahre vor Christus die Welt und&lt;br /&gt;
Menschheit geschaffen hat, sondern vor Millionen von Jahren. Wenn&lt;br /&gt;
dieser Gott des unvorstellbar großen Kosmos sich geoffenbart hat, dann&lt;br /&gt;
kann er nur der ganzen Menschheit und der Gesamtheit aller geschaffenen&lt;br /&gt;
Geister sich geoffenbart haben. Sowohl der große lutherische Erzbischof&lt;br /&gt;
{{page|89|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Nathan Söderblom wie der bedeutende anglikanische Erzbischof William&lt;br /&gt;
Temple haben betont, daß Gott sich entweder allen Menschen geoffenbart&lt;br /&gt;
hat, sagt das Neue Testament ganz unmißverständlich. „Gott hat sich nie&lt;br /&gt;
unbezeugt gelassen“ (Apg. 14, 17); „der Logos (das ewige Gotteswort)&lt;br /&gt;
erleuchtet jeden Menschen“ (Joh. 1, 9); „ich sah eine große Schar aus allen&lt;br /&gt;
Völkern, Zungen und Heiden vor dem Throne Gottes stehen und vor dem&lt;br /&gt;
Lamme“ (Offb. 7, 9). Nathan Söderblom sagte noch auf dem Sterbebett:&lt;br /&gt;
„Gott lebt; ich kann es beweisen aus der Religionsgeschichte“. Und &lt;br /&gt;
daß er sich allen Menschen geoffenbart habe oder überhaupt nicht. Dieser &lt;br /&gt;
Glaube an Gottes universale Offenbarung ist nicht eine Schwärmerei von&lt;br /&gt;
einzelnen Theologen, sondern sie hat eine lange Kette von großen theologischen &lt;br /&gt;
Zeugen: angefangen von Justin dem Märtyrer und den Alexandrinern Clemens und &lt;br /&gt;
Origenes über die großen griechischen Kirchenväter und Augustinus, &lt;br /&gt;
über Abaelard, Nicolaus von Cues, Zwingli, Leibniz,&lt;br /&gt;
Schleiermacher bis auf Nathan Söderblom und Rudolf Otto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber die Menschheit eine ist, wenn Gott der Vater der Menschheit &lt;br /&gt;
ist, wenn er das eine Licht ist, das allen leuchtet, dann können auch&lt;br /&gt;
die Religionen nicht völlig getrennte Größen sein, dann muß in ihnen die&lt;br /&gt;
Einheit offenbar werden. In der Tat gibt es im Grunde, so wie es nur&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einen}} Gott gibt, auch nur {{Sperrsatz|eine}} Religion in der &lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit der äußeren religiösen Form, „una religio in rituum varietate“, &lt;br /&gt;
wie die unvergleichliche Formulierung des Nicolaus von Cues, Kardinals der &lt;br /&gt;
römischen Kirche, lautet. Diese Einheit leuchtet allen jenen auch, welche die&lt;br /&gt;
Mühe auf sich nehmen, die Religionen in ihrer Mannigfaltigkeit an ihren&lt;br /&gt;
Quellen zu studieren — um nur einen der großen Bahnbrecher der &lt;br /&gt;
Religionswissenschaft zu nennen: Friedrich Max Müller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein chinesisches Sprichwort lautet: „Der Engherzige sieht nur die &lt;br /&gt;
Unterschiede, der Weitherzige aber sieht das Gemeinsame“. Natürlich gibt&lt;br /&gt;
es große Unterschiede zwischen den Religionen, aber beileibe nicht nur&lt;br /&gt;
zwischen, sondern auch innerhalb der einzelnen Religionen, im Buddhismus &lt;br /&gt;
und Islam wie im Christentum. Bestimmte christliche Mystiker stehen&lt;br /&gt;
den Mystikern der anderen Weltreligionen viel näher als vielen Christen,&lt;br /&gt;
die einen ganz anderen religiösen Typus darstellen. Die Menschheit ist&lt;br /&gt;
eben eine, sie folgt in allen Rassen und Kulturen einzelnen geschichtlichen,&lt;br /&gt;
soziologischen und psychologischen Gesetzen. Das {{Sperrsatz|Menschsein verbindet}} &lt;br /&gt;
alle ohne Ausnahme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Menschen sind die Menschenkinder&lt;br /&gt;
:aller Zeiten, aller Zonen,&lt;br /&gt;
:ob sie unter Palmenbüschen&lt;br /&gt;
:oder unter Birken wohnen,&lt;br /&gt;
:ob sie vor dem Christengotte,&lt;br /&gt;
:ob vor Wodan sie sich bücken,&lt;br /&gt;
:ob sie sich in Lumpen hüllen,&lt;br /&gt;
:oder sich mit Purpur schmücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;(Friedrich Wilhelm Weber)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war auch das große Erlebnis, das mir zuteil wurde, als ich neun&lt;br /&gt;
Monate unter Nichtchristen der asiatischen Länder weilte. Ich fand in&lt;br /&gt;
ihnen Menschen wie wir, religiöse Menschen von tiefer Innerlichkeit, und&lt;br /&gt;
{{page|90|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
alle erschlossen mir ihr Herz. Eine tiefe Gemeinsamkeit, und zwar eine&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|religiöse}} Gemeinsamkeit, verbindet uns alle. {{Sperrsatz|Wir sind Brüder&lt;br /&gt;
und Schwestern}}, Glieder einer Familie, nicht nur im menschlichen&lt;br /&gt;
Sinne, sondern vor dem Angesicht des Ewigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einheit darf aber nicht die Sache einiger weniger Menschen, noch&lt;br /&gt;
beschränkt auf gelegentliche Begegnungen bleiben, sondern muß ständig&lt;br /&gt;
gepflegt werden. Diesem Zwecke dient eine Reihe von Vereinigungen&lt;br /&gt;
wie die Universal Religious Alliance, der Religiöse Menschheitsbund &lt;br /&gt;
Rudolf Ottos, der World Congress of Faiths, die Fellowship of Religions, die&lt;br /&gt;
„Weltharmonie“ Iran Schährs und noch andere. Von den verschiedensten&lt;br /&gt;
Seiten aus wird das Ziel der {{Sperrsatz|einen}} Menschheit gesucht, der mit Gott&lt;br /&gt;
verbundenen erlösten Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Ziel dient auch der Welt-Religions-Sonntag. Es ist nötig, neben&lt;br /&gt;
die Weltgebetsoktav für die Einigung der Christen diesen Sonntag der&lt;br /&gt;
Einigung der Religionen zu setzen. Vor einigen Jahren fand in dem&lt;br /&gt;
katholischen Blatt „Der christliche Sonntag“ (1958, Nr. 11, 16. 3. 1958) eine&lt;br /&gt;
beachtenswerte Auseinandersetzung in diesem Sinn statt. Ein Mitarbeiter&lt;br /&gt;
hatte diese Veranstaltung angegriffen. Ein katholischer Missionspriester,&lt;br /&gt;
Pater L. {{Sperrsatz|Koch}} von Mödling bei Wien, antwortete ihm: „Die Welt muß&lt;br /&gt;
heute eins werden. Wie wahr ist doch der Satz: ‚Wir können nicht zu einer&lt;br /&gt;
wirklichen Einheit in der Welt kommen ohne Einheit in der Religion.‘&lt;br /&gt;
Vergessen wir doch nicht bei der Dringlichkeit der Una Sancta Christianorum &lt;br /&gt;
das noch bedeutendere und größere Problem der Una Sancta omnium&lt;br /&gt;
religionum ... Wie hoffnungslos begann die Einigung der Christen! Und&lt;br /&gt;
welchen Sieg hat das Ringen um die Einheit denen gebracht, die ganz&lt;br /&gt;
ernst an dieser Vereinigung mitwirkten! Ist es darum so absurd, zu rufen:&lt;br /&gt;
‚Religionen aller Länder, vereinigt euch !’?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Ruf zu dieser Einheit wird immer der Vorwurf des Synkretismus&lt;br /&gt;
entgegengehalten, der nach dem Wort eines führenden Vertreters der&lt;br /&gt;
christlichen Oekumene noch gefährlicher ist als der moderne Säkularismus.&lt;br /&gt;
Dabei wird vergessen, daß nach dem Wort eines der größten und &lt;br /&gt;
unbefangensten Erforscher der christlichen Religion, Adolf von Harnack, das&lt;br /&gt;
Christentum „eine eminent synkretistische Religion“ ist. Auch der &lt;br /&gt;
genannte katholische Missionspriester erinnert an den großen Beitrag, den&lt;br /&gt;
das Judentum, das Römertum, das Griechentum und das Germanentum&lt;br /&gt;
für das Wachstum der christlichen Kirche leisteten, welche nichts anderes&lt;br /&gt;
als die „haeres gentium“ (die Erbin der Völker) ist. Auf das Wort kommt&lt;br /&gt;
es nicht an, aber der so gefürchtete Synkretismus ist in Wirklichkeit &lt;br /&gt;
nichts anderes als das „Pleroma“, als das der Epheserbrief die Kirche &lt;br /&gt;
charakterisiert, „die Fülle dessen, der alles in allen erfüllet“ (1, 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer einmal erkannt hat, daß das Christentum selbst eine Schöpfung&lt;br /&gt;
der Begegnung der Religionen zu der Zeitenwende ist, der muß die Scheu&lt;br /&gt;
vor einer fortgesetzten Begegung der Weltreligionen überwinden. Es fehlt&lt;br /&gt;
nicht an weitblickenden Geistern in den verschiedenen Religionen, welche&lt;br /&gt;
den Anbruch eines neuen Zeitalters der geistigen Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
vorhersagten. Einer von ihnen war der genannte große Religionsforscher&lt;br /&gt;
Friedrich Max Müller, ein anderer der indische Professor Vasvani, der&lt;br /&gt;
1910 auf dem „Weltkongreß für Freies Christentum und religiösen &lt;br /&gt;
Fortschritt“ in Berlin erklärte:&lt;br /&gt;
{{page|91|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Weltreligionen sind nicht Konkurrenten, sondern sie sind Brüder. Warum schließen wir uns nicht zusammen und bilden eine Familie des Glaubens zur Ehre des Vaters, der in ihnen allen wirksam ist?... In meinen Träumen sehe ich schon den Tag, an dem die getrennten Weltreligionen in {{Sperrsatz|einer}} Kirche sich vereinigen, in der freien allgemeinen Kirche der Harmonie. In dieser Harmonie werden alle Töne der einzelnen Kirchen zusammenklingen: vom Hinduismus die Immanenz Gottes und die Solidarität des Menschengeschlechtes, vom Christentum die Vaterliebe Gottes und der Weg des Kreuzes, vom Islam die Erhabenheit und transzendente Einheit Gottes, vom Buddhismus der ethische Idealismus und die Erfüllung des Willens Gottes im Dienst am Nächsten, vom Zoroastrismus die Reinheit Gottes in Gedanken, Worten und Werken. Aus allen diesen Tönen zusammen wird eine neue Harmonie erklingen, welche die Welt noch nicht kennt, aber nach der sie sich sehnt, welche die Söhne und Töchter des Ostens und Westens zu hohen Taten der Liebe begeistern und der Welt den Frieden bringen wird — die Harmonie des Neuen Bundes. — Wir träumen von dem Tage, da die Völker des Westens das Wesen des neuen Bundes der göttlichen Gnade erfassen und diese Botschaft annehmen werden, die Botschaft von der einen Religion, die allen Religionen zugrundeliegt, von dem einen Logos, der durch alle Propheten geredet hat, von dem einen Wort, das in allen Kirchen gepredigt wird, von dem einen Geist, der aus allen heiligen Schriften spricht, von dem einen Vater, der in der gesamten Menschheit gegenwärtig und wirksam ist. An dem Tage werden die brennenden Fragen der Kultur gelöst sein und eine neue Epoche in der Weltgeschichte beginnen. Dann, ja dann werden die Segnungen, die auf den Völkern des Westens ruhen, erneuert werden, und Orient und Okzident werden in Brudergemeinschaft miteinander leben als Glieder der einen Familie Gottes. Dann wird die Verheißung erfüllt sein: ‚Siehe, ich mache alles neu‘.“ (Offb. 21, 5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je enger der Austausch und die Zusammenarbeit der Weltreligionen&lt;br /&gt;
wird, desto näher rückt der Augenblick, da die Menschheit zu einer großen&lt;br /&gt;
Einheit zusammenwachsen wird, jener Einheit, nach welcher die Menschen &lt;br /&gt;
heute suchen. Die Weltorganisationen der UN sind für sich allein&lt;br /&gt;
nicht imstande, die Menschheit zu einer großen Familie zusammenzuschließen, &lt;br /&gt;
sie bedürfen dazu der Weltreligionen. Diese sind die eigentlichen&lt;br /&gt;
Bahnbrecher der Menschheit oder, richtiger gesagt, des Gottesreiches, das&lt;br /&gt;
Jesus verkündet hat, das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich&lt;br /&gt;
der Heiligkeit und Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des&lt;br /&gt;
Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit hat einer der größten Kirchenmänner unserer Tage,&lt;br /&gt;
Patriarch Athenagoras von Konstantinopel, erklärt, in ein oder zwei &lt;br /&gt;
Generationen würde alle Feindseligkeit zwischen Nationen und Religionen &lt;br /&gt;
überwunden sein. Dasselbe ist auch die Auffassung eines großen&lt;br /&gt;
deutschen Vorkämpfers der Oekumene, Friedrich Siegmund-Schultze.&lt;br /&gt;
Diese Ankündigungen stimmen überein mit der Weissagung ‘Abdu’l-Bahás: .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Alle Nationen und Völker werden unter dem Schatten des göttlichen Banners... versammelt und zu einer einzigen Nation werden. &lt;br /&gt;
{{page|92|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Streitigkeiten unter den Religionen, Sekten, Feindschaften der Rassen und Völker und Zwistigkeiten der Nationen werden verschwinden. Alle Menschen werden einer Religion angehören und einen gemeinsamen Glauben haben. Sie werden in eine Rasse und in ein Volk verschmelzen; alle werden in einem gemeinsamen Vaterlande wohnen, das der Planet selber ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das {{Sperrsatz|Gebet}} um die Verwirklichung dieser großen Einheit ist &lt;br /&gt;
noch wichtiger als das um die Vereinigung jenes Bruchteils der Menschheit, &lt;br /&gt;
den die Christenheit darstellt. Dieses Gebet hat uns der größte religiöse Denker&lt;br /&gt;
nicht nur des mittelalterlichen Deutschlands, sondern Deutschlands überhaupt, &lt;br /&gt;
Nicolaus von Cues, schon vor 500 Jahren vorgesprochen in seiner&lt;br /&gt;
Schrift „De pace fidei“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Herr und König des Weltalls,... komme zu Hilfe, der du allein helfen kannst. Dieser Wettstreit geht um dich... Du also, der du der Spender des Seins und Lebens bist, du bist es, der in den verschiedenen Religionen auf verschiedene Weise gesucht und mit verschiedenen Namen benannt wird, weil du bleibst, wie du bist, allen unerkannt und unaussprechlich.... Du aber, allmächtiger Gott, der du unsichtbar bist für jeden Geist, du kannst dich auf faßliche Weise erkennbar zeigen, wem du willst. So verbirg dich nicht länger, o Herr! Sei gnädig und zeige dein Antlitz, und Heil wird widerfahren allen Völkern... Wenn du gnädiglich so tun wirst, dann werden aufhören das Schwert und der neidvolle Haß und alle Übel, und alle werden erkennen, wie {{Sperrsatz|nur eine}} Religion ist in der Mannigfaltigkeit der religiösen Bräuche. Sollte aber diese Verschiedenheit der Bräuche nicht aufgehoben werden können, oder sollte es nicht frommen, daß die Verschiedenheit die Erhöhung der Gottesverehrung bewirke, insofern jedes Land dir durch seine Bräuche, gleich als seien sie dir als dem König angenehmer, einen umso unermüdlicheren Dienst erweisen wird, dann möge wenigstens, wie du {{Sperrsatz|einer}} bist, {{Sperrsatz|eine}} Religion sein und {{Sperrsatz|ein}} anbetender Dienst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Geheimnis göttlicher Kultur (I)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Verschiedene Ansätze zu Reformen, mit denen Sháh Násiri’d-Din das absolutistische Staatswesen Persiens aufgeklärteren europäischen Vorbildern anzugleichen versuchte, veranlaßten ‘Abdu’l-Bahá im Jahre 1875 zu einem Appell an die führenden Persönlichkeiten und das Volk Persiens, in welchem Er die göttlichen Grundsätze der politischen Ethik und der Ordnung des Gemeinwesens darlegte, die ruhmvolle Vergangenheit Persiens in Erinnerung rief, den grundlegenden Einfluß der Offenbarungsreligionen auf den Gang der Weltgeschichte betonte, das parlamentarische System, die allgemeine Schulbildung und zahlreiche andere Maßnahmen befürwortete und die Vorurteile der Gegner solcher Reformen widerlegte. Gedruckt wurde das persische Original dieser Schrift erstmals 1882 in Bombay; englische Übersetzungen kamen zunächst 1910 in London und 1918 in Chicago unter dem Titel „Mysterious Forces of Civilization“ heraus. Als „Die geheimnisvollen Mächte der Kultur“ erschien eine deutsche Fassung 1928/30 in den Jahrgängen VIII und IX der „Sonne der Wahrheit“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{{page|93|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Angesichts der bleibenden Aktualität dieses Werkes und der bevorstehenden innenpolitischen Ereignisse in Deutschland möchten wir unseren Lesern im folgenden einige ausgewählte Abschnitte aus der englischen Neuveröffentlichung &amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; unterbreiten, in denen sich ‘Abdu’l-Bahá nicht nur an Seine Landsleute, sondern an alle aufgeschlossenen Menschen wendet, die sich bemühen, ihrer Verantwortung im öffentlichen Leben gerecht zu werden.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Namen Gottes, des Mildtätigen, des Barmherzigen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis und Dank seien der Vorsehung, daß sie aus allen Reichen der&lt;br /&gt;
Schöpfung den Menschen in seiner Wesenheit auserwählt und ihn mit&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Verstand}} und {{Sperrsatz|Weisheit}}, den beiden strahlendsten &lt;br /&gt;
Lichtquellen in&lt;br /&gt;
dieser und der anderen Welt, ausgezeichnet hat. Durch das Wirken dieser&lt;br /&gt;
großen Gaben hat Gott in jedem Zeitalter wunderbare neue Formen im&lt;br /&gt;
Spiegel der Schöpfung erstehen lassen. Wenn wir diese Welt unvoreingenommen &lt;br /&gt;
betrachten, wird uns klar, daß der Tempel des Seins zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten beständig verziert und geschmückt wurde mit frischer Anmut und&lt;br /&gt;
ewig-neuem Glanz, die von der Weisheit und der Kraft der Gedanken&lt;br /&gt;
herrührten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses größte Zeichen Gottes steht an erster Stelle im Gefüge der&lt;br /&gt;
Schöpfung und nimmt auf höchster Stufe den Vorrang vor allen erschaffenen &lt;br /&gt;
Dingen ein. Dies bezeugt die heilige Überlieferung: „Vor allem anderen schuf &lt;br /&gt;
Gott den Verstand.“ Seit Anbeginn der Schöpfung war der&lt;br /&gt;
Verstand dazu bestimmt, sich im Menschen zu offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheiligt ist der Herr, Der durch die leuchtenden Strahlen dieser seltsamen &lt;br /&gt;
Himmelsmacht bewirkte, daß unsere dunkle Erde von den Welten&lt;br /&gt;
des Lichts beneidet wird: „Und die Erde wird leuchten im Lichte ihres&lt;br /&gt;
Herrn.“ (Qur’án 39:69). Heilig und erhaben ist Er, Der das Wesen des&lt;br /&gt;
Menschen zum Quell dieser grenzenlosen Gnade machte: „Der Gott des&lt;br /&gt;
Erbarmens hat den Qur’án gelehrt. Er hat den Menschen erschaffen und&lt;br /&gt;
ihn mit vernünftiger Sprache begabt.“ (Qur’án 55:1-3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr, die ihr Verstand habt zu begreifen! Erhebt eure flehenden Hände&lt;br /&gt;
zum Himmel des einen Gottes, seid demütig, beugt euch vor Ihm und&lt;br /&gt;
dankt Ihm für diese höchste Gabe. Dann bittet Ihn, uns beizustehen, auf&lt;br /&gt;
daß in unserer heutigen Zeit himmlische Impulse vom Bewußtsein der&lt;br /&gt;
Menschheit ausstrahlen und dieses Feuer, von Gott entzündet und den&lt;br /&gt;
Menschenherzen anvertraut, nimmer erlösche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket wohl: All die weitverzweigten Erscheinungen, die Begriffe&lt;br /&gt;
und Erkenntnisse, die Verfahren der Technik und die Systeme der Philosophie, &lt;br /&gt;
die Wissenschaften, Künste, Gewerbe und Erfindungen — alle sind &lt;br /&gt;
Ausstrahlungen des menschlichen Verstandes. Jedes Volk, das sich&lt;br /&gt;
{{page|94|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
weiter in dieses uferlose Meer hineinwagte, hat am Ende die anderen&lt;br /&gt;
Völker überragt. Glück und Stolz einer Nation bestehen darin, daß sie wie&lt;br /&gt;
die Sonne am Himmel des Wissens erstrahlt. „Sollen die, welche erkennen,&lt;br /&gt;
gleich behandelt werden wie die, welche in Unwissenheit leben?“ (Qur’án&lt;br /&gt;
39:12). Und Ehre und Würde des einzelnen liegen darin, daß er vor all den&lt;br /&gt;
Massen der Weltbewohner zu einer Quelle des öffentlichen Wohles wird.&lt;br /&gt;
Gibt es eine größere Gnade als die, daß ein Mensch, wenn er in sich geht,&lt;br /&gt;
feststellen darf, daß er, durch göttliche Gunst bestätigt, Frieden und &lt;br /&gt;
Wohlfahrt, Glück und Nutzen unter seinen Mitmenschen bewirkte? Nein, bei&lt;br /&gt;
dem einen wahren Gott! Es gibt keine größere Freude, kein vollkommeneres Glück...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Voraussetzungen des Parlamentarismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung von Parlamenten, der Aufbau beratender Körperschaften&lt;br /&gt;
ist in Wahrheit die Grundlage der Staatsführung; solche Einrichtungen&lt;br /&gt;
müssen jedoch eine Reihe wesentlicher Anforderungen erfüllen. Erstens&lt;br /&gt;
müssen ihre gewählten Mitglieder redlich, gottesfürchtig, edel gesinnt und&lt;br /&gt;
unbestechlich sein. Zum anderen müssen sie die Gesetze Gottes in allen&lt;br /&gt;
ihren Einzelheiten kennen; sie müssen über die obersten Grundsätze des&lt;br /&gt;
Rechts Bescheid wissen, in den Verfahrensregeln für innere Angelegenheiten &lt;br /&gt;
und für Auslandsbeziehungen beschlagen und in den nutzbringenden Künsten &lt;br /&gt;
und Wissenschaften bewandert sein. Schließlich müssen sie&lt;br /&gt;
sich mit ihren rechtmäßigen Einkünften zufrieden geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man soll nicht glauben, daß es solche Abgeordnete nicht gebe. Durch die&lt;br /&gt;
Gnade Gottes und Seiner Erwählten, durch das heiße Bemühen ergebener&lt;br /&gt;
und eingeweihter Seelen läßt sich jede Schwierigkeit leicht lösen, und&lt;br /&gt;
jedes noch so verwickelte Problem erweist sich als einfacher als ein&lt;br /&gt;
Augenzwinkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jedoch die Mitglieder derartiger beratender Körperschaften von&lt;br /&gt;
minderwertigem Charakter, unwissend, über die Gesetze der Staatsführung &lt;br /&gt;
und der Verwaltung nicht unterrichtet, wenn sie unklug, von niederer &lt;br /&gt;
Gesinnung, gleichgültig, nachlässig und eigennützig sind, ist die&lt;br /&gt;
Errichtung solcher Organe nutzlos. Wo in der Vergangenheit ein armer&lt;br /&gt;
Mann, der zu seinem Recht kommen wollte, nur einen einzelnen zu &lt;br /&gt;
bestechen hatte, müßte er jetzt alle Hoffnung auf Gerechtigkeit fahren&lt;br /&gt;
lassen oder aber das ganze Gremium befriedigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine eingehende Untersuchung wird belegen, daß die Hauptursache der&lt;br /&gt;
Unterdrückung und des Unrechts, der Ehrlosigkeit, Regelwidrigkeit und&lt;br /&gt;
Unordnung die Tatsache ist, daß es dem Volk an religiöser Überzeugung&lt;br /&gt;
und an Erziehung mangelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Rangordnung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Stufe und den hehrsten Bereich, den vornehmsten und&lt;br /&gt;
erhabensten Rang in der ganzen Schöpfung — ob sichtbar oder unsichtbar,&lt;br /&gt;
ob Alpha oder Omega — nehmen die {{Sperrsatz|Propheten Gottes}} ein, trotz&lt;br /&gt;
der Tatsache, daß sie größtenteils dem äußeren Anschein nach nichts als&lt;br /&gt;
ihre Armut besaßen. Desgleichen ist den {{Sperrsatz|Heiligen}} und denen, die der&lt;br /&gt;
Schwelle Gottes am nächsten sind, unaussprechliche Herrlichkeit vorbehalten, &lt;br /&gt;
{{page|95|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
obwohl sich ihresgleichen niemals, und sei es auch nur für einen&lt;br /&gt;
Augenblick, um irdischen Vorteil kümmerten. Dann kommt die Stufe jener&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|gerechten Könige}}, deren Ruf als Beschützer des Volkes und als&lt;br /&gt;
Wahrer göttlicher Gerechtigkeit die Welt erfüllte, und deren Name als&lt;br /&gt;
machtvolle Verfechter der Rechte des Volkes in der ganzen Schöpfung&lt;br /&gt;
widerhallte. Solche Könige vergeuden keinen Gedanken darauf, riesige&lt;br /&gt;
Reichtümer für sich anzusammeln; sie sehen vielmehr ihren eigenen&lt;br /&gt;
Reichtum in der Förderung des Wohlstands ihrer Untertanen. Für sie sind&lt;br /&gt;
die königlichen Schatzkammern gefüllt, wenn jeder einzelne Bürger in&lt;br /&gt;
Fülle und Behagen lebt. Sie sind nicht stolz auf Gold und Silber, sondern&lt;br /&gt;
auf ihre aufgeklärte Gesinnung und ihre Entschlossenheit, das Beste für&lt;br /&gt;
die Allgemeinheit zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Rangnächste kommen jene hervorragenden und ehrenhaften {{Sperrsatz|Minister}} &lt;br /&gt;
und Vertreter des Staates, die den Willen Gottes über ihren eigenen&lt;br /&gt;
stellen und deren Fähigkeit und Weisheit in der Verwaltung ihrer Ämter&lt;br /&gt;
die Staatskunst zu neuen Gipfeln der Vollkommenheit führt. Sie erstrahlen &lt;br /&gt;
in der Welt der Gebildeten wie Leuchten des Wissens; ihr Gedankenflug, &lt;br /&gt;
ihr Verhalten und ihre Taten veranschaulichen, wie sehr ihnen das&lt;br /&gt;
Vaterland und sein Fortschritt am Herzen liegen. Mit maßvollen Bezügen&lt;br /&gt;
zufrieden, widmen sie ihre Tage und Nächte der Erfüllung ihrer bedeutsamen &lt;br /&gt;
Aufgaben und dem Ersinnen neuer Mittel und Wege, wie die Fortentwicklung &lt;br /&gt;
des Volkes gesichert werden kann. Durch die Wirksamkeit ihres weisen Rates &lt;br /&gt;
und durch ihr gesundes Urteil haben sie eh und je ihre Regierung zu einem &lt;br /&gt;
Beispiel für alle anderen Regierungen der Welt werden lassen. Ihre Hauptstadt &lt;br /&gt;
ward zum Brennpunkt großer weltweiter Unternehmungen; sie selbst gewannen an &lt;br /&gt;
Würde, erlangten ein überragendes Maß persönlicher Bedeutung und erklommen &lt;br /&gt;
die höchsten Höhen des Ansehens und des Ruhmes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nächste kommen jene berühmten, feingebildeten {{Sperrsatz|Gelehrten}}, &lt;br /&gt;
die edle Eigenschaften und umfassendes Wissen in sich vereinigen, sich &lt;br /&gt;
aber dennoch an die Leitschnur der Gottesfurcht halten und auf dem Wege des&lt;br /&gt;
Heils bleiben. Im Spiegel ihres Geistes nehmen überstoffliche Wirklichkeiten &lt;br /&gt;
Gestalt an, und die Lampe ihrer inneren Schau empfängt ihr Licht&lt;br /&gt;
von der Sonne des allumfassenden Wissens. Tag und Nacht stehen sie im&lt;br /&gt;
Dienste gründlicher Forschungen auf solchen Wissensgebieten, die von&lt;br /&gt;
Nutzen für die Menschheit sind, und widmen sich der Unterweisung &lt;br /&gt;
befähigter Studenten. Vor ihrem feinen Empfinden ließen sich alle Schätze&lt;br /&gt;
der Könige, würden sie ihnen angeboten, nicht mit einem einzigen Tropfen&lt;br /&gt;
aus den Wassern des Wissens vergleichen, und Berge von Gold und Silber&lt;br /&gt;
könnten die erfolgreiche Lösung einer schwierigen Frage nicht aufwiegen.&lt;br /&gt;
Alle Freuden, die abseits ihrer Arbeit liegen, sind ihnen nur Kindertand,&lt;br /&gt;
und die beschwerliche Last unnötiger Besitztümer ist recht für Unwissende &lt;br /&gt;
und kleine Geister. Wie die Vögel sind sie für eine Handvoll Samen&lt;br /&gt;
dankbar, aber der Gesang ihres Wissens entzückt den Geist der Weltweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da die klugen Führer des Volkes und die &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einflußreichen Persönlichkeiten}} im ganzen Lande, die &lt;br /&gt;
als Pfeiler den Staatsbau tragen. Ihr Rang, ihre Stufe und ihr &lt;br /&gt;
Erfolg hängen davon&lt;br /&gt;
{{page|96|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
ab, ob sie dem Volke wohlgesinnt sind und ob sie Maßnahmen zu &lt;br /&gt;
verwirklichen trachten, die den Fortschritt der Nation fördern und &lt;br /&gt;
die Wohlfahrt und das Wohlergehen der Bürger mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt euch vor, ein Mensch sei eine einflußreiche Persönlichkeit in&lt;br /&gt;
seinem Land, er sei strebsam, einsichtsvoll, reinen Herzens, bekannt für&lt;br /&gt;
seine angeborenen Fähigkeiten, seine Intelligenz und seinen natürlichen&lt;br /&gt;
Scharfsinn; außerdem sei er ein wichtiges Mitglied der Staatsführung:&lt;br /&gt;
Worin kann ein solcher Mensch Ehre und bleibendes Glück, Rang und&lt;br /&gt;
Würde in dieser und der kommenden Welt sehen? Etwa nicht darin, daß&lt;br /&gt;
er gewissenhaft bei der Wahrheit und Rechtschaffenheit bleibt, daß er&lt;br /&gt;
entschlossen und hingebungsvoll nach dem Wohlgefallen Gottes trachtet,&lt;br /&gt;
daß er danach strebt, die Gunst des Herrschers und den Beifall des Volkes&lt;br /&gt;
zu finden? Oder vielleicht darin, daß er des Nachts auf ausschweifenden&lt;br /&gt;
Festgelagen schwelgt, am Tage aber das Glück seines Landes untergräbt&lt;br /&gt;
und dem Volk das Herz bricht, bis er von Gott verstoßen, von seinem&lt;br /&gt;
König vertrieben, von seinem Volk verunglimpft und mit der verdienten&lt;br /&gt;
Verachtung gestraft wird? Bei Gott, die modernden Gebeine auf den&lt;br /&gt;
Friedhöfen sind besser als solche Menschen! Welchen Wert haben sie, die&lt;br /&gt;
niemals von dem Manna wahrer menschlicher Tugenden gekostet und nie&lt;br /&gt;
aus den kristallklaren Wassern jener Gaben getrunken haben, die zum&lt;br /&gt;
Reich des Menschen gehören?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auf jeden kommt es an!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweifellos ist mit der Errichtung von Parlamenten beabsichtigt, für &lt;br /&gt;
Gerechtigkeit und Redlichkeit Sorge zu tragen; alles hängt jedoch von den&lt;br /&gt;
Anstrengungen der gewählten Abgeordneten ab. Wenn ihre Absicht rein&lt;br /&gt;
ist, wird es zu wünschenswerten Ergebnissen und zu Verbesserungen kommen, &lt;br /&gt;
die im voraus nicht abzuschätzen sind; andernfalls ist alles umsonst:&lt;br /&gt;
Das Land wird zu einem Stillstand kommen und mit dem öffentlichen&lt;br /&gt;
Wohl geht es unaufhaltsam bergab. „Wie ich sehe, kommen tausend Bauleute &lt;br /&gt;
nicht gegen einen Störenfried an. Was aber soll geschehen, wenn&lt;br /&gt;
einem Baumeister tausend Störenfriede auf dem Fuße folgen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vorangegangenen wurde darzulegen versucht, daß Glück und&lt;br /&gt;
Größe, Rang und Stufe, Freude und Frieden eines Menschen nicht in&lt;br /&gt;
seinem persönlichen Reichtum, vielmehr in seinem hervorragenden Charakter, &lt;br /&gt;
seiner edlen Entschlossenheit, seiner umfassenden Bildung und&lt;br /&gt;
seiner Fähigkeit, schwierige Probleme zu lösen, beschlossen sind. Wie&lt;br /&gt;
klar ist doch gesagt worden: „Was ich auf dem Körper trage, ist keinen&lt;br /&gt;
Pfennig wert, wollte man es verkaufen; aber darunter schlägt ein Herz,&lt;br /&gt;
das — gegen alle Herzen der Welt aufgewogen — größer und edler wäre.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ansicht des Verfassers sollte die Einsetzung der nicht-ständigen&lt;br /&gt;
Mitglieder beratender Körperschaften in souveränen Staaten vom Willen&lt;br /&gt;
und der Wahl des Volkes abhängen; denn Abgeordnete, die gewählt werden, &lt;br /&gt;
sind aus diesem Grund wenigstens einigermaßen geneigt, sich gerecht&lt;br /&gt;
zu verhalten, damit ihr Ruf keinen Schaden leide und sie nicht vor der&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit in Ungnade fallen.&lt;br /&gt;
{{page|97|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wohlstand für alle&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf nicht glauben, daß die vorstehenden Bemerkungen des Verfassers &lt;br /&gt;
dazu angetan sein sollen, den {{Sperrsatz|Wohlstand}} anzuklagen oder die&lt;br /&gt;
Armut zu empfehlen. Wohlstand ist allen Lobes wert, wenn er durch die&lt;br /&gt;
eigenen Anstrengungen eines Menschen und durch die Gnade Gottes auf&lt;br /&gt;
den Gebieten des Handels, der Landwirtschaft, der Kunst oder des &lt;br /&gt;
Gewerbefleißes erworben und für menschenfreundliche Zwecke ausgegeben&lt;br /&gt;
wird. Vor allen Dingen gäbe es, wenn ein kluger, wendiger Mensch Wege&lt;br /&gt;
fände, wie das Einkommen der Volksmassen allgemein gehoben werden&lt;br /&gt;
kann, kein wichtigeres Unternehmens als dieses, und in den Augen Gottes&lt;br /&gt;
würde dies als die größte Errungenschaft gelten, denn solch ein Wohltäter&lt;br /&gt;
würde die Bedürfnisse einer großen Menge stillen und ihr Sicherheit und&lt;br /&gt;
Wohlergehen verschaffen. Wohlstand ist in höchstem Maße lobenswert,&lt;br /&gt;
sofern die ganze Bevölkerung in Wohlstand lebt. Wenn jedoch nur einige&lt;br /&gt;
wenige übermäßige Reichtümer besitzen und alle übrigen verarmt sind,&lt;br /&gt;
wenn keine Frucht, kein Nutzen aus dem Wohlstand erwächst, dann bedeutet &lt;br /&gt;
dieser nur eine Verpflichtung für den Eigentümer. Wird der Reichtum aber &lt;br /&gt;
andererseits dazu verwendet, Wissen zu fördern, Grund- und&lt;br /&gt;
andere Schulen zu eröffnen, Kunst und Gewerbe anzuregen, Waisen und&lt;br /&gt;
Arme zu erziehen — kurz gesagt, wird er dem Wohle der Gemeinschaft&lt;br /&gt;
gewidmet —, dann steht sein Eigentümer vor Gott als der Vortrefflichste&lt;br /&gt;
unter allen, die auf Erden wohnen, und wird zum Volke des Paradieses&lt;br /&gt;
gezählt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Fortsetzung folgt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; “The Secret of Divine Civilization’ by ’Abdu’l-Bahá, tranlated from the &lt;br /&gt;
original Persian text by Marzieh Gail, Bahá’í Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA,&lt;br /&gt;
1957 Seiten 1, 17, 20 ff.; Deutsche Übersetzung mit Genehmigung des Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rates der Bahá’í von USA von Peter A. Mühlschlegel. Die Überschriften wurden von der &lt;br /&gt;
Redaktion eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Tagen bedarf der Osten eines materiellen&lt;br /&gt;
Fortschritts und der Westen eines geistigen Ideals. Es&lt;br /&gt;
wäre für den Westen gut, sich um Erleuchtung an den&lt;br /&gt;
Orient zu wenden und ihm dagegen seine wissenschaftlichen &lt;br /&gt;
Kenntnisse zu vermitteln. Dieser Gabenaustausch muß &lt;br /&gt;
erfolgen. Osten und Westen müssen sich zusammenschließen, &lt;br /&gt;
um einander das zu geben, was sie brauchen. Diese &lt;br /&gt;
Vereinigung wird eine wahre Zivilisation hervorbringen, &lt;br /&gt;
in der das Geistige im Materiellen Ausdruck und &lt;br /&gt;
Verwirklichung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Aus „Ansprachen in Paris“, Kapitel 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|98|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Haus der Andacht auf dem Kikaya Hill===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’í- Muttertempel tür Afrika eingeweiht&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kampala war im Januar dieses Jahres das Ziel vieler Bahá’í aus allen Teilen der Welt. Fast 500 Gläubige aus 19 Ländern hatten sich in der Hauptstadt Ugandas im Osten des afrikanischen Kontinents eingefunden, um Zeuge der Einweihung des afrikanischen Muttertempels zu sein. Einem Bericht unseres persischen Bahá’í-Freundes Dr. Manutschehr {{Sperrsatz|Zabih}}, Teheran, entnehmen wir die folgenden Zeilen im Auszug:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstagfrüh, dem 14. Januar, fand in Anwesenheit von {{Sperrsatz|Ruhiyyih Khanum}}, &lt;br /&gt;
der Gattin des verstorbenen ersten Hüters der Bahá’í-Religion, Shoghi Effendi, sowie &lt;br /&gt;
den Händen der Sache, Musa {{Sperrsatz|Banani}}, John {{Sperrsatz|Robarts}} und &lt;br /&gt;
Dr. {{Sperrsatz|Mohajjir}}, die Einweihung des Tempels statt, und dies war eines &lt;br /&gt;
der schönsten Erlebnisse für uns Bahá’í. In Autobussen wurden die Freunde zum etwas &lt;br /&gt;
außerhalb der Stadt Kampala gelegenen Kikaya Hill gefahren. Ruhiyyih Khanum betrat &lt;br /&gt;
zuerst den Tempel; nach einem Gebet in englischer Sprache wandte sie sich den Freunden&lt;br /&gt;
zu. In bewegten Worten gedachte sie des Hüters Shoghi Effendi, der die Grundlagen &lt;br /&gt;
gelegt hat zur Ausbreitung des Bahá’í-Glaubens im schwarzen Erdteil, und ohne &lt;br /&gt;
dessen unermüdliches Wirken und vorausschauendes Planen dieser Tempel nicht &lt;br /&gt;
hätte gebaut werden können...In dieser Versammlung von Bahá’í der verschiedensten &lt;br /&gt;
Nationalitäten, Rassen und Stämme kam einem so richtig zum Bewußtsein, daß durch &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh die Menschheit unter das Banner der Einheit und des Friedens gerufen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf einer beherrschenden Anhöhe erhebt sich Afrikas Muttertempel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|99|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ruhiyyih Khanum inmitten einer Schar schwarzer Bahá’í-Freunde&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Nachmittag und Abend des gleichen Tages war eine Lehrkonferenz ins Makerere College &lt;br /&gt;
in Kampala einberufen worden... Ein Bahá’í vom Teso-Stamm hatte einen Speer &lt;br /&gt;
mitgebracht. „In Afrika“, sagte er, „hat jeder Mann einen solchen Speer, &lt;br /&gt;
und er gilt als Zeichen der Männlichkeit und Tapferkeit. Die Lehre von &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh ist wie dieser Speer. Wenn ein Bahá’í ohne den geistigen Speer &lt;br /&gt;
ist, d. h., wenn er nicht nach der Lehre von Bahá’u’lláh handelt, ist er &lt;br /&gt;
kein Bahá’í“. Er bat die Bahá’í, sie, die Afrikaner, mit dem Wort Gottes &lt;br /&gt;
vertraut zu machen, damit diese entsprechend handeln könnten. Zu Ruhiyyih &lt;br /&gt;
Khanum gewandt, sagte er: „Diesen Speer schenke ich Ihnen als Symbol &lt;br /&gt;
der göttlichen Worte...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der öffentlichen Einweihungsfeier am Sonntag fanden sich ungefähr&lt;br /&gt;
2000 Menschen ein. Angehörige der verschiedensten Religionen und Sekten, &lt;br /&gt;
darunter viele führende Persönlichkeiten des Landes hörten im&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár Worte Gottes über die Einheit der Menschheit. Am&lt;br /&gt;
Montagnachmittag schließlich wurde im Nationaltheater von Kampala ein&lt;br /&gt;
öffentlicher Vortrag gehalten, bei dem Ruhiyyih Khanum und Amos E.&lt;br /&gt;
Gibson, ein schwarzer amerikanischer Bahá’í, vor einem zahlreichen&lt;br /&gt;
Publikum, darunter viele Neger und Inder, sprachen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Eindruck, den die vielen schönen, offenen und gesunden schwarzen&lt;br /&gt;
Gesichter auf uns machten, die weiteren Begegnungen mit den Negerní&lt;br /&gt;
von Kampala, mit den Eingeborenen der in der Umgebung liegenden&lt;br /&gt;
Dörfer und in Nairobi, dazu die Haltung der schwarzen Bahá’í gaben uns&lt;br /&gt;
die Gewißheit, daß diese klugen Menschen sehr wohl die Zivilisation der&lt;br /&gt;
Menschen in ihren Händen zu halten vermögen. Die Weißen halten fest an&lt;br /&gt;
ihrer veralteten und traditionellen Zivilisation, welche ohnmächtig auf&lt;br /&gt;
dem Sterbebett liegt; sie wollen sich nicht im geringsten dem neuen&lt;br /&gt;
Menschheitsbewußtsein öffnen, das sich zu entfalten beginnt und das&lt;br /&gt;
allein die Geschicke der Menschheit zum Guten wenden kann. Wie anders&lt;br /&gt;
sind doch die Afrikaner! Die Ergebnisse der Bahá’í-Lehrarbeit beweisen&lt;br /&gt;
es, haben sich doch seit 1953 über 18000 Neger zum Bahá’í-Glauben&lt;br /&gt;
bekannt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|100|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religionswissenschaftliche Kurzinformationen (I)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religiöse Grundbegriffe = Die Naturreligionen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter dem Titel „Religionswissenschaftliche Kurzinformationen“ wollen wir in den nächsten Nummern der “BAHA’I-BRIEFE“ einige Grundbegriffe des religiösen Denkens stichwortartig erläutern und die Wesenszüge der historischen Religionen im Lichte der Bahá’í-Offenbarung betrachten. Natürlich ist es weder möglich noch beabsichtigt, in dieser kurzgefaßten Form kompetentes Wissen oder endgültige Urteile zu vermitteln. Die Reihe soll den Leser lediglich dazu anregen, im Sinne des Bahá’í-Grundsatzes vom selbständigen Suchen nach Wahrheit eigene Studien in dieser oder jener Richtung anzustellen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religion&#039;&#039;&#039;: vom lateinischen {{Sperrsatz|relligio}} oder {{Sperrsatz|religio}}, &lt;br /&gt;
das auf zwei Arten erklärt wurde. Laut Cicero kommt es von &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|relégere}} = „wieder lesen, sammeln, zusammenlesen“, &lt;br /&gt;
bedeutet also „Einhaltung“ (von religiösen Bräuchen); hierzu paßt, &lt;br /&gt;
daß man mit {{Sperrsatz|religio}} das griechische {{Sperrsatz|parateresis}} &lt;br /&gt;
„Beobachtung von religiösen Riten“ übersetzte. Servius führte das Wort &lt;br /&gt;
auf {{Sperrsatz|religáre}} zurück: „binden“, es hieß also „Bindung“&lt;br /&gt;
(des Menschen an Gott). In den Schriften des Heiligen Augustin bedeutet&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|religio}} beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt von einer festen Beziehung zwischen Mensch und Gott redet man&lt;br /&gt;
in Asien eher von einem „Weg“, der den Menschen zu Gott führt. So hören&lt;br /&gt;
wir vom Weg {{Sperrsatz|(tariqa)}} des Sufi, dem achtfältigen Pfad Buddhas, dem&lt;br /&gt;
Weg Chinas {{Sperrsatz|(dau}}, früher {{Sperrsatz|tao}} geschrieben) und &lt;br /&gt;
schließlich vom „Götterweg“ Japans {{Sperrsatz|(schinto)}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Seele: 1.&#039;&#039;&#039; Der geistige Teil des Menschen; &#039;&#039;&#039;2.&#039;&#039;&#039; Ein Teil des geistigen &lt;br /&gt;
Teils. Paulus unterscheidet in 1. Thessalonicher 5:23 „Seele“ {{Sperrsatz|(psyche)}} &lt;br /&gt;
und „Geist“ {{Sperrsatz|(pneuma)}}. Ebenso unterscheiden die Schriften Bahá’u’lláhs,&lt;br /&gt;
wobei „Seele“ {{Sperrsatz|(nafs)}} den Lebenstrieb und „Geist“ {{Sperrsatz|(rúh)}} &lt;br /&gt;
die dem Menschen eigene Denkfähigkeit bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Höhere Macht:&#039;&#039;&#039; das Unerschaffene, Unabhängige im Weltgeschehen.&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist dies ein höchstes Wesen, „Gott“, im Buddhismus&lt;br /&gt;
ein höchstes „Gesetz“. In den Naturreligionen wird der Zusammenhang&lt;br /&gt;
zwischen den vielfältigen Äußerungen der Höheren Macht oft nicht klar&lt;br /&gt;
erkannt, und diese zerfällt dort in eine Unzahl Gottheiten, Geister und&lt;br /&gt;
beseelter Gegenstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bündnis, Bund:&#039;&#039;&#039; das Vertragsverhältnis zwischen Gott und Mensch oder&lt;br /&gt;
zwischen Gott und Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilige Schriften:&#039;&#039;&#039; Texte, die wegen ihres Offenbarungsanspruchs und&lt;br /&gt;
feierlich festgelegten Wortlauts im Gottesdienst und Alltag verwendet&lt;br /&gt;
werden, wie Altes und Neues Testament, Qur’án, Avesta, Bhagavad Gita,&lt;br /&gt;
Tripitaka, Kodschiki, Nihongi, Bayán, Kitáb-i-Iqán.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offenbarer, Prophet:&#039;&#039;&#039; ein vom göttlichen Geist erfüllter Mensch, der den&lt;br /&gt;
Willen Gottes verkündet.&lt;br /&gt;
{{page|101|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Naturreligionen&#039;&#039;&#039; sind in vorgeschichtlicher Zeit entstanden. Auch&lt;br /&gt;
sie gehen auf Offenbarer zurück, die jedoch nicht mehr feststellbar sind.&lt;br /&gt;
Bereits der Primitive erkannte das Bestehen einer höheren Macht, die das&lt;br /&gt;
ganze Weltgeschehen leitet. Allerdings vermutete er in seinem wenig &lt;br /&gt;
entwickelten Denken höhere Mächte auch dort, wo natürliche Ursachen &lt;br /&gt;
vorliegen. So ertrinken die Leute, weil in der Wassertiefe verborgene Geister&lt;br /&gt;
sie niederziehen. Man wird krank, weil ein Nachbar den bösen Blick auf&lt;br /&gt;
einen geworfen hat. Wind und Gewitter, Tag und Nacht, Sommer und&lt;br /&gt;
Winter werden durch das dauernde Einwirken besonderer Gottheiten &lt;br /&gt;
hervorgerufen. Ein Zusammenhang zwischen diesen Gottheiten wird nicht&lt;br /&gt;
gesehen, man glaubt an das Bestehen vieler Götter (Polytheismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns bekannten frühen Offenbarer, wie Moses und Zarathustra,&lt;br /&gt;
reinigten und vergeistigten die vorgefundene Naturreligion. Beim &lt;br /&gt;
Zurückweichen vor den Offenbarungsreligionen arten die Naturreligionen aus:&lt;br /&gt;
Menschenopfer (Jesaja 57, 5-6), unzüchtige Kulte (Dionysos und Priapos&lt;br /&gt;
im alten Griechenland, Schiwa und Kali in Indien), Astrologie, die sich in&lt;br /&gt;
Europa erneut durchzusetzen versucht, Staatsvergötterung (Kaiserkult im&lt;br /&gt;
alten Rom und im heutigen Japan).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Europa&#039;&#039;&#039; wich als letzte Naturreligion im 15. Jahrhundert die litauische&lt;br /&gt;
dem Christentum. In Übersee brechen die Naturreligionen heute im selben&lt;br /&gt;
Maße zusammen, wie die Missionen der Hochreligionen, vor allem&lt;br /&gt;
Christentum, Islam, Buddhismus, Bahá’í-Glaube, und auch die moderne&lt;br /&gt;
Erziehung vordringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für &#039;&#039;&#039;Afrika&#039;&#039;&#039; sei hier das religiöse Leben am Kongo gestreift.&lt;br /&gt;
Bei allen Stämmen besteht der Glaube an ein höchstes Wesen, das in&lt;br /&gt;
menschenähnlicher Weise gedacht wird: als großer Häuptling im Himmel,&lt;br /&gt;
wo er in einem Dorf regiert, Palaver abhält, seine Fetische besitzt und,&lt;br /&gt;
wie ein reicher Stammesfürst, viele Frauen hat. Diese Vorstellungen sind&lt;br /&gt;
vom Afrikaner aus nicht unehrerbietig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Wesen wird mit keinem Naturereignis, Sonne, Mond oder&lt;br /&gt;
Schicksal gleichgesetzt. Es hat alles geschaffen, aber es ist so weit entfernt,&lt;br /&gt;
daß es den Gang hier unten am Kongo nicht unmittelbar beeinflußt. Viel&lt;br /&gt;
nützlicher ist es daher, die Geister der Abgeschiedenen, die Geister der&lt;br /&gt;
Quellen, Flüsse, Sümpfe, Bäume zu verehren und für sich günstig zu&lt;br /&gt;
stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eine Art Priesterstand hat man die „Zauberer“ {{Sperrsatz|(nganga)}}, die im&lt;br /&gt;
hohen Ansehen stehen. Sie leiten die Verehrung der Geister und organisieren &lt;br /&gt;
das Stammesleben; sie weisen auch andere in die Lehren ein. Ihnen&lt;br /&gt;
entgegen wirken im geheimen die „Hexenmeister“ {{Sperrsatz|(ndoki)}}, die für&lt;br /&gt;
Ritualmorde und nächtliche Racheakte verantwortlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete und Sagen werden bis heute nur mündlich überliefert, doch&lt;br /&gt;
bahnen sich Reformen an. Der Kibangismus ist bereits eine Art modernisierter &lt;br /&gt;
Kongo-Religion. (Siehe N. De Cleene: Introduction à l’Ethnographie&lt;br /&gt;
du Congo Belge et du Rwanda-Burundi, Anvers 1959).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzige Naturreligion von Bedeutung hat sich in &#039;&#039;&#039;Japan&#039;&#039;&#039; der Schinto&lt;br /&gt;
erhalten. Der chinesische Name bedeutet „Götterweg“. Wer der oder die&lt;br /&gt;
Stifter des Glaubens waren, läßt sich nicht mehr sagen. Als heilige Texte&lt;br /&gt;
gelten das japanisch geschriebene {{Sperrsatz|Kodschiki}} (Geschichte der &lt;br /&gt;
Begebenheiten im Altertum) und das chinesisch geschriebene &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Nihongi}} &lt;br /&gt;
{{page|102|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
(Japanische Chronik), beide im 8. Jahrhundert gesammelt und niedergeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt ist durch die Vereinigung der beiden Gottheiten Izanagi und&lt;br /&gt;
Izanami entstanden; ihr Sproß ist die Sonnengöttin Amaterasu. Diese ist&lt;br /&gt;
die Stammutter des Kaiserhauses. Als Gottheiten gelten Naturkräfte,&lt;br /&gt;
Berge, Flüsse, Seen, einige Tiere (so die Fuchsgottheit Inari), Bäume,&lt;br /&gt;
Sonne, Mond. Ahnen und Helden werden verehrt. Eine Sittenlehre wurde&lt;br /&gt;
erst spät entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergeistigte Richtungen des Schinto entstanden im 19. Jahrhundert. So&lt;br /&gt;
gründete Kawate Bundschiro im Jahre 1855 das Konkokyo. Hier gelang&lt;br /&gt;
der Durchbruch zum Glauben an den einzigen Gott, Konko genannt. Es ist&lt;br /&gt;
bemerkenswert, daß die Wissenschaft keinen christlichen oder ausländischen &lt;br /&gt;
Einfluß auf Bundschiro nachweisen konnte, da Japan bis dahin&lt;br /&gt;
für alle Ausländer gesperrt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schinto wurde 1868 zur Staatsreligion erhoben, einige Jahre später&lt;br /&gt;
wieder abgeschafft und zur Staatszeremonie erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. Johann Karl Teufel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Bahá’í in Australien===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zum Gedenken an Clara Dunn&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit tiefer Bewegung nahm die internationale Bahá’í-Welt&lt;br /&gt;
die Nachricht vom Tode der Hand der Sache Gottes, Frau&lt;br /&gt;
Clara {{Sperrsatz|Dunn}}, auf. Mit ihr ist&lt;br /&gt;
eine der glühendsten und aufrichtigsten Verkünderinnen der&lt;br /&gt;
Botschaft Bahá’u’lláhs dahingegangen. Ihr Lebenswerk, dem&lt;br /&gt;
sie sich mit ganzer Hingabe gewidmet hatte, galt&lt;br /&gt;
der Verbreitung des Bahá’í-Glaubens auf dem australischen Kontinent. Es waren&lt;br /&gt;
Clara Dunn und ihr Mann, Henry Hyde Dunn, die 1918,&lt;br /&gt;
ohne einen Augenblick zu zögern, dem Aufruf ‘Abdu’l-Bahás nachkamen, &lt;br /&gt;
der in jenem Jahr die amerikanischen Bahá’í in einem Tablet angespornt hatte, &lt;br /&gt;
sich in alle Welt zu zerstreuen, um das Wort Gottes zu lehren, wie es durch&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh der Menschheit aufs neue übermittelt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über jenen Entschluß, sich nach dem australischen Kontinent aufzumachen — wo &lt;br /&gt;
es damals noch keinen einzigen Bahá’í gab — schrieb Henry&lt;br /&gt;
{{page|103|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
Hyde Dunn später einmal: „Es war alles sehr einfach — eine Woge erfaßte uns, &lt;br /&gt;
und es erfüllte sich unser Wunsch, der Sache Bahá’u’lláhs und&lt;br /&gt;
Seinem glorreichen Bündnis zu dienen...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. April 1919 erreichten Clara und Hyde Dunn Sydney. Nachdem&lt;br /&gt;
zunächst Frau Dunn für einige Monate Arbeit gefunden hatte, erhielt&lt;br /&gt;
Henry Hyde Dunn im September des gleichen Jahres eine Anstellung, die&lt;br /&gt;
es ihm erlaubte, im Laufe der Jahre den ganzen Kontinent, besonders &lt;br /&gt;
Neusüdwales, zu bereisen. Seine ständige Begleiterin war seine Frau. &lt;br /&gt;
In seinen Aufzeichnungen berichtete er u. a.: „Zweieinhalb Jahre blieben wir&lt;br /&gt;
in Neusüdwales, und überall stießen wir auf Verständnis für die Botschaft &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs. Stets besuchten uns Menschen; es war ein unaufhörliches &lt;br /&gt;
Vorwärtsdrängen... Später kam die große Gelegenheit, nach der wir uns so &lt;br /&gt;
gesehnt hatten, und wir durchkreuzten die große Wüste, hinüber nach &lt;br /&gt;
Westaustralien.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Henry Hyde Dunn starb am 17. Februar 1941. Nach seinem Hinscheiden&lt;br /&gt;
setzte Clara Dunn mit aller Energie die gemeinsam begonnene Arbeit&lt;br /&gt;
fort. 1952 erhob sie Shoghi Effendi, der erste Hüter des Bahá’í-Glaubens,&lt;br /&gt;
in den Stand einer Hand der Sache Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze heutige Bahá’í-Arbeit in Australien beruht auf den Grundlagen, &lt;br /&gt;
die Henry Hyde und Clara Dunn in langen Jahren liebender Hingabe geschaffen &lt;br /&gt;
hatten; sie ist ohne das aufopferungsvolle Wirken dieser&lt;br /&gt;
beiden hervorragenden Persönlichkeiten schlechterdings nicht denkbar.&lt;br /&gt;
Als Krönung ihres Lebens durfte Clara Dunn im Jahre 1958 den Grundstein &lt;br /&gt;
zum Muttertempel des australischen Kontinents legen, der wie so&lt;br /&gt;
vieles andere stets an ihr Wirken im Dienste des göttlichen Wortes &lt;br /&gt;
erinnern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:D.S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Islam und Abendland — Begegnung zweier Welten“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 236 Seiten.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Buch enthält eine Sammlung von Vorträgen, die eine Gemeinschaftsarbeit &lt;br /&gt;
bekannter Universitätsprofessoren und Privatgelehrter sind und im&lt;br /&gt;
Winter 1958/59 über Radio Bern verbreitet wurden. Sie sind geeignet, wichtige&lt;br /&gt;
und interessante Erkenntnisse über den Einfluß des Islam auf die abendländische &lt;br /&gt;
Welt zu vermitteln, die wechselseitigen Beziehungen zweier großen&lt;br /&gt;
Religionen aufzuzeichnen, ihre Gegensätze einander anzunähern und zugleich&lt;br /&gt;
aufzuzeigen, wie sehr es darauf ankommt, Vorurteile abzulegen, wenn man&lt;br /&gt;
zum Licht einer geschichtlichen Wahrheit gelangen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Leser findet hier manches, was ihm nützlich sein könnte und eine Bestätigung &lt;br /&gt;
darin, daß wie es der Bahá’í-Glaube lehrt, jede Gottesoffenbarung notwendiger &lt;br /&gt;
Bestandteil einer allumfassenden Einheit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreizehn Stationen der Internationalen Radio-Universität haben sich um die&lt;br /&gt;
Sendereihe beworben, ein Beweis dafür, welch starkes Echo diese überall&lt;br /&gt;
gefunden hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:R. Sch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|104|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;{{Sperrsatz|„Offene Welt“}}, Zeitschrift für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, herausgegeben vom Verein zur Förderung wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Bildung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947, Frankfurt a. M., Falkensteiner Straße 27, Schriftleitung: Dr. Dr. Gernot Gather, Westdeutscher Verlag, Köln/Opladen, zweimonatlich DM 2.50.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 (WIPOG) hat sich zum Ziel&lt;br /&gt;
gesetzt, das geistige Rüstzeug für die Bewältigung der großen, weltweiten&lt;br /&gt;
wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Aufgaben zu schaffen, die dem &lt;br /&gt;
deutschen Volk für die nächsten Jahre und Jahrzehnte gestellt sind. Man &lt;br /&gt;
konzentriert sich dabei auf vier Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. &#039;&#039;&#039;Entwicklungspolitik:&#039;&#039;&#039; die Erarbeitung von Grundsätzen für die &lt;br /&gt;
systematische Erforschung, Koordinierung und Intensivierung der Hilfe für die&lt;br /&gt;
Entwicklungsländer Asiens, Afrikas und Amerikas;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &#039;&#039;&#039;Integrationspolitik:&#039;&#039;&#039; die geistige Fundierung der Vereinigung Europas im&lt;br /&gt;
Rahmen einer weltoffenen und weltweiten wirtschaftlichen Arbeitsteilung;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &#039;&#039;&#039;Bildungspolitik:&#039;&#039;&#039; die Wirtschaft zu einem Bildungsgegenstand zu machen und&lt;br /&gt;
damit die Kluft zwischen Geist und Technik überbrücken zu helfen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. &#039;&#039;&#039;Historisch-politische Standortorientierung:&#039;&#039;&#039; die Überwindung des &lt;br /&gt;
nationalpolitisch orientierten, auf Europa konzentrierten Geschichtsbewußtseins als&lt;br /&gt;
Voraussetzung für die erfolgreiche Bearbeitung der eingangs geschilderten Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Diskussionsabenden und Arbeitstagungen werden Stellungnahmen zu&lt;br /&gt;
bestimmten Themen und Aufgabengebieten erarbeitet; die Ergebnisse mit&lt;br /&gt;
Referaten und Artikeln von teilweise führenden Persönlichkeiten aus Politik&lt;br /&gt;
und Wirtschaft und von den Hochschulen finden in den Heften der zweimonatlich &lt;br /&gt;
erscheinenden Zeitschrift „Offene Welt“ ihren Niederschlag. Besonders&lt;br /&gt;
Heft 65 „Unteilbare Welt“ (Frühjahr 1960) und Heft 69/70 „Partnerschaft“&lt;br /&gt;
(zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, Dezember 1960) verdienen&lt;br /&gt;
größte Beachtung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P. M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Georg-Deuschle-Straße 86, Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_3/Text&amp;diff=75373</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 3/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|47|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Januar 1961&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 2/Text|Heft 2]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 4/Text|Heft 4]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsteinlegung für europäischen Mutter-Tempel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildberichte aus Langenhain und Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht am Michigansee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Christentum im Lichte der Bahá’í-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JANUAR 1961 HEFT 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|48|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|49|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20. November 1960:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Grundsteinlegung für europäischen Muttertempel===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haus der Andacht wird im Taunus gebaut&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohl noch selten hatte die Taunus-Gemeinde {{Sperrsatz|Langenhain}} bei&lt;br /&gt;
Frankfurt einen so großen Besucherstrom erlebt wie an diesem Sonntagmorgen, &lt;br /&gt;
am 20. November 1960, dem Tag der Grundsteinlegung des Muttertempels von Europa &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Weltgemeinde, des ersten Mashriqu’l-Adhkár auf europäischem Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein herrischer, kalter Wind, stark genug, um die wohl mehr als 500&lt;br /&gt;
Gläubigen aus Holland, Belgien, Luxemburg, Skandinavien, England,&lt;br /&gt;
Österreich, Schweiz, Persien und Deutschland tüchtig durchzupusten, &lt;br /&gt;
jedoch zu schwach, um den vom Regen völlig aufgeweichten Boden schnell&lt;br /&gt;
zu trocknen, fegte über das Gelände des künftigen Hauses der Andacht.&lt;br /&gt;
Trotzdem sah man nur glückliche, frohe Gesichter und fühlte sich von&lt;br /&gt;
der Herzlichkeit, mit der sich die Mitglieder der großen „Bahá’í-Familie“ &lt;br /&gt;
begrüßten, warm berührt. Das wind- und wetterschützende Zelt&lt;br /&gt;
konnte nicht alle Teilnehmer an dieser denkwürdigen Feierstunde aufnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Beginn der Feier bildeten Worte von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá. Zuvor &lt;br /&gt;
waren alle Anwesenden, unter denen sich auch viele Gäste sowie Bewohner Langenhains &lt;br /&gt;
befanden, namens des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Deutschland&lt;br /&gt;
durch Ruprecht {{Sperrsatz|Krüger}} herzlich begrüßt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Platte über dem Grundstein&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Architekt des Hauses der Andacht, Dipl.-Ing. Teuto {{Sperrsatz|Rocholl}},&lt;br /&gt;
betonte in seiner Ansprache, daß dieses Gelände von all den Bauplätzen, &lt;br /&gt;
die in der langen Vorbereitungszeit in Erwägung gezogen&lt;br /&gt;
worden seien, das für einen Tempelbau günstigste sei. Ein schönerer&lt;br /&gt;
Rundblick, als man ihn von dieser Anhöhe aus habe, sei in der Umgebung&lt;br /&gt;
Frankfurts kaum zu finden. Ein tiefer symbolischer Sinn liege darin, daß&lt;br /&gt;
der Weg zum künftigen Tempel ansteige. Allein schon der Weg zur Höhe&lt;br /&gt;
könne eine Vorbereitung zur Andacht sein, besonders in dieser wohltuenden &lt;br /&gt;
Abgeschiedenheit. Das runde und symmetrische Gebäude mit seinen neun Toren &lt;br /&gt;
erfordere ein Gelände, das nach allen Seiten hin frei ist.&lt;br /&gt;
{{page|50|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
Er erläuterte umrißhaft das Modell des Tempels und sagte abschließend:&lt;br /&gt;
„Zwei Dinge sind es, die mich bewegen. Das ist erstens mein Dank dem&lt;br /&gt;
gegenüber, der die Idee zu dieser großen Aufgabe gehabt und gegeben&lt;br /&gt;
hat. Und das zweite ist meine Bitte, daß alle, die an diesem Bauwerk&lt;br /&gt;
arbeiten, in Gottes Schutz stehen mögen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Ströme der Gnade und des Segens sei nun, nach sieben Jahren&lt;br /&gt;
voller Widerstände und Schwierigkeiten, der ersehnte Tag gekommen,&lt;br /&gt;
an dem der Grundstein zum Muttertempel von Europa, dem fünften&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár, gelegt werden könne, sagte Amelia {{Sperrsatz|Collins}}, &lt;br /&gt;
Hand der Sache Gottes und hochbetagte Vertreterin des Bahá’í-Weltzentrums &lt;br /&gt;
in Haifa/Israel. Die Kraft Bahá’u’lláhs habe sich hierdurch erneut geoffenbart; &lt;br /&gt;
ein weiterer Sieg sei in Seinem Namen errungen worden. Ausgezeichnet werde &lt;br /&gt;
diese Grundsteinlegung durch ein kostbares Geschenk des ersten Hüters des &lt;br /&gt;
Bahá’í-Glaubens, {{Sperrsatz|Shoghi Effendi}}: eine Handvoll Erde vom Heiligen &lt;br /&gt;
Schrein auf dem Berge Karmel. Anläßlich der Interkontinentalen Konferenz der &lt;br /&gt;
Bahá’í im Jahre 1958 in Frankfurt habe sie dieses Geschenk zur Aufbewahrung &lt;br /&gt;
übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Collins sprach abschließend die Hoffnung aus, das Haus der Andacht möge &lt;br /&gt;
als Zeichen der Liebe der Bahá’í der ganzen Welt und unterstützt durch Gebete &lt;br /&gt;
und Gaben als sichtbare Verkörperung des Glaubens bald vollendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Eugen {{Sperrsatz|Schmidt}}, der Vorsitzende des Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rates der Bahá’í in Deutschland, brachte in seiner Ansprache die tiefe &lt;br /&gt;
Dankbarkeit aller Bahá’í dem Stifter des Hauses der Andacht, Bahá’u’lláh,&lt;br /&gt;
Begründer der Bahá’í-Weltreligion, zum Ausdruck. Wörtlich sagte er:&lt;br /&gt;
„Im Hinblick auf das höchste Ziel, dem die Sendung Bahá’u’lláhs nach&lt;br /&gt;
Worten Shoghi Effendis dient —, die Erlösung des ganzen Planeten durch&lt;br /&gt;
Einigung — bedeutet der Grundstein des nun beginnenden Bauwerks&lt;br /&gt;
einen Markstein in der Ära der Einigung der Menschheit in {{Sperrsatz|einem}}&lt;br /&gt;
Glauben an den einen und einzigen Schöpfer und Erhalter aller Dinge.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Offenbarungsreligionen solle sichtbar gemacht werden&lt;br /&gt;
durch die Häuser der Andacht der Bahä’i, in denen das Wort Gottes aus&lt;br /&gt;
den Heiligen Schriften {{Sperrsatz|aller}} Hochreligionen verkündet und dem kein&lt;br /&gt;
menschliches Wort hinzugefügt werde. Durch die verehrende Anbetung&lt;br /&gt;
Gottes im Hause der Andacht werde in den Herzen der Gläubigen aller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Langenhain: John Long — Amelia Collins — Bürgermeister Heuss&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Fotos von der Grundsteinlegung finden die Leser auf den Seiten 58 und 59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|51|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
Religionen, Rassen und Völker eine gemeinschaftsbildende göttliche&lt;br /&gt;
Geistesmacht wirksam werden. Als Institution der Verehrung Gottes&lt;br /&gt;
werde das entstehende Haus der Andacht im Laufe der Zeit seinen Niederschlag &lt;br /&gt;
in sozialen, humanitären, erzieherischen und wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Einrichtungen für jeden finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sei der göttlich verbriefte Auftrag der Bahá’í, ein geistiges Lichtzentrum &lt;br /&gt;
als Beitrag zur Weltbefriedung zu errichten, die den „tragenden Grund der &lt;br /&gt;
liebenden Einheit und Zusammenarbeit der verantwortungsbewußten Anhänger &lt;br /&gt;
aller Religionen dringend braucht.“ Dr. Schmidt schloß mit den Worten: &lt;br /&gt;
„Die Führung, Heilung und Genesung der von Mißtrauen und Angst befallenen &lt;br /&gt;
Menschheit kann allein aus dem einenden Wort Gottes strömen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nächster Sprecher ergriff der Bürgermeister der Gemeinde Langenhain, &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Heuss}}, das Wort. Er begrüßte mit freundlichen Worten alle &lt;br /&gt;
Anwesenden und sagte: „Wir wollen bei der Grundsteinlegung des Hauses&lt;br /&gt;
der Andacht alle Schwierigkeiten vergessen, die berechtigt und unberechtigt &lt;br /&gt;
aufgetreten sind. Wir wollen alle mithelfen, daß das gegenseitige&lt;br /&gt;
Verstehen Wirklichkeit werden kann. Es soll ein friedliches Zusammenleben &lt;br /&gt;
geschaffen werden. Ich wünsche diesem Bau einen guten Fortschritt&lt;br /&gt;
und eine Vollendung, wie sie im Sinne des Bauherrn und der Bauleitung&lt;br /&gt;
erwünscht ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Vertreter der Bahá’í in England und zugleich als Sprecher der &lt;br /&gt;
anderen europäischen Schwestergemeinden überbrachte John {{Sperrsatz|Long}} &lt;br /&gt;
herzliche Grüße und innige Glückwünsche. „Es wäre für unseren geliebten&lt;br /&gt;
Hüter, Shoghi Effendi, den wir genau heute vor drei Jahren auf einem&lt;br /&gt;
Londoner Friedhof zur letzten Ruhe gebettet haben, eine unendliche&lt;br /&gt;
Freude gewesen“, betonte John Long, „wenn er diese Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
des Hauses der Andacht, die ihm so sehr am Herzen lag, noch hätte erleben &lt;br /&gt;
dürfen... Wir Bahá’í in England versprechen unseren deutschen Freunden, &lt;br /&gt;
daß wir ihnen bei der Errichtung und Vollendung dieses Hauses beistehen &lt;br /&gt;
und jede nur mögliche Hilfe zuteil werden lassen wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der Feier bildete die Grundsteinlegung selbst. Eine&lt;br /&gt;
Handvoll Erde vom Heiligen Schrein Bahá’u’lláhs wurde von Frau Collins&lt;br /&gt;
zusammen mit einer Urkunde folgenden Inhalts in den Grundstein gelegt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anwesenheit von sieben Händen der Sache Gottes, europäischen Hilfsamtsmitgliedern und Vertretern der europäischen Nationalen Geistigen Räte wurde am heutigen Tag von unserer lieben, hochverehrten Frau Amelia Collins, als Beauftragte der Hände der Sache im Heiligen Land, der Grundstein für das Haus der Andacht Europas (Mother Temple of Europe) an diesem Ort der Gemarkung Langenhain im Taunus bei Frankfurt am Main, im Herzen Europas, gelegt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freudig und mit tiefempfundenem Dank an Bahá’u’lláh gedenkt die Bahá’í-Weltgemeinschaft in Liebe und Verehrung des Hüters Shoghi Effendi, der diesen Platz am Vorabend seines Hinscheidens gutgeheißen hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Frankfurt am Main, am 20. November 1960, 17. Qudrat 117&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|52|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschwert wurde diese Urkunde mit einer Silberplatte, die die Worte trägt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Haus der Andacht&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mother Temple of Europe&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mashriqu’l Adhkár&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsteinlegung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;20. November 1960, Bahá’í Era 17. Qudrat 117&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit drei Hammerschlägen besiegelte danach Amelia Collins die feierliche &lt;br /&gt;
Handlung. Beendet wurde die unvergeßliche, schlichte Feierstunde&lt;br /&gt;
mit einem Gebet von ‘Abdu’l-Bahá für den Weltfrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ursula Schubert&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Warum ein Bahá’i-Tempel?”===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über 500 Personen hatten sich schon am Vorabend der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
in Frankfurt im „Kantate“-Saal anläßlich einer öffentlichen Veranstaltung&lt;br /&gt;
eingefunden. {{Sperrsatz|„Warum ein Bahá’í-Tempel?“}} lautete das Thema,&lt;br /&gt;
zu dem Ruprecht {{Sperrsatz|Krüger}} sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er setzte sich zunächst mit den Argumenten auseinander, welche die&lt;br /&gt;
Repräsentanten der großen christlichen Konfessionen gegen das Bauvorhaben ins Feld &lt;br /&gt;
geführt hatten, schilderte den wechselvollen Verlauf der&lt;br /&gt;
Bemühungen um die Bauerlaubnis und verwies in eindringlichen Worten&lt;br /&gt;
auf die im Grundgesetz der Bundesrepublik verankerte Freiheit der &lt;br /&gt;
Religionsausübung. Zitate aus den Bahá’í-Schriften führten den Zuhörern&lt;br /&gt;
die überragende Bedeutung vor Augen, die der Mashriqu’l-Adhkár mit&lt;br /&gt;
seinen Nebenbauten als geistiges, kulturelles und soziales Zentrum in der&lt;br /&gt;
künftigen Gemeinschaft einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David {{Sperrsatz|Hofman}}, London, gab eine kurze Einführung in die Bahá’í-Religion, &lt;br /&gt;
unter dem Aspekt des Friedensgedankens. Im Unterschied zu früheren Offenbarungen &lt;br /&gt;
verhieß Bahá’u’lláh die Verwirklichung des Weltfriedens, das Goldene Zeitalter,&lt;br /&gt;
nicht für eine ferne Zukunft, sondern für die unmittelbar vor uns liegende Zeit. &lt;br /&gt;
Die Entwicklung zur vollkommenen politischen Gesellschaft ist, wie es auch &lt;br /&gt;
Kant ausdrückte, das Ziel der Geschichte, das Ergebnis des organischen Fortschreitens &lt;br /&gt;
der Menschheit. Das chaotische Übergangsstadium, das die Welt heute durchläuft, ist &lt;br /&gt;
eine notwendige Vorbereitungszeit. An uns allen ist es jetzt, umzudenken und uns &lt;br /&gt;
auf die neue geistige Kraft und die neuen Gesetze, die der Menschheit geoffenbart&lt;br /&gt;
wurden, einzustellen. Vor Gott sind alle Völker und Rassen gleich. Von&lt;br /&gt;
besonderer Bedeutung ist, daß Bahá’u’lláh nicht nur die Verheißung und&lt;br /&gt;
die Idee, sondern auch das administrative Gefüge der neuen Weltordnung&lt;br /&gt;
brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;David Hofman, London, spricht&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|53|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dipl. Ing. Teuto Rocholl:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die architektonische Konzeption des Hauses der Andacht===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt für jedes Bauwerk eine vorgegebene Reihenfolge der einzelnen&lt;br /&gt;
Phasen seines Entstehens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die Bauidee,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:das Raumprogramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die architektonische Konzeption,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die Durcharbeitung in funktioneller, konstruktiver und wirtschaftlicher Hinsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:und die Ausführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Architekt kommt es mir nicht zu, über die {{Sperrsatz|geistige}} Idee des&lt;br /&gt;
Hauses der Andacht der Bahá’í zu schreiben. Diese darf ich wohl auch&lt;br /&gt;
in den folgenden Betrachtungen als bekannt voraussetzen. Gleichwohl ist&lt;br /&gt;
das Erfassen der Idee Voraussetzung für das Entstehen einer architektonischen &lt;br /&gt;
Konzeption. Diesen Vorgang möchte ich versuchen zu schildern. Die Arbeit des &lt;br /&gt;
Architekten beginnt mit der Durcharbeitung des gegebenen Raumprogrammes. Je &lt;br /&gt;
klarer sich die Idee in der Aufstellung des Raumprogrammes widerspiegelt, &lt;br /&gt;
desto weniger Umwege müssen später bei der architektonischen Durcharbeitung &lt;br /&gt;
gegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es galt also, in gemeinsamer Arbeit mit dem Bauherrn, dem Nationalen Geistigen Rat, &lt;br /&gt;
das Raumprogramm von all den Dingen zu befreien, die der Bauidee abträglich sind. &lt;br /&gt;
Alle Nebenräume, die technischen Einrichtungen und mancher heute so selbstverständlich &lt;br /&gt;
gewordene Komfort wurden deshalb aus dem Tempelgebäude verbannt zu Gunsten der Wirkung &lt;br /&gt;
des {{Sperrsatz|einen}} Raumes, um dessen willen das Gebäude entsteht: des&lt;br /&gt;
großen Andachtsraumes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neun Zugangswege sollen von allen Seiten her auf das Gebäude zuführen, &lt;br /&gt;
und mit neun Eingängen soll der Innenraum aufgeschlossen werden. Diese &lt;br /&gt;
Forderung läßt den Wunsch einer betonten Verbindung zwischen Außenwelt &lt;br /&gt;
und Innenraum erkennen; denn bereits zwei Eingänge würden der Funktion &lt;br /&gt;
nach ausreichende Dienste tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dadurch bewirkte, bewußt starke, allseitige Auflösung der &lt;br /&gt;
Innenraumwand hat also tieferen Sinn. Warum sollte sie dann nicht zum &lt;br /&gt;
Thema erhoben werden für den Gesamtbau, sollte die Durchdringung von&lt;br /&gt;
innen und außen, die Auflösung der umhüllenden, abgrenzenden Schale&lt;br /&gt;
nicht Teil der architektonischen Konzeption werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere prägnante Punkte bestehen die Forderungen nach dem&lt;br /&gt;
Zentralraum und nach der sich darüber erhebenden Kuppel; die Forderung &lt;br /&gt;
nach einem Raum, in dem sich die Menschen gleichberechtigt zusammenfinden &lt;br /&gt;
können, bei gleichzeitiger Ausrichtung der Gemeinde nach Osten.&lt;br /&gt;
{{page|54|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind Auflagen, die sich nach erster Überlegung zu widersprechen&lt;br /&gt;
scheinen. So waren auch die ersten Entwurfskizzen, die diese Bedingungen &lt;br /&gt;
allzu wörtlich nahmen, letztlich unbefriedigend. Nach meinem Empfinden &lt;br /&gt;
verstößt es gegen die Gesetze des Zentralraumes, wenn die Sitzreihen, &lt;br /&gt;
ohne den Gebäudemittelpunkt zu berücksichtigen, in einer Richtung in &lt;br /&gt;
Reihen hintereinander — nach Art eines Vortragsraumes — angeordnet sind. &lt;br /&gt;
Erst nach weiterem Durchdenken wurde mir die Wertigkeit dieser einzelnen &lt;br /&gt;
Auflagepunkte klar. Eine Ordnung zu schaffen, die das Gesetz des zentralen &lt;br /&gt;
Raumes achtet und unterstreicht, die den Kreis als gemeinschaftsbildende &lt;br /&gt;
Kraft nutzt und die trotzdem einen fühlbaren östlichen Bezugspunkt außerhalb &lt;br /&gt;
des Raumes berücksichtigt, war ein weiterer Teil der architektonischen &lt;br /&gt;
Konzeption.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwurfslösung möchte ich nun an Hand von Zeichnungen — Grundriß, &lt;br /&gt;
Schnitt und Ansicht — erläutern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde vom Gebäudemittelpunkt aus ostwärts ein zweiter Punkt gesucht, &lt;br /&gt;
um den sich die Sitzplätze anordnen und in dessen Nähe Sprecher&lt;br /&gt;
{{page|55|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
und Sänger ihren Platz finden. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt&lt;br /&gt;
des Raumes nach Osten. Sprecher und Sänger wenden sich westwärts zur&lt;br /&gt;
Gemeinde hin, schließen den für den Zentralraum notwendigen Kreis&lt;br /&gt;
und stehen zugleich am akustisch günstigsten Ort des Raumes. Dreimal&lt;br /&gt;
neun Pfeiler, welche die Kuppel tragen, begrenzen den Innenraum. Die&lt;br /&gt;
verbleibenden 27 Felder werden durch große Glaswände geschlossen. Neun&lt;br /&gt;
Portale führen in den Umgang, der den Tempel ringförmig umgibt. Diese&lt;br /&gt;
Halle soll den Besucher auf den zentralen Tempelraum vorbereiten; sie gibt&lt;br /&gt;
die Möglichkeit zur Sammlung und zum Gespräch. Weitere neun Portale&lt;br /&gt;
führen über Freitreppen hinab in das Gelände. Der engere Tempelbezirk&lt;br /&gt;
wird durch eine bewachsene, niedrige Natursteinmauer begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Bild zeigt einen Querschnitt durch das Gebäude. Die Kuppel &lt;br /&gt;
besitzt die Form einer Elipse. 27 Rippen führen vom Fußboden des&lt;br /&gt;
Tempelraumes bis in die Kuppelspitze und enden in einem Ring, der die&lt;br /&gt;
Leuchte trägt. Die Kuppelfelder zwischen den Rippen erhalten in bestimmtem &lt;br /&gt;
System übereinander angeordnete verglaste Öffnungen, die das&lt;br /&gt;
Tageslicht hereinfließen lassen und hierdurch der Kuppel das lastende&lt;br /&gt;
Element nehmen. Auf diese Weise wird der Tempelraum neben aller&lt;br /&gt;
Strenge und Feierlichkeit eine helle und freudige Stimmung erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fußboden des Innenraumes senkt sich zur Mitte hin um 60 cm.&lt;br /&gt;
Dadurch ergibt sich von jedem Platz aus eine gute Sicht auf den Sprecher. &lt;br /&gt;
Chor und Sprecher stehen aus akustischen Gründen leicht erhöht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in eine Höhe von ca. 3 m werden die Stützen mit Natursteinplatten&lt;br /&gt;
verkleidet. Bis zur gleichen Höhe reichen die 27 Glasabschlußwände &lt;br /&gt;
zwischen Tempelraum und Umgang. Der Umgang besitzt eine nach außen&lt;br /&gt;
ansteigende Decke und eine durchsichtige Verglasung. Eine ca. 1 m hohe&lt;br /&gt;
Erdaufschüttung hebt das Gebäude aus seiner Umgebung heraus. Vom&lt;br /&gt;
{{page|56|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
gewachsenen Boden bis zur Spitze hat der Tempel eine Höhe von nahezu&lt;br /&gt;
28 m. Der Kuppelraum besitzt einen Durchmesser von 25 m. Für das Gebäude &lt;br /&gt;
wird eine Grundfläche von ca. 48 m im Durchmesser benötigt. Für&lt;br /&gt;
den engeren Tempelbezirk erweitert sich der Durchmesser auf 75 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bauwerk läßt sich in drei Arten von Konstruktionselementen aufgliedern: &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|tragende}} Teile, {{Sperrsatz|verbindende}} Teile und &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|füllende}} Teile. Die tragenden Teile bestehen aus &lt;br /&gt;
vorfabrizierten Fertigbetonteilen mit Stahleinlagen, die an der Baustelle &lt;br /&gt;
mit Hilfe eines großen Krans lediglich aufgestellt werden müssen. Es sind &lt;br /&gt;
dies in erster Linie die 27 Stützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbindenden Teile sind die beiden großen Ringe — der eine in der&lt;br /&gt;
Kuppelspitze unterhalb der Leuchte, der andere in Verbindung mit dem&lt;br /&gt;
Dach des Umganges —, die auf der Baustelle geschalt und gegossen werden; &lt;br /&gt;
sie geben den großen Rippen untereinander den Halt. Alle verbleibenden &lt;br /&gt;
Öffnungen werden nun mit Glas oder mit dünnen Betonschalen&lt;br /&gt;
ausgefacht. Durch die konsequente Trennung der Bauteile in diese drei&lt;br /&gt;
Aufgabengebiete ergibt sich die Möglichkeit maschineller Vorfabrikation&lt;br /&gt;
und damit einer wesentlichen Kostensenkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schuppenförmig übereinander angeordneten Dachteile erfüllen zugleich &lt;br /&gt;
mehrere Aufgaben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie machen die Anordnung von Lichtöffnungen in der Kuppelschale möglich;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:sie verhindern durch ihre Vorkragungen die direkte Sonneneinstrahlung in den Tempelraum;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:sie leiten das Regenwasser in seitlich der Stützen angeordnete Rinnen ab;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:sie verhindern die Nachhallbildung im Kuppelraum und verbessern auf diese Weise die Akustik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umgang ist nur zum Teil unterkellert und birgt die Kanäle für&lt;br /&gt;
eine Luftheizungsanlage. Alle notwendigen Nebenräume sind in einem &lt;br /&gt;
{{page|57|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
besonderen Gebäude in angemessener Entfernung vom Tempel untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Bild zeigt die Ansicht des fertigen Tempels. Auch von außen,&lt;br /&gt;
durch die Verglasung des Umganges hindurch, lassen sich die Stützen&lt;br /&gt;
vom Erdboden bis zur Kuppelleuchte hin verfolgen. Jede dritte Rippe&lt;br /&gt;
erhält eine Betonung, um auch in der Kuppel die Neunteilung deutlich&lt;br /&gt;
werden zu lassen. Die starke Plastik der Felder, die zwischen den Rippen&lt;br /&gt;
der Kuppel liegen, ergibt ein interessantes Spiel von Licht und Schatten,&lt;br /&gt;
welches durch die Sonnenreflexe auf den 570 Glasscheiben der Kuppel&lt;br /&gt;
noch unterstrichen wird. Der Umgang wirkt mit seiner schlanken, vorgesetzten &lt;br /&gt;
Stützenreihe und der leicht ansteigenden Decke einladend und&lt;br /&gt;
aufgeschlossen. Das Bauwerk liegt eingebettet in parkartige Gartenanlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mögen viele bedauert haben, daß die Umstände den Baubeginn immer wieder &lt;br /&gt;
hinausgeschoben haben. Aus der heutigen Sicht muß ich aber&lt;br /&gt;
sagen, daß ich dankbar bin für die Zeit, die ich dadurch gewonnen habe&lt;br /&gt;
und die sich für die architektonische Arbeit fruchtbar ausgewirkt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der errichtete Tempel die Bauidee in reinster Form sichtbar werden &lt;br /&gt;
läßt, ist das hohe Ziel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Tempel-Gebet===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Herr, mache diese heiligen Seelen, die sich erhoben&lt;br /&gt;
haben, diesen Tempel zu bauen, zu Aufgangsorten des Lichtes&lt;br /&gt;
und zu Offenbarern Deiner Zeichen. Mache jeden zu einem&lt;br /&gt;
Eckstein in diesem großen Gebäude, zu einer Säule seiner&lt;br /&gt;
Säulen; denn Du bist der Helfer, der Beistand, der Belohner!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seelen haben sich erhoben, Dir ergeben zu dienen,&lt;br /&gt;
und haben mit ihrem Dienste begonnen. Bestätige, hilf und&lt;br /&gt;
ermutige jeden durch die Verheißung der Gaben Deiner göttlichen &lt;br /&gt;
Gunst, und mache sie zu Auserwählten. Wahrlich, Du&lt;br /&gt;
bist der Mächtige, der Kraftvolle, der Könner, der Geber, der&lt;br /&gt;
Strahlende, der Hörende und der Sehende!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Ich flehe zu Dir mit klopfendem Herzen&lt;br /&gt;
und strömenden Tränen und bitte Dich, einem jeden beizustehen, &lt;br /&gt;
der sich um die Errichtung des Hauses des Herrn bemüht, des &lt;br /&gt;
Gebäudes, darin Dein Name jeden Morgen und&lt;br /&gt;
Abend gepriesen wird. Sende Deine Segnungen auf jeden&lt;br /&gt;
hernieder, der bemüht ist, inmitten der Sekten und Religionen&lt;br /&gt;
diesen Bau erstehen zu lassen, und bestätige ihn in jeder&lt;br /&gt;
guten Tat für die Menschheit. Öffne ihm die Tore des Reichtums &lt;br /&gt;
und des Wohlstandes und mache ihn zum Erben der&lt;br /&gt;
Schätze des unvergänglichen Königreiches. Mache ihn zum&lt;br /&gt;
Zeichen des Spendens unter den Völkern und stärke ihn&lt;br /&gt;
durch das Meer Deiner Freigebigkeit und Güte, das brandet&lt;br /&gt;
mit Wogen der Gnade und Gunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Freigebige, der Barmherzige, der&lt;br /&gt;
Wohltätige!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|58|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gesellschaftshaus des Frankfurter Zoos fand aus Anlaß der Grundsteinlegung &lt;br /&gt;
für das Haus der Andacht am 20. November 1960 eine {{Sperrsatz|Lehrtagung}} statt. &lt;br /&gt;
Unsere Fotos auf dieser Seite vermitteln einen Eindruck davon. Oben und unten links &lt;br /&gt;
ein Blick auf das Podium, auf dem die anwesenden Hände und die Vertreter des &lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Rates Platz genommen hatten. Am Mikrofon Dr. Eugen Schmidt. Unten &lt;br /&gt;
rechts ein Teil der Gäste aus aller Welt. — Die Bilder auf der gegenüberliegenden Seite &lt;br /&gt;
wurden während der Grundsteinlegung bei Langenhain aufgenommen. Man erkennt u.a. &lt;br /&gt;
oben links Frau Amelia Collins, neben ihr den Architekten des Hauses der Andacht, &lt;br /&gt;
Teuto Rocholl. Unten ein Teil des Zeltes, das die Hunderte von Bahá’í nicht fassen &lt;br /&gt;
konnte. Rechts die Urkunde, die dem Grundstein beigegeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|59|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fotos: A. Kohler, D. Schubert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|60|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Ringen um die Bauerlaubnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8. 10. 1952:&#039;&#039; Proklamation des Hüters Shoghi Effendi: „.. . Errichtung&lt;br /&gt;
eines Mashriqu’] Adhkar auf dem europäischen Kontinent...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;19. 4. 1953:&#039;&#039; Botschaft des Hüters Shoghi Effendi: „... Kauf eines Baugrundstücks &lt;br /&gt;
im Raum Frankfurt/Main und Errichtung eines Mashrigu’l Adhkar...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Oktober 1953:&#039;&#039; Baudezernat der Stadt Frankfurt/M lehnt Kaufantrag der Bahá’í-Gemeinde &lt;br /&gt;
für ein stadteigenes Grundstück ab. Es wird empfohlen, Baugrundstücke außerhalb &lt;br /&gt;
des Stadtgebietes zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;10. Juli 1954:&#039;&#039; Kaufvertragsabschluß über drei Grundstücke in der Gemarkung Eschborn &lt;br /&gt;
mit einer Gesamtfläche von 1,7 ha durch den Nationalen Geistigen Rat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8. August 1954:&#039;&#039; Protestversammlung der evangelischen Kirche in Eschborn unter Einsatz &lt;br /&gt;
von Posaunenchören und mehreren Geistlichen der Katholischen und Evangelischen Kirche &lt;br /&gt;
des gesamten Landkreises; Austeilung von Flugblättern, Anschlag von Warnungen, Eingaben &lt;br /&gt;
von Resolutionen an die Regierung — alle des Inhalts, daß die Errichtung eines &lt;br /&gt;
Bahá’í-Tempels innerhalb einer christgläubigen Gemeinde eine Herausforderung der &lt;br /&gt;
Christenheit bedeute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;11. August 1954:&#039;&#039; Ablehnung der beantragten Genehmigung der Kaufverträge durch &lt;br /&gt;
die Aufsichtsbehörde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;11. Oktober 1954:&#039;&#039; Erste Verhandlung beim Amtsgericht Frankfurt über die eingereichte &lt;br /&gt;
Beschwerde des Nationalen Geistigen Rats. Ein Urteil ergeht nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;16. Juli 1955:&#039;&#039; Vorauswahl des Tempelentwurfs aus 19 von 16 Architekten &lt;br /&gt;
eingereichten Entwürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;9. November 1955:&#039;&#039; Zweite Verhandlung des Amtsgerichts Frankfurt. Die&lt;br /&gt;
Kaufverträge von Eschborn werden nicht genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;7. Juli 1956:&#039;&#039; Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/M über&lt;br /&gt;
die weiter eingereichte Beschwerde des Nationalen Geistigen Rats mit&lt;br /&gt;
dem Urteil: Den Kaufverträgen von Eschborn wird die Genehmigung endgültig &lt;br /&gt;
versagt; eine weitere Beschwerde beim Bundesgerichtshof wird&lt;br /&gt;
nicht gestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;22. Juli 1956:&#039;&#039; Entscheidung des Nationalen Geistigen Rats zugunsten des&lt;br /&gt;
Tempelentwurfs von Architekt Teuto Rocholl, Frankfurt/M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;1. März 1957:&#039;&#039; Kaufvertragsabschluß über 2,10 ha Wiesenland unweit von&lt;br /&gt;
Frankfurt/M in der Gemeinde Diedenbergen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;23. März 1957:&#039;&#039; Verhandlung vor dem Amtsgericht Hochheim. Die Kaufverträge &lt;br /&gt;
von Diedenbergen werden seitens des Bauerngerichts genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;11. August 1957:&#039;&#039; Kaufverträge Diedenbergen werden vom Landkreis nicht&lt;br /&gt;
genehmigt.&lt;br /&gt;
{{page|61|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;29. Oktober 1957:&#039;&#039; Kaufvertrag über 2,06 ha in der Gemarkung {{Sperrsatz|Langenhain}} &lt;br /&gt;
bei Frankfurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;5. Januar 1958:&#039;&#039; Bauvorfrage des Architekten Teuto Rocholl für den Tempel &lt;br /&gt;
in der Gemeinde Langenhain beim Landrat, Frankfurt/Main-Höchst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;14. Januar 1958:&#039;&#039; Kaufvertrag vom Amtsgericht, Abteilung für Landwirtschaftssachen, &lt;br /&gt;
Frankfurt/Main, nach einem Ortstermin genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;30. Juli 1958:&#039;&#039; Schriftliche Appelle der Interkontinentalen Bahá’í-Konferenz, &lt;br /&gt;
Frankfurt/Main, an den hessischen Ministerpräsidenten, den hessischen Minister &lt;br /&gt;
des Innern und den Regierungspräsidenten in Wiesbaden zur Ausräumung der Schwierigkeiten &lt;br /&gt;
bei der Errichtung des Bahá’í-Tempels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;16. Dezember 1958:&#039;&#039; Bauvorfrage wegen der Errichtung des Tempels im&lt;br /&gt;
Außengebiet der Gemeinde Langenhain von der Bauaufsichtsbehörde aus &lt;br /&gt;
„planerischen und baurechtlichen Gründen“ abgelehnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;23. Dezember 1958:&#039;&#039; Beschwerde seitens der Gemeinde Langenhain und&lt;br /&gt;
des Nationalen Geistigen Rates gegen diesen Ablehnungsbescheid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;13. Januar 1959:&#039;&#039; Nachreichung der Beschwerdebegründung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;25. März 1959:&#039;&#039; Vom Regierungspräsidenten in Wiesbaden wird der Beschwerde &lt;br /&gt;
stattgegeben und die Angelegenheit an den Kreisausschuß des Landkreises Main-Taunus &lt;br /&gt;
zur anderweitigen Entscheidung zurückgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;6. April 1959:&#039;&#039; Wohnsiedlungs- und Preisgenehmigung des Landrats des&lt;br /&gt;
Landkreises Main-Taunus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;7. April 1959:&#039;&#039; Kreisausschuß hebt seine negative Entscheidung auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;18. Dezember 1959:&#039;&#039; Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland e.V. &lt;br /&gt;
als Eigentümer des Langenhainer Tempelbaugeländes im Grundbuch eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;7. Juni 1960:&#039;&#039; Der Regierungspräsident erteilt seine Zustimmung zur&lt;br /&gt;
Baugenehmigung gegenüber der Bauaufsichtsbehörde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;15. Juli 1960:&#039;&#039; Die Bauaufsichtsbehörde macht die Erteilung der Baugenehmigung von &lt;br /&gt;
zahlreichen vorab zu erfüllenden Bedingungen neben bestimmten Auflagen abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;22. Juli 1960:&#039;&#039; Form- und fristgerechter Widerspruch vom Bauherrn erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;30. 9. 1960:&#039;&#039; Teilbaugenehmigung für den Tempelbau in der Gemarkung&lt;br /&gt;
Langenhain.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mitte Oktober 1960:&#039;&#039; Erd-, Beton- und Stahlbetonarbeiten vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;15. 11. 1960:&#039;&#039; Endgültige Baugenehmigung durch die Bauaufsichtsbehörde&lt;br /&gt;
mit Zustimmung des Regierungspräsidiums in Wiesbaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|62|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ma&amp;lt;u&amp;gt;sh&amp;lt;/u&amp;gt;riqu’l-A&amp;lt;u&amp;gt;dh&amp;lt;/u&amp;gt;kár und seine geistige Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte von Bahá’u’lláh, ’Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Versammlung der Schöpfung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Errichtet Gebäude in äußerster Schönheit in jeder Stadt, in jedem&lt;br /&gt;
Land, im Namen des Herrn der Religionen. Schmücket sie mit dem, was&lt;br /&gt;
ihrer würdig ist. Alsdann verherrlicht darin in Andacht den Herrn, den&lt;br /&gt;
Gnädigen, den Barmherzigen, im Geiste des Duftes der Eintracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;II&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist es fürwahr die größte Aufgabe und die wichtigste Angelegenheit, &lt;br /&gt;
einen Mashriqu’l-Adhkár zu errichten und einen Tempel zu erbauen,&lt;br /&gt;
von dem sich die Stimme des Lobpreises zum Reiche des erhabensten&lt;br /&gt;
Herrn erheben mag. Gesegnet seid ihr, daß ihr daran denkt und beabsichtigt, &lt;br /&gt;
ein solches Bauwerk zu errichten, daß ihr euch drängt, euer Vermögen für &lt;br /&gt;
dieses große Ziel, dieses herrliche Werk hinzugeben. Bald&lt;br /&gt;
werdet ihr sehen, wie euch die Engel der Bestätigung auf dem Fuß folgen, &lt;br /&gt;
und wie sich die Heerscharen der Unterstützung vor euch sammeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mashriqu’l-Adhkár vollendet ist, wenn seine Lichter erstrahlen, &lt;br /&gt;
die Rechtschaffenen sich in ihm versammeln, die Gebete mit&lt;br /&gt;
demütigen Bitten an das geheimnisvolle Königreich verrichtet werden,&lt;br /&gt;
die Stimme der Verherrlichung zum Herrn, dem Höchsten, erhoben wird,&lt;br /&gt;
dann werden die Gläubigen frohlocken, ihre Herzen werden sich weiten&lt;br /&gt;
und überfließen mit der Liebe des allbelebenden, selbstbestehenden Gottes. &lt;br /&gt;
Die Menschen werden herbeieilen, um in diesem himmlischen Tempel&lt;br /&gt;
am Gottesdienst teilzunehmen, die Düfte Gottes werden sich erheben, die&lt;br /&gt;
göttlichen Lehren werden tief in den Herzen verankert, gleichwie Sein&lt;br /&gt;
Geist fest in der Menschheit begründet wird. Dann werden die Menschen&lt;br /&gt;
unerschütterlich in der Sache eures Herrn, des Barmherzigen, stehen.&lt;br /&gt;
Preis und Gruß seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;III&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár ist die wichtigste Aufgabe und die höchste&lt;br /&gt;
göttliche Einrichtung. Bedenket, wie Seine Heiligkeit Moses nach Seinem&lt;br /&gt;
Auszug aus Ägypten als erste Einrichtung dieser Art die „Stiftshütte des&lt;br /&gt;
Opfers“ errichtete, die ein transportabler Tempel war. Sie war ein Zelt,&lt;br /&gt;
das man in der Wüste aufschlug, wo immer man lagerte, und in dem man&lt;br /&gt;
Gott diente. Auch nach dem Kommen Seiner Heiligkeit Christi — möge&lt;br /&gt;
der Geist der Welt ein Opfer für Ihn sein — war die erste Einrichtung&lt;br /&gt;
Seiner Jünger ein Tempel. Sie faßten den Plan, in jedem Land eine&lt;br /&gt;
Kirche zu erbauen. Betrachtet die Bibel, und die Bedeutung des&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár wird euch klar werden.&lt;br /&gt;
{{page|63|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, ich hoffe, daß alle Geliebten Gottes auf dem amerikanischen &lt;br /&gt;
Kontinent, Männer wie Frauen, einmütig Tag und Nacht bestrebt sein werden, &lt;br /&gt;
den Mashriqu’l-Adhkár in höchster Gediegenheit und Schönheit zu erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;IV&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tempel ist die höchste Stiftung für die Menschenwelt; er hat viele&lt;br /&gt;
Nebengebäude. Während der Tempel selbst die Stätte der Andacht ist,&lt;br /&gt;
sind ihm ein Krankenhaus, eine Apotheke, ein Pilgerhaus, eine Schule&lt;br /&gt;
für Waisen und eine Hochschule für das Studium der Wissenschaften &lt;br /&gt;
angegliedert. Jeder Tempel ist mit diesen Einrichtungen verbunden. Ich&lt;br /&gt;
hoffe, daß man nun in Amerika einen Tempel errichtet und ihm mit&lt;br /&gt;
höchster Tatkraft und Gründlichkeit nach und nach das Krankenhaus,&lt;br /&gt;
die Schule, die Hochschule, die Apotheke und das Pilgerhaus beigibt...&lt;br /&gt;
Der Tempel ist nicht nur eine Stätte der Andacht; nein, er ist &lt;br /&gt;
Vollkommenheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár muß neun Seiten und Tore, dazu Brunnen,&lt;br /&gt;
Wege, Pforten, Säulen und Gärten haben, mit Erdgeschoß, Galerien und&lt;br /&gt;
Kuppel, und in Entwurf und Ausführung muß er herrlich sein. Das Mysterium &lt;br /&gt;
des Baues ist groß und kann jetzt noch nicht enthüllt werden, aber&lt;br /&gt;
seine Errichtung ist das wichtigste Werk dieses Tages. Der Mashriqu’l-Adhkár &lt;br /&gt;
hat wichtige Ergänzungsgebäude, welche bei der Gründung&lt;br /&gt;
schon mit in Rechnung gezogen werden. Diese sind: ein Waisenhaus, ein&lt;br /&gt;
Krankenhaus und eine Apotheke für die Armen, ein Heim für die Arbeitsunfähigen, &lt;br /&gt;
eine Hochschule für höhere wissenschaftliche Bildung&lt;br /&gt;
und ein Fremdenheim. In jeder Stadt muß nach diesem Befehl ein großer&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár begründet werden. Im Mashriqu’l-Adhkár werden&lt;br /&gt;
jeden Morgen Gottesdienste gehalten. Eine Orgel wird im Mashriqu’l-Adhkár &lt;br /&gt;
nicht sein. In den Nebenbauten werden Feste, Gottesdienste, öffentliche &lt;br /&gt;
Zusammenkünfte und geistige Versammlungen gehalten werden, aber im Tempel &lt;br /&gt;
werden Lied und Gesang unbegleitet sein. Öffnet die Tore des Tempels &lt;br /&gt;
allen Menschen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Einrichtungen geschaffen sind, werden die Tore allen Nationen &lt;br /&gt;
und Religionen offenstehen. Es wird keine Trennungslinie gezogen werden. &lt;br /&gt;
Ihre Tore werden dem Menschengeschlecht geöffnet sein.&lt;br /&gt;
Vorurteil gegen niemand, Liebe für alle. Auf diese Weise... wird &lt;br /&gt;
Religion mit Wissenschaft in Einklang gebracht, und die Wissenschaft wird&lt;br /&gt;
zur Dienerin der Religion werden. Beide werden ihre materiellen und&lt;br /&gt;
geistigen Gaben auf die ganze Menschheit strömen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;VI&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte sich vergegenwärtigen, daß der Zentralbau des Mashriqu’l-Adhkár, &lt;br /&gt;
um den sich künftig einmal soziale Nebengebäude zur Unterstützung der &lt;br /&gt;
Notleidenden und Armen, zum Schutze der Heimatlosen&lt;br /&gt;
{{page|64|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
und Trost der Elenden sowie zur Erziehung der Unwissenden scharen&lt;br /&gt;
werden, als völlig unabhängig von diesen Baulichkeiten betrachtet werden muß, &lt;br /&gt;
nämlich als ein Haus, das ganz und gar der Anbetung Gottes&lt;br /&gt;
geweiht ist, im Einklang mit den wenigen, doch klar formulierten Prinzipien &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs im Kitáb-i-Aqdas (Buch der Gesetze). Aus diesen allgemeinen &lt;br /&gt;
Worten sollte nun nicht geschlossen werden, daß das Innere&lt;br /&gt;
des Zentralbaues selbst in einen Schmelztiegel religiöser Anbetungsformen &lt;br /&gt;
verwandelt werden soll, die mit den seitherigen Gepflogenheiten der&lt;br /&gt;
Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie anderer Gotteshäuser verknüpft &lt;br /&gt;
sind. Seine verschiedenen Zugänge, die alle auf die Halle im Zentrum &lt;br /&gt;
unter der Kuppel weisen, dienen nicht dem Einlaß sektiererischer&lt;br /&gt;
Anhänger von starren Glaubenssätzen und menschengeschaffenen &lt;br /&gt;
Bekenntnisformen, die gemäß ihrer Richtung bestrebt sind, ihre Riten zu&lt;br /&gt;
beachten, ihre Gebete zu lesen, ihre religiösen Gebräuche auszuführen&lt;br /&gt;
und die besonderen Symbole ihres Glaubens innerhalb getrennt begrenzter &lt;br /&gt;
Teile des Universalen Hauses der Anbetung zur Schau zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zentralgebäude der Anbetung Gottes, das im Mittelpunkt des&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár stehen wird, möchte vielmehr in seinen geheiligten&lt;br /&gt;
Mauern, in einer geistig geläuterten Atmosphäre, nur diejenigen &lt;br /&gt;
versammeln, die für immer die Hüllen einer ausgeklügelten und tendenziösen &lt;br /&gt;
Zeremonie aufgegeben haben und willige Anbeter des Einen wahren Gottes sind, &lt;br /&gt;
Der Sich in diesem Zeitalter durch Bahá’u’lláh geoffenbart hat. Ihnen wird &lt;br /&gt;
der Mashriqu’l-Adhkár Symbol für die grundlegende Wahrheit sein, die dem &lt;br /&gt;
Bahá’í-Glauben innewohnt, daß religiöse Wahrheit nicht absolut, sondern &lt;br /&gt;
relativ ist, und daß die göttliche Offenbarung keine abgeschlossene, sondern &lt;br /&gt;
eine fortschreitende ist. Sie werden davon überzeugt sein, daß ein alliebender &lt;br /&gt;
und allgegenwärtiger Vater, der in der Vergangenheit zu bestimmten Zeitabschnitten &lt;br /&gt;
der menschlichen Entwicklung Seine Propheten als die Träger Seiner Botschaft &lt;br /&gt;
und die Manifestationen Seines Lichtes für die Menschheit aussandte, in dieser &lt;br /&gt;
kritischen Kulturepoche Seinen Kindern nicht die Führung versagen kann, die &lt;br /&gt;
sie in dieser dunklen Stunde dringend benötigen, die weder das Leuchten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft noch Intellekt und Weisheit des Menschen erfolgreich erhellen &lt;br /&gt;
können. In Bahá’u’lláh die Quelle des göttlichen Lichts erkennend, fühlen &lt;br /&gt;
sie sich mit Macht bewogen, den Schutz Seines Hauses zu suchen und sich &lt;br /&gt;
darin zu versammeln, wo sie ungehindert durch Zeremonien und Bekenntnisse &lt;br /&gt;
dem einen wahren Gott huldigen, dem Wesen und Zentrum ewiger Wahrheit,&lt;br /&gt;
und die Namen Seiner Boten und Propheten erhöhen und preisen, die seit&lt;br /&gt;
Urgedenken bis heute unter wechselnden Bedingungen und in verschiedenem &lt;br /&gt;
Maße das Licht göttlicher Führung einer finsteren und irrenden&lt;br /&gt;
Welt widerspiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Shoghi Effendi&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:-----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellenhinweise: &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; „Das Haus der Andacht (Mashriqu’l-Adhkár), Idee und Aufgabe,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1958, S. 2; &#039;&#039;&#039;II&#039;&#039;&#039; — &#039;&#039;&#039;IV&#039;&#039;&#039; „Bahá’í World Faith, Selected Writings of &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh and ’Abdu’l-Bahá“, Wilmette/Ill., USA, 1943, S. 415 ff.; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039; Dr. J. E. Esslemont, „Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“, 3. Aufl. 1948, 11. Kap., &lt;br /&gt;
S. 185; &#039;&#039;&#039;VI&#039;&#039;&#039; aus „The Bahá’í World“, Band XII, Wilmette/Ill., USA, 1956, zitiert in &lt;br /&gt;
„Das Haus der Andacht...“, S. 5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|65|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===WORTE VON BAHÁ’U’LLÁH===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Textinschriften über den neun Eingängen des Bahá’í-Tempels in Wilmette, Illinois, USA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese Erde ist nur {{Sperrsatz|eine}} Heimat und die Menschheit ihre Bürger.”&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Kostbarste von allem ist vor Mir die Gerechtigkeit; wende dich nicht ab von ihr, wenn dich nach Mir verlangt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Meine Liebe ist Meine Feste; wer sie betritt, ist sicher und bewahrt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Äußere dich nicht über die Sünden anderer, solange du selbst ein Sünder bist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dein Herz ist Meine Wohnstätte; heilige sie für Mein Kommen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ich habe den Tod zu einem Freudenboten für dich gemacht; warum grämst du dich?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Erwähne Mich auf Meiner Erde, damit ich in Meinem Himmel deiner gedenke.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„O ihr Reichen auf Erden! Die Armen unter euch sind Meine Anvertrauten; hütet meine Anvertrauten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Quelle aller Gelehrsamkeit ist die Erkenntnis Gottes, gepriesen sei Seine Herrlichkeit!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|66|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Zauber des Tempels===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Baugeschichte des amerikanischen Hauses der Andacht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dem Westufer des Michigansees entlang auf der breiten Einfallstraße &lt;br /&gt;
nach Chikago fährt, dessen Blick wird unweit der kleinen Stadt&lt;br /&gt;
Wilmette gefesselt von einem hochaufragenden, fremdartigen Kuppelbau.&lt;br /&gt;
Weit in das Land und über den See leuchtet sein heller Quarzstein.&lt;br /&gt;
Tausende Ornamente verzieren die neun Streben, die sich im Zenit der&lt;br /&gt;
Kuppel vereinigen. Beim Näherkommen sieht man die drei Stufen des&lt;br /&gt;
Bauwerks: das breit ausladende Erdgeschoß mit neun Seiten, an den&lt;br /&gt;
Kanten durch neun hohe Pfeiler begrenzt, darüber, von einer Terrasse&lt;br /&gt;
umgeben, der gegen das Erdgeschoß versetzte Mittelbau, dessen Seiten &lt;br /&gt;
wiederum durch Säulen getrennt sind, und hinter einem zweiten Balkon, &lt;br /&gt;
von neun Streben und zahlreichen Doppelsäulen getragen, die Kuppel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Besucher auf einem geräumigen Parkplatz seinen Wagen&lt;br /&gt;
abgestellt, betritt er einen der neun von Blumenbeeten, Sträuchern&lt;br /&gt;
und kleinen Teichen umgrenzten Kiespfade, die ihn über eine Treppe&lt;br /&gt;
mit 18 Stufen zu einem der neun Eingangsportale führen. Fast &lt;br /&gt;
überirdisch verklärt mutet den Eintretenden die Stimmung an, die ihn im&lt;br /&gt;
Innern dieses Tempels umgibt. Durch ein gläsernes Vestibül gelangt&lt;br /&gt;
er in die große Halle unter dem Dom. Bequeme Klappsessel laden zum&lt;br /&gt;
Verweilen ein. Sein Blick geht nach oben und folgt dem Linienflug der&lt;br /&gt;
Ornamentik, die sich auf farbigem Hintergrund zu den Galerien und&lt;br /&gt;
höher, vom Sonnenlicht durchflutet, bis in die Kuppel hinaufzieht, in&lt;br /&gt;
deren Zentrum golden der „Größte Name“ glänzt. Der Zauber dieses&lt;br /&gt;
Tempels umfängt den Schauenden; er fühlt, daß dies kein Bauwerk ist,&lt;br /&gt;
das den Menschen und seine Errungenschaften in den Himmel heben&lt;br /&gt;
soll, keine neue Kirche neben den vielen alten, sondern ein geistiger&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, der inmitten unserer Unrast den Geist eines neuen &lt;br /&gt;
Zeitalters widerspiegelt. ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Traum wird wahr&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte des amerikanischen Muttertempels der Bahá’í hat einer&lt;br /&gt;
der technischen Chefberater in einem Buch aufgezeichnet, dem die &lt;br /&gt;
folgenden Einzelheiten teilweise entnommen sind&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Schon 1903, &lt;br /&gt;
kaum zehn Jahre, nachdem der Bahá’í-Glaube in den USA Fuß gefaßt hatte, bat &lt;br /&gt;
die kleine amerikanische Bahá’í-Gemeinde ‘Abdu’l-Bahá um die Erlaubnis,&lt;br /&gt;
gleich den Gläubigen von ‘Ishqábád (Turkestan) im Gebiet von Chikago,&lt;br /&gt;
im Herzen des nordamerikanischen Kontinents, einen Mashriqu’l-Adhkár &lt;br /&gt;
errichten zu dürfen. ‘Abdu’l-Bahá stimmte dem Plan begeistert zu. Jahre&lt;br /&gt;
vergingen mit der Aufbringung der ersten Gelder und der Suche nach&lt;br /&gt;
einem geeigneten Bauplatz, bis man endlich 1907 das Richtige fand:&lt;br /&gt;
Südlich von Wilmette stieg das Ufer des Michigansees zu einer leichten &lt;br /&gt;
{{page|67|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Kuppe an, ein ideales Gelände für den Bau eines Tempels. Einmütig&lt;br /&gt;
entschieden sich die Delegierten der amerikanischen Bahá’í-Gemeinden&lt;br /&gt;
für diesen Platz, mit dem nebenbei eine Geschichte von geistiger &lt;br /&gt;
Vorbedeutung verwoben war; hatte doch hier gegen Ende des 18. Jahrhunderts &lt;br /&gt;
der französische Trapper Ouilmette ein Indianermädchen geheiratet und, &lt;br /&gt;
als er in geringer Entfernung die nach ihm benannte Siedlung begründete, &lt;br /&gt;
viel zur friedlichen Erschließung der Gegend beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus allen Teilen der Welt strömten nun die Mittel zusammen; schon&lt;br /&gt;
1908 wurde der Kern des Tempelgeländes erworben und unter zahlreichen &lt;br /&gt;
glücklichen Begleitumständen durch Zukäufe abgerundet. 1909 wurde &lt;br /&gt;
auf Anweisung ‘Abdu’l-Bahás von 39 Delegierten aus allen Gemeinden &lt;br /&gt;
der USA die „Bahá’í-Tempelvereinigung“ gewählt und als religiöse &lt;br /&gt;
Körperschaft eingetragen, der erste nationale Rat in der Bahá’í-Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá legt den Grundstein&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1. Mai 1912 war ein kalter, windiger Tag. Unter einem großen Rundzelt &lt;br /&gt;
hatten sich die Freunde auf dem Tempelgelände um ‘Abdu’l-Bahá geschart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In Ost und West,“ sagte Er, „werden viele tausend Häuser der Andacht &lt;br /&gt;
für alle gläubigen Menschen erstehen, aber dieses hier, das erste&lt;br /&gt;
in der westlichen Welt, ist von großer Bedeutung .... Es ist die geistige&lt;br /&gt;
Grundlage, die wichtigste aller Grundlagen. Auf dieser geistigen Grundlage &lt;br /&gt;
werden der Menschenwelt Fortschritte und neue Entwicklungsmöglichkeiten &lt;br /&gt;
jeglicher Art erwachsen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Er Seine Ansprache beendet hatte, schritt ‘Abdu’l-Bahá hinaus. &lt;br /&gt;
Vor dem Zelt blieb Er stehen und schaute in die Weite; die Freunde&lt;br /&gt;
scharten sich um Ihn. Plötzlich ging Er durch die Menge hindurch den&lt;br /&gt;
Weg zur Straße hinunter. Verwundert sahen die Freunde, wie dort&lt;br /&gt;
eine kleine alte Frau geschäftig einen Handwagen den Hügel heraufzog.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá geleitete sie zu dem Platz, wo Er gewartet hatte, und hob&lt;br /&gt;
einen großen Baustein aus dem Wägelchen. Dann ließ Er Sich Pickel und&lt;br /&gt;
Schaufel geben. Ein Angehöriger jeder Rasse und Nation unter den Anwesenden &lt;br /&gt;
durfte beim Ausheben der Grube mithelfen. Schließlich setzte&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá den Grundstein ein und sagte scherzend: „Der Tempel ist&lt;br /&gt;
schon fertig.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch Jahre später pflegte die alte Dame aus Chikago in der Versammlungshalle &lt;br /&gt;
im Unterbau des Tempels vor dem Stein zu stehen und den Besuchern zu &lt;br /&gt;
berichten, wie er hierher kam. Sie hatte erfahren, daß&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá das Tempelgelände besuche, und dachte sich, daß Er einen&lt;br /&gt;
Stein brauche, um den Bauplatz zu bestimmen. Bei einem Neubau&lt;br /&gt;
in der Nähe ihrer Wohnung sah sie eine Anzahl Steine liegen; sie fragte&lt;br /&gt;
den Bauführer, ob sie nicht einen davon haben könnte. „Aber bitte,&lt;br /&gt;
bedienen Sie sich,“ war die Antwort, „die hier sind übrig.“ Gegen den&lt;br /&gt;
Protest der Schaffner verlud sie ihren Stein in die Straßenbahn und&lt;br /&gt;
brachte ihn nach verschiedenen Zwischenfällen mit einiger Verspätung auf&lt;br /&gt;
das Tempelgelände. Groß war ihre Freude, als „der Stein, den die Bauleute &lt;br /&gt;
verworfen haben, zum Eckstein geworden“ war (Psalm 118,22). &lt;br /&gt;
{{page|68|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Plan und sein geistiges Werkzeug&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Weltkrieg verzögerte die zügige Weiterverfolgung des Bauvorhabens. &lt;br /&gt;
Erst im April 1920 konnte die 12. Nationaltagung der amerikanischen Bahá’í in &lt;br /&gt;
New York über den Ideenwettbewerb befinden, in&lt;br /&gt;
welchem sieben Bahá’í-Architekten Entwürfe für den Mashriqu’l-Adhkár&lt;br /&gt;
unterbreiteten. Drei von ihnen waren anwesend: Sutherland Maxwell,&lt;br /&gt;
Charles Mason Remey und Louis Bourgeois. Dem Modell des letzteren&lt;br /&gt;
wurde die größte Anerkennung und Beachtung geschenkt. Begeistert&lt;br /&gt;
erklärte er, wie ihm nach Jahren pausenloser, unablässiger Bemühungen&lt;br /&gt;
plötzlich der erleuchtende Einfall kam. Trotz seiner begrenzten Mittel und&lt;br /&gt;
Möglichkeiten ruhte er nicht, bis er in jahrelanger Arbeit seinen&lt;br /&gt;
Traum in einem Gipsmodell verwirklicht hatte. „Die Bahá’í-Religion ist&lt;br /&gt;
eine Synthese der geistigen Wesenszüge aller Religionen und Philosophien. &lt;br /&gt;
Wenn man die Persönlichkeiten ihrer Begründer und Führer unberücksichtigt &lt;br /&gt;
läßt, haben alle Glaubensbekenntnisse dieselbe göttliche&lt;br /&gt;
Grundlage .... Die Lehren Christi, Buddhas und Muhammads sind im&lt;br /&gt;
Wesen die gleichen. Wie mit den Religionen, so steht es auch mit der&lt;br /&gt;
Architektur. Wenn man die verschiedenen architektonischen Systeme&lt;br /&gt;
auf ihre ideelle Grundlage zurückführt und alle extremen Formen &lt;br /&gt;
beiseite läßt, sieht man, wie sie so vollkommen miteinander harmonieren,&lt;br /&gt;
daß sie ohne Mißklang verschmolzen werden können. Das ist, was ich&lt;br /&gt;
bei dem Tempel des Lichts versuchte: alle Baustile zu einem Sinnbild&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion zu vereinigen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt späteren Künstlergenerationen vorbehalten zu entscheiden,&lt;br /&gt;
ob sie Bourgeois’ synkretistischer Auffassung folgen können. Sicher ist,&lt;br /&gt;
daß er auf dieser geistigen Grundlage etwas Großes, Neues geschaffen&lt;br /&gt;
hat, das in der Welt der Baukunst viel beachtet und bewundert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá, Dem Bourgeois seinen Entwurf im Januar 1921 auf einer&lt;br /&gt;
Pilgerfahrt ins Heilige Land vorlegte, bat, das Modell so zu verkleinern,&lt;br /&gt;
daß die Baukosten 1 Million US-Dollar nicht übersteigen. Bourgeois schuf&lt;br /&gt;
ein neues Modell, das einen Durchmesser von 50 anstatt 150 Metern&lt;br /&gt;
vorsah. Wie sehr seine Konstruktion mit althergebrachten Vorstellungen&lt;br /&gt;
brach, erwies sich in der Kritik, die Bautechniker insbesondere dagegen&lt;br /&gt;
vorbrachten, daß der erste Stock und der Oberbau des Tempels gegen das&lt;br /&gt;
Erdgeschoß versetzt sind, was dem anerkannten Architektengrundsatz&lt;br /&gt;
widerspricht, daß die tragenden Elemente eines Baues auf den Fundamenten &lt;br /&gt;
fußen müssen. Aber obwohl dies erhebliche Mehrkosten verursachte, hätte &lt;br /&gt;
doch jede Änderung der Ausdruckskraft des Tempels&lt;br /&gt;
Abbruch getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fundament und Rohbau&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die technische Ausführung des Projekts war sich damals selbst&lt;br /&gt;
der Architekt nicht im klaren. Die Neuartigkeit der Konstruktion verlangte &lt;br /&gt;
nach neuen Mitteln und Wegen. Ein Ausschuß von Bautechnikern&lt;br /&gt;
wurde 1920 eingesetzt; er hatte während der ganzen Bauzeit zusammen&lt;br /&gt;
mit dem Architekten immer neue Probleme zu überwinden.&lt;br /&gt;
{{page|69|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst war ein solider Unterbau zu schaffen. Probebohrungen stießen &lt;br /&gt;
in dem Schwemmland des Tempelgeländes erst in 40 Meter Tiefe&lt;br /&gt;
auf Felsen. Eine Pfahlkonstruktion wäre billiger gewesen, aber der Architekt &lt;br /&gt;
bestand darauf, daß neun große Beton-Senkkästen bis auf den&lt;br /&gt;
Felsgrund hinabgelassen wurden. In 30 Meter Tiefe behinderten starke&lt;br /&gt;
unterirdische Wasserströmungen die Grabarbeiten, aber durch neuartige&lt;br /&gt;
Methoden konnte auch diese Schwierigkeit überwunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wilmette hatten sich die Gemeindebehörden dem Bau der „unerwünschten &lt;br /&gt;
neuen Kultstätte“ zunächst in den Weg gestellt und die Baugenehmigung &lt;br /&gt;
verweigert; so kam es, daß erst am 21. März 1921 mit dem&lt;br /&gt;
Ausschachten begonnen werden konnte. 1922 war der Unterbau mit einer&lt;br /&gt;
großen Versammlungshalle fertig, nach außen hin ein häßlicher &lt;br /&gt;
Betonklotz, der wie ein Wasserreservoir aussah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neun Jahre vergingen, bis der nächste Schritt unternommen wurde,&lt;br /&gt;
die Errichtung des Rohbaues. Der Bauausschuß war in der Zwischenzeit &lt;br /&gt;
nicht müßig gewesen; er hatte alle nur denkbaren Bauverfahren&lt;br /&gt;
untersucht und sich schließlich auf einen betonverkleideten &lt;br /&gt;
Stahlskelettbau geeinigt. Der Architekt Louis Bourgeois erlebte den &lt;br /&gt;
zweiten Bauabschnitt nicht mehr, aber er hinterließ die vollständigen &lt;br /&gt;
Zeichnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war eine buntgemischte Schar von Bauleuten, Angehörige der&lt;br /&gt;
verschiedensten Rassen und Religionen, die Anfang September 1930 die&lt;br /&gt;
Arbeit in Angriff nahm. Ein eindrucksvoller Geist der Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
herrschte vor: Jeder Arbeiter hatte vor Baubeginn ein Bild des fertigen&lt;br /&gt;
Baues mitbekommen, und bald sprachen sie allgemein von „ihrem&lt;br /&gt;
Tempel“. Die neunfache Wiederholung aller Einzelteile machte sich&lt;br /&gt;
kostensparend bemerkbar. 1930 war der Bau bis zur Kuppel aufgeführt,&lt;br /&gt;
die dann in zwei voneinander unabhängigen Rahmensystemen, einem&lt;br /&gt;
äußeren und einem inneren, aus etwa 10 000 Stahlteilen zusammengefügt&lt;br /&gt;
wurde. Im Januar 1931 geriet einer der Öfen zur Trocknung der Betonverkleidung &lt;br /&gt;
in Brand; das Feuer fand in der hölzernen Verschalung&lt;br /&gt;
reichlich Nahrung, richtete aber keine strukturellen Schäden an. So&lt;br /&gt;
konnte trotzdem am 1. Mai 1931 der fertige zweite Bauabschnitt &lt;br /&gt;
abgenommen werden. Da er nach seiner Nachkalkulation 30 000 Dollar &lt;br /&gt;
eingespart hatte, richtete der Unternehmer, vom Geist des Tempels ergriffen,&lt;br /&gt;
über den Auftrag hinaus noch einen Teil der Heizanlage und der Nebenräume ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Ornamentik&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein grauer Kuppelbau erhob sich nun am Ortseingang von Wilmette,&lt;br /&gt;
verglast und gegen Wind und Wetter geschützt, aber ein Tempel des&lt;br /&gt;
Lichts war er noch nicht geworden. Noch war über die äußere Verkleidung &lt;br /&gt;
nicht die Entscheidung gefallen: Terracotta, Gußsteine, verschiedene &lt;br /&gt;
Gußmetalle boten sich als Materialien an. Aber in neunzehnjähriger &lt;br /&gt;
Zusammenarbeit mit der Firma John J. Earley, Washington, beschritt &lt;br /&gt;
man einen völlig neuartigen Weg. In handwerklicher Kleinarbeit&lt;br /&gt;
wurden Gipsformen gefertigt, in denen aus weißem Zement und zwei&lt;br /&gt;
sorgfältig ausgewählten, in Süd-Carolina und Südwest-Virginia &lt;br /&gt;
gebrochenen und gemahlenen hellen Quarzsteinen die dicken Platten &lt;br /&gt;
für die äußere Verzierung des Tempels gegossen wurden. Nach zwölf Stunden &lt;br /&gt;
{{page|70|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
wurden die Formen umgestülpt, aber ehe die Platten zur Montage nach&lt;br /&gt;
Wilmette verschickt wurden, blieben sie an Ort und Stelle noch zwei&lt;br /&gt;
Wochen der Witterung ausgesetzt. So wurde mit 387 Einzelteilen im&lt;br /&gt;
Gewicht von 550 Tonnen zunächst die Kuppel verkleidet, bis sie im&lt;br /&gt;
Frühjahr 1934 in ihrem bleibenden Glanz erstrahlte. Aber acht weitere&lt;br /&gt;
Jahre vergingen, ehe 1943 die ganze Außenornamentik angebracht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1953: Die Landschaft um den Tempel ist gestaltet&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1949 begann der Innenausbau, bei dem ebenfalls dem dauerhaften Gußzement &lt;br /&gt;
vor Stukkatur der Vorzug gegeben wurde. Wie bei den Außenarbeiten, wurden &lt;br /&gt;
die etwa 1000 Einzelteile der durchbrochenen Ornamentik, die sich im &lt;br /&gt;
unteren Teil des Domes von pastellfarbenem Hintergrund abhebt und in &lt;br /&gt;
der Kuppel vom Sonnenlicht durchflutet wird, in&lt;br /&gt;
der Werkstatt gegossen, an Ort und Stelle verbracht und eingesetzt.&lt;br /&gt;
Die Teilnehmer der Nationaltagung von 1951 traten in den fertigen Tempelbau &lt;br /&gt;
ein. Hell erklang der Chorgesang zum Preise Dessen, Dem dieses Haus geweiht war.&lt;br /&gt;
{{page|71|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Ornamentik des Tempels kommt hier augenfällig zur Geltung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1953 hatte auch die Landschaft um den Tempel ihre erste Gestaltung &lt;br /&gt;
erfahren. Blumenbeete, Bäume und Strauchwerk säumen die neun&lt;br /&gt;
Wege, die zu seinen Toren führen. Ein Querpfad, der sich im Kreis um&lt;br /&gt;
den Zentralbau zieht, gewährt immer neue Ausblicke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes der Nebengebäude ist inzwischen ein kleines Altersheim&lt;br /&gt;
entstanden, in dem verdiente Bahá’í-Pioniere eine Heimstatt für ihren&lt;br /&gt;
Lebensabend finden. Weitere Bauten sollen folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der stumme Lehrer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht ist heute eine der Sehenswürdigkeiten des&lt;br /&gt;
amerikanischen Mittelwestens. Rund 200 000 Menschen aus aller Herren&lt;br /&gt;
Ländern, Angehörige der verschiedensten Rassen und Religionen, haben&lt;br /&gt;
es im Jahr 1959 besucht. Allein im Juli letzten Jahres waren es 17 000&lt;br /&gt;
Besucher, darunter der amerikanische Landwirtschaftsminister mit Familie &lt;br /&gt;
und zahlreiche andere hochgestellte Persönlichkeiten des In- und Auslandes. &lt;br /&gt;
An sonnigen Wochenenden steigt die Gästezahl bis auf 2000 täglich &lt;br /&gt;
neben denen, die an der sonntäglichen Andachtsstunde teilnehmen.&lt;br /&gt;
In diesen Andachten werden, getreu den Vorschriften Bahá’u’lláhs und&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás, nur geoffenbarte Gebete und heilige Texte rezitiert. Für&lt;br /&gt;
Vorträge und andere Veranstaltungen steht die große Versammlungshalle&lt;br /&gt;
im Untergeschoß des Tempels zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon heute, ehe der heilige Bezirk durch den Bau seiner kulturellen&lt;br /&gt;
und sozialen Institutionen abgerundet ist, erfüllt der „Muttertempel des&lt;br /&gt;
Westens“ seine Aufgabe, ein geistiger Sammelpunkt derer zu sein, denen&lt;br /&gt;
die Sehnsucht nach der Vollkommenheit des neuen Zeitalters ins Herz&lt;br /&gt;
geschrieben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Peter Mühlschlegel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; Allen Boyer Mc Daniel, „The Spell of the Temple“, by Vantage Press, &lt;br /&gt;
Inc., New York 1953; vgl. auch Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Oxford/Frankfurt &lt;br /&gt;
1954, S. 297 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|72|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religion und Völkerrecht===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’í-Vertreter sprach beim zehnten Grotius-Tag in München&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rathaus in München fand am 28. August 1960 der zehnte Grotius-Tag&lt;br /&gt;
statt. Gastgeber war die Internationale Grotius-Stiftung e. V., die sich &lt;br /&gt;
vornehmlich um die Verbreitung des Völkerrechts bemüht. Hugo Grotius, der&lt;br /&gt;
von 1583 bis 1645 in den Niederlanden lebte, gilt als der Begründer des &lt;br /&gt;
modernen Staats- und Völkerrechts. Er war einer der bedeutendsten Juristen&lt;br /&gt;
und Theologen seiner Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Münchner Tagung erhielten vier Persönlichkeiten, die&lt;br /&gt;
sich in den letzten Jahren um die Verwirklichung des Gedankens des&lt;br /&gt;
Völkerrechts besonders verdient gemacht hatten, die Grotius-Medaille&lt;br /&gt;
verliehen: Professor Dr. Giorgio del {{Sperrsatz|Vecchio}}, Rom; Professor &lt;br /&gt;
Dr. Lucio M. {{Sperrsatz|Moreno}} Quintana, Richter am Internationalen &lt;br /&gt;
Schiedsgerichtshof in Den Haag; Professor Dr. Gustavo {{Sperrsatz|Cordeiro}} Ramos, &lt;br /&gt;
Lissabon; Professor Dr. h. c. Wilhelm {{Sperrsatz|Röpke}}, Genf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tagung in München befaßte sich mit dem Thema: „Religion und&lt;br /&gt;
Völkerrecht“. Es wurde von zwölf Rednern behandelt. So wies z. B. der&lt;br /&gt;
Heidelberger Völkerrechtler Professor Dr. Dr. Fr. W. v. {{Sperrsatz|Rauchhaupt}}&lt;br /&gt;
den religiösen Ursprung des Rechts in den Hochreligionen nach; der&lt;br /&gt;
Innsbrucker Senator Dr. Karl {{Sperrsatz|Baer}} führte aus, wie die buddhistische&lt;br /&gt;
Religion sich ständig um die Verwirklichung des Völkerrechts bemühe,&lt;br /&gt;
und Professor Dr. Dr. Hans {{Sperrsatz|Aufhauser}}, München, gab einen &lt;br /&gt;
geschichtlichen Abriß über die Verdienste der Religionen um die Erziehung&lt;br /&gt;
der Menschheit. Er erwähnte dabei auch die „jüngste aller Weltreligionen,&lt;br /&gt;
die Bahá’í-Religion“, die von „ihrem geistigen Mittelpunkt Haifa aus&lt;br /&gt;
glühende Friedensliebe verkünde“. Auch der Vorsitzende der Tagung,&lt;br /&gt;
der Generalsekretär der Grotius-Stiftung, Dr. Dr. Dr. Hans {{Sperrsatz|Keller}}, &lt;br /&gt;
kam in seinen Ausführungen auf den Bahá’í-Glauben als der „jüngsten Religion“ &lt;br /&gt;
zu sprechen. In dieser Religion sei die Forderung nach einem weltumspannenden &lt;br /&gt;
Völkerrecht bereits in den Heiligen Schriften ausdrücklich verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals bei einer derartigen Veranstaltung nahm auch ein Vertreter&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion das Wort. Huschmand {{Sperrsatz|Sabet}} sprach über die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion und das Völkerrecht. Seinen Vortrag, der bei den Delegierten &lt;br /&gt;
in München starkes Echo fand, veröffentlichen wir nachfolgend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Einheit Gottes als Grundlage modernen Völkerrechts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen der Offenbarung von Bahá’u’lláh heute zeitlich noch zu&lt;br /&gt;
nahe, um die Fragen des Völkerrechts im Lichte Seiner Sendung ganz&lt;br /&gt;
zu überblicken. Es ist bis jetzt nicht möglich gewesen, alle Seine Schriften &lt;br /&gt;
{{page|73|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
unter diesem Gesichtspunkt auszuwerten — einmal, weil es zunächst&lt;br /&gt;
galt, die Bahá’í-Religion zu verbreiten und die Gläubigen innerlich zu&lt;br /&gt;
festigen, und zum andern, weil außer den rund 100 Büchern von&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh einige tausend Briefe von Ihm vorhanden sind, die im &lt;br /&gt;
Zusammenhang mit den hier in Betracht kommenden Fragen durchgesehen&lt;br /&gt;
werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Existenz und die Einheit Gottes sind die Grundlage des Völkerrechts &lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion. Dabei ist die Einheit Gottes für die Bahá’í &lt;br /&gt;
gleichbedeutend mit der Einheit der Gottgesandten, der Propheten. Sie&lt;br /&gt;
alle haben {{Sperrsatz|einen}} Ursprung und wirken im Rahmen {{Sperrsatz|eines}} &lt;br /&gt;
göttlichen Planes für die Erziehung und Erlösung der Völker. Dies begründet die&lt;br /&gt;
grundsätzliche {{Sperrsatz|geistige Einheit}} der Völker Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
muß sich heute in der geistigen und administrativen Einheit der Menschheit &lt;br /&gt;
spiegeln. In diesem Sinne spricht Bahá’u’lláh stets von der&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Menschheit}}, nicht von {{Sperrsatz|Nationen}}. &lt;br /&gt;
„Es rühme sich kein Mensch dessen, daß er sein Land liebt, sondern &lt;br /&gt;
eher dessen, daß er die ganze Menschheit liebt“ ... „Durch die Kraft, &lt;br /&gt;
die durch diese erhabenen Worte frei wurde, hat Er den Vögeln der &lt;br /&gt;
Menschenherzen frischen Schwung und neue Richtung verliehen und &lt;br /&gt;
jede Spur von Beschränkung und Begrenzung aus Gottes Heiligem Buche getilgt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Punkte sind für unsere Betrachtungen von Wichtigkeit: 1. Nach&lt;br /&gt;
Auffassung der Bahá’í ist die Hauptaufgabe der prophetischen Offenbarung &lt;br /&gt;
die geistige Gesetzgebung. 2. Völkerrecht und Weltfrieden müssen auf Prinzipien &lt;br /&gt;
beruhen, in denen alle Gemeinschaften und Religionen&lt;br /&gt;
ihre höchsten Wünsche erfüllt finden. In diesem Sinne schafft Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
die denkbar breiteste Grundlage. Wesentlich sind Seine Gebote für die&lt;br /&gt;
Veredelung der Menschen, so, wie wir sie schon aus der Bergpredigt&lt;br /&gt;
Jesu Christi kennen. Bahá’u’lláh vergleicht einmal den Menschen mit&lt;br /&gt;
einem Bergwerk, aus dem der göttliche Offenbarer kraft Seines schöpferischen &lt;br /&gt;
Wortes die edelsten Diamanten und Edelsteine hervorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus muß bei der Verwirklichung des Weltfriedens nicht&lt;br /&gt;
nur die räumliche Einheit, sondern auch die Einheit der Zeiten berücksichtigt &lt;br /&gt;
werden. Die sogenannten „zivilisierten Völker“ sollen mit „Völkern unter &lt;br /&gt;
Feudalherrschaft“, mit den „Naturvölkern“, unter dem {{Sperrsatz|einen}} Zelt der &lt;br /&gt;
Einheit versammelt werden — das bedeutet ein Zusammenleben von Menschen der &lt;br /&gt;
verschiedensten Entwicklungsstufen. So mögen manche Gebote von Bahá’u’lláh, &lt;br /&gt;
wie z. B. das tägliche Gebet, gewisse jährliche Feiern oder ein neuer Kalender &lt;br /&gt;
für westliche Begriffe seltsam anmuten; sie tragen aber zur Lösung des zentralen Problems&lt;br /&gt;
bei: ein {{Sperrsatz|gemeinsames Weltgewissen}} zu schaffen, nicht nur ein&lt;br /&gt;
Gewissen für die weiße Rasse, die „zivilisierten Völker“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In bezug auf die geistige Gesetzgebung durch die Propheten sagt&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh: „Wisse wahrlich, daß das Wesen der Gerechtigkeit, wie&lt;br /&gt;
auch ihre Quelle, in den Gesetzen verkörpert ist, die von Ihm verordnet&lt;br /&gt;
wurden, Der die Offenbarung von Gott Selbst unter den Menschen ist...&lt;br /&gt;
Er verkörpert, wahrlich, für die ganze Schöpfung die höchste, die &lt;br /&gt;
unfehlbare Stufe der Gerechtigkeit. Würde Sein Gesetz so sein, daß es die&lt;br /&gt;
Herzen aller, die im Himmel und auf Erden sind, mit Schrecken erfüllte, &lt;br /&gt;
{{page|74|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
so wäre dieses Gesetz dennoch nichts anderes als die offenbare Gerechtigkeit. &lt;br /&gt;
Die Furcht und Erschütterung, welche die Offenbarung dieses Gesetzes in den &lt;br /&gt;
Herzen der Menschen hervorruft, sollte tatsächlich mit dem&lt;br /&gt;
Schreien des Säuglings verglichen werden, der von seiner Mutter Milch&lt;br /&gt;
entwöhnt wird... Würden die Menschen die treibende Absicht von&lt;br /&gt;
Gottes Offenbarung entdecken, würden sie sicherlich ihre Furcht beiseite&lt;br /&gt;
legen und mit dankerfülltem Herzen in außerordentlicher Freude frohlocken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Auffassung der Bahá’í vom Völkerrecht sind neben den göttlichen &lt;br /&gt;
Gesetzen Bahá’u’lláhs Dessen geistige und weltliche Prinzipien&lt;br /&gt;
richtungweisend. Der einzelne wird aufgefordert, selbständig nach Wahrheit &lt;br /&gt;
zu suchen, mit eigenen Augen zu sehen, mit eigenen Ohren zu&lt;br /&gt;
hören. Vorurteile jeglicher Art (seien sie religiöser, nationaler, rassischer&lt;br /&gt;
oder politischer Natur) müssen abgelegt werden, bestmögliche sittliche&lt;br /&gt;
und geistige Erziehung für beide Geschlechter wird gefordert. Die &lt;br /&gt;
Gleichberechtigung von Mann und Frau betont Bahá’u’lláh ausdrücklich, und&lt;br /&gt;
Er hebt die besondere Aufgabe der Frau bei der Verwirklichung eines&lt;br /&gt;
dauerhaften Friedens hervor. Das „Hand-in-Hand-Gehen“ von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft wird damit begründet, daß es nur {{Sperrsatz|eine}} Wahrheit&lt;br /&gt;
gibt. Weltsprache und -schrift werden von Bahá’u’lláh gefordert; sie&lt;br /&gt;
sollen in allen Ländern neben der Muttersprache gelehrt werden. Die&lt;br /&gt;
soziale Frage kann nur gelöst werden, wenn Reichtum als &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|soziale Verpflichtung}} verstanden wird und sich daraus eine &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|freiwillige Begrenzung}} des Reichtums und damit zwangsläufig auch &lt;br /&gt;
eine Linderung der Armut ergibt. Vom Völkerrecht in einer Welt zu sprechen, &lt;br /&gt;
in der mehr als die Hälfte ihrer Bewohner buchstäblich hungert,&lt;br /&gt;
heißt eine große Verantwortung tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Prinzipien von Bahá’u’lláh ist verankert, daß alle Religionen&lt;br /&gt;
eine {{Sperrsatz|gemeinsame Grundlage}} haben. Das Ziel ist ein dauerhafter,&lt;br /&gt;
universaler Friede. Die Bahá’í sehen dies als gottgewollt an und &lt;br /&gt;
betrachten es als Bestandteil der Bahá’í-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicher nennt die moderne westliche Kultur viele dieser Prinzipien ihr&lt;br /&gt;
eigen. Aber die neueste traurige Geschichte Europas läßt uns die Frage&lt;br /&gt;
stellen: „Kann der Weltfriede nur nach wissenschaftlichen, weltlichen&lt;br /&gt;
Maßstäben, ohne {{Sperrsatz|religiösen Impuls}} und Enthusiasmus, &lt;br /&gt;
verwirklicht werden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 90 Jahren hat Bahá’u’lláh, auf Seinen Gesetzen und Prinzipien&lt;br /&gt;
aufbauend, eine {{Sperrsatz|neue Weltordnung}} begründet. „Das Gleichgewicht&lt;br /&gt;
der Welt“, so erklärt Er, „ist durch den schwingenden Einfluß dieser&lt;br /&gt;
größten, dieser neuen Weltordnung ins Wanken geraten. Das geordnete&lt;br /&gt;
Leben der Menschheit ist durch die Wirkung dieses einzigartigen, dieses&lt;br /&gt;
wunderbaren Systems, dessengleichen sterbliche Augen nie bezeugt haben, &lt;br /&gt;
umgewälzt worden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Weltordnungsplan sieht u. a. örtliche und nationale „Häuser&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit“ vor, welche für die jeweiligen Angelegenheiten &lt;br /&gt;
zuständig sind. Gekrönt werden diese Institutionen durch das „Universale&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit“, welches die gesetzgeberischen Belange der ganzen &lt;br /&gt;
{{page|75|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
Menschheit regelt und die letzte Berufungsinstanz darstellt. Die&lt;br /&gt;
Wahlen, die der Bildung dieser Gremien vorangehen, sind demokratisch;&lt;br /&gt;
aber Wähler und Gewählte werden als Instrumente Gottes betrachtet,&lt;br /&gt;
d. h., die Gewählten sind, anders als bei den bekannten demokratischen&lt;br /&gt;
Wahlsystemen, den Wählern gegenüber {{Sperrsatz|nicht}} verantwortlich. Ihre&lt;br /&gt;
Autorität während des einen Jahres ihres Amtes wird als von Gott&lt;br /&gt;
kommend angesehen. Ihr Wirken ist ehrenamtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Institution, die Bahá’u’lláh in Seiner Weltordnung vorgesehen &lt;br /&gt;
hat, ist der Weltschiedsgerichtshof. Er hat die Aufgabe, eventuelle&lt;br /&gt;
Differenzen innerhalb des Weltgemeinwesens zu schlichten. „Die Zeit&lt;br /&gt;
muß kommen,“ erklärt Bahá’u’lláh, „da die gebieterische Notwendigkeit&lt;br /&gt;
zur Abhaltung einer ausgedehnten, einer allumfassenden Versammlung&lt;br /&gt;
der Menschen universal erkannt werden wird... . Sollte ein Land die&lt;br /&gt;
Waffen gegen ein anderes ergreifen, so müßten sich alle vereint erheben&lt;br /&gt;
und es daran hindern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich kann die Einheit der Menschheit nur stufenweise verwirklicht &lt;br /&gt;
werden. Zuerst wird der sogenannte „Geringere Friede“ erreicht&lt;br /&gt;
werden, der auf internationalen Verträgen beruht, den Krieg ächtet und&lt;br /&gt;
als Mittel zum Austragen von Streitigkeiten abschafft. Im Laufe der&lt;br /&gt;
Jahre, wenn die Völker die Segnungen des Friedens verspüren, wird aus&lt;br /&gt;
dem „Geringeren Frieden“ der „Größte Friede“, der religiös wahre&lt;br /&gt;
Friede, erwachsen, der im Friedenswunsch der Völker und in der Demut&lt;br /&gt;
vor Gottes Gebot begründet sein wird. (Vgl. „Bahá’í-Briefe“ Nr. 2, &lt;br /&gt;
Oktober 1960: „Was ist neu in der Bahá’í-Religion?“.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Sohn Bahá’u’lláhs und Mittelpunkt Seines Bündnisses,&lt;br /&gt;
vergleicht die Stufen auf dem Weg zur Einheit mit Strahlen, die von&lt;br /&gt;
der Sonne der Offenbarung ausgehen: „Der erste Strahl ist die Einheit&lt;br /&gt;
im politischen Bereich, dessen erstes Schimmern bereits wahrgenommen&lt;br /&gt;
werden kann. Der zweite Strahl ist die Einheit der Denkart in Weltfragen. &lt;br /&gt;
Der dritte Strahl ist die Einheit in der Freiheit, die gewiß&lt;br /&gt;
kommen wird. Der vierte Strahl ist die Einheit in der Religion, die durch&lt;br /&gt;
Gottes Allmacht in aller Herrlichkeit offenbar werden wird. Der fünfte&lt;br /&gt;
Strahl ist die Einheit der Völker. Der sechste Strahl ist die Einheit der&lt;br /&gt;
Rassen. Der siebte Strahl ist die Einheit der Sprache. Dieses alles wird&lt;br /&gt;
unvermeidlich geschehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Gebote Bahá’u’lláhs sowie Seine Prinzipien betrachten&lt;br /&gt;
und die Weltordnung studieren, die Seinen Namen trägt, sollten wir uns&lt;br /&gt;
klar werden, daß diese nicht die Ergebnisse theoretischer Erwägungen&lt;br /&gt;
sind, sondern das Werk einer Persönlichkeit darstellen, die keine Schule&lt;br /&gt;
besuchte und nicht weniger als 40 Jahre ihres kostbaren Lebens im &lt;br /&gt;
Gefängnis und in der Verbannung verbringen mußte. Er hat den Anspruch&lt;br /&gt;
erhoben, die Offenbarung Gottes für dieses Zeitalter zu sein, und über&lt;br /&gt;
20.000 Märtyrer haben auf Seinem Pfad ihr Leben geopfert. In 250 Ländern &lt;br /&gt;
versuchen heute die Bahá’í, die Weltordnung Bahá’u’lláhs zu verwirklichen. &lt;br /&gt;
Über 2000 örtliche „Häuser der Gerechtigkeit“, „Geistige Räte“ genannt, &lt;br /&gt;
regeln bereits die Angelegenheiten der Gläubigen. Im Jahr 1963 werden &lt;br /&gt;
die Bahá’í das „Universale Haus der Gerechtigkeit“ gründen.&lt;br /&gt;
{{page|76|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende dieser Betrachtungen mögen Worte von Bahá’u’lláh stehen:&lt;br /&gt;
„Er, Der euer Herr ist, Der Allerbarmer, hegt in Seinem Herzen den&lt;br /&gt;
Wunsch, die ganze menschliche Rasse als {{Sperrsatz|eine}} Seele und &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einen}} Körper zu sehen. Eilet, euren Anteil an Gottes Huld &lt;br /&gt;
und Barmherzigkeit an diesem Tage zu gewinnen, der alle anderen &lt;br /&gt;
erschaffenen Tage in den Schatten stellt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Huschmand Sabet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Ich habe euch noch viel zu sagen ...“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Lehre Christi im Lichte der Bahá’í-Religion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir Bahá’í sagen, daß die Offenbarer Gottes wie die Glieder&lt;br /&gt;
einer Kette aufeinanderfolgen und jeder von ihnen etwas Neues für&lt;br /&gt;
die Bedürfnisse der Menschheit bringt, hören wir oft den Einwand: &lt;br /&gt;
„Es ist ja möglich, daß Bahá’u’lláh die religiösen Lehren Muhammads &lt;br /&gt;
vertieft hat, aber was kann es Tieferes geben als Christi Gebot: „Liebe&lt;br /&gt;
deinen Nächsten wie dich selbst“?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesen Einwand zu beantworten, sollten wir {{Sperrsatz|drei Punkte}} erörtern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1.&#039;&#039;&#039; Was hat Jesus eigentlich gesagt? Was ist das Wesen der Lehre Christi?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2.&#039;&#039;&#039; Was hat diese Lehre nach dem Tode Christi praktisch, „kulturhistorisch“ &lt;br /&gt;
in der Welt zu Wege gebracht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3.&#039;&#039;&#039; Wie ist die heutige Lage des Christentums als Religion und&lt;br /&gt;
Kulturträger, und auf welche Weise könnte man sie verbessern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesen Problemen auf den Grund zu gehen, müßten wir Bände&lt;br /&gt;
schreiben. Es sei hier nur versucht, knapp und übersichtlich &lt;br /&gt;
den Bahá’í-Standpunkt zu diesen Fragen darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu &#039;&#039;&#039;1:&#039;&#039;&#039; Die Bahá’í sind der Ansicht, daß die Evangelientexte, die wir&lt;br /&gt;
heute besitzen, nicht buchstäblich die Worte Jesu wiedergeben. Die&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|sicheren}} Ergebnisse der modernen neutestamentlichen Kritik werden&lt;br /&gt;
von den Bahá’í — die auch in diesem Sinn ihrer Lehre von der Harmonie&lt;br /&gt;
zwischen Wissenschaft und Religion treu sind — angenommen. Bekanntlich &lt;br /&gt;
gibt es aber in der modernen geschichtlichen Kritik viele Lehrmeinungen &lt;br /&gt;
über das Wesen des Christentums. Zusammenfassend und von&lt;br /&gt;
der — meiner Meinung nach unhaltbaren — Lehre der sogenannten&lt;br /&gt;
mythologischen Schule abgesehen, könnten wir die folgenden beiden&lt;br /&gt;
Schulen erwähnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;a)&#039;&#039;&#039; Die {{Sperrsatz|Liberalen}}, die, Harnack folgend, sagen, daß das Wesen&lt;br /&gt;
des Christentums die zwei Punkte seien: {{Sperrsatz|Gott als Vater}} und eine&lt;br /&gt;
neue Ethik, {{Sperrsatz|die Ethik der Liebe}}, die die Absicht mehr als das&lt;br /&gt;
Gesetz betont und sich in dem berühmten Gebot: „Liebe deinen Nächsten&lt;br /&gt;
wie dich selbst,“ ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;b)&#039;&#039;&#039; die {{Sperrsatz|eschatologische Schule}}, zu der auch Dr. Albert&lt;br /&gt;
Schweitzer gehört, die das Wesen der Lehre Christi in einer zukunftweisenden, &lt;br /&gt;
asketisch-weltverneinenden Ethik sieht, in der {{Sperrsatz|Vorbereitung}} eines &lt;br /&gt;
künftigen Reiches Gottes auf Erden.&lt;br /&gt;
{{page|77|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wesen des Christentums&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls könnten wir mit einer gewissen Sicherheit das Wesen des&lt;br /&gt;
Christentums wie folgt zusammenfassen: eine neue, reinere, persönlichere&lt;br /&gt;
Ethik, die sich von den Ketten der Abhängigkeit, von den äußerlichen&lt;br /&gt;
Riten und den kanonischen Gesetzen des Judentums losmacht, zusammen mit &lt;br /&gt;
einem starken asketisch-eschatologischen Element: &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Reinigt euch, verlasset alles, denn das Reich Gottes ist nah}}.&lt;br /&gt;
Die spätere Theologie wird dieses individualistische Element der Ethik&lt;br /&gt;
Christi noch mehr betonen: Wer glaubt: „Christus ist mein persönlicher&lt;br /&gt;
Erlöser“, wird {{Sperrsatz|seine Seele}} retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu &#039;&#039;&#039;2:&#039;&#039;&#039; Die Bahá’í glauben, daß alle Offenbarer wirkliche &lt;br /&gt;
Manifestationen Gottes, alle von Gott gesandt, sind. Gott kann es also unmöglich&lt;br /&gt;
zulassen, daß Seine Religion vor der Ankunft des neuen Propheten (in&lt;br /&gt;
diesem Fall Muhammad) keine in sich vollkommene religiöse Kultur bewirkt. &lt;br /&gt;
So haben wir als Bahá’í ein anderes Mittel zur Verfügung, um&lt;br /&gt;
zu verstehen, was das Wesen des Christentums tatsächlich {{Sperrsatz|gewesen ist}}. &lt;br /&gt;
Nach den Bahá’í-Lehren hat das Christentum als einzig wahre&lt;br /&gt;
und autorisierte Gottesoffenbarung und gottgewollte Zivilisation mehr&lt;br /&gt;
oder weniger sieben Jahrhunderte gedauert, d. h. bis auf Muhammad,&lt;br /&gt;
dessen erste prophetische Erfahrung ungefähr im Jahre 610 n. Chr.&lt;br /&gt;
stattfand. Aber Bahá’u’lláh hat auch gesagt, daß die verschiedenen &lt;br /&gt;
religiösen Zyklen in sich einen Frühling, einen Sommer und einen Herbst&lt;br /&gt;
aufweisen: Die Jahre vor dem Kommen Muhammads waren schon die&lt;br /&gt;
Herbst- und Winterjahre des Christentums, seine Verfallsjahre. Also&lt;br /&gt;
können wir vom Bahá’í-Gesichtspunkt her sagen, daß das Christentum &lt;br /&gt;
seine religiös-kulturhistorische Mission in seinen ersten vier &lt;br /&gt;
Jahrhunderten erfüllt hat. Aber gerade im vierten Jahrhundert, bald nach dem&lt;br /&gt;
historischen Befreiungsedikt Konstantins (Mailänder Edikt, 313), haben&lt;br /&gt;
die christlichen Theologen angefangen, die Dogmen vom göttlichen Wesen&lt;br /&gt;
Christi, Marias als der Mutter Gottes usw. zu definieren, die von&lt;br /&gt;
Muhammad als dem folgenden Offenbarer kategorisch abgelehnt wurden. &lt;br /&gt;
So müssen wir zu der Schlußfolgerung kommen, daß &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|das wahre Christentum}} das Christentum der ersten drei &lt;br /&gt;
Jahrhunderte, das&lt;br /&gt;
Christentum der Verfolgungen und der Märtyrer war. In diesem &lt;br /&gt;
zyklisch-geschichtlichen Sinn ist das Wesen des Christentums eine &lt;br /&gt;
heroisch-asketische, weltverneinende Reinigung der individuellen Herzen &lt;br /&gt;
durch Blut und Feuer, eine ethisch vollkommene Vorbereitung einer neuen,&lt;br /&gt;
von Christus {{Sperrsatz|nur angekündigten}} Weltkultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ich sage euch die Wahrheit: Es ist besser für euch, wenn Ich von euch gehe, denn wenn Ich nicht von euch gehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen. Wenn Ich aber hinweggehe, so will Ich Ihn zu euch senden. ....&lt;br /&gt;
:Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber Jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, so wird Er euch in die ganze Wahrheit leiten.... Er wird Mich verherrlichen, denn Er wird von dem Meinigen nehmen und es euch zeigen. Alles, was der Vater besitzt, ist Mein — darum sage Ich, daß Er von dem Meinigen nehmen und es euch zeigen wird.&lt;br /&gt;
{{page|78|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
:Nun aber habe Ich es euch gesagt, ehe es geschehen ist — damit ihr glaubt, wenn es geschieht!“ (Ev. Joh. 16: 7,12—15; 14: 29).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehungen zwischen zwei aufeinander folgenden Offenbarungszyklen &lt;br /&gt;
könnten nicht klarer dargestellt werden. Nur eine weitverbreitete&lt;br /&gt;
kirchliche Überlieferung, für die „der Tröster“ ein unpersönlicher Heiliger&lt;br /&gt;
Geist sein sollte, hat es verhindert, daß der zukunftweisende Charakter&lt;br /&gt;
des christlichen Kulturzyklus erkannt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für diesen Charakterzug des Christentums mag die&lt;br /&gt;
Stellung Christi zu den Fragen der {{Sperrsatz|Ehe}} und des &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Reichtums}} dienen: Obwohl einige liberale Protestanten &lt;br /&gt;
es abzustreiten: versuchten, steht&lt;br /&gt;
zweifelsfrei fest, daß die alten Christen stark dazu neigten, das Zölibat&lt;br /&gt;
im Gegensatz zum Ehestand als einen Zustand moralischer Reinheit&lt;br /&gt;
zu betrachten. Einige Erklärungen Christi (z. B. Matth. XIX, 10 ff.), die&lt;br /&gt;
ausdrücklichen Empfehlungen des Paulus (1. Kor. 7) und vieles in der&lt;br /&gt;
ersten Geschichte des Christentums zeigen uns, daß das Mönchtum keine&lt;br /&gt;
späte Erfindung der Priester, sondern eine gut fundierte christliche&lt;br /&gt;
Praxis war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was den Reichtum betrifft, gibt es mehr als eine Episode in den&lt;br /&gt;
Evangelien, die uns deutlich beweist, daß die Stellung des frühen &lt;br /&gt;
Christentums zu Geld und Wohlstand durchaus negativ war. Nirgends ist&lt;br /&gt;
in den Evangelien von einer {{Sperrsatz|besseren Verteilung}} des Wohlstands&lt;br /&gt;
die Rede — man: nimmt sogar an, daß es immer Armut geben werde —, sondern &lt;br /&gt;
nur von einem asketischen Auf-das-Geld-Verzichten, einem&lt;br /&gt;
Alles-den-Armen-Geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das höchste Gebot...&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í sind durch die Lehre von der Relativität aller religiösen&lt;br /&gt;
Wahrheit imstande, diese geschichtlichen Tatsachen hinzunehmen, ohne&lt;br /&gt;
„aus dem Konzept zu kommen“. Beide Einstellungen waren für eine&lt;br /&gt;
Übergangszeit der individuellen Läuterung und der geistigen Erwartung&lt;br /&gt;
sehr nützlich; aber für die moderne Welt, die z. B. den Reichtum nicht&lt;br /&gt;
verachten, sondern ihn gerechter, humaner und produktiver verteilen&lt;br /&gt;
will, sind sie unannehmbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zum höchsten Gebot Christi: „Liebe deinen Nächsten wie dich&lt;br /&gt;
selbst“. Geschichtlich sollte dieses Gebot auch als eine &lt;br /&gt;
eschatologisch-reinigende Vorschrift betrachtet werden. Ausschließlich &lt;br /&gt;
mit diesem Gebot kann man ja wohl eine hohe individuelle Moral schaffen, &lt;br /&gt;
aber keine Gemeinschaftsorganisation aufbauen. Wir bleiben im Bereich der &lt;br /&gt;
individuellen Ethik, und Christus ist für uns vor allem der gottgesandte &lt;br /&gt;
Begründer aller möglichen künftigen individual-ethischen Richtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu &#039;&#039;&#039;3:&#039;&#039;&#039; Ist das, und {{Sperrsatz|nur}} das, für die moralischen, religiösen &lt;br /&gt;
und kulturhistorischen Bedürfnisse der modernen Welt genügend? Vergessen wir&lt;br /&gt;
nicht, daß die Probleme unserer Welt keine rein ethischen sind; die&lt;br /&gt;
ethische Frage wurde von Gott durch Christus schon gelöst. Es sind eher&lt;br /&gt;
Probleme einer {{Sperrsatz|moralischen Organisation}}. Es ist eine ungeheuere &lt;br /&gt;
Heuchelei zu sagen, daß die moderne Zivilisation eine christliche Zivilisation &lt;br /&gt;
sei. Die moderne westliche Zivilisation ist nur darin christlich, &lt;br /&gt;
{{page|79|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
daß sie ohne die von Christus in die Welt gebrachte asketische&lt;br /&gt;
Reinigung des Herzens, ohne die vom alten Christentum erreichte Vertiefung der &lt;br /&gt;
ethischen Werte objektiv undenkbar wäre. Aber organisatorisch betrachtet kam &lt;br /&gt;
die moderne Zivilisation nach dem Verfall des Christentums im IV.—VIII. Jahrhundert, &lt;br /&gt;
und nachdem sie die neue weltorganisatorische, aber schon von christlichen ethischen &lt;br /&gt;
Werten durchdrungene islamische Offenbarung abgelehnt hatte, vorwiegend durch&lt;br /&gt;
menschlich-weltliche Geistesströmungen zustande; es ist auch wahr, daß&lt;br /&gt;
diese moderne Kultur ohne den befruchtenden Einfluß der islamischen&lt;br /&gt;
Renaissance des VIII.-X. Jahrhunderts, durch den die griechische Philosophie &lt;br /&gt;
und die experimentelle Wissenschaft der Moslem Europa erreichte,&lt;br /&gt;
nicht hätte zustande kommen können; aber praktisch blieben die Anfänge&lt;br /&gt;
der modernen westlichen Zivilisation {{Sperrsatz|rein menschlich}}, &lt;br /&gt;
ohne den Segen des Wortes Gottes, und was wir jetzt in der Welt sehen, &lt;br /&gt;
ist vielleicht eine Folge davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Welt als ethisches Wirkungsfeld&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Offenbarung, die die islamische Kultur in dem Sinne fortbildet, &lt;br /&gt;
daß der Islam zu religiös-traditionell und zu konservativ wurde&lt;br /&gt;
und dadurch zum Verfall verurteilt war, stellt für unsere moderne &lt;br /&gt;
weltliche Zivilisation eine Richtigstellung in dem Sinne dar, daß wir Europäer&lt;br /&gt;
seit dem VII. Jahrhundert den Islam nicht annahmen und dadurch das&lt;br /&gt;
vorbereitende reinigende Element des Christentums, das seitdem nicht&lt;br /&gt;
mehr zu einem weltkulturorganisatorischen Faktor werden konnte, entweder &lt;br /&gt;
aufgaben oder rein menschlich und falsch deuteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion ergänzt die Lehren Christi in folgender Weise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;a)&#039;&#039;&#039; Sie verlegt das Schwergewicht der religiösen Ethik vom Individuellen &lt;br /&gt;
ins Soziale. Die Christen sagen: „Christus ist mein persönlicher&lt;br /&gt;
Erlöser, und ich kann durch meinen Glauben an Ihn meine Seele retten.“&lt;br /&gt;
Die Bahá’í sagen: „Bahá’u’lláh hat uns die Mittel gegeben, zur Erlösung&lt;br /&gt;
der Welt beizutragen.“ Wenn Bahá’u’lláh sagt: „Gesegnet ist, wer seinen&lt;br /&gt;
Bruder sich selbst vorzieht“ so ist das kein Wortspiel, denn dieses Gebot&lt;br /&gt;
wird in den Bahá’í-Lehren von praktischen „Gesetzen“ für eine bessere&lt;br /&gt;
Weltordnung begleitet, Bahá’u’lláh sagt auch: „Man sagte (im Islam):&lt;br /&gt;
Liebet euer Vaterland! Aber ich sage euch: Liebet eher die ganze Welt“.&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Welt }}wird im Bahá’í-Glauben zum ethischen Wirkungsfeld, anstelle&lt;br /&gt;
bloßer Individualethik. Das konnte Jesus zu seiner Zeit, in der „die Welt“&lt;br /&gt;
nicht mehr als „niedere materielle Interessen“ bedeutete, nicht sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;b)&#039;&#039;&#039; Da die Bahá’í-Lehre die Welt als ethische Wirklichkeit umwertet,&lt;br /&gt;
heiligt sie auch {{Sperrsatz|das Weltliche}}. Ehe, Reichtum, Kunst, Arbeit, &lt;br /&gt;
Staats- und Weltordnung sind positive religiöse Werte im Bahá’í-Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;c)&#039;&#039;&#039; Diese Gewichtsverlagerung drückt sich auch darin aus, daß das &lt;br /&gt;
Organisatorische, das religiöse Gesetz des Zusammenlebens, das von Christus&lt;br /&gt;
als vorläufig unnützlich abgelehnt und von Muhammad wegen der sozialen &lt;br /&gt;
Bedürfnisse einer ziemlich rückständigen Bevölkerung auf einer niedrigen &lt;br /&gt;
kulturellen Ebene gehalten wurde, von Bahá’u’lláh neu belebt wird.&lt;br /&gt;
Aber wir sollten nicht vergessen, daß die religiösen Gesetze Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
{{page|80|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
nicht mehr die talmudische vorchristliche Gesetzgebung sind; die absolute&lt;br /&gt;
Ethik Christi bleibt eine unumstrittene Eroberung des Geistes, sie lebt in&lt;br /&gt;
ihnen weiter. Anders ausgedrückt: Bahá’u’lláh hat uns die praktischen&lt;br /&gt;
Mittel gegeben, in dieser modernen Zeit die religiöse Ethik zum Kern&lt;br /&gt;
und zum Samenkorn einer Weltordnung zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte diese kurzen Ausführungen nicht besser schließen als mit&lt;br /&gt;
folgenden Worten Shoghi Effendis, die zeigen, wie eng die geistigen und&lt;br /&gt;
weltorganisatorischen Fragen in den Augen der Bahá’í verknüpft sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Lebenskraft, welche die organischen Einrichtungen dieser großen,&lt;br /&gt;
sich ständig ausbreitenden Ordnung in so hohem Maße zeigen, die Hindernisse, &lt;br /&gt;
die bereits durch den hohen Mut und die kühne Entschlossenheit&lt;br /&gt;
ihrer Sachwalter überwunden worden sind, das Feuer einer mit unverminderter &lt;br /&gt;
Glut in den Herzen ihrer reisenden Lehrer glühenden unauslöschbaren Begeisterung, &lt;br /&gt;
die Höhe der Selbstaufopferung, die ihre Vorkämpfer erreichen, die &lt;br /&gt;
Weite des Blicks, die zuversichtliche Hoffnung, die schöpferische Freude, &lt;br /&gt;
der innere Friede, die unbestechliche Lauterkeit, die vorbildliche &lt;br /&gt;
Selbstzucht, die unauflösbare Einigkeit und Einmütigkeit, die ihre mutigen &lt;br /&gt;
Verfechter an den Tag legen, der Grad, in dem ihr beweglicher Geist sich &lt;br /&gt;
fähig erwiesen hat, die mannigfachen Elemente ihres Bereiches &lt;br /&gt;
anzugleichen, sie von jeglicher Art von Vorurteilen zu reinigen&lt;br /&gt;
und in ihre eigene Gliederung einzufügen, dies sind Beweise einer Kraft,&lt;br /&gt;
die zu übergehen eine enttäuschte und überaus erschütterte Gesellschaft &lt;br /&gt;
sich schwerlich leisten kann.“ (Die Sendung von Bahá’u’lláh, S.71 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Professor A. Bausani, Rom.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Georg-Deuschle-Straße 86, Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 16/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = April 1964&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 15/Text|Heft 15]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 17/Text|Heft 17]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{page|380|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=1}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Quelle der Wirklichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus und die Kette der Offenbarungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Bahá’í-Geschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sendung von Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRIL 1964 HEFT 16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20 155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
�{{page|381|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die ist der Tag, an dem Gottes erhabenste Segnungen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;den Menschen zugeströmt sind, der Tag, an dem aich&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seine größte Gnade über alles Erschaffene ergossen hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allen Völkern der Welt obliegt es, ihre Gegensätze&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;auszugleichen und in vollkommener Einigkeit und in&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Frieden unter dem Schatten des Baumes Seiner Hut und&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Güte zu verweilen. Es geziemt ihnen, sich an das zu&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;halten, was an diesem Tag der Erhöhung ihrer Stufe&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und der Förderung ihres eigenen Besten dienen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Glücklich die, zu deren Gedächtnis die allherrliche Feder&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;sich bewegt hat, und gesegnet, wessen Namen Wir nach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unserem unerforschlichen Ratschluß zu verschweigen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;beliebten. Bitte den einen wahren Gott, daß Er allen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Menschen gnädig beistehe, damit sie das erfüllen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;was Unsere Augen billigen können. Bald wird die heutige&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ordnung aufgerollt und eine neue an ihrer Statt entfaltet &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;werden. Wahrlich, Dein Herr spricht die Wahrheit,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und Er weiß um das Ungeschaute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;(Ährenlese IV)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|382|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Quelle der Wirklichkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Sonnensystem ist der Ausgangspunkt allen Lichtes die&lt;br /&gt;
Sonne selbst. Durch den Willen Gottes ist diese zentrale Lichtquelle der&lt;br /&gt;
eine Ursprung des Daseins und der Entwicklung aller Dinge in der Welt&lt;br /&gt;
der Erscheinung. Wenn wir die Lebewesen der stofflichen Reiche betrachten, &lt;br /&gt;
finden wir, daß ihr Wachsen und Gedeihen von der Wärme und&lt;br /&gt;
dem Licht der Sonne abhängen. Ohne ihren belebenden Impuls könnten&lt;br /&gt;
Bäume und Pflanzen nicht wachsen, noch wären Tier und Mensch lebensfähig; &lt;br /&gt;
in der Tat würde sich keine Form erschaffenen Lebens auf der&lt;br /&gt;
Erde offenbaren. Aber wenn wir tief nachdenken, werden wir gewahr,&lt;br /&gt;
daß Gott der große Spender und Verleiher allen Lebens ist; die Sonne&lt;br /&gt;
ist die Vermittlerin Seines Willens und Seines Planes. Ohne die Wohltat&lt;br /&gt;
der Sonne wäre die Welt in Finsternis gehüllt. Alles Licht unseres &lt;br /&gt;
Planetensystems geht von der Sonne aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im geistigen Reich der Erkenntnis und der Gedankenwelt muß es&lt;br /&gt;
einen Ausgangspunkt allen Lichtes geben, und das ist die immerwährende,&lt;br /&gt;
ewigstrahlende Sonne des Wortes Gottes. Ihr Licht ist das Licht der &lt;br /&gt;
Wirklichkeit, das auf die Menschheit herniederstrahlt; es erleuchtet das Reich&lt;br /&gt;
der Gedanken und der guten Sitten und verleiht dem Menschen die Gaben der &lt;br /&gt;
göttlichen Welt. Dieses Licht führt zur Erziehung der Seelen und&lt;br /&gt;
ist der Ursprung der Erleuchtung der Herzen, weil es in strahlendem&lt;br /&gt;
Glanz die Frohen Botschaften vom Königreich Gottes verbreitet. Kurz&lt;br /&gt;
gesagt, die Welt der guten Sitten und der ethischen Werte und die Welt&lt;br /&gt;
geistiger Erneuerung sind in ihrer fortschreitenden Entwicklung von&lt;br /&gt;
jener himmlischen Lichtquelle abhängig. Sie strahlt das Licht der Religion&lt;br /&gt;
aus und gewährt geistiges Leben, durchdringt die Menschheit mit den&lt;br /&gt;
Urbildern der Tugend und verleiht ewige Herrlichkeit, Diese Sonne der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit, diese Strahlenquelle ist der Prophet oder Offenbarer Gottes.&lt;br /&gt;
Wie die sichtbare Sonne über der stofflichen Welt erstrahlt und Leben&lt;br /&gt;
und Wachstum hervorruft, so erleuchtet die geistige oder prophetische&lt;br /&gt;
Sonne die menschliche Welt der Gedanken und der Einsicht, und wenn&lt;br /&gt;
sie sich nicht am Horizont des menschlichen Seins erhöbe, würde des&lt;br /&gt;
Menschen Reich verfinstert und ausgelöscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne der Wirklichkeit ist nur eine Sonne, aber sie hat verschiedene &lt;br /&gt;
Aufgangsorte, wie auch die sichtbare Sonne nur eine ist, obwohl sie&lt;br /&gt;
an verschiedenen Punkten des Horizontes erscheint. In der Frühlingszeit&lt;br /&gt;
erhebt sie sich weit nördlich der Tagundnachtgleiche, den Sommer über&lt;br /&gt;
in der Mitte und winters am südlichsten Punkt ihres Jahreskreislaufes.&lt;br /&gt;
Diese Aufgangsorte liegen weit auseinander, aber die Sonne ist immer&lt;br /&gt;
dieselbe, die sichtbare wie die geistige Sonne. Die Seelen, die ihren Blick&lt;br /&gt;
auf die Sonne der Wirklichkeit richten, werden ihr Licht aufnehmen,&lt;br /&gt;
einerlei, an welchem Punkte sie aufgeht, aber jene, die wie gefesselt den&lt;br /&gt;
Aufgangsort anbeten, bemerken sie nicht, wenn sie an einer anderen&lt;br /&gt;
Stelle des geistigen Horizontes erscheint.&lt;br /&gt;
�{{page|383|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
Wie der Sonnenkreislauf vier Jahreszeiten kennt, so hat auch der&lt;br /&gt;
Kreislauf der Sonne der Wirklichkeit seine bestimmten aufeinanderfolgenden &lt;br /&gt;
Abschnitte. Beide haben zunächst ihre Frühlingszeit. Wenn die&lt;br /&gt;
Sonne der Wirklichkeit wiederkehrt, um die Menschenwelt neu zu &lt;br /&gt;
beleben, kommen göttliche Gaben vom Himmel der Großmut hernieder. Das&lt;br /&gt;
Reich der Gedanken und Vorbilder kommt in Bewegung und wird mit&lt;br /&gt;
neuem Leben gesegnet. Der menschliche Geist wird fortentwickelt, neue&lt;br /&gt;
Hoffnungen erblühen, die Bestrebungen wenden sich dem Geistigen zu,&lt;br /&gt;
die Tugenden der Menschenwelt treten mit neuer Wachstumskraft hervor,&lt;br /&gt;
und das Gleichnis und Ebenbild Gottes wird im Menschen sichtbar. Es&lt;br /&gt;
ist die Frühlingszeit der inneren Welt. Auf den Frühling folgt der &lt;br /&gt;
Sommer mit seiner Fülle und seinen geistigen Früchten; dann kommt der&lt;br /&gt;
Herbst mit zerstörenden Stürmen, die die Seele erschauern lassen. Die&lt;br /&gt;
Sonne scheint ganz zu verschwinden, bis zuletzt der Mantel des Winters&lt;br /&gt;
alles überdeckt und vom Strahlenglanz der göttlichen Sonne nur noch&lt;br /&gt;
matte Schimmer bleiben. Wie die Erdoberfläche finster und öde wird — die &lt;br /&gt;
Felder liegen schlafend, die Bäume stehen nackt und bloß, und nirgendwo &lt;br /&gt;
bleibt etwas Frisches, Anmutiges, das die trostlose Finsternis&lt;br /&gt;
aufheitern könnte — so bringt es auch der Winter des geistigen Zyklus&lt;br /&gt;
mit sich, daß das göttliche Wachstum abstirbt und verschwindet, das Licht&lt;br /&gt;
Gottes und die Liebe zu Ihm erlischt. Aber wieder beginnt der Kreislauf&lt;br /&gt;
und eine neue Frühlingszeit bricht an. In ihr kehrt der vorangegangene &lt;br /&gt;
Frühling wieder, die Welt erwacht zu neuem Leben, wird erleuchtet und&lt;br /&gt;
vergeistigt; die Religion wird erneuert und umgestaltet, die Herzen &lt;br /&gt;
wenden sich Gott zu, der Ruf Gottes wird gehört, und dem Menschen wird&lt;br /&gt;
neues Leben eingehaucht. Lange Zeit hindurch war die Glaubenswelt &lt;br /&gt;
geschwächt, der Materialismus hatte sich verbreitet, die geistigen &lt;br /&gt;
Lebenskräfte waren im Schwinden, die guten Sitten waren zerfallen, Ruhe &lt;br /&gt;
und Friede aus den Seelen geschwunden, teuflische Eigenschaften beherrschten &lt;br /&gt;
die Herzen, Streit und Haß überschatteten die Menschheit, Gewalt&lt;br /&gt;
und Blutvergießen waren alltäglich geworden. Gott wurde mißachtet, die&lt;br /&gt;
Sonne der Wirklichkeit schien untergegangen zu sein, die Menschheit war&lt;br /&gt;
in der Tat der Gaben des Himmels beraubt, und der Winter war über sie&lt;br /&gt;
hereingebrochen. Aber Gottes Großmut ließ einen neuen Frühling anbrechen, &lt;br /&gt;
Sein Licht erstrahlte, hell leuchtend kehrte die Sonne der Wirklichkeit &lt;br /&gt;
wieder und wurde allen sichtbar; das Reich der Gedanken und das &lt;br /&gt;
Königreich der Herzen frohlockten, neuer Lebensgeist durchflutete&lt;br /&gt;
den Körper der Welt und stetiger Fortschritt zeigte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hoffe, daß die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit die ganze Welt&lt;br /&gt;
erleuchten werden, so daß Streit und Krieg, Schlachten und Blutvergießen&lt;br /&gt;
völlig verschwinden. Mögen Fanatismus und Bigotterie in Vergessenheit&lt;br /&gt;
geraten, möge die ganze Menschheit vom Band der Brüderlichkeit umschlungen &lt;br /&gt;
werden, mögen die Seelen in vollkommener Eintracht zueinander finden, &lt;br /&gt;
mögen endlich die Völker der Erde das Banner der Aufrichtigkeit hissen &lt;br /&gt;
und die Religionen der Welt eintreten in den göttlichen&lt;br /&gt;
Tempel der Einheit; denn die Grundlage der himmlischen Religionen ist &lt;br /&gt;
eine und dieselbe Wahrheit. Die Wirklichkeit ist unteilbar; sie läßt keine&lt;br /&gt;
Vielheit zu. Alle heiligen Offenbarer Gottes haben dieselbe Wirklichkeit&lt;br /&gt;
verkündet und verbreitet. Sie haben die Menschheit zur Wahrheit aufgerufen, &lt;br /&gt;
und es gibt nur eine Wahrheit. Die Wolken und Nebelschwaden&lt;br /&gt;
�{{page|384|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
der Nachahmungen haben die Sonne der Wahrheit verdunkelt. Wir müssen &lt;br /&gt;
diese Nachahmungen aufgeben, diese Wolken, diesen Nebel vertreiben&lt;br /&gt;
und die Sonne vom Dunkel des Aberglaubens befreien. Dann wird die&lt;br /&gt;
Sonne der Wahrheit in voller Herrlichkeit erstrahlen, alle Weltbewohner&lt;br /&gt;
werden vereinigt, die Religionen werden zu einer Religion, die Sekten&lt;br /&gt;
und Bekenntnisse werden sich versöhnen, alle Völkerschaften werden&lt;br /&gt;
eins werden in der Anerkennung des einen Vaters, und alle Schichten der&lt;br /&gt;
Menschheit werden sich im Schutze desselben Tabernakels und unter&lt;br /&gt;
demselben Banner versammeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange die himmlische Zivilisation nicht begründet ist, kann die&lt;br /&gt;
materielle Zivilisation keine Früchte zeitigen, wie ihr ja selbst bemerkt.&lt;br /&gt;
Seht, welche Katastrophen über die Menschheit hereinbrechen! Seht die&lt;br /&gt;
Kriege, die die Welt aufwühlen! Seht die Feindseligkeit und den Haß!&lt;br /&gt;
Solche Kriege und solche Verhältnisse zeigen und beweisen, daß die&lt;br /&gt;
himmlische Zivilisation noch nicht begründet ist. Wenn einmal die &lt;br /&gt;
Zivilisation des Reiches Gottes unter allen Völkern verbreitet ist, &lt;br /&gt;
wird dieser Staub der Zwietracht vergehen, die Wolken werden verschwinden, &lt;br /&gt;
und die Sonne der Wirklichkeit wird in ihrer größten strahlenden Fülle &lt;br /&gt;
und Herrlichkeit über der Menschheit scheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„The Source of Reality“, aus „Foundations of World Unity, compiled from&lt;br /&gt;
Adresses and Tablets of ‘Abdu’l-Bahá“, Wilmette, Ill., 1945, p. 12 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Was Gott verordnet hat als das überlegene Heilmittel und mächtigste Werkzeug für die Heilung der Welt, ist die Vereinigung aller ihrer Völker in einer umfassenden Sache, einem gemeinsamen Glauben. Dies kann auf keine andere Weise erreicht werden als durch die Kraft eines geschickten, eines allmächtigen und inspirierten Arztes. Bei Meinem Leben! Dies ist die Wahrheit, und alles andere ist barer Irrtum. Jedes Mal, wenn dieses mächtigste Werkzeug erschien, wenn dieses Licht erstrahlte an dem altehrwürdigen Aufgangsort, wurde Er von unwissenden Ärzten behindert, die sich wie Wolken zwischen Ihn und die Welt schoben. Die Welt konnte daher nicht genesen, und ihre Krankheit dauerte fort bis auf den heutigen Tag. Unfähig waren sie in der Tat, die Welt zu schützen und eine Heilung zu bewirken, während Er, die Offenbarung der Macht unter den Menschen, durch das, was jene unwissenden Ärzte anrichteten, gehindert wurde, Seine Absicht zu verwirklichen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(an Königin Victoria von England,&lt;br /&gt;
„Epistle to the Son of the Wolf“, p. 63)&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
�{{page|385|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George Townshend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Christus und die Kette der Offenbarungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Majestät Christi, Sein überragender Anspruch und die Beweise&lt;br /&gt;
Seiner Macht im Laufe der Jahrhunderte blendeten die Vorstellungskraft&lt;br /&gt;
der christlichen Öffentlichkeit, und allmählich bildete sich eine &lt;br /&gt;
Auffassung von Seiner Stufe in der Religionsgeschichte, die für die &lt;br /&gt;
längst vergangenen Zeiten der Unwissenheit genügt haben mochte, in der &lt;br /&gt;
Moderne jedoch nicht haltbar ist. Denkende Menschen wissen, daß diese &lt;br /&gt;
Auffassung irrig ist, aber sie haben noch keine Alternative gefunden, &lt;br /&gt;
die der Erhabenheit Christi nicht Abbruch täte und mit Seinem Anspruch &lt;br /&gt;
vereinbar wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz allgemein ausgedrückt, glaubte und glaubt die Gemeinde der&lt;br /&gt;
Christen nicht an einen fortdauernden, weltumspannenden Offenbarungsplan &lt;br /&gt;
Gottes, in welchem Jesus Christus eine Rolle spielt. Das Vorhandensein &lt;br /&gt;
eines solchen göttlichen Planes dürfte in der Vergangenheit abgelehnt &lt;br /&gt;
worden sein; vielleicht wäre schon die Vorstellung als solche für viele &lt;br /&gt;
ohne Wert oder Bedeutung gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch glaubt die christliche Gemeinde nicht, daß die Bibel ein &lt;br /&gt;
fortschreitendes System der Offenbarung lehrt, das mit der Erschaffung &lt;br /&gt;
des Menschen begann und die Menschenrasse ständig voranführt, bis sie &lt;br /&gt;
die geistige Reife erlangen wird. Sie glaubt auch nicht an das allmähliche&lt;br /&gt;
geistige Wachstum der ganzen Menschheit im Verlauf der Geschichtsepochen, &lt;br /&gt;
ein Wachstum, das durch eine Aufeinanderfolge göttlicher Gesandter &lt;br /&gt;
gefördert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweifellos mit dem Gedanken, die Stellung Christi zu erhöhen, und&lt;br /&gt;
sicherlich mit der Auswirkung, daß ihre eigene Meinung erhöht wurde,&lt;br /&gt;
hat es die christliche Gemeinde zugelassen, daß Jesus von Nazareth alle&lt;br /&gt;
anderen göttlichen Lehrer völlig ins Dunkel abdrängt; sie hat Seine&lt;br /&gt;
geistigen Lehren als erschöpfend und endgültig angesehen und Ihm eine&lt;br /&gt;
persönliche Unsterblichkeit von solcher Körperhaftigkeit zugeschrieben,&lt;br /&gt;
wie sie die alten Heiden einem ihrer Götter, etwa Apollo, zugeschrieben&lt;br /&gt;
haben mochten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffassungen wie diese, auch wenn sie in den förmlichen Glaubensbekenntnissen &lt;br /&gt;
des Christentums tatsächlich nicht enthalten sein mögen, sind durch &lt;br /&gt;
Tradition überkommen und gang und gäbe; in vielen der bedeutendsten &lt;br /&gt;
christlichen Schriften sind sie entweder angedeutet oder offen&lt;br /&gt;
ausgedrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Saat dieser Auffassungen wurde von Männern gesät, die in&lt;br /&gt;
weniger aufgeklärten Zeiten als der unseren lebten, und zur Blüte kamen&lt;br /&gt;
sie im Frühmittelalter. Sie wurden nicht von Christus gelehrt. Heute sind&lt;br /&gt;
sie schwer mit der anerkannten Wahrheit zu vereinbaren. Sie tragen&lt;br /&gt;
nichts zur Erhabenheit der Stufe Christi bei, scheinen vielmehr Gottes,&lt;br /&gt;
des Allmächtigen, in Seinem Wesen unwürdig zu sein.&lt;br /&gt;
�{{page|386|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Vorstellungen entsprechen den Ansichten, die die Juden zu Jesu&lt;br /&gt;
Zeiten über Moses hatten; denn auch die Schriftgelehrten verkündeten,&lt;br /&gt;
daß die Offenbarung Mose vollständig und endgültig sei, daß darin keine&lt;br /&gt;
Entwicklung stattfinde oder nötig sei und daß ein formales Bekenntnis&lt;br /&gt;
zum Mosaismus hinreiche, einen Menschen über die ganze übrige Menschheit &lt;br /&gt;
hinauszuheben. Weil sie Moses in diesem Sinn aufnahmen, verwarfen sie &lt;br /&gt;
Jesus. Die mosaische Religion, so dachten sie, sei genug, sei endgültig; &lt;br /&gt;
warum sollten sie da auf eine neue Lehre hören? Diese Engstirnigkeit, &lt;br /&gt;
diesen Mangel an geistiger Aufgeschlossenheit, verdammen wir an&lt;br /&gt;
den Pharisäern und Schriftgelehrten als eine abscheuliche Sünde; es war&lt;br /&gt;
das, was sie zu dem entsetzlichen Verbrechen führte, Jesus am Kreuz zu&lt;br /&gt;
töten. Und wenn die Geschichte ihres Irrtums zum Studium für uns &lt;br /&gt;
aufgezeichnet ist, dann enthält sie die Warnung, in Dingen des Glaubens &lt;br /&gt;
nicht dünkelhaft und fortschrittsfeindlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns bringt eine engstirnige Vorstellung vom Offenbarungsgeschehen&lt;br /&gt;
größere Schwierigkeiten mit sich als für die Schriftgelehrten von damals,&lt;br /&gt;
und wir haben noch weniger eine Entschuldigung dafür als jene. Denn&lt;br /&gt;
was wußten jene im Vergleich zu uns über die unermeßliche Ausdehnung&lt;br /&gt;
des Erdballs mit allen seinen Ländern und Meeren, über die Vielzahl und&lt;br /&gt;
Vielfalt der Völker, die ihn bewohnen, über die Kulturen und Religionen,&lt;br /&gt;
welche sich in dem weiten Erdteil Asien, wo sie wohnten, entfaltet hatten,&lt;br /&gt;
welche dort aufgeblüht und vielleicht schon wieder untergegangen waren?&lt;br /&gt;
Was wußten sie über das Alter der Erde und der Menschheit? Welchen&lt;br /&gt;
Begriff hatten sie von solchen Wahrheiten wie Fortschritt und Entwicklung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser ausgedehnteres Wissen hat uns eine größere Verantwortung auferlegt. &lt;br /&gt;
Wir, die wir Universalgeschichten zusammenstellen, vergleichende&lt;br /&gt;
Religionswissenschaft studieren, einen viel breiteren und genaueren &lt;br /&gt;
Überblick über die alte Welt gewonnen haben als es jenen möglich gewesen&lt;br /&gt;
wäre, die selbst darin lebten — wir, die wir solche Vorrechte genießen,&lt;br /&gt;
haben überhaupt keine Entschuldigung für Vorurteile oder Egoismen in&lt;br /&gt;
unserer Darstellung Christi und Seiner Sendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dogma, die Ansicht, es gebe kein einheitliches göttliches Gesetz,&lt;br /&gt;
das die menschlichen Angelegenheiten beständig regiert, sei es vor oder&lt;br /&gt;
nach Christus, die Barmherzigkeit und die erlösende Liebe des himmlischen &lt;br /&gt;
Vaters sei auf irgendeine unerklärliche Weise und aus keinerlei&lt;br /&gt;
vorstellbarem Grund jahrtausendelang vor allen Seinen Kindern verschlossen &lt;br /&gt;
gewesen, die große Masse der Menschen sei diese ganzen Zeitalter hindurch &lt;br /&gt;
sozusagen einer äußeren Kälte und Finsternis ausgeliefert&lt;br /&gt;
gewesen, auf sich selbst angewiesen, ohne göttliche Führung, blindlings&lt;br /&gt;
dem Wechsel und Wandel einer verwaisten, führerlosen Welt ausgeliefert,&lt;br /&gt;
die Nationen und Einzelmenschen seien ziellose Wege gegangen, ohne daß&lt;br /&gt;
ihr Gewissen fortgebildet worden wäre, ohne die Inspiration und den&lt;br /&gt;
Trost, die die Religion verleiht, ohne Zugang zur Erkenntnis geistiger&lt;br /&gt;
Wahrheit — jedes derartige Dogma, jede so gestaltete Ansicht erscheint&lt;br /&gt;
uns seltsam und in gewissem Grade willkürlich, als offensichtliche &lt;br /&gt;
Erfindung einer grausamen, ungebildeten menschlichen Vorstellungsgabe.&lt;br /&gt;
In den Lehren Christi gibt es kein einziges Wort als Beleg dafür; es ist&lt;br /&gt;
völlig unvereinbar mit Seinen Lehren. Es ist reinster Aberglaube. Es ist&lt;br /&gt;
�{{page|387|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
in der Tat schlimmer als nur unhaltbar und absurd: Es ist unzweifelhafte&lt;br /&gt;
Gotteslästerung, eine Schmach für das Wesen und die Macht Gottes. Was&lt;br /&gt;
außer boshaften menschlichen Gedanken könnte auf die Idee verfallen,&lt;br /&gt;
ein Gott der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, des Beistands und der&lt;br /&gt;
Hilfsbereitschaft, Schöpfer alles Liebenswerten und Guten, würde das&lt;br /&gt;
Menschengeschlecht erschaffen, um es dann unbehütet sich selbst zu &lt;br /&gt;
überlassen, ohne den Trost Seines Wortes oder das Licht und die Wärme &lt;br /&gt;
Seiner Gegenwart, ungezählte Zeitalter hindurch, bis dann schließlich &lt;br /&gt;
das Jahr anbräche, das wir im Westen als das Jahr eins bezeichnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn behauptet wird, Er habe dies tatsächlich getan und Seine Milde&lt;br /&gt;
und Vergebung gezeigt, indem Er im Jahr eins diese Tore geöffnet habe,&lt;br /&gt;
dann erhebt sich noch die besondere Frage: Warum gerade in diesem&lt;br /&gt;
Jahr? Welches unterscheidende Merkmal trägt jene Epoche, daß alle &lt;br /&gt;
anderen Zeitalter von der einen und einzigen Absicht Gottes, die &lt;br /&gt;
Menschheit zu erleuchten und zu retten, ausgeschlossen wären? Schon &lt;br /&gt;
vor jener Epoche erhoben sich große Heilige, blühten mächtige Kulturen &lt;br /&gt;
auf und ließen in der Erinnerung und im Bewußtsein der Menschheit &lt;br /&gt;
dauerhafte Prägungen zurück. Und seit jener Zeit brachte der Islam &lt;br /&gt;
seine wundervolle Mystik und eine strahlende Kultur hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein kostbarer Heilsplan&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche verständliche oder stichhaltige Geschichtsphilosophie läßt sich&lt;br /&gt;
auf der Vorstellung aufbauen, die einzige authentische Offenbarung &lt;br /&gt;
Gottes sei vor neunzehnhundert Jahren gegeben worden und sei sowohl &lt;br /&gt;
endgültig als auch vollständig? Keine. Diese Vorstellung stammt aus den&lt;br /&gt;
Tagen der Unwissenheit und trägt alle Zeichen ihrer Geburtsstunde. Sie&lt;br /&gt;
widerspricht den Lehren Christi und dem Geist der Bibel; sie ist &lt;br /&gt;
unvereinbar mit dem geoffenbarten Wesen Gottes und widerstrebt dem &lt;br /&gt;
entwickelteren Gefühl und dem erweiterten Wissen unserer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Deutung der Bibel als Geschichte der geistigen Entwicklung &lt;br /&gt;
der Menschheit nicht die Wirklichkeit der Erlösung hervortreten&lt;br /&gt;
ließe, auch wenn sie nicht die Majestät Christi steigerte und unsere &lt;br /&gt;
Auffassung von der Herrlichkeit des Schöpfers erhöhte, müßten wir diese&lt;br /&gt;
Deutung dennoch annehmen, weil sie unmittelbar durch das Wort der&lt;br /&gt;
Bibel bewiesen wird. Aber warum sollte irgendjemand abgeneigt sein oder&lt;br /&gt;
zögern, sie anzunehmen, wo sie doch zum größeren Ruhme Gottes, Seiner&lt;br /&gt;
Boten und aller Seiner Werke gereicht? Wie kostbar inmitten einer Welt&lt;br /&gt;
des Zweifels wie der unseren ist das Bild eines Heilsplans, der verstandlich &lt;br /&gt;
faßbar ist, mit unserem übrigen Denken übereinstimmt und uns zeigt, wie &lt;br /&gt;
gegenständlich, wie schwerwiegend, wie kostspielig und gefährlich&lt;br /&gt;
Unvollkommenheiten und Sünden sind, die die Menschen in ihrer Unwissenheit &lt;br /&gt;
schon so lange als unwesentlich abgetan haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie groß, wie weit über die Vorstellungskraft irgendeines Menschenalters &lt;br /&gt;
hinausragend ist dieser Heilsplan, den Christus entfaltet! Wie wunderbar &lt;br /&gt;
sind die Liebe und die Weisheit, die diesen Plan empfangen und anordnen &lt;br /&gt;
konnten! Wie unvorstellbar die Macht, die da befiehlt und erschafft, &lt;br /&gt;
die jeden Teil dieses unermeßlichen Ablaufs von Ewigkeit zu Ewigkeit &lt;br /&gt;
erfüllt und diesen Plan in seiner ganzen Dauer vollzieht, einer&lt;br /&gt;
Zielsetzung folgend, die vor dem Urbeginn der Welt bestimmt war! Wie&lt;br /&gt;
�{{page|388|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
hoch über allem, was wir je an Herrlichkeit erkennen können, ist Einer,&lt;br /&gt;
der der Sohn eines so großen Gottes genannt ist, das Ebenbild Seiner&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten, der Vollzieher Seiner Macht über alle Dinge im &lt;br /&gt;
Himmel und auf Erden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus war nicht berufen, den ganzen Entwurf des Erlösungsplanes&lt;br /&gt;
Gottes zu zeichnen oder ihn in den Einzelheiten darzustellen, wie es zum&lt;br /&gt;
Beispiel im „Buch der Gewißheit“ &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; geschieht. Die Schau, die Er uns &lt;br /&gt;
bietet, 1äßt sich mit unserem Blick auf den zunehmenden Mond im Frühstadium &lt;br /&gt;
vergleichen: Der Teil der Mondkugel, die dem christlichen Evangelium &lt;br /&gt;
entspricht, offenbart sich in vollem Licht; der Rest zeigt sich im &lt;br /&gt;
Umriß durch einen blassen Kranz zarten Lichtes, so daß das Auge die&lt;br /&gt;
Größe und den Umfang des Mondes abschätzen kann, aber nichts weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus sprach zu einem kindlichen Volk; Er hatte keine Gelegenheit,&lt;br /&gt;
eine Philosophie des Gesamtplans Gottes auszubreiten. Zweifellos war&lt;br /&gt;
dies eines jener größeren Geheimnisse, für deren Enthüllung der Geist&lt;br /&gt;
jener Menschen noch nicht reif war. „Ich hätte euch noch viel zu sagen,&lt;br /&gt;
aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichtsdestoweniger sind die Predigten Christi mit Anspielungen und&lt;br /&gt;
Hinweisen auf den Ablauf des Entwicklungsplanes Gottes förmlich &lt;br /&gt;
durchwirkt. Viele Seiner Worte nehmen eine reichere, tiefere Bedeutung &lt;br /&gt;
an, wenn sie vor dem Hintergrund dieses Gesamtplanes überdacht werden.&lt;br /&gt;
Nur wenn Seine Lehre als Teil einer fortschreitenden Offenbarung &lt;br /&gt;
erwiesen wird, wenn sie so verstanden wird, daß sie als Antwort auf die&lt;br /&gt;
besondere Not der Menschheit in einer bestimmten Zeit und als tragende&lt;br /&gt;
Grundlage für einen abgegrenzten Abschnitt auf ihre Entwicklungsreise&lt;br /&gt;
berechnet ist — nur dann läßt sich in dieser Lehre erkennen, daß sie ihre&lt;br /&gt;
eigene Form und Gestalt hat und ein folgerichtiges, geordnetes Ganzes ist,&lt;br /&gt;
eine genau durchdachte Verordnung, die für die geistigen Krankheiten&lt;br /&gt;
eines bestimmten Zeitalters verschrieben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst wenn das Evangelium so betrachtet wird, kann die Weisheit Christi&lt;br /&gt;
und Seine Macht wirklich verstanden werden. Christus gab verschiedene&lt;br /&gt;
Hinweise auf andere Offenbarungen, vor und nach der Seinen. Aber es ist&lt;br /&gt;
besonders einer, der von hervorragender Bedeutung ist, weil er darin den&lt;br /&gt;
inneren geistigen Zusammenhang Seiner eigenen Offenbarung mit den &lt;br /&gt;
früheren der vor-israelitischen Zeit bekräftigt, als Seine Vollmacht &lt;br /&gt;
einmal von gewissen Juden angezweifelt wird. „Jesus sagte zu ihnen: &lt;br /&gt;
‚Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, bevor Abraham war, bin Ich.‘“ (Joh, 8, 58). &lt;br /&gt;
Die Juden bezogen dies auf Jesus, den Sohn der Maria, der vor ihnen stand;&lt;br /&gt;
sie meinten deshalb, Er spotte über sie. Gläubige Menschen wissen, daß&lt;br /&gt;
Er nicht von dem Einzelwesen Jesus sprach, sondern von dem ewigen&lt;br /&gt;
Christus. Christus, das Wort Gottes, das durch Jesus sprach, das wie eine&lt;br /&gt;
Sonne war, deren Strahlen in Jesus wie in einem Spiegel wiedergegeben&lt;br /&gt;
wurden, hatte zu den Menschen schon lange vor dem Propheten Abraham&lt;br /&gt;
gesprochen und Seine Kräfte, Seine Erscheinungen, Seine Äußerungen&lt;br /&gt;
nicht auf die Juden beschränkt. Die Offenbarung Gottes durch das ewige&lt;br /&gt;
Wort ging der jüdischen Rasse voraus und wirkte bereits seit &lt;br /&gt;
unvordenklichen Zeiten. Jesus setzte keine rückwärtige Zeitgrenze. &lt;br /&gt;
Er sagte, daß die Gottesoffenbarung in der Welt wirkte, ehe die &lt;br /&gt;
jüdische Geschichte begann, und immer ein und dieselbe war, der &lt;br /&gt;
Quelle und dem&lt;br /&gt;
�{{page|389|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Geist nach immer gleich mit dem, was nunmehr durch Jesus von Nazareth&lt;br /&gt;
gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus war nicht berufen, weiter ins einzelne zu gehen. Offen verwarf&lt;br /&gt;
Er die arrogante Ausschließlichkeit der selbstgerechten Juden und &lt;br /&gt;
offenbarte damit — wie es Seine Art war — den Menschen eine Wahrheit &lt;br /&gt;
von viel tieferer Bedeutung, als es dem oberflächlichen Blick erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Jesus hier und an anderer Stelle die Einheit und Ganzheit&lt;br /&gt;
aller Offenbarung betonte, hob Er besonders und in allen Einzelheiten&lt;br /&gt;
einen Teilabschnitt des Offenbarungsplanes Gottes hervor, nämlich Seine&lt;br /&gt;
eigene Nachfolge Mose, das Wesen des Übergangs von einer göttlichen&lt;br /&gt;
Sendung auf die andere, und die Beziehungen zwischen den beiden &lt;br /&gt;
miteinander verbundenen, aber verschiedenen Lehrgebäuden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war für die Juden eine Sache von überragender Bedeutung. Für&lt;br /&gt;
uns heute, die wir uns um den einheitlichen Plan Gottes bemühen, ist es&lt;br /&gt;
darüber hinaus von Interesse: Wenn wir diese Beziehung demütig und&lt;br /&gt;
aufmerksam studieren, können wir möglicherweise das Prinzip der &lt;br /&gt;
Aufeinanderfolge entdecken, das einer Bewegung, die durch eine Reihe &lt;br /&gt;
getrennter Impulse vorangetragen wird, Beständigkeit verleiht. Wir können&lt;br /&gt;
uns zum Beispiel einen Begriff bilden von der Art der geistigen &lt;br /&gt;
Beziehung, die zwischen dem Wirken Abrahams und demjenigen Mose, der&lt;br /&gt;
Jenem folgte, bestanden haben muß, und können vielleicht abschätzen,&lt;br /&gt;
welche Art von Änderungen und Fortschritten über diejenigen Seines&lt;br /&gt;
ersten Lehrsystems hinaus Christus der Menschheit bei Seinem zweiten&lt;br /&gt;
Kommen bringen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:———&lt;br /&gt;
Kapitel VII des Buches „The Heart of the Gospel“ (Das Herz des Evangeliums)&lt;br /&gt;
von George Townshend, 3. Auflage 1960, Talisman Books No. 2, mit freundlicher&lt;br /&gt;
Genehmigung des Verlags George Ronald, 5 Barandon Street, London W. 11. &lt;br /&gt;
Copyright 1951 by George Townshend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George Townshend war ein hoher anglikanischer Geistlicher, ehe er sich als&lt;br /&gt;
Bahá’í erklärte. Er verdeutlicht in diesem Werk die Bibel als einen Heilsplan &lt;br /&gt;
Gottes für die Menschheit im Sinne einer fortschreitenden Gottesoffenbarung &lt;br /&gt;
im Gang der Weltgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Bahá’u’lláh, „Buch der Gewißheit“ (Kitáb-i-Iqán), Frankfurt 1958.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;O Du barmherziger Gott, schenke mir ein Herz, das dem Kristalle gleich vom Lichte Deiner Liebe durchstrahlt wird, und verleihe mir die Erleuchtung, welche diese Welt durch geistige Gnade in einen Rosengarten verwandeln kann. Du bist der Erbarmer, der Gnadenvolle! Du bist der große, wohltätige Gott.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(„Sonne der Wahrheit“ Jan./Feb. 1948, S. 175)&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|390|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aus der Bahá’í-Geschichte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bahá’iyyih Khánum, das Größte Heilige Blatt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Persien, im Sommer 1852: Auf den Straßen, in den Bazaren leuchtet das&lt;br /&gt;
Obst in bunten Farben; Maultiere, Handwagen, Eselgespanne. Die Männer&lt;br /&gt;
betreiben ihre Geschäfte oder gehen müßig, wenn sie zu der bevorzugten&lt;br /&gt;
Klasse der Besitzenden zählen und noch nicht die erfrischende Zuflucht&lt;br /&gt;
ihrer Sommerhäuser aufgesucht haben. Ab und zu erblickt man eine Frau,&lt;br /&gt;
in lange Gewänder gehüllt, tief verschleiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bummeln durch die Gassen und Gäßchen, Karawansereien und Bazare &lt;br /&gt;
Tihráns, und das feilschende Geschrei der Händler gellt uns in den&lt;br /&gt;
Ohren. Wild gestikulierend preisen sie ihre Waren an wie eh und je. Von&lt;br /&gt;
dem unterirdisch schwelenden Brand eines religiösen Machtkampfes ist an&lt;br /&gt;
diesem Tag fast nichts zu spüren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kommen allmählich in ruhigere Straßen. In der Stadt gibt es einen&lt;br /&gt;
besonders alten Teil, der das „arabische Viertel“ genannt wird und in dem&lt;br /&gt;
die angesehensten Familien ihren Wohnsitz haben. Wie überall im Land&lt;br /&gt;
der aufgehenden Sonne sind hier die Häuser ebenerdig gebaut, mit flachem&lt;br /&gt;
Dach, einem Hof oder Garten in der Mitte; nur mag hier in diesem Viertel&lt;br /&gt;
noch etwas mehr von der alten Kunst einer verflossenen Kultur zu sehen&lt;br /&gt;
sein. Wir treten durch den hohen, schön geschwungenen Torbogen eines&lt;br /&gt;
dieser herrschaftlichen Häuser, und wenn wir eine Frau sind, gehen wir&lt;br /&gt;
vorbei an den beiden Empfangsräumen rechts und links des Mittelganges,&lt;br /&gt;
durch deren buntbemalte Fenster die glühende Sonne als mildes Licht&lt;br /&gt;
hereinstrahlt, über den Gartenhof in die Frauengemächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Áziyyih Navváb&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;, die schöne Dame des Hauses, begrüßt uns lächelnd.&lt;br /&gt;
Wir spüren jenen Hauch von Wohlhabenheit, dem, gepaart mit Schönheit&lt;br /&gt;
und Harmonie des Geistes, sich kaum jemand entziehen kann. Mit Anmut&lt;br /&gt;
handhabt sie den Samowar, und während eine Dienerin mit einer &lt;br /&gt;
Obstschale und Gebäck aufwartet, empfangen wir aus der Hand der Herrin&lt;br /&gt;
den traditionellen Tee, als wäre es ein köstliches Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn wir die beiden Kinder gewahren, die durch eine Seitentür&lt;br /&gt;
hereingekommen sind, begleitet von ihrer Dáji (Kinderfrau) und nun in&lt;br /&gt;
die Arme ihrer Mutter eilen, dann ist uns, als ob das beglückende Bild&lt;br /&gt;
erst anfange zu leben; wir empfinden jene Vollkommenheit, die einen&lt;br /&gt;
Maler zu einem großen Werk inspirieren mag. Wie schön die Kinder sind,&lt;br /&gt;
wie ernst und hoheitsvoll in ihrer Kindlichkeit, wie aufmerksam und klug&lt;br /&gt;
die beiden dunkelblauen Augenpaare blicken! Jedes in seiner Art, das&lt;br /&gt;
fünfjährige Mädchen Bahá’iyyih ebenso wie der achtjährige Knabe ‘Abbás,&lt;br /&gt;
offenbaren bereits unbewußt die Eigenschaften ungewöhnlicher &lt;br /&gt;
Persönlichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erfahren von dem Aufenthalt des Hausherrn in Lavásán, nahe Shimirán &lt;br /&gt;
am Alburs-Gebirge im Norden der Stadt, wo Er als Gast Jáfar-Qulí Kháns, &lt;br /&gt;
des Bruders des Großwesirs, weilt, jedoch bald zurückerwartet &lt;br /&gt;
�{{page|391|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
wird, und wir spüren der Kinder Sehnsucht und Freude auf den Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indessen kommen und gehen Gäste; Dienerinnen eilen geschäftig hin &lt;br /&gt;
und her. Die Damen der Regierungsmitglieder und der hohen Geistlichkeit&lt;br /&gt;
sind keine Seltenheit in diesem Hause, gehören doch sowohl Aziyyiih Khánum &lt;br /&gt;
als auch Mírzá Husayn-‘Alí&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; zu den herrschenden fürstlichen &lt;br /&gt;
Familien, wenn auch Husayn-‘Alí es vorgezogen hatte, auf die&lt;br /&gt;
Staatslaufbahn zu verzichten und Sich stattdessen geistig-religiösen &lt;br /&gt;
Gebieten zuzuwenden. Es war auch kaum ein Geheimnis, daß Er zu den &lt;br /&gt;
edelsten und eifrigsten Förderern jener Flamme gehörte, die in Shíráz &lt;br /&gt;
in Al-Báb emporgelodert war, die aber durch Dessen Erschießung in Tabriz &lt;br /&gt;
gedämpft oder gelöscht zu sein schien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir von der Atmosphäre dieses Hauses wie verzaubert sind,&lt;br /&gt;
spüren auch wir allmählich jene Unruhe, die schon eine Weile durch das&lt;br /&gt;
Haus zu gehen schien und schließlich zur Hausfrau gelangte. Ängstlich&lt;br /&gt;
und aufgeregt redet eine alte Dienerin auf sie ein; schließlich begibt sie&lt;br /&gt;
sich zum Fenster und sieht selbst den Volksauflauf vor ihrem Hause; und&lt;br /&gt;
sie ahnt Schreckliches, wenn sie auch noch nicht wissen kann, von welcher&lt;br /&gt;
Seite ein unerbittliches Schicksal sie binnen Stunden ereilen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald dringt das Geschrei des Pöbels bis in diese hintersten Räume: Man&lt;br /&gt;
hat den Sháh überfallen! Man will ihm an das Leben! Und schon dringen&lt;br /&gt;
die ersten frechen Plünderer ins Haus, um mit blinder Vergeltung zu beginnen &lt;br /&gt;
an jenen, die noch nicht einmal ahnen, um was es geht. — Es heißt&lt;br /&gt;
schnell handeln und keine Minute versäumen mit Angst und Tränen.&lt;br /&gt;
Áziyyih Khánum und wenige getreue Diener raffen zusammen, was sie&lt;br /&gt;
tragen können, sie nimmt ihre Kinder — den Säugling auf den Arm; es&lt;br /&gt;
gelingt ihr, in das Haus ihrer Tante vor der blinden Wut der &lt;br /&gt;
aufgestachelten Menge zu fliehen — und ein Lebensabschnitt ist &lt;br /&gt;
ein für alle Male unwiederbringlich abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist geschehen an diesem denkwürdigen Tag? Es war der 15. August&lt;br /&gt;
1852, genau zwei Jahre und 37 Tage nach dem Märtyrertod des Báb in&lt;br /&gt;
Tabriz, als zwei junge, verblendete Bábí jene ebenso nutzlosen wie für&lt;br /&gt;
alle Gläubigen verhängnisvollen Schrotschüsse auf den Sháh abfeuerten&lt;br /&gt;
und damit eine Lawine ins Rollen brachten, die zahllose Menschen ins&lt;br /&gt;
Unglück stürzte und Tausende von Märtyrern unter sich begrub — eine&lt;br /&gt;
Lawine, die scheinbar diese ganz verhaßte Bábí-Bewegung vollends &lt;br /&gt;
ausrotten sollte.&lt;br /&gt;
�{{page|392|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während man die Bábí und andere Verdächtige auf die grausamste Art&lt;br /&gt;
niedermetzelte, wo man sie fand, in Tihrán das Haus Mírzá Husayn ‘Alís&lt;br /&gt;
ausplünderte, Ihn Selbst als das geistige Rückgrat dieser Schar und gar&lt;br /&gt;
Anstifter des Anschlags auf den Sháh in Ketten legte und in den &lt;br /&gt;
Siyáh-Chál&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; warf — was gleichbedeutend schien mit dem Tod — begann &lt;br /&gt;
in Wirklichkeit die zweite und größere Phase im heroischen Zeitalter dieser&lt;br /&gt;
seit alters her verheißenen Zwillings-Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Größte Heilige Blatt hatte den Vorzug, am Schluß dieses heroischen&lt;br /&gt;
Zeitalters mit der Einkerkerung Bahá’u’lláhs im Siyáh-Chál noch in &lt;br /&gt;
zartester Kindheit aus dem Leidenskelche zu kosten, den die ersten Gläubigen&lt;br /&gt;
jenes apostolischen Zeitalters geschlürft hatten“, so schreibt Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
in einem historischen Dokument. „Wie gut ich mich erinnere, wie sie sich,&lt;br /&gt;
als sie noch im Vollbesitz ihrer Kräfte war, die quälende Ungewißheit ins&lt;br /&gt;
Gedächtnis zurückrief, die die Herzen derer verzehrte, die mit ihr an der&lt;br /&gt;
Schwelle ihres geplünderten Hauses wachten, jeden Augenblick der Nachricht &lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláhs bevorstehender Hinrichtung gewärtig! In jenen düsteren &lt;br /&gt;
Stunden, so erzählte sie oftmals, hatten ihre Eltern so plötzlich&lt;br /&gt;
ihre irdischen Besitztümer verloren, daß sie innerhalb eines einzigen&lt;br /&gt;
Tages von bevorzugten Mitgliedern der wohlhabendsten Familien von&lt;br /&gt;
Tihrán in den Zustand unverhohlener Armut gesunken waren. Aller &lt;br /&gt;
Unterhaltsmittel beraubt war ihre erlauchte Mutter, die berühmte Navváb, &lt;br /&gt;
gezwungen, ihrer Tochter eine Handvoll Mehl zu geben und sie zu veranlassen, &lt;br /&gt;
es anstelle ihres täglichen Brotes anzunehmen ...“ &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Gatte jener Tante, bei der die Familie Bahá’u’lláhs zuerst&lt;br /&gt;
Unterkunft und Schutz gefunden hatte, ein hoher Regierungsbeamter war,&lt;br /&gt;
sollte selbst dieses Haus kein wahrer Zufluchtsort bleiben. Die feinfühlige&lt;br /&gt;
Navváb spürte die Erregung, die ihre Anwesenheit verursachte; sie wollte&lt;br /&gt;
ihre Verwandten nicht in Gefahr bringen und ging mit den Kindern in ihr&lt;br /&gt;
ausgeraubtes Haus zurück, wo sie sich, fast aller notwendigen Gegenstände &lt;br /&gt;
bar, mühselig einrichtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit jenen düsteren Tagen, an denen ihre Mutter fast Abend für Abend&lt;br /&gt;
mit ihrem Sohne ‘Abbás (‘Abdu’l-Bahá) zu ihrer Tante ging, um auch nur&lt;br /&gt;
das Geringste von Bahá’u’lláh zu erfahren, und sie selbst, das fünfjährige&lt;br /&gt;
Mädchen, in dem einsamen Haus wartete, bei dem Säugling, immer in&lt;br /&gt;
Angst, daß im nächsten Augenblick jemand kommen und sie umbringen&lt;br /&gt;
könnte, beginnen die Erinnerungen jener Frau, für die Bahá’u’lláh Selbst&lt;br /&gt;
die vornehmste und höchste Stufe unter den Frauen bestimmt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand ist heute imstande, diese überragende Frau {{Sperrsatz|würdig}} zu &lt;br /&gt;
schildern und ihrer Stufe gerecht zu werden, geschweige denn die vielfältigen&lt;br /&gt;
und außergewöhnlichen Aufgaben, die sie ganz in der Stille vollbrachte,&lt;br /&gt;
voll zu begreifen. Selbst Shoghi Effendi bekennt in seinem unsterblichen&lt;br /&gt;
Nachruf, den er ihr nach ihrem Tode widmete: „Nur künftige Generationen und &lt;br /&gt;
Federn, die geschickter sind als meine, können und werden der&lt;br /&gt;
überragenden Größe ihres geistigen Lebens, der einzigartigen Rolle, die&lt;br /&gt;
sie während der lärmenden Phasen der Bahá’í-Geschichte spielte, und den&lt;br /&gt;
Ausdrücken von uneingeschränktem Lobe, die aus der Feder Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
wie ‘Abdu’l-Bahás geflossen sind (obwohl nicht verzeichnet und größtenteils &lt;br /&gt;
�{{page|393|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
unvermutet von der Menge ihrer glühenden Verehrer in Ost und&lt;br /&gt;
West), einen würdigen Tribut zahlen und den Anteil in ausreichendem&lt;br /&gt;
Maße schildern, den sie an der Beeinflussung des Laufes einiger der&lt;br /&gt;
Hauptereignisse in den Annalen des Glaubens hatte...“ &amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi ist es auch, der im Zusammenhang mit dem Größten Heiligen &lt;br /&gt;
Blatt auf jene Frauengestalten hingewiesen hat, die in den vergangenen &lt;br /&gt;
göttlichen Sendungen eine besondere Rolle spielten: Sara bei Abraham, &lt;br /&gt;
Asíyih im Judentum, die Jungfrau Maria bei Jesus (‘Abdu’l-Bahá nennt &lt;br /&gt;
hier auch Maria Magdalena), Fátimih im Islám und Táhirih in der&lt;br /&gt;
Bábí-Ära&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;). Es wird bei gründlicher Erforschung der Geschichte &lt;br /&gt;
nicht schwerfallen, in den genannten Frauen gewisse Züge, manche besondere&lt;br /&gt;
Eigenschaften und Fähigkeiten zu entdecken, die ihre Geschlechtsgenossinnen &lt;br /&gt;
nie erreichten. Könnte uns die Tatsache, daß diese Frauen immer im &lt;br /&gt;
Zusammenhang mit dem Tagesanbruch einer religiösen Sendung in &lt;br /&gt;
Erscheinung traten, nicht auf den Gedanken bringen, daß es auch in &lt;br /&gt;
der Entfaltung des {{Sperrsatz|geistigen}} Lebens der &lt;br /&gt;
ergänzenden Mithilfe des weiblichen Menschen bedarf? Und daß dies bis &lt;br /&gt;
jetzt nur nicht sichtbar war? Man kennt Petrus als den Fels, auf den &lt;br /&gt;
die Gemeinde Christi gebaut sein soll. Aber Maria Magdalena hat den &lt;br /&gt;
auferstandenen Christus gesehen und allen anderen die Augen &lt;br /&gt;
geöffnet für Ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie auf allen anderen Gebieten die Einzelheiten und Episoden der&lt;br /&gt;
vergangenen Religionen in der Sache Bahá’u’lláhs in hellem Licht erstrahlen, &lt;br /&gt;
erscheint auch dieses Geheimnis in leibhaftiger Klarheit, beobachtet&lt;br /&gt;
man den Lebensweg Bahá’iyyih Khánums, des Größten Heiligen Blattes,&lt;br /&gt;
und ihren hohen Rang an der Seite ihres Bruders ‘Abdu’l-Bahá. Die &lt;br /&gt;
Bestätigung hierfür mögen wir darin finden, daß Bahá’u’lláh Selbst &lt;br /&gt;
der einzigen Tochter Bahá’iyyih dieselbe Benennung und denselben Rang verlieh,&lt;br /&gt;
mit dem Er ‘Abdu’l-Bahá ausgezeichnet und im Buche Aqdas festgehalten&lt;br /&gt;
hat: „Derjenige, Der aus dieser urewigen Wurzel hervorgegangen ist“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist das einzigartige Tablet Bahá’u’lláhs an das Größte Heilige Blatt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Er ist der Ewige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dies ist ein Buch von Uns für diejenigen, die den Ruf gehört und erkannt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie ist ein Blatt von diesem urewigen Stamm und ist geoffenbart durch Meinen Namen und hat Mein geheiligtes Wohlwollen gekostet. Einmal haben Wir sie getränkt mit unseren köstlichen Worten des Lebens, ein anderes Mal mit den lieblichen Fluten des Paradiesflusses. Über ihr sei Meine Herrlichkeit und der Odem Meiner wahren Wesenheit ... O Du gesegnetes, strahlendes Blatt! Singe und jubiliere und entfalte Deinen Gesang auf den Zweigen des Baumes Bahá, und singe Deine Verse über dieses gesegnete Wort: ‚Es gibt keinen Gott außer dem Herrn dieser und jener Welt‘. Wir haben Dich als die beste der Frauen bestimmt und haben für Dich vor unserem Angesicht eine Stufe verordnet, die bis jetzt keine Frau innehatte, und haben dir damit den Vorrang gegeben durch Unsere Gnade im Namen des Herrn des Thrones. Wir haben Deine Augen geschaffen, damit Du den Glanz Unseres Antlitzes siehst, Deine Ohren, damit Du Unsere Verse vernimmst, und Deine Gestalt, damit Du Dich erhebst vor Unserem Throne. Also danke Deinem Gott, dem höchsten Herrn, der der Herr der Welt ist.&lt;br /&gt;
�{{page|394|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wie groß ist das Zeugnis, wenn der Stamm selbst für Sein Blatt zeugt, und der Baum für Seine Frucht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mit dieser Meiner Erwähnung wehte Moschusduft, und froh sei derjenige, der ihn verspürt und ausruft: Dir sei Dank, o Gott, Du Herr der Herrlichkeit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wie süß ist Deine Gegenwart vor Meinem Angesicht, und Mein Blick auf Dich, und Meine Gnadengunst für Dich, und Meine Erwähnung Deiner auf dieser Tafel. Wir haben sie bestimmt als ein Zeichen Unserer Gnade für Dich im Verborgenen, und doch offenbar in aller Offenheit.“ &amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist dieser verwandte Geist vom selben Stamm, den auf der ganzen&lt;br /&gt;
Welt sonst niemand mehr verkörpert und von dem ‘Abdu’l-Bahá spricht,&lt;br /&gt;
wenn Er in einem Brief an Seine geliebte Gattin Munírih schreibt: „... An&lt;br /&gt;
Meine geehrte und hervorragende Schwester vermittle den Ausdruck Meiner &lt;br /&gt;
innigen, Meiner großen Sehnsucht. Tag und Nacht lebt sie in Meinen&lt;br /&gt;
Gedanken. Ich wage nicht, die Gefühle zu beschreiben, die durch die &lt;br /&gt;
Trennung von ihr in Meinem Herzen erweckt wurden, denn was immer Ich&lt;br /&gt;
auch niederzuschreiben versuche, wird sicherlich von den Tränen &lt;br /&gt;
ausgelöscht werden, die solche Gefühle Mir in die &lt;br /&gt;
Augen treiben ...“ &amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Minute für Minute eines Lebens voll Unterdrückung, Krankheit, Hunger, &lt;br /&gt;
Verfolgung und Gefangenschaft, verwoben in die Geschichte eines&lt;br /&gt;
Glaubens, deren Tragik und Heroismus uns wohl bekannt ist, erwies sie&lt;br /&gt;
sich jener einzigartigen Berufung Bahá’u’lláhs würdig in solcher &lt;br /&gt;
Vollkommenheit, daß der persische Bahá’í-Historiker Sulaymáni schreibt: &lt;br /&gt;
„Ich habe einige Freunde, die viele Jahre im Heiligen Lande verbrachten und&lt;br /&gt;
über alle Einzelheiten der Zeit von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá Bescheid&lt;br /&gt;
wußten, sagen hören: ‚Das Größte Heilige Blatt war durch ihre angeborenen &lt;br /&gt;
Vollkommenheiten, ihre Begabungen, ihre Zierlichkeit, ihre Wesensart, ihre &lt;br /&gt;
Sprechweise, die Anmut ihrer Bewegungen, ihre Liebe zu allen Menschen ohne &lt;br /&gt;
Unterschied, so sehr beliebt bei allen Mitgliedern der Familie, daß, wenn &lt;br /&gt;
sie sich im Zimmer bewegte oder im Garten ging, die anderen sagten: Froh &lt;br /&gt;
soll die Erde sein, die ein solch kostbares Wesen tragen darf, froh sollen &lt;br /&gt;
die Atome des Staubes sein, die unter ihre Füße zu liegen kommen dürfen.‘ “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als dieses verehrte und kostbare Mitglied der Heiligen Familie im&lt;br /&gt;
Alter von etwa 17 Jahren von der leitenden Hand ihres Vaters mit Aufgaben &lt;br /&gt;
betraut wurde, die kein Mädchen ihres Alters fähig oder gewillt wäre, &lt;br /&gt;
auszuführen — wie freudig ergriff sie die Gelegenheit und entledigte sich &lt;br /&gt;
der Aufgabe, die ihr anvertraut worden war! Die Empfindlichkeit und der &lt;br /&gt;
außerordentliche Ernst solcher Funktionen, die ihr von&lt;br /&gt;
Zeit zu Zeit auferlegt wurden, als Baghdád von dem Orkan heimgesucht&lt;br /&gt;
wurde, den die Achtlosigkeit und der Eigensinn von Mírzá Yahyá&amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
entfesselt hatten, sowie die zarte Besorgnis, die sie in so früher Jugend an&lt;br /&gt;
den Tag legte während der Periode von Bahá’u’lláhs erzwungener Zurückgezogenheit &lt;br /&gt;
in die Berge von Sulaymániyyih, kennzeichnen sie als eine&lt;br /&gt;
Frau, die sowohl fähig war, die Last zu tragen, als auch bereit, das Opfer&lt;br /&gt;
�{{page|395|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
zu bringen, welches ihre hohe Geburt verlangte ... Aber erst, nachdem&lt;br /&gt;
sie mit Bahá’u’lláh in den Mauern des Gefängnisses von ‘Akká eingekerkert &lt;br /&gt;
war, legte sie in der Fülle ihrer Kraft und im Überfluß ihrer Liebe&lt;br /&gt;
zu Ihm jene Gabe an den Tag, die sie, nächst ‘Abdu’l-Bahá, unter den&lt;br /&gt;
Mitgliedern der heiligen Familie als die glänzendste Verkörperung jener&lt;br /&gt;
Liebe, die von Gott geboren ist, und jener menschlichen Sympathien, wie&lt;br /&gt;
nur wenige Sterbliche sie zeigen können, erwies.“ (Shoghi Effendi) &amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Feder ist unfähig, ein solches Licht zu beschreiben, wie Bahá’iyyih es&lt;br /&gt;
verbreitete“, so lesen wir bei Sulaymání. „Einerseits betreute sie als Lehrerin &lt;br /&gt;
die Kinder der heiligen Familie; dann empfing und umsorgte sie die&lt;br /&gt;
weiblichen Pilger, die ins Heilige Land kamen. Aber sie war auch diejenige, &lt;br /&gt;
bei der alle Bekümmerten und Beladenen der Stadt Zuflucht und&lt;br /&gt;
Erleichterung von ihrem Kummer fanden.“ &amp;lt;sup&amp;gt;11)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders nach dem unglücklichen Tod ihres jüngeren Bruders (des&lt;br /&gt;
Reinsten Zweiges), der ihre Mutter, Azíyyih Khánum, in tiefsten Kummer&lt;br /&gt;
versetzte, muß sie, obwohl nicht weniger bekümmert, der Mutter Stütze&lt;br /&gt;
und ruhender Pol, der Familie ein tröstender Engel gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte des Bahá’í-Glaubens, von Bahá’u’lláh bis zu Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, dem ersten Hüter, ist in der Fülle ihrer Ereignisse bekannt. Das&lt;br /&gt;
Leben des Größten Heiligen Blattes ist mit dieser ganzen Geschichte so&lt;br /&gt;
eng verknüpft wie mit jeder der Hauptgestalten dieses Zeitabschnitts im&lt;br /&gt;
besonderen, und gleichzeitig ist ihre erhabene, edle Gestalt eine Geschichte&lt;br /&gt;
für sich in dieser Geschichte, eine unvergleichlich hehre Gestalt, wenngleich &lt;br /&gt;
im Blick auf die des Meisters ‘Abdu’l-Bahás Selbst, unendlich verschlungener &lt;br /&gt;
und verborgen, „... größtenteils unvermutet von der Menge ihrer glühenden &lt;br /&gt;
Verehrer in Ost und West“. Dies kommt auch in dem unsterblichen Nachruf &lt;br /&gt;
Shoghi Effendis für sie zum Ausdruck. In der konzentrierten Form, die für &lt;br /&gt;
den Hüter so charakteristisch ist, enthält dieser Nachruf eine so &lt;br /&gt;
unerschöpfliche Fülle der Würdigung menschlicher Fähigkeiten und &lt;br /&gt;
Tugenden, daß man erkennen muß: Um diese Quellen auszuschöpfen &lt;br /&gt;
und alle diese Eigenschaften voll zu ermessen, müßte nicht nur&lt;br /&gt;
ein Buch geschrieben werden, sondern auch Zeit vergehen. Der Mensch&lt;br /&gt;
muß zuerst selbst weiter kommen; erst einem entfalteten Schauen wird&lt;br /&gt;
sich diese Blüte offenbaren. Es bleibt in diesem Rahmen nichts anderes&lt;br /&gt;
übrig, als auf die besonderen Höhepunkte eines Lebens, das ein einziger&lt;br /&gt;
Lichtglanz war, einzugehen mit Hilfe einiger Zitate aus Shoghi Effendis&lt;br /&gt;
Nachruf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Größte Heilige Blatt hatte ein für alle Mal ihren Entschluß geäußert, &lt;br /&gt;
sich nicht zu verheiraten. Und in der Tat, wie hätte sie als verheiratete &lt;br /&gt;
Frau in solchem Maße durch alle Phasen der bewegten Geschichte hindurch &lt;br /&gt;
ihre kluge, liebevolle, beschützende Mission erfüllen und sowohl Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
als ‘Abdu’l-Bahá und dem ersten Hüter des Bahá’í-Glaubens so viel Fürsorge &lt;br /&gt;
angedeihen lassen können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sorgte für alle ihre Kinder, und sie erzählt selber, wie sie sogar bestrebt &lt;br /&gt;
war, für ‘Abdu’l-Bahá eine liebevolle Frau zu finden, die Ihm dann&lt;br /&gt;
auch in der Heiligen Mutter, Munírih, geschenkt wurde. Es ist charakteristisch &lt;br /&gt;
für die Einzigartigkeit ihrer Gestalt, daß sie selbst ihre Rolle erkannte als &lt;br /&gt;
die Verkörperung des eigentlich Weiblichen, das als Beispiel&lt;br /&gt;
�{{page|396|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
für die Welt in ihrem Fall wohl nur vollkommen wirksam und sichtbar&lt;br /&gt;
werden konnte, wenn es nicht teilweise abgelenkt war durch Ehe und&lt;br /&gt;
Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Indem sie jede irdische Verbindung aus Herz und Gemüt verbannte,&lt;br /&gt;
erhob sie sich an der Seite eines Bruders, dem sie so treu helfen &lt;br /&gt;
und dienen sollte, um ihr Leben dem Dienste an ihres Vaters glorreicher Sache&lt;br /&gt;
zu widmen... Mit dem Heimgang Bahá’u’lláhs und den wilden Angriffen&lt;br /&gt;
der Mächte der Spaltung, die darauf folgten, ergriff das Größte Heilige&lt;br /&gt;
Blatt, die jetzt auf der Höhe ihres Lebens stand, ihre größte Gelegenheit&lt;br /&gt;
und entledigte sich würdig ihrer Aufgabe ... Ausgerüstet mit den Kräften, &lt;br /&gt;
mit denen ein inniger und langjähriger Umgang mit Bahá’u’lláh sie&lt;br /&gt;
bereits ausgestattet hatte, und Nutzen ziehend aus dem großartigen &lt;br /&gt;
Beispiel, welches der immer weiter werdende Umfang von ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
Tätigkeit ihr vor Augen führte, war sie vorbereitet, dem Sturm ins &lt;br /&gt;
Gesicht zu sehen, den das verräterische Betragen der Bündnisbrecher &lt;br /&gt;
heraufbeschwor, und seinen gefährlichsten Angriffen standzuhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Shoghi Effendi) &amp;lt;sup&amp;gt;12)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne zu zögern, gestählt noch von dem Kummer um den Verlust des&lt;br /&gt;
geliebten Vaters, löste sie die Beziehungen zu den Verletzern Seines &lt;br /&gt;
Letzten Willens und der Einsetzung des Mittelpunktes des Bündnisses. „Die&lt;br /&gt;
Trennung, die dann erfolgte, fand sie an der Seite ‘Abdu’l-Bahás. Ihre &lt;br /&gt;
verehrte Mutter sowohl wie ihr hervorragender Onkel Aqá-i-Kalím, die,&lt;br /&gt;
anders wie die meisten Familienmitglieder, die Zähigkeit ihrer Treue &lt;br /&gt;
bewiesen hatten, waren bereits hinter dem Schleier verschwunden. Sie blieb&lt;br /&gt;
allein von der Familie Bahá’u’lláhs, um des Größten Zweiges, ‘Abdu’l-Bahás, &lt;br /&gt;
Herz zu erfreuen und Seine Bemühungen zu unterstützen, gegen&lt;br /&gt;
den fast die ganze Schar Seiner treulosen Verwandten aufgereiht waren.&lt;br /&gt;
Sie wurde in ihren Bemühungen von Munírih Khánum, der Heiligen&lt;br /&gt;
Mutter, und deren Töchtern unterstützt...“ &amp;lt;sup&amp;gt;13)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schreckliche Kampfzeit ‘Abdu’l-Bahás mit den Verletzern des&lt;br /&gt;
Bündnisses in Verbindung mit dem türkischen Sultán ‘Abdu’l-Hamid ist&lt;br /&gt;
in „Gott geht vorüber“ (S. 299 bis 310) festgehalten. Vom Größten &lt;br /&gt;
Heiligen Blatt ist dabei nicht die Rede. Ihren Anteil an dem Werk &lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás und an Seinen Leiden in jener Zeit hebt Shoghi Effendi an anderer&lt;br /&gt;
Stelle hervor, indem er schreibt: „... Es genügt zu sagen, daß ohne ihre&lt;br /&gt;
schlaflose Wachsamkeit, ihren Takt, ihre Höflichkeit, ihre unendliche Geduld &lt;br /&gt;
und heroische Stärke, verhängnisvolle Komplikationen hätten entstehen können, &lt;br /&gt;
die imstande gewesen wären, die Bürde von ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
besorgter Umsicht bedeutend zu vermehren.“ &amp;lt;sup&amp;gt;14)&amp;lt;/sup&amp;gt; Und weiter schreibt &lt;br /&gt;
der Hüter: „Und als nach Gottes unerforschlicher Weisheit der Bann von&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás Gefangenschaft aufgehoben wurde, und sich der Plan, den&lt;br /&gt;
Er in den dunkelsten Stunden Seiner Gefangenschaft erdacht hatte, verwirklichte &lt;br /&gt;
(die Reisen nach Europa und Amerika sind gemeint), übertrug Er Seiner vertrauten &lt;br /&gt;
und verehrten Schwester ohne Zögern die Verantwortung für die Unmenge von &lt;br /&gt;
Einzelheiten, die während Seiner Abwesenheit vom Heiligen Land anfiel.“ &amp;lt;sup&amp;gt;15)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... Kaum hatte ‘Abdu’l-Bahá die Gestade des europäischen und amerikanischen &lt;br /&gt;
Kontinents betreten, als sich die geliebte Hadrat-i-Khánum&lt;br /&gt;
�{{page|397|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
fast überwältigt sah von den ergreifenden Botschaften, die alle den &lt;br /&gt;
unwiderstehlichen Fortschritt der Sache anzeigten, in einer Weise, die ihr&lt;br /&gt;
trotz ihrer umfassenden Erfahrung fast unglaublich schien. Die Jahre,&lt;br /&gt;
während welcher sie sich im Glanze von ‘Abdu’l-Bahás geistigen Siegen&lt;br /&gt;
sonnte, gehörten vielleicht zu den heitersten und glücklichsten ihres &lt;br /&gt;
Lebens. Sie hätte es sich nicht träumen lassen, als sie, ein kleines Mädchen,&lt;br /&gt;
im Hofe ihres Vaterhauses in Tihrán herumlief in Gesellschaft Dessen,&lt;br /&gt;
Der bestimmt war, eines Tages der auserwählte Mittelpunkt von Gottes&lt;br /&gt;
unzerstörbarem Bündnis zu werden — daß dieser Bruder imstande sein&lt;br /&gt;
würde, in solch entfernten Gegenden und unter fremden Rassen einen&lt;br /&gt;
so großen und denkwürdigen Sieg zu erringen. Sie war mit Dankbarkeit&lt;br /&gt;
zu Bahá’u’lláh erfüllt, daß Er ihr erlaubt hatte, nicht weniger als Sein&lt;br /&gt;
Sohn die Beweise solcher glanzvoller Siege für die Sache zu erleben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Shoghi Effendi) &amp;lt;sup&amp;gt;16)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Qu’rán ist „der Tag, an dem alles Verborgene offenbar wird“, verheißen, &lt;br /&gt;
und Bahá’u’lláh bestätigt, daß heute dieser Tag gekommen ist: „Wenn&lt;br /&gt;
ein einziges Atom der Substanz im Herzen von hundert Bergen verborgen&lt;br /&gt;
läge und hinter sieben Meeren versteckt wäre, so wird es doch durch die&lt;br /&gt;
Hand der Macht aufgenommen und ans Licht gebracht.“ &amp;lt;sup&amp;gt;17)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So mußte auch der Tag kommen, an dem die erhabene Stellung dieser&lt;br /&gt;
Frau doch für alle Welt aufleuchtete. Es war dies in der Zeit unmittelbar&lt;br /&gt;
nach dem Heimgang ‘Abdu’l-Bahás, der für sie ein so harter Schlag war,&lt;br /&gt;
daß sie sich nie mehr ganz davon erholte. War doch mit Ihm ihr einziger&lt;br /&gt;
Vertrauter und Zufluchtsort inmitten des Sturmes der Abtrünnigen von&lt;br /&gt;
hinnen gegangen. Es war in einem Augenblick, von dem niemand ahnen&lt;br /&gt;
konnte, daß „eine Frau in ihrem Alter, so gebrechlichen Körpers, mit&lt;br /&gt;
einem so zartfühlenden Herzen und beladen mit den Sorgen von fast &lt;br /&gt;
achtzig Jahren unaufhörlicher Leiden, so lange und in dieser Art einen so&lt;br /&gt;
vernichtenden Schlag überleben konnte.“ (Shoghi Effendi) &amp;lt;sup&amp;gt;18)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch war sie es, die zum zweitenmal, und diesmal völlig allein und&lt;br /&gt;
auf sich gestellt, ohne die leibhaftige, stärkende Anwesenheit ‘Abdu’l-Bahás, &lt;br /&gt;
in unbeugsamer Standhaftigkeit und Tatkraft ihre Treue zu dem&lt;br /&gt;
nun heimgegangenen Mittelpunkt des Bündnisses Bahá’u’lláhs bewies, und&lt;br /&gt;
die mit ihren weisen Ratschlägen und wunderbaren schriftlichen Zeugnissen &lt;br /&gt;
als eine ebenso würdige wie fähige Repräsentantin bis zum Eintreffen&lt;br /&gt;
Shoghi Effendis in Haifa im Mittelpunkt der Bahá’í-Welt stand. „Nicht&lt;br /&gt;
nur, daß sie bis zu diesem Zeitpunkt das Buch vom ‚Willen und Testament‘ &lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás in sicherer Verwahrung hielt; sie war auch in den&lt;br /&gt;
folgenden vollen acht Monaten, bevor Shoghi Effendi sein Amt übernahm,&lt;br /&gt;
die einzige, die die Bahá’í-Gemeinschaft führte. Während dieser Zeit&lt;br /&gt;
sandte sie überallhin auf der Welt ihre wertvollen Anweisungen und &lt;br /&gt;
erleuchtete damit die heilige Stadt Gottes.“ (Sulaymání) &amp;lt;sup&amp;gt;19)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der ‚Jugendliche Ast‘, war über der plötzlichen Nachricht &lt;br /&gt;
vom Tode ‘Abdu’l-Bahás so erschüttert, daß er mehrere Male in Ohnmacht fiel &lt;br /&gt;
und erst Wochen später in Begleitung der Lady Bloomfield die&lt;br /&gt;
Reise nach Haifa antreten konnte. Zu stark getroffen von dem unvermutet&lt;br /&gt;
raschen Verlust des Großvaters und überwältigt von der Last der nun auf&lt;br /&gt;
ihn fallenden Verantwortung, dauerte es nicht weniger als acht Monate,&lt;br /&gt;
bis er sich so weit erholt hatte, daß er sein schweres Amt antreten konnte.&lt;br /&gt;
�{{page|398|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
In seinem Nachruf für diejenige, die so selbstverständlich und würdig jene&lt;br /&gt;
Zeit überbrückte, deutet er darauf hin, wenn er schreibt: „Welche von den&lt;br /&gt;
Segnungen soll ich aufzählen, mit denen sie mich in ihrer nie versagenden&lt;br /&gt;
Besorgnis in den kritischsten und bewegtesten Stunden meines Lebens&lt;br /&gt;
überschüttete? Für mich, der ich die lebensspendende Gnade Gottes so&lt;br /&gt;
bitter nötig hatte, war sie das lebende Symbol manch einer Eigenschaft,&lt;br /&gt;
die ich in ‘Abdu’l-Bahá zu bewundern gelernt hatte. Sie war für mich eine&lt;br /&gt;
beständige Erinnerung an Seine inspirierende Persönlichkeit, Seine ruhige&lt;br /&gt;
Ergebenheit, Seine Freigebigkeit und Seine Großmut. Für mich war sie die&lt;br /&gt;
Verkörperung Seiner gewinnenden Huld, Seiner allumfassenden Zärtlichkeit &lt;br /&gt;
und Liebe ...“ &amp;lt;sup&amp;gt;20)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wiederum ist es Shoghi Effendi, der von ihrer erhabenen Stufe ein&lt;br /&gt;
Bild entworfen und uns übermittelt hat, dem nicht nur nichts hinzuzufügen &lt;br /&gt;
ist, sondern dessen Inhalt erst in Generationen allmählich gewürdigt &lt;br /&gt;
werden kann, ein Bild jener Würde, mit der sie die unschätzbare Erbschaft &lt;br /&gt;
angetreten hatte, die Bahá’u’lláh ihr vermachte: „... Eine Reinheit&lt;br /&gt;
des Lebens, die sich in den kleinsten Einzelheiten ihrer täglichen &lt;br /&gt;
Beschäftigungen spiegelte; eine Zartheit des Herzens, die jeden Unterschied &lt;br /&gt;
von Glaubensbekenntnissen, Klasse und Farbe auslöschte; eine Ergebung und&lt;br /&gt;
Heiterkeit, die die Ruhe und heroische Stärke des Báb ins Gedächtnis &lt;br /&gt;
zurückrief; eine natürliche Liebe zu Blumen und Kindern, die so charakteristisch &lt;br /&gt;
war für Bahá’u’lláh; eine außerordentliche Geselligkeit, die sie&lt;br /&gt;
jedermann zugänglich machte, und eine Großmut und Liebe, gleichzeitig&lt;br /&gt;
uneigennützig und keinen Unterschied machend, die so deutlich die Attribute &lt;br /&gt;
von ‘Abdu’l-Bahás Charakter widerspiegelte; eine Heiterkeit, die&lt;br /&gt;
kein Kummer trüben konnte ... und eine verzeihende Natur, die im&lt;br /&gt;
Augenblick den unnachgiebigsten Gegner entwaffnete, alle diese &lt;br /&gt;
Eigenschaften gehören zu den hervorragendsten Attributen eines &lt;br /&gt;
heiligen Lebens, das von der Geschichte anerkannt werden wird als &lt;br /&gt;
mit einer himmlischen Stärke ausgestattet, die nur wenige von den &lt;br /&gt;
Helden der Vergangenheit besaßen.“ &amp;lt;sup&amp;gt;21)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
�{{page|399|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi wendet sich an sie mit folgenden Worten: „... Innig &lt;br /&gt;
geliebtes Größtes Heiliges Blatt! Obgleich die Schatten des Grabes uns &lt;br /&gt;
trennen, kann ich noch in Deine blauen, liebeerfüllten Augen schauen und in&lt;br /&gt;
ihrer ruhigen Tiefe die unendliche Liebe spüren, die Du für die Sache&lt;br /&gt;
Deines allmächtigen Vaters fühltest, die Anhänglichkeit, die Dich dem &lt;br /&gt;
Geringsten und Unbedeutendsten Seiner Anhänger verband, und die warme&lt;br /&gt;
Liebe, die Du für mich in Deinem Herzen hegtest. Die Erinnerung an die&lt;br /&gt;
unbeschreibliche Schönheit Deines Lächelns wird nie aufhören, mich zu&lt;br /&gt;
ermutigen und anzufeuern auf dem dornigen Pfade, der mir zu gehen bestimmt &lt;br /&gt;
ist. Das Andenken an die Berührung Deiner Hand wird mich anspornen, dir &lt;br /&gt;
beständig in Deinen Spuren zu folgen. Der holde Zauber Deiner Stimme wird &lt;br /&gt;
mich in Stunden dunkelster Not gemahnen, das Seil zu ergreifen, an das &lt;br /&gt;
Du dich Dein ganzes Leben lang so fest gehalten hast ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Helga Ahmedzadeh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; ein Ehrentitel, den Bahá’u’lláh Seiner Frau verlieh&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; bürgerlicher Name Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Kerker von Tihrán, ehemaliges Wasserreservoir, ein „schwarzes Loch“&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Shoghi Effendi, Nachruf für das Größte Heilige Blatt, aus „Guidance for Today and Tomorrow“, London 1953, p. 59 ff.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 59&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Frankfurt/Oxford 1954, S. 395&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; Zitiert aus einem Brief Shoghi Effendis an die Bahá’í in Persien vom 13. 12. 1932, deutsch von Dr. A. Ahmedzadeh und D. Maani&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt; ‘Abdu’l-Bahá, zit. in &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 69&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; Mírzá Yahyá, Halbbruder und Widersacher Bahá’u’lláhs, der sich Subh-i-Azal („Morgenröte der Ewigkeit“) nannte&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 60&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;11)&amp;lt;/sup&amp;gt; Azizu’lláh Sulaymání, in einem Brief an Dr. Ahmedzadeh&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;12)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 61&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;13)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;14)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 64&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;15)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 65&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;16)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 65£.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;17)&amp;lt;/sup&amp;gt; nach Sulaymání, wie &amp;lt;sup&amp;gt;11)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;18)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 67&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;19)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;11)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;20)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 67&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;21)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;, p. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Was sagt die Wissenschaft über dıe Bahá’í- Religion? (II)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begründer der neuen Religion, die die Bezeichnung „Bahá’í-Religion“&lt;br /&gt;
nach seinem Namen (wörtlich „Herrlichkeit“ oder „Strahlenglanz Gottes“)&lt;br /&gt;
annahm. In Persien ist diese Religion als Amr-i-Bahá’í („Bahá’í-Sache“,&lt;br /&gt;
Amr = „Befehl, Geheiß“) oder Amru’lláh („Sache Gottes“) bekannt; das&lt;br /&gt;
Adjektiv amri wird für Veröffentlichungen und sonstige Dinge, die mit&lt;br /&gt;
dem Glauben zusammenhängen, verwandt, z. B. Nashriyyát-i-amri („religiöse &lt;br /&gt;
Schriften“) usw. Von seinen Anhängern wird Bahá’u’lláh gewöhnlich &lt;br /&gt;
Jamál-i-Mubárak („die gesegnete Schönheit“) oder Jamál-i-Qidam („die &lt;br /&gt;
altehrwürdige Schönheit“) genannt. Sein ursprünglicher&lt;br /&gt;
Name war Mírzá Husayn-&#039;Alí Núrí (nach Núr in Mázindarán, der&lt;br /&gt;
Heimat seiner Familie). Er wurde am 2. Muharram 1233 (12. November &lt;br /&gt;
1817) in Tihrán geboren, als Sohn einer adeligen Familie, die dem&lt;br /&gt;
persischen Hof verschiedene Minister stellte. Nach der Bahá’í-Überlieferung &lt;br /&gt;
und seinem eigenen schriftlichen Zeugnis besuchte er nie eine&lt;br /&gt;
Schule. Er war eine zutiefst religiöse Persönlichkeit. In einem seiner&lt;br /&gt;
Werke (Lawh-i-Rai’s = „Sendschreiben an den Minister“, den Großwesir &lt;br /&gt;
‘Ali Pashá in Konstantinopel) erzählt er, wie er schon in früher&lt;br /&gt;
Kindheit zu religiösen Gedanken bewegt wurde, als er ein Puppenspiel&lt;br /&gt;
besuchte und sah, wie die Puppen nach der Vorstellung mit ihrem &lt;br /&gt;
eindrucksvollen Gepränge lieblos in die Schachteln zurückgelegt wurden;&lt;br /&gt;
damals sei in ihm der Gedanke an die Hinfälligkeit und Nichtigkeit&lt;br /&gt;
menschlicher Macht geweckt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Báb im Jahre 1260 (1844) seine Sendung erklärt hatte,&lt;br /&gt;
wurde Bahá’u’lláh einer seiner ersten Schüler und teilte das Schicksal&lt;br /&gt;
der Bábí. Bahá’u’lláh kannte den Báb nicht persönlich; nach einer Stelle&lt;br /&gt;
des „Briefs an den Sohn des Wolfes“ (page 165) hat er auch nie den&lt;br /&gt;
Bayán gelesen, den er dennoch auswendig kannte. 1852 wurde er nach&lt;br /&gt;
�{{page|400|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
dem Attentat auf Násiri’d-Din Sháh verhaftet und in das Gefängnis von&lt;br /&gt;
Tihrán geworfen, das unter dem Namen Siyáh-Chál („schwarzes Loch“)&lt;br /&gt;
bekannt ist. Er schmachtete dort von August 1852 bis 12. Januar 1853.&lt;br /&gt;
In seinem Buch Lawh-i-Ibn-i-Dhi’b („Brief an den Sohn des Wolfes“)&lt;br /&gt;
oder Kitábu’l-Shaykh („Buch des Shaykhs“) erzählt er die Geschichte &lt;br /&gt;
seiner Überführung in Ketten von Niyávarán (nördlich der persischen &lt;br /&gt;
Hauptstadt am Gebirgsrand) nach Tihrán und seiner aufschlußreichen &lt;br /&gt;
mystischen Erlebnisse im Kerker während der langen Nächte, die er dort, ohne&lt;br /&gt;
Schlaf wegen der schweren Ketten um Nacken, Arme und Beine, zubringen mußte. &lt;br /&gt;
Es schien ihm, so berichtet er (page 21), als ob er eine Stimme&lt;br /&gt;
hörte, die ihm zurief: „Wahrlich, Wir werden Dich siegreich machen&lt;br /&gt;
durch Dich Selbst und durch Deine Feder... Fürchte Dich nicht, denn&lt;br /&gt;
Du bist in Sicherheit. Binnen kurzem wird Gott die Schätze der Erde &lt;br /&gt;
erstehen lassen — Menschen, die Dir beistehen werden durch Dich selbst&lt;br /&gt;
und durch Deinen Namen, durch welchen Gott die Herzen derer belebt,&lt;br /&gt;
die Ihn erkannt haben.“ Ein andermal war es ihm, als fließe ihm ein&lt;br /&gt;
starker Wasserstrom vom Haupt herab über die Brust, „einem mächtigen&lt;br /&gt;
Sturzbach gleich, der sich vom Gipfel eines hohen Berges zu Tal ergießt“.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis sehen die Bahá’í als die ersten Anfänge der prophetischen &lt;br /&gt;
Sendung ihres Religionsstifters an. Mit seiner ganzen Familie&lt;br /&gt;
nach dem ‘Iráq verbannt, nachdem alle seine Besitzungen beschlagnahmt &lt;br /&gt;
worden waren, lebte Bahá’u’lláh in Baghdád, wo sein geistiger&lt;br /&gt;
Einfluß auf die verbannten Bábí ständig zunahm, während sich der seines &lt;br /&gt;
Halbbruders Mírzá Yahyá, bekannt unter dem Namen Subh-i-Azal,&lt;br /&gt;
den ihm der Báb gegeben hatte, immer mehr verringerte. Von 1854 bis&lt;br /&gt;
1856 zog sich Bahá’u’lláh nach Kurdistán zurück; er streifte dort als &lt;br /&gt;
Derwisch durch die Berge um Sulaymániyyih. Nach seiner Rückkehr nach&lt;br /&gt;
Baghdád veranlaßte sein wachsender Einfluß und die zahllosen Besucher, &lt;br /&gt;
die selbst aus Persien zu ihm strömten, den persischen Konsul,&lt;br /&gt;
seine sofortige Weiterverbannung nach Konstantinopel zu fordern. Kurz&lt;br /&gt;
vor seiner Abreise am 21. April 1863 erklärte sich Bahá’u’lláh im Garten&lt;br /&gt;
des Najíb Páshá bei Baghdád — von den Bahá’í Bágh-i-Ridván genannt — vor &lt;br /&gt;
einigen auserwählten Anhängern als „Der, Den Gott offenbaren werde“ &lt;br /&gt;
(Man-Yuzhiruhu’lláh), wie vom Báb verheißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbannten erreichten Konstantinopel im August und wurden nach&lt;br /&gt;
einigen Monaten nach Edirne weitergeschickt, wo sie im Dezember 1863&lt;br /&gt;
ankamen. In Edirne erklärte Bahá’u’lláh seine prophetische Sendung&lt;br /&gt;
öffentlich; er sandte Briefe (die, wie alle Briefe Bahá’u’lláhs, unter der&lt;br /&gt;
Bezeichnung Lawh, Pl. Alváh = „Sendschreiben, Tablets“, bekannt sind)&lt;br /&gt;
an verschiedene Herrscher und lud sie ein, seine Sache zu unterstützen.&lt;br /&gt;
Der größte Teil der Bábí entschied sich damals für ihn. Die &lt;br /&gt;
Auseinandersetzungen mit der Minderheit, die Subh-i-Azal folgte, führte zu &lt;br /&gt;
Vorfällen, welche die türkische Regierung veranlaßten, jene in Edirne, die sich&lt;br /&gt;
fortan Bahá’í nannten, nach ‘Akká, die anderen nach Zypern zu verbannen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im August 1868 kamen Bahá’u’lláh und seine Familie in ‘Akká an.&lt;br /&gt;
Eine strenge Einkerkerung in der Festung dauerte bis 1877; später wurde&lt;br /&gt;
es Bahá’u’lláh erlaubt, in ein Landhaus überzusiedeln, das er in Mazra’ih&lt;br /&gt;
gemietet hatte. Zwischen 1288 (1871) und 1290 (1874) befaßte sich Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
�{{page|401|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
mit der Niederschrift des grundlegenden Werks seiner Religion,&lt;br /&gt;
des Kitáb-i-Aqdas (des „heiligsten Buches“). Um 1880 durfte er seinen&lt;br /&gt;
Wohnsitz in die Nähe ‘Akkás, nach Bahjí, verlegen, wo er nach einer&lt;br /&gt;
Krankheit von mehreren Tagen am 29. Mai 1892 verschied. 1890 hatte er&lt;br /&gt;
dort Prof. E. G. Browne empfangen, den einzigen Europäer, der ihm &lt;br /&gt;
persönlich begegnete und der einen tiefen Eindruck von dem Besuch bei&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh mit sich nahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Bibliographie:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Hauptwerke Bahá’u’lláhs: }}Kitáb-i-Aqdas (arabisch), herausgegeben &lt;br /&gt;
und ins Russische übersetzt von A. Tumanski (Zapiski Imp.&lt;br /&gt;
Akad. Nauk., Hist.-Phil. Class., Reihe VIII, Band VI, St. Petersburg 1899);&lt;br /&gt;
Kitáb-i-Iqán (persisch); Tihrán o. D., französische Übersetzung von I. Dreyfus &lt;br /&gt;
„Le Livre de la Certitude“, Paris 1904, englische Übersetzung von Shoghi Effendi &lt;br /&gt;
„The Book of Certitude“, Wilmette 1943, deutsch „Das Buch der Gewißheit“, &lt;br /&gt;
Frankfurt 1958; Haft-Vádí und Chahár-Vádi (persisch), deutsch „Sieben Täler — Vier Täler“ &lt;br /&gt;
Frankfurt 1963; Kalimát-i-Maknúnih (persisch und arabisch), englische Übersetzung von &lt;br /&gt;
Shoghi Effendi „The Hidden Words“, London 1944, deutsch „Verborgene Worte“,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1948; Majmú‘a-i-Matbú‘a-i-Alwáh-i-Mubárakiyyih Hadrat-i-Bahá’u’lláh, &lt;br /&gt;
Kairo 1338 (1920), wichtige kurze Werke Bahá’u’lláhs; Law-i-Ibn-i-Dhi’b oder &lt;br /&gt;
Kitábu’l-Shaykh, Kairo 1338 (1920), englische Übersetzung von Shoghi Effendi &lt;br /&gt;
„Epistle to the Son of the Wolf“, Wilmette/Ill. 1941/1953, deutsch „Brief an den &lt;br /&gt;
Sohn des Wolfes“ (erscheint demnächst); Kitáb Bahá’u’lláh ila‘l-Sultán Násiri‘d-Dín &lt;br /&gt;
Sháh, Kairo 1330 (1912); Súriy-i-Mulúk (Sendschreiben an die Könige); &lt;br /&gt;
Ad‘iyyih Hadrat-i-Mahbúb, Kairo 1339 (1921), verschiedene Gebete Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
einschließlich der Pflichtgebete;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Anthologien in englischer Übersetzung:}} Shoghi Effendi,&lt;br /&gt;
„Gleanings from the Writings of Bahá’u’lláh“, New York 1935, deutsch&lt;br /&gt;
„Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs“, Frankfurt 1956; dgl., „Prayers&lt;br /&gt;
and Meditations“, New York 1938, deutsch „Gebete und Andachten“,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1963; „Selected Writings of Bahá’u’lláh“, Wilmette 1942; &lt;br /&gt;
„Bahá’í World Faith“, Wilmette 1943/1956 (Übersetzung zahlreicher kürzerer&lt;br /&gt;
Schriften Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Über sein Leben bis 1853:}} Nabíl Zarandí, Ta’ríkh-i-Nabíl, &lt;br /&gt;
englische Übersetzung von Shoghi Effendi „The Dawn Breakers, History of&lt;br /&gt;
the Early Days of the Bahá’í Revelation“, New York 1932.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Über die folgenden Jahre:}} Shoghi Effendi, „God passes by“,&lt;br /&gt;
Wilmette 1945, deutsch „Gott geht vorüber“, Oxford/Frankfurt 1954. Der&lt;br /&gt;
Tod Bahá’u’lláhs wird beschrieben in Nabíl Zarandí, &lt;br /&gt;
Ta’rikh-i-Su‘úd-i-Hadrat-i-Bahá’u’lláh, Kairo 1342 (1924), mit einem Mathnavi &lt;br /&gt;
desselben Verfassers über die Bahá’í-Geschichte sowie dem Testament Bahá’u’lláhs,&lt;br /&gt;
dem Kitáb-i-‘Ahd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;A. Bausani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
Aus „Encyclopaedia of Islam — New Edition“, Leyden/London, seit 1954 p. 911 ff.,&lt;br /&gt;
mit freundlicher Genehmigung der Verlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|402|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Sendung von Bahá’u’lláh===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Worte von Bahá’u’lláh aus verschiedenen Schriften&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bezeuge vor Gott die Größe, die unfaßbare Größe dieser Offenbarung. &lt;br /&gt;
Wieder und immer wieder haben Wir in den meisten Unserer Tablets für &lt;br /&gt;
diese Wahrheit Zeugnis abgelegt, auf daß die Menschheit aus&lt;br /&gt;
ihrer Nachlässigkeit erwache...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er (Bahá’u’lláh) ist die Offenbarung des Unerkennbaren, des Unsichtbarsten &lt;br /&gt;
alles Unsichtbaren, vermöchtet ihr es doch zu begreifen! Er ist es, der den &lt;br /&gt;
verborgenen und verwahrten Edelstein offen vor euch hinlegt, wolltet ihr ihn &lt;br /&gt;
doch suchen! Er ist der Geliebte von allem, was vergangen und künftig ist, &lt;br /&gt;
wolltet ihr doch Herz und Hoffnung auf Ihn richten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist es, dessen Name im Alten Testament Jehova war, der im Evangelium als &lt;br /&gt;
„der Geist der Wahrheit“ bezeichnet und im Qur’án als „die große Verkündung“ &lt;br /&gt;
angerufen wurde...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ganze Menschengeschlecht hat sich nach diesem Tag gesehnt, damit&lt;br /&gt;
er vielleicht erfülle, was seiner Stufe geziemt und seines Schicksals wert&lt;br /&gt;
ist. Gesegnet der Mensch, den die Dinge der Welt nicht davon abhalten&lt;br /&gt;
konnten, Ihn, den Herrn aller Dinge, zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Anhänger des Evangeliums, sehet hin, die Tore des Himmels sind&lt;br /&gt;
weit geöffnet. Er, der zum Himmel aufgefahren war, ist nun gekommen.&lt;br /&gt;
Hört auf Seine Stimme, die laut über Länder und Meere hinschallt und&lt;br /&gt;
die ganze Menschheit mit dem Anbruch dieser Offenbarung bekannt&lt;br /&gt;
macht, einer Offenbarung, durch deren Wirken die Zunge der Erhabenheit &lt;br /&gt;
verkündet: „Seht, das heilige Liebespfand ist nun eingelöst, denn Er,&lt;br /&gt;
der Verheißene, ist gekommen.“ Die Stimme des Menschensohnes ruft&lt;br /&gt;
laut aus dem geheiligten Tal: „Hier bin ich, hier bin ich, o Gott, mein&lt;br /&gt;
Gott!“ ... während aus dem brennenden Busch der Schrei erschallt: „Seht,&lt;br /&gt;
der Ersehnte der Welt ist geoffenbart in Seiner erhabenen Herrlichkeit!“&lt;br /&gt;
Der Vater ist gekommen! Was euch verheißen worden ist im Reiche Gottes, &lt;br /&gt;
ist erfüllt. Dies ist das Wort, das der Sohn verhüllte, als Er zu den&lt;br /&gt;
Jüngern sprach, daß sie „es heute noch nicht tragen“ könnten... Wahrlich, &lt;br /&gt;
der Geist der Wahrheit ist gekommen, der euch in die ganze Wahrheit &lt;br /&gt;
leitet... Er ist der Eine, der den Sohn verherrlichte und Seine Sache&lt;br /&gt;
erhöhte...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort, das der Sohn verbarg, ist offenbar geworden. Er wurde an&lt;br /&gt;
diesem Tag herabgesandt in der Gestalt des menschlichen Körpers. &lt;br /&gt;
Gesegnet sei der Herr, welcher der Vater ist! Er, wahrlich, ist zu &lt;br /&gt;
den Völkern in Seiner größten Majestät gekommen. Wende dein Angesicht Ihm&lt;br /&gt;
zu, o Schar der Rechtschaffenen!... Dies ist der Tag, da der Fels (Petrus)&lt;br /&gt;
ausruft und jauchzt und den Lobpreis seines Herrn, des Allbesitzenden,&lt;br /&gt;
des Höchsten verherrlicht mit den Worten: „Sehet, der Vater ist gekommen, &lt;br /&gt;
und was euch verheißen ward im Königreich, das ist erfüllt!...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tröster, dessen Kommen alle Schriften verheißen haben, ist nun&lt;br /&gt;
da, damit Er euch alle Erkenntnis und Weisheit offenbare. Sucht Ihn auf&lt;br /&gt;
dem ganzen Erdenrund, damit ihr Ihn vielleicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
�{{page|403|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neun Eigenschaften, an denen der Offenbarer zu erkennen ist===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Worte von ‘Abdu’l-Bahá)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1.&#039;&#039;&#039; Der Offenbarer muß der Erzieher der Menschheit sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;2.&#039;&#039;&#039; Seine Lehren müssen allumfassend sein und der Menschheit Erleuchtung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;3.&#039;&#039;&#039; Sein Wissen muß angeboren und ursprünglich, nicht erworben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4.&#039;&#039;&#039; Er muß fähig sein, die Fragen der Gelehrten und Weisen zu beantworten und die &lt;br /&gt;
Probleme der Menschheit zu lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;5.&#039;&#039;&#039; Er muß Freude und Glückseligkeit bringen und ein Herold&lt;br /&gt;
des Reiches Gottes sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6.&#039;&#039;&#039; Sein Wissen muß unbegrenzt und Seine Weisheit allumfassend sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;7.&#039;&#039;&#039; Die Kraft Seiner Worte und die Macht Seines Geistes&lt;br /&gt;
müssen so groß sein, daß selbst Seine schlimmsten Feinde&lt;br /&gt;
überwunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8.&#039;&#039;&#039; Sorge und Trübsale dürfen Ihn nicht bedrücken. Sein Heldenmut und Seine Überzeugung &lt;br /&gt;
müssen von göttlicher Kraft getragen sein. Tag für Tag muß Er stärker und mächtiger werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9.&#039;&#039;&#039; Er muß der Begründer der Weltordnung, der Vereiniger der Religion, der Bannerträger &lt;br /&gt;
des Weltfriedens und die Verkörperung der höchsten und edelsten menschlichen Tugenden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ihr diese Eigenschaften in einem Menschen verwirklicht findet, so schaut &lt;br /&gt;
zu ihm auf als eurem Führer und Erleuchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Manifestation Gottes gleicht der Sonne, welche verschiedene Aufgangspunkte &lt;br /&gt;
hat. Die Aufgangspunkte ändern sich, aber die Sonne bleibt immer dieselbe. Die &lt;br /&gt;
Lampen sind verschieden, aber das Licht ist immer das gleiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|404|file=Baha&#039;i_Briefe_16.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peter Bamm: „Welten des Glaubens. Aus den Frühzeiten des Christentums“, 380 Seiten, 350 Abbildungen, Knaur-Taschenbücher 1, München 1963&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kulturhistorische Werk des bekannten Schriftstellers und Arztes ist nun&lt;br /&gt;
auch in einer wohlfeilen Taschenbuchausgabe auf dem Markt. Die Fülle und&lt;br /&gt;
Flüssigkeit der Darstellung, weitgehend im Stil einer Reportage zu den Bildern, &lt;br /&gt;
versöhnt nicht ganz mit der Tatsache, daß das Buch der Tendenz nach&lt;br /&gt;
ein Bekenntnis zur Überlegenheit des Christentums und der abendländischen&lt;br /&gt;
Kultur ist — eine Haltung, die nicht erst durch die Ereignisse der neuesten&lt;br /&gt;
Geschichte fragwürdig geworden ist. Interpolationen unter dem Motto: „Was&lt;br /&gt;
wäre geschehen, wenn... “ sind immer ein Wagnis, vor dem ernsthafte Forscher &lt;br /&gt;
insbesondere dann zurückschrecken sollten, wenn das Ergebnis zu einer&lt;br /&gt;
negativen Aussage wird: Der Verfasser stellt die Araber mit den Hunnen,&lt;br /&gt;
den Mongolen und den Türken auf eine Stufe (S. 343) und ist der festen&lt;br /&gt;
Überzeugung, daß Niederlagen bei Tours und Poitiers, auf den Katalaunischen &lt;br /&gt;
Feldern, auf dem Lechfeld usw. jeweils zur Vernichtung Europas geführt hätten. &lt;br /&gt;
Für ihn sind die Araber barbarische Eindringlinge, die die&lt;br /&gt;
blühende oströmische Kultur vernichtet haben, und Byzanz erscheint ihm als&lt;br /&gt;
das Bollwerk der abendländischen Zivilisation gegen die Wüste. Er geht bis&lt;br /&gt;
zu der Behauptung, wenn Byzanz nicht christlich gewesen wäre, hätte Zeus&lt;br /&gt;
gegen Allah kämpfen müssen. Zwar entschuldigt er sich für die Komik dieses&lt;br /&gt;
Anachronismus, fährt dann aber fort: „Wie die Auseinandersetzung zwischen &lt;br /&gt;
den Göttern des Olymp und den Streitern Mohammeds ausgegangen&lt;br /&gt;
wäre, kann wohl nicht zweifelhaft sein, wenn man die Kraft der Ideen, die&lt;br /&gt;
da einander gegenübergestanden hätten, in Rechnung stellt (S. 140 f.).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie muß es im Bewußtsein eines Kulturforschers aussehen, der die blühende&lt;br /&gt;
islamische Kultur des Mittelalters nicht als Zwischenträger, geschweige denn&lt;br /&gt;
als selbständige Fortentwicklung zwischen Antike und Moderne sieht? Wie kann &lt;br /&gt;
ein überzeugter Christ glauben, auf den — ausdrücklich erwähnten — Jüngsten &lt;br /&gt;
Tag vorbereitet zu sein, wenn er die Offenbarung Muhammads nicht&lt;br /&gt;
als eine weitere Stufe im Heilsplan Gottes für die Menschheit erfaßt? Wie&lt;br /&gt;
können wir der wachsenden Notwendigkeit einer Integration aller menschlichen &lt;br /&gt;
Belange gewachsen sein, wenn wir nicht die außereuropäischen Kulturen und &lt;br /&gt;
deren Entwicklung gleichberechtigt und verzahnt mit unserer&lt;br /&gt;
abendländischen Zivilisation sehen? Das sind Fragen, die über den Rahmen&lt;br /&gt;
einer populärwissenschaftlichen Betrachtung der Frühzeit des Christentums&lt;br /&gt;
hinausgehen mögen, die sich aber jeder Bearbeiter eines solchen &lt;br /&gt;
Wissensgebietes stellen muß, wenn sein Werk Nutzen bringen und &lt;br /&gt;
Bestand haben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Peter Mühlschlegel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 7022 Leinfelden, Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 35 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: Fritz Liedtke, 7 Stuttgart-Vaihingen, Bischoffstr. 18, Tel. (07 11) 78 33 93.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —.80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an Bahá’í-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstr. 24, Postscheckkonto &lt;br /&gt;
Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Bahai Briefe/Heft 15/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Januar 1964&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 14/Text|Heft 14]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 16/Text|Heft 16]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|355|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Offenbarer Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sagt die Wissenschaft über die Bahá’í-Religion?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der „stumme Lehrer“ von Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Judentum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Paul Tillich in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JANUAR 1964 HEFT 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20 155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|356|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|357|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Einheit der Offenbarer Gottes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache in New York am 16. Juni 1912&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist eine erhabene Andachtsstätte, eine edle Gemeinde, denn — Gott&lt;br /&gt;
sei gelobt — es ist ein Gotteshaus, in dem Überzeugungen und Ansichten&lt;br /&gt;
frei geäußert werden können. Jede Religion, jede gläubige Sehnsucht kann&lt;br /&gt;
hier frei verkündet und ausgedrückt werden. Wie in der Welt des Politischen, &lt;br /&gt;
so sollte auch in der Welt der Religion das Recht der uneingeschränkten &lt;br /&gt;
persönlichen Überzeugung herrschen. Seht, welch großer Unterschied besteht &lt;br /&gt;
zwischen moderner Demokratie und den alten Formen des&lt;br /&gt;
Despotismus. In der Diktatur sind die Menschen in ihren Meinungen nicht&lt;br /&gt;
frei, jede Entwicklung wird erstickt; in der Demokratie hingegen herrscht&lt;br /&gt;
umfassender Fortschritt, weil Gedanken und Rede nicht beschränkt sind.&lt;br /&gt;
Wo immer sich die Freiheit der Überzeugung, die Freiheit der Gedanken&lt;br /&gt;
und das Recht der freien Meinungsäußerung durchgesetzt haben, das heißt,&lt;br /&gt;
wo jeder nach eigenem Belieben seiner Auffassung Ausdruck verleihen&lt;br /&gt;
kann, sind Entwicklung und Wachstum unausbleiblich. Darum ist dies hier&lt;br /&gt;
eine gesegnete Kirche. Ihre Kanzel steht jeder Religion zur Verfügung;&lt;br /&gt;
jede kann ihre Ideale in Offenheit und Freiheit darlegen. Dafür bin Ich&lt;br /&gt;
auch dem hochwürdigen Herrn Pfarrer überaus dankbar. Ich betrachte ihn&lt;br /&gt;
in der Tat als einen Diener an der Einheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligen Manifestationen, Die die Quellen oder Gründer der &lt;br /&gt;
verschiedenen religiösen Systeme waren, sind in Ihrer Absicht und in Ihren&lt;br /&gt;
Lehren eins und stimmen miteinander überein. Seine Heiligkeit Abraham,&lt;br /&gt;
Moses, Zarathustra, Buddha, Jesus, Muhammad, der Báb und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
sind eins in Ihrem Geist und in Ihrer Wirklichkeit. Überdies erfüllt jeder&lt;br /&gt;
Prophet die Verheißung Dessen, Der Ihm vorausgegangen war; auch kündete &lt;br /&gt;
Jeder von Ihnen Denjenigen an, Der Ihm nachfolgen werde. Seht, wie&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit Abraham das Kommen von Moses voraussagte, und wie&lt;br /&gt;
Moses die Angaben Abrahams verkörperte. Seine Heiligkeit Moses &lt;br /&gt;
prophezeite den Zeitabschnitt des Messias, und Seine Heiligkeit Christus &lt;br /&gt;
erfüllte das Gesetz Mose. Es ist deshalb einleuchtend, daß die heiligen &lt;br /&gt;
Manifestationen, Die die Religionssysteme begründeten, vereint sind und &lt;br /&gt;
übereinstimmen; zwischen Ihren Sendungen und Lehren kann nicht unterschieden &lt;br /&gt;
werden. Sie alle strahlen die Wirklichkeit wider und verkünden&lt;br /&gt;
die Religion Gottes. Die Religion Gottes ist die Wirklichkeit, und die &lt;br /&gt;
Wirklichkeit ist nicht vielschichtig, sondern eins. Deshalb sind die Grundlagen&lt;br /&gt;
der Religionssysteme eins: Alle gehen von der unteilbaren Wirklichkeit&lt;br /&gt;
aus. Die Anhänger dieser Systeme jedoch sind uneins geworden. Zwietracht, &lt;br /&gt;
Streit und Krieg haben sich zwischen ihnen erhoben, denn sie&lt;br /&gt;
haben die Grundlage verlassen und sich an das gehalten, was nur &lt;br /&gt;
Nachahmung und äußere Form ist. Da diese Nachahmungen voneinander &lt;br /&gt;
{{page|358|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
abweichen, sind Streit und Feindschaft entstanden. So hat zum Beispiel&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit Jesus Christus — möge Mein Geist ein Opfer für Ihn &lt;br /&gt;
sein — die Grundlage ewiger Wirklichkeit gelegt, aber nach Seinem &lt;br /&gt;
Hinscheiden sind viele Sekten und Spaltungen in der Christenheit aufgetreten. &lt;br /&gt;
Wie ist es dazu gekommen? Zweifellos gehen diese Spaltungen auf&lt;br /&gt;
dogmatische Nachahmungen zurück, sind doch die Grundlagen, die &lt;br /&gt;
Christus gelegt hat, die Wirklichkeit selbst, innerhalb deren es &lt;br /&gt;
keine Abweichungen gibt. Wo immer Nachahmungen in Erscheinung traten, &lt;br /&gt;
bildeten sich Sekten und Konfessionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Christen aller Richtungen und Konfessionen die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
erforschen, werden die Grundlagen Seiner Heiligkeit Christi sie &lt;br /&gt;
zusammenführen. Keine Feindschaft, kein Haß werden zurückbleiben; denn sie&lt;br /&gt;
werden unter der Führung der Wirklichkeit selbst stehen. Genauso ist es&lt;br /&gt;
im großen Maßstab: Wenn sich alle bestehenden Religionssysteme von &lt;br /&gt;
vorväterlichen Nachahmungen abwenden, die Wirklichkeit erforschen und die&lt;br /&gt;
wahre Bedeutung der heiligen Bücher zu ergründen suchen, werden sie&lt;br /&gt;
sich vereinen und auf derselben Grundlage, der Wirklichkeit, übereinstimmen. &lt;br /&gt;
Solange sie jedoch verfälschten Lehrsätzen oder Nachahmungen statt&lt;br /&gt;
jener Wirklichkeit anhängen, werden Feindseligkeit und Uneinigkeit &lt;br /&gt;
fortbestehen und sich noch vermehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christus und die Juden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt mich dies an einem Beispiel schildern. Seine Heiligkeit Moses und&lt;br /&gt;
die Propheten Israels sagten das Kommen des Messias vorher, aber sie&lt;br /&gt;
drückten sich in einer Symbolsprache aus. Als Seine Heiligkeit Christus&lt;br /&gt;
erschien, verwarfen Ihn die Juden, obwohl sie Seine Offenbarung erwartet&lt;br /&gt;
und in ihren Synagogen laut gefleht und gerufen hatten: „O Gott, &lt;br /&gt;
beschleunige das Kommen des Messias!“ Warum lehnten sie Ihn ab, als Er&lt;br /&gt;
Sich offenbarte? Weil sie urväterlichen Formen und Auslegungen nachfolgten &lt;br /&gt;
und vor der Wirklichkeit Christi blind waren. Die inneren Bedeutungen der &lt;br /&gt;
heiligen Bibel waren ihnen nicht aufgegangen. Laut schleuderten sie Ihm &lt;br /&gt;
ihre Einwände entgegen und sagten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir erwarten Seine Heiligkeit den Gesalbten, aber Dessen Kommen&lt;br /&gt;
hängt von der Erfüllung gewisser prophetischer Verkündigungen ab. Eines&lt;br /&gt;
der Zeichen Seines Erscheinens ist, daß Er von einem unbekannten Ort&lt;br /&gt;
kommen wird, wogegen der hier, welcher beansprucht, der Messias zu&lt;br /&gt;
sein, aus Nazareth kommt. Wir kennen seine Heimat und seine Mutter.&lt;br /&gt;
Zweitens: Eines der Zeichen, eine der Voraussetzungen des Messias ist,&lt;br /&gt;
daß Sein Szepter ein Stab von Eisen sei; aber dieser Christus hat nicht&lt;br /&gt;
einmal einen hölzernen Stock. Drittens: Er soll auf dem Throne Davids&lt;br /&gt;
sitzen, wogegen dieser messianische König in äußerster Armut lebt und&lt;br /&gt;
nicht einmal eine Sitzmatte hat. Viertens soll er den Osten und den&lt;br /&gt;
Westen erobern; dieser Mensch hat kein einziges Dorf erobert. Wie kann&lt;br /&gt;
er da der Messias sein? Fünftens: Er soll die Gesetze der Bibel verkünden. &lt;br /&gt;
Dieser hier hat es nicht nur versäumt, die Gesetze der Bibel zu verkünden; &lt;br /&gt;
er hat sogar das Gesetz des Sabbats gebrochen. Sechstens: Der&lt;br /&gt;
Messias soll alle Juden zusammenführen, die in Palästina verstreut sind,&lt;br /&gt;
und sie in Ruhm und Ehre wiedereinsetzen; aber dieser hat die Juden &lt;br /&gt;
erniedrigt, statt sie zu erhöhen. Siebtens: Während Seiner Herrschaft sollen&lt;br /&gt;
{{page|359|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
selbst die Tiere Segen und Behagen genießen, denn nach den prophetischen &lt;br /&gt;
Büchern soll Er in solch umfassendem Ausmaß Frieden schaffen,&lt;br /&gt;
daß der Adler und die Wachtel zusammenleben, der Löwe und das Reh&lt;br /&gt;
auf derselben Weide äsen, der Wolf und das Lamm auf derselben Au&lt;br /&gt;
nächtigen. Im Reich des Menschen soll aller Krieg zu Ende sein; Speere&lt;br /&gt;
sollen in Scheren umgeschmiedet werden und Schwerter in Pflugscharen.&lt;br /&gt;
Nun sehen wir, daß am Tage dieses ‚Möchtegern-Messias‘ solches Unrecht&lt;br /&gt;
herrscht, daß sogar er selbst dem zum Opfer fällt. Wie kann er da der&lt;br /&gt;
verheißene Christus sein?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so sprachen sie ruchlose Worte über Ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Juden waren versunken in einem Meer urväterlicher Nachahmungen; &lt;br /&gt;
deshalb konnten sie die Bedeutung dieser Prophezeiungen nicht &lt;br /&gt;
begreifen. Alle Äußerungen der Propheten waren erfüllt, aber da sich die&lt;br /&gt;
Juden hartnäckig an überkommene Auslegungen hielten, verstanden sie&lt;br /&gt;
die inneren Bedeutungen der heiligen Bibel nicht; darum verleugneten sie&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit Jesus Christus, den Messias. Der Sinn dieser prophetischen &lt;br /&gt;
Worte war nicht die äußere, buchstäbliche Bedeutung, sondern sie&lt;br /&gt;
hatten eine innere, symbolische Bewandtnis. Zum Beispiel war &lt;br /&gt;
vorausgesagt, der Messias werde von einem unbekannten Orte kommen. Dies bezog&lt;br /&gt;
sich nicht auf den Geburtsort des stofflichen Körpers Jesu, vielmehr auf&lt;br /&gt;
die Wirklichkeit Christi. Das will besagen, die Christuswirklichkeit sollte&lt;br /&gt;
aus dem Reich des Unsichtbaren erscheinen; denn die göttliche Wirklichkeit &lt;br /&gt;
Christi ist erhaben und geheiligt über den Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Schwert sollte ein Schwert von Eisen sein. Dies bedeutete Seine&lt;br /&gt;
Zunge, die das Wahre vom Falschen scheiden sollte; mit diesem mächtigen&lt;br /&gt;
Schwert sollte Er die Reiche der Herzen angreifen und erobern. Er eroberte &lt;br /&gt;
nicht durch die stoffliche Macht eines eisernen Stabes; Er eroberte&lt;br /&gt;
den Osten wie den Westen durch das Schwert Seines Wortes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er saß auf dem Throne Davids, aber Seine Herrschaft war nicht wie die&lt;br /&gt;
eines Napoleon, noch war es das vergängliche Reich eines Pharao. Das&lt;br /&gt;
Reich Christi ist immerwährend und ewig im Himmel des göttlichen&lt;br /&gt;
Willens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Seiner Verkündigung der biblischen Gesetze war die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
des Gesetzes Mose gemeint. Das Gesetz vom Sinai ist die Grundlage der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit des Christentums. Christus verkündete es und gab ihm einen&lt;br /&gt;
höheren, geistigen Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er eroberte und unterwarf den Osten und den Westen. Sein Heerzug&lt;br /&gt;
geschah durch den Odem des Heiligen Geistes, der alle Grenzen tilgte und&lt;br /&gt;
über allen Horizonten erstrahlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Seinem Tage sollten nach der Prophezeiung der Wolf und das Lamm&lt;br /&gt;
aus derselben Quelle trinken. Dies wurde in Christus Wirklichkeit. Die&lt;br /&gt;
Quelle, auf die sich diese Prophezeiung bezog, war das Evangelium, aus&lt;br /&gt;
dem sich das Wasser des Lebens ergoß. Der Wolf und das Lamm sind&lt;br /&gt;
feindliche und sich widerstreitende Rassen, die von diesen Tieren &lt;br /&gt;
symbolisiert werden. Ihr Zusammentreffen, ihre Vereinigung war unmöglich&lt;br /&gt;
gewesen; aber als sie an Jesus Christus glaubten, wurden sie, die früher&lt;br /&gt;
wie Wölfe und Lämmer zueinander standen, durch die Worte des &lt;br /&gt;
Evangeliums zusammengeschlossen.&lt;br /&gt;
{{page|360|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ich damit sagen will ist, daß alle diese Prophezeiungen in &lt;br /&gt;
Erfüllung gingen, aber da die Juden in urväterlichen Nachahmungen &lt;br /&gt;
befangen waren und die wirkliche Bedeutung dieser Worte nicht erkannten,&lt;br /&gt;
leugneten sie Seine Heiligkeit Christus und gingen so weit, Ihn zu &lt;br /&gt;
kreuzigen. Seht nun, wie schädlich die Nachahmung ist. Es handelte sich um&lt;br /&gt;
Auslegungen, die den Juden von ihren Vätern und Vorfahren überkommen waren, &lt;br /&gt;
und da sie sich fest daran hielten, gingen sie leer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist klar, daß wir alle derartigen Nachahmungen und Glaubenssätze&lt;br /&gt;
aufgeben müssen, damit wir nicht in denselben Irrtum verfallen. Wir&lt;br /&gt;
müssen die Wirklichkeit erforschen, selbstsüchtige Vorstellungen ablegen&lt;br /&gt;
und das Gerede anderer aus unseren Gedanken verbannen. Die Juden &lt;br /&gt;
betrachteten Seine Heiligkeit Christus als den Feind Mose, während Er ganz&lt;br /&gt;
im Gegenteil das Wort Mose förderte. Er verbreitete Mose Namen überall&lt;br /&gt;
im Osten wie im Westen. Er verkündete die Lehren Mose. Wäre Seine&lt;br /&gt;
Heiligkeit Christus nicht gewesen, ihr hättet nie den Namen Moses gehört,&lt;br /&gt;
und ohne daß Sich Christus als der Messias offenbarte, hätten wir nie das&lt;br /&gt;
Alte Testament aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrheit ist, daß Seine Heiligkeit Christus das mosaische Gesetz &lt;br /&gt;
erfüllte und Moses auf jede Weise erhöhte; aber die Juden, erblindet durch&lt;br /&gt;
Nachahmungen und Vorurteile, betrachteten Ihn als den Feind von Moses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Muhammad und die Christen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der großen Religionssysteme der Welt ist der Islam. Etwa &lt;br /&gt;
dreihundert Millionen Menschen folgen ihm nach. Seit mehr als tausend &lt;br /&gt;
Jahren herrschen Feindschaft und Streit zwischen den Muslim und den Christen, &lt;br /&gt;
und schuld daran sind Mißverständnisse und geistige Blindheit.&lt;br /&gt;
Würden Vorurteile und Nachahmungen aufgegeben, es bestünde keinerlei&lt;br /&gt;
Feindschaft mehr zwischen ihnen, und diese Hunderte von Millionen sich&lt;br /&gt;
widerstreitender Gläubiger würden die Menschenwelt mit ihrer Einheit&lt;br /&gt;
schmücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte eure Aufmerksamkeit nun auf einen höchst bedeutsamen&lt;br /&gt;
Punkt richten. Der ganze Islam betrachtet den Qur’án als das Wort Gottes.&lt;br /&gt;
In diesem heiligen Buch findet man ausdrückliche Stellen — keine bloßen&lt;br /&gt;
Überlieferungen — des Inhalts, daß Seine Heiligkeit Christus das Wort&lt;br /&gt;
Gottes war, daß Er der Geist Gottes war, daß Jesus Christus in diese Welt&lt;br /&gt;
kam durch den belebenden Odem des Heiligen Geistes, und daß die begnadete &lt;br /&gt;
Maria, Seine Mutter, heilig und erhaben war. Ein ganzes Kapitel&lt;br /&gt;
des Qur’án ist der Geschichte von Jesus gewidmet. Es berichtet, daß Er in&lt;br /&gt;
Seiner Jugend im Tempel von Jerusalem Gott anbetete, daß zu Seiner&lt;br /&gt;
Versorgung Manna vom Himmel herniederkam, und daß Er schon &lt;br /&gt;
unmittelbar nach Seiner Geburt Worte äußerte. Kurz, im Qur’án findet sich&lt;br /&gt;
eine Lobrede, ein Preisgesang auf Christus, wie man sie nicht einmal im&lt;br /&gt;
Evangelium antrifft. Das Evangelium berichtet nicht, daß das Jesuskind&lt;br /&gt;
bald nach Seiner Geburt sprach oder daß Gott Ihm Nahrung vom Himmel&lt;br /&gt;
spendete; aber im Qur’án ist mehrere Male gesagt, daß Gott Tag für Tag&lt;br /&gt;
für Ihn Manna als Nahrung sandte. Darüber hinaus ist es bedeutsam und&lt;br /&gt;
überzeugend, wie Seine Heiligkeit Muhammad, als Er Seine Aufgabe und&lt;br /&gt;
Sendung verkündete, Seinen Anhängern als erstes entgegenhielt: „Warum&lt;br /&gt;
habt ihr nicht an Jesus Christus geglaubt? Warum habt ihr das Evangelium &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;(Fortsetzung Seite 362)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;Der „stumme Lehrer” von Langenhain&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das Haus der Andacht am Rande der kleinen Taunus-Gemeinde Langenhain ist, obwohl noch nicht ganz fertiggestellt, seit Monaten zu einem Anziehungspunkt für viele Interessierte geworden. Vor allem an den Wochenenden herrscht auf dem Tempelgelände ein reges Kommen und Gehen. Schon jetzt wird der Tempel seiner Rolle als „stummer Lehrer“ in hervorragender Weise gerecht; in Hunderten von Gesprächen durften die Bahá’í Menschen aus nah und fern mit dem neuen Glauben vertraut machen. — In den vergangenen Wochen ist im Haus die elektrische Fußbodenheizung verlegt worden; die Plattenleger haben ihre Arbeit aufgenommen. Die Treppen am Umgang sind angebracht. Unsere beiden Bilder zeigen den Tempel, wie er sich dem von Langenhain her kommenden Besucher präsentiert, bzw. vermitteln einen Eindruck von den Innenarbeiten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Fotos: Bopp&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|362|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
nicht angenommen? Warum habt ihr nicht an Moses geglaubt?&lt;br /&gt;
Warum seid ihr nicht den Vorschriften des Alten Testaments gefolgt?&lt;br /&gt;
Weshalb habt ihr die Propheten Israels nicht verstanden? Warum habt ihr&lt;br /&gt;
nicht den Jüngern Christi geglaubt? Die erste Pflicht, die euch obliegt, o&lt;br /&gt;
ihr Araber, ist, jene anzunehmen und ihnen zu glauben. Ihr müßt Moses&lt;br /&gt;
als einen Propheten anerkennen. Ihr müßt Jesus Christus als das Wort&lt;br /&gt;
Gottes annehmen. Ihr müßt das Alte und das Neue Testament als das&lt;br /&gt;
Wort Gottes erkennen. Ihr müßt an Jesus Christus glauben als an das&lt;br /&gt;
Werk des Heiligen Geistes.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Volk antwortete: „O Muhammad! Wir werden Gläubige werden,&lt;br /&gt;
obwohl unsere Väter und Vorfahren Ungläubige waren und wir ihrer stolz&lt;br /&gt;
sind. Sage uns, was aus ihnen werden wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad erwiderte ihnen: „Ich sage euch, daß sie den niedersten&lt;br /&gt;
Kreis der Hölle einnehmen, weil sie nicht an Moses und Christus geglaubt&lt;br /&gt;
und die Bibel nicht angenommen haben; und obwohl sie Meine eigenen&lt;br /&gt;
Vorfahren sind, weilen sie doch verzweifelt in der Hölle.“ Dies steht &lt;br /&gt;
ausdrücklich im Qur’án; es ist keine Geschichte oder Überlieferung, sondern&lt;br /&gt;
aus dem Qur’án selbst, der in den Händen des Volkes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus ist klar ersichtlich, daß es Unwissenheit und Mißverständnisse&lt;br /&gt;
waren, die so viel Krieg und Streit zwischen den Christen und den &lt;br /&gt;
Muhammadanern verursachten. Wollten beide Seiten die Wahrheit erforschen,&lt;br /&gt;
die ihren religiösen Überzeugungen zugrundeliegt, dann wäre das Ergebnis&lt;br /&gt;
Einheit und Übereinstimmung. Streit und Verbitterung würden ein für&lt;br /&gt;
alle Male verschwinden, die Menschenwelt könnte Ruhe und Frieden finden. &lt;br /&gt;
Überlegt, daß es zweihundertfünfzig Millionen Christen und dreihundert &lt;br /&gt;
Millionen Muslim gibt. Wieviel Blut ist auf ihren Wegen geflossen! &lt;br /&gt;
Wieviele Nationen wurden verwüstet! Wieviele Kinder verloren&lt;br /&gt;
den Vater! Wieviele Eltern beweinten den Verlust von Kindern und lieben&lt;br /&gt;
Verwandten! Schuld an alledem waren Vorurteile, Mißverständnisse, das&lt;br /&gt;
Nachbeten vorväterlicher Überzeugungen, ohne daß die Wirklichkeit &lt;br /&gt;
erforscht worden wäre. Wären die heiligen Bücher richtig verstanden &lt;br /&gt;
worden, wäre es nie zu dieser Zwietracht und diesem Elend gekommen; &lt;br /&gt;
stattdessen hätten Liebe und Kameradschaft die Oberhand gewonnen. Dies gilt&lt;br /&gt;
für alle anderen Religionen in derselben Weise. Die Verhältnisse, die Ich&lt;br /&gt;
schilderte, treffen auf alle in gleichem Maße zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die göttlichen Manifestationen ebneten den Weg zu Kameradschaft und&lt;br /&gt;
Liebe. Sie sind nicht gekommen, Uneinigkeit, Streit und Haß in der Welt&lt;br /&gt;
zu stiften. Die Religion Gottes ist die Ursache der Liebe; wenn sie &lt;br /&gt;
stattdessen die Quelle der Feindschaft und des Blutvergießens wäre, würde&lt;br /&gt;
man besser ohne sie auskommen, denn dann wäre sie teuflisch, schädlich&lt;br /&gt;
und ein Hindernis für die Menschenwelt geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sendung Bahá’u’lláhs&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Orient lebten die verschiedenen Völker und Nationen in einem Zustand &lt;br /&gt;
des Kampfes und des Widerstreits; sie erzeigten einander grimmen&lt;br /&gt;
Haß und Feindschaft. Dunkel umfing die Welt der Menschheit. Zu solcher&lt;br /&gt;
Zeit erschien Bahá’u’lláh. Er beseitigte alle die Nachahmungen und &lt;br /&gt;
Vorurteile, die zu Trennung und Mißverständnis geführt hatten, und legte&lt;br /&gt;
{{page|363|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
die Grundlage der {{Sperrsatz|einen}} Religion Gottes. Als dies vollendet war, &lt;br /&gt;
fanden sich Muslim, Christen, Juden, Zoroastrier und Buddhisten vereint in &lt;br /&gt;
wirklicher Kameradschaft. und Liebe. Die Seelen aus allen Völkern, die&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh folgten, sind zu {{Sperrsatz|einer}} Familie geworden; in Einverständnis&lt;br /&gt;
und Eintracht leben sie miteinander, und jeder von ihnen ist bereit, sein&lt;br /&gt;
Leben für die andern zu opfern. Der Muslim würde sein Leben für den&lt;br /&gt;
Christen geben, der Christ für den Juden, und alle zusammen das ihre für&lt;br /&gt;
den Zoroastrier. Sie leben zusammen in Liebe, Kameradschaft und Einheit.&lt;br /&gt;
Sie haben die Wiedergeburt im Geiste Gottes erlangt. Sie sind neu belebt,&lt;br /&gt;
neu geschaffen worden durch den Odem des Heiligen Geistes. Gelobt sei&lt;br /&gt;
Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Licht ist im Osten erschienen, und am Ende wird es keine Zwietracht &lt;br /&gt;
und Feindschaft im Orient mehr geben. Durch die Macht Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
werden alle vereint werden. Im Gefängnis errichtete Er dieses Banner der&lt;br /&gt;
Einheit. Dem Bannfluch zweier Könige unterworfen, ein Flüchtling vor&lt;br /&gt;
Seinen Feinden aus allen Völkern schrieb Er in den Tagen Seiner langen&lt;br /&gt;
Gefangenschaft an die Könige und Herrscher der Welt in Worten von&lt;br /&gt;
wunderbarer Beredsamkeit. Er zog sie streng zur Rechenschaft und rief&lt;br /&gt;
sie unter das göttliche Banner der Einheit und der Gerechtigkeit. Er &lt;br /&gt;
ermahnte sie zu Frieden und internationaler Verständigung und erlegte&lt;br /&gt;
ihnen die Pflicht auf, ein internationales Schiedsgericht zu schaffen. Alle&lt;br /&gt;
Nationen und Regierungen der Welt sollen Abgeordnete für einen Kongreß&lt;br /&gt;
der Nationen wählen, der seinerseits ein weltumspannendes schiedsrichterliches &lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit bilden muß, um internationale Streitigkeiten zu &lt;br /&gt;
schlichten. Er schrieb an Königin Victoria von Großbritannien,&lt;br /&gt;
an den Zaren von Rußland, an den Kaiser von Deutschland, an Napoleon III. &lt;br /&gt;
von Frankreich und andere, und rief sie auf zu Welteinheit und&lt;br /&gt;
Frieden. Durch himmlische Macht war Er befähigt, diese Ideale im Orient&lt;br /&gt;
zu verbreiten. Könige konnten Ihm nicht widerstehen. Sie mühten sich,&lt;br /&gt;
Sein Licht auszulöschen, bewirkten jedoch nur, daß dessen Stärke und&lt;br /&gt;
Leuchtkraft wuchs. Im Gefängnis behauptete Er Sich gegen den Sháh von&lt;br /&gt;
Persien und den Sultán der Türkei; Er verbreitete Seine Lehren, bis Er&lt;br /&gt;
das Banner der Wahrheit und der Einheit der Menschheit fest gegründet&lt;br /&gt;
hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war mit Ihm vierzig Jahre lang ein Gefangener, bis schließlich die&lt;br /&gt;
Jungtürken vom Ausschuß für Vereinigung und Fortschritt die &lt;br /&gt;
Gewaltherrschaft des ‘Abdu’l-Hamíd überwanden, ihn entthronten und die &lt;br /&gt;
Freiheit proklamierten. Dieser Ausschuß befreite Mich von Tyrannei und&lt;br /&gt;
Unterdrückung; sonst wäre Ich im Gefängnis geblieben bis an das Ende&lt;br /&gt;
Meiner Tage. Was Ich sagen will ist, daß Bahá’u’lláh vom Gefängnis aus&lt;br /&gt;
die Macht hatte, die Grundlagen des Friedens zu verkünden und zu errichten, &lt;br /&gt;
obwohl zwei despotische Könige Seine Feinde und Unterdrücker&lt;br /&gt;
waren. Der König von Persien, Nasiri’d-Din Sháh, hatte zwanzigtausend&lt;br /&gt;
Bahá’í getötet, Märtyrer, die ihr Leben in völliger Loslösung willig und&lt;br /&gt;
freudig für ihren Glauben opferten. Zwei mächtige, tyrannische Könige&lt;br /&gt;
konnten einem Gefangenen nicht widerstehen; dieser Gefangene hielt das&lt;br /&gt;
Banner der Menschlichkeit hoch und schuf Verständigung und Einheit&lt;br /&gt;
unter dem Volk des Orients. Nur die, welche Bahá’u’lláh nicht gefolgt&lt;br /&gt;
sind, leben heute im Osten in Gegensätzen und Feindseligkeiten.&lt;br /&gt;
{{page|364|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen in den verschiedenen Nationen, die Ihn als das Banner&lt;br /&gt;
göttlicher Führung angenommen haben, erfreuen sich eines Zustands&lt;br /&gt;
wahrer Kameradschaft und Liebe. Wenn ihr in eine Versammlung des&lt;br /&gt;
Ostens kämet, ihr könntet nicht mehr unterscheiden zwischen Christen&lt;br /&gt;
und Muslim; ihr würdet nicht erkennen, wer Jude, Zoroastrier oder &lt;br /&gt;
Buddhist war, so völlig wurden sie verbrüdert und in ihren religiösen &lt;br /&gt;
Streitigkeiten ausgesöhnt. Sie vereinigen sich in höchster Liebe und &lt;br /&gt;
Geistigkeit, als ob sie zu einer Familie gehörten und ein Volk wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aufzeichnungen von Esther Foster, entnommen aus „The Promulgation of Universal Peace“, Vol. I, p. 192 ff., Chicago 1921/22; deutsch von Peter Mühlschlegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Die Stufe der Offenbarung&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich bin der erste Punkt, aus welchem alle erschaffenen Dinge erzeugt worden sind. Ich bin das Antlitz Gottes, dessen Glanz niemals verdunkelt werden kann, das Licht Gottes, dessen Glanz niemals verblassen kann ... Alle Himmelsschlüssel hat Gott in Meine Rechte zu legen beliebt, und alle Höllenschlüssel in Meine Linke... Ich bin einer der Stützpfeiler des Urwortes Gottes. Wer immer Mich erkannt hat, hat alles erkannt, was wahr und recht ist, und alles erreicht, was gut und schicklich ist... Der Stoff, aus dem Gott Mich erschaffen hat, ist nicht der Lehm, aus dem andere geformt worden sind. Er hat Mir verliehen, was weder die Weltklugen je erfassen noch die Gläubigen je entdecken können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Al Báb&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Aus dem Sendschreiben an Muhammad Sháh, zitiert in Shoghi Effendi, „Der verheißene Tag ist gekommen“, Sonne der Wahrheit, 18. Jg. 1948, S. 197).&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|365|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was sagt die Wissenschaft über die Bahá’í-Religion?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Báb===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Trotz aller Bemühungen um Objektivität fällt es den deutschsprachigen Konversationslexika und fachwissenschaftlichen Nachschlagewerken immer noch schwer, zu einem einigermaßen zutreffenden Bild der Bahá’í-Religion und ihrer Bedeutung zu gelangen. Wir veröffentlichen deshalb in diesem Heft und den folgenden vom Verfasser überprüfte auszugsweise Übersetzungen der einschlägigen Artikel der „Encyclopaedia of Islam — New Edition“ (Leyden/London, seit 1954) mit freundlicher Genehmigung der Verlage. Die Transkription orientalischer Namen und Bezeichnungen wurde in die Bahá’í-Schreibweise geringfügig umgeändert.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Báb, eine Bezeichnung, die besonders berühmt wurde durch Siyyid ‘Alí &lt;br /&gt;
Muhammad aus Shíráz, den Gründer der neuen Religion der Bábi und,&lt;br /&gt;
den Bahá’í zufolge, Vorläufer des neuen Gottgesandten Bahá’u’lláh. Der&lt;br /&gt;
Báb wird von seinen Anhängern auch Nuqtiy-i-Ûlá („der erste Punkt“)&lt;br /&gt;
oder Hadrat-i-A’lá („die erhabenste Gegenwart“) genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siyyid ‘Alí Muhammad wurde am 1. Muharram 1235 (20. Oktober 1819)&lt;br /&gt;
in Shíráz als Sohn eines Kaufmanns geboren. Bereits früh ein Waise, kam&lt;br /&gt;
er unter die Obhut eines Onkels mütterlicherseits, Áqá Siyyid ‘Alí. Im&lt;br /&gt;
Alter von etwa 19 Jahren wurde er nach Búshihr geschickt, um dort Handel &lt;br /&gt;
zu treiben. Dort widmete er sich ernsthaft religiösen Studien, wie er&lt;br /&gt;
dies bereits zuvor seit seiner Kindheit getan hatte. Auf einer Pilgerreise&lt;br /&gt;
nach Karbilá &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; traf er mit Siyyid Kázim-i-Rashtí zusammen, dem &lt;br /&gt;
Oberhaupt der religiösen Bewegung der Shaykhí&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;, der ihm ungewöhnlich &lt;br /&gt;
hohe Beachtung schenkte. Siyyid Kázim starb Ende des Jahres 1259 (Dezember&lt;br /&gt;
1843); vor seinem Tod sandte er seine Schüler in alle Teile Persiens, den&lt;br /&gt;
erwarteten Mahdí, den Sáhibu’z-Zamán („Herrn des Zeitalters“) zu suchen,&lt;br /&gt;
der sich nach seinen Voraussagen binnen kurzem offenbaren sollte. Einer&lt;br /&gt;
dieser Schüler, Mullá Husayn aus Bushrûyih, der in Shíráz angelangt war&lt;br /&gt;
und sich stark zu dem jungen ‘Alí Muhammad hingezogen fühlte, war der&lt;br /&gt;
erste, der ihn als das „Tor“ zur Wahrheit und den Schöpfer eines neuen&lt;br /&gt;
prophetischen Zyklus anerkannte; der Báb hatte ihm nämlich in der Nacht&lt;br /&gt;
des 5. Jumádá 1260 (23. Mai 1844) zufriedenstellend und ausführlich seine&lt;br /&gt;
Fragen beantwortet und in seiner Gegenwart mit erstaunlicher Geläufigkeit &lt;br /&gt;
die Súrih von Joseph (Qur’án 12) erklärt, wobei er mit melodischer&lt;br /&gt;
Stimme die Niederschrift begleitete. Diese Erklärung der Súrih von Joseph&lt;br /&gt;
ist den Bábi bekannt unter dem Namen Qayyúmu’l-Asmá und gilt als das&lt;br /&gt;
„geoffenbarte“ Werk des Báb ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommer des Jahres 1844 scharte der Báb, der die korrupten schiitischen &lt;br /&gt;
Mullá und Mujtahid mit deren eigenen Waffen angriff, rasch eine&lt;br /&gt;
Anzahl Schüler um sich, von denen er die ersten 18 als Hurúfatu’l-Hayy&lt;br /&gt;
(„Buchstaben des Lebendigen“) bezeichnete. Nachdem der Báb im Herbst&lt;br /&gt;
diese „Buchstaben des Lebendigen“ ausgesandt hatte, seine Sendung in&lt;br /&gt;
den verschiedenen Provinzen Persiens zu verbreiten, trat er eine Pilgerfahrt &lt;br /&gt;
{{page|366|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
nach Mekka an. Diese Reise ließ jedoch eine schlechte Erinnerung&lt;br /&gt;
bei ihm zurück, wie aus verschiedenen Stellen des Bayán hervorgeht, in&lt;br /&gt;
denen er vom Schmutz und Durcheinander des Schiffes, von der Unmoral&lt;br /&gt;
der streitsüchtigen und gewalttätigen Pilger spricht. Nach seiner Rückkehr&lt;br /&gt;
im Frühjahr 1261 (1845) lösten seine Predigten und öffentlichen Erklärungen &lt;br /&gt;
in Shíráz Schwierigkeiten aus, zumal der Báb auf der Reise ein weiteres &lt;br /&gt;
Buch, Sahífiy-i-baynu’l-Haramayn („Buch, das zwischen den beiden&lt;br /&gt;
Heiligtümern — Mekka und Medina — geschrieben wurde“) verfaßt hatte,&lt;br /&gt;
in welchem er das Ziel seiner Sendung darlegte ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vertreter Muhammad Sháhs, Siyyid Yahyá-i-Dárábi (Vahíd), der&lt;br /&gt;
ausgesandt worden war, den Báb zu verhören, wurde so von dessen&lt;br /&gt;
Charme eingenommen, daß er sich zu der neuen Lehre bekannte. &lt;br /&gt;
Unterdessen waren in Tihrán Mírzá Husayn ‘Alí Núri (der sich später &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh nannte) und sein Bruder Mírzá Yahyá Núri (der spätere &lt;br /&gt;
Subh-i-Azal) nach einem Zusammentreffen mit Mullá Husayn für den neuen&lt;br /&gt;
Glauben gewonnen worden. In Shíráz brach eine Choleraepidemie aus,&lt;br /&gt;
und jedermann vom Gouverneur an abwärts floh vor der Seuche. Der Báb&lt;br /&gt;
begab sich nach Isfáhán, wo er den Schutz des georgischen Gouverneurs&lt;br /&gt;
Manûchihr Khán Mu‘tamidu’d-Dawlih genoß. Nach dessen Tod wurde er&lt;br /&gt;
auf Befehl des Ministers Hájí Mírzá Áqásí nach Tihrán gerufen, doch&lt;br /&gt;
kurz bevor er die Stadt erreichte, wurde er verhaftet und im Sommer 1263&lt;br /&gt;
(1847) nach der Festung Múhkú in die weglosen Berge Adhirbayjáns &lt;br /&gt;
verbracht. Infolge schwerer Unruhen, die in verschiedenen Teilen des Irán&lt;br /&gt;
als Antwort auf die Ausbreitung des Bábi-Glaubens entstanden, wurde&lt;br /&gt;
der Báb 1264 (April 1848) zu noch strengerer Gefangenschaft in die &lt;br /&gt;
entlegene Festung Chihríq überstellt, da der Befehlshaber von Máhkú, ‘Alí&lt;br /&gt;
Khan, durch den machtvollen religiösen Einfluß seines hohen Gefangenen&lt;br /&gt;
selbst Bábi geworden war. Wenig später, im Juli des gleichen Jahres,&lt;br /&gt;
sandte man ihn nach Tabríz, damit er von einer Anzahl Mujtahid (Richter)&lt;br /&gt;
verhört würde; er wurde sofort verurteilt. Der mächtige Minister Mírzá&lt;br /&gt;
Taqí Khán, der auf Hájí Mírzá Aqásí gefolgt war, nachdem dieser von&lt;br /&gt;
dem neuen Herrscher Násiri’d-Dín (1848) entlassen worden war, dachte&lt;br /&gt;
sich, daß der Tod des Begründers diese gefährliche Bewegung, die stets&lt;br /&gt;
neue Anhänger gewann, vernichten würde. Im Frühjahr 1266 (1850) &lt;br /&gt;
erreichte den Báb in Chihriq, wohin er wieder verbracht worden war, die&lt;br /&gt;
Nachricht von der Hinrichtung der sieben Märtyrer von Tihrán, unter&lt;br /&gt;
denen sich sein geliebter Onkel und Vormund befand. Tief betrübt sagte&lt;br /&gt;
er voraus, daß auch sein Ende unmittelbar bevorstehe. Ende des Monats&lt;br /&gt;
Sha‘bán 1266 (Juli 1850) wurde er nach Tabríz geführt und zum Tode durch&lt;br /&gt;
Erschießen, zusammen mit zwei Anhängern, Mírzá Muhammad-&#039;Alíy-i-Zunúzí &lt;br /&gt;
aus Yazd und Aqá Siyyid Husayn, verurteilt. Letzterer gab vor,&lt;br /&gt;
dem Bábi-Glauben abzuschwören, während die drei Verurteilten unter&lt;br /&gt;
Schimpf und Schlägen in einem peinvollen Zuge durch die Straßen von&lt;br /&gt;
Tabríz geführt wurden, woraufhin man ihn freiließ: Kurz zuvor war er&lt;br /&gt;
vom Báb beauftragt worden, einige persönliche Gebrauchsgegenstände&lt;br /&gt;
und Schriften an einen sicheren Ort zu bringen und damit seinen letzten&lt;br /&gt;
Wunsch auszuführen. (Kaum hatte Aqá Siyyid Husayn diesen Auftrag&lt;br /&gt;
erfüllt, wurde er in Tihrán getötet.) Der Báb wurde im Hof der Kaserne&lt;br /&gt;
von Tabríz mit den gleichen Stricken an einen Pfosten gebunden wie sein&lt;br /&gt;
Schüler, und das christliche Regiment der Bahádurán unter Führung von&lt;br /&gt;
{{page|367|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
Sám Khán feuerte. Die erste Salve trennte nur die Seile und ließ den&lt;br /&gt;
Báb völlig ungebunden zurück, wie es selbst muslimische Quellen und&lt;br /&gt;
solche, die dem Báb feindlich gesinnt waren, bezeugten. Der erschrockene&lt;br /&gt;
Sám Khán weigerte sich, nochmals feuern zu lassen; ein anderes &lt;br /&gt;
Hinrichtungskommando wurde bestimmt. Um die Mittagsstunde des 9. Juli 1850&lt;br /&gt;
zahlte der Báb für die Verbreitung seiner Lehren mit dem Leben. Sein&lt;br /&gt;
zerfetzter Körper wurde in den Stadtgraben geworfen, von den Bábí aber&lt;br /&gt;
geborgen und mehrere Jahre lang in Tihrán versteckt gehalten. Nach&lt;br /&gt;
vielen Wechselfällen wurde er auf Anordnung Bahá’u’lláhs nach ‘Akká &lt;br /&gt;
gebracht; er ruht nun in einem großen Mausoleum an den Hängen des&lt;br /&gt;
Berges Karmel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Werke:&#039;&#039;&#039; Die Werke des Báb, alle in Handschriften, einige verlorengegangen, &lt;br /&gt;
andere von zweifelhafter Echtheit, sind überaus zahlreich. In mehr&lt;br /&gt;
oder weniger chronologischer Reihenfolge handelt es sich bei den &lt;br /&gt;
bekanntesten Schriften um die folgenden: 1. Qayyúmu’l-Asmá oder Kommentar&lt;br /&gt;
zur Súrih von Joseph, wie oben erwähnt, mit mehr als 9300 Versen, die in&lt;br /&gt;
111 Kapiteln, eines je Vers der berühmten Súrih, untergeteilt sind. Das&lt;br /&gt;
Buch beginnt mit der bekannten Anrede an die Könige auf Erden: „O ihr&lt;br /&gt;
Könige! O ihr Söhne der Könige! Nehmt nicht für euch, was Gottes ist!“&lt;br /&gt;
Es ist in Arabisch verfaßt, wurde aber vollständig durch die bekannte&lt;br /&gt;
Bábí-Heldin Qurratu’l-‘Ayn Táhirih ins Persische übersetzt. 2. Sendschreiben &lt;br /&gt;
(Alváh) an verschiedene Persönlichkeiten, wie z.B. an Muhammad&lt;br /&gt;
Sháh, Sultán ‘Abdu’l-Majid, Najíb Páshá, den Váli (Gouverneur) von&lt;br /&gt;
Baghdád. 3. Sahífiy-i-baynu’l-Haramayn, vom Báb auf seiner Pilgerreise&lt;br /&gt;
zwischen Mekka und Medina verfaßt (1844/5). 4. Das Sendschreiben an den&lt;br /&gt;
Sharíf von Mekka. 5. Kitábu’l-Rúh („Buch des Geistes“) mit 700 Súrihs.&lt;br /&gt;
6. Khasá’il-i-Sab‘ih („Die sieben Tugenden“), worin die Änderung des&lt;br /&gt;
Adhán, des muslimischen Rufs zum Gebet, festgelegt ist. &lt;br /&gt;
7. Risáliy-i-Furú-&#039;i-&#039;Adlíyyih („Abhandlung über die Zweige der Gerechtigkeit“).&lt;br /&gt;
8. Kommentare über die Súrihs Al-Kawthar (108) und Va’l-‘Asr (103) des&lt;br /&gt;
Qur’án sowie andere kleinere Abhandlungen und Sendschreiben, die alle&lt;br /&gt;
aus der ersten Zeit seiner Gefangenschaft in Máhkú datieren. 9. Neun&lt;br /&gt;
Kommentare (Tafsír) zum gesamten Qur’án, die verlorengingen; nach&lt;br /&gt;
dem Zeugnis des Schreibers des Báb, Shaykh Hasan-i-Zunúzí wurden sie&lt;br /&gt;
in der Festung Máhkú verfaßt. 10. Verschiedene Sendschreiben an führende &lt;br /&gt;
schiitische Geistliche und an Muhammad Sháh, ebenfalls in dieser&lt;br /&gt;
Festung geschrieben. 11. Der (kürzere) Arabische Bayán und der Persische&lt;br /&gt;
Bayán, das wichtigste heilige Buch der neuen Offenbarung; der erstere&lt;br /&gt;
ist in 11 Váhids von je 17 Kapiteln (Bábs) untergeteilt, der letztere in 9&lt;br /&gt;
Váhids zu je 19 Bábs, mit Ausnahme des letzten Váhids, das nur 10 Bábs&lt;br /&gt;
hat. 12. Dalá’il-i-Sabih („Die sieben Beweise“), die bedeutendste der&lt;br /&gt;
Streitschriften des Báb. 13. Lawh-i-Hurúfát („Sendschreiben von den&lt;br /&gt;
Buchstaben“), eine zahlenmystische Schrift, die von der Festung Chihríq&lt;br /&gt;
aus an Dayyán, einen Gläubigen, gerichtet wurde, usw. Obwohl die Bábí &lt;br /&gt;
auch Ahl-i-Bayán („Volk des Bayán“) genannt werden, ist unter Bayán&lt;br /&gt;
in diesem Sinne, nach der ausdrücklichen Erklärung des Báb (Persischer&lt;br /&gt;
Bayán, 3. Váhid, 17. Báb) alles zu verstehen, was aus seiner Feder hervorging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Lehren des Báb:&#039;&#039;&#039; Der Inhalt des Bayán kann wohl auf vier grundlegende &lt;br /&gt;
Punkte eingegrenzt werden: a) die Abschaffung gewisser Gesetze&lt;br /&gt;
{{page|368|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
und Erklärungen des qur’ánischen Sharí‘a (kanonischen Rechts) über &lt;br /&gt;
Gebet, Fasten, Eheschließung, Scheidung und Erbschaft, wobei jedoch die&lt;br /&gt;
Wahrheit der prophetischen Sendung Muhammads, dessen Offenbarungszyklus &lt;br /&gt;
mit dem Jahr 1260 (1844) endet, aufrechterhalten wird; b) die &lt;br /&gt;
spiritualistische Auslegung der eschatologischen Ausdrücke des Qur’án und&lt;br /&gt;
anderer heiliger Schriften, wie Paradies, Hölle, Tod, Auferstehung, &lt;br /&gt;
Wiederkunft, Gericht, Brücke (Sirát), Stunde usw., die allesamt nicht nur auf&lt;br /&gt;
das Ende der physischen Welt, sondern auch auf dasjenige des prophetischen &lt;br /&gt;
Zyklus anspielen. Einige Stellen lassen deutlich werden, daß die&lt;br /&gt;
wahre Welt die des Geistes ist und daß die Welt des Stofflichen nur eine&lt;br /&gt;
Exteriorisation, eine äußerliche Vergegenständlichung, dieser geistigen&lt;br /&gt;
Welt darstellt. Der Wirklichkeit nach zerstört Gott die Welt am Ende jedes&lt;br /&gt;
prophetischen Zyklus, um sie durch das Wort des folgenden Offenbarers&lt;br /&gt;
neu zu erschaffen. Dem schöpferischen Wert des Wortes wird im Bayán&lt;br /&gt;
große Bedeutung zugemessen; c) die Schaffung neuer Institutionen: eine&lt;br /&gt;
neue Qiblih (Gebetsrichtung), nämlich die Wohnstätte des Báb, eine neue,&lt;br /&gt;
ziemlich komplizierte Erbordnung usw.; d) eine dauernde, machtvolle,&lt;br /&gt;
eschatologische Hinwendung auf den Man-Yuzhiruhu’lláh („Den, Den Gott&lt;br /&gt;
offenbaren wird“), den künftigen Offenbarer. Man kann mit Fug und&lt;br /&gt;
Recht behaupten, daß die Erwartung dieses Verheißenen der Wesenskern&lt;br /&gt;
des Bayán ist. Tatsächlich werden auch die banalsten Vorschriften in &lt;br /&gt;
diesem eschatologischen Licht erlassen: z.B. wird festgelegt, ein Bábí sollte&lt;br /&gt;
nicht mehr als 19 Bücher besitzen, alle über den Bayán und die Kenntnis&lt;br /&gt;
des Bayán; dem ist dann hinzugefügt: „Alle diese Gebote sind nur aus&lt;br /&gt;
dem einen Grund erlassen worden, daß nichts in die Gegenwart dessen &lt;br /&gt;
gebracht wird, den Gott offenbaren wird, außer dem Bayán selbst“ (Le &lt;br /&gt;
Beyán Arabe, Übersetzung von Nicolas, 223).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Vorschriften über das Reisen ist niedergelegt, daß keine Reisen&lt;br /&gt;
unternommen werden sollen zu der Zeit, da der „Verheißene“, zu dem&lt;br /&gt;
allein alle wallfahren sollen, offenbar werden wird (dgl., 166). Die Sorge&lt;br /&gt;
für das Besitztum wird vom Báb besonders empfohlen und ebenfalls&lt;br /&gt;
eschatologisch begründet: Die Augen des „Verheißenen“ sollen auf nichts&lt;br /&gt;
Unreines fallen (159). Ähnlich heißt es an einer bekannten Stelle: „Alle&lt;br /&gt;
sollen sich von ihren Sitzen erheben, wenn der Namen Dessen erwähnt&lt;br /&gt;
wird, Den Gott offenbaren wird ... Und im Jahre neun werdet ihr zur&lt;br /&gt;
Vollkommenheit alles Guten gelangen“. Dies wird von den Bahá’í dahingehend &lt;br /&gt;
ausgelegt, daß es auf die prophetische Vision Bahá’u’lláhs im&lt;br /&gt;
Kerker von Tihrán im Jahr neun, das heißt 1269 (1852/53) hinweist. &lt;br /&gt;
Verschiedene andere Stellen des Bayán lassen deutlich ahnen, daß der Báb&lt;br /&gt;
die kommende Manifestation für die nächste Zukunft voraussah. Besonders &lt;br /&gt;
aufschlußreich ist Kapitel 9 des 4. Váhids des Arabischen Bayán&lt;br /&gt;
(138-9): „Seid nicht die Werkzeuge eures eigenen Unglücks; denn nicht &lt;br /&gt;
betrübt zu sein, ist eines der wichtigsten Gebote des Bayán. Die Frucht&lt;br /&gt;
dieses Gebotes wird sein, daß ihr Den, Den Gott offenbaren wird, nicht&lt;br /&gt;
betrübet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die metaphysischen Lehren des Báb sind in mancher Hinsicht denen der&lt;br /&gt;
Ismá‘ílí ähnlich. Im wesentlichen legen sie — im Gegensatz zu der &lt;br /&gt;
einheitlichen Konzeption des Seins etwa im Pantheismus sowie zu der &lt;br /&gt;
dualistischen Auffassung (göttlich/menschlich) im orthodoxen Islám — eine&lt;br /&gt;
Gliederung des Seins in drei Ebenen dar: die Welt des Wesens Gottes, die&lt;br /&gt;
{{page|369|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
völlig unerreichbar und jenseitig ist, die Welt der Natur und des Menschen, &lt;br /&gt;
und die Welt der Offenbarung, jenes reinsten Spiegels, in dem&lt;br /&gt;
allein der Mensch Gott sehen kann. Die Lehren des Báb scheinen dieser&lt;br /&gt;
unsichtbaren Welt, die hinter und zwischen den sichtbaren Dingen verborgen &lt;br /&gt;
ist, größte Bedeutung zuzumessen. Da alle eschatologischen Ausdrücke &lt;br /&gt;
wie beseligende Schau, Tod, Ewigkeit, Paradies usw. nur der Schau&lt;br /&gt;
des Propheten gemäß sind, bleibt wenig Raum, in welchem man sich um&lt;br /&gt;
das Leben in der anderen Welt bekümmern könnte. Dies hat einige &lt;br /&gt;
Autoren — wohl fälschlich — zu der Anschauung geführt, der Báb leugne die&lt;br /&gt;
Unsterblichkeit der individuellen Seele, mindestens im überkommenen&lt;br /&gt;
Sinn des Wortes (vgl. E. G. Browne im Vorwort zu M. H. Phelps, „Abbas&lt;br /&gt;
Effendi“, London 1912). Ebenso hat des Báb Auffassung von der Wiederkehr &lt;br /&gt;
Muhammads, der Imáme usw. in ihrer herkömmlichen Darbietung&lt;br /&gt;
einige Schriftsteller irrigerweise zu der Annahme verführt, er verschreibe&lt;br /&gt;
sich der Lehre von der Reinkarnation. Ganz im Gegenteil verneint der&lt;br /&gt;
Báb in seiner ursprünglichen Darstellung der Neuerschaffung der &lt;br /&gt;
verschiedenen „Welten“ im Rahmen der aufeinanderfolgenden prophetischen&lt;br /&gt;
Zyklen sowohl die islamischen und christlichen Dogmen von der Auferstehung &lt;br /&gt;
des Fleisches als auch die Reinkarnation der Seele in einem anderen Körper. &lt;br /&gt;
Wenn er schreibt (Arabischer Bayán, Váhid 1, Kapitel 2 ff.):&lt;br /&gt;
„Jene (unsere, das heißt Gottes Statthalter) sind, erstens, Muhammad, der&lt;br /&gt;
Prophet Gottes, sodann jene, die Gottes Zeugen sind (die Imáme) unter&lt;br /&gt;
Seinen Geschöpfen ...“, so meint er damit, daß sie „in einer anderen Welt&lt;br /&gt;
erschaffen wurden“, das heißt, daß Gott sie in der Welt des Bayán von&lt;br /&gt;
neuem wiedererschuf, nachdem er sie zuvor in der Welt des Qur’án &lt;br /&gt;
erschaffen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es läßt sich leicht schließen, daß bei einer solchen „buchhaften“ Auffassung &lt;br /&gt;
der Welten der Natur und des Geistes die Buchstaben, das geschriebene &lt;br /&gt;
Wort und die entsprechenden Zahlenwerte überragende Bedeutung&lt;br /&gt;
für den Báb hatten. Die Wertschätzung der Kunst des Schönschreibens — wie &lt;br /&gt;
überliefert ist, soll die Handschrift des Báb überaus schön gewesen&lt;br /&gt;
sein — ist ihm ein äußerlicher Wesenszug der Religion, und mehr als einmal &lt;br /&gt;
fordert er im Bayán, daß Abschriften des heiligen Buches in der erlesensten &lt;br /&gt;
Schrift gefertigt und aufbewahrt werden sollen. Die Zahl 19 zum&lt;br /&gt;
Beispiel hat große Bedeutung in der Bábí-Zahlenmystik. Nachdem der&lt;br /&gt;
Báb den „natürlichen“ Kalender abgeschafft hat, führt er an dessen Stelle&lt;br /&gt;
einen rein geistigen Kalender ein; dieser hat 19 Monate zu je 19 Tagen,&lt;br /&gt;
die jeweils den Namen einer Eigenschaft Gottes tragen. Der letzte Monat&lt;br /&gt;
(&#039;Alá = „Erhabenheit“) ist der Monat des Fastens, das von Sonnenaufgang&lt;br /&gt;
bis Sonnenuntergang einzuhalten ist. Mit geringen Änderungen ist dieser&lt;br /&gt;
Kalender von den Bahá’í übernommen worden. Der Báb liebte es auch,&lt;br /&gt;
die kompliziertesten Hayákil (Mz. von Haykal = „Tempel“, „Gestalt“) zu&lt;br /&gt;
schreiben, eine Art Talisman in geheimnisvoller Shikastih-Schrift &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;), &lt;br /&gt;
die er als die Gott wohlgefälligste ansah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist schwer, die vielfältigen Morallehren und Gesetzesvorschriften des&lt;br /&gt;
Bayán in eine klare Anordnung zu bringen. Neben so herrlichen Versen&lt;br /&gt;
wie „Jeder Tag erinnert an meinen Namen. Und wenn jeden Tag mein&lt;br /&gt;
Gedanke in eure Herzen dringt, dann gehört ihr zu denen, die allezeit in&lt;br /&gt;
Gottes Gedenken sind“ (Arabischer Bayán, Váhid 5, Kapitel 9), findet man&lt;br /&gt;
Vorschriften, die nicht wenig seltsam anmuten, wie das erwähnte Gebot,&lt;br /&gt;
{{page|370|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
nicht mehr als 19 Bücher zu besitzen, oder Auslassungen über die richtige&lt;br /&gt;
Weise, Eier zu essen. Kennzeichnend ist die außerordentliche Milde der&lt;br /&gt;
Strafen, die auf Geldbußen und das Verbot geschlechtlicher Beziehungen&lt;br /&gt;
zur eigenen Frau beschränkt sind. Totschlag wird am strengsten bestraft:&lt;br /&gt;
Der Täter muß 11000 Mithqál (ca. 90 kg) Gold an die Erben des Opfers&lt;br /&gt;
zahlen und sich 19 Jahre lang jedes Geschlechtsverkehrs enthalten. Einige&lt;br /&gt;
Strafen werden nicht nur über die verhängt, die ihre Mitgeschöpfe schlagen, &lt;br /&gt;
sondern auch gegen solche angewendet, die ihre Stimme gegen andere&lt;br /&gt;
erheben. Gewisse Stellen befassen sich mit dem Verhältnis der Gläubigen&lt;br /&gt;
zu den Ungläubigen. (Erst in den Bahá’í-Lehren werden der Heilige Krieg&lt;br /&gt;
und die Beschlagnahme des Eigentums der Ungläubigen ausdrücklich verboten.) &lt;br /&gt;
Weiter gibt es Bestimmungen über Steuern auf Gewinn, Kapitalvermögen usw.  &lt;br /&gt;
Die Scheidung ist erlaubt, wird jedoch mißbilligt. Witwer&lt;br /&gt;
und Witwen sind verpflichtet, wiederum zu heiraten, die ersteren nach&lt;br /&gt;
90 Tagen, die letzteren nach 95 Tagen. Die rituelle Reinheit und die &lt;br /&gt;
Absonderung der Frauen werden aufgegeben, desgleichen gemeinschaftliche&lt;br /&gt;
Andachten, mit Ausnahme der Riten für die Toten. Der Geburtsort des&lt;br /&gt;
Báb, die Stätten seiner Einkerkerung usw. werden als Wallfahrtsorte&lt;br /&gt;
empfohlen. An jedem 19. Tag sollte man 19 Personen einladen und ihnen&lt;br /&gt;
etwas anbieten, „sei es auch nur ein Glas Wasser“. Alle alkoholischen&lt;br /&gt;
Getränke sind verboten, auch ist es streng untersagt, zu betteln und &lt;br /&gt;
einzelnen Bettlern Almosen zu geben &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bibliographie:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A. D. M. Nicolas, „Seyyèd Ali Mohammed dit le Bab“, Paris 1905; Nabíl&lt;br /&gt;
Zarandí, „Ta’rikh-i-Nabíl“ (übersetzt von Shoghi Effendi, „The Dawn&lt;br /&gt;
Breakers. Nabíl’s Narrative of the early days of the Bahá’í Revelation“,&lt;br /&gt;
New York 1932, mit zahlreichen Photographien von Stätten, Bauten und&lt;br /&gt;
Erinnerungsstücken zum Leben des Báb); Seyyèd Ali Mohammed dit Le&lt;br /&gt;
Bab, „Le Béyan persan“, trad. par A.L.M. Nicolas, Paris 1911—14 (vier&lt;br /&gt;
Bände); dergl., „Le Béyan arabe, le livre sacré du Babysme“, ders. &lt;br /&gt;
Übersetzer, Paris 1905; E. G. Browne, „A traveller’s narrative written to &lt;br /&gt;
illustrate the Episode of the Bab“, persisches Original und Übersetzung, &lt;br /&gt;
Cambridge 1891 (zwei Bände); Comte de Gobineau, „Les religions et les &lt;br /&gt;
philosophies dans l’Asie centrale“, Paris 1865, 141 ff.; E. G. Browne, „Materials&lt;br /&gt;
for the Study of the Babi Religion“, Cambridge 1918; Mírzá Kázim Beg,&lt;br /&gt;
„Bab et les Babis“, in Journal Asiatique, 1866—7; Cl. Huart, „La Religion&lt;br /&gt;
de Bab“, Paris 1899; Muh. Iqbal, „The development of metaphysics in Persia“, &lt;br /&gt;
London 1908; A. Bausani, „Il Martirio del ‘Bab‘ secondo la narrazione&lt;br /&gt;
di Nabíl Zarandí“, in Oriente Moderno, 1950, 199-207. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;A. Bausani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsch von Hartmut Großmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Stadt im Irág; der Imám Husayn fand dort 680 n. Chr. den Märtyrertod.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Gelehrtenschule des schiitischen Islams, begründet von Shaykh Ahmad-i-Ahsá’í. Hauptlehren: Voraussagen über das Kommen zweier göttlicher Offenbarer, Ablehnung des Dogmas von der körperlichen Himmelfahrt Muhammads, Hervorhebung der Bedeutung ‘Alís und der Imáme.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; „gebrochene“ Kursivschrift, die von dem Safawiden-Gouverneur Murtadá Qulí-Khán Shamlû erfunden worden sein soll, abgeleitet von Nasta‘liq, einer Schrift, die Mir ‘Alí Tabrízí im 7. Jahrhundert n. d. H. entwickelte.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Gebote und Verordnungen des Báb, die nach Seinen eigenen Worten nur bis zum Kommen „Dessen, Den Gott offenbaren wird“, Gültigkeit haben sollten, wurden von Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Aqdas weitgehend abgeändert und zu einem Gesetzeswerk universalen Maßstabes umgestaltet (vgl. Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“ S. 242 ff). D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|371|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religionswissenschaftliche Kurzinformation (VII)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Judentum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Judentum ist die Religion des jüdischen Volkes oder, besser gesagt,&lt;br /&gt;
des Volkes Israel, dessen stärkster Stamm einst der Stamm Juda gewesen&lt;br /&gt;
ist. Nach ihrem Stifter Mose heißt sie auch die mosaische Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Mose}} (hebräisch Môsche, lateinisch Moses) ist nach den biblischen &lt;br /&gt;
Angaben 1515 vor Christus in der ägyptischen Landschaft Gosen geboren.&lt;br /&gt;
Er war Israelit, wurde aber am ägyptischen Hofe erzogen. Seine Pflegemutter &lt;br /&gt;
war sehr wahrscheinlich die Pharaonin Hatschepschu, die um 1500&lt;br /&gt;
unter dem Thronnamen Merris regiert hat. Sie hat im Jahre 1515 als&lt;br /&gt;
Thronfolgerin mit ihrem Vater das Nildelta bereist; dabei hatte sie wohl&lt;br /&gt;
die in 2. Mose 2 geschilderte Begegnung mit dem ausgesetzten Mosekind.&lt;br /&gt;
(Eusebius, Praeparatio evangelica 9:27. Hubert Grimme, Die altsinaitischen&lt;br /&gt;
Buchstabeninschriften, Berlin 1929 S. 108 ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Sein Eintreten für Seine geknechteten Stammesbrüder machte&lt;br /&gt;
Sich Mose bei Hofe unbeliebt und mußte schließlich wegen eines &lt;br /&gt;
Totschlags nach Midian fliehen. Dort erlebte Er am Brennenden Busch auf&lt;br /&gt;
dem Berge Horeb Seine Berufung. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs&lt;br /&gt;
befahl Ihm, Sein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft zu befreien und&lt;br /&gt;
ins Land Kanaan, also nach Palästina, zu führen. Der Name Gottes ist&lt;br /&gt;
Jahwe, das heißt der „Lebendige“ (2. Mose 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Auszug aus Ägypten gelang, und Mose führte nun Seine Stammesbrüder &lt;br /&gt;
in vierzigjähriger Wanderung durch die Sinai-Halbinsel bis ins&lt;br /&gt;
Jordanland. Erst nach Seinem Tode wurde das Gelobte Land erobert; dort&lt;br /&gt;
wurden die Kinder Israels seßhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mose sah Sich zuerst als Erneuerer des alten Gottesglaubens Israels, der&lt;br /&gt;
auf der Botschaft der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob gründete. Seine&lt;br /&gt;
Offenbarung ging aber weit über das Glaubenserbe hinaus und gipfelte&lt;br /&gt;
in den auf dem Berge Sinai geoffenbarten Zehn Geboten. Später erweiterte&lt;br /&gt;
Mose diese zu einem ausführlichen Regelwerk, dem „Gesetz Mose“. Seine&lt;br /&gt;
zwei Grundgedanken sind die Einheit Gottes und das Bündnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in den Religionen der Nachbarvölker das Göttliche mit der&lt;br /&gt;
Natur verhaftet ist, steht bei Mose zum erstenmal Gott jenseits von Zeit&lt;br /&gt;
und Raum und ist an keine Gestalt oder Erscheinung gebunden. Gott allein&lt;br /&gt;
ist Schöpfer aller Dinge. In Ihm erkennt man den Ursprung hoher &lt;br /&gt;
sittlicher Güter, die auch gegen das selbstsüchtige Begehren des &lt;br /&gt;
Einzelmenschen, ja des ganzen Volkes hochzuhalten sind. Vor dem einzigen &lt;br /&gt;
Gott sind alle Menschen gleich. Das Verhältnis unter den Menschen soll von der&lt;br /&gt;
Nächstenliebe getragen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat mit Mose, Der Sein Volk und die ganze Menschheit vertritt,&lt;br /&gt;
den uralten Bund erneuert. Die höchste Aufgabe der Menschen ist, den&lt;br /&gt;
sittlichen Forderungen Gottes zu entsprechen. Die Geschichte der &lt;br /&gt;
Menschheit ist kein qualvolles Auf und Ab von Jammer und Irrtum, sondern hat&lt;br /&gt;
einen tiefen Sinn. Jeder Abschnitt ist eine neue Stufe im Heilsplan Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem vierten Gebot, dem Gebot der Sabbatheiligung, hat die jüdische&lt;br /&gt;
Religion einen weiteren großen Beitrag zur Weltkultur geleistet. Am siebten &lt;br /&gt;
{{page|372|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
Tag der Woche darf sich jedermann, auch der niedrigste Knecht, seiner&lt;br /&gt;
Menschenwürde freuen. Der wöchentliche Ruhetag ist für den größten&lt;br /&gt;
Teil der Menschheit zum Bollwerk der Freiheit des Einzelwesens geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren Mose schweigen über das Leben nach dem Tode. Erst die&lt;br /&gt;
späteren Propheten brachten Hinweise auf die Unsterblichkeit, die &lt;br /&gt;
Belohnung oder Bestrafung nach dem Tode, das Jüngste Gericht, das Kommen&lt;br /&gt;
des Messias, die Errichtung des Gottesreiches und auf das Bestehen guter&lt;br /&gt;
und böser Geistwesen. Damit wurde eine Brücke zur zarathustrischen &lt;br /&gt;
Religion geschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 586 vor Christus brach über das Volk Israel eine Katastrophe&lt;br /&gt;
herein: Die Babylonier zerstörten Jerusalem und verschleppten den größten &lt;br /&gt;
Teil des Volkes. Die Rettung kam im Jahre 538, als das mächtige&lt;br /&gt;
Babylon unter dem Ansturm der Perser in wenigen Monaten zusammenbrach. &lt;br /&gt;
Der persische Großkönig Kyrus erlaubte den Gefangenen die Heimkehr. &lt;br /&gt;
Israel wurde aber nie mehr unabhängig, sondern geriet nacheinander &lt;br /&gt;
unter makedonische, ptolemäische (griechisch-ägyptische) und&lt;br /&gt;
schließlich römische Herrschaft. Ein Aufstand scheiterte im Jahre 70 nach&lt;br /&gt;
Christus, und der spätere römische Kaiser Titus zerstörte Jerusalem und&lt;br /&gt;
verbannte die meisten Juden aus dem Lande Israel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Zerstreuung in Ägypten und dann im Römischen Reich&lt;br /&gt;
entfaltete das Judentum eine rege Missionstätigkeit. Mit seinem &lt;br /&gt;
bilderlosen Gottesdienst erschien es als geistigste Art der Gottesverehrung &lt;br /&gt;
und zog viele Heiden an. Sogar Römer traten über. Das Judentum wurde zu&lt;br /&gt;
einer Weltreligion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Heilige Schrift}} wurde im Jahre 90 nach Christus auf der &lt;br /&gt;
Synode zu Jamnia endgültig auf die heutige Auswahl abgegrenzt. Anders als&lt;br /&gt;
die Christen unterscheiden die Juden drei Teile: Gesetz, Propheten und&lt;br /&gt;
Schriften. Das „Gesetz“ (hebräisch Thôrâ, griechisch Pentateuch) umfaßt&lt;br /&gt;
die fünf Bücher Mose, die im Deutschen so heißen, weil Mose die Hauptgestalt &lt;br /&gt;
ist; die Verfasser sind unbekannt. „Die Propheten“ heißen die&lt;br /&gt;
Bücher Josua, Richter, Samuel, Könige, Jesaja, Jeremia, Hesekiel mit den&lt;br /&gt;
Zwölf Propheten, nämlich Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, &lt;br /&gt;
Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi. Die „Schriften“&lt;br /&gt;
schließlich enthalten die Psalmen, Hiob, Sprüche, Ruth, Hoheslied &lt;br /&gt;
(ein gewisser Fremdkörper, da es wohl von der Heiligen Hochzeit des &lt;br /&gt;
Zweistromlandes handelt), Prediger, Klagelieder, Esther, Daniel, Esra, &lt;br /&gt;
Nehemia und Chronik. Nicht dazu gehören die Apokryphen, die am Schluß des&lt;br /&gt;
katholischen Alten Testamentes stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die neuen Juden, die nicht hebräisch lesen konnten, wurde die Heilige &lt;br /&gt;
Schrift ins Griechische übersetzt. Dieser Text heißt Septuaginta (Übersetzung &lt;br /&gt;
der Siebzig), weil er auf Befehl des ägyptischen Königs Ptolemäus II. &lt;br /&gt;
(285—247 vor Christus) von 72 jüdischen Gelehrten angefertigt worden&lt;br /&gt;
sei. Eine sehr eigenwillige Übersetzung ins Deutsche schufen in den &lt;br /&gt;
letzten Jahrzehnten Martin Buber und Franz Rosenzweig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der babylonischen Gefangenschaft an wurde das Judentum nicht&lt;br /&gt;
nur durch „Gesetz, Propheten und Schriften“ zusammengehalten, sondern&lt;br /&gt;
auch durch die mündliche Überlieferung, die im {{Sperrsatz|Talmud}} (hebräisch =&lt;br /&gt;
Belehrung) gesammelt wurde. Seine vollständige Fassung, der &lt;br /&gt;
{{page|373|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
babylonische Talmud, wurde im 6. Jahrhundert nach Christus abgeschlossen. Er&lt;br /&gt;
enthält in aramäischer Sprache viele Vorschriften für das rechtliche und&lt;br /&gt;
religiöse Leben, ferner geschichtliche Überlieferungen, Lebensregeln, &lt;br /&gt;
wissenschaftliche Erkenntnisse, astronomische Betrachtungen und &lt;br /&gt;
astrologische Lehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der religiöse Grundbestand des Talmuds beruht auf biblischen Anschauungen, &lt;br /&gt;
wobei die göttliche Allmacht, Unsichtbarkeit und Überweltlichkeit mehr &lt;br /&gt;
hervortreten. Hinsichtlich des Menschen wird ein Gegensatz&lt;br /&gt;
zwischen Leib und Seele gelehrt; die Seele ist göttlichen Ursprungs, mit&lt;br /&gt;
ihr gehört der Mensch zur Welt des Geistes. Auf sittlichem Gebiet findet&lt;br /&gt;
man ein hohes Pflichtbewußtsein und das Bestreben, die sittlichen &lt;br /&gt;
Forderungen möglichst eingängig und allgemein gültig auszudrücken. &lt;br /&gt;
Das Bewußtsein einer persönlichen Verantwortung vor Gott läßt wenig Raum&lt;br /&gt;
für einen Vermittler oder Erlöser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Andersgläubigen gegenüber ist der Talmud nicht so unversöhnlich&lt;br /&gt;
ablehnend, wie oft behauptet wird. Wenn der Kult eines Heiden die &lt;br /&gt;
Gebote nicht verletzt, die Gott dem Noah gegeben hat (keine Menschenopfer,&lt;br /&gt;
keine unzüchtigen Riten), kann seine innere Gesinnung unter Umständen&lt;br /&gt;
als Frömmigkeit gewertet werden. Das schöne Wort: „Die Frommen aller&lt;br /&gt;
Völker haben teil an der künftigen Welt“ steht allerdings nicht im Talmud&lt;br /&gt;
selbst, gehört aber zum rabbinischen Kreis (Tos. Sanh. VIII, 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der jüdische {{Sperrsatz|Gottesdienst}} in seiner Ausrichtung auf das Wort&lt;br /&gt;
Gottes wurde im Islam und im Protestantismus nachempfunden. Ohne Dogmen, &lt;br /&gt;
Sakramente oder eine regelrechte Geistlichkeit, ja ohne Wortlaut&lt;br /&gt;
eines Bekenntnisses erscheint die jüdische Religion manchem als Ideal, so&lt;br /&gt;
daß von Zeit zu Zeit auch einzelne Christen oder Mohammedaner übertreten. &lt;br /&gt;
Doch treibt das Judentum heute keine Mission mehr, um seine Gegner nicht &lt;br /&gt;
zu reizen. Die Übertritte zum Christentum sind in den letzten 150 Jahren &lt;br /&gt;
jedoch sehr häufig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Abspaltungen}} hat das Judentum wenig erfahren. Die schon im&lt;br /&gt;
Neuen Testament erwähnten {{Sperrsatz|Samaritaner}} oder Samariter haben als&lt;br /&gt;
Heilige Schrift nur die fünf Bücher Mose und das Buch Josua. Diese kleine&lt;br /&gt;
Gemeinschaft entstand bereits im 4. Jahrhundert vor Christus in der&lt;br /&gt;
Gegend der Stadt Samaria und zählt heute höchstens 1 000 Seelen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Essener}} (von aramäisch Chasajja „Fromme“) sind durch die&lt;br /&gt;
Höhlenfunde am Toten Meer plötzlich weithin bekannt geworden. Sie bildeten &lt;br /&gt;
zu Christi Zeiten und in den folgenden Jahrhunderten eine Art&lt;br /&gt;
pazifistischer Mönchsorden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Karäer}} (hebräisch Qârâ’îm „Schriftleser“) entstanden im &lt;br /&gt;
7. Jahrhundert nach Christus in Syrien. Sie erkennen nur „Gesetz, Propheten&lt;br /&gt;
und Schriften“ an und lehnen den Talmud als Neuerung ab. Ihr Kalender&lt;br /&gt;
weicht vom allgemein jüdischen ab. Reste der Gemeinschaft befanden sich&lt;br /&gt;
bis zum Zweiten Weltkrieg auf der Krim; einige Tausend Anhänger leben&lt;br /&gt;
heute in Israel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Falascha}} in Äthiopien sind wahrscheinlich eine Abspaltung des&lt;br /&gt;
koptischen Christentums, das ohnehin dem Judentum nahesteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Kabbala}} (hebräisch Qabbalâ „Ererbung“) entstand im 10. Jahrhundert &lt;br /&gt;
nach Christus als theosophischer Geheimbund. Das durch die Verfolgung &lt;br /&gt;
{{page|374|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
bedrückte Gemüt verlangte nach einer Frömmigkeit, die mehr befriedigen &lt;br /&gt;
würde als der Gesetzesdienst. Der Suchende versenkte sich in die&lt;br /&gt;
Buchstaben des hebräischen Alphabets und steigerte das übersinnliche&lt;br /&gt;
Denken durch methodische Übungen, um sich schließlich, nach der &lt;br /&gt;
Wanderung durch die sieben Hallen, im Rausch der Verzückung als Prophet zu&lt;br /&gt;
erleben und für einen Augenblick die verheißene Erlösung Israels zu&lt;br /&gt;
schmecken. Die Kabbala beanspruchte also, ebenso Offenbarung zu vermitteln &lt;br /&gt;
wie das Gesetz Mose. Viele ihrer Lehren führen weit weg vom&lt;br /&gt;
jüdischen Glaubenserbe: der Glaube an einen geheimen Sinn der Zahlen,&lt;br /&gt;
Seelenwanderung, das Doppelgeschlecht der Gottheit, eine ausführliche&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte, schließlich auch Magie mit Totenbeschwörung, &lt;br /&gt;
Hellsehen und Sterndeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland blühte die Kabbala im Rheinland im 12. und 13. Jahrhundert. &lt;br /&gt;
Das klassische Werk der Kabbala, der aramäisch geschriebene&lt;br /&gt;
„Zohar“ (Glanz, das aus dem Unendlichen hervordringende Urlicht) von&lt;br /&gt;
Mose de Leon, entstand im 13. Jahrhundert in Spanien und wurde später&lt;br /&gt;
der Bibel und dem Talmud gleichgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte Ausläufer der Kabbala ist der {{Sperrsatz|Chassidismus}} (hebräisch&lt;br /&gt;
chasid „fromm“). Ihr Gründer war der Schankwirt und Fuhrmann Israel&lt;br /&gt;
Ba‘al Schemtôb aus Galizien, der um das Jahr 1750 Offenbarungen erhielt,&lt;br /&gt;
die er einem Engel zuschrieb. Er lehrte das überschwengliche Gebet als&lt;br /&gt;
Kernstück der Frömmigkeit und wirkte als Wundertäter. Martin Buber&lt;br /&gt;
und Franz Rosenzweig haben den Chassidismus einem größeren Kreis&lt;br /&gt;
bekannt gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der {{Sperrsatz|Zionismus}}, eine politische Bewegung, die von Theodor Herzl&lt;br /&gt;
am Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde, hat sich die Rückkehr der&lt;br /&gt;
Juden nach Israel auf die Fahne geschrieben. Die Zionisten organisierten&lt;br /&gt;
die Einwanderung nach Palästina, und am 14. Mai 1948 wurde in Tel Aviv&lt;br /&gt;
der neue Staat Israel ausgerufen. Das von der völligen Ausrottung bedrohte &lt;br /&gt;
Volk hat damit seine Heimat wiedergefunden. In der Heilsgeschichte ist &lt;br /&gt;
ein neuer Abschnitt angebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. Johann Karl Teufel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Bibel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I. Die Fünf Bücher der Weisung (5 Bücher Mose), verdeutscht von Martin Buber &lt;br /&gt;
und Franz Rosenzweig, Köln &amp;amp; Olten 1954.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II. Bücher der Geschichte (Josua, Richter, Samuel, Könige), verdeutscht von Martin&lt;br /&gt;
Buber und Franz Rosenzweig. Köln &amp;amp; Olten 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III. Bücher der Kündung (Jesaja, Jeremia, Hesekiel, die Zwölf Propheten), verdeutscht &lt;br /&gt;
von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Köln &amp;amp; Olten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV. Die Schriftwerke (Psalmen, Sprüche, Hiob, Hoheslied, Ruth, Prediger, Klagelieder &lt;br /&gt;
Esther, Daniel, Esra, Nehemia, Chronik), verdeutscht von Martin Buber&lt;br /&gt;
und Franz Rosenzweig. Köln &amp;amp; Olten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Talmud:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
L. Goldschmidt: Der babylonische Talmud. Aramäischer Text und deutsche &lt;br /&gt;
Übersetzung. 9 Bände. 1897—1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Chassidismus:&lt;br /&gt;
Martin Buber: Die Erzählungen der Chassidim. Zürich 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum geistigen Inhalt des Judentums:&lt;br /&gt;
Leo Baeck: Das Wesen des Judentums. Köln 1960.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|375|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Die Absolutheit des Christentums und die Weltreligionen“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die „Absolutheit des Christentums und die Weltreligionen“ sprach&lt;br /&gt;
kürzlich in Stuttgart Professor Paul {{Sperrsatz|Tillich}} auf Einladung &lt;br /&gt;
der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Das Thema hatte eine erfreuliche&lt;br /&gt;
Resonanz gefunden; der große Saal des Stuttgarter Hospitalhofs war überfüllt, &lt;br /&gt;
viele hatten keinen Einlaß mehr gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Tillich, seit etlichen Jahren amerikanischer Staatsbürger, Inhaber &lt;br /&gt;
des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, darf man zu jenen&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten im Kreise christlicher Theologen rechnen, die heute klar&lt;br /&gt;
erkannt haben, daß der Begriff echter Religion und Religiosität sich nicht&lt;br /&gt;
im Christentum erschöpft. So ist zum Beispiel sein bemerkenswerter Satz:&lt;br /&gt;
„In jeder Religion sind Elemente von dem enthalten, was auch in jeder&lt;br /&gt;
anderen Religion vorkommt“ voll zu unterstreichen, desgleichen seine &lt;br /&gt;
daraus gezogene Folgerung: „Das bringt eine völlig andere Haltung zur&lt;br /&gt;
Religion.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tillich unterscheidet dreierlei Religionen: die theistische Religion, zu&lt;br /&gt;
der er unter anderen auch den Islam zählt, die nicht-theistischen Religionen, &lt;br /&gt;
für die er den Zen-Buddhismus anführt, und die Säkular-Religionen, &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prof. Tillich (links) wurde auch vom Stuttgarter Oberbürgermeister, Dr. Arnulf Klett, empfangen, der ihm ein Geschenk überreichte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|376|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
die „Quasi-Religionen“, wie er sie nennt — Nationalismus, Sozialismus &lt;br /&gt;
und liberalen Humanismus. Die Begegnung sieht Tillich heute&lt;br /&gt;
dort am problematischsten, wo die theistischen Religionen mit den &lt;br /&gt;
„Quasi-Religionen“ konfrontiert werden. Man möchte wünschen, daß Tillichs&lt;br /&gt;
Ansicht stimmt, der Kampf zwischen den echten, gottgegebenen Religionen &lt;br /&gt;
habe so gut wie aufgehört. Es gehe jetzt vielmehr um die gemeinsame&lt;br /&gt;
Abwehr aller Religionen gegenüber den Säkular-Religionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tillich macht deutlich, daß die geschichtlichen Religionen, also auch&lt;br /&gt;
das Christentum, in der Menschheit weitgehend eine Leere hinterlassen&lt;br /&gt;
haben, in welche die „Quasi-Religionen“ mit Erfolg hineingestoßen sind.&lt;br /&gt;
Diese Leere liegt freilich nicht im ursprünglichen, unverfälschten Glauben &lt;br /&gt;
begründet, im geoffenbarten Wort, sondern in der Hülle, die vielerorts &lt;br /&gt;
als das Wesentliche angesehen wurde und noch wird. So sagt Tillich,&lt;br /&gt;
daß in der Geschichte des Christentums beispielsweise ein dauernder&lt;br /&gt;
Konflikt zwischen dem universalen und dem partikularen Element geherrscht &lt;br /&gt;
hat und eine Lösung dieses Problems bis heute noch nicht gefunden worden &lt;br /&gt;
ist. Im universalen Element sieht Tillich das Erscheinen des&lt;br /&gt;
Offenbarers, „des Jesus als Christus“, im partikularen die Kirche als dem&lt;br /&gt;
Träger des Absolutheitsanspruches. Das allein Absolute erblickt Tillich&lt;br /&gt;
jedoch „in dem, was jenseits der Religion steht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Vortrag setzte sich Professor Tillich pointiert für das Gespräch&lt;br /&gt;
zwischen den echten Weltreligionen ein. Anstelle der Bekehrung habe&lt;br /&gt;
der Dialog zu treten. Bemerkenswert seine Äußerung: „Wer bekehren&lt;br /&gt;
will, nimmt den anderen im Grunde nicht ernst“. Desgleichen dieser Satz,&lt;br /&gt;
der aus dem persönlichen Erleben Tillichs schöpft: „Wenn man mit einem&lt;br /&gt;
Buddhisten spricht, spricht man auch mit sich selbst.“ Hier läßt Tillich,&lt;br /&gt;
wenn auch recht vorsichtig, anklingen, daß, da es nur einen Schöpfer&lt;br /&gt;
gibt, es nur ein Wort Gottes und eine Religion geben kann, anders &lt;br /&gt;
ausgedrückt: daß die Offenbarungsreligionen eine gemeinsame Grundlage&lt;br /&gt;
haben. Bei der Bewertung der außerchristlichen Religionen ist nach Tillich&lt;br /&gt;
das Kriterium ihrer Echtheit, ob aus ihnen der Christusgeist spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Mann wie Tillich dürfte es nicht schwer fallen, mit diesem&lt;br /&gt;
seinem Maßstab festzustellen, daß alle Stifter einer Offenbarungsreligion&lt;br /&gt;
diesen Geist verkörpern — eben weil sie aus der gleichen Quelle schöpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:D.S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Alle Menschen wurden erschaffen, eine immer fortschreitende Kultur voranzutragen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Griechisches Sprichwort)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|377|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Inhaltsübersicht Bahá’í-Briefe, Hefte 1-14===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;El Báb&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du sollst Gott so verehren ...“ . . . . . . . . . . 153&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet . . . . . . . . . .  40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele: Sinnbild der Loslösung . . . . . . . . . .  41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dies ist die Lampe, dies ist die Sonne ...“ . . . . . . . . . .  46-— 47&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár und seine geistige Bedeutung . . . . . . . . . . 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textinschriften am Haus der Andacht in Wilmette, Illinois, USA . . . . . . . . . . 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dies ist der König der Tage...“ . . . . . . . . . .  8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Offenbarung jedes himmlischen Buches ...“ . . . . . . . . . .  105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Anhänger des Evangeliums ...“ . . . . . . . . . . 125&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dies ist der Tag...“ . . . . . . . . . . 129&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Menschen Freiheit und Abhängigkeit . . . . . . . . . . 139&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit . . . . . . . . . . 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Flehet zu dem einen wahren Gott ...“ . . . . . . . . . . 147&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frohen Botschaften (Sendschreiben) . . . . . . . . . . 179—183&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tablet Tarázát . . . . . . . . . . 201—206&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich habe kein Ziel als die Besserung der Welt...“ . . . . . . . . . . 220&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte des Paradieses . . . . . . . . . . 226—232&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bei Gottes Gerechtigkeit! Dies sind die Tage...“ . . . . . . . . . . 239&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge vor Gott...“ . . . . . . . . . . 249&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tablet Ishráqát . . . . . . . . . . 250—268&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dies ist der Tag, von Gott zu sprechen ...“ . . . . . . . . . . 253&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die den Völkern und Geschlechtern der Erde vorherbestimmte Zeit . . . . . . . . . . 309&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Mein Diener! Höre ...“ . . . . . . . . . . 313&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tablet Tajalliyát . . . . . . . . . . 326---330&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die oberste Pflicht, die Gott Seinen Dienern auferlegt ...“ . . . . . . . . . . 327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„sei freigebig im Glück ...“ . . . . . . . . . . 333&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet . . . . . . . . . . 347&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Gedenken Gottes ist eine Lampe ...“ . . . . . . . . . . 349&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Völker der Erde! ...“ . . . . . . . . . . 355&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sendschreiben an Professor Forel . . . . . . . . . . 5— 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet . . . . . . . . . . 24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tempelgebet . . . . . . . . . . 57&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’] Adhkár und seine geistige Bedeutung . . . . . . . . . . 62— 63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis göttlicher Kultur . . . . . . . . . . 92-163&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In diesen Tagen bedarf der Osten eines materiellen Fortschritts . . . . . . . . . . 97&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hanzala und Nu’mán“ — eine Geschichte aus dem alten Arabien . . . . . . . . . . 113—117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott und das Wesen der Natur — Antwort auf zwei Fragen . . . . . . . . . . 187—189&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet für die Menschheit . . . . . . . . . . 191&lt;br /&gt;
{{page|378|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne die Vermittlung des Heiligen Geistes kann niemand ...“ . . . . . . . . . . 257&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Kommen der Propheten und die Offenbarung ...“ . . . . . . . . . . 262&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Freuet euch, freuet euch ...“ . . . . . . . . . . 285&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seine Heiligkeit Abraham — Friede sei auf Ihm — ...“ . . . . . . . . . . 289&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Augen erstrahlten, die Ohren lauschten ...“ . . . . . . . . . . 304&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dies ist der größte Tag ...“ — Ansprache in Stuttgart ........ 306—308&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathustra, ein Offenbarer Gottes — Ansprache im Hotel Victoria, Ramlih-Alexandria . . . . . . . . . . 341—342&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sendung Bahá’u’lláhs . . . . . . . . . . 353&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Shoghi Effendi&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár und seine geistige Bedeutung . . . . . . . . . . 63— 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Welt heute braucht . . . . . . . . . . 216&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufsätze und Artikel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unsere Leser . . . . . . . . . . 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion der Einheit, von Huschmand Sabet . . . . . . . . . . 2— 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christlichen Dogmen, von Dr. Johann Karl Teufel . . . . . . . . . . 16— 24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erde ist eine Heimat, von H. Sch. . . . . . . . . . . 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist neu in der Bahá’í-Religion?, v. Prof. Dr. A. Bausani, Rom . . . . . . . . . . 26— 32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Macht des Gebets, von René Steiner . . . . . . . . . . 36— 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und Völkerrecht, von Huschmand Sabet . . . . . . . . . . 72— 76&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich habe euch noch viel zu sagen ...“ — Die Lehre Christi im Lichte der Baha’i-Religion, von Prof. Dr. A. Bausani, Rom . . . . . . . . . . 76— 80&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ridván — der König der Feste, von H. Schubert . . . . . . . . . . 82— 84&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mannigfaltigkeit die Einheit sehen ..., von Dr. A. Schwarz . . . . . . . . . . 84-85&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott ist der Gott der ganzen Menschheit (Ansprache zum Weltreligionstag am 15. Januar 1961 in Hamburg), von Prof. Dr. Fr. Heiler, Marburg . . . . . . . . . . 86— 92&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Lupe: Alkohol und Tabak, von Georg Schlotz . . . . . . . . . . 117—120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und der moderne Mensch, von Ben Schreibmann . . . . . . . . . . 120—125&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geht die Menschheit ins Ungewisse? von Dr. Eugen Schmidt . . . . . . . . . .  142—147&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs Weltordnung — Weg zum Weltfrieden, von Dr. Eugen Schmidt . . . . . . . . . . 163—171&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und die Sehnsucht nach Einheit, von Sir Sarvepalli Radhakrishnan . . . . . . . . . . 171—176&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanken zu einem Kongreß, von Dr. Karl Schück . . . . . . . . . . 206-—207&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfüllung der Mormonen-Prophezeiungen, von Artemus Lamb . . . . . . . . . . 245—248&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andere Zukunft, von Huschmand Sabet . . . . . . . . . . 275—280&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die „Beantworteten Fragen“ entstanden . . . . . . . . . . 281—283&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt des Bündnisses, von Peter Mühlschlegel . . . . . . . . . . 286—292&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás Reisen nach Europa und Amerika . . . . . . . . . . 292—294&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá in Stuttgart, aus Tagebuchnotizen von Alice Schwarz . . . . . . . . . . 294-306&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der geistige Zehnjahres-Weltkreuzzug, von Beatrice Ashton . . . . . . . . . . 310-316&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Täler — eine Betrachtung von Dr. Adelbert Mühlschlegel . . . . . . . . . . 334—339&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Tagebuch Mahmúds, von Marzieh Gail . . . . . . . . . . 350—353&lt;br /&gt;
{{page|379|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aus der Bahá’í-Welt — Berichte&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í am UN-Konferenztisch . . . . . . . . . . 33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltreligionstag 1961 . . . . . . . . . . 85— 86&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedenkfeier anläßlich des ersten Besuchs von ‘Abdu’l Bahá in Paris . . . . . . . . . . 167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion ist der Sieg über die Furcht — zum Weltreligionstag 1962 in Stuttgart . . . . . . . . . . 183—186&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr seid alle die Blätter eines Baumes . . . . . . . . . . 233—234&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfolgreiche Bahá’í-Lehrarbeit im Jahr 1962 . . . . . . . . .  266—268&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Todesstrafe gegen drei Bahá’í ausgesprochen . . . . . . . . . . 280—281&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Jubiläum — Bahá’í-Weltkongreß in London . . . . . . . . . . 316—323&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jubeltage in London, von Karl Schück . . . . . . . . . . 323—326&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedächtnis-Ausstellung: ‘Abdu’l-Bahá in Europa . . . . . . . . . . 330-332&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine neue, umfassende Weltreligion ...&amp;quot;, ein Gutachten von Prof. Dr. Helmuth von Glasenapp . . . . . . 340&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’í-Tempel — Berichte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Tempel in Afrika und Australien . . . . . . . . . . 44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsteinlegung für europäischen Muttertempel, von Ursula Schubert . . . . . . . . . . 49— 52&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die architektonische Konzeption des Hauses der Andacht, von Dipl.-Ing. Teuto Rocholl . . . . . . . . 53— 57&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehrtagung anläßlich der Grundsteinlegung des Hauses der Andacht . . . . . . . . . . 58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ringen um die Bauerlaubnis . . . . . . . . . . 60— 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár und seine geistige Bedeutung . . . . . . . . . . 62— 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textinschriften über den neun Eingängen des Bahá’í-Tempels in Wilmette, IDinois, USA . . . . . . . . . . 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber des Tempels — aus der Baugeschichte des amerikanischen Hauses der Andacht, von Peter Mühlschlegel . . 66— 71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht auf dem Kikaya Hill . . . . . . . . . . 98-- 99&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Taunus entsteht das europäische Haus der Andacht . . . . . . . . . . 148—149&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
100000 Menschen besuchten „Muttertempel“ des Westens . . . . . . . . . . 177&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht in Sydney, von Peter Mühlschlegel . . . . . . . . . . 211—216&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Europäisches Haus der Andacht nahezu im Rohbau fertig . . . . . . . . . . 217—218&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtbaum auf dem europäischen „Haus der Andacht“ . . . . . . . . . . 269&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aus der Bahá’í-Geschichte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der „König der Märtyrer“ und der „Geliebte der Märtyrer“, von Helga Ahmedzadeh . . . . . . . 194—200&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Märtyrer von Tihrán, von Peter Mühlschlegel . . . . . . . . . . 270—274&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gedichte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, von Adelbert Mühlschlegel . . . . . . . . . . 34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weg des Laotse in die Emigration, von Bertolt Brecht . . . . . . . . . . 243—-244&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religionswissenschaftliche Kurzinformationen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I. Die Naturreligionen, von Dr. Johann Karl Teufel . . . . . . . . . . 100—-102&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II. Die Sabier, von Dr. Johann Karl Teufel . . . . . . . . . . 150—151&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III. Der Hinduismus, von Prof. Dr. A. Bausani . . . . . . . . . . 189—192&lt;br /&gt;
{{page|380|file=Baha&#039;i_Briefe_15.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV. Der Buddhismus, von Prof. Dr. A. Bausani . . . . . . . . . . 208—211&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V. Laotse und Konfuzius, von Dr. Johann Karl Teufel . . . . . . . . . . 240-—242&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI. Zarathustra, von Dr. Bosorg Hemmati . . . . . . . . . . 343—349&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neu auf unserem Büchertisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Heiler: „Die Religionen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart“ . . . . . . . . . . 47&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gert von Natzmer: „Die geistigen Mächte unseres Jahrhunderts, Religionen und Heilslehren, Sekten und Ideologien“ . 48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arnold J. Toynbee: „Das Christentum und die Religionen der Welt“ . . . . . . . . . . 48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Islam und Abendland — Begegnung zweier Welten“ . . . . . . . . . . 103&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Offene Welt“ (Zeitschrift) . . . . . . . . . . 103&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Göttliche Lebenskunst“, zusammengestellt von Mabel Hyde Paine . . . . . . . . . . 128&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William Sears: „Thief in the Night“ . . . . . . . . . . 128&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh: „Ährenlese“ . . . . . . . . . . 152&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rúhiyyih Rabbani: „Dein Leben — deine Wahl“ . . . . . . . . . . 152&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alois Winklhofer: „Das Kommen Seines Reiches — Von den letzten Dingen“ . . . . . . . . . . 219—223&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursula von Mangoldt: „Meditation, Heilskraft im Alltag“ . . . . . . . . . . 224&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbert Gottschalk: „Weitbewegende Macht Islam“ . . . . . . . . . . 235&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: „Beantwortete Fragen“ . . . . . . . . . . 240&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sri Aurobindo: „Der Zyklus der menschlichen Entwicklung“ . . . . . . . . . . 283—284&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh: „Gebete und Meditationen“ . . . . . . . . . . 354&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. E. Esslemont: „Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“ . . . . . . . . . . 354&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farhad Sobhani: „Persisches Lehr- und Lesebuch“ . . . . . . . . . . 354—355&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Francoise Gourdon: „Solange Furcht herrscht“ . . . . . . . . . . 356&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In Memoriam&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horace Holley . . . . . . . . . . 42— 43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Clara Dunn . . . . . . . . . . 102—103&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Corinne True . . . . . . . . . . 126—127&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amelia Collins . . . . . . . . . . 193—194&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sommerschulen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sommerschulen vereinen Bahá’í aus vielen Ländern . . . . . . . . . . 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sommerschulen: Treffpunkt der Bahá’í . . . . . . . . . . 140—141&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Sommerschulen 1962 . . . . . . . . . . 236—238&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Sommerschulen 1963 . . . . . . . . . . 344—345&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 7022 Leinfelden, Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Bahai Briefe/Heft 14/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
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 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Oktober 1963&lt;br /&gt;
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 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{page|331|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=1}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Täler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathrustra, ein Offenbarer Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religionswissenschaftliche Kurzinformationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sommerschulen 1963&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue Bücher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OKTOBER 1963 HEFT 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort 6 Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|332|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|333|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sei freigebig im Glück und dankbar im Unglück.&lt;br /&gt;
:Sei wert des Vertranens deines Nächsten&lt;br /&gt;
:und schaue hellen und freundlichen Auges auf ihn.&lt;br /&gt;
:Sei ein Schatz dem Armen,&lt;br /&gt;
:ein Mahner dem Reichen ...&lt;br /&gt;
:und halte dein Versprechen heilig.&lt;br /&gt;
:Sei gerecht in deinem Urteil&lt;br /&gt;
:und behutsam in deiner Rede.&lt;br /&gt;
:Sei wie eine Lampe für die, so im Dunkeln gehn,&lt;br /&gt;
:ein Freund dem Betrübten...,&lt;br /&gt;
:Stütze und Verteidiger für das Opfer der Unterdrückung.&lt;br /&gt;
:Laß Sauberkeit und Redlichkeit all dein Handeln auszeichnen.&lt;br /&gt;
:Sei eine Heimat dem Fremdling,&lt;br /&gt;
:ein Balsam dem Leidenden,&lt;br /&gt;
:dem Blüchtling ein starker Turm.&lt;br /&gt;
:Sei dem Blinden Ange&lt;br /&gt;
:und ein Licht der Rechtleitung für den Fuß des Irrenden.&lt;br /&gt;
:Sei ein Schmuck für das Antlitz der Wahrheit...,&lt;br /&gt;
:ein Pfeiler für den Tempel der Redlichkeit,&lt;br /&gt;
:der Lebenshauch dem Körper der Menschheit,&lt;br /&gt;
:ein Banner für die Heerscharen der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
:ein Himmelslicht am Horizont der Tugend,&lt;br /&gt;
:Tau für den Urgrund des Menschenherzens,&lt;br /&gt;
:eine Arche auf dem Meer der Erkenntnis...,&lt;br /&gt;
:ein strahlendes Licht am Firmament deiner Zeitgenossen,&lt;br /&gt;
:eine Frucht am Baume der Demut.&lt;br /&gt;
:Dich vor der Glut der Eifersucht&lt;br /&gt;
:und vor der Kälte des Hasses zu schützen,&lt;br /&gt;
:darum bitten wir Gott.&lt;br /&gt;
:Er, wahrlich, ist nahe,&lt;br /&gt;
:bereit zur Antwort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(„Epistle to the son of the wolf&amp;quot;, p. 93 f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|334|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die sieben Täler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bahá’u’lláhs „Sieben Täler“, ein Sendschreiben, das in Anlehnung an die sufistische Dichtung der persischen Blütezeit den Entwicklungsweg des suchenden Menschen schildert und zugleich die Gesetzmäßigkeiten jeglicher Entwicklung in sich schließt, ist vor kurzem in Neuauflage erschienen, zusammen mit dem Sendschreiben „Vier Täler“, dem dieselbe Thematik zugrundeliegt (Bahá’u’lláh, „Sieben Täler — Vier Täler“, Bahá’í-Verlag GmbH., Frankfurt 1963, 66 Seiten, Ganzleinen DM 5,—, kartoniert DM 3,70). Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir die nachstehende Betrachtung von Dr. Adelbert Mühlschlegel.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das göttliche Wort strömt im Bündnis Bahá’u’lláhs in unermeßlicher&lt;br /&gt;
Fülle. Die Schriften von Báb, Bahá’u’lláh, ‘Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
haben einen Umfang, den die heiligen Schriften früherer Religionen bei&lt;br /&gt;
weitem nicht erreicht haben — etwa das Zehnfache der Bibel oder mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser herrlichen Fülle unschätzbarer Weisheiten ragt ein kleines&lt;br /&gt;
Büchlein aus der Feder Bahá’u’lláhs, „Die sieben Täler“, in seiner &lt;br /&gt;
poetischen Schönheit und seinem Reichtum an Wahrheiten, die in das Gewand&lt;br /&gt;
von Symbolen und Gleichnissen gehüllt sind, besonders hervor. „Er schrieb&lt;br /&gt;
dieses Werk als Antwort auf die Fragen des Shaykh Muhyi’d-Din, des&lt;br /&gt;
Qádí von Khániqayn, und schildert darin die sieben Stadien, welche die&lt;br /&gt;
Seele das Suchenden notwendigerweise durchlaufen muß, bevor sie den&lt;br /&gt;
Zweck ihres Daseins erreichen kann.“ &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ein schwerer Nebel in finsterer Nacht, so drücken Unwissenheit&lt;br /&gt;
und Stumpfheit auf die Massen der Menschen. Viele von ihnen „schlafen“,&lt;br /&gt;
viele sind „tot“, denn nur die Wünsche und Bedürfnisse des körperlichen&lt;br /&gt;
Daseins treiben sie an. Aber der gütige Schöpfer hat in den Menschen die&lt;br /&gt;
köstliche, heilige Fähigkeit gelegt, sich nach dem göttlichen Reich, nach&lt;br /&gt;
seiner ewigen Heimat, zu sehnen. Gegen diese Tatsache kann nicht als &lt;br /&gt;
Beweis gelten, daß in weitaus den meisten Herzen diese Sehnsucht &lt;br /&gt;
verkümmert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch ein unnatürlicher Zustand wird dem Menschen als Unbehagen bewußt. &lt;br /&gt;
Er grübelt über den Sinn seines Lebens und macht sich Selbstvorwürfe. &lt;br /&gt;
Er interessiert sich für mancherlei Dinge, ob sie ihm vielleicht eher&lt;br /&gt;
Befriedigung und Glück geben könnten. Erst wenn in ihm das Suchen&lt;br /&gt;
nach ewigem Glück, nach klarerer Erkenntnis, nach Führung zur &lt;br /&gt;
Vervollkommnung des Charakters, nach unvergänglicher Liebe und nach &lt;br /&gt;
anderen Zeichen der göttlichen Wirklichkeit so stark geworden ist, daß er&lt;br /&gt;
bereit ist, alles Bisherige aufzugeben, dann „erhebt er sich von dem Sitze&lt;br /&gt;
der Gleichgültigkeit“ und tritt ein in das &#039;&#039;Tal des Suchens&#039;&#039;. Er verläßt sein&lt;br /&gt;
„Haus“, das heißt, das von den Vorfahren Ererbte und ihm Anerzogene,&lt;br /&gt;
das ihm Sicherheit, Ordnung, Behaglichkeit und eine in Grundsätzen &lt;br /&gt;
gefestigte Weltanschauung, eine immer gleiche Aussicht aus dem Fenster&lt;br /&gt;
geschenkt hat, und geht auf dem „Fahrzeug der Geduld den Spuren des&lt;br /&gt;
Geliebten nach“. Nichts darf ihn verführen auf diesem Weg, der oft schwer&lt;br /&gt;
zu finden ist. Sein Denken muß rein werden von Vorurteilen und &lt;br /&gt;
Einbildungen. Die Vorstellung, wie es hinter der nächsten Wegecke aussieht,&lt;br /&gt;
{{page|335|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
darf ihn nicht dazu verleiten, die Zeichen göttlicher Führung zu &lt;br /&gt;
übersehen. Vorliebe und Abneigung, die er mit sich trägt, dürfen ihn nicht in&lt;br /&gt;
falsche Richtungen locken, ebensowenig die Ideen und Einflüsse &lt;br /&gt;
anderer Suchender. Er muß erkennen, daß nicht so sehr das bisher &lt;br /&gt;
Gelernte den Maßstab seines Fortschreitens bedeute als vielmehr sein Herz,&lt;br /&gt;
wo er der zarten Eingebung, der Stimme des Geliebten, lauschen soll. &lt;br /&gt;
Dadurch erwacht in ihm das geistige Wahrnehmungsvermögen, und je &lt;br /&gt;
bewußter und sicherer er darin wird, umso deutlicher kann er das Wahre&lt;br /&gt;
von trügerischen Einflüssen unterscheiden. So entwickelt er, selbständig&lt;br /&gt;
nach Wahrheiten forschend, seine eigene Urteilskraft, und aus freiem Willen&lt;br /&gt;
handelt er sodann, nicht gezwungen mit saurer Miene, „weil man eben das&lt;br /&gt;
tun muß“, sondern souverän, aus selbständigem Forschen nach Wahrheit,&lt;br /&gt;
beglückt in dem Bewußtsein, daß er dem Geliebten näher kommt dadurch,&lt;br /&gt;
daß er seinen Willen tut. ‘Abdu’l-Bahá lehrt uns, daß diese vier &lt;br /&gt;
Eigenschaften — das geistige Wahrnehmungsvermögen, das geistige &lt;br /&gt;
Unterscheidungsvermögen, die geistige Urteilskraft und der freie Wille — die &lt;br /&gt;
Auswirkungen des „himmlischen Geistes“ sind. Sie sind dem rein verständlichen &lt;br /&gt;
Denken, den Auswirkungen des „Menschengeistes“, übergeordnet. So ersteht &lt;br /&gt;
aus Sehnsucht, Suchen, Geduld, Selbständigkeit und Glück im Herzen des &lt;br /&gt;
Wanderers jene herrliche, heilige Macht, die wir die Liebe nennen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Liebe - die treibende Kraft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wanderer ist in das &#039;&#039;Tal der Liebe&#039;&#039; eingetreten. Eine neue Kraft&lt;br /&gt;
waltet in ihm und wandelt ihn. Wie herrlich zeigt uns die Natur dies im&lt;br /&gt;
Bilde! Das Samenkorn, von Materie bedeckt, wird von einer mystischen&lt;br /&gt;
Macht ergriffen, wenn es der Ruf des Frühlings berührt. Es „erhebt sich&lt;br /&gt;
vom Sitze der Gleichgültigkeit“, wo es den Winter über „geschlafen“ hatte,&lt;br /&gt;
und verläßt sein „Haus“. Nach allen Richtungen muß es sich den Weg zwischen &lt;br /&gt;
Steinchen und harten Schollen bahnen, aber die geheimnisvolle&lt;br /&gt;
innere Führung leitet es sicher der geliebten Sonne entgegen, es &lt;br /&gt;
durchbricht die letzte Erdkruste, und nun beginnt ein ganz neuer Abschnitt&lt;br /&gt;
seines Daseins: Licht und Luft lassen es wachsen. Die Pflanze eilt hinan,&lt;br /&gt;
dem Geliebten entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wanderer in diesem Tal muß viel leiden. „Sein Fahrzeug ist der&lt;br /&gt;
Schmerz.“ Er sieht die Zeichen des Geliebten da, wo andere stumpf und&lt;br /&gt;
blind sind. Sie verstehen ihn nicht mehr, er ist so ganz anders geworden.&lt;br /&gt;
Er versteht sich selbst nicht mehr, weil so oft eine neue Flut des Fühlens&lt;br /&gt;
sein Herz erfüllt. Er liebt die Schöpfung des Geliebten so, wie sie ist, auch&lt;br /&gt;
da, wo andere nur Häßliches sehen. Er lernt, alle Menschen zu lieben. Er&lt;br /&gt;
sieht im Nächsten nicht die Fehler, sondern die Schöpfung Gottes, denn&lt;br /&gt;
„alle sind aus der Gegenwart Gottes“. Er leidet, wo andere stumpf sind,&lt;br /&gt;
und ist glücklich im Feuer der Prüfungen, wo andere verzweifeln wollen.&lt;br /&gt;
Diese heilige Macht in seinem Gemüt „verbrennt die Schleier des Selbstes“&lt;br /&gt;
und läutert den Charakter. Er erkennt immer ungetrübter den Wunsch&lt;br /&gt;
und Willen des Geliebten. Und diese wachsende Gotteserkenntnis ist die&lt;br /&gt;
Grundlage aller wahren Erkenntnis. Nicht die Aneignung von Kenntnissen,&lt;br /&gt;
nicht das philosophische Spekulienen mit Begriffen führt zur wahren &lt;br /&gt;
Erkenntnis. Niemand erreicht sie, er sei denn durch die schmerzhafte Wandlung &lt;br /&gt;
{{page|336|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
im Tale der Liebe gegangen, er hätte denn zuerst „die Ernte der&lt;br /&gt;
Vernunft verbrannt“ — die alte Ernte aus alten Irrtümern, nicht die &lt;br /&gt;
Vernunft selbst. Sie wird ja neu geboren aus seiner Wandlung durch die reine&lt;br /&gt;
Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wandlung erst macht das Herz zum reinen Spiegel göttlicher Strahlung. &lt;br /&gt;
Sie führt den Wanderer in das &#039;&#039;Tal der Erkenntnis&#039;&#039;. Sein inneres&lt;br /&gt;
Auge wird geöffnet. Er versteht manche Mysterien des Glaubens, sie werden &lt;br /&gt;
ihm zur Gewißheit, und neue Mysterien tauchen auf. Er schaut Gegensätze &lt;br /&gt;
und Streitfragen in höherer Einheit und erkennt, daß sie nur aus&lt;br /&gt;
den Begrenzungen der betreffenden Menschen kommen. So lernt er, seiner &lt;br /&gt;
inneren Eingebung, errungen durch Gebet und Meditation, mehr zu&lt;br /&gt;
vertrauen, als den Auslegungen Unberufener. Vieles, was ihm bisher ngch&lt;br /&gt;
wichtig war, gar noch Autorität, braucht er jetzt nicht mehr. „In dieser&lt;br /&gt;
Stunde ist der Morgen der Erkenntnis emporgestiegen, und die &lt;br /&gt;
Wanderlampen verlöschen.“ &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Demut führt zur Erkenntnis&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier nun kommt es besonders auf Wahrhaftigkeit und Demut an. Nur&lt;br /&gt;
wenn Wort und Ziel und Tat mit seinem Erkennen übereinstimmen, fühlt&lt;br /&gt;
der Wanderer sich glücklich. Nur wenn er demutsvoll und ohne Eigendünkel &lt;br /&gt;
lauscht, kann er die innere Stimme vernehmen. Oft wird er ja&lt;br /&gt;
ganz anders geführt, als er zu erkennen vermeint. Das Buch erzählt uns&lt;br /&gt;
das Gleichnis von jenem Wanderer, der nach jahrelanger, qualvoller Trennung, &lt;br /&gt;
von Sehnsucht verzehrt, die Stadt betritt, wo seine Geliebte wohnt;&lt;br /&gt;
er wird von einer Nachtwache verfolgt, seine Flucht mißlingt. „Gewiß ist&lt;br /&gt;
diese Nachtwache ‘Izrá’il, mein Engel des Todes“, schreit er auf und &lt;br /&gt;
erklimmt in höchster Not eine Mauer. Gehetzt stürzt er sich von ihrer&lt;br /&gt;
schwindelnden Höhe hinab in einen Garten, wo er — welche Fügung! — der &lt;br /&gt;
Geliebten zu Füßen fällt. Nun preist er die Nachtwache als seinen&lt;br /&gt;
helfenden Engel. Denn wie anders wäre er zu diesem ersehnten Ziel &lt;br /&gt;
gelangt? So erkennt er Glück im Leid, Gerechtigkeit im Unrecht; so liebt er&lt;br /&gt;
seine „Feinde“, nicht nur um der Liebe zum Schöpfer willen, sondern auch&lt;br /&gt;
aus gereifter Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber mit wachsender Erkenntnis wächst auch das Bewußtsein, wie&lt;br /&gt;
peinlich verschieden Theorie und Praxis sind, wieviel noch in ihm lebt,&lt;br /&gt;
was nicht nach dem Willen des Schöpfers ist. Hier ist Selbsterziehung von&lt;br /&gt;
größter Bedeutung. In Gebet und Meditation wird er beseligt seines&lt;br /&gt;
höheren Selbstes bewußt und des Maßstabes, mit dem sich sein freier Wille&lt;br /&gt;
müht, das Unedle zu veredeln oder auszustoßen. Doch letztlich hilft nur&lt;br /&gt;
die ewige Liebe, die Gnade. So fliegt er begnadet der Einheit des eigenen&lt;br /&gt;
freien Willens mit dem göttlichen Willen entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Stufe, wo der begrenzte, egoistische Eigenwille erstirbt, die&lt;br /&gt;
in der „Welt“ verankerten Wünsche verlöschen und das Tun und Denken&lt;br /&gt;
göttliche Führung widerspiegelt, wird das &#039;&#039;Tal der Einheit&#039;&#039; genannt. Hier&lt;br /&gt;
erst kann der Wanderer, ohne zu lügen, die Worte beten: „Ich bezeuge&lt;br /&gt;
Deine Einheit und Einzigkeit, daß Du Gott bist und daß es keinen Gott&lt;br /&gt;
gibt außer Dir.“ Bisher waren ja immer noch andere heimliche Götter in&lt;br /&gt;
seinem Herzen. Aus dem herrlichen Erleben dieser Einheit in der eigenen&lt;br /&gt;
Brust erkennt er klar, daß alle Vielheit des Denkens und Fühlens und&lt;br /&gt;
{{page|337|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Wollens nur durch die Eigenart des Menschen bedingt ist. Die göttliche&lt;br /&gt;
Wirklichkeit, die durch die ehernen Gesetze der Schöpfung auf ihn zukommt, &lt;br /&gt;
ist immer die gleiche. Aber die Wirkung, die Rückstrahlung vom&lt;br /&gt;
Geschöpf ist ganz verschieden je nach dessen Stufe. Morast, Stein, Spiegel&lt;br /&gt;
oder Kristall strahlen das Sonnenlicht zurück, ein jedes nach seiner Art.&lt;br /&gt;
„Die Mannigfaltigkeit kommt nicht durch das Licht, sondern durch den&lt;br /&gt;
Ort, auf den es trifft, und wenn der Ort ihm durch irgend ein Hemmnis,&lt;br /&gt;
eine Mauer oder ein Hausdach verwehrt ist, so bleibt er des Glanzes &lt;br /&gt;
benommen und die Sonne kann nicht dorthin scheinen. So erklärt es sich,&lt;br /&gt;
daß auch manche schwache Seele der Sonne der geistigen Bedeutung und&lt;br /&gt;
der Geheimnisse des ewigen Geliebten beraubt ist, da sie den Boden der&lt;br /&gt;
Erkenntnis mit der Mauer des Ichs und des Begehrens und mit dem&lt;br /&gt;
Schleier der Achtlosigkeit und Blindheit begrenzt hat. So wird sie &lt;br /&gt;
ferngehalten von den Juwelen der Weisheit und der offenbaren Religion des&lt;br /&gt;
Herrn der Boten und vom Eingang zum Heiligtum der Erhabenen Schönheit &lt;br /&gt;
und von der Ka’bih der Herrlichkeit. Dies ist der Zustand der heutigen&lt;br /&gt;
Menschen“ &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist das Licht in seiner Weiterstrahlung durch den Menschen meist&lt;br /&gt;
ganz verhüllt oder zum mindesten persönlich begrenzt, aber kaum je&lt;br /&gt;
grenzenlos. Und das ist letzthin die Ursache allen Streites und Hasses,&lt;br /&gt;
allen Leides und aller Zerstörung. „Weder Meine Erde noch Mein Himmel&lt;br /&gt;
vermögen Mich zu fassen, aber im Herzen Meiner getreuen Knechte ist&lt;br /&gt;
Meine Wohnung“ &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprache ist unzulänglich&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben wir die Grenze dessen erreicht, was Worte vermitteln können.&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh Selbst schreibt: „Die Zunge ist nicht imstande, die drei letzten&lt;br /&gt;
Täler zu schildern, und die Sprache ist unzulänglich. Die Feder dringt&lt;br /&gt;
nicht in ihr Gebiet und die Tinte hinterläßt nichts als schwärzende Spuren.&lt;br /&gt;
Auf diesen Stufen hat die Nachtigall des Herzens andere Weisen und &lt;br /&gt;
Geheimnisse, die das Herz bewegen und die Seele in Erregung versetzen,&lt;br /&gt;
doch will dieses Rätsel der wahren Bedeutung nur von Herz zu Herz&lt;br /&gt;
offenbart und von Brust zu Brust anvertraut sein“ &amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;. So können wir nur&lt;br /&gt;
noch ahnend deuten, was diese letzten drei Täler versinnbildlichen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im fünften Tal, dem &#039;&#039;Tal des Genügens&#039;&#039;, der beseligenden Fülle, ist die&lt;br /&gt;
Einheit der Individualität mit der göttlichen Strahlung so veredelt, daß&lt;br /&gt;
der „Fremdling“, „der Feind“, aus dem Tempel der Seele gewichen ist.&lt;br /&gt;
Nur außen lauert er sprungbereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gelangt der Wanderer in das &#039;&#039;Tal des Staunens&#039;&#039;, das seine Seele&lt;br /&gt;
erschüttert. Denn die Individualität, sei sie auch nun ganz geläutert, &lt;br /&gt;
vermag mit ihren Geistorganen nicht mehr die Unermeßlichkeit, die Wunder&lt;br /&gt;
der himmlischen Welten, zu erfassen. Die Seele wird „des Atems beraubt“.&lt;br /&gt;
Das Individuelle verliert seine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Tal der Nichtswerdung&#039;&#039;, der echten Armut, stirbt die Individualität&lt;br /&gt;
und lebt in Gott, der Mensch wird arm aus sich selbst, aber reich in Gott.&lt;br /&gt;
Das Glas um die Lampe verliert gleichsam seine individuelle Farbe und&lt;br /&gt;
Gestalt; von einiger Entfernung aus gesehen, verschwindet es völlig im&lt;br /&gt;
Strahlenglanz des Lichtes. „Nichts mehr verbleibt außer dem Freunde“.&lt;br /&gt;
{{page|338|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Rüstzeug des Suchers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Weg des Wanderers durch die sieben Täler. Aber, so fragen&lt;br /&gt;
wir mit Recht, wie lernen wir das Wandern? Was nützt es uns, gleichsam &lt;br /&gt;
auf der Landkarte den Weg im voraus zu verfolgen? Ist es nicht viel&lt;br /&gt;
wichtiger, um die Ausrüstung zu wissen und das rechte Gehen zu lernen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligen Schriften der herrlichen Sendung Bahá’u’lláhs beschenken&lt;br /&gt;
uns reichlich mit Ratschlägen und Geboten, Jede Seite enthält Antworten&lt;br /&gt;
auf viele Fragen. Und unsere Lebensaufgabe, Seinem Willen zu gehorchen&lt;br /&gt;
und zu dienen, ist die beste Schule des Wanderns zu dem höchsten Ziel.&lt;br /&gt;
Es sind dies im Kerne uralte Weisheiten, aber die Form der Lehren&lt;br /&gt;
entspricht der heutigen Menschheit, und die Situation, in der wir stehen,&lt;br /&gt;
ist eine neue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind in allen Hochreligionen, wenn auch in wechselndem Verhältnis&lt;br /&gt;
zueinander, vor allem drei Elemente, die dem Menschen helfen auf seinem&lt;br /&gt;
Wege zu Gott: die Liebe, das Gebet und die rechte Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Liebe&#039;&#039; zu Gott und zum Mitmenschen, von Christus als das &lt;br /&gt;
vornehmste und höchste Gebot bezeichnet, „darinnen hanget das Gesetz und&lt;br /&gt;
die Propheten“, ist die größte Macht, die im Bündnis Gottes mit den Menschen &lt;br /&gt;
waltet, die stärkste Kraft, die den Menschen läutert und Gott näher&lt;br /&gt;
bringt. Wir können sie pflegen, indem wir uns bemühen, daß unser Denken, &lt;br /&gt;
Tun und Streben bewußt von selbstloser Liebe erfüllt sind, daß wir&lt;br /&gt;
zu unserem Schicksal „ja“ sagen und die Liebe Gottes darin erkennen.&lt;br /&gt;
Wie müssen wir von Dankbarkeit und Liebe zum Schöpfer begeistert&lt;br /&gt;
werden, je mehr wir die Gnade und das Vorrecht erfassen, in dieser Zeit&lt;br /&gt;
leben zu dürfen! In diesem Zeitalter aber ist „der Nächste“ die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit. So reich und weit soll unsere Liebe strahlen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das Gebet&#039;&#039; hat den Sinn, „daß es die Verbindung zwischen dem Diener&lt;br /&gt;
und dem Einen Wahren schafft, denn im Zustand des Gebets wendet der&lt;br /&gt;
Mensch sein Antlitz mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele der Erhabenheit &lt;br /&gt;
des Allmächtigen zu und sucht Seine Gemeinschaft und sehnt sich&lt;br /&gt;
nach Seiner Liebe und Gnade. Das größte Glück eines Liebenden ist, mit&lt;br /&gt;
seinem Geliebten verbunden zu sein, und das größte Geschenk für den&lt;br /&gt;
Sucher ist, dem Ziel seiner Sehnsucht nahe zu sein“ &amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Sehnsucht &lt;br /&gt;
und Liebe sind die Schwingen, auf denen die Seele im Gebet aufsteigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gebet gibt uns Trost, Kraft, Glück und Frieden. Aber oft braucht,&lt;br /&gt;
oft will die Seele noch mehr: Klarheit in schwieriger, bedrängter Lage.&lt;br /&gt;
Was ist der Wille Gottes? Nicht immer bringt das Gebet allein diese &lt;br /&gt;
Klarheit. Wenn wir geübt und gelernt haben, unsere Gedanken zu beherrschen&lt;br /&gt;
und zu konzentrieren, so können wir sie, von Liebe, Sehnsucht und Vertrauen &lt;br /&gt;
zu Gott getragen, nach dem Urgrund unserer Seele richten und in&lt;br /&gt;
dieser innersten Sammlung verharren. Da rührt unser Bewußtsein bis&lt;br /&gt;
an eine tiefere Schicht unserer Seele, die uns göttliche Weisheit &lt;br /&gt;
entgegenstrahlt. Dies ist der Sinn der &#039;&#039;Meditation&#039;&#039;. Unser unsterbliches, höheres&lt;br /&gt;
Selbst, das Göttliches widerspiegelt, gibt uns Antwort, schenkt uns die&lt;br /&gt;
Wahrheit, die uns frei macht, Doch dazu ist ein friedvoll geläutertes &lt;br /&gt;
Gemüt Voraussetzung, der Friede, der höher ist als alle Vernunft. Nicht &lt;br /&gt;
{{page|339|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
unerfüllte Wünsche dürfen uns plagen, nicht Komplexe, die in unserem &lt;br /&gt;
Unbewußten lauern, noch ein schlechtes Gewissen wegen begangener Verfehlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerechtigkeit&#039;&#039; ist darum ein weiteres Element der menschlichen &lt;br /&gt;
Entwicklung. Gerechtigkeit, das heißt, das Rechte tun aus freiem Willen, aus&lt;br /&gt;
Überzeugung, aus Liebe zu Gott und Seinen Geboten in jedem Augenblick &lt;br /&gt;
des Lebens. Nur müssen wir uns hüten vor falscher Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
Fehlt ihr die Liebe zu Gott und zum Nächsten, und die Demut, die jeder&lt;br /&gt;
wahrhaft Liebende und Dienende hat, dann wird Gerechtigkeit zum&lt;br /&gt;
Pharisäertum. Und fehlt ihr das Gebet mit dem Frieden und dem Mut, den&lt;br /&gt;
es verleiht, dann wird Gerechtigkeit hohl und kraftlos. Nie aber wird&lt;br /&gt;
durch Liebe oder Gebet der Mensch von der Gerechtigkeit entbunden, von&lt;br /&gt;
dem Befolgen der Gebote aus Liebe zu Ihm. „Auf diesen ganzen Wanderungen &lt;br /&gt;
darf der Wanderer nicht um Haaresbreite abgehen vom ‘Gesetz’,&lt;br /&gt;
das in der Tat das Geheimnis des ‘Weges’ und die Frucht vom Baume der&lt;br /&gt;
‘Wahrheit’ ist. Auf allen Stufen muß er sich an das Gewand des Gehorsams&lt;br /&gt;
zu den Geboten halten und fest das Seil des Vermeidens alles Verbotenen&lt;br /&gt;
fassen, damit er aus dem Kelch des Gesetzes genährt und mit den &lt;br /&gt;
Geheimnissen der Wahrheit bekannt wird”&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist ein Doppelwesen aus unsterblicher Seele und vergänglichem &lt;br /&gt;
Körper. Im Körperlichen lebt er im Rhythmus der Lebensalter, des&lt;br /&gt;
Jahreslaufes, des Tageslaufes. Im Jahreslauf ist der Winter die Zeit der&lt;br /&gt;
Einkehr und Besinnung, die Fastenzeit vor dem Frühling dient der Reinigung &lt;br /&gt;
des Körpers und der Seele, der Frühling und der Sommer weisen&lt;br /&gt;
neue Wege zur Tat, der Herbst mahnt an die Vergänglichkeit alles &lt;br /&gt;
Irdischen. Noch deutlicher kommt der Rhythmus von Besinnung und Tat, das&lt;br /&gt;
heißt, Gebet und Gerechtigkeit, im Tageslauf zum Ausdruck. Wer gerechter&lt;br /&gt;
Tat gelebt hat den Tag über, der hat den verdienten Seelenfrieden am&lt;br /&gt;
Abend. Friedvoll wendet er sich zur Nachtzeit der geistigen Welt im &lt;br /&gt;
Gebete zu, fröhlich und gestärkt — „den Seinen gibts der Herr im &lt;br /&gt;
Schlafe“ — steht er auf und geht an sein Tageswerk. „Das Gebet des &lt;br /&gt;
Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist!“ Auch dieses Wort drückt die &lt;br /&gt;
Wechselbeziehung von Gebet und Gerechtigkeit aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist uns gesagt, was gut und böse ist und was der Herr von uns&lt;br /&gt;
fordert. Über allen Wegen leuchtet das herrliche Wort Bahá’u’lláhs, mit&lt;br /&gt;
dem Gott dem Menschen, Seinem edelsten Geschöpf, sein Schicksal &lt;br /&gt;
anvertraut: „Alles, was in euch als Möglichkeit schlummert, kann sich nur&lt;br /&gt;
als Frucht euerer eigenen Willensanstrengung offenbaren“ &amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glückauf denn zum frohen Wandern durch die sieben Täler!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Adelbert Mühlschlegel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Frankfurt 1954, S. 159.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Bahá’u’lláh, „Sieben Täler — Vier Täler“, Frankfurt 1963, S. 23.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; dgl., S. 25 f.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; dgl., S. 27 (Hadíth)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; dgl. S. 35.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Göttliche Lebenskunst“, S. 28.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Sieben Täler“, S. 44.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs“ LXXVII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|340|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNIVERSITÄT TÜBINGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEMINAR FÜR INDOLOGIE&lt;br /&gt;
VERGLEICHENDE RELIGIONSWISSENSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Gutachten&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion der....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::(Bild des handschriftl. Gutachtens von Prof. Dr. H. v. Glasenapp, 3.10.1961)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Eine neue, umfassende Weltreligion ...“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Dr. Helmuth von Glasenapp, der verdiente langjährige Ordinarius &lt;br /&gt;
für Indologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Universität &lt;br /&gt;
Tübingen, ist kürzlich im Alter von 72 Jahren verstorben. Er war&lt;br /&gt;
einer der ersten deutschen Religionswissenschaftler, die die Bedeutung der&lt;br /&gt;
Offenbarung Bahá’u’lláhs im Sinn der Religionsgeschichte richtig einschätzten. &lt;br /&gt;
Am 3. Oktober 1961 gab er das obenstehende Gutachten ab, das&lt;br /&gt;
wie folgt lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Religion der Bahá’í ist zwar aus dem Islam hervorgegangen, stellte aber eine selbständige Glaubensform, keine islamische Sekte dar. Man müßte ja sonst auch das Christentum, weil es aus dem Judentum erwachsen ist, als eine jüdische Sekte auffassen. In meinem Buch „Die nichtchristlichen Religionen“ (175. Tausend, Frankfurt 1960, Fischer-Lexikon Band 1) habe ich auf Seite 60 f. die Bahá’í-Religion dargestellt und betont, daß sie ‚eine neue, alle früheren Glaubenformen umfassende und überhöhende Weltreligion‘ sein will.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|341|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zarathustra, ein Offenbarer Gottes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ansprache von &#039;Abdu’l-Bahá im Hotel Victoria, Ramlih-Alexandria (Ägypten)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der heiligen Gottesoffenbarer war Zarathustra, Seine Offenbarung&lt;br /&gt;
ist wie die der Sonne hell und strahlend, Sein Beweis klar und leuchtend,&lt;br /&gt;
Seine Argumente sind überzeugend. Seine Heiligkeit Zarathustra erschien&lt;br /&gt;
zu einem Zeitpunkt, da Persien einer Ruine glich und das persische Volk&lt;br /&gt;
auf einen Tiefstand gelangt war. Eine lang anhaltende Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
zwischeh Persien und Turkistan hatte sich zur Regierungszeit Luhrásbs&lt;br /&gt;
(= Hystapa) etwas beruhigt, denn Luhrásb war ein Diener Gottes und&lt;br /&gt;
suchte nach der Wahrheit. Nach ihm bestieg Gushtásb (= Vishtaspa) den&lt;br /&gt;
Thron. Kurz, Persien war vom Dunkel der Verworrenheit und Niedertracht&lt;br /&gt;
überzogen. In dieser Zeit erschien Zarathustra. Er erleuchtete Persien und&lt;br /&gt;
erweckte die Völker des Iran. Nachdem Persien alle seine Kräfte verloren&lt;br /&gt;
hatte, in jeder Hinsicht erniedrigt war und seine Bewohner im Dunkel der&lt;br /&gt;
Unwissenheit irrten, fanden sie durch die Lehren Zarathustras neues Leben. &lt;br /&gt;
Es begann ein neuer Aufstieg,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eindeutig klar, daß die Lehren Zarathustras, Seine Gebote und &lt;br /&gt;
Ratschläge göttlichen Ursprungs sind. Wäre Zarathustra nicht erschienen, so &lt;br /&gt;
wäre Persien völlig verschwunden. Ohne Seine Lehren hätten die Perser nie &lt;br /&gt;
ihre Berühmtheit erlangt, Sie wären aller menschlichen Vorzüge und der &lt;br /&gt;
göttlichen Gnade beraubt gewesen, Jener strahlende Stern jedoch erhellte &lt;br /&gt;
den Horizont Persiens, brachte seine sittlichen Normen ins Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und führte die Perser einer göttlichen Erziehung zu. Somit ist die &lt;br /&gt;
Offenbarung Zarathustras klar und strahlend wie die der Sonne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist verwunderlich, daß man Moses anerkennt und Zarathustra ablehnt,&lt;br /&gt;
weil Er im Qur’án nicht unmittelbar erwähnt ist; aus diesem Grund lehnten &lt;br /&gt;
ihn die Anhänger des Qur’án ab und wandten sich gegen Ihn. Nur wenige &lt;br /&gt;
Gottesoffenbarer sind jedoch im Qur’án namentlich genannt; die meisten &lt;br /&gt;
werden durch Merkmale angedeutet. Der Qur’án nennt im ganzen&lt;br /&gt;
achtundzwanzig Gesandte Gottes. Die übrigen werden nicht direkt mit&lt;br /&gt;
ihrem Namen genannt. Von Zarathustra heißt es: “Der Prophet, Welcher&lt;br /&gt;
Sich am Ufer des Flusses Aras offenbarte.“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Unter dieser Bezeichnung,&lt;br /&gt;
heißt als Prophet der Gefährten von Ras, ist Er im Qur’án anzutreffen. Da&lt;br /&gt;
dies die Herren Ausleger aber nicht verstanden, haben sie Ras mit „Brunnen“ &lt;br /&gt;
übersetzt, und da Hiob eine Zeitlang in Median war und die Bewohner Medians &lt;br /&gt;
Brunnenwasser tranken, legte man es so aus, daß der Prophet der Gefährten &lt;br /&gt;
von Ras Hiob war. Aber andere Ausleger schreiben, daß Ras&lt;br /&gt;
„Aras“ bedeutet, Verschiedene Propheten sind dort erschienen, aber ihre&lt;br /&gt;
Namen sind im Qur’án nicht erwähnt. Kurz, Zarathustra wird im Qur’án&lt;br /&gt;
als der Prophet des Ufers von Ras bezeichnet. Seine Größe ist wie die &lt;br /&gt;
der Sonne offenbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Größe Zarathustras blieb bis zur Offenbarung Bahá’u’lláhs verborgen, &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh erhöhte Seinen Namen und erwähnte Ihn in Seinen Sendschreiben.&lt;br /&gt;
{{page|342|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
Er sagte ausdrücklich, daß Zarathustra einer der heiligen göttlichen &lt;br /&gt;
Offenbarer ist. Wenn der Regen kommt, der Wind weht und die&lt;br /&gt;
Sonne scheint, wächst alles aus der Erde hervor. Auf die gleiche Weise&lt;br /&gt;
wurden alle Wahrheiten und Geheimnisse offenbar, sobald die Sonne der&lt;br /&gt;
Wahrheit Bahá’u’lláhs erschien und ihre Strahlen über die Horizonte &lt;br /&gt;
verbreitete, Dies trifft auch bei Zarathustra zu, Die Parsen waren über ein&lt;br /&gt;
Jahrtausend zerstreut und heimatlos. Gott sei Dank, daß Bahá’u’lláh die&lt;br /&gt;
Parsen in die Arme Seiner Gnade nahm und nach tausend Jahren von &lt;br /&gt;
dieser Trübsal und Erniedrigung befreite, Er verkündete den göttlichen &lt;br /&gt;
Ursprung der Offenbarung Zarathustras. Dies ist die Ursache der &lt;br /&gt;
Freundschaft, Liebe, Eintracht und Einheit der Menschheit. Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
nahm alle Völker unter die Flügel Seiner Gnade. Er tröstete alle und behandelte &lt;br /&gt;
alle mit Güte und Liebe. Aus diesem Grunde ist Seine Sendung eine Gnade&lt;br /&gt;
für alle Menschen, Seine Offenbarung die Rettung aller Erdenbürger und&lt;br /&gt;
die Freude alle Völker. Er hob das Gebot des Schwertes auf; stattdessen&lt;br /&gt;
brachte Er die wahre Liebe. Er tilgte jede Ursache des Hasses und der&lt;br /&gt;
Entfremdung und begründete Eintracht und Freundschaft zwischen allen&lt;br /&gt;
Menschen. Er befreite uns, Gott sei Dank, von jeder Beschränkung und&lt;br /&gt;
versöhnte uns mit allen Völkern. Er machte uns zu Liebenden der Menschheit &lt;br /&gt;
und zu Bahá’í, Deshalb müssen wir Ihm mit jedem Atemzug hunderttausendmal &lt;br /&gt;
danken und uns aufmachen, Ihm zu dienen. Dies ist unser&lt;br /&gt;
höchster und liebster Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet, welche Gnade Er uns erwies! In dieser Versammlung kommt&lt;br /&gt;
jeder von uns von einem anderen Kontinent und Land. Wie viele &lt;br /&gt;
Meinungsverschiedenheiten lagen zwischen uns, wie viele Streitigkeiten &lt;br /&gt;
trennten uns! Er strahlte mit der Eigenschaft der Gnade und Liebe auf uns,&lt;br /&gt;
sammelte uns, einigte uns und setzte uns an eine solche Tafel hier in einem&lt;br /&gt;
fremden Land. Wir sind alle in höchster Liebe, Freundschaft, Einheit und&lt;br /&gt;
Einigkeit an dieser Tafel versammelt. Wir haben kein Ziel außer dem Dienst&lt;br /&gt;
an Seiner gesegneten Schwelle. Wir haben keinen anderen Wunsch als&lt;br /&gt;
Liebe und Freundschaft. Die Herzen sind miteinander verbunden. Die Seelen &lt;br /&gt;
sind alle durch die Gnade Bahá’u’lláhs mit Freude erfüllt. Aus dieser&lt;br /&gt;
Versammlung wird klar, wie sich die Zukunft gestalten wird und welche Liebe&lt;br /&gt;
und Einigkeit zwischen den verschiedenen sich streitenden Völkern, Religionen, &lt;br /&gt;
Stämmen und Sippen entstehen wird. Dies ist wie die einleitenden&lt;br /&gt;
Zeilen in einem Brief. Sie machen deutlich, wie der Brief gehalten ist.&lt;br /&gt;
Diese Versammlung ist wie das Vorwort eines Buches. Es macht deutlich, wie&lt;br /&gt;
die Wahrheiten und Bedeutungen des Buches beschaffen sind. Ich hoffe, daß&lt;br /&gt;
ihr alle, wenn ihr in eure Heimat und an euren Wohnsitz zurückkehrt,&lt;br /&gt;
eines der Zeichen Gottes werdet, eine Gabe der Gaben Gottes, daß ihr&lt;br /&gt;
die Ursache der Einigkeit der Herzen und der Einheit der Menschen werdet, &lt;br /&gt;
daß ihr die Einheit der Menschheit fördert, allen Menschen dient und&lt;br /&gt;
sie liebt, daß ihr keinen Unterschied macht zwischen Freunden und Fremden &lt;br /&gt;
und mit allen Menschen in höchster Liebe und Freundschaft verkehrt. Dies &lt;br /&gt;
ist unser höchster Wunsch, und Ich bin überzeugt, daß ihr&lt;br /&gt;
danach trachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „Khatábát-i-Mubárakih“, S. 126 ff., deutsch von Dr. Bosorg Hemmati&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Qur’án 25:40 und 50:12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|343|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religionswissenschaftliche Kurzinformationen (VI)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zarathustra&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathustra oder Zoroaster, in richtiger Transkription aus dem &lt;br /&gt;
Altpersischen Zarathushtra (Z = weiches S), gilt als Stifter der altpersischen&lt;br /&gt;
Religion. Über Seinen Geburtsort wissen wir nichts Genaues. Sehr &lt;br /&gt;
wahrscheinlich wurde Er in Schiz am Flusse Aras im Nordwesten Persiens, in&lt;br /&gt;
der heutigen Provinz Adhirbáyján geboren. Sein Geburtsjahr liegt um&lt;br /&gt;
598 v. Chr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Vater, ein Adeliger oder Priester, hieß Pourushaspa aus dem&lt;br /&gt;
Stamme Spitama, weswegen Seine Anhänger Ihn Zarathustra Spitamana&lt;br /&gt;
nennen. Mit etwa 20 Jahren verließ Er Seine Heimat und verbrachte &lt;br /&gt;
längere Zeit in den Bergen mit Meditationen und religiösen Betrachtungen.&lt;br /&gt;
Dreißigjährig verkündete Er eine neue Offenbarung, die in Wirklichkeit&lt;br /&gt;
eine Neuerung der noch älteren Religionen der Bewohner des alten Irán&lt;br /&gt;
war. Viele Jahre wurde Er als Ketzer verfolgt: „O Gott (Ahura-Mazda)!&lt;br /&gt;
Ich bin schwach. Ich besitze weder Vermögen noch Anhänger. Ich bitte&lt;br /&gt;
Dich um Deine Gerechtigkeit und Dein Erbarmen. O Erschaffer aller Seelen, &lt;br /&gt;
nimm Dich meiner an und sei mir ein tröstender Freund. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich gelang es Ihm, den Fürsten Vishtaspa und dessen Familie&lt;br /&gt;
von Seiner Offenbarung zu überzeugen. Erst danach begann die rasche&lt;br /&gt;
Verbreitung Seiner Lehren. Bei einem Überfall des Nachbarfürsten&lt;br /&gt;
Aryastaspa starb Er mit 77 Jahren eines gewaltsamen Todes (um 520&lt;br /&gt;
v. Chr.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbreitung der zarathustrischen Religion fiel zeitlich mit der&lt;br /&gt;
Gründung des persischen Reiches durch die Achämeniden zusammen. Sie&lt;br /&gt;
wurde somit zur Religion sämtlicher Völkerstämme, die unter dem König&lt;br /&gt;
Kyros standen, und trug entscheidend zu einer Verschmelzung dieser&lt;br /&gt;
verschiedenen Volksgruppen bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathustras Mission bestand in der Abschaffung der primitiven, mit&lt;br /&gt;
Dogmen, Magie und Zauber behafteten religiösen Vorstellungen und in&lt;br /&gt;
der Verkündung eines einzigen abstrakten Gottes, Ahura-Mazda. Der&lt;br /&gt;
Name Ahura-Mazda erscheint erstmalig in einer Inschrift des &lt;br /&gt;
Assyrer-Königs Sargan aus den Jahren 1714/13 v. Chr. Daraus ist zu schließen, &lt;br /&gt;
daß Zarathustra aus den zahlreichen vorhandenen Gottheiten Ahura-Mazda&lt;br /&gt;
als den einzigen wahren Gott verkündet und alle anderen Götter abgeschafft &lt;br /&gt;
hat. Eine Parallele dazu finden wir im Islám. Muhammad ließ&lt;br /&gt;
einen der Götter in der Ka’bih, nämlich Allah, bestehen und vernichtete&lt;br /&gt;
alle anderen, die Er als Götzen bezeichnete. Allah wurde auch bald als&lt;br /&gt;
Schöpfer der ganzen Welt erklärt. Sein Abbild wurde aus der Ka’bih entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahura-Mazda wurde als Flügelmensch symbolisch dargestellt. Durch&lt;br /&gt;
den Engel Vohu-Mano (entsprechend dem Heiligen Geist im Christentum &lt;br /&gt;
bzw. Erzengel Gabriel im Islám) erlebte Zarathustra den einzigen&lt;br /&gt;
wahren Gott, Ahura-Mazda, Der Ihn beauftragte, die Götzenanbetung&lt;br /&gt;
und die Irrlehren zu beseitigen und die wahren Lehren Ahura-Mazdas,&lt;br /&gt;
die hauptsächlich auf ein von Gott gewolltes moralisches Zusammenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;(Fortsetzung Seite 346)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|344|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bahá’í-Sommerschulen 1963===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;In fast allen europäischen Ländern trafen sich in diesem Sommer wieder die Bahá’í bei ihren Sommerschulen, die jeweils von den Nationalen Geistigen Räten veranstaltet wurden. In Deutschland waren wieder Hustedt und Gauting Stätten der Begegnung, wo rege diskutiert und studiert wurde. Zahlreiche Baha’í aus vielen Ländern kamen nach Alpbach in Tirol; dort&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{{page|345|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;hatten die österreichischen Freunde an einem herrlich gelegenen Platz für eine Woche „die Zelte aufgeschlagen“. An der Adria und der Riviera, in Wales und in Schweden, in den Benelux-Ländern und in Dänemark — wo es auch war, man fühlte sich wie zuhause, man lernte neue Menschen kennen und man erfuhr aufs neue: „Die Erde ist eine Heimat...“ — Unser Bilderbogen auf diesen beiden Seiten vermittelt einige Eindrücke von den Sommerschulen in Hustedt und Alpbach; dazu kommt ein Schnappschuß von dem Treffen, das die deutsche Bahá’í-Jugend in Oberkalbach (Hessen) veranstaltet hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|346|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
der Menschen hinausgingen, zu verbreiten. Er sagt: „Beauftragt zum&lt;br /&gt;
Schutz der Seelen der Gottesgläubigen, werde Ich, solange Mir die Kraft&lt;br /&gt;
reicht, versuchen, die Lehren Ahura-Mazdas zu verkünden und zu verbreiten, &lt;br /&gt;
damit die Menschen den rechten Weg finden.“ (2)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist demnach sehr wahrscheinlich, daß Zarathustra eine Säuberung&lt;br /&gt;
und Reformierung einer viel älteren indoiranischen Offenbarungsreligion&lt;br /&gt;
durchführte. Neben der Gestalt des Gottes Ahura-Mazda erwähnt Zarathustra &lt;br /&gt;
die Existenz des Satans, des Ahriman (Angra-Mainyu), womit Er&lt;br /&gt;
die beiden Eigenschaften des Menschen, nämlich das Gute und das Böse,&lt;br /&gt;
anschaulich zu machen versuchte. Wenn der Mensch sich Ahura-Mazda&lt;br /&gt;
zuwendet und Seinen Geboten gehorcht, bleibt er von Versuchungen des&lt;br /&gt;
Ahriman geschützt. Zeitlebens führt er einen Kampf gegen die bösen &lt;br /&gt;
Geister (Deva), die auf Anweisung des Ahriman die tugendhafte Natur des&lt;br /&gt;
Menschen zu töten versuchen. Diese Betonung der Gefahr der Versuchungen &lt;br /&gt;
durch die Deva führte in der späteren dogmatischen Entwicklung und&lt;br /&gt;
Systematisierung der Religion zu der irrigen Annahme eines Dualismus,&lt;br /&gt;
einer Anschauung, die sich bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. aufrecht erhielt&lt;br /&gt;
und häufig im abendländischen Schrifttum erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathustra lehrte, daß ein Gottesoffenbarer für die rechte Herstellung &lt;br /&gt;
einer Verbindung der Menschen zu ihrem Schöpfer, für die geistige&lt;br /&gt;
und seelische Entwicklung und ein gerechtes Miteinanderleben der &lt;br /&gt;
Menschen unerläßlich ist: „Ein kluger Freund fragt dich, warum es in dieser&lt;br /&gt;
Welt Gottes Boten geben soll. Ein Gottesoffenbarer ist notwendig, da die&lt;br /&gt;
Menschen im täglichen Leben aufeinander angewiesen sind. Um wahre&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit zu begründen, muß es göttliche Gebote geben, denen sich&lt;br /&gt;
alle Menschen unterwerfen. Er fragt dich, wie sollen wir einen wahren&lt;br /&gt;
Boten erkennen? Ihr werdet Ihn erkennen, indem Er weiß, was die anderen &lt;br /&gt;
nicht wissen. Er wird in euer Herz hineinschauen und auf alle Fragen &lt;br /&gt;
eine Antwort geben können.“ (3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathustra forderte jeden auf, selbständig Seine Lehren zu untersuchen &lt;br /&gt;
und sie dann anzunehmen bzw, zu verwerfen: „Höret mit euren&lt;br /&gt;
eigenen Ohren die göttlichen Worte; forschet mit einem reinen Herzen die&lt;br /&gt;
dargebotenen Lehren, jeder Mann für sich und jede Frau für sich. Und&lt;br /&gt;
bevor der letzte Tag gekommen ist, soll jeder selbst seinen Glauben&lt;br /&gt;
wählen und den wahren Gott finden.“ (4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eng verknüpft mit dem Glauben an Gott, Ahura-Mazda, sind Seine Gebote, &lt;br /&gt;
an deren Spitze die drei Lehren von {{Sperrsatz|Homat, Hucht und Havaresht}} &lt;br /&gt;
(reines Denken, reines Sprechen und reines Tun) stehen. In der späteren &lt;br /&gt;
systematisierten zarathustrischen Religion sehen wir das Glaubensbekenntnis: &lt;br /&gt;
„Ich bekenne, als Ahura-Mazda-Anbeter, als Zarathustrier, mit Gelöbnis &lt;br /&gt;
und Bekenntnis. Ich gelobe gut-gedachtes Denken, ich gelobe gut-gesprochenes &lt;br /&gt;
Wort, ich gelobe gut-getanes Werk.“ (5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese drei Wörter standen und stehen häufig unter dem Symbol des&lt;br /&gt;
Ahura-Mazda in den Reliefs, z. B. am Denkmal Dareios’ in Behistun, das&lt;br /&gt;
uns bis heute erhalten geblieben ist. (6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei Gebote stellen das Fundament der Lehren Zarathustras dar&lt;br /&gt;
und sind zu vergleichen mit den zehn Geboten Moses, dem Gebot der&lt;br /&gt;
Nächstenliebe Christi und dem der Gerechtigkeit bei Muhammad.&lt;br /&gt;
{{page|347|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist die ausgesprochene Toleranz, die Zarathustra &lt;br /&gt;
Seinen Anhängern den Gläubigen anderer Religionen gegenüber auferlegte.&lt;br /&gt;
Er verbot jeden Zwang bei der Verbreitung Seiner Lehren und forderte, &lt;br /&gt;
wie erwähnt, jeden auf, selbständig Seine Lehren zu prüfen und&lt;br /&gt;
den rechten Glauben zu finden. Davon zeugen auch die Handlungen der&lt;br /&gt;
persischen Könige Kyros und Dareios. Nach der Eroberung Babylons ließ&lt;br /&gt;
Kyros dem besiegten Volk seine Religion, befreite die von den Babyloniern &lt;br /&gt;
verschleppten und verbannten Juden und ließ sie ins Heilige Land&lt;br /&gt;
bringen; den Juden folgten persische Beamte zur Überwachung des neu zu&lt;br /&gt;
errichtenden, sog. zweiten Tempels von Jerusalem (538 v. Chr.). (7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zarathustras Lehren für das praktische Leben fanden in dem Gebot der&lt;br /&gt;
Einehe und der Reinhaltung des Wassers, Feuer und Erde ihren Niederschlag. &lt;br /&gt;
Diese drei Elemente hatten auch ihre entsprechenden „Schutzengel“, &lt;br /&gt;
die als verehrungswürdig angesehen wurden. Die Verehrung des&lt;br /&gt;
Feuers und des Lichtes fand Ausdruck in der symbolischen Zuwendung&lt;br /&gt;
des Gesichtes zur Sonne, zum Mond bzw. zum Feuer während des täglichen &lt;br /&gt;
Gebetes. Aus diesem Grunde brannte in den Gotteshäusern das&lt;br /&gt;
„ewige Feuer“, was diesen Bethäusern den Namen Feuertempel einbrachte.&lt;br /&gt;
Die Zoroastrier wurden nach der islamischen Eroberung als Feueranbeter&lt;br /&gt;
bezeichnet. Dieses „ewige Feuer“ erlebte in den christlichen Kirchen &lt;br /&gt;
später seine Wiederkehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Eroberung Persiens durch Alexander den Großen wurde ein&lt;br /&gt;
Großteil des Buches Avesta, der heiligen Schrift Zarathustras, vernichtet.&lt;br /&gt;
Aber der Glaube blieb die Hauptreligion Persiens. Um diese Zeit bzw.&lt;br /&gt;
kurz danach setzten sich die von den Groß-Mobed (Priestern) aufgestellten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;O Du mein Gott, Dem ich diene und Den ich anbete! Ich bezeuge Deine Einheit und Deine Einzigkeit und erkenne Deine Gaben an, die Du uns in der Vergangenheit und in der Gegenwart geschenkt hast. Du bist der Allfreigebige, Du lässest die überquellenden Schauer Deiner Gnade gleicherweise über Hohe und Niedrige herabregnen, und Du lässest den Glanz Deiner Barmherzigkeit leuchten über Gehorsamen und Empörern.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;O Du Gott der Gnade, vor Dessen Tür der Inbegriff der Gnade sich niederbeugt und Dessen heilige Sache umkreist wird von dem innersten Wesen der Güte, wir rufen Deine altehrwürdige Gnade an, wir suchen Deine gegenwärtige Gunst und wir bitten Dich, sei allen Geschöpfen dieser Welt des Daseins gnädig und schließe sie in Deinen Tagen nicht aus vom Strome Deiner Gnadengaben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir alle sind arm und bedürftig, Du aber bist wahrlich der Allbesitzende, der Allbezwingende, der Allmachtvolle.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::„Gebete und Meditationen“, 157 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|348|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
Dogmen durch. Zur Sassaniden-Zeit war er zur Staatsreligion erhoben,&lt;br /&gt;
die jedoch, zumindest anfangs, religiösen Minderheiten, Juden, Buddhisten&lt;br /&gt;
und den ersten Christen, tolerant gegenüberstand. Die übriggebliebenen&lt;br /&gt;
Fragmente des Avesta (in der Zendsprache = Altpersisch) wurden wieder&lt;br /&gt;
zusammengesetzt. Teile des Avesta blieben jedoch in ihrer Urform weiter&lt;br /&gt;
bestehen, z. B. die Gatha, die ihrer Sprache nach dem Vedischen bzw. dem&lt;br /&gt;
Indoiranischen mehr verwandt sind (Gatha = Himmlische Lieder). Hierzu &lt;br /&gt;
gehören auch die Yasna (Opferbuch), Visperet (lithurgisches Werk),&lt;br /&gt;
Yashts (Loblieder auf Heilige) und Vendidad (religiöses Gebetbuch), die&lt;br /&gt;
teils Worte des Religionsstifters, teils Kommentare aus anderer Feder darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Zeit der Sassaniden-Herrschaft gehört auch die Entstehung der&lt;br /&gt;
Dogmen in der zarathustrischen Religion. Die Mobed waren zeitweilig&lt;br /&gt;
die Mächtigsten des Reiches, und eine tolerante Behandlung der religiösen&lt;br /&gt;
Minderheiten war nur durch das strikte Eingreifen des Herrschers möglich,&lt;br /&gt;
Die übertriebene Verehrung der Heiligen, des Feuers und des Wassers, das&lt;br /&gt;
z. B. durch die Waschung der Toten nicht mehr verunreinigt werden durfte,&lt;br /&gt;
ferner das Verbot, die Toten zu beerdigen, da so die Erde unrein würde,&lt;br /&gt;
bedeuten den inneren Zerfall dieser Offenbarungsreligion. Zarathustra&lt;br /&gt;
Selbst hatte vorausgesagt, man würde Seine Religion durch Dogmen und&lt;br /&gt;
Mißverständnisse so weit verändern, daß Er Selbst sie nicht wiedererkennen&lt;br /&gt;
würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Eroberung Persiens durch den Islám und der Islamisierung&lt;br /&gt;
des ganzen Landes verlor die Religion Zarathustras fast völlig ihre &lt;br /&gt;
Bedeutung. Nur ein kleiner Teil ihrer heiligen Schriften konnte gerettet &lt;br /&gt;
werden. Durch den Druck der islamischen Kalifen blieb nur eine kleine &lt;br /&gt;
Minderheit übrig, die sich in den Bergen von Mázindarán im Norden, aber&lt;br /&gt;
auch im Süden Persiens behauptete. Der größere Teil wanderte nach Indien aus &lt;br /&gt;
und bildete dort die jetzt noch größte Gemeinde dieser Religionsgemeinschaft, &lt;br /&gt;
heute etwa 100 000 Gläubige. Die Zahl der im Ursprungsland zurückgebliebenen &lt;br /&gt;
Zoroastrier beträgt etwa 20 000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in neuester Zeit von Otto Hänisch begründete Mazdaznan-Lebenslehre &lt;br /&gt;
strebt eine Erneuerung der Lehren Zarathustras an und hat in ihren&lt;br /&gt;
Theorien von der richtigen Ernährung, der Atemtechnik etc. viele Elemente &lt;br /&gt;
indischen Ursprungs aufgenommen. Der Zarathustra Nietzsches hat&lt;br /&gt;
mit dem iranischen Religionsstifter sehr wenig gemein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fragmente des Avesta und der übrigen Schriften Zarathustras, die&lt;br /&gt;
zum größten Teil von dem Geistlichen Djamasb (Mitte des 16. Jhds.) &lt;br /&gt;
{{page|349|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
zuzusammengestellt wurden, lassen uns einen Einblick in die Lehren dieser&lt;br /&gt;
Religion gewinnen. Hinzu kommen die Angaben der griechischen Historiker, &lt;br /&gt;
wie Herodot und Xenophon, und die archäologischen Funde in verschiedenen &lt;br /&gt;
Teilen Persiens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Zusammenstellung Djamasbs ist ganz deutlich zu entnehmen,&lt;br /&gt;
daß nach dem totalen Verfall der Religion Zarathustras und einer &lt;br /&gt;
tausendjährigen Fremdherrschaft in Persien die neue, aus der Fremde kommende&lt;br /&gt;
Religion (der Islám) das gleiche Schicksal erleben und denselben Verfall &lt;br /&gt;
durchmachen würde wie die zarathustrische Religion. Dann „wird ein&lt;br /&gt;
Sproß aus dem Stamm des Königs Goshtasba (dem Sohn des Vishtaspa)&lt;br /&gt;
kommen, und obwohl er Iranier ist, wird Gott ihn nach Rom (oströmisches&lt;br /&gt;
Reich = Kleinasien und Umgebung) bringen. Dort wird er das Buch Gottes&lt;br /&gt;
offenbaren und den ewigen Frieden bringen.“ Hier wie auch an vielen&lt;br /&gt;
anderen Stellen spricht Zarathustra von dem Kommen des Königs Siushan, &lt;br /&gt;
der die Religion Gottes vom Aberglauben säubern und Zank, Streit&lt;br /&gt;
und Kriege abschaffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue historische Untersuchungen haben ergeben, daß der Stammbaum&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs sich bis zu den Sassanidenkönigen verfolgen läßt. Rida-Quli&lt;br /&gt;
Khan Hidáyat, ein ausgezeichneter Historiker um die Mitte des letzten&lt;br /&gt;
Jahrhunderts in Persien (ein Nicht-Bahá’í und späterer Gegner Bahá’u’lláhs) &lt;br /&gt;
hat eine Abhandlung (9) über die Adeligen und Fürsten der&lt;br /&gt;
Provinz Núr verfaßt, von denen Bahá’u’lláh nachweislich abstammt, die&lt;br /&gt;
diese Tatsache eindeutig beweist. Den ersten Hinweis gab Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
Selbst, und zwar auf die Anfrage eines Zoroastriers, der sich mit Bezug&lt;br /&gt;
auf die oben erwähnte Prophezeiung nach der genauen Herkunft&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs erkundigte. Abu’l Fadl Gulpaygání hatte kurz zuvor über&lt;br /&gt;
diesen Stammbaum nachgeforscht, worauf Bahá’u’lláh in Seinem &lt;br /&gt;
Antwortschreiben hinweist. (10) Der genaue Stammbaum Bahá’u’lláhs wurde&lt;br /&gt;
vor kurzem in Teheran veröffentlicht. (11)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bosorg Hemmati&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:1) „Guldastih Chaman A&#039;ín Zardusht S. 154/55&lt;br /&gt;
:2) Gatha S. 5, Vers 4&lt;br /&gt;
:3) Ebenda S. 7 Vers 7/8&lt;br /&gt;
:4) Ebenda S. 31, Vers 19&lt;br /&gt;
:5) Yasna 30, 3-5, Religionswissenschattl. Lesebuch, Bd. 1, herausgegeben von A. Bertholt.&lt;br /&gt;
:6) v.d. Osten, „Die Welt der Perser“, Tafel 45.&lt;br /&gt;
:7) Ebenda S. 65 ff.&lt;br /&gt;
:8) Dasatir S. 132/33&lt;br /&gt;
:9) Manuskript „Nizhat-namih-i-Ridá-Qulí Khán“, Bibliothek d. Brit. Museum, Orient. manuscr. Nr. 3378, Bl. 87.&lt;br /&gt;
:10) Abul-Fadl Gulpaygání, „Shajarih-namih Mubárakih, Bombay 1321 n. d. H.&lt;br /&gt;
:11) „Iqlím-i-Núr“, Malik-Khusrawi, Teheran, März 1958.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gedenken Gottes ist eine Lampe, deren Licht die Worte sind: Ihr seid die Früchte {{Sperrsatz|eines}} Baumes und die Blätter {{Sperrsatz|eines}} Zweiges. Verkehret miteinander in größter Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Brüderlichkeit. Er, der Morgen der Wahrheit, ist Mein Zeuge! So mächtig ist das Licht der Einheit, daß es die ganze Erde erleuchten kann. Der eine wahre Gott, der alle Dinge kennt, bezeugt die Wahrheit dieser Worte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bemühet euch, diese erlauchte und erhabene Stufe zu erreichen, die Stufe, die den Schutz und die Sicherheit der ganzen Menschheit verbürgt. Dieses Ziel übertrifft jedes andere Ziel, und dieses Streben ist der Fürst allen Strebens.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::(Epistle to the Son of the Wolf, p. 14) &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|350|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Tagebuch Mahmúds===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir scheinen manchmal zu vergessen, welchen Glanz die Persönlichkeit&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás ausstrahlte. Es wäre grundfalsch, in Ihm einen Weisen zu&lt;br /&gt;
erblicken, abgeschlossen von der Welt, Der Sich höchstens um die Armen&lt;br /&gt;
kümmerte — obwohl Er gerade diesen so sehr zugetan war. In der Tat war&lt;br /&gt;
Er das makellose Beispiel für die Bahá’í, allem und allen aufgeschlossen&lt;br /&gt;
und in bestem Sinne des Wortes ein Mann von Welt. Er fühlte Sich in einer&lt;br /&gt;
einfachen Hütte genauso zuhause wie in einem Palast, Er unterschied nie&lt;br /&gt;
zwischen hoch und niedrig. Als Unbekannter betrat Er meist eine Stadt,&lt;br /&gt;
doch binnen kurzem scharten sich in Seinem Salon die Menschen um Ihn.&lt;br /&gt;
Schwache und Mächtige, Bekannte und Unbekannte suchten Seine Nähe.&lt;br /&gt;
Professor E. G. Browne, renommierter Orientalist aus Cambridge, küßte in&lt;br /&gt;
London Seine Hand — eine Geste, die ‘Abdu’l-Bahá äußerst mißfiel und die&lt;br /&gt;
Er sich auch verbat. Persische Adlige, die im Iran die Bahá’í verfolgt &lt;br /&gt;
hatten, beeilten sich in Frankreich, vor Ihm niederzuknien, was Ihn zu der &lt;br /&gt;
Bemerkung veranlaßte: „Jetzt sollte Násiri’d-Din Sháh aus dem Grab &lt;br /&gt;
aufsteigen und sehen können, was vor sich geht!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichter widmeten Ihm Hymnen, Er wurde gemalt und photographiert,&lt;br /&gt;
jedoch betonte mein Vater stets, daß nur wenige der Bilder und &lt;br /&gt;
Photographien Ihm wirklich ähnelten, weil Sein Ausdruck sich ständig &lt;br /&gt;
änderte. Professor Browne schrieb im Jahr 1890 u. a.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Selten beeindruckte mich ein Mensch mehr. Er begegnete mir als großer,&lt;br /&gt;
kräftig gebauter Mann, aufrecht und gerade wie ein Pfeil, mit weißem&lt;br /&gt;
Turban und weißem Gewand, lange, schwarze Locken, eine breite hoheitsvolle &lt;br /&gt;
Stirn, die einen starken Intellekt, gepaart mit einem unbeirrbaren&lt;br /&gt;
Willen, ausdrückte, ein durchdringender Blick wie der eines Falken. Er&lt;br /&gt;
hatte markante, aber dennoch angenehme Züge... Die folgende Unterhaltung &lt;br /&gt;
sollte die Achtung nur noch steigern, die mir Seine Erscheinung&lt;br /&gt;
vom ersten Augenblick an abgenötigt hatte. Ich kann mir nicht vorstellen,&lt;br /&gt;
daß es unter den wortgewandten, scharfsinnigen Vertretern Seines Volkes &lt;br /&gt;
jemanden gibt, der sich beredter, schlagfertiger und bildhafter auszudrücken&lt;br /&gt;
vermöchte und der mit den heiligen Schriften der Juden, Christen und&lt;br /&gt;
Muhammadaner vertrauter wäre denn Er. .. Niemand, der Ihm begegnet&lt;br /&gt;
ist, kann an der Größe und Kraft dieses Mannes den leisesten Zweifel&lt;br /&gt;
hegen... .“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá kehrte erst ein Jahr, nachdem Er Amerika am 5. Dezember&lt;br /&gt;
1912 verlassen hatte, nach Haifa zurück, Seine rund drei Jahre dauernden&lt;br /&gt;
Reisen in den Westen hatten, wie der Hüter schreibt, „das Letzte aus&lt;br /&gt;
Seinen schwindenden körperlichen Kräften herausgeholt.“ Mírzá Mahmúd &lt;br /&gt;
Zarqáni war offizieller Berichterstatter jener Reisen; er gehörte zum &lt;br /&gt;
Gefolge des Meisters und brachte so viel wie möglich aus jenen Tagen, die&lt;br /&gt;
meist in der Morgendämmerung begannen und erst um Mitternacht endeten, &lt;br /&gt;
zu Papier. Die Aufzeichnungen, denen die folgenden Abschnitte entnommen &lt;br /&gt;
sind, beginnen mit der Reise des Meisters von Amerika über den&lt;br /&gt;
winterlichen Atlantik nach England.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der „Celtic“ erzählte Ihm eine Dame, sie fürchte sich vor dem Tod.&lt;br /&gt;
„Dann tun Sie etwas, was Sie vor dem Tod bewahrt,“ sagte ‘Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
„etwas, was Sie Tag für Tag lebendiger macht und Ihnen ewiges Leben&lt;br /&gt;
{{page|351|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
gibt. Nach den Worten Seiner Heiligkeit Christi werden alle, die in das&lt;br /&gt;
Reich Gottes eintreten, niemals sterben. Treten Sie deshalb in das göttliche&lt;br /&gt;
Königreich ein und fürchten Sie den Tod nicht länger.“ Sie sprachen über&lt;br /&gt;
den vorübergehend ruhigen Atlantik, und Er sagte: „Wir müssen uns dem&lt;br /&gt;
Schiff Gottes anvertrauen. Dieses Leben ist wie eine aufgewühlte See, und&lt;br /&gt;
alle Menschen auf Erden — über zwei Milliarden Seelen — werden darin&lt;br /&gt;
untergehen, ehe hundert Jahre vergangen sind. Alle, außer denen, die mit&lt;br /&gt;
dem Schiff Gottes fahren; diese werden gerettet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In London vermittelte Er Seinen Zuhörern das folgende „Gespräch“ zwischen &lt;br /&gt;
den Menschen und den Propheten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Menschen argumentierten stets so: ‘Wir lebten zufrieden und nach&lt;br /&gt;
unseren Ansichten. Wir aßen, wir schliefen, wir sangen, wir tanzten. Wir&lt;br /&gt;
fürchteten weder Gott, noch hofften wir, in den Himmel zu kommen. Uns&lt;br /&gt;
gefiel, was wir taten... Und dann kamt Ihr, Ihr nahmt uns unser Vergnügen, &lt;br /&gt;
Ihr redetet zu uns vom Zorn Gottes, von der Furcht vor Bestrafung, von &lt;br /&gt;
der Hoffnung auf Belohnung. Ihr brachtet unser Leben in Aufruhr...’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Propheten Gottes antworteten darauf stets: ‘Ihr waret zufrieden&lt;br /&gt;
in der Welt der Tiere; wir wollten euch zu Menschen machen. Ihr standet&lt;br /&gt;
im Dunkeln; wir wollten Euch erleuchten. Ihr waret tot, wir wollten euch&lt;br /&gt;
beleben. Ihr waret der Erde zugetan, wir wollten euch himmlisch machen.’“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am gleichen Tag sprach ‘Abdu’l-Bahá über die Liebe: „Unter den Menschen &lt;br /&gt;
ist die Liebe der Glanz göttlicher Schönheit. Ohne Liebe vegetiert der&lt;br /&gt;
Mensch auf der Stufe des Tieres, denn das Merkmal der Stufe des Menschen &lt;br /&gt;
ist die Liebe. Solange unter den Menschen die Liebe nicht herrscht,&lt;br /&gt;
wird es kein wahrhaftes Glück und keinen Frieden geben. Bedenket, wie&lt;br /&gt;
beschwingt eines Menschen Herz ist, wenn er bei einem wirklichen Freunde&lt;br /&gt;
weilt, und wie glücklich er sich dabei fühlt. Sieht er sich jedoch einem&lt;br /&gt;
Feinde gegenüber — welch eine Strafe! Wir müssen deshalb Bruderschaft&lt;br /&gt;
und allumfassende Liebe pflegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Frage, wie man einen persönlichen Gegner behandeln solle, antwortete &lt;br /&gt;
Er: „Überlaß’ ihn sich selbst.“ Auf die Frage: „Was ist der Teufel?“,&lt;br /&gt;
sagte Er: „Das beharrende Selbst“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá pflegte den Tag mit dem Singen von Gebeten zu beginnen,&lt;br /&gt;
und Mahmúd schreibt darüber, daß diese Gebete „süß auf der Seele&lt;br /&gt;
lagen“, Der Meister sagte: „In den Schriften steht, Arbeit ist Gottesdienst.&lt;br /&gt;
Das heißt aber nicht, daß Gottesdienst und die vorgeschriebenen &lt;br /&gt;
Erwähnungen Gottes unnötig seien. Gottesdienst ist im Buche Gottes als Gebot&lt;br /&gt;
verordnet. Das Gebet macht das Herz achtsam und vergeistigt die Seele.&lt;br /&gt;
Es läßt den Geist frohlocken und weitet die Brust, bis göttliche Liebe sich&lt;br /&gt;
offenbart, bis der Mensch sich vertrauensvoll auf Gott stützt und sich in&lt;br /&gt;
Demut niederbeugt vor der Schwelle Seiner Größe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Er einmal die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften &lt;br /&gt;
dieses Jahrhunderts hervorgehoben hatte, bemerkte der Meister: „Es würde &lt;br /&gt;
den Wissenschaftlern und Technikern gut anstehen, Voraussetzungen für &lt;br /&gt;
Reisen nach anderen Planeten zu schaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das „Bahá’í-Sein“ sagte Er: „Bis jetzt war Glauben gleichbedeutend&lt;br /&gt;
mit Anerkennen, seinen Glauben bekennen; in dieser größten Sache heißt&lt;br /&gt;
Glauben: lobenswerte Eigenschaften besitzen, lobenswerte Taten vollbringen.“&lt;br /&gt;
{{page|352|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Thema „Pflicht“ sprach ‘Abdu’l-Bahá zu Seinen Zuhörern: „Des&lt;br /&gt;
Menschen Pflicht ist es, beharrlich und ausdauernd zu sein und auf den&lt;br /&gt;
Beistand Gottes zu hoffen. Es geziemt dem Menschen nicht, untätig, &lt;br /&gt;
hochmütig und unbekümmert zu sein. Da der Mensch die Zukunft nicht kennt,&lt;br /&gt;
muß er stets rechtschaffen sein und aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Frage, ob es zutreffe, daß der Mensch umso geistiger werde, je&lt;br /&gt;
weniger materiellen Besitz er habe, sagte der Meister: „Loslösung bedeutet&lt;br /&gt;
nicht Armut, sondern Freiheit des Herzens. Wenn eines Menschen Herz&lt;br /&gt;
frei und vom Feuer der Liebe zu Gott durchglüht ist, wird ihm jeglicher&lt;br /&gt;
materielle Nutzen und Vorteil dazu dienen, sich geistig zu vervollkommnen.“ &lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá illustrierte dies an einem Beispiel: „Es waren einst&lt;br /&gt;
zwei Freunde, der eine reich, aber frei im Herzen, der andere arm, doch&lt;br /&gt;
irdischen Gütern zugetan, Eines Tages regte der Arme eine Reise an, Sie&lt;br /&gt;
machten sich auf den Weg und ließen alles hinter sich. Der Arme bemerkte,&lt;br /&gt;
daß sein reicher Freund in der Tat alle seine Bindungen gelöst, seine &lt;br /&gt;
Besitztümer vergessen hatte und nicht mehr an Rückkehr dachte, Er sagte:&lt;br /&gt;
‘Warte geschwind, ich will nochmals umkehren und meinen Esel holen,&lt;br /&gt;
den ich zuhause gelassen habe’. Da meinte der Reiche: ‘Du bist kein &lt;br /&gt;
Reisegefährte für mich. Du kannst nicht einmal deinen Esel vergessen; &lt;br /&gt;
deinetwegen habe ich all meinen Wohlstand aufgegeben; ich machte mich auf&lt;br /&gt;
und dachte nicht an Rückkehr. Ich besaß alles; du hattest nur ein einziges&lt;br /&gt;
Ding, und jetzt kannst du es nicht erwarten, bis du nochmals umkehren &lt;br /&gt;
kannst — wegen deines Esels!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages erzählte der Meister den Zuhörern eine Begebenheit aus&lt;br /&gt;
Seinem Leben: „Ich war ein neunjähriger Bub, In der Trübsal jener Tage,&lt;br /&gt;
als die Gegner uns bedrängten, bewarfen sie auch unser Haus mit &lt;br /&gt;
Steinen... Wir hatten keinen, der uns helfen konnte. Im Haus waren nur meine &lt;br /&gt;
Mutter&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; meine Schwester&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; und Aqá Mírzá Muhammad-Qulí &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Um uns zu schützen, nahm uns unsere Mutter vom Shimírán-Tor weg&lt;br /&gt;
und brachte uns in das Sangilaj-Viertel, wo sie in einer abgelegenen Gasse&lt;br /&gt;
ein Haus gefunden hatte. Dort wachte sie über uns, und wir durften nicht&lt;br /&gt;
auf die Straße gehen. Eines Tages jedoch mußten wir dringend nach Nahrungsmitteln &lt;br /&gt;
sehen, und meine Mutter fragte mich: ’Kannst Du zur Tante gehen? Sage ihr, &lt;br /&gt;
sie solle uns ein paar Krán &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; besorgen, einerlei wie.’ Unsere &lt;br /&gt;
Tante wohnte am Takyih&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; von Hájí Rajab-‘Alí, in der Nähe des&lt;br /&gt;
Hauses von Mírzá Hasan Kajdamágh. Ich ging hin. Die Tante suchte, überall &lt;br /&gt;
ein paar Krán zusammenzubringen. Sie erhielt schließlich fünf Krán,&lt;br /&gt;
die sie mir in ein Taschentuch band.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf meinem Rückweg erspähte mich im Takyih der Sohn von Mírzá &lt;br /&gt;
Hasan. Er schrie sofort: ‘Da läuft ein Bábi!’ und lief mir mit anderen &lt;br /&gt;
{{page|353|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
Jungen nach. Das Haus von Mullá Ja’far aus Astarábád war zum Glück nicht&lt;br /&gt;
weit. Ich ging hinein und versteckte mich hinter der Tür. Der Sohn des&lt;br /&gt;
Mullá entdeckte mich zwar, schickte mich aber nicht wieder auf die Straße&lt;br /&gt;
und sagte den anderen Jungen auch nicht, wo ich war. Ich wartete, bis es&lt;br /&gt;
dunkel wurde. Als ich das Haus verließ, rannten mir die Buben wieder&lt;br /&gt;
nach, schrien und warfen mit Steinen. Sie verfolgten mich, bis ich zum&lt;br /&gt;
Laden von Aqá Muhammad Sandúqdár kam; dort ließen sie von mir ab.&lt;br /&gt;
Als ich erschöpft und voll Angst daheim ankam, fiel ich zu Boden. ‘Was&lt;br /&gt;
tut dir weh?’ fragte meine Mutter, Ich konnte es ihr nicht sagen; ich fiel&lt;br /&gt;
einfach hin. Meine Mutter nahm das Taschentuch mit dem Geld, brachte&lt;br /&gt;
mich zu Bett, und ich schlief ein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später fügte ‘Abdu’l-Bahá hinzu: „In Tihrán hatten wir einst allen Komfort, &lt;br /&gt;
den man sich wünschen kann, doch dann wurde unser Haus geplündert; &lt;br /&gt;
an einem einzigen Tag wurde uns alles weggenommen. Das Leben&lt;br /&gt;
wurde für uns so hart, daß mir meine Mutter eines Tages etwas Mehl in&lt;br /&gt;
die Hand schüttete, das ich anstelle von Brot aß.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder betonte der Meister die Grundlage Seines Lebens: Nichts&lt;br /&gt;
ist wichtig außer der Sache Gottes. „Schaut hinaus auf die gemähten &lt;br /&gt;
Wiesen und Hügel. Sie sind wie besiegte Armeen, wie ein in Massen gefallenes&lt;br /&gt;
Heer, dem Erdboden gleichgemacht. Sie sind der Schutt hoher Lustschlösser, &lt;br /&gt;
und die Schlösser und Paläste dieser Welt sind wie die Höhlen der&lt;br /&gt;
Eulen, die sich von Toten nähren; es sind die Ruheplätze der Aasgeier. Aller&lt;br /&gt;
Gewinn ist Verlust, es sei denn, man widme sich der erhabenen Aufgabe,&lt;br /&gt;
Gott zu dienen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Marzieh Gail&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach „A Sampler from Mahmúd&#039;s Diary“, Bahá’í News (USA) No. 382, January&lt;br /&gt;
1963, deutsch von Dieter Schubert. Obwohl es sich nicht um authentische, von&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá überprüfte Aufzeichnungen handelt, vermitteln diese Notizen doch ein&lt;br /&gt;
farbiges Bild Seiner überragenden Persönlichkeit. D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anmerkungen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Navváb, damals eine wohlbehütete, schöne Frau Mitte Zwanzig.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Bahíyyih Khánum, das „Größte Heilige Blatt“, damals sieben Jahre alt.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; ein Onkel Bahá’u’lláhs (?)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; 1 Krán = 1 Rial = 1/10 Tumán, heute etwa fünf Pfennige.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; ein Platz, auf dem religiöse Spiele aufgeführt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Die Sendung Bahá’u’lláhs&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sendung Bahá’u’lláhs ist dieselbe wie die Sendung Christi; sie ist derselbe Tempel, dieselbe Grundlage. Beide sind geistige Frühlingszeiten, Zeiten eines seelenerquickenden Neubeginns; beide belebten die Menschheit neu. Der Frühling dieses Jahres ist derselbe wie der Frühling des Vorjahres. Anfang und Ende sind gleich. Die Sonne von heute ist die Sonne von gestern. Beim Kommen Christi wurden die göttlichen Lehren entsprechend dem kindliche Entwicklungsstand des Menschengeschlechts dargeboten. Die Lehren Bahá’u’lláhs beruhen auf denselben Grundsätzen, nur entsprechen sie dem Reifezustand der Welt und den Erfordernissen dieses erleuchteten Zeitalters.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::(„Bahá’í World Faith“, p. 400) &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|354|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’u’lláh, „Gebete und Meditationen“, Bahá’í-Verlag GmbH, Frankfurt 1963, 254 Seiten, gebunden DM 13.75.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Shoghi Effendi zusammengestellte und ins Englische übertragene &lt;br /&gt;
Auswahl von 184 Gebeten und Andachten Bahá’u’lláhs ist nun auch&lt;br /&gt;
in deutscher Übersetzung in einem handlichen Band, auf Dünndruckpapier, &lt;br /&gt;
erschienen — eine unerschöpfliche Fundgrube des Rates, des&lt;br /&gt;
Trostes und der Konzentration auf das Wesentliche in allen Lebenslagen,&lt;br /&gt;
zugleich ein goldener Schlüssel zum Wesen Bahá’u’lláhs, Der als &lt;br /&gt;
Manifestation Gottes in unerschütterlicher Standhaftigkeit Seinen &lt;br /&gt;
Opferweg für die Menschheit ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Inhaltsübersicht nach Stichworten ist dem Buch beigegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;J. E. Esslemont, „Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“, Bahá’í-Verlag GmbH,, Frankfurt, 4. Auflage 1963, 324 Seiten, Ganzleinen DM 14.—, kartoniert DM 11.60.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bewährte grundlegende Einführung in die Geschichte und die Lehren&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion von Dr. J. E. Esslemont ist nunmehr in verbesserter&lt;br /&gt;
Neuauflage erschienen. Bereits zu Beginn der 20er Jahre hatte der schottische &lt;br /&gt;
Arzt seine Erfahrungen als Bahá’í zu diesem umfassenden Handbuch &lt;br /&gt;
zusammengetragen; die Disposition wurde mit ‘Abdu’l-Bahá abgestimmt, &lt;br /&gt;
Der auch die ersten Kapitel vor Seinem Tode noch überprüfen&lt;br /&gt;
konnte. In alle Verkehrssprachen der Erde übersetzt und in der deutschen&lt;br /&gt;
Fassung auf den neuesten Stand gebracht, wird das Buch allen, die sich&lt;br /&gt;
über Wesen und Ziel der Bahá’í-Religion informieren wollen, als &lt;br /&gt;
tiefgreifendes Nachschlagewerk dienlich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Farhad Sobhani, „Persisches Lehr- und Lesebuch — Fársí baráyí Almáni“, Walter de Gruyter &amp;amp; Co., Berlin, 272 + 23 Seiten, gebunden DM 24.—, mit zwei Schallplatten 45 U/min, 17 cm ø, zus. DM 16.—&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Völkerverständigung“ ist dieses Lehrbuch der persischen Sprache&lt;br /&gt;
gewidmet, das unser Bahá’í-Freund Dr. phil. Farhad Sobhani verfaßt hat&lt;br /&gt;
und das in didaktisch hervorragender Weise neue Wege geht. Alle Lehrbücher &lt;br /&gt;
des Persischen stehen vor dem Problem, gleichzeitig dem wissenschaftlich &lt;br /&gt;
Studierenden fundiertes Material an die Hand zu geben und&lt;br /&gt;
dem Reisenden möglichst direkten Zugang zur persischen Umgangssprache&lt;br /&gt;
zu bieten. Dabei kommt ihnen zustatten, daß Persisch — von der &lt;br /&gt;
Grammatik her gesehen — eine der leichtesten lebenden Sprachen ist, &lt;br /&gt;
vorausgesetzt, man läßt die Schrift zunächst beiseite und klammert den arabischen&lt;br /&gt;
Wortschatz so weit wie möglich aus. Dann gehen allerdings entscheidende&lt;br /&gt;
Wesenszüge der Sprache verloren; der Student bleibt an der Oberfläche&lt;br /&gt;
kleben und gewinnt nie den Zugang zu der herrlichen Dichtkunst, wenn&lt;br /&gt;
er sich nicht auf eigene Faust weiterbemüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobhani geht anders vor. Er packt den Stier bei den Hörnern und fängt&lt;br /&gt;
{{page|355|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
geradewegs mit der Schrift an, die sich dann bei näherem Zusehen als gar&lt;br /&gt;
nicht so schwer entpuppt, vielmehr — sie ist ja neben der kyrillischen die&lt;br /&gt;
jüngste der bestehenden Schriftarten — überaus prägnant, klar und vor&lt;br /&gt;
allem als Schreibschrift viel zweckmäßiger als unser lateinisches Alphabet&lt;br /&gt;
ist. Eine der größten Schwierigkeiten ist bekanntlich, daß kurze Vokale&lt;br /&gt;
nicht geschrieben werden, so daß ein unbekanntes Wort nicht ohne weiteres &lt;br /&gt;
gelesen werden kann. Um dies zu erleichtern, werden Vokalzeichen&lt;br /&gt;
gesetzt; auch Sobhani verwendet diese bei den ersten Lektionen und&lt;br /&gt;
später, sooft neue Wörter auftreten. Es wäre zu wünschen, daß diese &lt;br /&gt;
Vokalzeichen bei einer Neuauflage des Buches noch weiter geführt und vor&lt;br /&gt;
allem auch auf das recht umfangreiche Wörterverzeichnis ausgedehnt würden. &lt;br /&gt;
Bei der bewundernswert zweckmäßigen Anordnung des Buches ist vor allem &lt;br /&gt;
die Tabelle der persischen Schrift- und Zahlzeichen zu erwähnen, die &lt;br /&gt;
ausgezogen und bei der Lektüre neben den Text gelegt werden kann. Auf &lt;br /&gt;
Übungsstücke für die Hin-Übersetzung wurde verzichtet: Die der &lt;br /&gt;
Umgangssprache angepaßten Lehrstücke vermitteln dem Schüler von&lt;br /&gt;
Anfang an ein lebendiges Verhältnis zur persischen Konversation, so daß&lt;br /&gt;
er sich solche Beihilfen, wenn nötig, selbst bilden kann. Die Lesestücke&lt;br /&gt;
schildern die Lebensverhältnisse im Iran und gehen bis zu einer gepflegten&lt;br /&gt;
Unterhaltung über das Wesen der Religion und die Notwendigkeit übernationaler &lt;br /&gt;
Regierungsorgane. Ergänzt wird das Lehrbuch durch zwei Schallplatten, die dem &lt;br /&gt;
Schüler einen Anhaltspunkt für die korrekte Aussprache geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;O Völker der Erde!&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eilet, nach dem Wohlgefallen Gottes zu handeln, und kämpfet tapfer, wie es euch zu kämpfen geziemt, für die Verkündung Seiner unwiderstehlichen, unerschütterlichen Sache! Wir haben verordnet, daß auf dem Pfade Gottes der Krieg mit den Heeren der Weisheit und des Wortes geführt werden soll, mit den Waffen eines guten Charakters und lobenswerter Taten. So wurde es bestimmt von Ihm, dem Allmächtigen, dem Allmachtvollen. Es gibt keinen Ruhm für den, der Unordnung stiftet auf der Erde, nachdem diese so gut erschaffen wurde. Fürchte Gott, o Volk, und zähle nicht zu denen, die Unrecht tun!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Epistle to the Son of the Wolf, p. 24)&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|356|file=Baha&#039;i_Briefe_14.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Francoise Gourdon, „Tant qu’il y aura la peur“ (Solange Furcht herrscht), Roman, mit einem Vorwort von Richard Wright, Edition Flammarion, 26 rue Racine, Paris VI, 1961, 19. Tsd., 266 Seiten, broschiert F 9.—&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine junge Französin studiert Medizin an einer Universität des amerikanischen &lt;br /&gt;
Mittelwestens. Dort hat sich — zum erstenmal in der Geschichte dieser &lt;br /&gt;
Hochschule — eine schwarze Studentin eingeschrieben; sie wird zugelassen, &lt;br /&gt;
obwohl der Rektor Bedenken trägt und um Ruhe und Ordnung&lt;br /&gt;
in der weißen Studentenschaft fürchtet. Ermutigt von einem ihrer &lt;br /&gt;
Professoren, der als Bahá’í und als Gegner der Rassentrennung geschildert&lt;br /&gt;
wird, nimmt sich die Französin freundschaftlich der schwarzen Kommilitonin &lt;br /&gt;
an, die von allen anderen Studenten peinlich gemieden wird. Sie&lt;br /&gt;
verliebt sich schließlich in den Bruder der Schwarzen, einen jungen &lt;br /&gt;
Pastoren, der ihre Gefühle erwidert. Aber bald müssen die beiden erkennen,&lt;br /&gt;
daß nicht nur bei den Weißen, sondern auch in den Kreisen der Farbigen&lt;br /&gt;
rassistische Gefühle übermächtig sind: Der Pastor sieht sich gezwungen,&lt;br /&gt;
die Stadt und seine Geliebte zu verlassen. Auch seine Schwester wird&lt;br /&gt;
ihrer französischen Freundin entfremdet. Bei allen edlen Absichten &lt;br /&gt;
erkennen die Hauptfiguren der Handlung, daß es noch langer Bemühungen&lt;br /&gt;
bedarf, bis durch Vernunft und Herzensgüte die Rassenvorurteile so weit&lt;br /&gt;
aus dem Weg geräumt sind, daß sie nicht mehr das Gesellschaftsleben der&lt;br /&gt;
nordamerikanischen Nation vergiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfasserin des französischen Tendenzromans betont, daß alle Personen &lt;br /&gt;
frei erfunden sind. Dies hindert sie nicht daran, das Problem selbst&lt;br /&gt;
realistisch anzupacken und mit psychologischem Einfühlungsvermögen&lt;br /&gt;
Charaktere zu zeichnen, die sich in typischen Situationen aneinander&lt;br /&gt;
messen. An zahlreichen Stellen ist von den Bahá’í und den Bahá’í-Lehren&lt;br /&gt;
die Rede. Die Bahá’í-Religion wird einmal (S. 23) „eine Sekte mit bizarrem &lt;br /&gt;
Namen“ genannt, aber sonst werden ihre Lehren korrekt dargestellt (S. 29-31), &lt;br /&gt;
ein Studienabend wird beschrieben (S. 51 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kernfrage des Romans wie auch des amerikanischen Dilemmas im&lt;br /&gt;
allgemeinen ist die Furcht, die Furcht vor dem unbekannten Andersartigen,&lt;br /&gt;
vor dem man sich so leicht hinter Vorurteilen verschanzen kann. Daß diese&lt;br /&gt;
Furcht — wie jede Furcht schlechthin — letzten Endes nur in der Erkenntnis &lt;br /&gt;
der Einheit Gottes überwunden werden kann, übersteigt den Rahmen, der &lt;br /&gt;
diese Darstellung begrenzt. Der Roman, der einen lebendigen Einblick &lt;br /&gt;
in die Wesenszusammenhänge der Rassenfrage gewährt, muß deshalb in &lt;br /&gt;
tragischer Melancholie enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 7022 Leinfelden, Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 35 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: Ulrich Peter Rommel, 73 Eßlingen, Hindenburgstraße 161; Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —.80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an Bahá’í-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstr. 24, Postscheckkonto &lt;br /&gt;
Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
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		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_13/Text&amp;diff=75368</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 13/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Juli 1963&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 12/Text|Heft 12]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 14/Text|Heft 14]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|307|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=1}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’i-Weltkongreß in London&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geistige Zehnjahres-Weltkreuzzug&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tablet Tajalliyát&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildberichte aus London und Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JULI 1963 HEFT 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort 6 Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|308|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|309|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die den Völkern und Geschlechtern der Erde vorherbestimmte Zeit ist nun gekommen. Die Verheißungen Gottes, wie sie die Heiligen Schriften überliefert haben, sind alle erfüllt. Aus Zion ist Gottes Gesetz hervorgegangen, und Jerusalem mit seinen Hügeln und seinem Land ist voll der Herrlichkeit Seiner Offenbarung. Selig, wer in seinem Herzen bewegt, was in den Büchern Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, geoffenbart ist. Sinnt darüber nach, o ihr Geliebten Gottes, und lauscht Seinem Worte, damit ihr euch durch Seine Gunst und Gnade aus den kristallenen Wassern der Beständigkeit satt trinkt und in Seiner Sache so unerschütterlich wie die Berge werdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Ährenlese X)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|310|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der geistige Zehnjahres-Weltkreuzzug===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Entfaltung des Göttlichen Planes von &#039;Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ‘Abdu’l-Bahá 1916 Seine Sendschreiben über den Göttlichen Plan&lt;br /&gt;
an die Bahá’í der Vereinigten Staaten und Kanadas richtete, rief Er sie auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jetzt ist es an der Zeit, daß ihr euch des Gewandes der Bindung an dieses äußerliche Reich entledigt, daß ihr euch von der stofflichen Welt völlig loslöst, daß ihr zu Engeln des Himmels werdet, durch alle diese Gegenden reist und lehrt“ &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Weiter sagt Er: „Es ist Meine große Hoffnung, daß eure Errungenschaften binnen kurzem die Pfeiler der Erde mächtig zum Schwingen bringen. Die Hoffnung, die ‘Abdu’l-Bahá für euch hegt, ist, daß derselbe Erfolg, den ihr bei euren Anstrengungen in Amerika hattet, auch eure Bemühungen in anderen Teilen der Welt krönt, auf daß durch euch der Ruhm der Sache Gottes überall im Osten und im Westen verbreitet und das Kommen des Königreiches des Herrn der Heerscharen in allen fünf Erdteilen verkündet werden“ &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die dritte Phase im Göttlichen Plan&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der geistige Zehnjahres-Weltkreuzzug von 1953 bis 1963 ist die dritte der&lt;br /&gt;
Phasen, in denen die Entfaltung des Göttlichen Plans ‘Abdu’l-Bahás &lt;br /&gt;
„vorangetrieben wird“, ein Abschnitt, der — wie Shoghi Effendi ausführt — die &lt;br /&gt;
erste Epoche in der Entwicklung dieses Göttlichen Plans zum Abschluß führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Abschnitt „trat noch nicht klar in Erscheinung; die &lt;br /&gt;
Verwaltungseinrichtungen des Glaubens nahmen Schritt für Schritt Gestalt an&lt;br /&gt;
und wurden vervollkommnet“ &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Es handelte sich um den ersten &lt;br /&gt;
Siebenjahresplan, 1937 bis 1944, in welchem die Lehren Bahá’u’lláhs in den &lt;br /&gt;
Republiken Lateinamerikas eingeführt und in jeder von diesen Verwaltungszentren &lt;br /&gt;
errichtet wurden, während am Ausgangspunkt, im Herzen Nordamerikas, der &lt;br /&gt;
„Muttertempel des Westens“ seiner Vollendung entgegenging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Siebenjahresplan faßte als zweiter Abschnitt die doppelte&lt;br /&gt;
Aufgabe der Lehrtätigkeit und der Festigung in erweitertem Umfang ins&lt;br /&gt;
Auge. In zehn „Zielländern“ Europas wurden neue Mittelpunkte erschlossen, &lt;br /&gt;
die neuen Verwaltungszentren Lateinamerikas wurden gefestigt, das&lt;br /&gt;
Bahá’í-Haus der Andacht in Nordamerika mit den es umgebenden &lt;br /&gt;
Gartenanlagen fertiggestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es liegt an jedem einzelnen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá rief jeden einzelnen Gläubigen auf, an diesem Tag „seinen&lt;br /&gt;
Einsatz zu erhöhen und seine Ziele weit zu stecken“. Er verglich die Aufgabe &lt;br /&gt;
mit derjenigen zur Zeit Christi und führte aus, Christus habe gesagt,&lt;br /&gt;
daß die Armen das Himmelreich erben werden, während es im Qur’án&lt;br /&gt;
heiße: „Wir wünschen Unsere Gaben zu verteilen auf diejenigen, die auf&lt;br /&gt;
{{page|311|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
Erden schwach wurden, und sie zu einer Nation und zu Erben (geistiger&lt;br /&gt;
Wahrheit) zu machen“ &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;. An den einzelnen Gläubigen — unbekannt und&lt;br /&gt;
unwichtig in den Augen der Welt — richtete auch der Hüter immer wieder&lt;br /&gt;
seine Appelle, besonders bei der Eröffnung des dritten Abschnitts in der&lt;br /&gt;
Entfaltung des Göttlichen Plans ‘Abdu’l-Bahás. Vor allem forderte er dazu&lt;br /&gt;
auf, daß sich Pioniere erheben und in die Zielgebiete des &lt;br /&gt;
Zehnjahres-Weltkreuzzuges übersiedeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Dieser Appell, ernst und eindringlich und gleichzeitig so ruhmreich, richtet sich zweifellos in erster Linie an den einzelnen Gläubigen, von dem letzten Endes das Schicksal der ganzen Gemeinschaft abhängt. Dieser einzelne ist Kette und Schuß, von denen Güte und Muster des ganzen Gewebes bestimmt werden. Er wirkt als eines der zahllosen Glieder in der mächtigen Kette, die nunmehr den Erdball umspannt. Er dient als einer der unzähligen Ziegelsteine, die das Mauerwerk des Verwaltungsgebäudes tragen, welches jetzt in jedem Teil der Welt errichtet wird, und die dessen Standfestigkeit sicherstellen. Ohne seine beständige großmütige, von ganzem Herzen kommende Unterstützung sind alle Maßnahmen, alle Pläne, wie sie von der Körperschaft der nationalen Vertreter einer Gemeinschaft, zu der auch er sich zählt, in Angriff genommen werden, von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Selbst das Weltzentrum des Glaubens ist gelähmt, wenn ihm eine derartige Unterstützung aus Reih’ und Glied der Gemeinde versagt wird. Der Urheber des Göttlichen Plans wird in Seiner Absicht verhindert, wenn die geeigneten Werkzeuge zur Durchführung Seines Vorhabens fehlen. Die stärkende Kraft Bahá’u’lláhs Selbst, des Begründers unseres Glaubens, wird jedem einzelnen Gläubigen vorenthalten bleiben, wenn er es auf lange Sicht versäumt, sich aufzumachen und seine Rolle zu spielen“ &amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Shoghi Effendi im Oktober 1952 die Ziele für den Zehnjahres-Weltkreuzzug &lt;br /&gt;
steckte, konnte er sich auf zwölf nationale geistige Räte als Ausgangspunkte &lt;br /&gt;
für diese „geistige Invasion“ stützen. Die Weltkarte, auf der&lt;br /&gt;
er die Ziele absteckte, machte deutlich, daß es sich in der Tat um einen&lt;br /&gt;
Weltkreuzzug handelte, der die aktive Teilnahme aller Bahá’í, und der&lt;br /&gt;
zwölf nationalen Verwaltungskörperschaften auf der ganzen Welt erforderte, &lt;br /&gt;
wobei den Mitgliedern der US-Gemeinde als den „Hauptvollziehern“&lt;br /&gt;
des Göttlichen Plans ‘Abdu’l-Bahás die „Rolle des Schwerpunkts in der&lt;br /&gt;
systematischen Verbreitung des Glaubens“ zufiel. Zu „Alliierten“ wurden&lt;br /&gt;
ihnen die Mitglieder der kanadischen Gemeinde bestimmt, zu „Assoziierten“ &lt;br /&gt;
diejenigen der lateinamerikanischen Länder&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die interkontinentalen Lehrkonferenzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesen Zehnjahres-Weltkreuzzug einzuleiten, berief Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
vier Lehrkonferenzen auf den Kontinenten Afrika, Amerika, Europa (in&lt;br /&gt;
Stockholm) und Asien ein. Zum erstenmal bediente sich der Hüter darüber&lt;br /&gt;
hinaus der Unterstützung von Händen der Sache, die er im Dezember 1951&lt;br /&gt;
sowie im Februar und März 1952 ernannt hatte; während des ersten und&lt;br /&gt;
{{page|312|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
zweiten Siebenjahresplans hatte er sich die planende und leitende Tätigkeit &lt;br /&gt;
alleine aufgebürdet. Einige der Hände der Sache wurden dazu bestimmt, ihm &lt;br /&gt;
im Weltzentrum des Glaubens in Haifa zur Seite zu stehen.&lt;br /&gt;
Zu jeder der interkontinentalen Konferenzen entsandte Shoghi Effendi eine&lt;br /&gt;
der Hände der Sache aus dem Heiligen Land als seinen persönlichen &lt;br /&gt;
Vertreter und benannte die nationalen Geistigen Räte oder Ausschüsse, die&lt;br /&gt;
für die Einberufung verantwortlich beziehungsweise dort vertreten waren.&lt;br /&gt;
So fanden bei diesen interkontinentalen Konferenzen die Mitglieder der&lt;br /&gt;
zwölf nationalen Geistigen Räte, die sich zum erstenmal persönlich &lt;br /&gt;
begegneten, zu Beratungen zusammen, nicht nur untereinander, sondern auch&lt;br /&gt;
mit den Händen der Sache. Das weltweite Vorhaben erforderte zunächst&lt;br /&gt;
die Entsendung von Pionieren in die 131 neu zu erschließenden Gebiete,&lt;br /&gt;
die vom Hüter in seinem umfassenden Weitblick jeweils bestimmten &lt;br /&gt;
nationalen Räten zugewiesen worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das vornehmste Ziel dieses geistigen Kreuzzugs“, stellte Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
fest, „ist nichts anderes als die Eroberung der Bollwerke der Menschenherzen“ &amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Des Hüters Kreuzzug...&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehnjahresplan von 1953 bis 1963 ist im wahrsten Sinne des Wortes&lt;br /&gt;
der Weltkreuzzug des Hüters. Shoghi Effendi war es, der die Ziele steckte:&lt;br /&gt;
im Weltzentrum des Glaubens, in den fünf Erdteilen und auf den Inseln&lt;br /&gt;
der Weltmeere. Er bestimmte die Zeitspanne: die zehn Jahre zwischen&lt;br /&gt;
zwei großen Jahrhundertfeiern des Glaubens. Er war es auch, der die&lt;br /&gt;
Rangordnung festlegte, nach der die einzelnen Ziele in Angriff genommen&lt;br /&gt;
wurden: Zunächst rief er Pioniere auf, die „jungfräulichen“ Gebiete zu &lt;br /&gt;
erschließen und sich dabei die Auszeichnung zu verdienen, als „Ritter &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs“ auf seine Ehrenrolle gesetzt zu werden; sodann forderte er &lt;br /&gt;
sie auf, in jedem neuerschlossenen Gebiet Bahá’í-Verwaltungseinrichtungen &lt;br /&gt;
zu errichten und auszubauen. Mit eigener Hand zeichnete er die beiden &lt;br /&gt;
einzigartigen Weltkarten, deren erste die Ziele darstellte, während die &lt;br /&gt;
zweite — fertiggestellt in der Nacht, bevor er die Welt verließ, in der Mitte &lt;br /&gt;
des Kreuzzuges — die überplanmäßigen Erfolge enthielt, die ihn so erfreut&lt;br /&gt;
und beglückt hatten. Aus seiner Feder floß ein Strom von Briefen und&lt;br /&gt;
Telegrammen zu den verantwortlichen nationalen Geistigen Räten in allen&lt;br /&gt;
Teilen der Welt, um sie anzuspornen, sie zu ermahnen vor der drohenden&lt;br /&gt;
Katastrophe, die alle Eile geboten sein ließ, um die Erfolge aufzuzeichnen,&lt;br /&gt;
die — zögernd oder heldenhaft — erreicht wurden und die sich steigerten,&lt;br /&gt;
wie sich die Siege „dieses unüberwindlichen Glaubens“ steigerten, schließlich &lt;br /&gt;
um jeden einzelnen Gläubigen aufzurufen, „wo immer er sich befinde,&lt;br /&gt;
wie immer sein Beruf, seine Mittel, seine Rasse oder sein Lebensalter&lt;br /&gt;
seien“ &amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt;, seinen unabdingbaren Anteil beizutragen, um zu warnen vor&lt;br /&gt;
„Gleichgültigkeit, Furchtsamkeit oder Selbstgefälligkeit“&amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; und zu &lt;br /&gt;
versichern, daß „die allbezwingende Kraft der Gnade Gottes, vermittelt&lt;br /&gt;
durch die Offenbarung Bahá’u’lláhs, zweifellos auf geheimnisvolle, &lt;br /&gt;
überraschende Weise jeden, der sich aufmacht, Seine Sache zu verfechten, &lt;br /&gt;
befähigen wird, einen überwältigenden, vollkommenen Sieg &lt;br /&gt;
davonzutragen“ &amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt;,&lt;br /&gt;
{{page|313|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Halbzeit des Weltkreuzzuges erwies sich die zweite Serie von&lt;br /&gt;
interkontinentalen Konferenzen, die Shoghi Effendi in seiner letzten &lt;br /&gt;
allgemeinen Botschaft vom Oktober 1957 einberief, als eine weise Vorsehung,&lt;br /&gt;
weil sie den Bahá’í der ganzen Welt die Gelegenheit bot, ihren tiefen&lt;br /&gt;
Schmerz über sein plötzliches Hinscheiden im November 1957 in Taten &lt;br /&gt;
umzuformen. Wie bei den ersten bestellte der Hüter wiederum Hände der&lt;br /&gt;
Sache zu seinen persönlichen Vertretern bei diesen Veranstaltungen, die&lt;br /&gt;
diesmal auf allen fünf Kontinenten stattfanden. Gleichzeitig ernannte er&lt;br /&gt;
acht weitere Hände der Sache in Afrika, Europa, Asien und Arabien und&lt;br /&gt;
erhöhte somit deren Zahl auf 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Serie von Konferenzen, schrieb er, war „der Verherrlichung&lt;br /&gt;
Seines (Bahá’u’lláhs) Namens gewidmet und eigens dazu einberufen, den&lt;br /&gt;
Vormarsch der Einrichtungen Seiner welterlösenden Ordnung voranzutreiben &lt;br /&gt;
und die Errichtung Seines Königreichs in den Herzen der Menschen&lt;br /&gt;
zu beschleunigen“ &amp;lt;sup&amp;gt;11)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... ein weltumspannendes Unternehmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehnjahres-Weltkreuzzug als dritter Abschnitt in der Entfaltung des&lt;br /&gt;
Göttlichen Plans ‘Abdu’l-Bahás unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht&lt;br /&gt;
von den Plänen der beiden vorangegangenen Abschnitte. Er ist weltweit&lt;br /&gt;
in seinen Ausmaßen und sieht die gleichzeitige Ausführung von zwölf&lt;br /&gt;
nationalen Plänen vor. Noch bedeutsamer ist jedoch die Tatsache, daß das&lt;br /&gt;
Weltzentrum des Glaubens zum erstenmal in die Zielsetzungen einbezogen&lt;br /&gt;
ist; dadurch steht der ganze Kreuzzug unter dem geistigen Impuls aus&lt;br /&gt;
diesem Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;O Mein Diener! Höre auf das, was vom Thron deines Herrn, des Unerreichbaren, des Größten, zu dir herabgesandt wird! Es ist kein Gott außer Ihm. Er hat Seine Geschöpfe ins Dasein gerufen, damit sie Ihn, den Mitleidigen, den Allerbarmenden, erkennen. In die Städte aller Völker hat Er Seine Boten geschickt und ihnen aufgetragen, den Menschen die Botschaft vom Paradies Seines Wohlgefallens zu verkünden und sie zum Hafen der ewigen Sicherheit, zum Hort immerwährender Heiligkeit und erhabener Herrlichkeit zu führen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Ährenlese LXXVI.)&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|314|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weltkreuzzug ist, wie der Hüter sagte, „dreifach gesegnet“: Er ist&lt;br /&gt;
„eng verbunden mit den epochemachenden Sendschreiben ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
über den Göttlichen Plan“ und verknüpft „zwei historische Jahrhundertfeiern &lt;br /&gt;
miteinander, die der Geburt und der Erklärung der Sendung des&lt;br /&gt;
Begründers unseres Glaubens gedenken“ &amp;lt;sup&amp;gt;12)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dem Beginn des &lt;br /&gt;
Zehnjahresplanes ging ein heiliges Jahr aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr &lt;br /&gt;
der Tage voraus, in denen Bahá’u’lláh Seine Berufung im Siyáh-Chál, dem&lt;br /&gt;
Kerker von Tihrán, empfing, und sein Abschluß fällt mit dem „Größten&lt;br /&gt;
Jubiläum aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Erklärung Bahá’u’lláhs in&lt;br /&gt;
Baghdád“ zusammen &amp;lt;sup&amp;gt;13)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Diese Jahrhundertfeier fand vom 28. April bis&lt;br /&gt;
2. Mai 1963 in London statt und kennzeichnet nach Shoghi Effendi „die&lt;br /&gt;
formelle Übernahme Seines prophetischen Amtes“ durch Bahá’u’lláh; „sie&lt;br /&gt;
ist verknüpft mit dem Jahr 1335, das Daniel im letzten Kapitel Seines&lt;br /&gt;
Buches erwähnte, und wurde von ‘Abdu’l-Bahá mit dem weltweiten&lt;br /&gt;
Triumph des Glaubens Seines Vaters in Verbindung gebracht“ &amp;lt;sup&amp;gt;14)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erfüllung der Planziele&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Shoghi Effendi den Zehnjahres-Weltkreuzzug eröffnete, rief er die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Welt auf, „in einem einzigen Jahrzehnt Heldentaten zu vollbringen,&lt;br /&gt;
die in ihrer Ganzheit das, was im Laufe der elf vorangegangenen Jahrzehnte &lt;br /&gt;
vollendet wurde und die Annalen der Bahá’í-Pionierarbeit erhellte,&lt;br /&gt;
in den Schatten stellen&amp;quot;&amp;lt;sup&amp;gt;15)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Eine Betrachtung der Erfolge des &lt;br /&gt;
Zehnjahresplanes anhand der Botschaften, die Shoghi Effendi selbst an die &lt;br /&gt;
Nationaltagungen und seit seinem Tod die Hände der Sache in Haifa an die &lt;br /&gt;
Bahá’í-Welt richteten, führt folgende Tatsachen vor Augen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im ersten Jahr des Zehnjahres-Kreuzzuges wurden 100 der 131&lt;br /&gt;
„Zielgebiete“ erschlossen. Von den vielen spannenden Erlebnissen der &lt;br /&gt;
einzelnen Pioniere, die im Vertrauen auf Gott in entlegene, oft feindselige&lt;br /&gt;
Gegenden zogen, war bei anderen Gelegenheiten schon oft die Rede. Bis&lt;br /&gt;
zum Ende der Planzeit hatte sich die Zahl der dem Glauben erschlossenen&lt;br /&gt;
Gebiete von 128 (1952) auf 259 verdoppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten und dritten Planjahr waren bis auf sechs alle 49 nationalen&lt;br /&gt;
Verwaltungszentren (Hazíratu’l-Quds), die zum Zweck der weiteren Entwicklung &lt;br /&gt;
des Glaubens zu erwerben waren, gekauft, desgleichen zehn von&lt;br /&gt;
den elf Tempelgeländen außerhalb des Heiligen Landes. 1959 waren alle&lt;br /&gt;
49 Hazíratu’l-Quds errichtet, das letzte Tempelgelände gekauft und über&lt;br /&gt;
den Plan hinaus mehrere weitere Verwaltungssitze und Tempelgrundstücke &lt;br /&gt;
erworben. Demgegenüber hatte man in den elf Jahrzehnten vor 1953 nur &lt;br /&gt;
sieben nationale Verwaltungszentren und zwei Tempelgelände kaufen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im vierten und fünften Planjahr waren 16 neue nationale und regionale&lt;br /&gt;
Geistige Räte errichtet; die Zahl der Orte, an denen Bahá’í leben, war von&lt;br /&gt;
2000 auf 4500 angewachsen. Bis zum Ende der Planzeit stieg diese Zahl&lt;br /&gt;
auf 13.000, die der nationalen Geistigen Räte als „Pfeiler“ des Universalen&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit von ursprünglich 12 auf 56. Die „Muttertempel“&lt;br /&gt;
von Afrika und Australien wurden fertiggestellt, derjenige von Europa&lt;br /&gt;
nähert sich der Vollendung. In über 60 Ländern sind nun nationale &lt;br /&gt;
{{page|315|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
Bahá’í-Besitzungen für die weitere Ausdehnung der Einrichtungen des Glaubens&lt;br /&gt;
errichtet, während die Anzahl der Grundstücke für künftige Häuser der&lt;br /&gt;
Andacht mit 45 die ursprüngliche Planung weit übersteigt. Neun nationale&lt;br /&gt;
Geistige Räte unterhalten Zweigniederlassungen in Israel. Die Anzahl der&lt;br /&gt;
örtlichen Geistigen Räte hat sich mit 3545 seit 1957 verdreifacht. Über 300&lt;br /&gt;
örtliche und nationale Räte haben durch registergerichtliche Eintragung&lt;br /&gt;
Rechtsstatus erworben. Von 90 auf 309 wuchs die Zahl der Sprachen, in&lt;br /&gt;
denen Bahá’í-Literatur verfügbar ist, von etwa 30 auf 558 die Zahl der&lt;br /&gt;
Volksstämme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Weltzentrum des Glaubens erhebt sich das internationale Archivgebäude &lt;br /&gt;
als erstes Verwaltungsbauwerk majestätisch über dem Bogen, den&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi in den herrlichen Parkanlagen am Berg Karmel beim&lt;br /&gt;
Schrein des Báb zog. Es beherbergt die unschätzbaren Sendschreiben und&lt;br /&gt;
Erinnerungsstücke in einer ausgesuchten Einrichtung, die vom Hüter &lt;br /&gt;
geplant und von seinen Helfern, den Händen der Sache im Heiligen Land,&lt;br /&gt;
ausgeführt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Massengewinnung für den Glauben Bahá’u’lláhs hat in den letzten&lt;br /&gt;
Jahren auf einigen pazifischen Inseln, in Südostasien, Indien, Afrika und&lt;br /&gt;
unter gewissen indianischen Volksstämmen Lateinamerikas eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Geringere Friede&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres, weniger greifbares, doch bedeutsames Ergebnis der Kraft&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs, wie sie durch den Weltkreuzzug wirkte, wird von Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi in seinem Brief vom 4. Mai 1953 angedeutet. Es steht mit dem&lt;br /&gt;
zweiten der beiden großen Prozesse in Verbindung, die heute in der Welt&lt;br /&gt;
ablaufen: dem Göttlichen Plan ‘Abdu’l-Bahás und dem Plan Gottes für&lt;br /&gt;
die Welt. Dieser zweite Prozeß, so schrieb Shoghi Effendi schon früher,&lt;br /&gt;
muß „durch eine Folge von Siegen und Rückschlägen zur politischen &lt;br /&gt;
Vereinigung der östlichen mit der westlichen Hemisphäre führen, zum &lt;br /&gt;
{{page|316|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
Erstehen einer Weltregierung und zur Errichtung des Geringeren Friedens,&lt;br /&gt;
wie er von Bahá’u’lláh vorhergesagt und vom Propheten Jesaias angekündigt &lt;br /&gt;
wurde. Er muß am Ende in der Entfaltung des Banners des Größten&lt;br /&gt;
Friedens, im Goldenen Zeitalter der Sendung Bahá’u’lláhs, &lt;br /&gt;
gipfeln“ &amp;lt;sup&amp;gt;16)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Beschleunigung dieses zweiten Prozesses wird nach den Worten&lt;br /&gt;
Shoghi Effendis „dieser gegenwärtige Kreuzzug ... vermöge der &lt;br /&gt;
dynamischen Kräfte, die er entbindet, und durch seinen weiten &lt;br /&gt;
Widerhall auf der ganzen Oberfläche des Erdballs, wirkungsvoll &lt;br /&gt;
beitragen“ &amp;lt;sup&amp;gt;17)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der geistige Zehnjahres-Weltkreuzzug den dritten und letzten&lt;br /&gt;
Abschnitt der ersten Entwicklungsepoche des Göttlichen Plans &lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás darstellt, ist er doch nach all dem bisher Erwähnten keineswegs &lt;br /&gt;
der letzte „Plan“ oder „Kreuzzug“. Shoghi Effendi sagt uns, daß dieser &lt;br /&gt;
Zehnjahresplan „seinerseits den Weg ebnet und ein Vorspiel bildet für die&lt;br /&gt;
Einleitung des mühevollen und überaus langen Vorgangs, im Laufe weiterer &lt;br /&gt;
Kreuzzüge in allen neuerschlossenen souveränen Staaten, abhängigen Gebieten &lt;br /&gt;
und Inseln des Planeten wie auch in den restlichen Territorien der Erde das &lt;br /&gt;
Rahmenwerk der Verwaltungsordnung unseres Glaubens mit allen dazugehörigen &lt;br /&gt;
Hilfseinrichtungen zu errichten und schließlich in diesen Gebieten weitere &lt;br /&gt;
Pfeiler aufzubauen, die dabei mitwirken, das Gewicht des Universalen Hauses &lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit zu tragen und dessen Grundlagen zu verbreitern“&amp;lt;sup&amp;gt;18)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in dem ständig fortschreitenden Vorgang der Entfaltung des Göttlichen &lt;br /&gt;
Plans ‘Abdu’l-Bahás das Geschick der Bahá’í-Gemeinschaft unlöslich verknüpft &lt;br /&gt;
mit dem Schicksal der ganzen Menschheit auf diesem Planeten, wie Shoghi Effendi &lt;br /&gt;
schon 1946 schrieb:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Während der von ‘Abdu’l-Bahá hinterlassene Plan in den aufeinanderfolgenden Jahrzehnten dieses Jahrhunderts seine unermeßlichen inneren Kräfte entfaltet und auf immer weiteren Kontinenten des Erdballs Nation auf Nation in seine Unternehmungen einbezieht, wird er in wachsendem Maße nicht nur als das mächtigste Werkzeug für die Entwicklung des Systems einer Weltverwaltung, sondern auch als ein Hauptfaktor bei der Entstehung und Entfaltung der Weltordnung selbst, im Osten wie im Westen, erkannt werden“ &amp;lt;sup&amp;gt;19)&amp;lt;/sup&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Beatrice Ashton&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
Aus dem Englischen (Beilage zu „Bahá’i News“, USA, Februar 1963) in Auszügen&lt;br /&gt;
von Peter Mühlschlegel. Die Untertitel wurden von der Redaktion eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Sendschreiben zum Göttlichen Plan“, zitiert nach Shoghi Effendi, „The Challenging Requirements of the Present Hour“. S. 27; vgl. 19-Tage-Brief 18/114, 7. 2. 58., S. 9&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;, S. 10&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; „God-Given Mandate“ in „Messages to America 1932—1946&amp;quot;, S. 92&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;, S. 9&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 28. 7. 54.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 3. 5. 53; vgl. „Bahá’i World“ XII, S. 139&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 4.3.53; vgl. „Hüterbotschaften an die Bahá’i-Welt“. Frankfurt 1962, S. 16&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 19. 7.56, Absatz 11&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 21. 9. 57, Absatz 15&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 19. 7. 56, Absatz 14&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;11)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom Oktober 1957, letzter Absatz; vgl. „Hüterbotschaften ...“, Frankfurt 1962, S. 96&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;12)&amp;lt;/sup&amp;gt; Botschaft von Ridván 1957; vgl. „Hüterbotschaften....“, S. 88&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;13)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;14)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;, S. 101&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;15)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 8. 10. 52; vgl. „Hüterbotschaften... .“, S. 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;16)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Challenging Requirements...“, S. 30 f.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;17)&amp;lt;/sup&amp;gt; Brief vom 4. 5. 53; vgl. „Hüterbotschaften...“, S. 18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;18)&amp;lt;/sup&amp;gt; dgl., S. 17&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;19)&amp;lt;/sup&amp;gt; wie &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;, S. 97&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Größte Jubiläum===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bericht über den ersten Bahá’í-Weltkongreß in London&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht nötig, den Vergleich zu Weltkonferenzen anderer Art — seien &lt;br /&gt;
sie politisch, theologisch, sozialreformerisch oder wirtschaftlich in&lt;br /&gt;
ihrer Zielsetzung — zu ziehen oder an die von Verfolgungen und Krisen&lt;br /&gt;
gezeichnete Geschichte der Bahá’í-Religion zu erinnern, um den ersten&lt;br /&gt;
Bahá’í-Weltkongreß, der am 2. Mai 1963 in London zu Ende ging, ins rechte&lt;br /&gt;
Licht zu rücken. Das Zusammentreffen von über 6 000 Menschen fast aller&lt;br /&gt;
Nationalitäten, Rassen und Klassen, die heute die Erde bevölkern, im&lt;br /&gt;
Geiste weltweiter Liebe muß einer skeptischen Umwelt Anlaß genug sein,&lt;br /&gt;
aufzuhorchen und sich auf die neuerwachte Kraft religiösen Denkens und&lt;br /&gt;
Glaubens zu besinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;(Fortsetzung Seite 318)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|317|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Blick in einen Teil der mit 6000 Bahá’í vollbesetzten Royal Albert Hall.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|318|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Ereignisse waren es, die bei diesem Kongreß festlich begangen&lt;br /&gt;
wurden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;— das hundertjährige Jubiläum der öffentlichen Erklärung Bahá’u’lláhs als des Verheißenen aller Religionen (21. April bis 2. Mai 1863 in Baghdád),&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;— der erfolgreiche Abschluß des ersten weltweiten Zehnjahresplanes der Bahá’í, eines „geistigen Weltkreuzzuges“ von 1953-1963, von dem an anderer Stelle dieses Heftes die Rede ist,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;— die erstmalige Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, der höchsten administrativen Einrichtung der Bahá’í-Weltgemeinschaft, die kurz zuvor in Haifa stattgefunden hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Beginn des Kongresses hatten die aus aller Welt eintreffenden&lt;br /&gt;
Freunde Gelegenheit, sich in den Räumen des Royal Hotels, nördlich des&lt;br /&gt;
Londoner Stadtzentrums, zu treffen, um sich kennenzulernen und Gedanken &lt;br /&gt;
auszutauschen. Schon hier erregte das bunte Gemenge von Angehörigen &lt;br /&gt;
fast aller Rassen und Völker, vielfach in Nationaltracht gekleidet, das&lt;br /&gt;
Interesse: der Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrer Eröffnungsansprache am Nachmittag des 28. April betonte&lt;br /&gt;
‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyíh Khánum in der bis in die obersten Ränge gefüllten &lt;br /&gt;
Royal-Albert-Konzerthalle, welche großen Segnungen des Glaubens&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs auf diesem Kongreß ruhten, den Shoghi Effendi ursprünglich&lt;br /&gt;
nach Baghdád einberufen hatte, der aber nach dem plötzlichen Tod des&lt;br /&gt;
Hüters nach London, seinem Sterbeort, verlegt worden war. Das Ende der&lt;br /&gt;
Einleitungszeit des Göttlichen Planes ‘Abdu’l-Bahás für die Verbreitung&lt;br /&gt;
des Glaubens über die ganze Erde werde durch diesen Kongreß bedeutungsvoll &lt;br /&gt;
gekennzeichnet. Die großen Lehrerfolge in Südamerika, Afrika&lt;br /&gt;
und Südasien unter den einfachen, unkomplizierten Menschen dieser Gebiete &lt;br /&gt;
müßten vor allem den weißen Gläubigen vor Augen führen, wie&lt;br /&gt;
schlicht und geradlinig die Lehren Bahá’u’lláhs sind. Alle göttliche &lt;br /&gt;
Wahrheit sei unkompliziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Alí Akbar Furútan hob in der Eröffnungssitzung die Bedeutung dieses&lt;br /&gt;
Tages anhand der heiligen Bücher, insbesondere des Alten und Neuen&lt;br /&gt;
Testaments sowie der zarathustrischen Schriften, hervor. Hasan Balyuzi&lt;br /&gt;
stellte dem Jubelfest die schicksalsschweren Tiefpunkte der &lt;br /&gt;
Bahá’í-Geschichte gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Kongreßtag stand im Zeichen der Sendung Bahá’u’lláhs als des&lt;br /&gt;
Gottgesandten unserer Zeit. Wie sich in Ihm alle Verheißungen der früheren &lt;br /&gt;
Offenbarungen erfüllten, legte Marion Hofman dar. Amoz Gibson&lt;br /&gt;
rückte die persönliche Dankbarkeit und Verpflichtung des einzelnen &lt;br /&gt;
Gläubigen gegenüber der „Gesegneten Schönheit“ Bahá’u’lláhs in den &lt;br /&gt;
Vordergrund, während der ehrwürdige Tarazu’lláh Samandarí, fast &lt;br /&gt;
neunzigjährig, über seine Begegnung mit Bahá’u’lláh 1890/91 berichtete, &lt;br /&gt;
strahlend vor Glück, dieses große Jubiläum noch miterleben zu dürfen. &lt;br /&gt;
Ein eindrucksvolles Erlebnis war die Feier des neunten Ridván-Tages am &lt;br /&gt;
Nachmittag, bei der, wie auch bei anderen Gelegenheiten, Gebete in Sprachen&lt;br /&gt;
aus allen Teilen der Erde gesprochen und gesungen wurden.&lt;br /&gt;
{{page|319|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Entfaltung des Göttlichen Plans wurde am Dienstagvormittag,&lt;br /&gt;
30. April, gesprochen, wobei Rowland Estall und Jan Sijsling die umfassende &lt;br /&gt;
Konzeption ‘Abdu’l-Bahás, Jan Semple die durchführenden Planungen des &lt;br /&gt;
Hüters behandelten, der die Bahá’í-Weltgemeinschaft organisch,&lt;br /&gt;
wie der Gärtner eine Pflanze, zur Entwicklung gebracht habe. Eine &lt;br /&gt;
Grußbotschaft der wegen ihres Glaubens gefangenen und zum Tode verurteilten&lt;br /&gt;
Bahá’í in Marokko überbrachte Rechtsanwalt Navidi; ergriffen hörte die &lt;br /&gt;
Versammlung Tonbandaufnahmen von Andachten dieser Märtyrer in&lt;br /&gt;
ihrem Gefängnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Weltzentrum des Bahá’í-Glaubens in Haifa stand im Mittelpunkt&lt;br /&gt;
der Nachmittagssitzung. Ugo Giachery betonte, wie durch die Verbannung&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs nach ‘Akká zahlreiche Prophezeiungen des Alten Testaments&lt;br /&gt;
ihre Erfüllung gefunden haben. Im gleichen Jahr, in dem Bahá’u’lláh den&lt;br /&gt;
bedeutungsvollen Besuch Professor Brownes in ‘Akká empfing, besuchte&lt;br /&gt;
Er zweimal den Berg Karmel, wobei Er einen Baum pflanzte und den Platz&lt;br /&gt;
für den Schrein des Báb auswählte. Paul Haney bezeichnete das Karmel-Tablet &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs, Wille und Testament ‘Abdu’l-Bahás sowie Dessen&lt;br /&gt;
Sendschreiben zum Göttlichen Plan als die Charta der göttlichen Weltordnung &lt;br /&gt;
und die geistige Grundlage des Weltzentrums, dessen Institutionen&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi in den letzten Jahrzehnten systematisch entfaltet habe. Über&lt;br /&gt;
die in schlichter Feierlichkeit am 21. April vollzogene Wahl des ersten&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit berichtete Charles Wolcott; anschließend &lt;br /&gt;
wurde die erste Erklärung des Hauses verlesen, die die Freude über&lt;br /&gt;
die Erfüllung der althergebrachten Verheißungen und über die Vollendung&lt;br /&gt;
des ersten Abschnitts des Göttlichen Plans, ferner den Dank für die &lt;br /&gt;
aufopfernde Tätigkeit Shoghi Effendis und der Hände der Sache Gottes und&lt;br /&gt;
die Aufforderung an alle Bahá’í, nicht nachzulassen in ihren Lehrbemühungen, &lt;br /&gt;
zum Ausdruck brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Widerhall, auch in der Presse, fand die öffentliche Kundgebung&lt;br /&gt;
am Dienstagabend, 30. April, mit zwei eindrucksvollen Ansprachen, die&lt;br /&gt;
unter dem Leitwort „Welteinheit in Sicherheit“ standen. Philip Hainsworth&lt;br /&gt;
führte aus, daß ein neuer Abschnitt in der Menschheitsgeschichte erreicht&lt;br /&gt;
sei, der den Niedergang alter Institutionen wirtschaftlicher, politischer und&lt;br /&gt;
religiöser Art bedeute, weil man keinen neuen Wein in alte Schläuche füllen &lt;br /&gt;
könne, „Die Bahá’í behaupten nicht, sie seien gekommen, die Einheit zu&lt;br /&gt;
errichten. Sie sagen, daß die Einheit der Menschheit bereits besteht, aus&lt;br /&gt;
dem einfachen Grund, weil alle Menschen von {{Sperrsatz|einem}} Gott erschaffen&lt;br /&gt;
sind ... Das Echo, das wir unter Eskimos, Dyaks, Afrikanern und vielen&lt;br /&gt;
anderen Völkern finden, zeigt, daß wir, wenn wir über Weltordnung, Welteinheit &lt;br /&gt;
und Weltregierung sprechen, von keiner Utopie reden, sondern von&lt;br /&gt;
Tatsachen, die bereits in ihrer geistigen Wirklichkeit bestehen. Es gibt&lt;br /&gt;
heute eine Weltgemeinschaft Bahá’u’lláhs, eine Grundlage des Reiches&lt;br /&gt;
Gottes, die bereits auf dieser Erde errichtet ist“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William Sears definierte den Bahá’í-Glauben als „keine Philosophie,&lt;br /&gt;
keine Weltanschauung, keine ethische Gemeinschaft, keine Sekte, auch&lt;br /&gt;
kein Ableger irgend einer anderen Religion. Er ist eine Religion Gottes,&lt;br /&gt;
die ihre Wurzeln tief in demselben Boden hat, aus dem auch die Religionen &lt;br /&gt;
Jesu, Muhammads und der anderen Propheten entsprungen sind“. Wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;(Fortsetzung Seite 322)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|320|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nur einen kleinen Eindruck von der Vielfalt der Londoner Jubiläumstage kann dieser&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|321|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Querschnitt mit der Kamera bieten. Fotos: Schubert, Monitor Press&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|322|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
lebten heute in einem „Zeitalter der nuklearen Riesen und der ethischen&lt;br /&gt;
Zwerge“. In einer Welt, die Gott den Rücken zugekehrt habe, sei Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
die einzige Kraft, die völlige Einheit bringen und alle sozialen,&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen, politischen und religiösen Krankheiten heilen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Zitate The Times, 1. 5. 1963.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rûhíyyih Khánum bei ihrer Eröffnungsansprache. Daneben Borah Kavelin, USA.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Sitzungen am Mittwoch, 1. Mai, standen unter dem Leitthema: &lt;br /&gt;
„Die geistige Eroberung der Erde“. Eine Reihe von Bahá’í-Lehrern&lt;br /&gt;
berichtete zunächst über die Erschließung neuer Gebiete und die Erfolge&lt;br /&gt;
der Pionierarbeit, so insbesondere Enoch Olinga, der ausgedehnte, &lt;br /&gt;
abenteuerliche Reisen durch Zentralafrika unternommen hatte, und Ruth&lt;br /&gt;
Pringle aus Panama, wo unter großen, auch geographisch bedingten&lt;br /&gt;
Schwierigkeiten in kurzer Zeit rund 2500 Ureinwohner zu neuen Gläubigen &lt;br /&gt;
gewonnen worden waren. Die begeisternden Berichte von Shirin Bowman &lt;br /&gt;
aus Indien, wo sich in zwei Jahren die Zahl der Bahá’í auf 90 000&lt;br /&gt;
verhundertfachte, von Jamshed Fozdar und Rahmatu’lláh Muhájir aus&lt;br /&gt;
Südostasien und von Alvin Blum aus den weiten Gebieten des Pazifik &lt;br /&gt;
leiteten über zum Thema der Massengewinnung für den Glauben, der &lt;br /&gt;
besonders bei den Völkern der Entwicklungsländer auf fruchtbaren Boden fällt.&lt;br /&gt;
Zu Herzen gingen auch die Ansprachen der Vertreter neugewonnener Rassen und &lt;br /&gt;
Völkerschaften, die fast alle zum erstenmal in eine westliche&lt;br /&gt;
Großstadt gekommen waren und sich trotz aller Sprachschwierigkeiten in&lt;br /&gt;
dieser völkervereinenden Gemeinschaft ohne Minderwertigkeitsgefühle als&lt;br /&gt;
Gleiche unter Gleichen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unsere geheiligte Verpflichtung, unser ruhmreicher Auftrag“ lautete&lt;br /&gt;
das Thema des Donnerstagvormittags mit Referaten von Anneliese Bopp,&lt;br /&gt;
Hushmand Fatheazam, Peter Khan und John Robarts, in denen, sozusagen&lt;br /&gt;
von der Theorie her, Folgerungen aus den Berichten des Vortages gezogen&lt;br /&gt;
wurden. Wie wenig die scheinbar erfolglose Lehrtätigkeit, vor allem in den&lt;br /&gt;
saturierten Ländern Europas, verlorene Mühe ist, führte am Nachmittag&lt;br /&gt;
Abú’l-Qásim Faizí vor Augen, der aus der Bahá’í-Geschichte erzählte, wie&lt;br /&gt;
vor neunzig Jahren Bahá’u’lláh Reiselehrer nach Indien entsandte, die&lt;br /&gt;
trotz aufopfernder, jahrelanger Bemühungen keine nennenswerten Erfolge&lt;br /&gt;
herbeiführten; erst Generationen später sei jetzt diese Saat aufgegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen erhabenen Abschluß fand die Konferenz durch die Ansprache von&lt;br /&gt;
‘Amatul’-Bahá Rúhíyyih Khánum über „Shoghi Effendi, das Zeichen Gottes“, &lt;br /&gt;
in der sie aus den langen Jahren ihres Lebens an der Seite des Hüters&lt;br /&gt;
erzählte. Der zielbewußte Weitblick Shoghi Effendis, sein umfassendes, &lt;br /&gt;
begnadetes Wissen um das Wesen religiöser Wahrheit und um den Heilsplan&lt;br /&gt;
{{page|323|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
Gottes für die Menschheit, seine Fähigkeit, die edelsten Eigenschaften der&lt;br /&gt;
Menschen, die ihm begegneten, zur Entfaltung zu führen, seine unermüdliche, &lt;br /&gt;
hingebungsvolle Arbeit für die Entwicklung der Bahá’í-Weltgemeinschaft und &lt;br /&gt;
die Gestaltung ihres Weltzentrums, sein Sinn für Wirtschaftlichkeit und &lt;br /&gt;
seine persönliche Anspruchslosigkeit — dies alles kam in dem lebendigen &lt;br /&gt;
Vortrag unvergeßlich zur Geltung und vertiefte die innige Verbundenheit &lt;br /&gt;
mit dem geliebten Hüter und seinem Werk, die jeder Kongreßteilnehmer &lt;br /&gt;
nicht zuletzt durch den Besuch am Grabe Shoghi Effendis zuvor gewonnen &lt;br /&gt;
hatte. Mit einer Andachtsstunde ging hernach der Kongreß zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Sitzungen nichtöffentlich waren, nahmen die Londoner Zeitungen &lt;br /&gt;
wie auch die Auslandskorrespondenten führender Blätter und&lt;br /&gt;
Agenturen aus allen Teilen der Welt regen Anteil am Ablauf der Tagung.&lt;br /&gt;
Das englische Fernsehen brachte eine längere Sendung und BBC übertrug&lt;br /&gt;
dreimal ein Hörfunk-Interview von zwölf Minuten in seinem deutschen&lt;br /&gt;
Programm. Auch die hervorragende Organisation des Kongresses und der&lt;br /&gt;
Verkauf von Bahá’í-Literatur in den wichtigsten Verkehrssprachen sollten&lt;br /&gt;
nicht unerwähnt bleiben, vor allem aber die unermüdliche Tätigkeit der&lt;br /&gt;
Dolmetscher, die die fast ausschließlich in Englisch gehaltenen Ansprachen&lt;br /&gt;
simultan ins Französische, Spanische, Deutsche und Persische übersetzten&lt;br /&gt;
und damit zahlreichen Teilnehmern die unvergänglichen Eindrücke bewahren &lt;br /&gt;
halfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Peter Mühlschlegel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jubeltage in London&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch sind wir zu erfüllt von den Ereignissen, noch zu nah dem &lt;br /&gt;
beglückenden Geschehnis, um das, was Herz und Geist empfangen haben,&lt;br /&gt;
mit dem nüchternen Verstand analysieren zu können. Wer wollte es auch!&lt;br /&gt;
Noch trägt uns die von Gott geschriebene, von den himmlischen Heerscharen &lt;br /&gt;
niedergetragene, von Bahá’u’lláh dirigierte Symphonie zu solchen&lt;br /&gt;
Höhen hinauf, daß es — vermöchte er es auch — niemandem einfallen&lt;br /&gt;
könnte, die himmlische, auf unsre Menschenwelt transponierte Harmonie&lt;br /&gt;
aufzulösen in Fugen, Tonarten und Generalbaß, in die einzelnen Instrumente &lt;br /&gt;
und die Schlüssel, nach denen sie spielten. Und wie die Spieler an&lt;br /&gt;
ihren Pulten sitzen, kaum noch bewußt des eignen Ichs und eignen&lt;br /&gt;
Schicksals, ganz hingegeben dem, was sie mit ihrer Liebe zur Sache und&lt;br /&gt;
mit dem ganzen Einsatz der Kraft ihrer Seele und ihres Vermögens für&lt;br /&gt;
die Harmonien herzugeben haben, entströmte sechstausend inspirierten,&lt;br /&gt;
glücklichen Gläubigen die Musik, welche die Offenbarung in ihnen &lt;br /&gt;
geweckt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechstausend Gläubige zogen nach London. Sie kamen mit aller Freude&lt;br /&gt;
ihres Herzens. Sie strahlten diese wunderbaren Kräfte aus, während die&lt;br /&gt;
Kräfte des weitoffenen Himmels sich herabsenkten auf die Versammlung&lt;br /&gt;
im Geiste Bahá’u’lláhs, sich mit denen der Menschen mischten, bis sich&lt;br /&gt;
in dieser gesegneten Umarmung von Himmel und Erde die Geburt einer&lt;br /&gt;
neuen Welt vollzog. Und diese ist es, die wir mit uns nehmen durften.&lt;br /&gt;
Wir haben sie wie einen unantastbaren Schrein in uns eingeschlossen.&lt;br /&gt;
Wir fühlen mit jedem Tage, wie die darin bewahrte Kraft uns durchglüht, &lt;br /&gt;
{{page|324|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
belebt und erhebt. Wir wissen, daß wir dieses Mysterium in uns&lt;br /&gt;
zu hüten haben vor den Zugriffen der Welt, und wir wissen auch, daß&lt;br /&gt;
wir eines solchen Geschenkes nur dann würdig sein, nur dann unsren&lt;br /&gt;
Dank für das Empfangene abtragen können, wenn wir unsre Hingabe&lt;br /&gt;
steigern, unsre Liebe zur Sache Gottes mehren, jede Behinderung, Opfer&lt;br /&gt;
zu bringen, beiseite schieben und mit wachsender Begeisterung lehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wen hat es nicht zutiefst berührt, als Frau und Kinder eines der&lt;br /&gt;
marokkanischen Freunde, dieser wahren Märtyrer, die von einer grausamen, &lt;br /&gt;
willkürlichen Justiz zum Tode verurteilt wurden, auf dem blumengeschmückten &lt;br /&gt;
Podium erschienen, und nach einem Gebet der Frau&lt;br /&gt;
auch ihr kleiner Junge mit kindlicher Stimme betete? Wer fühlte sich&lt;br /&gt;
nicht ergriffen, als der bald neunzigjährige Maori aus dem Herzen Neuseelands &lt;br /&gt;
langsam, auf den Stock gestützt, zum Pulte ging, mit zögernden&lt;br /&gt;
Worten zu sprechen begann, auf Rúhíyyih Khánum als seine Mutter wies,&lt;br /&gt;
erzählte, daß er der letzte seines Stammes sei, und wie er dann, die&lt;br /&gt;
Arme erhebend zu einer umfangenden Bewegung, auf die atemlos lauschende &lt;br /&gt;
Versammlung deutete und sagte: „Ihr alle... mein Stamm...&lt;br /&gt;
meine Brüder...“ Konnte es einen bewegenderen Beweis der gottgewollten &lt;br /&gt;
Menschheitseinheit geben als die Ridván-Feier, wie da eine Eskimo,&lt;br /&gt;
eine Navajo-Indianerin, ein zierlicher, scheuer Eingeborener aus den &lt;br /&gt;
Urwäldern Borneos, ein rotgewandeter Inka aus Bolivien, ein Bewohner&lt;br /&gt;
von Samoa, eine Finnin, ein Deutscher und viele, viele andere in ihrer&lt;br /&gt;
Muttersprache Gebete sagten, in der allen gleich verständlichen Sprache&lt;br /&gt;
Gottes? Riß es nicht alle mit, als Hand der Sache Enoch Olinga von den&lt;br /&gt;
Triumphen des geliebten Glaubens sprach, der den dunklen Erdteil als&lt;br /&gt;
eine Welt des Lichts erscheinen läßt? Wer lauschte nicht gebannt, als die&lt;br /&gt;
ehrwürdige Hand der Sache Samandari mit wahrem Feuer von seinen Begegnungen &lt;br /&gt;
mit Bahá’u’lláh sprach, oder die Kunde verbreitet wurde, wie&lt;br /&gt;
die Menschen aus dem von altem Aberglauben befreiten Indien hinströmten &lt;br /&gt;
zur Quelle des „Wassers des Lebens“? Wer vermöchte von diesen und&lt;br /&gt;
jenen Einzelheiten — diesen Variationen auf das eine große symphonische&lt;br /&gt;
Thema — zu sagen, daß sie die Höhepunkte gewesen wären?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schon atemraubend und überwältigend genug, wenn vor und&lt;br /&gt;
nach den Ansprachen und Feiern Afrikaner in ihren fließenden Gewändern&lt;br /&gt;
ihre weißen Brüder umarmten, Malayen den amerikanischen Freunden&lt;br /&gt;
„Alláh-u-Abhá“ zuriefen. Menschen, die sich niemals zuvor gesehen hatten,&lt;br /&gt;
sich strahlenden Auges küßten. Es gab nichts Fremdes, der Atem der &lt;br /&gt;
Einheit hielt alle umfangen. Und hatte man sich tagsüber sattgetrunken vom&lt;br /&gt;
Wasser der Gnade, fühlte man, daß man die Freude in die Nacht hinein&lt;br /&gt;
fortspinnen mußte, und man ging durch die Straßen, saß in den Hotels.&lt;br /&gt;
als ließe sich das entzündete Licht nicht durch die späte Stunde löschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und war dies nicht doch der eigentliche Höhepunkt, als man erfahren&lt;br /&gt;
durfte, daß der vom unvergeßbaren, geliebten Hüter entworfene Zehnjahresplan &lt;br /&gt;
erfüllt worden war? Oder dies vielleicht, als bescheiden, verwirrt von &lt;br /&gt;
solcher Ehrung, die Pioniere der Sache Gottes, die Ritter&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs zusammenrückten, um den Dank der gläubigen Welt zu&lt;br /&gt;
empfangen? War nicht alles überstrahlt von dem höchsten Triumphe&lt;br /&gt;
der im Heiligen Land vollzogenen Wahl und Einsetzung des Universalen&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit, ein Begebnis von kaum vorstellbarer Größe und&lt;br /&gt;
{{page|325|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
Tragweite, die Verwirklichung der höchsten, von Gott gewollten, von&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh uns vermittelten Forderung? War die Wahl gerade dieser&lt;br /&gt;
neun Menschen nicht ein sichtbares Zeichen von Gottes Führung, neun&lt;br /&gt;
Menschen, herausgehoben wie Perlen aus dem Ozean der Gläubigen, &lt;br /&gt;
die — vom Ich befreit — zu der hohen Körperschaft zusammenschmelzen,&lt;br /&gt;
welche mit dem Gewand der Unfehlbarkeit bekleidet, der Welt von &lt;br /&gt;
morgen in die Jahrtausende hinaus Gesicht geben, Gerechtigkeit schenken und&lt;br /&gt;
unter der höchsten Führung die von heiligen Gesetzen ausgehobenen&lt;br /&gt;
Wege sichern wird, die zur Einheit der Menschheit als Sinnerfüllung der&lt;br /&gt;
menschlichen Existenz auf Erden führen? Steht es einem solchen &lt;br /&gt;
Höhepunkte nach, wenn Rúhíyyih Khánum vom geliebten Hüter, von ihrem&lt;br /&gt;
Leben mit Shoghi Effendi sprach?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es mangelte nicht an stillen Minuten. Man durfte hinausziehen zu&lt;br /&gt;
dem weitab gelegenen Friedhof und am blumenübersäten Grabe des Hüters &lt;br /&gt;
stehen. Man durfte in Trauer und Dankbarkeit dessen gedenken und&lt;br /&gt;
für ihn beten, der sein Leben als Opfer für das Wachsen des heiligen&lt;br /&gt;
Baumes der Sache gegeben hat — ein unsterbliches Beispiel der Hingabe,&lt;br /&gt;
das erhabene menschliche Gehäuse, in dem das Herz der Welt schlug&lt;br /&gt;
und der Wille des Erhabenen sich umsetzte in Worte liebender und &lt;br /&gt;
wegweisender Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging man weg von dieser Stadt. Man hatte die Brüder aus aller&lt;br /&gt;
Welt gesehen, hatte mit ihnen darum gebetet, daß der Allmächtige &lt;br /&gt;
Seinen Geschöpfen ein erhöhtes Bewußtsein und die Kraft leihen möge, &lt;br /&gt;
emsiger in Seinem Weinberg zu schaffen. Man hatte einatmen, sehen, spüren&lt;br /&gt;
dürfen, was eine in Leidenschaften, Gehässigkeiten, Vorurteilen und im&lt;br /&gt;
Dünkel erblindete Welt nur in lichtvollen Augenblicken als Traumbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Tarazu’lláh Samandari (am Rednerpult rechts) bei seiner Ansprache. Neben ihm übersetzt Marzeih Gail. Links sitzt Marion Hofmann, neben ihr Amos Gibson, die beide gleichfalls sprachen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|326|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
aus der Seele steigen sieht: die ewige Hoffnung, die heilige Stadt, die&lt;br /&gt;
leuchtende Wirklichkeit des unzerstörbaren Bündnisses Gottes mit den&lt;br /&gt;
Menschen, die Welt, die — in Gestalt Bahá’u’lláhs — aus den Wolken&lt;br /&gt;
herabkam, um auf der Erde zum Hause Gottes zu werden, an dessen Bau&lt;br /&gt;
wir, die Wissenden und Gläubigen, mitwirken, Mörtel rühren, Steine&lt;br /&gt;
herantragen dürfen. Das ist der Ruf, der von London in die Welt &lt;br /&gt;
hinaustönt: Der Traum hat seine Hüllen abgeworfen! Die Wirklichkeit &lt;br /&gt;
Gottes auf Erden ist erstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Karl Schück&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Tablet Tajallíyát===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hört von Seinem erhabenen Horizont aus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bezeuge, daß es wahrlich keinen Gott gibt außer Ihm und daß Er, Der&lt;br /&gt;
gekommen ist, das verborgene Mysterium ist, das verhüllte Geheimnis, das&lt;br /&gt;
größte Buch für die Völker und der Himmel der Wohltat für die Welt:&lt;br /&gt;
Er ist das mächtige Zeichen unter der Menschheit und der Aufgangsort der&lt;br /&gt;
höchsten Eigenschaften in der Welt der Offenbarung. Durch Ihn erschien,&lt;br /&gt;
was seit aller Ewigkeit verhüllt und den Menschen von Urteilskraft &lt;br /&gt;
verborgen war. Wahrlich, Er ist es, Dessen Offenbarung in früheren und&lt;br /&gt;
späteren Zeiten durch die göttlichen Bücher angekündigt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Ihn, Seine Zeichen und Seine Beweise anerkennt, anerkennt damit,&lt;br /&gt;
was der Mund des Höchsten vor Erschaffung des Himmels und der Erde&lt;br /&gt;
und vor dem Erscheinen des Reiches der Namen äußerte. Durch Ihn wogte&lt;br /&gt;
die See der Erkenntnis unter den Menschen, und der Strom der Weisheit&lt;br /&gt;
floß aus der Gegenwart Gottes, des Königs der Tage. Gesegnet ist der&lt;br /&gt;
Einsichtsvolle, der dies erkennt und bezeugt, der Hörende, der Seine &lt;br /&gt;
liebliche Stimme hört, und die Hand, welche durch die Kraft ihres Herrn, des&lt;br /&gt;
Königs dieser und der kommenden Welt, das Buch Gottes erfaßt. Gesegnet&lt;br /&gt;
ist der Wanderer, der Seinem erhabenen Horizont zueilt, und der Starke,&lt;br /&gt;
den weder der Einfluß der Fürsten noch das Geschrei der Religionslehrer&lt;br /&gt;
zu schwächen vermögen. Aber wehe dem, der die Gnade Gottes und Seine&lt;br /&gt;
Großmut, Seine Barmherzigkeit und Seine Macht bezweifelt! Wahrlich, er&lt;br /&gt;
zählt zu denen, die die Beweise Gottes seit aller Ewigkeit verwarfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glücklich ist, wer an diesem Tag beiseite wirft, was die Menschen besitzen, &lt;br /&gt;
und sich fest an das hält, was von seiten Gottes, des Königs der&lt;br /&gt;
Namen und Schöpfers aller Dinge, befohlen ward, das heißt von Ihm, Der&lt;br /&gt;
herabkam vom Himmel unvordenklichen Seins mit dem Größten Namen&lt;br /&gt;
und einer Macht, der die Scharen der Erde nicht zu widerstehen vermögen,&lt;br /&gt;
wie es das „Mutterbuch“ auf der höchsten Stufe bezeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ‘Alí-Kablí-Akbar!&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;) Wir hörten wiederholt deine Stimme und Wir &lt;br /&gt;
antworteten dir in einer Weise, der alle Worte der Welt nicht gleichkommen &lt;br /&gt;
und in der die Aufrichtigen den Wohlgeruch der Äußerung des Mildtätigen, &lt;br /&gt;
die Liebenden die Düfte der Vereinigung und die Dürstenden das&lt;br /&gt;
Murmeln des Kawthar &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; des Lebens erkennen. Gesegnet ist, wer dazu &lt;br /&gt;
{{page|327|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
gelangt und die linden Düfte wahrnimmt, die jetzt aus der Feder Gottes,&lt;br /&gt;
des Beschützers, des Mächtigen, des Gabenreichen, strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bezeugen, daß du dich aufmachtest, daß du des Weges zogst, bis du&lt;br /&gt;
hier eintrafst, um vor Uns zu erscheinen und auf die Stimme Dessen zu&lt;br /&gt;
lauschen, Der unterdrückt und eingekerkert wurde auf Betreiben derer,&lt;br /&gt;
die die Verse Gottes und Seine Befehle leugneten und diese Gnade, welche&lt;br /&gt;
die Regionen der Welt erleuchtet, verwarfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesegnet ist dein Angesicht, denn es hat sich Uns zugewandt; gesegnet&lt;br /&gt;
sind deine Ohren, denn sie haben gehört, und gesegnet ist deine Zunge,&lt;br /&gt;
denn sie sprach das Lob Gottes, des Herrn der Herren. Wir bitten Gott,&lt;br /&gt;
daß Er dich zu einem Banner des Beistands für Seine Sache mache und&lt;br /&gt;
dich stets näher zu Sich ziehe. Wir gedenken der Freunde Gottes und &lt;br /&gt;
Seiner Geliebten an diesem Orte, und Wir erfreuen sie durch das, was vom&lt;br /&gt;
Reich des Wortes ihres Herrn, des Königs am Tage des Gerichts, für sie&lt;br /&gt;
geoffenbart ward. Grüße sie von Mir und erleuchte sie mit dem Lichte der&lt;br /&gt;
Sonne Meiner Äußerung! Wahrlich, dein Herr ist der Mächtige, der Gnädige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du Verkünder Meines Lobes! Höre, was die Unterdrücker in Meinen&lt;br /&gt;
Tagen sagen! Einige sagen: „Wahrlich, Er beansprucht Göttlichkeit“,&lt;br /&gt;
andere: „Er hat Gott gelästert“, und wieder andere: „Er kam, um zu &lt;br /&gt;
verführen“. Wehe ihnen! Sie sind zu beklagen; denn beten sie nicht &lt;br /&gt;
Einbildungen an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die oberste Pflicht, die Gott Seinen Dienern auferlegt, ist die Erkenntnis Dessen, Der der Tagesanbruch Seiner Offenbarung und der Quell Seiner Gesetze ist, Der die Gottheit im Reiche Seiner Sache und in der Welt der Schöpfung vertritt. Wer diese Pflicht erfüllt, hat alles Gute erreicht, und wer dessen beraubt ist, geht in die Irre, und hätte er auch noch so gerechte Taten vollbracht. Es ziemt jedem, der diese erhabenste Stufe, diesen Gipfel höchster Herrlichkeit erreicht, jedem Befehl Dessen zu folgen, Der die Sehnsucht der Welt ist, Diese beiden Verpflichtungen können nicht voneinander getrennt werden. Keine von ihnen ist ohne die andere annehmbar. So wurde es von Ihm, dem Quell göttlicher Eingebung, verordnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Ährenlese CLV.)&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|328|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollen Wir aufhören, in der „beredten Sprache“ &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; zu schreiben.&lt;br /&gt;
Wahrlich, dein Herr ist der Mächtige, der Unabhängige! Wir wollen in&lt;br /&gt;
iranischer Sprache reden, damit vielleicht das gesamte Volk Persiens die&lt;br /&gt;
Worte des Mildtätigen vernehme und sich aufmache, die Wahrheit zu&lt;br /&gt;
finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DAS ERSTE TAJALLI,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welches von der Sonne der Wahrheit ausstrahlt, ist die Erkenntnis &lt;br /&gt;
Gottes — erhaben ist Seine Herrlichkeit! Die Erkenntnis des Königs der &lt;br /&gt;
Ewigkeit kann nur durch die Erkenntnis des Größten Namens erlangt werden.&lt;br /&gt;
Er ist der Sprecher des Berges, welcher bestätigt und auf den Thron der&lt;br /&gt;
Offenbarung gesetzt ist. Er ist der Verborgene, der Unsichtbare, das &lt;br /&gt;
verhüllte Geheimnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle früheren und späteren Bücher Gottes sind mit Seiner Erwähnung&lt;br /&gt;
geschmückt und verkünden Sein Lob. Durch Ihn wurde die Fahne der &lt;br /&gt;
Erkenntnis in der Welt aufgepflanzt und das Banner der Einigkeit unter den&lt;br /&gt;
Nationen gehißt. Die Begegnung mit Gott kann nur durch die Begegnung&lt;br /&gt;
mit Ihm erlangt werden. Durch Ihn erschien alles, was seit Ewigkeit &lt;br /&gt;
verborgen und unsichtbar war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kam in Wahrheit und äußerte ein Wort, das „alle im Himmel und&lt;br /&gt;
auf Erden niederschmetterte, mit Ausnahme derer, die Gott erwählte“.&lt;br /&gt;
Der Glaube an Gott und Seine Erkenntnis können nur dadurch voll &lt;br /&gt;
verwirklicht werden, daß der Mensch an alles glaubt, was von Ihm ausging,&lt;br /&gt;
und das ausführt, was Er befohlen hat und was durch die erhabene Feder&lt;br /&gt;
im Buch geoffenbart ist. Die in die See der göttlichen Äußerungen &lt;br /&gt;
untergetaucht sind, müssen die Gebote und Verbote Gottes allezeit beachten.&lt;br /&gt;
Seine Gebote sind die sicherste Feste für den Schutz der Welt und die &lt;br /&gt;
Erhaltung der Menschheit. Licht ist auf denen, die diese Gebote bekennen&lt;br /&gt;
und anerkennen, und Finsternis umgibt jene, welche sie verwerfen und&lt;br /&gt;
sich ihnen widersetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DAS ZWEITE TAJALLI&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist Standhaftigkeit in der Sache Gottes und in Seiner Liebe — erhaben&lt;br /&gt;
ist Sein Ruhm! Diese Standhaftigkeit kann nur erlangt werden durch die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes; und eine volle Erkenntnis Gottes kann man nur erlangen, &lt;br /&gt;
wenn man sich zu dem gesegneten Wort „Gott tut, was Er will“&lt;br /&gt;
bekennt. Wer sich an dieses erhabene Wort hält und von dem Kawthar&lt;br /&gt;
göttlicher Äußerung trinkt, der in diesem Worte ruht, wird sich so &lt;br /&gt;
standhaft finden, daß alle Bücher der Welt nicht imstande sind, ihn von dem&lt;br /&gt;
„Mutterbuch“ fernzuhalten. O, wie groß ist diese hohe Stufe, diese erhabene &lt;br /&gt;
Stellung, dieses letzte Ziel!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ‘Alí-Kabli-Akbar! Bedenke, wie niedrig dagegen die Stufe der Verleugner &lt;br /&gt;
ist! Sie sprechen alle die gesegneten Worte nach: „Wahrlich, Er ist&lt;br /&gt;
lobenswert in Seinen Taten, und Seine Gebote sind zu befolgen“ &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Sobald aber etwas erscheint, das auch nur im geringsten ihren Lüsten und &lt;br /&gt;
Begierden entgegensteht, so verwerfen sie es. Sprich: Niemand ist über Sinn&lt;br /&gt;
und Ziel der vollendeten Weisheit Gottes unterrichtet! Fürwahr, wenn Er&lt;br /&gt;
erklärte, die Erde sei der Himmel, hätte niemand das Recht, Ihm zu &lt;br /&gt;
{{page|329|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
widersprechen. Dies ist, was der Punkt des Bayán (der Báb) bezeugte in allem,&lt;br /&gt;
was Ihm von Gott, dem Spalter der Himmel, geoffenbart wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DAS DRITTE TAJALLI&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bezieht sich auf Wissenschaften, Gewerbe und Künste. Wissen ist gleichsam &lt;br /&gt;
ein Flügelpaar des Seins, eine Leiter des Aufstiegs. Sich Wissen anzueignen, &lt;br /&gt;
ist allen zur Pflicht gemacht. Es sollen dies aber solche Wissenschaften &lt;br /&gt;
sein, die dem Volk der Erde nützen, nicht solche, die nur mit Worten &lt;br /&gt;
beginnen und mit Worten endigen. Die Wissenschaftler und Künstler &lt;br /&gt;
haben ein großes Vorrecht unter den Menschen. Dies bezeugt der &lt;br /&gt;
Ursprung göttlicher Äußerung am Tage der Wiederkehr. Freude sei &lt;br /&gt;
denen, die hören!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat, der wirkliche Schatz des Menschen ist sein Wissen. Wissen&lt;br /&gt;
ist der Weg zu Ehre, Wohlstand, Freude, Frohsinn, Glück und Jubel. Also&lt;br /&gt;
spricht die Zunge der Erhabenheit in diesem Größten Gefängnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DAS VIERTE TAJALLI&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bezieht sich auf die Erklärung von Göttlichkeit, Herrschaft und ähnlichen&lt;br /&gt;
Begriffen. Wäre jemand mit geistiger Schau ausgestattet, um solcherweise&lt;br /&gt;
auf diesen offenbaren, gesegneten Baum und seine Früchte zu blicken,&lt;br /&gt;
er würde wahrlich von allem außer Ihm unabhängig werden und anerkennen, &lt;br /&gt;
was der Sprecher des Berges auf dem Throne der Offenbarung äußerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ‘Alí-Kabli-Akbar! Sprich zu den Menschen über die Zeichen deines&lt;br /&gt;
Herrn, und mache sie bekannt mit Seinem rechten Pfad und Seiner großen&lt;br /&gt;
Botschaft. Sprich: O Diener! Wenn ihr das Volk der Gerechtigkeit und&lt;br /&gt;
Unparteilichkeit seid, dann werdet ihr alles anerkennen, was aus der &lt;br /&gt;
erhabenen Feder floß. Wenn ihr zum Volk des Bayán gehört, wird euch der&lt;br /&gt;
persische Bayán führen und euch befriedigen; und wenn ihr zum Volk des&lt;br /&gt;
{{page|330|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=24}}&lt;br /&gt;
Qur’án zählt, dann denket nach über den „Glanz“ und die „Stimme“, welche&lt;br /&gt;
für den Sohn Imrams (Moses) in dem Busch am Sinai geoffenbart wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott! Man hat immer geglaubt, daß die Erkenntnis des Volkes&lt;br /&gt;
durch die Offenbarung Gottes&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; reif und vollkommen geworden &lt;br /&gt;
sei. Jetzt hat es sich gezeigt, daß die Erkenntnis unter den Verleugnern &lt;br /&gt;
verkümmerte und unreif blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ‘Alí! Sie weigern sich, vom Baum des Seins anzunehmen, was sie von&lt;br /&gt;
dem Busch des Sinai annahmen. Sprich: O Volk des Bayán! Sprich nicht&lt;br /&gt;
aus Selbstsucht und voll von Begierden! Die meisten Völker auf Erden &lt;br /&gt;
bekennen sich zu dem gesegneten Wort, das von dem Baume ausging. Beim&lt;br /&gt;
Leben Gottes, hätte es sich nicht um den Ausspruch gehandelt, den der&lt;br /&gt;
Vorläufer (der Báb) über die „Göttlichkeit“ &amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; getan hat, so &lt;br /&gt;
hätte Ich Unterdrückter niemals über etwas gesprochen, was jetzt die &lt;br /&gt;
Unwissenden in Wirrnis und Verderben führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Bayán sagte der Báb in Seiner Beschreibung „Dessen,&lt;br /&gt;
Den Gott offenbaren wird“: „Wahrlich, Er ist Der, Der auf allen Stufen&lt;br /&gt;
ausrufen wird: ‚Wahrlich, Ich bin Gott. Es gibt keinen Gott außer Mir,&lt;br /&gt;
dem Herrn aller Dinge, und alles außer Mir wurde durch Mich erschaffen!&lt;br /&gt;
O Meine Geschöpfe, ihr sollt Mich anbeten!‘“ An einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
spricht Er über „Den, Den Gott offenbaren wird“: „Wahrlich, Ich (der Báb)&lt;br /&gt;
bin der erste derer, die Ihn anbeten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, der Mensch muß über den „Anbetenden“ (den Báb) und über den&lt;br /&gt;
„Angebeteten“ (Bahá’u’lláh) nachdenken. Vielleicht gelangt das Volk der&lt;br /&gt;
Welt dadurch zu einem Tropfen aus dem Meer der Erkenntnis und begreift &lt;br /&gt;
die Stufe dieser Offenbarung. Wahrlich, Er erschien und sprach die&lt;br /&gt;
Wahrheit. Gesegnet ist, wer Ihn anerkennt und bekennt; und wehe jedem&lt;br /&gt;
Verleugner, der fernab steht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Ihr Scharen der Erde! Hört auf die Stimme des Sadrat&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;, dessen&lt;br /&gt;
Schatten die höchsten Rangstufen der Welt umfangen hat. Gehört nicht zu&lt;br /&gt;
den Tyrannen auf Erden, die die Offenbarung Gottes und ihre Macht&lt;br /&gt;
leugneten und Seine Gaben verwarfen. Zählen diese nicht zu den &lt;br /&gt;
Verachtungswürdigen im Buche Gottes, des Herrn der Geschöpfe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrlichkeit, welche vom Himmel Meiner Vorsehung leuchtet, ruhe&lt;br /&gt;
auf dir und jedem, der mit dir ist und um der Sache Gottes willen, des&lt;br /&gt;
Mächtigen, des Preiswürdigen, auf deine Worte hört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
Ungekürzte deutsche Fassung aufgrund der englischen Übersetzung von ‘Alí Kuli&lt;br /&gt;
Khán, Chicago 1917; vgl. „Bahá’í World Faith, Selected Writings of Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
and ‘Abdu’l-Bahá“, Wilmette /Ill. 1943/1956, S. 186 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tajallíyát = (arab.) Glanz, Strahlenglanz; Einzahl: tajallí.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Alí-Kabli-Akbar ist Hajf Mulla ‘Alí Akbar von Sháh-mirzad in Persien, der den Bahá’í unter dem Titel Hájí Akund bekannt ist. Er lebte in Tihrán und war einer der alten Gläubigen, ein großer Lehrer, der durch langes Leiden, wiederholte Einkerkerung und vor allem durch seine profunde Erkenntnis der Sache Bahá’u’lláhs große Dienste erwies.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Kawthar = „Fülle, Überfluß“. Im Islám Name eines Flusses oder Sees im Paradies; vgl. Qur’an 108.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Bis hierher wurde das Tablet in arabischer Sprache geoffenbart; vom nächsten Abschnitt an ist es in Persisch geschrieben.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies sind die Worte des Báb in bezug auf „Den, Welchen Gott offenbaren werde“. Unter „Verleugnern“ sind hier die Anhänger Mírzá Yahyás, der sich Subh-i-Azal nannte, zu verstehen.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; In diesem Fall ist die Offenbarung des Báb gemeint.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; An dieser Stelle soll gesagt sein, daß Bahá’u’lláhs Erklärung, „göttlich“ zu sein, die Erfüllung dessen ist, was der Báb in bezug auf Ihn prophezeit hatte.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; Sadrat, Sadratu’l-Muntahá = Baum, den die Araber früher an das Ende der Wege als Markierung pflanzten. Symbolisch der „göttliche Lotosbaum, über den hinaus niemand gehen kann“, d. h. der Offenbarer Gottes. vgl. Qur’án 53 :16 und „Gott geht vorüber“, S. 105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gedächtnis-Ausstellung: ‘Abdu’l-Bahá in Europa===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Anlaß der 50. Wiederkehr jener Tage, da ‘Abdu’l-Bahá während&lt;br /&gt;
seiner ausgedehnten und historischen Lehrreisen in den Westen im Jahr&lt;br /&gt;
1913 in Europa weilte, hatten die deutschen Bahá’í-Gemeinden im April&lt;br /&gt;
dieses Jahres zu Gedenk-Veranstaltungen eingeladen. Die größte dieser&lt;br /&gt;
Art fand am 7. April in Stuttgart statt; ‘Abdu’l-Bahá hatte Stuttgart im&lt;br /&gt;
Jahr 1913 zweimal besucht (vgl. „Bahá’í-Briefe“ Nr. 12). In einer sehr gut&lt;br /&gt;
besuchten Feier im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus sprach Dr. Eugen&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Schmidt}} über das Thema: „Befriedung der Erde durch die Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fortsetzung auf Seite 332&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
330&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|331|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. Eugen Schmidt während seiner Ansprache im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus. Der Saal konnte die Zuhörer nicht alle aufnehmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Blick in einen Teil der Gedächtnis-Ausstellung. Besonderer Anziehungspunkt war überall das Modell des Tempels bei Langenhain.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|332|file=Baha&#039;i_Briefe_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Immer wieder durften die Bahá’í Auskünfte erteilen. 3 Fotos: Schubert&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fortsetzung von Seite 330&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottes“. Dr. Parviz {{Sperrsatz|Mehrain}} entwarf vor den Zuhörern ein Bild über&lt;br /&gt;
„‘Abdu’l-Bahá im Dienste der Menschheit“. Am gleichen Tage wurde in&lt;br /&gt;
Stuttgart eine Ausstellung eröffnet unter dem Titel: „100 Jahre &lt;br /&gt;
Bahá’í-Weltreligion — Vor 50 Jahren ‘Abdu’l-Bahá in Deutschland“. &lt;br /&gt;
Sie vermittelte anhand von zahlreichen Fotos, von Dokumenten und &lt;br /&gt;
anderem historischem Material einen Überblick über die Entwicklung &lt;br /&gt;
und die stete Ausbreitung des Bahá’í-Glaubens seit dem Jahr 1863, &lt;br /&gt;
und sie führte auch in die Tage zurück, da ‘Abdu’l-Bahá in Stuttgart &lt;br /&gt;
und Eßlingen weilte. Die Ausstellung war eine Woche lang zu sehen; &lt;br /&gt;
anschließend ging sie in verschiedene andere westdeutsche Städte. &lt;br /&gt;
Allgemein fanden die öffentlichen Gedächtnis-Veranstaltungen in &lt;br /&gt;
der Presse ein gutes Echo. Zahlreiche deutsche Zeitungen berichteten &lt;br /&gt;
über die Jubiläumstage der Bahá’í, wobei fast durchweg auch auf den &lt;br /&gt;
Weltkongreß in London eingegangen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 7022 Leinfelden, Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 35 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: Ulrich Peter Rommel, 73 Eßlingen, Hindenburgstraße 161; Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —.80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an Bahá’í-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstr. 24, Postscheckkonto &lt;br /&gt;
Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 12/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = April 1963&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 11/Text|Heft 11]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 13/Text|Heft 13]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|283|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=1}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vor 50 Jahren ‘Abdu’l-Bahás Besuch in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dieser Zeit beginnt ein neuer Zyklus.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alle Horizonte der Welt sind erleuchtet, und&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;die Erde wird in der Tat ein Garten und ein Paradies werden.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stunde der Einigung der Menschenkinder, der&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vereinigung aller Rassen und Klassen ist angebrochen.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Gabe Gottes für dieses erleuchtete Zeitalter ist die&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erkenntnis der Einheit des Menschengeschlechts und&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;der grundsätzlichen Einheit der Religion.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg wird aufhören und&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;durch den Willen {{Sperrsatz|Gottes}}&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;der höchste und größte {{Sperrsatz|Friede}} kommen:&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Welt wird als eine neue Welt erscheinen und&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;alle Menschen werden leben wie Brüder.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
April 1963&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|284|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
{{page|285|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freuet euch, freuet euch über die Frohen Botschaften! Ihr seid zum Licht des Königreichs gelangt! Die Herrlichkeit der Sonne der Wahrheit leuchtet überall. Ihre Strahlen verbreiten sich über die ganze Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freuet euch, freuet euch! Der Ruf Gottes ist erschallt! Die Stimme des Königreichs ist in die lauschenden Ohren des Volkes gedrungen|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freuet euch, freuet euch! Frohe Botschaften, frohe Botschaften sende Ich euch. Die Pforten des Königreichs sind geöffnet. Das himmlische Manna ist herabgekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freuet euch, freuet euch! Es wurden viele himmlische Botschafter in die Welt gesandt, sie kamen einer nach dem andern, alle gaben den Hauch des Heiligen Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Preis sei Gott! Preis sei Gott! daß ihr eure Gesichter dem Königreich zugewandt habt. Die Strahlen der Sonne der Wahrheit erleuchten euch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Strebet mit Herz und Seele danach, daß das göttliche Licht über alle Menschen ausgegossen wird, damit dadurch jedes Herz erleuchtet werde und die Geister der menschlichen Rasse an Seinem herrlichen Glanz teilnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet und mühet euch, bis alle Regionen der Welt in diesem Licht erstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fürchtet euch nicht, wenn gewisse Trübsale über euch kommen. Ihr werdet kritisiert werden, ihr werdet verfolgt werden, ihr werdet verflucht und geschmäht werden. Erinnert euch in jenen Tagen, was Ich euch sage: Euer Triumph wird euch gewiß sein! Eure Herzen werden gefüllt sein mit der Freude der heiligen Erleuchtung, denn die himmlischen Kräfte werden euch aufrecht erhalten, und die göttliche Macht wird mit euch sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dies ist Meine Botschaft an euch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{Botschaft an die Bahá’í in Stuttgart vom 3. Dezember 1911)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|286|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Mittelpunkt des Bündnisses===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ein roter Faden zieht sich durch die Religionsgeschichte der &lt;br /&gt;
Bündnisgedanke: die Idee, daß Gott durch Seine Offenbarer einen Bund mit&lt;br /&gt;
den Menschen schließt, um ihnen dadurch Seinen Schutz und Trost, Seine&lt;br /&gt;
Erkenntnis, Führung, Erziehung und Erlösung zuteil werden zu lassen.&lt;br /&gt;
Dagegen fordert Er im Rahmen dieses Bündnisses von den Menschen Gehorsam &lt;br /&gt;
gegen die Gebote, die Er ihnen durch Seine Gesandten übermittelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies sind in wenigen Worten die Grundzüge der tiefsten und &lt;br /&gt;
bedeutungsschwersten Erscheinung des religiösen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den verschiedenen Offenbarungen, die uns Heutigen bekannt sind,&lt;br /&gt;
tritt diese Erscheinung mit wechselnder Deutlichkeit zutage — am &lt;br /&gt;
stärksten bei den Zentralgestalten der von Muhammad so genannten &lt;br /&gt;
„Buchreligionen“ Judentum, Christentum und Islam. Hier verfolgen wir auch,&lt;br /&gt;
wenn wir uns zu einer vorurteilslosen Betrachtung durchgerungen haben,&lt;br /&gt;
die dem Bündnisgedanken innewohnende {{Sperrsatz|Dynamik}} und Kontinuität:&lt;br /&gt;
Jede der Manifestationen Gottes baute mit an dem „Größeren Bündnis“,&lt;br /&gt;
dem göttlichen Erziehungs- und Heilsplan für die Menschheit, und schloß&lt;br /&gt;
mit Ihren Anhängern ein besonderes Bündnis hinsichtlich des Gottgesandten, &lt;br /&gt;
Der als Nächster kommen werde, wie auch im Hinblick auf die Zeit&lt;br /&gt;
des Endes, den Abschluß dieses Offenbarungszyklus, der jetzt in unseren&lt;br /&gt;
Tagen Wirklichkeit geworden ist. Drittens schloß jeder Gesandte Gottes&lt;br /&gt;
ein „kleineres Bündnis“ über den Schutz und die Leitung der Gottessache&lt;br /&gt;
in Seinem eigenen Zeitalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Qur’án und in der Genesis finden wir viele Berichte darüber, wie die&lt;br /&gt;
Boten Gottes zu den Menschen dieser oder jener Stadt oder Landschaft&lt;br /&gt;
kamen, keine Beachtung fanden und von Gott mit schlimmen Heimsuchungen &lt;br /&gt;
gerächt wurden. Die Menschen waren nicht auf den ihnen angetragenen Bund &lt;br /&gt;
mit Gott eingegangen. Das Volk Israel dagegen entwickelte eine der &lt;br /&gt;
führenden Kulturen der Frühzeit, so lange es sich ganz&lt;br /&gt;
der Führung Gottes und Seinen Geboten unterstellte. Als es sich später&lt;br /&gt;
gegen dieses Bündnis verging, schwanden Macht, Einfluß und Wohlstand&lt;br /&gt;
rasch dahin&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der ausgeprägten Gesetzesreligion, die Moses offenbarte, lag das&lt;br /&gt;
Schwergewicht der Autorität so sehr auf dem Wort, den Moses von Gott&lt;br /&gt;
im Sinai übermittelten Gesetzestafeln und der Niederschrift der alten&lt;br /&gt;
Überlieferungen vom Leben und Wirken der Erzväter, daß eine &lt;br /&gt;
langfristige Regelung der Nachfolge des Propheten nicht vonnöten&lt;br /&gt;
schien. Auf Moses und Josua folgten zunächst Richter als Führer des &lt;br /&gt;
Volkes; wenn wir nach unseren heutigen Begriffen urteilen dürfen, können&lt;br /&gt;
wir sagen, daß das Gesetz so klar und umfassend war, daß es eigentlich&lt;br /&gt;
nur der auslegenden Anwendung auf die jeweilige Lebenssituation bedurfte. &lt;br /&gt;
Erst Jahrhunderte später kamen Könige ans Ruder: Saul, David,&lt;br /&gt;
Salomo. Unmittelbar nach dieser Blütezeit setzte auch schon der Verfall&lt;br /&gt;
ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders war es bei Jesus Christus. Die kurze Zeit Seines irdischen Wirkens, &lt;br /&gt;
die fast völlig ausbleibende Resonanz Seiner Lehren in den gebildeten &lt;br /&gt;
{{page|287|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|288|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Schichten des Volkes, das Fehlen schriftlicher Aufzeichnungen, die&lt;br /&gt;
enge Verknüpfung der neuen Botschaft mit Seinem eigenen beispielhaften&lt;br /&gt;
Leben erforderten eine persönliche Nachfolge. So fiel das Wort von Petrus,&lt;br /&gt;
dem Felsen, auf den Er Seine Gemeinde bauen wollte, und der Auftrag,&lt;br /&gt;
unter allen Völkern zu lehren, erging an die Apostel. Die gesetzgeberische&lt;br /&gt;
Funktion des Gottgesandten trat in den Hintergrund vor der Gnadenfülle&lt;br /&gt;
von Liebe und Erlösung, die aus Seiner Offenbarung strömte. Die Gemeinschaft &lt;br /&gt;
der Gläubigen entwickelte sich als Kirche zu einer von der&lt;br /&gt;
politischen Gewalt losgelösten Macht, einem Staat im Staate, was nach&lt;br /&gt;
der Spaltung des römischen Weltreichs und der Ablehnung Muhammads,&lt;br /&gt;
des verheißenen Parakleten („Herbeigerufener, Fürsprecher“), zu der &lt;br /&gt;
verhängnisvollen Kluft zwischen Kirche und Staat führte, die die ganze&lt;br /&gt;
abendländische Geschichte hindurch nie dauerhaft geschlossen werden&lt;br /&gt;
konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad seinerseits war wie Moses nicht nur Prophet, sondern zugleich &lt;br /&gt;
Herrscher, nachdem Er von Mekka nach Medina ausgewandert war.&lt;br /&gt;
Und wie das Judentum ist der Islam in erster Linie eine Gesetzesreligion.&lt;br /&gt;
Das im Qur’án niedergeschriebene Wort Gottes ist die Grundlage des&lt;br /&gt;
Staatslebens. Über die Nachfolge des Propheten finden sich keine &lt;br /&gt;
geoffenbarten Äußerungen. Bei mehreren Gelegenheiten hatte Muhammad Seinen&lt;br /&gt;
Vetter und Schwiegersohn ‘Ali vor den versammelten Gläubigen zu Seinem &lt;br /&gt;
Nachfolger ernannt. Auf dem Sterbebett verlangte der Prophet nach&lt;br /&gt;
Schreibzeug, um Seinen letzten Willen niederzulegen, aber ‘Umar, der&lt;br /&gt;
spätere zweite Kalif, widersetzte sich: „Wir haben ja Gottes Buch; das ist&lt;br /&gt;
genug“, sagte er und brachte damit sicherlich die Ansicht eines großen Teils&lt;br /&gt;
der Gläubigen zum Ausdruck. Tatsächlich umschlossen das im Qur’án &lt;br /&gt;
geoffenbarte Wort Gottes und die zunächst in der Erinnerung der Gefährten&lt;br /&gt;
festgehaltenen, später aufgezeichneten Äußerungen und Entscheidungen&lt;br /&gt;
des Propheten alle nur denkbaren Lebensprobleme der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
Auch hatte das Prinzip der Beratung große Bedeutung in der Urgemeinde&lt;br /&gt;
des Islam. So konnte der oberflächliche Eindruck entstehen, daß die &lt;br /&gt;
Führung der Gemeinschaft am besten durch einen Kalifen, einen „Nachfolger“&lt;br /&gt;
wahrgenommen würde, dem durch Zuruf das Vertrauen aller Gläubigen&lt;br /&gt;
bekundet wird. Auf diese Weise kamen Abû Bakr und ‘Umar als die beiden &lt;br /&gt;
ersten Kalifen an die Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dies war nicht, was Muhammad erklärtermaßen wollte und was in&lt;br /&gt;
gewissen Prophezeiungen des Alten Testaments schon angedeutet war.&lt;br /&gt;
Wenn er ‘Alí zu Seinem Nachfolger bestimmte — Er selbst hatte keinen&lt;br /&gt;
eigenen Sohn — dachte Er an das, was später als Imámat oder Viláyat&lt;br /&gt;
(Hütertum) gekennzeichnet wurde, nämlich, daß die Glaubensgemeinschaft&lt;br /&gt;
durch ein würdiges geistiges Oberhaupt geleitet wird, für dessen göttliche&lt;br /&gt;
Inspiration die direkte Abstammung vom Propheten Selbst Gewähr bietet.&lt;br /&gt;
Diesem Imám sollte insbesondere die Aufgabe der Auslegung der heiligen&lt;br /&gt;
Schriften, der letzten Entscheidung in allen Glaubensfragen von &lt;br /&gt;
allgemeiner Tragweite vorbehalten bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit kam ‘Alí, der sich bewußt zurückhielt, um die Einheit&lt;br /&gt;
des Islam nicht zu stören, erst als vierter Kalif an die Macht, nachdem sich&lt;br /&gt;
‘Uthmán, sein Vorgänger, als unfähig erwiesen hatte und von der verärgerten &lt;br /&gt;
Volksmenge umgebracht worden war. Aber gerade unter ‘Uthmán, &lt;br /&gt;
{{page|289|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
der alle öffentlichen Ämter mit seinen Verwandten und Freunden&lt;br /&gt;
besetzte, hatten sich die Gegenkräfte fest eingenistet, unter der Führung&lt;br /&gt;
der ‘Umayyaden, der herrschenden Sippe in Mekka, die einst Muhammad&lt;br /&gt;
so bitter verfolgt und bekriegt hatte, bis sie von Ihm überwunden und&lt;br /&gt;
durch Seine gütige Verzeihung für den neuen Glauben gewonnen worden&lt;br /&gt;
war. ‘Alí wurde, nachdem er anfänglich siegreich gegen die Aufrührer &lt;br /&gt;
gekämpft hatte, 661 ermordet. Daraufhin etablierte sich der ‘Umayyade&lt;br /&gt;
Mu’áviyyih als Kalif, verlegte die Hauptstadt von Medina nach Damaskus&lt;br /&gt;
und sorgte dafür, daß sich die Herrschaft unter seinen unwürdigen &lt;br /&gt;
Nachkommen fortvererbte. &amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde der Islam gespalten. Die Shí‘ah, die „Partei“ ‘Alís, verehrte&lt;br /&gt;
die Imáme als göttlich bestimmte, göttlich geführte, makellose geistige&lt;br /&gt;
Führer der Gemeinschaft. Aber nur im persischen Raum konnte die Shí‘ah&lt;br /&gt;
bestehen, auf dem Boden eines jahrtausendealten Kultur- und &lt;br /&gt;
Geschichtsbewußtseins; hier entfalteten sich in der Folge auch &lt;br /&gt;
Philosophie und Dichtung &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seine Heiligkeit Abraham — Friede sei auf Ihm — errichtete einen Bund hinsichtlich Seiner Heiligkeit Mose und gab die frohe Botschaft Seines Kommens. Seine Heiligkeit Moses errichtete ein Bündnis hinsichtlich des Verheißenen, d. i. Seiner Heiligkeit Christi, und verkündete der Welt die gute Kunde Seiner Offenbarung. Seine Heiligkeit Christus errichtete ein Bündnis hinsichtlich des „Trösters“ (des Parakleten) und gab die Botschaft Seines Kommens. Seine Heiligkeit der Prophet Muhammad errichtete ein Bündnis hinsichtlich Seiner Heiligkeit des Báb, und der Báb war der von Muhammad Verheißene; denn Muhammad gab die Botschaft Seines Kommens. Der Báb errichtete ein Bündnis hinsichtlich der Gesegneten Schönheit Bahá’u’lláh und verkündete die frohe Botschaft Seines Kommens; denn die Gesegnete Schönheit war Der, Den Seine Heiligkeit der Báb verheißen hatte, Bahá’u’lláh errichtete ein Bündnis hinsichtlich des Verheißenen, Der in tausend oder Tausenden von Jahren offenbar werden wird. Und gleicherweise errichtete Er mit Seiner Höchsten Feder ein großes Bündnis und Testament mit allen Bahá’í, durch das ihnen allen anbefohlen wurde, nach Seinem Hinscheiden dem Mittelpunkt des Bündnisses zu folgen und nicht um Haaresbreite vom Gehorsam, den sie Ihm erzeigen sollten, abzuweichen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(„Bahá’í World Faith“, p. 358)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|290|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
zu höchster Blüte. Alle zwölf Imáme wurden ermordet, vielleicht mit&lt;br /&gt;
Ausnahme des letzten, der als Kind 260 nach der Hijra starb. Ihm folgten&lt;br /&gt;
69 Jahre lang vier „Tore“, die als seine Mittelsmänner anerkannt wurden.&lt;br /&gt;
Dann herrschte Stille im schiitischen Islam bis zum Auftreten des Báb&lt;br /&gt;
1260 n. d. H., 1844 n. Chr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser kurz Rückblick in die Religionsgeschichte ist unerläßlich, wenn&lt;br /&gt;
wir die Stufe und die Bedeutung ‘Abdu’l-Bahás als des „Mittelpunktes des&lt;br /&gt;
Bündnisses“ ermessen wollen. Es geht nicht nur um die Kontinuität der&lt;br /&gt;
göttlichen Offenbarungshandlungen in der uns bekannten Menschheitsgeschichte, &lt;br /&gt;
es geht hier um die Grundlagen dessen, was einmal von der breitesten &lt;br /&gt;
Weltöffentlichkeit als die Ansatzpunkte des jahrtausendelang verheißenen &lt;br /&gt;
„Reiches Gottes auf Erden“ erkannt werden muß. Insbesondere&lt;br /&gt;
aber kommt es uns auf die Erkenntnisse an, die wir aus der bisherigen&lt;br /&gt;
Weltgeschichte und insbesondere der Frühgeschichte des Islam sowohl wie&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Offenbarung ableiten müssen: Wenn wir von der — in zunehmendem &lt;br /&gt;
Maße auch von Wissenschaftlern und Geschichtsphilosophen bestätigten — These &lt;br /&gt;
ausgehen, daß das religiöse Offenbarungsgeschehen der&lt;br /&gt;
Weltgeschichte die entscheidenden Impulse verleiht, kommen wir zu dem&lt;br /&gt;
Schluß, daß dabei vor allem die Wirksamkeit der Persönlichkeiten ins &lt;br /&gt;
Gewicht fällt, die dem Offenbarer am nächsten stehen. Ein Paulus konnte&lt;br /&gt;
dem Christentum eine Richtung geben, die zu der jüdischen Tradition im&lt;br /&gt;
Gegensatz stand und das Moment der Erlösung durch das Opfer Christi&lt;br /&gt;
in den Vordergrund stellte. Das Unverständnis der meisten Gefährten &lt;br /&gt;
Muhammads für die Stufe des Imám als des geistigen Trägers Seines &lt;br /&gt;
Gottesbündnisses hat die Geschichte des Islam und damit die der ganzen &lt;br /&gt;
Neuzeit aufs schwerste belastet. Wir entnehmen daraus auch für unsere &lt;br /&gt;
ureigene Tätigkeit, daß die Verantwortung des gläubigen Menschen umso&lt;br /&gt;
größer ist, je näher er dem Wirken einer Gottesoffenbarung steht. Wir&lt;br /&gt;
können den Vergleich zur Biologie wagen: Es sind die ersten Zellen und&lt;br /&gt;
die in ihnen schlummernden Kräfte, die die spätere Entwicklung eines&lt;br /&gt;
Organismus entscheidend vorausbestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb hatte vorausgesagt, daß „Der, Den Gott offenbaren wird“, Sich&lt;br /&gt;
binnen kurzem erklärte. Entsprechend hatte Er auch vor Seinem &lt;br /&gt;
Märtyrertod keinen Nachfolger eingesetzt, sondern nur einen vorübergehenden &lt;br /&gt;
Sachwalter, Mírzá Yahyá, einen Halbbruder Bahá’u’lláhs. Als Sich&lt;br /&gt;
nun Bahá’u’lláh 1863 in Baghdád öffentlich als der Verheißene aller &lt;br /&gt;
Religionen, als die „Herrlichkeit Gottes“ erklärte, konnte es nicht ausbleiben,&lt;br /&gt;
daß einige Bábi Seinen Anspruch ablehnten; sie scharten sich um Mírzá Yahyá, &lt;br /&gt;
der sich in den folgenden Jahren in der schlimmsten Weise gegen&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh verging und Ihm sogar nach dem Leben trachtete. Bahá’u’lláh &lt;br /&gt;
und Seine Gefährten wurden nach ‘Akká verbannt, Mírzá Yahyá nach&lt;br /&gt;
Zypern. Seine Anhängerschaft, die „Azalí“, verlief sich allmählich, &lt;br /&gt;
nachdem ihr Anführer ein ruhmloses Ende genommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh Selbst errichtete vor Seinem Hinscheiden in Seinem „Buch&lt;br /&gt;
des Bundes“ eine feste Brücke vom Göttlichen zu jedem einzelnen Gläubigen. &lt;br /&gt;
Dabei ernannte Er ‘Abdu’l-Bahá zum „Mittelpunkt des Bundes“,&lt;br /&gt;
{{page|291|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
zum Haupt und Vorbild der Bahá’í, zum ermächtigten Ausleger Seiner&lt;br /&gt;
Lehren, nachdem Er ‘Abdu’l-Bahá schon früher als „das Geheimnis Gottes“ &lt;br /&gt;
und als „eine Zuflucht für die ganze Menschheit“ bezeichnet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ohne Vorgang in der Religionsgeschichte, daß einem Offenbarer&lt;br /&gt;
Gottes ein mit allen Gaben göttlicher Inspiration begnadeter Sohn nachfolgt, &lt;br /&gt;
Der völlig von dem Geist und den Lehren Seines Vaters durchdrungen &lt;br /&gt;
ist, alle menschlichen Vollkommenheiten in so hohem Maße in Sich&lt;br /&gt;
vereinigt und in Seiner Stellung nicht nur durch jahrzehntelange Dienste&lt;br /&gt;
an der Sache Seines Vaters, sondern auch durch eine Reihe unzweideutiger&lt;br /&gt;
Dokumente bestätigt wird. Und doch blieb es — gerade wegen dieser &lt;br /&gt;
Einmaligkeit Seiner Stufe — nicht aus, daß ‘Abdu’l-Bahá zunächst von dem&lt;br /&gt;
größten Teil Seiner eigenen Verwandtschaft und von einer nicht geringen&lt;br /&gt;
Anzahl von Gläubigen abgelehnt und angefeindet wurde. Diese Bündnisbrecher &lt;br /&gt;
scharten sich um den neidischen und eifersüchtigen Mírzá Muhammad-‘Alí, &lt;br /&gt;
einen Halbbruder ‘Abdu’l-Bahás, der die Frechheit besaß,&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá ins Gesicht zu schleudern, er fühle genau dieselben Fähigkeiten &lt;br /&gt;
in sich wie ‘Umar, der die Nachfolge des Propheten Muhammad an&lt;br /&gt;
sich gerissen hatte. Erst nach etwa vier Jahren konnte Sich ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
gegen die Verleumdungen und Machenschaften dieser Bündnisbrecher&lt;br /&gt;
durchsetzen, aber noch Jahre danach wurde die Entwicklung des Glaubens&lt;br /&gt;
durch diese schwere Krise gehemmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir heute auf das Lebenswerk ‘Abdu’l-Bahás zurückblicken, kann&lt;br /&gt;
es für uns keinen Zweifel geben, daß dieses Leben eine einzige große&lt;br /&gt;
selbstlose Aufgabenerfüllung im Dienste Bahá’u’lláhs war. Ob es sich nun&lt;br /&gt;
um die eigentliche Lehrarbeit handelte — die Einführung des Glaubens&lt;br /&gt;
in Amerika, seine Verbreitung in Europa und im Rahmen des „Göttlichen&lt;br /&gt;
Planes“ von Amerika über die ganze übrige Welt — oder um die Beantwortung &lt;br /&gt;
der ungezählten Fragen, die schriftlich und mündlich ohne Unterlaß an &lt;br /&gt;
Ihn gestellt wurden, ob bei Seinen mehrjährigen Reisen in den Westen &lt;br /&gt;
oder beim Aufbau der ersten Ansatzpunkte der Verwaltungsordnung des &lt;br /&gt;
Glaubens — es gab kein Wort, keine Entscheidung, keine Handlung, &lt;br /&gt;
die nicht direkt aus der Offenbarung Bahá’u’lláhs geschöpft worden&lt;br /&gt;
wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte sich die heutige Bahá’í-Gemeinschaft ohne das aufopfernde&lt;br /&gt;
Wirken ‘Abdu’l-Bahás nicht vorstellen. Was den größten Einfluß auf die&lt;br /&gt;
ganze Zukunft der Gottessache hat, sind insbesondere „Wille und Testament“ &lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás, worin die von Bahá’u’lláh geschaffenen Gemeinschaftseinrichtungen &lt;br /&gt;
zu einem göttlich verordneten administrativen System gefügt werden, welches &lt;br /&gt;
unvergleichlich mit bisherigen Gesellschaftssystemen, „die in jedem einzelnen &lt;br /&gt;
von ihnen zu findenden wohltätigen Bestandteile verkörpert und vereinigt“.&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
Zum Beispiel gelten die Grundsätze demokratischer Wahl auf der Basis eines im Geist &lt;br /&gt;
der Gottesliebe geläuterten Wahlbewußtseins und emporgeführt bis zu einem &lt;br /&gt;
„Parlament“ von weltweitem Wirkungsbereich, dem „Universalen Haus der Gerechtigkeit“, &lt;br /&gt;
{{page|292|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
das die erste religiöse Menschheitsvertretung sein wird, die nicht&lt;br /&gt;
von Regierungen oder anderen nationalen Repräsentanten, sondern durch&lt;br /&gt;
die Mitglieder nationaler Bahá’í-Institutionen als Abgeordnete ihrer &lt;br /&gt;
Länder gewählt wird; andererseits auch der Grundsatz, daß die gewählten&lt;br /&gt;
Ratsmitglieder nicht den Wählenden, sondern einzig Gott verantwortlich&lt;br /&gt;
sind, daß also die Gewalt nicht vom „Volk“ ausgeht, sondern von Gott,&lt;br /&gt;
Der Sich bei der Ermittlung der Träger Seiner Macht des Volkes bedient;&lt;br /&gt;
schließlich die hohe Institution des Hütertums, in dem sich das monarchische &lt;br /&gt;
Prinzip verkörpert: das Amt des bevollmächtigten Auslegers der&lt;br /&gt;
heiligen Schriften und Gebote und des ständigen Vorsitzenden des Universalen &lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit. Diese und zahllose andere Grundsätze&lt;br /&gt;
sind im Willen und Testament ‘Abdu’l-Bahás zu einem organischen &lt;br /&gt;
Ganzen vereint, das sehr wohl den Anspruch erheben kann, das Modell &lt;br /&gt;
und der Keim einer neuen Weltordnung zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uns allen bleibt die Verpflichtung, im Geiste dieses Bündnisses zu &lt;br /&gt;
wirken — nach dem Beispiel Shoghi Effendis, des ersten Hüters der Sache&lt;br /&gt;
Gottes — um einer zerrütteten Welt den Weg zu ihrer Errettung zu zeigen,&lt;br /&gt;
zur Erfüllung des göttlichen Befehls, die geistige Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
zu verwirklichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Peter Mühlschlegel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. ‘Abdu’l-Bahá, „Das Geheimnis göttlicher Kultur“, BAHA’I-BRIEFE Heft 6/Okt. 1961, S. 133 ff.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl, Marzieh Gail, „Der Islam. Eine Einführung in sechs Kapiteln“, 19-Tage-Brief &lt;br /&gt;
Nr. 5/115, 5.6.58, S. 9 ff.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Shoghi Effendi: „Die Sendung Bahá’u’lláhs“, S. 71.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===‘Abdu’l-Bahás Reisen nach Europa und Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Bahá’í-Religion in der westlichen Welt zu Beginn&lt;br /&gt;
dieses Jahrhunderts ist, wie Shoghi Effendi, der erste Hüter der &lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion in seinem Buch „Gott geht vorüber“ schreibt, die wichtigste &lt;br /&gt;
Errungenschaft, die für immer mit der Zeit des Wirkens ‘Abdu’l-Bahás verbunden &lt;br /&gt;
bleiben wird. Zum erstenmal seit der Entstehung der Bahá’í-Religion hatte ihr &lt;br /&gt;
Oberhaupt, so lesen wir bei Shoghi Effendi, die Ketten zerbrochen, die während &lt;br /&gt;
der gesamten Wirkungszeit des Báb und Bahá’u’lláhs Ihre Freiheit so sehr in &lt;br /&gt;
Fesseln gelegt hatten. Nach Seiner Befreiung im Jahr 1908 genoß ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
eine Handlungsfreiheit, die Ihm, mit Ausnahme der Kriegsjahre 1914—1918, &lt;br /&gt;
bis zu Seinem Tode im Jahr 1921 verblieb. Im Mittelpunkt dieses &lt;br /&gt;
segensreichen Wirkens standen die Reisen, die ‘Abdu’l-Bahá in den &lt;br /&gt;
Jahren 1911—1913 nach Europa und Nordamerika unternahm. Er hatte &lt;br /&gt;
sich nicht nur aufgemacht, um in einigen Hauptstädten Europas &lt;br /&gt;
und in zahlreichen Zentren der USA von Kanzel und Rednerpult &lt;br /&gt;
aus den Menschen den neuen Glauben, die Bahá’í-Religion zu &lt;br /&gt;
verkünden und zu interpretieren, sondern Er legte immer&lt;br /&gt;
auch den göttlichen Ursprung der früheren Propheten dar &lt;br /&gt;
und wies auf die Art der Verbindung hin, die zwischen Ihnen &lt;br /&gt;
und dem neuen Glauben bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im August des Jahres 1911 betrat ‘Abdu’l-Bahá in Marseille erstmals&lt;br /&gt;
europäischen Boden. Über Thonon-les-Bains reiste Er nach London, wo&lt;br /&gt;
Er am 4. September eintraf. Nach rund vierwöchigem Aufenthalt reiste Er&lt;br /&gt;
weiter nach Paris; im Dezember jenes Jahres kehrte Er nach Ägypten &lt;br /&gt;
{{page|293|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
zurück. Am 25. März 1912 brach ‘Abdu’l-Bahá zu Seiner epochemachenden&lt;br /&gt;
Reise nach den USA auf. An Bord des Dampfers „Cedric“ traf Er am&lt;br /&gt;
11. April in New York ein. Acht Monate währte Seine Lehrreise durch die&lt;br /&gt;
Staaten, in deren Verlauf Er auch in Wilmette den Grundstein zum ersten&lt;br /&gt;
Bahá’í-Tempel in der westlichen Welt legte. Am 5. Dezember 1912 verließ&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá an Bord der „Celtic“ New York und fuhr nach Liverpool;&lt;br /&gt;
von dort mit der Bahn weiter nach London. Später besuchte Er Oxford,&lt;br /&gt;
Edinburgh und Bristol. Am 21. Januar 1913 fuhr ‘Abdu’l-Bahá nach Paris;&lt;br /&gt;
Er reiste dort am 30. März nach Stuttgart ab. Am 9. April fuhr Er nach&lt;br /&gt;
Budapest, neun Tage später besuchte Er Wien und kehrte über Stuttgart&lt;br /&gt;
wieder zurück nach Paris. Am 13. Juni 1913 verließ ‘Abdu’l-Bahá an Bord&lt;br /&gt;
der „Himalaya“ wieder Westeuropa. Nach einem längeren Aufenthalt in&lt;br /&gt;
Ägypten beendete Er am 5. Dezember 1913 Seine historischen Reisen in&lt;br /&gt;
Haifa,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Reisen lesen wir in dem bereits erwähnten Buch von Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi „Gott geht vorüber“: „Im Verlauf dieser epochemachenden Reisen &lt;br /&gt;
legte ‘Abdu’l-Bahá vor großen und bedeutsamen Versammlungen,&lt;br /&gt;
denen zuweilen bis zu tausend Menschen beiwohnten, mit wunderbarer&lt;br /&gt;
Einfachheit und großer Überzeugungskraft zum erstenmal seit der &lt;br /&gt;
Übernahme Seines Amtes die grundlegenden Prinzipien der von Seinem &lt;br /&gt;
Vater begründeten Religion dar, die zusammen mit den Gesetzen und den &lt;br /&gt;
Verordnungen, wie sie im Kitáb-i-Aqdas niedergelegt sind, den Grundstock&lt;br /&gt;
der neuen Offenbarung Gottes an die Menschheit bilden ... Die Darlegung&lt;br /&gt;
der wesentlichsten Wahrheiten der Bahá’í-Religion, die Er als den ‚Geist&lt;br /&gt;
des Zeitalters‘ bezeichnete, ergänzte Er noch durch eindringliche, &lt;br /&gt;
wiederholte Warnungen vor einem drohenden Weltbrand, der, wenn die Staatsmänner &lt;br /&gt;
ihn nicht abwenden würden, den ganzen europäischen Kontinent&lt;br /&gt;
in Flammen setzen würde ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieser Reisen entfaltete ‘Abdu’l-Bahá eine Vitalität, einen Mut,&lt;br /&gt;
eine Zielstrebigkeit und eine Hingabe, daß alle, die das Glück hatten, Ihn&lt;br /&gt;
in Seinem täglichen Wirken aus nächster Nähe beobachten zu dürfen, Ihn&lt;br /&gt;
darob bewunderten und verehrten. Als die Verkörperung jeglicher Bahá’í-Tugend &lt;br /&gt;
und jeglichen Ideals rief Er drei volle Jahre lang unaufhörlich&lt;br /&gt;
einer im Materialismus versunkenen und schon im Schatten des Krieges&lt;br /&gt;
stehenden Welt die göttlichen Heilsbotschaften zu, welche die Offenbarung&lt;br /&gt;
Seines Vaters enthält... Tag um Tag widmete Er Seine ganze Kraft von&lt;br /&gt;
früh bis spät Seiner Arbeit... Er achtete dabei nicht der Angriffe, welche&lt;br /&gt;
die wachsamen fanatischen Vertreter der Orthodoxie und der verschiedenen &lt;br /&gt;
Sekten gegen Ihn richteten. Es war wundervoll, wie Er... mit einer&lt;br /&gt;
Freimütigkeit ohnegleichen den Juden die prophetische Sendung Jesu&lt;br /&gt;
Christi bewies, wie Er in Kirchen und Synagogen den göttlichen Ursprung&lt;br /&gt;
des Islam oder den Materialisten, Atheisten und Agnostikern die Wahrheit&lt;br /&gt;
der göttlichen Offenbarung und die Notwendigkeit der Religion darlegte.&lt;br /&gt;
Er sprach jederzeit auch in den Kirchen der Sekten und sonstiger Bekenntnisse &lt;br /&gt;
unmißverständlich von der Herrlichkeit Bahá’u’lláhs ... Seine&lt;br /&gt;
Liebe und Güte erstreckte sich auf alle, die mit Ihm im engen Kreis oder&lt;br /&gt;
auch nur zufällig zusammenkamen ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und an anderer Stelle lesen wir bei Shoghi Effendi: „... Wie die Sonne&lt;br /&gt;
der Offenbarung Bahá’u’lláhs zur Stunde der Verkündung Seiner &lt;br /&gt;
{{page|294|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
Botschaft in Adrianopel an alle Herrscher der Welt in ihrem höchsten Glanz&lt;br /&gt;
erstrahlte, so erreichte das Gestirn Seines Bündnisses seinen Zenit und&lt;br /&gt;
ergoß sein strahlendstes Licht, als Er, Der sein erwählter Mittelpunkt&lt;br /&gt;
war, Sich aufmachte, um den Völkern des Westens die Herrlichkeit und&lt;br /&gt;
Größe der Religion Seines Vaters zu schildern. Die historischen Reisen&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás nach dem Westen ... kann man wohl als den Höhepunkt&lt;br /&gt;
Seiner Tätigkeit bezeichnen, einer Tätigkeit, deren unaussprechliche &lt;br /&gt;
Segnungen und deren erstaunliche Erfolge erst spätere Geschlechter &lt;br /&gt;
gebührend würdigen können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;Abdu’l-Bahá in Stuttgart===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aus Tagebuchnotizen von Frau Alice Schwarz&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Über die Zeit, da ‘Abdu’l-Bahá in Stuttgart weilte, hat eine der ältesten heute noch lebenden deutschen Bahá’í, Frau Alice {{Sperrsatz|Schwarz}}, ein Tagebuch angelegt. Ihren Erinnerungen an des Meisters Aufenthalt im Schwabenland hat sie den Titel: „Lausche den Worten des Erleuchteten“ gegeben. Es dürfte sich dabei um die ausführlichsten Aufzeichnungen handeln, die vom Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Deutschland gemacht worden sind, hatten doch Frau Alice Schwarz und ihr Gatte, Konsul Albert Schwarz, während des ganzen Aufenthaltes von ‘Abdu’l-Bahá täglich engsten Kontakt mit dem Meister. Ausschnitte aus den Aufzeichnungen von Frau Alice Schwarz veröffentlichen wir nachstehend. Sie vermitteln wohl am besten die tiefen Eindrücke, die ‘Abdu’l-Bahá in Stuttgart und Eßlingen, dem Er gleichfalls einen kurzen Besuch abgestattet hatte, hinterließ.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá war Ende März 1913 in Stuttgart eingetroffen. Über die&lt;br /&gt;
erste Begegnung schreibt Frau Alice Schwarz:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit bangem Herzen, doch erwartungsvoll, hatten mein Mann, meine&lt;br /&gt;
Tochter Olly und ich der ersten Begegnung mit dem Meister entgegengesehen. &lt;br /&gt;
In der Empfangshalle des Hotels Marquardt erwartete uns Siyyid&lt;br /&gt;
Mahmud Zargani, ein im besten Mannesalter stehender Bahá’í aus Persien;&lt;br /&gt;
er war einer der Sekretäre des Meisters. Nach höflicher Begrüßung &lt;br /&gt;
wurden wir in das Zimmer geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá erhob Sich und forderte uns durch eine Handbewegung&lt;br /&gt;
auf, in Seiner Nähe Platz zu nehmen. Meine Tochter überreichte Ihm einen&lt;br /&gt;
großen Strauß rosafarbener Tulpen, worüber Sich der geliebte Meister&lt;br /&gt;
sichtlich freute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor uns stand ‘Abdu’l-Bahá voll Würde und majestätischer Ruhe. Sein&lt;br /&gt;
Haupt war bedeckt mit einem weißen Turban; die silbergrauen Haare&lt;br /&gt;
reichten bis zur Schulter herab. Blaue Augen, erfüllt von Liebe, leuchteten&lt;br /&gt;
uns in strahlender Klarheit entgegen. Seine edel geformte Stirn zeugte von&lt;br /&gt;
höchster Vergeistigung. Sein silberweißer Bart fiel bis auf die Brust. Die&lt;br /&gt;
Gesichtsfarbe war hell, mit leichter Tönung. Seine Stimme klang weich,&lt;br /&gt;
{{page|295|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
voll und tief. Er trug eine hellbraune Abá - den wollenen persischen Mantel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese erste Begegnung wirkte gewaltig auf mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ersten Zusammenseins mit dem Meister war ich bis zu&lt;br /&gt;
unserem Weggehen so sehr erschüttert, daß es mir nicht möglich&lt;br /&gt;
war, auch nur ein Wort an Ihn zu richten. Ich fühlte in meinem Innersten: &lt;br /&gt;
Er wird das zu uns sprechen, was gut für uns ist...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Frau Alice Schwarz&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am ersten Tag Seines Aufenthalts in Stuttgart machte ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
gegen Abend eine Fahrt im Auto zu den Anhöhen der Stadt. Als sich&lt;br /&gt;
der Abend herabsenkte, bot sich Ihm auf der Heimfahrt ein zauberhafter&lt;br /&gt;
Anblick; es schien von der Anhöhe aus, als ob die Lichter der Stadt sich&lt;br /&gt;
mit den Sternen des Himmels vereinten — als ob der Himmel sich auf die&lt;br /&gt;
Erde gesenkt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends hielt ‘Abdu’l-Bahá eine Ansprache an die Gläubigen in kleinem&lt;br /&gt;
Kreis. Er reichte jedem die Hand und sprach in inniger Liebe die ersten&lt;br /&gt;
Willkommensworte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Aufenthalt von ‘Abdu’l-Bahá im Hotel Marquardt war dieses&lt;br /&gt;
Haus zu einem „Wallfahrtsort“ der Bahá’í geworden. Frau Alice Schwarz &lt;br /&gt;
erinnert sich hier:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Hotelgäste konnten sich nicht erklären, wie es kommt, daß dieser&lt;br /&gt;
orientalische Greis so viele deutsche Freunde hat. Seine ehrwürdige &lt;br /&gt;
Erscheinung hinterließ überall den tiefsten Eindruck. So empfing mancher&lt;br /&gt;
Fernstehende, wenn auch nur flüchtig, Kunde von der weltweiten Lehre&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. April 1913 besuchte ‘Abdu’l-Bahá die Bahá’í-Gemeinde in Eßlingen, &lt;br /&gt;
wo schon seit langem Fräulein Anna Köstlin die Bahá’í-Kinder mit&lt;br /&gt;
der Heiligen Lehre vertraut gemacht hatte. Der Meister hatte am Nachmittag &lt;br /&gt;
dieses Tages Stuttgart mit dem Wagen verlassen. Um Ihm eine&lt;br /&gt;
Freude zu bereiten, nahm man den Weg nach Eßlingen durch das blühende&lt;br /&gt;
Land über das Jägerhaus, einen Ausflugsort am Waldrand auf den Höhen&lt;br /&gt;
um Eßlingen. Der Frühling war mit aller Pracht ins Land gezogen, die&lt;br /&gt;
Kirschen standen in üppiger Blüte. Auf dem hoheitsvollen Antlitz des&lt;br /&gt;
Meisters, so schreibt Frau Schwarz, lag ein Ausdruck stillen Glücks. &lt;br /&gt;
Folgende Tagebuchnotizen über den Eßlinger Besuch ‘Abdu’l-Bahás &lt;br /&gt;
entnehmen wir wieder wörtlich den Erinnerungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Am 4. April 1913 war nun der langersehnte Nachmittag gekommen.&lt;br /&gt;
Gegen 16 Uhr traf ‘Abdu’l-Bahá in Eßlingen ein. Voll Erwartung standen&lt;br /&gt;
die Kinder am Eingang des festlich geschmückten Saals des „Museums“&lt;br /&gt;
(des heutigen Hotels „Reichsstadt“. D. Red.), als Er dem Auto entstieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|296|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch Schloß Bebenhausen stattete ‘Abdu’l-Bahá einen Besuch ab.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anzeige in einer Stuttgarter Zeitung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Gläubige geleiteten Ihn in den Saal. Voll Zutrauen und Liebe&lt;br /&gt;
scharten sich die Kinder um den Meister und reichten Ihm Blumen. Hierbei &lt;br /&gt;
berührte ‘Abdu’l-Bahá die Ihm entgegengestreckten Händchen, liebkoste die &lt;br /&gt;
Ihm Zunächststehenden und beschenkte alle Kinder mit Süßigkeiten. &lt;br /&gt;
Folgenden Segen sprach Er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich bete zu Gott, daß Er diese Kinder segnen möge, daß sie aufblühende Blumen im Reiche Abhás werden, frisch und prangend in herrlichem Blühen, und daß jedes von ihnen von dem Licht Gottes und Seiner Liebe erleuchtet werde. Sie sind Knospen, ihre Herzen sind rein und ihre Seelen von lieblichster Klarheit. Ich hoffe, daß sie sich in der Liebe Gottes entwickeln werden wie Perlen in der Schale.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierauf betrat ‘Abdu’l-Bahá den Festsaal und nahm Seinen reich mit&lt;br /&gt;
{{page|297|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=15}}  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá bei Seinem Besuch in Eßlingen am 4. April 1913.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blumen geschmückten Ehrenplatz ein. Nach dankerfüllten Begrüßungsworten &lt;br /&gt;
richtete Er an die Freunde eine Ansprache.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Frau Schwarz schreibt, betonte der Meister unter anderem, Er sei&lt;br /&gt;
den Freunden in Eßlingen sehr dankbar, daß sie Ihn zu sich gebeten&lt;br /&gt;
hätten. „In Ihren strahlenden Gesichtern erkenne Ich Mein Antlitz wieder.&lt;br /&gt;
Ich bin hochbeglückt, so viele leuchtende Gesichter zu sehen. Dieses &lt;br /&gt;
Beisammensein wird weiterleben in Meiner Erinnerung — in Gedanken wird&lt;br /&gt;
es Mir stets gegenwärtig sein.“ Dies waren, nach den Aufzeichnungen von&lt;br /&gt;
Frau Schwarz, die Worte, die der Meister am Schluß Seiner Ansprache an&lt;br /&gt;
die Eßlinger Freunde richtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann immer die Freunde ‘Abdu’l-Bahá in Seinem Hotel aufsuchten,&lt;br /&gt;
fand Er liebevolle und erklärende Worte über die Sendung Bahá’u’lláhs.&lt;br /&gt;
Er ging dabei auch stets auf die vielen kleinen Nöte und Fragen der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Garten der Villa Wagenburg ließ sich der Meister u.a. im Kreise der männlichen Gläubigen fotografieren (links). — Im Kurpark von Bad Mergentheim wurde dieser Gedenkstein errichtet (rechts).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|298|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch das Haus der Fam. Schweizer in Zuffenhausen besuchte der Meister.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Besucher ein. Nichts schien Ihm unbedeutend zu sein. Frau Schwarz&lt;br /&gt;
schreibt in diesem Zusammenhang unter anderem:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Anwesenden nahmen andächtig Seine Worte auf. Sie waren still&lt;br /&gt;
versunken oder tief bewegt von dem seelischen Erleben, das sich in ihnen&lt;br /&gt;
vollzog — ergriffen von dem gewaltigen Einfluß der Persönlichkeit des&lt;br /&gt;
Meisters, die erhaben, in großer Einfachheit und Klarheit über allem &lt;br /&gt;
Geschehen steht. In Ihm ist Allwissen, Er ist zeitlos...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einer der zahlreichen Besuchergruppen sprach ‘Abdu’l-Bahá einmal:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich heiße euch willkommen! Seid ihr glücklich? Die Umgebung von&lt;br /&gt;
Stuttgart ist sehr lieblich. Stuttgart ist wirklich ein sehr schöner, &lt;br /&gt;
ansprechender Ort. Im Frühling, zur schönsten Jahreszeit, sind Wir gekommen ...&lt;br /&gt;
Ich bitte Gott, daß auch eure Herzen aufblühen mögen ... Gott sei &lt;br /&gt;
gepriesen, daß die geistige Frühlingszeit angebrochen ist. Aus den Wolken&lt;br /&gt;
der Vorsehung Gottes kommt der Segen hernieder, die Sonne der Wirklichkeit &lt;br /&gt;
strahlt ... Die Menschheit wird erwachen, denn der Geist Gottes&lt;br /&gt;
weht, und die höchsten Wünsche der heiligen Seelen gehen in Erfüllung.&lt;br /&gt;
Alle Menschen werden liebevoll und gütig zueinander sein ... Sie werden&lt;br /&gt;
zu höherer Erkenntnis gelangen. Und dies wird in nicht allzu ferner Zeit&lt;br /&gt;
geschehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Seines Aufenthalts besuchte ‘Abdu’l-Bahá auch die „Wilhelma“&lt;br /&gt;
in Stuttgart-Bad Cannstatt. Frau Schwarz machte darüber unter anderem&lt;br /&gt;
folgende Aufzeichnungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eines Nachmittags fragten wir den Meister, ob Er Sich die ‚Wilhelma‘&lt;br /&gt;
ansehen möchte. Auf der Fahrt im offenen Auto fiel leichter Frühlingsregen; &lt;br /&gt;
ich drückte dem Meister mein Bedauern darüber aus, daß sich die&lt;br /&gt;
Sonne für kurze Zeit hinter den Wolken verberge. Er aber sagte: ‚Sehet,&lt;br /&gt;
wie wohltuend und erquickend der Regen auf die Blätter der Bäume&lt;br /&gt;
{{page|299|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
wirkt.‘ Wieder lehrte Er uns, nur das Gute zu sehen. Der leichte &lt;br /&gt;
Regenschauer war auch bald vorüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Meister betrat die schönen Parkanlagen. Er schritt an den Wasserbecken &lt;br /&gt;
entlang dem Hauptgebäude zu ... Ungehindert wandelten wir&lt;br /&gt;
durch die in rein orientalischem Stil gehaltenen Räume (des maurischen&lt;br /&gt;
Schlößchen der ‚Wilhelma‘) ... Hinter dem Schloß führt ein abgesperrter,&lt;br /&gt;
wohlgepflegter Fußweg zu einem erhöht gelegenen Tempelchen. Dienstbeflissen &lt;br /&gt;
öffnete der Parkwächter die Sperrkette, und der Meister begab Sich&lt;br /&gt;
in den einzigen Raum. Er erging Sich in Betrachtungen über die Schönheit&lt;br /&gt;
des vor Ihm liegenden Neckartales mit seinen lieblichen Höhenzügen. Er&lt;br /&gt;
sagte, Er fühle Sich hier sehr wohl... .“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Abends hielt ‘Abdu’l-Bahá eine Ansprache vor den Esperantisten&lt;br /&gt;
Stuttgarts, in der Er auf die Bedeutung der von Bahá’u’lláh geforderten&lt;br /&gt;
universalen Hilfssprache neben der Muttersprache hinwies. Ein andermal&lt;br /&gt;
trafen sich die Bahá’í im Garten der Villa Wagenburg — ein alter Besitz&lt;br /&gt;
der Familie Schwarz — damit dort mit dem Meister zusammen&lt;br /&gt;
eine Gruppenaufnahme gemacht werden konnte. An jenem Nachmittag&lt;br /&gt;
hatte ‘Abdu’l-Bahá auch das Heim der Familie Schweizer in &lt;br /&gt;
Stuttgart-Zuffenhausen besucht. Auch das Schloß Solitude wurde aufgesucht. &lt;br /&gt;
Am Abend des 6. April war im „oberen Museum“ in Stuttgart eine öffentliche&lt;br /&gt;
Versammlung, an der mehrere hundert Menschen teilnahmen. ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
sprach über die göttliche Religion, das Kommen der göttlichen&lt;br /&gt;
Offenbarer und die Prinzipien der Bahá’í-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tags darauf, einen Tag vor der Abreise des Meisters nach Budapest,&lt;br /&gt;
besuchte Er auf Vorschlag von Konsul Schwarz Bad Mergentheim. Hierüber &lt;br /&gt;
finden wir bei Frau Schwarz unter anderem folgende Tagebucheintragungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenig verändert hat sich das Hotel Marquardt in Stuttgart, in dem ‘Abdu’l-Bahá 1913 zweimal wohnte. Fotos: Archiv Schwarz, Schubert&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|300|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit zwei Autos wurde die Reise angetreten; ich hatte die große Ehre,&lt;br /&gt;
zu Seiner Rechten zu sitzen. Es war ein frischer Morgen, die Fahrt führte&lt;br /&gt;
uns durch das Schwabenland. Ein längerer Aufenthalt wurde in der alten&lt;br /&gt;
Freien Reichsstadt Schwäbisch Hall gemacht. Während der Fahrt war der&lt;br /&gt;
Meister viel in Meditation versunken; dann wieder erfreute Er Sich der&lt;br /&gt;
abwechslungsreichen Landschaft, die an Seinen Augen vorüberzog ... Endlich &lt;br /&gt;
sahen wir von Ferne die Türme von Bad Mergentheim ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach kurzer Rast im Kurhaus machte der geliebte Meister einen Rundgang, &lt;br /&gt;
besichtigte mit Interesse das Badehaus und die medizinischen Einrichtungen, &lt;br /&gt;
ging durch die Wohngebäude und kehrte in den Empfangsraum des Kurhauses zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Windeseile war in Bad Mergentheim bekannt geworden, daß ein&lt;br /&gt;
hoher orientalischer Gast im Kurhaus abgestiegen sei. So war ich auch&lt;br /&gt;
nicht überrascht, daß eine Anzahl Menschen dort Seines Kommens harrte.&lt;br /&gt;
Er sprach über die Entwicklung des Bades, über die vorzüglichen &lt;br /&gt;
Einrichtungen des Badehauses, die Er mit den mangelhaften Einrichtungen im&lt;br /&gt;
Orient verglich ... Nachdem die Besucher weggegangen waren, versenkte&lt;br /&gt;
Er Sich im Gebet. Von Seinem Antlitz ging ein Leuchten und Strahlen, aus&lt;br /&gt;
dem wir erkennen durften, wie mächtig Ihn die Ströme des Ewigen verklärten. &lt;br /&gt;
Leise flüsterte mir einer Seiner Sekretäre zu: ‚Haben Sie ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
jemals so überirdisch schön gesehen‘?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später, an der festlich geschmückten Abendtafel, erzählte der geliebte&lt;br /&gt;
Meister persische Sagen und heitere Anekdoten, die Ihn wie uns zu &lt;br /&gt;
herzlichem Lachen brachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Seiner Abfahrt nach Stuttgart anderntags ließ Er die Ärzte und&lt;br /&gt;
Direktoren des Bades zu Sich rufen und ermahnte sie zu äußerster &lt;br /&gt;
Pflichterfüllung und Gewissenhaftigkeit in ihrer großen Verantwortung. Er&lt;br /&gt;
wurde höflich gebeten, Sich in das Gästebuch des Kurhauses einzuschreiben. &lt;br /&gt;
Bereitwillig erfüllte Er diesen Wunsch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‚O Du Allmächtiger! ‘Abdu’l-Bahá kam in dieses Kurhaus und gewahrte allerorts die größte Achtsamkeit. Eine Nacht verweilte Er hier. O Gott, segne dieses Kurhaus und schenke ihm Erfolg!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückfahrt wurde in Weinsberg eine kurze Rast gemacht ... In&lt;br /&gt;
Stuttgart geleitete mein Mann den Meister zur Bahn. Es hatten sich viele&lt;br /&gt;
Bahá’í eingefunden, um Ihm Lebewohl zu sagen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zum zweitenmal in Stuttgart&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Seinem rund 14-tägigen Aufenthalt in Budapest und Wien traf&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá auf Seiner Reise nach Paris in den frühen Morgenstunden&lt;br /&gt;
des 25. April 1913 zum zweitenmal in Stuttgart ein. Frau Alice Schwarz&lt;br /&gt;
erinnert sich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Seinem Kommen ging in unseren Herzen die Sonne wieder auf,&lt;br /&gt;
denn die Tage, die Er ferne von uns geweilt, waren uns endlos &lt;br /&gt;
erschienen ... So zog es auch mich in den frühen Vormittagsstunden &lt;br /&gt;
unwiderstehlich in Seine heilige Nähe. Wohl ging ich lange unentschlossen &lt;br /&gt;
vor dem Hotel Marquardt — Sein Fenster im Auge behaltend — auf und ab&lt;br /&gt;
und fragte mich, ob ich nach der langen, ermüdenden Reise schon so &lt;br /&gt;
frühzeitig den Meister aufsuchen könne. Ich entschloß mich, wenigstens nach&lt;br /&gt;
Seinem Befinden zu fragen. In der Erwartung, dies von einem Seiner &lt;br /&gt;
{{page|301|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
Begleiter erfahren zu können, stand ich vor Seiner Türe, als sie vom Meister&lt;br /&gt;
Selbst geöffnet wurde. Mit wundervollem Lächeln, offenen Armen und&lt;br /&gt;
mit der Begrüßung: ‚Marhaba‘ (‚Sehr gut‘) lud Er mich ein, das Zimmer&lt;br /&gt;
zu betreten. Wie sehr hatte ich mich getäuscht, als ich annahm, der Meister&lt;br /&gt;
würde ruhen. Schon hatte Er mehrere Tablets diktiert, Besuche empfangen und &lt;br /&gt;
war — wenn auch schwer erkältet — nicht müde, zu den Freunden vom Reiche &lt;br /&gt;
Gottes zu sprechen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá war aus Budapest und Wien krank nach Stuttgart gekommen. &lt;br /&gt;
Sein Gesundheitszustand hatte sich nach der Ankunft so sehr verschlechtert, &lt;br /&gt;
daß Er am Nachmittag einer Versammlung in privatem Kreis nicht &lt;br /&gt;
beiwohnen konnte. Der behandelnde Arzt, Dr. med. Faber, hatte &lt;br /&gt;
gebeten, Er solle das Zimmer nicht verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diesen Abend war jedoch eine große öffentliche Versammlung &lt;br /&gt;
vorgesehen und in den Zeitungen angekündigt worden. Wie Frau Schwarz &lt;br /&gt;
berichtet, hatte ‘Abdu’l-Bahá kurz vor diesem Vortrag am Abend Seine&lt;br /&gt;
Sekretäre gebeten, an Seiner statt zu sprechen. Über diesen Abend selbst&lt;br /&gt;
finden wir in dem Tagebuch dann die folgenden Aufzeichnungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Im Saal des Bürgermuseums hatten sich inzwischen mehrere hundert&lt;br /&gt;
Menschen eingefunden; sie sahen erwartungsvoll der Ansprache des hohen&lt;br /&gt;
Besuches entgegen. Als die Sekretäre des Meisters den überfüllten Saal&lt;br /&gt;
betraten, fühlten sie sich verpflichtet, ‘Abdu’l-Bahá von dem großen&lt;br /&gt;
Interesse, das Ihm und Seinem Vortrag galt, zu berichten. Sie wollten Ihn&lt;br /&gt;
bitten, Sich — wenn auch nur kurz — zu zeigen... Mein Mann übernahm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Ansprache ‘Abdu’l-Bahás am 25. April 1913 im Großen Saal des Stuttgarter Bürgermuseums hatte auch in der Öffentlichkeit großes Echo gefunden. In einem Bericht, der am 26. April in einer Stuttgarter Tageszeitung erschienen ist, lesen wir unter anderem:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::„Ein würdevoller betagter Greis mit langem weißem Bart, mit hoher Stirn und mit den scharf geschnittenen edlen Zügen eines vornehmen Orientalen, wie man sich etwa einen Abraham ... denkt, so saß ‘Abdu’l-Bahá, gebeugt von der Last seiner 70 Jahre und den Strapazen einer eben zurückgelegten längeren Reise, gestern abend in einem Fauteuil im Bürgermuseum und ließ eine kurze Ansprache an die zahlreichen Zuhörer durch seine Dolmetscher verdeutschen ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::‘Abdu’l-Bahá sprach vom Völkerfrieden, von der Solidarität aller Menschen, von dem Unsegen und der Gottwidrigkeit des Krieges ... Es waren lapidare Sätze in orientalischer Stilisierung, erfüllt von dem humanen Geist eines erfahrenen, warmfühlenden Weisen aus dem Morgenland ...“&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|302|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
es, diese Bitte dem Meister vorzutragen, und er begab sich unverzüglich&lt;br /&gt;
zum Hotel. ‘Abdu’l-Bahá erhob Sich und sprach:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:‘Dem Arzt habe Ich versprochen, Mich zu schonen. Aber gerne gebe Ich Meine Gesundheit hin für die heilige Lehre im Dienst für die Freunde von Bahá’u’lláh.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Saal wurde den Anwesenden mitgeteilt, daß ‘Abdu’l-Bahá leider erkrankt &lt;br /&gt;
sei und nicht in Seiner heiligen Mission sprechen könne. Dies rief&lt;br /&gt;
eine große Enttäuschung unter den Anwesenden hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da öffneten sich zu aller Überraschung die Flügeltüren, und herein trat&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, begleitet von einem Sekretär und meinem Mann. Eine Bewegung &lt;br /&gt;
tiefer Ergriffenheit ging durch die Reihen; die Anwesenden erhoben sich, &lt;br /&gt;
um Ihm ihre Ehrerbietung und Sympathie zu zeigen. Vielen&lt;br /&gt;
war es Erfüllung ihres Wunsches, ‘Abdu’l-Bahá zu sehen. Ganz unerwartet&lt;br /&gt;
betrat der Meister die Rednertribüne und hielt eine längere Ansprache.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier wies Er vor allem auf die Aufgabe der Propheten Gottes als&lt;br /&gt;
Künder des Friedens und der Freundschaft unter den Menschen hin. Er&lt;br /&gt;
sprach von der fortschreitenden Gottesoffenbarung, dem göttlichen Plan&lt;br /&gt;
seit Anbeginn der Schöpfung und der Einheit der Menschheit. Mit dem&lt;br /&gt;
Kommen Bahá’u’lláhs sei das Jahrhundert des Lichts angebrochen. Das&lt;br /&gt;
Zeitalter der Veredelung der Menschheit stehe bevor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als ‘Abdu’l-Bahá Seine Ansprache beendet hatte“, so lesen wir im&lt;br /&gt;
Tagebuch von Frau Schwarz, „erhoben sich wieder alle Anwesenden, um&lt;br /&gt;
ihren Dank auszudrücken. Jeder war bemüht, Ihm erschüttert die Hand zu&lt;br /&gt;
drücken. Allein, der Meister hatte rasch den Saal verlassen, begleitet von&lt;br /&gt;
Seinen Getreuen, die Ihm nicht genug für das große Opfer danken konnten, &lt;br /&gt;
daß Er gekommen war und diese herrlichen Worte gesprochen hatte.&lt;br /&gt;
Zum Ansporn aller Freunde hatte der Meister durch Seine aufopfernde&lt;br /&gt;
Hingabe wieder bewiesen, daß es für Ihn keine Ruhe und Schonung gab,&lt;br /&gt;
wenn Er der heiligen Lehre dienen konnte — gestützt und getragen durch&lt;br /&gt;
die Geistesnähe der Gesegneten Vollkommenheit ... Alle ergebenen&lt;br /&gt;
Freunde in Stuttgart wußten wohl, wie groß das Opfer war, das der &lt;br /&gt;
Meister mit Seiner Ansprache gebracht hatte. Am folgenden Tag waren alle&lt;br /&gt;
voll der Sorge, wie Ihm der Abend bekommen sei. Von einer großen Last&lt;br /&gt;
waren wir befreit, als wir den Meister etwas besser antrafen ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Tagen empfing ‘Abdu’l-Bahá zahlreiche Gläubige bei&lt;br /&gt;
Sich. Auch im Hause der Familie Schwarz verkehrte Er in jenen Tagen;&lt;br /&gt;
auf kleinen Fahrten lernte Er die Umgebung Stuttgarts kennen, wobei es&lt;br /&gt;
auch wieder zum Schloß Solitude ging. Eines Nachmittags sprach Er in&lt;br /&gt;
einem Frauenclub. Am 28. April wurde dem Meister von Seinem Arzt geraten, &lt;br /&gt;
Seines angegriffenen Gesundheitszustandes wegen noch zwei Ruhetage in &lt;br /&gt;
Stuttgart zu verbringen, ehe Er nach Paris weiterreisen wolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Tag vor Seiner Abreise besuchte ‘Abdu’l-Bahá noch das Schloß in&lt;br /&gt;
Bebenhausen bei Tübingen. Wie es dazu kam, lesen wir bei Frau Schwarz:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mein Mann war sehr bemüht gewesen, ein Zusammentreffen zwischen&lt;br /&gt;
dem König von Württemberg, Wilhelm II., und ‘Abdu’l-Bahá zustande zu&lt;br /&gt;
bringen. Er hatte sich aus diesem Grunde mit dem ihm sehr befreundeten&lt;br /&gt;
Kabinettchef des Königs in Verbindung gesetzt. Von diesem war meinem&lt;br /&gt;
Mann versprochen worden, daß eine Begegnung ermöglicht werde. Zu&lt;br /&gt;
unserem größten Bedauern fand dieses Zusammentreffen jedoch nicht&lt;br /&gt;
{{page|303|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
statt, da der König eine geplante Reise vorverlegen mußte. So hatten wir&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá den Vorschlag gemacht, Ihm einen der schönsten Sitze des&lt;br /&gt;
Königs zu zeigen. Wir erzählten Ihm von dem Jagdschloß Bebenhausen bei&lt;br /&gt;
Tübingen, in dem die hohen Herrschaften mehrere Monate im Jahr verbringen ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Meister ging auf unseren Wunsch ein, und am Nachmittag erreichten &lt;br /&gt;
wir die stillen Wälder des Schönbuchs. Unterwegs entstieg ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
in Steinenbronn im Kreis Böblingen dem Wagen, um Sich etwas&lt;br /&gt;
Bewegung zu verschaffen. Er verteilte in einer Dorfgasse unter den &lt;br /&gt;
Kindern Gebäck und Obst. Das Gerücht war aufgekommen, ein orientalischer&lt;br /&gt;
König sei da, und Kinder und Erwachsene drängten um Ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Meister in Bebenhausen mit viel Interesse die Räume des&lt;br /&gt;
ehemaligen Klosters aufgesucht hatte, schrieb Er in persischen Lettern in&lt;br /&gt;
das Fremdenbuch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:‘Der königliche Hof ist öde, weil Ich das Angesicht des Königs nicht sehen kann; die grüne Wiese ist wie abgemäht, da sie nicht geschmückt ist mit der herrlichen Gestalt der Königin.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später wurde mir gesagt, daß diese Worte in Persien die größte Form&lt;br /&gt;
der Höflichkeit bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir unvergeßliche Worte des Abschieds sprach der Meister auf der&lt;br /&gt;
Rückfahrt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Gelobt sei Gott, daß Ich nach Stuttgart gekommen bin und zum &lt;br /&gt;
Königreich Abhás gerufen habe. Ich bin glücklich, daß Mir Gott &lt;br /&gt;
beigestanden ist. Edle Seelen wie ihr haben den Ruf des Königreiches &lt;br /&gt;
vernommen. Nun müßt ihr euch mit Begeisterung und Mut erheben, &lt;br /&gt;
um zu lehren und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Eintragung ‘Abdu’l-Bahás ins Fremdenbuch des Klosters Bebenhausen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|304|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
frohen Botschaften Gottes zu verbreiten. Ich setze das größte Vertrauen in&lt;br /&gt;
euch ... Mein Herz ist bei euch! Mein Geist ist bei euch! Ich habe Mein&lt;br /&gt;
Werk vollbracht, Ich muß euch nun verlassen. Immer werde Ich bei euch&lt;br /&gt;
sein! Stuttgart ist wirklich fähig, ein Zentrum der göttlichen Lehre in&lt;br /&gt;
Europa zu werden!‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der kurzen Zeit Seines Hierseins waren unsere Seelen Ihm zugewandt. Die &lt;br /&gt;
ganze Welt war um uns versunken, so sehr waren wir &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Augen erstrahlten, die Ohren lauschten. . .&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Paris aus, wohin ‘Abdu’l-Bahá am 1. Mai 1913 von&lt;br /&gt;
Stuttgart gefahren war, sandte Er am 6. Mai an die „Gläubigen Gottes und &lt;br /&gt;
an die Dienerinnen des Gnadenreichen“&lt;br /&gt;
in Stuttgart und Eßlingen folgendes Tablet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Er ist Gott!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;O ihr Söhne und Töchter des Königreiches!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Tage in Stuttgart — wie glücklich waren sie! Die Versammlungen — wie erleuchtet waren sie! Der Hauch des Heiligen Geistes — wie war er in Schwingung gebracht! Der Ruf des Reiches Abhás — wie erhob er sich zu den höchsten Höhen der erhabenen Heerscharen!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn Mir die in Stuttgart verbrachten Tage in Erinnerung kommen, sind Herz und Seele beglückt!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gelobt sei der Herr der Heerscharen, der in diesem Land den Ruf zum Königreich erhob, die Herzen mit geistigen Gefühlen bewegte, die Seelen beglückte und das Gemüt durch die göttlichen frohen Botschaften erhob. Ich hoffe, daß die Bestätigungen Bahá’u’lláhs ununterbrochen auf euch herabkommen, daß ihr jeden Augenblick neuen Geist empfangt, damit sich das Reich Gottes rasch verbreite und die Kunde vom Kommen Bahá’u’lláhs alle Länder neu belebe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die in eurer Mitte verbrachten Tage waren durchgeistigt und erleuchtet. Das himmlische Manna kam herab, die ewige Schenkung war enthüllt, die seelischen Regungen waren ohne Ende. Die Augen erstrahlten, und die Ohren lauschten mit der höchsten Wonne dem himmlischen Gesang. Ich flehe zu Gott, Er möge euch diese himmlische Gabe in Ewigkeit verleihen und euch von der Richtigkeit der Lehre Seiner Herrlichkeit Bahá’u’lláh überzeugen und sie euch so tief in das Herz schreiben, daß eure Seelen durch den Odem des Heiligen Geistes neu belebt werden! Über euch sei Bahá Al Abhá!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;’Abdu’l-Bahá Abbás.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|305|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
beglückt im Bewußtsein Seines heiligen Schutzes. Wir waren von Seiner&lt;br /&gt;
Liebe durchglüht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Frühe des 1. Mai verließ ‘Abdu’l-Bahá Stuttgart endgültig. Zu&lt;br /&gt;
Seiner Verabschiedung auf dem Bahnhof, früher noch direkt neben dem&lt;br /&gt;
Hotel Marquardt, hatten sich wieder ungezählte Bahá’í-Freunde eingefunden, &lt;br /&gt;
„um noch ein letztes Mal in Sein geheiligtes Antlitz blicken zu&lt;br /&gt;
dürfen, um noch einmal Seinen Segen zu empfangen“, wie Frau Schwarz&lt;br /&gt;
in ihren Aufzeichnungen festgehalten hat. Alle, die gekommen waren, &lt;br /&gt;
ermahnte der Meister, standhaft im Glauben zu bleiben und Treue und &lt;br /&gt;
Ausdauer an den Tag zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ein unsagbarer Schmerz legte sich auf meine Brust, als ich Ihn am&lt;br /&gt;
Fenster Seines Abteils stehen sah“, schließt Frau Schwarz ihren Bericht&lt;br /&gt;
über den Stuttgarter Aufenthalt des Meisters. „In tiefer Rührung hob Er&lt;br /&gt;
segnend die Hände und nickte uns zu, bis Seine Gestalt unseren Augen&lt;br /&gt;
entschwand ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besuche in Budapest und Wien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Aufenthalte ‘Abdu’l-Bahás in Budapest und Wien im Frühjahr &lt;br /&gt;
des Jahres 1913 liegen gleichfalls Tagebuch-Erinnerungen vor. In&lt;br /&gt;
Paris weilten Konsul Albert Schwarz und Frau Schwarz mehrere Tage bei&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá. In ihrem Tagebuch über des Meisters Stuttgarter Besuche&lt;br /&gt;
im April 1913 hat Frau Schwarz auch Berichte über den Aufenthalt&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás in Budapest und Wien aufgeführt, die bereits im März 1924&lt;br /&gt;
in der „Sonne der Wahrheit“ (Jahrgang IV) erschienen sind, und denen&lt;br /&gt;
wir nachfolgend einige wesentliche Punkte entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Budapest wohnte ‘Abdu’l-Bahá im Hotel Ritz. Höhepunkt des Aufenthalts &lt;br /&gt;
war dabei eine Veranstaltung im alten Parlament, die zu Ehren&lt;br /&gt;
des Meisters von der Friedensgesellschaft, dem Esperantoclub, dem&lt;br /&gt;
Frauenverein und der orientalischen Handelsakademie anberaumt worden&lt;br /&gt;
war. Wir lesen darüber in den Tagebuch-Aufzeichnungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gegen 500 Personen waren anwesend, darunter hohe Offiziere. Die &lt;br /&gt;
Versammlung wurde durch den Reichstagsabgeordneten Domherr Dr. Alexander &lt;br /&gt;
Giesswein eröffnet. Während ‘Abdu’l-Bahá länger über die Einheit der Menschheit, &lt;br /&gt;
über die internationale Welthilfssprache, universalen Frieden und die &lt;br /&gt;
Einheit von West und Ost durch die moralische Kraft der göttlichen Lehre &lt;br /&gt;
sprach, wurde Er wiederholt durch stürmische Beifallskundgebungen &lt;br /&gt;
unterbrochen. Nach Beendigung der Ansprache dankte der Domherr mit &lt;br /&gt;
beredten Worten. Während nun Dr. Giesswein zur Linken von ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
stand, bestieg der bekannte, ehrwürdige Orientalist Professor Goldzieher &lt;br /&gt;
die Rednertribüne und stellte sich zur Rechten des Meisters.&lt;br /&gt;
Es war ein ergreifender Anblick, Vertreter von zwei Religionen, einen&lt;br /&gt;
hohen katholischen Priester und einen jüdischen Professor, Hand in Hand&lt;br /&gt;
mit ‘Abdu’l-Bahá vereint stehen zu sehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Budapest traf ‘Abdu’l-Bahá verschiedene Male mit Mitgliedern der&lt;br /&gt;
Theosophischen Gesellschaft zusammen und hielt in diesem Kreis auch&lt;br /&gt;
verschiedentlich Ansprachen. Wie in Stuttgart herrschte auch in Seinem&lt;br /&gt;
Budapester Hotel ein ständiges Kommen und Gehen, wobei Philosophen&lt;br /&gt;
{{page|306|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
und Wissenschaftler wie auch einfache Menschen gleichermaßen zu Seinen&lt;br /&gt;
Gästen zählten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Morgen des 18. April verließ ‘Abdu’l-Bahá Budapest und begab Sich&lt;br /&gt;
nach Wien. Sein körperliches Befinden, das zuletzt schon in Budapest sehr&lt;br /&gt;
zu wünschen übrig gelassen hatte, verschlechterte sich noch. Trotzdem &lt;br /&gt;
besuchte Er kurze Zeit nach Seiner Ankunft den türkischen Gesandten und&lt;br /&gt;
sprach mit diesem über die letzten Jahre Seiner Gefangenschaft in ‘Akká&lt;br /&gt;
und Seine Reise durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Auch in&lt;br /&gt;
Wien gehörten die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft zum ständigen &lt;br /&gt;
Kreis Seiner Besucher, und ‘Abdu’l-Bahá unterhielt Sich sehr gerne&lt;br /&gt;
gerade mit ihnen. Am 23. April besuchte Baronin Berta von Suttner, die&lt;br /&gt;
bekannte Exponentin der Friedensbewegung, den Meister. Er empfing sie&lt;br /&gt;
überaus herzlich, und mit größtem Interesse folgte sie Seinen Worten.&lt;br /&gt;
Die Baronin, so wird berichtet, war sichtlich ergriffen und dankte Ihm&lt;br /&gt;
unter Tränen für die geistigen Impulse, die sie von Ihm hatte empfangen&lt;br /&gt;
dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Tag später reiste ‘Abdu’l-Bahá nach Stuttgart weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Dies ist der größte Tag...”===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahás Ansprache in Stuttgart am 3. April 1913&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus fernen Landen komme Ich zu euch. Zwanzigtausend Meilen bin Ich&lt;br /&gt;
gereist, bis Ich bei euch war. Vierzig Jahre war Ich eingekerkert. Ich war&lt;br /&gt;
noch ein junger Mann, als man Mich in Ketten legte, und Meine Haare&lt;br /&gt;
sind weiß geworden, ehe sich die Gefängnistüren vor Mir öffneten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen harten Leiden des Gefängnisses nahm Ich willig alle Mühsal &lt;br /&gt;
einer langen Reise auf Mich und bin nun hier, um Mich mit euch zu&lt;br /&gt;
vereinen und euch zu begegnen. Meine Absicht ist, die Menschheit zu &lt;br /&gt;
erleuchten und alle Menschen in vollkommener Liebe und Freundschaft zu&lt;br /&gt;
vereinigen. Religiöse und nationale Vorurteile sowie die Rassenunterschiede &lt;br /&gt;
müssen beseitigt werden; die Menschheit muß frei davon werden,&lt;br /&gt;
denn die Grundlage der Religion Gottes ist die Liebe, das Gemeinschaftsgefühl, &lt;br /&gt;
die Solidarität, die die Menschen verbindet. Aber heute ist diese&lt;br /&gt;
Grundlage der Religion verlassen; alle Religionen bestehen in Dogmen.&lt;br /&gt;
Weil nun diese Dogmen voneinander abweichen, sind Uneinigkeit und Haß&lt;br /&gt;
entstanden. Die Grundlage allen guten Einvernehmens muß die Religion&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet die Wirren auf dem Balkan. Wieviel Blut wird dort &lt;br /&gt;
vergossen. Wieviele tausend Mütter haben ihre Söhne verloren, &lt;br /&gt;
wieviele Kinder sind Waisen geworden! Wieviele Häuser wurden &lt;br /&gt;
vernichtet, wieviele Dörfer zerstört und wieviele Städte verwüstet! &lt;br /&gt;
Aus dem Balkan ist ein Vulkan geworden. Alle diese Ruinen — woher &lt;br /&gt;
rühren sie? Teilweise von den gegenseitigen Vorurteilen der Religionen. &lt;br /&gt;
Sie werden hervorgerufen durch Aberglauben und Rassendünkel. &lt;br /&gt;
Das Wesen der Religion Gottes ist die Liebe und die Erleuchtung &lt;br /&gt;
der Menschheit; alle heiligen Bücher legen Zeugnis davon ab. &lt;br /&gt;
Aber die Menschen haben heute vergessen, was das&lt;br /&gt;
wahre Wesen der Religion ist. Jede Nation, jede Gemeinschaft hält sich an&lt;br /&gt;
ein bestimmtes Dogma.&lt;br /&gt;
{{page|307|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Dinge in der Welt des Daseins unterliegen aber dem Wandel. Dieser&lt;br /&gt;
Wechsel, diese Veränderungen sind Erfordernisse des Lebens. Seht zum&lt;br /&gt;
Beispiel die Blumen vor uns. Sie kamen aus dem Samenkorn hervor.&lt;br /&gt;
Nachdem sie zur jetzigen Entwicklungsstufe gelangt sind, haben sie den&lt;br /&gt;
Zustand der Vollkommenheit erreicht; nun bilden sie sich wieder zurück.&lt;br /&gt;
Das ist das unveränderliche Gesetz der Schöpfung. In gleicher Weise &lt;br /&gt;
entwickelt sich der Mensch von seiner Jugend bis zu seiner Reife; sobald &lt;br /&gt;
dieser Zustand der Reife erlangt ist, beginnt er wieder abwärts zu steigen.&lt;br /&gt;
Demselben Gesetz sind auch alle Religionen und Kirchen unterworfen. Sie&lt;br /&gt;
werden gegründet, damit sie aufblühen und sich entwickeln, um nach &lt;br /&gt;
Erfüllung ihrer Sendung wieder zurückzugehen. So erschien Seine Heiligkeit&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Moses}} vor einigen tausend Jahren, um das Gesetz Gottes zu begründen&lt;br /&gt;
und die zehn Gebote zu verkünden. Nachdem diese Gesetze aufgestellt&lt;br /&gt;
waren, wurden sie später wieder geändert, und diese Änderung wurde so&lt;br /&gt;
vollständig durchgeführt, daß von dem Ursprünglichen wenig mehr vorhanden &lt;br /&gt;
ist. Dann sandte Gott die Römer und ließ das heilige Land verwüsten, &lt;br /&gt;
weil das Volk Israel die Religion Gottes verlassen hatte. Die Juden&lt;br /&gt;
besaßen in ihrer Religion am Ende nur noch ein großes Bündel von &lt;br /&gt;
Überlieferungen und Aberglauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als diese Religion zu solchem Tiefstand gekommen war, sandte Gott&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit {{Sperrsatz|Christus}}. Er erschien als das Licht der &lt;br /&gt;
Sonne und begründete die Religion Gottes wieder neu. Auch belebte Er das &lt;br /&gt;
von Moses gegebene Gesetz und erfüllte es. Dies soll euch zeigen, daß die &lt;br /&gt;
Religion einem Wechsel unterworfen ist. Auch die heutige Religion ist voll von&lt;br /&gt;
Aberglauben, und sie besteht weitgehend nur noch in Überlieferungen und&lt;br /&gt;
Dogmen gleich tönenden Schellen. Die wahren Lehren Gottes dagegen&lt;br /&gt;
gleichen dem Kern in der Schale. Wir müssen das Innere, den Kern, von&lt;br /&gt;
der Schale lösen. Die Menschheit tappt im Dunkeln. Unser Ziel ist, die&lt;br /&gt;
Menschheit zu erleuchten. Auf jede dunkle Nacht muß ein heller Tag &lt;br /&gt;
folgen. Es ist unsere Hoffnung, daß dieses Dunkel zerstreut wird und die&lt;br /&gt;
Strahlen der Sonne der Wirklichkeit wieder leuchten. Wir haben das &lt;br /&gt;
Vertrauen, daß auf die Dunkelheit ein heller Tag folgt, wie es unsere &lt;br /&gt;
Hoffnung ist, daß nach dem kalten Winter wieder ein neuer Frühling erscheint,&lt;br /&gt;
der die Natur erfrischt und belebt, so daß die Bäume sprossen, grünen und&lt;br /&gt;
Blätter, Blüten und Früchte hervorbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott! Das erleuchtete Jahrhundert hat begonnen. Preis sei Gott,&lt;br /&gt;
denn dieser Frühling ist angebrochen. Preis sei Gott! Die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
aller Dinge ist enthüllt worden. Dies ist das Jahrhundert des Lichtes. Dies&lt;br /&gt;
ist die Periode der Wissenschaft. Dies ist der Zyklus der Wirklichkeit. Dies&lt;br /&gt;
ist das Zeitalter des Fortschritts und der Gedankenfreiheit. Dies ist der&lt;br /&gt;
größte Tag, an dem der Heilige Geist weht. Dies ist das Zeitalter, welches&lt;br /&gt;
alles zu neuem Leben erweckt. Deshalb hoffe Ich, daß alle Menschen in&lt;br /&gt;
Harmonie geeinigt werden. Bemühet euch, wirket dafür, daß die Fahne der&lt;br /&gt;
Menschlichkeit und Einigkeit aufgerichtet werde, daß das Licht des universalen &lt;br /&gt;
Friedens scheine, daß der Westen und der Osten sich umarmen&lt;br /&gt;
und daß so die stoffliche Welt der Spiegel des Reiches Gottes werde.&lt;br /&gt;
Ewiges Licht möge erstrahlen, und jener Tag möge kommen, auf den keine&lt;br /&gt;
Nacht mehr folgt.&lt;br /&gt;
{{page|308|file=Baha&#039;i_Briefe_12.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zeitalter muß jeder sein Angesicht Gott zuwenden, so daß die&lt;br /&gt;
himmlische Erneuerung mit stofflicher Verfeinerung Hand in Hand geht.&lt;br /&gt;
Materielle, äußerliche Zivilisation allein vermag die Welt nicht glücklich&lt;br /&gt;
zu machen. Göttliche, innere Erneuerung muß die materielle Zivilisation&lt;br /&gt;
stützen. Die Männer der Wissenschaft und der Philosophie sind die Begründer &lt;br /&gt;
der materiellen Zivilisation und der geistigen Kultur, aber Seine&lt;br /&gt;
Heiligkeit Christus war der Gründer der göttlichen Zivilisation. Die &lt;br /&gt;
materielle Zivilisation dient dem äußerlichen Leben des Menschen, aber die&lt;br /&gt;
göttliche Zivilisation begründet die Welt des Sittlichen. Beide &lt;br /&gt;
Zivilisationen müssen Hand in Hand gehen. Die materielle Zivilisation &lt;br /&gt;
gleicht einer Lampe, die göttliche Zivilisation hingegen dem Licht in der &lt;br /&gt;
Lampe. Die Lampe ohne Licht ist nutzlos. Wir leben jetzt an dem Tag, da unsere &lt;br /&gt;
Wissenschaft mit der geistigen Zivilisation Hand in Hand gehen muß. Innere&lt;br /&gt;
Zivilisation gleicht dem Geist, der den Körper belebt. Solange der Geist&lt;br /&gt;
im Körper weilt, haben wir ein lebendiges Wesen vor uns, aber ein Körper &lt;br /&gt;
ohne Geist ist tot. Es ist Meine Hoffnung und Mein Wunsch, daß alle&lt;br /&gt;
die Stufe geistiger Zivilisation erreichen mögen. Gleichwie ihr große &lt;br /&gt;
Fortschritte in den materiellen Wissenschaften gemacht habt, möget ihr auch&lt;br /&gt;
voranschreiten in der geistigen Welt. Dann wird das Licht des Reiches&lt;br /&gt;
Gottes in aller Welt erstrahlen. Möge die Sonne der Wirklichkeit den&lt;br /&gt;
Osten und den Westen erleuchten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du freundlicher, gütiger Herr!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Versammlung ist Deine Herde und Du bist der wahre Hirte. All&lt;br /&gt;
diese Menschen sind Deine Kinder und Du bist ihr gütiger Vater. O Gott!&lt;br /&gt;
Sende Deine Segnungen auf sie herab und öffne ihnen die Tore Deiner&lt;br /&gt;
Führung! O Herr, stehe ihnen bei mit Deinen göttlichen Heerscharen!&lt;br /&gt;
Mache ihre Augen sehend und ihre Ohren hörend! Erquicke ihre Herzen&lt;br /&gt;
und erfreue ihren Geist, so daß alle einen reichen Anteil Deiner göttlichen,&lt;br /&gt;
unendlichen Offenbarung bekommen. Sei ihr Schutz und Obdach in Deinem Reich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, wir sind arm. Öffne uns die Schatzkammern Deines Himmels!&lt;br /&gt;
O Gott, wir sind unwürdig, mache uns zu Liebenden Deines Reiches!&lt;br /&gt;
O Gott, richte die Gemeinschaft auf zwischen den Herzen der Menschen&lt;br /&gt;
und vereinige unsere Seelen! Gewähre allen Einlaß in Dein Heiligtum, so&lt;br /&gt;
daß aller Krieg und Streit aufhöre und die Menschheit zum höchsten&lt;br /&gt;
Frieden gelangen möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Gebende, der Gütige und der Großmütige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quelle: „Sonne der Wahrheit“, 1. Jgg. 1921, S. 108 ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 7022 Leinfelden, Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 35 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“. Auslieferungsstelle, 73 Eßlingen, &lt;br /&gt;
Hindenburgstraße 161; Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag, 6 Frankfurt, Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Bahai Briefe/Heft 11/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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Bahá’u’lláh: Tablet Ishraqat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Todesurteil gegen Bahá’í in Marokko&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andere Zukunft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfolgreiche Lehrarbeit 1962&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Märtyrer von Tihrán&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JANUAR 1963 HEFT 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort 6 Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bezeuge vor Gott die Größe, die unfaßbare Größe dieser Offenbarung. Wieder und wieder haben Wir in den meisten Unserer Tablets für diese Wahrheit Zeugnis abgelegt, damit die Menschheit aus ihrer Achtlosigkeit aufgerüttelt würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dies ist der Tag, an dem der Ozean des Erbarmens Gottes den Menschen kundgetan wurde, der Tag, an dem das Tagesgestirn Seiner Güte seinen Glanz über sie ausgoß, der Tag, an dem die Wolken Seiner gnadenreichen Gunst die gesamte Menschheit überschatteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:O ihr Völker der Welt! Wisset wahrhaftig, daß unvorhergesehenes Elend euch folgt und daß schmerzliche Vergeltung eurer harrt. Denkt nicht, daß die Taten, die ihr begangen habt, vor Meinen Augen ausgelöscht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn die festgesetzte Stunde gekommen ist, wird plötzlich erscheinen, was die Glieder der Menschheit erzittern läßt. Dann und erst dann wird das göttliche Banner entfaltet werden und die Nachtigall des Paradieses ihre Melodie singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus Shoghi Effendi. „Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit“, S, 93 ff.)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|252|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Tablet Ishráqát===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vereinigt mit dem Sendschreiben über die größte Unfehlbarkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist das Sendschreiben Gottes, des Beschützers, des Selbstbestehenden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist Gott! Sein Wesen ist in Seiner Weisheit und in Seinen Äußerungen über alles erhaben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelobt sei Gott, Der einzig ist in Seiner Größe, Macht und Schönheit,&lt;br /&gt;
einzig in Seiner Herrlichkeit, Stärke und Majestät, Der zu heilig ist, um&lt;br /&gt;
durch menschliches Nachdenken begriffen zu werden oder Gefährten und&lt;br /&gt;
Seinesgleichen neben Sich zu haben. Sein rechter Pfad wurde durch klare&lt;br /&gt;
und beredte Worte gewiesen. Wahrlich, Er ist der Unabhängige, der Allmächtige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Er beschloß, eine neue Schöpfung erstehen zu lassen, sandte Er vom&lt;br /&gt;
Himmel Seines Wunsches den deutlichen und leuchtenden Punkt hervor,&lt;br /&gt;
und dieser ging auf die verschiedenste Art und Weise durch alle Zeichen &amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;,&lt;br /&gt;
bis er auf Befehl Gottes, des Herrn der Menschheit, die höchste Stufe&lt;br /&gt;
erreichte. Wahrlich, der Punkt&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist der Mittelpunkt des Kreises &lt;br /&gt;
der Namen, das Ende des Erscheinens der „Buchstaben“ im Reiche der Ausgießung. &lt;br /&gt;
Durch ihn erschien, was das verborgenste Geheimnis und das&lt;br /&gt;
schmuckvolle Sinnbild andeutete, nämlich der Geoffenbarte, Welcher den&lt;br /&gt;
in dem strahlenden Tablet und in dem gesegneten „Weißen Sendschreiben“&lt;br /&gt;
enthaltenen „Größten Namen“ verkündete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als der Punkt vereinigt wurde mit dem zweiten Buchstaben, welcher&lt;br /&gt;
am Anfang der „Missaní“ &amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; verkündet wird, bewegten sich die Sphären&lt;br /&gt;
der Äußerungen und Bedeutungen; das ewige Licht Gottes erstrahlte, hoch&lt;br /&gt;
stand es am Himmel der Offenbarung, und zwei leuchtende Sonnen gingen&lt;br /&gt;
von ihm aus. Verherrlicht sei der Barmherzige, Der durch keine &lt;br /&gt;
Anspielung gedeutet, durch keinen Ausdruck beschrieben, durch keine &lt;br /&gt;
{{page|253|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
Erklärung erkannt und durch kein Zeichen geschildert werden kann. &lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist der Gebieter, der Verleihende — im Ursprung und in der&lt;br /&gt;
Wiederkunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und aus den Heerscharen der Kraft und Macht bestimmte Er für diese&lt;br /&gt;
beiden leuchtenden Sonnen Beschützer und Wächter. Wahrlich, Er ist der&lt;br /&gt;
Beschützer, der Mächtigste, der Unbezwungene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Humilí“ &amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; wurde wie die „Missaní“ zweimal geoffenbart:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott, Der den „Punkt“ offenbarte und aus Ihm die Kenntnis&lt;br /&gt;
all dessen, was war und ist, hervorgehen ließ, Der Ihn in Seinem Namen&lt;br /&gt;
zum Herold und zum Vorläufer Seiner größten Offenbarung machte,&lt;br /&gt;
durch die die Nerven der Nationen vor Furcht erzitterten und das Licht&lt;br /&gt;
am Horizont der Welt aufging. Wahrlich, Er ist der Punkt, Den Gott für&lt;br /&gt;
die Aufrichtigen unter Seinen Dienern zu einem Meer des Lichts machte,&lt;br /&gt;
Der aber für die Verleugner unter Seinen Geschöpfen und für die Gottlosen &lt;br /&gt;
in Seinem Volke zu einem Feuerball wurde, d. h. für jene, welche&lt;br /&gt;
in ihrer Heuchelei die Gunst Gottes verfälschten, das Himmelsbrot &lt;br /&gt;
zurückwiesen und ihre Freunde an einen unglückseligen Ort führten. Denn dies&lt;br /&gt;
sind Menschen, die nur Heuchelei und Mißklang aufweisen und das Bündnis &lt;br /&gt;
verletzten an dem Tag, da der Tempel des Urseins &amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; auf den höchsten&lt;br /&gt;
Thron gesetzt wurde, Von der rechten Seite des geheiligten Tales &amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; ruft&lt;br /&gt;
der Herold: „O Schar des Bayán! Fürchte den Gütigen! Dies ist Der, auf&lt;br /&gt;
Den Muhammad, der Bote Gottes, hinwies, und vor Ihm der Geist &amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;, und&lt;br /&gt;
vor Diesem Der, Welcher Zwiesprache hielt&amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies ist der Punkt des&lt;br /&gt;
Bayán, Der vor dem Throne ausruft: Wahrlich, ihr wurdet erschaffen, um&lt;br /&gt;
dieser größten Botschaft zu gedenken und dieses sichersten Pfades,&lt;br /&gt;
welcher in dem Geiste der Offenbarer verborgen ruhte, in den Herzen der&lt;br /&gt;
Erwählten verhüllt war und nunmehr durch die erhabene Feder in den&lt;br /&gt;
Sendschreiben eures Herrn, des Königs der Namen, niedergelegt wurde.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: Stirb in deinem Zorn, o Volk der Uneinigkeit! Er, vor Dessen&lt;br /&gt;
Erkenntnis nichts verborgen ist, über Dessen Kommen das Antlitz des&lt;br /&gt;
Wissens in Freude erstrahlte, und durch Den das Reich der Worte &lt;br /&gt;
geschmückt wurde — Er ist in der Tat erschienen. Jeder, der sich Gott, dem&lt;br /&gt;
König der Religionen, nähert, macht Fortschritte. Er bewirkte, daß sich&lt;br /&gt;
die Sitzenden erhoben und die Ruhenden zum Berg der Zuversicht eilten.&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, den Gott zu einer Gnade für die Frommen machte, zu&lt;br /&gt;
einem Strafgericht über die Gottlosen, zum Segen für die &lt;br /&gt;
Vorwärtsschreitenden und zum Zorn für die, welche leugnen und sich hinwegkehren.&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist mit Macht aus der Gegenwart Gottes hervorgegangen und&lt;br /&gt;
hat geoffenbart, was weder im Himmel noch auf Erden Seinesgleichen hat.&lt;br /&gt;
Fürchte den Mildtätigen, o Volk des Bayán, und begehe nicht, was vom&lt;br /&gt;
Volk des Qur’án begangen wurde. Tag und Nacht gaben sie vor, gläubig&lt;br /&gt;
{{page|254|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
zu sein; als aber der Herr der Menschen kam, verleugneten und verwarfen&lt;br /&gt;
sie Ihn, bis sie Ihn zuletzt in derart ungerechter Weise verdammten, daß&lt;br /&gt;
das „Mutterbuch“ am Tag der Wiederkehr darüber klagte. Erinnert euch&lt;br /&gt;
dessen und blickt auf ihre Taten und Worte, auf ihre Stufe und ihre&lt;br /&gt;
Stellung, und besonders auf das, was von ihnen hervorging, als der&lt;br /&gt;
Sprecher des Berges sprach, die Posaune erschallte und — mit Ausnahme&lt;br /&gt;
einer Anzahl der „Buchstaben“ des erhabenen Angesichts — alle im&lt;br /&gt;
Himmel und auf Erden bestürzt waren...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott, Der in dem von Ihm hervorgegangenen Reich die „größte&lt;br /&gt;
Unfehlbarkeit“ zu einem Panzer für den Tempel Seines Befehles &amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; machte&lt;br /&gt;
und verordnete, daß sonst niemand an diesem hohen Rang und dieser erhabenen &lt;br /&gt;
Stufe teilhabe! Wahrlich, diese größte Unfehlbarkeit ist ein&lt;br /&gt;
Mantel, der durch die Finger der Macht für Sein eigenes erhabenes Selbst&lt;br /&gt;
gewoben wurde. Sie wird wahrlich nur von Dem erlangt, Der auf dem&lt;br /&gt;
Thron des „Er tut, was Er will“ &amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt; sitzt. Wer anerkennt und bekennt,&lt;br /&gt;
was in diesem Augenblick durch die erhabene Feder geschrieben wird,&lt;br /&gt;
gehört wahrlich im Buche Gottes, des Königs des Ursprungs und der&lt;br /&gt;
Wiederkunft, zum Volk der Einheit und der Einzigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Unsere Worte an diesem Punkt anlangten, wehte der Duft der Erkenntnis, &lt;br /&gt;
und die Sonne der Einheit erstrahlte am Himmel der Äußerung.&lt;br /&gt;
Gesegnet ist, wer von dieser Stimme zu dem erhabenen Gipfel und dem&lt;br /&gt;
fernsten Ende hingezogen wird, wer aus den Spuren Meiner erhabenen&lt;br /&gt;
Feder lernt, was der Herr dieser und der kommenden Welt wünscht.&lt;br /&gt;
Wahrlich, wer nicht von Unserem versiegelten köstlichen Wein trinkt,&lt;br /&gt;
dessen Siegel wir nunmehr in Unserem Namen, der Selbstbestehende.&lt;br /&gt;
gebrochen haben, der ist noch nicht zum Licht der Einheit gelangt, und&lt;br /&gt;
hat noch nicht den Sinn der Bücher Gottes, des Herrn des Himmels und&lt;br /&gt;
der Erde, des Königs dieser und der nächsten Welt, erkannt. Ein solcher&lt;br /&gt;
Mensch wird im Buche Gottes, des Erkennenden, des Allwissenden, zu&lt;br /&gt;
den Götzendienern gezählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du verehrter Fragender! In den Tagen, an denen die Feder am&lt;br /&gt;
Schreiben und die Zunge an der Beantwortung der Fragen verhindert&lt;br /&gt;
war, die du an diesen Unterdrückten über die „größte Unfehlbarkeit“&lt;br /&gt;
und das „mächtigste Zeichen“ gerichtet hast, zeigtest du große Geduld.&lt;br /&gt;
Das bezeugen Wir, denn du hattest gebeten, daß dir in diesen Fragen die&lt;br /&gt;
Schleier und Hüllen vor den Augen entfernt und ihr Geheimnis, ihre &lt;br /&gt;
Bedeutung, ihr erhabener Rang, ihr Wesen und ihre Größe erklärt würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Leben Gottes! Würden Wir die in den Muscheln der See der Erkenntnis &lt;br /&gt;
und Zuversicht verborgenen Perlen des Beweises preisgeben und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|255|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
bezug auf Gebet, Fasten und die sonstigen Verordnungen, die vom Buche&lt;br /&gt;
Gottes, des Herrn der Welt und des Erziehers der Nationen, ausgingen. Es&lt;br /&gt;
wurde allen zur Pflicht gemacht, Ihm in dem, was von Gott befohlen&lt;br /&gt;
wurde, zu gehorchen; und wer Ihn leugnete, der glaubte nicht an Gott, an&lt;br /&gt;
Sein Wort, Seine Boten und Sein Buch. Wahrlich, wenn Er erklärte, eine&lt;br /&gt;
Tugend sei Irrtum, Unglaube sei Glaube, wäre dies die Wahrheit aus&lt;br /&gt;
Seiner Gegenwart. Er steht auf einer Stufe, auf der es weder Irrtum noch&lt;br /&gt;
Sünde gibt; von beidem kann hier nicht gesprochen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachte die gesegneten Worte, mit denen die Pilgerfahrt zu dem&lt;br /&gt;
„Haus“ zur Pflicht gemacht wurde; auch denen, die sich nach Ihm in der&lt;br /&gt;
Sache Gottes erhoben, wurde zur Pflicht gemacht, das einzuhalten, was&lt;br /&gt;
ihnen im Buche befohlen wurde. Niemand hat das Recht, von den Verordnungen &lt;br /&gt;
und Vorschriften Gottes abzuweichen; wer es dennoch tut, der&lt;br /&gt;
zählt im Buche Gottes, des Herrn des großen Thrones, zu den Übertretern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du, der du zum Himmel der Sache Gottes aufschaust! Wisse, daß der&lt;br /&gt;
Wunsch Gottes in Wirklichkeit niemals auf die von den Dienern errichteten &lt;br /&gt;
Schranken beschränkt ist. Wahrlich, Er wandelt nicht in ihren&lt;br /&gt;
Wegen; es ist allen zur Pflicht gemacht, auf Seinem geraden Pfad zu&lt;br /&gt;
bleiben. Wahrlich, wenn Er erklären würde, rechts sei links oder Süden&lt;br /&gt;
sei Norden, so wäre dies wahr, und es gäbe daran keinen Zweifel. Ihm&lt;br /&gt;
gebührt Lob für Seine Taten und Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.&lt;br /&gt;
Er bedarf keiner Bundesgenossen in Seinen Befehlen und keiner Gehilfen&lt;br /&gt;
bei der Ausübung Seiner Macht. „Er tut, was Er will, und befiehlt, was&lt;br /&gt;
Ihm beliebt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum wisse: Alle außer Ihm wurden durch ein Wort, das von Ihm&lt;br /&gt;
ausging, erschaffen, und es gibt bei allem Erschaffenen weder Bewegung&lt;br /&gt;
noch Ruhe, die nicht auf Seinen Befehl und Seine Erlaubnis zurückgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du, der du dich in die Höhen der Liebe und Zuneigung aufgeschwungen &lt;br /&gt;
hast, der du aufblickst zum Lichte des Angesichts deines Herrn, des&lt;br /&gt;
Königs alles Seienden. Danke Gott, denn Er enthüllte dir, was in der&lt;br /&gt;
göttlichen Erkenntnis verborgen und verhüllt war, auf daß alle erkennen&lt;br /&gt;
mögen, daß Er auf der Stufe der „mächtigsten Unfehlbarkeit“ weder &lt;br /&gt;
Gehilfen noch Berater nötig hat. Wahrlich, Er ist der Aufgangspunkt der&lt;br /&gt;
Gebote und Verordnungen und die Quelle der Erkenntnis und Weisheit.&lt;br /&gt;
Alle außer Ihm sind Untertanen und stehen unter dem Gebot, während&lt;br /&gt;
Er der Herrscher, der Gebieter, der Kennende, der Allwissende ist...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Jalíl! Wir zeigten dir wahrlich das Meer und seine Wogen, die Sonne&lt;br /&gt;
und ihren Glanz, den Himmel und seine Sterne, die Muscheln und ihre&lt;br /&gt;
Perlen. Danke Gott für diese große Gunst und diese Segnung, welche die&lt;br /&gt;
ganze Welt erfüllt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du, der du dich dem Licht des göttlichen Antlitzes zuwandtest! Aberglauben &lt;br /&gt;
umgibt in der Tat die Bewohner der Erde und hindert sie, sich&lt;br /&gt;
dem Horizont der Gewißheit und seinem strahlenden Lichte zuzuwenden.&lt;br /&gt;
Durch ihre Einbildungen lassen sie sich von dem Selbstbestehenden &lt;br /&gt;
abhalten; sie sprechen, wie es ihnen ihre Gelüste eingeben, und merken es&lt;br /&gt;
nicht. Etliche von ihnen fragen: „Sind die Verse geoffenbart?“ Antworte&lt;br /&gt;
{{page|256|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
ihnen: „Ja, durch den Herrn der Himmel!“ Sie fragen: Ist die ’Stunde’ &lt;br /&gt;
gekommen?“ Antworte ihnen: „Ja, sie ist sogar schon vorüber, bei dem&lt;br /&gt;
Offenbarer der Zeichen. Die Unvermeidliche&amp;lt;sup&amp;gt;12)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist wirklich gekommen, und&lt;br /&gt;
der Wahrhaftige erschien mit Beweisen und Gründen! Die Sahirah &amp;lt;sup&amp;gt;13)&amp;lt;/sup&amp;gt; kam&lt;br /&gt;
zum Vorschein, und die Menschen befinden sich in großer Furcht und &lt;br /&gt;
Aufregung. Die ’Erdbeben’ haben sich tatsächlich ereignet, und viele &lt;br /&gt;
Menschen jammerten aus Furcht vor Gott, dem Mächtigen, dem Starken.“&lt;br /&gt;
Sage ihnen: „Der überwältigende Schall der Posaunen ertönte, und der&lt;br /&gt;
Tag ist Gottes, des Weisen, des Unbeschränkten.“ Sie sagen ferner: „Ist&lt;br /&gt;
die &#039;Katastrophe‘ eingetreten?“ Antworte ihnen: „Ja, bei dem Herrn der&lt;br /&gt;
Herren.“ Sie fragen: „Hat die Auferstehung stattgefunden?“ Antworte&lt;br /&gt;
ihnen: „Ja, sogar der Selbstbestehende ist im Reich der Zeichen &lt;br /&gt;
erstanden.“ Sie fragen: „Hat man die Menschen ’im Staube liegend’ gefunden?&lt;br /&gt;
Antworte ihnen: „Ja, bei meinem Herrn, dem Erhabenen, Al-Abhá!“ Sie&lt;br /&gt;
fragen: „Sind die Bäume ’entwurzelt‘ worden?“ Antworte ihnen: „Nicht&lt;br /&gt;
nur dies, sondern selbst die Berge wurden durch den König aller &lt;br /&gt;
Eigenschaften gestürzt!“ &amp;lt;sup&amp;gt;14)&amp;lt;/sup&amp;gt;, Ein anderer fragt: „Wo ist nun das ’Paradies‘ und&lt;br /&gt;
die &#039;Hölle&#039;?“ Antworte ihm, das erstere sei Meine Begegnung und die&lt;br /&gt;
letztere, o du zweifelnder Götzendiener, dein eigenes Selbst. Sie sagen:&lt;br /&gt;
„Wahrlich, wir sehen die Waage&amp;lt;sup&amp;gt;15)&amp;lt;/sup&amp;gt; nicht.“ Antworte ihnen: „Bei meinem&lt;br /&gt;
Herrn, dem Gütigen, außer den Einsichtsvollen wird sie niemand sehen.“&lt;br /&gt;
Sie fragen: „Sind die Sterne vom Himmel gefallen?“ Antworte ihnen: „Ja,&lt;br /&gt;
dies geschah, als der Urewige im ’Land der Geheimnisse‘ &amp;lt;sup&amp;gt;16)&amp;lt;/sup&amp;gt; lebte!“ Seid&lt;br /&gt;
deshalb gewarnt, o ihr Einsichtsvollen! In der Tat, alle Zeichen wurden&lt;br /&gt;
offenbar, als Wir die Hand der Macht vom Busen der Größe und Allmacht&lt;br /&gt;
ausstreckten. Der Rufer hat laut gerufen; denn der verheißene Tag ist&lt;br /&gt;
gekommen, und in der Wüste des Verweilens stehen die Bewohner des&lt;br /&gt;
Berges Sinai verblüfft ob der Majestät deines Herrn, des Königs von&lt;br /&gt;
Ewigkeit her. Alsdann fragen sie: „Wurde die Posaune geblasen?“ Antworte &lt;br /&gt;
ihnen: „Ja, beim König der Offenbarung! Es geschah, als Er auf&lt;br /&gt;
den Thron Seines Namens, der Gütige, gesetzt wurde.“ In die tiefe&lt;br /&gt;
Dunkelheit drang der Strahl der aufgehenden Sonne der Barmherzigkeit&lt;br /&gt;
deines Herrn, des Aufgangspunktes des Lichts. Die Lüfte des Barmherzigen &lt;br /&gt;
wehten in der Tat und erfrischten die Seelen in den Gräbern&lt;br /&gt;
ihrer Körper. So wurde es von seiten Gottes, des Mächtigen, &lt;br /&gt;
des Gabenreichen, verordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ungläubigen fragen: „Wann wurde der Himmel gespalten?“ Antworte ihnen: &lt;br /&gt;
„Während ihr euch in den Gräbern der Achtlosigkeit und des Irrtums befandet.“ &lt;br /&gt;
Ein anderer der Ungläubigen reibt sich die Augen und blickt nach rechts &lt;br /&gt;
und links. Sage ihm: „Wahrlich, du bist blind &lt;br /&gt;
{{page|257|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
geworden, aber an diesem Tag gibt es keinen Zufluchtsort für dich.“ Andere&lt;br /&gt;
fragen: „Sind die Seelen der Menschen auferstanden?“ Antworte: „Ja, bei&lt;br /&gt;
meinem Herrn; während ihr auf dem Lager des Aberglaubens ruhtet,&lt;br /&gt;
geschah es!“ Wieder andere fragen: „Ist das Buch durch eine schöpferische&lt;br /&gt;
Macht geoffenbart worden?“ Sage ihnen: „Ja, in einer Weise, daß selbst&lt;br /&gt;
die schöpferische Macht darüber erstaunt ist.“— Seid daher gewarnt, o ihr&lt;br /&gt;
Geistiggesinnten! Andere fragen: „Sind die Blinden sehend geworden?“&lt;br /&gt;
Antworte ihnen: „Ja, durch den, der auf den Wolken reitet. Das Paradies&lt;br /&gt;
ist geschmückt mit den Rosen der Bedeutungen, und die Hölle ist entfacht &lt;br /&gt;
durch das Feuer der Gottlosen.“ Sprich: „Das Licht ist wahrlich am&lt;br /&gt;
Horizont der Offenbarung aufgegangen, und die Regionen sind erleuchtet;&lt;br /&gt;
denn der König am Tage des Bündnisses ist gekommen.“ Wer dies bezweifelt, &lt;br /&gt;
ist in großem Nachteil; aber wer mit dem Licht der Überzeugung&lt;br /&gt;
zum Dämmerort der Gewißheit eilt, hat großen Nutzen erlangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesegnet bist du, o du Schauender, weil Wir dir dieses Tablet offenbarten, &lt;br /&gt;
das den Seelen Aufschwung verleiht. Bewahre es gut und lies es.&lt;br /&gt;
Bei Meinem Leben, es ist das Tor der Gnade deines Herrn: Gesegnet ist,&lt;br /&gt;
wer es liest am Morgen und am Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Wir hörten, wie du diese Sache erwähntest, durch die der&lt;br /&gt;
Berg des Wissens eingeebnet wurde und durch die schon mancher Fuß&lt;br /&gt;
strauchelte! Bahá sei mit dem Volke Bahás, das zu dem Mächtigen, dem&lt;br /&gt;
Gabenreichen, eilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ohne die Vermittlung des Heiligen Geistes kann niemand der Gaben Gottes teilhaftig werden. Keiner darf die unzweideutigen Wahrheiten außer Acht lassen. Es ist eine offensichtliche Tatsache, daß ein Kind nicht ohne Lehrer unterrichtet werden kann; und Wissen ist eine der Gaben Gottes. Die Erde kann nicht grünen und Gras hervorbringen, wenn die Wolken keinen Regen spenden; folglich ist die Wolke eine Mittlerin zwischen den göttlichen Gaben und dem Erdboden. Ohne die Seele wächst und entwickelt sich der Körper nicht; folglich ist die Seele eine Mittlerin des geistigen Lebens.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(„Bahá’í World Faith“, p. 370)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|258|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tablet ist nun wohl beendet, aber Unsere Äußerungen sind noch&lt;br /&gt;
nicht zu Ende. Sei geduldig, denn wahrlich, dein Herr ist der Allgeduldige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgen Worte, die Wir früher, nach Unserer Ankunft in diesem&lt;br /&gt;
„Größten Gefängnis“, offenbarten. Wir senden sie dir, damit du weißt,&lt;br /&gt;
was die Zungen der Lügner behaupteten, als Gott mit Macht und Herrschergewalt &lt;br /&gt;
kam. Der Grundpfeiler des Argwohns ist erschüttert, der&lt;br /&gt;
Himmel des Aberglaubens ist zerspalten, während sich die Menschen noch&lt;br /&gt;
im Zweifel befinden und streiten. Sie leugnen den Beweis Gottes, obwohl&lt;br /&gt;
er vom Horizont der Macht mit dem Königreich der Zeichen zu ihnen&lt;br /&gt;
kam. Sie verwerfen, was ihnen befohlen ward, und begehen, was im Buche&lt;br /&gt;
Gottes verboten ist. Sie haben ihren Gott verlassen und folgen ihren&lt;br /&gt;
Gelüsten. Sind sie nicht achtlose und irrende Menschen? Sie lesen das &lt;br /&gt;
göttliche Wort und glauben es nicht. Sie sehen die offenbaren Zeichen und&lt;br /&gt;
wenden sich von ihnen ab. Leiden sie nicht unter seltsamen Zweifeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Wir ermahnen Unsere Freunde zur Gottesfurcht, welche die&lt;br /&gt;
Quelle der guten Taten und Sitten ist! Wahrlich, in der Stadt Bahás ist&lt;br /&gt;
die Gottesfurcht die Führerin der Heerscharen der Gerechtigkeit. Gesegnet&lt;br /&gt;
ist, wer sich unter ihrem strahlenden Banner sammelt und sich daran&lt;br /&gt;
festhält! Ein solcher Mensch gehört zu den Schutzbefohlenen der „Roten&lt;br /&gt;
Arche“, von der im Qayyûmu’l-Asmá &amp;lt;sup&amp;gt;17)&amp;lt;/sup&amp;gt; die Rede ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk Gottes! Schmücke deinen Tempel&amp;lt;sup&amp;gt;18)&amp;lt;/sup&amp;gt;) mit dem Mantel der &lt;br /&gt;
Vertrauenswürdigkeit und der Redlichkeit, alsdann hilf deinem Herrn mit&lt;br /&gt;
den Heerscharen guter Taten und Sitten! Wahrlich, in Unseren Büchern,&lt;br /&gt;
Sendschreiben und Tablets haben Wir euch Aufruhr und Streit verboten,&lt;br /&gt;
und dabei hatten Wir nur eure Erhebung und Erhöhung im Auge! Dies&lt;br /&gt;
bezeugen der Himmel und seine Sterne, die Sonne und ihr Glanz, die&lt;br /&gt;
Bäume und ihre Blätter, die Meere und ihre Wogen, die Erde und ihre&lt;br /&gt;
Schätze. Wir bitten Gott, Seinen Freunden beizustehen und sie in dem zu&lt;br /&gt;
stärken, was ihrer auf dieser gesegneten, mächtigen und wunderbaren&lt;br /&gt;
Stufe würdig ist. Wir bitten Ihn, diejenigen, die um Mich sind, zu &lt;br /&gt;
befähigen, das auszuführen, was ihnen durch Meine erhabene Feder &lt;br /&gt;
befohlen wurde...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: O Meine Freunde in Meinen Ländern! Höret auf den Rat&lt;br /&gt;
Dessen, Der euch um Gottes willen aufrichtig ermahnt! Wahrlich, Er hat&lt;br /&gt;
euch erschaffen und euch geoffenbart, was eurer Erhöhung dient, was&lt;br /&gt;
euch nützt und mit dem rechten Pfad und der großen Botschaft bekannt&lt;br /&gt;
macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Jalíl! Ermahne die Diener zur Gottesfurcht! Die Gottesfurcht ist in&lt;br /&gt;
Wahrheit die erste Führerin in der Streitmacht deines Herrn, und ihre&lt;br /&gt;
Truppen sind gute Sitten und reine Taten. Durch diese werden in jedem&lt;br /&gt;
Zeitalter und in jedem Jahrhundert die Städte der Herzen und Gemüter&lt;br /&gt;
besiegt und die Siegesfahnen auf den höchsten Höhen aufgepflanzt.&lt;br /&gt;
{{page|259|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erinnern dich auch an die Vertrauenswürdigkeit und an die Stelle,&lt;br /&gt;
die sie vor Gott, deinem Herrn und dem Herrn des größten Thrones,&lt;br /&gt;
einnimmt. Eines Tages begaben Wir Uns auf Unsere grüne Insel &amp;lt;sup&amp;gt;19)&amp;lt;/sup&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Als Wir sie betraten, sahen Wir fließende Bäche und blühende Bäume,&lt;br /&gt;
zwischen deren Blättern die Sonne spielte. Wir wandten Uns zur Rechten,&lt;br /&gt;
und an diesem Ort, dem ausgezeichnetsten, dem gesegnetsten, dem herrlichsten, &lt;br /&gt;
dem erhabensten, sah das Auge des Herrn der Menschheit, was&lt;br /&gt;
die Feder nicht zu beschreiben und zu schildern vermag. Uns im &lt;br /&gt;
Weitergehen nach links wendend, sahen Wir eines der Wesen des erhabenen&lt;br /&gt;
Paradieses, das, auf einer Lichtsäule stehend, mit erhobener Stimme&lt;br /&gt;
ausrief: „O ihr Scharen des Himmels und der Erde! Blickt auf meine&lt;br /&gt;
Schönheit, mein Licht, meine Offenbarung und meine Erscheinung! Bei&lt;br /&gt;
Gott, dem Einen Wahren! Ich bin die Vertrauenswürdigkeit, ihre Erscheinung &lt;br /&gt;
und Schönheit. Ich bin auch die Belohnung für den, der sich an die&lt;br /&gt;
Vertrauenswürdigkeit klammert, ihren Wert und ihre Stufe erkennt und&lt;br /&gt;
sich an ihrem Saume festhält. Ich bin der prächtigste Schmuck für das&lt;br /&gt;
Volk Bahás und ein Mantel der Ehre für alle im Reiche der Offenbarung.&lt;br /&gt;
Ich bin die wichtigste Ursache des Reichtums der Welt und der Horizont&lt;br /&gt;
der Ruhe für die Menschen dieses Seins.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise offenbarten Wir dir, was die Diener dem König des&lt;br /&gt;
Ursprungs näher bringen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erhabene Feder wendet sich jetzt von der beredten Sprache ab, &lt;br /&gt;
um zu der glanzvollen Sprache &amp;lt;sup&amp;gt;20)&amp;lt;/sup&amp;gt; überzugehen, damit Jalíl &lt;br /&gt;
die Gunst seines edlen Herrn erkenne und zu denen gehöre, die &lt;br /&gt;
dankbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du, der du auf den höchsten Horizont blickst! Der Ruf aus der Höhe&lt;br /&gt;
erschallt, aber der Gehörsinn der Menschen ist mangelhaft, ja manchmal&lt;br /&gt;
überhaupt nicht vorhanden. Im Schlunde eines Drachens gedenkt dieser&lt;br /&gt;
Unterdrückte der Freunde Gottes, In diesen Tagen wurde Uns zugefügt,&lt;br /&gt;
was selbst den himmlischen Heerscharen Kummer und Wehklagen verursachte. &lt;br /&gt;
Weder die Tyrannei der Welt noch das Unrecht der Nationen&lt;br /&gt;
konnten den König des Urseins hindern zu äußern, was Ihm beliebte,&lt;br /&gt;
und durchzuführen, was Er wollte. Als sie aber sahen, wie der Horizont&lt;br /&gt;
dieser Sache erstrahlte und welche Wirkung das Wort Gottes hatte,&lt;br /&gt;
stürmten Seelen, die jahrelang hinter Schleiern verborgen waren, mit den&lt;br /&gt;
Schwertern des Hasses auf Uns ein und fügten Uns zu, was weder die&lt;br /&gt;
Feder zu beschreiben noch die Zunge zu schildern vermag. Gerechte &lt;br /&gt;
Menschen bezeugen, daß Sich dieser Unterdrückte seit Beginn Seiner Sache&lt;br /&gt;
furchtlos und ohne Scheu vor den Augen von Königen und Untertanen,&lt;br /&gt;
Fürsten und Gelehrten erhob und sie alle mit lauter Stimme auf den&lt;br /&gt;
rechten Pfad wies. Dabei hatte Er keinen anderen Helfer als Seine Feder&lt;br /&gt;
und keinen Beistand außer Seinem eigenen Selbst. Achtlose Menschen,&lt;br /&gt;
die den Ursprung der Sache nicht kannten, traten als Gegner auf. Sie&lt;br /&gt;
sind die „Krächzer“, die Gott in den Büchern und Tablets erwähnte und&lt;br /&gt;
vor deren Verleumdungen, Geschrei und Entstellungen Er Seine Diener&lt;br /&gt;
warnte. Gesegnet ist, wer vor der Erwähnung des Königs des Urseins&lt;br /&gt;
{{page|260|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
alles in der Welt als nicht bestehend und als ein Nichts betrachtet und&lt;br /&gt;
sich derart an den festen Griff Gottes klammert, daß weder Zweifel noch&lt;br /&gt;
böse Einflüsterungen, weder Schwerter noch Kanonen imstande sind,&lt;br /&gt;
ihn davon abzubringen und ihn dessen, was er erlangt hat, zu berauben.&lt;br /&gt;
Gesegnet sind die Gefestigten, die Standhaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deiner Bitte gemäß beschrieb die erhabene Feder die Grade und Stufen&lt;br /&gt;
der „größten Unfehlbarkeit“. Damit wollten Wir bezwecken, es möchten&lt;br /&gt;
alle mit ganzer Sicherheit erkennen, daß das „Siegel der Propheten“ — möge &lt;br /&gt;
das Leben aller ein Opfer für Ihn sein — nicht Seinesgleichen hatte&lt;br /&gt;
und daß keiner Ihm auf Seiner Stufe ebenbürtig ist. Die Heiligen &amp;lt;sup&amp;gt;21)&amp;lt;/sup&amp;gt; — möge&lt;br /&gt;
das Lob Gottes auf ihnen ruhen — sind alle durch Sein Wort erschaffen&lt;br /&gt;
worden. Nach Ihm waren sie die Weisesten und Vortrefflichsten unter den&lt;br /&gt;
Gläubigen; sie nahmen die höchste Stufe des Dienens ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das göttliche Wesen geheiligt und erhaben über jeglicher Ähnlichkeit &lt;br /&gt;
oder Ebenbürtigkeit steht und zu rein ist, um Genossen und Seinesgleichen &lt;br /&gt;
zu haben, ist klar und wurde dir bereits bewiesen. Dies ist die&lt;br /&gt;
Stufe wirklicher Einheit und vollkommener Einzigkeit; aber die &lt;br /&gt;
Angehörigen der voraufgegangenen Gemeinschaft &amp;lt;sup&amp;gt;22)&amp;lt;/sup&amp;gt; sind dieser &lt;br /&gt;
Erkenntnis beraubt; sie vermögen diese Stufe nicht zu erkennen, wie sie es &lt;br /&gt;
von rechtswegen sollten. Seine Heiligkeit der „Punkt“ &amp;lt;sup&amp;gt;23)&amp;lt;/sup&amp;gt; — möge das &lt;br /&gt;
Leben aller ein Opfer für Ihn sein — sagte: „Wenn Seine Heiligkeit ‚das Siegel‘&lt;br /&gt;
nicht das Wort ‚Viláyát‘ &amp;lt;sup&amp;gt;24)&amp;lt;/sup&amp;gt; geäußert hätte, so würde es keine Viláyát&lt;br /&gt;
gegeben haben“. Die Anhänger der voraufgegangenen Gemeinschaft treiben Vielgötterei; &lt;br /&gt;
dennoch zählen sie sich zu den Gläubigen an die göttliche&lt;br /&gt;
Einheit. Sie sind die Unwissenden unter den Dienern, dennoch halten sie&lt;br /&gt;
sich für allen anderen überlegen. Als Strafe für diese achtlosen Seelen&lt;br /&gt;
wurde der Zustand ihres Glaubens und die Stufe, die sie darin einnehmen, &lt;br /&gt;
an diesem Tag der Vergeltung für jeden denkenden und einsichtsvollen &lt;br /&gt;
Menschen klar und offenbar. Bitte Gott, daß Er die Diener dieser&lt;br /&gt;
Offenbarung vor den Einbildungen und dem Aberglauben der voraufgegangenen &lt;br /&gt;
Glaubensgemeinschaft bewahre und sie nicht des Glanzes, der vom &lt;br /&gt;
Lichte der Sonne wahrer Einheit ausgeht, beraube.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Jalíl! Der Unterdrückte der Welt spricht: Die Sonne der Gerechtigkeit &lt;br /&gt;
und Unparteilichkeit ist hinter den Wolken verborgen; Diebe nehmen&lt;br /&gt;
die Stellung der Wächter und Beschützer ein, und Treulose wurden an&lt;br /&gt;
die Stelle der Vertrauenswürdigen gesetzt. Im vergangenen Jahr war&lt;br /&gt;
ein Tyrann Gouverneur dieser Stadt. Unter ihm erlitten Wir bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit ein Unrecht. Beim Leben Gottes, er veranlaßte stets, was&lt;br /&gt;
Furcht und Schrecken einflößte. Aber die Tyrannei der ganzen Welt ist&lt;br /&gt;
nicht imstande, die erhabene Feder aufzuhalten. Aus besonderer Gnade&lt;br /&gt;
und Barmherzigkeit für die Regenten und Berater der Welt schrieben&lt;br /&gt;
Wir, was Schutz, Sicherheit, Wohlergehen und Ruhe der Menschheit &lt;br /&gt;
fördert. Vielleicht werden dadurch die Diener vor der Bosheit der &lt;br /&gt;
Tyrannen beschützt. Wahrlich, Gott ist der Beschützer, der Helfer, &lt;br /&gt;
der Bestätiger!&lt;br /&gt;
{{page|261|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit müssen ihr Augenmerk bei&lt;br /&gt;
Tag und Nacht auf das richten, was von dem Himmel der erhabenen&lt;br /&gt;
Feder für die Erziehung der Menschen, den Aufbau der Länder, den&lt;br /&gt;
Schutz ihrer Bewohner und die Wahrung der menschlichen Ehre geoffenbart wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS ERSTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Sonne der Weisheit am Horizont der göttlichen Ordnung aufging, &lt;br /&gt;
sprach sie in folgenden erhabenen Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reichen, Geachteten und Mächtigen müssen der Religion die &lt;br /&gt;
größtmögliche Ehrfurcht entgegenbringen. Die Religion ist ein strahlendes Licht&lt;br /&gt;
und eine starke Feste für den Schutz und die Ruhe der gesamten Menschheit; &lt;br /&gt;
denn die Gottesfurcht gebietet den Menschen zu tun, was recht ist,&lt;br /&gt;
und verbietet ihnen, was böse ist. Wenn das Licht der Religion verborgen&lt;br /&gt;
bliebe, würden Aufruhr und Anarchie überhandnehmen, und die Sonne&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, des Friedens und der Ruhe könnte&lt;br /&gt;
kein Licht geben. Jeder einsichtsvolle Mensch wird dem hier Gesagten&lt;br /&gt;
zustimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS ZWEITE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben den Größten Frieden befohlen; denn er ist das beste Mittel&lt;br /&gt;
für den Schutz der Menschheit. Die Herrscher der Welt müssen sich&lt;br /&gt;
einhellig an diesen Befehl, die Hauptursache der Sicherheit und Ruhe in&lt;br /&gt;
der Welt, halten. Die Regenten sind die Ausgangspunkte der Macht und&lt;br /&gt;
der Autorität Gottes. Wir bitten Gott, ihnen in allem beizustehen, was&lt;br /&gt;
zum Frieden der Völker führt. Die Erklärung dieses Themas wurde schon&lt;br /&gt;
früher durch die erhabene Feder geoffenbart. Gesegnet ist, wer danach&lt;br /&gt;
handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS DRITTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
befiehlt die Durchführung der Strafgesetze, denn dies ist das beste Mittel&lt;br /&gt;
für die Aufrechterhaltung der Welt. Der Himmel göttlicher Weisheit ist&lt;br /&gt;
beleuchtet von zwei Sonnen: Beratung und Güte, und das Zelt der Ordnung &lt;br /&gt;
der Welt ist errichtet auf zwei Pfeilern: Belohnung und Bestrafung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS VIERTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Offenbarung sind würdige Taten und gute Sitten die &lt;br /&gt;
Heerscharen, die zum Siege führen, und ihr Führer und Befehlshaber ist&lt;br /&gt;
göttliche Frömmigkeit. Diese umfaßt alles und beherrscht alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS FÜNFTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bestimmt, daß die Regierungen mit den Verhältnissen der Beamten vertraut &lt;br /&gt;
sein müssen, und daß sie ihnen Amt und Würde ihren Verdiensten&lt;br /&gt;
gemäß verleihen sollen. Dieser Angelegenheit Beachtung zu schenken, ist&lt;br /&gt;
unbedingt bindend und jedem Regierungsoberhaupt zur Pflicht gemacht.&lt;br /&gt;
{{page|262|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
Auf diese Weise mag vielleicht vermieden werden, daß sich Treulose die&lt;br /&gt;
Stellung der Vertrauenswürdigen aneignen oder Plünderer die Stellung&lt;br /&gt;
der Wächter einnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Beamten dieses Größten Gefängnisses gab es von jeher&lt;br /&gt;
etliche, die sich — Gott sei Dank — durch Gerechtigkeitssinn &lt;br /&gt;
auszeichneten, aber über das Gebaren der anderen wollen Wir schweigen und&lt;br /&gt;
Unsere Zuflucht zu Gott nehmen. Wir bitten Ihn, daß Er sie führen möge,&lt;br /&gt;
damit sie vielleicht nicht der Früchte des Baumes der Vertrauenswürdigkeit &lt;br /&gt;
und Redlichkeit beraubt noch vom Lichte der Sonne der Unparteilichkeit und &lt;br /&gt;
Gerechtigkeit ferngehalten sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS SECHSTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bezieht sich auf Eintracht und Harmonie unter den Menschen. Durch&lt;br /&gt;
Eintracht wurden die Regionen der Welt stets mit dem Lichte der Sache&lt;br /&gt;
Gottes erleuchtet. Sich mit der Sprache und Schrift anderer Völker&lt;br /&gt;
bekannt zu machen, ist das beste Mittel hierzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben schon in früheren Sendschreiben befohlen, daß die Mitglieder &lt;br /&gt;
des Hauses der Gerechtigkeit aus den bestehenden Sprachen {{Sperrsatz|eine}}&lt;br /&gt;
auswählen oder eine neue Sprache als Weltsprache einführen müssen. In&lt;br /&gt;
gleicher Weise bestimmten Wir, daß sie unter den verschiedenen &lt;br /&gt;
Schriftarten eine auswählen und diese die Kinder in den Schulen der &lt;br /&gt;
ganzen Welt lehren sollen, damit dadurch die ganze Welt als {{Sperrsatz|ein}} Vaterland&lt;br /&gt;
angesehen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die köstlichste Frucht vom Baum der Erkenntnis ist dieses erhabene&lt;br /&gt;
Wort: „Ihr seid alle die Früchte {{Sperrsatz|eines}} Baumes und die &lt;br /&gt;
Blätter {{Sperrsatz|eines}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Kommen der Propheten und die Offenbarung der heiligen Bücher haben zum Ziel, Liebe zwischen den Menschenseelen und Freundschaft unter den Erdbewohnern zu schaffen. Es gibt keine wahre Liebe, es sei denn, der Mensch wendet sein Antlitz Gott zu und fühlt sich hingezogen zu Seiner Schönheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:(„Bahá’í World Faith“, p. 364)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|263|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
Zweiges. Ruhm gebührt nicht dem, der sein Vaterland liebt, sondern dem,&lt;br /&gt;
der das ganze Menschengeschlecht liebt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang haben Wir schon früher geoffenbart, was&lt;br /&gt;
das Mittel für das Wohlergehen der Welt und die Vereinigung der &lt;br /&gt;
Nationen ist. Gesegnet ist, wer dazu gelangt und wer es in die &lt;br /&gt;
Tat umsetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS SIEBENTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erhabene Feder macht allen zur Pflicht, die Kinder zu unterrichten&lt;br /&gt;
und zu erziehen. Nach Unserer Ankunft im Gefängnis (‘Akká) wurden&lt;br /&gt;
diesbezüglich im Buche Aqdas &amp;lt;sup&amp;gt;25)&amp;lt;/sup&amp;gt; folgende Worte vom Himmel des &lt;br /&gt;
göttlichen Willens geoffenbart: „Es wird verordnet, daß jeder Vater seine&lt;br /&gt;
Söhne und Töchter in Gelehrsamkeit und Schrifttum erzieht sowie in dem,&lt;br /&gt;
was in dem Tablet verordnet ist. Wird dies von jemand vernachlässigt,&lt;br /&gt;
so ist es Pflicht der Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit, den für die&lt;br /&gt;
Erziehung der Kinder erforderlichen Betrag von den Eltern, sofern diese&lt;br /&gt;
bemittelt sind, einzuziehen; sind aber die Eltern unbemittelt, dann soll&lt;br /&gt;
die Angelegenheit dem Haus der Gerechtigkeit übertragen werden. Wahrlich, &lt;br /&gt;
Wir machten das Haus der Gerechtigkeit zu einem Zufluchtsort für&lt;br /&gt;
die Armen und Bedürftigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand seinen Sohn oder Kinder eines anderen erzieht, so ist es,&lt;br /&gt;
als erziehe er Meine Kinder. Auf einem solchen seien Meine Herrlichkeit,&lt;br /&gt;
Meine Vorsehung und Meine Barmherzigkeit, die alles auf der Welt umfaßt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS ACHTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende durch die erhabene Feder geschriebene Abschnitt ist aus&lt;br /&gt;
dem Buch Aqdas entnommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angelegenheiten des Volkes sind den Mitgliedern des Hauses der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit unterstellt. Diese sind die Vertrauensleute Gottes unter&lt;br /&gt;
Seinen Dienern und die Quellen der Befehlsgewalt in Seinen Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk Gottes! Der Erzieher der Welt ist die Gerechtigkeit, denn sie&lt;br /&gt;
besteht aus zwei Pfeilern: Belohnung und Bestrafung. Diese beiden&lt;br /&gt;
Pfeiler sind zwei Brunnen des Lebens für die ganze Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Tag und jede Zeit erfordern besondere Regelungen oder Anordnungen. &lt;br /&gt;
Deshalb sind alle Angelegenheiten dem Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
anvertraut, und dieses mag ausführen, was ihm jeweils geeignet erscheint.&lt;br /&gt;
Wer sich aufmacht, der Sache Gottes aufrichtig zu dienen, um Ihm zu&lt;br /&gt;
gefallen, wird mit der unsichtbaren göttlichen Eingebung begnadet. Allen&lt;br /&gt;
ist es zur Pflicht gemacht, ihnen (den Mitgliedern des Hauses der &lt;br /&gt;
Gerechtigkeit) zu gehorchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungsgeschäfte sind alle dem Haus der Gerechtigkeit übertragen. &lt;br /&gt;
Andachtshandlungen müssen so gehalten werden, wie es im Buch&lt;br /&gt;
geoffenbart ist.&lt;br /&gt;
{{page|264|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk Bahás! Ihr seid die Aufgangsorte der Liebe und der Gunst&lt;br /&gt;
Gottes. Befleckt eure Zunge nicht dadurch, daß ihr irgend jemanden &lt;br /&gt;
verflucht oder verwünscht, und behütet eure Augen vor dem, was unwürdig&lt;br /&gt;
ist! Zeigt, was in euch ist! Wird es angenommen, ist das Ziel erreicht;&lt;br /&gt;
wird es abgelehnt, so ist es nicht erlaubt, mit denen, die es verwerten,&lt;br /&gt;
zu streiten. Überlaßt sie sich selbst und schreitet voran, hin zu Gott, dem&lt;br /&gt;
Beschützer, dem Selbstbestehenden. Seid nicht die Ursache des Kummers,&lt;br /&gt;
geschweige denn des Aufruhrs und des Streites! Wir hoffen, daß ihr im&lt;br /&gt;
Schatten des Baumes göttlicher Gunst erzogen werdet und daß ihr tätig&lt;br /&gt;
seid nach Gottes Willen. Ihr seid alle die Blätter {{Sperrsatz|eines}} Baumes und die&lt;br /&gt;
Tropfen {{Sperrsatz|eines}} Meeres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS NEUNTE ISHRÁQ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion Gottes und der Glaube an Gott wurden vom Himmel des&lt;br /&gt;
Willens des urewigen Königs geoffenbart und verkündet, um Einigkeit und&lt;br /&gt;
Harmonie unter die Menschheit zu bringen; macht sie daher nicht zur&lt;br /&gt;
Ursache der Uneinigkeit und des Mißklangs!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion Gottes und Sein Gesetz sind die größte Ursache und das&lt;br /&gt;
stärkste Mittel für das Erscheinen und Erstrahlen der Sonne der Einigkeit.&lt;br /&gt;
Die Entwicklung der Welt, die Erziehung der Nationen, die Ruhe der&lt;br /&gt;
Menschen und die Sicherheit der Völker aller Länder waren stets den&lt;br /&gt;
göttlichen Verordnungen und Gesetzen zuzuschreiben. Die Religion ist&lt;br /&gt;
die Hauptursache dieser größten Gabe. Sie spendet den Kelch der Kraft,&lt;br /&gt;
sie verleiht ewiges Leben und gewährt den Menschen unvergängliche&lt;br /&gt;
Segnungen. Die Regenten der Erde, ganz besonders aber die Mitglieder&lt;br /&gt;
des Hauses der Gerechtigkeit, müssen die größten Anstrengungen machen,&lt;br /&gt;
der Religion diese Stellung zu erhalten, sie zu beschützen und zu fördern.&lt;br /&gt;
Des weiteren ist notwendig, daß sie die Verhältnisse des Volkes &lt;br /&gt;
untersuchen und sich mit dem Tun und den Angelegenheiten eines jeden &lt;br /&gt;
in den Gemeinden vertraut machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bitten die Könige und Führer des Volkes, sich als Offenbarer der&lt;br /&gt;
göttlichen Macht zu bemühen, daß die Uneinigkeit unter den Menschen&lt;br /&gt;
verschwinde und die Welt mit dem Licht der Eintracht erleuchtet werde.&lt;br /&gt;
Alle müssen sich an das halten, was von der erhabenen Feder geoffenbart&lt;br /&gt;
wurde, und müssen es verwirklichen. Der eine wahre Gott und alle&lt;br /&gt;
Atome des Weltalls bezeugen, daß Wir in den Briefen und Tablets durch&lt;br /&gt;
die erhabene Feder nur offenbarten, was zur Erhöhung, Hebung, Erziehung, &lt;br /&gt;
zum Schutz und Fortschritt der Menschheit führt. Wir bitten Gott,&lt;br /&gt;
daß Er Seine Diener stärken möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was dieser Unterdrückte von allen verlangt, ist Gerechtigkeit und&lt;br /&gt;
Unparteilichkeit. Sie sollen nicht nur hören auf das, was von diesem&lt;br /&gt;
Unterdrückten ausging, sondern auch darüber nachdenken. Ich versichere&lt;br /&gt;
bei der Sonne des göttlichen Wortes, die am Horizont des Reiches des&lt;br /&gt;
Gütigen aufging, daß Wir Uns nicht zum Gegenstand des Tadels, des&lt;br /&gt;
Spottes und der Verleumdung seitens der Menschen gemacht hätten,&lt;br /&gt;
wenn ein anderer Erklärer oder Sprecher zu finden gewesen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Unserer Ankunft im ‘Iráq befand sich die Sache Gottes in einem&lt;br /&gt;
Zustand des Stillstandes; die Düfte der Offenbarung hatten aufgehört zu&lt;br /&gt;
{{page|265|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
wehen. Die meisten der Gläubigen waren welk, ja sogar geistig tot. &lt;br /&gt;
Deshalb erschallte die Posaune „zum zweiten Mal“, und die folgenden &lt;br /&gt;
gesegneten Worte strömten über die Zunge der Größe: „Wir haben die Posaune&lt;br /&gt;
ein zweites Mal erschallen lassen!“ Auf diese Weise belebten Wir die Welt&lt;br /&gt;
mit den Düften der Offenbarung und der Eingebung. Darauf tauchten aus&lt;br /&gt;
jedem Versteck eine Anzahl Seelen auf, die beabsichtigten, diesen &lt;br /&gt;
Unterdrückten zu verfolgen. Sie haben die machtvolle Wohltat gehemmt &lt;br /&gt;
und verworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Volk der. Gerechtigkeit! Wenn diese Sendung abzuleugnen wäre,&lt;br /&gt;
welche Sache auf dieser Erde wäre dann der Darlegung wert oder &lt;br /&gt;
verdiente, anerkannt zu werden? Unsere Gegner sammeln die geoffenbarten&lt;br /&gt;
Worte dieser Manifestation, und wo sie solche bis jetzt fanden, da &lt;br /&gt;
bemächtigten sie sich ihrer durch erheuchelte Liebe. Bei jeder &lt;br /&gt;
Religionsgemeinschaft geben sie vor, zu den Gläubigen zu zählen. Sprich: &lt;br /&gt;
Sterbet in eurem Zorn! Wahrlich, Er kam mit einer Sache, die keiner &lt;br /&gt;
leugnen kann, der mit Gesicht, Gehör, Scharfsinn, Gerechtigkeit und &lt;br /&gt;
Unparteilichkeit ausgestattet ist, Dies bezeugt die Feder des Urewigen &lt;br /&gt;
in dieser Zeit des deutlichen Beweises.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Jalíl! Auf dir sei meine Herrlichkeit! Wir gebieten den Freunden des&lt;br /&gt;
Einen Wahren, sich guter Taten zu befleißigen, damit es ihnen gelinge,&lt;br /&gt;
in Übereinstimmung mit dem zu handeln, was vom Himmel des Gebots&lt;br /&gt;
geoffenbart wurde. Der Segen aus den Äußerungen des Barmherzigen&lt;br /&gt;
fällt denen zu, die danach leben. Wir bitten Gott, daß Er die Freunde&lt;br /&gt;
stärke in dem, was Er liebt und billigt, daß Er sie befähige, gemäß diesem&lt;br /&gt;
unwiderleglichen Befehl gerecht und unparteiisch zu handeln, daß Er sie&lt;br /&gt;
mit Seinen Zeichen bekannt mache und sie auf Seinen rechten Pfad leite.&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit der Vorläufer — möge das Leben aller ein Opfer für&lt;br /&gt;
Ihn sein — hat gewisse Verordnungen gegeben, aber alle Gebote wurden&lt;br /&gt;
von Unserer Bestätigung abhängig gemacht. Dieser Unterdrückte hat&lt;br /&gt;
daher einige dieser Gebote bestätigt und sie mit etwas veränderten Worten&lt;br /&gt;
im Buch Aqdas wiedergegeben, während Wir andere nicht annahmen. Dies&lt;br /&gt;
liegt in Gottes Hand. Er tut, was Er will, und verordnet, was Ihm beliebt.&lt;br /&gt;
Er ist der Mächtige, der Gepriesene!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige weitere Verordnungen wurden in Form von Gebeten geoffenbart.&lt;br /&gt;
Gesegnet ist, wer dazu gelangt und danach handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Volk Gottes muß sich aufs äußerste bemühen, damit das in den&lt;br /&gt;
Herzen der Menschen verborgene Feuer der Erbitterung und des Hasses&lt;br /&gt;
mit dem Wasser der göttlichen Unterweisungen und Ermahnungen ausgelöscht &lt;br /&gt;
wird und die Bäume des Seins wunderbare und köstliche Früchte&lt;br /&gt;
tragen. Wahrlich, Er ist der mitleidige und wohltätige Ermahner!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrlichkeit, die vom Himmel der göttlichen Gaben erstrahlt, ruhe auf&lt;br /&gt;
dir, o Volk Bahás, und auf jedem, der fest, standhaft, unerschüttlich und&lt;br /&gt;
verständig ist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf deine Frage bezüglich der Zinsen und der Erträgnisse von Gold und&lt;br /&gt;
Silber antworten Wir: Vor einigen Jahren wurde vom Himmel des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Fortsetzung Seite 268&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|266|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolgreiche Bahá’í-Lehrarbeit im Jahr 1962===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außergewöhnlich reiche Früchte hat die Bahá’í-Lehrarbeit im letzten Jahr im &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|schwarzen Erdteil}} gezeitigt. Insbesondere in Zentral- und &lt;br /&gt;
Ostafrika ist die Zahl der Gläubigen und der Zentren 1962 stark gestiegen. &lt;br /&gt;
Waren es im Jahr 1956 in diesem Bereich des afrikanischen Kontinents erst &lt;br /&gt;
61 Geistige Räte, so zählte man am Ende des Jahres 1962 annähernd 700 Geistige&lt;br /&gt;
Räte. Allein in der Kongo-Republik sind bis jetzt rund 150 Geistige Räte &lt;br /&gt;
gebildet worden. In Britisch Kamerun konnten innerhalb weniger Monate im &lt;br /&gt;
vergangenen Jahr zwölf neue Geistige Räte ins Leben gerufen werden. Unter den &lt;br /&gt;
neu erklärten Bahá’í befinden sich über 100 Pygmäen, die im letzten Jahr &lt;br /&gt;
erstmals einen Abgeordneten zur zentral- und ostafrikanischen Jahrestagung&lt;br /&gt;
entsandten. Auch in anderen Teilen der Welt wächst die Zahl der Bahá’í &lt;br /&gt;
unaufhörlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unser Bild zeigt den Besuch von Präsident Tubman (Mitte) am Schrein des Báb. Von links: Tubman, Rúhiyyih Khánum und der Oberbürgermeister von Haifa, Aba Khoushy.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ein Bild von der letzten Jahresversammlung der Bahá’í von Zentral- und Ostafrika.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|267|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In {{Sperrsatz|Lateinamerika}} haben im Verlaufe eines Jahres Tausende &lt;br /&gt;
den Glauben angenommen. So bestehen z.B. in Bolivien jetzt 62 Geistige Räte,&lt;br /&gt;
in Kolumbien konnten vier neue Räte, darunter einer, der ausschließlich aus &lt;br /&gt;
Indianern besteht, gebildet werden. In Mexico hat sich die Zahl der&lt;br /&gt;
Bahá’í verdoppelt. In Korea sind zwei weitere Räte gebildet worden, auf einer &lt;br /&gt;
Inselgruppe vor Sumatra haben die Einwohner von acht Dörfern den Bahá’í-Glauben &lt;br /&gt;
angenommen. In Indien hat die Zahl der Geistigen Räte in den letzten Monaten &lt;br /&gt;
300 weit überschritten. Im Zentrum des Bahá’í-Glaubens, in Haifa/Israel, &lt;br /&gt;
wurden im abgelaufenen Jahr wieder mehrere hochgestellte Persönlichkeiten empfangen. &lt;br /&gt;
Ein besonderes Ereignis war der Besuch von Präsident Tubman aus Liberia, den dieser &lt;br /&gt;
zusammen mit seiner Gattin dem Schrein des Báb auf dem Berge Karmel abstattete. &lt;br /&gt;
Vor ihm hatte bereits der israelische Staatspräsident Ben Zvi die heiligen Stätten&lt;br /&gt;
auf dem Karmel besucht. Außerdem konnten die Bahá’í die Kulturattachés aller in &lt;br /&gt;
Israel vertretenen ausländischen Botschaften begrüßen.&lt;br /&gt;
{{page|268|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Fortsetzung von Seite 265&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barmherzigen und im Namen Gottes für Zaynu’l-Muqarrabín — auf ihm sei&lt;br /&gt;
die Herrlichkeit Gottes — folgendes geoffenbart: „Die meisten Menschen&lt;br /&gt;
sind auf solche Dinge angewiesen; denn wenn kein Nutzen aus geliehenem&lt;br /&gt;
Geld erlaubt wäre, würden die Geschäfte gehemmt werden und ins Stocken &lt;br /&gt;
geraten. Es wird selten jemand zu finden sein, der in geschäftlichen&lt;br /&gt;
Angelegenheiten derart auf seinen Nebenmenschen — sei dieser Landsmann &lt;br /&gt;
oder Bruder — Rücksicht nimmt, daß er bereit ist, ihm nach dem&lt;br /&gt;
Prinzip „Gharzí Hasan“ &amp;lt;sup&amp;gt;26)&amp;lt;/sup&amp;gt; Geld zu leihen. Daher haben Wir als &lt;br /&gt;
eine Gunst für die Menschen verordnet, daß, wie bei anderen &lt;br /&gt;
Geschäftsunternehmen, die unter den Menschen gebräuchlich sind, auch aus &lt;br /&gt;
ausgeliehenem Geld ein Nutzen zulässig ist. Von dem Augenblick an, da diese &lt;br /&gt;
klare Verordnung vom Himmel des göttlichen Willens herabgesandt wurde, ist&lt;br /&gt;
es den Menschen erlaubt und gilt als gesetzmäßig und rein, Zinsen für&lt;br /&gt;
ausgeliehenes Geld zu fordern. Dies geschah, damit die Menschen den&lt;br /&gt;
Geliebten mit größter Freude, Glückseligkeit und Frohlocken preisen.&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er verordnet, was und wie Er will, und Er erklärt jetzt das&lt;br /&gt;
Zinsnehmen für ebenso rechtmäßig, wie Er es früher für ungesetzlich&lt;br /&gt;
erklärte &amp;lt;sup&amp;gt;27)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Das Reich des Gebots ist in Seiner Hand. Er &lt;br /&gt;
tut und verordnet, was Er will, denn Er ist der Gebieter, der Allwissende.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Zaynu’l-Muqarrabín! Danke deinem Herrn für diese offenbare Gnade!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die persischen Mullá haben häufig für ihr ausgeliehenes Geld Wucherzinsen &lt;br /&gt;
gefordert und die Leute auf vielfache Art und Weise getäuscht und&lt;br /&gt;
betrogen; aber äußerlich hüllten sie dies in das Gewand der Gesetzmäßigkeit. &lt;br /&gt;
Aus den Geboten Gottes und aus Seinen Gesetzen machen sie ein&lt;br /&gt;
Spielzeug, und sie haben kein Verständnis dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in dieser Angelegenheit des Zinsnehmens muß Mäßigung und&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit walten. Aus göttlicher Weisheit und um es den Dienern&lt;br /&gt;
leichter zu machen, hat es die erhabene Feder unterlassen, hierin Grenzen&lt;br /&gt;
festzusetzen. Wir ermahnen die Freunde Gottes, derart gerecht und billig&lt;br /&gt;
zu handeln, daß dadurch die Barmherzigkeit Seiner Geliebten und ihr&lt;br /&gt;
Mitgefühl untereinander offenbar wird. Wahrlich, Er ist der Ratgeber, der&lt;br /&gt;
Mitleidige, der Wohltätige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebe Gott, daß alle befolgen, was von der Zunge des Einen Wahren&lt;br /&gt;
floß. Wenn sie alles befolgen, was hier erwähnt wurde, wird ihnen &lt;br /&gt;
Gott - erhaben ist Seine Herrlichkeit! - unzweifelhaft für die einander &lt;br /&gt;
erzeigte Barmherzigkeit das Doppelte aus dem Himmel Seiner Gnade verleihen.&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist der Gnädige, der Vergebende, der Barmherzige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott, dem Erhabenen, dem Großen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung dieser Angelegenheiten aber ist den Mitgliedern des&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit anbefohlen, die stets nach den Erfordernissen&lt;br /&gt;
der Zeit und mit Weisheit handeln müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schluß ermahnen Wir alle noch einmal zu Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, &lt;br /&gt;
Liebe und Wohlwollen. Wahrlich, ihr seid das Volk Bahás, die&lt;br /&gt;
Gefährten der „Roten Arche“! Auf euch sei der Friede Gottes, des Herrn&lt;br /&gt;
der Namen und des Schöpfers des Himmels!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
Deutsch in Auszügen aufgrund der englischen Übersetzung von ‘Alí Kulí&lt;br /&gt;
Khán, Chicago 1917; vgl. auch “Bahá’í World Faith, Selected Writings of&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh and ‘Abdu’l-Bahá“, Wilmette/Ill., USA, 1943/1956, S. 197 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ishráqát = (arab.) Glanz, Pracht, Herrlichkeit; Einzahl: ishráq.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Wort „Zeichen“ ist hier im Sinne der Tierkreiszeichen zu verstehen.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies bezieht sich auf die „Lehre vom Punkt“. Der Punkt ist die erste Ausgießung des Unsichtbaren für eine „neue Schöpfung“; vom Punkt werden die Buchstaben hergeleitet. Die Symbolik wird verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Buchstaben des persisch-arabischen Alphabets weitgehend durch Punkte charakterisiert werden, so z. B. der Buchstabe „b“ durch einen Punkt unter der Schreiblinie. In den Tagen des Báb wurde dies erklärt, indem er als „Punkt der Offenbarung“ erschien und Seine ersten Jünger als die „18 Buchstaben des Lebendigen“ bezeichnet wurden.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name der Súrih-al-Fatihá (die „Öffnende“), der ersten Súrih des Qur’án; auch sie beginnt mit „b“: „Bismi’lláhi’r-Rahmáni’-Rahim“, „Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen...“ Diese Súrih wird auch „Missani“ genannt, d. h. die „wiederholt zu lesende“, da ihre Verse einen Teil des täglichen Gebets der Muslim bilden.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Eine gewisse Form der Offenbarung oder eine Schrift, die dem Preis und Ruhm Gottes gilt. Dieses Sendschreiben begann mit einer „Humilí“, und nun folgt eine zweite.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Persönlichkeit des Offenbarers&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus dem Qur’án: der Bericht von Moses, als er im Sinai das Feuer im Busch erblickte.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; Jesus Christus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;8)&amp;lt;/sup&amp;gt; Moses&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;9)&amp;lt;/sup&amp;gt; den Offenbarer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;10)&amp;lt;/sup&amp;gt; Über die „größte Unfehlbarkeit“ lehrt ‘Abdu’l-Bahá, daß die Unfehlbarkeit eines Offenbarers von den Menschen nicht aus ihrem begrenzten Gesichtskreis und ihrer subjektiven Einschätzung der Taten einer Manifestation Gottes beurteilt werden kann. Der Gottgesandte ist unfehlbar in dem Sinn, daß Er als der Tempel Gottes „tut, was Er will“. Bei allem, was Er tut, muß der Mensch erkennen, daß es auf göttliche Weisheit gegründet ist.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;12)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Alhakkat“. Die „unvermeidliche“ (Stunde) sowie die vorerwähnten und nachfolgenden Zeichen sind Merkmale des Jüngsten Tags, wie sie im Qur’án, Súrih 69 und anderorts, aufgezählt werden.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;13)&amp;lt;/sup&amp;gt; wörtlich: „die Erde“ oder „das Antlitz der Erde“, d. h. die Erdoberfläche. Nach islamischer Überlieferung ist Sahirah ein Land, das Gott am Tag des Gerichts erschaffen würde. Daher gilt dieses Wort als Zeichen des Auferstehungstages.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;14)&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu Jesaja 40, 4&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;15)&amp;lt;/sup&amp;gt; die Waage, auf der am Tage des Gerichts die Taten der Menschen gewogen werden.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;16)&amp;lt;/sup&amp;gt; Adrianopel (Edirne)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;17)&amp;lt;/sup&amp;gt; Kommentar des Báb zur Súrih von Joseph (Qur’án 12), begonnen in der Nacht Seiner Erklärung am 23. Mai 1844. Der Hauptzweck dieses bedeutsamen Buches war, die Leiden vorauszusagen, die der Verheißene (Bahá’u’lláh) von Seinem fehlgeleiteten Bruder werde erdulden müssen.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;18)&amp;lt;/sup&amp;gt; d.h. Körper&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;19)&amp;lt;/sup&amp;gt; der Garten Ridván bei Baghdád. Vgl. auch Tablet Tarázát, „BAHA’I-BRIEFE“ 9, S. 204.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;20)&amp;lt;/sup&amp;gt; vom Arabischen zum Persischen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;21)&amp;lt;/sup&amp;gt;)d.h. die Imáme und rechtmäßigen Nachfolger Muhammads&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;22)&amp;lt;/sup&amp;gt; d.h. die Muslim&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;23)&amp;lt;/sup&amp;gt; d.h. der Báb&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;24)&amp;lt;/sup&amp;gt; „Viláyát“ heißt Nachfolge oder Hütertum. Hier ist darunter die Stufe der zwölf Imáme und rechtmäßigen Nachfolger Muhammads zu verstehen.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;25)&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Kitáb-i-Aqdas ist das „heiligste Buch“ Bahá’u’lláhs. Es wurde um 1873 in ‘Akká geoffenbart und ist „die Charta Seiner Weltordnung, der Hauptaufbewahrungsort Seiner Gesetze, die Ankündigung Seines Bundes und das Hauptwerk, das einige Seiner vornehmsten Ermahnungen, bedeutsamsten Erklärungen und wunderbarsten Prophezeiungen enthält“ (Shoghi Effendi, „The Promised Day is Come“, S. 24).&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;26)&amp;lt;/sup&amp;gt; wörtlich: „gutes Darlehen“, d. h. ohne Zinsen ausgeliehenes Geld, das nach Gutdünken des Schuldners zurückgezahlt wird.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;27)&amp;lt;/sup&amp;gt; Zinsnehmen („Riba“) ist im Islám als Wucher verboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|269|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Richtbaum auf dem europäischen „Haus der Andacht&amp;quot;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April dieses Jahres soll in Langenheim im Taunus der europäische&lt;br /&gt;
Muttertempel der Bahá’í seiner Bestimmung übergeben werden. Rund&lt;br /&gt;
fünf Monate vor diesem festlichen Ereignis, zu dem Bahá’í aus vielen&lt;br /&gt;
Teilen der Welt erwartet werden, wurde am 16. November letzten Jahres&lt;br /&gt;
das Richtfest begangen. Neben den Gemeinderäten von Langenhain, &lt;br /&gt;
Bürgermeister {{Sperrsatz|Nickel}}, dessen Amtsvorgänger Bürgermeister &lt;br /&gt;
a.D. {{Sperrsatz|Heuss}}, hatten sich die Bauarbeiter am „Haus der Andacht“ &lt;br /&gt;
versammelt, wo nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den stellvertr. Vorsitzenden &lt;br /&gt;
des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Deutschland, Dr. E. {{Sperrsatz|Schmidt}},&lt;br /&gt;
namens des Bauherrn Architekt Dipl.-Ing. Teuto {{Sperrsatz|Rocholl}} den Fortgang &lt;br /&gt;
der Bauarbeiten erläuterte. Den traditionellen Richtspruch sprach&lt;br /&gt;
ein Arbeiter vom Dach des Umganges, das an einer Stelle mit einem&lt;br /&gt;
Richtbaum geziert war. Bürgermeister Nickel überbrachte die Glückwünsche &lt;br /&gt;
der Gemeinde Langenhain, und der Vorsitzende des Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rates, Ruprecht {{Sperrsatz|Krüger}}, gab einen kurzen Überblick über&lt;br /&gt;
die Geschichte dieses Bauwerks. Allen, die am Bau beteiligt waren, dankte&lt;br /&gt;
er für die saubere Arbeit, die hier geleistet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen sind die Arbeiten weitergangen. Zum Schutz gegen Schnee&lt;br /&gt;
und Kälte ist der gesamte Umgang mit großen Zeltplanen verhängt worden. &lt;br /&gt;
Hinter diesen „Vorhängen“ sind die Stahlrahmen für die Fenster und&lt;br /&gt;
Windfänge eingesetzt worden. Nunmehr ist der restliche Innenausbau in&lt;br /&gt;
vollem Gange. — Unser Bild zeigt das „Haus der Andacht“ am Tage des&lt;br /&gt;
Richtfestes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Foto: Bopp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|270|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aus der Bahá’í-Geschichte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die sieben Märtyrer von Tihrán===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Unruhe beherrschte ganz Persien in der Zeit, als hierzulande&lt;br /&gt;
Biedermeier die Mode war. Überall wurde von der Bewegung des Báb&lt;br /&gt;
gesprochen; denn überall war die Sehnsucht nach dem Verheißenen groß.&lt;br /&gt;
Gebildete wie Ungebildete verfolgten den Ablauf der Dinge mit &lt;br /&gt;
Leidenschaft. Regierung und Geistlichkeit, besorgt um ihre Macht und &lt;br /&gt;
Würden, suchten eifrig, alle Spuren des Báb, der im entlegensten Winkel &lt;br /&gt;
des Landes gefangengesetzt war, auszutilgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Onkel des Báb, Hájí Mírzá Siyyid ‘Alí aus Shíráz, hatte den Báb&lt;br /&gt;
in der Festung Chiríq, Ádhirbáyján, gegen Ende des Jahres 1849 besucht&lt;br /&gt;
und machte den Rückweg über Tihrán. Der Báb hatte ihm den Märtyrertod &lt;br /&gt;
vorausgesagt und hinzugefügt: „Ich Selbst werde dir folgen, zusammen &lt;br /&gt;
mit einem Meiner aufrechten Schüler, und werde dich im Reich der&lt;br /&gt;
Ewigkeit wiederfinden.“ &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von allen seinen Freunden wurde der Onkel des Báb in Tihrán gewarnt&lt;br /&gt;
und gebeten, die Stadt schnellstens wieder zu verlassen, aber er erwiderte: &lt;br /&gt;
„Warum soll ich mich um meine Sicherheit sorgen? Auch ich trage&lt;br /&gt;
Verlangen, an dem Festmahl teilzuhaben, das Gott Seinen Erwählten im&lt;br /&gt;
ganzen Lande bereitet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf trat ein Verräter auf, der vorgab, sich für den Glauben des&lt;br /&gt;
Báb zu interessieren. Er nahm an zahlreichen Studienkreisen teil und &lt;br /&gt;
verschaffte sich auf diese Weise eine Liste von fünfzig Namen, die er &lt;br /&gt;
Mahmud Khán, dem Bürgermeister der Stadt, aushändigte. Sofort befahl&lt;br /&gt;
dieser, die fünfzig Gläubigen zu verhaften; vierzehn von ihnen, fast&lt;br /&gt;
durchweg vornehme Kaufleute, darunter der Onkel des Báb, wurden&lt;br /&gt;
ergriffen und im Haus des Bürgermeisters gefangengesetzt. Im Obergeschoß &lt;br /&gt;
dieses Hauses hielt man auch Táhirih, die einzige Frau unter&lt;br /&gt;
den ersten Jüngern des Báb, berühmt als Dichterin und Frauenrechtlerin,&lt;br /&gt;
fest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede nur denkbare Mißhandlung fügte man den vierzehn Gefangenen&lt;br /&gt;
zu, um sie zu verleiten, die Namen und Anschriften von weiteren &lt;br /&gt;
Gläubigen in der Stadt preiszugeben. Mírzá  Táqí Khán, der Premierminister&lt;br /&gt;
und einer der erbittertsten Feinde, befahl, sie alle hinzurichten, wenn sie&lt;br /&gt;
nicht ihrem Glauben abschwörten. Sieben von den vierzehn taten dies&lt;br /&gt;
unter dem Druck der Drohung; sie wurden sofort entlassen. Die anderen&lt;br /&gt;
blieben standhaft und gingen als die sieben Märtyrer von Tihrán in die&lt;br /&gt;
Geschichte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Onkel des Báb wurde von seinen zahlreichen Geschäftsfreunden&lt;br /&gt;
bedrängt, er möge doch seinen Glauben verleugnen und sein Leben retten.&lt;br /&gt;
„Gott zwinkert über solche Dinge mit den Augen,“ sagte man ihm. &lt;br /&gt;
Verschiedene reiche Kaufleute erboten sich, Lösegeld zu zahlen; aber &lt;br /&gt;
Hájí Mírzá Siyyid ‘Alí lehnte ab. Schließlich wurde er vor den &lt;br /&gt;
Premierminister gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Viele vornehme Leute haben sich für dich verwandt,“ sagte der.&lt;br /&gt;
„Wohlhabende Handelsherren aus Shíráz und Tihrán drängen darauf,&lt;br /&gt;
{{page|271|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
Lösegeld für dich zu zahlen. Ein Wort von dir genügt, und wir setzen dich&lt;br /&gt;
frei und geleiten dich in Ehren zurück in deine Vaterstadt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Onkel des Báb erwiderte kühn: „Eure Exzellenz, wenn ich die&lt;br /&gt;
Wahrheit verleugnete, die in dieser Offenbarung zum Ausdruck kommt,&lt;br /&gt;
würde ich damit die Wahrheit aller früheren Offenbarungen Gottes &lt;br /&gt;
verleugnen. Würde ich ablehnen, die Sendung des Báb anzuerkennen, dann&lt;br /&gt;
müßte ich den göttlichen Charakter der Botschaft abstreiten, die Muhammad, &lt;br /&gt;
Jesus, Moses und alle Propheten der Vergangenheit gebracht haben.“&lt;br /&gt;
Der Premier machte keinen Hehl aus seinem Unwillen, als Hájí Mírzá &lt;br /&gt;
Siyyid ‘Alí fortfuhr: „Gott weiß, daß ich das Vorrecht hatte, alles, was ich&lt;br /&gt;
jemals über das Leben der früheren Gesandten Gottes gehört und gelesen&lt;br /&gt;
habe, auch an diesem Jüngling, meinem geliebten Anverwandten, von Seiner &lt;br /&gt;
frühesten Kindheit bis heute, zu Seinem dreißigsten Lebensjahr, mitzuerleben &lt;br /&gt;
und bestätigt zu finden. Ich habe nur die Bitte, der erste sein&lt;br /&gt;
zu dürfen, der das Leben auf Seinem Pfade darbringt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Premierminister war bestürzt über diese Antwort. Ohne ein Wort&lt;br /&gt;
bedeutete er, daß der Onkel des Báb abgeführt und enthauptet werden&lt;br /&gt;
solle. Auf dem Weg zur Richtstätte wandte sich dieser an die gaffende&lt;br /&gt;
Menge und rief: „Über tausend Jahre lang habt ihr darum gebetet und&lt;br /&gt;
gefleht, daß der Verheißene erscheinen möge. Jetzt, da Er gekommen ist,&lt;br /&gt;
habt ihr ihn in eine hoffnungslose Verbannung, in den hintersten Winkel&lt;br /&gt;
des Landes vertrieben. Mit dem letzten Hauch meines Lebens bitte ich&lt;br /&gt;
darum, der Allmächtige möge euch befähigen, aus dem Todesschlaf eurer&lt;br /&gt;
Nachlässigkeit aufzuwachen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Scharfrichter war erschüttert bei diesen Worten. Er gab vor, das&lt;br /&gt;
Schwert, das er bereithielt, müsse erst noch geschliffen werden, rannte&lt;br /&gt;
davon und kam nie wieder. Noch unzählige Male erzählte er später diese&lt;br /&gt;
ergreifende Geschichte und bezeigte Reue über die Tat, die er beinahe&lt;br /&gt;
verübt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mírzá Qurbán ‘Alí war hochgeachtet und beliebt im Land, eng befreundet &lt;br /&gt;
mit vielen Patriziern von Tihrán. Als er einmal nach Karbilá reiste,&lt;br /&gt;
war sein ganzer Weg von unzähligen Menschen gesäumt, die ihm zujubelten. &lt;br /&gt;
Die Mutter des Sháh hielt große Stücke auf ihn und sagte zu ihrem&lt;br /&gt;
Sohn: „Er ist bestimmt kein Anhänger des Báb. Sicherlich ist er nur&lt;br /&gt;
verleumdet worden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Premierminister ließ Qurbán ‘Alí von der Wache in den Palast&lt;br /&gt;
holen. Die Verhaftung hatte beinahe einen Aufruhr zur Folge; &lt;br /&gt;
unübersehbare Massen folgten dem Gefangenen, und man fragte sich &lt;br /&gt;
gegenseitig: „Was hat er nur getan? Welchen Fehler kann man an &lt;br /&gt;
diesem großen Mann finden?“ In dichten Haufen standen die Leute &lt;br /&gt;
vor den Eingängen zum Regierungssitz, um über sein Schicksal &lt;br /&gt;
zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst behandelte man Qurbán ‘Alí mit größter Hochachtung. „Wir&lt;br /&gt;
wissen, daß du nicht zu diesen fehlgeleiteten Anhängern des Báb gehörst,“&lt;br /&gt;
sagten die Vernehmungsbeamten. „Eine falsche Anschuldigung ist gegen&lt;br /&gt;
dich vorgebracht worden. Du hast doch den Báb nicht als einen Propheten&lt;br /&gt;
angenommen!“ Qurbán ‘Alí erwiderte schlicht: „Ich weiß nicht, ob Er&lt;br /&gt;
{{page|272|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
mich annimmt, aber ich nehme Ihn an. Ich zähle mich zu den Gläubigen&lt;br /&gt;
und Dienern des Báb.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versuchte, ihm diese Narrheit auszureden. Er sei doch viel zu&lt;br /&gt;
intelligent, um irgendjemandes Diener zu sein, viel zu bedeutend, um&lt;br /&gt;
sich in den Augen seiner Mitmenschen zu erniedrigen. Man versprach ihm&lt;br /&gt;
eine lebenslängliche Pension, wenn er hinaus auf die Straße ginge und&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit erklärte, daß er seinen falschen Glauben widerrufe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qurbán ‘Alí wartete geduldig, bis sie zu Ende geredet hatten. Dann&lt;br /&gt;
sprach er mit ruhiger Sicherheit: „Mein bißchen Leben und meine paar&lt;br /&gt;
Tropfen Blut zählen nicht viel; aber wenn ich alle Schätze der Erde und&lt;br /&gt;
tausend Leben hätte — ich würde sie aus freien Stücken dem geringsten&lt;br /&gt;
unter den Freunden des Báb zu Füßen legen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Premier selbst suchte Qurbán ‘Alí zu überreden: „Seit gestern&lt;br /&gt;
abend werde ich schier erdrückt von Beamten aller Klassen, die dich zu&lt;br /&gt;
verteidigen suchen. Nach allem, was ich über deine Stellung und den&lt;br /&gt;
Einfluß deiner Worte hörte, kann ich deine Haltung nicht verstehen. Wenn&lt;br /&gt;
du selbst einen solchen Anspruch auf Führerschaft erhoben hättest, wäre&lt;br /&gt;
es besser für dich gewesen, weit besser, als deine Zugehörigkeit zu&lt;br /&gt;
erklären zu einem, der dir doch offensichtlich an Wissen unterlegen ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qurbán ‘Alí schüttelte den Kopf: „Das stimmt nicht! Alles Wissen, das&lt;br /&gt;
ich erworben habe, hat mich dazu geführt, Ihn anzuerkennen und mich&lt;br /&gt;
vor Ihm zu beugen. Ich habe Ihn genau geprüft und richtig beurteilt.&lt;br /&gt;
Wenn der Báb falsch ist, sind alle Propheten seit Ewigkeit her falsch.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sháh und seine Mutter versuchten nacheinander, Qurbán ‘Alí von&lt;br /&gt;
seinem Glauben abzubringen, aber weder Versprechungen noch Drohungen &lt;br /&gt;
hatten Wirkung: „Ich habe tausend Bewunderer, die sich von&lt;br /&gt;
meinen Worten beeinflussen lassen; dennoch habe ich nicht die Macht, das&lt;br /&gt;
Herz des geringsten unter ihnen zu wandeln. Der Báb jedoch hat gezeigt,&lt;br /&gt;
daß Er den verkommensten unter Seinen Mitmenschen aufrichten und von&lt;br /&gt;
Grund auf ändern kann. Er hat solche Wirkung auf unsere Herzen, daß&lt;br /&gt;
wir es als höchst unangemessenes Opfer betrachten, wenn wir unser&lt;br /&gt;
Leben für Seine Sache hingeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zögerte der Premierminister: „Ich weiß nicht, ob deine Worte von&lt;br /&gt;
Gott sind oder nicht; aber es widerstrebt mir, den Stab über einem Mann&lt;br /&gt;
von deinem Rang und deiner Stellung zu brechen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Warum zögerst du?“ brach es aus Qurbán ‘Alí hervor. „Dazu wurde&lt;br /&gt;
ich geboren. Heute muß ich beweisen, ob ich der Erkenntnis würdig bin,&lt;br /&gt;
die Gott mir anvertraut hat.“ Und als er sah, wie unschlüssig der Minister&lt;br /&gt;
war, füge er hinzu: „Sei nicht unwillig darüber; sei sicher, daß ich dir&lt;br /&gt;
niemals böse bin deswegen. Je schneller du mir den Kopf abschlägst, desto&lt;br /&gt;
dankbarer werde ich dir sein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wurde der Premier zornig: „Nehmt ihn hinweg! Noch eine Minute,&lt;br /&gt;
dann hat er mich ebenfalls verzaubert.“ Qurbán ‘Alí lächelte sanft: „Nein“,&lt;br /&gt;
sagte er, „du bist immun gegen solchen Zauber. Der wirkt nur bei denen,&lt;br /&gt;
die reinen Herzens sind.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Premierminister — ein Emporkömmling, der sich durch Kabalen&lt;br /&gt;
und Intrigen vom Sohn eines Kochs heraufgedienert hatte — bebte vor Wut.&lt;br /&gt;
Er sprang auf und schrie mit fahlem Gesicht: „Nur das Schwert kann&lt;br /&gt;
{{page|273|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
dieses irregeleitete Volk zum Schweigen bringen!“ Er wandte sich an&lt;br /&gt;
den Henker: „Genug! Du brauchst keinen von diesen verhaßten Leuten&lt;br /&gt;
mehr vorzuführen. Wer seinem Glauben abschwört, den lasse frei! Den&lt;br /&gt;
anderen schlag’ allen die Köpfe ab! Ich will keinen von ihnen mehr sehen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qurbán ‘Alí wurde zur Richtstatt geführt. „Beeilt euch!“ rief er. „Durch&lt;br /&gt;
diesen Tod reicht ihr mir den Kelch ewigen Lebens. Statt diesem trockenen&lt;br /&gt;
Odem, den ihr jetzt austilgt, wird mich mein Geliebter mit einem Leben&lt;br /&gt;
belohnen, wie kein sterbliches Herz es fassen kann.“ Eine große Menge&lt;br /&gt;
drängte sich um ihn. Qurbán ‘Alí wandte sich ihr zu mit den Worten:&lt;br /&gt;
„Der Verheißene hat sich in Shíráz erhoben, in der Gestalt Seiner &lt;br /&gt;
Heiligkeit des Báb.“ Das Volk schrie ihn nieder, taub seinem Ruf. Seine&lt;br /&gt;
Freunde hatten sich zurückgezogen; sie konnten den tragischen Anblick&lt;br /&gt;
nicht ertragen. Aber der Mob, der einen großen Mann hatte stürzen sehen,&lt;br /&gt;
war nun begierig auf sein Ende. „Schlagt ihn!“ schrien sie. „Schlagt&lt;br /&gt;
den Feind Gottes!“ Qurbán ‘Alí seufzte traurig: „O, die Blindheit dieses&lt;br /&gt;
Geschlechts! Meine Seele ist erfüllt mit Entzücken, aber ach! ich finde&lt;br /&gt;
kein Herz, mit dem sie ihre Begeisterung teilen könnte, keinen Verstand,&lt;br /&gt;
der ihre Herrlichkeit verstünde.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kam zu der Stelle, wo der Onkel des Báb erschlagen lag. Sanft&lt;br /&gt;
nahm er den hingestreckten Körper in die Arme und schaute auf das&lt;br /&gt;
Meer von Haß um ihn herum. Dann rief er den Henker: „Komm’ her und&lt;br /&gt;
führe deinen Streich! Mein gläubiger Gefährte will nicht, daß ich ihn aus&lt;br /&gt;
den Armen lasse. Er ruft mich, mit ihm in das Reich Gottes zu eilen.“&lt;br /&gt;
Der Henker schlug zu. Selbst aus der feindseligen Menge hörte man Laute&lt;br /&gt;
der Klage und des Unwillens, als die beiden, vereint für alle Zeit, am&lt;br /&gt;
Boden lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste der sieben Märtyrer war Hájí Mullá Ismá’il, Wie Qurbán &lt;br /&gt;
‘Alí hatte er ursprünglich vor, zu der Festung Shaykh Tabarsí in Mázindarán &lt;br /&gt;
zu ziehen, wo sich Mullá Husayn, Quddús und einige hundert Gefährten gegen &lt;br /&gt;
eine Übermacht von Regierungstruppen verteidigten; aber&lt;br /&gt;
Ismá’il war krank geworden, und als er sich wieder erholt hatte, hörte&lt;br /&gt;
er, daß die Belagerung vorüber und alle seine Freunde dort umgebracht&lt;br /&gt;
waren. Da begann er, den Glauben mit neuer Energie zu lehren, um den&lt;br /&gt;
Verlust wettzumachen, den die Sache des Báb in Tabarsí erlitten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den anderen wurde Ismá’il in Tihrán verhaftet. „Meinen Glauben&lt;br /&gt;
verleugnen?“ rief er. „Niemals! Ich bin entschlossen, meinen Glauben&lt;br /&gt;
öffentlich zu bekennen und mein Leben für den Báb zu geben.“ — „Wenn&lt;br /&gt;
wir versäumen, das Kommen des Verheißenen zu verkünden“, sagte er&lt;br /&gt;
zu seinen Mitgefangenen, „wer soll es dann tun? Wenn wir die Menschen&lt;br /&gt;
nicht auf den rechten Pfad führen, sie nicht aus dem Todesschlaf &lt;br /&gt;
aufwecken, wer dann? Wir sind das Werkzeug Gottes. Jeder, der dazu&lt;br /&gt;
imstande ist, möge standhaft vortreten und mir Gesellschaft leisten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Mullá Ismá’il auf die Richtstätte kam, schrie die Menge: „Da ist&lt;br /&gt;
einer von ihnen, ein Anhänger des Báb!“ Ismá’il wandte sich, lachte und&lt;br /&gt;
sprach: „Ja, ich glaube an den Báb und gehe hin, für euch zu sterben“.&lt;br /&gt;
Der Mob beschimpfte ihn und warf mit Steinen. „Bei Gott, ihr Leute!“&lt;br /&gt;
rief er, „nur um euresgleichen zu erwecken, geben wir allen Wohlstand,&lt;br /&gt;
{{page|274|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
Weib und Kind und unser Leben hin. Wir haben die Augen vor der Welt&lt;br /&gt;
und allem, was in ihr ist, verschlossen in der Hoffnung, ihr möchtet auch&lt;br /&gt;
nur die geringsten Anstalten machen, diesen Glauben zu prüfen. Gern&lt;br /&gt;
geben wir unser Leben, damit ihr versteht, daß der Gesandte Gottes &lt;br /&gt;
gekommen ist, und nicht länger blind seid.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch auf dem Block des Scharfrichters traten einige persönliche Freunde&lt;br /&gt;
zu ihm, um ihn zu überreden. „Dreißig Jahre lang habe ich mich nach&lt;br /&gt;
diesem gesegneten Tag gesehnt“, erwiderte er. „Meine Sorge war, ich&lt;br /&gt;
könnte diesen Wunsch unerfüllt mit ins Grab nehmen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mullá Ismá’il hob die Augen zum Himmel: „Nimm mich auf, mein&lt;br /&gt;
Gott, unwürdig, wie ich bin“. Der Henker schnitt sein Gebet ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In rascher Folge fielen die anderen vier Märtyrer von Tihrán. Drei Tage&lt;br /&gt;
und drei Nächte lagen die Körper dieser Helden preisgegeben auf dem&lt;br /&gt;
Sabzíh- Maydán, dem „Grünen Platz“ oder Marktplatz von Tihrán am&lt;br /&gt;
Nordausgang des großen Bazars, dort, wo heute die Grenze zwischen&lt;br /&gt;
Alt- und Neustadt verläuft, gegenüber dem Siyáh-Chál, dem „Schwarzen&lt;br /&gt;
Loch“, wo Bahá’u’lláh zwei Jahre später Seine Berufung erlebte und auf&lt;br /&gt;
dessen Trümmern sich heute die Bazarfiliale der persischen Nationalbank&lt;br /&gt;
erhebt. Auf diesem Platz, der schon damals ein Nervenzentrum des&lt;br /&gt;
Tihráner Lebens war, scharten sich tagelang Tausende um die Leichname,&lt;br /&gt;
traten sie mit Füßen, spuckten ihnen ins Gesicht und häuften Berge von&lt;br /&gt;
Unrat über sie. Keine Hand hob sich, alledem Einhalt zu gebieten, im&lt;br /&gt;
Gegenteil: Die Geistlichkeit verbot, die Leichen zu begraben. Schließlich&lt;br /&gt;
wurden sie in ein Loch vor dem Tor der Stadt geworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Schandtat der persischen Staatsgewalt wurde zum erstenmal &lt;br /&gt;
die breite Weltöffentlichkeit auf die Sendung des Báb aufmerksam,&lt;br /&gt;
handelte es sich doch hier nicht mehr um namenlose Vorgänge in &lt;br /&gt;
irgendwelchen finsteren Provinzen eines für damalige Begriffe unermeßlich&lt;br /&gt;
großen Reiches, sonderen um Verbrechen, die an vornehmen Bürgern und&lt;br /&gt;
Beamten der Hauptstadt verübt wurden. Selbstverständlich berichteten&lt;br /&gt;
die europäischen Gesandten in Tihrán an ihre Regierungen, und in der&lt;br /&gt;
Folge kamen zahlreiche Diplomaten und Gelehrte nach Iran, um die&lt;br /&gt;
unglaublichen Vorgänge zu untersuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor {{Sperrsatz|E. G. Browne}}, der bekannte englische Orientalist, schrieb&lt;br /&gt;
viele Jahre später: „Dieser bedeutungsvolle Tag brachte dem Báb mehr&lt;br /&gt;
geheime Anhänger als es viele Predigten vermocht hätten... Ich habe&lt;br /&gt;
die Geschichte oft von Augenzeugen erzählen hören, von Leuten, die &lt;br /&gt;
vielfach der Regierung nahe standen, teils sogar wichtige Beamte waren.&lt;br /&gt;
Aus ihren Worten hätte man leicht entnehmen können, daß sie alle Anhänger &lt;br /&gt;
des Báb seien, so groß war ihre Bewunderung... und ihre Achtung&lt;br /&gt;
vor dem Gedankenreichtum, den Hoffnungen und den Erfolgsaussichten&lt;br /&gt;
der neuen Lehre.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William Sears, „Release the Sun“, Wilmette, Ill., USA. 1960, p. 134 ff.&lt;br /&gt;
„The Dawn Breakers — Nabíl’s Narrative“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Frankfurt 1954, S. 52 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E.G. Browne, „A Traveller’s Narrative“, p. 216-217&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|275|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die andere Zukunft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der gespaltene Himmel“ ist der Titel einer Broschüre von Huschmand {{Sperrsatz|Sabet}}, die demnächst im Bahá’í-Verlag GmbH., Frankfurt/Main, erscheint. In einer Reihe von Aufsätzen werden darin die entscheidenden Fragen der geistigen und politischen Weltlage unter dem Aspekt der Offenbarung Bahá’u’lláhs beleuchtet. Im folgenden bringen wir einen dieser Aufsätze als Vorabdruck.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abendland hat — nicht nur in der Politik, sondern auch in der&lt;br /&gt;
Wissenschaft und Philosophie — den Satz geprägt: „Wenn Du den Frieden &lt;br /&gt;
willst, bereite Dich für den Krieg.“ Denken wir an Namen wie Bismarck, &lt;br /&gt;
Darwin und Nietzsche: Jeder hat auf seine Art und in seinem&lt;br /&gt;
Bereich diesen Satz für gültig erklärt. Man glaubte, den Kampf ums&lt;br /&gt;
Dasein als Naturgesetz erkannt zu haben, wonach der Stärkere siegt und&lt;br /&gt;
der Schwächere weichen und zugrunde gehen muß. Kriege wurden nicht&lt;br /&gt;
nur als unvermeidlich, sondern für den Fortschritt der Menschen als&lt;br /&gt;
notwendig erachtet. Heute sind die Meinungen über diesen Satz &lt;br /&gt;
allenthalben sehr geteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 100 Jahren erschien in Persien Bahá’u’lláh, der Begründer der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion. Er hatte keine Schule besucht, und über 40 Jahre lebte&lt;br /&gt;
Er in Gefangenschaft und Verbannung. Er sprach von der Einheit — der&lt;br /&gt;
Einheit Gottes, der Einheit der Religionen und der Gottgesandten, von&lt;br /&gt;
der grundsätzlichen geistigen Einheit der Menschheit und dem allgemeinen&lt;br /&gt;
Frieden. Er prägte Seinerseits {{Sperrsatz|diesen}} Satz: „Es rühme sich &lt;br /&gt;
kein Mensch dessen, daß er sein Land liebt, sondern eher dessen, daß er die &lt;br /&gt;
ganze Menschheit liebt.“ Nun mag man einwenden, daß diese und ähnliche&lt;br /&gt;
Gedanken schon früher geäußert wurden. Zu allen Zeiten hat es edle&lt;br /&gt;
Menschen und Idealisten gegeben, die für die höchsten menschlichen&lt;br /&gt;
Ideale — und zu ihnen gehört die Einheit der Menschheit — eingetreten&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns fragen, was das Besondere in der Aussage Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
ist. Wenn wir Seine Schriften genau studieren, sind wir überrascht, wie&lt;br /&gt;
klar Er damals, wahrscheinlich als einziger, vorausgesehen hat, daß &lt;br /&gt;
Wissenschaft und Technik solche Fortschritte machen werden, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit vor der Alternative steht, entweder zugrunde zu gehen oder&lt;br /&gt;
sich zu einigen. Bahá’u’lláh sagt: „Ein unbekanntes und wunderbares&lt;br /&gt;
Mittel ist in der Erde, aber es ist dem Verstand und den Seelen verborgen.&lt;br /&gt;
Es ist ein Mittel, das die Kraft hat, die Atmosphäre der ganzen Erde zu&lt;br /&gt;
wandeln, und seine Anwendung verursacht Zerstörung ...“ „Es ist unmöglich, &lt;br /&gt;
dieses starke, alles überwältigende Übel einzudämmen, es sei&lt;br /&gt;
denn, die Völker der Welt einigen sich in allen ihren Angelegenheiten,&lt;br /&gt;
das heißt, in einem gemeinsamen Glauben. Höret auf die Stimme dieses&lt;br /&gt;
Unterdrückten und haltet fest am größten Frieden ...!“ An einer anderen &lt;br /&gt;
Stelle betet Er darum, Gott möge verhindern, daß die Menschheit&lt;br /&gt;
dieses schreckliche Mittel bald findet. ‘Abdu’l-Bahá nimmt in einem&lt;br /&gt;
Seiner Briefe Bezug auf die oben erwähnten Worte Bahá’u’lláhs — es&lt;br /&gt;
war in den Anfängen der Flugzeugtechnik — und erwähnt, mit diesen&lt;br /&gt;
{{page|276|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
Flugzeugen würde man die Mittel der Vernichtung transportieren können,&lt;br /&gt;
und wo sie abgeworfen würden, könnte ein ganzer Staat vernichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit hat ein deutsches wissenschaftliches Gremium, das mit&lt;br /&gt;
der Prüfung der Frage des Schutzes der Zivilbevölkerung gegen den&lt;br /&gt;
Atomtod beauftragt war, ein Gutachten ausgearbeitet, in dem festgestellt&lt;br /&gt;
wird, daß es keinen brauchbaren Schutz gegen einen atomaren Angriff&lt;br /&gt;
gibt, weil der Gegner mit viel geringerem Aufwand die getroffenen&lt;br /&gt;
Maßnahmen absolut zunichte machen könne. Bahá’u’lláh hat immer&lt;br /&gt;
wieder die Menschheit, vor allem die Völker des Westens, zur „Mäßigung&lt;br /&gt;
in der Zivilisation“ ermahnt. Er empfahl Herrschern und Regierungen&lt;br /&gt;
abzurüsten, denn sonst würden die Ausgaben für Rüstungszwecke ein&lt;br /&gt;
Ausmaß erreichen, welches das geordnete Leben der Menschheit &lt;br /&gt;
empfindlich störe. Heute geben die Regierungen in Ost und West, auch die der&lt;br /&gt;
„Neutralen“, ja selbst der Entwicklungsländer, zwischen 25 und 60 Prozent&lt;br /&gt;
ihrer Einnahmen für die Rüstung aus, in jeder Stunde mehr als 60 Millionen &lt;br /&gt;
Mark. In wenigen Tagen könnte man mit diesen Geldern eine&lt;br /&gt;
ganze Großstadt an Wohnungen bauen. Man gibt heute im „Frieden“&lt;br /&gt;
innerhalb weniger Stunden mehr für die Rüstung aus, als vor 100 Jahren&lt;br /&gt;
ein ganzer Krieg gekostet hat. Sicherlich werden neuerdings auch ansehnliche &lt;br /&gt;
Summen für Entwicklungshilfe bereitgestellt; die Weltbank und&lt;br /&gt;
zahllose nationale Institutionen unterstützen die Entwicklungsländer.&lt;br /&gt;
Aber auf unserem klein gewordenen Planeten, auf dem jedermann jedermanns &lt;br /&gt;
Nachbar geworden ist, mutet diese Verhaltensweise an wie die&lt;br /&gt;
eines Mannes, der jedes Jahr 100 Mark dafür aufbringt, Dynamit und&lt;br /&gt;
Sprengstoff auf Vorrat zu halten, damit er notfalls das Haus seiner &lt;br /&gt;
Nachbarn in die Luft sprengen kann, andererseits aber am Ende des Jahres&lt;br /&gt;
50 Pfennig für die notwendigsten Reparaturen an den Nachbarhäusern&lt;br /&gt;
zur Verfügung stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute haben die Waffen oft das Fabriktor noch nicht verlassen, da sind&lt;br /&gt;
sie bereits veraltet. Aber allem Anschein nach stehen wir nicht am Ende&lt;br /&gt;
dieser Entwicklung; es wird noch schlimmer kommen. Die Tatsache, daß&lt;br /&gt;
die Ausgaben für die Rüstung einmal schneller wachsen werden als das&lt;br /&gt;
Sozialprodukt der Menschheit, hat Bahá’u’lláh schon vor 100 Jahren &lt;br /&gt;
vorausgesehen. In Seinen zahlreichen Tablets ermahnt Er die Könige und&lt;br /&gt;
Regenten einzeln und insgesamt: „Vergeßt nicht die Gottesfurcht, &lt;br /&gt;
o Herrscher der Erde, und hütet euch, die von Gott gesetzten Grenzen zu &lt;br /&gt;
überschreiten .... Beendet eure Streitigkeiten und setzt eure Kriegsrüstungen&lt;br /&gt;
herab, damit die Last eurer Ausgaben erleichtert und eure Gemüter und&lt;br /&gt;
Herzen beruhigt werden. Heilt die Zwietracht, die euch spaltet, dann&lt;br /&gt;
werdet ihr keinerlei Kriegsrüstungen mehr nötig haben, es sei denn für&lt;br /&gt;
den Schutz eurer Städte und Gebiete... Wir haben erfahren, daß ihr&lt;br /&gt;
eure Ausgaben jedes Jahr vermehrt und die Lasten dafür euren Untertanen &lt;br /&gt;
auferlegt. Dies ist mehr, als sie tragen können, und eine bittere&lt;br /&gt;
Ungerechtigkeit.... Wenn ihr den Ratschlägen, die Wir in unvergleichlicher &lt;br /&gt;
und unzweideutiger Sprache in diesen Sendschreiben geoffenbart&lt;br /&gt;
haben, keine Beachtung schenkt, dann wird göttliche Züchtigung von&lt;br /&gt;
allen Seiten über euch kommen, und der Urteilsspruch Seiner Gerechtigkeit &lt;br /&gt;
wird gegen euch verkündet werden. An jenem Tage werdet ihr keine&lt;br /&gt;
Macht haben, Ihm zu widerstehen, und ihr werdet euer eigenes Unvermögen &lt;br /&gt;
{{page|277|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
erkennen. Habt Erbarmen mit euch selbst und mit denen, die euch&lt;br /&gt;
untertan sind ...“ („Ährenlese“, CXVIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh sagte nicht nur, daß die Menschheit eine Einheit werden&lt;br /&gt;
soll; Er erklärt auch, {{Sperrsatz|wie}} das geschehen muß. Um die Achse der Einheit&lt;br /&gt;
bewegen sich alle Lehren in der neuen Offenbarung. Geistig-religiöse&lt;br /&gt;
Grundlage für diese allumfassende Einheit ist der göttliche Plan, nach&lt;br /&gt;
welchem im Laufe der Zeiten göttliche Boten zu den Völkern gesandt&lt;br /&gt;
wurden, um sie in der Religion Gottes zu erziehen. Dies bedeutet, daß die&lt;br /&gt;
Bahá’í an die Einheit der Religionen und an die Wesensgleichheit der&lt;br /&gt;
Offenbarer Gottes glauben. Man darf die Religionsstifter nicht nach&lt;br /&gt;
menschlichen Maßstäben beurteilen und vergleichen wollen, wie dies&lt;br /&gt;
vielleicht bei Dichtern oder Philosophen angehen mag, wo der Fachmann&lt;br /&gt;
sagen kann, Goethe sei bedeutender als Schiller und dieser wieder größer&lt;br /&gt;
als Mörike.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh sagt: „Daß den verschiedenen Gemeinschaften der Erde&lt;br /&gt;
und den mannigfachen religiösen Glaubenssystemen niemals erlaubt sein&lt;br /&gt;
sollte, Gefühle feindseliger Gesinnung unter den Menschen zu nähren,&lt;br /&gt;
gehört an diesem Tag zum Wesen des Glaubens Gottes und Seiner Religion. &lt;br /&gt;
Diese Grundsätze und Gesetze, diese sicher begründeten und mächtigen &lt;br /&gt;
Systeme sind {{Sperrsatz|einer}} Quelle entsprungen und sind die Strahlen&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|eines}} Lichtes. Daß sie voneinander abweichen, ist den wechselnden&lt;br /&gt;
Erfordernissen der Zeitalter zuzuschreiben, in denen sie verkündet wurden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einer anderen Stelle sagt Er: „Betrachte mit deinem inneren Auge&lt;br /&gt;
die Kette der aufeinanderfolgenden Offenbarungen, die die Manifestation&lt;br /&gt;
Adams mit der des Báb verbindet. Ich bezeuge vor Gott, daß jede dieser&lt;br /&gt;
Manifestationen durch die Wirksamkeit des göttlichen Willens und Planes&lt;br /&gt;
herabgesandt wurde, daß jede die Trägerin einer besonderen Botschaft &lt;br /&gt;
war, daß jede mit einem göttlich geoffenbarten Buch betraut und beauftragt &lt;br /&gt;
wurde, die Geheimnisse einer machtvollen Tafel zu enthüllen. Das&lt;br /&gt;
Maß der Offenbarung, das jedem von Ihnen gleichgesetzt wurde, ist genau&lt;br /&gt;
vorherbestimmt gewesen .. .“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Grundgedanken annehmen, daß nämlich die &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Gottgesandten}} eine {{Sperrsatz|Einheit}} bilden und es in &lt;br /&gt;
Wirklichkeit — unabhängig von der geschichtlichen Entwicklung — nur &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|eine}} Religion gibt, sind wir nicht mehr weit davon entfernt, die &lt;br /&gt;
grundsätzliche geistige Einheit der Menschheit anzuerkennen. Um diese zu verwirklichen, &lt;br /&gt;
gibt Bahá’u’lláh eine neue Weltordnung. Er bezeugt: „Das Gleichgewicht der Welt ist&lt;br /&gt;
durch den schwingenden Einfluß dieser größten, dieser neuen Weltordnung &lt;br /&gt;
ins Wanken geraten. Das geordnete Leben der Menschheit ist durch&lt;br /&gt;
die Wirkung dieses einzigartigen, dieses wunderbaren Systems, &lt;br /&gt;
dessengleichen sterbliche Augen nie bezeugt haben, umgewälzt worden ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einzelheiten dieser Weltordnung können im Rahmen dieser Betrachtung &lt;br /&gt;
nicht behandelt werden. Bahá’u’lláh hat ein einzigartiges System&lt;br /&gt;
hinterlassen, das die Bahá’í zunächst in ihren eigenen Reihen zu verwirklichen &lt;br /&gt;
suchen, damit es zu gegebener Zeit in der ganzen Welt realisiert&lt;br /&gt;
{{page|278|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
werden kann. Bahá’u’lláh offenbart auch eine Vielzahl von Gesetzen und&lt;br /&gt;
Lehren für die Veredelung des einzelnen und der Gemeinschaft. Viele&lt;br /&gt;
moderne „europäische“ Lehrmeinungen wurden vor 100 Jahren im Gefängnis &lt;br /&gt;
von ‘Akká durch die erhabene Feder Bahá’u’lláhs begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun mag man fragen, welcher Zusammenhang zwischen einer Religion&lt;br /&gt;
und einer neuen Weltordnung bestehe. Religion, wie man sie im &lt;br /&gt;
christlichen Abendland versteht, ist gleichbedeutend mit lebendigem Glauben,&lt;br /&gt;
der dem {{Sperrsatz|einzelnen}} Menschen hilft, seine Sünden zu überwinden und&lt;br /&gt;
Erlösung zu erlangen. Wenn wir das Neue Testament genau lesen und&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen untersuchen, wo eine Begegnung zwischen Christus,&lt;br /&gt;
den Juden und den Pharisäern stattgefunden hat — wie z.B. bei der &lt;br /&gt;
Bergpredigt — stellen wir fest, daß Christus immer vom himmlischen Vater,&lt;br /&gt;
von Liebe und von Gnade spricht. Und wenn Seine Ausführungen beendet&lt;br /&gt;
sind, heißt es: „...da wunderten sie sich“ oder: „sie entsetzten sich“.&lt;br /&gt;
Was mag der Grund für diese „Verwunderung“, dieses „Entsetzen“ gewesen &lt;br /&gt;
sein? Wir müssen bedenken, daß für die Juden die strenge Gerechtigkeit &lt;br /&gt;
und ein hartes göttliches Gesetz der Inbegriff der Religion waren.&lt;br /&gt;
In diesem Rahmen suchten und erlebten sie das Religiöse. Nun war Jesus&lt;br /&gt;
zu ihnen gekommen und sprach von Liebe und Gnade, nicht mehr von&lt;br /&gt;
„Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Die Juden konnten sich nicht vorstellen,&lt;br /&gt;
was dies alles mit Religion zu tun haben sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Das Angesicht der Religion änderte sich nach den&lt;br /&gt;
Gegebenheiten und Notwendigkeiten der Zeit. Heute lehrt Bahá’u’lláh,&lt;br /&gt;
daß die {{Sperrsatz|Erlösung der ganzen Menschheit}} wichtiger als die&lt;br /&gt;
persönlicheErlösung und Errettung ist. Diese Erlösung der Menschheit und&lt;br /&gt;
ihre geistige Einheit sind das, was man unter der Errichtung des „Reiches&lt;br /&gt;
Gottes auf Erden“ versteht. Wenn wir daran denken, daß die Menschheit&lt;br /&gt;
verschiedene Stufen der Einheit von der Familie bis zur Nation beschritten &lt;br /&gt;
hat, kommen wir zu dem Ergebnis, daß die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
keine Illusion bleiben muß. Allerdings kann nur die Religion diese &lt;br /&gt;
Einheit begründen, denn nichts anderes spricht das menschliche Wesen so&lt;br /&gt;
sehr in seiner ganzen Tiefe an. Arnold Toynbee sagt, daß alle Kulturen&lt;br /&gt;
durch Religionen entstanden sind, und daß der Einfluß der Religionen&lt;br /&gt;
das Bedeutsamste ist, was sich in der Weltgeschichte zugetragen hat.&lt;br /&gt;
(Propyläen-Weltgeschichte, Band II). Wer sonst könnte also die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit schaffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politiker sind Gefangene ihrer Probleme und Schwierigkeiten.&lt;br /&gt;
Manche von ihnen wissen nicht, was sie tun, und die anderen wissen&lt;br /&gt;
nicht, was sie tun sollen. Heute gibt es zwei oder drei Mächte, von denen&lt;br /&gt;
jede imstande ist, alle Erdenbewohner zu vernichten. In zehn Jahren&lt;br /&gt;
mögen fünf andere Mächte hinzukommen, deren jede ihrerseits die Mittel&lt;br /&gt;
besitzt, diesen Planeten unbewohnbar zu machen. Gestern hat Israel eine&lt;br /&gt;
Rakete in den Weltraum geschickt, heute ist es Kanada, und morgen wird&lt;br /&gt;
vielleicht Abessinien Atombomben haben. Die Politiker, die nicht imstande &lt;br /&gt;
sind, die Probleme von gestern zu lösen, werden jeden Tag in neue&lt;br /&gt;
Konflikte gestürzt. Jeder neue Tag wird gefährlicher, und überall wächst&lt;br /&gt;
die Angst. Es genügt, daß die Nerven eines verantwortlichen Politikers&lt;br /&gt;
{{page|279|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
oder gar eines untergeordneten Funktionärs versagen, und schon ist die&lt;br /&gt;
Katastrophe da. Diese Tatsache ist so schrecklich und beängstigend, daß&lt;br /&gt;
die meisten Menschen gar nicht daran denken wollen. Aber auch wenn&lt;br /&gt;
alle die Nerven bewahren und nichts passiert, was können die Politiker&lt;br /&gt;
tun, und wie kann und soll es weitergehen? Es ist nicht vorstellbar, daß&lt;br /&gt;
man, auf die Dauer gesehen, einen Scheinfrieden auf die gegenseitige&lt;br /&gt;
Angst aufbauen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder einzelne von uns muß zur Begründung des Friedens beitragen,&lt;br /&gt;
erst im eigenen Herzen und dann für die anderen. Die Begründung des&lt;br /&gt;
Friedens und die Errichtung der Einheit ist die Aufgabe der religiösen&lt;br /&gt;
Menschen und der Idealisten, denn die anderen können nicht die Herzen&lt;br /&gt;
und die Gemüter der Menschen ändern. Wir dürfen nicht resignieren und&lt;br /&gt;
sagen, daß wir wenige an der Zahl sind. Alle bedeutenden Veränderungen&lt;br /&gt;
in der Menschheitsgeschichte sind durch einige wenige entstanden. Sofern&lt;br /&gt;
wir gläubige Menschen sind, dürfen wir versichert sein, daß wir auf dem&lt;br /&gt;
Pfade Gottes mächtiger als alles andere in der Welt sind. Wenn wir&lt;br /&gt;
nicht so denken, sind wir Materialisten. Die Bahá’í sind gläubige Menschen. &lt;br /&gt;
Sie glauben an Gott, sie glauben an die Einheit Gottes, ohne dies&lt;br /&gt;
mit irgendwelchen religiösen oder philosophischen Spekulationen zu verbinden. &lt;br /&gt;
Die folgenden Worte Bahá’u’lláhs zeigen uns Seinen Gottesbegriff:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gepriesen und verherrlicht seist Du, o Herr, mein Gott! Wie kann&lt;br /&gt;
ich Dich erwähnen, da ich doch weiß, daß keine Zunge, und wäre ihre&lt;br /&gt;
Weisheit noch so tief, Deinen Namen gebührend rühmen kann, und daß&lt;br /&gt;
der Vogel des Menschenherzens, wie sehr er sich auch sehne, niemals&lt;br /&gt;
hoffen darf, zum Himmel Deiner Erhabenheit und Kenntnis aufzusteigen.&lt;br /&gt;
Erhaben, unermeßlich hoch erhaben bist Du über die Bemühungen der&lt;br /&gt;
Sterblichen, Dein Geheimnis zu enträtseln, Deine Herrlichkeit zu schildern&lt;br /&gt;
oder das Wesen Deines Geistes auch nur anzudeuten. Was immer derartige &lt;br /&gt;
Bemühungen erreichen mögen, so können sie doch nie hoffen, die&lt;br /&gt;
Grenzen zu überschreiten, die Deinen Geschöpfen gesetzt sind...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Einheit der Gottgesandten und der Religion sagt Bahá’u’lláh:&lt;br /&gt;
„Hütet euch, o ihr, die ihr an die Einheit Gottes glaubt, daß ihr nicht&lt;br /&gt;
versucht werdet, Unterschiede zwischen den Manifestationen Seiner Sache&lt;br /&gt;
zu machen oder eines der Zeichen, die Ihre Offenbarung begleitet und&lt;br /&gt;
verkündet haben, herabzusetzen. Dies ist in der Tat die wahre Bedeutung&lt;br /&gt;
göttlicher Einheit, so ihr zu denen gehört, die diese Wahrheit begreifen&lt;br /&gt;
und an sie glauben! Seid versichert, daß die Werke und Taten jeder&lt;br /&gt;
dieser Manifestationen Gottes, ja, was auch zu Ihnen gehört und was Sie&lt;br /&gt;
in der Zukunft verkünden mögen, alles von Gott verordnet und eine&lt;br /&gt;
Widerspiegelung Seines Willens und Planes ist. Wer den geringsten&lt;br /&gt;
Unterschied zwischen Ihrer Person, Ihren Worten, Ihrer Botschaft, Ihren&lt;br /&gt;
Handlungen und Ihrer Art macht, hat wahrlich nicht an Gott&lt;br /&gt;
geglaubt, hat Seine Zeichen zurückgewiesen und die Sache Seiner Boten&lt;br /&gt;
verraten...“ (Ährenlese“ XXIV).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sagen, daß das erhabenste Ziel unseres Lebens die Begründung &lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit und des allgemeinen Friedens ist, und&lt;br /&gt;
wahre Religion kann heute keine anderen Ziele verfolgen. Wenn wir uns&lt;br /&gt;
eine Sekte vorstellen könnten, die es auf die Vernichtung der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit abgesehen hätte, so könnte diese Gemeinschaft ihr Ziel nicht&lt;br /&gt;
{{page|280|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
wirksamer propagieren, als wenn sie alle glauben machte: „Wir können&lt;br /&gt;
doch nichts tun.“ Wir müssen acht geben, {{Sperrsatz|nicht}} so zu denken. Wir &lt;br /&gt;
müssen um ein {{Sperrsatz|neues}}, zukünftigses {{Sperrsatz|Weltbild ringen}}. &lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Einheit der Menschheit}} ist das größte Werk, das in der &lt;br /&gt;
Menschheitsgeschichte je in Angriff genommen wurde. Deshalb müssen wir eine &lt;br /&gt;
Kraftanstrengung und einen Idealismus entfalten, wie sie in den Annalen der &lt;br /&gt;
Geschichte ihresgleichen suchen. Bahá’u’lláh, Der unsere Sorgen und Nöte &lt;br /&gt;
genau kannte, gibt uns die Mittel dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Todesstrafe gegen drei Bahá’í ausgesprochen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufsehenerregender Prozeß in Marokko — 14 Bahá’í wegen ihres Glaubens angeklagt — Berufung eingelegt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vierzehn Angehörige der Baha’i-Religion waren im April des vergangenen Jahres in Marokko verhaftet worden, weil sie sich der „Auflehnung, Unruhestiftung, des Angriffs auf die öffentliche Sicherheit und des Angriffs auf den religiösen Glauben“ schuldig gemacht hätten. Nach rund achtmonatiger Untersuchungshaft wurden die 14 Angeklagten am 10. Dezember 1962 in der Stadt {{Sperrsatz|Nador}} vor Gericht gestellt, das knapp eine Woche später die Urteile fällte. Drei der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, fünf zu lebenslänglichem Zuchthaus, einer zu 15 Jahren Gefängnis; die übrigen wurden freigesprochen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Urteile wurden, wie aus den Berichten über die Gerichtsverhandlung &lt;br /&gt;
hervorgeht, ausschließlich aufgrund der Tatsache gesprochen, daß die&lt;br /&gt;
Angeklagten der Bahá’í-Religion angehören. Gegen diesen Urteilsspruch,&lt;br /&gt;
der in Marokko zu einer ernsthaften Regierungskrise geführt und darüber &lt;br /&gt;
hinaus ein weltweites Echo gefunden hat, ist inzwischen Berufung&lt;br /&gt;
eingelegt worden. Zum Schutz der völlig zu Unrecht verurteilten &lt;br /&gt;
Angeklagten — das Urteil steht auch im Widerspruch zur Charta der &lt;br /&gt;
Vereinten Nationen, die von der marokkanischen Regierung gleichfalls &lt;br /&gt;
unterzeichnet wurde, und verstößt gegen den Paragraphen 6 des Grundgesetzes&lt;br /&gt;
von Marokko — haben 56 Nationale Geistige Räte der Bahá’í in aller Welt&lt;br /&gt;
sich telegrafisch an Generalsekretär U Thant mit der Bitte gewandt, bei&lt;br /&gt;
der marokkanischen Regierung zu intervenieren. Außerdem wurden von&lt;br /&gt;
allen Nationalen und zahlreichen Örtlichen Geistigen Räten der Bahá’í&lt;br /&gt;
Schreiben an die diplomatischen Vertretungen von Marokko in den jeweiligen &lt;br /&gt;
Ländern gerichtet, in denen darum gebeten wird, die verurteilten Bahá’í zu &lt;br /&gt;
schützen und die Menschenrechte in Marokko zu wahren. In gleichem Sinne &lt;br /&gt;
wurde an König Hassan II von Marokko telegrafiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig muß festgestellt werden, daß der Anklagepunkt, die Bahá’í&lt;br /&gt;
würden den Islam und somit die öffentliche Sicherheit untergraben, in&lt;br /&gt;
Widerspruch zu dem wahren Sachverhalt steht. Bahá’u’lláh, der Stifter&lt;br /&gt;
{{page|281|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion, die eine {{Sperrsatz|unabhängige Offenbarungs-Religion}} &lt;br /&gt;
ist, hat gelehrt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„In jedem Land, in dem Bahá’í wohnen, müssen diese ihrer Regierung gegenüber Treue, Vertrauen und Wahrhaftigkeit an den Tag legen...“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Vorwurf, die Bahá’í würden die mohammedanischen Lehren&lt;br /&gt;
untergraben, entbehrt jeglicher Grundlage, denn Bahá’u’lláh hat bestimmt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Denke an das, was auf Muhammad, den Boten Gottes, herabgesandt wurde. Das Maß der Offenbarung, deren Träger Er war, war deutlich von Ihm, dem Allmächtigen, dem Allmachtvollen, vorherbestimmt. Diejenigen, die Ihn hörten, konnten jedoch Seine Absicht nur der Größe ihrer Stufe und ihres geistigen Aufnahmevermögens entsprechend erfassen. So enthüllt Er das Angesicht der Weisheit im Verhältnis zu ihrer Fähigkeit, die Last Seiner Botschaft zu tragen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen beiden Zitaten ergibt sich die volle Anerkennung jeder&lt;br /&gt;
Regierung und die Anerkennung Muhammads als Offenbarer Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ermutigend zu erfahren, daß ein großer Teil der Bevölkerung der&lt;br /&gt;
Stadt Nador offensichtlich kein Verständnis für dieses Gerichtsverfahren&lt;br /&gt;
hegte, das in Presseberichten wiederholt mit dem Begriff der {{Sperrsatz|Inquisition}} &lt;br /&gt;
identifiziert worden ist. Wie berichtet wird, hatten während der&lt;br /&gt;
Verhandlung vor dem Gerichtsgebäude annähernd 3000 Einheimische &lt;br /&gt;
zugunsten der Angeklagten und gegen das Gericht demonstriert. Gegen das&lt;br /&gt;
Urteil hat sich außerdem eine dem marokkanischen Innen- und Landwirtschaftsminister &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Guedira}} gehörende Wochenzeitung gewandt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:-rd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wie die Beantworteten Fragen entstanden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Heft 10/Oktober 1962 der „BAHÁ&#039;Í-BRIEFE“, Seite 240, brachten wir eine kurze Besprechung der „Beantworteten Fragen“ von ‘Abdu’l-Bahá (Bahá’í-Verlag, Frankfurt/Main 1962, 306 Seiten, Leinen DM 13.20). Wie dieses bedeutsame Lehrbuch entstand, erzählt der folgende Beitrag, dem das persische Buch „Neun Jahre ‘Akká“ von Dr. Jûnis Khán Afrûkhtíh, Tihrán 1952, zugrundeliegt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Akká, die kleine, historisch bedeutsame Stadt an einer Bucht des &lt;br /&gt;
Mittelmeeres gegenüber dem Berge Karmel, war bereits in den ersten Jahren&lt;br /&gt;
unseres Jahrhunderts das Ziel mancher Besucher aus aller Welt. Die&lt;br /&gt;
Botschaft des Bahá’í-Glaubens hatte zu dieser Zeit schon viele Punkte&lt;br /&gt;
in Europa und Amerika erreicht; die Bahá’í hatten die Sache näher &lt;br /&gt;
kennengelernt und bekanntgemacht, und deshalb hatten sich viele Menschen&lt;br /&gt;
in Richtung ‘Akká aufgemacht: „...manche in dem Gedanken, einen&lt;br /&gt;
östlichen Propheten zu sehen, der die Zukunft prophezeit, manche, um&lt;br /&gt;
einen außergewöhnlichen Menschen kennenzulernen, der die Geheimnisse&lt;br /&gt;
der Heiligen Schriften auslegt, und wieder andere dachten einem &lt;br /&gt;
Philosophen zu begegnen, der die Grundlage der Religionen und Konfessionen&lt;br /&gt;
der Welt in Erschütterung gebracht hat... .“&lt;br /&gt;
{{page|282|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Sohn und bevollmächtigte Ausleger des Stifters des&lt;br /&gt;
Bahá’í-Glaubens, war das Ziel dieser Besucher. Es war nicht einfach, in&lt;br /&gt;
Seine Gegenwart zu gelangen. ‘Abdu’l-Bahá sagte zu fast allen: „... Wir&lt;br /&gt;
sind nicht befugt, mit Leuten in Kontakt zu kommen, denn Wir sind ein&lt;br /&gt;
Gefangener der Regierung ... .“ Menschen von vielerlei Art ließen nicht&lt;br /&gt;
nach mit der Bitte, von Ihm empfangen zu werden, und nicht alle von&lt;br /&gt;
ihnen waren wirkliche Sucher nach Wahrheit und Wissen, sondern es&lt;br /&gt;
waren manche darunter mit hinterhältigen, ja bösartigen Absichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Menschen, die in jenen kritischen Jahren, in denen der&lt;br /&gt;
„Orkan der Bündnisbrecher“ tobte und die Welle der unrechtmäßigen&lt;br /&gt;
Beschuldigungen gegen den Meister anschwoll, Seine Gegenwart suchten,&lt;br /&gt;
war ein sehr junges Mädchen aus reicher und angesehener englischer&lt;br /&gt;
Familie: Miss Laura Barney, später Madame Dreyfus, die heute als &lt;br /&gt;
hochbetagte Dame in Paris lebt. In den Jahren 1904/5 war sie dreimal nach&lt;br /&gt;
‘Akká gekommen. Das dritte Mal brachte sie eine Sekretärin, Miss Rosenberg, &lt;br /&gt;
aus London mit und hielt sich etwa ein Jahr lang in ‘Akká auf. Sie&lt;br /&gt;
gehörte zu den wenigen, die im wahrsten Sinne „dem Meister zu Füßen&lt;br /&gt;
saßen“ und voller Hingabe aus jenen Stunden kostbare Steine sammelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Júnis Khan Afrúkhtíh, der neun Jahre lang in nächster Nähe &lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás lebte, schrieb in seinem Erinnerungsbuch „Neun Jahre ‘Akká“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Buch ist folgendermaßen entstanden: Diese europäische Dame&lt;br /&gt;
bekam ihre Unterweisungen, genau wie alle westlichen Freunde, während&lt;br /&gt;
des Essens, und zwar während des Mittagessens, etwa um 13.00 Uhr.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá aß nur einmal am Tage, und während der Fastenzeit nur&lt;br /&gt;
einmal abends ..... Er saß am oberen Ende des Tisches; an Seiner linken&lt;br /&gt;
Seite Miss Barney, weiter Miss Rosenberg, und dann kamen etwa acht oder&lt;br /&gt;
neun Pilger oder Ansässige aus Haifa; ich selbst saß an der rechten Seite&lt;br /&gt;
des Meisters, gegenüber von Miss Barney. Ich übersetzte ihre Fragen vom&lt;br /&gt;
Englischen ins Persische, und die Antwort des Meisters gab ich ihr wieder&lt;br /&gt;
im Englischen. Und Miss Rosenberg schrieb alles auf. Aber man muß&lt;br /&gt;
wissen, daß die Sache nicht so einfach vor sich ging, denn Miss Barney&lt;br /&gt;
mußte zuerst ihre Frage dem Übersetzer genau verständlich machen, und&lt;br /&gt;
der Übersetzer, nachdem er die Frage verstanden oder auch nicht ganz&lt;br /&gt;
verstanden hatte, mußte sie für ‘Abdu’l-Bahá übersetzen, und dann &lt;br /&gt;
wiederum die Antwort von‘Abdu’l-Bahá — verstanden oder auch nicht &lt;br /&gt;
so gut verstanden und begriffen — ins Englische übersetzen, aber in &lt;br /&gt;
orientalischer Ausdrucksweise und in der Terminologie der Bahá’í-Religion. &lt;br /&gt;
Miss Rosenberg schrieb auf, was sie hörte. Zeigte sich jedoch die Fragestellerin&lt;br /&gt;
nicht zufrieden, dann mußte der ganze Vorgang wiederholt werden. Dies&lt;br /&gt;
führte natürlich zu erheblichem Zeitverlust, und das Essen mußte einfach&lt;br /&gt;
aufgegeben werden...Glücklicherweise war Miss Barney eine solch&lt;br /&gt;
gelehrige Schülerin, die ‘Abdu’l-Bahá so viel Freude machte, daß Er Sich&lt;br /&gt;
niemals ermüdet zeigte. Außerdem war sie keine ganz neu erklärte Bahá’í,&lt;br /&gt;
sondern schon mit manchen Ausdrücken und der Terminologie vertraut,&lt;br /&gt;
was die Besprechung erleichterte. Miss Barney zeigte weder Unzufriedenheit &lt;br /&gt;
mit mir, dem Übersetzer, noch fügte sie dem Gehörten ihre eigenen&lt;br /&gt;
philosophischen Gedankengänge hinzu, wie es so manche taten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Art und Weise, in der ‘Abdu’l-Bahá die Fragen auslegte, war derart, &lt;br /&gt;
daß sie den Zuhörer unwillkürlich anzog und begeisterte, und, wie&lt;br /&gt;
{{page|283|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=35}}&lt;br /&gt;
gesagt, das Mittagessen blieb völlig Nebensache! — Manchmal kam es&lt;br /&gt;
vor, daß Er einen Einwand, einen Widerspruch der Fragestellerin, Selbst&lt;br /&gt;
voraussagte. Eines Tages — es war gerade bei der Behandlung des Problems &lt;br /&gt;
der Existenz des Bösen — ... es gibt das Böse nicht; das Böse&lt;br /&gt;
hat keine Existenz, hatte der Meister gerade ausgeführt — da sagte Er&lt;br /&gt;
plötzlich mit einem Lächeln zu mir: ‚Jetzt wird sie fragen: Warum hat&lt;br /&gt;
Gott den Skorpion geschaffen?‘ — Es war kaum eine Minute vergangen,&lt;br /&gt;
und schon stellte ‘Amatu’l-Bahá ganz impulsiv genau diese Frage. &lt;br /&gt;
Daraufhin sagte ‘Abdu’l-Bahá wieder zu mir: ‚Na, hast du gesehen, was Ich&lt;br /&gt;
gesagt habe? Also, sage zur Antwort: Das ist eine Angelegenheit des&lt;br /&gt;
Daseins. Ja, der Skorpion ist böse; aber in bezug auf uns. In der Beziehung &lt;br /&gt;
zu sich selber jedoch ist er nicht böse, denn dieses Gift ist seine&lt;br /&gt;
Waffe, und mit seinem Biß schützt er sich. Weil aber die Bestandteile&lt;br /&gt;
dieses Giftes nicht mit unseren Bestandteilen harmonieren, ist dieser&lt;br /&gt;
Gegensatz böse...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Art und Weise wurde einige Monate hindurch die Unterhaltung &lt;br /&gt;
weitergeführt, bis eines Tages die Familie des Meisters und die&lt;br /&gt;
Freunde über den Inhalt der Gespräche hörten und darauf aufmerksam&lt;br /&gt;
wurden, daß, wäre Miss Barney nicht in diesen göttlichen Ozean &lt;br /&gt;
hinabgetaucht, diese kostbaren Perlen nie aus der Tiefe des Meeres &lt;br /&gt;
heraufgebracht worden wären. Sie fragten sich, ob diese Kostbarkeiten, &lt;br /&gt;
nun schon vorhanden, nicht auch in persischer Sprache erscheinen und in &lt;br /&gt;
den Annalen der Geschichte festgehalten werden sollten. Deswegen bat man den&lt;br /&gt;
Meister, einen Schreiber zu bestellen und diese wunderbaren Erklärungen&lt;br /&gt;
Wort für Wort in schönem, klassischem Persisch abzufassen. Dieser Bitte&lt;br /&gt;
wurde entsprochen, und Mírzá Munír, der Sohn des verstorbenen Mírzá &lt;br /&gt;
Ahmád Quli Kásháni, dazu bestimmt. Jeden Tag kam er von nun an,&lt;br /&gt;
saß neben ‘Abdu’l-Bahá und schrieb... Der Meister Selbst überprüfte&lt;br /&gt;
und verbesserte jeden Satz. Auch das bis dahin schon Besprochene wurde&lt;br /&gt;
vom Englischen ins Persische zurückübersetzt; durch diese Anordnung&lt;br /&gt;
wurde die Arbeit natürlich in die Länge gezogen. Miß Barney hat wahrhaftig &lt;br /&gt;
sehr viel Mühe auf sich genommen. Als zwei Drittel des Buches&lt;br /&gt;
niedergeschrieben waren, mußte ich nach Europa fahren, und die Arbeit&lt;br /&gt;
der Übersetzung fiel der Tochter ‘Abdu’l-Bahás zu. Allmählich war auch&lt;br /&gt;
‘Amatu’l-Bahá mit der persischen Sprache vertraut geworden. Sie hat&lt;br /&gt;
diesen Dienst an der Bahá’í-Weit wunderbar vervollständigt und eine&lt;br /&gt;
unvergängliche Erinnerung zurückgelassen . . .“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:H.A.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:—————&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sri Aurobindo, „Der Zyklus der menschlichen Entwicklung“, Otto-Wilhelm-Barth-Verlag, 812 Weilheim, 1955. 411 S. Lw. DM 16.80&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sri Aurobindo, der 1950 verstorbene indische Weise, übt durch seine&lt;br /&gt;
in viele Sprachen übersetzten Schriften auch heute noch einen großen&lt;br /&gt;
Einfluß aus. Der von ihm gegründete Aschram von Pondischerry, eine&lt;br /&gt;
Art gnostische Universität, nimmt Studenten aus allen Ländern auf.&lt;br /&gt;
{{page|284|file=Baha&#039;i_Briefe_11.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Hinduismus herkommend, sah Aurobindo das Heil in der Wandlung &lt;br /&gt;
des Menschen durch die Bewußtseinserweiterung. Der Mensch, der&lt;br /&gt;
noch nicht durch Yoga die in ihm schlummernden Kräfte geweckt hat,&lt;br /&gt;
verfügt im allgemeinen über drei Hauptebenen: die physische, die vitale&lt;br /&gt;
und die mentale; darunter liegt das Unbewußte und im Hintergrund der&lt;br /&gt;
drei Hauptebenen das Psychische. Durch die Verinnerlichung kann sich&lt;br /&gt;
der Mensch drei weitere Schichten erschließen: das Übermentale, die&lt;br /&gt;
Intuition und das Supramentale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem Buch „Zyklus der menschlichen Entwicklung“ wollte &lt;br /&gt;
Aurobindo die Frage nach dem Woher und Wohin des Lebens beantworten.&lt;br /&gt;
Dem deutschen Geschichtsphilosophen Lamprecht folgend, ging Aurobindo&lt;br /&gt;
davon aus, daß die menschliche Gesellschaft durch bestimmte seelisch&lt;br /&gt;
bedingte Stufen voranschreite, die er das symbolische, das typische, das&lt;br /&gt;
konventionelle, das individualistische und das subjektive Zeitalter nannte.&lt;br /&gt;
Das durch die Renaissance und nur in zweiter Linie durch die Reformation&lt;br /&gt;
entstandene individualistische Zeitalter werde dem subjektiven Zeitalter&lt;br /&gt;
weichen. Für den einzelnen bedeute die subjektive Stufe „den Schritt zur&lt;br /&gt;
Selbsterkenntnis, zum Leben in und aus dem Selbst, fort von dem Leben&lt;br /&gt;
nach dieser objektiven Idee des Daseins und des Weltalls.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt wurde das Buch von Ursula von Mangoldt, die den Lesern&lt;br /&gt;
der „Bahá’í-Briefe“ als Verfasserin des Büchleins „Meditation, Heilkraft&lt;br /&gt;
im Alltag“ (vergl. Heft 9, Juli 1962, S. 224) bekannt ist. Die Übersetzerin&lt;br /&gt;
entschuldigt sich eingangs, für die wichtigsten Begriffe ungenaue Fremdwörter &lt;br /&gt;
übernommen zu haben, weil der Aschram in Pondischerry dies&lt;br /&gt;
vorgeschrieben habe. Tatsächlich liest man in diesem Buch niemals oder&lt;br /&gt;
nur selten Ausdrücke wie Trieb, Lebenskraft, Geschlechtstrieb, &lt;br /&gt;
Selbsterhaltung, Gemüt, Andacht, dagegen ständig Verschlüsselungen wie &lt;br /&gt;
„das zentrale Vitale, das physische Mentale, das mechanische Mentale, das&lt;br /&gt;
physische Vitale“. Daß die in sieben Jahrhunderten gewachsene deutsche&lt;br /&gt;
Begriffssprache, zu welcher Mystiker von Tauler, Eckart, Mechthild über&lt;br /&gt;
Jakob Böhme bis Rudolf Steiner und moderne Psychologen wie Freud,&lt;br /&gt;
Jung und Adler beigetragen haben, in so auffallender Weise mißachtet&lt;br /&gt;
wird, rührt vielleicht daher, daß der Aschram, von der Persönlichkeit&lt;br /&gt;
Aurobindos überwältigt, neben und vor ihm keinen anderen geistigen&lt;br /&gt;
Führer, geschweige einen Gottesoffenbarer mehr anzuerkennen scheint.&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich deutlich die Grenzen seiner Weltoffenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo es dagegen um die Zusammenhänge zwischen politischen und philosophischen &lt;br /&gt;
Strömungen geht, ist das Buch eine Fundgrube tiefer und&lt;br /&gt;
fruchtbarer Gedanken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. Johann Karl Teufel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 7022 Leinfelden, Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“. Auslieferungsstelle, 73 Eßlingen, &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag, 6 Frankfurt, Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 67/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=1}}{{ocr}}Zeitschrift&lt;br /&gt;
für Religion und Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ly Nr. 67/1995&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNO: Musik ohne Grenzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfzig Jahre Name an den&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit rogenmibbrauc&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit der Baha’ı- Ureinwohner in Kanada: Emp-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltgemeinschaft  fehlungen der Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=2}}INHALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Weltgemeinschaft&lt;br /&gt;
und die Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- fünfzig Jahre Zusammenarbeit .......zersersoreneee 4&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Musik ohne Grenzen ..........0000000000000000000000 0000000 LO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanken zu einer Vision der Ganzheit&lt;br /&gt;
Susanne Schaup&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Empfehlung der kanadischen&lt;br /&gt;
Bahaä’i-Gemeinde an die »Königliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommission für Ureinwohner« .............0.00000.. 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellungnahme des Nationalen Geistigen Rates&lt;br /&gt;
der Bahä’i in Kanada&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maßnahmen gegen den Drogenmißbrauch ... 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bahä’i-Modell der Drogenprävention&lt;br /&gt;
A.M. Ghadirian&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umweltfreundliche Rundfunkempfänger ...... 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Alternative zur Batterienschwemme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühe Begegnungen Mitteleuropas&lt;br /&gt;
mit der Bahäa’i-Geschichte.........eserssorssoreen 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ı-Briefe&lt;br /&gt;
Heft 67&lt;br /&gt;
1995&lt;br /&gt;
23. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’t-Briefe&lt;br /&gt;
wollen eine intensive&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahd’t-Religion&lt;br /&gt;
fördern und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage&lt;br /&gt;
zeitgemäßen Denkens&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit&lt;br /&gt;
allen beitragen, die&lt;br /&gt;
sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’i in Deutschland&lt;br /&gt;
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Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion:&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis,&lt;br /&gt;
Jörg Krombach,&lt;br /&gt;
Wolfgang Peter Löhndorf,&lt;br /&gt;
Uwe Still, Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe, Redaktion,&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
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Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge&lt;br /&gt;
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Die Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
erscheinen halbjährlich.&lt;br /&gt;
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 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=3}}Baha’ı&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Jahr begehen&lt;br /&gt;
die Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
den 50. Jahrestag ihrer&lt;br /&gt;
Gründung. Die Feier-&lt;br /&gt;
lichkeiten der UNO be-&lt;br /&gt;
gannen bereits im Juni&lt;br /&gt;
in San Francisco, wo&lt;br /&gt;
die UN-Charta ur-&lt;br /&gt;
sprünglich unterzeich-&lt;br /&gt;
net wurde, und erreich-&lt;br /&gt;
ten ihren Höhepunkt&lt;br /&gt;
während eines vom 22.&lt;br /&gt;
bis 25. Oktober 1995 in&lt;br /&gt;
New York stattgefunde-&lt;br /&gt;
nen Gipfeltreffens, an&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem 150 Staats- und Regierungschefs teilnah-&lt;br /&gt;
men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Internationale Bahä’i-Gemeinde pflegte&lt;br /&gt;
von Anfang an enge Beziehungen zu den Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen, sind doch die Ziele der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit und der Völkerverständi-&lt;br /&gt;
gung grundlegende Lehren des Baha’i-Glau-&lt;br /&gt;
bens. Bereits während der Konferenz der Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen über die Internationale Orga-&lt;br /&gt;
nisation im Frühjahr 1945, bei der die Charta&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen formuliert wurde, stell-&lt;br /&gt;
ten die Bahä’i-Beobachter der Konferenz das&lt;br /&gt;
Bahä’i-Friedensprogramm vor, das viel Be-&lt;br /&gt;
achtung fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel von Hermine Mayer-Berdjis »Die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltgemeinschaft und die Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen - fünfzig Jahre Zusammenarbeit«&lt;br /&gt;
stellt diese Beziehung von ihren historischen&lt;br /&gt;
Wurzeln um die Jahrhundertwende bis in die&lt;br /&gt;
heutige Zeit dar. Der Leser erhält einen umfas-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
senden Überblick und&lt;br /&gt;
erfährt&lt;br /&gt;
Details.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
interessante&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vortrag der Jour-&lt;br /&gt;
nalistin Susanne&lt;br /&gt;
Schaup »Musik ohne&lt;br /&gt;
Grenzen«, der wäh-&lt;br /&gt;
rend des Musik-Fo-&lt;br /&gt;
rums der Landegg-&lt;br /&gt;
Akademie im Nove-&lt;br /&gt;
mer 1994 gehalten&lt;br /&gt;
wurde, behandelt die&lt;br /&gt;
Wirkung unterschied-&lt;br /&gt;
licher Musikkulturen&lt;br /&gt;
auf die menschliche Seele und erstellt aus die-&lt;br /&gt;
sen Erfahrungen eine Vision der Musikkultur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer künftigen, geeinten Welıt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Beiträge dieser Ausgabe befassen sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— mit einer Empfehlung der kanadischen&lt;br /&gt;
Baha’i-Gemeinde an die »Königliche Kom-&lt;br /&gt;
mission für Ureinwohner«, die sich mit ei-&lt;br /&gt;
ner zukünftigen Gesellschaftsordnung und&lt;br /&gt;
Integration der vielfältigen kulturellen Ele-&lt;br /&gt;
mente Kanadas beschäftigte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— mit einem Bahä’t-Modell zur Drogenprä-&lt;br /&gt;
vention, das von A.M. Ghadirian vorge-&lt;br /&gt;
stellt wird, der als Professor für Psychia-&lt;br /&gt;
trie tätig ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— und mit der Entwicklung eines solar-betrie-&lt;br /&gt;
benen Radios speziell für ländliche Gegen-&lt;br /&gt;
den in Entwicklungsländern, das in China&lt;br /&gt;
produziert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=4}}Hermine&lt;br /&gt;
Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’T-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’ı-Welt-&lt;br /&gt;
gemeinschaft und die&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
- fünfzig Jahre&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historische Wurzeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die enge Beziehung der Bahä’f-Re-&lt;br /&gt;
ligion zu den Vereinten Nationen hat ihre&lt;br /&gt;
Wurzeln im zentralen Thema der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Lehren: der Einheit der Menschheit. In&lt;br /&gt;
Seinen Briefen an die Herrscher Seiner Zeit&lt;br /&gt;
forderte Bahä’u’lläh&#039; diese bereits im letz-&lt;br /&gt;
ten Jahrhundert? zu Frieden, Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Beratung im Interesse aller Menschen&lt;br /&gt;
der Erde auf. Auch ‘Abdu’l-Bahá? schrieb&lt;br /&gt;
schon im Jahr 1875: »Wahre Kultur wird&lt;br /&gt;
ihr Banner mitten im Herzen der Welt ent-&lt;br /&gt;
falten, sobald eine gewisse Zahl ihrer vor-&lt;br /&gt;
züglichen, hochgesinnten Herrscher ... mit&lt;br /&gt;
festem Entschluß und klarem Blick daran&lt;br /&gt;
geht, den Weltfrieden zu stiften. Sie müssen&lt;br /&gt;
die Friedensfrage zum Gegenstand allge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meiner Beratung machen und ... einen&lt;br /&gt;
Weltvölkerbund schaffen...«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirren der Jahre um die Jahr-&lt;br /&gt;
hundertwende, als ‘Abdu’l-Bahá noch als&lt;br /&gt;
Gefangener der osmanischen Regierung in&lt;br /&gt;
“Akkä, Palästina, lebte, hatten bereits große&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten ihre Stimme für den Frie-&lt;br /&gt;
den erheben lassen. 1899 rief Zar Nikolaus&lt;br /&gt;
II zur Friedenskonferenz in Den Haag auf.&lt;br /&gt;
Das Echo bei den regierenden Fürsten war&lt;br /&gt;
groß, und Juristen und Diplomaten trafen&lt;br /&gt;
sich in Den Haag. In den zwanziger Jahren&lt;br /&gt;
kamen noch der Internationale Gerichtshof&lt;br /&gt;
des Völkerbundes und die Akademie für&lt;br /&gt;
Internationales Recht hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, 1817-1892, Stifter der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Seiner Befreiung aus der Ge-&lt;br /&gt;
fangenschaft reiste ‘Abdu’l-Bahá in den&lt;br /&gt;
Westen und sprach bei zahllosen Gelegen-&lt;br /&gt;
heiten vor allem über den Frieden. Am 26.&lt;br /&gt;
Oktober 1912 sagte Er in Sacramento, Ka-&lt;br /&gt;
lifornien: »Das drängendste und bedeu-&lt;br /&gt;
tendste Problem ist heute der Weltfriede...&lt;br /&gt;
Es ist Zeit, den Krieg abzuschaffen, die&lt;br /&gt;
Völker und Regierungen zu vereinen... Es&lt;br /&gt;
ist Zeit, den Osten und den Westen zusam-&lt;br /&gt;
menzuschweißen... Möge das erste Banner&lt;br /&gt;
des Weltfriedens in diesem Staat gehißt&lt;br /&gt;
werden.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch einen Bahä’i kam es zu ei-&lt;br /&gt;
nem Briefwechsel ‘Abdu’l-Bahás mit der&lt;br /&gt;
1915 in Den Haag gegründeten »Zentralor-&lt;br /&gt;
ganisation für einen dauerhaften Frieden«,&lt;br /&gt;
einer privaten Initiative, die sich eine Art&lt;br /&gt;
Friedenslogistik und -grundlagenforschung&lt;br /&gt;
zum Ziel gesetzt hatte. ‘Abdu’I-Bahä schil-&lt;br /&gt;
derte in Seinem Brief die wichtigsten&lt;br /&gt;
Grundsätze für einen Weltfriedensvertrag.&lt;br /&gt;
Er erläuterte die geistigen Bedingungen für&lt;br /&gt;
einen echten Friedenswunsch wie Liebe,&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung und Ablegen von Vor-&lt;br /&gt;
urteilen, und daß institutionelle Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen wie Universalität der Mitglied-&lt;br /&gt;
schaft und Durchsetzbarkeit der Entschei-&lt;br /&gt;
dungen geschaffen werden müssen, damit&lt;br /&gt;
der Friede von Bestand sei. Der Völker-&lt;br /&gt;
bund und das System der Vereinten Natio-&lt;br /&gt;
nen konnten diese Bedingungen leider&lt;br /&gt;
nicht verwirklichen.®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s. Die Verkündigung Bahd&#039;u’llähs an die Könige und Herrscher der Welt, Bahä’i-Verlag 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur, Bahä’i-Verlag 1973, S.62f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
3 ”’Abdu’l-Bahá, 1844-1921, Sohn Bahä’u’llähs und Oberhaupt der Bahä’i von 1892-1921&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
H.Balyuzi, ‘Abdu’l-Bahd, Bd.1, Bahä’i-Verlag 1983, S.421&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=5}}Der Völkerbund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Pariser Friedenskonferenz&lt;br /&gt;
von 1919 wurde dann als erste große inter-&lt;br /&gt;
nationale Staatenorganisation der Völker-&lt;br /&gt;
bund gegründet mit dem Ziel, den Krieg zu&lt;br /&gt;
verbieten und den Weltfrieden zu sichern.&lt;br /&gt;
Obwohl Amerikas Präsident Woodrow&lt;br /&gt;
Wilson einer der bedeutendsten Väter des&lt;br /&gt;
Völkerbundes war, traten die Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten von Amerika nicht bei. Unter der&lt;br /&gt;
Anleitung von Shoghi Effendi, dem Ober-&lt;br /&gt;
haupt der Bahä’i-Weltgemeinde, nahmen&lt;br /&gt;
die Bahä’i mit verschiedenen Organen des&lt;br /&gt;
Völkerbundes Kontakt auf. Laura und Hip-&lt;br /&gt;
polyte Dreyfus-Barney sprachen z.B. vor&lt;br /&gt;
dem »Religious and Ethics Committee«.&lt;br /&gt;
Als dann in Baghdad das Haus&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, eine heilige Stätte der Bahä’f,&lt;br /&gt;
‚ unrechtmäßig beschlagnahmt wurde,&lt;br /&gt;
wandten sich die Bahä’i über den Völker-&lt;br /&gt;
bund an die über den Irak eingesetzte Man-&lt;br /&gt;
datsmacht, Großbritannien, mit der Bitte,&lt;br /&gt;
diese Ungerechtigkeit rückgängig zu ma-&lt;br /&gt;
chen. Zwar verliefen die Bemühungen er-&lt;br /&gt;
folglos, aber das Auftreten der Bahä’i-Re-&lt;br /&gt;
präsentanten und die Kontakte mit den am&lt;br /&gt;
Problem beteiligten Regierungen und Orga-&lt;br /&gt;
nen des Völkerbundes machten die Bahä’i&lt;br /&gt;
als weltweite Bewegung bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) Die Idee lebte weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Weltkrieg wurde der Völker-&lt;br /&gt;
bund aktionsunfähig. Doch die Idee einer&lt;br /&gt;
großen Staatengemeinschaft lebte weiter. Sie&lt;br /&gt;
fand 1941 einen zunächst defensiven Nie-&lt;br /&gt;
derschlag in der Atlantikcharta. 1943 bekräf-&lt;br /&gt;
tigte die »Moskauer Vier-Mächte-Erklärung&lt;br /&gt;
über allgemeine Sicherheit« die Notwendig-&lt;br /&gt;
keit der alsbaldigen Schaffung einer allge-&lt;br /&gt;
meinen internationalen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Banner&lt;br /&gt;
wird gehißt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das Abstimmungsverfah-&lt;br /&gt;
ren im Sicherheitsrat bei der Krim-Konfe-&lt;br /&gt;
renz und in Yalta von den Großmächten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abgesprochen worden war, arbeiteten vom&lt;br /&gt;
25. April bis 26. Juni 1945 in San Francisco&lt;br /&gt;
die Vertreter von fünfzig Staaten auf der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Konferenz der Vereinten Nationen über&lt;br /&gt;
die Internationale Organisation« deren Sat-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zung vollends aus ’.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur gleichen Zeit näherten sich die&lt;br /&gt;
Feiern zum 100. Stiftungsjahr des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens ihrem Ende. Da beschlossen die&lt;br /&gt;
kalifornischen Bahä’f, die Konferenz der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alliierten, an der auch zwei Bahä’i-Beob-&lt;br /&gt;
achter teilnahmen, über das Bahä’i-Frie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
densprogramm zu informieren. »The&lt;br /&gt;
Bahä’i Peace Program« wurde in hoher&lt;br /&gt;
Auflage gedruckt und an alle Konferenz-&lt;br /&gt;
teilnehmer und führende Persönlichkeiten&lt;br /&gt;
in und um San Francisco und später im&lt;br /&gt;
ganzen Land großzügig verteilt. Viele offi-&lt;br /&gt;
zielle Delegierte, die dabei erstmals vom&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glauben erfuhren, äußerten sich&lt;br /&gt;
sehr beeindruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem 29 Staaten die »Charta&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen« ratifiziert hatten,&lt;br /&gt;
konnte diese am 24. Oktober 1945 in Kraft&lt;br /&gt;
treten — fast auf den Tag genau 33 Jahre&lt;br /&gt;
nach jenem Tag, an dem ‘Abdu’l-Bahá in&lt;br /&gt;
Sacramento gesagt hatte, das Banner des&lt;br /&gt;
Weltfriedens möge in Kalifornien gehißt&lt;br /&gt;
werden. Die Charta befaßte sich vor allem&lt;br /&gt;
mit der Sicherung des Friedens, denn zu-&lt;br /&gt;
nächst galt es, Kriegswunden zu heilen und&lt;br /&gt;
Kolonialstaaten in die Eigenständigkeit zu&lt;br /&gt;
führen. Abrüstung war noch kein Hauptthe-&lt;br /&gt;
ma, denn die atomare Rüstungspirale war&lt;br /&gt;
erst im Entstehen. Die allgemeinen Men-&lt;br /&gt;
schenrechte bedurften jedoch dringend&lt;br /&gt;
weiterer Definition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6  s. ‘Abdu’l-Bahá, Der Weltfriedensvertrag, Bahä’i-Verlag 1988, S.41&lt;br /&gt;
7  s. Hermann Weber, Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen, UN-Texte 34, DGVN Bonn, 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amatu’l-Baha Rühiyyih&lt;br /&gt;
Khanum überreichte&lt;br /&gt;
am 22. November 1985&lt;br /&gt;
dem Generalsekretär&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen,&lt;br /&gt;
Javier Perez de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cuellar, die&lt;br /&gt;
Friedenserklärung des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Delegation der&lt;br /&gt;
Internationalen&lt;br /&gt;
Baha’t-Gemeinde&lt;br /&gt;
bei der UN-&lt;br /&gt;
Konferenz über&lt;br /&gt;
Drogenmißbrauch&lt;br /&gt;
1987 in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 _BAHAT-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNDN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die offizielle Arbeit&lt;br /&gt;
beginnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1947 gründete der Nationale Geisti-&lt;br /&gt;
ge Rat der Bahä’i der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;
und Kanadas ein Komitee für die Arbeit bei&lt;br /&gt;
den Vereinten Nationen und ernannte offi-&lt;br /&gt;
zielle Beobachter. Zwei Grundsatzerklä-&lt;br /&gt;
rungen wurden ausgearbeitet. Die erste hat-&lt;br /&gt;
te den Titel »Eine Bahä’i-Erklärung über&lt;br /&gt;
die Pflichten und Rechte der Menschen«.&lt;br /&gt;
Sie wurde im Februar 1947 der Menschen-&lt;br /&gt;
rechtskommission des Wirtschafts- und So-&lt;br /&gt;
zialrates (ECOSOC), die sich mit dem Ent-&lt;br /&gt;
wurf einer Menschenrechtscharta befaßte,&lt;br /&gt;
vorgelegt. Die zweite Erklärung ging an die&lt;br /&gt;
Kommission für die Lage der Frauen und&lt;br /&gt;
erläuterte die Bahä’i-Ansicht über die&lt;br /&gt;
Rechte der Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
United Nations&lt;br /&gt;
Division of Narcotic Drugs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im gleichen Jahr die Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen eine Sonderkommission für Palä-&lt;br /&gt;
stina einsetzten, bat diese Shoghi Effendi,&lt;br /&gt;
das Oberhaupt der Bahä’i-Weltgemeinde&lt;br /&gt;
in Haifa, um eine Erklärung zum Verhält-&lt;br /&gt;
nis zwischen dem Bahä’i-Glauben und dem&lt;br /&gt;
Heiligen Land. Shoghi Effendi schrieb, daß&lt;br /&gt;
das Ziel der Bahä’i-Religion die Errichtung&lt;br /&gt;
des Weltfriedens sei, und betonte den&lt;br /&gt;
Wunsch, Gerechtigkeit in allen Bereichen&lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft, einschließ-&lt;br /&gt;
lich der Politik, verwirklicht zu sehen. Er&lt;br /&gt;
legte klar, daß wer immer über Haifa und&lt;br /&gt;
*Akkä, wo sich die heiligen Grabstätten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralgestalten des Glaubens befinden,&lt;br /&gt;
regiere, dieses geistige und administrative&lt;br /&gt;
Zentrum des Bahä’i-Glaubens sowie des-&lt;br /&gt;
sen Unabhängigkeit, sein Recht auf eigene&lt;br /&gt;
Verwaltung seiner internationalen Bezie-&lt;br /&gt;
hungen und das Recht der Bahä’i-Pilger&lt;br /&gt;
aus aller Welt, zu ihren heiligen Stätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen zu dürfen, anerkennen müsse®.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Baha’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Community«,&lt;br /&gt;
eine NRO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offiziell wurde im März 1948 der&lt;br /&gt;
Nationale Geistige Rat der Bahä’i der Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten und Kanadas in Vertretung&lt;br /&gt;
der damals bestehenden acht Na-&lt;br /&gt;
tionalen Geistigen Räte als Nich-&lt;br /&gt;
tregierungsorganisation (NRO,&lt;br /&gt;
engl. »Nongovernmental Orga-&lt;br /&gt;
nization« = NGO) akkreditiert,&lt;br /&gt;
so daß die Bahä’i nun offizielle&lt;br /&gt;
Vertreter zu den Konferenzen&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen schicken&lt;br /&gt;
konnten. Die »Bahä’i Internatio-&lt;br /&gt;
nal Community«, d.h. die »Inter-&lt;br /&gt;
nationale Bahä’i-Gemeinde«,&lt;br /&gt;
wurde als »NGO (bzw. NRO)&lt;br /&gt;
mit Interesse an den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen und bereit, die Öffent-&lt;br /&gt;
lichkeit von den Zielen und Ak-&lt;br /&gt;
tivitäten dieser Weltorganisation&lt;br /&gt;
zu unterrichten« vom Office of&lt;br /&gt;
Public Information (Büro für Öf-&lt;br /&gt;
fentlichkeitsarbeit) der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen in New York aufge-&lt;br /&gt;
nommen. Als NRO hatte sie&lt;br /&gt;
zwar noch kein Mitspracherecht,&lt;br /&gt;
konnte aber schriftliche Erklärungen ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
reichen. Eine heikle, aber wichtige Aufga-&lt;br /&gt;
be der offiziellen Bahä’i-Vertreter war,&lt;br /&gt;
sich an das Bahä’i-Prinzip der Nichteinmi-&lt;br /&gt;
schung in die Politik zu halten. Bei allen&lt;br /&gt;
Fragen bezogen sie sich auf die relevanten&lt;br /&gt;
Bahä’f-Prinzipien und die geistige Einstel-&lt;br /&gt;
lung, denn zunächst hatte die Bahä’i-Welt-&lt;br /&gt;
gemeinde ja im sozialen Bereich noch&lt;br /&gt;
kaum globale Erfahrungen auszuweisen.&lt;br /&gt;
Diese Arbeitsweise erwies sich besonders&lt;br /&gt;
im Zusammenhang mit der Verfolgung der&lt;br /&gt;
Bahä’f im Iran als äußerst segensreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Auszüge in Bahd’i-Informationen 1: Religion der Einheit, Bahä’i-Verlag 1978&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=7}}Im Mai 1948 nahmen die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Vertreter zum ersten Mal offiziell an der&lt;br /&gt;
NGO-Konferenz über Menschenrechte teil.&lt;br /&gt;
Sie legten den Konferenzteilnehmern einen&lt;br /&gt;
auf Bahä’f-Prinzipien beruhenden Ent-&lt;br /&gt;
schließungsentwurf vor, den die Konferenz&lt;br /&gt;
annahm. Als 1955 die Charta der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen revidiert werden sollte, um sie&lt;br /&gt;
der neuen Vielfalt der UN-Staatenfamilie&lt;br /&gt;
anzupassen, sammelte die Internationale&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde von allen Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Räten Vorschläge, faßte diese&lt;br /&gt;
zusammen und übergab sie jedem »Charter&lt;br /&gt;
Revision Conference«-Teilnehmer, sowie&lt;br /&gt;
vielen Persönlichkeiten von Universitäten,&lt;br /&gt;
Bibliotheken und Zeitungen. Vor der Eröff-&lt;br /&gt;
nung dieser Konferenz mit 15.000 Teilneh-&lt;br /&gt;
mern wurde in San Francisco ein »Festival&lt;br /&gt;
of Faith« abgehalten, bei dem ein Bahä’i im&lt;br /&gt;
Progamm mitwirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1967 übernahm das Führungsgre-&lt;br /&gt;
mium der Bahä’i-Welt, das Universale&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit”, vom Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rat der Bahä’i der Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten das Bahä’i-Büro bei den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen in New York und ernannte Dr.&lt;br /&gt;
Victor de Araujo zum ersten hauptamtli-&lt;br /&gt;
chen Repräsentanten der Internationalen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde, akkreditiert bei den Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen. Inzwischen war ein welt-&lt;br /&gt;
weites Netz von Bahä’i-Gemeinden ent-&lt;br /&gt;
standen mit ca. sechzig Nationalen Geisti-&lt;br /&gt;
gen Räten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Beratender&lt;br /&gt;
 Status«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1970 erhielt die Internatio-&lt;br /&gt;
nale Bahä’i-Gemeinde den »Beratenden&lt;br /&gt;
Status, Kategorie II« beim Wirtschafts- und&lt;br /&gt;
Sozialrat (ECOSOC), dem arbeitsintensiv-&lt;br /&gt;
sten der sechs Hauptorgane, der ca. 85%&lt;br /&gt;
der gesamten Arbeit der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
zu bewältigen hat. Für den Konsultativsta-&lt;br /&gt;
tus bei ECOSOC ist »Grundbedingung...,&lt;br /&gt;
daß eine Organisation mit Aufgaben aus&lt;br /&gt;
dem Kompetenzbereich des ECOSOC be-&lt;br /&gt;
faßt ist und ihre Ziele und Prinzipien im&lt;br /&gt;
Einklang mit dem Geist der UN-Charta ste-&lt;br /&gt;
hen«&#039;®. Kategorie II ist der »Besondere&lt;br /&gt;
Konsultativstatus« für internationale Nicht-&lt;br /&gt;
regierungs-Organisationen, die damit in be-&lt;br /&gt;
grenztem Umfang schriftliche Erklärungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abgeben dürfen und von Fall zu Fall auch&lt;br /&gt;
das Rederecht erhalten. Die Zahl der NROs&lt;br /&gt;
dieser Kategorie ist seit 1949 (damals wa-&lt;br /&gt;
ren es 4) stark angestiegen. 1969 waren es&lt;br /&gt;
245, 1991 schon 533 und beim NRO-Fo-&lt;br /&gt;
rum in Rio de Janeiro bereits 1420.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun konnten die Bahä’i-Repräsen-&lt;br /&gt;
tanten schriftliche und mündliche Beiträge&lt;br /&gt;
einbringen und bei Untersuchungen oder&lt;br /&gt;
der Abfassung von Resolutionen mitwir-&lt;br /&gt;
ken. Das Bahä’i-Büro in New York wurde&lt;br /&gt;
erweitert. Es versorgte die Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
den in der ganzen Welt mit Informationen,&lt;br /&gt;
die sie bei Veranstaltungen zu UN-Tagen&lt;br /&gt;
und Jahren einsetzen konnten, um das In-&lt;br /&gt;
teresse der Menschen an den Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen und der aktuellen Thematik zu wek-&lt;br /&gt;
ken. In Genf wurde ein weiteres Büro ein-&lt;br /&gt;
gerichtet und in Nairobi und Wien arbeiten&lt;br /&gt;
zusätzliche Bahä’i-Beauftragte. 1973 er-&lt;br /&gt;
hielt die Internationale Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
die Mitgliedschaft im Umwelt-Programm&lt;br /&gt;
UNEP. Weiter erhielt sie 1976 beim UN-&lt;br /&gt;
Kinderhilfswerk UNICEF und 1989 bei der&lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation WHO bera-&lt;br /&gt;
tenden Status. Die Zusammenarbeit mit der&lt;br /&gt;
UNESCO wird ebenfalls intensiviert. Es ist&lt;br /&gt;
zu bedenken, daß seit 1970 die Anzahl der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Entwicklungsprojekte rapide ge-&lt;br /&gt;
stiegen ist. Daher können die Bahä’i-Ver-&lt;br /&gt;
treter nunmehr jahrelange, in Anwendung&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Prinzipien gemachte praktische&lt;br /&gt;
Erfahrungen aus der Bahä’i-Weltgemeinde&lt;br /&gt;
in ihre Arbeit bei ECOSOC einbringen. Sie&lt;br /&gt;
können auf ein Netz aus weltweit über&lt;br /&gt;
20.000 Geistigen Räten zurückgreifen, die&lt;br /&gt;
derzeit ca. 1.400 Projekte zur wirtschaftli-&lt;br /&gt;
chen, sozialen und kulturellen Entwicklung&lt;br /&gt;
laufen haben. Die Bahä’i-Beiträge werden&lt;br /&gt;
geschätzt. Immer mehr Nichtregierungs-&lt;br /&gt;
Organisationen bitten die Bahä’i um Hilfe&lt;br /&gt;
bei der Formulierung von Resolutionen,&lt;br /&gt;
besonders in Religions- und Minderheits-&lt;br /&gt;
fragen. Begriffe wie Einheit der Mensch-&lt;br /&gt;
heit, Einheit in Vielfalt, globales Einheits-&lt;br /&gt;
bewußtsein etc., die auf Prinzipien der&lt;br /&gt;
Weltordnung Bahä’u’llähs beruhen, sind&lt;br /&gt;
heute in Schriftstücken der Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen keine Seltenheit mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1976 organisiert die Internatio-&lt;br /&gt;
nale Bahä’i-Gemeinde jährlich eine Reihe&lt;br /&gt;
von öffentlichen Veranstaltungen zu The-&lt;br /&gt;
men der Vereinten Nationen, bei denen&lt;br /&gt;
hochqualifizierte Bahä’i-Experten globale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Sitz Haifa, Israel, wird seit 1963 alle fünf Jahre von den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Räten gewählt.&lt;br /&gt;
10 ss. DGVN, Vereinte Nationen 5/1993, S.168&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=8}}8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertreter der&lt;br /&gt;
Internationalen&lt;br /&gt;
Baha’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
bei der Frauen-&lt;br /&gt;
konferenz der&lt;br /&gt;
südpazifischen&lt;br /&gt;
Kommission, die im&lt;br /&gt;
September 1988 auf&lt;br /&gt;
Fiji stattfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungsmöglichkeiten aufgrund der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Prinzipien vorstellen. Dazu werden&lt;br /&gt;
die UN-Missionen, das UN-Sekretariat und&lt;br /&gt;
die NGOs eingeladen. Themen waren z.B.&lt;br /&gt;
die Verhinderung von Gewalt, Entfaltung&lt;br /&gt;
der potentiellen Fähigkeiten der Menschen&lt;br /&gt;
beiderlei Geschlechts, Abbau der Rassen-&lt;br /&gt;
diskriminierung, Weltwirtschaft, Kommu-&lt;br /&gt;
nikation, Erziehung, Bildung, Entwicklung,&lt;br /&gt;
Aufbau einer geeinten Weltgemeinschaft.&lt;br /&gt;
Im Mai 1994 fand gemeinsam mit UNI-&lt;br /&gt;
FEM und UNICEF in New York ein Sym-&lt;br /&gt;
posium zur Schaffung gewaltfreier Fami-&lt;br /&gt;
lien statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Iran zu Beginn der Islami-&lt;br /&gt;
schen Revolution die Bahä’f erneut grau-&lt;br /&gt;
sam verfolgt wurden, bemühte sich die&lt;br /&gt;
Internationale Bahä’i-Gemeinde, diese&lt;br /&gt;
Menschenrechtsverletzungen bei den Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen bekanntzumachen und die&lt;br /&gt;
Anerkennung der Bahä’f im Iran als von&lt;br /&gt;
der Verfassung geschützte religiöse Min-&lt;br /&gt;
derheit zu erreichen. Dabei hat sich ge-&lt;br /&gt;
zeigt, daß es heute für einzelne Staaten&lt;br /&gt;
durchaus wichtig ist, welches Ansehen sie&lt;br /&gt;
bei der Völkergemeinschaft genießen, und&lt;br /&gt;
daß sie mit den Menschenrechten nicht&lt;br /&gt;
mehr von der Welt unbeachtet willkürlich&lt;br /&gt;
umgehen können. Die Bahä’i-Repräsen-&lt;br /&gt;
tanten konnten in diesem Zusammenhang&lt;br /&gt;
dafür sorgen, daß auf hoher, internationa-&lt;br /&gt;
ler Ebene ein korrektes Bild von der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltgemeinde, ihren Prinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und ihrem gewaltfreien, loyalen, nicht&lt;br /&gt;
subversiven Verhalten bekannt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschau nach&lt;br /&gt;
vierzig Jahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Vereinten Nationen 1985&lt;br /&gt;
vierzig Jahre alt wurden, mußten sie fest-&lt;br /&gt;
stellen, daß ihnen die Verwirklichung des&lt;br /&gt;
ersten Abschnitts ihrer Charta, »künftige&lt;br /&gt;
Geschlechter von der Geisel des Krieges zu&lt;br /&gt;
bewahren«, nicht gelungen war.&lt;br /&gt;
Seit 1945 gab es ca. 190 Kriege und&lt;br /&gt;
Konflikte mit mehr Opfern, als der&lt;br /&gt;
Zweite Weltkrieg gekostet hatte.&lt;br /&gt;
Überzeugt von der Notwendigkeit,&lt;br /&gt;
daß dieses Friedensziel erreicht&lt;br /&gt;
werden muß, erklärten die Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen am 24. Oktober 1985&lt;br /&gt;
das Jahr 1986 zum »Internationalen&lt;br /&gt;
Jahr des Friedens«. Aus diesem&lt;br /&gt;
Anlaß wandte sich das Weltgremi-&lt;br /&gt;
um des Bahä’i-Glaubens mit der&lt;br /&gt;
Friedenserklärung »Die Verhei-&lt;br /&gt;
ßung des Weltfriedens« an die Völ-&lt;br /&gt;
ker der Welt. Diese Erklärung wur-&lt;br /&gt;
de im November 1985 dem Gene-&lt;br /&gt;
ralsekretär der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
in New York überreicht. Danach&lt;br /&gt;
wurde sie, direkt oder indirekt, über&lt;br /&gt;
150 Staatsoberhäuptern, zahlrei-&lt;br /&gt;
chen Persönlichkeiten aus Kunst,&lt;br /&gt;
Politik, Wissenschaft und Wirt-&lt;br /&gt;
schaft sowie vielen Gremien und&lt;br /&gt;
Einzelpersonen übermittelt. Mit&lt;br /&gt;
umfangreichen Programmen be-&lt;br /&gt;
mühten sich die Bahä’i-Gemeinden&lt;br /&gt;
in aller Welt, im Internationalen Jahr des&lt;br /&gt;
Friedens zu der Einsicht aufzurufen, daß&lt;br /&gt;
die Menschheit eine organische Einheit bil-&lt;br /&gt;
det und der Weltfriede heute »nicht nur&lt;br /&gt;
möglich, sondern unausweichlich« ist!!. Im&lt;br /&gt;
September 1987 wurde die Internationale&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde dafür vom Generalsekre-&lt;br /&gt;
tär mit dem Titel »Friedensboten« der Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einten Nationen ausgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1987 schloß sich die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion, vertreten von der Interna-&lt;br /&gt;
tionalen Bahä’i-Gemeinde, als sechste&lt;br /&gt;
Weltreligion dem World Wild Fund for Na-&lt;br /&gt;
ture (WWF) an, veröffentlichte dazu eine&lt;br /&gt;
Erklärung »Über die Natur« und nimmt&lt;br /&gt;
seither an den WWF-Programmen teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ll Die Verheißung des Weltfriedens, Bahä’i-Verlag 1985, S.7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=9}}Eine neue Phase&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Beginn der neunziger Jahre&lt;br /&gt;
vollzog sich in der Welt ein Wandel, den&lt;br /&gt;
kaum jemand in dieser Form erwartet hatte.&lt;br /&gt;
Politische Veränderungen, wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Krisen und Umweltprobleme machen der&lt;br /&gt;
Völkergemeinschaft immer mehr bewußt,&lt;br /&gt;
daß nur noch globales Denken und Handeln&lt;br /&gt;
eine Weltkatastrophe verhindern können.&lt;br /&gt;
Die Suche nach neuen Werten und&lt;br /&gt;
praktikablen Schritten, der Ruf nach&lt;br /&gt;
gemeinsamem Handeln wird immer&lt;br /&gt;
nachdrücklicher. Ein deutliches Zei-&lt;br /&gt;
chen dieser neuen Phase ist, daß ne-&lt;br /&gt;
ben den UN-Diplomaten jetzt hoch-&lt;br /&gt;
rangige Politiker auf »Weltgipfeln«&lt;br /&gt;
erscheinen wie 1992 in Rio de Janeiro&lt;br /&gt;
beim Umweltgipfel, 1993 in Wien&lt;br /&gt;
beim Gipfel über Menschenrechte,&lt;br /&gt;
1994 in Kairo bei der Weltbevölke-&lt;br /&gt;
rungskonferenz, 1995 in Kopenhagen&lt;br /&gt;
beim Weltgipfel für soziale Entwick-&lt;br /&gt;
lung und in Peking zur Weltfrauen-&lt;br /&gt;
konferenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Internationale Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde hat zum Weltsozialgipfel&lt;br /&gt;
1995 eine Erklärung über »Weltbür-&lt;br /&gt;
ger-Ethos« und ein längeres State-&lt;br /&gt;
ment über »Das Wohlergehen der&lt;br /&gt;
Menschheit« veröffentlicht. Am pa-&lt;br /&gt;
rallelen NGO-Forum in Kopenhagen nah-&lt;br /&gt;
men über 250 Bahä’i aus 40 Ländern teil&lt;br /&gt;
mit einem großen Anteil an Frauen und&lt;br /&gt;
Jugendlichen. Sie waren die größte Delega-&lt;br /&gt;
tion und konnten bei 40% aller Aktivitäten&lt;br /&gt;
mitwirken. Die Vielfalt dieser Gruppe zeig-&lt;br /&gt;
te ihre Globalität, aber auch ihre tief veran-&lt;br /&gt;
kerte Einheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schritte fürs&lt;br /&gt;
nächste Jahrtausend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i sind überzeugt, daß bis&lt;br /&gt;
zum Ende unseres Jahrhunderts bzw. Jahr-&lt;br /&gt;
tausends ein politischer Zusammenschluß&lt;br /&gt;
der Staaten der Welt erreicht werden kann&lt;br /&gt;
und muß, und daß die Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem solchen Willensakt zur Weltso-&lt;br /&gt;
lidarität sind natürlich viele weitere gemein-&lt;br /&gt;
same Anstrengungen nötig, bis die Mensch-&lt;br /&gt;
heit zu einer homogenen Einheit findet.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh schrieb vor über hundert Jahren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr&lt;br /&gt;
Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar,&lt;br /&gt;
wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begrün-&lt;br /&gt;
det ist. Diese Einheit kann so lange nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erreicht werden, als die Ratschläge, die die&lt;br /&gt;
Feder des Höchsten offenbarthat, unbeachtet&lt;br /&gt;
übergangen werden.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i mit ihrem immer dichter&lt;br /&gt;
werdenden globalen Netzwerk von inzwi-&lt;br /&gt;
schen über 170 nationalen Gemeinden sind&lt;br /&gt;
intensiv bemüht, ein auf göttlichen Geboten&lt;br /&gt;
ruhendes Weltethos selbst zu verinnerlichen,&lt;br /&gt;
bekannt zu machen und in Projekten anzu-&lt;br /&gt;
wenden, die letztendlich der gesamten&lt;br /&gt;
Menschheit zugute kommen. Damit, mit gei-&lt;br /&gt;
stiger Motivation und praktischen Schritten,&lt;br /&gt;
wird die Bahä’i-Weltgemeinde die Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen über die fünf Jahrzehnte ihres Be-&lt;br /&gt;
stehens hinaus weiter unterstützen und ganz&lt;br /&gt;
bewußt zur Neugestaltung der Menschheit&lt;br /&gt;
und unseres Planeten beitragen, denn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Erde ist nur ein Land und alle&lt;br /&gt;
Menschen sind seine Bürger.«&#039;°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12  Bahä’u’lläh, Ährenlese, Bahä’i-Verlag, 3. rev. Auflage 1980, Kap.131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13  a.a.0., Kap.117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religio!&lt;br /&gt;
“Religion,” Ba&lt;br /&gt;
; all means for&lt;br /&gt;
world and for&lt;br /&gt;
that dwell Ihere&lt;br /&gt;
. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baha’i-Stand&lt;br /&gt;
beim NGO-Forum&lt;br /&gt;
während des&lt;br /&gt;
UN-Weltgipfels für&lt;br /&gt;
soziale Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Kopenhagen&lt;br /&gt;
im März 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
og&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Susanne Schaup Mu sık&lt;br /&gt;
ohne Grenzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanken zu einer Vision der Ganzheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Susanne Schaup&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist freiberufliche Journalistin,&lt;br /&gt;
Publizistin und&lt;br /&gt;
Schriftstellerin. Sie&lt;br /&gt;
beschäftigt sich&lt;br /&gt;
schwerpunktmäßig mit den&lt;br /&gt;
Rechten der Frau und dem&lt;br /&gt;
Dialog zwischen den&lt;br /&gt;
Religionen. Den hier&lt;br /&gt;
abgedruckten Vortrag hielt&lt;br /&gt;
sie auf dem Musik-Forum der&lt;br /&gt;
Landegg-Akademie in der&lt;br /&gt;
Schweiz im November 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Freunde,&lt;br /&gt;
sehr verehrte Damen und Herren!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mir eine Ehre, auf diesem&lt;br /&gt;
wunderschönen Symposion zu Ihnen spre-&lt;br /&gt;
chen zu dürfen; nicht als Musikerin, denn&lt;br /&gt;
das bin ich nicht, sondern als eine Liebha-&lt;br /&gt;
berin der Musik, die viele Jahre intensive&lt;br /&gt;
Freude durch Musik erfahren hat, aber auch&lt;br /&gt;
Schmerz. Von klein auf war ich sozusagen&lt;br /&gt;
von Musik »infiziert«. Man kann in Wien&lt;br /&gt;
nicht aufwachsen, ohne Musik zu hören,&lt;br /&gt;
ohne Klavier spielen zu lernen, ohne in&lt;br /&gt;
Konzerte zu gehen und Leute zu kennen,&lt;br /&gt;
die auf die eine oder andere Weise aktiv mit&lt;br /&gt;
Musik verbunden sind. Überall war Musik,&lt;br /&gt;
größtenteils noch die sogenannte »Wiener&lt;br /&gt;
Klassik«: Haydn, Mozart, Schubert, Beet-&lt;br /&gt;
hoven. Die Musikgebildeten kannten natür-&lt;br /&gt;
lich die »neue Musik« von Bartök, Webern&lt;br /&gt;
und Schönberg, und es gab Kontroversen&lt;br /&gt;
über die Frage, ob diese Zwölftonmusik&lt;br /&gt;
»schön« sei oder nicht. Schönheit, wie wir&lt;br /&gt;
sie in der Musik kannten, schien nicht mehr&lt;br /&gt;
relevant zu sein, bzw. sie unterlag anderen&lt;br /&gt;
Kriterien. Im großen und ganzen jedoch&lt;br /&gt;
war die Welt der Musik für diejenigen von&lt;br /&gt;
uns, die in den fünfziger Jahren aufwuch-&lt;br /&gt;
sen, von der klassischen Musik bestimmt&lt;br /&gt;
und von dem großen Liederschatz, der sich&lt;br /&gt;
in Österreich und Deutschland über Jahr-&lt;br /&gt;
hunderte angesammelt hat. Er wird von&lt;br /&gt;
einer Generation an die nächste weiterge-&lt;br /&gt;
geben — Kinderlieder, Wiegenlieder, Wan-&lt;br /&gt;
derlieder, Heimatlieder, Abendlieder,&lt;br /&gt;
Weihnachtslieder, Lieder der Jahreszeiten,&lt;br /&gt;
besonders Frühling und Sommer, und na-&lt;br /&gt;
türlich Liebeslieder. Ich bin dankbar für&lt;br /&gt;
diese Tradition. Da ich evangelisch auf-&lt;br /&gt;
wuchs, lernte ich auch die herrlichen Lieder&lt;br /&gt;
der evangelischen Kirche kennen. Diese&lt;br /&gt;
Lieder waren, denke ich, das Beste an mei-&lt;br /&gt;
ner religiösen Erziehung.&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=11}}Mit anderen Worten, es war eine&lt;br /&gt;
musikalische Welt mit ziemlich genau de-&lt;br /&gt;
finierten Grenzen. Natürlich gab es auch die&lt;br /&gt;
Schlager, die eine Zeitlang in Mode waren,&lt;br /&gt;
oberflächlich in Text und Melodie, aber&lt;br /&gt;
relativ harmlos im Vergleich zu dem Zeug,&lt;br /&gt;
das zum Teil heute zu hören ist. Der ame-&lt;br /&gt;
rikanische Jazz hielt Einzug, für Pop&lt;br /&gt;
und Rock war die Zeit noch nicht gekom-&lt;br /&gt;
men, und es gab noch nicht die ständige&lt;br /&gt;
Musikberieselung in den Supermarkets und&lt;br /&gt;
Kaufhäusern, in Restaurants, am Bade-&lt;br /&gt;
strand und an praktisch allen öffentlichen&lt;br /&gt;
Orten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeiten änderten sich. Die Gren-&lt;br /&gt;
zen der Musik und der Künste im allgemei-&lt;br /&gt;
nen explodierten. Menschenmassen, insbe-&lt;br /&gt;
sondere die Jungen, wurden süchtig nach&lt;br /&gt;
Pop und Rock. Die Diskokultur begann.&lt;br /&gt;
Von Amerika kam die Welle nach Europa&lt;br /&gt;
und breitete sich in der ganzen Welt aus.&lt;br /&gt;
Andererseits erlebten wir seit den sechziger&lt;br /&gt;
Jahren den Einfluß anderer Musikkulturen,&lt;br /&gt;
aus Indien, Japan, Indonesien, Afrika und&lt;br /&gt;
Südamerika. Diese Musik&lt;br /&gt;
wurde hier nicht nur authen-&lt;br /&gt;
tisch aufgeführt, sondern&lt;br /&gt;
auch von westlichen Kompo-&lt;br /&gt;
nisten und Musikgruppen ab-&lt;br /&gt;
sorbiert in einem Taumel von&lt;br /&gt;
Experimentierfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland waren Westberlin&lt;br /&gt;
und München Zentren dieser Bewegung. In&lt;br /&gt;
den siebziger und achtziger Jahren konnte&lt;br /&gt;
man fast alle großen Virtuosen indischer&lt;br /&gt;
Musikinstrumente hören, wie Sitar, Veena,&lt;br /&gt;
Sarodh, Flöte, einschließlich der Meister&lt;br /&gt;
der Tabla, der kleinen indischen Trommeln,&lt;br /&gt;
die für jedes indische Konzert unverzicht-&lt;br /&gt;
bar sind. Wir hörten Sängerinnen und Sän-&lt;br /&gt;
ger, die in der indischen Gesangstradition&lt;br /&gt;
ausgebildet waren, die ganz anders ist als&lt;br /&gt;
der westliche Belcanto. Man mußte sich&lt;br /&gt;
erst daran gewöhnen. Diese Konzerte wa-&lt;br /&gt;
ren ganz anders als die, die wir gewohnt&lt;br /&gt;
waren! Meistens gab es keine gedruckten&lt;br /&gt;
Programme; die Musiker legten das Pro-&lt;br /&gt;
gramm im Lauf des Konzertes fest. Die&lt;br /&gt;
Konzerte begannen später als anberaumt&lt;br /&gt;
und dauerten wesentlich länger. Die Musi-&lt;br /&gt;
ker saßen auf dem Boden, meist barfuß und&lt;br /&gt;
in indische Gewänder gehüllt. Räucher-&lt;br /&gt;
stäbchen wurden abgebrannt, es gab eine&lt;br /&gt;
Anrufung der Götter, bevor die Musik be-&lt;br /&gt;
gann, und für unsere untrainierten Ohren&lt;br /&gt;
dauerte es oft sehr lang, bis die Musik in&lt;br /&gt;
Fahrt kam. Offen gestanden, hielten viele&lt;br /&gt;
von uns indische Musik für eher langweilig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als wir sie zum ersten Mal hörten. Sie&lt;br /&gt;
schien monoton, ohne Abwechslung, ohne&lt;br /&gt;
Anfang und Ende. Ein bestimmtes Stück&lt;br /&gt;
wurde angesagt, aber nicht der Komponist.&lt;br /&gt;
Später, als wir mehr über indische Musik&lt;br /&gt;
wußten, lernten wir, daß diese »Ragas« aus&lt;br /&gt;
einer uralten Musiktradition stammten, die&lt;br /&gt;
zu ihrer Würdigung ein geschultes Ohr er-&lt;br /&gt;
forderten. Da gab es gleitende Mikrointer-&lt;br /&gt;
valle, die wir mehr mit unseren Nerven als&lt;br /&gt;
mit unseren Ohren wahrnahmen. Allge-&lt;br /&gt;
mein gesprochen, berührte indische Musik&lt;br /&gt;
uns mehr auf der Ebene der Nerven und&lt;br /&gt;
Emotionen als auf derjenigen des Verstan-&lt;br /&gt;
des, unser geistiges Bewußtsein mehr als&lt;br /&gt;
unseren Intellekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war das? Seit der Renaissance&lt;br /&gt;
hatte die abendländische Musik sich wie die&lt;br /&gt;
Kultur im allgemeinen entwickelt: miteiner&lt;br /&gt;
starken Betonung von Individualität und&lt;br /&gt;
Verstand. So kam es zu den ungeheuren&lt;br /&gt;
Wandlungen des musikalischen Stils. Wir&lt;br /&gt;
hatten Komponisten, die ihre Persönlich-&lt;br /&gt;
keit durch die Musik ausdrückten, während&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Osten mehr Wert auf Kontinuität legte,&lt;br /&gt;
auf Bewahrung der Überlieferung, inner-&lt;br /&gt;
halb welcher nur die größte Kunst den&lt;br /&gt;
Raum für individuelle Gestaltung in Form&lt;br /&gt;
von Improvisation zu nutzen verstand. Im&lt;br /&gt;
Westen war diese Kunst verlorengegangen,&lt;br /&gt;
und Musiker, selbst die größten Virtuosen,&lt;br /&gt;
sind von der Partitur abhängig und können&lt;br /&gt;
nicht mehr frei improvisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was uns nach einiger Zeit auffiel,&lt;br /&gt;
war die subtile Wirkung der indischen Mu-&lt;br /&gt;
sik auf uns. Sie war beruhigend, sie »hielt&lt;br /&gt;
Leib und Seele zusammen«, so daß wir uns&lt;br /&gt;
am Ende eines Konzerts mehr im Einklang&lt;br /&gt;
mit uns selbst fühlten. Irgendwie war uns&lt;br /&gt;
der Drang zu analysieren, verstandesmäßig&lt;br /&gt;
zu begreifen, abhanden gekommen. Statt&lt;br /&gt;
dessen lernten wir, uns dem Fließen der&lt;br /&gt;
Töne hinzugeben. Wir lernten zwischen&lt;br /&gt;
den einzelnen »Ragas« zu unterscheiden,&lt;br /&gt;
die Komplexität ihrer Struktur, ihre unter-&lt;br /&gt;
schiedlichen Stimmungen und Tanalitäten&lt;br /&gt;
wahrzunehnen. Junge Musiker fuhren nach&lt;br /&gt;
Indien, um die Sitar oder die Veena oder&lt;br /&gt;
indischen Gesang bei indischen Meistern&lt;br /&gt;
zu studieren, und kehrten mit beachtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fertigkeiten und einem erweiterten Hori-&lt;br /&gt;
zont zurück. Sie hatten sich nicht nur eine&lt;br /&gt;
andere Art von Musik oder einen anderen&lt;br /&gt;
Aufführungsstil angeeignet, sondern eine&lt;br /&gt;
andere Einstellung zur Musik überhaupt.&lt;br /&gt;
Noch mehr: es ist unmöglich, sich gründ-&lt;br /&gt;
lich mit einer fremden Musiktradition aus-&lt;br /&gt;
einanderzusetzen, ohne sich innerlich zu&lt;br /&gt;
verändern. Ein tiefes Verständnis der Musik&lt;br /&gt;
anderer Kulturen erfordert einen Bewußt-&lt;br /&gt;
seinswandel. Einige Freunde von mir, die&lt;br /&gt;
nach Indien gingen, um klassische indische&lt;br /&gt;
Musik zu studieren, begannen zu meditie-&lt;br /&gt;
ren. Improvisation war für sie eine Form&lt;br /&gt;
der Selbstbegegnung. Sie gründeten ihre&lt;br /&gt;
eigenen Musikgruppen und versuchten, in&lt;br /&gt;
ihren Aufführungen einen Erfahrungsraum&lt;br /&gt;
zu schaffen, der die Kluft zwischen aktiven&lt;br /&gt;
Musikern und passiven Zuhörern überbrük-&lt;br /&gt;
ken sollte. Jeder wurde ermutigt, seine ei-&lt;br /&gt;
gene Musik zu entdecken, in sogenannten&lt;br /&gt;
»Singing pools« den eigenen Klang zu&lt;br /&gt;
üben, im Trommeln sich selbst zu finden,&lt;br /&gt;
mit indischen, afrikanischen oder südame-&lt;br /&gt;
rikanischen Conga-Trommeln. Es ging um&lt;br /&gt;
Erfahrung, um einen Bewußtseinswandel.&lt;br /&gt;
Die faszinierenden Rhythmen afrikanischer&lt;br /&gt;
Trommeln erzeugten einen magischen&lt;br /&gt;
Raum. Sie lösten Spannungen und durch-&lt;br /&gt;
brachen starre Verhaltensweisen, die uns in&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft auferlegt worden sind.&lt;br /&gt;
Afrikanische, indische, südamerikanische&lt;br /&gt;
Musik vermittelte Vitalität, Natürlichkeit,&lt;br /&gt;
ein intensives Lebensgefühl. Es war Musik&lt;br /&gt;
der magischen und mythischen Bewußt-&lt;br /&gt;
seinsebene, und wir, die wir mit der Musik&lt;br /&gt;
der mentalen Ebene aufgewachsen waren,&lt;br /&gt;
nahmen sie begierig auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufällig betreute ich damals, Mitte&lt;br /&gt;
der siebziger Jahre, als Verlagslektorin das&lt;br /&gt;
Buch eines jungen Komponisten, Peter Mi-&lt;br /&gt;
chael Hamel, der in Deutschland einer der&lt;br /&gt;
Motoren dieser Begegnung von Ost und&lt;br /&gt;
West war. Er öffnete mir die Augen, was&lt;br /&gt;
die Musikszene betraf, und ich hörte ihn&lt;br /&gt;
mit seiner Band spielen, die bezeichnender-&lt;br /&gt;
weise »Between« hieß und die musikalische&lt;br /&gt;
Überlieferung des Ostens mit der des We-&lt;br /&gt;
stens verbinden wollte. Ich zweifle, ob die-&lt;br /&gt;
se Synthese den Test der Zeit bestehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, aber es war auf jeden Fall faszinie-&lt;br /&gt;
rend, die Begeisterung der Spieler sowie&lt;br /&gt;
des Publikums zu erleben. Grenzen waren&lt;br /&gt;
in mannigfacher Hinsicht durchbrochen&lt;br /&gt;
worden. Die Begegnufig mit fremden Tra-&lt;br /&gt;
ditionen erfolgte uneingeschränkt, und es&lt;br /&gt;
stand außer Frage, daß diese Begegnung für&lt;br /&gt;
uns persönlich bereichernd und für unseren&lt;br /&gt;
musikalischen Ausdruck fruchtbar war. Pe-&lt;br /&gt;
ter Michael Hamels Buch, Durch Musik&lt;br /&gt;
zum Selbst, erschien auch in englischer&lt;br /&gt;
Sprache und wurde vor allem in Kaliforni-&lt;br /&gt;
en, wo die östlichen Traditionen von Japan&lt;br /&gt;
her Fuß gefaßt haben, ein großer Erfolg, ja,&lt;br /&gt;
so etwas wie ein Kultbuch. Die Botschaft&lt;br /&gt;
lautete: erfahre Musik; konsumiere sie&lt;br /&gt;
nicht bloß; laß dich durch außereuropäische&lt;br /&gt;
Musik verändern und erweitern; nimm die&lt;br /&gt;
Fremdheit der Klänge an, sie wird dir Wege&lt;br /&gt;
der Selbstbegegnung zeigen, die deine ei-&lt;br /&gt;
gene Tradition nicht kennt oder vergessen&lt;br /&gt;
hat. Ethnische Musik ist in der Tat univer-&lt;br /&gt;
sale Musik, und durch die Verschmelzung&lt;br /&gt;
musikalischer Überlieferungen aller Kultu-&lt;br /&gt;
ren und Zeitalter mit unserer eigenen Kön-&lt;br /&gt;
nen wir zu einer neuen integralen Musik&lt;br /&gt;
kommen, in Einklang mit dem integralen&lt;br /&gt;
Bewußtseinszustand, den wir in dieser Zeit&lt;br /&gt;
der Wandlung und globalen Integration&lt;br /&gt;
brauchen. Es war eine wunderbare Bewe-&lt;br /&gt;
gung, und ich ließ mich von ihrem&lt;br /&gt;
Schwung und ihrer Begeisterung anstek-&lt;br /&gt;
ken. Später stellte sich mir die Frage, ob&lt;br /&gt;
diese musikalische Synthese, abgesehen&lt;br /&gt;
von inspirierenden Gruppenerfahrungen,&lt;br /&gt;
wirklich funktioniert, ob die mit dieser In-&lt;br /&gt;
tention geschaffene Musik stichhält, oder&lt;br /&gt;
ob ihr nicht etwas Entscheidendes fehlt.&lt;br /&gt;
Wir kommen nachher darauf zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung der elektroni-&lt;br /&gt;
schen Musik war ein weiterer Durchbruch.&lt;br /&gt;
Jetzt konnte jeder Ton in jeder beliebigen&lt;br /&gt;
Qualität erzeugt werden. Riesige neue&lt;br /&gt;
Klangfelder wurden mit demselben Enthu-&lt;br /&gt;
siasmus entdeckt, mit dem westliche Musi-&lt;br /&gt;
ker sich der ethnischen Musik zugewandt&lt;br /&gt;
hatten. Einige Jahre lang gab es in München&lt;br /&gt;
das von der Siemens-Stiftung geförderte&lt;br /&gt;
Studio für elektronische Musik. Es wurde&lt;br /&gt;
1966 geschlossen, und sein Initiator, Josef&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=13}}Anton Riedl, berichtete vor kurzem im&lt;br /&gt;
Rundfunk über diese bemerkenswerte Peri-&lt;br /&gt;
ode der experimentellen Musik. Man konn-&lt;br /&gt;
te Beispiele von Klangfolgen hören — es&lt;br /&gt;
waren aufregende, interessante, faszinie-&lt;br /&gt;
rende oder auch schockierende Klänge, die&lt;br /&gt;
man vorher nie mit Musik assoziiert hätte,&lt;br /&gt;
Klänge außerhalb aller musikalischen Nor-&lt;br /&gt;
men. — War das Musik? Blubbern, Rau-&lt;br /&gt;
schen, Zischen, Kratzen — wir haben keine&lt;br /&gt;
Sprache zur Beschreibung dieser Töne.&lt;br /&gt;
Nur, war das Musik? Was ist überhaupt&lt;br /&gt;
Musik? Muß Musik schön, das heißt, har-&lt;br /&gt;
monisch sein? Muß sie natürlich, das heißt,&lt;br /&gt;
auf natürliche Weise erzeugt sein? Inzwi-&lt;br /&gt;
schen erhob die »konkrete Musik« den An-&lt;br /&gt;
spruch, daß jede Art von Klang authenti-&lt;br /&gt;
sches Material für Musik sei. Und was&lt;br /&gt;
machte denn John Cage, der große ameri-&lt;br /&gt;
kanische Innovator, nicht nur auf dem Ge-&lt;br /&gt;
biet der Musik, sondern der Künste im&lt;br /&gt;
allgemeinen? Er führte das »präparierte&lt;br /&gt;
Klavier« ein, das den natürlichen Klang der&lt;br /&gt;
Tasten durch mechanische Vorrichtungen&lt;br /&gt;
entstellt, so daß sie wie ein balinesisches&lt;br /&gt;
Gamelan-Orchester oder wie Regentropfen&lt;br /&gt;
auf einer Fensterscheibe oder was auch im-&lt;br /&gt;
mer klingen. Mit John Cage und anderen&lt;br /&gt;
hat die Musik jegliche Grenzen durchbro-&lt;br /&gt;
chen. Sie kann nicht mehr im Sinne irgend&lt;br /&gt;
einer musikalischen Tradition definiert&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig erlebten (erlitten) wir&lt;br /&gt;
die Kreationen der jüngeren Komponisten.&lt;br /&gt;
Nachdem ich eine Reihe von Konzerten des&lt;br /&gt;
Forums »Musica viva« in München gehört&lt;br /&gt;
hatte, kann ich nur sagen, »anything goes«&lt;br /&gt;
(alles ist möglich). Häufig klang diese Mu-&lt;br /&gt;
sik gewalttätig und destruktiv, und sie war&lt;br /&gt;
unerträglich laut. Wenn Lautstärke über ein&lt;br /&gt;
bestimmtes Maß hinausgeht, tut sie mir&lt;br /&gt;
körperlich weh. Etliche der jüngeren und&lt;br /&gt;
jüngsten Kompositionen scheinen keine&lt;br /&gt;
Mitte zu haben, nichts, an dem ich mich&lt;br /&gt;
festhalten kann, nichts, was mir irgendwie&lt;br /&gt;
»eingeht«. Etliches davon scheint für einen&lt;br /&gt;
einzigen Zuhörer geschaffen zu sein, näm-&lt;br /&gt;
lich für den Komponisten selbst. Es ist&lt;br /&gt;
hermetische, in sich verschlossene Musik.&lt;br /&gt;
Wenn man die Programme&lt;br /&gt;
liest, findet man oft weit-&lt;br /&gt;
schweifige Äußerungen über&lt;br /&gt;
Quelle und Bedeutung ihres&lt;br /&gt;
Werkes, oft in einem hoch-&lt;br /&gt;
trabenden philosophischen&lt;br /&gt;
Jargon. Wenn man solche&lt;br /&gt;
Äußerungen liest, könnte&lt;br /&gt;
man meinen, es handele sich&lt;br /&gt;
um eine neue Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch wenn man die Musik selbst hört,&lt;br /&gt;
erweisen diese Pseudoerläuterungen sich&lt;br /&gt;
oft als sinnlos. Sie erheben einen Anspruch,&lt;br /&gt;
den die Musik einfach nicht erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht meine Absicht, den Stab&lt;br /&gt;
über die Musik der Avantgarde zu brechen.&lt;br /&gt;
Ich spreche aus meiner eigenen, sehr be-&lt;br /&gt;
schränkten Erfahrung, aber ich gebe zu, daß&lt;br /&gt;
ich für den eben angedeuteten Typus von&lt;br /&gt;
Musik nichts übrig habe. Sie tut mir weh.&lt;br /&gt;
Sie bereichert mich nicht. Sie verwirrt und&lt;br /&gt;
deprimiert mich. Sie macht mich zu einem&lt;br /&gt;
aggressiven Nervenbündel. — Ich höre Ar-&lt;br /&gt;
gumente wie: »Was erwartest du? Die mo-&lt;br /&gt;
derne Musik ist ein Abbild der Welt, wie&lt;br /&gt;
sie nun einmal ist. Sie ist häßlich, gewalt-&lt;br /&gt;
tätig, deprimierend, destruktiv und unor-&lt;br /&gt;
dentlich. Weißt du denn nicht, daß der&lt;br /&gt;
Lärmpegel auf den Straßen mancher Me-&lt;br /&gt;
tropolen Menschen töten kann? Es hat Fälle&lt;br /&gt;
gegeben. So sind unsere Städte. Du mußt&lt;br /&gt;
realistisch sein. Der Zweck der Avantgar-&lt;br /&gt;
de-Musik wie jeder anderen Kunstform be-&lt;br /&gt;
steht darin, die Wirklichkeit auszudrücken,&lt;br /&gt;
wie sie ist.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was kann ich darauf sagen? Was&lt;br /&gt;
ist die Wirklichkeit? Ist das die einzige Art&lt;br /&gt;
von Wirklichkeit? Hat Musik, von ihrem&lt;br /&gt;
sakralen Ursprung her, nicht einen ganz&lt;br /&gt;
anderen Sinn und Zweck?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Komponisten und Spieler von&lt;br /&gt;
gewalttätiger Musik machen sich offenbar&lt;br /&gt;
nicht klar, daß jede Art von Musik und jeder&lt;br /&gt;
Klang seine eigene Energie hat. Diese kann&lt;br /&gt;
aufbauend oder destruktiv sein. Es steht&lt;br /&gt;
außer Frage, daß die gegenwärtige Mode&lt;br /&gt;
des Hard Rock, der Diskomusik und man-&lt;br /&gt;
che Avantgarde-Musik unserer Zeit ganz&lt;br /&gt;
einfach destruktiv ist. Sie ist ein Teil des&lt;br /&gt;
heutigen Kults der Gewalt. Sie ist körper-&lt;br /&gt;
lich und spirituell schädlich. Sogar Pflan-&lt;br /&gt;
zen reagieren auf Musik, wie bestens doku-&lt;br /&gt;
mentierte Experimente gezeigt haben.&lt;br /&gt;
Pflanzen verkümmern, wenn sie Rock-Mu-&lt;br /&gt;
sik ausgesetzt werden, und sie gedeihen bei&lt;br /&gt;
klassischer Musik. Müssen wir uns mit die-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAT-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ser Gewalttätigkeit abfinden, wie sie uns&lt;br /&gt;
von einem großen Teil der heutigen Musik&lt;br /&gt;
gespiegelt wird? Dagegen wehre ich mich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal, wenn der Angriff durch&lt;br /&gt;
Lärm in unserer Welt mich deprimiert, den-&lt;br /&gt;
ke ich an die Augenblicke, in denen Musik&lt;br /&gt;
mich tief berührt hat. Wenn Sie erlauben,&lt;br /&gt;
würde ich Ihnen gerne von einigen solcher&lt;br /&gt;
Augenblicke erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer ereignete sich vor ein paar&lt;br /&gt;
Jahren bei einem der schönen Schloßkon-&lt;br /&gt;
zerte, wie man sie in Bayern häufig findet.&lt;br /&gt;
Es war ein kleines Kammerorchester, und&lt;br /&gt;
u.a. wurde ein Stück von Mozart gespielt.&lt;br /&gt;
Aus bestimmten Gründen kam ich in einem&lt;br /&gt;
Zustand von Rastlosigkeit und Hektik an.&lt;br /&gt;
Mein ganzer Körper juckte, und ich konnte&lt;br /&gt;
mich nicht auf die Musik konzentrieren.&lt;br /&gt;
Dann begann der Mozart, und ich spürte,&lt;br /&gt;
wie ich allmählich - ich glaube, es war ein&lt;br /&gt;
Quartett -, in eine Harmonie hineingezogen&lt;br /&gt;
wurde, die mich beruhigte. Noch mehr, in&lt;br /&gt;
einer unaussprechlichen Weise lag darin&lt;br /&gt;
eine Verheißung, daß alles gut werden wür-&lt;br /&gt;
de, ja, daß alles gut war. Nach dem Konzert&lt;br /&gt;
empfand ich, daß eine Heilung stattgefun-&lt;br /&gt;
den hatte. Das ist die Kraft Mozarts, wie&lt;br /&gt;
Sie wissen. Sie ist zeitlos. Von Mozart&lt;br /&gt;
kriege ich nie genug. Worin besteht sein&lt;br /&gt;
Geheimnis? Manche sagen, daß er göttliche&lt;br /&gt;
Musik schuf, weil er ein Freimaurer war.&lt;br /&gt;
Er wußte um das Geheimnis des goldenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitts, angewandt auf Musik, und Johann&lt;br /&gt;
Sebastian Bach hatte angeblich dasselbe&lt;br /&gt;
esoterische Wissen. Darüber weiß ich nicht&lt;br /&gt;
Bescheid, aber tatsächlich ist es so, daß&lt;br /&gt;
Mozart eine tiefe Saite in unserem Bewußt-&lt;br /&gt;
sein berührt. Seine Musik hat erleuchtende&lt;br /&gt;
Kraft. In ihrer heiteren Gelassenheit ist Tie-&lt;br /&gt;
fe und Ganzheit, und ich habe durch nichts&lt;br /&gt;
so viel über die Bedeutung der Liebe ge-&lt;br /&gt;
lernt wie durch die Zauberflöte. Die Worte&lt;br /&gt;
des Duetts von Pamina und Papageno sind&lt;br /&gt;
ja recht simpel: »Mann und Weib, und Weib&lt;br /&gt;
und Mann / reichen an den Himmel an.« Es&lt;br /&gt;
ist die Musik, die uns die Botschaft nahe-&lt;br /&gt;
bringt, in einem vollkommenen Gleichge-&lt;br /&gt;
wicht des Männlichen und Weiblichen, dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einswerden zweier Seelen, das in der Tat&lt;br /&gt;
göttlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab noch einen weiteren, ganz&lt;br /&gt;
anderen Augenblick der Musik, der mich&lt;br /&gt;
tief bewegt hat. Das war in Peru, wo ich&lt;br /&gt;
vor mehreren Jahren einmal die Wintermo-&lt;br /&gt;
nate verbrachte. Ich hörte viel einheimische&lt;br /&gt;
Musik im Süden Perus, im Hochland der&lt;br /&gt;
Anden, wo ich mich niedergelassen hatte&lt;br /&gt;
und wo der größte Teil der indianischen&lt;br /&gt;
Bevölkerung lebt, aber ich spürte immer,&lt;br /&gt;
daß das nicht die echte Musik war. Was ich&lt;br /&gt;
auf Schallplatten, Kassetten und in Restau-&lt;br /&gt;
rants hörte, war für Touristen aufbereitete&lt;br /&gt;
Musik. Unter anderem war sie viel zu laut.&lt;br /&gt;
Ich hatte Indios gesehen, ich hatte Umgang&lt;br /&gt;
mit ihnen, ich hatte ihre Stimmen im Ohr,&lt;br /&gt;
die leise und sanft waren. Das konnte nicht&lt;br /&gt;
ihre Musik sein. Etwas stimmte nicht. Dann&lt;br /&gt;
hörte ich eines Tages die echte Musik. Es&lt;br /&gt;
war hoch in der Sierra. Mit einer Gruppe&lt;br /&gt;
von Freunden machte ich Station in einem&lt;br /&gt;
Dorf, und während die anderen sich umsa-&lt;br /&gt;
hen, blieb ich auf der Plaza, als ein Lastwa-&lt;br /&gt;
gen mit einer Hochzeitsgesellschaft ankam.&lt;br /&gt;
Alle stiegen aus, nur ein Mann blieb zu-&lt;br /&gt;
rück. Er hatte eine Harfe, und plötzlich fing&lt;br /&gt;
er an zu spielen. Sofort wußte ich: das ist’s!&lt;br /&gt;
Das war die echte Musik, wie Jos&amp;amp; Maria&lt;br /&gt;
Arguedas, der große peruanische Schrift-&lt;br /&gt;
steller und Ethnologe, sie geschildert hat.&lt;br /&gt;
Er wußte, wie die Einheimischen zu ihrer&lt;br /&gt;
Musik kamen. An einem bestimmten Tag&lt;br /&gt;
im Frühling, wenn das Schmelz-&lt;br /&gt;
wasser von den schneebedeckten&lt;br /&gt;
Gipfeln schoß, gingen die Har-&lt;br /&gt;
fenspieler zu den Flüssen und&lt;br /&gt;
Wasserfällen, hielten sich an den&lt;br /&gt;
Felsen fest und lauschten die gan-&lt;br /&gt;
ze Nacht dem Klang des Was-&lt;br /&gt;
sers. Am nächsten Tag hatten sie&lt;br /&gt;
ihre Musik. Das Wasser hatte sie&lt;br /&gt;
ihnen beigebracht. Ich kann sie&lt;br /&gt;
Ihnen nicht beschreiben. Sie war ohne An-&lt;br /&gt;
fang und Ende. Sie rollte und rollte dahin,&lt;br /&gt;
in endloser Vielfalt. Warum bewegte sie&lt;br /&gt;
mich so? Ich hatte eine solche Musik nie&lt;br /&gt;
gehört. Sie war eigentümlich. Die kleine&lt;br /&gt;
Andenharfe klang anders als unsere Kon-&lt;br /&gt;
zertharfe. Sie schien mit Erde, Himmel und&lt;br /&gt;
Wasser zu verschmelzen, und irgendwie&lt;br /&gt;
gehörte ich dazu - ich hatte Anteil an der&lt;br /&gt;
Herrlichkeit dieser überwältigenden Land-&lt;br /&gt;
schaft, an ihrer Botschaft der Demut und&lt;br /&gt;
Liebe. Die indigene Musik Perus hat wahr-&lt;br /&gt;
lich eine universelle Botschaft. Das Genie&lt;br /&gt;
eines Volkes, einer bestimmten Erfahrung&lt;br /&gt;
hat sie geschaffen, aber sie hat allen etwas&lt;br /&gt;
zu sagen. Ich setzte meine Suche nach die-&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=15}}ser Art von Musik fort, aber ich fand sie&lt;br /&gt;
nie wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas Ähnliches erlebte ich vor&lt;br /&gt;
über einem Jahr, als Peter Brook, der große&lt;br /&gt;
englische Theäter- und Filmregisseur nach&lt;br /&gt;
München kam. Er hielt einen öffentlichen&lt;br /&gt;
Vortrag, und bevor er begann, kam ein&lt;br /&gt;
Musiker auf die Bühne und spielte etwas&lt;br /&gt;
auf einem Streichinstrument. Es war ein&lt;br /&gt;
persischer Musiker namens Mahmoud&lt;br /&gt;
Tabrizi-Zadeh, und er spielte uns eine Mu-&lt;br /&gt;
sik in der Überlieferung seiner Heimat vor.&lt;br /&gt;
Stilistisch unterschied sie sich natürlich&lt;br /&gt;
von der Musik, die ich in Peru gehört hatte,&lt;br /&gt;
aber im Wesen war sie ihr sehr ähnlich. Sie&lt;br /&gt;
übte dieselbe Wirkung auf mich aus. Etwas&lt;br /&gt;
in mir antwortete auf ihren Anruf, als ob&lt;br /&gt;
ein mir bisher unbekannter Teil meiner&lt;br /&gt;
selbst eine Stimme bekommen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich könnte Ihnen von weiteren,&lt;br /&gt;
ähnlichen Erfahrungen berichten, z.B. mit&lt;br /&gt;
keltischer Musik, wie ich sie in Irland ge-&lt;br /&gt;
hört habe, aber ich denke, es ist schon&lt;br /&gt;
deutlich geworden, worum es geht: Unsere&lt;br /&gt;
Zeit hat eine besondere Empfänglichkeit&lt;br /&gt;
für die traditionelle Musik anderer Kultu-&lt;br /&gt;
ren. Früher besaßen einzelne Individuen&lt;br /&gt;
diese Gabe — denken Sie etwa an Debussy&lt;br /&gt;
und seine Faszination durch balinesische&lt;br /&gt;
und japanische Musik. Heute steckt sie in&lt;br /&gt;
uns allen. Ich denke, das hat mit einer&lt;br /&gt;
Sehnsucht nach Ganzheit zu tun, denn eth-&lt;br /&gt;
nische Musik besitzt diese Ganzheit. Sie&lt;br /&gt;
kommt aus dem mythischen im Gegensatz&lt;br /&gt;
zu unserem mentalen Bewußtsein. Heute&lt;br /&gt;
müssen wir diese verschiedenen Bewußt-&lt;br /&gt;
seinsebenen miteinander verbinden: die&lt;br /&gt;
magische, die mythische und die mentale&lt;br /&gt;
Ebene, damit sie zusammen ein neues oder&lt;br /&gt;
integrales Bewußtsein bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Schweizer Kulturphilo-&lt;br /&gt;
soph Jean Gebser bestätigte, gehen wir jetzt&lt;br /&gt;
auf dieses integrale Bewußtsein zu. Es&lt;br /&gt;
kennt keine Begrenzung durch Zeit und&lt;br /&gt;
Raum. In diesem Sinn stimmt es, daß »any-&lt;br /&gt;
thing goes«, aber nicht ohne Diskretion,&lt;br /&gt;
nicht ohne einen Sinn für Werte. Heute&lt;br /&gt;
haben wir eine Musik ohne Grenzen, im&lt;br /&gt;
guten wie im schlechten Sinn. Die Frage ist&lt;br /&gt;
nur, können wir uns leisten, auf jede Art&lt;br /&gt;
von Begrenzung zu verzichten, z.B. eine&lt;br /&gt;
Begrenzung von Lautstärke, Brutalität, De-&lt;br /&gt;
struktivität in der Musik? Wollen wir wirk-&lt;br /&gt;
lich, daß nur noch die Technik - Elektronik&lt;br /&gt;
—- Klänge erzeugt? Ohne Zweifel ist durch&lt;br /&gt;
das Durchbrechen aller Grenzen ein schöp-&lt;br /&gt;
ferisches Potential freigesetzt worden. Ha-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ben wir rechten Gebrauch davon gemacht,&lt;br /&gt;
oder ist es auch mißbraucht worden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt rückt näher zusammen.&lt;br /&gt;
Gott sei Dank gibt es Anzeichen dafür, daß&lt;br /&gt;
dieser Prozeß der Integration sich friedlich&lt;br /&gt;
vollziehen kann, statt durch Gewalt. Es&lt;br /&gt;
zeichnet sich die Vision einer wirklichen&lt;br /&gt;
Weltgemeinschaft ab, einer geeinten Welt,&lt;br /&gt;
die gelernt hat, ihre Konflikte mit friedli-&lt;br /&gt;
chen Mitteln auszutragen. Die Vorstellung&lt;br /&gt;
von einer künftigen Weltkultur ist uns be-&lt;br /&gt;
reits geläufig geworden. Wie wird sie aus-&lt;br /&gt;
sehen? Ich stelle mir nicht gerne eine Welt&lt;br /&gt;
vor, in der alle Unterschiede der Kulturen&lt;br /&gt;
ausgelöscht wären, ebenso wenig wie ich&lt;br /&gt;
die Ausrottung der Arten auf der Erde gut-&lt;br /&gt;
heiße. Die Welt würde schrecklich verar-&lt;br /&gt;
men, wenn wir nur eine einheitliche&lt;br /&gt;
Mischkultur, nur eine einzige akzeptierte&lt;br /&gt;
Art von Musik hätten. Ich glaube nicht, daß&lt;br /&gt;
das geschehen wird. Die oberflächliche&lt;br /&gt;
Synthese von östlicher und westlicher Mu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sik, wie ich sie z.T. erlebt habe, ist nicht&lt;br /&gt;
tragfähig. Das ist fade Musik, sie entspringt&lt;br /&gt;
eher dem Kopf als einem tiefen Gefühl,&lt;br /&gt;
eher der Theorie als der Erfahrung. Das&lt;br /&gt;
scheint nicht der richtige Weg zu sein. So-&lt;br /&gt;
lange die Inspiration durch andere Kulturen&lt;br /&gt;
nicht wirklich assimiliert und zu unserer&lt;br /&gt;
eigenen Erfahrung wird und sich dadurch&lt;br /&gt;
verwandelt, wird sie keine echte Kultur&lt;br /&gt;
hervorbringen. Wir wissen nicht, wie die&lt;br /&gt;
Musik der Zukunft klingen wird. Aber ich&lt;br /&gt;
habe eine Vision, wie sie sich »anfühlen«&lt;br /&gt;
könnte. Hier sind einige Punkte dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Sie wird kommunikativ sein — nicht&lt;br /&gt;
autistisch, wie so viele Musik heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sie wird heilend sein — nicht destruktiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Sie wird bejahend/affirmativ sein&lt;br /&gt;
— nicht negativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Sie wird zentrierend/integrierend sein&lt;br /&gt;
— nicht zersplitternd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Sie wird erweiternd sein — nicht begren-&lt;br /&gt;
zend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Sie wird sinnlich und emotional anspre-&lt;br /&gt;
chen - nicht nur intellektuell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’T-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Sie wird einladend sein - nicht feind-&lt;br /&gt;
selig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. Sie wird in sich verständlich sein — nicht&lt;br /&gt;
abhängig von komplizierten und oft ir-&lt;br /&gt;
reführenden verbalen Kommentaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. Sie wird transzendent sein — nicht nur&lt;br /&gt;
immanent; d.h. sie würde auf eine grö-&lt;br /&gt;
Bere Wirklichkeit verweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies sind neun Punkte, die heilige&lt;br /&gt;
Zahl. Noch mehr könnten benannt werden,&lt;br /&gt;
aber sie wären mit dem einen oder anderen&lt;br /&gt;
der bereits erwähnten vermutlich ver-&lt;br /&gt;
wandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem sollten wir uns auf den&lt;br /&gt;
Ursprung der Musik besinnen. Ein Ur-&lt;br /&gt;
sprung veraltet nie, wie spätere Entwick-&lt;br /&gt;
lungen oder Moden veralten. Ursprung&lt;br /&gt;
weist auf die Grundbedeutung von etwas&lt;br /&gt;
hin, die es nie verlieren kann. Der Ur-&lt;br /&gt;
sprung der Musik liegt im sakralen Ritual.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit ihrer Hilfe konnte der Mensch sich zu&lt;br /&gt;
einer höheren Wirklichkeit in Beziehung&lt;br /&gt;
setzen und mit Gott kommunizieren. Sie&lt;br /&gt;
umfaßte die Singstimme, einfache Instru-&lt;br /&gt;
mente und Bewegung, die Anfänge des&lt;br /&gt;
Tanzes. Dies war die Bedeutung des grie-&lt;br /&gt;
chischen Wortes »musik&amp;amp;«. In der alten&lt;br /&gt;
griechischen Heilkunde galt die Musik als&lt;br /&gt;
heilende Kraft, als ein wirksames Heilmit-&lt;br /&gt;
tel. Im Heiligtum des Asklepios, des grie-&lt;br /&gt;
chischen Gottes der Heilkunst, auf der In-&lt;br /&gt;
sel Kos, waren Räume für Kranke be-&lt;br /&gt;
stimmt, die dort »mit Musik und schönen&lt;br /&gt;
Gesprächen« behandelt wurden. Unsere&lt;br /&gt;
Zeit hat diese beiden Heilmethoden be-&lt;br /&gt;
wußt aufgegriffen. Es gibt die junge Wis-&lt;br /&gt;
senschaft der Musiktherapie sowie die&lt;br /&gt;
Psychotherapie und Beratung, die im we-&lt;br /&gt;
sentlichen das bieten, was die Griechen&lt;br /&gt;
unter »schönen Gesprächen« verstanden.&lt;br /&gt;
Die Musik kann Erstaunliches vollbrin-&lt;br /&gt;
gen, und wir sind hier zusammengekom-&lt;br /&gt;
men, um ihr ganzes Spektrum in einer sich&lt;br /&gt;
wandelnden Welt zu erforschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluß möchte ich einen&lt;br /&gt;
großen Weisen und Meister der Musik zu&lt;br /&gt;
Wort kommen lassen, den indischen Sufi&lt;br /&gt;
Hazrat Inayat Khan. Er wirkte, wie es die&lt;br /&gt;
Art der Sufis ist, durch das Herz, und er&lt;br /&gt;
vermittelte Weisheit durch seine Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Musik ist die Harmonie des Uni-&lt;br /&gt;
versums im kleinen, denn diese Harmonie&lt;br /&gt;
ist das Leben selbst, und im Menschen, der&lt;br /&gt;
selbst eine Miniatur des Universums ist,&lt;br /&gt;
zeigen sich harmonische und unharmonische&lt;br /&gt;
Akkorde im Puls, im Herzschlag, in seiner&lt;br /&gt;
Schwingung, seinem Rhythmus und Tonus.&lt;br /&gt;
Seine Gesundheit oder Krankheit, seine&lt;br /&gt;
Freude oder sein Mißvergnügen zeigen an,&lt;br /&gt;
ob sein Leben Musik hat oder nicht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uralte Wissenschaft des Yoga&lt;br /&gt;
geht davon aus, daß die Schöpfung aus&lt;br /&gt;
Klang entstand, »sabda«, dem Urklang.&lt;br /&gt;
Diese Intuition wurde in den verschiedenen&lt;br /&gt;
Kulturen immer wieder aufgegriffen. Die&lt;br /&gt;
Schule des Pythagoras besaß das esoteri-&lt;br /&gt;
sche Wissen der Töne und betrachtete die&lt;br /&gt;
Harmonie der Sphären als ein Symbol der&lt;br /&gt;
kosmischen Weltordnung. Wir finden es&lt;br /&gt;
bei Athanasium Kircher wieder, dem Uni-&lt;br /&gt;
versalgelehrten des 17. Jahrhunderts, und&lt;br /&gt;
in jüngerer Zeit war es u.a. der Schweizer&lt;br /&gt;
Musikologe Hans Kayser, der sich mit har-&lt;br /&gt;
monikaler Grundlagenforschung befaßte.&lt;br /&gt;
In Wien gibt es ein Institut für Harmonikale&lt;br /&gt;
Grundlagenforschung, das die Arbeit von&lt;br /&gt;
Hans Kayser fortsetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Töne haben subtile Beziehungen&lt;br /&gt;
zum menschlichen Körper und zum Be-&lt;br /&gt;
wußtsein, sowie zum materiellen Univer-&lt;br /&gt;
sum. Wir können dieses Wissen nicht ver-&lt;br /&gt;
nachlässigen, wenn wir über die Musik ei-&lt;br /&gt;
ner künftigen Welt nachdenken. Die Welt&lt;br /&gt;
wandelt sich ständig; die Gesetze der Har-&lt;br /&gt;
monie bleiben konstant. Was die Mensch-&lt;br /&gt;
heit intuitiv seit uralten Zeiten wußte, hat&lt;br /&gt;
die Wissenschaft heute erhärtet. Musik&lt;br /&gt;
kann mit den göttlichen Gesetzen der Har-&lt;br /&gt;
monie in Einklang stehen oder nicht. Wir&lt;br /&gt;
müssen entscheiden, welche Art von Musik&lt;br /&gt;
wir für unser persönliches Wachstum, für&lt;br /&gt;
die Einheit der Welt und die Evolution des&lt;br /&gt;
Planeten fördern wollen. Ich weiß, daß die-&lt;br /&gt;
se Botschaft der Bahä’i-Vision von einer&lt;br /&gt;
geeinten Menschheit entgegenkommt, und&lt;br /&gt;
würde mich freuen, wenn diese Vision die&lt;br /&gt;
Musikkultur einer künftigen Welt inspirie-&lt;br /&gt;
ren könnte.&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=17}}Die Empfehlung der&lt;br /&gt;
kanadischen Bahä’ı-&lt;br /&gt;
Gemeinde an die&lt;br /&gt;
»Königliche Kommis-&lt;br /&gt;
sion für Ureinwohner«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im September 1993 richtete der&lt;br /&gt;
Nationale Geistige Rat der Bahd’i von&lt;br /&gt;
Kanada eine Stellungnahme an die&lt;br /&gt;
Kommission für Ureinwohner in&lt;br /&gt;
Kanada. In insgesamt vier&lt;br /&gt;
Gesprächsrunden ging es um die&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Herausforderungen&lt;br /&gt;
in bezug auf eine zukünftige&lt;br /&gt;
Gesellschaftsordnung und Integration&lt;br /&gt;
der vielen kulturellen Elemente. Von&lt;br /&gt;
Jeher schon war Kanada ein&lt;br /&gt;
klassisches Einwanderungsland. Es ist&lt;br /&gt;
ein Beispiel für die »Einheit in der&lt;br /&gt;
Vielfalt« und sucht nach&lt;br /&gt;
Möglichkeiten, sich den kommenden&lt;br /&gt;
dynamischen Veränderungen zu stellen,&lt;br /&gt;
indem sowohl Rücksicht auf die&lt;br /&gt;
Indianer als Naturvolk als auch auf&lt;br /&gt;
neue Zuwanderer — insbesondere&lt;br /&gt;
Asiaten an der Westküste, aber auch&lt;br /&gt;
politische Flüchtlinge weltweit -&lt;br /&gt;
genommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Situation der Einwohner Kanadas&lt;br /&gt;
ist sicherlich nicht ohne weiteres auf&lt;br /&gt;
unsere europäische Situation&lt;br /&gt;
übertragbar, aber für diejenigen&lt;br /&gt;
Europäer, welche an die »Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit« glauben, mag es bestimmt&lt;br /&gt;
interessant sein, die Entwicklungen und&lt;br /&gt;
Fragestellungen in einem&lt;br /&gt;
Einwanderungsland mit Ureinwohnern&lt;br /&gt;
als nationale Minderheit zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die BAHÄ’I-BRIEFE veröffentli-&lt;br /&gt;
chen einen Auszug dieser Stellungnahme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund einer über hundertjähri-&lt;br /&gt;
gen Erfahrung in der Anwendung von gei-&lt;br /&gt;
stigen Prinzipien im Zusammenhang mit&lt;br /&gt;
den Herausforderungen von Entwicklun-&lt;br /&gt;
gen der Gemeinden sieht sich die kanadi-&lt;br /&gt;
sche Bahä’i-Gemeinde in der Lage, einen&lt;br /&gt;
Beitrag zu diesem Thema zu leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit anderen Schwester-&lt;br /&gt;
gemeinden der Welt war die kanadische&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde in der glücklichen Lage,&lt;br /&gt;
sich in einer sehr toleranten Umgebung&lt;br /&gt;
entwickeln zu können. Sie hat weder Ver-&lt;br /&gt;
folgung noch weitverbreitete Vorurteile er-&lt;br /&gt;
leiden müssen. Ein Beispiel für die hohe&lt;br /&gt;
Akzeptanz der Bahä’i in der kanadischen&lt;br /&gt;
Gesellschaft ist die rechtliche Anerken-&lt;br /&gt;
nung sowohl der Bahä’i-Institutionen als&lt;br /&gt;
auch der Bahä’i-Eheschließung. In den ver-&lt;br /&gt;
gangenen Jahren hat die kanadische Regie-&lt;br /&gt;
rung großzügig eine große Anzahl von&lt;br /&gt;
Bahä’i-Flüchtlingen aufgenommen und sie&lt;br /&gt;
befindet sich an der Spitze internationaler&lt;br /&gt;
Gremien, welche sich um den Schutz der&lt;br /&gt;
iranischen Bahä’i bemühen, während diese&lt;br /&gt;
im Iran nach wie vor schweren Verfolgun-&lt;br /&gt;
gen ausgesetzt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von dieser Anerken-&lt;br /&gt;
nung durch den Staat waren es jedoch die&lt;br /&gt;
Ureinwohner Kanadas selbst, welche den&lt;br /&gt;
kanadischen Bahä’i Hilfe und Ermutigung&lt;br /&gt;
gegeben haben. Von den 20.000 Mitglie-&lt;br /&gt;
dern sind über 3.000 Ureinwohner, und&lt;br /&gt;
viele der insgesamt etwa 6 Millionen&lt;br /&gt;
Bahä’i weltweit sind ebenso Naturvölkern&lt;br /&gt;
zuzurechnen. Geistige Prinzipien werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übersetzung und&lt;br /&gt;
Zusammenfassung des Papiers&lt;br /&gt;
»The Canadian Baha’i Community&lt;br /&gt;
— Submission to the Royal&lt;br /&gt;
Commission on Aboriginal&lt;br /&gt;
Peoples« vom September 1993&lt;br /&gt;
besorgte Jörg Krombach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Totempfähle«&lt;br /&gt;
dienen bei den&lt;br /&gt;
westkanadischen&lt;br /&gt;
Indianern als&lt;br /&gt;
Hausstatuen und&lt;br /&gt;
erzählen die&lt;br /&gt;
Familiengeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
global in der Bahä’i-Gemeinde angewandt&lt;br /&gt;
und haben sich als sicherste Voraussetzun-&lt;br /&gt;
gen für die Entwicklung von Gemeinden&lt;br /&gt;
ergeben. Sie sind praktische und effektive&lt;br /&gt;
Grundlagen für die Gesunderhaltung von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinden. Werden solche Prinzipien&lt;br /&gt;
nicht respektiert, so resultieren daraus so-&lt;br /&gt;
ziale Katastrophen. Wenn die Beziehungen&lt;br /&gt;
zwischen verschiedenen Kulturen nicht Re-&lt;br /&gt;
spekt, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und ein&lt;br /&gt;
Gefühl der Bescheidenheit einschließen,&lt;br /&gt;
dann stellt kollektives Leid die unaus-&lt;br /&gt;
weichliche Konsequenz dieser Situation&lt;br /&gt;
dar. Unsere Sicht des Menschen ist grund-&lt;br /&gt;
legend geistiger Natur, und moralische&lt;br /&gt;
Werte sind die entscheidenden Gesetze, mit&lt;br /&gt;
denen sich eine Gesellschaft weiterentwik-&lt;br /&gt;
keln kann. Zivilisationen haben sich in allen&lt;br /&gt;
Kulturen und Zeitaltern durch die göttli-&lt;br /&gt;
chen Impulse der Worte und Taten der Pro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
pheten und geistigen&lt;br /&gt;
Führer periodisch wie-&lt;br /&gt;
derholt inspirieren las-&lt;br /&gt;
sen. Das Heilige und&lt;br /&gt;
Geistige stellt ein uni-&lt;br /&gt;
verselles Phänomen dar&lt;br /&gt;
und ist weder auf eine&lt;br /&gt;
einzige Kultur oder Tra-&lt;br /&gt;
dition, noch auf einen&lt;br /&gt;
bestimmten Zeitab-&lt;br /&gt;
schnitt begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlegende und&lt;br /&gt;
andauernde soziale Ver-&lt;br /&gt;
änderungen geschehen&lt;br /&gt;
nur durch geistige Ap-&lt;br /&gt;
pelle an unsere Gemein-&lt;br /&gt;
den. Bisherige Lösungs-&lt;br /&gt;
ansätze beschränkten&lt;br /&gt;
sich hauptsächlich auf&lt;br /&gt;
mechanische Modelle,&lt;br /&gt;
die keine dauerhaften&lt;br /&gt;
Resultate auf die Gesin-&lt;br /&gt;
nungen zeigten. Oder&lt;br /&gt;
aber sie waren von solch&lt;br /&gt;
übergeordneter Natur,&lt;br /&gt;
daß sie zwar für Be-&lt;br /&gt;
schäftigung von Sozi-&lt;br /&gt;
alarbeitern, Lehrern&lt;br /&gt;
oder ehrenamtlichen&lt;br /&gt;
Helfern sorgten, jedoch&lt;br /&gt;
keine soziale Transfor-&lt;br /&gt;
mation herbeiführten.&lt;br /&gt;
Der erste Schritt bedeu-&lt;br /&gt;
tet also zu erkennen, daß&lt;br /&gt;
Lösungen sozialer Pro-&lt;br /&gt;
blemstellungen auf Prin-&lt;br /&gt;
zipien basieren. Ohne&lt;br /&gt;
diese artikulierten Prin-&lt;br /&gt;
zipien fehlen solchen Lösungen die not-&lt;br /&gt;
wendigen Visionen. Wir sind überzeugt,&lt;br /&gt;
daß kein größeres Hindernis auf dem Weg&lt;br /&gt;
zu sozialer Gerechtigkeit und Wohlfahrt&lt;br /&gt;
sowohl unter den Ureinwohnern wie auch&lt;br /&gt;
innerhalb der kanadischen Gesellschaft exi-&lt;br /&gt;
stiert als eine überbetonte Ideologie des&lt;br /&gt;
Materialismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Ureinwohner und Sied-&lt;br /&gt;
ler von Nordamerika seit mehreren hundert&lt;br /&gt;
Jahren nebeneinander leben, so haben sie&lt;br /&gt;
sich größtenteils bis heute nicht verstehen&lt;br /&gt;
können. Die Kulturen der Ureinwohner&lt;br /&gt;
können von ihrer Weltsicht her als »gei-&lt;br /&gt;
stig« betrachtet werden. Es ist bezeichnend,&lt;br /&gt;
wie oft die Führer der Ureinwohner Begrif-&lt;br /&gt;
fe wie »Schöpfer« und »menschlicher&lt;br /&gt;
Geist« verwenden, wenn sie soziale Proble-&lt;br /&gt;
me ansprechen. Die Kluft zwischen dieser&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=19}}geistigen Art, soziale Realitäten zu betrach-&lt;br /&gt;
ten, und derjenigen der weißen dominanten&lt;br /&gt;
Kultur ist die Ursache von vielen Mißver-&lt;br /&gt;
ständnissen und Ungerechtigkeiten zwi-&lt;br /&gt;
schen beiden Lagern. Wir wollen nicht&lt;br /&gt;
übersehen, daß die weiße dominante Kultur&lt;br /&gt;
durch Erfindertum in den vergangenen zwei&lt;br /&gt;
Jahrhunderten der menschlichen Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion industrielle Produktivität und materiel-&lt;br /&gt;
len Wohlstand beschert hat. Es ist jedoch&lt;br /&gt;
enorm wichtig nicht zu übersehen, daß hier&lt;br /&gt;
eine Kluft entstand, die erkannt werden&lt;br /&gt;
muß, um geeignete Lösungsansätze für die&lt;br /&gt;
damit einhergehenden Schwierigkeiten zu&lt;br /&gt;
finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Moral und Werte derjenigen&lt;br /&gt;
Menschen, die als Siedler hierher kamen,&lt;br /&gt;
wurzelten in der jüdisch-christlichen Tradi-&lt;br /&gt;
tion. Allerdings war die Speerspitze dieser&lt;br /&gt;
Kultur durch und durch sehr weltlich ge-&lt;br /&gt;
prägt. Die religiösen Überzeugungen der&lt;br /&gt;
Siedler, die dieses Land überschwemmten,&lt;br /&gt;
ignorierten die umfassende Natur des Gei-&lt;br /&gt;
stes und verdrängten die göttlichen Quellen&lt;br /&gt;
der geistigen Inspiration der Ureinwohner.&lt;br /&gt;
Nicht nur waren die ökonomischen, politi-&lt;br /&gt;
schen und sozialen Kräfte von einer gewis-&lt;br /&gt;
sen Überlegenheit — auch die religiösen&lt;br /&gt;
Überzeugungen der hauptsächlich säkular&lt;br /&gt;
und materiell eingestellten Gesellschaft,&lt;br /&gt;
welche sich über Nordamerika ausbreitete,&lt;br /&gt;
war durch dieses Überlegenheitsgefühl ge-&lt;br /&gt;
kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlegend für einen gesunden&lt;br /&gt;
Geist ist die Überzeugung von der Gleich-&lt;br /&gt;
heit aller Menschen: daß alle vom selben&lt;br /&gt;
Gott erschaffen wurden und alle dieselben&lt;br /&gt;
Rechte vor Gott besitzen. Materieller&lt;br /&gt;
Wohlstand oder Macht, gesellschaftlicher&lt;br /&gt;
Rang oder Status sind keine Garanten für&lt;br /&gt;
moralische und geistige Werte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ureinwohner gehören zu den&lt;br /&gt;
am stärksten betroffenen Opfern dieser do-&lt;br /&gt;
minanten sozialen Kräfte. Aufgrund dieser&lt;br /&gt;
Erkenntnis bitten wir die Kommission zu&lt;br /&gt;
prüfen, ob nicht die neuesten Pläne für&lt;br /&gt;
politische und wirtschaftliche Ziele dersel-&lt;br /&gt;
ben Philosophie dienen. Bisherige Metho-&lt;br /&gt;
den waren pragmatischer und nicht prinzi-&lt;br /&gt;
pieller Natur. Sie waren kurzsichtig -&lt;br /&gt;
nicht visionär. Das Überleben der religiö-&lt;br /&gt;
sen Bedürfnisse von Ureinwohnern muß&lt;br /&gt;
unterstützt werden, sowohl von offizieller&lt;br /&gt;
Seite als auch vom informellen Niveau&lt;br /&gt;
jeglicher von der Kommission empfohle-&lt;br /&gt;
nen Richtlinien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung der&lt;br /&gt;
Menschen unter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einander und die&lt;br /&gt;
Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich dieses Jahrhundert&lt;br /&gt;
seinem Ende nähert, wird offensichtlich,&lt;br /&gt;
was Bahä’u’lläh vor über hundert Jahren&lt;br /&gt;
betonte. Die Menschheit bewegt sich&lt;br /&gt;
durch einen bedeutenden historischen&lt;br /&gt;
Wandel von einer Stufe menschlicher Zi-&lt;br /&gt;
vilisation zur nächsten. Ein ausschließli-&lt;br /&gt;
ches Betrachten der Probleme und sozia-&lt;br /&gt;
len Muster, die wir als typisch für unser&lt;br /&gt;
Land empfinden, wäre ein Fehler. Die Be-&lt;br /&gt;
trachtung der gegenwärtigen Phase sich&lt;br /&gt;
stark verändernder Bedingungen auf der&lt;br /&gt;
Erde ist für die Bahä’f von großer Hoff-&lt;br /&gt;
nung getragen. Sie sind Begleiterschei-&lt;br /&gt;
nungen eines langfristigen Änderungs-&lt;br /&gt;
prozesses. Die Krisen solcher Umwälzun-&lt;br /&gt;
gen werden dadurch gemeistert, indem wir&lt;br /&gt;
uns über deren Natur und Ausrichtung&lt;br /&gt;
bewußt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i erwarten ein Zeitalter&lt;br /&gt;
der Menschlichkeit. Völker wohnen auf&lt;br /&gt;
dieser Welt nicht länger isoliert voneinan-&lt;br /&gt;
der, und Grenzen sind nicht mehr länger&lt;br /&gt;
unüberwindbar. Die Abhängigkeiten der&lt;br /&gt;
Völker werden trotz aller vorhandenen&lt;br /&gt;
Unterschiede immer komplexer. Die ex-&lt;br /&gt;
klusive Souveränität eines Staates hat kei-&lt;br /&gt;
ne Grundlage mehr. Ob wir uns des Pro-&lt;br /&gt;
zesses dieser Umwälzungen bewußt sind&lt;br /&gt;
oder nicht — wir bewegen uns auf eine&lt;br /&gt;
integrierte Weltwirtschaft und auf eine&lt;br /&gt;
weltweite politische Struktur hin. Die ak-&lt;br /&gt;
tuelle Welle von Nationalismus stellt den&lt;br /&gt;
Höhepunkt einer Entwicklung dar, die ih-&lt;br /&gt;
ren Ursprung im 19. Jahrhundert hatte. Sie&lt;br /&gt;
schürt unnötige, oft extreme ethnische und&lt;br /&gt;
kulturelle Konflikte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um vorbereitet den Herausforde-&lt;br /&gt;
rungen des 21. Jahrhunderts begegnen zu&lt;br /&gt;
können, betrachten die Bahä’i die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit als allerwichtigstes Prinzip.&lt;br /&gt;
Allerdings kommt es auf eine Einheit in der&lt;br /&gt;
Vielfalt an — und nicht auf die Dominanz&lt;br /&gt;
einer einzelnen Kultur oder Lebensart. Ein-&lt;br /&gt;
heit erwächst auch nicht aus Konformität&lt;br /&gt;
oder Uniformität, welche beide aus den&lt;br /&gt;
Haltungen von Materialismus und Nationa-&lt;br /&gt;
lismus resultieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
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20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverwaltung&lt;br /&gt;
und die örtliche&lt;br /&gt;
Gemeinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an örtlicher Zustän-&lt;br /&gt;
digkeit wirkt sich gravierender für die Ur-&lt;br /&gt;
einwohner als für die Gesellschaft als gan-&lt;br /&gt;
zes aus. Bahä’i glauben, daß zukünftige&lt;br /&gt;
örtliche Verwaltungen eine wesentlich be-&lt;br /&gt;
deutsamere Rolle spielen werden als sie es&lt;br /&gt;
heute tun. Bedauerlicherweise wird über-&lt;br /&gt;
sehen, daß man sich am effektivsten auf&lt;br /&gt;
örtlicher und nicht auf nationaler Ebene&lt;br /&gt;
einbringen kann. Diese örtlichen Verwal-&lt;br /&gt;
tungen benötigen natürlich einen adäqua-&lt;br /&gt;
ten Anteil an den Rohstoffen und Gütern&lt;br /&gt;
dieses Landes. Als Beispiel mag die inter-&lt;br /&gt;
nationale Gemeinschaft der weltweit etwa&lt;br /&gt;
6 Millionen Bahä’i dienen. Deren Augen-&lt;br /&gt;
merk liegt in der Gründung starker örtli-&lt;br /&gt;
cher Gemeinden. Nationale Institutionen&lt;br /&gt;
werden erst dann gegründet, wenn sich&lt;br /&gt;
genügend solcher örtlichen Gemeinden&lt;br /&gt;
gebildet haben. 1963 waren die weltweit&lt;br /&gt;
vorhandenen nationalen Gemeinden stark&lt;br /&gt;
genug, schließlich ein internationales Gre-&lt;br /&gt;
mium zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald Menschen mit den örtli-&lt;br /&gt;
chen Verwaltungsstrukturen zufrieden&lt;br /&gt;
sind, sollten sie sich größeren regionalen&lt;br /&gt;
und nationalen Aufgaben widmen. Kon-&lt;br /&gt;
zepte, die von nationalen Institutionen für&lt;br /&gt;
die örtliche Verwaltung vorgegeben wer-&lt;br /&gt;
den, stellen die am wenigsten effiziente&lt;br /&gt;
Art dar, die wichtigsten Probleme zu lö-&lt;br /&gt;
sen, welche auf der Ebene von Familien&lt;br /&gt;
und Gemeinden anzusiedeln sind. Solche&lt;br /&gt;
Konzepte sind auch die unflexibelsten.&lt;br /&gt;
Übergeordnete nationale und internationa-&lt;br /&gt;
le Organisationen können jedoch die ge-&lt;br /&gt;
meinschaftlichen Beziehungen zwischen&lt;br /&gt;
allen Nationen, Kulturen und Menschen&lt;br /&gt;
dieser Welt pflegen. Außer Frage steht,&lt;br /&gt;
daß ein globaler Rahmen vorhanden sein&lt;br /&gt;
muß, innerhalb dessen Grenzen lokale Re-&lt;br /&gt;
gierungen solcherart agieren können, daß&lt;br /&gt;
ihre Entscheidungen durch Interpretation&lt;br /&gt;
und Umsetzung universeller Prinzipien&lt;br /&gt;
mit Rücksicht auf die Besonderheiten be-&lt;br /&gt;
stimmter Gegenden oder bestimmter Men-&lt;br /&gt;
schen getroffen werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kanadas politische Institutionen&lt;br /&gt;
sind zugeschnitten auf die Bedürfnisse&lt;br /&gt;
einer früheren Zeit mit anderen Anforde-&lt;br /&gt;
rungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stifter der Bahä’i-Religion,&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, erklärte, daß Beratung und&lt;br /&gt;
Mitgefühl die Gesetze des Zeitalters der&lt;br /&gt;
Reife der Menschheit bedeuten. Weder&lt;br /&gt;
können wir hier alle Prinzipien unserer&lt;br /&gt;
Gemeinden detailliert beschreiben, noch&lt;br /&gt;
können wir ausreichend darstellen, wie ef-&lt;br /&gt;
fektiv und weitreichend sie sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige der grundlegenden Prinzi-&lt;br /&gt;
pien möchten wir Ihnen jedoch nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Das Verbot von Parteienbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Gelegenheit aller, an einem konsul-&lt;br /&gt;
tativen Prozeß teilzunehmen, der zur&lt;br /&gt;
Entscheidungsfindung führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Ermutigung aller, frei und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage ihres eigenen Gewissens zu&lt;br /&gt;
sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ol Die Verantwortung jedes einzelnen,&lt;br /&gt;
Mäßigung in den Äußerungen seiner&lt;br /&gt;
Ansichten zu üben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die moralische Verpflichtung, vom ei-&lt;br /&gt;
genen Beitrag losgelöst zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Interessen der Gruppe oder Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft stehen über den Interessen&lt;br /&gt;
des einzelnen, aber die individuelle&lt;br /&gt;
Freiheit der Rede ist absolut gewährlei-&lt;br /&gt;
stet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DO) Sobald eine Entscheidung getroffen ist,&lt;br /&gt;
sollen alle diese respektieren und ge-&lt;br /&gt;
meinsam tragen — also auch jene, die&lt;br /&gt;
ursprünglich anderer Ansicht waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Verpflichtung aller entschei-&lt;br /&gt;
dungstreffenden Körperschaften, dau-&lt;br /&gt;
ernd ihre Arbeit zu bewerten, und fort-&lt;br /&gt;
laufende Beratung auch mit größeren&lt;br /&gt;
Körperschaften, um Entscheidungen&lt;br /&gt;
entweder zu festigen, oder - wenn not-&lt;br /&gt;
wendig — zu revidieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Der Wert der Einheit wird betont.&lt;br /&gt;
Andere wichtige Werte, wie etwa die&lt;br /&gt;
Freiheit der Rede, Ehrlichkeit und Mut,&lt;br /&gt;
seine Ansichten zu äußern, Mäßigung&lt;br /&gt;
der Ausdrucksweise, Höflichkeit und&lt;br /&gt;
das Anhören verschiedener Ansichten,&lt;br /&gt;
sind alle wichtig für die Entwicklung&lt;br /&gt;
der Gemeinde, aber Einheit ist das&lt;br /&gt;
wichtigste aller Prinzipien.&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=21}}Ein Hinweis&lt;br /&gt;
auf ökonomische&lt;br /&gt;
Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf lokaler Ebene wirken sich ma-&lt;br /&gt;
terielle und finanzielle Armut dramatisch&lt;br /&gt;
aus. Viele Gemeinden, die lediglich einige&lt;br /&gt;
Meilen auseinanderliegen, reflektieren ein&lt;br /&gt;
großes Gefälle, und tragischerweise reprä-&lt;br /&gt;
sentieren die Gemeinden der Ureinwohner&lt;br /&gt;
die Folgen der fehlenden Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und des sensiblen Ausgleichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keinen universellen ökono-&lt;br /&gt;
mischen Plan. Vielmehr muß mit Ehrlich-&lt;br /&gt;
keit, Vertrauenswürdigkeit, Mut und einer&lt;br /&gt;
geistig dienenden Haltung gemeinschaft-&lt;br /&gt;
lich beraten werden. Alle Faktoren müssen&lt;br /&gt;
vereint in auf örtlicher Ebene erprobten&lt;br /&gt;
Unternehmungen münden. Gleichzeitig&lt;br /&gt;
muß ein globaler Rahmen dafür sorgen,&lt;br /&gt;
daß die Entwicklung lokaler Verwaltung&lt;br /&gt;
und Selbstbestimmung ein Überleben und&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Produktivität der örtlichen&lt;br /&gt;
Gemeinde sicherstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Weltwirtschaft erfordert ak-&lt;br /&gt;
zeptable Gesetze und globale Rahmenbe-&lt;br /&gt;
dingungen, die ausschließen, daß Gemein-&lt;br /&gt;
den sowie Individuen auf der Grundlage&lt;br /&gt;
von materiellem Konsum ohne Grenzen&lt;br /&gt;
und Mäßigung ausgenutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gleich-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
berechtigung von&lt;br /&gt;
Mann und Frau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche neuen Regelungen auch&lt;br /&gt;
immer in Kanada getroffen werden, das&lt;br /&gt;
Prinzip der Gleichberechtigung von Frauen&lt;br /&gt;
und Männern erfordert ausdrückliche An-&lt;br /&gt;
erkennung. Die moralische Autorität von&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Lehren zu diesem Punkt stel-&lt;br /&gt;
len klar, daß Gott keinerlei Unterschied&lt;br /&gt;
macht zwischen dem Wert der Seele einer&lt;br /&gt;
Frau und derjenigen eines Mannes. Das&lt;br /&gt;
Geschlecht entscheidet nicht über den Wert&lt;br /&gt;
in der geistigen Welt. Nun, da wir uns von&lt;br /&gt;
derjenigen Ära der Geschichte verabschie-&lt;br /&gt;
den, wo die Betonung der körperlichen&lt;br /&gt;
Kraft des Mannes die volle Teilnahme der&lt;br /&gt;
Frau an der Gesellschaft verhinderte, be-&lt;br /&gt;
deutet die volle Emanzipation der Frau eine&lt;br /&gt;
besondere Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Gesellschaft generell,&lt;br /&gt;
sondern auch die Wirtschaft und das poli-&lt;br /&gt;
tische Leben der Gesellschaft werden ge-&lt;br /&gt;
sunden, sobald Frauen den ihnen zustehen-&lt;br /&gt;
den Platz neben den Männern eingenom-&lt;br /&gt;
men haben. Solange wir jedoch damit fort-&lt;br /&gt;
fahren, das Prinzip der vollen und umfas-&lt;br /&gt;
senden Gleichberechtigung von Frauen und&lt;br /&gt;
Männern außer Acht zu lassen, werden&lt;br /&gt;
Frauen und Kinder weiterhin verhältnismä-&lt;br /&gt;
Big viel leiden müssen. Es gibt einen direk-&lt;br /&gt;
ten Zusammenhang zwischen der Domi-&lt;br /&gt;
nanz der Männer in sozialen, ökonomi-&lt;br /&gt;
schen und politischen Führungspositionen&lt;br /&gt;
und dem Mangel an Unterstützung von&lt;br /&gt;
Müttern während der kritischen Monate&lt;br /&gt;
und Jahre, in denen sie Kinder zur Welt&lt;br /&gt;
bringen, diese stillen und erziehen. Die Ab-&lt;br /&gt;
wesenheit und Unaufmerksamkeit von&lt;br /&gt;
Männern Müttern gegenüber, eine patriar-&lt;br /&gt;
chalisch orientierte Gesellschaft, sowie der&lt;br /&gt;
Mangel an Unterstützung für die bestmög-&lt;br /&gt;
lichen Bedingungen für Mütter, Kinder und&lt;br /&gt;
Familien, haben zur sozialen Zerrüttung&lt;br /&gt;
beigetragen. Auch das Fehlen von Frauen&lt;br /&gt;
in Führungsrollen hat durch alle Schichten&lt;br /&gt;
der Gesellschaft hindurch den Fortschritt zu&lt;br /&gt;
einem friedvolleren und produktiveren Le-&lt;br /&gt;
ben verhindert. Wir glauben, daß in der Tat&lt;br /&gt;
hier ein direkter Zusammenhang besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir empfinden es als äußerst wich-&lt;br /&gt;
tig, daß ein wesentlich größerer Anteil an&lt;br /&gt;
Mitteln, nicht nur finanzieller Art sondern&lt;br /&gt;
auch an Zeit, von unseren Regierenden dar-&lt;br /&gt;
auf verwendet werden soll, Familien zu&lt;br /&gt;
unterstützen. Wir meinen mit Familie jenen&lt;br /&gt;
fundamentalen Baustein der Gesellschaft,&lt;br /&gt;
in dem Kinder geboren und aufgezogen&lt;br /&gt;
werden. Die Gesundheit der Familie ist die&lt;br /&gt;
Grundlage für die Gesundheit der Men-&lt;br /&gt;
schen, einer Nation und letztlich der ganzen&lt;br /&gt;
Welt, und sie zu fördern erfordert größte&lt;br /&gt;
Anstrengungen aller Institutionen der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erziehung und Ausbildung der&lt;br /&gt;
Kinder geschieht am besten durch geeinte&lt;br /&gt;
und harmonische Familien. Die Rechte der&lt;br /&gt;
Kinder werden am effektivsten dadurch ge-&lt;br /&gt;
schützt, daß die Familien zentraler in den&lt;br /&gt;
Programmen aller Bereiche sowohl der Re-&lt;br /&gt;
gierung als auch aller anderen zuständigen&lt;br /&gt;
Institutionen berücksichtigt werden. Wir&lt;br /&gt;
können die Wichtigkeit dieses Themas&lt;br /&gt;
nicht genug betonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=22}}22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indianische&lt;br /&gt;
Ureinwohner in&lt;br /&gt;
Kanada&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung&lt;br /&gt;
von Gesetzen,&lt;br /&gt;
Rechtsprechung&lt;br /&gt;
und politischer&lt;br /&gt;
Strukturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir glauben, daß die materielle&lt;br /&gt;
Welt eine Spiegelung der geistigen Welt ist&lt;br /&gt;
und daß sich Gesetze und politische Struk-&lt;br /&gt;
turen in derselben Weise weiterentwickeln&lt;br /&gt;
müssen wie die sich verändernden Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse der Menschheit selbst. Grundsätzliche&lt;br /&gt;
soziale Transformation geschieht durch&lt;br /&gt;
Veränderungen sozialer Bedingungen der&lt;br /&gt;
Gesellschaft. Dies bedeutet jedoch, daß&lt;br /&gt;
sich die soziale Wirklichkeit konstant ver-&lt;br /&gt;
ändert, sobald der Geist sich weiterentwik-&lt;br /&gt;
kelt. Daher müssen sich unsere Gesetze und&lt;br /&gt;
administrativen Strukturen genauso schnell&lt;br /&gt;
anpassen. Ebenso muß sich ein neues gei-&lt;br /&gt;
stiges Verständnis entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist offensichtlich, daß Kanada&lt;br /&gt;
und die Ureinwohner Kanadas nun einen&lt;br /&gt;
höheren Reifegrad erreicht haben, der nach&lt;br /&gt;
neuen Strukturen in der Organisation des&lt;br /&gt;
Landes verlangt. Die kanadische Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinde unterstützt ausdrücklich die Ar-&lt;br /&gt;
beit der Kommission in diesem Bereich&lt;br /&gt;
und befürwortet alle Anstrengungen, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unternommen werden,&lt;br /&gt;
sowohl die kollektiven&lt;br /&gt;
als auch die grundle-&lt;br /&gt;
gen-den persönlichen&lt;br /&gt;
Menschenrechte zu&lt;br /&gt;
schützen und in den le-&lt;br /&gt;
galen und konstitutio-&lt;br /&gt;
nellen Rahmen des Lan-&lt;br /&gt;
des aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir glauben,&lt;br /&gt;
daß mit ausreichender&lt;br /&gt;
Beratung kollektive und&lt;br /&gt;
individuelle Rechte&lt;br /&gt;
nicht im Widerspruch&lt;br /&gt;
zueinander stehen, son-&lt;br /&gt;
dern sich gegenseitig&lt;br /&gt;
bedingen. Daß sie als&lt;br /&gt;
unvereinbar betrachtet&lt;br /&gt;
werden, bedeutet ledig-&lt;br /&gt;
lich, daß wir nicht lange&lt;br /&gt;
genug miteinander bera-&lt;br /&gt;
ten haben oder mit nicht&lt;br /&gt;
genügend Bescheiden-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heit, Zurückhaltung und Höflichkeit vorge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gangen sind. Vom Bahä’i-Standpunkt aus&lt;br /&gt;
ist es nach wie vor die Einheit der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, welche als Maßstab für die Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit dienen kann. Sie ist das sicherste&lt;br /&gt;
Indiz dafür, wie effektiv Gesetze erlassen&lt;br /&gt;
und in der Rechtsprechung umgesetzt wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gestaltung der Rechtsprechung&lt;br /&gt;
ist eine wichtige Angelegenheit und die&lt;br /&gt;
Vertreter der Einwohner und des Landes&lt;br /&gt;
müssen sich mit äußerstem Engagement&lt;br /&gt;
dieser Aufgabe widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bereiche der kanadischen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft, unsere Gemeinde eingeschlos-&lt;br /&gt;
sen, müssen dann dahingehend erzogen&lt;br /&gt;
werden, die Gesetzesanwendung und die&lt;br /&gt;
Regierung auf allen Ebenen der kanadi-&lt;br /&gt;
schen Gesellschaft zu unterstützen. Ohne&lt;br /&gt;
einen solchen Respekt für Gesetze und un-&lt;br /&gt;
sere politischen Führer können selbst die&lt;br /&gt;
besten Gesetze, die effektivste administra-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tive Praxis sowie die inspiriertesten Führer&lt;br /&gt;
kein Wohl innerhalb des Landes schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir reden viel darüber, daß unsere&lt;br /&gt;
Führer den Menschen zuhören sollen, aber&lt;br /&gt;
wir müssen auch eine Menge darüber ler-&lt;br /&gt;
nen, wie wir in Kanada unsere regierenden&lt;br /&gt;
Institutionen bei deren schwierigen Aufga-&lt;br /&gt;
ben ermutigen und unterstützen können!&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=23}}A.M.&lt;br /&gt;
Ghadirian&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maßnahmen&lt;br /&gt;
gegen den Drogen-&lt;br /&gt;
mißbrauch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ÜUSUIRERESUSENSSSRUIDIRIII En&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bahä’i-Modell d&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SSR Ka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er Drogenprävention&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SRERDARREIBERNENDNERERRDEDINDNRNN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel stellt einige Prinzipien vor, die von Bahä’i-Gemeinden be-&lt;br /&gt;
dacht werden, wenn sie Programme zur Prävention des Drogenmiß-&lt;br /&gt;
brauchs aufstellen. Diese Programme beziehen sich nicht nur auf den ein-&lt;br /&gt;
zelnen, sondern auch auf Familie und Gesellschaft. Dabei wird dem einzel-&lt;br /&gt;
nen geholfen, sein Leben sinnvoll zu erleben und sein Selbstwertgefühl und&lt;br /&gt;
den Respekt anderen gegenüber zu entwickeln. Auf diese Weise wird ein&lt;br /&gt;
Maß von Reife entwickelt, das die eigenen Umstände objektiv zu beurtei-&lt;br /&gt;
len hilft und die unmittelbare Befriedigung von Wünschen zugunsten zu-&lt;br /&gt;
kunftsorientierter Zielsetzungen verlagert. Verantwortungsgefühl und gei-&lt;br /&gt;
stige Orientierung können dem Individuum helfen, eine positive Einstel-&lt;br /&gt;
lung zu sich selbst und seiner Umgebung zu entwickeln. Eltern werden er-&lt;br /&gt;
mutigt, Liebe und Einheit zu fördern und selbst ein drogenfreies Leben zu&lt;br /&gt;
führen, damit ihre Kinder gesunde Vorbilder haben. Erfahrungen im Fa-&lt;br /&gt;
milienleben sollen den Kindern helfen, mit Streß und anderen Problemen&lt;br /&gt;
des täglichen Lebens zurechtzukommen. Durch eine entsprechende Erzie-&lt;br /&gt;
hung kann sich die Gesellschaft eine positive Einstellung zur Gesundheit&lt;br /&gt;
aneignen und Handlungsmuster annehmen, die das Aufkommen von Isola-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tion vermeidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einleitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drogen- und Alkoholmißbrauch&lt;br /&gt;
haben in vielen Teilen der Welt epidemi-&lt;br /&gt;
sche Ausmaße angenommen. Die im Ge-&lt;br /&gt;
sundheitsbereich arbeiten, bekämpfen diese&lt;br /&gt;
Epidemie, doch bleibt die Aufgabe der Dro-&lt;br /&gt;
genprävention eine permanente Herausfor-&lt;br /&gt;
derung, der sich alle Gesellschaftsbereiche&lt;br /&gt;
stellen müssen. Tausende Menschen aller&lt;br /&gt;
Altersgruppen unterwerfen sich dem schäd-&lt;br /&gt;
lichen Einfluß von Drogen. Sie tun es aus&lt;br /&gt;
Neugierde, zum Vergnügen oder um mit&lt;br /&gt;
schwierigen Situationen oder schmerzli-&lt;br /&gt;
chen Erfahrungen fertig zu werden. Mit&lt;br /&gt;
dem Einzug der modernen Zivilisation hat&lt;br /&gt;
sich das Verlangen der Menschen nach&lt;br /&gt;
mehr Sicherheit und Bequemlichkeit ver-&lt;br /&gt;
größert. Die Erfüllung dieser Erwartungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird jedoch durch den wachsenden gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Druck und die allgemeine Un-&lt;br /&gt;
sicherheit erschwert. Weit verbreitete Pro-&lt;br /&gt;
bleme im Zusammenhang mit Alkohol-&lt;br /&gt;
und Drogenmißbrauch — besonders unter&lt;br /&gt;
jungen Leuten — spiegeln diese Entwick-&lt;br /&gt;
lung wider und deuten darauf hin, daß viele&lt;br /&gt;
Menschen an einer inneren Krise leiden.&lt;br /&gt;
Nach Ansicht der Bahä’i sollte die Reakti-&lt;br /&gt;
on auf diese innere Krise in systematischen&lt;br /&gt;
und realistischen Vorbeugungsmaßnahmen&lt;br /&gt;
bestehen, wobei die Einstellung im Um-&lt;br /&gt;
gang mit Problemen wie Drogenmißbrauch&lt;br /&gt;
und Alkoholismus von großer Bedeutung&lt;br /&gt;
ist. Verhaltensforscher sind sich einig, daß&lt;br /&gt;
Einstellungen stärkere Auslöser für be-&lt;br /&gt;
stimmte Verhaltensweisen sind als das&lt;br /&gt;
Wissen um Fakten. Einstellungen werden&lt;br /&gt;
früh erlernt und als Lebensstil übernom-&lt;br /&gt;
men. Diese erworbenen Einstellungen re-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung des Artikels&lt;br /&gt;
»A Bahd’i perspective on drug&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abuse prevention«, erschienen in&lt;br /&gt;
der UN-Publikation Bulletin on&lt;br /&gt;
Narcotics, Vol. XLII, No. 1, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Missagh Ghadirian ist&lt;br /&gt;
Professor für Psychiatrie an der&lt;br /&gt;
McGill Universität in Montreal,&lt;br /&gt;
Kanada und Autor zahlreicher&lt;br /&gt;
Abhandlungen über Alkohol- und&lt;br /&gt;
Drogenmißbrauch. Er fungiert&lt;br /&gt;
auch als Fachmann der Baha’i&lt;br /&gt;
International Community bei den&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’T-BRIEFE NR. 67 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die individuelle&lt;br /&gt;
Wirklichkeit des&lt;br /&gt;
Menschen besteht also&lt;br /&gt;
viel mehr in seinem&lt;br /&gt;
Denken als im&lt;br /&gt;
materiellen Dasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAT-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
flektieren die Werte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Menschen. Die&lt;br /&gt;
Wertvorstellungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wiederum leiten die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Entscheidungen für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bestimmte Verhal-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tensweisen, so z.B.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob man Drogen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nimmt oder ein dro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
genfreies Leben&lt;br /&gt;
führt.!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die indivi-&lt;br /&gt;
duelle Wirklichkeit&lt;br /&gt;
des Menschen be-&lt;br /&gt;
steht also viel mehr&lt;br /&gt;
in seinem Denken&lt;br /&gt;
als im materiellen&lt;br /&gt;
Dasein”; daher ist&lt;br /&gt;
der Gebrauch berau-&lt;br /&gt;
schender Drogen ein&lt;br /&gt;
Hindernis bei der&lt;br /&gt;
Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
des Verstandes und&lt;br /&gt;
der Seele und steht&lt;br /&gt;
in direktem Konflikt mit dem Sinn und&lt;br /&gt;
Zweck des Lebens. Die Bahä’i-Gemeinden&lt;br /&gt;
legen besonderen Wert auf die kindliche&lt;br /&gt;
Früherziehung und das Familienleben. Das&lt;br /&gt;
Heim gilt als der ideale Ort für eine früh-&lt;br /&gt;
zeitige Drogenprävention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Erörterung der Gründe für&lt;br /&gt;
einen Anstieg des Drogenmißbrauchs in der&lt;br /&gt;
heutigen Welt fragt sich Cohen’, ob die&lt;br /&gt;
Menschheit gerade eines der kritischsten&lt;br /&gt;
Stadien ihrer Geschichte durchläuft und&lt;br /&gt;
ihre Qualen »so allgegenwärtig sind, daß&lt;br /&gt;
unzählige Menschen immer häufiger zu&lt;br /&gt;
Narkotika, Stimulanzien, Beruhigungsmit-&lt;br /&gt;
tel (darunter auch Alkohol), Euphorika und&lt;br /&gt;
anderen Psychopharmaka greifen müssen,&lt;br /&gt;
um überleben zu können.« Nach Cohen? hat&lt;br /&gt;
es viele verzweifelte Abschnitte in der&lt;br /&gt;
Menschheitsgeschichte gegeben, wie z.B.&lt;br /&gt;
der Zusammenbruch des Römischen Rei-&lt;br /&gt;
ches, das frühe Mittelalter und - in jüngerer&lt;br /&gt;
Vergangenheit — die beiden Weltkriege,&lt;br /&gt;
aber es gibt keinerlei historische Beweise,&lt;br /&gt;
daß in diesen Perioden die Probleme des&lt;br /&gt;
Drogenmißbrauchs so gravierend waren&lt;br /&gt;
wie heutzutage. Trotz allem seien die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten für den Fortschritt der Mensch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heit noch nie so günstig gewesen wie heute.&lt;br /&gt;
Außerdem liege das Unglück, das jeman-&lt;br /&gt;
den zu Drogen oder Alkohol greifen läßt,&lt;br /&gt;
eher in ihm selbst als in seiner Umgebung.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus ist Cohen der Ansicht, die&lt;br /&gt;
innere Welt des Menschen korreliere zwar&lt;br /&gt;
nicht unbedingt mit den äußeren Ereignis-&lt;br /&gt;
sen, dennoch könne sie die äußeren Um-&lt;br /&gt;
stände widerspiegeln. Nach Meinung des&lt;br /&gt;
Autors können Unsicherheit und Zweifel&lt;br /&gt;
eines Menschen eine Widerspiegelung des&lt;br /&gt;
ihn umgebenden Chaos und Verwirrung&lt;br /&gt;
sein — Faktoren, die den Drogenmißbrauch&lt;br /&gt;
auslösen können. Die heutige Gesellschaft&lt;br /&gt;
wandelt sich mit Riesenschritten und ver-&lt;br /&gt;
ursacht dadurch Verwirrung, Unsicherheit,&lt;br /&gt;
Angst und Streß. Alte Vorstellungen und&lt;br /&gt;
Werte stürzen in sich zusammen und wer-&lt;br /&gt;
den durch neue ersetzt. Mit der Spannung&lt;br /&gt;
einer solchen Phase schneller Veränderun-&lt;br /&gt;
gen und Entwicklungen fertigzuwerden, ist&lt;br /&gt;
anstrengend, Alkohol- und Drogenkonsum&lt;br /&gt;
werden zum attraktiven Fluchtweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bahä’i-Gemeinden ist die Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit zwischen dem einzelnen, der&lt;br /&gt;
Familie und der Gesellschaft ein fester Be-&lt;br /&gt;
standteil der Drogenprävention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die persönliche&lt;br /&gt;
Verantwortung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Entwicklung eines Präven-&lt;br /&gt;
tionsprogrammes sollten die folgenden&lt;br /&gt;
grundlegenden Prinzipien in Betracht gezo-&lt;br /&gt;
gen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DO Das Bewußtsein für den&lt;br /&gt;
Sinn des Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um sich einer moralischen Ord-&lt;br /&gt;
nung zu verschreiben, muß der Mensch&lt;br /&gt;
eine Vorstellung von der Zweckbestim-&lt;br /&gt;
mung seines Lebens haben. Die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Lehren besagen, daß die Liebe zu Gott? ein&lt;br /&gt;
Grundgedanke ist, der die Kräfte der Ich-&lt;br /&gt;
bezogenheit des Menschen auf das Interes-&lt;br /&gt;
se für andere und auf deren Wohlergehen&lt;br /&gt;
verlagert. Dem Wohlergehen der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zu dienen, ist ein lobenswertes Mittel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1  s. A.M.Ghadirian, In Search of Nirvana: A New Perspective on Alcohol and Drug Abuse, Oxford: George&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ronald 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a.a.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ar wıM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s. ‘Abdu’l-Bahá, The Reality of Man, Wilmette, Illinois: Bahä’f Publishing Trust 1966, S. 9-10.&lt;br /&gt;
s. Cohen, »Reflections on people and drugs«, Drug Abuse and Alcoholism Newsletter 13.1 (1984), S. 1-3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Ährenlese, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 3. rev. Aufl. 1980, Kapitel 27&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=25}}der aktiven Umsetzung dieses Interesses.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i versuchen, das Bild, das die&lt;br /&gt;
Menschen, von sich selbst haben, dahinge-&lt;br /&gt;
hend zu erweitern, daß es Bereiche jenseits&lt;br /&gt;
des materiellen Selbstes einbezieht. Wie ein&lt;br /&gt;
Reisender, der Städte und Länder besucht&lt;br /&gt;
und mit anderen Kulturen bekannt wird, so&lt;br /&gt;
eignet sich der menschliche Geist im Laufe&lt;br /&gt;
seiner Entwicklung durch die Erfahrungen&lt;br /&gt;
in dieser irdischen Welt bestimmte Eigen-&lt;br /&gt;
schaften und Tugenden an.® Traurige Erfah-&lt;br /&gt;
rungen und die Prüfungen des irdischen&lt;br /&gt;
Lebens sind Herausforderungen zu indivi-&lt;br /&gt;
duellem Wachstum. Drogenmißbrauch ist&lt;br /&gt;
lediglich eine illusionäre Flucht in eine&lt;br /&gt;
Phantasiewelt, bei der man keinerlei Er-&lt;br /&gt;
kenntnisse gewinnt und nichts lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Der Wert des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstachtung und Respekt vor dem&lt;br /&gt;
Wert und der Würde des Menschen spielen&lt;br /&gt;
eine wichtige Rolle hinsichtlich der Einstel-&lt;br /&gt;
lung, die die Menschen zu sich selbst haben.&lt;br /&gt;
Einer der häufigsten Faktoren im Zusam-&lt;br /&gt;
menhang mit Drogenmißbrauch überall auf&lt;br /&gt;
der Welt ist der Verlust des Selbstwertge-&lt;br /&gt;
fühls.’ Selbstwertgefühl und ein Gefühl für&lt;br /&gt;
die eigene Würde werden in frühester Kind-&lt;br /&gt;
heit gefördert und bleiben dann ein Leben&lt;br /&gt;
lang bestehen. Berichte besagen, daß »Kin-&lt;br /&gt;
der, die zu sich selbst eine positive Einstel-&lt;br /&gt;
lung haben, zu einem Verhalten neigen, das&lt;br /&gt;
weitere Erfolge zeitigt: Sie zeigen Durch-&lt;br /&gt;
haltevermögen und bleiben einer Zielset-&lt;br /&gt;
zung trotz Belastungen und Mißgeschicken&lt;br /&gt;
treu. Kinder, die keine hohe Meinung von&lt;br /&gt;
sich selbst haben, reagieren auf gegenteilige&lt;br /&gt;
Art und Weise«® Sie laufen daher eher Ge-&lt;br /&gt;
fahr, sich der zerstörerischen Wirkung des&lt;br /&gt;
Drogenmißbrauchs zu unterwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft hat die wahre Be-&lt;br /&gt;
deutung der Freiheit mißverstanden. Das&lt;br /&gt;
trifft besonders auf Menschen zu, die Dro-&lt;br /&gt;
gen nehmen. Sie glauben, sie hätten das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Recht, ihrem Körper und Geist alles anzu-&lt;br /&gt;
tun, was ihnen gefällt. Ironischerweise be-&lt;br /&gt;
raubt sie letztendlich gerade der Drogen-&lt;br /&gt;
mißbrauch ihrer persönlichen Freiheit.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit, die eigenen Lebens-&lt;br /&gt;
umstände objektiv zu beurteilen und die&lt;br /&gt;
unmittelbare Belohnung zugunsten einer&lt;br /&gt;
längerfristigen Zielsetzung aufzugeben,&lt;br /&gt;
deutet auf die Reife des Menschen hin.&lt;br /&gt;
Gehorsam gegenüber moralischen Grund-&lt;br /&gt;
sätzen verstärkt diese Fähigkeit der Selbst-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i versuchen, das Bild,&lt;br /&gt;
das die Menschen von sich&lt;br /&gt;
selbst haben, dahingehend zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erweitern, daß es Bereiche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jenseits des materiellen&lt;br /&gt;
Selbstes einbezieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
disziplin und Selbstkontrolle, damit be-&lt;br /&gt;
stimmte Ziele erreicht werden. In den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinden auf der ganzen Welt&lt;br /&gt;
bildet das grundlegende Prinzip, die Gebote&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs zu befolgen, den Kern der&lt;br /&gt;
Prävention von Drogenmißbrauch und Al-&lt;br /&gt;
koholismus. In den Bahä’i-Schriften&#039;® ist&lt;br /&gt;
der Genuß alkoholischer Getränke und an-&lt;br /&gt;
derer berauschender Drogen verboten, so-&lt;br /&gt;
fern er nicht zu medizinischen Zwecken&lt;br /&gt;
verordnet wird. Die Verpflichtung, sich&lt;br /&gt;
derartiger übler Praktiken zu enthalten,&lt;br /&gt;
wird durch den Glauben garantiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Berufstätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung des Menschen zu&lt;br /&gt;
seiner Umwelt ist dynamisch und verändert&lt;br /&gt;
sich ständig.!! In Bahä’i-Gemeinden stellt&lt;br /&gt;
sich jeder der Herausforderung, in allen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, Beantwortete Fragen, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1962, S. 199&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 s. A.M.Mecca, »Primary prevention, an avenue we must pursue«, Critical Concerns in the Field of Drug&lt;br /&gt;
Abuse, New York, National Drug Abuse Conference, 1978, S. 1-5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Übersetzung aus: »Prevention, the nation’s health«, APHA Newsletter, October 1975 (zitiert in Mecca, op.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9  s. Bahä’u’lläh und “Abdu’l-Bahá, Baha’i World Faith, Wilmette, Illinois: Bahä’i Publishing Trust 1976&lt;br /&gt;
und A.M.Ghadirian, In Search of Nirvana: A New Perspective on Alcohol and Drug Abuse, Oxford:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George Ronald 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10  s. A.M.Ghadirian, In Search of Nirvana: A New Perspective on Alcohol and Drug Abuse, Oxford: George&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ronald 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11  s. D.C.Jordan, »In search of the supreme talisman«, World Order 5.1 (1970), S. 12-20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TT-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’T-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensbereichen seine Fähigkeiten zu ver-&lt;br /&gt;
vollkommnen, besonders im Bereich der&lt;br /&gt;
Künste und Wissenschaften. Jeder ist dazu&lt;br /&gt;
aufgerufen, einen Beruf auszuüben. Arbeit&lt;br /&gt;
im Geiste des Dienens wird als eine Form&lt;br /&gt;
des Gottesdienstes betrachtet.&#039;” Dieses&lt;br /&gt;
Prinzip motiviert zu persönlicher Entwick-&lt;br /&gt;
lung und Kreativität und setzt persönliche&lt;br /&gt;
Fähigkeiten zugunsten des Wohles der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeit im Geiste&lt;br /&gt;
des Dienens wird als&lt;br /&gt;
eine Form des&lt;br /&gt;
Gottesdienstes&lt;br /&gt;
betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit frei. Es verhindert gleichzeitig&lt;br /&gt;
Apathie, Langeweile und ein Gefühl der&lt;br /&gt;
Nutzlosigkeit - Empfindungen, die bei vie-&lt;br /&gt;
len Menschen auftreten, die Drogen neh-&lt;br /&gt;
men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DO Geistige Orientierung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Orientierung hilft dem&lt;br /&gt;
Menschen, sich selbst und seine Umgebung&lt;br /&gt;
in einem positiven Licht zu sehen. Dadurch&lt;br /&gt;
findet er einen Lebenssinn und kann mit&lt;br /&gt;
Streßsituationen effizienter umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der&lt;br /&gt;
Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bahä’i-Gemeinden gelten ein ge-&lt;br /&gt;
sunder Familienkreis und eine ordentliche&lt;br /&gt;
Kindererziehung als vorrangige Elemente&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Drogenprävention.&#039;? Es liegt im Ver-&lt;br /&gt;
antwortungsbereich der Eltern, ihren Kin-&lt;br /&gt;
der moralische und geistige Werte sowie&lt;br /&gt;
den Umgang mit schwierigen Lebensum-&lt;br /&gt;
ständen zu lehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Eltern sich selbst des Alko-&lt;br /&gt;
hols und der Drogen enthalten, geben sie&lt;br /&gt;
ein Vorbild, das die Einstellung der Kinder&lt;br /&gt;
zu diesen Substanzen maßgeblich prägen&lt;br /&gt;
dürfte. Liebe und Einheit in der Familie, die&lt;br /&gt;
sich um eine gute Beziehung zwischen al-&lt;br /&gt;
len Familienmitgliedern müht, wird die&lt;br /&gt;
treibende Kraft bei der Entwicklung einer&lt;br /&gt;
positiven und dynamischen Haltung dem&lt;br /&gt;
Leben und seinen Herausforderungen ge-&lt;br /&gt;
genüber sein. Kinder, die in solchen Fami-&lt;br /&gt;
lien aufwachsen, lernen, daß der Gebrauch&lt;br /&gt;
von Alkohol und verbotener Rauschmittel&lt;br /&gt;
unannehmbar und die Bewältigung von&lt;br /&gt;
Streß ein Teil menschlicher Lebenserfah-&lt;br /&gt;
rung ist, die die persönliche Entwicklung&lt;br /&gt;
zur charakterlichen Reife führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Faktor, der maßgeblich zum&lt;br /&gt;
Drogenmißbrauch beiträgt und daher im&lt;br /&gt;
Detail erörtert werden muß, ist die Haltung&lt;br /&gt;
der Gesellschaft im Hinblick auf den Alko-&lt;br /&gt;
hol- und Drogenkonsum. Dabei müssen&lt;br /&gt;
auch der Verfall traditioneller sittlicher&lt;br /&gt;
Wertesysteme, der Zusammenbruch der In-&lt;br /&gt;
stitution der Ehe und des Familienlebens&lt;br /&gt;
und die übermäßige Abhängigkeit des&lt;br /&gt;
Menschen von politischer und materieller&lt;br /&gt;
Macht als Quelle persönlicher Sicherheit&lt;br /&gt;
erwähnt werden. Darüber hinaus wird die&lt;br /&gt;
Aufgabe der Prävention wegen des gesetz-&lt;br /&gt;
widrigen Drogenhandels und der Glorifi-&lt;br /&gt;
zierung psychoaktiver Substanzen durch&lt;br /&gt;
die Medien erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Absätzen werden&lt;br /&gt;
einige Punkte aufgezählt, die die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft bei der Entwicklung von Vorbeu-&lt;br /&gt;
gungsmaßnahmen beachten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Selbstwertgefühl und das Ver-&lt;br /&gt;
ständnis der Würde des einzelnen müssen&lt;br /&gt;
gestärkt werden. Familienangehörige müs-&lt;br /&gt;
sen Sinn und Zweck ihres Lebens erkennen.&lt;br /&gt;
Kindererziehung sollte sich nicht nur auf&lt;br /&gt;
körperliche und intellektuelle Ausbildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12  s. Bahä’u’lläh und “Abdu’l-Bahá, Bahd’f World Faith, Wilmette, Illinois: Bahä’i Publishing Trust 1976&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13  s. Bahä’u’lläh, Ährenlese Kapitel 122&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=27}}beschränken, sondern auch geistige Aspek-&lt;br /&gt;
te des Lebens beinhalten. Die Gesellschaft&lt;br /&gt;
muß sowohl die geistigen als auch die ma-&lt;br /&gt;
teriellen Bedürfnisse der Menschheit erken-&lt;br /&gt;
nen, damit Fortschritt und Entwicklung&lt;br /&gt;
überhaupt möglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dramatische technologische&lt;br /&gt;
Entwicklung und die materialistische Ori-&lt;br /&gt;
entierung der modernen Gesellschaft haben&lt;br /&gt;
nicht nur zu beachtlichen körperlichen und&lt;br /&gt;
materiellen Annehmlichkeiten geführt,&lt;br /&gt;
sondern auch zum Verlust des geistigen&lt;br /&gt;
Bewußtseins. Die Lösungsansätze für die&lt;br /&gt;
Probleme und das Leid der Menschheit sind&lt;br /&gt;
mechanistisch und materialistisch geprägt&lt;br /&gt;
und haben die geistige Großmut verloren,&lt;br /&gt;
die man für persönliche Entwicklung und&lt;br /&gt;
Fortschritt benötigt. Dadurch haben die&lt;br /&gt;
Menschen den Kontakt zu ihrem eigenen&lt;br /&gt;
Selbst verloren. Drogenkonsum ist daher&lt;br /&gt;
der Versuch, diesen Kontakt mit Hilfe che-&lt;br /&gt;
mischer Mittel wiederherzustellen und Pro-&lt;br /&gt;
bleme zu lösen, die in ihrem Kern zutiefst&lt;br /&gt;
menschlich und somit geistiger Natur sind.&lt;br /&gt;
Zum Beispiel ist Glücklichsein eine Ge-&lt;br /&gt;
mütsverfassung, die durch produktive und&lt;br /&gt;
sinnvolle zwischenmenschliche Bezie-&lt;br /&gt;
hung, auf keinen Fall aber durch Drogen&lt;br /&gt;
erreicht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wettlauf nach materiellen Din-&lt;br /&gt;
gen öffnet Tür und Tor für eine Jagd nach&lt;br /&gt;
Erfolg und Liebe, die nur eine geringe To-&lt;br /&gt;
leranzschwelle für das Versagen zuläßt.&lt;br /&gt;
Folglich wenden sich diejenigen, die emo-&lt;br /&gt;
tional unsicher oder labil sind, Alkohol oder&lt;br /&gt;
Drogen zu als Flucht vor der bitteren Rea-&lt;br /&gt;
lität ihres von Konkurrenz geprägten Le-&lt;br /&gt;
bensstils. Konkurrenz sollte durch Koope-&lt;br /&gt;
ration ersetzt werden; Konfrontation und&lt;br /&gt;
Isolation sollten durch Beratung und Har-&lt;br /&gt;
monie ersetzt werden, damit eine Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre des miteinander Teilens und der ge-&lt;br /&gt;
genseitigen Fürsorge herrschen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen aller Altersgruppen und&lt;br /&gt;
sozialer Schichten sollten Zugang zu Bil-&lt;br /&gt;
dung haben, damit sie eine positivere Ein-&lt;br /&gt;
stellung zu den körperlichen, emotionalen,&lt;br /&gt;
intellektuellen, geistigen und gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Aspekten von Gesundheit entwik-&lt;br /&gt;
keln können. Solche Erziehung sollte ein&lt;br /&gt;
Verständnis vom Sinn des Lebens kultivie-&lt;br /&gt;
ren. Sie sollte den Menschen dazu ermuti-&lt;br /&gt;
gen, in seinem Beruf aktiv Ziele zu verfol-&lt;br /&gt;
gen und zu erkennen, daß dieser aktive&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsatz sein eigenes Wohlergehen fördert.&lt;br /&gt;
Erziehung sollte auch danach streben, Ge-&lt;br /&gt;
fühle wie Entfremdung und Isolation, die&lt;br /&gt;
Drogenmißbrauch fördern, innerhalb der&lt;br /&gt;
Gesellschaft zu beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft sollte dem Indivi-&lt;br /&gt;
duum — besonders Jugendlichen — behilf-&lt;br /&gt;
lich sein, eine eigene Identität und positive&lt;br /&gt;
Methoden im Umgang mit Langeweile und&lt;br /&gt;
Apathie zu entwickeln. Es ist ihre Aufgabe,&lt;br /&gt;
das Umfeld zu schaffen, das zu Kreativität&lt;br /&gt;
und sinnvoller Arbeit anregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft sollte dazu beitra-&lt;br /&gt;
gen, den Zugang zu Drogen, die keinen&lt;br /&gt;
medizinischen oder wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Zwecken dienen, zu erschweren. Sie sollte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft muß sowohl&lt;br /&gt;
die geistigen als auch die&lt;br /&gt;
materiellen Bedü&lt;br /&gt;
Menschheit erkennen, damit&lt;br /&gt;
Fortschritt und Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rfnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
überhaupt möglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die Vorbildfunktion haben, wie&lt;br /&gt;
z.B. Lehrer, Künstler oder herausragende&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens,&lt;br /&gt;
dazu ermutigen, ein Leben ohne Drogen zu&lt;br /&gt;
führen. Die Massenmedien sollten Infor-&lt;br /&gt;
mationssendungen und Bildungsprogram-&lt;br /&gt;
me zur Prävention von Alkohol- und Dro-&lt;br /&gt;
genmißbrauch anbieten und jede Werbung&lt;br /&gt;
für psychoaktive Substanzen unterlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die internationale Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
bei der Einschränkung des Anbaus, der&lt;br /&gt;
Verarbeitung, der Verteilung und des Miß-&lt;br /&gt;
brauchs von Drogen sollte gefördert wer-&lt;br /&gt;
den. Die zur Zeit laufenden Programme der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen mit dem Ziel der Ein-&lt;br /&gt;
dämmung des Drogenmißbrauchs können&lt;br /&gt;
nur dann erfolgreich sein, wenn alle Regie-&lt;br /&gt;
rungen und alle Bereiche der Gesellschaft&lt;br /&gt;
sich verpflichten, an dieser gemeinsamen&lt;br /&gt;
Aufgabe mit vereinten Kräften zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=28}}Das Vanguardia SR-2&lt;br /&gt;
Solarradio wird in&lt;br /&gt;
einer Fernseh- und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elektrogerätefirma in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chengdu hergestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHA&#039;-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umweltfreundliche&lt;br /&gt;
Rundfunkempfänger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neu entwickeltes, solar-betriebenes Radio bietet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine grüne Alternative zur Batterienschwemme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-. “ ag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHENGDU, China - Die meisten&lt;br /&gt;
Arbeiter der Chengduer Fabrik für Fernseh-&lt;br /&gt;
und Elektrogeräte fahren in dieser Stadt im&lt;br /&gt;
Zentrum Chinas jeden Tag mit dem Fahrrad&lt;br /&gt;
zur Arbeit und benutzen somit das erwiese-&lt;br /&gt;
nermaßen leistungsfähigste und umwelt-&lt;br /&gt;
freundlichste Transportmittel. Diese Arbei-&lt;br /&gt;
ter arbeiten zur Zeit an einem neuen Vor-&lt;br /&gt;
haben auf dem Gebiet der grünen Techno-&lt;br /&gt;
logie, und zwar an der Massenproduktion&lt;br /&gt;
eines preiswerten und leistungsstarken so-&lt;br /&gt;
lar-betriebenen Radios. Das Projekt, das in&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit mit einer privaten, von&lt;br /&gt;
Bahä’i geleiteten Stiftung durchgeführt&lt;br /&gt;
wird, will mit dem Einsatz dieser Radios&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die gesellschaftliche Entwicklung auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dorfebene vorantreiben und auch eine Lö-&lt;br /&gt;
sung anbieten für die mit den Batterien&lt;br /&gt;
verbundenen Umweltprobleme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Für die sogenannte Erste Welt&lt;br /&gt;
geht es hierbei um die Auswirkungen auf&lt;br /&gt;
die Umwelt«, sagt Dr. K. Dean Stephens,&lt;br /&gt;
der besondere Schaltsysteme entwickelt&lt;br /&gt;
hat, die seinen Angaben nach die Radios&lt;br /&gt;
leistungsfähiger machen als jedes zuvor&lt;br /&gt;
produzierte solar-betriebene Radio. »Batte-&lt;br /&gt;
rien verbrauchen bei der Herstellung unge-&lt;br /&gt;
fähr 80 mal so viel Energie als sie später&lt;br /&gt;
speichern können, und wenn sie dann weg-&lt;br /&gt;
geworfen werden, verunreinigen sie auf&lt;br /&gt;
Jahre hinaus den Boden mit Schwermetal-&lt;br /&gt;
len. Wir versuchen hier mit einer neuen&lt;br /&gt;
Technologie Pionierarbeit zu leisten, die&lt;br /&gt;
der Umwelt zugute kommt«, sagt Dr. Ste-&lt;br /&gt;
phens, der auch der Direktor des Vanguard&lt;br /&gt;
Trust ist, der gemeinnützigen Stiftung, die&lt;br /&gt;
das Projekt koordiniert und fördert. Im Hin-&lt;br /&gt;
blick auf die Entwicklungsländer müssen&lt;br /&gt;
wir uns im Klaren sein, daß&lt;br /&gt;
die Kosten der Batterien letzt-&lt;br /&gt;
lich die Anschaffungskosten&lt;br /&gt;
des Radios bei weitem über-&lt;br /&gt;
steigen, was die Geldmittel&lt;br /&gt;
vieler Dorfbewohner stark be-&lt;br /&gt;
lastet«, fügt Dr. Stephens hin-&lt;br /&gt;
zu. »Wir haben ausgerechnet,&lt;br /&gt;
daß z. B. in einem Land wie&lt;br /&gt;
Tansania ca. 10% des Mo-&lt;br /&gt;
natseinkommens eines Arbei-&lt;br /&gt;
ters für Batterien aufgewendet&lt;br /&gt;
werden, wenn sie einmal im&lt;br /&gt;
Monat ersetzt werden. Also&lt;br /&gt;
macht die Benutzung eines&lt;br /&gt;
Solarradios einen beachtli-&lt;br /&gt;
chen Unterschied aus.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es bereits frü-&lt;br /&gt;
her kleine Solarradios gab,&lt;br /&gt;
wie Dr. Stephens feststellt, hat&lt;br /&gt;
jedoch keines dieser Radios&lt;br /&gt;
das Stadium einer kuriosen&lt;br /&gt;
Neuheit überdauert, da sie&lt;br /&gt;
entweder zu teuer waren oder&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=29}}nur unter idealen Bedingungen funktionier-&lt;br /&gt;
ten, wie z.B. in prallem Sonnenlicht. »Die-&lt;br /&gt;
ses Radio hat ein völlig neu konzipiertes&lt;br /&gt;
Schaltsystem, es kann auch im Haus betrie-&lt;br /&gt;
ben werden, z.B. neben einem Fenster oder&lt;br /&gt;
sogar des nachts neben der Gaslaterne«,&lt;br /&gt;
sagt Dr. Stephens. »Früher mußte man So-&lt;br /&gt;
larradios geradezu in der Sonne braten las-&lt;br /&gt;
sen, damit sie liefen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Testlauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Stephens sagt auch, dieses So-&lt;br /&gt;
larradio sei sehr viel preiswerter als seine&lt;br /&gt;
Vorgänger. Die niedrigen Kosten entstehen&lt;br /&gt;
durch das klare Design des Radios und&lt;br /&gt;
durch die Entscheidung, es in China produ-&lt;br /&gt;
zieren zu lassen, wo die Lohnkosten niedrig&lt;br /&gt;
sind. Die ersten einhundert Radios, die in&lt;br /&gt;
der Testserie produziert worden sind, wer-&lt;br /&gt;
den für 25 Dollar verkauft. Bei größeren&lt;br /&gt;
Produktionsmengen wird der Preis fallen.&lt;br /&gt;
»Dann wird jedes Radio ungefähr 17 Dollar&lt;br /&gt;
kosten«, sagt Dr. Stephens. »Das entspricht&lt;br /&gt;
dem Preis, den man anderswo allein für die&lt;br /&gt;
Solarzellen bezahlen würde.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hohe Leistungsfähigkeit des&lt;br /&gt;
Radios in Verbindung mit dem geringen&lt;br /&gt;
Kostenaufwand hat in Kreisen verschiede-&lt;br /&gt;
ner Rundfunkgesellschaften und Entwick-&lt;br /&gt;
lungsorganisationen Interesse erweckt. So-&lt;br /&gt;
wohl die BBC (British Broadcasting Cor-&lt;br /&gt;
poration) als auch die nationale dänische&lt;br /&gt;
Rundfunkvereinigung DANICOM werten&lt;br /&gt;
derzeit die ersten Modelle dieses Radios&lt;br /&gt;
aus, sagt Dr. Stephens. Mehrere internatio-&lt;br /&gt;
nale Entwicklungsorganisationen haben&lt;br /&gt;
ebenfalls Radios zu Testzwecken und Ver-&lt;br /&gt;
suchsläufen bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich denke, dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
wunderbar«, sagt Judy Brace, Vizepräsi-&lt;br /&gt;
dentin des Entwicklungsinformationsdien-&lt;br /&gt;
stes an der Akademie für Bildungsentwick-&lt;br /&gt;
lung in Washington, D.C. »Das ganze Prob-&lt;br /&gt;
lem mit den Batterien, die immer wieder&lt;br /&gt;
durch neue ersetzt werden müssen, ist in&lt;br /&gt;
einem Entwicklungsland sehr schwierig.&lt;br /&gt;
Die Bemühungen von Vanguard sind also&lt;br /&gt;
sicherlich lobenswert.« Mrs. Brace hat nach&lt;br /&gt;
eigener Aussage bereits ein Radio bestellt,&lt;br /&gt;
um es auszuprobieren, und wenn es die&lt;br /&gt;
Feldversuche besteht, könnte es für einige&lt;br /&gt;
Rundfunkprojekte ihrer Organisation nütz-&lt;br /&gt;
lich sein. »Wir sehen dafür sicherlich einen&lt;br /&gt;
Markt«, sagt sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Modelle des Radios, die&lt;br /&gt;
den Namen »Vanguardia SR-2« tragen, be-&lt;br /&gt;
nutzen als Hauptenergiequelle eine Reihe&lt;br /&gt;
kristalliner Silikon-Solarzellen, die auf ei-&lt;br /&gt;
ner Karte auf der Rückseite des Radios&lt;br /&gt;
miteinander verbunden sind. Das Radio ist&lt;br /&gt;
nur für den Mittelwellenempfang geeignet.&lt;br /&gt;
»UKW-Empfang würde den Preis des Ra-&lt;br /&gt;
dios unnötig in die Höhe treiben«, erklärt&lt;br /&gt;
Dr. Stephens und fügt hinzu, »Wir planen&lt;br /&gt;
für andere Märkte in der Zukunft auch Mo-&lt;br /&gt;
delle mit mehreren Frequenzbändern.« Das&lt;br /&gt;
Radio ist mit 15 cm Höhe, 28 cm Breite und&lt;br /&gt;
6,5 cm Tiefe im Vergleich zu anderen mo-&lt;br /&gt;
dernen tragbaren Radios relativ groß. »Es&lt;br /&gt;
ist als Tischradio gedacht«, sagt Dr. Ste-&lt;br /&gt;
phens, »als ein Gerät, das auf einem Tisch&lt;br /&gt;
oder am Fenster stehen und das ganze Haus&lt;br /&gt;
beschallen kann. Außerdem bestimmen der&lt;br /&gt;
10 cm Durchmesser große Lautsprecher&lt;br /&gt;
und die relativ große Solarkarte auf der&lt;br /&gt;
Rückseite die Größe des Radios.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innovatives&lt;br /&gt;
Schaltkreismodell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den von Dr. Stephens entwik-&lt;br /&gt;
kelten Schaltkreis kann der Lautsprecher&lt;br /&gt;
mit nur 0,04 Watt betrieben werden. »Damit&lt;br /&gt;
ist es etwa 10 mal leistungsfähiger als die&lt;br /&gt;
meisten anderen Radios«, sagt Dr. Stephens,&lt;br /&gt;
der sich als Pionier auf dem Gebiet der&lt;br /&gt;
Elektronik durch die Entwicklung einer&lt;br /&gt;
hochkompakten Farbfernsehkamera, die bei&lt;br /&gt;
den Apollo-Mondflügen eingesetzt wurde,&lt;br /&gt;
einen Namen gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Stephens ist der Ansicht, es sei&lt;br /&gt;
gerade für China wichtig, an der Produktion&lt;br /&gt;
dieses Radios beteiligt zu sein. »Die&lt;br /&gt;
Chengduer Firma für Fernseh- und Elektro-&lt;br /&gt;
geräte war sehr flexibel bei der Ausarbei-&lt;br /&gt;
tung der letzten Details des Designs und bei&lt;br /&gt;
der Herstellung«, sagt Dr. Stephens. »Ich&lt;br /&gt;
bin sehr glücklich über unsere Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit und kann sagen, daß die Firma sich&lt;br /&gt;
sehr für die Prinzipien des Vanguard Trust&lt;br /&gt;
interessiert.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Produktionsserie, die im&lt;br /&gt;
Mai 1992 abgeschlossen wurde, umfaßte&lt;br /&gt;
lediglich 100 Radiogeräte. »Diese erste&lt;br /&gt;
Produktionsreihe war ein Testlauf für uns«,&lt;br /&gt;
sagt Dr. Stephens. »Der nächste Schritt&lt;br /&gt;
wird entweder 1.000 oder 10.000 Geräte&lt;br /&gt;
umfassen. Wir hoffen, daß einzelne Spon-&lt;br /&gt;
soren oder eine Entwicklungsorganisation&lt;br /&gt;
in diese Produktion investieren oder die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. K. Stephens&lt;br /&gt;
(rechts) bei einem&lt;br /&gt;
Treffen in Beijing&lt;br /&gt;
mit dem Direktor&lt;br /&gt;
der chinesischen&lt;br /&gt;
Gesellschaft für&lt;br /&gt;
Rundfunk-&lt;br /&gt;
technologie,&lt;br /&gt;
Professor He&lt;br /&gt;
Dazhong (links).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesamte Produktionsserie aufkaufen wer-&lt;br /&gt;
den, damit das Radio breiten Bevölkerungs-&lt;br /&gt;
schichten zugänglich gemacht werden&lt;br /&gt;
kann.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktion solarbetriebener&lt;br /&gt;
Radios ist Hauptbestandteil der allgemei-&lt;br /&gt;
nen Bemühungen des Vanguard Trust, die&lt;br /&gt;
Benutzung von Rundfunkgeräten in Dör-&lt;br /&gt;
fern zu fördern. Der Trust wurde zur Ent-&lt;br /&gt;
wicklung und Förderung nützlicher und an-&lt;br /&gt;
gemessener Technologie für die sich&lt;br /&gt;
entwickelnden Länder der Welt gegründet,&lt;br /&gt;
und eines seiner Hauptanliegen ist, preis-&lt;br /&gt;
werte Technologien für die auf die Dörfer&lt;br /&gt;
ausgerichtete Radioversorgung zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Dorf-&lt;br /&gt;
rundfunksystem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es wurden bereits erfolgreiche&lt;br /&gt;
Experimente durchgeführt, ein Dorfrund-&lt;br /&gt;
funksystem einzurichten, und viele Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsexperten haben großes Interesse&lt;br /&gt;
daran«, sagt Dr. Stephens. »Die Grundidee&lt;br /&gt;
ist der Aufbau einer Mini-Radiostation, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es dem Dorf ermöglicht, eigenen lokalen&lt;br /&gt;
Rundfunk anzubieten. Mit anderen Worten&lt;br /&gt;
soll das Dorfradio ein Werkzeug im Leben&lt;br /&gt;
der Dorfbewohner sein. Es ist ein Instru-&lt;br /&gt;
ment für die Beratung und für die Erhaltung&lt;br /&gt;
der verschiedenen Traditionen und kultu-&lt;br /&gt;
rellen Ausdrucksmöglichkeiten. Und in ei-&lt;br /&gt;
nem Zeitalter, in dem Information Macht&lt;br /&gt;
bedeutet, ist das Dorfradio auch eine Art&lt;br /&gt;
der Stärkung der Dorfgemeinschaft an der&lt;br /&gt;
Basis. Dadurch erhalten die Menschen ihre&lt;br /&gt;
Informationen ohne Umwege.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vanguard Trust hat kürzlich&lt;br /&gt;
eine Broschüre mit dem Titel »Handbuch&lt;br /&gt;
für Dorfradiohörer« herausgebracht, in dem&lt;br /&gt;
sowohl die Technologie als auch die Orga-&lt;br /&gt;
nisationsstruktur zur Errichtung einer Dor-&lt;br /&gt;
fradiostation beschrieben werden. Außer-&lt;br /&gt;
dem hat der Trust ein von Dr. Stephens&lt;br /&gt;
entwickeltes kleineres Solarsystem bei ei-&lt;br /&gt;
nem Bahä’i-Ausbildungszentrum in Puerto&lt;br /&gt;
Rico umfassend getestet, wo es bei der&lt;br /&gt;
Beleuchtung und Kühlung eingesetzt wur-&lt;br /&gt;
de. Das Nachrichtenblatt Vanguardia be-&lt;br /&gt;
richtet vierteljährlich über die Aktivitäten&lt;br /&gt;
des Trusts und erleichtert so den Zugang zu&lt;br /&gt;
Informationen über diese Technologien.&lt;br /&gt;
Der Trust und seine Publikation entlehnen&lt;br /&gt;
ihren Namen einem Zitat aus den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften, in welchem die Bahä’f aufgeru-&lt;br /&gt;
fen werden, »in vorderster Reihe« wissen-&lt;br /&gt;
schaftlicher Errungenschaften zu stehen,&lt;br /&gt;
sagt Prof. Kenneth Kalantar, ein in Puerto&lt;br /&gt;
Rico lebendes Mitglied des Vanguard-Vor-&lt;br /&gt;
standes. »Unser besonderes Interesse liegt&lt;br /&gt;
in der Förderung der Entwicklung von&lt;br /&gt;
Technologie für die sich entwickelnden&lt;br /&gt;
Länder der Welt«, sagt Prof. Kalantar, der&lt;br /&gt;
an der Inter American University in San&lt;br /&gt;
German, Puerto Rico, Chemie lehrt. »Ob-&lt;br /&gt;
wohl der Trust von Bahä’f gegründet wurde&lt;br /&gt;
und nach Bahä’i-Prinzipien geführt wird,&lt;br /&gt;
steht die Mitgliedschaft jedem offen, der&lt;br /&gt;
ähnliche Ziele verfolgt.« Er sagt, der Trust&lt;br /&gt;
habe derzeit zwar wenige, aber in der gan-&lt;br /&gt;
zen Welt verstreut lebende Mitglieder, die&lt;br /&gt;
sich mit der Thematik angemessener Tech-&lt;br /&gt;
nologie befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY, Juli-September 1992&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_67.pdf|page=31}}Frühe Begegnungen Mittel-&lt;br /&gt;
europas mit der Baha’i-Geschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kent Beveridge, Bahä’i-Verlag 1995, 140 Seiten (z.Z. vergriffen)&lt;br /&gt;
Band 1 der Schriftenreihe der Gesellschaft für Bahä’i-Studien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In fünf ausgewählten Essays führt uns hier&lt;br /&gt;
der in jungen Jahren verstorbene&lt;br /&gt;
Baha’i-Historiker Kent Beveridge tief in die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Geschichte und beweist, daß&lt;br /&gt;
Geschichtsforschung und -darstellung&lt;br /&gt;
keineswegs trocken sein muß, sondern&lt;br /&gt;
durchaus spannend sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen von Graf Prokesch von&lt;br /&gt;
Osten, dem österreichischen Gesandten an der Hohen&lt;br /&gt;
Pforte, zum Schutze Bahä’u’llähs vor der drohenden&lt;br /&gt;
Verbannung von Adrianopel nach ‘Akkä sind Gegen-&lt;br /&gt;
stand der Nachforschungen im ersten Essay. Prokesch&lt;br /&gt;
hatte durch Comte de Gobineau vom Schicksal der&lt;br /&gt;
Bábi erfahren und war fasziniert von den metaphysi-&lt;br /&gt;
schen Lehren des Báb. Der mühsam recherchierte und&lt;br /&gt;
transkribierte Briefwechsel zwischen Prokesch von&lt;br /&gt;
Osten, seinem Konsul in Adrianopel und Gobineau läßt&lt;br /&gt;
die Schlußfolgerung des Autors zu, daß die Bemühun-&lt;br /&gt;
gen der europäischen Diplomaten wenigstens für die&lt;br /&gt;
Gefährten Bahä’u’llähs ein schlimmeres Schicksal ab-&lt;br /&gt;
wendete. Der zweite Essay ähnelt einer Detektivge-&lt;br /&gt;
schichte. Beveridge schildert hier seine erfolgreiche Su-&lt;br /&gt;
che nach der bis dato unbekannten Identität der beiden&lt;br /&gt;
Schiffe, die Bahä’u’lläh im Zuge jener Verbannung&lt;br /&gt;
von Gallipoli nach Haifa trugen. Ein dritter Essay zeich-&lt;br /&gt;
net — für einen Amerikaner bewundernswert einfühl-&lt;br /&gt;
sam — das Lebens- und Charakterbild von Kaiser Franz&lt;br /&gt;
Joseph I. von Österreich, an den Bahä’u’lläh im Kitab-i-&lt;br /&gt;
Agdas mahnende Worte richtete. Auch der vierte Bei-&lt;br /&gt;
trag (»Österreich und der Bábi/Bahä’i-Glaube vor 1900«)&lt;br /&gt;
zeichnet ein eindrucksvolles Bild vom Geist jener Epo-&lt;br /&gt;
che und enthält übrigens in voller Länge den bekannten&lt;br /&gt;
Bericht des schweizerisch-österreichischen Haupt-&lt;br /&gt;
manns über die 1852 verübten Greuel an den Bábi. Im&lt;br /&gt;
letzten Beitrag schließlich forscht Beveridge nach den&lt;br /&gt;
ersten Anfängen der Bahä’i-Gemeinde in Wien, die&lt;br /&gt;
sich zum Teil als kurios und amüsant erweisen. Er&lt;br /&gt;
schildert in interessanten Details auch den Besuch&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahás in Wien und die ersten Beziehungen der&lt;br /&gt;
jungen Gemeinde zur deutschen Muttergemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Österreich-Bezug der Essays erweist sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rasch als bloß vordergründig. Vielmehr entsteht zum&lt;br /&gt;
einen das Bild des gesamteuropäischen Machtgefü-&lt;br /&gt;
ges, vor dem sich der bevorstehende Zusammenbruch&lt;br /&gt;
des Osmanischen Reiches bereits als unausweichlich&lt;br /&gt;
abzeichnete und das sich als bestimmend für das&lt;br /&gt;
Schicksal Bahä’u’llähs erweist, sowie das Schauspiel&lt;br /&gt;
zentraleuropäischen Machtgerangels, das die bevorste-&lt;br /&gt;
hende Katastrophe ahnen läßt. An Kaiser Franz Jo-&lt;br /&gt;
seph wird die Engstirnigkeit traditionsverhafteten&lt;br /&gt;
Denkens sichtbar, das damals die Herrscher Europas&lt;br /&gt;
beseelte, weitab von jenem menschheitsumfassenden&lt;br /&gt;
Denken, zu dem Bahä’u’lläh sie aufrief. Die Tragik&lt;br /&gt;
bestand unter diesem Aspekt in der langen, 68jähri-&lt;br /&gt;
gen Regierungszeit Franz Josephs, dem es schließlich&lt;br /&gt;
vorbehalten blieb, das Pulverfaß Europa 1914 anzu-&lt;br /&gt;
zünden. Zum anderen wird deutlich, daß die Sache&lt;br /&gt;
des Báb und Bahä’u’llähs schon im 19. Jahrhundert&lt;br /&gt;
aufsehenerregendes Thema von Salongesprächen in&lt;br /&gt;
führenden europäischen Kreisen war. Dies wirft ein&lt;br /&gt;
bedeutsames Licht auf die Äußerung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
daß Seine Sache bereits zu Seinen Lebzeiten dazu an-&lt;br /&gt;
getan war, die ganze Erde zu umfassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzählt wird auf drei Ebenen. Vor dem Hinter-&lt;br /&gt;
grund der politischen Ereignisse in Europa und im Vor-&lt;br /&gt;
deren Orient und der überlieferten Bahä’i-Geschichte&lt;br /&gt;
präsentiert der Autor Fakten und Einzelschicksale als&lt;br /&gt;
Ergebnisse seiner Recherchen und läßt so ein unge-&lt;br /&gt;
mein plastisches Bild entstehen, das den Leser gerade-&lt;br /&gt;
zu zum Zeitzeugen werden läßt. Sachlichkeit, Genauig-&lt;br /&gt;
keit der Schilderung und Knappheit charakterisieren&lt;br /&gt;
den Erzählstil und lassen dennoch oder gerade deshalb&lt;br /&gt;
die Liebe des Autors zu seinem Forschungsgegenstand&lt;br /&gt;
spüren. Dies erinnert an sein großes Vorbild als For-&lt;br /&gt;
scher, Hasan Balyüzi, und stellt ihn in dieser Hinsicht&lt;br /&gt;
- ohne allzu große Übertreibung - in eine Reihe mit&lt;br /&gt;
diesem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Fülle von Fußnoten und einem ange-&lt;br /&gt;
fügten Glossar geographischer Begriffe wird dem histo-&lt;br /&gt;
risch interessierten Leser zusätzlich reiches Wissen ge-&lt;br /&gt;
boten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Hampel-Waffenthal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 67 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_66/Text&amp;diff=75364</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 66/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=1}}{{ocr}}150 Jahre&lt;br /&gt;
Erklärung des Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
90 Jahre&lt;br /&gt;
Baha i-Religion&lt;br /&gt;
in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitschrift&lt;br /&gt;
für Religion und Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 66 / Dezember 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sieben Täler&lt;br /&gt;
der Ehe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Natur kann ohne&lt;br /&gt;
uns leben, aber wir&lt;br /&gt;
nicht ohne sie&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=2}}INHALI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
150 Jahre Erklärung des Báb .............cneee. 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festvortrag von Mehdi Vargä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
90 Jahre Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Deutschland ................000000000000000000000000 00000000000)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Abriß der deutschen Bahä’i-Geschichte&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sieben Täler der Ehe.....................srssrrreeee 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung über die Sinngebung&lt;br /&gt;
von Ehe und Partnerschaft&lt;br /&gt;
Gunther Hübner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Zukunft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Menschheit.........ccssseseesoononesssessnssesensensensenene 2O&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus einer Predigt,&lt;br /&gt;
die Prof. Dr. Levi Herzfeld&lt;br /&gt;
im Jahre 1871 in Braunschweig hielt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Natur kann ohne uns leben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber wir nicht ohne sie..........0...0000e000r000sse0n0n0000 33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thesen des Physikers&lt;br /&gt;
Hans-Peter Dürr / Global Challenges Network&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
Heft 66&lt;br /&gt;
Dezember 1994&lt;br /&gt;
22. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’t-Briefe&lt;br /&gt;
wollen eine intensive&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
fördern und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage&lt;br /&gt;
zeitgemäßen Denkens&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit&lt;br /&gt;
allen beitragen, die&lt;br /&gt;
sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’f in Deutschland&lt;br /&gt;
e.V,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jörg Krombach,&lt;br /&gt;
Wolfgang Peter Löhndorf,&lt;br /&gt;
Bijan Sobhani, Uwe Still,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe, Redaktion,&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge&lt;br /&gt;
stellen nicht notwendig die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
erscheinen halbjährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis&lt;br /&gt;
für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
35,- DM.&lt;br /&gt;
Einzelpreis 9,80 DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb und Bestellungen:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 1994&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=3}}Baha’ı&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1994 konnte&lt;br /&gt;
die deutsche Baha’t-&lt;br /&gt;
Gemeinde gleich auf&lt;br /&gt;
mehrere bedeutende&lt;br /&gt;
Ereignisse zurück-&lt;br /&gt;
blicken, die sich in De-&lt;br /&gt;
kaden jährten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das herausragende&lt;br /&gt;
Ereignis der 150-jähri-&lt;br /&gt;
gen Wiederkehr der&lt;br /&gt;
Geburt der Baha’i-&lt;br /&gt;
Offenbarung wurde am&lt;br /&gt;
23. Mai 1994 am Eu-&lt;br /&gt;
ropäischen Bahä’i-&lt;br /&gt;
Haus der Andacht in Hofheim-Langenhain fest-&lt;br /&gt;
lich begangen. In der Nacht zum 23. Mai 1844&lt;br /&gt;
hatte der Bab in Shiraz Seinem ersten Jünger&lt;br /&gt;
gegenüber Seine Sendung als Gottesoffenbarer&lt;br /&gt;
erklärt. Der Festvortrag von Dr. Mehdi Vargä&lt;br /&gt;
ist in dieser Ausgabe abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 brachte der deutschstämmige&lt;br /&gt;
Zahnarzt Dr. Edwin Fischer die Botschaft&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs von Amerika in sein Heimatland.&lt;br /&gt;
Ein Artikel dieser Ausgabe ist der Entwicklung&lt;br /&gt;
der deutschen Baha’i-Gemeinde seit ihrem Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ginn vor 90 Jahren ge-&lt;br /&gt;
widmet. — Einen Höhe-&lt;br /&gt;
punkt der deutschen&lt;br /&gt;
Baha’i-Geschichte stellt&lt;br /&gt;
die Errichtung des&lt;br /&gt;
Europäischen Baha’i-&lt;br /&gt;
Hauses der Andacht dar,&lt;br /&gt;
dessen 30-jährigem Be-&lt;br /&gt;
stehen in diesem Jahr&lt;br /&gt;
ebenfalls gedacht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei weitere Beiträge im&lt;br /&gt;
Überblick:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Eine Betrachtung der »Sieben Täler«&lt;br /&gt;
Bahd’u’llähs im Hinblick auf die geistige&lt;br /&gt;
Entwicklung in der Ehe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Die Vision eines Rabbiners aus dem letz-&lt;br /&gt;
ten Jahrhundert über die Zukunft der&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Ein Artikel des Physikers Hans-Peter Dürr&lt;br /&gt;
über die Beziehung des Menschen zur Natur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=4}}Mehdi Vargd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
150 Jahre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erklärung des Bab&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festvortra&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DROLABDREHERCHIENOIRERN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird in der Bahä’i-Welt der&lt;br /&gt;
150. Jahrestag eines besonders großen Er-&lt;br /&gt;
eignisses gefeiert, das in der Geschichte&lt;br /&gt;
unseres universalen, religiösen Zyklus oh-&lt;br /&gt;
negleichen ist. Vor 150 Jahren, am Vor-&lt;br /&gt;
abend des 23. Mai 1844, wurde in Shiraz&lt;br /&gt;
jene neue Ära eröffnet, deren Kommen&lt;br /&gt;
Hauptgegenstand der Prophezeiungen und&lt;br /&gt;
Erwartungen aller früheren Offenbarungen&lt;br /&gt;
war. Der Ablauf jenes denkwürdigen&lt;br /&gt;
Abends stellt eines der herzbewegenden&lt;br /&gt;
Kapitel dar, die der unsterbliche Nabil in&lt;br /&gt;
seiner Chronik der frühen Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
schichte aufgezeichnet hat. Ein 25-jähriger&lt;br /&gt;
junger Mann, der Sich Báb nannte, erklärte&lt;br /&gt;
in Seinem kleinen und entzückenden Haus&lt;br /&gt;
gegenüber einem jungen Sucher Seine gött-&lt;br /&gt;
liche Sendung. Letzterer hatte sich gemäß&lt;br /&gt;
dem letzten Willen seines hochgeschätzten&lt;br /&gt;
Meisters auf die Suche nach dem verheiße-&lt;br /&gt;
nen Qä’im gemacht und war unwidersteh-&lt;br /&gt;
lich nach Shiräz gezogen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche große Bedeutung jener&lt;br /&gt;
Abend des 22. Mai für die Bahä’i-Welt hat,&lt;br /&gt;
geht vor allem aus dem Inhalt eines Verses&lt;br /&gt;
unseres heiligsten Buches, des Kitab-i-&lt;br /&gt;
Agdas, hervor, laut dem die Erklärung des&lt;br /&gt;
Báb gemeinsam mit der öffentlichen Erklä-&lt;br /&gt;
rung von Bahä’u’lläh am 1. Ridvän 1863&lt;br /&gt;
als »die größten Feste«! bezeichnet worden&lt;br /&gt;
waren, in denen alle Feste ihre Vollendung&lt;br /&gt;
erreicht haben. Mit der Erklärung des Báb&lt;br /&gt;
wurden sowohl die biblischen als auch die&lt;br /&gt;
islamischen Prophezeiungen, die sich auf&lt;br /&gt;
das Jahr 1844 n.Chr. bzw. auf das Jahr 1260&lt;br /&gt;
n.H. bezogen, erfüllt. Gleichzeitig wurde&lt;br /&gt;
der 6000-jährige Zyklus, der mit der Sen-&lt;br /&gt;
dung Adams begann und mit jener Muham-&lt;br /&gt;
mads endete, abgeschlossen und eine neue&lt;br /&gt;
Ära, die Ära der Erfüllung eröffnet: Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am 23. Mai 1994 in Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERFRERERET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anbruch des »Tages Gottes« und das Er-&lt;br /&gt;
scheinen des Verheißenen aller Zeitalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die göttliche Mission des Báb war&lt;br /&gt;
eine zweifache: Zum einen hatte Er als&lt;br /&gt;
Offenbarer eine eigenständige Religion zu&lt;br /&gt;
stiften, die zwölf Jahrhunderte alten islami-&lt;br /&gt;
schen Gesetze aufzuheben und an ihrer statt&lt;br /&gt;
neue einzuführen. Zum anderen hatte Er als&lt;br /&gt;
Vorbote einer noch größeren Offenbarung&lt;br /&gt;
zu wirken und den Weg für das Kommen&lt;br /&gt;
dessen, »den Gott offenbaren wird«, zu eb-&lt;br /&gt;
nen. Diesen zweifachen Aspekt der Sen-&lt;br /&gt;
dung des Báb hat Bahä’u’lläh in zahlrei-&lt;br /&gt;
chen Tablets gewürdigt. So schreibt Er:&lt;br /&gt;
»Betrachte mit deinem inneren Auge die&lt;br /&gt;
Kette der aufeinanderfolgenden Offenba-&lt;br /&gt;
rungen, die die Manifestation Adams mit&lt;br /&gt;
der des Báb verbindet. Ich bezeuge vor&lt;br /&gt;
Gott, daß jede dieser Manifestationen durch&lt;br /&gt;
das Wirken des göttlichen Willens und&lt;br /&gt;
Heilsplanes herabgesandt wurde, daß jede&lt;br /&gt;
Träger einer besonderen Botschaft war, daß&lt;br /&gt;
jede mit einem göttlich offenbarten Buch&lt;br /&gt;
betraut und beauftragt war, die Geheimnis-&lt;br /&gt;
se einer machtvollen Tafel zu enthüllen.«”&lt;br /&gt;
Und weiter heißt es in einem anderen Ta-&lt;br /&gt;
blet: »Die Verse, die Wir offenbart haben,&lt;br /&gt;
sind so zahlreich wie jene, die in der vor-&lt;br /&gt;
angegangenen Offenbarung auf den Báb&lt;br /&gt;
herabgesandt wurden.«&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihn als Herold Seiner eigenen Of-&lt;br /&gt;
fenbarung ansprechend schreibt Bahä-&lt;br /&gt;
&amp;quot;u’lläh: »Preis sei Gott, Der den Punkt of-&lt;br /&gt;
fenbarte und aus Ihm die Kenntnis aller&lt;br /&gt;
Dinge, der vergangenen wie der künftigen,&lt;br /&gt;
entfaltete — einen Punkt, den Er zum He-&lt;br /&gt;
rold Seines Namens erkor und zum Vorbo-&lt;br /&gt;
ten Seiner großen Offenbarung, welche der&lt;br /&gt;
ganzen Menschheit die Glieder erbeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Il  Bahä’u’lläh, The Kitäb-i-Agdas, Bahä’i World Centre, Haifa 1992, Vers 110, S. 59&lt;br /&gt;
2 Bahä’u’lläh, Ährenlese, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 3. rev. Aufl. 1980, Vers 31, S. 69&lt;br /&gt;
3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a.a.O., Vers 121:9, S. 226&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=5}}und Sein Licht in vollem Glanz über dem&lt;br /&gt;
Horizont der Welt erstrahlen ließ.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb erfüllte beide Aspekte Sei-&lt;br /&gt;
ner Mission mit Entschlossenheit und in&lt;br /&gt;
vollkommener Weise, trotz der von Gott&lt;br /&gt;
vorherbestimmten äußerst kurzen Dauer&lt;br /&gt;
Seiner Sendung und ungeachtet der hart-&lt;br /&gt;
näckigen Widerstände der Gegner.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh bestätigt dies im Buch der Ge-&lt;br /&gt;
wißheit: »Könnte so etwas zutage treten&lt;br /&gt;
ohne die Kraft einer göttlichen Offenbarung&lt;br /&gt;
und ohne das Walten von Gottes unbesiegli-&lt;br /&gt;
chem Willen? Bei der Gerechtigkeit Gottes!&lt;br /&gt;
Würde jemand eine so große Offenbarung&lt;br /&gt;
in seinem Herzen hegen, so würde allein&lt;br /&gt;
der Gedanke daran ihn alsbald vernichten!&lt;br /&gt;
Würden sich die Herzen aller Menschen in&lt;br /&gt;
seinem Herzen vereinen, so würde er den-&lt;br /&gt;
noch zögern, ein so erhabenes Unterfangen&lt;br /&gt;
zu wagen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat die Person des Báb&lt;br /&gt;
als »König der Gottesboten«, als »das Meer&lt;br /&gt;
der Meere« und als den »Punkt, um den sich&lt;br /&gt;
die Wirklichkeiten der Propheten drehen«,&lt;br /&gt;
verehrt und die Erhabenheit Seiner Offen-&lt;br /&gt;
barung im Buch der Gewißheit folgender-&lt;br /&gt;
maßen dargelegt: »Kein Verstand kann die&lt;br /&gt;
Natur Seiner Offenbarung begreifen, noch&lt;br /&gt;
kann irgendeine Erkenntnis das volle Maß&lt;br /&gt;
Seines Glaubens fassen... Er ist der Offen-&lt;br /&gt;
barer der göttlichen Geheimnisse und der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erklärer der verborgenen, altehrwürdigen&lt;br /&gt;
u 6&lt;br /&gt;
Weisheit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zitiert den Imäm Sadiq aus einer&lt;br /&gt;
Sammlung schiitischer Überlieferungen&lt;br /&gt;
über das Kommen des verheißenen Qa’im&lt;br /&gt;
und fährt folgendermaßen fort: »Bedenke:&lt;br /&gt;
Er (der Imäm) hat dargelegt, daß das Wis-&lt;br /&gt;
sen aus siebenundzwanzig Buchstaben be-&lt;br /&gt;
steht und daß alle Propheten von Adam bis&lt;br /&gt;
zum »Siegel&amp;lt; nur zwei Buchstaben davon&lt;br /&gt;
erklärt haben und mit diesen zwei Buch-&lt;br /&gt;
staben herabgesandt wurden. Und er sagt&lt;br /&gt;
dazu, daß der Qä’im alle übrigen fünfund-&lt;br /&gt;
zwanzig Buchstaben enthüllen werde.«’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand kann leugnen, daß in die-&lt;br /&gt;
sem Zeitalter eine Vielzahl der verborgenen&lt;br /&gt;
Geheimnisse der Natur enthüllt wurden und&lt;br /&gt;
daß der Menschheit, vor allem im Bereich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Wissenschaft und Technik, durch er-&lt;br /&gt;
staunliche Entdeckungen und Erfindungen&lt;br /&gt;
eine wunderbare Ära eröffnet worden ist.&lt;br /&gt;
Aber nur die mit Einsicht begabten Men-&lt;br /&gt;
schen können bezeugen, daß diese unglaub-&lt;br /&gt;
lichen Errungenschaften allein durch den&lt;br /&gt;
Impuls der göttlichen Offenbarung erreicht&lt;br /&gt;
worden sind. Als Samuel Morse 1844 die&lt;br /&gt;
erste Telegrafenverbindung in Betrieb&lt;br /&gt;
nahm und den biblischen Spruch »Was hat&lt;br /&gt;
Gott bewirkt?« durch den Draht nach Eu-&lt;br /&gt;
ropa sandte, konnte niemand ahnen, daß&lt;br /&gt;
seine für jene Zeit sensationelle Erfindung&lt;br /&gt;
nur der Auftakt zu weiteren, ungeahnten&lt;br /&gt;
Erfindungen sein würde, denen gegenüber&lt;br /&gt;
sich der Mors’sche Telegraf als ein Kinder-&lt;br /&gt;
spielzeug erweisen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde schon erwähnt, daß&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh die Person des Báb als »König&lt;br /&gt;
der Gottesboten« bezeichnet hat. Die Be-&lt;br /&gt;
deutung dieser höchst erhabenen Bezeich-&lt;br /&gt;
nung wird uns klar, wenn wir uns anhand&lt;br /&gt;
der Geschichte unseres Glaubens die be-&lt;br /&gt;
rühmten Persönlichkeiten, die das Nahen&lt;br /&gt;
der Stunde der Offenbarung des Báb ver-&lt;br /&gt;
kündeten, den hohen Rang Seiner Jünger&lt;br /&gt;
und die Vielzahl der namhaften Gelehrten,&lt;br /&gt;
die sich zu Ihm bekannten, desweiteren die&lt;br /&gt;
zahlreichen Werke, die aus Seiner Feder&lt;br /&gt;
offenbart wurden, und nicht zuletzt die Er-&lt;br /&gt;
füllung der Mission, zu der Er herabge-&lt;br /&gt;
sandt worden war, ins Gedächtnis rufen,&lt;br /&gt;
ganz abgesehen davon, daß Er von beiden&lt;br /&gt;
Elternteilen her ein Abkomme Muham-&lt;br /&gt;
mads, des letzten Gliedes des propheti-&lt;br /&gt;
schen Zyklus, war und aus einer vorneh-&lt;br /&gt;
men Familie stammte, die in der ganzen&lt;br /&gt;
Provinz bekannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verkünder Seines Kommens&lt;br /&gt;
waren die beiden heiligen Seelen Shaykh&lt;br /&gt;
Ahmad und Siyyid Käzim, von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
als die »beiden strahlenden Zwillingslich-&lt;br /&gt;
ter« bezeichnet. Sie zählten zu den namhaf-&lt;br /&gt;
ten, frommen und einflußreichen Gelehrten&lt;br /&gt;
des Islam, die durch göttliche Vorsehung&lt;br /&gt;
dazu berufen waren, die islamischen heili-&lt;br /&gt;
gen Verse in bezug auf die neue Manifesta-&lt;br /&gt;
tion zu erklären und den Weg zum baldigen&lt;br /&gt;
Kommen des WVerheißenen zu ebnen.&lt;br /&gt;
Shaykh Ahmad stammte aus Ahsä, einer&lt;br /&gt;
Insel im Süden des persischen Golfes. Von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4  Bahä’u’lläh, Botschaften aus &#039;Akkd, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1982, Tablet Ishrägät, Vers 6, S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
122&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5  Bahä’u’lläh, Das Buch der Gewißheit, Frankfurt am Main: Bahä’i-Verlag, 2. Aufl. 1969, S. 152f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 a.a.O.,S. 160&lt;br /&gt;
7 2.4.0.8. 160f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=6}}{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=7}}seiner Geburtsort siedelte er in den Irak&lt;br /&gt;
über und war dort als einer der hervorra-&lt;br /&gt;
genden Lehrer und autorisierten Ausleger&lt;br /&gt;
der islamischen Schriften anerkannt. Später&lt;br /&gt;
kam er, unter der Regierung von Fath-‘Ali&lt;br /&gt;
Shäh nach Persien und wurde von diesem&lt;br /&gt;
nach Teheran eingeladen. Dabei befahl der&lt;br /&gt;
Schah den Würdenträgern des Hofes und&lt;br /&gt;
der Prominenz der Hauptstadt, dem Shaykh&lt;br /&gt;
zum Empfang entgegenzugehen und ihn im&lt;br /&gt;
Namen des Königs willkommen zu heißen.&lt;br /&gt;
Er besuchte ihn auch persönlich und be-&lt;br /&gt;
zeichnete ihn als »Rum der Nation« und als&lt;br /&gt;
die »Zierde seines Volkes«. Der andere&lt;br /&gt;
»Lichtstrahl der Führung«, der dazu beru-&lt;br /&gt;
fen worden war, die bevorstehende göttli-&lt;br /&gt;
che Offenbarung zu verkünden, war Siyyid&lt;br /&gt;
Käzim aus der Stadt Rascht im Norden&lt;br /&gt;
Persiens, berühmt für seine hohe Tugend&lt;br /&gt;
und Gelehrsamkeit. Er war von Shaykh&lt;br /&gt;
Ahmad als sein Nachfolger für die Unter-&lt;br /&gt;
weisung und Betreuung seiner Schüler aus-&lt;br /&gt;
erwählt worden. Ihm wurde auch das große&lt;br /&gt;
Vorrecht zuteil, dem Báb zweimal persön-&lt;br /&gt;
lich zu begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein besonderes Merkmal, das die&lt;br /&gt;
Erhabenheit und die hohe Stufe des Báb&lt;br /&gt;
charakterisiert, ist der Persönlichkeit Seiner&lt;br /&gt;
Jünger, deren Stufe Bahä’u’lläh mit der&lt;br /&gt;
Stufe der heiligen Imäme des Islam gleich-&lt;br /&gt;
gestellt hat, und dem überwiegenden Teil&lt;br /&gt;
Seiner frühen Gläubigen zu entnehmen.&lt;br /&gt;
Wie die Geschichte der früheren Religionen&lt;br /&gt;
bestätigt, waren es bisher in jedem Zeitalter&lt;br /&gt;
immer ein paar einfache Seelen aus dem&lt;br /&gt;
niederen Stand der Gesellschaft gewesen,&lt;br /&gt;
die als erste die Manifestation Gottes aner-&lt;br /&gt;
kannt hatten, während die angesehenen und&lt;br /&gt;
hochgebildeten Leute, allen voran die&lt;br /&gt;
Geistlichen, die die Führung des Volkes&lt;br /&gt;
innehatten, sich die Gnade Gottes entgehen&lt;br /&gt;
ließen und sich dem neuen Glauben sogar&lt;br /&gt;
hartnäckig widersetzten. Nicht so in der&lt;br /&gt;
Sendung des Báb. Zu Seinen Jüngern und&lt;br /&gt;
zur Schar Seiner Anhänger zählten namhaf-&lt;br /&gt;
te Gelehrte ihrer Zeit und zum Teil angese-&lt;br /&gt;
hene und anerkannte Geistliche des Islam.&lt;br /&gt;
Unter ihnen waren die unsterbliche Dichte-&lt;br /&gt;
rin und Lehrerin Tähirih, die von ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä als ein »Feuerbrand, der von der Liebe&lt;br /&gt;
Gottes entfacht war« bezeichnet worden ist,&lt;br /&gt;
oder Mullä Husayn, der erste Gläubige des&lt;br /&gt;
Báb und von Ihm als Báb-ul-Báb benannt,&lt;br /&gt;
der wagte, seine Anerkennung der göttli-&lt;br /&gt;
chen Offenbarung des Báb von dessen Ant-&lt;br /&gt;
wort zu jenen Themen abhängig zu machen,&lt;br /&gt;
die er sich als Maßstab für die Wahrheit des&lt;br /&gt;
Anspruchs des Báb ausgedacht hatte. Eben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so Mullä Muhammad-‘Ali, der hochge-&lt;br /&gt;
schätzte Schüler von Siyyid Käzim, der&lt;br /&gt;
einzige Begleiter des Báb bei Seiner Pilger-&lt;br /&gt;
fahrt nach Mekka, dem Bahä’u’lläh später&lt;br /&gt;
den Beinamen »Quddüs« gab. Siyyid&lt;br /&gt;
Yahyäy-i-Däräbi mit dem Titel »Vahid«&lt;br /&gt;
(der Unvergleichliche) war eine andere Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeit von Rang und genoß wegen&lt;br /&gt;
seiner Gelehrsamkeit besonderen Respekt&lt;br /&gt;
am Hofe Muhammad Shähs. Er war es, der&lt;br /&gt;
im Auftrag des Schahs nach Shiraz ging,&lt;br /&gt;
um die Richtigkeit des Anspruchs des Báb&lt;br /&gt;
zu prüfen und dem Schah zu berichten.&lt;br /&gt;
Doch nach den Unterredungen, die er mit&lt;br /&gt;
dem Báb führte, nahm er Seinen Glauben&lt;br /&gt;
an und kehrte nicht mehr an den Hof zu-&lt;br /&gt;
rück. Eine andere bedeutende Persönlich-&lt;br /&gt;
keit unter den Anhängern des Báb war&lt;br /&gt;
Mullä Muhammad ‘Ali, der später von ihm&lt;br /&gt;
»Hujjat« (der Beweis) genannt wurde. Er&lt;br /&gt;
stammte aus der Stadt Zanjän, stand fort-&lt;br /&gt;
während im theologischen Widerstreit mit&lt;br /&gt;
der islamischen Geistlichkeit und kritisierte&lt;br /&gt;
die religiösen Führer des Landes ganz of-&lt;br /&gt;
fen. Als er vom Anspruch des Báb hörte,&lt;br /&gt;
der verheißene Qa’im zu sein, schickte er&lt;br /&gt;
einen seiner Schüler nach Shiräz, damit&lt;br /&gt;
dieser den Anspruch prüfe. Nachdem er&lt;br /&gt;
über die Erlebnisse seines Schülers bei des-&lt;br /&gt;
sen Begegnung mit dem Báb hörte und&lt;br /&gt;
nachdem er bloß einen flüchtigen Blick auf&lt;br /&gt;
das Buch Oayyumu’l-Asmä geworfen hatte,&lt;br /&gt;
das dieser aus Shiräz mitgebracht hatte,&lt;br /&gt;
nahm er ohne Zögern den Glauben an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarung des Báb fand un-&lt;br /&gt;
ter der Bevölkerung Persiens einen solchen&lt;br /&gt;
Widerhall, daß sich in kürzester Zeit meh-&lt;br /&gt;
rere tausend Seelen, hauptsächlich aus dem&lt;br /&gt;
Kreis der anerkannten Gelehrten, zu Ihm&lt;br /&gt;
bekannten. Unter Einsatz all ihrer Kräfte&lt;br /&gt;
bewirkten sie die rasche Verbreitung Seiner&lt;br /&gt;
Sache, erlitten schließlich auf ihrem Pfade&lt;br /&gt;
den Märtyrertod und bezeugten auf diese&lt;br /&gt;
Weise die Wahrheit der Bábi-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Beweis für die Erha-&lt;br /&gt;
benheit der Sendung des Báb ist der Um-&lt;br /&gt;
fang der Werke, die im sechsjährigen Zeit-&lt;br /&gt;
raum zwischen Seiner Erklärung und Sei-&lt;br /&gt;
nem Märtyrertod aus Seiner Feder flossen:&lt;br /&gt;
Abhandlungen, Kommentare, Gebete, Ge-&lt;br /&gt;
setze sowie zahlreiche Sendschreiben an&lt;br /&gt;
die zeitgenössischen Geistlichen in jeder&lt;br /&gt;
Stadt Persiens, an den Sharif von Mekka&lt;br /&gt;
und auch an den persischen König. Diesen&lt;br /&gt;
unübertrefflichen Vorzug der Sendung des&lt;br /&gt;
Báb hat Bahä’u’lläh im Buch der Gewißheit&lt;br /&gt;
folgendermaßen bestätigt: »Die Propheten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=8}}8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die &amp;gt;»mit Beständigkeit begabt« sind, deren&lt;br /&gt;
Erhabenheit und Herrlichkeit klar wie die&lt;br /&gt;
Sonne leuchten, wurden alle mit einem&lt;br /&gt;
Buch ausgezeichnet, das alle gesehen haben&lt;br /&gt;
und dessen Verse regelrecht festgesetzt&lt;br /&gt;
sind. Die Verse aber, die aus dieser Wolke&lt;br /&gt;
göttlicher Gnade geströmt sind, waren so&lt;br /&gt;
überreichlich, daß noch niemand imstande&lt;br /&gt;
war, ihre Zahl zu schätzen. Wohl zwanzig&lt;br /&gt;
Bände sind jetzt zur Hand. Doch wie viele&lt;br /&gt;
bleiben uns noch unerreichbar! Wie viele&lt;br /&gt;
sind geraubt worden und in die Hände der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottlosen gefallen, und niemand kennt ihr&lt;br /&gt;
Schicksal.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Offenbarung des Báb ging&lt;br /&gt;
der sogenannte »immerwährende Bund«,&lt;br /&gt;
den Gott in jedem Zeitalter durch Seinen&lt;br /&gt;
Propheten mit den Menschen zu schließen&lt;br /&gt;
wünscht, in Erfüllung. Den sogenannten&lt;br /&gt;
»größeren Bund« schloß der Báb mit Sei-&lt;br /&gt;
nen Anhängern in bezug auf jene Offenba-&lt;br /&gt;
rung, die bei weitem größer und erhabener&lt;br /&gt;
sein würde, als die Seine. Auch in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht ist es äußerst charakteristisch, wie&lt;br /&gt;
der Báb auf die nächste Manifestation Got-&lt;br /&gt;
tes eingegangen ist. An zahlreichen Stellen&lt;br /&gt;
Seiner Schriften, die während der letzten&lt;br /&gt;
drei Jahre Seines Lebens, als Er in Mäh-Kü&lt;br /&gt;
und Chihrig gefangengesetzt war, Seiner&lt;br /&gt;
Feder entströmten, weist Er mit einer unge-&lt;br /&gt;
mein eindeutigen und klaren Sprache auf&lt;br /&gt;
das Kommen dessen hin, »den Gott offen-&lt;br /&gt;
baren wird«, und warnt die Gesamtheit Sei-&lt;br /&gt;
ner Anhänger, nicht so zu handeln, wie das&lt;br /&gt;
Volk des Qur’än an Ihm gehandelt hatte.&lt;br /&gt;
Den Zeitpunkt des Erscheinens des Herrn&lt;br /&gt;
des Tages des Gerichts setzt Er selbst ganz&lt;br /&gt;
klar mit dem Ende von Vahid (19) und dem&lt;br /&gt;
Beginn von 80 (1280 n.H./ 1863 n.Chr.)&lt;br /&gt;
fest. Er erklärt, daß alles, was im Bayän&lt;br /&gt;
offenbart worden ist, wie ein Ring an Seiner&lt;br /&gt;
Hand sei, während Er selbst nur ein Ring&lt;br /&gt;
an der Hand von jenem sei, »den Gott&lt;br /&gt;
offenbaren wird«. Er versichert auch eini-&lt;br /&gt;
gen Seiner Jünger, daß sie diese »Größte&lt;br /&gt;
Offenbarung« erleben würden. Im dritten&lt;br /&gt;
Vähid des Buches Bayän deutet Er auf den&lt;br /&gt;
Namen »Bahä’u’lläh« hin und auf die Ord-&lt;br /&gt;
nung, die dieser gründen wird. Obwohl Er&lt;br /&gt;
gemäß Seiner göttlichen Mission die Geset-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ze und Bestimmungen des Islam aufgeho-&lt;br /&gt;
ben und an deren statt neue Gesetze und&lt;br /&gt;
Verordnungen eingeführt hatte, machte Er&lt;br /&gt;
diese, ohne Vorbehalt, von der Annahme&lt;br /&gt;
dessen abhängig, »den Gott offenbaren&lt;br /&gt;
wird«, und stellt somit den anderen Aspekt&lt;br /&gt;
Seiner Sendung, nämlich den als Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, in den Vordergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gegenseitige Beziehung des&lt;br /&gt;
Báb und Bahä’u’llähs zueinander war ein-&lt;br /&gt;
zigartig und beispiellos in der Geschichte&lt;br /&gt;
der Religionen. Es fand keine persönliche&lt;br /&gt;
Begegnung zwischen beiden statt. Sie&lt;br /&gt;
standen nur durch Briefwechsel miteinan-&lt;br /&gt;
der in Verbindung. Der Báb ließ einerseits&lt;br /&gt;
in Seiner Eigenschaft als Religionsstifter,&lt;br /&gt;
der Seine Offenbarung bekanntzumachen&lt;br /&gt;
hat, durch Mullä Husayn auch Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
eine Schriftrolle zukommen, und so ge-&lt;br /&gt;
wann Er Ihn als einen eifrigen und ein-&lt;br /&gt;
flußreichen Verteidiger Seiner Sache. An-&lt;br /&gt;
dererseits gibt Er als dessen Vorbote Seiner&lt;br /&gt;
tiefsten Demut und Ergebenheit Ihm gegen-&lt;br /&gt;
über Ausdruck und erklärt, daß Er sich&lt;br /&gt;
gänzlich für Ihn geopfert habe, sich nach&lt;br /&gt;
nichts gesehnt habe, als nach dem Märty-&lt;br /&gt;
rertum auf dem Pfad Seiner Liebe, daß Er&lt;br /&gt;
der erste Diener sei, der an Ihn und Seine&lt;br /&gt;
Zeichen glaube.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Bahä’u’lläh legt, neben der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Bestätigung des einen Aspektes der Missi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
on des Báb als Sein Vorbote, besonderen&lt;br /&gt;
Wert auf den anderen, nämlich Dessen un-&lt;br /&gt;
abhängige, machtvolle Offenbarung. Er be-&lt;br /&gt;
zeichnet sie als die »Ihm vorausgegangene&lt;br /&gt;
Manifestation« und führt so beide Offenba-&lt;br /&gt;
rungen als eine Zwillingsmanifestation&lt;br /&gt;
Gottes zusammen. Um diese Realität an-&lt;br /&gt;
schaulich zu machen, wählte Er auch per-&lt;br /&gt;
sönlich die Stelle aus, an der die geheiligten&lt;br /&gt;
Gebeine des Báb auf dem Berg Karmel&lt;br /&gt;
beizusetzen sind und gab ‘Abdu’l-Bahá die&lt;br /&gt;
entsprechende Anweisung, diese Ruhestät-&lt;br /&gt;
te zu errichten — den Mittelpunkt, um den&lt;br /&gt;
sich die administrativen Einrichtungen des&lt;br /&gt;
Glaubens drehen und von dem die neue&lt;br /&gt;
Ordnung von Bahä’u’lläh überall hin in der&lt;br /&gt;
Welt ausströmen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 2. Aufl. 1974, S. 109&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
90 Jahre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’i-Religion&lt;br /&gt;
in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
En &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HRDRRINIHIENE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Abriß der deutschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u BEDDSERESUERESIC&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stuttgart im Jahre 1904: Ein Rei-&lt;br /&gt;
sender kommt an aus den Vereinigten Staa-&lt;br /&gt;
ten von Amerika. Er heißt Dr. Edwin Fi-&lt;br /&gt;
scher und stammt aus Ludwigsburg. In sei-&lt;br /&gt;
nem Gepäck hat er Bücher und in seinem&lt;br /&gt;
Herzen ein ganz besonderes Geschenk, das&lt;br /&gt;
er seiner alten Heimat bringen möchte: die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion. Dr. Fischer war Zahnarzt&lt;br /&gt;
und eröffnete in Stuttgart eine Praxis, deren&lt;br /&gt;
guter Ruf selbst die obersten Schichten er-&lt;br /&gt;
reichte. Aber Dr. Fischer wollte seine Pati-&lt;br /&gt;
enten nicht nur von leiblichen Übeln befrei-&lt;br /&gt;
en. Er erzählte Ihnen bei jeder Gelegenheit&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh und über die hohen Ziele&lt;br /&gt;
Seiner Lehren. Durch Dr. Fischer wurde&lt;br /&gt;
Deutschland das 23. Land der Erde, in dem&lt;br /&gt;
es Anhänger der Bahä’i-Religion gab —&lt;br /&gt;
genau 60 Jahre nach ihrem Beginn im Jahre&lt;br /&gt;
1844.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald befaßte sich in Stuttgart und&lt;br /&gt;
Umgebung ein Kreis interessierter Men-&lt;br /&gt;
schen intensiv mit diesem neuen Glauben.&lt;br /&gt;
1905 hielten Bahä’i aus Frankreich und&lt;br /&gt;
Amerika öffentliche Vorträge, und 1907&lt;br /&gt;
kam Frl. Alma Knobloch aus Washington,&lt;br /&gt;
um Dr. Fischer beim Aufbau der Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde zu helfen. 1909 gründeten die&lt;br /&gt;
Bahä’i einen »Selbstverlag der Bahä’i«, in&lt;br /&gt;
dem vor allem aus dem Französischen über-&lt;br /&gt;
setzte kleine Hefte erschienen, denn in Paris&lt;br /&gt;
war schon um die Jahrhundertwende die&lt;br /&gt;
erste Bahä’i-Gemeinde Europas entstan-&lt;br /&gt;
den. In einer Stuttgarter Zeitung vom&lt;br /&gt;
7.11.1910 stand darum zu lesen: »In Stutt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
cu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KERRIRRNN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Geschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ii&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gart haben sich die Anhänger der neuen&lt;br /&gt;
Religion zu einer »Bahä’i-Vereinigung«&amp;lt; zu-&lt;br /&gt;
sammengeschlossen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen um die Verbrei-&lt;br /&gt;
tung des neuen Glaubens wurden von&lt;br /&gt;
“Abdu’]-Bahä! durch liebevolle Briefe und&lt;br /&gt;
innige Gebete geistig geführt. “Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä kam 1911 nach Seiner Freilassung aus&lt;br /&gt;
der Gefangenschaft nach Europa. Er trug&lt;br /&gt;
besonders in Paris und London durch zahl-&lt;br /&gt;
reiche Vorträge zum Bekanntwerden des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens bei. Einige der Bahä’f aus&lt;br /&gt;
Deutschland waren nach London und Paris&lt;br /&gt;
gereist, um ‘Abdu’l-Bahá persönlich zu be-&lt;br /&gt;
gegnen. Sie baten Ihn inständig, auch nach&lt;br /&gt;
Deutschland zu kommen. “Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
fuhr jedoch zuvor nach Amerika. 1913 war&lt;br /&gt;
es aber so weit: Am 1. April kam Er aus&lt;br /&gt;
Paris mit dem Zug nach Stuttgart. Über-&lt;br /&gt;
glücklich stömten die Bahä’i zu Ihm ins&lt;br /&gt;
Hotel Marquardt. Seine innige Verbunden-&lt;br /&gt;
heit mit Deutschland hatte tiefe Wurzeln,&lt;br /&gt;
denn ‘Abdu’l-Bahá war mit den deutschen&lt;br /&gt;
Templern in Haifa seit langem befreundet”.&lt;br /&gt;
»Ich sehe eine Nation, welche die höchsten&lt;br /&gt;
Grade der Zivilisation erreicht hat«, sagte&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá. »Ich hoffe, daß das deutsche&lt;br /&gt;
Volk das Ziel des allgemeinen Friedens im&lt;br /&gt;
Auge behalten wird.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagte der deutschen Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde aufgrund ihrer geistigen Wirkungs-&lt;br /&gt;
kraft und ihrer geographischen Lage eine&lt;br /&gt;
bedeutende Zukunft voraus, wenn sie sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 *Abdu’l-Bahá, der Sohn des Stifters der Bahä’i-Religion und testamentarisch ernanntes Oberhaupt, war als&lt;br /&gt;
achtjähriger Junge mit Seinem Vater — Bahä’u’lläh, 1817-1892 — in die Verbannung gegangen, die sie&lt;br /&gt;
bis nach Palästina führte. Erst 1908 erhielt Er die Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Der Besuch ‘Abdu’l-Bahás wird ausführlich beschrieben in Hassan Balyuzi, ‘Abdu’I-Bahd, Bd.2,&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag 1984, und Werner Gollmer, Mein Herz ist bei euch, Bahä’i-Verlag 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3  Balyuzi, ‘Abdu’l-Bahá, Bd.2, S.751f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahas&lt;br /&gt;
Besuch in Stuttgart im&lt;br /&gt;
Jahre 1913&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um Einheit und die Verkündigung des Glau-&lt;br /&gt;
bens bemühe. Gleichzeitig deutete Er&lt;br /&gt;
schwere Zeiten und harte Prüfungen an und&lt;br /&gt;
ermahnte Seine Freunde, standhaft zu blei-&lt;br /&gt;
ben. Ganz besondere Zuneigung zeigte Er&lt;br /&gt;
den Kindern und besuchte ein Kinderfest in&lt;br /&gt;
Esslingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 15 Tagen, die Er insgesamt&lt;br /&gt;
in Stuttgart verbrachte, hatten die Bahä’i im&lt;br /&gt;
privaten wie im öffentlichen Rahmen einen&lt;br /&gt;
Intensivunterricht in den Bahä’i-Lehren er-&lt;br /&gt;
halten, der sie beflügelte und von dem sie&lt;br /&gt;
während zweier Weltkriege und des Verbots&lt;br /&gt;
des Glaubens in der Zeit des Nationalsozia-&lt;br /&gt;
lismus geistig zehrten. Während des Ersten&lt;br /&gt;
Weltkriegs waren bis auf wenige Veranstal-&lt;br /&gt;
tungen und Veröffentlichungen keine&lt;br /&gt;
großen Aktivitäten möglich. Gleich danach,&lt;br /&gt;
1919, wurde der »Selbstverlag der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Vereinigung« durch die Gründung des&lt;br /&gt;
»Verlags des Deutschen Bahä’i-Bundes&lt;br /&gt;
GmbH« abgelöst und gestärkt. Fast gleich-&lt;br /&gt;
zeitig wurde der »Deutsche Bahä’i-Bund«&lt;br /&gt;
gegründet. ‘Abdu’l-Bahá lobte dieses Vor-&lt;br /&gt;
gehen und schrieb zu der beabsichtigten&lt;br /&gt;
Zeitschrift dieses Bundes: »Gib ihr den Na-&lt;br /&gt;
men »Sonne der Wahrheit&amp;lt; und ihr Motto&lt;br /&gt;
sei: Einheit der Menschheit, universaler&lt;br /&gt;
Friede und universale Religion...«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte man sich eifrig um&lt;br /&gt;
öffentliche Veranstaltungen, interne Tref-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Sonne der Wahrheit, 1.Jg., Heft 1, S.3, März 1921&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fen und neue Publikationen. Da traf die&lt;br /&gt;
Nachricht vom Hinscheiden ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs die Bahä’i tief ins Herz. Sie trauer-&lt;br /&gt;
ten um Ihn, der sie so liebevoll umsorgt&lt;br /&gt;
und geführt hatte, und wandten sich ver-&lt;br /&gt;
trauensvoll dem von Ihm ernannten neuen&lt;br /&gt;
Oberhaupt des Glaubens, Shoghi Effendi,&lt;br /&gt;
zu. Der Aufbau der administrativen Ord-&lt;br /&gt;
nung begann unter seiner Führung mit der&lt;br /&gt;
ersten Wahl des »Rates der Neun« im Jah-&lt;br /&gt;
re 1922. Dieses Gremium ging 1923 in&lt;br /&gt;
den ersten »Nationalen Geistigen Rat der&lt;br /&gt;
Bahä’i in Deutschland und Österreich«&lt;br /&gt;
über und gilt als eines der drei ersten&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gremien dieser Art in der Welt (ne-&lt;br /&gt;
ben Indien, Pakistan und Burma sowie den&lt;br /&gt;
Britischen Inseln) — eine schöne Frucht&lt;br /&gt;
des Segens ‘Abdu’l-Bahás neun Jahre&lt;br /&gt;
nach Seinem Besuch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren war die&lt;br /&gt;
Gemeinde sehr aktiv. 1924 wurde erstmals&lt;br /&gt;
ein Bahä’f-Vortrag im Rundfunk gesendet.&lt;br /&gt;
Ab 1925 erschien die Kinderzeitschrift&lt;br /&gt;
»Rosengärtlein«. 1926 wurde in Stuttgart&lt;br /&gt;
ein Bahä’i-Büro eingerichtet, und der Ver-&lt;br /&gt;
lag brachte kontinuierlich neue Titel heraus.&lt;br /&gt;
1929 und 1930 besuchte Martha Root, eine&lt;br /&gt;
amerikanische Journalistin, die auf Vor-&lt;br /&gt;
tragsreisen für den Bahä’i-Glauben mehr-&lt;br /&gt;
mals die Erde umrundete, zwölf deutsche&lt;br /&gt;
Universitäten und sprach mit Professoren&lt;br /&gt;
und vor Studenten über die Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=11}}gion. In Esslingen war mit dem Bau eines&lt;br /&gt;
Bahä’i-Heimes begonnen worden, das 1931&lt;br /&gt;
eingeweiht wurde. Dort fand 1932 die erste&lt;br /&gt;
Bahä’i-Sommerschule auf dem europä-&lt;br /&gt;
ischen Kontinent statt. Neben dem Natio-&lt;br /&gt;
nalen Geistigen Rat waren sieben örtliche&lt;br /&gt;
Geistige Räte und etwa zwanzig Gruppen&lt;br /&gt;
gebildet worden, als das nationalsozialisti-&lt;br /&gt;
sche Regime zuschlug. Am 21. Mai 1937&lt;br /&gt;
wurden der Bahä’i-Glaube und seine Ver-&lt;br /&gt;
waltungseinrichtungen verboten, Bahä’i-&lt;br /&gt;
Bücher und Archivmaterial wurden be-&lt;br /&gt;
schlagnahmt. Verhöre, Verhaftungen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
öffentliche Prozesse folgten bis zum Juni&lt;br /&gt;
1944. Bahä’i jüdischer Abstammung wur-&lt;br /&gt;
den deportiert, Gefallene und Opfer von&lt;br /&gt;
Bombennächten waren zu beklagen. Die&lt;br /&gt;
von ‘Abdu’l-Bahá angedeuteten schweren&lt;br /&gt;
Zeiten waren eingetroffen, aber kein Bahä’i&lt;br /&gt;
verleugnete seinen Glauben. Als 1945 mit&lt;br /&gt;
der amerikanischen Besatzungsmacht auch&lt;br /&gt;
einige Bahä’i nach Deutschland kamen, er-&lt;br /&gt;
reichten sie mit viel Engagement, daß die&lt;br /&gt;
amerikanische Militärregierung zunächst&lt;br /&gt;
die Neuorganisation der Bahä’i in Stuttgart&lt;br /&gt;
gestattete. Weitere Gebiete folgten, so daß&lt;br /&gt;
1946 in Stuttgart wieder ein Nationaler Gei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stiger Rat gewählt werden konnte. Selbst in&lt;br /&gt;
Ost-Berlin, Rostock, Warnemünde, Schwe-&lt;br /&gt;
rin und Leipzig fanden die Bahä’i wieder&lt;br /&gt;
zusammen, leider aber nur für kurze Zeit.&lt;br /&gt;
Sie mußten sich bis zur Wiedervereinigung&lt;br /&gt;
gedulden und ausharren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Westdeutschland wurden die in-&lt;br /&gt;
ternationalen Verbindungen erneuert, und&lt;br /&gt;
die Bahä’i in Nordamerika, Großbritannien&lt;br /&gt;
und dem Iran unterstützten mit viel Liebe&lt;br /&gt;
und praktischer Hilfe den Wiederaufbau der&lt;br /&gt;
Gemeinden und administrativen Gremien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Deutschland. Die Bahä’i-Jugend spielte&lt;br /&gt;
dabei eine sehr aktive Rolle. 1949 konnte&lt;br /&gt;
schließlich im Frankfurter Westend eine&lt;br /&gt;
Ruine erworben werden. Viele Hände hal-&lt;br /&gt;
fen bei der Räumung der Trümmer. Ein&lt;br /&gt;
nationales Bahä’i-Zentrum wuchs hoch und&lt;br /&gt;
wurde 1951 eingeweiht. Dem Bahä’i-Ver-&lt;br /&gt;
lag war schon im März 1950 gelungen, mit&lt;br /&gt;
etwa 20 Titeln an der Frankfurter Frühjahrs-&lt;br /&gt;
messe teilzunehmen. Doch Deutschland&lt;br /&gt;
sollte noch eine besondere Ehre zuteil wer-&lt;br /&gt;
den: Shoghi Effendi ernannte 1951 Dr. Her-&lt;br /&gt;
mann Grossmann und 1952 Dr. Adelbert&lt;br /&gt;
Mühlschlegel zu Händen der Sache Gottes.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Den Titel »Hand der Sache Gottes« erhielten ausgewählte Bahä’i, deren Aufgabe dann war, sich intensiv&lt;br /&gt;
um Verbreitung und Schutz des Glaubens zu kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1946: Der erste&lt;br /&gt;
»Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland und&lt;br /&gt;
Österreich e.V.«&lt;br /&gt;
nach dem 2.&lt;br /&gt;
Weltkrieg — mit drei&lt;br /&gt;
amerikanischen&lt;br /&gt;
Baha’t: Bruce&lt;br /&gt;
Davison, Henry&lt;br /&gt;
Jarvis und John&lt;br /&gt;
Eichenauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=12}}Das Europäische&lt;br /&gt;
Baha’i-Haus der&lt;br /&gt;
Andacht in&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
wurde vor 30 Jahren&lt;br /&gt;
eingeweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 _BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1953 war der Bahä’i-Glaube in West-&lt;br /&gt;
deutschland an ca. 60 Orten vertreten. Welt-&lt;br /&gt;
weit gab es zwölf Nationale Geistige Räte&lt;br /&gt;
und Bahä’i in 128 Ländern. Doch auch&lt;br /&gt;
traurige Ereignisse bewegten die Gemein-&lt;br /&gt;
de. 1955 starb in Tübingen die Hand der&lt;br /&gt;
Sache Gottes Valiyu’lläh Vargä aus dem&lt;br /&gt;
Iran, und Stuttgart fiel die Ehre zu, ihn unter&lt;br /&gt;
der großen Anteilnahme vieler Bahä’t bei-&lt;br /&gt;
zusetzen. Der schwerste Schock aber war&lt;br /&gt;
für alle Bahä’1f der unerwartete Tod Shoghi&lt;br /&gt;
Effendis am 4. November 1957. Dr. Gross-&lt;br /&gt;
mann, Dr. Mühlschlegel und viele Bahä’i&lt;br /&gt;
aus Deutschland und Österreich gaben ihm&lt;br /&gt;
in London die letzte Ehre. Schweren Her-&lt;br /&gt;
zens, aber treu und ergeben, arbeitete die&lt;br /&gt;
deutsche Gemeinde weiter und bereitete die&lt;br /&gt;
erste interkontinentale Bahä’1-Konferenz in&lt;br /&gt;
Deutschland vor. Im Juli 1958 versammel-&lt;br /&gt;
ten sich dann über 2300 Bahä’i aus 57&lt;br /&gt;
Ländern in der Messe-Kongresshalle in&lt;br /&gt;
Frankfurt/Main. So manchem Bahä’i wurde&lt;br /&gt;
dabei erstmals die Universalität des Glau-&lt;br /&gt;
bens bewußt. 1959 trennte sich dann die&lt;br /&gt;
deutsche Gemeinde von ihrem Zwilling&lt;br /&gt;
durch die Gründung des ersten Nationalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen Rates der Bahä’f in Österreich.&lt;br /&gt;
Dieses Ereignis wurde in Wien gemeinsam&lt;br /&gt;
gebührend gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit 1953 war bekannt, daß&lt;br /&gt;
im Raum Frankfurt/Main das »Erste Euro-&lt;br /&gt;
päische Bahä’i-Haus der Andacht« gebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden sollte. Das Ringen um ein Grund-&lt;br /&gt;
stück und die Bauerlaubnis dauerten sieben&lt;br /&gt;
Jahre. Am 20. November 1960 konnte&lt;br /&gt;
schließlich der Grundstein gelegt und das&lt;br /&gt;
Gebäude am 4. Juli 1964 eingeweiht wer-&lt;br /&gt;
den. Etwa tausend Bahä’i aus ganz Europa,&lt;br /&gt;
dem Iran und den USA waren zu diesem&lt;br /&gt;
Fest herbeigeströmt. Inzwischen gab es&lt;br /&gt;
weltweit 56 Nationale Geistige Räte und in&lt;br /&gt;
Deutschland an ca. 200 Orten Bahä’i.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1967 fanden gleichzei-&lt;br /&gt;
tig sechs internationale Bahä’i-Konferen-&lt;br /&gt;
zen statt: in Deutschland, den Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten von Amerika, Panama, Indien,&lt;br /&gt;
Uganda und Australien. Die Jahrhun-&lt;br /&gt;
derthalle in Höchst beherbergte dabei 1700&lt;br /&gt;
Bahä’f aus aller Welt. Eine Telefonrund-&lt;br /&gt;
schaltung verband alle sechs Konferenzen&lt;br /&gt;
und führte deutlich vor Augen, in welch&lt;br /&gt;
enge Nachbarschaft die Kontinente gerückt&lt;br /&gt;
waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Siebzigerjahre brachten drei&lt;br /&gt;
Höhepunkte. 1972 fanden europäische&lt;br /&gt;
Bahä’i-Jugendaktivitäten in Plön mit vielen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprachen und viel Musik ihren Ab-&lt;br /&gt;
schluß. 1974, zehn Jahre nach der Einwei-&lt;br /&gt;
hung des Europäischen Hauses der An-&lt;br /&gt;
dacht, wurde am Rande des Tempelgelän-&lt;br /&gt;
des ein neues Nationales Bahä’i-Verwal-&lt;br /&gt;
tungszentrum seiner Bestimmung überge-&lt;br /&gt;
ben. Seither ist Hofheim-Langenhain im&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=13}}Taunus der Sitz des Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Rates und des Bahä’i-Verlages. Der dritte&lt;br /&gt;
Höhepunkt war die Gründung des Nationa-&lt;br /&gt;
len Geistigen Rates der Bahä’i in Griechen-&lt;br /&gt;
land, dessen Pate die deutsche Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die islamische Revolution im Iran&lt;br /&gt;
warf ihre Schatten auch auf die deutsche&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde. Die Liste der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Märtyrer im Iran wurde immer länger, und&lt;br /&gt;
die deutsche Bahä’i-Gemeinde bemühte&lt;br /&gt;
sich intensiv, über Regierungsstellen und&lt;br /&gt;
das Europaparlament für ihre Glaubens-&lt;br /&gt;
brüder Erleichterungen zu erreichen. Da-&lt;br /&gt;
bei konnte der Nationale Geistige Rat gute&lt;br /&gt;
Kontakte mit offiziellen Stellen aufbauen&lt;br /&gt;
und vor allem dafür sorgen, daß die Ziele&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion, ihre Friedensarbeit&lt;br /&gt;
und Globalität unverfälscht bekanntge-&lt;br /&gt;
macht wurden. Auch Presse, Rundfunk&lt;br /&gt;
und Fernsehen berichteten wiederholt über&lt;br /&gt;
die Menschenrechtsverletzungen gegen-&lt;br /&gt;
über den Bahä’i im Iran. So kam es nicht&lt;br /&gt;
von ungefähr, daß 1985 — vierzig Jahre&lt;br /&gt;
nach Kriegsende — erstmals eine Bahä’f-&lt;br /&gt;
Delegation von einem Bundespräsidenten&lt;br /&gt;
in Deutschland, Richard von Weizsäcker,&lt;br /&gt;
empfangen wurde. Inzwischen gab es&lt;br /&gt;
weltweit 148 Nationale Geistige Räte. In&lt;br /&gt;
der Bundesrepublik war die Zahl der örtli-&lt;br /&gt;
chen Geistigen Räte erstmals auf hundert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
angestiegen, wobei es an ca. 670 Orten&lt;br /&gt;
Bahä’i gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als in Berlin die Mauer fiel, began-&lt;br /&gt;
nen die Bahä’i sogleich mit ihren alten und&lt;br /&gt;
neuen Freunden, den Bahä’i-Glauben in&lt;br /&gt;
den neuen Bundesländern bekanntzuma-&lt;br /&gt;
chen. Auch Dizzy Gillespie, der bekannte&lt;br /&gt;
Jazzmusiker, der seit vielen Jahren Bahä’i&lt;br /&gt;
war, half auf seine Weise durch seine Kon-&lt;br /&gt;
zerte in Ost-Berlin, Moskau und Prag mit.&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten wurden bis tief in den frü-&lt;br /&gt;
heren Ostblock ausgedehnt. Doch auch im&lt;br /&gt;
eigenen Land gab es wichtige Aufgaben.&lt;br /&gt;
Schon seit 1983 kämpfte der Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’i in Tübingen mit verschiedenen&lt;br /&gt;
Rechtsinstanzen um seine Eintragung ins&lt;br /&gt;
Vereinsregister, weil das Vereinsrecht des&lt;br /&gt;
BGB mit dem Bahä’i-Recht unvereinbar&lt;br /&gt;
schien. Dabei ging es um die Verflechtung&lt;br /&gt;
der Geistigen Räte mit dem Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rat. Diesem blieb schließlich&lt;br /&gt;
nichts anderes übrig, als 1986 beim Bun-&lt;br /&gt;
desverfassungsgericht eine Verfassungsbe-&lt;br /&gt;
schwerde zu erheben. Dieses höchste deut-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sche Gericht befaßte sich eingehend mit der&lt;br /&gt;
Materie und gab am 5. Februar 1991 der&lt;br /&gt;
Verfassungsbeschwerde in vollem Umfang&lt;br /&gt;
statt. Dabei verbriefte es für die Bahä’i das&lt;br /&gt;
Recht, sich als hierarchisch gegliederte&lt;br /&gt;
Rechtsgemeinschaft gemäß dem offenbar-&lt;br /&gt;
ten Gottesgesetz zu organisieren. Es&lt;br /&gt;
schrieb dabei, daß »...der Charakter des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens als Religion und der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinschaft als Religionsgemein-&lt;br /&gt;
schaft nach aktueller Lebenswirklichkeit,&lt;br /&gt;
Kulturtradition und allgemeinem wie auch&lt;br /&gt;
religionswissenschaftlichem Verständnis&lt;br /&gt;
offenkundig ist.«° Da Vereine, hieß es wei-&lt;br /&gt;
ter, die Teilgliederung von Religionsgesell-&lt;br /&gt;
schaften sind, sich in die Hierarchie ihrer&lt;br /&gt;
Religionsgemeinschaft eingliedern wollen,&lt;br /&gt;
sei die religionsrechtliche Verknüpfung (in&lt;br /&gt;
unserem Falle der örtlichen Geistigen Räte&lt;br /&gt;
mit dem Nationalen Geistigen Rat) als ge-&lt;br /&gt;
gebene Einheit und Gemeinsamkeit zu be-&lt;br /&gt;
achten. Über dieses Urteil des höchsten&lt;br /&gt;
Gerichtes seines Landes, das den Rechts-&lt;br /&gt;
status der Geistigen Räte in der Bundesre-&lt;br /&gt;
publik sichert, kann sich die deutsche&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde wirklich freuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1992 stand ganz im Zei-&lt;br /&gt;
chen der Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag&lt;br /&gt;
des Hinscheidens Bahä’u’llähs. Die deut-&lt;br /&gt;
schen Teilnehmer an der großen Gedenk-&lt;br /&gt;
versammlung in Haifa und Bahji (Israel)&lt;br /&gt;
brachten nicht nur ihre tiefen Eindrücke&lt;br /&gt;
von der Vielfalt der Bahä’i-Weltgemeinde&lt;br /&gt;
mit, die sie dort trafen. Sie waren auch von&lt;br /&gt;
einem Team des ZDF begleitet worden.&lt;br /&gt;
Das ZDF brachte danach die längste bisher&lt;br /&gt;
über den Glauben in Deutschland ausge-&lt;br /&gt;
strahlte Sendung. Auch beim Bahä’i-Welt-&lt;br /&gt;
kongreß in New York im November 1992&lt;br /&gt;
war die deutsche Gemeinde zahlreich ver-&lt;br /&gt;
treten und konnte die Satellitenschaltung&lt;br /&gt;
zu parallelen Konferenzen rund um den&lt;br /&gt;
Globus sowie zum Bahä’i-Weltzentrum in&lt;br /&gt;
Haifa miterleben. Diese und die wunder-&lt;br /&gt;
volle Harmonie unter Menschen aus der&lt;br /&gt;
ganzen Welt zeigten eine neue Entwick-&lt;br /&gt;
lungsstufe der Einheit der Menschheit, die&lt;br /&gt;
in der Bahä’i-Welt bereits modellhafte For-&lt;br /&gt;
men angenommen hat. Der hervorragende&lt;br /&gt;
Beitrag des internationalen Chores, in dem&lt;br /&gt;
auch deutsche Teilnehmer mitwirkten, löste&lt;br /&gt;
so viel Begeisterung aus, daß inzwischen&lt;br /&gt;
auch in Deutschland kleine Chorgruppen&lt;br /&gt;
entstanden, deren Ziel ist, die Andachten&lt;br /&gt;
im Haus der Andacht mit Gesang zu berei-&lt;br /&gt;
chern. Hier in Deutschland würdigten am&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 siehe Dr. Udo Schaefer in Baha’i-Nachrichten, Mai 1991, S. 14ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26. Mai 1992 in der Frankfurter Paulskir-&lt;br /&gt;
che über 900 Bahä’i und ihre Gäste Leben&lt;br /&gt;
und Werk Bahä’u’llähs. »Daß die Stadt&lt;br /&gt;
Frankfurt diese Versammlung in einem so&lt;br /&gt;
geschichtsträchtigen Bau mitten im Herzen&lt;br /&gt;
des erwachenden Europa willkommen&lt;br /&gt;
heißt, ist von tiefer Bedeutung und ermutigt&lt;br /&gt;
zu großen Hoffnungen für die ganze Welt«,&lt;br /&gt;
stand in der Grußbotschaft aus dem Bahä’i-&lt;br /&gt;
Weltzentrum. »Ich wünsche allen Bahä’f in&lt;br /&gt;
Deutschland und in der Welt, daß sie ihren&lt;br /&gt;
Glauben in Freiheit und im friedlichen Mit-&lt;br /&gt;
einander mit anderen Religionen leben&lt;br /&gt;
können«, schrieb Bundeskanzler Kohl in&lt;br /&gt;
seiner Grußbotschaft. Friedensnobelpreis-&lt;br /&gt;
träger Willy Brandt bezog sich in seinem&lt;br /&gt;
Brief auf das Prinzip der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit, und der Philosoph und Physi-&lt;br /&gt;
ker Professor C.F. von Weizsäcker sandte&lt;br /&gt;
Grüße mit den Worten »Ich habe große&lt;br /&gt;
Bewunderung für Bahä’u’lläh«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Motto »Die Erde ist nur&lt;br /&gt;
ein Land« haben fachkundige Bahä’i eine&lt;br /&gt;
Ausstellung zum Heiligen Jahr geschaffen,&lt;br /&gt;
die an Schönheit alle bisherigen deutschen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Ausstellungen weit übertrifft. Sie&lt;br /&gt;
wurde bis heute nicht nur in ganz Deutsch-&lt;br /&gt;
land der Öffentlichkeit vorgestellt, sie wird&lt;br /&gt;
auch in unseren Nachbarländern gezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Rückschau zeigt sich deut-&lt;br /&gt;
lich, daß die Bahä’i-Gemeinde in Deutsch-&lt;br /&gt;
land in den neunzig Jahren ihres Bestehens&lt;br /&gt;
eine erfreuliche Entwicklung durchlief.&lt;br /&gt;
Ihre Institutionen arbeiten zum großen Teil&lt;br /&gt;
effektiv in einem Geiste der Einheit und der&lt;br /&gt;
Beratung, der auf die Ziele der Weltord-&lt;br /&gt;
nung Bahä’u’llähs zusteuert. Eine beachtli-&lt;br /&gt;
che Palette an Primär- und Sekundärlitera-&lt;br /&gt;
tur steht zur Verfügung, so daß die detail-&lt;br /&gt;
lierte Kenntnis der Bahä’i-Lehren jedem&lt;br /&gt;
Menschen innerhalb oder außerhalb der&lt;br /&gt;
Gemeinde möglich ist. Das Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meindeleben hat sich in vielen Bereichen&lt;br /&gt;
wie Festen, Kinder- und Jugendklassen und&lt;br /&gt;
gemeinsamem Engagement z.B. bei inter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 siehe Bahd’i-Nachrichten, Juni 1993, S.4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
religiösen Andachten, Völkerverständi-&lt;br /&gt;
gungsfesten oder kleinen sozialen Projek-&lt;br /&gt;
ten weiterentwickelt. Die Bahä’i-Frauen&lt;br /&gt;
werden immer aktiver. Querverbindungen&lt;br /&gt;
zu Universitäten, Volkshochschulen, Verei-&lt;br /&gt;
nen, städtischen Einrichtungen oder Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeiten wurden geschaffen. Ein gutes&lt;br /&gt;
Beispiel hierfür ist die Broschüre der Aus-&lt;br /&gt;
länderbeauftragten in Berlin, die 1992 un-&lt;br /&gt;
ter dem Titel »Einheit in der Vielheit:&lt;br /&gt;
Weltreligionen in Berlin« erschien und in&lt;br /&gt;
der auch die Bahä’i-Religion vorgestellt&lt;br /&gt;
wird. Im November 1992 veranstaltete die-&lt;br /&gt;
se Stelle in Zusammenarbeit mit den Bahä’i&lt;br /&gt;
eine offizielle Feier zum Geburtstag&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs. Bahä’i-Schulen wie in Dor-&lt;br /&gt;
magen und Bochum wachsen heran, aber&lt;br /&gt;
auch die für den ganzen deutschsprachigen&lt;br /&gt;
Raum angebotenen Kurse der Landegg-&lt;br /&gt;
Akademie in der Schweiz heben das geisti-&lt;br /&gt;
ge Niveau und die Effizienz unserer Ge-&lt;br /&gt;
meinde. Wir können also dankbar in die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangenheit und optimistisch in die Zu-&lt;br /&gt;
kunft blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kritische Weltlage ist eine&lt;br /&gt;
große Herausforderung für jede Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinde auf diesem Planeten. Es gilt,&lt;br /&gt;
materielle Bedürfnisse und technischen&lt;br /&gt;
Fortschritt mit ethischer Verantwortung&lt;br /&gt;
und gerechtem Handeln in Einklang zu&lt;br /&gt;
bringen. Wir müssen noch stärker als bis-&lt;br /&gt;
her den geistigen Weg mit praktischen&lt;br /&gt;
Füßen gehen, d.h. die Bahä’i-Prinzipien in&lt;br /&gt;
unserem Denken und Tun anwenden und&lt;br /&gt;
anderen vermitteln. »Wir verwandeln eine&lt;br /&gt;
Krise in einen Fortschritt,« schreibt das&lt;br /&gt;
Universale Haus der Gerechtigkeit im Mai&lt;br /&gt;
1993, »wenn wir die sich bietende Gele-&lt;br /&gt;
genheit beim Schopf packen, indem wir&lt;br /&gt;
die Anwendbarkeit und die gewinnende&lt;br /&gt;
Kraft unserer Grundsätze unter Beweis&lt;br /&gt;
stellen... Jetzt sind die dunkelsten Stunden&lt;br /&gt;
vor dem Morgengrauen. Der verheißene&lt;br /&gt;
Friede wird kommen, wenn die Nacht vor-&lt;br /&gt;
über ist. Drängen Sie voran, dem Däm-&lt;br /&gt;
merlicht entgegen!«’?&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=15}}Die Sieben Täler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ehe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung&lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über Sinngebung von Ehe und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einleitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den nachfolgenden Gedanken&lt;br /&gt;
zu den Sieben Tälern&#039; Bahä’u’llähs und&lt;br /&gt;
ihrer Rezeption auf Ehe und Partnerschaft&lt;br /&gt;
möchte ich dem Leser eine subjektive und&lt;br /&gt;
praktische Übertragung des Werkes und sei-&lt;br /&gt;
ner mystischen Worte anbieten. Seitdem ich&lt;br /&gt;
die Sieben Täler in diesem Sinne für mich&lt;br /&gt;
interpretiert habe, erfahre ich in meiner the-&lt;br /&gt;
rapeutischen Berufspraxis interessante An-&lt;br /&gt;
wendungsmöglichkeiten auf die unter-&lt;br /&gt;
schiedlichsten Problembereiche, insbeson-&lt;br /&gt;
dere auf Partnerprobleme. Den anfänglichen&lt;br /&gt;
Verständnisschwierigkeiten, wie sich diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mystische Dichtung auf das praktische heu-&lt;br /&gt;
tige Leben und darüber hinaus auf Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft übertragen läßt, soll mit einer&lt;br /&gt;
Interpretation begegnet werden, wie die Sy-&lt;br /&gt;
stematik der Sieben Täler wohl auch ver-&lt;br /&gt;
standen werden kann. Ich konnte diese In-&lt;br /&gt;
terpretation der Sieben Täler in der Praxis&lt;br /&gt;
auf persönliche Fälle übertragen, und neue&lt;br /&gt;
Lösungsmöglichkeiten eröffneten sich dem&lt;br /&gt;
therapeutischen Prozeß. Es wurde mir be-&lt;br /&gt;
wußt, welche bedeutungsschwere Weishei-&lt;br /&gt;
ten in den Sieben Tälern verborgen liegen,&lt;br /&gt;
und die darüber erfahrene Universalität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 In dieser Arbeit werde ich nicht auf die Entstehungsgeschichte der Sieben Täler eingehen und sie erklären,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich verweise auf die vorhandene Literatur, u.a.: Sieben Täler, Oberkalbach: Bahä’i-Verlag, 1971, S. 6-8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gunther&lt;br /&gt;
Hübner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gesunder&lt;br /&gt;
Körper stellt ein&lt;br /&gt;
gutes »Werkzeug«&lt;br /&gt;
für die&lt;br /&gt;
Entwicklung der&lt;br /&gt;
Seele dar und eine&lt;br /&gt;
gesunde Seele&lt;br /&gt;
fördert die&lt;br /&gt;
Gesundheit des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Körpers.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 _BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
überraschte mich, zumal sich immer weiter-&lt;br /&gt;
gefaßte Interpretationsmöglichkeiten anbie-&lt;br /&gt;
ten. Um meinem Zugang zu den Sieben&lt;br /&gt;
Tälern gerecht zu werden, muß ich die&lt;br /&gt;
Annahmen erklären, aufdie ich mich beziehe&lt;br /&gt;
und die schließlich den Leitfaden dieser&lt;br /&gt;
Arbeitbilden. Ich stimme dem Menschenbild&lt;br /&gt;
zu, daß der Mensch eine Dualität? von Kör-&lt;br /&gt;
per und Seele ist. Jeder Aspekt dieser spe-&lt;br /&gt;
ziellen Wirklichkeit des Menschen bedarf&lt;br /&gt;
einer spezifischen Entwicklung, die über&lt;br /&gt;
Erziehung und Lernen, in Abhängigkeit zu&lt;br /&gt;
seiner Umwelt, zu einer eigenständigen Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeit (Charakter) führen kann. Körper&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Seele stehen in unserer Wirklichkeit in&lt;br /&gt;
einer interdependenten Abhängigkeit: Ein&lt;br /&gt;
gesunder Körper stellt ein gutes »Werkzeug«&lt;br /&gt;
für die Entwicklung der Seele dar und eine&lt;br /&gt;
gesunde Seele fördert die Gesundheit des&lt;br /&gt;
Körpers. Der Schwerpunkt dieser Arbeit&lt;br /&gt;
über die Sieben Täler konzentriert sich auf&lt;br /&gt;
die formulierten geistigen Prozesse, die we-&lt;br /&gt;
sentlichen Anteilam geistigen »Wachstum«&lt;br /&gt;
des Menschen haben und zu seiner »Vergei-&lt;br /&gt;
stigung« beitragen können. Sie Können im&lt;br /&gt;
Rahmen einer Lehre der Wahrheit verstan-&lt;br /&gt;
den werden, die die Seele zu ihrer geistigen&lt;br /&gt;
Bestimmung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Durch die Lehren dieser Sonne der Wahrheit? wird jeder Mensch&lt;br /&gt;
fortschreiten und sich entwickeln, bis er die Stufe erreicht, auf der er alle&lt;br /&gt;
in ihm verborgenen Kräfte offenbaren kann, mit denen sein innerstes,&lt;br /&gt;
wahres Selbst begabt worden ist. Zu eben diesem Zweck sind in jedem&lt;br /&gt;
Zeitalter und in jeder Sendung die Propheten Gottes und Seine&lt;br /&gt;
Auserwählten unter den Menschen erschienen und haben eine Kraft&lt;br /&gt;
gezeigt, wie sie von Gott geboren ist, und eine Macht, wie sie nur der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ewige offenbaren kann.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Theorie der Sieben Täler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich von der menschlichen&lt;br /&gt;
Beschaffenheit in dem oben genannten&lt;br /&gt;
Kontext ausgehe, erhebt sich die Frage&lt;br /&gt;
nach der Abhängigkeit und Bestimmung&lt;br /&gt;
der »geistigen Dimension« des Menschen&lt;br /&gt;
in diesem Leben. Dabei entsteht im Ver-&lt;br /&gt;
ständnis der geistigen und materiellen Ab-&lt;br /&gt;
hängigkeit des Menschen eine wesentli-&lt;br /&gt;
che Schwierigkeit, denn wir sollten uns&lt;br /&gt;
diese Abhängigkeit nicht hierarchisch,&lt;br /&gt;
sondern als gleichwertig und auf Balance&lt;br /&gt;
ausgerichtet vorstellen. In Auswirkung&lt;br /&gt;
und Zweck der unterschiedlichen Stufen&lt;br /&gt;
unterscheiden sich Geist und Natur, aber&lt;br /&gt;
sie sind innerhalb einer Einheit existent;&lt;br /&gt;
sie sind keine widersprüchlichen Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeiten. Dies bedeutet, daß die geistige&lt;br /&gt;
Welt in der Natur ihren Ausdruck findet,&lt;br /&gt;
und die materielle Welt ihrerseits geistige&lt;br /&gt;
Eigenschaften spiegelt. In der Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Manifestation oder der Offenbarer Gottes&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Ährenlese 27:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vrw%M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 vgl. Bahä’u’Iläh, Ährenlese 80:2, 81 und 82&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gion wird davon ausgegangen, daß der&lt;br /&gt;
Geist die Materie formt? Folglich kann&lt;br /&gt;
nur über die Orientierung an der geistigen&lt;br /&gt;
Welt die Seele® ihre eigentliche Bestim-&lt;br /&gt;
mung finden. In den Sieben Tälern wird&lt;br /&gt;
dieser Prozeß widergespiegelt, und wenn&lt;br /&gt;
die Erzählung einen Wanderer erwähnt, so&lt;br /&gt;
ist damit das Leitmotiv eines wahrhaft&lt;br /&gt;
gott-trunkenen Menschen angesprochen,&lt;br /&gt;
der auf der Suche nach der Wahrheit seines&lt;br /&gt;
Lebens ist. Bahä’u’lläh erklärt hier einen&lt;br /&gt;
Entwicklungsprozeß der seelischen Eigen-&lt;br /&gt;
schaften, die der Wanderer auf seinem&lt;br /&gt;
Weg zu Gott erfährt. Die Täler symbolisie-&lt;br /&gt;
ren die Entwicklungsstadien und bilden in&lt;br /&gt;
ihrer Stufenfolge eine sich entwickelnde&lt;br /&gt;
und für den Menschen sichtbar werdende&lt;br /&gt;
Manifestation seiner geistigen Qualitäten,&lt;br /&gt;
die durch die Liebe zu Gott hervorgerufen&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vgl. Bahä’u’lläh, Ährenlese, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1980, 27:4 und 77&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vgl. Bahä’u’lläh, Ährenlese 78, 83 und Bahä’u’lläh, Botschaften aus &amp;quot;Akkd, Hofheim-Langenhain:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag 1982, Kap. 10 (Worte der Weisheit)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=17}}Wenn die ersten drei Täler als&lt;br /&gt;
eine Beschreibung der materiellen (uns&lt;br /&gt;
bekannten) Welt verstanden werden&lt;br /&gt;
können, kann den letzten drei Tälern das&lt;br /&gt;
Prinzip der geistigen Welt und ihren jewei-&lt;br /&gt;
ligen spezifischen Gegebenheiten zuge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ordnet werden. Das vierte Tal — das Tal&lt;br /&gt;
der Einheit — bildet einen Schnittpunkt&lt;br /&gt;
zwischen der materiellen und der geisti-&lt;br /&gt;
gen Welt und kann somit als Mittler zwi-&lt;br /&gt;
schen diesen beiden Welten verstanden&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur materiellen Ebene der Sieben Täler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal des Suchens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh nennt die Haupteigen-&lt;br /&gt;
schaft, die ein Mensch erlernen muß, will&lt;br /&gt;
er jemals ein Ziel erreichen: Geduld. Er&lt;br /&gt;
weist darauf hin, wenn wir uns als Sucher&lt;br /&gt;
begreifen, erkennen wir, daß viele Men-&lt;br /&gt;
schen ebenfalls auf der Suche sind und wir&lt;br /&gt;
dieses Los mit ihnen teilen. Der Wanderer,&lt;br /&gt;
der in den Sieben Tälern beschrieben wird,&lt;br /&gt;
gilt erst dann als wahrer Sucher, sobald er&lt;br /&gt;
das objektive Vorhandensein der geistigen&lt;br /&gt;
Dimension der Wirklichkeit wahrgenom-&lt;br /&gt;
men hat. Er erkennt, daß geistiges Wachs-&lt;br /&gt;
tum und geistige Entwicklung seinen&lt;br /&gt;
wichtigsten Daseinszweck darstellen. Dies&lt;br /&gt;
wird gefördert durch selbstverantworteten&lt;br /&gt;
geistigen Fortschritt, vereint mit Aufmerk-&lt;br /&gt;
samkeit und Nachdenklichkeit. Gleichzei-&lt;br /&gt;
tig wird deutlich, daß die Suche mit einem&lt;br /&gt;
demütigen, hilfsbereiten, freundlichen und&lt;br /&gt;
bescheidenen Verhalten untrennbar mit ei-&lt;br /&gt;
ner geistigen Haltung verbunden erscheint,&lt;br /&gt;
die durch die regelmäßige Durchführung&lt;br /&gt;
von Meditationen und Gebeten’ ausge-&lt;br /&gt;
drückt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Suche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Tal impliziert die Ent-&lt;br /&gt;
deckung der Sehnsucht und des Verlangens,&lt;br /&gt;
die potentiell in jedem Menschen vorhan-&lt;br /&gt;
den sind. Sie werden in uns durch die&lt;br /&gt;
Vorstellung geweckt. Die Vorstellung, die&lt;br /&gt;
in uns erwacht, fungiert als Quelle unserer&lt;br /&gt;
Gefühle, die unsere Bedürftigkeiten bilden.&lt;br /&gt;
Wir sehnen uns nach Erfüllung unserer Ge-&lt;br /&gt;
fühle und Bedürftigkeiten. Diese Bedürf-&lt;br /&gt;
tiskeiten sollen befriedigt werden, und es&lt;br /&gt;
zeigt sich ein tendenzieller Prozeß der&lt;br /&gt;
Süchtigkeit nach dieser Befriedigung. Wir&lt;br /&gt;
erfassen ihn zunächst als körperlichen Pro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeß, z.B. als Hunger nach Essen. Wir wol-&lt;br /&gt;
len essen, also essen wir und versuchen&lt;br /&gt;
hierdurch, satt zu werden. Gleichzeitig ist&lt;br /&gt;
Hunger auch eine Sehnsucht nach Energie,&lt;br /&gt;
die uns zur Zufriedenheit und Beruhigung&lt;br /&gt;
führen soll. Es ist ein Verlangen nach Be-&lt;br /&gt;
friedung in uns. Wir können sagen, daß der&lt;br /&gt;
Mensch auf dieser Ebene seine Süchtigkeit&lt;br /&gt;
als eine Grundabhängigkeit erfährt, d.h.&lt;br /&gt;
jeder Mensch ist potentiell süchtig. Wenn&lt;br /&gt;
er lernt, mit seiner Bedürftigkeit positiv&lt;br /&gt;
umzugehen, kann er ebenso erlernen, sie zu&lt;br /&gt;
dosieren; er muß nicht »suchtkrank« wer-&lt;br /&gt;
den. Auf dieser Basis entstehen innere Bil-&lt;br /&gt;
der (Vorstellung), die das Ziel haben, zur&lt;br /&gt;
Befriedigung zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies alles gilt auch für die Partner-&lt;br /&gt;
suche. Scheinbare Notwendigkeiten wer-&lt;br /&gt;
den als Rahmenbedingungen für die Orien-&lt;br /&gt;
tierung bei dieser Suche erfahren. So muß&lt;br /&gt;
bzw. sollte der Mann / die Frau z. B. ein&lt;br /&gt;
bestimmtes Aussehen haben, einen be-&lt;br /&gt;
stimmten Beruf und genügend Prestige und&lt;br /&gt;
Sicherheit bieten. Diese und andere Grün-&lt;br /&gt;
de können als Garanten für ein glückliches&lt;br /&gt;
Leben mit dem Partner gelten. Leitmotiv&lt;br /&gt;
für die Partnersuche ist die Emotionalität,&lt;br /&gt;
die über Vorstellungen eine erste Gestalt&lt;br /&gt;
gewinnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal der Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Vorstellung wird die Be-&lt;br /&gt;
dürftigkeit angefacht und Gedanken der&lt;br /&gt;
Sehnsucht entstehen, die sich ihren Weg&lt;br /&gt;
bahnen und sich in Leidenschaft verwan-&lt;br /&gt;
deln können. Leidenschaft ist Ausdruck ei-&lt;br /&gt;
nes emotionalen Erlebens, die sich zuerst&lt;br /&gt;
passiv in unserer Phantasie zeigt, sich aber&lt;br /&gt;
in der Realität verwirklichen will. Sie ist&lt;br /&gt;
durch die Kraft des Geistes gedanklich in&lt;br /&gt;
unseren Vorstellungsbildern präsent und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 vgl. Bahä’u’lläh, Das Buch der Gewißheit, Frankfurt: Bahä’i-Verlag 1969, S. 129-131&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wanderer&lt;br /&gt;
erkennt, daß&lt;br /&gt;
geistiges&lt;br /&gt;
Wachstum und&lt;br /&gt;
geistige&lt;br /&gt;
Entwicklung&lt;br /&gt;
seinen&lt;br /&gt;
wichtigsten&lt;br /&gt;
Daseinszweck&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darstellen.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=18}}Die&lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
wird zum&lt;br /&gt;
Gegenstand der&lt;br /&gt;
eigenen&lt;br /&gt;
Selbstver-&lt;br /&gt;
wirklichung&lt;br /&gt;
und&lt;br /&gt;
Selbstbefreiung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18  BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bildet unsere eigene innere Wirklichkeit,&lt;br /&gt;
jedoch anfänglich ohne Bezug zur äußeren&lt;br /&gt;
Realität. Auf dieser Ebene dominieren die&lt;br /&gt;
Gefühle das Selbst des Menschen, und sie&lt;br /&gt;
gelten als Maßstab der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig verwirren sie den Sucher, da&lt;br /&gt;
er zwischen Wahrheit und Irrtum alleine auf&lt;br /&gt;
seine Gefühle gestellt keine Differenzie-&lt;br /&gt;
rung erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In diesem Zustand ist sich der Wanderer&lt;br /&gt;
weder seiner selbst noch dessen, was außer&lt;br /&gt;
ihm ist, bewußt. Er sieht weder Wissen&lt;br /&gt;
noch Unwissenheit, weder Zweifelnoch Ge-&lt;br /&gt;
wißheit, noch erkennt er den Morgen der&lt;br /&gt;
Führung oder die Nacht des Irrtums. Er&lt;br /&gt;
flieht vor Unglaube und Glaube, und tödli-&lt;br /&gt;
ches Gift ist ihm köstlich. ... Liebe trägt&lt;br /&gt;
keine Sehnsucht nach Dasein und hängt&lt;br /&gt;
nicht am Leben. Sie sieht Leben im Tod und&lt;br /&gt;
sucht Ruhm in der Schande. Ein Übermaß&lt;br /&gt;
an geistiger Gesundheit ist nötig, ehe je-&lt;br /&gt;
mand des Wahnsinns der Liebe würdig, und&lt;br /&gt;
eine Fülle von Geist, bis er der Bande des&lt;br /&gt;
Freundes wert wird. ... Liebe setzt in jedem&lt;br /&gt;
Augenblick eine Welt in Flammen und zer-&lt;br /&gt;
stört alle Länder, in denen sie ihr Banner&lt;br /&gt;
entfaltet. In ihrem Land hat das Dasein&lt;br /&gt;
keinen Platz, und in ihrem Reich ist kein&lt;br /&gt;
Raum für die Weisen«.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmerz ist das »Fahrzeug«, um&lt;br /&gt;
durch dieses Tal zu gelangen. Leidenschaft&lt;br /&gt;
ist jedoch auch Ursache von »Leid«. Nur&lt;br /&gt;
dort wo Liebe ist, kann Haß sich ent-&lt;br /&gt;
wickeln. Erst unsere Fähigkeit zu fühlen&lt;br /&gt;
und zu lieben, läßt die Welt des Schmerzes&lt;br /&gt;
entstehen. Liebe wird leidenschaftlich in&lt;br /&gt;
uns erlebt und drängt zur Verwirklichung.&lt;br /&gt;
Sie will sich aktiv in der äußeren Welt&lt;br /&gt;
materialisieren, nicht nur in unseren Vor-&lt;br /&gt;
stellungen. Auf dieser Ebene ist die mate-&lt;br /&gt;
rielle Befriedigung gemeint. Aber ohne Er-&lt;br /&gt;
kenntnis der geistigen Abhängigkeiten und&lt;br /&gt;
Bezüge entsteht nur die bloße Befriedi-&lt;br /&gt;
gung, die nach Erreichung ihrer Sehnsüch-&lt;br /&gt;
te, also im aktiven Ausleben der Leiden-&lt;br /&gt;
schaft, wie Schall und Rauch zu verfliegen&lt;br /&gt;
scheint. Durch Reichtum kann kein Glück&lt;br /&gt;
und keine Gesundheit gesichert werden.&lt;br /&gt;
Neue Sehnsüchte treiben die Leidenschaft&lt;br /&gt;
an und drängen in einem sich immer enger&lt;br /&gt;
ziehenden Kreislauf zu neuen Eroberungen&lt;br /&gt;
und neuem Besitz. Dies sind die Kennzei-&lt;br /&gt;
chen der Süchtigkeit. Nur durch geistige&lt;br /&gt;
Erkenntnis kann dieser Kreislauf durch-&lt;br /&gt;
brochen werden. Damit wird das Problem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8  Bahä’u’lläh, Sieben Täler, S. 32f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Genießens berührt. In der Süchtigkeit&lt;br /&gt;
fehlt die Fähigkeit, wirklich genießen zu&lt;br /&gt;
können. Fehlt die Erkenntnis, entwickeln&lt;br /&gt;
sich die Anzeichen der Süchtigkeit, die in&lt;br /&gt;
der Abhängigkeit und dem Wiederholungs-&lt;br /&gt;
zwang sichtbar werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung, daß die Partnerbe-&lt;br /&gt;
ziehung eine emotionale Erfüllung ver-&lt;br /&gt;
spricht, verstärkt die Leidenschaft (Liebe).&lt;br /&gt;
Diese Leidenschaft ist zuerst passiv — in&lt;br /&gt;
Form von geheimen oder lavierten Wün-&lt;br /&gt;
schen — ; sie ist sich ihres Impulses nicht&lt;br /&gt;
bewußt. Diese passiven Wünsche drängen&lt;br /&gt;
zu einer aktiven Verwirklichung. Der »lie-&lt;br /&gt;
bende« Mensch folgt »blindlings« seinen&lt;br /&gt;
Gefühlen, bar jeder Vernunft, ist sich aber&lt;br /&gt;
in seinem Entschluß »absolut« sicher. Le-&lt;br /&gt;
ben ohne die Erfüllung dieser Gefühle er-&lt;br /&gt;
scheint ihm »Blendwerk«. Folgt er hier&lt;br /&gt;
bloß seinen Gefühlen ohne eine kontextge-&lt;br /&gt;
bundene Zieldefinition (Festlegung von&lt;br /&gt;
klaren Zielen im Leben — Erkenntnis),&lt;br /&gt;
kann er auch keine Erfüllung erfahren.&lt;br /&gt;
Selbst das Ausleben der Gefühle wird zu-&lt;br /&gt;
nehmend blaß und fad. Aus der Verliebtheit&lt;br /&gt;
wird Gewöhnung, was zu Enttäuschungen&lt;br /&gt;
führen kann. Ähnlich wie bei einem Sucht-&lt;br /&gt;
kranken wird der »emotionale Hunger« nur&lt;br /&gt;
kurzfristig befriedigt, denn es konnte kein&lt;br /&gt;
Genießen erreicht werden. Die Süchtigkeit&lt;br /&gt;
wird kurzfristig beruhigt, es findet nur eine&lt;br /&gt;
befristete Sättigung statt. Die enttäuschten&lt;br /&gt;
Gedanken suchen wieder nach neuen Vor-&lt;br /&gt;
stellungen, die Genuß versprechen. Es er-&lt;br /&gt;
folgt eine erneute Hinwendung zum ersten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ Tal. Sie ist von kurzer Dauer, bis wieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
innerer Hunger entsteht, innere Bilder sich&lt;br /&gt;
wiederholen und zur Materialisierung drän-&lt;br /&gt;
gen (Wiederholungszwang). Durch diese&lt;br /&gt;
Art von Partnerschaft/Ehe wird die Befrie-&lt;br /&gt;
digung von außen erwartet, der Partner soll&lt;br /&gt;
das fehlende Glück spenden und gleichsam&lt;br /&gt;
das zuführen, was in einem selbst als nicht&lt;br /&gt;
existent erfahren wird. In der Verkennung&lt;br /&gt;
der inneren Freiheit beschäftigt sich der&lt;br /&gt;
»Sucher« mit der äußeren Unfreiheit, die&lt;br /&gt;
zur eigenen Freiheit führen soll. Die Part-&lt;br /&gt;
nerschaft wird zum Gegenstand der eige-&lt;br /&gt;
nen Selbstverwirklichung und Selbstbefrei-&lt;br /&gt;
ung. Über diesen Prozeß wird der eigene&lt;br /&gt;
Wert definiert und erfahren. Das hier auf-&lt;br /&gt;
gezeigte Mißverständnis hat seine Ursache&lt;br /&gt;
im Mangel an Differenzierung zwischen&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=19}}der inneren und äußeren Realität des eige-&lt;br /&gt;
nen Selbstes. Der Partner wird unbewußt&lt;br /&gt;
zum Richter über den subjektiven Wert der&lt;br /&gt;
eigenen Existenz erhoben, d.h. die Partner&lt;br /&gt;
brauchen sich gegenseitig, damit der je-&lt;br /&gt;
weils eigene Wert überhaupt wahrnehmbar&lt;br /&gt;
wird. Aus sich selbst heraus ist keine Liebe&lt;br /&gt;
erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal der Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Überall fliehen sie das »Erste&amp;lt; und be-&lt;br /&gt;
kämpfen das »Letzte&amp;lt;, sind sie doch durch&lt;br /&gt;
die Reiche der Namen gewandert und haben&lt;br /&gt;
die Welten der Eigenschaften durchmessen&lt;br /&gt;
mit der Schnelle des Blitzes. ... Sie wohnen&lt;br /&gt;
unter dem Schatten der Wesenheit Gottes.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Tal betrachtet der Sucher&lt;br /&gt;
die Schöpfung Gottes mit Ehrfurcht und&lt;br /&gt;
Demut. Er begreift eine höhere Bestim-&lt;br /&gt;
mung und Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Er wird die Gerechtigkeit in der Unge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit und die Gnade in der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit schauen, manche Erkenntnis sehen,&lt;br /&gt;
die in der Unwissenheit schlummert, und in&lt;br /&gt;
der Erkenntnis hunderttausendfache Weis-&lt;br /&gt;
heit erblicken. Er zerbricht den Käfig des&lt;br /&gt;
Körpers und der Leidenschaften und ver-&lt;br /&gt;
bindet sich mit den Bewohnern des unsterb-&lt;br /&gt;
lichen Reiches. Er steigt auf den Stufen der&lt;br /&gt;
inneren Wahrheit empor und eilt zu den&lt;br /&gt;
Himmeln der inneren Bedeutung. ... Wenn&lt;br /&gt;
ihn Ungerechtigkeit trifft, so ist er gedul-&lt;br /&gt;
dig, ist er das Opfer des Zorns, so vergilt er&lt;br /&gt;
mit Liebe. ... Mit den inneren und äußeren&lt;br /&gt;
Augen sieht er die Geheimnisse der Aufer-&lt;br /&gt;
stehung im Bereich der Schöpfung und in&lt;br /&gt;
den Seelen der Menschen, und ein reines&lt;br /&gt;
Herz (»Ort der Seele&amp;lt;, Anm. des Autors) läßt&lt;br /&gt;
ihn die ewige Weisheit in den unendlichen&lt;br /&gt;
Offenbarungen Gottes erfühlen.« Fr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Erkenntnis beginnt die Los-&lt;br /&gt;
lösung von den Sehnsüchten und der Lei-&lt;br /&gt;
denschaft. Dies bedeutet jedoch nicht, daß&lt;br /&gt;
sie einfach verloren werden. Vielmehr ist&lt;br /&gt;
ihr Kennzeichen nun die Freiheit des Her-&lt;br /&gt;
zens!!. Damit ist die wahre Freiheit ge-&lt;br /&gt;
meint, die durch ein Erkennen der Schöp-&lt;br /&gt;
fung die individuelle Machtlosigkeit ver-&lt;br /&gt;
deutlicht und eine Form der wertschätzen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 ebenda, S. 37f&lt;br /&gt;
10 ebenda, S. 35&lt;br /&gt;
ll nach ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=20}}Mit Eintritt&lt;br /&gt;
in die geistige&lt;br /&gt;
Welt findet&lt;br /&gt;
eine Zu-&lt;br /&gt;
wendung zu&lt;br /&gt;
den inneren&lt;br /&gt;
Werten statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Demut erzeugt. Bereitwillig ordnet&lt;br /&gt;
sich der Sucher ein und bestimmt selbstän-&lt;br /&gt;
dig und frei seine eigene Abhängigkeit, da&lt;br /&gt;
nur in ihr der wahre Sinn seiner Existenz&lt;br /&gt;
und seiner Liebe gefunden werden kann.&lt;br /&gt;
Auf dieser Stufe beginnt die rechte Art des&lt;br /&gt;
Genießens. Damit werden der Sehnsucht&lt;br /&gt;
und Leidenschaft ein Rahmen und ein Sinn&lt;br /&gt;
gegeben, das Streben erfährt ein Ziel. Wie&lt;br /&gt;
glücklich ist der Mensch, der weiß, wel-&lt;br /&gt;
cher Sinn sein Leben bestimmt! Und wenn&lt;br /&gt;
dieser Sinn auch noch die Ziele dauerhafter&lt;br /&gt;
Freude und dauerhaften Genusses enthal-&lt;br /&gt;
ten, dann kennt die Freude keine Grenzen.&lt;br /&gt;
Sinn und Ziele befreien den Sucher von&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit der Gefühle und vor&lt;br /&gt;
dem Trugschluß der inneren Bilder seiner&lt;br /&gt;
Vorstellung (eitler Wahn).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wahren Verlust erleidet, wer seine Tage in&lt;br /&gt;
völliger Unkenntnis über sein wahres Selbst&lt;br /&gt;
verbringt.« 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal der Erkenntnis ist die Gren-&lt;br /&gt;
ze der materiell-äußeren Welt, ihre Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit und ihre Formen relativieren sich.&lt;br /&gt;
Mit Eintritt in die geistige Welt findet eine&lt;br /&gt;
Zuwendung zu den inneren Werten statt.&lt;br /&gt;
Die Reise führt den Sucher von seinen&lt;br /&gt;
Äußerlichkeiten fort zu seiner wahren Be-&lt;br /&gt;
stimmung: sich selbst zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leidenschaft des Liebenden&lt;br /&gt;
bekommt ein Ziel für seine Erfüllung und&lt;br /&gt;
darüber erfährt er Sinn. Die Partnerschaft&lt;br /&gt;
erhebt sich aus den Ebenen der körperli-&lt;br /&gt;
chen Leidenschaft und wird über die Selbst-&lt;br /&gt;
erkenntnis mit der Fähigkeit beschenkt,&lt;br /&gt;
dem Partner mit seiner inneren Freude zu&lt;br /&gt;
begegnen. Die körperliche Ebene wird als&lt;br /&gt;
ein integraler Bestandteil zum Glück emp-&lt;br /&gt;
funden und stellt nicht mehr den alleinigen&lt;br /&gt;
Gradmesser der persönlichen Identität und&lt;br /&gt;
des Wertes der Partnerschaft dar. Über das&lt;br /&gt;
Erreichen von gemeinsamen Zielen ent-&lt;br /&gt;
wickelt sich das Gefühl von gegenseitiger&lt;br /&gt;
Abhängigkeit, die sich freiwillig und ge-&lt;br /&gt;
genseitig geschenkt wird. Dem Gefühl der&lt;br /&gt;
körperlichen Zuneigung wird die Ge-&lt;br /&gt;
wißheit der Wahrheit beigemessen, und für&lt;br /&gt;
das Vertrauen und die Treue füreinander&lt;br /&gt;
entsteht der notwendige Nährboden. Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12  Bahä’u’lläh, Botschaften aus &#039;Akka 10:22&lt;br /&gt;
13  Bahä’u’lläh, Sieben Täler, S. 39&lt;br /&gt;
14 ebenda, S. 41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fühle zum Partner werden mit dieser Ziel-&lt;br /&gt;
gerichtetheit einzigartig erfahren und drän-&lt;br /&gt;
gen zu einer weiteren Vertiefung innerer&lt;br /&gt;
Begegnungen. Der Wunsch nach immer&lt;br /&gt;
größerer Selbsterkenntnis verstärkt den&lt;br /&gt;
Wunsch nach Verschmelzung und einer&lt;br /&gt;
noch innigeren Bekanntschaft mit dem&lt;br /&gt;
Partner. Der Gedanke nach »Fusionierung&lt;br /&gt;
ohne Manipulation« wird wichtig, jedoch&lt;br /&gt;
bewahrt er die individuellen Grenzen,&lt;br /&gt;
innerhalb derer eigene Entscheidungen —&lt;br /&gt;
bezogen auf die selbstentschiedene Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit (Partnerschaft) — getroffen wer-&lt;br /&gt;
den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal der Einheit ist das Tal der&lt;br /&gt;
Balance zwischen der geistigen und der&lt;br /&gt;
materiellen Welt. Es beschreibt die Prozes-&lt;br /&gt;
se an dieser »Schnittstelle« von Materie&lt;br /&gt;
und Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Auf dieser Stufe zerreißt er die Schleier der&lt;br /&gt;
Vielfältigkeit und flieht aus der Welt der&lt;br /&gt;
Leidenschaft empor zum Himmel der Ein-&lt;br /&gt;
zigkeit...«&#039;”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh erklärt, der Sucher er-&lt;br /&gt;
fahre eine Veränderung seiner Wirklich-&lt;br /&gt;
keit. Der Sucher glaubt noch seiner be-&lt;br /&gt;
kannten Wirklichkeit, gilt sie ihm doch&lt;br /&gt;
bislang als »normal«, und all sein Denken&lt;br /&gt;
dreht sich in diesem Kontext. Wenn in&lt;br /&gt;
diesem Tal beschrieben wird, wie der Su-&lt;br /&gt;
cher die Welt der Leidenschaft verläßt&lt;br /&gt;
und zum Himmel der Einzigkeit gelangt,&lt;br /&gt;
so werden der Prozeß auf der materiellen&lt;br /&gt;
Ebene und die damit verbundenen Wie-&lt;br /&gt;
derholungsprozesse angedeutet, die sich&lt;br /&gt;
auflösen und im Rahmen der geistigen&lt;br /&gt;
Welt zu einer sich nicht wiederholbaren&lt;br /&gt;
Einzigartigkeit entwickeln. Der Sucher ist&lt;br /&gt;
an der »Schnittstelle« zwischen diesen&lt;br /&gt;
beiden Welten angelangt. Außerdem wer-&lt;br /&gt;
den die Gesetzmäßigkeiten der ersten drei&lt;br /&gt;
Stufen bewußter erlebt und erkannt, daß&lt;br /&gt;
in Abhängigkeit von der jeweiligen Stufe,&lt;br /&gt;
in der wir uns befinden, das »Erkennen&lt;br /&gt;
und ihre Benennung der Dinge verschie-&lt;br /&gt;
den (sind), und so kommen fortgesetzt Ge-&lt;br /&gt;
gensätze in die Welt.«!? — Die Gegensät-&lt;br /&gt;
ze beziehen sich also auf die materielle,&lt;br /&gt;
jedoch nicht auf die geistige Ebene.&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=21}}»Das Gesagte gilt nur für die Stufen der&lt;br /&gt;
Welt der Beziehung entsprechend der&lt;br /&gt;
menschlichen Begrenzung« s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh schreibt über diese Schnittstelle&lt;br /&gt;
von materieller und geistiger Ebene:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sich selbst rechnet er weder Namen noch&lt;br /&gt;
Ruhm oder Rang zu, denn er erkennt, daß&lt;br /&gt;
sein eigenes Lob in Gottes Lob ist und sein&lt;br /&gt;
eigener Name im Namen des Wahrhaftigen.&lt;br /&gt;
... Du weißt, daß alle Mannigfaltigkeit, die&lt;br /&gt;
der Wanderer auf seiner Fahrt in der Er-&lt;br /&gt;
scheinungswelt sieht, allein in ihm selbst&lt;br /&gt;
liegt. (Beispiel: Sonnenstrahlen, die durch&lt;br /&gt;
farbiges Glas fallen )&#039;°.. So erklärt es sich,&lt;br /&gt;
daß auch manche schwache Seele der Son-&lt;br /&gt;
ne der geistigen Bedeutung und der Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse des ewigen Geliebten beraubt&lt;br /&gt;
ist, da sie den Boden der Erkenntnis mit der&lt;br /&gt;
Mauer des Ichs und des Begehrens und&lt;br /&gt;
durch die Schleier der Achtlosigkeit und&lt;br /&gt;
Blindheit begrenzt hat.« &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah zeigt auf, daß die gei-&lt;br /&gt;
stige Welt nur wahrgenommen werden&lt;br /&gt;
kann, wenn wir bereit sind, uns in Frage zu&lt;br /&gt;
stellen und unsere Selbsterkenntnis von&lt;br /&gt;
unseren eigenen Vorstellungen zu lösen.&lt;br /&gt;
Das im endlichen Menschen Erfahrene ist&lt;br /&gt;
nicht identisch mit dem unendlichen Reich&lt;br /&gt;
Gottes. Auch die tiefsinnigsten und erha-&lt;br /&gt;
bensten Vorstellungen bleiben letztlich nur&lt;br /&gt;
Produkt des menschlichen Geistes.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh mahnt daher den Sucher zur&lt;br /&gt;
Vorsicht, damit er nicht durch seine in&lt;br /&gt;
irdische Worte gefaßten Erfahrungen einen&lt;br /&gt;
»Abstieg« der geistigen Welten Gottes be-&lt;br /&gt;
wirke und somit eine Vermenschlichung&lt;br /&gt;
Gottes auf die »Ebene der Geschöpfe« dar-&lt;br /&gt;
stelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Geheimnisse gibt es viele, aber Unwissen-&lt;br /&gt;
de unzählige. ... Erkenntnis ist nur ein&lt;br /&gt;
einziger Punkt, durch die Unwissenden&lt;br /&gt;
aber wird er vervielfacht.« «&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige Loslösung ist die Vor-&lt;br /&gt;
aussetzung für den »Einbruch der geistigen&lt;br /&gt;
Mauern des Selbstes«. Dafür wird der Su-&lt;br /&gt;
cher mit einer beglückenden Erfahrung be-&lt;br /&gt;
schenkt. Zudem erweitern sich seine Ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 ebenda, S. 46&lt;br /&gt;
16 ebenda, S. 40&lt;br /&gt;
17 ebenda, S. 39f&lt;br /&gt;
18 ebenda, S. 44&lt;br /&gt;
19 ebenda, S. 46f&lt;br /&gt;
20 ebenda, S. 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sichten in die Wirklichkeit dieser Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sie schwimmen im Meer des Geistes und&lt;br /&gt;
durchschweben die heiligen Lüfte des Lich-&lt;br /&gt;
tes. Wie können auf dieser Stufe Worte be-&lt;br /&gt;
stehen, die Unterscheidungen wie »Erster&amp;lt;&lt;br /&gt;
und »Letzter&amp;lt; oder dergleichen schaf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fen?«&#039;”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»So erklärt es sich, daß auch manche&lt;br /&gt;
schwache Seele der Sonne der geistigen&lt;br /&gt;
Bedeutung und der Geheimnisse des ewigen&lt;br /&gt;
Geliebten beraubt ist, da sie den Boden der&lt;br /&gt;
Erkenntnis mit der Mauer des Ichs und des&lt;br /&gt;
Begehrens und durch die Schleier der Acht-&lt;br /&gt;
losigkeit und Blindheit begrenzt hat. Fe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Einheit in Partnerschaft&lt;br /&gt;
und Ehe erreicht hat, der sieht über die&lt;br /&gt;
individuellen Unterschiede hinweg, sieht&lt;br /&gt;
das Gemeinsame, obwohl diese Unter-&lt;br /&gt;
schiede bestehen bleiben. Er erkennt sich in&lt;br /&gt;
der Seele des Partners wieder. Ein Gefühl&lt;br /&gt;
von Resonanz lebt auf und — gleichsam als&lt;br /&gt;
ob Flügel wachsen würden — wächst der&lt;br /&gt;
Mut, die Mauern des Ichs zu überwinden.&lt;br /&gt;
Der Sucher erträgt die Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
seiner Person. Er unternimmt keine An-&lt;br /&gt;
strengung, den Partner von den eigenen&lt;br /&gt;
Schwächen abzulenken, da sie zu der gan-&lt;br /&gt;
zen Person identifiziert werden. Unbewußt&lt;br /&gt;
werden Schritte erfahren, die dem Glück&lt;br /&gt;
förderlich sind, dabei kann es zu Verwun-&lt;br /&gt;
derungen und Fragen kommen, ob dies&lt;br /&gt;
wirklich ist, ob dies wirklich erfahren wird.&lt;br /&gt;
Der geistige Ursprung ist zwar noch nicht&lt;br /&gt;
vollauf bewußt, manchmal können diese&lt;br /&gt;
Erfahrung auch für einen intuitiven Zufall&lt;br /&gt;
gehalten werden, doch immer häufiger ge-&lt;br /&gt;
winnt die Erkenntnis Raum, sich in einer&lt;br /&gt;
höheren Abhängigkeit gemeinsam defi-&lt;br /&gt;
niert und erfahren zu haben. Das spontane&lt;br /&gt;
Handeln geschieht zunehmend auf Basis&lt;br /&gt;
geistiger Prinzipien und ist immer weniger&lt;br /&gt;
durch den Willen bestimmt. Das Handeln&lt;br /&gt;
auf der Grundlage geistiger Prinzipien ver-&lt;br /&gt;
läuft simultan mit der Wahrnehmung der&lt;br /&gt;
eigenen Embotionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige&lt;br /&gt;
Loslösung ist die&lt;br /&gt;
Voraussetzung&lt;br /&gt;
für den&lt;br /&gt;
»Einbruch der&lt;br /&gt;
geistigen Mauern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Selbstes«.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=22}}Der Sucher&lt;br /&gt;
begreift jetzt,&lt;br /&gt;
daß er alles&lt;br /&gt;
schon in sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst besitzt.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur geistigen Ebene der Sieben Täler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal des Genügens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Zunge ist nicht imstande, diese drei&lt;br /&gt;
letzten Täler zu schildern, und die Sprache&lt;br /&gt;
ist unzulänglich. Die Feder dringt nicht in&lt;br /&gt;
ihr Gebiet, und die Tinte hinterläßt nichts&lt;br /&gt;
als schwärzende Spuren. Fu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Tal wird eine geistige&lt;br /&gt;
Stufe der potentiellen Entwicklungsmög-&lt;br /&gt;
lichkeit der menschlichen Seele erklärt.&lt;br /&gt;
Damit steht der Sucher am Rande seiner&lt;br /&gt;
Wirklichkeit, ab hier partizipiert er an einer&lt;br /&gt;
Welt, die sich der Beschreibung entzieht,&lt;br /&gt;
und spürt den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Windhauch Göttlichen Genügens, der von&lt;br /&gt;
der Ebene des Geistes her weht. Er ver-&lt;br /&gt;
brennt die Schleier des Mangels und schaut&lt;br /&gt;
mit dem inneren und dem äußeren Auge&lt;br /&gt;
das Verborgene und die Erscheinung aller&lt;br /&gt;
Dinge... Seine Trübsal schlägt um in Ent-&lt;br /&gt;
zücken, sein Kummer in Freude, und seine&lt;br /&gt;
Bedrückung und Schwermut wird Frohsinn&lt;br /&gt;
und Wonne. Obschon von außen gesehen&lt;br /&gt;
die Wanderer in diesem Tal auf der Erde&lt;br /&gt;
verweilen, so thronen sie innerlich doch auf&lt;br /&gt;
den Höhen des wahren Sinnes. Sie nehmen&lt;br /&gt;
teil an den unerschöpflichen Gaben der in-&lt;br /&gt;
neren Bedeutung und trinken vom köstli-&lt;br /&gt;
chen Wein des Geistes.«””&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh legt dar, daß der Sucher&lt;br /&gt;
in diesem Entwicklungsstadium eine neue&lt;br /&gt;
Form der Liebe entdeckt, die eine geistige&lt;br /&gt;
Dimension meint, und wie er zur inneren&lt;br /&gt;
Ruhe findet. Der Sucher begreift jetzt, daß&lt;br /&gt;
er alles schon in sich selbst besitzt. Die&lt;br /&gt;
Reise des materiellen Ichs und die der&lt;br /&gt;
»weltlichen« Liebe erfährt hier eine Gren-&lt;br /&gt;
ze. Ab hier folgt die Reise nur noch den&lt;br /&gt;
geistigen Gesetzen, die in dem Sucher&lt;br /&gt;
selbst noch verborgen liegen. Er wendet&lt;br /&gt;
sich von der äußeren Welt ab, um noch&lt;br /&gt;
größere Aufmerksamkeit für die innere&lt;br /&gt;
Wirklichkeit zu gewinnen, was gleichbe-&lt;br /&gt;
deutend ist mit der wahren Zuwendung zu&lt;br /&gt;
Gott. Im Gegensatz zu den beiden ersten&lt;br /&gt;
Tälern ist die Erfahrung der Liebe in die-&lt;br /&gt;
sem Tal nicht der Gefahr des Wiederho-&lt;br /&gt;
lungszwanges unterworfen. Die geistige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 ebenda, S. 48&lt;br /&gt;
22 ebenda, S. 48&lt;br /&gt;
23 ebenda, S. 49&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe öffnet Horizonte und läßt Freiheiten&lt;br /&gt;
entstehen (Loslösung von weltlichen Din-&lt;br /&gt;
gen). Auf dieser Stufe erahnt der Sucher&lt;br /&gt;
intuitiv, wie geborgen und geschützt, wie&lt;br /&gt;
harmonisch und mit welchen tiefen&lt;br /&gt;
Glücksgefühlen seine Seele im Reich Got-&lt;br /&gt;
tes existent ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unwirkliches wird ihm zum Zeichen der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit, und die Eigenschaften wer-&lt;br /&gt;
den ihm zum Zeugnis für das Geheimnis des&lt;br /&gt;
göttlichen Wesens; hat er doch mit einem&lt;br /&gt;
Hauch die Schleier verweht und mit einem&lt;br /&gt;
einzigen Blick die Hüllen durchdrungen.&lt;br /&gt;
Mit unterscheidendem Auge wird er die&lt;br /&gt;
neue Schöpfung gewahr, und mit lichtem&lt;br /&gt;
Herzen begreift er die sinnreichen Zei-&lt;br /&gt;
chen. «&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles scheint satt von Sinn zu sein,&lt;br /&gt;
durchtränkt von den schöpferischen Attri-&lt;br /&gt;
buten, und der Sucher sieht in jedem Objekt&lt;br /&gt;
einen Aspekt des Universums Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Sich genügen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Bahä’u’lläh uns Hinweise&lt;br /&gt;
gibt, daß wir in diesem Entwicklungszu-&lt;br /&gt;
stand zur Ruhe gelangen können, und wir&lt;br /&gt;
diese Ruhe auf Partnerschaft und Ehe über-&lt;br /&gt;
tragen, so erfahren wir auf dieser Stufe die&lt;br /&gt;
Gewißheit, den richtigen Partner gefunden&lt;br /&gt;
zu haben. Im Rahmen einer »Konsolidie-&lt;br /&gt;
rung« soll das Gemeinsame dauerhaft in&lt;br /&gt;
zärtliche Zuneigung übergehen. Zärtlich-&lt;br /&gt;
keit, Ruhe und freundliche Ausstrahlung&lt;br /&gt;
kommen aus der Seele. In dem Ich entsteht&lt;br /&gt;
eine tiefe Sicherheit, die im Dienste der&lt;br /&gt;
Partnerschaft steht. Deutlich ist die Er-&lt;br /&gt;
kenntnis gewachsen, von dem Partner nicht&lt;br /&gt;
sein eigenes Glück zu erwarten. Liebe för-&lt;br /&gt;
dert die Freiheit und zieht dadurch an. Die&lt;br /&gt;
Erfahrung fördert die Bereitschaft zum Ge-&lt;br /&gt;
ben (Partner = Teilhaberschaft). Wenn die&lt;br /&gt;
Reise zum Ziel des materiellen Ichs ange-&lt;br /&gt;
kommen ist, findet in der Partnerschaft&lt;br /&gt;
eine neue Qualität der Zuwendung zu den&lt;br /&gt;
geistigen Ebenen statt. Die Reise führt zu&lt;br /&gt;
geistigen Höhen, die in jedem Menschen&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=23}}verborgen liegen und auf das gemeinsame&lt;br /&gt;
— gegenseitige — Entdecken warten. Die&lt;br /&gt;
Partnerschaft zeichnet sich in der Integra-&lt;br /&gt;
tion der geistigen Welten in die Welt des&lt;br /&gt;
irdischen Lebens aus. Durch diesen Prozeß&lt;br /&gt;
der Integration wendet sie sich mit größerer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit der inneren Wirklichkeit&lt;br /&gt;
zu, was als gleichbedeutend mit der wahren&lt;br /&gt;
Zuwendung zu Gott erfahren wird. Für&lt;br /&gt;
Partnerschaft und Ehe scheint eine neue&lt;br /&gt;
gemeinsame Suche zu beginnen, die selbst-&lt;br /&gt;
verständlich gemeinsam erfolgt, wenn&lt;br /&gt;
auch auf unterschiedlichen Wegen, aber&lt;br /&gt;
beide spüren den »Windhauch Göttlichen&lt;br /&gt;
Genügens«, der ihnen am Rande der Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit von der Ebene des Geistes her&lt;br /&gt;
zuweht. Diese Stufe wirkt ähnlich wie die&lt;br /&gt;
erste Stufe, in der Sehnsucht und Bedürf-&lt;br /&gt;
tigkeit des Menschen wachgerufen wer-&lt;br /&gt;
den, doch nun auf einer geistigen Ebene.&lt;br /&gt;
Der Unterschied liegt darin, daß die Part-&lt;br /&gt;
ner in dieser Partnerschaft über ein Bewußt-&lt;br /&gt;
sein der Einzigartigkeit des anderen und&lt;br /&gt;
über die Verschiedenheit der Situationen in&lt;br /&gt;
jeder Begegnung verfügen. Jede Situation&lt;br /&gt;
ist wie die Herausforderung, das Geheim-&lt;br /&gt;
nis des gemeinsamen Zusammenlebens neu&lt;br /&gt;
zu entdecken. Dies ist vergleichbar mit&lt;br /&gt;
jener Erfüllung, die jedoch noch nicht ihr&lt;br /&gt;
Ende, ihre vollkommene Erfüllung, erfah-&lt;br /&gt;
ren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal des Staunens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unfaßbar, daß die Schöpfung&lt;br /&gt;
kein Ende kennt, auch nicht was den Aspekt&lt;br /&gt;
ihrer Pracht und Schönheit betrifft. Der Su-&lt;br /&gt;
cher erfährt sich partizipierend im Meer&lt;br /&gt;
der »erhabenen Größe«. Im Tal des Genü-&lt;br /&gt;
gens erkennt er den Funken des Schöp-&lt;br /&gt;
fungsaktes, im Tal des Staunens erfährt er&lt;br /&gt;
in jeder Erscheinung der Wirklichkeit die&lt;br /&gt;
Unendlichkeit der Schöpfung, und sich&lt;br /&gt;
selbst erkennt er als Bestandteil all dessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jeder Augenblick zeigt ihm Welten des&lt;br /&gt;
Wunders und eine neue Schöpfung. Er&lt;br /&gt;
wandert von Verwunderung zu Verwunde-&lt;br /&gt;
rung und vergeht aus Ehrfurcht vor den&lt;br /&gt;
Werken des Herrn der Einheit. Ja, mein&lt;br /&gt;
Bruder, wenn wir über irgendeines der er-&lt;br /&gt;
schaffenen Dinge nachdenken, so werden&lt;br /&gt;
wir hunderttausend vollkommene Weishei-&lt;br /&gt;
ten finden und ungezähltes wundersames&lt;br /&gt;
und neues Wissen erfahren. Eine der er-&lt;br /&gt;
schaffenen Erscheinungen ist der Traum:&lt;br /&gt;
Sieh, wieviele Geheimnisse er birgt, welche&lt;br /&gt;
Weisheiten er enthält, und wie groß die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Stufe&lt;br /&gt;
verändert sich&lt;br /&gt;
die »materielle«&lt;br /&gt;
Liebe&lt;br /&gt;
zueinander und&lt;br /&gt;
die Partner&lt;br /&gt;
werden von der&lt;br /&gt;
Erfahrung&lt;br /&gt;
einer&lt;br /&gt;
»geistigen«&lt;br /&gt;
Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bereichert.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahl der Welten ist, die er einschließt. Du&lt;br /&gt;
schläfst in einer verschlossenen Wohnung&lt;br /&gt;
und weilst doch plötzlich weitab in einer&lt;br /&gt;
Stadt, in die du eintrittst, ohne die Glieder&lt;br /&gt;
zu rühren oder dich des Körpers zu bedie-&lt;br /&gt;
nen, du siehst ohne Augen, hörst ohne Oh-&lt;br /&gt;
ren und sprichst ohne Zunge. Und vielleicht&lt;br /&gt;
geschieht es, daß du zehn Jahre danach in&lt;br /&gt;
der äußeren Welt dem, was du nächtlich im&lt;br /&gt;
Traum geschaut hast, begegnest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh spricht von erschaffe-&lt;br /&gt;
nen Erscheinungen und den wundersamen&lt;br /&gt;
Möglichkeiten, die der Mensch im Traum&lt;br /&gt;
erleben kann. Er deutet an, daß der Mensch&lt;br /&gt;
in der Lage ist, verschiedene Welten, die&lt;br /&gt;
einen zeitlosen Charakter haben und der&lt;br /&gt;
materiellen Ebene ungebunden gegenüber-&lt;br /&gt;
stehen, »durchwandern« zu können. Der&lt;br /&gt;
Hinweis scheint den verborgenen seeli-&lt;br /&gt;
schen Kräften im Menschen zu gelten. In&lt;br /&gt;
diesem Tal erfährt der Sucher seine innere&lt;br /&gt;
Kraft. Sie führt ihn in das praktische Erle-&lt;br /&gt;
ben dieser geistigen Fähigkeiten, denen er&lt;br /&gt;
nur staunend gegenüber stehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Gott, der Erhabene, hat diese Zeichen&lt;br /&gt;
(Traum, Anm. d. Autors) in die Menschen&lt;br /&gt;
gelegt, damit die Philosophen die Geheim-&lt;br /&gt;
nisse des Fortlebens nicht zu leugnen ver-&lt;br /&gt;
mögen, noch herabsetzen, was ihnen ver-&lt;br /&gt;
heißen ist. Denn einige stützen sich allein&lt;br /&gt;
auf die Vernunft und leugnen, was von ihr&lt;br /&gt;
nicht erfaßt wird, obwohl außer der Göttli-&lt;br /&gt;
chen, Höchsten Vernunft nie die schwache&lt;br /&gt;
Vernunft die eben geschilderten Dinge zu&lt;br /&gt;
begreifen imstande ist. «&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Staunen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Sucher noch im fünf-&lt;br /&gt;
ten Tal die neuen geistigen Möglichkeiten&lt;br /&gt;
spürt und sie erahnt, erlebt er sich im sech-&lt;br /&gt;
sten Tal als Bestandteil dieser verborgenen&lt;br /&gt;
seelischen Kräfte. Er findet nicht nur zu&lt;br /&gt;
seiner inneren Freiheit, sondern kann diese&lt;br /&gt;
geistigen Fähigkeiten in seinem Alltag&lt;br /&gt;
praktisch auch erleben. Er erlebt sie stau-&lt;br /&gt;
nend und beglückend und kann nicht be-&lt;br /&gt;
greifen oder beschreiben, was mit ihm pas-&lt;br /&gt;
siert. Dies ist die Vorstufe zur Auflösung&lt;br /&gt;
bekannter Identitäten, Strukturen und so-&lt;br /&gt;
zialer Konstruktionen und seines Verständ-&lt;br /&gt;
nisses von sich selbst und der Welt, deren&lt;br /&gt;
Gültigkeiten nicht länger von Bestand zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 ebenda, S. 50&lt;br /&gt;
25 ebenda, S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein scheinen. Jedoch erlebt er keinen Ver-&lt;br /&gt;
lust, denn das Neue ist tausendmal glück-&lt;br /&gt;
spendender. Die Bereicherung in Partner-&lt;br /&gt;
schaft und Ehe entsteht durch das gemein-&lt;br /&gt;
same Teilen dieser erstaunlichen Prozesse,&lt;br /&gt;
und obwohl sie selbst nicht begreifbar&lt;br /&gt;
sind, erlebt jeder Liebende im gemeinsa-&lt;br /&gt;
men Teilen eine Bestätigung, die der Worte&lt;br /&gt;
nicht bedarf. Der Partner fühlt sich nahezu&lt;br /&gt;
und gleichzeitig eins mit jenen unbe-&lt;br /&gt;
schreiblichen Gefühlen, Eindrücken und&lt;br /&gt;
Erfahrungen. Jeder versteht diese Ein-&lt;br /&gt;
drücke für sich und kann dennoch nur einen&lt;br /&gt;
Bruchteil des eigenen Erlebens mitteilen,&lt;br /&gt;
das vom anderen zwar verstanden werden&lt;br /&gt;
kann, aber was die Beschreibung der wirk-&lt;br /&gt;
lichen Empfindung anbelangt — dazu feh-&lt;br /&gt;
len die Worte. Allein das gegenseitige An-&lt;br /&gt;
teilnehmen an diesem Prozeß ist eine unge-&lt;br /&gt;
ahnte Begegnung. Auf dieser Stufe verän-&lt;br /&gt;
dert sich die »materielle« Liebe zueinander&lt;br /&gt;
und die Partner werden von der Erfahrung&lt;br /&gt;
einer »geistigen« Liebe bereichert. Der Un-&lt;br /&gt;
terschied zeigt sich, daß sich die Liebe&lt;br /&gt;
vergrößert, wenn sie sie teilen und eine&lt;br /&gt;
neue Freiheit durch sie entsteht. Jeder Ge-&lt;br /&gt;
danke und jeder Wunsch scheint dem ande-&lt;br /&gt;
ren schon bekannt zu sein, obwohl es ein&lt;br /&gt;
neuer Gedanke ist, der in der mit dem&lt;br /&gt;
Partner gefundenen Bestätigung die größte&lt;br /&gt;
Freude auslöst und bereichernd für die ge-&lt;br /&gt;
meinsame Erfahrung wirkt. Diese Freude&lt;br /&gt;
entspringt aus der Abstinenz von Erwartun-&lt;br /&gt;
gen an den Partner. Das Glück entspringt&lt;br /&gt;
aus einer geistigen Quelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tal der wahren Armut und&lt;br /&gt;
des völligen Vergehens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dies ist die Stufe, aufder das Ich stirbt und&lt;br /&gt;
in Gott lebt, arm in sich selbst und reich&lt;br /&gt;
durch den Ersehnten. Wenn wir auf dieser&lt;br /&gt;
Stufe von Armut sprechen, so ist damit die&lt;br /&gt;
Armut von allem gemeint, was in der er-&lt;br /&gt;
schaffenen Welt ist, und Reichtum durch&lt;br /&gt;
alles, was in der Welt Gottes ist. ... Wer&lt;br /&gt;
diese Stufe erreicht hat, ist über alles, was&lt;br /&gt;
von der Welt ist, geheiligt. Wenn darum die,&lt;br /&gt;
die zu diesem Meer Seiner Gegenwart hin-&lt;br /&gt;
gefunden, nichts mehr von den vergängli-&lt;br /&gt;
chen Dingen in der sterblichen Welt besit-&lt;br /&gt;
zen, sei es äußeres Gut oder eigene Mei-&lt;br /&gt;
nung, so ist darin kein Harm, denn was&lt;br /&gt;
immer die Geschöpfe besitzen, ist begrenzt&lt;br /&gt;
durch ihre eigene Begrenzung, doch was&lt;br /&gt;
Gottes ist, ist darüber geheiligt...«”&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=25}}Bahä’u’lläh versichert dem Men-&lt;br /&gt;
schen, daß der Verlust der Ich-Identität sich&lt;br /&gt;
als unschätzbarer Gewinn herausstellt. Die&lt;br /&gt;
Auflösung der bekannten Form der persön-&lt;br /&gt;
lichen Identität verwandelt sich in eine neue&lt;br /&gt;
Identität, die in ihrer Gestalt völlig anders&lt;br /&gt;
ist. Der Mensch kennt diese neue Form&lt;br /&gt;
nicht und kann sie sich nicht vorstellen;&lt;br /&gt;
gerade dies erschreckt ihn sehr. Der Tod&lt;br /&gt;
symbolisiert die materielle Vergänglichkeit,&lt;br /&gt;
er symbolisiert jedoch nicht das Ende. Die&lt;br /&gt;
menschliche begrenzte Vorstellung ist das&lt;br /&gt;
Produkt des menschlichen begrenzten Ver-&lt;br /&gt;
stehens. (»Verstand und Herz können nie-&lt;br /&gt;
mals das Erzeugnis ihrer eigenen Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen, das Ergebnis ihrer eigenen Gedan-&lt;br /&gt;
ken übersteigen.«?’ Die Wirklichkeit Got-&lt;br /&gt;
tes ist auch außerhalb unserer Vorstel-&lt;br /&gt;
lungswelt existent. Der Philosoph Lichten-&lt;br /&gt;
berg fragte sich in diesem Kontext, wie&lt;br /&gt;
klein Gott sein muß, wenn der Mensch sich&lt;br /&gt;
ihn vorstellen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»O mein Freund! Lausche der Weise des&lt;br /&gt;
Geistes mit Herz und Seele und schätze sie&lt;br /&gt;
wie das Licht deiner Augen, denn nicht im-&lt;br /&gt;
mer werden die göttlichen Weisheiten wie&lt;br /&gt;
Frühlingsregen auf die Schollen der&lt;br /&gt;
menschlichen Herzen strömen. Wenn auch&lt;br /&gt;
des Allgütigen Gnade ohne Unterlaß&lt;br /&gt;
strömt, so ist doch jeder Zeit und jedem&lt;br /&gt;
Abschnitt ein bestimmter Anteil verordnet&lt;br /&gt;
und eine gewisse Gabe bereitgehalten, die&lt;br /&gt;
nach  festgesetztem Maße gespendet&lt;br /&gt;
wird.«”®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fortschreitende Gottesoffenba-&lt;br /&gt;
rung erfüllt diese Gesetzmäßigkeit, denn&lt;br /&gt;
mit dem Auftreten einer neuen Offenbarung&lt;br /&gt;
ist die Frühlingszeit göttlicher Weisheiten&lt;br /&gt;
gemeint. Hier wird darauf angespielt, daß&lt;br /&gt;
wir in einer Welt leben, in der wir durch&lt;br /&gt;
unsere Entscheidung und Hinwendung zur&lt;br /&gt;
göttlichen Wirklichkeit großen Einfluß auf&lt;br /&gt;
unser Sein haben und wir darüber unsere&lt;br /&gt;
Wirklichkeit konstruieren. Erst durch die&lt;br /&gt;
willentliche und bewußte Entscheidung&lt;br /&gt;
haben wir Anteil an dem »Frühlingsregen&lt;br /&gt;
der göttlichen Weisheiten«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»O mein Bruder! Nicht jedes Meer enthält&lt;br /&gt;
Perlen, nicht an jedem Zweig erblühen Ro-&lt;br /&gt;
sen, noch wird die Nachtigall überall sin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 ebenda, S. 53&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27  Bahä’u’lläh, Ährenlese 148&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Bahä’u’llah, Sieben Täler, S. 54&lt;br /&gt;
29 ebenda, S. 54f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 ebenda, $. 55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen. .... Wenn du einmal diese höchste Stufe&lt;br /&gt;
erreicht hast und zu dieser mächtigen Ebe-&lt;br /&gt;
ne gelangt bist, wirst du auf den Geliebten&lt;br /&gt;
schauen und alles andere vergessen. ... So&lt;br /&gt;
hast du nun den Tropfen des Lebens geop-&lt;br /&gt;
fert und dafür das Meer Dessen, Der das&lt;br /&gt;
Leben spendet, gewonnen. Das ist das Ziel,&lt;br /&gt;
nach dem du gefragt hast. So Gott will, wirst&lt;br /&gt;
du es erreichen.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh deutet an, daß der Su-&lt;br /&gt;
cher die Wahrheit finden kann. Er soll&lt;br /&gt;
jedoch mit den Augen der Erkenntnis&lt;br /&gt;
schauen, damit er: weiterhin differenzie-&lt;br /&gt;
rungsfähig bleibt. (»Nicht jedes Meer hat&lt;br /&gt;
Perlen...«). Wahre Armut und völliges Ver-&lt;br /&gt;
gehen bedeutet, daß der Sucher reich wird&lt;br /&gt;
in Gott. Er findet zu Ihm »zurück«. Dies&lt;br /&gt;
ist eine Bestimmung, die in ihm liegt, und&lt;br /&gt;
er erreicht sie auf der Basis einer freiwilli-&lt;br /&gt;
gen Entscheidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In diesem Tal läßt der Wanderer die Stufen&lt;br /&gt;
der »Einheit des Wesens und der Erschei-&lt;br /&gt;
nung«&amp;lt; hinter sich liegen und gelangt zu einer&lt;br /&gt;
Einheit, die über beide geheiligt ist. Ver-&lt;br /&gt;
zückung allein kann das Gesagte begreifen,&lt;br /&gt;
nicht Erörterung oder Wortstreit. Be&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier angedeutete höhere Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsstufe (»Einheit, die über beide&lt;br /&gt;
geheiligt ist«) steht über den beschriebenen&lt;br /&gt;
Ebenen von Materie und Geist. Damit ist&lt;br /&gt;
eine weitere Einheitsstufe gemeint, die erst&lt;br /&gt;
dann erlebbar wird, wenn die Einheit zwi-&lt;br /&gt;
schen materieller und geistiger Ebene er-&lt;br /&gt;
reicht ist. Konnte sich der Sucher noch ein&lt;br /&gt;
Bild von der materiellen und der geistigen&lt;br /&gt;
Ebene gemäß des Entwicklungsprozesses&lt;br /&gt;
machen, der in den Sieben Tälern beschrie-&lt;br /&gt;
ben wird, so deutet dieses Tal eine neue —&lt;br /&gt;
dem Sucher kaum zu begreifende — Di-&lt;br /&gt;
mension an. In diesem Tal scheint sich ihm&lt;br /&gt;
eine Stufe zu eröffnen, die über der Einheit&lt;br /&gt;
von Materie und Geist steht und ihn erah-&lt;br /&gt;
nen läßt, wie der Entwicklungsprozeß in&lt;br /&gt;
noch weitere Entwicklungsdimensionen&lt;br /&gt;
übergeht. Bahä’u’lläh erklärt eindeutig, daß&lt;br /&gt;
der Wanderer sich an das »Gewand des&lt;br /&gt;
Gehorsams zu den Geboten halten und fest&lt;br /&gt;
das Seil des Vermeidens alles Verbotenen&lt;br /&gt;
fassen« soll, willer die Sieben Täler durch-&lt;br /&gt;
wandern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier&lt;br /&gt;
angedeutete&lt;br /&gt;
höhere&lt;br /&gt;
Entwicklungs-&lt;br /&gt;
stufe (»Einheit,&lt;br /&gt;
die über beide&lt;br /&gt;
geheiligt ist«)&lt;br /&gt;
steht über den&lt;br /&gt;
beschriebenen&lt;br /&gt;
Ebenen von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materie und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist.&lt;br /&gt;
HE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=26}}Der Verlust an&lt;br /&gt;
Ich-Identität ist&lt;br /&gt;
nahezu&lt;br /&gt;
vollkommen&lt;br /&gt;
und stellt sich&lt;br /&gt;
als unschätz-&lt;br /&gt;
barer Gewinn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heraus.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHA’I-BRIEFE NT. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Obwohl diese Reisen im Zeitlichen ohne&lt;br /&gt;
erkennbares Ende scheinen, kann der ge-&lt;br /&gt;
löste Wanderer, wenn ihm unsichtbare&lt;br /&gt;
Bestätigung zufließt und der Hüter der&lt;br /&gt;
Sache ihm beisteht, diese sieben Stufen&lt;br /&gt;
mit sieben Schritten, oder mit sieben&lt;br /&gt;
Atemzügen, ja gar in einem Atem, durch-&lt;br /&gt;
messen, wenn dies Gott zuläßt und&lt;br /&gt;
wünscht...&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sieben Täler beschreiben ei-&lt;br /&gt;
nen Weg, der scheinbar mühselig und&lt;br /&gt;
endlos ist, doch wenn Gott will, erfährt der&lt;br /&gt;
Sucher Überraschungen, die ihm wie&lt;br /&gt;
»Sprünge in seiner Entwicklung« vorkom-&lt;br /&gt;
men müssen. In der Regel erhärten alle&lt;br /&gt;
diese Aussagen den Gedanken, daß das&lt;br /&gt;
Erreichen der siebten Stufe ein allmähli-&lt;br /&gt;
cher Vorgang ist und nicht in einem ein-&lt;br /&gt;
maligen Glaubensakt geleistet werden&lt;br /&gt;
kann. Wenn Gott will, wird dieser Vor-&lt;br /&gt;
gang abgekürzt, aber dies liegt nicht mehr&lt;br /&gt;
in der Macht des Suchers, es hängt viel-&lt;br /&gt;
mehr von der Gnade Gottes ab. Die letzten&lt;br /&gt;
Sätze verdeutlichen, daß die Sieben Täler&lt;br /&gt;
am Ende nur die Eröffnung zu einem neu-&lt;br /&gt;
en Anfang beschreiben, den Sucher in das&lt;br /&gt;
Leben der Liebe zu führen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wer in den Himmel der Einzigkeit aufge-&lt;br /&gt;
stiegen und zum Meer des Unumschränkten&lt;br /&gt;
gelangt ist, der erkennt diese Stufe, die das&lt;br /&gt;
Leben in Gott ist, als äußerstes Ziel für die&lt;br /&gt;
mit mystischem Wissen Begabten und als&lt;br /&gt;
höchstes Heim für die Liebenden. Doch für&lt;br /&gt;
diesen in der See der inneren Bedeutung&lt;br /&gt;
Aufgelösten ist diese Stufe das erste Tor zur&lt;br /&gt;
Feste des Herzens, durch das der Mensch&lt;br /&gt;
zum ersten Mal in die Stadt des Herzens&lt;br /&gt;
eintritt.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sinngebung für Ehe und&lt;br /&gt;
Partnerschaft: Wahre Armut und&lt;br /&gt;
völliges Vergehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte noch einmal daran erin-&lt;br /&gt;
nern, was Bahä’u’lläh gesagt hat: Wahre&lt;br /&gt;
Armut und völliges Vergehen bedeuten, daß&lt;br /&gt;
der Mensch reich wird in Gott. Wir finden&lt;br /&gt;
zu Ihm »zurück«. Eine Bestimmung, die in&lt;br /&gt;
uns liegt, und wir können diese Stufe nur&lt;br /&gt;
durch eine Entscheidung aufgrund unseres&lt;br /&gt;
freien Willens erreichen, denn der Glaube&lt;br /&gt;
eines Menschen kann nur von ihm selbst&lt;br /&gt;
abhängen. Wie kann dieses Tal beschrieben&lt;br /&gt;
werden, wenn der Mensch in Gott aufge-&lt;br /&gt;
nommen wird? Die Partnerschaft/Ehe ist an&lt;br /&gt;
einen Punktangelangt, der als das eigentliche&lt;br /&gt;
gemeinsame Ziel bezeichnet werden kann&lt;br /&gt;
und über das die Geliebten gemeinsam eine&lt;br /&gt;
neue Welt betreten, die nur die Tür zu wei-&lt;br /&gt;
teren neuen geistigen Welten ist. Hier hören&lt;br /&gt;
wir als Menschen auf, in unserer konstruier-&lt;br /&gt;
ten Wirklichkeit zu sein. Es gibt sie nicht&lt;br /&gt;
mehr, denn das Erreichen dieser Stufe fördert&lt;br /&gt;
die Überwindung der »Welt der Erscheinun-&lt;br /&gt;
gen und der Begrenzungen«. Diese Stufe&lt;br /&gt;
entfacht bei den Liebenden ein »Feuer der&lt;br /&gt;
Herzensglut« und verwandelt die Liebenden&lt;br /&gt;
in »leuchtende Schönheiten, durch die alle&lt;br /&gt;
Hüllen und Schleier — vom Herzen bis zur&lt;br /&gt;
Haut — verbrennen«, und nichts mehr ver-&lt;br /&gt;
bleibt außer der Liebe zum Geliebten. Die&lt;br /&gt;
Herzen erstrahlen in ihrer Reinheit durch&lt;br /&gt;
die Keuschheit der Seele und die Freiheit&lt;br /&gt;
des Geistes. Wenn sich die Geliebten an-&lt;br /&gt;
schauen, sehen sie ein Spiegelbild ihrer&lt;br /&gt;
Seele und der Schöpfung Gottes. Der Verlust&lt;br /&gt;
an Ich-Identität ist nahezu vollkommen und&lt;br /&gt;
stellt sich als unschätzbarer Gewinn heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rezeption der Sieben Täler auf&lt;br /&gt;
Ehe und Partnerschaft kann in dieser Ar-&lt;br /&gt;
beit nur kurz gefaßt werden und kann auch&lt;br /&gt;
nicht alle aufkommenden Fragen und Ge-&lt;br /&gt;
danken beantworten oder gerecht behan-&lt;br /&gt;
deln. Dies war auch nicht mein Anliegen.&lt;br /&gt;
Vielmehr sollte dem Leser eine subjektive&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3] ebenda, S. 56&lt;br /&gt;
32 ebenda, $. 56f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interpretation angeboten werden, die die&lt;br /&gt;
Sieben Täler in einem »neuen Licht« er-&lt;br /&gt;
scheinen läßt und verständnisfördernd wir-&lt;br /&gt;
ken und zum weiteren Nachdenken anregen&lt;br /&gt;
soll. Bemerkenswert scheint mir die Tatsa-&lt;br /&gt;
che, daß sich in der Darstellung der Sieben&lt;br /&gt;
Täler die ersten drei Täler auf der geistigen&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=27}}Ebene wiederholen, aber ohne den Aspekt&lt;br /&gt;
des Wiederholungszwanges. Durch geisti-&lt;br /&gt;
ge Erkenntnis nehmen geistige Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten Einfluß auf die materiellen Täler. Die&lt;br /&gt;
ersten drei Täler sind ebenfalls mit geisti-&lt;br /&gt;
gen Anteilen beseelt, und die nachfolgen-&lt;br /&gt;
den geistigen Täler berücksichtigen eben-&lt;br /&gt;
falls materielle Gegebenheiten. Somit kön-&lt;br /&gt;
nen materielle Eigenschaften durch geisti-&lt;br /&gt;
gen Einfluß einen bedeutend höheren Sinn&lt;br /&gt;
erfahren, wie dies deutlich erkennbar wurde&lt;br /&gt;
in der Befriedung von Sehnsucht und Lei-&lt;br /&gt;
denschaft. Das Ziel der Sieben Täler ist die&lt;br /&gt;
Erreichung der Einheit von materieller und&lt;br /&gt;
geistiger Welt, damit die körperlichen&lt;br /&gt;
menschlichen Eigenschaften ein Instru-&lt;br /&gt;
ment für die Seele werden, solange die&lt;br /&gt;
unsterbliche Seele an den sterblichen Kör-&lt;br /&gt;
per gebunden ist. Geistige wie psychische&lt;br /&gt;
Fähigkeiten werden Schaden anrichten,&lt;br /&gt;
wenn sie infolge falscher oder unangemes-&lt;br /&gt;
sener Entwicklung fehlerhaft angewendet&lt;br /&gt;
werden. Die Sieben Täler wollen den Weg&lt;br /&gt;
der Seele durch das Labyrinth von Liebe,&lt;br /&gt;
Leidenschaft und Sehnsucht einerseits und&lt;br /&gt;
ihre Befreiung und Loslösung von Grenzen,&lt;br /&gt;
Gesetzen und Bedingungen andererseits&lt;br /&gt;
aufzeigen. Das Ziel besteht darin, dem&lt;br /&gt;
Menschen mittels Erkenntnis die besten&lt;br /&gt;
Bedingungen zu ermöglichen, sein geisti-&lt;br /&gt;
ges Wachstum in Abhängigkeit seiner&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu entwickeln. Jedes Indi-&lt;br /&gt;
viduum, das zu seiner angemessenen gei-&lt;br /&gt;
stigen und materiellen Entwicklung findet,&lt;br /&gt;
wird sensibel für seine physischen und see-&lt;br /&gt;
lischen Bedürfnisse. In der Partnerschaft&lt;br /&gt;
drückt sich dieser Prozeß in einem sich&lt;br /&gt;
gegenseitig ermutigenden und fördernden&lt;br /&gt;
Verhalten aus, gemeinsam zu gesunden und&lt;br /&gt;
glücklichen Einzelmenschen zu werden,&lt;br /&gt;
die ihre eigene »Gesundheit« in Abhängig-&lt;br /&gt;
keit der Pflege ihrer Ehe/Partnerschaft und&lt;br /&gt;
der Gesellschaft sehen und dabei beseelt&lt;br /&gt;
und geführt werden von geistigen Erkennt-&lt;br /&gt;
nissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renate&lt;br /&gt;
Herzfeld-Modern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die&lt;br /&gt;
Zukunft&lt;br /&gt;
der Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SERERSSSCTENDIERNNUDINIIIIEII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus einer Predigt, die Prof. Dr. Levi&lt;br /&gt;
Herzfeld im Jahre 1871 in Braunschweig hielt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RR w on&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RATTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nachfolgende Text gibt einige Ausschnitte aus einer Predigt wieder, die&lt;br /&gt;
der Landesrabbiner Dr. Levi Herzfeld zur Zeit der Beendigung des Krieges&lt;br /&gt;
zwischen Deutschland und Frankreich in der Synagoge zu Braunschweig&lt;br /&gt;
gehalten hat. Herzfeld hat sich ausgezeichnet als Redner, Geschichts- und&lt;br /&gt;
Altertumsforscher und ebenso als einer der ersten jüdischen, liberal denken-&lt;br /&gt;
den Persönlichkeiten. Seine Totenmaske und viele seiner Werke befinden sich&lt;br /&gt;
in der Jüdischen Abteilung des Braunschweiger Landesmuseums. Die folgen-&lt;br /&gt;
den Abschnitte wurden von Levi Herzfelds Urenkelin, Renate Herzfeld-Mo-&lt;br /&gt;
dern, im Jahre 1991 ausgewählt. Ihre Wiederveröffentlichung 1991 in Brasi-&lt;br /&gt;
lien auf Portugiesisch und nun auch auf Deutsch soll eine Ehrung sein für&lt;br /&gt;
diesen weisen, gelehrten, mutigen und weitschauenden Mann, dessen Wissen&lt;br /&gt;
unbedingt erhalten bleiben und bekannt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorwort stituts zur Förderung jüdischer Literatur«&lt;br /&gt;
(1860-1873).&lt;br /&gt;
Zur besseren Information der Leser Herzfeld, der bekannt wurde als Ge-&lt;br /&gt;
folgt hier, was die »Universal Jewish Ency- schichtsforscher und Archäologe, schrieb un-&lt;br /&gt;
clopedia« über Levi Herzfeld schreibt: ter anderem folgende Werke:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Übersetzung von Ecclesiastes, mit&lt;br /&gt;
Professor Dr. Levi Herzfeld wurde Kommentaren;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1810 in Elbrich im Harz geboren und starb&lt;br /&gt;
1884 in Braunschweig. Im Jahre 1842 wurde&lt;br /&gt;
er Braunschweigischer Landesrabbiner und&lt;br /&gt;
1879 verlieh ihm der Herzog von Braun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Vorschläge für eine Reform der jüdi-&lt;br /&gt;
schen Heiratsgesetze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschichte des Volkes Israel (3 Bände);&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ü&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schweig den Professorentitel für seine wert- O Minhath Zikkaron, ein Lehrbuch für jü-&lt;br /&gt;
vollen Forschungsarbeiten. dische Religionsschulen;&lt;br /&gt;
U Methodologische Voruntersuchungen&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem Rabbiner Lud- für eine Geschichte des hebräischen&lt;br /&gt;
wig Philippson berief er den ersten Rabbi- bzw. alt-jüdischen Handels;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nerkongreß, der in Deutschland abgehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sgeschic s Alter-&lt;br /&gt;
wurde, nach Braunschweig, um über die Mo- Q Handelsgeschichte der Juden des Alter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. tums;&lt;br /&gt;
dernisierung des Judentums zu beraten&lt;br /&gt;
(1844). Bei diesem wie bei weiteren Kon- Q Die Kunstwerke der Hebräer.&lt;br /&gt;
gressen in Frankfurt und Breslau vertrat er&lt;br /&gt;
eine eher moderate Reform, die auf geschicht- Viele der Predigten, die Levi Herz-&lt;br /&gt;
lichen Betrachtungen gegründet war. Er war, feld im Laufe der 42 Jahre als Braunschwei-&lt;br /&gt;
zusammen mit Philippson, Direktor des »In- gischer Landesrabbiner gehalten hat, wur-&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=29}}den auf Wunsch der Gemeinde&lt;br /&gt;
gedruckt, so »Die Lehre über den&lt;br /&gt;
Messias« (1844) und ebenfalls&lt;br /&gt;
die Passah-Predigt, die den Anlaß&lt;br /&gt;
zur vorliegenden Ausführung&lt;br /&gt;
gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einführung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Levi Herzfeld wird als&lt;br /&gt;
der erste Geschichtsschreiber der&lt;br /&gt;
jüdischen Wirtschaftsgeschichte&lt;br /&gt;
bezeichnet aufgrund seiner&lt;br /&gt;
»Handelsgeschichte der Juden&lt;br /&gt;
des Altertums«, ein Werk, das bis&lt;br /&gt;
heute bleibendes Interesse her-&lt;br /&gt;
vorruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzfeld wurde bis weit&lt;br /&gt;
über die Grenzen seines Landes&lt;br /&gt;
hinaus geachtet und er besaß, wie&lt;br /&gt;
sein Biograph bestätigt, eine be-&lt;br /&gt;
sondere Gabe als Redner, der sei-&lt;br /&gt;
nen Predigten eine geschliffene&lt;br /&gt;
Form gab, tief durchgeistigt und&lt;br /&gt;
voller Gelehrsamkeit. Seine&lt;br /&gt;
Feinfühligkeit war außerge-&lt;br /&gt;
wöhnlich, ebenso seine Fähig-&lt;br /&gt;
keit, zu beobachten und zu ver-&lt;br /&gt;
stehen und dadurch Ausblicke&lt;br /&gt;
auf die Zukunft zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Studium und die Er-&lt;br /&gt;
ziehung der Jugend waren immer&lt;br /&gt;
ein Teil der Anliegen, die seinem&lt;br /&gt;
Herzen am nächsten standen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heutzutage stellen wir fest, daß&lt;br /&gt;
Levi Herzfeld sich nicht nur durch seine&lt;br /&gt;
umfassende Bildung und seine großen&lt;br /&gt;
Kenntnisse in der Auslegung von Talmud&lt;br /&gt;
und Bibel auszeichnet sowie durch seine&lt;br /&gt;
liberalen und wirklich fortschrittlichen, je-&lt;br /&gt;
doch gleichzeitig zurückhaltenden, mode-&lt;br /&gt;
raten Ideen, sondern auch als einer der er-&lt;br /&gt;
sten jüdischen geistigen Führer mit libera-&lt;br /&gt;
ler Denkungsart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner ausführlichen Stu-&lt;br /&gt;
dien hatte er den Mut, die Zukunft der&lt;br /&gt;
Menschheit vorauszusehen, in der Juden&lt;br /&gt;
und Nicht-Juden brüderlich vereint einen&lt;br /&gt;
gemeinsamen Weg beschreiten werden.&lt;br /&gt;
Eine Zukunft, die damals noch fast undenk-&lt;br /&gt;
bar weit entfernt war von den Gedanken-&lt;br /&gt;
gängen seiner eigenen Generation. Heute&lt;br /&gt;
jedoch, nachdem schon mehr als ein Jahr-&lt;br /&gt;
hundert seit Herzfelds Tod im Jahre 1884&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangen ist, beginnen wir noch immer&lt;br /&gt;
weit entfernt am Horizont die ersten Licht-&lt;br /&gt;
strahlen der Verwirklichung jener Ideale,&lt;br /&gt;
die ersten bescheidenen und schüchternen&lt;br /&gt;
Ansätze des so oft prophezeiten und unum-&lt;br /&gt;
gänglichen messianischen Reiches auf die-&lt;br /&gt;
ser Erde, an das so viele Menschen heutzu-&lt;br /&gt;
tage gar nicht mehr zu glauben wagen, zu&lt;br /&gt;
erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der gewaltigen Stürme, die&lt;br /&gt;
noch immer über unseren Planeten fegen,&lt;br /&gt;
trotz der Konflikte und des Hasses, die noch&lt;br /&gt;
immer vielerorts existieren, fühlen wir,&lt;br /&gt;
wenn wir die Weltgeschehnisse mit welt-&lt;br /&gt;
umfassendem Blick betrachten, daß sich&lt;br /&gt;
uns doch schon ein wenig die Zukunft&lt;br /&gt;
genähert hat, in der alle Völker der Erde&lt;br /&gt;
»Gott mit einem Namen anrufen« werden&lt;br /&gt;
und in der alle fühlen, daß sie zu einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzigen Familie gehören, zur Familie der&lt;br /&gt;
Menschheit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof. Dr. Levi&lt;br /&gt;
Herzfeld (um 1860)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=30}}Vielleicht wäre es noch interessant,&lt;br /&gt;
die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Tat-&lt;br /&gt;
sache zu lenken, daß Dr. Herzfeld diese&lt;br /&gt;
Predigt unmittelbar nach der Beendigung&lt;br /&gt;
des deutsch-französischen Krieges gehalten&lt;br /&gt;
hat. Deutschland hatte ge-&lt;br /&gt;
wonnen, weswegen Herzfeld&lt;br /&gt;
zuerst Gott für diesen Sieg&lt;br /&gt;
dankt, aber seine Gemeinde&lt;br /&gt;
warnt, nicht zu stolz und froh&lt;br /&gt;
über diesen Sieg zu sein, da&lt;br /&gt;
ein wirklicher und dauerhaf-&lt;br /&gt;
ter Friede nur zu erreichen&lt;br /&gt;
sei, wenn die gesamte&lt;br /&gt;
Menschheit bereit ist sich zu&lt;br /&gt;
vereinigen — eine Einigung&lt;br /&gt;
ohne Vorurteile irgendwel-&lt;br /&gt;
cher Art und unter dem Ban-&lt;br /&gt;
ner von Brüderlichkeit, Liebe&lt;br /&gt;
und gegenseitiger Achtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wieder&lt;br /&gt;
Welthandel den&lt;br /&gt;
5 flv f ‚des: s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der&lt;br /&gt;
Predigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
edlichen gegen-&lt;br /&gt;
seitigen Austausch&lt;br /&gt;
erfahren, ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur in den messiani-&lt;br /&gt;
schen Stellen der Schrift und&lt;br /&gt;
von einigen modernen Men-&lt;br /&gt;
schenfreunden, die aber als&lt;br /&gt;
unpraktische Schwärmer&lt;br /&gt;
gelten, wird es ausgespro-&lt;br /&gt;
chen, daß alle die verschiedenen Nationen&lt;br /&gt;
der Erde eine Völkerfamilie zu bilden beru-&lt;br /&gt;
fen sind, von welcher jede Nation ihre be-&lt;br /&gt;
sonderen Anlagen und Vorzüge, ihre beson-&lt;br /&gt;
deren geistigen oder technischen Geschick-&lt;br /&gt;
lichkeiten, ihre besonderen Geistesrichtun-&lt;br /&gt;
gen hat, und daß die Menschheit erst dann&lt;br /&gt;
ein wohlgegliedertes Ganzes bilden werde,&lt;br /&gt;
wenn die Völker miteinander bloß wettei-&lt;br /&gt;
fern in den Werken des Friedens, wenn sie,&lt;br /&gt;
fern von aller Selbstüberhebung, die Vorzü-&lt;br /&gt;
ge jedes anderen Volkes bereitwillig aner-&lt;br /&gt;
kennen... Ganz wie der Welthandel den&lt;br /&gt;
Überfluß des einen Landes dem anderen&lt;br /&gt;
zuführt, so müssen auch alle geistigen Kräf-&lt;br /&gt;
te und Leistungen der Völker einen friedli-&lt;br /&gt;
chen gegenseitigen Austausch erfahren, das&lt;br /&gt;
ist nicht bloß messianisch, sondern jeder&lt;br /&gt;
edlere Mensch hofft, daß dies auch die ein-&lt;br /&gt;
zig richtige Politik der Zukunft sein wird...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe übrigens vorhin schon an-&lt;br /&gt;
gedeutet, daß ich heute von Religion in&lt;br /&gt;
ihrem allgemeineren Sinne, wie sie die gan-&lt;br /&gt;
ze Menschheit zu durchdringen und zu um-&lt;br /&gt;
spannen trachtet, reden wollte. Nur ist noch&lt;br /&gt;
eine Vorstufe hierzu kurz anzugeben...,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30  BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nämlich, daß die Religion Israels keines-&lt;br /&gt;
wegs sich in sich selbst einspinnt, sondern&lt;br /&gt;
die Augen offen hat auch für die übrigen&lt;br /&gt;
geschichtlichen Religionsformen und für&lt;br /&gt;
den religiösen Gedanken überhaupt. Ich&lt;br /&gt;
sagte zuvor daß man auch das Fremde in&lt;br /&gt;
seiner wahren Bedeutung anerkennen müs-&lt;br /&gt;
se. Die verdiente Anerkennung des Abwei-&lt;br /&gt;
chenden versagt nur der, welcher einen sehr&lt;br /&gt;
engen Blick hat...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne sagt auch der Tal-&lt;br /&gt;
mud..., die Frommen aller Völker würden&lt;br /&gt;
Teil an der ewigen Seligkeit haben — wie&lt;br /&gt;
hoch steht er hierdurch über jeder Lehre&lt;br /&gt;
von einer alleinseligmachenden Kirche!&lt;br /&gt;
Ferner ist es zwar der Kern der messiani-&lt;br /&gt;
schen Idee, daß einst »alle Völker den Ewi-&lt;br /&gt;
gen anrufen und einmütig ihm dienen«.&lt;br /&gt;
Aber nicht im Entferntesten wurde dies von&lt;br /&gt;
den Denkern unseres Stammes dahin auf-&lt;br /&gt;
gefaßt, daß alsdann die jüdische Religions-&lt;br /&gt;
ausübung das Gemeingut aller Nationen&lt;br /&gt;
sein würde, sondern bloß dahin, daß die&lt;br /&gt;
wichtigsten Heilslehren unserer Religion&lt;br /&gt;
sich über die ganze Menschheit verbreiten&lt;br /&gt;
würden... Dagegen die speziell jüdischen&lt;br /&gt;
Religionsausübungen und Formen sollten&lt;br /&gt;
im messianischen Reiche ganz aufhören&lt;br /&gt;
(mizwot betelot leasid labo), das erklärt&lt;br /&gt;
wiederum der verschrieene Talmud ganz&lt;br /&gt;
unumwunden. Die Brücke ist also längst&lt;br /&gt;
geschlagen zwischen unserer besonderen&lt;br /&gt;
Religion und der allgemeinen Religion der&lt;br /&gt;
Menschheit. Fällt in diesem geistigen Pro-&lt;br /&gt;
zesse so manches hinweg, was durch die&lt;br /&gt;
Pflege von Jahrtausenden mit uns ganz ver-&lt;br /&gt;
wachsen ist: der menschheitlichen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung muß dieses Opfer gebracht wer-&lt;br /&gt;
den. Und Jeremias sagt schon einmal, in&lt;br /&gt;
jenen Tagen würde man nicht mehr der&lt;br /&gt;
Bundeslade des Herrn gedenken, da als-&lt;br /&gt;
dann jenes Jerusalem, dahin alle Völker&lt;br /&gt;
sich versammeln, der Thron Gottes heißen&lt;br /&gt;
werde...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich flehe und hoffe, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit diesem gezeigten Ziele, wenn&lt;br /&gt;
auch langsam, immer mehr zureifen, immer&lt;br /&gt;
mehr zuschreiten wird, und es werden sich&lt;br /&gt;
mit der Zeit Formen finden lassen, in wel-&lt;br /&gt;
chen gemeinsam der gemeinsame Gott ver-&lt;br /&gt;
ehrt und angerufen wird. Wenn aber einmal&lt;br /&gt;
dies erfolgt sein wird, dann werden die&lt;br /&gt;
Urenkel eine Friedensfeier begehen, wel-&lt;br /&gt;
che über unserer letzten so hoch stehen&lt;br /&gt;
wird, wie der religiöse Gedanke hocherha-&lt;br /&gt;
ben über jeden politischen ist...&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=31}}Gott, für die Religion, dieses köst-&lt;br /&gt;
lichste Deiner Geschenke, hast Du viel-&lt;br /&gt;
leicht denselben Entwicklungsgang be-&lt;br /&gt;
stimmt, welchen der einzelne Mensch&lt;br /&gt;
durchmachen soll. Etwa die ersten zwölf&lt;br /&gt;
Jahre seines Lebens ist er bloß ein Kind,&lt;br /&gt;
und die elterliche Wohnung seine Welıt.&lt;br /&gt;
Dann folgen die Jahre, in welchen er mit&lt;br /&gt;
erwachendem und immer klarer werden-&lt;br /&gt;
dem Bewußtsein die Welt um sich her wahr-&lt;br /&gt;
nimmt und mit ihr wie in schüchternen&lt;br /&gt;
Versuchen in einige Verbindung tritt, halb&lt;br /&gt;
gehört er schon ihr an, halb noch dem&lt;br /&gt;
elterlichen Hause. Endlich aber erkennt&lt;br /&gt;
sich der Mensch als Glied der ganzen Kette&lt;br /&gt;
der Menschheit und fühlt sich als Weltbür-&lt;br /&gt;
ger, wenn sein Geist ihm gestattet, bis dahin&lt;br /&gt;
vorzudringen. Fast scheint es, daß Du,&lt;br /&gt;
Herr, seine treueste Leiterin, die Religion,&lt;br /&gt;
in der Menschheit entwickelt haben willst.&lt;br /&gt;
So lange es Einzelreligionen gibt, steht die&lt;br /&gt;
Religion noch selbst in ihrer Kindheit. Die&lt;br /&gt;
angeborene elterliche Religion ist traulich,&lt;br /&gt;
wie das elterliche Wohnhaus, aber bedingt&lt;br /&gt;
auch wie dieses zu Isolierung und Aus-&lt;br /&gt;
schließung. Doch die Menschheit ist älter&lt;br /&gt;
geworden, und die Einzelreligionen sollten&lt;br /&gt;
wohl nunmehr anfangen, in Verbindung&lt;br /&gt;
miteinander zu treten und sich bewußt zu&lt;br /&gt;
werden, daß sie doch im Grunde ganz das&lt;br /&gt;
nämliche Ziel verfolgen, wenn sie echt sind,&lt;br /&gt;
wenn sie den ernstlichen Willen hegen, die&lt;br /&gt;
Menschen zu heiligen und wahrhaft zu be-&lt;br /&gt;
glücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede einzelne Religion hat ihren ei-&lt;br /&gt;
genen Entwicklungsgang durchzumachen,&lt;br /&gt;
aber das Ende aller Entwicklung auf die-&lt;br /&gt;
sem Gebiete muß sein, daß die ausgewach-&lt;br /&gt;
sene Menschheit eine allen gemeinsame&lt;br /&gt;
Religion besitzt, zu welcher jede einzelne&lt;br /&gt;
von eigenem höheren Gehalt ihr Bestes bei-&lt;br /&gt;
gesteuert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der ersten Stufe stehen sie ne-&lt;br /&gt;
beneinander getrennt, auf der zweiten sol-&lt;br /&gt;
len sie einander die Hände reichen, auf der&lt;br /&gt;
dritten und letzten Stufe aber müssen sie zu&lt;br /&gt;
einer gemeinsamen verschmelzen, wie&lt;br /&gt;
schon in unserem Alenu-Gebet ausgespro-&lt;br /&gt;
chen ist, daß Dir einst jedes Knie sich&lt;br /&gt;
beugen und jede Zunge schwören wird. Es&lt;br /&gt;
darf nicht gehofft werden, daß dieses edel-&lt;br /&gt;
ste Sehnen der edelsten Sterblichen bald&lt;br /&gt;
sich erfülle, denn die Menschheit schreitet&lt;br /&gt;
langsam. Aber wir bitten Dich, ihr zu hel-&lt;br /&gt;
fen, o Gott, daß die zweite dieser Stufen&lt;br /&gt;
nunmehr recht bald erstiegen werde. Amen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachwort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor nunmehr über hundert Jahren&lt;br /&gt;
sprach ein Gelehrter, mit weiter Sicht be-&lt;br /&gt;
gabter Mensch in Deutschland diese Worte,&lt;br /&gt;
die wir gerade gelesen haben.&lt;br /&gt;
Sie sind das Resultat seiner&lt;br /&gt;
Bibel- und Talmudforschun-&lt;br /&gt;
gen und man spürt seine feste&lt;br /&gt;
Zuversicht, seinen Mut und&lt;br /&gt;
seine fortschrittliche Den-&lt;br /&gt;
kungsart, die uns noch heute&lt;br /&gt;
begeistern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wußte Levi&lt;br /&gt;
Herzfeld nicht, daß der Rei-&lt;br /&gt;
feprozeß der Menschheit in-&lt;br /&gt;
nerhalb der nächsten Genera-&lt;br /&gt;
tion einen unvorstellbaren&lt;br /&gt;
und gewaltigen Rückschritt&lt;br /&gt;
machen würde, der anschei-&lt;br /&gt;
nend unvermeidlich war auf&lt;br /&gt;
dem schweren Wege der Ent-&lt;br /&gt;
wicklung. Er konnte nicht&lt;br /&gt;
voraussehen, daß eine seiner&lt;br /&gt;
Schwiegertöchter sich wäh-&lt;br /&gt;
rend des zweiten Weltkrieges&lt;br /&gt;
an seinem Wirkungsort&lt;br /&gt;
Braunschweig im Jahre 1943&lt;br /&gt;
das Leben nehmen würde,&lt;br /&gt;
am Tage bevor sie abtrans-&lt;br /&gt;
portiert werden sollte in ein Konzentra-&lt;br /&gt;
tionslager, wo sie mit 83 Jahren keinerlei&lt;br /&gt;
Überlebenschancen gehabt hätte. Auch&lt;br /&gt;
konnte Levi Herzfeld nicht ahnen, daß die&lt;br /&gt;
Mehrheit seiner zahlreichen Nachkommen&lt;br /&gt;
in die ganze Welt verstreut werden würde,&lt;br /&gt;
um der barbarischen Verfolgung und der&lt;br /&gt;
Vernichtung während der schlimmen Zeit&lt;br /&gt;
zwischen 1933 und 1945 zu entgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von ihnen konnten sich nicht&lt;br /&gt;
retten, sie gehören zu den sechs Millionen&lt;br /&gt;
Opfern des Holocaust, die auf dem tragi-&lt;br /&gt;
schen Wege der Reifwerdung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit ihr Leben lassen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch wußte Levi Herzfeld oder er&lt;br /&gt;
sah wirklich voraus, daß die wichtigsten&lt;br /&gt;
Lehren seiner Religion »sich über die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit verbreiten« würden und daß im&lt;br /&gt;
Ablauf der geschichtlichen Ereignisse, die&lt;br /&gt;
leider mit so unaussprechlichen Leiden ver-&lt;br /&gt;
bunden waren und mancherorts noch sind,&lt;br /&gt;
die ersten Anzeichen dieser Entwicklung&lt;br /&gt;
zum Vorschein kommen würden wie Blu-&lt;br /&gt;
men, die aus Trümmern hervorsprießen und&lt;br /&gt;
die man heute schon in allen Teilen der Welt,&lt;br /&gt;
wenn auch noch so zart, beobachten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’L-BRIEFE NR. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=32}}32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, trotz der tiefen Verbitterung, die&lt;br /&gt;
fast alle Überlebenden der Verfolgung mit&lt;br /&gt;
sich herumtragen, trotz der schlimmen Zeit&lt;br /&gt;
der beiden Weltkriege, die allen Beteiligten&lt;br /&gt;
gewaltig zusetzte, trotz der noch immer&lt;br /&gt;
furchtbaren Bedrohung der gesamten&lt;br /&gt;
Menschheit, einer Bedrohung, die durch die&lt;br /&gt;
zu schnelle technische Entwicklung ohne&lt;br /&gt;
den gleichzeitigen Fortschritt auf geistiger&lt;br /&gt;
Ebene eine ständige Gefahr darstellt, und&lt;br /&gt;
das sowohl waffenmäßig als auch aus öko-&lt;br /&gt;
logischer Sicht gesehen, — trotz alledem&lt;br /&gt;
wird doch schon in der ganzen Welt darauf&lt;br /&gt;
aufmerksam gemacht, daß der Weltfrieden&lt;br /&gt;
ein allen gemeinsames Ziel werden muß.&lt;br /&gt;
Und das gilt sowohl für den Einzelmen-&lt;br /&gt;
schen als auch für alle Völker der Erde. Es&lt;br /&gt;
ist ein Wachrütteln aller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Leitsatz der UNESCO sagt fol-&lt;br /&gt;
gendes: Da die Kriege im Geiste der Men-&lt;br /&gt;
schen entstehen, muß auch die Verteidigung&lt;br /&gt;
des Friedens durch den Geist aufgebaut&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals wurde so viel vom Frieden&lt;br /&gt;
gesprochen, niemals haben die Menschen&lt;br /&gt;
derartig weltumfassend gedacht wie jetzt,&lt;br /&gt;
und nie haben sich so viele Stimmen für&lt;br /&gt;
den Weltfrieden erhoben, für die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit und für die Menschenrechte,&lt;br /&gt;
wie jetzt, etwa 120 Jahre nach dem Tag, an&lt;br /&gt;
dem Dr. Levi Herzfeld seine so propheti-&lt;br /&gt;
sche Predigt hielt. Am fernen Horizont er-&lt;br /&gt;
scheint ein erstes zartes Leuchten, und nach&lt;br /&gt;
und nach beginnen die Menschen sich be-&lt;br /&gt;
wußt zu werden, daß sie ein gemeinsames&lt;br /&gt;
Schicksal haben und daß der wirkliche Frie-&lt;br /&gt;
de durch ihre innere Haltung entsteht, die&lt;br /&gt;
durch die geistige und moralische Hand-&lt;br /&gt;
lungsweise jedes einzelnen unterstützt wer-&lt;br /&gt;
den muß. Es ist eine logische und unum-&lt;br /&gt;
gängliche Notwendigkeit, daß es weise und&lt;br /&gt;
gerechte Gesetze geben muß sowie eine&lt;br /&gt;
neue Weltordnung, nach der sich die Men-&lt;br /&gt;
schen ausrichten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Welt gibt es einzelne und&lt;br /&gt;
Gruppen, deren wertvolle, idealistische Ar-&lt;br /&gt;
beit und Hingabe nicht verlorengehen kön-&lt;br /&gt;
nen und dürfen, da sie dabei sind, die tie-&lt;br /&gt;
finnersten menschlichen Werte erneut her-&lt;br /&gt;
vorzubringen und zu verarbeiten. Sie su-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen und finden friedliche Lösungen für die&lt;br /&gt;
schweren sozialen und wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Probleme, die die Menschheit geiseln. Es&lt;br /&gt;
gibt selbstlose Menschen, die ihr ganzes&lt;br /&gt;
Sein einsetzen für das Wohlergehen der&lt;br /&gt;
leidenden Bevölkerung, und es gibt viele,&lt;br /&gt;
die auf völlig altruistische Weise und ohne&lt;br /&gt;
Vorurteile an dem besseren Verständnis und&lt;br /&gt;
der Annäherung der verschiedenen religiö-&lt;br /&gt;
sen, ethnischen, nationalen und sozialen&lt;br /&gt;
Gruppen arbeiten. Es existieren Personen,&lt;br /&gt;
deren einziges Ziel im Leben es ist, anderen&lt;br /&gt;
ihre Leiden zu lindern oder gar zu beheben.&lt;br /&gt;
Und es gibt immer mehr Menschen, die ihr&lt;br /&gt;
Heim und ihren Besitz verlassen, ihr Land,&lt;br /&gt;
ihre Bequemlichkeit, ihre Vergnügungen,&lt;br /&gt;
und die manchmal sogar ihr Leben opfern,&lt;br /&gt;
um das kommen jenes Tages zu beschleu-&lt;br /&gt;
nigen, an dem es außer der Ausmerzung von&lt;br /&gt;
Verfolgungen, Haß und Vorurteilen, von&lt;br /&gt;
Streit und Kriegen, nur ein einziges Ziel&lt;br /&gt;
geben wird: Die Vereinigung aller Völker&lt;br /&gt;
der Welt in einer einzigen großen Familie!&lt;br /&gt;
Es wird der Tag sein, den Levi Herzfeld im&lt;br /&gt;
Jahre 1871 von ferne sah, als er voller&lt;br /&gt;
Zuversicht, trotz der feindlichen oder un-&lt;br /&gt;
aufgeklärten Welt in seiner Umgebung, in&lt;br /&gt;
seiner Predigt sagte, daß bestimmt der Tag&lt;br /&gt;
kommen wird, an dem »alle Völker ge-&lt;br /&gt;
meinsam Gott anrufen und ihm dienen«&lt;br /&gt;
werden, an dem die Menschheit reif und&lt;br /&gt;
erwachsen sein und an dem ihr einziges&lt;br /&gt;
Streben dahingehen würde, dem menschli-&lt;br /&gt;
chen Leben einen edlen Sinn und eine&lt;br /&gt;
glückliche Existenz zu geben. An dem Tag&lt;br /&gt;
wird die Sonne der Wahrheit die ganze Welt&lt;br /&gt;
erleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt in der Welt eine unsäglich&lt;br /&gt;
starke Kraft des Guten, und diese wird ei-&lt;br /&gt;
nes Tages die Macht des Fanatismus, der&lt;br /&gt;
Gewalt, des Egoismus und der Gewinn-&lt;br /&gt;
sucht besiegen. Sie wird die geistige Träg-&lt;br /&gt;
heit und die Unwissenheit durch konstruk-&lt;br /&gt;
tive Aktivität und Bildung ersetzen und&lt;br /&gt;
nach und nach — denn es handelt sich um&lt;br /&gt;
einen unendlich subtilen und langwierigen&lt;br /&gt;
Prozeß — wird jene Welt voller Liebe,&lt;br /&gt;
Harmonie, Frieden und Wohlergehen ent-&lt;br /&gt;
stehen, die uns in allen heiligen Schriften&lt;br /&gt;
und von vielen Weisen und Sehern, die&lt;br /&gt;
schon über diese Erde geschritten sind, pro-&lt;br /&gt;
phezeit wurde.&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=33}}Die Natur kann&lt;br /&gt;
ohne uns leben,&lt;br /&gt;
aber wir nicht&lt;br /&gt;
ohne sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Im Einvernehmen mit der Natur«, so lautet der Titel eines Buches, in dem&lt;br /&gt;
der Münchner Physik-Professor und Träger des » Alternativen Nobelpreises«&lt;br /&gt;
Hans-Peter Dürr einen grundlegenden Wertewandel fordert. Dürrs These:&lt;br /&gt;
Die falsche Einstellung des »modernen« Menschen zu seiner Umwelt produ-&lt;br /&gt;
ziere lebensbedrohende Gefahren. Diese Einstellung müsse geändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Peter Dürr studierte bei dem berühmten deutschen Atomphysiker Werner&lt;br /&gt;
Heisenberg. Heisenberg entdeckte die Bausteine des Atomkerns und wurde für&lt;br /&gt;
seine grundlegenden Arbeiten zur Quantentheorie mit dem Nobelpreis ausge-&lt;br /&gt;
zeichnet. Später arbeitete Hans-Peter Dürr unter dem amerikanischen Physiker&lt;br /&gt;
Edward Teller. Teller war maßgeblich an der Entwicklung der Wasserstoff- sowie&lt;br /&gt;
der Atombombe beteiligt. Erstmals Aufsehen erregte Dürr, als er das amerikani-&lt;br /&gt;
sche SDI-Programm heftig kritisierte. Für seine Beiträge zu alternativen Ener-&lt;br /&gt;
gieversorgungskonzepten und für seine Anregung zur Gründung von »Global&lt;br /&gt;
Challenges Network«, einem unabhängigen interdisziplinären Forschungsinsti-&lt;br /&gt;
tut, erhielt Dürr 1987 den »Alternativen Friedensnobelpreis«. 1987 wurde Dürr&lt;br /&gt;
auch Vorsitzender des Direktoriums des Werner-Heisenberg-Instituts für Physik&lt;br /&gt;
und Astrophysik in München. Außerdem engagierte er sich bei Greenpeace.&lt;br /&gt;
Durch seine Erfahrungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt, verbindet&lt;br /&gt;
der Physikprofessor und vehemente Vertreter der Friedensbewegung wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Arbeit vor allem auch mit Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung von&lt;br /&gt;
»Global Challenges Network« die wichtigsten Thesen des Physikers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen es uns zweifellos zu&lt;br /&gt;
einfach, wenn wir unsere eigene Unfähig-&lt;br /&gt;
keit zum Frieden mit einer allgemeinen&lt;br /&gt;
Friedlosigkeit der Natur, einem primitiven&lt;br /&gt;
Darwinismus, der das »Überleben des Stär-&lt;br /&gt;
keren« propagiert, zu entschuldigen su-&lt;br /&gt;
chen. Wohl ist richtig: Das Naturgeschehen&lt;br /&gt;
ist voller Bewegung, voller Veränderung,&lt;br /&gt;
voller Verwandlung. Kräfte und Gegenkräf-&lt;br /&gt;
te ringen ständig miteinander, um bessere&lt;br /&gt;
Formen und Strukturen für ein langfristiges&lt;br /&gt;
Überleben zu erfinden und zu erproben.&lt;br /&gt;
Vieles muß hierbei aufgegeben und zerstört&lt;br /&gt;
werden. Wesentlich dabei ist aber, daß in&lt;br /&gt;
diesem ewigen Wandlungsprozeß immer&lt;br /&gt;
wieder Neues entsteht: Die Vielfalt der For-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men wird erweitert, höhere und differen-&lt;br /&gt;
ziertere Ordnungsstrukturen entwickeln&lt;br /&gt;
sich, die in lebendige, konstruktive Wech-&lt;br /&gt;
selwirkung miteinander treten, um eine&lt;br /&gt;
noch höhere Entwicklungsstufe vorzuberei-&lt;br /&gt;
ten. Es herrscht nicht Friedhofsruhe, son-&lt;br /&gt;
dern ein Friede voller Lebendigkeit, der ein&lt;br /&gt;
ewiges Werden und Vergehen in vielfälti-&lt;br /&gt;
gen Variationen zuläßt. »Einvernehmen mit&lt;br /&gt;
der Natur« erscheint bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
als das elementare und umfassende Frie-&lt;br /&gt;
densangebot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anstatt die ihn umgebende Natur&lt;br /&gt;
als eine notwendige Voraussetzung, als&lt;br /&gt;
Grundlage für seine eigene Existenz zu be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Peter Dürr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GLOBAL DENKEN -&lt;br /&gt;
VERNETZT HANDELN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 33&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
trachten, empfand der rational denkende&lt;br /&gt;
Mensch mit zunehmender Arroganz die Na-&lt;br /&gt;
tur immer mehr als eine Gegenmacht, ge-&lt;br /&gt;
gen die es sich zu schützen galt und die&lt;br /&gt;
letztlich geeignet beherrscht werden mußte,&lt;br /&gt;
damit er, der Mensch, volle Sicherheit für&lt;br /&gt;
sich erlangen und maximalen Nutzen aus&lt;br /&gt;
ihr ziehen konnte. Die experimentelle Na-&lt;br /&gt;
turwissenschaft bot hier eine wesentliche&lt;br /&gt;
Hilfestellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturwissenschaft hat uns of-&lt;br /&gt;
fenbart, daß hinter dem vielfältigen und&lt;br /&gt;
bunten Naturgeschehen einige wenige&lt;br /&gt;
Grundgesetze stehen, welche die “zeitliche&lt;br /&gt;
Entwicklung dieses Geschehens bestim-&lt;br /&gt;
men. Die Kenntnis dieser Naturgesetze er-&lt;br /&gt;
laubt uns deshalb, mit gewissen Einschrän-&lt;br /&gt;
kungen, die zeitliche Entwicklung eines&lt;br /&gt;
vorgegebenen Systems vorherzusagen, und&lt;br /&gt;
— was noch wichtiger ist — sie gibt uns&lt;br /&gt;
Anweisungen, wie ein System präpariert&lt;br /&gt;
werden muß, um die von uns gewünschten&lt;br /&gt;
Folgen in der Zukunft herbeizuführen und&lt;br /&gt;
zu realisieren. Die Kenntnis der Naturgeset-&lt;br /&gt;
ze verschafft uns also prinzipiell die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit, die Zukunft nach unseren eigenen&lt;br /&gt;
Wünschen zu gestalten. Es ist diese Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit, die Wissen zu einem Machtfaktor&lt;br /&gt;
macht und uns das Gefühl vermittelt, die&lt;br /&gt;
Natur letztlich »in den Griff« bekommen zu&lt;br /&gt;
können. Die Verfolgung dieses Weges hat&lt;br /&gt;
dem Menschen ungeahnte Einflußmöglich-&lt;br /&gt;
keiten verschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Siegeszug des Menschen, die&lt;br /&gt;
Natur mit immer besserem Wissen immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weitgehender beherrschen zu können, steht&lt;br /&gt;
eine Reihe von prinzipiellen Schwierigkei-&lt;br /&gt;
ten im Wege. Die Natur gleicht nicht einem&lt;br /&gt;
mechanischen Uhrwerk, das nach strengen&lt;br /&gt;
Gesetzen abläuft und das zukünftige Ge-&lt;br /&gt;
schehen eindeutig festlegt, sondern Natur&lt;br /&gt;
entwickelt sich auf eine offene Weise, bei&lt;br /&gt;
der es für bestimmte Entwicklungen nur&lt;br /&gt;
gewisse Bevorzugungen mit bestimmten&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeiten gibt. Der Schöp-&lt;br /&gt;
fungsprozeß ist gewissermaßen&lt;br /&gt;
nicht abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist aber nicht der ein-&lt;br /&gt;
zige Grund für die Unvorhersehbar-&lt;br /&gt;
keit künftigen Geschehens. Die&lt;br /&gt;
konkreten Ausprägungen des Na-&lt;br /&gt;
turgeschehens werden darüberhin-&lt;br /&gt;
aus immer schwerer durchschaubar,&lt;br /&gt;
je komplexer ein System aufgebaut&lt;br /&gt;
ist, und insbesondere, je mehr ein&lt;br /&gt;
System die Fähigkeit erlangt, auf&lt;br /&gt;
sich selbst zurückzuwirken. Eine&lt;br /&gt;
solche Fähigkeit entwickelt sich je-&lt;br /&gt;
doch nur unter ganz bestimmten&lt;br /&gt;
Bedingungen. Solche Bedingungen&lt;br /&gt;
sind in ganz besonderer Weise auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ger der Erdoberfläche gegeben, und sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind die eigentliche Ursache für die&lt;br /&gt;
dortige phantastische Vielfalt und&lt;br /&gt;
Differenziertheit der Erscheinungs-&lt;br /&gt;
formen der Natur. Diesem bedeut-&lt;br /&gt;
samen Umstand müssen wir ganz&lt;br /&gt;
besondere Beachtung schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nämlich in der Natur ein&lt;br /&gt;
wichtiges Grundgesetz, das in der Physik als&lt;br /&gt;
zweiter Hauptsatz der Thermodynamik be-&lt;br /&gt;
zeichnet wird. Dieses Grundgesetz besagt,&lt;br /&gt;
daß in jedem isolierten, also sich selbst über-&lt;br /&gt;
lassenen Systemeineunwahrscheinliche An-&lt;br /&gt;
ordnung seiner Bestandteile sich im Laufe&lt;br /&gt;
der Zeit allmählich in eine wahrscheinlichere&lt;br /&gt;
verwandelt. Dieses eigentümliche Verhalten&lt;br /&gt;
ist uns zum Beispiel beim Mischen eines&lt;br /&gt;
Kartenspiels geläufig: Beim Mischen der&lt;br /&gt;
Karten geht jegliche besondere Anordnung&lt;br /&gt;
eines Kartenspiels verloren, während der&lt;br /&gt;
umgekehrte Vorgang nie passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da hohe Ordnungsstrukturen in ei-&lt;br /&gt;
nem System, statistisch betrachtet, immer&lt;br /&gt;
unwahrscheinlicher sind als Strukturen ge-&lt;br /&gt;
ringerer Ordnung oder gar eine totale Un-&lt;br /&gt;
ordnung, hat dies auch die praktisch wich-&lt;br /&gt;
tige Folge, daß jegliche Ordnungsstruktur,&lt;br /&gt;
jede Besonderheit, jedes Ausgezeichnetsein&lt;br /&gt;
im Laufe der Zeit von alleine abgebaut und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=35}}zerstört wird. Ein heißer und ein kalter&lt;br /&gt;
Körper zum Beispiel, in Kontakt miteinan-&lt;br /&gt;
der gebracht, gleichen ihre unterschiedliche&lt;br /&gt;
Wärme nach einiger Zeit selber aus. Daß&lt;br /&gt;
ein lauwarmer Körper nach einiger Zeit in&lt;br /&gt;
den geordneteren Zustand übergeht, bei&lt;br /&gt;
dem eine Seite kalt und die andere warm&lt;br /&gt;
wird, ereignet sich dagegen nie. Mit dem&lt;br /&gt;
vollständigen Ausgleich der Wärme erstirbt&lt;br /&gt;
jede Bewegung, jede Veränderung. Dies be-&lt;br /&gt;
deutet: Ohne aktive Einwirkung, ohne&lt;br /&gt;
äußere Unterstützung, ohne »tätige Pflege«&lt;br /&gt;
zerfällt allmählich jegliche geordnete&lt;br /&gt;
Struktur — eine Beobachtung, die wir auf&lt;br /&gt;
mannigfache Weise in unserem Alltagsle-&lt;br /&gt;
ben machen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umso erstaunlicher ist es deshalb,&lt;br /&gt;
daß sich mit der Evolution des Lebens auf&lt;br /&gt;
der Erdoberfläche ein Prozeß abspielt, der&lt;br /&gt;
diesem »natürlichen« Ablauf allen Gesche-&lt;br /&gt;
hens entgegengerichtet zu sein scheint: Im&lt;br /&gt;
Laufe der über vier Milliarden Jahre langen&lt;br /&gt;
Geschichte der Erde haben sich auf ihr aus&lt;br /&gt;
primitiven chemischen Strukturen Schritt&lt;br /&gt;
um Schritt immer höher organisierte, im-&lt;br /&gt;
mer höher geordnete, immer unwahrschein-&lt;br /&gt;
lichere Strukturen — nämlich unzählige&lt;br /&gt;
Pflanzen, Tiere mit immer komplexerem&lt;br /&gt;
Aufbau und schließlich der Mensch mit&lt;br /&gt;
seinem Bewußtsein — entwickelt. Wie&lt;br /&gt;
konnte sich dieser Gegentrend der Entwick-&lt;br /&gt;
lung und Ausformung zu immer höheren&lt;br /&gt;
Ordnungsstrukturen, dieser Prozeß einer&lt;br /&gt;
ständigen Wertschöpfung gegen den Haupt-&lt;br /&gt;
trend der Strukturzerstörung, des Wertezer-&lt;br /&gt;
falls durchsetzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser aufbauende Prozeß, so er-&lt;br /&gt;
kennen wir, war und ist nur möglich, weil&lt;br /&gt;
die Erde im Strahlungsfeld der Sonne liegt.&lt;br /&gt;
Durch die Sonneneinstrahlung wird der&lt;br /&gt;
Erde dauernd hochwertige Energie zuge-&lt;br /&gt;
führt, die jedoch — bis auf vergleichsweise&lt;br /&gt;
kleine Energiemengen, die zeitweise durch&lt;br /&gt;
Planzen und Tiere gebunden werden —&lt;br /&gt;
nicht verbraucht, sondern fast vollständig&lt;br /&gt;
wieder als niederwertige Wärmestrahlung&lt;br /&gt;
in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Die&lt;br /&gt;
Sonnenstrahlen laden bei der Verwandlung&lt;br /&gt;
gewissermaßen also ihre höhere Energie-&lt;br /&gt;
wertigkeit auf der Erde ab. Diese Wertigkeit&lt;br /&gt;
ist eine Ordnungsqualität, deren Maß die&lt;br /&gt;
sogenannte Syntropie oder negative Entro-&lt;br /&gt;
pie ist. Die Sonne ist also eine dauernd&lt;br /&gt;
sprudelnde Syntropiequelle, die der natür-&lt;br /&gt;
lichen Tendenz nach zunehmender Unord-&lt;br /&gt;
nung kraftvoll entgegenwirkt. Die Sonne&lt;br /&gt;
hat also gewissermaßen die Funktion einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stetig ordnenden Hand. Sie ist der Motor&lt;br /&gt;
jeglichen organischen Wachstums auf der&lt;br /&gt;
Erde und letztlich auch die wesentlich trei-&lt;br /&gt;
bende Kraft aller technischen und wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Aktivitäten des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn alle Wertschöpfungsprozesse&lt;br /&gt;
der Natur, das Aufwachsen von Pflanzen&lt;br /&gt;
und Tieren, und auch alle Wertschöpfungs-&lt;br /&gt;
prozesse des Menschen, insbesondere seine&lt;br /&gt;
eindrucksvollen handwerklichen und tech-&lt;br /&gt;
nischen Aktivitäten, verlangen eine ständi-&lt;br /&gt;
ge Zufuhr von Syntropie. Die Pflanzen be-&lt;br /&gt;
ziehen ihre Syntropie unmittelbar von der&lt;br /&gt;
Sonne und speichern sie in Form chemi-&lt;br /&gt;
scher Ordnungsstrukturen. Sie werden da-&lt;br /&gt;
durch selbst zu Syntropiequellen, was sich&lt;br /&gt;
die Tiere und auch die Menschen zunutze&lt;br /&gt;
machen, indem sie diese — oft über meh-&lt;br /&gt;
rere Zwischenglieder einer Nahrungskette&lt;br /&gt;
— essen. Wir sollten dabei jedoch beach-&lt;br /&gt;
ten, daß viele der von uns hochgeschätzten&lt;br /&gt;
Wertschöpfungsprozesse nur ganz wenig&lt;br /&gt;
Syntropie benötigen. Einige Hände voller&lt;br /&gt;
Reis, die wir als Nahrung zu uns nehmen,&lt;br /&gt;
befähigen uns zum Beispiel, schwarze Tinte&lt;br /&gt;
auf Papier in so hoch strukturierte und ge-&lt;br /&gt;
ordnete Produkte wie Gedichte, Symphoni-&lt;br /&gt;
en und wissenschaftliche Abhandlungen zu&lt;br /&gt;
verwandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund bestimmter Erdbewe-&lt;br /&gt;
gungen und Wasserverhältnisse kommt es&lt;br /&gt;
hin und wieder vor, daß Pflanzen und Tiere&lt;br /&gt;
vor ihrer vollständigen Verwesung in tiefere&lt;br /&gt;
Erdschichten gelangen und dann Kohle,&lt;br /&gt;
Erdöl und Erdgas bilden können. Der wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Aufschwung der Industriestaa-&lt;br /&gt;
ten hängt wesentlich mit der Nutzung dieser&lt;br /&gt;
vor mehreren hundert Millionen Jahren ge-&lt;br /&gt;
bildeten Syntropie-Reservoire zusammen.&lt;br /&gt;
Was hier über Zeitspannen von Hunderten&lt;br /&gt;
von Jahrmillionen über Pflanzen und Tiere&lt;br /&gt;
in winzig kleinen Mengen langsam, aber&lt;br /&gt;
stetig an Sonnensyntropie gespeichert wur-&lt;br /&gt;
de, wird von uns heute innerhalb weniger&lt;br /&gt;
Generationen verbraucht oder besser ver-&lt;br /&gt;
geudet, denn nur ein kleiner Teil dieser&lt;br /&gt;
eingefangenen Sonnensyntropie wird für&lt;br /&gt;
den eigentlichen technischen Wertschöp-&lt;br /&gt;
fungsprozeß, für die Schaffung neuer Ord-&lt;br /&gt;
nungsstrukturen wirklich genutzt. Der Rest&lt;br /&gt;
beschleunigt nur den allgemeinen »natürli-&lt;br /&gt;
chen« Zerstörungsprozeß. Ohne die Aus-&lt;br /&gt;
beute dieses enormen Naturvermögens an&lt;br /&gt;
gespeicherter Sonnensyntropie wäre die ra-&lt;br /&gt;
sante Entwicklung der Industrieländer und&lt;br /&gt;
die Ansammlung ihrer großen Reichtümer&lt;br /&gt;
nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jegliche&lt;br /&gt;
Ordnungs-&lt;br /&gt;
struktur wird&lt;br /&gt;
im Laufe der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeit abgebaut.&lt;br /&gt;
BEER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=36}}Auf der Erde&lt;br /&gt;
haben sich&lt;br /&gt;
immer höher&lt;br /&gt;
geordnete&lt;br /&gt;
Strukturen&lt;br /&gt;
entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Hände voller Kohle können&lt;br /&gt;
zum Beispiel die tägliche physische Arbeit&lt;br /&gt;
von drei Menschen ersetzen. Die Er-&lt;br /&gt;
schließung der in den Atomkernen gebunde-&lt;br /&gt;
nen Energien erlaubte in der Mitte unseres&lt;br /&gt;
Jahrhunderts darüberhinaus, die Energiepo-&lt;br /&gt;
tentiale nochmals millionenfach gegenüber&lt;br /&gt;
der chemischen zu steigern, was eindrucks-&lt;br /&gt;
voll und erschreckend durch die Atombom-&lt;br /&gt;
ben demonstriert wird. Mit der Ausbeute der&lt;br /&gt;
Energie durch Verschmelzung der sehr leich-&lt;br /&gt;
ten und Spaltung der sehr schweren Atomker-&lt;br /&gt;
ne nähern wir uns in unserer Technik der&lt;br /&gt;
Größenordnung von Energien, wie sie natür-&lt;br /&gt;
lich bei globalen Prozessen auf der Erdober-&lt;br /&gt;
fläche umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur diese enorm&lt;br /&gt;
gesteigerte Intensität unseres Einflusses auf&lt;br /&gt;
die Natur, welche die Beziehung des Men-&lt;br /&gt;
schen zu seiner Umwelt radikal verändert&lt;br /&gt;
hat, sondern es ist die vermehrte Vielfalt&lt;br /&gt;
unserer Manipulationsmöglichkeiten sowie&lt;br /&gt;
unser ständiges Bestreben, natürlich ablau-&lt;br /&gt;
fende Prozesse durch geeignete Maßnah-&lt;br /&gt;
men immer weiter zu beschleunigen, die&lt;br /&gt;
hier einen qualitativen Sprung bewirkt ha-&lt;br /&gt;
ben — so beispielsweise durch die moderne&lt;br /&gt;
Gentechnologie, durch direkten Eingriff in&lt;br /&gt;
die Steuer- und Kontrollmechanismen der&lt;br /&gt;
Entwicklung lebendiger Organismen. Da&lt;br /&gt;
ein Aufbau neuer Strukturen — wegen der&lt;br /&gt;
zahlreichen Testläufe, die notwendig sind,&lt;br /&gt;
um Fehlkonstruktionen zu vermeiden oder&lt;br /&gt;
um die Einbettung dieser neuen Strukturen&lt;br /&gt;
in das schon vorhandene System zu opti-&lt;br /&gt;
mieren — immer gewisse Mindestzeiten&lt;br /&gt;
benötigt, der Abbau von Strukturen dage-&lt;br /&gt;
gen prinzipiell beliebig schnell verlaufen&lt;br /&gt;
kann, gewinnen bei zunehmender Be-&lt;br /&gt;
schleunigung der Entwicklung die abbau-&lt;br /&gt;
enden Prozesse gegenüber den aufbauen-&lt;br /&gt;
den immer mehr die Oberhand. Mit unse-&lt;br /&gt;
rem überstürzten Aktivismus unterstützen&lt;br /&gt;
wir also gewissermaßen die der Natur ein-&lt;br /&gt;
geprägte Grundtendenz zur Zerstörung und&lt;br /&gt;
zur Steigerung von Unordnung auf Kosten&lt;br /&gt;
dieser eigenartigen und höchst erstaunli-&lt;br /&gt;
chen Entwicklung, deren bisher vorläufiges&lt;br /&gt;
Endprodukt eben der hochdifferenzierte,&lt;br /&gt;
bewußte, schöpferische Mensch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies alles bringt den Menschen der&lt;br /&gt;
Natur gegenüber in eine ganz neue Situa-&lt;br /&gt;
tion. Sein Einfluß auf die Ökosphäre der&lt;br /&gt;
Erde kann nicht mehr wie nur eine kleine,&lt;br /&gt;
nebensächliche Störung der mächtigen na-&lt;br /&gt;
türlichen Dynamik des irdischen Ge-&lt;br /&gt;
samtgeschehens betrachtet werden, son-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dern dieser Einfluß wird nun zu einem we-&lt;br /&gt;
sentlichen Gestaltungsfaktor. Die Eingriffe&lt;br /&gt;
des Menschen beschwören sogar die Ge-&lt;br /&gt;
fahr herauf, daß das hochkomplexe Öko-&lt;br /&gt;
system, das sich in der Milliarden Jahre&lt;br /&gt;
langen Erdgeschichte durch einen raffinier-&lt;br /&gt;
ten Prozeß der Selbstorganisation nach dem&lt;br /&gt;
Prinzip »Versuch und Irrtum« entwickelt&lt;br /&gt;
hat, aus seiner relativ robusten, aber eben&lt;br /&gt;
nicht beliebig stabilen, dynamischen&lt;br /&gt;
Gleichgewichtslage herausgedrängt wird.&lt;br /&gt;
Hierdurch könnten leicht Bedingungen auf&lt;br /&gt;
unserer Erdoberfläche entstehen, unter de-&lt;br /&gt;
nen der Mensch als Gattung nicht mehr&lt;br /&gt;
überlebensfähig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wir als bewußt handelnde,&lt;br /&gt;
schöpferische Menschen nicht außerhalb&lt;br /&gt;
der Natur leben, sondern Teil der Natur&lt;br /&gt;
sind, ist auch alles, was wir tun, in einem&lt;br /&gt;
allgemeineren Sinne »natürlich« — auch&lt;br /&gt;
unsere Technik. Dies bedeutet aber nicht,&lt;br /&gt;
daß es gleichgültig ist, was wir tun und auf&lt;br /&gt;
welche Weise wir es tun. Als »Krone der&lt;br /&gt;
Schöpfung« sind wir gleichsam der Haupt-&lt;br /&gt;
trieb eines hochentwickelten Gewächses.&lt;br /&gt;
Unsere Eingriffe werden die Fortentwick-&lt;br /&gt;
lung dieses Organismus beeinflussen: Er&lt;br /&gt;
kann entweder weiter wachsen und gedei-&lt;br /&gt;
hen oder aber auf verschiedene Weise be-&lt;br /&gt;
schädigt werden, so daß etwa sein Haupt-&lt;br /&gt;
trieb abstirbt, oder ganze Zweige, sein&lt;br /&gt;
Stamm oder gar seine Wurzeln in Mitlei-&lt;br /&gt;
denschaft gezogen werden. Jeglicher Scha-&lt;br /&gt;
den, den wir der Ökosphäre zufügen, ver-&lt;br /&gt;
letzt nicht die Natur. Denn die Natur in ihrer&lt;br /&gt;
allgemeinen Bedeutung offenbart sich uns&lt;br /&gt;
in unendlich vielen verschiedenen und dar-&lt;br /&gt;
unter auch recht gewalttätigen Formen, wie&lt;br /&gt;
etwa als Supernova oder als Millionen Grad&lt;br /&gt;
heißes Plasma im inneren unserer Sonne,&lt;br /&gt;
aber auch als dieser wüstenleblose Planet,&lt;br /&gt;
der unsere eigene Erde vor einigen Jahrmil-&lt;br /&gt;
liarden noch war, bevor das Leben langsam&lt;br /&gt;
aus dem Meer herauskroch und sich auf&lt;br /&gt;
diese grandiose Weise entfaltete. Die Natur&lt;br /&gt;
in diesem Sinne braucht eigentlich keinen&lt;br /&gt;
Schutz, sondern es liegt in dem ureigensten&lt;br /&gt;
Interesse von uns Menschen als dem Haupt-&lt;br /&gt;
trieb des Ökosystems, daß wir die Lebens-&lt;br /&gt;
und Entwicklungsfähigkeit dieses einmali-&lt;br /&gt;
gen Organismus zu erhalten versuchen.&lt;br /&gt;
Denn die Natur Kann ohne uns und auch&lt;br /&gt;
ohne dieses irdische Ökosystem leben, aber&lt;br /&gt;
wir nicht ohne sie und das Ökosystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sollen wir aber tun und insbe-&lt;br /&gt;
sondere, was müssen wir unterlassen, um&lt;br /&gt;
die Produktionsfähigkeit und Vitalität, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=37}}Nachhaltigkeit — wie wir heute sagen —&lt;br /&gt;
unserer Ökosphäre optimal zu unterstüt-&lt;br /&gt;
zen? Viele erwarten hier von den Naturwis-&lt;br /&gt;
senschaftlern die wesentlichen Einsichten&lt;br /&gt;
und praktischen Hinweise, da diese, wie sie&lt;br /&gt;
glauben, doch aufgrund ihrer Kenntnis der&lt;br /&gt;
Naturgesetzlichkeit die zukünftigen Ent-&lt;br /&gt;
wicklungen am besten abschätzen können.&lt;br /&gt;
Ich bin hier jedoch eher skeptisch. Denn die&lt;br /&gt;
Prognosefähigkeit der Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
ist im Falle hochkomplexer Systeme&lt;br /&gt;
äußerst begrenzt. Ich glaube statt dessen,&lt;br /&gt;
daß unsere traditionelle Weisheit, das Wis-&lt;br /&gt;
sen, das wir aus dem großen gemeinsamen&lt;br /&gt;
Erbe der Weltreligionen schöpfen und das&lt;br /&gt;
uns Liebe, Mitgefühl, Kooperation und So-&lt;br /&gt;
lidarität lehrt — vielleicht aber auch die&lt;br /&gt;
Kunst oder die Geisteswissenschaften —,&lt;br /&gt;
uns hierbei eine weit bessere Orientierung&lt;br /&gt;
geben können. Diese Vermutung mag viel-&lt;br /&gt;
leicht der voreingenommenen Sichtweise&lt;br /&gt;
eines Naturwissenschaftlers entspringen,&lt;br /&gt;
der die extreme Unzulänglichkeit seiner ei-&lt;br /&gt;
genen Disziplin, hier wesentliche Orientie-&lt;br /&gt;
rungshilfe geben zu können, schmerzlich&lt;br /&gt;
empfindet und nun die Hoffung hegt, daß&lt;br /&gt;
andere Erfahrungsfelder diesbezüglich er-&lt;br /&gt;
folgreicher sein können. Aber es lassen sich&lt;br /&gt;
vielleicht für diesen Standpunkt einige gute&lt;br /&gt;
Gründe anführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch als Gattung offen-&lt;br /&gt;
sichtlich einige langfristige Überlebensprü-&lt;br /&gt;
fungen der natürlichen Auswahl erfolgreich&lt;br /&gt;
bestanden hat — sonst wären wir ja heute&lt;br /&gt;
nicht mehr da —, läßt sich doch mit eini-&lt;br /&gt;
gem Recht vermuten, daß unsere grundle-&lt;br /&gt;
gende physische und geistige Veranlagung&lt;br /&gt;
wesentlich mit der Nachhaltigkeit der&lt;br /&gt;
Ökosphäre, von der wir ja existentiell ab-&lt;br /&gt;
hängen, im Einklang steht. Unsere rationa-&lt;br /&gt;
len Fähigkeiten dagegen, insbesondere die,&lt;br /&gt;
welche auf unserem reflektierenden Ver-&lt;br /&gt;
stand beruhen, scheinen hierbei weniger&lt;br /&gt;
verläßlich zu sein. Denn unsere vielfach&lt;br /&gt;
bestätigte Erfahrung einer enorm robusten&lt;br /&gt;
und anpassungsfähigen Umwelt und die ob-&lt;br /&gt;
jektive Feststellung dieses glücklichen Um-&lt;br /&gt;
standes haben uns zu der allgemeinen&lt;br /&gt;
Schlußfolgerung verführt, daß alles, was&lt;br /&gt;
wir tun, von der Natur letztlich toleriert&lt;br /&gt;
wird: Die Natur zeigt sich in der Regel&lt;br /&gt;
unseren Mißhandlungen gegenüber äußerst&lt;br /&gt;
geduldig und nachsichtig. Sie unterwirft&lt;br /&gt;
sich widerstandslos unseren Wünschen,&lt;br /&gt;
wenn wir ihr die richtigen Befehle erteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühere Kulturen, die sich in klei-&lt;br /&gt;
nen Nischen unserer Ökosphäre entwickel-&lt;br /&gt;
ten, waren sich der prinzipiellen Beschrän-&lt;br /&gt;
kungen, die sie beim Umgang mit der Natur&lt;br /&gt;
im eigenen Interesse beachten mußten, weit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit&lt;br /&gt;
übersteigertem&lt;br /&gt;
Aktionismus&lt;br /&gt;
unterstützen&lt;br /&gt;
wir die&lt;br /&gt;
Tendenz zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zerstörung.&lt;br /&gt;
—s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 37&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr bewußt. Ihre tiefen Einsichten und die&lt;br /&gt;
daraus resultierenden praktischen Verhal-&lt;br /&gt;
tensweisen wischen wir heute leichtfertig&lt;br /&gt;
mit dem Argument beiseite, daß alle diese&lt;br /&gt;
Hindernisse im Prinzip durch die Intelli-&lt;br /&gt;
genz und die unerschöpfliche Erfinderkraft&lt;br /&gt;
des Menschen überwunden werden können.&lt;br /&gt;
Dies ist, wie mir scheint, ein Irrtum, da&lt;br /&gt;
viele Hindernisse nicht eigentlich überwun-&lt;br /&gt;
den wurden, sondern, wie wir heute erken-&lt;br /&gt;
nen müssen, nur kurzfristig an andere Stel-&lt;br /&gt;
len verschoben worden sind, wo sie uns nun&lt;br /&gt;
zu einem späteren Zeitpunkt mit wesentlich&lt;br /&gt;
höheren Forderungen wieder begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spürsinn für eine Lebensweise,&lt;br /&gt;
die mit der Nachhaltigkeit der Natur ver-&lt;br /&gt;
träglich ist, dieses »gute Einvernehmen mit&lt;br /&gt;
der Natur«, scheint mir deshalb in den äl-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
teren Zivilisationen der Menschen tiefer&lt;br /&gt;
verwurzelt, stärker entwickelt und bes-&lt;br /&gt;
ser in das gesellschaftliche Leben inte-&lt;br /&gt;
griert zu sein als in unserer fortschritt-&lt;br /&gt;
lichen, hochrationalen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Diese bessere Einbettung ist wohl auch&lt;br /&gt;
für die Mehrzahl der heutigen soge-&lt;br /&gt;
nannten unterentwickelten Gesellschaf-&lt;br /&gt;
ten gegeben, soweit sie durch unseren&lt;br /&gt;
arroganten Einfluß noch nicht grundle-&lt;br /&gt;
gend zerstört wurden. Unsere altherge-&lt;br /&gt;
brachte Ethik oder spezieller: unsere&lt;br /&gt;
moralischen und religiösen Verhaltens-&lt;br /&gt;
normen, und vielleicht auch unser Sinn&lt;br /&gt;
für Schönheit, enthalten meines Erach-&lt;br /&gt;
tens sehr viel Weisheit, um die Nachhal-&lt;br /&gt;
tigkeit der Natur und unser eigenes&lt;br /&gt;
Überleben langfristig zu sichern. Jeden-&lt;br /&gt;
falls muß ein Sinn, der eine solche Ver-&lt;br /&gt;
träglichkeit angemessen wahrnimmt&lt;br /&gt;
und einschätzt, mehr von einer ganz-&lt;br /&gt;
heitlichen, nicht-zerlegenden, nicht-fo-&lt;br /&gt;
kussierenden Art sein, um wirkungsvoll&lt;br /&gt;
auf diese mehr kollektiven, synergeti-&lt;br /&gt;
schen, das konstruktive Zusammenspiel&lt;br /&gt;
der Teile im Ganzen bemessenden&lt;br /&gt;
Merkmale der Nachhaltigkeit anzuspre-&lt;br /&gt;
chen. Selbst wenn wir eine Ethik hätten,&lt;br /&gt;
die uns deutlich aufzeigen könnte, wie&lt;br /&gt;
ein mit der Natur einvernehmliches Ver-&lt;br /&gt;
halten im Prinzip gestaltet werden&lt;br /&gt;
müßte, so brauchen wir immer noch&lt;br /&gt;
Leute, die angeben, was im Konkreten&lt;br /&gt;
Fall tatsächlich auch gemacht werden&lt;br /&gt;
sollte, und die auch die Verantwortung&lt;br /&gt;
übernehmen und die Initiative ergreifen,&lt;br /&gt;
dieses auch praktisch zu implementie-&lt;br /&gt;
ren. Verantwortung zu übernehmen ist&lt;br /&gt;
nicht nur eine Frage der Stärke und des&lt;br /&gt;
Mutes, sondern verlangt vor allem eine&lt;br /&gt;
ausreichende Wahrnehmung der Kom-&lt;br /&gt;
plexität der Natur und auch eine Einsicht in&lt;br /&gt;
die »Topologie«, die Beziehungsstruktur&lt;br /&gt;
des eigenen Wissens, um den Wert und die&lt;br /&gt;
Grenzen des eigenen Verständnisses beur-&lt;br /&gt;
teilen und die Genauigkeit und Verläßlich-&lt;br /&gt;
keit einer Voraussage abschätzen zu kön-&lt;br /&gt;
nen. In vielen Fällen wird Verantwortlich-&lt;br /&gt;
keit nicht darin bestehen, bestimmte Aktio-&lt;br /&gt;
nen in Gang zu setzen, sondern vielmehr im&lt;br /&gt;
Gegenteil, Mäßigung und — wie Peter&lt;br /&gt;
Kaffka betont — Gemächlichkeit zu üben,&lt;br /&gt;
um der Natur eine faire Chance zu geben,&lt;br /&gt;
alle unsere Fehlentscheidungen und Fehl-&lt;br /&gt;
handlungen mit ihrem reichen Instrumenta-&lt;br /&gt;
rium auszubügeln. Einvernehmen mit der&lt;br /&gt;
Natur heißt, auf Kooperation und nicht auf&lt;br /&gt;
Gegnerschaft mit der Natur und ihre Be-&lt;br /&gt;
herrschung zu setzen, mit der berechtigten&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_66.pdf|page=39}}Aussicht, damit auch an ihrer Milliarden&lt;br /&gt;
Jahre langen Erfahrung teilzuhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sicherung der Nachhaltigkeit&lt;br /&gt;
der Ökosphäre erfordert von uns ein neues&lt;br /&gt;
Verständnis unserer Rolle als Teil dieses&lt;br /&gt;
komplexen Ökosystems. Dies verlangt ei-&lt;br /&gt;
nerseits wohl eine dramatische Änderung&lt;br /&gt;
unseres Bewußtseins und unseres bisheri-&lt;br /&gt;
gen Denkens, andererseits die Entwicklung&lt;br /&gt;
und Bereitstellung von Werkzeugen, um&lt;br /&gt;
diese neuen Einsichten auch in unseren Ge-&lt;br /&gt;
sellschaften effektiv umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neues Bewußtsein zu wecken&lt;br /&gt;
und ein neues Denken zu entwickeln, er-&lt;br /&gt;
scheint besonders schwierig, da dies einen&lt;br /&gt;
langen Lernprozeß erfordert, der wohl —&lt;br /&gt;
wenn überhaupt — nur im Laufe einiger&lt;br /&gt;
Generationen bewältigt werden kann. Ein&lt;br /&gt;
solcher Prozeß könnte jedoch wesentlich&lt;br /&gt;
schneller ablaufen, wenn — was ich glaube&lt;br /&gt;
— ein solches Bewußtsein nicht neu ge-&lt;br /&gt;
schaffen werden müßte, weil es nämlich in&lt;br /&gt;
uns schon unterschwellig angelegt ist und&lt;br /&gt;
wir es deshalb nur in uns selbst wiederent-&lt;br /&gt;
decken und aus unserem tradierten geisti-&lt;br /&gt;
gen Erbe zurückgewinnen müßten. In die-&lt;br /&gt;
sem Fall müßten wir dann nur einiges Ge-&lt;br /&gt;
röll beiseite räumen, das sich in unseren&lt;br /&gt;
Herzen und unseren Köpfen in den letzten&lt;br /&gt;
Jahrhunderten angesammelt hat — vor al-&lt;br /&gt;
lem bei den Menschen in den reichen Län-&lt;br /&gt;
dern, die so stark auf Aktion statt auf Kon-&lt;br /&gt;
templation ausgerichtet sind. Es ist selbst-&lt;br /&gt;
verständlich schwer einzuschätzen, ob sol-&lt;br /&gt;
che Abräumarbeiten, ohne von äußeren Ka-&lt;br /&gt;
tastrophen regelrecht erzwungen zu wer-&lt;br /&gt;
den, jemals ernstlich angegangen würden,&lt;br /&gt;
und auch, ob sie, wenn sie tatsächlich in&lt;br /&gt;
Gang kämen, schnell genug greifen wür-&lt;br /&gt;
den, um die augenblicklich gefährlich eska-&lt;br /&gt;
lierende Situation wirkungsvoll zu ent-&lt;br /&gt;
schärfen. Deshalb würde es außerordent-&lt;br /&gt;
lich hilfreich sein, wenn wir unser moder-&lt;br /&gt;
nes Leben — also vor allem die Lebens-&lt;br /&gt;
weise der Menschen in den industrialisier-&lt;br /&gt;
ten Ländern — durch geeignete Maßnah-&lt;br /&gt;
men so ausrichten könnten, daß dieser&lt;br /&gt;
Lernprozeß voll unterstützt und die not-&lt;br /&gt;
wendige Entwicklung ausreichend be-&lt;br /&gt;
schleunigt würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meines Erachtens werden alle un-&lt;br /&gt;
sere Anstrengungen, die Nachhaltigkeit der&lt;br /&gt;
Ökosphäre zu sichern, scheitern, wenn es&lt;br /&gt;
uns nicht gelingt, die Rahmenbedingungen&lt;br /&gt;
und Spielregeln der augenblicklich akzep-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tierten und praktischen Formen unserer&lt;br /&gt;
Wirtschaft grundlegend abzuändern. Die&lt;br /&gt;
heutigen Wirtschaftstheorien — ob nun&lt;br /&gt;
vom sozialistischen Typ der Planwirtschaft,&lt;br /&gt;
wie bisher im Osten praktiziert, oder vom&lt;br /&gt;
kapitalistischen Typ der freien Marktwirt-&lt;br /&gt;
schaft, wie in der einen oder anderen Form&lt;br /&gt;
heute in westlichen Ländern angewandt —&lt;br /&gt;
erweisen sich als völlig unzureichend und&lt;br /&gt;
höchst mangelhaft für eine angemessene&lt;br /&gt;
Beschreibung der tatsächlichen Situation.&lt;br /&gt;
Denn diese Theorien betrachten doch die&lt;br /&gt;
Umwelt, die äußere Natur, im wesentlichen&lt;br /&gt;
immer noch als ein unerschöpfliches Reser-&lt;br /&gt;
voire, das einerseits als beliebig ergiebige&lt;br /&gt;
Quelle für Rohmaterial und Energie für alle&lt;br /&gt;
menschlichen Aktivitäten genutzt werden&lt;br /&gt;
kann und andererseits als beliebig aufnah-&lt;br /&gt;
mefähige Müllhalde zur Verfügung steht, in&lt;br /&gt;
die alle dabei anfallenden Endprodukte ab-&lt;br /&gt;
gekippt werden können. Diese Wirtschafts-&lt;br /&gt;
theorien ignorieren die offensichtliche Tat-&lt;br /&gt;
sache, daß jegliche Wertschöpfung und Pro-&lt;br /&gt;
duktion letztlich direkt oder indirekt auf&lt;br /&gt;
Produktionsprozesse der Natur zurückgeht.&lt;br /&gt;
Eine nachhaltige Wirtschaftsweise muß&lt;br /&gt;
dieser Tatsache geeignet Rechnung tragen.&lt;br /&gt;
Da das Wertesystem der Natur offensicht-&lt;br /&gt;
lich viel reicher und differenzierter ist als&lt;br /&gt;
das Wertesystem der Wirtschaft, das Güter&lt;br /&gt;
eindimensional durch Geld entsprechend&lt;br /&gt;
ihrem Tauschwert oder Gebrauchswert be-&lt;br /&gt;
ziffert, verlangt dies eigentlich, die Wirt-&lt;br /&gt;
schaft geeignet in die Natur einzugliedern.&lt;br /&gt;
Dies erscheint aus heutiger Sicht kaum&lt;br /&gt;
möglich. Aussichtsreicher, jedoch prinzipi-&lt;br /&gt;
ell fragwürdiger, erscheint das Umgekehr-&lt;br /&gt;
te, nämlich die Natur — oder einen für uns&lt;br /&gt;
in diesem Zusammenhang wichtigen Teil&lt;br /&gt;
von ihr — auf geeignete Weise in das Preis-&lt;br /&gt;
system der Wirtschaft einzurechnen —&lt;br /&gt;
konkret zum Beispiel etwa durch eine dra-&lt;br /&gt;
stische Preiserhöhung für nicht erneuerbare&lt;br /&gt;
Energie. Eine äußere Natur, die nicht mehr&lt;br /&gt;
wie bisher kostenlos ist, hat aufgrund der&lt;br /&gt;
üblichen Marktmechanismen unter diesen&lt;br /&gt;
Umständen vielleicht dann eine Chance,&lt;br /&gt;
nicht mehr rücksichtslos ausgebeutet zu&lt;br /&gt;
werden. Dies kann jedoch bestenfalls nur&lt;br /&gt;
ein erster Schritt sein, um praktisch und auf&lt;br /&gt;
schnelle Weise zu einem besseren Einver-&lt;br /&gt;
nehmen mit der Natur zu kommen, eine&lt;br /&gt;
Forderung, die für uns Menschen zu einer&lt;br /&gt;
Überlebensfrage geworden ist. Langfristig&lt;br /&gt;
kann uns hier nur eine Bewußtseinsände-&lt;br /&gt;
rung und eine damit verbundene Änderung&lt;br /&gt;
unseres Lebensstils wirklich weiterbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur eine&lt;br /&gt;
Bewußtseins-&lt;br /&gt;
änderung und&lt;br /&gt;
ein anderer&lt;br /&gt;
Lebensstil&lt;br /&gt;
können uns&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiterbringen.&lt;br /&gt;
UT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 66 39&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_65/Text&amp;diff=75363</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 65/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=1}} {{ocr}}&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=2}}INHALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb - das Tor .........000ssessesonooononnnssnnenennnneeene 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühes Echo in der westlichen Welt&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Familie und ethische Erziehung...................... 10&lt;br /&gt;
Nicola Towfigh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorschulerziehung in Swaziland ..................... 16&lt;br /&gt;
Erfolgreiche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehren und Lernen .................0.0000000000000000 00000 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle des Lehrers auf dem Weg zur Weltgesellschaft&lt;br /&gt;
Marjorie Tidman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prophezeiungen der Hopi-Indianer ......... 26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfahrungen mit indianischer Religiosität&lt;br /&gt;
Jörg Krombach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Familienreport 1994 WEOROREEEHHOTOEEOUEHEREOROEEREROCCHHHHHHES 36&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reden von einem, der schauen kann......... 39&lt;br /&gt;
Buchbesprechung von Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild von Jörg Krombach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
Heft 65 -&lt;br /&gt;
Juni 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’t-Briefe&lt;br /&gt;
wollen eine intensive&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäd’i-Religion&lt;br /&gt;
fördern und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage&lt;br /&gt;
zeitgemäßen Denkens&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit&lt;br /&gt;
allen beitragen, die&lt;br /&gt;
sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’f in Deutschland&lt;br /&gt;
e.V,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion:&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis,&lt;br /&gt;
Jörg Krombach,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bijan Sobhani, Uwe Still,&lt;br /&gt;
Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahä’f-Briefe, Redaktion;&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str.:89,&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge&lt;br /&gt;
stellen nicht notwendig die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
erscheinen halbjährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis&lt;br /&gt;
für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Vertrieb und Bestellungen:&lt;br /&gt;
Bahä’f-Verlag&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’t-Verlag GmbH 1994&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=3}}Baha’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor nunmehr 150 Jah-&lt;br /&gt;
ren, im Jahre 1844,&lt;br /&gt;
nahm die Geschichte&lt;br /&gt;
des Babi- und Baha’i-&lt;br /&gt;
Glaubens im Iran ihren&lt;br /&gt;
Anfang. Heute ist die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde nach&lt;br /&gt;
dem Christentum die&lt;br /&gt;
geographisch weitver-&lt;br /&gt;
breitetste Religionsge-&lt;br /&gt;
meinschaft auf unserem&lt;br /&gt;
Planeten. Ihre damals&lt;br /&gt;
utopisch  scheinenden&lt;br /&gt;
und manchen sogar re-&lt;br /&gt;
volutionär anmutenden&lt;br /&gt;
Ziele und Visionen gelten heute als unumgäng-&lt;br /&gt;
liche Notwendigkeiten, um das Überleben der&lt;br /&gt;
menschlichen Zivilisation zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Berichte über den jungen Glau-&lt;br /&gt;
ben, die in der westlichen Welt zu lesen wa-&lt;br /&gt;
ren, stammen von Diplomaten und Orientali-&lt;br /&gt;
sten, doch auch in Gedichten und Romanen&lt;br /&gt;
fand die neue Religion aus Persien Wider-&lt;br /&gt;
hall. Einen Überblick über die Umstände und&lt;br /&gt;
Hintergründe der Berichterstattung sowie&lt;br /&gt;
über literarische Werke, die sich mit Anhän-&lt;br /&gt;
gern des Babi- und Baha’i-Glaubens befas-&lt;br /&gt;
sen, gibt der Artikel »Der Báb — frühes Echo&lt;br /&gt;
in der westlichen Welt«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zu einer&lt;br /&gt;
friedvollen und har-&lt;br /&gt;
monischen Weltgesell-&lt;br /&gt;
schaft, aber auch für die&lt;br /&gt;
Entwicklung des einzel-&lt;br /&gt;
nen, steht die Erziehung&lt;br /&gt;
im Mittelpunkt. Mehrere&lt;br /&gt;
Artikel dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
beleuchten anläßlich des&lt;br /&gt;
Internationalen Jahres&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Familie dieses&lt;br /&gt;
wichtige Thema von&lt;br /&gt;
verschiedenen Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl die Erziehung&lt;br /&gt;
im familiären Rahmen&lt;br /&gt;
als auch die Rolle des Lehrers im Erziehungs-&lt;br /&gt;
prozeß werden behandelt. Ein Beispiel für das&lt;br /&gt;
praktische Engagement von Bah@’! auf diesem&lt;br /&gt;
Gebiet stellt der Artikel über ein Vorschul-&lt;br /&gt;
erziehungsprogramm in Swaziland vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinen des Bab vor 150 Jahren bedeu-&lt;br /&gt;
tete die Erfüllung zahlreicher Prophezeiungen,&lt;br /&gt;
die in unterschiedlichsten religiösen Schriften&lt;br /&gt;
und Traditionen enthalten sind. Allerdings&lt;br /&gt;
finden sich auch in den Überlieferungen der&lt;br /&gt;
Indianer interessante Zukunftserwartungen für&lt;br /&gt;
unsere Zeit, die in dem Artikel über die Hopi-&lt;br /&gt;
Indianer erwähnt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=4}}Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bab — das Tor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühes Echo in der westlichen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 22. Mai 1994 jährte sich zum 150. Mal der Abend, an dem der Báb&lt;br /&gt;
Seine Sendung als Gottesoffenbarung Seinem ersten Anhänger kundlat.&lt;br /&gt;
Dieser Jahrestag wird von den Baha’t in aller Welt festlich begangen. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe tragen mit einem Überblick über frühe Reaktionen auf die&lt;br /&gt;
neue Religion in der westlichen Welt dazu bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Westen wie im Osten bewegte&lt;br /&gt;
zu Beginn des 19. Jahrhunderts Menschen&lt;br /&gt;
aus vielen Glaubensrichtungen eine eigen-&lt;br /&gt;
artige religiöse Erwartung. Hier wie dort&lt;br /&gt;
war man in den Heiligen Schriften auf Hin-&lt;br /&gt;
weise gestoßen, die das Kommen eines&lt;br /&gt;
Welterlösers prophezeiten. Im Osten erklär-&lt;br /&gt;
te am Vorabend des 23. Mai 1844 ein fünf-&lt;br /&gt;
undzwanzigjähriger Kaufmann aus einer&lt;br /&gt;
angesehenen Familie in Shiräz (Mirzä ’Ali-&lt;br /&gt;
Muhammad, 1819-1850), Vorbote und&lt;br /&gt;
Wegbereiter für diesen Welterlöser zu sein.&lt;br /&gt;
Er selbst stiftete den Bábi-Glauben, der sich&lt;br /&gt;
um geistige Erneuerung bemühte und Seine&lt;br /&gt;
Anhänger auf den bald nach Ihm kommen-&lt;br /&gt;
den großen Gottesboten (Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
1817-1892) verpflichtete, der ein Zeitalter&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit und des Friedens bringen&lt;br /&gt;
und die Verheißungen aller früheren Reli-&lt;br /&gt;
gionen erfüllen werde. Bald hatte der Báb&lt;br /&gt;
eine große Anhängerschaft, darunter zahl-&lt;br /&gt;
reiche Gelehrte und Personen von hohem&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Rang. Doch die Verfol-&lt;br /&gt;
gung durch geistliche und weltliche Mächte&lt;br /&gt;
Seines Geburtslandes setzte rasch ein. Der&lt;br /&gt;
Báb wurde in die Bergfestungen Mäh-Kü&lt;br /&gt;
und Chirfgq im Nordwesten des Landes ver-&lt;br /&gt;
bannt und am 9. Juli 1850 in Tabriz durch&lt;br /&gt;
Erschießen hingerichtet. Etwa 20 000 Sei-&lt;br /&gt;
ner Anhänger wurden so grausam getötet,&lt;br /&gt;
daß sie — wie der Báb selbst — das warme&lt;br /&gt;
Mitgefühl westlicher Diplomaten und Au-&lt;br /&gt;
toren erregten. Auch Bahä’u’lläh, dessen&lt;br /&gt;
Identität den Anhängern des Báb damals&lt;br /&gt;
noch nicht bekannt war, wurde als Bábi&lt;br /&gt;
verhaftet, eingekerkert und schließlich&lt;br /&gt;
nach Baghdäd verbannt. Dort gab Er der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 2. Auflage 1974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bábi-Gemeinde neue Rechtleitung und er-&lt;br /&gt;
klärte 1863 (kurz vor der Weiterverban-&lt;br /&gt;
nung), der vom Báb verheißene Gottesbote&lt;br /&gt;
zu sein. Damit erfüllte Er die Ankündigung&lt;br /&gt;
des Báb, und der Bábi-Glaube ging in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glauben über. Später sorgte&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh dafür, daß die sterblichen&lt;br /&gt;
Überreste des Báb ins Heilige Land über-&lt;br /&gt;
führt und in einem Mausoleum in Haifa am&lt;br /&gt;
Berg Karmel beigesetzt wurden. Dort be-&lt;br /&gt;
findet sich heute das geistige und admini-&lt;br /&gt;
strative Weltzentrum der Bahä’i-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte des Lebens und&lt;br /&gt;
Wirkens des Báb wird von Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
in seinem Geschichtswerk Gott geht vor-&lt;br /&gt;
über! geschildert. Eine besonders detail-&lt;br /&gt;
lierte und eindringliche Darstellung der Ge-&lt;br /&gt;
schichte des Bábi-Glaubens ist der in der&lt;br /&gt;
deutschen Fassung dreibändige Nabils Be-&lt;br /&gt;
richt. Aus den frühen Tagen der Bäha’i-Of-&lt;br /&gt;
fenbarung” Da im neunzehnten Jahrhun-&lt;br /&gt;
dert auch in europäischen Ländern Bewe-&lt;br /&gt;
gungen wie die Templer-Vereinigung in&lt;br /&gt;
Stuttgart entstanden, die in Erwartung auf&lt;br /&gt;
die Wiederkehr Christi ins Heilige Land&lt;br /&gt;
zogen, sind Publikationen über den Báb in&lt;br /&gt;
der westlichen Welt von großem Interesse.&lt;br /&gt;
Sie spiegeln das Lebensgefühl und die Er-&lt;br /&gt;
wartungen mancher Europäer wider und&lt;br /&gt;
filtern so die neuen religiösen Lehren durch&lt;br /&gt;
die Sichtweise einer angeblich aufgeklär-&lt;br /&gt;
ten, aber dennoch in vielen Aspekten su-&lt;br /&gt;
chenden Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Erwähnung des Bábi-&lt;br /&gt;
Glaubens durch einen Europäer war ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 1975, 1982, 1991&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=5}}Bericht eines Engländers. Major Rawlin-&lt;br /&gt;
son beschrieb darin aus Baghdäd den Pro-&lt;br /&gt;
zeß gegen Mullä ’Aliyi-Bastami und die&lt;br /&gt;
allgemeine Aufregung über die neue Reli-&lt;br /&gt;
gion. Das erste gedruckte Zeugnis war ein&lt;br /&gt;
Artikel in der Londoner Zeitung The Times&lt;br /&gt;
vom I. November 1845, der mehrfach in&lt;br /&gt;
London, New York, Phil-&lt;br /&gt;
adelphia und sogar im au-&lt;br /&gt;
stralischen Melbourne ab-&lt;br /&gt;
gedruckt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum damaligen&lt;br /&gt;
Zeitpunkt gab es zwei&lt;br /&gt;
europäische Gesandte in&lt;br /&gt;
Teheran: Oberstleutnant&lt;br /&gt;
Justin Sheil (der spätere&lt;br /&gt;
Lord Sheil) von der bri-&lt;br /&gt;
tischen Regierung und&lt;br /&gt;
Prinz Dolgorukov vom&lt;br /&gt;
russischen Zarenreich.&lt;br /&gt;
Der Franzose Joseph&lt;br /&gt;
Philippe Ferrier war nicht&lt;br /&gt;
offiziell als französischer&lt;br /&gt;
Abgesandter akkreditiert,&lt;br /&gt;
berichtete aber auch in&lt;br /&gt;
seine Heimat. Seine&lt;br /&gt;
schriftlichen Darstellungen basierten auf&lt;br /&gt;
Regierungsquellen, waren dementspre-&lt;br /&gt;
chend negativ gefärbt und betonten den&lt;br /&gt;
angeblich aufrührerischen Charakter der&lt;br /&gt;
neuen Bewegung. Die in der persischen&lt;br /&gt;
Hauptstadt lebenden Europäer hielten den&lt;br /&gt;
jungen Glauben anfangs für eine anarchi-&lt;br /&gt;
stische und möglicherweise revolutionär-&lt;br /&gt;
sozialistische Ideologie; diese Auffassung&lt;br /&gt;
erklärte sich aus den offiziellen persischen&lt;br /&gt;
Darstellungen und aus der aufgewühlten&lt;br /&gt;
Situation in vielen Teilen Europas. Neben&lt;br /&gt;
den Berichten des Oberleutnants Sheil&lt;br /&gt;
schrieb auch seine Frau, Lady Sheil, aus-&lt;br /&gt;
führlich über ihre Zeit in Persien, und ihr&lt;br /&gt;
Werk Glimpses of Life and Manners in&lt;br /&gt;
Persia wurde von vielen späteren Autoren&lt;br /&gt;
als Quelle benutzt. Die erste für Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler bestimmte Abhandlung über die&lt;br /&gt;
Bábi-Religion verfaßte der amerikanische&lt;br /&gt;
Missionar Dr. Austin H. Wright (»A Short&lt;br /&gt;
Chapter in the History of Bábeeism in Per-&lt;br /&gt;
sia«), der beim Treffen der amerikanischen&lt;br /&gt;
Gesellschaft für Orientalisten am 18./19.&lt;br /&gt;
Mai 1853 verlesen wurde. Eine von Dr.&lt;br /&gt;
Justin Perkins besorgte deutsche Überset-&lt;br /&gt;
zung des unveröffentlichten Originals er-&lt;br /&gt;
schien in der Zeitschrift der Deutschen&lt;br /&gt;
Morgenländischen Gesellschaft (1851).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufstände in Shaykh Tabarsi,&lt;br /&gt;
Zanjän und Nayriz sowie der Märtyrertod&lt;br /&gt;
des Báb am 9. Juli 1850 fanden ein sehr&lt;br /&gt;
geringes Echo in der zeitgenössischen eu-&lt;br /&gt;
ropäischen Presse. Zur Zeit der massiven&lt;br /&gt;
Hinrichtungswelle im Jahr 1852 befanden&lt;br /&gt;
sich keine europäischen Korrespondenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Persien. Dennoch folgten ab Oktober&lt;br /&gt;
desselben Jahres in Frankreich, England,&lt;br /&gt;
Österreich, Konstantinopel und den USA&lt;br /&gt;
Berichte, die auf der Basis persischer Quel-&lt;br /&gt;
len erstellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste im Westen erschienene&lt;br /&gt;
Buch, in dem der Bábi-Glauben erwähnt&lt;br /&gt;
wird, war das Werk des Pfarrers Henry&lt;br /&gt;
Aaron Stern, Dawnings of Light in the East&lt;br /&gt;
(1854). Stern hatte im April 1852 Bábi-Ex-&lt;br /&gt;
tremisten, die nicht im Sinne des Báb han-&lt;br /&gt;
delten, in Bärfurüsh getroffen. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
später erschien Lady Sheils Buch, und 1857&lt;br /&gt;
veröffentlichte der in Madras arbeitende R.&lt;br /&gt;
B. M. Binning sein stark voreingenomme-&lt;br /&gt;
nes Journal of Two Years’ Travel in Persia,&lt;br /&gt;
Ceylon etc. Der bekannte britische Orien-&lt;br /&gt;
talist Professor E. G. Browne kritisierte&lt;br /&gt;
dieses Werk wegen der feindseligen, vorur-&lt;br /&gt;
teilsbehafteten Einstellung den Völkern ge-&lt;br /&gt;
genüber, die es zu porträtieren vorgab. Im&lt;br /&gt;
Jahr 1860 unternahm der deutsche Orienta-&lt;br /&gt;
list Jean-Albert-Bernard Dorn ausgedehnte&lt;br /&gt;
Reisen durch Mäzindarän und Gilän. Dar-&lt;br /&gt;
über veröffentlichte er diverse Berichte und&lt;br /&gt;
hielt im Januar und September 1865 Vor-&lt;br /&gt;
träge in der historisch-philologischen Ab-&lt;br /&gt;
teilung der russischen Akademie der Wis-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Die folgenden Ausführungen basieren auf Angaben in dem von Moojan Momen herausgegebenen Buch&lt;br /&gt;
The Bábi and Baha’i Religions, 1844: Some Contemporary Accounts. Oxford: George Ronald, 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haus des Bab in Shirdz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=6}}6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schrein des Bab&lt;br /&gt;
in Haifa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
senschaften. Dr. Jakob Polak weilte in Te-&lt;br /&gt;
heran, als zwei durch den Märtyrertod des&lt;br /&gt;
Báb verwirrte Bábi ein Attentat auf den&lt;br /&gt;
Shäh ausübten. Er behauptete auch, beim&lt;br /&gt;
Märtyrertod von Tähirih anwesend gewe-&lt;br /&gt;
sen zu sein. Trotz dieses angeblich engen&lt;br /&gt;
Kontakts macht er in seinem Buch Persien:&lt;br /&gt;
Das Land und seine Bewohner (1865) fal-&lt;br /&gt;
sche Angaben über die Lehren des Báb.&lt;br /&gt;
Neben diesen Büchern und Vorträgen gab&lt;br /&gt;
es auch kurze Stellungnahmen des Englän-&lt;br /&gt;
ders John Usher im Anschluß an seine Per-&lt;br /&gt;
sienreise und von Edward Backhouse East-&lt;br /&gt;
wick, dem Orientalisten und Sekretär der&lt;br /&gt;
britischen Gesandtschaft in Teheran (Mai&lt;br /&gt;
1860 bis Mai 1863).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bekanntwerden der Bábi-Reli-&lt;br /&gt;
gion in der westlichen Welt beruhte haupt-&lt;br /&gt;
sächlich auf Joseph Arthur Comte de Gobi-&lt;br /&gt;
neaus etwa zur Hälfte diesen Glauben be-&lt;br /&gt;
handelndem Werk Les Religions et les Phi-&lt;br /&gt;
losophies dans l’Asie Centrale (1865). Pa-&lt;br /&gt;
radoxerweise beschäftigte sich gerade Go-&lt;br /&gt;
bineau, der später vielen als Verfechter ras-&lt;br /&gt;
sistischer Ideen bekannt wurde, mit einem&lt;br /&gt;
Glauben, der die Freiheit von rassischen&lt;br /&gt;
und anderen Vorurteilen fordert. Als Quelle&lt;br /&gt;
für die sieben Kapitel und den Appendix&lt;br /&gt;
über die Bábi-Lehren benutzte Gobineau&lt;br /&gt;
die offizielle Geschichtsschreibung des&lt;br /&gt;
persischen Hofes. Er trat auch in Kontakt&lt;br /&gt;
mit einigen Bábi, z.B. mit Verwandten und&lt;br /&gt;
Verbündeten Mirzä Yahyas, der später sei-&lt;br /&gt;
nen Halbbruder Bahä’u’lläh bekämpfte und&lt;br /&gt;
selbst den Anspruch erhob, der Verheißene&lt;br /&gt;
zu sein. Gobineau schrieb damit das bis&lt;br /&gt;
dahin umfangreichste, aber äußerst fehler-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hafte Werk über die neue Religion. Das&lt;br /&gt;
Buch war ein Erfolg; bereits nach einem&lt;br /&gt;
Jahr mußte eine zweite Auflage gedruckt&lt;br /&gt;
werden. Es wurde in Europa und Nordame-&lt;br /&gt;
rika vielfach rezensiert. In Deutschland er-&lt;br /&gt;
schienen Rezensionen in der Tübinger All-&lt;br /&gt;
gemeinen Zeitung (»Die Babis in Persien«&lt;br /&gt;
März 1866). Alfred Baron von Kremer be-&lt;br /&gt;
nutzte Gobineaus Buch als eine Quelle des&lt;br /&gt;
Kapitels »Bab und seine Lehre« in seinem&lt;br /&gt;
Werk Geschichte der herrschenden Ideen&lt;br /&gt;
des Islams (1868); dasselbe gilt für Dr.&lt;br /&gt;
Herman Ethes 61-seitiges Kapitel »Ein mo-&lt;br /&gt;
derner Prophet des Morgenlandes« in Es-&lt;br /&gt;
says und Studien (1872). Gobineau inspi-&lt;br /&gt;
rierte Marie von Najmäjer zur Schaffung&lt;br /&gt;
des ersten diesem Glauben gewidmeten,&lt;br /&gt;
epischen Poems in einer westlichen Spra-&lt;br /&gt;
che. In Gurret-ül-Eyn: Ein Bild aus Per-&lt;br /&gt;
siens Neuzeit (1874) erzählt sie die Ge-&lt;br /&gt;
schichte von Tähirih, der einzigen Frau un-&lt;br /&gt;
ter den »Buchstaben des Lebendigen«, den&lt;br /&gt;
ersten 18 Anhängern des Báb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 3. Auflage von Gobineaus Buch&lt;br /&gt;
fand erneut ein Echo, z.B. in Ferdinand&lt;br /&gt;
Justis Artikel in der Zeitschrift Archiv für&lt;br /&gt;
Religionswissenschaft (1901). Wie oben&lt;br /&gt;
angedeutet, veranlaßte Gobineaus Werk&lt;br /&gt;
E.G. Browne zu seinen ausführlichen&lt;br /&gt;
Forschungen, und der mit Persien und&lt;br /&gt;
dem Bábi-Glauben sehr vertraute Franzose&lt;br /&gt;
A.-L.-M. Nicholas schrieb diverse Richtig-&lt;br /&gt;
stellungen verzerrt oder falsch dargestellter&lt;br /&gt;
Sachverhalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste im Westen erschienene&lt;br /&gt;
Buch, das ausschließlich die Bábi-Religion&lt;br /&gt;
zum Inhalt hat, verfaßte Mirzä Aleksandr&lt;br /&gt;
Kazem-Beg von der Universität St. Peters-&lt;br /&gt;
burg: Bab i Babidy (1865). Auszüge dieses&lt;br /&gt;
russischen Werkes erschienen in französi-&lt;br /&gt;
scher Übersetzung in einer orientalistischen&lt;br /&gt;
Zeitschrift. Kazem-Begs Quellen waren&lt;br /&gt;
Darstellungen des persischen Hofes sowie&lt;br /&gt;
schriftliche Berichte zweier Personen, die&lt;br /&gt;
Anhänger des Báb kannten. Sein Buch reg-&lt;br /&gt;
te z.B. A. de Bellecomber zu einer Abhand-&lt;br /&gt;
lung über das Leben Tähirihs an, über deren&lt;br /&gt;
Leben und Wirken auch andere Autoren&lt;br /&gt;
berichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben offiziellen Gesandten und&lt;br /&gt;
Orientalisten schrieben auch Reisende über&lt;br /&gt;
die Bábi-Religion. Im Jahre 1862 reiste&lt;br /&gt;
der italienische Arzt Michele Lessona&lt;br /&gt;
durch Persien und schrieb ein kleines Buch,&lt;br /&gt;
I Babi, in dem er auf Gobineau verweist&lt;br /&gt;
und feststellt, wie schwierig es ist, authen-&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=7}}tische Informationen über den Glauben zu&lt;br /&gt;
erhalten. Unter den Reisenden der 1870er&lt;br /&gt;
und 1880er befand sich auch eine Frau.&lt;br /&gt;
Madame Carla Serena reiste von Anzali&lt;br /&gt;
nach Teheran und zurück. Ihr Buch Hom-&lt;br /&gt;
mes et Choses en Perse beinhaltet siebzehn&lt;br /&gt;
Seiten über die Bábis. Der Göttinger Ori-&lt;br /&gt;
entalist Friedrich Carl Andreas veröffent-&lt;br /&gt;
lichte 1896 Die Babis in Persien, eine nicht&lt;br /&gt;
immer korrekte, aber bis ca. 1880 reichende&lt;br /&gt;
geschichtliche Darstellung des jungen&lt;br /&gt;
Glaubens. Besonders interessant sind auch&lt;br /&gt;
die Berichte über das Bahä’i-Gemeindele-&lt;br /&gt;
ben der 1890er Jahre, die der deutsche Mis-&lt;br /&gt;
sionar Christian Közle schrieb und die viel-&lt;br /&gt;
fach rezensiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edward Granville Browne unter-&lt;br /&gt;
nahm 1887-1888 eine Persienreise mit&lt;br /&gt;
dem expliziten Grund, die Bábi-Religion&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Er stellte fest, daß die&lt;br /&gt;
meisten Bábis bereits Bahä’i geworden&lt;br /&gt;
waren. Browne traf sowohl Bahä’u’lläh*&lt;br /&gt;
als auch Mirzä Yahya, dessen Anhängern er&lt;br /&gt;
sich später anschloß. Die späteren Werke&lt;br /&gt;
Brownes sind enttäuschend.” Browne wid-&lt;br /&gt;
met sich in vier Büchern nur der Bábi-&lt;br /&gt;
Religion, erwähnt den Glauben aber auch&lt;br /&gt;
ausführlich in anderen Werken und verfaßte&lt;br /&gt;
diverse Artikel, Abhandlungen und Vorträ-&lt;br /&gt;
ge. Besonders auffallend ist der Wandel von&lt;br /&gt;
anfänglicher Begeisterung zu einer zyni-&lt;br /&gt;
schen und feindseligen Haltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A.-L.-M. Nicolas gebührt wohl die&lt;br /&gt;
Ehre, unter allen europäischen Wissen-&lt;br /&gt;
schaftlern jener Zeit den größten Beitrag&lt;br /&gt;
zum Wissen über Leben und Lehre des Báb&lt;br /&gt;
geleistet zu haben. Nicolas’ Vater war im&lt;br /&gt;
französischen Konsulatsdienst in Persien&lt;br /&gt;
beschäftigt, und der spätere Wissenschaft-&lt;br /&gt;
ler wurde 1864 in Rasht geboren. Er sprach&lt;br /&gt;
persisch, russisch und französisch, arbeitete&lt;br /&gt;
auch im französischen Konsulat und ver-&lt;br /&gt;
brachte die meisten Jahre seines Lebens in&lt;br /&gt;
Persien. Sein Vater kritisierte Gobineaus&lt;br /&gt;
Buch und erweckte so das Interesse des&lt;br /&gt;
Sohnes, der nach eingehender Untersu-&lt;br /&gt;
chung die Ansprüche Mirzä Yahyas als&lt;br /&gt;
nichtig verwarf. Nicolas’ anfänglich positi-&lt;br /&gt;
ve Einstellung hielt bis 1914 an, als er den&lt;br /&gt;
letzten Band seiner französischen Überset-&lt;br /&gt;
zung des Le Beyan Persan veröffentlichte.&lt;br /&gt;
Nach einer beinahe zwanzig Jahre umfas-&lt;br /&gt;
senden Pause wandte sich Nicolas ab 1933&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 220-221&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
massiv gegen die Bahä’i und griff ’Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä dafür an, daß er angeblich die Stufe&lt;br /&gt;
und Sendung des Báb vernachlässige. Die&lt;br /&gt;
dritte Phase begann, als Nicolas zwei Wer-&lt;br /&gt;
ke Shoghi Effendis und Nabils Bericht er-&lt;br /&gt;
hielt und sich in einem Brief an die Dame,&lt;br /&gt;
die ihm die Bücher geschenkt hatte, freudig&lt;br /&gt;
dazu äußerte, daß die Bahä’i doch verstan-&lt;br /&gt;
den hätten, daß der Báb genauso wie&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh eine selbständige Offenbarung&lt;br /&gt;
gebracht hatte: »Ich weiß nicht, wie ich&lt;br /&gt;
Ihnen danken, noch wie ich der Freude&lt;br /&gt;
Ausdruck verleihen kann, die mein Herz&lt;br /&gt;
überströmt. Es ist also nicht nur notwendig,&lt;br /&gt;
den Báb anzuerkennen, sondern man muß&lt;br /&gt;
Ihn auch lieben und bewundern. Armer&lt;br /&gt;
großer Prophet, im Herzen Persiens gebo-&lt;br /&gt;
ren, ohne Mittel zum Lehren, der — alleine&lt;br /&gt;
in der Welt und umgeben von Feinden —&lt;br /&gt;
es schaffte, durch die Kraft Seiner Geniali-&lt;br /&gt;
tät eine universelle und weise Religion zu&lt;br /&gt;
schaffen. .... Endlich kann ich in Frieden&lt;br /&gt;
sterben. Ruhm gebührt Shoghi Effendi, der&lt;br /&gt;
meine Qualen und Ängste beruhigt hat;&lt;br /&gt;
Ruhm sei dem, der den Wert Siyyid ’Ali-&lt;br /&gt;
Muhammads, des Báb, erkennt.« Zusam-&lt;br /&gt;
menfassend bleibt zu bemerken, daß A.-L.-&lt;br /&gt;
M. Nicolas ein Geschichtswerk — Seyyed&lt;br /&gt;
Ali Mohammed dit le Bäab (Paris 1905) —&lt;br /&gt;
sowie sechs Bände Übersetzungen der&lt;br /&gt;
Schriften des Báb, zwei kurze Monographi-&lt;br /&gt;
en und diverse Abhandlungen veröffent-&lt;br /&gt;
lichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gelehrte, die sich in der&lt;br /&gt;
Beschäftigung mit der Bábi-Religion und&lt;br /&gt;
den Anfängen der Bahä’i-Religion hervor-&lt;br /&gt;
taten, waren Hippolyte Dreyfus und&lt;br /&gt;
Clement Huart in Frankreich und Baron&lt;br /&gt;
Victor Rosen und Capt. Alexander Tumans-&lt;br /&gt;
ki in Rußland. In Deutschland fand eine&lt;br /&gt;
geringere Beschäftigung mit dieser Thema-&lt;br /&gt;
tik statt. Erwähnenswert ist die Dissertation&lt;br /&gt;
Hermann Roemers, die er 1911 an der Uni-&lt;br /&gt;
versität Tübingen einreichte (Die Babi-&lt;br /&gt;
Behä’i). Darin untersucht er die Geschichte&lt;br /&gt;
beider Religionen bis ins 20. Jahrhundert&lt;br /&gt;
und berichtet dabei auch über Bahä’i-Akti-&lt;br /&gt;
vitäten und -Gemeinden in Europa, Nord-&lt;br /&gt;
amerika und im Fernen Osten. Roemer ver-&lt;br /&gt;
öffentlichte darüberhinaus diverse Artikel&lt;br /&gt;
in der Orientalistenzeitschrift Der Islam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des vergange-&lt;br /&gt;
nen Jahrhunderts durchlief die diplomati-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Siehe Hasan M. Balyuzi, Edward Granville Browne and the Bahä’i Faith, Oxford: George Ronald, 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 unveröffentlichte Übersetzung aus Momen, S. 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sche Szene in Teheran starke Veränderun-&lt;br /&gt;
gen. Während 1850 nur die Türkei,&lt;br /&gt;
Rußland und England durch diplomatische&lt;br /&gt;
Missionen in Teheran vertreten waren, be-&lt;br /&gt;
fanden sich in den 1890er Jahren zusätzlich&lt;br /&gt;
Abgesandte Frankreichs, Deutschlands,&lt;br /&gt;
Österreichs, Amerikas’, Belgiens, Italiens&lt;br /&gt;
und der Niederlande dort. England und&lt;br /&gt;
Rußland blieben tonangebend und waren&lt;br /&gt;
am besten informiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der bemerkenswertesten Bü-&lt;br /&gt;
cher über Persien verfaßte George Nathaniel&lt;br /&gt;
Curzon, der spätere Lord Curzon of Ked-&lt;br /&gt;
leston. Er verbrachte zweieinhalb Monate in&lt;br /&gt;
Persien und Persia and the Persian Question&lt;br /&gt;
(1892) ist ein in seiner Darstellung ausge-&lt;br /&gt;
wogenes Werk. Er stellt darin die Fehler&lt;br /&gt;
früherer Werke über die Bábi-Religion rich-&lt;br /&gt;
tig, erzählt ihre Geschichte bis 1852 und&lt;br /&gt;
berichtet über neuere Entwicklungen zum&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glauben hin. Eine weitere detaillierte&lt;br /&gt;
historische Darstellung, die aber leider eine&lt;br /&gt;
Vielzahl unrichtiger Informationen enthält,&lt;br /&gt;
istdasBuchdesMilitärsekretärsund späteren&lt;br /&gt;
Attaches der britischen Gesandtschaft in&lt;br /&gt;
Teheran von 1889 bis 1893: Sir Thomas&lt;br /&gt;
Gordons Persia Revisited.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Babi und&lt;br /&gt;
die Bahä’i in der&lt;br /&gt;
Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marie von Najmäjer blieb nicht die&lt;br /&gt;
einzige Schriftstellerin, die sich von der Ge-&lt;br /&gt;
schichte der Bábis zu einem literarischen&lt;br /&gt;
Werk inspirieren ließ. Jose Maria Eca de&lt;br /&gt;
Queirös, einer der größten portugiesischen&lt;br /&gt;
Romanciers, erwähnt in seinem Reiseroman&lt;br /&gt;
Correspondencia de Fradique Mendes&lt;br /&gt;
(1889) die Bábi in Ägypten. In seinem ein-&lt;br /&gt;
zigen literarischen Werk — Un Amour au&lt;br /&gt;
Pays des Mages (1891) — benutzt Ange-&lt;br /&gt;
Pierre-Guillaume Ouvre de Saint-Quentin&lt;br /&gt;
die Bábi-Geschichte als Kulisse für die ro-&lt;br /&gt;
mantische Beziehung zwischen einemarmen&lt;br /&gt;
Derwisch und der Tochter des Mujtahid von&lt;br /&gt;
Qazvin. Ethel Stefana May Stevens, die spä-&lt;br /&gt;
tere Lady Drower, verbrachte sechs Monate&lt;br /&gt;
in Haifa und schrieb 1911 ihren Roman The&lt;br /&gt;
Mountain of God. Darin berichtet sie über&lt;br /&gt;
das Leben der Bahä’i-Gemeinde in Haifa&lt;br /&gt;
und’AkkäundüberdieRolle’Abdu’i-Bahäs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Gertrude F. AthertonsRoman Julia France&lt;br /&gt;
and Her Times (1912) trifft die Protagonistin&lt;br /&gt;
”Abdu’I-Bahä in Haifa und kehrt nach Eng-&lt;br /&gt;
land zurück. Dort versucht sie, den Schrift-&lt;br /&gt;
steller Nigel dazu zu überreden, über die&lt;br /&gt;
Bahä’i zu schreiben. In der deutschen popu-&lt;br /&gt;
lären Literatur findet die oft verzerrte Be-&lt;br /&gt;
richterstattung der Zeitungen und der Rei-&lt;br /&gt;
seerlebnisse ihr Echo in den Romanen eines&lt;br /&gt;
vielgelesenen Autors. Karl May, der selbst&lt;br /&gt;
weder Amerika noch den Orient bereiste,&lt;br /&gt;
schrieb nicht nur die bekannten Indianerge-&lt;br /&gt;
schichten. ZahlreicheRomane spielen inMe-&lt;br /&gt;
xiko, Deutschland, sogar in Sibirien und im&lt;br /&gt;
Orient. Im ersten Band seines Werkes /m&lt;br /&gt;
Reich des silbernen Löwen erwähnt er den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Báb und Seine Religion, stellt aber diverse&lt;br /&gt;
Sachverhalte falsch dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Najmäjers Poem und zahl-&lt;br /&gt;
reichen Romanen eröffnete die russische&lt;br /&gt;
Künstlerin Izabella Grinevskaya den Rei-&lt;br /&gt;
gen der Dramen. 1903 schrieb sie ein dra-&lt;br /&gt;
matisches Poem in fünf Akten, das 1904&lt;br /&gt;
und erneut im April 1917 in Theatern St.&lt;br /&gt;
Petersburgs aufgeführt wurde. Da dramati-&lt;br /&gt;
sche Effekte im Vordergrund stehen, ist das&lt;br /&gt;
Stück leider historisch sehr ungenau. 1912&lt;br /&gt;
verfaßte Grinevskaya ein ähnliches Werk&lt;br /&gt;
über Bahä’u’lläh, das positiv aufgenom-&lt;br /&gt;
men wurde. Im Jahr davor hatte die Drama-&lt;br /&gt;
tikerin ’Abdu’I-Bahä in Ägypten getroffen&lt;br /&gt;
und schrieb darüber in A Journey in the&lt;br /&gt;
Countries of the Sun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schriftsteller und Gelehrte&lt;br /&gt;
äußerten sich in den ersten Jahrzehnten des&lt;br /&gt;
zwanzigsten Jahrhunderts zum Bábi- und&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glauben. Dr. Benjamin Jowett, der&lt;br /&gt;
Master des Balliol College in Oxford, be-&lt;br /&gt;
schäftigte sich mit diesem Thema. Profes-&lt;br /&gt;
sor Thomas Kelly Cheyne der Universität&lt;br /&gt;
Oxford traf verschiedene Bahä’i und lud&lt;br /&gt;
zum 31.1.1912 ’Abdu’l-Bahá zu einem Be-&lt;br /&gt;
such dieser Hochschule ein. Sein letztes&lt;br /&gt;
großes Werk, The Reconciliation of Races&lt;br /&gt;
and Religions, behandelt ausführlich die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion. Bei ’Abdu’l-Bahás Be-&lt;br /&gt;
such der Oxforder Universität hielt der be-&lt;br /&gt;
rühmte Bibelforscher Professor John Estlin&lt;br /&gt;
Carpenter einen besonderen Empfang am&lt;br /&gt;
Manchester College.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der französische Schriftsteller Ro-&lt;br /&gt;
main Rolland, der 1916 den Nobelpreis für&lt;br /&gt;
Literatur erhielt, zitiert in seinem Roman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Der erste Vertreter der Vereinigten Staaten war Samuel Benjamin, der dort von 1883 bis 1885 lebte und&lt;br /&gt;
in seinem Buch Persia and the Persians auch über die Bábis berichtet.&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=9}}Clerambault aus den Beantworteten Fragen&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahás. Rolland besuchte das&lt;br /&gt;
Bahä’i-Zentrum in Genfund korrespondierte&lt;br /&gt;
mit dem berühmten russischen Literaten Leo&lt;br /&gt;
Tolstoj, der wiederholt Kontakt mit Bahä’i&lt;br /&gt;
hatte. Tolstojs Aussagen über die Bahä’i-Re-&lt;br /&gt;
ligion schwanken über die Jahre hinweg&lt;br /&gt;
zwischen Begeisterung and Ablehnung.®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schweizer Naturforscher, So-&lt;br /&gt;
ziologe und Philosoph Auguste Forel hörte&lt;br /&gt;
1920 erstmals von der Bahä’i-Religion und&lt;br /&gt;
erhielt einen berühmten Sendbrief von&lt;br /&gt;
”’Abdu’l-Bahá. Forel wies 1927 das franzö-&lt;br /&gt;
sische Außenministerium auf die Verfol-&lt;br /&gt;
gungen der Bahä’i in Persien hin. Vor sei-&lt;br /&gt;
nem Tod im Jahre 1931 schrieb er ein »gei-&lt;br /&gt;
stiges Testament«, in dem er den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glauben erwähnt, sich selbst als Bahä’i&lt;br /&gt;
bezeichnet und der Gemeinde viel Erfolg&lt;br /&gt;
wünscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin gab es Orientalisten, die&lt;br /&gt;
sich mit der Bahä’i-Religion befaßten, dar-&lt;br /&gt;
unter Professor Arthur Christensen in Dä-&lt;br /&gt;
nemark, Sir Denison Ross in England und&lt;br /&gt;
Mikhail Sergeevich Ivanov in Rußland.&lt;br /&gt;
Gegnerschaft findet man in den Berichten&lt;br /&gt;
christlicher Missionare, die falsche Infor-&lt;br /&gt;
mationen und Verurteilungen enthielten.&lt;br /&gt;
Europäische Ärzte in Persien, Journalisten&lt;br /&gt;
und Reisende erwähnten immer wieder den&lt;br /&gt;
neu entstandenen Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin Maria&lt;br /&gt;
von Rumänien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besondere Ehre gebührt Königin&lt;br /&gt;
Maria von Rumänien, die als erstes gekrön-&lt;br /&gt;
tes Haupt in Europa eine freundschaftliche&lt;br /&gt;
Beziehung zu den Bahä’i entwickelte und&lt;br /&gt;
ihrer Wertschätzung für den Glauben Aus-&lt;br /&gt;
druck verlieh. 1926 erhielt sie von der weit-&lt;br /&gt;
gereisten Bahä’i Martha Root J. E. Essle-&lt;br /&gt;
monts Buch Bahd’u’llih und das neue&lt;br /&gt;
Zeitalter zugesandt. Am 30. Januar dessel-&lt;br /&gt;
ben Jahres gewährte Maria von Rumänien&lt;br /&gt;
im Controcenti-Palast Martha Root eine&lt;br /&gt;
Audienz. Durch ihre positive Aufnahme&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Lehren erschien auf Anraten&lt;br /&gt;
und im Namen der Königin am 4. Mai 1926&lt;br /&gt;
ein Artikel im Toronto Daily Star. Maria&lt;br /&gt;
von Rumänien führte eine langjährige Kor-&lt;br /&gt;
respondenz mit Shoghi Effendi. Fünf wei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tere Darstellungen aus ihrer Feder erschie-&lt;br /&gt;
nen in über 200 Zeitungen Kanadas und&lt;br /&gt;
der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie&lt;br /&gt;
schrieb: »Die Bahä’i-Lehre bringt Frieden&lt;br /&gt;
und Verständigung. Sie ist wie eine unge-&lt;br /&gt;
heure Umarmung, die alle umfängt, die&lt;br /&gt;
lange nach Worten der Hoffnung gesucht&lt;br /&gt;
haben ... . Traurig über den dauernden&lt;br /&gt;
Zwist unter den Gläubigen vieler Konfes-&lt;br /&gt;
sionen und ihrer gegenseitigen Unduld-&lt;br /&gt;
samkeit so überdrüssig, entdeckte ich in&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Lehre den wahren Geist Christi,&lt;br /&gt;
der so oft geleugnet und verkannt wird...&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Lehre bringt der Seele Frieden&lt;br /&gt;
und den Herzen Hoffnung. Den nach Ge-&lt;br /&gt;
wißheit forschenden sind die Worte des&lt;br /&gt;
Vaters wie ein Brunnen in der Wüste nach&lt;br /&gt;
langer Wanderschaft« (Gott geht vorüber,&lt;br /&gt;
S. 445).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an Schlußwort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Europa des 19. Jahrhunderts be-&lt;br /&gt;
schränkte sich der Zugang zum Bábi-Glau-&lt;br /&gt;
ben auf diplomatische Würdenträger und&lt;br /&gt;
andere Mitglieder der höheren Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, die durch Reisen die Möglichkeit&lt;br /&gt;
hatten, sich über andere Länder zu infor-&lt;br /&gt;
mieren. In Wissenschaft und Literatur in-&lt;br /&gt;
teressierte man sich für diese neue Reli-&lt;br /&gt;
gion, die einerseits im — sicherlich von&lt;br /&gt;
vielen als exotisch empfundenen — Orient&lt;br /&gt;
entstand und andererseits Lehren beinhal-&lt;br /&gt;
tete, in denen einige Wissenschaftler, Den-&lt;br /&gt;
ker und Schriftsteller für den Westen geeig-&lt;br /&gt;
netes Gedankengut als Antwort auf die Wir-&lt;br /&gt;
ren der Zeit fanden. Die wachsende Anzahl&lt;br /&gt;
von Lesern dieser Literatur und die stärkere&lt;br /&gt;
Verbreitung von Zeitungen trugen zur Be-&lt;br /&gt;
kanntmachung der Bábi- und Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion um die Jahrhundertwende und in den&lt;br /&gt;
ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts bei. Trotz des Engagements ein-&lt;br /&gt;
zelner Menschen, die dem neuen Glauben&lt;br /&gt;
gegenüber positiv eingestellt waren, gehör-&lt;br /&gt;
ten die beiden kurz nacheinander erschie-&lt;br /&gt;
nenen und eng verbundenen Religionen&lt;br /&gt;
nicht bereits nach kurzer Zeit zur Allge-&lt;br /&gt;
meinbildung des Durchschnittsbürgers. Die&lt;br /&gt;
Wechselfälle des ausgehenden und die Wir-&lt;br /&gt;
ren dieses Jahrhunderts verstellten oft den&lt;br /&gt;
Blick auf eine Botschaft, die der Welt eine&lt;br /&gt;
neue Chance bietet, sich zu regenerieren&lt;br /&gt;
und der Errichtung des Weltfriedens entge-&lt;br /&gt;
genzueilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Siehe Luigi Stendardo. Leo Tolstoj and the Baha’i Faith. Oxford: George Ronald, 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=10}}Nicola Towfigh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Familie und&lt;br /&gt;
ethische Erziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Jahre 1989 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
das Jahr 1994 zum »Internationalen Jahr der Familie« ausgerufen. Ziel dieses&lt;br /&gt;
Jahres ist eine weltweite Stärkung und Unterstützung der Familie, die als&lt;br /&gt;
beständigste kleinste Gemeinschaft in der Gesellschaft verstanden wird. Die&lt;br /&gt;
Familie prägt den einzelnen, die Gemeinschaft, das Berufsleben und die&lt;br /&gt;
politische Landschaft und stellt daher die Weichen für unsere Zukunft auf&lt;br /&gt;
diesem Planeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem in der letzten Ausgabe bereits die Erklärung der Internationalen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde zum Internationalen Jahr der Familie veröffentlicht wur-&lt;br /&gt;
de, folgt hier ein Beitrag, der einige Aspekte des Baha’i-Ehe- und Familien-&lt;br /&gt;
konzeptes und die ethische Erziehung der Kinder in der Familie beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit weltweiten Umbruchs&lt;br /&gt;
und radikaler Veränderung befindet sich&lt;br /&gt;
auch die Familie im Wandel. Traditionelle&lt;br /&gt;
Strukturen werden in Frage gestellt, die&lt;br /&gt;
Erwartungen an Ehepartner und Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verändern sich. Familien zerbrechen unter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Druck sozialer, wirtschaftlicher und&lt;br /&gt;
politischer Umwälzungen und neue For-&lt;br /&gt;
men des Zusammenlebens werden gesucht&lt;br /&gt;
und ausprobiert. Um den Anforderungen&lt;br /&gt;
der heutigen Zeit gerecht zu werden, muß&lt;br /&gt;
offensichtlich auch die Familie als Teil der&lt;br /&gt;
Gesellschaft neu gestaltet werden. Doch in&lt;br /&gt;
welche Richtung soll sie sich entwickeln,&lt;br /&gt;
welche der traditionellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
sollten erhalten und welche abgelegt wer-&lt;br /&gt;
den, welche der modernen Ansätze sind&lt;br /&gt;
hilfreich und erstrebenswert, welche weni-&lt;br /&gt;
ger? Diese und ähnliche Fragen lassen sich&lt;br /&gt;
jedoch nur beantworten, wenn man ein Bild&lt;br /&gt;
der Familie und ihrer Rolle vor Augen hat.&lt;br /&gt;
Diesem Bild muß notwendigerweise eine&lt;br /&gt;
Ethik bzw. Wertordnung zugrunde liegen,&lt;br /&gt;
um der zukünftigen Gesellschaft gerecht zu&lt;br /&gt;
werden und sie in positivem Sinne beein-&lt;br /&gt;
flussen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion ist auf Liebe&lt;br /&gt;
und Eintracht ausgerichtet, strebt Harmo-&lt;br /&gt;
nie und Verständigung unter allen Men-&lt;br /&gt;
schen an. Folgerichtig wird in den Bahä’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriften immer wieder die Liebe und&lt;br /&gt;
Einheit innerhalb der kleinsten gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Zelle — der Ehe und Familie&lt;br /&gt;
— betont: »Die Freunde Gottes müssen so&lt;br /&gt;
leben, sich so verhalten und solche Vor-&lt;br /&gt;
trefflichkeit des Charakters und der Hal-&lt;br /&gt;
tung an den Tag legen, daß sie andere&lt;br /&gt;
staunen machen. Die Liebe zwischen Ehe-&lt;br /&gt;
leuten sollte nicht nur rein körperlich,&lt;br /&gt;
nein, sie muß vielmehr geistig und himm-&lt;br /&gt;
lisch sein. Ihre beiden Seelen sollten als&lt;br /&gt;
eine Seele betrachtet werden. Wie schwie-&lt;br /&gt;
rig wäre es, eine einzige Seele zu teilen!&lt;br /&gt;
Wie groß wäre die Schwierigkeit! Kurz,&lt;br /&gt;
die Grundlage des Reiches Gottes beruht&lt;br /&gt;
auf Einklang und Liebe, Einheit, Verbun-&lt;br /&gt;
denheit und Einigkeit, nicht auf Streit, be-&lt;br /&gt;
sonders nicht zwischen Mann und Frau.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Institution der Ehe wird bejaht&lt;br /&gt;
und bestätigt: »Wisse, daß das Gebot der&lt;br /&gt;
Ehe ewig ist. Es wird nie geändert oder&lt;br /&gt;
umgewandelt werden.«? Die Partner über-&lt;br /&gt;
nehmen Verantwortung und gehen bewußt&lt;br /&gt;
eine Bindung ein, im festen Vertrauen auf&lt;br /&gt;
die Beständigkeit ihrer Ehe und Familie.&lt;br /&gt;
Da die Ehe im Bahä’i-Glauben von der&lt;br /&gt;
Zustimmung beider Partner und ihrer le-&lt;br /&gt;
benden Elternteile abhängig gemacht wur-&lt;br /&gt;
de, wird sie auf einem starken Fundament&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1  &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zitiert in: Einheit der Familie, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1983, S. 16&lt;br /&gt;
2 Bahä’u’lläh, zitiert in: Liebe und Ehe, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1981, S. 25&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=11}}der Einheit errichtet: »Weil Wir wünsch-&lt;br /&gt;
ten, Liebe und Freundschaft und die Einig-&lt;br /&gt;
keit der Menschen hervorzubringen,&lt;br /&gt;
machten Wir sie (die Ehe) auch von der&lt;br /&gt;
Zustimmung der Eltern abhängig, auf daß&lt;br /&gt;
Feindschaft und Übelwollen vermieden&lt;br /&gt;
werden.«’ Eine weitere Voraussetzung für&lt;br /&gt;
die Einheit in der Ehe besteht darin, daß&lt;br /&gt;
jeder für den anderen da ist und sich als&lt;br /&gt;
Teil des Ganzen versteht. Beharren die&lt;br /&gt;
Partner jedoch auf ihren eigenen Interes-&lt;br /&gt;
sen und sind nicht bereit, Kompromisse&lt;br /&gt;
einzugehen und die Wünsche des anderen&lt;br /&gt;
gelegentlich über ihre eigenen Wünsche&lt;br /&gt;
zu stellen, so wird die Ehe zum bloßen&lt;br /&gt;
Zweckverband degradiert. Kennzeichen&lt;br /&gt;
einer guten Ehe sind dagegen Einheit,&lt;br /&gt;
Treue, Geborgenheit, gegenseitige Hinga-&lt;br /&gt;
be und Opferbereitschaft. »Sind wahrhaft&lt;br /&gt;
Liebende einmal vereinigt, so müssen sie&lt;br /&gt;
einander äußerste Treue erzeigen. Ihr&lt;br /&gt;
müßt euer Wissen, eure Fähigkeiten, euer&lt;br /&gt;
Vermögen, eure Titel, euren Körper und&lt;br /&gt;
euren Geist Gott, Bahä’u’lläh und einan-&lt;br /&gt;
der weihen. Laßt eure Herzen weit, so weit&lt;br /&gt;
wie das göttliche All sein.«* Eine Ehe ist&lt;br /&gt;
kein statisches Gebilde, sondern eine orga-&lt;br /&gt;
nische Beziehung, die stets genährt und&lt;br /&gt;
gepflegt sein will: »Hegt unablässig den&lt;br /&gt;
Baum eurer Verbindung mit Liebe und&lt;br /&gt;
Zuneigung, damit er durch alle Jahreszei-&lt;br /&gt;
ten hindurch sprossen und grünen und&lt;br /&gt;
süßeste Früchte zur Heilung der Völker&lt;br /&gt;
hervorbringen möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Verantwortungsgefühl&lt;br /&gt;
werden schließlich so stark, daß alles, was&lt;br /&gt;
einem Partner bzw. Familienmitglied wi-&lt;br /&gt;
derfährt, als Unglück bzw. Glück aller emp-&lt;br /&gt;
funden wird: »Unrecht gegen einen soll als&lt;br /&gt;
Unrecht gegen alle angesehen werden,&lt;br /&gt;
Trost für einen als Trost für alle, Ehre für&lt;br /&gt;
einen als Ehre aller.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange Einheit besteht, lassen sich&lt;br /&gt;
Probleme, die naturgemäß in jeder Ehe und&lt;br /&gt;
Familie auftreten, gemeinsam lösen. Die&lt;br /&gt;
Familienmitglieder sind dadurch nicht nur&lt;br /&gt;
glücklich, sondern auch erfolgreich: »Be-&lt;br /&gt;
achtet, wie leicht sich die Angelegenheiten&lt;br /&gt;
einer Familie regeln lassen, wenn Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, zitiert in: Liebe und Ehe, S. 33&lt;br /&gt;
’Abdu’1-Bahä, zitiert in: Liebe und Ehe, S. 28f&lt;br /&gt;
”’Abdu’l-Bahá, zitiert in: Liebe und Ehe, S. 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von W RP» Ww&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá, zitiert in: Liebe und Ehe, S. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herrscht, welche Fortschritte die Familien-&lt;br /&gt;
mitglieder dann machen, wie erfolgreich&lt;br /&gt;
sie in der Welt sind. Ihre Beziehungen sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geordnet, sie erfreuen sich behaglicher&lt;br /&gt;
Ruhe.«’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beste und sicherste Grundlage&lt;br /&gt;
für die Einheit in der Familie ist die Liebe&lt;br /&gt;
zu Gott, so daß das Band zwischen den&lt;br /&gt;
Ehepartnern bzw. Familienmitgliedern das&lt;br /&gt;
Wort Gottes ist, wie ’Abdu’l-Bahá sagt‘.&lt;br /&gt;
Die Liebe zu Gott läßt uns im anderen nicht&lt;br /&gt;
nur das Mitgeschöpf lieben und achten,&lt;br /&gt;
sondern ist verbunden mit dem Streben&lt;br /&gt;
nach Vervollkommnung, dem Erwerb von&lt;br /&gt;
Tugenden und mit guten Taten. »Aus Tren-&lt;br /&gt;
nung erwächst viel Schaden und Leid, aber&lt;br /&gt;
die Verbindung der erschaffenen Dinge&lt;br /&gt;
bringt stets höchst lobenswerte Ergebnisse&lt;br /&gt;
hervor... Und erhaben über jede andere Ver-&lt;br /&gt;
bindung ist die Verbindung der Menschen&lt;br /&gt;
miteinander, besonders wenn sie in der Lie-&lt;br /&gt;
be Gottes zustandekommt. So wird die&lt;br /&gt;
Ureinheit sichtbar, so wird die Grundlage&lt;br /&gt;
der Liebe im Geiste gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserer heutigen Gesellschaft&lt;br /&gt;
wird die geistig-religiöse Seite oft vernach-&lt;br /&gt;
lässigt, und hierin liegt das größte Übel:&lt;br /&gt;
»Die weltumspannende Krise, unter der die&lt;br /&gt;
Menschheit leidet, ist daher in ihren Ursa-&lt;br /&gt;
chen rein geistig. Der Geist dieser Zeit, als&lt;br /&gt;
Ganzes gesehen, ist irreligiös. Die Lebens-&lt;br /&gt;
auffassung des Menschen ist zu roh und&lt;br /&gt;
materialistisch, als daß sie es ihm ermög-&lt;br /&gt;
lichte, sich in die höheren Reiche des Gei-&lt;br /&gt;
stes zu erheben. Diesen Zustand einer tod-&lt;br /&gt;
kranken Gesellschaft sucht die Religion zu&lt;br /&gt;
verbessern und zu wandeln; denn der Kern&lt;br /&gt;
religiösen Glaubens ist ein mystisches&lt;br /&gt;
Empfinden, das den Menschen mit Gott&lt;br /&gt;
vereint. Diese Haltung der geistigen Ver-&lt;br /&gt;
bindung läßt sich erreichen und bewahren&lt;br /&gt;
durch Meditation und Gebet, und das ist der&lt;br /&gt;
Grund, warum Bahä’u’lläh die Andacht in&lt;br /&gt;
ihrer Bedeutung so sehr betont. Für einen&lt;br /&gt;
Gläubigen ist es nicht genug, nur die Leh-&lt;br /&gt;
ren anzunehmen und zu befolgen. Er muß&lt;br /&gt;
darüberhinaus den Sinn für Geistigkeit ent-&lt;br /&gt;
wickeln, den er hauptsächlich durch das&lt;br /&gt;
Gebet erwerben kann.«!®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’I-Bahä, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1979, S. 113&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1992, 221:9&lt;br /&gt;
’Abdu’1-Bahä, zitiert in: Einheit der Familie, S. 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10  Shoghi Effendi, zitiert in: Über die Macht des Gebetes, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1981, S. 23f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beste und&lt;br /&gt;
sicherste&lt;br /&gt;
Grundlage für&lt;br /&gt;
die Einheit in&lt;br /&gt;
der Familie ist&lt;br /&gt;
die Liebe zu&lt;br /&gt;
Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so daß das&lt;br /&gt;
Band zwischen&lt;br /&gt;
den&lt;br /&gt;
Ehepartnern&lt;br /&gt;
bzw. Familien-&lt;br /&gt;
mitgliedern&lt;br /&gt;
das Wort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottes ist.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFENR.65 1&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der&lt;br /&gt;
Familie in der&lt;br /&gt;
ethischen Erziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Liebe zu Gott erwächst der&lt;br /&gt;
Wunsch, Kinder im Dienst an Gott zu er-&lt;br /&gt;
ziehen: »Wisset, o ihr liebenden Mütter: In&lt;br /&gt;
den Augen Gottes ist der beste Weg, Ihn zu&lt;br /&gt;
verherrlichen, die Erziehung der Kinder&lt;br /&gt;
und ihre Bildung in allen Vollkommenhei-&lt;br /&gt;
ten der Menschheit. Keine edlere Tat ist&lt;br /&gt;
denkbar.«!! So ist es denn auch »die Pflicht&lt;br /&gt;
der Eltern, ihre Kinder vollkommen und&lt;br /&gt;
sorgsam zu erziehen.«!? Die Erziehungs-&lt;br /&gt;
aufgabe wird in der Bahä’i-Religion so&lt;br /&gt;
stark betont und aufgewertet, daß sie zu&lt;br /&gt;
»den höchsten Diensten, die der Mensch&lt;br /&gt;
dem allmächtigen Gott erweisen kann«”,&lt;br /&gt;
gezählt wird. Somit ist die Erziehung der&lt;br /&gt;
Kinder mindestens ebenso bedeutend, wie&lt;br /&gt;
der Erwerb des Lebensunterhalts für die&lt;br /&gt;
Familie — keine Rolle ist minderwertig&lt;br /&gt;
oder der anderen untergeordnet. Wenn-&lt;br /&gt;
gleich die Mutter als die erste Erzieherin&lt;br /&gt;
des Kindes, wie ’Abdu’l-Bahá sie nennt!*,&lt;br /&gt;
in aller Regel die Hauptverantwortung für&lt;br /&gt;
die Erziehung übernimmt und der Vater in&lt;br /&gt;
erster Linie für den Unterhalt sorgt, so sind&lt;br /&gt;
diese Rollen doch nicht starr festgelegt,&lt;br /&gt;
sondern können in gegenseitigem Einver-&lt;br /&gt;
nehmen beliebig verteilt werden. Davon&lt;br /&gt;
abgesehen betrifft die Erziehungspflicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer beide Elternteile, nie einen allein&#039;®.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eltern stehen in der doppelten&lt;br /&gt;
Pflicht, ihren Kindern nicht nur Wissen zu&lt;br /&gt;
vermitteln bzw. für ihre schulische Ausbil-&lt;br /&gt;
dung zu sorgen, sondern ihnen auch die&lt;br /&gt;
Liebe zu Gott und Werte zu vermitteln, an&lt;br /&gt;
denen sie sich orientieren können und die&lt;br /&gt;
ihnen als Richtschnur für ihr Leben dienen.&lt;br /&gt;
Die ethische Erziehung spielt eine entschei-&lt;br /&gt;
dende Rolle und hat sogar Vorrang vor der&lt;br /&gt;
reinen Wissensvermittlung, da sie ein Kor-&lt;br /&gt;
rektiv darstellt und immer dafür Sorge&lt;br /&gt;
trägt, daß das erworbene Wissen sinnvoll&lt;br /&gt;
— nicht zerstörerisch — eingesetzt wird:&lt;br /&gt;
»Gutes Betragen und ein hoher sittlicher&lt;br /&gt;
Charakter müssen an erster Stelle stehen,&lt;br /&gt;
denn ohne Charakterbildung wird sich das&lt;br /&gt;
Erwerben von Wissen nur nachteilig erwei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, 114&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12  ’Abdu’l-Bahá, zitiert in: Einheit der Familie, S. 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sen. Wissen ist lobenswert, wenn es mit&lt;br /&gt;
ethischem Verhalten und tugendhaftem&lt;br /&gt;
Charakter verbunden ist; andernfalls ist es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein tödliches Gift, eine schreckliche Ge-&lt;br /&gt;
fahr.«!©&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grundstock jeder Erziehung&lt;br /&gt;
wird gewöhnlich in der Familie gelegt, wo&lt;br /&gt;
Kindern Werte vermittelt werden, an denen&lt;br /&gt;
sie sich orientieren und auf deren Grundia-&lt;br /&gt;
ge sich ihr Charakter und ihre Lebensein-&lt;br /&gt;
stellung entwickeln. In der Familie wird&lt;br /&gt;
Sozialverhalten erlernt und geübt, das na-&lt;br /&gt;
türlich nicht nur den Umgang der Fami-&lt;br /&gt;
lienmitglieder untereinander prägt, sondern&lt;br /&gt;
das gesellschaftliche Zusammenleben ins-&lt;br /&gt;
gesamt. So spielt die Familie eine entschei-&lt;br /&gt;
dende Rolle für die Gestaltung der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft. Doch welche Werte sind es, die der&lt;br /&gt;
Erziehung zugrundeliegen und die Eltern&lt;br /&gt;
ihren Kindern vermitteln sollten? Welche&lt;br /&gt;
Werte sind in der heutigen Zeit erforderlich&lt;br /&gt;
und helfen, das weltweite Zusammenleben&lt;br /&gt;
auf diesem Planeten besser zu gestalten? —&lt;br /&gt;
Natürlich sind nicht alle Werte und Tugen-&lt;br /&gt;
den neu, die meisten von ihnen wurden&lt;br /&gt;
auch in anderen Weltreligionen gelehrt und&lt;br /&gt;
müssen wiederbelebt und mit neuem Geist&lt;br /&gt;
erfüllt werden. Zentrale Werte sind Men-&lt;br /&gt;
schenwürde, Gerechtigkeit, Frieden, ge-&lt;br /&gt;
genseitige Achtung, Toleranz oder&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit von Mann und Frau, die&lt;br /&gt;
alle auf dem Prinzip der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit beruhen. Weitere wichtige&lt;br /&gt;
Werte für das Zusammenleben sind Ehr-&lt;br /&gt;
lichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Pünktlich-&lt;br /&gt;
keit, Reinheit und Höflichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden sollen einige Werte&lt;br /&gt;
oder Erziehungsziele näher beleuchtet wer-&lt;br /&gt;
den, die in der heutigen Zeit von besonderer&lt;br /&gt;
Bedeutung sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von frühester Kindheit an sollen&lt;br /&gt;
Kinder im Glauben an Gott und in Liebe zu&lt;br /&gt;
Ihm heranwachsen. Das menschliche Sein&lt;br /&gt;
ist nicht nur auf materielle Angelegenheiten&lt;br /&gt;
und auf den Intellekt ausgerichtet, sondern&lt;br /&gt;
besteht auch aus dem Herzen, aus Emotio-&lt;br /&gt;
nen und metaphysischem Streben. Daher&lt;br /&gt;
muß sich jede Erziehung sowohl mit den&lt;br /&gt;
intellektuellen als auch den geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 ’Abdu’I-Bahä, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 siehe u.a. in Ziele der Kindererziehung, S. 35, 68, 71, 75, 77&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 siehe: Frauen, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1986, S. 68f&lt;br /&gt;
16 ’Abdu’l-Bahá, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 58&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=13}}Aspekten des Menschen befassen. Eine&lt;br /&gt;
vorrangige Aufgabe der Eltern ist es, ihre&lt;br /&gt;
Kinder zu Geistigkeit zu erziehen und sie&lt;br /&gt;
mit Gebet und Meditation vertraut zu ma-&lt;br /&gt;
chen. Wenngleich Kinder von Bahä’i-El-&lt;br /&gt;
tern nicht automatisch Bahä’i werden, son-&lt;br /&gt;
dern Sich nach eigener Wahrheitssuche un-&lt;br /&gt;
abhängig von den Wünschen der Eltern frei&lt;br /&gt;
entscheiden müssen!”, ist es dennoch die&lt;br /&gt;
Aufgabe der Eltern, ihre Kinder religiös zu&lt;br /&gt;
erziehen, sie liebevoll zu führen und auf&lt;br /&gt;
ihrer Suche nicht allein zu lassen: »Es ist&lt;br /&gt;
die unabdingbare Pflicht der Eltern, ihre&lt;br /&gt;
Kinder zur Festigkeit im Glauben zu erzie-&lt;br /&gt;
hen, weil ein Kind, das sich von der Reli-&lt;br /&gt;
gion Gottes entfernt, nicht so handeln wird,&lt;br /&gt;
daß es das Wohlgefallen seiner Eltern und&lt;br /&gt;
seines Herrn gewinnt. Denn jede lobens-&lt;br /&gt;
werte Tat wird geboren aus dem Lichte der&lt;br /&gt;
Religion, und fehlt diese höchste Gabe,&lt;br /&gt;
wird das Kind sich weder von Bösem ab-&lt;br /&gt;
wenden noch dem Guten zuwenden.«!®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter gilt es, den Kindern die&lt;br /&gt;
Überzeugung zu vermitteln, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit eine Einheit bildet: »O Men-&lt;br /&gt;
schenkinder! Wißt ihr, warum Wir euch alle&lt;br /&gt;
aus dem gleichen Staube erschaffen haben?&lt;br /&gt;
— Damit sich keiner über den anderen&lt;br /&gt;
erhebe...«&#039;? Überlegenheitsdünkel, Rassis-&lt;br /&gt;
mus und Nationalismus haben in der&lt;br /&gt;
Menschheitsgeschichte bis zum heutigen&lt;br /&gt;
Tag viel Leid verursacht. Sie widersprechen&lt;br /&gt;
der Menschenwürde und müssen endlich&lt;br /&gt;
überwunden werden. Daher sollten Eltern&lt;br /&gt;
ihre Kinder in einem Geist der Offenheit zu&lt;br /&gt;
echten Weltbürgern erziehen, die alle Men-&lt;br /&gt;
schen in ihrer Verschiedenheit schätzen und&lt;br /&gt;
achten. Wenn die Kinder von heute, d.h. die&lt;br /&gt;
Erwachsenen von morgen, ihrem Leben in&lt;br /&gt;
internationaler Zusammenarbeit gewach-&lt;br /&gt;
sen sein sollen, so müssen ihre Eltern sie&lt;br /&gt;
zu Toleranz und Vorurteilslosigkeit erzie-&lt;br /&gt;
hen. Vorurteile jeglicher Art bilden Barrie-&lt;br /&gt;
ren und vereiteln Kommunikation, Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit und Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer wichtiger Aspekt in&lt;br /&gt;
der familiären Erziehung ist die Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit von Mann und Frau. Die Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit der Geschlechter ist ein zentrales&lt;br /&gt;
Anliegen des Bahä’i-Glaubens und wird als&lt;br /&gt;
Voraussetzung für die Errichtung des Welt-&lt;br /&gt;
friedens gesehen: »Die Emanzipation der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 siehe Ziele der Kindererziehung, S. 101&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau, die volle Gleichberechtigung der Ge-&lt;br /&gt;
schlechter, ist eine der wichtigsten, wenn-&lt;br /&gt;
gleich kaum anerkannten, Voraussetzungen&lt;br /&gt;
des Friedens. Die Verweigerung der Gleich-&lt;br /&gt;
berechtigung bedeutet ein Unrecht gegen-&lt;br /&gt;
über der Hälfte der Weltbevölkerung und&lt;br /&gt;
leistet bei den Männern Vorschub für&lt;br /&gt;
schädliche Einstellungen und Gewohnhei-&lt;br /&gt;
ten, die aus der Familie an den Arbeitsplatz,&lt;br /&gt;
ins politische Leben und letztlich in die&lt;br /&gt;
internationalen Beziehungen hineingetra-&lt;br /&gt;
gen werden.«”° Dieses Zitat verdeutlicht&lt;br /&gt;
den Zusammenhang zwischen dem Verhal-&lt;br /&gt;
ten innerhalb und außerhalb der Familie.&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung und respektvoller Um-&lt;br /&gt;
gang miteinander müssen in der Familie&lt;br /&gt;
und in der Gesellschaft praktiziert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiger Bereich, mit dem Er-&lt;br /&gt;
ziehung sich bewußt befassen sollte, ist die&lt;br /&gt;
Rolle, die der einzelne innerhalb der Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft spielt..In diesem Bereich gibt es&lt;br /&gt;
zwei korrespondierende Werte: den Wert&lt;br /&gt;
der individuellen Freiheit und Entfaltung&lt;br /&gt;
des einzelnen und den Wert der Verantwor-&lt;br /&gt;
tung für die Gemeinschaft und das Gemein-&lt;br /&gt;
wohl. Diese beiden Werte widersprechen&lt;br /&gt;
sich nicht, sondern können durchaus ver-&lt;br /&gt;
einbar sein. Totalitäre Staaten fordern völ-&lt;br /&gt;
ligen Gehorsam und Unterwerfung der Be-&lt;br /&gt;
völkerung unter die vorgegebene Ordnung.&lt;br /&gt;
Die Geschichte zeigt, daß auf ein derartiges&lt;br /&gt;
Unterdrückungsregime häufig eine Zeit&lt;br /&gt;
folgte, in der die Menschen ihr Glück allein&lt;br /&gt;
in der Individualität zu finden glaubten und&lt;br /&gt;
die soziale Verantwortung zu verneinen ge-&lt;br /&gt;
neigt waren. Diese Reaktion ist ebenso we-&lt;br /&gt;
nig wünschenswert wie unreflektierter Ge-&lt;br /&gt;
horsam gegenüber dem Staat. Jede Gesell-&lt;br /&gt;
schaft ist auf Mitglieder angewiesen, die&lt;br /&gt;
sich loyal und verantwortungsvoll verhal-&lt;br /&gt;
ten und die bereit sind, nicht nur ihren&lt;br /&gt;
eigenen Interessen zu folgen, sondern sich&lt;br /&gt;
auch für das Gemeinwohl zu engagieren.&lt;br /&gt;
Der Dienst an der Gemeinschaft und die&lt;br /&gt;
Selbstverwirklichung des einzelnen stehen&lt;br /&gt;
nicht im Widerspruch zueinander, im Ge-&lt;br /&gt;
genteil, man kann sich selbst verwirklichen,&lt;br /&gt;
indem man ein nützliches Mitglied der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft ist und seinen Mitmenschen&lt;br /&gt;
dient. ’Abdu’l-Bahá beschreibt dies gar als&lt;br /&gt;
die höchste Form der Selbstverwirkli-&lt;br /&gt;
chung: »Und Ehre und Würde des einzel-&lt;br /&gt;
nen liegen darin, daß er vor all den Massen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18  Bahä’u’lläh, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 11&lt;br /&gt;
19  Bahä’u’lläh, Verborgene Worte (arab.) Nr. 68, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1978&lt;br /&gt;
20 Das Universale Haus der Gerechtigkeit: Die Verheißung des Weltfriedens, Bahä’i-Verlag 1989, S. 24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiger&lt;br /&gt;
Bereich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit dem&lt;br /&gt;
Erziehung sich&lt;br /&gt;
bewußt&lt;br /&gt;
befassen sollte,&lt;br /&gt;
ist die Rolle,&lt;br /&gt;
die der&lt;br /&gt;
einzelne&lt;br /&gt;
innerhalb der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft&lt;br /&gt;
spielt.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR.65 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=14}}14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Weltbewohner zu einer Quelle des ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Wohles wird. Gibt es eine&lt;br /&gt;
größere Gnade als die, daß ein Mensch,&lt;br /&gt;
wenn er in sich geht, feststellen darf, daß&lt;br /&gt;
er, durch göttliche Gunst bestätigt, Frieden&lt;br /&gt;
und Wohlfahrt, Glück und Nutzen unter&lt;br /&gt;
seinen Mitmenschen bewirkte? Nein, bei&lt;br /&gt;
dem einen wahren Gott! Es gibt keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
größere Freude, kein vollkommeneres&lt;br /&gt;
Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Kinder müssen lernen, daß&lt;br /&gt;
sie eine gesellschaftliche Verantwortung&lt;br /&gt;
tragen und daß sich ihr Verhalten — im&lt;br /&gt;
Positiven wie im Negativen — immer auch&lt;br /&gt;
auf die Gemeinschaft auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eltern tragen im Hinblick auf den&lt;br /&gt;
späteren Beruf ihrer Kinder eine große Ver-&lt;br /&gt;
antwortung. Zum einen ist es ihre Pflicht,&lt;br /&gt;
für eine entsprechende Schul- und Berufs-&lt;br /&gt;
ausbildung ihrer Kinder zu sorgen. »Gäbe&lt;br /&gt;
es keinen Erzieher, blieben alle Seelen&lt;br /&gt;
wild, und gäbe es keinen Lehrer, wären die&lt;br /&gt;
Kinder ungebildete Geschöpfe. Aus diesem&lt;br /&gt;
Grunde sind in diesem Zeitalter nach dem&lt;br /&gt;
Buche Gottes Erziehung und Ausbildung&lt;br /&gt;
Pflicht und nicht freiwillig. Das heißt, Vater&lt;br /&gt;
und Mutter ist es zur Pflicht gemacht, sich&lt;br /&gt;
mit aller Kraft zu bemühen, ihre Tochter&lt;br /&gt;
und ihren Sohn zu erziehen, sıe an der Brust&lt;br /&gt;
des Wissens zu nähren und sie am Herzen&lt;br /&gt;
der Wissenschaften und Künste heranzubil-&lt;br /&gt;
den. Sollten sie diese Aufgabe vernachläs-&lt;br /&gt;
sigen, so werden sie dafür verantwortlich&lt;br /&gt;
sein und in der Gegenwart des strengen&lt;br /&gt;
Herrn getadelt werden.«”- Bei der Wahl der&lt;br /&gt;
Ausbildung soll darauf geachtet werden,&lt;br /&gt;
daß sie den Menschen Nutzen bringt: »Je-&lt;br /&gt;
doch sollten solche Wissenschaften studiert&lt;br /&gt;
werden, die den Völkern auf Erden nützen,&lt;br /&gt;
nicht solche, die mit Worten beginnen und&lt;br /&gt;
mit Worten enden.«”- »Von allen Künsten&lt;br /&gt;
und Wissenschaften laßt die Kinder solche&lt;br /&gt;
studieren, die dem Menschen Vorteil brin-&lt;br /&gt;
gen, seinen Fortschritt sichern und seine&lt;br /&gt;
Stufe erhöhen.«”* Es ist also die Pflicht der&lt;br /&gt;
Eltern, für die Ausbildung ihrer Kinder zu&lt;br /&gt;
sorgen und aufzukommen. Zum anderen ist&lt;br /&gt;
es Aufgabe der Eltern, ihren Kindern zu&lt;br /&gt;
vermitteln, daß Arbeit an sich einen Wert&lt;br /&gt;
darstellt. Durch Arbeit wird der Lebensun-&lt;br /&gt;
terhalt verdient, doch darüberhinaus ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein wesentlicher Beitrag für die Gemein-&lt;br /&gt;
schaft und Dienst am Nächsten.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat Arbeit sogar mit Gottes-&lt;br /&gt;
dienst gleichgesetzt: »Wer sich in einem&lt;br /&gt;
Handwerk oder Gewerbe betätigt, dessen&lt;br /&gt;
Tätigkeit wird von Gott als Gottesdienst&lt;br /&gt;
gewertet; und dies ist nur ein Zeichen Sei-&lt;br /&gt;
ner unendlichen, alles durchdringenden&lt;br /&gt;
Großmut.«”° Diese neue Arbeitsethik wird&lt;br /&gt;
erstaunliche Ergebnisse zeitigen und sich&lt;br /&gt;
auf Gesellschaft und Wirtschaft ausgespro-&lt;br /&gt;
chen wohltuend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie vermittelt man&lt;br /&gt;
Werte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits oben ausgeführt, spielt&lt;br /&gt;
die Familie in der ethischen Erziehung die&lt;br /&gt;
Schlüsselrolle. In einer Atmosphäre der&lt;br /&gt;
Liebe und des gegenseitigen Verständnisses&lt;br /&gt;
werden Kinder sich leicht tun, diejenigen&lt;br /&gt;
Werte anzunehmen, für die ihre Eltern le-&lt;br /&gt;
ben. Werte anzunehmen ist weniger eine&lt;br /&gt;
Frage des Intellekts, sondern eher eine Fra-&lt;br /&gt;
ge der Gefühle. Daher werden Werte nicht&lt;br /&gt;
durch bloße Information oder intellektuelle&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung vermittelt. Sie sind&lt;br /&gt;
nur dann von Dauer, wenn sie in Herz und&lt;br /&gt;
Seele eines Menschen verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Schritt in der Wertever-&lt;br /&gt;
mittlung ist natürlich der, daß die Eltern&lt;br /&gt;
selbst sich für bestimmte Werte entschieden&lt;br /&gt;
haben und ihr Leben danach ausrichten.&lt;br /&gt;
Der beste Weg, diese Werte an Kinder wei-&lt;br /&gt;
terzugeben, ist sicherlich das elterliche Vor-&lt;br /&gt;
bild. Wenn Eltern Ehrlichkeit und Aufrich-&lt;br /&gt;
tigkeit anpreisen, gleichzeitig jedoch den&lt;br /&gt;
Nachbarn anlügen, werden sie unglaubwür-&lt;br /&gt;
dig und wenig erfolgreich. Eltern sind nur&lt;br /&gt;
dann glaubwürdig, wenn sie ihre Werte tat-&lt;br /&gt;
sächlich in Taten umsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwieweit es gelingt, Kindern die&lt;br /&gt;
eigenen Werte zu vermitteln, hängt sicher&lt;br /&gt;
auch entscheidend von der familiären At-&lt;br /&gt;
mosphäre ab. Jede Familie sollte versu-&lt;br /&gt;
chen, ein Klima der Offenheit und des Dia-&lt;br /&gt;
loges zu schaffen, nicht der Starrheit und&lt;br /&gt;
Indoktrination. Alle großen Religionen ha-&lt;br /&gt;
ben Gehorsam der Kinder gegenüber ihren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur, Oberkalbach: Bahä’i-Verlag 1973, S. 14&lt;br /&gt;
22 ’Abdu’l-Bahá, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 Bahä’u’lläh, Botschaften aus &amp;quot;Akkd, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag 1982, 5:15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 Bahä’u’lläh, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 Bahä’u’lläh, Botschaften aus &amp;quot;Akkd, 3:23&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=15}}Eltern gefordert, so auch die Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion”®. Dies bedeutet jedoch nicht, daß&lt;br /&gt;
Kinder ihren Eltern bedingungslosen Ge-&lt;br /&gt;
horsam leisten müssen, während Eltern alle&lt;br /&gt;
Entscheidungen allein und über die Köpfe&lt;br /&gt;
der anderen Familienmitglieder hinweg&lt;br /&gt;
treffen. Entscheidungen sollten nach Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit in Übereinstimmung aller, nach Be-&lt;br /&gt;
achtung der Bedürfnisse aller und nach ge-&lt;br /&gt;
meinsamer Beratung gefällt werden, wobei&lt;br /&gt;
den Eltern je nach Alter der Kinder ein&lt;br /&gt;
Schwergewicht zukommt. Probleme müs-&lt;br /&gt;
sen offen besprochen und beraten werden.&lt;br /&gt;
Jedes Familienmitglied kann zur Beratung&lt;br /&gt;
beitragen, und auch für die Beratung inner-&lt;br /&gt;
halb der Familie gilt ’Abdu’i-Bahäs be-&lt;br /&gt;
kannte Aussage, wonach »der strahlende&lt;br /&gt;
Funke der Wahrheit« erst nach dem »Zu-&lt;br /&gt;
sammenprall verschiedener Meinungen«&lt;br /&gt;
erscheint”. Diese Familienberatung ist zu-&lt;br /&gt;
gleich ein gutes Trainingsfeld für gemein-&lt;br /&gt;
same Problemlösungen in der Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Menschen lernen so, sich gegenseitig zuzu-&lt;br /&gt;
hören und gemeinsam Lösungen zu finden,&lt;br /&gt;
die allen Beteiligten gerecht werden, anstatt&lt;br /&gt;
Entscheidungen diktatorisch und nach dem&lt;br /&gt;
persönlichen Vorteil zu treffen. Sie lernen,&lt;br /&gt;
das Gemeinwohl in den Mittelpunkt ihrer&lt;br /&gt;
Überlegungen zu stellen. So werden Ver-&lt;br /&gt;
haltensmuster geübt, die nicht nur der Fa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
milie, sondern auch der Umgebung zugute&lt;br /&gt;
kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit ist das Mittel der Er-&lt;br /&gt;
ziehung, und sie beruht auf Belohnung und&lt;br /&gt;
Bestrafung: »O Volk Gottes! Was die Welt&lt;br /&gt;
erzieht, ist die Gerechtigkeit, denn sie wird&lt;br /&gt;
von zwei Säulen getragen: Lohn und Strafe.&lt;br /&gt;
Diese beiden Säulen sind die Lebensquel-&lt;br /&gt;
len der Welt.«?® Mit diesen beiden Mitteln&lt;br /&gt;
können Kinder geführt werden. Strafe soll-&lt;br /&gt;
te jedoch nicht überwiegen, auch darf sie&lt;br /&gt;
nicht in körperlicher Züchtigung oder Er-&lt;br /&gt;
niedrigung der Kinder ausarten: »Wann im-&lt;br /&gt;
mer eine Mutter sieht, daß ihr Kind etwas&lt;br /&gt;
gut gemacht hat, soll sie es loben, preisen&lt;br /&gt;
und sein Herz erfreuen. Und wenn sich der&lt;br /&gt;
kleinste unerwünschte Zug zeigt, soll sie&lt;br /&gt;
dem Kind raten und es mit den Mitteln der&lt;br /&gt;
Vernunft und, wenn erforderlich, auch&lt;br /&gt;
durch Tadel strafen. Es ist jedoch nicht&lt;br /&gt;
erlaubt, ein Kind zu schlagen oder es ver-&lt;br /&gt;
ächtlich zu machen, denn der Charakter des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 siehe Bahä’u’lläh, in: Ziele der Kindererziehung, S. 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kindes wird durch Prügel und Beschimp-&lt;br /&gt;
fung völlig verdorben.« ? Lob und Ermuti-&lt;br /&gt;
gung dagegen stärken die positiven Ansätze&lt;br /&gt;
und Verhaltensweisen und sind daher ein&lt;br /&gt;
wichtiger Faktor in der ethischen Erzie-&lt;br /&gt;
hung. Liebe und Freundlichkeit haben nach&lt;br /&gt;
Aussage Shoghi Effendis »weit größeren&lt;br /&gt;
Einfluß auf die Veredelung des menschli-&lt;br /&gt;
chen Charakters als Bestrafung&amp;lt;”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt noch ein Wort über den Ein-&lt;br /&gt;
fluß von Massenmedien — insbesondere des&lt;br /&gt;
Fernsehens — auf die Familie. Das Fernse-&lt;br /&gt;
hen ist heutzutage in den meisten Familien&lt;br /&gt;
ein wichtiger Erziehungsfaktor. Ein über-&lt;br /&gt;
mäßiger Fernsehkonsum kann sich sehr ne-&lt;br /&gt;
gativ auswirken, weil er die Kommunikation&lt;br /&gt;
unter den Familienmitgliedern einschränkt.&lt;br /&gt;
Der Einfluß auf Kinder, die zu viel und&lt;br /&gt;
unkontrolliert fern sehen, kann verheerend&lt;br /&gt;
sein. Zu häufiger Fernsehkonsum ist nicht&lt;br /&gt;
nur Zeitverschwendung, sondern erzieht dar-&lt;br /&gt;
überhinaus zu Trägheit und Passivität. Daher&lt;br /&gt;
ist es wünschenswert, daß Eltern nicht nur&lt;br /&gt;
die Fernsehzeiten begrenzen, sondern auch&lt;br /&gt;
sorgfältig auf die Programmauswahl achten.&lt;br /&gt;
Nur so kann Fernsehen als positiver Erzie-&lt;br /&gt;
hungsfaktor genützt werden. Andernfalls&lt;br /&gt;
vermittelt es kaum diejenigen Werte, die wir&lt;br /&gt;
als Bahä’i unseren Kindern zu vermitteln&lt;br /&gt;
bestrebt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlußwort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben in einer Zeit des sozialen&lt;br /&gt;
und ethischen Wandels. Einige Werte ent-&lt;br /&gt;
sprechen den Anforderungen unserer Zeit&lt;br /&gt;
nicht mehr. Aber da eine Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
ohne Werte und Prinzipien existieren Kann,&lt;br /&gt;
müssen wir uns mit einer neuen, zeitge-&lt;br /&gt;
mäßen Ethik auseinandersetzen. Neue Wer-&lt;br /&gt;
te werden uns ermöglichen, in ein neues&lt;br /&gt;
Zeitalter der globalen Zusammenarbeit und&lt;br /&gt;
der menschlichen Reife einzutreten. Zu den&lt;br /&gt;
maßgeblichen Werten gehören die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit, die Gleichwertigkeit von&lt;br /&gt;
Mann und Frau, das Gemeinwohl und die&lt;br /&gt;
Arbeit als Dienst an der Gemeinschaft. Es&lt;br /&gt;
ist nicht einfach, diese Werte konsequent zu&lt;br /&gt;
verfolgen, im täglichen Leben umzusetzen&lt;br /&gt;
und die Kinder darin zu erziehen. Aber es&lt;br /&gt;
ist eine großartige Herausforderung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 zitiert in: Geistige Räte — Häuser der Gerechtigkeit, Langenhain: Bahä’i-Verlag 1975, S. 16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Bahä’u’lläh, Botschaften aus &#039;Akkd, 3:25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 ”Abdu’l-Bahá, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 77&lt;br /&gt;
30 Aus einem Brief im Auftrag Shoghi Effendis vom 26.1.1935, zitiert in: Ziele der Kindererziehung, S. 95&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue Werte&lt;br /&gt;
werden uns&lt;br /&gt;
ermöglichen,&lt;br /&gt;
in ein neues&lt;br /&gt;
Zeitalter der&lt;br /&gt;
globalen&lt;br /&gt;
Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit und der&lt;br /&gt;
menschlichen&lt;br /&gt;
Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzutreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFENR.65 15&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=16}}Die Lehrerin Sallinah&lt;br /&gt;
Makhanye geht mit&lt;br /&gt;
ihrer Vorschulklasse&lt;br /&gt;
auf dem Gelände der&lt;br /&gt;
Baha’i-Vorschule von&lt;br /&gt;
Hlatikulu spazieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Swaziland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfolgreiche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HLATIKULU, Swaziland - Sallinah Mak-&lt;br /&gt;
hanye zeigt auf einen großen Baum auf dem&lt;br /&gt;
Gelände der Bahä’i-Vorschule von Hlatiku-&lt;br /&gt;
lu. Ungefähr zwanzig Schüler bilden einen&lt;br /&gt;
Kreis und hören zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nun, Freunde«, sagt sie, während&lt;br /&gt;
sie nach oben zeigt und ihre Arme ausbrei-&lt;br /&gt;
tet, »dieser Baum hat große Gliedmaßen.&lt;br /&gt;
Sie sehen alle aus wie Arme. Wie nennt man&lt;br /&gt;
sie?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Zweige«, sagen mehrere Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zeigt auf den Stamm. »Und wie heißt&lt;br /&gt;
dieser Teil des Baumes?« fragt sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Stamm«, sagt ein vorlauter Schützling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ja«, sagt Frau Makhanye, die Direktorin&lt;br /&gt;
der Schule. »Bitte, sagt alle gemeinsam&lt;br /&gt;
Stamm.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Stamm!« schallt es zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Und wie ernährt sich ein Baum?«, fragt&lt;br /&gt;
Frau Makhanye.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn Wasser herunterkommt«, sagt ein&lt;br /&gt;
kleiner Junge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ja«, antwortet sie. »Wenn Wasser herun-&lt;br /&gt;
terkommt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lehrplan für diese Stunde ist unkompli-&lt;br /&gt;
ziert, aber die vermittelten Konzepte werden&lt;br /&gt;
ein Leben lang in Erinnerung bleiben.&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=17}}»Das dritte, vierte und fünfte Le-&lt;br /&gt;
bensjahr gehören zu den ausschlaggebend-&lt;br /&gt;
sten Jahren in der Entwicklung eines Kin-&lt;br /&gt;
des«, sagt Dr. Ben Dlamini, der Präsident&lt;br /&gt;
der Versuchsabteilung für Erziehungsfra-&lt;br /&gt;
gen im Bildungsministerium von Swazi-&lt;br /&gt;
land. »Daher ist die Vorschule ein entschei-&lt;br /&gt;
dender Teil der Kindererziehung.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider haben Regierungen nicht&lt;br /&gt;
immer die nötigen Mittel zur Entwicklung&lt;br /&gt;
und zum Betreiben eines vollständigen Vor-&lt;br /&gt;
schulprogramms. Daher fällt diese Rolle oft&lt;br /&gt;
den nicht-staatlichen Organisationen zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem kleinen Königreich im&lt;br /&gt;
Süden Afrikas ist die Bahä’i-Gemeinde bei&lt;br /&gt;
der Erfüllung dieser Aufgabe besonders er-&lt;br /&gt;
folgreich. Indem sie in ihren eigenen Rei-&lt;br /&gt;
hen ausgebildete Pädagogen und eine be-&lt;br /&gt;
ständige Gruppe freiwilliger Helfer findet&lt;br /&gt;
und ihrer Ethik der Zusammenarbeit folgt,&lt;br /&gt;
hat die Bahä’i-Gemeinde im Verlaufe der&lt;br /&gt;
vergangenen zehn Jahre eine zunehmend&lt;br /&gt;
wichtigere Rolle bei der Vorschulerziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Swaziland erlangt. Die Gemeinde hat&lt;br /&gt;
bisher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ü drei Vorschulzentren in Städten und drei&lt;br /&gt;
Vorschulprogramme auf Dorfebene ein-&lt;br /&gt;
gerichtet, die zusammen die vier Haupt-&lt;br /&gt;
regionen des Landes abdecken;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&amp;amp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mitgeholfen, eine landesweite inner-&lt;br /&gt;
schulische Ausbildung für Vorschulleh-&lt;br /&gt;
rer einzurichten, und verwaltet und be-&lt;br /&gt;
treibt diese Einrichtung in Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit mit dem Erziehungsministerium;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mit dem Erziehungsministerium einen&lt;br /&gt;
nationalen Leitfaden für die Vorschuler-&lt;br /&gt;
ziehung erarbeitet, der den Bedürfnis-&lt;br /&gt;
sen des Landes und der Bevölkerung&lt;br /&gt;
entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Thema&lt;br /&gt;
»Zusammenarbeit«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch wichtiger ist jedoch&lt;br /&gt;
die Tatsache, daß die Erfahrungen der 7500&lt;br /&gt;
Gläubige umfassenden Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
von Swaziland die Bedeutung der partner-&lt;br /&gt;
schaftlichen Zusammenarbeit bei aller Art&lt;br /&gt;
von Bildungsprogrammen oder -projekten&lt;br /&gt;
herausstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Als nichtstaatliche Organisation&lt;br /&gt;
stellen wir unsere Räumlichkeiten zur Ver-&lt;br /&gt;
fügung und benutzen unsere Bahä’i-Zen-&lt;br /&gt;
tren als Schulgebäude«, sagt Dr. Irma Al-&lt;br /&gt;
len, ein Mitglied des nationalen Ausschus-&lt;br /&gt;
ses für Kindererziehung der Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde von Swaziland. »Wir stellen auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler der&lt;br /&gt;
Baha’i-Vorschule von&lt;br /&gt;
Piggs Peak&lt;br /&gt;
versammeln sich für&lt;br /&gt;
Spiele. Der Unterricht&lt;br /&gt;
wird in dem im&lt;br /&gt;
Hintergrung&lt;br /&gt;
sichtbaren&lt;br /&gt;
Baha’i-Zentrum&lt;br /&gt;
abgehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausgebildete Lehrer und übernehmen die&lt;br /&gt;
Koordination.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Regierung stellt Vorschulin-&lt;br /&gt;
spektoren und vergibt Zertifikate. Und die&lt;br /&gt;
Bernard Van Leer Stiftung aus den Nieder-&lt;br /&gt;
landen gibt uns einen weiteren finanziellen&lt;br /&gt;
Puffer und beträchtliche technische Unter-&lt;br /&gt;
stützung.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Endergebnis dieser Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit«, sagt Dr. Allen, »ist eine quali-&lt;br /&gt;
tativ gute Lehrerausbildung und gute Schu-&lt;br /&gt;
len bei geringem Kostenaufwand.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bildungsminister von Swazi-&lt;br /&gt;
land, Herr S. N. Simelane, stimmt Dr. Al-&lt;br /&gt;
lens Einschätzung zu und meint, daß die&lt;br /&gt;
Idee der partnerschaftlichen Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit zwischen nichtstaatlichen Organisatio-&lt;br /&gt;
nen und der Regierung eine entscheidende&lt;br /&gt;
Rolle in der Entwicklung der Vorschulbil-&lt;br /&gt;
dung in Swaziland spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Vorschule ist sehr wichtig«,&lt;br /&gt;
sagt er. »Die Tatsache, daß wir keine Lehrer&lt;br /&gt;
bereitstellen und keine Schulgebäude bau-&lt;br /&gt;
en, besagt nicht, daß dies nicht wichtig&lt;br /&gt;
wäre. Uns fehlen einfach die Mittel.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Herr Simelane fügt hinzu, daß&lt;br /&gt;
die Bahä’i-Gemeinde besonders aktiv im&lt;br /&gt;
Bereich der Vorschulerziehung sei. »Die&lt;br /&gt;
Bahä’i, die mit uns zusammenarbeiten, hel-&lt;br /&gt;
fen uns sehr«, sagt er. »Wann immer Pro-&lt;br /&gt;
bleme auftauchen, versammeln sie sich und&lt;br /&gt;
helfen uns, eine Lösung zu finden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er stellt auch fest, daß ihre Einstel-&lt;br /&gt;
lung zur freiwilligen Mithilfe und zum&lt;br /&gt;
Dienst an der Gesellschaft der Schlüssel&lt;br /&gt;
zum Erfolg der Gemeinde zu sein scheint.&lt;br /&gt;
»Manchmal fragt man sich, warum Men-&lt;br /&gt;
schen ihre Zeit investieren - denn wir be-&lt;br /&gt;
zahlen sie ja nicht«, sagt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft&lt;br /&gt;
von Swaziland&lt;br /&gt;
verändert sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Gemeinde engagiert&lt;br /&gt;
sich seit ungefähr zehn Jahren in der Vor-&lt;br /&gt;
schulbildung und reagierte damit auf die&lt;br /&gt;
rapiden Veränderungen in der swaziländi-&lt;br /&gt;
schen Gesellschaft und das Auftreten eines&lt;br /&gt;
klar abgegrenzten Bedürfnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In Swaziland beginnen heutzutage&lt;br /&gt;
immer mehr Frauen, in die Arbeitswelt ein-&lt;br /&gt;
zusteigen«, sagt Dr. Allen. »Also braucht&lt;br /&gt;
man Vorschulen, da die Mütter nicht so viel&lt;br /&gt;
Zeit mit ihren Kindern zu Hause verbringen&lt;br /&gt;
können.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschulbildung ist auch wich-&lt;br /&gt;
tig, da Swaziland sich in einer Welt zu&lt;br /&gt;
behaupten sucht, die immer mehr durch&lt;br /&gt;
gegenseitige Abhängigkeit gekennzeichnet&lt;br /&gt;
ist. »Die Vorschule dient einem Entwick-&lt;br /&gt;
lungsprozeß, den Kinder oft nicht vor der&lt;br /&gt;
Einschulung durchlaufen«, sagt Frances&lt;br /&gt;
Fletcher, ein anderes Mitglied des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Erziehungsausschusses. »Kinder in Swazi-&lt;br /&gt;
land haben nicht unbedingt Zugang zu Bü-&lt;br /&gt;
chern oder Spielsachen oder anderen Sti-&lt;br /&gt;
muli, die ihnen bei der Entwicklung ihres&lt;br /&gt;
Forschungsdrangs helfen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentren sind&lt;br /&gt;
bereits vorhanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeinde merkte, daß die be-&lt;br /&gt;
reits in drei großen Städten Swazilands ent-&lt;br /&gt;
standenen Zentren eine zweifache Pflicht&lt;br /&gt;
erfüllen könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute stehen Schulen in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Zentren von Mbabane, Piggs Peak&lt;br /&gt;
und Hlatikulu jeweils ungefähr sechzig&lt;br /&gt;
Schülern zur Verfügung. In den Dörfern&lt;br /&gt;
Motjane, Mnicini und Mphetseni werden&lt;br /&gt;
drei weitere Vorschulen von den örtlichen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinden für ca. sechzig weitere&lt;br /&gt;
Schüler betrieben. Alle diese Schulen funk-&lt;br /&gt;
tionieren ohne Zuschüsse von außen, da sie&lt;br /&gt;
sich durch ein bescheidenes Schulgeld&lt;br /&gt;
selbst tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es gibt drei andere Vorschulen in&lt;br /&gt;
der Stadt«, sagt Glory Kunene, der stellver-&lt;br /&gt;
tretende Direktor der Piggs Peak Bahä’i-&lt;br /&gt;
Vorschule. »Unsere Schule ist die preiswer-&lt;br /&gt;
teste. Obwohl wir kein Essen zur Verfügung&lt;br /&gt;
stellen, schicken die Eltern ihre Kinder ger-&lt;br /&gt;
ne hierher. Wir erhalten pro Jahr ca. 20&lt;br /&gt;
Bewerbungen mehr, als wir Schüler auf-&lt;br /&gt;
nehmen Können.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zentren werden auch für das&lt;br /&gt;
nationale innerschulische Ausbildungspro-&lt;br /&gt;
gramm für Vorschullehrer, das die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinden koordinieren, benutzt. Die Ber-&lt;br /&gt;
nard Van Leer Stiftung trägt mit finanziel-&lt;br /&gt;
len Mitteln, die über die Regierung verteilt&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=19}}werden, und mit Fachkenntnissen zum Er-&lt;br /&gt;
folg dieses Programms bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das einzige Aus-&lt;br /&gt;
bildungsprogramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Derzeit sind wir die einzige Grup-&lt;br /&gt;
pe, die in Swaziland Vorschullehrer ausbil-&lt;br /&gt;
det«, sagt Frau Fletcher, die Koordinatorin&lt;br /&gt;
des Programms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eingeschriebenen Teilnehmer&lt;br /&gt;
zollen dem Programm ihre Anerkennung.&lt;br /&gt;
»Mein Schuldirektor war mit der Ausbil-&lt;br /&gt;
dung sehr zufrieden«, sagt Nicholine Mbo-&lt;br /&gt;
kazi, eine 28-jährige Frau, die an einer&lt;br /&gt;
katholischen Vorschule in Hlatikulu arbei-&lt;br /&gt;
tet. »Durch diese Kurse bin ich in meiner&lt;br /&gt;
Arbeit viel sicherer geworden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das in enger Zusammenarbeit mit&lt;br /&gt;
dem Vorschulinspektionsprogramm der Re-&lt;br /&gt;
gierung geleitete Programm bietet den Leh-&lt;br /&gt;
rern sechs Kurswochen im Jahr, so daß sie&lt;br /&gt;
nach drei Jahren einen Abschluß als Vor-&lt;br /&gt;
schullehrer erhalten. Im September 1992&lt;br /&gt;
hatten bereits mehr als 160 Studenten die-&lt;br /&gt;
sen Kurs absolviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ausbildungsprogramm erfüllt&lt;br /&gt;
auch ein wichtiges Ziel der Entwicklungs-&lt;br /&gt;
arbeit, da es mehr Arbeitsmöglichkeiten für&lt;br /&gt;
Frauen schafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich arbeitete drei Jahre un&lt;br /&gt;
on&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankenschwester im Krankenhaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hlatikulu und konnte nicht auf eine Bil-&lt;br /&gt;
dungseinrichtung zurückkehren, daher war&lt;br /&gt;
das eine gute Gelegenheit für mich«, sagt&lt;br /&gt;
Eleanor Dlamini, die nun als Lehrerin bei&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Vorschule in Hlatikulu ange-&lt;br /&gt;
stellt ist. Die Kosten für ihre Kursteilnahme&lt;br /&gt;
betrugen ungefähr 8 Dollar für Bücher und&lt;br /&gt;
Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ausbildungsprogramm folgt&lt;br /&gt;
einem nationalen Lehrplan, der in Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit mit der Bahä’i-Gemeinde ent-&lt;br /&gt;
wickelt wurde. Der Lehrplan betont Akti-&lt;br /&gt;
vitäten, die den Gegebenheiten in Swazi-&lt;br /&gt;
land entsprechen, so z.B. die Verwendung&lt;br /&gt;
der am Ort vorhandenen Mittel und Mate-&lt;br /&gt;
rialien als Hilfsmittel im Unterricht und&lt;br /&gt;
die Einarbeitung bestimmter Elemente der&lt;br /&gt;
Swazi-Kultur. »Um Malpinsel herzustel-&lt;br /&gt;
len, schlagen wir z. B. die Benutzung von&lt;br /&gt;
Federn vor; zum Flechten empfehlen wir&lt;br /&gt;
Gras«, sagt Dr. Allen. »Wir raten den&lt;br /&gt;
Schulen auch, Mütter einzuladen, damit&lt;br /&gt;
sie traditionelle Überlieferungen erzäh-&lt;br /&gt;
len.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne dieses Programm könnte man&lt;br /&gt;
in Swaziland keine Vorschullehrer ausbil-&lt;br /&gt;
den und ihnen einen Abschluß ermögli-&lt;br /&gt;
chen. »Sie haben uns wirklich dabei gehol-&lt;br /&gt;
fen, im ganzen Land etwas in Bewegung zu&lt;br /&gt;
bringen«, sagt Frau Beauty K. Nxumalo,&lt;br /&gt;
die nationale Vorschulinspektorin des Bil-&lt;br /&gt;
dungsministeriums. »Die Einstellung der&lt;br /&gt;
Bahä’i zur Erziehung und ihre Methode des&lt;br /&gt;
Unterrichtens sind sehr gut.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY Juli-September 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler der&lt;br /&gt;
Baha’i-Vorschule in&lt;br /&gt;
Piggs Peak sprechen&lt;br /&gt;
gemeinsam ein Gebet&lt;br /&gt;
zum Beginn des&lt;br /&gt;
morgendlichen&lt;br /&gt;
Unterrichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65 19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=20}}Marjorie Tidman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hervorgehobene Zitate aus:&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Die Weltord-&lt;br /&gt;
nung Bahä’u’llähs, Hofheim-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langenhain: Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
1977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehren und Lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle des Lehrers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem Weg zur Weltgesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Uns wurde beigebracht, daß Ihr unsere&lt;br /&gt;
Feinde seid.« Diese Worte hallten in meinem&lt;br /&gt;
Herzen noch lange nach, nachdem die junge&lt;br /&gt;
Russin Natasha, die ich bei einem zweiwö-&lt;br /&gt;
chigen Aufenthalt in St. Petersburg (dem&lt;br /&gt;
ehemaligen Leningrad) im Juni 1991 traf,&lt;br /&gt;
sie ausgesprochen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich nahm dort an einer Konferenz&lt;br /&gt;
über das Thema »Lehrer als Werkzeuge&lt;br /&gt;
globaler Veränderungen« teil, und Natashas&lt;br /&gt;
Anmerkung zeigte deutlich die Notwendig-&lt;br /&gt;
keit eines solchen Wandels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Australierin, die in einer multi-&lt;br /&gt;
kulturellen Gesellschaft aufgewachsen ist,&lt;br /&gt;
war ich mir oft der Spannungen zwischen&lt;br /&gt;
verschiedenen ethnischen Gruppen be-&lt;br /&gt;
wußt; war-aber noch nie persönlich Gegen-&lt;br /&gt;
stand rassischer Vorurteile gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=... 2. Die’ Wirkung von Natashas Worten&lt;br /&gt;
verstörte mich besonders, weil sie ganz be-&lt;br /&gt;
stimmte Vorurteile widerspiegelten, die sy-&lt;br /&gt;
stemnatisch als Teil’eines anerkannten Cur-&lt;br /&gt;
rieulums staatlicher Schulen gelehrt wor-&lt;br /&gt;
den waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine. Reise. nach St. Petersburg&lt;br /&gt;
resultierte aus dem zwischen einer schwe-&lt;br /&gt;
dischen und einer russischen Universität&lt;br /&gt;
geschlossenen Vertrag zur Förderung eines&lt;br /&gt;
Bildungsprojekts internationalen Interes-&lt;br /&gt;
ses, das dann zum Brennpunkt mültilatera-&lt;br /&gt;
ler Zusammenarbeit werden’könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ersten Schritt in. diese Richtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
luden die Universität Vajxo und die (nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem russischen Philosophen und Schrift-&lt;br /&gt;
steller Alexander Herzen benannte) Pa-&lt;br /&gt;
dägogische Universität Rußlands 30 Erzie-&lt;br /&gt;
hungswissenscl aftler : aus Australien, Boli-&lt;br /&gt;
vien, China, England, Finnland, Indien, Ita-&lt;br /&gt;
lien, Kanada, Kenia, Kolumbien, Schwe-&lt;br /&gt;
den, der (damals noch bestehenden) Tsche-&lt;br /&gt;
choslowakei, den USA und der (damals&lt;br /&gt;
noch bestehenden) UdSSR zu dieser Kon-&lt;br /&gt;
ferenz in St. Petersburg ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Teilnehmer repräsentierten ver-&lt;br /&gt;
schiedene Kulturen, Rassen und Religionen.&lt;br /&gt;
Sie hatten auch unterschiedliche berufliche&lt;br /&gt;
Bildungswege durchschritten, darunter&lt;br /&gt;
Schulverwaltung, Lehrplanentwicklung, Er-&lt;br /&gt;
ziehungsphilosophie und Psychologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konferenz beschäftigte sich&lt;br /&gt;
mit zwei übergreifenden Themenberei-&lt;br /&gt;
chen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U Wie kann man das globale Wesen ma-&lt;br /&gt;
terieller und gesellschaftlicher Phäno-&lt;br /&gt;
mene verstehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U Wie kann man den sich ständig be-&lt;br /&gt;
schleunigenden Veränderungen in der&lt;br /&gt;
Gesellschaft gewachsen sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konferenz beinhaltete Bera-&lt;br /&gt;
tungen über die Zukunftsvision von einer&lt;br /&gt;
globalen Gesellschaft und über die Rolle&lt;br /&gt;
des Lehrers in diesem Zeitalter radikaler&lt;br /&gt;
Veränderungen. Die Gruppe kam zu scharf&lt;br /&gt;
umrissenen gemeinsamen Schlußfolgerun-&lt;br /&gt;
gen bezüglich der logischen Grundlage, der&lt;br /&gt;
Lehrmethoden und des grundlegenden&lt;br /&gt;
Schulcurriculums, das man zur Erziehung&lt;br /&gt;
der nächsten Generation benötigt, damit sie&lt;br /&gt;
konstruktive Gedanken und Einstellungen&lt;br /&gt;
zu ihrer Identität als Weltbürger entwickelt&lt;br /&gt;
und‘ gleichzeitig die für das Handeln auf&lt;br /&gt;
lokaler. Ebene nötigen Fähigkeiten kriti-&lt;br /&gt;
schen Denkens und der Beratung lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kam zu dem Entschluß, ein&lt;br /&gt;
internationales Netzwerk der »Lehrer für&lt;br /&gt;
globalen Wandel« zu gründen, mit den kon-&lt;br /&gt;
kreten Zielen, Lehrpläne für Schulen und&lt;br /&gt;
Ausbildungspläne für Lehrer zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln. Bei einer in Perth, Australien ab-&lt;br /&gt;
zuhaltenden Folgekonferenz sollten dann&lt;br /&gt;
die erreichten Schritte diskutiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Seiten fassen die Be-&lt;br /&gt;
ratungen über die beiden Hauptfragen zu-&lt;br /&gt;
sammen — die Vision einer Weltgesell-&lt;br /&gt;
schaft und die Rolle des Lehrers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=21}}Die Vision von&lt;br /&gt;
einer globalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhun-&lt;br /&gt;
derts hat eine völlig andere Welt hervorge-&lt;br /&gt;
bracht; eine Welt, die sich mit Problemen&lt;br /&gt;
und Herausforderungen befaßt, die sich&lt;br /&gt;
nicht auf ein bestimmtes Volk, Land oder&lt;br /&gt;
gar Gebiet beschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die potentiell verheerenden Aus-&lt;br /&gt;
wirkungen des sauren Regens, der Erwär-&lt;br /&gt;
mung der Atmosphäre, ausgedehnter Hun-&lt;br /&gt;
gersnöte, AIDS, der weit verbreiteten Pro-&lt;br /&gt;
duktion von Nuklearwaffen und die da-&lt;br /&gt;
durch möglichen Unfälle, des uneinge-&lt;br /&gt;
schränkten Bevölkerungswachstums und&lt;br /&gt;
anwachsender militärischer Konflikte be-&lt;br /&gt;
drohen jede Nation und jeden Bürger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem verschärfen gesell-&lt;br /&gt;
schaftliche Probleme wie Rassismus, Un-&lt;br /&gt;
gerechtigkeit und fehlende Gleichberechti-&lt;br /&gt;
gung das menschliche Leid, indem Angst,&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit und Gewalt ansteigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich diese Probleme zu-&lt;br /&gt;
spitzen, wird gleichzeitig immer deutlicher,&lt;br /&gt;
daß jegliche Hoffnung auf eine Lösung ein&lt;br /&gt;
bisher noch nie dagewesenes Ausmaß an&lt;br /&gt;
globaler Zusammenarbeit erfordert. Wir&lt;br /&gt;
können nicht länger von Krisen des Kapi-&lt;br /&gt;
talismus oder des Kommunismus sprechen,&lt;br /&gt;
von Armut in der Dritten Welt oder inter-&lt;br /&gt;
nationalem Terrorismus, sondern wir müs-&lt;br /&gt;
sen uns der Krise der gesamten menschli-&lt;br /&gt;
chen Zivilisation bewußt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die universelle Bedrohung unserer&lt;br /&gt;
örtlichen und nationalen Lebensgemein-&lt;br /&gt;
schaften und die dadurch entstehende ge-&lt;br /&gt;
genseitige Abhängigkeit auf globaler Ebene&lt;br /&gt;
erfordert eine radikale Veränderung der&lt;br /&gt;
Auffassung unserer Rolle und der Rolle&lt;br /&gt;
anderer in der Welt. Man kann diesen Pro-&lt;br /&gt;
blemen nicht entfliehen, da sie durch die&lt;br /&gt;
Macht der heutigen Technologie und der&lt;br /&gt;
Massenmedien, die direkten Zugang zu&lt;br /&gt;
vielfältigen, aber leider auch manipulierba-&lt;br /&gt;
ren, Informationen ermöglichen, alle Men-&lt;br /&gt;
schen betreffende Auswirkungen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Früchte der Gesellschaft er-&lt;br /&gt;
kennt man jedoch am Wandel der Sozial-&lt;br /&gt;
struktur der Welt, an der zunehmenden ge-&lt;br /&gt;
genseitigen Abhängigkeit, an der Auswei-&lt;br /&gt;
tung technologischer, politischer, kulturel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ler, wirtschaftlicher und ökologischer Ver-&lt;br /&gt;
netzungen, die verschiedene Völker, Kultu-&lt;br /&gt;
ren und Regionen verbinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch fehlt ein moralischer Impe-&lt;br /&gt;
rativ, der diese immer stärker werdende&lt;br /&gt;
Abhängigkeit und Vernetzung leitet. Dieser&lt;br /&gt;
moralische Imperativ besteht im Verstehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und im Anerkennen der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gesamten Bildungsprozeß und&lt;br /&gt;
in allen Bereichen eines Lehrplans muß&lt;br /&gt;
unsere gemeinsame Identität als Bürger ge-&lt;br /&gt;
fördert werden, die die Verantwortung für&lt;br /&gt;
die Erhaltung und Bereicherung unseres&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
materiellen und gesellschaftlichen Umfel-&lt;br /&gt;
des teilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um uns von unserer derzeitigen&lt;br /&gt;
Stufe der sozialen Evolution auf eine&lt;br /&gt;
friedliche und geordnete Zukunft zuzube-&lt;br /&gt;
wegen, müssen wir zuerst die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit und unser gemeinsames Ziel&lt;br /&gt;
als Weltbürger erkennen. Wir müssen eine&lt;br /&gt;
globale Einstellung entwickeln und uns&lt;br /&gt;
dem ganzen Planeten gegenüber verpflich-&lt;br /&gt;
tet fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unsere Propheten haben es ge-&lt;br /&gt;
sucht und unsere Dichter davon geträumt.&lt;br /&gt;
Aber erst in der heutigen Zeit bezeugen&lt;br /&gt;
Astronomen, Physiker, Geologen, Chemi-&lt;br /&gt;
ker, Biologen, Anthropologen, Ethnologen&lt;br /&gt;
und Archäologen gemeinsam aufgrund der&lt;br /&gt;
fortgeschrittenen wissenschaftlichen Er-&lt;br /&gt;
kenntnis, daß wir tatsächlich einem einzi-&lt;br /&gt;
gen System angehören, das von einer ein-&lt;br /&gt;
zigen Energiequelle gespeist wird, wo-&lt;br /&gt;
durch sich eine grundlegende Einheit mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
all ihren Varianten zeigt, deren Überleben&lt;br /&gt;
vom Gleichgewicht und der Gesundheit&lt;br /&gt;
des ganzen Systems abhängen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Beim Eintritt in die globale Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsphase der menschlichen Evolu-&lt;br /&gt;
tion wird deutlich, daß jeder Mensch zwei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt; &amp;gt;» Die Offenbarung Bahä’u’llähs, deren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
höchstes Ziel es ist, diese organische, geistige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit aller Nationen in ihrer Gesamtheit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vollenden, muß, wenn wir zu ihren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| selbsterständlichen B Foleuneen BERN als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ländern entstammt, seinem eigenen und&lt;br /&gt;
dem Planeten Erde.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese weltweit keimende Erkennt-&lt;br /&gt;
nis steht im krassen Gegensatz zum offen-&lt;br /&gt;
sichtlich werdenden Bedürfnis ethnischer&lt;br /&gt;
Gruppen, ihre eigene Identität zu erhalten,&lt;br /&gt;
zu bestärken oder erneut zu kultivieren,&lt;br /&gt;
wenn nötig auch mit Gewalt, genauso wie&lt;br /&gt;
einzelne Bürger auf dem ganzen Planeten&lt;br /&gt;
auf ihrer Stimme in der Politik bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spannung, die zwischen der&lt;br /&gt;
Notwendigkeit von Welteinheit und der&lt;br /&gt;
Selbstbestätigung des einzelnen besteht,&lt;br /&gt;
bedeutet eine entscheidende Veränderung&lt;br /&gt;
in der Weltgeschichte, eine Veränderung,&lt;br /&gt;
mit der die Bürger des 21. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
umgehen lernen müssen, wenn sie überle-&lt;br /&gt;
ben und sich weiterentwickeln wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demnach muß jedes Land seine&lt;br /&gt;
Bevölkerung darauf vorbereiten, mit die-&lt;br /&gt;
sem lebenswichtigen und historischen&lt;br /&gt;
Wandel umzugehen und zurechtzukom-&lt;br /&gt;
men. Keine Regierung, egal wie fort-&lt;br /&gt;
schrittlich sie auch sein mag, kann ohne&lt;br /&gt;
Beratung und die Unterstützung einer ge-&lt;br /&gt;
bildeten Bevölkerung mit der Bewältigung&lt;br /&gt;
dieser Krisen auch nur beginnen, und die&lt;br /&gt;
Verantwortung für diese Unterstützung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Only One Earth, Andre Deutsch, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liegt bei den Bildungssystemen dieser&lt;br /&gt;
Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltbürger des 21. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
müssen eine entsprechende Bildung und&lt;br /&gt;
Erziehung erhalten haben, damit sie sich&lt;br /&gt;
eine »neue Weltordnung« vorstellen kön-&lt;br /&gt;
nen, die auf der Grundlage universeller&lt;br /&gt;
Teilnahme und universeller Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
errichtet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen müssen verstehen,&lt;br /&gt;
daß Umweltverschmutzung an jedem Ort&lt;br /&gt;
in unserem geschlossenen ökologischen&lt;br /&gt;
System das Leben aller bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Länder, die dazu in der Lage sind,&lt;br /&gt;
müssen sich in ihrem eigenen Interesse die-&lt;br /&gt;
sen Problemen überall, wo sie auf diesem&lt;br /&gt;
Planeten auftreten, widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenn wir uns und unsere Kul-&lt;br /&gt;
tur selbst ganz erkennen und schätzen, kön-&lt;br /&gt;
nen wir als einzelne die Gemeinsamkeiten&lt;br /&gt;
der ganzen Menschheit schätzen lernen.&lt;br /&gt;
Durch ein angemessenes Selbstbewußtsein&lt;br /&gt;
können wir andere schätzen und mit ihnen&lt;br /&gt;
zusammenarbeiten — gegenseitige Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit setzt Unabhängigkeit voraus in den&lt;br /&gt;
Beziehungen zwischen einzelnen, Gemein-&lt;br /&gt;
wesen und Nationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um uns selbst zu verstehen und die&lt;br /&gt;
Aufgabe globaler Gerechtigkeit erkennen&lt;br /&gt;
zu können, muß jeder Erdenbürger andere&lt;br /&gt;
Völker und ihre Kultur kennen und schät-&lt;br /&gt;
zen lernen. Nur durch solche Kenntnisse&lt;br /&gt;
und durch gegenseitigen Respekt, der dar-&lt;br /&gt;
aus erwächst, kann eine dauerhafte Grund-&lt;br /&gt;
lage für internationale Zusammenarbeit ge-&lt;br /&gt;
schaffen werden, genauso wie dieses Wis-&lt;br /&gt;
sen über andere unserer Weltsicht und un-&lt;br /&gt;
serem Wertesystem die notwendige Per-&lt;br /&gt;
spektive geben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Hauptschwierigkeiten im&lt;br /&gt;
Umgang mit globalen Veränderungen besteht&lt;br /&gt;
darin, daß uns unser tägliches Leben keine&lt;br /&gt;
angemessenen Modelle für alternative Ge-&lt;br /&gt;
sellschaftssysteme der Zukunft bietet. Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen überdieZielrichtung weltweiten&lt;br /&gt;
Wandelshängenzumindestaufganzprimitive&lt;br /&gt;
Art und Weise vom Verstehen dieses Phäno-&lt;br /&gt;
mens ab. Die Menschen müssen fiktive Mo-&lt;br /&gt;
delle entwerfen, auch wenn ihnenrealistische&lt;br /&gt;
Bilder aus ihrer eigenen Erfahrung und Ge-&lt;br /&gt;
schichte fehlen.&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=23}}Zu den von den Konferenzteilneh-&lt;br /&gt;
mern entworfenen Modellen gehörte die Vi-&lt;br /&gt;
sion einer globalen Gesellschaft, in der all-&lt;br /&gt;
mählich die Kontrollsysteme und Handels-&lt;br /&gt;
schranken abgebaut werden, so daß Geld,&lt;br /&gt;
Nahrungsmittel, Waren, Infrastruktur und&lt;br /&gt;
Dienstleistungen gerechter verteilt werden.&lt;br /&gt;
Das setzt eine Art internationaler Verwaltung&lt;br /&gt;
der wirtschaftlichen Ressourcen der Welt vor-&lt;br /&gt;
aus, um sicherzustellen, daß internationale&lt;br /&gt;
Märkte aufeinander abgestimmt und ent-&lt;br /&gt;
wickelt werden und daß Rohstoffe und Pro-&lt;br /&gt;
dukte gerecht verteilt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Vision beinhaltet auch die&lt;br /&gt;
Idee der globalen gegenseitigen Verbin-&lt;br /&gt;
dung in Form der Einheit in der Vielfalt.&lt;br /&gt;
Die Vorstellung einer perfekt funktionie-&lt;br /&gt;
renden Menschheit erfordert die Errichtung&lt;br /&gt;
eines Weltgemeinwesens, in dem alle Na-&lt;br /&gt;
tionen, Rassen und Kulturen vereint sind&lt;br /&gt;
und in dem die Autonomie von Staaten und&lt;br /&gt;
die persönliche Freiheit des einzelnen Bür-&lt;br /&gt;
gers geschützt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein dynamisches Gleichgewicht&lt;br /&gt;
zwischen dem einzelnen und der Gemein-&lt;br /&gt;
schaft muß sich entwickeln, so daß jeder&lt;br /&gt;
einzelne sich als Teil des Weltorganismus&lt;br /&gt;
betrachtet. Denn es ist bekannt, daß die&lt;br /&gt;
individuelle Entwicklung eng mit der ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Evolution verbunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel individueller Entwicklung&lt;br /&gt;
ist der vollständige, abgestimmte und har-&lt;br /&gt;
monische Ausdruck aller angeborenen und&lt;br /&gt;
erlernten Fähigkeiten — der Fähigkeit Er-&lt;br /&gt;
kenntnis zu erlangen (dazu gehört auch die&lt;br /&gt;
Fähigkeit, Phänomene voneinander zu dif-&lt;br /&gt;
ferenzieren und zu verstehen), der Fähig-&lt;br /&gt;
keit zu lieben (dazu gehört die Fähigkeit,&lt;br /&gt;
die Beziehungen zwischen Phänomenen&lt;br /&gt;
einzuschätzen und auszuwerten) und der&lt;br /&gt;
Fähigkeit zu handeln (dazu gehören Moti-&lt;br /&gt;
vation und Verhalten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel globaler Entwicklung ist,&lt;br /&gt;
der Individualität umfassenden Ausdruck&lt;br /&gt;
zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Grenzen individueller und ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlicher Entwicklung sind nicht be-&lt;br /&gt;
kannt und könnten als endlose Stufen zur&lt;br /&gt;
Vollkommenheit beschrieben werden. Die&lt;br /&gt;
Vorstellung eines Endpunktes ist falsch und&lt;br /&gt;
führt normalerweise zu Dogmatismus.&lt;br /&gt;
Menschliches Wissen und Wertesysteme&lt;br /&gt;
werden immer in Beziehung zu unserer&lt;br /&gt;
jeweiligen gesellschaftlichen Stufe stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die globale Vision beinhaltet eine&lt;br /&gt;
Weltgesellschaft, die auf Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
und Gerechtigkeit beruht und in der natio-&lt;br /&gt;
nale Rivalitäten und Feindseligkeiten er-&lt;br /&gt;
setzt werden durch Freundschaft unter den&lt;br /&gt;
Rassen, gegenseitiges Verständnis und Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit. Religiöse Konflikte, Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsschranken und Klassenunterschie-&lt;br /&gt;
de werden schrittweise abgebaut werden.&lt;br /&gt;
Extreme der Armut und des Reichtums,&lt;br /&gt;
übertriebene Ansammlung von Besitz und&lt;br /&gt;
materielle Verelendung werden ver-&lt;br /&gt;
schwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schlüssel zur weltweiten Kom-&lt;br /&gt;
munikation wird die Fähigkeit des Lesens&lt;br /&gt;
und Schreibens sein, und man wird eine&lt;br /&gt;
Weltsprache brauchen, die in allen Schulen&lt;br /&gt;
neben der Muttersprache als Hilfssprache&lt;br /&gt;
unterrichtet wird. Außerdem wird eine ge-&lt;br /&gt;
meinsame Weltschrift, Weltliteratur und ein&lt;br /&gt;
einheitliches Gewichts- und Maßesystem&lt;br /&gt;
die Kommunikation sehr vereinfachen und&lt;br /&gt;
internationale Verständigung erleichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirtschaftlichen und politi-&lt;br /&gt;
schen Mittel, die zur Kriegsführung aufge-&lt;br /&gt;
wendet werden, können umgeleitet werden&lt;br /&gt;
in die Forschung und Entwicklung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt;» Diesem Ziel— dem Ziel einer neuen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltordnung, göttlich im Ursprung, allumfassend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Reichweite, unparteüsch im Grundsatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herausfordernd im Charakter — muß eine&lt;br /&gt;
gequälte Menschheit zustreben. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menschlichen und materiellen Ressourcen,&lt;br /&gt;
um dem intellektuellen, gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Leben jedes einzelnen mehr&lt;br /&gt;
Ausdrucksmöglichkeiten zu gewähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle&lt;br /&gt;
des Lehrers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die traditionelle Rolle des Lehrers&lt;br /&gt;
bestand darin, Informationen anzuhäufen&lt;br /&gt;
und weiterzugeben, und vom Schüler er-&lt;br /&gt;
wartete man, daß er diese Informationen&lt;br /&gt;
unkritisch annimmt und danach handelt.&lt;br /&gt;
Dieser Ansatz gebrauchte passive Lernpro-&lt;br /&gt;
zesse und führte weitgehend zu konformi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stischen oder konservativen Gesellschafts-&lt;br /&gt;
mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese traditionelle Lehr- und Lern-&lt;br /&gt;
methode muß heute als völlig ungeeignet&lt;br /&gt;
zur Erziehung künftiger Bürger erachtet&lt;br /&gt;
werden, die dann mit den komplexen Um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt;» Wer könnte bezweifeln, daß solche&lt;br /&gt;
Vollendung — die Volljährigkeit des&lt;br /&gt;
Menschengeschlechts — ihrerseits den Beginn&lt;br /&gt;
einer Weltkultur bezeichnen muß, wie sie noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kein sterbliches Auge je gesehen, kein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menschlicher Geist je erfaßt hat? Wer ist da, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die erhabene Stufe vorstellen könnte, die eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Kultur in dem Maße, wie sie sich entfaltet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu erreichen bestimmt ist? Wer kann die Höhen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ermessen, zu denen sich der menschliche Verstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufschwingen wird, wenn er erst von seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fesseln befreit ist? «K&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welt-, Gesellschafts- und Ethikproblemen&lt;br /&gt;
unserer Zeit zurechtkommen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen ist der neue Reichtum in&lt;br /&gt;
einer zunehmend informationsorientierten&lt;br /&gt;
Gesellschaft. Ein Fachlehrer, der ein be-&lt;br /&gt;
stimmtes Wissensgebiet unterrichtet, ist&lt;br /&gt;
beinahe überholt, wenn er nicht auch die&lt;br /&gt;
gesellschaftliche Entwicklung begreift und&lt;br /&gt;
in der Lage ist, fächerübergreifend Infor-&lt;br /&gt;
mationen zu differenzieren und zu verbin-&lt;br /&gt;
den und sie auf immer komplexere Zusam-&lt;br /&gt;
menhänge anzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit eines Lehrers, fä-&lt;br /&gt;
cherübergreifend zu arbeiten, weitet den&lt;br /&gt;
Horizont der Schüler und ermutigt zu&lt;br /&gt;
schöpferischem und ganzheitlichem Ler-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Menge an Wissen ständig&lt;br /&gt;
anwächst, braucht ein Lehrer eine Philoso-&lt;br /&gt;
phie, die die verschiedenen Wissensberei-&lt;br /&gt;
che miteinander verbindet. Eine dieser Phi-&lt;br /&gt;
losophien ist die Theorie vom evolutionä-&lt;br /&gt;
ren Zusammenhang von Systemen, d.h. die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffassung, daß Gesellschaftssysteme ver-&lt;br /&gt;
schiedene Entwicklungsstadien auf dem&lt;br /&gt;
Weg zur Reife hin durchlaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also benötigt der Lehrer eine Visi-&lt;br /&gt;
on von der entstehenden Weltgesellschaft,&lt;br /&gt;
von der Welt als durch gegenseitige Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit geprägtes gesellschaftliches Sy-&lt;br /&gt;
stem. Er muß dazu fähig sein, Schüler zur&lt;br /&gt;
Entwicklung ihrer eigenen Weltsicht zu er-&lt;br /&gt;
mutigen, um sie damit auf ihre aktive Rolle&lt;br /&gt;
als Weltbürger vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lehrer muß weiterhin dazu in&lt;br /&gt;
der Lage sein, die Schüler auf eine aktive&lt;br /&gt;
Lebenseinstellung in einer unbekannten&lt;br /&gt;
Zukunft vorzubereiten. Dazu müssen sich&lt;br /&gt;
Lehrer und Schüler als Lernende betrach-&lt;br /&gt;
ten. Der Lehrer muß aktiv Forschung be-&lt;br /&gt;
treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Tradition her bestand eine&lt;br /&gt;
Kluft mit starken gesellschaftspolitischen&lt;br /&gt;
Auswirkungen zwischen den Hütern neuer&lt;br /&gt;
Erkenntnisse, den Forschern oder Gelehr-&lt;br /&gt;
ten, und den Lehrern als passiven Empfän-&lt;br /&gt;
gern von Wissen. Das war bisher der Haupt-&lt;br /&gt;
grund für die Minderwertigkeit des Berufs-&lt;br /&gt;
stands der Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß sich ein neuer Lehrertypus&lt;br /&gt;
entwickeln — ein Lehrer, der nicht nur&lt;br /&gt;
Wissen weitergibt, sondern es kritisch be-&lt;br /&gt;
leuchtet und neue Erkenntnisse hervor-&lt;br /&gt;
bringt und der darüberhinaus kontinuierlich&lt;br /&gt;
seine eigenen Unterrichtsfähigkeiten aus-&lt;br /&gt;
wertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lehrer kann ein experimentel-&lt;br /&gt;
les Umfeld zum Lernen schaffen und durch&lt;br /&gt;
direkten Unterricht die Fähigkeiten aktiven&lt;br /&gt;
Experimentierens, kritischer Beobachtung&lt;br /&gt;
und Nachdenkens und der Gruppenbera-&lt;br /&gt;
tung zum Erlangen neuen Wissens, neuer&lt;br /&gt;
Werte und Fertigkeiten formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser aktive Entwicklungsprozeß&lt;br /&gt;
wird die Schüler dazu ermutigen, eine in-&lt;br /&gt;
nere Liebe zum Lernen zu entwickeln und&lt;br /&gt;
sich die für die Erforschung und Beratung&lt;br /&gt;
notwendigen Fertigkeiten anzueignen, um&lt;br /&gt;
noch unbekannte künftige Lernbereiche in-&lt;br /&gt;
nerhalb und außerhalb der Schule zu er-&lt;br /&gt;
gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder werden allmählich durch&lt;br /&gt;
ihre Fähigkeit, kreativ zu denken und Pro-&lt;br /&gt;
bleme innerhalb eines das ganze Leben&lt;br /&gt;
dauernden Lernprozesses zu lösen, zu&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=25}}gleichwertigen Partnern in dieser Entwick-&lt;br /&gt;
lung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lehrer muß die Entwicklungs-&lt;br /&gt;
phasen des Kindes genau kennen, damit&lt;br /&gt;
sich die Rolle des Lehrers allmählich an-&lt;br /&gt;
passen kann, während das Kind lernt, sich&lt;br /&gt;
selbständig Wissen anzueignen. Der Leh-&lt;br /&gt;
rer muß auch die Unterschiede zwischen&lt;br /&gt;
verschiedenen Kindern gut kennen. Das&lt;br /&gt;
kann nur gelingen, wenn sich der Lehrer&lt;br /&gt;
ehrlich und liebevoll um seine Schüler&lt;br /&gt;
kümmert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also kennzeichnet Beratung über&lt;br /&gt;
die Formulierung von Lernzielen und deren&lt;br /&gt;
Erreichung die neue Beziehung zwischen&lt;br /&gt;
Lehrer und Schüler. Sowohl Lehrer als auch&lt;br /&gt;
Schüler werden gemeinsam ihre gemein-&lt;br /&gt;
samen Ziele schaffen, die Lerninhalte,&lt;br /&gt;
-schwerpunkte und -methoden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den angemessensten Lehrme-&lt;br /&gt;
thoden werden folgende gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U Das besondere Bemühen darum, daß&lt;br /&gt;
Schüler ihre eigenen Lernprozesse als&lt;br /&gt;
Teil der Entwicklung ihrer Lernfähig-&lt;br /&gt;
keit betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Betonung des Lernens durch prak-&lt;br /&gt;
tische Anwendung — Lernen durch ak-&lt;br /&gt;
tive Teilnahme an realen oder gespielten&lt;br /&gt;
sozialen und wirtschaftlichen Aktivitä-&lt;br /&gt;
ten in der Klasse und in der Gemein-&lt;br /&gt;
schaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Betonung des Lernens durch sozia-&lt;br /&gt;
le Interaktion und Zusammenarbeit,&lt;br /&gt;
wobei Kommunikationsmodelle be-&lt;br /&gt;
nutzt werden, in denen der Kommuni-&lt;br /&gt;
kationsfluß zwischen Lehrer und Schü-&lt;br /&gt;
ler beidseitig (und nicht traditionell ein-&lt;br /&gt;
seitig) ist. Außerdem kann das Prinzip&lt;br /&gt;
der Zusammenarbeit auf alle zwischen-&lt;br /&gt;
menschlichen Beziehungen im Schul-&lt;br /&gt;
bereich ausgedehnt werden. Z.B. kön-&lt;br /&gt;
nen die Lehrer durch Job-Sharing oder&lt;br /&gt;
durch Teamarbeit zusammenarbeiten,&lt;br /&gt;
und ältere oder besonders begabte&lt;br /&gt;
Schüler können jüngere oder weniger&lt;br /&gt;
begabte Schüler betreuen und fördern.&lt;br /&gt;
Wenn Zusammenarbeit die Schulwelt&lt;br /&gt;
prägt, werden kontroverse Themen eher&lt;br /&gt;
begrüßt als abgelehnt, da sie für den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen erstens die Möglichkeit&lt;br /&gt;
schaffen, vielfältige Sichtweisen zu ver-&lt;br /&gt;
stehen und aufzunehmen, zweitens&lt;br /&gt;
kreative Erkenntnismethoden fördern&lt;br /&gt;
und drittens die kognitive und soziale&lt;br /&gt;
Entwicklung fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Außerdem sollen Lerninhalte verstärkt&lt;br /&gt;
nach Themen und nicht nach Fächern&lt;br /&gt;
strukturiert werden. Das erhöht den&lt;br /&gt;
Transfer von Wissen zwischen ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Aspekten des Lehrplans und&lt;br /&gt;
führt daher eher zur Anwendung auf&lt;br /&gt;
aktuelle Ereignisse — im Gegensatz zur&lt;br /&gt;
starren Ansicht, Wissen sei scharf in&lt;br /&gt;
Fachrichtungen voneinander abgrenz-&lt;br /&gt;
bar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Sorge, die ausgespro-&lt;br /&gt;
chen wurde, ist die Befürchtung, daß glo-&lt;br /&gt;
bale Bildungsinitiativen von westlichen&lt;br /&gt;
Werten geprägt sein und dadurch den be-&lt;br /&gt;
reits Privilegierten zugute kommen wer-&lt;br /&gt;
den. In der Vergangenheit haben entwickel-&lt;br /&gt;
te Nationen auf oft autoritäre Art und Weise&lt;br /&gt;
eingegriffen unter der Vorgabe zu wissen,&lt;br /&gt;
was das Beste für die Entwicklungsländer&lt;br /&gt;
ist, oder sie haben ohne darüber nachzuden-&lt;br /&gt;
ken Menschen in anderen Regionen west-&lt;br /&gt;
liche Werte und Methoden übergestülpt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ein Drittel der Konferenzteil-&lt;br /&gt;
nehmer in St. Petersburg kam aus Industrie-&lt;br /&gt;
nationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beratung wird ein zentraler Be-&lt;br /&gt;
standteil des Erfolgs dieses Projektes und&lt;br /&gt;
die wirksamste Methode zur Verringerung,&lt;br /&gt;
gar Ausmerzung möglicher Dominanz des&lt;br /&gt;
Westens sein. Das Projekt muß Eigendyna-&lt;br /&gt;
mik entwickeln durch Beratungen unter&lt;br /&gt;
Konferenzteilnehmern, unter Lehrern und&lt;br /&gt;
Schülern, unter Schulen und Gemeinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand kann sich starre Ansich-&lt;br /&gt;
ten über die Entwicklung auf eine globale&lt;br /&gt;
Gesellschaft hin leisten, denn das verneint&lt;br /&gt;
den kreativen und aufregenden Schaffens-&lt;br /&gt;
prozeß, der durch menschliches Zusam-&lt;br /&gt;
menwirken eine solche Gesellschaft her-&lt;br /&gt;
vorbringen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Übersetzung des Artikels »Education for a&lt;br /&gt;
global society«, aus: Herald of the South,&lt;br /&gt;
Oktober-Dezember 1992, S. 20-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=26}}Jörg Krombach Die Prophezeiungen&lt;br /&gt;
der Hopi-Indianer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eo an&lt;br /&gt;
Ich bin nicht hier, |&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um die Natur zu beherrschen&lt;br /&gt;
oder Sic Auszubeuten . n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin selost Natwr.&lt;br /&gt;
———tor: - Vol des Trucdaıs —_—n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1988 hielt ich mich im Rahmen&lt;br /&gt;
meinerberuflichen Ausbildung mehrere Mo-&lt;br /&gt;
nate im Südwesten der USA auf und hatte&lt;br /&gt;
Gelegenheit, Indianerreservate zu besuchen&lt;br /&gt;
und mich mit der Lebensweise der amerika-&lt;br /&gt;
nischen Ureinwohner vertraut zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EsgibtinnerhalbdergesamtenFläche&lt;br /&gt;
der USA lediglich einen Punkt, an dem vier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfahrungen mit indianischer Religiosität nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bundesstaaten zusammentreffen: Dieser&lt;br /&gt;
Punkt wird»Four Corners« (zu deutsch: »Vier&lt;br /&gt;
Ecken«) genannt. In diesem Grenzgebiet der&lt;br /&gt;
Staaten Arizona, Utah, Colorado und New-&lt;br /&gt;
Mexiko, leben seit tausenden von Jahren die&lt;br /&gt;
Hopi-Indianer und deren Vorfahren. Da das&lt;br /&gt;
von den Hopi bewohnte Gebiet für die erst&lt;br /&gt;
im letzten Jahrhundert im größeren Stil ein-&lt;br /&gt;
gewanderten weißen Siedler uninteressant&lt;br /&gt;
war, mußten die Hopi nicht das Schicksal&lt;br /&gt;
vieler anderer Stämme teilen, vom Heimat-&lt;br /&gt;
boden vertrieben zu werden. Das änderte sich&lt;br /&gt;
erst vor kurzem, als nämlich Geologen wert-&lt;br /&gt;
volle Bodenschätze aufspürten, die heute in&lt;br /&gt;
zunehmendem Maße von Interesse sind:&lt;br /&gt;
Uranerz und Kohle. Die Tatsache, daß Hopis&lt;br /&gt;
überhaupt in dieses eigentlich lebensfeindli-&lt;br /&gt;
che Gebiet gezogen sind, kann mit unserem&lt;br /&gt;
rein logischen Verständnis nicht erklärt wer-&lt;br /&gt;
den: Das Gebiet um die drei »Mesas« (spa-&lt;br /&gt;
nisch: Tafelberge) im Nordosten Arizonas&lt;br /&gt;
gehört zu den trockensten und heißesten Ge-&lt;br /&gt;
bieten der Vereinigten Staaten überhaupt. Es&lt;br /&gt;
ist sehr schwierig — mit gängigen modernen&lt;br /&gt;
Anbaumethoden sogar unmöglich — das&lt;br /&gt;
LebensnotwendigsteausdemBoden wachsen&lt;br /&gt;
zu lassen. Die Indianer Nordamerikas wan-&lt;br /&gt;
derten vor 10.000 - 40.000 Jahren über die&lt;br /&gt;
damals vorhandene Landbrücke zwischen&lt;br /&gt;
Asien und Amerika, die Beringstraße, einund&lt;br /&gt;
zogen dann auf dem Kontinent nach Süden.&lt;br /&gt;
Die Hopi-Sprache ist verwandt mit dem Uto-&lt;br /&gt;
Aztekischen. Dies entspricht auch der Über-&lt;br /&gt;
lieferung der Hopis, wonach sie sich von der&lt;br /&gt;
aztekischen Kultur absonderten und wieder-&lt;br /&gt;
um nach Norden wanderten, nachdem diese&lt;br /&gt;
der Verweltlichung anheimfiel: Der Materia-&lt;br /&gt;
lismus breitete sich aus, Götzen wurden an-&lt;br /&gt;
gebetet, und ein allgemeiner Sittenverfall&lt;br /&gt;
sorgte für den Untergang der Aztekenkultur.&lt;br /&gt;
Parallelen gibt es auch zu den Erwartungen&lt;br /&gt;
der jeweiligen »Erlöser« der einzelnen Kul-&lt;br /&gt;
turen. Quasi zur selben Zeit erwarteten die&lt;br /&gt;
Hopi »Bahana«, die Mayas »Kululcan« und&lt;br /&gt;
die Azteken »Quetzalcoatl«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=27}}Ca. 700 n. Chr. wanderten die Ho-&lt;br /&gt;
pis in ihr heutiges Gebiet ein. Die Grün-&lt;br /&gt;
dung der Stadt Oraibi auf dem Hopi-Reser-&lt;br /&gt;
vat läßt sich auf das Jahr 1100 zurückdatie-&lt;br /&gt;
ren. Die berühmten Ruinen von Mesa Ver-&lt;br /&gt;
da, Montezuma etc. sind Zeugnis für eine&lt;br /&gt;
Jahrtausende alte Bewohnung der Gebiete.&lt;br /&gt;
Im Jahre 1175 begann eine Dürre, die län-&lt;br /&gt;
ger als eine Generation andauerte und zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Flucht aus den architektonischen Wunder-&lt;br /&gt;
werken indianischer Baukunst führte. Orai-&lt;br /&gt;
bi gilt zusammen mit dem Pueblodorf Aco-&lt;br /&gt;
ma als die älteste noch heute bewohnte&lt;br /&gt;
Stadt Nordamerikas überhaupt. Heute le-&lt;br /&gt;
ben auf den drei »Mesas« in 12 Dörfern ca.&lt;br /&gt;
10.000 Hopis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Hopi« bedeutet »friedvoller&lt;br /&gt;
Mensch«, was als Leitmotto für die Lebens-&lt;br /&gt;
führung aller Hopi verstanden und auch&lt;br /&gt;
erfolgreich umgesetzt wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Einige Leute meinen, daß Hopi&lt;br /&gt;
nur unser Name ist. Es ist aber viel mehr&lt;br /&gt;
als das! Man muß sich diesen Namen ver-&lt;br /&gt;
dienen! Um diese Bezeichnung Hopi zu&lt;br /&gt;
verdienen, muß man freundlich sein, sanft,&lt;br /&gt;
wahrhaftig, bescheiden und mit einem wa-&lt;br /&gt;
chen Sinn für alles um sich herum: Tiere,&lt;br /&gt;
Vögel, Pflanzen. Für alle diese Dinge ist&lt;br /&gt;
man verantwortlich. Und durch Meditation,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Hopi Mental Health Conference 1984, S. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet und religiöse Zeremonien nimmt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man sich all dieser Dinge an und sorgt für&lt;br /&gt;
uch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sıe.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reservat des heute größten In-&lt;br /&gt;
dianerstammes — nämlich der Navajo —&lt;br /&gt;
bildet einen geschlossenen Ring um das&lt;br /&gt;
Hopi-Reservat, so daß deren Gebiet wie ein&lt;br /&gt;
»Schutzwall« gegenüber weißen Kulturein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
flüssen wirkt. Die nächstgrößere »amerika-&lt;br /&gt;
nische« Stadt Flagstaff liegt ca. 100 km&lt;br /&gt;
entfernt. Die Hopis betrachten »ihr« Land&lt;br /&gt;
als spirituelles Kraftzentrum — ebenso be-&lt;br /&gt;
deutsam wie das Gebiet Tibets, mit deren&lt;br /&gt;
Bewohnern sie sich auch sehr verbunden&lt;br /&gt;
fühlen. Die Hopis gelten unter allen noch&lt;br /&gt;
existierenden Indianerstämmen als diejeni-&lt;br /&gt;
gen, welche als einzige noch den komplet-&lt;br /&gt;
ten Jahresrhythmus traditioneller Zeremo-&lt;br /&gt;
nien einhalten. Unabhängig davon, daß der&lt;br /&gt;
gesamte Tagesablauf von einer religiösen&lt;br /&gt;
Haltung gegenüber der Schöpfung geprägt&lt;br /&gt;
ist: » Arbeit ist Gottesdienst«, mit den Mais-&lt;br /&gt;
pflanzen — Hauptnahrung der hauptsäch-&lt;br /&gt;
lich vegetarisch lebenden Hopi — wird&lt;br /&gt;
gebetet und meditiert (Wissenschaftler ver-&lt;br /&gt;
muten inzwischen einzig und allein hier&lt;br /&gt;
den Grund für das mit gängigen Modellen&lt;br /&gt;
nicht erklärbare Wachstumsverhalten der&lt;br /&gt;
Pfanzen in dieser lebensfeindlichen Umge-&lt;br /&gt;
bung). Die Hopis verbringen einen großen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hopis verbringen&lt;br /&gt;
einen großen Teil ihrer&lt;br /&gt;
knappen Freizeit&lt;br /&gt;
damit, rituelle Tänze&lt;br /&gt;
und Handlungen zu&lt;br /&gt;
vollziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teil ihrer knappen Freizeit damit, rituelle&lt;br /&gt;
Tänze und Handlungen zu vollziehen. Al-&lt;br /&gt;
leine im Dorf Shungopovi finden an 200 (!)&lt;br /&gt;
Tagen im Jahr Rituale statt, und jedes der&lt;br /&gt;
heute noch zwölf Dörfer, welche quasi selb-&lt;br /&gt;
ständig »verwaltet« werden, hat seinen ei-&lt;br /&gt;
genen Zeremonienablauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Indianerstämmen gelten&lt;br /&gt;
die Hopis als die »Mystiker«, und ihre »Na-&lt;br /&gt;
voti« (Prophezeiungen) sind inzwischen&lt;br /&gt;
weltberühmt. Ihr eigenes Überleben als&lt;br /&gt;
Kultur verknüpfen die Hopis eng mit dem&lt;br /&gt;
Überleben der gesamten Menschheit, die&lt;br /&gt;
— wie die Hopi-Überlieferung sagt — vom&lt;br /&gt;
Ende der »vierten Welt« bedroht ist. Die&lt;br /&gt;
ersten drei Welten sind durch Feuer, Eis und&lt;br /&gt;
eine große Wasserflut zerstört worden, da&lt;br /&gt;
die Menschen zu sehr vom Gottglauben&lt;br /&gt;
abgefallen waren und der Große Geist die&lt;br /&gt;
Erde reinigen mußte. Parallelen insbeson-&lt;br /&gt;
dere bezüglich der letzten Zerstörung durch&lt;br /&gt;
Wasser zu der biblischen »Sintflut« (oder&lt;br /&gt;
auch »Sündflut«) sind offensichtlich. Wis-&lt;br /&gt;
senschaftliche Errungenschaften unseres&lt;br /&gt;
Jahrhunderts überraschen die Hopis nicht,&lt;br /&gt;
da sie aus ihren Überlieferungen wissen,&lt;br /&gt;
daß z.B. die Menschen in den früheren&lt;br /&gt;
Welten bereits zum Mond geflogen sind.&lt;br /&gt;
Laut Hopi-Überzeugung gibt es für jede der&lt;br /&gt;
Welten folgende »Entwicklungsstufen«:&lt;br /&gt;
Harmonie, Ehrgeiz, Materialismus, Drang-&lt;br /&gt;
sal und Leiden. Die traditionellen Tänze auf&lt;br /&gt;
dem Reservat sind teilweise der Öffentlich-&lt;br /&gt;
keit zugänglich. Seit 1910 sind jedoch&lt;br /&gt;
sämtliche Ton- oder Fotoaufzeichnungen&lt;br /&gt;
verboten, und seit 1986 dürfen »Nicht-&lt;br /&gt;
Hopi« auch nicht mehr beim berühmtesten&lt;br /&gt;
Tanz, dem Schlangentanz, anwesend sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hopis glauben an ein Weiterleben&lt;br /&gt;
nach dem Tod. Der Tod wird wie eine Ge-&lt;br /&gt;
burt in ein neues Dasein betrachtet. Das&lt;br /&gt;
neue Dasein stellt eine spiegelbildliche&lt;br /&gt;
Welt zu unserer dar. Für Selbstmörder und&lt;br /&gt;
Mörder gibt es keine Wiedergeburt, da die-&lt;br /&gt;
se den Sinn ihres Daseins verwirkt haben.&lt;br /&gt;
Als Mensch wird ein Kind erst nach 19&lt;br /&gt;
Tagen betrachtet. Vorher findet der sanfte&lt;br /&gt;
Übergang zur irdischen Welt statt. In dieser&lt;br /&gt;
Zeit dürfen lediglich die Mutter und die&lt;br /&gt;
Hebamme (meist die Tante) das Kind sehen&lt;br /&gt;
und das Kind darf seinerseits kein Sonnen-&lt;br /&gt;
licht zu Gesicht bekommen. Erst am 20.&lt;br /&gt;
Tag seines irdischen Lebens wird das Kind&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit vorgestellt und erhält sei-&lt;br /&gt;
nen Namen. Mit neun Jahren findet der&lt;br /&gt;
Übergang vom Jugendlichen zum Mann&lt;br /&gt;
oder zur Frau statt. Heiratet ein Paar, dann&lt;br /&gt;
zieht der Mann in das Haus seiner Frau.&lt;br /&gt;
Dieser gehört so gut wie alles, und eine&lt;br /&gt;
»Scheidung« vollzieht sich, indem die Ehe-&lt;br /&gt;
frau den Ehemann vor die Türe setzt. Der&lt;br /&gt;
Mann ist zuständig für die Feldarbeit und&lt;br /&gt;
die Zeremonien. Trotz dieser eindeutigen&lt;br /&gt;
Aufgabenteilung existiert zwischen den&lt;br /&gt;
beiden Geschlechtern absolute Gleichbe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=29}}rechtigung. Nicht Gleich-Sein heißt die De-&lt;br /&gt;
vise, sondern den gleichen Wert vor Gott&lt;br /&gt;
haben. »Tot« ist ein Mensch erst vier Tage&lt;br /&gt;
nach seinem Hinscheiden. Auch hier wird&lt;br /&gt;
ein sanfter Übergang vollzogen. Sehr schön&lt;br /&gt;
wird das Zeitverständnis durch folgendes&lt;br /&gt;
Zitat einer Hopi-Frau zum Ausdruck ge-&lt;br /&gt;
bracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was bedeuten Daten für die Hopi&lt;br /&gt;
von ehedem? Was bedeuteten ihnen Tage&lt;br /&gt;
und Monate? Sie lebten die Tage, wie sie&lt;br /&gt;
kamen, und machten sich keine Sorgen um&lt;br /&gt;
die Länge ihres Aufenthaltes auf der Erde.&lt;br /&gt;
Solange sie lebten, gab es Arbeit zu tun.&lt;br /&gt;
Wenn sie im hohen Alter dann langsam&lt;br /&gt;
wieder in die Erde wuchsen, dann wußten&lt;br /&gt;
sie, daß sie bald wieder in die Welt des&lt;br /&gt;
Geistes reisen würden«.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den berühmtesten Aspekten der&lt;br /&gt;
Hopi-Kultur gehören die Prophezeiungen.&lt;br /&gt;
In einem Brief religiöser Führer wird deren&lt;br /&gt;
Tragweite sichtbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... Wir befinden uns jetzt in einem&lt;br /&gt;
Wettlauf mit der Zeit, da der heutige&lt;br /&gt;
Mensch das Gleichgewicht des natürlichen&lt;br /&gt;
Lebens der Menschen und der Natur&lt;br /&gt;
schwer gestört hat. Wir wissen, daß ein&lt;br /&gt;
dritter Weltkrieg möglich ist, aber auch eine&lt;br /&gt;
Zunahme natürlicher Katastrophen sowie&lt;br /&gt;
das Auftreten neuer Krankheiten, die man&lt;br /&gt;
nicht heilen kann. Die Hopi erinnern sich&lt;br /&gt;
an vergangene Welten, die vor dieser exi-&lt;br /&gt;
stierten. Jede von ihnen wurde zerstört, weil&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht der Natur durch den&lt;br /&gt;
Menschen gestört worden war...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kennen diese alten Prophezei-&lt;br /&gt;
ungen, Warnungen und religiösen Weisun-&lt;br /&gt;
gen: Deshalb rufen wir alle guten Menschen&lt;br /&gt;
allerorten auf, jede Anstrengung zu unter-&lt;br /&gt;
nehmen, zum spirituellen Weg zurückzukeh-&lt;br /&gt;
ren, von dem wir abgewichen sind. Nur so&lt;br /&gt;
können wir dauerhaften Frieden, Harmonie&lt;br /&gt;
und ewiges Leben gewinnen. Laßt nicht zu,&lt;br /&gt;
daß dieses Land und dieses Leben zerstört&lt;br /&gt;
werden. Wir müssen aufwachen, bevor es&lt;br /&gt;
zu spät ist; und wir müssen das höchste&lt;br /&gt;
Gesetz des Lebens erkennen: Spiritualität,&lt;br /&gt;
die alle Dinge leitet.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Erklärung bringt die weitrei-&lt;br /&gt;
chende Bedeutung der Botschaft der Hopi&lt;br /&gt;
zum Ausdruck. Trotz ihrer geringen Anzahl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehen&lt;br /&gt;
sich die Hopi&lt;br /&gt;
als Hauptverantwortliche für das natürliche&lt;br /&gt;
Gleichgewicht der Erde und ihrer Bewoh-&lt;br /&gt;
ner. Nach dem zweiten Weltkrieg entschied&lt;br /&gt;
man sich erstmals, mit den bis dahin ge-&lt;br /&gt;
heimgehaltenen Prophezeiungen an die Öf-&lt;br /&gt;
fentlichkeit zu treten. 1947 in Shungopovi&lt;br /&gt;
bestimmte man erstmals bestimmte Perso-&lt;br /&gt;
nen, in englischer Sprache über die Weis-&lt;br /&gt;
sagungen der Hopi zu reden. Bislang waren&lt;br /&gt;
diese Informationen Geheimwissen und&lt;br /&gt;
durften nur in einem ausgewählten Kreis&lt;br /&gt;
unter den Hopi in Hopi-Sprache weiterge-&lt;br /&gt;
geben werden. Die Zeit nach dem zweiten&lt;br /&gt;
Weltkrieg war für die Verbreitung vorgese-&lt;br /&gt;
hen, da die Hopi von dem Abwurf des&lt;br /&gt;
»Aschenkürbisses« wußten und diesen Ab-&lt;br /&gt;
wurf zum Anlaß nahmen, auf ihre Botschaft&lt;br /&gt;
aufmerksam zu machen. Die Christianisie-&lt;br /&gt;
rung ihres eigenen Volkes war bereits weit&lt;br /&gt;
fortgeschritten und der »Hopi-Way-of-&lt;br /&gt;
Life« gefährdet. Die entscheidende Konfe-&lt;br /&gt;
renz fand im Jahre 1948 statt. Man be-&lt;br /&gt;
stimmte drei Hopis, sich der Aufgabe zu&lt;br /&gt;
widmen, die Botschaft zu verbreiten. Von&lt;br /&gt;
den drei damals Ausgewählten, die übri-&lt;br /&gt;
gens nicht zu dem »Ältestenrat« der Hopi&lt;br /&gt;
gehörten, lebt heute lediglich noch Thomas&lt;br /&gt;
Banyacya. Er war gerade jahrelanger&lt;br /&gt;
Zwangsarbeit entronnen, zu der er verur-&lt;br /&gt;
teilt worden war wegen seiner Weigerung,&lt;br /&gt;
den Wehr- bzw. Kriegsdienst anzutreten&lt;br /&gt;
(damals gab es noch die allgemeine Wehr-&lt;br /&gt;
pflicht in den USA). Ich hatte die Ehre, ihn&lt;br /&gt;
auf dem Reservat persönlich kennenzuler-&lt;br /&gt;
nen und bei ihm zu übernachten. Er hat sein&lt;br /&gt;
gesamtes Leben in den Dienst der Verbrei-&lt;br /&gt;
tung der Hopi-Botschaft gestellt und ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Polingaysi = Elisabeth White (No Tuming Back, S. 104)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Aus einem Brief religiöser Führer der Hopi, 1983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Macht der wahren&lt;br /&gt;
Hopi, die Gedanken&lt;br /&gt;
und Spirits aller Völker&lt;br /&gt;
der Erde, die nach&lt;br /&gt;
wahrem Frieden&lt;br /&gt;
suchen, zu vereinen...&lt;br /&gt;
Die wahren Hopi&lt;br /&gt;
behüten das heilige&lt;br /&gt;
Wissen über den&lt;br /&gt;
Zustand der Erde, denn&lt;br /&gt;
die wahren Hopi&lt;br /&gt;
wissen, daß die Erde&lt;br /&gt;
eine lebende... sich&lt;br /&gt;
entwickelnde Person ist&lt;br /&gt;
... und daß alle Dinge&lt;br /&gt;
darauf ihre Kinder sind.&lt;br /&gt;
Die wahren Hopi&lt;br /&gt;
erklären, daß&lt;br /&gt;
Hopi-Macht eine Kraft&lt;br /&gt;
ist, die eine&lt;br /&gt;
Weltveränderung&lt;br /&gt;
zustande bringen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hopis verbringen&lt;br /&gt;
viel Zeit mit der&lt;br /&gt;
Herstellung&lt;br /&gt;
künstlerisch&lt;br /&gt;
hochwertiger&lt;br /&gt;
Gegenstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30  BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach wie vor unermüdlich im Einsatz, wenn&lt;br /&gt;
es darum geht, z.B. an die Vereinten Natio-&lt;br /&gt;
nen heranzutreten, um für die Erfüllung der&lt;br /&gt;
Voraussetzungen zum »Größten Frieden«&lt;br /&gt;
zu kämpfen. Andere religiöse Führer stan-&lt;br /&gt;
den ihm zur Seite: Dan Katchongva, David&lt;br /&gt;
Monongye, James Kootshongsie. Die&lt;br /&gt;
christlichen Vornamen rühren noch aus der&lt;br /&gt;
Zeit, als man die Kinder Anfang unseres&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhunderts unter Zwang in Schulen west-&lt;br /&gt;
licher Prägung steckte und jahrelang von&lt;br /&gt;
ihren Eltern und deren Kultur fernhielt, um&lt;br /&gt;
ihnen alles Indianische auszutreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Veröffentlichung begann mit&lt;br /&gt;
einem Brief an den damaligen Präsidenten&lt;br /&gt;
der USA, Harry S. Truman:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dieser Boden ist die heilige Hei-&lt;br /&gt;
mat des Hopi-Volkes und aller Indianer in&lt;br /&gt;
diesem Lande... Die Grenzen unseres Lan-&lt;br /&gt;
des wurden dauerhaft festgelegt und einge-&lt;br /&gt;
schrieben in Steintafeln, die wir noch besit-&lt;br /&gt;
zen. Eine Tafel wurde (am Beginn dieser&lt;br /&gt;
Welt) auch dem älteren Weißen Bruder&lt;br /&gt;
(BAHANA) gegeben, der mit ihr zu den&lt;br /&gt;
Hopis zurückkehren wird. Er wird die Ord-&lt;br /&gt;
nung wiederherstellen und alle Menschen&lt;br /&gt;
hier richten. Dieses Land steht nicht zum&lt;br /&gt;
Verpachten oder zum Verkauf an. Es ist&lt;br /&gt;
unser heiliger Boden. Unsere Tradition und&lt;br /&gt;
unsere religiöse Ausbildung verbieten uns,&lt;br /&gt;
jemanden zu belästigen, ihm Schaden zu-&lt;br /&gt;
zufügen oder ihn zu töten...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Dalai Lama fand 1981 ein&lt;br /&gt;
Treffen statt. Dieser bezeichnete die Hopis&lt;br /&gt;
als »das wahre Volk, das imstande ist, mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Lebenskräften umzugehen und die&lt;br /&gt;
Erde im Gleichgewicht zu halten.« Interes-&lt;br /&gt;
santerweise ist das Hopi-Wort für Mond&lt;br /&gt;
identisch mit dem tibetanischen Wort für&lt;br /&gt;
Sonne. Und das tibetanische Wort für Mond&lt;br /&gt;
entspricht dem Hopi-Wort für Sonne. Die&lt;br /&gt;
einfache Erklärung der Hopi zu diesem ku-&lt;br /&gt;
riosen Zusammenhang lautet: »Beide Ge-&lt;br /&gt;
biete liegen sich genau gegenüber«! Ein&lt;br /&gt;
Blick auf den Globus über-&lt;br /&gt;
zeugt den staunenden Leser:&lt;br /&gt;
derselbe nördliche Breiten-&lt;br /&gt;
grad und 180 Grad Längenun-&lt;br /&gt;
terschied! Die Tibetaner wer-&lt;br /&gt;
den als die Hüter der Steinta-&lt;br /&gt;
feln der Gelben Rasse betrach-&lt;br /&gt;
tet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Massau’u die Welt erschuf,&lt;br /&gt;
kam auch der Mensch ins Da-&lt;br /&gt;
sein. Die Menschheit war ur-&lt;br /&gt;
sprünglich eine Einheit und er-&lt;br /&gt;
hielt heilige Lehren, welche die&lt;br /&gt;
»ursprünglichen Lehren« ge-&lt;br /&gt;
nannt werden, sowie Steinta-&lt;br /&gt;
feln. Jede der vier bestimmten&lt;br /&gt;
Rassen erhielt jeweils zwei&lt;br /&gt;
Steintafeln und besondere Auf-&lt;br /&gt;
gaben auf den Weg: Die Auf-&lt;br /&gt;
gabe der »Roten Rasse« war,&lt;br /&gt;
die Lehren der Erde und derjenigen Nahrung,&lt;br /&gt;
die aus der Erde stammt, kennenzulernen.&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der »Schwarzen Rasse« war,&lt;br /&gt;
sich mit den Lehren des Wassers vertraut zu&lt;br /&gt;
machen. Die Aufgabe der »Gelben Rasse«&lt;br /&gt;
war, die Lehren der Luft zu ergründen —&lt;br /&gt;
und auch die Rolle des Atmens für den&lt;br /&gt;
geistigen Fortschritt herauszufinden.&lt;br /&gt;
Schließlich war die Aufgabe der »Weißen&lt;br /&gt;
Rasse«, die Lehren des Feuers zu erforschen&lt;br /&gt;
und diese Kraft für die notwendige Wieder-&lt;br /&gt;
vereinigung der Menschen im Transportwe-&lt;br /&gt;
sen zu nutzen. Alle diese Elemente bergen&lt;br /&gt;
auch destruktive Kräfte. Insbesondere wurde&lt;br /&gt;
der größte Mißbrauch des Hütertums über&lt;br /&gt;
das Feueralsein»Aschenkürbis« bezeichnet,&lt;br /&gt;
der vom Himmel fallen und die Menschen&lt;br /&gt;
durchstrahlen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den amerikanischen Kontinent&lt;br /&gt;
würden vom Osten kommende weiße Men-&lt;br /&gt;
schen besiedeln. Diese Menschen wären&lt;br /&gt;
die Nachfahren der »Schildkröten«, die zu&lt;br /&gt;
einer vorbestimmten Zeit die Hopis besu-&lt;br /&gt;
chen würden. Zu der damaligen Zeit durch-&lt;br /&gt;
streiften Soldaten des Spanischen Erobe-&lt;br /&gt;
rers Coronado den Südwesten der heutigen&lt;br /&gt;
USA. Eine Abordnung Coronados unter&lt;br /&gt;
der Führung von Tovar erreichte die Sied-&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=31}}lungen der Hopis bedeckt mit einer Rü-&lt;br /&gt;
stung, die einem Schildkrötenpanzer ähnel-&lt;br /&gt;
te! Die Hopi erwarteten nun den »Heiligen&lt;br /&gt;
Handschlag« als Erkennungszeichen für&lt;br /&gt;
den »Bahana« (beide richten ihre Hand-&lt;br /&gt;
oberfläche nach oben, wobei einer die Hän-&lt;br /&gt;
de des anderen unterfaßt). Die Spanier ver-&lt;br /&gt;
standen diesen Gruß nicht und dachten, die&lt;br /&gt;
Hopi würden durch die offene Hand ein&lt;br /&gt;
Geschenk erwarten. Die verwirrten Spanier&lt;br /&gt;
gaben ihnen schließlich ein Schmuckstück&lt;br /&gt;
— schließlich waren sie ohnehin auf der&lt;br /&gt;
Suche nach den sagenumwobenen »golde-&lt;br /&gt;
nen« Städten von Cibola. Ihr Eroberungs-&lt;br /&gt;
drang galt inzwischen der Gier nach Gold,&lt;br /&gt;
für das sie auch zu morden bereit waren.&lt;br /&gt;
Für die Hopis stand damit fest, daß sie eine&lt;br /&gt;
schwere Zeit erleben und die Erde ein&lt;br /&gt;
schweres Schicksal zu erwarten hatte. Seit&lt;br /&gt;
diesem Erlebnis erwarten nun die Hopi die&lt;br /&gt;
Ankunft ihres »Bahana« — ihres wahren&lt;br /&gt;
weißen Bruders. Sie sind immer noch emp-&lt;br /&gt;
fänglich für alle Zeichen, die auf ihren Bru-&lt;br /&gt;
der hinweisen, und geben sich selbst u.a.&lt;br /&gt;
durch das Tragen eines roten Stirntuches zu&lt;br /&gt;
erkennen. Der weiße Bruder soll auch le-&lt;br /&gt;
diglich die Haut, nicht aber die Haarfarbe&lt;br /&gt;
geändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits erwähnte Thomas&lt;br /&gt;
Banyacya war in den vergangenen Jahr-&lt;br /&gt;
zehnten sehr viel unterwegs, um die Welt&lt;br /&gt;
über die Botschaften der Hopi aufzuklä-&lt;br /&gt;
ren. Abgesehen von vielen Vortragsreisen&lt;br /&gt;
durch Deutschland und das angrenzende&lt;br /&gt;
Ausland ist er unermüdlich tätig, Briefe zu&lt;br /&gt;
schreiben und zu beantworten. Im folgen-&lt;br /&gt;
den ein Auszug aus einem Brief, den er im&lt;br /&gt;
Januar 1961 an eine Frau in Deutschland&lt;br /&gt;
schrieb:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wie Sie wohl wissen, haben alle&lt;br /&gt;
Indianer in diesem Lande ungezählte Lei-&lt;br /&gt;
den erduldet unter den diktatorischen Regi-&lt;br /&gt;
men von Spanien, Mexiko und unter der&lt;br /&gt;
Regierung der Vereinigten Staaten. Und&lt;br /&gt;
dieses hält noch an, nicht so sehr in Form&lt;br /&gt;
von Gewalttätigkeiten, sondern in Form&lt;br /&gt;
von Spitzfindigkeiten, Betrug und Ein-&lt;br /&gt;
schüchterung. Heute haben die meisten In-&lt;br /&gt;
dianer den größten Teil ihres Heimatlandes&lt;br /&gt;
verloren, ihre Lebensform ist völlig zer-&lt;br /&gt;
stört, und viele von ihnen sind jetzt Indianer&lt;br /&gt;
ohne Land. Alles dieses ist die Folge der&lt;br /&gt;
Tatsache, daß der Rote Mann sein will, was&lt;br /&gt;
er ist: Er möchte seinen »way of life&amp;lt; leben&lt;br /&gt;
und in Übereinstimmung mit den Instruk-&lt;br /&gt;
tionen des Großen Geistes alles Land ge-&lt;br /&gt;
meinschaftlich besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war Mitglied einer Delegation&lt;br /&gt;
aus sechs Personen, die vor zwei Jahren zu&lt;br /&gt;
den Vereinten Nationen nach New York&lt;br /&gt;
reiste. Als Dolmetscher der traditionellen&lt;br /&gt;
Hopi-Führer mußte ich sie begleiten auf&lt;br /&gt;
dieser historischen Reise, mit der sie ihre&lt;br /&gt;
heilige Mission in Übereinstimmung mit&lt;br /&gt;
ihren uralten Instruktionen erfüllten. We-&lt;br /&gt;
gen ihres Wissens um die Prophezeiungen&lt;br /&gt;
empfanden die Hopi-Führer, daß es Zeit&lt;br /&gt;
war, zum östlichen Rand unseres Mutter-&lt;br /&gt;
landes zu gehen, wo nach einer Vorhersage&lt;br /&gt;
‚ein Haus aus Glas stehen würde, in dem&lt;br /&gt;
große Führer von vielen Ländern versam-&lt;br /&gt;
melt sein würden, um jedem Volk zu helfen,&lt;br /&gt;
das in Not wäre.&amp;lt; Die Hopi-Führer mußten&lt;br /&gt;
vor allem aus drei Gründen zu den Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen im Osten des Landes reisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens, um Ausschau nach dem&lt;br /&gt;
wahren Weißen Bruder zu halten; zweitens,&lt;br /&gt;
um wahre Gerechtigkeit zu erbitten für alle&lt;br /&gt;
indianischen Brüder und für alle recht-&lt;br /&gt;
schaffenen Menschen in diesem Land; drit-&lt;br /&gt;
tens, um die großen Führer im Haus aus&lt;br /&gt;
Glas zu warnen vor dem kommenden Tag&lt;br /&gt;
der Reinigung, der nach der Prophezeiung&lt;br /&gt;
für dieses Land des Roten Mannes kommen&lt;br /&gt;
soll, wenn die Bösen unter den Weißen alles&lt;br /&gt;
Leben zurückdrehen zu den Tagen vor der&lt;br /&gt;
ersten Flut, die schon in einer früheren&lt;br /&gt;
Welt, der Unterwelt, alles zerstört hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Väter haben alle der Über-&lt;br /&gt;
zeugung Ausdruck gegeben, daß wenig-&lt;br /&gt;
stens ein, zwei oder drei Führer bzw. Na-&lt;br /&gt;
tionen zuhören und verstehen würden,&lt;br /&gt;
wenn die Hopi zu dieser Zeit vor die großen&lt;br /&gt;
Führer in dem Haus aus Glas treten würden.&lt;br /&gt;
Denn es heißt, daß auch diese anderen Füh-&lt;br /&gt;
rer oder Nationen unsere uralten Weisheits-&lt;br /&gt;
lehren kennen. Es heißt, daß sie die Bot-&lt;br /&gt;
schaft der Hopi hören und dann sofort han-&lt;br /&gt;
deln würden, um viel Unrecht richtigzustel-&lt;br /&gt;
len, das der auserwählten Rasse, dem Roten&lt;br /&gt;
Mann, angetan wird. Er ist es, dem das&lt;br /&gt;
Recht zugestanden wurde, alles Land und&lt;br /&gt;
Leben treuhänderisch für den Großen Geist&lt;br /&gt;
zu verwalten. Hopi-Führer wissen auch,&lt;br /&gt;
daß sie vielleicht nicht vorgelassen werden,&lt;br /&gt;
um ihre Botschaft zu übergeben. Vielleicht&lt;br /&gt;
finden sie die Tür der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
für sie verschlossen... Dann haben sie eine&lt;br /&gt;
der Prophezeiungen erfüllt. Diese besagt:&lt;br /&gt;
Wenn die großen Führer in dem Haus aus&lt;br /&gt;
Glas sich weigern, die Türe für Euch zu&lt;br /&gt;
öffnen, wenn Ihr davor steht an jenem Tage,&lt;br /&gt;
so seid nicht entmutigt und kehrt nicht um&lt;br /&gt;
auf Eurem Wege, sondern stärkt Euren Mut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=32}}32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Eure Entschlossenheit und habt große&lt;br /&gt;
Freude in Eurem Herzen, denn an jenem&lt;br /&gt;
Tage hat die Weiße Rasse, die mit Euch auf&lt;br /&gt;
Eurem Land lebt, die Verbindung mit Euch&lt;br /&gt;
getrennt, und sie geht der größten Bestra-&lt;br /&gt;
fung am Tage der Reinigung entgegen. Vie-&lt;br /&gt;
le werden vernichtet werden wegen ihrer&lt;br /&gt;
Sünden und ihrer Übeltaten. So hat es der&lt;br /&gt;
Große Geist verfügt, und niemand kann es&lt;br /&gt;
aufhalten, es ändern oder etwas hinzufügen.&lt;br /&gt;
Es wird sich erfüllen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kam wie es kommen mußte: Die&lt;br /&gt;
Hopis wurde nicht hereingelassen und&lt;br /&gt;
mußten sich zurückziehen. Die Anhörung&lt;br /&gt;
der Hopis scheiterte am Veto-Recht der&lt;br /&gt;
Vereinigten Staaten (eines von fünf Mit-&lt;br /&gt;
gliedern mit sogenanntem Veto-Recht). Als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begründung hieß es: »Reservate seien zwar&lt;br /&gt;
kein Teil der USA, aber von ihr beschützt&lt;br /&gt;
und verwaltet.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Schlüsselerlebnis erge-&lt;br /&gt;
ben sich den Prophezeiungen entsprechend&lt;br /&gt;
weitere Vorfälle, die nun die Menschheit zu&lt;br /&gt;
erwarten habe. Thomas Banyacya stellt sie&lt;br /&gt;
im oben genannten Brief komprimiert dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Hopis glauben, daß die&lt;br /&gt;
menschliche Rasse seit ihrem Ursprung&lt;br /&gt;
drei Entwicklungsstufen durchschritten hat.&lt;br /&gt;
Am Ende einer jeden Entwicklungsstufe&lt;br /&gt;
muß das menschliche Leben durch be-&lt;br /&gt;
stimmte Akte des Großes Geistes gereinigt&lt;br /&gt;
oder bestraft werden. Dieses ist vor allem&lt;br /&gt;
notwendig wegen der Verdorbenheit, der&lt;br /&gt;
Gier und der Abwendung von den Lehren&lt;br /&gt;
des Großen Geistes. Die letzte große Zer-&lt;br /&gt;
störung geschah durch eine Flut, die alle&lt;br /&gt;
Menschen, außer einigen wenigen Gläubi-&lt;br /&gt;
gen, vernichtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor dieses geschah, erwarteten&lt;br /&gt;
und erhielten diese wenigen Gläubigen&lt;br /&gt;
vom Großen Geist die Erlaubnis, mit ihm&lt;br /&gt;
in diesem neuen Land zu leben. Der Große&lt;br /&gt;
Geist sagte: &amp;gt;Es liegt an Euch, ob Ihr bereit&lt;br /&gt;
seid, mein armes, bescheidenes und einfa-&lt;br /&gt;
ches Leben zu teilen. Es ist ein hartes Le-&lt;br /&gt;
ben, aber wenn Ihr bereit seid, entspre-&lt;br /&gt;
chend meinen Anweisungen und Lehren zu&lt;br /&gt;
leben und niemals den Glauben an das Le-&lt;br /&gt;
ben verliert, das ich Euch geben werde,&lt;br /&gt;
dann könnt Ihr kommen und bei mir leben.&amp;lt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hopi und alle, die vor der&lt;br /&gt;
großen Flut gerettet wurden, schlossen mit&lt;br /&gt;
dem Großen Geist einen heiligen Bund. Sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schworen einen Eid, daß sie sich niemals&lt;br /&gt;
von ihm abwenden würden... Der große&lt;br /&gt;
Häuptling nun, der die Rechtschaffenen in&lt;br /&gt;
dieses neue Land und Leben führte, hatte&lt;br /&gt;
zwei Söhne. Diesen beiden Brüdern wur-&lt;br /&gt;
den heilige Steintafeln gegeben, und es&lt;br /&gt;
wurde ihnen gesagt, sie sollten diese zu&lt;br /&gt;
einem Ort bringen, den der Große Geist&lt;br /&gt;
ihnen genannt hatte. Der ältere (Weiße)&lt;br /&gt;
Bruder sollte daraufhin sofort nach Osten&lt;br /&gt;
gehen, der aufgehenden Sonne entgegen.&lt;br /&gt;
Wenn er seinen Bestimmungsort erreicht&lt;br /&gt;
hatte, sollte er sich sofort auf den Rückweg&lt;br /&gt;
machen, um nach seinem jüngeren Bruder&lt;br /&gt;
Ausschau zu halten, der im Land des&lt;br /&gt;
Großen Geistes bleiben würde. Seine Auf-&lt;br /&gt;
gabe würde es dann sein, seinem jüngeren&lt;br /&gt;
Bruder dabei zu helfen, den Tag der Reini-&lt;br /&gt;
gung herbeizuführen. An diesem Tag soll-&lt;br /&gt;
ten alle Gottlosen und alle Übeltäter be-&lt;br /&gt;
straft oder vernichtet werden. Danach soll-&lt;br /&gt;
ten wirklicher Friede, Brüderlichkeit und&lt;br /&gt;
immerwährendes Leben herrschen. Der äl-&lt;br /&gt;
tere Bruder wird dem jüngeren alles Land&lt;br /&gt;
zurückgeben, das diesem die Bösen unter&lt;br /&gt;
den Weißen genommen haben werden. Der&lt;br /&gt;
ältere Bruder wird auch kommen, um Aus-&lt;br /&gt;
schau zu halten nach den heiligen Steinta-&lt;br /&gt;
feln und um den heiligen Auftrag zu erfül-&lt;br /&gt;
len, der ihm vom Großen Geist gegeben&lt;br /&gt;
wurde...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unser wahrer&lt;br /&gt;
Weißer Bruder sehr mächtig sein wird,&lt;br /&gt;
wenn er zurückkommt, und er wird eine&lt;br /&gt;
rote Kopfbedeckung oder einen roten Um-&lt;br /&gt;
hang tragen. Ein zahlreiches Volk wird zu&lt;br /&gt;
ihm gehören. Er wird keiner Religion an-&lt;br /&gt;
gehören außer seiner ureigenen. Er wird die&lt;br /&gt;
heiligen Steintafeln bei sich haben...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem älteren Bruder werden&lt;br /&gt;
zwei wichtige Helfer sein, beide sehr intel-&lt;br /&gt;
ligent und machtvoll...Wenn diese drei in&lt;br /&gt;
ihrer Sendung versagen, dann wird einer&lt;br /&gt;
von Westen kommen wie ein großes Gewit-&lt;br /&gt;
ter. Er wird aus vielen, vielen Menschen&lt;br /&gt;
bestehen, und er wird unbarmherzig sein.&lt;br /&gt;
Wenn er kommt, wird er das Land bedecken&lt;br /&gt;
wie Ameisen. Die Hopi-Menschen sind ge-&lt;br /&gt;
warnt worden, nicht auf die Hausdächer zu&lt;br /&gt;
gehen, um zu schauen. Denn er wird kom-&lt;br /&gt;
men, um alle Menschen zu bestrafen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte keiner von diesen seine Mis-&lt;br /&gt;
sion erfüllen, so werden die Hopi-Führer&lt;br /&gt;
unter Anrufung des Großen Geistes ihre&lt;br /&gt;
Gebetsfedern an den vier Enden der Erde&lt;br /&gt;
niederlegen. Er aber wird den Blitz veran-&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lassen, die Menschen der Erde zu schlagen.&lt;br /&gt;
Nur die Rechtschaffenen werden wieder&lt;br /&gt;
zum Leben erwachen. Wenn aber alle Men-&lt;br /&gt;
schen sich vom Großen Geist abgewandt&lt;br /&gt;
haben, dann wird er die großen Wasser&lt;br /&gt;
veranlassen, die Erde wieder zu bedecken.&lt;br /&gt;
Wir Menschen werden dann die Chance&lt;br /&gt;
verspielt haben, immerwährendes Leben zu&lt;br /&gt;
erlangen. Es heißt, daß danach vielleicht&lt;br /&gt;
Ameisen die Erde bewohnen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wenn die drei ihre heilige Mis-&lt;br /&gt;
sion erfüllen und wenn einer oder zwei oder&lt;br /&gt;
drei Hopi bis zum letzten Augenblick den&lt;br /&gt;
uralten Lehren und Weisungentreu geblieben&lt;br /&gt;
sind, dann wird Massau’u, der Große Geist,&lt;br /&gt;
vor denen erscheinen, die gerettet werden,&lt;br /&gt;
und die drei werden einen neuen Lebensplan&lt;br /&gt;
entwerfen, der zu einem immerwährenden&lt;br /&gt;
Leben hinführen wird. Diese Erde wird neu&lt;br /&gt;
werden, sie wird sein, wie sie am Anfang&lt;br /&gt;
war. Blumen werden wieder blühen, wilde&lt;br /&gt;
Tiere wieder heimkehren, und es wird für&lt;br /&gt;
alle Nahrung im Überfluß geben. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die gerettet worden sind, werden alles&lt;br /&gt;
gleichmäßig miteinander teilen. Sie werden&lt;br /&gt;
alle den Großen Geist erkennen, Stämme&lt;br /&gt;
werden untereinander heiraten, und sie wer-&lt;br /&gt;
den eine Sprache sprechen. Eine neue Reli-&lt;br /&gt;
gion wird gegründet werden, wenn die Men-&lt;br /&gt;
schen es wünschen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen jetzt an einer Wegkreu-&lt;br /&gt;
zung: entweder folgen wir dem Weg, der zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immerwährendem Leben führt, oder wir&lt;br /&gt;
folgen dem Weg, der in die totale Zerstö-&lt;br /&gt;
rung führt! Die Hopis bewahren immer&lt;br /&gt;
noch die heiligen Steintafeln, und sie war-&lt;br /&gt;
ten nun auf die Ankunft ihres wahren&lt;br /&gt;
Weißen Bruders...«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Zustand, auf den die Welt&lt;br /&gt;
zusteuert, haben die Hopis den Begriff&lt;br /&gt;
»Koyaanisquatsi«e — es bedeutet: »Welt,&lt;br /&gt;
die aus dem Gleichgewicht geraten ist«. Vor&lt;br /&gt;
einigen Jahren wurde auch ein erfolgrei-&lt;br /&gt;
cher Kinofilm mit eben diesem Titel ge-&lt;br /&gt;
dreht und der Öffentlichkeit präsentiert.&lt;br /&gt;
Der Film avancierte zum Kultfilm. Er&lt;br /&gt;
kommt ohne Worte aus und beschreibt mit&lt;br /&gt;
Bildern den Kreislauf der menschlichen&lt;br /&gt;
Zyklen, die diese quasi selber heraufbe-&lt;br /&gt;
schwören. »Kooyanisquatsi« stellt jedoch&lt;br /&gt;
auch die Chance dar, sich aus der Krise zu&lt;br /&gt;
befreien durch konstruktive Maßnahmen,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht der Welt wieder herzu-&lt;br /&gt;
stellen. Eine eindrucksvolle Darstellung&lt;br /&gt;
dieser Ansicht ist der sogenannte »Pro-&lt;br /&gt;
phecy-Rock« (Prophezeiungsfelsen) auf&lt;br /&gt;
dem Hopi-Reservat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Banyacya erklärte detail-&lt;br /&gt;
liert die Bedeutung der einzelnen Elemente&lt;br /&gt;
dieser Felszeichnung, die sich nach Osten&lt;br /&gt;
gerichtet auf einer senkrechten Felswand&lt;br /&gt;
befindet und von einem in die geheimnis-&lt;br /&gt;
vollen Prophezeiungen eingeweihten Hopi-&lt;br /&gt;
Ältesten stammen muß, der die Zeichnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Thomas Banyacya, Oraibi, Arizona, Januar 1961 (Clemmer, Richard 1978: Continuities of Hopi Culture&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Change; Ramona/California)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Detail der alten&lt;br /&gt;
Hopi-Felszeichnung mit&lt;br /&gt;
Darstellung der beiden&lt;br /&gt;
Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Menschheit: Chaos&lt;br /&gt;
oder umfassender&lt;br /&gt;
Friede&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65 33&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vermutlich um die Jahrhundertwende ange-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fertigt hat. Diese Erklärung stammt von der&lt;br /&gt;
Hopi Mental Health Conference des Jahres&lt;br /&gt;
1982:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unsere Hopi-Geschichte und un-&lt;br /&gt;
ser Wissen teilen uns mit, daß wir zur Zeit&lt;br /&gt;
des Auftauchens in dieser Welt das&lt;br /&gt;
Geistwesen trafen, dem diese Welt gehört.&lt;br /&gt;
Es begegnete uns, und wir baten es, unser&lt;br /&gt;
Führer zu sein. Es weigerte sich jedoch und&lt;br /&gt;
sagte, daß wir unsere eigene Mission zu&lt;br /&gt;
erfüllen hätten, bevor es daran denken&lt;br /&gt;
könnte, unser Führer zu werden. Es breitete&lt;br /&gt;
dann dieses Leben für uns aus. Es gab uns&lt;br /&gt;
Anweisungen. Dieses wird dadurch symbo-&lt;br /&gt;
lisiert, daß es die eine Linie in seiner Hand&lt;br /&gt;
hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kreis unten in der Zeichnung&lt;br /&gt;
symbolisiert die physikalische Welt und die&lt;br /&gt;
Schöpfung. Wir gingen auf unsere Reisen,&lt;br /&gt;
die Klan-Wanderungen. Rechtzeitig er-&lt;br /&gt;
reichten wir.einen bestimmten Punkt, viel-&lt;br /&gt;
leicht schon vor tausend Jahren. Dort be-&lt;br /&gt;
gegneten wir Massau’u. Er gab uns weitere&lt;br /&gt;
Anweisungen. Den Hopi gab er einen Le-&lt;br /&gt;
benspfad, dem sie folgen sollten. Dieser&lt;br /&gt;
wird durch die gerade Linie angezeigt, die&lt;br /&gt;
quer verläuft. Dem Weißen Bruder gab er&lt;br /&gt;
andere Anweisungen. Dieser Weiße Bruder&lt;br /&gt;
ging deshalb weiter nach oben...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem zweiten Treffen teilte uns&lt;br /&gt;
Massau’u mit, daß es innerhalb des Lebens&lt;br /&gt;
dieser gegenwärtigen Welt drei Lebenspha-&lt;br /&gt;
sen geben werde, in denen die ganze Welt&lt;br /&gt;
erschüttert werden würde. Drei Völker&lt;br /&gt;
würden aufstehen und die Welt erschüttern.&lt;br /&gt;
Wir deuten diese Erschütterungen als Welt-&lt;br /&gt;
kriege...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweimal ist die Welt jetzt schon&lt;br /&gt;
erschüttert worden. So steht nur noch eine&lt;br /&gt;
große Kriegserschütterung aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesem zweiten Treffen mit&lt;br /&gt;
Massau’u ging der Weiße Bruder seines&lt;br /&gt;
Weges, und wir Hopi gingen unseres We-&lt;br /&gt;
ges, entsprechend den Anweisungen. Aber&lt;br /&gt;
es war vorhergesagt, daß wir uns eines&lt;br /&gt;
Tages wiedertreffen würden; daß nämlich&lt;br /&gt;
dieser Weiße Bruder zurückkehren werde,&lt;br /&gt;
um uns zu reinigen, so daß wir wieder ein&lt;br /&gt;
Volk werden würden. Die Linie oben in der&lt;br /&gt;
Zeichnung bedeutet also dieses: sie zeigt&lt;br /&gt;
die Reise des Weißen Bruders, der sich als&lt;br /&gt;
schlau und begabt offenbart. Er erfindet&lt;br /&gt;
viele wissenschaftliche Dinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb zeigen die ersten drei Figu-&lt;br /&gt;
ren auf der oberen Linie die Entwicklungs-&lt;br /&gt;
stufen des Weißen Mannes, seine wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Fortschritte vom Wagen über&lt;br /&gt;
das Automobil zum Flugzeug. Die Kreise&lt;br /&gt;
unter den Figuren prophezeien die drei Kür-&lt;br /&gt;
bisschalen voller Asche, die auf die Erde&lt;br /&gt;
fallen sollen. Die ersten beiden Kreise deuten&lt;br /&gt;
wir als die Atombomben, die im Zweiten&lt;br /&gt;
Weltkrieg auf Japan geworfen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Figuren ohne Kopf (die Köpfe&lt;br /&gt;
wurden später ergänzt, Anm. des Verfas-&lt;br /&gt;
sers) auf der oberen Linie symbolisieren die&lt;br /&gt;
Hopi, die wie Weiße geworden sind. Es sind&lt;br /&gt;
die Hopi, die ihren Lebensweg verlassen&lt;br /&gt;
haben. Sie sind diesem Lebensweg verfal-&lt;br /&gt;
len, dem einfachen Leben, dem Leben mit&lt;br /&gt;
modernen Apparaten, und sie kümmern&lt;br /&gt;
sich nicht mehr um den Lebensweg der&lt;br /&gt;
Hopi. Diese Hopi laden andere Hopi ein,&lt;br /&gt;
ihrem Weg zu folgen. Wenn aber alle Hopi&lt;br /&gt;
sich hiervon einfangen lassen, dann wird&lt;br /&gt;
das Leben so sein wie die Linie rechts oben.&lt;br /&gt;
Es wird auf und ab gehen, und es wird&lt;br /&gt;
Durcheinander, Erdbeben, Überflutungen&lt;br /&gt;
und Trockenperioden geben. Die Leute sa-&lt;br /&gt;
gen, daß wir uns jetzt in diesem Stadium&lt;br /&gt;
des Lebens befinden...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist prophezeit, daß eine&lt;br /&gt;
Lebensphase kommen wird, wenn jene&lt;br /&gt;
Hopi, die wie Weiße geworden sind, sich&lt;br /&gt;
ihres falschen Tuns bewußt werden und&lt;br /&gt;
versuchen, sich wiederum den Hopi anzu-&lt;br /&gt;
schließen, die ihrem Lebensweg treu ge-&lt;br /&gt;
blieben sind. Dieses wird symbolisiert&lt;br /&gt;
durch die Linie, die nach unten geht zum&lt;br /&gt;
Lebensweg der Hopi. Wenn dieses ge-&lt;br /&gt;
schieht, dann wird eine Zeit der Einheit&lt;br /&gt;
sein, in der alle Hopi zusammenarbeiten.&lt;br /&gt;
Dann sind wir zurückgekehrt zu dem Le-&lt;br /&gt;
bensplan, den der Große Geist für uns aus-&lt;br /&gt;
gelegt hat. Dieses wird durch den Kreis und&lt;br /&gt;
durch den Mais symbolisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist vorausgesagt, daß wir noch&lt;br /&gt;
einmal mit Massau’u zusammentreffen wer-&lt;br /&gt;
den. Er wird uns richten. Und wenn wir es&lt;br /&gt;
verdienen, mitihm weiterzuleben, dann wird&lt;br /&gt;
er bereit sein, Führer der Hopi zu werden.&lt;br /&gt;
Danach werden wir ein glückliches Leben&lt;br /&gt;
haben. Wie man sehen kann, handelt diese&lt;br /&gt;
einfache Zeichnung von der ganzen Welt,&lt;br /&gt;
von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für mich persönlich war der Anblick&lt;br /&gt;
des Felsens mit der Zeichnung eines der&lt;br /&gt;
Höhepunkte meiner Reisen auf den Reser-&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=35}}vaten. Ich habe gelernt, daß es mehr Zusam-&lt;br /&gt;
menhänge im Leben gibt, als jene, die sich&lt;br /&gt;
mit unserem gängigen Verstandeswissen er-&lt;br /&gt;
klären lassen. Auch wenn die Hopi keiner&lt;br /&gt;
explizit erklärten »Weltreligion« angehören,&lt;br /&gt;
so repräsentieren sie für mich ein Höchstmaß&lt;br /&gt;
an religiöser Kultur. Ihre Beziehung zur na-&lt;br /&gt;
türlichen Umwelt scheint ein mystisches&lt;br /&gt;
Bündnis zu sein. Wie kann man sonst auch&lt;br /&gt;
anders unter den harrschen Bedingungen ein&lt;br /&gt;
so glückliches und erfülltes Leben führen?&lt;br /&gt;
Was vermittelt den Hopi eine solch transzen-&lt;br /&gt;
dente Zufriedenheit im Angesicht der tägli-&lt;br /&gt;
chen Herausforderungen des Daseins auf&lt;br /&gt;
Erden? Es regt sich in mir der Verdacht, daß&lt;br /&gt;
die Hopi sich einen wesentlichen Teil des&lt;br /&gt;
Menschseins bewahren konnten. Ich emp-&lt;br /&gt;
finde eine geistige Verwandschaft mit den&lt;br /&gt;
Prinzipien, wie sie ihr Leben führen und den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweck ihres Daseins betrachten. Meiner&lt;br /&gt;
Meinung nach kann die Beschäftigung mit&lt;br /&gt;
solchen Kulturen dazu führen, sich jene&lt;br /&gt;
Überzeugungen anzueignen, die nötig sind,&lt;br /&gt;
dieMenschheitzueinemintegrierten Ganzen&lt;br /&gt;
zu führen. Bei den Hopi wird die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit gelebt. Sie sind so bescheiden&lt;br /&gt;
und trotzdem der Mittelpunkt der Welt. Und&lt;br /&gt;
das, was wir in der westlichen Welt mit dem&lt;br /&gt;
angsteinflößenden Begriff »Apokalypse«&lt;br /&gt;
umschreiben, erhält bei den Hopi den Begriff&lt;br /&gt;
»Reinigung«. Das persönliche Überleben&lt;br /&gt;
scheint dem einzelnen Hopi nicht wichtig&lt;br /&gt;
zu sein, solange die menschliche Kultur als&lt;br /&gt;
Ganzes bestehen bleibt und sich weiterent-&lt;br /&gt;
wickeln kann. Welche Fortschritte würde die&lt;br /&gt;
Menschheit machen, wenn sich ihre gewähl-&lt;br /&gt;
ten oder bestimmten Führer an solchen Prin-&lt;br /&gt;
zipien orientieren würden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Großer Geist, dessen Stimme ich im Wind vernehme und der allen Dingen&lt;br /&gt;
das Leben gibt, höre mich an! Ich bin klein und schwach. Ich brauche&lt;br /&gt;
Deine Stärke und Deine Weisheit. Laß meine Augen niemals das Rot und&lt;br /&gt;
den Purpur des Sonnenuntergangs vergessen. Bringe meine Hände dazu,&lt;br /&gt;
alles zu achten, was Du erschaffen hast, und schärfe meine Ohren, um&lt;br /&gt;
Deine Stimme zu vernehmen. Laß mich weise genug sein, damit ich alles&lt;br /&gt;
verstehen kann, was Du mein Volk gelehrt hast. Möge ich die Botschaft&lt;br /&gt;
verstehen, die Du in jedem einzelnen Blatt und in jedem Stein verborgen&lt;br /&gt;
hast. Ich suche nach Kraft — nicht um stärker zu sein als mein Bruder,&lt;br /&gt;
sondern um meinen allergrößten Feind zu erkennen: MICH SELBST! Laß&lt;br /&gt;
mich immer dazu bereit sein, vor Dich zu treten mit sauberen Händen und&lt;br /&gt;
geradem Blick — damit meine Seele ohne jede Scheu zu Dir kommen kann,&lt;br /&gt;
wenn das Leben vergeht — wie die letzten Strahlen der untergehenden&lt;br /&gt;
Sonne.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIANERGEBET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arden, Harvey &amp;amp; Wall, Steve: »Hüter der Erde«, Frederking &amp;amp; Thaler Verlag, 1993&lt;br /&gt;
Buschenreiter, Alexander: »Mit der Erde für das Leben«, Edition Pax, 1989; »Spuren des Großen&lt;br /&gt;
Geistes«, Lamuv-Verlag, 1993; »Unser Ende ist Euer Untergang«, Lamuv-Verlag, 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser, Rudolf: »Die Stimme des Großen Geistes«, Kösel-Verlag, 1990; »Gott schläft im Stein«,&lt;br /&gt;
Kösel-Verlag 1990; »Im Einklang mit dem Universum«, Kösel-Verlag, 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peterson, Scott: »Indianische Seher und ihre Prophezeiungen«, Peter Erd Verlag, 1993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seattle: »Wir sind ein Teil der Erde«, Walter-Verlag, 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waters, Frank: »Das Buch der Hopi«, Diederichs-Verlag, 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willoya/Brown: »Im Zeichen des Regenbogens«, Horizonte-Verlag, 1993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=36}}Hermine&lt;br /&gt;
Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Familienreport 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bericht der Deutschen Nationalkommission für das&lt;br /&gt;
Internationale Jahr der Familie 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitthema »Die Familie: Ressour-&lt;br /&gt;
cen und Aufgaben in einer sich wandelnden&lt;br /&gt;
Welt« sollen im für 1994 von den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen ausgerufenen Internationalen Jahr&lt;br /&gt;
der Familie Maßnahmen und Programme&lt;br /&gt;
auf lokaler, nationaler und internationaler&lt;br /&gt;
Ebene mit und für die Familien entwickelt&lt;br /&gt;
werden. Sie sollen zu einer Stärkung des&lt;br /&gt;
Bewußtseins für die Bedeutung der Familie,&lt;br /&gt;
zu einer größeren Sensibilisierung für die&lt;br /&gt;
von Familien erbrachten Leistungen und&lt;br /&gt;
nicht zuletzt zu einer Vertiefung der Koope-&lt;br /&gt;
ration der Träger von Familienarbeit national&lt;br /&gt;
wie auch international beitragen. Hannelore&lt;br /&gt;
Rönsch, Bundesministerin für Familie und&lt;br /&gt;
Senioren, schreibt in ihrem Vorwort zum&lt;br /&gt;
Familienreport 1994:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Bundesregierung mißt dem&lt;br /&gt;
Internationalen Jahr der Familie große Be-&lt;br /&gt;
deutung bei... Vor diesem Hintergrund hat&lt;br /&gt;
sie ca. 120 Vertreterinnen und Vertreter der&lt;br /&gt;
Familienverbände, der Freien Wohlfahrts-&lt;br /&gt;
verbände, der Tarifvertragsparteien, der&lt;br /&gt;
Wissenschaft, der Kirchen, der Medienan-&lt;br /&gt;
stalten und der Politik, kurz, all derjenigen&lt;br /&gt;
Kräfte, deren Wirkung für die Familien von&lt;br /&gt;
Bedeutung ist, in eine Deutsche National-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommission zur Vorbereitung des Interna-&lt;br /&gt;
tionalen Jahres der Familie 1994 berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Deutsche Nationalkommission&lt;br /&gt;
legt nach nunmehr einjähriger Arbeit ihren&lt;br /&gt;
Bericht vor. Dieser »Familienreport 1994«&lt;br /&gt;
ist nicht nur eine Bestandsaufnahme der&lt;br /&gt;
Situation der Familien in Deutschland. Er&lt;br /&gt;
will auch zeigen, auf welche unterstützen-&lt;br /&gt;
den Hilfen und Netzwerke Familien zu-&lt;br /&gt;
rückgreifen können. Er enthält eine Fülle&lt;br /&gt;
von Anregungen für konkrete Maßnahmen&lt;br /&gt;
und Aktivitäten im kommenden Jahr, und&lt;br /&gt;
er stellt schließlich in den von der Kommis-&lt;br /&gt;
sion gewählten neun Schwerpunktthemen&lt;br /&gt;
eine Fülle von Forderungen für eine zu-&lt;br /&gt;
künftige Familienpolitik an die politisch&lt;br /&gt;
Verantwortlichen in Bund, Ländern und&lt;br /&gt;
Gemeinden sowie an die Wirtschaft und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Kräfte in Deutschland....&lt;br /&gt;
Durch seine Praxisnähe ist er nicht zuletzt&lt;br /&gt;
für die einzelnen Familien ein interessanter&lt;br /&gt;
Wegweiser... Ich wünsche mir, daß der Fa-&lt;br /&gt;
milienreport ’94 auf eine breite Resonanz&lt;br /&gt;
in unserem Land stoßen wird.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel wird festgestellt,&lt;br /&gt;
daß »für die menschliche Gesellschaft ins-&lt;br /&gt;
gesamt ... die Familie, das ist unbestritten,&lt;br /&gt;
unersetzbar« bleibt. »Hier werden Leistun-&lt;br /&gt;
gen erbracht, die weit über die materielle&lt;br /&gt;
Daseinsfürsorge für die einzelnen Fami-&lt;br /&gt;
lienmitglieder hinausreichen. Familie ist&lt;br /&gt;
die entscheidende Bedingung für die Ver-&lt;br /&gt;
mittlung grundlegender kultureller und so-&lt;br /&gt;
zialer Werte und gleichzeitig Vorausset-&lt;br /&gt;
zung einer auf Zukunft hin orientierten Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft. Sie sichert das Nachwachsen&lt;br /&gt;
kommender Generationen, die Persönlich-&lt;br /&gt;
keitsentwicklung und Sozialisation von&lt;br /&gt;
Kindern. Sie ist Ort der Solidarität für ältere&lt;br /&gt;
und behinderte Angehörige. Sie ist Ort der&lt;br /&gt;
Förderung wie auch der Regeneration der&lt;br /&gt;
Begabungen, Fähigkeiten und Kräfte des&lt;br /&gt;
Menschen. Wie die Familien ihre Aufgaben&lt;br /&gt;
definieren, wie sie ihr Familienleben ge-&lt;br /&gt;
stalten, ist zuerst ihre eigene Sache. Unter&lt;br /&gt;
welchen gesellschaftlichen, sozialen und&lt;br /&gt;
politischen Bedingungen sie ihre Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen von Familienleben verwirklichen&lt;br /&gt;
können, das hängt von den Rahmenbedin-&lt;br /&gt;
gungen ab, die ihnen Staat und Gesellschaft&lt;br /&gt;
auf den unterschiedlichen Ebenen bieten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Deutsche Nationalkommission&lt;br /&gt;
hat sich in neun Arbeitsgruppen auf drei&lt;br /&gt;
Themenfelder mit jeweils drei Schwer-&lt;br /&gt;
punktthemen konzentriert, und zwar auf a)&lt;br /&gt;
die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Rahmenbedingungen für Familien, b) das&lt;br /&gt;
Lebensumfeld und das Wohnen und c) Fa-&lt;br /&gt;
milie und Bildung, Medien und Europa.&lt;br /&gt;
Der Familienreport ’94 ist somit das Er-&lt;br /&gt;
gebnis eines Dialogs zwischen Wissen-&lt;br /&gt;
schaft und Praxis, Politik und Verbandwe-&lt;br /&gt;
sen.&lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=37}}Teil I des Berichts behandelt »Ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche und wirtschaftliche Rahmen-&lt;br /&gt;
bedingungen für Familienleben in Deutsch-&lt;br /&gt;
land« mit zahlreichen Hinweisen auf Hilfen&lt;br /&gt;
von Staat, Ländern und Kommunen, Forde-&lt;br /&gt;
rungen zur Verbesserung des Familienlasten-&lt;br /&gt;
ausgleichs, nach sozialer Gerechtigkeit für&lt;br /&gt;
Mütter und Väter, familiengerechtes Wohnen&lt;br /&gt;
mit generationsbezogener Sozialplanung&lt;br /&gt;
u.ä. für eine präventiv und langfristig wirk-&lt;br /&gt;
same soziale Strukturpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum sozialen und kulturellen Um-&lt;br /&gt;
feld wird in Teil II gesagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die letzten Jahrzehnte sind geprägt&lt;br /&gt;
von tiefgreifenden politischen, demographi-&lt;br /&gt;
schen, sozialen und kulturellen Veränderun-&lt;br /&gt;
gen. Hiermit ist eine Zunahme an Freiheit&lt;br /&gt;
und an Mobilität, aber auch Vereinzelung&lt;br /&gt;
einhergegangen. Diese Entwicklung beein-&lt;br /&gt;
flußt das Zusammenleben von Menschen&lt;br /&gt;
und das soziale und kulturelle Umfeld von&lt;br /&gt;
Familien in erheblichem Umfang. ... Fami-&lt;br /&gt;
lien brauchen ein stützendes soziales Um-&lt;br /&gt;
feld. Dies ist notwendig, weil Familien eine&lt;br /&gt;
Vielzahl von Aufgaben und Funktionen&lt;br /&gt;
wahrnehmen müssen. .... Angesichts des Wer-&lt;br /&gt;
tewandels sind Leitbilder im sozialen und&lt;br /&gt;
kulturellen Umfeld von Familien notwendig.&lt;br /&gt;
... Grundlage unserer Demokratie bildet die&lt;br /&gt;
Akzeptanz der unterschiedlichen Lebens-&lt;br /&gt;
und Glaubensformen in der Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
... Gerechtigkeit und Chancengleichheit sind&lt;br /&gt;
unverzichtbare Grundlagen für ein gewalt-&lt;br /&gt;
freies Zusammenleben. ... Die Würde des&lt;br /&gt;
Menschen verwirklichtsich inderBeziehung&lt;br /&gt;
zum anderen, Respekt und Achtung ohne&lt;br /&gt;
Vorbehalte gegenüber jedem Menschen ist&lt;br /&gt;
hierfür Voraussetzung.« Zum Punkt »Struk-&lt;br /&gt;
turen der Familienarbeit« stellt der Bericht&lt;br /&gt;
fest: »Ziel der Familienarbeit ist es, darauf&lt;br /&gt;
hinzuwirken, daß ein für alle Familienmit-&lt;br /&gt;
glieder befriedigendes Zusammenleben ge-&lt;br /&gt;
lingen kann. ... Die Zweckmäßigkeit von&lt;br /&gt;
Strukturen der Familienarbeitmußsich daran&lt;br /&gt;
messen lassen, inwieweit sie zur Verbesse-&lt;br /&gt;
rung der Lebensqualität von Familien bei-&lt;br /&gt;
tragen.« »Familienarbeit darf nicht als »Heft-&lt;br /&gt;
pflaster&amp;lt; für Probleme mißbraucht werden,&lt;br /&gt;
die gesellschaftliche Entwicklungen oder&lt;br /&gt;
staatliches Handeln erzeugen.« Gleichzeitig&lt;br /&gt;
ist zu bedenken, daß der Staat zu einem&lt;br /&gt;
unmittelbaren Eingriff in das innere Bezie-&lt;br /&gt;
hungsgefüge der Familie — »abgesehen von&lt;br /&gt;
strafrechtlichen Tatbeständen — nur in den&lt;br /&gt;
gesetzlich eng definierten Fällen berechtigt&lt;br /&gt;
und verpflichtet « ist, d.h. »wenn Eltern ihrer&lt;br /&gt;
Fürsorge- und Erziehungsaufgabe nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachkommenodernachkommen können und&lt;br /&gt;
das Wohl des Kindes gefährdet ist.« Der&lt;br /&gt;
Bericht nennt drei Herausforderungen, mit&lt;br /&gt;
denen die Familienarbeit derzeit besonders&lt;br /&gt;
konfrontiert ist: die zunehmende Individua-&lt;br /&gt;
lisierung und Pluralisierung von Lebensla-&lt;br /&gt;
gen und Lebensformen, die größer werdende&lt;br /&gt;
Verunsicherung durch soziale und wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Probleme und die zunehmende&lt;br /&gt;
Ausländerfeindlichkeit. »Die Tatsache,&lt;br /&gt;
mehr Entscheidungsmöglichkeiten über die&lt;br /&gt;
eigene Biographie zu haben, bedeutet auch&lt;br /&gt;
den Druck, mehr Entscheidungen treffen und&lt;br /&gt;
dann auch verantworten zu müssen. In einer&lt;br /&gt;
Zeit, in der verläßliche Orientierungen ab-&lt;br /&gt;
nehmen und lange geglaubte Gewißheiten&lt;br /&gt;
ins Wanken geraten, entsteht daraus ein&lt;br /&gt;
großer Bedarf an Neuorientierung und Be-&lt;br /&gt;
ratung mit anderen Menschen, die vertrau-&lt;br /&gt;
enswürdig erscheinen. Großen Verbänden&lt;br /&gt;
und Organisationen wird vielfach mit&lt;br /&gt;
Mißtrauen begegnet, sie werden eher dem&lt;br /&gt;
»System&amp;lt; zugeordnet, das an der eigenen&lt;br /&gt;
Verunsicherung mitwirkt. Wenn der private&lt;br /&gt;
Rahmen verlassen wird, dann wird vielmehr&lt;br /&gt;
die kleine Gruppe in der vertrauten »Lebens-&lt;br /&gt;
welt« gesucht, die überschaubar und glaub-&lt;br /&gt;
würdig erscheint.« Der Berichtregt die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit der Beratung mit einem multipro-&lt;br /&gt;
fessionellen Team an und sagt: »Ziel der&lt;br /&gt;
Beratung istes, im Beratungsdialog gemein-&lt;br /&gt;
sam ein Verständnis der problembelasteten&lt;br /&gt;
Situation zu erarbeiten, Handlungsalternati-&lt;br /&gt;
ven zu klären und Entscheidungshilfen zu&lt;br /&gt;
finden, die unter Berücksichtigung der per-&lt;br /&gt;
sönlichen, familiären und sozialen Ressour-&lt;br /&gt;
cen und Begrenzungen zu realisierbaren Lö-&lt;br /&gt;
sungen führen. ... Damit leistet Beratung&lt;br /&gt;
einen Beitrag zur Prävention.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teil II befaßt sich mit dem »Fami-&lt;br /&gt;
lienleben zwischen Eigengestaltung und&lt;br /&gt;
Außeneinwirkung«. Die Familie wird als der&lt;br /&gt;
erste Lernort bezeichnet, denn »gesellschaft-&lt;br /&gt;
liche und familiale Wandlungsprozesse stel-&lt;br /&gt;
len neue und lebenslange Anforderungen an&lt;br /&gt;
das familien- und haushaltsbezogene Wissen&lt;br /&gt;
und die Lebensführung.« Nicht nur Industrie&lt;br /&gt;
und Technologie verursachen ständig neue&lt;br /&gt;
Herausforderungen; auch die Familien erle-&lt;br /&gt;
ben eine historisch rasante Wandlung u.a.&lt;br /&gt;
»durch die Pluralisierung der familialen Le-&lt;br /&gt;
bensformen, die Veränderung des regenera-&lt;br /&gt;
tiven Verhaltens, die abnehmende Stabilität&lt;br /&gt;
von Ehen, zunehmende Rollenkonflikte aus&lt;br /&gt;
beruflichen Orientierungen und Familien-&lt;br /&gt;
aufgaben.« »Aus diesen Wandlungsprozes-&lt;br /&gt;
sen ergeben sich neue und veränderte An-&lt;br /&gt;
forderungen an die familien- und haushalts-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bezogene Bildung jedes einzelnen. Ihre ge-&lt;br /&gt;
steigerte Bedeutung wird deutlich in der&lt;br /&gt;
Orientierung an lebenslangem Lernen, wie&lt;br /&gt;
es für die berufliche Bildung bereits selbst-&lt;br /&gt;
verständlich ist, und vor allem in der Ver-&lt;br /&gt;
mittlung von sinnstiftender Wertorientie-&lt;br /&gt;
rung. So können die Presse der Enttraditio-&lt;br /&gt;
nalisierung, der Individualisierung und Plu-&lt;br /&gt;
ralisierung familialer Lebensformen genutzt&lt;br /&gt;
werden für einen Zugewinn an Selbstverant-&lt;br /&gt;
wortung, Bewußtheit und Freiheit, Rück-&lt;br /&gt;
sichtnahme und Solidarität.« Von den Schu-&lt;br /&gt;
len wird verlangt, die gesellschaftlichen, fa-&lt;br /&gt;
miliären und individuellen Wandlungen kon-&lt;br /&gt;
struktiv aufzunehmen und in die Wertedis-&lt;br /&gt;
kussion einzuführen. Außerdem wir ein fa-&lt;br /&gt;
milien- undhaushaltsbezogenesFach als Teil&lt;br /&gt;
des Pflichtunterrichts empfohlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch eine Vielzahl an Print- und&lt;br /&gt;
audiovisuellen Medien prägen heute mit&lt;br /&gt;
den Alltag der Familie und bieten sowohl&lt;br /&gt;
Lernchancen als auch Risiken. »Untersu-&lt;br /&gt;
chungen zeigen..., daß der Zuwachs an&lt;br /&gt;
»technischer Kommunikation« in den Fami-&lt;br /&gt;
lien die personale Kommunikation von&lt;br /&gt;
Mensch zu Mensch z.T. verdrängt bzw. er-&lt;br /&gt;
setzt. ... Familien und vor allem Kinder&lt;br /&gt;
brauchen den direkten, kontinuierlichen&lt;br /&gt;
und zuverlässigen zwischenmenschlichen&lt;br /&gt;
Kontakt und Möglichkeiten zur Ausspra-&lt;br /&gt;
che.« Bei der Diskussion zum Thema Ge-&lt;br /&gt;
walt dürfen einzelne Medien nicht allein&lt;br /&gt;
verantwortlich gemacht werden. Dennoch&lt;br /&gt;
»bleibt die Tatsache bestehen, daß gewalt-&lt;br /&gt;
verherrlichende Filme, Computerspiele&lt;br /&gt;
und Brutalvideos einen Gewöhnungseffekt&lt;br /&gt;
haben können und die Einstellungen gegen-&lt;br /&gt;
über der Gewalt, die als gleichsam »legiti-&lt;br /&gt;
me Realität&amp;lt; und als ein Konfliktlösungs-&lt;br /&gt;
mittel dargestellt wird, verändern und ge-&lt;br /&gt;
waltauslösend wirken können« (ähnlich&lt;br /&gt;
wie Werbung, die zum Ausprobieren an-&lt;br /&gt;
regt). Der Report verlangt, daß die gesetz-&lt;br /&gt;
lichen Bestimmungen stärker angewandt&lt;br /&gt;
und die Richtlinien erweitert werden, und&lt;br /&gt;
schlägt einen »Preis für familiengerechte&lt;br /&gt;
Hörfunk- und Fernsehprogramme« vor, so-&lt;br /&gt;
wie eine umfangreichere Informationsar-&lt;br /&gt;
beit für Eltern zu Medienfragen. Außerdem&lt;br /&gt;
verweist der Bericht darauf, daß eine ange-&lt;br /&gt;
strebte Veränderung des Medienverhaltens&lt;br /&gt;
in der Familie, bei Kindern und Jugendli-&lt;br /&gt;
chen eine Verbesserung der Lebensbedin-&lt;br /&gt;
gungen für viele Familien verlangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Teil IV wird das Thema unter&lt;br /&gt;
dem Aspekt des europäischen Einigungs-&lt;br /&gt;
prozesses betrachtet. Eine kürzliche Unter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
suchung der familienpolitischen Fördersy-&lt;br /&gt;
steme in der Europäischen Gemeinschaft&lt;br /&gt;
hat erhebliche Diskrepanzen allein inner-&lt;br /&gt;
halb der zwölf Mitgliedstaaten aufgezeigt.&lt;br /&gt;
Das betrifft nicht nur die in Höhe und Aus-&lt;br /&gt;
gestaltung sehr unterschiedlichen materiel-&lt;br /&gt;
len Leistungen, sondern auch die Familien-&lt;br /&gt;
konzeptionen, die dahinterstehen. ... Zu for-&lt;br /&gt;
dern ist deshalb die Aufnahme von Kinder-,&lt;br /&gt;
Familien- und Altenpolitik in die EG-Ver-&lt;br /&gt;
träge als Gegenstand der gegenseitigen In-&lt;br /&gt;
formation und Konsultation mit dem Ziel&lt;br /&gt;
einer schrittweisen Konvergenz. Angeregt&lt;br /&gt;
werden u.a. gesamteuropäische Reisever-&lt;br /&gt;
günstigungen für Familien und Senioren&lt;br /&gt;
sowie die Anerkennung von Bildungs- und&lt;br /&gt;
Berufsabschlüssen und Rentenansprüchen.&lt;br /&gt;
Schließlich gehe es heute um ein kulturelles&lt;br /&gt;
Miteinander, das eine Erziehung zu toleran-&lt;br /&gt;
tem und auf den anderen zugehenden Zu-&lt;br /&gt;
sammenleben voraussetzt, so daß Europa&lt;br /&gt;
wirklich zusammenwachsen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Familienreport 1994 folgt&lt;br /&gt;
eine umfangreiche, interessant vielseitige&lt;br /&gt;
Dokumentation (ca. 140 S.) über die 1.&lt;br /&gt;
Fachtagung der Deutschen Nationalkom-&lt;br /&gt;
mission vom 12.-14. März 1993, mit Bei-&lt;br /&gt;
trägen hochrangiger Wissenschaftler und&lt;br /&gt;
Politiker, ergänzt durch Statistiken und&lt;br /&gt;
Schaubilder. In ihrer Eröffnungsrede hat die&lt;br /&gt;
Präsidentin der Deutschen Nationalkom-&lt;br /&gt;
mission, Bundesfamilienministerin Hanne-&lt;br /&gt;
lore Rönsch, ausgeführt: »Nur eine Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, die weiß, welche Leistungen von&lt;br /&gt;
Familien erbracht werden, eine Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, der bewußt ist, daß sie ohne Unter-&lt;br /&gt;
stützung der Familien ihre eigene Zukunft&lt;br /&gt;
verspielt, wird sich zu einer gezielten För-&lt;br /&gt;
derung von Familien bereitfinden. ...denn&lt;br /&gt;
eine Gesellschaft, in der die Menschen sich&lt;br /&gt;
nicht mehr zutrauen, Kinder aufzuziehen,&lt;br /&gt;
bringt sich um ihre eigene Zukunft.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Zusammenfassung&lt;br /&gt;
soll ein Beitrag dazu sein, daß dieser Fami-&lt;br /&gt;
lienreport 1994 in weiten Kreisen bekannt-&lt;br /&gt;
gemacht wird. Die Bahä’i-Gemeinden in&lt;br /&gt;
der Bundesrepublik bemühen sich nach&lt;br /&gt;
Kräften, die in ihren Lehren gegebenen&lt;br /&gt;
geistigen und praktischen Prinzipien als&lt;br /&gt;
neue ethische Orientierung in die Arbeit mit&lt;br /&gt;
der Familie einzubringen und durch die&lt;br /&gt;
Vermittlung neuer geistiger Werte, die auf&lt;br /&gt;
Vielfalt und Verantwortung eingehen, den&lt;br /&gt;
Familien zu helfen, einen kreativen, wachs-&lt;br /&gt;
tumsfähigen Kern zu schaffen, der den An-&lt;br /&gt;
forderungen unserer im Umbruch begriffe-&lt;br /&gt;
nen Zeit gerecht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=39}}Reden von einem,&lt;br /&gt;
der schauen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
große Reform der Vereinten Nationen, Horizonte Verlag 1993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht die Sprache der Menschen, kennt&lt;br /&gt;
das Recht der Völker und weiß sie zu lenken: Butros&lt;br /&gt;
Butros-Ghali ist Journalist, Völkerrechtler und Staats-&lt;br /&gt;
mann. In seiner Heimat, dem islamischen Ägypten,&lt;br /&gt;
mußte er als Angehöriger der christlich-koptischen&lt;br /&gt;
Minderheit stets im Hintergrund agieren. Ein kopti-&lt;br /&gt;
sches Regierungsoberhaupt wäre eine untragbare Pro-&lt;br /&gt;
vokation und Gefahr für die nationale Einheit am Nil.&lt;br /&gt;
Ghali mußte sich also mit dem Posten des Staatsmini-&lt;br /&gt;
sters im Außenministerium und des stellvertretenden&lt;br /&gt;
Ministerpräsidenten begnügen; tatsächlich führte er&lt;br /&gt;
aber von 1977 bis 1991 die Amtsgeschäfte des Außen-&lt;br /&gt;
ministers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praxisnah und visionär zugleich sind die Vor-&lt;br /&gt;
schläge des Generalsekretärs für eine Reform der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen. Der Weltbürger aus Erfahrung&lt;br /&gt;
und Überzeugung sieht nach dem Ende des Kalten&lt;br /&gt;
Krieges die Chance für die UN, endlich handlungsfä-&lt;br /&gt;
hig und glaubwürdig zu handeln, um auf internationale&lt;br /&gt;
Akzeptanz zu stoßen. Damit meint er in erster Linie&lt;br /&gt;
die Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Mittel die Mitgliedsstaaten einsetzen&lt;br /&gt;
sollten, um die UN in diese Richtung zu steuern, legt&lt;br /&gt;
Ghali in seiner agenda for peace dar — nachzulesen&lt;br /&gt;
in der Neuerscheinung UN-organisierte Welt.&lt;br /&gt;
Schließlich hat sich die UN-Welt seit Perestroika,&lt;br /&gt;
Glasnost und Mauerfall grundlegend verändert: die&lt;br /&gt;
beiden Großmächte stimmen ihre Politik miteinander&lt;br /&gt;
ab und der Sicherheitsrat wird von Krise zu Krise&lt;br /&gt;
entscheidungsfähiger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ghali will durch die UN-Reform nicht nur Frie-&lt;br /&gt;
den sichern, auch stiften. Der Völkerrechtler fordert, daß&lt;br /&gt;
sich bis zum Jahre 2000 alle Mitgliedsstaaten der Ge-&lt;br /&gt;
richtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofes in Den&lt;br /&gt;
Haag unterwerfen — er setzt große Hoffnung in das&lt;br /&gt;
Potential des Gerichtes, würde es nur ausgenützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Blauhelmtruppen, die in jedem ein-&lt;br /&gt;
zelnen Fall erneut von den Staaten bereitgestellt wer-&lt;br /&gt;
den müssen, sollten neue Aufgaben bekommen. Sie&lt;br /&gt;
sollten die Kriegsparteien entwaffnen, Minen entsor-&lt;br /&gt;
gen, Flüchtlinge zurückführen, beim Aufbau einer neu-&lt;br /&gt;
en politischen Ordnung helfen und demokratische&lt;br /&gt;
Strukturen stärken. Die UN benötigen eigene schwer-&lt;br /&gt;
bewaffnete Truppenkontingente. So wäre die Organi-&lt;br /&gt;
sation nicht länger darauf angewiesen, auf die Zustim-&lt;br /&gt;
mung der Mitgliedstaaten zu warten, die zuweilen&lt;br /&gt;
lange überlegen müssen, ob sie ihre Soldaten für eine&lt;br /&gt;
fremde Front opfern wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bislang gibt es diese Streitkräfte nicht, obwohl&lt;br /&gt;
sie in der Charta der Vereinten Nationen vorgesehen&lt;br /&gt;
sind. Danach ist der Generalsekretär Oberbefehlshaber&lt;br /&gt;
dieser Truppen, deren Auftrag es ist, die Beschlüsse&lt;br /&gt;
des Sicherheitsrates durchzusetzen. Mit diesen Kontin-&lt;br /&gt;
genten könnte die Weltgemeinschaft einer amerikani-&lt;br /&gt;
schen oder europäischen Hegemonie entgegenwirken.&lt;br /&gt;
Gerade die Staaten der südlichen Hemisphäre würden&lt;br /&gt;
so größeres Vertrauen in die Vereinten Nationen ge-&lt;br /&gt;
winnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Agenda ist eine Pflichtlektüre für jeden,&lt;br /&gt;
der verstehen möchte, in welche Richtung Ghali die&lt;br /&gt;
UN zu steuern versucht und welche Konzepte schon in&lt;br /&gt;
wenigen Jahren weltpolitische Wirklichkeit werden&lt;br /&gt;
können. UN-organisierte Welt bietet auch andere le-&lt;br /&gt;
senswerte Reden von Butros Butros-Ghali. Eine Ein-&lt;br /&gt;
ordnung der Texte des Generalsekretärs in den aktuel-&lt;br /&gt;
len Kontext, zu Beginn oder im Anschluß an die&lt;br /&gt;
Reden, wäre für den Laien sicherlich eine Verständnis-&lt;br /&gt;
hilfe gewesen. Auch wenn das UN-deutsch nicht im-&lt;br /&gt;
mer leicht zu verstehen ist: was Ghali denkt und&lt;br /&gt;
fordert, sollten wir wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_65.pdf|page=40}}ice a £ Ahr BL&lt;br /&gt;
RORAR NAHEN u&lt;br /&gt;
a a&lt;br /&gt;
Bin&lt;br /&gt;
Hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en R&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an = Ä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aan Bu; Talak eh&lt;br /&gt;
$ rl: Ber au&lt;br /&gt;
len: a) Hi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_64/Text&amp;diff=75361</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 64/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:13:33Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=1}}{{ocr}}Zeitschrift&lt;br /&gt;
für Religion und Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 64 / Dezember 1993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INHALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung eines&lt;br /&gt;
Bahä’i-Wirtschaftssystems........osscessosssesosesesunen 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gregory €. Dahl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ästhetik und geistige Erziehung .................... 16&lt;br /&gt;
Glen A. Eyford&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Fotos von Jörg Krombach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klassenziel: Welteinheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Townshend International School............ 29&lt;br /&gt;
Barbara Missaghian&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angepaßte Technologie&lt;br /&gt;
in Swaziland ........ssresonussonersonsssssenssoossnonnssnnneenunee 34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Internationales Jahr der Familie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erklärung der Internationalen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde .........urssssessorsonesossnnesnnennennnnene 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufruf zum Dialog..........cerssosssonssosssnnssnnssnnssnee 39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild von Jörg Krombach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
Heft 64&lt;br /&gt;
Dezember 1993&lt;br /&gt;
21. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Briefe&lt;br /&gt;
wollen eine intensive&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
fördern und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage&lt;br /&gt;
zeitgemäßen Denkens&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit&lt;br /&gt;
allen beitragen, die&lt;br /&gt;
sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’i in Deutschland&lt;br /&gt;
e.V,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion:&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis,&lt;br /&gt;
Jörg Krombach,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bijan Sobhani, Uwe Still,&lt;br /&gt;
Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe, Redaktion,&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge&lt;br /&gt;
stellen nicht notwendig die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
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Vertrieb und Bestellungen:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
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© Bahä’f-Verlag GmbH 1993&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’ı&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Auswirkungen&lt;br /&gt;
haben ästhetische Ein-&lt;br /&gt;
drücke auf die persön-&lt;br /&gt;
liche Entwicklung des&lt;br /&gt;
einzelnen? Wie wirkt&lt;br /&gt;
sich Kunst auf die Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeit aus? Wel-&lt;br /&gt;
che Aufgaben fallen ei-&lt;br /&gt;
nem Pädagogen zu, der&lt;br /&gt;
künstlerische Formen&lt;br /&gt;
des individuellen Aus-&lt;br /&gt;
drucks in der Erzie-&lt;br /&gt;
hung einsetzt? Diese&lt;br /&gt;
und verwandte Fragen&lt;br /&gt;
beleuchtet der kanadi-&lt;br /&gt;
sche Wissenschaftler Glen A. Eyford in seiner&lt;br /&gt;
Erörterung der vielschichtigen Thematik »Äs-&lt;br /&gt;
thetik und geistige Erziehung.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erziehung und Ausbildung von Schülern&lt;br /&gt;
verschiedener Länder steht im Mittelpunkt des&lt;br /&gt;
Berichts von Barbara Missaghian über die&lt;br /&gt;
»Townshend International School« in Hluboka&lt;br /&gt;
(Tschechische Republik), die im Herbst 1992&lt;br /&gt;
ihre Pforten öffnete. Im Europa der neunziger&lt;br /&gt;
Jahre verspüren immer mehr Menschen das&lt;br /&gt;
Bedürfnis nach Zusammenwachsen der hier&lt;br /&gt;
lebenden Völker, aber vielen fehlt ein umfassen-&lt;br /&gt;
des Ideengerüst, das ein solches Zusammenle-&lt;br /&gt;
ben ermöglicht. Letztendlich ließe sich der&lt;br /&gt;
Schauplatz Europa als kontinentaler Mikrokos-&lt;br /&gt;
mos betrachten, in dem sich auf engem Raum&lt;br /&gt;
und unter sich ständig verändernden Bedingun-&lt;br /&gt;
gen weltweite Tendenzen und Entwicklungen&lt;br /&gt;
abspielen, die über kurz oder lang den ganzen&lt;br /&gt;
Planeten erfassen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zusammen-&lt;br /&gt;
hang stellt sich dem Le-&lt;br /&gt;
ser dieser Ausgabe der&lt;br /&gt;
Bahaä’i-Briefe vielleicht&lt;br /&gt;
die Frage, wo die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung des Bildungs-&lt;br /&gt;
wesens und die damit&lt;br /&gt;
eng verknüpfte wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklung&lt;br /&gt;
weltweit ansetzen könn-&lt;br /&gt;
te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gregory Dahl lenkt sei-&lt;br /&gt;
ne Sichtweise _wirt-&lt;br /&gt;
schaftlicher Theorien&lt;br /&gt;
auf die globale Entwicklung und diskutiert in&lt;br /&gt;
seiner Darstellung die Verbindung von Aussa-&lt;br /&gt;
gen über Wirtschaft in den Baha’i-Schriften mit&lt;br /&gt;
den heutigen Gegebenheiten und mit neueren&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Erkenntnissen. In einem&lt;br /&gt;
weiteren Beitrag wird eine den ländlichen&lt;br /&gt;
Gegebenheiten angepaßte Technologie, die in&lt;br /&gt;
Swaziland Anwendung findet, vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die weit gefaßten Themenbereiche der&lt;br /&gt;
Erziehung und der Wirtschaft auf den ersten&lt;br /&gt;
Blick nur wenig miteinander zu tun zu haben&lt;br /&gt;
scheinen, so möge die Palette der hier angebo-&lt;br /&gt;
tenen Artikel zu einem Verständnis der in vie-&lt;br /&gt;
lerlei Weise verbundenen, materiellen und gei-&lt;br /&gt;
stigen Bereiche menschlichen Lebens beitragen&lt;br /&gt;
und zum Gedankenaustausch darüber anregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=4}}9x3 © ent | Die Entwicklung&lt;br /&gt;
eines Baha’i-&lt;br /&gt;
Wirtschaftssystems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Entwicklung eines&lt;br /&gt;
Bahä’i-Wirtschaftssystems«&lt;br /&gt;
ist eine Übersetzung des&lt;br /&gt;
Artikels »Evolving toward a&lt;br /&gt;
Bahä’i Economic System«&lt;br /&gt;
von Gergory C. Dahl aus&lt;br /&gt;
The Journal of Bahä’i&lt;br /&gt;
Studies, 4.3.1991, S. 1-15,&lt;br /&gt;
mit Genehmigung der&lt;br /&gt;
Association for Bahä’i&lt;br /&gt;
Studies, Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übersetzung besorgte&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn istes sinnvoll, Ziele zu definieren&lt;br /&gt;
und die Konzepte zu beleuchten, mit denen&lt;br /&gt;
ein Bahä’i Wirtschaftsthemen möglicher-&lt;br /&gt;
weise behandelt. Diese Aufgabe ist beson-&lt;br /&gt;
ders schwierig, da der Begriff »Wirtschaft«&lt;br /&gt;
im Zusammenhang mit den Bahä’i-Lehren&lt;br /&gt;
nicht so einfach zu definieren ist. Dem all-&lt;br /&gt;
gemeinen Verständnis nach befaßt sich Wirt-&lt;br /&gt;
schaft mit der Produktion und Verteilung von&lt;br /&gt;
Geld, Waren und Dienstleistungen und mit&lt;br /&gt;
den Gesetzmäßigkeiten und Regeln, die in&lt;br /&gt;
der modernen Gesellschaft solche Aktivitä-&lt;br /&gt;
ten regulieren. Für einen Bahä’f jedoch ste-&lt;br /&gt;
hen die materielle und die geistige Welt in&lt;br /&gt;
enger Beziehung zueinander, und die eine&lt;br /&gt;
kann ohne die andere nicht verstanden wer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den. Die materielle Welt ist für den Bahä’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Metapher für geistige Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i versuchen, ihren mate-&lt;br /&gt;
riellen Handlungen eine geistige Bedeu-&lt;br /&gt;
tung zu verleihen. Die meisten Wirtschafts-&lt;br /&gt;
wissenschaftler beschränken ihre Studien&lt;br /&gt;
aber auf ein Verständnis der Wirtschaft als&lt;br /&gt;
technische Wissenschaft, die von anderen&lt;br /&gt;
menschlichen Bestrebungen getrennt ist,&lt;br /&gt;
und sie behandeln lediglich periphere Ver-&lt;br /&gt;
änderungen bei den existierenden Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssystemen. Glücklicherweise ändert&lt;br /&gt;
sich dieses Bild langsam, wie z.B. die rapi-&lt;br /&gt;
de Entwicklung der Gesellschaft für Sozio-&lt;br /&gt;
Ökonomie zeigt, deren Mitglieder den&lt;br /&gt;
Menschen als soziales, in einer Gemein-&lt;br /&gt;
schaft verwurzeltes Wesen und nicht nur als&lt;br /&gt;
selbstsüchtige Maschine, die auf maximale&lt;br /&gt;
Ausnutzung ausgelegt ist, betrachten. Bis&lt;br /&gt;
vor kurzem wurden diejenigen, die sich ein&lt;br /&gt;
anderes System vorstellten, als Radikale&lt;br /&gt;
bezeichnet, und ihre Arbeit wurde stark&lt;br /&gt;
politisiert und mit Konzepten des Klassen-&lt;br /&gt;
kampfes und des Konfliktes gefärbt. In&lt;br /&gt;
Ländern, in denen radikale Ansätze ver-&lt;br /&gt;
wirklicht wurden, zerbrach die Vision&lt;br /&gt;
schnell an menschlichen Schwächen und&lt;br /&gt;
der schwerfälligen Bürokratie. Der sensa-&lt;br /&gt;
tionelle Zusammenbruch der früheren kom-&lt;br /&gt;
munistischen Länder und ihre Bereitwillig-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
keit, marktorientierte Systeme zu überneh-&lt;br /&gt;
men, vermittelte zumindest zeitweise den&lt;br /&gt;
Eindruck, daß das westliche Wirtschaftssy-&lt;br /&gt;
stem funktioniert und in gewissem Sinne&lt;br /&gt;
moralisch richtig sei. Im Gegensatz dazu&lt;br /&gt;
versichern die Bahä’i, daß kein Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssystem Sinn macht, so lange es nicht&lt;br /&gt;
eine umfassende Vorstellung von der gei-&lt;br /&gt;
stigen Natur des Menschen und von der&lt;br /&gt;
durch Moral und Religion verliehenen Mo-&lt;br /&gt;
tivation hat. Ein Großteil der modernen&lt;br /&gt;
Wirtschaftstheorie ähnelt der Justierung ei-&lt;br /&gt;
nes Motors, dessen Fahrzeug noch kein&lt;br /&gt;
Lenkrad hat. Die Wirtschaftswissenschaft-&lt;br /&gt;
ler haben viele brauchbare Konzepte und&lt;br /&gt;
statistische Methoden erarbeitet, und diese&lt;br /&gt;
Instrumente können zweifelsohne für Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsanalysen aus Bahä’i-Sicht benutzt&lt;br /&gt;
werden. Daher besteht unsere erste Aufga-&lt;br /&gt;
be darin, »Bahä’i-Ziele« zu definieren, wo-&lt;br /&gt;
bei wir uns dessen bewußt sein müssen, daß&lt;br /&gt;
sich diese Ziele wahrscheinlich von den&lt;br /&gt;
ausgesprochenen und unausgesprochenen&lt;br /&gt;
Zielen der Wirtschaftsberufe unterscheiden&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i glauben, daß die Welt&lt;br /&gt;
mit Ressourcen zum Wohle aller Menschen&lt;br /&gt;
ausgestattet wurde und daß nationale Gren-&lt;br /&gt;
zen, Sprachen, Wirtschafts- und Rechtssy-&lt;br /&gt;
steme Menschenwerk und nicht gottgege-&lt;br /&gt;
ben sind. Demnach können und sollten sich&lt;br /&gt;
diese Systeme den Bedürfnissen und Um-&lt;br /&gt;
ständen entsprechend ändern. Während die&lt;br /&gt;
meisten Menschen diese großen Gesell-&lt;br /&gt;
schaftssysteme als geradezu unveränder-&lt;br /&gt;
lich betrachten, müssen sich die Bahä’i be-&lt;br /&gt;
wußt darum bemühen, Ziele zu formulie-&lt;br /&gt;
ren, die ihrer Vorstellung einer neuen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft entsprechen, um dann die ent-&lt;br /&gt;
sprechenden Institutionen, Gesetze und Sy-&lt;br /&gt;
steme zur Verwirklichung dieser Ziele zu&lt;br /&gt;
schaffen. Die Wirtschaft ist wie auch das&lt;br /&gt;
Recht lediglich eine Angelegenheit gesell-&lt;br /&gt;
schaftlicher Übereinkunft. Geld hat nur den&lt;br /&gt;
Wert, auf den sich die Mitglieder einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft geeinigt haben. Tatsächlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
existiert der Großteil des Geldes heute in&lt;br /&gt;
Form magnetischer Flüsse in Computer-&lt;br /&gt;
speichern und Tintenzeichen in den Ord-&lt;br /&gt;
nern der Buchhaltung. Wenn das vorhande-&lt;br /&gt;
ne System unseren Zielen nicht dienlich ist,&lt;br /&gt;
wenn es z.B. arbeitswilligen Menschen kei-&lt;br /&gt;
ne Arbeitsplätze gibt, dann muß dieses Sy-&lt;br /&gt;
stem verbessert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farzam Arbab wies darauf hin, daß&lt;br /&gt;
der Kern der heutigen Bemühungen der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinden und -Wissenschaftler&lt;br /&gt;
die Initiierung eines Entwicklungspro-&lt;br /&gt;
zesses sein muß, durch den sich ein Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssystem entwickelt, das sich ständig&lt;br /&gt;
verbessert, anstatt ein neues System zu ent-&lt;br /&gt;
werfen, das dann als Ganzes der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft verordnet wird&#039;. Die Bahä’f wissen&lt;br /&gt;
noch nicht im Detail, wie ein »Bahä’i-Sy-&lt;br /&gt;
stem« möglicherweise aussehen wird, und&lt;br /&gt;
die in den Bahä’i-Schriften vorhandenen&lt;br /&gt;
Prinzipien sind so allgemein gefaßt, daß&lt;br /&gt;
man sich sofort verschiedene Länder vor-&lt;br /&gt;
stellen Kann, die recht unterschiedliche Sy-&lt;br /&gt;
steme anwenden, die zu ihrer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur passen, wobei all diese Varianten&lt;br /&gt;
innerhalb des Rahmens der Bahä’i-Prinzi-&lt;br /&gt;
pien liegen. In der näheren Zukunft müssen&lt;br /&gt;
sich die Bahä’i in einem kontinuierlichen&lt;br /&gt;
Prozeß der Diskussion und Neudefinition&lt;br /&gt;
von Zielen engagieren, um dadurch ihre&lt;br /&gt;
Aktivitäten auf diese Ziele hin immer wie-&lt;br /&gt;
der neu abzustimmen und neu zu orientie-&lt;br /&gt;
ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Ansatz kann man mit der&lt;br /&gt;
Technologie zur Erforschung des Weltalls&lt;br /&gt;
vergleichen. Ein auf den Mond ausgerich-&lt;br /&gt;
tetes Raumschiff würde den Mond nie er-&lt;br /&gt;
reichen, wenn es nur von der perfekten&lt;br /&gt;
Ausrichtung auf sein Ziel von der Ab-&lt;br /&gt;
schußrampe aus abhängen würde. Unsere&lt;br /&gt;
Raumschiffe haben den Mond nie verfehlt,&lt;br /&gt;
weil man Führungssysteme angewendet&lt;br /&gt;
hat, die an die Bodenstation Daten zurück-&lt;br /&gt;
melden, so daß man immer wieder die Flug-&lt;br /&gt;
bahn neu auswerten und den Flugweg&lt;br /&gt;
durch das Zünden kleiner Antriebsraketen&lt;br /&gt;
korrigieren konnte. Mit Hilfe dieses Sy-&lt;br /&gt;
stems hätte ein Raumgefährt in die falsche&lt;br /&gt;
Richtung abgeschossen werden können und&lt;br /&gt;
wäre trotzdem am Ziel angekommen. Das&lt;br /&gt;
Ziel kann sich auch bewegen, und das&lt;br /&gt;
Raumschiff wird es dennoch treffen.” Die-&lt;br /&gt;
se Methode müssen die Bahä’i anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i müssen eine klare, herrliche&lt;br /&gt;
Zukunftsvision, die die meisten ihrer Be-&lt;br /&gt;
rufskollegen nicht teilen, mit einem prakti-&lt;br /&gt;
schen, wachstumsfähigen Ansatz in ihrer&lt;br /&gt;
täglichen Arbeit verbinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Bahä’i-Lehren macht-&lt;br /&gt;
volle und weitreichende Prinzipien zur Er-&lt;br /&gt;
richtung eines neuen globalen Gesell-&lt;br /&gt;
schafts- und Wirtschaftssystems geben, ist&lt;br /&gt;
es die Aufgabe der Wirtschafts- und Ver-&lt;br /&gt;
waltungsexperten, inspiriert durch die-&lt;br /&gt;
se Lehren praktische Anwendungen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
funktionierenden Institutionen aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zuarbeiten. Diesen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
prozeß beschreibt Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi in einer Reihe von Brie-&lt;br /&gt;
fen aus den Jahren 1933 bis&lt;br /&gt;
1936, die er an die amerika-&lt;br /&gt;
nische Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
de richtete, als die&lt;br /&gt;
Wirtschaftskrise ih-&lt;br /&gt;
ren Höhepunkt er-&lt;br /&gt;
reichte und man&lt;br /&gt;
nach Lösungen für&lt;br /&gt;
Wirtschaftspro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bleme suchte. Die folgenden Zitate sind&lt;br /&gt;
Auszüge aus diesen Briefen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was die Aktivitäten des Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsausschusses des Nationalen Rats be-&lt;br /&gt;
trifft, so hat Shoghi Effendi volles Ver-&lt;br /&gt;
ständnis für den Wunsch einiger Mitglieder,&lt;br /&gt;
daß der Ausschuß Wege und Mittel finden&lt;br /&gt;
möge, um die wirtschaftlichen Lehren der&lt;br /&gt;
Sache, wie man sie in manchen Schriften&lt;br /&gt;
und Aussagen Bahä’u’llähs und des Mei-&lt;br /&gt;
sters [‘Abdu’l-Bahá] findet, zu verwirkli-&lt;br /&gt;
chen. Aber er glaubt, daß die Zeit für solche&lt;br /&gt;
Aktivitäten noch nicht reif ist. Zuerst müs-&lt;br /&gt;
sen wir die Lehren zum Thema Wirtschaft&lt;br /&gt;
im Lichte moderner Probleme gründlicher&lt;br /&gt;
studieren, damit wir für das eintreten kön-&lt;br /&gt;
nen, was die Begründer unseres Glaubens&lt;br /&gt;
sagen, und nicht nur für das, was wir an-&lt;br /&gt;
hand der Schriften mutmaßen. Es besteht&lt;br /&gt;
ein großer Unterschied zwischen der Ver-&lt;br /&gt;
kündigung eines großen allgemeinen Prin-&lt;br /&gt;
zips und dem Ermitteln seiner Anwendung&lt;br /&gt;
auf die wirklich herrschenden Umstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens ist die Sache finanziell&lt;br /&gt;
nicht in der Lage, derzeit solche Unterneh-&lt;br /&gt;
mungen durchzuführen. Zur letztendlichen&lt;br /&gt;
Ausarbeitung solcher Pläne braucht man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Development - A Challenge to Bahä’i Scholars, Bahä’i Studies Notebook 3.3/4 (1984), 1-18&lt;br /&gt;
2 Für diese Analogie ist der Autor Dr. Dwight Allen dankbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Ansatz&lt;br /&gt;
kann man mit der&lt;br /&gt;
Technologie zur&lt;br /&gt;
Erforschung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltalls&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergleichen.&lt;br /&gt;
BERBREE EEREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFENR.64 5&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großen finanziellen Rückhalt. Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi hofft, daß alle diese Dinge zu gege-&lt;br /&gt;
bener Zeit passieren werden.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Im Zentrum unserer Überlegun-&lt;br /&gt;
gen muß zuerst der Geist stehen, der unser&lt;br /&gt;
Wirtschaftsleben durchdringen muß. Dar-&lt;br /&gt;
aus werden sich allmählich definitive Insti-&lt;br /&gt;
tutionen und Prinzipien kristallisieren, die&lt;br /&gt;
zur Schaffung der idealen Bedingung bei-&lt;br /&gt;
tragen werden, die Bahä’u’lläh vorherge-&lt;br /&gt;
sagt hat.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was Ihren Wunsch betrifft, Ihr&lt;br /&gt;
Unternehmen nach Bahä’i-Richtlinien neu&lt;br /&gt;
zu gestalten, so schätzt Shoghi Effendi den&lt;br /&gt;
Geist sehr, der Sie zu einem solchen Vor-&lt;br /&gt;
schlag geführt hat. Nichtsdestotrotz denkt&lt;br /&gt;
er, daß die Zeit noch für keinen der Gläu-&lt;br /&gt;
bigen gekommen ist, um eine solch grund-&lt;br /&gt;
legende Veränderung in der Wirtschafts-&lt;br /&gt;
struktur unserer Gesellschaft herbeizufüh-&lt;br /&gt;
ren, egal wie begrenzt das Ausmaß eines&lt;br /&gt;
solchen Experimentes sein mag. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehren zur Wirtschaft sind zwar in&lt;br /&gt;
ihren Grundzügen weithin bekannt, aber sie&lt;br /&gt;
wurden bisher noch nicht ausreichend aus-&lt;br /&gt;
gearbeitet und systematisiert, um eine ex-&lt;br /&gt;
akte und gründliche Anwendung, noch&lt;br /&gt;
nicht einmal auf begrenzter Ebene, zu er-&lt;br /&gt;
lauben.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es gibt in unserem Glauben prak-&lt;br /&gt;
tisch keine konkreten Lehren zu Fragen der&lt;br /&gt;
Wirtschaft wie z.B. zum Bankwesen, dem&lt;br /&gt;
Preissystem und anderes. Die Sache ist kein&lt;br /&gt;
Wirtschaftssystem, noch kann man ihre&lt;br /&gt;
Stifter als Ökonomen im technischen Sinne&lt;br /&gt;
begreifen. Der Beitrag des Glaubens zu&lt;br /&gt;
diesem Thema ist im wesentlichen indirekt,&lt;br /&gt;
da er in der Anwendung geistiger Prinzi-&lt;br /&gt;
pien auf unser gegenwärtiges Wirtschafts-&lt;br /&gt;
system besteht. Bahä’u’lläh hat uns einige&lt;br /&gt;
grundlegende Prinzipien gegeben, die zu-&lt;br /&gt;
künftige Bahä’f-Ökonomen anleiten sollen&lt;br /&gt;
in der Einrichtung von Institutionen, die die&lt;br /&gt;
Wirtschaftsbeziehungen der Welt regeln&lt;br /&gt;
werden.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in diesen Zitaten ausgedrückte&lt;br /&gt;
Vision entspricht einem evolutionären Pro-&lt;br /&gt;
zeß, nicht nur was das Verständnis einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
au PR Ww&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Sichtweise wirtschaftlicher Proble-&lt;br /&gt;
me betrifft, sondern auch im Hinblick auf&lt;br /&gt;
die Entwicklung einer Geisteshaltung in der&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die ein Bahä’i-Wirtschaftssy-&lt;br /&gt;
stem im Zusammenhang einer breiteren ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Entwicklung ermöglichen&lt;br /&gt;
werden. In diesem Prozeß kommt den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Wirtschaftsexperten eine wichtige&lt;br /&gt;
Rolle zu, da sie angemessene Systeme und&lt;br /&gt;
Institutionen entwerfen müssen. Für die&lt;br /&gt;
Bahä’i ist göttliche Offenbarung ein Be-&lt;br /&gt;
ginn, kein Ende; sie inspiriert zu fortgesetz-&lt;br /&gt;
ter Kreativität, die sich in einer »ständig&lt;br /&gt;
fortschreitenden Kultur«’ ausdrückt und&lt;br /&gt;
eine Blüte neuer Wissenschaften und Kün-&lt;br /&gt;
ste herbeiführt, während grundlegende gei-&lt;br /&gt;
stige Prinzipien in steigendem Maße auf&lt;br /&gt;
kleine und große menschliche Probleme&lt;br /&gt;
angewandt werden. Das Fehlen technischer&lt;br /&gt;
Lehren über Wirtschaft in den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften bedeutet auch, daß kein einzelner&lt;br /&gt;
Bahä’f den Anspruch erheben kann, eine&lt;br /&gt;
Autorität auf diesem Gebiet zu sein — eine&lt;br /&gt;
Tatsache, die Gedankenfreiheit und freie&lt;br /&gt;
Meinungsäußerung sowie die Entwicklung&lt;br /&gt;
einer reichen und vielfältigen Palette von&lt;br /&gt;
Ansätzen für die Lösung einer komplizier-&lt;br /&gt;
ten, facettenreichen Problematik fördert.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i können daher darauf hoffen,&lt;br /&gt;
engstirnige Orthodoxie zu vermeiden, die&lt;br /&gt;
in vielen akademischen Disziplinen einen&lt;br /&gt;
erstickenden Einfluß ausgeübt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesen Überblick abzu-&lt;br /&gt;
schließen, sei mein Eindruck erwähnt, daß&lt;br /&gt;
die Bahä’i-Gemeinde bisher eine wichtige&lt;br /&gt;
Gelegenheit übersehen hat, denkende Men-&lt;br /&gt;
schen in aller Welt auf den Bahä’i-Glauben&lt;br /&gt;
aufmerksam zu machen, denn die Bahä’i&lt;br /&gt;
tendieren dazu, die Lehren ihres Glaubens&lt;br /&gt;
zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit relativ&lt;br /&gt;
ungenau zu kennen. Diese Fragen ziehen&lt;br /&gt;
immer mehr die Aufmerksamkeit der dyna-&lt;br /&gt;
mischeren Teile der Menschheit auf sich,&lt;br /&gt;
und die Bahä’i-Lehren bieten eine einzig-&lt;br /&gt;
artige, herausfordernde und hochinteres-&lt;br /&gt;
sante Sichtweise, die immer beachtliche&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit erregt, wenn man sie vor-&lt;br /&gt;
stellt. Die Themen, die ‘Abdu’l-Bahá wäh-&lt;br /&gt;
rend Seiner Reisen in den Westen im Jahr&lt;br /&gt;
1912 besonders betonte, waren herausfor-&lt;br /&gt;
dernde Probleme der damaligen Zeit, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief im Auftrag Shoghi Effendis vom 11. Januar 1933, zitiert in Bah@’f News 73:7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief im Auftrag Shoghi Effendis vom 20. Dezember 1931, zitiert in Bahd’! News 90:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief im Auftrag Shoghi Effendis vom 22. Mai 1935, zitiert in Bahd’f News 102:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief im Auftrag Shoghi Effendis vom 25. Januar 1936, zitiert in Bah@’! News 103:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s. Bahä’u’lläh, Ährenlese, Hofheim-Langenhain: Bahä’f-Verlag, 3. rev. Aufl. 1980, 109:2, S. 188&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=7}}z.B. die Gleichwertigkeit der Geschlechter&lt;br /&gt;
und der Rassen. Diese Prinzipien werden&lt;br /&gt;
heute weitgehend akzeptiert, zumindest in-&lt;br /&gt;
tellektuell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die aktuellen Themen der Debatte&lt;br /&gt;
betreffen Fragen wie gerechte Verteilung&lt;br /&gt;
der Wirtschaftskraft, Verhinderung von&lt;br /&gt;
Krieg und Verbesserung des Justizsystems.&lt;br /&gt;
Die Bahä’f müssen sich über die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Betrachtungsweise dieser Themen infor-&lt;br /&gt;
mieren und dann ihr Verständnis in der&lt;br /&gt;
öffentlichen Darstellung des Glaubens ver-&lt;br /&gt;
wenden.® Heute, mehr als fünfzig Jahre,&lt;br /&gt;
nachdem die oben angeführten Zitate ver-&lt;br /&gt;
faßt wurden, müssen die Bahä’i anfangen,&lt;br /&gt;
mit Anwendungen dieser Lehren zu expe-&lt;br /&gt;
rimentieren und die intellektuelle Grundla-&lt;br /&gt;
ge für solche Versuche zu legen. Der Rest&lt;br /&gt;
dieses Artikels beschäftigt sich mit Vor-&lt;br /&gt;
schlägen zu einigen Teilbereichen, in denen&lt;br /&gt;
weitere Forschung und Versuche dringend&lt;br /&gt;
erforderlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werte und&lt;br /&gt;
Entscheidungs-&lt;br /&gt;
findung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Managementexperten haben in den&lt;br /&gt;
letzten Jahren Instrumente der Entschei-&lt;br /&gt;
dungsfindung im Geschäfts- und Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsbereich entwickelt, die auf Konzep-&lt;br /&gt;
ten beruhen, bei denen Begriffe wie Renta-&lt;br /&gt;
bilität, Investitionsrückflüsse und Marktan-&lt;br /&gt;
teile eine bedeutende Rolle spielen. Außer&lt;br /&gt;
Profit sind die Größe des Unternehmens&lt;br /&gt;
und Wachstum Hauptziele, da Größe Macht&lt;br /&gt;
bringt und Macht begehrt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Instrumente öffentlicher Ent-&lt;br /&gt;
scheidungsfindung ähneln dem zwar prin-&lt;br /&gt;
zipiell, aber sie versuchen oft, Wertelemen-&lt;br /&gt;
te hinzuzufügen, die sich nicht in Markt-&lt;br /&gt;
preisen oder in auf der Grundlage dieser&lt;br /&gt;
Preise errechneten Profitanalysen nieder-&lt;br /&gt;
schlagen. Bei der Kalkulation der Erträge&lt;br /&gt;
bei staatlichen Projekten werden die tat-&lt;br /&gt;
sächlichen Preise oft den Marktverzerrun-&lt;br /&gt;
gen entsprechend angepaßt, oder soziale&lt;br /&gt;
Ziele wie Beschäftigung und Umwelt-&lt;br /&gt;
schutz werden eingearbeitet. Leider sind&lt;br /&gt;
soziale Zielsetzungen schwer quantifizier-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bar, und die Analysemethode ist daher&lt;br /&gt;
zwangsläufig ungenau. Dennoch spiegeln&lt;br /&gt;
diese Resultate allgemeine soziale Prioritä-&lt;br /&gt;
ten besser wider als strikte Finanzkal-&lt;br /&gt;
kulationen. Im privaten Sektor werden&lt;br /&gt;
solche umfassenderen Ziele selten ein-&lt;br /&gt;
bezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i haben eine&lt;br /&gt;
völlig andere Wertgrund-&lt;br /&gt;
lage für die Entschei-&lt;br /&gt;
dungsfindung. Das Krite-&lt;br /&gt;
rium des Profits, das im heu-&lt;br /&gt;
tigen System eine praktische&lt;br /&gt;
Notwendigkeit darstellt und als&lt;br /&gt;
solches nicht völlig abzulehnen&lt;br /&gt;
ist, stellt keineswegs das&lt;br /&gt;
Hauptziel dar, und eine kleinere&lt;br /&gt;
Unternehmensgröße wird einer grö-&lt;br /&gt;
Beren cher vorgezogen. Zu den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Zielen gehören Selbsterfül-&lt;br /&gt;
lung durch Dienst an der Menschheit,&lt;br /&gt;
die Beibehaltung des rechten Maßes&lt;br /&gt;
und des Gleichgewichts (z.B. zwischen&lt;br /&gt;
materiellem und geistigem Gut im Le-&lt;br /&gt;
ben), die Zufriedenheit, sein Bestes ge-&lt;br /&gt;
tan zu haben und möglichst qualitativ&lt;br /&gt;
hochwertige Arbeit zu leisten, und die&lt;br /&gt;
Freude, einen positiven und dauernden Bei-&lt;br /&gt;
trag zum Guten der Gesellschaft geleistet&lt;br /&gt;
zu haben. Unglücklicherweise reflektieren&lt;br /&gt;
Entscheidungen, die auf der Basis der vor-&lt;br /&gt;
herrschenden Preise mit Hilfe analytischer&lt;br /&gt;
Instrumente getroffen werden, eine ganz&lt;br /&gt;
andere gesellschaftliche Wertestruktur, und&lt;br /&gt;
die Kräfte der Wirtschaft üben großen&lt;br /&gt;
Druck auf die Konformität der allgemein&lt;br /&gt;
akzeptierten Werte aus. Z.B. kauft eine&lt;br /&gt;
große Buchhändlerkette Bücher nach ihrem&lt;br /&gt;
Titelbild, Titel und Inhalt — in dieser Rei-&lt;br /&gt;
henfolge. Oft wird dem Profitstreben zu&lt;br /&gt;
Ungunsten höherer Werte gehuldigt. Um&lt;br /&gt;
den Bahä’i bei der Arbeit gegen diesen&lt;br /&gt;
Druck zu helfen, müssen Mittel und Wege&lt;br /&gt;
gefunden werden, um fundierte Entschei-&lt;br /&gt;
dungen zu treffen, die auf die Ziele der&lt;br /&gt;
Bahä’f zustreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ausmaß des Problems läßt sich&lt;br /&gt;
an einem Beispiel aus meiner eigenen Er-&lt;br /&gt;
fahrung erläutern. Ich hatte mit einem klei-&lt;br /&gt;
nen Verlag zu tun, der hauptsächlich&lt;br /&gt;
Bahä’i-Literatur produziert. Die üblichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Generelle Abhandlungen über Bahä’i-Lehren zum Thema der Wirtschaft, s. John Huddleston, »Towards a&lt;br /&gt;
World Economy«, The Journal of Bah@’t Studies 3.3 (991): 21-34 und »The Economy of a World&lt;br /&gt;
Commonwealth«, World Order 9.4 (Sommer 1975): 37-43 und Gregory Dahl »Economics and the Bahä’i&lt;br /&gt;
Teachings: An Overview«, World Order 10.1 (Herbst 1975): 19-40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den&lt;br /&gt;
Bahä’i-&lt;br /&gt;
Zielen&lt;br /&gt;
gehört Selbst-&lt;br /&gt;
erfüllung&lt;br /&gt;
durch Dienst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
..wenn sie&lt;br /&gt;
Musik,&lt;br /&gt;
Vorträge und&lt;br /&gt;
Literatur&lt;br /&gt;
herausgebracht&lt;br /&gt;
hat, an die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man sich&lt;br /&gt;
erinnert, wird&lt;br /&gt;
man sich an&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Firma&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erinnern.&lt;br /&gt;
AEEEEEEEEEEEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8  BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien für den Erfolg eines kleinen Un-&lt;br /&gt;
ternehmens sind der Profit und die Wachs-&lt;br /&gt;
tumsrate. Ein nicht-profitables Geschäft&lt;br /&gt;
kann als erfolgreich betrachtet werden,&lt;br /&gt;
wenn es schnell wächst, da&lt;br /&gt;
dieses Wachstum zukünftigen&lt;br /&gt;
Gewinn verspricht. Meines&lt;br /&gt;
Erachtens nach könnte man&lt;br /&gt;
das Unternehmen auch ohne&lt;br /&gt;
Gewinn und Wachstum als er-&lt;br /&gt;
folgreich bezeichnen, wenn es&lt;br /&gt;
Literatur veröffentlicht, die&lt;br /&gt;
die Menschen dazu inspiriert,&lt;br /&gt;
zu einer neuen Weltkultur bei-&lt;br /&gt;
zutragen, und wenn die Unter-&lt;br /&gt;
nehmenstätigkeit sinnvolle&lt;br /&gt;
und lohnenswerte Beschäfti-&lt;br /&gt;
gung für mich und meine Angestellten bie-&lt;br /&gt;
tet. In hundert Jahren wird sich niemand&lt;br /&gt;
mehr darum kümmern, ob meine Firma&lt;br /&gt;
hohe Gewinne eingefahren hat. Aber wenn&lt;br /&gt;
sie Musik, Vorträge und Literatur herausge-&lt;br /&gt;
bracht hat, an die man sich erinnert, wird&lt;br /&gt;
man sich an die Firma erinnern. Die Aus-&lt;br /&gt;
sicht auf einen solchen Beitrag zum Guten&lt;br /&gt;
der Gesellschaft war mir viel wichtiger als&lt;br /&gt;
der Gewinn.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun Entscheidungen getrof-&lt;br /&gt;
fen werden müssen, fällt es schwer, diese&lt;br /&gt;
vielfältigen Ziele in einem zusammenhän-&lt;br /&gt;
genden, praktikablen System zu vereinigen,&lt;br /&gt;
und die Mittel für einen wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Ansatz dazu fehlen. In Abwesenheit solcher&lt;br /&gt;
Instrumente vergißt man leicht seine hohen&lt;br /&gt;
Ziele oder rutscht in abgrundtiefe Manage-&lt;br /&gt;
menttechniken, die zu Bankrott und Versa-&lt;br /&gt;
gen führen. Vielleicht wollte Shoghi Effen-&lt;br /&gt;
di in seinen Briefen vor fünfzig Jahren&lt;br /&gt;
gerade vor diesen Resultaten warnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl kleine als auch große Un-&lt;br /&gt;
ternehmen mit ihren größeren Herausforde-&lt;br /&gt;
rungen in Personalverwaltung und Organi-&lt;br /&gt;
sationsstruktur brauchen umfassende Sy-&lt;br /&gt;
steme zur Entscheidungsfindung. Auch für&lt;br /&gt;
das einzelne Individuum müssen neue An-&lt;br /&gt;
sätze gefunden werden, denn diesem fällt&lt;br /&gt;
es oft schwer, echte persönliche Ziele zu&lt;br /&gt;
formulieren, um dann — je nach Zeit- und&lt;br /&gt;
Finanzrahmen — systematische Entschei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dungen zur Erreichung dieser Ziele zu&lt;br /&gt;
fällen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung&lt;br /&gt;
zwischen Arbeiter&lt;br /&gt;
und Management&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich dieser Beziehung ver-&lt;br /&gt;
ireten die Bahä’i eine ungewöhnliche An-&lt;br /&gt;
sicht bezüglich einer wünschenswerten Un-&lt;br /&gt;
ternehmensstruktur. Für die Bahä’i liegt der&lt;br /&gt;
Schlüssel darin, daß alle Parteien, gleich-&lt;br /&gt;
gültig ob Arbeitnehmer oder Management-&lt;br /&gt;
Vertreter, ihr gemeinsames Interesse erken-&lt;br /&gt;
nen. Eine solche Sichtweise führt dazu, daß&lt;br /&gt;
sich jeder dem Gemeinwohl widmet. In&lt;br /&gt;
Seiner Ansprache vor einer Gruppe von&lt;br /&gt;
Gewerkschaftsführern und Sozialisten in&lt;br /&gt;
Montreal (Kanada) am 3. September 1912&lt;br /&gt;
wies “Abdu’l-Bahá darauf hin: »... der&lt;br /&gt;
Mensch kann nicht einsam und allein leben.&lt;br /&gt;
Er braucht ständige Zusammenarbeit und&lt;br /&gt;
gegenseitige Hilfe&amp;lt;!®.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Abdu’I-Bahä verglich die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft mit einer Familie und führte die Un-&lt;br /&gt;
gleichheiten und Ungerechtigkeiten in un-&lt;br /&gt;
serer Welt darauf zurück, daß »dieser Fa-&lt;br /&gt;
milie die notwendige Gegenseitigkeit und&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit fehlt«&#039;!. Ich finde diese&lt;br /&gt;
Analogie faszinierend, wenn man ihre hi-&lt;br /&gt;
storische Entwicklung betrachtet, da die&lt;br /&gt;
jahrzehntealten Probleme der Industrie&lt;br /&gt;
jetzt auch die westliche Familie auseinan-&lt;br /&gt;
derreißen. Anstatt die allgemeinen Vorzüge&lt;br /&gt;
der Zusammenarbeit und des persönlichen&lt;br /&gt;
Opfers in den Mittelpunkt zu stellen, kon-&lt;br /&gt;
zentriert man sich heute hauptsächlich auf&lt;br /&gt;
den Kampf gegen die Ungerechtigkeit, auf&lt;br /&gt;
das Einfordern dessen, was man als fairen&lt;br /&gt;
Anteil am Wohlergehen betrachtet, und auf&lt;br /&gt;
die Annahme kämpferischer Taktiken, um&lt;br /&gt;
diese Ziele zu erreichen. Dieser im Grunde&lt;br /&gt;
selbstische Ansatz, der zur Einnahme fest-&lt;br /&gt;
gefahrener Positionen und zur Entwicklung&lt;br /&gt;
von Entfremdung führt, ist keine Formel&lt;br /&gt;
zum Erfolg in zwischenmenschlichen Be-&lt;br /&gt;
ziehungen, weder in einer Familie, noch in&lt;br /&gt;
einer Firma. Nur in einem System, das&lt;br /&gt;
angemessen und gerecht erscheint, in dem&lt;br /&gt;
Menschen einander gegenüber flexibel,&lt;br /&gt;
verständnisvoll und großzügig sein kön-&lt;br /&gt;
nen, können sich harmonische Beziehun-&lt;br /&gt;
gen entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Eine unterhaltsame Betrachtung dieses Themas finden Sie in E. F. Schumacher, Good Work, New York:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harper and Row, 1979&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 ‘Abdu&#039;l-Bahä, Foundations of World Unity, Wilmette, IL: Bahä’f Publishing Trust, 1979, S.38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 aaO.&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird noch ein großes Maß an&lt;br /&gt;
Arbeit erfordern, bis gesetzliche und finan-&lt;br /&gt;
zielle Unternehmensstrukturen entwickelt&lt;br /&gt;
werden, die von den Teilnehmern als ange-&lt;br /&gt;
messen und gerecht betrachtet werden. Seit&lt;br /&gt;
kurzem hat eine Entwicklung in westlichen&lt;br /&gt;
Ländern an Schwungkraft gewonnen, mit&lt;br /&gt;
der traditionelle Managementstrukturen da-&lt;br /&gt;
hingehend reformiert werden sollen, daß&lt;br /&gt;
die Arbeiter mehr an der Verwaltung und&lt;br /&gt;
sogar am Firmenkapital teilhaben können.&lt;br /&gt;
An dieser Stelle können diese Entwick-&lt;br /&gt;
lungen nicht ausführlich diskutiert wer-&lt;br /&gt;
den, aber es gibt Literatur beträchtlichen&lt;br /&gt;
Umfangs, darunter auch ausgiebige Fall-&lt;br /&gt;
studien, die fruchtbaren Boden für diejeni-&lt;br /&gt;
gen Bahä’i bieten, die sich mit dieser The-&lt;br /&gt;
matik näher befassen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitsumgebung&lt;br /&gt;
und Lebensstil&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Gebiet, in dem die&lt;br /&gt;
Bahä’i sich engagieren sollten, ist die Er-&lt;br /&gt;
forschung der Arbeitsumgebung und des&lt;br /&gt;
Lebensstils. Themen im Zusammenhang&lt;br /&gt;
mit der Qualität des Arbeitslebens erhalten&lt;br /&gt;
zunehmend Aufmerksamkeit, je mehr fru-&lt;br /&gt;
strierte und überlastete Menschen in den&lt;br /&gt;
reichen Ländern größere Bedeutung und&lt;br /&gt;
Erfüllung im Leben suchen. Aber im allge-&lt;br /&gt;
meinen fehlt hierbei eine Perspektive und&lt;br /&gt;
es werden nur geringfügige Verbesserun-&lt;br /&gt;
gen erzielt. Hier gibt es also Möglichkeiten&lt;br /&gt;
für innovative Forschung und Modellver-&lt;br /&gt;
suche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue Trends zeigen sich deutlich&lt;br /&gt;
darin, daß sich z.B. die hochentwickelte&lt;br /&gt;
Technologie-Industrie an Orten wie New&lt;br /&gt;
Hampshire und Boulder, Colorado, ansie-&lt;br /&gt;
delt, um dem Bedürfnis der Angestellten&lt;br /&gt;
nach einem nicht-großstädtischen Lebens-&lt;br /&gt;
stil entgegenzukommen. In beschränktem&lt;br /&gt;
Maße experimentierte man auch mit flexi-&lt;br /&gt;
blen Arbeitszeiten, man schuf mehr Teil-&lt;br /&gt;
zeitbeschäftigung und weitete die Nut-&lt;br /&gt;
zung elektronischer Büros im eigenen&lt;br /&gt;
Heim aus. Im großen und ganzen bleiben&lt;br /&gt;
Arbeitsplatz und Heim aber völlig ge-&lt;br /&gt;
trennt, was ganz im Einklang mit dem&lt;br /&gt;
modernen Hang zur Aufteilung steht. Dar-&lt;br /&gt;
unter hat das Heim gelitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da in den Bahä’i-Lehren der »gei-&lt;br /&gt;
stige Lohn« der Arbeit als Dienst am Näch-&lt;br /&gt;
sten und die Bedeutung der Familie betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, erscheint es durchaus möglich, daß&lt;br /&gt;
wir ein neues Arbeitsumfeld und neue ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche Strukturen schaffen können,&lt;br /&gt;
die der individuellen Verantwortung mehr&lt;br /&gt;
zugestehen und den einzelnen Arbeitneh-&lt;br /&gt;
mern mehr Flexibilität bei der örtlichen und&lt;br /&gt;
zeitlichen Planung der Arbeit erlauben. Bei&lt;br /&gt;
vielen heutigen Tätigkeiten ist es nicht&lt;br /&gt;
mehr nötig, acht Stunden in einem Büro zu&lt;br /&gt;
sitzen wie ein Kind in der Schule. Durch&lt;br /&gt;
die Einführung von Rufmeldern,&lt;br /&gt;
tragbaren Telefonen, Faxgerä-&lt;br /&gt;
ten, Modems und Computersy-&lt;br /&gt;
stemen, die komplizierte Pla-&lt;br /&gt;
nungsprobleme lösen können,&lt;br /&gt;
können Arbeitnehmer immer&lt;br /&gt;
erreichbar sein und trotzdem&lt;br /&gt;
gleichzeitig ein nie da-&lt;br /&gt;
gewesenes Maß an&lt;br /&gt;
Freiheit genießen.&lt;br /&gt;
Unsere Institutionen&lt;br /&gt;
haben sich aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht der &amp;gt;&lt;br /&gt;
technologischen Entwick-&lt;br /&gt;
lung angepaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem erscheint es wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich, daß die Größe der jetzt die&lt;br /&gt;
Wirtschaft dominierenden Organisationen&lt;br /&gt;
in den Industrienationen nicht das Produkt&lt;br /&gt;
technischer Wirtschaftsfaktoren ist, son-&lt;br /&gt;
dern eher einem Gesetzessystem entsprun-&lt;br /&gt;
gen ist, das die Reichen zur Förderung&lt;br /&gt;
ihrer eigenen Interessen geschaffen haben.&lt;br /&gt;
Die Patentgesetze sprechen dafür. Diese&lt;br /&gt;
Gesetze waren die Grundlage, auf der vie-&lt;br /&gt;
le der größten Wirtschaftsimperien ent-&lt;br /&gt;
standen. In einem Bahä’i-System könnten&lt;br /&gt;
die Gesetze zugunsten kleinerer Betriebe&lt;br /&gt;
umstrukturiert werden, da diese individu-&lt;br /&gt;
elle Initiativen stärker fördern und zu&lt;br /&gt;
größerer Zufriedenheit im Beruf beitra-&lt;br /&gt;
gen. Es ist ein gutes Zeichen, daß jüngere&lt;br /&gt;
Bahä’i in vielen Ländern kleinere Betriebe&lt;br /&gt;
gründen. Diese Unternehmen bieten ein&lt;br /&gt;
fruchtbares Feld für Versuche mit neuen&lt;br /&gt;
Unternehmensstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer fundamentaleren Ebene&lt;br /&gt;
sollte man die grundlegenden Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen vom modernen Arbeitsplatz überden-&lt;br /&gt;
ken. Innovationen auf diesem Gebiet&lt;br /&gt;
könnten interessante Resultate zeitigen.&lt;br /&gt;
Z.B. arbeitete ich in einem hochmodernen&lt;br /&gt;
Umweltbüro in Washington D.C. und da-&lt;br /&gt;
nach in Haiti, was man wohl als das Ge-&lt;br /&gt;
genteil einer modernen Umgebung be-&lt;br /&gt;
zeichnen könnte. Ironischerweise war ich&lt;br /&gt;
bei meiner letzteren Arbeit viel glückli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fundamentaleren&lt;br /&gt;
Ebene sollte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man die&lt;br /&gt;
erundlegenden&lt;br /&gt;
Vorstellungen&lt;br /&gt;
vom modernen&lt;br /&gt;
Arbeitsplatz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
überdenken.&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFENR.64 9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
cher und fand sie viel interessanter und&lt;br /&gt;
lohnenswerter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Telefone in Haiti nicht gut&lt;br /&gt;
funktionieren und vertrauliche Gespräche&lt;br /&gt;
wegen der häufigen Leitungsüberschnei-&lt;br /&gt;
dungen nicht gesichert werden können,&lt;br /&gt;
werden wichtige Angelegenheiten immer&lt;br /&gt;
unter vier Augen besprochen. Parallel&lt;br /&gt;
dazu führt der Mangel an guten Sekretä-&lt;br /&gt;
rinnen und an einem zuverlässigen Post-&lt;br /&gt;
dienst zu einer geringeren Abhängigkeit&lt;br /&gt;
von Papier. Also verbringt man auch bei&lt;br /&gt;
einer Büroanstellung den größten Teil sei-&lt;br /&gt;
ner Arbeitszeit mit dem direkten Umgang&lt;br /&gt;
mit Menschen in verschiedenen Gesprä-&lt;br /&gt;
chen überall in der Stadt. Die täglichen&lt;br /&gt;
Kämpfe mit Telefon, Elektrizität, mit der&lt;br /&gt;
Suche nach bestimmten Produkten in Ge-&lt;br /&gt;
schäften usw. sind auch eine Herausforde-&lt;br /&gt;
rung, die die Zufriedenheit nach Erfüllung&lt;br /&gt;
einer Aufgabe erhöht. In technologisch&lt;br /&gt;
fortschrittlicheren Ländern sind die Er-&lt;br /&gt;
wartungen höher. Wenn diese Erwartun-&lt;br /&gt;
gen nicht erfüllt werden, werden die Men-&lt;br /&gt;
schen oft ärgerlich und regen sich auf, und&lt;br /&gt;
oft geht dabei die Freude über ein erreich-&lt;br /&gt;
tes Ziel verloren. Port-au-Prince ist auch&lt;br /&gt;
eine interessantere Stadt als Washington;&lt;br /&gt;
da die Menschen sich keine Autos leisten&lt;br /&gt;
können, sind sie alle auf der Straße und&lt;br /&gt;
erfüllen die Stadt mit Leben, Farbe und&lt;br /&gt;
geschäftigem Treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will hier nicht vorschlagen, daß&lt;br /&gt;
die reichen Länder wieder »unterent-&lt;br /&gt;
wickelt« werden sollen, aber ich glaube,&lt;br /&gt;
daß wir auf dem Weg zu größerem Wohl-&lt;br /&gt;
stand genauso viel verloren wie gewonnen&lt;br /&gt;
haben und daß wir nun Gefangene unserer&lt;br /&gt;
Maschinen sind, wie Lewis Mumford vor&lt;br /&gt;
Jahren warnend zum Ausdruck brachte&#039;?.&lt;br /&gt;
Mit einer Vision für die Zukunft und mit&lt;br /&gt;
Entschlossenheit sollten wir aber in der&lt;br /&gt;
Lage sein, unser Leben, unser Gesell-&lt;br /&gt;
schaftssystem und unsere Maschinerie un-&lt;br /&gt;
ter Kontrolle zu bekommen und so neu zu&lt;br /&gt;
gestalten, daß unsere menschlichen und&lt;br /&gt;
geistigen sowie unsere materiellen Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse erfüllt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das&lt;br /&gt;
genossenschaftliche&lt;br /&gt;
Dorfmodell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ganz anderes Problem von le-&lt;br /&gt;
benswichtiger Bedeutung für die Mensch-&lt;br /&gt;
heit ist das Wohlergehen der Dorfbevölke-&lt;br /&gt;
rung. Eine große Anzahl von Menschen&lt;br /&gt;
und die Mehrheit der Bahä’i leben in&lt;br /&gt;
Dörfern.!? Obwohl dieses Thema vielen&lt;br /&gt;
Lesern in den industrialisierten Ländern&lt;br /&gt;
fremd erscheinen mag, hat es hohe Priori-&lt;br /&gt;
tät angesichts der großen Anzahl von be-&lt;br /&gt;
troffenen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Großteil der Ansprache&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahás in Montreal bezog sich auf&lt;br /&gt;
ein Modell für Zusammenarbeit auf der&lt;br /&gt;
Dorfebene, das sogenannte »Dorfmodell«.&lt;br /&gt;
Der Vorschlag beinhaltet das, was man heu-&lt;br /&gt;
te als »Selbsthilfe« bezeichnet. Es werden&lt;br /&gt;
Beiträge zu einem gemeinsamen Fonds ge-&lt;br /&gt;
leistet und Ausgaben und Verteilung den&lt;br /&gt;
Bedürfnissen entsprechend vorgenommen.&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahá sagt explizit, daß dieses Sy-&lt;br /&gt;
stem zur Würde des Menschen und zur&lt;br /&gt;
Unabhängigkeit von Ausbeutung beitragen&lt;br /&gt;
wird: ». . . jeder einzelne... [wird] in&lt;br /&gt;
umfassendem Wohlstand und Behagen le-&lt;br /&gt;
ben, ohne irgendeinem anderen verpflichtet&lt;br /&gt;
zu sein.« !*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz dazu basiert heutzu-&lt;br /&gt;
tage in vielen Dörfern der Welt das System&lt;br /&gt;
auf einem örtlichen Geldverleiher oder&lt;br /&gt;
Landbesitzer, der einen großen Teil der Er-&lt;br /&gt;
träge des Dorfes zu seinem eigenen Nutzen&lt;br /&gt;
abschöpft, wobei er Kunden oder Pächter&lt;br /&gt;
in einem fortgesetzten Zustand der Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit hält. Viele landwirtschaftliche Re-&lt;br /&gt;
formen, im Zuge derer das Land per Gesetz&lt;br /&gt;
den Bauern übergeben wurde, haben ver-&lt;br /&gt;
sagt, weil die Bauern das Land an die vor-&lt;br /&gt;
herigen Besitzer zurückverkaufen. Diese&lt;br /&gt;
örtlichen Machtverwalter haben finanzielle&lt;br /&gt;
Quellen, mit denen sie die Risiken der&lt;br /&gt;
Landwirtschaft auf sich nehmen können&lt;br /&gt;
und auch oft das Marktsystem für Farmpro-&lt;br /&gt;
dukte und den Vertrieb der notwendigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Siehe besonders Lewis Mumford, Technics and Civilization, New York: Harcourt, Brace and Co., 1934&lt;br /&gt;
und The Myth of the Machine, 2 Bände, New York: Harcourt Brace Jovanovich, 1967-70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Siehe World Bank, World Development Report 1990, New York: Oxford University Press, 1990, S.&lt;br /&gt;
238-39. Tabelle 21 gibt die nichtstädtische Bevölkerung im Jahr 1988 mit 47,3 % der Weltbevölkerung an&lt;br /&gt;
(im Unterschied zu 59 % im World Development Report 1983), »Nichtstädtisch« wird nicht klar definiert,&lt;br /&gt;
da sich die globalen Daten aus nationalen Statistiken mit unterschiedlichen Definitionen zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 ‘Abdu’!-Bahä, Foundations of World Unity, S.41, dt. in Bahä’i-Briefe Nr. 39, $. 1048f.&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=11}}Grundgüter (Saatgut etc.) kontrollieren. Ein&lt;br /&gt;
kooperatives System mit einer Dorfinstitu-&lt;br /&gt;
tion unter Kontrolle der Bauern, die sich&lt;br /&gt;
um ihr eigenes Wohl kümmern, Könnte ge-&lt;br /&gt;
nug Mittel anhäufen, um die Kreditbedürf-&lt;br /&gt;
nisse seiner Mitglieder zu decken, um im&lt;br /&gt;
Falle von Katastrophen Abhilfe zu schaf-&lt;br /&gt;
fen, um beim Verkauf der Waren und bei&lt;br /&gt;
der Anschaffung von Gütern zu helfen und&lt;br /&gt;
um uralte Systeme der Ausbeutung auf der&lt;br /&gt;
örtlichen Ebene zu durchbrechen. Ein sol-&lt;br /&gt;
ches System würde sich merklich auf die&lt;br /&gt;
gesamte gesellschaftliche Entwicklung&lt;br /&gt;
auswirken und Gewinne, die früher anders-&lt;br /&gt;
wo hinflossen, für Neuinvestitionen im&lt;br /&gt;
Dorf bereitstellen. Die vorhandene Litera-&lt;br /&gt;
tur zu dieser Thematik muß sorgfältig un-&lt;br /&gt;
tersucht werden; man sollte über die An-&lt;br /&gt;
wendung von Bahä’i-Prinzipien nachden-&lt;br /&gt;
ken und dann gut überlegte Versuche durch-&lt;br /&gt;
führen. Bei solchen Bemühungen haben die&lt;br /&gt;
Bahä’i den Vorteil der Erfahrung von zehn-&lt;br /&gt;
tausenden örtlichen Geistigen Räten und&lt;br /&gt;
Gruppen in Dörfern in aller Welt, die sich&lt;br /&gt;
bereits für Gemeindeentwicklung und den&lt;br /&gt;
Aufbau von Institutionen einsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kommen wir zu einem Thema,&lt;br /&gt;
das sich rapide zum führenden Anliegen der&lt;br /&gt;
Menschheit entwickelt, nämlich die Frage&lt;br /&gt;
der Organisation von Gesetzen und Institu-&lt;br /&gt;
tionen, die in der Welt globales Wohlerge-&lt;br /&gt;
hen und Sicherheit vorantreiben. Auf die-&lt;br /&gt;
sem Gebiet gibt es in den Bahä’i-Schriften&lt;br /&gt;
eine Vielfalt an Prinzipien, die tiefgründige&lt;br /&gt;
und weitreichende Folgerungen beinhalten.&lt;br /&gt;
Diese Folgerungen müssen herausgearbei-&lt;br /&gt;
tet und in konkrete Vorschläge für neue&lt;br /&gt;
Institutionen und Strukturen zur Neuord-&lt;br /&gt;
nung der Angelegenheiten der Menschheit&lt;br /&gt;
umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel aus den Bahä’i-Schrif-&lt;br /&gt;
ten ist die Forderung, daß die Welt eine&lt;br /&gt;
einzige Währung haben sollte, ein einheit-&lt;br /&gt;
liches System für Gewicht und andere&lt;br /&gt;
Maßeinheiten, eine internationale Hilfs-&lt;br /&gt;
sprache und Freiheit von Handelsschran-&lt;br /&gt;
ken!”. Dem ließe sich die Nützlichkeit ei-&lt;br /&gt;
nes einheitlichen Handelskodexes hinzufü-&lt;br /&gt;
gen, der für die globale Durchsetzung von&lt;br /&gt;
Verträgen sorgen würde, sowie einheitliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15  s. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’u’lldhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorgaben für Maßregeln im Geschäftsver-&lt;br /&gt;
halten. Diese Prinzipien implizieren die&lt;br /&gt;
Existenz einer Weltzentralbank, ein hohes&lt;br /&gt;
Maß an Koordination der nationalen Wirt-&lt;br /&gt;
schaftspolitik (verschiedener Länder) und&lt;br /&gt;
in der Tat eine voll ausgearbeitete Weltre-&lt;br /&gt;
gierung mit bestimmten Machtbefugnissen&lt;br /&gt;
bei der Verteilung natürlicher Ressourcen,&lt;br /&gt;
damit die wirtschaftlich Schwachen sich&lt;br /&gt;
bis zur Konkurrenzfähigkeit entwickeln&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i müssen nicht nur über&lt;br /&gt;
Organisation auf Weltebene nachdenken;&lt;br /&gt;
sie müssen sich auch in zunehmendem&lt;br /&gt;
Maße mit praktischen Problemen der Lan-&lt;br /&gt;
desregierungen beschäftigen. In nicht allzu&lt;br /&gt;
ferner Zeit werden sie nach ihrer Meinung&lt;br /&gt;
zu all diesen Themen gefragt und müssen,&lt;br /&gt;
wenn die Bahä’i in einem Land die Mehr-&lt;br /&gt;
heit darstellen, dafür auch Verantwortung&lt;br /&gt;
übernehmen. Zu diesen praktischen Ver-&lt;br /&gt;
waltungsfragen (die man nicht mit der Par-&lt;br /&gt;
teipolitik verwechseln sollte, aus der sich&lt;br /&gt;
die Bahä’i heraushalten) gehören Fragen&lt;br /&gt;
wie der Umgang mit Armut, mit Waisen,&lt;br /&gt;
mit Kranken, Schwachen und Alten, die&lt;br /&gt;
Erziehung der Kinder, die Anwendung von&lt;br /&gt;
Straf- und öffentlichem Recht, das ange-&lt;br /&gt;
messene Maß an Regierungsgewalt, und&lt;br /&gt;
natürlich all die alltäglichen Wirtschafts-&lt;br /&gt;
themen wie Finanz- und Währungspolitik,&lt;br /&gt;
Schaffung von Arbeitsplätzen und Prioritä-&lt;br /&gt;
ten bei der Haushaltspolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ‘Abdu’l-Bahá zu Anfang des&lt;br /&gt;
Jahrhunderts vorhersagte, gewann die »Be-&lt;br /&gt;
wegung der Linken« große Bedeutung und&lt;br /&gt;
eine gehörige Anhängerschaft, besonders in&lt;br /&gt;
der Jugend der Welt. Mit dem Zusammen-&lt;br /&gt;
bruch des Kommunismus verfolgt der&lt;br /&gt;
Großteil der Welt nun die materialistischen&lt;br /&gt;
Ziele des westlichen Kapitalismus. Jedoch&lt;br /&gt;
werden in kurzer Zeit zweifelsohne die in&lt;br /&gt;
diesem System verankerten Nachteile auch&lt;br /&gt;
offensichtlicher werden. Die Bahä’i-Leh-&lt;br /&gt;
ren sind in vielerlei Hinsicht revolutionär,&lt;br /&gt;
und sie bieten eine Alternative für den&lt;br /&gt;
Kommunismus und den Kapitalismus. Die&lt;br /&gt;
in den Bahä’i-Lehren verkündeten allge-&lt;br /&gt;
meinen Prinzipien müssen ausgearbeitet&lt;br /&gt;
und auf gegenwärtige Probleme angewen-&lt;br /&gt;
det werden. An diesem Entwicklungspro-&lt;br /&gt;
zeß muß die gesamte Bahä’i-Einstellung&lt;br /&gt;
zum Leben, nicht nur die Lehren zum The-&lt;br /&gt;
ma Wirtschaft, ins Spiel kommen. Lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie uns nun fünf allgemeine Themenberei-&lt;br /&gt;
che beispielhaft betrachten, die sich direkt&lt;br /&gt;
auf die Debatte zwischen Kapitalisten und&lt;br /&gt;
Sozialisten beziehen und die ein großes&lt;br /&gt;
Maß an weiterer Forschung von seiten der&lt;br /&gt;
Bahä’i - Wirtschaftswis-&lt;br /&gt;
senschaftler und -Den-&lt;br /&gt;
ker erfordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verteilung des&lt;br /&gt;
Reichtums&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An erster Stelle steht das Problem&lt;br /&gt;
der Verteilung des Reichtums und der Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsmacht und ein Entwurf für Institu-&lt;br /&gt;
tionen zur Kanalisierung des Wohlstands.&lt;br /&gt;
Einer der wichtigsten und fundiertesten&lt;br /&gt;
Kritikpunkte der Sozialisten am kapitalisti-&lt;br /&gt;
schen System ist dessen Toleranz gegen-&lt;br /&gt;
über ungebremster Anhäufung von Reich-&lt;br /&gt;
tum. Sogar in den westlichen Industrielän-&lt;br /&gt;
dern, in deren Wirtschaft die Angleichung&lt;br /&gt;
der Einkommen weit fortgeschritten ist und&lt;br /&gt;
viele Aspekte des Sozialismus anerkannt&lt;br /&gt;
werden, zeigen Statistiken über die Anhäu-&lt;br /&gt;
fung von Reichtum, daß immer noch ein&lt;br /&gt;
geringer Prozentsatz der Bevölkerung das&lt;br /&gt;
meiste Kapital besitzt. Der Reichtum bringt&lt;br /&gt;
natürlich Wirtschaftsmacht mit sich. Wenn&lt;br /&gt;
Howard Hughes die Dienstleistungen in ei-&lt;br /&gt;
nem Hotel nicht gefielen, so konnte er es&lt;br /&gt;
einfach kaufen. Die Finanzmärkte und die&lt;br /&gt;
riesigen Profite, die bei Spekulationen&lt;br /&gt;
möglich sind, sorgen dafür, daß große&lt;br /&gt;
Reichtümer weiterwachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Bahä’i-System sollen Ex-&lt;br /&gt;
treme zwischen Arm und Reich beseitigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Dieses Prinzip setzt eine Umstruk-&lt;br /&gt;
turierung der Reichtumsverteilung voraus,&lt;br /&gt;
durch die die Wirtschaftsstnuktur sich auch&lt;br /&gt;
stark verändern wird. Im Unterschied zum&lt;br /&gt;
Kapitalismus, in dem sich der Reichtum in&lt;br /&gt;
wenigen Händen konzentriert, und zum So-&lt;br /&gt;
zialismus, in dem der Staat weitgehend den&lt;br /&gt;
Besitz kontrolliert, wird in einem Bahä’i-&lt;br /&gt;
System der Besitz im privaten Bereich brei-&lt;br /&gt;
ter verteilt sein. Dieses System würde&lt;br /&gt;
wahrscheinlich wiederum den Aufbau klei-&lt;br /&gt;
nerer Unternehmen fördern, da dann mehr&lt;br /&gt;
Unternehmer Zugang zu Kapital hätten.&lt;br /&gt;
Außerdem würde das in den Bahä’i-Schrif-&lt;br /&gt;
ten enthaltene Verbot von Glücksspiel zu&lt;br /&gt;
verschiedenen Veränderungen der Steuer-&lt;br /&gt;
und anderer Gesetzgebung führen, um In-&lt;br /&gt;
vestitionen in rein spekulativen Gebieten&lt;br /&gt;
abzublocken, in denen derzeit diejenigen,&lt;br /&gt;
die reich genug sind, hohe Gewinne einfah-&lt;br /&gt;
ren. Solche Regelungen würden nicht nur&lt;br /&gt;
dem weniger Wohlhabenden eine gleichbe-&lt;br /&gt;
rechtigtere Chance in der Wirtschaft geben,&lt;br /&gt;
sondern auch die Effektivität des Systems&lt;br /&gt;
verbessern, indem der relative Wert von&lt;br /&gt;
knappen Faktoren wie Land verringert und&lt;br /&gt;
die relativen Gewinne produktiver Investi-&lt;br /&gt;
tionen erhöht werden. An der Wurzel dieser&lt;br /&gt;
Probleme liegt die soziale Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
die in einem Bahä’i-System höchste Prio-&lt;br /&gt;
rität hätte und die wiederum zu einem hö-&lt;br /&gt;
heren Niveau wirtschaftlichen Wohlerge-&lt;br /&gt;
hens führen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der&lt;br /&gt;
Regierungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderes zentrales Problem ist&lt;br /&gt;
die wünschenswerte Größe und Rolle von&lt;br /&gt;
Regierungen in einem ansonsten marktori-&lt;br /&gt;
entierten System. Die Bahä’i werden dazu&lt;br /&gt;
ermutigt, der Menschheit zu dienen. Diese&lt;br /&gt;
Motivation des Dienens würde in einer Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft mit einer großen Anzahl von&lt;br /&gt;
Bahä’i vermutlich zur Gründung vieler pri-&lt;br /&gt;
vater Einrichtungen führen, die sich der&lt;br /&gt;
sozialen Arbeit widmen, für die derzeit&lt;br /&gt;
hauptsächlich der Staat verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
So könnte man die Aufgaben der Regierun-&lt;br /&gt;
gen stark verringern. Auch öffentliche Mit-&lt;br /&gt;
tel zur nationalen Verteidigung und zur&lt;br /&gt;
Aufrechterhaltung der inneren Ordnung&lt;br /&gt;
könnten drastisch gesenkt werden, wenn&lt;br /&gt;
sich der Bedarf solcher Ausgaben verrin-&lt;br /&gt;
gert. Es könnte gut sein, daß in einem&lt;br /&gt;
Bahä’i-System die Regierung das Marktsy-&lt;br /&gt;
stem in dem Maße reguliert, daß kleine&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=13}}Produzenten ihre Rechte wahrnehmen kön-&lt;br /&gt;
nen, während aber die lähmende Überregu-&lt;br /&gt;
lierung vermieden wird, die heutzutage&lt;br /&gt;
große Produzenten bevorzugt, die über ge-&lt;br /&gt;
nug Finanzkraft verfügen, um den Papier-&lt;br /&gt;
krieg zu bewältigen. Z.B. könnte die Regie-&lt;br /&gt;
rung dazu aufgefordert werden, Kreditan-&lt;br /&gt;
stalten Rückhalt zu gewähren, die kleine&lt;br /&gt;
Unternehmen finanzieren und auch Exper-&lt;br /&gt;
tenwissen an diese weitergeben. Eine Re-&lt;br /&gt;
gierung könnte auch als riesiges Informa-&lt;br /&gt;
tionssystem dienen und gewisse einheitli-&lt;br /&gt;
che Maßstäbe der Werbung einsetzen, so&lt;br /&gt;
daß kleine Produzenten eines guten Pro-&lt;br /&gt;
dukts auf dem Markt neben einem Groß-&lt;br /&gt;
produzenten mit einem riesigen Werbeetat&lt;br /&gt;
eine Chance haben. Kurz gesagt, Regierun-&lt;br /&gt;
gen sollten eher anregen als behindern;&lt;br /&gt;
heute scheint aber gerade das Abschnüren&lt;br /&gt;
von Möglichkeiten ein allgemeines Resul-&lt;br /&gt;
tat des Wirtschaftssystems zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materielle Güter —&lt;br /&gt;
Soziale&lt;br /&gt;
Dienstleistungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens besteht ein ernstzuneh-&lt;br /&gt;
mendes Ungleichgewicht im Weltwirt-&lt;br /&gt;
schaftssystem zugunsten der Produktion&lt;br /&gt;
materieller Güter. Im vergangenen Jahrhun-&lt;br /&gt;
dert haben wir dramatische technische Fort-&lt;br /&gt;
schritte bei der Verarbeitung von Materia-&lt;br /&gt;
lien gemacht, was zu Revolutionen im Be-&lt;br /&gt;
reich der Produktionsmöglichkeiten und&lt;br /&gt;
zur Entwicklung intelligenter, nützlicher&lt;br /&gt;
Geräte und Mittel aller Art führte. Relative&lt;br /&gt;
Preise haben sich so drastisch verändert,&lt;br /&gt;
daß ein Durchschnittsmensch in einem fort-&lt;br /&gt;
schrittlichen Land heute den Luxus eines&lt;br /&gt;
Autos und ähnlicher Transportmittel ge-&lt;br /&gt;
nießt, die sich ein König im letzten Jahr-&lt;br /&gt;
hundert kaum hätte erträumen können. So-&lt;br /&gt;
gar Bauern in den ärmsten Ländern hören&lt;br /&gt;
per Radio Musik. Im Gegensatz zu diesen&lt;br /&gt;
revolutionären Veränderungen haben sich&lt;br /&gt;
unsere gesellschaftlichen Einrichtungen&lt;br /&gt;
wie das Rechtssystem, die Regierungen&lt;br /&gt;
und das Bildungssystem kaum verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde genommen ist diese ein-&lt;br /&gt;
seitige Entwicklung das Resultat eines Sy-&lt;br /&gt;
stems, das den technischen Innovator, da er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine Erfindungen patentieren lassen und&lt;br /&gt;
verkaufen kann, belohnt. Im sozialen Be-&lt;br /&gt;
reich gibt es hingegen keinen allgemein&lt;br /&gt;
anerkannten Maßstab für Fortschritt, kei-&lt;br /&gt;
nen einfachen Weg, Anerkennung zu erlan-&lt;br /&gt;
gen, und wenig Aussichten auf materiellen&lt;br /&gt;
Gewinn. Das Preissystem hat in einem Be-&lt;br /&gt;
reich menschlichen Lebens erstaunlich gut&lt;br /&gt;
funktioniert, während es auf einem anderen&lt;br /&gt;
Gebiet völlig versagt hat.!6 In einem&lt;br /&gt;
Bahä’i-System müßte dieses Ungleichge-&lt;br /&gt;
wicht behoben werden. Wir brauchen Ein-&lt;br /&gt;
richtungen, die alle Arten kreativen Bemü-&lt;br /&gt;
hens und sozialer Arbeit unterstützen und&lt;br /&gt;
dazu ermutigen und dabei den besten Bei-&lt;br /&gt;
trägen Anerkennung und materielle Beloh-&lt;br /&gt;
nung gewähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während man den materiellen Be-&lt;br /&gt;
dürfnissen der Menschheit immer mehr&lt;br /&gt;
nachkommt, müssen wir Wege finden, um&lt;br /&gt;
im Wirtschaftssystem anderen sinnvollen&lt;br /&gt;
Dienstleistungen einen Platz einzuräumen.&lt;br /&gt;
Niemand sollte arbeitslos sein, da es immer&lt;br /&gt;
sinnvolle Dinge zu tun geben wird. Die&lt;br /&gt;
Frage besteht darin, die Bildung und Orga-&lt;br /&gt;
nisation bereitzustellen, in der jeder einzel-&lt;br /&gt;
ne seinen produktiven Beitrag leisten kann.&lt;br /&gt;
Ein solcher Umschwung zu den Dienstlei-&lt;br /&gt;
stungen könnte über lange Zeit hinweg der&lt;br /&gt;
Schlüssel zur Lösung der Umweltprobleme&lt;br /&gt;
sein. Die Aufgabe ist schwierig, wie das&lt;br /&gt;
Versagen des heutigen westlichen Systems&lt;br /&gt;
zeigt, aber die Nöte und Bedürfnisse sind&lt;br /&gt;
dringlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staatseinkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Thema betrifft die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten und Mittel, das Staatseinkom-&lt;br /&gt;
men zu sichern, ohne dabei Produktionsan-&lt;br /&gt;
reize zu verzerren. Moderne Regierungen&lt;br /&gt;
kontrollieren über Steuereinnahmen in der&lt;br /&gt;
Regel 15 bis 40 Prozent aller finanziellen&lt;br /&gt;
Ressourcen ihrer Länder. Die daraus fol-&lt;br /&gt;
gende hohe Steuerbelastung untergräbt&lt;br /&gt;
ernstlich den wirtschaftlichen Anreiz für&lt;br /&gt;
den einzelnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Abschaffung der Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
teidigungsausgaben in einer besser organi-&lt;br /&gt;
sierten Welt den staatlichen Bedarf an fi-&lt;br /&gt;
nanziellen Mitteln stark verringern wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Der Autor ist Professor Richard R. Nelson von der Columbia University (New York) für viele Ideen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesem Abschnitt zu Dank verpflichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und während andere bedeutende Leistun-&lt;br /&gt;
gen zweifellos auch durch staatliche Ver-&lt;br /&gt;
waltung erbracht werden könnten, braucht&lt;br /&gt;
man geeignetere Methoden zur Schaffung&lt;br /&gt;
von Staatseinkommen. Eine Möglichkeit&lt;br /&gt;
ist die Konzentration von Steuern auf die&lt;br /&gt;
Bereiche, in denen ein deutlicher gesell-&lt;br /&gt;
schaftlicher Grund für Besteuerung zusätz-&lt;br /&gt;
lich zu Einkommenserwägungen vorliegt,&lt;br /&gt;
wie z.B. Steuern auf nichterneuerbare Res-&lt;br /&gt;
sourcen, um von ihrem übermäßigen Ver-&lt;br /&gt;
brauch abzuhalten, oder Steuern für Ver-&lt;br /&gt;
schmutzungen, um damit Umweltschutz-&lt;br /&gt;
maßnahmen zu erreichen. Wenn diese&lt;br /&gt;
Staatseinnahmen nicht ausreichen, könnte&lt;br /&gt;
der Staat sich besonders gewinnträchtige&lt;br /&gt;
Wirtschaftsbereiche vorbehalten, beson-&lt;br /&gt;
ders die Großindustrie, und die dadurch&lt;br /&gt;
erwirtschafteten Gewinne Könnten die öf-&lt;br /&gt;
fentlichen Haushalte finanzieren. Um Effi-&lt;br /&gt;
zienz zu fördern, könnten diese Industrien&lt;br /&gt;
in Konkurrenz zu privaten Unternehmen&lt;br /&gt;
geführt oder in Form von vertraglichen Ab-&lt;br /&gt;
machungen mit Managementgruppen aus&lt;br /&gt;
der Privatwirtschaft geleitet werden. Im&lt;br /&gt;
Idealfall könnte daraus ein Einkommenssy-&lt;br /&gt;
stem entstehen, in dem es wenige verschie-&lt;br /&gt;
dene Steuern gibt, so daß die Verwaltung&lt;br /&gt;
stark vereinfacht und ihre verzerrenden&lt;br /&gt;
Auswirkungen auf das System reduziert&lt;br /&gt;
würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich muß das gesamte Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
biet der Wirtschaftsentwicklung aus der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Perspektive überdacht und neue&lt;br /&gt;
Modelle für wirtschaftliche und gesell-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklung müssen entwor-&lt;br /&gt;
fen werden. Derzeit werden die meisten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
armen Länder von einer Oberschicht be-&lt;br /&gt;
herrscht, die den Lebensstil der reicheren&lt;br /&gt;
Länder anstrebt. Entwicklungsdenken&lt;br /&gt;
konzentriert sich in reicheren und in ärme-&lt;br /&gt;
ren Ländern darauf, den Reichtum der rei-&lt;br /&gt;
chen Länder mit den armen Ländern zu&lt;br /&gt;
teilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund meiner Erfahrungen im&lt;br /&gt;
ärmsten Land der westlichen Hemisphäre&lt;br /&gt;
und in einem verarmten afrikanischen Land&lt;br /&gt;
glaube ich, daß nun die Zeit gekommen ist,&lt;br /&gt;
um zu erkennen, daß die reichen Länder&lt;br /&gt;
viel von den ärmeren lernen können und&lt;br /&gt;
daß der Austausch gegenseitig erfolgen&lt;br /&gt;
muß. Der für die Zukunft wünschenswerte&lt;br /&gt;
Lebensstil und die dazu gehörige Gesell-&lt;br /&gt;
schaftsstruktur Kann keineswegs der heuti-&lt;br /&gt;
gen Realität in den reichen Ländern ent-&lt;br /&gt;
sprechen, und es könnten gut die derzeit&lt;br /&gt;
ärmeren Länder sein, die schneller neue&lt;br /&gt;
Ansätze entwickeln. In der weltweiten&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde beginnen wir bereits, die&lt;br /&gt;
große Kraft gegenseitigen Respekts und ei-&lt;br /&gt;
nen offenen Geist des Austauschs zu ent-&lt;br /&gt;
decken. Dieser Geist muß sich immer mehr&lt;br /&gt;
in innovativen Ansätzen zur Lösung gesell-&lt;br /&gt;
schaftlicher Probleme zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die entscheidende Frage betrifft&lt;br /&gt;
nicht materielle Ressourcen, sondern das&lt;br /&gt;
Wissen um die Kultur und die Definition&lt;br /&gt;
angemessener Ziele. Entschlössen sich&lt;br /&gt;
morgen die Länder der Welt zu einem&lt;br /&gt;
wirk-samen Pakt gegenseitiger Sicherheit,&lt;br /&gt;
den Bahä’u’lläh vorschlug, stände sofort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine »Friedensdividende« in Höhe Hun-&lt;br /&gt;
derter Milliarden Dollar zur Verfügung.&lt;br /&gt;
Die Ressourcen würden notwendigerweise&lt;br /&gt;
umdirigiert werden, um Arbeitsplätze zu&lt;br /&gt;
erhalten, und eine logische Ersatzhand-&lt;br /&gt;
lung wäre die Bekämpfung von Armut und&lt;br /&gt;
Ungerechtigkeit in der Welt. Aber wie&lt;br /&gt;
würden wir Hunderte von Milliarden Dol-&lt;br /&gt;
lar für diese Ziele ausgeben, anstelle der&lt;br /&gt;
wenigen Millionen, die wir heute darauf&lt;br /&gt;
verwenden? Würden hundertausend Chi-&lt;br /&gt;
nesen zum Studium an westlichen Univer-&lt;br /&gt;
sitäten eingeladen, wo sie wegen der&lt;br /&gt;
Sprachbarriere nichts verstünden? Würden&lt;br /&gt;
tausende Amerikaner mit ihren Hambur-&lt;br /&gt;
gern, Kinofilmen, Coca-Cola und anderen&lt;br /&gt;
Bestandteilen ihres Lebensstils in alle&lt;br /&gt;
Welt exportiert, um bei der »Entwicklung«&lt;br /&gt;
armer Länder mitzuhelfen? Könnten hoch-&lt;br /&gt;
entwickelte Flugzeuge, Autos, Fabriken&lt;br /&gt;
und Kommunikationssysteme von freige-&lt;br /&gt;
bigen Stiftern sozusagen über armen Län-&lt;br /&gt;
dern »abgeworfen« werden? Es gibt in der&lt;br /&gt;
Moderne bereits Fälle wie den Iran, in&lt;br /&gt;
denen solche Entwicklungsversuche aus-&lt;br /&gt;
probiert wurden und versagt haben. Also&lt;br /&gt;
sehen wir, daß das grundlegende Problem&lt;br /&gt;
kulturelle Unterschiede und ein Mangel an&lt;br /&gt;
definierten Zielsetzungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde genommen findet Ent-&lt;br /&gt;
wicklung auf menschlicher, nicht auf mate-&lt;br /&gt;
rieller Ebene statt. Daher müssen wir uns für&lt;br /&gt;
die Definition sofortiger Bedürfnisse und&lt;br /&gt;
Nöte der Menschen in aller Welt einsetzen,&lt;br /&gt;
für Reiche und Arme, um dann Entwick-&lt;br /&gt;
lungsbemühungen zu entwerfen, die diese&lt;br /&gt;
Bedürfnisse erfüllen. Dieser Prozeß muß&lt;br /&gt;
Institutionen einbinden sowie die Teilnahme&lt;br /&gt;
einzelner auf lokaler Ebene beinhalten, und&lt;br /&gt;
von der letzteren Ebene sollte die Initiative&lt;br /&gt;
ausgehen. Es kann nicht einfach von oben&lt;br /&gt;
nach unten verordnet werden, da dabei die&lt;br /&gt;
Schenkenden unbewußt oder oft auch be-&lt;br /&gt;
wußt ihre Werte und Vorurteile den Empfän-&lt;br /&gt;
gern aufdrängen. Die Bahä’ihaben in diesem&lt;br /&gt;
Bereich den großen Vorteil, daß in ihrem&lt;br /&gt;
Glauben kultureller Austausch und gegen-&lt;br /&gt;
seitiges Verständnis sehr ermutigt werden&lt;br /&gt;
und daß eine große Anzahl von »Pionieren«&lt;br /&gt;
existieren — Bahä’i, die freiwillig von einem&lt;br /&gt;
Land in ein anderes zur Förderung ihres&lt;br /&gt;
Glaubens umgezogen sind — , die die Spra-&lt;br /&gt;
che und Kultur ihrer Wahlheimat erlernt&lt;br /&gt;
haben. Die Bahä’i haben auch damit begon-&lt;br /&gt;
nen, Entwicklungsprojekte nach dem Prinzip&lt;br /&gt;
der lokalen Initiative ins Leben zu rufen. So&lt;br /&gt;
verfügen sie über ein großes menschliches&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Potential und über vielversprechende Ansät-&lt;br /&gt;
ze, aber die großen Herausforderungen lie-&lt;br /&gt;
gen noch vor uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlußfolgerungen&lt;br /&gt;
und Konsequenzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Abhandlung konnten wir&lt;br /&gt;
feststellen, daß die Bahä’i-Schriften eine&lt;br /&gt;
Anzahl kühner und weitreichender Prinzi-&lt;br /&gt;
pien beinhalten, auf deren Grundlage un-&lt;br /&gt;
ser wirtschaftliches und unser geistiges&lt;br /&gt;
Leben letztendlich revolutioniert werden&lt;br /&gt;
wird, daß die praktische Anwendung die-&lt;br /&gt;
ser umfassenden Ideale jedoch im Laufe&lt;br /&gt;
der Zeit von Wirtschaftsexperten und an-&lt;br /&gt;
deren durch die Lehren Bahä’u’llähs in-&lt;br /&gt;
spirierten Denkern ausgearbeitet werden&lt;br /&gt;
muß. Die dringende Notwendigkeit be-&lt;br /&gt;
steht nicht darin, ein neues Wirtschaftssy-&lt;br /&gt;
stem mit all seinen Einzelheiten zu formu-&lt;br /&gt;
lieren, sondern einen Prozeß des Experi-&lt;br /&gt;
mentierens und der kontinuierlichen Neu-&lt;br /&gt;
bewertung in Gang zu bringen, aus dem&lt;br /&gt;
schrittweise ein neues Wirtschaftssystem&lt;br /&gt;
entstehen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Bemühen, diesen Entwick-&lt;br /&gt;
lungsprozeß anzuregen und dazu zu ermu-&lt;br /&gt;
tigen, wurden in diesem Artikel bestimmte&lt;br /&gt;
Probleme und Themen, die uns heute be-&lt;br /&gt;
schäftigen, kurz behandelt und mit den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehren in Beziehung gesetzt. Ei-&lt;br /&gt;
nes der Hauptergebnisse dieses kurzen&lt;br /&gt;
Überblicks ist, daß wir gerade am Anfang&lt;br /&gt;
des Versuchs stehen, die Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs zu begreifen. Die andere Sei-&lt;br /&gt;
te dieser Medaille ist aber die große An-&lt;br /&gt;
zahl der hochinteressanten Möglichkeiten,&lt;br /&gt;
die den Forschern und Gelehrten offenste-&lt;br /&gt;
hen, die sich für die Anwendung der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Ideen auf Wirtschaftsfragen inter-&lt;br /&gt;
essieren. Tatsächlich können erste Beiträ-&lt;br /&gt;
ge auf diesem Gebiet zweifelsohne eine&lt;br /&gt;
zentrale Rolle bei den größten Aufgaben&lt;br /&gt;
spielen, denen sich die Menschheit heute&lt;br /&gt;
stellen muß, nämlich der Errichtung einer&lt;br /&gt;
neuen Weltkultur und einer globalen Zivi-&lt;br /&gt;
lisation, die uns in ein goldenes Zeitalter&lt;br /&gt;
des Friedens und Wohlergehens führen, in&lt;br /&gt;
dem der menschliche Geist, befreit von&lt;br /&gt;
den Beschränkungen durch die Hingabe&lt;br /&gt;
an materielle Bedürfnisse, gedeihen und&lt;br /&gt;
erblühen und damit ein neues Kapitel in&lt;br /&gt;
der Fortentwicklung der Menschheit ein-&lt;br /&gt;
leiten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Offenbarung und Kunst«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist eine Übersetzung des Artikels&lt;br /&gt;
»Aesthetics and Spiritual Education«&lt;br /&gt;
von Glen A. Eyford aus World Order 14,&lt;br /&gt;
No. 1 (Fall 1979), S. 32-49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Copyright © 1979 by The National&lt;br /&gt;
Spiritual Assembly of the Bahä’is&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
of the United States.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übersetzung besorgte&lt;br /&gt;
Michael Machado.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos von Jörg Krombach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glen A. Eyford&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ästhetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistige&lt;br /&gt;
Erziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wertschätzung von Kunst bzw.&lt;br /&gt;
die ästhetische Erfahrung besitzt&lt;br /&gt;
Merkmale, die zu einem Vergleich&lt;br /&gt;
mit der religiösen oder geistigen Er-&lt;br /&gt;
fahrung einladen. Der Vergleich&lt;br /&gt;
kreist um die Charakteristiken, die&lt;br /&gt;
KunstundReligion gemeinsam sind.&lt;br /&gt;
Beide sind Versuche, dem Leben&lt;br /&gt;
Form und Sinn zu geben, Ordnung&lt;br /&gt;
in das scheinbare Chaos zu bringen,&lt;br /&gt;
Schönheit und Harmonie in der Welt&lt;br /&gt;
zu enthüllen. Beide erforschen das&lt;br /&gt;
Unbekannte und erzeugen dabei&lt;br /&gt;
neue Einsichten und Beziehungen:&lt;br /&gt;
die Kunst entdeckt die Formen und&lt;br /&gt;
Muster der Welt der Sinne und ver-&lt;br /&gt;
bindet bis dahin nicht miteinander&lt;br /&gt;
verknüpfte Wahrnehmungen; Reli-&lt;br /&gt;
gion entfaltet schrittweise die&lt;br /&gt;
Aspekte der geistigen Realität. Bei-&lt;br /&gt;
de sind Versuche, das Unendliche in&lt;br /&gt;
endliche Formen zu fassen; beide&lt;br /&gt;
sind im wesentlichen metaphori-&lt;br /&gt;
scher Natur, sprechen durch Sym-&lt;br /&gt;
bole und Mythen sowohl die affek-&lt;br /&gt;
tive, intuitive, geistige Seite unserer&lt;br /&gt;
Natur, als auch deren rationalen und&lt;br /&gt;
intellektuellen Aspekte an. Beide&lt;br /&gt;
besitzen die Fähigkeit, das mensch-&lt;br /&gt;
liche Bewußtsein zu erweitern, die&lt;br /&gt;
Sicht vom menschlichen Selbst und&lt;br /&gt;
der Welt zu verändern und die&lt;br /&gt;
Wahrnehmung der Wirklichkeit zu&lt;br /&gt;
wandeln. Kunst wurde als die kon-&lt;br /&gt;
krete und sinnlich wahrnehmbare&lt;br /&gt;
Manifestation einer geistigen Rea-&lt;br /&gt;
lität beschrieben; gleichermaßen&lt;br /&gt;
wurde Religion als das Gewand der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Susanne K. Langer, Philosophy in a New Key, New York: Penguin, 1948, S. 80&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 _BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheitbezeichnet, als deräuße-&lt;br /&gt;
re, greifbarere Ausdruck dieser glei-&lt;br /&gt;
chengeistigenRealität.SusanneLan-&lt;br /&gt;
ger definiert Kunst als »eine Schöp-&lt;br /&gt;
fung wahrnehmbarer Formen, die&lt;br /&gt;
menschliches Gefühl ausdrücken« 1,&lt;br /&gt;
Religion, in der Person eines Pro-&lt;br /&gt;
pheten oder einer Manifestation&lt;br /&gt;
Gottes, beweist die geistige Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit des menschlichen Wesens.&lt;br /&gt;
Kunst kann als Erzieher der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Fähigkeiten und Sinne gese-&lt;br /&gt;
hen werden, während Religion das&lt;br /&gt;
Mittel zur geistigen Entwicklung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Mensch-&lt;br /&gt;
heitsgeschichte waren Kunst und Re-&lt;br /&gt;
ligion eng miteinander verbunden,&lt;br /&gt;
beeinflußten sich gegenseitig in dem&lt;br /&gt;
gemeinsamen Ziel der Aufklärung&lt;br /&gt;
des Menschen. Die Kunstwerke&lt;br /&gt;
großer Kulturen haben ihren jeweili-&lt;br /&gt;
gen Stil und Ausdruck den dominie-&lt;br /&gt;
renden religiösen Ideen ihrer Zeit&lt;br /&gt;
entnommen. Toynbee hat gezeigt,&lt;br /&gt;
daß die Kunst und Kultur von Ägyp-&lt;br /&gt;
ten, Rom, China und Indien durch&lt;br /&gt;
die Vitalität ihres religiösen Glau-&lt;br /&gt;
bens genährt und gestaltet wurden.&lt;br /&gt;
Die Künstler reagierten auf diese&lt;br /&gt;
geistigen Einsichten und Ideale und&lt;br /&gt;
gaben ihnen durch Architektur, Ma-&lt;br /&gt;
lerei, Bildhauerei, Literatur und&lt;br /&gt;
Schauspiel konkrete Formen. Durch&lt;br /&gt;
das Anregen von Gefühlen des Er-&lt;br /&gt;
staunens und der Bewunderung erin-&lt;br /&gt;
nern Kunst und Religion, ob sie nun&lt;br /&gt;
unabhängig voneinander oder ge-&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=17}}meinsam wirken, den Menschen an&lt;br /&gt;
seine nichtmaterielle Natur und for-&lt;br /&gt;
dern ihn auf, neue Dimensionen des&lt;br /&gt;
Seins zu erforschen und sein geisti-&lt;br /&gt;
ges und ästhetisches Potential zu&lt;br /&gt;
entwickeln. Religion stellt die&lt;br /&gt;
grundlegenden Metaphern zur Ver-&lt;br /&gt;
fügung, die umfassende Umorientie-&lt;br /&gt;
rung, die größere Vision, in der die&lt;br /&gt;
Kunst gedeiht, so daß sie ihre eige-&lt;br /&gt;
nen Symbole, Bilder und Einsichten&lt;br /&gt;
schafft, mit der umfassende Wahr-&lt;br /&gt;
heiten hervorgehoben und interpre-&lt;br /&gt;
tiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwischen Kunst und&lt;br /&gt;
Religion existierenden Ähnlich-&lt;br /&gt;
keiten, ihre Verflechtung in der&lt;br /&gt;
Menschbeitsgeschichte und ihre&lt;br /&gt;
grundlegend metaphorische Natur&lt;br /&gt;
ließe den Schluß zu, daß jede Unter-&lt;br /&gt;
suchung der ästhetischen Erfahrung,&lt;br /&gt;
besonders die durch letztere bewirk-&lt;br /&gt;
te Art des Lernens, zum Verständnis&lt;br /&gt;
geistiger Erziehung beiträgt. Aus&lt;br /&gt;
diesem Grunde möchte ich die fol-&lt;br /&gt;
genden Fragen aufwerfen: Welche&lt;br /&gt;
Art des Lernens bewirkt eine ästhe-&lt;br /&gt;
tische Erfahrung? Was wird vermit-&lt;br /&gt;
telt? An welchen Teil der menschli-&lt;br /&gt;
chen Natur richtet sich Kunst? Wie&lt;br /&gt;
wirkt Kunst auf den Wahrnehmen-&lt;br /&gt;
den? Oder, allgemeiner gesagt, wie&lt;br /&gt;
kann der Einfluß von Kunst auf die&lt;br /&gt;
Gesellschaft und auf den einzelnen&lt;br /&gt;
erklärt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Diskussion dieser Fra-&lt;br /&gt;
gen führt zwangsläufig zu einer Be-&lt;br /&gt;
trachtung der gegenwärtigen Rolle&lt;br /&gt;
der Kunst. Kunst und Religion neh-&lt;br /&gt;
men in der gegenwärtigen Gesell-&lt;br /&gt;
schaft nur einen peripheren Stellen-&lt;br /&gt;
wert ein. Dies Könnte dem Auftrieb&lt;br /&gt;
des Materialismus zugeschrieben&lt;br /&gt;
werden, der in der Wissenschaft vor-&lt;br /&gt;
handenen Überbetonung des in Zah-&lt;br /&gt;
len Faßbaren, der Vernachlässigung&lt;br /&gt;
der intuitiven, affektiven, geistigen&lt;br /&gt;
Seite der menschlichen Natur im We-&lt;br /&gt;
sten. Was auch immer der Grund&lt;br /&gt;
oder die Gründe sein mögen, jegli-&lt;br /&gt;
che Einschätzung des Einflusses von&lt;br /&gt;
Kunst und Religion muß die Aner-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 ‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis Göttlicher Kultur, Oberkalbach: Bahä’f-Verlag, 1973, S. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kennung ihrer historischen Bedeu-&lt;br /&gt;
tung beinhalten und, im besonderen,&lt;br /&gt;
eine neu gewonnene Wertschätzung&lt;br /&gt;
der Art des Lernens, die der intuiti-&lt;br /&gt;
ven, emotionalen und phantasiebe-&lt;br /&gt;
gabten Seite der menschlichen Natur&lt;br /&gt;
zu eigen ist. Wie sich herausstellen&lt;br /&gt;
wird, haben Philosophen und Künst-&lt;br /&gt;
ler beständig verkündet, daß die Be-&lt;br /&gt;
schäftigung mit den Künsten ein we-&lt;br /&gt;
sentlicher Bestandteil der ausgegli-&lt;br /&gt;
chenen Entwicklung der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft und des einzelnen ist. In der&lt;br /&gt;
Tat mag die Feststellung überra-&lt;br /&gt;
schen, daß die meisten Schriftsteller,&lt;br /&gt;
Maler, Bildhauer und Komponisten&lt;br /&gt;
ihre Arbeit als eine mächtige Kraft&lt;br /&gt;
zur Entwicklung von Sensibilität,&lt;br /&gt;
Veränderung der Wahrnehmung und&lt;br /&gt;
Stimulierung des Bewußtseins se-&lt;br /&gt;
hen; mit anderen Worten, sie sehen&lt;br /&gt;
sie als ein Mittel zur Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst&lt;br /&gt;
und der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es noch verfrüht&lt;br /&gt;
wäre, von Bahä’f-Kunst zu sprechen,&lt;br /&gt;
so sollte man bereits über die Rolle&lt;br /&gt;
der Kunst in einer Bahä’i-Gesell-&lt;br /&gt;
schaft nachdenken. Den Künsten ist&lt;br /&gt;
in den Bahä’i-Schriften ein Ehren-&lt;br /&gt;
platz zugewiesen, und es gibt häufi-&lt;br /&gt;
ge Hinweise auf ihre Bedeutung. Zu-&lt;br /&gt;
sammen mit den Wissenschaften,&lt;br /&gt;
Philosophie, Industrie und Technolo-&lt;br /&gt;
gie werden die Künste als »Ausstrah-&lt;br /&gt;
lungen des menschlichen Verstan-&lt;br /&gt;
des«” betrachtet. ‘Abdu’I-Bahä be-&lt;br /&gt;
schreibt alle großen Werke der Kunst&lt;br /&gt;
und Wissenschaft als Beweis für die&lt;br /&gt;
Kraft des Heiligen Geistes und als&lt;br /&gt;
ein Geschenk dieses Geistes. Er&lt;br /&gt;
weist auf folgendes hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Bahá’u’lláh... hat in&lt;br /&gt;
dieser herrlichen Zeit in heiligen&lt;br /&gt;
Sendschreiben kundgetan, daß Ge-&lt;br /&gt;
sang und Musik geistige Nahrung für&lt;br /&gt;
Herz und Seele sind.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh bezeichnet die&lt;br /&gt;
Künste als ein natürliches und&lt;br /&gt;
zwangsläufiges Resultat der Aus-&lt;br /&gt;
gießung geistiger Energie durch eine&lt;br /&gt;
Manifestation Gottes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jedes Wort, das aus dem&lt;br /&gt;
Munde Gottes hervorgeht, ist mit&lt;br /&gt;
solcher Kraft versehen, daß es jeder&lt;br /&gt;
menschlichen Gestalt neues Leben&lt;br /&gt;
einflößen kann — gehörtet ihr doch&lt;br /&gt;
zu denen, die diese Wahrheit begrei-&lt;br /&gt;
fen! Alle wunderbaren Werke, die ihr&lt;br /&gt;
in dieser Welt seht, sind durch das&lt;br /&gt;
Wirken Seines höchsten, erhaben-&lt;br /&gt;
sten Willens, Seines wunderbaren,&lt;br /&gt;
unerschütterlichen Planes offenbart&lt;br /&gt;
worden. Allein die Enthüllung des&lt;br /&gt;
Wortes »Gestalter«, das von Seinen&lt;br /&gt;
Lippen kommt und der Menschheit&lt;br /&gt;
Seine Eigenschaft verkündet, hat&lt;br /&gt;
eine Kraft entfesselt, die durch Zeit-&lt;br /&gt;
alter hindurch all die mannigfaltigen&lt;br /&gt;
Künste hervorrufen kann, welche die&lt;br /&gt;
Hand des Menschen auszuüben ver-&lt;br /&gt;
mag. Dies ist wahrlich eine unum-&lt;br /&gt;
stößliche Wahrheit. Kaum war dieses&lt;br /&gt;
strahlende Wort geäußert, da brach-&lt;br /&gt;
ten seine belebenden, in allem Er-&lt;br /&gt;
schaffenen wirkenden Kräfte die&lt;br /&gt;
Mittel und Werkzeuge hervor, durch&lt;br /&gt;
die solche Künste entstehen und ver-&lt;br /&gt;
vollkommnet werden können. Alle&lt;br /&gt;
wunderbaren Errungenschaften, die&lt;br /&gt;
ihr jetzt seht, sind die unmittelbaren&lt;br /&gt;
Auswirkungen der Offenbarung die-&lt;br /&gt;
ses Namens.« *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott wird als der alles über-&lt;br /&gt;
ragende Künstler dargestellt, als&lt;br /&gt;
»Gestalter«, der nicht nur die Welt&lt;br /&gt;
der Natur schuf, sondern durch Sein&lt;br /&gt;
Wort oder Seine Offenbarung die&lt;br /&gt;
Kraft und die Energie für alle Werke&lt;br /&gt;
des Menschen bereitstellt. Das Wort&lt;br /&gt;
ist Wahrheit oder Realität; und der&lt;br /&gt;
Mensch gedeiht oder verdirbt mit all&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seinen Taten in dem Maße, wie er&lt;br /&gt;
diese Wahrheit erfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unendlichkeit und das&lt;br /&gt;
Mysterium Gottes finden Ausdruck&lt;br /&gt;
und greifbare Gestalt in Seinen Pro-&lt;br /&gt;
pheten und Boten, die alles offenba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 “Abdu’l-Bahá in: Musik. Eine Zusammenstellung aus den Schriften Baha’u’llahs, ‘Abdu’l-Bahás und Shoghi Effendis, Hofheim-Langenhain:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag, 1984, S. 9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahä’u’lläh, Ährenlese, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 3., rev. Aufl. 1980: 74, S. 126-27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ren, was der Mensch für seine Wei-&lt;br /&gt;
terentwicklung benötigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Licht, das diese Seelen&lt;br /&gt;
ausstrahlen, bewirkt den Fortschritt&lt;br /&gt;
der Welt und den Aufstieg ihrer Völ-&lt;br /&gt;
ker. Sie sind wie der Sauerteig, der&lt;br /&gt;
die Welt des Seins durchdringt, und&lt;br /&gt;
bilden die Lebenskraft, welche die&lt;br /&gt;
Künste und Wunder der Welt zustan-&lt;br /&gt;
de bringt. Durch sie regnen die Wol-&lt;br /&gt;
ken ihre Segensgaben auf die Men-&lt;br /&gt;
schen nieder, bringt die Erde ihre&lt;br /&gt;
Früchte hervor. Alle Dinge haben&lt;br /&gt;
zwangsläufig eine Ursache, eine trei-&lt;br /&gt;
bende Kraft, einen belebenden&lt;br /&gt;
Grund. Diese Seelen, Sinnbilder der&lt;br /&gt;
Loslösung, haben der Welt des Da-&lt;br /&gt;
seins den höchsten belebenden An-&lt;br /&gt;
trieb gegeben und werden ihn auch&lt;br /&gt;
weiterhin geben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahre Zivilisation und die&lt;br /&gt;
von ihr hervorgebrachte Kultur fin-&lt;br /&gt;
den ihren Ursprung, ihre antreiben-&lt;br /&gt;
de Kraft, ihr belebendes Prinzip im&lt;br /&gt;
Wort Gottes für diesen Tag. Die&lt;br /&gt;
Verirrungen und Perversionen der&lt;br /&gt;
Kunst können nur korrigiert wer-&lt;br /&gt;
den, wenn sich der Künstler der&lt;br /&gt;
wahren Quelle der Inspiration und&lt;br /&gt;
Führung zuwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie&lt;br /&gt;
und Kunst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluß der Künste auf&lt;br /&gt;
Verstand, Seele und Herz des Men-&lt;br /&gt;
schen und auf die Gesellschaft im&lt;br /&gt;
allgemeinen ist seit langem Gegen-&lt;br /&gt;
stand philosophischer Spekulation.&lt;br /&gt;
Plato zum Beispiel ermutigt die Ju-&lt;br /&gt;
gend, »schöne Formen zu untersu-&lt;br /&gt;
chen; zuerst sollten sie unter richti-&lt;br /&gt;
ger Anleitung eines Lehrers nur eine&lt;br /&gt;
solche Form lieben und von dort aus-&lt;br /&gt;
gehend reine Gedanken entwickeln;&lt;br /&gt;
und bald wird man von selbst fest-&lt;br /&gt;
stellen, daß Schönheit in der einen&lt;br /&gt;
Form mit der in einer anderen ver-&lt;br /&gt;
wandt ist; und wenn dann die Suche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Ährenlese, 81, S. 139&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ebenda, S. 665, Sektion 40&lt;br /&gt;
ebenda&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oo oa WW&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schönheit der Form im allgemei-&lt;br /&gt;
nen gilt, wie töricht wäre es, nicht zu&lt;br /&gt;
erkennen, daß Schönheit in jeder&lt;br /&gt;
Form ein und dieselbe ist!« ©&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Plato haben Künstler&lt;br /&gt;
eine große Verantwortung, die Men-&lt;br /&gt;
schen zu edlen Gedanken und noblen&lt;br /&gt;
Absichten zu führen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir würden nicht wollen,&lt;br /&gt;
daß unsere Wächter mit Bildern der&lt;br /&gt;
unmoralischen Häßlichkeit auf-&lt;br /&gt;
wachsen, als ob sie auf verdorbenen&lt;br /&gt;
Weiden grasen und sich tagtäglich&lt;br /&gt;
von vielen giftigen Pflanzen und&lt;br /&gt;
Kräutern ernährten, sodaß sie nach&lt;br /&gt;
und nach eine verfaulende Masse des&lt;br /&gt;
Zerfalls in ihrer Seele anhäuften.&lt;br /&gt;
Laßt unsere Künstler stattdessen mit&lt;br /&gt;
der Gabe ausgestattet werden, die&lt;br /&gt;
wahre Natur des Schönen und An-&lt;br /&gt;
mutigen zu erkennen; dann wird un-&lt;br /&gt;
sere Jugend in einem gesunden Land&lt;br /&gt;
leben, umgeben von angenehmen&lt;br /&gt;
Erscheinungen und Klängen, und&lt;br /&gt;
aus allem das Gute erhalten; und&lt;br /&gt;
Schönheit, die Ausgießung gefälliger&lt;br /&gt;
Werke, wird auf Auge und Ohr ein-&lt;br /&gt;
strömen wie eine heilende Brise aus&lt;br /&gt;
reineren Gefilden und die Seele un-&lt;br /&gt;
merklich von frühestem Alter an hin-&lt;br /&gt;
leiten zu Verwandschaft und Sympa-&lt;br /&gt;
thie mit der Schönheit der Ver-&lt;br /&gt;
nunft.«’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit besonderem Hinweis&lt;br /&gt;
auf die Auswirkungen der Musik&lt;br /&gt;
sagt Plato:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Musikalische Erziehung ist&lt;br /&gt;
ein mächtigeres Instrument als alle&lt;br /&gt;
anderen, weil Rhythmus und Harmo-&lt;br /&gt;
nie ihren Weg in das Innere der Seele&lt;br /&gt;
finden, wo sie sich festsetzen, Grazie&lt;br /&gt;
verleihen, und so der Seele des recht&lt;br /&gt;
Erzogenen Anmut oder dem Unge-&lt;br /&gt;
bildeten Plumpheit geben .. .« 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Platos Aussagen über die&lt;br /&gt;
Auswirkungen der ästhetischen Er-&lt;br /&gt;
fahrung auf das Verhalten und den&lt;br /&gt;
Charakter sind kaum übertroffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Aristoteles, Aristotle’s Politics, trans. B. Jowett, Oxford: Clarendon P, 1936, S. 314&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden, und sie bleiben der zentrale&lt;br /&gt;
Lehrsatz in den Schriften der zeitge-&lt;br /&gt;
nössischen Ästhetiker wie Sir Her-&lt;br /&gt;
bert Read, für den die ästhetische&lt;br /&gt;
Erziehung die Hauptdisziplin in der&lt;br /&gt;
Entwicklung des menschlichen We-&lt;br /&gt;
sens ist. Plato glaubte, daß die Kon-&lt;br /&gt;
frontation mit Schönheit, Harmonie&lt;br /&gt;
und Anmut im Wahrnehmenden&lt;br /&gt;
nicht nur ähnliche Qualitäten nährt,&lt;br /&gt;
sondern auch ein Verlangen nach sol-&lt;br /&gt;
chen Qualitäten in allen Lebensbe-&lt;br /&gt;
reichen weckt. Tatsächlich würde er&lt;br /&gt;
nobel und gut, »ohne den Grund er-&lt;br /&gt;
kennen zu können«, so mächtig wäre&lt;br /&gt;
der durchdringende Einfluß der ihn&lt;br /&gt;
umgebenden Schönheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles’ Ansichten über&lt;br /&gt;
die Kunst können am besten als Aus-&lt;br /&gt;
führung und Erweiterung der Sätze&lt;br /&gt;
seines Lehrmeisters über die glei-&lt;br /&gt;
chen Themengebiete verstanden&lt;br /&gt;
werden. Wie Plato interessierte er&lt;br /&gt;
sich speziell für die Auswirkungen&lt;br /&gt;
der Kunst — besonders der Poesie,&lt;br /&gt;
des Dramas und der Musik — auf&lt;br /&gt;
den Wahrnehmenden; und, wie Pla-&lt;br /&gt;
to, beschrieb er die Erscheinungsfor-&lt;br /&gt;
men dieser Wirkungen: erstens die&lt;br /&gt;
didaktische, unterweisende Art, die&lt;br /&gt;
normalerweise auf ethische, religiö-&lt;br /&gt;
se oder moralische Ziele ausgerichtet&lt;br /&gt;
ist, zweitens die ästhetische Art, bei&lt;br /&gt;
welcher die Wichtigkeit oder die&lt;br /&gt;
Wirkung durch die Struktur, Form&lt;br /&gt;
oder den Grundcharakter des Werkes&lt;br /&gt;
selbst hervorgerufen wird, und nicht&lt;br /&gt;
notwendigerweise im Zusammen-&lt;br /&gt;
hang mit einer außerhalb des Werkes&lt;br /&gt;
angesiedelten Botschaft steht. Mit&lt;br /&gt;
besonderem Hinweis auf die Musik&lt;br /&gt;
sagt Aristoteles, sie sollte »mit Blick&lt;br /&gt;
auf 1) Erziehung, 2) Läuterung, 3)&lt;br /&gt;
intellektuellen Genuß, Entspannung&lt;br /&gt;
und Erneuerung nach Verausga-&lt;br /&gt;
bung«” studiert werden. Musik —&lt;br /&gt;
und Kunst im allgemeinen — hatte&lt;br /&gt;
für Plato praktischen Wert. Die be-&lt;br /&gt;
sondere Überzeugungskraft der&lt;br /&gt;
Künste entspringt ihrer Fähigkeit,&lt;br /&gt;
die Natur nachzuahmen, allerdings&lt;br /&gt;
nicht im Sinne reiner Duplikation,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plato, Dialogues of Plato, trans. B. Jowett, New York: Random, 1937, Bd. I, S. 344, Sektion 219&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=19}}sondern im Sinne der Imitation als&lt;br /&gt;
Versuch, der menschlichen Auffas-&lt;br /&gt;
sungsgabe entsprechend das eigent-&lt;br /&gt;
liche Wesen der Dinge und nicht nur&lt;br /&gt;
ihre äußere Form widerzuspiegeln&lt;br /&gt;
und neu zu schaffen. Mit anderen&lt;br /&gt;
Worten kann Kunst die sichtbare&lt;br /&gt;
Wirklichkeit verbessern, ihre Essenz&lt;br /&gt;
zur besseren Wertschätzung durch&lt;br /&gt;
den Betrachter in konkrete und sinn-&lt;br /&gt;
lich wahrnehmbare Form kristalli-&lt;br /&gt;
sieren. Solch wahre Imitation ver-&lt;br /&gt;
bindet den Menschen durch die Ver-&lt;br /&gt;
wendung des natürlichen Strebens&lt;br /&gt;
nach Harmonie, Einheit, Rhythmus&lt;br /&gt;
und Schönheit mit der Ordnung des&lt;br /&gt;
Universums. Wie Plato glaubte auch&lt;br /&gt;
Aristoteles, daß der Mensch das&lt;br /&gt;
Wahre, Gute und Schöne sucht und&lt;br /&gt;
auch erkennt, jedoch nicht ohne&lt;br /&gt;
kompetente Anleitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plotinus, ein Anhänger Pla-&lt;br /&gt;
tos, hat eine erstaunlich moderne&lt;br /&gt;
Auffassung der Selbstverbesserung&lt;br /&gt;
durch die Künste:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ziehe Dich in Dich selbst&lt;br /&gt;
zurück und siehe. Wenn Du Dich&lt;br /&gt;
noch nicht schön findest, so verhalte&lt;br /&gt;
Dich wie der Bildhauer einer schö-&lt;br /&gt;
nen Statue: er schneidet hier ein we-&lt;br /&gt;
nig, glättet dort, macht diese Kontur&lt;br /&gt;
sanfter, jene reiner, bis aus seiner&lt;br /&gt;
Arbeit ein liebliches Gesicht gewor-&lt;br /&gt;
den ist. So solltest Du auch vorge-&lt;br /&gt;
hen; entferne alles Überflüssige, be-&lt;br /&gt;
gradige alles Ungerade, bringe Licht&lt;br /&gt;
an alles Verborgene, arbeite daran,&lt;br /&gt;
alles zu leuchtender Schönheit zu&lt;br /&gt;
machen, und lasse nie ab, Deine&lt;br /&gt;
Skulptur zu bearbeiten, bis aus Dir&lt;br /&gt;
die gottgleiche Herrlichkeit der Tu-&lt;br /&gt;
gend leuchtet, bis Du in dem makel-&lt;br /&gt;
losen Tempel die vollkommene Güte&lt;br /&gt;
sehen wirst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du weißt, daß Du die-&lt;br /&gt;
ses vollkommene Werk geworden&lt;br /&gt;
bist, wenn Du Dich in der Reinheit&lt;br /&gt;
Deines Wesens sammelst, wenn&lt;br /&gt;
nichts mehr bleibt, das die innere&lt;br /&gt;
Einheit zerstören kann, nichts mehr&lt;br /&gt;
von außen am wahren Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haftet, wenn Du Dich eins findest mit&lt;br /&gt;
Deiner wahren Natur, eins mit die-&lt;br /&gt;
sem einzigen wahrhaftigen Licht,&lt;br /&gt;
das nicht durch das Räumliche ge-&lt;br /&gt;
messen werden kann, das von keiner&lt;br /&gt;
umschriebenen Form eingeengt wird&lt;br /&gt;
und doch nicht formlos ist, sondern&lt;br /&gt;
auf ewig jedes Maß und jede Eigen-&lt;br /&gt;
schaft übertrifft — wenn Du er-&lt;br /&gt;
kennst, daß Du dies erreicht hast, so&lt;br /&gt;
bist Du dem Wunschbild gleich;&lt;br /&gt;
dann fasse all Deinen Mut und tue&lt;br /&gt;
noch einen Schritt — weiterer Füh-&lt;br /&gt;
rung bedarfst Du nicht mehr — eine&lt;br /&gt;
Anstrengung noch, und siehe.« n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch muß an sich ar-&lt;br /&gt;
beiten, als wäre er selbst ein Kunst-&lt;br /&gt;
werk. Seine Werte und Kriterien&lt;br /&gt;
werden eine Mischung aus Ästhetik&lt;br /&gt;
und Moral, während er versucht,&lt;br /&gt;
Schönheit, Reinheit, Tugend, Güte,&lt;br /&gt;
Einheit, Glaubwürdigkeit und Wahr-&lt;br /&gt;
heit zu erreichen. Nach Croce gibt&lt;br /&gt;
uns die Kunst das Wissen über dieses&lt;br /&gt;
besondere Reich, das das Geistige,&lt;br /&gt;
das Ästhetische, das Ideale genannt&lt;br /&gt;
wird. Kunst ist keine Form der Ge-&lt;br /&gt;
schichte, der Wissenschaft, der Phi-&lt;br /&gt;
losophie oder der Mathematik, son-&lt;br /&gt;
dern wird am besten durch den&lt;br /&gt;
Begriff »Intuition« charakterisiert.&lt;br /&gt;
Kunst kann die Seele des Menschen&lt;br /&gt;
beleben und ihm beim Nachsinnen&lt;br /&gt;
über die Unendlichkeit, das Univer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Plotinus, The Enneads, trans. S. MacKenna, London: Faber and Faber, 1962, S. 63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Benedetto Croce, »Aesthetics», Encyclopaedia Britannica, 14th ed., in: A. Hofstadder and R. Kuhns (Hrsg.), Philosophies of Art and&lt;br /&gt;
Beauty, New York: The Modern Library, 1946, S. 562&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Benedetto Croce, Guide to Aesthetics, trans. P. Romanell, New York: Bobbs-Merrill, 1965, S. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selle und das absolute Ideal helfen;&lt;br /&gt;
durch Kunst kann der Mensch die&lt;br /&gt;
Grenzen des alltäglichen Lebens&lt;br /&gt;
überschreiten und sich der elementa-&lt;br /&gt;
ren geistigen Realität nähern. Croce&lt;br /&gt;
versichert, daß Kunst »den Weg&lt;br /&gt;
bereitet und den Geist zum Idealis-&lt;br /&gt;
mus oder zu absoluter Geistigkeit&lt;br /&gt;
führt«. Durch ihre eigene Einheit,&lt;br /&gt;
Lebenskraft, Harmonie — in einem&lt;br /&gt;
Wort, ihre Geistigkeit — führt Kunst&lt;br /&gt;
den Menschen zur Wertschätzung&lt;br /&gt;
der grundlegenden Einheit allen Le-&lt;br /&gt;
bens, einer einzigen Wirklichkeit,&lt;br /&gt;
die andere Kräfte in Kategorien auf-&lt;br /&gt;
zubrechen versuchen, und einer Ein-&lt;br /&gt;
heit, die andere Wissensgebiete not-&lt;br /&gt;
wendigerweise bruchstückhaft be-&lt;br /&gt;
handeln können. Die Kunst geht an-&lt;br /&gt;
ders mit Leben um, so daß die letzt-&lt;br /&gt;
endliche Wirkung einer ästhetischen&lt;br /&gt;
Erfahrung eine Bereicherung und Er-&lt;br /&gt;
höhung ist, die den Menschen dazu&lt;br /&gt;
veranlaßt, ästhetische Elemente in&lt;br /&gt;
allen Lebensbereichen zu suchen.&lt;br /&gt;
Schließlich wird Kunst »das Leben&lt;br /&gt;
stärker zu einer gesünderen und&lt;br /&gt;
tieferen Moral hinleiten...«!” Wie&lt;br /&gt;
Plotinus, Aristoteles und Plato sieht&lt;br /&gt;
auch Croce die Kunst als einen&lt;br /&gt;
Aspekt des Idealen und als ein Mittel&lt;br /&gt;
zur moralischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Croce bietet ein Beispiel zur&lt;br /&gt;
Veranschaulichung der Kraft der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunst in der Entwicklung der Gefüh-&lt;br /&gt;
le. Man stelle sich eine Gruppe von&lt;br /&gt;
Männern und Jugendlichen vor, die&lt;br /&gt;
sich voller Mißtrauen und Vorurtei-&lt;br /&gt;
len gegenseitig anfeinden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Plötzlich öffnet jemand ei-&lt;br /&gt;
nen Gedichtband und beginnt vorzu-&lt;br /&gt;
lesen: während die Musik dahin-&lt;br /&gt;
fließt, während Bilder vor den Augen&lt;br /&gt;
auftauchen, bewegt sich etwas Ge-&lt;br /&gt;
heimnisvolles in ihren Herzen, dem&lt;br /&gt;
sich ihre Seelen zuneigen, ihr Vor-&lt;br /&gt;
stellungsvermögen erwacht. Sie fol-&lt;br /&gt;
gen dem ausdrucksvollen Rhythmus&lt;br /&gt;
im musikalischen Thema, in dessen&lt;br /&gt;
Modulationen, in seiner letztend-&lt;br /&gt;
lichen Harmonie; und in diesen Mo-&lt;br /&gt;
dulationen, in dieser Harmonie, be-&lt;br /&gt;
ginnen sie mit Verwunderung und&lt;br /&gt;
Emotion sich an etwas in sich selbst&lt;br /&gt;
zu erinnern, das eingeschlafen war,&lt;br /&gt;
kalt oder begraben — ihre gemein-&lt;br /&gt;
same Menschlichkeit. Können sie&lt;br /&gt;
sich nach dieser Entdeckung noch so&lt;br /&gt;
betrachten wie zuvor? Können :sie&lt;br /&gt;
sich noch länger als völlig verschie-&lt;br /&gt;
den, als Todfeinde sehen, wenn ein&lt;br /&gt;
Band zwischen ihnen geknüpft wur-&lt;br /&gt;
de, wenn alle diesen kurzen Einblick&lt;br /&gt;
in die Welt der Schönheit erlebt und&lt;br /&gt;
gelernt haben, daß sie in jener Welt&lt;br /&gt;
Brüder sind?«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dewey würde die ästheti-&lt;br /&gt;
sche Erfahrung in den Mittelpunkt&lt;br /&gt;
jedes Erziehungssystems stellen, das&lt;br /&gt;
zum Ziel hat, die im Menschen an-&lt;br /&gt;
gelegten Fähigkeiten zum Besten zu&lt;br /&gt;
entwickeln. Er führt Beispiele älterer&lt;br /&gt;
und primitiver Gesellschaften an, die&lt;br /&gt;
durch gemeinschaftliche Kunst zu-&lt;br /&gt;
sammengehalten wurden. Tanz, Mu-&lt;br /&gt;
sik, Erzählungen, Poesie und Male-&lt;br /&gt;
rei waren auf das engste mit dem&lt;br /&gt;
täglichen Leben und den Erfahrun-&lt;br /&gt;
gen einer primitiven Gesellschaft&lt;br /&gt;
verknüpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der besonderen&lt;br /&gt;
Fähigkeit der Kunst, zu kommuni-&lt;br /&gt;
zieren und den Betrachter in einen&lt;br /&gt;
Vorgang einzubeziehen, ist sie ein&lt;br /&gt;
besonders effektiver Lehrer: »Die&lt;br /&gt;
Zivilisation ist ungeschliffen, weil&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie die Menschen in Sekten, Rassen,&lt;br /&gt;
Nationen, Klassen und Gruppen&lt;br /&gt;
unterteilt, die nicht miteinander&lt;br /&gt;
kommunizieren.«!* Daher dient die&lt;br /&gt;
Kunst einem höheren Zweck und&lt;br /&gt;
sollte kein Selbstzweck sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunst spricht nicht von&lt;br /&gt;
Engagement und Kommunikation,&lt;br /&gt;
sondern erzeugt sie. Sie steht über&lt;br /&gt;
unbedeutenden Gegensätzen und&lt;br /&gt;
Vorurteilen und lädt zur Teilnahme&lt;br /&gt;
»an der Kunst des Lebens« ein.&lt;br /&gt;
Sie zivilisiert, weil sie den Men-&lt;br /&gt;
schen an seine höhere Natur erin-&lt;br /&gt;
nert, die der gesamten Menschheit&lt;br /&gt;
zu eigen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Dewey die besondere&lt;br /&gt;
Natur der kommunikativen Funktion&lt;br /&gt;
der Kunst diskutiert, identifiziert er&lt;br /&gt;
diese Funktion mit einer besonderen&lt;br /&gt;
Lehrmethode, die sich durchaus von&lt;br /&gt;
dem üblichen Verständnis von Erzie-&lt;br /&gt;
hung unterscheidet. Er beklagt die&lt;br /&gt;
mangelnde Anerkennung des Ler-&lt;br /&gt;
nens durch ästhetische Erfahrung&lt;br /&gt;
und ist der Meinung, daß dieses Vor-&lt;br /&gt;
urteil an der Wurzel der landläufigen&lt;br /&gt;
Fehleinschätzung der Natur des Ler-&lt;br /&gt;
nens steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es ist die Kommunikation,&lt;br /&gt;
durch die Kunst zu einer unver-&lt;br /&gt;
gleichlichen Lehrmethode wird,&lt;br /&gt;
aber das Mittel ist so weit entfernt&lt;br /&gt;
von dem, was normalerweise mit&lt;br /&gt;
der Idee der Erziehung verbunden&lt;br /&gt;
wird; es ist eine Methode, die Kunst&lt;br /&gt;
weit über das erhebt, was wir sonst&lt;br /&gt;
mit Unterricht assoziieren, so daß&lt;br /&gt;
wir vor jedem Modell zurück-&lt;br /&gt;
schrecken, das Lehren und Lernen&lt;br /&gt;
mit Kunst in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
Aber unsere Auflehnung spiegelt&lt;br /&gt;
die Tatsache wider, daß unsere Er-&lt;br /&gt;
ziehung durch Methoden erfolgt,&lt;br /&gt;
die so nüchtern sind, daß sie jede&lt;br /&gt;
Phantasie ausschließen und die&lt;br /&gt;
Wünsche und Gefühle der Men-&lt;br /&gt;
schen nicht berühren.«&#039;°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Dewey klammern&lt;br /&gt;
zeitgenössische Ansätze der Erzie-&lt;br /&gt;
hung die Vorstellunskraft und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen des Menschen aus&lt;br /&gt;
und vernachlässigen dadurch die&lt;br /&gt;
Lebendigkeit einer grundlegenden&lt;br /&gt;
menschlichen Fähigkeit. Vorstel-&lt;br /&gt;
lungskraft sollte vielmehr als ein&lt;br /&gt;
Instrument des moralisch Guten ge-&lt;br /&gt;
sehen werden, derMenschdurchden&lt;br /&gt;
Appell an seine Phantasie zu schö-&lt;br /&gt;
nen, edlen, anerkennenswerten Ta-&lt;br /&gt;
ten inspiriert werden, anstatt aus-&lt;br /&gt;
schließlich seine Vernunftanzuspre-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Benedetto Croce, The Defence of Poetry, trans. E.F. Carritt, Oxford: Clarendon Press, 1933, S. 30&lt;br /&gt;
14 John Dewey, Art as Experience, New York: Capricorn Books, 1934, S. 336&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 ebenda S. 347&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen: »Grenzen lösen sich auf, ein-&lt;br /&gt;
schränkende Vorurteile schmelzen&lt;br /&gt;
dahin, wenn wir in den Geist der&lt;br /&gt;
Kunst der Schwarzen oder Polyne-&lt;br /&gt;
sier eindringen. Dieses unmerkliche&lt;br /&gt;
Schmelzen ist viel wirksamer als die&lt;br /&gt;
Veränderung, die die Vernunft be-&lt;br /&gt;
wirkt, da es die Einstellung unmittel-&lt;br /&gt;
bar beeinflußt.«!® Diese spezielle&lt;br /&gt;
Art von Wissen, diese universale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 ebenda $. 334&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Form der Sprache verbindet Men-&lt;br /&gt;
schen durch ästhetische anstatt durch&lt;br /&gt;
intellektuelle Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Künstler&lt;br /&gt;
über Kunst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Künstler haben sich&lt;br /&gt;
zur Rolle der Kunst bei der Formung&lt;br /&gt;
des Menschen und der Gesellschaft&lt;br /&gt;
zu Wort gemeldet. Es scheint, als&lt;br /&gt;
wären ihre Äußerungen im großen&lt;br /&gt;
und ganzen von Erziehungswissen-&lt;br /&gt;
schaftlern und der Gesellschaft im&lt;br /&gt;
allgemeinen ignoriert worden. Je-&lt;br /&gt;
doch haben die Künstler — wie die&lt;br /&gt;
Philosophen — über einen längeren&lt;br /&gt;
Zeitraum in der abendländischen Ge-&lt;br /&gt;
schichte durch die einzigartigen Ei-&lt;br /&gt;
genschaften der ästhetischen Erfah-&lt;br /&gt;
rung wiederholt unsere Aufmerk-&lt;br /&gt;
samkeit auf sich gezogen und an die&lt;br /&gt;
Gesellschaft appelliert, solchen Er-&lt;br /&gt;
fahrungen eine zentralere Bedeutung&lt;br /&gt;
in der Entwicklung der Menschen&lt;br /&gt;
einzuräumen. Wie die Philosophen&lt;br /&gt;
wiederum sind diese Künstler und&lt;br /&gt;
ihre Äußerungen zu zahlreich, um&lt;br /&gt;
sie hier aufzuzählen, aber einige sol-&lt;br /&gt;
len genügen, um den Geist und die&lt;br /&gt;
Absicht ihrer Aussagen zu verdeutli-&lt;br /&gt;
chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So glaubte Shelley, daß&lt;br /&gt;
wenn Kunst irgendeine Verände-&lt;br /&gt;
rung hervorrufen könnte oder ir-&lt;br /&gt;
gendwelche neuen Einsichten oder&lt;br /&gt;
Erkenntnisse brächte, dies indirekt&lt;br /&gt;
geschehen müsse und nicht durch&lt;br /&gt;
Behauptungen oder Aussagen, son-&lt;br /&gt;
dern durch die Schaffung von et-&lt;br /&gt;
was, das des Menschen emotional-&lt;br /&gt;
ästhetische Fähigkeiten oder seine&lt;br /&gt;
Vorstellungskraft anspricht. Das be-&lt;br /&gt;
deutet nicht, daß Kunst verspielt&lt;br /&gt;
und von den Bedürfnissen des Men-&lt;br /&gt;
schen und der Gesellschaft losge-&lt;br /&gt;
löst ist. Im Gegenteil: Es bedeutet,&lt;br /&gt;
daß Kunst das Herz der menschli-&lt;br /&gt;
chen Empfindungen berührt und hö-&lt;br /&gt;
heres moralisches Verhalten anregt.&lt;br /&gt;
Lyrik wirkt — anders als Vernunft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die durch Analyse fortschreitet —&lt;br /&gt;
durch »das Prinzip der Synthese&lt;br /&gt;
und hat die Formen zum Ziel, die&lt;br /&gt;
der universellen Natur und der Exi-&lt;br /&gt;
stenz selbst zu eigen sind.«!7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shelleys leidenschaftliche&lt;br /&gt;
Bemerkungen stellen eine Überzeu-&lt;br /&gt;
gung dar, die charakteristisch für&lt;br /&gt;
viele Künstler ist, seien sie Maler,&lt;br /&gt;
Schriftsteller oder Komponisten.&lt;br /&gt;
Lyrik appelliert an die geistige Na-&lt;br /&gt;
tur des Menschen, spricht die ei-&lt;br /&gt;
gentliche Wurzel seines Seins an&lt;br /&gt;
und kann dadurch einen nachhalti-&lt;br /&gt;
gen Einfluß auf seine Wahrneh-&lt;br /&gt;
mung der Wirklichkeit ausüben. Sie&lt;br /&gt;
bewirkt nicht weniger als die mora-&lt;br /&gt;
lische Vervollkommnung der&lt;br /&gt;
Menschheit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das große Instrument des&lt;br /&gt;
moralisch Guten ist die Vorstellungs-&lt;br /&gt;
kraft; und die Lyrik erzielt ihre Wir-&lt;br /&gt;
kung durch das Hinwirken auf die&lt;br /&gt;
Ursache. Dichtung erweitert den Ho-&lt;br /&gt;
rizont der Vorstellungskraft durch&lt;br /&gt;
immer neue Gedanken sich erneu-&lt;br /&gt;
ernder Freude, die die Kraft besitzen,&lt;br /&gt;
alle anderen Gedanken an sich zu&lt;br /&gt;
ziehen und sich ähnlich zu machen,&lt;br /&gt;
und die neue Intervalle und Zwi-&lt;br /&gt;
schenräume schaffen, deren Leere&lt;br /&gt;
nach immer neuer Nahrung verlangt.&lt;br /&gt;
Lyrik stärkt die Fähigkeit des Men-&lt;br /&gt;
schen, die das Organ der moralischen&lt;br /&gt;
Natur des Menschen ist, auf die glei-&lt;br /&gt;
che Weise, wie Sporttraining die&lt;br /&gt;
Gliedmaßen stärkt.«!®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Dichters Verteidigung&lt;br /&gt;
seiner Kunst führt ihn dazu, weitrei-&lt;br /&gt;
chende Ansprüche für die Lyrik und&lt;br /&gt;
ihre Rolle in der Gesellschaft geltend&lt;br /&gt;
zu machen. Mögen seine Aussagen&lt;br /&gt;
auch als extravagant angesehen wer-&lt;br /&gt;
den, so gewinnen sie ihre Stärke so-&lt;br /&gt;
wohl aus seiner Analyse des Wesens&lt;br /&gt;
der Kunst, als auch durch seinen ei-&lt;br /&gt;
genen Enthusiasmus. Der Dichter&lt;br /&gt;
will die Menschheit dadurch in die&lt;br /&gt;
Zukunft führen, daß er den Hoffnun-&lt;br /&gt;
gen und Visionen Ausdruck gibt, die&lt;br /&gt;
oftmals von den meisten Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Percy Bysshe Shelley, »A Defence of Poetry« in: English Critical Essays: Nineteenth Century, ed. E. D. Jones, Oxford: Oxford University&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Press, 1916, S. 120&lt;br /&gt;
18 ebenda S. 132&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur mangelhaft ausgedrückt und&lt;br /&gt;
kaum verstanden werden. Poeten&lt;br /&gt;
dienen als Ausleger und als Prophe-&lt;br /&gt;
ten, indem sie den Gefühlen und Ge-&lt;br /&gt;
danken, die von anderen nur vage&lt;br /&gt;
wahrgenommen werden, eine defini-&lt;br /&gt;
tive Form geben. Sie liefern die Bil-&lt;br /&gt;
der, mit denen der Mensch in die&lt;br /&gt;
Zukunft schreitet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dichter sind die Hoheprie-&lt;br /&gt;
ster einer unverstandenen Inspira-&lt;br /&gt;
tion; die Spiegel der gigantischen&lt;br /&gt;
Schatten, die die Zukunft auf die Ge-&lt;br /&gt;
genwart wirft; die Worte, die aus-&lt;br /&gt;
drücken, was sie nicht verstehen; Po-&lt;br /&gt;
saunen, die von der Schlacht künden&lt;br /&gt;
und nicht fühlen, zu was sie ansta-&lt;br /&gt;
cheln; der Einfluß, der nicht bewegt&lt;br /&gt;
wird, aber bewegt; Dichter sind die&lt;br /&gt;
nicht anerkannten Gesetzgeber der&lt;br /&gt;
Welt.«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tolstoi erkannte, wie Plato,&lt;br /&gt;
die Kraft der Künste als Einfluß auf&lt;br /&gt;
Charakter und Verhalten; und, wie&lt;br /&gt;
Plato, war er dem gegenwärtigen Zu-&lt;br /&gt;
stand der Kunst gegenüber recht kri-&lt;br /&gt;
tisch eingestellt, der, wie er argu-&lt;br /&gt;
mentierte, die niederen Instinkte an-&lt;br /&gt;
sprach, die Sinnlichkeit verherrlich-&lt;br /&gt;
te, einen engstirnigen Patriotismus,&lt;br /&gt;
Heldenverehrung und abergläubi-&lt;br /&gt;
sche Ängste unterstützte. Der Grund&lt;br /&gt;
dafür war, daß Kunst selbstgenüg-&lt;br /&gt;
sam war und für keine moralischen&lt;br /&gt;
Ideale stand. Vergnügen war das Ziel&lt;br /&gt;
sowohl der Kunst, als auch des zeit-&lt;br /&gt;
genössischen Lebens. Nach Tolstoi&lt;br /&gt;
sollte Kunst einem neuen religiösen&lt;br /&gt;
Erwachen dienen, das damals nur&lt;br /&gt;
schwach wahrgenommen wurde.&lt;br /&gt;
Tolstoi glaubte, daß sich die Mensch-&lt;br /&gt;
heit am besten und ehesten durch die&lt;br /&gt;
Führung der Religion fortentwickel-&lt;br /&gt;
te und daß eine neue Religion, basie-&lt;br /&gt;
rend auf der Sohnschaft des Men-&lt;br /&gt;
schen im Hinblick auf Gott und der&lt;br /&gt;
Brüderschaft der Menschen, ent-&lt;br /&gt;
stand. Die Rolle der Kunst war dann,&lt;br /&gt;
diese Ideale in Gefühle und unmit-&lt;br /&gt;
telbare Erfahrung umzusetzen: »Die&lt;br /&gt;
Aufgabe, die Kunst zu erfüllen hat,&lt;br /&gt;
besteht darin, dieses Gefühl der Brü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 ebenda S. 163&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
derschaft und Liebe zum Nächsten,&lt;br /&gt;
das zur Zeit nur die besten Mitglieder&lt;br /&gt;
der Gesellschaft erreichen, zu einem&lt;br /&gt;
allgemeinen Gefühl und zum natür-&lt;br /&gt;
lichen Verlangen aller Menschen zu&lt;br /&gt;
machen.«” Kunst kann vage Gefüh-&lt;br /&gt;
le und unvollkommenen Glauben in&lt;br /&gt;
klare Wahrnehmung verwandeln.&lt;br /&gt;
Aber Kunst muß einem hehren Ideal&lt;br /&gt;
dienen; andernfalls versinkt sie in&lt;br /&gt;
Effekthascherei, frönt nur noch mo-&lt;br /&gt;
dischen Launen und verstärkt den&lt;br /&gt;
allzu offensichtlichen Hang zur&lt;br /&gt;
Selbstgefälligkeit. Für Tolstoi »ist&lt;br /&gt;
ein wahres Kunstwerk die Offenba-&lt;br /&gt;
rung (deren Gesetze jenseits unseres&lt;br /&gt;
Fassungsvermögens sind) einer neu-&lt;br /&gt;
en Auffassung des Lebens, der Seele&lt;br /&gt;
des Künstlers entsteigend, die, wenn&lt;br /&gt;
sie Ausdruck findet, den Pfad er-&lt;br /&gt;
leuchtet, auf dem die Menschheit&lt;br /&gt;
fortschreitet.«”&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken von Shelley&lt;br /&gt;
und Tolstoi zur Rolle der Kunst wer-&lt;br /&gt;
den von vielen anderen Literaten ge-&lt;br /&gt;
teilt: Wordsworth, Coleridge, Brow-&lt;br /&gt;
ning, Carlyle, Pound, Joyce, Eliot.&lt;br /&gt;
Künstler wie Delacroix, Whistler,&lt;br /&gt;
Mondrian, Kandinsky, Klee und Pi-&lt;br /&gt;
casso äußern dieselbe Anschauung&lt;br /&gt;
über die Natur und die Wirkkraft der&lt;br /&gt;
Kunst. Wenn die Aussagen von&lt;br /&gt;
Künstlern mit den Gedanken der Phi-&lt;br /&gt;
losophen über die gleichen Themen&lt;br /&gt;
verknüpft werden, Kann man sich des&lt;br /&gt;
Eindrucks nicht erwehren, daß etwas&lt;br /&gt;
von lebenswichtiger Bedeutung ge-&lt;br /&gt;
sagt wird. Die Art, in der die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft auf perverse Weise diese&lt;br /&gt;
schlüssigen, ausdrucksstarken und&lt;br /&gt;
leidenschaftlichen Aussagen über&lt;br /&gt;
das Wesen der Kunst und ihrer Be-&lt;br /&gt;
ziehung zur menschlichen Entwick-&lt;br /&gt;
lung ignoriert hat, ist erstaunlich. In&lt;br /&gt;
der Tat, wenn Kunst die Hälfte des-&lt;br /&gt;
sen hält, was die Kunstschaffenden&lt;br /&gt;
und -verfechter versprechen, dann&lt;br /&gt;
verdient sie unsere ernsthafteste Auf-&lt;br /&gt;
merksamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansicht, daß der Kunst&lt;br /&gt;
eine Rolle im geistigen Erwachen&lt;br /&gt;
der Menschheit zukommt, findet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 Leo Tolstoi, What Is Art?, New York: Oxford University Press, 1962, $. 236&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 ebenda S.61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22  Shoghi Effendi, zitiert in »In Its Full Splendor«, Bah@’i News, No. 73, May 1933, p.71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich in Bemerkungen Shoghi Effen-&lt;br /&gt;
dis anläßlich einer Theaterauffüh-&lt;br /&gt;
rung, in der Aspekte des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens dargestellt wurden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Durch solche Darbietungen&lt;br /&gt;
können wir das Interesse der größten&lt;br /&gt;
Anzahl von Menschen am Geiste der&lt;br /&gt;
Sache erwecken. Die Sache wird&lt;br /&gt;
sich dann wie ein Lauffeuer verbrei-&lt;br /&gt;
ten, wenn ihr Geist und ihre Lehren&lt;br /&gt;
auf der Bühne oder in der Kunst und&lt;br /&gt;
Literatur als Ganzes dargestellt wer-&lt;br /&gt;
den. Kunst ist cher als kühles Ratio-&lt;br /&gt;
nalisieren dazu befähigt, solche ed-&lt;br /&gt;
len Empfindungen zu erwecken, be-&lt;br /&gt;
sonders in der Masse der Mensch-&lt;br /&gt;
heit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen nur ein paar Jah-&lt;br /&gt;
re warten um zu sehen, wie der von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh verbreitete Geist in den&lt;br /&gt;
Werken von Künstlern Ausdruck fin-&lt;br /&gt;
den wird. Was Sie und einige andere&lt;br /&gt;
Bahä’i versuchen, sind nur schwache&lt;br /&gt;
Lichtstrahlen, die das überfließende&lt;br /&gt;
Licht eines herrlichen Morgens an-&lt;br /&gt;
kündigen. Wir können jetzt noch&lt;br /&gt;
nicht die der Sache zugedachte Rolle&lt;br /&gt;
im gesellschaftlichen Leben abschät-&lt;br /&gt;
zen. Wir müssen dieser Entwicklung&lt;br /&gt;
Zeit lassen. Das vom Geist zu for-&lt;br /&gt;
mende Material ist zu grob und zu&lt;br /&gt;
unwürdig, aber es wird schließlich&lt;br /&gt;
nachgeben, wenn sich die Sache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs in ihrem vollen Glanz&lt;br /&gt;
offenbaren wird.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi hat die Kraft&lt;br /&gt;
der Kunst zur Belebung der Men-&lt;br /&gt;
schenseelen aufgezeigt und ihr einen&lt;br /&gt;
Platz bei der Darstellung des Geistes&lt;br /&gt;
des Glaubens zugewiesen. Nach und&lt;br /&gt;
nach wird dieser Geist über die ganze&lt;br /&gt;
Welt verbreitet und wird die Men-&lt;br /&gt;
schen und die Gesellschaft zu den&lt;br /&gt;
nobelsten Idealen, die im Einklang&lt;br /&gt;
mit den von Bahä’u’lläh verkündeten&lt;br /&gt;
Werten und Maßstäben stehen, leiten.&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá sprach ebenfalls von&lt;br /&gt;
der Kunst als Mittel zur Anziehung&lt;br /&gt;
hin zu den geistigen Wahrheiten des&lt;br /&gt;
Glaubens, als äußerer Ausdruck einer&lt;br /&gt;
inneren Wirklichkeit.”&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=23}}Die Aussagen von ‘Abdu’]-&lt;br /&gt;
Bahä und Shoghi Effendi und die&lt;br /&gt;
zuvor zitierten Ausführungen von&lt;br /&gt;
Philosophen und Künstlern betonen&lt;br /&gt;
die Fähigkeit der Kunst, anzuziehen,&lt;br /&gt;
zu beleben, anzuregen, zu verbinden,&lt;br /&gt;
»Affinitäten« zu erzeugen — alles&lt;br /&gt;
Umschreibungen, die die Form der&lt;br /&gt;
ästhetischen Kommunikation von&lt;br /&gt;
der »kalten Vernunft« unterscheiden.&lt;br /&gt;
Es ist diese der Kunst eigentümliche&lt;br /&gt;
Form der Kommunikation, um deren&lt;br /&gt;
besseres Verständnis wir uns nun be-&lt;br /&gt;
mühen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039; Mythos,&lt;br /&gt;
Metapher&lt;br /&gt;
und Symbol&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Künste appellieren be-&lt;br /&gt;
sonders an den Bereich unseres&lt;br /&gt;
Seins, den man als ästhetisch, intui-&lt;br /&gt;
tiv, phantasiebegabt oder geistig be-&lt;br /&gt;
zeichnen kann. Obgleich sie nicht&lt;br /&gt;
bar einer rationalen und intellektuel-&lt;br /&gt;
len Komponente sind, unterscheiden&lt;br /&gt;
sie sich von Wissenschaft, Logik und&lt;br /&gt;
Philosophie durch eine besondere&lt;br /&gt;
Art der Kommunikation. Wenn es&lt;br /&gt;
wahr ist, daß die Künste Reaktionen&lt;br /&gt;
im Herzen, der Seele und im Geist&lt;br /&gt;
des Menschen hervorrufen, so er-&lt;br /&gt;
scheint es wichtig herauszufinden,&lt;br /&gt;
wie dies geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß Kunst ein effektives&lt;br /&gt;
Kommunikationsmittel ist, Kann&lt;br /&gt;
nicht dem besonderen Einfluß oder&lt;br /&gt;
der Eigenart der in einem Kunstwerk&lt;br /&gt;
verwendeten Konzepte zugeschrie-&lt;br /&gt;
ben werden. Ein großartiges Gemäl-&lt;br /&gt;
de, ein großartiges Gedicht und ein&lt;br /&gt;
großartiger Roman erzeugen wenig&lt;br /&gt;
Spannung, wenn sie auf ihren&lt;br /&gt;
»Handlungsfaden« reduziert wer-&lt;br /&gt;
den. Tatsächlich ist es zwecklos zu&lt;br /&gt;
versuchen, ein großes Kunstwerk zu&lt;br /&gt;
paraphrasieren. Statt dessen sollte&lt;br /&gt;
man es unvoreingenommen auf sich&lt;br /&gt;
wirken lassen und sich auf alle seine&lt;br /&gt;
Bestandteile einlassen. Picassos&lt;br /&gt;
Guernica mag ausdrücken, daß&lt;br /&gt;
Krieg die Hölle ist; Brownings Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ring und das Buch sagt uns viel-&lt;br /&gt;
leicht, daß Menschen verschieden&lt;br /&gt;
sind und deshalb die Dinge anders&lt;br /&gt;
sehen; T.S.Eliots Gedicht The Waste-&lt;br /&gt;
land drückt vielleicht aus, daß geisti-&lt;br /&gt;
ge Verödung die heutige Gesell-&lt;br /&gt;
schaft charakterisiert. Wollte ein&lt;br /&gt;
Künstler einfach nur eine Idee ver-&lt;br /&gt;
mitteln, hätte er sich kaum mit sei-&lt;br /&gt;
nem besonderen Medium abgege-&lt;br /&gt;
ben. Statt dessen hätte er »Klartext«&lt;br /&gt;
geschrieben. Kunst muß die Auf-&lt;br /&gt;
merksamkeit und die Vorstellungs-&lt;br /&gt;
kraft des Betrachters wecken, damit&lt;br /&gt;
er den durch den Künstler begonne-&lt;br /&gt;
nen Prozeß der Kommunikation fort-&lt;br /&gt;
führt und beendet. Seine Auseinan-&lt;br /&gt;
dersetzung mit den Elementen eines&lt;br /&gt;
Kunstwerks ist unerläßlich, wenn er&lt;br /&gt;
dessen volle Bedeutung erfassen&lt;br /&gt;
will. Die Art der Kommunikation ist&lt;br /&gt;
genau so wichtig wie das, was ver-&lt;br /&gt;
mittelt werden soll; in der Tat macht&lt;br /&gt;
die völlige Integration einer Aussage&lt;br /&gt;
mit der Form ihrer Darstellung die&lt;br /&gt;
Größe eines Kunstwerks aus. Wir ir-&lt;br /&gt;
ren uns, wenn wir denken, daß Kunst&lt;br /&gt;
in erster Linie mit dem Vermitteln&lt;br /&gt;
von Ideen, Vorstellungen, Behaup-&lt;br /&gt;
tungen oder einzelnen Wahrheiten&lt;br /&gt;
befaßt ist. Die alte Diskussion über&lt;br /&gt;
die relative Wichtigkeit von Form im&lt;br /&gt;
Gegensatz zum Inhalt wurde mehr&lt;br /&gt;
oder weniger durch die Erkenntnis&lt;br /&gt;
gelöst, daß sie voneinander abhän-&lt;br /&gt;
gen und nicht trennbar sind, daß das&lt;br /&gt;
Auszudrückende ein pulsierendes&lt;br /&gt;
und vitales Wesen ist, das hauptsäch-&lt;br /&gt;
lich jenseits von Logik und Vernunft&lt;br /&gt;
im Bereich der ästhetischen Emp-&lt;br /&gt;
findsamkeit wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunst gehört zu den ein-&lt;br /&gt;
drucksvollsten Beweisen für die me-&lt;br /&gt;
taphorische Natur der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Wie Wissenschaft, Pilosophie und&lt;br /&gt;
Mathematik benutzt Kunst ihre spe-&lt;br /&gt;
ziellen Mittel, um den Menschen,&lt;br /&gt;
wie zart auch immer, mit dem Idea-&lt;br /&gt;
len, mit dem Absoluten zu verbin-&lt;br /&gt;
den. Kunst ist ein Versuch, das Un-&lt;br /&gt;
endliche in endliche Formen zu fas-&lt;br /&gt;
sen, ein Versuch, der letzten Endes&lt;br /&gt;
immer scheitern muß, der aber, so er&lt;br /&gt;
inspiriert und geführt ist, diesem Ziel&lt;br /&gt;
nahe kommen kann. Kunst wird aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 “Abdu’l-Bahá, in Bahä’u’lläh and “Abdu’l-Bahá, Baha’i World Faith, p.377&lt;br /&gt;
24 Susanne K. Langer, Problems of Art, New York: Scribners, 1957, S. 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Erfahrung abstrahiert, und die&lt;br /&gt;
Darbietungsform unterscheidet sich&lt;br /&gt;
notwendigerweise von der Erfah-&lt;br /&gt;
rung, die dem Werk zugrunde liegt.&lt;br /&gt;
Daher bemerkt Langer: »Alles, was&lt;br /&gt;
über die Realität gesagt und vermit-&lt;br /&gt;
telt werden soll, muß aus der Realität&lt;br /&gt;
abstrahiert werden. Der Versuch,&lt;br /&gt;
schlicht und einfach die Realität zu&lt;br /&gt;
vermitteln, ist sinnlos.«&amp;quot; Dieser&lt;br /&gt;
Prozeß der Abstrahierung von der&lt;br /&gt;
Realität erfordert die Übersetzung&lt;br /&gt;
von Erfahrung in Symbole, spezifi-&lt;br /&gt;
sche Metaphern und Mythen, die&lt;br /&gt;
dem Betrachter konkrete Beispiele,&lt;br /&gt;
Vorstellungen und »Bilder« zur Ver-&lt;br /&gt;
fügung stellen, auf die er reagieren&lt;br /&gt;
kann. Aufgrund ihrer Abhängigkeit&lt;br /&gt;
von Mythen, Metaphern und Symbo-&lt;br /&gt;
len (oder, wie Langer sagen würde,&lt;br /&gt;
vom »Nicht-Diskursiven«) transzen-&lt;br /&gt;
diert Kunst die Beschränkungen der&lt;br /&gt;
Logik und Vernunft. Ein nicht-dis-&lt;br /&gt;
kursives Symbol ist ein Symbol, das&lt;br /&gt;
auf keine andere Weise dargestellt&lt;br /&gt;
werden kann, das aber eine Fülle von&lt;br /&gt;
Einsicht und Wirklichkeit beinhaltet.&lt;br /&gt;
Kunst sucht nach Ganzheit und Ein-&lt;br /&gt;
heit und ist kein Instrument zur Ana-&lt;br /&gt;
lyse und Zerteilung. Sie erreicht Ver-&lt;br /&gt;
änderungen in unserer grundlegen-&lt;br /&gt;
den Orientierung gegenüber uns&lt;br /&gt;
selbst und unserem Universum und&lt;br /&gt;
verändert unsere Wahrnehmung an-&lt;br /&gt;
stelle unserer Ideen. Kunst wird als&lt;br /&gt;
radikal betrachtet, da sie häufig tra-&lt;br /&gt;
ditionelle Sichtweisen und traditio-&lt;br /&gt;
nelle Wahrheiten in Frage stellt. Sie&lt;br /&gt;
befaßt sich mit verändertem Bewußt-&lt;br /&gt;
sein und erweiterter Erkenntnis, die&lt;br /&gt;
es mit den Mitteln des Mythos, der&lt;br /&gt;
Metapher und des Symbols bewirkt.&lt;br /&gt;
Wie die Religion liefert die Kunst&lt;br /&gt;
neue Bilder, neue Einsichten, neue&lt;br /&gt;
Visionen, die, in dem Maße wie sie&lt;br /&gt;
im eigenen, wahren geistigen Sein&lt;br /&gt;
wurzeln, wirkungsvoll das eigene&lt;br /&gt;
Bewußtsein und die eigene Erkennt-&lt;br /&gt;
nis verändern und Entwicklungsbe-&lt;br /&gt;
reiche für den einzelnen und die Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft eröffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mythos, Metapher und Sym-&lt;br /&gt;
bol haben die Tatsache gemeinsam,&lt;br /&gt;
daß sie experimentell durch Einsatz&lt;br /&gt;
und Teilnahme erfahren und ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schätzt werden. Sie erfordern und&lt;br /&gt;
ermutigen zu aktivem Bemühen sei-&lt;br /&gt;
tens des Betrachters, der allen Impli-&lt;br /&gt;
kationen des Mythos, der Metapher&lt;br /&gt;
oder des Symbols erlauben muß, auf&lt;br /&gt;
sein Bewußtsein — und sein Unter-&lt;br /&gt;
bewußtsein — zu wirken. Sie sind&lt;br /&gt;
»nicht-diskursiv«; sie können durch&lt;br /&gt;
rationale und intellektuelle Prozesse&lt;br /&gt;
nie völlig erfaßt werden, sondern&lt;br /&gt;
müssen ästhetisch oder geistig ver-&lt;br /&gt;
standen werden. Diese »Mittel« der&lt;br /&gt;
Kunst tragen durch ihre Fähigkeit,&lt;br /&gt;
Aspekte der Wirklichkeit in harmo-&lt;br /&gt;
nischen — und harmonisierenden —&lt;br /&gt;
Formen darzubieten, dazu bei, den&lt;br /&gt;
Menschen mit seinen Urquellen der&lt;br /&gt;
Energie zu verbinden. Der Mensch&lt;br /&gt;
empfand schon immer etwas, was&lt;br /&gt;
man als »ontologischen Durst« be-&lt;br /&gt;
zeichnen könnte, so wie einen Drang&lt;br /&gt;
nach Metaphern, was bedeutet, daß&lt;br /&gt;
er instinktiv dieser Welt, seinen Ge-&lt;br /&gt;
danken und seinen Gefühlen Sinn&lt;br /&gt;
geben möchte und den Wunsch hat,&lt;br /&gt;
aus seinen Erfahrungen Bedeutung&lt;br /&gt;
und Wert in der Form von Mythos,&lt;br /&gt;
Metapher und Symbol abzuleiten.&lt;br /&gt;
Die Metapher funktioniert, weil sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das grundlegende Bedürfnis des&lt;br /&gt;
Menschen nach Identifikation mit&lt;br /&gt;
der Welt anspricht: die Metapher&lt;br /&gt;
schafft Verbindungen; sie macht mit&lt;br /&gt;
dem Fremden vertraut und verfrem-&lt;br /&gt;
det das Gewohnte. Sie hilft dem&lt;br /&gt;
Menschen in seiner Beziehung zu&lt;br /&gt;
dem, was er um sich und in sich&lt;br /&gt;
findet. Kunst bietet keine spezifi-&lt;br /&gt;
schen Lösungen für soziale Proble-&lt;br /&gt;
me, sondern führt den Menschen zu&lt;br /&gt;
einem Gefühl von Gleichgewicht&lt;br /&gt;
und Perspektive zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mythos, Metapher und Sym-&lt;br /&gt;
bol haben ebenfalls gemeinsam, daß&lt;br /&gt;
sie zu einem neuen Weg zur Erkennt-&lt;br /&gt;
nis ermutigen. Abraham Maslow be-&lt;br /&gt;
zeichnet diese Form der Erkenntnis&lt;br /&gt;
als »den primären Prozeß der Wahr-&lt;br /&gt;
nehmung«. Er weist darauf hin, daß&lt;br /&gt;
der Mensch über Jahrhunderte die in-&lt;br /&gt;
nere seelische und geistige Welt zu-&lt;br /&gt;
gunsten der äußeren Welt des ge-&lt;br /&gt;
sunden Menschenverstandes und der&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmung geleugnet und&lt;br /&gt;
sich deshalb von den tieferen Quellen&lt;br /&gt;
der Lebenskraft abgeschnitten hat. In&lt;br /&gt;
dieser inneren seelischen Welt findet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 A.H. Maslow, The Farther Reaches of Human Nature, New York: Viking, 1971, S. 86&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 ebenda&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 C.G. Jung, Psychological Reflections, ed. J. Jacobi, New York: Harper, 1961, S. 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieser primäre Prozeß der Wahrneh-&lt;br /&gt;
mung statt; die Haltung des soge-&lt;br /&gt;
nannten gesunden Menschenver-&lt;br /&gt;
standes, bei dem wir sinnliche Wahr-&lt;br /&gt;
nehmung, Logik und Denkprozesse&lt;br /&gt;
benutzen, bezeichnet Maslow als&lt;br /&gt;
»sekundäre Wahrnehmung«.° Da der&lt;br /&gt;
Mensch zögert, den geheimnisvollen&lt;br /&gt;
Teil der menschlichen Natur zu be-&lt;br /&gt;
trachten, kann er sich ihn auch im&lt;br /&gt;
täglichen Leben nicht zu Nutze ma-&lt;br /&gt;
chen; er tendiert dazu, ästhetische Sen-&lt;br /&gt;
sibilität, Verspieltheit, poetisches Ge-&lt;br /&gt;
fühl und Mystik unterzubewerten oder&lt;br /&gt;
zu ignorieren. Er schließt daraus, daß&lt;br /&gt;
der Mensch sich mehr mit den primä-&lt;br /&gt;
ren Prozessen der Wahrnehmung aus-&lt;br /&gt;
einandersetzen muß, damit sie mit den&lt;br /&gt;
zwar notwendigen, aber überbewerte-&lt;br /&gt;
ten sekundären Wahrnehmungspro-&lt;br /&gt;
zessen im Gleichgewicht sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carl Jung erläutert, daß&lt;br /&gt;
Symbole, sei es in Träumen, in der&lt;br /&gt;
Religion oder in der Kunst, deshalb&lt;br /&gt;
funktionieren, weil sie das kollektive&lt;br /&gt;
Unbewußte aktivieren, das eine Art&lt;br /&gt;
Fundgrube nicht von speziellen My-&lt;br /&gt;
then oder Bildern, sondern von&lt;br /&gt;
grundlegenden und ewigen mensch-&lt;br /&gt;
lichen Hoffnungen, Erfahrungen,&lt;br /&gt;
Ängsten und Sorgen ist. Jung nennt&lt;br /&gt;
sie »archaische Reste«, »Archety-&lt;br /&gt;
pen« oder »Urbilder« und beschreibt&lt;br /&gt;
sie als instinktive Trends oder Mu-&lt;br /&gt;
ster, die der ganzen Menschheit zu&lt;br /&gt;
eigen sind. Symbole gewinnen zum&lt;br /&gt;
Beispiel ihre Wirkkraft daraus, daß&lt;br /&gt;
sie »Verwahrungsorte der angesam-&lt;br /&gt;
melten Erfahrung aus Jahrtausenden&lt;br /&gt;
des Kampfes um Anpassung und Da-&lt;br /&gt;
sein sind.«?’ Kunst taucht mit ihren&lt;br /&gt;
verschiedenen Mythen, Metaphern,&lt;br /&gt;
Symbolen und Bildern in diese ver-&lt;br /&gt;
borgenen Quellen des menschlichen&lt;br /&gt;
Bewußtseins ein und erweckt sie zu&lt;br /&gt;
neuem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht helfen diese Sicht-&lt;br /&gt;
weisen von Langer, Maslow und&lt;br /&gt;
Jung dabei, die Aussage Bahä’u’-&lt;br /&gt;
llähs im Kitab-i-Igan zu verstehen,&lt;br /&gt;
wonach die Stifter aller großen Re-&lt;br /&gt;
ligionen »sinnbildliche Worte und&lt;br /&gt;
verhaltene Andeutungen» benutzten,&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=25}}damit »die Völker der Welt versucht&lt;br /&gt;
und geprüft werden, so daß dadurch&lt;br /&gt;
die Erde der reinen, erleuchteten&lt;br /&gt;
Herzen geschieden werde von dem&lt;br /&gt;
vergänglichen, unfruchtbaren Bo-&lt;br /&gt;
den. Seit undenklichen Zeiten ist&lt;br /&gt;
Gott in dieser Weise mit Seinen&lt;br /&gt;
Geschöpfen verfahren, und dies be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeugen die Berichte der Heiligen&lt;br /&gt;
Bücher.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Teile des Kitäb-i-&lt;br /&gt;
Igan sind eine Neudefinition der&lt;br /&gt;
symbolischen Begriffe des christli-&lt;br /&gt;
chen und islamischen Schrifttums:&lt;br /&gt;
Sonne, Mond, Wolken, Leben, Wie-&lt;br /&gt;
derkunft, Auferstehung, Gericht.&lt;br /&gt;
Wie der Dichter spricht auch der&lt;br /&gt;
Prophet in Metaphern und Bildern,&lt;br /&gt;
baut auf existierende Mythen auf&lt;br /&gt;
oder schafft neue Mythen, um die&lt;br /&gt;
Flamme des Glaubens in den Seelen&lt;br /&gt;
derer, die empfänglich und zugäng-&lt;br /&gt;
lich sind, zu entzünden. So wird die&lt;br /&gt;
symbolische und metaphorische&lt;br /&gt;
Sprache als Prüfstein benutzt, um&lt;br /&gt;
die geistig Lebendigen von den gei-&lt;br /&gt;
stig Toten zu unterscheiden. Nur die&lt;br /&gt;
in Herz und Seele Reinen werden&lt;br /&gt;
auf das Wort Gottes ansprechen.&lt;br /&gt;
Die Seele ist das innere Zeichen&lt;br /&gt;
Gottes, und wenn dieses innere Zei-&lt;br /&gt;
chen mit den Worten der Manifesta-&lt;br /&gt;
tion Gottes verbunden wird, verleiht&lt;br /&gt;
es dem einzelnen neues Leben und&lt;br /&gt;
neue Energie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Seiner Gebete sagt&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh: »Er ruft durch Seine&lt;br /&gt;
Zeichen die Menschen ins Leben&lt;br /&gt;
und läßt sie sterben durch Seinen&lt;br /&gt;
Zorn.«”” Das könnte so verstanden&lt;br /&gt;
werden, daß dem Menschen durch&lt;br /&gt;
das Wort Gottes Leben verliehen&lt;br /&gt;
wird und dies speziell durch die Fä-&lt;br /&gt;
higkeit des Menschen, dieses Wort,&lt;br /&gt;
sei es in klarer Sprache geäußert oder&lt;br /&gt;
hinter dem Schleier des symboli-&lt;br /&gt;
schen Begriffs oder verhaltener An-&lt;br /&gt;
deutungen verborgen, zu verstehen&lt;br /&gt;
und darauf zu antworten. ‘Abdu’!l-&lt;br /&gt;
Bahä scheint diese Ansicht zu teilen,&lt;br /&gt;
indem Er sagt: »Für jedes Ding hat&lt;br /&gt;
Gott ein Zeichen und Sinnbild ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaffen, hat er Maßstäbe und Prüf-&lt;br /&gt;
steine aufgestellt, nach denen es be-&lt;br /&gt;
urteilt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis Gottes wird&lt;br /&gt;
den Menschen im rechten Maße&lt;br /&gt;
durch Seine Manifestationen und ihr&lt;br /&gt;
Wort geoffenbart. Diese Worte, diese&lt;br /&gt;
Zeichen und Symbole verbinden uns&lt;br /&gt;
mit der Wirklichkeit des Universums&lt;br /&gt;
und geben so unserem Leben Sinn&lt;br /&gt;
und Ziel. Bahä’u’lläh beschreibt die-&lt;br /&gt;
sen belebenden Prozeß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Erst wenn die Lampe des&lt;br /&gt;
Suchens, des ernsten Strebens, des&lt;br /&gt;
sehnlichen Verlangens, der leiden-&lt;br /&gt;
schaftlichen Ergebung, der glühen-&lt;br /&gt;
den Liebe, der Begeisterung und&lt;br /&gt;
Verzückung im Herzen des Suchers&lt;br /&gt;
entzündet ist und der Hauch der&lt;br /&gt;
Gnade Gottes über seine Seele&lt;br /&gt;
weht, wird die Dunkelheit des Irr-&lt;br /&gt;
tums vertrieben, werden die Nebel&lt;br /&gt;
des Zweifels und der Ängste zer-&lt;br /&gt;
streut, und die Lichter der Erkennt-&lt;br /&gt;
nis und Gewißheit werden sein We-&lt;br /&gt;
sen einhüllen. Zu dieser Stunde&lt;br /&gt;
wird der mystische Herold mit der&lt;br /&gt;
Freudenbotschaft des Geistes strah-&lt;br /&gt;
lend wie der Morgen aus der Stadt&lt;br /&gt;
Gottes aufleuchten und mit dem Po-&lt;br /&gt;
saunenstoß der Erkenntnis Herz,&lt;br /&gt;
Seele und Geist aus dem Schlum-&lt;br /&gt;
mer der Achtlosigkeit erwecken.&lt;br /&gt;
Dann werden die mannigfaltigen&lt;br /&gt;
Gunstbeweise und die Gnadenströ-&lt;br /&gt;
me des heiligen, ewigen Geistes&lt;br /&gt;
dem Sucher solch neues Leben ver-&lt;br /&gt;
leihen, daß er sich mit einem neuen&lt;br /&gt;
Auge, einem neuen Ohr, einem neu-&lt;br /&gt;
en Herzen und einem neuen Gemüte&lt;br /&gt;
beschenkt sieht. Er wird über die&lt;br /&gt;
offenbaren Zeichen des Weltalls&lt;br /&gt;
nachsinnen und die verborgenen&lt;br /&gt;
Geheimnisse der Seele durchdrin-&lt;br /&gt;
gen. Er wird mit dem Auge Gottes&lt;br /&gt;
schauen und in jedem Atom ein Tor&lt;br /&gt;
erblicken, das ihn zu den Stufen&lt;br /&gt;
völliger Gewißheit führt. In allen&lt;br /&gt;
Dingen wird er die Geheimnisse&lt;br /&gt;
göttlicher Offenbarung und die Be-&lt;br /&gt;
weise ewiger Verkündung ent-&lt;br /&gt;
decken.«°&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier vermittelt Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
in überwiegend symbolischer Spra-&lt;br /&gt;
che die geheimnisvolle Dynamik&lt;br /&gt;
geistigen Erwachens. Die Seele, die&lt;br /&gt;
das Zeichen Gottes im Menschen ist,&lt;br /&gt;
folgt dem Ruf des göttlichen Boten;&lt;br /&gt;
und der Mensch, der mit der Stadt&lt;br /&gt;
Gottes Verbindung aufnimmt, sieht&lt;br /&gt;
sich selbst und die Welt um ihn her-&lt;br /&gt;
um in einem neuen Licht. Das Leben&lt;br /&gt;
erhält einen neuen Sinn, und der&lt;br /&gt;
Geist liefert beständige Nahrung für&lt;br /&gt;
die Seele, den Verstand und den Kör-&lt;br /&gt;
per des Menschen. Dieser Prozeß der&lt;br /&gt;
Erleuchtung wird hauptsächlich&lt;br /&gt;
durch die Symbole, Metaphern und&lt;br /&gt;
Mythen erleichtert, die im leben-&lt;br /&gt;
spendenden Wort Gottes verborgen&lt;br /&gt;
liegen; Schleier der Unwissenheit&lt;br /&gt;
werden zerrissen, und neue Wahr-&lt;br /&gt;
nehmungen strömen auf das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein ein; die Erkenntnis kommt&lt;br /&gt;
unvermittelt und verlangt die voll-&lt;br /&gt;
ständige Aufmerksamkeit des einzel-&lt;br /&gt;
nen. Damit ähnelt das Begreifen re-&lt;br /&gt;
ligiöser Wahrheit der Wertschätzung&lt;br /&gt;
der Kunst; mehr affektiv als intellek-&lt;br /&gt;
tuell, vollständig und unvermittelt&lt;br /&gt;
statt teilweise und stufenweise,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch Wahrnehmung statt durch&lt;br /&gt;
Ideen bestimmt, anhand konkreter&lt;br /&gt;
Erfahrung statt theoretisch und ab-&lt;br /&gt;
strakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Ansätze zu&lt;br /&gt;
ästhetischem&lt;br /&gt;
Lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I. Anwendung bestimmter&lt;br /&gt;
ästhetischer Prinzipien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Maße wie geistiges&lt;br /&gt;
Lernen und ästhetisches Lernen den&lt;br /&gt;
gleichen Bereich der menschlichen&lt;br /&gt;
Entwicklung betreffen, so benutzen&lt;br /&gt;
sie auch ähnliche Prinzipien und&lt;br /&gt;
Praktiken zum erfolgreichen ästheti-&lt;br /&gt;
schen, geistigen, intuitiven und ima-&lt;br /&gt;
ginativen Wissenserwerbs im Ge-&lt;br /&gt;
gensatz zu kognitivem, rationellem&lt;br /&gt;
und intellektuellem Wissenserwerb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Bahä’u’lläh, Kitab-i-Igan: Das Buch der Gewißheit, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 3. Aufl. 1978, S. 41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 Fußnotentext&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 “Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis Göttlicher Kultur, Oberkalbach: Bahä’i-Verlag, 1973, $.38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Bahä’u’lläh, Ährenlese 125:6, S. 233&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst spricht primär den affek-&lt;br /&gt;
tiven und nicht den kognitiven Be-&lt;br /&gt;
reich an; den primären Prozeß der&lt;br /&gt;
Wahrnehmung statt des sekundären&lt;br /&gt;
Prozesses der Wahrnehmung; die&lt;br /&gt;
Gefühle; die Intuition; die Sinne und&lt;br /&gt;
nicht die Denkprozesse; die feminine&lt;br /&gt;
und nicht die maskuline Seite der&lt;br /&gt;
eigenen Natur; die rechte statt der&lt;br /&gt;
linken Hirnhälfte. Würde man die&lt;br /&gt;
Eigenheiten dieser besonderen Art&lt;br /&gt;
des Lernens, dieser besonderen Er-&lt;br /&gt;
kenntnismethode besser verstehen,&lt;br /&gt;
so könnte man sie vielleicht öfter&lt;br /&gt;
herbeiführen; werden diese Charak-&lt;br /&gt;
teristika, Elemente, Prozesse und&lt;br /&gt;
Bestandteile entdeckt, können sie&lt;br /&gt;
unmittelbarer bei ähnlichen Lerner-&lt;br /&gt;
fahrungen angewendet werden. Die&lt;br /&gt;
folgenden Elemente müssen vorlie-&lt;br /&gt;
gen, damit ästhetisches Lernen auf-&lt;br /&gt;
treten kann, oder — anders ausge-&lt;br /&gt;
drückt — damit eine Erfahrung als&lt;br /&gt;
ästhetisch bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l. Soll ein Lerneffekt stattfinden,&lt;br /&gt;
muß er für sich selbst beurteilt und&lt;br /&gt;
geschätzt werden; er muß erfahren&lt;br /&gt;
werden, während er Konflikte löst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Integration und Harmonie&lt;br /&gt;
schafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Lernen muß umfassend, zusam-&lt;br /&gt;
menhängend und vollständig sein&lt;br /&gt;
und ein Gefühl für Form, Einheit,&lt;br /&gt;
Verbundenheit und Beziehung&lt;br /&gt;
vermitteln. In einem guten Kunst-&lt;br /&gt;
werk wird eine Gesamtaussage&lt;br /&gt;
gemacht und nicht nur eine be-&lt;br /&gt;
stimmte Moral oder ein Lehrsatz&lt;br /&gt;
ausgedrückt. Idealerweise sollte&lt;br /&gt;
ein Kunstwerk als Offenbarung&lt;br /&gt;
erfahren werden, als überwälti-&lt;br /&gt;
gende Einsicht, als völlig wahr,&lt;br /&gt;
ganz und korrekt für den Moment,&lt;br /&gt;
als ein Stück der Ewigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Der Lernprozeß muß Mythos, Me-&lt;br /&gt;
tapher und Symbol benutzen, da-&lt;br /&gt;
mit geistig bedeutsame Kommu-&lt;br /&gt;
nikation stattfinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Um ein Kunstwerk zu erfahren,&lt;br /&gt;
muß der Lernende aktiv beteiligt&lt;br /&gt;
sein, denn seine Teilnahme ist zur&lt;br /&gt;
Vervollständigung des durch den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Künstler-Lehrer begonnenen oder&lt;br /&gt;
geplanten Prozesses unerläßlich.&lt;br /&gt;
Weiterhin muß die Erfahrung&lt;br /&gt;
Raum für einen Wachstumsprozeß&lt;br /&gt;
und persönliche Entwicklung ge-&lt;br /&gt;
ben und darf nicht nur Informatio-&lt;br /&gt;
nen und Wissen zur Nachahmung&lt;br /&gt;
oder Kopie vermitteln. Außerdem&lt;br /&gt;
muß die Erfahrung dem Lernen-&lt;br /&gt;
den ermöglichen, sich kreativ aus-&lt;br /&gt;
zudrücken, und ihn in einen Pro-&lt;br /&gt;
zeß der Entdeckung statt der Un-&lt;br /&gt;
terweisung verwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Der Lernprozeß muß die Qualität&lt;br /&gt;
der Lernerfahrung des Lernenden&lt;br /&gt;
verbessern, sein Leben bereichern&lt;br /&gt;
und einen Eindruck des über dem&lt;br /&gt;
Rationalen Liegenden, des Geisti-&lt;br /&gt;
gen, des Mysteriösen — mit ei-&lt;br /&gt;
nem Wort, des Heiligen — erzeu-&lt;br /&gt;
gen. Lernen muß dann den Ler-&lt;br /&gt;
nenden dazu inspirieren, die Er-&lt;br /&gt;
fahrung zu wiederholen, erneut&lt;br /&gt;
das Geheimnis, die Freude, die&lt;br /&gt;
Aufregung und die Ehrfurcht zu&lt;br /&gt;
genießen. Lernen muß wie das Er-&lt;br /&gt;
leben eines Höhepunktes erlebt&lt;br /&gt;
werden, den man nochmals zu er-&lt;br /&gt;
langen strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Die Lernerfahrung soll eher sinn-&lt;br /&gt;
liche Wahrnehmung als Ideen ver-&lt;br /&gt;
mitteln und intuitive Bewußtheit&lt;br /&gt;
stimulieren, anstatt logische Kon-&lt;br /&gt;
strukte zu entwickeln. Sie muß in&lt;br /&gt;
erster Linie das Vorstellungsver-&lt;br /&gt;
mögen ansprechen, die Gefühle,&lt;br /&gt;
die Intuition, den primären Prozeß&lt;br /&gt;
der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Lernen durch die Künste muß die&lt;br /&gt;
Erzeugung von Energie und Vita-&lt;br /&gt;
lität zur Folge haben, nicht ihre&lt;br /&gt;
Erschöpfung. Sie muß der Grund&lt;br /&gt;
für die Ausrichtung der Energien&lt;br /&gt;
sein, der Steigerung der Fähigkei-&lt;br /&gt;
ten, der Stärkung der Wahrneh-&lt;br /&gt;
mung und für ein allgemeines Ge-&lt;br /&gt;
fühl des Wohlergehens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann an diesem Punkt&lt;br /&gt;
anmerken, daß es andere Wege zur&lt;br /&gt;
Erkenntnis gibt, nämlich rationale&lt;br /&gt;
Wege, wie sie in der Mathematik&lt;br /&gt;
oder in den Naturwissenschaften ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gangen werden, und die nicht weni-&lt;br /&gt;
ger wertvoll sind, jedoch andere&lt;br /&gt;
Schritte durchlaufen und andere Me-&lt;br /&gt;
thoden anwenden, um andere Ziele&lt;br /&gt;
zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II. Anwendung des Monomythos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Sichtweise des&lt;br /&gt;
ästhetischen Lernens bietet Joseph&lt;br /&gt;
Campbell mit seinem »Monomy-&lt;br /&gt;
thos«, welcher ein Ergebnis seiner&lt;br /&gt;
Studien über Mythologien verschie-&lt;br /&gt;
dener Kulturen in aller Welt war. Er&lt;br /&gt;
ging von der Annahme aus, daß jede&lt;br /&gt;
dieser verschiedenen Mythologien&lt;br /&gt;
auf ihre eigene Weise Wahrheiten ei-&lt;br /&gt;
ner bestimmten Kultur und Gesell-&lt;br /&gt;
schaft ausdrückt. Er entdeckte, daß&lt;br /&gt;
der Mensch seine Mythen mit grund-&lt;br /&gt;
legenden Ängsten, Hoffnungen,&lt;br /&gt;
Sehnsüchten und Bestrebungen aus-&lt;br /&gt;
stattete, oft nicht dessen gewahr,&lt;br /&gt;
warum ein Mythos eine bestimmte&lt;br /&gt;
Form annahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Mythen im allge-&lt;br /&gt;
meinen Sprachgebrauch mit etwas&lt;br /&gt;
Unwahrem, Fiktivem gleichgesetzt&lt;br /&gt;
werden, sollen sie hier in ihrer ur-&lt;br /&gt;
sprünglichen Bedeutung des Wah-&lt;br /&gt;
ren, dessen was geglaubt wird, ver-&lt;br /&gt;
wendet werden. Es ist hilfreich sich&lt;br /&gt;
daran zu erinnern, daß Mythos das&lt;br /&gt;
Wort als Dekret oder letzte Verkün-&lt;br /&gt;
digung bedeutet und sich daher un-&lt;br /&gt;
terscheidet von logos, dem Wort,&lt;br /&gt;
dessen Richtigkeit vorgeführt und&lt;br /&gt;
bewiesen werden muß. Nach Toyn-&lt;br /&gt;
bee »sind Mythen die Instrumente,&lt;br /&gt;
durch die die weitesten Flüge des&lt;br /&gt;
menschlichen Geistes vollbracht&lt;br /&gt;
werden.«’- Und warum werden My-&lt;br /&gt;
then geschaffen? »Wenn das Univer-&lt;br /&gt;
sum ein Mysterium ist, und wenn der&lt;br /&gt;
Schlüssel zu diesem Mysterium ver-&lt;br /&gt;
borgen ist, sind dann Mythen nicht&lt;br /&gt;
ein unverzichtbares Mittel dazu, so&lt;br /&gt;
viel des Unbeschreiblichen auszu-&lt;br /&gt;
drücken als menschenmöglich?«° 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mythos ist in Form und&lt;br /&gt;
Funktion der Kunst und Religion eng&lt;br /&gt;
verwandt. Alle sind im wesentlichen&lt;br /&gt;
metaphorischen Charakters, bauen&lt;br /&gt;
zur Erforschung des Mysteriösen auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Armold Toynbee, A Historian’s Approach to Religion, New York: Oxford University Press, S. 282&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33 ebenda&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=27}}SymboleundBilder, um Sinn zu geben&lt;br /&gt;
und zu vermitteln. Alle speisen sich&lt;br /&gt;
aus der Matrix oder dem Substrat, das&lt;br /&gt;
als die universale Seele oder das&lt;br /&gt;
kollektive Unbewußtsein bezeichnet&lt;br /&gt;
werden kann, als ewige Wahrheiten&lt;br /&gt;
oder als Fundgrube von Urbildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Mitteln der Kunst&lt;br /&gt;
kann ein Mythos einige Funktionen&lt;br /&gt;
der Religion ausüben. Er liefert eine&lt;br /&gt;
Erklärung dafür, wie die Dinge sind&lt;br /&gt;
oder wurden. Wie die Religion bietet&lt;br /&gt;
der Mythos Modelle, Normen und&lt;br /&gt;
Ideale, die, weil an sie geglaubt wird,&lt;br /&gt;
das Verhalten rechtleiten können.&lt;br /&gt;
Mythos, ob indisch, griechisch,&lt;br /&gt;
ägyptisch oder nordisch, strebt da-&lt;br /&gt;
nach, ein vollständiges System mit&lt;br /&gt;
ausführlichen Erklärungen für den&lt;br /&gt;
Menschen umgebende Geheimnisse&lt;br /&gt;
zu sein: Geburt, Tod, Schöpfung,&lt;br /&gt;
Jahreszeiten, Krieg, Erfolg, Nieder-&lt;br /&gt;
lage, Gut, Böse. Religion wird je-&lt;br /&gt;
doch üblicherweise als etwas ver-&lt;br /&gt;
standen, das anspruchsvoller als My-&lt;br /&gt;
then ist, weil sie trotz der Benutzung&lt;br /&gt;
von Mythen diese nicht mit der&lt;br /&gt;
Wahrheit gleichsetzt, sondern sie als&lt;br /&gt;
Geschichten über die Wahrheit ver-&lt;br /&gt;
steht. Religion kann am besten als&lt;br /&gt;
die höchste Form von Mythos (oder&lt;br /&gt;
Metapher) verstanden werden, weil&lt;br /&gt;
sie ein umfassendes und ständig sich&lt;br /&gt;
entwickelndes Modell der Wirklich-&lt;br /&gt;
keit und ein Lebensmodell bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Campbell entdeckte,&lt;br /&gt;
können die gemeinsamen Themen,&lt;br /&gt;
gemeinsamen Abfolgen, gemeinsa-&lt;br /&gt;
men Ereignisse der verschiedenen&lt;br /&gt;
Mythologien nicht durch gegenseiti-&lt;br /&gt;
gen Einfluß erklärt werden, sondern&lt;br /&gt;
nur durch die Anerkennung der Tat-&lt;br /&gt;
sache, daß der Mensch weltweit die&lt;br /&gt;
gleichen Bedürfnisse und Sehnsüch-&lt;br /&gt;
te erlebt. Mythen werden als Antwort&lt;br /&gt;
auf dieses Verlangen geschaffen. Ba-&lt;br /&gt;
sierend auf seiner Studie dieser My-&lt;br /&gt;
thologien, hat Campbell einen einzi-&lt;br /&gt;
gen Mythos konstruiert, der all diese&lt;br /&gt;
Elemente und Ereignisse enthält, die&lt;br /&gt;
in allen großen Mythologien der&lt;br /&gt;
Welt vorliegen. Er legt nahe, daß der&lt;br /&gt;
Monomythos als Maßstab dienen&lt;br /&gt;
kann, an dem die menschlichen Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsprozesse in unserer Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft gemessen werden können.&lt;br /&gt;
Demzufolge wird die Effektivität ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ner jeden Lehrmethode in dem Grade&lt;br /&gt;
verbessert, in dem seine verschiede-&lt;br /&gt;
nen Teile und Abfolgen dem Modell&lt;br /&gt;
des Monomythos folgen. Wenn also&lt;br /&gt;
mit anderen Worten dieser Monomy-&lt;br /&gt;
thos universelle Gültigkeit als Mo-&lt;br /&gt;
dell für die menschliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung besitzt, dann sollten unsere&lt;br /&gt;
Lehrmethoden und Bildungsstätten&lt;br /&gt;
genügend Gelegenheit bieten, diese&lt;br /&gt;
anscheinend essentiellen Abläufe&lt;br /&gt;
und Ereignisse erfahrbar zu machen.&lt;br /&gt;
Kann der Monomythos, zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel, dem einzelnen irgend etwas&lt;br /&gt;
über seine Suche nach geistiger&lt;br /&gt;
Wahrheit sagen? Kann er ihm dabei&lt;br /&gt;
helfen, den Wert und die Bedeutung&lt;br /&gt;
dessen, was er als »Kampf«, »Lei-&lt;br /&gt;
den«, »Opfer« und »Prüfungen« be-&lt;br /&gt;
zeichnet, einzuschätzen? Statt solche&lt;br /&gt;
Erfahrungen als Fluch oder Heimsu-&lt;br /&gt;
chungen zu betrachten, sollten sie als&lt;br /&gt;
Herausforderungen und Gelegenhei-&lt;br /&gt;
ten gesehen werden, sich selbst zu&lt;br /&gt;
beweisen, die eigenen Kräfte zu&lt;br /&gt;
messen und wahre Identität zu fin-&lt;br /&gt;
den. Ohne solche Erfahrungen bleibt&lt;br /&gt;
der Mensch in einem Netz von&lt;br /&gt;
Selbstgefälligkeit und Bequemlich-&lt;br /&gt;
keit verhüllt, bis seine Kräfte&lt;br /&gt;
schwinden und sein Geist verfällt.&lt;br /&gt;
Die Elemente des Monomythos&lt;br /&gt;
mahnen ihn, daß er in die Welt hin-&lt;br /&gt;
ausgehen, agieren muß, wenn sein&lt;br /&gt;
gesamtes menschliches Potential —&lt;br /&gt;
geistig, mental und physisch — aus-&lt;br /&gt;
geschöpft werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der mythologische Held,&lt;br /&gt;
der sich aus seiner Hütte oder seinem&lt;br /&gt;
Schloß auf den Weg macht, erreicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— von Verlockungen angezogen und&lt;br /&gt;
hingerissen oder freiwillig — die&lt;br /&gt;
Schwelle zum Abenteuer. Dort be-&lt;br /&gt;
gegnet er einem Schattenwesen, das&lt;br /&gt;
den Zugang versperrt. Der Held mag&lt;br /&gt;
diese Macht besiegen oder be-&lt;br /&gt;
schwichtigen und das Reich der&lt;br /&gt;
Dunkelheit (Bruderkrieg, Drachen-&lt;br /&gt;
kampf; Geschenke, Zauberei) betre-&lt;br /&gt;
ten, oder er wird vom Gegner getötet&lt;br /&gt;
und steigt hinab in den Tod (Zer-&lt;br /&gt;
stückelung, Kreuzigung). Jenseits&lt;br /&gt;
dieser Schwelle reist der Held durch&lt;br /&gt;
eine Welt voll unbekannter und doch&lt;br /&gt;
merkwürdig vertrauter Kräfte, von&lt;br /&gt;
denen ihn manche schwer bedrohen&lt;br /&gt;
(Prüfungen) und andere ihm magi-&lt;br /&gt;
schen Beistand leisten (Helfer). Er-&lt;br /&gt;
reicht er den Tiefpunkt des mytholo-&lt;br /&gt;
gischen Kreises, erduldet er die&lt;br /&gt;
schwerste Heimsuchung und erhält&lt;br /&gt;
seine Belohnung. Der Triumph kann&lt;br /&gt;
durch die sexuelle Vereinigung mit&lt;br /&gt;
der Mutter-Göttin der Welt (heilige&lt;br /&gt;
Ehe), seine Anerkennung durch den&lt;br /&gt;
Vater-Schöpfer (Vaterversöhnung),&lt;br /&gt;
seine eigene Vergötterung (Apotheo-&lt;br /&gt;
se), oder wiederum — wenn ihm die&lt;br /&gt;
Mächte weiterhin feindlich gesinnt&lt;br /&gt;
waren — durch seinen Diebstahl der&lt;br /&gt;
Gabe, die er zu erhalten kam (Braut-&lt;br /&gt;
raub, Feuerraub), repräsentiert wer-&lt;br /&gt;
den; eigentlich ist es eine Erweite-&lt;br /&gt;
rung des Bewußtseins und damit des&lt;br /&gt;
Seins (Erleuchtung, Verklärung,&lt;br /&gt;
Freiheit). Der letzte Schritt ist die&lt;br /&gt;
Rückkehr. Haben die Mächte den&lt;br /&gt;
Helden gesegnet, reist er nun unter&lt;br /&gt;
ihrem Schutz (Bote); falls nicht,&lt;br /&gt;
flüchtet er und wird verfolgt (Ver-&lt;br /&gt;
wandlungsflucht, Hindernisflucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Schwelle der Rückkehr müs-&lt;br /&gt;
sen die transzendenten Mächte zu-&lt;br /&gt;
rückbleiben; der Held erhebt sich&lt;br /&gt;
wieder aus dem Reich des&lt;br /&gt;
Schreckens (Wiederkehr, Auferste-&lt;br /&gt;
hung). Die Gabe, die er mitbringt,&lt;br /&gt;
erneuert die Welt (Elixir).*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Teilnahme an&lt;br /&gt;
Mythen in Kunst und Religion kulti-&lt;br /&gt;
viert der Mensch die geistige Seite&lt;br /&gt;
seiner Natur. Durch den Mythos wird&lt;br /&gt;
der Mensch seiner Ursprünge und&lt;br /&gt;
seiner grundlegenden Menschlich-&lt;br /&gt;
keit erinnert, und durch Mythen&lt;br /&gt;
überwindet er das Gefängnis des&lt;br /&gt;
Selbstes und kann in eine umfassen-&lt;br /&gt;
dere Gemeinschaft eintreten, zu der&lt;br /&gt;
er etwas beitragen und von der er&lt;br /&gt;
empfangen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schluß-&lt;br /&gt;
betrachtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den vergangenen hundert&lt;br /&gt;
Jahren ist der Mensch Zeuge einer&lt;br /&gt;
radikalen Veränderung der Sichtwei-&lt;br /&gt;
se seiner selbst und seiner Welt ge-&lt;br /&gt;
worden. Durch die Entdeckungen&lt;br /&gt;
der Wissenschaft, durch die Aner-&lt;br /&gt;
kennung der wissenschaftlichen Me-&lt;br /&gt;
thode, durch technologische Neue-&lt;br /&gt;
rungen, durch verbesserte Kommu-&lt;br /&gt;
nikation, durch rigoroses Infragestel-&lt;br /&gt;
len gesellschaftlicher und religiöser&lt;br /&gt;
Überzeugungen hat sich der Mensch&lt;br /&gt;
von früheren Tabus und überkomme-&lt;br /&gt;
nen Traditionen befreit. Angetrieben&lt;br /&gt;
einerseits von einer Ahnung seiner&lt;br /&gt;
eigenen Kraft und beunruhigt von&lt;br /&gt;
einer zunehmenden Ruhelosigkeit&lt;br /&gt;
und Besorgnis andererseits, ist er tie-&lt;br /&gt;
fer in sein inneres Sein und das äuße-&lt;br /&gt;
re Universum vorgedrungen im wa-&lt;br /&gt;
gemutigen Versuch, bessere Antwor-&lt;br /&gt;
ten auf ewige Fragen zu finden.&lt;br /&gt;
Wenn auch diese Periode intensiver,&lt;br /&gt;
beispielloser, revolutionärer Aktivi-&lt;br /&gt;
tät bis heute mehr zerstört als ge-&lt;br /&gt;
schaffen hat, so muß sie doch als ein&lt;br /&gt;
notwendiger Schritt in der Neuord-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nung der Welt gesehen werden; und&lt;br /&gt;
sie kann am besten als ein geistiges&lt;br /&gt;
Phänomen verstanden werden und&lt;br /&gt;
nicht als eine Reihe wachsender so-&lt;br /&gt;
zio-ökonomischer Anpassungen, po-&lt;br /&gt;
litischer Reformen und wissen-&lt;br /&gt;
schaftlicher Erfindungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozeß qualvollen Wan-&lt;br /&gt;
dels ist immer mit dem Kommen&lt;br /&gt;
einer Manifestation oder eines Boten&lt;br /&gt;
Gottes verbunden. Bahä’u’lläh er-&lt;br /&gt;
klärt: »Die Welt ist aus dem Gleich-&lt;br /&gt;
gewicht geraten durch die Schwung-&lt;br /&gt;
kraft dieser größten, dieser neuen&lt;br /&gt;
Weltordnung. Das geregelte Leben&lt;br /&gt;
der Menschheit ist aufgewühlt durch&lt;br /&gt;
das Wirken dieses einzigartigen, die-&lt;br /&gt;
ses wundersamen Systems &amp;gt;&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá schreibt: »Als der Ruf&lt;br /&gt;
Gottes erhoben ward... , hauchte er&lt;br /&gt;
dem Körper der Menschheit neues&lt;br /&gt;
Leben ein und goß einen neuen Geist&lt;br /&gt;
in die ganze Schöpfung. Aus diesem&lt;br /&gt;
Grunde ist die Welt bis in ihre Tiefen&lt;br /&gt;
bewegt, Herz und Gewissen der&lt;br /&gt;
Menschen sind erfrischt. Binnen&lt;br /&gt;
kurzem werden die Zeichen dieser&lt;br /&gt;
Wiedergeburt offenbar, die tief&lt;br /&gt;
Schlafenden werden erweckt.«°®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Shoghi Effendi aus-&lt;br /&gt;
führt, bewirkt die Offenbarung Got-&lt;br /&gt;
tes »eine furchtbare Vergeltung, aber&lt;br /&gt;
auch ein[en] Akt der heiligen und&lt;br /&gt;
höchsten Züchtigung. Es [das Ge-&lt;br /&gt;
richt Gottes] ist eine göttliche Heim-&lt;br /&gt;
suchung und zugleich eine Läute-&lt;br /&gt;
rung für die ganze Menschheit. Seine&lt;br /&gt;
Feuerbrände strafen die Verderbnis&lt;br /&gt;
des Menschengeschlechts und&lt;br /&gt;
schweißen dessen einzelne Teile zu&lt;br /&gt;
einer organischen, unteilbaren, welt-&lt;br /&gt;
weiten Gemeinschaft zusammen.«”’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweifacher Prozeß&lt;br /&gt;
kommt in Gang: Zerfall und Un-&lt;br /&gt;
gleichgewicht berühren viele tradi-&lt;br /&gt;
tionelle Gepflogenheiten und Denk-&lt;br /&gt;
weisen; Synthese und Integration&lt;br /&gt;
verbinden neue Auffassungen und&lt;br /&gt;
Ideen. Alte Schläuche können keinen&lt;br /&gt;
neuen Wein fassen; abgenutzte und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
leere Institutionen und Ideologien&lt;br /&gt;
können der Kraft des neuen Geistes&lt;br /&gt;
nicht widerstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb, der Vorläufer&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, beschreibt deutlich&lt;br /&gt;
diese notwendige Übergangsphase&lt;br /&gt;
des Chaos und der Verwirrung: Er&lt;br /&gt;
sagt, Gott hat alle Dinge voneinander&lt;br /&gt;
befreit, damit Er allein sie erhalten&lt;br /&gt;
kann. Das könnte bedeuten, daß in&lt;br /&gt;
einer Zeit rascher Veränderungen,&lt;br /&gt;
wie der unseren, in der der Zusam-&lt;br /&gt;
menbruch alter Werte zu Verwirrung,&lt;br /&gt;
Streit und Unsicherheit führt, der&lt;br /&gt;
Mensch dazu genötigt ist, sich und&lt;br /&gt;
seine Welt zu überdenken. Alle Ele-&lt;br /&gt;
mente und Aspekte unserer Welt&lt;br /&gt;
werden aus ihrem gewohnten Zu-&lt;br /&gt;
sammenhang genommen, um in ei-&lt;br /&gt;
nem neuen Licht betrachtet zu wer-&lt;br /&gt;
den. Indem alle Dinge voneinander&lt;br /&gt;
befreit wurden, hat Gott alles in der&lt;br /&gt;
ewigen Gestalt erscheinen lassen,&lt;br /&gt;
abhängig von Ihm allein und nicht&lt;br /&gt;
von Konvention oder sozialer&lt;br /&gt;
Zweckdienlichkeit. Dann erneuert&lt;br /&gt;
die Manifestation Gottes, der größte&lt;br /&gt;
Künstler, die Welt gemäß Seinem&lt;br /&gt;
Göttlichen Plan und ruft die Mensch-&lt;br /&gt;
heit auf, zu ihrer eigenen Erlösung&lt;br /&gt;
an diesem kreativen Prozeß teilzu-&lt;br /&gt;
nehmen, indem sie sich mit dem of-&lt;br /&gt;
fenbarten und lebenspendenden&lt;br /&gt;
Wort Gottes befaßt. Der Mensch&lt;br /&gt;
muß sich der Herausforderung stel-&lt;br /&gt;
len, »Das Hervortreten einer Weltge-&lt;br /&gt;
meinschaft, das Bewußtsein des&lt;br /&gt;
Weltbürgertums, die Begründung&lt;br /&gt;
einer Weltzivilisation und Weltkul-&lt;br /&gt;
tur... .«’° Da der Mensch nach Got-&lt;br /&gt;
tes Ebenbild erschaffen wurde, strebt&lt;br /&gt;
er ständig danach, Chaos in Ordnung&lt;br /&gt;
zu verwandeln, Sinn und Ziel zu fin-&lt;br /&gt;
den, Harmonie, Einheit und Schön-&lt;br /&gt;
heit zu entdecken. Dieses instinktive&lt;br /&gt;
Streben wirkt sowohl in der Schaf-&lt;br /&gt;
fung als auch in der Wertschätzung&lt;br /&gt;
von Kunst und kann durch enges&lt;br /&gt;
Zusammenwirken mit dem schöpfe-&lt;br /&gt;
rischen Wort Gottes kanalisiert wer-&lt;br /&gt;
den, um zur Errichtung einer neuen&lt;br /&gt;
Weltordnung beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 Joseph Campbell, The Hero with a Thousand Faces, Princeton: Princeton University Press, 1949, S. 246&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35  Ährenlese 70:1, S. 122&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 zitiert in: Shoghi Effendi, Die Weltordnung Baha’u’llahs, Hofheim-Langenhain: Bahä’i-Verlag, 1977, S. 243&lt;br /&gt;
37 Shoghi Effendi, Der Verheißene Tag ist gekommen, Frankfurt am Main: Bahä’i-Verlag, 1967, S. 23&lt;br /&gt;
38 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahd’&#039;u’llähs, S. 233&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=29}}»Betrachte den&lt;br /&gt;
Menschen als ein&lt;br /&gt;
Bergwerk, reich an&lt;br /&gt;
Edelsteinen von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unschätzbarem&lt;br /&gt;
Wert. Nur die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung kann&lt;br /&gt;
bewirken, daß es&lt;br /&gt;
seine Schätze&lt;br /&gt;
enthüllt und die&lt;br /&gt;
Menschheit daraus&lt;br /&gt;
Nutzen zu ziehen&lt;br /&gt;
vermag.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Bahä’u’llah, Ährenlese,&lt;br /&gt;
Kap. 122)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Zitat als Leitsatz wurde ein&lt;br /&gt;
Diamant als Symbol für eine Schule ausge-&lt;br /&gt;
wählt, die u.a. das Ziel verfolgt, gemäß den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schriften junge Menschen als Edel-&lt;br /&gt;
steine zu betrachten und sie mit sehr viel&lt;br /&gt;
Geduld, Hingabe, Liebe, etwas Härte,&lt;br /&gt;
Fachwissen und Geschick zu schleifen und&lt;br /&gt;
zu veredeln, damit man sich ein Leben lang&lt;br /&gt;
daran erfreuen und auf ihren Besitz stolz&lt;br /&gt;
sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einigen Jahren — während der&lt;br /&gt;
aufwühlenden Zeiten des politischen Um-&lt;br /&gt;
bruchs im europäischen Osten — siedelten&lt;br /&gt;
einige Bahä’i, von Pioniergeist erfaßt, in&lt;br /&gt;
die damalige Tschechoslowakei über und&lt;br /&gt;
ergriffen die Chance, eine internationale&lt;br /&gt;
Schule zu gründen, die Bahä’f-Prinzipien&lt;br /&gt;
in Aufbau und Leitung verwirklicht. Diese&lt;br /&gt;
Schule sollte für internationale und tsche-&lt;br /&gt;
chische Schüler offenstehen und zugleich&lt;br /&gt;
als soziales Projekt in einem Land dienen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das in Bildung und Kultur neuer Impulse&lt;br /&gt;
bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule entstand also aus einer&lt;br /&gt;
privaten Initiative einzelner engagierter&lt;br /&gt;
Bahä’i, die mit diesem in Europa bisher&lt;br /&gt;
einmaligen Projekt für Bahä’i und gleich-&lt;br /&gt;
gesinnte Menschen eine Schule schaffen&lt;br /&gt;
wollen, die viele Menschen anspricht. Die-&lt;br /&gt;
se Schule fördert globales Denken und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barbara&lt;br /&gt;
Missaghian&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos von&lt;br /&gt;
Ellen Henseler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klassenziel:&lt;br /&gt;
Welteinheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Townshend International School -&lt;br /&gt;
ein internationales Schulprojekt in Europa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorurteilsfreie Begegnung verschiedenar-&lt;br /&gt;
tigster Menschen und Kulturen, so daß die&lt;br /&gt;
Kinder weltoffen erzogen werden und zu&lt;br /&gt;
freien Individuen heranwachsen. Nur so&lt;br /&gt;
können sie den Aufgaben und Herausforde-&lt;br /&gt;
rungen einer sich ständig ändernden Welt&lt;br /&gt;
gewachsen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule konnte durch die Grün-&lt;br /&gt;
dungsmitglieder Reza und Ramona Reyhani&lt;br /&gt;
aus Österreich und Shane Etzenhouser aus&lt;br /&gt;
den USA aufgrund ihrer persönlichen Kon-&lt;br /&gt;
takte und der beratenden Unterstützung&lt;br /&gt;
durch die Maxwell International Baha’i&lt;br /&gt;
School in Kanada (in Bahä’i-Briefe Nr. 58&lt;br /&gt;
wurde über diese Schule berichtet) bereits&lt;br /&gt;
nach neun Monaten intensiven Planens und&lt;br /&gt;
Vorbereitens im Jahre 1992 eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach reiflicher Überlegung ent-&lt;br /&gt;
schloß man sich für den Namen Townshend&lt;br /&gt;
International School (T.1.S.). Die Schule&lt;br /&gt;
wurde benannt nach dem irischen Geistli-&lt;br /&gt;
chen George Townshend, der in hohem Al-&lt;br /&gt;
ter den Bahä’i-Glauben annahm und sich&lt;br /&gt;
als bedeutender Bahä’i-Gelehrter erwies.&lt;br /&gt;
Die Townshend International School wird&lt;br /&gt;
nun als englischsprachige Internatsschule&lt;br /&gt;
in Hlubokä in Südböhmen, Tschechische&lt;br /&gt;
Republik betrieben. Hlubokä liegt nahe der&lt;br /&gt;
Grenzen zu Österreich und Deutschland in-&lt;br /&gt;
mitten einer herrlichen Landschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Frühjahr des Jahres 1992 ver-&lt;br /&gt;
schickten die Gründer die ersten Informa-&lt;br /&gt;
tionshefte über die T.1.S. an viele Bahä’i&lt;br /&gt;
überwiegend in Europa. Außerdem infor-&lt;br /&gt;
mierten sie in Deutschland und Österreich&lt;br /&gt;
mit Dia-Vorträgen in einigen Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinden über dieses Projekt. Im Rahmen&lt;br /&gt;
dieser Bemühungen wurde auch die Mona-&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schule (eine überregionale Schule&lt;br /&gt;
für Kinder und Erwachsene, die sich mit&lt;br /&gt;
Themen des Bahä’i-Glaubens befaßt) der&lt;br /&gt;
Dormagener Bahä’i-Gemeinde besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Besuch brachte eine große&lt;br /&gt;
Veränderung in unserer Familie mit sich:&lt;br /&gt;
unser Sohn Ramin, damals 15 Jahre alt,&lt;br /&gt;
entschloß sich spontan, nach den Sommer-&lt;br /&gt;
ferien des Jahres 1992 auf diese neue Schu-&lt;br /&gt;
le zu gehen. Beeindruckend war für ihn&lt;br /&gt;
vieles; so hatte er z.B. in seiner bisherigen&lt;br /&gt;
Schule 28 Klassenkameraden, während bei&lt;br /&gt;
der T.I.S. die Klassenstärke zunächst bei 8&lt;br /&gt;
- 10 Schülern je Eingangsklasse lag. Außer-&lt;br /&gt;
dem waren seine dortigen Lehrer Bahä’i,&lt;br /&gt;
und sowohl der Unterricht als auch das&lt;br /&gt;
Schulleben ist geprägt von Bahä’i-Gedan-&lt;br /&gt;
ken und -Prinzipien. Damit eröffneten sich&lt;br /&gt;
hoffnungsvolle Perspektiven, nachdem Ge-&lt;br /&gt;
walt, Rassismus und Drogengefährdung&lt;br /&gt;
ganz besonders an deutschen Schulen z.Z.&lt;br /&gt;
zu eskalieren drohen und Schule und EI-&lt;br /&gt;
ternhaus häufig ratlos dieser Entwicklung&lt;br /&gt;
gegenüberstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Prinzipien, die die T.LS.&lt;br /&gt;
anzuwenden versucht, gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U die Hingebung an den Schöpfer und&lt;br /&gt;
Respekt vor allen Menschen, unabhän-&lt;br /&gt;
gig von Rasse, Klasse, Religion oder&lt;br /&gt;
Nationalität,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U die Gleichwertigkeit von Mann und&lt;br /&gt;
Frau bei der Schaffung einer fortschrei-&lt;br /&gt;
tenden Kultur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Vertrauenswürdigkeit, Freundlichkeit,&lt;br /&gt;
Liebe und Dienst an der Menschheit&lt;br /&gt;
sowie das Gefühl für persönliche Ver-&lt;br /&gt;
antwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts dieser Vorgaben und&lt;br /&gt;
des Wunsches, an dieser Entwicklung teil-&lt;br /&gt;
zuhaben, sprach nach anfänglichen Überle-&lt;br /&gt;
gungen nichts mehr gegen eine Anmeldung&lt;br /&gt;
zu diesem mutigen Projekt, zumal uns in&lt;br /&gt;
dieser Anfangsphase schnell klar wurde,&lt;br /&gt;
daß diesem unserer Meinung nach für Eu-&lt;br /&gt;
ropa einmaligen und wichtigen Angebot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jegliche Unterstützung zukommen sollte.&lt;br /&gt;
Und so begann nicht nur für Ramin, son-&lt;br /&gt;
dern für unsere ganze Familie ein neuer,&lt;br /&gt;
interessanter und aufregender Zeitab-&lt;br /&gt;
schnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 9. September 1992 war es dann&lt;br /&gt;
soweit und die Townshend International&lt;br /&gt;
School öffnete ihre Pforten: 24 Kinder&lt;br /&gt;
(Bahä’i und Nicht-Bahä’f) aus Deutsch-&lt;br /&gt;
land, Österreich, den Niederlanden, Grie-&lt;br /&gt;
chenland, Spanien, den USA und der Tsche-&lt;br /&gt;
chischen Republik waren die ersten Schüler&lt;br /&gt;
der Eingangsklassen 7, 8 und 9. Sie wurden&lt;br /&gt;
betreut von zehn Lehrern, den Internatsel-&lt;br /&gt;
tern und einigen Jugendlichen, die ein frei-&lt;br /&gt;
williges Jahr dort ableisteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die zehn tschechischen&lt;br /&gt;
Kinder diese Schule als Tagesschüler besu-&lt;br /&gt;
chen, leben die internationalen Schüler in&lt;br /&gt;
einem Internatsgebäude, wo sie betreut und&lt;br /&gt;
verpflegt werden und von wo aus sie täglich&lt;br /&gt;
zur Schule gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dann am 3. Oktober 1992 in der&lt;br /&gt;
Galerie des Schlosses zu Hlubokä die offi-&lt;br /&gt;
zielle Eröffnung in Anwesenheit von Herrn&lt;br /&gt;
Aziz Yazdi und Fürstin Theresa von&lt;br /&gt;
Schwarzenberg unter großer und positiver&lt;br /&gt;
Anteilnahme der Öffentlichkeit gefeiert&lt;br /&gt;
wurde, war es überwältigend zu spüren und&lt;br /&gt;
zu sehen, wie die Kinder — tschechische&lt;br /&gt;
und internationale Schüler — bereits nach&lt;br /&gt;
so relativ kurzer Zeit zu einer Einheit zu-&lt;br /&gt;
sammengewachsen waren. Während des&lt;br /&gt;
beeindruckenden Programms, bestehend&lt;br /&gt;
aus Vorträgen und künstlerischen Beiträgen&lt;br /&gt;
von Bahä’i und Nicht-Bahä’i, von Jugend-&lt;br /&gt;
lichen und Erwachsenen, wurde immer&lt;br /&gt;
wieder die große Bedeutung der T.I.S. für&lt;br /&gt;
Europa heute und in der Zukunft hervorge-&lt;br /&gt;
hoben. Zu dieser Festveranstaltung waren&lt;br /&gt;
ca. 300 Teilnehmer (Eltern, Schüler und&lt;br /&gt;
Interessierte) aus ganz Europa erschienen,&lt;br /&gt;
und es wurde mit viel Musik und kulinari-&lt;br /&gt;
schen Köstlichkeiten gefeiert. Ein jeder&lt;br /&gt;
spürte, daß er an einem sicherlich für die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Geschichte in Europa wegweisen-&lt;br /&gt;
den und bedeutenden Ereignis teilgenom-&lt;br /&gt;
men hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnell kehrte im ersten Schuljahr&lt;br /&gt;
der Alltag ein, und wie bei jedem neuen&lt;br /&gt;
Unternehmen — auch im herkömmlichen&lt;br /&gt;
Sinne — kündigten sich Probleme an, die&lt;br /&gt;
es zu bewältigen galt. Z.B. wechselten zu&lt;br /&gt;
Beginn einige Mitarbeiter und es stand ei-&lt;br /&gt;
nige Zeit kein Schuldirektor zur Verfügung.&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=31}}Aber durch den enormen Einsatz der Er-&lt;br /&gt;
wachsenen und die Stärke, Willenskraft&lt;br /&gt;
und Standhaftigkeit der Kinder konnte die-&lt;br /&gt;
se schwierige Zeit der ersten Monate er-&lt;br /&gt;
folgreich gemeistert werden. Schon zu Be-&lt;br /&gt;
ginn des zweiten Halbjahres stabilisierte&lt;br /&gt;
sich die weitere Entwicklung der Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den im ersten Jahr des Beste-&lt;br /&gt;
hens der Schule existierenden Eingangs-&lt;br /&gt;
klassen 7, 8 und 9 wird in jedem Schuljahr&lt;br /&gt;
eine weitere Jahrgangsstufe hinzukommen.&lt;br /&gt;
Schließlich wird das Ablegen der Abitur-&lt;br /&gt;
prüfung möglich sein, und derzeit wird das&lt;br /&gt;
endgültige Examensverfahren noch festge-&lt;br /&gt;
legt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterricht findet z.Z. noch in&lt;br /&gt;
angemieteten Klassenräumen einer großen&lt;br /&gt;
öffentlichen teschechischen Schule in Hlu-&lt;br /&gt;
bokä statt. Unterrichtet werden alle Fächer,&lt;br /&gt;
die entsprechend der Lehrplanvorschriften&lt;br /&gt;
zur Erlangung eines Abiturs, das zu einem&lt;br /&gt;
Universitätsstudium berechtigt, vorge-&lt;br /&gt;
schrieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die internationalen Schüler leben&lt;br /&gt;
in einem angemieteten umfunktionierten&lt;br /&gt;
Hotel, dem sogenannten Dorm, in dem&lt;br /&gt;
auch zugleich ihre Internatseltern sowie Ju-&lt;br /&gt;
gendliche wohnen, die ein freiwilliges Jahr&lt;br /&gt;
bei diesem Projekt ableisten (waren dies im&lt;br /&gt;
Vorjahr hauptsächlich Absolventen der Ma-&lt;br /&gt;
xwell International Bahä’i School, so sind&lt;br /&gt;
jetzt auch Jugendliche aus Deutschland da-&lt;br /&gt;
bei). Internatseltern und Jugendliche gehen&lt;br /&gt;
mit einer bewundernswerten Liebe und Be-&lt;br /&gt;
reitschaft an diese aufopferungsvolle und&lt;br /&gt;
wichtige Aufgabe heran. So ist auch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklären, daß inzwischen für die Schüler&lt;br /&gt;
nach dem anstrengenden Ganztags-Schul-&lt;br /&gt;
tag (durchschnittlich 8.00 - 15.30 Uhr) eine&lt;br /&gt;
angenehme Atmosphäre in ihrem neuen Zu-&lt;br /&gt;
hause geschaffen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Wohnheim gehen auch die&lt;br /&gt;
Freizeitaktivitäten aus, die in der verblei-&lt;br /&gt;
benden Zeit nach dem täglichen Schulun-&lt;br /&gt;
terricht und an den Wochenenden angebo-&lt;br /&gt;
ten und größtenteils gemeinsam durchge-&lt;br /&gt;
führt werden. So kann z.B. auf nahegelege-&lt;br /&gt;
nen Seen im Sommer gerudert oder gean-&lt;br /&gt;
gelt werden, während im Winter auf den&lt;br /&gt;
zugefrorenen kleinen Seen ideale Möglich-&lt;br /&gt;
keiten zum Eishockey und Schlittschuhlau-&lt;br /&gt;
fen gegeben sind, und diese Angebote neh-&lt;br /&gt;
men die Kidner auch voll Begeisterung in&lt;br /&gt;
Anspruch. Weitere Wochenendaktivitäten&lt;br /&gt;
wie Picknicks, gemeinsame Unternehmun-&lt;br /&gt;
gen mit den tschechischen Mitschülern und&lt;br /&gt;
deren Eltern sowie die jährliche Klassen-&lt;br /&gt;
fahrt zum Skifahren in den Süden der&lt;br /&gt;
Tschechischen Republik mit Lehrern und&lt;br /&gt;
Schülern aller Jahrgangsstufen stehen auf&lt;br /&gt;
dem Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle muß auch das&lt;br /&gt;
große Engagement der tschechischen EI-&lt;br /&gt;
tern erwähnt werden, die immer wieder mit&lt;br /&gt;
ihren Aktivitäten ihre Dankbarkeit dafür&lt;br /&gt;
ausdrücken möchten, daß ihre Kinder&lt;br /&gt;
Schüler dieser Schule sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schüler nehmen auch an Kon-&lt;br /&gt;
ferenzen und Bahä’i-Tagungen teil und lei-&lt;br /&gt;
sten Beiträge zu solchen Programmen. Z.B.&lt;br /&gt;
besuchten Anfang Oktober 1993 15 Mit-&lt;br /&gt;
glieder des T.1.S.-Drama-Workshops mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klasse 7 der&lt;br /&gt;
Townshend&lt;br /&gt;
International School&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler, Eltern,&lt;br /&gt;
Mitarbeiter und&lt;br /&gt;
Förderer der 7.1.8.&lt;br /&gt;
pflanzen in&lt;br /&gt;
Anwesenheit von&lt;br /&gt;
Vertretern der Stadt&lt;br /&gt;
Hluboka den ersten&lt;br /&gt;
Baum auf dem&lt;br /&gt;
zukünftigen&lt;br /&gt;
Schulgelände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drei Betreuern eine gerontologische Konfe-&lt;br /&gt;
renz in Graz, Österreich zu dem Thema:&lt;br /&gt;
»Alte Grenzen fallen — neue Barrieren&lt;br /&gt;
werden errichtet. Die Situation der alten&lt;br /&gt;
Menschen im neuen Europa«. Die T.l.S.-&lt;br /&gt;
Schüler konnten — auf die Problematik der&lt;br /&gt;
alten Menschen bezogen — einen bemer-&lt;br /&gt;
kenswerten kulturellen Beitrag leisten: im&lt;br /&gt;
Rahmen eines Theaterstücks wurde anhand&lt;br /&gt;
eines Roboters, mit dessen Hilfe ein junger&lt;br /&gt;
Mensch die Zeiten und Generationen&lt;br /&gt;
durchschreiten konnte, die Unsinnigkeit&lt;br /&gt;
von Vorurteilen vor Augen geführt. Wie ein&lt;br /&gt;
Mitbegründer der T.I.S. in einem Referat&lt;br /&gt;
während dieser europäischen Konferenz er-&lt;br /&gt;
klärte, ergeben sich in der ganzheitlichen&lt;br /&gt;
Erziehung eine Reihe von Gemeinsamkei-&lt;br /&gt;
ten, welche die Generationen verbinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher gehört zu den Zukunftsvisionen der&lt;br /&gt;
Gründer von T.l.S. das Errichten eines Al-&lt;br /&gt;
tersruhesitzes auf dem Schulcampus, damit&lt;br /&gt;
die Brücken zwischen Alt und Jung für&lt;br /&gt;
beide Seiten viele Früchte tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ältere Menschen können als Teil-&lt;br /&gt;
zeitkräfte zur Betreuung der Schüler einge-&lt;br /&gt;
setzt werden, wodurch ihrem Leben mehr&lt;br /&gt;
Sinn gegeben wird. Bei der Begegnung von&lt;br /&gt;
Jung und Alt entsteht eine Symbiose, ein&lt;br /&gt;
kreativer Austausch an Zeit, Liebe, Leben,&lt;br /&gt;
Erfahrung, Fürsorge, Wissen und Weisheit,&lt;br /&gt;
Geduld und Rücksichtnahme, Lebensmut,&lt;br /&gt;
das Gefühl, gebraucht zu werden und nütz-&lt;br /&gt;
lich zu sein, die Zuversicht auf Einheit und&lt;br /&gt;
Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon kurz nach der Eröffnung&lt;br /&gt;
der Schule wurde der nächste Schritt in&lt;br /&gt;
der Weiterentwicklung des Projektes ein-&lt;br /&gt;
geleitet. Man suchte ein geeignetes&lt;br /&gt;
Grundstück, auf dem eigene Schul- und&lt;br /&gt;
Internatsgebäude errichtet werden kön-&lt;br /&gt;
nen. Nach vielen Gesprächen und Besich-&lt;br /&gt;
tigungen wurde auf einer Anhöhe mit di-&lt;br /&gt;
rektem Blick auf das Schloß Hlubokä und&lt;br /&gt;
einer traumhaften Aussicht auf die maleri-&lt;br /&gt;
sche Wald-, Wiesen- und Seenlandschaft&lt;br /&gt;
im Herzen Südböhmens ein Grundstück&lt;br /&gt;
von ca. 40.000 qm gefunden und durch&lt;br /&gt;
einen Mitbegründer der Schule im Früh-&lt;br /&gt;
jahr 1993 erworben. Die T.I.S. wird auf&lt;br /&gt;
diesem Grundstück mit Hanglage ihren&lt;br /&gt;
endgültigen Standort finden. Finanziert&lt;br /&gt;
wird dieses Bauvorhaben durch Investo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ren, die als Bahä’i dieses Projekt unter-&lt;br /&gt;
stützen und fördern möchten, damit sich&lt;br /&gt;
die Schule finanziell etablieren und stabi-&lt;br /&gt;
lisieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterstützung der Stadtverwal-&lt;br /&gt;
tung, des Bürgermeisters und der breiten&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit in Hlubokä ermöglichte den&lt;br /&gt;
Erwerb des Grundstücks, da sich die Stadt&lt;br /&gt;
diesem Schulprojekt sehr verbunden fühlt.&lt;br /&gt;
Obwohl es sich bei der Townshend Interna-&lt;br /&gt;
tional School um eine internationale Schule&lt;br /&gt;
auf privater Basis handelt und nicht um eine&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schule unter Leitung einer Bahä’i-&lt;br /&gt;
Institution, wird diese Schule bereits jetzt&lt;br /&gt;
in der breiten Öffentlichkeit als die Bahd’i-&lt;br /&gt;
Schule angesehen.&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=33}}Dieser positiven Entwicklung zu-&lt;br /&gt;
folge konnte zum Ende des ersten Schul-&lt;br /&gt;
jahres am 19. Juni 1993 als Höhepunkt&lt;br /&gt;
der Abschlußfeier in Anwesenheit von&lt;br /&gt;
Schülern, Eltern, Mitarbeitern, Förderern&lt;br /&gt;
der Schule und Vertretern der Stadt Hlu-&lt;br /&gt;
bokä auf dem eigenen Grundstück symbo-&lt;br /&gt;
lisch eine Linde als Heimatbaum der&lt;br /&gt;
Tschechischen Republik gepflanzt wer-&lt;br /&gt;
den. Am Standort dieser Linde ist in den&lt;br /&gt;
Plänen der Architekten ein kleiner Park&lt;br /&gt;
vorgesehen, in dem Bäume aus allen Her-&lt;br /&gt;
kunftsländern der Schüler der T.1.S. wach-&lt;br /&gt;
sen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Bauarbeiten wird in diesem&lt;br /&gt;
Winter begonnen. Ein gut durchdachter&lt;br /&gt;
Bauplan sieht die sukzessive Entwicklung&lt;br /&gt;
des Schulgeländes vor, so daß im Laufe der&lt;br /&gt;
kommenden Jahre das Schulgebäude nach&lt;br /&gt;
Bedarf erweitert und die Anzahl der Wohn-&lt;br /&gt;
gebäude erhöht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hat das zweite Schul-&lt;br /&gt;
jahr seit Bestehen der T.1.S. begonnen, und&lt;br /&gt;
es war ein beeindruckender und hoffnungs-&lt;br /&gt;
voller Start in die nächste Runde. Nach&lt;br /&gt;
langem Suchen konnte auch eine qualifi-&lt;br /&gt;
zierte Direktorin, Frau Jan McCrea, ver-&lt;br /&gt;
pflichtet werden, die durch eine organisa-&lt;br /&gt;
torische und strukturelle Neuordnung der&lt;br /&gt;
Schule und intensives Lehrertraining eine&lt;br /&gt;
geeignete Grundlage für das Erreichen der&lt;br /&gt;
gesetzten Ziele geschaffen hat und die ihr&lt;br /&gt;
Augenmerk nicht zuletzt auf die Anwen-&lt;br /&gt;
dung und Umsetzung der Bahä’i-Prinzipien&lt;br /&gt;
im Umgang miteinander und auf die Erzie-&lt;br /&gt;
hung und schulische Ausbildung der Kinder&lt;br /&gt;
richten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem vor kurzem mit ihr geführ-&lt;br /&gt;
ten Gespräch hob sie hervor, daß alle — ob&lt;br /&gt;
Schüler, Lehrer, Mitarbeiter, Familien,&lt;br /&gt;
Gründer und Förderer der Schule — Pio-&lt;br /&gt;
niere sind, da sie Neuland betreten, um&lt;br /&gt;
positive Veränderungen zu erreichen. Sie&lt;br /&gt;
alle wollen eine Schule schaffen, die die&lt;br /&gt;
Lehren Bahä’u’llähs in die Tat umsetzt.&lt;br /&gt;
Alle Beteiligten sind bereit, ihr Bestes zu&lt;br /&gt;
geben — einander, der Schule und der&lt;br /&gt;
Gastgemeinde —, und die Direktorin ist&lt;br /&gt;
zuversichtlich, was die Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
dieser Motivation betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen stehen ihr engagierte&lt;br /&gt;
Lehrer und tatkräftige Internatseltern zur&lt;br /&gt;
Seite, die voller Zuneigung für die Kinder&lt;br /&gt;
ihre verantwortungsvolle Tätigkeit im&lt;br /&gt;
Wohnheim aufgenommen haben. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler der ersten Stunde haben ihren&lt;br /&gt;
neuen Mitschülern einen schnellen und&lt;br /&gt;
angenehmen Einstieg ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Sohn ist jetzt im zweiten Jahr&lt;br /&gt;
Schüler der T.I.S. Er ist immer noch sehr&lt;br /&gt;
froh über seine damalige Entscheidung und&lt;br /&gt;
fühlt sich sehr wohl. Wenn wir ihn in den&lt;br /&gt;
Ferien bei uns haben, können wir immer&lt;br /&gt;
wieder feststellen, was für eine positive&lt;br /&gt;
Entwicklung er gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Eröffnungsjahres&lt;br /&gt;
besuchten 30 Schüler die T.LS., aber im&lt;br /&gt;
zweiten Schuljahr sind es bereits 50 (20&lt;br /&gt;
tschechische und 30 internationale) Schü-&lt;br /&gt;
ler. Die Prognosen der Gründer, in den&lt;br /&gt;
kommenden Jahren bis zu 200 Schüler&lt;br /&gt;
(wenn nicht sogar 300) an dieser Schule&lt;br /&gt;
unterrichten zu können, scheinen durchaus&lt;br /&gt;
realistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule wurde von den Grün-&lt;br /&gt;
dern als ein nicht-profitorientiertes Projekt&lt;br /&gt;
konzipiert. Unter Berücksichtigung des&lt;br /&gt;
sehr günstigen Standortes der Tschechi-&lt;br /&gt;
schen Republik ist das jährliche Schulgeld&lt;br /&gt;
— verglichen mit anderen europäischen&lt;br /&gt;
Ländern — relativ niedrig gehalten. Im&lt;br /&gt;
Verhältnis zu dem Schulgeld, das die inter-&lt;br /&gt;
nationalen Schüler jährlich zahlen, leisten&lt;br /&gt;
die tschechischen Schüler nur einen gerin-&lt;br /&gt;
gen Unkostenbeitrag. Darin liegt der sozia-&lt;br /&gt;
le Aspekt für die tschechische Bevölke-&lt;br /&gt;
rung, wie zu Anfang erwähnt, da Einheimi-&lt;br /&gt;
schen finanziell ermöglicht wird, ihre Kin-&lt;br /&gt;
der auf eine internationale Schule zu&lt;br /&gt;
schicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der äußere Rahmen für dieses Pi-&lt;br /&gt;
lotprojekt in Europa hat sich inzwischen&lt;br /&gt;
herauskristallisieren und auch stabilisieren&lt;br /&gt;
können, bedarf aber immer noch des beson-&lt;br /&gt;
deren Verständnisses und der Unterstüt-&lt;br /&gt;
zung aller Beteiligten. Ich bin zuversicht-&lt;br /&gt;
lich, daß sich dieses Projekt zu einem zu-&lt;br /&gt;
kunftsweisenden Schritt in der Anwendung&lt;br /&gt;
von Bahä’f-Prinzipien in der Kindererzie-&lt;br /&gt;
hung und Bildung entwickeln wird. Trotz&lt;br /&gt;
aller Schwierigkeiten, die es bei derartigen&lt;br /&gt;
Projekten sicherlich immer wieder geben&lt;br /&gt;
wird und die durch gegenseitiges Verständ-&lt;br /&gt;
nis gelöst werden müssen, kann sich diese&lt;br /&gt;
Schule bewähren und in der Zukunft eine&lt;br /&gt;
interessante Alternative für die Schulaus-&lt;br /&gt;
bildung unserer Kinder sein. Eltern und&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehrer sind aufgefordert, gemein-&lt;br /&gt;
sam mit ihren Kindern dieses Projekt zu&lt;br /&gt;
unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die New Dawn&lt;br /&gt;
Maschine für&lt;br /&gt;
Stacheldraht bedient&lt;br /&gt;
sich der Pedalkraft&lt;br /&gt;
zum Zusammendrehen&lt;br /&gt;
zweier Drahtstränge.&lt;br /&gt;
Mit einem zweiten&lt;br /&gt;
Betreiber, der den&lt;br /&gt;
Draht auf das Rad auf&lt;br /&gt;
der linken Seite rollt,&lt;br /&gt;
kann man mit diesem&lt;br /&gt;
Gerät bis zu 150 m&lt;br /&gt;
Stacheldraht innerhalb&lt;br /&gt;
einer Stunde&lt;br /&gt;
herstellen. Herr&lt;br /&gt;
Pemberton-Pigott sagt,&lt;br /&gt;
daß die Maschine nur&lt;br /&gt;
etwa ein Prozent des&lt;br /&gt;
Preises einer elektrisch&lt;br /&gt;
betriebenen Maschine&lt;br /&gt;
kostet, aber fast 11 %&lt;br /&gt;
der Leistung erbringt.&lt;br /&gt;
An der Maschine sitzt&lt;br /&gt;
‚hier Makario Kamenyu&lt;br /&gt;
Manuel, ein Maschinist&lt;br /&gt;
von New Dawn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34  BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angepaßte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ın&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
New Dawn Engineering produziert&lt;br /&gt;
r Kleinstbetriebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitsgeräte fü&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MANZINI, Swaziland — Wie ein typischer&lt;br /&gt;
Erfinder trägt Crispin Pemberton-Pigott ei-&lt;br /&gt;
nen elektronischen Taschenrechner bei sich,&lt;br /&gt;
während er Gäste durch seine Fabrik in&lt;br /&gt;
diesem kleinen Land im Süden Afrikas führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er den Taschenrechner fach-&lt;br /&gt;
kundig zur Berechnungder Stärkeeines Stahl-&lt;br /&gt;
trägers oder der maximalen Belastungsfähig-&lt;br /&gt;
keiteines Tonziegelseinsetzt, kann Herr Pem-&lt;br /&gt;
berton-Pigott genauso professionell die po-&lt;br /&gt;
tentiellen Einkünfte durch die kleinindustri-&lt;br /&gt;
ellen Produktionsmaschinen einschätzen, die&lt;br /&gt;
New Dawn Engineering produziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039; Technologie&lt;br /&gt;
Swaziland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zeigt auf eine Ölpresse, die&lt;br /&gt;
New Dawn herstellt. Die Maschine, die&lt;br /&gt;
ähnlich einer riesigen Knoblauchpresse&lt;br /&gt;
funktioniert, ermöglicht einem einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen, ein qualitativ hochwertiges&lt;br /&gt;
Pflanzenöl aus billigen Sonnenblumenker-&lt;br /&gt;
nen oder anderen Samen herzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist eine grundlegend verän-&lt;br /&gt;
derte Bielenberg Ölpresse«, sagt er und&lt;br /&gt;
schaltet seinen Taschenrechner ein. »Wir&lt;br /&gt;
verkaufen sie für ca. 2.000 Dollar, und sie&lt;br /&gt;
ist ziemlich wirtschaftlich für diesen&lt;br /&gt;
Preis.«&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=35}}Dann drückt er einige Tasten auf&lt;br /&gt;
seinem kleinen Gerät. »Nehmen wir an, Sie&lt;br /&gt;
beschließen Sonnenblumenkerne zu ver-&lt;br /&gt;
wenden«, sagt der 42-jährige Kanadier.&lt;br /&gt;
»Sie kosten pro Tonne im Anbau 200 süd-&lt;br /&gt;
afrikanische Rand. Aus jeder Tonnen Kerne&lt;br /&gt;
kann ich mit dieser Maschine ungefähr 420&lt;br /&gt;
Flaschen Öl gewinnen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nun«, fährt er fort, während er&lt;br /&gt;
weitere Zahlen eingibt und anmerkt, daß&lt;br /&gt;
ungefähr drei Rand einem Dollar entspre-&lt;br /&gt;
chen, »die 420 Flaschen sind jeweils ca.&lt;br /&gt;
2,75 Rand wert. Zusätzlich erhält man Hüh-&lt;br /&gt;
nerfutter im Wert von 280 bis 600 Rand —&lt;br /&gt;
das ist der Wert der ausgepreßten Kernreste,&lt;br /&gt;
die am Ende übrig bleiben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Also haben wir mindesten 280&lt;br /&gt;
plus 420 multipliziert mit 2,75«, sagter und&lt;br /&gt;
rechnet das Endergebnis aus. »Das ergibt&lt;br /&gt;
ein Mindesteinkommen von 1435 Rand in&lt;br /&gt;
zehn Tagen. Das ist also eine gute Investi-&lt;br /&gt;
tion. So hat man die Kosten der Maschinen&lt;br /&gt;
innerhalb ungefähr eines Monats erwirt-&lt;br /&gt;
schaftet.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftliche Berechnungen die-&lt;br /&gt;
ser Art sind die Grundlage des Erfolgs von&lt;br /&gt;
New Dawn Engineering, einer Firma, die&lt;br /&gt;
in der Region immer bekannter wird für&lt;br /&gt;
ihre innovative, angemessene und der Um-&lt;br /&gt;
welt gegenüber gut vertretbare Einstellung&lt;br /&gt;
zur Technologie. Die Firma stellt ca. ein&lt;br /&gt;
Dutzend relativ preisgünstiger, arbeitsin-&lt;br /&gt;
tensiver Produktionsmaschinen her, die in&lt;br /&gt;
kleinen Betrieben zur Produktion von&lt;br /&gt;
Pflanzenöl, Drahtzäunen und Tonziegeln&lt;br /&gt;
benutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Firma gehörte in diesem Jahr&lt;br /&gt;
zu den vier in der Endrunde vertretenen&lt;br /&gt;
Firmen, in der es um die Verleihung des&lt;br /&gt;
Green Trust Environment Awards (ein Um-&lt;br /&gt;
weltpreis) im Süden Afrikas ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sicherlich zeigte im Vergleich zu&lt;br /&gt;
den anderen Kandidaten, die wir Kritisch&lt;br /&gt;
beleuchteten, ihre Einstellung eine sehr&lt;br /&gt;
innovative, feinfühlige und angemessene&lt;br /&gt;
Form der Technologie, die potentiell für&lt;br /&gt;
viele Bereiche der Kleinindustrie im Fa-&lt;br /&gt;
milien- und Kleinbetrieb anwendbar&lt;br /&gt;
wäre«, sagt Prof. Brian Huntley, der Exe-&lt;br /&gt;
kutivdirektor des Nationalen Botanik-In-&lt;br /&gt;
stituts in Südafrika, der zu den Juroren im&lt;br /&gt;
Green Trust-Wettbewerb zählte. »Die Fir-&lt;br /&gt;
ma stellt Maschinen her, die die Menschen&lt;br /&gt;
ohne große Investitionen erwerben kön-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nen, und genau das brauchen wir in die-&lt;br /&gt;
sem Teil der Welt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Herrn Pemberton-Pigott, der&lt;br /&gt;
mit seiner Frau Margaret New Dawn leitet,&lt;br /&gt;
ist das genau das Ziel, nämlich qualitativ&lt;br /&gt;
hochwertige Maschinen herzustellen, die&lt;br /&gt;
die größte Ressource Afrikas — Arbeits-&lt;br /&gt;
kräfte — in Anspruch nehmen und dabei&lt;br /&gt;
der Umwelt so wenig&lt;br /&gt;
Schaden wie möglich&lt;br /&gt;
zufügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Meiner An-&lt;br /&gt;
sicht nach macht sich&lt;br /&gt;
angemessene Techno-&lt;br /&gt;
logie die in einer Regi-&lt;br /&gt;
on vorhandenen Res-&lt;br /&gt;
sourcen zunutze und&lt;br /&gt;
maximiert die Förde-&lt;br /&gt;
rung von Wohlstand«,&lt;br /&gt;
sagt Herr Pemberton-&lt;br /&gt;
Pigott. »Wir leben in&lt;br /&gt;
einem Land, in dem&lt;br /&gt;
ein Überschuß an Ar-&lt;br /&gt;
beitskräften besteht.&lt;br /&gt;
Wenn man also diese&lt;br /&gt;
Arbeitskraft nicht ex-&lt;br /&gt;
tensiv einsetzt, dann&lt;br /&gt;
verschwendet man sei-&lt;br /&gt;
ne Ressourcen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es gibt fürch-&lt;br /&gt;
terliche Fälle von Leu-&lt;br /&gt;
ten, die technische Ausrüstungen zu extrem&lt;br /&gt;
hohen Preisen importieren«, fährt Herr&lt;br /&gt;
Pemberton-Pigott fort. »Dann stehen die&lt;br /&gt;
Geräte hier herum und machen die Men-&lt;br /&gt;
schen arbeitslos. Wir können Ihnen aus&lt;br /&gt;
wirtschaftlicher Sicht zeigen, daß es billi-&lt;br /&gt;
ger ist, die Produktion auf menschliche Ar-&lt;br /&gt;
beitskraft zu gründen. Dazu muß man we-&lt;br /&gt;
niger Kapital investieren und kann höhere&lt;br /&gt;
Gewinne erzielen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pemberton-Pigotts gründeten&lt;br /&gt;
New Dawn im Jahr 1984, als sie in der&lt;br /&gt;
Transkei lebten. 1985 zogen sie nach Swa-&lt;br /&gt;
ziland. In den siebziger Jahren hatte das&lt;br /&gt;
Ehepaar zwei Jahre in Swaziland gewohnt,&lt;br /&gt;
wobei sie an der Einrichtung eines Bewäs-&lt;br /&gt;
serungssystems für die Dorfbevölkerung&lt;br /&gt;
mitarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Juli 1993 hat die Firma&lt;br /&gt;
bereits mehr als 1.500 Maschinen verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das populärste Gerät ist die Zaunmaschine,&lt;br /&gt;
die ungefähr 75 % der Verkäufe ausmacht.&lt;br /&gt;
New Dawn produziert Geräte zur handbe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Detaildarstellung des&lt;br /&gt;
Kompressionsraums&lt;br /&gt;
einer der New Dawn&lt;br /&gt;
Ölpressen, die pro&lt;br /&gt;
TonneSonnenblumen-&lt;br /&gt;
kerne ca. 300 Liter Öl&lt;br /&gt;
produzieren und nur&lt;br /&gt;
von Hand betrieben&lt;br /&gt;
werden. Wenn der&lt;br /&gt;
mittlere Kolben durch&lt;br /&gt;
einen langen,&lt;br /&gt;
handbetriebenen Hebel&lt;br /&gt;
nach unten gedrückt&lt;br /&gt;
wird, dringt Ol aus den&lt;br /&gt;
Schlitzen in der&lt;br /&gt;
Kammer, während das&lt;br /&gt;
zusammengepreßte&lt;br /&gt;
Fruchtfleisch der Kerne&lt;br /&gt;
aus einem Loch im&lt;br /&gt;
Boden der Presse&lt;br /&gt;
herausgequetscht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64 35&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Crispin&lt;br /&gt;
Pemberton-Pigott,&lt;br /&gt;
der Direktor von&lt;br /&gt;
New Dawn&lt;br /&gt;
Engineering in&lt;br /&gt;
Swaziland, steht&lt;br /&gt;
neben einer Reihe&lt;br /&gt;
gerade&lt;br /&gt;
produzierter&lt;br /&gt;
Zaunmaschinen.&lt;br /&gt;
New Dawn ist&lt;br /&gt;
spezialisiert auf&lt;br /&gt;
die Entwicklung&lt;br /&gt;
und Produktion&lt;br /&gt;
von&lt;br /&gt;
handbetriebenen&lt;br /&gt;
Geräten für&lt;br /&gt;
Kleinunternehmer&lt;br /&gt;
in Afrika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
triebenen Produktion von verschiedenen&lt;br /&gt;
Drahtgitterzäunen. Sie haben auch mehrere&lt;br /&gt;
hundert Ziegelmaschinen und ungefähr 100&lt;br /&gt;
Ölpressen verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunden berichten, daß sie mit&lt;br /&gt;
den Geräten sehr zufrieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir bauen derzeit einen Hühner-&lt;br /&gt;
stall mit sehr geringen Mitteln, indem wir&lt;br /&gt;
eine von Crispins Ziegelmaschinen benut-&lt;br /&gt;
zen«, sagt Arne Utermark, der Direktor der&lt;br /&gt;
christlichen Blindenmission, die das Eku-&lt;br /&gt;
lulameni Erwachsenenrehabilitationswerk&lt;br /&gt;
in Mzimpofu, Swaziland, betreibt. »Es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
funktioniert wunderbar. Man braucht ledig-&lt;br /&gt;
lich einfache Erde und etwas Zement, und&lt;br /&gt;
das verringert die Kosten erheblich.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Utermark stellt fest, daß seine&lt;br /&gt;
Blindenmission, die sich hauptsächlich um&lt;br /&gt;
die Ausbildung blinder Erwachsener be-&lt;br /&gt;
müht, damit sich diese selbst versorgen&lt;br /&gt;
können, auch die Zaunmaschinen von New&lt;br /&gt;
Dawn in großem Maße einsetzt, die nicht&lt;br /&gt;
viel mehr als ein Montagegestell sind, um&lt;br /&gt;
das herum man Draht biegen kann, um&lt;br /&gt;
daraus sehr nützliche Zäune herzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unsere blinden Auszubildenden&lt;br /&gt;
können diese Geräte ganz einfach bedienen&lt;br /&gt;
und verdienen so selbständig Geld«, sagt&lt;br /&gt;
Herr Utermark. Er erklärt, daß das Zentrum&lt;br /&gt;
zwei solche Maschinen zu Ausbildungs-&lt;br /&gt;
zwecken besitzt. Dann wird den Blinden&lt;br /&gt;
dabei geholfen, sich selbst solche Geräte&lt;br /&gt;
anzuschaffen und ihr Unternehmen zu er-&lt;br /&gt;
öffnen. »Ich schätze, daß bereits 10 bis 15&lt;br /&gt;
Leute ihre eigenen Unternehmen gegründet&lt;br /&gt;
haben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Je ländlicher die Gegend, desto&lt;br /&gt;
nützlicher sind diese Geräte«, sagt Herr&lt;br /&gt;
Utermark. »Denn sie benötigen keinerlei&lt;br /&gt;
fremde Energiequellen. Sie werden alle von&lt;br /&gt;
Hand bedient. Vom Blickwinkel der Um-&lt;br /&gt;
welt betrachtet, würde ich das als sehr&lt;br /&gt;
wichtig bezeichnen. Und die Menschen ha-&lt;br /&gt;
ben dadurch Arbeit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeunesse Searll, die Exekutivdirek-&lt;br /&gt;
torin des in Johannesburg ansässigen »Trees&lt;br /&gt;
for Africa-Projekts« sagt, daß ihre Organi-&lt;br /&gt;
sation sehr erfreut ist über die beiNew Dawn&lt;br /&gt;
erworbenen Maschinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir haben für eines un-&lt;br /&gt;
serer Projekte in einem Home-&lt;br /&gt;
land eine der Zaunmaschinen ge-&lt;br /&gt;
kauft und bilden damit vier Men-&lt;br /&gt;
schen aus«, sagt Frau Searll:&lt;br /&gt;
»Zwei weitere wurden von die-&lt;br /&gt;
sen vier Personen bereits ausge-&lt;br /&gt;
bildet. Also hat das einen Multi-&lt;br /&gt;
plikatoreffekt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Maschine ist sehr&lt;br /&gt;
nützlich, denn das Projekt befin-&lt;br /&gt;
det sich in einer stark ver-&lt;br /&gt;
schmutzten Umwelt und öden&lt;br /&gt;
Umgebung, und man braucht&lt;br /&gt;
Zäune, um das Vieh von den neu&lt;br /&gt;
angepflanzten Bäumen fernzu-&lt;br /&gt;
halten«, führt Frau Searll aus.&lt;br /&gt;
»Aber darüberhinaus ist die Ma-&lt;br /&gt;
schine ein bemerkenswertes Gerät, da sie&lt;br /&gt;
auf einfache Art und Weise einer Gruppe&lt;br /&gt;
von Menschen in einer von Armut geplag-&lt;br /&gt;
ten Region die Möglichkeit gegeben hat,&lt;br /&gt;
sich durch etwas Nützliches und Prakti-&lt;br /&gt;
sches den Lebensunterhalt zu verdienen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr und Frau Pemberton-Pigott&lt;br /&gt;
sind beide Bahä’i und sagen, daß ihr Glaube&lt;br /&gt;
die hinter New Dawn verborgene Philoso-&lt;br /&gt;
phie stark beeinflußt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es gibt eine Stelle in den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften, in der es — in meinen eigenen&lt;br /&gt;
Worten zusammengfaßt — heißt, daß es&lt;br /&gt;
keine größere Unternehmung geben kann,&lt;br /&gt;
als sich für Projekte und Aktivitäten zu&lt;br /&gt;
engagieren, die vielen Menschen dabei hel-&lt;br /&gt;
fen, wirtschaftlich selbständig zu werden«,&lt;br /&gt;
sagt Herr Pemberton-Pigott. »Und das ist&lt;br /&gt;
die Philosophie, die wir in unserer täglichen&lt;br /&gt;
Arbeit anzuwenden versuchen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY, Juli-September 1993&lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=37}}Die Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Weltgemeinschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRRRRRRORSIRBERBREREEISIDIBINDIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erklärung der Internationalen Baha’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
0 000000000 000 0 002&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i-Gemeinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
0 0000000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Internationalen Jahr der Familie der Vereinten Nationen 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SSEISENINTTLUITLERLITNNET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familie befindet sich&lt;br /&gt;
heute, wie die gesamte Welt, in einer&lt;br /&gt;
Übergangsphase. In allen Kultur-&lt;br /&gt;
kreisen zerfallen oder zerbrechen Fa-&lt;br /&gt;
milien unter dem Druck von wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichem und politischem Um-&lt;br /&gt;
bruch. Sie werden angesichts der&lt;br /&gt;
sittlichen und religiösen Verwirrung&lt;br /&gt;
immer schwächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Bedingungen, unter de-&lt;br /&gt;
nen die Familie lebt, gelten auch für&lt;br /&gt;
die Nationen — was in der Familie&lt;br /&gt;
geschieht, spielt sich auch in der Na-&lt;br /&gt;
tion ab.« (Foundation of World Unity,&lt;br /&gt;
p-100)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i halten diese Un-&lt;br /&gt;
ordnung für ein Zeichen, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit sich bei ihrer kollektiven&lt;br /&gt;
Entwicklung auf ein neues Zeitalter&lt;br /&gt;
zubewegt, das Zeitalter der Reife. Da&lt;br /&gt;
die Familie die Kerneinheit der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft bildet, muß sie bei diesem&lt;br /&gt;
Prozeß ebenfalls umgeformt und neu&lt;br /&gt;
belebt werden und zwar nach densel-&lt;br /&gt;
ben Prinzipien, die die gesamte Zivi-&lt;br /&gt;
lisation neu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schlüsselprinzip für die-&lt;br /&gt;
ses neue Zeitalter ist die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit. »Das Wohlergehen der&lt;br /&gt;
Menschheit, ihr Friede und ihre Si-&lt;br /&gt;
cherheit,« versicherte Bahä’u’llah, der&lt;br /&gt;
Stifter des Bahä’i-Glaubens, schon vor&lt;br /&gt;
mehr als einem Jahrhundert, »sind un-&lt;br /&gt;
erreichbar, wenn und bevor nicht ihre&lt;br /&gt;
Einheit fest begründet ist.« (Die Welt-&lt;br /&gt;
ordnung Bahä’u’llähs, S.296) Das An-&lt;br /&gt;
erkennen der gegenseitigen Verflech-&lt;br /&gt;
tung und Abhängigkeit aller Völker&lt;br /&gt;
bedeutet, daß auf diesem Planeten je-&lt;br /&gt;
der Teil der Gesellschaft einschließ-&lt;br /&gt;
lich der Familie neu gestaltet werden&lt;br /&gt;
muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit in der&lt;br /&gt;
Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn in einer Familie Liebe&lt;br /&gt;
und Einklang herrschen, wird diese&lt;br /&gt;
Familie vorankommen und geistig er-&lt;br /&gt;
leuchtet werden.«(Einheit der Familie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s.22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Einstellung ge-&lt;br /&gt;
genüber der Einheit der Familie ver-&lt;br /&gt;
bindet Elemente traditioneller Weis-&lt;br /&gt;
heit mit fortschrittlichen Grundsätzen&lt;br /&gt;
und praktischen Mitteln. Wenn wir uns&lt;br /&gt;
fest an diese Lehren halten, bilden sie&lt;br /&gt;
ein Bollwerk gegen die Kräfte des&lt;br /&gt;
Zerfalls und Rahmenbedingungen für&lt;br /&gt;
die Gründung starker, gesunder, eini-&lt;br /&gt;
ger Familien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage und Voraussetzung&lt;br /&gt;
für eine Bahä’i-Familie ist die liebe-&lt;br /&gt;
volle Beziehung zwischen Mann und&lt;br /&gt;
Frau. Die Ehe ist als göttliche Einrich-&lt;br /&gt;
tung dazu bestimmt, ein Paar »körper-&lt;br /&gt;
lich und geistig« so zu verbinden,&lt;br /&gt;
»...daß sie einander ständig in ihrem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistigen Leben vervollkommnen«.&lt;br /&gt;
(Einheit der Familie, S.12)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mann und eine Frau, die&lt;br /&gt;
sich aus freien Stücken füreinander&lt;br /&gt;
entschieden und die Zustimmung ihrer&lt;br /&gt;
Eltern zur Heirat bekommen haben,&lt;br /&gt;
heiraten dem Bahä’i-Gesetz entspre-&lt;br /&gt;
chend in Anwesenheit von Zeugen,&lt;br /&gt;
diedasgewählte Verwaltungsgremium&lt;br /&gt;
der Gemeinde, der örtliche Geistige&lt;br /&gt;
Rat, benannt hat. Braut und Bräutigam&lt;br /&gt;
sprechen: »Wahrlich, wir wollen alle&lt;br /&gt;
an Gottes Willen festhalten« (Liebe&lt;br /&gt;
und Ehe, S.37), und mit diesen Worten&lt;br /&gt;
verpflichten sich beide Gott gegenüber&lt;br /&gt;
und dadurch einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zweck der Ehe ist, eine&lt;br /&gt;
neue Generation ins Leben zu rufen,&lt;br /&gt;
die GottliebtundderMenschheitdient.&lt;br /&gt;
Daher hat die Familie zur Aufgabe,&lt;br /&gt;
eine liebevolle, von Achtung geprägte&lt;br /&gt;
undharmonische Beziehung zwischen&lt;br /&gt;
Eltern und Kindern zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harmonie und Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit werden in der Familie wie in der&lt;br /&gt;
Welt durch ein ausgewogenes Maß an&lt;br /&gt;
Rechten und Pflichten bewahrt. Alle&lt;br /&gt;
Familienmitglieder »haben gegenein-&lt;br /&gt;
ander und gegenüber der Familie als&lt;br /&gt;
Ganzes Pflichten und Verantwortlich-&lt;br /&gt;
keiten,« die »wegen der natürlichen&lt;br /&gt;
Beziehungen der Familienangehöri-&lt;br /&gt;
gen zueinander« verschieden sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Einheit der Familie, S.48).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder haben z.B. die Pflicht,&lt;br /&gt;
ihren Eltern zu gehorchen. Sie haben&lt;br /&gt;
aber dementsprechend auch ein An-&lt;br /&gt;
recht auf Fürsorge, Erziehung und&lt;br /&gt;
Schutz. Die Mütter, die sie zur Welt&lt;br /&gt;
bringen und als erste erziehen, sind in&lt;br /&gt;
erster Linie, aber nicht ausschließlich,&lt;br /&gt;
für ihre geistige Erziehung und ein&lt;br /&gt;
liebevoll umhegendes Heim verant-&lt;br /&gt;
wortlich. Die Väter tragen hauptsäch-&lt;br /&gt;
lich, aber wiederum nicht aus-&lt;br /&gt;
schließlich, die Verantwortung für das&lt;br /&gt;
materielle Wohl der Familie und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulbildung der Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in den Bahä’i-Lehren be-&lt;br /&gt;
fürworteten sittlichen Maßstäbe für den&lt;br /&gt;
einzelnen verurteilen viele jener Fakto-&lt;br /&gt;
ren, die zum Zerbrechen von Familien&lt;br /&gt;
beitragen. Alkohol ist als Droge, die das&lt;br /&gt;
Bewußtsein verändert, für die Baha’i&lt;br /&gt;
verboten. Keine Art derGewaltoderdes&lt;br /&gt;
Mißbrauchs wird in der Familie jemals&lt;br /&gt;
geduldet. Sostehtinden Heiligen Schrif-&lt;br /&gt;
ten der Bahä’i zu lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Unversehrtheit der Fa-&lt;br /&gt;
milienbande muß beständig beachtet&lt;br /&gt;
werden, und die Rechte der einzelnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglieder dürfen nicht verletzt wer-&lt;br /&gt;
den.« (Liebe und Ehe, S.44)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Bahä’u’lläh die&lt;br /&gt;
Scheidung nachdrücklich mißbilligt,&lt;br /&gt;
wird sie auf Grund von unüberwind-&lt;br /&gt;
barer Abneigung zwischen den Ehe-&lt;br /&gt;
partnern erlaubt. Sie kann aber erst&lt;br /&gt;
nach Ablaufeines Wartejahres, indem&lt;br /&gt;
das Paar getrennt leben und sich in-&lt;br /&gt;
tensiv bemühen muß, seine Schwie-&lt;br /&gt;
rigkeiten beizulegen, bewilligt wer-&lt;br /&gt;
den. Auf diese Weise wird es vor über-&lt;br /&gt;
eilten Entscheidungen und unbeson-&lt;br /&gt;
nenen Emotionen beschützt. Dadurch&lt;br /&gt;
gelingt vielen Paaren, ihre Ehe im&lt;br /&gt;
Laufe dieses Jahres des Nachdenkens&lt;br /&gt;
wieder in Ordnung zu bringen. Sollte&lt;br /&gt;
sich dennoch zeigen, daß eine Aus-&lt;br /&gt;
söhnung unmöglich ist, kann das Paar&lt;br /&gt;
sich scheiden lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
der Geschlechter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grundsatz der Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit verändert in der Bahä’i-Ehe die&lt;br /&gt;
Beziehung zwischen Mann und Frau.&lt;br /&gt;
Da ihr gleichlautendes Ehegelöbnis ih-&lt;br /&gt;
ren Status als gleichberechtigte Partner&lt;br /&gt;
beinhaltet, sollte weder der Mann, noch&lt;br /&gt;
die Frau dominieren. Entscheidungen&lt;br /&gt;
sollten gemeinsam getroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stets sollte in der Familie wie&lt;br /&gt;
in der gesamten Gesellschaft »...nicht&lt;br /&gt;
despotische Machtausübung, sondern&lt;br /&gt;
der Geist freier, liebevoller Beratung«&lt;br /&gt;
(Einheit der Familie, S.47) die Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prinzipien der Bahä’i-Be-&lt;br /&gt;
ratung helfen uns, jedes in der Familie&lt;br /&gt;
vorkommende Problem offen, ehrlich&lt;br /&gt;
und taktvoll zu besprechen. Dabei soll&lt;br /&gt;
ermöglicht werden, daß »die Wahrheit&lt;br /&gt;
offenbar wird« (Beratung, S.11) und&lt;br /&gt;
zwar in einer Weise, daß das Problem&lt;br /&gt;
zum Wohle aller gelöst wird. Wenn ein&lt;br /&gt;
Ehepaar oder eine Familie die Beratung&lt;br /&gt;
richtig handhabt, ist sie ein wirksamer&lt;br /&gt;
Weg zum Bewahren der Einheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ehepaar, das die Gleich-&lt;br /&gt;
wertigkeit akzeptiert und von der Be-&lt;br /&gt;
ratung Gebrauch macht, wird eine Fle-&lt;br /&gt;
xibilität erlangen, die ihm ermöglicht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Anforderungen einer sich rasch&lt;br /&gt;
verändernden Welt zu bewältigen. Ob-&lt;br /&gt;
wohl Mann und Frau in bestimmten&lt;br /&gt;
Bereichensichgegenseitigergänzende&lt;br /&gt;
Fähigkeiten und Aufgaben haben, sind&lt;br /&gt;
die Rollen nicht starr definiert, sondern&lt;br /&gt;
können, wenn nötig, angepaßt werden,&lt;br /&gt;
so daß den Bedürfnissen jedes Fami-&lt;br /&gt;
lienmitglieds wie auch der ganzen Fa-&lt;br /&gt;
milie entsprochen werden kann. Ob-&lt;br /&gt;
wohl die Frauen ermutigt werden, ihre&lt;br /&gt;
berufliche Laufbahn zu verfolgen, soll-&lt;br /&gt;
te dies in einer Weise geschehen, die&lt;br /&gt;
mit ihrer Mutterrolle nicht in Konflikt&lt;br /&gt;
gerät. Gleichzeitig werden die Väter&lt;br /&gt;
von Pflichten im Haushalt und dem&lt;br /&gt;
Großziehen der Kinder nicht freige-&lt;br /&gt;
stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Beziehungen inner-&lt;br /&gt;
halb der Familie von der ihnen gebüh-&lt;br /&gt;
renden Gerechtigkeit bestimmt sind,&lt;br /&gt;
wird dies die Errichtung des Friedens&lt;br /&gt;
in der Welt entscheidend fördern. So-&lt;br /&gt;
lange den Frauen die Gleichberechti-&lt;br /&gt;
gung und die Achtung in der Familie&lt;br /&gt;
verweigert wird, entwickeln Männer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. und Söhne schädliche Einstellungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten, die sie an den&lt;br /&gt;
Arbeitsplatz, in die Politik und&lt;br /&gt;
schließlich in die internationalen Be-&lt;br /&gt;
ziehungenhineintragen. Sobaldimmer&lt;br /&gt;
mehr Kinder in Familien aufwachsen,&lt;br /&gt;
in denen die Rechte aller Mitglieder&lt;br /&gt;
respektiert und Probleme mit Hilfe von&lt;br /&gt;
Beratung gelöstwerden, steigtdie Aus-&lt;br /&gt;
sicht auf Frieden in der Welterheblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung&lt;br /&gt;
und Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind erhält seine Bildung&lt;br /&gt;
zwar in der Schule, aber sein Charakter&lt;br /&gt;
und seine sittliche und geistige Einstel-&lt;br /&gt;
lung wachsen zuhauseheran und werden&lt;br /&gt;
hier geformt. Deshalb muß die Familie&lt;br /&gt;
in allen Tugenden geschult werden. Ge-&lt;br /&gt;
duld, Treue, Vertrauenswürdigkeit, Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit, Ehrlichkeitundähnliche Tu-&lt;br /&gt;
genden sind die Bausteine des Charak-&lt;br /&gt;
ters. Die Tugenden, die injedemheiligen&lt;br /&gt;
Glauben als allgemein gültige Elemente&lt;br /&gt;
der Geistigkeit bezeichnet werden, sind&lt;br /&gt;
die Widerspiegelung des Göttlichen in&lt;br /&gt;
jedem Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei jedem Familienmitglied&lt;br /&gt;
sollen also die edelsten Eigenschaften&lt;br /&gt;
und Werte gehegtund gepflegtwerden.&lt;br /&gt;
Die Eltern müssen aber auch für die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ineinander greifende Entwicklung al-&lt;br /&gt;
ler in ihren Kindern schiummernden&lt;br /&gt;
Fähigkeiten im geistigen, sittlichen,&lt;br /&gt;
intellektuellen, gefühlsbedingten und&lt;br /&gt;
körperlichen Bereich sorgen. Mäd-&lt;br /&gt;
chen und Jungen sollten also eine&lt;br /&gt;
Schulbildung auf der Basis eines in&lt;br /&gt;
den Grundzügen identischen Lehr-&lt;br /&gt;
plans erhalten. Sollten begrenzte fi-&lt;br /&gt;
nanzielle Mittel eine Entscheidung er-&lt;br /&gt;
fordern, so ist den Mädchen als den&lt;br /&gt;
künftigen Erzieherinnen der nächsten&lt;br /&gt;
Generation vor den Jungen ein Vor-&lt;br /&gt;
recht einzuräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familie und&lt;br /&gt;
die Gemeinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bahä’i-Glauben arbeiten&lt;br /&gt;
über 17.000 Ortsgemeinden in über&lt;br /&gt;
200 unabhängigen Ländern und Ter-&lt;br /&gt;
ritorien. In gewissem Sinne funktio-&lt;br /&gt;
nieren diese Gemeinden wieerweiterte&lt;br /&gt;
Familien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i gibt es in allen Natio-&lt;br /&gt;
nen, ethnischen Gruppen, Kulturen,&lt;br /&gt;
Berufen und Gesellschaftsschichten.&lt;br /&gt;
Obwohldie Artund Weise, wie Bahä’i-&lt;br /&gt;
Hochzeiten gefeiert werden, in den&lt;br /&gt;
einzelnen Kulturkreisen recht unter-&lt;br /&gt;
schiedlich ist, sind die Gesetze und die&lt;br /&gt;
Trauformel weltweitgleichundgelten,&lt;br /&gt;
ob die Partner Bahä’i sind oder nicht.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i haben überall auf der Welt&lt;br /&gt;
die Erfahrung gemacht, daßdie Bahä’i-&lt;br /&gt;
Prinzipien und -Gesetze, die das&lt;br /&gt;
Bahä’i-Familienleben kennzeichnen,&lt;br /&gt;
Liebe und Einheit fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die hier genannten&lt;br /&gt;
Grundsätze in der ganzen Welt schritt-&lt;br /&gt;
weise in die Praxis umgesetzt werden,&lt;br /&gt;
entstehen Familien, die imstande sind,&lt;br /&gt;
beim Aufbau einer einigen Weltgesell-&lt;br /&gt;
schaft eine wichtige Rolle zu spielen,&lt;br /&gt;
dennletztendlichmußzwischenFamilie,&lt;br /&gt;
Nationund Weltkulturunweigerlicheine&lt;br /&gt;
Verknüpfung geschaffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Vergleiche die Nationen der&lt;br /&gt;
Welt mit den Mitgliedern einer Familie.&lt;br /&gt;
Eine Familie ist eine Nation im Kleinen.&lt;br /&gt;
Erweitere einfach den Kreis des Haus-&lt;br /&gt;
halts, und du erhältst die Nation. Ver-&lt;br /&gt;
größere den Kreis der Nationen, und du&lt;br /&gt;
hast die gesamte Menschheit.« (Foun-&lt;br /&gt;
dations of World Unity, p.100)&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_64.pdf|page=39}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist 1994 International Year ofthe Family&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Annee internationale de la famille&lt;br /&gt;
Afio Internacional de la Familia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MexkIyHapoAHLIH TON CEMbH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IHRE u&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meinung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Leser der BAHÄ’I-BRIEFE!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die BAHÄ’I-BRIEFE wollen &amp;quot;eine intensive Auseinander-&lt;br /&gt;
setzung mit den Inhalten der Bahä’i-Religion fördern” und&lt;br /&gt;
&amp;quot;zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme mühen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr1994 wurde von der Vollversammlung der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen zum INTERNATIONALEN JAHR DER FAMILIE&lt;br /&gt;
proklamiert. Die Internationale Baha’i-Gemeinde hat dazu eine&lt;br /&gt;
Erklärung herausgegeben, die auf den vorhergehenden Seiten&lt;br /&gt;
wiedergegeben ist; alle Bahd’i-Gemeinden sind dazu&lt;br /&gt;
aufgerufen, dieses UN-Jahr zu unterstützen. Das Bahä’i-&lt;br /&gt;
Weltzentrum wies darauf hin, daß &amp;quot;die (Familie) ein Bereich ist,&lt;br /&gt;
zu dem die Bahd’i-Lehren viel zu sagen haben, das für die&lt;br /&gt;
menschliche Gesellschaft von großem Wert sein kann.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gute Gelegenheit für &amp;quot;Auseinandersetzung&amp;quot; und &amp;quot;Dialog&amp;quot;&lt;br /&gt;
auch in dieser Zeitschrift, meint die Redaktion der BAHA’I-&lt;br /&gt;
BRIEFE.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie mit! Schreiben Sie uns Ihre Meinung und Ihre&lt;br /&gt;
Anregungen zu Fragen von Familie und Erziehung. Wir freuen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
uns auf einen regen Dialog. Das Ergebnis finden Sie in den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nächsten BAHÄ ’I-BRIEFEN.&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_62/Text&amp;diff=75360</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 62/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:13:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=1}}{{ocr}}Kitab-i-Agdas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das “Heiligste Buch” Baha’u’llahs&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung in Erwartung&lt;br /&gt;
der englischen Gesamtausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
in New York&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen der Offenbarung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vermächtnis von Rio&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=2}}INHALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kitäb-i-Aqdas ELUTIIIIIIIIIIIIIIIIIIIOIIIIOITITIIIIOITTOTTT 4&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung von Roland Philipp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Bahä’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in New York.cccssosseonseosnenssenosssnonnsennsenonnenneennneennee 15&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stimmen zum Bahä’i-Weltkongreß ................ 19&lt;br /&gt;
George Bush, Mario Cuomo und David N. Dinkins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen der Offenbarung .....es...sseeeoseeesoneee 21&lt;br /&gt;
David M. Earl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fischteiche in Malaysia .........esooessoeesosesserenereane 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein erfolgreiches Dorfprojekt&lt;br /&gt;
Robert Blum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue, globale Sichtweise.......ccsssorsooeseneneee 32&lt;br /&gt;
Das Vermächtnis von Rio&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herr der Herrlichkeit ............cssss0re20ee00e000. 38&lt;br /&gt;
Buchbesprechung von Haide Faridani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Weltbürger......sssesescsousesenenonnnnessensnonnnnnenenne 39&lt;br /&gt;
Buchbesprechnung von Elke Pollak&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berichtigung zu Ausgabe Nr. 61 der Bahä’i-Briefe:&lt;br /&gt;
Beim Artikel “Die Achse der Einheit” sind auf Seite 5 zwei Fehler bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Quellenangaben unterlaufen. Richtig muß es heißen:&lt;br /&gt;
2 ’Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, Bahä’i-Verlag 1963, S. 94&lt;br /&gt;
3 ebenda, S. 96&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sanduhrenförmige Friedensdenkmal, das die Internationale&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde anläßlich des Erdgipfels in Rio errichtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
Heft 62&lt;br /&gt;
Dezember 1992&lt;br /&gt;
20. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
wollen eine intensive&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahd’i-Religion&lt;br /&gt;
fördern und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage&lt;br /&gt;
zeitgemäßen Denkens&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit&lt;br /&gt;
allen beitragen, die&lt;br /&gt;
sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber:&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’iin Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e.V,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion:&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis, Nawid&lt;br /&gt;
Maher, Bijan Sobhani,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uwe Still, Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe, Redaktion;&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
D-6238 Hofheim 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellen nicht notwendig die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
erscheinen halbjährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
30,- DM.&lt;br /&gt;
Einzelpreis 8,50 DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb und Bestellungen:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-6238 Hofheim 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’t-Verlag GmbH 1992&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=3}}(\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Logo&lt;br /&gt;
kennzeichnen wir&lt;br /&gt;
Beiträge&lt;br /&gt;
zum Heiligen Jahr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser zweiten Aus-&lt;br /&gt;
gabe der Baha’i-Briefe&lt;br /&gt;
im Heiligen Jahr be-&lt;br /&gt;
schäftigt sich der Leit-&lt;br /&gt;
artikel von Roland Phi-&lt;br /&gt;
lipp mit dem Kitäb-i-&lt;br /&gt;
Agdas, dem Heiligsten&lt;br /&gt;
Buch der Bahd’i-&lt;br /&gt;
Offenbarung, das An-&lt;br /&gt;
fang 1993 zum ersten&lt;br /&gt;
Mal in seinem ganzen&lt;br /&gt;
Umfang auf englisch&lt;br /&gt;
veröffentlicht wird. Es&lt;br /&gt;
enthält die grundle-&lt;br /&gt;
genden und Verordnungen Ba-&lt;br /&gt;
ha’u’lläahs für eine künftige Weltordnung. Die&lt;br /&gt;
Darstellung erlaubt einen Einblick in die von&lt;br /&gt;
Bahä’&#039;u’llah angestrebte Weltgesellschaft, in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesetze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der die geistige Vervollkommnung des Men-&lt;br /&gt;
schen auf diesem Planeten das gesellschaftli-&lt;br /&gt;
che Zusammenleben bestimmen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Rolle der Gottesoffenbarung&lt;br /&gt;
durch Religionsstifter steht im Mittelpunkt der&lt;br /&gt;
Abhandlung von David M. Earl, der dieses&lt;br /&gt;
Thema anhand der Baha@’i-Schriften beleuchtet.&lt;br /&gt;
Außerdem behandelt die Buchbesprechung von&lt;br /&gt;
Haide Faridani ein zum Heiligen Jahr auf&lt;br /&gt;
deutsch erschienenes Standardwerk über Leben&lt;br /&gt;
und Werk Baha’u’llähs, die umfangreiche und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
detailliert recherchierte&lt;br /&gt;
Biographie Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
— Der Herr der Herrlich-&lt;br /&gt;
keit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
öffnen die Baha’i-Briefe&lt;br /&gt;
das Fenster zur Welt mit&lt;br /&gt;
Berichten über Hilfe zur&lt;br /&gt;
Selbsthilfe in Malaysia,&lt;br /&gt;
über vielfältige Ereig-&lt;br /&gt;
nisse beim Umwelt-&lt;br /&gt;
gipfel in Rio de Janeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und über den zweiten&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltkongreß in New York vom 23. bis&lt;br /&gt;
26. November 1992, an dem 27.000 Baha’t aus&lt;br /&gt;
etwa 180 Ländern und Gebieten teilnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen sind zwei Drittel des Heiligen Jah-&lt;br /&gt;
res vorüber und die internationalen Haupter-&lt;br /&gt;
eignisse, d.h. die Feierlichkeiten zum 100. Jah-&lt;br /&gt;
restag des Hinscheidens Baha’u’llähs im Hei-&lt;br /&gt;
ligen Land Ende Mai und der Weltkongreß zur&lt;br /&gt;
Hundertjahrfeier der Einsetzung des Bundes&lt;br /&gt;
Bahä&#039;u’llahs sind bereits Geschichte gewor-&lt;br /&gt;
den. Die verbleibenden Monate des Heiligen&lt;br /&gt;
Jahres stehen im Schatten dieser Ereignisse und&lt;br /&gt;
werden sicherlich von ihrer Ausstrahlung pro-&lt;br /&gt;
fitieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=4}}4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine&lt;br /&gt;
Betrachtung&lt;br /&gt;
von Roland&lt;br /&gt;
Philipp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kitab-i-Aqdas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RRÜRERDIDNRRDRIINITESEEEE ZESBRIERNIEREDIIREREDEIEB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Erwartung der englischen Gesamtausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REREBSSRESSERSSEN NIEREN RN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIHRRDISSSERRUNULLUNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einführung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Tagen erscheint die eng-&lt;br /&gt;
lische Übersetzung des »Kitäb-i-Agdas«,&lt;br /&gt;
des »Heiligsten Buches« Bahä’u’llähs. Da-&lt;br /&gt;
mit wird dieses »Mutterbuch« der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion erstmals offiziell übersetzt in ei-&lt;br /&gt;
ner westlichen Sprache zugänglich. Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh hat darin Seine Gesetze, Gebote,&lt;br /&gt;
Lehren und Prinzipien zusammengefaßt.&lt;br /&gt;
Sie werden für die Dauer Seiner göttlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
also für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sendung Gültigkeit besitzen,&lt;br /&gt;
mindestens tausend Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikelbeleuchtetdie heilsge-&lt;br /&gt;
schichtliche Bedeutung dieses göttlichen Ge-&lt;br /&gt;
setzbuches, stellt die Geschichte seiner Of-&lt;br /&gt;
fenbarung und Inkraftsetzung dar und zeigt&lt;br /&gt;
einige grundlegende Aspekte seiner Gesetze&lt;br /&gt;
und Gebote auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dein Reich komme«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Beginn einer Abhandlung&lt;br /&gt;
über den Kitäb-i-Agdas drängt sich ein&lt;br /&gt;
Satz Bahá’u’lláhs regelrecht auf: »Gebe&lt;br /&gt;
Gott, daß das Licht der Einheit die ganze&lt;br /&gt;
Erde umleuchte und allen ihren Völkern&lt;br /&gt;
das Siegel ’Das Reich ist Gottes’ auf die&lt;br /&gt;
Stirn gedrückt werde.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erinnert an eine Bitte im »Va-&lt;br /&gt;
ter Unser«: »... dein Reich komme, dein&lt;br /&gt;
Wille geschehe wie im Himmel, also auch&lt;br /&gt;
auf Erden. ...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bahä’i-Auffassung wird die-&lt;br /&gt;
ses Paradies auf Erden durchaus materielle,&lt;br /&gt;
wenngleich nicht in allen Aspekten wörtli-&lt;br /&gt;
che Wirklichkeit gewinnen. Der Verfasser&lt;br /&gt;
der Apokalypse hat versichert: »Und ich&lt;br /&gt;
sah einen neuen Himmel und eine neue&lt;br /&gt;
Erde, ... Und ich, Johannes, sah die Heilige&lt;br /&gt;
Stadt, das neue Jerusalem, herniedersteigen&lt;br /&gt;
aus dem Himmel von Gott her, gekleidet&lt;br /&gt;
wie eine Braut, die geschmückt ist für ihren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mt.6: 10&lt;br /&gt;
Off.21:2-3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wruN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mt.9:17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mann. Und ich hörte eine laute Stimme&lt;br /&gt;
vom Himmel her rufen: ’Sehet, das Zelt&lt;br /&gt;
Gottes unter den Menschen! Er wird woh-&lt;br /&gt;
nen bei ihnen, und sie werden sein Volk&lt;br /&gt;
sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein als&lt;br /&gt;
ihr Gott.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tag Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Herabkunft des Neuen Jerusa-&lt;br /&gt;
lem bezeichnet ein himmlisches Gesetz, das&lt;br /&gt;
Gesetz, das die Gewähr für menschliches&lt;br /&gt;
Glück bietet und aus der Welt Gottes hervor-&lt;br /&gt;
leuchtet.« *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag Gottes kommt im-&lt;br /&gt;
mer mit einem neuen Gesetz. Schon Chri-&lt;br /&gt;
stus hat dies in einem sehr plastischen Bild&lt;br /&gt;
beschrieben: »Auch füllt man nicht neuen&lt;br /&gt;
Wein in alte Schläuche. ... Neuen Wein füllt&lt;br /&gt;
man in neue Schläuche, dann bleibt beides&lt;br /&gt;
erhalten.« °&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh , Ährenlese, Bahä’i-Verlag 1980, 3. rev. Aufl., Kap. 7:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’1-Bahä, Briefe und Botschaften, Bahä’i-Verlag 1992, Kap. 29:7&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=5}}Im Islam gibt es ebenfalls eine Fülle&lt;br /&gt;
von Endzeiterwartungen. So soll der Verhei-&lt;br /&gt;
ßene an diesem »Tag.des Gerichts« eine Waa-&lt;br /&gt;
ge aufstellen. Bahä’u’lläh hat darauf Bezug&lt;br /&gt;
genommen: »Sie sagen: ’Wirsehen die Waage&lt;br /&gt;
nicht.” Sprich: ’Freilich, bei meinem Herrn,&lt;br /&gt;
dem Gott der Barmherzigkeit. Keiner kann&lt;br /&gt;
sie sehen außer den Einsichtsvollen.’« ©&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Seinem Heiligsten Buch mahnt&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh: »Wäget das Buch Gottes&lt;br /&gt;
nicht mit solchen Gewichten und Wissen-&lt;br /&gt;
schaften, wie sie bei euch im Schwange&lt;br /&gt;
sind, denn das Buch selbst ist die untrüg-&lt;br /&gt;
liche Waage, die unter den Menschen auf-&lt;br /&gt;
gestellt ist.« ’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wandelnde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft des&lt;br /&gt;
Wortes Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vision vom Paradies auf Erden&lt;br /&gt;
ist untrennbar mit der Vorstellung einer&lt;br /&gt;
ewigen Friedenszeit verbunden. Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh hat in Seinen Schriften die&lt;br /&gt;
Grundlagen für einen dauerhaften Weltfrie-&lt;br /&gt;
den dargelegt. Er sagt: »Die Wohlfahrt der&lt;br /&gt;
Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit&lt;br /&gt;
sind unerreichbar, wenn nicht und ehe nicht&lt;br /&gt;
ihre Einheit fest begründet ist.« 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá hat dazu erläutert,&lt;br /&gt;
daß diese Einheit ethisch fundiert sein&lt;br /&gt;
muß: »Heute ist der Weltfriede von großer&lt;br /&gt;
Bedeutung, aber die Einheit des Gewissens&lt;br /&gt;
. . . 9&lt;br /&gt;
ist dabei wesentlich, ...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und weiterführend: »Nichts als&lt;br /&gt;
die himmlische Macht des Wortes Gottes&lt;br /&gt;
.. Ist fähig, die auseinandergehenden Ge-&lt;br /&gt;
danken, Gefühle, Ideen und Überzeugun-&lt;br /&gt;
gen der Menschenkinder in Einklang zu&lt;br /&gt;
bringen. «0&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einheit meint nicht Einheit-&lt;br /&gt;
lichkeit sondern Einheit in der Mannigfal-&lt;br /&gt;
tigkeit, nicht Reglementierung sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Einheit in Freiheit«!&#039;. Der aufgeklärte,&lt;br /&gt;
sich seiner Individualität und seiner Frei-&lt;br /&gt;
heitsrechte bewußte Mensch kann in letz-&lt;br /&gt;
ter Konsequenz durch nichts gezwungen&lt;br /&gt;
werden, sich menschengemachten Geset-&lt;br /&gt;
zen zu unterwerfen. Was aber ist wahre&lt;br /&gt;
Freiheit für den Menschen? Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
hat dies im Kitäb-i-Agdas dargelegt: »Seht&lt;br /&gt;
die Kleingeistigkeit der Menschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangen nach dem, was ihnen schadet,&lt;br /&gt;
und verwerfen, was ihnen nützt. ... Wißt,&lt;br /&gt;
daß die Verkörperung der Freiheit und ihr&lt;br /&gt;
Sinnbild das Tier ist. Dem Menschen&lt;br /&gt;
ziemt es, daß er sich in Schranken fügt, die&lt;br /&gt;
ihn vor seiner eigenen Unwissenheit be-&lt;br /&gt;
schützen und vor dem Schaden des Un-&lt;br /&gt;
heilstifters bewahren. ... Sprich: Wahre&lt;br /&gt;
Freiheit besteht in der Unterwerfung der&lt;br /&gt;
Menschen unter Meine Gebote, so wenig&lt;br /&gt;
ihr dies auch versteht.«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt, daß es ohne göttli-&lt;br /&gt;
ches Gesetz, ohne das Bewußtsein einer&lt;br /&gt;
transzendentalen Verantwortung für den&lt;br /&gt;
Menschen keinen verbindlichen Maßstab&lt;br /&gt;
gibt: »Die Religion ist wahrlich ein strah-&lt;br /&gt;
lendes Licht und eine uneinnehmbare Fe-&lt;br /&gt;
ste für den Schutz und die Wohlfahrt aller&lt;br /&gt;
Völker der Welt; denn die Gottesfurcht&lt;br /&gt;
treibt den Menschen, sich fest an alles&lt;br /&gt;
Gute zu halten und alles Böse zu meiden.&lt;br /&gt;
Würde die Lampe der Religion verdun-&lt;br /&gt;
kelt, so wären Chaos und Wirrnis die Fol-&lt;br /&gt;
ge, und die Lichter der Redlichkeit und&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, der Ruhe und des Friedens&lt;br /&gt;
würden nicht länger scheinen.« 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird die Notwendigkeit der&lt;br /&gt;
Religion mit dem Hinweis auf ein natürli-&lt;br /&gt;
ches Gewissen des Menschen bezweifelt.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Bahá hat dazu folgende Erläute-&lt;br /&gt;
rung gegeben: »Manche stellen sich vor,&lt;br /&gt;
ein angeborener Sinn für seine Würde be-&lt;br /&gt;
wahre den Menschen davor, Böses zu tun,&lt;br /&gt;
und biete die Gewähr für seine geistige&lt;br /&gt;
wie materielle Vervollkommnung. ... die-&lt;br /&gt;
ser natürliche Sinn für menschliche Würde&lt;br /&gt;
(tritt) als Folge der Erziehung auf. ... Der&lt;br /&gt;
Sinn dieser Ausführungen ist, zur Genüge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Bahä’u&#039;lläh, Brief an den Sohn des Wolfes, Bahä’i-Verlag 1966, S.118&lt;br /&gt;
7 Bahä’u&#039;lläh, Kitäb-i-Agdas, zit.in Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Kitäb-i-Agdas, Bahä’i-Verlag 1987, S.40&lt;br /&gt;
8 Bahä’u’lläh, Ährenlese 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zit.in Frieden, Bahä’i-Verlag 1986, S.18&lt;br /&gt;
10  &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zit. in Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’u’llähs, Bahä’f-Verlag 1977, S.6817&lt;br /&gt;
II &amp;quot;Abdu’l-Bahá, 3.Lichtstrahl der Einheit, siehe Weltordnung S.64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I2  Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Agdas, Inhaltsübersicht S.42ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13  Bahä’u’lläh, Ishrägät, Botschaften aus &#039;Akkä, Bahä’i-Verlag 1982, 8:53&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer&lt;br /&gt;
Tag Gottes&lt;br /&gt;
kommt&lt;br /&gt;
immer mit&lt;br /&gt;
einem neuen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesetz.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFENR.61 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=6}}[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Denn der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
Frucht wird&lt;br /&gt;
Friede sein,&lt;br /&gt;
und die&lt;br /&gt;
Frucht des&lt;br /&gt;
Rechtes&lt;br /&gt;
Sicherheit&lt;br /&gt;
auf ewig.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
klar zu machen, daß die göttlichen Reli-&lt;br /&gt;
gionen, die heiligen Gebote und die himm-&lt;br /&gt;
lischen Lehren die unanfechtbare Grund-&lt;br /&gt;
lage menschlichen Glücks sind, und daß&lt;br /&gt;
die Völker der Welt ohne dieses sichere&lt;br /&gt;
Heilmittel auf keine wirkliche Linderung&lt;br /&gt;
oder Erlösung von ihren Leiden hoffen&lt;br /&gt;
können. Dieses Allheilmittel muß jedoch&lt;br /&gt;
von einem weisen, erfahrenen Arzt ange-&lt;br /&gt;
wandt werden, ...« 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Worten Bahä’u’llähs wird&lt;br /&gt;
dieses Thema folgendermaßen formuliert:&lt;br /&gt;
»Sei Zeuge, wie die Welt täglich von einem&lt;br /&gt;
neuen Unheilheimgesucht wird. Ihre Trübsal&lt;br /&gt;
wird immer tiefer. ...Ihr Siechtum nähert sich&lt;br /&gt;
einem Zustand völliger Hoffnungslosigkeit,&lt;br /&gt;
weil der wahre Arzt gehindert wird, das&lt;br /&gt;
Heilmittel zureichen, während ungeschickte&lt;br /&gt;
Quacksalber begünstigt werden und volle&lt;br /&gt;
Handlungsfreiheit genießen.« 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
» Seht, ich mache alles neu.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sehr sich dieser Tag Gottes von&lt;br /&gt;
den früheren Tagen göttlicher Offenbarung&lt;br /&gt;
unterscheidet, und wie wenig die Vergangen-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit mit ihrer Zukunft gemein&lt;br /&gt;
hat, verkündet Gott Selbst mit aller Klarheit&lt;br /&gt;
und Macht: »Seht, ich mache alles neu.« 16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lichte dieses Satzes wird die ge-&lt;br /&gt;
genwärtige umfassende Neugestaltung der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft als Zeitenwende&lt;br /&gt;
erkennbar und erklärt die staunende Ratlosig-&lt;br /&gt;
keit unserer Generation des Zwielichts. Wie&lt;br /&gt;
sieht nun die Bauanleitung für diesen schwie-&lt;br /&gt;
rigen Brückenschlag vom heutigen Weltauf-&lt;br /&gt;
ruhr zu einem dauerhaften Frieden aus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit&lt;br /&gt;
und Weltfriede&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die persönliche Freiheit des Men-&lt;br /&gt;
schen und sein Anspruch auf Individualität&lt;br /&gt;
müssen im zwischenmenschlichen, gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen und zwischenstaatlichen Be-&lt;br /&gt;
reich mit den berechtigten Bedürfnissen&lt;br /&gt;
der jeweils anderen in Einklang gebracht&lt;br /&gt;
werden. Einheit in Freiheit ist letztlich oh-&lt;br /&gt;
ne Selbstbestimmungsrecht aller Völker&lt;br /&gt;
nicht möglich. ’Abdu’l-Bahá schrieb dazu:&lt;br /&gt;
»Heute ist ... die Aufgabe, die einem gro-&lt;br /&gt;
ßen Herrscher zukommt, die Errichtung&lt;br /&gt;
des Weltfriedens, denn darin liegt die Frei-&lt;br /&gt;
heit aller Völker beschlossen.« |’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Recht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Voraussetzungen für einen dau-&lt;br /&gt;
erhaften Weltfrieden hat schon Jesaja un-&lt;br /&gt;
zweideutig klargelegt: »Denn der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeitFrucht wird Friede sein, und die Frucht&lt;br /&gt;
des Rechtes Sicherheit auf ewig.« 18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die führende Rolle des Gesetzes&lt;br /&gt;
zu sichern, muß sein Mißbrauch durch einzel-&lt;br /&gt;
ne wirksam verhindert werden: »Das Gesetz&lt;br /&gt;
muß herrschen und nicht der einzelne.« 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne eine tiefgreifende Neuordnung&lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft ist dies nicht&lt;br /&gt;
möglich. Bahä’u’llah sagt auch klarund deut-&lt;br /&gt;
lich: »Bald wird die heutige Ordnung aufge-&lt;br /&gt;
rollt und eine neue an ihrer Statt entfaltet&lt;br /&gt;
werden.« ”°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende Bedeutung der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit ist in den Bahä’i-Schriften&lt;br /&gt;
vielfältig dargelegt worden, wie beispiels-&lt;br /&gt;
weise in den zwei nachstehenden Zitaten:&lt;br /&gt;
»Das Licht der Menschen ist Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, löscht es nicht mit den widrigen Win-&lt;br /&gt;
den der Unterdrückung und Gewaltherr-&lt;br /&gt;
schaft. Das Ziel der Gerechtigkeit ist die&lt;br /&gt;
Errichtung der Einheit unter den Men-&lt;br /&gt;
schen.« ?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»O Volk Gottes! Was die Welt er-&lt;br /&gt;
zieht, ist die Gerechtigkeit, denn sie wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14  &amp;quot;Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur, Bahä’f-Verlag 1973, S.88ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15  Bahä’u’lläh, Ährenlese 16:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16  Off.21:5&lt;br /&gt;
17 ’Abdu’l-Bahá, Geheimnis S.68&lt;br /&gt;
18  Jes.32/17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19  &amp;quot;Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, Bahä’i-Verlag 1973, 6. Auflage, S.104&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20  Bahä’u’lläh, Ährenlese 4:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 Bahä’u’lläh, zit.in Shogi Effendi, Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit, Bahä’i-Verlag 1969, S.46&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=7}}von zwei Säulen getragen: Lohn und Stra-&lt;br /&gt;
fe. Diese beiden Säulen sind die Lebens-&lt;br /&gt;
quellen der Welt.« 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dabei die Religion ent-&lt;br /&gt;
scheidend wirksamer als jedes men-&lt;br /&gt;
schengemachte Gesetz ist, hat ’Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä anschaulich erklärt: »...in der Men-&lt;br /&gt;
schenwelt gibt es zwei Wächter, die den&lt;br /&gt;
Menschen vor dem Unrechttun bewah-&lt;br /&gt;
ren: Der eine ist das Gesetz, das den Ver-&lt;br /&gt;
brecher bestraft; aber das Gesetz verhin-&lt;br /&gt;
dert nur das offenkundige Verbrechen,&lt;br /&gt;
nicht jedoch die geheime Sünde. Hinge-&lt;br /&gt;
gen verhütet der ideale Wächter, die Reli-&lt;br /&gt;
gion Gottes, sowohl das offenkundige wie&lt;br /&gt;
das geheime Verbrechen. ... Unter Reli-&lt;br /&gt;
gion aber ist das zu verstehen, was durch&lt;br /&gt;
Forschen nach Wahrheit gesichert ist,&lt;br /&gt;
nicht was lediglich auf Nachahmung be-&lt;br /&gt;
ruht — also die Grundlagen der göttli-&lt;br /&gt;
chen Religionen, nicht menschliche Nach-&lt;br /&gt;
ahmungen.« 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vormachtstreit&lt;br /&gt;
von Kirche&lt;br /&gt;
und Staat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der dunkelsten Kapitel&lt;br /&gt;
menschlicher Geschichte ist der immer wie-&lt;br /&gt;
derkehrende Vormachtkampf zwischen den&lt;br /&gt;
weltlichen und religiösen Machthabern. Eine&lt;br /&gt;
neue Weltordnung muß endlich auch die Har-&lt;br /&gt;
monisierung weltlicherund geistlicher Macht&lt;br /&gt;
sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat die für diesen epo-&lt;br /&gt;
chalen Entwicklungssprung notwendigen&lt;br /&gt;
Gesetze, Prinzipien und Institutionen im Ki-&lt;br /&gt;
täb-i-Agdas angelegt. In einer Ansprache in&lt;br /&gt;
New York hat &amp;quot;Abdu’l-Bahá dazu folgende&lt;br /&gt;
Erläuterung gegeben: »(Bahä’u’lläh) hat das&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit angeordnet und er-&lt;br /&gt;
richtet, das sowohl mit einer politischen als&lt;br /&gt;
auch mit einer religiösen Funktion betraut ist,&lt;br /&gt;
die vollkommene Vereinigung und Ver-&lt;br /&gt;
schmelzung von Kirche und Staat.« 24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 Bahä’u’lläh, Botschaften aus ’Akkä 3:25&lt;br /&gt;
23 ’Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften 227:21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bund Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friede und Sicherheit sind ohne&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit und Recht und ohne die Er-&lt;br /&gt;
richtung der Einheit der Menschheit uner-&lt;br /&gt;
reichbar. Ein Satz ’Abdu’l-Bahás gibt da-&lt;br /&gt;
zu einen entscheidenden Hinweis: »Es ist&lt;br /&gt;
unzweifelhaft klar, daß der Angelpunkt&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit nichts anderes&lt;br /&gt;
ist als die Kraft des Bundes.« ”°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Sein Buch des Bundes si-&lt;br /&gt;
chert Bahä’u’lläh in dem hier angespro-&lt;br /&gt;
chenen, zwischen Ihm und Seinen Anhän-&lt;br /&gt;
gern geschlossenen Kleineren Bund durch&lt;br /&gt;
die Übergabe der zentralen Autorität im&lt;br /&gt;
Glauben und die Einsetzung gesellschafts-&lt;br /&gt;
tragender Institutionen die unzerstörbare&lt;br /&gt;
Einheit Seiner Sache. Der Kleinere Bund&lt;br /&gt;
gründet sich auf jenen Ewigen Bund, in&lt;br /&gt;
dem Gott der Menschheit verspricht, sie&lt;br /&gt;
niemals allein zu lassen und sie immer zu&lt;br /&gt;
führen, wenn die Menschen ihrerseits Sei-&lt;br /&gt;
ne Offenbarer anerkennen und Deren Ge-&lt;br /&gt;
bote halten. Diese beiden Pflichten sind,&lt;br /&gt;
wie Bahä’u’lläh im Kitäb-i-Agdas aus-&lt;br /&gt;
führt, untrennbar miteinander verbunden,&lt;br /&gt;
und keine von ihnen ist ohne die andere&lt;br /&gt;
annehmbar.”° Diese zweifache Bedingung&lt;br /&gt;
hat auch schon Christus deutlich gemacht:&lt;br /&gt;
»Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr!, wird&lt;br /&gt;
in das Himmelreich kommen, sondern nur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer den Willen meines Vaters im Himmel&lt;br /&gt;
erfüllt.« 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt, die Offenbarer Gottes an-&lt;br /&gt;
zuerkennen und sich Ihnen in Liebe, An-&lt;br /&gt;
betung, Gehorsam und Standhaftigkeit zu-&lt;br /&gt;
zuwenden. Es gilt, zu glauben. Aber der&lt;br /&gt;
Glaube allein erlöst auch noch nicht:&lt;br /&gt;
»Wähnen die Menschen denn, sie würden&lt;br /&gt;
in Ruhe gelassen, nur weil sie sagen: wir&lt;br /&gt;
glauben — und sie würden keiner Prüfung&lt;br /&gt;
unterworfen?« *8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá hat die dem Kleine-&lt;br /&gt;
ren Bund Gottes innewohnende, selbst-&lt;br /&gt;
reinigende Kraft der Prüfung in einpräg-&lt;br /&gt;
same Worte gekleidet: »Der Bund Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, The Promulgation of Universal Peace S.455, zit. nach Deutsche Bahä’i-Nachrichten März&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1991, 5.14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 &amp;quot;Abdu’I-Bahä, zit.in Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Bahä’i-Verlag 1974, 2. Auflage, S.271&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Agdas, Inhaltsübersicht S.25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 Mt.T:2l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Qur’an 29:9, zit.in Bahä’u’Iläh, Buch der Gewißheit, Bahä’i-Verlag 1978, 3. Auflage, S.16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Es ist&lt;br /&gt;
unzweifelhaft&lt;br /&gt;
klar, daß der&lt;br /&gt;
Angelpunkt&lt;br /&gt;
der Einheit&lt;br /&gt;
der&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
nichts&lt;br /&gt;
anderes ist&lt;br /&gt;
als die Kraft&lt;br /&gt;
des Bundes.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=8}}[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHANI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“So&lt;br /&gt;
umfassend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist er,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er alle&lt;br /&gt;
Menschen&lt;br /&gt;
umschließt,&lt;br /&gt;
ehe sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seiner gewahr&lt;br /&gt;
sind.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist wie ein unendliches, unergründliches&lt;br /&gt;
Meer. Die Woge steigt und brandet und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirft allen angesammelten Gischt ans&lt;br /&gt;
Ufer.« ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unmittelbar bevorstehende&lt;br /&gt;
Veröffentlichung des Kitäb-i-Agdas in&lt;br /&gt;
Englisch wird wohl eine solche steigende&lt;br /&gt;
Woge auslösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mutterbuch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hüter des Bahä’i-Glaubens,&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi bezeichnet den Kitäb-i-&lt;br /&gt;
Agdas in seinem Buch Gott geht vorüber&lt;br /&gt;
als »das Mutterbuch« der Sendung Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs und als »das Musterbeispiel für&lt;br /&gt;
Seine neue Weltordnung« 30 und führt&lt;br /&gt;
weiter aus: »Die Gesetze und Gebote, die&lt;br /&gt;
das Hauptthema dieses Buches bilden, hat&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh im besonderen als den ’Hauch&lt;br /&gt;
des Lebens für alle erschaffenen Dinge’&lt;br /&gt;
bezeichnet, als ’die mächtigste Festung’,&lt;br /&gt;
die ’Früchte’ an Seinem ’Baume’, ’die&lt;br /&gt;
vornehmsten Mittel zur Erhaltung der&lt;br /&gt;
Ordnung und der Sicherheit der Völker in&lt;br /&gt;
der Welt’, als ’die Leuchten der Weisheit&lt;br /&gt;
und der gütigen Vorsehung’, als &amp;quot;die süßen&lt;br /&gt;
Düfte Seines Gewandes’ und ’die Schlüs-&lt;br /&gt;
sel’ zu Seiner ’Barmherzigkeit’ für Seine&lt;br /&gt;
Geschöpfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Selbst schreibt über&lt;br /&gt;
Sein Heiligstes Buch: »Der Kitäb-i-Agdas&lt;br /&gt;
wurde so offenbart, daß er alle göttlich&lt;br /&gt;
bestimmten Sendungen anzieht und um-&lt;br /&gt;
fängt. Selig ist, wer ihn liest, selig, wer&lt;br /&gt;
ihn begreift, selig, wer darüber nachdenkt,&lt;br /&gt;
selig, wer seine Bedeutung erwägt. So&lt;br /&gt;
umfassend ist er, daß er alle Menschen&lt;br /&gt;
umschließt, ehe sie seiner gewahr sind.&lt;br /&gt;
Binnen kurzem werden seine unum-&lt;br /&gt;
schränkte Macht, sein durchdringen-&lt;br /&gt;
der Einfluß und die Größe seiner Kraft auf&lt;br /&gt;
Erden offenbar.«-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der erlesene Wein«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wähnt nicht, Wir hätten euch nur&lt;br /&gt;
ein Gesetzbuch offenbart. Wirhaben vielmehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 ”Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften 189:2&lt;br /&gt;
30  Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S.243&lt;br /&gt;
31  Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S.246&lt;br /&gt;
32 _Bahä’u’lläh, Botschaften aus &amp;quot;Akkä 13:20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33  Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Agdas, Inhaltsübersicht S.26ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 &amp;quot;Ich aber sage euch,...&amp;quot; erstmals bei Mt. 5:22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denerlesenen Wein mitden Fingern derMacht&lt;br /&gt;
und Kraft entsiegelt.« 33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kitäb-i-Agdas enthält eine&lt;br /&gt;
Vielzahl unterschiedlichster Themenberei-&lt;br /&gt;
che. Die Gesetze stellen nur einen Teil da-&lt;br /&gt;
von dar. Diese Gesetzestexte unterscheiden&lt;br /&gt;
sich nicht nur formal, sondern grundsätz-&lt;br /&gt;
lich von sonst üblichen Gesetzbüchern.&lt;br /&gt;
Während nämlich weltliches Gesetz von&lt;br /&gt;
den Menschen meist als einschränkend&lt;br /&gt;
empfunden wird, geht vom göttlichen Ge-&lt;br /&gt;
setz eine belebende, befreiende Wirkung&lt;br /&gt;
aus, wie sie eben erlesenem Wein zuge-&lt;br /&gt;
schrieben wird. Knappe Sätze eröffnen&lt;br /&gt;
neue Ausblicke und Einsichten, und ihre&lt;br /&gt;
Zusammenschau läßt den Wahrheitssucher&lt;br /&gt;
die Herrlichkeit dieses zukünftigen Rei-&lt;br /&gt;
ches Gottes auf Erden erahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzelne und&lt;br /&gt;
die Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Festlegung Seiner gesell-&lt;br /&gt;
schaftformenden Gesetze und Prinzipien un-&lt;br /&gt;
terscheidet Bahä’u’lläh deutlich zwischen&lt;br /&gt;
den Bedürfnissen und Verpflichtungen des&lt;br /&gt;
einzelnen und der Verantwortung und Auf-&lt;br /&gt;
gabe der Gesellschaft. Damit wird das weit&lt;br /&gt;
verbreitete schwärmerische Vorurteil ausge-&lt;br /&gt;
räumt, daß allein schon die Wandlung und&lt;br /&gt;
Vergeistigung der einzelnen — z.B. nach&lt;br /&gt;
den Grundsätzen der Bergpredigt — genüge,&lt;br /&gt;
um das gedeihliche Zusammenleben aller&lt;br /&gt;
Völker zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der christlichen&lt;br /&gt;
Nächstenliebe liegt im »aber«”” der Berg-&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=9}}predigt! Die im Alten Testament auf den&lt;br /&gt;
Mitjuden, und den Gast bezogene Näch-&lt;br /&gt;
stenliebe‘ 35 wird um die Feindesliebe er-&lt;br /&gt;
weiter“ und auf die Menschheit ausge-&lt;br /&gt;
dehnt”’. Jeder ist ein Nächster! Die Zeit&lt;br /&gt;
Seiner Wiederkunft ansprechend bekräf-&lt;br /&gt;
tigt aber auch Christus, daß selbst diese&lt;br /&gt;
universelle Liebe allein nicht imstande ist,&lt;br /&gt;
eine friedliche Zukunft der Menschen zu&lt;br /&gt;
sichern: »Und weil die Mißachtung von&lt;br /&gt;
Gottes Gesetz überhand nimmt, wird die&lt;br /&gt;
Liebe bei vielen erkalten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist ein dauerhafter Welt-&lt;br /&gt;
friede ohne allgemeinverbindliche Welt-&lt;br /&gt;
ordnung nicht zu sichern, ohne grundle-&lt;br /&gt;
gende Wandlung des einzelnen nicht er-&lt;br /&gt;
reichbar: »Der Friede muß zuerst unter&lt;br /&gt;
einzelnen Menschen gestiftet werden, bis&lt;br /&gt;
er schließlich zum Frieden unter den Na-&lt;br /&gt;
tionen führt.« ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Baldachin des Daseins ruht&lt;br /&gt;
auf der Säule der Gerechtigkeit, nicht der&lt;br /&gt;
Verzeihung, und das Leben der Menschheit&lt;br /&gt;
hängt von der Gerechtigkeit und nicht vom&lt;br /&gt;
Verzeihen ab.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gesetze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Bahä’u’lläh offenbarten Ge-&lt;br /&gt;
setze und Gebote können in die drei Bereiche&lt;br /&gt;
kultisch, persönlich und gesellschaftlich ge-&lt;br /&gt;
gliedert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Kult&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kultischen Gesetze behandeln&lt;br /&gt;
Punkte wie das Tägliche Gebet, das Große&lt;br /&gt;
Totengebet, dasHausder Andacht, das Fasten,&lt;br /&gt;
die Trauung, die Beerdigung oder die Wall-&lt;br /&gt;
fahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die auffallend wenigen rituellen&lt;br /&gt;
Vorschriften in der Bahä’i-Religion sind&lt;br /&gt;
alle von Bahä’u’]läh Selbst verordnet. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i sind streng darauf bedacht, Seine&lt;br /&gt;
schlichten Formen nicht zu erweitern oder&lt;br /&gt;
sie mit sonst üblichen Gebräuchen zu ver-&lt;br /&gt;
mischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35  3.Mose 19:18,34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 Mi. 5:43ff&lt;br /&gt;
37 Lk 10:30ff&lt;br /&gt;
38 Mı«.24:12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zit.in Frieden S.17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Person&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Geburt bis zum Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die den persönlichen Bereich ord-&lt;br /&gt;
nenden Gesetze betreffen u.a. die Ehe, die&lt;br /&gt;
Scheidung, oder im Fall einer Testaments-&lt;br /&gt;
losigkeit die Erbfolge. Dieser Bereich wird&lt;br /&gt;
inunserer säkularen GesellschaftinderRegel&lt;br /&gt;
durch das Zivilrecht abgedeckt. Entspre-&lt;br /&gt;
chend einem Grundprinzip der Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion stehen ihre Gesetze und Gebote hinter&lt;br /&gt;
den jeweiligen staatlichen zivil- und straf-&lt;br /&gt;
rechtlichen Regelungen zurück, sofern dabei&lt;br /&gt;
nicht zentrales Glaubensgut, wie z.B. der&lt;br /&gt;
Glaube an Gott und Seine Offenbarer, be-&lt;br /&gt;
troffen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äußere und innere Reinheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh legt im Kitäb-i-Aqgdas&lt;br /&gt;
auch eine große Zahl von geistigen Eigen-&lt;br /&gt;
schaften sowie von körperlichen und mate-&lt;br /&gt;
riellen Geboten dar. Sie könnten vielleicht&lt;br /&gt;
— bei aller gebotener Vorsicht — als Richt-&lt;br /&gt;
linien für die notwendige Übereinstimmung&lt;br /&gt;
äußerer und innerer Reinheit zusammenge-&lt;br /&gt;
faßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbrechen und Strafe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der strafrechtliche Bereich der Ge-&lt;br /&gt;
setze Bahä’u’llähs bekräftigt, wie nicht an-&lt;br /&gt;
ders zu erwarten, die ewig gültigen Verbote&lt;br /&gt;
von Verbrechen und Vergehen, wie Mord,&lt;br /&gt;
Totschlag, Brandstiftung, Unzucht oder&lt;br /&gt;
Diebstahl. Bezüglich der dafür vorgesehe-&lt;br /&gt;
nen Strafen erklärt das Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit: »Sie sind indessen für einen&lt;br /&gt;
zukünftigen Zustand der Gesellschaft vor-&lt;br /&gt;
gesehen und werden dann vom Universa-&lt;br /&gt;
len Haus der Gerechtigkeit ergänzt und ein-&lt;br /&gt;
geführt werden.« 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strafnormen und andere von Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh getroffene Regelungen weichen&lt;br /&gt;
mitunter grundsätzlich, bisweilen nurin Fein-&lt;br /&gt;
heiten von den gesetzlichen Vorschriften frü-&lt;br /&gt;
herer Offenbarungsreligionen, von den ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40  &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zit.in Shoghi Effendi, Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit $.48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Inhaltsübersicht S.94&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Und weil die&lt;br /&gt;
Mißachtung&lt;br /&gt;
von Gottes&lt;br /&gt;
Gesetz&lt;br /&gt;
überhand&lt;br /&gt;
nimmt, wird&lt;br /&gt;
die Liebe bei&lt;br /&gt;
vielen&lt;br /&gt;
erkalten.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=10}}([ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besser als&lt;br /&gt;
Abschreckung&lt;br /&gt;
und Strafe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist aber&lt;br /&gt;
zweifellos&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10  BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schiedenen Rechtsphilosophien und von den&lt;br /&gt;
Vorstellungen der modernen Strafrechtslehre&lt;br /&gt;
und der Kriminologie ab. Ein genaueres Stu-&lt;br /&gt;
dium dieserrichtungsweisenden Veränderun-&lt;br /&gt;
gen wird uns helfen, die eigentlichen Ursa-&lt;br /&gt;
chen des heutigen Weltzustandes besser zu&lt;br /&gt;
durchschauen und unser Verständnis für die&lt;br /&gt;
noch zu bewältigenden Veränderungen zu&lt;br /&gt;
vertiefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strafzweck ist in der Ordnung Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs in erster Linie Vergeltung und Süh-&lt;br /&gt;
ne, in zweiter Linie Abschreckung und Schutz&lt;br /&gt;
der Gesellschaft. So wie der fehlbare Mensch&lt;br /&gt;
der Führung durch göttliche Gesetze bedarf,&lt;br /&gt;
so verlangt die Gerechtigkeit eine Bestrafung&lt;br /&gt;
der Übeltäter, weil ansonsten die allgemeine&lt;br /&gt;
Ordnung nichtaufrechterhalten werdenkann.&lt;br /&gt;
Ein grundlegender, undpraktischallgemeiner&lt;br /&gt;
Aspekt ist dabei, daß der Übeltäter durch die&lt;br /&gt;
ihmauferlegte Strafe entsühnt wird, und zwar&lt;br /&gt;
mit metaphysischer Wirkung: wofür ein&lt;br /&gt;
Mensch in dieser Welt bestraft worden ist,&lt;br /&gt;
dafür wird ihm Gott im Jenseits keine zusätz-&lt;br /&gt;
liche Strafe auferlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besser als Abschreckung und Strafe&lt;br /&gt;
ist aber zweifellos Erziehung: »...das aller-&lt;br /&gt;
wichtigste ist, daß die Menschen so erzogen&lt;br /&gt;
werden müssen, daßkeine Verbrechen began-&lt;br /&gt;
gen werden; denn es ist möglich, die Men-&lt;br /&gt;
schen so wirksam zu erziehen, daß ihnen das&lt;br /&gt;
Verbrechen selbst als die höchste Strafe und&lt;br /&gt;
die schlimmste Verurteilung und Qual er-&lt;br /&gt;
scheint, sodaß sie es vermeiden und davor&lt;br /&gt;
zurückschrecken, Verbrechen zu verüben.« 42&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat dies mitbewegenden&lt;br /&gt;
Worten veranschaulicht: »Wer im Heiligtum&lt;br /&gt;
Gottes wohnt und den Ehrensitz ewiger Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit einnimmt, wird sich weigern, selbst&lt;br /&gt;
wennerHungers stürbe, die Hand widerrecht-&lt;br /&gt;
lich nach dem Eigentum seines Nächsten aus-&lt;br /&gt;
zustrecken, wie niedrig und unwürdig dieser&lt;br /&gt;
auch sei.« *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neue Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der institutionelle Bereich der&lt;br /&gt;
Weltordnung Bahä’u’llähs ist durch die im&lt;br /&gt;
Kitäb-i-Agdas begründete Einrichtung der&lt;br /&gt;
Zwillingsinstitutionen des Hütertums und&lt;br /&gt;
der Häuser der Gerechtigkeit gekenn-&lt;br /&gt;
zeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desweiteren besitzen jene, die Kraft&lt;br /&gt;
ihrer Gelehrsamkeit berufen sind, die geisti-&lt;br /&gt;
gen Grundlagen menschlicher Gemeinschaft&lt;br /&gt;
zu bewahren und zu fördern, keine Macht&lt;br /&gt;
mehr, da Entscheidungs- und gesetzgebende&lt;br /&gt;
Gewalt gewählten Körperschaften übertra-&lt;br /&gt;
gen ist, deren Mitglieder wiederum keinerlei&lt;br /&gt;
Anteil an der Autorität dieser Körperschaft&lt;br /&gt;
beanspruchen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kleinere Bund legt eine unan-&lt;br /&gt;
fechtbare Grundlage für die Übergabe der&lt;br /&gt;
zentralen Autorität des Bahä’i-Glaubens.&lt;br /&gt;
Das Recht, die Heiligen Texte autoritativ&lt;br /&gt;
auszulegen, ist dem Mittelpunkt des Bun-&lt;br /&gt;
des, ’Abdu’l-Bahá, und nach Ihm dem&lt;br /&gt;
Hütertum vorbehalten, während das Recht&lt;br /&gt;
göttlich geführter Gesetzgebung in all je-&lt;br /&gt;
nen Belangen, die nicht ausdrücklich im&lt;br /&gt;
Heiligen Text geregelt sind, allein dem&lt;br /&gt;
Universalen Haus der Gerechtigkeit zu-&lt;br /&gt;
kommt. Da das Haus der Gerechtigkeit die&lt;br /&gt;
von ihm erlassenen Gesetze auch wieder&lt;br /&gt;
aufheben kann, ist dieser Ordnung in einer&lt;br /&gt;
Welt, die stetem Wandel unterworfen ist,&lt;br /&gt;
auch das wesentliche Element der Beweg-&lt;br /&gt;
lichkeit gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Selbst bezeugt nach&lt;br /&gt;
einer Erklärung Shoghi Effendis die Festig-&lt;br /&gt;
keit dieses Bundes mit den Worten: »Dies ist&lt;br /&gt;
der Tag, dem keine Nacht folgen wird.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die _Bahä’i-Verwaltungsordnung&lt;br /&gt;
wirkt somit zugleich als Nucleus und als Mo-&lt;br /&gt;
dell der zukünftigen Weltfriedensordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte&lt;br /&gt;
des Kitab-i-Agdas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Offenbarung, der&lt;br /&gt;
Verbreitung und der Inkraftsetzung des Ki-&lt;br /&gt;
täb-i- Agdas ist ein wunderbares Beispiel des&lt;br /&gt;
Prinzips fortschreitender Gottesoffenbarung.&lt;br /&gt;
Es ist ein besonderes Merkmal der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion, daß vieles nuroffenbart wurde, weil&lt;br /&gt;
entsprechende Fragen gestellt worden waren,&lt;br /&gt;
oder Wesentliches erst offenbart wurde, als&lt;br /&gt;
die Gläubigen wiederholt danach fragten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
42 ’Abdu’l-Bahá, Beantwortete Fragen, Bahä’i-Verlag 1962, Kap. 77:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
43  Bahä’u’lläh, Ährenlese 137:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 im Auftrag des Hüters an einen Gläubigen, 25.November 1948, Lights of Guidance, Nr. 1047, zit.nach&lt;br /&gt;
Gott geht vorüber S.110, vergleiche auch Sacharja 14:7 mit Bezug auf Mk.13:32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=11}}Mit der Offenbarung des Kitäb-i-&lt;br /&gt;
Agdas verhält es sich ebenso: »Einige Jah-&lt;br /&gt;
re lang gelangten Bittgesuche aus verschie-&lt;br /&gt;
denen Ländern in die Heiligste Gegenwart,&lt;br /&gt;
die inständig um die Gesetze Gottes baten,&lt;br /&gt;
doch Wir hielten die Feder zurück, bis die&lt;br /&gt;
festgesetzte Stunde gekommen war. Als-&lt;br /&gt;
dann erstrahlte die Sonne der Gesetze und&lt;br /&gt;
Gebote vom Horizont des Willens Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ein Zeichen Seiner Gnade für die Völker&lt;br /&gt;
45&lt;br /&gt;
der Welt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh offenbarte den Kitäb-i-&lt;br /&gt;
Agdas in arabischer Sprache Anfang 1873&lt;br /&gt;
im Haus von ’Udi Khammär in ’&amp;quot;Akkä. In&lt;br /&gt;
der Folge erlaubte Er Zaynu’l-Mugarribin,&lt;br /&gt;
einem Seiner ergebenen Gefährten, einem&lt;br /&gt;
erfahrenen, vormalig islamischen Rechts-&lt;br /&gt;
gelehrten, Fragen zu stellen, die dieser in&lt;br /&gt;
Hinblick auf die Einführung der Gesetze&lt;br /&gt;
des Kitäb-i-Agdas für angebracht hielt. Sie&lt;br /&gt;
bilden zusammen mit den von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
gegebenen Antworten das Buch Fragen&lt;br /&gt;
und Antworten, das eine Ergänzung des&lt;br /&gt;
Buches Agdas darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kitäb-i-Agdas ist aber nicht die&lt;br /&gt;
einzige Quelle der Gesetze und Gebote Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs. Vor allem in den nach dem Agdas&lt;br /&gt;
offenbarten Botschaften aus &#039;Akka finden wir&lt;br /&gt;
neben Ergänzungen und Erklärungen auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Fülle weiterführender Prinzipien und&lt;br /&gt;
Gebote.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbreitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In einem ... Sendschreiben deutet&lt;br /&gt;
(Bahä’u’lläh) an, daß Erdas Buch Agdasnoch&lt;br /&gt;
nach dessen Offenbarung einige Zeit zurück-&lt;br /&gt;
gehalten habe, bevor es den Freunden in&lt;br /&gt;
Persien gesandt wurde.« w&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschah aber doch noch 1873,&lt;br /&gt;
als Bahä’u’lläh einem damals in ’Akkä wei-&lt;br /&gt;
lenden Pilger” gestattete, einzelne Abschnit-&lt;br /&gt;
te des Kitäb-i-Agdas abzuschreiben und den&lt;br /&gt;
Gläubigen in Persien zu bringen. Diesen&lt;br /&gt;
ersten Textteilen folgten bald vollständige&lt;br /&gt;
handschriftliche Kopien. 1891 wurde dann in&lt;br /&gt;
Bombay im Auftrag von Bahä’u’lläherstmals&lt;br /&gt;
eine gedruckte 65-seitige authentische Aus-&lt;br /&gt;
gabe des Kitäb-i-Agdas hergestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
45  Bahä’u’lläh, zit.in Inhaltsübersicht S.15&lt;br /&gt;
46 Inhaltsübersicht S.15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi hat im Laufe seines&lt;br /&gt;
Wirkens umfangreiche Teile des Buches&lt;br /&gt;
Agdas ins Englische übersetzt und den west-&lt;br /&gt;
lichen Bahä’i zukommen lassen. Es sind dies&lt;br /&gt;
dieinder/rhaltsübersichtund systematischen&lt;br /&gt;
Darstellung der Gesetze und Gebote des Ki-&lt;br /&gt;
tab-i-Agdas wiedergegebenen Abschnitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie das Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit schreibt, sollte die Veröffentlichung&lt;br /&gt;
des Heiligsten Buches Bahä’u’llähs in einer&lt;br /&gt;
westlichen Sprache schrittweise erfolgen:&lt;br /&gt;
»Der Hüter erklärte, ein notwendiger Auftakt&lt;br /&gt;
zur Veröffentlichung des Heiligsten Buches&lt;br /&gt;
werde die Abfassung einer systematischen&lt;br /&gt;
Darstellung seiner Gesetze und Gebote sein.&lt;br /&gt;
Dem soll zu gegebener Zeit die komplette&lt;br /&gt;
Übersetzung des Buches selbst folgen, ...« #8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese systematische Darstellung&lt;br /&gt;
hatte Shoghi Effendi als eine seiner Auf-&lt;br /&gt;
gaben für den Zehnjahresplan (1953-&lt;br /&gt;
1963) festgelegt. Sein Tod 1957 verhin-&lt;br /&gt;
derte die Verwirklichung seiner Absicht.&lt;br /&gt;
Gestützt auf die vom Hüter geleisteten&lt;br /&gt;
Vorarbeiten stellte das Universale Haus&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit dieses Werk im Rahmen&lt;br /&gt;
des Neunjahresplanes (1964-1973) fertig.&lt;br /&gt;
Die deutsche Ausgabe steht seit 1987 zur&lt;br /&gt;
Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die englische Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»(Der systematischen Darstellung)&lt;br /&gt;
soll zu gegebener Zeit die komplette Über-&lt;br /&gt;
setzung des Buches selbst folgen, von ei-&lt;br /&gt;
nem Sachverständigen-Gremium erarbei-&lt;br /&gt;
tet und mit einer Fülle eingehender Erläu-&lt;br /&gt;
terungen versehen. Solche Anmerkungen&lt;br /&gt;
werden zweifellos Verweise auf die vielen&lt;br /&gt;
Tablets Bahä’u’llähs enthalten müssen,&lt;br /&gt;
die den Aqdas ergänzen, auf die Auslegun-&lt;br /&gt;
gen aus der Feder ’Abdu’l-Bahás wie aus&lt;br /&gt;
den Schriften Shoghi Effendis. Sie müssen&lt;br /&gt;
einzelne Passagen des Buches erläutern&lt;br /&gt;
oder seine religiösen, kulturellen und&lt;br /&gt;
historischen Bezüge ausführlich darstel-&lt;br /&gt;
len. Es leuchtet ein, daß dieses Buch, reich&lt;br /&gt;
an Anspielungen und voll von Bezügen&lt;br /&gt;
auf Gesetze und Gebräuche vorange-&lt;br /&gt;
gangener Offenbarungen, leicht von je-&lt;br /&gt;
dem mißdeutet werden kann, der mit jenen&lt;br /&gt;
Gesetzen und Gebräuchen nicht vertraut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
47  Jamäl-i-Burüjirdi, siehe Adib Taherzadeh, Die Offenbarung Bahä’u’llähs, Bd. 3, S.333, Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1992&lt;br /&gt;
48 Inhaltsübersicht S.18ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der&lt;br /&gt;
Kitäab-i-Aqdas&lt;br /&gt;
ist aber nicht&lt;br /&gt;
die einzige&lt;br /&gt;
Quelle der&lt;br /&gt;
Gesetze und&lt;br /&gt;
Gebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u ’llahs.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFENR.61 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in den Lehren Bahä’u’llähs ungenügend unter den Achtlosen erregen Kann. Wahr-&lt;br /&gt;
bewandert und über Dessen grundle- lich, Seine Großmut übertrifft das ganze&lt;br /&gt;
gende Absichten nicht gründlich infor- Weltall, und Seine Gnadengaben umfassen&lt;br /&gt;
B AH Al miert ist.« » alle, die auf Erden wohnen. In einem Geist&lt;br /&gt;
der Liebe und Duldsamkeit muß man die&lt;br /&gt;
Die »gegebene Zeit« ist nun ge- Menschheit zum Meere wahren Verstehens&lt;br /&gt;
kommen. Nach einem jüngsten Brief des führen. Der Kitäb-i-Agdas selbst legt be-&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit an redtes Zeugnis ab für die liebevolle Vorse-&lt;br /&gt;
die Nationalen Geistigen Räte ist mit der hung Gottes.« 50&lt;br /&gt;
Veröffentlichung dieses Gesamtwerkes An-&lt;br /&gt;
fang 1993 zu rechnen. Es steht zu hoffen, Auch in einem Brief, der ım Auf-&lt;br /&gt;
daß die deutsche Übersetzung rasch folgen trag Shoghi Effendis an einen Gläubigen&lt;br /&gt;
“Die Gesetze wird. geschrieben wurde, kommt dies zum Aus-&lt;br /&gt;
druck: »Die Lehren Bahä’u’llähs können&lt;br /&gt;
Gottes Die Inkraftsetzung nur nach und nach zur Geltung gebracht&lt;br /&gt;
werden. Die Zeit muß reif werden, wenn&lt;br /&gt;
gleichen für- Bahä’u’lläh verordnete, bei der In- das gewünschte Ergebnis erreicht werden&lt;br /&gt;
kraftsetzung des Kitäb-i-Agdas dem Prin- soll.«&lt;br /&gt;
wahr dem zip der fortschreitenden Gottesoffenbarung&lt;br /&gt;
Meer und die zu folgen: »Die Gesetze Gottes gleichen In einem Brief vom 9.Juni 1974 an&lt;br /&gt;
fürwahr dem Meer und die Menschenkin- den Nationalen Geistigen Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Menschen- der den Fischen, verstünden sie es doch! Island hat das Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
. Angewandt werden müssen sie jedoch mit tigkeit all jene Gesetze und Gebote des&lt;br /&gt;
kinder Feingefühl und Weisheit. ... Da die meisten Agdas aufgelistet, »die derzeit für die&lt;br /&gt;
. Menschen schwach und weit entfernt sind Freunde in der westlichen Welt nicht bin-&lt;br /&gt;
den Fischen, von der göttlichen Absicht, muß man in dend sind«. Die einzige zwischenzeitliche&lt;br /&gt;
.. jeder Lage Takt und Klugheit walten las- Änderung ist die weltweite Inkraftsetzung&lt;br /&gt;
verstünden sen, auf daß nichts geschehe, was Verwir- des Gesetzes über das Huqüqu’lläh zu Rid-&lt;br /&gt;
sie es doch!” rung und Streit hervorrufen oder Geschrei vän 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Eine neue Schöpfung«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innere und äußere Das heutige Erscheinungsbild der&lt;br /&gt;
Menschheit zeigt nicht ihr wahres Wesen,&lt;br /&gt;
Her ausf or der ung sondern ist nur der Ausdruck der Unvoll-&lt;br /&gt;
kommenheit früherer Zeitalter: »Die Ba-&lt;br /&gt;
Mit der Veröffentlichung des Ki- hä’i-Religion betrachtet die gegenwärtige&lt;br /&gt;
täb-i-Agdas auf Englisch stehen Bahä’f Verwirrung in der Welt und den verhäng-&lt;br /&gt;
und Nicht-Bahä’f vor der Herausforderung nisvollen Zustand der menschlichen Be-&lt;br /&gt;
des Ungewohnten. Die große Spannung lange als eine natürliche Phase in einem&lt;br /&gt;
zwischen Zeitgeist und göttlicher Absicht unaufhaltsamen organischen Prozeß, hin&lt;br /&gt;
erklärt sich aus dem Ziel Bahä’u’llähs, die zur Einigung der Menschheit in einer ein-&lt;br /&gt;
Menschen durch einen grundlegenden zigen Gesellschaftsordnung, deren Gren-&lt;br /&gt;
Wandlungsprozeß in ihr Zeitalter der Rei- zen die des Planeten sind. Wie der Mensch&lt;br /&gt;
fe zu führen: »Wahrlich, Wir haben jede als Einzelwesen, hat die Menschheit als&lt;br /&gt;
Seele verhauchen lassen kraft Unserer un- Gattung die Entwicklungsstufen des Säug-&lt;br /&gt;
widerstehlichen, allunterwerfenden Herr- lings und des Kindes durchlaufen, ist nun&lt;br /&gt;
schaft. Wir haben sodann eine neue auf dem Höhepunkt ihrer ungestümen&lt;br /&gt;
Schöpfung ins Dasein gerufen, als ein Zei- Jugend und nähert sich ihrer lang erwarte-&lt;br /&gt;
chen unserer Gnade für die Menschen.« ten Mündigkeit.« 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
49 Inhaltsübersicht S.18ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
50 Bahä’u’lläh, zit.in Inhaltsübersicht $.16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
51  15.Februar 1932, zit.in Hugüqu’lläh, Nr.84&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
52 Bahä’u’lläh, zit.in Shoghi Effendi, Weltordnung, S.301&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
53  Universales Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens, Bahä’i-Verlag 1989, S.10f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=13}}Die Bahä’i sind sich dieser Zu-&lt;br /&gt;
sammenhänge wohl bewußt. Da aber auch&lt;br /&gt;
wir in dieser gegenwärtigen, unvollkom-&lt;br /&gt;
menen Welt leben, stehen unsere Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen und Erwartungen oft genug in ei-&lt;br /&gt;
nem gewissen Gegensatz zu den Ratschlä-&lt;br /&gt;
gen des göttlichen Arztes. Diese geistige&lt;br /&gt;
Wiedergeburt des einzelnen und der gan-&lt;br /&gt;
zen Welt kann daher kaum ohne Schmer-&lt;br /&gt;
zen abgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Selbststudium&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt, sich dem Mutterbuch der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion, dem Verwahrungsort des&lt;br /&gt;
Willens Gottes für dieses Zeitalter, zuzu-&lt;br /&gt;
wenden: »Dieses Buch ist nichts anderes&lt;br /&gt;
als Gottes urewige Lampe für die ganze&lt;br /&gt;
Welt und Sein gerader Pfad unter den&lt;br /&gt;
Menschen.« ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eingedenk der Bedeutung des Wer-&lt;br /&gt;
kes und des Ernstes der Aufgabe empfiehlt&lt;br /&gt;
es sich, bei unserem forschenden Streben&lt;br /&gt;
die folgende Anleitung &amp;quot;Abdu’l-Bahás im&lt;br /&gt;
Sinn zu behalten: »Ihr müßt Tag und Nacht&lt;br /&gt;
danach streben, daß ihr zu den Bedeutun-&lt;br /&gt;
gen des himmlischen Königreiches ge-&lt;br /&gt;
langt, daß ihr das Zeichen der Göttlichkeit&lt;br /&gt;
gewahrt, Gewißheit im Göttlichen Wissen&lt;br /&gt;
erhaltet und erkennt, daß diese Welt einen&lt;br /&gt;
Schöpfer, einen Lebensspender, einen Er-&lt;br /&gt;
halter, einen Baumeister hat; daß ihr dies&lt;br /&gt;
durch Beweise und klaren Augenschein&lt;br /&gt;
wißt, nicht durch Empfindungen — nein,&lt;br /&gt;
vielmehr durch entscheidende Argumente&lt;br /&gt;
und wirkliches Schauen; das heißt, daß ihr&lt;br /&gt;
es so klar erschaut, wie das äußere Auge&lt;br /&gt;
die Sonne wahrnimmt.« ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glauben ist eben keine Sache blın-&lt;br /&gt;
den Fürwahrhaltens, sondern bewußter&lt;br /&gt;
Erkenntnis. 56&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um eine Vorstellung der vielfältigen&lt;br /&gt;
Inhalte des Buches Aqgdas zu gewinnen, emp-&lt;br /&gt;
fiehlt sich neben einem Studium der /nhalts-&lt;br /&gt;
übersicht vor allem der dem Kitäb-i-Aqdas&lt;br /&gt;
gewidmete Abschnitt in Shoghi Effendis&lt;br /&gt;
umfassendem Geschichtswerk Gott geht&lt;br /&gt;
vorüber. Auf den Seiten 242-248 würdigt&lt;br /&gt;
der Hüter die besondere Bedeutung und Stufe&lt;br /&gt;
dieses Buches und faßt seine Inhalte zu-&lt;br /&gt;
sammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit wird eine Fülle von&lt;br /&gt;
Fragen auftauchen, bei manchen vielleicht&lt;br /&gt;
sogar Zweifel. Wir sollten alle Möglichkeiten&lt;br /&gt;
nützen, sie zu klären. Letztlich steht jedem&lt;br /&gt;
auch die Möglichkeit offen, alle Fragen und&lt;br /&gt;
Zweifel an die höchste Institution der Sache&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, das Universale Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit, heranzutragen, dessen unfehlba-&lt;br /&gt;
rer, liebevoller und geduldiger Führung wir&lt;br /&gt;
uns stets anvertrauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=. Zur Tat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Faktor des Ler-&lt;br /&gt;
nens ist das Üben, und Shoghi Effendi hat&lt;br /&gt;
uns dafür eine äußerst praktische Anleitung&lt;br /&gt;
gegeben: »Oft ist es für uns schwer Dinge&lt;br /&gt;
zu tun, weil sie sich so sehr vom uns Ge-&lt;br /&gt;
wohnten unterscheiden, und nicht weil sie&lt;br /&gt;
an sich so besonders schwierig wären. ...&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hätte uns diese Dinge nicht&lt;br /&gt;
gegeben, wenn sie nicht von größtem Nut-&lt;br /&gt;
zen für uns wären. ... (Wir) müssen ... es&lt;br /&gt;
auf uns nehmen, diesen Geboten zu gehor-&lt;br /&gt;
chen, wenngleich wir ihre Notwendigkeit&lt;br /&gt;
anfänglich nicht erkennen können. Wenn&lt;br /&gt;
wir ihnen gehorchen, werden wir in uns&lt;br /&gt;
allmählich den Nutzen entdecken, den sie&lt;br /&gt;
uns vermitteln.« &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitunter entspringt klare Schau eben&lt;br /&gt;
nicht dem Denken sondern dem Tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
54 Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Agdas, zit.in Inhaltsübersicht S.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
55 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zit.in Göttliche Lebenskunst, Bahä’i-Verlag 1985, 3. rev. u. erw. Auflage, S.140f.&lt;br /&gt;
56 siehe Bahä’u’lläh — eine Einführung, Bahä’i-Verlag 1992, S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, 16.März 1949,zit. in Lights of Guidance, 2. Aufl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1988, Nr. 1150, eigene Übersetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
hätte uns&lt;br /&gt;
diese Dinge&lt;br /&gt;
nicht&lt;br /&gt;
gegeben,&lt;br /&gt;
wenn sie&lt;br /&gt;
nicht von&lt;br /&gt;
größtem&lt;br /&gt;
Nutzen für&lt;br /&gt;
uns wären.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Diese großen&lt;br /&gt;
Unter-&lt;br /&gt;
drückungen&lt;br /&gt;
.. bereiten&lt;br /&gt;
die&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
auf das&lt;br /&gt;
Kommen der&lt;br /&gt;
Größten&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vor.”&lt;br /&gt;
VE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14  BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Worte zum Schluß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dies ist der Tag, da die unsicht-&lt;br /&gt;
bare Welt ausruft: ’Groß ist deine Glück-&lt;br /&gt;
seligkeit, o Erde, denn du bist zum&lt;br /&gt;
Schemel deines Gottes gemacht und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Sitz Seines mächtigen Thrones&lt;br /&gt;
erkoren!’« ®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»’Diese großen Unterdrückungen&lt;br /&gt;
.. bereiten die Menschheit auf das Kom-&lt;br /&gt;
men der Größten Gerechtigkeit vor.’ Diese&lt;br /&gt;
Größte Gerechtigkeit ist jene Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, auf der sich der Bau des Größten&lt;br /&gt;
Friedens allein gründen kann und muß,&lt;br /&gt;
während der größte Friede hinwiederum&lt;br /&gt;
jene größte Weltkultur einleiten wird, die&lt;br /&gt;
für immer mit Dem verbunden sein wird,&lt;br /&gt;
der den Größten Namen trägt.« ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feste Grundlage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Selig ist der Mensch, der seinen&lt;br /&gt;
Glauben an Gott und Seine Zeichen be-&lt;br /&gt;
kennt und anerkennt: ’Er soll nicht be-&lt;br /&gt;
fragt werden über Sein Tun.’ ... Würde Er&lt;br /&gt;
für rechtmäßig erklären, was seit unvor-&lt;br /&gt;
denklichen Zeiten verboten war, und&lt;br /&gt;
verbieten, was zu allen Zeiten als recht-&lt;br /&gt;
mäßig galt, so hätte niemand das Recht,&lt;br /&gt;
Seine Allgewalt in Frage zu stellen. ... Wer&lt;br /&gt;
immer diese hehre und grundlegende&lt;br /&gt;
Wahrheit nicht anerkennt, wer diese&lt;br /&gt;
höchst erhabene Stufe nicht erreicht, den&lt;br /&gt;
werden die Stürme des Zweifels schütteln,&lt;br /&gt;
und die Reden der Ungläubigen werden&lt;br /&gt;
seine Seele verwirren. ... Dies ist die Leh-&lt;br /&gt;
re, die Gott dir erteilt, eine Lehre, die dich&lt;br /&gt;
von jeglichem Zweifel und jeder Ver-&lt;br /&gt;
wirrung befreien und dich befähigen wird,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im Diesseits wie im Jenseits Erlösung zu&lt;br /&gt;
finden.« 60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Aufruf&lt;br /&gt;
Bahä’u’llahs:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Welt ist aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
geraten durch die Schwungkraft dieser größ-&lt;br /&gt;
ten, dieser neuen Weltordnung. Das geregelte&lt;br /&gt;
Leben der Menschen ist aufgewühlt durch&lt;br /&gt;
das Wirken dieses einzigartigen, dieses wun-&lt;br /&gt;
dersamen Systems, desgleichen kein sterb-&lt;br /&gt;
liches Auge je gesehen hat. Versenkt euch&lt;br /&gt;
in das Meer meiner Worte, damit ihr seine&lt;br /&gt;
Geheimnisse ergründet und alle Perlen der&lt;br /&gt;
Weisheit entdeckt, die in seinen Tiefen ver-&lt;br /&gt;
borgen liegen.« 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anleitung&lt;br /&gt;
’Abdu’I-Bahas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Richte deine Aufmerksamkeit auf&lt;br /&gt;
die heiligen Sendschreiben. Lies Ishrägät,&lt;br /&gt;
Tajalliyyät, die Worte des Paradieses, die&lt;br /&gt;
Frohen Botschaften, Taräzät 2 das Heiligste&lt;br /&gt;
Buch. Dann wirst du sehen, daß diese himm-&lt;br /&gt;
lischen Lehren heutzutage das Heilmittel für&lt;br /&gt;
eine kranke, leidende Welt, heilender Balsam&lt;br /&gt;
für die Wunden am Körper der Menschheit&lt;br /&gt;
sind. Sie sind der Geist des Lebens, die Arche&lt;br /&gt;
der Erlösung, der Magnet, der ewige Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit anzieht, die bewegende Kraft des An-&lt;br /&gt;
sporns für des Menschen innerstes Wesen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sprich: In Meinen Gesetzen ist der&lt;br /&gt;
süße Duft Meines Gewandes wahrzunehmen,&lt;br /&gt;
und mit ihrer Hilfe werden die Banner des&lt;br /&gt;
Sieges auf den höchsten Höhen gehißt. Die&lt;br /&gt;
Zunge Meiner Machtrichtetausden Himmeln&lt;br /&gt;
Meinerallmächtigen Herrlichkeitdiese Worte&lt;br /&gt;
an Meine Schöpfung: ’Haltet Meine Gesetze&lt;br /&gt;
aus Liebe zu Meiner Schönheit!’« 6*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
58 Bahä’u’lläh, bezogen auf Jesaja 66:1, zit.in Shoghi Effendi, Weltordnung $.302&lt;br /&gt;
59  Shoghi Effendi, zit. anfangs Bahä’u’lläh, Der verheißene Tag ist gekommen, Bahä’i-Verlag 1967, S.24f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
60  Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Agdas, Inhaltsübersicht S.44&lt;br /&gt;
61 Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Aqgdas, Inhaltsübersicht S.46&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
62 siehe Bahä’u’lläh, Botschaften aus ’Akkä&lt;br /&gt;
63 ’Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften 29:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
64 Bahä’u’lläh, Kitäb-i-Aqgdas, Inhaltsübersicht S.26&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=15}}Der zweite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in New York&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23.-26. November 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Bahä’i-Weltkongreß fand&lt;br /&gt;
im Jahre 1963 in der Royal Albert Hall in&lt;br /&gt;
London statt. Damals war die Hundertjahr-&lt;br /&gt;
feier der Erklärung der Sendung Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs als Offenbarer für dieses Zeital-&lt;br /&gt;
ter der Anlaß für den Weltkongreß gewesen.&lt;br /&gt;
In London, wo der Hüter des Bahä’i-Glau-&lt;br /&gt;
bens am 4. November 1957 verstorben war,&lt;br /&gt;
stellten sich auch die Mitglieder des ersten&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit vor,&lt;br /&gt;
die im April desselben Jahres von den da-&lt;br /&gt;
mals existierenden 56 Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Räten in dieses internationale Gremium&lt;br /&gt;
gewählt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Bahä’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
erinnerte nicht nur an den 100. Jahrestag&lt;br /&gt;
des Hinscheidens Bahä’u’llähs, sondern&lt;br /&gt;
auch an die Einsetzung des Bundes Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs, denn Sein ältester Sohn ‘Ab-&lt;br /&gt;
du’l-Bahä erklärte während Seiner 239&lt;br /&gt;
Tage dauernden Reise durch die Vereinig-&lt;br /&gt;
ten Staaten im Jahre 1912 den Bahä’i der&lt;br /&gt;
westlichen Welt Seine Stufe als Mittel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
L3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Tag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
widmete sich&lt;br /&gt;
einem Thema,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das anhand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Vorträgen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Filmen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dramatischer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darstellung&lt;br /&gt;
und Musik&lt;br /&gt;
behandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
punkt des Bundes, als autorisierter Ausle-&lt;br /&gt;
ger der Schriften Bahä’u’llähs und als&lt;br /&gt;
Garant der Einheit der Bahä’i-Gemeinde.&lt;br /&gt;
Diese offizielle Erklärung geschah am 19.&lt;br /&gt;
Juni 1912 in New York, und daher wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
New York auch die Stadt des Bundes ge-&lt;br /&gt;
nannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 23.-26. November 1992 ver-&lt;br /&gt;
sammelten sich ca. 27.000 Bahä’i aus&lt;br /&gt;
annähernd 180 Ländern und Gebieten in&lt;br /&gt;
New York, um das Heilige Jahr zu feiern&lt;br /&gt;
und die weltumspannende Mannipgfaltig-&lt;br /&gt;
keit der Bahä’i-Gemeinde zu zeigen. Das&lt;br /&gt;
vier Tage umfassende Programm wurde&lt;br /&gt;
jeweils morgens und nachmittags abge-&lt;br /&gt;
halten, da das Jacob Javits Center nur&lt;br /&gt;
ca. 15.000 Zuschauer beherbergen konn-&lt;br /&gt;
te. ‘Abdu’l-Bahá hatte bei Seiner Ankunft&lt;br /&gt;
in New York am 11. April 1912 die Stadt&lt;br /&gt;
als Bienenstock bezeichnet, und einen&lt;br /&gt;
ähnlichen Eindruck hatte man auch von&lt;br /&gt;
dem Konferenzzentrum, in dem sich&lt;br /&gt;
Freunde und Verwandte zum ersten Mal&lt;br /&gt;
trafen oder nach Jahren der Trennung&lt;br /&gt;
wiederfanden, und die Freude war&lt;br /&gt;
immens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Tag widmete sich einem&lt;br /&gt;
Thema, das anhand von Vorträgen, Fil-&lt;br /&gt;
men, dramatischer Darstellung und Musik&lt;br /&gt;
behandelt wurde. Im Mittelpunkt des&lt;br /&gt;
ersten Tages standen Leben und Werk&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs. Der Oberbürgermeister der&lt;br /&gt;
Stadt New York, David Dinkins, begrüßte&lt;br /&gt;
die Teilnehmer, würdigte die Wahl der&lt;br /&gt;
Stadt New York als Konferenzort und&lt;br /&gt;
drückte seine Hoffnung für eine positive&lt;br /&gt;
Entwicklung aller Bemühungen für eine&lt;br /&gt;
Verbesserung der sozialen und wirtschaft-&lt;br /&gt;
lichen Lage seiner Stadt aus. Im Namen&lt;br /&gt;
der Stadtväter erklärte er auch, daß der 23.&lt;br /&gt;
November 1992 in New York als Baha’t&lt;br /&gt;
World Congress Day bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
Vom Moderator des Programms erhielt der&lt;br /&gt;
Bürgermeister eine gerahmte Abschrift&lt;br /&gt;
des Gebets für New York, in dem ‘Abdu’I-&lt;br /&gt;
Bahä das Potential dieser Stadt beschreibt&lt;br /&gt;
und die Menschen zur Verwirklichung die-&lt;br /&gt;
ser Vision der Einheit und des Friedens&lt;br /&gt;
aufruft. Präsident George Bush hatte eine&lt;br /&gt;
ausführliche Grußbotschaft geschickt, die&lt;br /&gt;
verlesen wurde, und im Laufe des Kon-&lt;br /&gt;
gresses traf eine so große Anzahl Mittei-&lt;br /&gt;
lungen ein, daß nur einige — darunter die&lt;br /&gt;
des Gouverneurs des Staates New York,&lt;br /&gt;
Mario Cuomo, und die des Bürgermeisters&lt;br /&gt;
von Saragossa, Spanien — vorgetragen&lt;br /&gt;
werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Botschaft des Universalen Hau-&lt;br /&gt;
ses der Gerechtigkeit wurde von der Hand&lt;br /&gt;
der Sache Gottes Amatu’l-Bahä Rühiyyih&lt;br /&gt;
Khänum, der offiziellen Repräsentantin des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit bei&lt;br /&gt;
der Tagung, verlesen. Darauf folgte ein&lt;br /&gt;
Oratorium, in dem Stationen im Leben&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs musikalisch und durch überlei-&lt;br /&gt;
tende Worte übermittelt wurden — darunter&lt;br /&gt;
die Gefangenschaft im Verließ von Teheran&lt;br /&gt;
und die Verkündigung im Garten Ridvän in&lt;br /&gt;
der Nähe von Baghdad. Manche der Texte&lt;br /&gt;
stammten aus den Bahä’i-Schriften, andere&lt;br /&gt;
von den Komponisten selbst, zu denen Tom&lt;br /&gt;
Price, Jack Lenz, Jim Seals und Graham&lt;br /&gt;
Major zählten. Im 400 Sänger und Sänge-&lt;br /&gt;
rinnen starken Chor sangen Bahä’i aus 36&lt;br /&gt;
Ländern, und das international besetzte Sym-&lt;br /&gt;
phonieorchester wurde auch von Tom Price&lt;br /&gt;
aus Tennessee, USA, geleitet. Nach einer&lt;br /&gt;
Ansprache von David Hofman, einem ehe-&lt;br /&gt;
maligen Mitglied des Universalen Hauses&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit, erklang unter der Leitung&lt;br /&gt;
von Russ Garcia, dem besonders in den 50er&lt;br /&gt;
und 60er Jahren bekannten Komponisten&lt;br /&gt;
zahlreicher Begleitmusik für Hollywood-&lt;br /&gt;
Filme, erneut Musik, zu der Repräsentanten&lt;br /&gt;
aus etwa 180 Ländern die Bühne betraten,&lt;br /&gt;
begleitet von einer mündlichen Auflistung&lt;br /&gt;
ihrer Herkunft. Die Vielfalt an Trachten und&lt;br /&gt;
Farben war überwältigend und machte diese&lt;br /&gt;
Prozession zu einem Fest der Einheit in der&lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Programmtag war&lt;br /&gt;
“Abdu’I-Bahä gewidmet. Zwei Bahä’i, die&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahá persönlich erlebt hatten,&lt;br /&gt;
sprachen über ihre Erinnerungen. Vier her-&lt;br /&gt;
vorragende Schauspieler stellten die per-&lt;br /&gt;
sönlichen Erfahrungen früher westlicher&lt;br /&gt;
Bahä’i dar, die ‘Abdu’I-Bahä in Amerika&lt;br /&gt;
oder auch bei einer Pilgerreise kennenlern-&lt;br /&gt;
ten und deren Leben von diesen Begegnun-&lt;br /&gt;
gen bestimmt war. Ein Videofilm ging auf&lt;br /&gt;
die Geschichte der Stadt New York als&lt;br /&gt;
Schmelztiegel und Durchgangsstation vie-&lt;br /&gt;
ler Einwanderer und als Ort rapider techni-&lt;br /&gt;
scher und gesellschaftlicher Entwicklung&lt;br /&gt;
ein und verlieh dem Besuch ‘Abdu’I-Bahäs&lt;br /&gt;
in jener Stadt den historischen Zusammen-&lt;br /&gt;
hang. Nach einer Würdigung des Lebens&lt;br /&gt;
*Abdu’l-Bahás durch Firuz Kazemzadeh,&lt;br /&gt;
Professor für russische Geschichte an der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Universität Yale, war ein Film zu sehen, der&lt;br /&gt;
‘“Abdu’I-Bahä 1912 in den USA zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hauptthema des dritten Kon-&lt;br /&gt;
ferenztages war der Bund Bahä’u’llähs (s.&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 61). Berichte über das Leben&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=17}}der Guaymi-Indianer in Panama, von denen&lt;br /&gt;
viele den Bahä’i-Glauben angenommen&lt;br /&gt;
haben, über Entwicklungserfolge in Indien&lt;br /&gt;
und über Aktivitäten der Bahä’i beim Um-&lt;br /&gt;
weltgipfel in Rio zeigten das Potential guter&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit. Wichtig für den Bund&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs und für den Zusammenhalt&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Gemeinde war und ist die Rolle&lt;br /&gt;
der Hände der Sache Gottes, ergebener Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeiten, denen von Bahä’u’lläh, ‘Ab-&lt;br /&gt;
du’l-Bahä und Shoghi Effendi im Laufe der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Geschichte die Aufgabe übertragen&lt;br /&gt;
worden war, die Grundsätze des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens in den Gemeinden zu unterrich-&lt;br /&gt;
ten und den Zusammenhalt zwischen der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde und der sich entwickeln-&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Verwaltungsordnung zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln. Die drei heute&lt;br /&gt;
noch unter uns weilen-&lt;br /&gt;
den Hände der Sache&lt;br /&gt;
Gottes wandten sich&lt;br /&gt;
in Ansprachen an die&lt;br /&gt;
Versammlung und gin-&lt;br /&gt;
gen auf verschiedene&lt;br /&gt;
Aspekte des Themas des&lt;br /&gt;
Tages ein. Wie an den&lt;br /&gt;
anderen Tagen erklang&lt;br /&gt;
zu Beginn und Abschluß&lt;br /&gt;
des Programms Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte Kon-&lt;br /&gt;
ferenztag beinhaltete ein&lt;br /&gt;
historisches Ereignis,&lt;br /&gt;
das die Anwesenden si-&lt;br /&gt;
cherlich sehr berührte,&lt;br /&gt;
denn bei dieser Satelli-&lt;br /&gt;
tenkonferenz wurden te-&lt;br /&gt;
lefonisch Verbindungen&lt;br /&gt;
zu neun parallel stattfin-&lt;br /&gt;
denden Tagungenin Apia&lt;br /&gt;
(West Samoa), Buenos&lt;br /&gt;
Aires (Argentinien), Bukarest (Rumänien),&lt;br /&gt;
Moskau (Rußland), Singapur, Panama City&lt;br /&gt;
(Panama), New Delhi (Indien), Sydney (Au-&lt;br /&gt;
stralien) und Nairobi (Kenia) hergestellt, und&lt;br /&gt;
aus jedem dieser Länder wurden die Grüße&lt;br /&gt;
der dort versammelten Bahä’Tf übermittelt.&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Programms wurde&lt;br /&gt;
nach Haifa, Israel, geschaltet, wo aus dem&lt;br /&gt;
Sitz des Universalen Hauses der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit im Kreise der auch dort versammelten&lt;br /&gt;
Bahä’i eine Botschaft verlesen wurde. Diese&lt;br /&gt;
Satellitenkonferenz wurde in viele Länder&lt;br /&gt;
übertragen. Auch in Hofheim versammelten&lt;br /&gt;
sich ca. 130 Bahä’i, um nach einem zwei-&lt;br /&gt;
stündigen Zusammenschnitt der ersten drei&lt;br /&gt;
Konferenztage die Direktübertragung mit-&lt;br /&gt;
zuerleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses Festes der in der&lt;br /&gt;
Menschheit vertretenen kulturellen Vielfalt&lt;br /&gt;
traten auch kleine Chöre auf, die Lieder aus&lt;br /&gt;
aller Welt präsentierten und mit dem Go-&lt;br /&gt;
spelchor und dem Hauptchor in ein mitrei-&lt;br /&gt;
ßendes Lied einstimmten, das die Begeiste-&lt;br /&gt;
rung der Teilnehmer erweckte und in Musik&lt;br /&gt;
zum Ausdruck brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abendprogramm versammelte&lt;br /&gt;
man sich nicht im Jacob Javits Center, son-&lt;br /&gt;
dern es fanden verschiedene Konzerte statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Carnegie Hall fand für die New Yorker&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit noch vor der Eröffnung des&lt;br /&gt;
Kongresses ein klassisches Konzert u.a. mit&lt;br /&gt;
den Pianisten Eugene Istomin und Byron&lt;br /&gt;
Janis, den Opernstars Benita Valente und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatiana Troyanos, mit dem Cleveland Quar-&lt;br /&gt;
tett und dem Solisten David Shifrin statt, das&lt;br /&gt;
restlos ausverkauft warund mit Begeisterung&lt;br /&gt;
aufgenommen wurde. Am 25. November&lt;br /&gt;
wurde, ebenfalls in der Carnegie Hall, ein&lt;br /&gt;
Jazzkonzert als Homage an den weltberühm-&lt;br /&gt;
ten Jazz-Trompeter Dizzy Gillespie veran-&lt;br /&gt;
staltet. Leider konnte Dizzy Gillespie aus&lt;br /&gt;
gesundheitlichen Gründen nicht persönlich&lt;br /&gt;
daran teilnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Hotels gab es wei-&lt;br /&gt;
terhin Konzerte mit lateinamerikanischer&lt;br /&gt;
Musik, mit dem Gospelchor, mit Jazz unter&lt;br /&gt;
der Leitung von Russ Garcia, sowie gemisch-&lt;br /&gt;
te Konzerte mitmehreren Künstlern undeine&lt;br /&gt;
Theateraufführung mit Chormusik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mia&lt;br /&gt;
EN&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausstellung über&lt;br /&gt;
den Besuch&lt;br /&gt;
&#039;&amp;quot;Abdu’l- Bahas&lt;br /&gt;
in New York&lt;br /&gt;
City im Hilton&lt;br /&gt;
Hotel als Teil&lt;br /&gt;
der Kongreß-&lt;br /&gt;
aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHANI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Welt-&lt;br /&gt;
zusammen-&lt;br /&gt;
hang gesehen&lt;br /&gt;
spiegelt New&lt;br /&gt;
York viele&lt;br /&gt;
der Probleme&lt;br /&gt;
wider, die alle&lt;br /&gt;
Menschen in&lt;br /&gt;
Ost und West,&lt;br /&gt;
Süd und&lt;br /&gt;
Nord quälen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wurden für die jüngeren&lt;br /&gt;
Teilnehmer von 12 bis 24 Jahren in drei&lt;br /&gt;
Altersgruppen separate Veranstaltungen&lt;br /&gt;
durchgeführt, die die Interessen dieser Teil-&lt;br /&gt;
nehmer besonders berücksichtigten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem der Hotels wurde eine&lt;br /&gt;
Ausstellung über ‘Abdu’l-Bahás Reise in&lt;br /&gt;
die Vereinigten Staaten gezeigt. Darin wur-&lt;br /&gt;
de nicht nur anhand von Dokumenten die&lt;br /&gt;
Rolle ‘Abdu’l-Bahás im Bahä’i-Glauben&lt;br /&gt;
dargestellt; der Betrachter erhielt auch&lt;br /&gt;
durch Bild und Text einen Eindruck vom&lt;br /&gt;
Jahr 1912, von der sozialen, wirtschaftli-&lt;br /&gt;
chen und kulturellen Situation in den USA,&lt;br /&gt;
von den Reaktionen der Presse und der&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit auf “Abdu’l-Bahá und von&lt;br /&gt;
der frühen Bahä’i-Gemeinde auf dem nord-&lt;br /&gt;
amerikanischen Kontinent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Abdu’I-Bahä traf während Seines&lt;br /&gt;
Aufenthaltes in den USA und Kanada Men-&lt;br /&gt;
schen aller gesellschaftlichen Schichten:&lt;br /&gt;
Botschafter, Erfinder wie Alexander Graham&lt;br /&gt;
Bell, Kämpfer für die Gleichberechtigung&lt;br /&gt;
der Rassen wie W.E.B. DuBois und den&lt;br /&gt;
schwarzen Dichter James Weldon Johnson,&lt;br /&gt;
Geistliche vieler Religionen und Konfessio-&lt;br /&gt;
nen, den Dichter und Maler Kahlil Gibran,&lt;br /&gt;
der ein Porträt von ‘Abdu’l-Bahá malte, aber&lt;br /&gt;
auch Menschen, die sich zu den Lehren Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs und zur Person ‘Abdu’1-Bahäs hin-&lt;br /&gt;
gezogen fühlten. Seine Ansprachen hielt ‘Ab-&lt;br /&gt;
du’l-Bahä an so unterschiedlichen Orten wie&lt;br /&gt;
der Friedenskonferenz von Lake Mohonk, an&lt;br /&gt;
verschiedenen Universitäten und in Kirchen,&lt;br /&gt;
in der Bowery Mission für die Armen in New&lt;br /&gt;
York sowie in den Häusern verschiedener&lt;br /&gt;
Bahä’1, die allen Menschen offenstanden und&lt;br /&gt;
in denen er den ganzen Tag Menschen emp-&lt;br /&gt;
fing und zu ihnen sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man durch das New York&lt;br /&gt;
der neunziger Jahre geht, kommt man&lt;br /&gt;
nicht umhin, über krasse Kontraste von&lt;br /&gt;
betontem Prunk bis zu völliger Verarmung&lt;br /&gt;
nachzudenken, und jedem aufmerksamen&lt;br /&gt;
Betrachter wird klar, daß bis zur Verwirk-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichung der von ‘Abdu’l-Bahá beschriebe-&lt;br /&gt;
nen Zukunft jener Stadt noch viele An-&lt;br /&gt;
strengungen zum Abbau sozialer Unter-&lt;br /&gt;
schiede und zur Verwirklichung des&lt;br /&gt;
menschlichen Potentials gemacht werden&lt;br /&gt;
müssen. Im Weltzusammenhang gesehen&lt;br /&gt;
spiegelt New York viele der Probleme wi-&lt;br /&gt;
der, die alle Menschen in Ost und West,&lt;br /&gt;
Süd und Nord quälen — Armut, Krimina-&lt;br /&gt;
lität, Umweltverschmutzung usw. — aber&lt;br /&gt;
die kulturellen Einrichtungen dieser Stadt&lt;br /&gt;
— Museen, Konzertsäle, Universitäten&lt;br /&gt;
usw. — vermitteln auch Hoffnung für eine&lt;br /&gt;
bessere, menschenwürdigere Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne soll zum Abschluß&lt;br /&gt;
dieses Berichts vom zweiten Bahä’i-Welt-&lt;br /&gt;
kongreß in New York an die erste Ansprache&lt;br /&gt;
‘Abdu’I-Bahäs erinnert werden, die Er am&lt;br /&gt;
ll. April 1912 bei Herrn und Frau E.B.&lt;br /&gt;
Kinney in der West End Avenue hielt und in&lt;br /&gt;
der Er u.a. sagte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mir gefällt die Stadt New York&lt;br /&gt;
sehr. Ihre Hafeneinfahrt, ihre Landestege,&lt;br /&gt;
Gebäude und breiten Alleen sind großartig&lt;br /&gt;
und schön. Es ist wirklich eine wunderbare&lt;br /&gt;
Stadt. Da New York sehr weit entwickelt&lt;br /&gt;
ist, was die materielle Zivilisation betrifft,&lt;br /&gt;
hoffe ich, daß diese Stadt auch geistig im&lt;br /&gt;
Königreich Gottes und im Bunde Gottes&lt;br /&gt;
voranschreiten wird, so daß die Freunde&lt;br /&gt;
hier der Grund für die Erleuchtung Ameri-&lt;br /&gt;
kas sein werden, so daß diese Stadt die&lt;br /&gt;
Stadt der Liebe wird und daß der Wohlge-&lt;br /&gt;
ruch Gottes von diesem Ort in alle Welt&lt;br /&gt;
verbreitet wird. Deshalb bin ich hierher&lt;br /&gt;
gekommen. Ich bete dafür, daß ihr Offen-&lt;br /&gt;
barungen der Liebe Bahä’u’llähs werdet,&lt;br /&gt;
daß jeder von euch wie eine kristallklare&lt;br /&gt;
Lampe wird, von der aus die Strahlen der&lt;br /&gt;
Gnade der Gesegneten Vollkommenheit zu&lt;br /&gt;
allen Nationen und Völkern dringen wer-&lt;br /&gt;
den. Dies ist mein höchstes Streben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(‘Abdu’l-Bahá, The Promulgation&lt;br /&gt;
of Universal Peace, Wilmette. IL, Bahä’i&lt;br /&gt;
Publishing Trust, 1982, S. 3)&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=19}}Stimmen zum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiten Baha’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in New York&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grußbotschaft des&lt;br /&gt;
Präsidenten der&lt;br /&gt;
Vereinigten Staaten von&lt;br /&gt;
Amerika, George Bush&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißes Haus, Washington D.C.,&lt;br /&gt;
den 28. September 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich freue mich, den amerikanischen Mitgliedern&lt;br /&gt;
der Baha’i-Gemeinde und den Millionen von Ba-&lt;br /&gt;
ha’tinaller Welt Grüße senden zu können, während&lt;br /&gt;
Sie den I00. Jahrestag des Hinscheidens Ba-&lt;br /&gt;
ha’u’llahs, des Stifters Ihres Glaubens, begehen.&lt;br /&gt;
Ich weiß, daß Sie, während sich viele von Ihnen in&lt;br /&gt;
New York zu Ihrem Weltkongreß oder andernorts&lt;br /&gt;
zu freudigen Feierlichkeiten versammeln, an Ihre&lt;br /&gt;
Mitgläubigen denken, denen die Religionsfreiheit&lt;br /&gt;
und Toleranz, die für die Bahä’i-Lehren grundle-&lt;br /&gt;
gendsind, verweigertwird. Inzahlreichen Stellung-&lt;br /&gt;
nahmen und Resolutionen des Kongresses haben&lt;br /&gt;
die Vereinigten Staaten wiederholt der Hoffnung&lt;br /&gt;
Ausdruck verliehen, daß den Baha’t im Iran, dem&lt;br /&gt;
Geburtsort Ihres Glaubens, die Ausübung ihres&lt;br /&gt;
Glaubens erlaubt wird, wie diese von der allgemei-&lt;br /&gt;
nen Erklärung der Menschenrechte garantiert&lt;br /&gt;
wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Lehren der religiösen Toleranz, der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit, der Beseitigung von Vor-&lt;br /&gt;
urteilen, der Gleichwertigkeit der Geschlechter&lt;br /&gt;
und des universellen Friedens verkörpern Prinzi-&lt;br /&gt;
pien, die alle Menschen guten Willens bewundern&lt;br /&gt;
und unterstützen. Während Sie dem Leben und den&lt;br /&gt;
Schriften Bahä’u’llahs Ehre erweisen, stimme ich&lt;br /&gt;
in Ihr Gebet dafür ein, daß wir die Verwirklichung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieser grundlegenden Prinzipien in jedem Land&lt;br /&gt;
erleben dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine besten Wünsche für bedeutsame Feierlich-&lt;br /&gt;
keiten begleiten Sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George Bush&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grußbotschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Gouverneurs&lt;br /&gt;
des Staates New York,&lt;br /&gt;
Mario Cuomo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albany, Staat New York,&lt;br /&gt;
den 25. November 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Teilnehmer des Baha’ti-Weltkongresses:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Namen der Bevölkerung meines Staates heiße&lt;br /&gt;
ich die 30.000 Mitglieder der Baha’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
zum Weltkongreß in New York willkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist angemessen, daß Ihr Glaube mit seinen&lt;br /&gt;
Mitgliedern in allen Ländern der Erde und jegli-&lt;br /&gt;
cher ethnischen, rassischen und religiösen Her-&lt;br /&gt;
kunft eine Konferenz in New York abhält. Wie die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde setzt sich New York aus Men-&lt;br /&gt;
schen aller Hautfarben und Ursprünge zusammen&lt;br /&gt;
— ein prächtiges Mosaik, das unseren Staat durch&lt;br /&gt;
seine Mannigfaltigkeit bereichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können alle lernen von der zentralen Botschaft&lt;br /&gt;
des Baha’i-Glaubens, der lehrt, daß es eigentlich&lt;br /&gt;
nur eine Rasse gibt — nämlich die menschliche&lt;br /&gt;
Rasse. Die Weltwäre eine bessere, wenn Ihr Glaube&lt;br /&gt;
an allgemeine Gleichwertigkeit und Ihre Ableh-&lt;br /&gt;
nung von Vorurteilen das Verhalten jedes einzelnen&lt;br /&gt;
leitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Sie New York durch Ihre Anwesenheit&lt;br /&gt;
beehren, um den 100. Jahrestag des Hinscheidens&lt;br /&gt;
Ihres Religionsstifters, des Propheten Baha’u’llah,&lt;br /&gt;
zu begehen, wünsche ich Ihnen die friedvolle und&lt;br /&gt;
harmonische Zukunft, die Sie der ganzen Mensch-&lt;br /&gt;
heit wünschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichst,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mario M. Cuomo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=20}}20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache des Bürgermeisters&lt;br /&gt;
der Stadt New York, David N.&lt;br /&gt;
Dinkins, beim Zweiten&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommen in der Stadt New York!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einem Vierteljahrhundert sagte der Reverend&lt;br /&gt;
Dr. Martin Luther King, Jr: “ ..... die nächste&lt;br /&gt;
Angelegenheit, um die wir uns bemühen müssen,&lt;br /&gt;
um Frieden auf Erden und Wohlwollen anderen&lt;br /&gt;
Menschen gegenüber verwirklichen zu können, ist&lt;br /&gt;
die gewaltfreie Sicherheit der Heiligkeit allen&lt;br /&gt;
menschlichen Lebens. Jeder Mensch ist ein Indivi-&lt;br /&gt;
duum, weil er ein Kind Gottes ist.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
New York ist eine Stadt, die sich diesen Rat zu&lt;br /&gt;
Herzen nimmt. Ja, wir sind die internationale&lt;br /&gt;
Hauptstadt des Handels, der Kultur und der Kom-&lt;br /&gt;
munikation. Als der Sitzunserernationalen Medien&lt;br /&gt;
bieten wir die Möglichkeitzu landesweiter Bericht-&lt;br /&gt;
erstattung über Ereignisse, die hier stattfinden, wie&lt;br /&gt;
Sie in diesem Sommer während des sehr erfolgrei-&lt;br /&gt;
chen Parteitags der Demokraten gesehen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber unsere Stadtistauchein kultureller Treffpunkt&lt;br /&gt;
und ein Zentrum der Toleranz — ein großartiges&lt;br /&gt;
Mosaik aus 178 verschiedenen ethnischen Grup-&lt;br /&gt;
pen und der stolze Sitz der Vereinten Nationen. In&lt;br /&gt;
den achtziger Jahren begrüßten wir eine Million&lt;br /&gt;
Einwanderer, und ca. 30 Prozent unserer Bevölke-&lt;br /&gt;
rung wurde im Ausland geboren. Genau diese&lt;br /&gt;
Vielfalt macht New York zu etwas ganz Besonde-&lt;br /&gt;
rem; die New Yorker schätzen den polyglotten&lt;br /&gt;
Charakter und die ethnische Vielfalt unserer Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir freuen uns darüber, daß Sie New York als&lt;br /&gt;
Schauplatz für den Bahä’i-Weltkongreß, bei dem&lt;br /&gt;
Sie die Einheit der Rassen und der ethnischen&lt;br /&gt;
Gruppen feiern, ausgewählt haben.. Obwohl wir&lt;br /&gt;
uns noch nicht von allen Rassenproblemen befreit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, zählt New York zu den tolerantesten Städten&lt;br /&gt;
der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offizielle Intoleranz ist unentschuldbar, egalob Sie&lt;br /&gt;
in Form direkter Verfolgung Andersgläubiger oder&lt;br /&gt;
durch das Aussetzen eines Kopfgeldes zur Ermor-&lt;br /&gt;
dung eines Schriftstellers ausgeübt wird. Ich hoffe,&lt;br /&gt;
daß der Geist der Toleranz und des Respekts, den&lt;br /&gt;
wir in New York weiterhin fördern werden, eines&lt;br /&gt;
Tages in aller Welt widergespiegelt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Sinne möchte ich Sie erneut in New&lt;br /&gt;
York willkommen heißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Büro des Bürgermeisters der&lt;br /&gt;
Stadt New York&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEKANNTMACHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DA: die internationale Gemeinde der Baha’i vom&lt;br /&gt;
23. bis 26. November im JacobK. Javits Center den&lt;br /&gt;
Baha’i-Weltkongreß abhält, um die Einheit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rassen und ethnischen Gruppen zu feiern und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DA: mehr als 30.000 Bahä’i aus 180 Ländern an&lt;br /&gt;
diesem wichtigen Kongreß in unserer Stadt, der&lt;br /&gt;
größten und vielfältigsten Versammlung in der&lt;br /&gt;
148jährigen Geschichte dieses Glaubens, teilneh-&lt;br /&gt;
men und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DA: die 1844 von Bahä’u’llah im Iran gestiftete&lt;br /&gt;
Baha@’i-Religion heute infast jedem Land Anhänger&lt;br /&gt;
hat, betont der Bahä’i-Glauben die Einheit und&lt;br /&gt;
Gleichheit aller Völker und lehrt, daß diese Einheit&lt;br /&gt;
nicht verhindert werden sollte, so besuchte der&lt;br /&gt;
Sohn des Religionsstifters, ’Abdu’l-Bahd, 1912 die&lt;br /&gt;
Stadt New York und bezeichnete sie als “Stadt des&lt;br /&gt;
Bundes” und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DA: unsere Stadt eine wunderbar vielfältige Bevöl-&lt;br /&gt;
kerung hat, da die Menschen seit Jahrhunderten&lt;br /&gt;
aus allen Ländern der Welt auf der Flucht vor&lt;br /&gt;
Verfolgung und zum Aufbau eines neuen Lebens für&lt;br /&gt;
sich und ihre Familien hierher gekommen sind,&lt;br /&gt;
heißen wir die Mitglieder des Baha’ti-Glaubens&lt;br /&gt;
willkommen und stimmeneininihrem Wunschnach&lt;br /&gt;
Frieden und Freiheit unter allen Völkern der Erde,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAHER: erkläre ich, David N. Dinkins, Bürger-&lt;br /&gt;
meister der Stadt New York, in Anerkennung dieser&lt;br /&gt;
wichtigen Versammlung in unserer Stadt, Montag,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den 23. November 1992 in der Stadt New York zum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Tag des Bahä’i-Weltkongresses”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zeugnis dieser Bekanntmachung unterschrieb&lt;br /&gt;
ich hier und ließ das Siegel der Stadt New York&lt;br /&gt;
anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David N. Dinkins, Bürgermeister&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=21}}Das Wesen&lt;br /&gt;
der Offenbarung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Bahä’i-Lehren über das We-&lt;br /&gt;
sen der Existenz werden die unterschiedli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen Formen und Zustände des Daseins auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drei Ebenen begrenzt: Gottheit, Offenbarer-&lt;br /&gt;
tum und Dienen.! Um die zweite Stufe, die&lt;br /&gt;
des Offenbarers, zu verstehen, muß man&lt;br /&gt;
eine genaue Vorstellung von der ersten und&lt;br /&gt;
der dritten Stufe haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die göttliche Stufe gehört nur zu&lt;br /&gt;
Gott, dem letztendlichen und ursprünglichen&lt;br /&gt;
Daseinsgrund. Die Stufe des Dienens umfaßt&lt;br /&gt;
die Menschheit und das gesamte Universum&lt;br /&gt;
außer den Propheten oder Offenbarern Got-&lt;br /&gt;
tes. Sie wird als Stufe der Dienstbarkeit&lt;br /&gt;
bezeichnet, um ihr grundsätzlichstes Merk-&lt;br /&gt;
mal zu unterstreichen — nämlich die völlige&lt;br /&gt;
Abhängigkeit von Gottund den Offenbarern,&lt;br /&gt;
was die menschliche Existenz und den gei-&lt;br /&gt;
stigen Fortschritt betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufe der&lt;br /&gt;
Offenbarer, worauf&lt;br /&gt;
sich dieser Aufsatz&lt;br /&gt;
konzentriert, beinhal-&lt;br /&gt;
tet alle göttlichen&lt;br /&gt;
Lehrer, die der Welt&lt;br /&gt;
als Propheten oder&lt;br /&gt;
Boten Gottes bekannt&lt;br /&gt;
sind, und die im Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Glauben als Of-&lt;br /&gt;
fenbarer oder Manife-&lt;br /&gt;
stationen bezeichnet&lt;br /&gt;
werden. Der Begriff&lt;br /&gt;
»Offenbarer« lenkt&lt;br /&gt;
unsere Aufmerksam-&lt;br /&gt;
keit auf Ihren Status&lt;br /&gt;
als besondere Ge-&lt;br /&gt;
schöpfe, eine Katego-&lt;br /&gt;
rie, die sich von der&lt;br /&gt;
Menschheit im allge-&lt;br /&gt;
meinen deutlich un-&lt;br /&gt;
terscheidet, eine Stu-&lt;br /&gt;
fe, die über der der&lt;br /&gt;
Menschheitliegt, aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dennoch ein Teil von ihr ist. Der Begriff&lt;br /&gt;
spielt auf die Rolle dieser Personen an, die&lt;br /&gt;
in der Offenbarung der Eigenschaften Gottes&lt;br /&gt;
indieser Weltder Schöpfung besteht, obwohl&lt;br /&gt;
diese Offenbarer dabei nicht der Gottheit&lt;br /&gt;
selbst völlig entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig beinhaltet die Stufe&lt;br /&gt;
des Offenbarers neben dem göttlichen&lt;br /&gt;
Aspekt auch den Aspekt des Dienstes, da&lt;br /&gt;
der Offenbarer in der Lage ist, als einzig-&lt;br /&gt;
artiger Mittler zwischen Gott und den Men-&lt;br /&gt;
schen zu dienen. Daher bezieht sich in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schriften je nach Zusammenhang&lt;br /&gt;
das Wort »Offenbarer« bzw. »Manifesta-&lt;br /&gt;
tion« entweder auf das geistige Wesen aller&lt;br /&gt;
Offenbarer zusammengenommen oder auf&lt;br /&gt;
besondere Individuen (z.B. Jesus, Muham-&lt;br /&gt;
mad, Bahä’u’lläh), die in diesen Rang hin-&lt;br /&gt;
eingeboren wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufe des&lt;br /&gt;
Offenbarers ist eine&lt;br /&gt;
derart grundlegende&lt;br /&gt;
Vorstellung im Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Glauben, daß&lt;br /&gt;
man ihr Verstehen mit&lt;br /&gt;
den wichtigen Vorbe-&lt;br /&gt;
reitungen aufeine gei-&lt;br /&gt;
stige Reise verglei-&lt;br /&gt;
chen . kann. ..Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh warnt uns,&lt;br /&gt;
daß die Reise nicht&lt;br /&gt;
einfach ist, denn das&lt;br /&gt;
Offenbarertum ist ein&lt;br /&gt;
verborgenes Geheim-&lt;br /&gt;
nis. Aber wir müssen&lt;br /&gt;
die Reise nicht ohne&lt;br /&gt;
die Hilfe von Wegwei-&lt;br /&gt;
sern unternehmen,&lt;br /&gt;
denn dazu besitzen&lt;br /&gt;
wir drei Quellen, in&lt;br /&gt;
denen die Maßstäbe&lt;br /&gt;
und Lehren der Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Religion enthal-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I  *Abdu’l-Bahá, Beantwortete Fragen, Bahä’i-Verlag, 7. Aufl. 1954, S. 197-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David M. Earl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Copyright © 1992&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Rat der Baha’t in&lt;br /&gt;
Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Das Wesen der&lt;br /&gt;
Offenbarung” ist eine&lt;br /&gt;
Übersetzung des&lt;br /&gt;
Artikels “The Mystery&lt;br /&gt;
of the Manifestation”&lt;br /&gt;
von David M. Earl,&lt;br /&gt;
World Order, 23, Nr. 3&lt;br /&gt;
und 4 (Spring/Summer&lt;br /&gt;
1989), 8. 21-30.&lt;br /&gt;
Copyright © 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The National Spiritual&lt;br /&gt;
Assembly of the&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahd &#039;is of the United&lt;br /&gt;
States.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62 21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=22}}[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorberei-&lt;br /&gt;
tung auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die geistige&lt;br /&gt;
Reise zum&lt;br /&gt;
Begreifen des&lt;br /&gt;
Geheimnisses&lt;br /&gt;
des Offen-&lt;br /&gt;
barertums&lt;br /&gt;
beginnt,&lt;br /&gt;
sobald ein&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
anfängt, sich&lt;br /&gt;
mit Gott zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beschäftigen.&lt;br /&gt;
 _&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten sind: die Schriften des Vorläufers des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens (des Báb), die Schriften&lt;br /&gt;
seines Stifters (Bahä’u’lläh) und des Mittel-&lt;br /&gt;
punktes des Bundes (‘Abdu’l-Bahá).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem zeigt ein Studium von&lt;br /&gt;
Abschnitten des Neuen Testaments, daß ın&lt;br /&gt;
vielen Fällen im Bahä’i-Glauben dieselben&lt;br /&gt;
Wahrheiten vorliegen, die bereits im frühen&lt;br /&gt;
Christentum enthalten waren. In manchen&lt;br /&gt;
Fällen wurden die christlichen Lehren&lt;br /&gt;
nicht beachtet oder von späteren Genera-&lt;br /&gt;
tionen mißverstanden; aber eine sorgfältige&lt;br /&gt;
Analyse des Neuen Testaments liefert ge-&lt;br /&gt;
nügend Beweise dafür, daß Jesus eine Auf-&lt;br /&gt;
fassung von Offenbarung lehrte, die wie-&lt;br /&gt;
derum in den Lehren des Báb und Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs zum Ausdruck kommt. Die&lt;br /&gt;
neuere Erklärung ist detaillierter, aber die&lt;br /&gt;
grundlegende Wahrheit ist dieselbe und&lt;br /&gt;
gibt uns ein faszinierendes Beispiel für die&lt;br /&gt;
unwandelbare Natur der ewigen Wahrheit&lt;br /&gt;
und für eine ungebrochene Kette der Weg-&lt;br /&gt;
weiser, die zu einem besseren Verständnis&lt;br /&gt;
der Stufe der Gottesoffenbarer führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die transzendente&lt;br /&gt;
Natur Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung auf die geistige&lt;br /&gt;
Reise zum Begreifen des Geheimnisses des&lt;br /&gt;
Offenbarertums beginnt, sobald ein&lt;br /&gt;
Mensch anfängt, sich mit Gott zu beschäf-&lt;br /&gt;
tigen. Gott haben wir oben bereits als letzt-&lt;br /&gt;
endlichen und ursprünglichen Grund be-&lt;br /&gt;
schrieben, als Denjenigen, Dessen Existenz&lt;br /&gt;
der Schöpfung vorausging. Jedoch kann der&lt;br /&gt;
Mensch als Bewohner der dritten Existenz-&lt;br /&gt;
stufe nie zu hoffen wagen, das Wesen Got-&lt;br /&gt;
tes begreifen zu können. Im Kitab-i-Igan&lt;br /&gt;
(Buch der Gewißheit) schreibt Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
daß Gott ein für uns nicht begreifbares oder&lt;br /&gt;
beschreibbares Wesen besitzt.” Es gibtnoch&lt;br /&gt;
nicht einmal ein materielles Zeichen, das&lt;br /&gt;
die Gegenwart oder Abwesenheit Gottes&lt;br /&gt;
anzeigen könnte. In den ersten Zeilen Sei-&lt;br /&gt;
nes Buches Brief an den Sohn des Wolfes&lt;br /&gt;
definiert Bahä’u’lläh Gott anhand der Din-&lt;br /&gt;
ge, die nicht Seinem Wesen entsprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ww ruwuN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Preis sei Gott, dem Ewigen, der nie ver-&lt;br /&gt;
geht, dem Immerwährenden, der niemals&lt;br /&gt;
schwach wird, dem Selbstbestehenden, der&lt;br /&gt;
sich niemals wandelt.«* Diese Vorstellung&lt;br /&gt;
von der Transzendenz und Unerreichbar-&lt;br /&gt;
keit Gottes wird in den Schriften Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs und auch des Báb oft erwähnt&lt;br /&gt;
und besonders betont.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
; Die notwendige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Existenz&lt;br /&gt;
der Offenbarer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der Transzendenz Gottes&lt;br /&gt;
und des Geheimnisses Seiner Existenz au-&lt;br /&gt;
Berhalb der Schöpfung hat Seine Natur eine&lt;br /&gt;
weitere Seite, und zwar Seinen Willen, von&lt;br /&gt;
den Menschen erkannt und geliebt zu wer-&lt;br /&gt;
den. In den Verborgenen Worten macht Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh folgende Aussagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»O Sohn des Menschen! Liebe&lt;br /&gt;
Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich&lt;br /&gt;
nicht liebst, kann Meine Liebe dich nie&lt;br /&gt;
erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Seins! Deine Liebe zu&lt;br /&gt;
Mir ist dein Paradies und Vereinigung mit&lt;br /&gt;
Mir deine himmlische Heimstatt. Tritt ein&lt;br /&gt;
ohne Zaudern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Seins! Meine Liebe ist&lt;br /&gt;
Meine Feste. Wer sie betritt, ist sicher und&lt;br /&gt;
wohlbehütet; wer sich aber abwendet, wird&lt;br /&gt;
wahrlich irregehen und verderben.»”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aussagen Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
scheinen ein ernstes Problem darzustellen:&lt;br /&gt;
ein unerreichbarer und nicht erkennbarer&lt;br /&gt;
Gott verordnet, daß die Menschheit Ihn&lt;br /&gt;
lieben und in Seiner Liebe Zuflucht suchen&lt;br /&gt;
soll. Wären solche Zitate die einzigen Weg-&lt;br /&gt;
weiser, so befänden wir uns in einer Sack-&lt;br /&gt;
gasse. Der freie Wille wird darin angedeu-&lt;br /&gt;
tet, daß die Menschheit zwischen der An-&lt;br /&gt;
nahme oder Ablehnung des Angebots Got-&lt;br /&gt;
tes wählen kann, aber die Strafe für Ableh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nung ist schrecklich in den strengen Er-&lt;br /&gt;
mahnungen Bahä’u’llähs und des Báb:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Das Buch der Gewißheit, Bahä’i-Verlag, 2. Auflage 1969, S. 71-72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Brief an den Sohn des Wolfes, Bahä’i-Verlag 1966, S. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Bahä’i-Verlag 1991, 3:38, S. 112-23; 4:10, S. 126-28.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Die verborgenen Worte, Bahä’i-Verlag 1982, arab. Nr. 5, 6, 9.&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=23}}»Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine&lt;br /&gt;
Liebe dich niemals erreichen«, »wer sich&lt;br /&gt;
abwendet, wird wahrlich irregehen und&lt;br /&gt;
verderben« und »Seelen aber, die sich&lt;br /&gt;
selbst wie durch einen Schleier ausge-&lt;br /&gt;
schlossen haben, können niemals an den&lt;br /&gt;
Regenschauern der göttlichen Gnade teil-&lt;br /&gt;
haben.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um unter anderem dieses Dilemma&lt;br /&gt;
zu lösen, sagt uns Bahä’u’lläh, daß ein&lt;br /&gt;
liebender Gott Seine Offenbarer schickt:&lt;br /&gt;
Weil das von Ihm geschaffene Universum&lt;br /&gt;
unfähig ist, das Wesen Gottes zu erfassen&lt;br /&gt;
und zu begreifen, läßt Gott geistige Wesen&lt;br /&gt;
»in der edien Gestalt des menschlichen&lt;br /&gt;
Tempels erscheinen.«’ Sie haben die&lt;br /&gt;
Pflicht, in menschlicher Sprache die Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse des unsterblichen Wesens Gottes&lt;br /&gt;
zu formulieren. Gleichzeitig sollte man die&lt;br /&gt;
Offenbarer nicht als Inkarnationen des We-&lt;br /&gt;
sens Gottes betrachten, da diese Wesenheit&lt;br /&gt;
nicht verkörperbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Offenbarer ist während Sei-&lt;br /&gt;
nes irdischen Lebens der Stellvertreter&lt;br /&gt;
Gottes auf Erden. Sein Wissen und die&lt;br /&gt;
Autorität dieses Wissens kommt von Gott.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt, daß jeder Mensch, der&lt;br /&gt;
die Offenbarer anerkennt, Gott anerkannt&lt;br /&gt;
hat, und daß jeder, der die Wahrheit Ihrer&lt;br /&gt;
Offenbarung bezeugt, die Wahrheit Gottes&lt;br /&gt;
bezeugt. Er weist auch mit nachdrückli-&lt;br /&gt;
chen Worten darauf hin, daß Erkenntnis&lt;br /&gt;
und Nähe zu Gott nur durch Wissen über&lt;br /&gt;
die und ‚Anerkennung der Offenbarer mög-&lt;br /&gt;
lich ist.3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also gibt es eine Lösung für das&lt;br /&gt;
Dilemma. Ein Offenbarer kommt zur&lt;br /&gt;
Menschheit in der Erscheinungsform eines&lt;br /&gt;
menschlichen Körpers, bekleidet mit gött-&lt;br /&gt;
licher Autorität. Seine Zunge und Feder&lt;br /&gt;
bringen den Menschenherzen geistige&lt;br /&gt;
Wahrheit und Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In früheren Tagen sagte Jesus:&lt;br /&gt;
»Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht&lt;br /&gt;
von Mir, sondern vom Vater, Der Mich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Ährenlese, 21, S. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesandt hat« (Joh 14:24).” In den einleiten-&lt;br /&gt;
den Zeilen des Kitab-i-Agdas, Seines Bu-&lt;br /&gt;
ches der Gesetze, beschreibt Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
die Rolle des Offenbarers als Repräsentant&lt;br /&gt;
Gottes folgendermaßen: »Die erste Pflicht,&lt;br /&gt;
die Gott Seinen Dienern auferlegt, ist die&lt;br /&gt;
Anerkennung Dessen, der der Tagesan-&lt;br /&gt;
bruch Seiner Offenbarung, der Urquell Sei-&lt;br /&gt;
ner Gesetze ist, der die Gottheit im Reiche&lt;br /&gt;
Seiner Sache und in der Welt der Schöpfung&lt;br /&gt;
vertritt.« 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aussage ist klar verständ-&lt;br /&gt;
lich: Das Angebot Gottes ist mit der Be-&lt;br /&gt;
dingung verbunden, daß die Menschen&lt;br /&gt;
den ersten Schritt tun. Das stellt aber eine&lt;br /&gt;
völlig neue Herausforderung dar. Nun hat&lt;br /&gt;
jeder Mensch die Pflicht festzustellen, was&lt;br /&gt;
die Anerkennung eines Offenbarers be-&lt;br /&gt;
deutet, oder — mit anderen Worten —&lt;br /&gt;
welche geistigen Wahrheiten in der Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Offenbarung enthalten sind. Und&lt;br /&gt;
bevor man weit in dieser Richtung gereist&lt;br /&gt;
ist, begreift man, daß in dieser Schöp-&lt;br /&gt;
fung der Urwille der absolute Ausgangs-&lt;br /&gt;
punkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urwille&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh und der Báb benutzen&lt;br /&gt;
den Ausdruck »Urwille« zur Bezeichnung&lt;br /&gt;
dessen, was im Christentum oft das Wort&lt;br /&gt;
Gottes genannt wird.&#039;! In den Baha’i-&lt;br /&gt;
Schriften sind die Begriffe austauschbar&lt;br /&gt;
und werden beide benutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urwille wird als die erste von&lt;br /&gt;
Gott ausgehende Wirklichkeit beschrieben.&lt;br /&gt;
Da dieser Wille bereits vor der Schöpfung&lt;br /&gt;
existierte, hat er auch die göttliche Eigen-&lt;br /&gt;
schaft, unabhängig von Raum und Zeit zu&lt;br /&gt;
sein. Daher ist der erste Wille unveränder-&lt;br /&gt;
lich, ewig, ohne Anfang und Ende. Obwohl&lt;br /&gt;
der erste Wille allen anderen erschaffenen&lt;br /&gt;
Dingen vorausgegangen ist, ist er doch&lt;br /&gt;
nicht Teil der Präexistenz Gottes, denn sein&lt;br /&gt;
Dasein ist nicht absolut, sondern abhängig&lt;br /&gt;
von Gott.&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Verborgene Worte, arab. 5, 9; Báb, Auswahl 1:4:8, S. 37.&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh, Ährenlese, Bahä’i-Verlag, 3. rev. Aufl. 1980, 19:2, S. 45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Zitate aus der Bibel wurden der bei Herder erschienenen Einheitsübersetzung entnommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10  Bahä’u’lläh, Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitäb-i-Agdas,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag 1987, S. 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Il  Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 71-72, Der Báb, Auswahl, 4:10:4, S. 127.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Báb, Auswahl, 4:10:5, S.128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder&lt;br /&gt;
Offenbarer&lt;br /&gt;
ist während&lt;br /&gt;
Seines&lt;br /&gt;
irdischen&lt;br /&gt;
Lebens der&lt;br /&gt;
Stellvertreter&lt;br /&gt;
Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden. Sein&lt;br /&gt;
Wissen und&lt;br /&gt;
die Autorität&lt;br /&gt;
dieses Wissens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommt von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Wahrlich,&lt;br /&gt;
keine&lt;br /&gt;
Religion&lt;br /&gt;
werden Wir&lt;br /&gt;
ins Leben&lt;br /&gt;
rufen, die&lt;br /&gt;
nicht in&lt;br /&gt;
künftigen&lt;br /&gt;
Tagen&lt;br /&gt;
erneuert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde.”&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung vom Urwillen wirft&lt;br /&gt;
neues Licht auf das bekannte Zitat aus dem&lt;br /&gt;
Johannes-Evangelium: »Im Anfang war das&lt;br /&gt;
Wort, und das Wort war bei Gott, und das&lt;br /&gt;
Wort war Gott... Und das Wort ist Fleisch&lt;br /&gt;
geworden und hat unter uns gewohnt.« (Joh&lt;br /&gt;
1: 1, 14) Dem Zitat wird eine offensichtli-&lt;br /&gt;
chere Bedeutung verliehen, wenn man es&lt;br /&gt;
so umformuliert: »Der Urwille existierte&lt;br /&gt;
vor der Schöpfung; der Urwille war bei&lt;br /&gt;
Gott; und der Urwille teilte die Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten Gottes. ..... Dem Urwillen wurde die&lt;br /&gt;
edle Form des menschlichen Tempels ge-&lt;br /&gt;
geben, und er wurde auf der Erde offenbar.«&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Übereinstimmung zwi-&lt;br /&gt;
schen den Worten aus dem Johannes-Evan-&lt;br /&gt;
gelium und der Bahä’i-Auffassung vom Ur-&lt;br /&gt;
willen ist augenscheinlich. Die Erklärun-&lt;br /&gt;
gen Bahä’u’llähs und des Báb besagen, daß&lt;br /&gt;
sich beim Kommen jeder Manifestation der&lt;br /&gt;
Urwille in oder durch den Öffenbarer&lt;br /&gt;
zeigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die Sonne, die auf- und unter-&lt;br /&gt;
geht und dabei immer dieselbe Sonne&lt;br /&gt;
bleibt, ist der Urwille ewig und unveränder-&lt;br /&gt;
lich, Er erscheint mit erneutem Strahlen-&lt;br /&gt;
glanz in jedem Propheten und erleuchtet&lt;br /&gt;
jedes Zeitalter. Er fungiert für den jeweili-&lt;br /&gt;
gen Offenbarer als innere Realität und be-&lt;br /&gt;
reitet einen reinen Kanal für die Beziehung&lt;br /&gt;
zwischen Ihm und Gott.&#039;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auf- und Untergehen der Son-&lt;br /&gt;
ne an einem Tag ist Teil der sich unendlich&lt;br /&gt;
fortsetzenden Entwicklung und wird sich&lt;br /&gt;
an jedem Tag wiederholen. Genauso gehört&lt;br /&gt;
zum Kommen jeder Offenbarung die Ver-&lt;br /&gt;
heißung einer späteren; so wie der Urwille&lt;br /&gt;
in einer Abfolge von Propheten der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit wiederkehrte, so muß Er sich in&lt;br /&gt;
einer ewigen Abfolge in der Zukunft immer&lt;br /&gt;
wieder offenbaren. Obwohl also der Haupt-&lt;br /&gt;
zweck jeder Offenbarung in der Lösung der&lt;br /&gt;
Probleme ihrer Zeit besteht, so ist Teil ihres&lt;br /&gt;
Zwecks auch die Vorbereitung auf die näch-&lt;br /&gt;
ste. Die Vorstellung der »Wiederkunft«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder des »zweiten Kommens« ist mit die-&lt;br /&gt;
sem Aspekt der Botschaft verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb sagt, daß Gott verspro-&lt;br /&gt;
chen hat: »Wahrlich, keine Religion wer-&lt;br /&gt;
den Wir ins Leben rufen, die nicht in künf-&lt;br /&gt;
tigen Tagen erneuert würde«&#039;? ; dies drückt&lt;br /&gt;
mit anderen Worten aus, daß die Kette der&lt;br /&gt;
göttlichen Offenbarer nicht abreißen kann.&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Versprechen künftiger Offen-&lt;br /&gt;
barung finden wir in den Lehren Jesu Chri-&lt;br /&gt;
sti: »Noch vieles habe Ich euch zu sagen,&lt;br /&gt;
aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn&lt;br /&gt;
aber Jener kommt, der Geist der Wahr-&lt;br /&gt;
heit, wird Er euch in die ganze Wahrheit&lt;br /&gt;
führen.« (Joh 16:12-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenschaften&lt;br /&gt;
der Offenbarer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschäftigung mit der Bezie-&lt;br /&gt;
hung zwischen dem Urwillen und den Got-&lt;br /&gt;
tesoffenbarern führt uns einen Schritt wei-&lt;br /&gt;
ter auf unserer Forschungsreise, nämlich zu&lt;br /&gt;
einem Verständnis der Eigenschaften der&lt;br /&gt;
Offenbarer. Denjenigen erhabenen Persön-&lt;br /&gt;
lichkeiten, die Gott als Offenbarer beruft,&lt;br /&gt;
gibt Er eine besondere zweifache Natur, die&lt;br /&gt;
aus einem geistigen und einem körperli-&lt;br /&gt;
chen bzw. menschlichen Aspekt besteht.&lt;br /&gt;
Der geistige Aspekt ist der Urwille. Der&lt;br /&gt;
körperliche Aspekt ist Sein menschlicher&lt;br /&gt;
Körper, der der materiellen Welt unterwor-&lt;br /&gt;
fen ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hat jeder Offenbarer eine&lt;br /&gt;
besondere Stufe: jeder Offenbarer ist die&lt;br /&gt;
Stimme Gottes Selbst. Und gleichzeitig ist&lt;br /&gt;
Er ein Mensch mit einer eigenen Persön-&lt;br /&gt;
lichkeit. Innerhalb des ersten Aspekts gibt&lt;br /&gt;
es keinen Unterschied zwischen dem Of-&lt;br /&gt;
fenbarer und Gott, außer daß der Offenba-&lt;br /&gt;
rer ein Diener Gottes ist. Zum zweiten&lt;br /&gt;
Aspekt verkündet der Offenbarer: »Ich bin&lt;br /&gt;
nur ein Mensch wie ihr.«&#039;’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13  Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 72, Báb, Auswahl, 3:33:1, S.106.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14  Báb, Auswahl, 4:10:4, S. 127.&lt;br /&gt;
15  Báb, Auswahl, 6:9:8, S. 161.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16  Bahä’u’lläh, Ährenlese; in der Ährenlese beschreibt Bahä’u’lläh die zweifache Stufe der Manifestationen&lt;br /&gt;
und benutzt dabei die Adjektive »geistig« und »körperlich«, aber im selben Absatz benutzt Er&lt;br /&gt;
»menschlich« für »körperlich«. ‘Abdu’l-Bahá spricht in Beantwortete Fragen (S. 133-35) von drei Stufen&lt;br /&gt;
an Stelle von einer zweifachen Stufe, und zwar vom Körper, der vernunftbegabten Seele und dem Wort&lt;br /&gt;
Gottes bzw. dem Heiligen Geist. Die ersten beiden von ‘Abdu’l-Bahá genannten Stufen stehen wohl für&lt;br /&gt;
eine Unterteilung der »körperlichen« und der »menschlichen« Stufe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Bahä’u’lläh, Ährenlese, 27:4, S. 62; (s. Qur’än 18:111).&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=25}}Das Zusammenspiel dieser beiden&lt;br /&gt;
Aspekte zeigt sich zum Beispiel im Kon-&lt;br /&gt;
trast zwischen den folgenden Aussagen&lt;br /&gt;
Jesu. Der göttliche Diener sagt: ». .. von&lt;br /&gt;
Gott bin Ich ausgegangen und gekommen.&lt;br /&gt;
Ich bin nicht in Meinem eigenen Namen&lt;br /&gt;
gekommen, sondern Er hat Mich ge-&lt;br /&gt;
sandt.« (Joh 8:42) Der menschliche Leh-&lt;br /&gt;
rer ruft aus: »Was fragst du Mich nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Guten? Nur Einer ist ‘der Gute’.«&lt;br /&gt;
(Matt 19:17)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der zweifachen Stufe oder Na-&lt;br /&gt;
tur der Offenbarer folgt, daß ein Offenbarer&lt;br /&gt;
zwei Arten von Eigenschaften besitzt, die&lt;br /&gt;
jeweils den göttlichen und den menschli-&lt;br /&gt;
chen Aspekt widerspiegeln. Natürlich ver-&lt;br /&gt;
ursacht die vorherrschende Gegenwart des&lt;br /&gt;
Urwillens die göttlichen Eigenschaften und&lt;br /&gt;
unterscheidet den Offenbarer völlig von der&lt;br /&gt;
gesamten Menschheit. Drei Aspekte des&lt;br /&gt;
Offenbarers verdeutlichen Seine zweifache&lt;br /&gt;
Natur besonders deutlich: die Präexistenz&lt;br /&gt;
des Offenbarers, Seine schöpferische und&lt;br /&gt;
Seine erlösende Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präexistenz&lt;br /&gt;
des Offenbarers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der unwandelbare Urwille, der&lt;br /&gt;
vor der Erschaffung des Universums bereits&lt;br /&gt;
bestand, zur inneren Wirklichkeit jedes Of-&lt;br /&gt;
fenbarers wird, haben alle Offenbarer die&lt;br /&gt;
Eigenschaft der Präexistenz. Der Báb&lt;br /&gt;
schreibt, daß Er in jeder göttlichen Sendung&lt;br /&gt;
enthalten ist, da Er bereits vor der Schöp-&lt;br /&gt;
fung an Gott glaubte. Bahä’u’lläh ver-&lt;br /&gt;
gleicht die Präexistenz mit der »Schule&lt;br /&gt;
Gottes« und sagt, daß Gott diese Schule vor&lt;br /&gt;
der Existenz von Erde und Himmel ins&lt;br /&gt;
Leben rief und daß Er (Bahä’u’lläh) vor&lt;br /&gt;
dem Schöpfungsakt in diese Schule einge-&lt;br /&gt;
treten sei. &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sehr bekannte Feststellung Je-&lt;br /&gt;
su Christi beschreibt die Offenbarung auch&lt;br /&gt;
als präexistent: »Amen, amen, Ich sage&lt;br /&gt;
euch: Noch ehe Abraham wurde, bin Ich.«&lt;br /&gt;
(Joh 8:58) Ein anderes Zitat zeigt, daß Jesus&lt;br /&gt;
Sich Seiner Präexistenz völlig bewußt war:&lt;br /&gt;
»Vater, verherrliche Du Mich jetzt bei Dir&lt;br /&gt;
mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte,&lt;br /&gt;
bevor die Welt war.« (Joh 17:5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18  Báb, Auswahl, 1:3:7, 8. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schöpferische Kraft&lt;br /&gt;
des Offenbarers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn uns auch die Vorstellung der&lt;br /&gt;
Präexistenz der Offenbarer vertraut er-&lt;br /&gt;
scheinen mag, so könnte uns die Vorstel-&lt;br /&gt;
lung schwerer fallen, daß Gott irgendje-&lt;br /&gt;
manden als Kanal für Seine absolute Macht&lt;br /&gt;
benutzt, obwohl Gott der Schöpfer ist. Aber&lt;br /&gt;
neben Stellen in den Heiligen Schriften, in&lt;br /&gt;
denen Gott als Schöpfer bezeichnet wird,&lt;br /&gt;
gibt es auch Textstellen, in denen der Ur-&lt;br /&gt;
wille, das »Wort« oder sogar der Offenbarer&lt;br /&gt;
als mit schöpferischer Kraft ausgestattet&lt;br /&gt;
beschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Z.B. schreibt Bahä’u’lläh im Buch&lt;br /&gt;
der Gewißheit, daß durch den Willen Got-&lt;br /&gt;
tes, »den Urwillen selbst«, die ganze&lt;br /&gt;
Schöpfung aus dem Nichtsein in das Reich&lt;br /&gt;
des Daseins gerufen wurde. Dieses kurze&lt;br /&gt;
Zitat bezeugt die unabdingbare Rolle des&lt;br /&gt;
Urwillens beim Schöpfungsakt. Diese&lt;br /&gt;
Vorstellung wird noch stärker im »Tablet&lt;br /&gt;
der Weisheit« dargestellt, in dem Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh zeigt, daß das »Wort Gottes«&lt;br /&gt;
(der Urwille) keineswegs eine rhetorische&lt;br /&gt;
Figur, sondern eine Wirklichkeit mit eige-&lt;br /&gt;
nen kraftvollen Fähigkeiten ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was wirkt und was Wirkung emp-&lt;br /&gt;
fängt, ist fürwahr beides durch das unwi-&lt;br /&gt;
derstehliche Wort Gottes erschaffen, das&lt;br /&gt;
die Ursache der ganzen Schöpfung ist, wäh-&lt;br /&gt;
rend alles außer Seinem Wort erschaffen&lt;br /&gt;
und bedingt ist... . .«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. das Wort Gottes... . wurde&lt;br /&gt;
offenbar ohne eine Silbe oder einen Laut&lt;br /&gt;
und ist nichts anderes als der Befehl Gottes,&lt;br /&gt;
der alles Erschaffene durchdringt. Es ist...&lt;br /&gt;
eine Wesenheit, die hoch über allem steht,&lt;br /&gt;
was war und sein wird.«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eingehendes Lesen dieser Textstel-&lt;br /&gt;
len führt zu der Einsicht, daß Gott zwar&lt;br /&gt;
notwendigerweise die Urquelle der Kraft&lt;br /&gt;
zur Erschaffung von Himmel und Erde ist,&lt;br /&gt;
daß aber der Urwille den Schöpfungsakt&lt;br /&gt;
unmittelbar ausführte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits angedeutet gehört der&lt;br /&gt;
Urwille bzw. das Wort zur inneren Wirk-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19  Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 72, Bahä’u’lläh, Botschaften aus ‘Akkd, Bahä’i-Verlag 1982, 9:9-10,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S. 164-65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Vater,&lt;br /&gt;
verherrliche&lt;br /&gt;
Du Mich&lt;br /&gt;
Jetzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Dir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Ich bei&lt;br /&gt;
Dir hatte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bevor die&lt;br /&gt;
Welt war.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=26}}[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine&lt;br /&gt;
zentrale&lt;br /&gt;
Frage, die&lt;br /&gt;
noch bleibt,&lt;br /&gt;
betrifft die&lt;br /&gt;
Stufe des&lt;br /&gt;
Offenbarers&lt;br /&gt;
— ist Er nun&lt;br /&gt;
Gott oder&lt;br /&gt;
nicht?&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeit der Offenbarer. Wenn der Urwille&lt;br /&gt;
Schöpfung werden läßt, kann man daraus&lt;br /&gt;
folgern, daß jeder Offenbarer schöpferische&lt;br /&gt;
Kraft besitzt. Die Bahä’i-Schriften zeigen,&lt;br /&gt;
daß dies der Fall ist. Über alle Offenbarer&lt;br /&gt;
sagt Bahä’u’lläh »Ja, alle außer diesen [die&lt;br /&gt;
Offenbarer] leben durch das Wirken Ihres&lt;br /&gt;
Willens und haben ihr Dasein durch Sie.«&lt;br /&gt;
Dieselbe Macht haben auch die einzelnen&lt;br /&gt;
Offenbarer. Der Báb schrieb an Muham-&lt;br /&gt;
mad Shäh: »Ich bin der Erste Punkt, daraus&lt;br /&gt;
alles Erschaffene gezeugt ward.« In einem&lt;br /&gt;
der wichtigsten Bahä’i-Gebete heißt es&lt;br /&gt;
über Bahä’u’lläh, daß durch Ihn »die Buch-&lt;br /&gt;
staben des ‘Sei!’ miteinander verbunden&lt;br /&gt;
und verknüpft wurden«?° Das Verbinden&lt;br /&gt;
von Buchstaben zu dem Wort »Sei!« ist&lt;br /&gt;
natürlich ein poetischer Hinweis auf den&lt;br /&gt;
Schöpfungsakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue Testament zeigt sehr&lt;br /&gt;
deutlich, daß die frühe christliche Kirche&lt;br /&gt;
die Identität des Wortes mit Jesus und mit&lt;br /&gt;
der schöpferischen Kraft akzeptierte. So&lt;br /&gt;
heißt es im Johannes-Evangelium über das&lt;br /&gt;
Wort: »Alles ist durch das Wort geworden,&lt;br /&gt;
und ohne das Wort wurde nichts, was ge-&lt;br /&gt;
worden ist.« (Joh 1:3) Im Hebräer-Brief&lt;br /&gt;
heißt es: » Aufgrund des Glaubens erkennen&lt;br /&gt;
wir, daß die Welt durch Gottes Wort er-&lt;br /&gt;
schaffen worden und daß so aus dem Un-&lt;br /&gt;
sichtbaren das Sichtbare entstanden ist.«&lt;br /&gt;
(Heb 11:3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erlösende Kraft&lt;br /&gt;
des Offenbarers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein dritter Aspekt des Offenbarers,&lt;br /&gt;
der im Christentum sehr betont wird, ist&lt;br /&gt;
Seine Stufe als Erlöser. In den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften wird dieser Aspekt als grundle-&lt;br /&gt;
gender, wesentlicher und unleugbarer Teil&lt;br /&gt;
der Rolle eines Offenbarers betrachtet, oh-&lt;br /&gt;
ne daß diesem Aspekt übermäßige Bedeu-&lt;br /&gt;
tung zugemessen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb erklärt, daß das Gebet zu&lt;br /&gt;
Gott nur annehmbar ist, wenn es mit dem&lt;br /&gt;
Glauben an den Offenbarer des jeweiligen&lt;br /&gt;
Zeitalters einhergeht.” ! Der Grund liegt da-&lt;br /&gt;
rin, daß die Annahme des Gottesgläubigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von seiner Annahme durch den Offenbarer&lt;br /&gt;
abhängt und daß die Welt der Schöpfung&lt;br /&gt;
keinen anderen Zugang zu Gott hat. Den-&lt;br /&gt;
jenigen, die dem Glauben Gottes treu sind,&lt;br /&gt;
wird Vergebung der Sünden versprochen;&lt;br /&gt;
mit anderen Worten bringt die Unterwer-&lt;br /&gt;
fung unter die Gesetze der Offenbarer Er-&lt;br /&gt;
lösung und ewiges Leben mit sich.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Erklärung der Erlö-&lt;br /&gt;
sung ist genauso unmißverständlich: »Nur&lt;br /&gt;
der kann das ewige Leben erlangen, der die&lt;br /&gt;
Wahrheit dieser unschätzbaren, dieser wun-&lt;br /&gt;
dersamen, und erhabenen Offenbarung an-&lt;br /&gt;
nimmt.«” Die Übereinstimmung zwischen&lt;br /&gt;
den Worten Bahä’u’llähs und den oft zitier-&lt;br /&gt;
ten Worten Jesu Christi ist deutlich: »Ich&lt;br /&gt;
bin der Weg, die Wahrheit und das Leben;&lt;br /&gt;
niemand kommt zum Vater außer durch&lt;br /&gt;
Mich.« (Joh 14:6) Die Verbindung zwi-&lt;br /&gt;
schen dem Akzeptieren des Offenbarers&lt;br /&gt;
und der Erlösung kann man als grundlegen-&lt;br /&gt;
de Wahrheit betrachten, die sich auf jeden&lt;br /&gt;
Offenbarer in Seiner Zeit bezieht. Der Báb&lt;br /&gt;
warnt uns aber davor, trotz des Verspre-&lt;br /&gt;
chens der Erlösung und des Paradieses als&lt;br /&gt;
natürliche Folgen des Glaubens und der&lt;br /&gt;
Verehrung Gottes, das Erreichen dieser Ga-&lt;br /&gt;
ben zum Grund unseres Handelns zu ma-&lt;br /&gt;
chen: »Bete so zu Gott, daß es deine Anbe-&lt;br /&gt;
tung nicht änderte, führte sie dich auch ins&lt;br /&gt;
Feuer, und ebensowenig, wäre das Paradies&lt;br /&gt;
dein Lohn. So, und nur so, sollte die Ver-&lt;br /&gt;
ehrung sein, die dem einen wahren Gott&lt;br /&gt;
gebührt. &amp;amp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufe&lt;br /&gt;
des Offenbarers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form des Daseins, die&lt;br /&gt;
Stufe des Offenbarers, beinhaltet also gött-&lt;br /&gt;
liche und menschliche Bestandteile und ist&lt;br /&gt;
durch den Urwillen direkt mit Gott verbun-&lt;br /&gt;
den. Die eine zentrale Frage, die noch&lt;br /&gt;
bleibt, betrifft die Stufe des Offenbarers —&lt;br /&gt;
ist Er nun Gott oder nicht? Das Hauptpro-&lt;br /&gt;
blem ist nicht das Fehlen informativer Zi-&lt;br /&gt;
tate aus den Heiligen Schriften, sondern&lt;br /&gt;
daß auf den ersten Blick einige Aussagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20  Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 74-75, Báb, Auswahl, 1:4:4, S. 16, Bahä’u’lläh in Gebete offenbart&lt;br /&gt;
von Bahä’u’&#039;lläh, Báb und &#039;Abdu’l-Bahá, Bahä’i-Verlag 1984, S. 26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 Báb, Auswahl, 2:33:1, S. 62,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22  Báb, Auswahl, 2:33:3-4, S. 62.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23  Bahä’u’lläh, Ährenlese, 92:1, S. 161.&lt;br /&gt;
24  Bab, Auswahl, 3:2:1, 8. 79.&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=27}}über die Manifestationen unvereinbar mit&lt;br /&gt;
oder im Widerspruch zu anderen zu sein&lt;br /&gt;
scheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist es wichtig, unvoreinge-&lt;br /&gt;
nommen das Problem erneut anzugehen,&lt;br /&gt;
damit der Grund für diese Schwierigkeit&lt;br /&gt;
gefunden werden kann: daß nämlich die&lt;br /&gt;
Offenbarer gleichzeitig eine göttliche und&lt;br /&gt;
eine menschliche Seite haben und daß eine&lt;br /&gt;
Aussage, die in Bezug auf die göttliche&lt;br /&gt;
Natur zutrifft, nicht unbedingt auf die&lt;br /&gt;
menschliche Natur des Offenbarers an-&lt;br /&gt;
wendbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Heiligen Schriften kann man&lt;br /&gt;
deutlich zwischen drei grundlegenden Ka-&lt;br /&gt;
tegorien von Aussagen über Offenbarer un-&lt;br /&gt;
terscheiden: Identität mit Gott, Einheit der&lt;br /&gt;
Offenbarer und Unterschiede zwischen den&lt;br /&gt;
Offenbarern. Diese Kategorien beziehen&lt;br /&gt;
sich jeweils auf Eigenschaften, die der gött-&lt;br /&gt;
lichen Natur, dem Einfluß des Urwillens&lt;br /&gt;
und der menschlichen Natur des Offenba-&lt;br /&gt;
rers entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Identität der Offenbarer&lt;br /&gt;
mit Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Textpassagen in den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften weisen auf die göttliche Natur der&lt;br /&gt;
Offenbarer hin. Ein Aspekt der Gottgleich-&lt;br /&gt;
heit wird als absolute Identität beschrieben:&lt;br /&gt;
»Würde eine der allumfassenden Manife-&lt;br /&gt;
stationen Gottes erklären: ‘Ich bin Gott”,&lt;br /&gt;
so spräche Sie gewißlich wahr, und es gäbe&lt;br /&gt;
darüber keinen Zweifel.«”° Die Worte Jesu&lt;br /&gt;
sind ähnlichen Inhalts: »Ich und der Vater&lt;br /&gt;
sind eins.« (Joh 10:30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt der Gottgleich-&lt;br /&gt;
heit könnte man als spiegelbildliche Iden-&lt;br /&gt;
tität bezeichnen. Dabei wird der Offenbarer&lt;br /&gt;
mit einem Spiegel verglichen, der nichts als&lt;br /&gt;
die Schönheit und Herrlichkeit Gottes re-&lt;br /&gt;
flektiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbunden mit der Vorstellung vom&lt;br /&gt;
Spiegel ist die Feststellung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
daß Menschen, die einen Offenbarer er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 120-21.&lt;br /&gt;
26 Bahä’u’lläh, Ährenlese, 31, S. 69-70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 Bahä’u’lläh, Ährenlese, 21, S. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Bahä’u’lläh, Ährenlese, 84:4, S. 147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 Bahá’u’lláh, Ährenlese, 22:2, S. 48-49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kannt haben, Gott erkannt haben.” Ähnlich&lt;br /&gt;
sagt Jesus: »Wenn ihr Mich erkannt habt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werdet ihr auch Meinen Vater kennen.«&lt;br /&gt;
(Joh 14:7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere zusammenfassende&lt;br /&gt;
Darstellung der wahren Bedeutung von&lt;br /&gt;
Gottgleichheit findet sich in folgendem Zi-&lt;br /&gt;
tat von Bahä’u’lläh, in dem Er die völlige&lt;br /&gt;
Übereinstimmung des Handelns des Offen-&lt;br /&gt;
barers mit dem Willen Gottes betont: »Der&lt;br /&gt;
Glaube an die göttliche Einheit besteht im&lt;br /&gt;
wesentlichen darin, Ihn, die Manifestation&lt;br /&gt;
Gottes, und Ihn, das unsichtbare, unzu-&lt;br /&gt;
gängliche, unerkennbare Wesen, als einen&lt;br /&gt;
und denselben zu betrachten. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
daß alles, was dem erstgenannten angehört,&lt;br /&gt;
all Sein Tun und Handeln, Sein Gebot oder&lt;br /&gt;
Verbot in jeder Hinsicht, unter allen Um-&lt;br /&gt;
ständen und ohne Vorbehalt dem Willen&lt;br /&gt;
Gottes gleich ist.«”®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit der Offenbarer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Aspekt der Identität mit&lt;br /&gt;
Gott haben die Offenbarer auch eine Art&lt;br /&gt;
Identität untereinander. Die »wesentliche&lt;br /&gt;
Einheit« der Manifestationen leitet sich&lt;br /&gt;
vom alles durchdringenden Einfluß des Ur-&lt;br /&gt;
willens ab, der — wie erwähnt — in jedem&lt;br /&gt;
Offenbarer in allen Zeitaltern zutage tritt.&lt;br /&gt;
Da derselbe unwandelbare Urwille die in-&lt;br /&gt;
nere Wirklichkeit jeder Manifestation aus-&lt;br /&gt;
macht, müssen alle Offenbarer unweiger-&lt;br /&gt;
lich Anteil an einer geistigen Einheit haben.&lt;br /&gt;
Aus dieser Grundwahrheit lassen sich ver-&lt;br /&gt;
schiedene Folgerungen ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ü Alle Propheten Gottes sind ohne Aus-&lt;br /&gt;
nahme Verkörperungen Seiner Eigen-&lt;br /&gt;
schaften. Obwohl äußerlich die Wirk-&lt;br /&gt;
kraft Ihrer Offenbarung unterschiedlich&lt;br /&gt;
erscheinen mag, sind Sie alle innerlich&lt;br /&gt;
mit allen göttlichen Eigenschaften aus-&lt;br /&gt;
gestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U Die Taten jedes Offenbarers sind von&lt;br /&gt;
Gott verordnet und spiegeln Seinen&lt;br /&gt;
Willen und Seine Absicht wider. Wollte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Offenbarer verkünden »Ich bin die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
( \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird&lt;br /&gt;
der Offen-&lt;br /&gt;
barer mit&lt;br /&gt;
einem Spiegel&lt;br /&gt;
verglichen,&lt;br /&gt;
der nichts als&lt;br /&gt;
die Schönheit&lt;br /&gt;
und Herrlich-&lt;br /&gt;
keit Gottes&lt;br /&gt;
reflektiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=28}}[ \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder&lt;br /&gt;
Offenbarer&lt;br /&gt;
erscheint zu&lt;br /&gt;
einer anderen&lt;br /&gt;
historischen&lt;br /&gt;
Zeit und&lt;br /&gt;
Situation und&lt;br /&gt;
muß auf die&lt;br /&gt;
Bedürfnisse&lt;br /&gt;
Seiner Zeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingehen.&lt;br /&gt;
RR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederkunft aller Propheten,« so&lt;br /&gt;
spricht Er die Wahrheit.” Die Identität&lt;br /&gt;
aller Manifestationen kommt auch in&lt;br /&gt;
diesen beeindruckenden Worten Gottes&lt;br /&gt;
zum Ausdruck, die an den Báb gerichtet&lt;br /&gt;
sind: »Keiner außer Dir war oder wird&lt;br /&gt;
je mit dem Prophetenamt betraut, noch&lt;br /&gt;
wurde oder wird je ein heiliges Buch&lt;br /&gt;
einem anderen als Dir offenbart. So hat&lt;br /&gt;
Er es verordnet, der Allumfassende, der&lt;br /&gt;
Meistgeliebte.«’ &#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen&lt;br /&gt;
den Offenbarern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterschiede zwischen den Of-&lt;br /&gt;
fenbarern beruhen auf geschichtlichen Tat-&lt;br /&gt;
sachen zur Zeit des Erscheinens der aufein-&lt;br /&gt;
anderfolgenden Manifestationen. Jeder Of-&lt;br /&gt;
fenbarer lebt zu einem bestimmten Zeitab-&lt;br /&gt;
schnitt in der Menschheitsgeschichte auf&lt;br /&gt;
Erden; Er besitzt einen besonderen Namen,&lt;br /&gt;
eine eigene Persönlichkeit und Sendung&lt;br /&gt;
und bringt eine bestimmte Offenbarung.&lt;br /&gt;
Aus diesen Gründen ließ sich die Mensch-&lt;br /&gt;
heit von oberflächlichen Unterschieden ir-&lt;br /&gt;
releiten und nahm an, daß grundlegende&lt;br /&gt;
Unstimmigkeiten zwischen den Manifesta-&lt;br /&gt;
tionen bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei den verschiedenen Mond-&lt;br /&gt;
phasen entspricht die sichtbare Erschei-&lt;br /&gt;
nung des Lichts nicht der Fähigkeit des&lt;br /&gt;
Lichts selbst, sondern hängt von der unter-&lt;br /&gt;
schiedlichen Aufnahmefähigkeit einer&lt;br /&gt;
sich ständig verändernden Welt ab. Jeder&lt;br /&gt;
Offenbarer erscheint zu einer anderen hi-&lt;br /&gt;
storischen Zeit und Situation und muß auf&lt;br /&gt;
die Bedürfnisse Seiner Zeit eingehen. Wie&lt;br /&gt;
ein guter Arzt muß Er einem bestimmten&lt;br /&gt;
Patienten zu einer bestimmten Zeit gegen&lt;br /&gt;
dessen Krankheit das richtige Heilmittel&lt;br /&gt;
verschreiben. Und die Rolle des Offenba-&lt;br /&gt;
rers als Arzt hat noch eine weitere Seite:&lt;br /&gt;
Seine Hände sind dadurch gebunden, daß&lt;br /&gt;
Er nicht mehr offenbaren darf, als die Welt&lt;br /&gt;
zu einer bestimmten Zeit ertragen und ver-&lt;br /&gt;
stehen kann. Also müssen sich die Inhalte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30  Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 105.&lt;br /&gt;
31 Báb, Auswahl, 6:9:7, S. 160-61.&lt;br /&gt;
32 Bahä’u’lläh, Buch der Gewißheit, S. 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der verschiedenen Sendungen aus meh-&lt;br /&gt;
reren Gründen unterscheiden, da jeder&lt;br /&gt;
Offenbarer eine besondere Botschaft über-&lt;br /&gt;
bringt und Sich in einer besonderen Weise&lt;br /&gt;
den Menschen manifestiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufe der Offenbarer —&lt;br /&gt;
Zusammenfassung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während einer geistigen Reise zur&lt;br /&gt;
Erforschung des Wesens der Manifestatio-&lt;br /&gt;
nen, zur Erforschung des verborgenen Ge-&lt;br /&gt;
heimnisses, entdeckt man viele Aspekte der&lt;br /&gt;
Natur Gottes, den Grund für die Existenz&lt;br /&gt;
der Offenbarer und Ihre Eigenschaften und&lt;br /&gt;
Stufe. Bei dem Versuch, die Frage nach&lt;br /&gt;
dem Grad der Gottgleichheit des Offenba-&lt;br /&gt;
rers zu beantworten, können einige Aussa-&lt;br /&gt;
gen behilflich sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(a) Er ist Gott.&lt;br /&gt;
(b) Er ist nicht Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man Gott definiert, so trifft&lt;br /&gt;
nur (a) zu. Wenn man aber das Phänomen&lt;br /&gt;
»Manifestation« definiert, treffen (a) und&lt;br /&gt;
(b) zu, weil ein Offenbarer eine göttliche&lt;br /&gt;
und eine menschliche Natur hat. Die Ent-&lt;br /&gt;
deckungsreise hat gezeigt, wie dies mög-&lt;br /&gt;
lich ist unter der Voraussetzung, daß man&lt;br /&gt;
traditionelle Denkmuster ablegt. Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh zeigt uns den Weg zum Verstehen&lt;br /&gt;
dieser Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In jedem Fall haben sie einen Aus-&lt;br /&gt;
spruch getan, der den Gegebenheiten des&lt;br /&gt;
Augenblicks angepaßt war, und haben alle&lt;br /&gt;
diese Erklärungen sich selbst zugeschrie-&lt;br /&gt;
ben, Erklärungen, die sich vom Reich gött-&lt;br /&gt;
licher Offenbarung bis zum Reich der&lt;br /&gt;
Schöpfung erstreckten und vom Bereich&lt;br /&gt;
der Göttlichkeit bis zum Bereich irdischen&lt;br /&gt;
Daseins. Daher rührt es, daß alle ihre Aus-&lt;br /&gt;
sprüche, ob sie dem Reich der Gottheit, des&lt;br /&gt;
Herrn, des Propheten, des Gottgesandten,&lt;br /&gt;
des Hüters, des Apostels oder des Dieners&lt;br /&gt;
zugehören, alle wahr sind ohne den Schat-&lt;br /&gt;
ten eines Zweifels.«”&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=29}}Enteban Ulu, Sarawak, Malaysia&lt;br /&gt;
— Von außen erscheint dies eine ganz&lt;br /&gt;
gewöhnliche Gemeinschaft in einem Iban-&lt;br /&gt;
Langhaus zu sein. Wie in anderen Dörfern&lt;br /&gt;
— oder Kampongs — der Iban in der&lt;br /&gt;
Region Sarawak spielt sich das Leben in&lt;br /&gt;
und um ein längliches Haus aus Holz und&lt;br /&gt;
einem Blechdach ab, das man als Lang-&lt;br /&gt;
haus bezeichnet und in dem die ganze&lt;br /&gt;
Gemeinde lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Familie im Kampong hat ih-&lt;br /&gt;
ren eigenen Wohnbereich im Langhaus,&lt;br /&gt;
bestehend aus einer Küche und einem&lt;br /&gt;
Schlafraum. Zusätzlich erstreckt sich im&lt;br /&gt;
Hausinneren entlang der gesamten Haus-&lt;br /&gt;
länge ein offener Bereich. Dieser wird als&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsraum benutzt, wo Mitglie-&lt;br /&gt;
der verschiedener Familien miteinander&lt;br /&gt;
sprechen, sich ausruhen oder mit den Kin-&lt;br /&gt;
dern spielen. An einer Außenseite ist eine&lt;br /&gt;
balkonartige Plattform angebracht, wo&lt;br /&gt;
man Kleider aufhängen und Werkzeug&lt;br /&gt;
aufbewahren kann. Je größer das Dorf ist,&lt;br /&gt;
desto länger ist das Langhaus. In Enteban&lt;br /&gt;
Ulu leben über 20 Familien, sodaß das&lt;br /&gt;
Langhaus von einem Ende zum anderen&lt;br /&gt;
200 Meter mißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Enteban Ulu von anderen Dör-&lt;br /&gt;
fern unterscheidet, ist die Bereitschaft, Ge-&lt;br /&gt;
meindeprojekte zu unternehmen, die über&lt;br /&gt;
das gemeinsame Bauen und Bewohnen ei-&lt;br /&gt;
nes Langhauses hinausgehen. Die Men-&lt;br /&gt;
schen in diesem Kampong kümmern sich&lt;br /&gt;
erfolgreich gemeinsam um sieben Fisch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fischteiche&lt;br /&gt;
in Malaysia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein erfolgreiches Dorfprojekt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Robert Blum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
teiche, die nun eine wichtige Nahrungs-&lt;br /&gt;
und Einkommensquelle darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwei Jahren wurde dieser Kam-&lt;br /&gt;
pong von der Regierung Malaysias wegen&lt;br /&gt;
dieser Errungenschaft zum Modelldorf er-&lt;br /&gt;
klärt. Und sein Erfolg hat andere Dörfer in&lt;br /&gt;
der Region dazu angeregt, ihre eigenen&lt;br /&gt;
Fischteichprojekte zu beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, die die Geschichte die-&lt;br /&gt;
ses Dorfes kennen, sagen, daß die erfolg-&lt;br /&gt;
reiche Selbstentwicklung auch an den dort&lt;br /&gt;
lebenden Bahä’f liegt. Fast die Hälfte der&lt;br /&gt;
über 20 Familien des Kampong sind An-&lt;br /&gt;
hänger der Bahä’i-Religion, und sie haben&lt;br /&gt;
seit einigen Jahren ihr eigenes örtliches&lt;br /&gt;
Beratungsgremium — einen örtlichen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der örtliche Geistige Rat ist ein&lt;br /&gt;
Brennpunkt für Entscheidungsfindung in&lt;br /&gt;
Enteban Ulu, sagen Einwohner und Besu-&lt;br /&gt;
cher. Dies half, verbunden mit einem aus-&lt;br /&gt;
gesprochenen Geist der Einheit und Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit unter den Bahä’i, der Gemein-&lt;br /&gt;
schaft besser zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der praktische Aspekt der Fisch-&lt;br /&gt;
zucht in Teichen wurde von der Regierung&lt;br /&gt;
vorgegeben, die dieses Konzept in der gan-&lt;br /&gt;
zen Region empfiehlt,« sagt Grete Fozdar,&lt;br /&gt;
ein ehemaliges Mitglied des Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rates der Bahä’f in Malaysia, die&lt;br /&gt;
Enteban Ulu und Umgebung häufig be-&lt;br /&gt;
sucht. »Aber die im Ort ansässigen Bahä’i&lt;br /&gt;
waren die treibende Kraft bei diesem Pro-&lt;br /&gt;
jekt. Obwohl es ein Projekt für das ganze&lt;br /&gt;
Dorf ist, waren es die Bahä’1, die alle Be-&lt;br /&gt;
wohner so zur Zusammenarbeit bewegen&lt;br /&gt;
konnten, daß das Projekt sehr erfolgreich&lt;br /&gt;
wurde.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Fischteiche, die jeweils&lt;br /&gt;
ca. 0,4 Hektar groß sind, stellen nun mehr&lt;br /&gt;
Fische zur Verfügung, als die ca. 200-köp-&lt;br /&gt;
fige Dorfgemeinschaft für sich selbst&lt;br /&gt;
braucht. Die Gemeinde hat auch damit be-&lt;br /&gt;
gonnen, Obstbäume anzupflanzen, und das&lt;br /&gt;
aus dem Fischverkauf verdiente Geld wur-&lt;br /&gt;
de zum Kauf einer Reismühle verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Unternehmungen einer Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft sind nicht immer erfolgreich.&lt;br /&gt;
Obwohl die Iban im Langhaus harmonisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
miteinander zusammenleben, ist dennoch&lt;br /&gt;
jede Familie für die eigene Versorgung ver-&lt;br /&gt;
antwortlich. Jede Familie hat ihr eigenes&lt;br /&gt;
Stück Land, auf dem sie weißen Pfeffer,&lt;br /&gt;
Tapioka, Reis, Bananen, Kakao, Mais,&lt;br /&gt;
Gummi und Ananas anbaut. Die meisten&lt;br /&gt;
Ernteerträge werden im Dorf selbst ver-&lt;br /&gt;
zehrt; Überschüsse werden außerhalb des&lt;br /&gt;
Dorfes verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Regierung das Konzept&lt;br /&gt;
der Fischteiche propagiert, ist die Bewirt-&lt;br /&gt;
schaftung und Verwaltung oft schwierig für&lt;br /&gt;
Dörfer wie Enteban Ulu, in denen noch&lt;br /&gt;
keine Tradition solcher gemeinschaftlicher&lt;br /&gt;
Organisationsformen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zehn Jahren hatten zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel die Dorfbewohner von Enteban Ulu&lt;br /&gt;
bereits versucht, in zwei Teichen Fische zu&lt;br /&gt;
züchten. Das Projekt blieb erfolglos, da sie&lt;br /&gt;
nirgends Fischbrut bekommen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kürzlich begonnene und er-&lt;br /&gt;
folgreiche Fischteichprojekt wurde ins Le-&lt;br /&gt;
ben gerufen, nachdem Dajai Mancha, ein&lt;br /&gt;
junger Dorfbewohner, aus der Stadt zurück-&lt;br /&gt;
gekommen war, wo er Landwirtschaft stu-&lt;br /&gt;
diert hatte. Herr Mancha, der auch Bahä’i&lt;br /&gt;
ist, sagte dem örtlichen Geistigen Rat, daß&lt;br /&gt;
man Fischbrut ganz einfach von der Regie-&lt;br /&gt;
rung bekommen könne, und er schlug einen&lt;br /&gt;
neuen Versuch zum Anlegen von Fischtei-&lt;br /&gt;
chen vor. Nachdem der örtliche Geistige&lt;br /&gt;
Rat Herrn Mancha angehört hatte, unter-&lt;br /&gt;
breitete der Bahä’i-Rat dem ganzen Dorf&lt;br /&gt;
diesen Vorschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Dorf bildete einen Ausschuß&lt;br /&gt;
zur Durchführung des Projekts,« sagt Dajai&lt;br /&gt;
Mancha, der jetzt in der Kreditabteilung&lt;br /&gt;
einer Bank in der Hauptstadt Kuching ar-&lt;br /&gt;
beitet. »Die meisten Ausschußmitglieder&lt;br /&gt;
sind Bahä’i. Und daher, glaube ich, können&lt;br /&gt;
sie besser zusammenarbeiten. Sie haben&lt;br /&gt;
sich mit Regierungsvertretern getroffen,&lt;br /&gt;
um Fischbrut gebeten usw.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl nur zehn Familien Bahä’i&lt;br /&gt;
sind, haben Mitglieder aller Kampong-&lt;br /&gt;
familien dabei geholfen, eigenhändig&lt;br /&gt;
fünf neue Teiche zu graben und die bei-&lt;br /&gt;
den bereits vorhandenen Teiche zu ver-&lt;br /&gt;
bessern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Graben war der erste wichtige&lt;br /&gt;
Schritt. Nachdem das abgeschlossen war,&lt;br /&gt;
wurden offizielle Vertreter der örtlichen&lt;br /&gt;
Niederlassung des Landwirtschaftsmini-&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=31}}steriums eingeladen. »Sie sahen, daß wir&lt;br /&gt;
es mit den Fischteichen ernst meinten,«&lt;br /&gt;
sagt Chubut Mancha, Dajais älterer Bru-&lt;br /&gt;
der, »und — wie mein Bruder gesagt hatte&lt;br /&gt;
— halfen sie uns beim Aufziehen der&lt;br /&gt;
Fischzucht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dorfbewohner benutzen Ta-&lt;br /&gt;
piokablätter und Reishülsen als Fischfut-&lt;br /&gt;
ter. »Wenn wir nicht auf unseren Äckern&lt;br /&gt;
arbeiten, dann arbeiten wir an den Fisch-&lt;br /&gt;
teichen,« sagt Chubut Mancha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der&lt;br /&gt;
Fischfütterung müs-&lt;br /&gt;
sen die Fischteiche&lt;br /&gt;
auch ständig gepflegt&lt;br /&gt;
werden. »Die eine&lt;br /&gt;
Fischsorte wühlt sich&lt;br /&gt;
in die Teichufer ein;&lt;br /&gt;
deshalb haben wir die&lt;br /&gt;
Ränder mit mehr Er-&lt;br /&gt;
de und Holzstücken&lt;br /&gt;
befestigt, damit die&lt;br /&gt;
Fische im Teich blei-&lt;br /&gt;
ben,« sagt Chubut&lt;br /&gt;
Mancha. Ohne solche&lt;br /&gt;
Instandhaltung wür-&lt;br /&gt;
den die Fische aus&lt;br /&gt;
dem Teich in den na-&lt;br /&gt;
hegelegenen Fluß&lt;br /&gt;
entweichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einigen&lt;br /&gt;
Teichen werden im&lt;br /&gt;
Juni, aus anderen im Dezember die Fische&lt;br /&gt;
gefangen. Nach dem Fischfang erhält jede&lt;br /&gt;
Familie einen gleichgroßen Anteil an Fi-&lt;br /&gt;
schen. Der Rest wird verkauft. Etwas Geld&lt;br /&gt;
wird für die Instandhaltung der Teiche be-&lt;br /&gt;
nutzt, der Rest wird unter den Familien&lt;br /&gt;
aufgeteilt. Die Aufteilung des Geldes ist&lt;br /&gt;
manchmal schwierig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das häufigste Problem der Dorf-&lt;br /&gt;
bewohner ist der Umgang mit Geld,« sagt&lt;br /&gt;
Dajai Mancha. »Dabei kommt es oft zu&lt;br /&gt;
Meinungsverschiedenheiten. Aber in Dör-&lt;br /&gt;
fern, in denen die Bahä’i-Lehren Anwen-&lt;br /&gt;
dung finden, können sie sich meist über&lt;br /&gt;
die Verwendung von Geldern einigen, die&lt;br /&gt;
z.B. durch Fischteiche erwirtschaftet wer-&lt;br /&gt;
den.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es kann auch problematisch sein,&lt;br /&gt;
alle dazu zu bringen, sich an der Fischfüt-&lt;br /&gt;
terung zu beteiligen,« fügt er hinzu.&lt;br /&gt;
»Denn wenn etwas der ganzen Gemein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft gehört, neigen die Menschen dazu,&lt;br /&gt;
sich als einzelne weniger verantwortlich&lt;br /&gt;
zu fühlen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bahä’i-Familien in Enteban&lt;br /&gt;
Ulu in ihrem Gottesdienst nach dem Ideal&lt;br /&gt;
der Einheit streben, werden gemeinschaft-&lt;br /&gt;
liche Unternehmungen anderer Art auch&lt;br /&gt;
einfacher, wie Dajai Mancha und andere&lt;br /&gt;
meinen. »Wir stehen morgens um 5.30 Uhr&lt;br /&gt;
auf, um eine Morgenandacht abzuhalten,&lt;br /&gt;
bevor wir zur Arbeit gehen,« sagt Dajai&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mancha. »Das hilft direkt oder indirekt&lt;br /&gt;
beim Aufbau von Zusammenarbeit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fischteichprojekt in Enteban&lt;br /&gt;
Ulu ist eines von über 60 sozialen und&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Kleinprojekten, die ört-&lt;br /&gt;
liche Bahä’i-Gemeinden in Malaysia unter-&lt;br /&gt;
nehmen. Zu den anderen Aktivitäten, von&lt;br /&gt;
denen einige in Zusammenarbeit mit ande-&lt;br /&gt;
ren Organisationen durchgeführt werden,&lt;br /&gt;
gehören Gartenbauprojekte, Lese- und&lt;br /&gt;
Schreibunterricht, Bemühungen um grund-&lt;br /&gt;
legende Gesundheitserziehung sowie&lt;br /&gt;
andere Fischteichprojekte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es gibt inzwischen in anderen um-&lt;br /&gt;
liegenden Dörfern auch einige Fischtei-&lt;br /&gt;
che,« sagt Dajai Mancha. »Sie treten in die&lt;br /&gt;
Fußstapfen unseres Dorfes.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY,&lt;br /&gt;
Oktober-Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansicht des Dorfes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Enteban Ulu in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sarawak/Malaysia.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vordergrund&lt;br /&gt;
einer der sieben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fischteiche, die die&lt;br /&gt;
Dorfbewohner von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hand gegraben haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hintergrund das&lt;br /&gt;
Langhaus, in dem die&lt;br /&gt;
gesamte Einwohner-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft von 200&lt;br /&gt;
Menschen lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=32}}32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vermächtnis von Rio:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
globale Sichtweise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erdgipfel und das Globale Forum geben der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit eine neue Zielrichtung; Themen wie&lt;br /&gt;
Einheit, Grassroot-Tätigkeiten und Geistigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tauchen auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RIO DE JANEIRO: Auf jeden Fall&lt;br /&gt;
haben der Erdgipfel und dessen Begleitkon-&lt;br /&gt;
ferenz, das Globale Forum ’92, Geschichte&lt;br /&gt;
gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Meilenstein in der&lt;br /&gt;
Menschheitsgeschichte, daß über 100&lt;br /&gt;
Staatsoberhäupter, mehr als je zuvor, sich&lt;br /&gt;
versammelten, um solch&lt;br /&gt;
tiefgreifende und komplexe&lt;br /&gt;
globale Belange wie die&lt;br /&gt;
Umweltsituation und die&lt;br /&gt;
Entwicklungsarbeit mitein-&lt;br /&gt;
ander zu diskutieren. Die pa-&lt;br /&gt;
rallel dazu stattfindende&lt;br /&gt;
Konferenz von ca. 20.000&lt;br /&gt;
Vertretern nichtstaatlicher&lt;br /&gt;
Organisationen war genauso&lt;br /&gt;
beispiellos, nicht nur was&lt;br /&gt;
die Anzahl der Vertreter&lt;br /&gt;
betrifft, sondern auch im&lt;br /&gt;
Hinblick auf die Vielfalt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Repräsentanten.&lt;br /&gt;
Konkrete Ziele&lt;br /&gt;
wurden erreicht. Regie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rungsdelegationen der UN-&lt;br /&gt;
Konferenz für Umwelt und&lt;br /&gt;
Entwicklung UNCED — so&lt;br /&gt;
der offizielle Name des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gipfels für die Erde — einigten sich auf&lt;br /&gt;
zwei wichtige Verträge, die auf die Ver-&lt;br /&gt;
langsamung der Erwärmung der Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre und auf die Erhaltung der Arten-&lt;br /&gt;
vielfalt abzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regierungen akzeptierten auch die&lt;br /&gt;
Prinzipien der »Agenda 21«, eines 800 Sei-&lt;br /&gt;
ten und 121 Kapitel umfassenden Aktions-&lt;br /&gt;
plans, der die Weltgemeinschaft ins 21.&lt;br /&gt;
Jahrhundert leiten soll, und man einigte&lt;br /&gt;
sich auf die Schaffung einer UN-Kommis-&lt;br /&gt;
sion für tragbare Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beim Globalen Forum vertrete-&lt;br /&gt;
nen nichtstaatlichen Organisationen haben&lt;br /&gt;
auch einiges erreicht. Sie haben weitere&lt;br /&gt;
Verträge ausgehandelt und eine Erdcharta&lt;br /&gt;
angenommen, eine Erklärung von Prinzi-&lt;br /&gt;
pien des Umweltschutzes und der Entwick-&lt;br /&gt;
lung. Die grenz- und fachübergreifende&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit verschiedener Gruppen&lt;br /&gt;
war umfangreich und legte den Grundstein&lt;br /&gt;
für künftige Kooperation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist man sich nicht ganz&lt;br /&gt;
einig über das Ausmaß der erreichten&lt;br /&gt;
Schritte. Viele Beobachter sind der Mei-&lt;br /&gt;
nung, daß die Regierungen mehr hätten tun&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=33}}Es wurden aber auch Dinge be-&lt;br /&gt;
werkstelligt und Themen behandelt, die&lt;br /&gt;
weniger Aufmerksamkeit erregten und von&lt;br /&gt;
den Medien weitgehend unbeachtet gelas-&lt;br /&gt;
sen wurden. Trotzdem spiegeln sie starke&lt;br /&gt;
Tendenzen beider Konferenzen wider. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel sprach man viel über das gemein-&lt;br /&gt;
same Schicksal und die grundlegende Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warren Lindner, der Mitkoordina-&lt;br /&gt;
tor des 92er Globalen Forums drückte dies&lt;br /&gt;
kurz und bündig aus, als er auf das Zitat&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh hinwies, das auf dem&lt;br /&gt;
»Friedensdenkmal« steht, das am letzten&lt;br /&gt;
Tag des Gipfels für die Erde in Rio einge-&lt;br /&gt;
weiht wurde (siehe unten):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Globale Forum ’92 und der&lt;br /&gt;
Gipfel für die Erde drehten sich eigentlich&lt;br /&gt;
nicht um Umwelt und Entwicklung«, sagte&lt;br /&gt;
Warren Lindner. »Vielmehr haben sie be-&lt;br /&gt;
wiesen, was auf dem Friedensdenkmal&lt;br /&gt;
steht, nämlich ‘die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger’ «.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele betrachteten dieses Thema als&lt;br /&gt;
einen wesentlichen Bestandteil der Förde-&lt;br /&gt;
rung einer vernünftigen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Rio und Brasilien sind Meilenstei-&lt;br /&gt;
ne auf dem Weg der Menschheit zur Einheit&lt;br /&gt;
geworden,« sagte H.E. Ruud F.M. Lubbers,&lt;br /&gt;
der Premierminister der Niederlande in sei-&lt;br /&gt;
ner Rede vor den führenden Politikern beim&lt;br /&gt;
Erdgipfel. » Jetzt, da der Ost-West-Konflikt&lt;br /&gt;
vorüber ist, müssen wir uns noch mehr als&lt;br /&gt;
zuvor der Nord-Süd-Beziehung und der&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit in der Welt als Ganzes&lt;br /&gt;
widmen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Laßt uns dies als eine heilige&lt;br /&gt;
Pflicht ansehen, im Wissen darum, daß wir&lt;br /&gt;
alle nur einer Menschheit angehören und&lt;br /&gt;
daß kein Mensch und keine Nation bleiben-&lt;br /&gt;
den Frieden und Wohlergehen genießen&lt;br /&gt;
kann, so lange sie nicht als Mitglied der&lt;br /&gt;
Menschheitsfamilie handelt mit dem ent-&lt;br /&gt;
sprechenden Respekt vor der Ganzheit der&lt;br /&gt;
Schöpfung und in Harmonie unter uns al-&lt;br /&gt;
len,« fügte Lubbers hinzu. »Dies erfordert&lt;br /&gt;
neue Formen der Zusammenarbeit und der&lt;br /&gt;
weltweiten Partnerschaft.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Thema der wechselseitigen&lt;br /&gt;
Abhängigkeit trat auch in Interviews auf.&lt;br /&gt;
»Vor der UNCED-Konferenz gab es ver-&lt;br /&gt;
schiedene Gebiete — Artenschutz, Wald,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handel,« sagte Raymond Kwerepe, ein De-&lt;br /&gt;
legierter aus Botswana. »Jetzt versuchen&lt;br /&gt;
wir, diese Themen zu integrieren. Wir ha-&lt;br /&gt;
ben es mit dem globalen Dorf zu tun: Sü-&lt;br /&gt;
den, Norden, Osten und Westen. Das ist das&lt;br /&gt;
eigentliche Thema dieser Konferenz.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine größere Rolle&lt;br /&gt;
für die&lt;br /&gt;
nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Gipfel für die Erde wurde&lt;br /&gt;
auch klar, daß die Regierungen größeren&lt;br /&gt;
Respekt gegenüber dem Expertenwissen&lt;br /&gt;
und den Fähigkeiten der nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen (NGOs — non-govern-&lt;br /&gt;
mental organizations) entwickelt haben. In&lt;br /&gt;
vielen staatlichen Delegationen bei der&lt;br /&gt;
UNCED saßen auch NGO-Mitglieder.&lt;br /&gt;
Außerdem waren über 3.000 NGO-&lt;br /&gt;
Repräsentanten bei der UNCED akkredi-&lt;br /&gt;
tiert — von den über 20.000 beim Globa-&lt;br /&gt;
len Forum versammelten Vertretern gar&lt;br /&gt;
nicht zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist wirklich eine der ersten&lt;br /&gt;
Ideen, die als Ergebnis aus dieser Konfe-&lt;br /&gt;
renz hervorging, nämlich die notwendige&lt;br /&gt;
engere Zusammenarbeit mit den NGOs,«&lt;br /&gt;
sagte Frau Lansiri Nana Haidara, Mitglied&lt;br /&gt;
der UNCED-Delegation aus Mali. »Die&lt;br /&gt;
NGOs sind diejenigen, die&lt;br /&gt;
auf unterster Ebene direkt&lt;br /&gt;
mit den betroffenen Men-&lt;br /&gt;
schen zusammenarbeiten.&lt;br /&gt;
Und die Regierungen sollten&lt;br /&gt;
anerkennen, daß sie mit den&lt;br /&gt;
NGOs zusammenarbeiten&lt;br /&gt;
müssen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem stimmten Ver-&lt;br /&gt;
treter nichtstaatlicher Orga-&lt;br /&gt;
nisationen zu. »Das ist eine&lt;br /&gt;
der Errungenschaften dieser&lt;br /&gt;
Konferenz,« sagte Sir Shri-&lt;br /&gt;
dath Ramphal, der Präsident&lt;br /&gt;
der Welterhaltungsunion&lt;br /&gt;
IUCN. »UNCED _ unter-&lt;br /&gt;
scheidet sich von anderen&lt;br /&gt;
UN-Konferenzen. Die zuvor&lt;br /&gt;
geschlossenen Türen der di-&lt;br /&gt;
plomatischen Kreise haben&lt;br /&gt;
sich geöffnet. Die gesamte&lt;br /&gt;
Diskussion wurde offener.&lt;br /&gt;
Das könnte der Beginn eines&lt;br /&gt;
globalen Dialogs auf der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebene gesellschaftlicher Partner sein, an-&lt;br /&gt;
statt auf der Ebene internationaler Bürokra-&lt;br /&gt;
ten,« fügte Sir Shridath hinzu. »Genau das&lt;br /&gt;
braucht die Welt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine geistige&lt;br /&gt;
Versammlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an erregte die UNCED&lt;br /&gt;
starkes Interesse vieler Religionsgemein-&lt;br /&gt;
schaften, und die Zwillingstagung in Rio&lt;br /&gt;
zeigte in vielfältiger Weise die Anerken-&lt;br /&gt;
nung der Tatsache, daß die geistige Dimen-&lt;br /&gt;
sion des Lebens bei jeglicher Diskussion&lt;br /&gt;
der Umwelt- und Entwicklungsthemen&lt;br /&gt;
nicht ausgeklammert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zahlreichen Arbeitskreisen und&lt;br /&gt;
Symposien beim Globalen Forum wurde&lt;br /&gt;
diese Ansicht betont. Eine nächtliche Ge-&lt;br /&gt;
betswache, die am 6. Juni im Zusammen-&lt;br /&gt;
hang mit dem Welt-Umwelttag abgehalten&lt;br /&gt;
wurde, gehörte zu den am besten besuch-&lt;br /&gt;
ten Veranstaltungen des Forums, an dem&lt;br /&gt;
mehr als 16.000 Menschen teilnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Teilnehmer, die die ganze Nacht&lt;br /&gt;
anwesend waren, waren berührt von dem&lt;br /&gt;
angenehmen Gefühl der Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
und dem Zusammenkommen verschiedener&lt;br /&gt;
Religionen,« sagte Nancy Moshe, die Ko-&lt;br /&gt;
ordinatorin des Internationalen Koordina-&lt;br /&gt;
tionsausschusses für Religion und die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung von Geistigkeit bei&lt;br /&gt;
der Veränderung der Einstellungen der&lt;br /&gt;
Menschen kam als ein weiteres wichtiges&lt;br /&gt;
Unterthema zur Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was außerhalb des Gipfels für die&lt;br /&gt;
Erde passierte, wie z.B. beim Globalen&lt;br /&gt;
Forum, war in gewissem Sinne wichtiger&lt;br /&gt;
als der Erdgipfel selbst, denn in vielen&lt;br /&gt;
Diskussionen wurde eine geistige Sicht-&lt;br /&gt;
weise hervorgehoben,« sagte Dr. Narenda&lt;br /&gt;
Jain, ehemaliger indischer Botschafter&lt;br /&gt;
bei den Vereinten Nationen und Reprä-&lt;br /&gt;
sentant der International Mahavir Jain&lt;br /&gt;
Mission.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Beobachter glauben, daß das&lt;br /&gt;
langlebigste Vermächtnis der UNCED die&lt;br /&gt;
Verbreitung neuer Werte und Einstellun-&lt;br /&gt;
gen ist, die nicht nur von den von Rio aus&lt;br /&gt;
berichtenden Medien, sondern auch von&lt;br /&gt;
den Repräsentanten der Regierungen und&lt;br /&gt;
Organisationen nach ihrer Rückkehr in&lt;br /&gt;
ihre Heimatländer weltweit verbreitet&lt;br /&gt;
wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Gipfel für die Erde und das&lt;br /&gt;
Globale Forum stellen einen spürbaren&lt;br /&gt;
Schritt bei der konkreten Formulierung&lt;br /&gt;
der inneren Abhängigkeit von Umwelt-&lt;br /&gt;
und Entwicklungsthemen dar,« sagte Law-&lt;br /&gt;
rence Arturo, der Direktor des Umweltbü-&lt;br /&gt;
ros der Internationalen Bahä’i-Gemeinde.&lt;br /&gt;
»In diesen Entwicklungen zeigt sich das&lt;br /&gt;
Heranwachsen einer neuen, globalen&lt;br /&gt;
Sichtweise. Die Notwendigkeit der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Völker und Nationen wird nun von&lt;br /&gt;
Regierungen, NGOs und anderen disku-&lt;br /&gt;
tiert. Viele betrachten diese Einheit inzwi-&lt;br /&gt;
schen als Grundlage für die Schaffung ei-&lt;br /&gt;
ner verantwortungsbewußten Zukunft.&lt;br /&gt;
Schließlich wird sich herausstellen, daß&lt;br /&gt;
dies der wichtigste Beitrag der Konferenz&lt;br /&gt;
in Rio auf dem Weg zu einer Weltzivilisa-&lt;br /&gt;
tion war.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’i-Beiträge&lt;br /&gt;
zum Umweltgipfel in Rio:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Friedensdenkmal, ein Buch mit Zeichnungen von&lt;br /&gt;
Kindern, eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen, und ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Plenum des Gipfels für die Erde bis zu&lt;br /&gt;
den Zelten des Globalen Forums war die&lt;br /&gt;
Teilnahme von Bahä’f in Rio de Janeiro&lt;br /&gt;
umfangreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rio de Janeiro — Als vor hundert&lt;br /&gt;
Jahreneuropäische Gesandte nach Äthiopien&lt;br /&gt;
fuhren, unterhielt der Kaiser sie und über-&lt;br /&gt;
schüttete sie mit Geschenken. Aber bevor&lt;br /&gt;
die Fremden abreisten, befahl der Herrscher,&lt;br /&gt;
daß die Füße der Europäer gewaschen wer-&lt;br /&gt;
den sollen, damit sie auf keinen Fall auch&lt;br /&gt;
nur ein Stäubchen der heiligen äthiopischen&lt;br /&gt;
Erde über die Landesgrenzen hinaustragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat sich geändert. Bei einer&lt;br /&gt;
farbenfrohen Abschiußfeier, die den neuen&lt;br /&gt;
Geist weltweiter Zusammenarbeit symboli-&lt;br /&gt;
sieren sollte, der durch den Erdgipfel ent-&lt;br /&gt;
standen ist, wurden kleine Mengen äthiopi-&lt;br /&gt;
scher Erde und von mehr als 40 weiteren&lt;br /&gt;
Nationen in ein einer Sanduhr nachempfun-&lt;br /&gt;
denes Friedensdenkmal, das auf Initiative&lt;br /&gt;
der Internationalen Bahä’i-Gemeinde in&lt;br /&gt;
Rio errichtet wurde, eingefüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Form des Denkmals soll die&lt;br /&gt;
Realität der gegenseitigen Abhängigkeit&lt;br /&gt;
der Menschen symbolisieren, und diese&lt;br /&gt;
Symbolik blieb den Teilnehmern der Feier&lt;br /&gt;
nicht verborgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In der Vergangenheit erlaubten&lt;br /&gt;
wir niemandem, Erde unseres Landes mit-&lt;br /&gt;
zunehmen,« sagte Zegeye Asfaw, der äthio-&lt;br /&gt;
pische Minister für Landwirtschaft, Um-&lt;br /&gt;
welt und Entwicklung, in einer Pressekon-&lt;br /&gt;
ferenz vor der Abschlußfeier. »Aber wir&lt;br /&gt;
sind fest entschlossen, eine friedliche und&lt;br /&gt;
blühende Erde zu schaffen, und daher ha-&lt;br /&gt;
ben wir auch von unserer Erde etwas für&lt;br /&gt;
das Friedensdenkmal mitgebracht«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt des Friedensdenkmals,&lt;br /&gt;
das auch breit gefächerte Medienbericht-&lt;br /&gt;
erstattung in Brasilien und auf internatio-&lt;br /&gt;
naler Ebene nach sich zog, war einer der&lt;br /&gt;
selbständigen Beiträge der Internationalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde und ihrer nationalen&lt;br /&gt;
Büros zu den Tagungen über Umwelt und&lt;br /&gt;
Entwicklung in Rio. Zu den anderen von&lt;br /&gt;
Bahä’f geförderten Ereignissen und Akti-&lt;br /&gt;
vitäten in Rio gehörten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Die Vorbereitung und Veröffentlichung&lt;br /&gt;
eines Buches mit Zeichnungen und&lt;br /&gt;
Aufsätzen von Kindern über eine Welt,&lt;br /&gt;
die mehr Umweltschutz und Frieden&lt;br /&gt;
braucht. Dieses Buch mit dem Titel&lt;br /&gt;
Morgen gehört den Kindern wurde und&lt;br /&gt;
wird Repräsentanten aller beim Erd-&lt;br /&gt;
gipfel vertretenen Regierungen über-&lt;br /&gt;
reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Ein eintägiges Symposium beim Globa-&lt;br /&gt;
len Forum ’92 über »Werte und Einrich-&lt;br /&gt;
tungen für eine verantwortungsvolle&lt;br /&gt;
und immer fortschreitende Weltzivili-&lt;br /&gt;
sation«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U Die Verantwortung für die Organisation&lt;br /&gt;
einer Serie von Musik- und Kulturpro-&lt;br /&gt;
grammen während der Abende des&lt;br /&gt;
Globalen Forums ’92. Diese Veran-&lt;br /&gt;
staltungsreihe fand jeden Abend im&lt;br /&gt;
Amphitheater des Flamengo Parks&lt;br /&gt;
statt. Nach dem Grund gefragt, wes-&lt;br /&gt;
halb die Bahä’i als Organisatoren dieser&lt;br /&gt;
Veranstaltungen ausgewählt wurden,&lt;br /&gt;
sagte der verantwortliche Konferenz-&lt;br /&gt;
leiter: »Beiden Bahä’ibin ich sicher, daß&lt;br /&gt;
diese Abende nicht reine Unterhaltung&lt;br /&gt;
bieten, sondern der dort präsentierten&lt;br /&gt;
kulturellen Vielfalt eine spürbare geisti-&lt;br /&gt;
ge Dimension verleihen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U Die Abgabe einer Stellungnahme vor&lt;br /&gt;
den Regierungsvertretern im Plenum&lt;br /&gt;
des Gipfels für die Erde über die Not-&lt;br /&gt;
wendigkeit verstärkter internationaler&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit und über die Bedeu-&lt;br /&gt;
tung geistiger Grundsätze für das Errei-&lt;br /&gt;
chen eines Gesinnungswandels, dessen&lt;br /&gt;
es zur Förderung einer verantwortlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und zukunftsorientierten Entwicklung&lt;br /&gt;
bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder,&lt;br /&gt;
die verschiedene&lt;br /&gt;
Nationalitäten&lt;br /&gt;
repräsentieren,&lt;br /&gt;
stellen sich auf,&lt;br /&gt;
um Erdreich aus&lt;br /&gt;
über 40 Ländern&lt;br /&gt;
in das Denkmal zu&lt;br /&gt;
füllen. Damit soll&lt;br /&gt;
die Vereinigung&lt;br /&gt;
der Völker und&lt;br /&gt;
Nationen der Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
symbolisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das&lt;br /&gt;
Friedensdenkmal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr als 400 Menschen wohnten&lt;br /&gt;
der Einweihung des Friedensdenkmals am&lt;br /&gt;
14. Juni bei. Diese Einweihung gehörte zu&lt;br /&gt;
den Abschlußfeiern der UNCED und des&lt;br /&gt;
Globalen Forums ’92. Mehr als 30 Medien-&lt;br /&gt;
vertreter und mindestens 7 Regierungsver-&lt;br /&gt;
treter der UNCED waren anwesend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von Kindern in ihren&lt;br /&gt;
Nationaltrachten reichten Erde aus 42 Län-&lt;br /&gt;
dern von Hand zu Hand bis zum 5 Meter&lt;br /&gt;
hohen, aus Beton und Keramik bestehen-&lt;br /&gt;
den Denkmal, das von dem berühmten&lt;br /&gt;
brasilianischen Künstler und Bildhauer&lt;br /&gt;
Siron Franco entworfen und unter seiner&lt;br /&gt;
Leitung ausgeführt wurde. Es besteht aus&lt;br /&gt;
zwei Pyramiden, deren Spitzen aufeinan-&lt;br /&gt;
derstehen, sodaß die Form einer Sanduhr&lt;br /&gt;
entsteht, die symbolisiert, daß der Mensch-&lt;br /&gt;
heit die Zeit davonläuft, wenn sie sich nicht&lt;br /&gt;
einen neuen Geist weltweiter Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit zu eigen macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele der Erdproben wurden heili-&lt;br /&gt;
gen oder historischen Stätten entnommen.&lt;br /&gt;
Z.B. wurde isländische Erde vom heiligsten&lt;br /&gt;
und geschichtlich bedeutsamsten Ort beige-&lt;br /&gt;
bracht, an dem vor 1100 n. Chr. das erste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dortige Parlament gegründet worden war.&lt;br /&gt;
Indische Erde kam von Shakti Sthal, wo das&lt;br /&gt;
Denkmal für die frühere Premierministerin&lt;br /&gt;
Indira Gandhi steht; Indira Gandhi war das&lt;br /&gt;
einzige Staatsoberhaupt, das 1972 an der&lt;br /&gt;
Umweltkonferenz in Stockholm teilnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den vier oberen Seitenflächen&lt;br /&gt;
der Pyramide findet sich in vier Sprachen&lt;br /&gt;
ein Zitat von Bahä’u’lläh, dem Stifter der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion, der bereits vor über 100&lt;br /&gt;
Jahren sagte: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger.« Das&lt;br /&gt;
Zitat wurde auf englisch, portugiesisch,&lt;br /&gt;
chinesisch und terena, einer einheimischen&lt;br /&gt;
brasilianischen Sprache, in das Monument&lt;br /&gt;
eingraviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der unteren Pyramide steht&lt;br /&gt;
das Wort »Weltfrieden« in über 35 Spra-&lt;br /&gt;
chen. Ein Glasstreifen in der Mitte des&lt;br /&gt;
Denkmals erlaubt einen Blick auf die ver-&lt;br /&gt;
schiedenfarbige Erde aus den beitragen-&lt;br /&gt;
den Nationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Friedensdenkmal steht in der&lt;br /&gt;
Nähe des Santos-Dumont-Flughafens,&lt;br /&gt;
nördlich des Flamengo Parks auf dem&lt;br /&gt;
Schauplatz des Globalen Forums ’92. Das&lt;br /&gt;
Denkmal wird als bleibendes Symbol an&lt;br /&gt;
den Gipfel für die Erde und das Globale&lt;br /&gt;
Forum erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=37}}Das Kinderbuch:&lt;br /&gt;
Morgen gehört&lt;br /&gt;
den Kindern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Morgen gehört den&lt;br /&gt;
Kindern: Ein Beitrag zum Erdgipfel ’92 be-&lt;br /&gt;
inhaltet die Sorgen und Gedanken von Kin-&lt;br /&gt;
dern aus über 25 Ländern und bietet einen&lt;br /&gt;
anregenden Einblick, wie die Welt sein könn-&lt;br /&gt;
te, wenn die Völker und Nationen der Welt&lt;br /&gt;
lernten, beim Aufbau einer umweltgerechten&lt;br /&gt;
Zukunft zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch wurde von der Interna-&lt;br /&gt;
tionalen Bahä’i-Gemeinde mit Unterstüt-&lt;br /&gt;
zung des Kinderhilfswerks UNICEF und&lt;br /&gt;
der ASMA, einer Organisation für das&lt;br /&gt;
Wohlergehen und die Erziehung in der&lt;br /&gt;
Familie, herausgegeben und beinhaltet&lt;br /&gt;
Beiträge von Kindern verschiedenster&lt;br /&gt;
religiöser und kultureller Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch wurde offiziell am 12.&lt;br /&gt;
Juni beim Globalen Forum vorgestellt. Die&lt;br /&gt;
erste Auflage des 78-seitigen Buches belief&lt;br /&gt;
sich auf 15.000 Exemplare. Die Hälfte wur-&lt;br /&gt;
de der UNICEF gestiftet als Unterstützung&lt;br /&gt;
der Umweltprogramme von und für Kinder.&lt;br /&gt;
Die restlichen Exemplare werden NGOs,&lt;br /&gt;
Regierungsdelegationen und Staatsober-&lt;br /&gt;
häuptern überreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Bilder und Aufsätze in die-&lt;br /&gt;
sem Buch zeigen auf bestechende Art und&lt;br /&gt;
Weise, welche Probleme Kinder beschäf-&lt;br /&gt;
tigen angesichts einer Welt potentieller&lt;br /&gt;
Naturzerstörung, ungleicher Entwicklung&lt;br /&gt;
und fortgesetzter politischer Konflikte,&lt;br /&gt;
die die Zukunft sehr unsicher erscheinen&lt;br /&gt;
lassen,« sagte Roberto Eghrari, der ge-&lt;br /&gt;
schäftsführende Sekretär der brasiliani-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i-Gemeinde, die auch zur&lt;br /&gt;
Vorbereitung und Veröffentlichung des&lt;br /&gt;
Buches beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 80 ausgewählten Zeichnungen&lt;br /&gt;
und Aufsätze in dem Buch wurden von&lt;br /&gt;
Grundschulkindern aus 26 Ländern gemalt&lt;br /&gt;
und geschrieben. Sie wurden aus tausenden&lt;br /&gt;
Einsendungen ausgewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Beiträge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Serie von Abendveranstaltun-&lt;br /&gt;
gen im Park, die aus musikalischen und&lt;br /&gt;
kulturellen Darbietungen bestanden, wur-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den von der Internationalen Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde, die eine Vollzeitkraft im Büro des&lt;br /&gt;
Globalen Forums beschäftigte, organi-&lt;br /&gt;
siert. Diese Veranstaltungsreihe wurde in&lt;br /&gt;
vielerlei Hinsicht zum Herzstück und&lt;br /&gt;
beseelte das Globale Forum, eine Gele-&lt;br /&gt;
genheit für verschiedenste Menschen,&lt;br /&gt;
ohne eine Tagesordnung zusammenzu-&lt;br /&gt;
kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel der Veranstaltungsreihe&lt;br /&gt;
war, mit den Worten eines der Forum-&lt;br /&gt;
Organisatoren, »die kulturelle Vielfalt der&lt;br /&gt;
Menschheitsfamilie durch verschiedene&lt;br /&gt;
Musikrichtungen aus aller Welt widerzu-&lt;br /&gt;
spiegeln«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Abend versammelten sich&lt;br /&gt;
2.000 bis 4.000 Menschen zu diesen Dar-&lt;br /&gt;
bietungen. Am 13. Juni, dem letzten Abend&lt;br /&gt;
der Veranstaltungsreihe, wurde eine »Unity&lt;br /&gt;
Show« von sechs Bahä’i-Künstlern ge-&lt;br /&gt;
zeigt. Dazu gehörte auch Kevin Locke, ein&lt;br /&gt;
Lakota Sioux vom Standing Rock Reservat&lt;br /&gt;
in South Dakota, U.S.A., der mit seiner&lt;br /&gt;
Tochter Waniya den traditionellen Reifen-&lt;br /&gt;
tanz der Lakota aufführte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’f beteiligten sich auch&lt;br /&gt;
aktiv an vielen weiteren Versammlungen&lt;br /&gt;
und Zusammenkünften des Globalen&lt;br /&gt;
Forum. Bahä’i-Vertreter arbeiten beim&lt;br /&gt;
Entwurf verschiedener NGO-Abkommen&lt;br /&gt;
mit, die beim Globalen Forum formuliert&lt;br /&gt;
wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY, April-Juni 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bild von Rodrigo&lt;br /&gt;
Ribeiro Camilo da&lt;br /&gt;
Silva, einem I3jährigen&lt;br /&gt;
Schüler an der “Schule&lt;br /&gt;
der Nationen” in&lt;br /&gt;
Brasilia. Es ist eine der&lt;br /&gt;
Arbeiten, die in dem&lt;br /&gt;
Buch “Morgen gehört&lt;br /&gt;
den Kindern”&lt;br /&gt;
veröffentlicht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Bild drückt&lt;br /&gt;
er seine Sorgen über&lt;br /&gt;
die Umweltsituation&lt;br /&gt;
aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llah - Der Herr&lt;br /&gt;
der Herrlichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RIESE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hasan M. Balyuzi, Bahä’i-Ve Verlag 1991, 601 S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUN RINZTZERSESIREESESBSHESRSENEENEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Original: Baha’u’llah - The King of Glory,&lt;br /&gt;
Kidlington 1980)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Verlag veröffentlichte zum Heiligen&lt;br /&gt;
Jahr 149 (1992/93) eine deutsche Ausgabe einer originär&lt;br /&gt;
englischsprachigen Monographie über Bahä’u’lläh.&lt;br /&gt;
Damit ist nun auch den im Englischen weniger bewan-&lt;br /&gt;
derten deutschen Lesern ein ausführliches Werk über&lt;br /&gt;
die Persönlichkeit und das Leben des Stifters der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion an die Hand gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf etwa 500 Seiten, übersichtlich in 42 Kapitel&lt;br /&gt;
untergliedert und mit über hundert Abbildungen, darun-&lt;br /&gt;
ter zahlreiche alte Fotografien, anschaulich gestaltet,&lt;br /&gt;
verfolgt der Autor chronologisch den Lebenslauf Ba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u’llähs und setzt Akzente auf die Sternstunden Seiner&lt;br /&gt;
Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundkenntnisse in der Bábi- und Bahä’i-&lt;br /&gt;
Geschichte sind zur historischen Einordnung einiger&lt;br /&gt;
Episoden hilfreich. So verzichtet der Autor zugunsten&lt;br /&gt;
einer lebendigen Darstellung auf eine stets detaillierte&lt;br /&gt;
Angabe aller Daten und nimmt mitunter auf Gescheh-&lt;br /&gt;
nisse in der Bábi-Geschichte Bezug, die als bekannt&lt;br /&gt;
vorausgesetzt werden (z.B. Bahä’u’llähs erste Gefan-&lt;br /&gt;
genschaft, die Konferenz in Badasht und die Ereig-&lt;br /&gt;
nisse um die Festung Shaykh Tabarsi in Kapitel 7-9,&lt;br /&gt;
welche Gegenstand H.M. Balyuzis älterer Monogra-&lt;br /&gt;
phie The Bab sind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vorliegende Biographie bietet auch Le-&lt;br /&gt;
sern, die die Bahä’i-Geschichte aus anderen Werken&lt;br /&gt;
kennen, viele interessante Einzelheiten. So beschreibt&lt;br /&gt;
der Autor eindrücklich Bahä’u’llähs abgeschiedenes&lt;br /&gt;
Leben im kurdischen Siedlungsgebiet nordöstlich von&lt;br /&gt;
Baghdad (Sulaymäniyyih; Kap. 21), Seine Reise nach&lt;br /&gt;
Konstantinopel (Kap. 25) u.a. und zeichnet in leben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
digen Farben die Personen, die mit Bahä’u’lläh zusam-&lt;br /&gt;
mentrafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Balyuzi stützt sich dabei im wesentlichen auf&lt;br /&gt;
vier Augenzeugen von Bahä’u’lläh ergebenen Bábi&lt;br /&gt;
bzw. Bahä’i, übersetzt zum Teil bisher unveröffent-&lt;br /&gt;
lichte Quellentexte und stellt gelegentlich interessante&lt;br /&gt;
Erzählvarianten einzelner Episoden nebeneinander,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie etwa zur Bastonade Bahä’u’llähs (S. 79-81) oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu einem Zeugnis für Vahids ergebene Geisteshaltung&lt;br /&gt;
(S. 83-84).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vielzahl persischer und arabischer Perso-&lt;br /&gt;
nennamen im Text bereiten dem deutschen Leser sicher&lt;br /&gt;
weniger Schwierigkeiten, wenn er davon Abstand&lt;br /&gt;
nimmt, alle Personen inklusive ihrer Zuordnung bei&lt;br /&gt;
erstmaligem Lesen im Gedächtnis behalten zu wollen.&lt;br /&gt;
Sich dieser Lesehürde wohl bewußt, fügt der Autor auch&lt;br /&gt;
bei wiederholter Erwähnung von Personen charakteri-&lt;br /&gt;
sierende Appositionen als Merkhilfen ein und empfiehlt&lt;br /&gt;
in seinem Vorwort dem westlichen Leser die Erläute-&lt;br /&gt;
rung persischer bzw. arabischer Namenbildung in seiner&lt;br /&gt;
Monographie The Bab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem etwa hundertseitigen Anhang werden&lt;br /&gt;
wertvolle Hintergrundinformationen gegeben. Einem&lt;br /&gt;
geschichtlichen Überblick über die gesellschaftliche&lt;br /&gt;
und politische Situation im Iran des 19. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
und anderen historischen Zeugnissen folgen Kurzbio-&lt;br /&gt;
graphien von 44 erwähnten Personen. Dankbar findet&lt;br /&gt;
man auch ein Glossar von Begriffen aus dem iranisch-&lt;br /&gt;
osmanischen Kulturkreis, das in der deutschen Ausgabe&lt;br /&gt;
auf insgesamt über achtzig Begriffe erweitert wurde.&lt;br /&gt;
Hinzu kommen eine Auswahlbibliographie, welche in&lt;br /&gt;
der deutschen Ausgabe dem heutigen bibliographischen&lt;br /&gt;
Stand angepaßt wurde, und ein ausführlicher Namen-&lt;br /&gt;
und Sachindex.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vorliegende deutsche Übersetzung des&lt;br /&gt;
Werks bietet einen gehobenen und flüssig zu lesenden&lt;br /&gt;
Sprachstil und beinhaltet in überarbeiteter Fassung zahl-&lt;br /&gt;
reiche Zitate aus bereits in deutscher Sprache erschie-&lt;br /&gt;
nener Bahä’i-Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Schrifttyp ermöglicht ein angeneh-&lt;br /&gt;
mes Lesen; ein Schutzumschlag wäre eine erfreuliche&lt;br /&gt;
Ergänzung künftiger Auflagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit viel neuem Quellenmaterial versehen und&lt;br /&gt;
spannend geschrieben, ist Bahd’u’llah eine fesselnde&lt;br /&gt;
Darstellung des jüngsten Gottesoffenbarers der Ge-&lt;br /&gt;
schichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haide Faridani&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_62.pdf|page=39}}Wir&lt;br /&gt;
Weltbürger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERENUIIINDIIII DUB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arie Brugiroux,&lt;br /&gt;
Horizonte Verlag 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a I 0 0 00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Menschheit unterwegs zur Einheit«, so&lt;br /&gt;
lautet der Untertitel. Ist sie denn das? Sind nicht gerade&lt;br /&gt;
heute größere Einheiten dabei zu zerfallen? Abspaltun-&lt;br /&gt;
gen nehmen zu, Vorurteile, Haß und Feindschaft sind&lt;br /&gt;
das Motiv für blutige Kämpfe. Ein Widerspruch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Andre Brugiroux sah auf seiner 18-jähri-&lt;br /&gt;
gen Reise durch alle Kontinente Ungerechtigkeit, Elend&lt;br /&gt;
und Uneinigkeit. Dennoch behauptet er schließlich: die&lt;br /&gt;
Erde ist ein Land, die Menschheit wird mit Sicherheit&lt;br /&gt;
zum Frieden finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er beobachtete zwei große Prozesse in der&lt;br /&gt;
Welt, den des zunehmenden Chaos und des Zerfalls&lt;br /&gt;
von Ordnungen, aber auch das stetige Zusammen-&lt;br /&gt;
wachsen der Erde, die Internationalisierung. Er spürte&lt;br /&gt;
eine neue Kraft in der Welt wirken, die die Menschen&lt;br /&gt;
vereinen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit 17 Jahren, nach seinen Aussagen »verbil-&lt;br /&gt;
det« durch Schule und Medien, belogen von Geschichts-&lt;br /&gt;
büchern und Religionsunterricht, voll von Vorurteilen&lt;br /&gt;
und dem Gefühl der Überlegenheit als Franzose, Katho-&lt;br /&gt;
lik und Angehöriger der weißen Rasse, zog er los auf&lt;br /&gt;
seine anfangs noch unbewußte Suche nach dem, was die&lt;br /&gt;
Menschen verbindet. Er lernte, daß er nur mit offenen&lt;br /&gt;
Augen, einem freien Herzen, der Bereitschaft, Vorurtei-&lt;br /&gt;
le aufzugeben und bescheiden vieles zu prüfen, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen und ihre Lebensgrundlagen wirklich verste-&lt;br /&gt;
hen lernen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sah, daß die Sehnsüchte und die Bedürfnisse&lt;br /&gt;
der Menschen überall die gleichen waren. Vor allem den&lt;br /&gt;
Wunsch nach Frieden fand er rund um den Globus.&lt;br /&gt;
Überrascht entdeckte er, wie wenig bisher beachtet wur-&lt;br /&gt;
de, daß es immer die Lehren der Religionsstifter sind,&lt;br /&gt;
die die Grundlagen des menschlichen Fortschritts und&lt;br /&gt;
der Kulturen bilden. Ihm wurde immer klarer, daß nur&lt;br /&gt;
durch göttliche Führung eine dauerhafte, friedvolle und&lt;br /&gt;
gerechte Ordnung in der Welt entstehen kann, die dem&lt;br /&gt;
Menschen in seinem materiellen, emotionalen und gei-&lt;br /&gt;
stigen Sein gerecht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ae&lt;br /&gt;
Wir Li,&lt;br /&gt;
Weltburger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIS LATE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bu ala) 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie viele Globetrotter erlebte er die Krankheit&lt;br /&gt;
der Welt, aber er fand auch, ganz unerwartet, ein Heil-&lt;br /&gt;
mittel für alle ihre Nöte, die Botschaft Bahä’u’llähs.&lt;br /&gt;
Eine Religion, die seinem Bedürfnis nach Kraft, Freude,&lt;br /&gt;
Übereinstimmung mit der Vernunft, Freiheit und Inspi-&lt;br /&gt;
ration entsprach, ein Bedürfnis, das nach ausgiebigem&lt;br /&gt;
Studium vieler Religionen, Philosophien und Ideologien&lt;br /&gt;
in ihm entstanden war. In ihr entdeckte er, daß es&lt;br /&gt;
tatsächlich eine Antwort auf alle ungelösten Probleme&lt;br /&gt;
der Menschheit gibt. Der in der Welt wirkende göttliche&lt;br /&gt;
Impuls der Erneuerung wurde für ihn durch gelebte&lt;br /&gt;
Beispiele sichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Darstellung der Bahä’i-Lehren machte er&lt;br /&gt;
zum Mittelpunkt seines Buches, da sie das »Goldene&lt;br /&gt;
Vlies seiner Odyssee« waren. Umfassend und gut ver-&lt;br /&gt;
ständlich wird die Religion Bahä’u’llähs erläutert, im&lt;br /&gt;
besonderen ihr Bezug zu den wesentlichen Fragen der&lt;br /&gt;
heutigen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Laßt euren Blick weltumfassend sein, anstatt&lt;br /&gt;
ihn auf euer Selbst zu begrenzen,« ruft Bahä’u’lläh die&lt;br /&gt;
Menschen auf. Andre Brugiroux hilft mit diesem Buch,&lt;br /&gt;
dieser neuen Sicht näher zu kommen. Er läßt uns teil-&lt;br /&gt;
haben an seinen Erlebnissen im Kontakt mit den Men-&lt;br /&gt;
schen und an seinem breiten Wissen über Geschichte,&lt;br /&gt;
Philosophie und die Religionen, das er sich zu diesem&lt;br /&gt;
Themenkreis erarbeitet hat. Er appelliert an unsere Mit-&lt;br /&gt;
verantwortung beim Prozeß der Entstehung des Welt-&lt;br /&gt;
bürgertums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elke Pollak&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_61/Text&amp;diff=75359</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 61/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=1}}{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a N&lt;br /&gt;
enEH j&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee Bu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zitate Bahä’u’llahs und&lt;br /&gt;
Bilder aus dem Heiligen&lt;br /&gt;
Land&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N Se NET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tell:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
und Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bolivien: Gewächshäuser&lt;br /&gt;
auf dem Altiplano&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=2}}INHALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah - die Herrlichkeit Gottes ...ceeeeeee.. 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Texte und Fotos als Beitrag zum Heiligen Jahr&lt;br /&gt;
Bilder von Gita Maher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achse der Einheit...............s0s0s0000000000ereos00000e 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größere und der kleinere Bund Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Weltbild................000000000000000s00nunuono00e 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtungen zu dem sich wandelnden Verhältnis&lt;br /&gt;
zwischen Naturwissenschaft und Religion&lt;br /&gt;
Ingo Hofmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewächshäuser auf dem Altiplano ................. 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bolivianisches Umweltforschungszentrum&lt;br /&gt;
konzentriert sich auf die Probleme der Hochebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Umgang mit der Übergangsphase ......... 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung: Die erste globale Revolution&lt;br /&gt;
Ein Bericht vom Rat des Club of Rome&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedenkveranstaltung in der Paulskirche....... 34&lt;br /&gt;
Auszüge aus Grußworten zu diesem Festakt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berichtigung zu Ausgabe Nr. 60 der Bahä’i-Briefe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Faksimile auf Seite 8 stellt einen Text aus den Schriften Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
dar, nicht wie irrtümlich angegeben des Báb. Wir bitten, das Versehen&lt;br /&gt;
zu entschuldigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eingangstor zu den Gartenanlagen in Bahji,&lt;br /&gt;
die den Schrein Baha’u’llahs umgeben&lt;br /&gt;
Foto: Gita Maher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
Heft 61&lt;br /&gt;
August 1992&lt;br /&gt;
20. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Briefe&lt;br /&gt;
wollen eine intensive&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
fördern und auf der&lt;br /&gt;
Grundlage&lt;br /&gt;
zeitgemäßen Denkens&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit&lt;br /&gt;
allen beitragen, die&lt;br /&gt;
sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’i in Deutschland&lt;br /&gt;
e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion:&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis, Nawid&lt;br /&gt;
Maher, Bijan Sobhani,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uwe Still, Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe, Redaktion,&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
D-6238 Hofheim 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge&lt;br /&gt;
stellen nicht notwendig die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
erscheinen halbjährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis&lt;br /&gt;
für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
20,- DM.&lt;br /&gt;
Einzelpreis 6,- DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb und Bestellungen:&lt;br /&gt;
Bahä’f-Verlag&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-6238 Hofheim 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 1992&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=3}}Die Bahä’i-Weltgemeinde begeht vom&lt;br /&gt;
21. April 1992 bis zum 20. April 1993&lt;br /&gt;
ein Heiliges Jahr im Gedenken an den&lt;br /&gt;
100. Jahrestag des Hinscheidens Ba-&lt;br /&gt;
ha’u’llahs am 29. Mai 1892. Neben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Logo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa 900 Teilnehmer, darunter Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeiten des öffentlichen Lebens&lt;br /&gt;
und Bahd’i aus dem In- und Ausland,&lt;br /&gt;
waren anwesend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kennzeichnen wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vielen lokalen und nationalen Veran-&lt;br /&gt;
staltungen finden auf Weltebene zwei&lt;br /&gt;
Konferenzen statt. Ende Mai haben&lt;br /&gt;
sich über 3.000 Baha’i aus allen in&lt;br /&gt;
der Weltgemeinde vertretenen Ländern und eth-&lt;br /&gt;
nischen Gruppen der Erde gemeinsam an der&lt;br /&gt;
Grabstätte Baha’u’llahs in einer feierlichen&lt;br /&gt;
Andacht zum Gedenken an den 100. Jahrestag&lt;br /&gt;
Seines Hinscheidens versammelt. Diese Konfe-&lt;br /&gt;
renz hat gezeigt, daß der&lt;br /&gt;
Glaube Bahä’u’llahs be-&lt;br /&gt;
reits ein breites Spektrum&lt;br /&gt;
der Menschheit zur Ein-&lt;br /&gt;
heit in Seinem Bund ge-&lt;br /&gt;
führt und die Herzen in&lt;br /&gt;
Liebe und Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit verknüpft hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als zweites wird im No-&lt;br /&gt;
vember in New York ein&lt;br /&gt;
Weltkongreß abgehalten,&lt;br /&gt;
bei dem der 100. Jahres-&lt;br /&gt;
tag der Einsetzung des&lt;br /&gt;
Bündnisses Baha’u’llahs gefeiert wird. New&lt;br /&gt;
York wurde 1912 von ‘Abdu’Il-Baha zur Stadt&lt;br /&gt;
des Bündnisses bestimmt, weil Er dort den&lt;br /&gt;
tieferen Sinn Seiner Stufe als ernannter Mittel-&lt;br /&gt;
punkt des Bundes Baha’u’llahs besonders er-&lt;br /&gt;
klärt hat. Eine Schrift über Bahä’u’llah, her-&lt;br /&gt;
ausgegeben vom Weltzentrum des Glaubens,&lt;br /&gt;
ergänzt diese Ereignisse, indem sie für Men-&lt;br /&gt;
schen in aller Welt den Anspruch Baha’u’llahs&lt;br /&gt;
kurz und präzise darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fand am 26. Mai 1992 in der&lt;br /&gt;
Frankfurter Paulskirche eine feierliche Veran-&lt;br /&gt;
staltung zum Hinscheiden Baha’u’llahs statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beiträge&lt;br /&gt;
zum Heiligen Jahr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion der Baha’i-Briefe wird&lt;br /&gt;
keine Sonderausgabe der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Briefe zum Heiligen Jahr veröffentli-&lt;br /&gt;
chen, aber in diesem und den näch-&lt;br /&gt;
sten beiden Ausgaben sind verschiedene Artikel&lt;br /&gt;
und Beiträge dem Heiligen Jahr gewidmet, so-&lt;br /&gt;
daß uns das Thema über das ganze Jahr hinweg&lt;br /&gt;
begleitet. Alle Artikel zu diesem Themenkom-&lt;br /&gt;
plex sind durch das auf dieser Seite vorgestellte&lt;br /&gt;
Logo gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Ausgabe be-&lt;br /&gt;
leuchtet der Artikel&lt;br /&gt;
“Die Achse der Einheit”&lt;br /&gt;
den Bund zwischen Gott&lt;br /&gt;
und den Menschen als&lt;br /&gt;
historisch allgegenwär-&lt;br /&gt;
tiges Phänomen und im&lt;br /&gt;
besonderen die Rolle&lt;br /&gt;
des Bündnisses in der&lt;br /&gt;
Offenbarung Baha’u-&lt;br /&gt;
&amp;quot;llahs.&lt;br /&gt;
vermitteln unkommen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tierte Zitate aus den&lt;br /&gt;
Schriften Baha’u’llahs den Geist Seiner Offen-&lt;br /&gt;
barung, begleitet von Bildern der Heiligen Stät-&lt;br /&gt;
ten der Bahä’i im Heiligen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Heiligen Jahr erscheinen die Baha’i-Brie-&lt;br /&gt;
fe in neuem Gewand, bleiben aber ihrem Na-&lt;br /&gt;
men treu und hoffen weiterhin auf die Unter-&lt;br /&gt;
stützung ihrer Leserschaft. Über Zuschriften,&lt;br /&gt;
Anregungen und Ideen freuen wir uns sehr und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünschen allen Lesern ein gesegnetes Heiliges&lt;br /&gt;
Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=4}}Bahäa’u’llah&lt;br /&gt;
CHE aldi &amp;lt;a mean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Texte aus der Ährenlese&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh Wahrlich, Ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos von Gita Maher sage, dies ist der&lt;br /&gt;
RAR RAR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NAILS&lt;br /&gt;
Angesicht des&lt;br /&gt;
aaa]&lt;br /&gt;
LT Ram 71777&lt;br /&gt;
Seine Stimme&lt;br /&gt;
KARTE&lt;br /&gt;
Gottes Ruf ist&lt;br /&gt;
erhoben, und&lt;br /&gt;
PR Bra&lt;br /&gt;
Seines Antlitzes&lt;br /&gt;
ITUTA LA]&lt;br /&gt;
Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgegangen. :&lt;br /&gt;
W&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTZER RER&lt;br /&gt;
da das Meer&lt;br /&gt;
göttlicher Gnade&lt;br /&gt;
den Menschen&lt;br /&gt;
\ offenbart ist, der&lt;br /&gt;
A 1... m Tag, da die&lt;br /&gt;
ER = ” Sonne Seiner&lt;br /&gt;
Ta]&lt;br /&gt;
BYIKUU LARA TB&lt;br /&gt;
VLTZEN TA FAIR&lt;br /&gt;
der Tag, da die&lt;br /&gt;
Wolken Seiner&lt;br /&gt;
Kara ae TA]&lt;br /&gt;
TAB RG&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
Schrein des Bab&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Berg Karmel überschatten.&lt;br /&gt;
in Haifa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(5:1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermine&lt;br /&gt;
Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achse&lt;br /&gt;
der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
» O Sohn des Menschen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhüllt in Meinem unausdenkbaren&lt;br /&gt;
Wesen und in der Ewigkeit Meines&lt;br /&gt;
Seins, erkannte ich Meine Liebe zu dir;&lt;br /&gt;
darum erschuf Ich dich, prägte dir&lt;br /&gt;
Mein Ebenbild ein und offenbarte dir&lt;br /&gt;
Meine Schönheit.« !&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle großen Religionen berichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von der unendlichen Liebe Gottes zu den&lt;br /&gt;
Menschen:&lt;br /&gt;
»Darum, daß Gott einer ist, daß Er unser&lt;br /&gt;
aller Vater ist, daß wir alle in das Meer&lt;br /&gt;
Seines Erbarmens getaucht sind und durch&lt;br /&gt;
Seine liebevolle Sorge beschützt und behü-&lt;br /&gt;
tet werden...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wird die überragende Stel-&lt;br /&gt;
lung des Menschen in der Schöpfung durch&lt;br /&gt;
seine geistigen Fähigkeiten erneut bestätigt:&lt;br /&gt;
»Die Sonne ist trotz ihrer Kraft und Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit an die Naturgesetze gebunden und&lt;br /&gt;
kann ihren Lauf nicht um Haaresbreite ver-&lt;br /&gt;
ändern. ... Nichts kann sich dem Gesetz der&lt;br /&gt;
Natur widersetzen außer dem Menschen.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und daß Gott dem Menschen »Sei-&lt;br /&gt;
ne Schönheit« offenbart, beweisen die Re-&lt;br /&gt;
ligionen, die ’Abdu’l-Bahá so beschreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Überleget, ob es in der Schöpfung&lt;br /&gt;
ein Prinzip gibt, das in irgend einer Hinsicht&lt;br /&gt;
machtvoller ist als die Religion, ob eine&lt;br /&gt;
Kraft gedacht werden kann, die durchdrin-&lt;br /&gt;
gender ist als die zahlreichen göttlichen&lt;br /&gt;
Offenbarungen...«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
größere und der kleinere Bund Baha’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u’llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ewige Bund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese drei Faktoren — die Liebe&lt;br /&gt;
Gottes zu den Menschen, die Stellung des&lt;br /&gt;
Menschen in der Schöpfung und das Prinzip&lt;br /&gt;
Religion — zeigen eine enge, dauernde&lt;br /&gt;
Verbindung zwischen Gott und Mensch,&lt;br /&gt;
Schöpfer und Geschöpf, die durch den ewi-&lt;br /&gt;
gen Bund, wie die Geschichte von Noah&lt;br /&gt;
und dem Regenbogen lehrt, besiegelt wur-&lt;br /&gt;
de. Dieser Bund hat allerdings nicht den&lt;br /&gt;
Charakter eines Vertrages unter gleichran-&lt;br /&gt;
gigen Partnern. Er gleicht eher dem Verhält-&lt;br /&gt;
nis von Schülern zu ihrer Schule oder von&lt;br /&gt;
Kindern zu ihren Eltern. Letzteres Beispiel&lt;br /&gt;
ist in vielerlei Hinsicht anwendbar, zeigt es&lt;br /&gt;
doch sehr deutlich, wie vollendetere Wesen&lt;br /&gt;
einem nicht einmal allein lebensfähigen,&lt;br /&gt;
potentiell aber vielversprechenden Wesen&lt;br /&gt;
zur Entfaltung verhelfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bindeglied&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Gott in Seiner Größe für uns&lt;br /&gt;
Menschen unvorstellbar ist, so wie der&lt;br /&gt;
Säugling sich die Mutter nicht vorstellen&lt;br /&gt;
kann, hat der Bund Gottes mit den Men-&lt;br /&gt;
schen die Religion als Bindeglied. Gott&lt;br /&gt;
wählt, wie Bahä’u’llah in Seinem Buch der&lt;br /&gt;
Gewißheir” ausführlich erläutert, bestimmte&lt;br /&gt;
Menschen aus und verleiht ihnen die Stufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Verborgene Worte, arab. Nr. 3, Bahä’i-Verlag 1982.&lt;br /&gt;
‘Abdu’1-Bahä in: Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahd’u’llähs, Bahä’i-Verlag 1977, S. 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
3 ebenda, $. 93&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’I-Bahä, Das Geheimnis göttlicher Kultur, Bahä’i-Verlag 1973, S. 77.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Das Buch der Gewißheit, Bahä’i-Verlag 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Gott in&lt;br /&gt;
Seiner Größe&lt;br /&gt;
für uns&lt;br /&gt;
Menschen&lt;br /&gt;
unvorstellbar&lt;br /&gt;
ist, hat der&lt;br /&gt;
Bund Gottes&lt;br /&gt;
mit den&lt;br /&gt;
Menschen die&lt;br /&gt;
Religion als&lt;br /&gt;
Bindeglied&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I-BRIEFE 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=6}}Landhaus in Bahji,&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs&lt;br /&gt;
letzte Wohnstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O meine Diener!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORIE ZZ T2 RA TTa TANZ RI TRTZUAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ELIA RZDTA TR Ta Ra TE LTATRRERNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herzerquickenden Frühlingszeit auf euch herabströmen, zu&lt;br /&gt;
erquicken und neu zu beleben. Die Sonne Seiner großen&lt;br /&gt;
Herrlichkeit hat ihre Strahlen auf euch ergossen, die Wolken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner grenzenlosen Gnade haben euch überschattet. Wie groß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist der Lohn dessen, der sich nicht selbst einer so großen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnade beraubt noch verfehlt, die Schönheit seines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meistgeliebten in diesem Seinem neuen Gewande zu erkennen. _ ss:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=7}}eines Gottesboten, der wie ein reiner Spiegel&lt;br /&gt;
das Wesen Gottes widerspiegelt und den&lt;br /&gt;
Menschen die Botschaft oder das Wort Got-&lt;br /&gt;
tes in für sie verständlicher Sprache mitteilt:&lt;br /&gt;
»... auf daß sie das Volk mit der göttlichen&lt;br /&gt;
Absicht vertraut machen... und jedermann&lt;br /&gt;
bewußt werde, was in jedweder menschli-&lt;br /&gt;
chen ER als Treugut Gottes verborgen&lt;br /&gt;
ist.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Gottesboten erneuern stets&lt;br /&gt;
den Bund Gottes und bringen den Menschen&lt;br /&gt;
die göttlichen Lehren als Richtschnur für&lt;br /&gt;
ihr persönliches Leben sowie für das der&lt;br /&gt;
Gesellschaft ihrer Zeit. Dafür wird von sei-&lt;br /&gt;
ten der Menschen erwartet, daß sie diesen&lt;br /&gt;
Bund akzeptieren, die göttliche Führung&lt;br /&gt;
annehmen und ihr gehorchen, so wie z.B.&lt;br /&gt;
ein Schüler die Lehrer und den Lehrplan&lt;br /&gt;
seiner Schule annimmt, um damit ein be-&lt;br /&gt;
stimmtes Reifeziel zu erreichen. Die Men-&lt;br /&gt;
schen, die den Offenbarer anerkennen und&lt;br /&gt;
durch ihn in ein Bündnis mit Gott eintreten,&lt;br /&gt;
geben ihr Versprechen, daß sie sich bemü-&lt;br /&gt;
hen wollen, die Lehren wirklich zu verste-&lt;br /&gt;
hen, die Gebote aus Liebe zu Gott zu halten&lt;br /&gt;
und die sozialen Gesetze zum Wohle der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u Der freie Wille&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich der Mensch durch seinen&lt;br /&gt;
Geist, dessen wichtigste Eigenschaft der&lt;br /&gt;
Verstand ist, von allen anderen Lebensfor-&lt;br /&gt;
men unterscheidet, hater auch einen Willen,&lt;br /&gt;
mit dem er sich für oder gegen den Bund&lt;br /&gt;
mit Gottentscheiden kann. Nach den Lehren&lt;br /&gt;
der Religionen ist jedoch der Wille Gottes&lt;br /&gt;
oder das Wort Gottes das Naturgesetz für&lt;br /&gt;
unser geistiges und stoffliches Menschsein.&lt;br /&gt;
Wir wurden von Gott erschaffen, das »Treu-&lt;br /&gt;
gut Gottes in unserer Seele«’ zu finden, uns&lt;br /&gt;
selbst und unsere geistigen Potentiale zu&lt;br /&gt;
erkennen und unsere wahre Natur zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln, die uns von allem erlöst, was die-&lt;br /&gt;
sem Ziel des Bundes mit Gott zuwiderläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ebenda&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oo 0o\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ebenda 159:4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das rechte Maß im&lt;br /&gt;
»größeren« Bündnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die goldene Regel aller Religionen&lt;br /&gt;
oder der Grundsatz des »rechten Maßes in&lt;br /&gt;
allen Dingen, den uns die Manifestatio-&lt;br /&gt;
nen stets aufs Neue erklären, kann uns nur&lt;br /&gt;
leiten, wenn wir die aus höherer Sicht in&lt;br /&gt;
den göttlichen Lehren gesteckten Grenzen&lt;br /&gt;
akzeptieren. Der Straßenverkehr einer&lt;br /&gt;
Großstadt ist hierzu ein anschauliches Bei-&lt;br /&gt;
spiel — ohne Regeln wird er zum Chaos.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh erklärt, daß alles, seies Freiheit,&lt;br /&gt;
Zivilisation oder dergleichen, einen ver-&lt;br /&gt;
derblichen Einfluß auf&lt;br /&gt;
den Menschen haben&lt;br /&gt;
wird, wenn es die&lt;br /&gt;
Grenzen des rechten&lt;br /&gt;
Maßes überschreitet.&lt;br /&gt;
Er sagt weiter: »Wahre&lt;br /&gt;
Freiheit besteht in der&lt;br /&gt;
Unterwerfung des&lt;br /&gt;
Menschen unter Mei-&lt;br /&gt;
ne Gebote, so wenig&lt;br /&gt;
ihr dies auch ver-&lt;br /&gt;
steht.«” Also ist wie-&lt;br /&gt;
derum der Bund mit&lt;br /&gt;
Gott der Garant. Liebe&lt;br /&gt;
und Vertrauen sind ele-&lt;br /&gt;
mentare _Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen und Kraftquel-&lt;br /&gt;
len für den Menschen,&lt;br /&gt;
der diesen Bund einge-&lt;br /&gt;
hen und halten will.&lt;br /&gt;
Unser freier Wille hat&lt;br /&gt;
als komplementäre&lt;br /&gt;
Bedingung die Eigen-&lt;br /&gt;
verantwortung, die&lt;br /&gt;
durch keine Vernach-&lt;br /&gt;
lässigung entschuld-&lt;br /&gt;
bar ist. Die Existenz&lt;br /&gt;
des Gottesbundes bie-&lt;br /&gt;
tet also der Mensch-&lt;br /&gt;
heit in fortschreitender&lt;br /&gt;
Folge, d.h. über die&lt;br /&gt;
Kette der Religionen,&lt;br /&gt;
die nötige Perspektive&lt;br /&gt;
für die geistige Ent-&lt;br /&gt;
wicklung des einzel-&lt;br /&gt;
nen und die kulturelle Entfaltung der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft. Das »rechte Maß« vermittelt uns&lt;br /&gt;
die jeweils jüngste Offenbarung, das »grö-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Botschaften aus ’Akka, Bahä’i-Verlag 1982, 11:2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, Ährenlese, Bahä’i-Verlag 1980, 110 und 163:3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=8}}Eingang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schrein&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs&lt;br /&gt;
in Bahji&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OR ED IE N TE TARA BRASS&lt;br /&gt;
RT Te ART ZONE TERRA&lt;br /&gt;
Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und&lt;br /&gt;
Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit. Er, die&lt;br /&gt;
Sonne der Wahrheit, bezeugt Mir: So machtvoll ist das&lt;br /&gt;
Licht der Einheit, daß es die ganze Erde erleuchten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eine, wahre Gott, der alle Dinge kennt, bezeugt die&lt;br /&gt;
WATER (132:3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 BAHA’I-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=9}}ßere Bündnis«, das deren Stifter mit den&lt;br /&gt;
Menschen schließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kleinere Bund&lt;br /&gt;
Bahaä’u’llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesem größeren Bündnis in&lt;br /&gt;
allen Religionen, das die versprochene Füh-&lt;br /&gt;
rung und den Hinweis auf die Fortsetzung&lt;br /&gt;
des ewigen Bundes in einer nächsten Of-&lt;br /&gt;
fenbarung umfaßt, hat Bahä’u’lläh mit Sei-&lt;br /&gt;
nen Anhängern einen zweiten Bund ge-&lt;br /&gt;
schlossen. Die Geschichte früherer Religio-&lt;br /&gt;
nen zeigt uns, daß im ehrlichen Bemühen,&lt;br /&gt;
die göttlichen Lehren zu verstehen, die Mei-&lt;br /&gt;
nungen der Gläubigen auseinandergingen&lt;br /&gt;
und Spaltungen entstanden. Wenn man be-&lt;br /&gt;
denkt, daß jede Offenbarung ein bestimmtes&lt;br /&gt;
Prinzip in den Mittelpunkt stellt, sind diese&lt;br /&gt;
früheren Spaltungen zwar tragisch, aber&lt;br /&gt;
nicht verhängnisvoll. Z.B. war der zentrale&lt;br /&gt;
Gedanke im Judentum die Rechtschaffen-&lt;br /&gt;
heit, im Christentum die Nächstenliebe, im&lt;br /&gt;
Islam die Unterwerfung unter den Willen&lt;br /&gt;
Gottes oder im Buddhismus die Gelassen-&lt;br /&gt;
heit. Keine Spaltung konnte den zentralen&lt;br /&gt;
Zweck beeinträchtigen. Im Bahä’i-Glauben&lt;br /&gt;
ist jedoch das zentrale Thema die Einheit.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt deutlich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mein Ziel ist kein anderes als die&lt;br /&gt;
Besserung der Welt und die Ruhe der Völker.&lt;br /&gt;
Die Wohlfahrt der Menschen, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und&lt;br /&gt;
ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.&lt;br /&gt;
Diese Einheit kann so lange nicht erreicht&lt;br /&gt;
werden, als die Ratschläge, die die Feder&lt;br /&gt;
des Höchsten offenbart hat, unbeachtet&lt;br /&gt;
übergangen werden.«!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spaltungen würden also im Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glauben den wahren Grund seiner Existenz,&lt;br /&gt;
sein zentrales Anliegen zunichte machen.&lt;br /&gt;
Deshalb hat Bahä’u’lläh einen zweiten,&lt;br /&gt;
»kleineren« Bund mit seinen Anhängern&lt;br /&gt;
geschlossen. Er setzte in Seinem Testament,&lt;br /&gt;
dem »Buch des Bundes«&#039;, Seinen ältesten&lt;br /&gt;
Sohn, ‘Abdu’I-Bahä, der seit Seiner Kind-&lt;br /&gt;
heit die Verbannung mit Ihm geteilt hatte,&lt;br /&gt;
zum Mittelpunkt dieses »kleineren Bundes«&lt;br /&gt;
ein. Bahä’u’lläh schrieb über ‘Abdu’l-Bahá:&lt;br /&gt;
»Eristder Ausleger Meines Buches, Er weiß&lt;br /&gt;
über Meine Absicht Bescheid. Alle müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 ebenda 131:2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Dokumente des Bündnisses, Bahä’i-Verlag 1989, S. 9ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Bahä’i-Briefe Nr. 46, S. 1328.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 s. ‘Abdu’l-Bahá in: H. Grossmann, Das Bündnis in den Offenbarungsreligionen, Bahä’i-Verlag 1981, S. 95-96.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich Ihm zuwenden. . .«&#039;? Diese &amp;quot;Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä verliehene Autorität über die Ausle-&lt;br /&gt;
gung des Wortes Gottes bedeutet nicht, daß&lt;br /&gt;
die Gläubigen sich keine Gedanken mehr&lt;br /&gt;
zu machen brauchen. Im Gegenteil: Eines&lt;br /&gt;
der wichtigsten Prinzipien der Lehren Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs ist das&lt;br /&gt;
selbständige For-&lt;br /&gt;
schen nach der&lt;br /&gt;
Wahrheit. Ohne&lt;br /&gt;
dieses Prinzip wä-&lt;br /&gt;
re das Prinzip der&lt;br /&gt;
Beratung, ein&lt;br /&gt;
Grundelementder&lt;br /&gt;
Weltordnung Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs, gar&lt;br /&gt;
nicht möglich.&lt;br /&gt;
Der kritische&lt;br /&gt;
Punkt ist die Re-&lt;br /&gt;
lativität mensch-&lt;br /&gt;
licher Erkenntnis.&lt;br /&gt;
Daher dürfen sol-&lt;br /&gt;
che Erkenntnisse&lt;br /&gt;
nicht zum Lehr-&lt;br /&gt;
satz aufsteigen&lt;br /&gt;
und dem Buch&lt;br /&gt;
Gottes hinzuge-&lt;br /&gt;
fügt werden, denn&lt;br /&gt;
so entstanden die&lt;br /&gt;
meisten Glau-&lt;br /&gt;
bensspaltungen,&lt;br /&gt;
von denen die&lt;br /&gt;
Menschheitsge-&lt;br /&gt;
schichte berich-&lt;br /&gt;
tet. Den »Judas«&lt;br /&gt;
jedoch, der anders&lt;br /&gt;
motiviert ist,&lt;br /&gt;
treibt nach den&lt;br /&gt;
Worten ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs sein Gel-&lt;br /&gt;
tungsbedürfnis,&lt;br /&gt;
sein enger und sein ewig dürstendes&lt;br /&gt;
Selbstgefühl. i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schützende&lt;br /&gt;
Bollwerk&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat in Seinen Schriften&lt;br /&gt;
das Grundkonzepteiner neuen Weltordnung&lt;br /&gt;
nach geistigen Prinzipien und mit prakti-&lt;br /&gt;
schen Institutionen skizziert. Da Er aber&lt;br /&gt;
vierzig Jahre lang gefangen und verbannt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=10}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Unser Wunsch und&lt;br /&gt;
Verlangen, daß jeder von euch zu&lt;br /&gt;
ZU TATRKETTADRTTR LT&lt;br /&gt;
Menschen und zu einem Beispiel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UI LRI GR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Internationales Bahä’i-Archiv am Berg Karmel in Haifa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
werde. Hütet&lt;br /&gt;
neser id&lt;br /&gt;
ara KLAR e ie ya A&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IRA RAR)&lt;br /&gt;
Nächsten&lt;br /&gt;
vorzieht.&lt;br /&gt;
Richtet eueren&lt;br /&gt;
LUD ROT EUR&lt;br /&gt;
aa&lt;br /&gt;
LED 7A&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
Er hat in&lt;br /&gt;
TITATESTATZ&lt;br /&gt;
Leben als&lt;br /&gt;
Lösegeld für&lt;br /&gt;
die Erlösung&lt;br /&gt;
AZ&lt;br /&gt;
dargebracht.&lt;br /&gt;
PENALUD EG]&lt;br /&gt;
der Allgütige,&lt;br /&gt;
a ITTIRZZ&lt;br /&gt;
OA IAINA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(146:1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war, hatte Seine Lehre zu Seinen Lebzeiten&lt;br /&gt;
in nur fünfzehn Ländern Fuß gefaßt. Zeit&lt;br /&gt;
war nötig, um die neuen Impulse in die&lt;br /&gt;
richtigen Bahnen zu lenken und die Men-&lt;br /&gt;
schen zu neuem Denken zu führen. Durch&lt;br /&gt;
Seinen Bund, dessen zentrale Autorität ‘Ab-&lt;br /&gt;
du’l-Bahä war, hatte Er dafür gesorgt, daß&lt;br /&gt;
Sein Wort vor falscher Deutung beschützt&lt;br /&gt;
blieb und unter der Anleitung ‘Abdu’l-Ba-&lt;br /&gt;
häs erklärt und verbreitet wurde. ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä reiste selbst vor dem Ersten Weltkrieg&lt;br /&gt;
nach Europa und Nordamerika und sprach&lt;br /&gt;
bei zahllosen Anlässen über die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit und die Weltordnung Ba-&lt;br /&gt;
ha’u’llähs, die den Weltfrieden und eine&lt;br /&gt;
Weltkultur zum Ziele hat. Die Weisheit und&lt;br /&gt;
Autorität ‘Abdu’l-Bahás hat trotz einiger&lt;br /&gt;
heftiger Angriffe die Einheit des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens bewahrt. Der kleinere Bund er-&lt;br /&gt;
wies sich als schützendes Bollwerk. Als&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahá 1921 diese Welt verließ, hatte&lt;br /&gt;
Er kraft der Ihm von Bahä’u’lläh verliehe-&lt;br /&gt;
nen Autorität in Seinem Testament Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, Seinen ältesten Enkel, als »Hüter&lt;br /&gt;
des Glaubens« und damit als nächste zen-&lt;br /&gt;
trale Autorität eingesetzi.!* Unter seiner&lt;br /&gt;
Führung wurden der Glaube weltweit ver-&lt;br /&gt;
breitet, Angriffe auf das Bündnis und damit&lt;br /&gt;
auf die Einheit der Glaubensgemeinschaft&lt;br /&gt;
gemeistert, und zahlreiche der für eine Welt-&lt;br /&gt;
ordnung vorgesehenen Institutionen wur-&lt;br /&gt;
den modellhaft errichtet. Durch diese Vor-&lt;br /&gt;
bereitung konnte bald nach dem Tode Sho-&lt;br /&gt;
ghi Effendis (1957) das von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
vorgesehene Weltgremium des Glaubens,&lt;br /&gt;
das »Universale Haus der Gerechtigkeit«,&lt;br /&gt;
von delegierten Bahä’i aus aller Welt ge-&lt;br /&gt;
wählt werden. Dieses 1963 gegründete Gre-&lt;br /&gt;
mium übernahm die von Bahä’u’lläh vor-&lt;br /&gt;
gesehene Aufgabe, die Einheit der Weltge-&lt;br /&gt;
meinde zu bewahren und die Institutionen&lt;br /&gt;
der Weltordnung Bahä’u’llähs weiter aus-&lt;br /&gt;
zubauen.&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei autoritative&lt;br /&gt;
Angelpunkte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demnach gibt es im Bahä’i-Glau-&lt;br /&gt;
ben zwei autoritative Angelpunkte: Dereine&lt;br /&gt;
ist das »Buch« mit den Äußerungen Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs sowie den Auslegungen ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 s. Dokumente des Bündnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäs und den Erklärungen Shoshi Effen-&lt;br /&gt;
dis. Der zweite ist das Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, das über alles entscheiden&lt;br /&gt;
muß, wasim Buch nicht ausdrücklich gesagt&lt;br /&gt;
ist. Das bedeutet, daß am Wort Gottes nicht&lt;br /&gt;
zu rütteln ist, daß aber die Entscheidungen,&lt;br /&gt;
die dieses Weltgremium fällt, für alle Bahä’f&lt;br /&gt;
als verbindlich gelten. Diese Entscheidun-&lt;br /&gt;
gen können, da sie nicht Teil des Buches&lt;br /&gt;
sind, von diesem Gremium selbst abgeän-&lt;br /&gt;
dert werden, wenn die Umstände oder Ent-&lt;br /&gt;
wicklungen es erfordern. Damit verbindet&lt;br /&gt;
der Bund Bahä’u’llähs Einheit und Flexibi-&lt;br /&gt;
lität auf wunderbare Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erlösende&lt;br /&gt;
Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es ist bemerkenswert«, schreibt&lt;br /&gt;
das Universale Haus der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
»daß in der Ordnung Bahä’u’llähs der ein-&lt;br /&gt;
zelne, wenngleich sein Wille dem der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft untergeordnet ist, sich nicht in der&lt;br /&gt;
Masse verliert, sondern zum Brennpunkt&lt;br /&gt;
elementarer Entwicklung wird, so daß der&lt;br /&gt;
Strom des Fortschritts seinen eigenen Platz&lt;br /&gt;
findet und die ganze Gesellschaft aus dem&lt;br /&gt;
Reservoir der Talente und Fähigkeiten der&lt;br /&gt;
sie konstituierenden einzelnen Nutzen zie-&lt;br /&gt;
hen kann. So findet der Mensch die Erfül-&lt;br /&gt;
lung des ihm eigenen Potentials&#039;® nicht in&lt;br /&gt;
derbloßen Befriedigung seiner Bedürfnisse,&lt;br /&gt;
sondern in der Erfahrung seiner Ganzheit&lt;br /&gt;
durch das Einssein mit der Menschheit und&lt;br /&gt;
dem göttlich bestimmten Zweck der ganzen&lt;br /&gt;
Schöpfung...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Führt dies nicht zu dem naheliegen-&lt;br /&gt;
den Schluß, daß ‘wahre Freiheit’ Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lähs Liebesgabe an die Menschheit&lt;br /&gt;
ist? Bedenken wir, was Er getan hat: Er&lt;br /&gt;
offenbarte Gesetze und Grundsätze, die&lt;br /&gt;
Freien zu führen; Er errichtete eine Ord-&lt;br /&gt;
nung, die Freien in ihrem Handeln zu leiten;&lt;br /&gt;
er verkündete einen Bund, die Einheit der&lt;br /&gt;
Freien zu sichern. So gelangen wir zu der&lt;br /&gt;
entscheidenden Einsicht: Bahä’u’lläh kam,&lt;br /&gt;
die Menschheit zu befreien. Seine Offenba-&lt;br /&gt;
rung ist in der Tat eine Einladung zur Frei-&lt;br /&gt;
heit — Freiheit von Mangel, Freiheit von&lt;br /&gt;
Krieg, Freiheit zur Einheit, Freiheit zum&lt;br /&gt;
Fortschritt, Freiheit in Frieden und Freu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 s. David Hofman, ‘Abdu’I-Bahäs Wille und Testament, Bahä’i-Verlag 1985.&lt;br /&gt;
16 s. in 6): »das Treugut Gottes in der menschlichen Seele«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I-BRIEFE&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=12}}Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit am Berg Karmel in Haifa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erhabenste Wesen spricht: O ihr Menschenkinder! Der&lt;br /&gt;
Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion&lt;br /&gt;
beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern,&lt;br /&gt;
ara TAT RITA a BTATanTT.&lt;br /&gt;
Verbundenheit unter den Menschen zu pflegen. Laßt sie nicht&lt;br /&gt;
zur Quelle der Uneinigkeit und der Zwietracht, des Hasses&lt;br /&gt;
und der Feindschaft werden. Dies ist der gerade Pfad, die&lt;br /&gt;
feste, unverrückbare Grundlage. Was immer auf dieser&lt;br /&gt;
Grundlage errichtet ist, dessen Stärke können Wandel und&lt;br /&gt;
Wechsel der Welt nie beeinträchtigen, noch wird der Ablauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BO Na AT TOTER FaRLTZLR a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=13}}de...&amp;quot; und der Chance zum »rechten Maß,&lt;br /&gt;
das den Genuß wahrer Freiheit verbürgt. E&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vision der&lt;br /&gt;
Propheten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Bündnis Bahä’u’llähs, das un-&lt;br /&gt;
aufhörlich für die Förderung menschlicher&lt;br /&gt;
Einheit wirkt, hat seine Macht bewiesen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie das Lebensganze dieser gottgege-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
benen Ordnung voranschreitet, so werden&lt;br /&gt;
die wohltätigen Kräfte und Einflüsse, die&lt;br /&gt;
nach dem Willen ihres Urhebers im Keim&lt;br /&gt;
verwahrt sind, naturgemäß ihre schöpferi-&lt;br /&gt;
sche Rolle spielen, bis das Reifestadium&lt;br /&gt;
erreicht und diese Welt zu dem lang verhei-&lt;br /&gt;
Benen Königreich Gottes geworden ist, das&lt;br /&gt;
die Vision der Propheten vergangener Zei-&lt;br /&gt;
ten und die Wirklichkeit dererhabenen Wor-&lt;br /&gt;
te Bahä’u’llähs in aller Schönheit offen-&lt;br /&gt;
bart.«&#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Freiheit und Ordnung, Bahä’i-Verlag 1989, S. 30-32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 David Hofman, ‘Abdu’l-Bahás Wille und Testament, S. 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHANI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingo Hofmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Weltbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtungen zu dem sich wandelnden Verhältnis&lt;br /&gt;
zwischen Naturwissenschaft und Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BE Vorbemerkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Jahrhundert hat die&lt;br /&gt;
Wissenschaft durch eine ungeahnte Evolu-&lt;br /&gt;
tion des Wissens in fast allen Bereichen&lt;br /&gt;
universale Bedeutung erlangt. Der Glaube&lt;br /&gt;
an die Wissenschaft ist an die Stelle des&lt;br /&gt;
religiösen Glaubens getreten. Während die&lt;br /&gt;
Wissenschaft die Welt fortwährend »objek-&lt;br /&gt;
tiv« verändert, haben die meisten Men-&lt;br /&gt;
schen in den technisch hochentwickelten&lt;br /&gt;
Ländern von ihrer Religion nur »subjekti-&lt;br /&gt;
ve« Erwartungen. Das »Subjektive« liegt&lt;br /&gt;
für sie in der Erfüllung privater Hoffnungen&lt;br /&gt;
und der Erwartung einer Erlösung im Jen-&lt;br /&gt;
seits. Für die überwiegende Mehrzahl der&lt;br /&gt;
Menschen in der christlichen Welt ist die&lt;br /&gt;
Wissenschaft grundsätzlich glaubwürdig,&lt;br /&gt;
die Religion hingegen äußerst fragwürdig.&lt;br /&gt;
Diese Spaltung des Bewußtseins ist ein&lt;br /&gt;
Grundproblem des modernen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion, deren Entste-&lt;br /&gt;
hung in das Zeitalter der Geburt der moder-&lt;br /&gt;
nen Naturwissenschaft fällt, liefert eine&lt;br /&gt;
zeitgemäße Antwort auf die Frage, wie die&lt;br /&gt;
Kluft zwischen dem Objektiven und dem&lt;br /&gt;
Subjektiven, dem Nützlichen und dem&lt;br /&gt;
Wahren, der Religion und der Wissenschaft&lt;br /&gt;
überwunden werden kann. Wissenschaft ist&lt;br /&gt;
das Mittel, um blinde Nachahmung und&lt;br /&gt;
Vorurteile abzubauen und den Menschen&lt;br /&gt;
zu einer höheren Sicht der Wahrheit zu&lt;br /&gt;
führen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Religion und Wissenschaft sind&lt;br /&gt;
die beiden Flügel, auf denen sich die&lt;br /&gt;
menschliche Geisteskraft zur Höhe erheben&lt;br /&gt;
und mit denen die menschliche Seele Fort-&lt;br /&gt;
schritte machen kann. Mit einem Flügel&lt;br /&gt;
allein kann man unmöglich fliegen...«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch auf der Seite der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft zeichnet sich mit dem Ende des 20.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts eine Wende ab. Bei den Na-&lt;br /&gt;
turwissenschaftlern, insbesondere den Phy-&lt;br /&gt;
sikern, hat ein Prozeß des Umdenkens be-&lt;br /&gt;
gonnen. Die Haltung gegenüber Transzen-&lt;br /&gt;
denz ist einer neuen Offenheit gewichen.&lt;br /&gt;
Die Suche nach einem Religionsverständ-&lt;br /&gt;
nis, das auch naturwissenschaftliches Den-&lt;br /&gt;
ken befriedigen kann, hat begonnen. Es gilt&lt;br /&gt;
als anerkannt, daß die rationalwissenschaft-&lt;br /&gt;
liche Methode bei der Lösung vieler Pro-&lt;br /&gt;
bleme auf Grenzen stößt. Die Frage nach&lt;br /&gt;
dem Sinn läßt sich wissenschaftlich nicht&lt;br /&gt;
beantworten. Es gibt immer mehr Men-&lt;br /&gt;
schen, die eine Gesamtorientierung suchen,&lt;br /&gt;
in der sich wissenschaftliches und religiö-&lt;br /&gt;
ses Weltbild nicht widersprechen. So hat&lt;br /&gt;
auch die Zerstörung der Natur durch Tech-&lt;br /&gt;
nik und Wirtschaft grundsätzliche Zweifel&lt;br /&gt;
am wissenschaftlichen Fortschritt aufkom-&lt;br /&gt;
men lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 ”Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, Bahä’i-Verlag 1973, 6. Aufl., Kap. 44, S. 113&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=15}}I. Wandel im Weltbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1515 schrieb Galilei noch&lt;br /&gt;
folgendes: »Gott hat zwei Bücher geschrie-&lt;br /&gt;
ben: das Buch der Natur und das Heilige&lt;br /&gt;
Buch. Der gleiche Gott hat beide Bücher&lt;br /&gt;
geschrieben.« Mit dieser Einsicht war end-&lt;br /&gt;
gültig die lange Epoche des Christentums&lt;br /&gt;
zu Ende gegangen, in der nur die Bibel, das&lt;br /&gt;
»Buch der Religion«, anerkannt war. Die&lt;br /&gt;
Naturwissenschaft hatte als eigenständige&lt;br /&gt;
Disziplin ihren Siegeszug begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder Galilei noch ein halbes Jahr-&lt;br /&gt;
hundert nach ihm Newton hatten allerdings&lt;br /&gt;
die Absicht gehabt, Gott Seinen Platz als&lt;br /&gt;
Schöpfer streitig zu machen. Newton war&lt;br /&gt;
noch der festen Überzeugung, daß die neu&lt;br /&gt;
entdeckte Lehre von der Bewegung der&lt;br /&gt;
Himmelskörper gemäß physikalischer Ge-&lt;br /&gt;
setze Ausdruck des Wirkens einer göttli-&lt;br /&gt;
chen Ordnung im Universum sei. Gott&lt;br /&gt;
stand für ihn einer rationalen Welterklärung&lt;br /&gt;
nicht im Wege. Er gestand Gott sogar zu,&lt;br /&gt;
gelegentlich in die Planetenbewegung kor-&lt;br /&gt;
rigierend einzugreifen, um Störungen zu&lt;br /&gt;
verhindern. Noch zu Lebzeiten Newtons&lt;br /&gt;
wurde der Konflikt zwischen Wissenschaft&lt;br /&gt;
und Religion bei der Erklärung der Welt&lt;br /&gt;
immer offensichtlicher. Der Erfolg der ma-&lt;br /&gt;
thematisch begründeten Mechanik war&lt;br /&gt;
nicht mehr aufzuhalten. Wozu einen Gott,&lt;br /&gt;
wenn die Naturgesetze auf rationalem We-&lt;br /&gt;
ge alles erklären konnten? Im 19. Jahrhun-&lt;br /&gt;
dert hatte diese Entwicklung ihren Höhe-&lt;br /&gt;
punkt erreicht. Eine allgemeine Verherrli-&lt;br /&gt;
chung der Wissenschaft griff um sich: So&lt;br /&gt;
riet der englische Physiker Lord Kelvin&lt;br /&gt;
einem Studenten davon ab, Physik zu stu-&lt;br /&gt;
dieren, da sich kaum noch Neues finden&lt;br /&gt;
ließe; der amerikanische Physiker Michel-&lt;br /&gt;
son sah den Fortschritt im wesentlichen nur&lt;br /&gt;
noch in einer genaueren Messung der Na-&lt;br /&gt;
turkonstanten auf mehrere Stellen hinter&lt;br /&gt;
dem Komma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j Das mechanistische&lt;br /&gt;
Weltbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erfolg der klassischen Mecha-&lt;br /&gt;
nik war einer der Hauptfaktoren bei der&lt;br /&gt;
Entstehung des materialistischen und athe-&lt;br /&gt;
istischen Weltbilds des 19. Jahrhunderts,&lt;br /&gt;
dessen Auswirkungen bis in die heutige&lt;br /&gt;
Zeit fortdauern. Auf den Bewegungsgeset-&lt;br /&gt;
zen Newtons aufbauend stellte man sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Universum als gigantischen Mechanis-&lt;br /&gt;
mus vor, der durch mathematische Gesetze&lt;br /&gt;
vollendet beschrieben werden konnte. Alles&lt;br /&gt;
sollte physikalisch erklärbar sein. Am wei-&lt;br /&gt;
testen ging der französische Physiker La-&lt;br /&gt;
place. Für ihn konnten alle Atome des Welt-&lt;br /&gt;
alls durch exakte Bewegungsgesctze be-&lt;br /&gt;
schrieben werden, die selbst das kleinste&lt;br /&gt;
Detail festlegten. Ist der Zustand der Welt&lt;br /&gt;
zu einem Zeitpunkt bekannt, dann ist die&lt;br /&gt;
gesamte Zukunft des Kosmos durch die&lt;br /&gt;
Newtonschen Bewegungsgesetze festge-&lt;br /&gt;
legt, vom Prinzip her sogar berechenbar.&lt;br /&gt;
Dieser Determinismus hat das wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Weltbild unserer Zeit nachhaltig&lt;br /&gt;
beeinflußt. Wenn die Zukunft vollständig&lt;br /&gt;
durch die Vergangenheit bestimmt ist und&lt;br /&gt;
damit praktisch bereits in der Vergangen-&lt;br /&gt;
heit enthalten ist, hat die Zeit keinen echten&lt;br /&gt;
Sinn mehr. Gott hat sich von Anfang an von&lt;br /&gt;
der Welt verabschiedet und ist damit für alle&lt;br /&gt;
weiteren Betrachtungen überflüssig. Das&lt;br /&gt;
»Buch der Religion« wurde damit in der&lt;br /&gt;
Rumpelkammer der Geschichte abgestellt&lt;br /&gt;
und das »Buch der Wissenschaft« zum&lt;br /&gt;
Bestseller erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Welt nichts wirklich Neu-&lt;br /&gt;
es hervorbringt, dann ist auch der Mensch&lt;br /&gt;
letztlich überflüssig, »ein Zigeuner am&lt;br /&gt;
Rande des Weltalls«, wie der französische&lt;br /&gt;
Evolutionsforscher Monod noch vor weni-&lt;br /&gt;
gen Jahren schrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahrhundert&lt;br /&gt;
des Umbruchs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst zwei bedeutende Entwicklun-&lt;br /&gt;
gen der Physik des 20.Jahrhunderts haben&lt;br /&gt;
das Bild der Welt als »Präzisionsuhrwerk«&lt;br /&gt;
mit strenger Vorherbestimmung wieder&lt;br /&gt;
umgeworfen: die Quantenmechanik und&lt;br /&gt;
die Chaostheorie. Bereits vor der Jahrhun-&lt;br /&gt;
dertwende erklärte ’Abdu’I-Bahä, daß Frei-&lt;br /&gt;
heit auf einer bestimmten Ebene existiert,&lt;br /&gt;
aber auf einer höheren Ebene durch umfas-&lt;br /&gt;
sendere Prinzipien wieder eingeschränkt&lt;br /&gt;
wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»So ist dieser Zustand dem eines&lt;br /&gt;
Schiffes zu vergleichen, das durch die Kraft&lt;br /&gt;
des Windes oder Dampfes getrieben wird;&lt;br /&gt;
hört diese Kraft auf, kann sich das Schiff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat zwei&lt;br /&gt;
Bücher&lt;br /&gt;
geschrieben:&lt;br /&gt;
das Buch der&lt;br /&gt;
Natur und&lt;br /&gt;
das Heilige&lt;br /&gt;
Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gleiche&lt;br /&gt;
Gott hat&lt;br /&gt;
beide Bücher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschrieben.”&lt;br /&gt;
(Galilei)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’TI-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat sich&lt;br /&gt;
als Schöpfer&lt;br /&gt;
nach einem&lt;br /&gt;
einmaligen&lt;br /&gt;
Schöpfungsakt&lt;br /&gt;
nicht von der&lt;br /&gt;
Welt&lt;br /&gt;
verabschiedet.&lt;br /&gt;
Er ist&lt;br /&gt;
vielmehr&lt;br /&gt;
unaufhörlich&lt;br /&gt;
Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
überhaupt nicht bewegen. Trotzdem ist es&lt;br /&gt;
das Steuer, das das Schiff in jede Richtung&lt;br /&gt;
lenkt, und die Kraft des Dampfes bewegt&lt;br /&gt;
es nur in der gewünschten Richtung. Wird&lt;br /&gt;
es nach Osten gesteuert, fährt es nach&lt;br /&gt;
Osten, wird es nach Westen gesteuert, fährt&lt;br /&gt;
es nach Westen. Die Bewegung aber geht&lt;br /&gt;
nicht vom Schiff selbst aus, sondern vom&lt;br /&gt;
Wind oder Dampf.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Quantenmechanik hat die Un-&lt;br /&gt;
bestimmtheit der Freiheit, besser gesagt die&lt;br /&gt;
Freiheit der Unbestimmtheit im atomaren&lt;br /&gt;
Bereich eingeführt, das heißt auf der Ebene&lt;br /&gt;
des Kleinsten. Nach Heisenbergs »Unbe-&lt;br /&gt;
stimmtheitsprinzip« ist der Zerfallszeit-&lt;br /&gt;
punkt eines einzelnen radioaktiven Kerns&lt;br /&gt;
grundsätzlich nicht festgelegt. Es gibt aller-&lt;br /&gt;
dings eine genau definierte Wahrschein-&lt;br /&gt;
lichkeit für den Zerfall, die zur wohlbe-&lt;br /&gt;
stimmten Halbwertszeit beim Zerfall eines&lt;br /&gt;
radioaktiven Stoffes führt. Die Quantenme-&lt;br /&gt;
chanik führt demnach zwar am einzelnen&lt;br /&gt;
Atom eine Unbestimmtheit ein; der Zerfall&lt;br /&gt;
einer wägbaren Menge, das heißt das Ver-&lt;br /&gt;
halten im Großen, ist aber durch die streng&lt;br /&gt;
definierte Wahrscheinlichkeit wieder deter-&lt;br /&gt;
ministisch. In bestimmten Situationen kann&lt;br /&gt;
allerdings die Unbestimmtheit der Quan-&lt;br /&gt;
tenmechanik im atomaren Bereich direkte&lt;br /&gt;
Auswirkungen auf das Verhalten im Gro-&lt;br /&gt;
Ben haben. Ein Beispiel sind Mutationen an&lt;br /&gt;
den Molekülen der Erbsubstanz, die die&lt;br /&gt;
Zukunft des gesamten Lebewesens bestim-&lt;br /&gt;
men können. Dies hat zur Folge, daß die&lt;br /&gt;
biologische Zukunft des Menschen immer&lt;br /&gt;
unbestimmt ist. Die Unvorhersagbarkeit ist&lt;br /&gt;
grundsätzlicher Art und nicht nur Ausdruck&lt;br /&gt;
mangelnder Kenntnis, weil die Unbe-&lt;br /&gt;
stimmtheit der Quantenmechanik grund-&lt;br /&gt;
sätzlicher Natur ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trennung zwischen Indeter-&lt;br /&gt;
minismus im Kleinen und Determinismus&lt;br /&gt;
im Großen ist aber auch durch die Chaos-&lt;br /&gt;
theorie aufgehoben worden. Ein gewöhnli-&lt;br /&gt;
ches Pendel verhält sich nichtchaotisch in&lt;br /&gt;
folgendem Sinne: eine kleine Störung der&lt;br /&gt;
Anfangsauslenkung führt selbst nach lan-&lt;br /&gt;
ger Zeit nur zu einer relativ kleinen Ände-&lt;br /&gt;
rung der Bewegung. Bei einem chaotischen&lt;br /&gt;
System ist das grundsätzlich anders. Ob-&lt;br /&gt;
wohl die Bewegung von einem exakten&lt;br /&gt;
mathematischen Gesetz beschrieben wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(daher auch die Bezeichnung »determini-&lt;br /&gt;
stisches Chaos«), führt eine noch so kleine&lt;br /&gt;
Anfangsstörung nach einer bestimmten&lt;br /&gt;
Zeit zu einer unvorhersehbaren, gewaltigen&lt;br /&gt;
Abweichung. In allen Bereichen der Phy-&lt;br /&gt;
sik, Chemie, Biologie, neuerdings auch den&lt;br /&gt;
Sozialwissenschaften, wird der sogenannte&lt;br /&gt;
»Schmetterlingseffekt« diskutiert: Es ist&lt;br /&gt;
denkbar, ja mit Großcomputern sogar nach-&lt;br /&gt;
vollziehbar, daß das Flattern eines Schmet-&lt;br /&gt;
terlings am Amazonas einen Tornado in&lt;br /&gt;
Florida auslöst. Die Chaostheorie stellt da-&lt;br /&gt;
mit eine Brücke her zwischen den exakten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesetzen der Physik und dem Gesetz des&lt;br /&gt;
Zufalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Nichtbestimmt-&lt;br /&gt;
heit der Zukunft durch die Vergangenheit&lt;br /&gt;
bedeutet, daß das Universum zeitlich »of-&lt;br /&gt;
fen« ist. Es braucht diese Offenheit, um&lt;br /&gt;
hervorzubringen, was bisher nicht war, um&lt;br /&gt;
schöpferisch evolutionär zu sein. Schöpfe-&lt;br /&gt;
rische Evolution ist die Entfaltung von Ei-&lt;br /&gt;
genschaften oder Fähigkeiten, die bisher&lt;br /&gt;
nur als verborgene Möglichkeiten existier-&lt;br /&gt;
ten. Der durch seine Untersuchungen über&lt;br /&gt;
offene Systeme bekannt gewordene Chemi-&lt;br /&gt;
ker und Nobelpreisträger Prigogine spricht&lt;br /&gt;
in diesem Zusammenhang vom »Pfeil der&lt;br /&gt;
Zeit«, der eindeutig in die Zukunft weist.”&lt;br /&gt;
Der Zukunft kommt eine neue Qualität ge-&lt;br /&gt;
genüber der Vergangenheit zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Schlußfolgerungen führen&lt;br /&gt;
über den Rahmen der Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
weit hinaus. In den Bahä’i-Schriften findet&lt;br /&gt;
sich hierzu der Gedanke, daß Unwandelba-&lt;br /&gt;
res und Wandelbares zugleich zur Welt ge-&lt;br /&gt;
hören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was besteht, bestand zuvor, aber&lt;br /&gt;
nicht in der Gestalt, in der du es heute&lt;br /&gt;
wahrnimmst.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit zu schöpferischer&lt;br /&gt;
Evolution ist auch eine Voraussetzung für&lt;br /&gt;
einen weiteren Gedanken: Gott hat sich als&lt;br /&gt;
Schöpfer nach einem einmaligen Schöp-&lt;br /&gt;
fungsakt nicht von der Welt verabschiedet.&lt;br /&gt;
Er ist vielmehr unaufhörlich Schöpfer und&lt;br /&gt;
greift damit in die schöpferische Gestaltung&lt;br /&gt;
des Universums und damit auch der Welt&lt;br /&gt;
des Menschen ein. Durch fortschreitende&lt;br /&gt;
Offenbarung Gottes in den Religionen, ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, Beantwortete Fragen, Bahä’i-Verlag 1962, Kap.70, S.242&lt;br /&gt;
3 I. Prigogine, Vom Sein zum Werden, Piper Verlag, München&lt;br /&gt;
4 Bahä’u’lläh, Botschaften aus &#039;Akkä, Bahä’i-Verlag 1982, Kap.9:9, S.164&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=17}}nem zentralen Prinzip der Lehren Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs, kann das schöpferische Wort&lt;br /&gt;
Gottes die Höherentwicklung der Men-&lt;br /&gt;
schenwelt bewirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Menschen ergibt sich dabei&lt;br /&gt;
die Frage einer Brücke von der Gegenwart&lt;br /&gt;
in die Zukunft. Die Wissenschaft kann aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grundsätzlichen Erwägungen diese Brücke&lt;br /&gt;
nicht schlagen. Da der Mensch aber ohne&lt;br /&gt;
eine solche Brücke keinen letzten Sinn für&lt;br /&gt;
sein Leben finden kann, gewinnt die Frage&lt;br /&gt;
nach einer Erklärung der Welt durch die&lt;br /&gt;
Religion und damit durch die fortschreiten-&lt;br /&gt;
de Offenbarung Gottes wieder Berechti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II. Die Frage der Wahrheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrheit&lt;br /&gt;
der Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Wahrheit der Wissenschaft er-&lt;br /&gt;
gibt sich aus ihrer Nachprüfbarkeit, Reli-&lt;br /&gt;
gion hingegen ist nicht nachprüfbar.« Die-&lt;br /&gt;
ses verbreitete Mißverständnis hat sehr zur&lt;br /&gt;
modernen Wissenschaftsgläubigkeit beige-&lt;br /&gt;
tragen. Worin liegt eigentlich die Wahrheit&lt;br /&gt;
der Naturwissenschaft?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst über ihre Methode: Jede&lt;br /&gt;
naturwissenschaftliche Theorie geht immer&lt;br /&gt;
von Axiomen und Hypothesen aus, die auf&lt;br /&gt;
mathematischanalyüiscem Wege zu&lt;br /&gt;
Schlußfolgerungen führen. Die Theorie&lt;br /&gt;
muß in sich widerspruchsfrei sein und ihre&lt;br /&gt;
Vorhersagen müssen durch das Experiment&lt;br /&gt;
bestätigt werden. Trifft das nicht zu, dann&lt;br /&gt;
ist die Theorie »falsifiziert«, d.h. falsch.&lt;br /&gt;
Wird die Theorie nicht falsifiziert, gilt sie&lt;br /&gt;
damit als »verifiziert« oder richtig. Streng&lt;br /&gt;
genommen ist also nur die Widerspruchs-&lt;br /&gt;
freiheit einer Theorie beweisbar. Es gibt&lt;br /&gt;
auch keinen Beweis dafür, daß eine wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Theorie oder ein Gesetz in der&lt;br /&gt;
Zukunft richtig ist, weil sie in der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit verifiziert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturwissenschaft kann also&lt;br /&gt;
bei kritischer Betrachtung nicht beanspru-&lt;br /&gt;
chen, »wahre« oder »objektive« Aussagen&lt;br /&gt;
über die Wirklichkeit zu treffen. Das Ergeb-&lt;br /&gt;
nis einer experimentellen Beobachtung ist&lt;br /&gt;
in gewisser Weise durch die Meßapparatur&lt;br /&gt;
bereits »vorgefärbt«. Wir müssen anerken-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Beantwortete Fragen, Kap.40, S.158&lt;br /&gt;
6 Ansprachen in Paris, Kap.44, S.115f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nen, daß jede Beschreibung der Natur nur&lt;br /&gt;
genäherten Charakter hat und auf einen von&lt;br /&gt;
vornherein eingegrenzten Bereich be-&lt;br /&gt;
schränkt bleibt. Um ein Beispiel zu geben:&lt;br /&gt;
Die Kausalität der Naturgeschehnisse ist&lt;br /&gt;
überhaupt Voraussetzung für wissenschaft-&lt;br /&gt;
liche Beschreibung; daß es Kausalität in der&lt;br /&gt;
Natur wirklich gibt, kann somit nicht durch&lt;br /&gt;
die Wissenschaft bewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Bahä’i-Schriften wird die&lt;br /&gt;
Wissenschaft definiert als die »notwendi-&lt;br /&gt;
gen Beziehungen, die aus der Wirklichkeit&lt;br /&gt;
der Dinge hervorgehen.«° ’Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
bestätigt damit die Wirklichkeitsnähe der&lt;br /&gt;
Wissenschaft, Er gesteht aber auch zu, daß&lt;br /&gt;
sich die Wirklichkeit in gewisser Weise&lt;br /&gt;
gegenüber der erkennenden Vernunft ver-&lt;br /&gt;
hüllt. Danach ist die Vernunft als Maßstab&lt;br /&gt;
berechtigt und sogar notwendig, sie ist aber&lt;br /&gt;
nicht der einzige Maßstab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat Religion und Wissenschaft&lt;br /&gt;
gewissermaßen zum Maßstab unseres Ver-&lt;br /&gt;
stehens gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gibt Anlaß zu einer demütigen&lt;br /&gt;
Haltung des Wissenschaftlers gegenüber&lt;br /&gt;
seiner Erkenntnis. Diese Demut hat übri-&lt;br /&gt;
gens in unserem Jahrhundert durch eine&lt;br /&gt;
bedeutsame Entdeckung des Mathemati-&lt;br /&gt;
kers Gödel einen unerwarteten Fürsprecher&lt;br /&gt;
gefunden. Danach führt jedes logische Sy-&lt;br /&gt;
stem zu mindestens einer Aussage, die we-&lt;br /&gt;
der als »wahr« noch als »falsch« bewiesen&lt;br /&gt;
werden kann.’ In seinen Konsequenzen für&lt;br /&gt;
die Naturerkenntnis besagt dieser Satz, daß&lt;br /&gt;
wissenschaftliche Erkenntnisse grundsätz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 D.R. Hofstadter, Gödel, Escher, Bach, KlettCottaVerlag, Stuttgart 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat&lt;br /&gt;
Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gewissermaßen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Maßstab&lt;br /&gt;
unseres&lt;br /&gt;
Verstehens&lt;br /&gt;
gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=18}}Danach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist blindes&lt;br /&gt;
Vertrauen in&lt;br /&gt;
Religion&lt;br /&gt;
ebenso&lt;br /&gt;
gefährlich&lt;br /&gt;
wie blindes&lt;br /&gt;
Vertrauen in&lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich immer irgendwann zu paradoxen Aus-&lt;br /&gt;
sagen führen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser grundsätzlichen Ein-&lt;br /&gt;
wände erfährt die Naturwissenschaft ihre&lt;br /&gt;
gewaltigste Bestätigung dadurch, daß sie an&lt;br /&gt;
jedem Ort der Erde und zu jeder Zeit zu&lt;br /&gt;
gleichen Ergebnissen geführt hat. Der »Er-&lt;br /&gt;
folg« der Naturwissenschaft rechtfertigt ge-&lt;br /&gt;
wissermaßen ihre »Richtigkeit«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrheit&lt;br /&gt;
der Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was für die Naturwissenschaft als&lt;br /&gt;
selbstverständlich gilt, wird für die Religio-&lt;br /&gt;
nen heute von den meisten Menschen stark&lt;br /&gt;
bezweifelt. Die »Mißerfolge« der Religio-&lt;br /&gt;
nen lassen erhebliche Zweifel an ihrer&lt;br /&gt;
Wahrheit aufkommen. Obwohl alle Reli-&lt;br /&gt;
gionen die Tugenden der Nächstenliebe,&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit und Friedfertigkeit predigen,&lt;br /&gt;
sind im Laufe der Geschichte im Namen&lt;br /&gt;
der Religion wohl mehr Menschen unter-&lt;br /&gt;
drückt und ausgerottet worden, als von ir-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gendeiner anderen Institution der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint, daß Anspruch und Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit bei den Religionen sehr weit aus-&lt;br /&gt;
einanderklaffen. Während in naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Fragen weltweite Überein-&lt;br /&gt;
stimmung herrscht, kann bei der Religion&lt;br /&gt;
davon keine Rede sein. »Glaube macht&lt;br /&gt;
blind« sagen die Skeptiker; »Der Wert des&lt;br /&gt;
Glaubens liegt darin, erst recht zu akzeptie-&lt;br /&gt;
ren, was die Vernunft ablehnt«, wird dem&lt;br /&gt;
oft von gläubigen Menschen entgegenge-&lt;br /&gt;
halten. Demgegenüber besteht in der zeit-&lt;br /&gt;
genössischen Theologie ein starker Trend&lt;br /&gt;
zur Verwissenschaftlichung der christli-&lt;br /&gt;
chen Religion. Traditionell umstrittene&lt;br /&gt;
Themen werden so uminterpretiert, daß sie&lt;br /&gt;
jenseits wissenschaftlicher Anfechtbarkeit&lt;br /&gt;
liegen: Der »Schöpfergott« wird zum »Gott&lt;br /&gt;
als Prinzip Nächstenliebe« umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Lehren der Bahä’f-Reli-&lt;br /&gt;
gion muß sowohl der eigenständige An-&lt;br /&gt;
spruch der Religion als auch der der Wis-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
senschaft anerkannt werden. Dabei geht es&lt;br /&gt;
aber nicht nur um eine Art gegenseitiger&lt;br /&gt;
»Bestätigung«, sondern um eine höhere&lt;br /&gt;
Form der Wahrheit, als sie durch Beschäf-&lt;br /&gt;
tigung mit Religion allein oder mit Wissen-&lt;br /&gt;
schaft allein gefunden werden kann. Das&lt;br /&gt;
Ziel dieses Bemühens ist eine geistige Er-&lt;br /&gt;
neuerung der Menschheit. Der Weg istnach&lt;br /&gt;
einem der Grundsätze der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
selbständiges Suchen nach Wahrheit und&lt;br /&gt;
Loslösung von starrer religiöser Überliefe-&lt;br /&gt;
rung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Kein Mensch vermag die Küsten&lt;br /&gt;
des Ozeans wahren Erkennens zu errei-&lt;br /&gt;
chen, ehe er nicht frei geworden ist von&lt;br /&gt;
allem im Himmel und auf Erden.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach ist blindes Vertrauen in Re-&lt;br /&gt;
ligion ebenso gefährlich wie blindes Ver-&lt;br /&gt;
trauen in Wissenschaft. Der Glaube benö-&lt;br /&gt;
tigt die Erhellung durch die Vernunft. Wis-&lt;br /&gt;
senschaftliche Erkenntnisse dienen dem&lt;br /&gt;
Schutz des Glaubens vor Aberglauben. Sie&lt;br /&gt;
sind eine Bereicherung des religiösen Glau-&lt;br /&gt;
bens und keine Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanterweise fordert ’ Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä für die Religion eine ähnliche Defi-&lt;br /&gt;
nition wie für die Wissenschaft: die not-&lt;br /&gt;
wendigen Beziehungen, hervorgegangen&lt;br /&gt;
aus der Wirklichkeit der Dinge. Während&lt;br /&gt;
die Wissenschaft Nachprüfbarkeit durch&lt;br /&gt;
grundsätzliche Wiederholbarkeit fordert,&lt;br /&gt;
gehören zur Religion Fragen, die die Ein-&lt;br /&gt;
zigartigkeit des Daseins betreffen, wie der&lt;br /&gt;
Ursprung des Universums und der Sinn des&lt;br /&gt;
Lebens. Das Universum in seiner Ganzheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist kein wiederholbares Experiment. Das&lt;br /&gt;
Wort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Betrachte den Menschen als ein&lt;br /&gt;
Bergwerk, reich an Edelsteinen von un-&lt;br /&gt;
schätzbarem Wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weist auf die Einzigartigkeit und&lt;br /&gt;
Unvergleichbarkeit eines jeden Menschen&lt;br /&gt;
hin. Damit ist die Wahrheit der Religion in&lt;br /&gt;
ihrer letzten Konsequenz im Geheimnis der&lt;br /&gt;
Einzigartigkeit der ganzen Schöpfung und&lt;br /&gt;
eines jeden Menschen verborgen. In dieser&lt;br /&gt;
mystischen Dimension entzieht sie sich&lt;br /&gt;
dem Zugriff der Vernunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Bahä’u’lläh, Das Buch der Gewißheit, Bahä’i-Verlag 1978, 3.Aufl., S.13&lt;br /&gt;
9 Bahä’u’lläh, Ährenlese, Bahä’t-Verlag 1980, 3. rev. Aufl., Kap.122&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=19}}III. Gott und Seine Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottesbegriff&lt;br /&gt;
Gotteserkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine verbreitete Ansicht ist: »Gott&lt;br /&gt;
ist eine unbeweisbare Hypothese, daher&lt;br /&gt;
bauen die Religionen letztlich auf Sand.«&lt;br /&gt;
Die moderne Welt hat mit ihrer technisch-&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Kultur ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Ersatzreligion geschaffen, die vom An-&lt;br /&gt;
spruch her umfassend ist und in praktisch&lt;br /&gt;
alle Lebensbereiche hineinragt. Diese Kul-&lt;br /&gt;
tur hat deshalb bereits pseudoreligiöse Zü-&lt;br /&gt;
ge angenommen. Ein Gott, der nicht wis-&lt;br /&gt;
senschaftlich beweisbar ist, hat für viele&lt;br /&gt;
Menschen in dieser »Kultur« keinen Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophisch gesehen hat die Un-&lt;br /&gt;
terscheidung Kants zwischen der Welt der&lt;br /&gt;
Phänomene und der Welt der Noumena al-&lt;br /&gt;
len Versuchen, Gott wissenschaftlich zu be-&lt;br /&gt;
weisen, die Berechtigung genommen. Die&lt;br /&gt;
Wissenschaft befaßt sich mit der Welt der&lt;br /&gt;
Phänomene, die auf Sinneserfahrung auf-&lt;br /&gt;
baut. Gott hingegen gehört nach Kant in das&lt;br /&gt;
davon unabhängige Reich der Noumena.&lt;br /&gt;
Selbst wenn es Ihn gibt, erscheint Er nicht&lt;br /&gt;
in der wissenschaftlich beschreibbaren&lt;br /&gt;
Welt der Phänomene. In den Bahä’i-Schrif-&lt;br /&gt;
ten heißt es hierzu, daß Gott in Seinem&lt;br /&gt;
unausdenkbaren Wesen verborgen ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Seit undenklicher Zeit ist Er in der&lt;br /&gt;
unaussprechlichen Heiligkeit Seines erha-&lt;br /&gt;
benen Selbstes verborgen gewesen und&lt;br /&gt;
wird ewig in das undurchdringliche Ge-&lt;br /&gt;
heimnis Seines unbekannten Wesens ge-&lt;br /&gt;
hüllt bleiben.«&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gehen einen Schritt weiter: Die&lt;br /&gt;
Forderung einer wissenschaftlichen Be-&lt;br /&gt;
weisbarkeit Gottes würde nach Whitehead,&lt;br /&gt;
einem der bedeutendsten Philosophen und&lt;br /&gt;
Metaphysiker dieses Jahrhunderts, der Re-&lt;br /&gt;
ligion die Eigenständigkeit entziehen und&lt;br /&gt;
sie zu einer von der Wissenschaft gänzlich&lt;br /&gt;
abhängigen Disziplin machen. Gerade das&lt;br /&gt;
aber kann nicht der Sinn von Religion sein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Ährenlese, Kap.26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 &amp;quot;Abdu’I-Bahä, Brief an Forel, Bahä’i-Verlag 1975&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die davon ausgehen muß, daß es neben der&lt;br /&gt;
mit den Sinnen erfahrbaren und wissen-&lt;br /&gt;
schaftlich verifizierbaren Wirklichkeit&lt;br /&gt;
noch eine andere gibt. Nach Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
stehen diese beiden Wirklichkeiten nicht&lt;br /&gt;
unabhängig nebeneinander; sie sind viel-&lt;br /&gt;
mehr letztlich Widerspiegelungen einer&lt;br /&gt;
umfassenderen Wirklichkeit. ’Abdu’I-Bahä&lt;br /&gt;
hat in Seinem »Brief an Forel«!! darauf&lt;br /&gt;
hingewiesen, daß die Welt letztlich weder&lt;br /&gt;
zufällig noch zwangsläufig, sondern be-&lt;br /&gt;
dingt ist. Daraus ergibt sich, daß jede »Er-&lt;br /&gt;
klärung« der Welt grundsätzlich offen sein&lt;br /&gt;
muß gegenüber einer außerhalb von ihr&lt;br /&gt;
liegenden (transzendenten) Ursache, durch&lt;br /&gt;
die sie bedingt ist. Der Gottesbegriff der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion lautet demnach: Gott ist&lt;br /&gt;
die unabhängige, unbedingte, d.h. durch&lt;br /&gt;
nichts weiteres bedingte Ursache des Seins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit treffen wir keine wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Aussage, da in der Wissenschaft&lt;br /&gt;
nur von bedingtem Sein die Rede sein kann.&lt;br /&gt;
Wir berühren aber, um mit Einstein zu spre-&lt;br /&gt;
chen, die »religiöse Grundlage der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft«. In seiner berühmten Schrift »Über&lt;br /&gt;
den gegenwärtigen Stand der Feld-Theo-&lt;br /&gt;
rie« schrieb er, daß das letzte Ziel sei, nicht&lt;br /&gt;
nur zu verstehen, wie die Natur ist und wie&lt;br /&gt;
sie verläuft, sondern warum sie so ist und&lt;br /&gt;
nicht anders. Es ging Einstein also auch um&lt;br /&gt;
die innere Begründung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn&lt;br /&gt;
wissenschaftliche und religiöse Betrach-&lt;br /&gt;
tung Hand in Hand gehen und einander&lt;br /&gt;
befruchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
; Die Offenbarung&lt;br /&gt;
Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch kann für sich die Ge-&lt;br /&gt;
wißheit erlangen, daß Gott existiert, erkann&lt;br /&gt;
aber nicht das Wesen Gottes begreifen. Das&lt;br /&gt;
ist die zentrale These der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Wesen religiösen Suchens. Hierzu&lt;br /&gt;
schreibt ’Abdu’l-Bahá:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
stehen diese&lt;br /&gt;
beiden&lt;br /&gt;
Wirklichkeiten&lt;br /&gt;
nicht&lt;br /&gt;
unabhängig&lt;br /&gt;
nebeneinander;&lt;br /&gt;
sie sind&lt;br /&gt;
vielmehr&lt;br /&gt;
Wider-&lt;br /&gt;
spiegelungen&lt;br /&gt;
einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umfassenderen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61 19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=20}}Damit ist&lt;br /&gt;
gemeint, daß&lt;br /&gt;
die Welt als&lt;br /&gt;
Wider-&lt;br /&gt;
spiegelung&lt;br /&gt;
der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenschaften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottes zu&lt;br /&gt;
verstehen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es ist klar, daß das menschliche&lt;br /&gt;
Verständnis eine Eigenschaft des mensch-&lt;br /&gt;
lichen Daseins ist und daß der Mensch ein&lt;br /&gt;
Zeichen Gottes ist; wie könnte die Eigen-&lt;br /&gt;
schaft des Zeichens den Schöpfer des Zei-&lt;br /&gt;
chens umfassen? Das will sagen, wie&lt;br /&gt;
könnte das Verständnis, das eine Eigen-&lt;br /&gt;
schaft des menschlichen Seins ist, Gott&lt;br /&gt;
begreifen? Daher ist die Wirklichkeit Got-&lt;br /&gt;
tes vor aller Fassungskraft verborgen und&lt;br /&gt;
vor dem Verstehen der ganzen Menschheit&lt;br /&gt;
verhüllt.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Mensch blind für das&lt;br /&gt;
Wesen Gottes ist, ist er sehend für die Zei-&lt;br /&gt;
chen Gottes. Welt, Natur und Mensch mit&lt;br /&gt;
ihren Geheimnissen sind die Verkörperung&lt;br /&gt;
der Zeichen Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Auf die innerste Wirklichkeit je-&lt;br /&gt;
des erschaffenen Dings hat Er das Licht&lt;br /&gt;
eines Seiner Namen gegossen; jedes hat Er&lt;br /&gt;
zum Empfänger der Herrlichkeit einer Sei-&lt;br /&gt;
ner Eigenschaften gemacht. Die Wirklich-&lt;br /&gt;
keit des Menschen aber hat Er zum Brenn-&lt;br /&gt;
punkt für das Strahlen aller Seiner Namen&lt;br /&gt;
und Eigenschaften und zum Spiegel Seines&lt;br /&gt;
eigenen Selbstes erkoren.«&amp;quot;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist gemeint, daß die Welt als&lt;br /&gt;
Widerspiegelung der Eigenschaften Gottes&lt;br /&gt;
zu verstehen ist, auch als »Wort Gottes«&lt;br /&gt;
oder »Offenbarung Gottes«. Die Bezeich-&lt;br /&gt;
nung »Wort« meint, daß sich die von Gott&lt;br /&gt;
erschaffene Welt zu ihrem Schöpfer so&lt;br /&gt;
verhält, wie das Wort eines Redners zum&lt;br /&gt;
Redner. Das Wort hat Wirkung, dennoch&lt;br /&gt;
bleibt der Redner unverändert, seine Sub-&lt;br /&gt;
stanz geht nicht in das Wort über: Das&lt;br /&gt;
Wesen Gottes geht nicht in die Schöpfung&lt;br /&gt;
ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen, Macht, Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Barmherzigkeit, Liebe sind Eigenschaften&lt;br /&gt;
oder Namen Gottes. Während in der er-&lt;br /&gt;
schaffenen Welt alle diese Eigenschaften&lt;br /&gt;
nur unvollkommen existieren, sind sie bei&lt;br /&gt;
Gott vollkommen. Bei Gott kann keine Un-&lt;br /&gt;
vollkommenheit bestehen, da Sein Wesen&lt;br /&gt;
nicht bedingt ist. Wenn von vollkommenen&lt;br /&gt;
Eigenschaften die Rede ist, dann bedeutet&lt;br /&gt;
das aber nicht, daß Gott hierdurch beschrie-&lt;br /&gt;
ben werden kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Beantwortete Fragen, Kap.37, S.146f&lt;br /&gt;
13 Ährenlese, Kap.27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 _ Beantwortete Fragen, Kap.37, S.148&lt;br /&gt;
15 Beantwortete Fragen, Kap.37, S.148&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir bejahen diese Namen und Ei-&lt;br /&gt;
genschaften, nicht um die Vollkommenhei-&lt;br /&gt;
ten Gottes zu beweisen, sondern um zu&lt;br /&gt;
verneinen, daß Er Unvollkommenheiten&lt;br /&gt;
haben könnte.«&#039;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung in Wesen und Eigen-&lt;br /&gt;
schaften ist bei Gott also nicht möglich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die wesenhaften Namen und Ei-&lt;br /&gt;
genschaften Gottes sind identisch mit Sei-&lt;br /&gt;
nem innersten Wesen, und dieses ist erha-&lt;br /&gt;
ben über alle Fassungskraft.«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zentrale theologische Gedanke&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion ist, daß sich Gott in&lt;br /&gt;
größeren Zeitabschnitten den Menschen&lt;br /&gt;
durch die Religionsstifter direkt offenbart.&lt;br /&gt;
Das geschieht immer dann, wenn die&lt;br /&gt;
Menschheit an einer Krise ihrer geistigen&lt;br /&gt;
und gesellschaftlichen Entwicklung ange-&lt;br /&gt;
langt ist. Die dadurch freigesetzten geisti-&lt;br /&gt;
gen Impulse sind die unsichtbare Ursache&lt;br /&gt;
für den Fortschritt der Welt, eine Art Kata-&lt;br /&gt;
Iysator des kulturellen Fortschritts. Dies&lt;br /&gt;
gilt insbesondere auch für den Fortschritt&lt;br /&gt;
der Wissenschaft. Wir werden an den Ver-&lt;br /&gt;
gleich mit der Natur erinnert. Eine Pflanze&lt;br /&gt;
kann nicht von ihrer Umgebung isoliert&lt;br /&gt;
werden, sondern bedarf ständig der äußeren&lt;br /&gt;
Energieeinströmung durch die Sonne. Ohne&lt;br /&gt;
sie würde sich die innere Ordnung, die das&lt;br /&gt;
Leben der Pflanze ausmacht, auflösen. In&lt;br /&gt;
einem physikalischen System, das von sei-&lt;br /&gt;
ner Umgebung vollständig isoliert ist, Kann&lt;br /&gt;
die Entropie, die als Maß für »Unordnung«&lt;br /&gt;
gilt, nur zunehmen. Dieser Gedanke hat im&lt;br /&gt;
19. Jahrhundert zu der Vorstellung des lang-&lt;br /&gt;
samen »Wärmetods« (d.h. des Verschwin-&lt;br /&gt;
dens jeglicher Ordnung) des Universums&lt;br /&gt;
geführt. Der Gedanke war irrig, da das&lt;br /&gt;
Universum eben kein abgeschlossenes Sy-&lt;br /&gt;
stem ist. Die wissenschaftliche Erforschung&lt;br /&gt;
»offener Systerne« hat in den letzten Jahren&lt;br /&gt;
immer mehr Beispiele dafür geliefert, wie&lt;br /&gt;
in nichtabgeschlossenen Systemen mit&lt;br /&gt;
Energieeinströmung Ordnung entstehen&lt;br /&gt;
bzw. aufrechterhalten werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarer Gottes werden in&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Schriften metaphorisch als&lt;br /&gt;
»Sonne der Wahrheit« bezeichnet, ohne de-&lt;br /&gt;
ren geistige Einströmung die Ordnung der&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=21}}Welt des Menschen verlorenginge. Sie sind&lt;br /&gt;
eine Brücke zwischen dem verborgenen&lt;br /&gt;
Sein Gottes und der Welt des Menschen.&lt;br /&gt;
Die gleiche Sonne geht immer wieder neu&lt;br /&gt;
auf, ob in einem Buddha, Zarathustra, Mo-&lt;br /&gt;
ses, Christus, Muhammad oder Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh. Es ist nur der geschichtliche und&lt;br /&gt;
geographische Horizont, der jeweils erneu-&lt;br /&gt;
ert wird. Während die Welt die Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten Gottes nur unvollkommen widerspie-&lt;br /&gt;
gelt, werden die Offenbarer in der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion mit reinen Spiegeln verglichen,&lt;br /&gt;
die diese Eigenschaften ungetrübt wider-&lt;br /&gt;
spiegeln. Erkenntnis Gottes ist hiernach al-&lt;br /&gt;
so gleichbedeutend mit Erkenntnis und An-&lt;br /&gt;
erkennung der Offenbarer Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Evolution und&lt;br /&gt;
Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Keine moderne Lehre hat den&lt;br /&gt;
Glauben an die Religion mehr erschüttert,&lt;br /&gt;
als die Darwinsche Abstammungslehre.«&lt;br /&gt;
Hinter dieser verbreiteten Ansicht steht die&lt;br /&gt;
Meinung, daß der biblische Schöpfungsbe-&lt;br /&gt;
richt durch die Evolutionslehre widerlegt&lt;br /&gt;
sei. Tatsache ist, daß während fast zweier&lt;br /&gt;
Jahrtausende Christentum geglaubt wurde,&lt;br /&gt;
Gott habe zuerst die Tiere, dann die Pflan-&lt;br /&gt;
zen und schließlich den Menschen von An-&lt;br /&gt;
fang an in ihrer endgültigen Erscheinung&lt;br /&gt;
und inmitten einer paradiesischen Welt er-&lt;br /&gt;
schaffen. Darwins Entdeckung, wonach die&lt;br /&gt;
Entstehung der Arten auf Evolution zurück-&lt;br /&gt;
geführt wird, setzte diesem Glauben ein&lt;br /&gt;
abruptes Ende. Darwin selbst war auf sei-&lt;br /&gt;
nen ersten Entdeckungsreisen noch ein&lt;br /&gt;
streng bibelgläubiger Mensch. Er wandte&lt;br /&gt;
sich dann aber Schritt für Schritt vom Glau-&lt;br /&gt;
ben an die Bibel und Religion überhaupt&lt;br /&gt;
ab. So schrieb er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich kam immer mehr zu der An-&lt;br /&gt;
sicht ..., daß dem Alten Testament durch&lt;br /&gt;
seine offenkundig falsche Entstehungsge-&lt;br /&gt;
schichte der Welt ... und dadurch, daß es&lt;br /&gt;
Gott die Gefühle eines rachsüchtigen Ty-&lt;br /&gt;
rannen zuschrieb, in keiner Weise mehr zu&lt;br /&gt;
trauen war als den heiligen Büchern der&lt;br /&gt;
Hindus oder dem Glauben irgendwelcher&lt;br /&gt;
Barbaren«. !®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzung über die&lt;br /&gt;
Frage, ob Gott die Natur von Anfang an&lt;br /&gt;
vollkommen erschaffen hat, oder ob sich&lt;br /&gt;
eine Evolution vollzog, findet in verschie-&lt;br /&gt;
denen religiösen Gemeinschaften auch heu-&lt;br /&gt;
te noch statt. Nach der Bahä’i-Religion ist&lt;br /&gt;
die Vorstellung einer Evolution durchaus&lt;br /&gt;
zutreffend. Zur Frage, ob der Mensch sich&lt;br /&gt;
dabei aus anderen Arten entwickelt hat,&lt;br /&gt;
besagt sie jedoch, daß die Spezies Mensch&lt;br /&gt;
von Anfang an die Fähigkeit besaß, geistige&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten zu erwerben. Diese Fä-&lt;br /&gt;
higkeit bestand zunächst nur im Verborge-&lt;br /&gt;
nen, als Möglichkeit. Erst im Verlaufe der&lt;br /&gt;
Evolution wurde sie freigelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ihr seid Meine Schatzkammern,&lt;br /&gt;
denn in euch legte Ich die Perlen Meiner&lt;br /&gt;
Geheimnisse und die Edelsteine Meines&lt;br /&gt;
Wissens.«&#039;7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Gott immer bestanden hat, muß&lt;br /&gt;
auch Seine Schöpfung immer bestanden&lt;br /&gt;
haben. Gottes Sein ist jenseits von Raum&lt;br /&gt;
und Zeit, daher ist auch Seine Absicht, die&lt;br /&gt;
Welt zu schaffen, jenseits von Zeit. Die Zeit&lt;br /&gt;
ist gewissermaßen eine Eigenheit der&lt;br /&gt;
Schöpfung. Dies ist so zu verstehen, daß&lt;br /&gt;
der Sinn der Schöpfung von Anfang an in&lt;br /&gt;
der Liebe Gottes zu dieser Schöpfung lag:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Verhüllt in Meinem unausdenkba-&lt;br /&gt;
ren Wesen und in der Ewigkeit Meines&lt;br /&gt;
Seins, erkannte Ich Meine Liebe zu dir;&lt;br /&gt;
darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein&lt;br /&gt;
Ebenbild ein und offenbarte dir Meine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. ., 18&lt;br /&gt;
Schönheit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott erkannte und liebte die Schöp-&lt;br /&gt;
fung und wünschte, daß die Schöpfung Ihn&lt;br /&gt;
erkenne und liebe. Es muß also immer We-&lt;br /&gt;
sen gegeben haben, die Gott erkennen und&lt;br /&gt;
lieben konnten. Der ewige Schöpfer ist un-&lt;br /&gt;
denkbar ohne Seine Schöpfung. Der Sinn&lt;br /&gt;
dieser Schöpfung muß von Anbeginn an in&lt;br /&gt;
ihr verwirklicht gewesen sein. Es ist unvor-&lt;br /&gt;
stellbar, daß er erst im Verlaufe der Zeit,&lt;br /&gt;
gewissermaßen als Ergebnis zufälliger Mu-&lt;br /&gt;
tationen, auftrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Auffassung der Ewigkeit der&lt;br /&gt;
Schöpfung vereinbar mit der kosmologi-&lt;br /&gt;
schen Theorie vom Urknall? Es wird heute&lt;br /&gt;
von fast allen Kosmologen anerkannt, daß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 N. Barlow (Hrsg.), The Autobiography of Charles Darwin, Collins, London&amp;amp;Glasgow, 1958&lt;br /&gt;
17 Bahá’u’lláh, Verborgene Worte, Bahä’i-Verlag 1978, arab., Nr.69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 _ Verborgene Worte, arab., Nr.3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die&lt;br /&gt;
Auffassung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ewigkeit&lt;br /&gt;
der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfung&lt;br /&gt;
vereinbar mit&lt;br /&gt;
der&lt;br /&gt;
kosmologischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theorie vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urknall?&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=22}}Die&lt;br /&gt;
Menschheit&lt;br /&gt;
steht am&lt;br /&gt;
Ende des&lt;br /&gt;
zwanzigsten&lt;br /&gt;
Jahrhunderts&lt;br /&gt;
vor der&lt;br /&gt;
großen&lt;br /&gt;
Heraus-&lt;br /&gt;
forderung,&lt;br /&gt;
mit den&lt;br /&gt;
Folgen einer&lt;br /&gt;
einseitig&lt;br /&gt;
hochge-&lt;br /&gt;
züchteten&lt;br /&gt;
materiellen&lt;br /&gt;
Entwicklung&lt;br /&gt;
fertig zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
HE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vor etwa 15 Milliarden Jahren eine gewal-&lt;br /&gt;
tige Explosion stattgefunden hat, bei der die&lt;br /&gt;
Materie auf kleinstem Raum mit ungeheu-&lt;br /&gt;
erlicher Dichte komprimiert war. Alle der-&lt;br /&gt;
zeitigen physikalischen Theorien gelten nur&lt;br /&gt;
einige Sekundenbruchteile danach. Das&lt;br /&gt;
Problem liegt in der sogenannten »Singu-&lt;br /&gt;
larität« an dem gedachten Anfangszeit-&lt;br /&gt;
punkt, die beispielsweise zu einer unend-&lt;br /&gt;
lich großen Dichte der Materie führt. Da&lt;br /&gt;
dies für jede physikalische Theorie unzu-&lt;br /&gt;
lässig ist, bleiben die » Anfangsbedingun-&lt;br /&gt;
gen« der Urknalltheorie ein ungelöstes&lt;br /&gt;
Problem, das möglicherweise über die Phy-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sik hinausgeht. Eine Lösung wird aller-&lt;br /&gt;
dings von der »Blasentheorie« vorgeschla-&lt;br /&gt;
gen, die beispielsweise von dem russischen&lt;br /&gt;
Kosmologen Andrej Linde!” vertreten&lt;br /&gt;
wird: danach befinden wir uns nur in einer&lt;br /&gt;
Art Miniuniversum, das vor 15 Milliarden&lt;br /&gt;
Jahren damit begann, blasenartig zu expan-&lt;br /&gt;
dieren. Das wirkliche Universum geht weit&lt;br /&gt;
über das von uns beobachtbare hinaus. Es&lt;br /&gt;
besteht aus einer beliebig großen Anzahl&lt;br /&gt;
solcher »Blasen«, die jede zu ihrer Zeit&lt;br /&gt;
entsteht und vergeht: das unendliche, im-&lt;br /&gt;
mer bestehende Weltall ohne Grenzen in&lt;br /&gt;
Raum und Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV. Integrale Kultur und Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erfolg der modernen Wissen-&lt;br /&gt;
schaft hatte auch tiefgreifende kulturelle Fol-&lt;br /&gt;
gen. Die Vertiefung des Wissens in einzelnen&lt;br /&gt;
Bereichen brachte mit dem Ende des 19.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts gleichzeitig eine rapide zuneh-&lt;br /&gt;
mende Fragmentierung der Kultur auf allen&lt;br /&gt;
Gebieten mit sich. Dennoch hatte es bereits&lt;br /&gt;
damals nichtan Versuchen einer Zusammen-&lt;br /&gt;
führung des Wissens über Gott, Natur und&lt;br /&gt;
Mensch gefehlt, die aber zum Scheitern ver-&lt;br /&gt;
urteilt waren. Der britische Staatsmann Wil-&lt;br /&gt;
liam Gladstone sprach angesichts dieser Ver-&lt;br /&gt;
suche aus, was nach ihm das Denken des&lt;br /&gt;
ganzen folgenden Jahrhunderts beherrschte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Laßt die Wissenschaftler bei ihrer&lt;br /&gt;
Wissenschaft bleiben und überlaßt die Phi-&lt;br /&gt;
losophie und Religion den Dichtern, Philo-&lt;br /&gt;
sophen und Theologen.«&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit steht am Ende des&lt;br /&gt;
zwanzigsten Jahrhunderts vor der großen&lt;br /&gt;
Herausforderung, mit den Folgen einer ein-&lt;br /&gt;
seitig hochgezüchteten materiellen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung fertig zu werden. Die Bahä’i-Re-&lt;br /&gt;
ligion sieht die Chance in einer universalen&lt;br /&gt;
Menschheitskultur, in der die Kräfte der&lt;br /&gt;
Wissenschaft und der Religion als Ganzheit&lt;br /&gt;
zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mag hier eingewandt werden,&lt;br /&gt;
daß Fragmentierung ein besonderes Phäno-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men der europäischwestlichen Kultur sei,&lt;br /&gt;
während beispielsweise in den fernöstli-&lt;br /&gt;
chen oder indianischen Kulturen ein Welt-&lt;br /&gt;
bild vorherrschte, bei dem Gott und die&lt;br /&gt;
Welt als ein Ganzes zusammengehörten.&lt;br /&gt;
Dieses Denken ist von der »New Age«-Be-&lt;br /&gt;
wegung aufgegriffen worden, die sich stark&lt;br /&gt;
auf die moderne Physik stützt. Als einer der&lt;br /&gt;
Vertreter dieser Bewegung hat Capra unter&lt;br /&gt;
Berufung auf die Quantentheorie die Ver-&lt;br /&gt;
netzung von allem mit allem zum univer-&lt;br /&gt;
salen Prinzip gemacht”!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
hat das Ganzheitsprinzip Berechtigung: als&lt;br /&gt;
Prinzip der Einheit der Menschheit, die als&lt;br /&gt;
ein einziger Organismus zu sehen ist, des-&lt;br /&gt;
sen Kräfte harmonisch zusammenwirken&lt;br /&gt;
müssen. Im Gegensatz zur New Age-Bewe-&lt;br /&gt;
gung gibt es aber auch ein Grenze hierfür:&lt;br /&gt;
Gott und die Welt sind nicht Teil eines&lt;br /&gt;
Ganzen. Gott ist und bleibt immer transzen-&lt;br /&gt;
dent; gegenüber Gott ist die Welt ein&lt;br /&gt;
Nichts. Das Wesen der Religion ergibt sich&lt;br /&gt;
aus dem Spannungsverhältnis zwischen der&lt;br /&gt;
vergänglichen Welt und Gott, der der wahre&lt;br /&gt;
Grund allen Seins ist. Das Ziel aller Ent-&lt;br /&gt;
wicklung liegt dann schließlich darin, das&lt;br /&gt;
Göttliche in der vergänglichen Welt zuneh-&lt;br /&gt;
mend sichtbar werden zu lassen und damit&lt;br /&gt;
den Gegensatz zwischen Schöpfer und&lt;br /&gt;
Schöpfung zu überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19  Particle Physics and Inflationary Cosmology, Physics Today 40(9), 1987, S.61&lt;br /&gt;
20 RM. Young, Nature’s Place in Victorian Culture, Cambridge University Press, 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 _F.Capra, Wendezeit, Scherz-Verlag, Bern, 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=23}}Aspekte des&lt;br /&gt;
Zusammenwirkens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hiermit ausgesprochene Fort-&lt;br /&gt;
schrittserwartung hat ein Zusammenwirken&lt;br /&gt;
von Religion und von Wissenschaft im Sin-&lt;br /&gt;
ne einer Ganzheit zur Voraussetzung. Im&lt;br /&gt;
folgenden seien einige Elemente dieser »in-&lt;br /&gt;
tegralen Kultur« beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit bewahren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vorrangige Aufgabe von Reli-&lt;br /&gt;
gion und Wissenschaft muß in der Förde-&lt;br /&gt;
rung von Einheit gesehen werden. Nach&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Lehren ist Uneinigkeit der&lt;br /&gt;
größte Feind aller Angelegenheiten des&lt;br /&gt;
Menschen. Anziehung, Einigkeit und Ein-&lt;br /&gt;
heit sind in allen Bereichen der Schöpfung&lt;br /&gt;
die Kräfte, die Zusammenhalt bewirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Gesetz der Anziehung hat ge-&lt;br /&gt;
wisse Urstoffe in der Form dieser schönen&lt;br /&gt;
Blume zusammengebracht; wird aber jene&lt;br /&gt;
Anziehung aus diesem Mittelpunkt zurück-&lt;br /&gt;
gezogen, so wird die Blume zerfallen und&lt;br /&gt;
ihr Bestand als Blume enden. So istes auch&lt;br /&gt;
mit dem großen Körper der Menschheit.&lt;br /&gt;
Das wunderbare Gesetz der Anziehung, des&lt;br /&gt;
Einklangs und der Einheit hält diese wun-&lt;br /&gt;
derbare Schöpfung zusammen.«-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Wissenschaft ist&lt;br /&gt;
hierbei, durch kritische Anwendung der&lt;br /&gt;
Vernunft und anerkannte Fakten die Reli-&lt;br /&gt;
gion vor vernunftwidrigen Dogmen und Fa-&lt;br /&gt;
natismus zu bewahren, die zu Glaubensauf-&lt;br /&gt;
spaltung, Uneinigkeit und Streit führen.&lt;br /&gt;
Umgekehrt muß es die Aufgabe der Reli-&lt;br /&gt;
gion sein, auf allen Ebenen der menschli-&lt;br /&gt;
chen Gesellschaft Einigkeit zu bewahren&lt;br /&gt;
sowohl in der Familie, als auch auf der&lt;br /&gt;
höchsten Ebene der Weltgesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vernunft und Glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kehren zu dem eingangs er-&lt;br /&gt;
wähnten Bild ’Abdu’l-Bahás zurück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Religion und Wissenschaft sind die&lt;br /&gt;
beiden Flügel, auf denen sich die menschli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 _ Ansprachen in Paris, Kap. 42, S.110&lt;br /&gt;
23 _ Ansprachen in Paris, Kap.44, S.113&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
che Geisteskraft zur Höhe erheben und mit&lt;br /&gt;
denen die menschliche Seele Fortschritte&lt;br /&gt;
machen kann. Mit einem Flügel allein kann&lt;br /&gt;
man unmöglich fliegen: Wenn jemand ver-&lt;br /&gt;
suchen wollte, nur mit dem Flügel der Re-&lt;br /&gt;
ligion zu fliegen, so würde er rasch in den&lt;br /&gt;
Sumpf des Aberglaubens stürzen, während&lt;br /&gt;
er andererseits nur mit dem Flügel der Wis-&lt;br /&gt;
senschaft auch keinen Fortschritt machen,&lt;br /&gt;
sondern in den hoffnungslosen Morast des&lt;br /&gt;
Materialismus fallen würde.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vernunft ist nach der Vorstel-&lt;br /&gt;
lung der Bahä’i nicht auf die Wissenschaft&lt;br /&gt;
begrenzt. Umgekehrt spielt Glauben als&lt;br /&gt;
Kraft der Intuition oder Vision auch in der&lt;br /&gt;
Wissenschaft eine Rolle. Am Anfang vieler&lt;br /&gt;
großer Entdeckungen steht eine oft vage&lt;br /&gt;
intuitive Voraussicht, die durch den »Glau-&lt;br /&gt;
ben an Erfolg« zu wissenschaftlicher Ein-&lt;br /&gt;
sicht geführt wird. Die christlicheuropä-&lt;br /&gt;
ische Tradition, wonach Vernunft und&lt;br /&gt;
Glauben einander entgegengerichtet sind,&lt;br /&gt;
wird durch das Bild der einander ergänzen-&lt;br /&gt;
den Kräfte abgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkennen und Lieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Absicht Gottes mit Seiner ge-&lt;br /&gt;
samten Schöpfung war es, Wesen hervor-&lt;br /&gt;
zubringen, die Ihn erkennen und lieben.&lt;br /&gt;
Der Vogel Menschheit darf nicht nur mit&lt;br /&gt;
dem Flügel der Erkenntnis allein fliegen, er&lt;br /&gt;
bedarf auch des Flügels der Liebe. Erkennt-&lt;br /&gt;
nis ist das Merkmal der Wissenschaft, Lie-&lt;br /&gt;
be das Merkmal der Religion. Durch die&lt;br /&gt;
Liebe zu Seiner Schöpfung hat Gott die&lt;br /&gt;
»Einsamkeit« Seines transzendentalen&lt;br /&gt;
Seins aufgehoben. Daher ist auch für den&lt;br /&gt;
Menschen die Liebe eine Überwindung von&lt;br /&gt;
Einsamkeit, deren höchste Form die Liebe&lt;br /&gt;
zur ganzen Menschheit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann gefährlich sein, wenn Wis-&lt;br /&gt;
senschaft ausschließlich um der Erkenntnis&lt;br /&gt;
wegen betrieben wird. Die Gefahr liegt in&lt;br /&gt;
der gesellschaftlichen Isolation oder »Ver-&lt;br /&gt;
einsamung« der Wissenschaft. Diese Ge-&lt;br /&gt;
fahr ist groß, wenn wie heute üblich ein nur&lt;br /&gt;
verschwindend kleiner Aufwand betrieben&lt;br /&gt;
wird, um die Folgen von Wissenschaft und&lt;br /&gt;
Technik für Mensch und Natur vorauszuse-&lt;br /&gt;
hen. Die Bewahrung der Natur und der&lt;br /&gt;
Ordnung der Menschenwelt setzen die Lie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die&lt;br /&gt;
vorrangige&lt;br /&gt;
Aufgabe von&lt;br /&gt;
Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft&lt;br /&gt;
muß in der&lt;br /&gt;
Förderung&lt;br /&gt;
von Einheit&lt;br /&gt;
gesehen&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=24}}Die Natur ist&lt;br /&gt;
ein Pfand&lt;br /&gt;
Gottes, das&lt;br /&gt;
wir im Blick&lt;br /&gt;
auf&lt;br /&gt;
zukünftige&lt;br /&gt;
Generationen&lt;br /&gt;
nur&lt;br /&gt;
treuhänderisch&lt;br /&gt;
verwalten,&lt;br /&gt;
aber nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besitzen.&lt;br /&gt;
EEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
be zur Menschheit und die Bereitschaft&lt;br /&gt;
zum Dienst an der ganzen Menschheit vor-&lt;br /&gt;
aus. Es sollte möglich sein, daß ein For-&lt;br /&gt;
scher aus Liebe zur Menschheit von einem&lt;br /&gt;
bestimmten Forschungsobjekt mit hohem&lt;br /&gt;
Gefährdungspotential abläßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mann und Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen Bereichen der Wissenschaft&lt;br /&gt;
müssen Frauen gleichberechtigt vertreten&lt;br /&gt;
sein. Nach ’Abdu’l-Bahá kann bei der Ver-&lt;br /&gt;
wirklichung eines dauerhaften Weltfriedens&lt;br /&gt;
auf die besonderen Fähigkeiten der Frauen&lt;br /&gt;
und ihre gleichberechtigte Teilnahme an al-&lt;br /&gt;
len Berufen nicht verzichtet werden. In ein-&lt;br /&gt;
zelnen Bereichen der Wissenschaft können&lt;br /&gt;
Frauen durch ihre besonderen Fähigkeiten&lt;br /&gt;
neue Qualitäten einbringen. Wir gehen hier&lt;br /&gt;
von dem Gedanken aus, daß jede Wissen-&lt;br /&gt;
schaft sowohl in ihren Aussagen, als auch&lt;br /&gt;
in der Frage der gesellschaftlichen Umset-&lt;br /&gt;
zung von dem jeweils herrschenden kultu-&lt;br /&gt;
rellen Umfeld geprägt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In der Vergangenheit wurde die&lt;br /&gt;
Welt durch Gewalt regiert, der Mann&lt;br /&gt;
herrschte aufgrund seiner stärkeren und&lt;br /&gt;
mehr zum Angriff neigenden körperlichen&lt;br /&gt;
und verstandesmäßigen Eigenschaften über&lt;br /&gt;
die Frau. Aber schon neigt sich die Waage,&lt;br /&gt;
Gewalt verliert ihr Gewicht, und geistige&lt;br /&gt;
Regsamkeit, Intuition und die geistigen Ei-&lt;br /&gt;
genschaften der Liebe und des Dienens, in&lt;br /&gt;
denen die Frau stark ist, gewinnen an Ein-&lt;br /&gt;
fluß. Folglich wird das neue Zeitalter we-&lt;br /&gt;
niger männlich und mehr von den weibli-&lt;br /&gt;
chen Leitbildern durchdrungen sein, oder&lt;br /&gt;
genauer gesagt, es wird ein Zeitalter sein,&lt;br /&gt;
in dem die männlichen und weiblichen Ele-&lt;br /&gt;
mente der Kultur besser ausgeglichen sein&lt;br /&gt;
werden.«?* So wird beispielsweise von ei-&lt;br /&gt;
nem bekannten Biologen die Vermutung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausgesprochen, daß erst neuerdings in der&lt;br /&gt;
Evolutionstheorie das »männliche« Prinzip&lt;br /&gt;
des »Überlebens des Stärkeren« durch das&lt;br /&gt;
ebenso bedeutsame »weibliche« Prinzip&lt;br /&gt;
des »Schutzes« ergänzt worden ist. Jede&lt;br /&gt;
Art hat ihre eigene ökologische Nische, in&lt;br /&gt;
der sie Schutz und eine gewisse Isolation&lt;br /&gt;
findet, ohne die sie gegenüber dem Da-&lt;br /&gt;
seinskampf nicht weiterbestehen könnte.&lt;br /&gt;
Die Vielfalt der heute vorhandenen Arten&lt;br /&gt;
ist ohne dieses Prinzip des Schutzes durch&lt;br /&gt;
Isolation undenkbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewahrung der Schöpfung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine vorrangige Aufgabe der Wis-&lt;br /&gt;
senschaft muß in der Zukunft im Schutz&lt;br /&gt;
und in der Bewahrung der Vielfalt der Natur&lt;br /&gt;
gesehen werden. Im 20. Jahrhundert stand&lt;br /&gt;
als Folge von Wissenschaft und Technik die&lt;br /&gt;
weltweite wirtschaftliche Expansion im&lt;br /&gt;
Vordergrund. Um eine globale ökologische&lt;br /&gt;
Katastrophe zu verhindern, muß im 21.&lt;br /&gt;
Jahrhundert die Ökologie in den Mittel-&lt;br /&gt;
punkt rücken. Auch hier muß ein Wandel&lt;br /&gt;
von männlichen zu weiblichen Qualitäten&lt;br /&gt;
vollzogen werden: vom Prinzip der Aus-&lt;br /&gt;
beutung zu dem des Schutzes; vom reinen&lt;br /&gt;
Erfolgsdenken zum Vorsorgedenken; von&lt;br /&gt;
der Herrschaft über die Natur zu ihrer Treu-&lt;br /&gt;
handschaft. Die Natur ist ein Pfand Gottes,&lt;br /&gt;
das wir im Blick auf zukünftige Generatio-&lt;br /&gt;
nen nur treuhänderisch verwalten, aber&lt;br /&gt;
nicht besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit hat da-&lt;br /&gt;
mit nicht nur eine weltumspannende, son-&lt;br /&gt;
dern auch eine zeitliche, in die Zukunft&lt;br /&gt;
gerichtete Dimension. Der Erfolg dieses&lt;br /&gt;
Konzeptes wird für zukünftige Generatio-&lt;br /&gt;
nen ein Gradmesser für einen erfolgreichen&lt;br /&gt;
Dialog zwischen wahrer Religion und Wis-&lt;br /&gt;
senschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Religion, befreit von Aberglauben,&lt;br /&gt;
Überlieferungen und unverständigen Dogmen, ihre&lt;br /&gt;
Übereinstimmung mit der Wissenschaft dartut, so wird eine&lt;br /&gt;
große einigende, reinigende Kraft in der Welt sein, die alle&lt;br /&gt;
Kriege, Uneinigkeiten, Mißklänge und Streitigkeiten vor&lt;br /&gt;
sich herkehrt, und dann wird die Menschheit in der Macht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gottesliebe vereinigt werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 ’Abdu’l-Bahá, in J.E. Esslemont, Bahä’u’lläh und das neue Zeitalter, Bahä’i-Verlag 1986, 8.Aufl., S.173&lt;br /&gt;
25 C.undE.U. v.Weizsäcker, in »Universitas«, Jahrg.41(1986), S.791&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Ansprachen in Paris, Kap. 44, S. 116&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=25}}Gewächshäuser&lt;br /&gt;
auf dem Altiplano&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bolivianisches Umweltforschungszentrum&lt;br /&gt;
konzentriert sich auf die Probleme der Hochebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cochabamba, Bolivien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. William Baker betrachtet die&lt;br /&gt;
kahlen Hügel und den ausgedorrten Talbo-&lt;br /&gt;
den in der Umgebung des Instituts für Um-&lt;br /&gt;
weltforschung, das er auf einem Osthang&lt;br /&gt;
der Anden gegründet hat, und erklärt, daß&lt;br /&gt;
diese Landschaft eines Tages wieder frucht-&lt;br /&gt;
bar und grün sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jetzt ist es eine öde Landschaft,«&lt;br /&gt;
sagt der sechsundsechzigjährige ehemalige&lt;br /&gt;
Biochemiker. »Aber die Überlieferung&lt;br /&gt;
sagt, daß es hier früher von September bis&lt;br /&gt;
April regnete. Mit ein bißchen Planung&lt;br /&gt;
kann man das wieder erreichen, glaube ich.&lt;br /&gt;
Es mag zwei oder drei Generationen dau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ern, aber eine Wüste kann wiederbelebt&lt;br /&gt;
werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er entlang der Schlucht&lt;br /&gt;
weitergeht, die hinter seiner kleinen For-&lt;br /&gt;
schungsstation verläuft, zeigt Dr. Baker auf&lt;br /&gt;
eine Reihe kleiner Dämme, die Schlamm&lt;br /&gt;
und Gestein zurückhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die kosten wirklich nichts — nur&lt;br /&gt;
einen Tag Arbeit zum Aufbauen,« sagt er.&lt;br /&gt;
»Aber wenn man genügend davon baut,&lt;br /&gt;
kann man bei Regen das Abfließen des&lt;br /&gt;
Wassers verlangsamen und es so in den&lt;br /&gt;
Erdboden leiten. Mit der Zeit könnte man,&lt;br /&gt;
glaube ich, den Grundwasserspiegel heben&lt;br /&gt;
und die Wälder zurückholen, die einst hier&lt;br /&gt;
standen. Erreicht man dies in einem ausrei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angemessene&lt;br /&gt;
Technologie&lt;br /&gt;
und Ausbil-&lt;br /&gt;
dung der&lt;br /&gt;
einheimischen&lt;br /&gt;
Bauern führen&lt;br /&gt;
zu Verände-&lt;br /&gt;
rungen für die&lt;br /&gt;
an Ressourcen&lt;br /&gt;
armen&lt;br /&gt;
Gemeinden in&lt;br /&gt;
Bergregionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I[-BRIEFE 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chenden Teil Boliviens, kann man buch-&lt;br /&gt;
stäblich das Klima verändern.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Baker rechnet sicherlich nicht&lt;br /&gt;
damit, daß eine derart umfassende Verän-&lt;br /&gt;
derung noch während seines Lebens ein-&lt;br /&gt;
tritt. Aber diese Art der Langzeitvorstellung&lt;br /&gt;
gehört zur Philosophie und Grundeinstel-&lt;br /&gt;
lung des Dorothy-Baker-Zentrums für Um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weltstudien, dessen Gründer und Direktor&lt;br /&gt;
Dr. Baker ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Umweltzentrum widmet sich&lt;br /&gt;
der Erforschung der Anwendungsmöglich-&lt;br /&gt;
keiten angemessener Technologie und Bil-&lt;br /&gt;
dung zur Verbesserung der Lebensbedin-&lt;br /&gt;
gungen der Eingeborenenvölker der Ayma-&lt;br /&gt;
ra und Quechua, die sich auf der rauhen&lt;br /&gt;
bolivianischen Hochebene mühsam ihren&lt;br /&gt;
Lebensunterhalt erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit hat das Umweltzentrum&lt;br /&gt;
zum Beispiel das Modell eines solarbetrie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 9 benen Treibhauses zum kostengünstigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unseren Kursen bit-&lt;br /&gt;
ten wir die Menschen,&lt;br /&gt;
die Wahrheit selbst zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erforschen und sie&lt;br /&gt;
dann selbst einzuset-&lt;br /&gt;
zen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entwickelt sich der&lt;br /&gt;
einzelne, und wenn&lt;br /&gt;
sich die einzelnen in ei-&lt;br /&gt;
ner Gemeinschaft ent-&lt;br /&gt;
wickeln, kann die Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft ihren eige-&lt;br /&gt;
nen Entwicklungsweg&lt;br /&gt;
festlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eignen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anbau von Gemüse und&lt;br /&gt;
Früchten der Höhenlage an-&lt;br /&gt;
gepaßt. Ungefähr 30 Ge-&lt;br /&gt;
meinden benutzen dieses&lt;br /&gt;
Modell, und es wurden mehr&lt;br /&gt;
als 120 Treibhäuser gebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Bemühungen&lt;br /&gt;
des Zentrums konzentrieren&lt;br /&gt;
sich auf die Entwicklung, das&lt;br /&gt;
Vorantreiben von Auffor-&lt;br /&gt;
stung und von Techniken zur&lt;br /&gt;
Bodenerhaltung, die für die&lt;br /&gt;
Hochebene geeignet sind,&lt;br /&gt;
und auf die Entwicklung ei-&lt;br /&gt;
nes Biogasgenerators, der&lt;br /&gt;
trotz der extremen Tempera-&lt;br /&gt;
turen in dieser Region funk-&lt;br /&gt;
tionieren soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Umweltzentrum&lt;br /&gt;
ist aber mehr als eine ein-&lt;br /&gt;
fache Forschungsstation.&lt;br /&gt;
Durch ein Programm der&lt;br /&gt;
praktischen Anwendung und&lt;br /&gt;
Ausbildung bringt das Zen-&lt;br /&gt;
trum diese Technologien den&lt;br /&gt;
Menschen nahe, denen es&lt;br /&gt;
dienen möchte. Zum Beispiel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fördert das Zentrum Umweltunterricht für&lt;br /&gt;
Erwachsene und Vorschulunterricht für&lt;br /&gt;
Kinder. Dieser Unterricht hilft den Men-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen dabei, sich neue Technologien anzu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In unseren Kursen bitten wir die&lt;br /&gt;
Menschen, die Wahrheit selbst zu erfor-&lt;br /&gt;
schen und sie dann selbst einzusetzen,« fügt&lt;br /&gt;
Dr. Baker hinzu. »Wir vertreten nicht die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansicht, daß wir ihnen die Wahrheit auf-&lt;br /&gt;
drängen sollten. So entwickelt sich der ein-&lt;br /&gt;
zelne, und wenn sich die einzelnen in einer&lt;br /&gt;
Gemeinschaft entwickeln, kann die Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft ihren eigenen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
weg festlegen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausforderungen&lt;br /&gt;
der Hochebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klima und die Bedingungen,&lt;br /&gt;
die in der Hochebene herrschen, stellen&lt;br /&gt;
eine besondere Herausforderung dar. Boli-&lt;br /&gt;
vien ist das ärmste südamerikanische Land,&lt;br /&gt;
teilweise wegen seiner Geographie und sei-&lt;br /&gt;
nes Klimas. Die Höhe der Andenhochebene&lt;br /&gt;
reicht von 3000 bis 4000 Meter. In der&lt;br /&gt;
Region gibt es wenig Regen, und sie ist&lt;br /&gt;
extremen Temperaturunterschieden ausge-&lt;br /&gt;
setzt. Nachts fällt die Temperatur fast auf&lt;br /&gt;
den Gefrierpunkt, steigt aber tagsüber auf&lt;br /&gt;
20°C. Die Hochebene ist tatsächlich eine&lt;br /&gt;
Wüste in den Bergen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch lebt die Mehrheit der bo-&lt;br /&gt;
livianischen Bevölkerung auf dieser troK-&lt;br /&gt;
kenen, hoch gelegenen Ebene, und viele&lt;br /&gt;
ernähren sich hauptsächlich von Kartoffeln&lt;br /&gt;
und einheimischen Getreidesorten wie Ca-&lt;br /&gt;
Aavi und Quinoa (Reismelde). Schafe und&lt;br /&gt;
Lamas gehören zu den wenigen Tieren, die&lt;br /&gt;
von den kargen Gräsern, die auf der Hoch-&lt;br /&gt;
ebene wachsen, leben können, und sie sor-&lt;br /&gt;
gen für etwas Fleisch, Wolle und Milch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa 70 Prozent der Bevölkerung&lt;br /&gt;
sind Eingeborene, besonders von den Völ-&lt;br /&gt;
kern der Aymara und Quechua. Obwohl&lt;br /&gt;
etwa 75 Prozent der Bevölkerung lesen und&lt;br /&gt;
schreiben können, sind dennoch viele Men-&lt;br /&gt;
schen praktisch Analphabeten — sie kön-&lt;br /&gt;
nen zwar oft spanische Wörter lesen, ver-&lt;br /&gt;
stehen sie aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Umstände will das Umwelt-&lt;br /&gt;
zentrum angehen. Die mit Sonnenenergie&lt;br /&gt;
betriebenen Treibhäuser wurden entwor-&lt;br /&gt;
fen, um die Ernährung der Menschen zu&lt;br /&gt;
verbessern, die in entlegenen Gemeinden&lt;br /&gt;
auf der Hochebene leben, sagt Dr. Baker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es ist geradezu unmöglich, im&lt;br /&gt;
Freien auf der Hochebene Gemüse und&lt;br /&gt;
Früchte anzubauen,« sagt er, »daher bein-&lt;br /&gt;
haltet die Ernährung dort natürlich wenig&lt;br /&gt;
Vitamine, Mineralien und Fette, die Gemü-&lt;br /&gt;
se und Früchte liefern können«.&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Treibhaus-&lt;br /&gt;
modell ist einfach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Umweltzentrum hat ein ko-&lt;br /&gt;
stengünstiges Modell entwickelt, das von&lt;br /&gt;
einer einzigen Familie, der gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen Grundeinheit auf der Hochebene, ein-&lt;br /&gt;
fach gebaut und gewartet werden kann. Auf&lt;br /&gt;
einem Fundament aus luftgetrockneten&lt;br /&gt;
Lehmziegeln wird mit ein-&lt;br /&gt;
fachen Plastikrohren ein je&lt;br /&gt;
Netzwerk aufgebaut, über&lt;br /&gt;
das durchsichtige Polyeth-&lt;br /&gt;
ylenfolie gespannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Treibhäu-&lt;br /&gt;
sern wird es so heiß und&lt;br /&gt;
feucht, daß es zum Anbau&lt;br /&gt;
einer breiten Palette von Ge-&lt;br /&gt;
müsen wie Tomaten, Kür-&lt;br /&gt;
bisse, Zwiebeln, Rettiche&lt;br /&gt;
und Salat ausreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Umweltzen-&lt;br /&gt;
trum bietet Kurse über den&lt;br /&gt;
Aufbau der Treibhäuser an&lt;br /&gt;
und stellt das Material zur&lt;br /&gt;
Verfügung. Die einzelnen&lt;br /&gt;
Familien werden gebeten,&lt;br /&gt;
75% der Kosten für Plastik-&lt;br /&gt;
rohre und Folie selbst zu tra-&lt;br /&gt;
gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das durchschnittli-&lt;br /&gt;
che Jahreseinkommen einer&lt;br /&gt;
Familie in dieser Gegend beträgt ungefähr&lt;br /&gt;
US $ 150,« sagt Dr. Baker. »Wir schätzen&lt;br /&gt;
den Wert der jährlichen Treibhausernte auf&lt;br /&gt;
ca. US $ 125, obwohl nur ein kleiner Teil&lt;br /&gt;
der Ernte verkauft wird, da die Familien das&lt;br /&gt;
meiste selbst verzehren. Die eigentlichen&lt;br /&gt;
Materialkosten betragen aber nur ca. US $&lt;br /&gt;
25. Daher kann der wirtschaftliche Gewinn&lt;br /&gt;
für eine Familie sehr bedeutend sein.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daneben erforscht das Umweltzen-&lt;br /&gt;
trum Aufforstungs- und Bewässerungsme-&lt;br /&gt;
thoden sowie eine Biogasanwendung, die&lt;br /&gt;
in der Hochebene angebracht sind. Junge&lt;br /&gt;
Bäume leiden besonders unter den Boden-&lt;br /&gt;
bedingungen und dem Klima. Kürzlich&lt;br /&gt;
mißlang der von einer anderen Organisa-&lt;br /&gt;
tion unternommene Versuch, 7000 Euka-&lt;br /&gt;
lyptus- und Queshuarabäume zu pflanzen:&lt;br /&gt;
Nur zehn Bäume überlebten das erste Jahr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da die Erde nichtrichtig vorbereitet worden&lt;br /&gt;
war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Baker glaubt, daß die Überle-&lt;br /&gt;
bensrate der Bäume sehr viel höher sein&lt;br /&gt;
könnte. Derzeit arbeitet das Umweltzen-&lt;br /&gt;
trum mit zwölf Gemeinden zusammen, um&lt;br /&gt;
in kleinem Rahmen Aufforstungsprojekte&lt;br /&gt;
zu beginnen und fortzusetzen. In der Ge-&lt;br /&gt;
meinde von Cori Pata wurden beispielswei-&lt;br /&gt;
se während der vergangenen zwei Jahre&lt;br /&gt;
3000 Queshuarabäume gepflanzt. Queshu-&lt;br /&gt;
arabäume, die gut als Windschutz und als&lt;br /&gt;
Brennholz geeignet sind, wachsen sehr gut&lt;br /&gt;
in einer solchen Höhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein regionales&lt;br /&gt;
Ausbildungs-&lt;br /&gt;
zentrum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick scheint die&lt;br /&gt;
Hauptforschungsstation des Umweltzen-&lt;br /&gt;
trums nichts besonderes zu sein. Auf einem&lt;br /&gt;
etwa einen drittel Hektar großen Grund-&lt;br /&gt;
stück außerhalb der Stadt Cochabamba, be-&lt;br /&gt;
steht sie aus mehreren grob verputzten Ge-&lt;br /&gt;
bäuden aus Lehmziegeln mit galvanisierten&lt;br /&gt;
Eisendächern, einem Fischteich, einer Zi-&lt;br /&gt;
sterne und einigen kleinen Parzellen für&lt;br /&gt;
Versuchs- und Demonstrationszwecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das Grundstück und seine In-&lt;br /&gt;
frastruktur sind genau dafür geeignet, die&lt;br /&gt;
Arten passender Technologien auszupro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aymara-Indianer&lt;br /&gt;
in dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sonnenbeheizten&lt;br /&gt;
Treibhaus, das sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst gebaut haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I[-BRIEFE 27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=28}}9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einigen&lt;br /&gt;
Treibhäusern&lt;br /&gt;
des Baker-&lt;br /&gt;
Zentrums gibt&lt;br /&gt;
es eine unglaub-&lt;br /&gt;
liche Entwick-&lt;br /&gt;
lung an Kreati-&lt;br /&gt;
vität, was die&lt;br /&gt;
Vielfalt der an-&lt;br /&gt;
gebauten Pro-&lt;br /&gt;
dukte betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bieren, die das Umweltzentrum entwickeln&lt;br /&gt;
und verbreiten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Viele andere Organisationen wer-&lt;br /&gt;
ben für Solartreibhäuser, die effektiver und&lt;br /&gt;
produktiver sind, aber sie kosten in der&lt;br /&gt;
Regel sehr viel mehr (ca. US $ 3000 bis US&lt;br /&gt;
$ 4000) und sie erfordern die Arbeitskraft&lt;br /&gt;
einer ganzen Gemeinde,« sagt Dr. Baker.&lt;br /&gt;
»Leider haben die Familien hier nur 50 oder&lt;br /&gt;
60 US-Dollar, die sie in ein solches Projekt&lt;br /&gt;
investieren könnten. Also versuchen wir,&lt;br /&gt;
Modelle und Technologien zu entwickeln,&lt;br /&gt;
die ungefähr diesem Betrag entsprechen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Organisation&lt;br /&gt;
»Food Industry Crusade Against Hunger«&lt;br /&gt;
(FICAH; Kreuzzug der Lebensmittelindu-&lt;br /&gt;
strie gegen Hunger) hat in den letzten drei&lt;br /&gt;
Jahren das Baker-Zentrum jährlich mit US&lt;br /&gt;
$ 25.000 unterstützt. Der FICAH-Präsident&lt;br /&gt;
George Scharffenberger nennt die Bereit-&lt;br /&gt;
schaft des Umweltzentrums, die Gemein-&lt;br /&gt;
den experimentieren zu lassen und selbst&lt;br /&gt;
Verantwortung zu übernehmen, einmalig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Andere Organisationen bauen&lt;br /&gt;
Treibhäuser, die etwas robuster und pro-&lt;br /&gt;
duktiver sind,« sagt Scharffenberger, der im&lt;br /&gt;
vergangenen Jahr das Baker-Zentrum und&lt;br /&gt;
vier ähnliche Organisationen in Bolivien&lt;br /&gt;
und Peru besuchte. »Aber ich glaube, daß&lt;br /&gt;
die Gemeinden dabei nicht dasselbe Gefühl&lt;br /&gt;
persönlichen Eigentums haben. In einigen&lt;br /&gt;
Treibhäusern des Baker-Zentrums gibt es&lt;br /&gt;
eine unglaubliche Entwicklung an Kreati-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vität, was die Vielfalt der angebauten Pro-&lt;br /&gt;
dukte betrifft.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»In einem Treibhaus wuchsen Ba-&lt;br /&gt;
nanen, während es draußen schneite. Ich&lt;br /&gt;
schätze, daß sie deshalb weniger produzier-&lt;br /&gt;
ten, aber es war ganz offensichtlich das&lt;br /&gt;
Treibhaus dieser bestimmten Familie. Von&lt;br /&gt;
der grundlegenden Gemeindeentwicklung&lt;br /&gt;
war ich sehr beeindruckt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Baker glaubt, daß die Einbezie-&lt;br /&gt;
hung der Gemeinden der Schlüssel zu er-&lt;br /&gt;
folgreicher Einführung neuer Ideen auf&lt;br /&gt;
dem Hochplateau ist. Genauso wichtig sei&lt;br /&gt;
es, sagt er, potentielle Erfolge aufzuzeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Gelände in Cochabamba&lt;br /&gt;
zeigen einige kleine Parzellen den Vorteil&lt;br /&gt;
der Verwendung von Kompost und Laub-&lt;br /&gt;
decken (zum Bedecken von Pflanzenwur-&lt;br /&gt;
zeln) in der Landwirtschaft. Außerdem&lt;br /&gt;
wurde ein Fischteich gebaut, um zu zeigen,&lt;br /&gt;
wie man in einem geschlossenen System,&lt;br /&gt;
das Dung als Nährsubstanz nutzt, Karpfen&lt;br /&gt;
züchten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Solartreibhäuser wurde&lt;br /&gt;
als Teil an ein traditionelles, zwei Zimmer&lt;br /&gt;
umfassendes Lehmhaus angeschlossen. Mit&lt;br /&gt;
diesem Modell, sagt Dr. Baker, möchte er&lt;br /&gt;
zeigen, wie solche Treibhäuser nicht nur für&lt;br /&gt;
Gemüse sorgen, sondern auch durch Son-&lt;br /&gt;
nenenergie die Wohnräume einer Familie&lt;br /&gt;
in bescheidenem Ausmaß mitheizen kön-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits erwähnt, setzt sich hin-&lt;br /&gt;
ter dem Forschungsgelände ein Wasser-&lt;br /&gt;
und Erosionskontrollsystem einer Schlucht&lt;br /&gt;
entlang fort. Dieses System leitet Wasser in&lt;br /&gt;
den Fischteich und in eine Zisterne und&lt;br /&gt;
zeigt dadurch, wie in einer regenarmen Re-&lt;br /&gt;
gion der dürftige Niederschlag einfach auf-&lt;br /&gt;
gefangen und genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das sind ziemlich einleuchtende&lt;br /&gt;
Ideen zur Erosionskontrolle,« sagt Dr. Ba-&lt;br /&gt;
ker über das System der Dämme. » Aber die&lt;br /&gt;
Menschen auf der Hochebene wollen in&lt;br /&gt;
nichts Zeit investieren, solange sie sich&lt;br /&gt;
nicht einigermaßen klar vorstellen können,&lt;br /&gt;
daß es funktionieren wird. Und das kann&lt;br /&gt;
ich verstehen. Hier oben erarbeiten sie sich&lt;br /&gt;
sozusagen aus nichts einen Lebensunter-&lt;br /&gt;
halt. Um viel Zeit in etwas zu stecken,&lt;br /&gt;
müssen sie das Ergebnis im voraus gesehen&lt;br /&gt;
haben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Baker glaubt, daß die Verände-&lt;br /&gt;
rungen in Bolivien möglich sind, wenn die&lt;br /&gt;
Gemeinden auf der Hochebene sowohl die&lt;br /&gt;
technologischen als auch die organisatori-&lt;br /&gt;
schen Mittel erhalten, mit denen sie ihre&lt;br /&gt;
eigene Entwicklung in die Hand nehmen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Umweltzentrum arbeitet mit&lt;br /&gt;
FUNDESIB, der »Foundation for the Inte-&lt;br /&gt;
gral Development of Bolivia« (Stiftung für&lt;br /&gt;
integrierte Entwicklung in Bolivien) zu-&lt;br /&gt;
sammen. Wie FUNDESIB beruft sich das&lt;br /&gt;
Umwelt-Zentrum auf die Prinzipien des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens. Dr. Baker selbst ist auch&lt;br /&gt;
Bahä’i, und er benannte das Umweltzen-&lt;br /&gt;
trum nach seiner Mutter Dorothy Baker, die&lt;br /&gt;
in den vierziger und fünfziger Jahren eine&lt;br /&gt;
wichtige Rolle im Bahä’i-Glauben spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner grundsätzlichen Haltung zu-&lt;br /&gt;
folge bemüht sich das Baker-Umweltzen-&lt;br /&gt;
trum um ein Gleichgewicht von Entwick-&lt;br /&gt;
lungsbedürfnissen und verantwortungsvol-&lt;br /&gt;
lem Umgang mit der Umwelt auf eine Art&lt;br /&gt;
und Weise, die eine geistige Auffassung der&lt;br /&gt;
Beziehung zwischen Mensch und Natur be-&lt;br /&gt;
inhaltet.&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=29}}»Wir wurden von Gott erschaffen,«&lt;br /&gt;
sagt Dr. Baker. »Und das trifft auch auf die&lt;br /&gt;
Umwelt zu. In diesem Sinne sind wir Teil&lt;br /&gt;
der Schöpfung, und wir müssen uns als&lt;br /&gt;
einen grundlegenden Teil der Umwelt in&lt;br /&gt;
das Ganze einbeziehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig, sagt Dr. Baker, glaubt&lt;br /&gt;
er, daß Gott dem Menschen die einzigartige&lt;br /&gt;
Fähigkeit verliehen hat, zu rationalisieren&lt;br /&gt;
und zu denken — eine Eigenschaft, die die&lt;br /&gt;
Natur nicht besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Menschen sind die ausschlagge-&lt;br /&gt;
bende Kraft im Gleichgewicht zwischen&lt;br /&gt;
der Welt der Menschen und der Welt der&lt;br /&gt;
Natur,« sagt Dr. Baker. Wir können entwe-&lt;br /&gt;
der lernen, wie wir unsere Umwelt verbes-&lt;br /&gt;
sern, oder wir können sie zerstören. Also&lt;br /&gt;
müssen wir nur lernen, wie man die Um-&lt;br /&gt;
welt besser macht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY,&lt;br /&gt;
Januar-März1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konstruktion für ein Solar-Treibhaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steine und Lehm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus Steinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MCR Befestigung&lt;br /&gt;
et aus Steinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 61 BAHA’I-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
      &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorschulen wichtige Ver&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laku Lakuni,&lt;br /&gt;
Bolivien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ist schwer in dieser klei-&lt;br /&gt;
nen Gemeinschaft von Aymara auf der bo-&lt;br /&gt;
livianischen Hochebene, wo das Klima nur&lt;br /&gt;
die nicht frostempfindlichen Getreidearten&lt;br /&gt;
erhält und wo der Boden so karg ist, daß&lt;br /&gt;
man über zwölf Jahre hinweg die Felder&lt;br /&gt;
brach liegen lassen muß, damit sie sich&lt;br /&gt;
wieder erholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mein Leben stimmt mich traurig,&lt;br /&gt;
denn wir bauen Jahr für Jahr ein bißchen&lt;br /&gt;
weiter oben auf dem Berg etwas an,« sagt&lt;br /&gt;
Primo Pasci, ein 34-jähriger Bauer. »Wir&lt;br /&gt;
pflanzen immer weiter oben an, und es wird&lt;br /&gt;
immer kälter. Und nur zwei Dinge wach-&lt;br /&gt;
sen: Kartoffeln und Cafawi.« Cafiawi ist&lt;br /&gt;
eine einheimische Getreidesorte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Pasci sagt, daß er keine Hoff-&lt;br /&gt;
nung mehr für die Zukunft hatte, besonders&lt;br /&gt;
nicht für seine Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Hilfe des Dorothy-Baker-Zen-&lt;br /&gt;
trums für Umweltstudien hat er ein mit&lt;br /&gt;
Sonnenenergie beheiztes Treibhaus in der&lt;br /&gt;
Nähe seines Hauses, das aus Lehmziegeln&lt;br /&gt;
gebaut wurde und zwei Zimmer umfaßt,&lt;br /&gt;
gebaut. Herr Pasci hat auch eine Lehreraus-&lt;br /&gt;
bildung im Baker-Zentrum gemacht und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hält nun täglich Vorschulunterricht für die&lt;br /&gt;
Kinder hier ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Entwicklungen haben&lt;br /&gt;
seiner Familie und der Gemeinde Verände-&lt;br /&gt;
rungen gebracht. Ungefähr 20 Familien ha-&lt;br /&gt;
ben Treibhäuser gebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Uns gefallen die Treibhäuser&lt;br /&gt;
wirklich,« sagt Herr Pasci. »Ohne sie hätten&lt;br /&gt;
wir kein Gemüse, denn wir haben kein&lt;br /&gt;
Geld, um welches zu kaufen. Aber mit Hilfe&lt;br /&gt;
der Treibhäuser haben wir Gemüse. Nun&lt;br /&gt;
können wir Omelettes mit Tomaten und&lt;br /&gt;
Zwiebeln zubereiten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mein kleiner Sohn wußte noch&lt;br /&gt;
nicht einmal, daß es Gemüse gibt,« fügt&lt;br /&gt;
Herr Pasci hinzu. »Nun pflückt er die To-&lt;br /&gt;
maten von der Pflanze ab und ißt sie direkt&lt;br /&gt;
im Treibhaus. Jetzt weiß er, daß man Samen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch oben in | den Anden Treibhäuser un&lt;br /&gt;
änderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
säen und sie nähren muß und daß dann&lt;br /&gt;
Früchte wachsen, die wir mögen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorschulprogramm bietet eine&lt;br /&gt;
andere Form der Unterstützung. Herr Pasci&lt;br /&gt;
unterrichtet nun seit drei Jahren, und unge-&lt;br /&gt;
fähr zwanzig Kinder nehmen regelmäßig&lt;br /&gt;
teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder lernen&lt;br /&gt;
schneller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es besteht ein Unterschied zwi-&lt;br /&gt;
schen Schülern, die in der Vorschule waren,&lt;br /&gt;
und denen, die direkt mit der staatlichen&lt;br /&gt;
Grundschule beginnen,« sagt Herr Pasci.&lt;br /&gt;
»Diejenigen, die zur Vorschule gegangen&lt;br /&gt;
sind, können den Lehrer sofort verstehen.&lt;br /&gt;
Der Lehrer stellte fest, daß diese Kinder&lt;br /&gt;
anfangs sehr viel schneller lernen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Am Anfang hatten die Kinder&lt;br /&gt;
Angst,« sagt er. »Sie wollten nicht in einer&lt;br /&gt;
Gruppe zusammensein. Aber jetzt lieben&lt;br /&gt;
sie es, zusammenzukommen und zusam-&lt;br /&gt;
men zu singen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Pasci schreibt diese Verände-&lt;br /&gt;
rungen teilweise dem Bahä’i-Glauben zu.&lt;br /&gt;
Von den 500 Menschen in Laku Lakuni&lt;br /&gt;
sind etwa zehn Bahä’i, darunter er selbst.&lt;br /&gt;
In den letzten Jahrzehnten ist der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glauben in Bolivien schnell gewachsen.&lt;br /&gt;
Derzeit gibt es etwa 100.000 bolivianische&lt;br /&gt;
Bahä’i; die meisten leben auf der Hochebe-&lt;br /&gt;
ne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Bahä’i-Glauben lehrt, daß wir&lt;br /&gt;
unsere Kinder erziehen und daß wir zusam-&lt;br /&gt;
menarbeiten müssen,« sagt Herr Pasci.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich möchte nicht, daß meinen Kin-&lt;br /&gt;
dern dasselbe passiert wie mir,« fügt er&lt;br /&gt;
hinzu. »Ich glaube, daß sie ein fruchtbare-&lt;br /&gt;
res Leben führen können, wenn sie mehr&lt;br /&gt;
Ausbildung erhalten als ich. Sie werden&lt;br /&gt;
mehr erreichen, werden es bequemer haben&lt;br /&gt;
und auch mehr wissen. Sie werden auf-&lt;br /&gt;
merksamer und wacher sein.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY, Januar-März 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Umgang mit&lt;br /&gt;
der Übergangsphase&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Alexander King und Bertrand Schneider&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(englisches Original: New York: Pantheon&lt;br /&gt;
Books, 1991; deutsche Übersetzung:&lt;br /&gt;
Horizonte Verlag 1992)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dramatische Titel Die erste globale Revolu-&lt;br /&gt;
tion deutet bereits die Bandbreite und Zielsetzung des&lt;br /&gt;
Buches an. Das als Fortsetzung des ersten Buches des&lt;br /&gt;
Club of Rome, Grenzen des Wachstums, vorgestellte&lt;br /&gt;
Buch der Club-Mitglieder Alexander King und Bertrand&lt;br /&gt;
Schneider versucht nichts Geringeres, als die vielfälti-&lt;br /&gt;
gen und unterschiedlichen, die Menschheit heute betref-&lt;br /&gt;
fenden Krisen zu analysieren und Lösungsmöglichkei-&lt;br /&gt;
ten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Titel des Buches zeigt, glauben die&lt;br /&gt;
Autoren, daß sich die Welt an der Schwelle einer weit-&lt;br /&gt;
reichenden Veränderung befindet — der ersten wirklich&lt;br /&gt;
globalen Revolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Thema der letzten Versammlungen des&lt;br /&gt;
Club of Rome war ‘Die große Übergangsphase’ «&lt;br /&gt;
schreiben Alexander King und Bertrand Schneider in&lt;br /&gt;
ihrer Einleitung. »Wir sind davon überzeugt, daß wir&lt;br /&gt;
uns in den Anfängen der Bildung einer Weltgesellschaft&lt;br /&gt;
befinden, die sich so sehr von der heutigen Gesellschaft&lt;br /&gt;
unterscheidet, wie die zur Zeit der industriellen Revo-&lt;br /&gt;
lution von der ihr über lange Zeit vorhergegangenen,&lt;br /&gt;
von der Landwirtschaft geprägten Gesellschaft.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Club of Rome, der 1968 zur Beschäftigung&lt;br /&gt;
mit Weltproblemen gegründet wurde, ist eine Vereini-&lt;br /&gt;
gung von hundert führenden Persönlichkeiten, ehema-&lt;br /&gt;
ligen Staatsoberhäuptern, Wissenschaftlern, Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsexperten und Denkern. Für Grenzen des Wachs-&lt;br /&gt;
tums, das der Club 1972 veröffentlichte, wurde ein&lt;br /&gt;
Computer zur Feststellung allgemeiner Trends der Be-&lt;br /&gt;
völkerungsentwicklung, der industriellen Expansion&lt;br /&gt;
und der Entwicklung benutzt. Die daraus gezogenen&lt;br /&gt;
Schlußfolgerungen lösten eine weltweite Diskussion&lt;br /&gt;
über das Fassungsvermögen des Planeten für ständig&lt;br /&gt;
anwachsende Aktivitäten des Menschen aus — und&lt;br /&gt;
begründeten damit den Ruf des Clubs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders als Grenzen des Wachstums, das seine&lt;br /&gt;
Thesen mit Statistiken untermauerte, ist Die erste glo-&lt;br /&gt;
bale Revolution im Grunde genommen eine umfangrei-&lt;br /&gt;
che Erörterung globaler Themen, die die Meinung des&lt;br /&gt;
Club of Rome widerspiegelt, wie der Untertitel zeigt&lt;br /&gt;
(»Ein Bericht vom Rat des Club of Rome«). Das zwei&lt;br /&gt;
Teile beinhaltende Buch behandelt zuerst die Bandbreite&lt;br /&gt;
der die Menschheit betreffenden Probleme — von den&lt;br /&gt;
Autoren als problematique bezeichnet. Der zweite Teil&lt;br /&gt;
beinhaltet die vom Club angebotenen Problemlösungen&lt;br /&gt;
— die resolutique.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch ist intelligent, gebildet und voller&lt;br /&gt;
Einsichten. Die Darstellung der zeitgenössischen globa-&lt;br /&gt;
len Themen deckt in einem angenehm lesbaren und&lt;br /&gt;
einleuchtenden Stil geradezu jedes große Problem der&lt;br /&gt;
heutigen Menschheit ab. Bereiche akuter Sorge wie die&lt;br /&gt;
Erwärmung der Erde, die Energiekrise, ungenügende&lt;br /&gt;
Nahrungsmittelversorgung, Unterentwicklung und so-&lt;br /&gt;
gar die Überschüttung mit Informationen werden iden-&lt;br /&gt;
tifiziert und herausgehoben. Die Schuldenkrise, der Zer-&lt;br /&gt;
fall des sozialistischen Wirtschaftssystems und die mög-&lt;br /&gt;
lichen Gefahren des ungezügelten Kapitalismus werden&lt;br /&gt;
auch behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Integration dieser Inhalte ist ein übergrei-&lt;br /&gt;
fendes Thema. »Unser Wunsch war einfach — wenn&lt;br /&gt;
auch nur oberflächlich und unvollständig — die Ele-&lt;br /&gt;
mente, die schon vorhanden sind, darzustellen, um ihre&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zu zeigen,« schreiben Alexander King&lt;br /&gt;
und Bertrand Schneider.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erfolg des Clubs in diesem Punkt ist viel-&lt;br /&gt;
leicht das wichtigste Merkmal dieses Buches. Nachdem&lt;br /&gt;
sie die Probleme der Menschheit aufgelistet haben, be-&lt;br /&gt;
leuchten die Autoren das, was immer mehr als zentrale&lt;br /&gt;
Krise unserer Zeit erkannt wird: eine weltweite morali-&lt;br /&gt;
sche und geistige Zerrüttung. Darauf hin müssen die&lt;br /&gt;
Wurzeln der problematique zurückgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Ordnung einer Gesellschaft hängt vom&lt;br /&gt;
Zusammenhalt ihrer Mitglieder ab,« schreiben die Au-&lt;br /&gt;
toren. »Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts wurde dieser&lt;br /&gt;
Zusammenhalt durch natürlichen Patriotismus und Zu-&lt;br /&gt;
sammengehörigkeitsgefühl gesichert und verstärkt&lt;br /&gt;
durch moralische Disziplin von seiten der Religion und&lt;br /&gt;
durch Respekt vor dem Staat und vor seinen führenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’T-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perönlichkeiten, egal&lt;br /&gt;
wie weit sie von den&lt;br /&gt;
Menschen entfernt&lt;br /&gt;
zu sein schienen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Inzwischen&lt;br /&gt;
ist in vielen Ländern&lt;br /&gt;
der allgemeine reli-&lt;br /&gt;
giöse Glaube verflo-&lt;br /&gt;
gen; der Respekt vor&lt;br /&gt;
der Politik ist ver-&lt;br /&gt;
blaßt, was teilweise&lt;br /&gt;
an den Medien und&lt;br /&gt;
an der Unzulänglich-&lt;br /&gt;
keit der politischen&lt;br /&gt;
Parteien bei der Be-&lt;br /&gt;
wältigung von Pro-&lt;br /&gt;
blemen liegt, wo-&lt;br /&gt;
durch Gleichgültig-&lt;br /&gt;
keit oder sogar&lt;br /&gt;
Feindseligkeit ent-&lt;br /&gt;
stehen. Die Minder-&lt;br /&gt;
heiten sind immer&lt;br /&gt;
weniger dazu bereit,&lt;br /&gt;
die Interessen der&lt;br /&gt;
Mehrheit zu respek-&lt;br /&gt;
tieren. Dadurch ist&lt;br /&gt;
ein Vakuum entstan-&lt;br /&gt;
den, in dem sowohl&lt;br /&gt;
die Ordnung, als&lt;br /&gt;
auch die Ziele der&lt;br /&gt;
Gesellschaft zerstört&lt;br /&gt;
werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexander King&lt;br /&gt;
und Bertrand&lt;br /&gt;
Schneider&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorwort von&lt;br /&gt;
Richard&lt;br /&gt;
von Weizsäcker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die üble La-&lt;br /&gt;
ge der Menschheit,&lt;br /&gt;
sagen sie, verschlim-&lt;br /&gt;
mert sich, weil die&lt;br /&gt;
Führungspersönlichkeiten darin versagt haben, diesem&lt;br /&gt;
die Gesellschaft aushöhlende Vakuum zu begegnen, und&lt;br /&gt;
sich stattdessen nur auf die Behandlung seiner Sympto-&lt;br /&gt;
me beschränkt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unsere Suche nach Weisheit ist erfolglos,«&lt;br /&gt;
fügen die Autoren hinzu. »Die Gegensätze zwischen den&lt;br /&gt;
beiden Ideologien, die unser Jahrhundert beherrschten,&lt;br /&gt;
sind zusammengebrochen und haben ein weiteres Va-&lt;br /&gt;
kuum und krassen Materialismus zurückgelassen. Kein&lt;br /&gt;
Element im Regierungssystem und seiner Entschei-&lt;br /&gt;
dungsfindung scheint dazu in der Lage zu sein, diesen&lt;br /&gt;
Entwicklungen entgegenzuwirken oder die Trends zu&lt;br /&gt;
beeinflussen, die Fragen über unsere gemeinsame Zu-&lt;br /&gt;
kunft und über das Überleben der Menschheit stellen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Autoren auf sehr einleuchtende&lt;br /&gt;
Weise Materialismus und Zwietracht als Schlüsselfak-&lt;br /&gt;
toren der problematique herauskristallisiert haben, ver-&lt;br /&gt;
sagen sie schließlich darin, ein Mittel zum Füllen des&lt;br /&gt;
Vakuums und zur Aufrüttelung der Menschheit aus ih-&lt;br /&gt;
rem Zustand der Krankheit und des Zerfalls anzubieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Club of Rome&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE ERSTE&lt;br /&gt;
GLOBALE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bericht zur Lage der Welt&lt;br /&gt;
Zwanzig Jahre nach „Die Grenzen des Wachstums“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht daß die Auto-&lt;br /&gt;
ren es nicht versucht&lt;br /&gt;
hätten. In der Tat&lt;br /&gt;
skizzieren Alexander&lt;br /&gt;
King und Bertrand&lt;br /&gt;
Schneider einen ver-&lt;br /&gt;
nünftigen, glaubhaf-&lt;br /&gt;
ten und auf vielerlei&lt;br /&gt;
Art und Weise brilli-&lt;br /&gt;
anten Plan zur Lö-&lt;br /&gt;
sung der Probleme,&lt;br /&gt;
die sie festgestellt&lt;br /&gt;
haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bestehe darin, ir-&lt;br /&gt;
gendwie die Demo-&lt;br /&gt;
kratie und damit das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
allgemeine Regie-&lt;br /&gt;
Ungekürzte rungssystem in aller&lt;br /&gt;
Ausgabe Welt neu zu beleben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um »ihm eine so um-&lt;br /&gt;
fassende Perspektive&lt;br /&gt;
zu verleihen, daß es&lt;br /&gt;
die sich entwickeln-&lt;br /&gt;
de Weltsituation be-&lt;br /&gt;
wältigen kann«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das zu&lt;br /&gt;
erreichen, verlangen&lt;br /&gt;
sie die Schaffung&lt;br /&gt;
neuer Institutionen,&lt;br /&gt;
die auf Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit, Koordination&lt;br /&gt;
und gemeinsamem&lt;br /&gt;
Handeln beruhen, ei-&lt;br /&gt;
nen allgemeinen Angriff auf die Politik und Gesellschaft&lt;br /&gt;
durchdringende Korruption, eine weit verbreitete Ak-&lt;br /&gt;
zeptanz von »Führungspersönlichkeiten mit einem neu-&lt;br /&gt;
en Profil«, zu deren Eigenschaften die Begabung für&lt;br /&gt;
Innovationen, eine globale Sichtweise, eine ethische&lt;br /&gt;
Einstellung und Lernfähigkeit gehören, und wachsendes&lt;br /&gt;
Vertrauen in und die Einbeziehung von Gruppen und&lt;br /&gt;
Organisationen auf der individuellen Ebene der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich gehört zu den aufschlußreichsten&lt;br /&gt;
Themen des Buches die Feststellung, daß Regierungen&lt;br /&gt;
in- der Form, wie wir sie kennen, einfach nicht in der&lt;br /&gt;
Lage sind, aus eigener Kraft die Welt wieder aufzubau-&lt;br /&gt;
en. Stattdessen, so wird argumentiert, muß sich die&lt;br /&gt;
Menschheit notwendigerweise auch Institutionen außer-&lt;br /&gt;
halb der Regierungen zuwenden, wie z. B. politischen&lt;br /&gt;
Parteien, Gewerkschaften, Firmen und nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen. »Das Regieren ist nicht mehr ein Mo-&lt;br /&gt;
nopol von Regierungen und internationalen staatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen, und die Wirksamkeit des Regierens&lt;br /&gt;
wird von den Fähigkeiten der führenden Persönlichkei-&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=33}}ten abhängen, die in ihre Entscheidungsfindung neue&lt;br /&gt;
Personen einbeziehen, die ohnehin schon mitregieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren stellen drei Bereiche für umgehen-&lt;br /&gt;
den Handlungsbedarf von seiten der Regierungen und&lt;br /&gt;
anderer heraus: 1) die »Zurückverwandlung« der welt-&lt;br /&gt;
weiten militärischen Wirtschaft in eine zivile Wirt-&lt;br /&gt;
schaft; 2) der Beginn einer weltweiten Kampagne zur&lt;br /&gt;
Energieeinsparung und zum Stopp der Erderwärmung;&lt;br /&gt;
und 3) die Schaffung einer neuen Priorität, nämlich&lt;br /&gt;
Entwicklungsbemühungen in kleinem Rahmen im länd-&lt;br /&gt;
lichen Bereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre resolutique in die Tat umzusetzen,&lt;br /&gt;
schlagen die Autoren vor, daß die Menschheit den Aus-&lt;br /&gt;
weg aus der heutigen Reihe von Problemen »lernen«&lt;br /&gt;
soll. Sie skizzieren eine Art neuen Welt-Lehrplan, der&lt;br /&gt;
die folgenden Ziele beinhalten soll: den einzelnen zu&lt;br /&gt;
zeigen, wie man etwas erlernt; sie zu lehren, wie man&lt;br /&gt;
»nicht wünschenswerte Impulse« und zerstörerisches&lt;br /&gt;
Verhalten überwindet; die Kreativität der Menschen zu&lt;br /&gt;
wecken; und sie zu befähigen, sich eine globale Welt-&lt;br /&gt;
sicht anzueignen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vorletzte Kapitel versucht schließlich, die&lt;br /&gt;
den Problemen der Menschen zugrunde liegende&lt;br /&gt;
»Krankheit« anzusprechen. Darin bieten die Autoren der&lt;br /&gt;
Menschheit eine »neue ethische Sichtweise« an. Ihrer&lt;br /&gt;
Meinung nach beinhaltet diese Weltsicht eine ethische&lt;br /&gt;
Einstellung zu Natur und Umwelt, zum Leben (und im&lt;br /&gt;
besonderen zur Genmanipulation), zur Entwicklung&lt;br /&gt;
(um den unerträglichen Graben zwischen reich und arm&lt;br /&gt;
endlich zu überbrücken), außerdem eine ethische Hal-&lt;br /&gt;
tung gegenüber Geld, eine Ethik der Bilder (die das&lt;br /&gt;
Fernsehen kontrollieren soll) und eine Ethik der Solida-&lt;br /&gt;
rität (da die Menschen zusammenarbeiten müssen, um&lt;br /&gt;
zu überleben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die globale Gesellschaft, auf die wir zusteuern,&lt;br /&gt;
kann nicht entstehen, wenn sie nicht aus der Quelle&lt;br /&gt;
moralischer und geistiger Prinzipien trinkt, die die Gren-&lt;br /&gt;
zen ihrer Dynamik abstecken,« schreiben die Autoren.&lt;br /&gt;
»Unabhängig von Kultur, Religion und Philosophie dür-&lt;br /&gt;
sten alle Menschen nach Freiheit, streben nach der&lt;br /&gt;
Überwindung von Eingrenzungen, suchen nach einem&lt;br /&gt;
oft nicht greifbaren und namenlosen Etwas jenseits&lt;br /&gt;
vieler Einschränkungen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß&lt;br /&gt;
weder Diktatur noch Gewalt oder einengende Gesetze&lt;br /&gt;
dieses oft leidenschaftliche Verlangen aus den Herzen&lt;br /&gt;
der Menschen auslöschen konnten, ein Verlangen, das&lt;br /&gt;
aus dem von Carl Jung analysierten Unbewußten ent-&lt;br /&gt;
springt«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So inspirierend dieses Zitat (wie das gesamte&lt;br /&gt;
Buch) auch sein mag, so ignoriert oder verkennt es die&lt;br /&gt;
geschichtliche Quelle moralischer und geistiger Werte:&lt;br /&gt;
Religion. Zwar wird Religion erwähnt, aber sie wird —&lt;br /&gt;
wie im obigen Absatz — dargestellt, als sei sie ledig-&lt;br /&gt;
lich eine unter vielen Quellen geistiger Erneuerung und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht die Urquelle geistiger Inspiration. Leider vertritt&lt;br /&gt;
das Buch nur eine neue, weltweit ausgerichtete Form&lt;br /&gt;
des Humanismus, einen Nachfolger des alten Humanis-&lt;br /&gt;
mus, der in vielerlei Hinsicht für den Zustand verant-&lt;br /&gt;
wortlich ist, den die Autoren so stichhaltig darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion hat, welche Unzulänglichkeiten sich&lt;br /&gt;
auch immer in ihrer Ausübung ergaben, traditionell&lt;br /&gt;
menschliche Einstellungen, Ziele und Beziehungen de-&lt;br /&gt;
finiert. Die Gesetze und Lehren der großen religiösen&lt;br /&gt;
Propheten der Welt waren immer die grundlegende&lt;br /&gt;
Kraft in der Erziehung des Menschen. Sie war das&lt;br /&gt;
Hauptmittel zu gesellschaftlicher Entwicklung und zum&lt;br /&gt;
Zusammenhalt. Die menschliche Natur ist vom Wesen&lt;br /&gt;
her eine geistige, geben die Autoren zu. Die wirkliche&lt;br /&gt;
Herausforderung besteht also in der Anerkennung der&lt;br /&gt;
Tatsache, daß die Menschheit durch die Geschichte&lt;br /&gt;
hindurch sich auf eine Macht verlassen hat, die weit&lt;br /&gt;
größer ist als sie selbst: Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor mehr als hundert Jahren warnte Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
der Stifter des Bahä’i-Glaubens, vor einer Reihe von&lt;br /&gt;
Krisen zunehmender Härte, die die Menschheit durch-&lt;br /&gt;
stehen muß, bis sie ihre eigene grundlegende Einheit&lt;br /&gt;
und die Einheit Gottes anerkennt. Bahä’u’lläh betonte&lt;br /&gt;
erneut die Rolle der Religion bei der Erreichung von&lt;br /&gt;
Einheit, indem Er sagte, daß alle großen Weltreligionen&lt;br /&gt;
aus derselben Quelle stammen und aufeinander folgen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
de Phasen eines einzigen, ewigen Glaubens darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Propheten Gottes sollten als Ärzte angese-&lt;br /&gt;
hen werden, deren Aufgabe es ist, das Wohlergehen der&lt;br /&gt;
Welt und ihrer Völker zu fördern, damit sie durch den&lt;br /&gt;
Geist der Einheit das Siechtum einer entzweiten&lt;br /&gt;
Menschheit zu heilen vermögen,« schreibt Bahä’u’lläh.&lt;br /&gt;
»Auf das innerste Wesen dieser Propheten muß daher&lt;br /&gt;
das Auge jedes Urteilsfähigen gerichtet sein, weil ihre&lt;br /&gt;
eine und einzige Aufgabe immer war, die Irrenden zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
führen und den Leidenden Frieden zu bringen.« (Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh, Ährenlese 34:6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Club of Rome hat in Die erste globale&lt;br /&gt;
Revolution den Kernpunkt der problematique der Welt&lt;br /&gt;
festgestellt: Zwietracht, die aus dem geistigen Nieder-&lt;br /&gt;
gang der Welt resultiert. Obwohl die angebotene reso-&lt;br /&gt;
lutique viele Erkenntnisse beinhaltet, verfehlt sie aber&lt;br /&gt;
bei weiten ein überzeugendes Heilmittel zur Befriedi-&lt;br /&gt;
gung des Hauptbedürfnisses der Menschheit: des Fül-&lt;br /&gt;
lens des geistigen Vakuums. Wenn dieser Kreis von&lt;br /&gt;
hundert mächtigen und einflußreichen Personen wirk-&lt;br /&gt;
lich kühn gewesen wäre, wäre er der Logik seiner&lt;br /&gt;
anfänglichen Folgerungen gefolgt — ein Schritt, der&lt;br /&gt;
ihn bestimmt über den aufgewärmten Humanismus hin-&lt;br /&gt;
ausgetragen hätte, der als resolutigue unterbreitet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ONE COUNTRY, Oktober-Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedenkveranstaltung&lt;br /&gt;
in der Paulskirche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits im Editorial erwähnt, fand am 26. Mai 1992 eine&lt;br /&gt;
Versammlung anläßlich des 100. Jahrestages des Hinscheidens&lt;br /&gt;
Bahä’u’llahs in der Frankfurter Paulskirche statt, an der über 900&lt;br /&gt;
Personen aus dem In- und Ausland teilnahmen. Zu diesem Festakt&lt;br /&gt;
trafen diverse Grußworte ein, aus denen Anerkennung für den&lt;br /&gt;
Glauben Baha’u’llahs und Wertschätzung für die von Ihm verkündeten&lt;br /&gt;
Lehren spricht. Das Universale Haus der Gerechtigkeit geht in seiner&lt;br /&gt;
Botschaft auf die Geschichte Europas ein und betont den aktuellen&lt;br /&gt;
Bezug der Botschaft Baha’u’llahs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenstehend sind Auszüge aus den Grußworten abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 BAHA’I-BRIEFE NR. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_61.pdf|page=35}}»...Eine moderne, pluralistische Gesellschaft&lt;br /&gt;
mit menschlichem Gesicht lebt entscheidend&lt;br /&gt;
auch aus dem Gedanken der religiösen Tole-&lt;br /&gt;
ranz. Das Fest, das Sie begehen, soll den&lt;br /&gt;
untrennbaren Zusammenhang zwischen Treue&lt;br /&gt;
zum eigenen Glauben und der Toleranz gegen-&lt;br /&gt;
über den Menschen anderer Glaubensüberzeu-&lt;br /&gt;
gung deutlich machen. Wir in Deutschland, die&lt;br /&gt;
wir in der Freiheit der Religionsausübung le-&lt;br /&gt;
ben dürfen, wissen um die Verfolgung, die&lt;br /&gt;
Menschen wegen ihres Glaubens in vielen&lt;br /&gt;
Ländern der Welt erleiden müssen. Die Bun-&lt;br /&gt;
desregierung wird ihren Einsatz für die welt-&lt;br /&gt;
weite Garantie der Religionsfreiheit auch&lt;br /&gt;
künftig entschlossen fortführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i in Deutschland haben seit jeher im&lt;br /&gt;
Dialog mit anderen Religionen eine wichtige&lt;br /&gt;
Aufgabe gesehen. Gerade in der heutigen Zeit&lt;br /&gt;
kommt der Begegnung zwischen Menschen un-&lt;br /&gt;
terschiedlicher Religion eine besondere Be-&lt;br /&gt;
deutung zu. Gewiß wird auch das diesjährige&lt;br /&gt;
Jubiläum der Baha’i dem interreligiösen Dia-&lt;br /&gt;
log neue, wertvolle Impulse geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wünsche allen Baha’t in Deutschland und&lt;br /&gt;
in der Welt, daß sie ihren Glauben in Freiheit&lt;br /&gt;
und im friedlichen Miteinander mit anderen&lt;br /&gt;
Religionen leben können.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Allen Teilnehmern am Festakt in der Pauls-&lt;br /&gt;
kirche möchte ich meine Grüße und besten&lt;br /&gt;
Wünsche übermitteln. In dieser schwierigen&lt;br /&gt;
Umbruchphase mit vielerlei Unsicherheiten ist&lt;br /&gt;
geistige Orientierung von unschätzbarem&lt;br /&gt;
Wert. Indem wir die berechtigten Sorgen hier-&lt;br /&gt;
zulande und aus anderen Teilen Europas und&lt;br /&gt;
der Welt ernst nehmen und ernsthafte Anstren-&lt;br /&gt;
gungen unternehmen, daß sich ungute Trends&lt;br /&gt;
möglichst nicht verselbständigen und verewi-&lt;br /&gt;
gen, tragen wir mit dazu bei, um dieser, unserer&lt;br /&gt;
Einen Welt voranzuhelfen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willy Brandt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Darf ich mit der Anrede beginnen: Liebe&lt;br /&gt;
Freunde. Zwar gehöre ich Ihrer Religionsge-&lt;br /&gt;
meinschaft nicht an. Ich hatte einige Jahre&lt;br /&gt;
lang einen aus dem Iran stammenden physika-&lt;br /&gt;
lischen Mitarbeiter, der Bahä’i war und der&lt;br /&gt;
mir Ihre Gemeinschaft nahegebracht hat. Ich&lt;br /&gt;
habe große Bewunderung für Baha’u’llah,&lt;br /&gt;
dessen 100. Todestag Sie soeben feiern. Ich&lt;br /&gt;
glaube, daß das, was er als den Auftrag an die&lt;br /&gt;
Religionen ausgedrückt hat, genau der Wahr-&lt;br /&gt;
heit entspricht. So kann ich Ihnen nur wün-&lt;br /&gt;
schen, daß Sie einen guten Verlauf Ihrer Ta-&lt;br /&gt;
gung haben und daß man allgemein in der Welt&lt;br /&gt;
auf das hören wird, was Sie zu sagen haben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Dr. Carl Friedrich von Weizsäcker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»...In den hundert Jahren seit jenem schick-&lt;br /&gt;
salsschweren Tag hat sich Europas Antlitz ver-&lt;br /&gt;
ändert; es ist gezeichnet von Ereignissen, die&lt;br /&gt;
eine ‘beklagenswert mangelhafte’ politische&lt;br /&gt;
Ordnung heraufbeschworen hat. Heute steht&lt;br /&gt;
dieser Erdteil an der Schwelle zu machtvollen,&lt;br /&gt;
konstruktiven Entwicklungen. Viele Probleme&lt;br /&gt;
müssen noch gemeistert werden; der Weg in&lt;br /&gt;
die Zukunft ist steinig, aber letzten Endes ist&lt;br /&gt;
diese Zukunft unaussprechlich ruhmreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llahs Botschaft ist ein strahlendes&lt;br /&gt;
Licht, das den vor der Menschheit liegenden&lt;br /&gt;
Weg erhellt, eine Schatzkammer voller weg-&lt;br /&gt;
weisender Grundsätze, mit denen die Proble-&lt;br /&gt;
me unserer Zeit zu lösen sind. Daß die Stadt&lt;br /&gt;
Frankfurt diese Versammlung in einem so ge-&lt;br /&gt;
schichtsträchtigen Bau mitten im Herzen des&lt;br /&gt;
erwachenden Europa willkommen heißt, ist&lt;br /&gt;
von tiefer Bedeutung und ermutigt zu großen&lt;br /&gt;
Hoffnungen für die ganze Welt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE Nr. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_60/Text&amp;diff=75358</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 60/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:13:03Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=1}} {{ocr}}&lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=2}}Bahäatr-Bri&lt;br /&gt;
1-Bri Heft60 Dezember1991 19.Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahd’i-Briefe wollen eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
Bah@’i-Religion fördern und auf der Grundlage zeitgemäßen Denkens zu einem Dialog&lt;br /&gt;
mit allen beitragen, die sich um die Lösung der Weltprobleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermeneutik 1&lt;br /&gt;
Dann J. May&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nür-Universität 13&lt;br /&gt;
Der Gipfel für die Erde- Die UNCED-Konferenz 18&lt;br /&gt;
Uwe Still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alan LeRoy Locke und die Harlem Renaissance 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteile - Nährboden für Ungerechtigkeit 3&lt;br /&gt;
Hossain B. Danesh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Buchtip 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Ratder Bahä’iin Deutschland e.V., Hofheim-Langenhain.&lt;br /&gt;
Redaktion: Nassim Berdjis, Nawid Maher, Dr.Bijan Sobhani, Uwe Still, Karl Türke jun. Redak-&lt;br /&gt;
tionsanschrift: Bahä’i-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion oder des Her-&lt;br /&gt;
ausgebers dar. Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
20,- DM. Einzelpreis 6,- DM. Vertrieb und Bestellungen: Bahä’i-Verlag, Eppsteiner Straße 89,&lt;br /&gt;
D-6238 Hofheim 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Titelbild: Erste Seite aus der zweisprachigen Schmuckausgabe DieVerborgenen Worte von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-VerlagGmbH 1991 ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermeneutik&lt;br /&gt;
Deutung und Auslegung der Heiligen Schriften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann J. May&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Hermeneutik versteht man die Wissenschaft und Methodik der Auslegung von&lt;br /&gt;
Texten. Das Studium der Hermeneutik wird zunehmend als Grundlage für Fächer wie&lt;br /&gt;
Theologie, religiöse Studien, Philosophie und Literaturkritik betrachtet. Die folgenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtungen behandeln drei Themen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Die Rolle der verbindlichen Ausle-&lt;br /&gt;
gung und ihr Verhältnis zur indivi-&lt;br /&gt;
duellen Auslegung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Die Darstellung von acht Prinzipien&lt;br /&gt;
der Auslegung, die in den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften zu finden sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Eine Untersuchung der Bahä’i-In-&lt;br /&gt;
terpretation an einem Beispiel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD Verbindliche Auslegung&lt;br /&gt;
gegenüber Individueller&lt;br /&gt;
Auslegung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbindliche Auslegungen durch die&lt;br /&gt;
Zentralgestalten des Bahä’i-Glaubens&lt;br /&gt;
- Báb, Bahä’u/lläh, ’Abdu’l-Bahá und&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi - bilden einen wesent-&lt;br /&gt;
lichen Bestandteil des Bahä’i-Schrift-&lt;br /&gt;
tums. Ihre Ausiegungen können in&lt;br /&gt;
zwei Gruppen unterteilt werden: sol-&lt;br /&gt;
che, die die Bahä’i-Schriften erklären,&lt;br /&gt;
eine umfassende Zusammenfassung&lt;br /&gt;
oder einen Auszug davon geben, und&lt;br /&gt;
solche, die Überlieferungen und hei-&lt;br /&gt;
ligeSchriften vergangener Religionen&lt;br /&gt;
erklären und auslegen. Beide sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst erschienen in The Journal of Ba-&lt;br /&gt;
ha’ Studies Vol.1,Nr.3,1989. Die Über-&lt;br /&gt;
setzung und Kürzung des Artikels be-&lt;br /&gt;
sorgte Peter Zaplinski.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Unfolding Destiny, 5.423&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach den Bahä’i-Lehren als unfehlbar&lt;br /&gt;
und göttlich inspiriert anzusehen.&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, ob das&lt;br /&gt;
Vorhandensein einer unfehlbaren&lt;br /&gt;
Auslegung innerhalb des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens Auslegungen durch den&lt;br /&gt;
einzelnen ausschließtoder zumindest&lt;br /&gt;
weitgehend einschränkt. Diesistnach&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi nicht der Fall, voraus-&lt;br /&gt;
gesetzt, solche Auslegungen werden&lt;br /&gt;
als »persönliche Bemerkungen und&lt;br /&gt;
Überlegungen«! dargestellt. Das Uni-&lt;br /&gt;
versale Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
schreibt, daß »individuelle Ausle-&lt;br /&gt;
gung als Frucht der menschlichen&lt;br /&gt;
Verstandeskraft angesehen (wird)&lt;br /&gt;
und als förderlich für ein besseres&lt;br /&gt;
Verständnis der Lehren (gilt). In&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Schriften werden wir aus-&lt;br /&gt;
drücklich aufgefordert, über diesym-&lt;br /&gt;
bolische und verborgene Bedeutung&lt;br /&gt;
religiöser Texte nachzusinnen, sie zu&lt;br /&gt;
erklären und auszulegen. Nachdem&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Bahá die symbolische Erzäh-&lt;br /&gt;
lung von Adam und Eva im 1. Buch&lt;br /&gt;
Mose erklärt hatte, sagte Er:»Dies ist&lt;br /&gt;
eine der Bedeutungen der biblischen&lt;br /&gt;
Geschichte von Adam. Denke nach,&lt;br /&gt;
bis du die anderen findest.«° Es ist&lt;br /&gt;
somit klar, daß die Auslegung durch&lt;br /&gt;
den einzelnen eine wesentliche Rolle&lt;br /&gt;
für das Verständnis religiöser Schrif-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 _ Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Band 1, 5.55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3  Beantwortete Fragen, 5.127&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=4}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten und Traditionen spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Bahä’i-Schriften ist jedoch&lt;br /&gt;
auch die Erkenntnis enthalten, daß&lt;br /&gt;
sich unsere Auslegungen und unser&lt;br /&gt;
Verständnis im Laufe der Zeit wan-&lt;br /&gt;
deln, so wie wir einen Text in zuneh-&lt;br /&gt;
mendem Maße begreifen. Mit ande-&lt;br /&gt;
ren Worten, unsere Auslegungen&lt;br /&gt;
sind ständiger Überprüfung, Verän-&lt;br /&gt;
derung und Korrektur unterworfen.&lt;br /&gt;
Darüberhinaus beeinflussen diese&lt;br /&gt;
Auslegungen nicht nur die Art, wie&lt;br /&gt;
wir einen bestimmten Text verstehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern auch, wie wir im Leben han-&lt;br /&gt;
deln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
cı Prinzipien der Auslegung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiöse Texte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
enthalten viele Bedeutungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Prinzip der Auslegung ist,&lt;br /&gt;
daß religiöse Texte viele Bedeutun-&lt;br /&gt;
gen enthalten. Da wir gezeigt haben,&lt;br /&gt;
daß die Bahä’i-Schriften den einzel-&lt;br /&gt;
nen ermutigen, einen heiligen Text&lt;br /&gt;
auszulegen und in ihm andere Bedeu-&lt;br /&gt;
tungen zu entdecken, folgt daraus,&lt;br /&gt;
daß die Worte dieser Texte eine Viel-&lt;br /&gt;
zahl von Bedeutungen enthalten&lt;br /&gt;
müssen. Bahä’u’lläh sagt, »daß der&lt;br /&gt;
Sinn dieses Wortes (Gottes) niemals&lt;br /&gt;
auszuschöpfen ist.«*. Wir dürfen uns&lt;br /&gt;
also weder auf nur eine Auslegung&lt;br /&gt;
eines bestimmten religiösen Textes&lt;br /&gt;
beschränken, noch auf eine Art oder&lt;br /&gt;
einen Stil der Auslegung. Gleicher-&lt;br /&gt;
maßen dürfen wir »nicht mit einem&lt;br /&gt;
zu kritischen Auge die Aussagen&lt;br /&gt;
und Schriften anderer betrachten, sei-&lt;br /&gt;
en sie Bahä’i oder nicht. Selbst wenn&lt;br /&gt;
eine verbindliche Auslegung für ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4  Ährenlese, 5.154&lt;br /&gt;
5 Ährenlese, 5.286&lt;br /&gt;
6 Buch der Gewißheit, 5.167 und 5.41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nen bestimmten Abschnitt vorliegt,&lt;br /&gt;
schließt diese Auslegung durch ihr&lt;br /&gt;
bloßes Vorhandensein nicht die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit anderer bedeutsamer Ausle-&lt;br /&gt;
gungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die symbolische Natur religiöser&lt;br /&gt;
Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Prinzip der Auslegung be-&lt;br /&gt;
sagt, daß religiöse Texte häufig ab-&lt;br /&gt;
sichtlich in zweideutiger, verhüllter&lt;br /&gt;
und symbolischer Sprache geschrie-&lt;br /&gt;
ben sind. Bahä’u’lläh schreibt im&lt;br /&gt;
Buch der Gewißheit, daß die Reli-&lt;br /&gt;
gionsstifter eine zweifache Sprache&lt;br /&gt;
sprechen. Die erste Sprache ist klar&lt;br /&gt;
und unzweideutig, während die&lt;br /&gt;
zweite »verhüllt und versiegelt« und&lt;br /&gt;
voll von »sinnbildlichen Worten und&lt;br /&gt;
verhaltenen Andeutungen« ist®. Bei-&lt;br /&gt;
spiele für die erste Art der Sprache&lt;br /&gt;
sind Gesetze und Verordnungen, Rat-&lt;br /&gt;
schläge und Ermahnungen sowie&lt;br /&gt;
Lehren und Prinzipien, die in allen&lt;br /&gt;
Religionen enthalten sind. Beispiele&lt;br /&gt;
für die zweite Art der Sprache sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh schreibt im Buch&lt;br /&gt;
der Gewißheit, daß die Reli-&lt;br /&gt;
gionsstifter eine zweifache&lt;br /&gt;
Sprache sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
symbolische, mythologische, mysti-&lt;br /&gt;
sche, prophetische, apokalyptische&lt;br /&gt;
und eschatologische Textpassagen,&lt;br /&gt;
die in den meisten, wenn nicht in al-&lt;br /&gt;
len, religiösen Texten und Überliefe-&lt;br /&gt;
rungen zu finden sind. In Fällen, wo&lt;br /&gt;
verhüllte Sprache klar als solche zu&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=5}}Hermeneutik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GET&lt;br /&gt;
al Zu &amp;amp; eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ks 2 re Be.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Text aus dem Koran&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=6}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erkennen ist, sagt Bahä’w/lläh, daß&lt;br /&gt;
»die wörtliche Bedeutung, wie sie all-&lt;br /&gt;
gemein von den Menschen verstan-&lt;br /&gt;
den wird, nicht das (ist), was beab-&lt;br /&gt;
sichtigt ist.«7. Weiter sagt Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
daß die wörtliche Auslegung verhüll-&lt;br /&gt;
ter Sprache einer der Hauptgründe&lt;br /&gt;
für die Verfolgungen ist, die sich im&lt;br /&gt;
gestaltgebenden Zeitalter jeder Reli-&lt;br /&gt;
gion ereignen.’Abdu’l-Bahá erläutert&lt;br /&gt;
in einer Seiner Ansprachen in New&lt;br /&gt;
Hampshire, daß »die heiligen Bücher&lt;br /&gt;
ihre spezielle Terminologie haben,&lt;br /&gt;
die man kennen und verstehen muß.&lt;br /&gt;
Ärzte haben ihre eigenen, besonderen&lt;br /&gt;
Ausdrücke; ..Dichter haben ihre&lt;br /&gt;
Wendungen; Wissenschaftler ihre&lt;br /&gt;
Fachsprache.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Patrick Burke legt in seinem Auf-&lt;br /&gt;
satz The Reluctant Vision” überzeu-&lt;br /&gt;
gend dar, daß die Hauptfunktion re-&lt;br /&gt;
ligiöser Sprache darin besteht, eine&lt;br /&gt;
Vision des Lebens darzustellen, und&lt;br /&gt;
nicht eine Beschreibung historischer&lt;br /&gt;
und wissenschaftlicher Tatsachen zu&lt;br /&gt;
geben. Wenn daher der Gebrauch&lt;br /&gt;
verhüllter und symbolischer Sprache,&lt;br /&gt;
wie Bahä’u’lläh sie beschrieben hat,&lt;br /&gt;
erkennbar ist, müssen wir über eine&lt;br /&gt;
streng wörtliche Auslegung hinaus-&lt;br /&gt;
gehen und die innewohnenden sym-&lt;br /&gt;
bolischen und allegorischen Bedeu-&lt;br /&gt;
tungen entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber warum ist die Bedeutungre-&lt;br /&gt;
ligiöser Sprache so oft in Symbolen&lt;br /&gt;
verhüllt und in mytholgische Erzäh-&lt;br /&gt;
lungen gekleidet? In den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften werden mehrere Gründe&lt;br /&gt;
angegeben. Zum ersten sollen durch&lt;br /&gt;
die symbolische Sprache »die Völker&lt;br /&gt;
der Welt versucht und geprüft wer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Buch der Gewißheit, S.167f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 _ Promulgation of Universal Peace, 5.246&lt;br /&gt;
9 _ FortressPress, Philadelphia 1974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Buch der Gewißheit, 5.41 und $.167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Das Geheimnis göttlicher Kultur, 5.78&lt;br /&gt;
12 Das Geheimnis göttlicher Kultur, 5,89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den«, und sie dient dazu, »daß alles,&lt;br /&gt;
was im Herzen der Bösgesinnten ver-&lt;br /&gt;
borgen liegt, offenbar werde«!&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zweitens werden nach ’Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
Symbole und Mythen, die Belohnung&lt;br /&gt;
und Bestrafung in der nächsten Welt&lt;br /&gt;
beschreiben, benutzt, um den ethi-&lt;br /&gt;
schen Horizont der unwissenden und&lt;br /&gt;
ungebildeten Massen zu erweitern&lt;br /&gt;
undihr moralisches Verhalten zu ver-&lt;br /&gt;
bessern, da sie häufig nicht in der La-&lt;br /&gt;
ge sind, logische Argumente, philoso-&lt;br /&gt;
phische Erörterungen und theologi-&lt;br /&gt;
sche Debatten zu verstehen!!. ’Ab-&lt;br /&gt;
du’l-Bahä schreibt drittens: »...nichts&lt;br /&gt;
auf Erden kann durch Worte allein&lt;br /&gt;
belegt werden, und jede Ebene des&lt;br /&gt;
Seins ist an ihren Zeichen und Sym-&lt;br /&gt;
bolen erkennbar...«!?. Schließlich er-&lt;br /&gt;
klärt Er, daß religiöse Begriffe zu tief&lt;br /&gt;
sind, um mit gewöhnlichen Wörtern&lt;br /&gt;
ausgedrückt zu werden, und daß die-&lt;br /&gt;
se Begriffe deshalb in Gleichnissen&lt;br /&gt;
ausgedrückt werden, um verständ-&lt;br /&gt;
lich zu sein und für künftige Zeiten&lt;br /&gt;
bewahrt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte daher einleuchtend sein,&lt;br /&gt;
daß religiöse Sprache zuvorderst&lt;br /&gt;
symbolisch und mythologisch ist, daß&lt;br /&gt;
sie sich grundlegend von der Sprache&lt;br /&gt;
philosophischer Abhandlungen, wis-&lt;br /&gt;
senschaftlicher Zeitschriften, histori-&lt;br /&gt;
scher Dokumente oder von Gesetzes-&lt;br /&gt;
texten unterscheidet. Darüberhinaus&lt;br /&gt;
hat religiöse Sprache das Vermögen,&lt;br /&gt;
tiefes Verständnis für und Einsichten&lt;br /&gt;
in letzte Fragen zu vermitteln, die ge-&lt;br /&gt;
wöhnliche wissenschaftliche oder&lt;br /&gt;
technische Sprache häufig nicht ein-&lt;br /&gt;
mal beschreiben, geschweige denn&lt;br /&gt;
befriedigend beantworten kann.&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=7}}Hermeneutik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle von Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Vernunft bei der Auslegung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschungsabteilung im Bahä’i-&lt;br /&gt;
Weltzentrum stellt fest: «Im Westen&lt;br /&gt;
ist die Denkweise üblich geworden,&lt;br /&gt;
daß Wissenschaft und Religion zwei&lt;br /&gt;
getrennte - sogar entgegengesetzte —&lt;br /&gt;
Bereiche menschlichen Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns sind. Diese Gespaltenheit&lt;br /&gt;
kann durch Gegensatzpaare gekenn-&lt;br /&gt;
zeichnet werden: Glaube und Ver-&lt;br /&gt;
nunft; Werte und Tatsachen. Es ist&lt;br /&gt;
eine Gespaltenheit, die dem Bahä’i-&lt;br /&gt;
Denken fremd ist, und sie sollte von&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gelehrten jeder Richtung mit&lt;br /&gt;
Argwohn betrachtet werden. Das&lt;br /&gt;
Prinzip der Übereinstimmung von&lt;br /&gt;
Religion und Wissenschaft bedeutet&lt;br /&gt;
nicht nur, daß religiöse Lehren so-&lt;br /&gt;
wohl im Lichte von Vernunft und Be-&lt;br /&gt;
weisen als auch von Glauben und In-&lt;br /&gt;
spiration studiert werden sollen, son-&lt;br /&gt;
dern daß alles in der Schöpfung, alle&lt;br /&gt;
Aspekte menschlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Wissens sowohl im Lichte der Offen-&lt;br /&gt;
barung als auch von rein rationaler&lt;br /&gt;
Forschung studiert werden soll-&lt;br /&gt;
ten.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also basiert das dritte Prinzip der&lt;br /&gt;
Auslegung auf dem wichtigen Bahä’i-&lt;br /&gt;
Prinzip, daß »Religion und Wissen-&lt;br /&gt;
schaft in Übereinstimmung sein müs-&lt;br /&gt;
sen« !*, Unter »Religion« wird in den&lt;br /&gt;
Bahä’f-Schriften Religion befreit von&lt;br /&gt;
verkrustetem Aberglauben, Nachah-&lt;br /&gt;
mungen, Dogmen und veralteten Ge-&lt;br /&gt;
setzen verstanden. Unter »Wissen-&lt;br /&gt;
schaft« werden wissenschaftliche&lt;br /&gt;
Methoden, eingeführte Theorien,&lt;br /&gt;
Prinzipien und die Naturgesetze, die&lt;br /&gt;
durch solche Methoden gefunden&lt;br /&gt;
wurden, verstanden. Wir müssen uns&lt;br /&gt;
bei der Auslegung davor hüten, reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
giöse Texte wörtlich zu nehmen und&lt;br /&gt;
dann abzulehnen, wenn sie Vernunft&lt;br /&gt;
und wissenschaftlichem Verständnis&lt;br /&gt;
widersprechen. Wenn solche offen-&lt;br /&gt;
sichtlichen Widersprüche auftreten,&lt;br /&gt;
sollten wir uns zunächst zwei Fragen&lt;br /&gt;
stellen: Ist dieser Widerspruch eine&lt;br /&gt;
Folge meines beschränkten Verständ-&lt;br /&gt;
nisses? Folgter aus der Natur und der&lt;br /&gt;
Absicht der verhüllten und symboli-&lt;br /&gt;
schen Sprache, die wir oben disku-&lt;br /&gt;
tiert haben? Wenn wir also eine reli-&lt;br /&gt;
giöse Aussage zunächst wörtlich ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns bei der Ausle-&lt;br /&gt;
gung davor hüten, religiöse Tex-&lt;br /&gt;
te wörtlich zu nehmen und dann&lt;br /&gt;
abzulehnen, wenn sie Vernunft&lt;br /&gt;
und wissenschaftlichem Ver-&lt;br /&gt;
ständnis widersprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stehen und dann dieses Verständnis&lt;br /&gt;
auf der »Waage von Wissenschaft&lt;br /&gt;
und Vernunft« wägen, sollten wir in&lt;br /&gt;
der Lage sein zu entscheiden, ob die&lt;br /&gt;
innewohnende Bedeutung vorwie-&lt;br /&gt;
gend wörtlich oder symbolisch ist. In-&lt;br /&gt;
dem wir die bisher besprochenen&lt;br /&gt;
Prinzipien der Auslegung anwenden,&lt;br /&gt;
können wir Auslegungen machen,&lt;br /&gt;
die annehmbar und in Übereinstim-&lt;br /&gt;
mung mit der Vernunft und dem wis-&lt;br /&gt;
senschaftlichen Verständnis der Welt&lt;br /&gt;
sind, auch wenn dies für die wörtliche&lt;br /&gt;
Bedeutung des Textes nicht zutreffen&lt;br /&gt;
mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiöse Wahrheit&lt;br /&gt;
ist fortschreitend und relativ&lt;br /&gt;
Ein grundlegendes Prinzip des Ba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13  Bahä’f-Weltzentrum, veröffentlicht in Bah4‘f News, Juni 1979 und The Journal of Bahd’f Studies 1.1 (1988), 5.33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14  ’Abdu/l-Bahä, Ansprachen in Paris, 8.112&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=8}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hä’i-Glaubens besagt, daß »religiöse&lt;br /&gt;
Wahrheit nicht absolut, sondern rela-&lt;br /&gt;
tiv ist«, nicht statisch, sondern dyna-&lt;br /&gt;
misch, und daß der Prozeß der »gött-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Offenbarung ‚fortschreitend&lt;br /&gt;
und nicht endlich ist«.!? Sollten unse-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tfolie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= . pefoers in fin! iuftor O,Mnomediis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mod, Eitrrittanis mi gdpl&lt;br /&gt;
| fraıs Amırfs agb ud uni&lt;br /&gt;
| ee’ no Kfluet:ro&lt;br /&gt;
frabüf, „[\öfrimpıj nat |&lt;br /&gt;
ang gu? ‚pintienns afı&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Törononrefurgt eimpi) in indian: 1&lt;br /&gt;
 wianufog:siter impiog prribit, €&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
re eigenen Auslegungen religiöser&lt;br /&gt;
Texte und Überlieferungen nicht den&lt;br /&gt;
gleichen Bedingungen unterworfen&lt;br /&gt;
sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede religiöse Sendung entsprach&lt;br /&gt;
den Erfordernissen und dem Zustand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hope ege mag dnmveite admzemus,öds Mmutr-&lt;br /&gt;
wer iebs müe er Lehe e ati&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
non Par Euovar-&lt;br /&gt;
 oonfilio impiozit, et in&lt;br /&gt;
&amp;gt; Va Pride nd DR:&lt;br /&gt;
arbeit pelhkeaend) |&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
      &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Text aus dem Alten Testament&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15  Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahd’u’lldhs, S.91&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=9}}Hermeneutik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der menschlichen Entwicklung in der&lt;br /&gt;
Zeit, zu der sie erschien. !® Religiöse&lt;br /&gt;
Texte und Überzeugungen sind im-&lt;br /&gt;
mer durch eine bestimmte Weltsicht&lt;br /&gt;
geprägt und in die Sprache einer be-&lt;br /&gt;
stimmten Zeit und Kultur gekleidet.&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi schreibt in diesem Zu-&lt;br /&gt;
sammenhang: »Es ist sicherlich äu-&lt;br /&gt;
Berst schwierig, alle Suren des Koran&lt;br /&gt;
völlig zu begreifen, da es ein gründli-&lt;br /&gt;
ches Wissen über soziale, religiöse&lt;br /&gt;
und geschichtliche Hintergründe&lt;br /&gt;
Arabiens zu Zeiten des Propheten er-&lt;br /&gt;
fordert.«!7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewußte Mißachtung dieser hi-&lt;br /&gt;
storischen und kulturellen Zusam-&lt;br /&gt;
menhänge kann zu unbewiesenen&lt;br /&gt;
und unwahrscheinlichen Auslegun-&lt;br /&gt;
gen führen, die anachronistisch, sinn-&lt;br /&gt;
widrig oder übertrieben allegorisch&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweifache Charakter religiöser&lt;br /&gt;
Offenbarung&lt;br /&gt;
In den Bahä’i-Schriften werden zwei&lt;br /&gt;
grundsätzliche Teile der Religion un-&lt;br /&gt;
terschieden: einer ist unveränderlich,&lt;br /&gt;
der andere zeitabhängig. Der unver-&lt;br /&gt;
änderliche Teil ist allen Religionen&lt;br /&gt;
gemeinsam und enthält Lehren über&lt;br /&gt;
menschliche Tugenden und Ethik,&lt;br /&gt;
über grundlegende Wahrheiten des&lt;br /&gt;
Lebens und die Förderung der Fähig-&lt;br /&gt;
keiten des Menschen. Der zeitabhän-&lt;br /&gt;
gige Teil wirkt innerhalb kultureller&lt;br /&gt;
und historischer Zusammenhänge&lt;br /&gt;
und enthält im wesentlichen soziale&lt;br /&gt;
Gesetze und Regelungen, die die&lt;br /&gt;
menschlichen Angelegenheiten und&lt;br /&gt;
die Beziehungen zwischen den ein-&lt;br /&gt;
zelnen betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Auslegungen müssen die-&lt;br /&gt;
sen zweifachen Charakter religiöser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 s. Ährenlese, 5.73&lt;br /&gt;
17 Lights of Guidance, 5.373&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarung berücksichtigen. Einer-&lt;br /&gt;
seits sollten wir Gesetze und Gebräu-&lt;br /&gt;
che vergangener Religionen, die zu&lt;br /&gt;
ihrer Zeit angemessen waren, nun&lt;br /&gt;
aber mit unseren Ansichten der Welt&lt;br /&gt;
oder mit unserem eigenen kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Hintergrund im Wi-&lt;br /&gt;
derspruch zu stehen scheinen, nicht&lt;br /&gt;
unziemlich kritisieren. Andererseits&lt;br /&gt;
sollten wir uns, ohne die reiche Viel-&lt;br /&gt;
falt der verschiedenen Religionen zu&lt;br /&gt;
mißachten, bemühen, die wesentli-&lt;br /&gt;
chen Anteile, die den meisten Über-&lt;br /&gt;
lieferungen gemeinsam sind, zu er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Auslegungen müssen&lt;br /&gt;
diesen zweifachen Charakterre-&lt;br /&gt;
ligiöser Offenbarung berück-&lt;br /&gt;
sichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kennen und uns nicht durch zeitab-&lt;br /&gt;
hängige Unterschiede der Aus-&lt;br /&gt;
drucksweise, der Begriffe oder der hi-&lt;br /&gt;
storischen Umgebung ablenken zu&lt;br /&gt;
lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Persönliche Vorurteile und Voraus-&lt;br /&gt;
setzungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sechste Prinzip der Auslegung&lt;br /&gt;
befaßtsich mit den Voraussetzungen,&lt;br /&gt;
Vorurteilen und unbewußten Annah-&lt;br /&gt;
men, die wir religiösen Texten und&lt;br /&gt;
Überlieferungen entgegenbringen. In&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Schriften werden wir im-&lt;br /&gt;
mer wieder ermahnt, religiöse Schrif-&lt;br /&gt;
ten nicht an unseren eigenen unvoll-&lt;br /&gt;
kommenen Maßstäben zu messen.&lt;br /&gt;
Beispielsweise warnt Bahä’u’lläh die&lt;br /&gt;
Religionsführer mit folgenden Wor-&lt;br /&gt;
ten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wäget das Buch Gottes nicht mit&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Text aus den Schriften des Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Gewichten und Wissen-&lt;br /&gt;
schaften, wie sie bei euch im Schwan-&lt;br /&gt;
ge sind, denn das Buch selbst ist die&lt;br /&gt;
untrügliche Waage, die unter den&lt;br /&gt;
Menschen aufgestellt ist. Auf dieser&lt;br /&gt;
vollkommenen Waage muß alles ge-&lt;br /&gt;
wogen werden, was die Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde besitzen, wäh-&lt;br /&gt;
rend ihre Gewichte nach ihrem eige-&lt;br /&gt;
nen Richtmaß geprüft werden sollten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18  Kitdb-i-Agdas, Inhaltsübersicht, S.40&lt;br /&gt;
19 Bahä’ulläh, Buch der Gewißheit, S.13,39, 123&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- könntet ihr es doch erkennen!«&#039;®&lt;br /&gt;
An anderer Stelle werden wir auf-&lt;br /&gt;
gefordert, uns von menschlichen Be-&lt;br /&gt;
grenzungen frei zu machen und un-&lt;br /&gt;
seren Geist von leeren Einbildungen,&lt;br /&gt;
hinderlichen Gedanken und dem eit-&lt;br /&gt;
len Gerede der Menschen zu reini-&lt;br /&gt;
gen.!? Diese und andere menschliche&lt;br /&gt;
Begrenzungen können unsere Fähig-&lt;br /&gt;
keit, die vollständige Botschaft eines&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermeneutik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textes mit all seinen verschiedenen&lt;br /&gt;
Bedeutungen aufzunehmen, erheb-&lt;br /&gt;
lich einschränken, und somit ist unser&lt;br /&gt;
Verständnis gleichermaßen be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Baha’i-Schriften werden&lt;br /&gt;
wir ermutigt, die Wahrheit un-&lt;br /&gt;
abhängig von der Meinung an-&lt;br /&gt;
derer zu suchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schränkt und unsere Auslegungen&lt;br /&gt;
sind beeinträchtigt. Wir können je-&lt;br /&gt;
doch einen religiösen Text niemals&lt;br /&gt;
völlig frei von Voreingenommenbheit&lt;br /&gt;
und menschlichen Beschränkungen&lt;br /&gt;
angehen, wie sehr wir uns auch mü-&lt;br /&gt;
hen. Dennoch müssen wir uns bemü-&lt;br /&gt;
hen, bestehende Vorurteile und An-&lt;br /&gt;
nahmen, zumindest teilweise, be&lt;br /&gt;
wußt wahrzunehmen, um auf diese&lt;br /&gt;
Weise ihren schädlichen Einfluß zu&lt;br /&gt;
mindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unabhängige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
Dieses Prinzip der Auslegung ist mit&lt;br /&gt;
dem sechsten eng verbunden und&lt;br /&gt;
handelt von dem Bahä’i-Grundsatz&lt;br /&gt;
der »unabhängigen Suche nach&lt;br /&gt;
Wahrheit«. Dieses Prinzip umschließt&lt;br /&gt;
zwei eng miteinander verbundene&lt;br /&gt;
Aspekte, die beide entscheidend für&lt;br /&gt;
das richtige Verständnis religiöser&lt;br /&gt;
Texte sind. Der erste Aspekt fordert&lt;br /&gt;
die Aufgabe aller Formen von Vorur-&lt;br /&gt;
teil, Aberglauben und dogmatischem&lt;br /&gt;
Denken.’Abdu’l-Bahásagte während&lt;br /&gt;
Seines Aufenthaltesin Paris 1912 über&lt;br /&gt;
diesen Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Darum sollten wir gebieterisch&lt;br /&gt;
deneigenen persönlichen Vorurteilen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20  Ansprachen in Paris, 5.108&lt;br /&gt;
21 Promulgation of Universal Peace, 5.291, und 293-294&lt;br /&gt;
22 Botschaften, Band I, 5.56&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und dem Aberglauben entsagen,&lt;br /&gt;
wenn wir ernstlich die Wahrheit zu&lt;br /&gt;
erforschen wünschen. Wenn unser&lt;br /&gt;
Verstand nicht zwischen Dogmen,&lt;br /&gt;
Aberglauben und Vorurteilen auf der&lt;br /&gt;
einen und der Wahrheit auf der ande-&lt;br /&gt;
ren Seite unterscheidet, so können&lt;br /&gt;
wir nicht zum Ziel gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Aspekt der unabhän-&lt;br /&gt;
gigen Suche nach Wahrheit betrifft&lt;br /&gt;
die menschliche Neigung, anderen&lt;br /&gt;
blind zu folgen oder sie nachzuah-&lt;br /&gt;
men. In den Bahä’i-Schriften werden&lt;br /&gt;
wir ermutigt, die Wahrheit unabhän-&lt;br /&gt;
gig von der Meinung anderer zu su-&lt;br /&gt;
chen, wie mächtig oder gelehrt sie&lt;br /&gt;
auch sein mögen. ’Abdu’l-Bahá sagte&lt;br /&gt;
Seinen Zuhörern in Malden, Massa-&lt;br /&gt;
chusetts, daß »Gott nicht wollte, daß&lt;br /&gt;
der Mensch seine Väter und Vorfah-&lt;br /&gt;
ren blind nachahmt... Er sollte keine&lt;br /&gt;
Seele nachahmen oder ihr blind fol-&lt;br /&gt;
gen. Er sollte sich nicht ohne weitere&lt;br /&gt;
Nachforschung auf die Meinung an-&lt;br /&gt;
derer verlassen; nein, jedermann muß&lt;br /&gt;
mit Verstand und unabhängigsuchen&lt;br /&gt;
und zu einem objektiven Schluß kom-&lt;br /&gt;
men, nur durch ebendiese Objektivi-&lt;br /&gt;
tät geleitet.« ?!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit schrieb an einen einzelnen&lt;br /&gt;
Gläubigen: »Die Freunde müssen&lt;br /&gt;
deshalblernen, einerseits den Ansich-&lt;br /&gt;
ten anderer zuzuhören, ohne davon&lt;br /&gt;
eingeschüchtert oder im Glauben er-&lt;br /&gt;
schüttert zu werden, und anderer-&lt;br /&gt;
seits ihrer eigenen Meinung Aus-&lt;br /&gt;
druck zu geben, ohne sie ihren Mit-&lt;br /&gt;
Bahä’i aufzuzwingen.«-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mäßigung bei der Auslegung&lt;br /&gt;
In den Bahä’i-Schriften wird uns ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt, daß alles, was im Übermaß be-&lt;br /&gt;
trieben wird, »aufhören wird, einen&lt;br /&gt;
wohltätigen Einfluß auszuüben (und)&lt;br /&gt;
sich als Quelle des Übels erweisen&lt;br /&gt;
wird«.&amp;gt;° Für die Auslegung gilt keine&lt;br /&gt;
Ausnahme von diesem Prinzip. So-&lt;br /&gt;
lange wir die Auslegung nicht unter&lt;br /&gt;
dem Gesichtspunkt der Mäßigung&lt;br /&gt;
angehen, kann jedes der Prinzipien&lt;br /&gt;
der Auslegung, die wir hier unter-&lt;br /&gt;
sucht haben, in extremer Weise be-&lt;br /&gt;
nutzt werden. Wir müssen demnach&lt;br /&gt;
lernen, alle Neigung zu ausschließli-&lt;br /&gt;
chen Methoden und extremen For-&lt;br /&gt;
men der Auslegung zu mäßigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D Ein Beispiel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden soll an einem Beispiel&lt;br /&gt;
das Verfahren der Auslegung und&lt;br /&gt;
das Zusammenspiel einiger der Prin-&lt;br /&gt;
zipien der Auslegung, die zuvor dis-&lt;br /&gt;
kutiert wurden, aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Als Beispiel dient ein prophetischer&lt;br /&gt;
Abschnitt aus dem Buch Jesaja (11,&lt;br /&gt;
6-9):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Wölfe werden bei den Läm-&lt;br /&gt;
mern wohnen und die Parder bei den&lt;br /&gt;
Böcken liegen. Ein kleiner Knabe&lt;br /&gt;
wird Kälber und junge Löwen und&lt;br /&gt;
Mastvieh miteinander treiben. Kühe&lt;br /&gt;
und Bären werden auf der Weide ge-&lt;br /&gt;
hen, daß ihre Jungen beieinander lie-&lt;br /&gt;
gen; und Löwen werden Stroh essen,&lt;br /&gt;
wie die Ochsen. Und ein Säugling&lt;br /&gt;
wird seine Lust haben am Loch der&lt;br /&gt;
Otter, und ein Entwöhnter wird seine&lt;br /&gt;
Hand stecken in die Höhle des Basi-&lt;br /&gt;
lisken. Man wird nirgends Schaden&lt;br /&gt;
tun noch verderben auf meinem gan-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23  Bahá’u’lláh, Ährenlese, 5.189&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24  Promulgation of Universal Peace, 5.370&lt;br /&gt;
25 Buch der Gewißheit, 5.81&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Beantwortete Fragen, 5.71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zen heiligen Berge; denn das Land ist&lt;br /&gt;
voll Erkenntnis des Herrn, wie Was-&lt;br /&gt;
ser das Meer bedeckt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Interpretation dieses&lt;br /&gt;
Abschnitts geschiehtin drei Schritten.&lt;br /&gt;
Im ersten Schritt werden der Ver-&lt;br /&gt;
stand und wissenschaftliche Erkennt-&lt;br /&gt;
nis genutzt, um zu klären, wieweit die&lt;br /&gt;
wörtliche Bedeutung gilt. »Der Tag,&lt;br /&gt;
an dem sich diese Prophezeiung&lt;br /&gt;
wörtlich erfüllt, wird niemals kom-&lt;br /&gt;
men,« erklärt ’Abdu’l-Bahá, »denn&lt;br /&gt;
diese Tierekönnen wegenihrer Natur&lt;br /&gt;
niemals miteinander verkehren oder&lt;br /&gt;
sich in Güte und Liebe zusammen-&lt;br /&gt;
tun.«* Nachdem Bahä’u’lläh die Un-&lt;br /&gt;
wissenheit und Unvernunft derer&lt;br /&gt;
aufgezeigt hat, die eine wörtliche Er-&lt;br /&gt;
füllung dieses Abschnitts erwarten,&lt;br /&gt;
fragt Er: »Von welchem Nutzen wäre&lt;br /&gt;
es überdies für die Welt, wenn so et-&lt;br /&gt;
was geschähe?«” So beweist die Un-&lt;br /&gt;
sinnigkeit des wörtlichen Verstehens&lt;br /&gt;
dieses Abschnitts, daß er überwie-&lt;br /&gt;
gend symbolische Bedeutung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Schritt besteht in der&lt;br /&gt;
Auslegung des symbolischen Inhalts.&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá erklärt, daß diese ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Tiere - Beutetiere und&lt;br /&gt;
Raubtiere, Pflanzenfresser und&lt;br /&gt;
Fleischfresser — die »verschiedenen&lt;br /&gt;
Nationen und Völker, sich bekämp-&lt;br /&gt;
fende Sekten und feindliche Rassen,&lt;br /&gt;
die in ihrer Gegnerschaft und Feind-&lt;br /&gt;
schaft wie Wolf und Lamm sind,«&lt;br /&gt;
darstellen.?° Daß diese selben Tiere&lt;br /&gt;
beieinander liegen und miteinander&lt;br /&gt;
fressen, ist ein Beispiel für »die Ein-&lt;br /&gt;
heit und die Eintracht der Rassen, Na-&lt;br /&gt;
tionen und Völker, die in Verständ-&lt;br /&gt;
nis, Erleuchtung und Geistigkeit zu-&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=13}}Hermeneutik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sammenkommen.«” Dies geschieht&lt;br /&gt;
im gestaltenden Zeitalter jeder Reli-&lt;br /&gt;
gion, wenn die verschiedenen Glau-&lt;br /&gt;
bensrichtungen, die feindlichen&lt;br /&gt;
Stämme und die widerstreitenden&lt;br /&gt;
Länder in einem gemeinsamen Glau-&lt;br /&gt;
ben vereinigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Schritt ist&lt;br /&gt;
eine Bahä’i-zentrierte Auslegung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Bahá erläutert, daß dieser&lt;br /&gt;
Abschnitt aus Jesaja durch Christus&lt;br /&gt;
erfüllt wurde, während Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
erklärt, daß er ebenso von Muham-&lt;br /&gt;
mad erfüllt wurde.® ’Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
weist jedoch darauf hin, daß die ver-&lt;br /&gt;
schiedenen widerstreitenden Natio-&lt;br /&gt;
nen, Völker und Lehrmeinungen&lt;br /&gt;
noch heute existieren. Er schließt dar-&lt;br /&gt;
aus, daß Christus diesen Abschnitt&lt;br /&gt;
nur teilweise erfüllte, während »diese&lt;br /&gt;
Verse Wort für Wort auf Bahä’u’lläh«&lt;br /&gt;
zutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl diese Auslegung von Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh und ’Abdu/l-Bahä stammt,&lt;br /&gt;
kann sie doch als Beispiel für unsere&lt;br /&gt;
eigene Auslegung dienen. Wir sollten&lt;br /&gt;
festhalten, daß weder Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
noch ’Abdu’l-Bahá die Echtheit von&lt;br /&gt;
Jesaja Kapitel 11, Vers 6-9 bestreiten&lt;br /&gt;
oder in Frage stellen, nur weil das&lt;br /&gt;
wörtliche Verständnis nicht mit der&lt;br /&gt;
Vernunft oder den wissenschaftli-&lt;br /&gt;
chen Beobachtungen des Verhaltens&lt;br /&gt;
von Beutetier und Raubtier überein-&lt;br /&gt;
stimmt. Statt dessen lehnen sie die&lt;br /&gt;
wörtliche Bedeutung dieses Ab-&lt;br /&gt;
schnitts ab und geben eine vernunft-&lt;br /&gt;
gemäße und zutiefst bedeutsame&lt;br /&gt;
Auslegung, die die mythologische&lt;br /&gt;
Natur religiöser Sprache verherrlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27  Promulgation of Universal Peace, 5.370&lt;br /&gt;
28  Beantwortete Fragen, 5.70 f; Buch der Gewißheit, 5.81&lt;br /&gt;
29  Beantwortete Fragen, 5.71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oo] Schlußbetrachtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wichtige Schlußfolgerungen&lt;br /&gt;
können aus unserer vorläufigen Un-&lt;br /&gt;
tersuchung von acht Prinzipien der&lt;br /&gt;
Auslegung, die in den Bahä’i-Schrif-&lt;br /&gt;
ten gefunden wurden, gezogen wer-&lt;br /&gt;
den. Erstens: Wenn dies auch nicht&lt;br /&gt;
alle Prinzipien der Auslegung in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schriften sein mögen, so gehö-&lt;br /&gt;
ren sie sicher zu den wichtigsten.&lt;br /&gt;
Zweitens wird in den Bahä’i-Schrif-&lt;br /&gt;
ten wiederholt zu individueller Aus-&lt;br /&gt;
legung ermutigt und sie wird als we-&lt;br /&gt;
sentlich für unser Verständnis der&lt;br /&gt;
verschiedenen Religionen angesehen.&lt;br /&gt;
Drittens sollten wirnichtnurreligiöse&lt;br /&gt;
Texte und heilige Schriften auslegen,&lt;br /&gt;
sondern auch die Vorstellungen,&lt;br /&gt;
Lehrmeinungen, Rituale und Zere-&lt;br /&gt;
monien, die aus diesen Texten abge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wesentlich ist, daß reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
giöse Sprache vorwiegend eine&lt;br /&gt;
Vision des Lebens vermittelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
leitet wurden. Viertens wirken die&lt;br /&gt;
acht Prinzipien der Auslegung, die&lt;br /&gt;
wir untersucht haben, abhängig von-&lt;br /&gt;
einander und miteinander. Daher&lt;br /&gt;
sollten wir einen ausgewogenen Zu-&lt;br /&gt;
gang zur Auslegung anstreben und&lt;br /&gt;
den extremen, übermäßigen Ge-&lt;br /&gt;
brauch eines dieser Prinzipien ver-&lt;br /&gt;
meiden. Fünftens: Da alle religiösen&lt;br /&gt;
Schriften eine Vielzahl von Bedeutun-&lt;br /&gt;
gen enthalten, sollten wir alle Ausle-&lt;br /&gt;
gungen berücksichtigen, die vom&lt;br /&gt;
Text gestützt werden. Ganz wesent-&lt;br /&gt;
lich ist, daß religiöse Sprache vorwie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=14}}Bahä’i-Briefe Nr.60 Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gend eine Vision des Lebens vermit- bolische Sprache gekleidet und in&lt;br /&gt;
telt im Gegensatz zu philosophi- mythologische Erzählungen einge-&lt;br /&gt;
schen, historischen und wissenschaft- bettet, die in jedem Zeitalter neu aus-&lt;br /&gt;
lichen Darstellungen über die Welt. gelegt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Vision des Lebens ist oftinsym-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Studium der Sache&lt;br /&gt;
ist keine Grenze gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr wir in den Schriften lesen,&lt;br /&gt;
desto mehr Wahrheiten können wir&lt;br /&gt;
in ihnen finden, und desto mehr&lt;br /&gt;
werden wir feststellen,&lt;br /&gt;
daß unsere früheren Ansichten&lt;br /&gt;
falsch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=15}}Nür-Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Bahä’i-Initiative in Bolivien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Santa Cruz, Bolivien — Bei einer Abschlußfeier sind es gewöhnlich die Studenten, die&lt;br /&gt;
etwas erhalten, ein Diplom oder ein Zeugnis, verbunden mit all den Privilegien, die&lt;br /&gt;
solche Dokumente mit sich bringen. Bei einer kleinen Abschlußfeier, die hier im Juli&lt;br /&gt;
1990 veranstaltet wurde, vertauschten sich jedoch vorübergehend die traditionellen&lt;br /&gt;
Rollen, als sechs Studenten der Nür-Universität ihrer Hochschule eine kleine Gedenk-&lt;br /&gt;
tafel als Zeichen ihrer Dankbarkeit überreichten. »An die Nür-Universität, in Dank-&lt;br /&gt;
barkeit für die umfassende Bildung, die wir erhielten«, lautete die Inschrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gebäude der Nür-Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einer Zeremonie vor einem Publi-&lt;br /&gt;
kum aus Lehrern, Verwaltungsange-&lt;br /&gt;
stellten, Familienmitgliedern und Gä-&lt;br /&gt;
sten wurde die von den sechs Studen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst erschienen in One Country,&lt;br /&gt;
Vol.2, Nr.3, 1990. Die Übersetzung aus&lt;br /&gt;
dem Englischen besorgte Petra Orth.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten unterschriebene Tafel dem Präsi-&lt;br /&gt;
denten von Nür, Manucher Shoaie,&lt;br /&gt;
überreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl dies vielleicht ein eher&lt;br /&gt;
unbedeutendes Ereignis war, spiegelt&lt;br /&gt;
diese Geste der Studenten das hohe&lt;br /&gt;
Ansehen und die öffentliche Wert-&lt;br /&gt;
schätzung wider, die die Nür-Univer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=16}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sität seit ihrer Gründung vor sechs&lt;br /&gt;
Jahren gewonnen hat. Nachdem sie&lt;br /&gt;
praktisch ohne Geld von einer Grup-&lt;br /&gt;
pe weitgehend unbekannter Lehrer&lt;br /&gt;
und Entwicklungsspezialisten ge-&lt;br /&gt;
gründet worden war, ist die Zahl der&lt;br /&gt;
bei Nür eingeschriebenen Studenten&lt;br /&gt;
seit 1985 von 97 auf heute 993 ange-&lt;br /&gt;
stiegen. Sie ist damit die zweitgrößte&lt;br /&gt;
private Universität Boliviens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser zahlenmäßige Erfolg wird&lt;br /&gt;
sowohl von dem wachsenden guten&lt;br /&gt;
Ruf der Universitätals auch dem Stre-&lt;br /&gt;
ben nach akademischen Auszeich-&lt;br /&gt;
nungen gekrönt. Obwohl das Wachs-&lt;br /&gt;
tum Nürs den Trend zu privaten&lt;br /&gt;
Hochschulen in Lateinamerika wi-&lt;br /&gt;
derspiegelt, hat sie sich durch die In-&lt;br /&gt;
tegration von akademischer und&lt;br /&gt;
praktischer Bildung, durch ihre neu-&lt;br /&gt;
artige Verwaltung und ihre einzig-&lt;br /&gt;
artige Philosophie besonders hervor-&lt;br /&gt;
getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
or Von Bahä’i gegründet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich Nür auch nicht von der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion oder einer seiner In-&lt;br /&gt;
stitutionen geleitet wird, so wurde sie&lt;br /&gt;
doch von Bahä’f gegründet und ihr&lt;br /&gt;
pädagogisches und administratives&lt;br /&gt;
Gedankengut geht auf Bahä’i-Prinzi-&lt;br /&gt;
pien zurück. Diese Grundsätze - so&lt;br /&gt;
sagen die Mitglieder der Fakultätund&lt;br /&gt;
der Verwaltung, von denen die mei-&lt;br /&gt;
sten selbst nicht Bahä’i sind - bilden&lt;br /&gt;
das Fundament für die besondere&lt;br /&gt;
Konzeption der Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nürs Lehrkonzept betont die »In-&lt;br /&gt;
tegration« von traditionell aka-&lt;br /&gt;
demischer Ausbildung, praktischer&lt;br /&gt;
Erfahrung und Vermittlung grundle-&lt;br /&gt;
gender moralischer Prinzipien, wie&lt;br /&gt;
z.B. den Dienst an der Gemeinschaft,&lt;br /&gt;
soziale Gerechtigkeit und den Re-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spekt vor der menschlichen Vielfalt.&lt;br /&gt;
»Das Wesentliche, wodurch Nür sich&lt;br /&gt;
von anderen Ausbildungsstätten&lt;br /&gt;
unterscheidet, ist dieser umfassende&lt;br /&gt;
integrierte Studienplan«, sagt Dr. Sa-&lt;br /&gt;
rah Garcia Betancourt, Nürs akade-&lt;br /&gt;
mische Leiterin, die bereits vielfach&lt;br /&gt;
an anderen Universitäten Boliviens&lt;br /&gt;
gearbeitet hatte, bevor sie zu Nür&lt;br /&gt;
kam. »An der Universität wird nicht&lt;br /&gt;
nur auf der akademischen Ebene ge-&lt;br /&gt;
lehrt, man versucht wesentliche Le-&lt;br /&gt;
bensgrundsätze zu vermitteln; Prin-&lt;br /&gt;
zipien wie die selbständige Suche&lt;br /&gt;
nach Wahrheit, die Überwindung&lt;br /&gt;
von Vorurteilen und Chancen-&lt;br /&gt;
gleichheit für Frauen und Männer.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Obwohl ich selbst katholisch&lt;br /&gt;
bin, stimme ich mit den Bahä’i hier&lt;br /&gt;
überein, die sagen, daß diese Grund-&lt;br /&gt;
sätze universell und sehr wichtig&lt;br /&gt;
sind«, sagt Dr. Betancourt, die bei&lt;br /&gt;
Nür auch Geschichte unterrichtet.&lt;br /&gt;
Diese von Dr. Betancourt erwähnten&lt;br /&gt;
Prinzipien werden neben anderen in&lt;br /&gt;
einer Reihe von Kursen für »Allge-&lt;br /&gt;
meine Studien« besprochen, die Teil&lt;br /&gt;
des akademischen Grundprogramms&lt;br /&gt;
jedes Studenten darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Programmabschnitt »Allge-&lt;br /&gt;
meine Studien« ist einzigartig«, sagt&lt;br /&gt;
Präsident Shoaie, »weil er aufeinigen&lt;br /&gt;
universellen, sozialen, pädagogi-&lt;br /&gt;
schen und humanitären Prinzipien&lt;br /&gt;
basiert, die den Frieden und die ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche Integration fördern.&lt;br /&gt;
Die »Allgemeinen Studien« umfassen&lt;br /&gt;
fünf Bereiche: die persönliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung, die gesellschaftliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung, die Entwicklung der Zivi-&lt;br /&gt;
lisation, Wissenschaften, die sich mit&lt;br /&gt;
dem Leben befassen, und Führungs-&lt;br /&gt;
schulung.« Die Kurse für »Allgemei-&lt;br /&gt;
ne Studien« konzentrieren sich be-&lt;br /&gt;
sonders darauf, den Studenten ein&lt;br /&gt;
Gefühl für die Geschichte der Zivili-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=17}}Nür-Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sation, die Rolle der Religion in der&lt;br /&gt;
Geschichte und für die wechselseitige&lt;br /&gt;
Abhängigkeit der Völker untereinan-&lt;br /&gt;
der zu vermitteln. Laut Präsident&lt;br /&gt;
Shoaie werden die Studenten dazu&lt;br /&gt;
ermutigt, diese Kerngedanken&lt;br /&gt;
selbständig zu erforschen. Dies wie-&lt;br /&gt;
derum entspricht der Absicht der&lt;br /&gt;
Universität, die selbständige Suche&lt;br /&gt;
nach Wahrheit zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unser Lehrkonzept vertritt nicht&lt;br /&gt;
einen bestimmten Glauben oder eine&lt;br /&gt;
bestimmte Ideologie«, sagt Präsident&lt;br /&gt;
Shoaie. »Vielmehr weisen wir die Stu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darüber referieren.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD Unpolitische Haltung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist es die Betonung des&lt;br /&gt;
freien Forschens, begleitet von politi-&lt;br /&gt;
scher Unparteilichkeit, die Nür gera-&lt;br /&gt;
dein Bolivien besonders auszeichnet.&lt;br /&gt;
Es ist schwierig, einem Außenstehen-&lt;br /&gt;
den die Kompliziertheit des Lebens&lt;br /&gt;
an öffentlichen Universitäten in&lt;br /&gt;
Lateinamerika zu beschreiben, wo&lt;br /&gt;
politisches Parteigängertum oft die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er.&lt;br /&gt;
an:&lt;br /&gt;
a,&lt;br /&gt;
..&lt;br /&gt;
u‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M&lt;br /&gt;
“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tonstudio der Nür-Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denten an, über viele Glaubensrich-&lt;br /&gt;
tungen Nachforschungen anzustel-&lt;br /&gt;
len, einschließlich des Islam, des&lt;br /&gt;
Buddhismus, des Christentums und&lt;br /&gt;
des Bahä’i-Glaubens. Sie sollen die&lt;br /&gt;
Beiträge der Religionen zur Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion untersuchen und vor der Klasse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
traditionellen Geisteswissenschaften&lt;br /&gt;
erdrückt. Durchschnittlich benötigt&lt;br /&gt;
man acht Jahre für einen Abschluß,&lt;br /&gt;
den man eigentlich in fünf Jahren er-&lt;br /&gt;
reichen könnte, und zwar deshalb,&lt;br /&gt;
weil politisch motivierte Streiks und&lt;br /&gt;
Unterbrechungen an diesen Universi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
täten so viel Zeitrauben. »Es gibt viele&lt;br /&gt;
Streiks, die jedesmal den Studienab-&lt;br /&gt;
lauf unterbrechen«, sagt Prof. Jose&lt;br /&gt;
Gonzales, der Koordinator der Abtei-&lt;br /&gt;
lung für »Allgemeine Studien«. »Bei&lt;br /&gt;
Nür wird das gesamte Programm ge-&lt;br /&gt;
lehrt, und es wird großen Wert auf die&lt;br /&gt;
Qualität des Unterrichts gelegt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lehrplan einiger Universitä-&lt;br /&gt;
ten spiegelt oft die engstirnigen ideo-&lt;br /&gt;
logischen Interessen der jeweiligen&lt;br /&gt;
politischen Partei wider, die die Kon-&lt;br /&gt;
trolle über die Universität hat. Zu oft&lt;br /&gt;
geht politische Ideologie über prakti-&lt;br /&gt;
sche Ausbildung. Das Ergebnis ist,&lt;br /&gt;
daß Hochschulabsolventen manch-&lt;br /&gt;
mal nur schlecht gerüstet sind, eine&lt;br /&gt;
produktive Rolle in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
wahrzunehmen, so meinen Prof.&lt;br /&gt;
Gonzales und andere. Bei Nür liegt&lt;br /&gt;
der Schwerpunkt der Ausbildungs-&lt;br /&gt;
programme auf der Förderung von&lt;br /&gt;
Qualitäten und Fertigkeiten, die von&lt;br /&gt;
der sich rasch entwickelnden Gesell-&lt;br /&gt;
schaft Boliviens benötigt werden. Ab-&lt;br /&gt;
schlüsse werden in sechs Berufsrich-&lt;br /&gt;
tungen angeboten: Landwirtschaft,&lt;br /&gt;
Betriebswirtschaft, Kaufmännisches&lt;br /&gt;
Ingenieurwesen, angewandte Infor-&lt;br /&gt;
matik, Kommunikations- und Sozial-&lt;br /&gt;
wissenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nürs Studenten bekunden frei-&lt;br /&gt;
mütig die politische Zurückhaltung&lt;br /&gt;
der Universität. »Ich warein Jahr lang&lt;br /&gt;
an der staatlichen Universität in La&lt;br /&gt;
Paz«, sagte Javier Ramallo Fernan-&lt;br /&gt;
dez, ein 22 Jahre alter Student des&lt;br /&gt;
Nachrichtenwesens aus der Stadt Co-&lt;br /&gt;
chabamba. »Und wie bei allen staatli-&lt;br /&gt;
chen Universitäten gab es eine ganze&lt;br /&gt;
Menge politischen Bekehrungseifer.&lt;br /&gt;
Für mich ist hier das Wichtigste die&lt;br /&gt;
ideologische Freiheit. Obwohl Nür&lt;br /&gt;
auf Bahäi-Gedanken basiert, wird ei-&lt;br /&gt;
nem nicht irgendeine Bahä’i-Philoso-&lt;br /&gt;
phie aufgedrängt. Wir haben Reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gionsfreiheit und Gedankenfreiheit«,&lt;br /&gt;
sagt Herr Fernandez. Lenin Garcia&lt;br /&gt;
Perez, auch Studentin des Nachrich-&lt;br /&gt;
tenwesens aus Cochabamba, fügthin-&lt;br /&gt;
zu: »Es ist für alle Menschen sehr&lt;br /&gt;
wichtig, Gedankenfreiheit zu besit-&lt;br /&gt;
zen. An anderen Universitäten ist&lt;br /&gt;
dies nicht der Fall. Dort gibt es keinen&lt;br /&gt;
offenen Gedankenaustausch.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
cı Betonung des Dienstes an der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Thema, das sich durch&lt;br /&gt;
Nürs akademisches und admini-&lt;br /&gt;
stratives Gefüge zieht, ist die Beto-&lt;br /&gt;
nung des »Dienstes an der Gemein-&lt;br /&gt;
schaft«. Wie bereits erwähnt, streben&lt;br /&gt;
die Ausbildungsprogramme und ihre&lt;br /&gt;
Kursarbeit danach, den Bedürfnissen&lt;br /&gt;
der bolivianischen Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
entsprechen. Zusätzlich zu den Kur-&lt;br /&gt;
sen müssen die Studenten vor ihrer&lt;br /&gt;
Abschlußprüfung mindestens 200&lt;br /&gt;
Stunden aneinem Gemeinschaftspro-&lt;br /&gt;
jekt gearbeitet haben. Diese Projekte&lt;br /&gt;
werden oft von den Studenten selbst&lt;br /&gt;
entworfen. Gegenwärtig beteiligen&lt;br /&gt;
sich zum Beispiel etwa 20 Studenten&lt;br /&gt;
aneinem Projekt, um den Analphabe-&lt;br /&gt;
ten in der Stadt Kenntnisse im Lesen&lt;br /&gt;
und Schreiben zu vermitteln. Die Stu-&lt;br /&gt;
denten organisieren und unterrichten&lt;br /&gt;
selbst Klassen, sowohl an der Univer-&lt;br /&gt;
sität als auch außerhalb des Universi-&lt;br /&gt;
tätsgeländes in acht verschiedenen&lt;br /&gt;
Gebieten. Das vor etwa einem Jahr ins&lt;br /&gt;
Leben gerufene Alphabetisierungs-&lt;br /&gt;
programm hat schon über 200 Men-&lt;br /&gt;
schen zu grundlegenden Kenntnissen&lt;br /&gt;
in Lesen, Schreiben und Mathematik&lt;br /&gt;
verholfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Einer der Hauptunterschiede&lt;br /&gt;
zwischen Nür und den anderen Uni-&lt;br /&gt;
versitäten ist der Stellenwert, den&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=19}}Nür-Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nür dem Konzept des »Dienstes an&lt;br /&gt;
der Gemeinschaft« gegeben hat«, sagt&lt;br /&gt;
Herr Jeremy Martin, einer der Mitbe-&lt;br /&gt;
gründer der Schule. »Wir wollen, daß&lt;br /&gt;
die Universität im gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Leben aktiv ist«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
co Einige Zahlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit erhalten etwa 30 Prozent der&lt;br /&gt;
Studenten in irgendeiner Form Stu-&lt;br /&gt;
diengeldermäßigung oder Beihilfen&lt;br /&gt;
in Form eines: Stipendiums. Abitu-&lt;br /&gt;
rienten des öffentlichen Schulsystems&lt;br /&gt;
erhalten zum Beispiel Schulgelder-&lt;br /&gt;
mäßigungen zwischen 20% und 50%,&lt;br /&gt;
je nach den individuellen Erforder-&lt;br /&gt;
nissen. Bei der gegenwärtigen Stu-&lt;br /&gt;
dentenzahl von etwa eintausend feh-&lt;br /&gt;
len zur Rentabilität immer noch eini-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge hundert Studenten. Nür wirtschaf-&lt;br /&gt;
tet mit einem Defizit von ca. 20.000&lt;br /&gt;
US-Dollar pro Jahr. Trotzdem steht&lt;br /&gt;
fortlaufendes Wachstum in Aussicht.&lt;br /&gt;
Nürs Wachstum war so rasant, daß&lt;br /&gt;
sie seit ihrer Gründung bereits drei-&lt;br /&gt;
mal den Standort wechseln mußte;&lt;br /&gt;
zur Zeit ist siein einem vierstöckigen&lt;br /&gt;
Bürogebäude nicht weit vom Stadt-&lt;br /&gt;
zentrum von Santa Cruz unterge-&lt;br /&gt;
bracht. Die Schule initiierte kürzlich&lt;br /&gt;
eine internationale Spendenaktion&lt;br /&gt;
und hofft darauf, bald eigene Univer-&lt;br /&gt;
sitätsgebäude errichten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir mußten immer um unser&lt;br /&gt;
Überleben kämpfen«, sagt Herr Mar-&lt;br /&gt;
tin, »trotzdem ist es uns gelungen,&lt;br /&gt;
alle Erwartungen zu übertreffen. Der&lt;br /&gt;
Grund dafür ist, daß wir eine andere&lt;br /&gt;
Vision haben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick ins Klassenzimmer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=20}}Der Gipfel für die Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNCED - Konferenz für Umwelt und Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umweltprobleme und der Nord-&lt;br /&gt;
Süd-Konflikt sind die anspruchsvoll-&lt;br /&gt;
sten und zugleich drängendsten Her-&lt;br /&gt;
ausforderungen der heutigen Welt.&lt;br /&gt;
Im Juni 1992 sollen bei der Konferenz&lt;br /&gt;
für Umwelt und Entwicklung der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen (UNCED) in Bra-&lt;br /&gt;
silien hierfür Lösungen erörtert und&lt;br /&gt;
Maßnahmen eingeleitet werden. Die-&lt;br /&gt;
ser »Welt-Umwelt-Gipfel«, an dem&lt;br /&gt;
Regierungschefs aus aller Welt teil-&lt;br /&gt;
nehmen werden, ist eine Veranstal-&lt;br /&gt;
tung ohne Beispiel. Es geht um wirk-&lt;br /&gt;
lich grundlegende Veränderungen:&lt;br /&gt;
Die Wirtschaft sollsich umstellen, um&lt;br /&gt;
eine »verträgliche Entwicklung«&lt;br /&gt;
überall auf der Erde zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
Die Politik soll Strukturen finden, die&lt;br /&gt;
weltweite Entscheidungen durch-&lt;br /&gt;
setzbar machen, ohne die Umwelt-&lt;br /&gt;
probleme kaum lösbar sind. Der&lt;br /&gt;
Schutz der Erde soll zusammen mit&lt;br /&gt;
einer gesunden wirtschaftlichen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung von Regierungen wie von&lt;br /&gt;
nichtstaatlichen Organisationen als&lt;br /&gt;
unabdingbare Aufgabe formuliert&lt;br /&gt;
werden. - Kommt nach der »Erklä-&lt;br /&gt;
rung der Menschenrechte« jetzt der&lt;br /&gt;
nächste Schritt, die Charta für die&lt;br /&gt;
Menschheit und die Erde, auf der sie&lt;br /&gt;
lebt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Von dieser Konferenz werden&lt;br /&gt;
Entscheidungen erwartet, die zu&lt;br /&gt;
grundlegenden Änderungen für die&lt;br /&gt;
Richtung und die Natur unseres wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Lebens und Verhaltens&lt;br /&gt;
führen und die die Grundlage füreine&lt;br /&gt;
zunehmend sichere, gerechte, hof-&lt;br /&gt;
fungsvolle und verträgliche Zukunft&lt;br /&gt;
der ganzen menschlichen Gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uwe Still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft schaffen.« Maurice Strong, Ge-&lt;br /&gt;
neralsekretär der »United Nations&lt;br /&gt;
Conference on Environment and De-&lt;br /&gt;
velopment« (UNCED) umreißt in ei-&lt;br /&gt;
nem Satz, welche Aufgabe sich die&lt;br /&gt;
Teilnehmer dieser auch als »Earth&lt;br /&gt;
Summit« bezeichneten Tagung in&lt;br /&gt;
Brasilien vorgenommen haben. Es&lt;br /&gt;
geht hier nicht um die Lösung irgend-&lt;br /&gt;
eines Einzelproblems, sonden um&lt;br /&gt;
die erforderliche neue Grundlage für&lt;br /&gt;
die weitere Entwicklung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist kein Zufall, daß UNCED&lt;br /&gt;
schon im Vorfeld überall auf der Welt&lt;br /&gt;
ganz besondere Beachtung findet.&lt;br /&gt;
Denn in den letzten Jahren wurde fast&lt;br /&gt;
überall anerkannt, daß viele Umwelt-&lt;br /&gt;
probleme nur weltweit sinnvoll ge-&lt;br /&gt;
löst werden können. Und die damit&lt;br /&gt;
eng verknüpften Entwicklungspro-&lt;br /&gt;
bleme der armen Länder sind sowie-&lt;br /&gt;
so ein Thema, das nur in größeren&lt;br /&gt;
Zusammenhängen verstanden und&lt;br /&gt;
angegangen werden kann. Die Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsländer mit ihrer meist&lt;br /&gt;
durch Armut verursachten Naturzer-&lt;br /&gt;
störung wie auch die Industrieländer&lt;br /&gt;
mit ihrem hohen Ressourcenver-&lt;br /&gt;
brauch und ihrer Umweltbelastung&lt;br /&gt;
durch immer mehr selbstproduzierte&lt;br /&gt;
Schadstoffehabenlebhaftes Interesse,&lt;br /&gt;
eine langfristig »verträgliche« wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklung zu erreichen.&lt;br /&gt;
Daß wir nicht einfach so weiterma-&lt;br /&gt;
chen können wie zur Zeit, ist dabei&lt;br /&gt;
von allen Seiten unbestritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch die nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen haben sich dieses&lt;br /&gt;
Themas in noch nie gekanntem Aus-&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=21}}Der Gipfel für die Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
maß angenommen. Es ist das erste&lt;br /&gt;
Mal, daß parallel zu einem politi-&lt;br /&gt;
schen Gipfeltreffen im Rahmen der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen etwa 20.000 Ver-&lt;br /&gt;
treter der nichtstaatlichen Organisa-&lt;br /&gt;
tionen zusammenkommen werden.&lt;br /&gt;
Insgesamt wird UNCED in jedem Fall&lt;br /&gt;
die weltweit größte Veranstaltung zu&lt;br /&gt;
diesem Themenkomplex sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter dem Kürzel UNCED ver-&lt;br /&gt;
steckt sich nicht nur die eigentliche&lt;br /&gt;
Konferenz. Schon die zahlreichen&lt;br /&gt;
Vorbereitungsveranstaltungen über-&lt;br /&gt;
all auf der Welt sorgen dafür, daß&lt;br /&gt;
UNCED nicht ein Termin, sondern&lt;br /&gt;
ein Prozeß ist. Aufeiner der Vorberei-&lt;br /&gt;
tunstagungen wurde zum Beispiel&lt;br /&gt;
bereits ein »Universaler Kodex für&lt;br /&gt;
umweltgerechtes Verhalten« entwor-&lt;br /&gt;
fen, den wir in vollem Wortlaut ab-&lt;br /&gt;
drucken. Und vor allem wird UN-&lt;br /&gt;
CED mit dem Gipfeltreffen nicht be-&lt;br /&gt;
endet sein; eigentlich ist dies dann&lt;br /&gt;
erst der Anfang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schlüsselbegriff im Zusam-&lt;br /&gt;
menhang mit dieser Konferenz ist&lt;br /&gt;
»Sustainable Development« Im&lt;br /&gt;
Deutschen finden sich zahlreiche&lt;br /&gt;
Übersetzungen dafür, von denen kei-&lt;br /&gt;
ne das ausdrücken kann, was im Eng-&lt;br /&gt;
lischen gemeint ist: eine Entwicklung,&lt;br /&gt;
die dauerhaft mit der Umwelt ver-&lt;br /&gt;
träglich ist und den Menschen eine&lt;br /&gt;
langfristige Zukunft sichert. Im rei-&lt;br /&gt;
chen Norden ist klar, daß wegen des&lt;br /&gt;
hohen Rohstoffverbrauchs sowie der&lt;br /&gt;
Belastung von Luft, Wasser und Bo-&lt;br /&gt;
den nicht lange so weitergewirtschaf-&lt;br /&gt;
tet werden kann wie heute. Und im&lt;br /&gt;
armen Süden geht das bloße Überle-&lt;br /&gt;
ben der heutigen Menschen häufig&lt;br /&gt;
auf Kosten der Natur, die immer wei-&lt;br /&gt;
ter zerstört wird. Beides kann nicht&lt;br /&gt;
weiter so fortgesetzt werden. Eine Lö-&lt;br /&gt;
sung für eine wirtschaftliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung muß gefunden werden, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unsere Erde nicht ausbeutet und zer-&lt;br /&gt;
stört, sondern als Lebensgrundlage&lt;br /&gt;
auch für die Zukunft erhält. Zur Er-&lt;br /&gt;
reichung des Ziels »Sustainable De-&lt;br /&gt;
velopment« ist auch eine Lösung des&lt;br /&gt;
Nord-Süd-Konflikts unerläßlich. Da-&lt;br /&gt;
für genügt zweifellos nicht der Erlaß&lt;br /&gt;
von einigen Schulden der unterent-&lt;br /&gt;
wickelten Länder. Die Politiker und&lt;br /&gt;
Wirtschaftler stehen hier vor großen&lt;br /&gt;
Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erwartungen an die Ergebnis-&lt;br /&gt;
se von UNCED sind recht unter-&lt;br /&gt;
schiedlich. Von der pessimistischen&lt;br /&gt;
Einschätzung, daß bei einem solchen&lt;br /&gt;
Mammuttreffen nur unverbindliche&lt;br /&gt;
Erklärungen herauskommen können,&lt;br /&gt;
bis zur Vorstellung, daß in Brasilien&lt;br /&gt;
sehr weitgehende Entscheidungen&lt;br /&gt;
getroffen werden, reicht das Mei-&lt;br /&gt;
nungsspektrum. Immerhin gibt es&lt;br /&gt;
Experten, die von UNCED einen Ein-&lt;br /&gt;
stieg in eine weltweite Exekutive zur&lt;br /&gt;
Durchsetzung bestimmter Umwelt-&lt;br /&gt;
maßnahmen erwarten. Und das wür-&lt;br /&gt;
de nichts anderes bedeuten als den&lt;br /&gt;
ersten Schritt zur Einrichtung einer&lt;br /&gt;
Art Weltregierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Organisationen, die&lt;br /&gt;
den UNCED-Prozeß von Anfang an&lt;br /&gt;
mitgetragen haben, befindet sich&lt;br /&gt;
auch die Internationale Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde (BIC). In einem Positionspa-&lt;br /&gt;
pier unter dem Titel »Internationale&lt;br /&gt;
Gesetzgebung für Umwelt und Ent-&lt;br /&gt;
wicklung« formuliert BIC (der voll-&lt;br /&gt;
ständige Text ist untenstehend abge-&lt;br /&gt;
druckt): »Ehe nicht neue, kreative&lt;br /&gt;
Maßnahmen zur Neugliederung der&lt;br /&gt;
internationalen Ordnung _ ergriffen&lt;br /&gt;
werden können - davon ist die Inter-&lt;br /&gt;
nationale Bahä’i-Gemeinde über-&lt;br /&gt;
zeugt — wird allein die Verschlechte-&lt;br /&gt;
rung der Umweltsituation mit ihren&lt;br /&gt;
Langzeitfolgen für die soziale und&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Entwicklung unwei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerlich zu einer Katastrophe entsetz-&lt;br /&gt;
lichen Ausmaßes führen.« Das sind&lt;br /&gt;
sehr klare Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Warnung folgen eine Rei-&lt;br /&gt;
he von Vorschlägen. Die Bahä’i sind&lt;br /&gt;
im Rahmen der Entwicklung, die mit&lt;br /&gt;
UNCED verknüpft ist, jetzt überall&lt;br /&gt;
sehr stark gefordert. Denn was die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt jetztbraucht, sind genau die An-&lt;br /&gt;
sätze, die sich in der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
als wesentliche Elemente finden: Die&lt;br /&gt;
»Einheit der Menschheit« als Grund-&lt;br /&gt;
konzept, neue Strukturen zur Lösung&lt;br /&gt;
der aktuellen weltweiten Probleme&lt;br /&gt;
und die Zielvorstellung für eine lang-&lt;br /&gt;
fristige Entwicklung der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=23}}Der Gipfel für die Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Internationale Gesetzgebung für Umwelt und Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Erklärung der Internationalen Bahd’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor etwas mehr als hundert Jahren&lt;br /&gt;
sprach Bahä’u’lläh in einer Reihe von&lt;br /&gt;
Briefen an die damaligen Herrscher&lt;br /&gt;
der Welt davon, daß für die Mensch-&lt;br /&gt;
heit ein zeitgeschichtlicher Abschnitt&lt;br /&gt;
beginne, der für das Leben auf diesem&lt;br /&gt;
Planeten eine radikale Neugliede-&lt;br /&gt;
rung mitsich bringen werde. Heraus-&lt;br /&gt;
forderungen, mit denen man niemals&lt;br /&gt;
gerechnet hatte, werden, so sagte Er,&lt;br /&gt;
die Ressourcen selbst der fortge-&lt;br /&gt;
schrittensten Nationen bald ver-&lt;br /&gt;
schlingen. Ihnen kann nur mit einem&lt;br /&gt;
Weltbundsystem begegnet werden,&lt;br /&gt;
dessen Zentralorgan ein repräsentati-&lt;br /&gt;
ves Weltparlament wäre, das die&lt;br /&gt;
Macht hat, ein weltweit vereinbartes&lt;br /&gt;
und durchsetzbares Recht zu schaf-&lt;br /&gt;
fen. »Die Erde ist nur ein Land«, ver-&lt;br /&gt;
sicherte Bahä’u’lläh, »und alle Men-&lt;br /&gt;
schen sind seine Bürger«.!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Ausmaß, Kompliziertheit und&lt;br /&gt;
Dringlichkeit der Umweltprobleme&lt;br /&gt;
sich Schritt für Schritt von selbst die&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit&lt;br /&gt;
erzwangen, wird die Logik dieser&lt;br /&gt;
Leitlinie täglich deutlicher. Die ver-&lt;br /&gt;
fügbaren internationalen gesetzge-&lt;br /&gt;
benden Einrichtungen und deren&lt;br /&gt;
Verfahren erweisen sich als unzu-&lt;br /&gt;
länglich, vor allem auf Grund der Tat-&lt;br /&gt;
sache, daß sie auf Gesetzen beruhen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Erklärung wurde dem Vorberei-&lt;br /&gt;
tungskomitee für die Konferenz über Um-&lt;br /&gt;
welt und Entwicklung der Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen (UNCED) vorgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Bahä’u/lläh, Botschaften aus ’Akkd, 11:13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die für Nationalstaaten bestimmt&lt;br /&gt;
sind. Ehe nicht neue, kreative Maß-&lt;br /&gt;
nahmen zur Neugliederung der inter-&lt;br /&gt;
nationalen Ordnung ergriffen wer-&lt;br /&gt;
den können - davon ist die Internatio-&lt;br /&gt;
nale Bahä’i-Gemeinde überzeugt -&lt;br /&gt;
wird allein die Verschlechterung der&lt;br /&gt;
Umweeltsituation mit ihren Langzeit-&lt;br /&gt;
folgen für die soziale und wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Entwicklung unweigerlich zu&lt;br /&gt;
einer Katastrophe entsetzlichen Aus-&lt;br /&gt;
maßes führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der derzeitige Prozeß zur Schaf-&lt;br /&gt;
fung einer internationalen Gesetzge-&lt;br /&gt;
bung, der sich jeweils nur einem&lt;br /&gt;
Problem zuwendet, ist bruchstück-&lt;br /&gt;
haft und unsystematisch. Zu so ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Fragen wie dem Schutz&lt;br /&gt;
der Ozonschicht und der Kontrolle&lt;br /&gt;
über internationale Geschäfte mit ge-&lt;br /&gt;
fährlichen Abfällen wurden Überein-&lt;br /&gt;
kommen, Verträge und Protokolle&lt;br /&gt;
angenommen. Über andere Konven-&lt;br /&gt;
tionen zur Klimaveränderung und&lt;br /&gt;
zur Artenvielfalt wird verhandelt.&lt;br /&gt;
Weitere Übereinkommen wurden&lt;br /&gt;
noch zu Fragen wie der vom Festland&lt;br /&gt;
aus verursachten Meeresverschmut-&lt;br /&gt;
zung vorgeschlagen. Es gibt weder&lt;br /&gt;
ein zentrales Organ, das für die For-&lt;br /&gt;
mulierung internationalen Umwelt-&lt;br /&gt;
rechts verantwortlich ist, noch konn-&lt;br /&gt;
ten sich die Nationen der Welt auf&lt;br /&gt;
eine Reihe von Prinzipien einigen, die&lt;br /&gt;
als Grundlage für Umweltgesetzge-&lt;br /&gt;
bung dienen könnten. Zudem unter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeichnen selten dieselben Länder die&lt;br /&gt;
verschiedenen gesetzgebenden Do-&lt;br /&gt;
kumente. Deshalb ist es nahezu un-&lt;br /&gt;
möglich, Vereinbarungen aufeinan-&lt;br /&gt;
der abzustimmen oder zu kombinie-&lt;br /&gt;
ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der internationale Gesetzge-&lt;br /&gt;
bungsprozeß ist dafür bekannt, lang-&lt;br /&gt;
sam, schwerfällig und kostspielig zu&lt;br /&gt;
sein. Ist ein Problem einmal identifi-&lt;br /&gt;
ziert, werden Expertentagungen ein-&lt;br /&gt;
berufen, um einen Entwurf für ein&lt;br /&gt;
Abkommen vorzubereiten. Die daran&lt;br /&gt;
interessierten Regierungen verhan-&lt;br /&gt;
deln über das Abkommen, und bei&lt;br /&gt;
einer Tagung der Regierungsbevoll-&lt;br /&gt;
mächtigten wird es unterzeichnet.&lt;br /&gt;
Treten dann nach einem oft sehr lan-&lt;br /&gt;
gen Zeitraum für Ratifikation und&lt;br /&gt;
Beitritt die gegebenen Gesetze in&lt;br /&gt;
Kraft, geschieht dies nur in den Un-&lt;br /&gt;
terzeichnerstaaten. Im allgemeinen&lt;br /&gt;
wird ein Büro eingerichtet, das die&lt;br /&gt;
Durchführung der Konvention för-&lt;br /&gt;
dert und überwacht. Wenn das erlas-&lt;br /&gt;
sene Gesetz geändert werden muß,&lt;br /&gt;
wie das beim Montrealer Protokoll&lt;br /&gt;
der Fall war, als die angestiegene Zer-&lt;br /&gt;
störung der Ozonschicht die Bestim-&lt;br /&gt;
mungen des Protokolls überholt hat-&lt;br /&gt;
te, kann die Aktualisierung ebenso&lt;br /&gt;
langsam vor sich gehen wie die An-&lt;br /&gt;
nahme der Konvention. Viele Länder,&lt;br /&gt;
die nur über eine begrenzte Anzahl&lt;br /&gt;
Diplomaten und Experten verfügen,&lt;br /&gt;
sind solchen zeitraubenden und teu-&lt;br /&gt;
ren Verfahren nicht gewachsen, be-&lt;br /&gt;
sonders, weil die Anzahl der Ver-&lt;br /&gt;
handlungen als Antwort auf die&lt;br /&gt;
dringlichen globalen Umweltproble-&lt;br /&gt;
me ständig steigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das derzeitige ad-hoc-Verfahren&lt;br /&gt;
für die Umweltgesetzgebung kann&lt;br /&gt;
sich nur dahingehend entwickeln,&lt;br /&gt;
daßesimmer schwerer zuhandhaben&lt;br /&gt;
sein wird. Für die Bereitstellung welt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter Mechanismen, die ein verträg-&lt;br /&gt;
liches Entwicklungsmodell schaffen&lt;br /&gt;
und stützen sollen, wurden unzähli-&lt;br /&gt;
ge Vorschläge gemacht. Einige Exper-&lt;br /&gt;
ten raten, das bestehende UN-System&lt;br /&gt;
zu stärken, indem die Vollmachten&lt;br /&gt;
von ausführenden Organen wie dem&lt;br /&gt;
UN-Umweltprogramm (UNEP) hö-&lt;br /&gt;
her eingestuft werden, der Wirt-&lt;br /&gt;
schafts- und Sozialrat (ECOSOC) eine&lt;br /&gt;
Umbildung erfährt oder der Treu-&lt;br /&gt;
handrat zur Verwaltung bestimmter&lt;br /&gt;
globaler Ressourcen eingesetzt wird.&lt;br /&gt;
Andere schlagen neue Organe vor&lt;br /&gt;
wie z.B. einen Umweltsicherheitsrat,&lt;br /&gt;
einen Weltgerichtshof für Umwelt-&lt;br /&gt;
recht oder ein internationales Ver-&lt;br /&gt;
handlungsgremium für Umwelitfra-&lt;br /&gt;
gen, das die internationale Gesetzge-&lt;br /&gt;
bung zu Problemen, die globale Ak-&lt;br /&gt;
tionen erfordern, vorbereitet, an-&lt;br /&gt;
nimmt und überarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wohlgemeint und hilfreich&lt;br /&gt;
solche Vorschläge auch sein mögen,&lt;br /&gt;
für die Internationale Bahä’f-Gemein-&lt;br /&gt;
de liegt auf der Hand, daß der Aufbau&lt;br /&gt;
eines auf lange Sicht aufrechtzuerhal-&lt;br /&gt;
tenden Entwicklungsmodells eine&lt;br /&gt;
komplizierte Aufgabe mit weitrei-&lt;br /&gt;
chenden Verzweigungen darstellt.&lt;br /&gt;
Sie erfordert offensichtlich einen neu-&lt;br /&gt;
en Grad an Engagement bei der Lö-&lt;br /&gt;
sung größerer Probleme, die nicht&lt;br /&gt;
ausschließlich mit der Umwelt ver-&lt;br /&gt;
bunden sind. Zu diesen Problemen&lt;br /&gt;
gehören die Militarisierung, der über-&lt;br /&gt;
mäßige Besitztumsunterschied inner-&lt;br /&gt;
halb und zwischen den Nationen, der&lt;br /&gt;
Rassismus, der mangelnde Zugang&lt;br /&gt;
zu Bildung, ungezügelter Nationalis-&lt;br /&gt;
mus und die fehlende Gleichberechti-&lt;br /&gt;
gung von Frauen und Männern. Einer&lt;br /&gt;
nur stückweise und allmählich vorge-&lt;br /&gt;
henden Methode, die sich an den Be-&lt;br /&gt;
dürfnissen von Nationalstaaten&lt;br /&gt;
orientiert, ist die Annahme eines um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=25}}Der Gipfel für die Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fassenden Abkommens, das spezifi-&lt;br /&gt;
scheinternationale Gesetze veröffent-&lt;br /&gt;
lichen könnte, deutlich vorzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langzeitlösungen werden eine&lt;br /&gt;
neue und umfassende Sichtweise ei-&lt;br /&gt;
ner globalen Gesellschaft erfordern,&lt;br /&gt;
unterstützt durch neue Werte. Aus&lt;br /&gt;
der Sicht der Internationalen Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinde ist die Anerkennung der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit die erste,&lt;br /&gt;
grundlegende Voraussetzung für die-&lt;br /&gt;
se Reorganisation und Verwaltung&lt;br /&gt;
der Welt alsein Land, die Heimat der&lt;br /&gt;
Menschheit. Die Anerkennung dieses&lt;br /&gt;
Prinzips bedeutet nicht das Ablegen&lt;br /&gt;
legitimer Loyalität, die Unterdrük-&lt;br /&gt;
kung kultureller Vielfalt oder die Ab-&lt;br /&gt;
schaffung nationaler Autonomie. Sie&lt;br /&gt;
verlangt eine weitreichendere Loyali-&lt;br /&gt;
tät, ein viel höheres Streben als bisher&lt;br /&gt;
menschliche Bemühungen ange&lt;br /&gt;
spornt hat. Sie verlangt deutlich die&lt;br /&gt;
Unterordnung nationaler Impulse&lt;br /&gt;
und Interessen unter die gebieteri-&lt;br /&gt;
schen Ansprüche einer vereinten&lt;br /&gt;
Welt. Sie stimmt weder mit irgendei-&lt;br /&gt;
nem Versuch überein, Uniformität&lt;br /&gt;
aufzuerlegen, noch mit irgendeiner&lt;br /&gt;
Tendenz zu übermäßiger Zentralisie-&lt;br /&gt;
rung. Ihr Ziel wird durch das Kon-&lt;br /&gt;
zept der »Einheit in Mannigfaltig-&lt;br /&gt;
keit« korrekt erfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Bahä’i-Schriften wird ein&lt;br /&gt;
weltweites föderatives System ins&lt;br /&gt;
Auge gefaßt, in welchem der Absicht&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs entsprechend »...alleNa-&lt;br /&gt;
tionen der Erde willig den Anspruch,&lt;br /&gt;
Krieg zu führen, gewisse Rechte der&lt;br /&gt;
Erhebung von Steuern und alle Rech-&lt;br /&gt;
te auf Kriegsrüstung außer zur Auf-&lt;br /&gt;
rechterhaltung der inneren Ordnung&lt;br /&gt;
in ihren Gebieten abtreten... Zu die-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahd’u’lldhs, 5.66&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, ebenda 5.297&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, ebenda $.67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, ebenda S.269-97&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sem Weltgemeinwesen wird eine&lt;br /&gt;
»Weltlegislative« gehören, »deren&lt;br /&gt;
Mitglieder als Treuhänder der gan-&lt;br /&gt;
zen Menschheit die gesamten Hilfs-&lt;br /&gt;
quellen aller Mitgliedstaaten überwa-&lt;br /&gt;
chen. Sie muß die erforderlichen Ge-&lt;br /&gt;
setze geben, um das Leben aller Ras-&lt;br /&gt;
sen und Völker zu steuern, ihre Be-&lt;br /&gt;
dürfnisse zu befriedigen und ihre&lt;br /&gt;
wechselseitigen Beziehungen anzu-&lt;br /&gt;
passen. Eine Weltexekutive, gestützt&lt;br /&gt;
auf eine internationale Streitmacht,&lt;br /&gt;
wird die Beschlüsse jener Weltlegisla-&lt;br /&gt;
tive ausführen, deren Gesetze anwen-&lt;br /&gt;
den und die organische Einheit des&lt;br /&gt;
ganzen Gemeinwesens sichern. Ein&lt;br /&gt;
Weltgerichtshof wird seine bindende,&lt;br /&gt;
endgültige Entscheidung in sämtli-&lt;br /&gt;
chen Streitfragen, die zwischen den&lt;br /&gt;
vielen Gliedern dieses allumfassen-&lt;br /&gt;
den Systems auftreten können, fällen&lt;br /&gt;
und zustellen...«° Im diesem Rahmen&lt;br /&gt;
wird ein »..einheitliches System in-&lt;br /&gt;
ternationalen Rechts als Ergebnis der&lt;br /&gt;
wohlüberlegten Entscheidung der&lt;br /&gt;
weltweit vereinigten Volksvertreter&lt;br /&gt;
durch das sofortige, zwingende Ein-&lt;br /&gt;
greifen der vereinten Streitkräfte der&lt;br /&gt;
Verbündeten sanktioniert...«*Gleich-&lt;br /&gt;
zeitig werden »...die Autonomie sei-&lt;br /&gt;
ner nationalstaatlichen Glieder sowie&lt;br /&gt;
die persönliche Freiheit und Selbstän-&lt;br /&gt;
digkeit der einzelnen Menschen, aus&lt;br /&gt;
denen es gebildet ist,_ ausdrücklich&lt;br /&gt;
und völlig gesichert... sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher bittet die Internationale Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Gemeinde den Vorbereitungs-&lt;br /&gt;
ausschuß dringend, kühne und krea-&lt;br /&gt;
tive Ansätze zur Schaffung interna-&lt;br /&gt;
tionaler gesetzgebender Einrichtun-&lt;br /&gt;
gen und Verfahrensweisen in Erwä-&lt;br /&gt;
gung zu ziehen. Ohne eine Vorstel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lung von der Zukunft ist keine wirk-&lt;br /&gt;
liche Veränderung möglich. Die vor-&lt;br /&gt;
gelegte »Erdcharta« hat möglicher-&lt;br /&gt;
weise noch einen langen Weg vor&lt;br /&gt;
sich, bis sie eine vereinende Vorstel-&lt;br /&gt;
lung von der Zukunft zum Ausdruck&lt;br /&gt;
bringt und mutig die Werte bekräf-&lt;br /&gt;
tigt, auf denen sie beruhen muß. In&lt;br /&gt;
seiner Arbeit am Text wird der Vor-&lt;br /&gt;
bereitungsausschuß unter Umstän-&lt;br /&gt;
den den Wunsch haben, die Verheiß-&lt;br /&gt;
ung des Weltfriedens, eine Erklärung&lt;br /&gt;
an die Völker der Welt, die das Uni-&lt;br /&gt;
versale Haus der Gerechtigkeit zur&lt;br /&gt;
Unterstützung des Internationalen&lt;br /&gt;
Jahres des Friedens der Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen veröffentlicht hat, heranzuzie-&lt;br /&gt;
hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’fin aller Weltbetrachten&lt;br /&gt;
die Entwicklung des UNCED-Pro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gramms als nachdrückliche Bestäti-&lt;br /&gt;
gung des Optimismus, den sie für die&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheit empfinden.&lt;br /&gt;
Wir glauben, daß-angetrieben durch&lt;br /&gt;
die weltweite Erkenntnis der Gefah-&lt;br /&gt;
ren, die derzeit den Planeten bedro-&lt;br /&gt;
hen - die Regierungen der Welt dazu&lt;br /&gt;
gebracht werden können, mutig im&lt;br /&gt;
Namen der gesamten Menschheit zu&lt;br /&gt;
handeln. Das Ergebnis wird mögli-&lt;br /&gt;
cherweise nicht nur eine wirkungs-&lt;br /&gt;
volle Reaktion auf die jetzigen Um-&lt;br /&gt;
welt-- und Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
sein, sondern ein weiterer enormer&lt;br /&gt;
Schrittnach vorne beim Aufbau eines&lt;br /&gt;
föderativen Systems, das in der Lage&lt;br /&gt;
ist, sich der gesamten Bandbreite an&lt;br /&gt;
Herausforderungen, der sich eine&lt;br /&gt;
rasch zusammenwachsende Mensch-&lt;br /&gt;
heit gegenübersieht, anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EARTH SUMMIT&lt;br /&gt;
Rio de Janeiro, 1-12 June 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SOMMET PLANETE TERRE&lt;br /&gt;
Rio de Janeiro I”-I2 juin 1992&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In our hands&lt;br /&gt;
Entre nos mains&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=27}}Der Gipfel für die Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Universaler Kodex für umweltgerechtes Verhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Dokument wurde von einem Symposium nichtstaatlicher Organisationen über&lt;br /&gt;
Umweltfragen, das im Oktober 1990 in Bangkok, Thailand stattfand, erarbeitet.&lt;br /&gt;
Vertreter der Internationalen Bahd’i-Gemeinde waren daran beteiligt und konnten&lt;br /&gt;
zahlreiche Bahd’i-Prinzipien einbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt befindet sich in einer tiefen Umweltkrise. Diese Krise wurzelt in weltweiten&lt;br /&gt;
menschlichen Verhaltensmustern, die ökologisch unhaltbar, für die Gesellschaft schäd-&lt;br /&gt;
lich und wirtschaftlich ungerecht sind. Wir benötigen eine Wandlung menschlicher&lt;br /&gt;
Zielsetzungen, die materielle und geistige Wahrheiten verbindet und ein gemeinsames&lt;br /&gt;
Gewissen schafft, ein Gewissen, das eine Welt der Ausgeglichenheit und Harmonie,&lt;br /&gt;
des Friedens und der Gerechtigkeit wiederherstellt und hegt, ein Gewissen, das sich&lt;br /&gt;
um Treuhänderschaft und Verwaltung der Gemeinschaft kümmert und sich der&lt;br /&gt;
jetzigen und zukünftigen Generationen gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anerkennung der Tatsache, daß Einheit unbedingt erforderlich ist, wenn unter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schiedliche Menschen für eine gemeinsame Zukunft arbeiten sollen, verkünden wir,&lt;br /&gt;
die Bürger dieser Erde, diesen allgemeingültigen Verhaltenskodex:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Völker und ihre Regierungen sollten danach streben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® zu erkennen, daß wir die menschliche Seele nicht von der Umwelt trennen können.&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist organisch mit der Welt verbunden: ihr inneres Leben gestaltet die&lt;br /&gt;
Umwelt und wird auch selbst tief von der Umwelt beeinflußt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® einzutreten für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit gegenüber den stillen&lt;br /&gt;
Massen, die eine unverhältnismäßig große Last der Konsequenzen der Verschlechte-&lt;br /&gt;
rung der Umweltsituation tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® das Recht des einzelnen auf Zugang zu Informationen über die Umwelt aus allen&lt;br /&gt;
Quellen zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
° den wirklichen Wert und die Vielfalt der Natur zu schätzen; Lebensweisen zu&lt;br /&gt;
schützen, zu befürworten und zu fördern, die sowohl kulturelle Vielfalt als auch die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mäßigung von Bedürfnissen bereichern, auf der Grundlage von ökologisch tragbaren&lt;br /&gt;
Prinzipien, Wachstum und Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=28}}Bahä’i-Briefe Nr.60 Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® zu erkennen, daß biologische Regionen und ihr organischer Lebensrhythmus, ihre&lt;br /&gt;
Lebenszyklen und Arten über politische Grenzen hinausgehen, und sich daher darum&lt;br /&gt;
zu bemühen, angeregte globale und regionale Aktionen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e das natürliche Erbe künftiger Generationen zu schützen, indem sie eine allumfassen-&lt;br /&gt;
de Sichtweise und das angestrebte Ziel einer nicht zu Ausbeutung führenden Techno-&lt;br /&gt;
logie für Industrie, Landwirtschaft und Wasser annehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Unversehrtheit und Unverletzlichkeit der Natur zu erhalten, indem sie extreme&lt;br /&gt;
Vorsicht üben bei der Müllbeseitigung und beim Gebrauch und der Verbreitung der&lt;br /&gt;
von Menschen hergestellten Substanzen und Organismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® eine ländliche Infrastruktur zu entwickeln, die Leben erhält und die Übervölkerung&lt;br /&gt;
und Entfremdung von der Natur vermeidet, die die heutige Stadtgesellschaft charak-&lt;br /&gt;
terisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
» eine Verpflichtung zur Rechenschaft gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt von&lt;br /&gt;
seiten der Regierungen, der mächtigen globalen Unternehmen und Organisationen zu&lt;br /&gt;
unterstützen und nachdrücklich zu fordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e den diesem Kodex zugrunde liegenden Geist in uns selbst und in allen Menschen zu&lt;br /&gt;
fördern und den Samen der Verpflichtung zum Schutz und zur Erhaltung der Umwelt&lt;br /&gt;
zu sden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® einen Beratungsprozeß mit Regierungsgremien, mit gemeinsamen Institutionen&lt;br /&gt;
verschiedener Regierungen und mit nichtstaatlichen Organisationen in Gang zu&lt;br /&gt;
setzen, der zu der Errichtung einer globalen Übereinkunft über Umweltrechte und&lt;br /&gt;
-pflichten führen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=29}}Alain LeRoy Locke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und die Harlem Renaissance&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alain LeRoy Locke wurde im Sep-&lt;br /&gt;
tember 1886 in Philadelphia geboren,&lt;br /&gt;
woerbiszum Schulabschluß lebte. Er&lt;br /&gt;
gehörte zu den ersten Schwarzameri-&lt;br /&gt;
kanern, die durch ihre hervorragen-&lt;br /&gt;
den akademischen Leistungen allge-&lt;br /&gt;
meine Anerkennung genossen. In&lt;br /&gt;
den frühen zwanziger Jahren nahm er&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Glauben an und bemühte&lt;br /&gt;
sich fortan bis zu seinem Tode im&lt;br /&gt;
Jahre 1954 um die Verbreitung der&lt;br /&gt;
Lehren und um ihre Anwendung auf&lt;br /&gt;
das Zusammenleben der Rassen in&lt;br /&gt;
den USA. Seine Veröffentlichungen&lt;br /&gt;
über die kulturelle Entfaltung der&lt;br /&gt;
Afro-Amerikaner gelten bis zum heu-&lt;br /&gt;
tigen Tage als bahnbrechend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Jahre 1619 die ersten in&lt;br /&gt;
Afrika gefangen genommenen&lt;br /&gt;
Schwarzen nach Nordamerika ver-&lt;br /&gt;
schleppt wurden, wurden sie dort&lt;br /&gt;
nicht offiziell als Sklaven eingeführt,&lt;br /&gt;
denn in der englischen Rechtspre-&lt;br /&gt;
chung gab es diesen Begriff noch&lt;br /&gt;
nicht. Leicht von anderen Neuan-&lt;br /&gt;
kömmlingen durch ihre Hautfarbe zu&lt;br /&gt;
unterscheiden, wurden die Schwar-&lt;br /&gt;
zen als separate Gruppe gebrand-&lt;br /&gt;
markt, und in den wirtschaftlich auf-&lt;br /&gt;
strebenden Kolonien entwickelte sich&lt;br /&gt;
das Konzept der Sklaverei, das syste-&lt;br /&gt;
matisch die Dehumanisierung der&lt;br /&gt;
Schwarzen - egal, ob sie aus Afrika&lt;br /&gt;
oder aus der Karibik kamen - voran-&lt;br /&gt;
trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die inzwischen von England&lt;br /&gt;
gelösten Vereinigten Staaten 1787 ih-&lt;br /&gt;
re eigene Verfassung formulierten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nassim Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alain LeRoy Locke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ließen diese Staatsmänner den Skla-&lt;br /&gt;
venhandel für zwei weitere Jahrzehn-&lt;br /&gt;
te zu, stellten die Flucht von Sklaven&lt;br /&gt;
unter Strafe und zählten bei Steuer-&lt;br /&gt;
fragen jeden Schwarzen als drei Fünf-&lt;br /&gt;
tel Mensch, obwohl bereits die Unab-&lt;br /&gt;
hängigkeitserklärung von 1776 be-&lt;br /&gt;
hauptete: »Folgende Wahrheiten be-&lt;br /&gt;
dürfen keines Beweises: Daß alle&lt;br /&gt;
Menschen gleich geschaffen sind; daß&lt;br /&gt;
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen&lt;br /&gt;
unveräußerlichen Rechten ausgestat-&lt;br /&gt;
tetsind; daß dazu Leben, Freiheit und&lt;br /&gt;
das Streben nach Glück gehören...«!&lt;br /&gt;
Obwohl der Staat Massachusetts&lt;br /&gt;
bereits im Jahre 1793 die Sklaverei&lt;br /&gt;
verbot und alle anderen Nordstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Udo Sautter, Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Stuttgart: Kröner, 3., erw. Aufl. 1986, 5.546&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=30}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis 1804 diesem Beispiel folgten, kur-&lt;br /&gt;
belte der wachsende Baumwollanbau&lt;br /&gt;
und -handel der Südstaaten eben die-&lt;br /&gt;
ses System der Unterdrückung an.&lt;br /&gt;
Um die riesigen Plantagen kosten-&lt;br /&gt;
günstig betreiben zu können, wollten&lt;br /&gt;
die Südstaaten billige Arbeitskräfte&lt;br /&gt;
ohne jegliche Rechte auf jeden Fall&lt;br /&gt;
behalten und drohten sogar mit ihrer&lt;br /&gt;
Sezession, die dann zum Bürgerkrieg&lt;br /&gt;
von 1861-1865 führte. Während jenes&lt;br /&gt;
Krieges, der mehr amerikanische Sol-&lt;br /&gt;
daten das Leben kostete als irgendein&lt;br /&gt;
vorheriger oder späterer Krieg, ver-&lt;br /&gt;
kündete Abraham Lincoln die Eman-&lt;br /&gt;
cipation Proclamation, die mit ihrem&lt;br /&gt;
Inkrafttreten am 1.1.1863 die schwar-&lt;br /&gt;
ze Bevölkerung offiziell befreite. (In&lt;br /&gt;
diesem Zeitzusammenhang sei daran&lt;br /&gt;
erinnert, daß im russischen Zaren-&lt;br /&gt;
reich die Leibeigenschafterstkurz zu-&lt;br /&gt;
vor, nämlich 1861, abgeschafft wor-&lt;br /&gt;
den war.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser kurze Einblick in dieersten&lt;br /&gt;
zweieinhalb Jahrhunderte des Lebens&lt;br /&gt;
Schwarzer auf dem nordamerikani-&lt;br /&gt;
schen Kontinent verdeutlicht, daß je-&lt;br /&gt;
ne geknebelten und gedemütigten&lt;br /&gt;
Menschen in der Regel weder die Mu-&lt;br /&gt;
ße noch die Möglichkeit zu kulturel-&lt;br /&gt;
ler Entfaltung hatten, wenn man von&lt;br /&gt;
Ausnahmen wie Juppiter Hammon&lt;br /&gt;
(1711-ca.1800) und Phyllis Wheatley&lt;br /&gt;
(ca.1753-1784) absieht, deren Besitzer&lt;br /&gt;
ihnen im Sinne christlicher Nächsten-&lt;br /&gt;
liebe eine elementare Schulbildung&lt;br /&gt;
angedeihen ließen und ihre kreativen&lt;br /&gt;
Fähigkeiten förderten. Im Laufe der&lt;br /&gt;
Zeit wurden, von der damit verbun-&lt;br /&gt;
denen Begabung abgesehen, die dar-&lt;br /&gt;
aus resultierenden, meist christlich&lt;br /&gt;
geprägten Gedichte oft als Nachah-&lt;br /&gt;
mung »weißer« Dichtkunst betrach-&lt;br /&gt;
tet und daher nicht als genuiner Aus-&lt;br /&gt;
druck des Lebens eines Schwarzen&lt;br /&gt;
akzeptiert. Im Gegensatz dazu gilt die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit dem späten 18. Jahrhundert (von&lt;br /&gt;
weißen Gegnern der Sklaverei) aktiv&lt;br /&gt;
gesammelte Folklore - Erzählungen,&lt;br /&gt;
Balladen, bei der Arbeit gesungene&lt;br /&gt;
Lieder, und allem voran die Spirituals&lt;br /&gt;
- als kraftvolle Überlieferung des Le-&lt;br /&gt;
bensgefühls, des Leidens, der Zu-&lt;br /&gt;
flucht im christlichen Glauben und&lt;br /&gt;
das Hoffen auf weltliche und seeli-&lt;br /&gt;
sche Erlösung. Bis zum Ende des 19.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts waren in der schwarz-&lt;br /&gt;
amerikanischen Bevölkerung bewuß-&lt;br /&gt;
tes Kunstschaffen und Folklore von-&lt;br /&gt;
einander getrennt, bis schließlich ei-&lt;br /&gt;
nige Autoren den Versuch wagten,&lt;br /&gt;
beide Elemente miteinander zu ver-&lt;br /&gt;
binden und so neue Formen und In-&lt;br /&gt;
halte zu schaffen bzw. überlieferte&lt;br /&gt;
Dinge auf neue Art zu verschmelzen.&lt;br /&gt;
Die lyrischen Werke von Paul Lau-&lt;br /&gt;
rence Dunbar (1872-1906), James Wel-&lt;br /&gt;
don Johnson (1871-1938) und Charles&lt;br /&gt;
Chesnutt (1858-1932) beeindrucken&lt;br /&gt;
durch die brisante Kombination von&lt;br /&gt;
schwarzem Dialekt, mythischem&lt;br /&gt;
Volksglauben, Negro Spirituals und&lt;br /&gt;
strengen Formen der englischen&lt;br /&gt;
Dichtung wie dem Shakespeare-So-&lt;br /&gt;
nett. Zu jener Zeit strebte eine wach-&lt;br /&gt;
sende Anzahl von Schwarzen da-&lt;br /&gt;
nach, die sich langsam eröffnenden&lt;br /&gt;
Ausbildungschancen wahrzuneh-&lt;br /&gt;
men, und mit der Gründung der&lt;br /&gt;
NAACP (National Association for the&lt;br /&gt;
Advancement of Colored People) im&lt;br /&gt;
Jahre 1909 entstanden auch kulturelle&lt;br /&gt;
Einrichtungen wie eigene Zeitschrif-&lt;br /&gt;
ten und Fördervereine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisher skizzierte Entwicklung&lt;br /&gt;
kulminierte in den 1920er Jahren in&lt;br /&gt;
der literarischen Schule der »Harlem&lt;br /&gt;
Renaissance«. Seit 1910 waren aus al-&lt;br /&gt;
len Landesteilen sowie aus der Kari-&lt;br /&gt;
bik Scharen Schwarzer nach Harlem&lt;br /&gt;
in New York geströmt, um u.a. die&lt;br /&gt;
neuen Arbeitsmöglichkeiten in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=31}}Alain LeRoy Locke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufblühenden Industrie wahrzuneh-&lt;br /&gt;
men. Harlem wurde ein Sinnbild für&lt;br /&gt;
das, was diese Menschen verband:&lt;br /&gt;
Bekannte Schriftsteller wie Richard&lt;br /&gt;
Wright und Ralph Ellison bestätigten,&lt;br /&gt;
daß ein Zusammengehörigkeitsge-&lt;br /&gt;
fühl nicht primär durch die gemein-&lt;br /&gt;
same Hautfarbe (deren Schattierun-&lt;br /&gt;
gen andere Gruppen gerne zu ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Vorteil übersahen) entstand,&lt;br /&gt;
sondern durch ein kulturelles Erbe,&lt;br /&gt;
das aus den in Amerika gemachten&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen und politischen Er-&lt;br /&gt;
fahrungen der Benachteiligung und&lt;br /&gt;
Unterdrückung resultierte. Die&lt;br /&gt;
Künstler der »Harlem Renaissance«&lt;br /&gt;
wollten jene Erfahrungen verarbei-&lt;br /&gt;
ten, offen aussprechen, aus der Per-&lt;br /&gt;
spektive der Betroffenen beleuchten&lt;br /&gt;
und darüber hinaus zu einer Selbst-&lt;br /&gt;
einschätzung kommen, die über hi-&lt;br /&gt;
storische Grenzen hinaus in die Zu-&lt;br /&gt;
kunft weist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alain Locke, der in Philadelphia&lt;br /&gt;
aufwuchs, schloß 1907 sein Philoso-&lt;br /&gt;
phie-Studium an der Universität Har-&lt;br /&gt;
vard ab. Als erster farbiger Rhodes-&lt;br /&gt;
Stipendiat studierte er daraufhin in&lt;br /&gt;
Oxford (1907-1910) und Berlin (1910-&lt;br /&gt;
1911) und erwarb 1918 seinen Doktor&lt;br /&gt;
der Philosophie in Harvard. Als er&lt;br /&gt;
1911 aus Berlin zurückkehrte, ver-&lt;br /&gt;
brachte er sechs Monate in den Süd-&lt;br /&gt;
staaten und erlebte sozum ersten Mal&lt;br /&gt;
persönlich die Spätfolgen der Sklave-&lt;br /&gt;
rei in jener Region. Er lehrte vierzig&lt;br /&gt;
Jahre lang an der Howard Universi-&lt;br /&gt;
tät, einer 1867 nur für Schwarze ge-&lt;br /&gt;
gründeten Hochschule in Washing-&lt;br /&gt;
ton, D.C. Verbunden mit seiner Lehr-&lt;br /&gt;
tätigkeit setzte er sich für die Analyse,&lt;br /&gt;
Interpretation und Anerkennung der&lt;br /&gt;
kulturellen Errungenschaften der&lt;br /&gt;
Schwarzen ein. Sein 1925 veröffent-&lt;br /&gt;
lichter Aufsatz »The New Negro« gilt&lt;br /&gt;
als theoretischer Angelpunkt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harlem Renaissance. In jenem bahn-&lt;br /&gt;
brechenden Werk spricht Locke von&lt;br /&gt;
der Notwendigkeit, die klischeehaf-&lt;br /&gt;
ten Vorstellungen vom Charakter der&lt;br /&gt;
Schwarzamerikaner in den Köpfen&lt;br /&gt;
aller in Amerika lebenden Rassen zu&lt;br /&gt;
beseitigen, da der rechtlichen Emanci-&lt;br /&gt;
pation Proclamation nun eine geistig-&lt;br /&gt;
kulturelle folgen müsse. Das bis da-&lt;br /&gt;
hin einmalige Zusammenleben&lt;br /&gt;
Schwarzer vielerlei Herkunft in Har-&lt;br /&gt;
lem müsse als eine neue Version der&lt;br /&gt;
sprichwörtlichen »Möglichkeiten«&lt;br /&gt;
begriffen werden, die allen Menschen&lt;br /&gt;
die Chance gibt, sich selbst und der&lt;br /&gt;
Welt gegenüber nicht mehr als sozial&lt;br /&gt;
abhängig und ewig schutz- und füh-&lt;br /&gt;
rungsbedürftig zu erscheinen, son-&lt;br /&gt;
dern im Sinne amerikanischer und&lt;br /&gt;
demokratischer Ideale Selbstrespekt&lt;br /&gt;
dadurch zu erlangen, daß man in al-&lt;br /&gt;
len Bereichen nach objektiven Ge-&lt;br /&gt;
sichtspunkten beurteilt wird und ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche Verantwortung über-&lt;br /&gt;
nimmt. Dies alles soll in einem Geiste&lt;br /&gt;
der Zusammenarbeit und gegenseiti-&lt;br /&gt;
ger Achtung auf der Basis persönli-&lt;br /&gt;
cher und gemeinsamer Errungen-&lt;br /&gt;
schaften geschehen, so daß der oft zi-&lt;br /&gt;
tierte Stolz auf die eigene Rasse nicht&lt;br /&gt;
in der negativen Abgrenzung einer&lt;br /&gt;
abzulehnenden anderen Rasse, son-&lt;br /&gt;
dern in dem objektiven Bewußtsein&lt;br /&gt;
der eigenen Fähigkeiten und Leistun-&lt;br /&gt;
gen besteht. Dain diesem Aufsatz die&lt;br /&gt;
Situation in den USA im Vorder-&lt;br /&gt;
grund steht, betont Locke weiterhin,&lt;br /&gt;
daß die Schwarzen die Aufgabe ha-&lt;br /&gt;
ben, auf die große Diskrepanz zwi-&lt;br /&gt;
schen amerikanischen gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen Idealen und der tatsächlichen&lt;br /&gt;
Situation hinzuweisen. Wenn sie sich&lt;br /&gt;
den amerikanischen Zielen wie Chan-&lt;br /&gt;
cengleichheit, Freiheit und gleichen&lt;br /&gt;
Rechten für alle widmen, kann man&lt;br /&gt;
sie - theoretisch gesehen - nicht an-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
greifen, da sie sich dadurch als »wah-&lt;br /&gt;
re Amerikaner« erweisen. Es geht al-&lt;br /&gt;
sonichtum Abgrenzung, sondern um&lt;br /&gt;
Integration und gemeinsames Beitra-&lt;br /&gt;
gen zur gesellschaftlichen und kultu-&lt;br /&gt;
rellen Entwicklung. Diefriedliche Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit Schwarzer verschie-&lt;br /&gt;
denster Herkunft in Harlem und die&lt;br /&gt;
gegenseitige Förderung von Men-&lt;br /&gt;
schen verschiedener Rassen auf dem&lt;br /&gt;
Gebiet der Kunst dient somit als Vor-&lt;br /&gt;
bild für die Gesellschaft als Ganzes.&lt;br /&gt;
Er erweitert den Umfang möglicher&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit bis nach Afrika, in-&lt;br /&gt;
dem er die Schwarzamerikaner auf-&lt;br /&gt;
fordert, die Avantgarde für ihre afri-&lt;br /&gt;
kanischen Brüder zu sein, was die&lt;br /&gt;
weltweite Einschätzung der kulturel-&lt;br /&gt;
len Fähigkeiten betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alain Locke lernte in den frühen&lt;br /&gt;
zwanziger Jahren die Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
in Washington, D.C. kennen, nahm&lt;br /&gt;
den Glauben an und betrachtete ihn&lt;br /&gt;
als die Lösung für die auf Vorurteilen&lt;br /&gt;
basierenden Probleme. Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
danken spiegelnsich auch in deroben&lt;br /&gt;
erläuterten Einordnung der Situation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 199i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schwarzamerikaner in die allge-&lt;br /&gt;
meine Gesellschaftsentwicklung wi-&lt;br /&gt;
der, und er betonte diese Zusammen-&lt;br /&gt;
hänge in seinen Vorträgen bei den&lt;br /&gt;
frühen Bahä’f-Konferenzen für&lt;br /&gt;
Freundschaft unter den Rassen und&lt;br /&gt;
bei ähnlichen Gelegenheiten. Lockes&lt;br /&gt;
Ideen und die hervorragenden Werke&lt;br /&gt;
der Harlem Renaissance sind ein Mei-&lt;br /&gt;
lenstein in der amerikanischen Litera-&lt;br /&gt;
turgeschichte und legten den Grund-&lt;br /&gt;
stock für ein neues kulturelles Selbst-&lt;br /&gt;
bewußtsein der Schwarzamerikaner.&lt;br /&gt;
Natürlich ist seitdem einiges passiert;&lt;br /&gt;
die Wirtschaftskrise im Jahre 1929 be-&lt;br /&gt;
deutete für viele Förderungsprojekte&lt;br /&gt;
das Ende, da die Zuschüsse für Kul-&lt;br /&gt;
turförderung größtenteils versiegten;&lt;br /&gt;
künstlerische und politische Bewe-&lt;br /&gt;
gungen haben sich auch unter den&lt;br /&gt;
Schwarzamerikanern in vielerlei,&lt;br /&gt;
auch radikale Richtungen aufgesplit-&lt;br /&gt;
tert, aber sowohlin den fünfziger und&lt;br /&gt;
sechziger Jahren wie auch heute sind&lt;br /&gt;
die Ideale der zwanziger Jahre in den&lt;br /&gt;
gemäßigteren Künstlerkreisen nicht&lt;br /&gt;
in Vergessenheit geraten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 _s.AlainLocke, »TheNew Negro,«in Alain Locke (Hrsg.), The New Negro, Albert &amp;amp; Charles Boni, New York, 1968.&lt;br /&gt;
Der Aufsatz ist auch in zahlreichen Anthologien über schwarzamerikanische Literatur zu finden.&lt;br /&gt;
3 __8.Gayle Morrison, To Move the World: Louis G. Gregory and the Advancement of Racial Unity in America, Wilmette,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IL: Bahä’f Publishing Trust, 1982, 5.147, 166, 182 et al.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 _ füreine allgemeine Würdigung des Lebens von Alain LeRoy Locke s. The Bahd’f World Bd.13, 5.894-95.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=33}}Vorurteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nährboden für Ungerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kind war ich immer wieder die&lt;br /&gt;
Zielscheibe von Spott, Schlägen und&lt;br /&gt;
Demütigungen, die mir andere Kin-&lt;br /&gt;
der zufügten, weil ich einer anderen&lt;br /&gt;
Religion angehörte. Alsichin derach-&lt;br /&gt;
ten Klasse war, rief mich eines Tages&lt;br /&gt;
der Lehrer in der Physikstunde nach&lt;br /&gt;
vorne, schlug mir ins Gesicht, be-&lt;br /&gt;
schimpfte mich mit hier nicht wieder-&lt;br /&gt;
holbaren Wörtern und warf mich aus&lt;br /&gt;
dem Klassenraum. Die Schüler&lt;br /&gt;
folgten dem Beispiel des Lehrers bei&lt;br /&gt;
dieser »erzieherischen Übung«. Ich&lt;br /&gt;
ging zum Schuldirektor, um Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit zu erbitten. Er sagte mir, daß&lt;br /&gt;
es nicht klug von mir wäre, auf dieser&lt;br /&gt;
Schule zu bleiben, und empfahl mir,&lt;br /&gt;
nicht wiederzukommen: »Als Bahä’i&lt;br /&gt;
gehörst dunichtin dieseSchule.« Vier&lt;br /&gt;
Monate später, alssich der allgemeine&lt;br /&gt;
Haß auf die Bahä’i etwas gelegt hatte,&lt;br /&gt;
wurde meine Rückkehr gestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich mein Medizinstudium be-&lt;br /&gt;
endet hatte, begann ich meine Assi-&lt;br /&gt;
stenzzeit an einer Universitätsklinik&lt;br /&gt;
in Philadelphia. Die Assistenzärzte&lt;br /&gt;
wohnten in einem eigenen Gebäude,&lt;br /&gt;
in dem sich zwei Personen ein Zim-&lt;br /&gt;
mer teilten. Ich war gerade drei Mo-&lt;br /&gt;
nate in den Vereinigten Staaten und&lt;br /&gt;
hatte eine sehr positive und offene&lt;br /&gt;
Kameradschaft mit meinem Zimmer-&lt;br /&gt;
genossen aufgebaut. Er war ein sen-&lt;br /&gt;
sibler, freundlicher, intelligenter und&lt;br /&gt;
entgegenkommender Mensch. Eines&lt;br /&gt;
Tages machte ein anderer Assistenz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst veröffentlicht in Baha’i Canada,&lt;br /&gt;
Mai-Juni 1989. Die Übersetzung besorg-&lt;br /&gt;
te Nassim Berdjis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hossain B. Danesh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arzt die Bemerkung, es müsse doch&lt;br /&gt;
schwierig sein, der Zimmergenosse&lt;br /&gt;
eines Schwarzen zu sein. Zum ersten&lt;br /&gt;
Mal wurde mir bewußt, daß mein&lt;br /&gt;
Mitbewohner eine andere Hautfarbe&lt;br /&gt;
hatte. Diese Bemerkung schockierte&lt;br /&gt;
mich gewaltig. Ich hatte mir die Haut-&lt;br /&gt;
farbe meines Freundes und Zimmer-&lt;br /&gt;
genossen nie bewußt gemacht. Der&lt;br /&gt;
Eindruck dieser vorurteilsträchtigen&lt;br /&gt;
Bemerkung hält noch immer an.&lt;br /&gt;
Liegt es in der menschlichen Na-&lt;br /&gt;
tur, daß wir Vorurteile haben? Ist es&lt;br /&gt;
ein anerzogenes Verhalten? Isteseine&lt;br /&gt;
Krankheit? Können wir unsere Kin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir unsere Kinder so er-&lt;br /&gt;
ziehen, daß sie keine Vorurteile&lt;br /&gt;
haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der so erziehen, daß sie keine Vorur-&lt;br /&gt;
teile haben? Können wir eine Gesell-&lt;br /&gt;
schaft aufbauen, die vorurteilsfrei ist&lt;br /&gt;
- und, wenn ja, wie? Diese und viele&lt;br /&gt;
andere Fragen beschäftigen Eltern,&lt;br /&gt;
Lehrer, Politiker und führende Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeiten des öffentlichen Le-&lt;br /&gt;
bens. Vorurteile aller Art verursachen&lt;br /&gt;
auf der Welt unvorstellbares Leid&lt;br /&gt;
und Zerstörung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Südafrika werden schwarze&lt;br /&gt;
Kinder von weißen Polizisten er-&lt;br /&gt;
schossen, und die weißen Kinder&lt;br /&gt;
werden dazu erzogen, die schwarzen&lt;br /&gt;
zu hassen. Im Iran foltern und töten&lt;br /&gt;
religiöse Fanatiker unschuldige Men-&lt;br /&gt;
schen mit unbegreiflicher Grausam-&lt;br /&gt;
keit, weil sie eine andere Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=34}}Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Ideologie haben. Im Libanon&lt;br /&gt;
hält der Krieg zwischen Christen,&lt;br /&gt;
Drusen, Schiiten und Sunniten an. Im&lt;br /&gt;
Mittleren Osten kämpfen die Juden,&lt;br /&gt;
Araber und Palästinenser weiter für&lt;br /&gt;
ihre Nationalstaaten. In Irland mor-&lt;br /&gt;
den Katholiken und Protestanten im&lt;br /&gt;
Namen der Religion. In der UdSSR&lt;br /&gt;
haben Usbeken, Azerbaidjaner und&lt;br /&gt;
Armenier ihren jahrhundertealten&lt;br /&gt;
Haß, der auf rassischen und religiö-&lt;br /&gt;
sen Vorurteilen beruht, wiederer-&lt;br /&gt;
weckt. Weitere krasse Beispiele für&lt;br /&gt;
Vorurteile sind die Misere der Unbe-&lt;br /&gt;
rührbaren in Indien, der Ainu in Ja-&lt;br /&gt;
pan und der Maoris in Neuseeland. In&lt;br /&gt;
den Städten Nordamerikas erleiden&lt;br /&gt;
aufgrund von Vorurteilen Schwarze,&lt;br /&gt;
die nordamerikanischen Ureinwoh-&lt;br /&gt;
ner, spanischsprechende Einwande-&lt;br /&gt;
rer und andere Gruppen grobe Unge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit, Leid und Demütigung.&lt;br /&gt;
Dasselbe passiert Indern, Pakistanis,&lt;br /&gt;
Arabern und Schwarzen in Großbri-&lt;br /&gt;
tannien und Türken, Nordafrikanern&lt;br /&gt;
undanderen in Europa. An jedem Ort&lt;br /&gt;
der Erde gibt es Opfer von Vorurtei-&lt;br /&gt;
len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteile existieren weltweit,&lt;br /&gt;
und ihre Auswirkungen sind verhee-&lt;br /&gt;
rend. Sie verursachen Haß, Aggres-&lt;br /&gt;
sion und Gewalt und zerstören die&lt;br /&gt;
Seele der Menschen, die Vorurteile&lt;br /&gt;
haben. Sie erzeugen Angst, Scham&lt;br /&gt;
und Demütigung bei denen, die die&lt;br /&gt;
Opfer dieser Vorurteile sind, und füh-&lt;br /&gt;
ren sie nicht selten dazu, selber zu&lt;br /&gt;
hassen und Vorurteile zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der nachdrücklichsten Leh-&lt;br /&gt;
ren des Bahä’i-Glaubens ist die Aus-&lt;br /&gt;
löschung jeder Art von Vorurteilen.&lt;br /&gt;
Jeder einzelne Bahä’i und jede Ge-&lt;br /&gt;
meinde hat den eindeutigen Auftrag,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Ansprachen in Paris, Bahä’i-Verlag, 1973, S.116-117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteile zu bekämpfen und zu be-&lt;br /&gt;
seitigen. ’Abdu’l-Bahá sagt: »Ehe&lt;br /&gt;
nicht alle diese durch Vorurteile er-&lt;br /&gt;
richteten Schranken hinweggefegt&lt;br /&gt;
sind, ist die Menschheit nicht in der&lt;br /&gt;
Lage, Frieden zu halten.« 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber können wir unsere Vorurtei-&lt;br /&gt;
le loswerden und dadurch eine von&lt;br /&gt;
deren verheerenden Auswirkungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ehe nicht alle diese durch Vor-&lt;br /&gt;
urteile errichteten Schranken&lt;br /&gt;
hinweggefegt sind, ist die&lt;br /&gt;
Menschheit nicht in der Lage,&lt;br /&gt;
Frieden zu halten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
befreite Gesellschaft aufbauen? Die&lt;br /&gt;
Antwort darauf liegt in unserer Fä-&lt;br /&gt;
higkeit, frei zu denken und unabhän-&lt;br /&gt;
gignach der Wahrheit zu suchen. Oh-&lt;br /&gt;
ne einen solch freien und mutigen&lt;br /&gt;
Geist werden wir es nicht schaffen,&lt;br /&gt;
Vorurteile zu vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem während des ersten&lt;br /&gt;
Weltkriegs verfaßten Brief schreibt&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá an die Bahä’i im We-&lt;br /&gt;
sten: »Ihr seht, wie diese Welt in sich&lt;br /&gt;
zerstritten ist, wieviele Länder rot&lt;br /&gt;
sind von Blut, wie ihr Staub zu Klum-&lt;br /&gt;
pen gebacken ist mit geronnenem&lt;br /&gt;
Menschenblut.«? Dann beschreibt Er&lt;br /&gt;
das Sterben und die Zerstörung, der&lt;br /&gt;
die Menschen in jenem Krieg ausge-&lt;br /&gt;
setzt waren, und stellt fest: »Der&lt;br /&gt;
Nährboden all dieser Tragödien ist&lt;br /&gt;
das Vorurteil: das Vorurteil der Rasse&lt;br /&gt;
und Nation, der Religion, der politi-&lt;br /&gt;
schen Meinung; und die Wurzel des&lt;br /&gt;
VorurteilsistdieblindeNachahmung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 _ Selections from the Writings of’ Abdu&#039;I-Bahd, Bahä’i World Centre, 1978, 202:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=35}}Vorurteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Vergangenheit — die Nachah-&lt;br /&gt;
mung in der Religion, bei Einstellun-&lt;br /&gt;
gen zu anderen Rassen, bei nationa-&lt;br /&gt;
len Vorlieben, in der Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man braucht viel Mut, wenn man&lt;br /&gt;
sich von der Nachahmung der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit befreien möchte, denn&lt;br /&gt;
wir müssen unabhängig von unseren&lt;br /&gt;
Eltern und Freunden denken und&lt;br /&gt;
handeln. Wir müssen gewillt sein, an-&lt;br /&gt;
ders zu sein und dadurch herauszu-&lt;br /&gt;
stechen, selbst wenn wir genau wis-&lt;br /&gt;
sen, daß wir dabei ebenfalls Opfer&lt;br /&gt;
von Vorurteilen werden können.&lt;br /&gt;
Aber wenn man die Wahl hat, entwe-&lt;br /&gt;
der ein vorurteilsbehafteter Mensch&lt;br /&gt;
oder ein Opfer von Vorurteilen zu&lt;br /&gt;
sein, dann ist letzteres unendlich&lt;br /&gt;
mehr vorzuziehen. Vorurteile zu ha-&lt;br /&gt;
ben ist nämlich eine Krankheit des&lt;br /&gt;
Geistesmitpsychologischen, sozialen&lt;br /&gt;
und wirtschaftlichen Folgen. Wäh-&lt;br /&gt;
rend die Opfer unweigerlich unter&lt;br /&gt;
psychologischen und wirtschaftli-&lt;br /&gt;
chen Folgen leiden, leiden die Men-&lt;br /&gt;
schen mit Vorurteilen an einer geisti-&lt;br /&gt;
gen Krankheit. Ihre Seelen sind über-&lt;br /&gt;
schattet, ihre Herzen haßerfüllt, und&lt;br /&gt;
ihre Entwicklung ist gehemmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Starke psychologische, soziale&lt;br /&gt;
und religiöse Gründe drängen die&lt;br /&gt;
Menschen dazu, die Vergangenheitin&lt;br /&gt;
der Gegenwart nachzuahmen. Psy-&lt;br /&gt;
chologische Gründe für Vorurteile&lt;br /&gt;
sind verbunden mit Gefühlen der Un-&lt;br /&gt;
sicherheit und Minderwertigkeit -&lt;br /&gt;
Gefühle, die in der Kindheit und Ju-&lt;br /&gt;
gend besonders stark sind. Als Reak-&lt;br /&gt;
tion auf diese Empfindungen sucht&lt;br /&gt;
das ängstliche und unsichere Indivi-&lt;br /&gt;
duum nach Macht, um sicherer und&lt;br /&gt;
mutiger zu werden. Wenn man auf&lt;br /&gt;
Macht vertraut, so führt dasnach und&lt;br /&gt;
nach zu einer autoritären Einstellung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 ebenda, 202:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Leben und zum Menschen. Au-&lt;br /&gt;
toritäre Personen sind oft sowohl&lt;br /&gt;
vom Gefühl als auch vom Verstand&lt;br /&gt;
her unflexibel und daher neuen Ideen&lt;br /&gt;
und Denkweisen gegenüber sehr&lt;br /&gt;
mißtrauisch. So werden sie glühende&lt;br /&gt;
Verteidiger vergangener Praktiken&lt;br /&gt;
und Ansichten: »Wenn es für unsere&lt;br /&gt;
Eltern gut war, wird es sicher auch für&lt;br /&gt;
uns gut sein« — das ist das autoritäre&lt;br /&gt;
Motto, das Vorurteile entstehen läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die soziologischen Gründe für&lt;br /&gt;
Vorurteile sind auch mit dem&lt;br /&gt;
Wunsch verbunden, die Vergangen-&lt;br /&gt;
heitzurückzuholen. Anpassung wird&lt;br /&gt;
gefordert. Eine Gesellschaft oder Fa-&lt;br /&gt;
milie, die Vorurteile hat, verlangt An-&lt;br /&gt;
passung von den Mitgliedern. Der&lt;br /&gt;
einzelne wird akzeptiert, geliebt und&lt;br /&gt;
geschützt, solange er bereit ist, sich&lt;br /&gt;
der Gruppe anzupassen. Sowie eine&lt;br /&gt;
Person versucht, unabhängig zu den-&lt;br /&gt;
ken und sich anders zu verhalten, ist&lt;br /&gt;
sie Spott, Verfolgung und Ablehnung&lt;br /&gt;
ausgeliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Gründe für Vorur-&lt;br /&gt;
teile sind ebenfalls eng mit der Nach-&lt;br /&gt;
ahmung der Vergangenheit verbun-&lt;br /&gt;
den. Forschungsergebnisse besagen,&lt;br /&gt;
daß zwei besondere Arten religiösen&lt;br /&gt;
Glaubens Vorurteile verursachen: der&lt;br /&gt;
Glaube, daß man im Besitz absoluter&lt;br /&gt;
Wahrheit sei, und das Konzept des&lt;br /&gt;
»auserwählten Volkes«, da beide die&lt;br /&gt;
Nachahmung der Vergangenheit ver-&lt;br /&gt;
langen, ohne diese in Frage stellen zu&lt;br /&gt;
dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beunruhigenden For-&lt;br /&gt;
schungsergebnisse haben theologi-&lt;br /&gt;
sche, psychologische und soziokultu-&lt;br /&gt;
relle Wurzeln, da viele Menschen we-&lt;br /&gt;
gen gesellschaftlicher und kultureller&lt;br /&gt;
Vorteile wie Sicherheit, Status und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsleben einer bestimmten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=36}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion angehören. Wie dem auch&lt;br /&gt;
sei, die wichtigste Aufgabe von Reli-&lt;br /&gt;
gion ist die Vergeistigung unseres Le-&lt;br /&gt;
bens, damit wir uns von unseren tie-&lt;br /&gt;
rischen und materialistischen Nei-&lt;br /&gt;
gungen befreien können und erleuch-&lt;br /&gt;
tete, liebevolle Wesen werden, frei&lt;br /&gt;
von.allen Vorurteilen, von selbstsüch-&lt;br /&gt;
tiger Voreingenommenheit und ein-&lt;br /&gt;
heitswidrigem Verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh lehrt, daß religiöse&lt;br /&gt;
Wahrheit nicht absolut, sondern rela-&lt;br /&gt;
tiv ist, da das menschliche Auffas-&lt;br /&gt;
sungsvermögen für geistige Wahr-&lt;br /&gt;
heit sich vergrößert, indem sich die&lt;br /&gt;
Menschheit als Ganzes entwickelt.&lt;br /&gt;
Daher gehören die Nachahmung der&lt;br /&gt;
Vergangenheit und die Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen vom Besitz absoluter Wahrheit&lt;br /&gt;
und vom auserwählten Volk nicht zu&lt;br /&gt;
Aspekten des Religionsbildes der Ba-&lt;br /&gt;
hä’i. Die Bahä’i betrachten alle Reli-&lt;br /&gt;
gionen als fortschreitende Offenba-&lt;br /&gt;
rungen der einen Religion Gottes und&lt;br /&gt;
die Menschheit als eine einzige. Was&lt;br /&gt;
die Beseitigung von Vorurteilen be-&lt;br /&gt;
trifft, gehören bestimmte Themen&lt;br /&gt;
zum Kernpunkt der Bahä’i-Sichtwei-&lt;br /&gt;
se, von denen ich hier mehrere behan-&lt;br /&gt;
deln werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
o EINHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine Einheit. Das&lt;br /&gt;
ist nicht nur eine geistige, sondern&lt;br /&gt;
auch wissenschaftliche Wahrheit. Im&lt;br /&gt;
innersten Kern unseres Wesenshaben&lt;br /&gt;
wir Menschen dieselben physiologi-&lt;br /&gt;
schen, biologischen und anatomi-&lt;br /&gt;
schen Eigenschaften; wir besitzen&lt;br /&gt;
auch alle die geistigen Fähigkeiten&lt;br /&gt;
des Verstehens, der Liebe und des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willens, die zu den Eigenschaften je-&lt;br /&gt;
der menschlichen Seele gehören. So&lt;br /&gt;
sehen alle Religionen die Erschaffung&lt;br /&gt;
des Menschen: Er ist einzigartig, edel&lt;br /&gt;
und nach dem Abbild unseres Schöp-&lt;br /&gt;
fers geschaffen. Dies ist die Erklärung&lt;br /&gt;
der geistigen Einheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
»Verhüllt in meinem unausdenkba-&lt;br /&gt;
ren Wesen und in der Ewigkeit mei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen alle Religionen die Er-&lt;br /&gt;
schaffung des Menschen: Er ist&lt;br /&gt;
einzigartig, edel und nach dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abbild unseres Schöpfers ge-&lt;br /&gt;
schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nes Seins, erkannte Ich Meine Liebe&lt;br /&gt;
zu dir; darum erschuf Ich dich, prägte&lt;br /&gt;
dir Mein Ebenbild ein und offenbarte&lt;br /&gt;
dir Meine Schönheit.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat ist eine Stel-&lt;br /&gt;
lungnahme zum selben Thema aus&lt;br /&gt;
einer wissenschaftlichen Perspektive,&lt;br /&gt;
verfaßt von dem Anthropologen Ri-&lt;br /&gt;
chard Leakey und dem Wissen-&lt;br /&gt;
schaftsautor Roger Lewin: »Wir sind&lt;br /&gt;
eine Species, ein Volk. jedes Individu-&lt;br /&gt;
um auf dieser Erde gehört zur Art des&lt;br /&gt;
homo sapiens, und die geographi-&lt;br /&gt;
schen Variationen, die wir unter den&lt;br /&gt;
Völkern sehen, sind nur biologische&lt;br /&gt;
Nuancen eines grundsätzlichen The-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D VIELFALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschliche Vielfalt wird oft ver-&lt;br /&gt;
wechselt miteinem Beweis dafür, daß&lt;br /&gt;
Völker grundverschieden sind und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahä’w/lläh, Verborgene Worte, arab. 3, Bahä’f-Verlag, 1982&lt;br /&gt;
5 Richard E. Leakey und Roger Lewin, Origins: What New Discoveries Reveal About the Emergence of Our Species and&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
its Possible Future, New York: E.P.Dutton, 1977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß manche als anderen überlegen&lt;br /&gt;
erschaffen wurden. Wiederum gibt es&lt;br /&gt;
zahlreiche geistige und wissenschaft-&lt;br /&gt;
liche Belege dafür, daß wir zwar alle&lt;br /&gt;
einzigartig sind, daß aber gleichzeitig&lt;br /&gt;
alle Menschen eins sind. Unsere indi-&lt;br /&gt;
viduelle Einzigartigkeit und kollekti-&lt;br /&gt;
ve Einheit sind Ausdruck der Tatsa-&lt;br /&gt;
che, daß wir alle nach dem Bilde Got-&lt;br /&gt;
tes erschaffen wurden. Jedes Indivi-&lt;br /&gt;
duum ist einzigartig. Es gibt keine&lt;br /&gt;
zwei Wesen, die genau identisch sind.&lt;br /&gt;
Also ist sowohl die menschliche Ein-&lt;br /&gt;
zigartigkeit als auch die menschliche&lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit untrennbar mit der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit verbunden.&lt;br /&gt;
In Gott sind Einzigartigkeit und Ein-&lt;br /&gt;
heit ein und dasselbe. Bei den Men-&lt;br /&gt;
schen zeigt sich die Einzigartigkeit in&lt;br /&gt;
den besonderen Charakteristika jeder&lt;br /&gt;
Person , und die Einheit spiegelt sich&lt;br /&gt;
in der Gleichheit unseres grungsätzli-&lt;br /&gt;
chen Wesens wider. Der wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Aspekt der menschlichen&lt;br /&gt;
Vielfalt wird besonders offensichtlich&lt;br /&gt;
durch die menschliche Fähigkeit des&lt;br /&gt;
Kulturschaffens. In ihrer Abhand-&lt;br /&gt;
lung über die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
äußern sich Leakey und Lewin auch&lt;br /&gt;
über die menschliche Vielfalt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Fähigkeit des Menschen,&lt;br /&gt;
Kultur hervorzubringen, läßt sich auf&lt;br /&gt;
sehr verschiedene und vielseitige&lt;br /&gt;
Weise darstellen. Die oft sehr tiefgrei-&lt;br /&gt;
fenden Unterschiede zwischen diesen&lt;br /&gt;
Kulturen sollten nicht als Trennlinien&lt;br /&gt;
zwischen Menschen betrachtet wer-&lt;br /&gt;
den. Stattdessen sollte man Kulturen&lt;br /&gt;
als das interpretieren, was sie wirk-&lt;br /&gt;
lich sind: die elementare Bekundung&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zur menschlichen&lt;br /&gt;
Species.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 ebenda&lt;br /&gt;
7 Verborgene Worte, arab. 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EI GERECHTIGKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist offensichtlich, daß Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit und Vorurteile absolut unverein-&lt;br /&gt;
bar sind. Wo immer Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
herrscht, dort haben Vorurteile keine&lt;br /&gt;
Überlebenschance. Künftige Gesell-&lt;br /&gt;
schaften müssen auf einer Verwal-&lt;br /&gt;
tungsstruktur aufgebaut werden, die&lt;br /&gt;
von den Menschen auf örtlicher, na-&lt;br /&gt;
tionaler und internationaler Ebene&lt;br /&gt;
gewählt wird und die die eindeutige&lt;br /&gt;
Aufgabe hat, das Wohlergehen aller&lt;br /&gt;
Mitglieder der Gesellschaft zu för-&lt;br /&gt;
dern und zu schützen und die Integri-&lt;br /&gt;
tät der ganzen Gemeinschaft, von der&lt;br /&gt;
ja jeder einzelne abhängt, zu wahren.&lt;br /&gt;
Um das zu tun, müssen wir ein neu-&lt;br /&gt;
artiges Verständnis von der Dynamik&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh richtet sich an den&lt;br /&gt;
einzelnen und sagt: »Von allem das&lt;br /&gt;
Meistgeliebte ist Mir die Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit; wende dich nicht von ihr ab...&lt;br /&gt;
Durch ihre Hilfe wirst du mit deinen&lt;br /&gt;
eigenen Augen und nicht mit denen&lt;br /&gt;
anderer sehen und durch die eigene&lt;br /&gt;
Erkenntnis und nicht durch die _dei-&lt;br /&gt;
nes Nächsten Wissen erlangen.« Er-&lt;br /&gt;
neut werden wir dazu aufgerufen,&lt;br /&gt;
Nachahmung zu vermeiden, unab-&lt;br /&gt;
hängig nach Wahrheit zu suchen und&lt;br /&gt;
keine auf Voreingenommenheit be-&lt;br /&gt;
gründete Fakten zu akzeptieren. Dies&lt;br /&gt;
alles sind schließlich grundlegende&lt;br /&gt;
Wurzeln für Vorurteile, und wir kön-&lt;br /&gt;
nen nicht gerecht sein, wenn wirnicht&lt;br /&gt;
vorurteilsfrei sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D GLEICHWERTIGKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit kann ohne Gleichbe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rechtigung der Menschen im allge-&lt;br /&gt;
meinen und der Frauen und Männer&lt;br /&gt;
im besonderen natürlich nicht entste-&lt;br /&gt;
hen. Ohne die Gleichberechtigung&lt;br /&gt;
der Geschlechter werden alle unsere&lt;br /&gt;
Bemühungen zur Schaffung von Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit, zur Ausmerzung von&lt;br /&gt;
Vorurteilen und zur Errichtung des&lt;br /&gt;
Friedens erfolglos sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer im Jahre 1912 in Paris&lt;br /&gt;
gehaltenen Ansprache sagte ’Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä: »Die göttliche Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
verlangt, daß die Rechte beider Ge-&lt;br /&gt;
schlechter gleicherweise geachtet&lt;br /&gt;
werden, da in den Augen des Him-&lt;br /&gt;
mels keines dem anderen überlegen&lt;br /&gt;
ist. Die Würde vor Gott hängt nicht&lt;br /&gt;
vom Geschlecht, sondern von der&lt;br /&gt;
Reinheit und Leuchtkraft des Her-&lt;br /&gt;
zens ab. Menschliche Tugenden sind&lt;br /&gt;
im gleichen Maße Eigentum aller.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in einer an die Völker der&lt;br /&gt;
Welt gerichteten Erklärung zum Frie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne die Gleichberechtigung&lt;br /&gt;
der Geschlechter werden alle un-&lt;br /&gt;
sere Bemühungen zur Schaffung&lt;br /&gt;
von Gerechtigkeit, zur Ausmer-&lt;br /&gt;
zung von Vorurteilen und zur&lt;br /&gt;
Errichtung des Friedens erfolg-&lt;br /&gt;
los sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denbestätigtdas Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, das internationale&lt;br /&gt;
Führungsgremium des Bahaä’i-Glau-&lt;br /&gt;
bens, dieses Prinzip: »Die Verweige-&lt;br /&gt;
rung der Gleichberechtigung bedeu-&lt;br /&gt;
tet ein Unrecht gegenüber der Hälfte&lt;br /&gt;
der Weltbevölkerung und leistet bei&lt;br /&gt;
den Männern Vorschub für schädli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 _ Ansprachen in Paris, 5.129-130&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
che Einstellungen und Gewohnhei-&lt;br /&gt;
ten, die aus der Familie an den Ar-&lt;br /&gt;
beitsplatz, ins politische Leben und&lt;br /&gt;
letztlich in die internationalen Bezie-&lt;br /&gt;
hungen hineingetragen werden. Es&lt;br /&gt;
gibt keine moralischen, praktischen&lt;br /&gt;
oder biologischen Gründe, die eine&lt;br /&gt;
solche Verweigerung rechtfertigen.&lt;br /&gt;
Erst wenn die Frau in allen Bereichen&lt;br /&gt;
menschlichen Strebens zu voller Part-&lt;br /&gt;
nerschaft willkommen geheißen&lt;br /&gt;
wird, entsteht das moralisch-psycho-&lt;br /&gt;
logische Klima, in dem sich der inter-&lt;br /&gt;
nationale Frieden entwickeln kann.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DC GEDULD&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich soll darauf hingewiesen&lt;br /&gt;
werden, daß die Beseitigung von Vor-&lt;br /&gt;
urteilen nicht einfach sein wird. Die-&lt;br /&gt;
ses Unterfangen verlangt eine völlige&lt;br /&gt;
Veränderung in unseren Grundhal-&lt;br /&gt;
tungen, das Freisein von vergange-&lt;br /&gt;
nen Vorstellungen und Meinungen,&lt;br /&gt;
und den Mut dazu, in einem neuen&lt;br /&gt;
Geist miteinander umzugehen. Sol-&lt;br /&gt;
che Veränderungen sind fundamen-&lt;br /&gt;
tal und erfordern Zeit. Wir sollten ge-&lt;br /&gt;
duldigsein. Die Tatsache, daß irgend-&lt;br /&gt;
eine Gemeinschaft an die Abschaf-&lt;br /&gt;
fung von Vorurteilen glaubt, bedeu-&lt;br /&gt;
tetnicht, daß sie automatisch eine sol-&lt;br /&gt;
che in ihrer Mitte tief verwurzelte ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche, psychologische und&lt;br /&gt;
geistige Krankheit überwindet. ’Ab-&lt;br /&gt;
du’l-Bahä sagte, daß man zum Frrei-&lt;br /&gt;
chen eines jeden Zieles Wissen, Wil-&lt;br /&gt;
lenskraft und Taten benötigt. Unsere&lt;br /&gt;
Kenntnis der Vorurteile muß umfas-&lt;br /&gt;
send sein. Wir müssen nicht nur die&lt;br /&gt;
Gründe kennen, sondern wir müssen&lt;br /&gt;
auch Vorurteile in uns selbst und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Die Verheißung des Weltfriedens: Eine Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Völker der Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’t-Verlag, 1989, 5.24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36&lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=39}}Vorurteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserer Gemeinde erkennen. Wil-&lt;br /&gt;
lenskraft verlangt von uns die mutige&lt;br /&gt;
Bereitschaft dazu, Vorurteile zu be-&lt;br /&gt;
seitigen, wo und in welcher Form sie&lt;br /&gt;
auch immer vorliegen. Schließlich&lt;br /&gt;
müssen wir handeln. In diesem Zu-&lt;br /&gt;
sammenhang müssen wir uns um un-&lt;br /&gt;
sere eigene Wandlung bemühen. Un-&lt;br /&gt;
sere Bildungseinrichtungen müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorurteilsfrei werden. Unsere Gesell-&lt;br /&gt;
schaftspolitik muß modifiziert wer-&lt;br /&gt;
den. Wenn wir uns dann endlich der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit der unter uns vorhande-&lt;br /&gt;
nen Vorurteile stellen, dann werden&lt;br /&gt;
wir erkennen, daß sie nur besiegt&lt;br /&gt;
werden können, wenn wir die Kräfte&lt;br /&gt;
der Einheit und Geistigkeit nutzbar&lt;br /&gt;
machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Kindergruppe in Ecuador mit Lehrerinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Buchtip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IRAN - Drehscheibe zwischen Ost und West&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerhard Schweizer, Klett-Cotta 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Khomeini ist tot. Und doch domi-&lt;br /&gt;
niert in iranischen Amtsstuben und&lt;br /&gt;
öffentlichen Gebäuden weiterhin das&lt;br /&gt;
Bild des weißbärtigen, meist streng&lt;br /&gt;
blickenden Revolutionsführers mit&lt;br /&gt;
schwarzem Turban wie eine Ikone.&lt;br /&gt;
Ein Gespenst geht um...« - auch in&lt;br /&gt;
den Köpfen der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Golfkrieg 1991, Betty Mah-&lt;br /&gt;
moodys Bestseller - die Vorstellung&lt;br /&gt;
vom Iran wird reduziert auf Khomei-&lt;br /&gt;
ni, Fundamentalismus, Heiliger&lt;br /&gt;
Krieg, kaum mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerhard Schweizer, ein Kenner&lt;br /&gt;
der islamischen Kultur, will mit sei-&lt;br /&gt;
nem Buch IRAN - Drehscheibe zwi-&lt;br /&gt;
schen Ost und West bekannt machen,&lt;br /&gt;
zu welch großen Leistungen es die&lt;br /&gt;
persische Kultur in ihrer 2500-jähri-&lt;br /&gt;
gen Geschichte gebracht hat, welche&lt;br /&gt;
weltpolitische Bedeutung das Landin&lt;br /&gt;
früherer Zeit schon einmal hatte und&lt;br /&gt;
in welchem Ausmaß unsere Geistes-&lt;br /&gt;
geschichte von seinen Denkern nach-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physik und Transzendenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haltig beeinflußt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Zarathustra bis in unsere&lt;br /&gt;
heutige Zeit: 2500 Jahre voller Extre-&lt;br /&gt;
me, glanzvoller Höhepunkte und fin-&lt;br /&gt;
sterer Epochen in rascher Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 413 Seiten umfassende Por-&lt;br /&gt;
trät dieses Landes weiht den Interes-&lt;br /&gt;
sierten in die Schönheiten des Landes&lt;br /&gt;
ein und klärt den Mißtrauischen auf.&lt;br /&gt;
Sowohl Historiker als auch Freunde&lt;br /&gt;
der Gegenwart werden diesem Buch&lt;br /&gt;
einiges Interessantes entlocken kön-&lt;br /&gt;
nen, ist doch der erste Teil lediglich&lt;br /&gt;
dem geschichtlichen Überblick, ange-&lt;br /&gt;
fangen bei Zarathustra, gewidmet,&lt;br /&gt;
während ein zweiter Teil die jüngste&lt;br /&gt;
Geschichte, wie die Entstehung der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion, bis hin zu Zukunfts-&lt;br /&gt;
prognosen dieses vielversprechen-&lt;br /&gt;
den Landes behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein »Muß« für alle, die das Gespenst&lt;br /&gt;
vertreiben wollen.&lt;br /&gt;
Anja Dustdar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Peter Dürr (Hrsg.), Scherz Verlag 1989&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die moderne Physik hat das natur-&lt;br /&gt;
wissenschaftliche Weltbild grundle-&lt;br /&gt;
gend verändert. Die Konsequenzen&lt;br /&gt;
jedoch haben bis heute noch nicht das&lt;br /&gt;
öffentliche Bewußtsein erreicht.&lt;br /&gt;
Immernoch ist man der Meinung,&lt;br /&gt;
die Wissenschaft wird in Zukunft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch religiöse und transzendente&lt;br /&gt;
Phänomene »aufklären«. Daß eine&lt;br /&gt;
solche »Zuversicht« unbegründet ist&lt;br /&gt;
und jeglicher wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Grundlage entbehrt, geht aus den Ar-&lt;br /&gt;
tikeln der zwölf berühmten Physiker,&lt;br /&gt;
darunter Einstein, Planck, Bohr,&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_60.pdf|page=41}}Der Buchtip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weizsäcker, deutlich hervor. Pascual&lt;br /&gt;
Jordan stellt in diesem Zusammen-&lt;br /&gt;
hang klar: »Es muß heute mit aller&lt;br /&gt;
Eindringlichkeit die Tatsache hervor-&lt;br /&gt;
gehoben werden, daß das, was heute&lt;br /&gt;
noch zum festen Schema der Tages-&lt;br /&gt;
mode allgemeinen Denkens gehört,&lt;br /&gt;
nämlich die Vorstellung, daß die Ent-&lt;br /&gt;
zauberung der Welt durch die Natur-&lt;br /&gt;
wissenschaft ein unvermeidliches Er-&lt;br /&gt;
gebnis naturwissenschaftlicher For-&lt;br /&gt;
schung sei, auf zeitgebundenem Irr-&lt;br /&gt;
tum beruht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht die unvollkommenen wis-&lt;br /&gt;
senschaftlichen Techniken und Me-&lt;br /&gt;
thoden behindern das immer tiefere&lt;br /&gt;
Eindringen in die Zusammenhänge&lt;br /&gt;
der materiellen Welt, sondern die Be-&lt;br /&gt;
dingungen menschlicher Erkenntnis&lt;br /&gt;
stellen die wirklichen Barrieren dar.&lt;br /&gt;
So ist es zu verstehen, daß sich beson-&lt;br /&gt;
ders die moderne Physik auch mit&lt;br /&gt;
dem menschlichen Geist und seinen&lt;br /&gt;
Denkstrukturen beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den oftmals philosophischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auseinandersetzungen mit den Kon-&lt;br /&gt;
sequenzen der neuen Physik tritt im-&lt;br /&gt;
mer wieder deutlich zutage, wo die&lt;br /&gt;
absoluten Grenzen der Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaft liegen und daß ein bedeuten-&lt;br /&gt;
der Bereich des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
durch andere Lehren bestimmt wer-&lt;br /&gt;
den muß. Hier beginnt - wie der Titel&lt;br /&gt;
des Buchs es ausdrückt - die Trans-&lt;br /&gt;
zendenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die persönlichen Eindrücke die-&lt;br /&gt;
ser hervorragenden Wissenschaftler&lt;br /&gt;
bei der Begegnung mit dem Wunder-&lt;br /&gt;
baren und Ihre Ansichten zu Reli-&lt;br /&gt;
gion, Ethik und Transzendenz bilden&lt;br /&gt;
neben einigen naturwissenschaftli-&lt;br /&gt;
chen Passagen den interessanten In-&lt;br /&gt;
halt des Buches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedem, der um ein tieferes Ver-&lt;br /&gt;
ständnis der Beziehung zwischen re-&lt;br /&gt;
ligiöser und wissenschaftlicher Welt-&lt;br /&gt;
anschauung bemüht ist, wird dieses&lt;br /&gt;
Buch neue Einsichten vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bijan Sobhani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
braucht der Mensch zum Erkennen,&lt;br /&gt;
die Religion aber braucht er&lt;br /&gt;
zum Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Planck&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_59/Text&amp;diff=75357</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 59/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:12:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=1}}{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schülerinnen der Badi-Schule in Sucre, Bolivien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=2}}$ Fi °&lt;br /&gt;
Bal ld 1-Bri Heft 59 Mai 1991 19. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Briefe wollen eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
Bahä@’i-Religion fördern und auf der Grundlage zeitgemäßen Denkens zu einem Dialog&lt;br /&gt;
mit allen beitragen, die sich um die Lösung der Weltprobleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Ideologien - Neue Visionen 1&lt;br /&gt;
Holly Hanson Vick&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder - Bürger einer neuen Welt 15&lt;br /&gt;
Barbara Hacker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werte und kulturelle Entwicklung 29&lt;br /&gt;
Christian Spreter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vielfalt eine Chance 33&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mark Tobey 41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung 46&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Ratder Bahä’iin Deutschland e.V, Hofheim-Langenhain.&lt;br /&gt;
Redaktion: Dr.Klaus Franken, Dr.Farideh Motamed, Dr.Bijan Sobhani, Christian Spreter, Karl&lt;br /&gt;
Türke jun. Redaktionsanschrift: Bahä’i-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hof-&lt;br /&gt;
heim 6. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nichtnotwendig die Meinung der Redak-&lt;br /&gt;
tion oder des Herausgebers dar. Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis&lt;br /&gt;
für vier Ausgaben 20,- DM. Einzelpreis 6,- DM. Vertrieb und Bestellungen: Bahä’i-Verlag,&lt;br /&gt;
Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Titelbild: Die Badi-Schule wurde 1984 eröffnet und unterrichtet zweisprachig. Ihr Lehr-&lt;br /&gt;
plan baut auf den Bahä’i-Prinzipien auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 1991 ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=3}}Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige Dimension des Fortschritts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Holly Hanson Vick&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bringt gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt? Gibt es zwischen dem&lt;br /&gt;
kapitalistischen und dem kommunistischen Verständnis dieses Vorgangs wirklich&lt;br /&gt;
einen unüberwindlichen Widerspruch? Ist eines der beiden Systeme wirklich erfolg-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
reich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Einstellung der Kapita-&lt;br /&gt;
listen und Kommunisten zu ihren ei-&lt;br /&gt;
genen Gesellschafts- und Wirtschafts-&lt;br /&gt;
theorien betrachten, stellen wir fest,&lt;br /&gt;
daß keiner zufrieden ist mitdem, was&lt;br /&gt;
er selbst glaubt. Keine dieser Ideolo-&lt;br /&gt;
gien hat Wohlfahrt und Wohlstand&lt;br /&gt;
für alle Teile der Gesellschaft hervor-&lt;br /&gt;
gebracht; kein System hat unparteili-&lt;br /&gt;
che, umfassende Gerechtigkeit be-&lt;br /&gt;
wirkt. Und damit das Wirtschafts-&lt;br /&gt;
und Gesellschaftssystem überhaupt&lt;br /&gt;
funktioniert, geben die Politiker in&lt;br /&gt;
beiden Lagern Wesenszüge ihrer&lt;br /&gt;
Ideologie preis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommunistische Volkswirtschaf-&lt;br /&gt;
ten, die eine durch brüderliche Soli-&lt;br /&gt;
darität verbundene Gemeinschaft&lt;br /&gt;
von Produzenten sein sollen, lassen&lt;br /&gt;
Initiativen zu, die Einzelpersonen Ge-&lt;br /&gt;
winne einbringen. Die Wiedereinfüh-&lt;br /&gt;
rung des Gewinnstrebens in der chi-&lt;br /&gt;
nesischen Landwirtschaft - den Bau-&lt;br /&gt;
ern ist erlaubt, einen Teil ihrer Er-&lt;br /&gt;
zeugnisse selbst zu verkaufen, anstatt&lt;br /&gt;
alles dem Kollektiv zu übergeben -&lt;br /&gt;
wurde nicht antikommunistisch ge-&lt;br /&gt;
nannt, sondern »ursozialistisch«. Ka-&lt;br /&gt;
pitalistische Volkswirtschaften, die&lt;br /&gt;
beanspruchen, die Freiheiten und&lt;br /&gt;
Rechte des einzelnen zu fördern, wei-&lt;br /&gt;
ten die Regierungskontrollen aus,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übersetzung aus dem Englischen be-&lt;br /&gt;
sorgte Norbert Kröger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn die »unsichtbare Hand« des&lt;br /&gt;
Kapitals eine unangenehm große&lt;br /&gt;
Zahl von Arbeitern an die Luft setzt&lt;br /&gt;
und arbeitslos auf der Straße stehen&lt;br /&gt;
läßt. In vorhersehbaren Abständen&lt;br /&gt;
pendelt die amerikanische Wirtschaft&lt;br /&gt;
vom strikten Laissez-faire-Kapitalis-&lt;br /&gt;
mus zum Drang nach stärkerer öf-&lt;br /&gt;
fentlicher Kontrolle und Planung.&lt;br /&gt;
Sowohl das wirtschaftliche Expe-&lt;br /&gt;
rimentieren in Staaten mitbisherigem&lt;br /&gt;
Verbot von Privateigentum als auch&lt;br /&gt;
der fließende Übergang vom sozial&lt;br /&gt;
Wünschenswerten zum haushalts-&lt;br /&gt;
mäßig Vertretbaren in den westlichen&lt;br /&gt;
Demokratien - beides verdunkelt die&lt;br /&gt;
Tatsache, daß das kapitalistische wie&lt;br /&gt;
das kommunistische System grundle-&lt;br /&gt;
gend fehlerhaft sind. Nähern wir uns&lt;br /&gt;
der Gesellschafts- und Wirtschafts-&lt;br /&gt;
theorie mit der Frage nach den Glau-&lt;br /&gt;
bensvorstellungen jedes Systems&lt;br /&gt;
über das Wesen des Menschen, die&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Ziele und die zu-&lt;br /&gt;
grundeliegender Kräfte des Fort-&lt;br /&gt;
schritts, erkennen wir folgendes: Die&lt;br /&gt;
kommunistische Ideologie hat eine&lt;br /&gt;
Grundwahrheit über die Funktions-&lt;br /&gt;
weise der menschlichen Gesellschaft&lt;br /&gt;
erfaßt, die kapitalistische Ideologie&lt;br /&gt;
wiederum eine Grundwahrheit über&lt;br /&gt;
die Motivation des einzelnen Men-&lt;br /&gt;
schen. Beide Systeme drohen jedoch&lt;br /&gt;
zugrundezugehen, weil sie das We-&lt;br /&gt;
sen des Menschen nicht begreifen.&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=4}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept des gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen und wirtschaftlichen Fort-&lt;br /&gt;
schritts in der Bahä’i-Offenbarung&lt;br /&gt;
verknüpft die Wahrheiten beider&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Systeme drohen jedoch&lt;br /&gt;
zugrundezugehen, weil sie das&lt;br /&gt;
Wesen des Menschen nicht be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
greifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideologien mit einem Bewußtsein für&lt;br /&gt;
die der Menschheit innewohnende,&lt;br /&gt;
geistige Schaffenskraft. Und dies ist&lt;br /&gt;
ein wesentlicher Unterschied. Wenn&lt;br /&gt;
ein Gesellschaftssystem auf die Vor-&lt;br /&gt;
stellung gegründet ist, daß Gott den&lt;br /&gt;
Menschen erschaffen hat, damit die-&lt;br /&gt;
ser aus dem Nichtsein hervortritt und&lt;br /&gt;
sich für die Besserung der Menschen-&lt;br /&gt;
welt einsetzt, dann entwickelt dieses&lt;br /&gt;
System eine einzigartige positive Dy-&lt;br /&gt;
namik.! Es motiviert die Menschen&lt;br /&gt;
zur Veränderung. Es veranlaßt sie&lt;br /&gt;
zum Wachstum und zum gegenseiti-&lt;br /&gt;
gen Vertrauen. Dies ist mehr als die&lt;br /&gt;
Solidarität praller Brieftaschen im Ka-&lt;br /&gt;
pitalismus oder die beschworene Ka-&lt;br /&gt;
meradschaft des Kollektivs im Kom-&lt;br /&gt;
munismus. Das gesamte System ist&lt;br /&gt;
andersartig, weildie zugrundeliegen-&lt;br /&gt;
den Kräfte anderer Art sind. Es sind&lt;br /&gt;
geistige Kräfte. Das geheimnisvolle&lt;br /&gt;
Band, das jeden Menschen mit Gott&lt;br /&gt;
vereint, führt zu handfesten Auswir-&lt;br /&gt;
kungen. Durch das Nutzbarmachen&lt;br /&gt;
dieser Kraft in der Gesellschaft, glau-&lt;br /&gt;
ben die Bahä’i, ist es möglich, »eine&lt;br /&gt;
Gesellschaftsordnung zu errichten,&lt;br /&gt;
die zugleich fortschrittlich und fried-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich, dynamisch und harmonisch ist,&lt;br /&gt;
eine Ordnung, die der individuellen&lt;br /&gt;
Kreativität und Initiative freien Lauf&lt;br /&gt;
läßt, aber auf Zusammenarbeit und&lt;br /&gt;
Gegenseitigkeit beruht.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Nachdenken über Ideolo-&lt;br /&gt;
gien können wir eine Grundlage&lt;br /&gt;
schaffen, indem wir kurz umreißen,&lt;br /&gt;
wie sich jede von ihnen in der Praxis&lt;br /&gt;
auf die Entwicklung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
und Wirtschaft auswirkt. Jeder an der&lt;br /&gt;
Entwicklung Beteiligte möchte Ar-&lt;br /&gt;
mut, Analphabetentum und wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Stillstand durch Wohl-&lt;br /&gt;
stand, Erziehung und allgemeines&lt;br /&gt;
Wohlbefinden ersetzen, aber die ver-&lt;br /&gt;
wandten Methoden und Entschei-&lt;br /&gt;
dungen werden von der Ideologie be-&lt;br /&gt;
stimmt. Was können die Menschen&lt;br /&gt;
selber für sich tun? Wie können sie&lt;br /&gt;
dazu bewegt werden? Welche Maß-&lt;br /&gt;
nahmen schaffen Wohlstand? Was&lt;br /&gt;
für eine Art von Gesellschaft ist das&lt;br /&gt;
Ziel? Wie erreicht man sie? Die Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsstrategie liefert eine ver-&lt;br /&gt;
nünftige Basis für Vergleiche, weil sie&lt;br /&gt;
grundlegende Glaubensvorstellun-&lt;br /&gt;
gen von gesellschaftlichem Fort-&lt;br /&gt;
schritt herausfiltert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD Die kapitalistische&lt;br /&gt;
Entwicklungsstrategie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wollen wir betrachten, wie&lt;br /&gt;
sich die kapitalistische Ideologie in&lt;br /&gt;
Entwicklungsstrategien ausdrückt.&lt;br /&gt;
Das grundlegende, nicht immer aner-&lt;br /&gt;
kannte Ziel ist, arme Länder den rei-&lt;br /&gt;
chen Ländern anzugleichen. Gesell-&lt;br /&gt;
schafts- und Wirtschaftsbedingungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 »Dieser Unterdrückte bezeugt, daß die sterblichen Menschen aus dem völligen Nichtsein zu dem Zweck ins&lt;br /&gt;
Reich des Seins gelangten, für die Besserung der Welt zu wirken und miteinander in Einklang und Harmonie zu&lt;br /&gt;
leben.« Bahä’u’lläh, Vertrauenswürdigkeit, Bahä’i-Verlag 1990, Nr.21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens, 2.Auflage, Bahä’i-Verlag 1985, 5. 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden als eine Hierarchie materiel-&lt;br /&gt;
len Wohlstands von oben nach unten&lt;br /&gt;
verstanden; der Verlauf der Entwick-&lt;br /&gt;
lung führt Gemeinschaften von ei-&lt;br /&gt;
nem Zustand des Mangels zu einem&lt;br /&gt;
Zustand des »Mehrhabens«. An der&lt;br /&gt;
Spitze dieser Hierarchie stehen die&lt;br /&gt;
Vereinigten Staaten, die Bundesrepu-&lt;br /&gt;
blik Deutschland und die anderen&lt;br /&gt;
hochindustrialisiertten Konsumge-&lt;br /&gt;
sellschaften; sie gelten als »entwik-&lt;br /&gt;
kelt«. Länder, die sie erfolgreich&lt;br /&gt;
nachahmen, »entwickeln« sich, und&lt;br /&gt;
Länder, die sich am meisten von ih-&lt;br /&gt;
nen unterscheiden, sind am wenig-&lt;br /&gt;
sten »entwickelt«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächstliegenden Ziele der&lt;br /&gt;
Entwicklungsarbeit können verbes-&lt;br /&gt;
serte Landwirtschaft, Gesundheits-&lt;br /&gt;
fürsorge oder eine bessere Wohnsi-&lt;br /&gt;
tuation sein; aber das Streben des Co-&lt;br /&gt;
ca Cola trinkenden, nur für den eige-&lt;br /&gt;
nen Unterhalt arbeitenden Landwirts&lt;br /&gt;
wie auch des Weltbank-Bevollmäch-&lt;br /&gt;
tigten, der die Bedingungen des näch-&lt;br /&gt;
sten Kredits aushandelt, geht dahin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kapitalistische Entwick-&lt;br /&gt;
lungsstrategie versucht, die&lt;br /&gt;
Volkswirtschaften der Dritten&lt;br /&gt;
Welt nach dem Muster westli-&lt;br /&gt;
cher Länder zu formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Dritten Welt die Verhältnisse und&lt;br /&gt;
Segnungen des westlichen Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssystems zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kapitalistische Entwicklungs-&lt;br /&gt;
strategie versucht, die Volkswirt-&lt;br /&gt;
schaften der Dritten Welt nach dem&lt;br /&gt;
Muster westlicher Länder zu formen,&lt;br /&gt;
indem sie die ärmeren Länder mit al-&lt;br /&gt;
lem versorgt, was in Europa und&lt;br /&gt;
Amerika zur Industrialisierung bei-&lt;br /&gt;
getragen hat. Wohlstand entsteht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Theorie des Kapitalismus&lt;br /&gt;
durch Einzelunternehmer, die in ei-&lt;br /&gt;
nem günstigen Umfeld zu ihrem be-&lt;br /&gt;
sten eigenen Nutzen handeln. Daraus&lt;br /&gt;
folgt, daß die tüchtigen Unternehmer&lt;br /&gt;
der Dritten Weltin der Lage sein wer-&lt;br /&gt;
den, für ihre Länder Wohlstand zu&lt;br /&gt;
schaffen, wenn man ihnen nur die&lt;br /&gt;
richtigen Werkzeuge an die Hand&lt;br /&gt;
gibt. »Tüchtige« Menschen der Drit-&lt;br /&gt;
ten Welt brauchen eine entsprechen-&lt;br /&gt;
de Ausbildung, damit sie ihre Fähig-&lt;br /&gt;
keit, Reichtum hervorzubringen, in&lt;br /&gt;
die Tat umsetzen. »Tüchtige« Bauern&lt;br /&gt;
brauchen zur Förderung der Land-&lt;br /&gt;
wirtschaft die geeignete Technik.&lt;br /&gt;
»Tüchtige« Menschen der dritten&lt;br /&gt;
Welt brauchen anständige Straßen&lt;br /&gt;
und ein Nachrichtennetz, um Märkte&lt;br /&gt;
aufzubauen. Die unternehmerische&lt;br /&gt;
Oberschicht in der Dritten Welt&lt;br /&gt;
braucht Industrie, um die Entwick-&lt;br /&gt;
lung in Gang zu setzen. Der Prozeß&lt;br /&gt;
der gesellschaftlich-wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Entwicklung ist aus diesem Blickwin-&lt;br /&gt;
kel eine Folge von »Inputs« in eine&lt;br /&gt;
»unterentwickelte« Gemeinschaft,&lt;br /&gt;
um Verhältnisse ähnlich denen her-&lt;br /&gt;
zustellen, die in entwickelteren Ge-&lt;br /&gt;
meinschaften zu wirtschaftlichem&lt;br /&gt;
Wachstum geführt haben.&lt;br /&gt;
Praktisches Beispiel der kapitali-&lt;br /&gt;
stischen Ideologie in der Entwick-&lt;br /&gt;
lungsarbeit sind zweckbetonte Al-&lt;br /&gt;
phabetisierungsprojekte. Zweckbe-&lt;br /&gt;
tonte Alphabetisierung lehrt Lesen&lt;br /&gt;
mittels Informationen, die als nütz-&lt;br /&gt;
lich für den Lernenden ausgewählt&lt;br /&gt;
werden. Die Unterrichtsthemen um-&lt;br /&gt;
fassen Informationen über die Ge-&lt;br /&gt;
sundheit des Kindes, den Aufdruck&lt;br /&gt;
auf einer Arzneiflasche, Anweisun-&lt;br /&gt;
gen über den Einsatz von Kunstdün-&lt;br /&gt;
ger oder die Bedienung von Maschi-&lt;br /&gt;
nen. Ziel ist, die Menschen moderner&lt;br /&gt;
zu machen, ihnen neue Ideen nahezu-&lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=6}}Bahä’i-Briefe Nr.59 Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bringen, ihre Arbeitsleistung zu stei-&lt;br /&gt;
gern und sie zu befähigen, Entwick-&lt;br /&gt;
lungsinformationen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
Weil der Verdacht besteht, daß tradi-&lt;br /&gt;
tionelle Haltungen und das Fehlen ei-&lt;br /&gt;
nes technischen Bewußtseins den ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Fortschritt verzö-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel der Entwicklungsprojekte&lt;br /&gt;
ist, unterentwickelte Länder in&lt;br /&gt;
eine Wirtschaft nach westli-&lt;br /&gt;
chem Erfolgsmuster hineinzu-&lt;br /&gt;
manövrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gern, soll die Alphabetisierung die&lt;br /&gt;
Menschen für Veränderungen ge-&lt;br /&gt;
neigter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel der Entwicklungsprojekte ist,&lt;br /&gt;
unterentwickelte Länder in eine Wirt-&lt;br /&gt;
schaft nach westlichem Erfolgsmu-&lt;br /&gt;
ster hineinzumanövrieren. Die Men-&lt;br /&gt;
schen selbst bewirken diesen Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsprozeß, und die Kraft, die&lt;br /&gt;
sie antreibt, ist der Eigennutz. In die-&lt;br /&gt;
sem System gibt es nichts Böses: Die&lt;br /&gt;
kapitalistische Ideologie geht davon&lt;br /&gt;
aus, daß die Menschen gut sind, daß&lt;br /&gt;
Reichtum gut ist und daß die Men-&lt;br /&gt;
schen die Werkzeuge, die man ihnen&lt;br /&gt;
gibt, benutzen werden, um Reichtum&lt;br /&gt;
für sich selbst zu schaffen, was wie-&lt;br /&gt;
derum für die Gesellschaft gut ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D Die kommunistische&lt;br /&gt;
Entwickiungsstrategie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vom Kommunismus geprägte ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlich-wirtschaftliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung istein ganz anderer Prozeß.&lt;br /&gt;
Ziel ist nicht die allmähliche Zunah-&lt;br /&gt;
me materiellen Wohlstands, sondern&lt;br /&gt;
eine völlige Umgestaltung der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft. Hunger, Analphabetentum,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit und wirtschaftlicher Still-&lt;br /&gt;
stand werden als Anzeichen von Un-&lt;br /&gt;
gerechtigkeit angesehen; der erste&lt;br /&gt;
Entwicklungsschritt muß die Über-&lt;br /&gt;
windung dieser Ungerechtigkeitsein.&lt;br /&gt;
Zum Beispiel sind die Arbeiter auf&lt;br /&gt;
einer Zuckerplantage schlecht er-&lt;br /&gt;
nährt und hoffnungslos verarmt, weil&lt;br /&gt;
der Grundbesitzer ihnen Angst vor&lt;br /&gt;
dem Verlassen der Plantage einbläut;&lt;br /&gt;
städtische Slumbewohner haben ge-&lt;br /&gt;
ringe Arbeitsmöglichkeiten, weil die&lt;br /&gt;
Industriellen viele Arbeitslose anstre-&lt;br /&gt;
ben, damit die Löhne niedrig bleiben.&lt;br /&gt;
Diese Bauern und Arbeiter sind nicht&lt;br /&gt;
arm, weil ihnen die fortschrittliche&lt;br /&gt;
Einstellung oder Werkzeuge des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Fortschritts fehlen;&lt;br /&gt;
sie sind arm, weil das kapitalistische&lt;br /&gt;
System nur dann funktioniert, wenn&lt;br /&gt;
jemand ganz unten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommunisten betrachten Un-&lt;br /&gt;
terentwicklung als Folge der Klassen-&lt;br /&gt;
struktur der Weltgesellschaft. Die&lt;br /&gt;
kommunistische Entwicklungspoli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel ist nicht die allmähliche&lt;br /&gt;
Zunahme materiellen Wohl-&lt;br /&gt;
stands, sondern eine völlige&lt;br /&gt;
Umgestaltung der Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tik strebt danach, die Trennwand&lt;br /&gt;
zwischen machtlosen Arbeitern und&lt;br /&gt;
Bauern einerseits und mächtigen In-&lt;br /&gt;
dustriellen und Grundbesitzern an-&lt;br /&gt;
dererseits niederzureißen. Wenn die&lt;br /&gt;
menschlichen Fähigkeiten durch das&lt;br /&gt;
Elend als Bestandteil kapitalistischer&lt;br /&gt;
Klassenverhältnisse nicht länger ge-&lt;br /&gt;
hemmt und unterdrückt werden,&lt;br /&gt;
werden die Menschen in der Lage&lt;br /&gt;
sein, gerechtere Strukturen des ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen, wirtschaftlichen und&lt;br /&gt;
persönlichen Lebens zu schaffen.&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommunistische Entwicklungs-&lt;br /&gt;
aktivitäten suchen die Macht an die&lt;br /&gt;
Unterdrückten zurückzuverteilen,&lt;br /&gt;
indem sie ihnen Vertrauen in ihre ei-&lt;br /&gt;
genen Fähigkeiten und die Mittel zur&lt;br /&gt;
Herrschaft über ihr eigenes Leben&lt;br /&gt;
verschaffen. Unterdrückung ent-&lt;br /&gt;
menschlicht die Menschen: sie zer-&lt;br /&gt;
stört ihre Selbstachtung, macht sie wi-&lt;br /&gt;
derstands- und sprachlos. Eine radi-&lt;br /&gt;
kale Entwicklungsstrategie benutzt&lt;br /&gt;
Wut und Empörung, um bei den un-&lt;br /&gt;
recht Leidenden ein Gefühl der&lt;br /&gt;
Macht und Würde zu wecken. Die&lt;br /&gt;
Triebfedern kommunistischer Ent-&lt;br /&gt;
wicklung sind jene Menschen, die&lt;br /&gt;
sich ihrer Unterdrückung bewußt&lt;br /&gt;
sind und an die eigene Fähigkeit zur&lt;br /&gt;
Umgestaltung ihres Lebens glauben.&lt;br /&gt;
Sie bilden sich selbst aus, richten ihre&lt;br /&gt;
eigene Gesundheitsfürsorge ein, bau-&lt;br /&gt;
en Genossenschaften zu ihrem eige-&lt;br /&gt;
nen Nutzen auf und kämpfen für ihre&lt;br /&gt;
Rechte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Wirkung der kommuni-&lt;br /&gt;
stischen Entwicklungsideologie kön-&lt;br /&gt;
nen wir an einem Alphabetisierungs-&lt;br /&gt;
projekt beobachten. Ein radikaler&lt;br /&gt;
Entwicklungsarbeiter beginnt den&lt;br /&gt;
Unterricht, indem er Bauern oder Ar-&lt;br /&gt;
beiter zum Diskutieren bringt und&lt;br /&gt;
Bilder benutzt, die ihre Verhältnisse&lt;br /&gt;
veranschaulichen. Die Menschen ge-&lt;br /&gt;
winnen Selbstvertrauen und lernen,&lt;br /&gt;
über sich nachzudenken, indem sie&lt;br /&gt;
über die Bilder sprechen. Der Lese-&lt;br /&gt;
und Schreibunterricht beruht auf den&lt;br /&gt;
eigenen Aussagen der Schüler, die ih-&lt;br /&gt;
re Wut über die Ungerechtigkeit in&lt;br /&gt;
ihrem Leben ausdrücken. Das Ziel&lt;br /&gt;
des Alphabetisierungsunterrichts ist,&lt;br /&gt;
die Menschen von ihrer Fähigkeit zu&lt;br /&gt;
überzeugen, das Böse in der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft zu überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz, die von der kommunisti-&lt;br /&gt;
schen Ideologie geprägte gesell-&lt;br /&gt;
schaftlich-wirtschaftliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung hat die Beseitigung der gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Unterdrückungsstruktu-&lt;br /&gt;
ren des Kapitalismus und die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung gerechter, nutzbringender&lt;br /&gt;
Gesellschaftsmodelle zum Ziel. Es&lt;br /&gt;
gibt eindeutig Gutes und Böses in die-&lt;br /&gt;
sem System: Das Böse ist die Klassen-&lt;br /&gt;
struktur, die wesenhaft den gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Fortschritt verhindert.&lt;br /&gt;
Die gute Kraft ist die menschliche&lt;br /&gt;
Entwicklungsfähigkeit. Gesellschaft-&lt;br /&gt;
lich-wirtschaftliche Entwicklung tritt&lt;br /&gt;
ein, wenn unterdrückte, schlechter&lt;br /&gt;
gestellte Menschen die Macht und die&lt;br /&gt;
Herrschaft über ihr eigenes Leben ge-&lt;br /&gt;
winnen. Die Werkzeuge dieser Men-&lt;br /&gt;
schen sind Wut und Protest gegen die&lt;br /&gt;
Unterdrückung, ihr Bewußtsein über&lt;br /&gt;
die Macht menschlichen Willens und&lt;br /&gt;
ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
und Opferbereitschaft im Dienste ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Wandels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DI] Die Entwicklungsstrategie der&lt;br /&gt;
Bahä’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsarbeit auf der&lt;br /&gt;
Grundlage der Bahä’i-Lehren setzt&lt;br /&gt;
bei einer andersartigen Wahrneh-&lt;br /&gt;
mung der Welt an. Es ist keine kapi-&lt;br /&gt;
talistische Welt, in der einzelne ihr&lt;br /&gt;
Geschäft vorrangig zum eigenen Nut-&lt;br /&gt;
zen erledigen, aber auch keine kom-&lt;br /&gt;
munistische Welt, in der »befreite«&lt;br /&gt;
Menschen die Natur zur Kultur um-&lt;br /&gt;
gestalten. Es ist die Welt Gottes, in der&lt;br /&gt;
Frauen und Männer dazu »erschaffen&lt;br /&gt;
sind, eine ständig fortschreitende&lt;br /&gt;
Kultur voranzutragen«”, indem sie&lt;br /&gt;
die ihnen von ihrem Schöpfer verlie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Bahä’u’lläh, Ährenlese 109:2, Bahä’i-Verla 8, 3. Auflage 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
henen Fähigkeiten einsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bewußtsein für die geistige&lt;br /&gt;
Dimension der menschlichen Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit durchzieht den Bahä’i-An-&lt;br /&gt;
satz zur gesellschaftlich- wirtschaftli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsarbeit auf der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage der Bahä’i-Lehren&lt;br /&gt;
setzt bei einer andersartigen&lt;br /&gt;
Wahrnehmung der Welt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen Entwicklung. Auch die Bahä’i&lt;br /&gt;
streben eine grundsätzliche Wand-&lt;br /&gt;
lung der Gesellschaft an. Jedoch ist&lt;br /&gt;
der gesellschaftliche Wandel ein posi-&lt;br /&gt;
tiver Prozeß, in dem die Merkmale&lt;br /&gt;
einer reiferen Kultur wie Menschen-&lt;br /&gt;
würde, Beseitigung von Vorurteilen,&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit der Geschlechter&lt;br /&gt;
und Uneigennützigkeit in wirtschaft-&lt;br /&gt;
lichen Beziehungen eingeführt und&lt;br /&gt;
langsam von den Menschen ange-&lt;br /&gt;
nommen werden, da sie mehr Erfolg&lt;br /&gt;
versprechen und mehr ihren Zweck&lt;br /&gt;
erfüllen als bisherige Versuche. Für&lt;br /&gt;
die Bahä’i vollzieht sich die gesell-&lt;br /&gt;
schaftliche Umgestaltung schrittwei-&lt;br /&gt;
se; entscheidend für die gesellschaft-&lt;br /&gt;
liche Entwicklung ist das sichtbare&lt;br /&gt;
Vorbild eines edlen, geistig orientier-&lt;br /&gt;
ten Verhaltens. Die Bahä’i-Vision ei-&lt;br /&gt;
ner friedvollen, dynamischen, geein-&lt;br /&gt;
ten Weltgesellschaft leitet sich ab aus&lt;br /&gt;
den Gesetzen und Lehren Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’liähs, des Begründers des Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Glaubens. Für die Bahä’i ist die&lt;br /&gt;
Annahme dieser Grundsätze und die&lt;br /&gt;
Bemühung, sie weltweit in die Praxis&lt;br /&gt;
umzusetzen, nicht nur ein Verfahren&lt;br /&gt;
der gesellschaftlichen Veränderung,&lt;br /&gt;
sondern eine religiöse Verpflichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiatoren dieses langfristigen&lt;br /&gt;
Entwicklungsprozesses sind wieder-&lt;br /&gt;
um einzelne Menschen. Aber es sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die bewußt moralische&lt;br /&gt;
Kraft zu entwickeln suchen und den&lt;br /&gt;
Dienst an der Menschheit wie auch&lt;br /&gt;
den persönlichen Erfolg zu ihrem Le-&lt;br /&gt;
benszielmachen. Die Bahä’i-Entwick-&lt;br /&gt;
lungsstrategie zeigt den praktischen&lt;br /&gt;
Wert der aus den Schriften Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs abzuleitenden Glaubens-&lt;br /&gt;
grundsätze und geistigen Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten wie Liebe, Mut und Opferbereit-&lt;br /&gt;
schaft auf. Die Bahä’i glauben, daß&lt;br /&gt;
diese Grundsätze und Tugenden die&lt;br /&gt;
Gesellschaft nicht nur zum Jenseits&lt;br /&gt;
hin beeinflussen, sondern zugleich&lt;br /&gt;
die Ursache materieller Wohlfahrt&lt;br /&gt;
sind. Die Beseitigung des Rassismus&lt;br /&gt;
fördert Wohlstand; Liebe und Interes-&lt;br /&gt;
se an der Arbeit verbessern die Lei-&lt;br /&gt;
stungsfähigkeit; die Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
der Geschlechter und die Schulerzie-&lt;br /&gt;
hung für Mädchen senken die Sterb-&lt;br /&gt;
lichkeitsrate bei Säuglingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Bahä’i-Entwicklungsaktivi-&lt;br /&gt;
täten werden durch örtliche Geistige&lt;br /&gt;
Räte auf dem Land ins Leben gerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Baha’i streben eine&lt;br /&gt;
grundsätzliche Wandlung der&lt;br /&gt;
Gesellschaft an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zeigen die Bemühungen der Ge-&lt;br /&gt;
meinde, eigene Hilfsquellen zu nut-&lt;br /&gt;
zen, um ihren Bedarf selbst zu dek-&lt;br /&gt;
ken. Oft werden einfache Schulen bei&lt;br /&gt;
den Bahä’i zu Hause eingerichtet. Ge-&lt;br /&gt;
meinden bringen die Mittel auf, um&lt;br /&gt;
eines ihrer Mitglieder zu einem Aus-&lt;br /&gt;
bildungskurs für Gesundheitserzie-&lt;br /&gt;
hung zu schicken. Bahä’i-Jugendliche&lt;br /&gt;
pflanzen Bäume und führen andere&lt;br /&gt;
Entwicklungsprogramme durch.&lt;br /&gt;
Nichtmaterielle Gesichtspunkte&lt;br /&gt;
sind hierbei für diese Aktivitäten ent-&lt;br /&gt;
scheidend. Wenn ein Dorf einen Was-&lt;br /&gt;
serspeicher selbst baut, benutzt es&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht nur Spaten und Schaufel: Die&lt;br /&gt;
Menschen müssen auch beraten, ein-&lt;br /&gt;
ander vertrauen, hundert andere Ein-&lt;br /&gt;
wohner anspornen, ihren Teil zu gra-&lt;br /&gt;
ben, Vertrauen in ihre eigenen Fähig-&lt;br /&gt;
keiten entwickeln. Den Bahä’i ist die&lt;br /&gt;
Art und Weise, wie etwas getan wird,&lt;br /&gt;
ebenso wichtig wie das Ergebnis. Die&lt;br /&gt;
Entwicklungsaktivitäten sollen die&lt;br /&gt;
menschliche Würde fördern, das Zu-&lt;br /&gt;
sammengehörigkeitsgefühl einer Ge-&lt;br /&gt;
meinde stärken und den Menschen&lt;br /&gt;
helfen, fruchtbare Beratung zu erler-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Bahä’i-Gauben beeinflußte&lt;br /&gt;
Alphabetisierungsprojekte können&lt;br /&gt;
mit einer Gruppe von Bahä’i begin-&lt;br /&gt;
nen, die beschließen, daß sie Lesen&lt;br /&gt;
lernen möchten, weil für den Bahä’i&lt;br /&gt;
Erziehung, Bildung und das Lesen&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Schriften Pflicht sind. Der&lt;br /&gt;
Lehrer istim allgemeinen ein Freiwil-&lt;br /&gt;
liger; als Texte werden häufig Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schriften benutzt. Iranische Bahä’i&lt;br /&gt;
richteten schon zu Beginn des zwan-&lt;br /&gt;
zigsten Jahrhunderts, bevor im Iran&lt;br /&gt;
öffentliche Erziehungseinrichtungen&lt;br /&gt;
aufgebaut waren, Klassen dieser Art&lt;br /&gt;
ein; örtlich organisierte Alphabetisie-&lt;br /&gt;
rungsmaßnahmen sind in Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinden auf der ganzen Welt zu fin-&lt;br /&gt;
den. Ziel der Alphabetisierung ist es&lt;br /&gt;
vor allem, den Menschen Zugang zu&lt;br /&gt;
den Schriften Bahä’u’llähs zu ermög-&lt;br /&gt;
lichen. Sie sind für die Bahä’i eine&lt;br /&gt;
Quelle der Ermutigung, der Erleuch-&lt;br /&gt;
tung und Einsicht, und letztlich Mit-&lt;br /&gt;
tel zu einer umfassenden Erziehung.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i gehen in der Entwick-&lt;br /&gt;
lungsarbeit nicht davon aus, daß der&lt;br /&gt;
Mensch gut sei, daß Reichtum gut sei&lt;br /&gt;
und die bestmögliche Gesellschaft&lt;br /&gt;
entstehe, wenn jeder nach seinem Ei-&lt;br /&gt;
gennutz handle. Auch glauben sie&lt;br /&gt;
nicht, daß alles Falsche in der Welt&lt;br /&gt;
allein auf die Klassenstruktur des Ka-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
pitalismus zurückzuführen sei. Die&lt;br /&gt;
Bahä’iglauben, daß die Menschen die&lt;br /&gt;
Möglichkeit zum Guten haben und&lt;br /&gt;
diese Welt zum Besseren führen kön-&lt;br /&gt;
nen, indem sie ihren persönlichen&lt;br /&gt;
Willen dem Willen Gottes unterord-&lt;br /&gt;
nen. Menschen können Gesellschaf-&lt;br /&gt;
ten errichten, die die Ehre und Würde&lt;br /&gt;
jedes ihrer Mitglieder nachdrücklich&lt;br /&gt;
bewahren. Sie können Wirtschafts-&lt;br /&gt;
ordnungen errichten, die Wohlstand&lt;br /&gt;
ermöglichen, sie können Regierungs-&lt;br /&gt;
formen aufbauen, die den persönli-&lt;br /&gt;
chen Ausdruck fördern und zugleich&lt;br /&gt;
eine stabile Ordnung aufrechterhal-&lt;br /&gt;
ten. Jedoch können sie das alles nicht&lt;br /&gt;
alleine tun. Die Vision für die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Gesellschaft und die&lt;br /&gt;
Strategie, sie in diese Richtung zu be-&lt;br /&gt;
wegen, sind aus den Lehren des Of-&lt;br /&gt;
fenbarers Gottes abzuleiten. Die Mo-&lt;br /&gt;
tivation, auf schwierige Ziele hinzu-&lt;br /&gt;
arbeiten, und die Disziplin, das Ei-&lt;br /&gt;
geninteresse zum Wohle der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft zu zügeln, sind geistige Eigen-&lt;br /&gt;
schaften, die aus der Beziehung zu&lt;br /&gt;
Gott entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do Ein Vergleich der&lt;br /&gt;
Entwicklungsstrategien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wirken die Ideologien als Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsstrategien? Jeder ideologi-&lt;br /&gt;
sche Ansatz hat in einigen Entwick-&lt;br /&gt;
lungsländern den Lebensstandard ei-&lt;br /&gt;
niger Gemeinden verbessert. Aber&lt;br /&gt;
keiner von ihnen hat sein Ziel er-&lt;br /&gt;
reicht. Wenn wir auf das Beispiel der&lt;br /&gt;
Alphabetisierung zurückkommen,&lt;br /&gt;
sehen wir, daß über alle ideologi-&lt;br /&gt;
schen Grenzen hinweg Menschen Le-&lt;br /&gt;
sen gelernt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige der »angehenden Kapitali-&lt;br /&gt;
sten«, die lernten, medizinische Bei-&lt;br /&gt;
packzettel und Düngeanweisungen&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu lesen, hatten häufig zuletzt nichts&lt;br /&gt;
mehr zu lesen, wenn die Materialien&lt;br /&gt;
ausgegangen waren. Wie dem auch&lt;br /&gt;
sei - auch diese zweckgebundenen&lt;br /&gt;
Alphabetisierungsprogramme hoben&lt;br /&gt;
das Niveau und hatten einige positive&lt;br /&gt;
Nebenwirkungen. Während die Men-&lt;br /&gt;
schen zu mehr Bildung, Gesundheits-&lt;br /&gt;
fürsorge und tauglicheren Techniken&lt;br /&gt;
kamen, wurden sie unglücklicher-&lt;br /&gt;
weise auch ärmer. Der Abstand zwi-&lt;br /&gt;
schen reichen und armen Ländern ist&lt;br /&gt;
in den vergangenen zwanzig Jahren&lt;br /&gt;
immer größer geworden; in Afrika&lt;br /&gt;
und Lateinamerika hat sich das Pro-&lt;br /&gt;
Kopf-Einkommen drastisch ver-&lt;br /&gt;
schlechtert, da die Länder alles auf-&lt;br /&gt;
bieten müssen, um ihre Schulden zu-&lt;br /&gt;
rückzuzahlen.* Zusätzliche Bemü-&lt;br /&gt;
hungen im Bereich der Entwicklungs-&lt;br /&gt;
hilfe brachten die Menschen nicht zu&lt;br /&gt;
Wohlstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radikalen Entwicklungsexperten&lt;br /&gt;
gelang es, den Menschen das Lesen&lt;br /&gt;
zu lehren, indem sie deren Wut und&lt;br /&gt;
Ohnmacht gegen die Ungerechtigkeit&lt;br /&gt;
freisetzten. Den Revolutionen folgen&lt;br /&gt;
häufig unmittelbar bedeutende Ver-&lt;br /&gt;
besserungen in der Alphabetisierung&lt;br /&gt;
und Gesundheitsfürsorge. Das Emp-&lt;br /&gt;
finden von Stolz und Macht, das die&lt;br /&gt;
radikal ausgerichtete Alphabetisie-&lt;br /&gt;
rung weckt, sowie die materiellen&lt;br /&gt;
Vorteile für die Menschen selbst, ver-&lt;br /&gt;
lieren jedoch unglücklicherweise oft&lt;br /&gt;
an Wert, wenn die Revolutionspartei&lt;br /&gt;
eine straffe Kontrolle über die Men-&lt;br /&gt;
schen ausübt, um den Staat funk-&lt;br /&gt;
tionstüchtig zu machen. Unabhän-&lt;br /&gt;
gigkeit für alle wird nicht dadurch&lt;br /&gt;
erreicht, daß der Staat alle Produk-&lt;br /&gt;
tionsmittel und alle Macht besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht einfach, die Bahä’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 _ Gaia Atlas of Planet Management&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklungsarbeit zu bewerten,&lt;br /&gt;
weil sie gerade erst beginnt. Die Ba-&lt;br /&gt;
hä’i gehen von der Erwartung aus,&lt;br /&gt;
daß der kulturelle Aufbau ein schritt-&lt;br /&gt;
weiser, evolutionärer Vorgang ist. Es&lt;br /&gt;
scheint lange Zeit zu brauchen, bis&lt;br /&gt;
der Impuls zu Entwicklung aus dem&lt;br /&gt;
Kern des Glaubens herauseinen Men-&lt;br /&gt;
schen zu greifbaren Taten hinführt.&lt;br /&gt;
Damit Bahä’i-Entwicklungsarbeit ei-&lt;br /&gt;
ne sichtbare Wirkung zeigt, müssen&lt;br /&gt;
die Bahä’i-Gemeinden in ihrem ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Handeln mehr Ver-&lt;br /&gt;
trauen in die Umsetzung ihrer&lt;br /&gt;
Grundsätze gewinnen, und die Zahl&lt;br /&gt;
der Bahä’i muß wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kapitalistische und die kom-&lt;br /&gt;
munistische Ideologie haben dann Er-&lt;br /&gt;
folg, wenn man sie am passenden Ort&lt;br /&gt;
anwendet, versagen aber, wenn man&lt;br /&gt;
auf die kritischen Stellen blickt. Die&lt;br /&gt;
jüngst entwickelten Länder Asiens&lt;br /&gt;
sind Modelle des kapitalistischen Er-&lt;br /&gt;
folgs. Aber Kinder unter fünfzehn&lt;br /&gt;
Jahren, manche sogar nur sieben Jah-&lt;br /&gt;
re alt, bestreiten als Arbeiter elf Pro-&lt;br /&gt;
zent der Beschäftigten. Sie sind billige&lt;br /&gt;
Arbeitskräfte in Ausbeutungsbetrie-&lt;br /&gt;
ben der Bekleidungs- und anderer In-&lt;br /&gt;
dustrien. Nicaragua, Tansania und&lt;br /&gt;
andere sozialistische Regierungen&lt;br /&gt;
haben Netzwerke von Sozialdiensten&lt;br /&gt;
errichtet, wie sie in anderen Staaten&lt;br /&gt;
nicht erreicht werden; aber der Le-&lt;br /&gt;
bensstandard hat sich verschlech-&lt;br /&gt;
tert.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
co Ein Vergleich der Ideologien&lt;br /&gt;
Betrachten wir die grundlegenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elemente dieser Ideologien, sichtbar&lt;br /&gt;
in den Entwicklungsstrategien, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Worid Development Forum, Bd.5, Nr.18, Oktober 1987 und Bd.4, Nr.21, November 1986&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=11}}Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schauen wir uns an, wie sie in der&lt;br /&gt;
Welt funktionieren, so wird augen-&lt;br /&gt;
scheinlich, daß jede Ideologie einen&lt;br /&gt;
Teil der Lösung, aber auch deutliche&lt;br /&gt;
Mängel enthält. Interessanterweise&lt;br /&gt;
zeigen das kapitalistische wie das&lt;br /&gt;
kommunistische System Elemente,&lt;br /&gt;
die dem jeweils anderen fehlen. Keine&lt;br /&gt;
der beiden Ideologien und auch keine&lt;br /&gt;
Mischung ihrer Bestandteile kann je-&lt;br /&gt;
doch wahren gesellschaftlichen Fort-&lt;br /&gt;
schritt bewirken, denn sie versuchen,&lt;br /&gt;
die Wirklichkeit mit rein materiellen&lt;br /&gt;
Begriffen zu erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stärke des Kapitalismus be-&lt;br /&gt;
steht in der Anerkennung der Tatsa-&lt;br /&gt;
che, daß die Menschen Freiheit brau-&lt;br /&gt;
chen, um ihre natürlichen Fähigkei-&lt;br /&gt;
ten zu entwickeln, daß jeder Mensch&lt;br /&gt;
ein angeborenes Verlangen hat, nach&lt;br /&gt;
etwas zu streben, dafür zu arbeiten&lt;br /&gt;
und die Früchte seiner Arbeit zu ge-&lt;br /&gt;
nießen. Dieser schöpferische Eigen-&lt;br /&gt;
nutz gehört zur menschlichen Natur.&lt;br /&gt;
Er ist für den Fortschritt des Men-&lt;br /&gt;
schen absolut notwendig und an und&lt;br /&gt;
für sich gut. Der Eigennutz istjedoch&lt;br /&gt;
nur eine Seite der menschlichen Na-&lt;br /&gt;
tur. Die Menschen müssen auch über&lt;br /&gt;
sich hinauswachsen, freigebig sein,&lt;br /&gt;
für andere Opfer bringen und aner-&lt;br /&gt;
kennen, daß sie Teil eines voneinan-&lt;br /&gt;
der abhängigen Menschenge-&lt;br /&gt;
schlechts sind. Die kapitalistische&lt;br /&gt;
Ideologie fördert die Initiative und&lt;br /&gt;
die Schaffung von Reichtum, aber sie&lt;br /&gt;
fördert auch die Habsucht. Sie verur-&lt;br /&gt;
sacht ungeheures Leid, weil sie sich&lt;br /&gt;
auf den einzelnen konzentriert und&lt;br /&gt;
die Menschheit als Ganzes unbeach-&lt;br /&gt;
tet läßt. In einer erfolgreichen, florie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
renden Volkswirtschaft wie den Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten sind sieben Prozent&lt;br /&gt;
der Bevölkerung, das sind 17 Millio-&lt;br /&gt;
nen Menschen, dauerarbeitslos, 33&lt;br /&gt;
Millionen sind unterernährt und die&lt;br /&gt;
Säuglingssterblichkeitsrate in den&lt;br /&gt;
städtischen Slums ist höher als die der&lt;br /&gt;
meisten Entwicklungsländer.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus schafft keinen&lt;br /&gt;
Wohlstand für die Gesellschaft; er&lt;br /&gt;
bringt wenige sehr reiche Menschen&lt;br /&gt;
hervor, dieausdem Kampf umReich-&lt;br /&gt;
tum seelisch krank und oft unglück-&lt;br /&gt;
lich hervorgehen. Den größten Teil&lt;br /&gt;
der Bevölkerung läßt der Kapitalis-&lt;br /&gt;
mus hinter sich: all jene, die der Ma-&lt;br /&gt;
terialismus zur Verzweiflung bringt,&lt;br /&gt;
und von denen einige im Elend leben.&lt;br /&gt;
Die kapitalistische Ethik des übermä-&lt;br /&gt;
Bigen Konsums zerstört die Umwelt.&lt;br /&gt;
Eine weitere Begleiterscheinung der&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Ungleichheit sind&lt;br /&gt;
krasse soziale Unterschiede von sol-&lt;br /&gt;
chem Ausmaß, daß sie die Stabilität&lt;br /&gt;
der Gesellschaft gefährden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommunistische Ideologie&lt;br /&gt;
wiederum anerkennt die wechselsei-&lt;br /&gt;
tigen Verpflichtungen der Mitglieder&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft. Sie unterstellt, daß&lt;br /&gt;
die Menschen bereit sind, ihre per-&lt;br /&gt;
sönlichen Wünsche dem Wohle der&lt;br /&gt;
Gesellschaft zu opfern. Die Menschen&lt;br /&gt;
sehnen sich nach Gerechtigkeit, ha-&lt;br /&gt;
ben Mitgefühl mit anderen, streben&lt;br /&gt;
nach einem edlen Charakter. Die&lt;br /&gt;
kommunistische Ideologie übt ihre&lt;br /&gt;
Anziehung auf Menschen aus, weil&lt;br /&gt;
sie die transzendenten Aspekte des&lt;br /&gt;
menschlichen Wesens anspricht.&lt;br /&gt;
Nichtsdestotrotz führen auch die&lt;br /&gt;
kommunistisch geprägten Versuche,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6  »...daßder Mensch sich selbst erkennen und unterscheiden soll, was zu Erhöhung und Erniedrigung, zu Ruhm&lt;br /&gt;
und Schande, zu Reichtum und Armut führt. Wenn der Mensch die Stufe der Erfüllung und seine Reife erlangt&lt;br /&gt;
hat, bedarf er des Wohlstands. Wohlstand, den er durch Handwerk und Beruf erwirbt, ist ... lobens- und&lt;br /&gt;
empfehlenswert.« Bahä’u’lläh, Botschaften aus ’Akkd 4:8, Bahä’i-Verlag 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Loraine Granado, »The Link to Classism«, Sojourners, Bd.16, Nr.10, November 1987&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sei es in der Regierung oder im Be-&lt;br /&gt;
reich sozialen Wandels, nicht zu jener&lt;br /&gt;
neuen Gesellschaft, die sie propagie-&lt;br /&gt;
ren. Das Übel, das man in der Klas-&lt;br /&gt;
senstruktur wähnt, lebt auch im Ver-&lt;br /&gt;
halten der »befreiten« Menschen fort.&lt;br /&gt;
Es besteht auch, nachdem die bösen&lt;br /&gt;
Kapitalisten verschwunden sind, und&lt;br /&gt;
früher oder später wird die treu erge-&lt;br /&gt;
bene Partei müde, sich für die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft zu opfern, solange dies offen-&lt;br /&gt;
sichtlich keinen Nutzen bringt. Wut&lt;br /&gt;
und Haß als Triebkräfte der Befrei-&lt;br /&gt;
ung von einer unterdrückenden Klas-&lt;br /&gt;
se entwickeln ihre eigene Dynamik;&lt;br /&gt;
revolutionäre Bewegungen neigen&lt;br /&gt;
dazu, sich aufzusplittern und schließ-&lt;br /&gt;
lich untereinander zu bekämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kommunistische Gedanken-&lt;br /&gt;
gut inspiriert die Menschen zu dem&lt;br /&gt;
Wunsch, die Welt verändern zu wol-&lt;br /&gt;
len, führt jedoch nicht dazu, daß sie es&lt;br /&gt;
tatsächlich tun. Die Menschen sind&lt;br /&gt;
selbstgefällig und arbeiten nicht zu-&lt;br /&gt;
sammen, die Begeisterung läßt nach.&lt;br /&gt;
Die Menschen verlieren ihr revolutio-&lt;br /&gt;
näres Bewußtsein und beginnen statt&lt;br /&gt;
dessen, über sich selbst nachzuden-&lt;br /&gt;
ken. Der Parteiapparat, der nach der&lt;br /&gt;
Theorie nichts Böses tun kann, weil&lt;br /&gt;
das Böse ein Merkmal der Klassen-&lt;br /&gt;
struktur war, wird in Wirklichkeit bei&lt;br /&gt;
seinem Bemühen, die Menschen zu&lt;br /&gt;
motivieren, mehr und mehr zum&lt;br /&gt;
Zwangsapparat. Die Folge ist, daß&lt;br /&gt;
das persönliche Verantwortungsge-&lt;br /&gt;
fühl abstumpft, der Einsatz bei der&lt;br /&gt;
Arbeit nachläßt, die Wirtschaft zum&lt;br /&gt;
Stillstand kommt und die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft gelähmt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kapitalistische Ideologie ent-&lt;br /&gt;
zündet den persönlichen Unterneh-&lt;br /&gt;
mungsgeist, der den kommunisti-&lt;br /&gt;
schen Volkswirtschaften fehlt. Die&lt;br /&gt;
kommunistische Gesellschaftsideolo-&lt;br /&gt;
gie bietet wiederum eine Ethik der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wechselseitigen Abhängigkeit, die&lt;br /&gt;
dem Kapitalismus abgeht. Können&lt;br /&gt;
die verwendbaren Teile beider Syste-&lt;br /&gt;
me verknüpft werden zu etwas, das&lt;br /&gt;
den gesellschaftlichen Fortschritt&lt;br /&gt;
wirklich fördert? Das Ergebnis dieses&lt;br /&gt;
Versuchs - zu beobachten im Wohl-&lt;br /&gt;
fahrtsstaat - ist eine Gesellschaft, in&lt;br /&gt;
der die Erfolgreichen sich motiviert&lt;br /&gt;
zeigen, Steuern zu hinterziehen, die&lt;br /&gt;
Armen, arbeitslos zu bleiben, in der&lt;br /&gt;
die Wirtschaft steigende Soziallei-&lt;br /&gt;
stungen aller Art erbringt und die ex-&lt;br /&gt;
trem Reichen sich veranlaßt sehen,&lt;br /&gt;
nach Monaco zu ziehen. Tatsächlich&lt;br /&gt;
ist die gemischte Wirtschaftsordnung&lt;br /&gt;
kaum erfolgreicher als die beiden&lt;br /&gt;
ideologischen Extreme: Die persönli-&lt;br /&gt;
che Verantwortung stirbt aus, die so-&lt;br /&gt;
zialen Spannungen wachsen, und ob-&lt;br /&gt;
wohl für jeden gesorgt wird, fühlt&lt;br /&gt;
sich keiner gerecht behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD Die geistige Dimension der&lt;br /&gt;
Wirtschaftstheorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Problem mit dem Kapitalis-&lt;br /&gt;
mus, Kommunismus und jeglicher&lt;br /&gt;
Vermengung beider besteht darin,&lt;br /&gt;
daß sie die Wirklichkeit nicht in ihrer&lt;br /&gt;
Ganzheit wahrnehmen. Das Leben&lt;br /&gt;
besteht nicht nur aus Menschen, Ge-&lt;br /&gt;
genständen und der Kultur, die Män-&lt;br /&gt;
ner und Frauen hervorbringen. Die&lt;br /&gt;
Wirklichkeit schließt die schöpferi-&lt;br /&gt;
sche Kraft ein, welche die Menschen&lt;br /&gt;
Gott nennen, wie auch den transzen-&lt;br /&gt;
denten Aspekt des menschlichen We-&lt;br /&gt;
sens, den man Seele nennt. Diese gei-&lt;br /&gt;
stige Wirklichkeit kann nicht einfach&lt;br /&gt;
für besondere Gelegenheiten beiseite&lt;br /&gt;
geschoben werden. Sie ist ein We-&lt;br /&gt;
sensbestandteil des menschlichen Le-&lt;br /&gt;
bens und ein maßgeblicher Faktor des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Handelns. Versu-&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=13}}Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen Volkswirtschaftler und Sozial-&lt;br /&gt;
philosophen, eine dreidimensionale&lt;br /&gt;
Wirklichkeit - eine geistige, mensch-&lt;br /&gt;
liche und materielle - in einen zwei-&lt;br /&gt;
dimensionalen Rahmen zu pressen,&lt;br /&gt;
so ergeben sich Verzerrungen und&lt;br /&gt;
Fehlfunktionen. Dies kann nicht gut-&lt;br /&gt;
gehen. Menschen und Materielles al-&lt;br /&gt;
lein können keinen gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Fortschritt bewirken. Es bedarf viel-&lt;br /&gt;
mehr sowohl der Menschen, der Ma-&lt;br /&gt;
terie wie auch der geistigen Mittel, die&lt;br /&gt;
Gott der Menschheit verleiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jeder Ideologie ist die Einzel-&lt;br /&gt;
person Urheber gesellschaftlicher&lt;br /&gt;
Veränderungen. Wir können uns die&lt;br /&gt;
Einzelperson als ein Fahrzeug vor-&lt;br /&gt;
stellen, das der Menschheit den Weg&lt;br /&gt;
zu einer besseren Gesellschaft zeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich als einzelner auf Gott&lt;br /&gt;
zu bewegt, bringt auch die Welt&lt;br /&gt;
um sich in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bahä’i ist der Treibstoff dieses&lt;br /&gt;
Fahrzeugs die Liebe zu Gott. Dieser&lt;br /&gt;
Treibstoff, der ständig durch Gebet&lt;br /&gt;
und Studium der Bahä’i-Schriften er-&lt;br /&gt;
neuert wird, hilft dem einzelnen über&lt;br /&gt;
Enttäuschungen mit anderen Men-&lt;br /&gt;
schen hinweg, er bringtihn durch kri-&lt;br /&gt;
tische Situationen, in denen sich das&lt;br /&gt;
Ich meldet, er zieht den einzelnen&lt;br /&gt;
vorwärts, wenn er entmutigt ist und&lt;br /&gt;
sich nicht in der Lage fühlt, für gesell-&lt;br /&gt;
schaftliche Veränderungen zu arbei-&lt;br /&gt;
ten; er verleiht den Menschen einen&lt;br /&gt;
klaren Sinn für die Richtung. Wer sich&lt;br /&gt;
als einzelner auf Gott zu bewegt,&lt;br /&gt;
bringt auch die Welt um sich in Bewe-&lt;br /&gt;
gung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das kommunistische Ge-&lt;br /&gt;
dankengut verlangt von jedem ein-&lt;br /&gt;
zelnen, die Gesellschaft durch eigene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Taten vorwärtszubewegen. Das Fahr-&lt;br /&gt;
zeug des einzelnen soll sich für das&lt;br /&gt;
Wohl des vollkommenen sozialisti-&lt;br /&gt;
schen Staates opfern, es soll der Partei&lt;br /&gt;
gehorchen und ihren Nutzen voran-&lt;br /&gt;
stellen; aber nach einer Weile ist der&lt;br /&gt;
revolutionäre Treibstofftank leer. Die&lt;br /&gt;
Menschen sind enttäuscht, verärgert&lt;br /&gt;
wegen des geringen Warenangebots,&lt;br /&gt;
besorgt um ihre Zukunft; sie sind&lt;br /&gt;
nicht mehr motiviert zu opfern. Das&lt;br /&gt;
Fahrzeug des gesellschaftlichen Fort-&lt;br /&gt;
schritts bleibt stecken; der einzelne&lt;br /&gt;
möchte nichts mehr beisteuern. Übt&lt;br /&gt;
die Partei Druck aus, um das Fahr-&lt;br /&gt;
zeug wieder vorwärts zu bewegen,&lt;br /&gt;
wird der einzelne überrollt. Bei vielen&lt;br /&gt;
Bemühungen um Kollektivierung äh-&lt;br /&gt;
nelt die revolutionäre Partei einem&lt;br /&gt;
Panzer, der die festgefahrenen, unko-&lt;br /&gt;
operativen Revolutionsverbände an-&lt;br /&gt;
schiebt und zwingt, sich zu bewegen.&lt;br /&gt;
Bauern konnten sich dem Kollektiv&lt;br /&gt;
anschließen oder wurden erschossen;&lt;br /&gt;
sie konnten wählen, in die kollektive&lt;br /&gt;
Dorfgemeinschaft zu ziehen oderihre&lt;br /&gt;
Ernte zu verlieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kapitalismus verhält essich&lt;br /&gt;
mit der Analogie des Fahrzeugs et-&lt;br /&gt;
was anders: Die Gesellschaft kommt&lt;br /&gt;
voran, wenn jeder das luxuriöseste&lt;br /&gt;
Fahrzeug baut, das möglich ist, und&lt;br /&gt;
es so lenkt, wie er möchte. Die erfolg-&lt;br /&gt;
reichste Gesellschaft ist die mit den&lt;br /&gt;
protzigsten Wagen. Jeder Unterneh-&lt;br /&gt;
mer muß sein eigenes Fahrzeug für&lt;br /&gt;
den gesellschaftlichen Fortschritt zu-&lt;br /&gt;
sammensetzen. Wer zuerst kommt,&lt;br /&gt;
kriegt alle Teile, die er haben möchte.&lt;br /&gt;
Die Menschen am Rande des Gedrän-&lt;br /&gt;
ges finden wahrscheinlich nur Mate-&lt;br /&gt;
rial für einen Motorroller, und wer&lt;br /&gt;
verspätet ankommt, muß zu Fuß ge-&lt;br /&gt;
hen, weil nichts mehr übrig ist. Der&lt;br /&gt;
Mann, der sich eine schicke Limousi-&lt;br /&gt;
ne mit Bar und Video zusammenbau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=14}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
te, mag das System für eine gute Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsordnung halten, aber sein&lt;br /&gt;
übermäßiger Konsum bringt seine&lt;br /&gt;
Kinder und Enkel um zukünftige Res-&lt;br /&gt;
sourcen, und Menschen, die zu Fuß&lt;br /&gt;
gehen müssen, können zu Gewalt&lt;br /&gt;
und Raub verführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der einzelne tut, ermöglicht&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Fortschritt. Geisti-&lt;br /&gt;
ge Kräfte wiederum ermöglichen&lt;br /&gt;
dem einzelnen, erfolgreich zu han-&lt;br /&gt;
deln. Die durchdringende, belebende&lt;br /&gt;
Macht der Verbindung jedes einzel-&lt;br /&gt;
nen mit Gott wirkt sich auf das Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsleben anregend, aber auch&lt;br /&gt;
steuernd aus. Die Liebe zu Gott regt&lt;br /&gt;
den Menschen an, Tugenden zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln, schöpferisch zu sein, nach&lt;br /&gt;
Vortrefflichkeit zu streben und die ei-&lt;br /&gt;
gene Begabung zum besten einzuset-&lt;br /&gt;
zen. Gleichzeitig veranlaßt das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein einer geistigen Wirklichkeit&lt;br /&gt;
die Menschen, nach Zufriedenheit zu&lt;br /&gt;
streben, übermäßigen Konsum zu&lt;br /&gt;
vermeiden und ihre Reichtümer mit&lt;br /&gt;
den Armen zu teilen. Wahrer religiö-&lt;br /&gt;
ser Glaube erzieht das Ich, befähigt&lt;br /&gt;
den Menschen zu Selbstlosigkeit und&lt;br /&gt;
schafft ein Klima guten Willens in der&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Zusammenarbeit.&lt;br /&gt;
Die Anerkennung dieser geistigen Di-&lt;br /&gt;
mension des Wirtschafts- und Gesell-&lt;br /&gt;
schaftslebens würde sowohl die kom-&lt;br /&gt;
munistische als auch die kapitalisti-&lt;br /&gt;
sche Ideologie in die Lage setzen, die&lt;br /&gt;
eigenen Ziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D Das Erreichen&lt;br /&gt;
kommunistischer und&lt;br /&gt;
kapitalistischer Ziele für die&lt;br /&gt;
Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommunistische Zielsetzung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß die Menschen ihre natürliche&lt;br /&gt;
Selbstsucht überwinden und dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohle der ganzen Gesellschaft die-&lt;br /&gt;
nen, kann dann erfüllt werden, wenn&lt;br /&gt;
sich die Menschen der geistigen&lt;br /&gt;
Wirklichkeit bewußt sind und erken-&lt;br /&gt;
nen, daß es für ihre materiellen Opfer&lt;br /&gt;
auch immateriellen Lohn gibt. Um-&lt;br /&gt;
sonst werden die Menschen nichts&lt;br /&gt;
opfern; die Religion gibt ihnen einen&lt;br /&gt;
logischen und überzeugenden&lt;br /&gt;
Grund, dazu bereit zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Glücksgefühl der Befreiung&lt;br /&gt;
soll Revolutionäre geduldig, freund-&lt;br /&gt;
lich, vertrauensvoll und demütig ma-&lt;br /&gt;
chen, aber diese Eigenschaften entste-&lt;br /&gt;
hen bei den meisten Menschen nicht&lt;br /&gt;
auf natürliche Weise, oder sie wurden&lt;br /&gt;
durch Zermürbung in der Gruppen-&lt;br /&gt;
arbeit ausgezehrt. Eine Gesellschaft&lt;br /&gt;
durch persönliches Beispiel umzuge-&lt;br /&gt;
stalten, ist eine harte, mühselige Ar-&lt;br /&gt;
beit; die Energie, Disziplin und Ge-&lt;br /&gt;
duld, dies fortzusetzen, entsteht aus&lt;br /&gt;
dem Glauben an Gott und dem Ver-&lt;br /&gt;
trauen in Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kapitalistische Erwartung,&lt;br /&gt;
daß Einzelpersonen, die für sich&lt;br /&gt;
Reichtum schaffen, schließlich eine&lt;br /&gt;
blühende Gesellschaft hervorbrin-&lt;br /&gt;
gen, kann dann verwirklicht werden,&lt;br /&gt;
wenn das Recht des einzelnen, zu ar-&lt;br /&gt;
beiten und die Früchte der eigenen&lt;br /&gt;
Arbeit zu genießen, von dem geisti-&lt;br /&gt;
gen Gesetz durchdrungen wird, daß&lt;br /&gt;
persönliches Glück durch Selbstlosig-&lt;br /&gt;
keit und Dienst am Nächsten ent-&lt;br /&gt;
steht. Ein Bewußtsein der geistigen&lt;br /&gt;
Wirklichkeit lehrt die Menschen, was&lt;br /&gt;
tatsächlich wichtig oder unwichtig ist&lt;br /&gt;
und was zu menschlichem Glück&lt;br /&gt;
führt. Es zeigt den Menschen, wofür&lt;br /&gt;
ihr Reichtum gut ist; in der Verwen-&lt;br /&gt;
dung des Reichtums zum Nutzen der&lt;br /&gt;
Gesellschaft erfahren sie persönliche&lt;br /&gt;
Erfüllung, und die Gemeinschaft als&lt;br /&gt;
Ganzes profitiert davon.&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Ideologien - Neue Visionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
cr Marx trifft Calvin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bahä’i-Auffassung von gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichem Fortschritt treffen Marx&lt;br /&gt;
und Calvin zusammen. Die prote-&lt;br /&gt;
stantische Überzeugung, wonach&lt;br /&gt;
Gott wünscht, daß die Menschen hart&lt;br /&gt;
arbeiten und ihre Begabungen einset-&lt;br /&gt;
zen, um Reichtum zu schaffen, wird&lt;br /&gt;
angenommen. Dies jedoch unter der&lt;br /&gt;
Bedingung, daß die Menschen ihren&lt;br /&gt;
Wohlstand zum Nutzen der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft einsetzen, was im Kommunis-&lt;br /&gt;
mus seinen Widerhall findet. »Wohl-&lt;br /&gt;
stand ist allen Lobes Wert, wenn er&lt;br /&gt;
durch die eigenen Anstrengungen ei-&lt;br /&gt;
nes Menschen und durch die Gnade&lt;br /&gt;
Gottes auf den Gebieten des Handels,&lt;br /&gt;
der Landwirtschaft, der Kunst oder&lt;br /&gt;
des Gewerbefleißes erworben und für&lt;br /&gt;
menschenfreundliche Zwecke ausge-&lt;br /&gt;
geben wird.« 8 Allekönnen dem kapi-&lt;br /&gt;
talistischen Impuls folgen und aus ih-&lt;br /&gt;
ren eigenen Anstrengungen Nutzen&lt;br /&gt;
ziehen. Dann wird von ihnen jedoch&lt;br /&gt;
eine nahezu kommunistische Geistes-&lt;br /&gt;
haltung erwartet, nämlich ihren&lt;br /&gt;
Wohlstand zu nutzen, um auf breiter&lt;br /&gt;
Ebene den Lebensstandard der Mas-&lt;br /&gt;
sen zu heben. »Wohlstand ist in höch-&lt;br /&gt;
stem Maße lobenswert, sofern die&lt;br /&gt;
ganze Bevölkerung in Wohlstand&lt;br /&gt;
lebt. Wenn jedoch nur einige wenige&lt;br /&gt;
übermäßige Reichtümer besitzen und&lt;br /&gt;
alle übrigen verarmtsind, wenn keine&lt;br /&gt;
Frucht, kein Nutzen aus dem Wohl-&lt;br /&gt;
stand erwächst, dann bedeutet dieser&lt;br /&gt;
nur eine Verpflichtung für den Eigen-&lt;br /&gt;
tümer. Wird der Reichtum anderer-&lt;br /&gt;
seits dazu verwendet, Wissen zu för-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 &amp;quot;Abdu/l-Bahä, Das Geheimnis göttlicher Kultur, S.31-32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 ebd.&lt;br /&gt;
1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dern, Grund- und andere Schulen zu&lt;br /&gt;
eröffnen, Kunst und Gewerbe anzu-&lt;br /&gt;
regen, Waisen und Arme zu erziehen&lt;br /&gt;
-kurz gesagt, wird er dem Wohle der&lt;br /&gt;
Gesellschaft gewidmet -, dann steht&lt;br /&gt;
der Eigentümer vor Gott als der Vor-&lt;br /&gt;
trefflichste unter allen, die auf Erden&lt;br /&gt;
wohnen, und wird zum Volke des&lt;br /&gt;
Paradieses gezählt. «° Die Ansichten&lt;br /&gt;
der Bahä’i über die Entstehung und&lt;br /&gt;
Aufteilung von Reichtum sind weit&lt;br /&gt;
mehr als ein Weg, wirtschaftliche Ge-&lt;br /&gt;
gensätze auszulöschen. Sie sind ein&lt;br /&gt;
Weg, innerhalb der Gesellschaft mo-&lt;br /&gt;
ralische Kräfte zu errichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Prozeß des Erwirtschaf-&lt;br /&gt;
tens von Einkommen und der Auftei-&lt;br /&gt;
lung von Reichtum hat tiefgreifende&lt;br /&gt;
Auswirkungen. Das System hilft dem&lt;br /&gt;
einzelnen, sich zu entwickeln, indem&lt;br /&gt;
es ihn ermutigt, die eigenen Fähigkei-&lt;br /&gt;
ten einzusetzen. Als Maßstab persön-&lt;br /&gt;
lichen Erfolgs wird der Dienst an der&lt;br /&gt;
Menschheit eingeführt; dies fördert&lt;br /&gt;
Freigebigkeit, Geistigkeit und Anteil-&lt;br /&gt;
nahme. Menschen, die Gott lieben,&lt;br /&gt;
werden sich mehr um ihre Mitbürger&lt;br /&gt;
kümmern als um ihr eigenes Vermö-&lt;br /&gt;
gen. Das Erlebnis, Geld für andere&lt;br /&gt;
auszugeben, gibt dem geistigen und&lt;br /&gt;
materiellen Leben des Menschen Tie-&lt;br /&gt;
fe und Kraft.! Der Bahä’i-Unterneh-&lt;br /&gt;
mer darf es genießen, Reichtum zu&lt;br /&gt;
schaffen, einen beträchtlichen Teil da-&lt;br /&gt;
von herzugeben, dann nach seinem&lt;br /&gt;
Belieben zu handeln und erneut viel&lt;br /&gt;
Geld zu verdienen. Der Sinn der gei-&lt;br /&gt;
stigen Verpflichtung des Hu-&lt;br /&gt;
qüq’u’lläh, die von jedem Bahä’i for-&lt;br /&gt;
dert (aber nicht erzwingt), 19 Prozent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
0  »Esist klar und offenkundig, daß das Entrichten des Rechtes Gottes Wohlstand, Segen, Ehre und den göttlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7,71%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schutz fördert.« »Hugüq&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u/lläh ist wahrlich ein bedeutendes Gesetz. Allen obliegt, diese Gabe darzubringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weil sie die Quelle von Gnade, Überfluß und allem Guten ist. Sie ist eine Wohltat, die jede Seele in jeder der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welten Gottes, des Allbesitzenden, des Allgütigen, begleiten wird.« Hugig’u&#039;lldh; .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Welt .... Nr.6und 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die krönende Zier aller Ernten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=16}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seines Mehrwerts dem Verwaltungs-&lt;br /&gt;
zentrum des Glaubens zu geben, ist&lt;br /&gt;
zweierlei: Einerseits werden beim&lt;br /&gt;
einzelnen und in der Gesellschaft gei-&lt;br /&gt;
stige Kräfte gefördert, andererseits&lt;br /&gt;
wird die materielle Grundlage für ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Fortschritt geschaf-&lt;br /&gt;
fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Bahä’i-Wirtschaftsordnung&lt;br /&gt;
fördert auch die gesellschaftliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung. Die Bahä’i-Haltung stellt&lt;br /&gt;
die Liebe zum Menschen in den Mit-&lt;br /&gt;
telpunkt. Von ihr ist zuerwarten, daß&lt;br /&gt;
sie strukturelle Veränderungen be-&lt;br /&gt;
wirkt und Armut beseitigt. Es gilt&lt;br /&gt;
nicht, daß die Reichen sich als Wohl-&lt;br /&gt;
täter wähnen und mit unzureichen-&lt;br /&gt;
den Hilfsaktionen ihr Gewissen er-&lt;br /&gt;
leichtern, während die Armen in ei-&lt;br /&gt;
nem Zustand der Armut gehalten&lt;br /&gt;
werden. Nicht länger wird wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Hilfe als Almosen an die&lt;br /&gt;
Armen weitergegeben. Die wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklungshilfe er-&lt;br /&gt;
reicht ihr Ziel über die Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit im internationalen Netzwerk der&lt;br /&gt;
verwaltenden Bahä’i-Institutionen.&lt;br /&gt;
Dies verhindert ein Gefühl der Min-&lt;br /&gt;
derwertigkeit bei den Armen. Als&lt;br /&gt;
Empfänger finanzieller Unterstüt-&lt;br /&gt;
zung tragen die örtlichen Geistigen&lt;br /&gt;
Räte selbst die Verantwortung für ih-&lt;br /&gt;
re Entwicklungsvorhaben. Men-&lt;br /&gt;
schen, die als Empfänger aus diesem&lt;br /&gt;
System Nutzen gezogen haben, kom-&lt;br /&gt;
men wiederum selbst in die Lage, sich&lt;br /&gt;
als Geber zu beteiligen. Teilen die&lt;br /&gt;
Menschen ihre materiellen Besitztü-&lt;br /&gt;
mer, weil sie es möchten, und nicht,&lt;br /&gt;
weil sie gezwungen werden, so treten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie sowohl geistig als auch wirtschaft-&lt;br /&gt;
lich miteinander in Beziehung. Weil&lt;br /&gt;
die Gemeinde wohlhabender wird,&lt;br /&gt;
wächst ihre Einigkeit untereinan-&lt;br /&gt;
der.!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige Dimension ist durch-&lt;br /&gt;
aus ein sehr praktischer Bestandteil&lt;br /&gt;
des Wirtschaftslebens: Vertrauen in&lt;br /&gt;
Gott regt die persönliche Kreativität&lt;br /&gt;
an und die Liebe zu Gott zügelt den&lt;br /&gt;
Egoismus zum Wohle der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft. Eine geistige Grundhaltung&lt;br /&gt;
bietet in Ost und West Lösungen für&lt;br /&gt;
die jeweiligen Gesellschaftsproble-&lt;br /&gt;
me. Um die Leere der Konsumgesell-&lt;br /&gt;
schaften, den Stillstand sozialisti-&lt;br /&gt;
scher Volkswirtschaften, das Versa-&lt;br /&gt;
gen der Wohlfahrtsstaaten oder die&lt;br /&gt;
aggressiven Spannungen durch ge-&lt;br /&gt;
meindeinterne Konflikte zu überwin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige Dimension ist&lt;br /&gt;
durchaus ein sehr praktischer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestandteil des Wirtschafts-&lt;br /&gt;
lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den und gemeinsam weiterzukom-&lt;br /&gt;
men, müssen die Menschen den kräf-&lt;br /&gt;
tezehgenden Ballast des materialisti-&lt;br /&gt;
sc Denkens abwerfen. Jedes der&lt;br /&gt;
erwähnten Problemfelder hat eine&lt;br /&gt;
geistige Dimension. Wenn die Men-&lt;br /&gt;
schen das Problem in seiner ganzen&lt;br /&gt;
Wirklichkeit erfassen und die Macht&lt;br /&gt;
geistiger Werkzeuge erkennen, gera-&lt;br /&gt;
ten sie wirklich in Bewegung und&lt;br /&gt;
bringen ihre Gesellschaft vorwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11»... daß Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe und Austausch essentielle Merkmale der Welt des Seins sind, da&lt;br /&gt;
alles Erschaffene eng miteinander verbunden ist und jedes vom anderen beeinflußt wird oder direkten bzw.&lt;br /&gt;
indirekten Nutzen davon hat. ... Dies ist das Grundprinzip, auf dem die Institution des Hugüq’u’läh errichtet&lt;br /&gt;
wurde, da ihre Einnahmen der Förderung dieser Ziele gewidmet sind.« Hugig’u’lldh ... Die krönende Zier aller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernten der Welt ..., Nr.61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Montessori und der Bahä’i-Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barbara Hacker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben und Werk der Wissenschaftlerin und Erzieherin Dr.Maria Montessori&lt;br /&gt;
(1870-1952) sind von besonderem Interesse für all diejenigen, die sich mit Fragen der&lt;br /&gt;
Erziehung im Licht der Baha’i-Lehren befassen. Die Autorin zeigt, daß sich Montessori&lt;br /&gt;
mit dem Geist der Baha’i-Epoche in Übereinstimmung befand. Sowohl ihre Gedanken&lt;br /&gt;
als auch ihr Handeln beweisen, daß sie Baha’i-Prinzipien wie die Einheit der Mensch-&lt;br /&gt;
heit, die Gleichwertigkeit der Geschlechter, die Übereinstimmung von Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft und eine geistige Lebensausrichtung wohl verstanden hatte. Ihre Ent-&lt;br /&gt;
deckungen im Umgang mit Kindern und ihre Ansicht, daß sie eine Schlüsselrolle bei&lt;br /&gt;
der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und letztendlich für die Errichtung&lt;br /&gt;
des Weltfriedens innehaben, werden im Zusammenhang mit den Baha’i-Schriften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Blickwinkel sollen das&lt;br /&gt;
Leben und Werk der wahrhaftbedeu-&lt;br /&gt;
tenden Frau, Dr.Maria Montessori,&lt;br /&gt;
betrachtet werden, die sich einge-&lt;br /&gt;
hend mit dem Thema »Erziehung«&lt;br /&gt;
befaßte. Ihre Definition von Erzie-&lt;br /&gt;
hung ist so umfassend, daß sie für&lt;br /&gt;
unsere Betrachtung von besonderer&lt;br /&gt;
Bedeutung ist. Maria Montessori leb-&lt;br /&gt;
te von 1870 bis 1952 und war somit&lt;br /&gt;
eine Zeitgenossin von Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi.&lt;br /&gt;
Nichts spricht dafür, daß sie die Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Religion kannte, aber sie zählte&lt;br /&gt;
zu den Menschen, die für den Geist&lt;br /&gt;
der Zeit, in der sie lebte, aufnahmebe-&lt;br /&gt;
reit waren. Ihre Worte aus den dreißi-&lt;br /&gt;
ger Jahren spiegeln dies wider:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Eine Zeitepoche, die tausende&lt;br /&gt;
von Jahren dauerte und so alt ist wie&lt;br /&gt;
die Menschheitsgeschichte, die zu ei-&lt;br /&gt;
ner legendären Zeit, deren wenige&lt;br /&gt;
Spuren im Erdinnern verborgen sind,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals erschienen in The Journal of&lt;br /&gt;
Baha’i-Studies, Vol.1, Nr.2, 1988-1989.&lt;br /&gt;
Die Übersetzung und Kürzung des Arti-&lt;br /&gt;
kels besorgte Gudrun Sobhani.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihren Anfang nahm, hat nun ihr Ende&lt;br /&gt;
gefunden. Ein ungeheuer großes Ka-&lt;br /&gt;
pitel der Geschichte, das sich in Jahr-&lt;br /&gt;
tausenden entfaltete, ist nun abge-&lt;br /&gt;
schlossen. Wir erleben gerade eine&lt;br /&gt;
Krise, in der wir hin- und hergerissen&lt;br /&gt;
werden zwischen einer alten Welt,&lt;br /&gt;
die ihr Ende findet, und einer neuen&lt;br /&gt;
Welt, die bereits angefangen hat und&lt;br /&gt;
ihre aufbauenden Elemente, die sie&lt;br /&gt;
anzubieten hat, unter Beweis stellt.&lt;br /&gt;
Die Krise, die wir erfahren, gleicht&lt;br /&gt;
keiner Umwälzung, die kennzeich-&lt;br /&gt;
nend für den Übergang von einer hi-&lt;br /&gt;
storischen Periode in eine andere ist.&lt;br /&gt;
Sie kann nur mit einer der biologi-&lt;br /&gt;
schen oder geologischen Epochen&lt;br /&gt;
verglichen werden, in der neue, höhe-&lt;br /&gt;
re und vollkommenere Lebensfor-&lt;br /&gt;
men auftraten, als völlig neue Da-&lt;br /&gt;
seinsbedingungen auf Erden entstan-&lt;br /&gt;
den.« (Education 5.24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Montessori wurde in der Provinz&lt;br /&gt;
Ancona in dem Jahr geboren, als Ita-&lt;br /&gt;
lien zum ersten Mal vereint wurde.&lt;br /&gt;
Sie verbrachte ihre Kindheit und frü-&lt;br /&gt;
he Jugend in Rom. Doch während ih-&lt;br /&gt;
res ganzen Lebens diente sie als Bei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=18}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spiel für Bahä’u’llähs Anweisung: »Es&lt;br /&gt;
rühme sich nicht, wer sein Vaterland&lt;br /&gt;
liebt.« (Ährenlese Nr.117) Als sie ein-&lt;br /&gt;
mal nach ihrer Nationalität gefragt&lt;br /&gt;
wurde, antwortete sie: »Ich lebe im&lt;br /&gt;
Himmel, meine Heimat ist ein Stern,&lt;br /&gt;
der sich um die Sonne dreht und Erde&lt;br /&gt;
heißt.« (Maria 5.50) Ihr Verständnis&lt;br /&gt;
über diesen Grundsatz war tief und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich lebe im Himmel, meine Hei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mat ist ein Stern, der sich um die&lt;br /&gt;
Sonne dreht und Erde heißt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien teilweise auf einer intuitiven&lt;br /&gt;
Erfahrung zu beruhen. Wie wir noch&lt;br /&gt;
sehen werden, wurde es aber durch&lt;br /&gt;
ihre Forschungsarbeit zugleich bestä-&lt;br /&gt;
tigt und bekräftigt. Sie sprach immer&lt;br /&gt;
wieder hierüber, sogar zu einer Zeit,&lt;br /&gt;
da der Großteil der Welt sich für die&lt;br /&gt;
bevorstehenden Weltkriege rüstete,&lt;br /&gt;
bzw. an ihnen teilnahm. 1936 wandte&lt;br /&gt;
sie sich mit folgenden Worten an den&lt;br /&gt;
Europäischen Friedenskongreß in&lt;br /&gt;
Brüssel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir alle sind nur ein einziger Or-&lt;br /&gt;
ganismus, eine Nation. Indem wir ei-&lt;br /&gt;
ne einzige Nation werden, haben wir&lt;br /&gt;
schließlich erreicht, was der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Seele als ein unbewußt geisti-&lt;br /&gt;
ges und religiöses Streben inne-&lt;br /&gt;
wohnt, und das können wir auf der&lt;br /&gt;
ganzen Erde verkünden. &amp;gt;»Die&lt;br /&gt;
Menschheit als ein Organismus« wur-&lt;br /&gt;
de geboren; der Überbau, auf den die&lt;br /&gt;
Anstrengungen der Menschen seit je&lt;br /&gt;
her gerichtet waren, istnun vollendet.&lt;br /&gt;
Mit einem Wort gesagt, der heutige&lt;br /&gt;
Mensch ist Weltbürger der großen&lt;br /&gt;
Menschheitsnation. Es ist absurd zu&lt;br /&gt;
glauben, daß ein Mensch, der mit der&lt;br /&gt;
Natur überlegenen Kräften augestat-&lt;br /&gt;
tet ist, Franzose, Engländer oder Ita-&lt;br /&gt;
liener sein sollte. Er ist der neue Bür-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ger einer neuen Welt - ein Bürger des&lt;br /&gt;
Universums.« (Education 5.28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die meisten Italiener war&lt;br /&gt;
auch Maria Montessori katholisch.&lt;br /&gt;
Doch ihre Schriften sind nicht so sehr&lt;br /&gt;
vom Katholizismus durchdrungen,&lt;br /&gt;
sondern vielmehr von ihrem tiefen&lt;br /&gt;
Sinn für Geistigkeit und ihrer Fähig-&lt;br /&gt;
keit, eine bestimmte Religion einer&lt;br /&gt;
tieferen Wahrheit wegen zu transzen-&lt;br /&gt;
dieren. Diese Fähigkeit ließ viele&lt;br /&gt;
Menschen verschiedenen religiösen&lt;br /&gt;
Hintergrunds sich mit ihrem Werk&lt;br /&gt;
befassen. Geistigkeitzu erlangen, war&lt;br /&gt;
das eigentliche Motiv ihrer Arbeit mit&lt;br /&gt;
Kindern. »Unser Ziel ist weniger,&lt;br /&gt;
Wissen zu vermitteln als vielmehr&lt;br /&gt;
geistige Energie freizulegen und zu&lt;br /&gt;
entwickeln.« (Maria 5.47) Es war ein-&lt;br /&gt;
zigartig, welche Bedeutung sie derre-&lt;br /&gt;
ligiösen Wahrheit und der geistigen&lt;br /&gt;
Komponente bei der Erziehung und&lt;br /&gt;
in ihrem ganzen Leben beimaß. Mit&lt;br /&gt;
Bestimmtheit sprach sie über dieses&lt;br /&gt;
Thema, auch wenn es nicht ange-&lt;br /&gt;
bracht zu sein schien. Dies trug dazu&lt;br /&gt;
bei, daß sie in wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Kreisen in gewissem Sinn als ausge-&lt;br /&gt;
stoßen galt und als mystisch und un-&lt;br /&gt;
wissenschaftlich bezeichnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Mit einem Wort gesagt, der&lt;br /&gt;
heutige Mensch ist Weltbürger&lt;br /&gt;
der großen Menschheitsnation.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sogar in religiösen Kreisen war man&lt;br /&gt;
sich im Urteil über sie nicht einig. In&lt;br /&gt;
einer kürzlich erschienenen Biografie&lt;br /&gt;
setzt ein amerikanischer Priester das&lt;br /&gt;
Werk von Montessori herab, weil sie&lt;br /&gt;
der Lehre von der Erbsünde aus dem&lt;br /&gt;
Wege ging. Nach ihrem Tod jedoch&lt;br /&gt;
wurde sie schließlich von Papst Jo-&lt;br /&gt;
hannes XXIII geehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Lebenswerk verschmel-&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=19}}Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zen das wissenschaftliche mit dem&lt;br /&gt;
geistigen Element. Sie sah nie einen&lt;br /&gt;
Widerspruch zwischen beiden Gebie-&lt;br /&gt;
ten. Sheila Radice, die für die Zeitung&lt;br /&gt;
Times Educational Supplement schrieb,&lt;br /&gt;
hörte Vorlesungen und Seminare von&lt;br /&gt;
Maria Montessori in Londen und&lt;br /&gt;
führte viele Gespräche mit ihr, was&lt;br /&gt;
dazu beitrug, daß Sheila Radice ein&lt;br /&gt;
Buch mit dem Titel Die Neuen Kinder&lt;br /&gt;
veröffentlichte, in dem sie über Mon-&lt;br /&gt;
tessori schreibt: »Damals erzählte sie&lt;br /&gt;
mir, daß sie die »beiden Lager&amp;lt;« ziem-&lt;br /&gt;
lich deutlich vor sich sah - die Lehr-&lt;br /&gt;
meister der Menschheit spotten über&lt;br /&gt;
die Wissenschaft, und die Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler lachen über die Philoso-&lt;br /&gt;
phen. Sie war der Meinung, daß eines&lt;br /&gt;
Tages der Lehrer kommen würde, der&lt;br /&gt;
diese beiden entgegengesetzten Inter-&lt;br /&gt;
pretationen des Lebens zu einer ein-&lt;br /&gt;
zigen vereint.« Radice war der Auf-&lt;br /&gt;
fassung, Maria Montessori trüge sehr&lt;br /&gt;
viel zur Erreichung dieses Zieles bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf dem Gebiet der Politik&lt;br /&gt;
bemühte sich Maria Montessori ihr&lt;br /&gt;
Leben lang, unabhängig zu bleiben,&lt;br /&gt;
um höheren Zielen dienen zu können.&lt;br /&gt;
Sogar als man auf sie großen Druck&lt;br /&gt;
ausübte, sich einer bestimmten Grup-&lt;br /&gt;
pe anzuschließen, blieb sie ihrem&lt;br /&gt;
Grundsatz treu. Diesen Aspekt in ih-&lt;br /&gt;
rem Leben schätzen besonders die Ba-&lt;br /&gt;
hä’i hoch, da die Lehren Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
die Nichteinmischung in die Politik&lt;br /&gt;
als ein Hilfsmittel ansehen, dem hö-&lt;br /&gt;
heren Ziel der Einheit dienen zu kön-&lt;br /&gt;
nen. Dieser Druck im Leben Montes-&lt;br /&gt;
soris wurde besonders in der Zeit vor&lt;br /&gt;
dem Zweiten Weltkrieg spürbar, als&lt;br /&gt;
sie versuchte, ihre Arbeit in Italien&lt;br /&gt;
auszudehnen. Sie widerstand Musso-&lt;br /&gt;
linis Bemühungen, ihre Schulen zu&lt;br /&gt;
benutzen, um die Jugend ideologisch&lt;br /&gt;
auszubilden. Alssie gezwungen wur-&lt;br /&gt;
de, ihre Schulen zu schließen, gab sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Arbeit auf und ging nach Spa-&lt;br /&gt;
nien, wo sie Barcelona zu ihrem&lt;br /&gt;
Wohnsitz machte. In Deutschland&lt;br /&gt;
und Österreich verbrannten die Nazis&lt;br /&gt;
auf öffentlichen Plätzen in Berlin und&lt;br /&gt;
Wien sowohl ihr Bild als auch ihre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Lehrer sollte nicht im&lt;br /&gt;
Dienste einer politischen oder&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Ideologie ar-&lt;br /&gt;
beiten, sondern im Dienste der&lt;br /&gt;
ganzen Menschheit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bücher. Als in Spanien der Bürger-&lt;br /&gt;
krieg ausbrach, geriet ihr Leben in&lt;br /&gt;
Gefahr, da sie als Katholikin religiöse&lt;br /&gt;
Schriften verfaßt hatte. Mit Hilfe der&lt;br /&gt;
britischen Regierung gelang ihr kur-&lt;br /&gt;
zer Hand die Ausreise. Sie verließ&lt;br /&gt;
Spanien auf einem Kriegsschiff und&lt;br /&gt;
ließ sich in Holland nieder, wosieihre&lt;br /&gt;
Arbeit fortsetzte. Als 1939 der Zweite&lt;br /&gt;
Weltkrieg ausbrach, lud die Theoso-&lt;br /&gt;
phische Gesellschaft sie nach Indien&lt;br /&gt;
ein, wo sie sich bis 1946 aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ihr Leben nach außen hin&lt;br /&gt;
durch politische Kräfte beeinträchtigt&lt;br /&gt;
wurde, blieb sie innerlich davon un-&lt;br /&gt;
berührt, wie aus folgenden Sätzen&lt;br /&gt;
hervorgeht: »Der Lehrer sollte nicht&lt;br /&gt;
im Dienste einer politischen oder ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Ideologie arbeiten,&lt;br /&gt;
sondern im Dienste der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit. Er muß fähig sein, seine&lt;br /&gt;
eigene Meinung frei zu äußern und&lt;br /&gt;
sein Urteil vorurteilsfrei und mutig&lt;br /&gt;
abzugeben.« (Maria 5.53)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele ihrer engeren Freunde stell-&lt;br /&gt;
ten fest, daß sie der Meinung war, ihr&lt;br /&gt;
Leben würde von einer höheren&lt;br /&gt;
Macht geführt, um einem bestimmten&lt;br /&gt;
Zweck zu dienen. Als sieim Alter von&lt;br /&gt;
zehn Jahren schwer erkrankt war,&lt;br /&gt;
hatte sie ihre Mutter mit den Worten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
getröstet: »Mach dir keine Sorgen,&lt;br /&gt;
Mutter, ich kann nicht sterben. Ich&lt;br /&gt;
habe in meinem Leben zu viele Auf-&lt;br /&gt;
gaben zu erfüllen.« (Maria S.6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Kollegin, Anna Maccheroni,&lt;br /&gt;
zitiert sie: »Wenn man seine Kräfte&lt;br /&gt;
sammelt, selbst wenn sie verbraucht&lt;br /&gt;
scheinen, und das Ziel nur noch un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Montessori 1898&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
klar vor einem steht, dann istdies eine&lt;br /&gt;
große Tat, die früher oder später&lt;br /&gt;
Früchte hervorbringen wird.« (Stan-&lt;br /&gt;
ding 5.30). Standing, einer der frühen&lt;br /&gt;
Biografen, erinnert sich, daß sie ge-&lt;br /&gt;
sagt habe, die Lebenskunst bestehe&lt;br /&gt;
darin zu lernen, »den Ereignissen ge-&lt;br /&gt;
genüber ergeben zu sein«. (Standing&lt;br /&gt;
5.31) In ihrem Leben wendete sie die-&lt;br /&gt;
se Prinzipien oftmals an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die junge Montessori, die diesem&lt;br /&gt;
Gefühl einer inneren Führung folgte,&lt;br /&gt;
sah sich vor eine Reihe Herausforde-&lt;br /&gt;
rungen gestellt, die auf einem weite-&lt;br /&gt;
ren sehr bedeutsamen Bahä’i-Prinzip&lt;br /&gt;
beruhen. Bahä’u’lläh sagt, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit einem Vogel gleiche, der&lt;br /&gt;
einen männlichen und einen weibli-&lt;br /&gt;
chen Flügel besitzt. Dieser Vogel kön-&lt;br /&gt;
ne nicht fliegen, wenn einer der Flü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gel schwach und unentwickelt sei.&lt;br /&gt;
Maria Montessori lebte nach diesem&lt;br /&gt;
Prinzip der Gleichwertigkeit von&lt;br /&gt;
Mann und Frau. Sie war eine hervor-&lt;br /&gt;
ragende junge Schülerin und als siein&lt;br /&gt;
das Alter kam, um einen Beruf zu&lt;br /&gt;
wählen, stand ihr als Frau in Italien&lt;br /&gt;
nur der Beruf des Lehrers offen. Sie&lt;br /&gt;
lehnte dies geradeheraus ab. Dasiean&lt;br /&gt;
Mathematik sehr interessiert war,&lt;br /&gt;
wähltesie die Laufbahn als Ingenieur.&lt;br /&gt;
Das erforderte den Besuch einer tech-&lt;br /&gt;
nischen Hochschule - zur damaligen&lt;br /&gt;
Zeit eine ausschließliche Domäne der&lt;br /&gt;
Männer. Sie wurde zugelassen, muß-&lt;br /&gt;
te sich jedoch während der Pausen in&lt;br /&gt;
einem gesonderten Raum aufhalten.&lt;br /&gt;
Immer offen für innere Führung, än-&lt;br /&gt;
derte sie jedoch die eingeschlagene&lt;br /&gt;
Studienrichtung und wählte die me-&lt;br /&gt;
dizinische Ausbildung. Zu Anfang&lt;br /&gt;
schien esunmöglich, doch sie bestand&lt;br /&gt;
darauf und erhielt schließlich als erste&lt;br /&gt;
Frau eine Zulassung an der Universi-&lt;br /&gt;
tät Rom für das Fach Medizin. Viele&lt;br /&gt;
Geschichten gibt es über die »kleinen&lt;br /&gt;
Verfolgungen« und die offiziellen Be-&lt;br /&gt;
stimmungen, die sie mit Humor er-&lt;br /&gt;
trug. Zum Beispiel durfte sie den Hör-&lt;br /&gt;
saal erst betreten, nachdem alle&lt;br /&gt;
männlichen Studenten bereits Platz&lt;br /&gt;
genommen hatten. Die Leichen durf-&lt;br /&gt;
te sie nur nachts und allein sezieren.&lt;br /&gt;
Doch allmählich gewann sie die Ach-&lt;br /&gt;
tung ihrer Professoren und Kommili-&lt;br /&gt;
tonen, und im Jahre 1896 promovierte&lt;br /&gt;
sie als erste Frau Italiens zum Doktor&lt;br /&gt;
der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf zahlreichen internationalen&lt;br /&gt;
Frauenkonferenzen sprach sie als De-&lt;br /&gt;
legierte über das Recht der Frauen auf&lt;br /&gt;
Bildung, gerechten Lohn usw. Beruf-&lt;br /&gt;
lich war sie sowohl als Assistenzärz-&lt;br /&gt;
tin an der psychiatrischen Universi-&lt;br /&gt;
tätsklinik von Rom tätig als auch als&lt;br /&gt;
Ärztin in eigener Praxis. 1898 wurde&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=21}}Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie Direktorin des Orthophrenischen&lt;br /&gt;
Instituts in Rom, 1900 wurde sie Do-&lt;br /&gt;
zentin aneinem Ausbildungsseminar&lt;br /&gt;
für Lehrerinnen und von 1904 - 1906&lt;br /&gt;
hielt sie außerdem Vorlesungen über&lt;br /&gt;
Anthropologie an der Universität von&lt;br /&gt;
Rom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der ersten Jahre ihrer&lt;br /&gt;
Tätigkeit im Krankenhaus erkannte&lt;br /&gt;
sie ihre eigentliche Lebensaufgabe:&lt;br /&gt;
die Erforschung der kindlichen Seele&lt;br /&gt;
und die Erziehung der Kinder. Es be-&lt;br /&gt;
gann ganz zufällig. Sie entdeckte im&lt;br /&gt;
Krankenhaus ein abgeschlossenes&lt;br /&gt;
Zimmer, in dem geistig behinderte&lt;br /&gt;
Kinder nur mit dem Notwendigsten&lt;br /&gt;
versorgt wurden. In dem Zimmer be-&lt;br /&gt;
fanden sich nur einige harte Bänke.&lt;br /&gt;
Die zuständige Pflegerin sprach ver-&lt;br /&gt;
ächtlich von den Kindern und erzähl-&lt;br /&gt;
te, daß sie auf dem Fußboden herum-&lt;br /&gt;
kriechen, um nach Brotkrümeln zu&lt;br /&gt;
suchen, die sie dann in den Mund&lt;br /&gt;
steckten. Montessori erkannte hierin&lt;br /&gt;
ein Bedürfnis nach Anregung. Sie be-&lt;br /&gt;
gann mit diesen Kindern zu arbeiten&lt;br /&gt;
und sprach offen über ihre Ansicht,&lt;br /&gt;
daß »geisteskranke Kinder nicht We-&lt;br /&gt;
sen seien, die außerhalb der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft stünden, sondern ebenso An-&lt;br /&gt;
spruch auf den Segen einer Erziehung&lt;br /&gt;
hätten wie normale Kinder, wenn&lt;br /&gt;
nicht sogar mehr.« (Standing 5.29) So&lt;br /&gt;
kam es, daß sie Direktorin des Or-&lt;br /&gt;
thophrenischen Instituts wurde, in&lt;br /&gt;
das alle geistig zurückgebliebenen&lt;br /&gt;
Kinder Roms aus dem ungesunden&lt;br /&gt;
Milieu der Heime gebracht wurden.&lt;br /&gt;
Während dieser Zeit bildete Montes-&lt;br /&gt;
sori Lehrer aus, besuchte andere Län-&lt;br /&gt;
der Europas, um deren Methoden zu&lt;br /&gt;
erfahren, und verbrachte sehr viel&lt;br /&gt;
Zeit mit eben diesen Kindern, indem&lt;br /&gt;
sie sie beobachtete und mit ihnen ex-&lt;br /&gt;
perimentierte. Einmal sagte sie: »Erst&lt;br /&gt;
diese zwei Jahre der Praxis berechti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen mich zu meinem Titel als Pädago-&lt;br /&gt;
gin.« (Standing 5.29)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie weit diese Kinder nach heu-&lt;br /&gt;
tigem Maßstab geistig behindert oder&lt;br /&gt;
krank waren, wissen wir nicht. Aber&lt;br /&gt;
alle waren geistig so zurückgeblie-&lt;br /&gt;
ben, daß man sie in eine Anstalt&lt;br /&gt;
brachte. Alle machten Fortschritte in&lt;br /&gt;
ihrer geistigen Entwicklung, nach-&lt;br /&gt;
dem Montessori mit ihnen gearbeitet&lt;br /&gt;
hatte. Einige lernten so gut lesen und&lt;br /&gt;
schreiben, daß sie mit normalen Kin-&lt;br /&gt;
dern an staatlichen Prüfungen teil-&lt;br /&gt;
nehmen konnten. Ihrer Tätigkeit&lt;br /&gt;
wurde vielLob gespendet, jedoch wa-&lt;br /&gt;
ren ihr andere Dinge wichtiger. Spä-&lt;br /&gt;
ter einmal bemerkte sie: »Während&lt;br /&gt;
jeder meine schwachsinnigen Kinder&lt;br /&gt;
bewunderte, suchte ich die Gründe&lt;br /&gt;
herauszufinden, warum die gesun-&lt;br /&gt;
den und glücklichen Kinder in den&lt;br /&gt;
normalen Schulen auf so niedriger&lt;br /&gt;
Entwicklungsstufe standen, daß sie&lt;br /&gt;
bei einem Intelligenztest genauso ab-&lt;br /&gt;
schnitten wie meine bedauernswer-&lt;br /&gt;
ten Schüler.« (Standing 5.30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erneut schrieb Montessori sich als&lt;br /&gt;
Studentin an der Universität von&lt;br /&gt;
Rom ein. Obwohl sie selbst Vorlesun-&lt;br /&gt;
gen hielt, studierte sie vier Jahre lang&lt;br /&gt;
Philosophie und Psychologie. Beson-&lt;br /&gt;
deres Interesse widmete sie den Wer-&lt;br /&gt;
ken von Itard und Seguin. Sie über-&lt;br /&gt;
setzte und schrieb die Bücher dieser&lt;br /&gt;
beiden Männer ab, »um so genug Zeit&lt;br /&gt;
zu haben, den Sinn eines jeden Wor-&lt;br /&gt;
tes abzuwägen und den Geist der Au-&lt;br /&gt;
toren richtig zu erfassen.« (Standing&lt;br /&gt;
5.32) All dies diente ihr als sorgfältige&lt;br /&gt;
Vorbereitung für die Arbeit, die sie&lt;br /&gt;
mit normalen Kindern durchzufüh-&lt;br /&gt;
ren wünschte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1906 bot sich endlich die Gelegen-&lt;br /&gt;
heit. In einem der ärmsten Stadtteile&lt;br /&gt;
Roms wurde von einer Baugesell-&lt;br /&gt;
schaft eine neue Wohnsiedlung für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über tausend Menschen errichtet.&lt;br /&gt;
Probleme ergaben sich, als drei- bis&lt;br /&gt;
sechsjährige Kinder, die ohne Auf-&lt;br /&gt;
sicht waren, die Häuser zu verunstal-&lt;br /&gt;
ten begannen. Mehr im Hinblick auf&lt;br /&gt;
die Häuser als auf die Kinder be-&lt;br /&gt;
schloß die Obrigkeit, einen Raum zur&lt;br /&gt;
Verfügung zu stellen, wo sechzig&lt;br /&gt;
Kinder unter einer Art Aufsicht zu-&lt;br /&gt;
sammenkommen sollten. Montessori&lt;br /&gt;
übernahm diese Aufgabe. Bei der Be-&lt;br /&gt;
treuung dieser Gruppe von scheuen,&lt;br /&gt;
ungepflegten, unordentlichen und&lt;br /&gt;
unterernährten Kindern machte&lt;br /&gt;
Montessori eine wichtige Entdek-&lt;br /&gt;
kung, die ihrer ganzen zukünftigen&lt;br /&gt;
Arbeit zugrundeliegt. Auch an ande-&lt;br /&gt;
ren Schulen Roms, in anderen Teilen&lt;br /&gt;
Italiens und später in anderen Län-&lt;br /&gt;
dern kam man zu gleichen Rück-&lt;br /&gt;
schlüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Montessori arbeitete nicht nach&lt;br /&gt;
einem vorgefaßten Plan, sondern sie&lt;br /&gt;
versuchte, sich in die Kinder hinein-&lt;br /&gt;
zuversetzen, von ihnen zu lernen, ih-&lt;br /&gt;
re spontanen Handlungen zu beob-&lt;br /&gt;
achten und ihre eigene Reaktion dar-&lt;br /&gt;
auf abzustimmen. Hierbei ging sie&lt;br /&gt;
wie ein Wissenschaftler vor, der die&lt;br /&gt;
Natur beobachtet. Ihr Labor war der&lt;br /&gt;
Klassenraum mit dem Lehrmaterial,&lt;br /&gt;
das sie früher für ihre zurückgeblie-&lt;br /&gt;
benen Kinder angefertigt hatte. Das&lt;br /&gt;
Ergebnis dieses Versuchs mit den&lt;br /&gt;
Kindern verwunderte Montessori in&lt;br /&gt;
höchstem Maße, denn es kamen neue&lt;br /&gt;
Eigenschaften an den Kindern zum&lt;br /&gt;
Vorschein, die man Kindern gewöhn-&lt;br /&gt;
lich nicht zuschreibt. Sie entwickelten&lt;br /&gt;
echtes Interesse von innen heraus für&lt;br /&gt;
die ihnen zur Verfügung stehenden&lt;br /&gt;
Materialien und pflegten die Übun-&lt;br /&gt;
gen mit höchster Konzentration und&lt;br /&gt;
innerer Beteiligung zu wiederholen,&lt;br /&gt;
wobei sie ihre Arbeit mit sichtlicher&lt;br /&gt;
Zufriedenheit und Genugtuung zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende führten. Sie zeigten Freude bei&lt;br /&gt;
der Arbeit und entwickelten Ord-&lt;br /&gt;
nungssinn. Eine Disziplin entwickel-&lt;br /&gt;
te sich, eine Selbstdisziplin, die nicht&lt;br /&gt;
von außen auferlegt war, sondern&lt;br /&gt;
sich aus dem Kind heraus entfaltete.&lt;br /&gt;
Die Kinder entwickelten innere Moti-&lt;br /&gt;
vation und wurden zu eigenständig&lt;br /&gt;
denkenden Schülern. Sie waren bereit&lt;br /&gt;
zu gehorchen und respektierten eine&lt;br /&gt;
vernünftige Autorität; sie waren äu-&lt;br /&gt;
ßerst wahrheitsliebend und wiesen&lt;br /&gt;
Initiative und Selbständigkeit auf.&lt;br /&gt;
Die bei Kindern so oft beobachtete&lt;br /&gt;
Besitzgier wurde sublimiert, und sie&lt;br /&gt;
entfalteten einen ausgesprochenen&lt;br /&gt;
Sinn für persönliche Würde. Dieser&lt;br /&gt;
Prozeß wurde als »Normalisierung«&lt;br /&gt;
bekannt, und im Laufe der Zeit ent-&lt;br /&gt;
deckte man bei verschiedenen Kin-&lt;br /&gt;
dergruppen noch weitere Wege, um&lt;br /&gt;
diesen Prozeß in Gang zu setzen. Die&lt;br /&gt;
Kinder wurden machmal »neue Kin-&lt;br /&gt;
der« genannt. Aus der ganzen Welt&lt;br /&gt;
kamen Menschen, um diesen Klas-&lt;br /&gt;
senraum zu besichtigen. Froebel hatte&lt;br /&gt;
eine schwache Ahnung, was man un-&lt;br /&gt;
ter einem »normalisierten Kind« zu&lt;br /&gt;
verstehen habe, und ebenso erging es&lt;br /&gt;
Tolstoi an seiner Schule in Yasnaya-&lt;br /&gt;
Polyana. Montessori aber war die er-&lt;br /&gt;
ste, die herausfand, welche Bedin-&lt;br /&gt;
gungen die Normalisierung ermögli-&lt;br /&gt;
chen und welche Umstände sie ver-&lt;br /&gt;
hindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esisteine tiefgreifende Erfahrung&lt;br /&gt;
für einen Lehrer, einzelne Schüler&lt;br /&gt;
oder eine ganze Klasse während des&lt;br /&gt;
Prozesses der Normalisierung zu be-&lt;br /&gt;
obachten. Man empfindet es als ein&lt;br /&gt;
Vorrecht und fühlt sich geistig beflü-&lt;br /&gt;
gelt. Als Montessori dies zum ersten&lt;br /&gt;
Mal erlebte, erschien es ihr unglaub-&lt;br /&gt;
lich. Ihre eigenen Worte vermitteln&lt;br /&gt;
uns ihre große Verwunderung: »Es&lt;br /&gt;
dauerte eine Zeit lang, bis ich mich&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=23}}Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst davon überzeugt hatte, daß&lt;br /&gt;
dies keine Illusion war. Nach jeder&lt;br /&gt;
neuen Erfahrung, die die Richtigkeit&lt;br /&gt;
der Beobachtungen bewies, sagte ich&lt;br /&gt;
zu mir: »Ich glaube es noch nicht; das&lt;br /&gt;
nächste Mal werde ich daran glau-&lt;br /&gt;
ben«. So blieb ich lange skeptisch,&lt;br /&gt;
doch zugleich auch höchst bestürzt&lt;br /&gt;
und aufgewühlt. Wie oft tadelte ich&lt;br /&gt;
die Lehrerin der Kinder, wenn sie mir&lt;br /&gt;
davonberichtete, was die Kinder alles&lt;br /&gt;
aus sich heraus getan hatten. »Mich&lt;br /&gt;
kann nur die Wahrheit überzeugen«,&lt;br /&gt;
pflegte ich streng zu antworten. Ich&lt;br /&gt;
erinnere mich, daß die Lehrerin, ohne&lt;br /&gt;
beleidigt zu sein und manchmal mit&lt;br /&gt;
Tränenin den Augen, antwortete: »Sie&lt;br /&gt;
haben recht; wenn ich so etwas sehe,&lt;br /&gt;
glaube ich, daß Engel diese Kinder&lt;br /&gt;
inspirieren.&amp;lt; Eines Tages nahm ich&lt;br /&gt;
tief bewegt mein Herz in beide Hän-&lt;br /&gt;
de, als müßte ich es ermutigen, sich in&lt;br /&gt;
die Höhen des Glaubens zu erheben,&lt;br /&gt;
und ich stellte mich voll Ehrerbietung&lt;br /&gt;
vor die Kinder und sprach zu mir:&lt;br /&gt;
»Wer also seid ihr? Bin ich etwa den&lt;br /&gt;
Kindern begegnet, die Christus in Ar-&lt;br /&gt;
men hielt und zu denen er all die&lt;br /&gt;
heiligen Worte sprach? Ich will euch&lt;br /&gt;
folgen, um mit euch in das himmli-&lt;br /&gt;
sche Königreich einzutreten.&amp;lt; Und&lt;br /&gt;
mit der Fackel des Glaubens in den&lt;br /&gt;
Händen setzte ich meinen Weg fort.«&lt;br /&gt;
(Standing 5.53)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der folgenden sechs-&lt;br /&gt;
undvierzig Jahre arbeitete Maria&lt;br /&gt;
Montessori für das Wohl der Kinder&lt;br /&gt;
und durch die Kinder für das Wohl&lt;br /&gt;
der Menschheit. Ihre Studien über die&lt;br /&gt;
kindliche Seele fanden nie ein Ende.&lt;br /&gt;
Sie untersuchte die vielen vom Nor-&lt;br /&gt;
malzustand abweichenden Verhal-&lt;br /&gt;
tensformen wie Aggressivität,&lt;br /&gt;
Furchtsamkeit, Ungehorsam, ver-&lt;br /&gt;
schiedene Formen der Angst, Unor-&lt;br /&gt;
dentlichkeit und Zerstörungswut, so-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie übersteigerte Abhängigkeit, Be-&lt;br /&gt;
sitzgier und übersteigerte Fantasie.&lt;br /&gt;
Sie beschrieb, wie das Kind in den&lt;br /&gt;
Prozeß der Normalisierung geführt&lt;br /&gt;
werden kann. Folglich wurde Erzie-&lt;br /&gt;
hung ein Heilungsprozeß für den&lt;br /&gt;
kindlichen Geist. Hier denkt man an&lt;br /&gt;
die Worte &amp;quot;Abdu’l-Bahás: »Darum&lt;br /&gt;
muß der Lehrer zugleich auch ein&lt;br /&gt;
Arzt sein, das heißt, er muß, indem er&lt;br /&gt;
das Kind unterrichtet, seine Fehler&lt;br /&gt;
heilen. Er muß es lehren und es&lt;br /&gt;
gleichzeitig anleiten, seine geistigen&lt;br /&gt;
Anlagen auszubilden. Laßt den Leh-&lt;br /&gt;
rer ein Arzt des kindlichen Charak-&lt;br /&gt;
ters sein, so wird er die geistigen Lei-&lt;br /&gt;
den der Kinder der Menschheit hei-&lt;br /&gt;
len.« (Kindererziehung, Nr.47) Dies&lt;br /&gt;
ist das erste und vornehmste Ziel der&lt;br /&gt;
Erziehungsmethode Montessoris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Montessori fand heraus, daß Kin-&lt;br /&gt;
der in ihrer Entwicklung plötzlich ei-&lt;br /&gt;
ne Phase erreichten, in.der sie Lesen&lt;br /&gt;
und Schreiben genauso selbstver-&lt;br /&gt;
ständlich erlernten wie das Sprechen.&lt;br /&gt;
Sie beobachtete und beschrieb das&lt;br /&gt;
Phänomen der »sensiblen Phasen«&lt;br /&gt;
bei Kindern. Den Begriff der »sensi-&lt;br /&gt;
blen Phasen« hatte als erster deVries,&lt;br /&gt;
ein Biologe, im Zusammenhang mit&lt;br /&gt;
Tieren verwandt. Gemeint sind zeit-&lt;br /&gt;
lich begrenzte Abschnitte höchster&lt;br /&gt;
Empfänglichkeit, in denen der Orga-&lt;br /&gt;
nismus bestimmte Fähigkeiten oder&lt;br /&gt;
wesentliche Eigenschaften erwirbt.&lt;br /&gt;
Maria Montessori sagt über Kinder:&lt;br /&gt;
»Kinder durchschreiten gewisse Pha-&lt;br /&gt;
sen, in denen sie seelische Begabun-&lt;br /&gt;
gen und Möglichkeiten aufweisen,&lt;br /&gt;
die später wieder verschwinden. Des-&lt;br /&gt;
halb zeigen sie zu gewissen Zeiten in&lt;br /&gt;
ihrem Leben ein großes und außerge-&lt;br /&gt;
wöhnliches Interesse an bestimmten&lt;br /&gt;
Dingen und Tätigkeiten.«(Standing&lt;br /&gt;
5.20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Maria Montessori im-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mer tiefere Erkenntnisse über das&lt;br /&gt;
Kind gewann und Methoden heraus-&lt;br /&gt;
fand, um den Nöten des Kindes ge-&lt;br /&gt;
recht zu werden, verbreitete sich ihr&lt;br /&gt;
Erziehungskonzept auf der ganzen&lt;br /&gt;
Welt. Montessori bereiste verschiede-&lt;br /&gt;
ne europäische Länder, hielt öffentli-&lt;br /&gt;
che Vorlesungen, richtete Übungs-&lt;br /&gt;
kurse für Lehrer ein und half mit,&lt;br /&gt;
Schulen aufzubauen. 1913 unter-&lt;br /&gt;
nahm sie die erste von mehreren Rei-&lt;br /&gt;
sen in die Vereinigten Staaten. Sie&lt;br /&gt;
sprach in der Carnegie Hall in New&lt;br /&gt;
York vor 5000 Zuhörern, gewann&lt;br /&gt;
, 1915 bei der Ausstellung in San Fran-&lt;br /&gt;
cisco die Goldmedaille für den Ent-&lt;br /&gt;
wurf eines Klassenzimmers und&lt;br /&gt;
sprach mit vielen interessierten Ge-&lt;br /&gt;
sellschaften und Einzelpersonen über&lt;br /&gt;
ihre Ideen. In verschiedenen Städten&lt;br /&gt;
Südamerikas hielt sie Vorlesungen&lt;br /&gt;
und leitete zahlreiche Kurse während&lt;br /&gt;
ihres Aufenthaltes in Indien und Pa-&lt;br /&gt;
kistan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen aus Asien, Afrika, Au-&lt;br /&gt;
stralien, Europa und Amerika be-&lt;br /&gt;
suchten sie. In all diesen Kontinenten&lt;br /&gt;
wurden Schulen eröffnet, an denen&lt;br /&gt;
Kinder aus unterschiedlichsten sozia-&lt;br /&gt;
len Schichten und kulturellem Hin-&lt;br /&gt;
dergrund unterrichtet wurden. Es&lt;br /&gt;
zeigte sich deutlich, daß das Phäno-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Gutes Betragen und ein hoher&lt;br /&gt;
sittlicher Charakter müssen an&lt;br /&gt;
erster Stelle stehen, denn ohne&lt;br /&gt;
Charakterbildung wird sich das&lt;br /&gt;
Erwerben von Wissen nur nach-&lt;br /&gt;
teilig erweisen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men, das Montessori beobachtet hat-&lt;br /&gt;
te, allgemeingültig war. Es war für&lt;br /&gt;
Montessori typisch, daß sie - obwohl&lt;br /&gt;
sie sich beim Entwurf ihres Lehrkon-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeptes eingehend mit jedem kleinsten&lt;br /&gt;
Detail befaßte - ein umfassenderes&lt;br /&gt;
Ziel vor Augen hatte: die Auswir-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jede Tat, die die Errichtung ei-&lt;br /&gt;
ner echten Gemeinschaft der&lt;br /&gt;
ganzen Menschheit behindert,&lt;br /&gt;
muß als unmoralisch und be-&lt;br /&gt;
drohlich für das Leben der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft an-&lt;br /&gt;
gesehen werde.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kung ihrer Arbeit auf die gesamte&lt;br /&gt;
Menschheit. Sie stellte bei ihrer For-&lt;br /&gt;
schungsarbeit mit Kindern so unter-&lt;br /&gt;
schiedlicher Herkunft fest, daß durch&lt;br /&gt;
die richtige Erziehung eine große, zur&lt;br /&gt;
Verbesserung der Menschheit beitra-&lt;br /&gt;
gende Kraft frei würde. Sie schreibt:&lt;br /&gt;
»Erziehung kann nicht als ein bedeu-&lt;br /&gt;
tungsloser Faktor im menschlichen&lt;br /&gt;
Leben abgetan werden, als bloßes&lt;br /&gt;
Mittel, dem jungen Menschen einige&lt;br /&gt;
kulturelle Grundlagen zu vermitteln.&lt;br /&gt;
An erster Stelle muß sie im richtigen&lt;br /&gt;
Zusammenhang mitder Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Werte, vor allem seiner&lt;br /&gt;
moralischen Werte, gesehen werden;&lt;br /&gt;
danach im Zusammenhang mit dem&lt;br /&gt;
Entstehen einer Gesellschaft, die sich&lt;br /&gt;
aus Individuen, die mit diesen Wer-&lt;br /&gt;
ten ausgestattet sind, zusammensetzt&lt;br /&gt;
und sich ihrer Bestimmung völlig be-&lt;br /&gt;
wußt ist. Eine neue Moral muß diese&lt;br /&gt;
neue Form von Zivilisation begleiten.&lt;br /&gt;
Ordnung und Disziplin müssen dar-&lt;br /&gt;
auf abzielen, Harmonie unter den&lt;br /&gt;
Menschen zu erreichen, und jede Tat,&lt;br /&gt;
die die Errichtung einer Gemein-&lt;br /&gt;
schaft der ganzen Menschheit behin-&lt;br /&gt;
dert, muß als unmoralisch und be-&lt;br /&gt;
drohlich für das Leben der menschli-&lt;br /&gt;
chen Gesellschaft angesehen wer-&lt;br /&gt;
den.« (Education S.xiii)&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Gedanken stimmen mitden&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schriften überein, in denen&lt;br /&gt;
zahlreiche Hinweise auf die Bedeu-&lt;br /&gt;
tung der Erziehung sowohl für das&lt;br /&gt;
Individuum als auch für die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft enthalten sind, und die die&lt;br /&gt;
Notwendigkeit einer geistig-morali-&lt;br /&gt;
schen Erziehung verbunden miteiner&lt;br /&gt;
materiellen Erziehung hervorheben.&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate von ’Abdu’l-Ba-&lt;br /&gt;
hä veranschaulichen dies: »Ihr müßt&lt;br /&gt;
der Kindererziehung größte Auf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenschaften des Geistes und der&lt;br /&gt;
Seele äußerst ansteckend. Erziehung&lt;br /&gt;
hat einen allumfassenden Einfluß,&lt;br /&gt;
und die durch sie verursachten Un-&lt;br /&gt;
terschiede sind sehr groß.« (Kinderer-&lt;br /&gt;
ziehung, Nr.31)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um durch Erziehung das Poten-&lt;br /&gt;
tial des Kindes zu entwickeln, fordert&lt;br /&gt;
Montessori uns auf, eine neue Gei-&lt;br /&gt;
steshaltung einzunehmen. Sie ver-&lt;br /&gt;
langt, daß wir die Vorurteile, die wir&lt;br /&gt;
gegenüber der Natur des Kindes und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Montessori 1951&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
merksamkeit widmen, denn das ist&lt;br /&gt;
die Grundlage des göttlichen Geset-&lt;br /&gt;
zes und das Fundament für das Ge-&lt;br /&gt;
bäude Seines Glaubens.« (Kinderer-&lt;br /&gt;
ziehung, Nr.44) »Jedes Kind könnte&lt;br /&gt;
das Licht der Weltsein -und ebenfalls&lt;br /&gt;
ihre Finsternis. Deshalb muß der Fra-&lt;br /&gt;
ge der Erziehung größte Bedeutung&lt;br /&gt;
beigemessen werden.« (Kindererzie-&lt;br /&gt;
hung, Nr.48) »Gutes Betragen und ein&lt;br /&gt;
hoher sittlicher Charakter müssen an&lt;br /&gt;
erster Stelle stehen, denn ohne Cha-&lt;br /&gt;
rakterbildung wird sich das Erwer-&lt;br /&gt;
ben von Wissen nur nachteilig erwei-&lt;br /&gt;
sen.« (Kindererziehung, Nr.58) »Er-&lt;br /&gt;
ziehung muß als außerordentlich&lt;br /&gt;
wichtig angesehen werden; denn wie&lt;br /&gt;
Krankheiten in der körperlichen Welt&lt;br /&gt;
sehr ansteckend sind, genauso sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Erziehung haben, ablegen und&lt;br /&gt;
uns bemühen, beides in einem neuen&lt;br /&gt;
Licht zu sehen. Zu diesen Vorurteilen&lt;br /&gt;
zählt die Vorstellung, das Kind sei ein&lt;br /&gt;
leeres Gefäß, das zu füllen die Er-&lt;br /&gt;
wachsenen völlig berechtigt und ver-&lt;br /&gt;
antwortlich seien. Auch setzt man&lt;br /&gt;
voraus, daß das Kind nur iin geringem&lt;br /&gt;
Maß der Selbstkontrolle und Konzen-&lt;br /&gt;
tration fähig ist und sich um seine&lt;br /&gt;
Bedürfnisse nicht kümmert. Man&lt;br /&gt;
glaubt, daß kleine Kinder keinerlei&lt;br /&gt;
Art von Arbeit verrichten dürfen und&lt;br /&gt;
vor jeder intellektuellen Herausfor-&lt;br /&gt;
derung bewahrt werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So verbreitet sind diese Vorurtei-&lt;br /&gt;
le, daß sie fast überall akzeptiert wer-&lt;br /&gt;
den. Folglich haben viele Menschen&lt;br /&gt;
noch nie ein »normalisiertes« Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=26}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, das Merkmale wie Liebe zur&lt;br /&gt;
Arbeit, Konzentrationsfähigkeit,&lt;br /&gt;
Selbständigkeit, Bereitschaft zur Her-&lt;br /&gt;
ausforderung, einen hilfsbereiten, ko-&lt;br /&gt;
operativen Geist und Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
sowie inneren Frieden und Heiterkeit&lt;br /&gt;
entfaltet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Montessori wehrte sich dagegen,&lt;br /&gt;
daß man ihre Arbeit die »Montessori-&lt;br /&gt;
Methode« nannte, da dies auf ein Sy-&lt;br /&gt;
stem von Schulen und Einrichtungen&lt;br /&gt;
schließen lasse und verhindere, die&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf die innere Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit des Kindes zu richten. Sie be-&lt;br /&gt;
tonte, daß »uns diese Erziehung gege-&lt;br /&gt;
ben ist, und wir sie nicht selbst kon-&lt;br /&gt;
struieren können.« (Formation S.1)&lt;br /&gt;
Oft fordert sie uns auf, Erziehung als&lt;br /&gt;
»Lebenshilfe« anzusehen. Margaret&lt;br /&gt;
Stephenson, eine Schülerin von Mon-&lt;br /&gt;
tessori, die selbst Lehrer ausbildete,&lt;br /&gt;
erklärt: »Wenn wir an das Leben den-&lt;br /&gt;
ken und nicht an eine Schule oder&lt;br /&gt;
Klasse, dann müssen wir einen viel&lt;br /&gt;
tiefgründigeren, breiteren und weite-&lt;br /&gt;
ren Standpunkt einnehmen, als wür-&lt;br /&gt;
den wir nur ein Erziehungssystem&lt;br /&gt;
untersuchen. Montessori arbeitete für&lt;br /&gt;
das Leben selbst, nicht nur für den&lt;br /&gt;
Erziehungsprozeß im Leben. Nur&lt;br /&gt;
wenn wir das verstehen, fangen wir&lt;br /&gt;
an zu begreifen, was sie wirklich für&lt;br /&gt;
die Menschheit geleistet hat.« (Secret&lt;br /&gt;
SxvD&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Erziehung muß&lt;br /&gt;
daher darin bestehen, die inneren Ge-&lt;br /&gt;
setze, nach denen sich die Entwick-&lt;br /&gt;
lung der menschlichen Persönlichkeit&lt;br /&gt;
vollzieht, aufzudecken. Die Umge-&lt;br /&gt;
bung, die Einstellung und die Mittel&lt;br /&gt;
müssen bereitgestellt werden, die am&lt;br /&gt;
wirkungsvollsten die kindliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung gewährleisten. Gleichzeitig&lt;br /&gt;
muß die Erziehung alles aus dem&lt;br /&gt;
Weg räumen, was diesen Prozeß auf-&lt;br /&gt;
hält. In dem Maße, wie Montessori in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieser Weise vorging, zeigten sich&lt;br /&gt;
wunderbare Ergebnisse. Unwillkür-&lt;br /&gt;
lich muß man an die Worte Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs denken: »Der Mensch ist&lt;br /&gt;
der höchste Talisman. Der Mangel an&lt;br /&gt;
geeigneter Erziehung hat ihn jedoch&lt;br /&gt;
dessen beraubt, was er seinem Wesen&lt;br /&gt;
nach besitzt. Durch ein Wort, das aus&lt;br /&gt;
dem Munde Gottes hervorging, wur-&lt;br /&gt;
de er ins Dasein gerufen. Durch ein&lt;br /&gt;
weiteres Wort ward er dazu geführt,&lt;br /&gt;
den Quell seiner Erziehung zu erken-&lt;br /&gt;
nen. Durch wieder ein anderes Wort&lt;br /&gt;
wurden seine Stufe und seine Bestim-&lt;br /&gt;
mung sichergestellt. Das Höchste&lt;br /&gt;
Wesen spricht: Betrachte den Men-&lt;br /&gt;
schen als ein Bergwerk, reich an Edel-&lt;br /&gt;
steinen von unschätzbarem Wert.&lt;br /&gt;
Nur die Erziehung kann bewirken,&lt;br /&gt;
daß es seine Schätze enthüllt und die&lt;br /&gt;
Menschheit daraus Nutzen zu ziehen&lt;br /&gt;
vermag.« (Ährenlese Nr.122)&lt;br /&gt;
Montessori siehtin dem Kind den&lt;br /&gt;
Schlüssel zur Entwicklung innerhalb&lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft - eine&lt;br /&gt;
Entwicklung, die uns nicht nur zu&lt;br /&gt;
den bis heute bekannten Stufen der&lt;br /&gt;
Zivilisation, sondern zu noch nicht&lt;br /&gt;
erkannten Stufen von Vollkommen-&lt;br /&gt;
heit und Einheit führt. Sie spricht&lt;br /&gt;
über die verheißungsvolie Kindheit&lt;br /&gt;
mit folgenden Worten: »Wir müssen&lt;br /&gt;
mehr über das eine Gesetz erfahren,&lt;br /&gt;
das hinter allem steht, über den Ur-&lt;br /&gt;
sprung, aus dem die Menschheit, je-&lt;br /&gt;
der einzelne Mensch, jede Rasse und&lt;br /&gt;
jede Religion hervorgehen. Diese gro-&lt;br /&gt;
ße Quelle hat einen Plan, der sich&lt;br /&gt;
nicht nur durch den Einfluß des Er-&lt;br /&gt;
wachsenen auf das Kind, sondern&lt;br /&gt;
auch durch den Einfluß des Kindes&lt;br /&gt;
auf den Erwachsenen erfüllt. Und&lt;br /&gt;
letzteres istnicht allein ein Gefühl der&lt;br /&gt;
Liebe, obwohl es einen sehr großen&lt;br /&gt;
Einfluß ausübt. Es ist vielmehr ein&lt;br /&gt;
echter Einfluß, der auf Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=27}}Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Weisheit beruht. Denn wenn wir&lt;br /&gt;
die ganze Menschheiteinigen wollen,&lt;br /&gt;
indem wir dem Kind Aufmerksam-&lt;br /&gt;
keitschenken, kommen wir mitetwas&lt;br /&gt;
in Berührung, was der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit eigen ist... Wenn das&lt;br /&gt;
Kind geboren wird, spricht es keine&lt;br /&gt;
besondere Sprache, hat keine beson-&lt;br /&gt;
dere Religion, kennt keine Vorurteile&lt;br /&gt;
gegenüber Volk oder Rasse. Die Men-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Aufgabe der Erziehung ist&lt;br /&gt;
es, Frieden zu errichten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen erwerben diese Dinge. Welche&lt;br /&gt;
Möglichkeit bietet sich der Mensch-&lt;br /&gt;
heit durch dieses kleine Kind!« (For-&lt;br /&gt;
mation 5.6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr die Menschen Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
anerkennen und nach den Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
setzen und Lehren leben, umso deut-&lt;br /&gt;
licher wird sich ein allgemeingültiger&lt;br /&gt;
Maßstab herausstellen, nach dem die&lt;br /&gt;
Menschen ihr Leben ausrichten. Das&lt;br /&gt;
Werk Montessoris empfiehlt einen&lt;br /&gt;
universalen Lehrplan und eine uni-&lt;br /&gt;
verselle Methode innerhalb einer so&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Welt, daes sich auf&lt;br /&gt;
die im Menschen angelegten Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsgesetze, wie sie sich im&lt;br /&gt;
Kind zeigen, stützt und nicht auf ir-&lt;br /&gt;
gendwelche erdachten und kulturell&lt;br /&gt;
beeinflußten Lehrmethoden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der größten Hindernisse,&lt;br /&gt;
das es auf dem Weg zu einer neuen&lt;br /&gt;
Weltzivilisation auszuräumen gilt, ist&lt;br /&gt;
die anhaltende Kriegsgefahr sowie&lt;br /&gt;
der Krieg selbst. ’Abdu’l-Bahá sprach&lt;br /&gt;
oft über dieses Thema und stellte den&lt;br /&gt;
Frieden als ein Ziel der Erziehung&lt;br /&gt;
heraus: »Ihr müßt die Saat des Frie-&lt;br /&gt;
dens in die formbaren Seelen der Kin-&lt;br /&gt;
der säen. Lehrt sie die Siege des Frie-&lt;br /&gt;
dens. Umhegt sie mit Stunden des&lt;br /&gt;
Friedens. Umhüllt sie mit der At-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mosphäre des Friedens und begei-&lt;br /&gt;
stert ihre Herzen durch die ruhmrei-&lt;br /&gt;
chen Ergebnisse des Friedens. Laßt&lt;br /&gt;
Frieden ihre Nahrung sein, laßt Frie-&lt;br /&gt;
den ihr Vorhaben und ihr höchstes&lt;br /&gt;
Streben sein, laßt Frieden die treiben-&lt;br /&gt;
de Kraft in ihrem Leben sein.« (Bahä’i&lt;br /&gt;
Quotations 5.29)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem in ihrem späteren Le-&lt;br /&gt;
ben widmete Montessori viele Ge-&lt;br /&gt;
danken und viel Energie der Frage&lt;br /&gt;
des Weltfriedens und der Rolle der&lt;br /&gt;
Erziehung bei der Förderung des&lt;br /&gt;
Friedens. Von 1930 bis zu ihrem Tod&lt;br /&gt;
1952 wandte sie sich an viele Frie-&lt;br /&gt;
denskonferenzen, schrieb ausführlich&lt;br /&gt;
über dieses Thema und wurde zwei-&lt;br /&gt;
mal für den Friedensnobelpreis vor-&lt;br /&gt;
geschlagen. 1932 schrieb sie an das&lt;br /&gt;
Amt für Erziehung in Genf: »Allge-&lt;br /&gt;
mein versteht man unter dem Begriff&lt;br /&gt;
‚Frieden&amp;lt; das Nichtvorhandensein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An erster Stelle muß die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung innerer Qualitäten&lt;br /&gt;
stehen, erst dann kommt die&lt;br /&gt;
Vermittlung von Fertigkeiten&lt;br /&gt;
und Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Krieg, aber diese negative Auf-&lt;br /&gt;
fassung entspricht nicht dem Begriff&lt;br /&gt;
von echtem Frieden.« (Education 5.4)&lt;br /&gt;
Und ebenso: »Die Tatsache, daß wir&lt;br /&gt;
fälschlicherweise den anhaltenden&lt;br /&gt;
Triumph der Waffen »Sieg« nennen,&lt;br /&gt;
führt dazu, daß wir versäumen, eine&lt;br /&gt;
Lösung zu finden, einen Weg, der uns&lt;br /&gt;
zu wahrem Frieden führen könnte.«&lt;br /&gt;
(Education 5.6) Zu dem europäischen&lt;br /&gt;
Friedenskongreß in Brüssel sagte sie:&lt;br /&gt;
»Die Aufgabe der Politiker ist es,&lt;br /&gt;
Konflikte zu verhindern. Die Aufga-&lt;br /&gt;
be der Erziehung ist es, Frieden zu&lt;br /&gt;
schaffen. Wir müssen die Welt von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=28}}Bahä’i-Briefe Nr.59 Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Notwendigkeit überzeugen, eine&lt;br /&gt;
universelle, gemeinsame Anstren-&lt;br /&gt;
gung zu unternehmen, um die&lt;br /&gt;
Grundlage für den Frieden zu legen.«&lt;br /&gt;
(Education $.27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kann Erziehung Frieden för-&lt;br /&gt;
dern? Nicht durch die Art der Erzie-&lt;br /&gt;
hung, die zur Zeitin der Welt verbrei-&lt;br /&gt;
tet ist. Montessori erklärt, daß die Er-&lt;br /&gt;
ziehung auf der Stufe stehengeblie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Montessori&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ben ist, wo die Menschen mit Pfeil&lt;br /&gt;
und Bogen umgingen, während die&lt;br /&gt;
Kriegswaffen immer ausgeklügelter&lt;br /&gt;
geworden sind. Sie betont, daß Frie-&lt;br /&gt;
denserziehung nicht allein darin be-&lt;br /&gt;
steht, dem Krieg die Faszination zu&lt;br /&gt;
nehmen, Kriegsspielzeug zu entfer-&lt;br /&gt;
nen oder im Geschichtsunterricht&lt;br /&gt;
nicht mehr über Kriege zu sprechen.&lt;br /&gt;
Sie sagt, daß es nicht einmal genüge,&lt;br /&gt;
dem Kind Liebe und Respekt vor al-&lt;br /&gt;
len Lebewesen zu vermitteln, obwohl&lt;br /&gt;
das sehr wichtig sei. Krieg ist ein sehr&lt;br /&gt;
komplexes Phänomen, hebt sie her-&lt;br /&gt;
vor. Die Menschheit ist von Ereignis-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sen überschüttet. Die Gesellschaft&lt;br /&gt;
von egoistischen Individuen hat sich&lt;br /&gt;
in einer rein materialistischen Weise&lt;br /&gt;
entwickelt und ist unwissend und&lt;br /&gt;
zerrüttet geblieben. In einer Anspra-&lt;br /&gt;
che in Kopenhagen sagte sie: »Eine&lt;br /&gt;
Erziehung, die die Menschheit zu ret-&lt;br /&gt;
ten vermag, ist kein geringes Unter-&lt;br /&gt;
fangen. Sie beinhaltet die geistige Ent-&lt;br /&gt;
wicklung des Menschen, die Steige-&lt;br /&gt;
rung des Selbstwertgefühls beim ein-&lt;br /&gt;
zelnen und die Vorbereitung junger&lt;br /&gt;
Menschen auf das Verständnis der&lt;br /&gt;
Zeit, in der sie leben.« (Education&lt;br /&gt;
5.34)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An erster Stelle muß die Entwick-&lt;br /&gt;
lung innerer Qualitäten stehen, erst&lt;br /&gt;
dann kommt die Vermittlung von&lt;br /&gt;
Fertigkeiten und Kultur. Montessori&lt;br /&gt;
sagt: »Die heutige Erziehung läßt den&lt;br /&gt;
einzelnen verblöden und seine geisti-&lt;br /&gt;
gen Werte verschwinden. Er wird zu&lt;br /&gt;
einer Nummer, einem Zahnrad in der&lt;br /&gt;
blinden Maschine, die seine Umwelt&lt;br /&gt;
darstellt. Eine solche Vorbereitung&lt;br /&gt;
auf das Leben war zu jeder Zeit falsch;&lt;br /&gt;
heute istsie ein Verbrechen, eine Sün-&lt;br /&gt;
de. Eine Erziehung, die die morali-&lt;br /&gt;
sche Stimme des Menschen unter-&lt;br /&gt;
drückt und zurückweist, die Hinder-&lt;br /&gt;
nisse und Barrieren auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Entwicklung von Intelligenz errich-&lt;br /&gt;
tet, die große Bevölkerungsteile zur&lt;br /&gt;
Unwissenheit verdammt, ist verbre-&lt;br /&gt;
cherisch. Da alle Reichtümer durch&lt;br /&gt;
die Anstrengung des Menschen zu-&lt;br /&gt;
stande kommen, ist es absurd, nicht&lt;br /&gt;
den Menschen selbst als wichtigste&lt;br /&gt;
Grundlage für unsere Reichtümer an-&lt;br /&gt;
zusehen. Wir müssen den Wert der&lt;br /&gt;
menschlichen Energie, seinen Ver-&lt;br /&gt;
stand, seinen schöpferischen Geist,&lt;br /&gt;
seine moralischen Kräfte herausfin-&lt;br /&gt;
den, kultivieren und steigern, auf daß&lt;br /&gt;
nichts verloren geht. Vor allem muß&lt;br /&gt;
den moralischen Kräften Beachtung&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=29}}Kinder - Bürger einer neuen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschenkt werden. Er ist aufgerufen,&lt;br /&gt;
eine Mission im Universum zu über-&lt;br /&gt;
nehmen und zu erfüllen. Was der&lt;br /&gt;
Mensch erzeugt, muß auf ein Ziel ge-&lt;br /&gt;
richtet sein, das wir »Zivilisation«&lt;br /&gt;
oder einen gesellschaftlichen Über-&lt;br /&gt;
bau nennen können. Aber der&lt;br /&gt;
Mensch muß sich seiner eigenen Grö-&lt;br /&gt;
ße bewußt werden.« (Education&lt;br /&gt;
S.xiv)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist beeindruckend, wie sehr die&lt;br /&gt;
Worte von Montessori grundlegende&lt;br /&gt;
Bahä’i-Prinzipien widerspiegeln,&lt;br /&gt;
nämlich die Erhabenheit des mensch-&lt;br /&gt;
lichen Wesens und seine Lebensauf-&lt;br /&gt;
gabe, eine immer fortschreitende Kul-&lt;br /&gt;
tur voranzutragen. Sie hatte ein tiefes&lt;br /&gt;
Empfinden für die Größe der Zeit, in&lt;br /&gt;
der sie lebte, und für die Wichtigkeit&lt;br /&gt;
der in der Gesellschaft stattfindenden&lt;br /&gt;
Veränderungen. Sie erkannte die we-&lt;br /&gt;
sentlichsten Lehren der Bahä’i-Offen-&lt;br /&gt;
barung: Die Einheit der Menschheit,&lt;br /&gt;
die Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft, die Gleichwertig-&lt;br /&gt;
keit von Mann und Frau, und emp-&lt;br /&gt;
fand den geistigen Aspekt als wich-&lt;br /&gt;
tigste Realität für das Leben der&lt;br /&gt;
Menschheit. Nicht nur ihre Worte,&lt;br /&gt;
sondern auch ihre Taten veranschau-&lt;br /&gt;
lichen den Geist eines Lebens, zu dem&lt;br /&gt;
uns die Bahä’i-Schriften auffordern.&lt;br /&gt;
Von früher Jugend an sah Montessori&lt;br /&gt;
einen Sinn in ihrem Leben und suchte&lt;br /&gt;
aktiv nach geistiger Führung, um die-&lt;br /&gt;
sen Sinn zu erfüllen. Hindernisse auf&lt;br /&gt;
ihrem Weg konnten sie nicht abbrin-&lt;br /&gt;
gen, ihre Arbeit fortzuführen. Jedem&lt;br /&gt;
Druck, sich politisch zu binden, wi-&lt;br /&gt;
dersetzte sie sich aus einem starken&lt;br /&gt;
Gefühl der Unabhängigkeit. Montes-&lt;br /&gt;
sori lebte ihr Leben im Geist des Dien-&lt;br /&gt;
stes an der Menschheit und opferte&lt;br /&gt;
sich bis zu ihrem Tod für dieses Ziel.&lt;br /&gt;
Diese Gedenkschrift steht auf dem&lt;br /&gt;
Familiengrab der Montessoris in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rom: »Maria Montessori, berühmte&lt;br /&gt;
Wissenschaftlerin und Pädagogin,&lt;br /&gt;
die ihr Leben der geistigen Erneue-&lt;br /&gt;
rung und dem Fortschritt der&lt;br /&gt;
Menschheit durch das Kind weihte.&lt;br /&gt;
Sie ruht auf dem katholischen Fried-&lt;br /&gt;
hof von Noordwijk (Holland), weit&lt;br /&gt;
entfernt von ihrem Heimatland, das&lt;br /&gt;
sie so sehr liebte, und von den gelieb-&lt;br /&gt;
ten Menschen, die dort begraben&lt;br /&gt;
sind. Dies bestimmte sie so, um ein&lt;br /&gt;
Zeugnis für die Universalität ihres&lt;br /&gt;
Werkes abzulegen, das sie zu einer&lt;br /&gt;
Weltbürgerin machte.« (Maria S.64)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei allem, was sie erreicht hatte,&lt;br /&gt;
blieb Montessori immer bescheiden.&lt;br /&gt;
Sie bittet uns, nicht sie zu verehren,&lt;br /&gt;
sondern auf das Kind zu blicken, das&lt;br /&gt;
sie zum Inhalt ihres Werkes gemacht&lt;br /&gt;
hatte. Indem sie sich auf ihren »klei-&lt;br /&gt;
nen und unvollkommenen« Beitrag&lt;br /&gt;
beruft, ruft si« andere auf, ihr Werk&lt;br /&gt;
fortzuführen: »Es handelt sich nicht&lt;br /&gt;
darum, den Menschen von einigen&lt;br /&gt;
Bindungen zu befreien, sondern ihn&lt;br /&gt;
»wiederherzustellen:; und die Wie-&lt;br /&gt;
derherstellung erfordert die Entwick-&lt;br /&gt;
lung einer »Wissenschaft über den&lt;br /&gt;
menschlichen Geist«. Dies ist eine&lt;br /&gt;
langwierige Arbeit, ein Streben, das&lt;br /&gt;
auf Forschung beruht, zu dem Tau-&lt;br /&gt;
sende von Menschen, die sich diesem&lt;br /&gt;
Ziel weihen, beitragen müssen. Wer&lt;br /&gt;
immer sich für dieses Ziel einsetzt,&lt;br /&gt;
muß von einem großen Ideal getra-&lt;br /&gt;
gen sein, das viel größer ist als jene&lt;br /&gt;
politischen Ideale, die soziale Verbes-&lt;br /&gt;
serungen herbeiführen und nur das&lt;br /&gt;
materielle Leben einiger Menschen-&lt;br /&gt;
gruppen betreffen, die unter Unge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit und Elend leiden. Dieses&lt;br /&gt;
Ideal ist in seinem Umfang universell.&lt;br /&gt;
Es zielt auf die Befreiung der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit hin. Beständige Arbeit,&lt;br /&gt;
wiederhole ich, ist vonnöten auf die-&lt;br /&gt;
sem Wege.«(Maria 5.19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellennachweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’i Quotations on Education, Na-&lt;br /&gt;
tional Spiritual Assembly of the Ba-&lt;br /&gt;
hä’is fo the Hawaiian Islands, Hono-&lt;br /&gt;
lulu 1971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh, Ährenlese, Bahä’i-Verlag,&lt;br /&gt;
Hofheim 1980&lt;br /&gt;
Montessori, Maria;&lt;br /&gt;
Peace, Chicago 1972&lt;br /&gt;
Montessori, Maria; The Formation of&lt;br /&gt;
Man, The Theosophical Publishing&lt;br /&gt;
House, Madras 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Montessori, Maria; The Secret of Child-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Education and&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hood, Fides Publishers, Notre Dame&lt;br /&gt;
1966&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Montessori: A Centenary An-&lt;br /&gt;
thology, Association Montessori Inter-&lt;br /&gt;
nationale, Amsterdam 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radice, Sheila; The New Children,&lt;br /&gt;
Hodder and Stoughton, London 1924&lt;br /&gt;
Standing, E.M.; Maria Montessori: Her&lt;br /&gt;
Life an Work, Mentor Books, New&lt;br /&gt;
York 1962&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziele der Kindererziehung, Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verlag, Hofheim 1979&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachte den Menschen als ein&lt;br /&gt;
Bergwerk, reich an Edelsteinen&lt;br /&gt;
von unschätzbarem Wert.&lt;br /&gt;
Nur die Erziehung kann bewirken,&lt;br /&gt;
daß es seine Schätze enthüllt&lt;br /&gt;
und die Menschheit daraus&lt;br /&gt;
Nutzen zu ziehen vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=31}}Werte und kulturelle Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner für gesellschaftlichen Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Spreter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Aufsatz beleuchtet die Art und Weise, mit der die junge und rasch wachsende&lt;br /&gt;
Baha’i-Gemeinde im Stande war und ist, auf der Basis von Vielseitigkeit einen Geist&lt;br /&gt;
der Einheit und Zusammenarbeit zu entfalten. Innerhalb von 150 Jahren haben sich&lt;br /&gt;
der Baha’i-Glaube und dessen Anhänger über alle Länder der Erde verbreitet. Die&lt;br /&gt;
wesentliche Antriebskraft dieser Entwicklung basiert auf einem Zusammenspiel von&lt;br /&gt;
geistigen und moralischen Werten, die den Glauben ihrer Anhänger prägen und durch&lt;br /&gt;
aktive Umsetzung dieser Werte zur praktischen Entwicklungsarbeit werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD Die Bahä’i-Einstellung zur&lt;br /&gt;
Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einbeziehung menschlicher Wer-&lt;br /&gt;
te stellt einen wesentlichen Aspekt je-&lt;br /&gt;
des Entwicklungsprozesses dar. Jede&lt;br /&gt;
Entwicklung benötigt direkt oder in-&lt;br /&gt;
direkteine Richtung, weil siesonstihr&lt;br /&gt;
Ziel nicht erreicht. Die Bedeutung&lt;br /&gt;
dieser Zielrichtung wird für das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein oft unterschätzt, weshalb&lt;br /&gt;
die meisten Menschen sich kaum mu-&lt;br /&gt;
tige Zukunftsvorstellungen ausma-&lt;br /&gt;
len. Viele Jahrhunderte hindurch galt&lt;br /&gt;
Religion als die größte Quelle für Zu-&lt;br /&gt;
kunftsvorstellungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion sieht den Sinn&lt;br /&gt;
des Lebens in dem Bemühen, die See-&lt;br /&gt;
le in dieser Welt zu vervollkommnen.&lt;br /&gt;
Dieses Ziel findet in diesem Dasein&lt;br /&gt;
seinen Ausdruck in geistigem und&lt;br /&gt;
humanitärem Handeln und bietet&lt;br /&gt;
Ansporn zum Dienst an der Gemein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft kooperativer Entwicklungsar-&lt;br /&gt;
beit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehren, ein Schlüssel für’s&lt;br /&gt;
Zusammenleben&lt;br /&gt;
Darüberhinaus betonen die Bahä’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Bahä’w’lläh, Ährenlese, Nr.111, Bahä’i-Verlag,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehren die große Bedeutung des Gei-&lt;br /&gt;
stes der Einigkeit in allen Angelegen-&lt;br /&gt;
heiten. Der Offenbarer des Glaubens,&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, schrieb: »O ihr streiten-&lt;br /&gt;
den Völker und Geschlechter der Er-&lt;br /&gt;
de! Wendet euer Angesicht der Ein-&lt;br /&gt;
heitzu und laßteuch vom Glanz ihres&lt;br /&gt;
Lichtes bescheinen.«! »Ihr seid die&lt;br /&gt;
Früchte eines Baumes, die Blätter ei-&lt;br /&gt;
nes Zweiges.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’ienthalten sich jeder Art&lt;br /&gt;
parteipolitischer Aktivitäten, han-&lt;br /&gt;
deln aber im ethischen Sinne höchst&lt;br /&gt;
politisch, indem sie sich bemühen,&lt;br /&gt;
Vorurteileabzubauen und alle Völker&lt;br /&gt;
weltweit in einer kooperativen At-&lt;br /&gt;
mosphäre zu vereinen. Sie sehen kul-&lt;br /&gt;
turelle Vielfalt und Mannigfaltigkeit&lt;br /&gt;
des Denkens als wertvolle Vorausset-&lt;br /&gt;
zung und Chance für eine bessere Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geist der Einheit zeigt sich&lt;br /&gt;
nach Ansicht der Bahä’inichtin Form&lt;br /&gt;
von Gleichförmigkeit, sondern in der&lt;br /&gt;
Wertschätzung der Vielfalt innerhalb&lt;br /&gt;
der Gemeinschaft, deren Zusammen-&lt;br /&gt;
halt einzig auf gemeinsamen geisti-&lt;br /&gt;
gen Grundwerten beruhen kann. Dies&lt;br /&gt;
macht die Bahä’i-Gemeinde im Um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofheim 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Bahä’u’lläh, Ährenlese, Nr.132, Bahä’i-Verlag, Hofheim 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=32}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gang mit eventuellen strittigen Pro-&lt;br /&gt;
blemen beachtenswert beweglich&lt;br /&gt;
und anpassungsfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachstum, ein Wechselspiel von&lt;br /&gt;
Vielseitigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Bahä’i Vielfalt als solche&lt;br /&gt;
fördern und schätzen, glauben sie&lt;br /&gt;
nicht, daß es erstrebenswert oder not-&lt;br /&gt;
wendig wäre, kulturelle Unterschie-&lt;br /&gt;
de zu erhalten oder gar zu unterstüt-&lt;br /&gt;
zen, indem man jegliche Einflüsse&lt;br /&gt;
von außen durch gegenseitige Isolie-&lt;br /&gt;
rung voneinander unterbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, der vor Ende des 19.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts starb, sah die Entwick-&lt;br /&gt;
lung einer Weltgesellschaft mit einer&lt;br /&gt;
nach und nach entstehenden Weltre-&lt;br /&gt;
gierung und eine funktionierende&lt;br /&gt;
weltweite Kommunikation mit einer&lt;br /&gt;
Welthilfssprache voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel für dieses Zusam-&lt;br /&gt;
menleben einer Weltgemeinschaft&lt;br /&gt;
liegt anstelle von Mißtrauen und&lt;br /&gt;
Wettbewerb in einer Haltung des ge-&lt;br /&gt;
genseitigen Respekts und der Wert-&lt;br /&gt;
schätzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Entwicklungsarbeit, die zu&lt;br /&gt;
kultureller Identität führen soll, muß&lt;br /&gt;
mit individueller und lokaler Initiati-&lt;br /&gt;
ve, mit Selbstvertrauen und Selbstbe-&lt;br /&gt;
stimmung betrieben werden. Nie-&lt;br /&gt;
mand soll jedoch eine Insel sein, we-&lt;br /&gt;
der als Person noch als Gemeinschaft,&lt;br /&gt;
denn alle brauchen Hilfe, Unterstüt-&lt;br /&gt;
zung und Anleitung von anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Keiner kann alles tun, alle kön-&lt;br /&gt;
nen nicht das gleiche tun.«° So führt&lt;br /&gt;
jedes Wachstum auch ein Eigenleben&lt;br /&gt;
mit unterschiedlichsten Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen. Die Basis bildet immer der&lt;br /&gt;
einzelne und die Gemeinde. Durch&lt;br /&gt;
ein ständiges Wechselspiel von konti-&lt;br /&gt;
nuierlicher Weiterentwicklung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen und der Einbindung seiner&lt;br /&gt;
Fähigkeiten zum Nutzen des Ganzen&lt;br /&gt;
wird dieser Entwicklungsprozeß ge-&lt;br /&gt;
nährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lernen und Lehren - Nehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Geben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Bahä’i-Sicht öffnen weder Wohl-&lt;br /&gt;
stand und Bildung noch Armut und&lt;br /&gt;
Unkenntnis automatisch die Him-&lt;br /&gt;
melspforte. Vielmehr muß der geisti-&lt;br /&gt;
ge Wert der Loslösung, d.h. die Be-&lt;br /&gt;
freiung von selbstsüchtigen und ma-&lt;br /&gt;
teriellen Wünschen zu einem Leben&lt;br /&gt;
der Hilfe am Nächsten in dieser Welt&lt;br /&gt;
führen. Das kann nur erreicht wer-&lt;br /&gt;
den, indem der Mensch über Prüfun-&lt;br /&gt;
gen und Schwierigkeiten des tägli-&lt;br /&gt;
chen Lebens hinauswächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Forderung sind die&lt;br /&gt;
sogenannten Reichen stärker auf die&lt;br /&gt;
Probe gestellt, weil sie durch Zer-&lt;br /&gt;
streuung und materiellen Besitz stär-&lt;br /&gt;
ker abgelenkt sind. Deshalb täten sie&lt;br /&gt;
gut daran, sich immer bewußt zu ma-&lt;br /&gt;
chen, daß der Prozeß des Nehmens&lt;br /&gt;
und Lernens auch das Geben und&lt;br /&gt;
Lehren auf der anderen Seite abver-&lt;br /&gt;
langt. Dies soll nicht bedeuten, daß&lt;br /&gt;
materielle Entwicklungshilfe nicht&lt;br /&gt;
vonnöten sei. Vielmehr muß parallel&lt;br /&gt;
zum traditionell wirtschaftlichen An-&lt;br /&gt;
satz der Entwicklungshilfe eine gei-&lt;br /&gt;
stige Entwicklung als Ergänzung er-&lt;br /&gt;
folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für groß angeleg-&lt;br /&gt;
te internationale Transaktionen wie&lt;br /&gt;
auch für viele bürgernahe Klein-Pro-&lt;br /&gt;
jektemitlokalen Zielsetzungen ist der&lt;br /&gt;
Geist der Einheit untereinander. Erst&lt;br /&gt;
ein solches positives Bewußtsein der&lt;br /&gt;
Einheit fördert die konstruktive Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit. Deshalb betonen die&lt;br /&gt;
Bahä’ieine offene, anerkennende und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Ridvän-Botschaft 1990, Universales Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=33}}Werte und kulturelle Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorurteilsfreie Haltung anderen ge-&lt;br /&gt;
genüber und versuchen, zwischen&lt;br /&gt;
dem Bemühen um materielles Wohl-&lt;br /&gt;
ergehen und dem Streben nach geisti-&lt;br /&gt;
gen und moralischen Zielen ein&lt;br /&gt;
Gleichgewicht zu halten. Das erfor-&lt;br /&gt;
derteine Balance zwischen der Ermu-&lt;br /&gt;
tigung zu individueller und lokaler&lt;br /&gt;
Initiative sowie der Kraft, die erst aus&lt;br /&gt;
der vereinten Aktion der Gemein-&lt;br /&gt;
schaft erwächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
co Bahä’i-Verwaltung und&lt;br /&gt;
Organisation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Glaubensgrundsatz, daß&lt;br /&gt;
materielle und geistige Entwicklung&lt;br /&gt;
in unauflöslicher Bindung miteinan-&lt;br /&gt;
der betrachtet werden müssen, be-&lt;br /&gt;
stimmt die Art und Weise, wie die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Aktivitäten organisiert wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Bahä’i ist angehalten, im Sinne&lt;br /&gt;
des geistigen Wandels an sich selbst&lt;br /&gt;
zu arbeiten und durch uneigennützi-&lt;br /&gt;
ges Dienen das Zusammenleben der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 19-Tage-Fest&lt;br /&gt;
Eine Bahä’i-Gemeinde trifft sich alle&lt;br /&gt;
19 Tage zur Gemeindeversammlung,&lt;br /&gt;
dem 19-Tage-Fest, in dessen Rahmen&lt;br /&gt;
die geistigen und sozialen Beziehun-&lt;br /&gt;
gen zwischen den Gemeindemitglie-&lt;br /&gt;
dern gepflegt und gefestigt werden.&lt;br /&gt;
Es gibt weder eine Berufsgeistlichkeit&lt;br /&gt;
noch starre Rituale und strenge For-&lt;br /&gt;
men, die den Lauf der Gemeindeent-&lt;br /&gt;
wicklung bestimmen oder hemmen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 19-Tage-Fest gliedert sich in&lt;br /&gt;
einen geistigen, einen administrati-&lt;br /&gt;
ven und einen geselligen Teil. Wäh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rend des administrativen Teils&lt;br /&gt;
herrschteine wechselseitige Kommu-&lt;br /&gt;
nikation: der Gemeinderat (s.u.) und&lt;br /&gt;
die Ausschüsse berichten von ihrer&lt;br /&gt;
Arbeit, die Gemeinde trägt Meinun-&lt;br /&gt;
gen und Vorschläge dazu bei. Zusätz-&lt;br /&gt;
lich werden alle Mitglieder ermutigt,&lt;br /&gt;
bei den anstehenden Aktivitäten mit-&lt;br /&gt;
zuwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geistige Rat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ortschaft hat, sofern eine genü-&lt;br /&gt;
gende Anzahl erwachsener Bahä’i&lt;br /&gt;
vorhanden ist, ihre eigene Admini-&lt;br /&gt;
stration. Sie wählt einen »Geistigen&lt;br /&gt;
Rat« mitneun Mitgliedern, der für die&lt;br /&gt;
dortigen Bahä’i-Angelegenheiten zu-&lt;br /&gt;
ständig ist. Der Rat wiederum wählt&lt;br /&gt;
seine Amtsträger und ernennt die&lt;br /&gt;
Mitglieder für verschiedene Aus-&lt;br /&gt;
schüsse. Gemeinsame Entscheidun-&lt;br /&gt;
gen werden weniger durch Diskus-&lt;br /&gt;
sion als durch Beratung miteinander&lt;br /&gt;
im Geiste von Gemeinsamkeit und&lt;br /&gt;
Einheit getroffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf nationaler Ebene wählen die Ba-&lt;br /&gt;
hä’i in jedem Land einen Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rat, der die Verantwortung&lt;br /&gt;
für die Belange des Glaubens im be-&lt;br /&gt;
treffenden Land übernimmt. Die&lt;br /&gt;
Wahl findet während einer Delegier-&lt;br /&gt;
tenkonferenz statt, ohne Nominie-&lt;br /&gt;
rung und ohne Wahlkampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle fünf Jahre versammeln sich die&lt;br /&gt;
Mitglieder der Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Räte im Bahä’i-Weltzentrum in Haifa,&lt;br /&gt;
Israel, um die neun Mitglieder des&lt;br /&gt;
höchsten Verwaltungsgremiums des&lt;br /&gt;
Glaubens zu wählen. Mit dem Uni-&lt;br /&gt;
versalen Haus der Gerechtigkeit ist&lt;br /&gt;
die Reihe der Bahä’i-Verwaltungs-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
struktur beendet. Alle Institutionen&lt;br /&gt;
wählen auf örtlicher, nationaler und&lt;br /&gt;
internationaler Ebene ihre leitenden&lt;br /&gt;
Gremien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oı Bahä’i - Prinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige Grundlage im Bahä’i-Le-&lt;br /&gt;
ben bilden die Bahä’i-Prinzipien. Die-&lt;br /&gt;
se sollen sowohl die Entwicklung des&lt;br /&gt;
einzelnen als auch die Förderung der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft zum Ziel haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prinzipien zur Entwicklung des&lt;br /&gt;
einzelnen&lt;br /&gt;
Eine Haltung des Gottvertrauens soll&lt;br /&gt;
zur Stärkung der eigenen Fähigkeit&lt;br /&gt;
beitragen und das Selbstvertrauen&lt;br /&gt;
und die Motivation erhöhen. Den Ba-&lt;br /&gt;
hä’fistder Glaube wichtiger, daß Gott&lt;br /&gt;
jedem beistehen wird, der sich ehrlich&lt;br /&gt;
bemüht, und daß die göttliche Kraft&lt;br /&gt;
denen hilft, die selbst aktiv werden.&lt;br /&gt;
Dies bedeutet, daß sie ihren Schwä-&lt;br /&gt;
chen nicht zuviel Beachtung schen-&lt;br /&gt;
ken, sondern sich den mannigfaltigen&lt;br /&gt;
Herausforderungen stellen.&lt;br /&gt;
Selbstiosess Dienen an der&lt;br /&gt;
Menschheit wird von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
zum Rang des Gottesdienstes erho-&lt;br /&gt;
ben. Er schrieb:»Vergeudet eure Zeit&lt;br /&gt;
nicht mit Faulheit und Müßiggang.&lt;br /&gt;
Beschäftigt euch mit dem, was euch&lt;br /&gt;
und anderen nützt«“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prinzipien zur Förderung der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Sicherheit und Selbstbewußt-&lt;br /&gt;
sein der einzelnen fördern wiederum&lt;br /&gt;
die Beziehungen zu anderen und ver-&lt;br /&gt;
bessern dadurch die Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit. Die entstehende wechselseitige&lt;br /&gt;
Abhängigkeit läßt das Gefühl für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde und eigenen Wert wachsen,&lt;br /&gt;
während beierzwungener Abhängig-&lt;br /&gt;
keit diese menschlichen Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten untergraben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i bemühen sich auf der&lt;br /&gt;
ganzen Welt, das Selbstwertgefühl&lt;br /&gt;
der Menschen dadurch zu stärken,&lt;br /&gt;
daß sie ihre Probleme selbst und zu-&lt;br /&gt;
erst auf örtlicher oder persönlicher&lt;br /&gt;
Ebene zu lösen versuchen. Die erste&lt;br /&gt;
Frage eines Bahä’i muß sein: »Was&lt;br /&gt;
kann ich selbst tun, um mein Problem&lt;br /&gt;
zu lösen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geistigen Räte beraten über&lt;br /&gt;
Ermutigung, Hilfe von außen, Bei-&lt;br /&gt;
stand und Unterstützung, ohne daß&lt;br /&gt;
eine andauernde Abhängigkeit geför-&lt;br /&gt;
dert wird. Entwicklungsarbeit muß&lt;br /&gt;
so aufgebaut sein, daß sie auf Dauer&lt;br /&gt;
ohne fremde Hilfe auskommen kann&lt;br /&gt;
und Langzeitverpflichtungen ver-&lt;br /&gt;
mieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftssinn soll im Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verständnis durch einen Geist des&lt;br /&gt;
Teilens und Arbeitens an gemeinsa-&lt;br /&gt;
men Zielen die Klassenschranken&lt;br /&gt;
und andere Barrieren überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verpflichtung zu finanzieller und&lt;br /&gt;
wirtschaftlicher Eigenständigkeit be-&lt;br /&gt;
deutet, daß Entwicklungsprojekte&lt;br /&gt;
vorrangig von der Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
selbst getragen werden müssen, je-&lt;br /&gt;
doch mit dem Gefühl des Rückhalts&lt;br /&gt;
in einer weltweit verbundenen Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bahä’i-Prinzipien für wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche und soziale Entwicklung&lt;br /&gt;
bleiben jedoch ohne jede praktische&lt;br /&gt;
Bedeutung, wenn sie sich nicht in Ta-&lt;br /&gt;
ten ausdrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Bahä’i im Bereich allge-&lt;br /&gt;
meiner Entwicklung tatsächlich lei-&lt;br /&gt;
sten, zeigt der folgende Artikel von&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahä’u’lläh, Botschaften aus Akkd, Bahä’i-Verlag, Hofheim 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vielfalt eine Chance&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beitrag der Bahä’i in der UN-Dekade&lt;br /&gt;
für weltweite kulturelle Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Dezember 1986 beschloß die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den&lt;br /&gt;
Zeitraum 1988-1997 als »Weltdekade für kulturelle Entwicklung« auszurufen. Diese&lt;br /&gt;
Dekade hat vier Hauptziele:&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Anerkennung der kulturellen Dimension der Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Stärkung und Bereicherung der kulturellen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Breitere Teilhabe am kulturellen Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angeregt durch die UNESCO-Generalkonferenz von 1982 steht diese Dekade unter&lt;br /&gt;
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen und der UNESCO. Zur Mitarbeit&lt;br /&gt;
aufgerufen sind außer allen Staaten die zahlreichen regionalen und nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen sowie andre Einrichtungen des UN-Systems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Internationale Bahd’i-Gemeinde hat als eine der zahlreichen nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
UN-assoziierten Organisationen seit 1970 beratenden Status. Um die Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit zwischen der Internationalen Baha’i-Gemeinde und der UNESCO zu unterstüt-&lt;br /&gt;
zen, wurden im Oktober 1988 und Januar 1990 weltweit Berichte über Beiträge der&lt;br /&gt;
Bahd’i zu den Zielen dieser Dekade erstellt. Der folgende Artikel stützt sich auf die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hieraus entnommenen Fakten 2&lt;br /&gt;
EI Von Anfang an&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Glaube ruft alle seine An-&lt;br /&gt;
hänger dazu auf, ihre persönlichen&lt;br /&gt;
Fähigkeiten ständig weiter zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln und gleichzeitig an der Ent-&lt;br /&gt;
faltung ihrer Gemeinschaft mitzuar-&lt;br /&gt;
beiten. »Alle Menschen wurden er-&lt;br /&gt;
schaffen, eine ständig fortschreitende&lt;br /&gt;
Kultur voranzutragen«, heißtesinih-&lt;br /&gt;
ren Lehren.? Unterstützt werden sie&lt;br /&gt;
dabei von ihren selbst gewählten Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Räten, die für das Bereitstellen&lt;br /&gt;
von Mitteln und Möglichkeiten ver-&lt;br /&gt;
antwortlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dieses zentrale Anliegen ih-&lt;br /&gt;
res Glaubens zu verwirklichen, haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Vereinte Nationen, 37. Jahrgang, Heft 1/89, 5.21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bahä’i im Iran schon um 1880 in-&lt;br /&gt;
formell zu unterrichten begonnen. Zu&lt;br /&gt;
dieser Zeit rang man im Westen noch&lt;br /&gt;
um die Anerkennung der allgemei-&lt;br /&gt;
nen Schulpflicht. Bis 1930 hatten sie&lt;br /&gt;
ein Netz von über 40 Mädchen- und&lt;br /&gt;
Jungenschulen aufgebaut, die für je-&lt;br /&gt;
den zugänglich waren und zu den&lt;br /&gt;
ersten modernen Bildungseinrich-&lt;br /&gt;
tungen des Landes zählten. Ein Son-&lt;br /&gt;
derprogramm legte den Schwer-&lt;br /&gt;
punkt auf Bildung für Frauen und&lt;br /&gt;
Landbevölkerung. Die Frucht dieser&lt;br /&gt;
Arbeit war, daß die iranische Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinde Anfang 1950 eine nahezu&lt;br /&gt;
100%ige Alphabetisierung erreichte.&lt;br /&gt;
Heute sind weltweit über 18.000 Ba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 _ Bahä’iInternational Community, Survey of Bahd’ { Education Programmes, 1988 und 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Bahä’u’lläh, ÄhrenleseS.188, Bahä’i-Verlag 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hä’i-Gemeinden in über 150 Ländern&lt;br /&gt;
und Territorien für die gleichen Ziele&lt;br /&gt;
tätig. Ihre am Ort gewählten Räte be-&lt;br /&gt;
mühen sich um die Anpassung an die&lt;br /&gt;
steigenden Bedürfnisse ihrer Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Weise eingebunden, daß er sein&lt;br /&gt;
Wissen und Können bei Beratungen&lt;br /&gt;
und Aktionen zum Wohle aller ein-&lt;br /&gt;
setzen und dabei neue Erkenntnisse&lt;br /&gt;
erwerben kann. Für und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lese-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Faizi Vocational Institute in Indore, Indien erlernen Landfrauen handwerkliche Fähigkeiten, Ge-&lt;br /&gt;
sundheitsvorsorge sowie Kindererziehung und entwickeln ein neues Bewußtsein für Einheit und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meinden und arbeiten dabei mit Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Gremien auf nationaler und glo-&lt;br /&gt;
baler Ebene eng zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD) Das bildungsfördernde Umfeld&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Bahä’i gilt als persönliche&lt;br /&gt;
Pflicht, durch tägliches Lesen der Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Schriften und allgemein geistig&lt;br /&gt;
anregender Lektüre seinen Horizont&lt;br /&gt;
zu erweitern. Neben der Anwendung&lt;br /&gt;
im eigenen Leben ist er in der Ge-&lt;br /&gt;
meinschaftsordnung der Bahä’i auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreibunkundige gibt es derzeit et-&lt;br /&gt;
wa 10.000 örtliche Lerngruppen, die&lt;br /&gt;
eingebrachte Lücken füllen helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D Früh übt sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Bahä’i Erziehung gehört in erster&lt;br /&gt;
Linie Unterricht in Ethik. Ein guter&lt;br /&gt;
Charakter ist das Fundament sozialen&lt;br /&gt;
Fortschritts. Die Kinder werden in&lt;br /&gt;
Tugenden wie Ehrlichkeit, Höflich-&lt;br /&gt;
keit, Gerechtigkeit und Achtung so-&lt;br /&gt;
wie dem Prinzip der Einheit der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vielfalt eine Chance&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit und der Kunst der Bera-&lt;br /&gt;
tung unterwiesen. 1986 gab es welt-&lt;br /&gt;
weit 4.295 Kinderklassen, für die&lt;br /&gt;
Lehrmaterial in 36 Sprachen heraus-&lt;br /&gt;
gegeben wurde.Auch vom Ausster-&lt;br /&gt;
ben bedrohte oder von staatlichen Be-&lt;br /&gt;
hörden vernachlässigte Sprachen wie&lt;br /&gt;
z.B. Maori gehören zum Unterrichts-&lt;br /&gt;
katalog. Zwischen 1979 und 1986&lt;br /&gt;
wurden in 77 Ländern 525 Fortbil-&lt;br /&gt;
dungskurse und in 47 Staaten 209 Se-&lt;br /&gt;
minare für Kinderklassenlehrer&lt;br /&gt;
durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD) Gemeinde - Bildungszentren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Anzahl Bahä’i-Gemeinden hat&lt;br /&gt;
begonnen, aus eigener Kraft Bil-&lt;br /&gt;
dungszentren einzurichten, beson-&lt;br /&gt;
ders dort, wo staatliche Schulen feh-&lt;br /&gt;
len. Sie konzentrieren sich, oft in ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nem Raum und mitnureinem Lehrer,&lt;br /&gt;
auf den Vorschul-, Grundschul- oder&lt;br /&gt;
Nachhilfeunterricht. Etwa jedes vier-&lt;br /&gt;
te der 1988 in 573 Bahä’i-Gemeinden&lt;br /&gt;
arbeitenden Lernzentren hatte auch&lt;br /&gt;
ein Programm zur Erwachsenenbil-&lt;br /&gt;
dung. Uber 20.000 Menschen besu-&lt;br /&gt;
chen in Afrika, Amerika, Asien und&lt;br /&gt;
im pazifischen Raum diese Klassen.&lt;br /&gt;
Die meisten Gemeinde-Bildungszen-&lt;br /&gt;
tren finanzieren sich selbst, manche&lt;br /&gt;
bekommen ein wenig Hilfe an Perso-&lt;br /&gt;
nal und Mitteln. Was diese Einrich-&lt;br /&gt;
tungen aber wirklich trägt, ist das&lt;br /&gt;
Vertrauen der Gemeindemitglieder&lt;br /&gt;
in ihr eigenes Leistungsvermögen,&lt;br /&gt;
verbunden mit der Zielvorstellungei-&lt;br /&gt;
nes Beitrags zur Verbesserung der&lt;br /&gt;
Gesellschaft. Ihre Fähigkeit zu bera-&lt;br /&gt;
ten, gemeinsam Entscheidungen zu&lt;br /&gt;
treffen und durchzuführen, spielt ei-&lt;br /&gt;
ne entscheidende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Colegio Nür, eine Bahd’i-Schulein Santiago de Chile, errichtet von einer örtlichen Bahd’i-Gemeinde und&lt;br /&gt;
unterstützt durch internationale Zusammenarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=38}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob Bahä’i-Schulen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es immer mehr staat-&lt;br /&gt;
lich anerkannte Bahä’i-Schulen rund&lt;br /&gt;
um den Globus. 1988 führten Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinden in Afrika, Amerika, Asi-&lt;br /&gt;
en und im pazifischen Raum 29 sol-&lt;br /&gt;
cher Grund- und weiterführender&lt;br /&gt;
Schulen. Sie befinden sich zum Teil in&lt;br /&gt;
stark benachteiligten Gebieten ohne&lt;br /&gt;
modernes Schulangebot und werden&lt;br /&gt;
von insgesamt etwa 5000 Schülern be-&lt;br /&gt;
sucht. Da diese Bahä’i-Einrichtungen&lt;br /&gt;
allen Gesellschaftsschichten die glei-&lt;br /&gt;
che qualifizierte Bildungermöglichen&lt;br /&gt;
wollen, verwundertes nicht, daß 80%&lt;br /&gt;
der Schüler nicht Bahä’i sind. Die po-&lt;br /&gt;
sitiven Aspekte der örtlichen Kultur&lt;br /&gt;
werden in die Lehrpläne integriert,&lt;br /&gt;
und die Schüler dennoch auf die Her-&lt;br /&gt;
ausforderungen einer vernetzten&lt;br /&gt;
Welt, von der sie wenig Ahnung hat-&lt;br /&gt;
ten, vorbereitet. Es wird aber nicht&lt;br /&gt;
nur Wissen vermittelt, sondern auf&lt;br /&gt;
ein Gleichgewichtan Bildungund der&lt;br /&gt;
Entwicklung eines hohen morali-&lt;br /&gt;
schen Anspruches im Verhalten ge-&lt;br /&gt;
achtet. Diese anspruchsvolle Schul-&lt;br /&gt;
form wird, obwohl als Frucht lokaler&lt;br /&gt;
oder nationaler Gemeindearbeit ent-&lt;br /&gt;
standen, durch ein wachsendes Sy-&lt;br /&gt;
stem internationaler Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit unter den Bahä’i-Gemeinden der&lt;br /&gt;
Welt unterstützt, sei es durch Stipen-&lt;br /&gt;
dien, technische Hilfe oder Freiwilli-&lt;br /&gt;
ge am Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bekanntesten Bahä’i-Schulen&lt;br /&gt;
mit staatlich anerkannten Abschlüs-&lt;br /&gt;
sen befinden sich in Indien, Haiti,Chi-&lt;br /&gt;
le,Brasilien, Kanada, Pakistan, Tansa-&lt;br /&gt;
nia und Thailand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DI) Für jeden etwas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf regionaler und nationaler Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gibt es weitere Bahä’i-Einrichtungen,&lt;br /&gt;
die den lebenslangen Lernprozeß för-&lt;br /&gt;
dern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Sommerschulen, erstmals&lt;br /&gt;
1932 in Deutschland durchgeführt,&lt;br /&gt;
sind Treffen, bei denen die Bahä’i&lt;br /&gt;
ganze Kursfolgen über ihren Glauben&lt;br /&gt;
besuchen können. Einst nur im Som-&lt;br /&gt;
mer gibtes sie heute weltweit zu allen&lt;br /&gt;
Jahreszeiten, so z.B. im Laufe der Jah-&lt;br /&gt;
re 1979 bis 1986 rund 1.880 mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konferenzen zur Motivierung&lt;br /&gt;
bestimmter Zielgruppen befaßten&lt;br /&gt;
sich im gleichen Zeitraum mit The-&lt;br /&gt;
men wie »Eltern und Familie«, »Ju-&lt;br /&gt;
gend« und dem »Status der Frau«.&lt;br /&gt;
Ebenso gab es Seminare über Ge-&lt;br /&gt;
sundheit und Aufforstung, um die&lt;br /&gt;
Gemeinden zum Engagement für be-&lt;br /&gt;
sondere Problemkreise zu bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festivals und kulturelle Veran-&lt;br /&gt;
staltungen dienten dem Überwinden&lt;br /&gt;
von Klassen- , Rassen- und Kasten-&lt;br /&gt;
schranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rundfunkstationen, Schulen&lt;br /&gt;
und Institute als Knotenpunkte im&lt;br /&gt;
Bildungsnetzwerk erwiesen sich als&lt;br /&gt;
nützlice Ausgangspunkte für&lt;br /&gt;
Grundausbildung und Gemeindeent-&lt;br /&gt;
wicklung. Die folgenden Beispiele&lt;br /&gt;
mögen dies zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OD) Schulische Hilfsdienste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haiti:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anis-Zunuzi-Entwicklungs-&lt;br /&gt;
dienst istein Zweig der Anis-Zunuzi-&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schule in Haiti. Er hat land-&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Kooperativen und 52&lt;br /&gt;
Gemeindebildungszentren geschaf-&lt;br /&gt;
fen sowie eine Lesefibel in haitisch-&lt;br /&gt;
kreolisch, das erste Schulbuch in die-&lt;br /&gt;
ser Sprache in Haiti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=39}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vielfalt eine Chance&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rabbani-Schule in Gwalior, In-&lt;br /&gt;
dien, gehört das Rabbani-Gemeinde-&lt;br /&gt;
entwicklungsprojekt, das sich mit Ge-&lt;br /&gt;
meindeentwicklung, Unterstützung&lt;br /&gt;
von 15 - 20 Gemeinde-Lernzentren,&lt;br /&gt;
Aufforstungen, Gesundheitsprojek-&lt;br /&gt;
ten und einem landwirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Musterbetrieb befaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das New-Era-Entwicklungsinsti-&lt;br /&gt;
tut arbeitet mit der New-Era-Bahä’i-&lt;br /&gt;
Schulein Panchgani, ebenfalls Indien,&lt;br /&gt;
eng zusammen. Es bietet eine ganze&lt;br /&gt;
Anzahl Kurse über Gemeindeent-&lt;br /&gt;
wicklung, Bahä’i-Studien, landwirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklung, Gesundheit&lt;br /&gt;
und Frauenbildung an. Über 60 Al-&lt;br /&gt;
phabetisierungskurse für Erwachse-&lt;br /&gt;
ne, teilweise staatlich unterstützt,&lt;br /&gt;
stellt das Institut den Dörfern dieses&lt;br /&gt;
Gebietes zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
o Bahä’i-Radiosender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Netzwerk der Bahä’i-Rundfunk-&lt;br /&gt;
stationen baut seine Mitarbeit bei der&lt;br /&gt;
Gemeindeentwicklung ebenfalls aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ekuador:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i Otavalo, Ekuador, die&lt;br /&gt;
älteste Bahä’i-Rundfunkstation, bie-&lt;br /&gt;
tet ein gut ausgearbeitetes Hilfs-&lt;br /&gt;
dienstprogramm für Landwirtschaft,&lt;br /&gt;
Gesundheitswesen und Kultur. Die&lt;br /&gt;
Station bemüht sich besonders dar-&lt;br /&gt;
um, die Einheimischen in ihrer Quet-&lt;br /&gt;
chua-Kultur zu bestätigen, und sen-&lt;br /&gt;
det mindestens 50% ihres Programms&lt;br /&gt;
in Quetchua, den Rest in Spanisch.&lt;br /&gt;
Jedes Jahr wird ein Festival »Von Kin-&lt;br /&gt;
dern für Kinder« veranstaltet, bei&lt;br /&gt;
dem z.B. 1987 17 Schulen und 3.000&lt;br /&gt;
Kinder mitwirkten. Ebenso gibtes ein&lt;br /&gt;
jährliches Musikfestival mit Wettbe-&lt;br /&gt;
werben in traditioneller Andenmu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sik. Rund 2.000 Mitteilungen über&lt;br /&gt;
Verlorenes und Gefundenes, Impfun-&lt;br /&gt;
gen oder Veranstaltungen, die dem&lt;br /&gt;
Sender von einzelnen oder offiziellen&lt;br /&gt;
Stellen gebracht werden, strahlt die-&lt;br /&gt;
ser pro Jahr aus. Dies zeigt, wie sehr&lt;br /&gt;
er bereits zum Leben der dortigen Be-&lt;br /&gt;
völkerung gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bolivien:&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i Caracollo in Bolivien&lt;br /&gt;
führte gemeinsam mit UNICEF ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausgedehntes Gesundheitsprojekt&lt;br /&gt;
durch.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Rundfunkstationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Titicaca-See, Peru, in South Caro-&lt;br /&gt;
lina, USA, in Temuco, Chile, in Boca&lt;br /&gt;
del Monte, Panama und in Monrovia,&lt;br /&gt;
Liberia, arbeiten in gleicher Weise. Sie&lt;br /&gt;
versuchen mit den ihnen zur Verfü-&lt;br /&gt;
gung stehenden Kommunikations-&lt;br /&gt;
möglichkeiten ihre Hörer zur eigenen&lt;br /&gt;
Entfaltung zu ermutigen und zu ver-&lt;br /&gt;
eintem Handeln zu motivieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bildungsinstitute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ruhi-Institut in Puerta Tejada,&lt;br /&gt;
Kolumbien, steht unter der Leitung&lt;br /&gt;
des Nationalen Bahä’i-Rates von Ko-&lt;br /&gt;
lumbien. Es hat ein Bildungspro-&lt;br /&gt;
gramm für soziale Umgestaltung,&lt;br /&gt;
Entwicklung und Bildung, dasbereits&lt;br /&gt;
von Bahä’i-Gemeinden in verschiede-&lt;br /&gt;
nen Ländern Lateinamerikas über-&lt;br /&gt;
nommen wurde. Es versteht den ra-&lt;br /&gt;
schen Wandel in der heutigen Welt&lt;br /&gt;
als Folge zweier paralleler Prozesse:&lt;br /&gt;
der Desintegration und der Integra-&lt;br /&gt;
tion. Kreativer und konstruktiver&lt;br /&gt;
Wandel muß sich gleichzeitig mit der&lt;br /&gt;
Entfaltung des Menschen und der&lt;br /&gt;
Umgestaltung der Gesellschaft befas-&lt;br /&gt;
sen. Der einzelne kann über den so-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zialen Konflikten stehen, wenner sich&lt;br /&gt;
an geistige Grundsätze hält, und da-&lt;br /&gt;
mit zu haltbaren Fortschritten in der&lt;br /&gt;
Gesellschaft beitragen. Auf dieser&lt;br /&gt;
Einstellung beruht das Programm&lt;br /&gt;
des Ruhi-Instituts, welches Lernen&lt;br /&gt;
durch Zusammenarbeit und Dienstin&lt;br /&gt;
der Gemeinde eng verbindet. Jeder&lt;br /&gt;
Teilnehmer ist Schüler und zugleich&lt;br /&gt;
Tutor für jüngere Jahrgänge. Der&lt;br /&gt;
Lehrplan umfaßt Kurse zur persönli-&lt;br /&gt;
chen Entfaltung sowie Lehrgänge in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
z.B. das Herstellen von Seife, den Bau&lt;br /&gt;
nicht qualmender Herde, Weben, Hy-&lt;br /&gt;
giene, Kindererziehung, aber auch in&lt;br /&gt;
Selbstvertrauen und Ethik. Als Teil-&lt;br /&gt;
nehmer werden Frauen ausgesucht,&lt;br /&gt;
die unterhalb der örtlichen Armuts-&lt;br /&gt;
grenze leben. Die Kurse dauern zwei&lt;br /&gt;
Wochen bis zu vier Monaten. Durch&lt;br /&gt;
tägliche Gesprächsrunden wird kriti-&lt;br /&gt;
sches Denken und die Fähigkeit, seine&lt;br /&gt;
Meinung zu formulieren, geübt. Das&lt;br /&gt;
Institut bemüht sich, durch Zusam-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Schulklasse der Anis-Zunüzi-Schule in Lilavois, Haiti. In dieser Schule werden über 200 Schüler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unterrichtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gemeindeentwicklung. Die Schü-&lt;br /&gt;
ler praktizieren das Gelernte z.B. in&lt;br /&gt;
Kindergärten oder anderen Projekten&lt;br /&gt;
in Dörfern der Umgebung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Faizi-Berufsbildungsinstitut für&lt;br /&gt;
Landfrauen in Südindien unterrichtet&lt;br /&gt;
Frauen in praktischen Dingen wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menarbeit Vorurteile des Stammes-&lt;br /&gt;
und Kastenwesens zu überwinden&lt;br /&gt;
und einen Geist menschenwürdiger&lt;br /&gt;
Solidarität zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zaire:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CREDESE, das Regionalkomitee für&lt;br /&gt;
soziale und wirtschaftliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung in Zaire, befaßt sich neben Bil-&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=41}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vielfalt eine Chance&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indios aus Ecuador produzieren ihr eigenes Radioprogramm bei Radio Bahd’i Ecuador. Neben einheimi-&lt;br /&gt;
scher Musik werden regionale Nachrichten verbreitet, über örtliche Feste berichtet und Hinweise zur&lt;br /&gt;
Landwirtschaft, Gesundheitsvorsorge und Ernährung ausgestrahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dungsprogrammen, wie sie im Ruhi-&lt;br /&gt;
und Faizi-Institut laufen, besonders&lt;br /&gt;
mit der Dorfgemeinschaft, die sich in&lt;br /&gt;
Einigkeit und Verantwortungsgefühl&lt;br /&gt;
üben soll. CREDESE arbeitet mit den&lt;br /&gt;
örtlichen Bahä’i-Gremien und fördert&lt;br /&gt;
das Lernen durch gemeinsame Bera-&lt;br /&gt;
tung. Im Oktober 1987 besaß CREDE-&lt;br /&gt;
SE 102 Bildungszentren, die 2.500&lt;br /&gt;
Teilnehmer betreuten; davon waren&lt;br /&gt;
73% Frauen und Mädchen und 27%&lt;br /&gt;
nicht Bahä’i. Die Lerninstitute sind&lt;br /&gt;
mobil. Zweiwöchige Kurse in be-&lt;br /&gt;
stimmten Abständen erwiesen sich&lt;br /&gt;
als erfolgreich. Inzwischen wurden&lt;br /&gt;
z.B. in Kaniola im Kivugebiet verbes-&lt;br /&gt;
serte Getreidesorten gezüchtet und&lt;br /&gt;
an 57 andere örtliche Räte verteilt.&lt;br /&gt;
Manche Ortsgemeinden haben neue&lt;br /&gt;
Latrinen für Regionalmärkte gebaut,&lt;br /&gt;
andere die Wasserversorgung durch&lt;br /&gt;
Sammelbecken verbessert. Einige Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meinden bauten Versammlungsräu-&lt;br /&gt;
me für ihre Klassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Panama:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Guaymi-Kulturzentrum in Pana-&lt;br /&gt;
ma wurde 1982 gegründet. Es befaßt&lt;br /&gt;
sich neben den Zielen der Institute&lt;br /&gt;
vor allem mit der Guaymi-Kultur. Es&lt;br /&gt;
möchte die Einheimischen dazu mo-&lt;br /&gt;
tivieren, durch Bildung, gezielte Aus-&lt;br /&gt;
bildung und die Aufnahme neuer&lt;br /&gt;
Elemente wie Schulen, Kommunika-&lt;br /&gt;
tionsmittel und Technologien ihre&lt;br /&gt;
Zukunft selbst zu gestalten und ihre&lt;br /&gt;
alte Kultur neu zu beleben. In regel-&lt;br /&gt;
mäßigen Abständen werden Einge-&lt;br /&gt;
borenen-Ratsversammlungen abge-&lt;br /&gt;
halten. Folklorefeste bringen die&lt;br /&gt;
Menschen zusammen und stärken&lt;br /&gt;
kulturelle Traditionen. Besondere Fe-&lt;br /&gt;
ste für Kinder übermitteln einer neu-&lt;br /&gt;
en Generation Wissen und Können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer alten Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DI Unsere Erfahrungen —&lt;br /&gt;
unsere Methoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Projekte geographisch&lt;br /&gt;
verstreut sind, bemühen sich die Ba-&lt;br /&gt;
hä’i, das Netz solcher Bahä’i-Initiati-&lt;br /&gt;
ven immer enger werden zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei allen Programmen arbeiten&lt;br /&gt;
die Bahä’i-Gemeinden nach bestimm-&lt;br /&gt;
ten, allgemein gültigen Prinzipien&lt;br /&gt;
undsammeln wertvolle Erfahrungen.&lt;br /&gt;
Dabei werden die Bahä’i-Methoden,&lt;br /&gt;
Erziehung und Entwicklung zu ver-&lt;br /&gt;
mitteln, immer deutlicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden von der Internatio-&lt;br /&gt;
nalen Bahä’i-Gemeinde zusammen-&lt;br /&gt;
gestellten neun Punkte beschreiben&lt;br /&gt;
die wichtigsten Merkmale unserer&lt;br /&gt;
Arbeitsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die Ortsgemeinden beginnen und&lt;br /&gt;
unterstützen Bildungsprogramme,&lt;br /&gt;
die ihrem Bedarf und ihren Möglich-&lt;br /&gt;
keiten entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Der finanzielle Aufwand wird&lt;br /&gt;
durch unentgeltliche Mitarbeit mini-&lt;br /&gt;
mal gehalten. Hohe Unkosten wer-&lt;br /&gt;
den vermieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Die Projektleitung unter Beteili-&lt;br /&gt;
gung aller und die ständige gemein-&lt;br /&gt;
same Beratung stellen sicher, daß die&lt;br /&gt;
Bestrebungen der Gemeinde ange-&lt;br /&gt;
sprochen und die Fähigkeiten der&lt;br /&gt;
Menschen am Ort eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Ist eine Rundfunkstation vorhan-&lt;br /&gt;
den, richten die Einheimischen die&lt;br /&gt;
Programme auf ihren Bedarf an Ge-&lt;br /&gt;
meindeentwicklung und auf ihre Bil-&lt;br /&gt;
dungsprioritäten aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Konkrete Dienstleistungen in der&lt;br /&gt;
Gemeinde setzen allgemeingültige&lt;br /&gt;
Prinzipien in die Praxis um und sind&lt;br /&gt;
deshalb ein unverzichtbarer Bestand-&lt;br /&gt;
teil aller Bildungsprogramme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Formelle und informelle Erziehung&lt;br /&gt;
und Bildung sollen sich soweit wie&lt;br /&gt;
möglich ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Hochachtung vor den religiösen&lt;br /&gt;
Traditionen der Menschen wird mit&lt;br /&gt;
besonderem Gewicht auf den Unter-&lt;br /&gt;
richt in Ethik verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. Das Prinzip der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit bildet den Kern aller Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Bemühungen um Erziehung und&lt;br /&gt;
Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. Das Streben nach Vortrefflichkeitin&lt;br /&gt;
allen Lebensbereichen und der&lt;br /&gt;
Wunsch, geistig zu wachsen, sind für&lt;br /&gt;
alle Bildungsprogramme der Bahä’i&lt;br /&gt;
Antrieb und Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Internationale Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde rechnet mit einem steten An-&lt;br /&gt;
stieg der Anzahl und Vielfalt bil-&lt;br /&gt;
dungsfördernder Programme im glo-&lt;br /&gt;
balen Netzwerk der Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
den. Diese Arbeit ist für die Bahä’i&lt;br /&gt;
nicht nur der in ihrem Glauben ver-&lt;br /&gt;
wurzelte Auftrag, sondern gleichzei-&lt;br /&gt;
tig ihr Beitrag zur kulturellen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Menschheit.&lt;br /&gt;
{{page|41|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=43}}Mark TIobey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 100. Geburtstag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermine Mayer-Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mark Tobey nimmt in der Kunstgeschichte eine einmalige Stellung ein: ein genialer&lt;br /&gt;
Maler, der im Laufe seines schaffensreichen Lebens auch von der Dynamik eines neuen&lt;br /&gt;
Religionsimpulses, der Erneuerung des Wortes Gottes durch Baha’u’llah, tiefgreifend&lt;br /&gt;
inspiriert wurde. Das Ergebnis war ein umfangreiches Werk, das Kontroversen ent-&lt;br /&gt;
fachte, außerordentlich gelobt und gründlich mißverstanden wurde; ein Werk, das&lt;br /&gt;
großen, noch nicht voll erfaßten Einfluß auf Kunstrichtungen ausübte und eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beachtliche Anzahl Menschen Sinn und Bedeutung des Bah@’i-Glaubens erkennen&lt;br /&gt;
ließ.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eltern erkannten schon früh sein&lt;br /&gt;
künstlerisches Talent und ermöglich-&lt;br /&gt;
ten ihm, zwei Jahre lang die Sams-&lt;br /&gt;
tagsklassen des Art Institute of Chica-&lt;br /&gt;
go zu besuchen - der einzige Kunst-&lt;br /&gt;
unterricht, den er je genoß. Dann&lt;br /&gt;
wurde sein Vater krank und Mark&lt;br /&gt;
mußte selbst verdienen. Er arbeitete&lt;br /&gt;
als Kopierer, technischer Zeichner,&lt;br /&gt;
Modezeichner und schließlich als&lt;br /&gt;
Portraitmaler, letzteres vor allem in&lt;br /&gt;
New York, wo er sich einen Namen&lt;br /&gt;
machte. In New York lernte er 1913&lt;br /&gt;
die Portraitmalerin Juliet Thompson&lt;br /&gt;
kennen. Sie war Bahä’i und führte ihn&lt;br /&gt;
in ihren Freundeskreis ein. So wurde&lt;br /&gt;
Tobey mit den Bahä’i-Lehren bekannt&lt;br /&gt;
undnahm 1918 nach ernsthaftem Stu-&lt;br /&gt;
dium den Bahä’i-Glauben an, der sei-&lt;br /&gt;
ne geistige und künstlerische Ent-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mark Tobey 1963&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geboren am 11. Dezember 1890 in&lt;br /&gt;
Wisconsin, USA, wuchs Mark Tobey&lt;br /&gt;
auf dem Land auf, ein rastloser Junge,&lt;br /&gt;
den nur die Natur interessierte. Seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übersetzung und Zusammenstel-&lt;br /&gt;
lung der Zitate über Mark Tobey besorgte&lt;br /&gt;
Mario Lobmeyr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wicklung nachhaltig beeinflußte. Ei-&lt;br /&gt;
ne kurze unglückliche Ehe veranlaßte&lt;br /&gt;
ihn 1922, New York zu verlassen. Mit&lt;br /&gt;
einem Freund fuhr er nach Seattle&lt;br /&gt;
und begann dort an der Cornish&lt;br /&gt;
School zu unterrichten. Seine Lehr-&lt;br /&gt;
methode konzentrierte sich auf Er-&lt;br /&gt;
mutigung, Liebe zur Kunst und das&lt;br /&gt;
Entwickeln der Phantasie seiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 A.L.Dahl, Mark Tobey - Art and Belief, George Ronald Oxford 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41&lt;br /&gt;
{{page|42|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=44}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler. Er selbst wollte am liebsten&lt;br /&gt;
jede Form zerschlagen und sie auf be-&lt;br /&gt;
wegendere, dynamischere Weise&lt;br /&gt;
wieder zusammenfügen. Eines&lt;br /&gt;
nachts, als er in einem kleinen Raum&lt;br /&gt;
mit zentraler Beleuchtung malte, zog&lt;br /&gt;
eine Fliege seine Aufmerksamkeit auf&lt;br /&gt;
sich. Sie flog im Raum hin und her&lt;br /&gt;
und durchkreuzte im-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mer wieder ihre eigene&lt;br /&gt;
Bahn. Ihr Weg schuf ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner die starren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shankar. Auch entstammt jenen Jah-&lt;br /&gt;
ren seine enge Freundschaft mit dem&lt;br /&gt;
berühmten Töpfer Bernard Leach,&lt;br /&gt;
dem vor kurzem eine Sonderbrief-&lt;br /&gt;
marke Großbritanniens gewidmet&lt;br /&gt;
wurde, und dem Maler Reginald Tur-&lt;br /&gt;
vey aus Südafrika. Leach und Tur-&lt;br /&gt;
vey- fanden durch Tobey zum Bahä’i&lt;br /&gt;
Glauben, und sie ga-&lt;br /&gt;
ben sich 1938 das Ver-&lt;br /&gt;
sprechen, sich beim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nen Linienkomplex, in Grenzen sprengen“  Bahä’i-Weltkongreß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem die Form - wohl den stillen Kraft, in 1963 wieder zu treffen.&lt;br /&gt;
des Raumes -gänzlich der Überwindung Tatsächlich traf sich&lt;br /&gt;
zum Produkt der Be- der materialisti- das Künstlertrio 1963&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wegung wurde. Diese&lt;br /&gt;
Beobachtung, daß eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen Enge, in sei-&lt;br /&gt;
nem Bekenntnis zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in London. Reginald&lt;br /&gt;
Turvey, der nach Süd-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Form durch Bewegung , afrika zurückkehrte,&lt;br /&gt;
darstellbar ist, prägte Bewegung im unend- wurde von Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
sich Tobey tief ein. Sei-r lichen Raum ist To- fendi liebevoll der&lt;br /&gt;
ne Suche nach einer bey einer der großen »Vater der Bahä’i von&lt;br /&gt;
neuen Ausdrucksweise Fyrneuerer unserer  Südafrika« genannt&lt;br /&gt;
wurde durch seine . und kam dort gegen&lt;br /&gt;
Freundschaft mit Teng Tage. Eduard Trier Ende seines Lebens&lt;br /&gt;
Kuei, einem jungen noch zu verdientem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chinesen, der ihn in die Technik und&lt;br /&gt;
Philosophie chinesischer Kalligra-&lt;br /&gt;
phie einführte, und durch das Studi-&lt;br /&gt;
um der Indianerkunst des Nordwe-&lt;br /&gt;
stens und Alaskas wesentlich berei-&lt;br /&gt;
chert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1925 reiste Mark Tobey zum er-&lt;br /&gt;
stenmal durch Europa und besuchte&lt;br /&gt;
die Heiligen Stätten der Bahä’i im&lt;br /&gt;
Heiligen Land. Da sein Lehrauftrag in&lt;br /&gt;
Seattle durch die Weltwirtschaftskri-&lt;br /&gt;
se auf dem Spiel stand, ergriff er 1930&lt;br /&gt;
dankbar das Angebot, in Dartington&lt;br /&gt;
Hall, einer progressiven Kunstschule&lt;br /&gt;
in England, zu unterrichten. Tobey&lt;br /&gt;
blieb acht Jahre lang und verkehrte&lt;br /&gt;
mit bedeutenden Persönlichkeiten&lt;br /&gt;
wie Aldous Huxley, Rabindranath&lt;br /&gt;
Tagore, PearlS. Buck und dem Tänzer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansehen. Bernhard Leach, in Hong&lt;br /&gt;
Kong geboren, reiste 1934 nach Japan,&lt;br /&gt;
und Tobey konnte ihn begleiten. To-&lt;br /&gt;
bey besuchte dabei in Shanghai sei-&lt;br /&gt;
nen alten Freund Teng und nahm aus&lt;br /&gt;
dieser kosmopolitischen Stadt viele&lt;br /&gt;
neue Eindrücke von Leben, Kultur&lt;br /&gt;
und Kunst Chinas mit. In Kyoto, Ja-&lt;br /&gt;
pan, verbrachte Tobey dann einen&lt;br /&gt;
Monat in einem Zen-Kloster mit dem&lt;br /&gt;
Studium von Kalligraphie und Male-&lt;br /&gt;
rei, mit Dichten und Meditieren, ehe&lt;br /&gt;
er nach England zurückkehrte. Alle&lt;br /&gt;
diese Begegnungen und Erlebnisse&lt;br /&gt;
schienen die über die Jahre gesam-&lt;br /&gt;
melten Erkenntnisse zu einem kristal-&lt;br /&gt;
linen Ergebnis zu bringen. Eines&lt;br /&gt;
Nachts, 1935 oder 1936, begann er, ein&lt;br /&gt;
kleines Bild zu zeichnen, ein Geflecht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Lowell Johnsen, Reginald Turvey - Life and Art, George Ronald, Oxford 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|43|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=45}}Mark Tobey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Movement Round a Martyr&#039;, ein Gemälde von Mark Tobey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus weißlichen Linien auf dunklem&lt;br /&gt;
Hintergrund - wie die Flugbahn einer&lt;br /&gt;
imaginären Fliege. Plötzlich erkannte&lt;br /&gt;
Tobey, daß er chinesische Kalligra-&lt;br /&gt;
phieimpulse zur Darstellung der&lt;br /&gt;
Kraftströme einer Stadt benutzte.&lt;br /&gt;
Orient und Okzident waren ver-&lt;br /&gt;
schmolzen in einem Bild des New&lt;br /&gt;
Yorker Broadways (»Broadway&lt;br /&gt;
Norm«). Weitere zwei Werke dieser&lt;br /&gt;
Art (»Broadway«, »Welcome Hero«)&lt;br /&gt;
folgten, und damit war seine neue&lt;br /&gt;
Kunstsprache, sein ausgereifter Stil&lt;br /&gt;
geboren. Er selbst war 44 Jahre alt.&lt;br /&gt;
1938 ging er, den Kriegsausbruch&lt;br /&gt;
ahnend, zurück nach Seattle. Erlehrte&lt;br /&gt;
und malte, und sein Bekanntheits-&lt;br /&gt;
grad begann zu wachsen. Bekannte&lt;br /&gt;
Galerien präsentierten seine Werke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf Ausstellungen. 1948 war erin der&lt;br /&gt;
amerikanischen Sektion der Biennale&lt;br /&gt;
in Venedig vertreten und erhielt dort&lt;br /&gt;
1958 als erster Amerikaner seit Whist-&lt;br /&gt;
ler 1895 den internationalen Preis für&lt;br /&gt;
Malerei. 1960 kaufte er in Basel ein&lt;br /&gt;
etwa 500 Jahre altes Haus und siedel-&lt;br /&gt;
te nach Europa über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1961 brachte einen besonderen&lt;br /&gt;
Höhepunkt in seiner Künstlerlauf-&lt;br /&gt;
bahn: Das Musee des Arts De6coratifs,&lt;br /&gt;
der moderne Flügel des Louvre in Pa-&lt;br /&gt;
ris, veranstaltete eine Einzelausstel-&lt;br /&gt;
lung mit 286 seiner Werke, eine Ehre,&lt;br /&gt;
die Mark Tobey als erstem lebenden&lt;br /&gt;
Künstler, der nicht Franzose war, zu-&lt;br /&gt;
teil wurde.? Nach zahlreichen weite-&lt;br /&gt;
ren Ausstellungen, unter anderem in&lt;br /&gt;
Amsterdam, Mannheim, Düsseldorf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Mark Tobey, Mus&amp;amp;e des Arts D£coratifs, Palais de Louvre, Paris 1961&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
43&lt;br /&gt;
{{page|44|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=46}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr.59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hannover, Bern, Dallas, Seattle und&lt;br /&gt;
Washington, war das krönende Er-&lt;br /&gt;
eignis 1974 eine Ausstellung der&lt;br /&gt;
Smithsonian Institution, Washington&lt;br /&gt;
DC, in der National Collection of Fine&lt;br /&gt;
Arts, unter dem Titel »Tribute to&lt;br /&gt;
Mark Tobey« *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein wachsender Ruhm als&lt;br /&gt;
Künstler hielt Mark&lt;br /&gt;
Tobey nie davon ab,&lt;br /&gt;
seinem Glauben zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mag verwundern,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1991&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich sein solle, damit es die Stufe&lt;br /&gt;
des Gebets erreiche, war ihm oberstes&lt;br /&gt;
Gebot. Auch die Bezeichnung »Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Künstler« lehnte er ab. Er zog es&lt;br /&gt;
vor, sich einen Künstler zu nennen,&lt;br /&gt;
der Bahä’f und vom Geist dieser Reli-&lt;br /&gt;
gion und ihrer Lehre tief beeinflußt&lt;br /&gt;
sei. 1963 schrieb er in einem Brief,&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi habe&lt;br /&gt;
gesagt, es gäbe keine&lt;br /&gt;
offizielle »Bahä’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dienen. Seit 1955 er- Wieso Werke kleinen Kunst«, so wie die Ba-&lt;br /&gt;
wähnten fast alle Arti-r_ Formats von Klee hä’i-Religion keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kelüberihn, daßerBa- oder Tobey uns weit neue Religion, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hä’i sei, und mit die-&lt;br /&gt;
sem Mut zum öÖffentli-&lt;br /&gt;
chen Aufzeigen seiner&lt;br /&gt;
religiösen Heimat hat&lt;br /&gt;
er der Proklamation&lt;br /&gt;
der  Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
wertvolle Dienste er-&lt;br /&gt;
wiesen. Niemand&lt;br /&gt;
kennt die Zahl der per-&lt;br /&gt;
sönlichen Gespräche,&lt;br /&gt;
in denen er seinen&lt;br /&gt;
Schülern, Freunden&lt;br /&gt;
und Bekannten die&lt;br /&gt;
Lehren Bahä’ullähs&lt;br /&gt;
nahebrachte. In Eng-&lt;br /&gt;
land diente er außer-&lt;br /&gt;
dem im Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rat, in Seatt-&lt;br /&gt;
le und Basel im örtli-&lt;br /&gt;
chen Geistigen Rat,&lt;br /&gt;
und auf Treffen und&lt;br /&gt;
Bahä’i-Schulen war er&lt;br /&gt;
stets ein willkomme-&lt;br /&gt;
ner Redner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr überzeugen als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ausladenden&lt;br /&gt;
Kompositionen an-&lt;br /&gt;
derer berühmter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitgenossen. Es&lt;br /&gt;
wird daran liegen,&lt;br /&gt;
daß eine übersteiger-&lt;br /&gt;
te Sprache über ihr&lt;br /&gt;
Ziel hinausschießt&lt;br /&gt;
und uns den wahren&lt;br /&gt;
Genuß vorenthält.&lt;br /&gt;
Die Selbstbeschrän-&lt;br /&gt;
kung eines Tobey&lt;br /&gt;
oder Klee berührt&lt;br /&gt;
uns stärker, weil&lt;br /&gt;
ehrliche Beredsam-&lt;br /&gt;
keit eine Gabe des&lt;br /&gt;
Herzens ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michel Seuphor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die erneuerte Religion&lt;br /&gt;
an sich sei. Damit habe&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi die&lt;br /&gt;
Kunst befreit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Werk Mark&lt;br /&gt;
Tobeys zeigt, mit wel-&lt;br /&gt;
cher Rastlosigkeit er&lt;br /&gt;
versucht hat, Geist und&lt;br /&gt;
Materie in Einklang zu&lt;br /&gt;
bringen und so eine in-&lt;br /&gt;
nere Harmonie herzu-&lt;br /&gt;
stellen. Er meinte, wir&lt;br /&gt;
hätten uns seit langem&lt;br /&gt;
viel zu viel mit dem&lt;br /&gt;
Äußeren, Gegenständ-&lt;br /&gt;
lichen beschäftigt, auf&lt;br /&gt;
Kosten der inneren&lt;br /&gt;
Welt, die das eigentlich&lt;br /&gt;
Vollendete bewahrt.&lt;br /&gt;
Für ihn spiegelte sich&lt;br /&gt;
die Natur im Men-&lt;br /&gt;
schen, dessen wahres&lt;br /&gt;
Sein aber im ihn besee-&lt;br /&gt;
lenden Geist - eine von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mark Tobey wehrte sich immer&lt;br /&gt;
dagegen, irgend einer Kunstrichtung&lt;br /&gt;
zugeordnet zu werden. Er glaubte an&lt;br /&gt;
die Qualität seiner Werke, denn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wort’Abdu’l-Bahás, daß das Tun des&lt;br /&gt;
Menschen so vollkommen wie nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Bahá ofterläuterte Lehre. Die&lt;br /&gt;
Linien seiner Spätwerke deuten mehr&lt;br /&gt;
auf Energie als auf Materie, sind mehr&lt;br /&gt;
Bahn als Grenze. Sein persönlicher&lt;br /&gt;
Lebensweg endete am 24. April 1976,&lt;br /&gt;
an dem er aus einem tiefen Schlaf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Tribute to Mark Tobey, Smithsonian Institution, National Collection of Fine Arts, Washington 1974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44&lt;br /&gt;
{{page|45|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=47}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mark Tobey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach einer schwächenden Krankheit aber lebt weiter und wird noch viele&lt;br /&gt;
nicht mehr aufwachte. Seine letzte Menschen inspirieren.&lt;br /&gt;
Ruhestätte ist in Basel - sein Werk&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Tobeys Bildern haben&lt;br /&gt;
wir die Genesis der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schrift. Paul Klee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobey baut seine Traum-&lt;br /&gt;
welten aus ungewöhnli-&lt;br /&gt;
cher Tiefe auf. Der Reli-&lt;br /&gt;
gion, den Philosophen&lt;br /&gt;
und Weisen innig zuge-&lt;br /&gt;
neigt, kennt er die Wahr-&lt;br /&gt;
heit in Meister Eckharts&lt;br /&gt;
Worten: »Die Schale muß&lt;br /&gt;
zerbrechen, soll heraus-&lt;br /&gt;
kommen, was darinnen&lt;br /&gt;
ist.« Wie die Dichtung&lt;br /&gt;
und die Musik enthalten&lt;br /&gt;
seine Bilder das Element&lt;br /&gt;
der Zeit; sie entfalten ihr&lt;br /&gt;
Innerstes nur nach und&lt;br /&gt;
nach. Man muß sich ihnen&lt;br /&gt;
mit wacher Vorstellungs-&lt;br /&gt;
kraft nähern, muß sie le-&lt;br /&gt;
sen, muß ihre Symbole zu&lt;br /&gt;
deuten suchen. Dem, der&lt;br /&gt;
ihnen mit dem inneren&lt;br /&gt;
Ohr zu lauschen weiß, of-&lt;br /&gt;
fenbaren sie ihr eigentli-&lt;br /&gt;
ches Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lyonel Feininger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|46|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=48}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Buchtip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfolge Christi&lt;br /&gt;
Thomas a Kempis, Diogenes Verlag 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder hoch philosophisch noch tief&lt;br /&gt;
mystisch, weder streng theologisch&lt;br /&gt;
noch nüchtern wissenschaftlich, son-&lt;br /&gt;
dern für jedermann verständlich hat&lt;br /&gt;
der 1380 in Kempen geborene Priester&lt;br /&gt;
Thomas Hemerken seine Erkenntnis-&lt;br /&gt;
se zu Papier gebracht. Wahrheiten&lt;br /&gt;
über das menschliche Wesen in einfa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
cher und treffender Art auszudrük-&lt;br /&gt;
ken, ist ihm meisterhaft gelungen.&lt;br /&gt;
Und jeder, der sie liest, wird an der&lt;br /&gt;
einen oder anderen Stelle die Worte&lt;br /&gt;
’Ganz genau so ist es” ausrufen wol-&lt;br /&gt;
len. Interesse an dem Buch zu wek-&lt;br /&gt;
ken, vermag besser als viel &amp;quot;Bespre-&lt;br /&gt;
chen’ die hier folgende Leseprobe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Je mehr du weißt und je mehr du es einsiehst, desto größer wird deine Verantwort-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeit sein.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wer hat einen härteren Kampf als derjenige, welcher sich selbst zu besiegen sucht?&lt;br /&gt;
Sich selbst zu besiegen und täglich immer mehr Herr über sich selbst zu werden und&lt;br /&gt;
in der Ausübung des Guten fortzuschreiten, sollte unsere Hauptaufgabe sein.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Wissenschaft oder irgendwelche Kenntnis von einer Sache ist nicht zu verwer-&lt;br /&gt;
fen; denn sie ist an sich gut und gehört in Gottes große Haushaltung herein, aber hö-&lt;br /&gt;
her steht immer ein gutes Gewissen und ein tugendhafter Lebenswandel.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es schadet dir nichts, wenn du dich in allem unterordnest, dagegen sehr schädlich&lt;br /&gt;
kann es für dich werden, wenn du dich auch nur über einen einzigen erhebst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es ist für uns gut, wenn wir zuweilen in große Schwierigkeiten geraten; denn da-&lt;br /&gt;
durch wird der Mensch wieder daran erinnert, daß er in der Fremde ist und seine&lt;br /&gt;
Hoffnung auf nichts in dieser Welt setzen soll.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
46&lt;br /&gt;
{{page|47|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=49}}Der Buchtip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Strebe danach, geduldig in der Ertragung der Fehler und Schwächen anderer zu&lt;br /&gt;
sein, weil auch du viele hast, die von anderen ertragen werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jeden Tag müssen wir unseren Vorsatz erneuern und unseren Eifer so anspornen,&lt;br /&gt;
als hätten wir uns heute erst bekehrt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn du dich innerlich nicht beständig sammeln kannst, so tue es doch von Zeit&lt;br /&gt;
zu Zeit, und mindestens zweimal am Tage. Am Morgen fasse gute Entschlüsse,&lt;br /&gt;
abends prüfe dein Leben, wie du am Tage gewesen bist in Gedanken, Worten und&lt;br /&gt;
Werken.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Doch wenn dich die Liebe zu Gott noch nicht vom Bösen abzuhalten vermag, so ist&lt;br /&gt;
es immerhin gut für dich, wenn dich wenigstens die Furcht vor der Strafe von ei-&lt;br /&gt;
nem sündhaften Leben abhält.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wie das Eisen im Feuer den Rost verliert und ganz glühend wird, so wird der&lt;br /&gt;
Mensch, der sich aufrichtig zu Gott wendet, von den Schlacken der Sinnlichkeit be-&lt;br /&gt;
freit und in einen neuen Menschen umgewandelt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es zeugt von großer Weisheit, zur Zeit der Widerwärtigkeit zu schweigen, sich in-&lt;br /&gt;
nerlich MIR zuzuwenden und durch das Urteil der Menschen sich nicht beunruhi-&lt;br /&gt;
gen zu lassen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dein Friede hängt nicht von dem Gerede der Menschen ab; denn mögen sie gut&lt;br /&gt;
oder schlecht über dich urteilen, du bist deshalb doch kein anderer Mensch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Glaube an sich ist noch keine Erkenntnis, aber er ist die Kraft, aus der die Er-&lt;br /&gt;
kenntnis erwächst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
47&lt;br /&gt;
{{page|48|file=Baha&#039;i_Briefe_59.pdf|page=50}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß ist materieller&lt;br /&gt;
Fortschritt gut und lobens-&lt;br /&gt;
wert, doch sollen wir&lt;br /&gt;
darüber nicht den wichtige-&lt;br /&gt;
ren geistigen Fortschritt&lt;br /&gt;
außer acht lassen und nicht&lt;br /&gt;
die Augen für das göttliche&lt;br /&gt;
Licht verschließen, das unter&lt;br /&gt;
uns leuchtet. Nur dadurch,&lt;br /&gt;
daß wir im Geistigen sowohl&lt;br /&gt;
als auch im Materiellen wach-&lt;br /&gt;
sen, können wir wirklich vor-&lt;br /&gt;
wärts kommen und vollkom-&lt;br /&gt;
mene Wesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Baha&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_57/Text&amp;diff=75356</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 57/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:12:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=1}}{{ocr}}Bahä’i-Briefe&lt;br /&gt;
A = F en : es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=2}}2? “&lt;br /&gt;
Bal 1A 1ı-Briefe Heft57 März 1990 18. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahd’i-Briefe wollen eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten der&lt;br /&gt;
Baha&#039;i-Religion fördern und auf der Grundlage zeitgemäßen Denkens zu einem Dialog&lt;br /&gt;
mit allen beitragen, die sich um die Lösung der Weltprobleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt ist mein Garten - Richard St.Barbe Baker 1&lt;br /&gt;
Bernd Herbon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Naturwissenschaft und Glaube 9&lt;br /&gt;
Prof.Dr. Herwig Schopper&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Umgang mit der Natur 17&lt;br /&gt;
Eine Erklärung der Bahä’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wege zur Erkenntnis 21&lt;br /&gt;
John Lester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fiktive Interview mit Emanuel Swedenborg 25&lt;br /&gt;
Bijan Sobhani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Buchtip 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Ratder Bahä’iin Deutschland e.V.,Hofheim-Langenhain.&lt;br /&gt;
Redaktion: Dr.Klaus Franken, Farideh Motamed, Dr.Bijan Sobhani, Karl Türke jun. Redak-&lt;br /&gt;
tionsanschrift: Bahä’i-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Namentlich&lt;br /&gt;
gekennzeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion oder des Her-&lt;br /&gt;
ausgebers dar. Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
20,- DM. Einzelpreis 6,- DM. Vertrieb und Bestellungen: Bahä’i-Verlag, Eppsteiner Straße 89,&lt;br /&gt;
D-6238 Hofheim 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild von Farhad Foroutan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 1990 ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=3}}Die Welt ist mein Garten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richard St. Barbe Baker (1889-1982) - Gründer der »Men of the Trees«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenia im Sommer des Jahres 1922:&lt;br /&gt;
Auf einer Hochebene in der Nähe&lt;br /&gt;
Nairobis haben sich dreitausend ein-&lt;br /&gt;
geborene Krieger versammelt. Den&lt;br /&gt;
ganzen Tag haben sie auf dem »Mu-&lt;br /&gt;
guga«, dem baumlosen Platz, mit&lt;br /&gt;
Tänzen die Baumgeister beschworen.&lt;br /&gt;
Jetzt bilden sie einen Kreis, dreitau-&lt;br /&gt;
send als starre Masken bemalte Ge-&lt;br /&gt;
sichter, farbenprächtig herausge-&lt;br /&gt;
putzt, schauen in die kahle Mitte des&lt;br /&gt;
Zirkels. Dort knien ein weißer Mann&lt;br /&gt;
in der Unifom der britischen Koloni-&lt;br /&gt;
alverwaltung und ein schwarzer&lt;br /&gt;
Häuptling in Landestracht. Das un-&lt;br /&gt;
gleiche Paar scharrt mit den Händen&lt;br /&gt;
im rötlichen Staub, als ob sich im kar-&lt;br /&gt;
gen Boden ein Schatz verberge.&lt;br /&gt;
Schließlich erheben sich die beiden&lt;br /&gt;
und inmitten der aufgewühlten Erde&lt;br /&gt;
breitetein winziger Baumsetzling sei-&lt;br /&gt;
ne Blätterarme in die Abendfarben&lt;br /&gt;
des kenianischen Himmels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenia im Sommer des Jahres 1977:&lt;br /&gt;
Wieder knien ein Schwarzer und ein&lt;br /&gt;
Weißer nieder, um einen Baum zu&lt;br /&gt;
pflanzen. Umringt von eingeborenen&lt;br /&gt;
Frauen in bunten Gewändern und eu-&lt;br /&gt;
ropäisch gekleideten Männern, lok-&lt;br /&gt;
kert das altersgebeugte Paar die Erde&lt;br /&gt;
für einen kleinen Setzling. In den letz-&lt;br /&gt;
ten Tagen haben die Anwesenden in&lt;br /&gt;
einer Konferenz Geist und Gewissen&lt;br /&gt;
der Welt beschworen, durch Auffor-&lt;br /&gt;
stung das ökologische Gleichgewicht&lt;br /&gt;
der Erde zu wahren. Jetzt setzen sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vorliegende Artikel wurde verfaßt&lt;br /&gt;
von Bernd Herbon nach einem Aufsatz&lt;br /&gt;
von Dennis G. Hull.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den ersten von fünfzehn Millionen&lt;br /&gt;
Bäumen, die der Nationale Frauenrat&lt;br /&gt;
Kenias in den nächsten Jahren pflan-&lt;br /&gt;
zen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Männer aus unter-&lt;br /&gt;
schiedlichen Kulturen und Kontinen-&lt;br /&gt;
ten, die ihr Leben den Bäumen gewid-&lt;br /&gt;
met haben, sind die Begründer der&lt;br /&gt;
Naturschutzorganisation »Men ofthe&lt;br /&gt;
Trees«, Richard St. Barbe Baker und&lt;br /&gt;
Häuptling Josiah Njonjo. Mit ihrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richard St.Barbe Baker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organisation pflanzten sie Millionen&lt;br /&gt;
von Bäumen, bewahrten einzelne, ur-&lt;br /&gt;
alte Baummonumente, kämpften ge-&lt;br /&gt;
gen die Ausrottung der Mammutbäu-&lt;br /&gt;
me in Kalifornien, wagten sich an die&lt;br /&gt;
Sisyphus-Arbeit, die Sahara zu be-&lt;br /&gt;
grünen, und fochten auf Konferen-&lt;br /&gt;
zen, Tagungen und Vortragsreisen&lt;br /&gt;
für den Schutz der »grünen Lunge«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=4}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liebe zu Bäumen lag Richard&lt;br /&gt;
St. Barbe Baker im Blut. Sein Urgroß-&lt;br /&gt;
vater, ein Pfarrer, ließ auf dem von&lt;br /&gt;
ihm verwalteten Gemeindeland viele&lt;br /&gt;
Bäume pflanzen. Sein Großvater,&lt;br /&gt;
ebenfalls Pfarrer in einer armen süd-&lt;br /&gt;
englischen Gemeinde, stopfte sich&lt;br /&gt;
immer die Taschen voller Eicheln, be-&lt;br /&gt;
vor er seine Schäfchen besuchte. Kam&lt;br /&gt;
er an einer Hecke vorbei, säte er die&lt;br /&gt;
Eichensamen, um mit dieser einfa-&lt;br /&gt;
chen Methode vorausschauend für&lt;br /&gt;
Windschutz zu sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch St. Barbes Vater hatte mit&lt;br /&gt;
Bäumen zu tun. Er ließ seinen Sohn&lt;br /&gt;
schon früh in der eigenen Baumschu-&lt;br /&gt;
le mithelfen. St. Barbe veredelte Ap-&lt;br /&gt;
felbäume, jätete Unkraut, stützte jun-&lt;br /&gt;
ge Bäume mit Pfählen und lieferte&lt;br /&gt;
später mit dem Lastwagen Büsche&lt;br /&gt;
und Bäume aus. Als kleiner Junge&lt;br /&gt;
hatte er eine Weide gepflanzt, die er&lt;br /&gt;
mit viel Liebe zu einem Torbogen zu-&lt;br /&gt;
rechtstutzte - dem Eingang zu seinem&lt;br /&gt;
ersten Garten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der Beschäftigung mit&lt;br /&gt;
Bäumen gehörte eine andere Beson-&lt;br /&gt;
derheit zur Familientradition der Ba-&lt;br /&gt;
kers. Fernweh und Jagdleidenschaft&lt;br /&gt;
hatten Mitte des 19. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
Samuel Baker nach Afrika getrieben.&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit John Hanning Speke&lt;br /&gt;
entdeckte der berühmte Baker das&lt;br /&gt;
Geheimnis um die Quellen des Nils.&lt;br /&gt;
Ein Schuß Abenteuerlust bestimmte&lt;br /&gt;
auch das Leben von Richards Groß-&lt;br /&gt;
onkel, der zu Zeiten der Königin Vic-&lt;br /&gt;
toria nach Kanada ausgewandert&lt;br /&gt;
war. Stundenlang schmökerte der&lt;br /&gt;
kleine St. Barbe in den Briefen, die&lt;br /&gt;
voll von spannenden Schilderungen&lt;br /&gt;
aus dem Leben in der Wildnis Onta-&lt;br /&gt;
rios waren. Besonders imponierte&lt;br /&gt;
ihm der Mut des entfernten Großon-&lt;br /&gt;
kels, der einmal einem angreifenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bären mit dem Spaten den Garaus&lt;br /&gt;
gemacht hatte. Schon in der Schule&lt;br /&gt;
stand für Richard St. Barbe Baker fest&lt;br /&gt;
-er wollte nach Kanada auswandern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einundzwanzig Jahren ging&lt;br /&gt;
St. Barbe ins Land seiner Sehnsucht.&lt;br /&gt;
In den Fußstapfen seins Großonkels&lt;br /&gt;
schlug er sich als Zureiter, Holzfäller&lt;br /&gt;
und Jäger durch. Dann schrieb er sich&lt;br /&gt;
an der neugegründeten Saskatche-&lt;br /&gt;
wan Universität ein; John Diefenba-&lt;br /&gt;
ker, der spätere kanadische Premier-&lt;br /&gt;
minister, zählte zu seinen Kommilito-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1914 kehrte St. Barbenach&lt;br /&gt;
Großbritannien zurück und studierte&lt;br /&gt;
in Cambridge Theologie. Bei Aus-&lt;br /&gt;
bruch des Ersten Weltkrieges meldete&lt;br /&gt;
er sich sofort freiwilligund wurde mit&lt;br /&gt;
der Ausbildung irischer Reservisten&lt;br /&gt;
betraut. Schließlich nahm St. Barbe&lt;br /&gt;
auch an den Kampfhandlungen in&lt;br /&gt;
Frankreich teil. Bei einem schweren&lt;br /&gt;
Artillerieangriff wurde er verwundet&lt;br /&gt;
und verschüttet. Nur durch einen&lt;br /&gt;
glücklichen Zufall kam St. Barbe Ba-&lt;br /&gt;
ker mit dem Leben davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Entlassung aus der&lt;br /&gt;
Armee wegen Dienstuntauglichkeit&lt;br /&gt;
nahm St. Barbe Baker seine Studien in&lt;br /&gt;
Cambridge wieder auf. Statt Theolo-&lt;br /&gt;
gie studierte er nun Forstwirtschaft.&lt;br /&gt;
Mit einem Diplom in der Tasche be-&lt;br /&gt;
warb er sich beim Kolonialministeri-&lt;br /&gt;
um um den Posten des stellvertreten-&lt;br /&gt;
den Landesforstbeamten in Kenia.&lt;br /&gt;
Voller Enthusiasmus und mit vielen&lt;br /&gt;
Plänen, der Versteppung in Afrika&lt;br /&gt;
Einhalt zu gebieten, kam der einund-&lt;br /&gt;
dreißigjährige Beamte Seiner Maje-&lt;br /&gt;
stät, Richard St. Barbe Baker, 1920 in&lt;br /&gt;
Nairobi an. Doch schon bald erkannte&lt;br /&gt;
er, daß seine wissenschaftlichen Me-&lt;br /&gt;
thoden und ökologischen Erklärun-&lt;br /&gt;
gen auf keinen fruchtbaren Boden fie-&lt;br /&gt;
len. Die nüchterne Sichtweise, aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=5}}dem Europa des zwanzigsten Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts importiert, konnte keine&lt;br /&gt;
Wurzeln in den von archaischem,&lt;br /&gt;
mythischem Denken bestimmten&lt;br /&gt;
Strukturen der kenianischen Stämme&lt;br /&gt;
schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Baumkinder können nicht ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deihen, wenn die Elternbäume Gottes&lt;br /&gt;
gefällt sind«, versuchte Baker in&lt;br /&gt;
gleichnishafter Sprache zu erklären.&lt;br /&gt;
In langen Gesprächen mit seinem&lt;br /&gt;
Dolmetscher, dem jungen Häuptling&lt;br /&gt;
Josiah Njonjo, überlegte er immer&lt;br /&gt;
neue Methoden, um sein ökologi-&lt;br /&gt;
sches Anliegen zu vermitteln. Schon&lt;br /&gt;
lange hatte St. Barbe Baker die sym-&lt;br /&gt;
bolträchtigen Tänze der Eingebore-&lt;br /&gt;
nen beobachtet. Zu allen möglichen&lt;br /&gt;
Anlässen kamen jung und alt zusam-&lt;br /&gt;
men, um mit den Füßen Legenden,&lt;br /&gt;
Geschichten und Mythen in den&lt;br /&gt;
Staub zu schreiben. Einen Baumtanz&lt;br /&gt;
gab es nicht. Also stiftete der britische&lt;br /&gt;
Kolonialbeamte einen Preis für den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt ist mein Garten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am besten geschmückten Krieger und&lt;br /&gt;
das schönste Mädchen. Alles weitere&lt;br /&gt;
überließ er den Tanzmeistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 22. Juli 1922, an dem die Ur-&lt;br /&gt;
aufführung des Baumtanzes statt-&lt;br /&gt;
fand, war zugleich das Gründungs-&lt;br /&gt;
datum für die »Watu wa Miti« — die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richard St.Barbe Baker erhält einen Fliegenwedel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Men of the Trees«. Mit diesem Spitz-&lt;br /&gt;
namen wurden die fünfzig jungen&lt;br /&gt;
Krieger belegt, die St. Barbe aus fünf-&lt;br /&gt;
hundert Freiwilligen auswählte, um&lt;br /&gt;
seine Vorstellungen der Aufforstung&lt;br /&gt;
zu verwirklichen. Die »Watu wa Mi-&lt;br /&gt;
tic mußten sich vor dem höchsten&lt;br /&gt;
Gott, N’gai, verpflichten, den einhei-&lt;br /&gt;
mischen Wald zu schützen, minde-&lt;br /&gt;
stens zehn Bäume pro Jahr zu pflan-&lt;br /&gt;
zen und eine gute Tat pro Tag zu&lt;br /&gt;
vollbringen. Zudem halfen die jun-&lt;br /&gt;
gen Männer in den Baumschulen. Als&lt;br /&gt;
Erkennungszeichen diente ihnen eine&lt;br /&gt;
Plakettemiteinem Baum, die mit grü-&lt;br /&gt;
nem und weißem Faden am Handge-&lt;br /&gt;
lenk getragen wurde. Außerdem ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=6}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ständigten sie sich auf einen besonde-&lt;br /&gt;
ren Händedruck mit drei Fingern, der&lt;br /&gt;
an die drei Versprechen gemahnte.&lt;br /&gt;
Die Parole der »Baummänner« kam&lt;br /&gt;
aus der Kikuyu-Sprache: »Twaham-&lt;br /&gt;
we« - »Alle wie eins«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der große Erfolg dieser Aktion er-&lt;br /&gt;
mutigte Richard St. Barbe Baker nach&lt;br /&gt;
seiner Rückkehr in die Heimat im&lt;br /&gt;
Jahr 1924, eine internationale Natur-&lt;br /&gt;
schutzorganisation zu gründen. Mit&lt;br /&gt;
Freunden und einflußreichen Persön-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung und Wiederbegrünung der Er-&lt;br /&gt;
de einsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Zeit der Gründung der&lt;br /&gt;
»Men of the Trees« fällt Richard St.&lt;br /&gt;
Barbe Bakers Bekanntschaft mit der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion, die er später selbst&lt;br /&gt;
annahm. Beim »First Congress of Li-&lt;br /&gt;
ving Religions« referierte er über afri-&lt;br /&gt;
kanische Glaubensformen und lernte&lt;br /&gt;
Bahä’ikennen. Bei einem Besuch Isra-&lt;br /&gt;
els traf er den Hüter der Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion, Shoghi Effendi. Nach einem Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richard St.Barbe Baker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeiten arbeitete St. Barbe die Sta-&lt;br /&gt;
tuten zum Schutz der Bäume aus. Der&lt;br /&gt;
Name der Organisation hat seine&lt;br /&gt;
Wurzeln in der großen, farbenpräch-&lt;br /&gt;
tigen Versammlung auf dem »Mugu-&lt;br /&gt;
ga«, dem »baumlosen Ort« in der&lt;br /&gt;
Hochebene Kenias. »Men of the Tre-&lt;br /&gt;
es« heißen ihre Mitglieder, die sich in&lt;br /&gt;
achtundvierzig Ländern für Auffor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spräch über die Grundsätze der »Men&lt;br /&gt;
of the Trees« wurde Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
erstes lebenslanges Mitglied der Or-&lt;br /&gt;
ganisation. Bei Tagungen und Kon-&lt;br /&gt;
gressen trat Richard St. Barbe Baker&lt;br /&gt;
oft als Bahä’i-Sprecher für ökologi-&lt;br /&gt;
sche Fragen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden knapp sechzig&lt;br /&gt;
Jahren bereiste Richard St. Barbe Ba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=7}}Die Welt ist mein Garten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kerim Auftrag der »Men of the Trees«&lt;br /&gt;
den ganzen Erdball. Kreuz und quer&lt;br /&gt;
durchmaß er ganze Kontinente,&lt;br /&gt;
mahnte zu Einsicht in das gefährdete&lt;br /&gt;
Gleichgewicht der Natur und hinter-&lt;br /&gt;
ließ auf all seinen Reisen eine grüne&lt;br /&gt;
Spur gepflanzter Bäume. Mit majestä-&lt;br /&gt;
tischer Stimme hielt er Vorträge über&lt;br /&gt;
den Raubbau des Menschen, der im&lt;br /&gt;
Namen des Fortschritts immer neue&lt;br /&gt;
Wüsten schafft. Gern zitierte er Ge-&lt;br /&gt;
dichte über Bäume, um die Begrü-&lt;br /&gt;
nung der Steppen auch als poetisches&lt;br /&gt;
Vermächtnis verstanden zu wissen.&lt;br /&gt;
In fast zwei Dutzend Büchern be-&lt;br /&gt;
schrieb er seine Aktivitäten zur Ret-&lt;br /&gt;
tung des Grüngürtels und porträtier-&lt;br /&gt;
te Baumarten verschiedener Konti-&lt;br /&gt;
nente. Seine Liebe galtden Individua-&lt;br /&gt;
listen unter den Bäumen, den&lt;br /&gt;
Mammuts in Kalifornien. Viele Preise&lt;br /&gt;
würdigten seinen Einsatz und sein&lt;br /&gt;
schriftstellerisches Können. In der Er-&lt;br /&gt;
füllung seiner Aufgaben war St. Bar-&lt;br /&gt;
be selbstlos, doch im Interesse seiner&lt;br /&gt;
Anliegen war er bewußt maßlos. Ei-&lt;br /&gt;
ner Dame, die nach einem Vortrag&lt;br /&gt;
mit den Worten auf ihn zukam, »Ich&lt;br /&gt;
würde gern einen Baum Ihnen zu Eh-&lt;br /&gt;
ren pflanzen«, entgegnete er: »Pflan-&lt;br /&gt;
zen Sie keinen Baum, pflanzen Sie ei-&lt;br /&gt;
nen Wald«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Auszug aus der Reiseroute&lt;br /&gt;
Richard St. Barbe Bakers, die zugleich&lt;br /&gt;
auch sein Lebensweg war, vermag&lt;br /&gt;
den Elan und Enthusiasmus, den Ein-&lt;br /&gt;
satz und Erfolg dieses Mannes wider-&lt;br /&gt;
zuspiegeln. 1929 half er in Palästina,&lt;br /&gt;
eine Gruppe der »Men of the Trees«&lt;br /&gt;
zu gründen, rief einen Tag des Bau-&lt;br /&gt;
mes aus und ließ viertausend Schul-&lt;br /&gt;
kinder Alleen anlegen. 1931 propa-&lt;br /&gt;
gierte St. Barbe seine Ziele in Neusee-&lt;br /&gt;
land. 1932 war er in den Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten und legte Programme zur Be-&lt;br /&gt;
grünung der Prärie vor. Gemeinsam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit dem späteren US-Präsidenten&lt;br /&gt;
Franklin D. Roosevelt, der damals&lt;br /&gt;
noch Gouverneur des Staates New&lt;br /&gt;
York war, regte er die Gründung ei-&lt;br /&gt;
nes »Civilian Conservation Corps«&lt;br /&gt;
an, verschaffte somit zu Zeiten der&lt;br /&gt;
Großen Depression sechs Millionen&lt;br /&gt;
jungen Männern Arbeit und konnte&lt;br /&gt;
die Anpflanzung eines 1600 Kilome-&lt;br /&gt;
ter langen Grüngürtels von der kana-&lt;br /&gt;
dischen Grenze bis Texas als Erfolg&lt;br /&gt;
verbuchen. 1939 leitete St. Barbe ein&lt;br /&gt;
Ausbildungszentrum für Forstwesen&lt;br /&gt;
im englischen Dorset. Während des&lt;br /&gt;
Zweiten Weltkriegs organisierte er&lt;br /&gt;
für das Versorgungsministerium die&lt;br /&gt;
Holzbeschaffung unter der Maßgabe,&lt;br /&gt;
daß für jeden gefäliten Baum ein neu-&lt;br /&gt;
er Setzling gepflanzt wird. 1950 legte&lt;br /&gt;
er seine Ansichten über Naturschutz&lt;br /&gt;
in der »New Earth Charter« dar. 1952&lt;br /&gt;
brach er zu einer Sahara-Expedition&lt;br /&gt;
auf, mit dem Ziel, die endlose Wüste&lt;br /&gt;
durch Baumpflanzungen für den&lt;br /&gt;
Menschen zurückzugewinnen. Mit75&lt;br /&gt;
Jahren bereiste er erneut die Sahara-&lt;br /&gt;
Anrainerstaaten und sprach mit vie-&lt;br /&gt;
len Politikern und Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
1968 war er in Indien, um in vielen&lt;br /&gt;
Teilen des Landes Aufforstungspro-&lt;br /&gt;
gramme ins Leben zu rufen. 1977 be-&lt;br /&gt;
suchte er die UN-Konferenz über Ver-&lt;br /&gt;
steppung in Nairobi und pflanzte un-&lt;br /&gt;
weit des »Muguga« gemeinsam mit&lt;br /&gt;
dem »Men of the Trees«-Mitbegrün-&lt;br /&gt;
der, Josiah Njonjo, einen Baum. Übri-&lt;br /&gt;
gens ließ es St. Barbe sich nicht neh-&lt;br /&gt;
men, jedes Jahr seinen Freund, den&lt;br /&gt;
Eingeborenenhäuptling, zu besu-&lt;br /&gt;
chen, der am 2. November 1985 im&lt;br /&gt;
Alter von hundert Jahren starb. Im 60.&lt;br /&gt;
Jubiläumsjahr der »Men of the Trees«&lt;br /&gt;
machte sich der unermüdliche Ökolo-&lt;br /&gt;
ge in seinem 93. Lebensjahr nach&lt;br /&gt;
Amerika auf. 1982 sollte in Südameri-&lt;br /&gt;
ka der Beginn einer »Dekade der Bäu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=8}}Bahä’i-Briefe 57&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
me« werden. Auf dem Weg nach To-&lt;br /&gt;
ronto, woereinen Vortrag halten soll-&lt;br /&gt;
te, machte er noch einen Abstecher zu&lt;br /&gt;
seinen geliebten Mammutbäumen in&lt;br /&gt;
Kalifornien. Den Beginn der weltwei-&lt;br /&gt;
ten Jubiläumsfeiern am 22. Juli, zu&lt;br /&gt;
dem jede »Men of the Trees«-Gruppe&lt;br /&gt;
Bäume pflanzen sollte, erlebte Ri-&lt;br /&gt;
chard St. Barbe Baker nicht mehr. Er&lt;br /&gt;
schlief auf dem Flughafen von Saska-&lt;br /&gt;
toon, Saskatchewan, seiner alten Uni-&lt;br /&gt;
versitätsstadt, ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielhaft für seine Art, visio-&lt;br /&gt;
när zu denken und praktisch zu han-&lt;br /&gt;
deln, war St. Barbe Bakers Kampagne&lt;br /&gt;
für die Rückgewinnung der Sahara.&lt;br /&gt;
Das gigantische Ziel, drei Millionen&lt;br /&gt;
Quadratkilometer Öde zu bepflan-&lt;br /&gt;
zen, ließ manchen Expeditionsteil-&lt;br /&gt;
nehmer schlucken. Doch Baker verlor&lt;br /&gt;
bei dem Blick auf den ferren grünen&lt;br /&gt;
Teppich auf Nordafrikas Sandboden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
St.Barbe Baker (links) hilft einen Gummibaum pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht den Blick für die Bedeutung je-&lt;br /&gt;
des einzelnen Knotens aus dem Auge.&lt;br /&gt;
Nicht die Formulierung großer Pläne&lt;br /&gt;
war seine Sache, sondern die Beteili-&lt;br /&gt;
gung aller Menschen im Einsatz für&lt;br /&gt;
ihre nähere und weitere Umwelt. So&lt;br /&gt;
ließ er seine britischen Mitbürger für&lt;br /&gt;
das Sahara-Projekt auch schlucken.&lt;br /&gt;
Nicht aus Beklemmung, ob das Rou-&lt;br /&gt;
lettespiel um jeden Meter Wüste ge-&lt;br /&gt;
lingen könnte, sondern mit spieleri-&lt;br /&gt;
schem Einsatz für eine gute Sache. In&lt;br /&gt;
der BBC-Sendung »In Town Tonight«&lt;br /&gt;
bater die Hörer um Pfirsichkerne, um&lt;br /&gt;
sie auf die Expedition mitzunehmen.&lt;br /&gt;
Er sei in drei Tagen in der Londoner&lt;br /&gt;
Kirche St. Martin-in-the-Fields, da&lt;br /&gt;
könne er sie einsammeln. An dem be-&lt;br /&gt;
sagten Dienstag wurde Richard St.&lt;br /&gt;
Barbe Baker von Freunden am Kir-&lt;br /&gt;
chenportal empfangen. In den Hän-&lt;br /&gt;
den trugen sie Tüten voller Pfirsich-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=9}}kerne. Postboten lieferten Pakete glei-&lt;br /&gt;
chen Inhalts. Obsthändler hatten ihre&lt;br /&gt;
Stände aufgebaut und verkauften an&lt;br /&gt;
Passanten bevorzugt eine Frucht. Die&lt;br /&gt;
Pfirsichkerne wurden in einem Sack&lt;br /&gt;
deponiert.&lt;br /&gt;
Den Staatspräsidenten der Sahara-&lt;br /&gt;
Anrainerstaaten verordnete St. Barbe&lt;br /&gt;
andere Aufgaben: Er erläuterte die&lt;br /&gt;
Methoden der Fruchtbarmachung&lt;br /&gt;
und Begrünung der Wüste und regte&lt;br /&gt;
die Gründung einer »Sahara-Univer-&lt;br /&gt;
sität« an, in der die Voraussetzungen&lt;br /&gt;
für die Kultivierung des Ödlands ge-&lt;br /&gt;
lehrt werden sollten. 1968 wurde mit&lt;br /&gt;
dem Begrünungsprojekt begonnen.&lt;br /&gt;
In einer Region trugen die 35 Millio-&lt;br /&gt;
nen gepflanzten Olivenbäume zwei&lt;br /&gt;
Millionen Tonnen Öl pro Jahr ein.&lt;br /&gt;
Als Richard St. Barbe Baker am 9.&lt;br /&gt;
Juni 1982 starb, hatte er die sprich-&lt;br /&gt;
wörtlichen Pflichten des Menschen&lt;br /&gt;
zur Genüge erfüllt: Statt eines Buches&lt;br /&gt;
hatte er ein Dutzend geschrieben. Für&lt;br /&gt;
den Bericht seiner zweiten Wüstenex-&lt;br /&gt;
pedition, »Sahara Conquest«, erhielt&lt;br /&gt;
er eine Auszeichnung für »den größ-&lt;br /&gt;
ten Beitrag zur Idee des Humanitaris-&lt;br /&gt;
mus«. Statteines Baumes hatte er tau-&lt;br /&gt;
sende gepflanzt und Millionen weite-&lt;br /&gt;
re Bäume pflanzen lassen. Berühmte&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten gewann er für seine&lt;br /&gt;
Ziele; seit 1979 ist der Prinz von Wales&lt;br /&gt;
Schirmherr der »Men of the Trees«. In&lt;br /&gt;
der Sorge um das ökologische Über-&lt;br /&gt;
leben der Erde wurde St. Barbe zum&lt;br /&gt;
Weltbürger und warin fast allen Kon-&lt;br /&gt;
tinenten zuhause. In Afrika hob der&lt;br /&gt;
Vater der »Men of the Trees« seine&lt;br /&gt;
Organisation aus der Taufe; in Euro-&lt;br /&gt;
pa hatten er und seine Vereinigung&lt;br /&gt;
ihre Wurzeln; mit seiner ersten Frau&lt;br /&gt;
Doreen und zwei Kindern lebte er in&lt;br /&gt;
England; mit seiner zweiten Frau Ca-&lt;br /&gt;
triona siedelte er in Neuseeland; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt ist mein Garten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Heimat der geliebten&lt;br /&gt;
Redwoods, Amerika, wurde er aus&lt;br /&gt;
seinen unermüdlichen Aktivitäten&lt;br /&gt;
gerissen. Seine Freunde setzten ihm&lt;br /&gt;
ein Denkmal, das auf mannigfaltige&lt;br /&gt;
Weise Richard St. Barbe Bakers We-&lt;br /&gt;
sen und stetig wachsendes Werk re-&lt;br /&gt;
flektiert. Sie erwarben 300 Hektar&lt;br /&gt;
Land in der englischen Grafschaft&lt;br /&gt;
Leicestershire und pflanzten darauf&lt;br /&gt;
einen Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir befinden uns in einer Zeit&lt;br /&gt;
der beispiellosen Zerstörung geisti-&lt;br /&gt;
ger und natürlicher Dinge. Wir sind&lt;br /&gt;
gefangen in persönlicher Habsucht&lt;br /&gt;
und nationalem Wettbewerb. Der le-&lt;br /&gt;
bendige Körper dieses Planeten wird&lt;br /&gt;
nun bedroht von der Zerstörung der&lt;br /&gt;
grünen Hülle der Erde, den Bäumen.&lt;br /&gt;
Die Vorfahren glaubten, daß die Erde&lt;br /&gt;
ein lebendiges Wesen sei, das die Ta-&lt;br /&gt;
ten der auf ihr lebenden Menschen&lt;br /&gt;
spürte. Ich schlage vor, daß wir, bis&lt;br /&gt;
zum wissenschaftlichen Beweis des&lt;br /&gt;
Gegenteils, uns diese Ansicht zu ei-&lt;br /&gt;
gen machen und uns danach verhal-&lt;br /&gt;
ten. Meine Sicht der Dinge ist so:&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch ein Drittel seiner&lt;br /&gt;
Haut verliert, stirbt er; die plastischen&lt;br /&gt;
Chirurgen verkünden: »Er ist hin-&lt;br /&gt;
über.&amp;lt; Wenn ein Baum ein Drittel sei-&lt;br /&gt;
ner Rinde verliert, stirbt er ab. Das&lt;br /&gt;
wurde wissenschaftlich von Botani-&lt;br /&gt;
kern und Dendrologen (Baumkund-&lt;br /&gt;
lern) erwiesen. Wäre es nicht folge-&lt;br /&gt;
richtiganzunehmen, daß die Erdemit&lt;br /&gt;
Sicherheit stirbt, wenn sie mehr als&lt;br /&gt;
ein Drittel ihres grünen Mantels und&lt;br /&gt;
ihres Baumbestandes verliert? Der&lt;br /&gt;
Grundwasserspiegel wird unwieder-&lt;br /&gt;
bringlich sinken und das Leben wird&lt;br /&gt;
unmöglich. Die am weitesten »zivili-&lt;br /&gt;
sierten Länder« haben schon fast das&lt;br /&gt;
tödliche Drittel erreicht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Richard St.Barbe Baker)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wälder der Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bericht der Internationalen Bahä’i- Gemeinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Internationalen Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde wurde am 15.Dezember 1989&lt;br /&gt;
in London in Zusammenarbeit mit&lt;br /&gt;
anderen Umweltschutzorganisatio-&lt;br /&gt;
nen das 1945 durch Richard St.Barbe&lt;br /&gt;
Baker begründete jährliche Treffen&lt;br /&gt;
über die Wälder der Erde wieder of-&lt;br /&gt;
fiziell ins Leben gerufen. Richard&lt;br /&gt;
St.Barbe Baker war ein bekannter Ba-&lt;br /&gt;
ha’i und Gründer der »Men of the&lt;br /&gt;
Trees«. Für mehr als zwei Jahrzehnte&lt;br /&gt;
unterstütze er die jährlichen Veran-&lt;br /&gt;
staltungen, an denen Regierungsver-&lt;br /&gt;
treter und andere einflußreiche Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeiten verschiedenster Länder&lt;br /&gt;
mit der Lage der Waldgebiete auf der&lt;br /&gt;
Welt vertraut gemacht wurden. Die&lt;br /&gt;
Rückkehr zu diesem traditionellen&lt;br /&gt;
Treffen erfolgte im Gedenken an den&lt;br /&gt;
100.Geburtstag St.Barbe Bakers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1989 nahmen Vertreter von 15&lt;br /&gt;
Nationen teil. Es trafen Grußbot-&lt;br /&gt;
schaften von Premierministerin Mar-&lt;br /&gt;
garet Thatcher (Großbritannien) und&lt;br /&gt;
Premierminister Brian Mulroney (Ka-&lt;br /&gt;
nada), von Bertrand Schneider (Se-&lt;br /&gt;
kretär des »Club of Rome«), von Prinz&lt;br /&gt;
Alfred von Liechtenstein (Mitglied&lt;br /&gt;
der Wiener Akademie für Zukunfts-&lt;br /&gt;
forschung) und von Michael Deland&lt;br /&gt;
(Vorsitzender des amerikanischen&lt;br /&gt;
Rates für Umweltfragen, einer von&lt;br /&gt;
Präsident Bush ernannten Institution)&lt;br /&gt;
ein. Der von Richard St.Barbe Baker&lt;br /&gt;
vor 45 Jahren eingeführten Tradition&lt;br /&gt;
folgend, wurde zu Programmbeginn&lt;br /&gt;
die Grußbotschaft der Bahä’i verle-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sen, die früher von Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
persönlich und jetzt vom Universalen&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit an die Teil-&lt;br /&gt;
nehmer gerichtet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Organisationen, die das&lt;br /&gt;
vom Büro für öffentliche Information&lt;br /&gt;
der Internationalen Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
organisierte Treffen unterstützt ha-&lt;br /&gt;
ben, zählen: Living Earth, Men of the&lt;br /&gt;
Trees, SOS Sahel, das Entwicklungs-&lt;br /&gt;
sowie das Umweltprogramm der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen und der World&lt;br /&gt;
Wide Fund for Nature. Die Teilneh-&lt;br /&gt;
mer, die unter der Schirmherrschaft&lt;br /&gt;
des Grafen von Bessborough, dem&lt;br /&gt;
Präsidenten der »Men of the Trees«&lt;br /&gt;
zusammenkamen, begrüßten die&lt;br /&gt;
Gründung einer neuen Abteilung der&lt;br /&gt;
Internationalen Bahä’i-Gemeinde,&lt;br /&gt;
dem Office of the Environment, das&lt;br /&gt;
sich in Zusammenarbeit mit anderen&lt;br /&gt;
Institutionen vornehmlich mit Um-&lt;br /&gt;
weltfragen auf dem Gebiet der Forst-&lt;br /&gt;
wirtschaft beschäftigen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfreulich war auch das Interesse,&lt;br /&gt;
das dieser Veranstaltung von den&lt;br /&gt;
großen internationalen Medien ent-&lt;br /&gt;
gegengebracht wurde. Unter den&lt;br /&gt;
Journalisten waren Vertreter von&lt;br /&gt;
Agence France Presse, British Broad-&lt;br /&gt;
casting Corporation, Canadian&lt;br /&gt;
Broadcasting Corporation, Chinese&lt;br /&gt;
News Agency, Die Welt, East African&lt;br /&gt;
Standard, Le Monde, Life Magazine,&lt;br /&gt;
The Observer, Nachrichtenagentur&lt;br /&gt;
Reuter, The Times Literary Supple-&lt;br /&gt;
ment.&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=11}}Naturwissenschaft und Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dialog oder Konfrontation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen sich ethische Normen aus der&lt;br /&gt;
Forderung, das Zusammenleben der&lt;br /&gt;
Menschen bzw. das Überleben der&lt;br /&gt;
Menschheit zu ermöglichen, ablei-&lt;br /&gt;
ten? Hat die Ethik also einen rein&lt;br /&gt;
pragmatischen, sozialen Zweck?&lt;br /&gt;
Oder sind wir bei unseren Handlun-&lt;br /&gt;
gen letzten Endes nur unserem Ge-&lt;br /&gt;
wissen verantwortlich, sind ethische&lt;br /&gt;
Werte also eine rein subjektive Set-&lt;br /&gt;
zung, und wenn ja, wodurch ist die&lt;br /&gt;
subjektive Entscheidung beeinflußt -&lt;br /&gt;
durch die Gesellschäft, die Evolu-&lt;br /&gt;
tion? Oder läßt sich die Ethik aus ab-&lt;br /&gt;
solut gültigen, transzendenten Maxi-&lt;br /&gt;
men, aus Glauben ableiten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei meinen Ausführungen be-&lt;br /&gt;
schränke ich mich auf die westliche&lt;br /&gt;
Naturwissenschaft. Ihre Entwicklung&lt;br /&gt;
in Europa seit der Renaissance stellt&lt;br /&gt;
einen der größten Beiträge zur&lt;br /&gt;
menschlichen Kultur dar. Ausgehend&lt;br /&gt;
von Descartes, Galilei und Newton&lt;br /&gt;
wurde die experimentelle, reduktio-&lt;br /&gt;
nistische Naturerforschung etabliert,&lt;br /&gt;
die, anstatt sich in Spekulationen zu&lt;br /&gt;
ergehen, im Experiment Fragen an&lt;br /&gt;
die Natur stellt und der es dadurch&lt;br /&gt;
gelang, unabhängig von menschli-&lt;br /&gt;
chen Autoritäten objektive, allge-&lt;br /&gt;
meingültige Naturgesetze aufzudek-&lt;br /&gt;
ken. Dies hat dazu geführt, daß diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof.Dr.Herwig Schopper ist Generaldi-&lt;br /&gt;
rektor des CERN (Centre europeen d’etu-&lt;br /&gt;
des nucleaires / Europäisches Zentrum&lt;br /&gt;
für Kernforschung). Der Vortrag wurde&lt;br /&gt;
anläßlich des Engadiner Kollegiums 1988&lt;br /&gt;
»Ethik und Technik« gehalten und zuerst&lt;br /&gt;
veröffentlicht in »Technische Rund-&lt;br /&gt;
schau« 52/88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof.Dr. Herwig Schopper&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Naturforschung und die darauf auf-&lt;br /&gt;
bauende Technik in der ganzen Welt,&lt;br /&gt;
in allen Kulturkreisen akzeptiert&lt;br /&gt;
wird, eine Tatsache, auf die das gute&lt;br /&gt;
alte Europa stolz sein sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen dieser&lt;br /&gt;
Naturwissenschaft und dem Glauben&lt;br /&gt;
war von Anfang an nicht unproble-&lt;br /&gt;
matisch und durchlief verschiedene&lt;br /&gt;
Phasen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- die Konfliktphase, in der auf beiden&lt;br /&gt;
Seiten Fehler begangen wurden und&lt;br /&gt;
die später zu einem sich gegenseiti-&lt;br /&gt;
gen Ignorieren führte;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- die Erkenntnis, daß eine Koexistenz&lt;br /&gt;
möglich ist, was eine relativ neue Er-&lt;br /&gt;
kenntnis ist;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- den Dialog: Er ist um so dringender&lt;br /&gt;
notwendig, als die naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftlich-technische Entwicklung&lt;br /&gt;
schneller fortgeschritten ist als die&lt;br /&gt;
moralische und die soziale. Dieses&lt;br /&gt;
Außer-Tritt-Geraten verursacht zuei-&lt;br /&gt;
nem großen Teil die Schwierigkeiten&lt;br /&gt;
und die Ratlosigkeit, unter der wir&lt;br /&gt;
leiden, denn die durch die Technik&lt;br /&gt;
geschaffenen Lebensbedingungen&lt;br /&gt;
mit ihren unzweifelhaften Vorzügen,&lt;br /&gt;
aber auch Übertreibungen und Feh-&lt;br /&gt;
lern verlangen nach ethischen Richt-&lt;br /&gt;
linien. Aber mit welchem Ziel soll er&lt;br /&gt;
geführt werden, was kann man von-&lt;br /&gt;
einander lernen, insbesondere in be-&lt;br /&gt;
zug auf die ethischen Maximen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte diese drei Phasen, die&lt;br /&gt;
sich zeitlich zum Teil erheblich über-&lt;br /&gt;
lappen, kurz erörtern, wobei mir die&lt;br /&gt;
letzte als wichtigste erscheint. Die Er-&lt;br /&gt;
fahrung zeigt allerdings, daß es sehr&lt;br /&gt;
schwierig ist, das Gespräch zwischen&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den beiden Bereichen in Gang zu&lt;br /&gt;
bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Konfliktphase angeht, so&lt;br /&gt;
hat viele Jahrhundertelang die Kirche&lt;br /&gt;
die Naturwissenschaft bekämpft.&lt;br /&gt;
Dies findet seinen Ausdruck in dem&lt;br /&gt;
berühmten Ausspruch Augustinus,&lt;br /&gt;
daß nichts akzeptiert werden dürfe&lt;br /&gt;
ohne die Autorität der Heiligen&lt;br /&gt;
Schrift, denn diese Autorität sei grös-&lt;br /&gt;
ser als alle Kräfte des menschlichen&lt;br /&gt;
Geistes. Die experimentelle Methode,&lt;br /&gt;
die Roger Bacon im 13. Jahrhundert&lt;br /&gt;
zu praktizieren anfing, wurde für&lt;br /&gt;
drei Jahrhunderte durch theologische&lt;br /&gt;
Spekulationen unterdrückt. Im Jahre&lt;br /&gt;
1163 verbot Papst Alexander III. das&lt;br /&gt;
Studium der Physik, und 1317 ver-&lt;br /&gt;
dammte Papst Johannes XXI. die Al-&lt;br /&gt;
chemie und verzögerte so ihren Über-&lt;br /&gt;
gang zur Chemie. Die Medizin wurde&lt;br /&gt;
als Hexerei und Teufelszeug ver-&lt;br /&gt;
dammt, und Thomas von Aquin be-&lt;br /&gt;
hauptete, daß die Körperkräfte unab-&lt;br /&gt;
hängig von der physischen Organisa-&lt;br /&gt;
tion des Körpers seien und daher mit&lt;br /&gt;
Hilfe der Methoden der scholasti-&lt;br /&gt;
schen Theologie anstatt durch die Un-&lt;br /&gt;
tersuchung des Körpers zu erfor-&lt;br /&gt;
schen seien. Galilei, auf den ich noch&lt;br /&gt;
zurückkomme, war also kein Einzel-&lt;br /&gt;
fall, er war eher atypisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sagen, daß dies ja nun&lt;br /&gt;
alles Geschichte und lange vorbei sei.&lt;br /&gt;
Wenn ich aber manchen Diskussio-&lt;br /&gt;
nen zuhöre und insbesondere den&lt;br /&gt;
Darstellungen in den Medien folge,&lt;br /&gt;
dann erscheint mir die Zeit nicht&lt;br /&gt;
mehr weit, wo Naturwissenschaftler&lt;br /&gt;
als moderne Hexen verbrannt wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorwürfe sind natürlich an-&lt;br /&gt;
dere, aber auch sie kommen aus dem&lt;br /&gt;
metaphysischen Bereich. Die Natur-&lt;br /&gt;
wissenschaft sei funktionalistisch, sie&lt;br /&gt;
verzichte darauf, nach dem Wesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Sinn ihrer Forschungsobjekte zu&lt;br /&gt;
fragen, sie konzentriere sich vielmehr&lt;br /&gt;
darauf, nur das Verhalten der Objek-&lt;br /&gt;
te, ihre Beziehungen untereinander&lt;br /&gt;
zu erforschen. Sie biete weder eine&lt;br /&gt;
Deutung des menschlichen Daseins&lt;br /&gt;
noch Prinzipien für verantwortliches&lt;br /&gt;
Handeln. Ja, so wird sogar behauptet,&lt;br /&gt;
sie wurzle in einer wissenschaftlich&lt;br /&gt;
begründeten Verkennung der Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit, sie gehe so vor, als ob es kei-&lt;br /&gt;
nen Gott gäbe, und führe zu einem&lt;br /&gt;
wissenschaftlich begründeten Athe-&lt;br /&gt;
ismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich gebe zu, daß viele Aussprü-&lt;br /&gt;
che, auch von berühmten Wissen-&lt;br /&gt;
schaftlern, solche Ansichten durch-&lt;br /&gt;
aus bestätigen. Insbesondere im 19.&lt;br /&gt;
Jahrhundert, aber auch bis in unsere&lt;br /&gt;
Zeit wurde die wisenschaftliche Me-&lt;br /&gt;
thode aufgrund ihrer phantastischen&lt;br /&gt;
Erfolge überschätzt, und manche&lt;br /&gt;
Wissenschaftler glaubten mit einer&lt;br /&gt;
erstaunlich anmutenden Arroganz,&lt;br /&gt;
daß alle Probleme, auch menschliche&lt;br /&gt;
und soziale, auf rational-wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Weise gelöst werden&lt;br /&gt;
könnten. Es gab und gibt ja auch ge-&lt;br /&gt;
nügend physikalische Weltmodelle&lt;br /&gt;
und Kosmologien, die auf die Hypo-&lt;br /&gt;
these »Gott« verzichten zu können&lt;br /&gt;
glaubten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz gewisser Nachwehen in der&lt;br /&gt;
Konfrontation zwischen Naturwis-&lt;br /&gt;
senschaft und Glaube bin ich jedoch&lt;br /&gt;
der Ansicht, daß wir in die Koexi-&lt;br /&gt;
stenzphase eingetreten sind. Von bei-&lt;br /&gt;
den Seiten wird anerkannt, daß die&lt;br /&gt;
Konfrontation zu einem guten Teil&lt;br /&gt;
auf Mißverständnissen, Autoritäts-&lt;br /&gt;
konflikten und Irrtümern beruht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von kirchlicher Seite wird die Be-&lt;br /&gt;
rechtigung der Naturwissenschaften&lt;br /&gt;
inzwischen wohl allgemein aner-&lt;br /&gt;
kannt. Als Papst Johannes Paul II. vor&lt;br /&gt;
einigen Jahren CERN besuchte, er-&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=13}}Naturwissenschaft und Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
klärte er mir, daß der Fall Galilei ein&lt;br /&gt;
Irrtum gewesen sei, bei dem es sich&lt;br /&gt;
um die Durchsetzung der Autorität&lt;br /&gt;
der Kirche gegen einen dickköpfigen&lt;br /&gt;
Florentiner und nicht um einen Prin-&lt;br /&gt;
zipienstreit gehandelt habe. Der&lt;br /&gt;
Papst erwähnte den Ausspruch Gali-&lt;br /&gt;
leis, der in einem Brief an die Groß-&lt;br /&gt;
herzogin der Toskana vom Jahre 1615&lt;br /&gt;
festgehalten ist: »Gott hat zwei Bü-&lt;br /&gt;
cher geschrieben: das Buch der Natur&lt;br /&gt;
und das Heilige Buch. Der gleiche&lt;br /&gt;
Gott hat beide Bücher geschrieben.«&lt;br /&gt;
Es ist daher nicht möglich, daß es ei-&lt;br /&gt;
nen prinzipiellen Gegensatz zwi-&lt;br /&gt;
schen Gotteswort und der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft gibt. Wenn es einen solchen zu&lt;br /&gt;
geben scheint, dann muß man sich&lt;br /&gt;
um eine andere Interpretation bemü-&lt;br /&gt;
hen. Als einige Zeit später der Dalai&lt;br /&gt;
Lama CERN besuchte, vertrat er die&lt;br /&gt;
gleiche Auffassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im 2. Vatikanischen Konzil&lt;br /&gt;
kamen diese Fragen zur Sprache, und&lt;br /&gt;
in der Enzyklika Gaudium et Spes&lt;br /&gt;
(1965) heißt es: »In dieser Beziehung&lt;br /&gt;
sei es uns erlaubt, gewisse Haltungen&lt;br /&gt;
zu bedauern, die existieren unter&lt;br /&gt;
Christen, die ungenügend unterrich-&lt;br /&gt;
tet waren über die legitime Autorität&lt;br /&gt;
der Wissenschaft.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Diskussion erklärte E. di&lt;br /&gt;
Rovasenda, Sekretär der päpstlichen&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Akademie, daß&lt;br /&gt;
die Heilige Schrift uns zeigt, wie man&lt;br /&gt;
in den Himmel kommt, aber nicht,&lt;br /&gt;
wie er gemacht ist. Es sei nicht Aufga-&lt;br /&gt;
be der Heiligen Schrift, eine Kosmo-&lt;br /&gt;
logie auszuarbeiten, dies sei eine Auf-&lt;br /&gt;
gabe der Wissenschaft. Die Kirche&lt;br /&gt;
hätte jedoch etwas zu sagen über die&lt;br /&gt;
Kosmogonie, das heißt über den Ur-&lt;br /&gt;
sprung der Welt vom metaphysi-&lt;br /&gt;
schen Gesichtspunkt aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so mit Befriedigung ei-&lt;br /&gt;
ne Öffnung der Kirche feststellen, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann man sagen, daß inzwischen&lt;br /&gt;
auch die Naturwissenschaften die&lt;br /&gt;
Grenzen ihrer Gültigkeit erkannt ha-&lt;br /&gt;
ben und eingestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig wird die Quantenmecha-&lt;br /&gt;
nik als deus ex machina benutzt, die&lt;br /&gt;
mit ihren statistischen Gesetzen die&lt;br /&gt;
strenge Kausalität aufgehoben hat&lt;br /&gt;
und damit Freiraum für den freien&lt;br /&gt;
Willen, für Transzendenz, ja Gott ge-&lt;br /&gt;
schaffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es stimmt wohl, daß die Quanten-&lt;br /&gt;
mechanik, die Relativitätstheorie und&lt;br /&gt;
unerwartete experimentelle Entdek-&lt;br /&gt;
kungen uns gezwungen haben, unse-&lt;br /&gt;
re Denkstruktur zu ändern. Ich halte&lt;br /&gt;
es für eine der wichtigsten Erkennt-&lt;br /&gt;
nisse, daß die Erforschung der Natur&lt;br /&gt;
nicht a priori festgelegte Denkkatego-&lt;br /&gt;
rien voraussetzt, sondern daß unsere&lt;br /&gt;
rationale Denkmethode (einschließ-&lt;br /&gt;
lich der Logik) ständig erweitert wer-&lt;br /&gt;
den muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskussion über die Interpre-&lt;br /&gt;
tation der Quantenmechanik ist kürz-&lt;br /&gt;
lich in eine neue Phase getreten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Religion neben der Phy-&lt;br /&gt;
sik bestehen zu lassen, um die&lt;br /&gt;
Existenz Gottes zu ermöglichen,&lt;br /&gt;
bedarf es keines subtilen Prozes-&lt;br /&gt;
ses der Quantenmechanik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bezieht sich sowohl auf Fragen der&lt;br /&gt;
Kausalität als auch der physikali-&lt;br /&gt;
schen Realität, wobei neurologische&lt;br /&gt;
und psychologische Probleme mit&lt;br /&gt;
hineinspielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich bin der Meinung, daß&lt;br /&gt;
alle diese sehr interessanten Proble-&lt;br /&gt;
me nur sekundär unser Thema, näm-&lt;br /&gt;
lich die Beziehung zwischen Natur-&lt;br /&gt;
wisschaften und Glaube, betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=14}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Religion neben der Physik&lt;br /&gt;
bestehen zu lassen, um die Existenz&lt;br /&gt;
Gottes zu ermöglichen, bedarf es kei-&lt;br /&gt;
nes subtilen Prozesses der Quanten-&lt;br /&gt;
mechanik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfolge, aber auch die Gren-&lt;br /&gt;
zen der Naturwissenschaften liegen&lt;br /&gt;
in ihrer Methode. Sie basiert auf einer&lt;br /&gt;
bestimmten Definition für Wahrheit&lt;br /&gt;
und einer Idealisierung der Naturer-&lt;br /&gt;
scheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als richtig, als wahr gilt nur, was&lt;br /&gt;
quantifizierbar und reproduzierbar&lt;br /&gt;
ist. Einmalige Ereignisse entziehen&lt;br /&gt;
sich prinzipiell der naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Methode. Diese Methode&lt;br /&gt;
hat.den Vorteil, daß sie zu objektiven,&lt;br /&gt;
universell gültigen Naturgesetzen&lt;br /&gt;
führt, die allgemein nachprüfbar&lt;br /&gt;
sind, was letzten Endes die Basis für&lt;br /&gt;
ihre weltweite Akzeptanz abgibt.&lt;br /&gt;
Diese Vorteile werden dadurch er-&lt;br /&gt;
kauft, daß die Naturwissenschaft sich&lt;br /&gt;
mit ihrer Methode daraufbeschränkt,&lt;br /&gt;
nur einen Teil der Realität zu erfas-&lt;br /&gt;
sen, wobei dieser Bereich aber durch&lt;br /&gt;
neue Begriffsbildungen und neueem-&lt;br /&gt;
pirische Erkenntnisse erweitert wer-&lt;br /&gt;
den kann. Jahrhundertelang war die&lt;br /&gt;
Elektrizität nicht bekannt, und zwei&lt;br /&gt;
der vier bekannten Naturkräfte, die&lt;br /&gt;
starke und die schwache Kernkraft,&lt;br /&gt;
wurden erst in diesem Jahrhundert&lt;br /&gt;
entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
gibt es komplementäre Möglichkei-&lt;br /&gt;
ten, andere Bereiche der Realität zu&lt;br /&gt;
erfassen. Sie sind nicht quantifizier-&lt;br /&gt;
bar und manchmal nur in Symbolen&lt;br /&gt;
zu beschreiben. Es handelt sich um&lt;br /&gt;
Philosophie, Kunst, Religion usw.&lt;br /&gt;
Wir können uns diese verschiedenen&lt;br /&gt;
Wege, die Wirklichkeit zu begreifen,&lt;br /&gt;
als verschiedene Projektionen eines&lt;br /&gt;
Gegenstandes vorstellen. Die Projek-&lt;br /&gt;
tion eines Zylinders längs einer Achse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ergibt einen Kreis, senkrecht dazu ein&lt;br /&gt;
Rechteck. Trotzdem ist dies kein Wi-&lt;br /&gt;
derspruch, sondern es handelt sich&lt;br /&gt;
um Projektionen desselben Gegen-&lt;br /&gt;
stands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bloße Koexistenz von Natur-&lt;br /&gt;
wissenschaft und Glaube genügtaber&lt;br /&gt;
nicht. Beide Projektionen sind not-&lt;br /&gt;
wendig, um die wahre dreidimensio-&lt;br /&gt;
nale Gestalt des Körpers zu erfassen.&lt;br /&gt;
Ein Dialog ist nötig. Was kann der&lt;br /&gt;
Inhalt, was können die Ziele eines sol-&lt;br /&gt;
chen Dialogs sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst möchte ich feststellen,&lt;br /&gt;
was meiner Meinung nach nicht ge-&lt;br /&gt;
schehen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hört heute öfter die Forde-&lt;br /&gt;
rung, daß sich die Wissenschaften&lt;br /&gt;
zum Transzendenten öffnen sollten.&lt;br /&gt;
Das »neue Denken« wird zum Teil&lt;br /&gt;
auch von namhaften Wissenschaft-&lt;br /&gt;
lern propagiert, wobei der Einfluß&lt;br /&gt;
fernöstlicher Religionen eine gewisse&lt;br /&gt;
Rolle spielt. Es wird verlangt, daß die&lt;br /&gt;
analytische Methode des Zerlegens&lt;br /&gt;
ersetzt wird durch die beseelte, ge-&lt;br /&gt;
dankliche Verbindung mit den Din-&lt;br /&gt;
gen, daß anstelle des distanzierten&lt;br /&gt;
Analysierens eine Gesamtschau tritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Entwicklung halte ich&lt;br /&gt;
für äußerst gefährlich. Eine Verwäs-&lt;br /&gt;
serung der strengen objektiven Me-&lt;br /&gt;
thoden der Naturwissenschaft durch&lt;br /&gt;
außerwissenschaftliche Normen&lt;br /&gt;
würde nicht nur die Basis einer der&lt;br /&gt;
größten Kulturleistungen zerstören,&lt;br /&gt;
sondern es besteht die Gefahr, daß die&lt;br /&gt;
Naturwissenschaft für andere Zwek-&lt;br /&gt;
ke mißbraucht wird. Wer denkt nicht&lt;br /&gt;
mit Schrecken an die sogenannte&lt;br /&gt;
»Deutsche Physik« in den zwanziger&lt;br /&gt;
und dreißiger Jahren oder an die so-&lt;br /&gt;
wjetische Biologie zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies soll nicht bedeuten, daß au-&lt;br /&gt;
Berwissenschaftliche Betrachtungs-&lt;br /&gt;
weisen nicht ihr Recht hätten. Ich be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=15}}Naturwissenschaft und Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tone noch einmal, daß die naturwis-&lt;br /&gt;
senschaftliche Methode andere Zu-&lt;br /&gt;
gänge zur Wirklichkeit als Ergän-&lt;br /&gt;
zung benötigt. Der große schweizer&lt;br /&gt;
Physiker Walter Heitler hat dies so&lt;br /&gt;
formuliert: »Die quantitativ-kausal-&lt;br /&gt;
deterministische Richtung der Wis-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Teilwahrheit ist aber auch&lt;br /&gt;
eine Teilunwahrheit, und sie&lt;br /&gt;
wird zur ganzen Unwahrheit,&lt;br /&gt;
wenn wir den Teil für das Ganze&lt;br /&gt;
ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
senschaft schenkt uns eine Teilwahr-&lt;br /&gt;
heit. Eine Teilwahrheit ist aber auch&lt;br /&gt;
eine Teilunwahrheit, und sie wird zur&lt;br /&gt;
ganzen Unwahrheit, wenn wir den&lt;br /&gt;
Teil für das Ganze ansehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann das Ganze nicht&lt;br /&gt;
erfassen, wenn wir die verschiedenen&lt;br /&gt;
Zugangswege verwirren. Die Wis-&lt;br /&gt;
senschaft kann uns aufgrund ihrer&lt;br /&gt;
Methode nicht Handlungsrichtlinien&lt;br /&gt;
oder Sinnzuweisungen liefern. Man&lt;br /&gt;
sollte sie nicht prügeln für etwas, das&lt;br /&gt;
sie nicht liefern kann. Von einem&lt;br /&gt;
Koch verlangen wir nicht, daß er uns&lt;br /&gt;
die Schuhe flickt, und von einem&lt;br /&gt;
Schuster erwarten wir nicht, daß er&lt;br /&gt;
eine Autoreparatur vornimmt. Nir-&lt;br /&gt;
gendwo gilt der Satz vom Schuster,&lt;br /&gt;
der bei seinem Leisten bleiben soll,&lt;br /&gt;
mehr als hier. Wenn ich wissenschaft-&lt;br /&gt;
lich arbeite, dann muß ich mich an die&lt;br /&gt;
Spielregeln halten, ohne die Wissen-&lt;br /&gt;
schaft, so wie wir sie verstehen, nicht&lt;br /&gt;
möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die verschiedenen Zu-&lt;br /&gt;
gangsweisen zur Realität jede für sich&lt;br /&gt;
ihre Projektion vorgenommen hat,&lt;br /&gt;
dann allerdings ist es Zeit, sich zu-&lt;br /&gt;
sammenzusetzen, die verschiedenen&lt;br /&gt;
Ergebnisse zu vergleichen und damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein besseres Verständnis von der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit, der Wahrheit zu gewin-&lt;br /&gt;
nen. Dies ist der Dialog, der so not-&lt;br /&gt;
wendig ist und von dem ich nun spre-&lt;br /&gt;
chen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ethik der Forschungsmethode&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Normen der naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Forschungsmethode&lt;br /&gt;
könnten auch anderen Erkenntnisbe-&lt;br /&gt;
reichen helfen und ihre Ergebnisse&lt;br /&gt;
überzeugender gestalten. Lassen Sie&lt;br /&gt;
mich nennen: Skeptizismus (laufende&lt;br /&gt;
kritische Überprüfung der eigenen&lt;br /&gt;
Arbeiten und der anderer), Objekti-&lt;br /&gt;
vismus (Unabhängigkeit des For-&lt;br /&gt;
schungsprozesses und damit des Pro-&lt;br /&gt;
dukts von Personen), Offenheit (freie&lt;br /&gt;
Verfügbarkeit der Informationen und&lt;br /&gt;
Aufgeschlossenheit für Kritik), Tole-&lt;br /&gt;
ranz gegenüber neuen Ideen, aber&lt;br /&gt;
Unerbittlichkeit gegenüber schlampi-&lt;br /&gt;
ger Arbeitsweise, Uneigennützigkeit&lt;br /&gt;
(Erkenntnismotiv geht vor Erwerbs-&lt;br /&gt;
und Machtstreben). Natürlich wird&lt;br /&gt;
gegen diese Normen im Alltag oft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wissenschaft kann uns auf-&lt;br /&gt;
grund ihrer Methode nicht&lt;br /&gt;
Handlungsrichtlinien oder&lt;br /&gt;
Sinnzuweisungen liefern. Man&lt;br /&gt;
sollte sie nicht prügeln für et-&lt;br /&gt;
was, das sie nicht liefern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verstoßen, denn Wissenschaftler sind&lt;br /&gt;
auch nur Menschen. Aber dies tut der&lt;br /&gt;
Tatsache keinen Abbruch, daß diese&lt;br /&gt;
Normen existieren und anerkannt&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergebnisse der Forschung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch die naturwissenschaftli-&lt;br /&gt;
che Forschung nicht direkt zur Nor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=16}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mensetzung beitragen kann, so tra-&lt;br /&gt;
gen doch ihre Ergebnisse zu unserem&lt;br /&gt;
Weltbild bei. Die kopernikanische&lt;br /&gt;
Wende, nämlich die Erkenntnis, daß&lt;br /&gt;
die Erde und mit ihr die Menschen&lt;br /&gt;
nicht im Mittelpunkt des Weltalls ste-&lt;br /&gt;
hen, war zwar völlig ohne prakti-&lt;br /&gt;
schen Nutzen, hatte aber für das&lt;br /&gt;
Selbstverständnis des Menschen eine&lt;br /&gt;
immense Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neuesten Ergebnisse der Ele-&lt;br /&gt;
mentarteilchenphysik deuten darauf&lt;br /&gt;
hin, daß wir die alten Paradigmen&lt;br /&gt;
völlig ändern müssen. Seit Newton&lt;br /&gt;
glaubte man, das Naturgeschehen&lt;br /&gt;
mit Hilfe von letzten unzerstörbaren,&lt;br /&gt;
ewig bleibenden Materialklötzchen&lt;br /&gt;
beschreiben zu können. Zwischen ih-&lt;br /&gt;
nen wirken Kräfte, die diese undurch-&lt;br /&gt;
dringlichen, unendlich harten Kügel-&lt;br /&gt;
chen in verschiedener Weise zusam-&lt;br /&gt;
mensetzen, wodurch der Fluß der Er-&lt;br /&gt;
scheinungen, das ewige Stirb und&lt;br /&gt;
Werde, hervorgeht. Was sich in den&lt;br /&gt;
letzten 200 Jahren geändert hat, ist&lt;br /&gt;
das Wissen um die Art dieser letzten&lt;br /&gt;
Materiebausteine. Von den Atomen&lt;br /&gt;
der Chemiker kam man zum Atom-&lt;br /&gt;
kern, den Protonen und Neutronen&lt;br /&gt;
und heute zu den Quarks. Das Kon-&lt;br /&gt;
zept der Materialklötzchen als letzte&lt;br /&gt;
Elemente der Realität blieb aber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung letzter ewiger&lt;br /&gt;
Materieklötzchen, die eine Reihe von&lt;br /&gt;
Paradoxien, wie etwa die Frage nach&lt;br /&gt;
der unendlichen Teilbarkeit der Ma-&lt;br /&gt;
terie, aufwirft, müssen wir nun aber&lt;br /&gt;
aufgeben. Was wir heute in der Ele-&lt;br /&gt;
mentarteilchenphysik als »first prin-&lt;br /&gt;
ciple« der Naturbeschreibung anse-&lt;br /&gt;
hen, sind Symmetrien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symmetrien kennen wir von Kri-&lt;br /&gt;
stallen oder Schneeflocken. Bei Dre-&lt;br /&gt;
hungen um gewisse Winkel oder&lt;br /&gt;
Spiegelung an bestimmten Ebenen&lt;br /&gt;
geht der Kristall in sich selbst über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kennen in der Physik aber viele&lt;br /&gt;
weitere Symmetrien, so etwa zwi-&lt;br /&gt;
schen positiver und negativer elektri-&lt;br /&gt;
scher Ladung oder Materie und Anti-&lt;br /&gt;
materie und ähnliches. Ähnlich wie&lt;br /&gt;
bei Mineralien die Kristallform meist&lt;br /&gt;
nicht vollkommen ausgebildet ist, so&lt;br /&gt;
stellen wir auch in der Physik fest,&lt;br /&gt;
daß Symmetrien »gebrochen« sein&lt;br /&gt;
können. Das Ziel der Elementarteil-&lt;br /&gt;
chenphysik besteht heute darin, all-&lt;br /&gt;
gemeinere Symmetrien zu finden&lt;br /&gt;
und ihre Brechung im einzelnen zu&lt;br /&gt;
verstehen, um einen immer größeren&lt;br /&gt;
Erfahrungsbereich auf einige wenige&lt;br /&gt;
Prinzipien, nämlich Symmetrien, zu-&lt;br /&gt;
rückzuführen. Am Ende stünde die&lt;br /&gt;
allumfassende Supersymmetrie, die&lt;br /&gt;
»Theory of Everything«. Es gibt theo-&lt;br /&gt;
retische Spekulationen, die glauben,&lt;br /&gt;
diesem Teil nahe zu sein, aber ich&lt;br /&gt;
glaube, daß noch viel experimentelle&lt;br /&gt;
und theoretische Arbeit notwendig&lt;br /&gt;
ist, bevor man eine geschlossene, ex-&lt;br /&gt;
perimentell überprüfte Theorie erhal-&lt;br /&gt;
ten wird. Dennoch wird die Symme-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Physik lehrt uns also, daß&lt;br /&gt;
die Realitäten nicht materieller,&lt;br /&gt;
sondern geistiger Natur sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
trie als wesentliches Element der Na-&lt;br /&gt;
turbeschreibung von nun an eine&lt;br /&gt;
wichtige Rolle spielen. Dies öffnet für&lt;br /&gt;
den Dialog zwischen Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaften und transzendenten Berei-&lt;br /&gt;
chen neue Wege. Die Tatsache, daß&lt;br /&gt;
nicht mehr Materieklötzchen als letz-&lt;br /&gt;
te Realitäten der Naturbeschreibung&lt;br /&gt;
anerkannt werden, entzieht dem Ma-&lt;br /&gt;
terialismus in seinen verschiedenen&lt;br /&gt;
Spielarten den wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Boden. Symmetrien stehen den Plato-&lt;br /&gt;
nischen Ideen viel näher als den Ato-&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=17}}Naturwissenschaft und Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men Demokrits. Die Physik lehrt uns&lt;br /&gt;
also, daß die Realitäten nicht mate-&lt;br /&gt;
rieller, sondern geistiger Natur sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderes Beispiel betrifft unse-&lt;br /&gt;
re Vorstellungen über die Entstehung&lt;br /&gt;
und damit Entwicklung des Kosmos&lt;br /&gt;
und damit auch über das Woher und&lt;br /&gt;
das Wohin des Menschen. Früher&lt;br /&gt;
ging man davon aus, daß der Kosmos&lt;br /&gt;
vor etwa 15 Milliarden Jahren durch&lt;br /&gt;
den Urknallentstanden ist. Esbegann&lt;br /&gt;
mit einer ungeheuren Konzentration&lt;br /&gt;
von Energie bei unvorstellbar hohen&lt;br /&gt;
Temperaturen, wonach das Weltall&lt;br /&gt;
anfing, sich auszudehnen und abzu-&lt;br /&gt;
kühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Zusammenstoß von hoch-&lt;br /&gt;
energetischen Teilchen in unseren La-&lt;br /&gt;
bors können wir die Materiezustände&lt;br /&gt;
nach dem Urknall im Labor simulie-&lt;br /&gt;
ren und studieren. Dazu sind riesige&lt;br /&gt;
Anlagen nötig. Bei CERN sind wir&lt;br /&gt;
dabei, einen kreisförmigen Beschleu-&lt;br /&gt;
nigungs- und Kollisionsring für Zu-&lt;br /&gt;
sammenstöße zwischen Elektronen&lt;br /&gt;
und Positronen mit einem Umfang&lt;br /&gt;
von 27 km zu bauen. An ihm arbeiten&lt;br /&gt;
1200 Physiker aus aller Welt. Die heu-&lt;br /&gt;
te erreichten Energien lassen uns die&lt;br /&gt;
Verhältnisse, so wie sie eine billion-&lt;br /&gt;
stel Sekunde nach dem Urknall ge-&lt;br /&gt;
herrschthaben, untersuchen, und wir&lt;br /&gt;
glauben, den Ablauf der kosmischen&lt;br /&gt;
Entwicklung mit der Erzeugung von&lt;br /&gt;
Materie, der Bildung von Galaxien&lt;br /&gt;
und Sternen usw. von diesem Zeit-&lt;br /&gt;
punkt an recht gut zu verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue theoretische Überlegungen&lt;br /&gt;
sind noch kühner und versuchen&lt;br /&gt;
Auskunft über den Urknall selbst, der&lt;br /&gt;
alsSchöpfungsakt angesehen werden&lt;br /&gt;
könnte, zu bekommen. Arbeiten, die&lt;br /&gt;
unter der Bezeichnung »inflationäres&lt;br /&gt;
Universum« laufen, behaupten, daß&lt;br /&gt;
man gar keinen Urknall braucht.&lt;br /&gt;
Neuere Varianten dieser Theorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erörtern sogar die Möglichkeit, daß&lt;br /&gt;
an verschiedenen Stellen des Univer-&lt;br /&gt;
sums Welten gleichzeitig existieren,&lt;br /&gt;
von denen einige sich in Expansion,&lt;br /&gt;
andere im Stadium des Schrumpfens&lt;br /&gt;
befinden (Blasenkosmos). Die Konse-&lt;br /&gt;
quenz ist, daß der Kosmos keinen An-&lt;br /&gt;
fang und kein Ende zu haben braucht,&lt;br /&gt;
sondern ewig von Anbeginn in seiner&lt;br /&gt;
jetzigen Form existiert und sich lau-&lt;br /&gt;
fend reproduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Entwicklungen sind noch&lt;br /&gt;
neu und bisher kaum in den Dialog&lt;br /&gt;
eingegangen. Sie werden sicher neue&lt;br /&gt;
Aspekte über die Beziehungen zwi-&lt;br /&gt;
schen Naturwissenschaften und&lt;br /&gt;
Glauben eröffnen. Kommen wir zu-&lt;br /&gt;
rück auf die Frage, die von der tradi-&lt;br /&gt;
tionellen Trennung zwischen Wissen-&lt;br /&gt;
schaft und ethischen Normen han-&lt;br /&gt;
delt. Können die neuen Erkenntnisse&lt;br /&gt;
und insbesondere das durch die Phy-&lt;br /&gt;
sik bereitgestellte grandiose Bild des&lt;br /&gt;
Universums dazu beitragen, diese&lt;br /&gt;
Trennung zu überwinden, und uns&lt;br /&gt;
helfen, neue Leitwerte zu finden, und&lt;br /&gt;
das, obwohl die Ergebnisse der Na-&lt;br /&gt;
turforschungen an sich wertneutral&lt;br /&gt;
sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte hier einigen Gedan-&lt;br /&gt;
ken von Roger Sperry folgen, der als&lt;br /&gt;
Hirnforscher die Probleme von einer&lt;br /&gt;
ganz anderen Seite anging, nämlich&lt;br /&gt;
der Neurobiologie, dessen Ergebnisse&lt;br /&gt;
aber genausogut aus der Interpreta-&lt;br /&gt;
tion des physikalischen Weltbilds ab-&lt;br /&gt;
geleitet werden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: »...die Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaft wird zur größten Hoffnung auf&lt;br /&gt;
ein Entkommen aus den Teufelsspira-&lt;br /&gt;
len der fortschreitenden Zivilisation,&lt;br /&gt;
allerdings nicht aus den normaler-&lt;br /&gt;
weise angeführten Gründen... An&lt;br /&gt;
wissenschaftlicher Forschung wird&lt;br /&gt;
nicht mehr deshalb festgehalten, weil&lt;br /&gt;
sie technischen Fortschritt erzeugt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern weil sie die unerreichte Fä-&lt;br /&gt;
higkeit besitzt, die Art von Warheit&lt;br /&gt;
aufzudecken, die für Glaube, Über-&lt;br /&gt;
zeugung und ethisch-moralische&lt;br /&gt;
Grundsätze das beste Fundament bie-&lt;br /&gt;
tet. In der Weltsicht und den Erkennt-&lt;br /&gt;
nissen der exakten Wissenschaften&lt;br /&gt;
werden wir den besten Schlüssel zur&lt;br /&gt;
richtigen moralischen Leitlinie fin-&lt;br /&gt;
den.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hauptproblem liegt dabei na-&lt;br /&gt;
türlich in den Konzepten und Über-&lt;br /&gt;
zeugungen hinsichtlich Lebensziel&lt;br /&gt;
und Weltbild, die die hierarchische&lt;br /&gt;
Struktur der Werte bestimmen. Im&lt;br /&gt;
Idealfall bräuchten wir einen Kon-&lt;br /&gt;
sens darüber, wie wir das Universum&lt;br /&gt;
und darin den Platz und die Rolle des&lt;br /&gt;
Menschen letztlich verstehen und&lt;br /&gt;
deuten wollen. Ein solcher Konsensin&lt;br /&gt;
weltweitem Maße erscheint um so&lt;br /&gt;
wichtiger, als viele der brennenden&lt;br /&gt;
Probleme, wie Überbevölkerung,&lt;br /&gt;
Verschmutzung der Atmosphäre und&lt;br /&gt;
Meere, Beseitigung des Hungers usw.&lt;br /&gt;
nur durch globale Maßnahmen zu lö-&lt;br /&gt;
sen sein werden. Wegen ihrer Allge-&lt;br /&gt;
meingültigkeit können die Naturwis-&lt;br /&gt;
senschaften hierbei in der Tat eine&lt;br /&gt;
verbindende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie mich noch einmal&lt;br /&gt;
Sperry zitieren: »Wenn man als höch-&lt;br /&gt;
sten Wert das akzeptiert, was für die&lt;br /&gt;
Menschheit allgemein am heiligsten&lt;br /&gt;
gewesen ist, nämlich die kosmischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte, die das Universum hervor-&lt;br /&gt;
brachten, es bewegen und steuern&lt;br /&gt;
und den Menschen schufen, und die-&lt;br /&gt;
se Übereinstimmung mit dem Welt-&lt;br /&gt;
bild der Naturwissenschaften deutet,&lt;br /&gt;
dann kommt dabei ein Wertsystem&lt;br /&gt;
heraus, das große Ehrfurcht vor der&lt;br /&gt;
Natur mit einbezieht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend läßt sich fest-&lt;br /&gt;
stellen, daß ein erster Erfolg insofern&lt;br /&gt;
erzielt wurde, als die Koexistenz von&lt;br /&gt;
Naturwissenschaften und ethischen&lt;br /&gt;
Werten, wie ich zu zeigen versuchte,&lt;br /&gt;
kein prinzipielles Problem mehr dar-&lt;br /&gt;
stellt. Als nächsten Schritt benötigen&lt;br /&gt;
wir eine Synthese zwischen dem aus&lt;br /&gt;
den Naturwissenschaften abgeleite-&lt;br /&gt;
ten Weltbild und den aus dem Glau-&lt;br /&gt;
ben stammenden ethischen Werten.&lt;br /&gt;
Dies ist nicht leicht und erfordert von&lt;br /&gt;
beiden Seiten ein Aufeinanderzuge-&lt;br /&gt;
hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Europa ist nicht nur die Heimat&lt;br /&gt;
der modernen Naturwissenschaft,&lt;br /&gt;
sondern hier hat auch die jüdisch-&lt;br /&gt;
christliche Ethik die Höhepunkte ih-&lt;br /&gt;
rer Entwicklung erlebt. Unser guter&lt;br /&gt;
alter Kontinent bietet daher die beste&lt;br /&gt;
Voraussetzung für eine Begegnung,&lt;br /&gt;
und es kommt ihm daher die Ver-&lt;br /&gt;
pflichtung zu, besondere Anstren-&lt;br /&gt;
gungen zu unternehmen, um Natur-&lt;br /&gt;
wissenschaften und Glauben einer&lt;br /&gt;
Synthese zuzuführen.&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=19}}Zum Umgang mit der Natur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Erklärung der Bahä’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im September 1986 rief der World Wide Fund for Nature (WWF) sein Netzwerk&lt;br /&gt;
»Umweltschutz und Religion« ins Leben. So wurden religiöse Führer der Buddhisten,&lt;br /&gt;
Christen, Hindus, Juden und Moslems mit hochrangigen Umweltschutzexperten in&lt;br /&gt;
Assisi (Italien) an einen Tisch gesetzt.Jede der fünf dort vertretenen Religionen&lt;br /&gt;
veröffentlichte eine Erklärung über ihr Verhältnis zur Natur. Im Oktober 1987 traten&lt;br /&gt;
die Baha’i als sechste Weltreligion diesem Zusammenschluß bei und legten folgendes&lt;br /&gt;
Papier zur Unterstützung der Ziele des Netzwerks vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Natur ist in ihrem Wesen die&lt;br /&gt;
Verkörperung Meines Namens, der&lt;br /&gt;
Gestalter, der Schöpfer. Ihre Offenba-&lt;br /&gt;
rungen sind verschiedenartig durch&lt;br /&gt;
verschiedene Ursachen und in dieser&lt;br /&gt;
Verschiedenartigkeit sind Zeichen&lt;br /&gt;
für urteilsfähige Menschen. Die Na-&lt;br /&gt;
tur ist Gottes Wille, dessen Ausdruck&lt;br /&gt;
in der bedingten Welt und durch die-&lt;br /&gt;
se. Sie ist Teil des Waltens der Vorse-&lt;br /&gt;
hung, verordnet von dem Verordner,&lt;br /&gt;
dem Allweisen.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten umreißt Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh, der Stifter der Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion, die grundlegende Beziehung&lt;br /&gt;
des Menschen zu seiner Umwelt: Die&lt;br /&gt;
Erhabenheit und Vielfalt der Natur&lt;br /&gt;
sind gewollter Ausdruck der Majestät&lt;br /&gt;
und Gnadengaben Gottes. Für die Ba-&lt;br /&gt;
hä’i folgt daraus die bindende Er-&lt;br /&gt;
kenntnis, daß die Natur als gottgege-&lt;br /&gt;
benes Unterpfand geachtet und ge-&lt;br /&gt;
schützt werden muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ansicht vertritt die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion nichtallein. Alle Weltreligio-&lt;br /&gt;
nen stellen diese grundlegende Ver-&lt;br /&gt;
knüpfung zwischen Schöpfer und&lt;br /&gt;
Schöpfung her. Wie könnte es auch&lt;br /&gt;
anders sein? Alle großen unabhängi-&lt;br /&gt;
gen Religionen gründen sich auf die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Bahä’u’lläh, Botschaften aus ’Akkä, 9:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarungen einer göttlichen Ein-&lt;br /&gt;
heit — eines Gottes, der Seine Boten&lt;br /&gt;
nacheinander auf die Erde gesandt&lt;br /&gt;
hat, damit die Menschheit über Sei-&lt;br /&gt;
nen Weg und Willen unterrichtet&lt;br /&gt;
werde. Das ist der Kern der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubenssätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als jüngste der Offenbarungen&lt;br /&gt;
Gottes nehmen die Bahä’i-Lehren je-&lt;br /&gt;
doch besonderen Bezug auf die heu-&lt;br /&gt;
tige Situation, da die gesamte Natur&lt;br /&gt;
vom Menschen bedroht wird. Diese&lt;br /&gt;
Gefahren reichen von der großange-&lt;br /&gt;
legten Zerstörung der Regenwälder&lt;br /&gt;
auf diesem Planeten bis zum tödli-&lt;br /&gt;
chen Alptraum atomarer Vernich-&lt;br /&gt;
tung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einem Jahrhundert verkün-&lt;br /&gt;
dete Bahä’u’lläh den Eintritt der&lt;br /&gt;
Menschheit in ein neues Zeitalter.&lt;br /&gt;
Diese neue Epoche, die von allen Got-&lt;br /&gt;
tesboten der Vergangenheit verheis-&lt;br /&gt;
sen wurde, wird der Menschheit&lt;br /&gt;
letztendlich Frieden und Erleuchtung&lt;br /&gt;
bringen. Doch bevor dieses Stadium&lt;br /&gt;
erreicht sein wird, müssen die Men-&lt;br /&gt;
schen zunächst ihre grundlegende&lt;br /&gt;
Einheit erkennen - ebenso wie die&lt;br /&gt;
Einheit Gottes und der Religionen. So&lt;br /&gt;
werden sich die Probleme der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=20}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit nur vergrößern, ehe nicht&lt;br /&gt;
diese Gemeinsamkeit und gegenseiti-&lt;br /&gt;
ge Abhängigkeit begriffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Wohlfahrt der Menschheit,&lt;br /&gt;
ihr Friede und ihre Sicherheit sind&lt;br /&gt;
unerreichbar, wenn und ehe nicht ih-&lt;br /&gt;
re Einheit fest begründet ist«, schreibt&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh. »Die Erde ist nur ein&lt;br /&gt;
Land, und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der Angelpunkt all der&lt;br /&gt;
wichtigen Anliegen, mit denen sich&lt;br /&gt;
die Umweltschutzbewegung heutzu-&lt;br /&gt;
tage auseinandersetzt. Die Problem-&lt;br /&gt;
felder Meeresverschmutzung, Aus-&lt;br /&gt;
sterben von Tierarten, saurer Regen,&lt;br /&gt;
Abholzen der Wälder, ganz zu&lt;br /&gt;
schweigen von der Pest des Atom-&lt;br /&gt;
krieges, machen vor keiner Grenze&lt;br /&gt;
Halt. All diese Probleme bedürfen ei-&lt;br /&gt;
nes nationenübergreifenden Ansat-&lt;br /&gt;
zes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während alle religiösen Überlie-&lt;br /&gt;
ferungen auf die Notwendigkeit har-&lt;br /&gt;
monischer Zusammenarbeit zur Be-&lt;br /&gt;
seitigung dieser Bedrohungen ver-&lt;br /&gt;
weisen, enthalten die Offenbarungs-&lt;br /&gt;
schriften der Bahä’i-Religion auch&lt;br /&gt;
einen genauen Bauplan der politi-&lt;br /&gt;
schen Weltordnung, die langfristige&lt;br /&gt;
Lösungen dieser Probleme möglich&lt;br /&gt;
macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was der Herr als höchstes Mittel&lt;br /&gt;
und mächtigstes Werkzeug für die&lt;br /&gt;
Heilung der ganzen Welt verordnet&lt;br /&gt;
hat, ist die Vereinigung aller ihrer&lt;br /&gt;
Völker in einer allumfassenden Sa-&lt;br /&gt;
che...«, schreibt Bahä’u’lläh.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese politische Neuordnung&lt;br /&gt;
muß nach Ansicht der Bahä’i-Lehren&lt;br /&gt;
auf den Gedanken eines Weltstaaten-&lt;br /&gt;
bundes aufgebaut werden. Sie sieht&lt;br /&gt;
ein internationales Parlament und ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Ährenlese aus den Schriften Bahä’u’llähs, 131 und 118&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Bahä’u’lläh, Sendschreiben an Queen Victoria&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ne Weltexekutive vor, um die ent-&lt;br /&gt;
sprechenden Verordnungen auszu-&lt;br /&gt;
führen. Dieser Weltstaatenbund wäre&lt;br /&gt;
gegründet auf die Prinzipien wirt-&lt;br /&gt;
schaftlicher Gerechtigkeit, der&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung aller Rassen, glei-&lt;br /&gt;
cher Rechte für Mann und Frau und&lt;br /&gt;
der Bildung für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Punkte haben direkt mit&lt;br /&gt;
den Unternehmungen zum Schutz&lt;br /&gt;
der Natur in der ganzen Welt zu tun.&lt;br /&gt;
Die Forderung nach wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit soll als Beispiel dienen.&lt;br /&gt;
In vielen Gegenden der Erde kommt&lt;br /&gt;
es zur Vernichtung der Regenwälder&lt;br /&gt;
und bedrohter Tierarten, weil die Ar-&lt;br /&gt;
men in der berechtigten Forderung&lt;br /&gt;
nach einem Anteil am Wohlstand&lt;br /&gt;
den Wald roden, um Äcker zu gewin-&lt;br /&gt;
nen. Dabei ist ihnen nicht bewußt,&lt;br /&gt;
daß sie als Mitglieder einer ihnen we-&lt;br /&gt;
nig bekannten Weltgesellschaft lang-&lt;br /&gt;
fristig die Chancen ihrer Kinder für&lt;br /&gt;
ein besseres Leben unwiederbring-&lt;br /&gt;
lich zerstören, statt sie zu fördern. Je-&lt;br /&gt;
der Versuch zum Schutz der Natur&lt;br /&gt;
muß sich daher auch mit der grund-&lt;br /&gt;
legenden Ungleichheitzwischen Arm&lt;br /&gt;
und Reich in der Welt befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso kann der Fortschritt, die&lt;br /&gt;
Frau auf die gleiche Rechtsgrundlage&lt;br /&gt;
wie den Mann zu stellen, der Sache&lt;br /&gt;
des Umweltschutzes dienen. Denn&lt;br /&gt;
der Entscheidungsprozeß um die&lt;br /&gt;
Nutzung von Bodenschätzen kann so&lt;br /&gt;
von dem neuen Geist weiblicher Wer-&lt;br /&gt;
te beseelt werden. In den Schriften&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion ist folgendes ver-&lt;br /&gt;
zeichnet: »...der Mann herrschte auf-&lt;br /&gt;
grund seiner stärkeren und mehr&lt;br /&gt;
zum Angriff neigenden körperlichen&lt;br /&gt;
und verstandesmäßigen Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten über die Frau. Aber schon neigt&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=21}}sich die Waage, Gewalt verliert ihr&lt;br /&gt;
Gewicht, und geistige Regsamkeit,&lt;br /&gt;
Intuition und die geistigen Eigen-&lt;br /&gt;
schaften der Liebe und des Dienens,&lt;br /&gt;
in welchen die Frau stark ist, gewin-&lt;br /&gt;
nen an Einfluß. Folglich wird das&lt;br /&gt;
neue Zeitalter weniger männlich und&lt;br /&gt;
mehr von den weiblichen Leitbildern&lt;br /&gt;
durchdrungen sein...«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung, insbesondere eine Er-&lt;br /&gt;
ziehung, die Bahä’i-Prinzipien der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Abhängigkeit unter&lt;br /&gt;
den Menschen betont, ist eine weitere&lt;br /&gt;
Voraussetzung für die Entwicklung&lt;br /&gt;
weltweiten Umweltschutzbewußt-&lt;br /&gt;
seins. Die Glaubenslehren der Einheit&lt;br /&gt;
und wechselseitigen Abhängigkeit&lt;br /&gt;
beziehen sich besonders auf Umwelt-&lt;br /&gt;
fragen. Um wiederum die heiligen&lt;br /&gt;
Schriften der Bahä’i-Religion zu zitie-&lt;br /&gt;
ren: »Unter Natur sind die besonde-&lt;br /&gt;
ren Eigenheiten und die zwangsläufi-&lt;br /&gt;
gen Beziehungen zu verstehen, die&lt;br /&gt;
aus den Wirklichkeiten der Dinge&lt;br /&gt;
herrühren. Diese Wirklichkeiten der&lt;br /&gt;
Dinge sind eng miteinander ver-&lt;br /&gt;
knüpft, obwohl sie höchst mannigfal-&lt;br /&gt;
tig sind... Vergleiche die Welt des Da-&lt;br /&gt;
seins mit dem menschlichen Körper.&lt;br /&gt;
Alle Organe unterstützen einander,&lt;br /&gt;
daher bleibt er am Leben...Ebenso be-&lt;br /&gt;
steht eine wundervolle Verbindung&lt;br /&gt;
und ein Austausch der Kräfte bei al-&lt;br /&gt;
len Formen des Daseins. Das ist die&lt;br /&gt;
Ursache des Lebens auf der Welt und&lt;br /&gt;
der Fortbestand all dieser unzähligen&lt;br /&gt;
Erscheinungsformen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein die Tatsache, daß diese&lt;br /&gt;
Prinzipien mit der Macht der Religion&lt;br /&gt;
bekleidet sind und nicht von Men-&lt;br /&gt;
schen ersonnen wurden, istein weite-&lt;br /&gt;
rer Schritt zur Lösung unserer Um-&lt;br /&gt;
weltprobleme. Die Triebkraft hinter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Umgang mit der Natur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Erklärungen von Assisi beweist&lt;br /&gt;
diese Ansicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt wahrscheinlich keine stär-&lt;br /&gt;
kere Triebfeder für sozialen Wandel&lt;br /&gt;
als Religion. Bahä’u’lläh sagt: »Reli-&lt;br /&gt;
gion ist wahrlich das vortrefflichste&lt;br /&gt;
Mittel zur Errichtung der Ordnung in&lt;br /&gt;
der Welt und für die Ruhe ihrer Völ-&lt;br /&gt;
ker.«° Bei der Entwicklung einer neu-&lt;br /&gt;
en ökologischen Ethik können die&lt;br /&gt;
Lehren aller religiösen Überlieferun-&lt;br /&gt;
gen eine Rolle spielen, indem sie ihre&lt;br /&gt;
Anhänger beflügeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh betont beispielsweise&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit des Tierschutzes.&lt;br /&gt;
»Schaue auf Gottes Geschöpfe nur&lt;br /&gt;
mit dem Auge der Güte und des Mit-&lt;br /&gt;
leids, denn Unsere liebende Vorse-&lt;br /&gt;
hung durchdringt alles Erschaffene&lt;br /&gt;
und Unsere Gnade umfaßt die Erde&lt;br /&gt;
und die Himmel.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er selbst liebte und schätzte die&lt;br /&gt;
Natur sehr, zudem förderte er in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehren die Beziehung zwi-&lt;br /&gt;
schen der äußeren und der geistigen&lt;br /&gt;
Welt. So sagte Bahä’u’lläh: »Das Land&lt;br /&gt;
ist die Welt der Seele, die Stadt die&lt;br /&gt;
Welt des Körpers.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Gegensatz zwischen Gei-&lt;br /&gt;
stigkeit und Materialismus ist ein&lt;br /&gt;
Schlüssel zum Verständnis der heuti-&lt;br /&gt;
gen menschlichen Nöte. Nach An-&lt;br /&gt;
sicht der Bahä’i sind die größten Be-&lt;br /&gt;
drohungen der Umwelt, wie atomare&lt;br /&gt;
Vernichtung, Ausdruck der weltweit&lt;br /&gt;
verbreiteten Krankheit des menschli-&lt;br /&gt;
chen Geistes, einer Krankheit, die&lt;br /&gt;
durch Überbewertung materieller&lt;br /&gt;
Güter und Ichbezogenheit gekenn-&lt;br /&gt;
zeichnet ist. Sie Jähmt unsere Fähig-&lt;br /&gt;
keit als Weltgemeinschaft zusam-&lt;br /&gt;
menzuarbeiten. Die Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
versucht vor allem, den Geist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 ’Abdu’l-Bahá in: Bahä’u’lläh und das neue Zeitalter, Seite 173&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Bahä’u‘lläh, Botschaften aus ‘Akkä, 6:19&lt;br /&gt;
6 Bahä’u’lläh und das neue Zeitalter, Seite 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=22}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen wiederzubeleben und die&lt;br /&gt;
Schranken niederzureißen, die hin-&lt;br /&gt;
derlich sind für eine fruchtbare und&lt;br /&gt;
harmonische Zusammenarbeit zwi-&lt;br /&gt;
schen Männern und Frauen, unge-&lt;br /&gt;
achtet ihrer Staatszugehörigkeit, Ras-&lt;br /&gt;
se oder Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Daseinszweck der Bahä’i be-&lt;br /&gt;
steht darin, eine fortschreitende Kul-&lt;br /&gt;
tur voranzutragen. Diese Kultur kann&lt;br /&gt;
nur auf einer selbstgenügsamen Erde&lt;br /&gt;
errichtet werden. Die Verpflichtung&lt;br /&gt;
der Bahä’i gegenüber der Umwelt ist&lt;br /&gt;
ein Grundpfeiler unseres Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=23}}Wege zur Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefahren des Expertentums&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Lester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Medien werden ständig »Experten« zitiert, aber den Aussagen dieser »Exper-&lt;br /&gt;
ten« soll man nicht immer Glauben schenken. John Lester untersucht, wie die Experten&lt;br /&gt;
manchmal den menschlichen Fortschritt aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Experten! Es hat sie in jedem Zeitalter&lt;br /&gt;
gegeben; unseres bildet da keine Aus-&lt;br /&gt;
nahme. In allen Bereichen, in denen&lt;br /&gt;
der Mensch nach Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
strebt, gibt es Leute, die aufgrund ih-&lt;br /&gt;
rer Fachkenntnis und ihres Wissens&lt;br /&gt;
unser Vertrauen auf sich ziehen oder&lt;br /&gt;
es manchmal sogar einfordern. Mei-&lt;br /&gt;
stens verdienen sie es, aber trotzdem&lt;br /&gt;
ist Skepsis geboten. Experten sind&lt;br /&gt;
wichtig, aber ihr Nutzen für die Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft wird beeinträchtigt, wenn&lt;br /&gt;
sie vom Gefühl ihrer eigenen Wich-&lt;br /&gt;
tigkeit überwältigt sind. Welche Ar-&lt;br /&gt;
beit wir auch verrichten, sie ge-&lt;br /&gt;
schieht, weil sie für die Gemeinschaft&lt;br /&gt;
notwendig ist und wir alle Diener un-&lt;br /&gt;
serer Mitmenschen sind, unabhängig&lt;br /&gt;
davon, wie erhaben oder niedrig un-&lt;br /&gt;
ser Wirkungskreis auch in ihren Au-&lt;br /&gt;
gen sein mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach ausgedrückt, die Kom-&lt;br /&gt;
promißlosigkeit der Experten hat in&lt;br /&gt;
der Vergangenheit oft den Wissens-&lt;br /&gt;
fortschritt des Menschen verzögert.&lt;br /&gt;
Ein besonders bekannter Fall ist der&lt;br /&gt;
des Galilei im frühen 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Seit fast zweitausend Jahren hatten&lt;br /&gt;
die Wissenschaftler die Theorie des&lt;br /&gt;
Ptolemäus akzeptiert, daß die Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst veröffentlicht in Herald of the&lt;br /&gt;
South, Oktober 1988, S. 19/20 unter&lt;br /&gt;
dem Titel “Roadblocks on the Path of&lt;br /&gt;
Knowledge”. Die Übersetzung aus dem&lt;br /&gt;
Englischen besorgte Petra Zapp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mittelpunkt des Universums sei&lt;br /&gt;
und daß sich die Sonne um die Erde&lt;br /&gt;
dreht. Die Kirche hatte sich dieser&lt;br /&gt;
Doktrin nur zu gern verschrieben, um&lt;br /&gt;
die Wichtigkeit des Menschen in der&lt;br /&gt;
göttlichen Schöpfung zu belegen,&lt;br /&gt;
aber im späten 15. Jahrhundert stellte&lt;br /&gt;
Kopernikus diese These auf den Kopf.&lt;br /&gt;
Galilei trug seine eigenen Entdeckun-&lt;br /&gt;
gen auf der Grundlage von Experi-&lt;br /&gt;
menten mit seinem berühmten Tele-&lt;br /&gt;
skop dazu bei. Dies erregte die Auf-&lt;br /&gt;
merksamkeitder Heiligen Inquisition&lt;br /&gt;
als Vertreter desKlerus und als selbst-&lt;br /&gt;
ernannte Bewahrer des Wissens. Un-&lt;br /&gt;
ter der Folter widerrief Galilei, was&lt;br /&gt;
allerdings nichts an der Tatsache än-&lt;br /&gt;
derte, daß seine Theorien richtig wa-&lt;br /&gt;
ren und seine Verfolger sich irrten.&lt;br /&gt;
Generationen hindurch beklagen&lt;br /&gt;
die Wissenschaftler Galileis Verfol-&lt;br /&gt;
gung als Hauptbeispiel für religiösen&lt;br /&gt;
Aberglauben, für die Ablehnung neu&lt;br /&gt;
entdeckter Wahrheiten. Als sie aber&lt;br /&gt;
anfangs dieses Jahrhunderts mit neu-&lt;br /&gt;
en Konzepten konfrontiert wurden,&lt;br /&gt;
verhielten sie sich auch nicht besser.&lt;br /&gt;
Zueiner Herausforderung kames&lt;br /&gt;
zum Beispiel, als Alfred Wegener, ein&lt;br /&gt;
Meteorologe mit Interesse für die&lt;br /&gt;
Geologie, seine Theorie der Kontinen-&lt;br /&gt;
talverschiebung vortrug und von den&lt;br /&gt;
Experten ausgelacht wurde. In sei-&lt;br /&gt;
nem Buch Continents in Collision, 1983&lt;br /&gt;
von Time-Life herausgegeben, kom-&lt;br /&gt;
mentiert Russel Miller: »Einige Mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=24}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
glieder sprachen offen ihre Empö-&lt;br /&gt;
rung darüber aus, daß solch ein lä-&lt;br /&gt;
cherlicher Gedanke in ihrer Gegen-&lt;br /&gt;
wart an die Öffentlichkeit gebracht&lt;br /&gt;
wurde.« Ein Geologe behauptete, nie-&lt;br /&gt;
mand, der »Wert lege auf seinen Ruf&lt;br /&gt;
als ernstzunehmender Wissenschaft-&lt;br /&gt;
ler«, würde es wagen, eine derart aus&lt;br /&gt;
dem Rahmen fallende Theorie, wie&lt;br /&gt;
die Kontinentalverschiebung, zu ver-&lt;br /&gt;
treten, während ein anderer sagte,&lt;br /&gt;
»wenn wir Wegeners Hypothese&lt;br /&gt;
Glauben schenkten, müßten wir alles&lt;br /&gt;
vergessen, was wir in den letzten&lt;br /&gt;
siebzig Jahren gelernt haben, und von&lt;br /&gt;
neuem beginnen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miller faßt zusammen: »Er war&lt;br /&gt;
weder Geologe, Paleontologe noch&lt;br /&gt;
Biologe, trotzdem drang er mit seiner&lt;br /&gt;
Hypothese in diese Bereiche ein und&lt;br /&gt;
räumte dort mit althergebrachten,&lt;br /&gt;
liebgewordenen Vorstellungen auf«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwanzig Jahren schließlich&lt;br /&gt;
gewann die Theorie von der Konti-&lt;br /&gt;
nentalverschiebung allgemeine An-&lt;br /&gt;
erkennung. Wegener, 1930 verstor-&lt;br /&gt;
ben, wurde in der wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Wertschätzung vom verschrobenen&lt;br /&gt;
Kauz zum Genie erhoben. Antony&lt;br /&gt;
Hallam, ein zeitgenössischer Geolo-&lt;br /&gt;
ge, bemerkt im Buch von Miller: »Das&lt;br /&gt;
Problem muß darin bestanden haben,&lt;br /&gt;
daß er kein eingetragenes Mitglied&lt;br /&gt;
des Geologenverbandes war.« Heute&lt;br /&gt;
erkennen wir natürlich einen großen&lt;br /&gt;
Vorteil darin, daß Wegener als Stu-&lt;br /&gt;
dentnicht der Gehirnwäsche konven-&lt;br /&gt;
tionellen geologischen Wissens un-&lt;br /&gt;
terlag. Er war in der besseren Posi-&lt;br /&gt;
tion, weilerander Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
des herkömmlichen Standpunktes&lt;br /&gt;
nicht beteiligt war. Er war kein Ama-&lt;br /&gt;
teur, sondern ein interdisziplinärer&lt;br /&gt;
Forscher mit Talent und Vorstel-&lt;br /&gt;
lungskraft, der sicher einen Platz im&lt;br /&gt;
Ruhmestempel großer Wissenschaft-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ler verdient hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahrscheinlichen Gründe für&lt;br /&gt;
den damaligen Widerstand sind heu-&lt;br /&gt;
te klar: Wir sind, wie es scheint, viel&lt;br /&gt;
eher bereit, die mögliche Kritik der&lt;br /&gt;
Nachwelt zu akzeptieren als den&lt;br /&gt;
wahrscheinlichen Spott der Zeitge-&lt;br /&gt;
nossen, wie irregeleitet sie auch sein&lt;br /&gt;
mögen. Verwurzelt in unseren Tradi-&lt;br /&gt;
tionen, tun wir uns schwer, neue Ide-&lt;br /&gt;
en aufzunehmen, die gegen das der-&lt;br /&gt;
zeitige Wissen verstoßen und die&lt;br /&gt;
Notwendigkeit eines Umdenkens an-&lt;br /&gt;
zeigen. Trotzdem treten solche Kon-&lt;br /&gt;
zepte in jedem Zeitalter auf, und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„die Kompromißlosigkeit der&lt;br /&gt;
Experten hat in der Vergangen-&lt;br /&gt;
heit oft den Wissensfortschritt&lt;br /&gt;
des Menschen verzögert...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
später Einsicht, einer allgemein-&lt;br /&gt;
menschlichen Gabe, erkennen wir die&lt;br /&gt;
neuen Ideen als gültig an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derartiges Verhalten ist nicht auf&lt;br /&gt;
die materielle Welt der Wissenschaft&lt;br /&gt;
beschränkt. Christus wurde gekreu-&lt;br /&gt;
zigt, weil er nicht in die Auslegung&lt;br /&gt;
der messianischen Prophezeiungen&lt;br /&gt;
durch die Gelehrten paßte. Heute ver-&lt;br /&gt;
dammen wir ihren Mangel an Ein-&lt;br /&gt;
sicht; wir sind sicher, daß wir, wenn&lt;br /&gt;
wir damals in Palästina gelebt hätten,&lt;br /&gt;
diesen Fehler nicht gemacht hätten.&lt;br /&gt;
Christus selbst sprach unheilverkün-&lt;br /&gt;
dende Warnungen über eine solche&lt;br /&gt;
Einstellung aus: »Weh euch, Schrift-&lt;br /&gt;
gelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler,&lt;br /&gt;
die ihr den Propheten Grabmäler&lt;br /&gt;
baut und schmücket der Gerechten&lt;br /&gt;
Gräber und sprecht: Wären wir zu&lt;br /&gt;
unserer Väter Zeiten gewesen, so wä-&lt;br /&gt;
ren wir nicht mit ihnen schuldig ge-&lt;br /&gt;
worden an der Propheten Blut! So&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=25}}gebtihr über euch selbst Zeugnis, daß&lt;br /&gt;
ihr Kinder seid derer, die die Prophe-&lt;br /&gt;
ten getötet haben« (Matthäus 23:29-&lt;br /&gt;
31). So steht es schon in der Bibel&lt;br /&gt;
geschrieben, daß nachfolgende Gene-&lt;br /&gt;
rationen Böcke schießen, wenn es da-&lt;br /&gt;
rum geht, religiöse Wahrheiten zu er-&lt;br /&gt;
kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Wissenschaft wiein der Re-&lt;br /&gt;
ligion sind wir somit davor gewarnt,&lt;br /&gt;
uns zu sehr auf unsere traditionellen&lt;br /&gt;
Anschauungen zu verlassen. Die Fra-&lt;br /&gt;
gen, zu denen uns diese späte Einsicht&lt;br /&gt;
führt, lauten: Wie gültig sind unsere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwurzelt in unseren Traditio-&lt;br /&gt;
nen, tun wir uns schwer, neue&lt;br /&gt;
Ideen aufzunehmen, die gegen&lt;br /&gt;
das derzeitige Wissen verstoßen&lt;br /&gt;
und die Notwendigkeit eines&lt;br /&gt;
Umdenkens anzeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heutigen Einstellungen? Folgen auch&lt;br /&gt;
wir den Fußspuren unserer Väterund&lt;br /&gt;
verfolgen einen anderen Galilei, belä-&lt;br /&gt;
cheln einen zweiten Wegener, kreuzi-&lt;br /&gt;
gen einen neuen Messias? Wenn un-&lt;br /&gt;
ser Zeitalter nicht außergewöhnlich&lt;br /&gt;
erleuchtet ist - was eine höchst zwei-&lt;br /&gt;
felhafte Hypothese wäre -, ist die&lt;br /&gt;
plausible Antwort »Ja«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind wir in der Lage, mögliche&lt;br /&gt;
Anwärter zu erkennen? Rufen wir&lt;br /&gt;
uns ins Gedächtnis zurück, daß die,&lt;br /&gt;
welche zunächst am stärksten ange-&lt;br /&gt;
griffen wurden (und heute am mei-&lt;br /&gt;
sten verehrt werden), diejenigen wa-&lt;br /&gt;
ren, deren Einsichten die Denkweisen&lt;br /&gt;
in ihren Fachgebieten völlig umkehr-&lt;br /&gt;
ten und die bestehenden Autoritäten&lt;br /&gt;
herausforderten. Wir halten deshalb&lt;br /&gt;
nicht Ausschau nach geringfügigen&lt;br /&gt;
Abweichungen, sondern nach der ra-&lt;br /&gt;
dikalen Abkehr von liebgewordenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wege zur Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überzeugungen und Bräuchen. Sind&lt;br /&gt;
unsere Mediziner im Recht, wenn sie&lt;br /&gt;
alternative Heilverfahren ablehnen,&lt;br /&gt;
oder verdunkelt die berufsmäßige Ei-&lt;br /&gt;
fersucht ihr Urteilsvermögen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachwelt wird es erfahren.&lt;br /&gt;
Sie wird auch in der Lage sein, unsere&lt;br /&gt;
Annahme neuer religiöser Strömun-&lt;br /&gt;
gen, die oft als Kulte, Sekten oder so-&lt;br /&gt;
gar als Teufelswerk (wiederholte Be-&lt;br /&gt;
merkungen über Christus in Lukas&lt;br /&gt;
11:15) abgestempelt wurden, zu beur-&lt;br /&gt;
teilen, so wie es auch geschah bei der&lt;br /&gt;
Annahme des Christentums durch&lt;br /&gt;
frühe römische Schriftsteller, z.B. Pli-&lt;br /&gt;
nius, den Jüngeren. Im Iran wird der&lt;br /&gt;
Anspruch der Bahä’i-Religion, die Er-&lt;br /&gt;
füllung des Islams zu sein, mit Verfol-&lt;br /&gt;
gung seitens derjenigen geahndet, die&lt;br /&gt;
prahlerisch die frühen moslemischen&lt;br /&gt;
Märtyrer verehren. Die Vorstellung,&lt;br /&gt;
daß der Religionsstifter Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
das Versprechen der Wiederkunft&lt;br /&gt;
Christi erfüllt, suchen viele Christen&lt;br /&gt;
sofort durch traditionelle Auslegun-&lt;br /&gt;
gen der Schriften zu widerlegen - ge-&lt;br /&gt;
nau das gleiche Verhalten wie bei den&lt;br /&gt;
Pharisäern vor zweitausend Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies beweist natürlich nichts über&lt;br /&gt;
die Bahä’i-Religion, außer daß man&lt;br /&gt;
ihre Ansprüche wahrscheinlich nicht&lt;br /&gt;
angemessen bewertet, wenn man die&lt;br /&gt;
gleichen Auffassungen wiederholt,&lt;br /&gt;
die in der Vergangenheit bereits als&lt;br /&gt;
falsch erkannt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sollen wir also vorgehen,&lt;br /&gt;
wenn wir mit Denkweisen konfron-&lt;br /&gt;
tiert werden, die unser derzeitiges&lt;br /&gt;
Verständnis grundlegend verän-&lt;br /&gt;
dern? Erinnern wir uns an den Witz&lt;br /&gt;
von Jimmy Durante: »Sie sagten, Ga-&lt;br /&gt;
lilei sei verrückt; sie sagten, Einstein&lt;br /&gt;
sei verrückt; sie sagten, Louie sei ver-&lt;br /&gt;
rückt... Wer ist Louie? Louie ist mein&lt;br /&gt;
Onkel. Er ist verrückt.« - Wie unter-&lt;br /&gt;
scheiden wir unsere Galileis von un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=26}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seren Louies, unsere Propheten von&lt;br /&gt;
unseren Scharlatanen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist klar, daß wir bereit sein&lt;br /&gt;
müssen, die Glaubensvorstellungen&lt;br /&gt;
und Ausgangspunkte, nach denen&lt;br /&gt;
wir unser Urteil fällen, immer wieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Wissenschaft wie in der&lt;br /&gt;
Religion sind wir somit davor&lt;br /&gt;
gewarnt, uns zu sehr auf unsere&lt;br /&gt;
traditionellen Anschauungen zu&lt;br /&gt;
verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
neu zu prüfen. Sind sie vernünftig, so&lt;br /&gt;
halten sie dieser Behandlung stand&lt;br /&gt;
und werden sogar noch bekräftigt;&lt;br /&gt;
sind sie es nicht, dann müssen wir sie&lt;br /&gt;
ändern. Gerechtigkeit ist nur dann&lt;br /&gt;
gewährleistet, wenn wir mit eigenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-Baha’u’llah -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahre Sucher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muß sein Herz so&lt;br /&gt;
läutern,daß kein Rest&lt;br /&gt;
von Liebe oder Haß&lt;br /&gt;
darin zurückbleibt,&lt;br /&gt;
damit weder Liebe ihn&lt;br /&gt;
blind zum Irrtum leite&lt;br /&gt;
noch Haß ihn von der&lt;br /&gt;
Wahrheit scheuche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen sehen und nicht durch die Au-&lt;br /&gt;
gen anderer, auf unserem eigenen&lt;br /&gt;
Fachgebiet wie auch im sehr persön-&lt;br /&gt;
lichen Bereich religiösen Glaubens,&lt;br /&gt;
wo der Einfluß der Familie und der&lt;br /&gt;
Gleichgesinnten kein entscheidender&lt;br /&gt;
Faktor sein darf, faliser überhaupt als&lt;br /&gt;
Faktor in Betracht kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich müssen wir aufge-&lt;br /&gt;
schlossen sein, weniger übereilt und&lt;br /&gt;
automatisch in unseren Urteilen. Am&lt;br /&gt;
wichtigsten ist es, uns in der un-&lt;br /&gt;
schätzbaren Gabe der Bescheidenheit&lt;br /&gt;
zu üben, um die Fehler derjenigen zu&lt;br /&gt;
vermeiden, die sich stärker um Ruf&lt;br /&gt;
und Stellung kümmern als um die&lt;br /&gt;
Suche nach Wahrheit. Dann erreichen&lt;br /&gt;
wir vielleicht ein Zeitalter, in dem die&lt;br /&gt;
Experten ihren Namen wirklich ver-&lt;br /&gt;
dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=27}}Das fiktive Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Emanuel Swedenborg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emanuel Swedenborg wurde 1688 in Stockholm geboren, beschäftigte sich bis zu&lt;br /&gt;
seinem 56. Lebensjahr intensiv mit verschiedensten Wissenschaften, darunter Mathe-&lt;br /&gt;
matik, Chemie, Physik, Astronomie, Geologie; Biologie, Physiologie, Psychologie, in&lt;br /&gt;
welchen er zum Teil Erkenntnisse des 19. und 20.Jahrhunderts vorwegnahm. Er sprach&lt;br /&gt;
die europäischen und antiken sowie mehrere orientalische Sprachen. Im Jahre 1745&lt;br /&gt;
wurde er durch eine Vision vom Herrn zum Seher berufen und mit der Aufgabe betraut,&lt;br /&gt;
den Menschen den geistigen Inhalt der Heiligen Schrift auszulegen. Nach diesem&lt;br /&gt;
Erlebnis gab er seine wissenschaftliche Tätigkeit völlig auf. Er selbst sagt in diesem&lt;br /&gt;
Zusammenhang:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich kann heilig beteuern, daß mir der Herr selbst erschienen ist und daß Er mich&lt;br /&gt;
gesandt hat zu tun, was ich tue. Daher hat es dem Herrn gefallen, mir das Gesicht&lt;br /&gt;
meines Geistes zu öffnen und mich zu lehren. Ich entsagte aller weltlichen Gelehrsam-&lt;br /&gt;
keit und Ruhmsucht und arbeitete in geistigen Dingen, wie mir der Herr befahl zu&lt;br /&gt;
schreiben. Diese Dinge sind: die Öffnung der geistigen Welt und die Erklärung des&lt;br /&gt;
inneren Sinnes der Bibel.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi beschreibt Swedenborg als einen geistig erleuchteten Menschen, dessen&lt;br /&gt;
Lehren ihre Schatten auf die Offenbarungen des Bab und Baha’u’lldhs vorauswerfen.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Wir freuen uns , daß Sie bereit&lt;br /&gt;
sind, uns einige Fragen zum Inhalt&lt;br /&gt;
Ihrer Lehre, die heutzutage kaum&lt;br /&gt;
jemandem bekannt ist, zu beantwor-&lt;br /&gt;
ten. Ich möchte Sie bitten, uns zu Be-&lt;br /&gt;
ginn mit dem Gedanken vertraut zu&lt;br /&gt;
machen, den Sie für besonders wich-&lt;br /&gt;
tig halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Die himmlische, die geistige&lt;br /&gt;
und die natürliche Welt entsprechen&lt;br /&gt;
einander. Ohne die Wissenschaft der&lt;br /&gt;
Entsprechungen, den goldenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fiktive Interview mit E.Swedenborg&lt;br /&gt;
wurde verfaßt und für diese Ausgabe ge-&lt;br /&gt;
kürzt von Bijan Sobhani.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlüssel, der die Pforte zu den geisti-&lt;br /&gt;
gen Dingen öffnet, kann man weder&lt;br /&gt;
die Erscheinungen in der geistigen&lt;br /&gt;
Welt, noch den Zustand der Seelen&lt;br /&gt;
nach dem Tode, noch die Heilige&lt;br /&gt;
Schrift verstehen. Es gibt nichts im&lt;br /&gt;
erschaffenen Weltall, das nicht im&lt;br /&gt;
Entsprechungsverhältnis mit irgend&lt;br /&gt;
etwas im Menschen steht, nicht nur&lt;br /&gt;
mit seinen Gefühlen und Gedanken,&lt;br /&gt;
sondern auch mit den Organen und&lt;br /&gt;
Eingeweiden seines Körpers. Die gei-&lt;br /&gt;
stige Welt ist der natürlichen ganz&lt;br /&gt;
ähnlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Das hört sich äußerst interes-&lt;br /&gt;
santan. Bitte geben Sie einige Beispie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 »The teachings of such spiritually enlightened souls as Swedenborg, Emerson, and others should be conside-&lt;br /&gt;
red as the advanced stirrings in the minds of great souls foreshadowing that Revelation which was to break&lt;br /&gt;
upon the world through the Báb and Bahä’u&#039;lläh. Anything they say which is not substantiated by the Tea-&lt;br /&gt;
chings, however, we cannot regard as absolute truth, but merely as the reflections of their own thoughts.«&lt;br /&gt;
Aus einem Brief im Auftrage Shoghi Effendis geschrieben an einen einzelnen Gläubigen vom 6.5.1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
le für derartige Entsprechungen .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Die beseelten Wesen, die Tiere&lt;br /&gt;
auf Erden, entsprechen im allgemei-&lt;br /&gt;
nen den Neigungen. Die Bäume je&lt;br /&gt;
nach ihren Arten entsprechen den&lt;br /&gt;
Wahrnehmungen und Erkenntnissen&lt;br /&gt;
des Guten und Wahren, aus welchen&lt;br /&gt;
Einsicht und Weisheit kommt. Das&lt;br /&gt;
Wort? ist in lauter Entsprechungen&lt;br /&gt;
geschrieben, und von daher ist auch&lt;br /&gt;
sein innerer und geistiger Sinn; und&lt;br /&gt;
ohne die Kenntnis der Entsprechun-&lt;br /&gt;
gen kann man weder wissen, daß er&lt;br /&gt;
existiert, noch wie das Wort beschaf-&lt;br /&gt;
fen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Die Sonne spielt in Ihrer Lehre&lt;br /&gt;
von den Entsprechungen offenbar ei-&lt;br /&gt;
ne zentrale Rolle. Ich fand sie in Ihren&lt;br /&gt;
Büchern als Symbol für den Urquell&lt;br /&gt;
allen Seins. Würden Sie uns diesen&lt;br /&gt;
Symbolismus etwas näher erläutern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S:DieSonne der geistigen Weltist&lt;br /&gt;
reine, lautere Liebe, ausgehend von&lt;br /&gt;
Gott, der in ihrer Mitte ist. Aus dieser&lt;br /&gt;
Sonne gehen hervor Wärme und&lt;br /&gt;
Licht; sie sind ihrem Grundwesen&lt;br /&gt;
nach Liebe und Weisheit. Beide flies-&lt;br /&gt;
sen in den Menschen ein: die Wärme&lt;br /&gt;
in sein Wollen, hervorbringend das&lt;br /&gt;
Gute der Liebe, das Licht in sein Den-&lt;br /&gt;
ken, hervorbringend das Wahre der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die himmlische, die geistige und&lt;br /&gt;
die natürliche Welt entsprechen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weisheit. Sie selbst, jene Sonne, ist&lt;br /&gt;
nicht Gott, sondern sie ist von Gott,&lt;br /&gt;
die nächste, erste Sphäre von Ihm um&lt;br /&gt;
Ihn. Mittels dieser Sonne hat Er das&lt;br /&gt;
Weltall geschaffen, nämlich alle Welt-&lt;br /&gt;
körper, unsere Erde undalle Gestirne,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die am Firmamente prangen. Es ist&lt;br /&gt;
2  DieBibel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
demnach richtig, daß die natürliche&lt;br /&gt;
Sonne ihr Dasein aus der geistigen&lt;br /&gt;
Sonne hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Aus dem, was Sie zuletzt er-&lt;br /&gt;
wähnen, entnehmeich, daß nicht Gott&lt;br /&gt;
selbst das Weltall erschuf, sondern&lt;br /&gt;
daß er die schöpferische Kraft einem&lt;br /&gt;
Mittler übertragen hat. Doch worin&lt;br /&gt;
liegt der Sinn der Schöpfung? Wozu&lt;br /&gt;
wurde die Welt erschaffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ewige Verbindung des&lt;br /&gt;
Schöpfers mit dem erschaffenen&lt;br /&gt;
Weltall ist der universelle End-&lt;br /&gt;
zweck aller Teile der Schöpfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Gott hat das Weltall zu keinem&lt;br /&gt;
anderen Zwecke erschaffen, als daß&lt;br /&gt;
ein Menschengeschlecht und aus die-&lt;br /&gt;
sem ein Himmel entstehe. Denn das&lt;br /&gt;
Menschengeschlecht ist die Pflanz-&lt;br /&gt;
schule des Himmels. Und alles Er-&lt;br /&gt;
schaffene ist am Ende um des Men-&lt;br /&gt;
schen willen da. Eine ewige Verbin-&lt;br /&gt;
dung des Schöpfers mit dem erschaf-&lt;br /&gt;
fenen Weltall ist der universelle&lt;br /&gt;
Endzweck aller Teile der Schöpfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Wenn ich Sie richtig verstehe,&lt;br /&gt;
bedeutet das, daß alle Wesen im Jen-&lt;br /&gt;
seits früher als Mensch auf Erden ge-&lt;br /&gt;
lebt haben müssen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Es gibt keinen Engel oder Geist,&lt;br /&gt;
und kann keinen geben, der nicht als&lt;br /&gt;
Mensch auf der Welt geboren wäre.&lt;br /&gt;
Der Mensch wiederum ist geschaffen,&lt;br /&gt;
daß er sich selbst und die Welt liebe,&lt;br /&gt;
daß er den Nächsten und den Him-&lt;br /&gt;
mel liebe und daß er den Herrn liebe.&lt;br /&gt;
Die Folge hiervon ist, daß der&lt;br /&gt;
Mensch, wenn er auf die Weltkommt,&lt;br /&gt;
erst sich selbst und die Welt liebt;&lt;br /&gt;
dann nach dem Maße zunehmender&lt;br /&gt;
Weisheit, den Nächsten und den&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=29}}Das fiktive Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel, und dann, wenn seine Weis-&lt;br /&gt;
heit noch höher steigt, den Herrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Sie beschreiben das Neugebore-&lt;br /&gt;
ne als ein Wesen, das allein seinen&lt;br /&gt;
natürlichen Trieben folgt. Wie aber&lt;br /&gt;
erlangt der Mensch die Fähigkeit, die&lt;br /&gt;
Sie als Weisheit bezeichnen, und&lt;br /&gt;
durch die der Mensch letztlich veran-&lt;br /&gt;
laßt wird zu lieben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Richtig! Der Mensch liebt von&lt;br /&gt;
Geburt her bloß sich und die Welt.&lt;br /&gt;
Doch dieser Trieb könnte nicht von&lt;br /&gt;
seiner Unreinlichkeit gesäubert wer-&lt;br /&gt;
den, wenn der Mensch nicht das Ver-&lt;br /&gt;
mögen hätte, seinen Verstand in das&lt;br /&gt;
Licht des Himmels zu erheben, und&lt;br /&gt;
zu sehen, wie er leben muß, auf daß&lt;br /&gt;
sein Trieb zugleich mit seinem Ver-&lt;br /&gt;
stand in die Weisheiterhoben werden&lt;br /&gt;
könne. Jeder Mensch wird in die&lt;br /&gt;
Fähigkeit geboren, die Wahrheit ein-&lt;br /&gt;
zusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Demnach sehen Sie eine enge&lt;br /&gt;
Verbindung zwischen Liebe und Ver-&lt;br /&gt;
stand. Viele Menschen halten Liebe&lt;br /&gt;
und Verstand für einander wider-&lt;br /&gt;
sprechende Prinzipien. Würden Sie&lt;br /&gt;
diese besondere Beziehung bitte nä-&lt;br /&gt;
her erklären?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Gerne! Am besten, ich erkläre zu-&lt;br /&gt;
vor jeden dieser beiden Begriffe gestrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch wird in die Fähig-&lt;br /&gt;
keit geboren, die Wahrheit ein-&lt;br /&gt;
zusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird es leichter sein, die Abhängigkeit&lt;br /&gt;
zwischen beiden zu verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liebe ist eine geistige Verbin-&lt;br /&gt;
dung. Das Wesen der Liebe besteht&lt;br /&gt;
darin, andere außer sich zu lieben,&lt;br /&gt;
eins mitihnen zu sein und sie aussich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu beglücken. Die Liebe geht von der&lt;br /&gt;
3 _ Das Beispiel stammt von G.Gollwitzer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistigen Sonne als geistige Wärme&lt;br /&gt;
aus und fließt vermöge der Entspre-&lt;br /&gt;
chung in das Herz. Dazu ein anschau-&lt;br /&gt;
liches Beispiel: Die Wärme steigt von der&lt;br /&gt;
Erde nach oben. So empfinden auch wir&lt;br /&gt;
unsere Lebenswärme als unsere eigene,&lt;br /&gt;
die nach oben strebt. Aber wie die irdische&lt;br /&gt;
Wärme ihren Ursprung aus der Sonne&lt;br /&gt;
hat und ständig wieder hinaufstrebt, um&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Freie gehört der Liebe an,&lt;br /&gt;
denn was der Mensch liebt, das&lt;br /&gt;
tut er mit Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich von dort zu erneuern, so stammt&lt;br /&gt;
auch unsere Liebeswärme vom Herrn und&lt;br /&gt;
will zurück zu ihrer Quelle, sich neue&lt;br /&gt;
Kraft holen.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Entschuldigen Sie, daß ich un-&lt;br /&gt;
terbreche. Mir scheint ein Aspekt der&lt;br /&gt;
Liebe außerordentlich wichtig, und&lt;br /&gt;
zwar denke ich dabei an die Freiheit.&lt;br /&gt;
Wie lassen sich Ihrer Meinung nach&lt;br /&gt;
Liebe und Freiheit vereinbaren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Alles Freie gehört der Liebe an,&lt;br /&gt;
denn was der Mensch liebt, das tut er&lt;br /&gt;
mit Freiheit; daher ist auch alles Freie&lt;br /&gt;
Sache des Willens, denn was der&lt;br /&gt;
Mensch liebt, das will er auch. Aus&lt;br /&gt;
dem Freien heraus Böses zu tun, er-&lt;br /&gt;
scheint als Freiheit, ist aber Sklaverei,&lt;br /&gt;
weil dieses Freie aus der Liebe zu sich&lt;br /&gt;
und aus der Liebe zur Welt stammt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Ein wirklich interessanter Ge-&lt;br /&gt;
sichtspunkt! Man könnte jetzt, sofern&lt;br /&gt;
man Ihre Lehren nicht näher kennt,&lt;br /&gt;
meinen, daß Sie die Liebe zu sich&lt;br /&gt;
selbst und zur Welt verurteilen. Da-&lt;br /&gt;
rum scheintes mirangebracht, Sieum&lt;br /&gt;
eine Einordnung und Bewertung die-&lt;br /&gt;
ser Arten von Liebe zu bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Auch die Selbstliebe und die&lt;br /&gt;
Weltliebe sind von Gott geschaffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=30}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da sie die Grundtriebe des natürli-&lt;br /&gt;
chen Menschen sind, welche den gei-&lt;br /&gt;
stigen Trieben dienen, wie die Funda-&lt;br /&gt;
mente den Häusern. Der Mensch will&lt;br /&gt;
vermöge der Selbst- und Weltliebe&lt;br /&gt;
seinem Körper wohl, er will ernährt,&lt;br /&gt;
bekleidet werden, eine Wohnung ha-&lt;br /&gt;
ben, für sein Haus sorgen, sich um&lt;br /&gt;
Ämter bewerben des Nutzens wegen,&lt;br /&gt;
ja geehrt werden je nach der Würde&lt;br /&gt;
des Amtes, das er verwaltet, um des&lt;br /&gt;
Gehorsams willen. Er will auch an&lt;br /&gt;
den Freuden der Welt sich ergötzen&lt;br /&gt;
und erholen. Doch dies alles um des&lt;br /&gt;
Endzweckes willen, der Brauch-&lt;br /&gt;
barkeit sein soll, denn durch diese&lt;br /&gt;
Dinge erhält er sich imstande, dem&lt;br /&gt;
Herrn zu dienen und dem Nächsten&lt;br /&gt;
zu dienen. Ist hingegen keine Liebe&lt;br /&gt;
da, dem Herrn zu dienen und dem&lt;br /&gt;
Nächsten zu dienen, sondern nur die&lt;br /&gt;
Liebe, sich und der Welt zu dienen,&lt;br /&gt;
dann wird jene Liebe aus einer himm-&lt;br /&gt;
lischen zu einer höllischen. Diese be-&lt;br /&gt;
wirkt, daß der Mensch seinen Geist&lt;br /&gt;
und sein Gemüt in sein Eigenes ver-&lt;br /&gt;
senkt, das wenn es nicht die Richtung&lt;br /&gt;
zum Herrn hat, durchaus böse ist.&lt;br /&gt;
Viele glauben, das geistige Leben&lt;br /&gt;
oder das Leben, das zum Himmel&lt;br /&gt;
führt, bestehe in der Frömmigkeit, in&lt;br /&gt;
äußerer Heiligkeit und in der Welt-&lt;br /&gt;
entsagung. Allein Frömmigkeit ohne&lt;br /&gt;
Liebtätigkeit und äußere Heiligkeit&lt;br /&gt;
ohne innere Heiligkeit und Weltent-&lt;br /&gt;
sagung ohne ein Leben in der Welt&lt;br /&gt;
machen nicht das geistige Leben aus,&lt;br /&gt;
sondern Frömmigkeit aus Nächsten-&lt;br /&gt;
liebe, äußere Heiligkeit aus innerer&lt;br /&gt;
Heiligkeit und Weltentsagung mit&lt;br /&gt;
dem Leben in der Welt. Kurzgesagt:&lt;br /&gt;
Der Mensch kann nicht anders zum&lt;br /&gt;
Himmel gebildet werden, als durch&lt;br /&gt;
die Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Lassen Sie uns nun zurückkom-&lt;br /&gt;
men zur Beziehung zwischen Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Vernunft. Bis jetzt erläuterten Sie&lt;br /&gt;
die Liebe. Wozu aber dient Ihrer Mei-&lt;br /&gt;
nung nach dem Menschen seine Ver-&lt;br /&gt;
nunft?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Das geistige Licht des Men-&lt;br /&gt;
schen besteht im Licht seines Ver-&lt;br /&gt;
standes, und dessen Objekte sind&lt;br /&gt;
Wahrheiten, die er in diesem Licht&lt;br /&gt;
zergliedert und ordnet, in das Ver-&lt;br /&gt;
hältnis von Grund und Folge zuein-&lt;br /&gt;
ander setzt und aus denen er der Rei-&lt;br /&gt;
he nach Schlüsse zieht. Für den Ver-&lt;br /&gt;
stand ist Erleuchtung das Licht aus&lt;br /&gt;
dem Himmel, so wie für das Gesicht&lt;br /&gt;
das Licht aus der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Es ist eine sehr schöne Defini-&lt;br /&gt;
tion. An dieser Stelle, wie auch an&lt;br /&gt;
manch anderer, sieht man besonders&lt;br /&gt;
deutlich, daß Sie ein begeisterter Wis-&lt;br /&gt;
senschaftler waren. Wozu aber benö-&lt;br /&gt;
tigt der religiöse Mensch seinen Ver-&lt;br /&gt;
stand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Der Mensch muß ausgestattet&lt;br /&gt;
werden mit Kenntnissen und Er-&lt;br /&gt;
kenntnissen, weiler durch sie lernt zu&lt;br /&gt;
denken, und dann einzusehen, was&lt;br /&gt;
wahr und gut ist, und endlich weise&lt;br /&gt;
zu sein - das ist, diesem gemäß zu&lt;br /&gt;
leben. Denn der Mensch ist Mensch,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist Mensch, weil&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein Verstand über seinen Wil-&lt;br /&gt;
len und dessen Neigungen erho-&lt;br /&gt;
ben werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weil sein Verstand über seinen Willen&lt;br /&gt;
und dessen Neigungen erhoben wer-&lt;br /&gt;
den kann, weil sein Wille unter dem&lt;br /&gt;
Gebote des Verstandes sein kann. Das&lt;br /&gt;
Tier hingegen ist Tier, weil sein Ver-&lt;br /&gt;
stand unter dem Gebote seines Wil-&lt;br /&gt;
lens ist, weil seine Begierden es an-&lt;br /&gt;
treiben, zu tun, was es tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Die Wissenschaft wurde von&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=31}}der Geistlichkeit zu Ihrer Zeit nicht&lt;br /&gt;
sehr geschätzt. Wie ich weiß, weisen&lt;br /&gt;
Sie ihr jedoch einen festen Platz im&lt;br /&gt;
menschlichen Leben zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Das ist ganz richtig! Aber von&lt;br /&gt;
den Wahrheiten der Lehre, welche&lt;br /&gt;
aus dem Worte sind, muß der Aus-&lt;br /&gt;
gangspunkt genommen, und diese&lt;br /&gt;
müssen erst anerkannt werden; und&lt;br /&gt;
dann ist es erlaubt, die Wissen-&lt;br /&gt;
schaften zu Rate zu ziehen, um jene&lt;br /&gt;
zu begründen; und so erstarken sie.&lt;br /&gt;
Etwas glauben ohne einen Begriff von&lt;br /&gt;
der Sache und ohne Vernunftan-&lt;br /&gt;
schauung, heißt bloß ein alles Lebens&lt;br /&gt;
der Wahrnehmung und Neigung be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist erlaubt, mit der Vernunft&lt;br /&gt;
in die Geheimnisse des Glau-&lt;br /&gt;
bens einzudringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
raubtes Wort gedächtnismäßig behal-&lt;br /&gt;
ten, und das heißt nicht glauben. Es&lt;br /&gt;
ist erlaubt, mit der Vernunft in die&lt;br /&gt;
Geheimnisse des Glaubens einzu-&lt;br /&gt;
dringen. Trotz der engen Beziehung zwi-&lt;br /&gt;
schen Verstand und Wissenschaft sind&lt;br /&gt;
die Wissenschaft, die Einsicht und die&lt;br /&gt;
Weisheit Kinder der Liebe zum Herrn&lt;br /&gt;
und der Liebe gegen den Nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Ihr letzter Satz bringt uns wie-&lt;br /&gt;
der zu unserem Ausgangspunkt, und&lt;br /&gt;
ich bin jetzt sehr gespannt auf Ihre&lt;br /&gt;
Darstellung, die uns zeigen soll, wie&lt;br /&gt;
die Beziehungen und Abhängigkei-&lt;br /&gt;
ten zwischen Liebe, Verstand und&lt;br /&gt;
Wissen im einzelnen aussehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Der Mensch kann Vieles wis-&lt;br /&gt;
sen, denken und verstehen. Was aber&lt;br /&gt;
nicht mit seiner Liebe übereinstimmt,&lt;br /&gt;
das wirft er von sich, wenn er sich&lt;br /&gt;
selbst überlassen denkt; (Was der&lt;br /&gt;
Mensch über alles liebt, das ist fort-&lt;br /&gt;
während gegenwärtig in seinem Den-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fiktive Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ken, und auch in seinem Wollen und&lt;br /&gt;
macht sein eigenstes Leben aus.) da-&lt;br /&gt;
rum verwirft er es auch nach dem&lt;br /&gt;
Leben des Körpers, wenn er im Geist&lt;br /&gt;
ist; denn bloß das bleibt im Geiste des&lt;br /&gt;
Menschen, was in seine Liebe einge-&lt;br /&gt;
drungen ist; das Übrige wird nach&lt;br /&gt;
dem Tode als Fremdes angesehen,&lt;br /&gt;
daser, weilesnicht Sache seiner Liebe&lt;br /&gt;
ist, zum Hause hinauswirft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ich schon sagte, wird jeder Mensch&lt;br /&gt;
in die Fähigkeit geboren, die Wahr-&lt;br /&gt;
heit einzusehen. Wird aber die Liebe,&lt;br /&gt;
welche dem Willen zu eigen ist, nicht&lt;br /&gt;
zugleich erhoben, so fällt die Weis-&lt;br /&gt;
heit, welche dem Verstand eigen ist,&lt;br /&gt;
wieder zurück zu ihrer Liebe, wie&lt;br /&gt;
hoch der Mensch mit seinem Ver-&lt;br /&gt;
stand auch gestiegen sein mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verstand ist das Licht, aus dem&lt;br /&gt;
die Liebe sieht, und ohne das Licht&lt;br /&gt;
des Verstandes wären auch die Sinne&lt;br /&gt;
des Körpers, Gesicht und Gehör wie&lt;br /&gt;
alle übrigen blind und stumpf. Aber&lt;br /&gt;
die Abhängigkeit gilt genauso auch um-&lt;br /&gt;
gekehrt. Erleuchtet wird der Verstand&lt;br /&gt;
derjenigen, die das Wort lesen aus&lt;br /&gt;
Liebe zum Wahren und aus Liebe zur&lt;br /&gt;
nützlichen Anwendung im Leben,&lt;br /&gt;
nicht aber bei denen, welche es aus&lt;br /&gt;
Liebe zum Ruhme, zur Ehre und zum&lt;br /&gt;
Gewinn lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der eben beschriebenen Wechselbezie-&lt;br /&gt;
hung spielt auch der Wille eine gewichti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verstand ist das Licht, aus&lt;br /&gt;
dem die Liebe sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge Rolle. Der Wille ist das eigentliche&lt;br /&gt;
Haus, in dem der Mensch wohnt, der&lt;br /&gt;
Verstand ist der Vorhof, durch den er&lt;br /&gt;
ein- und ausgeht. Es gibt keinen&lt;br /&gt;
vereinsamten Willen, und darum&lt;br /&gt;
bringt dieser auch nichts hervor, noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=32}}Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gibt es einen vereinsamten Verstand,&lt;br /&gt;
und dieser bringt auch nichts hervor,&lt;br /&gt;
sondern jede Hervorbringung, jede&lt;br /&gt;
Handlung, geschieht von beiden zu-&lt;br /&gt;
gleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: So bedeutungsvoll auch die Fä-&lt;br /&gt;
higkeiten der Liebe und des Ver-&lt;br /&gt;
standes sein mögen; das Leben in die-&lt;br /&gt;
ser Welt erfordert vor allem anderen&lt;br /&gt;
Taten. Wie stehen Sie dazu?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: In den Taten oder Werken stellt&lt;br /&gt;
sich der Mensch heraus. Sein Wollen&lt;br /&gt;
und Denken, das heißt sein Inwendi-&lt;br /&gt;
ges, haben ihre Vollständigkeit erst&lt;br /&gt;
im Auswendigen, in Taten oder Wer-&lt;br /&gt;
ken. Allerdings werden unter Taten&lt;br /&gt;
und Werken diese nicht verstanden,&lt;br /&gt;
wie sie äußerlich, sondern wie sie in-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lieben, das Wollen ist die&lt;br /&gt;
Seele der Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nerlich sind, je nach der Absicht, aus&lt;br /&gt;
der es hervorgeht. Das Lieben, das&lt;br /&gt;
Wollen ist die Seele der Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Ihre Überzeugung ist unmiß-&lt;br /&gt;
verständlich! Lassen Sie uns jetzt&lt;br /&gt;
übergehen zu einigen zentralen The-&lt;br /&gt;
men jeder Religion. Womit möchten&lt;br /&gt;
Sie beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Das Erste und Wichtigste in je-&lt;br /&gt;
der Religion ist die Anerkennung des&lt;br /&gt;
Göttlichen. Eine Religion, die das&lt;br /&gt;
Göttliche nicht anerkennt, ist keine&lt;br /&gt;
Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Das ist wohl selbstverständlich.&lt;br /&gt;
Das Göttliche anzuerkennen ist die&lt;br /&gt;
Grundlage; sollte aber auf die Er-&lt;br /&gt;
kenntnis nicht auch die Liebe zu Gott&lt;br /&gt;
folgen? Ein Kenner Ihrer Lehren sag-&lt;br /&gt;
te: ”Der Sinn des Menschen ist, daß ein&lt;br /&gt;
Wesen da sei, das von Gott geliebt wird,&lt;br /&gt;
seine Aufgabe ist, Gott zu lieben.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Völlig richtig! Aber der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann ohne Offenbarung aus dem&lt;br /&gt;
Göttlichen nichts wissen von dem&lt;br /&gt;
ewigen Leben, nicht einmal etwas&lt;br /&gt;
von Gott, und noch weniger von der&lt;br /&gt;
Liebe zu Ihm und dem Glauben an&lt;br /&gt;
Ihn. Die zum neuen Leben oder zum&lt;br /&gt;
geistigen Leben gehörenden Dinge&lt;br /&gt;
sind die Wahrheiten, die man glau-&lt;br /&gt;
ben, und das Gute, das man tun soll.&lt;br /&gt;
Diese Dinge kann niemand aus sich&lt;br /&gt;
wissen, er muß sie aus der Offenba-&lt;br /&gt;
rung lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Hätte Gott den Menschen nicht&lt;br /&gt;
besser so erschaffen sollen, daß er die&lt;br /&gt;
Liebe zu seinem Schöpfer von Beginn&lt;br /&gt;
seines Lebens an schon in sich trägt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Sie können sicher sein; so wie es ist,&lt;br /&gt;
ist es richtig. Zu Anfang sagte ich, daß&lt;br /&gt;
der Mensch alles, was er aus Liebe tue, als&lt;br /&gt;
frei empfinde. Diese Abhängigkeit gilt je-&lt;br /&gt;
doch auch im umgekehrten Sinne: Liebe&lt;br /&gt;
setzt Freiheit voraus. Die Menschen&lt;br /&gt;
müssen Gottes Liebe und Weisheit in&lt;br /&gt;
freier Entscheidung aufnehmen kön-&lt;br /&gt;
nen. Sie müssen wie von selber sich&lt;br /&gt;
zum Schöpfer erheben und sich mit&lt;br /&gt;
Ihm verbinden können. Gott läßt den&lt;br /&gt;
Menschen so empfinden, damit eine&lt;br /&gt;
Verbindung erfolgen könne. Eine sol-&lt;br /&gt;
che wäre nicht möglich, wenn sie&lt;br /&gt;
nicht wechselseitig wäre, und wech-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen müssen Gottes&lt;br /&gt;
Liebe und Weisheit in freier Ent-&lt;br /&gt;
scheidung aufnehmen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selseitig wird sie, sobald der Mensch&lt;br /&gt;
aus der Freiheit ganz wie aus sich&lt;br /&gt;
selber tätig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Sie nannten als unverzichtbare&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Erkenntnis und&lt;br /&gt;
Liebe die Offenbarung des Göttli-&lt;br /&gt;
chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Genau! Darum gab es auch zu&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=33}}Das fiktive Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jeder Zeit eine Offenbarung. Was das&lt;br /&gt;
Göttliche geoffenbart hat, ist bei uns&lt;br /&gt;
das Wort. Das Wort ist zu allen Zeiten&lt;br /&gt;
auf der Erde gewesen, aber nicht das&lt;br /&gt;
Wort, das wir heute haben. Zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten ist das Wort gewesen, weil&lt;br /&gt;
durch das Wort Verbindung des&lt;br /&gt;
Himmels mit der Erde besteht. Das&lt;br /&gt;
Wort heißt darum ein Bund. Obwohl&lt;br /&gt;
das, was aus dem Göttlichen&lt;br /&gt;
ist, auf Erden der Fassungs-&lt;br /&gt;
kraft der Menschen, die auf&lt;br /&gt;
ihr sind, angepaßt ist, enthält&lt;br /&gt;
das Wort im innern Sinn Un-&lt;br /&gt;
zähliges, was die menschli-&lt;br /&gt;
che Fassungskraft übersteigt.&lt;br /&gt;
Der Herr lehrt den Menschen&lt;br /&gt;
die Wahrheiten also nicht un-&lt;br /&gt;
mittelbar, sondern mittelbar&lt;br /&gt;
durch das Wort (die Bibel)&lt;br /&gt;
und durch Nachdenken dar-&lt;br /&gt;
über. Alsdann wird der&lt;br /&gt;
Mensch erleuchtet jenach sei-&lt;br /&gt;
ner Neigung zum Wahren&lt;br /&gt;
und zum nützlichen Wirken.&lt;br /&gt;
Dies folgt aus den Gesetzen&lt;br /&gt;
der Göttlichen Vorsehung,&lt;br /&gt;
daß der Mensch freie Ent-&lt;br /&gt;
scheidung haben und nicht&lt;br /&gt;
durch Wunder und durch Vi-&lt;br /&gt;
sionen genötigt werden soll,&lt;br /&gt;
etwas zu glauben oder zu&lt;br /&gt;
tun. Denn was nicht mit frei-&lt;br /&gt;
em Willen vom Menschen&lt;br /&gt;
aufgenommen wird, das haf-&lt;br /&gt;
tet nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Lassen Sie uns jetzt&lt;br /&gt;
über ein Thema sprechen, das&lt;br /&gt;
heutzutage leider Anlaß für viele&lt;br /&gt;
Streitigkeiten ist. Ich meine die Exi-&lt;br /&gt;
stenz verschiedener religiöser Lehren&lt;br /&gt;
und Bekenntnisse. Sehen Sie zwi-&lt;br /&gt;
schen ihnen einen Zusammenhang,&lt;br /&gt;
und wie stehen Sie zu den Anhängern&lt;br /&gt;
anderer Religionen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Alle Wechselgänge der Kirchen&lt;br /&gt;
(der Menschheitszeitalter, die durch&lt;br /&gt;
die Art ihrer Verbindung mit Gott&lt;br /&gt;
geprägt sind und mehrere Kultur-&lt;br /&gt;
kreise umfassen) sind einander ab-&lt;br /&gt;
wechselnde Vollendungen, welche&lt;br /&gt;
natürlich und temporär sind, den-&lt;br /&gt;
noch aber periodisch wiederkehren.&lt;br /&gt;
Wenn das Eine von seinem Ursprung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emanuel Swedenborg (1688-1772)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus zu seinem Ende gelangt ist, ent-&lt;br /&gt;
steht ein ähnliches Anderes, und so&lt;br /&gt;
entsteht und vergeht Jegliches und&lt;br /&gt;
entsteht abermals und dies zu dem&lt;br /&gt;
Ende, daß die Schöpfung sich fortset-&lt;br /&gt;
ze. Oder, wie es ein Kenner meiner Lehre&lt;br /&gt;
ausdrückte: »Die verschiedenartigen Re-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ligionen sind verschiedenartige Interpre-&lt;br /&gt;
tationen der gleichen Wahrheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Das ist ein Gedanke, der mir im&lt;br /&gt;
Christentum in dieser klaren Form&lt;br /&gt;
noch nie begegnet ist. Ich meine, er&lt;br /&gt;
hat vor allem für die Toleranz gegen-&lt;br /&gt;
über Andersgläubigen eine sehr gro-&lt;br /&gt;
Be Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: So ist es! Würde anerkannt, daß&lt;br /&gt;
es die Liebe zum Herrn und zum&lt;br /&gt;
Nächsten ist, wovon die Propheten&lt;br /&gt;
reden, und daß dies das Wesentliche&lt;br /&gt;
aller Lehre und Gottesverehrung sei,&lt;br /&gt;
dann würden alle wie ein Mensch&lt;br /&gt;
vom Herrn regiert, denn sie wären&lt;br /&gt;
wie Glieder und Organe eines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1: Leider hört man aber immer&lt;br /&gt;
wieder von der »allein seligmachen-&lt;br /&gt;
den christlichen Kirche«, die sich&lt;br /&gt;
nicht in der Lage sieht, die Wahrheit&lt;br /&gt;
in anderen Religionen zu entdecken&lt;br /&gt;
und demzufolge Nichtchristen von&lt;br /&gt;
der Möglichkeit, serrettet« zu werden,&lt;br /&gt;
ausschließt. Sie sehen diesen Punkt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist so geschaffen,&lt;br /&gt;
daß er zugleich in der geistigen&lt;br /&gt;
Welt und in der natürlichen&lt;br /&gt;
Welt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
offenbar anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Die, welche außerhalb der Kir-&lt;br /&gt;
che sind, und Einen Gott anerkennen,&lt;br /&gt;
und ihrer Religionsart gemäß in eini-&lt;br /&gt;
ger Liebtätigkeit gegen den Nächsten&lt;br /&gt;
leben, sind in Gemeinschaft mit den&lt;br /&gt;
Angehörigen der Kirche, weil nie-&lt;br /&gt;
mand, der an Gott glaubt und recht-&lt;br /&gt;
schaffen lebt, verdammt wird. Die&lt;br /&gt;
Kirche des Herrn ist bei allen, welche&lt;br /&gt;
auf dem ganzen Erdkreis im Guten&lt;br /&gt;
leben je nach ihrer Religion. Wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiß, was den Himmel beim Men-&lt;br /&gt;
4 Zitat von G.Gollwitzer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen ausmacht, kann aucherkennen,&lt;br /&gt;
daß die Heiden ebenso gerettet wer-&lt;br /&gt;
den können wie die Christen, und&lt;br /&gt;
daß der Himmel ebensowohl aus Hei-&lt;br /&gt;
den als aus Christen gebildet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Eine sehr vernünftige Vorstel-&lt;br /&gt;
lung, die Sie hier vortragen. Lassen&lt;br /&gt;
Sie uns jetzt noch zu einem weiteren&lt;br /&gt;
wichtigen, ja vielleicht sogar zu dem&lt;br /&gt;
wichtigsten Thema kommen, näm-&lt;br /&gt;
lich zum Wesen des Menschen. Was&lt;br /&gt;
ist der Mensch nach Ihrem Verständ-&lt;br /&gt;
nis?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Der Mensch ist nicht Mensch&lt;br /&gt;
durch seine Gestalt, sondern durch&lt;br /&gt;
das Gute und Wahre, welche seinem&lt;br /&gt;
Willen und seinem Verstande ange-&lt;br /&gt;
hören. Der Mensch ist Mensch, weil&lt;br /&gt;
er Geist ist, nur ist der Geist des Men-&lt;br /&gt;
schen auf der Erde mit einem Leib&lt;br /&gt;
umkleidet wegen seiner Tätigkeit in&lt;br /&gt;
der Welt. Durch den Menschen wird&lt;br /&gt;
die natürliche Welt mit der geistigen&lt;br /&gt;
verbunden, er ist das Mittel der Ver-&lt;br /&gt;
bindung, in ihm ist die natürliche&lt;br /&gt;
Welt und gleichzeitig auch die geisti-&lt;br /&gt;
ge Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Könnte man den Menschen also&lt;br /&gt;
als Bewohner zweier Welten anse-&lt;br /&gt;
hen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Richtig! Der Mensch ist so ge-&lt;br /&gt;
schaffen, daß er zugleich in der geisti-&lt;br /&gt;
gen Welt und in der natürlichen Welt&lt;br /&gt;
ist. Der innere Mensch befindet sich&lt;br /&gt;
immer in der geistigen Welt. Diese ist&lt;br /&gt;
durchaus nicht entfernt von ihm. Je-&lt;br /&gt;
der Mensch ist als Geistwesen in jener&lt;br /&gt;
Welt. Er denkt aus dem Licht jener&lt;br /&gt;
Welt. Der Geistige Mensch ist es, der&lt;br /&gt;
im Worte der Lebendige heißt, der&lt;br /&gt;
Natürliche Mensch hingegen, wel-&lt;br /&gt;
cher der Tote heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Bleiben wir bei dem für jeden&lt;br /&gt;
Menschen unausweichlichen Ereig-&lt;br /&gt;
nis, das wir den Tod nennen. Was&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=35}}Das fiktive Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bedeutet der Tod füreinen Menschen,&lt;br /&gt;
so wie Sie ihn beschreiben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Der Mensch stirbt nicht, son-&lt;br /&gt;
dern wird bloß vom Körperlichen ge-&lt;br /&gt;
trennt, das ihm in der Welt zum Ge-&lt;br /&gt;
brauch gedient hatte. Der Mensch&lt;br /&gt;
geht, wenn er stirbt, nur von dereinen&lt;br /&gt;
Welt in die andere über. Der Mensch&lt;br /&gt;
ist so beschaffen, daß er seinem In-&lt;br /&gt;
nern nach nicht sterben kann, denn er&lt;br /&gt;
kann an Gott glauben und auch Gott&lt;br /&gt;
lieben, und so mit Gott verbunden&lt;br /&gt;
werden durch Glauben und Liebe.&lt;br /&gt;
Und mit Gott verbunden werden,&lt;br /&gt;
heißt ewiges Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Ist die Rede vom Menschen, so&lt;br /&gt;
erwarten gewiß viele, daß auch über&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„muß eine unendliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung auch im Jenseits stattfin-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine Seele gesprochen wird. Was hat&lt;br /&gt;
es mit der Seele des Menschen auf&lt;br /&gt;
sich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Die Seele ist die Form des&lt;br /&gt;
menschlichen Geistes. Sie ist unsterb-&lt;br /&gt;
lich nach allem, was ihm angehört,&lt;br /&gt;
und sie ist es auch, die im Körper&lt;br /&gt;
denkt, denn sie ist geistig und nimmt&lt;br /&gt;
das Geistige in sich auf. Nichts vom&lt;br /&gt;
Leben, das im Körper erscheint, ge-&lt;br /&gt;
hört dem Körper an. Der Körper ist&lt;br /&gt;
materiell und das Materielle ist dem&lt;br /&gt;
Geiste beigefügt, auf daß der Geist&lt;br /&gt;
des Menschen dadurch in der natürli-&lt;br /&gt;
chen Welt sein Leben führen und&lt;br /&gt;
Nutzen schaffen könne. Mehr kann ich&lt;br /&gt;
über die Seele nicht sagen, denn was die&lt;br /&gt;
Seele ist und wie sie beschaffen ist, hat&lt;br /&gt;
sich noch keinem offenbart. Es ist ein&lt;br /&gt;
Geheimnis Gottes allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Sie haben sehr deutlich zum&lt;br /&gt;
Ausdruck gebracht, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach dem körperlichen Tod ein ewi-&lt;br /&gt;
ges Leben vor sich hat. Doch wie sieht&lt;br /&gt;
ein solches Leben in der geistigen&lt;br /&gt;
Welt aus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Wie ich schon zu Anfang erklärte,&lt;br /&gt;
gibt es keinen Engel oder Geist, und&lt;br /&gt;
kann keinen geben, der nicht als&lt;br /&gt;
Mensch auf der Erde geboren wäre.&lt;br /&gt;
Da der wiedergeborene Mensch in&lt;br /&gt;
Ewigkeit fort weiter vervollkommnet&lt;br /&gt;
wird, muß eine unendliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung auch im Jenseits stattfinden. Der&lt;br /&gt;
Geist des Menschen erscheint nach&lt;br /&gt;
dem Tode des Leibes in der geistigen&lt;br /&gt;
Welt in menschlicher Gestalt, ganz&lt;br /&gt;
wie in der Welt. Er erfreut sich auch&lt;br /&gt;
des Vermögens zu sehen, zu hören,&lt;br /&gt;
zu sprechen, zu fühlen, wie in der&lt;br /&gt;
Welt, und hat alles Vermögen zu den-&lt;br /&gt;
ken, zu wollen und zu tun, wie in der&lt;br /&gt;
Welt. Mit einem Wort, er ist Mensch&lt;br /&gt;
nach allem und jedem, nur daß er&lt;br /&gt;
nicht mit dem schwerfälligen Leib&lt;br /&gt;
umgeben ist. Diesen läßt er zurück,&lt;br /&gt;
wenn er stirbt, und nimmt ihn nie&lt;br /&gt;
wieder an. Der eines Leibes ent-&lt;br /&gt;
kleidete Mensch isteines viel helleren&lt;br /&gt;
Denkens mächtig. Solange er im Leib&lt;br /&gt;
ist, nehmen leiblich-irdische Dinge&lt;br /&gt;
seine Gedanken ein, die Dunkelheit&lt;br /&gt;
des Geistes bedingen. Der Mensch&lt;br /&gt;
geht, wenn er stirbt, vergleichsweise&lt;br /&gt;
wie vom Schatten ins Licht. Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch geht, wenn er stirbt,&lt;br /&gt;
vergleichsweise wie vom Schat-&lt;br /&gt;
ten ins Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch bleibt auch nach dem Tode&lt;br /&gt;
so, wie sein Wille und der Verstand&lt;br /&gt;
aus diesem ist. Und was Sache des&lt;br /&gt;
Verstandes und nicht zugleich des&lt;br /&gt;
Willens ist, das verschwindet als-&lt;br /&gt;
dann, weilesnichtim Geiste des Men-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen ist. Die Wissenschaften bringen&lt;br /&gt;
nach dem Tode keinen Nutzen, son-&lt;br /&gt;
dern das, was der Mensch durch die&lt;br /&gt;
Wissenschaften in den Verstand und&lt;br /&gt;
in das Leben aufgenommen hat.&lt;br /&gt;
Nicht Kenntnisse machen den Engel,&lt;br /&gt;
sondern nur das wirkliche Leben, zu&lt;br /&gt;
dem die Kenntnisse helfen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Diese Antwort ist unmißver-&lt;br /&gt;
ständlich. Nun habe ich noch ein sehr&lt;br /&gt;
wichtiges Thema auf dem Herzen, ein&lt;br /&gt;
Thema, das oftmals Anlaß zu langen&lt;br /&gt;
Diskussionen gibt. Eshandeltsich um&lt;br /&gt;
die jenseitigen Orte »Himmel« und&lt;br /&gt;
‚Hölle«. Würden Sie mit einigen Wor-&lt;br /&gt;
ten hierzu Stellung nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Gerne. Die Vorstellung ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch bringt sich selbst in&lt;br /&gt;
die Hölle, nicht der Herr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wöhnlicher Menschen von Himmel&lt;br /&gt;
und Hölle ist die von etwas gleichsam&lt;br /&gt;
in dünner Luft oder im Äther Fliegen-&lt;br /&gt;
dem und Fließendem oder auch die&lt;br /&gt;
von einem Hauch. Viele wußten gar&lt;br /&gt;
nicht, was Himmel und himmlische&lt;br /&gt;
Freuden sind. Ihnen wurde gesagt,&lt;br /&gt;
daß der Himmel vom Herrn nieman-&lt;br /&gt;
dem verwehrt werde, und daß sie&lt;br /&gt;
hineingelassen werden und dort ver-&lt;br /&gt;
weilen können. Als sie aber auf der&lt;br /&gt;
ersten Schwelle waren, wurden sie&lt;br /&gt;
beim Anwehen der himmlischen&lt;br /&gt;
Wärme und dem Schein des himmli-&lt;br /&gt;
schen Lichtes von solcher Herzens-&lt;br /&gt;
pein ergriffen, daß sie statt himmli-&lt;br /&gt;
scher Freude höllische Pein empfan-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Wenn es die Hölle wirklich gibt,&lt;br /&gt;
wie kann dann Gott, der reine Liebe&lt;br /&gt;
ist, Menschen in die Hölle werfen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Der Herr will das Heil aller und&lt;br /&gt;
keines einzigen Verdammnis. Aber es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istnichtein unvermitteltes Erbarmen,&lt;br /&gt;
das darin bestünde, daß alle nach&lt;br /&gt;
Willkür selig gemacht würden, wie&lt;br /&gt;
auch immer sie gelebt haben. Kurz:&lt;br /&gt;
Der Mensch ist Urheber seines Bösen,&lt;br /&gt;
nicht, in keiner Weise, der Herr. Das&lt;br /&gt;
Böse bei dem Menschen ist die Hölle&lt;br /&gt;
bei ihm. Der Mensch bringt sich selbst&lt;br /&gt;
in die Hölle, nicht der Herr. Es ist&lt;br /&gt;
zweifellos richtig, daß Gott niemals&lt;br /&gt;
sein Antlitz vom Menschen abwendet&lt;br /&gt;
oder ihn von sich stößt, daß er nie-&lt;br /&gt;
manden in die Hölle wirft und niem-&lt;br /&gt;
andem zürnt. Wer nur aus einer eini-&lt;br /&gt;
germaßen erleuchteten Vernunft her-&lt;br /&gt;
aus denkt, kann erkennen, daß kein&lt;br /&gt;
Mensch für die Hölle geboren wird;&lt;br /&gt;
denn der Herr ist die Liebe selbst, und&lt;br /&gt;
seine Liebe besteht darin, alle erretten&lt;br /&gt;
zu wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch wer in der Welt das Böse will&lt;br /&gt;
und liebt, der will und liebt es auch&lt;br /&gt;
im anderen Leben und läßt sich dann&lt;br /&gt;
nicht mehr davon abbringen. Daher&lt;br /&gt;
ist der Mensch, der sich dem Bösen&lt;br /&gt;
ergeben hat, an die Hölle gekettet.&lt;br /&gt;
Was seinen Geist betrifft, so ist er&lt;br /&gt;
auch tatsächlich schon dort, und nach&lt;br /&gt;
dem Tode wünscht er sich nichts&lt;br /&gt;
sehnlicher, als dorthin zu kommen,&lt;br /&gt;
wo er sein Böses wiederfindet. Des-&lt;br /&gt;
halb stürzt sich der Mensch nach dem&lt;br /&gt;
Tode selbst in die Hölle und wird&lt;br /&gt;
nicht vom Herrn dorthin verbannt.&lt;br /&gt;
Keiner wurde für die Hölle geboren,&lt;br /&gt;
sondern alle wurden für den Himmel&lt;br /&gt;
geboren. Weil aber derjenige, der ein&lt;br /&gt;
böses Leben geführt hatte, in seinem&lt;br /&gt;
Verlangen bleibt, so kanner nicht lan-&lt;br /&gt;
ge bei den Engeln und guten Geistern&lt;br /&gt;
verweilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Lieber Herr Swedenborg! Ihre&lt;br /&gt;
hier vorgetragenen Einsichten und&lt;br /&gt;
Erkenntnisse, die Ihnen - wie Sie&lt;br /&gt;
selbst betonten - vom Herrn ge-&lt;br /&gt;
schenkt wurden, zeigen immer wie-&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=37}}Das fiktive Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der die enge Beziehung auf, die zwi-&lt;br /&gt;
schen der natürlichen und der geisti-&lt;br /&gt;
gen Welt besteht. Sie sprachen von&lt;br /&gt;
der Lehre der Entsprechungen, die&lt;br /&gt;
uns das Verständnis der geistigen&lt;br /&gt;
Symbolik ermöglicht. Sie messen die-&lt;br /&gt;
ser Lehre einen großen Wert bei. Wie&lt;br /&gt;
aber läßt sich diese innige Beziehung&lt;br /&gt;
erklären? Wodurch ist sie begründet?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Man muß wissen, daß die na-&lt;br /&gt;
türliche Welt aus der geistigen Welt&lt;br /&gt;
entsteht und besteht, ganz wie die&lt;br /&gt;
Wirkung aus ihrer wirkenden Ursa-&lt;br /&gt;
che.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I: Ich möchte diese klare Aussage,&lt;br /&gt;
die wiederum zahlreiche interessante&lt;br /&gt;
Fragen aufwirft, jetzt nicht weiter hin-&lt;br /&gt;
terfragen, habe aber abschließend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmerkung zum fiktiven Interview&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch eine ganz praktische Frage, mit&lt;br /&gt;
der ich dieses für mich hochinteres-&lt;br /&gt;
sante Interview, für das ich Ihnen&lt;br /&gt;
ganz herzlich danke, beenden möch-&lt;br /&gt;
te: Wie können wir die geistigen&lt;br /&gt;
Wahrheiten, die in den Heiligen&lt;br /&gt;
Schriften enthalten sind, verstehen&lt;br /&gt;
und begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S: Es gibt keinen anderen Rat, als&lt;br /&gt;
daß der Mensch sich an den Herm&lt;br /&gt;
Gott Heiland wende und unter Seiner&lt;br /&gt;
Leitung das Wortlese, denn Er ist der&lt;br /&gt;
Gott des Wortes. Jeder, der nicht un-&lt;br /&gt;
ter Seiner Leitung das Wort liest, der&lt;br /&gt;
liest es unter der Leitung der eigenen&lt;br /&gt;
Einsicht, und diese ist wie eine Nacht-&lt;br /&gt;
eule für Dinge, die im geistigen Licht&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Swedenborg gegebenen Antworten stammen ausnahmslos aus seinen Schrif-&lt;br /&gt;
ten und sind wörtlich zitiert. Jedoch setzt sich eine Antwort oftmals aus mehreren&lt;br /&gt;
Textpassagen verschiedener Bücher zusammen. Die in einer Antwort kursiv gedruck-&lt;br /&gt;
ten Wörter oder Sätze wurden, soweit ihre Quellen nicht im Fußnotentext angegeben&lt;br /&gt;
sind, vom Autor um des Zusammenhangs willen eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Texte sind den folgenden Schriften entnommen: Emanuel Swedenborg,»Über die&lt;br /&gt;
religiösen Grundlagen des Neuen Zeitalters« ; Emanuel Swedenborg, »Himmel und&lt;br /&gt;
Hölle« ; Emanuel Swedenborg, »Von Seele, Geist und Leib« ; G.Gollwitzer, »Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchsichtige Welt«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=38}}Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen, -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Natur ist älter unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend&lt;br /&gt;
als der Mensch, tiefer in sie hineinzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und der Mensch ist älter Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als die Naturwissenschaft. Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns&lt;br /&gt;
C.F.V. WEIZSÄCKER fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J.W.GOETHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch und Tier,&lt;br /&gt;
sie haben&lt;br /&gt;
das gleiche Geschick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schöpferische ist dadurch&lt;br /&gt;
bestimmt, daß in der Natur&lt;br /&gt;
der Geist von sich aus da ist,&lt;br /&gt;
er gestaltet dieses Neue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus dem Alten in einer&lt;br /&gt;
zielstrebigen, absolut&lt;br /&gt;
vernunftgemäßen,&lt;br /&gt;
zweckdienlichen Weise,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne daß wir es berstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PREDIGER SALOMO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A.SCHWEITZER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Leben selbst&lt;br /&gt;
ist uns aber der&lt;br /&gt;
Zusammenhang des&lt;br /&gt;
Ganzen unmittelbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gegeben; die Welt Es hätte mehr Aussicht&lt;br /&gt;
ist ein vernetztes gehabt, einem hochmütigen&lt;br /&gt;
System, und weil Aristokraten aus der Zeit |&lt;br /&gt;
wir das lange genug Ludwigs des Fünfzehnten&lt;br /&gt;
vergessen, nein ein Gefühl für das Volk,... |&lt;br /&gt;
verdrängt haben, zu wecken, als in einem&lt;br /&gt;
paukt uns die Natur Bewohner der Neuzeit die&lt;br /&gt;
jetzt drastische, Vorstellung, daß die Dinge&lt;br /&gt;
leidvolle dieser Welt zu etwas anderem&lt;br /&gt;
Nachhilfestunden. da seien, als von ihm&lt;br /&gt;
T.BASTIAN ausgeforscht, verformt und&lt;br /&gt;
ausgebeutet zu werden.&lt;br /&gt;
E.KÄSTNER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie&lt;br /&gt;
ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie&lt;br /&gt;
jemand, der außer der Natur steht - sondern, daß&lt;br /&gt;
wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören&lt;br /&gt;
und mitten in ihr stehen, und daß unsere ganze&lt;br /&gt;
Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug zu&lt;br /&gt;
allen anderen Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und&lt;br /&gt;
richtig anwenden zu können.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
F. ENGELS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=39}}Wenn ich sehe die Himmel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deiner Finger Werk,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Mond und die Sterne,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die du bereitet hast:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was ist der Mensch,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß du seiner gedenkst,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und des Menschen Kind,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß du dich seiner annimmst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast ihn wenig niedriger gemacht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als Gott, und mit Ehre und Herrlichkeit&lt;br /&gt;
hast du ihn gekrönt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast ihn zum Herrn gemacht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über deiner Hände Werk;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
alles hast du unter seine Füße getan:&lt;br /&gt;
Schafe und Rinder allzumal,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dazu auch die wilden Tiere, die Vögel&lt;br /&gt;
unter dem Himmel und die Fische im Meer&lt;br /&gt;
und alles, was die Meere durchzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BIEBEL 8.PSALM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ınd Natur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln, welche die Natur befolgt,&lt;br /&gt;
sind ihr angemessen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die, welche der Mensch befolgt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Menschen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beide aber sind darauf berechnet,&lt;br /&gt;
denselben großen Zweck zu befördern,&lt;br /&gt;
die Ordnung der Welt und die&lt;br /&gt;
Vollkommenheit und Glückseligkeit&lt;br /&gt;
der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A.SMITH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Frieden mit der Natur&lt;br /&gt;
haben wir die natürliche&lt;br /&gt;
Mitwelt nicht nur zu unserem&lt;br /&gt;
Nutzen, sondern in ihrem&lt;br /&gt;
Eigenwert oder um ihrer&lt;br /&gt;
selbst willen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu respektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K.M.MEYER-ABICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wir Menschen sind nicht das Maß aller Dinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist mit den Tieren und Pflanzen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Erde, Wasser, Luft und Feuer aus der Naturgeschichte&lt;br /&gt;
hervorgegangen als eine unter Millionen Gattungen am Baum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Lebens insgesamt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie alle und die Elemente der Natur gehören zu der Welt um&lt;br /&gt;
uns und so auch zu unserer Umwelt, aber eigentlich sind sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht um uns, sondern mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere natürliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitwelt ist alles, was von Natur aus mit uns Menschen in&lt;br /&gt;
der Welt ist. Um dies zu betonen, spreche ich von unserer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitwelt statt von unserer Umwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K.M.MEYER-ABICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes&lt;br /&gt;
wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen,&lt;br /&gt;
schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das harmonische Behagen ihm ein reines, freies&lt;br /&gt;
Entzücken gewährt - dann würde das Weltall, wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel&lt;br /&gt;
gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen&lt;br /&gt;
Werdens und Wesens bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J.W.GOETHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Buchtip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden mit dem Partner — Erfüllung durch Einheit und individuelle Freiheit&lt;br /&gt;
Erik Blumenthal, Horizonte Verlag Rosenheim 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neue Partnerschaft — Austausch in der Nähe&lt;br /&gt;
Antonia und Theo Schoenaker, Horizonte Verlag 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sehnt sich nicht nach einer fried-&lt;br /&gt;
vollen, bereichernden Partnerschaft?&lt;br /&gt;
Wiese ist die Diskrepanz zur erlebten&lt;br /&gt;
Wirklichkeit oft so groß, wo uns&lt;br /&gt;
schmerzliche Erfahrungen, Entmuti-&lt;br /&gt;
gung, Flucht und Ratlosigkeit begeg-&lt;br /&gt;
nen? Eine steigende Scheidungsrate,&lt;br /&gt;
die abnehmende Bereitschaft, eine fe-&lt;br /&gt;
ste Beziehung einzugehen und Kin-&lt;br /&gt;
der zu haben, sind Kennzeichen un-&lt;br /&gt;
serer Gesellschaft. Ist der Mensch&lt;br /&gt;
überfordert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren stellen übereinstim-&lt;br /&gt;
mend dar, daß der Weg zur Harmo-&lt;br /&gt;
nie zwischen Mann und Frau, zu per-&lt;br /&gt;
sönlichem Glück und Freiheit nichtin&lt;br /&gt;
der Abschaffung der vermeintlich&lt;br /&gt;
überkommenen Institution Ehe be-&lt;br /&gt;
steht, sondern darin, die partner-&lt;br /&gt;
schaftlichen Beziehungen neu zu be-&lt;br /&gt;
leben, ihnen einen anderen Geist und&lt;br /&gt;
neue Kraft zu geben. Beide Bücher&lt;br /&gt;
zeigen, warum Ehe heute schwieriger&lt;br /&gt;
geworden ist, daß irreführende Vor-&lt;br /&gt;
stellungen verbreitet sind und daß&lt;br /&gt;
die überkommenen Verhaltensmu-&lt;br /&gt;
ster nicht mehr ausreichen. Sie schät-&lt;br /&gt;
zen aber diemenschliche Fähigkeitzu&lt;br /&gt;
lernen, sich zielgerichtet zu verän-&lt;br /&gt;
dern so hoch ein, daß jedem Men-&lt;br /&gt;
schen die Möglichkeit gegeben ist,&lt;br /&gt;
dieser Lebensaufgabe gerecht zu wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei Autoren gehen von den&lt;br /&gt;
gleichen psychologischen und reli-&lt;br /&gt;
giösen Grundlagen aus, der Indivi-&lt;br /&gt;
dualpsychologie und der Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gion. Der Mensch ist ein soziales, von&lt;br /&gt;
Gott erschaffenes Wesen. Zur Gleich-&lt;br /&gt;
wertigkeit aller Menschen, einem&lt;br /&gt;
Prinzip unserer Zeit, gibt es keine Al-&lt;br /&gt;
ternative. Einheit und Harmonie zwi-&lt;br /&gt;
schen Mann und Frau kann es heute&lt;br /&gt;
nur geben, wenn beide sich um mehr&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit in ihrer Beziehung&lt;br /&gt;
bemühen. Es bleiben unterschiedli-&lt;br /&gt;
che Aufgaben, Rechte und Funktio-&lt;br /&gt;
nen, deren Bedeutung wird aber neu&lt;br /&gt;
gewertet. Da uns in diesem Bereich&lt;br /&gt;
Vorbilder und Traditionen fehlen, ist&lt;br /&gt;
es für jedes Paar eine Herausforde-&lt;br /&gt;
rung, seinen eigenen Weg zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blumenthal nennt als Ursachen&lt;br /&gt;
der heute eingetretenen Verwirrung&lt;br /&gt;
folgende Faktoren: die Überzeugung,&lt;br /&gt;
daß der Mensch sich nicht ändern&lt;br /&gt;
kann, den Mangel an echtem religiö-&lt;br /&gt;
sen Glauben, den Mangel an wahrer&lt;br /&gt;
Erziehung und das Fehlen klarer Vor-&lt;br /&gt;
stellungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erläuterung der Zielge-&lt;br /&gt;
richtetheitin allem Verhalten und der&lt;br /&gt;
typisch menschlichen Funktionen,&lt;br /&gt;
insbesondere die der Kraft des Glau-&lt;br /&gt;
bens, stellt er die Möglichkeiten und&lt;br /&gt;
Grenzen einer Verhaltensänderung&lt;br /&gt;
dar. Aufgabe ist es, diese Kräfte be-&lt;br /&gt;
wußter einzusetzen, geistiger zu wer-&lt;br /&gt;
den, zu mehr Selbstbestimmung zu&lt;br /&gt;
gelangen, zu agieren anstatt zu rea-&lt;br /&gt;
gieren. Die größte Hilfe dazu finden&lt;br /&gt;
wir im richtig verstandenen Wort&lt;br /&gt;
Gottes. Die Ursachen von Disharmo-&lt;br /&gt;
nie in der Zweierbeziehung sind&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=41}}Der Buchtip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hauptsächlich vier Faktoren (Ent-&lt;br /&gt;
Zweiungssyndrom): die Frage des&lt;br /&gt;
Rechts, unsere Vorstellungen, die&lt;br /&gt;
Emotionen, die Ichhaftigkeit. Durch&lt;br /&gt;
wirkliches Gespräch und Beratung&lt;br /&gt;
vermindern sich Rechthaben-wollen,&lt;br /&gt;
Angriff und Rechtfertigung. Wahres,&lt;br /&gt;
vorurteilfreies Kennenlernen des&lt;br /&gt;
Partners, größere Bewußtheit über ei-&lt;br /&gt;
gene Einbildungen und Erwartungen&lt;br /&gt;
lassen die falschen Vorstellungen we-&lt;br /&gt;
niger werden. Emotionen als impulsi-&lt;br /&gt;
ve, unbewußte Reaktionen können&lt;br /&gt;
durch Erkennen ihrer Zielrichtung&lt;br /&gt;
immer mehr zu positiven, friedlichen&lt;br /&gt;
Impulsen gewandelt werden. Echte&lt;br /&gt;
Liebe kann erlernt werden, positive&lt;br /&gt;
Augen kann man schulen. Der ichhaf-&lt;br /&gt;
te, entmutigte Mensch kann lernen,&lt;br /&gt;
bewußter, geistiger, mutiger zu wer-&lt;br /&gt;
den und die Kraft seines Glaubens&lt;br /&gt;
positiv einzusetzen. So entsteht das&lt;br /&gt;
Einheitssyndrom, bestehend aus Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit, Erkenntnis, Liebe und&lt;br /&gt;
Glaube.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Kampf und Streit in einer&lt;br /&gt;
gleichwertigen Partnerschaft keinen&lt;br /&gt;
Platz haben, ist ein Kapitel dem bes-&lt;br /&gt;
seren Umgang mit Konflikten gewid-&lt;br /&gt;
met. Weitere Themen sind die Be-&lt;br /&gt;
wußtwerdung bei der Partnerwahl&lt;br /&gt;
und die grundlegenden Prinzipien&lt;br /&gt;
der Kindererziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blumenthal fügt in seinen Text&lt;br /&gt;
viele Zitate aus den Bahä’i-Schriften&lt;br /&gt;
ein, das Buch gibt damit auch einen&lt;br /&gt;
guten Einblick in wesentliche Grund-&lt;br /&gt;
sätze der Bahä’i-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er formuliert, gliedert und analy-&lt;br /&gt;
siert klar, eher zu knapp. Da ist kein&lt;br /&gt;
Wort zuviel. Der Leser ist gefordert&lt;br /&gt;
exakt zu studieren, gründlich nach-&lt;br /&gt;
zudenken und selbst Stellung zu be-&lt;br /&gt;
ziehen. Er wird nicht verwöhnt. Die&lt;br /&gt;
Kapitel, in denen es speziell um die&lt;br /&gt;
Partnerbeziehung geht, könnten aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
führlicher sein und noch mehr prak-&lt;br /&gt;
tische Hinweise enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen nicht religiös orientier-&lt;br /&gt;
ten Leser, dem Erfahrung in diesem&lt;br /&gt;
Bereich fehlt, sind die Aussagen, in&lt;br /&gt;
denen z.B. das Wort Gottes als stärk-&lt;br /&gt;
ste Kraft im Dasein oder das Gebet als&lt;br /&gt;
Weg zur Ermutigung dargestellt wer-&lt;br /&gt;
den, sicher eine Herausforderung.&lt;br /&gt;
Auch bei manchen der knapp formu-&lt;br /&gt;
lierten psychologischen Aussagen&lt;br /&gt;
läuft Blumenthal Gefahr, nur von de-&lt;br /&gt;
nenin der ganzen Tiefe verstanden zu&lt;br /&gt;
werden, die gewohnt sind, in dieser&lt;br /&gt;
individualpsychologischen Termino-&lt;br /&gt;
logie zu denken. Blumenthal erwei-&lt;br /&gt;
tert das Verständnis menschlichen&lt;br /&gt;
Verhaltens, er vermittelt eine klare,&lt;br /&gt;
positive Haltung zur Ehe. Selbstbe-&lt;br /&gt;
stimmung, Mut, Optimismus und Tat&lt;br /&gt;
sind die prägenden Begriffe. Eindeu-&lt;br /&gt;
tig zeigt er auch die Vorstellungen&lt;br /&gt;
und Tendenzen unserer Zeit auf, die&lt;br /&gt;
es uns erleichtern, in den alten Ver-&lt;br /&gt;
haltensweisen hängen zu bleiben. Er&lt;br /&gt;
rückt mißverständlich oder altmo-&lt;br /&gt;
disch gewordene Begriffe wie Glau-&lt;br /&gt;
be, Gottesfurcht, Liebe und Sexualität&lt;br /&gt;
in ein neues Licht. Er läßt keinen&lt;br /&gt;
Raum für Entschuldigungen und&lt;br /&gt;
Ausflüchte, der Mensch ist verant-&lt;br /&gt;
wortlich für sein Tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schoenaker: Aus der Erkenntnis&lt;br /&gt;
heraus, daß es zwar genügend theo-&lt;br /&gt;
retisches Wissen über Partnerschaft&lt;br /&gt;
gibt, es aber an Hilfe zur praktischen&lt;br /&gt;
Umsetzung fehlt, entstand dieses&lt;br /&gt;
Buch. Es enthält deshalb in seinem&lt;br /&gt;
zweiten Teil ein Übungsprogramm&lt;br /&gt;
für Paare, die Anleitung zu konkreten&lt;br /&gt;
Schritten suchen. Zwei Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen werden zuvor geklärt: die&lt;br /&gt;
Prinzipien einer gleichwertigen Be-&lt;br /&gt;
ziehung, in welcher Ermutigung, Of-&lt;br /&gt;
fenheit und Glaube an den Partner&lt;br /&gt;
den Umgang bestimmen und der Ar-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_57.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 57 März 1990&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beit an der Beziehung Zeit und Ener-&lt;br /&gt;
gie gewidmet wird. Zweitens wird&lt;br /&gt;
Verständnis für die wesentlichen Pro-&lt;br /&gt;
bleme in einer Zweierbeziehung ge-&lt;br /&gt;
weckt: das Anders-Sein des Partners&lt;br /&gt;
und seine Gewohnheiten, die eigenen&lt;br /&gt;
unbewußten Erwartungen, Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen und Ängste, die Prägung aus&lt;br /&gt;
der Kindheit, der Umgang mit Kon-&lt;br /&gt;
flikten, das Fehlen echter Kommuni-&lt;br /&gt;
kation. Zentral istdie Bemühung, den&lt;br /&gt;
Partner in der Ganzheit seines We-&lt;br /&gt;
sens kennenzulernen und anzuneh-&lt;br /&gt;
men, erreichbar durch das echte Ge-&lt;br /&gt;
spräch, in dem wirklich Wichtiges&lt;br /&gt;
mitgeteilt und empfangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Vorsätze reichen meist nicht&lt;br /&gt;
aus. Nur durch bewußtes, planvolles&lt;br /&gt;
Bemühen wird die Beziehung wach-&lt;br /&gt;
sen. Dazu gehören der Entschluß zu&lt;br /&gt;
einem Neuanfang, klare Zielvorstel-&lt;br /&gt;
lungen, Zeit, ein realistischer Blick&lt;br /&gt;
auf die jetzige Beziehung, Mut zur&lt;br /&gt;
Veränderung, die Verpflichtung zu-&lt;br /&gt;
sammen zu bleiben, die Bereitschaft,&lt;br /&gt;
den eigenen Anteil am Unfrieden zu&lt;br /&gt;
sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Partnerübungen zeigen, was&lt;br /&gt;
Arbeit an der Beziehung heißen kann.&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen und Einstellungen&lt;br /&gt;
wie Offenheit, zuhören können, er-&lt;br /&gt;
mutigen, sich in den Partner einfüh-&lt;br /&gt;
len, Vertrauen haben, sich gegensei-&lt;br /&gt;
tig tiefer kennenzulernen, werden&lt;br /&gt;
trainiert. Regeln zur Planung konkre-&lt;br /&gt;
ter, machbarer Schritte werden gege-&lt;br /&gt;
ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ehepaar Schoenaker gibt&lt;br /&gt;
auch Einblicke in die eigene Bezie-&lt;br /&gt;
hung und ihre persönliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung, sie duzen den Leser, sie schil-&lt;br /&gt;
dern Eheprobleme realistisch, ein-&lt;br /&gt;
fühlsam, ohne zu belehren. Ein Stilim&lt;br /&gt;
Sinn der Gleichwertigkeit, der eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atmosphäre des Vertrauens und der&lt;br /&gt;
Ermutigung schafft. Gekonnt werden&lt;br /&gt;
abstrakte Begriffe und Theorien&lt;br /&gt;
durch Beispiele so veranschaulicht,&lt;br /&gt;
daß es leichtfällt, die angesprochenen&lt;br /&gt;
Probleme auch auf sich selbst zu be-&lt;br /&gt;
ziehen. Freundschaftlich wird der Le-&lt;br /&gt;
ser begleitet, von der Information zur&lt;br /&gt;
Kenntnis, zum Entschluß und zur&lt;br /&gt;
Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bereich von Liebe und Ehe mit&lt;br /&gt;
Plänen und Übungen nach festen Re-&lt;br /&gt;
gein zu arbeiten, mag ungewohnt&lt;br /&gt;
sein; für den, der es praktiziert, zeigt&lt;br /&gt;
sich, daß es ein wirksames Mittel ist,&lt;br /&gt;
um dauerhaft aus alten Verhaltens-&lt;br /&gt;
weisen auszusteigen. Die Übungen&lt;br /&gt;
erfordern die volle Bereitschaftbeider&lt;br /&gt;
Partner und das exakte Einhalten der&lt;br /&gt;
Anweisungen, sonst können sie leicht&lt;br /&gt;
zum Gegenteil mißbraucht werden,&lt;br /&gt;
als Waffe im gewohnten Kampf.&lt;br /&gt;
Nicht jedem wird es leichtfallen, die&lt;br /&gt;
erforderliche Disziplin und Ausdau-&lt;br /&gt;
er längerfristig beizubehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Bücher vermitteln die Zu-&lt;br /&gt;
versicht, daß sich jede Partnerschaft&lt;br /&gt;
verbessern läßt. Sie spornen an aktiv&lt;br /&gt;
zu werden. Blumenthal wendet sich&lt;br /&gt;
mehr an den einzelnen, seinen Beitrag&lt;br /&gt;
zur Ehe. Schoenakers sprechen das&lt;br /&gt;
Paar an, das gemeinsam etwas verän-&lt;br /&gt;
dern will. Ihr Übungsprogramm hilft&lt;br /&gt;
darüber hinaus, dieSchwelle von den&lt;br /&gt;
guten Gedanken und Vorsätzen hin&lt;br /&gt;
zur Umsetzung ins tägliche Leben&lt;br /&gt;
leichter zu überwinden. Wer den&lt;br /&gt;
Weg in Richtung gleichwertige Bezie-&lt;br /&gt;
hung gehen will, der sollte beide Bü-&lt;br /&gt;
cher lesen. Nicht nur einmal, sondern&lt;br /&gt;
immer wieder, damit Arbeit an der&lt;br /&gt;
Partnerschaft etwas alltägliches wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elke Pollak&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 56/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:12:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=1}}{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Be&lt;br /&gt;
[&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. JAHRGANG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.56&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHWERPUNKTTHEMA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KONFLIKTLOSUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEL E&lt;br /&gt;
PE —uommnaas.,&lt;br /&gt;
ee a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=2}}Die Bahd’i-Briefe wollen eine intensive Auseinandersetzung mit den Lehren&lt;br /&gt;
und der Geschichte der Baha&#039;i-Religion fördern und auf der Grundlage zeitge-&lt;br /&gt;
mäßen Denkens zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAI-BRIFFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 56, Dezember 1988&lt;br /&gt;
17. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adolf Kärcher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konfliktlösung durch Beratung 1&lt;br /&gt;
Hossain Danesh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konfliktfreie Konfliktlösung — Konzepte und Methoden 9&lt;br /&gt;
Völkerverständigungsfest Bad Mergentheim:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Weltfrieden im Kleinen« 20&lt;br /&gt;
Peter Khan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen — Gleichwertigkeit und Frieden 24&lt;br /&gt;
Buchbesprechung 38&lt;br /&gt;
Inhaltsübersicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Band 2 der Neuen Folge 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahäi in Deutschland e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Bernd Herbon, Fari-&lt;br /&gt;
deh Motamed, Uwe Still, Karl Türke jun. Redaktionsanschrift: Bahá’í-Briefe,&lt;br /&gt;
Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Namentlich gezeichnete&lt;br /&gt;
Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion oder des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers dar. Die Bahäi-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis für&lt;br /&gt;
vier Ausgaben 20,— DM. Einzelpreis 6,— DM. Vertrieb und Bestellungen:&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=3}}Adolf Kärcher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KONFLIKTLÖSUNG DURCH BERATUNG*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinte Nationen — hilflos&lt;br /&gt;
oder hilfreich bei Konflikten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitglieder der Deutschen Gesell-&lt;br /&gt;
schaft für die Vereinten Nationen sind&lt;br /&gt;
schon immer kritische und auf Erfolg&lt;br /&gt;
drängende Begleiter der UN-Arbeit ge-&lt;br /&gt;
wesen. Immer wieder stellen sie die&lt;br /&gt;
Frage, ob die Vereinten Nationen bei der&lt;br /&gt;
Lösung der Weltkonflikte alles tun, was&lt;br /&gt;
sie können — und ob das, was sie kön-&lt;br /&gt;
nen, mehr Erfolg oder eher ein Mißer-&lt;br /&gt;
folg darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bilateralen Verhandlungen der&lt;br /&gt;
Supermächte über die Abrüstung oder&lt;br /&gt;
über andere friedenssichernde Maß-&lt;br /&gt;
nahmen verwischen oft die Tatsache,&lt;br /&gt;
daß die Vereinten Nationen trotz aller&lt;br /&gt;
Rückschläge ihre Wirksamkeit in den&lt;br /&gt;
letzten Jahrzehnten fortlaufend verstär-&lt;br /&gt;
ken konnten. Selbst im Vorfeld der Ver-&lt;br /&gt;
handlungen der Supermächte geschieht&lt;br /&gt;
erstaunlich viel, was Organe der Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen vorbereitet oder erleich-&lt;br /&gt;
tert haben, sei es in New York, in Genf&lt;br /&gt;
oder in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir alle wünschen, daß die Hauptor-&lt;br /&gt;
gane der Vereinten Nationen (Sicher-&lt;br /&gt;
heitsrat, Generalsekretär und General-&lt;br /&gt;
versammlung) unabhängiger vom ego-&lt;br /&gt;
istisch-nationalen Denken der UN-&lt;br /&gt;
Mitglieder wirken könnten und daß&lt;br /&gt;
diese Organe mehr Durchsetzungsbe-&lt;br /&gt;
fugnisse erhalten. Noch gibt esein Veto-&lt;br /&gt;
recht einiger bevorzugter Gründungs-&lt;br /&gt;
mitglieder der Vereinten Nationen,&lt;br /&gt;
noch sind die Delegierten der Staaten&lt;br /&gt;
ausschließlich den delegierenden Staa-&lt;br /&gt;
ten und nicht der Gesamtheit der Na-&lt;br /&gt;
tionen verantwortlich. Noch ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schiedsspruch des Internationalen Ge-&lt;br /&gt;
richtshofes in Den Haag nicht mehr als&lt;br /&gt;
eine moralische Verurteilung oder eine&lt;br /&gt;
kraftlose Empfehlung. Aber ist das&lt;br /&gt;
alles? Allzu leicht lassen wir uns verfüh-&lt;br /&gt;
ren, die Leistungen der Vereinten Natio-&lt;br /&gt;
nen nur nach ihren negativen Merkma-&lt;br /&gt;
len zu beurteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den meisten Bürgern entgeht, daß die&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen mit ihren Sonderor-&lt;br /&gt;
ganisationen und Sonderprogrammen&lt;br /&gt;
recht bedeutende Erfolge aufzuweisen&lt;br /&gt;
haben, auch wenn sie selten die Schlag-&lt;br /&gt;
zeilen der Presse oder die Bildschirme&lt;br /&gt;
des Fernsehens erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer weiß schon, daß die Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen eine halbe Milliarde Men-&lt;br /&gt;
schen durch Impfaktionen und Hilfs-&lt;br /&gt;
maßnahmen gegen Hunger und Kata-&lt;br /&gt;
strophen vor Invalidität und Tod geret-&lt;br /&gt;
tet haben? Ein Frühwarnsystem der FAO&lt;br /&gt;
hat geholfen, die großen Lücken bei Ge-&lt;br /&gt;
treide und anderen Nahrungsmitteln&lt;br /&gt;
rechtzeitig zu erkennen und ihnen zu be-&lt;br /&gt;
gegnen. Was wäre ohne die Flüchtlings-&lt;br /&gt;
hilfe der Vereinten Nationen für die&lt;br /&gt;
Millionen Flüchtlinge von Palästina,&lt;br /&gt;
Afghanistan bis Thailand? Was wäre&lt;br /&gt;
mit den ägyptischen und griechischen&lt;br /&gt;
Kulturdenkmälern ohne die Hilfe der&lt;br /&gt;
viel geschmähten UNESCO? Was wäre&lt;br /&gt;
ohne das weltweite Wetterüberwa-&lt;br /&gt;
chungssystem der Weltorganisation für&lt;br /&gt;
Meteorologie, das die Vorhersage und&lt;br /&gt;
Überwachung von Naturkatastrophen&lt;br /&gt;
wie zum Beispiel von Orkanen, Zyklo-&lt;br /&gt;
nen und Erdbeben ermöglicht? Was wä-&lt;br /&gt;
re ohne die Arbeit der Internationalen&lt;br /&gt;
Arbeitsorganisation, welche Normen&lt;br /&gt;
für Arbeitsbedingungen geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ Dieser Vortrag wurde gehalten am 23. April 1988 in Stuttgart während der Jahres-&lt;br /&gt;
mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Landesverband Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, die Millionen von arbeitenden&lt;br /&gt;
Menschen auf der ganzen Welt größere&lt;br /&gt;
Sicherheit am Arbeitsplatz und bessere&lt;br /&gt;
Lebensbedingungen ermöglichen? Was&lt;br /&gt;
wäre ohne die Menschenrechtspakte? —&lt;br /&gt;
Warum berichten die Medien nur selten&lt;br /&gt;
über die Erfolge der UN-Organe beim&lt;br /&gt;
Abschluß von Abkommen über Um-&lt;br /&gt;
weltschutz, Meeresausbeutung, Fische-&lt;br /&gt;
reirechte, Weltraumnutzung, dem Post-&lt;br /&gt;
und Fernmeldewesen und der Entwick-&lt;br /&gt;
lungshilfe? Wer kennt schon die Rolle&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen bei den Zoll-&lt;br /&gt;
und Handelsabkommen, der Weltbank,&lt;br /&gt;
dem Internationalen Währungsfonds&lt;br /&gt;
und der Internationalen Atomenergie-&lt;br /&gt;
behörde? Ist es schon vergessen, daß die&lt;br /&gt;
UdSSR die ersten genaueren Informa-&lt;br /&gt;
tionen über die Kernreaktorkatastrophe&lt;br /&gt;
von Tschernobyl nicht etwa den Regie-&lt;br /&gt;
rungen einzelner Staaten, sondern der&lt;br /&gt;
Internationalen Atomenergiebehörde in&lt;br /&gt;
Wien gemacht hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kennen die Probleme der Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen und ihrer Organe. Und&lt;br /&gt;
wir wissen, daß viele Änderungen und&lt;br /&gt;
Verbesserungen nur sehr mühselig und&lt;br /&gt;
zähflüssig vorankommen. — Doch es&lt;br /&gt;
wäre falsch, nicht darauf hinzuweisen,&lt;br /&gt;
daß sich auf leisen Sohlen ein Bewußt-&lt;br /&gt;
seinswandel vollzieht, den man vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten einfach für unmöglich ge-&lt;br /&gt;
halten hätte, genauso unmöglich wie die&lt;br /&gt;
Wandlung im Abrüstungsprozeß der&lt;br /&gt;
Großmächte oder wie Gorbatschows&lt;br /&gt;
Perestroika in der Sowjetunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer regelmäßig die Protokolle der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen und der Sonderor-&lt;br /&gt;
ganisationen liest, hat diesen Wandel&lt;br /&gt;
schon längst bemerkt. Waren zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel einst »Menschenrechtsverletzun-&lt;br /&gt;
gen« von den verletzenden Regierungen&lt;br /&gt;
bei öffentlichen Vorhaltungen sofort&lt;br /&gt;
und entrüstet als »Einmischung in die&lt;br /&gt;
inneren Angelegenheiten« abgetan wor-&lt;br /&gt;
den, so ist das heute anders. Es ent-&lt;br /&gt;
wickelt sich langsam eine Art »Weltge-&lt;br /&gt;
wissen«, das sich bei Vorgängen mit Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 BAHÄI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
letzung der Menschenrechte auch dann&lt;br /&gt;
regt, wenn es Staaten mit besonderer&lt;br /&gt;
Größe oder besonderem UN-Status be-&lt;br /&gt;
trifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann vor dem Forum der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen nicht mehr so ungehemmt&lt;br /&gt;
und leichtfertig gelogen werden. Ent-&lt;br /&gt;
schuldigungen und Rechtfertigungen&lt;br /&gt;
von Verhaltensweisen, die der Charta&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen oder den Men-&lt;br /&gt;
schenrechtspakten widersprechen, wer-&lt;br /&gt;
den nicht mehr so leicht »blockweise«&lt;br /&gt;
abgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bewußtseinswandel ist eine&lt;br /&gt;
Überlebensfrage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Bewußtseinswandel in weltwei-&lt;br /&gt;
tem Ausmaß ist ein schwieriger und zu-&lt;br /&gt;
weilen schmerzlicher Vorgang. Der&lt;br /&gt;
Physiker und Philosoph Carl Friedrich&lt;br /&gt;
von Weizsäcker hat den Titel seines neu-&lt;br /&gt;
esten Buches nicht umsonst so gewählt:&lt;br /&gt;
»Bewußtseinswandel«. Entscheidend ist&lt;br /&gt;
dabei, daß, wie der Autor berichtet, die-&lt;br /&gt;
ser Wandel schon im Gange ist und daß&lt;br /&gt;
ohne diesen Bewußtseinswandel die&lt;br /&gt;
Menschheit nicht überleben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Hindernis: Das Menschenbild&lt;br /&gt;
vom angeborenen Bösewicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider finden viele Menschen noch&lt;br /&gt;
immer nichts dabei, wenn täglich die&lt;br /&gt;
unheilvolle Quadriga von maßloser&lt;br /&gt;
Übertreibung bei Zweifel, Kritik, Pro-&lt;br /&gt;
test und Konflikt die Zeilen und Bild-&lt;br /&gt;
schirme füllt. Manche finden nicht ein-&lt;br /&gt;
mal etwas dabei, wenn von den Medien&lt;br /&gt;
diese negativen Erscheinungen aus Sen-&lt;br /&gt;
sationsgier zusätzlich geschürt und an-&lt;br /&gt;
geheizt werden. — Wir müssen ernst-&lt;br /&gt;
haft die Frage stellen: Ist Friedfertigkeit&lt;br /&gt;
und Harmonie kein Thema mehr?&lt;br /&gt;
Unsere Gesellschaft wird immer noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im Glauben bestärkt, daß Konflikte,&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=5}}Mißtrauen und Brutalität unvermeidli-&lt;br /&gt;
che Züge des menschlichen Charakters&lt;br /&gt;
seien und daß es nur darum gehe, diese&lt;br /&gt;
Konflikte zu bejahen und eben einzukal-&lt;br /&gt;
kulieren. Streit, Kampf, Konflikt sind&lt;br /&gt;
unvermeidlich. Im Gemeinschaftskun-&lt;br /&gt;
deunterricht der Schulen wird das Aus-&lt;br /&gt;
tragen der »unvermeidlichen Konflikte«&lt;br /&gt;
geradezu als Trainingsgegenstand be-&lt;br /&gt;
trachtet. Das Merkwürdige ist dabei,&lt;br /&gt;
daß vorausgesetzt wird, daß jeder Bür-&lt;br /&gt;
ger und jede Gruppe ungehemmt mit&lt;br /&gt;
den Muskeln spielt und unter allen Um-&lt;br /&gt;
ständen gewinnen will. Nur bestimmte&lt;br /&gt;
Konflikt-Austragungs-Strategien kön-&lt;br /&gt;
nen Auswüchse und gesellschaftliche&lt;br /&gt;
Entgleisungen halbwegs eindämmen.&lt;br /&gt;
Bei dem fälligen Kompromiß müssen&lt;br /&gt;
dann die Streithähne selbstverständlich&lt;br /&gt;
das Gesicht wahren können. Sonst wäre&lt;br /&gt;
es ja kein Kompromiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Faule Kompromisse und&lt;br /&gt;
wuchernde Vorurteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisher trainierten Konflikt-&lt;br /&gt;
Strategien führen tatsächlich zu Kom-&lt;br /&gt;
promissen. Doch wer diese Kompro-&lt;br /&gt;
misse einmal unvoreingenommen prüft,&lt;br /&gt;
kommt leicht zu der Erkenntnis, daß in&lt;br /&gt;
den meisten Fällen die wirklichen Pro-&lt;br /&gt;
bleme nur übertüncht, verschoben oder&lt;br /&gt;
wohlgefällig verschwiegen werden. Das&lt;br /&gt;
heißt, man kann sie häufig nur als&lt;br /&gt;
»faule Kompromisse« bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei ist es gleichgültig, ob die Streit-&lt;br /&gt;
hähne Nationen, rassische oder religi-&lt;br /&gt;
öse Gruppen, Sozialpartner, Regie-&lt;br /&gt;
rungskoalitionen, Regierung und Op-&lt;br /&gt;
position, Gemeinderäte, sonstige&lt;br /&gt;
gesellschaftliche Gruppen oder Fami-&lt;br /&gt;
lien sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal hat man das Gefühl, als&lt;br /&gt;
wäre das Verhandlungsmotiv die Fest-&lt;br /&gt;
stellung: »Alle denken nur an sich. Nur&lt;br /&gt;
ich denke an mich!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts ist unbequemer als der Ab-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schied von Vorurteilen. Mangelndes&lt;br /&gt;
Denkvermögen, überschwappende Ge-&lt;br /&gt;
fühle und Stimmungen hindern uns&lt;br /&gt;
daran, die Wahrheit zu erkennen. Ge-&lt;br /&gt;
rade schwache Persönlichkeiten neigen&lt;br /&gt;
besonders zu Vorurteilen, weil sie ihnen&lt;br /&gt;
kostenlos Sündenböcke liefern. Damit&lt;br /&gt;
können sie sich selbst gesellschaftlich&lt;br /&gt;
aufwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein hat schon richtig er-&lt;br /&gt;
kannt, wenn er sagte, daß es schwieriger&lt;br /&gt;
sei, Vorurteile zu zertrümmern als&lt;br /&gt;
Atome.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer am falschen Lack kratzt, ist sel-&lt;br /&gt;
ten willkommen. Lichtenberg hat es so&lt;br /&gt;
ausgedrückt: »Es ist unmöglich, die&lt;br /&gt;
Fackeln der Wahrheit durch die Menge&lt;br /&gt;
zu tragen, ohne jemand den Bart zu ver-&lt;br /&gt;
sengen.«l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschied von Vorurteilen —&lt;br /&gt;
Bewußtseinswandel auf leisen Sohlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf leisen Sohlen und manchmal sogar&lt;br /&gt;
gegen den Wunsch von Sensationsdra-&lt;br /&gt;
matikern unserer Medien vollzieht sich&lt;br /&gt;
ein Bewußtseins- und Verhaltenswan-&lt;br /&gt;
del. Er besteht zunächst darin, daß lieb-&lt;br /&gt;
gewordene Vorurteile und Denkscha-&lt;br /&gt;
blonen aufgegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis vor kurzem konnte man zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel unbekümmert behaupten, daß der&lt;br /&gt;
Mensch von Natur aus aggressiv, streit-&lt;br /&gt;
süchtig, egoistisch und böse sei. Alle an-&lt;br /&gt;
deren Meinungen wurden als Utopie ab-&lt;br /&gt;
getan. Es wurde gesagt: »Zeigt uns doch&lt;br /&gt;
einmal nur eine einzige Volksgruppe&lt;br /&gt;
oder einen einzigen Volksstamm, bei&lt;br /&gt;
dem über wenige Jahre Mord oder Krieg&lt;br /&gt;
nicht vorgekommen sind. Dann würden&lt;br /&gt;
wir gerne annehmen, daß die Gattung&lt;br /&gt;
Mensch in ihrer Grundanlage gut und&lt;br /&gt;
tatsächlich zum Frieden erziehbar ist.«&lt;br /&gt;
— Seitdem aber tatsächlich einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;in Gerhard Fiegurth, Deutsche Aphorismen,&lt;br /&gt;
S. 14, Reclam jun. , Stuttgart 1978/83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Volksgruppen gefunden wurden, die&lt;br /&gt;
nach unseren Maßstäben fast pazifi-&lt;br /&gt;
stisch sind und Aggressionen weithin&lt;br /&gt;
kontrolliert bewältigen können, sind die&lt;br /&gt;
»Erbsündeideologen« in eine gewisse&lt;br /&gt;
Beweisnot geraten. Tötungshemmun-&lt;br /&gt;
gen und Gewissensbisse bei zwischen-&lt;br /&gt;
menschlichen Vergehen waren ur-&lt;br /&gt;
sprünglich wohl als biologische Brem-&lt;br /&gt;
sen vorhanden, nicht nur erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carl Friedrich von Weizsäcker drückt&lt;br /&gt;
in seinen Schriften immer wieder aus,&lt;br /&gt;
daß der Mensch zum Frieden erziehbar&lt;br /&gt;
sei und daß die Friedlosigkeit eine seeli-&lt;br /&gt;
sche Krankheit sei, die wir überwinden&lt;br /&gt;
könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtig ist, daß es natürliche Span-&lt;br /&gt;
nungen und Polaritäten gibt. Das sind&lt;br /&gt;
— wie in jeder Zelle — lebensnotwen-&lt;br /&gt;
dige Erscheinungen, ohne die es keine&lt;br /&gt;
Entwicklung und keinen Fortschritt&lt;br /&gt;
geben könnte. Doch Spannung ist nicht&lt;br /&gt;
Kampf und Streit und Zerstörungsab-&lt;br /&gt;
sicht, sowenig wie die natürlichen Span-&lt;br /&gt;
nungsverhältnisse in der Zelle mit dem&lt;br /&gt;
zerstörerischen Krebs gleichgesetzt wer-&lt;br /&gt;
den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des Bewußtseinswandels&lt;br /&gt;
zeigt sich schon darin, daß wir Kampf,&lt;br /&gt;
Krieg, Streit und Egoismus nicht mehr&lt;br /&gt;
als Naturkonstanten des menschlichen&lt;br /&gt;
Daseins betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normal ist die Gesundheit und nicht&lt;br /&gt;
die Krankheit. Normal ist die Spannung&lt;br /&gt;
und nicht die Verkrampfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normal ist es auch, alle Methoden&lt;br /&gt;
des Denkens global, vernetzt, fachüber-&lt;br /&gt;
greifend und umweltbewußt zu nutzen:&lt;br /&gt;
die Logik, das Analogiedenken und alle&lt;br /&gt;
Formen der schöpferischen Ideenfin-&lt;br /&gt;
dung, und zwar jenseits von Vorurteilen&lt;br /&gt;
und ideologischen Mauern. Das Den-&lt;br /&gt;
ken in Modellen und Planspielen (Ana-&lt;br /&gt;
logiedenken) ist noch wenig entwickelt,&lt;br /&gt;
obwohl wir es in den meisten Lebensbe-&lt;br /&gt;
reichen brauchen. Der Wirtschaftsmini-&lt;br /&gt;
ster kann keine Probeinflation, der Ver-&lt;br /&gt;
teidigungsminister keinen Probekrieg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 BAHÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und der Umweltminister keinen Probe-&lt;br /&gt;
Gau veranstalten. Auch Außenbezie-&lt;br /&gt;
hungen zu anderen Staaten lassen sich&lt;br /&gt;
nicht experimentell testen. Aber wir&lt;br /&gt;
können in Modellen und Planspielen&lt;br /&gt;
vieles durchdenken und bessere Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normal ist es auch, die Menschheit&lt;br /&gt;
als organische Einheit zu betrachten und&lt;br /&gt;
nicht als ein wirrer Haufen auseinander-&lt;br /&gt;
strebender egoistischer Gesellschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke da an die wunderbaren&lt;br /&gt;
Worte von Bahäu/lläh: »Betrachtet ein-&lt;br /&gt;
ander nicht als Fremde. Ihr seid die&lt;br /&gt;
Früchte eines Baumes, die Blätter eines&lt;br /&gt;
Zweiges.«2 »Es rühme sich nicht, wer&lt;br /&gt;
sein Vaterland liebt, sondern wer die&lt;br /&gt;
ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein&lt;br /&gt;
Land, und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger.«3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnern wir uns auch der Aussage&lt;br /&gt;
Carl Friedrich von Weizsäckers in sei-&lt;br /&gt;
nem Buch »Der bedrohte Friede«:&lt;br /&gt;
»Friedlosigkeit ist eine seelische Krank-&lt;br /&gt;
heit. Es ist ein sinnvolles Ziel, die Fried-&lt;br /&gt;
losigkeit zu überwinden. Wir haben uns&lt;br /&gt;
nicht mit ihr abzufinden. Der Welt-&lt;br /&gt;
friede ist die Lebensbedingung des tech-&lt;br /&gt;
nischen Zeitalters.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue Strategien zur Problemlösung:&lt;br /&gt;
die vorurteilslose Beratung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unserem herkömmlichen Denken&lt;br /&gt;
— auch mit den ausgefeiltesten Denk-&lt;br /&gt;
methoden — allein können wir die Pro-&lt;br /&gt;
bleme unserer Welt nicht lösen. Wir&lt;br /&gt;
brauchen neue Strategien zur Problem-&lt;br /&gt;
lösung. Wir brauchen die Strategie der&lt;br /&gt;
vorurteilslosen Beratung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Prinzip der vorurteilslosen Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Ährenlese 112:1, Bahä&#039;-Verlag, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 2.2.0. 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Der bedrohte Friede, S. 170, 157, 154, Carl&lt;br /&gt;
Hauser-Verlag, München 1981&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ratung ist es, das die verwirrten Geister&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,&lt;br /&gt;
Wissenschaft und Kultur wieder ver-&lt;br /&gt;
einen kann. Dieses Prinzip ist es, das&lt;br /&gt;
gleichberechtigte und verantwortliche&lt;br /&gt;
Partner anstelle von streitenden Par-&lt;br /&gt;
teien und anstelle von Siegern und Be-&lt;br /&gt;
siegten entstehen läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anwendung dieses Prinzips ist&lt;br /&gt;
die Voraussetzung für wirklich erfolg-&lt;br /&gt;
reiche Abrüstungs- und Friedensver-&lt;br /&gt;
handlungen und für rechtzeitige und&lt;br /&gt;
sachgerechte Entscheidungen in Politik,&lt;br /&gt;
Unternehmungen und Verwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In kleinen Ansätzen konnte man&lt;br /&gt;
schon beobachten, wie dieses Prinzip&lt;br /&gt;
der Beratung auch in UN-Ausschüssen&lt;br /&gt;
gelegentlich genutzt wurde In&lt;br /&gt;
Management-Seminaren stelle ich es&lt;br /&gt;
seit einigen Jahren mit Erfolg vor. Viel-&lt;br /&gt;
leicht haben auch die Schweizer Sozial-&lt;br /&gt;
partner, die ja seit vielen Jahren keine&lt;br /&gt;
scharfen Tarifstreitigkeiten und Streiks&lt;br /&gt;
kennen, oder neuerdings die österreichi-&lt;br /&gt;
schen Sozialpartner einige Grundge-&lt;br /&gt;
danken des Beratungsprinzips über-&lt;br /&gt;
nommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden Sie mit Recht neugierig&lt;br /&gt;
sein, die Funktionsweise der vorurteils-&lt;br /&gt;
losen Beratung kennenzulernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschied vom Kampf-&lt;br /&gt;
und Streitprinzip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Medien und den Schulbüchern&lt;br /&gt;
über Geschichte und Gemeinschafts-&lt;br /&gt;
kunde werden negative Vorkommnisse&lt;br /&gt;
bevorzugt behandelt. Durch die Massie-&lt;br /&gt;
rung dieser Negativerfahrungen ergibt&lt;br /&gt;
sich eine Wirkung wie bei einem Zerr-&lt;br /&gt;
spiegel. Wer immer nur sein Gesicht in&lt;br /&gt;
einem Zerrspiegel sieht, kann nicht&lt;br /&gt;
mehr annehmen, daß es so etwas wie ge-&lt;br /&gt;
sunde und normale Gesichtszüge geben&lt;br /&gt;
kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfolgreiche Problemlösungen sind&lt;br /&gt;
für die Medien Eintagsfliegen. Mißer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
folge, Katastrophen und menschliches&lt;br /&gt;
Versagen sind die gewünschten Dauer-&lt;br /&gt;
brenner. Warum sollten positive Vor-&lt;br /&gt;
gänge nicht genauso interessant sein?&lt;br /&gt;
Wollen die Medien zu Sadismus und&lt;br /&gt;
Schadenfreude erziehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt genug Probleme, die man&lt;br /&gt;
nicht beschönigen kann: die Arbeitslo-&lt;br /&gt;
sigkeit, die Renten- und Sozialreform,&lt;br /&gt;
die Reform des Steuersystems, die&lt;br /&gt;
Schwierigkeit einer Arbeitszeitverkür-&lt;br /&gt;
zung mit vollem Lohnausgleich, die EG-&lt;br /&gt;
Überproduktion (die Kohle-, Stahl-,&lt;br /&gt;
Butter-, Käse- und Zuckerberge, die&lt;br /&gt;
Milch- und Weinseen), die Menschen-&lt;br /&gt;
rechtsverletzungen, der Terrorismus,&lt;br /&gt;
die Umweltprobleme, die Frage der wei-&lt;br /&gt;
teren Verwendung oder des Ausstiegs&lt;br /&gt;
bei der Kernenergie, die Müll-Lawine&lt;br /&gt;
und die Atommüllbeseitigung; ferner&lt;br /&gt;
die Probleme mit Drogen, Alkohol und&lt;br /&gt;
AIDS.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wurden diese Probleme bisher&lt;br /&gt;
angegangen? — Nehmen wir einmal&lt;br /&gt;
eines dieser heißen Themen heraus: die&lt;br /&gt;
friedliche Nutzung der Kernenergie und&lt;br /&gt;
die umweltverträgliche Beseitigung des&lt;br /&gt;
Atommülls. Alle Diskussionen verliefen&lt;br /&gt;
bisher nach dem Kampf- und Streitprin-&lt;br /&gt;
zip. Befürworter und Neinsager stehen&lt;br /&gt;
sich mit wechselnden Mehrheiten un-&lt;br /&gt;
versöhnlich gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der großen Expertenanhörung&lt;br /&gt;
vor einigen Jahren in Hannover mußte&lt;br /&gt;
der Leiter der Gesprächsrunde, Profes-&lt;br /&gt;
sor Carl Friedrich von Weizsäcker, am&lt;br /&gt;
Schluß feststellen, daß keiner vom an-&lt;br /&gt;
deren wirklich etwas gelernt hatte oder&lt;br /&gt;
auch nur die Spur eines sinnvollen Kom-&lt;br /&gt;
promisses in Sicht gewesen wäre. Als&lt;br /&gt;
positiv wurde bereits betrachtet, daß&lt;br /&gt;
man einander angehört hatte. Und die&lt;br /&gt;
Teilnehmer waren Wissenschaftler und&lt;br /&gt;
Fachleute. Was ist geschehen? — Jeder&lt;br /&gt;
der Sprecher ließ seine vorgefertigte&lt;br /&gt;
Platte ablaufen, unbeeindruckt von den&lt;br /&gt;
Argumenten der anderen. Daß es fach-&lt;br /&gt;
kundige Politiker auch nicht besser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 5&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können, verwundert dann wohl kaum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber schließlich ist das vorliegende&lt;br /&gt;
Problem doch absolut lösungsbedürf-&lt;br /&gt;
tig, und zwar nicht erst am Sankt Nim-&lt;br /&gt;
merleinstag. Es gab keine Lösungshin-&lt;br /&gt;
weise, weil überhaupt nicht im Sinne&lt;br /&gt;
des Prinzips der vorurteilslosen Bera-&lt;br /&gt;
tung, sondern nach dem geläufigen&lt;br /&gt;
Kampfprinzip verhandelt wurde. Häu-&lt;br /&gt;
fig wurden nicht nur die gegnerischen&lt;br /&gt;
Argumente, sondern auch der Gegner&lt;br /&gt;
mißachtet. Jeder wollte nur seine eigene&lt;br /&gt;
Meinung bestätigt wissen, als ginge es&lt;br /&gt;
um eine höchstpersönliche Prestige-&lt;br /&gt;
frage. Wenn es um ein Pferderennen, ein&lt;br /&gt;
Fußballspiel oder um einen Boxkampf&lt;br /&gt;
gegangen wäre, könnte man diesen Vor-&lt;br /&gt;
gang einfach vergessen. Aber esgingum&lt;br /&gt;
ein Überlebensproblem unserer Gesell-&lt;br /&gt;
schaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen in unserem Land wol-&lt;br /&gt;
len endlich wissen, ob die weitere Nut-&lt;br /&gt;
zung der Kernenergie oder das Abschal-&lt;br /&gt;
ten der Kernkraftwerke die angemes-&lt;br /&gt;
sene Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die überzeugende Antwort fehlt&lt;br /&gt;
heute noch. Und es besteht die Gefahr,&lt;br /&gt;
daß die bevorstehende politische Ent-&lt;br /&gt;
scheidung eine reine Entscheidung auf-&lt;br /&gt;
grund der Machtverhältnisse im Bun-&lt;br /&gt;
destag und nicht eine Entscheidung der&lt;br /&gt;
Vernunft werden könnte. Ich bin sicher,&lt;br /&gt;
daß diese Entscheidung längst richtig&lt;br /&gt;
gefallen wäre, wenn man den Verhand-&lt;br /&gt;
lungen das Beratungsprinzip zugrunde&lt;br /&gt;
gelegt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen unter allen Umständen&lt;br /&gt;
weg von den streitigen Verhandlungen&lt;br /&gt;
und hin zu einer echten Beratung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind die Beratungsregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim System der vorurteilslosen Bera-&lt;br /&gt;
tung müssen sieben wichtige Regeln be-&lt;br /&gt;
achtet werden, um es wirksam werden&lt;br /&gt;
zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will diese Beratungsregeln Ihnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nun zum kritischen Durchdenken vor-&lt;br /&gt;
legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Teilnehmer legt sich für ein be-&lt;br /&gt;
stimmtes Beratungsergebnis im voraus&lt;br /&gt;
fest. Die Beratung muß also bezüglich&lt;br /&gt;
des Ergebnisses völlig offen sein. Die Be-&lt;br /&gt;
ratung darf auch nicht ein Mittel zur&lt;br /&gt;
Selbstdarstellung eines Teilnehmers&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen bereits hier den großen Un-&lt;br /&gt;
terschied zu den üblichen Verhand-&lt;br /&gt;
lungsstrategien. Die Sozialpartner (Ar-&lt;br /&gt;
beitgeberverband und Gewerkschaften)&lt;br /&gt;
gehen zum Beispiel bei uns stets mit Ma-&lt;br /&gt;
ximalforderungen seitens der Gewerk-&lt;br /&gt;
schaften und öffentlichen Minimalzuge-&lt;br /&gt;
ständnissen seitens des Arbeitgeberver-&lt;br /&gt;
bandes in die Verhandlungen. Jeder der&lt;br /&gt;
beiden Sozialpartner weiß, daß er sich&lt;br /&gt;
selbst belügt und daß das Verhand-&lt;br /&gt;
lungsergebnis in keinem Fall so ausse-&lt;br /&gt;
hen kann, wie eres fordert. Eswirdauch&lt;br /&gt;
stillschweigend in Kauf genommen, daß&lt;br /&gt;
die Mitglieder der Sozialpartner — zu-&lt;br /&gt;
mindest aber die Gewerkschaftsmitglie-&lt;br /&gt;
der — vom tatsächlichen Verhand-&lt;br /&gt;
lungsergebnis immer enttäuscht sein&lt;br /&gt;
müssen. Die Gewerkschaftsmitglieder&lt;br /&gt;
müssen das Ergebnis, das oft nicht ein-&lt;br /&gt;
mal die Hälfte der Forderung beträgt, als&lt;br /&gt;
einen üblen Betrug der Arbeitgeberseite&lt;br /&gt;
betrachten. Und die gewerkschaftlichen&lt;br /&gt;
Verhandlungsführer müssen schließlich&lt;br /&gt;
mit schmerzendem Bedauern die Nie-&lt;br /&gt;
derlage in einen Sieg ummünzen.&lt;br /&gt;
Warum geht es in der Schweiz und neu-&lt;br /&gt;
erdings auch in Österreich doch anders?&lt;br /&gt;
— Abgesehen von einer raffinierten&lt;br /&gt;
Schlichtungstaktik wird dort das Ver-&lt;br /&gt;
handlungsergebnis selten so im voraus&lt;br /&gt;
propagandistisch festgenagelt, wie es&lt;br /&gt;
bei uns normalerweise immer geschieht.&lt;br /&gt;
Immerhin gibt es dort keine Streiks und&lt;br /&gt;
Aussperrungen mehr, wo man auf die&lt;br /&gt;
herkömmliche Kampftechnik verzich-&lt;br /&gt;
tet.&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=9}}2. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder, der an der Beratung teilnimmt, ist&lt;br /&gt;
verpflichtet, alle Informationen zum&lt;br /&gt;
Thema vorurteilslos, ehrlich und glas-&lt;br /&gt;
klar auf den Tisch zu legen. Niemand&lt;br /&gt;
darf sich hinter einer Parteimeinung ver-&lt;br /&gt;
stecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gegenteil ist uns sattsam be-&lt;br /&gt;
kannt. Man spricht für die Fraktion, für&lt;br /&gt;
den Verein, für die Gruppe. Wird die&lt;br /&gt;
Aussage widerlegt, so hat man ja nicht&lt;br /&gt;
für sich selbst, sondern nur für die&lt;br /&gt;
Gruppe gesprochen. Auch für perfekten&lt;br /&gt;
Unsinn braucht man sich da nicht zu&lt;br /&gt;
entschuldigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Teilnehmer muß die Argumente&lt;br /&gt;
der anderen genauso ernstnehmen wie&lt;br /&gt;
seine eigenen. Das Ernstgenommenwer-&lt;br /&gt;
den muß auch unabhängig von einer&lt;br /&gt;
eventuell bekannten Fachkompetenz be-&lt;br /&gt;
stimmter Teilnehmer sein. Nicht selten&lt;br /&gt;
haben weniger kompetente Leute sogar&lt;br /&gt;
bessere Ideen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Teilnehmer muß sich, um ehrlich&lt;br /&gt;
urteilen zu können, von seiner selbst&lt;br /&gt;
vorgetragenen Argumentation inner-&lt;br /&gt;
lich lösen. Dieser Akt ist nur denkbar,&lt;br /&gt;
wenn man sich vom Prestigedenken und&lt;br /&gt;
von dem Zwang, siegen zu müssen, frei-&lt;br /&gt;
machen kann. Für manche hört sich das&lt;br /&gt;
fast utopisch an. Aber überall, wo bis-&lt;br /&gt;
her dieses Beratungssystem ernsthaft&lt;br /&gt;
getestet worden ist, hatte es auch Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Argumente (Pro und Contra) wer-&lt;br /&gt;
den vorurteilslos geprüft und messer-&lt;br /&gt;
scharf verglichen. Die zu beurteilenden&lt;br /&gt;
Argumente werden in keinem Fall be-&lt;br /&gt;
stimmten Teilnehmern zugeordnet, son-&lt;br /&gt;
dern allein für sich gesehen. Auch die&lt;br /&gt;
Redekunst des Vortragenden darf für&lt;br /&gt;
den Argumentationswert keine Rolle&lt;br /&gt;
spielen. Bei diesem Vergleichen werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
alle zweckmäßigen Denkmethoden be-&lt;br /&gt;
nutzt: die Logik, das Analogiedenken,&lt;br /&gt;
das morphologische Denken, die Ver-&lt;br /&gt;
fremdungstechnik (Synektik genannt),&lt;br /&gt;
das Brainstorming usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel ist die Einstimmigkeit bei der demo-&lt;br /&gt;
kratischen Abstimmung. Doch im&lt;br /&gt;
Zweifelsfalle entscheidet die Mehrheit&lt;br /&gt;
verbindlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Regel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis der Abstimmung wird nun&lt;br /&gt;
von allen Beteiligten ohne jeden offenen&lt;br /&gt;
oder versteckten Vorbehalt akzeptiert.&lt;br /&gt;
Alle tragen die gemeinsame Lösung als&lt;br /&gt;
ihre Lösung mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner kann sagen: Das war ja mein&lt;br /&gt;
Vorschlag, und deshalb ist das Ergebnis&lt;br /&gt;
gut. Keiner kann sagen: Ich lehne das&lt;br /&gt;
Ergebnis ab, weil es nicht meiner bishe-&lt;br /&gt;
rigen Auffassung entspricht. Das wäre&lt;br /&gt;
ja genau das, was heute leider selbst&lt;br /&gt;
bei Bundesverfassungsgerichtsurteilen,&lt;br /&gt;
Untersuchungsberichten usw. mit den&lt;br /&gt;
sogenannten »Minderheitsvoten« pas-&lt;br /&gt;
siert. Für ein besonderes Demokratie-&lt;br /&gt;
verständnis sprechen solche »Minder-&lt;br /&gt;
heitsvoten« jedenfalls nicht. Sie doku-&lt;br /&gt;
mentieren schon eher die Ansicht:&lt;br /&gt;
»Ändert die Besetzung des Gerichtsse-&lt;br /&gt;
nates oder des Ausschusses und schon&lt;br /&gt;
wird alles wieder über den Haufen ge-&lt;br /&gt;
worfen, was mehrheitlich beschlossen&lt;br /&gt;
worden ist.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die 7. Regel wird verhindert,&lt;br /&gt;
daß die nach sorgfältiger Beratung zu-&lt;br /&gt;
stande gekommenen Beschlüsse aufge-&lt;br /&gt;
weicht oder in der zeitgerechten Aus-&lt;br /&gt;
führung behindert werden. Eine spätere&lt;br /&gt;
Überprüfung eines Beschlusses ist&lt;br /&gt;
selbstverständlich immer möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis der vorurteilslosen Be-&lt;br /&gt;
ratung löst bei den Beteiligten eine echte&lt;br /&gt;
Zufriedenheit aus; denn jeder sieht sei-&lt;br /&gt;
nen Beitrag irgendwie integriert. Mei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stens wird dabei eine sachgerechte&lt;br /&gt;
Lösung gefunden, die für alle akzepta-&lt;br /&gt;
bel ist und nicht die übliche Minimallö-&lt;br /&gt;
sung oder nur einen faulen Kompromiß&lt;br /&gt;
bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit wird in zunehmen-&lt;br /&gt;
dem Maße erkennen, daß sie in vieler&lt;br /&gt;
Hinsicht in einem gemeinsamen Boot&lt;br /&gt;
sitzt. Unterschiedliche Wertauffassun-&lt;br /&gt;
gen, religiöse Hintergründe und Lebens-&lt;br /&gt;
interessen, auch unterschiedliche Ideo-&lt;br /&gt;
logien können letztlich diese Erkenntnis&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit nicht auf-&lt;br /&gt;
halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls ist schon heute ein großes&lt;br /&gt;
Feld denkbar, auf dem die vorurteilslose&lt;br /&gt;
Beratung die streitige Verhandlung er-&lt;br /&gt;
setzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nach Ausflüchten suchen,&lt;br /&gt;
sondern handeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellen Sie sich nun einmal vor, dieses&lt;br /&gt;
Prinzip der vorurteilslosen Beratung&lt;br /&gt;
würde im Gemeinderat, bei Betriebsrä-&lt;br /&gt;
ten, bei Tarifverhandlungen, in den Par-&lt;br /&gt;
lamentsausschüssen und Regierungen,&lt;br /&gt;
bei der Europäischen Gemeinschaft und&lt;br /&gt;
bei den Vereinten Nationen zunehmend&lt;br /&gt;
als Verhandlungsprinzip zugrunde ge-&lt;br /&gt;
legt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden einen geistigen Sprung&lt;br /&gt;
machen, um den uns frühere Generatio-&lt;br /&gt;
nen beneiden könnten. Der Bewußt-&lt;br /&gt;
seinswandel, wie ihn Carl Friedrich von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weizsäcker unablässig für unser Überle-&lt;br /&gt;
ben fordert, hätte damit einen ersten be-&lt;br /&gt;
merkenswerten Fortschritt erzielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ursprung des Beratungsprinzips&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch — zum Schluß — vergessen wir&lt;br /&gt;
nicht: Das System der vorurteilslosen&lt;br /&gt;
Beratung ist nicht in unseren Tagen ent-&lt;br /&gt;
standen. Ein Mann, der in diesen April-&lt;br /&gt;
tagen im Jahre 1913, also vor genau 75&lt;br /&gt;
Jahren, in Stuttgart und in Esslingen&lt;br /&gt;
weilte und der auch im königlichen Be-&lt;br /&gt;
sucherbuch des Jagdschlosses Beben-&lt;br /&gt;
hausen eingetragen steht, war es, der&lt;br /&gt;
uns Europäer mit diesem Gedankengut&lt;br /&gt;
vertraut gemacht hat. Es war Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä, der Sohn des Begründers der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion. Er hatte Kontakt mit&lt;br /&gt;
Bertha von Suttner und mit Auguste&lt;br /&gt;
Forel. Er kannte die Probleme der Zeit&lt;br /&gt;
und sagte das Schicksal der europä-&lt;br /&gt;
ischen Staaten voraus. 1919 schrieb er&lt;br /&gt;
an die Zentralorganisation für einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Frieden im Haag und&lt;br /&gt;
warnte davor, die Chance für einen&lt;br /&gt;
wirklichen Frieden ungenutzt verstrei-&lt;br /&gt;
chen zu lassen. Wir wissen, daß diese&lt;br /&gt;
Chance damals nicht genutzt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute können wir aber vieles besser&lt;br /&gt;
machen. Wir können die Wirksamkeit&lt;br /&gt;
aller Institutionen, die sich um Frieden&lt;br /&gt;
und Wohlstand der Völker bemühen,&lt;br /&gt;
durch die vorurteilslose Beratung un-&lt;br /&gt;
vergleichlich verbessern.&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=11}}Hossain Danesh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KONFLIKTFREIE KONFLIKTLÖSUNG —&lt;br /&gt;
KONZEPTE UND METHODEN*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der größten Herausforderungen ist&lt;br /&gt;
die Möglichkeit konfliktfreier, wirksa-&lt;br /&gt;
mer, vernünftiger, gerechter und sinn-&lt;br /&gt;
voller Kommunikation unter den Völ-&lt;br /&gt;
kern und Parteien. Dies gilt sowohl für&lt;br /&gt;
den einzelnen als auch für Ehepartner,&lt;br /&gt;
Familienmitglieder, Organisationen&lt;br /&gt;
und Regierungen. Nicht selten wird&lt;br /&gt;
menschliche Kommunikation durch&lt;br /&gt;
Konflikte, Uneinigkeit, Verletzung der&lt;br /&gt;
Gefühle und Ungerechtigkeit erschwert.&lt;br /&gt;
Vielfach stellen Menschen mit Bestür-&lt;br /&gt;
zung in ihren Beziehungen zueinander&lt;br /&gt;
eine Verschlechterung der Komfmunika-&lt;br /&gt;
tion fest, trotz ihres Verlangens und&lt;br /&gt;
ihrer Anstrengungen, den Kommunika-&lt;br /&gt;
tionsprozeß zu erleichtern und zu ver-&lt;br /&gt;
bessern. Es gibt viele Gründe für diesen&lt;br /&gt;
Zustand und man könnte eine Reihe von&lt;br /&gt;
Erklärungen dafür anführen. Letztend-&lt;br /&gt;
lich spiegeln Art und Qualität menschli-&lt;br /&gt;
cher Beziehungen und Kommunikation&lt;br /&gt;
den Reifegrad und die grundlegenden&lt;br /&gt;
Ziele der Beteiligten wider.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Beispiele für menschliche Bezie-&lt;br /&gt;
hungen sind: Man kann spielerisch auf-&lt;br /&gt;
einander zugehen; man kann gemein-&lt;br /&gt;
sam arbeiten, um definierte Ziele zu er-&lt;br /&gt;
reichen; man kann miteinander&lt;br /&gt;
konkurrieren bis hin zum Machtkampf;&lt;br /&gt;
oder man kann kreativ miteinander um-&lt;br /&gt;
gehen durch Kooperation, Einheit und&lt;br /&gt;
Fortschritt. Eine Überprüfung der ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
genwärtigen menschlichen Kommuni-&lt;br /&gt;
kationsformen zeigt, daß diese ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Typen auf zwischenmen-&lt;br /&gt;
schlicher wie auch internationaler&lt;br /&gt;
Ebene vorkommen. Jedoch ist die Kom-&lt;br /&gt;
munikation meist geprägt von Domi-&lt;br /&gt;
nanz und Manipulation. Das ist charak-&lt;br /&gt;
teristisch für spätkindliche und puber-&lt;br /&gt;
täre Kommunikationsformen. Sie&lt;br /&gt;
verursachen von Natur aus beträchtli-&lt;br /&gt;
che Konflikte zwischen beteiligten Par-&lt;br /&gt;
teien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dominanz bedeutet Kontrolle über&lt;br /&gt;
Kommunikation und Entscheidungs-&lt;br /&gt;
prozesse durch das Individuum, das die&lt;br /&gt;
größte Macht besitzt, sei sienun körper-&lt;br /&gt;
lich, wirtschaftlich, intellektuell oder&lt;br /&gt;
andersgeartet. Unter diesen Umständen&lt;br /&gt;
zwingt die mächtigere Person ohne&lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Folgen ihre Wünsche&lt;br /&gt;
der anderen Person auf. Im Grunde ge-&lt;br /&gt;
nommen macht die von Dominanz ge-&lt;br /&gt;
prägte Kommunikationsform einen Teil&lt;br /&gt;
der Teilnehmer zu Opfern, ignoriert ihre&lt;br /&gt;
Menschenrechte und ist allgemein unge-&lt;br /&gt;
recht. Unter solchen Bedingungen wer-&lt;br /&gt;
den in hohem Maße Ärger, Frustration,&lt;br /&gt;
Demütigung und Groll erzeugt. Diese&lt;br /&gt;
Gefühle beherrschen viele Beziehungen&lt;br /&gt;
und Kommunikationsformen und tra-&lt;br /&gt;
gen zu verbreitetem Mißtrauen und Un-&lt;br /&gt;
einigkeit bei, die unsere Welt heute bela-&lt;br /&gt;
sten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dieser Aufsatz wurde im Frühjahr 1987 der Canadian Nuclear Association über-&lt;br /&gt;
reicht und im Sommer 1987 während einer internationalen Friedenskonferenz in Ve-&lt;br /&gt;
nezuela vorgetragen. Der Autor, Dr. Hossain Danesh, ist seit 25 Jahren in Kanada&lt;br /&gt;
als Psychiater in Praxis und Lehre tätig. Zu seinen Spezialgebieten zählen Ehe und&lt;br /&gt;
Familie, menschliche Aggression und Gewalt. Dr. Danesh ist Gründungs- und Vor-&lt;br /&gt;
standsmitglied der Association for Bahä’i-Studies und der Bahad’i International&lt;br /&gt;
Health Agency. Die Übersetzung des Aufsatzes besorgte Gitta Schumann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=12}}Die zweithäufigste Form von Kom-&lt;br /&gt;
munikation und Entscheidungsfindung&lt;br /&gt;
ist Manipulation. Hier kontrolliert ein&lt;br /&gt;
einzelner oder eine Gruppe andere meist&lt;br /&gt;
auf hintertriebene und unfaire Weise&lt;br /&gt;
zum Zweck der persönlichen oder ge-&lt;br /&gt;
meinsamen Bereicherung, zur Wahrung&lt;br /&gt;
des eigenen Vorteils oder mit anderen&lt;br /&gt;
Hintergedanken. Manche Personen&lt;br /&gt;
oder Gruppen benützen ihre körperli-&lt;br /&gt;
chen Kräfte, um andere zu beherrschen.&lt;br /&gt;
Andere setzen emotionale oder intellek-&lt;br /&gt;
tuelle Manipulation ein, während wie-&lt;br /&gt;
derum andere ihren finanziellen und po-&lt;br /&gt;
litischen Einfluß nutzen, um ihr Ziel zu&lt;br /&gt;
erreichen. Primäres Ziel ist es, Kontrolle&lt;br /&gt;
über eine andere Person oder Gruppe&lt;br /&gt;
auszuüben, dabei jedoch den gegenteili-&lt;br /&gt;
gen Eindruck zu vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während offene Dominanz einen&lt;br /&gt;
schändlichen Machtmißbrauch dar-&lt;br /&gt;
stelit, steht Manipulation meist für be-&lt;br /&gt;
trügerischen Gebrauch der Macht. Bei&lt;br /&gt;
der Dominanz herrschen aggressive und&lt;br /&gt;
zeitweise auch gewalttätige Verhaltens-&lt;br /&gt;
formen vor, während bei der Manipula-&lt;br /&gt;
tion passives und indirektes Verhalten&lt;br /&gt;
genutzt wird. In beiden Fällen fühlen&lt;br /&gt;
sich einzelne und Gruppen, die dieser&lt;br /&gt;
Behandlung ausgesetzt werden, miß-&lt;br /&gt;
braucht, gedemütigt und vergewaltigt.&lt;br /&gt;
Unter diesen Umständen wird die Bezie-&lt;br /&gt;
hung so problematisch, daß im Ent-&lt;br /&gt;
scheidungsprozeß nie die beste und kre-&lt;br /&gt;
ativste Entscheidung oder Lösung ge-&lt;br /&gt;
funden wird, die für alle Beteiligten&lt;br /&gt;
gleichermaßen gerecht und nützlich&lt;br /&gt;
wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hauptanliegen der konfliktfreien&lt;br /&gt;
Konfliktlösung besteht darin, in&lt;br /&gt;
menschliche Beziehungen eine Dyna-&lt;br /&gt;
mik einzuführen, die vom Ausdruck&lt;br /&gt;
und Austausch der Ideen, Informatio-&lt;br /&gt;
nen und Gefühle zu Entscheidungen&lt;br /&gt;
führt, die angemessen, gerecht und&lt;br /&gt;
aufgeklärt sind und die Einigkeit der&lt;br /&gt;
Beratenden fördern und sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Beratung:&lt;br /&gt;
Eine Zusammenfassung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Umgangssprache beziehen sich&lt;br /&gt;
die Worte »Beratung« und »beraten« auf&lt;br /&gt;
einen Vorgang der Überlegung, der Rat-&lt;br /&gt;
suche und der Informationssammlung&lt;br /&gt;
bei verschiedenen Quellen, besonders&lt;br /&gt;
bei professionellen Experten wie zum&lt;br /&gt;
Beispiel Ärzten, Ingenieuren und&lt;br /&gt;
Rechtsanwälten. Das Bahá’í-Beratungs-&lt;br /&gt;
konzept ist einzigartig und bildet die&lt;br /&gt;
Grundlage für den Versuch, einige oder&lt;br /&gt;
viele Menschen als Repräsentanten für&lt;br /&gt;
persönliche Belange, Institutionen oder&lt;br /&gt;
Nationen miteinander in einer Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre vollkommener Einheit und Of-&lt;br /&gt;
fenheit kommunizieren zu lassen. Ihr&lt;br /&gt;
Ziel ist, die Wahrheit über den Bera-&lt;br /&gt;
tungsgegenstand herauszufinden. Es&lt;br /&gt;
gilt, jene Wege und Mittel zu finden,&lt;br /&gt;
durch die individuelle und soziale&lt;br /&gt;
Bedürfnisse wie Gerechtigkeit, Gleich-&lt;br /&gt;
berechtigung, Freiheit und Fortschritt&lt;br /&gt;
befriedigt werden können. Beratungs-&lt;br /&gt;
gegenstand sind auch Möglichkeiten zur&lt;br /&gt;
Lösung menschlicher Konflikte ohne&lt;br /&gt;
Machtmißbrauch oder Manipulation,&lt;br /&gt;
Aberkennung oder Verletzung der&lt;br /&gt;
Rechte irgendeines Menschen, sei er an&lt;br /&gt;
diesem Beratungsprozeß direkt beteiligt&lt;br /&gt;
oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Art der Beratung erfordert von&lt;br /&gt;
den Beteiligten einen hohen Grad an&lt;br /&gt;
emotionaler und intellektueller Reife&lt;br /&gt;
und hohe geistige, moralische und ethi-&lt;br /&gt;
sche Maßstäbe. Deshalb ist die Bahä&#039;ı-&lt;br /&gt;
Beratung am wirkungsvollsten inner-&lt;br /&gt;
halb eines Rahmens, der sich an Wachs-&lt;br /&gt;
tum, Einheit in Mannigfaltigkeit, Krea-&lt;br /&gt;
tivität und Zusammenarbeit orientiert.&lt;br /&gt;
Dies sind Merkmale einer integrativen&lt;br /&gt;
und umfassenden Sicht menschlicher&lt;br /&gt;
Bestrebungen. Sie sind gänzlich unver-&lt;br /&gt;
einbar sowohl mit autoritären als auch&lt;br /&gt;
zu nachsichtigen Formen menschlicher&lt;br /&gt;
Beziehungen. Das Hauptziel der Bahai-&lt;br /&gt;
Beratung ist daher, Bedingungen zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=13}}schaffen, in denen sich die scheinbar wi-&lt;br /&gt;
dersprechenden Prinzipien von Gnade&lt;br /&gt;
und Gerechtigkeit, Freiheit und Unter-&lt;br /&gt;
werfung, Unverletzlichkeit der Rechte&lt;br /&gt;
des einzelnen und Selbstverzicht, Wach-&lt;br /&gt;
samkeit, Vertrauenswürdigkeit und&lt;br /&gt;
Klugheit einerseits sowie Kamerad-&lt;br /&gt;
schaft, Offenheit und Mut andererseits&lt;br /&gt;
versöhnen lassen. Menschliche Kon-&lt;br /&gt;
flikte lassen sich so auf kreative Art&lt;br /&gt;
lösen, mit dem ständigen Ziel vor&lt;br /&gt;
Augen, nach der Wahrheit zu suchen&lt;br /&gt;
und nicht Opfer von Vorurteilen, Un-&lt;br /&gt;
wissenheit, Eigennutz und Mißtrauen&lt;br /&gt;
zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende Voraussetzung für&lt;br /&gt;
das Erlangen dieser Ziele ist Einheit. So&lt;br /&gt;
bestätigt ‘Abdu’l-Bahá: »Die erste Be-&lt;br /&gt;
dingung ist vollkommene Liebe und&lt;br /&gt;
Harmonie unter den Mitgliedern des&lt;br /&gt;
Rates. Sie müssen völlig frei von Ent-&lt;br /&gt;
fremdung sein... Sollten Harmonie im&lt;br /&gt;
Denken und vollkommene Einheit nicht&lt;br /&gt;
vorhanden sein, wird diese Zusammen-&lt;br /&gt;
kunft zersplittern, und die Sitzung ist&lt;br /&gt;
umsonst gewesen.«I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beratungsteilnehmer sollten stän-&lt;br /&gt;
dig bestrebt sein, einen Zustand der&lt;br /&gt;
Reife und Geistigkeit zu erreichen. Aus&lt;br /&gt;
Bahäfi-Sicht sind Reife und Geistigkeit&lt;br /&gt;
eins. Beide ermessen die Fähigkeit des&lt;br /&gt;
einzelnen, hingebungsvoll, demütig, ge-&lt;br /&gt;
duldig, höflich, würdevoll, fürsorglich&lt;br /&gt;
und maßvoll zu sein. Mit den Worten&lt;br /&gt;
Abdu/l-Bahäs: »Sie müssen in jeder An-&lt;br /&gt;
gelegenheit nach der Wahrheit forschen&lt;br /&gt;
und nicht auf ihrer eigenen Meinung be-&lt;br /&gt;
harren; denn Starrsinn und hartnäcki-&lt;br /&gt;
ges Festhalten an der eigenen Meinung&lt;br /&gt;
wird schließlich zu Uneinigkeit und&lt;br /&gt;
Streit führen, und die Wahrheit wird&lt;br /&gt;
verborgen bleiben.«2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis von Einigkeit und&lt;br /&gt;
Reife, die in der Bahä’i-Beratung gefor-&lt;br /&gt;
dert sind, liegt in der Möglichkeit der&lt;br /&gt;
Teilnehmer, in »absoluter Freiheit« ihre&lt;br /&gt;
Meinung auszusprechen und ihre Argu-&lt;br /&gt;
mente darzulegen. Sollte jemand gegen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sätzlicher Meinung sein, so darf er sich&lt;br /&gt;
»...auf keinen Fall verletzt fühlen, denn&lt;br /&gt;
erst wenn eine Angelegenheit vollstän-&lt;br /&gt;
dig erörtert ist, kann sich der richtige&lt;br /&gt;
Weg zeigen. Der strahlende Funke der&lt;br /&gt;
Wahrheit erscheint nur nach dem Zu-&lt;br /&gt;
sammenprall verschiedener Meinun-&lt;br /&gt;
gen. Wenn nach der Beratung ein Be-&lt;br /&gt;
schluß einstimmig gefaßt wird, ist dies&lt;br /&gt;
schön und gut; wenn aber ... sich Mei-&lt;br /&gt;
nungsverschiedenheiten ergeben soll-&lt;br /&gt;
ten, muß die Stimmenmehrheit maßge-&lt;br /&gt;
bend sein.«3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Rahmen konzentriert sich&lt;br /&gt;
Bahá’í-Beratung auf Themenschwer-&lt;br /&gt;
punkte, die grundlegend in ihrer Zielset-&lt;br /&gt;
zung sind. Das erste dieser Ziele ist das&lt;br /&gt;
Erstellen höherer Maßstäbe und Ausbil-&lt;br /&gt;
dung, Gesundheitsfürsorge und gutes&lt;br /&gt;
materielles Auskommen für jeden. Das&lt;br /&gt;
zweite Ziel ist die Auflösung der Ex-&lt;br /&gt;
treme von Reichtum und Armut. Das&lt;br /&gt;
dritte Ziel ist die Ermutigung zu innige-&lt;br /&gt;
rer Liebe, Fürsorge und Güte unter den&lt;br /&gt;
Menschen. Das letztendliche Ziel ist die&lt;br /&gt;
Schaffung eines Klimas der Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und des&lt;br /&gt;
friedvollen, gesitteten und harmoni-&lt;br /&gt;
schen Zusammenlebens der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Art der Beratung ist ein hervor-&lt;br /&gt;
ragendes Mittel, um die Voraussetzun-&lt;br /&gt;
gen für eine neue Weltordnung zu schaf-&lt;br /&gt;
fen. Innerhalb dieser Ordnung ist die&lt;br /&gt;
konfliktfreie Lösung von Schwierigkei-&lt;br /&gt;
ten und Meinungsverschiedenheiten in&lt;br /&gt;
der Verwaltung menschlicher Angele-&lt;br /&gt;
genheiten unabdingbar. Die Prinzipien&lt;br /&gt;
der konfliktfreien Konfliktlösung ent-&lt;br /&gt;
standen aus der Vereinigung von&lt;br /&gt;
Grundsätzen der Bahäi-Beratung und&lt;br /&gt;
der Auswertung charakteristischer&lt;br /&gt;
gruppendynamischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 ‘Abdu’l-Bahá, zitiert in Beratung, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1979, 5. 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 2.2.0.5. 8f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 a.a.0.9.8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=14}}Grundsätze der&lt;br /&gt;
konfliktfreien Konfliktlösung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Vorrangiges Ziel der konfliktfreien&lt;br /&gt;
Konfliktlösung ist es, das Maß an Ein-&lt;br /&gt;
heit, Harmonie und Verständnis unter&lt;br /&gt;
den Beteiligten zu erhöhen.&lt;br /&gt;
b) Das Grundprinzip der konfliktfreien&lt;br /&gt;
Konfliktlösung vereint in sich zwei&lt;br /&gt;
Dinge: aktive und entschiedene Zusi-&lt;br /&gt;
cherung der Rechte aller am Entschei-&lt;br /&gt;
dungsprozeß Beteiligten und bewußte,&lt;br /&gt;
unbeirrbare Anwendung von Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeitsmaßstäben für alle, mit beson-&lt;br /&gt;
derem Augenmerk auf die Armen,&lt;br /&gt;
Schwachen und Unterdrückten.&lt;br /&gt;
c) Die wichtigsten Mittel für die kon-&lt;br /&gt;
fliktfreie Konfkliktlösung sind einer-&lt;br /&gt;
seits Offenheit und Ehrlichkeit, ande-&lt;br /&gt;
rerseits gegenseitige Achtung und Ver-&lt;br /&gt;
trauen.&lt;br /&gt;
d) Alle beim Versuch konfliktfreier&lt;br /&gt;
Konfliktlösung geäußerten Gedanken&lt;br /&gt;
werden zum »Eigentum« der kommuni-&lt;br /&gt;
zierenden Gruppe und »gehören« nicht&lt;br /&gt;
mehr den einzelnen, die sie ursprünglich&lt;br /&gt;
in die Gruppe eingebracht haben.&lt;br /&gt;
e) Bei der konfliktfreien Konfliktlösung&lt;br /&gt;
ist es besser, sich zu irren und dabei einig&lt;br /&gt;
zu sein, als Recht zu haben und uneins&lt;br /&gt;
zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden die obenge-&lt;br /&gt;
nannten Grundsätze ausführlich erläu-&lt;br /&gt;
tert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Vorrangiges Ziel der konfliktfreien&lt;br /&gt;
Konfliktlösung ist es, das Maß an Ein-&lt;br /&gt;
heit, Harmonie und Verständnis unter&lt;br /&gt;
den Beteiligten zu erhöhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Untersuchung der grundlegenden&lt;br /&gt;
Ziele verschiedenartiger Beziehungen&lt;br /&gt;
ergibt, daß Menschen generell bemüht&lt;br /&gt;
sind, Informationen weiterzugeben&lt;br /&gt;
oder zu empfangen, Gedanken und&lt;br /&gt;
Ideen zu vermitteln, zu lehren und zu&lt;br /&gt;
lernen, relative Positionen der Stärke&lt;br /&gt;
oder Schwäche gegenüber anderen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 BAHAI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen auszuloten, um Hilfe zu bit-&lt;br /&gt;
ten und Unterstützung anzubieten und&lt;br /&gt;
Gefühle der Freude, Zufriedenheit und&lt;br /&gt;
Anerkennung oder umgekehrt von&lt;br /&gt;
Traurigkeit, Unzufriedenheit und Ärger&lt;br /&gt;
zu erkennen. In ihren Beziehungen und&lt;br /&gt;
in ihrer Kommunikation erreichen die&lt;br /&gt;
Menschen jedoch selten all diese Ziele.&lt;br /&gt;
Sie sind zufrieden, wenn sie Gelegenheit&lt;br /&gt;
haben sich auszusprechen, ihre Wün-&lt;br /&gt;
sche zu umreißen und Verständnis oder&lt;br /&gt;
Zustimmung auf ihre Bitten zu erhalten.&lt;br /&gt;
Doch ist selbst das Gelingen dieses Un-&lt;br /&gt;
terfangens in unseren Beziehungen nicht&lt;br /&gt;
einfach. Wenn wir mit unseren Ehepart-&lt;br /&gt;
nern, Mitarbeitern, Vorgesetzten oder&lt;br /&gt;
anderen kommunizieren, fühlen wir uns&lt;br /&gt;
oft unverstanden, nicht ernstgenom-&lt;br /&gt;
men oder abgefertigt. Meistens sind wir&lt;br /&gt;
unzufrieden mit dem Ergebnis unserer&lt;br /&gt;
Kommunikationsbemühungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt viele Erklärungen für das Ver-&lt;br /&gt;
sagen unserer Kommunikation. Einige&lt;br /&gt;
Ursachen hängen mit der Rolle mehr&lt;br /&gt;
oder weniger versteckter Gefühle wie&lt;br /&gt;
Ärger, Furcht und Ablehnung, Konkur-&lt;br /&gt;
renz und Machtkampf, Ichbezogenheit&lt;br /&gt;
und Habgier zusammen. All das hat be-&lt;br /&gt;
achtlichen Einfluß auf das Ergebnis&lt;br /&gt;
menschlicher Kommunikation. Andere&lt;br /&gt;
Gründe für schlechte Kommunikation&lt;br /&gt;
liegen darin, daß nur sehr wenige Men-&lt;br /&gt;
schen Wissen oder Fähigkeit besitzen,&lt;br /&gt;
wirksam zu kommunizieren, und des-&lt;br /&gt;
halb Techniken und Regeln für zwischen-&lt;br /&gt;
menschliche Beziehungen erlernen müs-&lt;br /&gt;
sen. Angesichts dieser beiden Erläute-&lt;br /&gt;
rungen ist es verständlich, daß die mei-&lt;br /&gt;
sten allgemeinen Ansätze zur Verbesse-&lt;br /&gt;
rung zwischenmenschlicher Beziehun-&lt;br /&gt;
gen, der Kommunikation und Problem-&lt;br /&gt;
lösungen auf einem zweigleisigen Pro-&lt;br /&gt;
zeß beruhen: der Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
mit unbewußten Gefühlen und dem Er-&lt;br /&gt;
lernen wirksamer Kommunikation. Ein&lt;br /&gt;
dritter wichtiger Faktor ist die Anwen-&lt;br /&gt;
dung bestimmter kognitiver Verfahren&lt;br /&gt;
beim Versuch der Problemlösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=15}}Während diese methodischen An-&lt;br /&gt;
sätze durchaus von Wert sind und nütz-&lt;br /&gt;
liche Elemente enthalten, klafft den-&lt;br /&gt;
noch eine beachtliche Lücke zwischen&lt;br /&gt;
ihrem Wirksamkeitsanspruch und den&lt;br /&gt;
tatsächlichen Ergebnissen. Eine deutli-&lt;br /&gt;
che Verbesserung menschlicher Bezie-&lt;br /&gt;
hungen tritt weder allein durch das Auf-&lt;br /&gt;
decken und Verständnis der zugrunde-&lt;br /&gt;
liegenden Gefühle ein, noch durch die&lt;br /&gt;
Nutzung anspruchsvoller Kommunika-&lt;br /&gt;
tionstechniken, genauer Benennung der&lt;br /&gt;
Kognitionen und rationaler Erfassung&lt;br /&gt;
der sachlichen Gegebenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsache ist, daß wir in unserer Kom-&lt;br /&gt;
munikation heute eine weltweite Krise&lt;br /&gt;
vorfinden, die das Ausmaß einer Epide-&lt;br /&gt;
mie annimmt. In der ehelichen Kommu-&lt;br /&gt;
nikation erleben die Partner den&lt;br /&gt;
Schmerz gegenseitigen Mißverstehens&lt;br /&gt;
und Nichtbeachtens. Familien leiden&lt;br /&gt;
unter der nahezu fehlenden oder ausge-&lt;br /&gt;
sprochen oberflächlichen Art der Kom-&lt;br /&gt;
munikation zwischen Eltern und Kin-&lt;br /&gt;
dern. Ebenso weist die Kommunikation&lt;br /&gt;
zwischen Regierungen und ihren Völ-&lt;br /&gt;
kern einen Zustand gegenseitigen Miß-&lt;br /&gt;
trauens, von Beschimpfung, Betrug und&lt;br /&gt;
Feindseligkeit auf. Schließlich gibt es&lt;br /&gt;
eine beispiellose Kommunikationskrise&lt;br /&gt;
zwischen den Supermächten — ein Zu-&lt;br /&gt;
stand, der leicht mit der Zerstörung&lt;br /&gt;
allen Lebens auf diesem Planeten enden&lt;br /&gt;
könnte. Diese Tatsachen machen deut-&lt;br /&gt;
lich, daß unsere Bemühungen um die&lt;br /&gt;
Analyse der Gründe für unzureichende&lt;br /&gt;
Kommunikation ebensowenig genügen&lt;br /&gt;
wie unser Bestreben, neue Verfahren der&lt;br /&gt;
Problemlösung oder der Ermittlung der&lt;br /&gt;
Sachlage zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommunikation hängt in erster&lt;br /&gt;
Linie von ihren Zielen ab. Es reicht nicht&lt;br /&gt;
aus, etwas über die Dynamik und Tech-&lt;br /&gt;
nik guter Kommunikation zu erfahren&lt;br /&gt;
und die Sachverhalte der zugrundelie-&lt;br /&gt;
genden Problematik festzustellen. Dar-&lt;br /&gt;
überhinaus ist es notwendig, den grund-&lt;br /&gt;
legenden Zweck der Kommunikation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festzulegen. Aus der Sicht der konflikt-&lt;br /&gt;
freien Konfliktlösung ist vorrangiges&lt;br /&gt;
Ziel aller menschlichen Kommunika-&lt;br /&gt;
tion die Zunahme von Einheit, Harmo-&lt;br /&gt;
nie und Verständnis unter den Beteilig-&lt;br /&gt;
ten. Ohne Einheit sind alle anderen&lt;br /&gt;
menschlichen Bemühungen ohne Be-&lt;br /&gt;
deutung. Dies liegt darin begründet,&lt;br /&gt;
daß menschliche Kommunikation von&lt;br /&gt;
Leben, Wachstum und Kreativität ab-&lt;br /&gt;
hängt. Fehlt es an Einheit und Harmo-&lt;br /&gt;
nie, wird die Kreativität gehemmt, das&lt;br /&gt;
Wachstum verzögert und Leben gefähr-&lt;br /&gt;
det. Betontes Ziel der konfliktfreien&lt;br /&gt;
Konfliktlösung ist es, die Einheit unter&lt;br /&gt;
den Betroffenen zu nähren und auf-&lt;br /&gt;
rechtzuerhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) Das wichtigste Prinzip der konflikt-&lt;br /&gt;
freien Konfliktlösung ist der aktive und&lt;br /&gt;
entschiedene Versuch aller Beteiligten,&lt;br /&gt;
die Rechte jeder vom Entscheidungspro-&lt;br /&gt;
zeß betroffenen Person zu schützen —&lt;br /&gt;
ein Prozeß, der die Anwendung des&lt;br /&gt;
Prinzips der Gerechtigkeit für alle for-&lt;br /&gt;
dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick haben die Themen&lt;br /&gt;
»Menschenrechte« und »Kommunika-&lt;br /&gt;
tion« keinen unmittelbaren Bezug. Die-&lt;br /&gt;
ser Eindruck ist der begrenzten Sicht-&lt;br /&gt;
weise zuzuschreiben, mit der man&lt;br /&gt;
»Menschenrechte« und »menschliche&lt;br /&gt;
Kommunikation« definiert. Der hier be-&lt;br /&gt;
nutzte Begriff der Menschenrechte be-&lt;br /&gt;
zieht sich auf die Tatsache, daß alle&lt;br /&gt;
Menschen edel erschaffen wurden und&lt;br /&gt;
daher die Möglichkeit erhalten müssen,&lt;br /&gt;
ihr edles Wesen zu entfalten, ihre ver-&lt;br /&gt;
borgenen Eigenschaften sichtbar zu ma-&lt;br /&gt;
chen, ihre kreativen Fähigkeiten zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln und ihre Integrität zu bewah-&lt;br /&gt;
ren. Diese Rechte können im Umfeld&lt;br /&gt;
menschlicher Beziehungen, in der Kom-&lt;br /&gt;
munikation und Entscheidungsbildung&lt;br /&gt;
respektiert oder verweigert werden — in&lt;br /&gt;
der Ehe, der Familie oder der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft. In vielen Ehen besteht beispiels-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=16}}weise eine Diskrepanz zwischen Ehe-&lt;br /&gt;
partnern im Hinblick auf das Recht auf&lt;br /&gt;
Selbstverwirklichung, der Entwicklung&lt;br /&gt;
eigener Fähigkeiten und der Wahrung&lt;br /&gt;
der Integrität. Dies betrifft besonders&lt;br /&gt;
die Rechte der Frauen. In der Vergangen-&lt;br /&gt;
heit wurden die Rechte der Frauen in der&lt;br /&gt;
Ehe und auch in anderen gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen Institutionen vernachlässigt, ver-&lt;br /&gt;
sagt oder mißbraucht. Diese Form von&lt;br /&gt;
Geringschätzung und Verweigerung der&lt;br /&gt;
Menschenrechte, wie sie in allen Le-&lt;br /&gt;
bensbereichen der Menschheit vor-&lt;br /&gt;
herrschten, zeigt die Notwendigkeit der&lt;br /&gt;
Anerkennung und des Schutzes der&lt;br /&gt;
Menschenrechte als dem wichtigsten&lt;br /&gt;
Prinzip in der zwischenmenschlichen&lt;br /&gt;
Kommunikation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konfliktfreie Konfliktlösung erfüllt&lt;br /&gt;
diese Forderung, indem sie die Kommu-&lt;br /&gt;
nikationspartner dazu verpflichtet, be-&lt;br /&gt;
wußt und beständig die Menschen-&lt;br /&gt;
rechte sowohl der direkt als auch indi-&lt;br /&gt;
rekt von der Entscheidung Betroffenen&lt;br /&gt;
zu achten. Dieser Grundsatz ist in Ehe,&lt;br /&gt;
Familie, bei der Arbeit, innerhalb des&lt;br /&gt;
sozialen Gefüges sowie in der interna-&lt;br /&gt;
tionalen Kommunikation und den Ent-&lt;br /&gt;
scheidungsgremien anzuwenden. Die&lt;br /&gt;
Bedeutung dieses Prinzips wird zuneh-&lt;br /&gt;
mend deutlich, wenn wir die Tatsache&lt;br /&gt;
berücksichtigen, daß die Mißachtung&lt;br /&gt;
der Menschenrechte zur Entstehung&lt;br /&gt;
eines tiefen Gefühls der Ungleichwertig-&lt;br /&gt;
keit, Ungerechtigkeit, Verletzung,&lt;br /&gt;
Trauer und Wut führt. Dieser Zustand&lt;br /&gt;
verursacht Streit und Uneinigkeit unter&lt;br /&gt;
den Menschen, und — auf Dauer — eine&lt;br /&gt;
zunehmende Distanz zwischen allen Be-&lt;br /&gt;
troffenen, so daß ihre Kommunika-&lt;br /&gt;
tionsbemühungen und Versuche der&lt;br /&gt;
Konfliktlösung fast gänzlich unwirk-&lt;br /&gt;
sam werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ce) Die wichtigsten Mittel für die kon-&lt;br /&gt;
fliktfreie Konfliktlösung sind einerseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenheit und Ehrlichkeit, andererseits&lt;br /&gt;
gegenseitige Achtung und Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 BAHÄ&#039;T-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Jahren wurde zunehmend&lt;br /&gt;
darauf geachtet, daß die Art der Kom-&lt;br /&gt;
munikation, die Gefühle und intellek-&lt;br /&gt;
tuelle Fähigkeiten unterdrückt, nicht&lt;br /&gt;
nur unproduktiv sondern in mancher&lt;br /&gt;
Hinsicht ziemlich zerstörerisch im Hin-&lt;br /&gt;
blick auf die psychosomatische Wir-&lt;br /&gt;
kung unterdrückter Gefühle ist. Beson-&lt;br /&gt;
ders Ärger und Kränkung neigen dazu,&lt;br /&gt;
sich negativ auf das allgemeine Befin-&lt;br /&gt;
den des Menschen auszuwirken, wer-&lt;br /&gt;
den sie nicht zum Ausdruck gebracht,&lt;br /&gt;
verstanden und verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lange Zeit galt die Ansicht, man&lt;br /&gt;
müsse bei konträrer Meinung seine Ge-&lt;br /&gt;
fühle und eigenen Gedanken zurückhal-&lt;br /&gt;
ten, um die Kommunikation vor Kon-&lt;br /&gt;
flikten zu bewahren. Als wir begannen,&lt;br /&gt;
menschliches Verhalten und die Dyna-&lt;br /&gt;
mik menschlicher Beziehungen ver-&lt;br /&gt;
stärkt auf eine integrative und ganzheit-&lt;br /&gt;
liche Art zu studieren, wurden wir uns&lt;br /&gt;
jedoch deutlich der grundlegenden Wir-&lt;br /&gt;
kung bewußt, die Kommunikation auf&lt;br /&gt;
Gesundheit und Wohlbefinden hat. Es&lt;br /&gt;
zeigte sich, daß gestauter Ärger oder&lt;br /&gt;
Wut eine Reihe psychosomatischer und&lt;br /&gt;
sozialer Störungen verursachen kann.&lt;br /&gt;
Daraufhin veränderte sich die Einstel-&lt;br /&gt;
lung zu solchen Fragen entscheidend.&lt;br /&gt;
Gesundheitsexperten forderten eine&lt;br /&gt;
neue Sichtweise zum Ausdruck von Ge-&lt;br /&gt;
fühlen im allgemeinen und Ärger und&lt;br /&gt;
Wut im besonderen. Man wurde nun er-&lt;br /&gt;
mutigt, Wutgefühle und Antipathien&lt;br /&gt;
offen und unter allen Umständen zu äu-&lt;br /&gt;
Bern. Gefühle sollten nicht zurückge-&lt;br /&gt;
halten werden und man sollte mehr aus&lt;br /&gt;
sich herausgehen. Viele Gruppen und&lt;br /&gt;
Workshops wurden gebildet, um Ge-&lt;br /&gt;
fühle, besonders Wut, Furcht und&lt;br /&gt;
Angst, spontan und kraftvoll zum Aus-&lt;br /&gt;
druck bringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allmählich kam beträchtliches klini-&lt;br /&gt;
sches Beweismaterial zusammen. Es&lt;br /&gt;
zeigte, daß die Fragen im Zusammen-&lt;br /&gt;
hang mit der Vermittlung von Gefühlen&lt;br /&gt;
und Gedanken nicht so einfach zu&lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=17}}behandeln waren, wie ursprünglich an-&lt;br /&gt;
genommen. So ist es beispielsweise&lt;br /&gt;
weder gesundheitsfördernd noch aus-&lt;br /&gt;
reichend, Ärger zu äußern oder zurück-&lt;br /&gt;
zuhalten. Es sind verschiedene Aspekte&lt;br /&gt;
im Zusammenhang mit Ärger zu beden-&lt;br /&gt;
ken. Einer der wichtigsten Aspekte ist,&lt;br /&gt;
daß menschliche Gefühle nicht nur ge-&lt;br /&gt;
äußert werden müssen, sondern auch&lt;br /&gt;
verstanden und kanalisiert werden soll-&lt;br /&gt;
ten. Darüberhinaus treten Gefühle nicht&lt;br /&gt;
unabhängig vom Denken auf und das&lt;br /&gt;
Denken ist nicht frei von Gefühlen. Dar-&lt;br /&gt;
aus folgt, daß die geschaffene Zweitei-&lt;br /&gt;
lung von Denken und Fühlen aufgeho-&lt;br /&gt;
ben werden muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein dritter wichtiger Punkt ist, daß&lt;br /&gt;
Art und Folgen der Gefühle nicht unbe-&lt;br /&gt;
dingt im Widerstreit oder Widerspruch&lt;br /&gt;
zueinander stehen müssen. Mit anderen&lt;br /&gt;
Worten, Wut und Liebe, Angst und&lt;br /&gt;
Glück, Selbstsicherheit und Furcht,&lt;br /&gt;
Trauer und Hoffnung lassen sich zu-&lt;br /&gt;
gleich erleben. Es geht darum, einen An-&lt;br /&gt;
satz zu entwickeln, der die Integration&lt;br /&gt;
dieser verschiedenen menschlichen Ge-&lt;br /&gt;
fühle ermöglicht, damit sie zum Aus-&lt;br /&gt;
druck gebracht, verstanden und verar-&lt;br /&gt;
beitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen der konfliktfreien Kon-&lt;br /&gt;
fliktlösung werden deshalb die Beteilig-&lt;br /&gt;
ten ermutigt, die anstehenden Themen&lt;br /&gt;
freimütig, offen und ehrlich zu benen-&lt;br /&gt;
nen und gleichzeitig den Kommunika-&lt;br /&gt;
tionspartnern mit Respekt und Ver-&lt;br /&gt;
trauen zu begegnen. Ansichten, Ideen&lt;br /&gt;
und Gedanken sollten von der Person&lt;br /&gt;
getrennt betrachtet und Gefühlsäuße-&lt;br /&gt;
rungen ohne Werturteil angenommen&lt;br /&gt;
werden. Durch frei geäußerte Ansichten&lt;br /&gt;
und Gefühle können die Beteiligten die&lt;br /&gt;
besten Antworten zu den anstehenden&lt;br /&gt;
Fragen ermitteln, die geeigneten Lösun-&lt;br /&gt;
gen vorgebrachter Probleme finden&lt;br /&gt;
sowie die wirksamste Linderung für&lt;br /&gt;
Schmerz suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d) Alle im Verlauf der konfliktfreien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konfliktlösung dargelegten Ideen wer-&lt;br /&gt;
den zum »Eigentum« der kommunizie-&lt;br /&gt;
renden Gruppe und »gehören« nicht&lt;br /&gt;
mehr den einzelnen, die sie ursprünglich&lt;br /&gt;
einbrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen nehmen die Welt durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unsere Sinne und Erfahrungen wahr&lt;br /&gt;
und nutzen unsere geistigen und intel-&lt;br /&gt;
lektuellen Fähigkeiten, um das Wahrge-&lt;br /&gt;
nommene und Erlebte mit Sinn zu erfül-&lt;br /&gt;
len. Zu jeder Zeit verknüpfen wir des-&lt;br /&gt;
halb eine geistige Vorstellung mit der&lt;br /&gt;
gegenwärtigen Wahrnehmung, die in&lt;br /&gt;
Wahrheit nicht von unserer Vorstellung&lt;br /&gt;
vom eigenen Selbst zu trennen ist.&lt;br /&gt;
Zudem haben wir eine Idee von der ab-&lt;br /&gt;
soluten Wahrheit wie auch von letztgül-&lt;br /&gt;
tigen Prinzipien, die unsere Vernunft&lt;br /&gt;
begreift. Unsere Vorstellungen ent-&lt;br /&gt;
wickeln wir entweder, indem wir uns&lt;br /&gt;
aktiv durch geordnetes und systemati-&lt;br /&gt;
sches Studium um ein Verständnis der&lt;br /&gt;
allgemeingültigen Wahrheiten und&lt;br /&gt;
Grundsätze bemühen. Oder wir gewin-&lt;br /&gt;
nen durch passive Aufnahme der vor-&lt;br /&gt;
herrschenden gesellschaftlichen Vor-&lt;br /&gt;
stellungen eine Idee von Wahrheit und&lt;br /&gt;
Wirklichkeit. Bewußt unternehmen wir&lt;br /&gt;
keine Anstrengung, um diese Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen durch unsere Fähigkeit logischen&lt;br /&gt;
und vernünftigen Denkens zu belegen.&lt;br /&gt;
Folglich entwickeln sich die meisten un-&lt;br /&gt;
serer Vorstellungen ohne bewußte An-&lt;br /&gt;
strengung und sind daher gewöhnlich&lt;br /&gt;
zufällig und wenig durchdacht. Viele&lt;br /&gt;
unserer Vorstellungen entstammen dem&lt;br /&gt;
Glauben unserer Väter und Vorväter,&lt;br /&gt;
andere gründen sich auf allgemein ver-&lt;br /&gt;
breitete Vorurteile und Fehlannahmen.&lt;br /&gt;
Wieder andere sind geprägt von unseren&lt;br /&gt;
Trieben, Gefühlen und persönlichen&lt;br /&gt;
Neigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur selten versuchen wir, unsere Vor-&lt;br /&gt;
stellungen im Geiste einer unabhängi-&lt;br /&gt;
gen Suche nach der Wahrheit unter An-&lt;br /&gt;
wendung streng wissenschaftlicher&lt;br /&gt;
Methoden zu formulieren und so zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=18}}Schlüssen zu gelangen, die auf unserem&lt;br /&gt;
besten Bemühen beruhen, auf objektive&lt;br /&gt;
und leidenschaftslose Weise ein Phäno-&lt;br /&gt;
men zu verstehen — sei es uns selbst, an-&lt;br /&gt;
dere, oder die Welt als Ganzes. Deshalb&lt;br /&gt;
hängt die am weitesten verbreitete Ursa-&lt;br /&gt;
che von Konflikten in der menschlichen&lt;br /&gt;
Kommunikation damit zusammen, wie&lt;br /&gt;
wir unsere Vorstellungen im zwischen-&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten einbringen. In&lt;br /&gt;
einer typischen Kommunikationssitua-&lt;br /&gt;
tion, ob zwischen Mann und Frau, EI-&lt;br /&gt;
tern und Kindern, in einer Arbeits-&lt;br /&gt;
gruppe oder unter den Vertretern der&lt;br /&gt;
Nationen dieser Welt, kommen die Be-&lt;br /&gt;
teiligten gewöhnlich mit vorformulier-&lt;br /&gt;
ten Ideen und festgelegten Ansichten zu-&lt;br /&gt;
sammen. In erster Linie geht es den Be-&lt;br /&gt;
teiligten darum, ihre Vorstellungen&lt;br /&gt;
darzulegen, die Zuhörerschaft zu beein-&lt;br /&gt;
drucken, sie von der Brillanz, Relevanz&lt;br /&gt;
und Richtigkeit ihrer Ideen zu überzeu-&lt;br /&gt;
gen und, sollte alles andere versagen,&lt;br /&gt;
entweder die Zustimmung durch Ein-&lt;br /&gt;
satz und Mißbrauch von Macht, Ein-&lt;br /&gt;
fluß, Versprechungen und Verpflich-&lt;br /&gt;
tung durchzusetzen oder aber die Ta-&lt;br /&gt;
gung mit dem Gefühl der Ablehnung,&lt;br /&gt;
Niedergeschlagenheit oder Erniedri-&lt;br /&gt;
gung zu verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommunikation spielt sich jedoch&lt;br /&gt;
nicht immer auf diese Weise ab. Bei vie-&lt;br /&gt;
len Gelegenheiten sind die Beteiligten&lt;br /&gt;
willens, Pro und Contra der verschiede-&lt;br /&gt;
nen Meinungen und den Wert der um-&lt;br /&gt;
rissenen Ideen zu diskutieren und&lt;br /&gt;
schließlich dem besten Kompromiß zu-&lt;br /&gt;
zustimmen. Auch diese Form der Kom-&lt;br /&gt;
munikation ist jedoch — wenn auch der&lt;br /&gt;
vorherigen vorzuziehen — immer noch&lt;br /&gt;
unbefriedigend, da sie nicht unbedingt&lt;br /&gt;
eine Entscheidung für die beste Lösung&lt;br /&gt;
innerhalb der Gruppe bringt. Als Kom-&lt;br /&gt;
promiß ist sie teilweise befriedigend und&lt;br /&gt;
teilweise enttäuschend für die am Ent-&lt;br /&gt;
scheidungsprozeß Beteiligten. Der&lt;br /&gt;
Kompromiß führt auch nicht unbedingt&lt;br /&gt;
zur bestmöglichen Lösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Modell der konfliktfreien Kon-&lt;br /&gt;
fliktlösung erfordert, daß die Beteilig-&lt;br /&gt;
ten ihre Gedanken so klar und vollstän-&lt;br /&gt;
dig wie möglich formulieren. Dies in&lt;br /&gt;
einer Atmosphäre, die durch Meinungs-&lt;br /&gt;
freiheit, Respekt vor den Ansichten und&lt;br /&gt;
Gedanken jedes Beteiligten und aufrich-&lt;br /&gt;
tiges Bemühen von allen Seiten gekenn-&lt;br /&gt;
zeichnet ist, die unterschiedlichen Ideen&lt;br /&gt;
ohne Vorurteile, Überlegenheitsgefühle,&lt;br /&gt;
Arroganz oder Mißtrauen zu bedenken.&lt;br /&gt;
Sobald die Idee zum Ausdruck gebracht&lt;br /&gt;
wurde und Aufnahme unter den Zuhö-&lt;br /&gt;
rern fand, wird sie zum Eigentum der&lt;br /&gt;
Gruppe. Es steht sodann allen Gruppen-&lt;br /&gt;
mitgliedern wie auch dem Initiator des&lt;br /&gt;
Vorschlags frei, die Idee von allen er-&lt;br /&gt;
denklichen Seiten zu betrachten, die als&lt;br /&gt;
konstruktiv, klärend und förderlich er-&lt;br /&gt;
achtet werden, um unter den spezifi-&lt;br /&gt;
schen Bedingungen der Gruppe die best-&lt;br /&gt;
mögliche Entscheidung zu treffen. Die&lt;br /&gt;
Beratenden mögen dem Vorschlag nur&lt;br /&gt;
teilweise oder ganz zustimmen, ihn ab-&lt;br /&gt;
lehnen oder diese Überlegung in die&lt;br /&gt;
endgültige Entscheidung miteinbezie-&lt;br /&gt;
hen. Alle Beteiligten — einschließlich&lt;br /&gt;
der Person, von der die Idee stammt —&lt;br /&gt;
werden ohne Rücksicht auf das Ergebnis&lt;br /&gt;
mit der Entscheidung einverstanden&lt;br /&gt;
sein, ohne Konflikte oder Ablehnung zu&lt;br /&gt;
verspüren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Modell entspricht der wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Vorgehensweise. Bei wahr-&lt;br /&gt;
haft wissenschaftlicher Zusammenar-&lt;br /&gt;
beit werden Ideen mit Überzeugungs-&lt;br /&gt;
kraft, Nachdruck und stichhaltiger&lt;br /&gt;
Argumentation vorgebracht. Die ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Aspekte des vorgelegten&lt;br /&gt;
Konzepts werden sorgfältig und kritisch&lt;br /&gt;
begutachtet, und gewöhnlich äußern&lt;br /&gt;
die Beteiligten Zustimmung oder Ableh-&lt;br /&gt;
nung. Ist jedoch eine bestimmte Tatsa-&lt;br /&gt;
che wissenschaftlich erwiesen und eine&lt;br /&gt;
entsprechende allgemeingültige Gesetz-&lt;br /&gt;
mäßigkeit formuliert worden, akzep-&lt;br /&gt;
tiert die Gesamtheit der Wissenschaftler&lt;br /&gt;
glücklich und zufrieden die neuen Ge-&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=19}}setze, ohne daß eine Spur feindseligen&lt;br /&gt;
Dünkels zurückbleibt. Denn das höch-&lt;br /&gt;
ste Ziel wahrer Wissenschaft ist die Ent-&lt;br /&gt;
schlüsselung der Wirklichkeit. In der&lt;br /&gt;
menschlichen Kommunikation muß die&lt;br /&gt;
Entdeckung der Wirklichkeit ebenfalls&lt;br /&gt;
vorrangiges Ziel sein. Die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
ist in diesem Zusammenhang nicht die&lt;br /&gt;
Wirklichkeit der Natur, physikalischer&lt;br /&gt;
Gesetze oder wissenschaftlicher Grund-&lt;br /&gt;
aussagen. In zwischenmenschlichen Be-&lt;br /&gt;
ziehungen ist die Wirklichkeit gleichbe-&lt;br /&gt;
deutend mit der Einheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen fühlen sich von Natur aus&lt;br /&gt;
zueinander hingezogen. Die Geschichte&lt;br /&gt;
der Menschheit ist die Geschichte&lt;br /&gt;
immer neuer Dimensionen der Einheit&lt;br /&gt;
unter den Menschen. Am Anfang war es&lt;br /&gt;
die Familie, dann bildete sich der Fami-&lt;br /&gt;
lienverband, der Stamm, die Stadt und&lt;br /&gt;
der Staat. In unserer heutigen Welt sind&lt;br /&gt;
wir uns vollkommen bewußt, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit eine weitergehende Einheit&lt;br /&gt;
schaffen muß, in der alle unterschiedli-&lt;br /&gt;
chen nationalen, rassischen, religiösen&lt;br /&gt;
und ideologischen Gruppierungen der&lt;br /&gt;
Welt zusammengeführt werden, um&lt;br /&gt;
eine menschenwürdige Welt voll Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit, Frieden, Kreativität,&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit und Freude zu schaffen.&lt;br /&gt;
Dieser Schritt zur Einheit ist nicht nur&lt;br /&gt;
Gedankenspiel, Hoffnung und Sehn-&lt;br /&gt;
sucht, er ist Wirklichkeit. Einheit ist die&lt;br /&gt;
Wirklichkeit des Menschen als voll-&lt;br /&gt;
kommenster Ausdruck unserer Bestim-&lt;br /&gt;
mung zum »edel« erschaffenen Wesen&lt;br /&gt;
und als unser wahrer Wesenskern. Die&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit ist auch Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit, da die charakteristischen&lt;br /&gt;
menschlichen Eigenschaften — Wissen,&lt;br /&gt;
Liebe und Willenskraft — ohne Einheit&lt;br /&gt;
keine Möglichkeit haben, sich zu ent-&lt;br /&gt;
wickeln und zur vollen Entfaltung zu ge-&lt;br /&gt;
langen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fehlt es an Einheit, so verfällt zwi-&lt;br /&gt;
schenmenschliche Kommunikation und&lt;br /&gt;
die schöpferischen Kräfte werden durch&lt;br /&gt;
Wettstreit, Rivalität, Streit und schließ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich in Kriegen verschlissen. Ohne Ein-&lt;br /&gt;
heit bewegt sich jede Gruppe auf einem&lt;br /&gt;
potentiellen Schlachtfeld, in einer&lt;br /&gt;
Arena der Konkurrenzkämpfe. Unter&lt;br /&gt;
diesen Umständen ist gewöhnlich das&lt;br /&gt;
Ziel der Kommunikation zu gewinnen,&lt;br /&gt;
Kontrolle auszuüben und notfalls zu&lt;br /&gt;
zerstören. Ohne das Bewußtsein oder&lt;br /&gt;
die Annahme der Einheit als wichtigster&lt;br /&gt;
Realität im zwischenmenschlichen Um-&lt;br /&gt;
gang wird der Kommunikationsprozeß&lt;br /&gt;
sehr problematisch und konfliktträch-&lt;br /&gt;
tig. Ideen werden verteidigt, als seien sie&lt;br /&gt;
identisch mit der Person, die sie vorge-&lt;br /&gt;
tragen hat, und jeglicher Widerspruch&lt;br /&gt;
gegen diese Ideen wird als Angriff ge-&lt;br /&gt;
wertet. In der typischen Kommunika-&lt;br /&gt;
tion unterscheiden die Beteiligten nicht&lt;br /&gt;
zwischen ihrer Person, ihren Ideen und&lt;br /&gt;
den Quellen ihrer Ideen. So rührt gele-&lt;br /&gt;
gentlich der Gedanke zu einem vorlie-&lt;br /&gt;
genden Problem von unseren morali-&lt;br /&gt;
schen, ethischen oder religiösen Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen her, während ein andermal&lt;br /&gt;
unsere Gedanken das Ergebnis unseres&lt;br /&gt;
Verständnisses wissenschaftlicher Prin-&lt;br /&gt;
zipien widerspiegeln. Unter anderen&lt;br /&gt;
Umständen haben wir Vorstellungen,&lt;br /&gt;
die vorwiegend unserem Eindruck von&lt;br /&gt;
gegenwärtigen oder vergangenen Vor-&lt;br /&gt;
kommnissen entsprechen und keinen&lt;br /&gt;
Bezug zu moralischen oder wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Quellen haben. Gewöhn-&lt;br /&gt;
lich sind unsere Überlegungen jedoch&lt;br /&gt;
ein Nebenprodukt aller möglichen&lt;br /&gt;
Weltanschauungen, zu dem man meist&lt;br /&gt;
mit einer mäßig fundierten oder fehlen-&lt;br /&gt;
den methodischen Auswertung der zu-&lt;br /&gt;
grundeliegenden Quellen gelangt. Aus&lt;br /&gt;
diesem Grund sind unsere Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen eher Ausdruck unserer Gefühle,&lt;br /&gt;
Hoffnungen, Ziele, Zweifel, Unsicher-&lt;br /&gt;
heit und Wut denn Ausdruck von Erfah-&lt;br /&gt;
rung und Wissen um die Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Daraus folgt, daß unsere Vorstellungen&lt;br /&gt;
nicht von unserer Persönlichkeit ge-&lt;br /&gt;
trennt werden können, so daß wir Kri-&lt;br /&gt;
tik an unseren Ideen als Kritik an&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=20}}unserer eigenen Person verstehen. Dies&lt;br /&gt;
führt zu Uneinigkeit unf fördert die Ent-&lt;br /&gt;
stehung von Konflikten in der Kommu-&lt;br /&gt;
nikation. Im Kontext der konfliktfreien&lt;br /&gt;
Konfliktlösung müssen unsere Ideen&lt;br /&gt;
von unserem Selbstwertgefühl getrennt&lt;br /&gt;
und auf objektive Weise zum Ausdruck&lt;br /&gt;
gebracht werden. Der Sprecher sollte&lt;br /&gt;
sich also bewußt sein und als Tatsache&lt;br /&gt;
annehmen, daß seine Ansicht zum Ei-&lt;br /&gt;
gentum der Gruppe wird, nachdem sie&lt;br /&gt;
von ihm geäußert wurde. Kommt man&lt;br /&gt;
nach genauem Abwägen des Gedankens&lt;br /&gt;
zu dem Schluß, daß er keine Vorzüge&lt;br /&gt;
bietet, so sollte sogar der Initiator des&lt;br /&gt;
Vorschlags davon Abstand nehmen und&lt;br /&gt;
ihrer Ablehnung zustimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e) Bei konfliktfreier Konfliktlösung ist es&lt;br /&gt;
besser, sich zu irren und einig zu sein, als&lt;br /&gt;
Recht zu haben und uneins zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde bereits festgestellt, daß im Be-&lt;br /&gt;
reich der menschlichen Kommunika-&lt;br /&gt;
tion »Wirklichkeit« und »Einigkeit«&lt;br /&gt;
gleichbedeutend sind. Weiterhin wurde&lt;br /&gt;
festgestellt, daß konstruktive Kommu-&lt;br /&gt;
nikationsformen einfach unterschiedli-&lt;br /&gt;
chen Arten und Graden entsprechen,&lt;br /&gt;
worin Einigkeit ihren Ausdruck findet.&lt;br /&gt;
So sind Familien, Stämme und Natio-&lt;br /&gt;
nen Beispiele der Einigkeit in verschie-&lt;br /&gt;
denen menschlichen Gruppierungen.&lt;br /&gt;
Vollkommenster Ausdruck menschli-&lt;br /&gt;
cher Wirklichkeit und Kommunikation&lt;br /&gt;
ist die Einheit der Menschheit. Sie ist&lt;br /&gt;
zum absoluten Imperativ am Scheide-&lt;br /&gt;
weg unseres kollektiven Wachstums ge-&lt;br /&gt;
worden. Es kann nicht genug betont&lt;br /&gt;
werden, daß ohne Einheit alle menschli-&lt;br /&gt;
che Kommunikation vollkommen nutz-&lt;br /&gt;
los ist. Damit drängt sich die Frage auf:&lt;br /&gt;
»Was ist der wichtigste Zweck menschli-&lt;br /&gt;
cher Kommunikation?« Um diese Frage&lt;br /&gt;
zu beantworten, müssen wir zunächst&lt;br /&gt;
danach fragen, welche Merkmale uns&lt;br /&gt;
Menschen vom Tier unterscheiden. Die&lt;br /&gt;
Antwort lautet, daß es im wesentlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 BAHÄI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drei grundlegende und eindeutig&lt;br /&gt;
menschliche Merkmale und Fähigkeiten&lt;br /&gt;
gibt: Erkenntnis, Liebe und Willens-&lt;br /&gt;
kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fähigkeiten zu erkennen, bewußt&lt;br /&gt;
wahrzunehmen und Bewußtsein zu er-&lt;br /&gt;
langen, uns selbst und unsere Welt zu&lt;br /&gt;
verstehen und abstrakte sowie konkrete&lt;br /&gt;
Wirklichkeiten entdecken zu können,&lt;br /&gt;
sind einzigartige, menschliche Eigen-&lt;br /&gt;
schaften. Darüberhinaus kennt des&lt;br /&gt;
Menschen Wissensdurst keine Grenzen,&lt;br /&gt;
und der Wunsch nach Mitteilung dieses&lt;br /&gt;
Wissens ist unerschöpflich. Deshalb&lt;br /&gt;
kommunizieren Menschen miteinander,&lt;br /&gt;
um ihr Wissen zu teilen und voneinan-&lt;br /&gt;
der zu lernen. Sie kommunizieren in der&lt;br /&gt;
Hoffnung, etwas über sich selbst, den&lt;br /&gt;
anderen und die Welt als Ganzes zu er-&lt;br /&gt;
fahren. Dies ist eine der wichtigsten&lt;br /&gt;
Funktionen menschlicher Kommunika-&lt;br /&gt;
tion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite wichtige Zweck der Kom-&lt;br /&gt;
munikation ist, Liebe zum Ausdruck zu&lt;br /&gt;
bringen. Menschen sind von Natur aus&lt;br /&gt;
Liebende und sind bestrebt, diese Liebe&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen zu teilen. Im&lt;br /&gt;
Lauf des Lebens erscheint der erhaben-&lt;br /&gt;
ste, mächtigste und erfüllendste Aus-&lt;br /&gt;
druck menschlicher Liebe in der Bezie-&lt;br /&gt;
hung zu anderen Menschen. Wir kom-&lt;br /&gt;
munizieren, um zu lieben und geliebt zu&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte wichtige Funktion mensch-&lt;br /&gt;
licher Kommunikation ist der Ausdruck&lt;br /&gt;
unserer menschlichen Willenskraft —&lt;br /&gt;
zu entscheiden, schöpferisch zu sein&lt;br /&gt;
und unser Wissen wie auch unsere&lt;br /&gt;
Liebe umzusetzen. Gäbe es keinen Wil-&lt;br /&gt;
len, so würden menschliches Wissen&lt;br /&gt;
und menschliche Liebe sich bestenfalls&lt;br /&gt;
auf eine kontrollierte, vorherbe-&lt;br /&gt;
stimmte, einfallslose und mechanische&lt;br /&gt;
Art ausdrücken, wie es bei den tieri-&lt;br /&gt;
schen Ausdrucksmöglichkeiten von&lt;br /&gt;
Liebe und Wissen der Fall ist. Wissen&lt;br /&gt;
und Liebe der Tiere sind primär instink-&lt;br /&gt;
tiv und vorbestimmt, während mensch-&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=21}}liche Liebe und menschliches Wissen&lt;br /&gt;
von unserer Willenskraft unterstützt&lt;br /&gt;
werden, die uns Freiheit gibt. Unsere&lt;br /&gt;
Freiheit, Wissen zu erwerben oder un-&lt;br /&gt;
wissend zu bleiben, liebevoll zu handeln&lt;br /&gt;
oder abweisend, ist eine weitere, einzig-&lt;br /&gt;
artige Eigenschaft des Menschen und&lt;br /&gt;
seiner Kommunikationsmöglichkeiten.&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem wichtigsten Zweck&lt;br /&gt;
menschlicher Kommunikation läßt sich&lt;br /&gt;
dahingehend beantworten, daß wir&lt;br /&gt;
durch Kommunikation den Mitmen-&lt;br /&gt;
schen unsere Erkenntnis, Liebe und un-&lt;br /&gt;
seren Willen mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Ziel des Wissens ist die&lt;br /&gt;
Erforschung der Wirklichkeit und Wahr-&lt;br /&gt;
heit, das vollkommenste Ziel der Liebe&lt;br /&gt;
ist die Vereinigung und das vollkom-&lt;br /&gt;
menste Ziel des Willens ist die Verwirk-&lt;br /&gt;
lichung unserer Erkenntnis und Liebe.&lt;br /&gt;
Höchstes Ziel und Ergebnis menschli-&lt;br /&gt;
cher Kommunikation ist der Eintritt in&lt;br /&gt;
einen Zustand erleuchteter Einheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit ist jedoch — genau wie die&lt;br /&gt;
Wirklichkeit — relativ und nicht abso-&lt;br /&gt;
lut. Wir sind nie im Besitz aller Aspekte&lt;br /&gt;
der Wirklichkeit zu jedem gegebenen&lt;br /&gt;
Zeitpunkt und wir verstehen nur jeweils&lt;br /&gt;
einen Teil, niemals die gesamte Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit. So verhält es sich auch mit&lt;br /&gt;
menschlicher Kommunikation. Zu einer&lt;br /&gt;
bestimmten Zeit haben wir jeweils nur&lt;br /&gt;
eine gewisse Stufe der Einheit erreicht.&lt;br /&gt;
Es handelt sich hier um einen fortschrei-&lt;br /&gt;
tenden Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Prinzipien auf&lt;br /&gt;
die Praxis der konfliktfreien Konfliktlö-&lt;br /&gt;
sung, gelangt man zu ihrer letzten und&lt;br /&gt;
wichtigsten Bedingung. Damit Kommu-&lt;br /&gt;
nikation konfliktfrei, fruchtbar und&lt;br /&gt;
dauerhaft ist, muß die Einheit der kom-&lt;br /&gt;
munizierenden Gruppe als vorrangiges&lt;br /&gt;
Ziel gewährleistet sein. Die Gruppe&lt;br /&gt;
wird keinen Bestand haben, wenn sie&lt;br /&gt;
uneinig ist, und Wirklichkeit und Wahr-&lt;br /&gt;
heit werden nicht erfaßt, solange Wis-&lt;br /&gt;
sen und Liebe unter den Beteiligten nicht&lt;br /&gt;
frei und ohne Zögern geteilt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin muß ihr Wille zu Gemein-&lt;br /&gt;
samkeit und Eigenständigkeit genutzt&lt;br /&gt;
werden, um weitere Aspekte der Wahr-&lt;br /&gt;
heit zu entdecken und die Kraft der&lt;br /&gt;
Liebe im Licht wachsenden Verständnis-&lt;br /&gt;
ses voneinander in die Tat umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Theorie zur Praxis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Durchführung jedes Konzepts er-&lt;br /&gt;
fordert Kenntnis und die Bereitschaft,&lt;br /&gt;
mit den neu vorgebrachten Verfahrens-&lt;br /&gt;
weisen zu experimentieren. Bis jetzt war&lt;br /&gt;
die Anwendung der konfliktfreien Kon-&lt;br /&gt;
fliktlösung auf die Bahä’i-Gemeinde be-&lt;br /&gt;
schränkt, doch ist sie deshalb noch kei-&lt;br /&gt;
neswegs auf bestimmte Gruppen be-&lt;br /&gt;
grenzt. Die Bahäi-Beratung, auf der die&lt;br /&gt;
konfliktfreie Konfliktlösung basiert,&lt;br /&gt;
war und ist seit mehreren Jahrzehnten&lt;br /&gt;
das wichtigste Mittel der Problembe-&lt;br /&gt;
wältigung, Konfliktlösung und Enschei-&lt;br /&gt;
dungsfindung in Bahá’í-Gemeinden auf&lt;br /&gt;
der ganzen Welt. In einigen Bahäi-&lt;br /&gt;
Körperschaften wird diese Methode auf&lt;br /&gt;
hohem Niveau mit beachtlichem Erfolg&lt;br /&gt;
eingesetzt, während die Bahä’i-Konzep-&lt;br /&gt;
te und Methoden der Beratung in ande-&lt;br /&gt;
ren Bahäi-Gremien auf elementarer&lt;br /&gt;
Ebene praktiziert werden. Diese Unter-&lt;br /&gt;
schiede in der Verfeinerung des Bera-&lt;br /&gt;
tungskonzepts resultieren aus dem ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Erfahrungsstand der jeweili-&lt;br /&gt;
gen Gruppe. In allen Fällen jedoch wer-&lt;br /&gt;
den die wesentlichen Merkmale der&lt;br /&gt;
Bahäi-Beratung mit beträchtlichem Re-&lt;br /&gt;
spekt beachtet und überall ist man stän-&lt;br /&gt;
dig bemüht, sie von der Theorie in die&lt;br /&gt;
Praxis umzusetzen. Ein ausführlicher&lt;br /&gt;
Bericht über diese Bemühungen würde&lt;br /&gt;
nach einer systematischen, umfassen-&lt;br /&gt;
den Untersuchung und Methodik verlan-&lt;br /&gt;
gen. Hauptanliegen dieser Ausführun-&lt;br /&gt;
gen ist es jedoch, das Konzept der kon-&lt;br /&gt;
fliktfreien Konfliktlösung darzulegen&lt;br /&gt;
und darauf hinzuweisen, daß diese Me-&lt;br /&gt;
thode unter den verschiedensten Umstän-&lt;br /&gt;
den mit großem Erfolg angewendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Völkerverständigungsfest&lt;br /&gt;
Bad Mergentheim:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»WELIFRIEDEN&lt;br /&gt;
IM KLEINEN«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum zweiten Mal war der »Johan-&lt;br /&gt;
niterhof« in Bad Mergentheim&lt;br /&gt;
(rechts) Schauplatz eines Völkerver-&lt;br /&gt;
ständigungsfestes der Baha&#039;i-&lt;br /&gt;
Gemeinde. Tausende kamen und&lt;br /&gt;
lernten unter anderem Folklore aus&lt;br /&gt;
vielen Ländern kennen (im Bild&lt;br /&gt;
unten: jugoslawische Tanzgruppe).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=23}}»Warst du schon bei den Polen?« —&lt;br /&gt;
»Nein, aber ich habe schon bei den Chi-&lt;br /&gt;
nesen und bei den Türken etwas geges-&lt;br /&gt;
sen...« Ein typisches Gespräch hier im&lt;br /&gt;
Johanniterhof in Bad Mergentheim. Das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»2. Internationale Völkerverständi-&lt;br /&gt;
gungsfest« bringt die verschiedensten&lt;br /&gt;
Kulturen und Nationalitäten einander&lt;br /&gt;
näher, auch rein räumlich gesehen. Die&lt;br /&gt;
18 verschiedenen Stände und die Bühne&lt;br /&gt;
lassen in diesem hübschen Innenhof ge-&lt;br /&gt;
rade noch genug Platz für die Besucher,&lt;br /&gt;
die nur drei Meter zu gehen brauchen,&lt;br /&gt;
um von den Polen zu den Türken zu&lt;br /&gt;
kommen. Weitere zehn Meter, und&lt;br /&gt;
schon ist man in der »chinesischen&lt;br /&gt;
Ecke«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Weltfrieden im Kleinen« lautet das&lt;br /&gt;
Motto, das die Bad Mergentheimer&lt;br /&gt;
Bahäi-Gemeinde ihrem 2. Völkerver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ständigungsfest gegeben hat. Und of-&lt;br /&gt;
fensichtlich kann auch Frieden durch&lt;br /&gt;
den Magen gehen: Die verschiedenen&lt;br /&gt;
Spezialitäten und Leckereien aus den&lt;br /&gt;
einzelnen Ländern erfreuen sich großer&lt;br /&gt;
Beliebtheit, Berührungsängste ver-&lt;br /&gt;
schwinden, auch Unbekanntes wird&lt;br /&gt;
gerne probiert. Deutsche, Türken, Ju-&lt;br /&gt;
goslawen sitzen gemeinsam an Tischen&lt;br /&gt;
und essen — durchaus keine Selbstver-&lt;br /&gt;
ständlichkeit in einer Kleinstadt mit&lt;br /&gt;
eher konservativer, wenig offener So-&lt;br /&gt;
zialstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Bühne sollte es eigentlich 13&lt;br /&gt;
Programmpunkte geben, ebenfalls aus&lt;br /&gt;
ganz verschiedenen Teilen der Welt: Von&lt;br /&gt;
Amerika über Europa und den Orient&lt;br /&gt;
bis nach Indien. Doch es werden nur 12.&lt;br /&gt;
Denn die türkische Musikgruppe, die&lt;br /&gt;
aus Mannheim eigens zum Völkerver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 2]&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ständigungsfest nach Bad Mergentheim&lt;br /&gt;
kommen wollte, hat auf dem Weg einen&lt;br /&gt;
Unfall. Ausgerechnet! Denn die Türken&lt;br /&gt;
wollten nicht einmal ihre Fahrtkosten in&lt;br /&gt;
Rechnung stellen, sie, die sonst haupt-&lt;br /&gt;
sächlich auf türkischen Hochzeiten&lt;br /&gt;
spielen, waren — wie viele andere —&lt;br /&gt;
von der Idee des Völkerverständigungs-&lt;br /&gt;
festes angetan und bereit, die Veranstal-&lt;br /&gt;
tung aktiv zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt die »Mitmacher«, wie die&lt;br /&gt;
Aktiven von den Organisatoren ge-&lt;br /&gt;
nannt werden: Nicht nur, daß sie ge-&lt;br /&gt;
kocht, gebacken, dekoriert, geprobt,&lt;br /&gt;
einstudiert und vorbereitet haben, ohne&lt;br /&gt;
etwas für sich selbst zu verlangen; mit&lt;br /&gt;
ihrer Begeisterung tragen sie auch er-&lt;br /&gt;
heblich zu der verbindenden Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre bei, die das Völkerverständi-&lt;br /&gt;
gungsfest von anderen Veranstaltungen&lt;br /&gt;
deutlich unterscheidet: Man fühlt sich&lt;br /&gt;
einfach wohl an diesem Tag im Johanni-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
terhof. Das gilt auch für die Kinder,&lt;br /&gt;
denen mit einem Zauberer und einem&lt;br /&gt;
wirklich »bezaubernden« Kindertheater&lt;br /&gt;
zwei eigene Programmpunkte gewidmet&lt;br /&gt;
sind. Der Funke springt später auch auf&lt;br /&gt;
die erwachsenen Besucher über, als die&lt;br /&gt;
jugoslawische Tanzgruppe die Bühne&lt;br /&gt;
mit dem Pflaster des Johanniterhofs&lt;br /&gt;
tauscht und das Publikum mit Erfolg&lt;br /&gt;
zum Mitmachen motiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß alle Reinerlöse an die Aktion&lt;br /&gt;
Sorgenkind gehen, macht das Fest für&lt;br /&gt;
viele noch interessanter: Insgesamt 500&lt;br /&gt;
Preise, darunter sehr schöne Gegen-&lt;br /&gt;
stände, wurden für eine Tombola gestif-&lt;br /&gt;
tet, ein Großteil davon übrigens von den&lt;br /&gt;
Schülern. Auch das ZDF ist aus diesem&lt;br /&gt;
Grund da. Es filmt für eine »Danke-&lt;br /&gt;
schön«-Sendung der Aktion Sorgen-&lt;br /&gt;
kind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhaltlich wird das Thema »Völker-&lt;br /&gt;
verständigung« an einigen Ständen auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur weit entfernte, sondern auch sehr alte Kulturen wurden lebendig: Chinesische&lt;br /&gt;
Kalligraphie (oben) und traditioneller indischer Tempeltanz (rechts) beim Völkerverstän-&lt;br /&gt;
digungsfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 BAHÄ’-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=25}}sehr unterschiedliche Weise aufgegrif-&lt;br /&gt;
fen: Die Esperanto-Jugend stellt ihre&lt;br /&gt;
verbindende internationale Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vor, die »Gesellschaft für bedrohte Völ-&lt;br /&gt;
ker« weist auf Unterdrückung von&lt;br /&gt;
Volksgruppen in der Welt hin, die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde geht auf das Motto&lt;br /&gt;
»Weltfrieden im Kleinen« ein und zeigt,&lt;br /&gt;
daß allein in Bad Mergentheim 38 Na-&lt;br /&gt;
tionalitäten vertreten sind, was allge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mein großes Erstaunen auslöst. Außer-&lt;br /&gt;
dem wird auf den Besuch ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
vor 75 Jahren in Bad Mergentheim und&lt;br /&gt;
Sein Engagement für den Frieden hinge-&lt;br /&gt;
wiesen. »Amnesty international« ge-&lt;br /&gt;
denkt des 40. Jahrestags der Allgemei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“nen Erklärung der Menschenrechte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Schon jetzt ist das Völkerverständi-&lt;br /&gt;
gungsfest ein voller Erfolg«, sagt der&lt;br /&gt;
Vertreter des Landrats Georg Denzer,&lt;br /&gt;
der die Schirmherrschaft über die Ver-&lt;br /&gt;
anstaltung hat. »Allein das Zusammen-&lt;br /&gt;
sein der verschiedenen Gruppen und&lt;br /&gt;
Nationalitäten hier auf diesem Platz ist&lt;br /&gt;
eine Bestätigung dieser Idee. Der Land-&lt;br /&gt;
rat möchte auch finanziell zum Ergebnis&lt;br /&gt;
des Völkerverständigungsfestes beitra-&lt;br /&gt;
gen...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhepunkt des 1. Oktober im Bad&lt;br /&gt;
Mergentheimer Johanniterhof ist je-&lt;br /&gt;
doch der Auftritt einer Frau: Mit präch-&lt;br /&gt;
tigen Originalgewändern und kunstvoll&lt;br /&gt;
geschminkt zeigt eine Halbinderin&lt;br /&gt;
»Bharata Natyam«, klassischen indi-&lt;br /&gt;
schen Tanz, wie er früher in den Tem-&lt;br /&gt;
peln getanzt wurde. Untermalt mit fern-&lt;br /&gt;
östlichen Klängen wechseln sich stamp-&lt;br /&gt;
fende, temperamentvolle Szenen mit&lt;br /&gt;
grazilen, nur von Handbewegungen&lt;br /&gt;
und Gestik bestimmten Darstellungen&lt;br /&gt;
ab. Nicht nur das Publikum ist faszi-&lt;br /&gt;
niert. Auch die Presse-Reporter, das&lt;br /&gt;
ZDF-Ieam und Amateur-Video-Filmer&lt;br /&gt;
scharen sich mit ihren Kameras um die&lt;br /&gt;
Bühne. Doch eines wird ihnen nicht ge-&lt;br /&gt;
lingen: Die Atmosphäre einzufangen,&lt;br /&gt;
die hier herrscht. Es ist tatsächlich so&lt;br /&gt;
etwas wie »Weltfrieden im Kleinen«,&lt;br /&gt;
und zwar im positivsten Sinne. »Wenn&lt;br /&gt;
ich gewußt hätte, wie das hier ist«, so&lt;br /&gt;
der Vater einer chinesischen Familie, die&lt;br /&gt;
einen Spezialitäten-Stand aufgebaut&lt;br /&gt;
hat, »hätten wir alles noch viel schöner&lt;br /&gt;
machen können. Im nächsten Jahr wer-&lt;br /&gt;
den wir noch chinesische Lampions auf-&lt;br /&gt;
hängen und alles dekorieren und...«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uwe Still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=26}}Peter Khan&lt;br /&gt;
FRAUEN —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GLEICHWERTIGKEIT UND FRIEDEN”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es freut mich sehr, daß ich heute abend&lt;br /&gt;
die Gelegenheit habe, über das Thema&lt;br /&gt;
»Frau und Frieden« zu sprechen. Ich be-&lt;br /&gt;
ginne mit der Frage: Welcher Zusam-&lt;br /&gt;
menhang besteht zwischen »Frau« und&lt;br /&gt;
»Frieden«? Ich denke, daß die Verbin-&lt;br /&gt;
dung in einigen außergewöhnlichen und&lt;br /&gt;
treffenden Aussagen des Weltzentrums&lt;br /&gt;
des Glaubens zu finden ist. Zum Beispiel&lt;br /&gt;
hat Abdul-Bahä geschrieben: »Wenn...&lt;br /&gt;
die Gleichberechtigung von Mann und&lt;br /&gt;
Frau verwirklicht ist, wird der Krieg an&lt;br /&gt;
der Wurzel ausgerottet. Ohne Gleichbe-&lt;br /&gt;
rechtigung ist dies unmöglich...«! Kürz-&lt;br /&gt;
lich hat das Universale Haus &#039;der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit in der Botschaft »Die Verhei-&lt;br /&gt;
Bung des Weltfriedens« geschrieben,&lt;br /&gt;
daß »die Emanzipation der Frau, die&lt;br /&gt;
volle Gleichberechtigung der Ge-&lt;br /&gt;
schlechter, eine der wichtigsten, wenn-&lt;br /&gt;
gleich kaum anerkannten Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen des Friedens«? ist. Aus diesen&lt;br /&gt;
zwei Aussagen lese ich, daß es in der&lt;br /&gt;
Welt zwei grundsätzliche Fragen gibt —&lt;br /&gt;
zum einen das Erreichen der Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit zwischen Mann und Frau und&lt;br /&gt;
zum anderen die Errichtung des Welt-&lt;br /&gt;
friedens. Diese zwei Aussagen heben&lt;br /&gt;
hervor, daß das eine Voraussetzung des&lt;br /&gt;
anderen ist. Daraus folgt, daß wir in un-&lt;br /&gt;
serem Bestreben, den Weltfrieden zu er-&lt;br /&gt;
richten, notwendigerweise unsere Auf-&lt;br /&gt;
merksamkeit auf die Frage der Gleich-&lt;br /&gt;
wertigkeit der Menschen richten&lt;br /&gt;
müssen. Dies wird dank der Kraft und&lt;br /&gt;
dem Einfluß der Bahäi-Lehren Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Grundfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute abend will ich drei grundsätzliche&lt;br /&gt;
Fragen in Betracht ziehen. Erstens die&lt;br /&gt;
Frage der Gleichwertigkeit von Mann&lt;br /&gt;
und Frau, zweitens die Verbindung zwi-&lt;br /&gt;
schen der Rolle der Frau und der Ver-&lt;br /&gt;
wirklichung des Weltfriedens und drit-&lt;br /&gt;
tens kurz die Möglichkeiten, die sich der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde bieten, um die Errich-&lt;br /&gt;
tung dieser Gleichwertigkeit zu fördern&lt;br /&gt;
und zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir tun dies im Kontext des Zeitge-&lt;br /&gt;
schehens, wo unsere Umwelt ein breites&lt;br /&gt;
Spektrum von Meinungen aufweist.&lt;br /&gt;
Das eine Extrem kommt im aufsteigen-&lt;br /&gt;
den und wachsenden Einfluß des kon-&lt;br /&gt;
servativen Fundamentalismus in Reli-&lt;br /&gt;
gion und Philosophie zum Ausdruck,&lt;br /&gt;
der sich dagegen wendet, der Frau grö-&lt;br /&gt;
Bere Rechte zuzugestehen, das andere&lt;br /&gt;
Extrem im Fanatismus gegen den Mann,&lt;br /&gt;
der extremen Richtung der Frauenbewe-&lt;br /&gt;
gung. Wir müssen diese Frage im Zu-&lt;br /&gt;
sammenhang mit der Tatsache berück-&lt;br /&gt;
sichtigen, daß das Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit in seiner Aussage die&lt;br /&gt;
Bahäi-Weltgemeinde als ein Modell zur&lt;br /&gt;
Errichtung der Welteinheit angeboten&lt;br /&gt;
hat und uns auch davor gewarnt hat,&lt;br /&gt;
daß durch unser Hervortreten aus der&lt;br /&gt;
Verborgenheit mehr und mehr kluge,&lt;br /&gt;
skeptische und sogar mißtrauische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
! Frauen, 5. 63, Bahä’i-Verlag 1986&lt;br /&gt;
2 Die Verheißung des Weltfriedens, S. 35, Bahá’í-&lt;br /&gt;
Verlag 1986?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dieser Vortrag wurde während einer Baha&#039;t-Konferenz in Irland im Jahre 1987 ge-&lt;br /&gt;
halten. Eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 1988 im Schweizer Baha&#039;i Ma-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gazin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=27}}Menschen die Bahá’í-Gemeinde genau&lt;br /&gt;
prüfen und unsere Erfolgsnachweise&lt;br /&gt;
wie unser Handeln untersuchen werden&lt;br /&gt;
in der Hoffnung, Diskrepanzen zwi-&lt;br /&gt;
schen unseren Lehren und unserer der-&lt;br /&gt;
zeitigen Vorgehensweise zu finden. In&lt;br /&gt;
diesem Zusammenhang befassen wir&lt;br /&gt;
uns mit der Frage der Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
zwischen Mann und Frau und den An-&lt;br /&gt;
strengungen der weltweiten Bahäfi-&lt;br /&gt;
Gemeinde, diese in die Tat umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Status und Behandlung der Frau&lt;br /&gt;
in früheren Zeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte mit einem kurzen Rückblick&lt;br /&gt;
auf den Status und die Behandlung der&lt;br /&gt;
Frau zu früheren Zeiten beginnen. Man&lt;br /&gt;
könnte fragen, weshalb wir nicht ein-&lt;br /&gt;
fach die Bahäi-Lehren studieren und&lt;br /&gt;
sehen, was diese uns sagen. Meine Ant-&lt;br /&gt;
wort ist, daß ich es für nützlich halte zu&lt;br /&gt;
sehen, wie die Frauen in der Geschichte&lt;br /&gt;
behandelt wurden, denn dies vermittelt&lt;br /&gt;
uns einen Hintergrund, um die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Prinzipien angemessen zu beurteilen&lt;br /&gt;
und wertzuschätzen, mit ihrer Neuar-&lt;br /&gt;
tigkeit, Bedeutung und ihren weitrei-&lt;br /&gt;
chenden Folgerungen. Es ermöglicht&lt;br /&gt;
uns auch, die Herausforderung besser&lt;br /&gt;
zu erfassen, der wir als Bahä’i gegen-&lt;br /&gt;
überstehen, wenn wir unsere Prinzipien&lt;br /&gt;
in eine Nicht-Bahäii-Umgebung einbrin-&lt;br /&gt;
gen, die weitgehend gemäß anderen An-&lt;br /&gt;
sätzen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte mit einem Blick in die Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit beginnen, auf die Art und&lt;br /&gt;
Weise, wie die Frau aus der historischen&lt;br /&gt;
Perspektive gesehen wurde. Dies ist na-&lt;br /&gt;
türlich ein kontroverses Thema. Einige&lt;br /&gt;
finden, daß Frauen in der Vergangenheit&lt;br /&gt;
ziemlich schlecht behandelt wurden.&lt;br /&gt;
Andere wieder behaupten, dies sei eine&lt;br /&gt;
Übertreibung und in Wirklichkeit nicht&lt;br /&gt;
ganz so schlimm gewesen. Es beste-&lt;br /&gt;
hen Meinungsverschiedenheiten, sogar&lt;br /&gt;
Streitgespräche in der breiten Gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft, eventuell sogar in der Bahäi-&lt;br /&gt;
Gemeinde, bezüglich der Frage, wie&lt;br /&gt;
Frauen in der Geschichte behandelt&lt;br /&gt;
wurden. Aber diese Frage ist sehr leicht&lt;br /&gt;
beantwortet. Wir müssen uns nur an die&lt;br /&gt;
autorisierten Aussagen von ’Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä halten. Sehen wir, was Er sagt. Ich&lt;br /&gt;
lese zwei Abschnitte von ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
diesbezüglich vor. Erstens sagt Er: »In&lt;br /&gt;
vergangenen Zeiten meinte man, Frau&lt;br /&gt;
und Mann seien nicht gleichwertig —&lt;br /&gt;
das heißt, die Frau galt als dem Manne&lt;br /&gt;
unterlegen, sogar im Hinblick auf ihre&lt;br /&gt;
Anatomie und Erschaffung. Man hielt&lt;br /&gt;
sie vor allem für weniger intelligent,&lt;br /&gt;
meinte weltweit, ihr sei nicht erlaubt, in&lt;br /&gt;
entscheidenden Fragen mitzusprechen.&lt;br /&gt;
In einigen Ländern ging der Mann so-&lt;br /&gt;
weit zu glauben und zu lehren, die Frau&lt;br /&gt;
gehöre einer niedrigeren Stufe an als der&lt;br /&gt;
des Menschen.«? Noch eine der vielen&lt;br /&gt;
Aussagen dazu von ‘Abdu/l-Bahä: »In&lt;br /&gt;
Indien, Persien und im ganzen Orient&lt;br /&gt;
galt sie früher nicht als menschliches&lt;br /&gt;
Wesen. Einige arabische Stämme zähl-&lt;br /&gt;
ten ihre Frauen zum Viehbestand. In&lt;br /&gt;
ihrer Sprache bedeutet das Wort für&lt;br /&gt;
Frau auch Esel, das heißt, für beide&lt;br /&gt;
wurde derselbe Name gebraucht, und&lt;br /&gt;
der Reichtum eines Mannes wurde nach&lt;br /&gt;
seinem Besitz an Lasttieren bemessen.&lt;br /&gt;
»Du Weib: war die schlimmste Beleidi-&lt;br /&gt;
gung für einen Mann... Früher hielt man&lt;br /&gt;
es für weiser, wenn die Frau weder lesen&lt;br /&gt;
noch schreiben konnte; sie sollte sich&lt;br /&gt;
nur mit mühseliger Arbeit quälen.«* So&lt;br /&gt;
können wir sehen, daß uns Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä sehr deutlich und bündig erklärte,&lt;br /&gt;
wie die Frauen früher allgemein behan-&lt;br /&gt;
delt wurden. Warum hat ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
dies geschrieben? Was meinte Er mit die-&lt;br /&gt;
sen sehr kraftvollen Aussagen, die ich&lt;br /&gt;
soeben vorgelesen habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Frauen, S. 19&lt;br /&gt;
4 2.2.0., 5.26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ungleichwertigkeit der Frau&lt;br /&gt;
in der Geschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke, wir können beim Betrachten&lt;br /&gt;
der Geschichte die Art und Weise, wie&lt;br /&gt;
sich die Ungleichwertigkeit der Frauen&lt;br /&gt;
ausdrückt, in bestimmte Kategorien&lt;br /&gt;
von Vorstellungen oder historischen&lt;br /&gt;
Ansichten einteilen. Zum Beispiel war&lt;br /&gt;
eine frühere Vorstellung von der Min-&lt;br /&gt;
derwertigkeit der Frau verbunden mit&lt;br /&gt;
der »Mutter Natur«. Frauen waren eine&lt;br /&gt;
Quelle der Fruchtbarkeit mit Zugang zu&lt;br /&gt;
einer mysteriösen, unkontrollierbaren&lt;br /&gt;
Kraft. Frauen opferten den Naturkräf-&lt;br /&gt;
ten. Dies ist bei den bedeutenderen Göt-&lt;br /&gt;
tinnen der Antike und den Analogien&lt;br /&gt;
im Lied des Königs Salomo aus dem&lt;br /&gt;
Alten Testament ersichtlich. Der Frau&lt;br /&gt;
wurden mysteriöse Kräfte zugeschrie-&lt;br /&gt;
ben, die mit Tabus und reinigenden&lt;br /&gt;
Riten kontrolliert werden mußten. Eine&lt;br /&gt;
andere historische Ansicht, in der die&lt;br /&gt;
Frau nicht gleichwertig behandelt&lt;br /&gt;
wurde, war die Frau als Zauberin, als&lt;br /&gt;
Werkzeug des Bösen, was durch den&lt;br /&gt;
Einsatz der Sexualität als Ursache des&lt;br /&gt;
Niedergangs des Mannes durch seine&lt;br /&gt;
Verführung hinweg von den hehren Zie-&lt;br /&gt;
len seines Lebens zum Ausdruck kam.&lt;br /&gt;
Also wurden die Frauen wegen ihrer se-&lt;br /&gt;
xuellen Promiskuität verschleiert und&lt;br /&gt;
eingeschlossen. Wir können dies heute&lt;br /&gt;
abgeschwächt bei der Behandlung von&lt;br /&gt;
Vergewaltigungsopfern sehen, wo sehr&lt;br /&gt;
oft die Rechtfertigung gebraucht wird,&lt;br /&gt;
daß die Frau die Vergewaltigung durch&lt;br /&gt;
ihre Art, sich zu geben oder zu kleiden,&lt;br /&gt;
herausgefordert habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Sicht der Minderwertig-&lt;br /&gt;
keit der Frau war, ihr Anderssein als ir-&lt;br /&gt;
rational, lJaunisch, emotional und nicht&lt;br /&gt;
bildungsfähig zu werten. Noch eine wei-&lt;br /&gt;
tere, sehr oft in orthodoxen Religionen&lt;br /&gt;
vorkommende Ansicht war, die Frau als&lt;br /&gt;
Vorbild der Tugend, fromm, jungfräu-&lt;br /&gt;
lich, gehorsam und dem Mann ergeben,&lt;br /&gt;
mit hausfraulichen Pflichten vollauf be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schäftigt, ohne gesetzliche oder politi-&lt;br /&gt;
sche Macht zu sehen, die alles Intellek-&lt;br /&gt;
tuelle dem Mann überläßt, sei dies ihr&lt;br /&gt;
Vater, Ehemann oder Bruder. Diese Be-&lt;br /&gt;
trachtungsweise konnte sich über lange&lt;br /&gt;
Strecken der Geschichte halten und&lt;br /&gt;
sogar in einigen Gesetzen festsetzen.&lt;br /&gt;
Das napoleonische Gesetzbuch von&lt;br /&gt;
Frankreich im Jahr 1804 sagte: »Jene&lt;br /&gt;
Personen ohne Rechte sind: Minderjäh-&lt;br /&gt;
rige, Ehefrauen, Kriminelle und geistig&lt;br /&gt;
Behinderte.« Frauen hatten unter dem&lt;br /&gt;
napoleonischen Gesetz keine Rechte.&lt;br /&gt;
Schopenhauer schrieb, daß Frauen ein-&lt;br /&gt;
geschränkt werden sollten und wegen&lt;br /&gt;
ihrer besonderen Natur einen Vormund&lt;br /&gt;
brauchten sowie zum Gehorchen da-&lt;br /&gt;
seien. So drücken all diese verschiede-&lt;br /&gt;
nen Ansichten die Nichtgleichwertig-&lt;br /&gt;
keit der Frau aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der Frau in der Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat die Religion dagegen unter-&lt;br /&gt;
nommen? Wieder finden wir Kontro-&lt;br /&gt;
versen vor. Die Rolle der Religion bei&lt;br /&gt;
der Behandlung der Frau weist wieder&lt;br /&gt;
ein breites Spektrum von Ansichten auf&lt;br /&gt;
und wir orientieren uns nochmals an&lt;br /&gt;
den heiligen und maßgebenden Schrif-&lt;br /&gt;
ten unserer Religion. In den Bahäi-&lt;br /&gt;
Schriften finde ich drei Prinzipien vor,&lt;br /&gt;
die mir helfen, die Art und Weise zu ver-&lt;br /&gt;
stehen, wie die Frau von der Religion be-&lt;br /&gt;
handelt wurde. Das erste Prinzip&lt;br /&gt;
kommt in einer Aussage Baha’ullähs&lt;br /&gt;
zum Ausdruck, welche besagt: »Im An-&lt;br /&gt;
gesicht Gottes waren Frauen und Män-&lt;br /&gt;
ner von jeher gleich und werden es&lt;br /&gt;
immer sein«.? Also ein Prinzip heißt&lt;br /&gt;
Gleichheit im Angesicht Gottes. Das&lt;br /&gt;
zweite Prinzip lautet, daß die Frau grö-&lt;br /&gt;
ßeren moralischen Mut besitzt. Abdul-&lt;br /&gt;
Bahä sagte: »Die Frau hat einen stärke-&lt;br /&gt;
ren Charakter als der Mann; sie hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt; a.a.0,, 5.46&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=29}}auch besondere Gaben, die sie in Gefahr&lt;br /&gt;
und Krisenzeiten befähigen, den Über-&lt;br /&gt;
blick zu bewahren.«® Das dritte Prinzip&lt;br /&gt;
besagt, daß Religionen in der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit den Mann über die Frau gestellt&lt;br /&gt;
haben. ‘Abdu’l-Bahá sagte: »Er«, d.h.&lt;br /&gt;
Bahäu’lläh, »verfügte die Ebenbürtig-&lt;br /&gt;
keit von Mann und Frau. Dies ist einzig&lt;br /&gt;
in den Lehren Bahä’u’llähs, denn alle an-&lt;br /&gt;
deren Religionen haben den Mann der&lt;br /&gt;
Frau übergeordnet.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also drei Grundsätze: Gleichheit vor&lt;br /&gt;
Gott, Frauen im Besitz größeren morali-&lt;br /&gt;
schen Mutes als Männer sowie die un-&lt;br /&gt;
tergeordnete Stellung der Frau in allen&lt;br /&gt;
Religionen. Diese drei Grundsätze sind&lt;br /&gt;
meiner Meinung nach die Grundlage,&lt;br /&gt;
nach der die Religionen hinsichtlich der&lt;br /&gt;
Behandlung der Frau durchleuchtet&lt;br /&gt;
werden müssen. Beispielsweise finden&lt;br /&gt;
wir zur Frage der Gleichheit vor Gott in&lt;br /&gt;
den entsprechenden Texten der großen&lt;br /&gt;
Religionen der Welt wunderbare Aussa-&lt;br /&gt;
gen, die diese geistige Einheit in den&lt;br /&gt;
Worten der Offenbarer ausdrücken.&lt;br /&gt;
Dort liegen diese Worte authentisch vor.&lt;br /&gt;
Diese Gleichheit wird im Qur’än, im&lt;br /&gt;
Neuen Testament, den Briefen an die&lt;br /&gt;
Galater sowie in anderen heiligen&lt;br /&gt;
Schriften gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Prinzip ist das des morali-&lt;br /&gt;
schen Mutes. Abdu’-Bahä sagte, daß&lt;br /&gt;
die Frau größeren moralischen Mut als&lt;br /&gt;
der Mann besitzt. Wenn wir die histori-&lt;br /&gt;
sche Religionsgeschichte betrachten,&lt;br /&gt;
sehen wir, daß Frauen in den Frühzeiten&lt;br /&gt;
jeder Religion eine außergewöhnliche&lt;br /&gt;
Rolle gespielt haben und ihr dadurch&lt;br /&gt;
Stärke, Überzeugungs- und Führungs-&lt;br /&gt;
kraft gaben. Betrachten Sie beispiels-&lt;br /&gt;
weise die Rolle der Maria Magdalena im&lt;br /&gt;
Christentum, die Rolle der Khadijih&lt;br /&gt;
durch ihre Unterstützung Muhammads&lt;br /&gt;
in den frühen Tagen Seiner Offenba-&lt;br /&gt;
rung, und Fätimihs Mut und Beistand&lt;br /&gt;
während der Verfolgung Muhammads.&lt;br /&gt;
Tähirih, Navväb und Bahiyyih Khä-&lt;br /&gt;
num in der Zeit Abdu’l-Bahás und des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüters, Bahiyyih Khänums mutige Un-&lt;br /&gt;
terstützung ‘Abdu’l-Bahás und des Hü-&lt;br /&gt;
ters, ihre Führungsübernahme während&lt;br /&gt;
einer Übergangsphase in den frühen&lt;br /&gt;
Tagen des Hütertums, Dies und andere&lt;br /&gt;
Beispiele in der Religionsgeschichte zei-&lt;br /&gt;
gen uns jenen moralischen Mut, von&lt;br /&gt;
dem ‘Abdu’l-Bahá spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zum dritten Prinzip mit der Aus-&lt;br /&gt;
sage, daß die Religion den Mann über&lt;br /&gt;
die Frau stellt. Ich glaube, hier müssen&lt;br /&gt;
wir unterscheiden zwischen sozialen&lt;br /&gt;
Prinzipien und geistigen Werten. Si-&lt;br /&gt;
cherlich sehen wir beim Betrachten der&lt;br /&gt;
verschiedenen Religionen dieser Welt,&lt;br /&gt;
daß es einen sozialen Unterschied zwi-&lt;br /&gt;
schen Mann und Frau wegen der beste-&lt;br /&gt;
henden sozialen Umstände und Sitten&lt;br /&gt;
der Umgebung gab. Die Männer waren&lt;br /&gt;
die Beschützer der Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistiger Wert des Mannes in&lt;br /&gt;
Beziehung zur Frau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch immer, die Hauptaussage liegt&lt;br /&gt;
nicht in den sozialen Prinzipien der ver-&lt;br /&gt;
schiedenen religiösen Lehren, sondern&lt;br /&gt;
eher im geistigen Wert des Mannes in&lt;br /&gt;
Beziehung zur Frau. Hier, so glaube ich,&lt;br /&gt;
liegt der Grund für die Unterjochung&lt;br /&gt;
der Frauen im Zusammenhang mit dem&lt;br /&gt;
Aufstieg des männlichen Priestertums&lt;br /&gt;
und einer Theologie, welche in jeder Re-&lt;br /&gt;
ligion von den Männern bestimmt&lt;br /&gt;
wurde. Dies ist die entscheidende Aus-&lt;br /&gt;
sage zur Behandlung der Frau in der Re-&lt;br /&gt;
ligion. Im Laufe der Zeit, mit der Zu-&lt;br /&gt;
nahme einer männlichen Priesterschaft&lt;br /&gt;
und der Entwicklung der Theologie,&lt;br /&gt;
tendierten die Religionen dazu, dem&lt;br /&gt;
Mann größeren Wert zuzuschreiben als&lt;br /&gt;
der Frau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Talmud finden wir zum Beispiel:&lt;br /&gt;
»Gesegnet seiest Du, mein Herr, daß Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 a.2.0., 5. 66&lt;br /&gt;
7 4.2.0. 5.22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mich nicht als Heide, als Idiot oder als&lt;br /&gt;
Frau erschaffen hast.« In den Briefen an&lt;br /&gt;
die Korinther des Neuen Testaments:&lt;br /&gt;
»Frauen sollten sich in der Kirche ruhig&lt;br /&gt;
verhalten, es ist ihnen nicht erlaubt zu&lt;br /&gt;
sprechen, doch sollen sie untergeordnet&lt;br /&gt;
sein, da sogar das Gesetz besagt: »Soll-&lt;br /&gt;
ten sie wissen wollen, so sollen sie ihren&lt;br /&gt;
Ehemann zu Hause fragen. Es ist eine&lt;br /&gt;
Schande für eine Frau, in der Kirche zu&lt;br /&gt;
sprechen.«« Die christlichen Theologen&lt;br /&gt;
verdammten die Frauen. Totilian verur-&lt;br /&gt;
teilte im 2. Jahrhundert die Frauen für&lt;br /&gt;
die Kreuzigung Jesu, weil die Frauen mit&lt;br /&gt;
ihrer Natur von Eva abstammen. Eva&lt;br /&gt;
verführte Adam und brachte ihn vom&lt;br /&gt;
hehren Sinn des Lebens ab. Daraus ent-&lt;br /&gt;
stand die Erbsünde. Als Folge der Erb-&lt;br /&gt;
sünde mußte Christus gekreuzigt wer-&lt;br /&gt;
den und für drei Tage in die Hölle hinab-&lt;br /&gt;
steigen. Deswegen beschuldigte Totilian&lt;br /&gt;
die Gesamtheit der Frauen der Kreuzi-&lt;br /&gt;
gung Christi. Totilian sagte: »Der Fluch&lt;br /&gt;
Gottes auf eurem Geschlechte lebt in&lt;br /&gt;
diesem Zeitalter, somit lebt auch die&lt;br /&gt;
Schuld. Ihr seid des Teufels Tor. Ihr seid&lt;br /&gt;
die, welche den überredet haben, für&lt;br /&gt;
dessen Angriff der Teufel selbst nicht&lt;br /&gt;
stark genug war.« usw. Einer der Kir-&lt;br /&gt;
chenräte im Jahre 585 sagte: »Sollte die&lt;br /&gt;
Frau eine Seele haben, muß sie minder-&lt;br /&gt;
wertiger sein als die des Mannes — so&lt;br /&gt;
wie die der Tiere.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgen des religiösen Fundamentalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im Islam vorfinden, als er mit&lt;br /&gt;
seiner Struktur und Theologie von den&lt;br /&gt;
ursprünglichen Lehren abwich, steht&lt;br /&gt;
nicht über dem Christentum. Im allge-&lt;br /&gt;
meinen haben zeitgenössische muslimi-&lt;br /&gt;
sche Theologen eine Ansicht von&lt;br /&gt;
Frauen formuliert, die auf drei Prinzi-&lt;br /&gt;
pien basiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens führen die biologischen Un-&lt;br /&gt;
terschiede, zum Beispiel die Menstrua-&lt;br /&gt;
tion, zur Ungleichheit der Frau gegen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über dem Mann. Zweitens sei der&lt;br /&gt;
männliche Sexualtrieb unkontrollier-&lt;br /&gt;
bar, weshalb Frauen im täglichen Leben&lt;br /&gt;
abgesondert werden müssen. Drittens&lt;br /&gt;
habe der Mann die Autorität im Heim&lt;br /&gt;
inne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir beim Wiederaufleben&lt;br /&gt;
des islamischen Fundamentalismus,&lt;br /&gt;
daß das heutige islamische Gesetz die&lt;br /&gt;
Frauen zunehmend diskriminiert —&lt;br /&gt;
nicht nur durch Absonderung, Schleier-&lt;br /&gt;
zwang, Einschränkung der Rechte auf&lt;br /&gt;
Bildung, sondern auch in der rechtli-&lt;br /&gt;
chen Struktur. Wenn zum Beispiel in&lt;br /&gt;
einem islamischen Land heute eine Frau&lt;br /&gt;
einen Mann der Vergewaltigung be-&lt;br /&gt;
schuldigt und sie dies nicht beweisen&lt;br /&gt;
kann, wird sie selbst des Ehebruchs be-&lt;br /&gt;
zichtigt. Ich las kürzlich eine Geschichte&lt;br /&gt;
von einer blinden, schwangeren Jugend-&lt;br /&gt;
lichen in einem islamischen Land, die zu&lt;br /&gt;
15 Schlägen und drei Jahren Gefängnis&lt;br /&gt;
verurteilt wurde, weil sie nicht fähig&lt;br /&gt;
war, den Beweis für ihre Vergewaltigung&lt;br /&gt;
zu erbringen. Aufgrund ihrer Blindheit&lt;br /&gt;
war sie nicht beweisfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die traditionelle Unterdrückung der&lt;br /&gt;
Frau, die Verweigerung ihrer Rechte lebt&lt;br /&gt;
bis zu einem gewissen Grad in der heuti-&lt;br /&gt;
gen Welt mit dem Aufstieg des Funda-&lt;br /&gt;
mentalismus im Christentum, Islam,&lt;br /&gt;
Hinduismus und in anderen Religionen&lt;br /&gt;
wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir einmal die heutige&lt;br /&gt;
Lage. Die letzten 100 Jahre sind aus&lt;br /&gt;
einer zweifachen Perspektive zu be-&lt;br /&gt;
trachten. Einerseits bemerkenswerte&lt;br /&gt;
Entwicklungen in Richtung Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit, andererseits noch immer Män-&lt;br /&gt;
gel, die der Bahäii-Gemeinde und den&lt;br /&gt;
Bahäi-Lehren Gelegenheit geben, eine&lt;br /&gt;
wichtige Rolle zu spielen. Es gab Bewe-&lt;br /&gt;
gungen in Richtung Gleichwertigkeit,&lt;br /&gt;
zum Beispiel in der Bildung, der Ent-&lt;br /&gt;
wicklung höherer Schulen für Frauen&lt;br /&gt;
im 19. und 20. Jahrhundert. Diese&lt;br /&gt;
haben der Gleichwertigkeit einen star-&lt;br /&gt;
ken Impuls verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=31}}Das Stimmrecht für Frauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bahä’u’lläh 1892 verschied, gab es&lt;br /&gt;
noch in keinem Land der Welt gleiches&lt;br /&gt;
Stimmrecht für Mann und Frau. In den&lt;br /&gt;
folgenden Jahren jedoch erhielten&lt;br /&gt;
Frauen eine Art Stimmrecht, anfangs in&lt;br /&gt;
Neuseeland im Jahre 1893, in Australien&lt;br /&gt;
1902, gefolgt von weiteren Ländern und&lt;br /&gt;
schließlich schrittweise in allen Län-&lt;br /&gt;
dern, in denen das Volk stimmberech-&lt;br /&gt;
tigt ist. Interessanterweise wurde in den&lt;br /&gt;
USA bereits 1848 auf einer Frauen-&lt;br /&gt;
rechtstagung eine Erklärung abgege-&lt;br /&gt;
ben, dienach dem heiligen Recht — dem&lt;br /&gt;
Wahlrecht für Frauen — verlangte. Das&lt;br /&gt;
geschah bereits 80 Jahre, bevor es dann&lt;br /&gt;
in Kraft trat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Arbeitsbereich wurden offen-&lt;br /&gt;
sichtlich große Schritte nach vorne ge-&lt;br /&gt;
macht, Frauen den Zugang zu Berufen&lt;br /&gt;
zu ermöglichen, die ihnen jetzt offenste-&lt;br /&gt;
hen. Doch besteht immer noch ein Wi-&lt;br /&gt;
derstand in den traditionellen Berufen&lt;br /&gt;
wie zum Beispiel der Medizin, Jura und&lt;br /&gt;
den Naturwissenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Status quo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wir nicht zu selbstzufrieden mit&lt;br /&gt;
dem Fortschritt in der Befreiung der&lt;br /&gt;
Frau in den letzten 100 Jahren werden,&lt;br /&gt;
sollten wir die Mängel, die heute noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bestehen, berücksichtigen. Zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel erkannte die UNO 1980, daß die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen — die Hälfte der Weltbevölke-&lt;br /&gt;
rung — zwei Drittel der Arbeit in dieser&lt;br /&gt;
Welt verrichten. Dafür beziehen sie ein&lt;br /&gt;
Zehntel des Welteinkommens und besit-&lt;br /&gt;
zen wiederum ein Hundertstel des Welt-&lt;br /&gt;
vermögens. Gleichzeitig sind zwei Drit-&lt;br /&gt;
tel der Analphabeten Frauen. Also be-&lt;br /&gt;
stehen offensichtlich noch große&lt;br /&gt;
Mängel. Kindermord an Mädchen gibt&lt;br /&gt;
es noch heute in China und Indien. Die&lt;br /&gt;
schändliche Verstümmelung weiblicher&lt;br /&gt;
Geschlechtsteile wird noch in vielen Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
genden dieser Welt praktiziert. Die Ver-&lt;br /&gt;
brennungen von Ehefrauen ist in Indien&lt;br /&gt;
nichts ungewöhnliches, wenn die Ehe-&lt;br /&gt;
frau zu wenig Mitgift mitbringt, und so&lt;br /&gt;
fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Aufkommen des Fundamentalis-&lt;br /&gt;
mus habe ich bereits erwähnt. Es gibt&lt;br /&gt;
viele solcher Entwicklungen. Die Inter-&lt;br /&gt;
nationale Bahä’i-Gemeinde in New York&lt;br /&gt;
führte 1984 eine Befragung von 70 Na-&lt;br /&gt;
tionalen Geistigen Räten durch. Sie&lt;br /&gt;
wurden nach ihrer Ansicht über den&lt;br /&gt;
Status der Frau in ihrem Land befragt.&lt;br /&gt;
Die Antworten dieser 70 Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Räte bezeugen, daß die tradi-&lt;br /&gt;
tionelle Minderwertigkeit der Frau in&lt;br /&gt;
fast allen Ländern existiert. Die männ-&lt;br /&gt;
liche Dominanz beim Treffen von Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen, Einschränkungen der Frei-&lt;br /&gt;
heit bezüglich des Reisens der Frauen,&lt;br /&gt;
die Machtüberlegenheitsstellung, das&lt;br /&gt;
Mißachten der Meinung der Frau in Dis-&lt;br /&gt;
kussionen. Es gibt noch immer maßge-&lt;br /&gt;
bende Barrieren bei der Beförderung am&lt;br /&gt;
Arbeitsplatz. Frauen besetzen in den&lt;br /&gt;
meisten Örganisationen öfters die&lt;br /&gt;
schlechter bezahlten und weniger ein-&lt;br /&gt;
flußreichen Positionen. Mit der Zu-&lt;br /&gt;
nahme der Lasterhaftigkeit in den zer-&lt;br /&gt;
fallenden Gesellschaften rund um den&lt;br /&gt;
Erdball wurde die Stellung der Frau weit&lt;br /&gt;
schwieriger. Die Zunahme der Porno-&lt;br /&gt;
graphie, die Verbindung von Pornogra-&lt;br /&gt;
phie und Gewalttätigkeit, der Gebrauch&lt;br /&gt;
von Sex-Inseraten, der Umstand, daß&lt;br /&gt;
Frauen Opfer von Kriminellen und Psy-&lt;br /&gt;
chopathen werden, die Angst vor Verge-&lt;br /&gt;
waltigung, der Zwang zur Prostitution&lt;br /&gt;
wegen Arbeitslosigkeit, die Frau als&lt;br /&gt;
Sündenbock für Arbeitslosigkeit, Ehe-&lt;br /&gt;
scheidung und Jugendkriminalität. All&lt;br /&gt;
dies sind Beispiele für die Mängel, die&lt;br /&gt;
heute noch bei der Behandlung der&lt;br /&gt;
Frauen existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=32}}Die Rolle der Frau in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu den Bahäi-Lehren kom-&lt;br /&gt;
men, wollen wir noch kurz die ge-&lt;br /&gt;
schichtliche Rolle der Frau in der Familie&lt;br /&gt;
betrachten. Bis jetzt haben fast alle&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaften den Mann&lt;br /&gt;
als Hausherrn definiert. Dies wurde wie&lt;br /&gt;
folgt praktiziert: die Frau muß dem&lt;br /&gt;
Mann gehorchen, der Mann trifft die&lt;br /&gt;
Entscheidungen und die Frau ist haupt-&lt;br /&gt;
sächlich auf das Heim beschränkt. Im&lt;br /&gt;
Christentum finden wir zum Beispiel im&lt;br /&gt;
Brief an die Epheser: »Ihr Frauen, ord-&lt;br /&gt;
net euch euren Männern unter wie dem&lt;br /&gt;
Herrn, denn der Mann ist das Haupt der&lt;br /&gt;
Frau, wie auch Christus das Haupt der&lt;br /&gt;
Kirche ist; Er hat sie gerettet, denn sie ist&lt;br /&gt;
Sein Leib. Wie aber die Kirche sich Chri-&lt;br /&gt;
stus unterordnet, sollen sich die Frauen&lt;br /&gt;
in allem den Männern unterordnen.«®&lt;br /&gt;
Wir finden ähnliche Ansätze in ande-&lt;br /&gt;
ren Gesellschaften der Welt. Die weib-&lt;br /&gt;
liche Reaktion auf diese männliche Do-&lt;br /&gt;
minanz im Heim war von zweierlei Art.&lt;br /&gt;
Eine ist die unterwürfige Einordnung bis&lt;br /&gt;
zum Mitmachen, das sogenannte&lt;br /&gt;
»weibliche Hilflosigkeits-Syndrom«,&lt;br /&gt;
von dem man von Zeit zu Zeit liest. Die&lt;br /&gt;
zweite Art zeigt sich in der unterdrück-&lt;br /&gt;
ten Reaktion durch Widerstreit, durch&lt;br /&gt;
den Versuch, das Ansehen des Vaters bei&lt;br /&gt;
den Kindern zu zerstören, durch Ver-&lt;br /&gt;
leumdung usw. All dies sind Reaktionen&lt;br /&gt;
auf die männliche Dominanz im Heim.&lt;br /&gt;
Eine der tragischen Erscheinungen in&lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft war die&lt;br /&gt;
Erzwingung männlicher Dominanz im&lt;br /&gt;
Heim mit Hilfe der körperlichen Kraft&lt;br /&gt;
und, im Extremfall, durch das Schlagen&lt;br /&gt;
der Frau. Die meisten menschlichen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaften scheinen mit dem Stigma&lt;br /&gt;
dieser Praktik befleckt zu sein, in der&lt;br /&gt;
Vergangenheit wie in der heutigen Zeit.&lt;br /&gt;
Das britische Gesetz des 19. Jahrhun-&lt;br /&gt;
derts berechtigte den Ehemann »seine&lt;br /&gt;
Ehefrau mit jedwedem vernünftigen Ge-&lt;br /&gt;
genstand zu züchtigen.« Später wurden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Gerichte beauftragt zu definieren,&lt;br /&gt;
was sie unter einem »vernünftigen Ge-&lt;br /&gt;
genstand« verstanden. Und sie definier-&lt;br /&gt;
ten ihn als eine Rute, die nicht dicker als&lt;br /&gt;
ein Männerdaumen sein sollte. Mit an-&lt;br /&gt;
deren Worten, ein Mann durfte seine&lt;br /&gt;
Frau züchtigen, vorausgesetzt, er be-&lt;br /&gt;
nutzte eine Rute, nicht dicker als sein&lt;br /&gt;
Daumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1871 entschieden Gerichte in den&lt;br /&gt;
USA, daß es an der Zeit sei, ein altes Pri-&lt;br /&gt;
vileg aufzuheben; dieses alte Privileg&lt;br /&gt;
war das Recht des Mannes, seine Frau&lt;br /&gt;
mit einem Stock zu schlagen, sie an den&lt;br /&gt;
Haaren zu ziehen, sie zu würgen, ihr ins&lt;br /&gt;
Gesicht zu spucken, sie zu treten oder&lt;br /&gt;
mit Beleidigungen zu strafen. Dies sind&lt;br /&gt;
Auszüge aus der Regelung des US-&lt;br /&gt;
Gesetzes im Jahre 1871. Sie besagten,&lt;br /&gt;
daß die Zeit für uns gekommen sei, diese&lt;br /&gt;
Art von Praktiken aufzuheben. Und wie&lt;br /&gt;
vielen von Ihnen bekannt sein wird, ist&lt;br /&gt;
das Schlagen von Frauen auch heutzu-&lt;br /&gt;
tage nichts unbekanntes. Letzthin habe&lt;br /&gt;
ich einen Bericht über einen Gerichtsfall&lt;br /&gt;
im Staate New York gelesen, in dem eine&lt;br /&gt;
Frau des Mordes an ihrem Ehemann&lt;br /&gt;
überführt wurde. In der Verhandlung&lt;br /&gt;
wurde bekannt, daß er sie die Treppe&lt;br /&gt;
hinuntergestoßen, unter der Dusche&lt;br /&gt;
verbrüht und sie mit Zigaretten ver-&lt;br /&gt;
brannt hatte. Nach jahrelangem Erdul-&lt;br /&gt;
den tötete sie ihn und verbüßt nun eine&lt;br /&gt;
15jährige bis lebenslängliche Haft-&lt;br /&gt;
strafe. Frauenmißhandlung ist also&lt;br /&gt;
noch heute ein Problem, genauso wie in&lt;br /&gt;
der Vergangenheit. Eine kürzlich er-&lt;br /&gt;
stellte soziologische Studie über das&lt;br /&gt;
Schlagen von Frauen kam zu folgendem&lt;br /&gt;
Schluß: »Volle geschlechtliche Gleich-&lt;br /&gt;
wertigkeit ist unumgänglich, um das&lt;br /&gt;
Schlagen von Frauen zu verhüten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenden wir uns nun nach diesem&lt;br /&gt;
Überblick dem Studium der Bahäi-&lt;br /&gt;
Lehren zu diesem so wichtigen und&lt;br /&gt;
ziemlich komplexen Thema zu. Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Eph. 5,22-24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=33}}Hüter sagt uns, daß die Stellung der&lt;br /&gt;
Frauen in den Bahäi-Lehren nicht allein&lt;br /&gt;
rechtlich festgelegt ist, sondern auch&lt;br /&gt;
geistig und erzieherisch wirkt. Wir kön-&lt;br /&gt;
nen diese Lehren unter verschiedenen&lt;br /&gt;
Kategorien betrachten. Erstens das&lt;br /&gt;
ihnen innewohnende Prinzip der&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit. Ich werde einige Ab-&lt;br /&gt;
schnitte zitieren, wobei die meisten aus&lt;br /&gt;
einer Textzusammenstellung über&lt;br /&gt;
Frauen stammen, die kürzlich vom Uni-&lt;br /&gt;
versalen Haus der Gerechtigkeit heraus-&lt;br /&gt;
gegeben und von der Forschungsabtei-&lt;br /&gt;
lung des Bahäi-Weltzentrums zusam-&lt;br /&gt;
mengestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens nun zum Prinzip der Gleich-&lt;br /&gt;
wertigkeit: Es gibt Aussagen von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, wo Er sagt: »An diesem Tag&lt;br /&gt;
hat die Hand göttlicher Gnade alle Un-&lt;br /&gt;
terschiede getilgt. Gottes Diener und&lt;br /&gt;
Seine Dienerinnen stehen auf derselben&lt;br /&gt;
Stufe.«? ‘Abdu’l-Bahá bezieht sich auf&lt;br /&gt;
Mann und Frau und sagt, »daß es vom&lt;br /&gt;
geistigen Standpunkt aus keinen Unter-&lt;br /&gt;
schied zwischen ihnen gibt.«10 Somit&lt;br /&gt;
sind die Aussagen in unseren religiösen&lt;br /&gt;
Schriften sehr klar und bringen deutlich&lt;br /&gt;
zum Ausdruck, daß aus geistiger Sicht&lt;br /&gt;
kein Unterschied zwischen Mann und&lt;br /&gt;
Frau besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andernorts bezieht sich Abdu’I-Bahä&lt;br /&gt;
auf die Menschenwelt, bestehend aus&lt;br /&gt;
zwei Hälften, der männlichen und der&lt;br /&gt;
weiblichen, und erklärt: »Eine ergänzt&lt;br /&gt;
die andere.«!! An manchen Stellen&lt;br /&gt;
rufen die Schriften Mann und Frau dazu&lt;br /&gt;
auf, sich nicht einer über den anderen zu&lt;br /&gt;
erheben. Andere Passagen enthalten die&lt;br /&gt;
Aussage, daß die Gesetze für Mann und&lt;br /&gt;
Frau gleichermaßen anzuwenden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens nun zu den Bahäi-Lehren&lt;br /&gt;
über Ehe und Familie. Hier finden wir&lt;br /&gt;
einen wichtigen und bedeutenden Un-&lt;br /&gt;
terschied zwischen den Bahä’i-Lehren&lt;br /&gt;
und der Praxis in menschlichen Gesell-&lt;br /&gt;
schaften weltweit, die Jahrhunderte und&lt;br /&gt;
vielleicht Jahrtausende währte. In unse-&lt;br /&gt;
rer Religion basiert die Beziehung in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehe und innerhalb der Familie auf&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit und Beratung ohne&lt;br /&gt;
Herrschaft des einen über den anderen.&lt;br /&gt;
Hierzu einige Passagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit schreibt: »Die Atmosphäre in einer&lt;br /&gt;
Bahä’i-Familie sollte ebenso wie in der&lt;br /&gt;
gesamten Gemeinde »den Grundton der&lt;br /&gt;
Sache Gottes: ausdrücken, der, wie der&lt;br /&gt;
Hüter erklärt hat, »nicht diktatorische&lt;br /&gt;
Gewalt, sondern demütige Freund-&lt;br /&gt;
schaft ist, nicht despotische Machtaus-&lt;br /&gt;
übung, sondern der Geist freier, liebe-&lt;br /&gt;
voller Beratung.««12 An einer anderen&lt;br /&gt;
Stelle bezieht sich das Universale Haus&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit auf das Treffen von&lt;br /&gt;
Entscheidungen zwischen Eheleuten. Es&lt;br /&gt;
heißt: »Beratung in der Familie, bei der&lt;br /&gt;
offen und frei gesprochen wird und die&lt;br /&gt;
beseelt ist von der Erkenntnis, daß Mä-&lt;br /&gt;
Bigung und Ausgewogenheit notwendig&lt;br /&gt;
sind, kann das Allheilmittel für häus-&lt;br /&gt;
liche Konflikte sein. Weder sollten&lt;br /&gt;
Frauen ihre Ehemänner beherrschen&lt;br /&gt;
wollen, noch Ehemänner ihre Frauen.«13&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist der Gegensatz dieser&lt;br /&gt;
Situation zur männlichen Dominanz&lt;br /&gt;
beim Treffen von Entscheidungen, wel-&lt;br /&gt;
che ein Charakteristikum der Ehe in der&lt;br /&gt;
Vergangenheit war. Was geschieht in&lt;br /&gt;
einer Ehe, wo Beratung zwischen den&lt;br /&gt;
Eheleuten stattfindet? Wie sollen Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen getroffen werden? Das&lt;br /&gt;
Universale Haus der Gerechtigkeit be-&lt;br /&gt;
merkt hierzu: »...sollte manchmal eine&lt;br /&gt;
Frau ihrem Mann und manchmal ein&lt;br /&gt;
Mann seiner Frau nachgeben, aber kei-&lt;br /&gt;
ner sollte jemals den anderen beherr-&lt;br /&gt;
schen.«14 An einer anderen Stelle er-&lt;br /&gt;
klärt das Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit genauer: »Unter welchen Um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Frauen, 5.9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 4.2.0., 5. 16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 a.a2.0., S.16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Einheit der Familie, S. 47, Bahá’í-Verlag 1983&lt;br /&gt;
13 Frauen, $. 53&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 2.2.0., 5.55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ständen man nachgeben sollte, muß&lt;br /&gt;
jedes Ehepaar selbst entscheiden.«15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu wenigstens einer Gelegenheit sah&lt;br /&gt;
das Universale Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit gegeben, sich zu Ge-&lt;br /&gt;
walt in der Familie und Gewalttätigkeit&lt;br /&gt;
gegenüber der Ehefrau zu äußern: »Ge-&lt;br /&gt;
walt in der Familie steht im Gegensatz&lt;br /&gt;
zum Geist des Glaubens und ist verab-&lt;br /&gt;
scheuungswürdig. Soll die Grundstruk-&lt;br /&gt;
tur unserer Gesellschaft bestehen blei-&lt;br /&gt;
ben, so müssen durchgreifende An-&lt;br /&gt;
strengungen unternommen werden,&lt;br /&gt;
falls nötig sogar medizinische, um&lt;br /&gt;
Aggression in der Familie, besonders&lt;br /&gt;
extreme Auswüchse wie das Schlagen&lt;br /&gt;
der Ehefrau und Kindesmißhandlung&lt;br /&gt;
durch die Eltern, Einhalt zu gebieten.«&lt;br /&gt;
In einem Abschnitt bezieht sich&lt;br /&gt;
Bahä’ullläh auf die Wichtigkeit, Tyran-&lt;br /&gt;
nei über die Frau durch den Mann zu&lt;br /&gt;
verhindern: »Die Freunde Gottes müs-&lt;br /&gt;
sen sich mit der Zier der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Unparteilichkeit, Güte und Liebe&lt;br /&gt;
schmücken. Wie sie sich selbst gegen&lt;br /&gt;
Grausamkeit und Übergriffe verwah-&lt;br /&gt;
ren, so ist es ihre Pflicht, derartige&lt;br /&gt;
Tyrannei von den Mägden Gottes fern-&lt;br /&gt;
zuhalten.«16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen tragen als erste Erzieherin des&lt;br /&gt;
Kindes die Hauptverantwortung, so wie&lt;br /&gt;
Männer erstverantwortlich für den Un-&lt;br /&gt;
terhalt der Familie sind. Falls das alles&lt;br /&gt;
wäre, was uns die Bahä’i-Lehren geben,&lt;br /&gt;
hätten wir eine sehr traditionelle Posi-&lt;br /&gt;
tion inne; Frauen zu Hause und Männer&lt;br /&gt;
als »Brotverdiener«. Aber das ist nicht&lt;br /&gt;
alles. In den Bahä’i-Schriften ist für Fle-&lt;br /&gt;
xibilität gesorgt, und es bestehen klare&lt;br /&gt;
Aussagen, daß der Platz der Frau nicht&lt;br /&gt;
auf das Heim beschränkt ist. Lassen Sie&lt;br /&gt;
mich einen Abschnitt des Unviersalen&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit lesen: »Dieses&lt;br /&gt;
Konzept (das Bahä’i-Familienkonzept)&lt;br /&gt;
beruht auf dem Grundsatz, daß der&lt;br /&gt;
Mann die Hauptverantwortung für den&lt;br /&gt;
Familienunterhalt trägt, die Frau aber&lt;br /&gt;
die wichtigste und erste Erzieherin der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder ist. Das heißt aber keinesfalls,&lt;br /&gt;
daß diese Aufgaben starr festgelegt sind&lt;br /&gt;
und nicht abgewandelt und den beson-&lt;br /&gt;
deren Familienverhältnissen angepaßt&lt;br /&gt;
werden könnten. Es heißt auch nicht,&lt;br /&gt;
daß der Wirkungskreis der Frau auf das&lt;br /&gt;
Haus beschränkt ist. Vielmehr sind&lt;br /&gt;
damit zwar Hauptverantwortlichkeiten&lt;br /&gt;
zugewiesen, aber es ist vorgesehen, daß&lt;br /&gt;
Väter eine maßgebliche Rolle bei der&lt;br /&gt;
Kindererziehung spielen und Frauen&lt;br /&gt;
auch den Familienunterhalt verdienen&lt;br /&gt;
können.«!7? Somit erlauben unsere Leh-&lt;br /&gt;
ren einen beträchtlichen Grad an Flexi-&lt;br /&gt;
bilität der Rollen — weit mehr als es in&lt;br /&gt;
der traditionellen Gesellschaft der Fall&lt;br /&gt;
ist. In den Bahä’i-Lehren entspringt die&lt;br /&gt;
gesellschaftliche Rolle der Frau der Tat-&lt;br /&gt;
sache, daß unsere Lehren für Jungen wie&lt;br /&gt;
Mädchen einen gleichen Lehrplan for-&lt;br /&gt;
dern. In den meisten westlichen Gesell-&lt;br /&gt;
schaften ist es Tradition, daß Jungen&lt;br /&gt;
sich in Naturwissenschaften bilden und&lt;br /&gt;
Mädchen im hauswirtschaftlichen oder&lt;br /&gt;
künstlerischen Bereich. Identische Lehr-&lt;br /&gt;
pläne bedeuten, daß Mädchen ebenfalls&lt;br /&gt;
Naturwissenschaften studieren und&lt;br /&gt;
Jungen ebenfalls eine hauswirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Ausbildung erhalten, was zu einer&lt;br /&gt;
besseren Befähigung und Vorbereitung&lt;br /&gt;
für die zukünftige Welt führen würde.&lt;br /&gt;
Die Schriften benennen spezielle Ge-&lt;br /&gt;
biete, wo Frauen eine bedeutende Rolle&lt;br /&gt;
spielen können. Abdu’l-Baha zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel spricht davon, daß die Frauen zu-&lt;br /&gt;
versichtlich und fähig die weite Arena&lt;br /&gt;
des Rechts und der Politik betreten. 18 Er&lt;br /&gt;
sagt, daß dies wichtig für die Beendi-&lt;br /&gt;
gung der Kriege sei. An einer anderen&lt;br /&gt;
Stelle sagt Abdu’l-Bahá: »Die Frau muß&lt;br /&gt;
ihre Kräfte und Fähigkeiten vor allem&lt;br /&gt;
den Wirtschafts- und Agrarwissen-&lt;br /&gt;
schaften widmen, um der Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 2.2.0., 5.56&lt;br /&gt;
16 2.2.0., 5.46&lt;br /&gt;
17 2.2.0., 5.57&lt;br /&gt;
18 vgl. Frauen, S. 69&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=35}}dort zu helfen, wo es am nötigsten&lt;br /&gt;
ist.«19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese und andere Abschnitte gewäh-&lt;br /&gt;
ren uns eine weitere Sicht der Rolle der&lt;br /&gt;
Frau außerhalb des Heims, in der Indu-&lt;br /&gt;
strie, der Landwirtschaft, Rechtspre-&lt;br /&gt;
chung, Politik und anderen Gebieten.&lt;br /&gt;
Und das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit bemerkt: »Im »Sendschreiben über&lt;br /&gt;
die Welt« hat Bahä’u’lläh selbst in Be-&lt;br /&gt;
tracht gezogen, daß sowohl Frauen als&lt;br /&gt;
auch Männer die Ernährer sein&lt;br /&gt;
können...«20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt noch weitere Abschnitte, die&lt;br /&gt;
in den Bahäi-Lehren die rechtmäßige&lt;br /&gt;
Rolle der Frau als Verdienerin anerken-&lt;br /&gt;
nen und Frauen dazu auffordern zu ent-&lt;br /&gt;
scheiden, wie sie diese neben der Verant-&lt;br /&gt;
wortung als Mutter am besten erfüllen&lt;br /&gt;
können. Das Universale Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit sagt: »Jede Frau muß nun,&lt;br /&gt;
wenn sie Mutter wird, entscheiden, wie&lt;br /&gt;
sie einerseits am besten ihrer Hauptver-&lt;br /&gt;
antwortung als Mutter nachkommen&lt;br /&gt;
und andererseits so weit wie irgend&lt;br /&gt;
möglich an anderen Aufgaben der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft, der sie angehört, teilnehmen&lt;br /&gt;
kann.«2!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So viel zu einigen Bahä’i-Lehren über&lt;br /&gt;
die Gleichwertigkeit von Mann und&lt;br /&gt;
Frau. Es gibt zwei weitere Lehren, dieich&lt;br /&gt;
erwähnen möchte. Unsere Lehren zur&lt;br /&gt;
sexuellen Moral liefern einen wunder-&lt;br /&gt;
baren Schutz für Frauen wie für Män-&lt;br /&gt;
ner, frei an den alltäglichen gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Aktivitäten außerhalb ihres&lt;br /&gt;
Heims teilnehmen zu können, sei es all-&lt;br /&gt;
gemein gesellschaftlich, geschäftlich,&lt;br /&gt;
beruflich, in der Schule oder anderswo,&lt;br /&gt;
ohne Probleme wie zum Beispiel se-&lt;br /&gt;
xuelle Belästigung, was ein beträcht-&lt;br /&gt;
liches Problem für viele Frauen in ihrer&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Aktivität geworden&lt;br /&gt;
ist. Unsere Lehren über Sexualmoral be-&lt;br /&gt;
freien Männer wie Frauen zugunsten&lt;br /&gt;
einer breiteren Zusammenarbeit in grö-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beren gesellschaftlichen Dimensionen.&lt;br /&gt;
Und wir sollten die Wichtigkeit des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bündnisses nicht vergessen, denn das&lt;br /&gt;
Bündnis ist in vielerlei Beziehungen ein&lt;br /&gt;
Schutz für Frauen. Durch die Unfehl-&lt;br /&gt;
barkeit des Universalen Hauses der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit wird der Glaube vor Korrup-&lt;br /&gt;
tion geschützt und die Gesetzgebung des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
wird den Geist der Gleichwertigkeit in&lt;br /&gt;
unseren Lehren authentisch zum Aus-&lt;br /&gt;
druck bringen. Eine weitere Dimension&lt;br /&gt;
des Bündnisses ist, daß es das Entstehen&lt;br /&gt;
eines Priestertums unmöglich macht.&lt;br /&gt;
Wir haben in der Vergangenheit gese-&lt;br /&gt;
hen, wie nachteilig sich das Priestertum&lt;br /&gt;
auf die Rechte der Frauen auswirkte.&lt;br /&gt;
Mehr noch, das Bündnis verhindert die&lt;br /&gt;
Entstehung von Glaubensinstitutionen,&lt;br /&gt;
die priesterliches Gebaren verfestigen&lt;br /&gt;
und dogmatische Stellungnahmen her-&lt;br /&gt;
ausgeben, die einer fehlbaren Sicht-&lt;br /&gt;
weise entstammen und Vorurteile gegen&lt;br /&gt;
Frauen beinhalten könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Engagement für den Frieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will jetzt konkreter auf die Frage&lt;br /&gt;
»Frau und Frieden« eingehen. Die Ge-&lt;br /&gt;
schichte des 19. und 20. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
zeigt, daß es eine bedeutende Verbin-&lt;br /&gt;
dung zwischen den Emanzipationsbe-&lt;br /&gt;
mühungen der Frauen, dem Bestreben,&lt;br /&gt;
das Wahlrecht zu erhalten, an gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Belangen teilzuhaben und&lt;br /&gt;
ihre Sorge um den Frieden gab. Ein Bei-&lt;br /&gt;
spiel: Vor über hundert Jahren fand in&lt;br /&gt;
Großstädten Europas und den Vereinig-&lt;br /&gt;
ten Staaten am 2. Juni 1873 das »Frie-&lt;br /&gt;
densfestival der Frauen« statt. Es ent-&lt;br /&gt;
stand durch eine Frauenorganisation,&lt;br /&gt;
die betroffen war über das hohe Maß&lt;br /&gt;
an Leiden im Französisch-Preußischen&lt;br /&gt;
Krieg. Sie bildeten eine Frauenorgani-&lt;br /&gt;
sation für das »Friedensfestival der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 Frauen, $, 82&lt;br /&gt;
20 Einheit der Familie, S. 51&lt;br /&gt;
2! Frauen, $. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’T-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen« zur Förderung des Friedens.&lt;br /&gt;
Dieses Festival forderte zu folgenden&lt;br /&gt;
Maßnahmen auf: 1. Die Abschaffung&lt;br /&gt;
des Krieges durch Abrüstung; 2. Die&lt;br /&gt;
Gründung eines Kongresses der Natio-&lt;br /&gt;
nen mit bindender internationaler&lt;br /&gt;
Rechtsprechung; 3. Die Abschaffung&lt;br /&gt;
des Verkaufs von Alkohol als Störfaktor&lt;br /&gt;
des Friedens; 4. Das Verbot des Waffen-&lt;br /&gt;
handels und Tragens tödlicher Waffen;&lt;br /&gt;
5. Die Abschaffung von Ungleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit aufgrund des Geschlechts, der&lt;br /&gt;
Hautfarbe oder Rasse und die Legitima-&lt;br /&gt;
tion der Rolle der Frau in ihrem Protest&lt;br /&gt;
gegen den Krieg, ihrem Angebot zur&lt;br /&gt;
Schlichtung sowie Vermittlung bei Mei-&lt;br /&gt;
nungsverschiedenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor mehr als hundert Jahren verlang-&lt;br /&gt;
ten Frauen und Frauenorganisationen in&lt;br /&gt;
Nordamerika und Europa von den in-&lt;br /&gt;
ternationalen Regierungen die allge-&lt;br /&gt;
meine Abrüstung aller Nationen der&lt;br /&gt;
Welt und eine verbindliche Rechtspre-&lt;br /&gt;
chung zur Bereinigung internationaler&lt;br /&gt;
Streitigkeiten. Dieses »Friedensfestival&lt;br /&gt;
der Frauen« zerfiel schnell in Gruppen&lt;br /&gt;
wegen der Uneinigkeit über die Militär-&lt;br /&gt;
politik gegenüber den amerikanischen&lt;br /&gt;
Indianern des 19. Jahrhunderts. Jedoch&lt;br /&gt;
führte dies zu einer Anzahl von Organi-&lt;br /&gt;
sationen, die heute noch bestehen wie&lt;br /&gt;
zum Beispiel die „Women&#039;s Peace Party«&lt;br /&gt;
mit Jane Adams, die „Women&#039;s Interna-&lt;br /&gt;
tional League for Peace and Freedom«&lt;br /&gt;
und die »Women&#039; Peace Session« von&lt;br /&gt;
1921. Gegen Ende des 2. Weltkriegs un-&lt;br /&gt;
terbreitete die »Internationale Frauen-&lt;br /&gt;
liga für Frieden und Freiheit« der 1919&lt;br /&gt;
abgehaltenen Friedenskonferenz Vor-&lt;br /&gt;
schläge. Sie reichten eine Reihe von An-&lt;br /&gt;
trägen für einen dauerhaften Frieden&lt;br /&gt;
ein. Diese wurden 1919 von der Frie-&lt;br /&gt;
denskonferenz abgelehnt. Ein Teilneh-&lt;br /&gt;
mer dieser Konferenz war ein Mann na-&lt;br /&gt;
mens Gunner Jan. 27 Jahre später, im&lt;br /&gt;
Jahre 1946, gehörte er dem Nobel-&lt;br /&gt;
Komitee in Skandinavien an, das Emily&lt;br /&gt;
Balk für ihre Arbeit in der »Internatio-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nalen Frauenliga für Frieden und Frei-&lt;br /&gt;
heit« den Friedensnobelpreis verlieh. Zu&lt;br /&gt;
eben dieser Zeit bemerkte er folgendes:&lt;br /&gt;
»So viel möchte ich sagen: Es wäre&lt;br /&gt;
höchst weise gewesen, wenn die Konfe-&lt;br /&gt;
renz 1919 die Vorschläge der »Interna-&lt;br /&gt;
tionalen Frauenliga für Frieden und&lt;br /&gt;
Freiheit: angenommen hätte. Doch nur&lt;br /&gt;
wenige Männer hörten dem zu, was die&lt;br /&gt;
Frauen zu sagen hatten. Die Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre war zu verbittert und voller&lt;br /&gt;
Rache. Dazu kam vor allem, daß die&lt;br /&gt;
Vorschläge von Frauen gemacht wur-&lt;br /&gt;
den. In einer patriarchalischen Welt&lt;br /&gt;
werden Vorschläge von Frauen selten er-&lt;br /&gt;
nstgenommen.« Hiermit möchte ich be-&lt;br /&gt;
tonen, daß Frauen im 19. und 20. Jahr-&lt;br /&gt;
hundert mit dem Streben nach Frieden&lt;br /&gt;
auf beachtliche Weise verbunden&lt;br /&gt;
waren. Nun, was können wir sagen über&lt;br /&gt;
die Auffassungsweise der Baha’i zum&lt;br /&gt;
Frieden und zur Allianz zwischen der&lt;br /&gt;
Gleichwertigkeit von Mann und Frau&lt;br /&gt;
und der Verwirklichung des Friedens?&lt;br /&gt;
Ich glaube, sie basiert auf drei Haupt-&lt;br /&gt;
prinzipien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft als organische Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste ist unser Prinzip der organi-&lt;br /&gt;
schen Einheit, und diese ist ein den mei-&lt;br /&gt;
sten Bahä’i bekanntes Konzept. Wir&lt;br /&gt;
glauben, daß die Form von Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, die wir durch die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verwaltungsordnung bilden wollen,&lt;br /&gt;
eine organische Einheit ist. Sie gleicht&lt;br /&gt;
einem Lebewesen, welches das Wohler-&lt;br /&gt;
gehen der einzelnen Elemente in sich&lt;br /&gt;
verbindet und widerum deren wechsel-&lt;br /&gt;
seitige Beziehung zum Wohle des Gan-&lt;br /&gt;
zen. Dies spielt eine bedeutende Rolle&lt;br /&gt;
bei der Frage der Gleichwertigkeit von&lt;br /&gt;
Mann und Frau. Da unsere Lehren zu-&lt;br /&gt;
erst darauf hinweisen, daß Frieden die&lt;br /&gt;
Einheit fordert, müssen wir Einheit er-&lt;br /&gt;
langen, um den Frieden zu erreichen.&lt;br /&gt;
Diese Einheit beinhaltet die Einheit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=37}}Menschheit. Ohne die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit haben wir keine grundle-&lt;br /&gt;
gende Einheit und somit keinen Frieden.&lt;br /&gt;
Die Gleichwertigkeit von Mann und&lt;br /&gt;
Frau hat grundlegende Bedeutung für&lt;br /&gt;
die Einheit der Menschheit. Es ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Frage der Beziehungen zwi-&lt;br /&gt;
schen Rassen oder gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Schichten, es ist ebenfalls eine Frage der&lt;br /&gt;
Beziehung zwischen Mann und Frau. In&lt;br /&gt;
diesem Sinne also ist die Gleichwertig-&lt;br /&gt;
keit der Geschlechter ein Grundelement&lt;br /&gt;
zur Bildung einer organischen Einheit&lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft mit all&lt;br /&gt;
den geistigen Kräften, die unsere Lehren&lt;br /&gt;
der organischen Einheit zusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Friedenserklärung sagt das&lt;br /&gt;
Universale Haus der Gerechtigkeit, daß&lt;br /&gt;
Ungleichwertigkeit im Menschen ge-&lt;br /&gt;
fährliche Haltungen hervorruft, die sich&lt;br /&gt;
auf die weitere Gesellschaft übertragen.&lt;br /&gt;
Dies wurde auch von ‘Abdu’-Bahä an&lt;br /&gt;
verschiedenen Stellen bemerkt, zum&lt;br /&gt;
Beispiel: »Solange den Frauen die höch-&lt;br /&gt;
sten Möglichkeiten verschlossen blei-&lt;br /&gt;
ben, werden die Männer außerstande&lt;br /&gt;
sein, die Größe zu erlangen, zu der sie&lt;br /&gt;
fähig wären.«?? Und bezüglich Män-&lt;br /&gt;
nern und Frauen (als zwei Hälften der&lt;br /&gt;
Menschheit) sagt Er: »...Ist eine davon&lt;br /&gt;
unterentwickelt, so hat zwangsläufig&lt;br /&gt;
auch die andere Mängel. Vollkommen-&lt;br /&gt;
heit kann so nicht erreicht werden... Er-&lt;br /&gt;
weist sich die eine als behindert, so wird&lt;br /&gt;
sich dieser Mangel natürlich auch auf&lt;br /&gt;
die andere auswirken...«23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ich diese Aussagen verstehe, wer-&lt;br /&gt;
den, sofern den Frauen die Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit verweigert wird, auch die Män-&lt;br /&gt;
ner daran gehindert, ihre bestmögliche&lt;br /&gt;
Entwicklung zu erreichen. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
sagt, daß die Männer daran gehindert&lt;br /&gt;
werden, die Größe zu erreichen, die&lt;br /&gt;
ihnen zustände. So sind die Männer in&lt;br /&gt;
dem Sinne abhängig von den Frauen,&lt;br /&gt;
daß sie sich selbst an der Verwirkli-&lt;br /&gt;
chung ihrer Möglichkeiten hindern,&lt;br /&gt;
falls der männliche Teil unserer Bevöl-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kerung den Frauen die Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
verwehrt. ‘Abdu’l-Bahá beschreibt die-&lt;br /&gt;
ses Potential als »die Größe..., zu der sie&lt;br /&gt;
fähig wären.«24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen bezieht sich Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä auf die wichtige Rolle der Mütter&lt;br /&gt;
bei der Verwirklichung des Friedens. Er&lt;br /&gt;
bezieht sich auf die Tatsache, daß Müt-&lt;br /&gt;
ter ihre Söhne nicht freiwillig in den&lt;br /&gt;
Krieg schicken, um niedergeschossen&lt;br /&gt;
und gnadenlos für irgendeine Sache ge-&lt;br /&gt;
tötet zu werden, weder für Gebietsan-&lt;br /&gt;
sprüche noch für anderes, nachdem sie&lt;br /&gt;
für ihre Söhne 20 oder mehr Jahre ge-&lt;br /&gt;
sorgt haben. Ich glaube, es gibt noch&lt;br /&gt;
weiterreichende Unterschiede, welche&lt;br /&gt;
über das Problem, die Söhne in den&lt;br /&gt;
Krieg zu schicken, hinausgehen. Mit der&lt;br /&gt;
Mutterschaft ist uneigennütziges Han-&lt;br /&gt;
deln bei der Pflege und Sorge um andere&lt;br /&gt;
verbunden. Es verlangt das Opfern der&lt;br /&gt;
eigenen Person für den heranwachsen-&lt;br /&gt;
den Embryo, das Nähren dieses neuen&lt;br /&gt;
Geschöpfes mit der eigenen Milch, dem&lt;br /&gt;
Erzeugnis des eigenen Körpers. So be-&lt;br /&gt;
wirkt der eigentliche Vorgang des »Mut-&lt;br /&gt;
terseins« Gefühle der Selbstlosigkeit,&lt;br /&gt;
stundenlangen Umsorgens und Näh-&lt;br /&gt;
rens, anstatt Gefühle der Dominanz und&lt;br /&gt;
Kontrolle. Um Frieden zu erlangen&lt;br /&gt;
braucht die Welt diesen ausgeprägteren&lt;br /&gt;
Sinn des Umsorgens, weniger den der&lt;br /&gt;
Dominanz. Dies mag ein weiteres Ele-&lt;br /&gt;
ment der Rolle sein, die Frauen beim Er-&lt;br /&gt;
reichen und Bewahren des Friedens spie-&lt;br /&gt;
len werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prinzip der Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte schließen, indem ich kurz ei-&lt;br /&gt;
nige Aspekte erwähne, die ich in den&lt;br /&gt;
Bahäii-Schriften als Anleitung zur Um-&lt;br /&gt;
setzung des Bahá’í-Prinzips der Gleich-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 2.2.0,., 5. 22&lt;br /&gt;
23 a.a.0., 5. 20&lt;br /&gt;
24 2.2.0. 5.22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 35&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wertigkeit der Geschlechter vorfinde.&lt;br /&gt;
Welche Richtlinien sollen wir anwen-&lt;br /&gt;
den, wovor sollen wir uns in acht neh-&lt;br /&gt;
men, was sollen wir vermeiden, was sol-&lt;br /&gt;
len wir tun, um die Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
von Mann und Frau zu verwirklichen?&lt;br /&gt;
Ich glaube, daß es hier fünf Grundsätze&lt;br /&gt;
gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens werden wir in unseren Schrif-&lt;br /&gt;
ten dazu aufgefordert, Gewalt und De-&lt;br /&gt;
monstrationen zu meiden. Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
sagt: »Demonstrationen von Macht,&lt;br /&gt;
wie derzeit in England, sind der Sache&lt;br /&gt;
der Frau und der Gleichheit weder ange-&lt;br /&gt;
messen noch zuträglich.«2° Unser Zu-&lt;br /&gt;
gang geht nicht über die Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Prinzip ist nach meiner&lt;br /&gt;
Auffassung die Einsicht, daß alle Verän-&lt;br /&gt;
derungen Bestandteil eines Entwick-&lt;br /&gt;
lungsprozesses sind. Wir wünschten, es&lt;br /&gt;
geschähe sofort, sozusagen über Nacht.&lt;br /&gt;
Doch Menschen funktionieren nicht auf&lt;br /&gt;
diese Weise. In einer Stellungnahme im&lt;br /&gt;
Auftrag des Universalen Hauses der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit heißt es: »Der Grundsatz der&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung zwischen Frau und&lt;br /&gt;
Mann kann wie die anderen Lehren des&lt;br /&gt;
Glaubens tatsächlich und allgemein&lt;br /&gt;
unter den Freunden verwirklicht wer-&lt;br /&gt;
den, wenn er in Verbindung mit all den&lt;br /&gt;
anderen Aspekten des Bahäi-Lebens&lt;br /&gt;
verfolgt wird. Wandel ist ein Entwick-&lt;br /&gt;
lungsprozeß, er erfordert Geduld mit&lt;br /&gt;
sich und anderen, liebevolle Erziehung&lt;br /&gt;
und das Vergehen von Zeit, während die&lt;br /&gt;
Gläubigen ihr Wissen über die Glau-&lt;br /&gt;
bensgrundsätze vertiefen, nach und&lt;br /&gt;
nach ihre eingewurzelten herkömm-&lt;br /&gt;
lichen Haltungen aufgeben und schritt-&lt;br /&gt;
weise ihr Leben nach den Einheit stiften-&lt;br /&gt;
den Lehren der Sache ausrichten.»26&lt;br /&gt;
Also: Geduld, allmähliche Entwick-&lt;br /&gt;
lung, liebevolle Erziehung, Zeit, Geduld&lt;br /&gt;
mit sich selbst und anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein drittes Prinzip ist die Vermeidung&lt;br /&gt;
von Streit zwischen Männern und&lt;br /&gt;
Frauen. Abdu’l-Bahá bezog sich auf&lt;br /&gt;
eine Frauenvereinigung, die iranische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 BAHÄ’-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäi-Frauen zur Förderung des Wis-&lt;br /&gt;
sens gründeten. Dieser Vereinigung gab&lt;br /&gt;
Er den Rat: »Sie sollte so arbeiten, daß&lt;br /&gt;
Meinungsverschiedenheiten nach und&lt;br /&gt;
nach gänzlich verschwinden und sie&lt;br /&gt;
nicht — was Gott verhüte — zu einem&lt;br /&gt;
Streitgespräch zwischen Männern und&lt;br /&gt;
Frauen führen... Kurz, beschäftigt euch&lt;br /&gt;
jetzt nur mit rein geistigen Themen und&lt;br /&gt;
streitet nicht mit den Männern.«?7 Ich&lt;br /&gt;
glaube, wir haben in der gesamten Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft die Nutzlosigkeit und Frucht-&lt;br /&gt;
losigkeit der Polarisierung des Wieder-&lt;br /&gt;
streits zwischen Mann und Frau gese-&lt;br /&gt;
hen, und wir werden in unseren Lehren&lt;br /&gt;
angewiesen, dies zu vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Schriften sagen uns, daß eine&lt;br /&gt;
große Verantwortung auf den Männern&lt;br /&gt;
lastet, nämlich die Frauen zu ermutigen&lt;br /&gt;
und die männliche Anmaßung der&lt;br /&gt;
Überlegenheit auszurotten. Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä sagt: »...die angemaßte Überlegen-&lt;br /&gt;
heit des Mannes wird den Ehrgeiz der&lt;br /&gt;
Frau weiter dämpfen, als sei es für sie&lt;br /&gt;
von Natur her unmöglich, Gleichbe-&lt;br /&gt;
rechtigung zu erlangen. Das Streben der&lt;br /&gt;
Frau nach Fortschritt wird dadurch auf-&lt;br /&gt;
gehalten und allmählich wird sie die&lt;br /&gt;
Hoffnung verlieren. Wir müssen dage-&lt;br /&gt;
gen erklären, daß ihr Vermögen dem&lt;br /&gt;
Manne ebenbürtig, ja überlegen ist.&lt;br /&gt;
Dies wird ihre Hoffnung und ihren Ehr-&lt;br /&gt;
geiz beflügeln...«28 Ich verstehe diese&lt;br /&gt;
Aussage so: Die Männer tragen eine&lt;br /&gt;
große Verantwortung, die Frauen auf&lt;br /&gt;
allen Gebieten der Entwicklung und des&lt;br /&gt;
Fortschritts aufrichtig, wahrhaftig und&lt;br /&gt;
konstruktiv zu ermutigen und das zu be-&lt;br /&gt;
seitigen, was ‘Abdu’l-Baha als anma-&lt;br /&gt;
ßende Überlegenheit der Männer be-&lt;br /&gt;
schreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Prinzip betont, wie wichtig&lt;br /&gt;
es ist, daß Frauen selbst sich bemühen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 a.2.0., 5. 82&lt;br /&gt;
26 2.2.0., 5.90&lt;br /&gt;
27 2.a0., 5. 14f&lt;br /&gt;
28 a.2.0., 5. 80&lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=39}}ihre persönliche Entwicklung und Ver-&lt;br /&gt;
vollkommnung anzustreben. &#039;Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä sagt: »Die Frau muß sich daher um&lt;br /&gt;
größere Vervollkommnung bemühen,&lt;br /&gt;
um dem Mann in jeder Beziehung eben-&lt;br /&gt;
bürtig zu werden und in allem, worin sie&lt;br /&gt;
zurückgeblieben war, voranzuschrei-&lt;br /&gt;
ten, so daß der Mann gezwungen wird,&lt;br /&gt;
ihre gleichen Fähigkeiten und Leistun-&lt;br /&gt;
gen anzuerkennen.«2°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, daß diesen fünf Prinzi-&lt;br /&gt;
pien eine den Bahäfi eigene konstruktive&lt;br /&gt;
Vorgehensweise zugrunde liegt, um die-&lt;br /&gt;
sen Grundsatz der Gleichwertigkeit von&lt;br /&gt;
Mann und Frau in die Tat umzusetzen,&lt;br /&gt;
was widerum der Bahä’i-Gemeinde zu&lt;br /&gt;
großem Ansehen in der Welt verhelfen&lt;br /&gt;
kann...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 2.2.0.,5.83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 37&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo: Die inneren Grenzen der Menschheit — Ketzerische Überlegungen zur&lt;br /&gt;
gegenwärtigen Ethik, Kultur und Politik, mit einem Essay von Aurelio Peccei,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horizonte-Verlag, Rosenheim 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als vor fast 16 Jahren der Club of&lt;br /&gt;
Rome, dessen Mitbegründer Ervin&lt;br /&gt;
Laszlo ist, das aufrüttelnde Buch über&lt;br /&gt;
»Die Grenzen des Wachstums« heraus-&lt;br /&gt;
brachte, wurde dadurch der blinde&lt;br /&gt;
Fortschritts- und Wachstumswahn der&lt;br /&gt;
Menschheit zerstört. Viele glaubten an&lt;br /&gt;
eine baldige Wende der Verhaltenswei-&lt;br /&gt;
sen der Menschen, nachdem die äuße-&lt;br /&gt;
ren Grenzen der Belastbarkeit unseres&lt;br /&gt;
Planeten aufgezeigt worden waren. Es&lt;br /&gt;
wuchs die Hoffnung, daß nun Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler, Wirtschaftler, Technologen,&lt;br /&gt;
Ökologen und Politiker unverzüglich&lt;br /&gt;
nach Wegen suchen würden, um die&lt;br /&gt;
Bevölkerungs-, Rohstoff-, Energie-,&lt;br /&gt;
Wirtschafts-, Armuts-, Abrüstungs-&lt;br /&gt;
und Umweltprobleme menschheitsbe-&lt;br /&gt;
wußt zu lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Ervin Laszlo, Autor und&lt;br /&gt;
Herausgeber von mehr als 40 Werken,&lt;br /&gt;
Direktor des Institute for Training and&lt;br /&gt;
Research, der »Denkfabrik« der UNO,&lt;br /&gt;
zeigt in seinem neuen Buch, warum&lt;br /&gt;
diese Hoffnung so bitter enttäuscht&lt;br /&gt;
wurde. Seit der ersten Veröffentlichung&lt;br /&gt;
des Club of Rome über »Die Grenzen&lt;br /&gt;
des Wachstums« hat die Menschheit um&lt;br /&gt;
mehr als eine Milliarde Menschen zuge-&lt;br /&gt;
nommen. Heute haben wir das Wissen&lt;br /&gt;
und die Macht, die immer noch zuneh-&lt;br /&gt;
menden Probleme zu lösen. Viele Men-&lt;br /&gt;
schen haben inzwischen auch begriffen,&lt;br /&gt;
daß etwas Umwälzendes geschehen&lt;br /&gt;
muß. Doch fast alle Staaten zeigten sich&lt;br /&gt;
festgenagelt in einem hoffnungslos ver-&lt;br /&gt;
alteten Weltbild und Denken. Sie starr-&lt;br /&gt;
ten auf punktuelle, nationale Technolo-&lt;br /&gt;
giekonzepte, mit denen die Krisen allen-&lt;br /&gt;
falls gemildert, aber niemals wirklich&lt;br /&gt;
überwunden werden können. Die natio-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nalen Regierungen haben weltpolitisch&lt;br /&gt;
durchweg versagt. Ein globales, ver-&lt;br /&gt;
netztes und umweltbewußtes Denken&lt;br /&gt;
beherrschen sie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das Verdienst des globalen Den-&lt;br /&gt;
kers Ervin Laszlo, schonungslos aufge-&lt;br /&gt;
zeigt zu haben, warum es nicht genügt,&lt;br /&gt;
schadenbegrenzende Umwelt-, Ent-&lt;br /&gt;
wicklungs-,  Wirtschaftsförderungs-&lt;br /&gt;
und Abrüstungsprogramme mit Hilfe&lt;br /&gt;
auch letzter Errungenschaften der Wis-&lt;br /&gt;
senschaft und Technik durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zeigt in seinem Buch, daß weder&lt;br /&gt;
die Zielsetzungen, Gesellschafts- und&lt;br /&gt;
Wirtschaftssysteme der entwickelten li-&lt;br /&gt;
beralen westlichen Industrienationen&lt;br /&gt;
noch die der fortgeschrittenen sozialisti-&lt;br /&gt;
schen Staaten des Östblocks in ihrer ge-&lt;br /&gt;
genwärtigen Praxis sinnvolle Zukunfts-&lt;br /&gt;
modelle anbieten können. Ihre geistigen&lt;br /&gt;
Grundlagen haben ihre Wurzeln in der&lt;br /&gt;
Welt vor 100 Jahren. Mit einer einfa-&lt;br /&gt;
chen Reformation dieser Ideologien&lt;br /&gt;
werden sie noch lange nicht funktions-&lt;br /&gt;
tüchtig. Sie haben sogar im Gegensatz&lt;br /&gt;
zu den verkündeten guten Absichten die&lt;br /&gt;
inneren Grenzen verhärtet und eine&lt;br /&gt;
weltumfassende Partnerschaft der Völ-&lt;br /&gt;
ker blockiert. Auch bei der UNO ist die&lt;br /&gt;
tiefe Spaltung zwischen globaler Theo-&lt;br /&gt;
rie und der nationalistischen Praxis der&lt;br /&gt;
Mitgliedsstaaten eine solche innere&lt;br /&gt;
Grenze. Die einzelnen Regierungen hal-&lt;br /&gt;
ten sich für souverän, und die Nationen&lt;br /&gt;
werden gelenkt wie große Betriebe, in&lt;br /&gt;
denen der eigene Vorteil das höchste Ziel&lt;br /&gt;
ist. Sie treiben immer noch Nullsum-&lt;br /&gt;
menspiele, bei denen einer nur gewin-&lt;br /&gt;
nen kann, wenn der andere gleichzeitig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verliert. Selbst die politischen Blöcke —&lt;br /&gt;
USA, EG und RGW — treiben dieses&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=41}}Spiel gegeneinander und gegenüber an-&lt;br /&gt;
deren. Wo es nicht ausufert, nennt man&lt;br /&gt;
esschmeichelhaft Koexistenz. Doch die-&lt;br /&gt;
ser Zustand muß durch die Interexistenz&lt;br /&gt;
einer weltweit zusammenarbeitenden&lt;br /&gt;
Gesellschaft abgelöst werden, wo es nur&lt;br /&gt;
noch Positiv-Summen-Spiele geben&lt;br /&gt;
darf. Die beteiligten Nationen haben&lt;br /&gt;
sich dabei so zu verhalten wie die cha-&lt;br /&gt;
rakterlich guten Mitglieder einer gesun-&lt;br /&gt;
den Familie: Es können nur alle ge-&lt;br /&gt;
winnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die »geistige Umweltverschmut-&lt;br /&gt;
zung« ist erheblich schlimmer als die&lt;br /&gt;
materielle. Sie ist nämlich die Ursache&lt;br /&gt;
der Ökokatastrophen und der wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen und politischen Fehlent-&lt;br /&gt;
scheidungen. In der Politik, bei den Me-&lt;br /&gt;
dien und im Alltag herrschen heute die&lt;br /&gt;
Negativdenker. Für positive lebens-&lt;br /&gt;
wichtige Visionen muß man sich fast&lt;br /&gt;
entschuldigen. Überall herrschen die&lt;br /&gt;
psychischen, kulturellen und politi-&lt;br /&gt;
schen Denkgrenzen. Dadurch wird der&lt;br /&gt;
notwendige Schritt zu einer integrativen&lt;br /&gt;
Weltgesellschaft verhindert. Die Ein-&lt;br /&gt;
stellungen, Lebensziele und Verhaltens-&lt;br /&gt;
weisen der Einzelmenschen und der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft haben mit der technologi-&lt;br /&gt;
schen Entwicklung nicht Schritt&lt;br /&gt;
gehalten. Sie klaffen weit auseinander.&lt;br /&gt;
Es ist deshalb ein großer Entwicklungs-&lt;br /&gt;
schritt nötig zu einer positiven neuen&lt;br /&gt;
Lebenseinstellung, zu neuen zeitgemä-&lt;br /&gt;
Ben Wert- und Glaubensvorstellungen&lt;br /&gt;
und zu einem Bewußtsein von der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit (»Weltidentität«) in&lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mit Ideen und Lösungsvorschlä-&lt;br /&gt;
gen vollgepackte Buch läßt sich kaum&lt;br /&gt;
inhaltlich zusammenfassen. Es ist, so&lt;br /&gt;
hat es Aurelio Peccei, der Initiator des&lt;br /&gt;
Club of Rome, in seinem Essay ausge-&lt;br /&gt;
drückt, »ein hilfreiches Buch zur rechten&lt;br /&gt;
Zeit«. Wer auch immer es liest und wem&lt;br /&gt;
es mit dem Bekenntnis zu einem Welt-&lt;br /&gt;
frieden in einer einigen Menschheit und&lt;br /&gt;
einer gesunden Umwelt ernst ist, wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieses Urteil bestätigen. Ervin Laszlo&lt;br /&gt;
hat zum Thema Frieden überhaupt Ent-&lt;br /&gt;
scheidendes zu sagen. Er ist Herausge-&lt;br /&gt;
ber der ersten »World Encyclopedia of&lt;br /&gt;
Peace«, d.h. der ersten »Welt-Enzyklo-&lt;br /&gt;
pädie des Friedens«. Die Essenz seines&lt;br /&gt;
jahrzehntelangen Forschens steckt in&lt;br /&gt;
dem hier vorgestellten kleinen Buch&lt;br /&gt;
über »Die inneren Grenzen der Mensch-&lt;br /&gt;
heit«. Man sollte dieses wegweisende&lt;br /&gt;
Buch als Pflichtlektüre in allen Schulen&lt;br /&gt;
einführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Bahäii erkennt bei der Lektüre&lt;br /&gt;
des Buches sofort, daß in dem Buch&lt;br /&gt;
viele Gedanken des Weltmodells von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh zu finden sind. Ervin Laszlo&lt;br /&gt;
scheute sich nicht, zu der im gleichen&lt;br /&gt;
Verlag erschienenen Fassung der Frie-&lt;br /&gt;
densbotschaft des Universalen Hauses&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit eine äußerst respekt-&lt;br /&gt;
volle Einleitung zu schreiben. Seine&lt;br /&gt;
Mahnung sollte auch von anderen füh-&lt;br /&gt;
renden Wissenschaftlern aufgenommen&lt;br /&gt;
werden: »Alle Menschen guten Willens&lt;br /&gt;
sollten dem Ruf dieser Botschaft nach&lt;br /&gt;
Weltfrieden Beachtung schenken und&lt;br /&gt;
im Licht ihrer eigenen Beobachtungen,&lt;br /&gt;
Traditionen und den aufkommenden&lt;br /&gt;
Theorien der empirischen Wissenschaf-&lt;br /&gt;
ten über ihre tiefere Bedeutung nach-&lt;br /&gt;
denken«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 55jährige Ervin Laszlo lebt auch&lt;br /&gt;
persönlich vor, was er unter »Weltiden-&lt;br /&gt;
tität« versteht. Der gebürtige Ungar ist&lt;br /&gt;
heute US-Staatsbürger, heiratete in&lt;br /&gt;
Paris eine Finnin schwedischer Abstam-&lt;br /&gt;
mung und wohnt in der Nähe von Pisa&lt;br /&gt;
in Italien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wichtig Ervin Laszlo Forschen&lt;br /&gt;
und Denken ist, zeigt sich auch in der&lt;br /&gt;
Tatsache, daß sein philosophisches&lt;br /&gt;
Werk »Neue Vorlesungen über System-&lt;br /&gt;
philosophie« in China mit einer Auflage&lt;br /&gt;
von einer Million erschienen ist. Die Sy-&lt;br /&gt;
stemtheorie wird dort nun neben dem&lt;br /&gt;
Marxismus-Leninismus als zweite offi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zielle Forschungsrichtung zugelassen.&lt;br /&gt;
Adolf Kärcher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988 39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_56.pdf|page=42}}Inhaltsübersicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä&#039;t-Briefe 53 —56, Band 2 der Neuen Folge&lt;br /&gt;
16. Jahrgang 1987 bis 17. Jahrgang 1988&lt;br /&gt;
Heft Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun., Die Lotosblüte von Bahapur 53/54 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Gerlitz, Die Religionen und der Friede 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh, Der Wille zum Frieden 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uta von Both, Entwicklungsprojekte der 18&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltgemeinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo, Die Menschheit wird mündig 34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helen Grigor, Die Anis-Zunuzi-Schule in Haiti 41&lt;br /&gt;
— eine Tür zur Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massoud Berdjis, Abdu’/l-Baha — ein Leben für 55 3&lt;br /&gt;
den Weltfrieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Mahmiüds Tagebuch, Abdu’l-Bahá in 7&lt;br /&gt;
Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den Erinnerungen von Alice Schwarz, 27&lt;br /&gt;
»Dies ist ein gesegneter Tag«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adolf Kärcher, Konfliktlösung durch Beratung 56 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hossain Danesh, Konfliktfreie Konfliktlösung 9&lt;br /&gt;
—- Konzepte und Methoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Völkerverständigungsfest Bad Mergentheim: 20&lt;br /&gt;
»Weltfrieden im Kleinen«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Khan, Frauen — Gleichwertigkeit und Frieden 24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besprechungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad Labib: The Seven Martyrs 53/54 48&lt;br /&gt;
of Hurmuzak (Stephan Pernau)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo: Die inneren Grenzen der Menschheit 56 38&lt;br /&gt;
(Adolf Kärcher)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40 BAHÄTI-BRIEFE 56 DEZEMBER 1988&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_55/Text&amp;diff=75354</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 55/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:12:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘ABDU’L-BAHÄ IN DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonderausgabe der Bahä’i-Briefe zur&lt;br /&gt;
75-Jahrfeier Seines Besuches&lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=2}}Die Bahá’í-Briefe wollen eine intensive Auseinandersetzung mit den Lehren&lt;br /&gt;
und der Geschichte der Baha&#039;i-Religion fördern und auf der Grundlage zeitge-&lt;br /&gt;
mäßen Denkens zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAI-BRIFFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 55, April 1988&lt;br /&gt;
17. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massoud Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdu’l-Bahá — ein Leben für den Weltfrieden 3&lt;br /&gt;
Aus Mahmüds Tagebuch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdu/l-Bahä in Deutschland 7&lt;br /&gt;
Zeittafel zum Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Deutschland 9&lt;br /&gt;
Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás 18&lt;br /&gt;
Aus den Erinnerungen von Alice Schwarz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dies ist ein gesegneter Tag!« 27&lt;br /&gt;
Abschiedsworte Abdu’l-Bahás 37&lt;br /&gt;
&#039;Abdu/l-Bahäs letztes Sendschreiben 38&lt;br /&gt;
Gebet &#039;Abdu’l-Bahás 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in Deutschland e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Bernd Herbon, Fari-&lt;br /&gt;
deh Motamed, Hans Günther Randau, Karl Türke jun. Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahá’í-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Nament-&lt;br /&gt;
lich gezeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar. Die Bahá’í-Briefe erscheinen halbjährlich. Abon-&lt;br /&gt;
nementpreis für vier Ausgaben 20,— DM. Einzelpreis 6,— DM. Vertrieb und&lt;br /&gt;
Bestellungen: Bahäi-Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahäi-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild: Duplikat der Plakette des Gedenksteins in Bad Mergentheim, das&lt;br /&gt;
den Sitzungsraum des Nationalen Geistigen Rates schmückt. Der Gedenk-&lt;br /&gt;
stein wurde im Dritten Reich entfernt und ist seither verschollen.&lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=3}}Der Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Deutschland ist in mancher Hinsicht hi-&lt;br /&gt;
storisch und von tiefgehender Bedeutung. Historisch vor allem des-&lt;br /&gt;
halb, weil noch nie der testamentarisch bestimmte Nachfolger (hier der&lt;br /&gt;
älteste Sohn) eines Religionsstifters nach Deutschland gekommen war,&lt;br /&gt;
um die Gemeinden des neuen Glaubens persönlich zu besuchen. Diese&lt;br /&gt;
Begegnung war jedoch, wie Abdu’l-Bahá selbst sagte, nicht nur äußer-&lt;br /&gt;
lich, sondern vielmehr geistig. Abdu’l-Bahá lobte den geistigen Adel&lt;br /&gt;
der Deutschen, deren Land im Herzen Europas so oft von Lawinen des&lt;br /&gt;
Leides überrollt worden ist. Mit Seiner unendlichen Liebe und Weisheit&lt;br /&gt;
beeindruckte, lehrte und führte Er die Seelen Seiner Freunde und ver-&lt;br /&gt;
lieh der Entwicklung des Bahä’t-Glaubens in Deutschland einen kraft-&lt;br /&gt;
vollen Impuls. So nimmt es nicht wunder, daß hier 1923 der erste Na-&lt;br /&gt;
tionale Geistige Rat der Bahá’í auf dem europäischen Kontinent gebil-&lt;br /&gt;
det wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am1. Mai 1913, beim Abschied von Seinen Freunden, unter denen&lt;br /&gt;
Er enge Bande zwischen Ost und West geknüpft hatte, sprach Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä über heftige Trübsale, die durch Standhaftigkeit und Ausdauer&lt;br /&gt;
überwunden werden können. In den Jahren zweier Weltkriege, des&lt;br /&gt;
Verbots des Bahäa&#039;i-Glaubens und der Verfolgungen im Dritten Reich&lt;br /&gt;
erinnerten sich die Bahäji oft der Worte Abdu’l-Bahás.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind es 75 Jahre her, daß Abdul-Bahä in den Westen kam und&lt;br /&gt;
Deutschland besuchte, um auch bei uns am Fundament für die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit mitzuarbeiten. In tiefer Dankbarkeit blickt die deut-&lt;br /&gt;
sche Bahä’i-Gemeinde heute auf das, was in diesem Dreivierteljahrhun-&lt;br /&gt;
dert gewachsen ist: eine geistig starke Gemeinde, die sich mit Hingabe&lt;br /&gt;
für das einsetzt, wozu Abdu’l-Bahá die Menschen überall aufgerufen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat — für die Einheit der Menschheit und den Weltfrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 1&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=5}}&#039;Abdu’l-Baháa — ein Leben für den Weltfrieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Massoud Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geburt Abdu/l-Bahäs fiel in einen&lt;br /&gt;
Zeitabschnitt der Weltgeschichte, der&lt;br /&gt;
wie kaum ein anderer ein Wendepunkt&lt;br /&gt;
war für die ganze Menschheit. Der briti-&lt;br /&gt;
sche Gelehrte Sir Lawrence Bragg zeigte&lt;br /&gt;
einmal bei einem Vortrag in der Carne-&lt;br /&gt;
gie Hall in New York eine graphische&lt;br /&gt;
Darstellung der wissenschaftlichen Er-&lt;br /&gt;
rungenschaften der Menschheit. Darauf&lt;br /&gt;
verlief die Entwicklung bis ca. 1844 fast&lt;br /&gt;
horizontal, stieg dann aber steil an.&lt;br /&gt;
Diese Erkenntnis bezog sich auf die Zi-&lt;br /&gt;
vilisation. Weit geschichtsträchtiger für&lt;br /&gt;
die Weltkultur aber ist, daß ‘Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä am 23. Mai 1844 geboren wurde —&lt;br /&gt;
am selben Tag, an dem Ali-Muham-&lt;br /&gt;
mad, heute bekannt als der Báb, in&lt;br /&gt;
Shiräz, Iran, verkündete, Er sei berufen,&lt;br /&gt;
eine neue religiöse Offenbarung einzu-&lt;br /&gt;
leiten und den Weg für eine weltumfas-&lt;br /&gt;
sende Religion, die Bahäi-Religion, zu&lt;br /&gt;
bereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdull-Baha war der älteste Sohn&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, des Begründers der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion, auf die der Bab hingewiesen&lt;br /&gt;
hatte. Sein eigentlicher Name ist ‘Abbäs.&lt;br /&gt;
Abdu/l-Baha ist Sein Titel und bedeutet&lt;br /&gt;
»Diener Bahäs«, womit zum Ausdruck&lt;br /&gt;
kommt, daß Er Sein ganzes Dasein dem&lt;br /&gt;
Dienst an Bahä’u’lläh und dessen Reli-&lt;br /&gt;
gion der Einheit gewidmet hat. Seine Fa-&lt;br /&gt;
milie entstammte dem persischen Hoch-&lt;br /&gt;
adel; sie besaß hohe Ämter und große&lt;br /&gt;
Ländereien. Seine frühe Kindheit ver-&lt;br /&gt;
brachte Er in Luxus und Reichtum. Als&lt;br /&gt;
Sein Vater sich aber dem Báb zuwandte&lt;br /&gt;
und dafür in den schlimmsten Kerker&lt;br /&gt;
von Tihrän geworfen wurde, verlor die&lt;br /&gt;
Familie alles. Sie wurde so arm, daß oft&lt;br /&gt;
das Abendessen der Kinder aus etwas&lt;br /&gt;
Mehl in der hohlen Hand bestand.&lt;br /&gt;
&#039;Abdu/l-Bahä war erst sechs Jahre alt, als&lt;br /&gt;
der Báb in Tabriz den Märtyrertod er-&lt;br /&gt;
litt, und nur acht Jahre, als Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verbannt wurde. Im tiefsten Winter be-&lt;br /&gt;
gleitete Er Seinen Vater und die Familie&lt;br /&gt;
über die schneebedeckten Berge West-&lt;br /&gt;
persiens ins Exil nach Baghdäd. Damit&lt;br /&gt;
begann für Abdu/l-Bahä eine Gefangen-&lt;br /&gt;
schaft, in die Er als Kind geriet und aus&lt;br /&gt;
der Er erst als alter Mann wieder frei-&lt;br /&gt;
kam. Aus Baghdäd wurden Bahä’u&#039;llah,&lt;br /&gt;
Seine Familie und einige der Ihn beglei-&lt;br /&gt;
tenden Anhänger nach Konstantinopel,&lt;br /&gt;
kurze Zeit später nach Adrianopel und&lt;br /&gt;
schließlich nach etwa fünf Jahren in das&lt;br /&gt;
Gefängnis der Festung ‘Akkä im Heili-&lt;br /&gt;
gen Land verbracht, wo Bahä’u’lläh im&lt;br /&gt;
Jahre 1892 verschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdul-Bahä hatte nie die Gelegen-&lt;br /&gt;
heit, eine Schule zu besuchen. Sein Leh-&lt;br /&gt;
rer war Sein Vater, dessen Lehren Er voll&lt;br /&gt;
in sich aufnahm. Er entfaltete eine von&lt;br /&gt;
Leid gestählte Geistigkeit und jene Ei-&lt;br /&gt;
genschaften, die dem von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
verkündeten Glaubensziel, einer Welt-&lt;br /&gt;
gemeinschaft, zugrundeliegen müssen.&lt;br /&gt;
Bahäu’lläh nennt Abdu/l-Bahä in Sei-&lt;br /&gt;
nem Testament das Vorbild religiösen&lt;br /&gt;
Lebens, den einzigen Erklärer Seines&lt;br /&gt;
Wortes, den Mittelpunkt Seines Bünd-&lt;br /&gt;
nisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1892 und 1908 erduldete&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Baháa eine besonders harte Zeit&lt;br /&gt;
der Unterdrückung, bis Ihm wie allen&lt;br /&gt;
anderen vom Sultän verfolgten religiö-&lt;br /&gt;
sen und politischen Gefangenen die&lt;br /&gt;
Jungtürkische Revolution die Freiheit&lt;br /&gt;
gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1911 bis 1913 reiste Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
durch einige Länder Europas und durch&lt;br /&gt;
Nordamerika. Er besuchte die jungen&lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinden und schenkte jedem&lt;br /&gt;
der vielen, aus allen Schichten herbei-&lt;br /&gt;
strömenden Besucher Seine liebevolle&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit. Obwohl Er noch&lt;br /&gt;
immer unter den Nachwirkungen der&lt;br /&gt;
Entbehrungen Seiner über fünfzigjähri-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 55 APRIL 1988 3&lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=6}}gen Gefangenschaft litt, sprach Er bei&lt;br /&gt;
vielen öffentlichen Versammlungen und&lt;br /&gt;
verkündete in beredten Worten die Ein-&lt;br /&gt;
heit Gottes, die gemeinsame Grundlage&lt;br /&gt;
aller Religionen und daß nun die Zeit&lt;br /&gt;
zur Vereinigung aller Rassen, Klassen&lt;br /&gt;
und Religionen gekommen sei. In Eng-&lt;br /&gt;
land sprach Er auf die Bitte des Archi-&lt;br /&gt;
diakons Wilberforce in Westminster&lt;br /&gt;
über die unfaßbare Größe Gottes. Er be-&lt;br /&gt;
suchte die Moschee in Woking und&lt;br /&gt;
sprach dort vor Christen, Juden und&lt;br /&gt;
Moslems beiderlei Geschlechts über die&lt;br /&gt;
Einheit auf Erden. Er sprach zu Arbeite-&lt;br /&gt;
rinnen, die in der Nähe von London&lt;br /&gt;
ihren Urlaub verbrachten, zu Geistli-&lt;br /&gt;
chen aller Bekenntnisse, zu Parlamenta-&lt;br /&gt;
riern, Schriftstellern und Journalisten,&lt;br /&gt;
zu Studenten, Professoren und Frauen-&lt;br /&gt;
rechtlerinnen. In Paris sprach Er vor&lt;br /&gt;
Esperantisten, Theosophen und Theo-&lt;br /&gt;
logiestudenten und zu Menschen aller&lt;br /&gt;
Bekenntnisse und Nationalitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1913 weilte ‘Abdu/l-Baha auch in&lt;br /&gt;
Deutschland und besuchte Stuttgart mit&lt;br /&gt;
der ältesten deutschen Bahá’í-Gemein-&lt;br /&gt;
de, Esslingen am Neckar und Bad Mer-&lt;br /&gt;
gentheim. Auf Einladung von Professor&lt;br /&gt;
Christaller, dem Präsidenten der Espe-&lt;br /&gt;
rantisten Europas, sprach ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
zu einer großen Esperantistenversamm-&lt;br /&gt;
lung in Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wien sprach Er zu den Theosophen&lt;br /&gt;
und empfing die Baronin Bertha von&lt;br /&gt;
Suttner. In Budapest traf Er mehrmals&lt;br /&gt;
mit dem berühmten Orientalisten Armi-&lt;br /&gt;
nius Vambery zusammen. Unter Seinen&lt;br /&gt;
Besuchern waren Prälat Alexander&lt;br /&gt;
Giesswein, Professor Ignatius Goldzi-&lt;br /&gt;
her und der bekannte Budapester Maler&lt;br /&gt;
Professor Robert A. Nadler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Vereinigten Staaten legte&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá den Grundstein für das&lt;br /&gt;
erste Bahäi-Haus der Andacht im We-&lt;br /&gt;
sten in Wilmette bei Chicago und sprach&lt;br /&gt;
allein in New York an fünfundfünfzig&lt;br /&gt;
verschiedenen Orten. Er traf Persönlich-&lt;br /&gt;
keiten wie Alexander Graham Bell, An-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 BAHÄI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drew Carnegie, Hon. Franklin Mac-&lt;br /&gt;
Veagh, den Finanzminister der Vereinig-&lt;br /&gt;
ten Staaten, und Rabindranath Tagore&lt;br /&gt;
—- um nur einige zu nennen. Denkwür-&lt;br /&gt;
dig war Sein Besuch bei der Bowery-&lt;br /&gt;
Mission in den Elendsvierteln von New&lt;br /&gt;
York, und der glänzende Empfang Ihm&lt;br /&gt;
zu Ehren in Washington, wobei Ihm&lt;br /&gt;
viele hervorragende Persönlichkeiten&lt;br /&gt;
der Hauptstadt vorgestellt wurden. Am&lt;br /&gt;
26. Oktober 1912 sprach Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
im überfüllten Festsaal des Sacramento-&lt;br /&gt;
Hotels in Sacramento, Kalifornien, über&lt;br /&gt;
die Dringlichkeit des internationalen&lt;br /&gt;
Friedens. Er sagte: »Der Weltfriede ist&lt;br /&gt;
das dringendste Erfordernis unserer&lt;br /&gt;
heutigen Zeit. Die Zeit ist reif dafür...&lt;br /&gt;
Möge das erste Banner des internationa-&lt;br /&gt;
len Friedens in diesem Staat gehißt wer-&lt;br /&gt;
den.« Fast auf den Tag genau trat nach&lt;br /&gt;
dreiunddreißig Jahren am 24. Oktober&lt;br /&gt;
1945 die Charta der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
in Kraft, in eben jenem Staat, in dem&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá Seinen innigen Wunsch&lt;br /&gt;
geäußert hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdu’l-Bahás Aufrufe an den Westen&lt;br /&gt;
sind am besten festgehalten in Seinen&lt;br /&gt;
Reden im City Temple von London, in&lt;br /&gt;
der Stanford University in Kalifornien&lt;br /&gt;
vor achtzehnhundert Studenten und&lt;br /&gt;
hundertachtzig Lehrern und Professo-&lt;br /&gt;
ren, im Tempel Emmanuel, einer Syna-&lt;br /&gt;
goge in San Francisco, vor zweitausend&lt;br /&gt;
Menschen, ferner in Seinem Sendschrei-&lt;br /&gt;
ben an die Zentralorganisation für einen&lt;br /&gt;
dauernden Frieden im Haag und Seinem&lt;br /&gt;
Brief an Professor Auguste-Henri Forel,&lt;br /&gt;
den berühmten Schweizer Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler. Seine allmorgendlichen kur-&lt;br /&gt;
zen Ansprachen in Paris im Herbst 1911&lt;br /&gt;
wurden ebenfalls gesammelt und in&lt;br /&gt;
zahlreichen Auflagen veröffentlicht.&lt;br /&gt;
Überall stellte Er die wesentlichen Wahr-&lt;br /&gt;
heiten der Bahä’i-Religion als den »Geist&lt;br /&gt;
des Zeitalters« heraus und warnte au-&lt;br /&gt;
Berdem eindringlich vor einem drohen-&lt;br /&gt;
den Weltbrand, der, wenn die Staats-&lt;br /&gt;
männer ihn nicht abwendeten, den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=7}}ganzen europäischen Kontinent in&lt;br /&gt;
Flammen setzen werde. Auch Seine Ge-&lt;br /&gt;
spräche im Heiligen Land mit Pilgern&lt;br /&gt;
aus dem Westen sind Lektionen, die das&lt;br /&gt;
Denken und Handeln der Menschen auf&lt;br /&gt;
die Einheit der Menschheit und den&lt;br /&gt;
Weltfrieden ausrichten. ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
Antworten auf Fragen über die Prophe-&lt;br /&gt;
ten, die Bestimmung des Menschen,&lt;br /&gt;
seine Eigenschaften und Kräfte, die Un-&lt;br /&gt;
sterblichkeit der Seele und das Leben&lt;br /&gt;
nach dem Tode hielt Laura Clifford-&lt;br /&gt;
Barney für die Nachwelt fest.!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ersten Weltkrieges ge-&lt;br /&gt;
riet Abdu’l-Bahá nochmals in große Ge-&lt;br /&gt;
fahr. Die Türken hatten damit gedroht,&lt;br /&gt;
Ihn und Seine ganze Familie auf dem&lt;br /&gt;
Berg Karmel zu kreuzigen. Doch als&lt;br /&gt;
Haifa schließlich von britischen Trup-&lt;br /&gt;
pen eingenommen wurde, war die Ge-&lt;br /&gt;
fahr für ‘Abdu’l-Baháa endgültig vor-&lt;br /&gt;
über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versailler Friedensvertrag machte&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Baha große Sorgen. An einen&lt;br /&gt;
Freund schrieb Er über die Pariser Frie-&lt;br /&gt;
denskonferenz: »... Obgleich sich die&lt;br /&gt;
Vertreter verschiedener Regierungen in&lt;br /&gt;
Paris versammelt haben, um die Grund-&lt;br /&gt;
lage für den Weltfrieden zu legen und&lt;br /&gt;
der Menschheit dadurch Ruhe und Trost&lt;br /&gt;
zu schenken, herrscht zwischen einigen&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten noch Uneinigkeit, und&lt;br /&gt;
das Eigeninteresse steht im Vorder-&lt;br /&gt;
grund. In einer solchen Atmosphäre&lt;br /&gt;
wird der Weltfriede nicht zu verwirkli-&lt;br /&gt;
chen sein, im Gegenteil, es werden neue&lt;br /&gt;
Konflikte auftreten; denn die Interessen&lt;br /&gt;
stehen gegeneinander und die Ziele&lt;br /&gt;
stimmen nicht überein...«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdul-Bahä bemühte sich schon seit&lt;br /&gt;
der Jahrhundertwende, die ersten&lt;br /&gt;
Schritte zum Aufbau des Friedensmo-&lt;br /&gt;
dells Bahä&#039;u’llahs einzuleiten. Er för-&lt;br /&gt;
derte die Gründung der ersten »Geisti-&lt;br /&gt;
gen Räte«, der in geheimer Wahl ohne&lt;br /&gt;
Kandidatur gebildeten Verwaltungsor-&lt;br /&gt;
gane der Bahá’í-Gemeinden. In diesen&lt;br /&gt;
Gremien wurden die von Bahä’u&#039;lläh ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannten Prinzipien Seiner Weltordnung&lt;br /&gt;
geübt, vor allem die Bahä’i-Beratung&lt;br /&gt;
und die Bahá’í-Zielsetzung, den globa-&lt;br /&gt;
len Nutzen vor den nationalen oder lo-&lt;br /&gt;
kalen zu stellen und die Probleme nach&lt;br /&gt;
geistigen, nicht nach materiellen oder&lt;br /&gt;
ideologischen Prinzipien zu lösen. Auch&lt;br /&gt;
soziale Projekte wie Schulen für Jungen&lt;br /&gt;
und Mädchen wurden von Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
unterstützt. So entstanden im Iran 1899&lt;br /&gt;
die erste Bahä’i-Schule für Jungen, und&lt;br /&gt;
bereits 1911 die erste Bahäi-Schule für&lt;br /&gt;
Mädchen, die erste Mädchenschule des&lt;br /&gt;
Landes überhaupt. ‘Abdu’l-Bahá hatte&lt;br /&gt;
von einigen Bahäi Musterfarmen anle-&lt;br /&gt;
gen und Getreide speichern lassen.&lt;br /&gt;
Während der Krisenjahre des Ersten&lt;br /&gt;
Weltkrieges ließ Er diese Vorräte in&lt;br /&gt;
Haifa verteilen und rettete so die Stadt&lt;br /&gt;
vor einer Hungersnot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum abzuschätzen ist die umfang-&lt;br /&gt;
reiche Korrespondenz ’Abdu’l-Bahás,&lt;br /&gt;
die um die Welt ging. Jeder Fragesteller&lt;br /&gt;
bekam eine Antwort, eine geistige Hilfe&lt;br /&gt;
zur Lösung seiner Probleme oder zur&lt;br /&gt;
Klärung seiner Fragen. Die Thematik&lt;br /&gt;
umfaßt alle Bereiche des persönlichen&lt;br /&gt;
Lebens sowie der Entfaltung der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft. Erst künf-&lt;br /&gt;
tige Generationen werden diesen geisti-&lt;br /&gt;
gen Reichtum erfassen können, wenn&lt;br /&gt;
diese Briefe einmal vollständig über-&lt;br /&gt;
setzt und veröffentlicht sind. Doch&lt;br /&gt;
schon jetzt liegt ein Quellenreichtum&lt;br /&gt;
vor, der für viele Fragen neue Gesichts-&lt;br /&gt;
punkte aufzeigt, ein neues Geschichts-&lt;br /&gt;
verständnis vermittelt und uns die Ein-&lt;br /&gt;
sicht nahebringt, daß die Menschheit&lt;br /&gt;
tatsächlich eine große Familie sein&lt;br /&gt;
kann, wenn sie den Lehren Bahä’ullähs&lt;br /&gt;
folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahás größtes Vermächtnis&lt;br /&gt;
an die Nachwelt ist Sein Wille und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Abdul-Baha, Beantwortete Fragen, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 31977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2Hasan M. Balyuzi, Abdu’l-Baha,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1984, 5. 609 f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ba. 2,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 5&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=8}}Testament, die »hellste Ausgießung Sei-&lt;br /&gt;
nes Geistes«’. Dieses Dokument ist das&lt;br /&gt;
»unzerstörbare Bindeglied«* zwischen&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Offenbarung und der Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, die ihr Zweck und ihr Ziel ist.&lt;br /&gt;
Auch aus diesem Schriftstück spricht&lt;br /&gt;
Seine Liebe zu dem von Seinem Vater&lt;br /&gt;
Bahäulläh verkündeten Glauben und&lt;br /&gt;
Seine innige Liebe zur ganzen Mensch-&lt;br /&gt;
heit. Sein ganzes von Entbehrung und&lt;br /&gt;
Mühsal gekennzeichnetes Leben hatte Er&lt;br /&gt;
dafür eingesetzt, die sich streitenden&lt;br /&gt;
Elemente auf dieser Erde zu versöhnen;&lt;br /&gt;
nun rief Er in diesem letzten Appell die&lt;br /&gt;
Menschen auf, Seinem Beispiel zu&lt;br /&gt;
folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 28. November 1921 starb Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä in Haifa. Der Kummer kannte&lt;br /&gt;
keine Grenzen. Die Beisetzungsfeier-&lt;br /&gt;
lichkeiten waren in der Tat einmalig in&lt;br /&gt;
der Geschichte des Heiligen Landes.&lt;br /&gt;
Einem Bericht entnehmen wir, daß der&lt;br /&gt;
Hochkommissar von Palästina, der&lt;br /&gt;
Gouverneur von Phönizien, die höch-&lt;br /&gt;
sten Staatsbeamten der Regierung, die&lt;br /&gt;
Konsuln der verschiedenen Länder mit&lt;br /&gt;
Sitz in Haifa, die Oberhäupter der ver-&lt;br /&gt;
schiedenen religiösen Gemeinschaften,&lt;br /&gt;
die Würdenträger Palästinas, Juden,&lt;br /&gt;
Christen, Muslime, Drusen, Ägypter,&lt;br /&gt;
Griechen, Türken, Kurden, Scharen&lt;br /&gt;
Seiner amerikanischen, europäischen&lt;br /&gt;
und einheimischen Freunde, Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 BAHÄTI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen und Kinder von hohem und nie-&lt;br /&gt;
derem Stand, alle, etwa zehntausend an&lt;br /&gt;
der Zahl, den Verlust Abdu’l-Bahás be-&lt;br /&gt;
weinten. Wie erstaunlich war die unge-&lt;br /&gt;
heuere Volksmasse dieses großen Trau-&lt;br /&gt;
erzuges! Menschen aller Religionen,&lt;br /&gt;
Rassen und Hautfarben waren im Her-&lt;br /&gt;
zen geeint durch das Beispiel des Die-&lt;br /&gt;
nens im langen Lebenswerk ’Abdul-&lt;br /&gt;
Bahäs. Viele Zeitungen in Ost und West&lt;br /&gt;
berichteten darüber. Die Times of India&lt;br /&gt;
schrieb in einem Leitartikel vom Januar&lt;br /&gt;
1922:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»...wir aber wollen das Gedächtnis&lt;br /&gt;
eines Mannes ehren, der einen großen&lt;br /&gt;
Einfluß auf die Verwirklichung des&lt;br /&gt;
Guten hatte und der, obgleich er im&lt;br /&gt;
Weltkrieg viele seiner Ideen augen-&lt;br /&gt;
scheinlich zerstört sehen mußte, seiner&lt;br /&gt;
Überzeugung doch treu blieb und seinen&lt;br /&gt;
Glauben an ein Reich der Liebe und des&lt;br /&gt;
Friedens aufrecht erhielt, der weit wirk-&lt;br /&gt;
samer als Tolstoi im Westen zeigte, daß&lt;br /&gt;
die Religion eine Lebenskraft ist, die nie&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 21974, S. 371&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’ulllähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977, S. 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5Hasan M. Balyuzi, ‘Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1984, 5. 683f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bd. 2,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=9}}Abdul-Bahä in Deutschland&lt;br /&gt;
Aus Mahmüds Tagebuch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Persischen übertragen und zusammengefaßt von Massoud Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mirza Mahmud Zargäni begleitete Abdu’l-Baha auf Seinen Reisen in den Westen. Er&lt;br /&gt;
hat einen genauen Reisebericht aufgezeichnet, der in zwei Bänden 1921 in Indien er-&lt;br /&gt;
schien. Erstaunlich ist die hierin neben vielen Einzelheiten festgehaltene Vielfalt der&lt;br /&gt;
Themen, die Abdu&#039;l-Baha bei Seinen zahlreichen Begegnungen auf diesen Reisen zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprache brachte. Wir entnahmen Mahmüds Tagebuch einige Schilderungen über&lt;br /&gt;
den Aufenthalt Abdu’l-Bahas in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends traf Abdu’l-Bahá in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein. Er kam mit dem Zug aus Paris und&lt;br /&gt;
hatte sich während der Fahrt am vielen&lt;br /&gt;
Grün der Landschaft erfreut. Schon am&lt;br /&gt;
Bahnhof erkundigten sich die Menschen&lt;br /&gt;
neugierig, wer diese ungewöhnliche Er-&lt;br /&gt;
scheinung wohl sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag, bei der ersten Be-&lt;br /&gt;
gegnung mit den Bahá’í, sprach &#039;Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä über das Band der Liebe und&lt;br /&gt;
Freundschaft, das die Herzen von Ost&lt;br /&gt;
und West verbunden hat: »Solch eine&lt;br /&gt;
Liebe kann durch keine irdische Macht&lt;br /&gt;
erwirkt werden. Wie oft sind Menschen&lt;br /&gt;
aus demselben Volk oder der gleichen&lt;br /&gt;
Familie gegeneinander... Wir kannten&lt;br /&gt;
Stuttgart nicht, und Sie hatten von Nür&lt;br /&gt;
nichts gehört. Aber das Wort Gottes hat&lt;br /&gt;
die Schleier beseitigt und uns vereint...&lt;br /&gt;
und Fremde in Freunde verwandelt...&lt;br /&gt;
Noch ist die Wandlung der Herzen&lt;br /&gt;
durch die Macht Bahä’ulllähs nicht er-&lt;br /&gt;
kennbar,... später wird sie deutlich&lt;br /&gt;
werden...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Vormittag strömten Bahäf- und&lt;br /&gt;
Nicht-Bahá’í-Besucher zu Abdu’l-Bahá.&lt;br /&gt;
Stets waren sie von Seinen Worten und&lt;br /&gt;
Darlegungen begeistert und _ stellten&lt;br /&gt;
viele Fragen zu geistigen Themen oder&lt;br /&gt;
baten um die Erläuterung der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Prinzipien. Viele von ihnen saßen zum&lt;br /&gt;
Erstaunen der Hotelgäste und des Perso-&lt;br /&gt;
nals anschließend noch in der Hotel-&lt;br /&gt;
halle beisammen und tauschten Ein-&lt;br /&gt;
drücke und das Gehörte aus. Auf den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bericht eines Freundes, daß er nach der&lt;br /&gt;
ehrwürdigen Persönlichkeit gefragt&lt;br /&gt;
werde, erwiderte ‘Abdu’l-Bahá: »Sag&lt;br /&gt;
ihnen, Er ruft zum Reiche Gottes auf,&lt;br /&gt;
verbreitet den Glauben Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
verkündet den Frieden und das Heil und&lt;br /&gt;
fordert die Einheit der Menschheit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu/l-Bahä besuchte die wöchentli-&lt;br /&gt;
che öffentliche Veranstaltung der Stutt-&lt;br /&gt;
garter Bahäi und sprach darüber, daß&lt;br /&gt;
blinde Nachahmung zu vermeiden sei,&lt;br /&gt;
die grundsätzliche Einheit der Religio-&lt;br /&gt;
nen Gottes und die Erneuerung der&lt;br /&gt;
ihnen zugehörigen sozialen Gesetze be-&lt;br /&gt;
kanntgemacht und eine göttliche Kultur&lt;br /&gt;
errichtet werden sollte. Er endete mit&lt;br /&gt;
einem Gebet um den Beistand Gottes...&lt;br /&gt;
Und obwohl Seine Worte stets aus dem&lt;br /&gt;
Persischen ins Englische und dann ins&lt;br /&gt;
Deutsche übersetzt werden mußten,&lt;br /&gt;
fanden sie in den Herzen der Zuhörer&lt;br /&gt;
begeisterten Widerhall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Theosophen und Esperantisten&lt;br /&gt;
besuchten ‘Abdu/l-Baha. Zu einem&lt;br /&gt;
Theosophen, der seine große Freude&lt;br /&gt;
über diese Begegnung kundtat, sagte Er:&lt;br /&gt;
»Ich hoffe, daß unsere Freude ewig dau-&lt;br /&gt;
ert und wir in allen Welten Gottes zu-&lt;br /&gt;
sammensein werden... Dort gibt es eine&lt;br /&gt;
Verbindung, der keine Trennung folgt,&lt;br /&gt;
einen Tag ohne Einbruch der Nacht,&lt;br /&gt;
eine Freude ohne Leid, ein Leben, das&lt;br /&gt;
der Tod nie auslöschen kann.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein historisches Bild zeigt ‘Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä beim großen Kinderfest in Esslin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=10}}gen am 4. April 1913. Zu Seinem Emp-&lt;br /&gt;
fang hatten die Kinder ein Spalier gebil-&lt;br /&gt;
det und begrüßten Ihn mit Blumen.&lt;br /&gt;
Nachdem Er sie alle liebkost und mit&lt;br /&gt;
Süßigkeiten beschenkt hatte, sagte Er:&lt;br /&gt;
»Welch liebliche Kinder! Ich flehe zu&lt;br /&gt;
Gott, Er möge diese Kinder segnen und&lt;br /&gt;
mit himmlischen Gaben beschenken,&lt;br /&gt;
auf daß sie wie Blumen im Reiche Gottes&lt;br /&gt;
gedeihen und aufblühen mögen und&lt;br /&gt;
jedes durch das Licht der Liebe Gottes&lt;br /&gt;
und durch die Sonne aus Gottes Reich&lt;br /&gt;
einer strahlenden Lampe gleich erleuch-&lt;br /&gt;
tet werde. Sie sind Früchte am Baum&lt;br /&gt;
göttlicher Liebe, Sprößlinge des Gottes-&lt;br /&gt;
reiches. Ihre Herzen sind so rein und&lt;br /&gt;
ihre Seelen so zart und frisch. Ich hoffe,&lt;br /&gt;
daß sie in der Muschel der Liebe Gottes&lt;br /&gt;
wie Perlen heranwachsen werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend des 5. April besuchte Er&lt;br /&gt;
ein Treffen der Esperantisten und führte&lt;br /&gt;
in Seiner Ansprache über die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit hin zum Prinzip Bahä’u&#039;-&lt;br /&gt;
llähs, daß ein Mittel zu Einheit und&lt;br /&gt;
Liebe unter den Menschen eine gemein-&lt;br /&gt;
same Sprache sei. ‘Abdu’l-Bahá sprach&lt;br /&gt;
bei vielen Gelegenheiten über den Welt-&lt;br /&gt;
frieden, die Einheit der Menschheit, die&lt;br /&gt;
Liebe Gottes,... über geistige Freude,...&lt;br /&gt;
die Stufen des Glaubens und der Er-&lt;br /&gt;
kenntnis, die Tugenden der Menschen&lt;br /&gt;
und das ewige Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem ausführlichen Gespräch er-&lt;br /&gt;
klärte Abdu’l-Bahá, daß sich die Heili-&lt;br /&gt;
gen Offenbarer zu Beginn jeder Religion&lt;br /&gt;
so ausdrückten, wie es dem Verstand&lt;br /&gt;
und Wissen des Volkes, zu dem Sie&lt;br /&gt;
kamen, entsprach. Am Ende der Offen-&lt;br /&gt;
barungszeit jedoch konnten die Men-&lt;br /&gt;
schen die Bedeutung der Worte der Pro-&lt;br /&gt;
pheten nicht mehr verstehen, da Aus-&lt;br /&gt;
drucksweise und Verhältnisse der&lt;br /&gt;
Anfangszeit sich geändert hatten. Ob-&lt;br /&gt;
wohl Christus im Evangelium eindeutig&lt;br /&gt;
erklärte, Er sei vom Himmel herabge-&lt;br /&gt;
kommen, und obwohl Sein Körper&lt;br /&gt;
stofflich von Maria geboren wurde, er-&lt;br /&gt;
warteten die Christen dennoch, daß bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 BAHÄI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner zweiten Offenbarung Sein Kör-&lt;br /&gt;
per vom sichtbaren Himmel herab-&lt;br /&gt;
käme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Pfarrer aus Stuttgart, den die Lek-&lt;br /&gt;
türe des Buches Beantwortete Fragen&lt;br /&gt;
hell begeistert hatte, bot an, dieses Buch&lt;br /&gt;
vom Englischen ins Deutsche zu über-&lt;br /&gt;
setzen. Zu ihm sagte Abdu’l-Bahá: »Die&lt;br /&gt;
Wolken blinder Nachahmung haben die&lt;br /&gt;
Sonne der Wahrheit und das Licht der&lt;br /&gt;
göttlichen Lehren am Leuchten gehin-&lt;br /&gt;
dert. Dank sei Gott, daß die Prinzipien&lt;br /&gt;
und Grundlagen der göttlichen Religio-&lt;br /&gt;
nen gleich sind. Wir sind geeint im Den-&lt;br /&gt;
ken und müssen uns deshalb die Hände&lt;br /&gt;
reichen, diese blinde Nachahmung be-&lt;br /&gt;
seitigen und die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
fördern... Die entstandenen Traditionen&lt;br /&gt;
verursachten Kampf und Tod unter den&lt;br /&gt;
Menschen. Ich hoffe, es möge dir gelin-&lt;br /&gt;
gen, die schlafenden Seelen aufzu-&lt;br /&gt;
wecken und Deutschland zu erleuch-&lt;br /&gt;
ten.« Abdu’l-Bahá beendete Seine Aus-&lt;br /&gt;
führungen mit Gedanken über die Besei-&lt;br /&gt;
tigung der Finsternis der materiellen&lt;br /&gt;
Welt und der Entdeckung der Geheim-&lt;br /&gt;
nisse wahren Seins. Der Geistliche war&lt;br /&gt;
von den Worten ‘Abdu’l-Bahás so tief&lt;br /&gt;
ergriffen, daß er Ihn um Erlaubnis bat,&lt;br /&gt;
diese wundervollen Lehren dem deut-&lt;br /&gt;
schen Kaiser mitteilen zu dürfen.&lt;br /&gt;
“Abdu/l-Bahä riet ihm davon ab, weil der&lt;br /&gt;
deutsche Kaiser sehr stolz, abgelenkt&lt;br /&gt;
und derzeit nicht zum Zuhören bereit&lt;br /&gt;
sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi baten ‘Abdu’l-Bahá, Er&lt;br /&gt;
möge ein paar Tage ohne Besucher in&lt;br /&gt;
Bad Mergentheim verbringen, um sich&lt;br /&gt;
von den Strapazen Seiner Reise zu erho-&lt;br /&gt;
len. Aber ’Abdu’l-Baha erwiderte:&lt;br /&gt;
»Unser Reisezweck ist nicht Vergnügen,&lt;br /&gt;
Spazierenfahren, Wandern und Erho-&lt;br /&gt;
lung, sondern der Dienst an der&lt;br /&gt;
Schwelle Gottes...« Auch den Vor-&lt;br /&gt;
schlag, auf dem Rückweg von Stuttgart&lt;br /&gt;
nach Paris eine Erholungspause in&lt;br /&gt;
Baden-Baden einzulegen, lehnte Er ab.&lt;br /&gt;
So fuhr Er nur am 7. April mit den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=11}}Zeittafel zum Besuch Abdu’l-Bahás in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. April 1913 Ankunft in Stuttgart mit dem Zug aus Paris; Unterkunft&lt;br /&gt;
im Hotel Marquardt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Rundfahrt in Stuttgart und Umgebung; Ansprache im&lt;br /&gt;
Hause Herrigel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Autofahrt zur Solitude, einem Barockschloß in der Nähe&lt;br /&gt;
Stuttgarts; Besuch bei Familie Schwarz; Ansprache im&lt;br /&gt;
Stuttgarter Bürgermuseum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 _ Kinderfest in Esslingen; Besichtigung des Museums in Ess-&lt;br /&gt;
lingen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Besuch der Wilhelma, einem Schloß in orientalischem Stil&lt;br /&gt;
in Stuttgart-Bad Cannstatt; Ansprache vor einer Esperan-&lt;br /&gt;
tistenversammlung; Besuch bei Herrn Eckstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Besuch der Villa Wagenburg in Stuttgart; Besuch bei Fami-&lt;br /&gt;
lie Schweizer in Zuffenhausen; Vortrag im‘ Oberen Saal&lt;br /&gt;
des Stuttgarter Bürgermuseums; Besuch bei Fräulein&lt;br /&gt;
Knobloch und Fräulein Döring&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Besuch in Bad Mergentheim; Besichtigung der Kuranlagen&lt;br /&gt;
und Übernachtung im Kurhaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 _ Abfahrt von Stuttgart nach Budapest&lt;br /&gt;
. April 1913 Reise von Budapest nach Wien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Ankunft aus Wien in Stuttgart; Unterkunft im Hotel Mar-&lt;br /&gt;
quardt; Vortrag im Bürgermuseum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Empfang zahlreicher Besucher im Hotel Marquardt bei&lt;br /&gt;
verschlechtertem Gesundheitszustand Abdu/l-Bahäs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.April 1913 Besuch bei Dr. Edwin Fischer, dem ersten Bahäi in&lt;br /&gt;
Deutschland; Besuch bei Familie Schwarz; Einigkeitsfest&lt;br /&gt;
im Frauenklub in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 _ Anwesenheit Abdu’l-Bahás bei der Eheschließung Wie-&lt;br /&gt;
land/Diebold&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 Empfang weniger Besucher im Hotel wegen Abdul-Bahäs&lt;br /&gt;
starker Erkältung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. April 1913 _ Besuch im Jagdschloß Bebenhausen bei Tübingen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.Mai 1913 Abschied von den Stuttgarter Bahäi; Abfahrt mit dem&lt;br /&gt;
Zug von Stuttgart nach Paris&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 55 APRIL 1988 9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=12}}Freunden nach Bad Mergentheim, blieb&lt;br /&gt;
eine Nacht und reiste am 8. April über&lt;br /&gt;
Stuttgart weiter nach Wien. In Esslingen&lt;br /&gt;
standen die Bahá’í auf dem Bahnsteig,&lt;br /&gt;
um Abdu’l-Baha wenigstens kurz zu&lt;br /&gt;
sehen und Ihm zuzuwinken. Aber die&lt;br /&gt;
Trennung dauerte nicht lange, denn&lt;br /&gt;
schon am 25. April kehrte Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
nach Stuttgart zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stuttgarter Neue Tagblatt&lt;br /&gt;
brachte bereits am 24. April eine An-&lt;br /&gt;
kündigung der großen Veranstaltung&lt;br /&gt;
am 25. April im Bürgermuseum und&lt;br /&gt;
einen ausführlichen Artikel (s.S. 11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider kam ‘Abdu/l-Bahä so erkältet&lt;br /&gt;
in Stuttgart an, daß die Ärzte Ihm nicht&lt;br /&gt;
erlaubten, das Zimmer zu verlassen. Als&lt;br /&gt;
die Bahá’í die riesige Versammlung im&lt;br /&gt;
Bürgermuseum sahen, die sehnsüchtig&lt;br /&gt;
auf Abdu’-Bahä wartete, berieten sie&lt;br /&gt;
und beschlossen, einen Wagen zu besor-&lt;br /&gt;
gen und Ihn nur um Seine Anwesenheit&lt;br /&gt;
zu bitten. Abdul-Bahä stand sofort auf,&lt;br /&gt;
fuhr hin und wurde begeistert empfan-&lt;br /&gt;
gen. Er hielt eine eindrucksvolle An-&lt;br /&gt;
sprache über den Weltfrieden, in der Er&lt;br /&gt;
sagte, dieser Friede sei eine Notwendig-&lt;br /&gt;
keit dieses Zeitalters... Früher sei die&lt;br /&gt;
Welt dazu nicht fähig gewesen... Des-&lt;br /&gt;
halb sei in allen göttlichen Religionen&lt;br /&gt;
von der Endzeit die Rede, in der... die&lt;br /&gt;
Religion Gottes zum Retter der Erden-&lt;br /&gt;
völker würde... Und obwohl es jetzt&lt;br /&gt;
viele Friedensorganisationen gäbe, die&lt;br /&gt;
von den Problemen und Nöten der Zeit&lt;br /&gt;
sprächen, könne nur eine Macht den&lt;br /&gt;
Größten Frieden errichten, die die Her-&lt;br /&gt;
zen der Völker durchdränge, alle Leiden&lt;br /&gt;
heile... und Balsam für jede Wunde sei...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Abdu/l-Baha am 26. April ein&lt;br /&gt;
Zeitungsbericht über den Balkankrieg&lt;br /&gt;
übersetzt wurde, meinte Er, wir sollten&lt;br /&gt;
lieber über unseren persönlichen Krieg&lt;br /&gt;
sprechen, in dem wir mit Gottes Bei-&lt;br /&gt;
stand den dunklen Mächten der mate-&lt;br /&gt;
riellen Welt Widerstand leisten und mit&lt;br /&gt;
den Waffen des Wissens und der Weis-&lt;br /&gt;
heit die Armee der Unwissenheit und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 BAHAT-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eitlen Einbildung in die Flucht schlagen&lt;br /&gt;
müßten. Ein solcher Krieg sei die Ursa-&lt;br /&gt;
che des Lebens, jener die des Todes...&lt;br /&gt;
Christus habe am Kreuz gekämpft und&lt;br /&gt;
Sein Leben geopfert und dabei über Kö-&lt;br /&gt;
nige und Völker gesiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Frage der Bahä’i, was sie tun&lt;br /&gt;
sollten, um den Glauben zu verbreiten,&lt;br /&gt;
antwortete ‘Abdu’l-Bahá: »Lebt nach&lt;br /&gt;
den Lehren Bahä’u’llähs. Viele lesen die&lt;br /&gt;
Lehren Gottes; aber wenn es um Taten&lt;br /&gt;
geht, sind sie vergeßlich. Ein wirklicher&lt;br /&gt;
Bahäi ist, wer die göttlichen Lehren in&lt;br /&gt;
die Tat umsetzt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der letzten Tage Seines Auf-&lt;br /&gt;
enthaltes wollte ein junges Mädchen aus&lt;br /&gt;
reichem Hause &#039;Abdu’l-Bahá seinen gan-&lt;br /&gt;
zen Schmuck schenken, damit Er immer&lt;br /&gt;
an sie denke. Abdu’l-Bahá versicherte&lt;br /&gt;
ihr, daß Er sie auch ohne solche Dinge&lt;br /&gt;
nie vergessen werde und nahm nichts&lt;br /&gt;
an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sprach des öfteren über den geisti-&lt;br /&gt;
gen Adel der Deutschen, und daß sie&lt;br /&gt;
nicht so sehr im Materialismus versun-&lt;br /&gt;
ken seien wie manche andere Länder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem jungen Paar, das heiraten&lt;br /&gt;
wollte, sagte Er, die Heirat sei ein unab-&lt;br /&gt;
trennbarer Teil des Gesetzes Gottes. In&lt;br /&gt;
jungen Jahren seien Frucht und Segen&lt;br /&gt;
der Ehe noch nicht erkennbar, aber spä-&lt;br /&gt;
ter werde der Mensch einsehen, welches&lt;br /&gt;
Glück die Gründung einer Familie&lt;br /&gt;
bringe. Außerdem sei die Ehe für den&lt;br /&gt;
Menschen wie eine Festung, die ihn vor&lt;br /&gt;
Leidenschaften schütze und Sittsamkeit&lt;br /&gt;
und Tugend bewirke, denn vor Gott sei&lt;br /&gt;
nichts erhabener als diese beiden Eigen-&lt;br /&gt;
schaften... Sie gehörten zu den höchsten&lt;br /&gt;
Stufen der Menschen und seien beson-&lt;br /&gt;
dere Merkmale der Schöpfung des&lt;br /&gt;
Barmherzigen. Alles andere entspräche&lt;br /&gt;
der tierischen Welt. Darum sei die Ehe&lt;br /&gt;
ein Segen und gottgefällig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Freunde brachten ihre Kinder&lt;br /&gt;
zu Abdul-Bahä. Er umarmte sie und&lt;br /&gt;
sagte: »Ich habe die Kinder sehr gern, da&lt;br /&gt;
sie dem Reiche Gottes nahe sind...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=13}}Donnerstag Gtuttgarier Nenes Tagblatt 24. Apr 1913&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ne nn nn em nei Antennen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfprahe |&lt;br /&gt;
Abdul Ba0o’s aus AAhn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Syrien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Bahaibewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdul Baba, das Haupt einer grohen, über die&lt;br /&gt;
ganze Welt verbreiteten Uniberfals Friedens: nnd Reli:&lt;br /&gt;
aionsbeivegung, hält am  —.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
;  Seeitag den 25. Mpril, abends 8 Uhr&lt;br /&gt;
im Großen Saale des Bürgermufenmg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Anfpracdhe über die Miffion der Bahais, deren&lt;br /&gt;
Endziel dahin gerichtet ift, ale Völker in einer Neligion&lt;br /&gt;
zu vereinigen, alles wa8 bißher gu Trennung führte,&lt;br /&gt;
Mu befeitigen, Einigkeit unter die Völfer und Religions»&lt;br /&gt;
efenntniffe zu bringen und damit den Weltfrieden zu&lt;br /&gt;
verwirklichen. { (46436&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kederman ift Herzlich; willfommen. Eintritt frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Bahaibewegung. Man ichreibt uns: Der Leiler&lt;br /&gt;
und bag Haupt einer großen ethiihhen Bewegung im&lt;br /&gt;
Drient, melde bon dort aus in der ganzen Melt fchoen&lt;br /&gt;
Eingang gefunden Hat und Zaufende bon Anhängern&lt;br /&gt;
unter den Chriiten, Juden, Mohammebanern, adhli, dert&lt;br /&gt;
Bahaibewegung, wird Breitag den 25. Upril&lt;br /&gt;
abends 8 Uhr im großen Saal des Bürgermufeums eine&lt;br /&gt;
Aniprache halten. Abdul Baba aus Beriien, einem alten&lt;br /&gt;
Kr kihen Beichleht entitammend, widmet fi vn ‚der&lt;br /&gt;
Bahaibemegung, Cs it Dies feine neue Religion.&lt;br /&gt;
Menichenliebe, Einigkeit unter den Konfeilionen und&lt;br /&gt;
Tölfern follen bon den Bahais verwirflidt werben.&lt;br /&gt;
Die Bewegung jammt nit bon Abdul Baba Telbft.&lt;br /&gt;
Sein unmittelbarer Vorgänger mar fein Vater Bahe&lt;br /&gt;
wi lab, melder die Miffton tom io. „Bab“, dem&lt;br /&gt;
Führer der Babis übernahm, Diefer Hat feine Sendung&lt;br /&gt;
im Mai 1844 dem perfiihen Volte proflamiert. Unab»&lt;br /&gt;
mendbar folgte da3 Martyrium Taufender, von Babis&lt;br /&gt;
und darauf die Eritarfung der Beimegung, die fi, unter&lt;br /&gt;
der Führung von Baba ullahs aud) auf das türfifche&lt;br /&gt;
Reich ausbreitete, Die Folge war, abermals Verfolgung&lt;br /&gt;
und Gefangenidhaft, met in Abrianopel und fpäter in&lt;br /&gt;
Afto. Sm SNahre 1892 Harb Babe ulah und übergab&lt;br /&gt;
die Führung feinem Sohne, ber exit mit Wbbul Hamibs&lt;br /&gt;
Sturz Freiheit der Vervegung und ber Xehre erlangte,&lt;br /&gt;
Hier beginnt die Ausbreitung. ber Bahaibewegung auf&lt;br /&gt;
den Weiten. Der 70jährige, unermüdlihe Mann tit gegen&lt;br /&gt;
das Ende einer Yangen, beinahe 1 Jahr andauernden&lt;br /&gt;
Neife auf Munich feiner hieiigen Freunde und Unbänger&lt;br /&gt;
zum ameitenmale nad Stuttgart gefommen, nadidem er&lt;br /&gt;
am Anfang de3 Monats April einige Zage Bier bermweilt&lt;br /&gt;
hatte, Er wird begleitet von feinem Gefretär und Dol-&lt;br /&gt;
med Mirza Ahmah Sohrab und zwei weiteren Dol-&lt;br /&gt;
metichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=14}}1103 14nIS u Sınqua3oyy pjJLA 42P U3J109 wı apunaı Aau1ag asıaıy un vypg-InpgW,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=15}}»Schaut, wie rein die Liebe der Kinder&lt;br /&gt;
ist, wie makellos ihre Herzen sind... So&lt;br /&gt;
muß die Liebe der Herzen sein, beson-&lt;br /&gt;
ders der Herzen der Freunde Gottes.&lt;br /&gt;
Wenn die göttliche Liebe sich zeigt, wer-&lt;br /&gt;
den die Herzen unendlich rein wie die&lt;br /&gt;
der Kinder... Von Kindheit an muß die&lt;br /&gt;
Liebe Gottes in ihre Herzen gepflanzt&lt;br /&gt;
werden. Dann werden sie gut erzogen.&lt;br /&gt;
Sie werden strahlende Wesen und be-&lt;br /&gt;
kommen einen guten Charakter.« Zu&lt;br /&gt;
den Begleitern einer anderen Gruppe&lt;br /&gt;
Kinder sagte Er, daß die Kinder eine gei-&lt;br /&gt;
stige Erziehung bräuchten. Mittel und&lt;br /&gt;
Wege müßten gefunden werden, damit&lt;br /&gt;
ihr Intellekt und ihr Denkvermögen&lt;br /&gt;
wüchsen. Schon vor der Einschulung&lt;br /&gt;
sollten sie anhand von Spielzeug mit&lt;br /&gt;
Freude und Begeisterung einiges lernen.&lt;br /&gt;
Die Kinder sollten im Spiel reden und&lt;br /&gt;
diskutieren, sich gegenseitig Fragen stel-&lt;br /&gt;
len, voneinander lernen und regelrecht&lt;br /&gt;
antworten, wenn sie gefragt würden.&lt;br /&gt;
Wer die beste Antwort gäbe, solle einen&lt;br /&gt;
Preis erhalten, damit die Kinder sich&lt;br /&gt;
Mut zum Sprechen aneignen. Auch gei-&lt;br /&gt;
stige Themen sollten ihnen auf diese&lt;br /&gt;
Weise vermittelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. April sagte Abdu’l-Bahá zu&lt;br /&gt;
einigen Freunden, Er danke Gott, daß Er&lt;br /&gt;
sie alle hier kennengelernt habe. Er&lt;br /&gt;
sprach von Seinem Bemühen um enge&lt;br /&gt;
Bande zwischen Ost und West, die Sein&lt;br /&gt;
Kommen zu knüpfen begänne... Die&lt;br /&gt;
Menschen seien wie Tropfen, vereint&lt;br /&gt;
bildeten sie ein großes Meer. »Ich&lt;br /&gt;
hoffe«, sagte Er, »daß sie alle einig wer-&lt;br /&gt;
den, damit der Ozean der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit Wellen schlägt und die ver-&lt;br /&gt;
streute Herde sich im Schutz der Erzie-&lt;br /&gt;
hung des göttlichen Hirten sammelt...&lt;br /&gt;
Die Menschen sind wie die Kinder. Gott&lt;br /&gt;
ist der wirkliche Vater. Wie schön wäre&lt;br /&gt;
es, wenn diese Kinder sich um die Tafel&lt;br /&gt;
göttlicher Güte im Schutze des himmli-&lt;br /&gt;
schen Vaters scharten!« Einer der Besu-&lt;br /&gt;
cher berichtete, er habe einem ehrwür-&lt;br /&gt;
digen Herrn die Bahä’i-Lehren vorgetra-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen, der dann meinte, diese Gedanken&lt;br /&gt;
würden ohne Zweifel zum Allgemein-&lt;br /&gt;
wohl führen und manche menschlichen&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten hervorbringen, seien&lt;br /&gt;
jedoch unmöglich durchführbar. Er&lt;br /&gt;
habe dann geantwortet, daß vor der Er-&lt;br /&gt;
findung des Telegraphen, des Fernspre-&lt;br /&gt;
chers und des elektrischen Lichtes sich&lt;br /&gt;
niemand diese Erfindungen habe vor-&lt;br /&gt;
stellen können. ‘Abdu’l-Bahá stimmte&lt;br /&gt;
dem zu und erläuterte, daß die früheren&lt;br /&gt;
Wissenschaftler die Errungenschaften&lt;br /&gt;
dieses Jahrhunderts nicht für möglich&lt;br /&gt;
gehalten hätten. Auch hätte niemand&lt;br /&gt;
geglaubt, daß die Frauen einmal die&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung verlangen und er-&lt;br /&gt;
reichen würden... Welcher vernünftige&lt;br /&gt;
Mensch hätte gedacht, daß dem Men-&lt;br /&gt;
schen einmal das Fliegen und Reisen&lt;br /&gt;
durch die Luft möglich würde... und&lt;br /&gt;
daß durch Luftschwingungen Nach-&lt;br /&gt;
richten übermittelt werden könnten.&lt;br /&gt;
Dennoch werde behauptet, Krieg und&lt;br /&gt;
Streit seien natürlich und die Verschie-&lt;br /&gt;
denheit der Charaktere wesenhaft und&lt;br /&gt;
angeboren, deshalb seien Friede und&lt;br /&gt;
Einheit unerreichbar und unmöglich...&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá erklärte dann, daß erstens&lt;br /&gt;
Zersetzung und Raubgier Erfordernisse&lt;br /&gt;
im Reich der Natur, Friede und Recht-&lt;br /&gt;
schaffenheit jedoch Erfordernisse im&lt;br /&gt;
Reich des Menschen seien. Wenn die Er-&lt;br /&gt;
fordernisse der Natur genügten,&lt;br /&gt;
bräuchten die Menschen keine Erzie-&lt;br /&gt;
hung... und ein Dornenfeld würde nicht&lt;br /&gt;
zum Garten voll Blumen. Zum zweiten&lt;br /&gt;
seien Charakterunterschiede nicht ein&lt;br /&gt;
Grund zur Unmöglichkeit der Einheit,&lt;br /&gt;
sondern gerade zu deren Möglichkeit,&lt;br /&gt;
da in der Schöpfung jedes Wesen aus der&lt;br /&gt;
Verbindung gegensätzlicher Elemente&lt;br /&gt;
durch eine beherrschende Kraft ins Da-&lt;br /&gt;
sein käme. Also werde diese Verschie-&lt;br /&gt;
denheit der Einzelwesen und Urele-&lt;br /&gt;
mente durch Verbindung und Vereini-&lt;br /&gt;
gung zur Ursache der Manifestation von&lt;br /&gt;
Kraft, vollkommenem Dasein und ma-&lt;br /&gt;
kellosen Seelen. Wäre aufgrund der we-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 BAHA’I-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=17}}senhaften Unterschiede der Elemente&lt;br /&gt;
eine Verbindung und Vereinigung un-&lt;br /&gt;
möglich, so wäre in der Welt des Seins&lt;br /&gt;
kein Geschöpf ‘entstanden. Betrachte&lt;br /&gt;
man die Schöpfung, so basiere sie auf&lt;br /&gt;
dem Zusammentreffen von Gegensät-&lt;br /&gt;
zen, und die Verschiedenheit des Cha-&lt;br /&gt;
rakters bei den Menschen ließe deren&lt;br /&gt;
Würde, Schönheit und Vollkommenheit&lt;br /&gt;
noch heller erstrahlen... Es sei wie in&lt;br /&gt;
einem Land, das durch Menschen vie-&lt;br /&gt;
lerlei Schichten und Zünfte eine Kultur&lt;br /&gt;
entwickele... So seien auch nach den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Natur und den Regeln der&lt;br /&gt;
Vernunft der Weltfriede und die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit nicht unmöglich, son-&lt;br /&gt;
dern unumgänglich und möglich und&lt;br /&gt;
ein Ergebnis der Reife der Menschheit...&lt;br /&gt;
Es werde auch behauptet, Krieg und&lt;br /&gt;
Kampf seien die Ursache der Ehre und&lt;br /&gt;
des Muts sowie des Fortschritts der Na-&lt;br /&gt;
tionen. Wir aber sagten, wenn mit Ehre&lt;br /&gt;
und Mut äußerlicher Stolz und Kühn-&lt;br /&gt;
heit und das Sichauszeichnen durch tie-&lt;br /&gt;
rische Kräfte gemeint sei, dann wäre ein&lt;br /&gt;
Mensch umso glücklicher, je raubgieri-&lt;br /&gt;
ger er sei. Warum sollten dann Krieg&lt;br /&gt;
und Kampf auf die Nationen be-&lt;br /&gt;
schränkt sein? Sie wären unter einzelnen&lt;br /&gt;
angebrachter... Wenn jedoch Ehre und&lt;br /&gt;
Mut den Schutz der Grundlagen von&lt;br /&gt;
Würde und Wohl und die Wahrung der&lt;br /&gt;
Menschenrechte zum Ziele hätten, dann&lt;br /&gt;
zerstörten Krieg und Kampf diese&lt;br /&gt;
Grundlagen und zerträten die Rechte&lt;br /&gt;
der Erdenbewohner. Wie könne die Ehre&lt;br /&gt;
einer gerechten Person und der Mut&lt;br /&gt;
eines vernünftigen Menschen es zulas-&lt;br /&gt;
sen, für ein Stück Erde oder um des Be-&lt;br /&gt;
rühmtseins willen, Mitmenschen sich in&lt;br /&gt;
Blut und Staub wälzen zu sehen, das&lt;br /&gt;
herzzerbrechende Weinen der Gattin-&lt;br /&gt;
nen und Kinder der Gefallenen zu hören&lt;br /&gt;
und blühende Städte zerstört vorzufin-&lt;br /&gt;
den. Reichtum und Besitz, die Frucht&lt;br /&gt;
jahrelanger Arbeit von Landwirtschaft,&lt;br /&gt;
Handel und Handwerk eines Volkes und&lt;br /&gt;
Staates, würden an einem Tag auf dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlachtfeld zum Töten und Schänden&lt;br /&gt;
von Menschen verschwendet. Heute&lt;br /&gt;
sollten Ehre und Mut der Menschen&lt;br /&gt;
diese Katastrophen und schweren Lasten&lt;br /&gt;
beseitigen. Das Wetteifern der Nationen&lt;br /&gt;
um den Fortschritt erfordere weder&lt;br /&gt;
Kampf noch Krieg. Es gäbe tausend lo-&lt;br /&gt;
benswerte und angebrachte Mittel ohne&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Zerstörung, wie zum&lt;br /&gt;
Beispiel den Aufbau von Städten, mehr&lt;br /&gt;
Bildung für alle, die Förderung von Wis-&lt;br /&gt;
senschaft und Kunst, das Erweitern von&lt;br /&gt;
Handel und Landwirtschaft, das Schaf-&lt;br /&gt;
fen von Sicherheit, Gerechtigkeit... und&lt;br /&gt;
dergleichen mehr. Wenn die hohen&lt;br /&gt;
Summen, die für Krieg und Blutvergie-&lt;br /&gt;
Ben verwendet werden, für solche wich-&lt;br /&gt;
tigen Vorhaben zum Einsatz kämen,&lt;br /&gt;
würde jedes Land ein Wahrzeichen des&lt;br /&gt;
höchsten Paradieses. In den vergange-&lt;br /&gt;
nen Jahrhunderten, als die heutigen&lt;br /&gt;
Mittel und Bildungseinrichtungen nicht&lt;br /&gt;
vorhanden gewesen seien,... konnte&lt;br /&gt;
man vielleicht nationale und politische&lt;br /&gt;
Vorurteile als Ausrede und Vorwand für&lt;br /&gt;
einen Krieg benutzen und sagen, daß&lt;br /&gt;
durch die Macht des Krieges eine einge-&lt;br /&gt;
bildete, unwissende Nation erzogen und&lt;br /&gt;
ein unkultiviertes Land geordnet wer-&lt;br /&gt;
den müsse. Aber in solch einem großar-&lt;br /&gt;
tigen Zeitalter den Fortschritt der Völ-&lt;br /&gt;
ker durch Blutvergießen und Krieg&lt;br /&gt;
unter zivilisierten Nationen und Staaten&lt;br /&gt;
erringen zu wollen, sei niederträchtig,&lt;br /&gt;
und dies leuchte jedem gerechten, ver-&lt;br /&gt;
nünftigen Menschen ein. In diesem Zu-&lt;br /&gt;
sammenhang, so fand Abdu’l-Bahá, sei&lt;br /&gt;
es sehr merkwürdig, daß in einem Zeit-&lt;br /&gt;
alter wie diesem die Nationen und&lt;br /&gt;
Mächte Europas, die selbst rassische&lt;br /&gt;
und politische Vorurteile, Krieg und&lt;br /&gt;
Blutvergießen als Mittel zum Fortschritt&lt;br /&gt;
und Vorsprung benützten, religiöse Vor-&lt;br /&gt;
ureile sofort anprangerten, wenn die&lt;br /&gt;
Sprache auf die Religionen der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit käme. Ihr Hauptargument, wes-&lt;br /&gt;
halb sie Religion für unnötig und schäd-&lt;br /&gt;
lich hielten, seien die Kriege und Kämp-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 55 APRIL 1988 15&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=18}}4o3ynIg un Binquadoyy vJıA 42P U21109 wı apunau] 1au1ag asıaıy uw vypg-],npqV,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rg Ze =, a,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 BAHÄ’[-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=19}}fe der Religionsführer von einst. Chri-&lt;br /&gt;
stus habe sehr treffend gesagt: »Warum&lt;br /&gt;
siehst du den Splitter im Auge deines&lt;br /&gt;
Bruders und siehst nicht den Balken in&lt;br /&gt;
deinem eigenen Auge?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem jungen Militärmusiklehrer&lt;br /&gt;
sagte Abdul-Bahä: »Die Musik ist ein&lt;br /&gt;
Zeichen Gottes. So wie jene Musik den&lt;br /&gt;
Körper in Bewegung und Aufruhr ver-&lt;br /&gt;
setzt, bringt geistige Musik und der&lt;br /&gt;
himmlische Ruf die Herzen und Seelen&lt;br /&gt;
in Schwingung. Die Gottesoffenbarer&lt;br /&gt;
lehren diese geistige Musik. Daher hoffe&lt;br /&gt;
ich, du mögest diese himmlischen Melo-&lt;br /&gt;
dien hören und so, wie du durch die&lt;br /&gt;
menschliche Musik die Armee und das&lt;br /&gt;
Land bewegst, den Herzen und Seelen&lt;br /&gt;
durch die göttliche Musik ewige Heiter-&lt;br /&gt;
keit und Freude schenken.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Mai 1913, dem Abschiedstag,&lt;br /&gt;
eilten vom frühen Morgen an die Besu-&lt;br /&gt;
cher scharenweise zu Abdu’l-Bahá.&lt;br /&gt;
»Welche Liebe«, sagte er zu einigen, »ist&lt;br /&gt;
durch die Macht Bahä’u/llähs zwischen&lt;br /&gt;
uns entstanden! Der Schah von Persien&lt;br /&gt;
war zweimal in Stuttgart. Obwohl erein&lt;br /&gt;
Schah war, wurde er nur offiziell emp-&lt;br /&gt;
fangen und betreut. Er hatte jedoch&lt;br /&gt;
nicht einmal zwei aufrichtige Freunde&lt;br /&gt;
hier. Wir waren dagegen Vertriebene&lt;br /&gt;
und Gefangene, und als wir hierher&lt;br /&gt;
kamen, fanden wir so viele innige&lt;br /&gt;
Freunde. Es entstand eine beispiellose&lt;br /&gt;
Liebe und Verbindung zwischen unse-&lt;br /&gt;
ren Herzen, weil eine solche Liebe und&lt;br /&gt;
Zusammengehörigkeit durch eine au-&lt;br /&gt;
Bergewöhnliche Macht zustandekam,&lt;br /&gt;
die nur dem Wort Gottes entstammen&lt;br /&gt;
kann. Wäre diese Macht nicht am Wir-&lt;br /&gt;
ken, wie könnten so viele Herzen ge-&lt;br /&gt;
wandelt und die Seelen in diesem Maße&lt;br /&gt;
zu uns hingezogen werden. Daraus wird&lt;br /&gt;
klar, daß die heiligen Offenbarer, durch&lt;br /&gt;
die eine solch mächtige Kraft zur Wir-&lt;br /&gt;
kung kommt, das Wesen des Seins und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mächtiger als die Herrscher der sichtba-&lt;br /&gt;
ren Welt sind...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einer anderen Gruppe sagte Er:&lt;br /&gt;
»Heute verabschiede ich mich von euch.&lt;br /&gt;
Es gibt jedoch zwei Arten von Abschied.&lt;br /&gt;
Bei der einen vergessen sich die Men-&lt;br /&gt;
schen im Laufe der Zeit — so istesin der&lt;br /&gt;
stofflichen Welt. Ein Abschied, der kein&lt;br /&gt;
Vergessen kennt, ziemt dem Volke des&lt;br /&gt;
Gottesreiches und den Freunden Bahä’u’ -&lt;br /&gt;
llähs, deren Herzen, je mehr sich ihre&lt;br /&gt;
Augen entfernen, umso näher zusam-&lt;br /&gt;
menrücken. Sie haben eine Verbindung,&lt;br /&gt;
die nicht abreißt.« Und zu anderen&lt;br /&gt;
sprach Er: »Bei einem Treffen genießt&lt;br /&gt;
der Geist und nicht der Körper. Die&lt;br /&gt;
Seele empfindet die geistigen Ebenen,&lt;br /&gt;
nicht der Körper. Daher sind geistige&lt;br /&gt;
Eindrücke von Dauer...« Er ermahnte&lt;br /&gt;
Seine Freunde zu größter Liebe und&lt;br /&gt;
Freundschaft, sich in keiner Weise von-&lt;br /&gt;
einander zurückzuziehen oder beleidigt&lt;br /&gt;
zu sein, da die kleinen Ereignisse nicht&lt;br /&gt;
von Dauer seien und verschwänden.&lt;br /&gt;
Wenn einer einen Fehler mache, sollten&lt;br /&gt;
die anderen ihm verzeihen und ihm&lt;br /&gt;
nichts vorhalten, dann werde auch Gott&lt;br /&gt;
mit ihren Fehlern nachsichtig sein. Der&lt;br /&gt;
Mensch müsse stark und standhaft sein,&lt;br /&gt;
und nicht wie ein Strohhalm durch&lt;br /&gt;
jeden Windhauch hin- und herwan-&lt;br /&gt;
ken... »Wir sind alle Tropfen eines Mee-&lt;br /&gt;
res«, sagte Er zu einer weiteren Gruppe.&lt;br /&gt;
»Die Tropfen sind nicht vom Meer ge-&lt;br /&gt;
trennt... Wir stehen alle unter der schüt-&lt;br /&gt;
zenden Güte Bahä’u&#039;llähs. Das Licht Sei-&lt;br /&gt;
ner Gnade scheint auf alle. Wir genie-&lt;br /&gt;
Ben alle den Segen dieser Sonne der&lt;br /&gt;
Wahrheit... Darum werden wir immer&lt;br /&gt;
zusammengehören...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Freunde ‘Abdu’l-Bahás kamen&lt;br /&gt;
zum Bahnhof mit Blumen in der Hand&lt;br /&gt;
und Tränen in den Augen. Er tröstete sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit gütigen Worten, bis der Zug um&lt;br /&gt;
9 Uhr in Richtung Paris abfuhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ/-BRIEFE 55 APRIL 1988 17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=20}}»Dies ist das Jahrhundert des Lichts«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer öffentlichen Ansprache Abdu’F-Bahas vom 3. April 1913&lt;br /&gt;
im Bürgermuseum in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus fernen Landen komme ich zu euch. 20 000 Meilen bin ich gereist, bis ich&lt;br /&gt;
bei euch war. 40 Jahre war ich eingekerkert. Ich war noch ein junger Mann,&lt;br /&gt;
als man mich in Ketten legte, und meine Haare sind weiß geworden, ehe sich&lt;br /&gt;
die Gefängnistüren mir öffneten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach all diesen harten Leiden des Gefängnisses nahm ich willig alle Mühse-&lt;br /&gt;
ligkeiten einer langen Reise auf mich und bin nun hier, um mich mit euch zu&lt;br /&gt;
vereinigen und euch zu begegnen. Meine Absicht ist, die Menschheit zu er-&lt;br /&gt;
leuchten und alle Menschen in vollkommener Liebe und Freundschaft zu ver-&lt;br /&gt;
einigen. Religiöse und nationale Vorurteile sowie die Rassenunterschiede&lt;br /&gt;
müssen beseitigt werden; die Menschheit muß unabhängig werden, denn die&lt;br /&gt;
Grundlage der Religion Gottes ist die Liebe, sie ist das gemeinsame Gefühl&lt;br /&gt;
unter allen, die Solidarität, die sie verbindet. Aber heute ist die Grundlage der&lt;br /&gt;
Religion verlassen; alle Religionen bestehen in Dogmen. Weil nun diese Dog-&lt;br /&gt;
men voneinander abweichen, so ist dadurch Uneinigkeit und Haß entstan-&lt;br /&gt;
den. Die Religion muß die Grundlage alles guten Einvernehmens sein. Be-&lt;br /&gt;
trachtet die Wirren auf dem Balkan. Wieviel Blut wird da vergossen! Wie&lt;br /&gt;
viele tausend Mütter haben ihre Söhne verloren und wie viele Kinder sind&lt;br /&gt;
Waisen geworden! Wie viele Häuser sind zugrunde gegangen, wie viele Dör-&lt;br /&gt;
fer sind zerstört und wie viele Städte verwüstet! Aus dem Balkan ist ein Vul-&lt;br /&gt;
kan geworden. Alle diese Ruinen — woher rühren sie? Teilweise von dem Vor-&lt;br /&gt;
urteil der Religionen untereinander! Sie werden hervorgerufen durch Aber-&lt;br /&gt;
glauben und Rassenvorurteile. Das Wesen der Religion Gottes ist die Liebe&lt;br /&gt;
und die Erleuchtung der Menschheit; alle heiligen Bücher legen Zeugnis&lt;br /&gt;
davon ab. Aber die Menschen haben heute vergessen, was das wahre Wesen&lt;br /&gt;
der Religion ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Nation und jedes Volk hält zu einem bestimmten Dogma. Jedes Ding&lt;br /&gt;
in der Welt der Existenz unterliegt aber einer Veränderung. Dieser Wechsel&lt;br /&gt;
und diese Veränderung sind Erfordernisse des Lebens. Sehet zum Beispiel&lt;br /&gt;
diese Blumen vor uns. Siekommen aus dem Samenkorn hervor. Nachdem sie&lt;br /&gt;
zu dieser Entwicklung gelangt sind, haben sie den Zustand der Vollkommen-&lt;br /&gt;
heit erreicht; nun gehen sie wieder zurück. Das ist das unveränderliche Gesetz&lt;br /&gt;
der Schöpfung. In gleicher Weise entwickelt sich der Mensch von seiner&lt;br /&gt;
Jugend bis zu seiner Reife; und sobald dieser Zustand der Reife erlangt ist,&lt;br /&gt;
beginnt er wieder abwärts zu steigen. Demselben Gesetz sind auch alle Reli-&lt;br /&gt;
gionen und Kirchen unterworfen. Sie sind gegründet, damit sie aufblühen&lt;br /&gt;
und sich entwickeln sollen, um nach Erfüllung ihrer Mission wieder zurück-&lt;br /&gt;
zugehen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahren Lehren Gottes gleichen dem Kern in der Schale. Wir müssen&lt;br /&gt;
das Innere, den Kern, von der Schale loslösen. Die Menschheit ist in der Dun-&lt;br /&gt;
kelheit. Unser Ziel ist, die Menschheit zu erleuchten. Es ist natürlich, daß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 BAHÄI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=21}}nach jeder dunklen Nacht ein heller Tagkommt. Es ist unsere Hoffnung, daß&lt;br /&gt;
diese Dunkelheit zerstreut wird und daß die Strahlen der Sonne der Wirklich-&lt;br /&gt;
keit wieder leuchten. Wir haben das Vertrauen, daß auf die Dunkelheit ein&lt;br /&gt;
heller Tag kommt, wie es unsere Hoffnung ist, daß nach dem kalten Winter&lt;br /&gt;
wieder ein neuer Frühling erscheint, der die Natur erfrischt und belebt, so daß&lt;br /&gt;
die Bäume sprossen, grünen und Blätter, Blüten und Früchte hervorbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott, daß das erleuchtete Jahrhundert herabkommt. Preis sei Gott,&lt;br /&gt;
denn dieser Frühling ist angebrochen. Preis sei Gott, daß die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
aller Dinge enthüllt worden ist. Dieses Jahrhundert ist das Jahrhundert des&lt;br /&gt;
Lichts. Diese Periode ist die Periode der Wissenschaft. Dieser Zyklus ist der&lt;br /&gt;
Zyklus der Wirklichkeit. Dieses Zeitalter ist das Zeitalter des Fortschritts und&lt;br /&gt;
der Gedankenfreiheit. Dieser Tag ist der größte Tag des Wehens des Heiligen&lt;br /&gt;
Geistes. Dieses Zeitalter ist das Zeitalter, welches zu neuem Leben erweckt.&lt;br /&gt;
Deshalb hoffe ich, daß alles in Harmonie geeinigt wird. Strebet und wirket,&lt;br /&gt;
damit die Fahne der Menschlichkeit und Einigkeit aufgerichtet werde, daß das&lt;br /&gt;
Licht des universalen Friedens scheine, daß der Westen und Osten sich um-&lt;br /&gt;
arme und so die materielle Welt der Spiegel des Reiches Gottes werde. Ewiges&lt;br /&gt;
Licht möge hervorleuchten, und jener Tag möge kommen, auf den keine&lt;br /&gt;
Nacht mehr folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zeitalter muß jeder sein Angesicht Gott zuwenden, so daß die&lt;br /&gt;
himmlische Erneuerung mit der natürlichen Zivilisation Hand in Hand geht.&lt;br /&gt;
Materielle, äußere Zivilisation allein vermag die Welt nicht glücklich zu ma-&lt;br /&gt;
chen. Göttliche, innere Erneuerung muß die materielle Zivilisation stützen.&lt;br /&gt;
Die Männer der Wissenschaft und der Philosophie sind die Begründer der&lt;br /&gt;
materiellen Zivilisation und geistigen Kultur, aber Seine Heiligkeit Christus&lt;br /&gt;
war der Gründer der göttlichen Zivilisation. Die materielle Zivilisation dient&lt;br /&gt;
dem äußeren Leben des Menschen, aber die geistliche Zivilisation begründet&lt;br /&gt;
die Welt des Sittlichen. Diese zwei Zivilisationen müssen Hand in Hand&lt;br /&gt;
gehen. Materielle Zivilisation gleicht einer Lampe, aber die göttliche Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion gleicht dem Licht innerhalb der Lampe. Die Lampe ohne Licht ist nutz-&lt;br /&gt;
los. Wir leben jetzt an dem Tag, an dem unsere Wissenschaft mit der geistli-&lt;br /&gt;
chen Zivilisation Hand in Hand gehen muß. Innere Zivilisation gleicht dem&lt;br /&gt;
Geist, der den Körper belebt. Solange der Geist im Körper weilt, haben wir&lt;br /&gt;
ein lebendiges Wesen vor uns, aber ein Körper ohne Geist ist tot. Es ist meine&lt;br /&gt;
Hoffnung und mein Wunsch, daß alle den Grad geistiger Veredlung erreichen&lt;br /&gt;
mögen. Gleichwie ihr große Fortschritte in materiellen Wissenschaften ge-&lt;br /&gt;
macht habt, so möget ihr auch voranschreiten in der geistigen Welt; dann&lt;br /&gt;
werden die Lichter des Königreichs Gottes durch alle Welt scheinen. Möge die&lt;br /&gt;
Sonne der Wirklichkeit den Osten und den Westen erleuchten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus Sonne der Wahrheit, 1. Jahrgang 1921/22, 5. 108ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 55 APRIL 1988 19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 BAHAÄ’-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=23}}»Das Fundament der Religion Gottes ist ein und dasselbe«&lt;br /&gt;
Aus einer Ansprache Abdu&#039;l-Bahas vom 3. April 1913&lt;br /&gt;
zu Baha’i-Freunden in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist ein sehr gesegneter Tag, weil ich mich in Stuttgart, viele tausend Mei-&lt;br /&gt;
len von meiner Heimat entfernt, in einer solch geachteten Versammlung be-&lt;br /&gt;
finde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie eure Herzen erleuchtet sind, so zeigen eure Gesichter dieselbe Wahr-&lt;br /&gt;
heit. Ich hoffe, daß jeder von euch, die ihr die Botschaft der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit vernehmt, diese verkündigt, so daß die Religion Gottes überall&lt;br /&gt;
verbreitet werde, daß das Hauptprinzip der Lehren Christi überall respektiert&lt;br /&gt;
werde. Denn das Fundament der Religion Gottes ist ein und dasselbe. Das&lt;br /&gt;
Wesen des Gottesglaubens ist einheitlich. Von Anbeginn der Schöpfung war&lt;br /&gt;
das Objekt aller Religion und ihr Ziel ein und dasselbe. Alle Religionsträger&lt;br /&gt;
Gottes haben die Einheit der Menschen verkündet, sie laden alle Menschen&lt;br /&gt;
zum Frieden, zur Erlösung ein, sie haben allen Menschen befohlen, Liebe und&lt;br /&gt;
Freundschaft zu pflegen, sie haben die Tugenden der Menschheit in die Her-&lt;br /&gt;
zen der Menschen eingegraben. Sie haben alle Menschen gerufen, in das Kö-&lt;br /&gt;
nigreich Gottes einzutreten. Sie haben die Menschen zum ewigen Leben ge-&lt;br /&gt;
rufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Offenbarung der Religion Gottes ist in zwei Teile geteilt; der erste Teil,&lt;br /&gt;
welcher das Fundament der Religion Gottes ist, behandelt die Moral, er lehrt&lt;br /&gt;
Vergeistigung; dieses ist das Wissen von Gott, es ist die Liebe Gottes, es ist&lt;br /&gt;
Mitleid gegen alle Menschen der Welt, es ist die Einigkeit der Menschheit, es&lt;br /&gt;
ist universaler Friede. Dieser erste Teil der Religion Gottes behandelt die gött-&lt;br /&gt;
liche Tugend, er ist Geistigkeit, kurz, er gehört dem Reiche der Ethik an. Dies&lt;br /&gt;
ist gleichbleibend durch alle Religionen hindurch seit Adam bis zur gegenwär-&lt;br /&gt;
tigen Zeit, dieser Teil unterlag keiner Veränderung und keiner Umgestaltung.&lt;br /&gt;
Dieser ist das Fundament der Religion Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Teil ist nicht so wesentlich, er gehört den äußeren Zeremonien&lt;br /&gt;
an, er unterliegt der Veränderung des Zeitalters und ist der Entwicklungsstufe&lt;br /&gt;
der Menschheit angepaßt, wie zum Beispiel der des Mosaischen Zeitalters.&lt;br /&gt;
Der zweite Teil der Religion gehört zu den veränderlichen, äußerlichen Ver-&lt;br /&gt;
richtungen. Er unterlag der Veränderung in der Zeit Christi. Zum Beispiel&lt;br /&gt;
wurde Ehescheidung während der Mosaischen Periode ausgeübt. Aber Chri-&lt;br /&gt;
stus veränderte dieses Gesetz, weil die Menschen von diesem Gesetz bis zum&lt;br /&gt;
Übermaß Gebrauch machten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz, das Fundament aller Religion, das Wesen aller Religion ist eines und&lt;br /&gt;
einzig dastehend in seiner Art. Die Wirklichkeit, das ewige Wesen, ist eines,&lt;br /&gt;
es kann nicht vervielfältigt und niemals verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel aller Religion Gottes ist Liebe, Zuneigung, Freundlichkeit und&lt;br /&gt;
Güte. Die Religion muß notwendigerweise die Herzen der Menschen zusam-&lt;br /&gt;
menbinden. Aber in diesen Tagen und in diesem Zeitalter wurde tausendmal&lt;br /&gt;
die Religion zur Ursache des Hasses und des Streits. Christus nahm viele&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=24}}Trübsale und Leiden auf sich, um Liebe und Einigkeit unter den Menschen zu&lt;br /&gt;
schaffen. Viele Tage und Nächte wanderte Er in der Wüste, Er nahm willig&lt;br /&gt;
jede Trübsal auf sich. Er ertrug alle Verleumdungen und zuletzt erduldete Er&lt;br /&gt;
den Tod am Kreuz. Warum tat Er all dies? Sein Ziel war, die Menschheit zu&lt;br /&gt;
erleuchten, so daß Einigkeit und Harmonie in ihren Herzen Platz greifen&lt;br /&gt;
möchten. Friede und Vergebung sollten in allen Ländern herrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Propheten Gottes haben sich gleichfalls bemüht, daß die Menschen&lt;br /&gt;
Frieden halten und Liebe und Einigkeit ausüben sollen. Aber wie bedauerns-&lt;br /&gt;
wert ist es, daß sogar heute noch die Konfessionen einander feind sind. Sie&lt;br /&gt;
vergießen Blut untereinander, sie berauben einander, sie zerstören ihre Hei-&lt;br /&gt;
mat, ihre Häuser. Alle diese Dinge werden im Namen der Religion ausgeübt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang aller Religion war Friede und Erlösung, die den Menschen zum&lt;br /&gt;
Weltfrieden rufen sollten; sie befahl ihnen, liebend und mitleidig zu sein.&lt;br /&gt;
Aber heutzutage ist das Fundament der Religion vergessen. Gewisse Dogmen&lt;br /&gt;
und Aberglaube kommen durch die Menschen hinzu. Doch diese Dogmen&lt;br /&gt;
haben nichts zu tun mit dem Fundament der göttlichen Religion. Diese ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Konfessionen und Sekten unterscheiden sich voneinander und er-&lt;br /&gt;
gehen sich daher in Verfolgung und Heftigkeit. Deshalb müssen wir uns&lt;br /&gt;
immer bemühen, daß diese Dogmen beiseite gelassen werden und daß dieser&lt;br /&gt;
Aberglaube aufgegeben und das Fundament der göttlichen Religion sichtbar&lt;br /&gt;
errichtet werden. Diese Dogmen sind wie schwarze Wolken, und das Funda-&lt;br /&gt;
ment der Religion Gottes ist wie die welterleuchtende ideale Sonne. Wir müs-&lt;br /&gt;
sen den Odem Gottes einwirken lassen, so daß diese finsteren Wolken verjagt&lt;br /&gt;
werden, daß die ideale Sonne der Wahrheit die Menschen erleuchte. Dann&lt;br /&gt;
wird die ganze Menschheit erleuchtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einer Zeit, als die Finsternis den Orient umgab, bedeckten die Wolken&lt;br /&gt;
der Dogmen den Horizont des Ostens. Es gab viele Kriege unter verschiede-&lt;br /&gt;
nen Glaubensanhängern, und viel Blut wurde vergossen, denn sie betrachte-&lt;br /&gt;
ten sich untereinander als unrein. Es gab Krieg zwischen Stämmen und Ras-&lt;br /&gt;
sen, esgab Konflikte zwischen den verschiedenen Nationen, kurz, der geistige&lt;br /&gt;
Horizont des Ostens war äußerst verfinstert. Zu einer solchen Zeit erschien&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit Bahä’u&#039;lläh! Wie eine durchdringende Sonne leuchtete Er von&lt;br /&gt;
dem Horizont des Ostens, und Er verkündigte die Lehre der Einheit der Men-&lt;br /&gt;
schen: Alle Menschen sind wie Lämmer Gottes, und Gott ist der wahre Hirte.&lt;br /&gt;
Dieser universale Hirte ist sehr gütig. Er liebt alle Seine Schafe. Wenn Er sie&lt;br /&gt;
nicht liebte, hätte Er sie nie geschaffen. Wenn Er sie nicht geliebt hätte, hätte&lt;br /&gt;
Er ihre Existenz nicht vorgesehen. Wenn Er sie nicht geliebt hätte, hätte Er sie&lt;br /&gt;
nicht beschützt. Wir sehen, daß dieser universale Hirte so gütig ist wie unser&lt;br /&gt;
leiblicher Vater. Wenn Gott gütig ist gegen alle, warum sollen wir einander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlecht behandeln? Wenn Er im Frieden ist mit allen, warum sollten wir dann&lt;br /&gt;
einander bekriegen und töten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderes Prinzip, welches Bahä’ullah proklamierte, ist, daß die Religion&lt;br /&gt;
die Ursache der Kameradschaft, der Liebe und Güte sein muß. Wenn die Reli-&lt;br /&gt;
gion nicht die Ursache der Kameradschaft, der Liebe und Freundschaft ist, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 BAHAÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=25}}ist es keine Religion. Wenn die Religion nicht das Mittel der Erleuchtung der&lt;br /&gt;
Menschheit ist, dann ist es keine Religion. Wenn die Religion nicht die Ursa-&lt;br /&gt;
che ist, daß der Friede erhalten werde, dann ist es keine Religion. Dann ist sie&lt;br /&gt;
nur eine Bürde von Aberglauben, und dann ist es besser, gar keine Religion&lt;br /&gt;
zu besitzen, als eine solche Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Prinzip, welches Bahä’ullah proklamierte, ist, daß die Religion&lt;br /&gt;
in Übereinstimmung mit der Wissenschaft und der Vernunft sein muß. Wenn&lt;br /&gt;
die Religion nicht übereinstimmt mit der Wissenschaft und der Vernunft,&lt;br /&gt;
dann ist sie ein Trugbild. Das Fundament aller Religionen war immer überein-&lt;br /&gt;
stimmend mit der Wissenschaft und der Vernunft, und das, was nicht über-&lt;br /&gt;
einstimmt mit der Wissenschaft und Vernunft, gehört in das Reich der Dog-&lt;br /&gt;
men. Dies ist der Grund, warum diese Dogmen die Ursache von Haß und&lt;br /&gt;
Krieg, von Überfällen und ähnlichen Dingen sind. Deshalb müssen wir diese&lt;br /&gt;
Dogmen ablegen, damit die Glaubensbekenntnisse sich miteinander in Liebe&lt;br /&gt;
und Freundschaft vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen den Zweck der Religion Gottes untersuchen. Die Menschen,&lt;br /&gt;
welche Bahä’u/llahs Lehre angenommen haben, begannen miteinander über-&lt;br /&gt;
einzustimmen und sich miteinander zu verbinden. Heutzutage werden viele&lt;br /&gt;
herrliche Versammlungen im Orient gehalten, worin Christen, Juden und&lt;br /&gt;
Buddhisten sich miteinander in vollkommener Liebe vereinigen. Sie behan-&lt;br /&gt;
deln einander, als ob sie Mitglieder einer Familie wären, sie sind immer bereit,&lt;br /&gt;
selbst ihr Leben füreinander zu opfern. Alle diese künstlichen Schranken,&lt;br /&gt;
diese Klüfte, sind von ihnen genommen, sie sind alle wie Schwestern und Brü-&lt;br /&gt;
der. Sie glauben an alle Propheten Gottes, sie glauben an Seine Heiligkeit&lt;br /&gt;
Christus, und heute wächst diese Liebe und Einigkeit Tag für Tag, denn die&lt;br /&gt;
Lehre Bahä’u’llähs wird durch eine göttliche Macht verbreitet. Er hat die&lt;br /&gt;
Nachfolger dieser Religionen vereinigt, Er hat Verbindung und Zuneigung&lt;br /&gt;
unter ihnen geschaffen und hat alle die Vorurteile, Dogmen und Klüfte von&lt;br /&gt;
ihnen genommen. Er erleuchtete den geistigen Horizont des Ostens. Deshalb&lt;br /&gt;
reise ich durch die verschiedenen Länder der Welt und rufe alle Nationen zum&lt;br /&gt;
Reich Gottes, zur Einheit der Menschheit rufe ich sie, und bitte sie, göttliche&lt;br /&gt;
Liebe und Zuneigung zu betätigen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott sei Dank, daß das erleuchtete Zeitalter gekommen ist! Gelobt sei Gott,&lt;br /&gt;
daß die Sonne der Wirklichkeit gedämmert hat! Es ist das Zeitalter der Einig-&lt;br /&gt;
keit der Menschheit. Jetzt ist das Zeitalter der Entfaltung der Liebe Gottes.&lt;br /&gt;
Jetzt ist das Zeitalter angebrochen, in welchem das Lamm und der Wolf aus&lt;br /&gt;
derselben Quelle trinken, der Tag, an dem die Gazelle und der Löwe auf der-&lt;br /&gt;
selben Wiese weiden werden. Jetzt ist das Zeitalter, in welchem das König-&lt;br /&gt;
reich Gottes auf der Erde sichtbar werden muß. Jetzt ist das Zeitalter angebro-&lt;br /&gt;
chen, in welchem die Strahlen des himmlischen Reiches sich ausbreiten müs-&lt;br /&gt;
sen durch den ganzen Orient und überallhin. Es ist meine Hoffnung in dieser&lt;br /&gt;
Versammlung, daß ein jeder von euch Anwesenden sich aufs äußerste be-&lt;br /&gt;
mühe, daß diese Welt das Paradies Gottes werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus Sonne der Wahrheit, 3. Jahrgang 1923/24, 5. 151 ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 55 APRIL 1988 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHÄ(-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die geistige Frühlingszeit ist angebrochen«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Ansprache ‘Abdu’l-Bahás vom 5. April 1913&lt;br /&gt;
zu Bahä’&#039;l-Freunden in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...‚Wir sind zur schönsten Jahreszeit gekommen, im Frühling, wenn alle Wie-&lt;br /&gt;
sen grünen und die Bäume in herrlicher Blüte stehen. Ich bitte Gott, daß die&lt;br /&gt;
Herzen ebenso aufblühen mögen. Ich bin sehr zufrieden mit euch und erfreut&lt;br /&gt;
über die Gläubigen Stuttgarts; denn sie sind in der Tat Gläubige; sie sind gefe-&lt;br /&gt;
stigt und treu im Bündnis und Testament. Ich werde sie nimmer vergessen.&lt;br /&gt;
Wenn ich zum Heiligen Land zurückkomme, werde ich für euch beten am&lt;br /&gt;
Heiligen Grabe Bahä’u’llähs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die materielle Welt ist der Spiegel der geistigen Welt. Wie die materielle&lt;br /&gt;
Welt ihre verschiedenen Jahreszeiten wie Frühling, Sommer, Herbst und Win-&lt;br /&gt;
ter hat, so hat auch die geistige Welt ihr Aufblühen und Dahinwelken wie&lt;br /&gt;
Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Überlegt: Die Erde, die Natur, schläft&lt;br /&gt;
im Winter; Frost und Schnee halten sie im Winterschlaf. Wenn aber der Früh-&lt;br /&gt;
ling naht, wird die ganze Erdoberfläche grün, sie ist wie verwandelt. Nun&lt;br /&gt;
können wir sehen, daß ein neues Leben in die Natur gekommen ist. Die Natur&lt;br /&gt;
war tot und ist neuerweckt worden. Die Natur war erstarrt und jetzt ent-&lt;br /&gt;
wickeln sich neue Düfte. Die Natur war krank und ist jetzt wieder gesund.&lt;br /&gt;
Ebenso verhält es sich mit der geistigen Welt. Die Welt des Geistes ist auch&lt;br /&gt;
verdunkelt gewesen. Die Herzen haben ihre enge Beziehung mit Gott verlo-&lt;br /&gt;
ren. Die Grundlagen des Gottesreichs wurden zerstört. Die Herzen befanden&lt;br /&gt;
sich in einem schlafenden, gleichgültigen Zustand. Die Seelen waren leblos..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott sei gepriesen, daß die geistige Frühlingszeit nun angebrochen ist. Die&lt;br /&gt;
Wolken der Vorsehung Gottes schütten ihren Regen herab. Die Sonne der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit strahlt. Die Lüfte der Vorsehung wehen, und in späteren Zeiten&lt;br /&gt;
werden wir sehen, daß die Seelen neu belebt und beglückt werden durch die&lt;br /&gt;
neuen Frohen Botschaften. Die Menschheit wird erwachen, denn der Geist&lt;br /&gt;
Gottes weht über die See der Existenz, und die höchsten Wünsche der Heiligen&lt;br /&gt;
Seelen werden nun verwirklicht. Die ganze Menschheit wird Freundlichkeit&lt;br /&gt;
und Güte zueinander bezeigen. Alle Menschen werden die Wellen einer See,&lt;br /&gt;
die Blumen eines Rosengartens, die Sterne eines Himmels, die köstlichen&lt;br /&gt;
Früchte eines Baumes werden, sie werden sich alle erheben zu einem Gesichts-&lt;br /&gt;
kreis. In nicht allzu langer Zeit werden sie diese große Gabe erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus Sonne der Wahrheit, 3. Jahrgang 1923/24, 5. 105)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 55 APRIL 1988 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=28}}»Die Vereinigung aller Völker nützt allen Menschen der Erde«&lt;br /&gt;
Aus einer Ansprache Abdu’l-Bahas beim Kinderfest in Esslingen am 4. April 1913&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...Ich hoffe, daß das deutsche Volk das Ziel des allgemeinen Friedens im Auge&lt;br /&gt;
behalten wird. Strebet danach, daß das Licht des Königreichs euch erleuchte.&lt;br /&gt;
Das Manna des Himmels möge auf euch herabkommen. Das Wehen des Hei-&lt;br /&gt;
ligen Geistes möge eure Herzen bewegen, das Licht der Sittlichkeit möge in&lt;br /&gt;
der Welt immer heller hervorstrahlen und die Flagge der Einigkeit möge in der&lt;br /&gt;
Welt entfaltet werden. Möchten sich doch alle Nationen und alle Völker der&lt;br /&gt;
Welt vereinigen in freundschaftlicher Gesinnung, so daß die düsteren Wol-&lt;br /&gt;
ken, die jetzt noch den Horizont der Welt verdunkeln, zerstreut werden.&lt;br /&gt;
Möchten doch die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit immer heller hervor-&lt;br /&gt;
brechen, so daß Unwissenheit und Vorurteile verschwinden. Es gibt nur einen&lt;br /&gt;
Schöpfer der Menschheit. Es gibt nur einen Vater, der die Menschheit durch&lt;br /&gt;
Seine Vorsehung lenkt. Es gibt nur einen Hirten für alle Schafe. Gott ist gütig&lt;br /&gt;
zu allen Menschen. Gleicherweise müssen auch wir zu allen Menschen&lt;br /&gt;
freundlich und gütig sein. Gott hat eine innere Gemeinschaft unter uns ge-&lt;br /&gt;
gründet, in der sich der Osten mit dem Westen vereint. Alle fünf Erdteile die-&lt;br /&gt;
ser Welt sollen sich zu einem Erdteil zusammenschließen. Möge die Liebe&lt;br /&gt;
Gottes in euren Herzen wohnen. Die Vereinigung aller Völker und die Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft untereinander nützt allen Menschen der Erde. Ich bete an der&lt;br /&gt;
Schwelle Abhäs, daß Er euch mit Seinem besonderen Segen umgebe, daß die&lt;br /&gt;
hellen Strahlen der göttlichen Sonne in eure Herzen scheinen, besonders in&lt;br /&gt;
die Herzen der Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bitte Gott, daß Er jeden von euch segnen möge. Möge Gott unser aller&lt;br /&gt;
Erzieher sein, damit diese Kinder unter dem göttlichen Schutz und der göttli-&lt;br /&gt;
chen Vorsehung heranwachsen und die höchste Tugend und Vollkommenheit&lt;br /&gt;
in dieser Welt erringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin den Esslingern sehr dankbar, daß sie mich eingeladen haben, ihr&lt;br /&gt;
Gast zu sein. Ich erkenne... auf euren hellen Gesichtern mein Gesicht wieder.&lt;br /&gt;
Ich bin unbeschreiblich glücklich, vor mir so viele glückliche Gesichter zu&lt;br /&gt;
sehen. Diese Versammlung wird eingegraben sein im Buch meiner Erinnerun-&lt;br /&gt;
gen, sie wird in Gedanken immer vor mir stehen. Ich bete für euch alle und für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jeden einzelnen von euch, daß Gottes Segensstrom auf euch herabkommen&lt;br /&gt;
möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus Sonne der Wahrheit, 3. Jahrgang 1923/24, 5. 89)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=29}}»Dies ist ein gesegneter Tagl«&lt;br /&gt;
Aus den Erinnerungen von Alice Schwarz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Alice Schwarz und ihr Gatte, Konsul Albert Schwarz, zählten zu den ersten&lt;br /&gt;
Baha&#039; in Deutschland. Alice Schwarz sind die wohl ausführlichsten Aufzeichnun-&lt;br /&gt;
gen zu verdanken, die uns heute über den Besuch Abdu’l-Bahas in Deutschland zur&lt;br /&gt;
Verfügung stehen. Während des gesamten Aufenthalts Abdu’l-Bahas in Stuttgart&lt;br /&gt;
hatte das Ehepaar Schwarz engsten Kontakt mit Ihm. Die schriftlich niedergelegten&lt;br /&gt;
Erinnerungen an diese bedeutungsvolle Zeit tragen den Titel »Lausche den Worten&lt;br /&gt;
des Erleuchteten«. Die nachfolgenden Auszüge vermitteln dem Leser einen unmittel-&lt;br /&gt;
baren Eindruck von persönlichen Begegnungen mit Abdu’l-Baha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Begegnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit bangem Herzen, doch erwartungs-&lt;br /&gt;
voll, hatten mein Mann, Konsul Albert&lt;br /&gt;
Schwarz, meine Tochter Olly und ich&lt;br /&gt;
der ersten Begegnung mit dem Meister&lt;br /&gt;
entgegengesehen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Bahá erhob sich und forderte&lt;br /&gt;
uns durch eine Handbewegung auf, in&lt;br /&gt;
Seiner Nähe Platz zu nehmen. Meine&lt;br /&gt;
Tochter überreichte Abdu’l-Bahá einen&lt;br /&gt;
großen Strauß rosafarbener Tulpen,&lt;br /&gt;
worüber sich der geliebte Meister sicht-&lt;br /&gt;
lich freute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor uns stand &#039;Abdu’l-Baha voll&lt;br /&gt;
Würde und majestätischer Ruhe. Sein&lt;br /&gt;
Haupt war bedeckt mit einem weißen&lt;br /&gt;
Turban; die silbergrauen Haare reichten&lt;br /&gt;
bis zur Schulter herab. Blaue Augen, er-&lt;br /&gt;
füllt von Liebe, leuchteten uns in strah-&lt;br /&gt;
lender Klarheit entgegen. Seine edel ge-&lt;br /&gt;
formte Stirn zeugte von höchster Vergei-&lt;br /&gt;
stigung. Sein silberweißer Bart fiel bis&lt;br /&gt;
zur Brust. Die Gesichtsfarbe war hell&lt;br /&gt;
mit leichter Tönung. Seine Stimme&lt;br /&gt;
klang weich, voll und tief. Er trug eine&lt;br /&gt;
hellbraune ‘Aba, den wollenen persi-&lt;br /&gt;
schen Mantel...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ersten Zusammen-&lt;br /&gt;
seins mit dem Meister war ich bis zu un-&lt;br /&gt;
serem Weggehen so sehr erschüttert,&lt;br /&gt;
daß es mir nicht möglich war, auch nur&lt;br /&gt;
ein Wort an Ihn zu richten. Ich fühlte in&lt;br /&gt;
meinem Innersten: Er wird das zu uns&lt;br /&gt;
sprechen, was gut für uns ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alice Schwarz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinderfest in Esslingen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem waren von Fräulein Anna&lt;br /&gt;
Köstlin die Esslinger Bahäi-Kinder&lt;br /&gt;
sonntags mit der Heiligen Lehre vertraut&lt;br /&gt;
gemacht worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. April 1913 war nun der langer-&lt;br /&gt;
sehnte Nachmittag gekommen, da sie&lt;br /&gt;
den Geliebten selbst begrüßen durften.&lt;br /&gt;
Gegen 16 Uhr traf ’Abdu’l-Bahá in Ess-&lt;br /&gt;
lingen ein. Voll Erwartung standen die&lt;br /&gt;
Kinder am Eingang des festlich ge-&lt;br /&gt;
schmückten Saals des Museums in Ess-&lt;br /&gt;
lingen, als Er dem Auto entstieg. Meh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sajsafıapuıy sap yaıygfojun auyoufny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ® « ge .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHÄ(-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=31}}rere Gläubige erwarteten den geliebten&lt;br /&gt;
Herrn ehrfürchtig am Eingang des Hau-&lt;br /&gt;
ses und geleiteten Ihn in den Saal. Voll&lt;br /&gt;
Zutrauen und Liebe scharten sich die&lt;br /&gt;
Kinder um den Meister und reichten&lt;br /&gt;
Ihm Blumen. Hierbei berührte Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahaä die Ihm entgegengestreckten&lt;br /&gt;
Händchen, liebkoste die Ihm Zunächst-&lt;br /&gt;
stehenden und beschenkte alle Kinder&lt;br /&gt;
mit Süßigkeiten. Er sprach folgenden&lt;br /&gt;
Segen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bete zu Gott, daß Er diese Kinder&lt;br /&gt;
segnen möge, daß sie aufblühende Biu-&lt;br /&gt;
men im Reiche Abhäs werden, frisch&lt;br /&gt;
und prangend in herrlichem Blühen,&lt;br /&gt;
und daß jedes von ihnen von dem Licht&lt;br /&gt;
Gottes und Seiner Liebe erleuchtet&lt;br /&gt;
werde. Sie sind Knospen, ihre Herzen&lt;br /&gt;
sind rein und ihre Seelen von lieblichster&lt;br /&gt;
Klarheit. Ich hoffe, daß sie sich in der&lt;br /&gt;
Liebe Gottes entwickeln werden wie&lt;br /&gt;
Perlen in der Schale.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun betrat Abdu/l-Bahä den Festsaal&lt;br /&gt;
und nahm Seinen reich mit Blumen&lt;br /&gt;
geschmückten Ehrenplatz ein. Nach&lt;br /&gt;
dankerfüllten Begrüßungsworten der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Freunde sprach ‘Abdu’l-Bahá:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Preis sei Gott, daß ich heute unter&lt;br /&gt;
euch bin! Ich sehe euch erleuchtet von&lt;br /&gt;
der Liebe Gottesl!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bete an der Schwelle Abhäs, daß&lt;br /&gt;
Er euch mit Seinem göttlichen Segen&lt;br /&gt;
umgebe, daß die hellen Strahlen der&lt;br /&gt;
göttlichen Sonne in eure Herzen schei-&lt;br /&gt;
nen mögen, vor allem aber in die Herzen&lt;br /&gt;
der Kinder!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bitte Gott, daß Er jeden von euch&lt;br /&gt;
segne! Möge Gott unser Erzieher sein!&lt;br /&gt;
So wachsen diese Kinder unter dem&lt;br /&gt;
Schutz Gottes und unter Seiner Vorse-&lt;br /&gt;
hung heran. Sie werden höchste Tugend&lt;br /&gt;
und Vollkommenheit in dieser Welt er-&lt;br /&gt;
langen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin den Freunden in Esslingen&lt;br /&gt;
sehr dankbar, daß sie mich zu Gast ge-&lt;br /&gt;
beten haben. Wie ich schon sagte, er-&lt;br /&gt;
kenne ich in ihren strahlenden Gesich-&lt;br /&gt;
tern mein Antlitz wieder. Ich bin hoch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beglückt, so viele leuchtende Gesichter&lt;br /&gt;
zu sehen! Dieses Beisammensein wird&lt;br /&gt;
weiterleben in meiner Erinnerung — in&lt;br /&gt;
Gedanken wird es mir stets gegenwärtig&lt;br /&gt;
sein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bete für euch alle, für jeden einzel-&lt;br /&gt;
nen von euch, daß Gottes Segen auf&lt;br /&gt;
euch ruhe!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zum Auto waren von&lt;br /&gt;
den Kindern Blumen gestreut worden,&lt;br /&gt;
um Ihn zu erfreuen. Sorglich vermied&lt;br /&gt;
der Geliebte, auf eine der Blumen zu tre-&lt;br /&gt;
ten. Bei der Abfahrt war ein Grüßen&lt;br /&gt;
und Winken ohne Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besuch in der »Wilhelma«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Nachmittags fragten wir den Mei-&lt;br /&gt;
ster, ob Er sich die »Wilhelma« ansehen&lt;br /&gt;
möchte. Auf der Fahrt im offenen Auto,&lt;br /&gt;
entlang der königlichen Anlagen, fiel&lt;br /&gt;
ein leichter Frühlingsregen; ich drückte&lt;br /&gt;
dem Meister mein Bedauern darüber&lt;br /&gt;
aus, daß sich die Sonne auf kurze Zeit&lt;br /&gt;
hinter den Wolken verberge. Da sprach&lt;br /&gt;
der Geliebte: »Sehet, wie wohltuend&lt;br /&gt;
und erquickend der Regen auf die Blät-&lt;br /&gt;
ter der Bäume wirkt.« Wieder lehrte Er&lt;br /&gt;
uns, nur das Gute zu sehen. Der leichte&lt;br /&gt;
Regenschauer war auch bald vorüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Meister betrat die schönen Park-&lt;br /&gt;
anlagen, in denen sich Wasserspiele, ge-&lt;br /&gt;
pflegte Gewächshäuser und kleinere&lt;br /&gt;
Bauten befinden... Als Er sich dem&lt;br /&gt;
Hauptgebäude zuwandte, wollte ich&lt;br /&gt;
rasch zum Eingang des Parkes zurückei-&lt;br /&gt;
len, um Eintrittskarten zu lösen. Wie&lt;br /&gt;
der Meister sich jedoch dem Eingang des&lt;br /&gt;
Schlößchens nahte, riß der Parkwächter&lt;br /&gt;
mit tiefer Verbeugung die Tore weit auf.&lt;br /&gt;
Ungehindert wandelten wir durch die in&lt;br /&gt;
rein orientalischem Stil gehaltenen&lt;br /&gt;
Räume, deren Aufteilung uns der Mei-&lt;br /&gt;
ster erklärte. Die Bedeutung der orien-&lt;br /&gt;
talischen Sinnsprüche über den Eingän-&lt;br /&gt;
gen zu den einzelnen Räumen ließ uns&lt;br /&gt;
der Geliebte übersetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die »Wilhelma«, ein 1842 — 1845 in maurischem Stil erbautes Schloß in Stuttgart-&lt;br /&gt;
Bad Cannstatt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter dem Schloß führt ein abge-&lt;br /&gt;
sperrter, wohlgepflegter Fußweg zu&lt;br /&gt;
einem erhöht gelegenen Tempelchen.&lt;br /&gt;
Dienstbeflissen öffnete der Parkwächter&lt;br /&gt;
die Sperrkette, und der Herr begab sich&lt;br /&gt;
in den einzigen Raum, den dieser Bau&lt;br /&gt;
enthält. Er setze sich auf den orientali-&lt;br /&gt;
schen Diwan und machte mir ein Zei-&lt;br /&gt;
chen, neben Ihm Platz zunehmen. Er er-&lt;br /&gt;
ging sich in Betrachtungen über die&lt;br /&gt;
Schönheit des vor Ihm liegenden&lt;br /&gt;
Neckartales mit seinen lieblichen Hö-&lt;br /&gt;
henzügen, hob segnend die Hand und&lt;br /&gt;
sprach: »Stuttgart wird sich noch sehr&lt;br /&gt;
ausdehnen und entwickeln.« Er sprach&lt;br /&gt;
über die Wechselfälle auf Erden, über ir-&lt;br /&gt;
disches und himmlisches Leben und&lt;br /&gt;
über den Sieg der Wahrheit. Der Meister&lt;br /&gt;
sagte, Er fühle sich hier so wohl, wie&lt;br /&gt;
noch nie, seitdem Er die ferne Heimat&lt;br /&gt;
verlassen habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige junge Mädchen folgten uns...&lt;br /&gt;
Auf dem Antlitz dieser jungen Men-&lt;br /&gt;
schen lag der Ausdruck großen Stau-&lt;br /&gt;
nens und tiefen Ernstes. Es war nicht die&lt;br /&gt;
orientalische Kleidung des Meisters,&lt;br /&gt;
sondern Seine majestätische Würde, die&lt;br /&gt;
sie beeindruckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 BAHAÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besuch in Bad Mergentheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 7. April 1913 war die Abreise von&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Baha nach Budapest geplant.&lt;br /&gt;
Auf die Bitte meines Mannes willigte der&lt;br /&gt;
Meister ein, Seine Abreise um einen Tag&lt;br /&gt;
zu verschieben, um Bad Mergentheim&lt;br /&gt;
zu besuchen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Fahrt war der Geliebte&lt;br /&gt;
vielin Meditation versunken; dann wie-&lt;br /&gt;
der erfreute Er sich der abwechslungs-&lt;br /&gt;
reichen Landschaft, die an Seinen&lt;br /&gt;
Augen vorüberzog... Endlich sahen wir&lt;br /&gt;
von ferne die Türme von Bad Mergent-&lt;br /&gt;
heim...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach kurzer Rast im Kurhaus machte&lt;br /&gt;
der geliebte Meister einen Rundgang,&lt;br /&gt;
besichtigte mit Interesse das Badehaus&lt;br /&gt;
und die medizinischen Einrichtungen,&lt;br /&gt;
ging durch die Wohngebäude und&lt;br /&gt;
kehrte in den Empfangsraum des Kur-&lt;br /&gt;
hauses zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Windeseile war in Bad Mergent-&lt;br /&gt;
heim bekanntgeworden, daß ein hoher&lt;br /&gt;
orientalischer Gast im Kurhaus abge-&lt;br /&gt;
stiegen sei. So war ich auch nicht über-&lt;br /&gt;
rascht, daß eine Anzahl Menschen dort&lt;br /&gt;
Seines Kommens harrte. Er sprach über&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=33}}die Entwicklung des Bades, über die&lt;br /&gt;
vorzüglichen Einrichtungen des Bade-&lt;br /&gt;
hauses, die Er mit den mangelhaften&lt;br /&gt;
Einrichtungen im Orient verglich...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Besucher weggegangen&lt;br /&gt;
waren, versenkte sich der Geliebte im&lt;br /&gt;
Gebet. Bei Seinem Anblick verstumm-&lt;br /&gt;
ten wir in Ehrfurcht. Von Seinem Ant-&lt;br /&gt;
litz ging ein Leuchten und Strahlen, aus&lt;br /&gt;
dem wir erkennen durften, wie mächtig&lt;br /&gt;
Ihn die Ströme des Ewigen verklärten.&lt;br /&gt;
Er schien entrückt in eine höhere Welt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später, an der festlich geschmückten&lt;br /&gt;
Abendtafel erzählte der geliebte Meister&lt;br /&gt;
persische Sagen und heitere Anekdoten,&lt;br /&gt;
die Ihn wie uns zu herzlichem Lachen&lt;br /&gt;
brachten. Er sagte unter anderem: »Der&lt;br /&gt;
Witz ist das Salz der Sprache.« Es war&lt;br /&gt;
mir neu, den Geliebten von dieser Seite&lt;br /&gt;
kennenzulernen; Seine Sekretäre sagten&lt;br /&gt;
mir, daß sich der Meister kaum einmal&lt;br /&gt;
in der Erzählung solcher Anekdoten&lt;br /&gt;
wiederhole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen, als wir&lt;br /&gt;
Abdul-Baha durch den taufrischen&lt;br /&gt;
Park begleiteten, sprach Er darüber, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurhaus von Bad Mergentheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehr Er sich über die Manigfaltigkeit der&lt;br /&gt;
gefiederten Sänger erfreue... Wir gingen&lt;br /&gt;
weiter und kamen zu einer kleinen An-&lt;br /&gt;
höhe. Von hier hatten wir einen freien&lt;br /&gt;
Blick über das Taubertal und seine Hö-&lt;br /&gt;
henzüge. In diesen Anblick versunken&lt;br /&gt;
sprach der Meister: »Dies ist ein herrli-&lt;br /&gt;
cher Ort, die Atmosphäre hat eine äu-&lt;br /&gt;
Berst günstige Einwirkung auf Kranke.&lt;br /&gt;
Die Umgebung ist dem Auge wohltuend&lt;br /&gt;
und lieblich.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hatte den Eindruck, daß Abdu’l-&lt;br /&gt;
Baha sich hier wohlfühlte. Mein Mann&lt;br /&gt;
bat den Meister mit herzlichen Worten,&lt;br /&gt;
Er möge, wann es Ihm immer beliebe,&lt;br /&gt;
hier der Ruhe pflegen. Darauf erwiderte&lt;br /&gt;
der Meister: »Ich bin nach Baden-Baden&lt;br /&gt;
zur Erholung eingeladen worden, aber&lt;br /&gt;
es ist nicht meine Aufgabe zu rasten,&lt;br /&gt;
noch der Ruhe zu pflegen, sondern dem&lt;br /&gt;
Reich Gottes zu dienen. Meine Erholung&lt;br /&gt;
liegt in dem Verkünden der Frohen Bot-&lt;br /&gt;
schaften, und meine Freude ist,&lt;br /&gt;
Bahä’u/lläh zu dienen; auch haben wir&lt;br /&gt;
versprochen, nach Budapest zu kom-&lt;br /&gt;
men. Dort sind schon Versammlungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ(-BRIEFE 55 APRIL 1988 31&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=34}}unayyuasıayy prg uoa Yyapdıny wı&lt;br /&gt;
spypg-],npqy, yInsag uap un sulajsyuapan) sap Zunjnygu7 12p yaıjgfoguo 9L6L a1yp[ wap snv auyoulny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u iS a % ®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
e&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 BAHÄ(-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=35}}und Vorträge festgelegt. Viele Seelen&lt;br /&gt;
sehnen sich und warten auf Abdul-&lt;br /&gt;
Bahä, ich muß deshalb weiterziehen.&lt;br /&gt;
Wenn ich an einem Ort bleiben möchte,&lt;br /&gt;
so wäre es hier! Dieses Bad ziehe ich&lt;br /&gt;
jedem anderen vor!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Rückweg in das Kurhaus be-&lt;br /&gt;
gegneten wir einem kleinen schwachsin-&lt;br /&gt;
nigen und verkrüppelten Mädchen... Es&lt;br /&gt;
war für mich ein großes Erlebnis, wie&lt;br /&gt;
der Meister liebevoll das Kind zu sich&lt;br /&gt;
heranwinkte, ihm über den Kopf strich,&lt;br /&gt;
einige gütige Worte zu ihm sprach und&lt;br /&gt;
ihm eine Münze in die Hand drückte. —&lt;br /&gt;
Wieder war es ein Beweis Seiner großen&lt;br /&gt;
Nächstenliebe. Allem Leiden galt in er-&lt;br /&gt;
ster Linie Seine Sorge. Als wir weitergin-&lt;br /&gt;
gen, sprach der Meister über das Leid,&lt;br /&gt;
das über uns kommt, daß dies ein ver-&lt;br /&gt;
hüllter Engel sei, ein von Gott gesandter&lt;br /&gt;
Bote, der zurückkehrt und berichtet,&lt;br /&gt;
wie wir ihn aufgenommen haben.&lt;br /&gt;
Stürme und Wetter beugen die Halme!&lt;br /&gt;
Im Leiden sollen wir wachsen, einsichts-&lt;br /&gt;
voll werden und dankbar sein auch für&lt;br /&gt;
jedes Leid, das uns der Allmächtige&lt;br /&gt;
sendet...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Seiner Abfahrt nach Stuttgart&lt;br /&gt;
ließ der Geliebte die Ärzte und Direkto-&lt;br /&gt;
ren des Bades zu sich rufen und er-&lt;br /&gt;
mahnte sie zu äußerster Pflichterfüllung&lt;br /&gt;
und Gewissenhaftigkeit in ihrer großen&lt;br /&gt;
Verantwortung, da sie in einem Unter-&lt;br /&gt;
nehmen arbeiten, das für die leidende&lt;br /&gt;
Menschheit von so großem Wert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geliebte wurde höflich gebeten,&lt;br /&gt;
sich in das Gästebuch des Kurhauses&lt;br /&gt;
einzuschreiben. Bereitwillig erfüllte Er&lt;br /&gt;
diesen Wunsch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»O Du Allmächtiger! Abdu’/l-Baha&lt;br /&gt;
kam in dieses Kurhaus und gewahrte al-&lt;br /&gt;
lerorts die größte Achtsamkeit. Eine&lt;br /&gt;
Nacht verweilte Er hier. O Gott, segne&lt;br /&gt;
dieses Kurhaus und schenke ihm Fr-&lt;br /&gt;
folg!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wurde eine Gruppenauf-&lt;br /&gt;
nahme gemacht und der Geliebte begab&lt;br /&gt;
sich zum Auto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir dürfen voll Vertrauen sein«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu unserer größten Sorge hatte sich der&lt;br /&gt;
Gesundheitszustand des Meisters so sehr&lt;br /&gt;
verschlimmert, daß Er am Nachmittag&lt;br /&gt;
einer Versammlung in privatem Kreis&lt;br /&gt;
nicht beiwohnen konnte. Der behan-&lt;br /&gt;
delnde Arzt, Dr. Faber, hatte den Mei-&lt;br /&gt;
ster ausdrücklich gebeten, das Zimmer&lt;br /&gt;
nicht zu verlassen und sich sehr zu scho-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diesen Abend war eine große öf-&lt;br /&gt;
fentliche Versammlung im Bürgermu-&lt;br /&gt;
seum durch die Presse bekanntgegeben&lt;br /&gt;
worden. Es waren Artikel erschienen, in&lt;br /&gt;
denen mitgeteilt wurde, daß der große&lt;br /&gt;
persische »Religionsphilosoph«, der&lt;br /&gt;
jahrzehntelang Seiner hohen Mission&lt;br /&gt;
wegen schwerste Kerkerhaft erduldet&lt;br /&gt;
hatte, persönlich zu den Anwesenden&lt;br /&gt;
sprechen werde. Kurz vor Beginn des&lt;br /&gt;
Vortrages rief der Meister Seine Sekre-&lt;br /&gt;
täre und einige vertraute Freunde zu sich&lt;br /&gt;
und sprach: »Mein Gesundheitszustand&lt;br /&gt;
erlaubt mir nicht, in der Versammlung&lt;br /&gt;
heute abend zu sprechen. Gehet ihr und&lt;br /&gt;
redet! Der Segen aus dem Reiche EI&lt;br /&gt;
Abhäs wird mit euch sein!... Sendet&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Seine Hilfe, dürfen wir voll&lt;br /&gt;
Vertrauen sein. Seine Hilfe ließ mich zu&lt;br /&gt;
jeder Zeit alle Schwierigkeiten überwin-&lt;br /&gt;
den! Ich werde hier bleiben. Gehet nun!&lt;br /&gt;
Sein Heiliger Segen wird mit euch sein!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Saal des Bürgermuseums hatten&lt;br /&gt;
sich inzwischen mehrere hundert Men-&lt;br /&gt;
schen eingefunden; sie sahen erwar-&lt;br /&gt;
tungsvoll der Ansprache des hohen Be-&lt;br /&gt;
suches entgegen. Als die Sekretäre des&lt;br /&gt;
Meisters den überfüllten Saal betraten,&lt;br /&gt;
fühlten sie sich verpflichtet, ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Baha von dem großen Interesse, das&lt;br /&gt;
Ihm und Seinem Vortrag galt, zu berich-&lt;br /&gt;
ten. Sie wollten Ihn bitten, sich — wenn&lt;br /&gt;
auch nur kurz — zu zeigen. Wenn Er&lt;br /&gt;
auch wegen Seiner angegriffenen Ge-&lt;br /&gt;
sundheit keine Ansprache halten könne,&lt;br /&gt;
so würde doch Seine persönliche Anwe-&lt;br /&gt;
senheit einen tiefen Eindruck machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 55 APRIL 1988 33&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=36}}Mein Mann übernahm es, diese Bitte&lt;br /&gt;
dem Geliebten vorzutragen, und begab&lt;br /&gt;
sich unverzüglich zum Hotel. Der Mei-&lt;br /&gt;
ster erhob sich und sprach: »Dem Arzt&lt;br /&gt;
habe ich versprochen, mich zu schonen.&lt;br /&gt;
Aber gerne gebe ich meine Gesundheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin für die Heilige Lehre im Dienst für&lt;br /&gt;
die Freunde Bahä’u’llähs.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Kinder sind Lieblinge Baha’u’llahs«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marie Schweizer war mit ihren beiden&lt;br /&gt;
Kindern gekommen, auch war die Fami-&lt;br /&gt;
lie Häfner mit ihrem kleinen Sohn um&lt;br /&gt;
den Meister. Abdu’l-Baháa wandte sich&lt;br /&gt;
den Kindern zu: »Kommt ein Besuch zu&lt;br /&gt;
einem türkischen Pascha, so gibt er Bak-&lt;br /&gt;
schisch! So werde ich auch diesen lieben&lt;br /&gt;
Kindern hier Bakschisch geben! Ich will&lt;br /&gt;
diese kleinen Paschas hier durch Bak-&lt;br /&gt;
schisch gewinnen!« Darauf verteilte der&lt;br /&gt;
Meister freigebig Süßigkeiten. »Ich liebe&lt;br /&gt;
Kinder so sehr, denn sie sind dem Kö-&lt;br /&gt;
nigreich Gottes am nächsten. Ich hoffe,&lt;br /&gt;
daß der Tagkommen wird, an dem diese&lt;br /&gt;
Kinder als festgewurzelte Bäume die be-&lt;br /&gt;
sten Früchte tragen werden. Kinder sind&lt;br /&gt;
Lieblinge Bahä’ullähs, deshalb liebe&lt;br /&gt;
auch ich sie so sehr.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel von Geduld und Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Mahlzeit zog Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
meinen Jüngsten, den damals siebenjäh-&lt;br /&gt;
rigen Axel, liebevoll an sich und sprach&lt;br /&gt;
gütig zu ihm: »Ich nehme dich mit nach&lt;br /&gt;
Paris!« Darüber war das Kind über-&lt;br /&gt;
glücklich, und gleich beteuerten die Se-&lt;br /&gt;
kretäre des Meisters, um ihn so besorgt&lt;br /&gt;
zu sein, als wenn er bei seiner Mutter&lt;br /&gt;
wäre. Doch unvermittelt fing der Junge&lt;br /&gt;
zu weinen an und sagte: »Mein Lehrer ist&lt;br /&gt;
sehr streng, nie wird er erlauben, daß&lt;br /&gt;
ich die Schule versäume.« Darauf wurde&lt;br /&gt;
er von ‘Abdu’l-Bahá liebevoll getröstet&lt;br /&gt;
und zu einer vorgesehenen Autofahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 BAHÄTI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Bebenhausen eingeladen, worüber&lt;br /&gt;
das Kind sehr beglückt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sprach der Meister längere Zeit&lt;br /&gt;
über die Erziehung der Kinder und die&lt;br /&gt;
Verantwortung, die der Schullehrer&lt;br /&gt;
hierbei trage. Der Meister wünscht, daß&lt;br /&gt;
die Kinder die allerbeste Erziehung er-&lt;br /&gt;
halten, daß sie zu Höflichkeit, Hilfsbe-&lt;br /&gt;
reitschaft, zu Selbstbeherrschung erzo-&lt;br /&gt;
gen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er selbst gab allen Menschen mit Sei-&lt;br /&gt;
nem Leben ein Beispiel von Geduld und&lt;br /&gt;
Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schweigend folgte mein älterer Sohn&lt;br /&gt;
Wolfgang den weisen Worten des Mei-&lt;br /&gt;
sters. Er war ein stilles Kind. Gütig lä-&lt;br /&gt;
chelte der Geliebte dem Knaben zu. Er&lt;br /&gt;
ermunterte ihn: »Ein junger Mensch soll&lt;br /&gt;
viel reden, seine Sprache entwickeln; ist&lt;br /&gt;
er im Mannesalter, soll er sich mit Maß&lt;br /&gt;
und Überlegung äußern; ein alter&lt;br /&gt;
Mann, ein Greis soll schweigen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das königliche Mahl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun möchte ich eine Erzählung des ge-&lt;br /&gt;
liebten Meisters einfügen, die beweist,&lt;br /&gt;
wie sehr Er Liebe als das Höchste&lt;br /&gt;
schätzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war am Sonntag, den 27. April, als&lt;br /&gt;
Er uns die Ehre erwies, bei uns die Mahl-&lt;br /&gt;
zeit einzunehmen. Jedesmal, wenn Er&lt;br /&gt;
uns mit Seinem Besuch ehrte, zog Er sich&lt;br /&gt;
erst zurück, um zu ruhen; doch an die-&lt;br /&gt;
sem Tag forderte Er alle Familienmitglie-&lt;br /&gt;
der auf, im Empfangszimmer in Seiner&lt;br /&gt;
Nähe zu verharren. Unvergeßlich sind&lt;br /&gt;
mir Seine Worte und das strahlende&lt;br /&gt;
Leuchten, das auf Seinem heiligen Ant-&lt;br /&gt;
litz lag:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jedesmal, wenn ich euer Haus be-&lt;br /&gt;
trete, empfinde ich eine so starke Liebe.&lt;br /&gt;
Hört, was ich euch erzählen will: Tief in&lt;br /&gt;
der Wüste, 15 Meilen von Baghdad ent-&lt;br /&gt;
fernt, lebte ein sehr armer Mann. Küm-&lt;br /&gt;
merlich ernährte er sich mit Dornsam-&lt;br /&gt;
meln. Als aufrichtiger Bahä’i lebte er so&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schloß Bebenhausen bei Tübingen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gut als er vermochte nach den Gesetzen&lt;br /&gt;
Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte große Sehnsucht nach mir, so&lt;br /&gt;
beschloß ich, ihn aufzusuchen. Es war&lt;br /&gt;
sehr heiß; wir besaßen keine Mittel, ein&lt;br /&gt;
Gespann oder ein Reittier zu mieten, um&lt;br /&gt;
rascher und leichter diesen Freund in der&lt;br /&gt;
Wüste aufsuchen zu können. Weil er&lt;br /&gt;
aber so sehr bat, machte ich mich auf&lt;br /&gt;
den weiten Weg zu der armseligen Bin-&lt;br /&gt;
senhütte. Bei Nacht war ich mit einigen&lt;br /&gt;
Freunden aufgebrochen, damit wir vor&lt;br /&gt;
Einbruch der Glut des Tages schon ein&lt;br /&gt;
großes Stück des Weges zurückgelegt&lt;br /&gt;
hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Sonne aufgestiegen war und&lt;br /&gt;
die Hitze mehr und mehr zunahm, sang&lt;br /&gt;
ich Tablets von Bahä’u/lläh, um neue&lt;br /&gt;
Kräfte zu schöpfen. So kam gegen Mit-&lt;br /&gt;
tag, als ich schon sehr erschöpft und&lt;br /&gt;
stark erhitzt war, die Hütte des armen&lt;br /&gt;
Mannes in Sicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er uns sah, eilte er uns voll Selig-&lt;br /&gt;
keit entgegen und bat uns inständig, in&lt;br /&gt;
seine Behausung zu kommen. Dort war&lt;br /&gt;
es noch heißer und sehr eng.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir aber sangen heilige Tablets von&lt;br /&gt;
Bahäu’lläh; dadurch wurde unsere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seele aller äußerlichen Beschwerden&lt;br /&gt;
enthoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der arme Mann lud mich zu seinem&lt;br /&gt;
Mahle. Mitten in der Hütte war die Feu-&lt;br /&gt;
erstelle, ein Loch im Wüstensand. Dort&lt;br /&gt;
entfachte die Frau des Dornsammlers&lt;br /&gt;
ein Feuer und knetete aus Mehl und&lt;br /&gt;
Wasser eine große Kugel. Sie legte diese&lt;br /&gt;
in die Glut und häufte viel Reisig dar-&lt;br /&gt;
über. Nach einiger Zeit entfernte sie die&lt;br /&gt;
Asche und nahm die völlig verrußte&lt;br /&gt;
Kugel in die Hand, brach sie in Stücke&lt;br /&gt;
und drückte in jedes Stück eine Dattel.&lt;br /&gt;
Dieses Brot war völlig teigig und unaus-&lt;br /&gt;
gebacken. Es war die einzige Mahlzeit&lt;br /&gt;
der armen Wüstenbewohner, die sie sich&lt;br /&gt;
Tag für Tag zweimal bereiteten. Aber&lt;br /&gt;
diese Speise wurde mir mit so großer&lt;br /&gt;
Liebe gereicht, daß ich den Geschmack&lt;br /&gt;
davon jetzt wieder auf den Lippen habe&lt;br /&gt;
und noch oft an dieses königliche Mahl&lt;br /&gt;
zurückdenkel«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besuch auf dem Jagdschloß Bebenhausen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Mann war sehr bemüht gewesen,&lt;br /&gt;
ein Zusammentreffen zwischen dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 35&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=38}}König von Württemberg, Wilhelm dem&lt;br /&gt;
Zweiten, und Abdu/l-Bahä zustande zu&lt;br /&gt;
bringen. Er hatte sich aus diesem&lt;br /&gt;
Grunde mit dem ihm sehr befreundeten&lt;br /&gt;
Kabinettschef des Königs in Verbin-&lt;br /&gt;
dung gesetzt. Von diesem war meinem&lt;br /&gt;
Mann versprochen worden, daß eine&lt;br /&gt;
Begegnung ermöglicht werde. Zu unse-&lt;br /&gt;
rem größten Bedauern fand dieses Zu-&lt;br /&gt;
sammentreffen jedoch nicht statt, da&lt;br /&gt;
der König eine geplante Reise vorverle-&lt;br /&gt;
gen mußte; so hatten wir ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
den Vorschlag gemacht, Ihm einen der&lt;br /&gt;
schönsten Sitze des Königs zu zeigen.&lt;br /&gt;
Wir erzählten Ihm von dem Jagdschloß&lt;br /&gt;
Bebenhausen bei Tübingen, in dem die&lt;br /&gt;
hohen Herrschaften mehrere Monate im&lt;br /&gt;
Jahr verbringen — ein früheres Zister-&lt;br /&gt;
zienserkloster, das in der Einsamkeit des&lt;br /&gt;
Schönbuchs liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geliebte ging auf unseren Vor-&lt;br /&gt;
schlag ein und am Nachmittag erreich-&lt;br /&gt;
ten wir die stillen Wälder des Schön-&lt;br /&gt;
buchs; der Meister hatte meine Tochter&lt;br /&gt;
Olly und meinen jüngsten Sohn Axel zu&lt;br /&gt;
dieser Autofahrt eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eintragung Abdu’l-Bahas in das Gästebuch des Schlosses Bebenhausen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
r„&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 BAHÄTI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwegs entstieg der geliebte Herr&lt;br /&gt;
in Steinenbronn dem Wagen, um sich&lt;br /&gt;
etwas Bewegung zu verschaffen. Er ver-&lt;br /&gt;
teilte in der Dorfgasse unter den Kin-&lt;br /&gt;
dern Gebäck und Obst. Das Gerücht&lt;br /&gt;
war aufgekommen, daß ein orientali-&lt;br /&gt;
scher König gekommen sei, und Kinder&lt;br /&gt;
und Erwachsene drängten sich um Ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später ließ der Geliebte an die Kinder&lt;br /&gt;
Münzen verteilen. Er scherzte mit einem&lt;br /&gt;
Seiner Begleiter: »Eine ganze Armee&lt;br /&gt;
hast du hier gesammelt; mit dieser&lt;br /&gt;
kannst du gegen eine Macht an-&lt;br /&gt;
kämpfen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Meister mit viel Inter-&lt;br /&gt;
esse die Räume des ehemaligen Klosters&lt;br /&gt;
besucht hatte, schrieb Er in persischen&lt;br /&gt;
Lettern in das Fremdenbuch: »Der&lt;br /&gt;
Königliche Hof ist öde, weil ich das An-&lt;br /&gt;
gesicht des Königs nicht sehen kann; die&lt;br /&gt;
grüne Wiese ist wie abgemäht, da sie&lt;br /&gt;
nicht geschmückt ist mit der herrlichen&lt;br /&gt;
Gestalt der Königin.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später wurde mir gesagt, daß diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte in Persien die größte Form der&lt;br /&gt;
Höflichkeit bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=39}}»Zeit und Raum bedeuten keine Trennung für uns«&lt;br /&gt;
Abschiedsworte Abdu’&#039;l-Bahäs am 30. April 1913 zu Baha’i-Freunden in Stuttgart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist die letzte Versammlung hier in Stuttgart. Es ist heute der letzte Tag, an&lt;br /&gt;
dem ich hier bin. Ihr seid nun eingetreten in das Königreich Abhäs. Es ist&lt;br /&gt;
leicht einzutreten, aber sehr schwer, fest und standhaft zu bleiben. Ihr müßt&lt;br /&gt;
fest und standhaft bleiben und immer Treue und Ausdauer beweisen. Es&lt;br /&gt;
mögen wohl schwere Prüfungen über euch kommen, und es gibt viele An-&lt;br /&gt;
fechtungen, aber bleibet fest und getreu der Heiligen Sache. Wenn der&lt;br /&gt;
Mensch fest bleibt, wird er über alle Schwierigkeiten siegen. Seid nicht wie ein&lt;br /&gt;
wankender Strohhalm, sondern seid fest wie Berge, wie Pyramiden. Wenn je-&lt;br /&gt;
mand einen Berg besteigt, und er steigt immer höher, kommt er zum Schluß&lt;br /&gt;
doch am Gipfel des Berges an, wenn der Weg vielleicht auch sehr steinig war.&lt;br /&gt;
Ister aber oben, dann hat er auch eine reine Luft, aber in dieser reinen, starken&lt;br /&gt;
Atmosphäre auszuhalten, ist sehr schwierig. Laßt euch durch Welt-Menschen&lt;br /&gt;
nicht beeinflussen. Überseht die Fehler der andern, vergebt ihnen ihre Fehler,&lt;br /&gt;
dann wird Gott auch die euren verzeihen. Hat jemand eine Ungeschicklich-&lt;br /&gt;
keit begangen, so müßt ihr darüber hinwegsehen. Ich bitte für euch alle um&lt;br /&gt;
Bestätigung. Wenn ich Stuttgart verlasse, steht ihr unter dem Schutze&lt;br /&gt;
Bahä’ulllähs. Ich bete für euch, daß die Gnade Bahä’ullähs euch immer und&lt;br /&gt;
überall umgeben wird, daß ihr Tag für Tag tiefer in die heiligen Lehren ein-&lt;br /&gt;
dringt, daß ihr Tag für Tag Fortschritte machen werdet. Ich werde euch nie&lt;br /&gt;
vergessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte euch noch viel sagen, aber meine Brust schmerzt mich. Ich&lt;br /&gt;
hoffe, immer gute Kunde von euch zu erhalten. Ihr müßt in großer Eintracht&lt;br /&gt;
miteinander verkehren; ich habe den Samen hier ausgestreut, ihr müßt ihn&lt;br /&gt;
jetzt begießen und ihn wie die Gärtner pflegen, bis die Pflanzen wachsen und&lt;br /&gt;
ihr die Ernte seht. Ich werde euch nimmer vergessen, ihr seid immer in mei-&lt;br /&gt;
nem Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich liebe euch sehr. Zeit und Raum bedeuten keine Trennung für uns. Wenn&lt;br /&gt;
ich auch im Östen sein werde, wird mein Herz und meine Seele doch bei euch&lt;br /&gt;
sein. Ich werde eure geistigen Wahrnehmungen und Empfindungen spüren.&lt;br /&gt;
Sooft ich gute neue Nachricht von euch empfange, werde ich sehr glücklich&lt;br /&gt;
sein. Seid versichert, daß ich euch nie vergessen werde. Wir sind alle geeint&lt;br /&gt;
unter dem Banner Bahä’ulllähs. Wir sind alle unter dem Schutz des großen&lt;br /&gt;
Bündnisses Gottes; deshalb hat körperliche Trennung keinerlei Einfluß auf&lt;br /&gt;
uns. Die wahre Quelle der Wirklichkeit, die Grundlage, ist die Liebe Gottes,&lt;br /&gt;
die ewig ist. Wir alle sind vereint im Königreich Bahä’u’llähs, welches die&lt;br /&gt;
Liebe ist. Das ist ewige Vereinigung. Seid dessen ganz gewiß, daß ich nicht ge-&lt;br /&gt;
trennt bin von euch. Ich werde mich immer eurer erinnern. Vertrauet darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus Sonne der Wahrheit, 5. Jahrgang 1925/26, 5. 5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 55 APRIL 1988 37&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=40}}Das letzte Sendschreiben Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
an die Bahäi in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Freunde Gottes in Stuttgart!&lt;br /&gt;
Möge die Herrlichkeit des Höchsten mit ihnen sein. Er ist Gott! O&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Freunde ‘Abdu/l-Bahäs! Herr und Frau Bosch trafen im Heili-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Lande ein und brachten die schönste und erfreulichste Gabe&lt;br /&gt;
mit. Dies Geschenk war die frohe Botschaft von der Liebe, der&lt;br /&gt;
Freundschaft, der Wertschätzung und der glühenden Begeiste-&lt;br /&gt;
rung der Freunde, die durch das Feuer der Liebe Gottes entfacht&lt;br /&gt;
ist. Diese Nachricht verursachte größte Freude. Gelobt sei Gott!&lt;br /&gt;
Die Gaben aus dem Reiche Abhäs haben wie ein Frühlingsregen&lt;br /&gt;
den Boden Stuttgarts grün und lieblich gemacht und haben ihm&lt;br /&gt;
Frische und Schönheit verliehen. Es sind Freunde erstanden, die&lt;br /&gt;
ins Gottesreich eintraten, die teilgenommen haben an den ewigen&lt;br /&gt;
Gnadengaben und die Tag für Tag vorwärtsschreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr himmlischen Freunde! In dieser vergänglichen Welt ist&lt;br /&gt;
nichts von Dauer. Alle Geschöpfe strengen sich kurze Zeit unwe-&lt;br /&gt;
sentlicher Dinge willen nutzlos an, bis sie schließlich Ruhe finden&lt;br /&gt;
in den Stätten des Schweigens, in dem Schoß der Erde, und keine&lt;br /&gt;
Spuren, kein Segen, keine Resultate, keine Früchte bleiben zu-&lt;br /&gt;
rück. Ihr Leben war völlig umsonst. Aber die Kinder des König-&lt;br /&gt;
reichs säen auf das Feld der Wirklichkeit die Samenkörner, aus&lt;br /&gt;
denen Ernten reifen, deren Segen und reiche Fülle ewig währen&lt;br /&gt;
wird. Sie werden ewiges Leben finden, ewigwährende Wohltaten&lt;br /&gt;
genießen und werden wie Sterne vom Horizont des Königreichs&lt;br /&gt;
strahlen. Die Herrlichkeit des Allhöchsten sei mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Schreiben vom 22. November 1921 wurde von Abdu’l-Bahá lediglich&lt;br /&gt;
diktiert, aber nicht unterzeichnet, da Er vor dessen Durchsicht verschied.&lt;br /&gt;
(Sonne der Wahrheit, 2. Jahrgang 1922/23, 5. 1). Rechts das persische Origi-&lt;br /&gt;
nal des Tablets.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 BAHÄT-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=41}}Dr&lt;br /&gt;
A;&lt;br /&gt;
Vn Wirsitöllel&lt;br /&gt;
. Sul ANZ 2000 un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ur&lt;br /&gt;
iu Hs ug FH&lt;br /&gt;
ar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdi EA&lt;br /&gt;
Ai: ung 3A&lt;br /&gt;
un, &#039;, Br&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pass Aufide&lt;br /&gt;
G&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
y&lt;br /&gt;
Lei: 2110 EICH 7 .4l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE 55 APRIL 1988 39&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_55.pdf|page=42}}O Du freundlicher, gütiger Herr!&lt;br /&gt;
Diese Versammlung ist Deine Herde,&lt;br /&gt;
und Du bist der wahre Hirte.&lt;br /&gt;
Alle sind Deine Kinder,&lt;br /&gt;
und Du bist ihr freundlicher Vater.&lt;br /&gt;
O Gott,&lt;br /&gt;
sende auf sie Deine Segnungen herab,&lt;br /&gt;
öffne ihnen die Tore Deiner Führung!&lt;br /&gt;
O Herr, stehe ihnen bei&lt;br /&gt;
mit Deinen göttlichen Heerscharen!&lt;br /&gt;
Mache ihre Augen sehend&lt;br /&gt;
und ihre Ohren hörend!&lt;br /&gt;
Erquicke ihre Herzen, erfreue ihren Geist,&lt;br /&gt;
so daß alle einen reichen Anteil&lt;br /&gt;
von Deinen göttlichen, unendlichen Segnungen&lt;br /&gt;
bekommen mögen.&lt;br /&gt;
Sei ihr Schutz und ihr Obdach in Deinem Reich!&lt;br /&gt;
O Gott, wir sind arm,&lt;br /&gt;
öffne uns die Schätze Deines Himmels!&lt;br /&gt;
O Gott, wir sind unwürdig,&lt;br /&gt;
mache uns zu Bürgern Deines Reiches!&lt;br /&gt;
O Gott, richte die Gemeinschaft auf&lt;br /&gt;
zwischen den Herzen,&lt;br /&gt;
vereinige unsere Gemüter!&lt;br /&gt;
Veranlasse alle, in das Heiligtum einzutreten,&lt;br /&gt;
so daß bald aller Krieg und Streit vergessen sei&lt;br /&gt;
und die Menschheit zum höchsten Frieden gelange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Geber,&lt;br /&gt;
der Gütige und der Barmherzige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonne der Wahrheit, 1. Jgg., S. 110&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40 BAHÄTI-BRIEFE 55 APRIL 1988&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_53-54/Text&amp;diff=75352</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 53-54/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:12:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=1}}{{ocr}}AHAI-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PEER 53 % SA 16. JAHRGANG DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
i&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=2}}Die Bahá’í-Briefe wollen eine intensive Auseinandersetzung mit den Lehren&lt;br /&gt;
und der Geschichte der Bahá’í-Religion fördern und auf der Grundlage zeitge-&lt;br /&gt;
mäßen Denkens zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich um die Lösung&lt;br /&gt;
der Weltprobleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAI-BRIFFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 53/54, Dezember 1987&lt;br /&gt;
16. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lotosblüte von Bahapur 2&lt;br /&gt;
Der Beitrag der Religionen zum Frieden 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Gerlitz: Die Religionen und der Friede&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh: Der Wille zum Frieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uta von Both&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklungsprojekte der Bahä’i-Weltgemeinde 18&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit wird mündig 34&lt;br /&gt;
Helen Grigor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anis-Zunuzi-Schule in Haiti — Eine Tür zur Welt 41&lt;br /&gt;
Buchbesprechung 48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland eV,,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Bernd Herbon, Fari-&lt;br /&gt;
deh Motamed, Hans Günther Randau, Karl Türke jun. Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahäi-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Nament-&lt;br /&gt;
lich gezeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar. Die Bahá’í-Briefe erscheinen halbjährlich. Abon-&lt;br /&gt;
nementpreis für vier Ausgaben 20, — DM. Einzelpreis 6, — DM. Vertrieb und&lt;br /&gt;
Bestellungen: Bahá’í-Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä&#039;-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Titelbild: Baha’i-Haus der Andacht in Neu-Delhi/Indien&lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 50 Jahren befand sich die deutsche Bahä’i-Gemeinde in der&lt;br /&gt;
kritischsten Phase ihrer bisherigen Entwicklung. Angesichts des&lt;br /&gt;
unfaßbaren Leids, das im Dritten Reich vor allem den Juden, aber&lt;br /&gt;
auch anderen schutzlosen Minderheiten zugefügt wurde, blieb es&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit verborgen, daß die zahlenmäßig kleine Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinde eine bedrückende Zeit des Verbots erdulden mußte. SS-Chef&lt;br /&gt;
Himmler verfügte im Mai 1937 einen Sondererlaß, durch den er den&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Rat der Bahä’i und sämtliche Einrichtungen der&lt;br /&gt;
Bahäi-Gemeinde auflösen und sonstige Aktivitäten der Bahäi ver-&lt;br /&gt;
bieten ließ. Die Bahäi selbst erfuhren dies erst aus der Zeitung und&lt;br /&gt;
sahen sich Stunden später der Gestapo gegenüber, die die Wohnungen&lt;br /&gt;
zahlreicher Bahä’i durchsuchte, Archive und religiöse Schriften&lt;br /&gt;
beschlagnahmte und zerstörte und vereinzelt Baha’i-Angehörige inhaf-&lt;br /&gt;
tierte. Auch der Bahá’í-Verlag erlitt mit seinen damals schon zahl-&lt;br /&gt;
reichen Publikationen das gleiche Schicksal. Noch bis 1944 fanden&lt;br /&gt;
Prozesse gegen Bahäli statt, in denen ihnen »Verbreitung des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gedankenguts« vorgeworfen wurde. Weltoffenheit, Toleranz und&lt;br /&gt;
Völkerverständigung waren dem Regime ein Dorn im Auge. Letztlich&lt;br /&gt;
bedeuteten diese gegen die prinzipiell friedliebende Bahai-Gemeinde&lt;br /&gt;
gerichteten Maßnahmen einen völligen Stillstand des Gemeinde-&lt;br /&gt;
lebens, eine Zerstörung der mühsam in den Gründungsjahren des&lt;br /&gt;
Glaubens errichteten Bahäii-Verwaltungsordnung und vor allem-eine&lt;br /&gt;
unwiderrufliche Vernichtung wertvoller historischer Unterlagen und&lt;br /&gt;
Gegenstände. Für die Bahä’i selbst tat sich damals eine Situation auf,&lt;br /&gt;
in der sie als Gesamtheit angegriffen und bedroht, diskriminiert und&lt;br /&gt;
verboten wurden und in der sicherlich geistige Prüfungen jedem Bahá’í&lt;br /&gt;
die Dimension des neuen Glaubens vor Augen führten. Die Zeit des&lt;br /&gt;
Verbots verleiht der deutschen Bahäi-Gemeinde rückblickend einen&lt;br /&gt;
besonderen geistigen Halt, auf den hinzuweisen es sich ein halbes Jahr-&lt;br /&gt;
hundert später durchaus lohnt. Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 |]&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE LOTOSBLÜTE VON BAHAPUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Januar 1987 wurde eines der&lt;br /&gt;
meistbeachtetsten Bauwerke unserer&lt;br /&gt;
Zeit der Öffentlichkeit freigegeben: das&lt;br /&gt;
erste Bahá’í-Haus der Andacht des indi-&lt;br /&gt;
schen Subkontinents in Neu-Delhi. Es&lt;br /&gt;
hat die Form einer halb geöffneten Lo-&lt;br /&gt;
tosblüte und wurde zum Lobpreis Got-&lt;br /&gt;
tes, zur Verherrlichung Seiner Prophe-&lt;br /&gt;
ten und zur Verkündigung der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung dieses in seiner archi-&lt;br /&gt;
tektonischen Form einzigartigen Bau-&lt;br /&gt;
werks fand am 24. Dezember 1986 in&lt;br /&gt;
Anwesenheit von 400 prominenten Gä-&lt;br /&gt;
sten und 8.000 Bahä’i aus 114 Ländern,&lt;br /&gt;
unter ihnen 4.000 Bahäi aus den ver-&lt;br /&gt;
schiedensten Provinzen Indiens, statt.&lt;br /&gt;
Die Einweihung wurde von einer gro-&lt;br /&gt;
ßen internationalen Bahäi-Konferenz&lt;br /&gt;
begleitet, die vom 23. bis 27. Dezember&lt;br /&gt;
durchgeführt wurde. Zahlreiche An-&lt;br /&gt;
sprachen und kulturelle Darbietungen&lt;br /&gt;
begeisterten die Teilnehmer aus aller&lt;br /&gt;
Welt und führten ihnen die Bedeutung&lt;br /&gt;
dieser Tage vor Augen. Ravi Shankar,&lt;br /&gt;
der berühmte indische Meister der Sitar,&lt;br /&gt;
hatte eigens für die Einweihung die&lt;br /&gt;
Musik komponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amatull-Baha Rühiyyih Khänum, die&lt;br /&gt;
Vertreterin des Universalen Hauses der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, der höchsten leitenden&lt;br /&gt;
Körperschaft der Bahä’i-Weltgemeinde,&lt;br /&gt;
sprach während der Einweihung fol-&lt;br /&gt;
gende Worte: »Nun umschließt uns die-&lt;br /&gt;
ser prächtige Marmorlotos in seinem&lt;br /&gt;
Herzen, dieses treffliche Symbol der&lt;br /&gt;
Reinheit, Schönheit, Vollkommenheit&lt;br /&gt;
und Gnade, die allen Menschen von&lt;br /&gt;
ihrem Schöpfer zuteil wird. Er bittet&lt;br /&gt;
uns, uns in Frieden zu vereinigen und&lt;br /&gt;
heißt innerhalb seiner Mauern Men-&lt;br /&gt;
schen aller Glaubensbekenntnisse, aller&lt;br /&gt;
Rassen, aller Nationen und aller Klas-&lt;br /&gt;
sen willkommen. Er verkündet allen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, daß dieser Tempel den drei&lt;br /&gt;
fundamentalen Wahrheiten, die den&lt;br /&gt;
Bahäi-Glauben beseelen und ihm zu-&lt;br /&gt;
grundeliegen, geweiht ist — der Einheit&lt;br /&gt;
Gottes, der Einheit Seiner Propheten&lt;br /&gt;
und der Einheit der Menschheit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach folgten Lesungen aus den hei-&lt;br /&gt;
ligen Schriften in Sanskrit, Hindi, Eng-&lt;br /&gt;
lisch und Persisch. Drei Chöre sangen&lt;br /&gt;
heilige Texte in verschiedenen Sprachen&lt;br /&gt;
und schufen einen Geist der Einheit in&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit, der alle Anwesen-&lt;br /&gt;
den erfaßte und ihnen eine Vision von&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit vermittelte,&lt;br /&gt;
wie sie von allen Propheten Gottes ge-&lt;br /&gt;
schaut und von Bahäu/lläh als erhaben-&lt;br /&gt;
stes Ziel Seiner Sendung verkündet&lt;br /&gt;
wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Entwurf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht ist in Form einer&lt;br /&gt;
halb geöffneten Lotosblüte errichtet.&lt;br /&gt;
Diese besteht aus drei Blütenblattreihen&lt;br /&gt;
mit jeweils neun kreisförmig angeord-&lt;br /&gt;
neten Blättern und umschließt einen&lt;br /&gt;
Kuppelraum, in dem sich die Gläubigen&lt;br /&gt;
zu Gebet und Andacht versammeln.&lt;br /&gt;
Rings um das Gebäude sind neun Was-&lt;br /&gt;
serbecken angeordnet, die den Eindruck&lt;br /&gt;
einer sich aus einem Teich erhebenden&lt;br /&gt;
Blüte vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der persische Architekt Fariburz&lt;br /&gt;
Sahba schildert in folgenden Worten,&lt;br /&gt;
wie dieser Entwurf in seinen Gedanken&lt;br /&gt;
reifte: »Einen Tempel zu entwerfen, der&lt;br /&gt;
im reichen Kulturerbe Indiens wurzelt&lt;br /&gt;
und gleichzeitig das Hauptprinzip des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens, die Einheit der Reli-&lt;br /&gt;
gionen, ausdrückt, war für mich eine&lt;br /&gt;
ungewöhnliche, hervorragende Gele-&lt;br /&gt;
genheit, die Macht der Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs zu veranschaulichen. Ich&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=5}}suchte nach einem Konzept, das für&lt;br /&gt;
Menschen aus verschiedenen Religio-&lt;br /&gt;
nen, die wir in Indien in großer Vielfalt&lt;br /&gt;
haben, akzeptabel war. Mein Entwurf&lt;br /&gt;
sollte neu und einzigartig, aber gleich-&lt;br /&gt;
zeitig nicht fremd, sondern irgendwie&lt;br /&gt;
vertraut sein. Also reiste ich durch ganz&lt;br /&gt;
Indien und besichtigte Hunderte von&lt;br /&gt;
Tempeln — nicht wegen architektoni-&lt;br /&gt;
scher Ideen, sondern um ein Konzept zu&lt;br /&gt;
finden, in das das geistige Erbe dieses&lt;br /&gt;
Subkontinents integrierbar war... Die&lt;br /&gt;
Menschen sollten intuitiv in ihrem Her-&lt;br /&gt;
zen eine Beziehung zu diesem Bauwerk&lt;br /&gt;
finden... Beim tieferen Erforschen des&lt;br /&gt;
kulturellen und architektonischen Erbes&lt;br /&gt;
Indiens faszinierte mich meine Aufgabe&lt;br /&gt;
immer mehr. Ich konzentrierte mich&lt;br /&gt;
und betete, und ich war überzeugt, daß&lt;br /&gt;
Gott mich zu einem Konzept führen&lt;br /&gt;
werde... Und dann stieß ich auf die Lo-&lt;br /&gt;
tosblume, wohin mich mein Weg durch&lt;br /&gt;
Indien auf der Suche nach der Lösung&lt;br /&gt;
für meine Fragen auch führte... Ohne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweifel hatte das Schicksal entschieden,&lt;br /&gt;
daß der Tempel in dieser Form gebaut&lt;br /&gt;
werden sollte.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. Oktober 1977 wurde anläßlich&lt;br /&gt;
einer asiatischen Bahäi-Frauenkonferenz&lt;br /&gt;
in Neu-Delhi während einer speziellen&lt;br /&gt;
Feierlichkeit auf dem Tempelgelände in&lt;br /&gt;
Bahapur/Neu-Delhi der Grundstein für&lt;br /&gt;
dieses herrliche Andachtshaus gelegt.&lt;br /&gt;
Im Februar 1979 begannen die Bauar-&lt;br /&gt;
beiten mit der Ausschachtung für die&lt;br /&gt;
Fundamente. In einer annähernd acht-&lt;br /&gt;
jährigen Bauzeit wurden dann die Fun-&lt;br /&gt;
damente, das Untergeschoß, die Pfeiler&lt;br /&gt;
und die Blütenblätter in Beton gegossen&lt;br /&gt;
sowie die Marmorverkleidung ange-&lt;br /&gt;
bracht. Dabei waren viele Schwierigkei-&lt;br /&gt;
ten zu überwinden, da ein derartig kom-&lt;br /&gt;
pliziert zu errichtendes Bauwerk noch&lt;br /&gt;
nie in Indien gebaut worden war. Bei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1985: Die Marmorverkleidung der Blütenblätter wird angebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juli 1986: Teilansicht der inneren Kup-&lt;br /&gt;
pel, die aus neun räumlichen Schalen&lt;br /&gt;
von jeweils 5 cm Dicke gebildet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spielsweise mußte der größte in Indien&lt;br /&gt;
verfügbare Baukran eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
Um jedoch die einheimische Bevölke-&lt;br /&gt;
rung an diesem Bauwerk zu beteiligen&lt;br /&gt;
und ihr eine Verdienstmöglichkeit zu er-&lt;br /&gt;
öffnen, wurden fast ausschließlich indi-&lt;br /&gt;
sche Arbeitskräfte und nur unbedingt&lt;br /&gt;
notwendige Maschinen eingesetzt. Die&lt;br /&gt;
zeitweise über 800 auf der Baustelle be-&lt;br /&gt;
schäftigten Personen verrichteten die&lt;br /&gt;
vielfältigen erforderlichen Tätigkeiten&lt;br /&gt;
zum größten Teil in Handarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die insgesamt 27 Blätter der Lotos-&lt;br /&gt;
blüte bestehen aus weißem Beton, der&lt;br /&gt;
aus speziell ausgesuchtem hellem Dolo-&lt;br /&gt;
mitgestein aus Steinbrüchen nahe Del-&lt;br /&gt;
his, weißem Quarzsand aus Jaipur und&lt;br /&gt;
weißem Zement aus Korea zusammen-&lt;br /&gt;
gesetzt ist. Die äußere Seite der Blüten-&lt;br /&gt;
blätter wurde mit weißem Marmor ver-&lt;br /&gt;
kleidet, der aus den Pentelikon-Stein-&lt;br /&gt;
brüchen in Griechenland gebrochen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A BAHÄ’I-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und von Facharbeitern in Italien sorgfäl-&lt;br /&gt;
tig in der erforderlichen Größe und&lt;br /&gt;
Form zugeschnitten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beachtung in der Öffentlichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits während der Bauzeit erregte die-&lt;br /&gt;
ses einzigartige Gebäude in der Fachwelt&lt;br /&gt;
großes Aufsehen und lockte zahlreiche&lt;br /&gt;
Architekten und Ingenieure nach Indien.&lt;br /&gt;
Der Höhepunkt der Publizität wurde&lt;br /&gt;
jedoch durch die Einweihung erreicht,&lt;br /&gt;
die von einer großen Pressekonferenz&lt;br /&gt;
begleitet wurde. Unzählige Zeitungen,&lt;br /&gt;
Radio- und Fernsehstationen in Indien&lt;br /&gt;
und vielen anderen Ländern der Welt&lt;br /&gt;
veröffentlichten Berichte über diesen&lt;br /&gt;
»Taj Mahal des 20. Jahrhunderts«, wie er&lt;br /&gt;
oft genannt wird. Allein in der deut-&lt;br /&gt;
schen Presse erschienen etwa einhun-&lt;br /&gt;
dert Berichte mit einem Foto des neuen&lt;br /&gt;
Hauses der Andacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Persönlichkeiten aus Bau-&lt;br /&gt;
wesen, Politik und Kultur drückten ihre&lt;br /&gt;
Bewunderung für dieses Bauwerk schon&lt;br /&gt;
vor seiner Fertigstellung aus. Im folgen-&lt;br /&gt;
den seien einige von ihnen zitiert: Ar-&lt;br /&gt;
thur Ericson, einer der führenden Archi-&lt;br /&gt;
tekten Nordamerikas, bezeichnete das&lt;br /&gt;
Haus der Andacht als »eine der bemer-&lt;br /&gt;
kenswerten Leistungen unserer Zeit, die&lt;br /&gt;
beweisen, daß Antrieb und Phantasie&lt;br /&gt;
des Geistes wahrhaft Wunder vollbrin-&lt;br /&gt;
gen können«. Kenneth D. Peterson, lei-&lt;br /&gt;
tender Manager der Bechtel Construc-&lt;br /&gt;
tion Inc. USA, nannte es seine&lt;br /&gt;
Ingenieur- und Konstruktionsleistung,&lt;br /&gt;
die Maßstäbe für Jahrhunderte setzen&lt;br /&gt;
wird«. Joseph Allen Stein, ein in Indien&lt;br /&gt;
lebender führender amerikanischer Ar-&lt;br /&gt;
chitekt, sagte: »Es ist ermutigend, das&lt;br /&gt;
Ergebnis solcher Hingabe, Inspiration&lt;br /&gt;
und Könnens zu sehen, wie diesen im&lt;br /&gt;
Entstehen begriffenen Tempel. Solch ein&lt;br /&gt;
Gebäude ist ein Werk des Glaubens, das&lt;br /&gt;
den Glauben inspiriert. Dem Architek-&lt;br /&gt;
ten und den Erbauern gebührt Dank.«&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=7}}Der berühmte indische Komponist Pan-&lt;br /&gt;
dit Ravi Shankar äußerte: »Während&lt;br /&gt;
ich diesen großartigen und schönen Ort&lt;br /&gt;
besuche, bin ich so tief gerührt, daß ich&lt;br /&gt;
keine Worte finde, meine Empfindun-&lt;br /&gt;
gen auszudrücken! Ich bin sicher, daß&lt;br /&gt;
wenn er fertiggestellt ist, die ihn besu-&lt;br /&gt;
chenden Menschen sehr starke Freude,&lt;br /&gt;
Liebe und Frieden empfinden werden!«&lt;br /&gt;
Der kanadische Hochkommissar in In-&lt;br /&gt;
dien, William T. Warden, sagte: »Glück-&lt;br /&gt;
wünsche für diese höchst eindrucks-&lt;br /&gt;
volle Leistung. Der Entwurf ist beides,&lt;br /&gt;
phantasievoll und hochinteressant, und&lt;br /&gt;
er verbindet in großartiger Weise den&lt;br /&gt;
Bahäi-Glauben mit der Kultur und Tra-&lt;br /&gt;
dition des Landes.« Dr. Karan Singh,&lt;br /&gt;
der frühere indische Minister für Erzie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hung und Kultur, urteilte: »Dieses&lt;br /&gt;
Bahá’í-Haus der Andacht wird sicher-&lt;br /&gt;
lich eines der Wunder der Weltarchitek-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tur werden. Die Idee der Lotosblume,&lt;br /&gt;
ein göttliches Symbol in vielen großen&lt;br /&gt;
Religionen einschließlich des Hinduis-&lt;br /&gt;
mus, liefert die Grundlage für dieses&lt;br /&gt;
einzigartige Bauwerk. Ich freue mich&lt;br /&gt;
schon, es vollendet zu sehen, und be-&lt;br /&gt;
glückwünschealle, die mit diesem groß-&lt;br /&gt;
artigen Projekt zu tun haben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon in den ersten zehn Wochen&lt;br /&gt;
nach der Einweihung konnten über eine&lt;br /&gt;
viertel Million Besucher gezählt wer-&lt;br /&gt;
den, unter ihnen prominente Persön-&lt;br /&gt;
lichkeiten wie Minister, Botschafter und&lt;br /&gt;
ausländische Staatsgäste, aber auch ein-&lt;br /&gt;
fache Menschen aller Rassen, Religio-&lt;br /&gt;
nen und sozialen Schichten Indiens und&lt;br /&gt;
anderer Länder. So ist dieses Bahá’í-&lt;br /&gt;
Haus der Andacht bereits jetzt zum&lt;br /&gt;
Symbol und zum Ausdruck des bedeu-&lt;br /&gt;
tendsten Zieles der Bahäi-Religion ge-&lt;br /&gt;
worden — der Einheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 1986: Tausende von Besuchern aus aller Welt nehmen an den Einwei-&lt;br /&gt;
hungsfeierlichkeiten teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=8}}DER BEITRAG DER RELIGIONEN ZUM FRIEDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 28. November 1986 fand in Hannover eine Veranstaltung der örtlichen Baha&#039;i-&lt;br /&gt;
Gemeinde zum Thema »Frieden« statt. Referenten waren der evangelische Theologe&lt;br /&gt;
Dr. Peter Gerlitz, Bremerhaven, und Foad Kazemzadeh, Vertreter der Bahäft-&lt;br /&gt;
Gemeinde Hannover. Ihre Beiträge werden nachstehend abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Gerlitz&lt;br /&gt;
Die Religionen und der Friede&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie soll ich das Thema behandeln? Soll&lt;br /&gt;
ich bei den religiösen Traditionen begin-&lt;br /&gt;
nen? Bei den Religionsstiftern? Soll ich&lt;br /&gt;
bei der Geschichte der Religionen einset-&lt;br /&gt;
zen? Soll ich davon sprechen, daß sich&lt;br /&gt;
die Religionen bisher vergeblich um&lt;br /&gt;
Frieden in der Welt bemüht haben und&lt;br /&gt;
die Religionsgeschichte eher unter dem&lt;br /&gt;
Gesichtspunkt der Religionskriege als&lt;br /&gt;
unter dem Gesichtspunkt des Religions-&lt;br /&gt;
friedens zu behandeln wäre?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Vortrag ist nur kurz und wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich zu oberflächlich, um dem&lt;br /&gt;
Wesen der Religionen gerecht zu wer-&lt;br /&gt;
den.! Das Wesen der Religionen ist aber&lt;br /&gt;
die Verkündung des Friedens und das&lt;br /&gt;
Handeln im Frieden. Und wesentlich&lt;br /&gt;
wird eine Religion dort, wo sie in Grenz-&lt;br /&gt;
situationen kommt, dort, wo das Be-&lt;br /&gt;
kenntnis ihrer Gläubigen in Gefahr&lt;br /&gt;
gerät und die Gläubigen sich in der Ge-&lt;br /&gt;
fahr zum Frieden bekennen. Damit ist&lt;br /&gt;
bereits eine Standortbestimmung für&lt;br /&gt;
meinen Vortrag gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lukasevangelium wird berichtet, wie&lt;br /&gt;
Christus, zwischen den beiden Verbre-&lt;br /&gt;
chern am Kreuz hängend, seinen Fein-&lt;br /&gt;
den vergibt mit den Worten: »Vater, ver-&lt;br /&gt;
gib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie&lt;br /&gt;
tun!«? Und von Mahatma Gandhi wis-&lt;br /&gt;
sen wir, daß er sich eben dieses Kreuzes-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wort zueigen gemacht hat, als auf ihn&lt;br /&gt;
die tödlichen Schüsse abgegeben wur-&lt;br /&gt;
den. Als sein Mörder auf ihn zutrat,&lt;br /&gt;
ging er ihm — heißt es — mit zusam-&lt;br /&gt;
mengelegten Händen entgegen und seg-&lt;br /&gt;
nete ihn mit den Worten: »Shanti,&lt;br /&gt;
Shanti, Shanti« — »Friede, Friede,&lt;br /&gt;
Friedel«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden sagen, daß das extreme Si-&lt;br /&gt;
tuationen seien, Ausnahmen also, die&lt;br /&gt;
nur die großen Homines Religiosi be-&lt;br /&gt;
treffen, und die von den Gläubigen&lt;br /&gt;
nicht oder kaum nachvollzogen werden&lt;br /&gt;
können. Und doch wissen wir, daß die&lt;br /&gt;
Heiligen Schriften der Völker alle, alle&lt;br /&gt;
ohne Ausnahme, die Verkündigung des&lt;br /&gt;
Friedens in den Mittelpunkt gestellt&lt;br /&gt;
haben und von ihren Gläubigen erwar-&lt;br /&gt;
ten, daß sie das Friedensgebot ein-&lt;br /&gt;
halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne wird das alttestamen-&lt;br /&gt;
tarische Gebot »Du sollst nicht töten!«°&lt;br /&gt;
von Martin Luther mit den Worten er-&lt;br /&gt;
klärt: »Wir sollen Gott fürchten und lie-&lt;br /&gt;
ben, daß wir unserem Nächsten an sei-&lt;br /&gt;
nem Leibe keinen Schaden noch Leid zu-&lt;br /&gt;
fügen, sondern ihm helfen und ihn&lt;br /&gt;
fördern in allen Leibesnöten.«* — In&lt;br /&gt;
eben dieser Weise formuliert auch der&lt;br /&gt;
Buddha sein oberstes Gebot: »Das&lt;br /&gt;
Gebot der Enthaltung vom Töten leben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Der Verfasser bedauert, hier nureinen Abriß sei-&lt;br /&gt;
ner Thesen gegeben zu haben, und teilt mit, daß&lt;br /&gt;
er sie zu gegebener Zeit näher ausführen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Luk. 23,34&lt;br /&gt;
3 Exodus 20,13&lt;br /&gt;
4 Kleiner Katechismus, 1. Hauptstück&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=9}}der Wesen nehme ich auf mich.«* Er&lt;br /&gt;
stellt es an die erste Stelle und bezieht&lt;br /&gt;
alle Wesen mit ein; denn alle lebenden&lt;br /&gt;
Wesen sind nach buddhistischer Auffas-&lt;br /&gt;
sung dem Menschen verwandt. Das&lt;br /&gt;
buddhistische Friedensgebot ist also&lt;br /&gt;
gleichzeitig ein Gebot zur Bewahrung&lt;br /&gt;
der »Schöpfung«. Es übernimmt damit&lt;br /&gt;
die alte indische Tradition von der&lt;br /&gt;
Gewaltlosigkeit, der Ahimsa, einer&lt;br /&gt;
Gewaltlosigkeit, die lieber leidet als&lt;br /&gt;
Gewalt mit Gewalt zu vergelten. Die&lt;br /&gt;
buddhistische Ahimsa-Lehre gründet&lt;br /&gt;
sich dabei auf die Lehre vom Leiden,&lt;br /&gt;
dem alle Lebewesen ausgesetzt sind. Das&lt;br /&gt;
Leiden kann nur gemildert werden,&lt;br /&gt;
wenn die Menschen das Leben achten,&lt;br /&gt;
mit den Lebewesen mitfühlen und die&lt;br /&gt;
Ursachen des Leidens beseitigen. Frie-&lt;br /&gt;
den schaffen ist nach buddhistischer&lt;br /&gt;
Auffassung ein Prozeß, den jeder ein-&lt;br /&gt;
zelne an sich selbst erfahren und durch-&lt;br /&gt;
machen muß, wenn er zu einer harmo-&lt;br /&gt;
nischen Persönlichkeit gelangen will,&lt;br /&gt;
wenn er — wie es im japanischen Budd-&lt;br /&gt;
hismus heißt — die »Buddhanatur« er-&lt;br /&gt;
langen will. Dazu ist Einsicht nötig in&lt;br /&gt;
die kausalen Zusammenhänge, die zum&lt;br /&gt;
Leiden in der Welt führen und immer&lt;br /&gt;
wieder führen werden, wenn sie nicht&lt;br /&gt;
durchbrochen werden. Nikkyo Ni-&lt;br /&gt;
wano, der Stifter einer buddhistischen&lt;br /&gt;
Laienbewegung® in Japan und deren&lt;br /&gt;
Vorsitzender, hat das auf dem Kongreß&lt;br /&gt;
des Weltbundes für Religiöse Freiheit&lt;br /&gt;
(IARF) 1981 in Leyden mit den Worten&lt;br /&gt;
ausgedrückt: »Der wahre Friede kann&lt;br /&gt;
nur durch die Beseitigung von Habgier,&lt;br /&gt;
Zorn und Dummheit gewonnen wer-&lt;br /&gt;
den. Solange diese drei vergiftenden Ele-&lt;br /&gt;
mente nicht beseitigt worden sind, kann&lt;br /&gt;
es keinen vollkommenen Frieden&lt;br /&gt;
geben.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gehen meistens von zwei falschen&lt;br /&gt;
Voraussetzungen aus, wenn wir das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedensthema in den Religionen behan-&lt;br /&gt;
deln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens neigen wir häufig zu der An-&lt;br /&gt;
nahme, die Religionen würden sich mit&lt;br /&gt;
den gegenwärtigen Verhältnissen abfin-&lt;br /&gt;
den und ihre Anhänger lebten sozusa-&lt;br /&gt;
gen in einer spirituellen Atmosphäre,&lt;br /&gt;
ungeachtet der herrschenden Zustände&lt;br /&gt;
auf Erden. Diese Annahme ist deshalb&lt;br /&gt;
falsch, weil die Religionsstifter und die&lt;br /&gt;
Zeugnisse, die sie hinterließen, ihre Frie-&lt;br /&gt;
densbotschaft immer mit einer Frie-&lt;br /&gt;
denspraxis verbinden: Die Bergpredigt&lt;br /&gt;
Jesu theoretisiert nicht nur über die&lt;br /&gt;
Feindesliebe, sondern Jesus und seine&lt;br /&gt;
Jünger samt der Scharen christlicher&lt;br /&gt;
Märtyrer praktizieren sie. Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
Weisung: »Erschlagen zu werden ist bes-&lt;br /&gt;
ser für euch als zu erschlagen«® ist von&lt;br /&gt;
den Anhängern der Bahä&#039;-Religion nie&lt;br /&gt;
nur als eine ethische Maxime verstan-&lt;br /&gt;
den worden, sondern durch das Leben,&lt;br /&gt;
vielmehr: durch den Tod zahlloser&lt;br /&gt;
Gläubiger bis zum heutigen Tage bestä-&lt;br /&gt;
tigt worden.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens versuchen wir häufig, die&lt;br /&gt;
Religionen in friedliche und militante&lt;br /&gt;
einzuteilen (»Die indischen Religionen&lt;br /&gt;
sind friedlich, die dreimonotheistischen&lt;br /&gt;
Religionen sind aggressiv«). Diese Ein-&lt;br /&gt;
teilung ist schon vom Ansatz her falsch:&lt;br /&gt;
Der Begriff »Schalom« im Alten Testa-&lt;br /&gt;
ment zieht sich nämlich wie ein roter&lt;br /&gt;
Faden durch alle Epochen der israeliti-&lt;br /&gt;
schen Geschichte und ist ein Zustand,&lt;br /&gt;
der einmal die ganze Erde umfassen soll,&lt;br /&gt;
wenn — wie der Zweite Jesaja sagt —&lt;br /&gt;
die Schuld gesühnt und Gott selber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Khuddaka-Patha 2&lt;br /&gt;
6 der Rissho Kosei-kai&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 in: Rolf Italiaander, Ein Mann kämpft für den&lt;br /&gt;
Frieden, Freiburg/Br. 1982, S. 52&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Zitiert von Abdu’-Baha in: Esslemont,&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh und das neue Zeitalter, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 61976, S. 196&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 vgl. William Sears, Klage des&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 21983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzens,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als der Garant des Friedens sein Volk&lt;br /&gt;
beschalom, »in den Frieden« zurück-&lt;br /&gt;
führen wird.!° Und im Qur’än, in dem&lt;br /&gt;
man immer nur Muhammads Kampf&lt;br /&gt;
gegen die »Heiden« und Allähs unerbitt-&lt;br /&gt;
liches Prädestinationsdogma sehen&lt;br /&gt;
will, finden sich die versöhnlichen&lt;br /&gt;
Verse: »Wenn zwei Gruppen von Gläu-&lt;br /&gt;
bigen einander bekämpfen, dann stiftet&lt;br /&gt;
Frieden zwischen ihnen... Die Gläubi-&lt;br /&gt;
gen sind doch Brüder. Sorgt also dafür,&lt;br /&gt;
daß zwischen euren beiden Brüdern&lt;br /&gt;
Friede herrscht...«&#039;! — Auch in den&lt;br /&gt;
Religionen, die ihren Absolutheitsan-&lt;br /&gt;
spruch vertreten und »keine anderen&lt;br /&gt;
Götter neben sich« dulden, wird ein&lt;br /&gt;
Friede verkündigt, dessen Wesen die&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit unter den Menschen ist.&lt;br /&gt;
Die Sedakah, die Gerechtigkeit, die von&lt;br /&gt;
Gott ausgeht und von den Menschen an-&lt;br /&gt;
genommen wird, macht den Frieden auf&lt;br /&gt;
Erden zum höchsten Gut.&#039;? Nur wenn&lt;br /&gt;
Frieden herrscht, ist die Welt im eigent-&lt;br /&gt;
lichen Sinne Welt und ermöglicht wah-&lt;br /&gt;
res Leben. Eine unfriedliche Welt hinge-&lt;br /&gt;
gen ist im Grunde eine chaotische Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verkündigung des Friedens auf&lt;br /&gt;
Erden ist Inhalt jeder Religion. Ohne sie&lt;br /&gt;
blieben die Religionen unglaubwürdig&lt;br /&gt;
und unwahrhaftig. Es ist eine Tatsache&lt;br /&gt;
in der gegenwärtigen Religionsge-&lt;br /&gt;
schichte — und die vielen interreligiö-&lt;br /&gt;
sen Aktivitäten und Friedensbemühun-&lt;br /&gt;
gen beweisen es — daß sich darin alle&lt;br /&gt;
Religionen, über alle dogmatischen&lt;br /&gt;
Grenzen hinweg, einig sind. Die großen&lt;br /&gt;
Visionen von einer neuen und heilen&lt;br /&gt;
Welt legen Zeugnis davon ab: Jesaja&lt;br /&gt;
träumt von einem Friedensreich, in dem&lt;br /&gt;
die Völker ihre Schwerter zu Pflugscha-&lt;br /&gt;
ren umschmieden werden und nicht&lt;br /&gt;
mehr lernen werden, Krieg zu führen; &amp;quot;?&lt;br /&gt;
der Seher Johannes sieht ein himmli-&lt;br /&gt;
sches Jerusalem herabkommen, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 BAHÄTBRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
keine Befestigungen mehr hat, dessen&lt;br /&gt;
Stadttore Tag und Nacht offen stehen,&lt;br /&gt;
und in dem Gott unter den Menschen&lt;br /&gt;
wohnt;!&#039;* Paulus definiert das Reich&lt;br /&gt;
Gottes als »Gerechtigkeit, Friede und&lt;br /&gt;
Freude im Heiligen Geist«&#039;°; der&lt;br /&gt;
Buddha bezeichnet den Frieden als&lt;br /&gt;
einen Zustand, in dem das Karma seine&lt;br /&gt;
Macht verloren hat, das Begehren und&lt;br /&gt;
die Gier versiegt sind und die Verblen-&lt;br /&gt;
dung aufhört, wo das Leiden erloschen&lt;br /&gt;
ist für alle Wesen;&#039;!% und die Mystiker&lt;br /&gt;
aller Religionen werden sich dieses Frie-&lt;br /&gt;
dens bewußt, wenn sie sich mit Gott&lt;br /&gt;
vereint haben und in sich den Gottes-&lt;br /&gt;
frieden spüren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei dieser geradezu euphorischen&lt;br /&gt;
Beschreibung des Gottesfriedens dürfen&lt;br /&gt;
wir seine Verletzlichkeit, die Sensibilität&lt;br /&gt;
dieses Friedens in den Religionen, nicht&lt;br /&gt;
vergessen. Die Friedensvisionen sind ja&lt;br /&gt;
zugleich Utopien, d.h. sie haben noch&lt;br /&gt;
keinen Ort, sind noch nicht verwirk-&lt;br /&gt;
licht, müssen sich erst noch konkretisie-&lt;br /&gt;
ren. Ja, sie werden von den Religionen&lt;br /&gt;
selbst immer wieder aufs Spiel gesetzt,&lt;br /&gt;
verletzt und sogar pervertiert: Die&lt;br /&gt;
Religionen führten und führen Kriege&lt;br /&gt;
gegeneinander und untereinander. Die&lt;br /&gt;
Kreuzzüge des Mittelalters und die Ket-&lt;br /&gt;
zerverfolgungen, Kriege, die sowohl&lt;br /&gt;
nach außen wie nach innen geführt&lt;br /&gt;
wurden, sind abschreckende Beispiele&lt;br /&gt;
meiner eigenen christlichen Religion;&lt;br /&gt;
die Kriege, die das alte Israel gegen seine&lt;br /&gt;
Feinde führte, lassen Jahwe als einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Jes, 55,12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Sure 49,9 + 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 vgl. Sure 5,9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Jes. 2,4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Apok. 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 Römer 14, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Samyutta-Nikaya 38&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegsgott erscheinen, und der Jihad’”,&lt;br /&gt;
den Teile des Islam bis zum heutigen&lt;br /&gt;
Tage nie aufgegeben haben, wird noch&lt;br /&gt;
immer als »Kampf auf dem Wege Got-&lt;br /&gt;
tes«, als heiliger Kampf verstanden.&lt;br /&gt;
Auch errichtet sich gegen die äußeren&lt;br /&gt;
und die inneren Feinde und artet immer&lt;br /&gt;
mehr zur Perversion aus. Das Buch von&lt;br /&gt;
William Sears »Klage des Herzens«, das&lt;br /&gt;
die Verfolgungen der Bahäi im Iran&lt;br /&gt;
schildert, legt erschütternd Zeugnis ab&lt;br /&gt;
von den Verbrechen, die noch immer&lt;br /&gt;
aus Glaubensüberzeugung möglich sind&lt;br /&gt;
in dieser Welt. Der Friede, den die Reli-&lt;br /&gt;
gionen verkündigen und in ihren Hoff-&lt;br /&gt;
nungen vorausahnen, ist also noch&lt;br /&gt;
immer Utopie. Noch in unserer Zeit, die&lt;br /&gt;
jemand emphatisch »eine Zeit der reli-&lt;br /&gt;
giösen Erweckung« genannt hat, !? wer-&lt;br /&gt;
den zahlreiche Religionskriege geführt:&lt;br /&gt;
Von Nordirland bis in den Punjab, vom&lt;br /&gt;
Sudan bis in den Mittleren Osten be-&lt;br /&gt;
kämpfen sich die Religionen unerbitt-&lt;br /&gt;
lich und liefern den traurigen Beweis&lt;br /&gt;
dafür, daß der Religionsfriede kein Bei-&lt;br /&gt;
spiel für den Weltfrieden sein kann,&lt;br /&gt;
denn er ist brüchig, unsicher und&lt;br /&gt;
schwach, genau wie dieser. Er trägt die&lt;br /&gt;
Strukturen der Welt an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir fragen: Sind — unter solchen Um-&lt;br /&gt;
ständen — die Religionen dann über-&lt;br /&gt;
haupt in der Lage, einen Beitrag zum&lt;br /&gt;
Frieden in der Welt zu leisten? Bleibt&lt;br /&gt;
es dann nicht doch bei einem spirituel-&lt;br /&gt;
len, esoterischen und individuellen&lt;br /&gt;
Glaubensfrieden, den jeder mit sich&lt;br /&gt;
selbst abmacht? Einem Frieden in uns,&lt;br /&gt;
wie die Mystiker sagen, einem »Shanti-&lt;br /&gt;
Frieden«; der nicht nach außen wirkt?&lt;br /&gt;
In dieser Kritik liegt zugleich die&lt;br /&gt;
Frage beschlossen: Worin besteht ei-&lt;br /&gt;
gentlich das Besondere der religiösen&lt;br /&gt;
Friedensverkündigung? Was unterschei-&lt;br /&gt;
det sie von den säkularen Friedensideo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logien und Friedensstrategien unserer&lt;br /&gt;
Zeit? Was hat sie ihnen voraus, und was&lt;br /&gt;
sind ihre Defizite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde genommen sind diese Fra-&lt;br /&gt;
gen einfach zu beantworten: Das Beson-&lt;br /&gt;
dere in der Friedensbotschaft der Reli-&lt;br /&gt;
gionen besteht darin, daß sie nicht vom&lt;br /&gt;
Menschen, sondern von Gott bzw. den&lt;br /&gt;
göttlichen Stiftern der Religionen aus-&lt;br /&gt;
geht. Sie haben ihren Jüngern und An-&lt;br /&gt;
hängern die Friedenszusage gegeben:&lt;br /&gt;
»Der Bund meines Friedens soll nicht&lt;br /&gt;
wanken«&#039;*, so heißt es beim Propheten&lt;br /&gt;
Jesaja. »Den Frieden lasse ich euch, mei-&lt;br /&gt;
nen Frieden gebe ich euch«”, verheißt&lt;br /&gt;
Jesus bei seinem Abschied, und in der&lt;br /&gt;
Weihnachtsgeschichte verkündigt der&lt;br /&gt;
Engel den Frieden Gottes an die Men-&lt;br /&gt;
schen. Die Jünger des Buddha, allen&lt;br /&gt;
voran Ananda, erleben an dem Frie-&lt;br /&gt;
denszustand ihres Herrn, seinem&lt;br /&gt;
Samadhi-Zustand, die Leiden heilende&lt;br /&gt;
Wirkung des Nirvana-Friedens. Und so,&lt;br /&gt;
wie sie ihn erlebt haben, geben sie ihn&lt;br /&gt;
weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Der Friede auf Erden geht immer&lt;br /&gt;
zuallererst von Gott oder dem göttli-&lt;br /&gt;
chen Stifter oder dem numinosen Geist&lt;br /&gt;
aus und ergreift die Jünger, die Gläubi-&lt;br /&gt;
gen, die Anhänger und stiftet Frieden in&lt;br /&gt;
ihnen: Der Ruf des Auferstandenen&lt;br /&gt;
»Friede sei mit euch!«?! ist das Erken-&lt;br /&gt;
nungszeichen Jesu für seine Jünger und&lt;br /&gt;
gleichzeitig das Zeichen des Segens. In&lt;br /&gt;
eben diesem Sinne bedeutet die Segens-&lt;br /&gt;
haltung des Buddha zugleich die Über-&lt;br /&gt;
tragung des Friedens an die Jünger-&lt;br /&gt;
schaft. Der Friede, wie ihn die Reli-&lt;br /&gt;
gionen begründen, ist also kein&lt;br /&gt;
»selbstgemachter«, sondern ein emp-&lt;br /&gt;
fangener Friede. Der Friede, den die Re-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 heiliger Krieg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 Peter Scholl-Latour in einer Fernsehreportage&lt;br /&gt;
des ZDF, 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 Jes. 54,10&lt;br /&gt;
20 Johannes 14,27&lt;br /&gt;
21 Lukas 24,36; Johannes 20, 21 + 26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ligionen verkündigen, ist ein Geschenk.&lt;br /&gt;
Das unterscheidet diesen Frieden von&lt;br /&gt;
den Friedensideologien, die gegenwär-&lt;br /&gt;
tig in den verschiedenen politischen&lt;br /&gt;
Lagern entwickelt werden. — Auch der&lt;br /&gt;
religiöse Friede muß sich entwickeln,&lt;br /&gt;
auch er ist ein Prozeß, der sich unter den&lt;br /&gt;
Gläubigen fortsetzen und ausbreiten&lt;br /&gt;
muß, der selbstverständlich auch die&lt;br /&gt;
Strömungen der Zeit mit einbezieht und&lt;br /&gt;
die Gefahren, welche sich aus den Tech-&lt;br /&gt;
nologien ergeben, erkennt. Er ist aber,&lt;br /&gt;
im Unterschied zu den säkularen Frie-&lt;br /&gt;
denskonzepten, nicht an diese Gefahren&lt;br /&gt;
fixiert und unterliegt ihnen nicht, weiler&lt;br /&gt;
sich in jeder Phase der Geschichte —&lt;br /&gt;
und das heißt auch: in jeder Gefahr der&lt;br /&gt;
Geschichte — an dem Friedenskonzept&lt;br /&gt;
orientiert, das der Glaube vermittelt.&lt;br /&gt;
Der Gläubige empfängt also den Frie-&lt;br /&gt;
den aus seinem Glauben und gibt ihn als&lt;br /&gt;
ein Glaubensgut weiter, das wie ein Fer-&lt;br /&gt;
ment in der von Krieg, Leiden und&lt;br /&gt;
Schuld heimgesuchten Welt wirken soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) Damit ist aber zugleich noch eine&lt;br /&gt;
zweite Besonderheit angesprochen: Der&lt;br /&gt;
Friede, den die Religionen vermitteln,&lt;br /&gt;
wendet sich zunächst an den einzelnen&lt;br /&gt;
und geht vom einzelnen aus. Buddha&lt;br /&gt;
spricht den einzelnen Menschen an, er&lt;br /&gt;
wendet sich an seine Jünger, an ihr Herz,&lt;br /&gt;
an ihre Fähigkeit, Leidenszusammen-&lt;br /&gt;
hänge und Aggressionszwänge zu&lt;br /&gt;
durchschauen, um von ihnen frei zu&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der wahre Friede kann nicht durch&lt;br /&gt;
die Veränderung äußerer Systeme —&lt;br /&gt;
seien sie politischer, wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
oder gesellschaftlicher Art — gewonnen&lt;br /&gt;
werden«, sagt Nikkyo Niwano, »son-&lt;br /&gt;
dern durch die Beseitigung von Habgier,&lt;br /&gt;
Zorn und Dummtbeit.«*? Sie sind die&lt;br /&gt;
vergiftenden Elemente, die den Frieden&lt;br /&gt;
unter den Menschen verhindern. Und&lt;br /&gt;
auch Christus spricht den einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen an, er appelliert an das Herz,&lt;br /&gt;
wenn er in der Bergpredigt?? zur Fein-&lt;br /&gt;
desliebe aufruft. Denn das menschliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 BAHAÄT-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herz muß sich zuallererst wandeln,&lt;br /&gt;
muß eine Umkehr, muß eine Buße voll-&lt;br /&gt;
ziehen, wenn es den göttlichen Frieden&lt;br /&gt;
aufnehmen und weitergeben will. In sei-&lt;br /&gt;
ner Auslegung des alttestamentlichen&lt;br /&gt;
Gebots »Du sollst nicht töten!«?* macht&lt;br /&gt;
Jesus deutlich, daß dieses Gebot bereits&lt;br /&gt;
im Herzen und durch Worte übertreten&lt;br /&gt;
wird, bevor die böse Tat geschieht.&lt;br /&gt;
Darum ist die Versöhnung die Voraus-&lt;br /&gt;
setzung dafür, daß Menschen einander&lt;br /&gt;
im Frieden annehmen und selbst Feinde&lt;br /&gt;
sich gegenseitig als Geschöpfe Gottes&lt;br /&gt;
anerkennen.” Dazu aber gehört ein&lt;br /&gt;
Umdenken, eine Metänoia, eine Ände-&lt;br /&gt;
rung des Bewußtseins, die den ganzen&lt;br /&gt;
Menschen erfassen muß. Die erste&lt;br /&gt;
These Martin Luthers von 1517 lautete:&lt;br /&gt;
»Als unser Herr und Meister sprach:&lt;br /&gt;
Iut Buße«, da wollte er, daß das ganze&lt;br /&gt;
Leben der Gläubigen eine Buße sei.«*&lt;br /&gt;
Also nicht die Systemveränderung,&lt;br /&gt;
nicht die Veränderung von gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Verhältnissen, sondern die Ver-&lt;br /&gt;
änderung des Bewußtseins in den ein-&lt;br /&gt;
zelnen Menschen, die Umkehr und&lt;br /&gt;
Buße der Herzen steht am Anfang des&lt;br /&gt;
Friedensprozesses, wie ihn die Religio-&lt;br /&gt;
nen verkündigen. Der einzelne muß sich&lt;br /&gt;
in seiner Gesinnung wandeln, damit die&lt;br /&gt;
menschliche Gesellschaft ihre Gesin-&lt;br /&gt;
nung ändert — nicht umgekehrt. Die&lt;br /&gt;
Religionen gehen also nicht den Weg,&lt;br /&gt;
den der Marxismus und andere säkulare&lt;br /&gt;
Heilslehren vorschlagen, sie glauben&lt;br /&gt;
nicht, daß man — sozusagen per Edikt&lt;br /&gt;
— die menschliche Gesellschaft verän-&lt;br /&gt;
dern muß, damit der einzelne befreit&lt;br /&gt;
und von den Aggressionszwängen »er-&lt;br /&gt;
löst« wird. Die Religionen glauben viel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 in: Rolf Italiaander, Ein Mann kämpft für den&lt;br /&gt;
Frieden, S. 51f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 Matthäus 5&lt;br /&gt;
24 Exodus 20, 13&lt;br /&gt;
25 Matthäus 5, 21-26 + 43-48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Luthers Werke, ed. Otto Clemen, Bd. 1, Bonn&lt;br /&gt;
1912, S. 3&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=13}}mehr, daß die Veränderung der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Gesellschaft nur dadurch in Gang&lt;br /&gt;
gesetzt werden kann, wenn sie im Her-&lt;br /&gt;
zen eines jeden Menschen beginnt.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá sagt: »Die Religion solite&lt;br /&gt;
alle Herzen vereinen und Krieg und&lt;br /&gt;
Streitigkeiten auf der Erde vergehen&lt;br /&gt;
lassen.«?”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Welt verändern will, der muß&lt;br /&gt;
sich zunächst selber ändern. Wer den&lt;br /&gt;
Frieden auf Erden will, der muß zualler-&lt;br /&gt;
erst in seinem Herzen Frieden haben&lt;br /&gt;
und mit sich selbst im Frieden leben.&lt;br /&gt;
Anders ist der Prozeß des Weltfriedens&lt;br /&gt;
nicht in Gang zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte mit einem Zitat schließen,&lt;br /&gt;
das ursprünglich nicht als eine religiöse,&lt;br /&gt;
sondern als eine politische Aussage&lt;br /&gt;
konzipiert war, das aber — inmitten&lt;br /&gt;
der Gefährdungen und Ängste unserer&lt;br /&gt;
Zeit — eine religiöse, eine propheti-&lt;br /&gt;
sche Dimension angenommen hat. Es&lt;br /&gt;
stammt von Karl Jaspers, aus seinem&lt;br /&gt;
Buch »Die Atombombe und die Zu-&lt;br /&gt;
kunft des Menschen«, das vor beinahe&lt;br /&gt;
30 Jahren erschienen ist und — obgleich&lt;br /&gt;
jetzt neu aufgelegt — nahezu unbe-&lt;br /&gt;
achtet blieb. Ich zitiere Karl Jaspers:&lt;br /&gt;
»Ohne Umkehr ist das Leben der Men-&lt;br /&gt;
schen verloren. Will der Mensch weiter-&lt;br /&gt;
leben, so muß er sich wandeln... Der&lt;br /&gt;
Wandel kann nur geschehen durch&lt;br /&gt;
jeden Menschen in der Weise, wie er&lt;br /&gt;
lebt. Zuerst kommt es allein auf ihn&lt;br /&gt;
selber an. Jede kleine Handlung, jedes&lt;br /&gt;
Wort, jedes Verhalten in den Millionen&lt;br /&gt;
und Milliarden ist wesentlich. Was im&lt;br /&gt;
großen vor sich geht, ist nur Symptom&lt;br /&gt;
dessen, was in der Verborgenheit der&lt;br /&gt;
vielen getan wird. Wer nicht Frieden mit&lt;br /&gt;
seinem Nachbarn halten kann, wer&lt;br /&gt;
durch bösartiges Verhalten dem ande-&lt;br /&gt;
ren das Leben schwer macht, wer im&lt;br /&gt;
Verborgenen ihm Unheil wünscht, wer&lt;br /&gt;
verleumdet, wer lügt, wer die Ehe&lt;br /&gt;
bricht, seine Eltern nicht ehrt, wer die&lt;br /&gt;
Gesetze bricht, — der verhindert durch&lt;br /&gt;
sein Tun, das selbst in der abgeschlos-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
senen Kammer nie nur privat ist, den&lt;br /&gt;
Frieden der Welt.«2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 Ansprachen in Paris, Oberkalbach 61973,&lt;br /&gt;
5.102&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 München 1958, S. 49 f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh&lt;br /&gt;
Der Wille zum Frieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn unter den hier Anwesenden eine&lt;br /&gt;
Meinungsumfrage durchgeführt würde,&lt;br /&gt;
um festzustellen, was uns lieb und teuer&lt;br /&gt;
ist — der Frieden und die Sicherheit vor&lt;br /&gt;
dem Krieg wären gewiß auf den ersten&lt;br /&gt;
Rängen. Dies wäre nur ein Zeichen&lt;br /&gt;
dafür, daß die Friedensfrage heute eine&lt;br /&gt;
neue Dimension erreicht hat. Sie bewegt&lt;br /&gt;
die Menschen in allen Teilen der Welt&lt;br /&gt;
und nicht nur dort, wo der Krieg wütet.&lt;br /&gt;
Sie hat das Bewußtsein vieler Menschen&lt;br /&gt;
durchdrungen und verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings ist die Friedenssehnsucht&lt;br /&gt;
der Menschen keineswegs eine völlig&lt;br /&gt;
neue Erscheinung. Auch wenn in ver-&lt;br /&gt;
gangenen Zeiten die Massen nicht in der&lt;br /&gt;
Lage waren, ihre Friedenssehnsucht, ihr&lt;br /&gt;
Verlangen nach Sicherheit vor dem&lt;br /&gt;
Krieg so zu artikulieren, daß es zur poli-&lt;br /&gt;
tischen Kraft wurde, so wissen wir doch&lt;br /&gt;
von den Überlieferungen dieser Zeiten,&lt;br /&gt;
daß auch für unsere älteren Vorfahren&lt;br /&gt;
Frieden ein hohes Gut gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verheißung Jesajas von vor mehr&lt;br /&gt;
als 2500 Jahren gehört zu den wohl be-&lt;br /&gt;
kanntesten überlieferten Friedensbil-&lt;br /&gt;
dern: »Da werden sie ihre Schwerter zu&lt;br /&gt;
Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln&lt;br /&gt;
machen. Denn es wird kein Volk wider&lt;br /&gt;
das andere ein Schwert aufheben und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden hinfort nicht mehr kriegen&lt;br /&gt;
lernen.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Jesaja 2, 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
P4, gerl7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese eindringliche Vision ist denn&lt;br /&gt;
auch zur Vorlage des Monuments auf&lt;br /&gt;
dem Platz der Vereinten Nationen ge-&lt;br /&gt;
worden: der Mann, derein Schwert zum&lt;br /&gt;
Pflug schmiedet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus etwa der gleichen Zeit stammt die&lt;br /&gt;
Prophezeiung Buddhas vom Kommen&lt;br /&gt;
des Königs Sankha, der das Rad dreht,&lt;br /&gt;
»...rechtschaffen und in Rechtschaffen-&lt;br /&gt;
heit lebend ... Er wird leben in Oberho-&lt;br /&gt;
heit über diese Erde bis an die Grenzen&lt;br /&gt;
der Ozeane, er, der die Erde nicht durch&lt;br /&gt;
die Geißel, noch durch das Schwert&lt;br /&gt;
erobert, sondern durch Rechtschaffen-&lt;br /&gt;
heit«.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa 400 Jahre später sagte Cicero:&lt;br /&gt;
»Ich ziehe den ungerechtesten Frieden&lt;br /&gt;
dem gerechtesten Krieg vor.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnern möchte ich noch an die Se-&lt;br /&gt;
ligpreisung der Friedfertigen in der&lt;br /&gt;
Bergpredigt und die Zukunftsvision der&lt;br /&gt;
Apokalypse, in der es u.a. heißt: »Und&lt;br /&gt;
Gott wird alle Tränen wegwischen von&lt;br /&gt;
ihren Augen; und der Tod wird nicht&lt;br /&gt;
mehr sein und nicht Trauer und Klage&lt;br /&gt;
und Mühsal; denn das Frühere ist ver-&lt;br /&gt;
gangen.«&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Jahrtausende alte Vision, daß&lt;br /&gt;
eines Tages Friede sein wird auf dieser&lt;br /&gt;
Erde, könnte in unserer Zeit in Erfüllung&lt;br /&gt;
gehen. Der Friede »ist jetzt endlich in&lt;br /&gt;
Reichweite der Nationen«, wie das Uni-&lt;br /&gt;
versale Haus der Gerechtigkeit der&lt;br /&gt;
Bahäfi in seiner Friedenserklärung vom&lt;br /&gt;
Oktober vergangenen Jahres schreibt.&lt;br /&gt;
»Weltfriede«, so heißt es weiter in dieser&lt;br /&gt;
Erklärung, »ist nicht nur möglich, son-&lt;br /&gt;
dern unausweichlich. Er ist die nächste&lt;br /&gt;
Stufe in der Evolution dieses Pla-&lt;br /&gt;
neten...«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Unausweichlichkeit des Frie-&lt;br /&gt;
dens ist allerdings nicht gemeint, daß er&lt;br /&gt;
automatisch und ohne unser Zutun uns&lt;br /&gt;
in den Schoß fallen wird. In diesem für&lt;br /&gt;
die Bahäi sehr bedeutsamen Doku-&lt;br /&gt;
ment, dasinzwischen einer Vielzahl von&lt;br /&gt;
Staatsoberhäuptern und Persönlichkei-&lt;br /&gt;
ten des öffentlichen Lebens überreicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 BAHA&#039;I-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden ist, werden die Völker auf&lt;br /&gt;
folgende Alternative aufmerksam ge-&lt;br /&gt;
macht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden erst nach unvorstellbaren&lt;br /&gt;
Schrecken, weil die Menschen stur auf&lt;br /&gt;
veralteten Verhaltensmustern beharren,&lt;br /&gt;
oder Frieden durch »konsultativen Wil-&lt;br /&gt;
lensakt« — durch Willensbildung auf&lt;br /&gt;
Beratungsbasis —, vor diese Alternative&lt;br /&gt;
seien alle Erdenbewohner jetzt gestellt.°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stehen nun die Chancen für die&lt;br /&gt;
eine und für die andere Seite der Alter-&lt;br /&gt;
native, werden wir fragen, und viel-&lt;br /&gt;
leicht neigen wir dazu, die wünschens-&lt;br /&gt;
werte Seite — Frieden durch Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit und Beratung — als Illusion&lt;br /&gt;
abzutun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir auf die Geschehnisse, die&lt;br /&gt;
unsere Aufmerksamkeit erregen, sei es&lt;br /&gt;
durch Nachrichten der Medien oder in&lt;br /&gt;
unserer eigenen Umgebung, so sind es&lt;br /&gt;
meist Dinge, die uns pessimistisch stim-&lt;br /&gt;
men. So berechtigt der Pessimismus&lt;br /&gt;
auch sein mag, wir dürfen uns davon&lt;br /&gt;
nicht allzusehr beeindrucken lassen und&lt;br /&gt;
müssen unsere Sinne vielmehr für die&lt;br /&gt;
Wahrnehmung der Möglichkeiten des&lt;br /&gt;
Friedens schärfen, wenn wir in dieser&lt;br /&gt;
Richtung etwas bewegen wollen. Die&lt;br /&gt;
Menschheit hat endgültig den Punkt&lt;br /&gt;
ihrer Geschichte erreicht, wo sie ein für&lt;br /&gt;
allemal mit Krieg und Frieden ins Reine&lt;br /&gt;
kommen muß. Sie muß den Frieden,&lt;br /&gt;
den sie in ihren Dichtungen besingt, in&lt;br /&gt;
der Realität verwirklichen. Dazu müs-&lt;br /&gt;
sen den starken destruktiven Kräften,&lt;br /&gt;
die am Werk sind, konstruktive Kräfte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
? zit. nach The Association for Bahäi Studies&lt;br /&gt;
(Arsg.): To the Peoples of the World. A Bahä&#039;&lt;br /&gt;
Statement on Peace by the Universal House of&lt;br /&gt;
Justice, Ottawa 1986, 5. 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 a.a.0., 5. 30&lt;br /&gt;
4 Die Offenbarung des Johannes 21,4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Die Verheißung des Weltfriedens. Eine Bot-&lt;br /&gt;
schaft des Universalen Hauses der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, hrsg. vom Nationalen Geistigen Rat der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í in Deutschland, Hofheim 21985, $. 7&lt;br /&gt;
6 vgl. ebd.&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=15}}entgegengesetzt werden; d.h. allein der&lt;br /&gt;
Wunsch und die Sehnsucht nach Frie-&lt;br /&gt;
den reicht nicht mehr aus. Aus Wunsch&lt;br /&gt;
und Sehnsucht muß der Wille zum Frie-&lt;br /&gt;
den werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Unterschied zur bloßen Sehnsucht&lt;br /&gt;
nach Frieden ist mit »Wille zum Frie-&lt;br /&gt;
den« gemeint, daß der Schritt vom&lt;br /&gt;
Wunsch zur Tat gemacht wird. Gemeint&lt;br /&gt;
ist ferner, daß Krieg und Frieden nicht&lt;br /&gt;
länger als unabwendbare quasi Natur-&lt;br /&gt;
ereignisse aufgefaßt werden, sondern&lt;br /&gt;
der einzelne, Gruppen und Völker sich&lt;br /&gt;
als Subjekte des Geschehens begreifen,&lt;br /&gt;
die den Frieden herbeiführen können,&lt;br /&gt;
wenn sie die Erfordernisse richtig erken-&lt;br /&gt;
nen und danach handeln. Ich will nun&lt;br /&gt;
einige dieser Erfordernisse, die ich aus&lt;br /&gt;
der Sicht eines Bahä’i für wichtig halte,&lt;br /&gt;
aufzählen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die eigene Friedfertigkeit, d.h. der&lt;br /&gt;
feste Entschluß, Gegensätze mit gewalt-&lt;br /&gt;
losen Mitteln beizulegen oder auszutra-&lt;br /&gt;
gen, ist unabdingbare Voraussetzung&lt;br /&gt;
des Willens zum Frieden. Jede Hand-&lt;br /&gt;
lung, die Frieden fördern will, wird&lt;br /&gt;
unglaubwürdig und bewirkt eher das&lt;br /&gt;
Gegenteil, wenn sie von Gewalt getra-&lt;br /&gt;
gen wird. Selbstverständlich gibt es&lt;br /&gt;
unzählige Situationen, in denen die&lt;br /&gt;
elementarsten Menschenrechte verletzt&lt;br /&gt;
werden und die Betroffenen ab einem&lt;br /&gt;
bestimmten Punkt sich nicht anders zu&lt;br /&gt;
wehren wissen als durch Gegengewalt.&lt;br /&gt;
Es geht nicht darum, diese Menschen&lt;br /&gt;
und ihre Handlungen abzuqualifizie-&lt;br /&gt;
ren. Es wäre auch naiv zu glauben,&lt;br /&gt;
in absehbarer Zeit könnte auf staat-&lt;br /&gt;
liche Gewalt verzichtet werden — selbst&lt;br /&gt;
zur Sicherung des Friedens wird ein&lt;br /&gt;
in irgendeiner Weise organisiertes&lt;br /&gt;
Gewaltenmonopol unvermeidlich sein.&lt;br /&gt;
Worum es in diesem Punkt geht, ist&lt;br /&gt;
die Feststellung, daß eine Bewegung,&lt;br /&gt;
die auf Frieden aus ist, erkennen muß,&lt;br /&gt;
daß Friedfertigkeit und Gewaltlosig-&lt;br /&gt;
keit notwendig zu ihren Kennzeichen&lt;br /&gt;
gehören müssen, sonst wird sie nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
überzeugen und wird keinen Erfolg&lt;br /&gt;
haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Die in ihren Mitteln friedliche Frie-&lt;br /&gt;
densbewegung kann nur dann etwas be-&lt;br /&gt;
wegen, wenn sie selbst davon überzeugt&lt;br /&gt;
ist, daß trotz aller Widrigkeiten Frieden&lt;br /&gt;
ein erreichbares Ziel ist. Weder die&lt;br /&gt;
Verhältnisse, die sich der Mensch ge-&lt;br /&gt;
schaffen hat, noch die menschliche&lt;br /&gt;
Natur dürfen da als unüberwindbare&lt;br /&gt;
Barrieren betrachtet werden. Die uns&lt;br /&gt;
bekannte und vertraute Welt ist so sehr&lt;br /&gt;
von Konflikt und Aggression geprägt,&lt;br /&gt;
daß wir leicht dazu neigen, den Men-&lt;br /&gt;
schen als unheilbar aggressiv anzuse-&lt;br /&gt;
hen. Diese pessimistische Sichtweise,&lt;br /&gt;
die sowohl von wissenschaftlichen wie&lt;br /&gt;
von theologischen Denkrichtungen ge-&lt;br /&gt;
nährt worden ist, muß natürlich den&lt;br /&gt;
Willen zum Frieden, die Friedensbe-&lt;br /&gt;
wegung schwächen. In der bereits zitier-&lt;br /&gt;
ten Friedenserklärung der Bahä’i wird&lt;br /&gt;
der Gegensatz zwischen diesem Pessi-&lt;br /&gt;
mismus und der Friedenssehnsucht als&lt;br /&gt;
»lähmender Widerspruch«, als »das&lt;br /&gt;
historische Dilemma der Menschheit«?&lt;br /&gt;
beschrieben, das der Verwirklichung&lt;br /&gt;
des Friedens im Wege steht. Es gilt zu&lt;br /&gt;
erkennen, so die Friedenserklärung der&lt;br /&gt;
Bahä’i, daß diese Sicht auf einem Zerr-&lt;br /&gt;
bild der menschlichen Natur beruht und&lt;br /&gt;
keineswegs das wahre Wesen des Men-&lt;br /&gt;
schen erkennt. Könnte diese falsche&lt;br /&gt;
Sicht überwunden und an ihre Stelle die&lt;br /&gt;
richtige Überzeugung treten, daß der&lt;br /&gt;
Mensch Glück und Zufriedenheit nur&lt;br /&gt;
findet, wenn er seine Neigungen, Inter-&lt;br /&gt;
essen und Fähigkeiten zum Wohle ande-&lt;br /&gt;
rer und nicht zu ihrem Schaden einsetzt,&lt;br /&gt;
könnten ungeahnte konstruktive Kräfte&lt;br /&gt;
freigesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Um die wahre Natur des Menschen&lt;br /&gt;
wahrzunehmen, müssen wir erkennen,&lt;br /&gt;
daß das spezifisch Menschliche geistige&lt;br /&gt;
Eigenschaften sind — der Verstand, die&lt;br /&gt;
Fähigkeit zu lieben und Vertrauen zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 2.2.0., S.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=16}}schenken, Barmherzigkeit, sich Ziele zu&lt;br /&gt;
setzen und diese zu erreichen. Der&lt;br /&gt;
Mensch hat in seiner bisherigen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung noch nicht die Bahn einge-&lt;br /&gt;
schlagen, die seiner wahren Natur ange-&lt;br /&gt;
messen wäre. Er mißt den materiellen&lt;br /&gt;
Dingen, die ja nur Mittel zum Zweck&lt;br /&gt;
sein sollten, immer noch größeren Wert&lt;br /&gt;
bei als den geistigen. Seine Umwelt, die&lt;br /&gt;
er sich geschaffen hat, ist daher nicht im&lt;br /&gt;
Einklang mit seiner geistigen Natur, die&lt;br /&gt;
er eher vergewaltigt. Seiner Natur ange-&lt;br /&gt;
messen wäre, daß er Liebe, Geborgen-&lt;br /&gt;
heit und Frieden erfährt und anderen&lt;br /&gt;
gibt. Die Welt, in der er lebt, läßt dies&lt;br /&gt;
aber häufig nicht zu und belohnt das&lt;br /&gt;
Gegenteil. Zu seiner Natur passen&lt;br /&gt;
würde eigentlich, daß er in Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit mit anderen und mit ihrer Hilfe&lt;br /&gt;
die Welt erforscht, nutzt und gestaltet.&lt;br /&gt;
Aber er sieht sich gezwungen, sich&lt;br /&gt;
gegen andere zu behaupten, mit ihnen&lt;br /&gt;
zu konkurrieren und sie auszutricksen.&lt;br /&gt;
Dieser Zustand der Welt und solcherart&lt;br /&gt;
Verhalten der Menschen dürfen aber&lt;br /&gt;
nicht als unveränderliche und konstante&lt;br /&gt;
Fakten, mit denen man sich abzufinden&lt;br /&gt;
hätte, angesehen werden. Im Laufe der&lt;br /&gt;
Geschichte hat sich durchaus einiges in&lt;br /&gt;
der menschlichen Gesellschaft und im&lt;br /&gt;
Verhalten der Menschen geändert; und&lt;br /&gt;
es ist nicht allzuweit hergeholt, wenn&lt;br /&gt;
man sagt, daß die Menschheit wie ein&lt;br /&gt;
einzelner Mensch verschiedene Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsstadien durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Aspekt, d.h. bei der An-&lt;br /&gt;
nahme, daß die Menschheit einen Rei-&lt;br /&gt;
fungsprozeß durchmacht, vergleichbar&lt;br /&gt;
der Entwicklung eines einzelnen Men-&lt;br /&gt;
schen, wird dieses »historische Di-&lt;br /&gt;
lemma der Menschheit«® — Friedens-&lt;br /&gt;
sehnsucht und gleichzeitig Krieg — viel-&lt;br /&gt;
leicht doch verständlich. Aus dieser&lt;br /&gt;
Sicht der Bahäi-Religion sind die gegen-&lt;br /&gt;
wärtigen Wirren in der Welt und ihr&lt;br /&gt;
gefährlicher Zustand eine natürliche —&lt;br /&gt;
wenn auch in diesem Maße nicht not-&lt;br /&gt;
wendige — Phase eines Prozesses, des-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sen Ziel die Einigung der gesamten&lt;br /&gt;
Menschheit in einer Gesellschaftsord-&lt;br /&gt;
nung durch geistige Bande ist. Die&lt;br /&gt;
Menschheit ist nun, wie es in der Frie-&lt;br /&gt;
denserklärung der Bahá’í heißt, »auf&lt;br /&gt;
dem Höhepunkt ihrer ungestümen Ju-&lt;br /&gt;
gend und nähert sich ihrer lang ersehn-&lt;br /&gt;
ten Mündigkeit«.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wille zum Frieden lebt von der&lt;br /&gt;
Zuversicht, daß nicht das Ende der Zivi-&lt;br /&gt;
lisation bevorsteht, sondern daß die teil-&lt;br /&gt;
weise atemberaubenden Umwälzungen,&lt;br /&gt;
einschließlich der schrecklichen Ereig-&lt;br /&gt;
nisse und Zustände, dazu dienen, wie es&lt;br /&gt;
in der Bahä’i-Religion heißt, »die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten, die der Stufe des Menschen&lt;br /&gt;
innewohnen, freizulegen und das volle&lt;br /&gt;
Maß seiner Bestimmung auf Erden, den&lt;br /&gt;
angeborenen Vorzug seiner Wirklich-&lt;br /&gt;
keit zu offenbaren«.&#039;°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. So wichtig Zuversicht für eine&lt;br /&gt;
Bewegung zum Frieden ist, sie allein&lt;br /&gt;
genügt nicht. Es ist nicht gleichgültig,&lt;br /&gt;
welchen Weg diese Bewegung ein-&lt;br /&gt;
schlägt und von welchem Verständnis&lt;br /&gt;
der Zusammenhänge und Notwendig-&lt;br /&gt;
keiten sie ausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben davon gesprochen, daß&lt;br /&gt;
Geistigkeit die wahre Natur des Men-&lt;br /&gt;
schen ausmacht. Damit hängt es zusam-&lt;br /&gt;
men, daß alle Dinge, dieMenschenwerk&lt;br /&gt;
sind, geistigen Gesetzen gehorchen.&lt;br /&gt;
Dies ist uns vielleicht nicht bewußt, weil&lt;br /&gt;
wir die technische Seite unseres Tuns&lt;br /&gt;
und unserer Werke so sehr in den Vor-&lt;br /&gt;
dergrund geschoben haben, daß für die&lt;br /&gt;
Frage nach dem geistigen Prinzip kein&lt;br /&gt;
Raum geblieben ist. Die Folge ist ein La-&lt;br /&gt;
byrinth von Sackgassen, in die wir uns&lt;br /&gt;
verrannt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Prinzip des Weltfriedens&lt;br /&gt;
ist nach der Auffassung der Bahá’í das&lt;br /&gt;
Prinzip der Einheit oder Einigkeit,&lt;br /&gt;
eigentlich eine Selbstverständlichkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 ebd.&lt;br /&gt;
9 a.a0.,5.11&lt;br /&gt;
10 4.2.0., 5. 11f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=17}}aber eine, die zuwenig Beachtung fin-&lt;br /&gt;
det. Wenn man diesen Grundsatz der&lt;br /&gt;
Einheit ernster nehmen und ihn häufiger&lt;br /&gt;
zur Richtschnur des Handelns machen&lt;br /&gt;
würde, müßten viele bewußte und un-&lt;br /&gt;
bewußte Handlungsmaxime revidiert&lt;br /&gt;
werden. Wenn wir uns z.B. fragen, was&lt;br /&gt;
Einheit unter heute gegebenen Rahmen-&lt;br /&gt;
bedingungen auf politischer Ebene be-&lt;br /&gt;
deutet, müssen wir erkennen, daß es&lt;br /&gt;
nicht mehr genügt, sich zu einer natio-&lt;br /&gt;
nalen Einheit zu bekennen; denn Wis-&lt;br /&gt;
senschaft und Technik haben uns Mittel&lt;br /&gt;
an die Hand gegeben, durch die politi-&lt;br /&gt;
sches Handeln weltweite Folgen zeitigt.&lt;br /&gt;
Daher muß heute die zentrale politische&lt;br /&gt;
Bezugsgröße die globale Einheit, die&lt;br /&gt;
Einheit der gesamten Menschheit sein —&lt;br /&gt;
so ungewohnt und unbequem uns diese&lt;br /&gt;
Sichtweise sein mag —, und zwar mit&lt;br /&gt;
allen Konsequenzen für die politische&lt;br /&gt;
Organisation. Wir sehen ja allenthal-&lt;br /&gt;
ben, daß von nationalstaatlicher Sou-&lt;br /&gt;
veränität geprägtes politisches Handeln&lt;br /&gt;
immer wieder an Grenzen stößt, und es&lt;br /&gt;
scheint, als würden diese Grenzen&lt;br /&gt;
immer enger, der Handlungsspielraum&lt;br /&gt;
immer kleiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für die Bahä’i-Religion zentrale&lt;br /&gt;
Frage der Einheit der Menschheit haben&lt;br /&gt;
inzwischen auch moderne Denker, wie&lt;br /&gt;
C.F. von Weizsäcker und Karl Jaspers,&lt;br /&gt;
als notwendige Bedingung des Weltfrie-&lt;br /&gt;
dens erkannt. Jaspers z.B. spricht von&lt;br /&gt;
der Geschlossenheit der Welt, in der wir&lt;br /&gt;
heute leben. Seit 1914 — sagt er — sei&lt;br /&gt;
die Welt nicht mehr offen, d.h.: man&lt;br /&gt;
kann nicht mehr auswandern, um ir-&lt;br /&gt;
gendwelchen Bedrohungen auszuwei-&lt;br /&gt;
chen, wie das früher noch möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Jaspers mit »Geschlossenheit der&lt;br /&gt;
Welt« meinte, macht vielleicht die fol-&lt;br /&gt;
gende Anekdote deutlich. Ein englisches&lt;br /&gt;
Ehepaar hatte beschlossen, sich in eine&lt;br /&gt;
ruhige und friedliche Ecke der Welt zu-&lt;br /&gt;
rückzuziehen. Als der Ehemann Anfang&lt;br /&gt;
der 80er Jahre pensioniert wurde, war es&lt;br /&gt;
endlich soweit. Nach reiflicher Überle-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gung und viel Beratung mit anderen ent-&lt;br /&gt;
schied man sich schließlich für die entle-&lt;br /&gt;
genen Falkland-Inseln. Kaum waren sie&lt;br /&gt;
in ihrer neuen Heimat eingetroffen, als&lt;br /&gt;
auch schon der Krieg ausbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jaspers — dessen Blick allerdings&lt;br /&gt;
trotz allem allzusehr auf das Abendland&lt;br /&gt;
zentriert war — schreibt in seinem Buch&lt;br /&gt;
»Die Atombombe und die Zukunft des&lt;br /&gt;
Menschen«: »Staatsgrenzen sollten in&lt;br /&gt;
Europa immer mehr zu Grenzen von eu-&lt;br /&gt;
ropäischen Verwaltungsbezirken wer-&lt;br /&gt;
den... Die politische Einigung ist nur zu&lt;br /&gt;
sichern durch die Begrenzung der Sou-&lt;br /&gt;
veränität aller abendländischen Staaten&lt;br /&gt;
im Verhältnis zueinander.«!! Und er&lt;br /&gt;
spricht von der »Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
als reale Verkehrseinheit«, die »eben, in&lt;br /&gt;
so kurzer Zeit entstanden«’? sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, was ein wacher mitteleuropä-&lt;br /&gt;
ischer Philosophengeist Mitte der 50er&lt;br /&gt;
Jahre als »eben, in so kurzer Zeit ent-&lt;br /&gt;
standene« »Einheit der Menschheit als&lt;br /&gt;
reale Verkehrseinheit« erkennen konn-&lt;br /&gt;
te, hatte Bahau/lläh, der Begründer&lt;br /&gt;
der Bahäi-Religion, bereits 90 Jahre&lt;br /&gt;
zuvor im tiefsten Orient verkündet.&lt;br /&gt;
Er verlieh damit dem Grundsatz der&lt;br /&gt;
Einheit und der Einheit der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zugleich ein moralisches, sittliches&lt;br /&gt;
und religiös-existenzielles Fundament,&lt;br /&gt;
indem er dieses Prinzip als den Willen&lt;br /&gt;
Gottes für die Menschheit heute verkün-&lt;br /&gt;
dete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagte u.a.: »...betrachtet einander&lt;br /&gt;
nicht als Fremde. Ihr seid alle die&lt;br /&gt;
Früchte eines Baumes und die Blätter&lt;br /&gt;
eines Zweiges... Die Erde’ist nur ein&lt;br /&gt;
Land und alle Menschen sind seine Bür-&lt;br /&gt;
ger... Der Mensch rühme sich nicht des-&lt;br /&gt;
sen, daß er sein Land liebt, eher dessen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er die Menschheit liebt.«&#039;? Und Er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Karl Jaspers, Die Atombombe und die Zukunft&lt;br /&gt;
des Menschen, dtv München 1964, S. 55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 2.2.0., 5. 32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33 Bahä’ulläh, Ährenlese, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
31980, 112 und 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 15&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=18}}sagte an anderer Stelle: »Die Wohlfahrt&lt;br /&gt;
der Menschen, ihr Friede und ihre Si-&lt;br /&gt;
cherheit sind unerreichbar, wenn und&lt;br /&gt;
ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.&lt;br /&gt;
Die Einheit kann solange nicht erreicht&lt;br /&gt;
werden, als die Ratschläge, die die Feder&lt;br /&gt;
des Höchsten offenbart hat, unbeachtet&lt;br /&gt;
übergangen werden.«&#039;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte nun in aller Kürze einige&lt;br /&gt;
dieser Ratschläge nennen, die durch die&lt;br /&gt;
Friedenserklärung der Bahä’i noch ein-&lt;br /&gt;
mal den Völkern der Welt unterbreitet&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Überwindung von Vorurteilen jeg-&lt;br /&gt;
licher Art. Zu den schlimmsten Aus-&lt;br /&gt;
wüchsen von Vorurteilen gehört der&lt;br /&gt;
Rassismus und der religiöse Fanatismus;&lt;br /&gt;
beide zählen zu den Haupthindernissen&lt;br /&gt;
des Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Überwindung von krassen Unter-&lt;br /&gt;
schieden zwischen arm und reich — so-&lt;br /&gt;
wohl auf individueller Ebene als auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf regionaler Ebene (Stichwort&lt;br /&gt;
»Nord/Süd-Gefälle«, reiche und arme&lt;br /&gt;
Länder).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Eine die ganze Menschheit einbe-&lt;br /&gt;
ziehende umfassende Loyalität an Stelle&lt;br /&gt;
von ungezügeltem Nationalismus. Das&lt;br /&gt;
schließt einen gesunden Patriotismus,&lt;br /&gt;
die Liebe zum eigenen Land, keineswegs&lt;br /&gt;
aus. Bereits existierende internationale&lt;br /&gt;
Aktivitäten, die auf dieses Ziel ausge-&lt;br /&gt;
richtet sind, müssen stärker gefördert&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Die volle Gleichberechtigung der&lt;br /&gt;
Geschlechter als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Faktoren der Errichtung und Erhaltung&lt;br /&gt;
des Weltfriedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Universale Bildung und Erziehung&lt;br /&gt;
auch mit dem Ziel, Unwissenheit als&lt;br /&gt;
eine große Gefahrenquelle für den Frie-&lt;br /&gt;
den zu beseitigen. Dabei ist nach Auf-&lt;br /&gt;
fassung der Bahäi die Bildung von Mäd-&lt;br /&gt;
chen und Frauen von besonderer Wich-&lt;br /&gt;
tigkeit, »denn durch gebildete Mütter&lt;br /&gt;
kann der Nutzen des Wissens am wirk-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
samsten und schnellsten die Gesellschaft&lt;br /&gt;
durchdringen«.!° Weltfriede und Welt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bürgerschaft sollten als Erziehungsziele&lt;br /&gt;
Bestandteile der Grundbildung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Schließlich: Annahme einer Welt-&lt;br /&gt;
hilfssprache, die in ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
Verständigungsschwierigkeiten der Völ-&lt;br /&gt;
ker beseitigen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Forderungen dürften keinem,&lt;br /&gt;
der sich für den Frieden einsetzen will,&lt;br /&gt;
gleichgültig sein. Denn dauerhafter&lt;br /&gt;
Frieden ist nicht nur eine Frage der Ab-&lt;br /&gt;
schaffung von Waffen — so wichtig und&lt;br /&gt;
dringend notwendig auch Abrüstung&lt;br /&gt;
ist —, sondern eine vielschichtige und&lt;br /&gt;
komplexe Aufgabe, deren Lösung nicht&lt;br /&gt;
an den erwähnten Forderungen vorbei-&lt;br /&gt;
kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie eingangs erwähnt, zeigt die Frie-&lt;br /&gt;
denserklärung der Bahäi die Alterna-&lt;br /&gt;
tive »Frieden nach unvorstellbaren&lt;br /&gt;
Schrecken« oder »Frieden durch konsul-&lt;br /&gt;
tative Willensbildung«’° auf. Wenn die&lt;br /&gt;
Schrecknisse vermieden werden sollen,&lt;br /&gt;
müssen sich die Menschen dazu verste-&lt;br /&gt;
hen, die notwendigen einzelnen Schritte&lt;br /&gt;
auf dem Weg zum Frieden durch Bera-&lt;br /&gt;
tung miteinander zu gehen. Die ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Gruppen, die politischen&lt;br /&gt;
Repräsentanten, die Mächtigen dieser&lt;br /&gt;
Erde müßten sich zu gemeinsamer Bera-&lt;br /&gt;
tung zusammensetzen und Wege ersin-&lt;br /&gt;
nen, wie die Welt aus der verfahrenen&lt;br /&gt;
Lage, in die sie hineinmanövriert wor-&lt;br /&gt;
den ist, wieder herausgebracht werden&lt;br /&gt;
kann. Sie müssen herausfinden, was die&lt;br /&gt;
Ursachen von Krieg und Frieden sind&lt;br /&gt;
und wie nun endlich ein für allemal der&lt;br /&gt;
Krieg überwunden und Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
hergestellt werden kann. Vor mehr als&lt;br /&gt;
100 Jahren schrieb Bahä’u’lläh: »Die Zeit&lt;br /&gt;
muß kommen, da die gebieterische Not-&lt;br /&gt;
wendigkeit für die Abhaltung einer aus-&lt;br /&gt;
gedehnten, allumfassenden Versamm-&lt;br /&gt;
lung der Menschen weltweit erkannt&lt;br /&gt;
wird. Die Herrscher und Könige der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 2.2.0., 131:2&lt;br /&gt;
15 Die Verheißung des Weltfriedens, 5. 24f&lt;br /&gt;
16 420.,8$.7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=19}}Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen,&lt;br /&gt;
an ihren Beratungen teilnehmen und&lt;br /&gt;
solche Mittel und Wege erörtern, die&lt;br /&gt;
den Grund zum Größten Weltfrieden&lt;br /&gt;
unter den Menschen legen.«&#039;”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit ist längst gekommen. Diese&lt;br /&gt;
Versammlung ist überfällig. Der Wille&lt;br /&gt;
zum Frieden erhält Kraft und Dynamik&lt;br /&gt;
durch den Glauben — durch Glauben&lt;br /&gt;
an den Frieden und daran, daß Weltfrie-&lt;br /&gt;
den Bestandteil von Gottes Plan für die-&lt;br /&gt;
sen Planeten ist. Aus dem Willen und&lt;br /&gt;
dem Glauben müssen Taten erwachsen.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Sohn Bahäu/llahs&lt;br /&gt;
und der bevollmächtigte Interpret Sei-&lt;br /&gt;
ner Lehren, sagte 1912 in einer Rede in&lt;br /&gt;
den Vereinigten Staaten: »Wir wissen&lt;br /&gt;
alle, daß der Weltfriede gut ist, daß er&lt;br /&gt;
zum Wohlbefinden und zur Ehre des&lt;br /&gt;
Menschen führt, aber Willenskraft und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Taten sind nötig, bevor er errichtet wer-&lt;br /&gt;
den kann. Das Handeln ist wesentlich.&lt;br /&gt;
Weil dieses Jahrhundert ein Jahrhundert&lt;br /&gt;
des Lichtes ist, bekam die Menschheit&lt;br /&gt;
die Fähigkeit zum Handeln zugesichert.&lt;br /&gt;
Die göttlichen Prinzipien müssen unter&lt;br /&gt;
den Menschen verbreitet werden, bis die&lt;br /&gt;
Zeit zum Handeln kommt. Dies ist si-&lt;br /&gt;
cherlich geschehen und jetzt sind Zeit&lt;br /&gt;
und Umstände wahrlich reif für&lt;br /&gt;
Taten.«&#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Ährenlese 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 Frieden, Aus den Schriften Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás und Shoghi Effendis sowie Brie-&lt;br /&gt;
fen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
zusammengestellt von der Forschungsabteilung&lt;br /&gt;
des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, hrsg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vom Nationalen Geistigen Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland, Hofheim 1986, S. 30f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle heiligen Bücher&lt;br /&gt;
wurden geschrieben,&lt;br /&gt;
um die Menschen auf den Weg&lt;br /&gt;
der Liebe und der Eintracht&lt;br /&gt;
zu geleiten ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdull-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprachen in Paris, S. 82&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=20}}Uta von Both&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNGSPROJEKTE DER&lt;br /&gt;
BAHAT-WELTGEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Jahrhundert vollzieht sich&lt;br /&gt;
eine immer intensiver werdende Ver-&lt;br /&gt;
flechtung der Nationen und Völker un-&lt;br /&gt;
tereinander und macht ihre Schicksale&lt;br /&gt;
in viel höherem Grade voneinander ab-&lt;br /&gt;
hängig, als dies früher der Fall war. Die&lt;br /&gt;
Entwicklung der Technik hat so etwas&lt;br /&gt;
wie eine Schrumpfung unseres Planeten&lt;br /&gt;
bewirkt. Die vielfältigen Konflikte und&lt;br /&gt;
Probleme einzelner Regionen bleiben&lt;br /&gt;
nicht ohne Wirkung auf die übrige Welt.&lt;br /&gt;
Immer klarer wird uns bewußt, daß wir&lt;br /&gt;
— die gesamte Menschheit — eine&lt;br /&gt;
Schicksalsgemeinschaft sind, und ein&lt;br /&gt;
Überleben und Fortschritt nur dann&lt;br /&gt;
möglich ist, wenn wir dieser Erkenntnis&lt;br /&gt;
entsprechend handeln. So werden die&lt;br /&gt;
Probleme der einzelnen Völker der Welt&lt;br /&gt;
zur gemeinsamen Sorge aller. Die zwin-&lt;br /&gt;
gende Notwendigkeit eines friedlichen&lt;br /&gt;
Zusammenlebens der Menschheit kri-&lt;br /&gt;
stallisiert sich heute immer klarer&lt;br /&gt;
heraus. So schreibt Carl Friedrich v.&lt;br /&gt;
Weizsäcker: »Der Weltfriede ist Lebens-&lt;br /&gt;
bedingung des technischen Zeitalters...&lt;br /&gt;
Diese Welt bedarf des Friedens, wenn sie&lt;br /&gt;
sich nicht selbst zerstören will.«&#039; Eine&lt;br /&gt;
grundlegende neue Art des Denkens ist&lt;br /&gt;
erforderlich, wenn wir Frieden schaffen&lt;br /&gt;
wollen. Dies wird heute zunehmend an-&lt;br /&gt;
erkannt. So äußerte Hans-Peter Dürr&lt;br /&gt;
neulich in einem Interview: »Aus unse-&lt;br /&gt;
rer bisherigen historischen Erfahrung&lt;br /&gt;
müssen wir doch notwendigerweise den&lt;br /&gt;
Schluß ziehen, daß wir aus unserer&lt;br /&gt;
gegenwärtigen Situation der Bedrohung&lt;br /&gt;
nicht lebend herauskommen... Wenn&lt;br /&gt;
wir überhaupt eine Überlebenschance&lt;br /&gt;
haben wollen, dann müssen wir eben&lt;br /&gt;
darauf setzen, daß Gedanken und&lt;br /&gt;
Handlungsweisen in der Zukunft Rea-&lt;br /&gt;
lität werden können, für die uns die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangenheit bisher kein Vorbild lie-&lt;br /&gt;
fert.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist in ein neues Sta-&lt;br /&gt;
dium der Evolution eingetreten und dies&lt;br /&gt;
erfordert eine grundlegende Erneue-&lt;br /&gt;
rung des Denkens und des moralisch-&lt;br /&gt;
ethischen Standpunktes als Basis unse-&lt;br /&gt;
res Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit und Wohlergehen für&lt;br /&gt;
die gesamte Menschheit soll im Mittel-&lt;br /&gt;
punkt aller Überlegungen stehen. So&lt;br /&gt;
forderte Albert Einstein bereits 1938,&lt;br /&gt;
»daß jedem Individuum die Entfaltung&lt;br /&gt;
der in ihm schlummernden Fähigkeiten&lt;br /&gt;
ermöglicht werde. Denn nur so kann&lt;br /&gt;
dem Individuum die Befriedigung zuteil&lt;br /&gt;
werden, auf die es gerechten Anspruch&lt;br /&gt;
hat. Und nur durch Erfüllung dieser&lt;br /&gt;
Forderung kann die Gemeinschaft zu&lt;br /&gt;
reicher Blüte gebracht werden.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übergreifende Ziel des Bahäfi-&lt;br /&gt;
Glaubens ist die Begründung eines dau-&lt;br /&gt;
erhaften Weltfriedens, basierend auf&lt;br /&gt;
dem geistigen Grundsatz »von der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit — der Angelpunkt,&lt;br /&gt;
um den alle Lehren Bahä’u’llähs krei-&lt;br /&gt;
sen... Die Botschaft befaßt sich in er-&lt;br /&gt;
ster Linie mit der Natur jener notwendi-&lt;br /&gt;
gen Beziehungen, die alle Staaten und&lt;br /&gt;
Glieder einer menschlichen Familie ver-&lt;br /&gt;
binden müssen.«* Der Fortschritt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Carl Friedrich v. Weizsäcker, »Der bedrohte&lt;br /&gt;
Friede«, Carl Hanse-Verlag, München 1981,&lt;br /&gt;
S. 154&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Prof. Hans-Peter Dürr, »Friedenssicherung vor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenserweiterung« in Bild der Wissenschaft,&lt;br /&gt;
Heft 10/87&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Albert Einstein, »Aus meinen späten Jahren«,&lt;br /&gt;
Deutsche Verlagsanstalt 1979, S. 35 f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Shoghi Effendi, »Die Weltordnung Bahä’u&#039;-&lt;br /&gt;
llähs«, Bahäi-Verlag, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1977, 5. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt und die Entwicklung der Nationen&lt;br /&gt;
gehört zu den Verordnungen Gottes für&lt;br /&gt;
die heutige Zeit, und das Konzept der&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Entwicklung ist in den Lehren&lt;br /&gt;
Bahäulllähs enthalten. Die Verwirkli-&lt;br /&gt;
chung des Zieles der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in ihrer Mannigfaltigkeit&lt;br /&gt;
»bedingt eine dynamische Übereinstim-&lt;br /&gt;
mung der geistigen und praktischen Er-&lt;br /&gt;
fordernisse des Lebens auf Erden.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenden wir uns zunächst den geisti-&lt;br /&gt;
gen Erfordernissen zu, die den prakti-&lt;br /&gt;
schen Aktivitäten die Richtung weisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht der Bahá’í-Religion ist&lt;br /&gt;
die menschliche Natur von zweierlei&lt;br /&gt;
Grundbeschaffenheit: der körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Dimension. Die wesent-&lt;br /&gt;
liche und innerhalb der Schöpfung dem&lt;br /&gt;
Menschen einzigartig verliehene Di-&lt;br /&gt;
mension ist sein geistiges Sein. Die gei-&lt;br /&gt;
stigen Fähigkeiten des Menschen — Ver-&lt;br /&gt;
stand und Vernunft, Fähigkeit des Füh-&lt;br /&gt;
lens (Herz) sowie die Willensfähigkeit&lt;br /&gt;
— werden durch Erziehung entfaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn unseres Lebens ist, eben&lt;br /&gt;
diese geistigen Fähigkeiten gemäß den&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh geoffenbarten Leitlinien&lt;br /&gt;
zu entfalten. Diese Entfaltung hat nicht&lt;br /&gt;
einen Selbstzweck und ist auch nicht&lt;br /&gt;
ausschließlich auf das Leben im Jenseits&lt;br /&gt;
ausgerichtet, sondern diese Fähigkeiten&lt;br /&gt;
sind im wesentlichen hier auf Erden für&lt;br /&gt;
das Wohl der Gemeinschaft einzuset-&lt;br /&gt;
zen. Ein Bahäi lebt in dem Bewußtsein,&lt;br /&gt;
»daß in einer Welt gegenseitiger Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit der Völker und Nationen der Teil&lt;br /&gt;
den größten Nutzen gewinnt, wenn es&lt;br /&gt;
dem Ganzen gut geht, und daß kein Teil&lt;br /&gt;
sich einen dauerhaften Erfolg verschaf-&lt;br /&gt;
fen kann, wenn das Allgemeinwohl dem&lt;br /&gt;
Ganzen hintangestellt wird.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lebensziel eines Bahäli ist es,&lt;br /&gt;
»sich so zu verhalten, daß er dauernden&lt;br /&gt;
Fortschritt bewirkt... Ein wahrer Bahá’í&lt;br /&gt;
strebt Tag und Nacht danach, auf dem&lt;br /&gt;
Pfade menschlicher Vervollkommnung&lt;br /&gt;
voranzuschreiten. Sein sehnlichster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wunsch ist, so zu leben und so zu han-&lt;br /&gt;
deln, daß die Welt durch ihn bereichert&lt;br /&gt;
und erleuchtet wird«.”?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat jeder Bahäfi per se die geistige&lt;br /&gt;
Verpflichtung, sich für die Verbesserung&lt;br /&gt;
der Lebensbedingungen seiner Mitmen-&lt;br /&gt;
schen, sei es in seiner unmittelbaren&lt;br /&gt;
Umgebung oder auch in fernen Län-&lt;br /&gt;
dern, einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Bahá’í-Schriften stellen klar, daß&lt;br /&gt;
so, wie der einzelne einen grundlegen-&lt;br /&gt;
den geistigen Seinszweck hat, auch die&lt;br /&gt;
Gesellschaft eine geistige Daseinsbe-&lt;br /&gt;
rechtigung hat. Der geistige Zweck der&lt;br /&gt;
Gesellschaft besteht darin, ein bestmög-&lt;br /&gt;
liches Umfeld zum vollen geistigen&lt;br /&gt;
Wachstum und zur angemessenen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung für die einzelnen Menschen in&lt;br /&gt;
der Gesellschaft bereitzustellen... Na-&lt;br /&gt;
türlich ist die wirtschaftliche Betätigung&lt;br /&gt;
auch ein wichtiger Teil der gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Funktion, da ein gewisser Grad&lt;br /&gt;
an materiellem Wohlergehen und Stabi-&lt;br /&gt;
lität die Möglichkeiten zum geistigen&lt;br /&gt;
Wachstum schafft. Ein soziales Milieu,&lt;br /&gt;
in dem große Teile der Bevölkerung&lt;br /&gt;
hungern oder unter anderen extremen&lt;br /&gt;
Bedingungen leben, ist kaum günstig&lt;br /&gt;
für die volle und angemessene geistige&lt;br /&gt;
Entwicklung seiner Mitglieder...&lt;br /&gt;
Bahä’ullläh lehrt, daß die sozialen und&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Strukturen, die eine&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit und Einheit unterstüt-&lt;br /&gt;
zen, den geistigen Wachstumsprozeß&lt;br /&gt;
fördern, während jene Strukturen, die&lt;br /&gt;
auf Konkurrenz, Streit, Machtstreben&lt;br /&gt;
und Herrschaftswillen beruhen, den&lt;br /&gt;
Wachstumsprozeß untergraben... Die&lt;br /&gt;
Ausrichtung der Bahäi auf die Einheit&lt;br /&gt;
und die Aufmerksamkeit, die die Bahá’í-&lt;br /&gt;
Schriften der sozialen und kollektiven&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit vom 20. Oktober 1983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Shoghi Effendi in »Religion der Einheit«, Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verlag 1978, S. 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 &#039;Abdu/l-Bahä in »Geistiger Adel«, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1982, S. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dimension des geistigen Wachstums-&lt;br /&gt;
prozesses zollen, sind wahrscheinlich&lt;br /&gt;
die ureigensten Beiträge der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion zum kollektiven geistigen Be-&lt;br /&gt;
wußtsein der Menschheit. Die indivi-&lt;br /&gt;
duelle Dimension des geistigen Wachs-&lt;br /&gt;
tumsprozesses ist Teil jeder Offenba-&lt;br /&gt;
rungsreligion gewesen... Wir Bahäi&lt;br /&gt;
sehen vielleicht zum ersten Mal in&lt;br /&gt;
der Religionsgeschichte den geistigen&lt;br /&gt;
Wachstumsprozeß in seiner ganzen kol-&lt;br /&gt;
lektiven Dimension.«® Die enge Ver-&lt;br /&gt;
knüpfung zwischen gesellschaftlicher&lt;br /&gt;
und individueller Entwicklung sowie&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit des dynamischen In-&lt;br /&gt;
einandergreifens praktischer und geisti-&lt;br /&gt;
ger Erfordernisse wird hieraus deutlich.&lt;br /&gt;
So hat Bahä’u’lläh in Seinen Lehren Sei-&lt;br /&gt;
nen Anhängern zur Pflicht gemacht,&lt;br /&gt;
ihrem Glauben durch ihren Dienst für&lt;br /&gt;
die Menschheit Ausdruck zu verleihen.&lt;br /&gt;
»Der ist wirklich ein Mensch, der sich&lt;br /&gt;
heute dem Dienst am ganzen Menschen-&lt;br /&gt;
geschlecht hingibt.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sind Gottesdienst und Dienst an&lt;br /&gt;
der Menschheit für einen Bahä’&#039;i kom-&lt;br /&gt;
plementäre Aktivitäten, sie bedingen&lt;br /&gt;
sich gegenseitig und keine ist vollkom-&lt;br /&gt;
men ohne die andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zentrum jeder Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
wird in der Zukunft der Mashriqu/-&lt;br /&gt;
Adhkär (Dämmerungsort der Erwäh-&lt;br /&gt;
nung Gottes) sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Mitte wird ein Haus der&lt;br /&gt;
Andacht stehen, umgeben von Institu-&lt;br /&gt;
tionen für Erziehung, für Gesundheits-&lt;br /&gt;
wesen und für Wissenschaften, sowie&lt;br /&gt;
von weiteren humanitären Einrichtun-&lt;br /&gt;
gen. Diese Institution des Mashriqu/l-&lt;br /&gt;
Adhkär hat eine einmalige, heraus-&lt;br /&gt;
ragende Stellung, denn nur sie kann&lt;br /&gt;
so treffend und angemessen das Inein-&lt;br /&gt;
andergreifen von Andacht und Dienst&lt;br /&gt;
im Bahá’í-Glauben verdeutlichen. &#039;° Die&lt;br /&gt;
durch Andacht frei werdenden gei-&lt;br /&gt;
stigen Kräfte werden in dem anschlie-&lt;br /&gt;
ßenden Tun ihre prägende Wirkung&lt;br /&gt;
finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 BAHÄI-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Interdependenz von geistiger und&lt;br /&gt;
materieller Entwicklung muß von uns&lt;br /&gt;
immer besser verstanden werden und in&lt;br /&gt;
unserem Leben und den Entwicklungs-&lt;br /&gt;
plänen und -projekten immer mehr An-&lt;br /&gt;
wendung finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen Tagen des Bahäfi-&lt;br /&gt;
Glaubens gründeten persische Gläubige&lt;br /&gt;
Schulen, Gesundheitseinrichtungen&lt;br /&gt;
und andere Institutionen, um den Nöten&lt;br /&gt;
einer verfolgten und bedrängten, jedoch&lt;br /&gt;
ständig sich vergrößernden Gemeinde&lt;br /&gt;
zu begegnen. Häufig dienten diese Be-&lt;br /&gt;
mühungen auch dem Wohl der allge-&lt;br /&gt;
meinen Bevölkerung. Als sich der&lt;br /&gt;
Glaube Bahä’u&#039;llähs mehr über die Welt&lt;br /&gt;
ausbreitete, bauten auch einige Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinden in ihren Ländern Schulen&lt;br /&gt;
auf oder förderten andere Projekte als&lt;br /&gt;
Antwort auf die örtlich vorhandenen&lt;br /&gt;
Bedürfnisse. Seit etwa 1980 haben sich&lt;br /&gt;
die Initiativen für neue gesellschaftliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“und wirtschaftliche Entwicklungsakti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vitäten in hohem Maße beschleunigt.&lt;br /&gt;
Damit wurde eine der wesentlichen&lt;br /&gt;
Aufgaben der Bahäi-Gemeinde aufge-&lt;br /&gt;
griffen, unter anderem bedingt durch&lt;br /&gt;
die rasche zahlenmäßige Vergrößerung&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Weltgemeinde — vor allemin&lt;br /&gt;
den sogenannten Entwicklungsländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit hat im Herbst 1983 ein Büro für ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche und wirtschaftliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung gegründet. Es hat seinen Sitz&lt;br /&gt;
am Weltzentrum in Haifa, Israel, und&lt;br /&gt;
unterstützt das Universale Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit bei der Förderung und Koor-&lt;br /&gt;
dination der weltweiten Tätigkeiten&lt;br /&gt;
aller Bahäi-Gemeinden in diesem wich-&lt;br /&gt;
tigen Bereich. Mitte 1983, unmittelbar&lt;br /&gt;
vor der Gründung des oben erwähnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 William S. Hatcher, »Der Prozeß der Vergeisti-&lt;br /&gt;
gung«, Bahä’i-Verlag 1986, S. 38 ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Bahäullläh, »Ährenlese«, Bahä’i-Verlag,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 31980, 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Bahäi-Administration, Bahäi Publishing&lt;br /&gt;
Trust, Wilmette, Illinois 1974, S. 184 ff&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Büros und des weltweiten Aufrufs durch&lt;br /&gt;
das Universale Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
an alle Bahá’í, die Förderung wirtschaft-&lt;br /&gt;
licher und gesellschaftlicher Entwick-&lt;br /&gt;
lungsprozesse als Teil der regelmäßigen&lt;br /&gt;
Tätigkeiten in den Gemeinden einzube-&lt;br /&gt;
ziehen, arbeiteten 20 nationale Gemein-&lt;br /&gt;
den an insgesamt 129 Entwicklungspro-&lt;br /&gt;
jekten, darunter allein 94 Schulen in&lt;br /&gt;
Indien und Zaire. Während der letzten&lt;br /&gt;
vier Jahre hat die Geschwindigkeit&lt;br /&gt;
beträchtlich zugenommen, mit der&lt;br /&gt;
neue, dem Dienst gewidmete Entwick-&lt;br /&gt;
lungsaufgaben in Angriff genommen&lt;br /&gt;
werden. Die meisten dieser Projekte&lt;br /&gt;
sind in den Entwicklungsländern kon-&lt;br /&gt;
zentriert, wo die überwältigende Mehr-&lt;br /&gt;
heit der Bahäi lebt. Es handelt sich&lt;br /&gt;
dabei meistens um Kleinprojekte, die&lt;br /&gt;
von den örtlichen Geistigen Räten ge-&lt;br /&gt;
führt werden. Die Hauptaufgabe der&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Räte besteht&lt;br /&gt;
darin, »in den örtlichen Gemeinden das&lt;br /&gt;
Bewußtsein für die Bedürfnisse und&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu erweitern und die dar-&lt;br /&gt;
aus resultierenden Bemühungen zu lei-&lt;br /&gt;
ten und zu koordinieren.«!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wesentliche Arbeit ist auf örtli-&lt;br /&gt;
cher Ebene durchzuführen. Die Analyse&lt;br /&gt;
der Verhältnisse findet vor Ort statt,&lt;br /&gt;
und die zu planenden Projekte werden&lt;br /&gt;
dann hier erstellt. Es ist damit gewähr-&lt;br /&gt;
leistet, daß die Projekte nicht an den tat-&lt;br /&gt;
sächlichen Bedürfnissen vorbei geplant&lt;br /&gt;
werden, denn der Entscheidungsprozeß&lt;br /&gt;
wird von den Menschen geführt, die&lt;br /&gt;
selbst die jeweils besonderen Nöte und&lt;br /&gt;
Bedürfnisse genau kennen; sie werden&lt;br /&gt;
die richtigen Mittel und Wege zur&lt;br /&gt;
Durchführung finden und sich für sol-&lt;br /&gt;
che Projekte entscheiden, die am dring-&lt;br /&gt;
lichsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verhältnisse und Erfordernisse&lt;br /&gt;
sind zwar von Land zu Land, ja von Ort&lt;br /&gt;
zu Ort oft so verschieden, daß für er-&lt;br /&gt;
folgreiches Handelns im gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen und wirtschaftlichen Bereich eine&lt;br /&gt;
optimale Dezentralisierung segensreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Dies ist besonders im Hinblick auf&lt;br /&gt;
die Entwicklungsländer erwähnens-&lt;br /&gt;
wert. Die Bahä’i-Gemeinden in Afrika,&lt;br /&gt;
Südamerika, Asien und anderswo pla-&lt;br /&gt;
nen ihre Entwicklungsprojekte selbst&lt;br /&gt;
und entscheiden selbst, ob sie zur&lt;br /&gt;
Durchführung Hilfe von außen benöti-&lt;br /&gt;
gen. Sie haben die Gewißheit, daß sie&lt;br /&gt;
dann auch Unterstützung von anderen&lt;br /&gt;
Bahäi-Gemeinden erhalten werden.&lt;br /&gt;
Diese Art des Vorgehens hat auch etwas&lt;br /&gt;
mit der Beachtung der Menschenwürde&lt;br /&gt;
zu tun. Es wird nie über die Köpfe der&lt;br /&gt;
Betroffenen hinweg geplant. Die Pro-&lt;br /&gt;
jekte finden so die dringend notwendige&lt;br /&gt;
begeisterte und tatkräftige Unterstüt-&lt;br /&gt;
zung der einzelnen, da sie von dem Sinn&lt;br /&gt;
des Projekts überzeugt sind und das Ziel&lt;br /&gt;
konkret vor Augen haben. Einheit im&lt;br /&gt;
Denken und Handeln wird hierdurch&lt;br /&gt;
Realität, der Erfolg ist dann gewiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nöte der Menschen auf unserem&lt;br /&gt;
Planeten sind so vielfältig und so tief-&lt;br /&gt;
greifend, daß man verzweifelt resignie-&lt;br /&gt;
ren müßte, wären alle Probleme auf ein-&lt;br /&gt;
mal zu lösen. Durch die eben skizzierte&lt;br /&gt;
dezentrale und auf gemeinsamer Bera-&lt;br /&gt;
tung fußende Vorgehensweise wird die&lt;br /&gt;
lähmende Frustration abgebaut, die&lt;br /&gt;
weite Teile der Menschheit wegen der&lt;br /&gt;
vermeintlichen Unlösbarkeit der Aufga-&lt;br /&gt;
ben in sich aufgestaut haben. Es müssen&lt;br /&gt;
eben solche Aufgaben und Projekte er-&lt;br /&gt;
stellt werden, mit denen sich der ein-&lt;br /&gt;
zelne identifizieren kann, und diese&lt;br /&gt;
müssen genügend klein und überschau-&lt;br /&gt;
bar sein, um die begrenzten Kräfte nicht&lt;br /&gt;
zu überfordern. Auf diese Weise werden&lt;br /&gt;
schrittweise die Lebensbedingungen für&lt;br /&gt;
alle Menschen verbessert werden&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi schrieb 1933 ermuti-&lt;br /&gt;
gend an die Bahá’í-Gemeinde: »Die Pro-&lt;br /&gt;
bleme, denen sich die Gläubigen zur&lt;br /&gt;
Zeit gegenübersehen, seien sie sozialer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Universales Haus der Gerechtigkeit, Botschaft&lt;br /&gt;
vom 20. Oktober 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 21&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=24}}geistiger, wirtschaftlicher oder admini-&lt;br /&gt;
strativer Art, werden schrittweise gelöst&lt;br /&gt;
werden ... Sie sollten geduldig, vertrau-&lt;br /&gt;
ensvoll und aktiv sein und jede nur&lt;br /&gt;
mögliche Gelegenheit nutzen, die sich&lt;br /&gt;
ihnen innerhalb der ihnen notwendiger-&lt;br /&gt;
weise auferlegten Begrenzungen bietet.&lt;br /&gt;
Möge der Allmächtige ihnen beistehen,&lt;br /&gt;
damit sich ihre großen Hoffnungen er-&lt;br /&gt;
füllen.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis heute haben sich die Möglichkei-&lt;br /&gt;
ten der Bahäi-Weltgemeinde verviel-&lt;br /&gt;
facht und so sollte die Durchführung ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlicher und wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Entwicklungsprojekte jetzt zu den regel-&lt;br /&gt;
mäßigen Tätigkeiten jeder örtlichen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsprojekte können in&lt;br /&gt;
fünf Bereiche gegliedert werden. Über&lt;br /&gt;
die Hälfte der Entwicklungsprojekte&lt;br /&gt;
sind der Erziehung und allgemeinen Bil-&lt;br /&gt;
dung gewidmet. Im September 1986&lt;br /&gt;
waren es 732 von insgesamt 1247 Pro-&lt;br /&gt;
jekten. An zweiter Stelle stehen Gemein-&lt;br /&gt;
deentwicklungsprojekte mit 358 be-&lt;br /&gt;
kannten Projekten. Sie werden gefolgt&lt;br /&gt;
von den Diensten im Gesundheitswesen&lt;br /&gt;
(78) und den land- und forstwirtschaft-&lt;br /&gt;
lichen Projekten (74). Ein sehr wichtiger&lt;br /&gt;
und äußerst wirkungsvoller Bereich&lt;br /&gt;
sind die Bahäi-Radiostationen. Bis&lt;br /&gt;
heute sind sieben Bahä’i-Radiostationen&lt;br /&gt;
errichtet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden wird auf die einzelnen&lt;br /&gt;
Bereiche der Entwicklungsprojekte&lt;br /&gt;
etwas ausführlicher eingegangen mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Vielfältigkeit der&lt;br /&gt;
Bahäi-Entwicklungsprojekte dem Leser&lt;br /&gt;
etwas nahebringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha&#039;i-Radiostationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1977 ging die erste Bahä’i-&lt;br /&gt;
Radiostation der Welt auf Sendung:&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i del Ecuador strahlt seit-&lt;br /&gt;
her täglich über 15 Stunden Programm&lt;br /&gt;
aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 BAHÄTI-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäii-Radiostationen sind meist&lt;br /&gt;
in Ländern der sogenannten Dritten&lt;br /&gt;
Welt installiert. Dies hat einen plausi-&lt;br /&gt;
blen Grund. Die Menschen dort sind&lt;br /&gt;
häufig nicht lese- und schreibkundig,&lt;br /&gt;
leben in entlegenen Dörfern, die man-&lt;br /&gt;
gels geeigneter Verkehrswege nur&lt;br /&gt;
schwer Kommunikation über die Dorf-&lt;br /&gt;
grenze hinaus ermöglichen. So sind sie&lt;br /&gt;
von der Außenwelt ohne Radio weitest-&lt;br /&gt;
gehend abgeschnitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Radiostationen in diesen&lt;br /&gt;
Ländern verfolgen das Ziel, durch allge-&lt;br /&gt;
meine und grundlegende Bildungspro-&lt;br /&gt;
gramme das Wissen der einheimischen&lt;br /&gt;
Bevölkerung anzuheben und ihr da-&lt;br /&gt;
durch die Möglichkeit für die weitere&lt;br /&gt;
Entfaltung ihrer Fähigkeiten zur Verbes-&lt;br /&gt;
serung der allgemeinen Lebensbedin-&lt;br /&gt;
gungen zu bieten. Außerdem werden&lt;br /&gt;
die Hörer mit den grundlegenden Prin-&lt;br /&gt;
zipien des Bahäi-Glaubens vertraut ge-&lt;br /&gt;
macht und dies bewirkt eine zuneh-&lt;br /&gt;
mende Mobilisierung der Kräfte, sich&lt;br /&gt;
für den Fortschritt der menschlichen&lt;br /&gt;
Verhältnisse in der eigenen Gemeinde&lt;br /&gt;
einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Baha&#039;i del Ecuador ist, wie&lt;br /&gt;
bereits erwähnt, die erste Bahä’i-Radio-&lt;br /&gt;
station und sendet zweisprachig. Sie&lt;br /&gt;
erreicht ca. 200000 Menschen in ihrem&lt;br /&gt;
Sendegebiet. Das tägliche Programm&lt;br /&gt;
besteht aus viel Musik, Bildungs-&lt;br /&gt;
programmen, Kinderstunden und allge-&lt;br /&gt;
meiner Information, mit dem Ziel, die&lt;br /&gt;
allgemeinen Lebensbedingungen zu&lt;br /&gt;
heben und im besonderen die Stellung&lt;br /&gt;
der Frau zu verbessern. Es war der erste&lt;br /&gt;
Sender überhaupt, der in der Eingebore-&lt;br /&gt;
nensprache zu senden begann. Jährlich&lt;br /&gt;
findet ein Folklore-Festival in der Umge-&lt;br /&gt;
bung der Sendestation statt. 1986 nah-&lt;br /&gt;
men 3500 Gäste daran teil, die meist erst&lt;br /&gt;
nach stundenlangem Fußmarsch den&lt;br /&gt;
Ort des Geschehens erreichen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 2.2.0.&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’&#039;i-Radio-Station in Peru, Radio del Lago Titicaca während eines Musikfesti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahäi del Ecuador ist inzwischen&lt;br /&gt;
der populärste Sender in der Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahá’í del Lago Titicaca, Peru&lt;br /&gt;
sendet dreisprachig (Aymara, Quechua&lt;br /&gt;
und Spanisch). Der Sender strahlt ein&lt;br /&gt;
allgemeines Bildungsprogramm mit Un-&lt;br /&gt;
terstützung des Erziehungsministeriums&lt;br /&gt;
aus, arbeitet eng mit dem Land- und&lt;br /&gt;
Forstministerium zusammen und gibt&lt;br /&gt;
wichtige Termine, wie z.B. Impftermine,&lt;br /&gt;
für die Bevölkerung bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie rasch das Radio-Team auf unvor-&lt;br /&gt;
hergesehene Erfordernisse reagiert,&lt;br /&gt;
zeigte das prompte Aufnehmen eines&lt;br /&gt;
Unterrichtsprogramms für Schüler nach&lt;br /&gt;
der letzten großen Überschwemmung&lt;br /&gt;
im Sendegebiet. Die Schüler konnten&lt;br /&gt;
ihre Schule nicht mehr erreichen, so lief&lt;br /&gt;
über Radio Bahä’i der Unterricht weiter.&lt;br /&gt;
Auch diese Radiostation ist die populär-&lt;br /&gt;
ste in ihrem Sendegebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i Caracollo, Bolivien be-&lt;br /&gt;
gann im März 1984 Sendungen auszu-&lt;br /&gt;
strahlen und ist seit langem ebenfalls der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meistgehörte Sender im Sendegebiet.&lt;br /&gt;
Wie bei Radio Bahá’í del Lago Titicaca&lt;br /&gt;
ist das Programm dreisprachig. Es ist die&lt;br /&gt;
erste Bahäi-Radiostation, die direkt den&lt;br /&gt;
Glauben lehrt. Eslaufen 14 Programme,&lt;br /&gt;
die jeweils einzelne Aspekte des Glau-&lt;br /&gt;
bens vermitteln. Außerdem wird täglich&lt;br /&gt;
ein Andachtsprogramm ausgestrahlt&lt;br /&gt;
und es laufen spezielle Programme an&lt;br /&gt;
allen Bahäi-Feiertagen. Eine regel-&lt;br /&gt;
mäßige Sendezeit für Mütter gehört&lt;br /&gt;
zum Programm; es werden ihnen dabei&lt;br /&gt;
Informationen über Hygiene, Ernäh-&lt;br /&gt;
rung und Entwicklungshinweise über-&lt;br /&gt;
mittel. Die jährlichen Folklore-&lt;br /&gt;
Festivals sind ein großer Anziehungs-&lt;br /&gt;
punkt für die Bevölkerung. So waren&lt;br /&gt;
1985 4000 Gäste gekommen, 1986&lt;br /&gt;
waren es bereits 7000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i in Hemingway/South&lt;br /&gt;
Carolina, USA ging zwei Monate spä-&lt;br /&gt;
ter als Radio Bolivien auf Sendung, am&lt;br /&gt;
23. Mai 1984. Der Sender kann von ca.&lt;br /&gt;
800000 Menschen empfangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=26}}Di&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buntes Treiben während eines der alljährlich stattfindenden Folklorefestivals in der&lt;br /&gt;
unmittelbaren Umgebung der südamerikanischen Baha’i-Radio-Stationen. Das&lt;br /&gt;
vielfältige Programm zieht jedes Jahr mehr Menschen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Bahai wohnen im Sendegebiet.&lt;br /&gt;
Tägliche Sendezeit ist zwölf Stunden&lt;br /&gt;
mit viel Musik und »Bahä’i-Spots« da-&lt;br /&gt;
zwischen, die sich vorwiegend mit dem&lt;br /&gt;
Thema Harmonie unter den Rassen be-&lt;br /&gt;
fassen. Sein vorrangiges Ziel ist, die&lt;br /&gt;
zahlreichen Bahäi in seinem Sendege-&lt;br /&gt;
biet auf diese Weise im Glauben zu ver-&lt;br /&gt;
tiefen. Auch dieser Sender ist, informel-&lt;br /&gt;
len Berichten zufolge, der beliebteste im&lt;br /&gt;
Sendegebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i Panama strahlt seit Ja-&lt;br /&gt;
nuar 1986 sein Programm, vor allem für&lt;br /&gt;
die Guaymi-Indios, aus. Sendezeit ist&lt;br /&gt;
täglich zwölf Stunden. Das Programm&lt;br /&gt;
ist ganz auf die Bedürfnisse der Guaymi-&lt;br /&gt;
Bevölkerung abgestimmt. Der Radio-&lt;br /&gt;
station ist ein Kulturzentrum für&lt;br /&gt;
Guaymi-Indios angegliedert und hilft&lt;br /&gt;
so, die kulturelle Identität der Indios zu&lt;br /&gt;
bewahren. Ein internationales Musik-&lt;br /&gt;
programm erfreut sich großer Beliebt-&lt;br /&gt;
heit unter der gesamten Bevölkerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Programme auf dem Gebiet des Ge-&lt;br /&gt;
sundheitswesens, der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
und Erziehung sind geplant und werden&lt;br /&gt;
zusammen mit Fachleuten der Region&lt;br /&gt;
aufgestellt. Eines der wichtigsten Ziele&lt;br /&gt;
dieser Radiostation ist, zunehmend&lt;br /&gt;
Mitarbeiter an entlegene Orte zu&lt;br /&gt;
schicken, damit sie von dort ihre Be-&lt;br /&gt;
richte über Ereignisse und Verhältnisse&lt;br /&gt;
über den Sender verbreiten können. Die&lt;br /&gt;
Kultur der Guaymi-Indios wird da-&lt;br /&gt;
durch bekannter, gewinnt Wertschät-&lt;br /&gt;
zung und motiviert zur weiteren Pflege&lt;br /&gt;
des Kulturgutes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Hauptsender in Boca&lt;br /&gt;
del Monte errichtet ist, befindet sich ein&lt;br /&gt;
Studio im Herzen des Guaymi-Reser-&lt;br /&gt;
vates, dem Sitz des Bahä’i-Kulturzen-&lt;br /&gt;
trums für Guaymi. Da es dort keinerlei&lt;br /&gt;
kommerzielle Energiequellen gibt und&lt;br /&gt;
diese auch in Boca del Monte recht un-&lt;br /&gt;
zuverlässig sind, arbeitet diese Radio-&lt;br /&gt;
station auf Sonnenenergie-Basis.&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahá’í Chile begann am 12.&lt;br /&gt;
November 1986 mit begrenzter Sende-&lt;br /&gt;
zeit ein Programm auszustrahlen. Die&lt;br /&gt;
Eröffnung der Radiostation kennzeich-&lt;br /&gt;
net einen erfolgreichen Abschluß nach&lt;br /&gt;
fünf Jahren harter Arbeit der Bahäii in&lt;br /&gt;
Chile. Radio Bahäi Chile ist das vierte&lt;br /&gt;
Glied einer Kette von Radiostationen&lt;br /&gt;
entlang der Anden (Ecuador — Peru —&lt;br /&gt;
Bolivien — Chile).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radio Bahä’i Liberia ist die erste Ra-&lt;br /&gt;
diostation auf dem afrikanischen Konti-&lt;br /&gt;
nent und wurde am 21. März 1987 offi-&lt;br /&gt;
ziell eingeweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sender ist entlang der liberiani-&lt;br /&gt;
schen Küste und bis weit ins Landesin-&lt;br /&gt;
nere zu empfangen. Radio Bahá’í Libe-&lt;br /&gt;
ria erreicht viele Menschen, die nicht&lt;br /&gt;
lesen können, und so sieht sich diese&lt;br /&gt;
Radiostation in erster Linie der Aufgabe&lt;br /&gt;
gegenüber, Bildungsprogramme auszu-&lt;br /&gt;
strahlen, die für die gesamte Bevölke-&lt;br /&gt;
rung bedeutsam sind. Die Radiostation&lt;br /&gt;
wird durch ihr Sendeprogramm den&lt;br /&gt;
Hörern auch die Lehren Bahäa’u’llähs&lt;br /&gt;
vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bahät-Radiostationen haben&lt;br /&gt;
zum Ziel, die geistige, soziale, wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche und kulturelle Entwicklung&lt;br /&gt;
der einzelnen und der Gemeinden inner-&lt;br /&gt;
halb ihres Sendegebietes zu fördern.&lt;br /&gt;
Das gesamte Programm basiert auf dem&lt;br /&gt;
Prinzip des Dienstes an der Menschheit.&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, mit wie wenig finan-&lt;br /&gt;
ziellem Aufwand, jedoch maximalem&lt;br /&gt;
Einsatz der menschlichen Fähigkeiten&lt;br /&gt;
und örtlichen Hilfsquellen die Radiosta-&lt;br /&gt;
tionen errichtet und in Betrieb gehalten&lt;br /&gt;
werden. So nutzen nahezu alle Bahäi-&lt;br /&gt;
Radiostationen alternative Energiequel-&lt;br /&gt;
len (Sonnenenergie, Windgenerator)&lt;br /&gt;
und können so auch — wie in Panama&lt;br /&gt;
— in entlegenen, von der Zivilisation&lt;br /&gt;
noch nicht erreichten Gebieten errichtet&lt;br /&gt;
werden und von dort aus ein kulturelles&lt;br /&gt;
Zentrum aufbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1982 wurde ein Kommunikations-&lt;br /&gt;
und Planungszentrum für alle Bahá’í-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radiostationen in Arecibo / Puerto Rico&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen — das Amoz-Gibson-&lt;br /&gt;
Zentrum. Dieses Zentrum bietet die&lt;br /&gt;
Mittel zum weiteren Ausbau der Kohä-&lt;br /&gt;
renz zwischen den geistigen und prakti-&lt;br /&gt;
schen Erfordernissen des Lebens. Es ver-&lt;br /&gt;
fügt über ein reichhaltiges Programm&lt;br /&gt;
in Kommunikationstechniken und Or-&lt;br /&gt;
ganisationsformen zum optimalen Ein-&lt;br /&gt;
satz des zur Verfügung stehenden perso-&lt;br /&gt;
nellen Potentials. Die notwendige und&lt;br /&gt;
jeweils sinnvolle Technologie wird hier&lt;br /&gt;
entwickelt und das Personal der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Radiostationen — es sind primär keine&lt;br /&gt;
Fachleute — kommt zur Schulung nach&lt;br /&gt;
dort. Seit der Einrichtung dieses Kom-&lt;br /&gt;
munikations-Entwicklungsprogramms&lt;br /&gt;
(Development Communication Pro-&lt;br /&gt;
gram)) am Amoz-Gibson-Zentrum&lt;br /&gt;
waren Bahá’í aus über 25 Entwicklungs-&lt;br /&gt;
ländern und den USA zur Schulung&lt;br /&gt;
dort. Die Bildungsvoraussetzungen sind&lt;br /&gt;
sehr unterschiedlich. So findet sich dort&lt;br /&gt;
zum Beispiel ein schreibunkundiger&lt;br /&gt;
Indio der Anden mit einem Universi-&lt;br /&gt;
tätsprofessor der USA zusammen ein.&lt;br /&gt;
Die verbindende Basis ist das gemein-&lt;br /&gt;
same Ziel: sich für den Fortschritt der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wichtig die angemessene Nut-&lt;br /&gt;
zung der wissenschaftlich-technischen&lt;br /&gt;
Möglichkeiten ist, geht aus folgenden&lt;br /&gt;
Worten des Universalen Hauses der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit hervor: »Die wissenschaft-&lt;br /&gt;
lich-technischen Fortschritte unseres&lt;br /&gt;
ungewöhnlich gesegneten Jahrhunderts&lt;br /&gt;
deuten auf einen gewaltigen Vorstoß in&lt;br /&gt;
der gesellschaftlichen Entwicklung des&lt;br /&gt;
Planeten und zeigen die Mittel auf, mit&lt;br /&gt;
denen die praktischen Probleme der&lt;br /&gt;
Menschheit gelöst werden können. Sie&lt;br /&gt;
bieten in der Tat das Werkzeug zur Ord-&lt;br /&gt;
nung des vielschichtigen Lebens einer&lt;br /&gt;
vereinten Welt.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, »Die&lt;br /&gt;
Verheißung des Weltfriedens«, Bahäi-Verlag,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 21985, S. 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Entwicklungsbereich hat zur Zeit&lt;br /&gt;
absoluten Vorrang in Asien. Nahezu&lt;br /&gt;
90% aller Projekte entfallen dort auf&lt;br /&gt;
diesen Bereich. Im Oktober 1986 waren&lt;br /&gt;
es bereits 341 Schulen und 86 andere Er-&lt;br /&gt;
ziehungsprojekte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Afrika und Südamerika stehen&lt;br /&gt;
ebenfalls die Erziehungsprojekte zah-&lt;br /&gt;
lenmäßig eindeutig an der Spitze. Die&lt;br /&gt;
Notwendigkeit für Bildungsmaßnah-&lt;br /&gt;
men jeglicher Art in allen Entwick-&lt;br /&gt;
lungsländern ist offenkundig, denn der&lt;br /&gt;
Mangel an geeigneter Bildung hält diese&lt;br /&gt;
Völker in Armut und menschenunwür-&lt;br /&gt;
digen Verhältnissen. Eine grundlegende&lt;br /&gt;
und dauerhafte Verbesserung der Le-&lt;br /&gt;
bensbedingungen ist nur durch breit an-&lt;br /&gt;
gelegte Bildung und Erziehung zu errei-&lt;br /&gt;
chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde eine Elementarschulform&lt;br /&gt;
entwickelt, die Kinder, Jugendliche und&lt;br /&gt;
Erwachsene, Männer und Frauen, un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulklasse in Sambia/Afrika. Die Ausstattung der Klassenräume ist äußerst ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
terrichtet und ihnen Kenntnisse in allen&lt;br /&gt;
erforderlichen lebenspraktischen Berei-&lt;br /&gt;
chen vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Afrika gilt Zaire als bemerkens-&lt;br /&gt;
wertes Beispiel. Dort vollzog sich in den&lt;br /&gt;
vergangenen zwei Jahren in großem&lt;br /&gt;
Maße eine weitreichende Ausdehnung&lt;br /&gt;
und Entwicklung der Elementarschu-&lt;br /&gt;
len. In einem Jahr hat sich die Zahl der&lt;br /&gt;
Schulen hier nahezu verdoppelt. Dies ist&lt;br /&gt;
der Durchführung eines systematischen&lt;br /&gt;
Ausbildungsprogramms für Lehrer zu&lt;br /&gt;
verdanken. Über 200 Freiwillige kamen&lt;br /&gt;
zur Ausbildung und lernten, wie Lese-&lt;br /&gt;
Schreibklassen durchzuführen sind. Es&lt;br /&gt;
wurde Material zur Gesundheitserzie-&lt;br /&gt;
hung, Landwirtschaft und für andere&lt;br /&gt;
Bereiche erstellt, was in den ca. 90 Bil-&lt;br /&gt;
dungszentren in Zaire vermittelt wird.&lt;br /&gt;
Mehr als 2500 Personen lernen in diesen&lt;br /&gt;
Zentren, wobei der Anteil der Frauen&lt;br /&gt;
sehr hoch ist. Meistens sind zwei Lehrer&lt;br /&gt;
an einem Zentrum tätig, und sie arbei-&lt;br /&gt;
ten alle auf ehrenamtlicher Basis. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fach. Oft findet der Unterricht im Freien statt. Alle anfallenden Kosten für Lehrmate-&lt;br /&gt;
rial werden von der Baha&#039;i-Gemeinde getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHÄT-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Faizi-Schule wurde 1980 in dem Indianerdorf Loncopulle/Chile gegründet. Ca.&lt;br /&gt;
70 Schüler werden z. Zt. hier unterrichtet. Eine Erweiterung der Schule steht bevor,&lt;br /&gt;
um in Zukunft auch Kinder aus entlegenen Dörfern als Internatsschüler aufnehmen&lt;br /&gt;
zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinde finanziert weitestgehend das&lt;br /&gt;
Lernmaterial. So haben die Lernenden&lt;br /&gt;
nur einen ganz kleinen Kursbeitrag zu&lt;br /&gt;
entrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Kenia und Simbabwe weitet&lt;br /&gt;
sich das Ausbildungsprogramm rasch&lt;br /&gt;
aus. Das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit hat ein regionales Entwicklungsko-&lt;br /&gt;
mitee für Zentral- und Ostafrika er-&lt;br /&gt;
nannt, das zur Aufgabe hat, Kurspro-&lt;br /&gt;
gramme für Schulen und vor allem auch&lt;br /&gt;
Lehrerausbildungsprogramme auszuar-&lt;br /&gt;
beiten. Der Lehrerausbildung wird&lt;br /&gt;
große Beachtung geschenkt, da jeder&lt;br /&gt;
neu hinzukommende, gut geschulte&lt;br /&gt;
Lehrer in der Lage sein wird, viele Men-&lt;br /&gt;
schen unterrichten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungszentren sind vorwiegend&lt;br /&gt;
für die einheimische Stammesbevölke-&lt;br /&gt;
rung bestimmt. So gibt es in Zaire ein&lt;br /&gt;
besonderes Projekt für Pygmäen, die in&lt;br /&gt;
Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hygiene und Landwirtschaft unterrich-&lt;br /&gt;
tet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bessere Bildung und Ausbildung&lt;br /&gt;
hat bei diesen Menschen, zusammen&lt;br /&gt;
mit der zunehmenden Vertrautheit mit&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Lehren, eine größere Selbst-&lt;br /&gt;
achtung und Selbstwertschätzung be-&lt;br /&gt;
wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis Ende 1986 waren in Afrika in 24&lt;br /&gt;
Ländern bereits Schulen bzw. Bildungs-&lt;br /&gt;
zentren errichtet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zentral- und Südamerika unterhiel-&lt;br /&gt;
ten 1986 20 nationale Bahá’í-Gemeinden&lt;br /&gt;
insgesamt 115 Bildungsprojekte, davon&lt;br /&gt;
sind 92 dem zuvor erwähnten Elemen-&lt;br /&gt;
tarschulbereich zuzuordnen. An erster&lt;br /&gt;
Stelle stehen auch hier Lese- und&lt;br /&gt;
Schreibunterricht sowie Unterweisung&lt;br /&gt;
in Hygiene, Ernährung und Landwirt-&lt;br /&gt;
schaft. Auf Bolivien entfallen nahezu&lt;br /&gt;
50% aller Bildungsprojekte. Es wird&lt;br /&gt;
hier besonders Wert darauf gelegt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987 27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=30}}Sa N Fr $&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RR.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die New Era School, Panchgani/Indien wurde bereits 1945 als Schülerwohnheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gegründet. Jetzt umfaßt die Schuleinrichtung Kindergarten, Grundschule, weiter-&lt;br /&gt;
führende Schule und College mit ca. 500 Schülern und 50 Lehrkräften. Das Bild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeigt den Schlaftrakt für die Mädchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lesen und Schreiben in den Eingebore-&lt;br /&gt;
nensprachen zu vermitteln, um dieses&lt;br /&gt;
Kulturgut zu erhalten. Die Bahá’í schrie-&lt;br /&gt;
ben dazu Texte in Quechua und Ay-&lt;br /&gt;
mara, Sprachen, in denen die Bahäi-&lt;br /&gt;
Radiostation ebenfalls sendet. Auch&lt;br /&gt;
hier kommt der Lehrerschulung Freiwil-&lt;br /&gt;
liger große Bedeutung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den sogenannten Elementar-&lt;br /&gt;
schulen gibt es in Amerika auch einige&lt;br /&gt;
Regelschulen und weiterführende Schu-&lt;br /&gt;
len, die von den Bahá’í-Gemeinden un-&lt;br /&gt;
terhalten und geführt werden. So zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Schule für Waisenkinder&lt;br /&gt;
und die Schule der Nationen mit über&lt;br /&gt;
200 Schülern, die in Kürze für 400 Schü-&lt;br /&gt;
ler Platz bieten wird. Die Schule der&lt;br /&gt;
Nationen in Brasilien zählt zu ihren&lt;br /&gt;
Schülern Kinder aus über 30 Ländern,&lt;br /&gt;
meist aus Diplomatenfamilien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Colegio Nur, ineinem Vorort von&lt;br /&gt;
Santiago/Chile gelegen, ist ebenfalls&lt;br /&gt;
eine große Schule mit 400 Schülern und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHÄ’-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schließt den Grundschul- und weiter-&lt;br /&gt;
führenden Schultyp ein. Die Unterwei-&lt;br /&gt;
sung in Informatik- bzw. Computer-&lt;br /&gt;
technik ist hier möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsprojekte in Amerika&lt;br /&gt;
schließen die Vermittlung elementarer&lt;br /&gt;
Grundkenntnisse in ländlichen Gebie-&lt;br /&gt;
ten und die Unterrichtung bis zur Hoch-&lt;br /&gt;
schulreife in Städten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungs- und Erziehungspro-&lt;br /&gt;
gramme in Asien machen über ein Drit-&lt;br /&gt;
tel der gesamten Bahä’i-Entwicklungs-&lt;br /&gt;
projekte aus. Ende 1986 waren 427 sol-&lt;br /&gt;
cher Projekte in Asien bekannt. Davon&lt;br /&gt;
entfallen 317 auf Elementarschulen, 24&lt;br /&gt;
auf weiterführende Schulen und 86 auf&lt;br /&gt;
andere Bildungsprojekte. In einem Jahr&lt;br /&gt;
(von 1985 bis 1986) nahm die Zahl der&lt;br /&gt;
Elementarschulen um 118 zu, waseinem&lt;br /&gt;
Zuwachs von nahezu 60% entspricht.&lt;br /&gt;
Außer in Indien, wo mit Abstand die&lt;br /&gt;
meisten Schulen bis heute errichtet wur-&lt;br /&gt;
den, sind in Bangladesh, Pakistan und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf den Philippinen eine Anzahl von&lt;br /&gt;
Bahá’í-Schulen zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Elementarschulen werden auch&lt;br /&gt;
hier, wie in Afrika und Amerika, vor-&lt;br /&gt;
rangig in ländlichen Gebieten und Re-&lt;br /&gt;
gionen, wo die Urbevölkerung lebt,&lt;br /&gt;
errichtet. Es geht auch hier wiederum&lt;br /&gt;
in erster Linie um eine gute und konti-&lt;br /&gt;
nuierliche Lehrerausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellvertretend für die vielfältigen Bil-&lt;br /&gt;
dungseinrichtungen soll das Faizi-&lt;br /&gt;
Institut erwähnt werden. Es werden&lt;br /&gt;
dort Frauen, die auf dem Lande leben,&lt;br /&gt;
im Lesen und Schreiben unterrichtet.&lt;br /&gt;
Außerdem besuchen sie dort Kurse, um&lt;br /&gt;
verschiedene handwerkliche Fertigkei-&lt;br /&gt;
ten zu erwerben. Ziel ist, diesen Frauen&lt;br /&gt;
durch Ausbildung die Möglichkeit zu&lt;br /&gt;
schaffen, selbst etwas Geld zu verdie-&lt;br /&gt;
nen, denn sie stammen alle aus Familien&lt;br /&gt;
mit äußerst geringen Mitteln für den Le-&lt;br /&gt;
bensunterhalt. Jeden Monat kommen&lt;br /&gt;
ca. 20 Frauen zu einem 14-tägigen Kurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können dort unter anderem das&lt;br /&gt;
Herstellen von Kerzen, Seifen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Treffen zum Frühgebet in der New Era School. Die Baha’i-Schulen bemühen sich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreide, sowie das Knüpfen von Teppi-&lt;br /&gt;
chen erlernen. Außerdem werden ihnen&lt;br /&gt;
von Ärzten Grundkenntnisse in Hy-&lt;br /&gt;
giene und gesunder Lebensweise vermit-&lt;br /&gt;
telt. Es werden den Frauen dort unter&lt;br /&gt;
anderem die Prinzipien der Einheit und&lt;br /&gt;
des Friedens nahegebracht. Mit ihnen&lt;br /&gt;
werden Themen besprochen wie Fami-&lt;br /&gt;
lienplanung, Notwendigkeit der Erzie-&lt;br /&gt;
hung und Bildung ihrer Töchter und die&lt;br /&gt;
Auswirkungen starrer Traditionen wie&lt;br /&gt;
Mitgift und Kastensystem. Weiterfüh-&lt;br /&gt;
rende Teppichknüpfkurse können spä-&lt;br /&gt;
terhin besucht werden. Finanzielle Un-&lt;br /&gt;
terstützung von Regierungsseite wird&lt;br /&gt;
hierzu gewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Beispiel zeigt, wie vielfältig&lt;br /&gt;
eine solche Elementarschule angelegt ist&lt;br /&gt;
und wie angestrebt wird, die Teilnehmer&lt;br /&gt;
zur Verbesserung ihrer allgemeinen&lt;br /&gt;
Lebensbedingungen zu motivieren und&lt;br /&gt;
ihnen die Fertigkeiten dafür zu ver-&lt;br /&gt;
mitteln sowie die dahinterstehenden&lt;br /&gt;
geistigen Prinzipien ihnen nahezubrin-&lt;br /&gt;
gen. Die Verbesserung der Stellung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Beispiel der Baha’i-Lebensart zu vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=32}}Frau ist ein wesentliches&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Merkmal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Entwicklung und Ausweitung&lt;br /&gt;
weiterführender Schulen bis zur Hoch-&lt;br /&gt;
schulreife wird zunehmend Beachtung&lt;br /&gt;
geschenkt. So hat die Bahä’i-Schule in&lt;br /&gt;
Sikkim (Tadong-Schule) eine offizielle&lt;br /&gt;
Anerkennung von seiten der Regierung&lt;br /&gt;
als weiterführende Schule erhalten. Sie&lt;br /&gt;
ist als eine der besten Schulen in Sikkim&lt;br /&gt;
angesehen und unterrichtet über 870&lt;br /&gt;
Schüler. Eine Erweiterung der Schule&lt;br /&gt;
um ein weiteres Schulgebäude ist im&lt;br /&gt;
Gange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die New Era High School Panchgani&lt;br /&gt;
(Indien) schließt ebenfalls in sich&lt;br /&gt;
Grundschule und weiterführende&lt;br /&gt;
Schule ein. Neu hinzugekommen ist ein&lt;br /&gt;
Computerprogrammierkurs. Über 450&lt;br /&gt;
Schüler werden dort ausgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rabbani-Schule in Madhya Pra-&lt;br /&gt;
desh ist vergleichbar einer weiterführen-&lt;br /&gt;
den Schule, jedoch mit zusätzlicher um-&lt;br /&gt;
fassender Ausbildung in Landwirt-&lt;br /&gt;
schaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wird ein staatlich anerkanntes&lt;br /&gt;
Ausbildungszentrum für Entwicklung&lt;br /&gt;
auf dem Lande sein. Zur Zeit umfaßt die&lt;br /&gt;
Schule etwa 200 Internatsschüler. Von&lt;br /&gt;
der Schule werden 74 Morgen Land be-&lt;br /&gt;
baut und eine Hühnerfarm unterhalten.&lt;br /&gt;
Die Schüler (nur Jungens) helfen bei der&lt;br /&gt;
Landwirtschaft und werden dabei&lt;br /&gt;
gleichzeitig geschult. Ziel der Schule&lt;br /&gt;
ist, die Schüler zu ermutigen, nach&lt;br /&gt;
Abschluß ihrer Ausbildung in ihre&lt;br /&gt;
Dörfer zurückzukehren, um dort mit&lt;br /&gt;
ihren Fähigkeiten und erworbenen&lt;br /&gt;
Kenntnissen tätig zu werden. Es wird&lt;br /&gt;
durch diese Maßnahme dem krassen&lt;br /&gt;
Bildungsgefälle zwischen Land- und&lt;br /&gt;
Stadtbevölkerung entgegengewirkt und&lt;br /&gt;
das Leben auf dem Lande wird wieder&lt;br /&gt;
attraktiver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnten noch viele hervorragende&lt;br /&gt;
Schulen und Bildungsprojekte Erwäh-&lt;br /&gt;
nung finden, doch im wesentlichen ar-&lt;br /&gt;
beiten sie alle nach den gleichen Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
häufig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sätzen, wie sie an den oben erwähnten&lt;br /&gt;
Beispielen verdeutlicht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeindeentwicklungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Nordamerika (USA und Kanada)&lt;br /&gt;
wurden im Jahr 1986 etwa 250 Projekte&lt;br /&gt;
mit unterschiedlichsten Entwicklungs-&lt;br /&gt;
aktivitäten auf den Weg gebracht. Welt-&lt;br /&gt;
weit waren es Ende des vergangenen&lt;br /&gt;
Jahres 358 Projekte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielhaft werden einige Gemein-&lt;br /&gt;
deentwicklungsprojekte der USA er-&lt;br /&gt;
wähnt, um einen ungefähren Einblick in&lt;br /&gt;
die Vielfalt zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit April 1986 bietet ein Zentrum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
öffentlichen und privaten Dienststellen&lt;br /&gt;
einen Beratungsdienst an, der sich in&lt;br /&gt;
Familien-, Erziehungs- und Beschäfti-&lt;br /&gt;
gungsfragen besonders für das harmo-&lt;br /&gt;
nische Zusammenleben der verschiede-&lt;br /&gt;
nen Rassen einsetzt.&lt;br /&gt;
Ein Bildungsprogramm für Erwachsene&lt;br /&gt;
in einem Indianerreservat wurde ins&lt;br /&gt;
Leben gerufen, nachdem bekannt&lt;br /&gt;
wurde, daß dort 80% der Achtzehn- bis&lt;br /&gt;
Dreißigjährigen keinen Schulabschluß&lt;br /&gt;
haben und 90% ohne Arbeit sind. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde hat dort ein entspre-&lt;br /&gt;
chendes Ausbildungsprogramm aufge-&lt;br /&gt;
baut. Sie erwarben ein Gebäude, in dem&lt;br /&gt;
der Unterricht nun stattfinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Erdbebenhilfsfonds für Mexiko&lt;br /&gt;
wurde 1986 gegründet. Die Bahä’i koor-&lt;br /&gt;
dinierten die Bemühungen von mehr als&lt;br /&gt;
20 örtlichen Organisationen, die selbst&lt;br /&gt;
Spenden sammelten. Medizinische&lt;br /&gt;
Hilfsgüter wurden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
die beigefügten medizinischen Informa-&lt;br /&gt;
tionen wurden ins Spanische übersetzt.&lt;br /&gt;
Die Geld- und Sachspenden wurden&lt;br /&gt;
dann durch das Rote Kreuz nach Mexi-&lt;br /&gt;
ko gebracht. In Gründung ist nun eine&lt;br /&gt;
Wohltätigkeitsstiftung, die von einzel-&lt;br /&gt;
nen Bahäf geleitet und direkt dem Na-&lt;br /&gt;
tionalen Geistigen Rat unterstellt sein&lt;br /&gt;
wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine größere Anzahl von örtlichen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinden gewährt Einwande-&lt;br /&gt;
rern Unterstützung, sei es durch Sprach-&lt;br /&gt;
kurse oder andere Dienstleistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind alles Projekte, die ein konkre-&lt;br /&gt;
tes und aktuelles Problem im gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Bereich aufgreifen und&lt;br /&gt;
nach Möglichkeiten suchen, wie dieses&lt;br /&gt;
Problem oder dieses Defizit von örtli-&lt;br /&gt;
chen Bahä’i-Gemeinden beseitigt oder&lt;br /&gt;
zumindest verringert werden kann. Es&lt;br /&gt;
liegt in der Natur dieser Projekte, daß&lt;br /&gt;
sie teilweise nur zeitlich begrenzt durch-&lt;br /&gt;
geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste im Gesundheits-&lt;br /&gt;
und Sozialwesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Bereich sind bisher vergleichs-&lt;br /&gt;
weise wenig Projekte ins Leben gerufen&lt;br /&gt;
worden, wobei zu berücksichtigen ist,&lt;br /&gt;
daß innerhalb der zuvor beschriebenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SL&lt;br /&gt;
er .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elementarschulprojekte die Unterwei-&lt;br /&gt;
sungen in Hygiene, gesunder Ernährung&lt;br /&gt;
und gesunder Lebensweise sowie in&lt;br /&gt;
Säuglingspflege einen breiten Raum ein-&lt;br /&gt;
nehmen und als wichtige Präventiv-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: maßnahmen im Bereich des Gesund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heitswesens anzusehen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Afrika wurden in den vergangenen&lt;br /&gt;
zwei Jahren besondere Anstrengungen&lt;br /&gt;
auf diesem Gebiet im Tschad, in Kenia,&lt;br /&gt;
Swasiland und Zaire gemacht. Im&lt;br /&gt;
Tschad wurden in über 100 Gemeinden,&lt;br /&gt;
veranlaßt durch Hungersnot und&lt;br /&gt;
Bürgerunruhen, Verteilungsstellen für&lt;br /&gt;
Medikamente, Lebensmittel und Klei-&lt;br /&gt;
dung, sowie für Saatgut eingerichtet. In&lt;br /&gt;
Kenia und Swasiland wurden Lehrpro-&lt;br /&gt;
gramme für die Arbeit im Gesundheits-&lt;br /&gt;
dienst auf Gemeindeebene durchge-&lt;br /&gt;
führt. Alle Teilnehmer solcher Kurse lei-&lt;br /&gt;
sten ihren Dienst auf freiwilliger, d.h.&lt;br /&gt;
ehrenamtlicher Basis. In Zaire liegt der&lt;br /&gt;
Schwerpunkt auf der Unterweisung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e - ng&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot; Ns&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und Mitarbeiter der mobilen Medizinstation Bahä’i-Medical Camps&lt;br /&gt;
Dang. Achtmal im Jahr besuchen drei Bahá’í-Arzte und ihre Mitarbeiter jeweils für&lt;br /&gt;
mehrere Tage die Bevölkerung in abgelegenen Dörfern, wo medizinische Hilfe und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufklärung dringend erforderlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=34}}gesunder Ernährung und gesunder Le-&lt;br /&gt;
bensführung. Alle Projekte finden auf&lt;br /&gt;
örtlicher Ebene statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Amerika sind die Aktivitäten auf&lt;br /&gt;
diesem Gebiet bis jetzt vorwiegend So-&lt;br /&gt;
fortmaßnahmen im Zusammenhang&lt;br /&gt;
mit der Erdbebenkatastrophe in Mexiko&lt;br /&gt;
und dem Vulkanausbruch in Kolum-&lt;br /&gt;
bien gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Asien werden große Anstrengun-&lt;br /&gt;
gen im Bereich der Gesundheitserzie-&lt;br /&gt;
hung unternommen. Es werden hier be-&lt;br /&gt;
sonders die Frauen zur Teilnahme an&lt;br /&gt;
den Kursen ermutigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mobile ärztliche Stationen werden&lt;br /&gt;
von der Bevölkerung auf dem Lande in&lt;br /&gt;
übergroßer Zahl in Anspruch genom-&lt;br /&gt;
men. Tausende von Menschen erhalten&lt;br /&gt;
auf diese Weise medizinisch notwendige&lt;br /&gt;
Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bekanntesten ärztlichen Bahá’í-&lt;br /&gt;
Stationen sind die Dang Medical&lt;br /&gt;
Camps. Sie leisten seit einigen Jahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler der Rabbani-Schule in Madhya Pradesh/Indien bei landwirts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch den opferbereiten Einsatz einiger&lt;br /&gt;
Bahäi-Ärzte, zusammen mit weiteren&lt;br /&gt;
ergebenen Gläubigen, hervorragende&lt;br /&gt;
Dienste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Malaysia erzielte eine Antidrogen-&lt;br /&gt;
kampagne einer örtlichen Bahäli-&lt;br /&gt;
Gemeinde große Erfolge. Dieses posi-&lt;br /&gt;
tive Beispiel soll nun von weiteren Ge-&lt;br /&gt;
meinden aufgegriffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte in Land- und Forstwirtschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktivitäten auf diesem Gebiet sind am&lt;br /&gt;
dringlichsten in Afrika, Zentral- und&lt;br /&gt;
Südamerika und Asien. So sind auch&lt;br /&gt;
90% aller bisherigen Projekte dieser Art&lt;br /&gt;
dort zu finden. Es geht dabei vorrangig&lt;br /&gt;
um bessere Nutzung des Bodens, Ver-&lt;br /&gt;
besserung der Bodenqualität, Verbesse-&lt;br /&gt;
rung des Saatgutes und allgemein um ef-&lt;br /&gt;
fektivere und sinnvollere Nutzung der&lt;br /&gt;
Ressourcen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
He&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u A&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chaftlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tätigkeit. Den Schülern werden neben allgemeiner Schulbildung vor allem Fertig-&lt;br /&gt;
keiten gelehrt, die sie in ihrem Heimatort auf dem Lande sinnvoll einsetzen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 BAHA’-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=35}}In Afrika, Nord- und Südamerika, in&lt;br /&gt;
Indien und auf Haiti wurden jeweils in&lt;br /&gt;
den vergangenen zwei Jahren zigtau-&lt;br /&gt;
sende Bäume gepflanzt, zum Teil im&lt;br /&gt;
Rahmen staatlich geförderter Auffor-&lt;br /&gt;
stungsprogramme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Afrika werden einige Ländereien,&lt;br /&gt;
die der Bahä’i-Gemeinde gehören, ge-&lt;br /&gt;
winnbringend bebaut. Der Erlös wird&lt;br /&gt;
dann für die Finanzierung von örtlichen&lt;br /&gt;
Erziehungsprojekten eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die land- und forstwirtschaftliche&lt;br /&gt;
Schulung der Bevölkerung in den eben&lt;br /&gt;
genannten Entwicklungsgebieten ist in&lt;br /&gt;
den Unterrichtsangeboten der Elemen-&lt;br /&gt;
tarschulen enthalten, wo immer dies&lt;br /&gt;
die örtlichen Verhältnisse erforderlich&lt;br /&gt;
machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Bahäi-Entwick-&lt;br /&gt;
lungsprojekte konnten nur einige we-&lt;br /&gt;
nige direkt Erwähnung finden. Vermißt&lt;br /&gt;
haben Sie sicher die Schilderung von&lt;br /&gt;
Projekten in Europa und in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind es bisher vorwiegend&lt;br /&gt;
solche zur Unterstützung der Integra-&lt;br /&gt;
tion iranischer Bahä’i-Flüchtlinge und&lt;br /&gt;
zur Unterstützung einzelner Projekte in&lt;br /&gt;
Entwicklungsländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Projekte in Australien fügen sich&lt;br /&gt;
in den Rahmen der geschilderten Pro-&lt;br /&gt;
jekte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bahá’í-Entwicklungsprojekte —&lt;br /&gt;
so verschiedenartig sie auch sein mögen&lt;br /&gt;
— werden von den Bahäi-Gemeinden&lt;br /&gt;
auf der ganzen Welt als ein Beitrag&lt;br /&gt;
der Verwirklichung des geistigen Prin-&lt;br /&gt;
zips der Einheit der Menschheit ver-&lt;br /&gt;
standen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Universale Erziehung, das heißt, die&lt;br /&gt;
immer weitergehende Sicherstellung&lt;br /&gt;
umfassender und angemessener Erzie-&lt;br /&gt;
hungs- und Bildungsangebote in jedem&lt;br /&gt;
Land und für jeden Volksstamm ver-&lt;br /&gt;
dient nachdrücklichste Unterstützung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung von geistiger und&lt;br /&gt;
praktischer Erziehung gibt dem Men-&lt;br /&gt;
schen das Vertrauen in sich selbst, den&lt;br /&gt;
Willen, ihre Lebensverhältnisse zu ver-&lt;br /&gt;
ändern, und die Kraft, den Vorsatz in&lt;br /&gt;
die Tat umzusetzen. In dem Maße, in&lt;br /&gt;
welchem wir uns auf diesem Feld betäti-&lt;br /&gt;
gen, kommen wir unserer eigentlichen&lt;br /&gt;
Aufgabe auf Erden nach: eine fort-&lt;br /&gt;
schreitende Kultur voranzutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geziemt den Menschen, »sich an&lt;br /&gt;
das zu halten, was an diesem Tag der Er-&lt;br /&gt;
höhung ihrer Stufe und der Förderung&lt;br /&gt;
ihres eigenen Besten dienen kann.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Bahä’ulläh, »Die Verheißung Bahä’u’llähs«,&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag 1967, S. 130&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Menschen&lt;br /&gt;
wurden erschaffen,&lt;br /&gt;
eine ständig&lt;br /&gt;
fortschreitende Kultur&lt;br /&gt;
voranzutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u&#039;llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese 109:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987 33&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... DIE MENSCHHEIT WIRD MÜNDIG«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin zutiefst bewegt. Man sagt übli-&lt;br /&gt;
cherweise, man fühle sich geehrt und sei&lt;br /&gt;
erfreut, anwesend zu sein, aber ich finde&lt;br /&gt;
keinen Ausdruck dafür, Ihnen zu sagen,&lt;br /&gt;
wie sehr ich mich geehrt fühle, bei Ihnen&lt;br /&gt;
sein zu dürfen. Ich wurde gebeten, über&lt;br /&gt;
die Frage »Ist Frieden möglich?« zu spre-&lt;br /&gt;
chen. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich&lt;br /&gt;
überzeugt davon bin, daß Frieden nicht&lt;br /&gt;
nur möglich, sondern notwendig ist und&lt;br /&gt;
kommen wird, erst recht, nachdem ich&lt;br /&gt;
heute hier war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Frieden scheint heute in weiter&lt;br /&gt;
Ferne zu liegen, aber die Menschheit&lt;br /&gt;
wird mündig. Hier bei Ihnen bin ich&lt;br /&gt;
überzeugt davon, daß sich die Mensch-&lt;br /&gt;
heit an der Schwelle zum Erwachsensein&lt;br /&gt;
befindet. Die Vorführung heute morgen&lt;br /&gt;
hat mich tief bewegt — all diese jungen&lt;br /&gt;
Menschen tanzen und Theater spielen&lt;br /&gt;
zu sehen — Einheit in der Mannigfaltig-&lt;br /&gt;
keit — und Sie alle miteinander zu erle-&lt;br /&gt;
ben. Wenn diese Erfahrung hier auf der&lt;br /&gt;
ganzen Welt wiederholt werden kann,&lt;br /&gt;
dann wird die Menschheit tatsächlich&lt;br /&gt;
mündig und Bahäullähs Verheißung&lt;br /&gt;
erfüllt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wenn es Frieden geben soll, so&lt;br /&gt;
brauchen wir Einheit, und für die Ein-&lt;br /&gt;
heit benötigen wir eine Gesellschaft auf&lt;br /&gt;
Weltebene. Dies ist noch nicht der Fall.&lt;br /&gt;
Wir können es erreichen, wir können&lt;br /&gt;
uns dieser Weltzivilisation, einer Welt-&lt;br /&gt;
kultur, einer Weltgesellschaft nähern —&lt;br /&gt;
aber ob wir uns noch zu unseren Lebzei-&lt;br /&gt;
ten ihr nähern, das liegt in unserer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hand. Wenn der einzelne als reifer&lt;br /&gt;
Mensch handelt, mit dem Gefühl der&lt;br /&gt;
Einheit im Herzen, mit dem Wissen um&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit der Einheit im Sinn,&lt;br /&gt;
dann wird es eine Weltgesellschaft&lt;br /&gt;
geben und mit ihr der Weltfrieden er-&lt;br /&gt;
reicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen weise handeln. Die Her-&lt;br /&gt;
ausforderung an uns ist groß. Die Her-&lt;br /&gt;
ausforderung unserer Zeit ist, meine&lt;br /&gt;
ich, größer als jede, der sich je zuvor in&lt;br /&gt;
der Menschheitsgeschichte eine Genera-&lt;br /&gt;
tion gegenüber sah. Wir haben heute die&lt;br /&gt;
Mittel, eine friedliche, weltweite Gesell-&lt;br /&gt;
schaft zu schaffen. Wir haben aber auch&lt;br /&gt;
die Mittel, uns selbst und die lebenser-&lt;br /&gt;
haltende Umwelt dieses schönen Plane-&lt;br /&gt;
ten in wenigen Stunden oder Tagen zu&lt;br /&gt;
zerstören. Wir haben die Wahl. Wenn&lt;br /&gt;
wir nicht völlig dem Wahnsinn und der&lt;br /&gt;
Kurzsichtigkeit verfallen sind, so schaf-&lt;br /&gt;
fen wir eine weltweite Zivilisation. Dies&lt;br /&gt;
ist die Verheißung; dies ist meiner Mei-&lt;br /&gt;
nung nach auch der Weg der Evolution&lt;br /&gt;
in der Natur und in der Geschichte, und&lt;br /&gt;
über dieses Thema möchte ich heute&lt;br /&gt;
sprechen — über diese bemerkenswerte&lt;br /&gt;
Parallelität zwischen der intuitiven,&lt;br /&gt;
geoffenbarten Weisheit, an der Sie als&lt;br /&gt;
Bahäi teilhaben, und den neuesten&lt;br /&gt;
Erkenntnissen der empirischen Wissen-&lt;br /&gt;
schaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies sollte Ihnen Mut machen, es&lt;br /&gt;
sollte Ihnen Kraft spenden, es sollte Sie&lt;br /&gt;
begeistern und Ihnen den Willen verlei-&lt;br /&gt;
hen, Sie selbst zu sein und den Weg zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vortrag, gehalten am 29. August 1986 in San Franzisco während der ersten&lt;br /&gt;
Internationalen Bahä’i Friedenskonferenz. Veröffentlicht in Baha’i News No. 667,&lt;br /&gt;
October 1986, 5. 8-12, unter dem Titel »...mankind is coming of age«. Die Überset-&lt;br /&gt;
zung aus dem Englischen besorgte Yasmin Mellinghoff. Dr. Ervin Laszlo ist&lt;br /&gt;
Mitbegründer des »Club of Rome«, Herausgeber der »World Encyclopaedia of&lt;br /&gt;
Peace« und Leiter der »General Evolution Research Group«. Seine Forschungsgebiete&lt;br /&gt;
sind Systemphilosophie und Zukunftsstudien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 BAHÄT-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=37}}weisen; denn viele der großen Lehren,&lt;br /&gt;
der Schriftstellen mit Bahä’i-Prophe-&lt;br /&gt;
zeiungen und Bahäi-Offenbarungen&lt;br /&gt;
werden heute über einen völlig anderen&lt;br /&gt;
Weg bestätigt, nämlich durch den unab-&lt;br /&gt;
hängig erforschten Weg der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft — genauer: in neuen Wissen-&lt;br /&gt;
schaftszweigen, die unter den Namen&lt;br /&gt;
»Systemwissenschaften«, »Komplexi-&lt;br /&gt;
tätswissenschaften« oder »Evolutions-&lt;br /&gt;
wissenschaften« bekannt sind.! Denn&lt;br /&gt;
die in den Bahá’í-Schriften mitgeteilte&lt;br /&gt;
Weisheit ist heute mehr denn je aktuell,&lt;br /&gt;
zeitgemäß und glaubhaft für alle Men-&lt;br /&gt;
schen, ungeachtet, zu welchem Glauben&lt;br /&gt;
sie sich bekennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Weisheit nimmt die jetzigen Er-&lt;br /&gt;
kenntnisse der Wissenschaften um an-&lt;br /&gt;
derthalb Jahrhunderte vorweg. Lassen&lt;br /&gt;
Sie mich zunächst einige Passagen Ihres&lt;br /&gt;
Glaubens zitieren und dann einige die-&lt;br /&gt;
ser Prozesse, so wie sie von den heutigen&lt;br /&gt;
Wissenschaften verstanden werden, in&lt;br /&gt;
großen Zügen darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh sagte, »die Erde ist nur ein&lt;br /&gt;
Land, und alle Menschen sind seine Bür-&lt;br /&gt;
ger«?. Die Weltordnung, die Baha&#039;ullah&lt;br /&gt;
voraussah, ist eine Ordnung, die, wie Er&lt;br /&gt;
sagte, als »die reinste Frucht eines lang-&lt;br /&gt;
sam reifenden Zeitalters«° betrachtet&lt;br /&gt;
werden wird. Nachdem die Menschheit&lt;br /&gt;
die der Kindheit und Jugend eines Men-&lt;br /&gt;
schen vergleichbaren Stadien durchlau-&lt;br /&gt;
fen hat, ist sie nunmehr im Begriff, mün-&lt;br /&gt;
dig zu werden. Sie kämpft sich durch die&lt;br /&gt;
Turbulenzen der Jugend, um schließlich&lt;br /&gt;
zur vollen Reife zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Schritt zur Reife geht nicht&lt;br /&gt;
ohne Schwierigkeiten vonstatten. Schon&lt;br /&gt;
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts&lt;br /&gt;
sah Bahä’u&#039;lläh den Kampf, den Kon-&lt;br /&gt;
flikt und die Leiden, die auf unsere Zeit&lt;br /&gt;
einstürmen, voraus. »Ach, die Winde&lt;br /&gt;
der Verzweiflung«, schrieb Er, »wehen&lt;br /&gt;
aus jeder Richtung, und der Hader, der&lt;br /&gt;
das Menschengeschlecht spaltet und&lt;br /&gt;
peinigt, nimmt täglich zu. Die Zeichen&lt;br /&gt;
drohender Erschütterungen und des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chaos sind jetzt deutlich zu sehen«* —&lt;br /&gt;
und dies vor anderthalb Jahrhunderten.&lt;br /&gt;
Dieses evolutionäre Geschichtsver-&lt;br /&gt;
ständnis und dieses ganzheitliche, dy-&lt;br /&gt;
namische Konzept der Gesellschaft wird&lt;br /&gt;
nun in unserer Zeit mit einer Verzö-&lt;br /&gt;
gerung von anderthalb Jahrhunderten&lt;br /&gt;
bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neuen wissenschaftlichen Er-&lt;br /&gt;
kenntnisse kommen vielleicht gerade im&lt;br /&gt;
richtigen Augenblick, um die Mensch-&lt;br /&gt;
heit vor den Gefahren dieses entschei-&lt;br /&gt;
denden Übergangs von der Jugend zur&lt;br /&gt;
Reife, von der Uneinigkeit zur Einheit,&lt;br /&gt;
zu retten. Die neue Erkenntnis kam zu-&lt;br /&gt;
nächst durch die Offenbarung zu uns&lt;br /&gt;
und wird uns jetzt durch die Wissen-&lt;br /&gt;
schaft vermittelt. Lassen Sie mich einige&lt;br /&gt;
Worte über das Wesen dieser wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Erkenntnisse sagen und&lt;br /&gt;
Ihnen dann zeigen, wie sehr sie tatsäch-&lt;br /&gt;
lich den Schriften und Glaubenssätzen,&lt;br /&gt;
die Ihnen gemeinsam sind, entsprechen&lt;br /&gt;
und sie bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Standpunkt aus betrach-&lt;br /&gt;
tet, ist die Gesellschaft keine beliebige&lt;br /&gt;
Ansammlung von Menschen. Sie ist in&lt;br /&gt;
ihrer Entwicklung nicht dem Zufall&lt;br /&gt;
überlassen. Sie ist in der Tat ein dynami-&lt;br /&gt;
sches System; sie ist fast wie ein leben-&lt;br /&gt;
der Organismus. Sie entfaltet sich, sie&lt;br /&gt;
wächst und entwickelt sich. Die&lt;br /&gt;
menschliche Gesellschaft ist ein gesell-&lt;br /&gt;
schaftliches und kulturelles System. Sie&lt;br /&gt;
besteht aus einzelnen Menschen; aber&lt;br /&gt;
zusammen sind alle diese Wesen mehr&lt;br /&gt;
als die Summe ihrer Teile — sie bilden&lt;br /&gt;
ein neues Ganzes mit eigenen Gesetzen,&lt;br /&gt;
einer eigenen Entwicklung; und diese&lt;br /&gt;
Entwicklung beeinflußt und bestimmt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Vgl. Ervin Laszlo, A Strategy for the Future,&lt;br /&gt;
George Braziller, New York 1974 (Anm. der Re-&lt;br /&gt;
daktion)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Botschaften aus ‘Akkä, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1982, 11:13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’ulllähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977, S. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahä’u&#039;lläah, Botschaften aus Akkä 11:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 35&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=38}}in entscheidender Weise unser aller&lt;br /&gt;
Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Dinge beginnen wir sogar mit&lt;br /&gt;
diesen langsamen, vorsichtigen und&lt;br /&gt;
schwerfälligen wissenschaftlichen Me-&lt;br /&gt;
thoden zu verstehen, was Sie vielleicht&lt;br /&gt;
schon lange durch Ihren Glauben und&lt;br /&gt;
durch die Offenbarung der Bahäfi-&lt;br /&gt;
Religion verstanden haben. Eine dieser&lt;br /&gt;
neuen Erkenntnisse ist, daß die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung jedes komplexen Systems Sta-&lt;br /&gt;
dien durchläuft und daß diese Stadien&lt;br /&gt;
immer aufgrund ihrer Entwicklung in&lt;br /&gt;
der Vergangenheit verstanden werden&lt;br /&gt;
können. Wenn wir auf die Evolution des&lt;br /&gt;
Menschengeschlechts während der ge-&lt;br /&gt;
samten Zeitspanne der überlieferten Ge-&lt;br /&gt;
schichte und der gesamten Zeitspanne&lt;br /&gt;
der biologischen Evolution zurück-&lt;br /&gt;
blicken, die auf unserem Planeten viel-&lt;br /&gt;
leicht dreieinhalb Milliarden Jahre&lt;br /&gt;
zurückreicht, so können wir immer&lt;br /&gt;
Erklärungen finden, wir können die&lt;br /&gt;
Entwicklung verfolgen, wir können&lt;br /&gt;
sehen, wie sich eine Spezies entwickelt,&lt;br /&gt;
einer anderen Platz macht, wie die&lt;br /&gt;
Komplexität wächst, wie Spezien und&lt;br /&gt;
Organismen autonomer werden, fähi-&lt;br /&gt;
ger, sich selbst zu helfen und mit ihrer&lt;br /&gt;
Umwelt zurechtzukommen. Und wir&lt;br /&gt;
kommen zu einer bemerkenswerten&lt;br /&gt;
neuen Einsicht: Trotz des weitverbreite-&lt;br /&gt;
ten Glaubens, die Natur sei nur Zahn&lt;br /&gt;
und Klaue — das Gesetz des Dschun-&lt;br /&gt;
gels —, ist der Dschungel oder die Natur&lt;br /&gt;
tatsächlich erstaunlich zur Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit bereit, bemerkenswert symbio-&lt;br /&gt;
tisch und vereint, weil die Teile durch&lt;br /&gt;
Symbiose leben, durch andere Spezien&lt;br /&gt;
bestehen und in Einheit leben. Nichts&lt;br /&gt;
bricht die Einheit der Natur — nur die&lt;br /&gt;
Menschheit durch ihre erste egoistische&lt;br /&gt;
Angeberei mit der Technologie, weil sie&lt;br /&gt;
glaubt, über der Natur stehen und eine&lt;br /&gt;
Welt völlig nach ihrer eigenen Vorstel-&lt;br /&gt;
lung schaffen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Natur schreitet immer harmo-&lt;br /&gt;
nisch voran, sie schafft Systeme inner-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 BAHÄTI-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
halb von Systemen und Systeme über&lt;br /&gt;
anderen Systemen. Wir haben in klei-&lt;br /&gt;
nen Schritten Gesellschaften gebaut;&lt;br /&gt;
wir bauten sie aus kleinen Jäger- und&lt;br /&gt;
Sammlerstämmen — aus Nomaden-&lt;br /&gt;
stämmen, die mit ihren Tieren dorthin&lt;br /&gt;
zogen, wo es Getreide, Früchte und Bee-&lt;br /&gt;
ren gab, wohin auch die Tiere zogen.&lt;br /&gt;
Aus diesen kleinen Einheiten bauten wir&lt;br /&gt;
seßhafte Gemeinschaften, in denen ei-&lt;br /&gt;
nige Menschen Nahrung züchteten, an-&lt;br /&gt;
dere in der Verwaltung tätig waren oder&lt;br /&gt;
sich um Rechtsangelegenheiten küm-&lt;br /&gt;
merten und wieder andere sich mit den&lt;br /&gt;
Künsten beschäftigten; noch andere&lt;br /&gt;
widmeten sich der Geschichte und&lt;br /&gt;
schrieben die gemeinsamen Erfahrun-&lt;br /&gt;
gen aller nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verwandelten Dörfer in größere&lt;br /&gt;
Einheiten, in die großen Reiche der An-&lt;br /&gt;
tike. Wir errichteten Stadtstaaten. Wir&lt;br /&gt;
gründeten die moderneren Reiche. Wir&lt;br /&gt;
errichteten die mittelalterlichen Gesell-&lt;br /&gt;
schaften; und schließlich schufen wir&lt;br /&gt;
die Nationalstaaten. Und in all diesen&lt;br /&gt;
Gesellschaften gab es verschiedene Ebe-&lt;br /&gt;
nen innerhalb einer Ebene und Systeme&lt;br /&gt;
innerhalb von Systemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das System auf der niedrigsten Stufe,&lt;br /&gt;
die Familie — und mit niedrig meine ich&lt;br /&gt;
kein Werturteil, sondern das einfachste,&lt;br /&gt;
grundlegendste System — diese grund-&lt;br /&gt;
legenden Systeme sind nicht ver-&lt;br /&gt;
schwunden, sie bleiben lebenswichtige&lt;br /&gt;
Bestandteile: Die Familie. dann die&lt;br /&gt;
Gemeinschaft; die Gemeinschaft, die&lt;br /&gt;
zusammen arbeitet, zusammen lebt, ge-&lt;br /&gt;
meinsam betet — sie bleibt ein Grund-&lt;br /&gt;
stein, ein Fundament jeder Gesellschaft,&lt;br /&gt;
egal wie komplex sie wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesellschaft entwickelte sich wei-&lt;br /&gt;
ter, indem sie diese Einheiten zusam-&lt;br /&gt;
menbrachte, größere Einheiten schuf&lt;br /&gt;
und die Mannigfaltigkeit dieser Einhei-&lt;br /&gt;
ten koordinierte, ohne sie zu verlieren.&lt;br /&gt;
Ein guter Begriff, der in diesen neuen&lt;br /&gt;
Wissenschaftszweigen verwendet wird,&lt;br /&gt;
ist der der »Könvergenz«. Konvergenz&lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=39}}im klassischen Sinn bedeutet natürlich&lt;br /&gt;
zunehmende Ähnlichkeit, Übereinstim-&lt;br /&gt;
mung. Dies ist hier jedoch nicht gemeint&lt;br /&gt;
und auch nicht das, was ich mit Konver-&lt;br /&gt;
genz ausdrücken möchte. Mit Konver-&lt;br /&gt;
genz meine ich, was die Stifter der&lt;br /&gt;
Bahäi-Religion meinten — nämlich&lt;br /&gt;
Einheit in der Mannigfaltigkeit. Die&lt;br /&gt;
Systeme der niedrigsten, fundamental-&lt;br /&gt;
sten Stufe konvergieren auf der nächsten&lt;br /&gt;
Stufe. Familien konvergieren, indem sie&lt;br /&gt;
in Gemeinschaften zusammenleben;&lt;br /&gt;
Gemeinschaften konvergieren mitein-&lt;br /&gt;
ander, indem sie Nationen gründen;&lt;br /&gt;
und Nationen konvergieren miteinan-&lt;br /&gt;
der, um eine weltweite Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
errichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wo stehen wir heute in diesem&lt;br /&gt;
Prozeß? Wir haben in der Tat Nationen&lt;br /&gt;
geschaffen. Es gibt heute ungefähr 180&lt;br /&gt;
oder vielleicht mehr Nationalstaaten&lt;br /&gt;
auf der Welt, die alle Souveränität und&lt;br /&gt;
Unabhängigkeit voneinander bean-&lt;br /&gt;
spruchen, die behaupten, allein und un-&lt;br /&gt;
abhängig, die Herren ihres Schicksals&lt;br /&gt;
und vor keiner höheren Autorität verant-&lt;br /&gt;
wortlich zu sein. Die Gründung von&lt;br /&gt;
Nationen ist, worauf Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
hinwies, zum Ende gekommen, aber die&lt;br /&gt;
Menschheit befindet sich noch immer&lt;br /&gt;
im Stadium der Jugend, sie ist immer&lt;br /&gt;
noch im Stadium der Gründung von&lt;br /&gt;
Nationen. Dies geschieht immer noch&lt;br /&gt;
auf der ganzen Welt: neue Nationen ver-&lt;br /&gt;
suchen zu ihrer Identität zu finden; be-&lt;br /&gt;
stehende Nationen achten eifersüchtig&lt;br /&gt;
darauf, ihre Macht, ihre Souveränität&lt;br /&gt;
zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was finden wir in der heutigen Welt&lt;br /&gt;
vor? In gewissem Sinne haben wir ein&lt;br /&gt;
weltweites Dorf, denn wir kommunizie-&lt;br /&gt;
ren miteinander, wir beeinflussen uns&lt;br /&gt;
gegenseitig, wir verschiffen unsere&lt;br /&gt;
Waren überallhin, wir wissen nie, wenn&lt;br /&gt;
wir etwas in einem Geschäft kaufen, wo&lt;br /&gt;
es hergestellt wurde — die Nahrung, die&lt;br /&gt;
wir essen, ist möglicherweise von der&lt;br /&gt;
anderen Seite des Globus importiert;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn wir ihre Rückseite betrachten, so&lt;br /&gt;
stellen wir fest, daß die Produkte, an die&lt;br /&gt;
wir glauben, auf der anderen Seite der&lt;br /&gt;
Erde hergestellt wurden. Wir leben in&lt;br /&gt;
einem weltweiten Dorf, aber dieses&lt;br /&gt;
Dorf ist kein geeintes Ganzes. In diesem&lt;br /&gt;
Dorf sind wir immer noch sich bekrie-&lt;br /&gt;
gende Stämme — und das ist das Trau-&lt;br /&gt;
rige, das ist die Tragödie der heutigen&lt;br /&gt;
Situation der Menschheit. Dies ist noch&lt;br /&gt;
das Stadium der Jugend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb müssen wir dieses Stadium&lt;br /&gt;
überwinden — weil der Frieden nicht in&lt;br /&gt;
einem Stadium kommen kann, in dem&lt;br /&gt;
wir zwar alle voneinander abhängen,&lt;br /&gt;
uns aber gegenseitig nicht verstehen.&lt;br /&gt;
Nur Konflikt kann hieraus entstehen,&lt;br /&gt;
und anstelle von gegenseitiger Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit hätten wir dann gegenseitige&lt;br /&gt;
Vernichtung. Aber gegenseitige Abhän-&lt;br /&gt;
gigkeit führt nach den Bahä’i-Ver-&lt;br /&gt;
heißungen und nach den neuen Wis-&lt;br /&gt;
senschaften über Komplexität und Evo-&lt;br /&gt;
lution mit der Zeit auf eine neue Stufe,&lt;br /&gt;
zu einem neuen Ganzen, zu einem&lt;br /&gt;
neuen System, das höher, komplexer&lt;br /&gt;
und harmonischer ist als irgendeines&lt;br /&gt;
davor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist die Herausforderung, die&lt;br /&gt;
vor uns liegt. Sollen wir die Uneinigkeit&lt;br /&gt;
die Oberhand gewinnen lassen und un-&lt;br /&gt;
sere gegenseitige Abhängigkeit in Krieg&lt;br /&gt;
und Zerstörung auflösen? Sollen wir&lt;br /&gt;
uns und unsere Umwelt zerstören, so&lt;br /&gt;
daß nur Gras und die niedersten Lebens-&lt;br /&gt;
formen des Meeresgrundes überleben&lt;br /&gt;
würden? Oder sollen wir es zulassen,&lt;br /&gt;
daß unsere wechselseitige Abhängigkeit&lt;br /&gt;
uns zur Reife, zu wahrem Vertrauen und&lt;br /&gt;
Verständnis führt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Evolu-&lt;br /&gt;
tion, wie sie sich im Laufe der Ge-&lt;br /&gt;
schichte entfaltet hat, ist der nächste&lt;br /&gt;
Schritt eine Gesellschaft weltweiter Ein-&lt;br /&gt;
heit. Ich bin überzeugt davon, daß diese&lt;br /&gt;
Gesellschaft kommen wird — aber&lt;br /&gt;
wann und wie sie kommt, ist unbe-&lt;br /&gt;
stimmt. Wir können — und hier spreche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 37&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich als Wissenschaftler — immer lo-&lt;br /&gt;
gisch erklären, was in der Vergangen-&lt;br /&gt;
heit geschah, wir können immer&lt;br /&gt;
Gründe dafür finden. Aber wir können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nie mit hundertprozentiger Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Zukunft vorhersagen. Und dies&lt;br /&gt;
sollte uns ermutigen und Glauben&lt;br /&gt;
geben, weil wir nicht in einer vom&lt;br /&gt;
Schicksal vorherbestimmten, dem Un-&lt;br /&gt;
tergang geweihten Welt leben. Wir leben&lt;br /&gt;
in einer Welt, für die die Zukunft offen&lt;br /&gt;
ist. Was uns vorgegeben ist, ist nur die&lt;br /&gt;
allgemeine Richtung, der umfassende&lt;br /&gt;
»Megatrend«, die gewaltige, große&lt;br /&gt;
Welle, die uns zu dieser weltweiten Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft trägt, in der der Weltfrieden&lt;br /&gt;
möglich wird. Aber wie, wann und&lt;br /&gt;
sogar ob wir sie überhaupt erreichen —&lt;br /&gt;
vorausgesetzt, daß wir uns nicht mit&lt;br /&gt;
diesen heute vorhandenen gewaltigen&lt;br /&gt;
Technologien, die jederzeit benützt&lt;br /&gt;
werden können, gegenseitig umbringen&lt;br /&gt;
— wenn wir dies nicht tun, dann wer-&lt;br /&gt;
den wir zweifellos die neue Stufe errei-&lt;br /&gt;
chen, die das Kommen des Zeitalters der&lt;br /&gt;
Menschheit ankündigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich könnte Ihnen viel über die Details&lt;br /&gt;
dieser Erkenntnisse berichten, darüber,&lt;br /&gt;
wie die Konvergenz in der Natur wirkt&lt;br /&gt;
und sich in der Geschichte entfaltet.&lt;br /&gt;
Aber lassen Sie es mich heute mit einer&lt;br /&gt;
Feststellung bewenden: Es ist eine Tatsa-&lt;br /&gt;
che, eine Realität, daß jedes dynami-&lt;br /&gt;
sche System, jedes Ganze, das auf der&lt;br /&gt;
Welt existiert, sich immer zu einer grö-&lt;br /&gt;
Beren Einheit hin entwickelt. Dies wird&lt;br /&gt;
in gewisser Weise geschehen, wenn wir&lt;br /&gt;
weise genug sind zu überleben. Und ge-&lt;br /&gt;
rade heute, wo ich hier bin, glaube ich&lt;br /&gt;
daran, daß wir weise genug sein werden&lt;br /&gt;
zu überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber lassen Sie mich noch einige&lt;br /&gt;
Worte über die einzigartige Verantwor-&lt;br /&gt;
tung sagen, die Sie als Bahä’i-Gemeinde&lt;br /&gt;
tragen, eine Verantwortung, die ich&lt;br /&gt;
selbst als Wissenschaftler und Huma-&lt;br /&gt;
nist übernehme, aber die noch viel mehr&lt;br /&gt;
Menschen übernehmen sollten, gleich-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gültig, ob sie sich auf die Religion oder&lt;br /&gt;
die Wissenschaft berufen. Die Verant-&lt;br /&gt;
wortung, die Sie tragen, ist einzigartig,&lt;br /&gt;
weil Sie allein, glaube ich, unter allen&lt;br /&gt;
Gemeinschaften der Welt eine weltweite&lt;br /&gt;
Gemeinde sind, die daran glaubt und&lt;br /&gt;
davon überzeugt ist, daß der Frieden&lt;br /&gt;
kommen wird, daß Frieden Einheit vor-&lt;br /&gt;
aussetzt und daß Einheit nur in einer&lt;br /&gt;
weltweiten Gesellschaft möglich ist.&lt;br /&gt;
Daher sind Sie zur Schaffung einer welt-&lt;br /&gt;
weiten Gesellschaft verpflichtet. Beisich&lt;br /&gt;
haben Sie bereits eine weltweite Gesell-&lt;br /&gt;
schaft errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Beispiel könnte ein sehr wichtiger&lt;br /&gt;
Faktor für die Entwicklung einer welt-&lt;br /&gt;
weiten Gesellschaft sein, weil Sie zeigen,&lt;br /&gt;
daß dies möglich ist. Und wir leben&lt;br /&gt;
heute in einer turbulenten Zeit, in der&lt;br /&gt;
die Wirkung eines solchen Beispiels,&lt;br /&gt;
eines lebendigen Beispiels, sich ausbrei-&lt;br /&gt;
ten könnte. Warum? Zunächst, weil wir&lt;br /&gt;
alle Kommunikationsmittel zur Verfü-&lt;br /&gt;
gung haben. Ihr Beispiel könnte auf der&lt;br /&gt;
ganzen Welt bekannt werden und wird&lt;br /&gt;
esschon. Zuerst wird es bekannt, weiles&lt;br /&gt;
verfolgt wird mit allen beklagenswerten&lt;br /&gt;
Bedingungen der Verfolgungen, der&lt;br /&gt;
schrecklichsten, die wir auf der Welt&lt;br /&gt;
sehen können. Aber es sollte zusätzlich&lt;br /&gt;
auch wegen des Guten, das es tut,&lt;br /&gt;
bekannt werden, wegen Ihrer Lebens-&lt;br /&gt;
weise, wegen der Einheit, die man bei&lt;br /&gt;
Ihnen vorfindet. Dieses Bekanntwerden&lt;br /&gt;
könnte ein entscheidender Katalysator&lt;br /&gt;
in der Welt werden, nicht nur, weil wir&lt;br /&gt;
alle Kommunikationsmittel besitzen,&lt;br /&gt;
sondern auch, weil wir in einer vielfach&lt;br /&gt;
als unsicher bezeichneten Zeit leben, in&lt;br /&gt;
einer Zeit der Umwälzungen, des Un-&lt;br /&gt;
vorhersehbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Zeit, in der die Menschen&lt;br /&gt;
nach Lösungen suchen. Sie suchen einen&lt;br /&gt;
Sinn; sie suchen eine Zukunft, die sie&lt;br /&gt;
noch nicht ganz sehen können. Sie&lt;br /&gt;
haben nicht die Überzeugung, nicht den&lt;br /&gt;
Glauben und nicht die wissenschaftli-&lt;br /&gt;
che Erkenntnis, die besagt, »wenn wir&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=41}}nur überleben können, werden wir eine&lt;br /&gt;
weltweite Gesellschaft mit Weltfrieden&lt;br /&gt;
errichten«. Sie meinen, die Zukunft sei&lt;br /&gt;
unvorhersehbar und unerkennbar. Sie&lt;br /&gt;
könnte dunkel sein; und deshalb werden&lt;br /&gt;
heute viele junge Menschen Beute des&lt;br /&gt;
Pessimismus. Unter diesen Umständen&lt;br /&gt;
ist es wichtig, dieses Beispiel ans Licht&lt;br /&gt;
zu bringen — die Menschen wissen zu&lt;br /&gt;
lassen, daß wir so wie Sie leben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte vielleicht noch ein zwar&lt;br /&gt;
etwas dunkleres, aber meiner Meinung&lt;br /&gt;
nach doch ermutigendes Schlußwort&lt;br /&gt;
anfügen. Noch etwas anderes lernen wir&lt;br /&gt;
über die Evolution dieser komplexen&lt;br /&gt;
Systeme, nämlich, daß ihre Entwick-&lt;br /&gt;
lung nicht glatt verläuft. Die Evolution&lt;br /&gt;
ist nicht wie der Flug eines Bogens, be-&lt;br /&gt;
ständig und nach oben strebend. Sie ist&lt;br /&gt;
durchsetzt von Gipfeln und Tälern; sie&lt;br /&gt;
hat viele zackige, diskontinuierliche&lt;br /&gt;
Verläufe, viele schmerzliche Über-&lt;br /&gt;
gänge. Wir wissen dies aufgrund der&lt;br /&gt;
Erfahrungen in unserer eigenen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung. Wenn Sie sich vom Säugling&lt;br /&gt;
zum Kind entwickeln, vom Kind zum&lt;br /&gt;
Jugendlichen, vom Jugendlichen zum&lt;br /&gt;
Erwachsenen und dann zum Alter, so ist&lt;br /&gt;
keiner dieser Übergänge einfach. Viele&lt;br /&gt;
von ihnen bringen eine Krise mit sich.&lt;br /&gt;
Und wenn eine Zeit völlig ruhig, mono-&lt;br /&gt;
ton, geordnet und unverändert ist, so ist&lt;br /&gt;
dies ein Zeichen dafür, daß ein Über-&lt;br /&gt;
gang noch nicht in Sicht ist. Aber haben&lt;br /&gt;
Sie keine Angst. Solche Zeichen beste-&lt;br /&gt;
hen heute nicht. Die Welt ist voll von&lt;br /&gt;
Krisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben im aufregendsten Zeitalter&lt;br /&gt;
der größten Herausforderungen in die-&lt;br /&gt;
sem Übergang von einer uneinigen, aber&lt;br /&gt;
voneinander abhängigen Welt zu einer&lt;br /&gt;
Welt, die sowohl vereint als auch von-&lt;br /&gt;
einander abhängig sein könnte. Das&lt;br /&gt;
kommende Zeitalter wird, wenn es&lt;br /&gt;
kommt, die Frucht großer Anstrengung&lt;br /&gt;
und Voraussicht sein, hat aber als Preis&lt;br /&gt;
viele Krisen und, so fürchte ich, auch&lt;br /&gt;
viel Leid. Es liegt an uns, dieses zu ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ringern. Aber wir müssen bereit sein für&lt;br /&gt;
die Tatsache, daß wir einer Umwälzung&lt;br /&gt;
gegenüberstehen, einer Umwälzung, die&lt;br /&gt;
alle Aspekte des Lebens, die zwischen-&lt;br /&gt;
menschlichen Beziehungen auf allen&lt;br /&gt;
Ebenen und die gesellschaftlichen Insti-&lt;br /&gt;
tutionen erfaßt. Nichts kann so bleiben&lt;br /&gt;
wie bisher, wenn wir uns der nächsten&lt;br /&gt;
Evolutionsstufe nähern. Als wir den&lt;br /&gt;
Nationalstaat gründeten, blieben die&lt;br /&gt;
Institutionen der Justiz, der Regierung,&lt;br /&gt;
der Wirtschaft, des Markts nicht unver-&lt;br /&gt;
ändert. In einem mittelalterlichen Für-&lt;br /&gt;
stentum oder in einem archaischen&lt;br /&gt;
Reich waren all diese Institutionen&lt;br /&gt;
anders. Genauso, wie wir uns von den&lt;br /&gt;
früheren Stadien zum heutigen Stadium&lt;br /&gt;
entwickelten, so werden wir von dem&lt;br /&gt;
heutigen Stadium in die Zukunft voran-&lt;br /&gt;
schreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterschiede in Ihrem Rechtssy-&lt;br /&gt;
stem und Ihrer demokratischen Verwal&lt;br /&gt;
tung zeigen bereits — im Gegensatz zu&lt;br /&gt;
der normalen, üblichen Art der Organi-&lt;br /&gt;
sation und gesellschaftlichen Institutio-&lt;br /&gt;
nen —, wie groß diese Unterschiede in&lt;br /&gt;
der Zukunft sein werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So werden wir uns verändern, und&lt;br /&gt;
diese Veränderung beginnt zu Hause, in&lt;br /&gt;
uns selbst, in unseren Beziehungen zu&lt;br /&gt;
anderen, in unseren Werten, unserem&lt;br /&gt;
Lebensstil. Sie wird sich weiter auf die&lt;br /&gt;
Organisation unserer Unternehmen,&lt;br /&gt;
Gemeinschaften und Regierungen aus-&lt;br /&gt;
wirken. Alles wird sich verändern, und&lt;br /&gt;
diese Veränderung wird nicht leicht&lt;br /&gt;
sein. Aber es wird sich ändern, weil es&lt;br /&gt;
sich ändern muß. Eines sollten wir mei-&lt;br /&gt;
nes Erachtens nicht vergessen: Wir kön-&lt;br /&gt;
nen nicht so bleiben wie wir sind. Wir&lt;br /&gt;
haben eine Welt geschaffen, die sich ver-&lt;br /&gt;
ändern muß. So wie sie ist, glaube ich&lt;br /&gt;
nicht einmal, daß sie bis ins 21. Jahr-&lt;br /&gt;
hundert überlebt. Sie wird sich ver-&lt;br /&gt;
ändern, weil sie es muß, und es ist un-&lt;br /&gt;
sere Aufgabe, diese Veränderung zu&lt;br /&gt;
einer für die ganze Welt wohltuenden zu&lt;br /&gt;
machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 39&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=42}}N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi schrieb — lassen Sie&lt;br /&gt;
mich das zitieren: »Wenn lang gehegte&lt;br /&gt;
Ideale, wenn altehrwürdige Institutio-&lt;br /&gt;
nen, wenn gesellschaftliche Postulate&lt;br /&gt;
undreligiöse Glaubensbekenntnisse das&lt;br /&gt;
Wohl der Gesamtheit aller Menschen&lt;br /&gt;
nicht mehr fördern, wenn sie den Be-&lt;br /&gt;
dürfnissen einer sich ständig ent-&lt;br /&gt;
wickelnden Menschheit nicht länger ge-&lt;br /&gt;
recht werden, dann fegt sie hinweg und&lt;br /&gt;
verbannt sie in die Rumpelkammer&lt;br /&gt;
überholter, vergessener Doktrinen!«°&lt;br /&gt;
Meine Damen und Herren, liebe&lt;br /&gt;
Freunde, es ist an der Zeit zu verbannen&lt;br /&gt;
und sich zu entwickeln. Die Weltgesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft ist der nächste Schritt, und dieser&lt;br /&gt;
Schritt könnte das Ende von Streit und&lt;br /&gt;
Hader in dieser unreifen Übergangszeit&lt;br /&gt;
mit sich bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann einen dauerhaften Frieden&lt;br /&gt;
für die Menschheit geben, davon bin ich&lt;br /&gt;
überzeugt. Die Einsicht der Bahäii, die&lt;br /&gt;
nun durch wissenschaftliche Erkennt-&lt;br /&gt;
nisse bestätigt und untermauert ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sollte Ihnen die Weisheit und den Mut&lt;br /&gt;
geben, unsere Führer zu sein. Herzli-&lt;br /&gt;
chen Dank!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Die Weltordnung Bahä’ulllähs, S. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Glieder der Menschheitsfamilie,&lt;br /&gt;
ob Völker oder Regierungen, Städte oder Dörfer,&lt;br /&gt;
sind immer mehr voneinander abhängig geworden.&lt;br /&gt;
Selbstgenügsamkeit ist für niemanden mehr möglich,&lt;br /&gt;
da politische Bindungen&lt;br /&gt;
alle Völker und Nationen vereinigen,&lt;br /&gt;
und die Beziehungen durch Handel und Industrie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Landwirtschaft und Erziehungswesen täglich fester werden.&lt;br /&gt;
Folglich kann die Einheit aller Menschen&lt;br /&gt;
an diesem Tage erreicht werden.&lt;br /&gt;
Dies ist wahrlich nichts anderes&lt;br /&gt;
als eines der Wunder&lt;br /&gt;
dieses wundervollen Zeitalters.&lt;br /&gt;
Davon waren frühere Zeiten ausgeschlossen,&lt;br /&gt;
während dieses Jahrhundert&lt;br /&gt;
— das Jahrhundert des Lichts —&lt;br /&gt;
mit einzigartiger und beispielloser Herrlichkeit,&lt;br /&gt;
Kraft und Erleuchtung beschenkt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu&#039;-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esslemont, S. 280&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40 BAHATI-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
{{page|41|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=43}}Helen Grigor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE ANIS-ZUNUZI-SCHULE IN HAITI —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE TÜR ZUR WELT&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Besucher aus Übersee waren betroffen über die Verhältnisse in Haiti. Sie&lt;br /&gt;
beschlossen, eine Schule zu bauen, die wiederum zur Keimzelle für eine Reihe von&lt;br /&gt;
ländlichen Entwicklungsprojekten in diesem verarmten Land wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haiti gilt als das ärmste Land der westli-&lt;br /&gt;
chen Hemisphäre, und das vollkom-&lt;br /&gt;
mene Elend in der Bon-Repos-Region&lt;br /&gt;
dieses Landes erschütterte ein Ehepaar&lt;br /&gt;
aus Belgien zutiefst. Was der Mann sah,&lt;br /&gt;
versetzte ihn 50 Jahre zurück in seine ei-&lt;br /&gt;
gene Kindheit in Persien, wo es weitab&lt;br /&gt;
von moderner Zivilisation zumindest&lt;br /&gt;
eine Schule gegeben hatte. Drei Jahre in&lt;br /&gt;
dieser Schule hatten ihm eine Tür zur&lt;br /&gt;
Welt geöffnet und ihn auf den Weg zu&lt;br /&gt;
seinem späteren Beruf als Jurist für in-&lt;br /&gt;
ternationales Recht gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kinder dieser armen Region soll-&lt;br /&gt;
ten dieselbe Chance bekommen. Also&lt;br /&gt;
baute er ihnen eine Schule. In Lilavois,&lt;br /&gt;
einige Kilometer nordöstlich der Haupt-&lt;br /&gt;
stadt Haitis, Port-au-Prince, nahm die&lt;br /&gt;
Schule im Jahre 1980 die ersten Kinder&lt;br /&gt;
auf und hat nun etwa 300 Schüler. Der&lt;br /&gt;
Unterricht umfaßt Vor-, Grund- und&lt;br /&gt;
Realschul-Lehrpläne bis zum zehnten&lt;br /&gt;
Schuljahr und bietet zusätzlich verglei-&lt;br /&gt;
chenden Religionsunterricht, Englisch,&lt;br /&gt;
Gesundheitsvorsorge, Musik und tech-&lt;br /&gt;
nische Fächer an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offiziell wurde die Schule 1982 am&lt;br /&gt;
Jahrestag des Geburtstages des Báb ein-&lt;br /&gt;
geweiht. Die »Anis-Zunuzi-Bahäi-&lt;br /&gt;
Schule« wurde nach dem mutigen Ju-&lt;br /&gt;
gendlichen benannt, der zusammen mit&lt;br /&gt;
dem Báb den Märtyrertod starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Architekt der Schule ist Dr. Iraj Maj-&lt;br /&gt;
zub, der Dekan des Fachbereichs für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konstruktion an der Internationalen&lt;br /&gt;
Universität von Florida. Er hatte freie&lt;br /&gt;
Hand beim Entwurf — lediglich geringe&lt;br /&gt;
Kosten und hohe Qualität wurden ihm&lt;br /&gt;
zur Auflage gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau der Schule dauerte vier Jahre&lt;br /&gt;
und kostete etwa 300.000 Dollar, finan-&lt;br /&gt;
ziert von der belgischen Familie. Die&lt;br /&gt;
Klassenräume sind aus Beton und na-&lt;br /&gt;
türlich belüftet. Es gibt Klassenräume&lt;br /&gt;
für die Grund- und Realstufe, einen Kin-&lt;br /&gt;
dergarten und drei Büroräume, die auf&lt;br /&gt;
einem ehemaligen Zuckerrohrfeld ste-&lt;br /&gt;
hen. Im Schuljahr 1985/86 wurde der&lt;br /&gt;
Lehrplan um die Klassen sieben und&lt;br /&gt;
acht erweitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab die Befürchtung, die Schule&lt;br /&gt;
könnte von der einheimischen Bevölke-&lt;br /&gt;
rung als ausländisches Projekt angese-&lt;br /&gt;
hen und daher abgelehnt werden. Um&lt;br /&gt;
dies zu vermeiden, verwendete Dr. Maj-&lt;br /&gt;
zub einheimische Bauweisen und stellte&lt;br /&gt;
nur ansässige Arbeiter ein. Er lehrte sie&lt;br /&gt;
bessere Baumethoden und zahlte Son-&lt;br /&gt;
derprämien für Fachkenntnisse und Lei-&lt;br /&gt;
stung. Für 12.000 Dollar wurde ein&lt;br /&gt;
Stromanschluß von Port-au-Prince ge-&lt;br /&gt;
legt. Mit Hilfe der Elektrizität konnten&lt;br /&gt;
die Arbeiter einen Brunnen bohren, der&lt;br /&gt;
das Gebiet zum ersten Mal mit frischem&lt;br /&gt;
Wasser versorgte. Eine elektrische&lt;br /&gt;
Pumpe, die zur Not auch mit der Hand&lt;br /&gt;
bedient werden kann, und ein 70.000&lt;br /&gt;
Liter Wasser-Reservoir ergänzen die An-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zuerst veröffentlicht in Herald of the South, Juli 1987, S. 4—11 unter dem Titel&lt;br /&gt;
»The Anis Zunuzi School — A Window to the World«. Die Übersetzung aus dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Englischen besorgte Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|42|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Les&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
r&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehrerin Marie Frida Petit unterrichtet die dritte Klasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lage. Dieses Projekt hat nun auch indi-&lt;br /&gt;
rekte Auswirkungen auf die wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Lage und die Lebensweise dieses&lt;br /&gt;
Gebiets.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichten einiger Schüler ma-&lt;br /&gt;
chen die Armut und den Lebenskampf&lt;br /&gt;
in dieser Region deutlich. Die neunjäh-&lt;br /&gt;
rige W.P., eine von 34 Schülern der zwei-&lt;br /&gt;
ten Klasse, ist das achte von neun Mäd-&lt;br /&gt;
chen. Sie lebt bei ihrer Mutter, einer&lt;br /&gt;
strengen Protestantin. Ihr Vater, ein An-&lt;br /&gt;
hänger des Voodoo-Kults, hat noch&lt;br /&gt;
viele weitere Kinder und könnte es sich&lt;br /&gt;
trotz harter Arbeit niemals leisten, sie in&lt;br /&gt;
eine Schule wie die Anis-Zunuzi-Schule&lt;br /&gt;
zu schicken, gäbe es keine Stipendien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1971 geborene A.S. profitierte&lt;br /&gt;
von einem Schulangebot, das sonst in&lt;br /&gt;
der Lilavois-Region nicht vorhanden&lt;br /&gt;
ist; er war der Neuntbeste von 26 Schü-&lt;br /&gt;
lern der vierten Klasse. Sein Vater, der&lt;br /&gt;
sich seinen Lebensunterhalt mühsam bei&lt;br /&gt;
der Zuckerrohrernte verdient, ist so&lt;br /&gt;
arm, daß er das Schulgeld nicht weiter&lt;br /&gt;
aufbringen konnte. A.S. wäre gezwun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
42 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen gewesen, die Schule zu verlassen,&lt;br /&gt;
hätte nicht ein Bahäi-Ehepaar ein Sti-&lt;br /&gt;
pendium für ihn übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
R.R. absolvierte erfolgreich die dritte&lt;br /&gt;
Klasse. Seine Familie schickt drei Kin-&lt;br /&gt;
der zur Schule. Die Mutter ist Analpha-&lt;br /&gt;
betin und der Vater, der in Surinam ar-&lt;br /&gt;
beitet, schickt soviel Geld, daß 50 % des&lt;br /&gt;
Schulgeldes seiner Kinder gedeckt wer-&lt;br /&gt;
den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E.R. war bereits elf Jahre alt, als sie in&lt;br /&gt;
die erste Klasse kam; aber sie lebte sich&lt;br /&gt;
gut ein und wurde jedes Schuljahr ver-&lt;br /&gt;
setzt. Wenn alles gut läuft, wird sie&lt;br /&gt;
wahrscheinlich die Hauptschule weit&lt;br /&gt;
früher abschließen als ihre Schwester&lt;br /&gt;
und auch mit einer wesentlich solideren&lt;br /&gt;
Ausgangsbasis für eine Berufsausbil-&lt;br /&gt;
dung ihrer Wahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Bahá’í haben mehr als nur&lt;br /&gt;
eine Schule errichtet. Sie dient auch als&lt;br /&gt;
Ausgangsort für eine Reihe dringend er-&lt;br /&gt;
forderlicher ländlicher Entwicklungs-&lt;br /&gt;
projekte. Den Anstoß dazu gab ein Auf-&lt;br /&gt;
ruf der leitenden Körperschaft der&lt;br /&gt;
{{page|43|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=45}}Bahäi-Religion, des Universalen Hauses&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit, an die Bahá’í-Welt.&lt;br /&gt;
Im Jahre 1983 rief das Universale Haus&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit die Bahäi auf, ver-&lt;br /&gt;
stärkt an der sozialen und wirtschaftli-&lt;br /&gt;
chen Entwicklung mitzuarbeiten. Bis&lt;br /&gt;
dahin hatten begrenzte Mittel und die&lt;br /&gt;
Notwendigkeit, sich auf den Aufbau der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Institutionen zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
die Anhänger des Glaubens in ihren&lt;br /&gt;
Möglichkeiten eingeschränkt, sich für&lt;br /&gt;
die großen sozialen Probleme einzuset-&lt;br /&gt;
zen. Der Aufruf des Jahres 1983 mar-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kiert einen Wendepunkt in der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Entwicklung. Mit einem beträchtlichen&lt;br /&gt;
Zuwachs der Anhänger und der ausge-&lt;br /&gt;
reiften Arbeit der Bahä’i-Institutionen&lt;br /&gt;
hat sich das Betätigungsfeld der offiziel-&lt;br /&gt;
len Bahäii-Aktivitäten ausgeweitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die örtliche Initiative ist die treibende&lt;br /&gt;
Kraft der sozialen und wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Entwicklungsprojekte der Bahäi. Die&lt;br /&gt;
Betonung liegt hierbei auf individueller&lt;br /&gt;
Entwicklung — insbesondere der ange-&lt;br /&gt;
wandten Kunst der Beratung, die als&lt;br /&gt;
Hinführung zu wirtschaftlicher Unab-&lt;br /&gt;
hängigkeit der Gemeinden, Selbstver-&lt;br /&gt;
trauen und der Wahrung menschlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde angesehen wird. Solche Prinzi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
pien, die vom Selbstbestimmungsrecht&lt;br /&gt;
ausgehen, werden zunehmend auch von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anderen Entwicklungsorganisationen&lt;br /&gt;
übernommen.&lt;br /&gt;
Das Anis-Zunuzi-Programm für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ländliche Entwicklung folgte in seiner&lt;br /&gt;
Planung diesem Geist der Selbstbestim-&lt;br /&gt;
mung und Zusammenarbeit in der Ge-&lt;br /&gt;
meinde. Das vorrangige Ziel der ersten&lt;br /&gt;
Phase war es, mit den Dorfbewohnern&lt;br /&gt;
der Umgebung der Schule zu beraten,&lt;br /&gt;
um die Nöte vor Ort festzustellen und&lt;br /&gt;
herauszufinden, welche Projekte die&lt;br /&gt;
Unterstützung der Leute finden würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies mag als selbstverständlicher&lt;br /&gt;
Weg für Entwicklungsprojekte erschei-&lt;br /&gt;
nen, er ist jedoch ungewöhnlich. In&lt;br /&gt;
einer Welt, in der die Reichen und Gebil-&lt;br /&gt;
deten glauben, sie müßten den Armen&lt;br /&gt;
zeigen, wie sie selbst zu werden, ist dies&lt;br /&gt;
ein eindrucksvoller neuer Weg, der von&lt;br /&gt;
den Dorfbewohnern in Lilavois und&lt;br /&gt;
Umgebung positiv aufgenommen&lt;br /&gt;
wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beratungen mit Einheimischen sowie&lt;br /&gt;
mit Vertretern einiger internationaler&lt;br /&gt;
Organisationen und Regierungsstellen&lt;br /&gt;
resultierten in dem ersten Projekt:&lt;br /&gt;
einem Kurs zur Ausbildung junger Men-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n vi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler der dritten Klasse lernen »Verborgene Worte«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987 43&lt;br /&gt;
{{page|44|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=46}}schen als Familienerzieher. Unter der&lt;br /&gt;
Leitung von Berater Farzam Arbab und&lt;br /&gt;
des Nationalen Geistigen Rates von&lt;br /&gt;
Haiti begann eine Gruppe interessierter&lt;br /&gt;
Bahäi mit ihren Freunden, Mitte 1982&lt;br /&gt;
einen entsprechenden Kurs auszuarbei-&lt;br /&gt;
ten. Acht Lehrer erklärten sich an zwei&lt;br /&gt;
Nachmittagen in der Woche bereit,&lt;br /&gt;
Klassen über Charakterentwicklung,&lt;br /&gt;
Früherziehung von Kindern, Familien-&lt;br /&gt;
leben, Gesundheit und Ernährung, gei-&lt;br /&gt;
stige Prinzipien der Erziehung, Wissen-&lt;br /&gt;
schaft, Handwerk, Spiele, Musik und&lt;br /&gt;
Geschichten erzählen, Landwirtschaft&lt;br /&gt;
und Tierzucht abzuhalten. Über 30&lt;br /&gt;
Schüler zwischen 18 und 26 Jahren mel-&lt;br /&gt;
deten sich zu diesem Kurs, der in den er-&lt;br /&gt;
sten fünf Monaten des Jahres 1983 je-&lt;br /&gt;
weils sechs Stunden pro Woche statt-&lt;br /&gt;
fand. 20 Schüler nahmen regelmäßig&lt;br /&gt;
100 Stunden lang daran teil; 13 von&lt;br /&gt;
ihnen bestanden die schriftlichen und&lt;br /&gt;
mündlichen Abschlußprüfungen. Die&lt;br /&gt;
Hauptziele des Kurses waren, in den&lt;br /&gt;
Teilnehmern Verantwortung für den&lt;br /&gt;
Dienst an der Gemeinde zu wecken und&lt;br /&gt;
die jungen Menschen als Vorschullehrer&lt;br /&gt;
auszubilden. Es wurde auch besonderer&lt;br /&gt;
Wert auf die Abstimmung mit den El-&lt;br /&gt;
tern gelegt, da die Eltern das Lernen&lt;br /&gt;
ihrer Kinder zu Hause unterstützen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Projekt wurde sehr durch die&lt;br /&gt;
Mitarbeit von Francisque Francois un-&lt;br /&gt;
terstützt, einem erfahrenen Experten&lt;br /&gt;
auf den Gebieten der Gemeindeent-&lt;br /&gt;
wicklung und Landwirtschaft, der seit&lt;br /&gt;
über 20 Jahren Bahäi ist und aufgrund&lt;br /&gt;
einer tragischen Augeninfektion fast er-&lt;br /&gt;
blindet ist. Er sprach nicht nur mit den&lt;br /&gt;
Kursteilnehmern, sondern besuchte in&lt;br /&gt;
Begleitung von einheimischen Führern&lt;br /&gt;
auch viele Dörfer, um mit den Eltern&lt;br /&gt;
über ihre Nöte und Sorgen zu sprechen&lt;br /&gt;
und ihre Vorschläge für Ausbildungs-&lt;br /&gt;
zentren in den Gemeinden entgegenzu-&lt;br /&gt;
nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1983 beschlossen Elterngrup-&lt;br /&gt;
pen in vier Dörfern, solche Zentren zu&lt;br /&gt;
errichten. Eine Unterstützung der kana-&lt;br /&gt;
dischen Botschaft half, die Kosten für&lt;br /&gt;
die Errichtung einfacher Hütten, für&lt;br /&gt;
Bänke und Tische sowie für die An-&lt;br /&gt;
schaffung von Unterrichtsmaterial zu&lt;br /&gt;
decken. In jedem Dorf beteiligten sich&lt;br /&gt;
auch die Eltern an den Baumaßnahmen&lt;br /&gt;
und beschlossen, den freiwilligen Leh-&lt;br /&gt;
rern ein bescheidenes Entgelt zu gewäh-&lt;br /&gt;
ren, sobald sie mit dem Unterricht be-&lt;br /&gt;
gonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Probezeit im gleichen&lt;br /&gt;
Monat wurden acht Lehrer ausgewählt,&lt;br /&gt;
und die Zentren wurden an drei Vormit-&lt;br /&gt;
tagen in der Woche geöffnet. In jedem&lt;br /&gt;
Dorf wurden von den Eltern Einwei-&lt;br /&gt;
hungsfeiern organisiert. In jedem dieser&lt;br /&gt;
Zentren nehmen nun 12bis25 Kinder an&lt;br /&gt;
den Aktivitäten teil, die unter anderem&lt;br /&gt;
eine geistig orientierte Erziehung durch&lt;br /&gt;
Lieder, Gebete und Geschichten, Spiele&lt;br /&gt;
und Übungen zur Förderung der Intelli-&lt;br /&gt;
genz, Bewegungsübungen und künstle-&lt;br /&gt;
rische und handwerkliche Betätigung&lt;br /&gt;
umfassen. Die Eltern äußerten sich&lt;br /&gt;
bereits über den Wandel ihrer Kinder,&lt;br /&gt;
die ihre neuen Aktivitäten sichtlich ge-&lt;br /&gt;
nießen. Auch die Eltern gewinnen lang-&lt;br /&gt;
sam Vertrauen in ihre Fähigkeit, durch&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit Änderungen in ihren&lt;br /&gt;
Dörfern zu bewirken. In Haiti gibt es&lt;br /&gt;
weder traditionellen Zusammenhalt in&lt;br /&gt;
der Gemeinde noch verbreitete genos-&lt;br /&gt;
senschaftliche Organisationen. Daher&lt;br /&gt;
ist das Maß an Hingabe und freiwilliger&lt;br /&gt;
Mitarbeit der an diesem Projekt betei-&lt;br /&gt;
ligten Lehrer, Ausbilder und Eltern be-&lt;br /&gt;
sonders bemerkenswert und ermuti-&lt;br /&gt;
gend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1980 bis 1985 wurde die Schule&lt;br /&gt;
von dem deutschen Bahäi Hans-Jürgen&lt;br /&gt;
Thimm geleitet, seitdem von seiner Frau&lt;br /&gt;
Matty Thimm, einer amerikanischen&lt;br /&gt;
Bahá’í mit einem Diplom-Abschluß der&lt;br /&gt;
Universität von Wisconsin, USA. Als&lt;br /&gt;
{{page|45|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=47}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schüler der Anis-Zunuzi-Schule beim Mittagessen in der Schul-Kantine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|46|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=48}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beratender Direktor fungiert der haitia-&lt;br /&gt;
nische Bahä’i Rene Jean-Baptiste, der&lt;br /&gt;
früher als Pionier in der Zentralafrika-&lt;br /&gt;
nischen Republik lebte. Im Schuljahr&lt;br /&gt;
1987/88 arbeiten hier 16 Lehrer, davon&lt;br /&gt;
13 Haitianer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktorin des Anis-Zunuzi-Projekts&lt;br /&gt;
für ländliche Entwicklung ist Linda&lt;br /&gt;
Gershuny, Hilfsamtsmitglied und ge-&lt;br /&gt;
bürtige Kanadierin, die seit etwa zehn&lt;br /&gt;
Jahren in Haiti lebt. Sie war Stipendia-&lt;br /&gt;
tin der Internationalen Kanadischen&lt;br /&gt;
Entwicklungsbehörde (CIDA) für inter-&lt;br /&gt;
nationale Studien und besitzt ein Di-&lt;br /&gt;
plom auf dem Gebiet der Erziehung von&lt;br /&gt;
der Universität von Toronto, Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Phase des Programms für&lt;br /&gt;
ländliche Entwicklung wurde mit&lt;br /&gt;
82.000 Dollar gemeinsam finanziert von&lt;br /&gt;
CIDA und dem Universalen Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit unter Mithilfe örtlicher&lt;br /&gt;
Bahäi-Gemeinden in Kanada. Die er-&lt;br /&gt;
sten Schritte umfaßten die Sammlung&lt;br /&gt;
von Informationen und die Beratung&lt;br /&gt;
mit Elterngruppen, Organisationen und&lt;br /&gt;
Regierungsstellen, um einerseits die Be-&lt;br /&gt;
dürfnisse und Interessen in der Zielre-&lt;br /&gt;
gion festzustellen und andererseits die&lt;br /&gt;
vorhandenen Hilfsquellen zur Befriedi-&lt;br /&gt;
gung dieser Bedürfnisse herauszufin-&lt;br /&gt;
den. Diese Vorarbeit führte zur Auswahl&lt;br /&gt;
weniger informeller Erziehungspro-&lt;br /&gt;
gramme und Selbsthilfeprojekte, die&lt;br /&gt;
von dem Projektteam koordiniert wur-&lt;br /&gt;
den. Das Projektteam unterstützte auch&lt;br /&gt;
die Bildung kleiner Gruppen von Dorf-&lt;br /&gt;
bewohnern, die zur Investition eigener&lt;br /&gt;
Mittel in kleine kommerzielle und land-&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Unternehmen eigener&lt;br /&gt;
Wahl ermutigt wurden. Das Ziel war die&lt;br /&gt;
Verbesserung der Lebensqualität der be-&lt;br /&gt;
teiligten Familien und Gemeinden durch&lt;br /&gt;
spezielle Aktivitäten auf den Gebieten&lt;br /&gt;
der Landwirtschaft, Gesundheitsvor-&lt;br /&gt;
sorge und des Handels und die Verbesse-&lt;br /&gt;
rung der Wasserversorgung — all dies&lt;br /&gt;
im Zusammenhang von Dienst und Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
46 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während diese Ziele verfolgt werden,&lt;br /&gt;
sucht man, die Zentren zur Vorschuler-&lt;br /&gt;
ziehung, die während des Pilotprojekts&lt;br /&gt;
errichtet wurden, zu stärken: die Lehrer&lt;br /&gt;
erhalten eine Fortbildung, die es ihnen&lt;br /&gt;
erlaubt, ein erweitertes Programm zur&lt;br /&gt;
Familienerziehung und ländlichen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung zu fördern. Weitere professio-&lt;br /&gt;
nelle und internationale Hilfswerke&lt;br /&gt;
haben bereits ihr Interesse für dieses&lt;br /&gt;
Projekt bekundet, und es entwickeln&lt;br /&gt;
sich Gelegenheiten zu einer fruchtbaren&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit. Das Zentrum für spe-&lt;br /&gt;
zielle Erziehung, das das UNICEF-&lt;br /&gt;
Programm zur Förderung frühkindli-&lt;br /&gt;
cher Erziehung leitet, hat dem Projekt&lt;br /&gt;
Material zur Verfügung gestellt und&lt;br /&gt;
1984 in der Anis-Zunuzi-Schule ein&lt;br /&gt;
dreiwöchiges Seminar zur Lehrer-&lt;br /&gt;
ausbildung durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projektteam für ländliche Ent-&lt;br /&gt;
wicklung hat unter Mitwirkung kanadi-&lt;br /&gt;
scher Projektleiter auch Kontakte mit&lt;br /&gt;
UNICEF und den Entwicklungspro-&lt;br /&gt;
grammen der Vereinten Nationen aufge-&lt;br /&gt;
nommen, um Möglichkeiten zur Teil-&lt;br /&gt;
nahme an anderen Programmen wie&lt;br /&gt;
dem GOBI-Gesundheitsplan und der&lt;br /&gt;
Bereitstellung von Trinkwasser auszu-&lt;br /&gt;
loten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Anliegen der Bahäfiist es,&lt;br /&gt;
die Zahl der Analphabeten zu senken.&lt;br /&gt;
Schätzungsweise 75-80% der Einwoh-&lt;br /&gt;
ner Haitis sind Analphabeten (auf dem&lt;br /&gt;
Land besuchen nur elf Prozent der Kin-&lt;br /&gt;
der eine Schule, davon erreicht nur ein&lt;br /&gt;
Prozent den Hauptschulabschluß). Um&lt;br /&gt;
die Gültigkeit dieser Schätzung in der&lt;br /&gt;
Lilavois-Region und die Auswirkungen&lt;br /&gt;
der Schule auf das örtliche Bildungsni-&lt;br /&gt;
veau zu überprüfen, fertigten die Bahá’í&lt;br /&gt;
1984 eine Studie an. In einer Stichprobe&lt;br /&gt;
von 25% aller Haushalte hatten 38,9%&lt;br /&gt;
der Erwachsenen keine Schulbildung&lt;br /&gt;
und 56,4% hatten weniger als vier&lt;br /&gt;
Schuljahre absolviert; aber in der Al-&lt;br /&gt;
tersgruppe der 6 bis 16-jährigen besuch-&lt;br /&gt;
ten 90% die Schule. Sogar in der&lt;br /&gt;
{{page|47|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=49}}Gruppe der Drei- bis Sechsjährigen be-&lt;br /&gt;
suchten 52,5% eine Schule oder ein Zen-&lt;br /&gt;
trum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Kontakte der belgischen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde zu der nichtstaatli-&lt;br /&gt;
chen belgischen Organisation PROTOS&lt;br /&gt;
wurde im gleichen Jahr, als diese Studie&lt;br /&gt;
erstellt wurde, eine Unterstützung für&lt;br /&gt;
eine Erwachsenenbildungs-Kampagne&lt;br /&gt;
gewährt. Diese Kampagne wurde ge-&lt;br /&gt;
meinsam von PROTOS und belgischen&lt;br /&gt;
Bahäi getragen. PROTOS unterstützte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Geertrui Madoe-Devriendt in ihrer&lt;br /&gt;
Mitarbeit an diesem Projekt wie auch&lt;br /&gt;
an damit verbundenen Gesundheitspro-&lt;br /&gt;
jekten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Einrichtung zweier weite-&lt;br /&gt;
rer Bahä’i-Schulen in Haiti spielt nun die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion eine aktive Rolle bei der&lt;br /&gt;
Verbesserung der wirtschaftlichen und&lt;br /&gt;
sozialen Situation in diesem armen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Land — und dies alles begann mit der&lt;br /&gt;
Entscheidung eines Paares, selbst etwas&lt;br /&gt;
zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darüberhinaus das Ehepaar Francois&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anis-Zunuzi-Schule in Lilavois, Haiti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten für die Unterhaltung der Anis-Zunuzi-Schule betragen im Jahr 30.000&lt;br /&gt;
US-Dollar. Das heißt, auf jeden Schüler entfallen etwa 120 US-Dollar — oder fast&lt;br /&gt;
ein halbes Jahreseinkommen einer Familie dieser Region! Dennoch schicken viele&lt;br /&gt;
Familien mehr als ein Kind auf diese Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um zur Deckung der Kosten beizutragen, wurde ein Stipendien-Programm aufge-&lt;br /&gt;
stellt. Um ein Gefühl der Verantwortung und Ehre zu wahren, sind die Eltern aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rufen, einen kleinen Beitrag, der 22,5% der Gesamtkosten nicht übersteigt, zu lei-&lt;br /&gt;
sten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäi und Nicht-Bahäi in aller Welt beteiligen sich an diesem Stipendien-&lt;br /&gt;
Programm, und jeder, der einen Beitrag leisten möchte, kann sich direkt wenden an:&lt;br /&gt;
Ecole Bahä’i Anis Zunuzi, B.P. 2566, Port-au-Prince, Haiti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch ein spezielles Heft in englischer Sprache, Timoun, das heißt in haitiani-&lt;br /&gt;
schem Kreolisch »Kinder«, oder wörtlich, »Kleine Leute«. Es berichtet über Neues&lt;br /&gt;
von der Schule und den ländlichen Entwicklungsprogrammen. Timoun wird von&lt;br /&gt;
der Schulverwaltung herausgegeben und an alle Förderer und Freunde verschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 53/54 DEZEMBER 1987 47&lt;br /&gt;
{{page|48|file=Baha&#039;i_Briefe_53-54.pdf|page=50}}BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Labib, Muhammad: The Seven Martyrs of Hurmuzak, George Ronald, Oxford&lt;br /&gt;
1981. Aus dem Persischen ins Englische übertragen und mit einem Vorwort versehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Moojan Momen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die rund 60 Seiten umfassende Schrift&lt;br /&gt;
ist eine bedeutende Quelle für die Erfor-&lt;br /&gt;
schung der jüngeren Verfolgungen der&lt;br /&gt;
Bahä’i im Iran. Der Autor zeichnete 1955&lt;br /&gt;
im Auftrag des Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Rates der Bahäi im Iran, nur wenige&lt;br /&gt;
Tage nach der Ermordung von sieben&lt;br /&gt;
Bahäi in dem kleinen iranischen Dorf&lt;br /&gt;
Hurmuzak, auf Grund von Augenzeu-&lt;br /&gt;
genaussagen die Umstände und Vorge-&lt;br /&gt;
schichte des Verbrechens auf. Aus seiner&lt;br /&gt;
Schilderung ergibt sich ein eindrucks-&lt;br /&gt;
volles Bild der Reaktionen ländlicher&lt;br /&gt;
Bevölkerungskreise Irans auf die Hetz-&lt;br /&gt;
predigten Mullä Falsafis, der im Mai&lt;br /&gt;
1955 mit Unterstützung der Regierung&lt;br /&gt;
des Landes und der höchsten Geistlich-&lt;br /&gt;
keit unter Führung Äyatu’lläh Burüdjir-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AB BAHATI-BRIEFE 53154 DEZEMBER 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dis allgemeine Ausschreitungen und&lt;br /&gt;
Verfolgungen gegen die Bahäi anstif-&lt;br /&gt;
tete. Die Darstellung widerlegt damit&lt;br /&gt;
und auch mit der Schilderung der halb-&lt;br /&gt;
herzigen Hilfsmaßnahmen örtlicher Po-&lt;br /&gt;
lizeikreise eindrucksvoll die Behaup-&lt;br /&gt;
tungen, die Bahä’i hätten den besonde-&lt;br /&gt;
ren Schutz des Pahlavi Monarchen und&lt;br /&gt;
seiner Regierungen genossen.&lt;br /&gt;
Darüberhinaus ermöglicht das Buch,&lt;br /&gt;
Details über die Situation der iranischen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde in den 1950er Jahren&lt;br /&gt;
deduktiv zu erschließen; so auch die im&lt;br /&gt;
Anhang befindlichen zwei Berichte der&lt;br /&gt;
iranischen Tageszeitung Sahar vom Ja-&lt;br /&gt;
nuar und Juli 1956, die sich mit den&lt;br /&gt;
Morden von Hurmuzak beschäftigen.&lt;br /&gt;
Stephan Pernau&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_52/Text&amp;diff=75351</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 52/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|195|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHALBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FIERT } ) 15. JAHRGANG DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DANIEL JORDAN&lt;br /&gt;
ERKENNEN, WOLLEN, HANDELN —&lt;br /&gt;
DIE STUFEN GEISTIGER WANDLUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ULRICH GOLLMER&lt;br /&gt;
UND FRIEDE AUF ERDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OFFICE OF PUBLIC INFORMATION&lt;br /&gt;
ZUR FRAGE DER APARTHEID&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
{{page|196|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahöä’i-Briefe wollen eine intensive Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung mit den Lehren und der&lt;br /&gt;
Geschichte der Bahä’i-Religion fördern und&lt;br /&gt;
auf der Grundlage zeitgemäßen religiösen&lt;br /&gt;
Denkens zu einem Dialog mit allen beitragen,&lt;br /&gt;
die sich um die Lösung der Weltprobleme&lt;br /&gt;
mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAIH-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 52, Dezember 1986&lt;br /&gt;
15. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Jordan&lt;br /&gt;
Erkennen, Wollen, Handeln 199&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ulrich Gollmer&lt;br /&gt;
Und Friede auf Erden 207&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Office of Public Information&lt;br /&gt;
Zur Frage der Apartheid 234&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung 237&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhaltsübersicht&lt;br /&gt;
Zu Band 1 der Neuen Folge 240&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Ulrich Gollmer, Hans&lt;br /&gt;
Günther Randau, Christopher Sprung, Karl Türke jun. Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahäi-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Nament-&lt;br /&gt;
lich gezeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar. Die Bahäi-Briefe erscheinen halbjährlich. Abon-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nementpreis für vier Ausgaben 20,—- DM. Einzelpreis 6,— DM. Vertrieb und&lt;br /&gt;
Bestellungen: Bahä’i-Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|197|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich — dies ist eine zentrale Aus-&lt;br /&gt;
sage der Friedenserklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, des höchsten&lt;br /&gt;
gewählten Gremiums der Bahä’i-Weltgemeinde, die anläßlich des von den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen proklamierten Internationalen Jahres des Friedens 1986 herausgegeben&lt;br /&gt;
wurde. Diese Friedenserklärung, gerichtet »an die Völker der Welt«, manifestiert&lt;br /&gt;
den unerschütterlichen Glauben der Bahäii, daß die Menschheit, bewußt oder un-&lt;br /&gt;
bewußt, der Einheit zustrebt, daß die Wirren und Nöte unserer Zeit gleich Geburts-&lt;br /&gt;
wehen den Umbruch der alten zur neuen Zeit begleiten und daß der Menschheit&lt;br /&gt;
schließlich nur der Ausweg zur Einheit verbleibt. Diese Erklärung, die die Nöte und&lt;br /&gt;
Mißstände unserer Zeit analysiert, günstige Zeichen in der Entwicklung der&lt;br /&gt;
Menschheit sieht und Lösungsansätze für die weltweiten Probleme aufzeigt, konnte&lt;br /&gt;
seit ihrer Veröffentlichung am 24. Oktober 1985, dem 40. Jahrestag der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen, der überwiegenden Mehrzahl aller Staatsoberhäupter der Welt, zum&lt;br /&gt;
Großteil in einem persönlichen Gespräch übergeben werden. Diese Erklärung, an&lt;br /&gt;
die Völker der Welt gerichtet, wurde durch unermüdliche Bemühungen der Bahäii&lt;br /&gt;
in aller Welt allen Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht. Unter den Empfän-&lt;br /&gt;
gern sind Mitglieder von Regierungen, Parlamenten, Parteien, Organisationen,&lt;br /&gt;
Lehrer, Schüler, Arbeiter, Handwerker, Professoren, Studenten, kurzum Menschen&lt;br /&gt;
aller Herkunft und Berufe, allen Alters, aller Rassen, aller Nationen, aller&lt;br /&gt;
Religionen. Die Bahä’i in aller Welt hatten sich zur Aufgabe gestellt, durch diese&lt;br /&gt;
Friedenserklärung und durch begleitende Veranstaltungen und Aktionen wie Frie-&lt;br /&gt;
densfeste, Podiumsdiskussionen, Vorträge, Baumpflanzungen, Aufsatz- und Mal-&lt;br /&gt;
wettbewerbe, Kinderfeste und Friedenskonferenzen, um nur einige zu nennen, das&lt;br /&gt;
Internationale Jahr des Friedens tatkräftig zu unterstützen und den Gedanken des&lt;br /&gt;
Weltfriedens stärker in das Bewußtsein der Menschen zu tragen. Dabei wurde kein&lt;br /&gt;
bloßes Wunschbild einer friedlichen Welt gezeichnet, sondern durch klare Dar-&lt;br /&gt;
legung und modellhaftes Beispiel gezeigt, daß eine Welt-Friedensordnung nicht nur&lt;br /&gt;
gedacht sondern praktisch gelebt werden kann. Nun, da sich das Internationale&lt;br /&gt;
Jahr des Friedens seinem Ende zuneigt, stellt sich die Frage, ob es die Menschheit&lt;br /&gt;
dem Weltfrieden einen Schritt näher gebracht hat. Ganz gewiß sind die Friedens-&lt;br /&gt;
sehnsucht der Menschen und die Einsicht, daß Frieden und Abrüstung für ein Über-&lt;br /&gt;
leben der Menschheit unumgänglich sind, stärker geworden — ein Prozeß, der sich&lt;br /&gt;
in den vor uns liegenden Jahren sicherlich verstärken wird und muß, hängt doch&lt;br /&gt;
eine weltumspannende Friedensordnung nicht nur von den Entscheidungen hoher&lt;br /&gt;
Politiker und starker Regierungen, sondern vielmehr von der Einstellung der Mehr-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit in allen Völkern ab. Es wird also ein stetes Bemühen um den&lt;br /&gt;
Weltfrieden vonnöten sein, bis er schließlich errichtet und durch internationale&lt;br /&gt;
vertragliche Regelungen sowie durch einen Bewußtseinswandel der einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen gesichert sein wird. Das Internationale Jahr des Friedens kann dazu nur&lt;br /&gt;
ein Anstoß sein, der aber der Sache des Weltfriedens einen unverzichtbar starken&lt;br /&gt;
Impuls verliehen hat. Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 197&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|198|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=4}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt; THE WaUsE AT RIOVAN SARdEN .&lt;br /&gt;
Dun ine (MM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+&lt;br /&gt;
{{page|199|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel C. Jordan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERKENNEN, WOLLEN, HANDELN —&lt;br /&gt;
DIE STUFEN GEISTIGER WANDLUNG*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä&#039;u’lläh sagt, die Religion sei in allen&lt;br /&gt;
Ländern im Absterben begriffen.! Einer&lt;br /&gt;
der augenfälligsten Beweise dafür ist,&lt;br /&gt;
daß immer mehr Menschen die Verant-&lt;br /&gt;
wortung für ihr Leben aus der Hand&lt;br /&gt;
geben. Sein Schicksal nicht mehr selbst&lt;br /&gt;
zu bestimmen, heißt aber, eine passive&lt;br /&gt;
Haltung gegenüber dem Leben einzu-&lt;br /&gt;
nehmen — eine Haltung ohne Selbstdis-&lt;br /&gt;
ziplin, Initiative, Willen und Fort-&lt;br /&gt;
schritt. Hieraus folgt unvermeidlich ein&lt;br /&gt;
Nachgeben gegenüber dem Druck der&lt;br /&gt;
alten Ordnung und die Anpassung an&lt;br /&gt;
Verhaltensmuster, die den Zusammen-&lt;br /&gt;
bruch eben dieser Ordnung beschleu-&lt;br /&gt;
nigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion schwindet dann, wenn der&lt;br /&gt;
Mensch das Ziel vergißt, das Gott ihm&lt;br /&gt;
gesetzt hat. Ohne Gespür für dieses Ziel&lt;br /&gt;
kann es keine Perspektive eines geisti-&lt;br /&gt;
gen Schicksals geben, keinen Antrieb, in&lt;br /&gt;
der Gegenwart so zu leben, daß das gei-&lt;br /&gt;
stige Leben in der Zukunft gesichert ist,&lt;br /&gt;
keinen Grund, den negativen Versu-&lt;br /&gt;
chungen einer zusammenbrechenden&lt;br /&gt;
Zivilisation zu widerstehen. Wiederge-&lt;br /&gt;
burt der Religion bedeutet daher, daß&lt;br /&gt;
Gottes Plan für den Menschen auf des-&lt;br /&gt;
sen Lebensgestaltung einwirkt. Bei sei-&lt;br /&gt;
ner Verbreitung über die ganze Welt ent-&lt;br /&gt;
wickelt der Bahá’í-Glauben genau diese&lt;br /&gt;
Wirkung. Er stellt die Mittel bereit,&lt;br /&gt;
durch die jeder Anhänger Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
Erkenntnis über Gottes Plan für den&lt;br /&gt;
Menschen erwerben und eben diesen&lt;br /&gt;
Plan zusammen mit den Bahá’í überall&lt;br /&gt;
in der Welt in die Tat umsetzen kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was uns schließlich zum Größten Frie-&lt;br /&gt;
den führen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wahrer Bahäi kann in seinem&lt;br /&gt;
Glauben nicht passiv sein. Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
sagt: »Es ist die Pflicht eines jeden Men-&lt;br /&gt;
schen mit Einsicht und Verständnis, da-&lt;br /&gt;
nach zu streben, das hier Niederge-&lt;br /&gt;
schriebene in die Wirklichkeit und in die&lt;br /&gt;
Tat umzusetzen«?, und “Abdu/-Bahä&lt;br /&gt;
sagt: »Ein wahrer Bahäii strebt Tag und&lt;br /&gt;
Nacht danach, auf dem Pfade menschli-&lt;br /&gt;
cher Vervollkommnung voranzuschrei-&lt;br /&gt;
ten. Sein sehnlichster Wunsch ist, so zu&lt;br /&gt;
leben und so zu handeln, daß die Welt&lt;br /&gt;
durch ihn bereichert und erleuchtet&lt;br /&gt;
wird. Der Quell seiner Eingebung ist der&lt;br /&gt;
Wesenskern göttlicher Tugend. Sein Le-&lt;br /&gt;
bensziel ist es, sich so zu verhalten, daß&lt;br /&gt;
er dauernden Fortschritt bewirkt. Erst&lt;br /&gt;
wenn der Mensch solche vollkommenen&lt;br /&gt;
Gaben erworben hat, kann er als wah-&lt;br /&gt;
rer Bahäii gelten. Denn in dieser heiligen&lt;br /&gt;
Sendung, der krönenden Herrlichkeit&lt;br /&gt;
vergangener Zeitalter und Zyklen, ist&lt;br /&gt;
wahrer Glaube nicht die bloße Aner-&lt;br /&gt;
kennung der Einheit Gottes, sondern ein&lt;br /&gt;
Leben, das alle Vollkommenheiten und&lt;br /&gt;
Tugenden offenbart, die sich aus einer&lt;br /&gt;
solchen Überzeugung ergeben.«’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 „Die Lebenskraft des Glaubens der Menschen an&lt;br /&gt;
Gott stirbt aus in allen Landen... .« Ährenlese,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 31980, 99:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 2.2.0. 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Zitiert in Göttliche Lebenskunst, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain, 3. revidierte und erweiterte Auflage&lt;br /&gt;
1985, S. 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zuerst veröffentlicht in World Order, Band 7, Nummer 2, 1972/73, 5. 43—48&lt;br /&gt;
unter dem Titel Knowledge, Volition, and Action — The Steps to Spiritual Trans-&lt;br /&gt;
formation«. Copyright © 1973 by the National Spiritual Assembly ofthe Baha’is of&lt;br /&gt;
the United States. Die Übersetzung aus dem Englischen besorgte Nicola Towfigh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 199&lt;br /&gt;
{{page|200|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir ernsthaft danach streben,&lt;br /&gt;
wahre Bahá’ízu werden, wenn dies eines&lt;br /&gt;
unserer höchsten Ziele ist, so müssen&lt;br /&gt;
wir Gottes Plan für den Menschen er-&lt;br /&gt;
kennen, den Willen haben, unser Leben&lt;br /&gt;
danach auszurichten, und die Fähigkeit,&lt;br /&gt;
danach zu handeln. Ohne Erkennen,&lt;br /&gt;
Wollen und Handeln gibt es keine gei-&lt;br /&gt;
stige Wandlung, denn ’Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
sagt: »Um ein Ziel zu erreichen, bedarf&lt;br /&gt;
es notwendig des Erkennens, Woliens&lt;br /&gt;
und Handelns. Nichts läßt sich vollbrin-&lt;br /&gt;
gen, ohne daß diese drei Voraussetzun-&lt;br /&gt;
gen zusammenwirken.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkennen des göttlichen Plans&lt;br /&gt;
für den Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geistige Wandlung unseres Le-&lt;br /&gt;
bens aktiv zu bestimmen, ist eine be-&lt;br /&gt;
wußte Erkenntnis von Gottes Plan für&lt;br /&gt;
den Menschen grundlegend. Der Wand-&lt;br /&gt;
lungsprozeß wird vorangetrieben,&lt;br /&gt;
wenn Aktion und Reaktion von dieser&lt;br /&gt;
Erkenntnis ausgehen. Da viele unserer&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und natürlichen Neigun-&lt;br /&gt;
gen eher mit dem Muster der alten Welt-&lt;br /&gt;
ordnung als mit dem der neuen überein-&lt;br /&gt;
stimmen und dem Bahä’i-Gesetz direkt&lt;br /&gt;
widersprechen, werden viele unserer&lt;br /&gt;
Aktionen und Reaktionen bewußte An-&lt;br /&gt;
strengung erfordern, um diese Erkennt-&lt;br /&gt;
nis anzuwenden. Die bewußte Erkennt-&lt;br /&gt;
nis von Gottes Plan für den Menschen&lt;br /&gt;
schafft die Grundlage für Entscheidun-&lt;br /&gt;
gen, die zu geistigem Wachstum führen&lt;br /&gt;
und uns zur Wahl von Handlungsketten&lt;br /&gt;
befähigen, die die geistigen Grundlagen&lt;br /&gt;
unseres Lebens festigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterung von Gottes Plan für&lt;br /&gt;
den Menschen in diesem Zeitalter fin-&lt;br /&gt;
den wir in den Worten Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahás und Shoghi Effendis.&lt;br /&gt;
Bahä&#039;ulläh erklärt, daß wir erschaffen&lt;br /&gt;
wurden, Gott zu erkennen und zu lie-&lt;br /&gt;
ben, und daß wir mit der Fähigkeit aus-&lt;br /&gt;
gestattet wurden, alle Namen und Ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
200 BAHÄI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
genschaften Gottes widerzuspiegeln.’&lt;br /&gt;
Er legt weiter dar, daß wir erschaffen&lt;br /&gt;
wurden, »eine ständig fortschreitende&lt;br /&gt;
Kultur voranzutragen«°. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
lehrt, daß der Sinn unseres Lebens in der&lt;br /&gt;
Aneignung von Tugenden besteht,” den&lt;br /&gt;
in menschliches Verhalten übertragenen&lt;br /&gt;
Eigenschaften Gottes. Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
versichert, daß das Ziel unseres Lebens&lt;br /&gt;
in der Förderung der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit bestehen sollte. Er sagt&lt;br /&gt;
sogar, daß die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
der Angelpunkt sei, um den alle Lehren&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs kreisen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerüstet mit der bewußten Erkennt-&lt;br /&gt;
nis von Gottes Plan für den Menschen’’&lt;br /&gt;
ist es möglich, unser geistiges Schicksal&lt;br /&gt;
selbst positiv zu gestalten. Weg und Er-&lt;br /&gt;
folg werden dabei von der Tiefe unserer&lt;br /&gt;
Erkenntnis abhängen und von der Fä-&lt;br /&gt;
higkeit, sich zum Handeln zu entschlie-&lt;br /&gt;
Ben und dann zu handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle des Willens&lt;br /&gt;
bei der geistigen Wandlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser geistiges Schicksal in die Hand zu&lt;br /&gt;
nehmen — die Entwicklung unseres&lt;br /&gt;
wahren Selbstes zu bestimmen — kann&lt;br /&gt;
letztlich nicht anderen übertragen wer-&lt;br /&gt;
den. Dies klar zu erkennen, ist grundle-&lt;br /&gt;
gend für jede geistige Wandlung. So&lt;br /&gt;
schreibt Bahä’ulläh: »Jedem ist, wie&lt;br /&gt;
auf Gottes mächtigen, wohlverwahrten&lt;br /&gt;
Tafeln verfügt, ein vorbestimmtes Maß&lt;br /&gt;
zugewiesen. Alles, was ihr an Anlagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Foundations of World Unity, Wilmette 51971,&lt;br /&gt;
5.101&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese 27:2&lt;br /&gt;
a.a.O. 109:2&lt;br /&gt;
Paris Talks, London 111969, S. 177&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zitiert in Rühiyyih Khänum, To the Bahäi&lt;br /&gt;
Youth, Bahä’i News, Nr. 231, Mai 1950, S. 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977, S. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Siehe dazu ausführlicher Daniel Jordan, The&lt;br /&gt;
Meaning of Deepening, Wilmette 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aa a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|201|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=7}}besitzt, kann jedoch nur als Ergebnis&lt;br /&gt;
eueres eigenen Wollens offenbar wer-&lt;br /&gt;
den. Euere Taten bezeugen diese Wahr-&lt;br /&gt;
heit.«!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir dies erkannt und voll ak-&lt;br /&gt;
zeptiert haben, werden wir aufhören,&lt;br /&gt;
Entschuldigungen für unsere Orientie-&lt;br /&gt;
rungslosigkeit und Inaktivität zu su-&lt;br /&gt;
chen; wir werden davon ablassen, nach&lt;br /&gt;
Personen und Umständen Ausschau zu&lt;br /&gt;
halten, die wir für die Unzufriedenheit&lt;br /&gt;
mit unserem geistigen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
stand verantwortlich machen können.&lt;br /&gt;
Es ist nicht mehr notwendig, Energien&lt;br /&gt;
auf diese nutzlose Beschäftigung zu ver-&lt;br /&gt;
geuden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eltern, Erzieher, Berater und Thera-&lt;br /&gt;
peuten tun sich — ungeachtet der Bestä-&lt;br /&gt;
tigung durch die Erfahrung — schwer zu&lt;br /&gt;
akzeptieren, daß die bloße Erkenntnis&lt;br /&gt;
dessen, was wir machen sollen, uns&lt;br /&gt;
noch lange nicht befähigt, es auch wirk-&lt;br /&gt;
lich auszuführen. Abdu’l-Bahá betont,&lt;br /&gt;
daß bloße Erkenntnis noch lange kein&lt;br /&gt;
entsprechendes Handeln bewirkt: »Das&lt;br /&gt;
Erkennen von Prinzipien reicht allein&lt;br /&gt;
nicht aus. Wir alle wissen und bestäti-&lt;br /&gt;
gen, daß Gerechtigkeit gut ist, aber zu&lt;br /&gt;
ihrer Verwirklichung sind Wollen und&lt;br /&gt;
Handeln notwendig. Fänden wir es zum&lt;br /&gt;
Beispiel gut, eine Kirche zu errichten, so&lt;br /&gt;
würde dieser Gedanke allein noch lange&lt;br /&gt;
nicht zum Bau der Kirche führen. Es&lt;br /&gt;
muß für Mittel und Wege gesorgt wer-&lt;br /&gt;
den; wir müssen die Kirche erbauen&lt;br /&gt;
wollen und die Bauarbeiten voran-&lt;br /&gt;
treiben.«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Akkä-Pilgerin berichtet, wie&lt;br /&gt;
‘Abdull-Baha die Beziehung zwischen&lt;br /&gt;
Erkenntnis und Willen erklärte: »Der&lt;br /&gt;
Wille ist Zentrum und Brennpunkt&lt;br /&gt;
menschlichen Verstehens. Wir müssen&lt;br /&gt;
Gott erkennen wollen und ebenso müs-&lt;br /&gt;
sen wir das uns von Gott gegebene&lt;br /&gt;
Leben meistern wollen. Der menschli-&lt;br /&gt;
che Wille muß dem Willen Gottes unter-&lt;br /&gt;
stellt und so erzogen werden, daß er sich&lt;br /&gt;
in Gottes Willen fügt. Ein starker Wille&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist eine große Kraft, aber die Kraft, die-&lt;br /&gt;
sen Willen Gott hinzugeben, ist noch&lt;br /&gt;
größer. Der Wille kommt in unserem.&lt;br /&gt;
Handeln zum Ausdruck, die Erkenntnis&lt;br /&gt;
in unserem Verstehen. Wille und Er-&lt;br /&gt;
kenntnis müssen in der Sache Gottes&lt;br /&gt;
eins sein. Die Absicht führt zum Er-&lt;br /&gt;
folg.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit etwas zu wollen — der&lt;br /&gt;
Wille —, ist eine Widerspiegelung der&lt;br /&gt;
»ideellen und himmlischen Kraft« im&lt;br /&gt;
Menschen: »Die Natur besitzt keinen&lt;br /&gt;
Willen und handelt zwanghaft, der&lt;br /&gt;
Mensch dagegen besitzt einen starken&lt;br /&gt;
Willen... Es ist offenkundig, daß der&lt;br /&gt;
Mensch edler und erhabener ist, daß in&lt;br /&gt;
ihm eine ideelle Macht wirkt, die die&lt;br /&gt;
Natur transzendiert. Er besitzt Bewußt-&lt;br /&gt;
sein, Willen, Gedächtnis, Verstand,&lt;br /&gt;
göttliche Eigenschaften und Tugenden,&lt;br /&gt;
deren die Natur völlig beraubt ist...&lt;br /&gt;
Daher ist der Mensch durch die ideelle&lt;br /&gt;
und himmlische Kraft, die in ihm zu-&lt;br /&gt;
gleich verborgen und offenbar ist, grö-&lt;br /&gt;
Ber und edler.«&#039;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worin äußert sich der tätige Wille?&lt;br /&gt;
Wodurch wird er greifbar? Es ist wichtig&lt;br /&gt;
für uns, diese Willensäußerungen zu er-&lt;br /&gt;
kennen, damit wir aus unserer Erfah-&lt;br /&gt;
rung die Bestätigung ziehen können,&lt;br /&gt;
daß wir diese »ideelle und himmlische&lt;br /&gt;
Kraft« in Übereinstimmung mit Gottes&lt;br /&gt;
Plan für den Menschen gebrauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziele setzen. Eine der wichtigsten&lt;br /&gt;
greifbaren Willensäußerungen ist, sich&lt;br /&gt;
selbst Ziele zu setzen — »hohe Ent-&lt;br /&gt;
schlüsse und edle Vorsätze«, auf die sich&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahá bezieht: »...des Men-&lt;br /&gt;
schen höchste Ehre und wahres Glück&lt;br /&gt;
liegt in der Selbstachtung, in hohen Ent-&lt;br /&gt;
schlüssen und edlen Vorsätzen, in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Ährenlese, 77&lt;br /&gt;
12 Foundations, 5. 26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Zitiert in JuliaM. Grundy, Ten DaysintheLight&lt;br /&gt;
of Akkä, Wilmette 21979, S. 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Abdu’l-Bahá, Foundations, S. 70&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 201&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|202|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unversehrtheit und Sittlichkeit der Per-&lt;br /&gt;
son, in der Reinheit des Denkens.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist klar, daß es ohne Zielsetzung&lt;br /&gt;
nichts gibt, wonach wir unser Verhalten&lt;br /&gt;
aufbauen könnten. Ein Leben ohne Ziele&lt;br /&gt;
und Entschlußkraft verrät eine völlig&lt;br /&gt;
passive Haltung gegenüber unserem&lt;br /&gt;
Glauben. Der Mangel an Zielen verhin-&lt;br /&gt;
dert, daß wir unsere »geistigen Kämpfe«&lt;br /&gt;
austragen; er verhindert geistige Wand-&lt;br /&gt;
lung; er vereitelt schließlich Gottes Plan&lt;br /&gt;
für den Menschen.&#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdauer und Geduld. Der tätige&lt;br /&gt;
Wille äußert sich auch im ernsten Stre-&lt;br /&gt;
ben; denn Tugenden zu üben, erfordert&lt;br /&gt;
Anstrengung. Ohne Übung können sich&lt;br /&gt;
keine Gewohnheiten bilden; und gei-&lt;br /&gt;
stige Wandlung wird durch geistige Ge-&lt;br /&gt;
wohnheiten gefestigt. Bahä’ulläh sagt:&lt;br /&gt;
»Strebe, damit du befähigt wirst, den&lt;br /&gt;
Völkern der Erde die Zeichen Gottes zu&lt;br /&gt;
enthüllen und Seine Gebote widerzu-&lt;br /&gt;
spiegeln.«&#039;7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streben um des Strebens willen kann&lt;br /&gt;
jedoch keine geistigen Gewohnheiten&lt;br /&gt;
bilden. Vielmehr müssen wir nach&lt;br /&gt;
einem bestimmten Ziel streben, bis wir&lt;br /&gt;
es erreicht haben. Diese Art unermüdli-&lt;br /&gt;
chen Strebens — Ausdauer — ist eine&lt;br /&gt;
grundlegende Wiliensäußerung. Sie ist&lt;br /&gt;
eine der wichtigsten Eigenschaften, die&lt;br /&gt;
für die Widerspiegelung von Gottes&lt;br /&gt;
Plan für den Menschen in unserem&lt;br /&gt;
Leben erforderlich ist: »Die Gefährten&lt;br /&gt;
Gottes sind an diesem Tag der Sauerteig,&lt;br /&gt;
der die Völker der Welt voll durchdrin-&lt;br /&gt;
gen muß. Sie müssen solche Vertrauens-&lt;br /&gt;
würdigkeit, Wahrhaftigkeit und Aus-&lt;br /&gt;
dauer, solche Taten und einen solchen&lt;br /&gt;
Charakter zeigen, daß die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit aus ihrem Beispiel Nutzen&lt;br /&gt;
ziehen kann.«&#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdauer bedeutet mehr, als eine&lt;br /&gt;
Sache über eine bestimmte Zeitspanne&lt;br /&gt;
zu verfolgen. Ausdauer bedeutet, daß&lt;br /&gt;
wir nicht aufgeben, wenn Schwierigkei-&lt;br /&gt;
ten und Probleme auftreten. Fast jedes&lt;br /&gt;
lohnende Ziel erfordert Ausdauer in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
202 BAHÄT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwierigen Lagen. Die Fähigkeit, ein&lt;br /&gt;
Ziel auch angesichts großer Mühsale zu&lt;br /&gt;
verfolgen, bildet einen weiteren Aspekt&lt;br /&gt;
des Willens: »Alles Wichtige in der Welt&lt;br /&gt;
bedarf der ungeteilten Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
dessen, der danach strebt. Wer etwas er-&lt;br /&gt;
reichen will, muß Schwierigkeiten und&lt;br /&gt;
Mühsale erdulden, bis das Ziel, das er&lt;br /&gt;
vor Augen hat, erreicht und der große&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieg errungen ist.«&#039;&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt führt Abdull-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä die Rolle des Eifers und der Aus-&lt;br /&gt;
dauer bei der Errichtung des Weltfrie-&lt;br /&gt;
dens aus: »Einzelne, welche die im&lt;br /&gt;
menschlichen Streben ruhende Kraft&lt;br /&gt;
nicht kennen, halten diesen Gedanken&lt;br /&gt;
für völlig undurchführbar, ja für jen-&lt;br /&gt;
seits dessen, was selbst die äußersten&lt;br /&gt;
Anstrengungen des Menschen je er-&lt;br /&gt;
reichen können; doch ist dies nicht der&lt;br /&gt;
Fall. Im Gegenteil kann dank der&lt;br /&gt;
unerschöpflichen Gnade Gottes, der&lt;br /&gt;
Herzensgüte Seiner Begünstigten, den&lt;br /&gt;
beispiellosen Bemühungen weiser und&lt;br /&gt;
fähiger Seelen und den Gedanken der&lt;br /&gt;
unvergleichlichen Führer dieses Zeit-&lt;br /&gt;
alters nichts, was es auch sei, als un-&lt;br /&gt;
erreichbar angesehen werden. Eifer,&lt;br /&gt;
unermüdlicher Eifer ist nötig. Nur&lt;br /&gt;
unbezähmbare Entschlußkraft kann&lt;br /&gt;
das Werk vollbringen. Manches hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 Das Geheimnis göttlicher Kultur, Oberkalbach&lt;br /&gt;
1973, 5. 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Das Universale Haus der Gerechtigkeit verbin-&lt;br /&gt;
det das Austragen von »geistigen Kämpfen« mit&lt;br /&gt;
Shoghi Effendis Ermahnung: »Eines und nur&lt;br /&gt;
eines wird unfehlbar und allein den unzweifel-&lt;br /&gt;
haften Triumph dieser heiligen Sache sicherstel-&lt;br /&gt;
len, nämlich inwieweit unser Leben und unser&lt;br /&gt;
persönlicher Charakter den Glanz jener ewigen&lt;br /&gt;
Grundsätze, wie sie Bahä’ulläh verkündet hat,&lt;br /&gt;
in ihren verschiedenartigen Brechungen wider-&lt;br /&gt;
spiegeln«. Wellspring of Guidance, Messages&lt;br /&gt;
1963—1968, Wilmette 1969, 5. 37£&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Zitiert in Shoghi Effendi, Das Kommen göttli-&lt;br /&gt;
cher Gerechtigkeit, Frankfurt 1969, S. 43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 Bahä’ulläh, a.a.O., S. 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 &#039;Abdu’l-Bahá, Tablets of Abdul-Baha Abbas,&lt;br /&gt;
Bd. 2, Chicago 21919, S. 265&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|203|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=9}}man in vergangenen Zeiten als reines&lt;br /&gt;
Hirngespinst betrachtet; heute ist es&lt;br /&gt;
leicht durchführbar geworden. Warum&lt;br /&gt;
sollte diese wichtigste und erhabenste&lt;br /&gt;
Sache?? — das Tagesgestirn am Him-&lt;br /&gt;
melszelt wahrer Kultur und die Ursache&lt;br /&gt;
des Ruhmes, des Fortschritts, des Wohl-&lt;br /&gt;
ergehens und Erfolges der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit -— unmöglich sein? Der Tag&lt;br /&gt;
wird kommen, an dem ihr klares Licht&lt;br /&gt;
Erleuchtung über die gesamte Mensch-&lt;br /&gt;
heit gießen wird.«?!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geduld in Schwierigkeiten ist ein an-&lt;br /&gt;
deres Merkmal des tätigen Willens: »O&lt;br /&gt;
mein Gebieter, wer ungeduldig ist in den&lt;br /&gt;
Heimsuchungen, die ihn auf Deinem&lt;br /&gt;
Pfade befallen, der hat nicht aus dem&lt;br /&gt;
Becher Deiner Liebe getrunken und&lt;br /&gt;
nicht die Süße Deines Gedenkens geko-&lt;br /&gt;
stet.«??&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Handeln kontrollieren und den&lt;br /&gt;
Versuchungen widerstehen. Das Stre-&lt;br /&gt;
ben, etwas bestimmtes zu erreichen, ist&lt;br /&gt;
nicht die einzige Art des Handelns, die&lt;br /&gt;
Willen und Selbstdisziplin erfordert.&lt;br /&gt;
Etwas nicht oder nicht länger zu tun, ist&lt;br /&gt;
eine wesentliche Willensäußerung. Die&lt;br /&gt;
Fähigkeit des Menschen, Versuchungen&lt;br /&gt;
zu widerstehen oder Laster aufzugeben,&lt;br /&gt;
unterscheidet ihn vom Tier. Diese Wi-&lt;br /&gt;
derspiegelung des Willens kennzeichnet&lt;br /&gt;
ihn als geistiges Wesen: »Die Natur hat&lt;br /&gt;
keinen Willen und handelt zwanghaft,&lt;br /&gt;
der Mensch dagegen besitzt einen star-&lt;br /&gt;
ken Willen... Der Mensch kann freiwil-&lt;br /&gt;
lig Laster aufgeben, die Natur besitzt je-&lt;br /&gt;
doch nicht die Kraft, den Einfluß der In-&lt;br /&gt;
stinkte einzuschränken.«?? »Wir haben&lt;br /&gt;
euch wahrlich geboten, eueren üblen&lt;br /&gt;
Leidenschaften und verderbten Wün-&lt;br /&gt;
schen den Befehl zu verweigern und&lt;br /&gt;
nicht die Grenzen zu überschreiten, die&lt;br /&gt;
die Feder des Höchsten gesetzt hat, denn&lt;br /&gt;
diese sind der Lebensodem alles Er-&lt;br /&gt;
schaffenen.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So besitzt der Wille im wesentlichen&lt;br /&gt;
zwei grundlegende Merkmale oder&lt;br /&gt;
Funktionen in der geistigen Wandlung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen das ernste Streben und die&lt;br /&gt;
Ausdauer, um bestimmte, mit Gottes&lt;br /&gt;
Plan für den Menschen übereinstim-&lt;br /&gt;
mende Ziele zu erreichen; zum anderen,&lt;br /&gt;
Versuchungen zu widerstehen, Laster&lt;br /&gt;
aufzugeben und Impulse und Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse ungeistiger Art zu kontrollieren.&lt;br /&gt;
Es erfordert den Willen, wenn wir unser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Leben so führen wollen, daß wir fähig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, Tugenden zu erwerben und zu-&lt;br /&gt;
gleich allen Versuchungen zu widerste-&lt;br /&gt;
hen, die Bahä’i-Gesetze zu brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle selbstdisziplinierten Handelns&lt;br /&gt;
bei der geistigen Wandlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u/lläh erklärt: »Es ist die Pflicht&lt;br /&gt;
eines jeden Menschen mit Einsicht und&lt;br /&gt;
Verständnis, danach zu streben, das hier&lt;br /&gt;
Niedergeschriebene in die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
und die Tat umzusetzen.«?° Diese Um-&lt;br /&gt;
setzung hängt ab von der Umsetzung&lt;br /&gt;
»teuflischer Stärke in himmlische&lt;br /&gt;
Kraft«2°. Es sind Taten — Handeln —&lt;br /&gt;
und nicht Worte, die zählen. Ohne Han-&lt;br /&gt;
dein ist geistige Wandlung unmöglich.&lt;br /&gt;
Nachdenken, Gebet, Meditation und&lt;br /&gt;
Studium der heiligen Schriften sind sehr&lt;br /&gt;
wichtig; aber wenn keine geistigen Ziele&lt;br /&gt;
gesteckt werden und wenn nicht gehan-&lt;br /&gt;
delt wird, um diese Ziele zu erreichen,&lt;br /&gt;
so kann keine geistige Wandlung statt-&lt;br /&gt;
finden. Nur im Handeln kann die Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit geistiger Eigenschaften sichtbar&lt;br /&gt;
werden. Abdu’l-Bahá sagt: »Liebe äu-&lt;br /&gt;
Bert ihre Wirklichkeit in Taten, nicht in&lt;br /&gt;
bloßen Worten. Worte allein besitzen&lt;br /&gt;
keine Wirkung. Um ihre Kraft zu zeigen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 d.h. der Weltfrieden&lt;br /&gt;
21 Das Geheimnis Göttlicher Kultur, $. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 Bahä’u’lläh, Gebete und Meditationen, Frank-&lt;br /&gt;
furt 1963, Nr. 81, S. 104&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 ‘Abdu’l-Bahá, Foundations, $. 70&lt;br /&gt;
24 Bahä’u/lläh, Ährenlese 155:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 a.a.0., 5.117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 2.2.0, 99&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 203&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|204|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
muß Liebe einen Gegenstand, ein Werk-&lt;br /&gt;
zeug, einen Anlaß haben.«? »Das Un-&lt;br /&gt;
recht in der Welt besteht gerade deshalb&lt;br /&gt;
weiter, weil die Menschen lediglich von&lt;br /&gt;
ihren Ideen reden und nicht auch trach-&lt;br /&gt;
ten, sie in Taten umzusetzen.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jegliches Handeln reicht aus.&lt;br /&gt;
Was immer wir uns zu tun entscheiden,&lt;br /&gt;
es muß den Willen Gottes widerstrahlen&lt;br /&gt;
und die Verwirklichung Seines Planes&lt;br /&gt;
für den Menschen fördern. Folglich&lt;br /&gt;
muß das Handeln mit der Erkenntnis&lt;br /&gt;
von Gottes Plan übereinstimmen; dies&lt;br /&gt;
erfordert die Unterwerfung des mensch-&lt;br /&gt;
lichen Willens unter den Willen Gottes.&lt;br /&gt;
Nur so kann Handeln zu geistiger&lt;br /&gt;
Wandlung führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben wir erst begonnen zu handeln,&lt;br /&gt;
so können wir uns sehr leicht im Han-&lt;br /&gt;
deln verlieren; dabei vergessen wir dar-&lt;br /&gt;
auf zu achten, ob unser Handeln noch&lt;br /&gt;
immer mit Gottes Plan für den Men-&lt;br /&gt;
schen in Einklang steht. Deshalb müs-&lt;br /&gt;
sen wir unsere Handlungen ständig ab-&lt;br /&gt;
wägen, um festzustellen, ob sie mit dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes übereinstimmen; wenn&lt;br /&gt;
nicht, müssen wir uns anstrengen, sie&lt;br /&gt;
bewußt und überlegt zu ändern: »O&lt;br /&gt;
Sohn des Seins! Lege jeden Tag Rechen-&lt;br /&gt;
schaft vor dir ab, ehe du zur Rechen-&lt;br /&gt;
schaft gezogen wirst. Denn unangemel-&lt;br /&gt;
det kommt der Tod, und dann mußt du&lt;br /&gt;
deine Taten verantworten.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei wichtige Fähigkeiten sind erfor-&lt;br /&gt;
derlich, um unser geistiges Geschick zu&lt;br /&gt;
bestimmen. Die eine ist die Fähigkeit,&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen unserem Han-&lt;br /&gt;
deln und dem Plan Gottes für den Men-&lt;br /&gt;
schen zu erkennen. Die andere ist das&lt;br /&gt;
Vermögen, unser Handeln zu verän-&lt;br /&gt;
dern, so daß es diesen Plan widerspie-&lt;br /&gt;
gelt. Hier spielt Selbstdisziplin, die Fä-&lt;br /&gt;
higkeit, für sich selbst Verantwortung&lt;br /&gt;
zu übernehmen und eine Situation zu&lt;br /&gt;
korrigieren, eine entscheidende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist die geistige Verantwortung und&lt;br /&gt;
Verpflichtung eines jeden Bahá’í, diese&lt;br /&gt;
Art Selbstdisziplin zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 BAHÄT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder können uns unsere Mitgläubigen&lt;br /&gt;
mit dieser Selbstdisziplin ausstatten,&lt;br /&gt;
noch können die administrativen Ein-&lt;br /&gt;
richtungen des Glaubens geistige Fähig-&lt;br /&gt;
keiten für uns entwickeln, auch wenn sie&lt;br /&gt;
uns als einzelne führen und ermutigen&lt;br /&gt;
können. Wenn wir weit von Gottes Plan&lt;br /&gt;
für den Menschen abweichen — so, daß&lt;br /&gt;
die Bahäii-Gemeinschaft in Mitleiden-&lt;br /&gt;
schaft gezogen wird — werden die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Institutionen helfen, die Situa-&lt;br /&gt;
tion zu bereinigen. Trotzdem kann nur&lt;br /&gt;
der einzelne entscheiden, ob er sich mit&lt;br /&gt;
dem inneren Ursprung eines Problems&lt;br /&gt;
in seinem geistigen Leben auseinander-&lt;br /&gt;
setzen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausdauer in unseren Anstren-&lt;br /&gt;
gungen, in Einklang mit Gottes Plan für&lt;br /&gt;
den Menschen zu handeln, ohne dabei&lt;br /&gt;
zu sehr von anderen oder von Bahäfi-&lt;br /&gt;
Institutionen abhängig zu sein, hat&lt;br /&gt;
wichtige Konsequenzen für unser&lt;br /&gt;
Leben. Dieses selbstdisziplinierte Han-&lt;br /&gt;
deln bringt ein Selbstwertgefühl mit&lt;br /&gt;
sich. Es gibt auch Vertrauen in die Fähig-&lt;br /&gt;
keit, unsere »geistigen Kämpfe« selbst&lt;br /&gt;
auszutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wichtig, unsere geistigen&lt;br /&gt;
Kämpfe selbst auszutragen: Wir stärken&lt;br /&gt;
uns selbst damit und unterstützen&lt;br /&gt;
gleichzeitig den Glauben. Geistige Räte&lt;br /&gt;
können einzelne beraten und bei der&lt;br /&gt;
Überwindung schwerwiegender Pro-&lt;br /&gt;
bleme helfen. Aber sie können unsere&lt;br /&gt;
geistigen Kämpfe nicht für uns austra-&lt;br /&gt;
gen. Wenn wir Bahäf-Institutionen&lt;br /&gt;
trotzdem darum bitten, so lenken wir&lt;br /&gt;
ihre Energien von ihren festgesetzten&lt;br /&gt;
Aufgaben ab. Das Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, die leitende Körperschaft&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Weltgemeinde, schreibt, daß&lt;br /&gt;
»alle beten« und »ihre geistigen Kämpfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 Ansprachen in Paris, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
61973, 5, 23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 2.2.0.,5.8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 Bahä’u’lläh, Verborgene Worte, zweisprachige&lt;br /&gt;
Ausgabe Hofheim-Langenhain 1983, arab. 31&lt;br /&gt;
{{page|205|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=11}}austragen können«, und daß dies uns in&lt;br /&gt;
unserer Entwicklung helfen wird.”&lt;br /&gt;
Tragen wir unsere »geistigen Kämpfe«&lt;br /&gt;
selbst aus, so wächst auch unsere Fähig-&lt;br /&gt;
keit, durch die dynamische Kraft des&lt;br /&gt;
Beispiels anderen zu helfen, für ihren ei-&lt;br /&gt;
genen Wandlungsprozeß Verantwor-&lt;br /&gt;
tung zu übernehmen. Die vielleicht&lt;br /&gt;
wichtigste Konsequenz solcher Aus-&lt;br /&gt;
dauer ist ihre Wirkung auf unser Ver-&lt;br /&gt;
hältnis zu anderen Menschen. Sie hilft&lt;br /&gt;
uns einerseits, weniger habgierig, aus-&lt;br /&gt;
beuterisch, manipulierend und abhän-&lt;br /&gt;
gig, und andererseits, unvoreingenom-&lt;br /&gt;
men im Lieben und Dienen zu werden.&lt;br /&gt;
Durch Liebe und Dienst werden wir der&lt;br /&gt;
Liebe auch eher würdig, und die Liebe,&lt;br /&gt;
die wir entfachen, hilft uns, all unsere&lt;br /&gt;
Anstrengung um Selbstdisziplin zu fe-&lt;br /&gt;
stigen und zu verstärken. Dadurch wird&lt;br /&gt;
ein Kreislauf geistiger Wandlung in Be-&lt;br /&gt;
wegung gesetzt, der, wenn er durch fort-&lt;br /&gt;
schreitende Versenkung in den Ozean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Worte Bahä’u’llähs und durch die&lt;br /&gt;
aktive Teilnahme am Aufbau der neuen&lt;br /&gt;
Weltordnung genährt wird, eine fort-&lt;br /&gt;
dauernde geistige Entwicklung und Ent-&lt;br /&gt;
faltung gewährleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»O Kinder Adams! Heilige Worte und&lt;br /&gt;
reine, treffliche Taten steigen empor in&lt;br /&gt;
das Reich himmlischen Ruhms. Strebt,&lt;br /&gt;
daß eure Taten vom Staub der Selbst-&lt;br /&gt;
sucht und Heuchelei geläutert und am&lt;br /&gt;
Hof der Herrlichkeit angenommen wer-&lt;br /&gt;
den; denn bald werden die Prüfer der&lt;br /&gt;
Menschheit in der heiligen Gegenwart&lt;br /&gt;
des Angebeteten nur noch wahre Tu-&lt;br /&gt;
gend und makellos reine Taten anneh-&lt;br /&gt;
men. So strahlt die Sonne der Weisheit&lt;br /&gt;
und des göttlichen Geheimnisses am&lt;br /&gt;
Horizont des göttlichen Willens. Selig,&lt;br /&gt;
wer sich ihr zukehrt.«?!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 Wellspring, $. 38&lt;br /&gt;
31 Bahä’u&#039;lläh, Verborgene Worte, pers. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Glauben&lt;br /&gt;
versteht man zuerst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bewußtes Wissen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rechtschaffenes Handeln.&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tablets, S. 549&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|206|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|207|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=13}}Ulrich Gollmer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... UND FRIEDE AUF ERDEN...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede vor dem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Da werden die Wölfe bei den Lämmern&lt;br /&gt;
wohnen und die Panther bei den Böcken&lt;br /&gt;
lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber&lt;br /&gt;
und junge Löwen und Mastvieh mitein-&lt;br /&gt;
ander treiben. Kühe und Bären werden&lt;br /&gt;
zusammen weiden, daß ihre Jungen bei-&lt;br /&gt;
einander liegen, und Löwen werden&lt;br /&gt;
Stroh fressen wie die Rinder... Man wird&lt;br /&gt;
nirgends Sünde tun noch freveln auf&lt;br /&gt;
meinem ganzen heiligen Berge...«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Welt heute leider nicht. Aber&lt;br /&gt;
keinen, den die Not der Menschen be-&lt;br /&gt;
wegt, der mitleidet mit den Geschunde-&lt;br /&gt;
nen, den Getretenen, den Beladenen,&lt;br /&gt;
keinen, den grausame Gleichgültigkeit&lt;br /&gt;
und herrschgierige Tyrannei der Satten&lt;br /&gt;
und Mächtigen mit Zorn erfüllt, keinen,&lt;br /&gt;
der Verzweiflung empfindet angesichts&lt;br /&gt;
der Scheinlösungen von Haß und Ge-&lt;br /&gt;
walt wird diese Vision je loslassen. Der&lt;br /&gt;
ewige Frieden, das friedfertige Mitein-&lt;br /&gt;
ander von Mächtig und Gering, von&lt;br /&gt;
Arm und Reich, die weltumspannende&lt;br /&gt;
brüderliche Solidarität ungeachtet des&lt;br /&gt;
Geschlechts, der Rasse oder sozialen&lt;br /&gt;
Stellung, von alters her verheißen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erhofft, ist noch immer nur Sehnsucht,&lt;br /&gt;
Utopie, bestenfalls vielleicht Leitbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch selbst der Wunsch, die Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach diesem Bilde zu formen, ist nicht&lt;br /&gt;
genug. Denn wie könnten wir zum ewi-&lt;br /&gt;
gen Frieden kommen? Zu fest haben wir&lt;br /&gt;
uns im Unfrieden eingerichtet. Unfriede&lt;br /&gt;
ist in unseren Köpfen, in unseren Her-&lt;br /&gt;
zen; Unfrieden bestimmt die Strukturen&lt;br /&gt;
von Recht, Wirtschaft und Politik. Wir&lt;br /&gt;
leben in einer weltumspannenden, alles&lt;br /&gt;
durchdringenden Un-Friedensordnung.&lt;br /&gt;
Der Weg zum ewigen Frieden ist auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
keiner Landkarte verzeichnet. Wir kön-&lt;br /&gt;
nen nicht dorthin einsteigen wie in eine&lt;br /&gt;
Straßenbahn. Eine Welt voller Frieden&lt;br /&gt;
ist etwas unerhört Neues, gänzlich Un-&lt;br /&gt;
bekanntes, außerhalb unserer kollek-&lt;br /&gt;
tiven Erfahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies gilt durchaus auch für alle Vor-&lt;br /&gt;
stufen des Weltfriedens. Die allfälligen&lt;br /&gt;
Vorbehalte sogenannter Realisten sind&lt;br /&gt;
deshalb keineswegs pauschal als bor-&lt;br /&gt;
nierter Zynismus abzutun. Es ist leicht&lt;br /&gt;
zu sagen: »Entscheidet euch gegen das&lt;br /&gt;
Gesetz der Gewalt und Vergeltung für&lt;br /&gt;
das Gesetz der Liebe und Vergebung...&lt;br /&gt;
Frieden ist möglich.«’ Oder: »Genauso&lt;br /&gt;
wie wir beschlossen haben, Kernwaffen&lt;br /&gt;
herzustellen, können wir beschließen,&lt;br /&gt;
sie zu verschrotten. Genauso wie wir&lt;br /&gt;
beschlossen haben, in dem System&lt;br /&gt;
souveräner Staaten zu leben, können&lt;br /&gt;
wir beschließen, in irgendeinem ande-&lt;br /&gt;
ren System zu leben.«* Sicherlich kön-&lt;br /&gt;
nen solche Aussagen und Haltungen&lt;br /&gt;
Ansporn sein, vermitteln Zuversicht,&lt;br /&gt;
Hoffnung. Aber sie sind auch gefähr-&lt;br /&gt;
lich, weil naiv, unhistorisch und apoli-&lt;br /&gt;
tisch. Denn wenn Widerstände kom-&lt;br /&gt;
men auf dem Weg zum Frieden — und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Der erste Teil dieses Beitrags ist in Baha&#039;i-Briefe&lt;br /&gt;
50, $. 128- 160 abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Jesaja 11:6,7,9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Franz Alt, Frieden ist möglich. Die Politik der&lt;br /&gt;
Bergpredigt, München 1983, S. 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Jonathan Schell, Das Schicksal der Erde. Gefahr&lt;br /&gt;
und Folgen eines Atomkriegs, München 21982,&lt;br /&gt;
5.183. Damit soll weder die Notwendigkeit sol-&lt;br /&gt;
cher Willensentscheidung überhaupt, noch&lt;br /&gt;
Schells brilliante Analyse des Problems einzel-&lt;br /&gt;
staatlicher Souveränität unter der nuklearen Be-&lt;br /&gt;
drohung herabgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 207&lt;br /&gt;
{{page|208|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie kommen, sind da, unausweichlich,&lt;br /&gt;
massiv —, dann macht sich aus dieser&lt;br /&gt;
Haltung leicht Resignation breit oder&lt;br /&gt;
die Friedensbereitschaft schlägt um in&lt;br /&gt;
Aggression. Friedensarbeit ist Kärrner-&lt;br /&gt;
dienst, zäh, mühselig, nicht Freuden-&lt;br /&gt;
tanz, sondern leidvolle Plage. Friedens-&lt;br /&gt;
arbeit muß alle Einwände und Vorbe-&lt;br /&gt;
halte ernst nehmen. Wir können nicht&lt;br /&gt;
aus unserer Geschichte aussteigen, Staa-&lt;br /&gt;
ten, Wirtschaftssysteme, Ideologien,&lt;br /&gt;
Interessen, Waffen einfach vergessen.&lt;br /&gt;
Wir können nicht von vorne beginnen,&lt;br /&gt;
unbelastet wie Neugeborene, sanft-&lt;br /&gt;
mütig, brüderlich, friedfertig. Noch&lt;br /&gt;
immer huldigt die Welt dem Fetisch&lt;br /&gt;
nationalstaatlicher Souveränität,’ noch&lt;br /&gt;
immer ist die Bereitschaft ungebrochen,&lt;br /&gt;
vermeintliche oder tatsächliche par-&lt;br /&gt;
tikulare Interessen mit Gewalt durch-&lt;br /&gt;
zusetzen. Die oft beschworene Schick-&lt;br /&gt;
salsgemeinschaft aller Staaten und&lt;br /&gt;
Menschen der Erde ist eine bloß nega-&lt;br /&gt;
tive Einheit, der objektive Tatbestand&lt;br /&gt;
einer Existenzbedrohung, die letztlich&lt;br /&gt;
niemanden ausnimmt. Im Bewußtsein&lt;br /&gt;
der vielen bildet sich noch nicht einmal&lt;br /&gt;
dieses negative Faktum konsequent ab.&lt;br /&gt;
Nur wenige sehen diese Einheit als&lt;br /&gt;
Gestaltungsauftrag in brüderlicher Soli-&lt;br /&gt;
darität. Die Welt ist noch weit davon&lt;br /&gt;
entfernt, »einerlei Gesinnung«* zu&lt;br /&gt;
haben. Die Kontraste der historisch&lt;br /&gt;
gewordenen Vielfalt sind Markzeichen&lt;br /&gt;
von Konkurrenz, Konfrontation und&lt;br /&gt;
Konflikt, armiert und eingegraben in&lt;br /&gt;
den Köpfen und Landschaften. Ist es da&lt;br /&gt;
nicht Borniertheit, Blindheit, Hybris,&lt;br /&gt;
wollte man behaupten, der Mensch&lt;br /&gt;
könne sich am eigenen Schopf aus dem&lt;br /&gt;
Unfrieden ziehen? Die Wirklichkeit ist&lt;br /&gt;
nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch gegen den dumpfen Opportu-&lt;br /&gt;
nismus, die Resignation, den verzwei-&lt;br /&gt;
felten Zynismus vieler »Realisten«,&lt;br /&gt;
gegen den kurzatmigen Aktionismus,&lt;br /&gt;
die Selbstüberschätzung und Realitäts-&lt;br /&gt;
flucht vieler »Utopisten« soll hier auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
208 BAHÄI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine ganz andere Wirklichkeit verwie-&lt;br /&gt;
sen werden: auf das schöpferische Wort&lt;br /&gt;
Gottes. Denn »ohne dasselbe ist nichts&lt;br /&gt;
gemacht, was gemacht ist«’. Notwen-&lt;br /&gt;
dig Neues, Niemalsgewesenes ist vor-&lt;br /&gt;
gebildet im offenbarten Wort, damit&lt;br /&gt;
Realität, auch wenn noch nicht ma-&lt;br /&gt;
terielle Wirklichkeit geworden. »Die&lt;br /&gt;
Errichtung des Weltfriedens ist nicht&lt;br /&gt;
möglich, außer durch die Macht des&lt;br /&gt;
Wortes Gottes...«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Offenbarung des Worts als Be-&lt;br /&gt;
dingung der Möglichkeit neuen, bislang&lt;br /&gt;
unbekannten Heils haben wir präsente&lt;br /&gt;
Eschatologie genannt.’ Für die Macht&lt;br /&gt;
und Wirksamkeit des Worts sind&lt;br /&gt;
menschliche Maßstäbe unzureichend:&lt;br /&gt;
»Hättest Du auch alle Schätze der Welt&lt;br /&gt;
darauf verwandt, ihre Herzen hättest&lt;br /&gt;
du nicht geeint; Gott aber hat sie ge-&lt;br /&gt;
eint.«&#039;° Nicht der Mensch ist allmäch-&lt;br /&gt;
tig, sondern Gott. Nicht der Mensch&lt;br /&gt;
plant und gestaltet frei und bewußt&lt;br /&gt;
seine Geschichte — diese überhebliche&lt;br /&gt;
Erwartung hat sich gründlich zerschla-&lt;br /&gt;
gen —, er wird bestenfalls zum Werk-&lt;br /&gt;
zeug in Gottes Plan. Der Mensch kann&lt;br /&gt;
sich gegen das göttliche Heil sperren,&lt;br /&gt;
kann es verzögern, erschweren, sich&lt;br /&gt;
selbst davon ausschließen; hindern&lt;br /&gt;
kann er esnicht: »Der Mensch kann sich&lt;br /&gt;
gegen alles stellen, nur nicht gegen das,&lt;br /&gt;
was für das Zeitalter und seine Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse göttlich bestimmt und verordnet&lt;br /&gt;
ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Siehe dazu Peter Mühlschlegel, Der Fetisch&lt;br /&gt;
Souveränität, Baha’i-Briefe 47, 13. Jg. 1984,&lt;br /&gt;
S. 15ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 1. Petrus 4:1&lt;br /&gt;
7 Johannes 1:3&lt;br /&gt;
8 ‘Abdu’l-Bahá, Frieden 25:2 (S. 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Siehe dazu den ersten Teil dieses Beitrags in&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Qur’än 8:63&lt;br /&gt;
11 Abdu’l-Bahá, Promulgation, 5. 125&lt;br /&gt;
{{page|209|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=15}}»Diese fruchtlosen Kämpfe, diese zer-&lt;br /&gt;
störenden Kriege werden aufhören, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Größte Friede wird kommen.«&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah”?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäu’lläh verheißt uns den ewigen&lt;br /&gt;
Frieden, verspricht uns die Erfüllung&lt;br /&gt;
dessen, was seit Jahrtausenden sehn-&lt;br /&gt;
süchtig-gläubige Erwartung war, Inbe-&lt;br /&gt;
griff der futurischen Eschatologie des&lt;br /&gt;
»Reiches Gottes auf Erden«: »Und Gott&lt;br /&gt;
wird abwischen alle Tränen von ihren&lt;br /&gt;
Augen, und der Tod wird nicht mehr&lt;br /&gt;
sein, noch Leid noch Geschrei noch&lt;br /&gt;
Schmerz wird mehr sein.«&#039; Es ist das&lt;br /&gt;
Versprechen eines innerweltlichen und&lt;br /&gt;
zugleich geistigen Friedensreiches; eines&lt;br /&gt;
Friedens der Waffen wie der Herzen: der&lt;br /&gt;
Größte Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht in unmittelbarer Zukunft&lt;br /&gt;
werden wir gesellschaftlich im Größten&lt;br /&gt;
Frieden leben können. Die Zurückwei-&lt;br /&gt;
sung der göttlichen Gnade in Bahä-&lt;br /&gt;
ulläh durch die Menschheit und ihre&lt;br /&gt;
Führer hat uns zurückgeworfen, nötigt&lt;br /&gt;
uns auf den Umweg des Geringeren Frie-&lt;br /&gt;
dens.&#039;? Statt eines Friedens in Gott&lt;br /&gt;
wenigstens ein Friede der Waffen: der&lt;br /&gt;
Geringere Frieden als die Begrenzung&lt;br /&gt;
und schließliche Überwindung des&lt;br /&gt;
Kriegs als Mittel der Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nun, da ihr den Größten Frieden zu-&lt;br /&gt;
rückgewiesen habt, haltet euch fest an&lt;br /&gt;
diesen, den Geringeren Frieden...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’lläh”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewegt man sich auf gefahrvollem Ter-&lt;br /&gt;
rain, so bedarf es zweierlei, um zu über-&lt;br /&gt;
leben: Kenntnis der Richtung, in der&lt;br /&gt;
man sicheren, befriedeten Grund er-&lt;br /&gt;
reicht, und Sicherung gegenüber den&lt;br /&gt;
unmittelbar drohenden Gefahren. Die&lt;br /&gt;
Schritte zum Größten Frieden weisen&lt;br /&gt;
den Pfad aus der Gefahr; sie zielen dar-&lt;br /&gt;
auf, deren Ursachen aufzuheben. Doch&lt;br /&gt;
ein gut Stück dieses Wegs verläuft auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
extrem unsicherem Gelände; ein Weg,&lt;br /&gt;
der anderen Regeln unterliegt, den man&lt;br /&gt;
aber nicht weniger sorgfältig planen&lt;br /&gt;
muß. Ohne perspektivische Planung&lt;br /&gt;
geht man irr, taumelt von einer Gefahr&lt;br /&gt;
zur nächsten — mit voraussichtlich fa-&lt;br /&gt;
talem Ende. Den Sicherungsrahmen&lt;br /&gt;
dieses Streckenabschnitts kennzeichnen&lt;br /&gt;
die Bedingungen des Geringeren Frie-&lt;br /&gt;
dens. Hier geht es um Begrenzung&lt;br /&gt;
unmittelbar drohender Gefahr, um die&lt;br /&gt;
Sicherung des Überlebens in einer&lt;br /&gt;
Welt unleugbarer Interdependenz; die&lt;br /&gt;
zugleich gekennzeichnet ist durch&lt;br /&gt;
ideologische Verblendung, fehlendes&lt;br /&gt;
Gleichgewicht, globale Mißwirtschaft,&lt;br /&gt;
ökologischen Leichtsinn und ständig&lt;br /&gt;
neue Eskalationsstufen wissenschaft-&lt;br /&gt;
lich-technischer Überrüstung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sinnvolle und zukunftsträchtige&lt;br /&gt;
Sicherheitspolitik steht darum heute&lt;br /&gt;
unter dem Wort vom Geringeren Frie-&lt;br /&gt;
den. Auch dieses Wort ist schöpferi-&lt;br /&gt;
sches Wort Gottes, Bedingung der Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit einer neuen sozialen und geisti-&lt;br /&gt;
gen Evolution der Menschheit. Zwar&lt;br /&gt;
wird sich der Geringere Frieden weit-&lt;br /&gt;
gehend außerhalb der Gemeinde Bahä’-&lt;br /&gt;
ulllähs vollziehen; er steht darum aber&lt;br /&gt;
keineswegs außerhalb des göttlichen&lt;br /&gt;
Heilsplans. Auch der Geringere Frieden&lt;br /&gt;
ist präsente Eschatologie, mithin gegen-&lt;br /&gt;
wärtige und innerweltliche Verheißung,&lt;br /&gt;
ermöglicht durch das schöpferische&lt;br /&gt;
Wort Gottes in Bahä’u’lläh. Es ist eine&lt;br /&gt;
erfüllbare, handlungsfordernde Verhei-&lt;br /&gt;
Bung, bezogen allerdings auf die Ge-&lt;br /&gt;
fährdung einer Welt, die sich dem Größ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Worte Bahä’ullähs, gerichtet an den britischen&lt;br /&gt;
Orientalisten Edward Granville Browne bei&lt;br /&gt;
dessen Besuch in Bahjt, 15. — 20. April 1890; zi-&lt;br /&gt;
tiert in dessen Einleitung zu: A Travellers Nar-&lt;br /&gt;
rative. Written to illustrate the Episode of the&lt;br /&gt;
Báb, Cambridge 1891, S. xi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Offenbarung 21:4&lt;br /&gt;
14 Siehe Bahá’í-Briefe 50, S. 151-153&lt;br /&gt;
15 Ährenlese 119:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 209&lt;br /&gt;
{{page|210|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten Frieden versagt hat; der Geringere&lt;br /&gt;
Frieden zielt auf die politische Einigung&lt;br /&gt;
und Befriedung einer Welt, die sich&lt;br /&gt;
nicht unter das göttliche Gesetz gestellt,&lt;br /&gt;
sich verschlossen hat vor dem Heil in&lt;br /&gt;
seiner ganzen Fülle. Der Geringere Frie-&lt;br /&gt;
den ist säkulares Surrogat, temporäre&lt;br /&gt;
Ersatzlösung, vorbereitende Alternativ-&lt;br /&gt;
strategie zum eigentlich Intendierten,&lt;br /&gt;
notwendiger Umweg zur Schadensbe-&lt;br /&gt;
grenzung: göttliches Gnadengeschenk&lt;br /&gt;
unter der Bedingung des verwirkten&lt;br /&gt;
umfassenderen Heils. Der Geringere&lt;br /&gt;
Frieden benennt die Voraussetzungen&lt;br /&gt;
des Überlebens, den unabdingbaren&lt;br /&gt;
Sicherungsrahmen einer gefährdeten&lt;br /&gt;
Menschheit, das Minimalkonzept ei-&lt;br /&gt;
ner möglichen Zukunft. Eindringlich&lt;br /&gt;
spricht Bahä’u/lläh in einem Seiner&lt;br /&gt;
späten Tablets von einer Waffe, »so&lt;br /&gt;
grausam, wie man es nie zuvor gesehen&lt;br /&gt;
oder gehört hat«, warnt vor einer töd-&lt;br /&gt;
lichen Verseuchung der Erdatmosphäre&lt;br /&gt;
und drängt die Menschheit mit deut-&lt;br /&gt;
lichem Bezug auf diese Warnung zum&lt;br /&gt;
Geringeren Frieden.‘ Der Geringere&lt;br /&gt;
Frieden ist Garant dafür, daß es noch&lt;br /&gt;
Geschichte geben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um falschen Erwartungen vorzubeu-&lt;br /&gt;
gen: Präsente Eschatologie war nie und&lt;br /&gt;
ist nicht politisches Programm, noch&lt;br /&gt;
sozialwissenschaftliche Studie in Ab-&lt;br /&gt;
wägung alternativer Optionen. Von&lt;br /&gt;
präsenter Eschatologie kann man nicht&lt;br /&gt;
die Planung konkreter Einzelschritte&lt;br /&gt;
unter Beachtung möglicher Ereignisse&lt;br /&gt;
und Reaktionen erwarten. Der Gerin-&lt;br /&gt;
gere Frieden als Begriff präsenter&lt;br /&gt;
Eschatologie ist zugleich mehr und&lt;br /&gt;
weniger: ein allgemeiner, aber not-&lt;br /&gt;
wendiger Bezugsrahmen des Überle-&lt;br /&gt;
bens, der Politik und planender For-&lt;br /&gt;
schung durchaus als Motiv und Leit-&lt;br /&gt;
bild dienen kann und soll. Für den&lt;br /&gt;
Bahäi ist der Geringere Frieden&lt;br /&gt;
Ansporn und Halt in Zeiten äußerer&lt;br /&gt;
Not, gesellschaftliche Hoffnung aus&lt;br /&gt;
Glaubensgewißheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
210 BAHÄ[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir haben der ganzen Menschheit&lt;br /&gt;
befohlen, den Geringeren Frieden zu be-&lt;br /&gt;
gründen — das sicherste Mittel für den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schutz der Menschenwelt.«&lt;br /&gt;
Bahd’u’llah”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Friedenspolitik, die dauerhaft sein&lt;br /&gt;
soll, darf sich nicht auf Aspekte der&lt;br /&gt;
Sicherheit und Abrüstung beschränken:&lt;br /&gt;
»Die Abschaffung der Atomwaffen, das&lt;br /&gt;
Verbot der Verwendung von Giftgas&lt;br /&gt;
oder die Ächtung der bakteriellen&lt;br /&gt;
Kriegsführung werden die eigentlichen&lt;br /&gt;
Kriegsursachen nicht beseitigen.«&#039;?&lt;br /&gt;
Selbst wenn sich die Menschheit auf&lt;br /&gt;
diese notwendigen Sofortmaßnahmen&lt;br /&gt;
verständigen könnte: Der menschliche&lt;br /&gt;
Erfindungsgeist ist allemal gut genug&lt;br /&gt;
für neue Formen der Kriegführung. Frie-&lt;br /&gt;
densdiskussion und Friedenspolitik&lt;br /&gt;
bedürfen der Ausweitung auf Bereiche,&lt;br /&gt;
die traditionell nicht mit der Ächtung&lt;br /&gt;
des Kriegs in Beziehung gebracht&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geringere Frieden zeigt sich als&lt;br /&gt;
integratives Gesamtkonzept: »Bleibt ...&lt;br /&gt;
die Frage allein auf den Weltfrieden&lt;br /&gt;
beschränkt, so sind die herausragenden&lt;br /&gt;
Erfolge, die man erwartet und erhofft,&lt;br /&gt;
nicht zu erzielen.«!? Elemente des äuße-&lt;br /&gt;
ren Friedens — Sicherheitspolitik, Ab-&lt;br /&gt;
rüstung, weltweite politische und wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Ordnungspolitik und ein&lt;br /&gt;
verbindliches internationales Recht —&lt;br /&gt;
verbinden sich mit solchen des inneren&lt;br /&gt;
Friedens — darunter soziale Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, Überwindung der Rassenschran-&lt;br /&gt;
ken und Gleichstellung von Mann und&lt;br /&gt;
Frau — und der Erziehung zu einem&lt;br /&gt;
friedensfördernden individuellen und&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Wertesystem. Denn&lt;br /&gt;
der Krieg hat vielfältige Ursachen, ist so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Botschaften 6:31&lt;br /&gt;
17 Botschaften 8:54&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Welt-&lt;br /&gt;
frieden, S. 19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 Abdu’l-Bahá, Briefe 227:25&lt;br /&gt;
{{page|211|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tief in den vorhandenen sozialen und&lt;br /&gt;
psychischen Strukturen verwurzelt,&lt;br /&gt;
daß seine Überwindung »nichts Gerin-&lt;br /&gt;
geres als den Wiederaufbau? und die&lt;br /&gt;
Entmilitarisierung der ganzen zivilisier-&lt;br /&gt;
ten Welt«, »eine organische, strukturelle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veränderung der&lt;br /&gt;
schaft«?! erfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Strukturelemente des Geringeren&lt;br /&gt;
Friedens finden sich bereits in Bahä’ullähs&lt;br /&gt;
Tablet an Königin Victoria, wo Er erst-&lt;br /&gt;
mals das Wort vom Geringeren Frieden&lt;br /&gt;
spricht: soziale Gerechtigkeit”?, der Wille&lt;br /&gt;
zur Verständigung”, Abrüstung”, ein&lt;br /&gt;
System kollektiver Sicherheit” und&lt;br /&gt;
Parlamentarier, deren Trachten auf das&lt;br /&gt;
gerichtet ist, »was der Menschheit nützt&lt;br /&gt;
und ihre Lage bessert«*. An anderer&lt;br /&gt;
Stelle werden ergänzend genannt: die&lt;br /&gt;
Bereitschaft zur Aussöhnung zwischen&lt;br /&gt;
den Großmächten,”” eine Versammlung&lt;br /&gt;
aller Herrscher der Erde,* ein Weltpar-&lt;br /&gt;
lament, eine internationale Exekutive&lt;br /&gt;
und ein internationaler Gerichtshof, die&lt;br /&gt;
Bewahrung der Menschen vor Unter-&lt;br /&gt;
drückung;” die stützende Funktion der&lt;br /&gt;
Religion;? die Verbesserung internatio-&lt;br /&gt;
naler Kommunikation;? die Gleichbe-&lt;br /&gt;
rechtigung der Frauen, wie auch aller&lt;br /&gt;
Völker und Rassen. Die Begründung&lt;br /&gt;
dieser Aspekte des Friedens erfolgt aus&lt;br /&gt;
der Logik des Glaubens, aber auch aus&lt;br /&gt;
dem Nutzen heraus: »So legen wir euch&lt;br /&gt;
vor Augen, was euch nützt — würdet&lt;br /&gt;
ihr es doch begreifen!«??&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heutigen Gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strukturskizze des Geringeren Friedens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geringere Frieden ist nicht von&lt;br /&gt;
heute auf morgen erreichbar. Die&lt;br /&gt;
Bahäi-Schriften erwarten hier eine&lt;br /&gt;
schrittweise Entwicklung, ? zu der sich&lt;br /&gt;
die Nationen der Welt durchringen&lt;br /&gt;
müssen, »noch ohne Wissen darüber,&lt;br /&gt;
daß sie die allgemeinen Grundsätze&lt;br /&gt;
durchsetzen, die Er (Bahäuw’lläh) ver-&lt;br /&gt;
kündet hat«*.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentliche Voraussetzung des Ge-&lt;br /&gt;
ringeren Friedens ist ein grundlegendes&lt;br /&gt;
Bewußtsein der Zusammengehörigkeit&lt;br /&gt;
aller Menschen® bei Herrschenden und&lt;br /&gt;
Beherrschten. Die Erziehung zum Welt-&lt;br /&gt;
bürgertum ist dabei ein wesentlicher&lt;br /&gt;
Faktor.” Aus diesem Bewußtsein muß&lt;br /&gt;
sich eine grundsätzliche Bereitschaft zur&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit ergeben: »Wir rufen&lt;br /&gt;
die ... Herrscher und Regenten ... auf,&lt;br /&gt;
sich zu regen und alles, was in ihrer&lt;br /&gt;
Kraft steht zutun, um die Zwietracht zu&lt;br /&gt;
bannen und die Welt mit dem Licht der&lt;br /&gt;
Einheit zu erleuchten.«” Unter solchen&lt;br /&gt;
Vorbedingungen kann der Weg zum&lt;br /&gt;
Frieden idealerweise über Verhandlung&lt;br /&gt;
und Verständigung gehen; andernfalls&lt;br /&gt;
wird ein zunehmender Problemdruck&lt;br /&gt;
den Verständigungswillen erzwingen.&lt;br /&gt;
Als wesentlichen Schritt dabei antizi-&lt;br /&gt;
pierte Bahä’u/lläh eine Versammlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 Im Original reconstruction, bezeichnet als hi-&lt;br /&gt;
storischer Fachterminus die Neuordnung der&lt;br /&gt;
Vereinigten Staaten nach dem Sezessionskrieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 70&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 Ährenlese 119:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 Ährenlese 119:4; vgl. 4:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 4.a.0.; vgl. Brief 56f (S. 42); Botschaften 7:19&lt;br /&gt;
25 Ährenlese 119:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Ährenlese 120:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 Bahä’u&#039;lläh, Ährenlese 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Bahä’u/lläh, Ährenlese 117; Brief 56 (S. 41f)&lt;br /&gt;
29 Bahä’ulläh, Botschaften 8:52&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 Bahä’ulläh, Botschaften 8:53; 11:15; Ährenlese&lt;br /&gt;
110&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Bahä’u&#039;lläh, Ährenlese 117; Botschaften 3:6;&lt;br /&gt;
6:30; 7:20; 8:58; 11:9; Abdu’l-Bahá, Promulga-&lt;br /&gt;
tion, S. 60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Bahä’u&#039;lläh, Ährenlese 119:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33 Abdul-Bahä in London, $. 106; Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi, Der verheißene Tag, 5. 186&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 Shoghi Effendi, Der verheißene Tag, S. 186&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Vgl. Bahä’u&#039;lläh, Botschaften 6:27; 7:13; 11:13;&lt;br /&gt;
Verkündigung, S. 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 Weltfrieden, S. 25&lt;br /&gt;
37 Bahä’u/lläh, Botschaften 8:63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 Bahä’u/lläh, Botschaften 11:8; Ährenlese 111,&lt;br /&gt;
117; Abdul-Bahä, Promulgation, S. 317&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 211&lt;br /&gt;
{{page|212|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sämtlicher Regierungschefs”, mit dem&lt;br /&gt;
Ziel einer Weltfriedensordnung. Ange-&lt;br /&gt;
strebt wird ein Vertragswerk, das alle&lt;br /&gt;
Staaten der Welt einschließen muß. In&lt;br /&gt;
diesem sollen sämtliche Staatsgrenzen&lt;br /&gt;
festgelegt, alle internationalen Verträge&lt;br /&gt;
und Konventionen verbindlich kodifi-&lt;br /&gt;
ziert und die Rechtsgrundsätze sämtli-&lt;br /&gt;
cher Beziehungen zwischen den Staaten&lt;br /&gt;
genau definiert sein. Garantiemächte&lt;br /&gt;
dieses Vertragswerks sind alle Staaten&lt;br /&gt;
der Erde. »Die Hauptgrundlage dieses&lt;br /&gt;
feierlichen Vertrags sollte so festgelegt&lt;br /&gt;
werden, daß bei Vertragsverletzungen&lt;br /&gt;
durch eine beliebige Regierung sich alle&lt;br /&gt;
Regierungen der Erde erheben, um jene&lt;br /&gt;
wieder zu voller Unterwerfung unter&lt;br /&gt;
den Vertrag zu bringen, nein, die&lt;br /&gt;
Menschheit als Ganzes sollte sich ent-&lt;br /&gt;
schließen, mit allen ihr zu Gebote ste-&lt;br /&gt;
henden Mitteln diese Regierung zu&lt;br /&gt;
stürzen.«®°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu/l-Baha nennt diesen Zusam-&lt;br /&gt;
menschluß einen »Weltvölkerbund«“,&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi spricht von einen »Welt-&lt;br /&gt;
bundsystem«*. Gemeint ist allemal ein&lt;br /&gt;
föderatives Gebilde; Zentralismus wird&lt;br /&gt;
abgelehnt, da dieser die Despotie för-&lt;br /&gt;
dere.*? Wesentliche Unterschiede zu den&lt;br /&gt;
ersten beiden historischen Weltorgani-&lt;br /&gt;
sationen, dem Völkerbund und den Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen, sind Universalität der&lt;br /&gt;
Teilhabe, Verbindlichkeit der Vertrags-&lt;br /&gt;
bestimmungen und Entscheidungen —&lt;br /&gt;
die weder Einstimmigkeit voraussetzt&lt;br /&gt;
noch ein Vetorecht kennt — und eine ge-&lt;br /&gt;
meinsame Garantie des Vertrags mit&lt;br /&gt;
allen Bestimmungen, deren Durchfüh-&lt;br /&gt;
rung nicht der Entscheidung der Glied-&lt;br /&gt;
staaten überlassen bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenkundig ist dieser Weltvölker-&lt;br /&gt;
bund nicht ohne Einschränkung der&lt;br /&gt;
nationalen Souveränität möglich. Von&lt;br /&gt;
den Einzelstaaten abzutreten sind der&lt;br /&gt;
Anspruch auf Kriegführung, Teile der&lt;br /&gt;
Steuerhoheit und »alle Rechte auf&lt;br /&gt;
Kriegsrüstung außer zur Aufrechterhal-&lt;br /&gt;
tung der inneren Ordnung« in den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
212 BAHÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gliedstaaten.* Die Institutionen, die&lt;br /&gt;
sich in diese an den »Welt-Überstaat«&lt;br /&gt;
abgetretenen Rechte teilen, sind: eine&lt;br /&gt;
internationale Exekutive mit voller&lt;br /&gt;
Entscheidungsbefugnis im Rahmen des&lt;br /&gt;
Vertragswerks, ein Weltparlament in&lt;br /&gt;
legislativer Funktion, gewählt durch das&lt;br /&gt;
Volk aller Länder und bestätigt durch&lt;br /&gt;
die Regierungen der Gliedstaaten, sowie&lt;br /&gt;
ein Oberster Gerichtshof, der aus den&lt;br /&gt;
hervorragendsten Vertretern aller Staa-&lt;br /&gt;
ten gewählt werden soll.“ Alle Staaten&lt;br /&gt;
sind der Spruchhoheit dieses Gerichts-&lt;br /&gt;
hofs unterworfen, seine Entscheidun-&lt;br /&gt;
gen sind verbindlich, auch hier sind alle&lt;br /&gt;
Staaten gemeinsam Garantiemächte.*&lt;br /&gt;
Die Entscheidungskompetenz des Ge-&lt;br /&gt;
richtshofs erstreckt sich auch auf alle&lt;br /&gt;
strittigen Bestimmungen aus dem Ver-&lt;br /&gt;
tragswerk.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Konfliktfall verfügen Exekutive&lt;br /&gt;
und Oberster Gerichtshof »als Ergebnis&lt;br /&gt;
der wohlüberlegten Entscheidung der&lt;br /&gt;
weltweit vereinigten Volksvertreter«*&lt;br /&gt;
uneingeschränkt über die Streitkräfte&lt;br /&gt;
der Gliedstaaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das System kollektiver Sicherheit —&lt;br /&gt;
ob noch getragen von den Einzelstaaten&lt;br /&gt;
oder bereits unter der Führung durch die&lt;br /&gt;
internationale Exekutive und den Ober-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39 Bahä’u&#039;lläh, Botschaften 8:63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 ‘Abdu’l-Bahá, Geheimnis, $. 63; zum Ganzen&lt;br /&gt;
S. 62f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Geheimnis, 5. 63; im Original Agd-i Anjuman-&lt;br /&gt;
i Duwal-i Älam, »ein Bund der versammelten&lt;br /&gt;
Staaten der Welt«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
42 Weltordnung, S. 290; im Original world federal&lt;br /&gt;
system, The World Order of Bahä’u&#039;llah, Wil-&lt;br /&gt;
mette 31974, 5. 204&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 &#039;Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 167&lt;br /&gt;
44 Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 66&lt;br /&gt;
45 Vgl. Abdu’l-Bahá, Briefe 227:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 &#039;Abdu’l-Bahá, zitiert in Esslemont, Zeitalter, S.&lt;br /&gt;
194; vgl. Ansprachen, $. 124; Shoghi Effendi,&lt;br /&gt;
Weltordnung, S. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
47 &#039;Abdu’l-Bahá in London, S. 70&lt;br /&gt;
48 Shoghi Effendi, Weltordnung, $. 67&lt;br /&gt;
{{page|213|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=19}}sten Gerichtshof —* hat Abrüstung als&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteil.°° Unilaterale&lt;br /&gt;
Abrüstung wird als untauglich abge-&lt;br /&gt;
lehnt;?! statt dessen bedarf es einer ver-&lt;br /&gt;
bindlichen vertraglichen Verpflichtung&lt;br /&gt;
aller Staaten: »Alle Regierungen der&lt;br /&gt;
Welt müssen durch ein allgemeines&lt;br /&gt;
Übereinkommen gleichzeitig abrüsten.&lt;br /&gt;
Es hilft nichts, wenn einer die Waffen&lt;br /&gt;
niederlegt und die anderen sich weigern,&lt;br /&gt;
dasselbe zu tun. Die Nationen der Welt&lt;br /&gt;
müssen in dieser lebenswichtigen Ange-&lt;br /&gt;
legenheit übereinstimmen und zusam-&lt;br /&gt;
men die Mordwaffen endgültig nieder-&lt;br /&gt;
legen. Solange ein Volk seinen Rüstungs-&lt;br /&gt;
etatzu Wasser und zu Lande vergrößert,&lt;br /&gt;
werden andere Nationen durch natür-&lt;br /&gt;
liche und vermeintliche Interessen in&lt;br /&gt;
diesen irren Wettbewerb hineingezwun-&lt;br /&gt;
gen.«” Solche Abrüstungsvereinbarun-&lt;br /&gt;
gen können dem föderalen Vertrags-&lt;br /&gt;
werk bereits vorausgehen, bilden aber&lt;br /&gt;
in jedem Fall einen wesentlichen Be-&lt;br /&gt;
standteil davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... möge Gott ihnen durch Seine stär-&lt;br /&gt;
kende Gnade helfen..., den Geringeren&lt;br /&gt;
Frieden zu errichten.« Baha’ullah”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die institutionellen und rechtlichen&lt;br /&gt;
Komponenten des föderativen Welt-&lt;br /&gt;
staats sind nur entwicklungsfähig und&lt;br /&gt;
dauerhaft, wenn sie von einer ganzen&lt;br /&gt;
Reihe flankierender Maßnahmen ge-&lt;br /&gt;
stützt werden. Es sind dies einerseits&lt;br /&gt;
funktionsbezogene Schritte, vor allem&lt;br /&gt;
zur Lösung grenzüberschreitender Pro-&lt;br /&gt;
bleme der Umwelt, der Ökonomie, der&lt;br /&gt;
Sozial- und Gesellschaftsstruktur. Dazu&lt;br /&gt;
gehört aber auch das Herausarbeiten&lt;br /&gt;
mehrheitsfähiger Normen als Leitwerte&lt;br /&gt;
dieser globalen Veränderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carl Friedrich von Weizsäcker hat&lt;br /&gt;
Friedlosigkeit als eine Krankheit be-&lt;br /&gt;
zeichnet, als prinzipiell heilbaren patho-&lt;br /&gt;
logischen Zustand, der der Fürsorge be-&lt;br /&gt;
darf.” Fürsorgeeinrichtungen für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Restbestände des Ungeheilten sind für&lt;br /&gt;
ihn Rechtsinstitutionen, Mechanismen&lt;br /&gt;
geregelter Konfliktaustragung und die&lt;br /&gt;
Schaffung einer weltweiten Friedens-&lt;br /&gt;
ordnung — nichts anderes, als die insti-&lt;br /&gt;
tutionellen Strukturelemente des Gerin-&lt;br /&gt;
geren Friedens. Zur Heilung der Friedlo-&lt;br /&gt;
sigkeit liegt es nahe, sich auf die Kraft zu&lt;br /&gt;
besinnen, die wie keine andere seit alters&lt;br /&gt;
fähig war, den Menschen zu verwan-&lt;br /&gt;
deln: auf Religion. Denn »der Haupt-&lt;br /&gt;
zweck, der den Glauben Gottes und&lt;br /&gt;
Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des&lt;br /&gt;
Menschengeschlechts zu sichern, seine&lt;br /&gt;
Einheit zu fördern und den Geist der&lt;br /&gt;
Liebe und Verbundenheit unter den&lt;br /&gt;
Menschen zu pflegen«°° Insbesondere&lt;br /&gt;
alle Wohlhabenden, alle Macht- und&lt;br /&gt;
Amtsträger hat Bahäu’lläh aufgefor-&lt;br /&gt;
dert, »der Religion die höchste Ach-&lt;br /&gt;
tung«” zu schenken. Nicht eine ein-&lt;br /&gt;
zelne Konfession oder Kirche ist hier&lt;br /&gt;
angesprochen, sondern der friedenstif-&lt;br /&gt;
tende Kern, der allen Religionen eigen&lt;br /&gt;
ist; in den Worten des Universalen Hau-&lt;br /&gt;
ses der Gerechtigkeit: »Die Lehre, daß&lt;br /&gt;
wir andere so behandeln sollen, wie wir&lt;br /&gt;
selbst behandelt werden wollen, eine in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
allen großen Religionen auf mannigfa-&lt;br /&gt;
che Weise wiederholte Ethik... faßt die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Vgl. Bahä’ulläh, Ährenlese 117, 119:5; Bot-&lt;br /&gt;
schaften 11:8; Abdu/l-Bahä, Geheimnis, 5. 63;&lt;br /&gt;
Briefe 202:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
50 Vgl. Bahä’ulläh, Ährenlese 118:2, 119:4; Bot-&lt;br /&gt;
schaften 11:8; Brief 57 (S. 42); ‘Abdu&#039;l-Bahä,&lt;br /&gt;
Promulgation, $S. 120; Geheimnis, $. 63f;&lt;br /&gt;
Abdu/l-Bahä, zitiert in Balyuzi, Abdu1-Bahä,&lt;br /&gt;
Bd. 2, 5. 754&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
51 &#039;Abdu-Bahä, zitiert in Balyuzi, Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Bd. 1, S. 357&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
52 Abdu’l-Bahá, zitiert in Esslemont, Zeitalter, S.&lt;br /&gt;
195; siehe auch Abdu’l-Bahá, zitiert in Balyuzi,&lt;br /&gt;
“Abdu/l-Bahä, Bd. 1, 5. 357; ‘Abdu’l-Bahá in Ca-&lt;br /&gt;
nada, Toronto 1962, S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
53 Brief 56 (S. 41)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
54 Der bedrohte Friede, S. 157&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
55 Bahá’u’lláh, Ährenlese 110; vgl. Botschaften&lt;br /&gt;
8:63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
56 Botschaften 8:53; 8:63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 213&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|214|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ethische Grundhaltung zusammen, den&lt;br /&gt;
friedenswirkenden Aspekt, der sich&lt;br /&gt;
durch diese Religionen hindurchzieht,&lt;br /&gt;
ungeachtet des Ortes und der Zeit ihrer&lt;br /&gt;
Entstehung; sie kennzeichnet außerdem&lt;br /&gt;
den Aspekt der Einheit als wesenhafte&lt;br /&gt;
Eigenschaft der Religion...«” Alle reli-&lt;br /&gt;
giösen Führer der Welt ruft Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
auf, sich zusammen mit den politischen&lt;br /&gt;
Führern »für die Neugestaltung dieses&lt;br /&gt;
Zeitalters und die Wiederherstellung&lt;br /&gt;
seiner Wohlfahrt«°® zu erheben. Ja, er&lt;br /&gt;
faßt eine gemeinsame Beratung beider&lt;br /&gt;
Gruppen ins Auge, geradezu ein&lt;br /&gt;
interreligiös-politisches Friedenskonzil.®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch selbst in säkularisierter Form ist&lt;br /&gt;
die ethische Lehre, »daß wir andere so&lt;br /&gt;
behandeln sollten, wie wir selbst behan-&lt;br /&gt;
delt werden wollen«, dieser universale&lt;br /&gt;
Grundsatz religiös-sozialer Ethik, von&lt;br /&gt;
weitreichender Bedeutung für das Errei-&lt;br /&gt;
chen und Bewahren einer internationa-&lt;br /&gt;
len Friedensordnung. Die »Goldene&lt;br /&gt;
Regel«, unterstreicht die Bedeutung der&lt;br /&gt;
Gegenseitigkeit als wesentliches Prinzip&lt;br /&gt;
zur Ordnung und Pazifizierung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft. Auch jenseits des Bereichs&lt;br /&gt;
religiös fundierter Ethik gibt es nicht&lt;br /&gt;
wenige Versuche, aus dem Prinzip der&lt;br /&gt;
Gegenseitigkeit einen relationalen Be-&lt;br /&gt;
giff der Gerechtigkeit zu entwickeln.&lt;br /&gt;
Wenn Frieden mehr sein soll als bloßes&lt;br /&gt;
appeasement, als bloßes Aufschieben&lt;br /&gt;
eines unvermeidlichen Konflikts, so&lt;br /&gt;
muß eine gegebene Ordnung in ihren&lt;br /&gt;
Grundzügen von allen als »gerecht«&lt;br /&gt;
empfunden werden können: Frieden ist&lt;br /&gt;
nicht ohne die gegenseitige Anerken-&lt;br /&gt;
nung legitimer Interessen und Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse aller Gruppen der (in unserem Fall:&lt;br /&gt;
Welt-)Gesellschaft zu erzielen. Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit läßt sich damit geradezu durch&lt;br /&gt;
die allgemeine gegenseitige Anerken-&lt;br /&gt;
nung solcher Interessen definieren; eine&lt;br /&gt;
formal wohl einleuchtende, praktisch&lt;br /&gt;
aber höchst problematische Bestim-&lt;br /&gt;
mung, denn welche Interessen als »legi-&lt;br /&gt;
tim« allgemeine Anerkennung finden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 BAHÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist nicht nur dem historischen Wandel&lt;br /&gt;
unterworfen: gerade hier verlaufen die&lt;br /&gt;
Feuerlinien der feindlichen Ideologien&lt;br /&gt;
und Systeme. Diese bloß formale Be-&lt;br /&gt;
stimmung der Gerechtigkeit ist damit&lt;br /&gt;
zwar conditio sine qua non, also unver-&lt;br /&gt;
zichtbar, aber keine hinreichende Vor-&lt;br /&gt;
aussetzung des Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestimmung der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
durch Gegenseitigkeit findet sich auch&lt;br /&gt;
in den »Kalimät-i-Firdawsiyyih«: »...wenn&lt;br /&gt;
du auf Gerechtigkeit siehst, dann wähle&lt;br /&gt;
für deinen Nächsten, was du für dich&lt;br /&gt;
selbst wählst.«® Im selben Tablet be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 Weltfrieden, S. 14. Harry T. D. Rost sieht die&lt;br /&gt;
Goldene Regel in seinem Buch The Golden&lt;br /&gt;
Rule. A Universal Ethic«, Oxford 1986, als ge-&lt;br /&gt;
meinsames religiöses Erbe und als Ausgangs-&lt;br /&gt;
punkt für einen Dialog unter den Religionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
58 Botschaften 11:15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
59 Es gibt einige Ansätze, diese gemeinsame Frie-&lt;br /&gt;
densverantwortung der Religionen aufzugrei-&lt;br /&gt;
fen: Carl Friedrich von Weizsäcker hat im Som-&lt;br /&gt;
mer 1985 auf dem Deutschen Evangelischen&lt;br /&gt;
Kirchentag zu einem christlichen Friedenskon-&lt;br /&gt;
zil aufgerufen. Dabei bemerkt er zu der Be-&lt;br /&gt;
schränkung auf ein ökumenisches Konzil der&lt;br /&gt;
christlichen Kirchen: »Heute wird auch schon&lt;br /&gt;
von einem Konzil der Weltreligionen geredet.&lt;br /&gt;
Das wäre hochwichtig. Ich habe es nicht vorge-&lt;br /&gt;
schlagen, weil es wohl historisch noch etwas&lt;br /&gt;
verfrüht wäre, und weil die Zeit drängt.« Die&lt;br /&gt;
Zeit vom 22. November 1985. Zur näheren Be-&lt;br /&gt;
gründung siehe sein Buch »Die Zeit drängt. Eine&lt;br /&gt;
Weltversammlung der Christen für Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, Frieden und die Bewahrung der Schöp-&lt;br /&gt;
fung« (München, 1986). Ein Beitrag von Hans&lt;br /&gt;
Küng in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung&lt;br /&gt;
vom 6. Oktober 1984 ist überschrieben »Reli-&lt;br /&gt;
gionsfriede, Menschheitsfriede. Vom langsa-&lt;br /&gt;
men Erwachen eines globalen ökumenischen&lt;br /&gt;
Bewußtseins«. Im Schlußkapitel seines Buches&lt;br /&gt;
‚Christentum und Weltreligionen&amp;lt; (München&lt;br /&gt;
1984) stellt Küng fest: »Niemand wird heute&lt;br /&gt;
ernsthaft bestreiten, wie sehr der Frieden in&lt;br /&gt;
der Welt vom Frieden unter den Religionen ab-&lt;br /&gt;
hängt.« (618) Und er ruft auf, die »religiös-&lt;br /&gt;
ökumenische Mitverantwortung ernst zu neh-&lt;br /&gt;
men für eine Befriedung unserer friedlos-&lt;br /&gt;
zerrissenen Welt. Christen, Juden, Muslime,&lt;br /&gt;
Hindus und Buddhisten sind hier gleicherma-&lt;br /&gt;
Ben herausgefordert.« (620).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp; Bahä’ulläh, Botschaften 6:20&lt;br /&gt;
{{page|215|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=21}}nennt Bahä’w/lläh das »Zustandekom-&lt;br /&gt;
men von Einheit unter den Menschen«&lt;br /&gt;
als den »Zweck der Gerechtigkeit«.‘&lt;br /&gt;
Diese Aussagen lassen sich wohl in&lt;br /&gt;
folgende formale Definition der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit umformen: Unter der Vor-&lt;br /&gt;
aussetzung des Prinzips der Gegensei-&lt;br /&gt;
tigkeit (bei der Zuerkennung von Rech-&lt;br /&gt;
ten und Gütern) ist gerecht, was Einheit&lt;br /&gt;
bewirkt. Dieses »was« muß weiter&lt;br /&gt;
material bestimmt werden. Einiges&lt;br /&gt;
davon negativ: Unterdrückung und Ty-&lt;br /&gt;
rannei,° Ausbeutung‘, Zerstörung der&lt;br /&gt;
Umwelt, Nationalismus, Rassismus&lt;br /&gt;
und ideologische Feindschaften. Positiv&lt;br /&gt;
ist zu ergänzen: Universale Erziehung,&lt;br /&gt;
Gleichstellung von Frau und Mann,&lt;br /&gt;
wirtschaftliche und soziale Entwick-&lt;br /&gt;
lung und verschiedene Elemente einer&lt;br /&gt;
universalen, gleichberechtigten Kom-&lt;br /&gt;
munikation. Alle diese Aspekte erfor-&lt;br /&gt;
dern intensive Forschung, sowohl zur&lt;br /&gt;
Auslotung ihres Bedeutungsspektrums&lt;br /&gt;
in den Primärquellen der Bahä’i-Lehre,&lt;br /&gt;
als auch zur praktischen Umsetzung&lt;br /&gt;
und Anwendung — gerade hier ist&lt;br /&gt;
zudem eine kritische Aufarbeitung und,&lt;br /&gt;
soweit möglich, Aneignung der vorlie-&lt;br /&gt;
genden, auf unterschiedlichsten Theo-&lt;br /&gt;
rieansätzen beruhenden Integrations-&lt;br /&gt;
theorien und Studien von Einzelberei-&lt;br /&gt;
chen erforderlich. Dies ist bislang&lt;br /&gt;
nicht einmal im Ansatz geleistet. Im&lt;br /&gt;
Bewußtsein dieser Unzulänglichkeit&lt;br /&gt;
wollen wir dennoch einige der oben&lt;br /&gt;
genannten Aspekte kurz anreißen.&lt;br /&gt;
Eines der hartnäckigsten Weltpro-&lt;br /&gt;
bleme ist die frappante Ungleichheit&lt;br /&gt;
der Güterverteilung, sowohl weltweit&lt;br /&gt;
zwischen den Staaten, als auch — in&lt;br /&gt;
sehr unterschiedlichem Grade — in den&lt;br /&gt;
einzelnen nationalen Gesellschaften.&lt;br /&gt;
Folgende Aussagen Abdu’l-Bahás kön-&lt;br /&gt;
nen den geistigen Rahmen bezeichnen,&lt;br /&gt;
der, ohne künstliche, nivellierende&lt;br /&gt;
Gleichheit, hier das Prinzip der Gegen-&lt;br /&gt;
seitigkeit und Einheit zur Geltung&lt;br /&gt;
bringt: »...jedes einzelne Glied der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit ist eine Zelle des gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Organismus... Folglich ist&lt;br /&gt;
es der Wunsch Gottes, daß im gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Organismus der Mensch-&lt;br /&gt;
heit jeder einzelne vollkommene Wohl-&lt;br /&gt;
fahrt und uneingeschränktes Wohlbe-&lt;br /&gt;
hagen genießt.«% Die Fortexistenz&lt;br /&gt;
krassen Mangels neben erheblichem&lt;br /&gt;
Überfluß erklärt Abdu’l-Bahá aus dem&lt;br /&gt;
Fehlen der »notwendigen Wechselseitig-&lt;br /&gt;
keit«, der weltweiten »sozialen Symme-&lt;br /&gt;
trie«, verursacht durch Mängel in drei&lt;br /&gt;
Bereichen: im Fehlen einer weltweit&lt;br /&gt;
gültigen, angemessenen Vertragsgrund-&lt;br /&gt;
lage (»Mangel an einem brauchbaren&lt;br /&gt;
Grundgesetz«) und einem entsprechen-&lt;br /&gt;
den Instrumentarium zur Durchsetzung&lt;br /&gt;
der Vertragsbestimmungen (»Mangel&lt;br /&gt;
an Überwachung«), im Verein mit ei-&lt;br /&gt;
nem grundlegenden ethischen Defizit:&lt;br /&gt;
»dem Mangel an Güte«. Zum Zeichen&lt;br /&gt;
individueller und gesellschaftlicher&lt;br /&gt;
Reife, aber auch zur Wahrung des gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Friedens, zieht ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä darum freiwillige Lösungen zum&lt;br /&gt;
Abbau des sozialen Gefälles vor.‘®&lt;br /&gt;
Wo dies nicht möglich ist, sollten alle&lt;br /&gt;
erforderlichen Schritte — ohne ideo-&lt;br /&gt;
logische Voreingenommenheit — zu-&lt;br /&gt;
mindest die direkt Betroffenen mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
61 Botschaften 6:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
62 Das Postulat der Gegenseitigkeit schließt eine&lt;br /&gt;
vorgebliche, erzwungene Einheit aus. Inhalt-&lt;br /&gt;
lich wird dies auch in Botschaften 6:26 und vor&lt;br /&gt;
allem 11:14 deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
63 Botschaften 6:26; 7:6; 8:52; 11:11&lt;br /&gt;
64 Ährenlese 119:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
65 Gerade unter dem Aspekt der Weltverantwor-&lt;br /&gt;
tung hat das Universale Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
die Bahäi zu ernsthafter wissenschaftlicher&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung mit den Lehren ihrer Reli-&lt;br /&gt;
gion aufgefordert; Brief vom 19. 1.1983, abge-&lt;br /&gt;
druckt in: Frieden, $. 77&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Das Gesellschaftsmodell von Bahä’u&#039;lläh,&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe 39, 10. Jg. 1960, S. 1046&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 2.2.0., S. 1047&lt;br /&gt;
68 Briefe 79:2,3; 227.19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 215&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|216|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in den Entscheidungsprozeß einbe-&lt;br /&gt;
ziehen.‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne wirtschaftliche Entwicklung,&lt;br /&gt;
Finanzausgleich und ausgewogene,&lt;br /&gt;
gleichberechtigte Handelsbeziehungen&lt;br /&gt;
wird die Kluft zwischen armen und rei-&lt;br /&gt;
chen Ländern wohl kaum zu schließen&lt;br /&gt;
sein. Wissenschaftlich-technischer Fort-&lt;br /&gt;
schritt ist gutzuheißen; er muß wirt-&lt;br /&gt;
schaftlich umgesetzt werden und allen&lt;br /&gt;
Menschen zugute kommen. Er sollte ge-&lt;br /&gt;
tragen sein von einer individuellen Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsethik auf Gegenseitigkeit:&lt;br /&gt;
»...Ehre und Würde des einzelnen liegen&lt;br /&gt;
darin, daß er vor all den Massen der&lt;br /&gt;
Weltbewohner zu einer Quelle des ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Wohles wird.«” Die&lt;br /&gt;
Entwicklung darf nicht an den tatsächli-&lt;br /&gt;
chen Bedürfnissen der Wirtschaftssub-&lt;br /&gt;
jekte vorbeigehen, sondern muß ihre&lt;br /&gt;
mündige Entscheidung mit einbeziehen,&lt;br /&gt;
in diesem Sinne demokratisiert werden.&lt;br /&gt;
Eine notwendige Folge dieses Postulats&lt;br /&gt;
muß auch eine neue, dem Prinzip der&lt;br /&gt;
Gegenseitigkeit Rechnung tragende&lt;br /&gt;
Weltwirtschaftsordnung sein. Unter&lt;br /&gt;
solchen Voraussetzungen kann wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklung weder Selbst-&lt;br /&gt;
zweck noch Mittel der Unterdrückung&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prinzip der Gegenseitigkeit gilt&lt;br /&gt;
aber nicht nur für die Gegenwart. Wir&lt;br /&gt;
tragen Verantwortung für künftige Ge-&lt;br /&gt;
nerationen, so wie die Leistungen und&lt;br /&gt;
Versäumnisse der Menschen vor uns un-&lt;br /&gt;
sere Lebensumstände prägen. Jede Ge-&lt;br /&gt;
neration ist der Vergangenheit wie der&lt;br /&gt;
Zukunft verpflichtet.”! Wir dürfen des-&lt;br /&gt;
halb um kurzfristiger Vorteile willen&lt;br /&gt;
nicht leichtfertig mit unserem Ökosy-&lt;br /&gt;
stem umgehen. Die Zerstörung der Um-&lt;br /&gt;
welt verkehrt den Segen wirtschaftli-&lt;br /&gt;
cher Entwicklung ins Gegenteil. In der&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte kommt diese&lt;br /&gt;
Verantwortung des Menschen zum Aus-&lt;br /&gt;
druck durch den doppelten, unteilbaren&lt;br /&gt;
Auftrag, die Erde zu bebauen und zu be-&lt;br /&gt;
wahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
216 BAHÄI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo irgendeine Klasse, Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder Religion für sich mehr Macht oder&lt;br /&gt;
Recht in Anspruch nimmt, als sie bereit&lt;br /&gt;
ist, anderen zuzugestehen, wird der&lt;br /&gt;
Grundsatz der Gegenseitigkeit verletzt.&lt;br /&gt;
Für alle diese ideologischen Feindschaf-&lt;br /&gt;
ten”? gilt das Wort Shoghi Effendis:&lt;br /&gt;
»Rechtsnormen, politische und wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Theorien sind nur dazu da,&lt;br /&gt;
die Interessen der Menschheit als Gan-&lt;br /&gt;
zes zu schützen; nicht aber ist die&lt;br /&gt;
Menschheit dazu da, für die unversehrte&lt;br /&gt;
Aufrechterhaltung eines bestimmten&lt;br /&gt;
Gesetzes oder Lehrsatzes gekreuzigt zu&lt;br /&gt;
werden.«”?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von allen diesen Ideologien, die unse-&lt;br /&gt;
rem Begriff der Gerechtigkeit entgegen-&lt;br /&gt;
stehen, verdient gerade heute der Rassis-&lt;br /&gt;
mus wieder besondere Erwähnung. Das&lt;br /&gt;
Universale Haus der Gerechtigkeit be-&lt;br /&gt;
zeichnet ihn als »eines der verhängnis-&lt;br /&gt;
vollsten, hartnäckigsten Übel, ein&lt;br /&gt;
Haupthindernis für den Frieden. Wo er&lt;br /&gt;
herrscht, wird die Menschenwürde zu&lt;br /&gt;
schändlich verletzt, als daß es unter ir-&lt;br /&gt;
gendeinem Vorwand gebilligt werden&lt;br /&gt;
könnte.«”° Opfer des Rassismus sind&lt;br /&gt;
auch die Rassisten selbst, deren emo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 Vgl. Das Universale Haus der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Weltfrieden, $. 22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
70 ‘Adu’l-Bahä, Geheimnis, 5. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
71 Als Abdu‘l-Bahäs Leben in akuter Gefahr war,&lt;br /&gt;
pflanzte Er zum Erstaunen aller einen Baum&lt;br /&gt;
und begründete dies mit den Worten: »Unsere&lt;br /&gt;
Vorfahren haben gepflanzt, und wir haben die&lt;br /&gt;
Früchte genossen. Es ist unsere Pflicht, für un-&lt;br /&gt;
sere Nachkommen dasselbe zu tun.« Zitiert bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Balyuzi, Abdu’l-Bahá, Bd. 1, S. 179f&lt;br /&gt;
72 1. Mose 2:15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
73 Darunter verstehe ich alle weltanschaulichen&lt;br /&gt;
Entwürfe — auch religiösen Ursprungs — mit&lt;br /&gt;
dem Anspruch auf eine »richtige« Welterklä-&lt;br /&gt;
rung und einer daraus resultierenden aggressi-&lt;br /&gt;
ven politischen Handlungsforderung. Vgl.&lt;br /&gt;
auch Bahä&#039;t-Briefe 50, 5. 142f. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
verwendet hier den Begriff des »Vorurteils«, vgl.&lt;br /&gt;
Briefe 227:11-16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
74 Weltordnung, $. 69&lt;br /&gt;
75 Weltfrieden, S. 21&lt;br /&gt;
{{page|217|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tionale und moralische Entwicklung&lt;br /&gt;
verkrüppelt und korrumpiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr als die Hälfte aller Menschen&lt;br /&gt;
sind Frauen; doch die Frau ist noch&lt;br /&gt;
immer überwiegend vom gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen Leben ausgeschlossen. Wie im&lt;br /&gt;
Falle des Rassenwahns gibt es auch hier&lt;br /&gt;
keine akzeptablen ethischen, prakti-&lt;br /&gt;
schen oder biologischen Gründe, die&lt;br /&gt;
Emanzipation der Frau, ihre völlige&lt;br /&gt;
rechtliche und soziale Gleichstellung, zu&lt;br /&gt;
verweigern. Durch die bestehende Un-&lt;br /&gt;
gleichheit ist das Prinzip der Gegensei-&lt;br /&gt;
tigkeit empfindlich gestört, zu Lasten&lt;br /&gt;
beider Teile: »Die Verweigerung der&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung bedeutet ein Un-&lt;br /&gt;
recht gegenüber der Hälfte der Weltbe-&lt;br /&gt;
völkerung und leistet bei den Männern&lt;br /&gt;
Vorschub für schädliche Einstellungen&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten, die aus der Familie&lt;br /&gt;
an den Arbeitsplatz, ins politische&lt;br /&gt;
Leben und letztlich in die internationa-&lt;br /&gt;
len Beziehungen hineingetragen wer-&lt;br /&gt;
den.«”° Im Kampf um die Gleichberech-&lt;br /&gt;
tigung der Frau ist Konfrontation aber&lt;br /&gt;
der denkbar schlechteste Weg; die Frau&lt;br /&gt;
ist aufgerufen, durch Leistung zu über-&lt;br /&gt;
zeugen, ohne »männliche« Verhaltens-&lt;br /&gt;
formen zu imitieren.”” Nach den Wor-&lt;br /&gt;
ten ‘Abdul-Bahäs wird das bewußte&lt;br /&gt;
kollektive Eintreten der Frauen gegen&lt;br /&gt;
den Krieg ein Beweis ihrer Reife sein:&lt;br /&gt;
»Sobald die Frauen die Verhältnisse der&lt;br /&gt;
Welt umfassend und gleichberechtigt&lt;br /&gt;
mitgestalten, sobald sie zuversichtlich&lt;br /&gt;
und kompetent die Arena des Rechts&lt;br /&gt;
und der Politik betreten, wird der Krieg&lt;br /&gt;
aufhören...«’® Denn die Frau hat als Er-&lt;br /&gt;
zieherin der Kinder im besonderen&lt;br /&gt;
Maße ein natürliches Interesse gegen&lt;br /&gt;
den Krieg.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den materialen Bestimmungen der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit gehört auch die bestmög-&lt;br /&gt;
liche Erziehung aller. Bildung ist ein we-&lt;br /&gt;
sentliches Gut zur persönlichen Rei-&lt;br /&gt;
fung, zur Entwicklung einer kulturellen&lt;br /&gt;
Identität; ohne die Förderung von Aus-&lt;br /&gt;
bildung und Forschung verarmt eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesellschaft geistig wie materiell. Die&lt;br /&gt;
Erziehung und Ausbildung der Kinder&lt;br /&gt;
ist eine moralische Pflicht für die Eltern,&lt;br /&gt;
eine der zukunftsträchtigsten Aufgaben&lt;br /&gt;
für die Gesellschaft. Die unleugbaren&lt;br /&gt;
Unterschiede der Begabung lassen das&lt;br /&gt;
Prinzip der Gegenseitigkeit hier als glei-&lt;br /&gt;
che Chance zur Entwicklung unter-&lt;br /&gt;
schiedlicher Fähigkeiten konkretisieren.&lt;br /&gt;
Wo diese universale Bildung aus Mit-&lt;br /&gt;
telknappheit noch nicht möglich ist, rät&lt;br /&gt;
das Universale Haus der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
den gesellschaftlichen Entscheidungs-&lt;br /&gt;
trägern »der Bildung von Frauen und&lt;br /&gt;
Mädchen höchste Priorität einzuräu-&lt;br /&gt;
men, denn durch gebildete Mütter kann&lt;br /&gt;
der Nutzen des Wissens am wirksam-&lt;br /&gt;
sten und schnellsten die Gesellschaft&lt;br /&gt;
durchdringen.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung kann nicht wertfrei sein. Bei&lt;br /&gt;
aller kulturellen Verschiedenheit ist hier&lt;br /&gt;
die Friedensfähigkeit zu fördern, nicht&lt;br /&gt;
zuletzt durch die Einsicht einer grundle-&lt;br /&gt;
genden Gemeinsamkeit aller Menschen,&lt;br /&gt;
der gegenüber alle unterscheidenden,&lt;br /&gt;
bislang trennenden Aspekte bloß se-&lt;br /&gt;
kundär sind.®!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wege und Mittel der Kommunikation&lt;br /&gt;
sind extrem ungleich ausgebaut und&lt;br /&gt;
verteilt. Noch immer bestehen erhebli-&lt;br /&gt;
che bürokratische, ideologische, techni-&lt;br /&gt;
sche und systembedingte Hemmnisse&lt;br /&gt;
gegen den freien Fluß von Informa-&lt;br /&gt;
tionen, Personen, Geldmitteln und&lt;br /&gt;
Gütern. Noch immer kommt man von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
76 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Welt-&lt;br /&gt;
frieden, S. 24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 &#039;Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 283f&lt;br /&gt;
78 Promulgation, $. 135&lt;br /&gt;
79 a.a.O., 134f, 175; Shoghi Effendi, in: Frauen 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
80 Weltfrieden, S. 24f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
81 Zur Friedenserziehung siehe Hossain B. Da-&lt;br /&gt;
nesh, Die gewaltlose Gesellschaft: ein Ge-&lt;br /&gt;
schenk für’ unsere Kinder, in: Farzin Dustdar&lt;br /&gt;
(Hg.), Das Modell des Friedens, Wien 1985; zur&lt;br /&gt;
transkulturellen Verständigung Nossrat Pe-&lt;br /&gt;
seschkian, Auf der Suche nach Sinn. Psycho-&lt;br /&gt;
therapie der kleinen Schritte, Frankfurt 1983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 217&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|218|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer afrikanischen Hauptstadt schnel-&lt;br /&gt;
ler nach Europa als in eine andere&lt;br /&gt;
afrikanische Hauptstadt, funktioniert&lt;br /&gt;
die Telefonverbindung zwischen Frank-&lt;br /&gt;
furt und Montreal besser als zwischen&lt;br /&gt;
Sucre und Tocopilla. Erhebliche Teile&lt;br /&gt;
der Weltbevölkerung sind von der&lt;br /&gt;
Teilnahme an einer Diskussion der&lt;br /&gt;
Weltprobleme abgeschnitten; bei der&lt;br /&gt;
Berichterstattung herrschen allgemein&lt;br /&gt;
partikulare Blickwinkel vor. Für alle&lt;br /&gt;
Medien sollte gelten, was Bahä’u’lläh für&lt;br /&gt;
die Presse fordert: Zeitungen sollten&lt;br /&gt;
»Spiegel der Welt« sein, exakt und&lt;br /&gt;
gründlich recherchieren, unparteiisch&lt;br /&gt;
berichten.? Auch für die Kommuni-&lt;br /&gt;
kationswege, für die sich rasant ent-&lt;br /&gt;
wickelnden Kommunikationstechniken&lt;br /&gt;
und die übermittelten Inhalte muß das&lt;br /&gt;
Prinzip der Gegenseitigkeit Norm&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesen künstlichen Barrieren&lt;br /&gt;
ist die gewachsene Vielfalt der Sprachen&lt;br /&gt;
und Schriften ein gravierendes Hinder-&lt;br /&gt;
nis. Die Einigung auf eine Welthilfs-&lt;br /&gt;
sprache würde die Möglichkeit des&lt;br /&gt;
Transfers von Gedanken, Kulturleistun-&lt;br /&gt;
gen und Information, die Chance zu&lt;br /&gt;
einem umfassenden gegenseitigen Aus-&lt;br /&gt;
tausch, der nicht länger nur einige&lt;br /&gt;
wenige Sprachen und Kulturbereiche&lt;br /&gt;
begünstigt, entscheidend fördern. Da&lt;br /&gt;
Denken zudem immer sprachbezogen&lt;br /&gt;
ist, wäre die Teilhabe aller Menschen an&lt;br /&gt;
einer gemeinsamen Sprachwelt neben&lt;br /&gt;
den Muttersprachen ein in seiner Bedeu-&lt;br /&gt;
tung nicht zu überschätzender Beitrag&lt;br /&gt;
zu wirklicher Kommunikation; keine&lt;br /&gt;
der großen regionalen Kulturen der&lt;br /&gt;
Vergangenheit hat sich ohne gemein-&lt;br /&gt;
same Sprachwelt entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
82 Botschaften 4:25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
218 BAHÄT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Idealistische törichte Politik handelt,&lt;br /&gt;
als ob der Zustand schon wirklich sei,&lt;br /&gt;
der als Ziel vor Augen liegt. Realistische&lt;br /&gt;
törichte Politik handelt, als ob jener bes-&lt;br /&gt;
sere Zustand der neuen Politik nie ein-&lt;br /&gt;
treten könne. Beide sind unverantwort-&lt;br /&gt;
lich.« Karl Jaspers®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Jaspers hier als »idealistische tö-&lt;br /&gt;
richte Politik« bezeichnet, unterschätzt&lt;br /&gt;
die Anstrengungen und Fährnisse auf&lt;br /&gt;
dem Weg zur Friedensordnung. Der&lt;br /&gt;
hieraus resultierende Mangel an hart-&lt;br /&gt;
näckiger Geduld kann leicht selbst zur&lt;br /&gt;
Gefahr werden für den Frieden: als Um-&lt;br /&gt;
schlag in Aggression aus enttäuschter&lt;br /&gt;
Erwartung oder als Kapitulation vor der&lt;br /&gt;
Gewalt. »Realistische törichte Politik«&lt;br /&gt;
stellt die Möglichkeit dieser Ordnung&lt;br /&gt;
in Frage und muß daher weiter eine&lt;br /&gt;
Außenpolitik treiben, die allein an na-&lt;br /&gt;
tionaler Interessenmaximierung, ohne&lt;br /&gt;
Rücksicht auf — und wo nötig und&lt;br /&gt;
möglich, gegen — andere Staaten,&lt;br /&gt;
orientiert ist. Letzte Bezugsgröße sol-&lt;br /&gt;
cher Politik bleibt der eigene Staat; alle&lt;br /&gt;
anderen sind nur Konkurrenten oder&lt;br /&gt;
Material im Ringen um die Macht.&lt;br /&gt;
»Right or wrong, my country« ist die&lt;br /&gt;
überlebte Devise einer im Zeitalter glo-&lt;br /&gt;
baler Verflechtung gefährlichen natio-&lt;br /&gt;
nalistischen Ethik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als den »Weg der Verantwortung« be-&lt;br /&gt;
nennt Jaspers »jeden Ansatz zu fördern,&lt;br /&gt;
jeden Keim wachsen zu lassen, jeden&lt;br /&gt;
guten Antrieb zum eigenen zu machen,&lt;br /&gt;
im Realen der Gegenwart schon die&lt;br /&gt;
Möglichkeit der Zukunft mit wahrzu-&lt;br /&gt;
nehmen und im Rahmen der gegenwär-&lt;br /&gt;
tigen Realitäten schon auf sie hin zu den-&lt;br /&gt;
ken und zu handeln«.* Dies erfordert&lt;br /&gt;
eine Außenpolitik, welche die nationa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Die Atombombe, S. 351&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3% 34.a.0. Ganz in diesem Sinne verweist das&lt;br /&gt;
Universale Haus der Gerechtigkeit auf eine&lt;br /&gt;
ganze Reihe von »günstigen Zeichen« für Fort-&lt;br /&gt;
schritte auf dem Weg zum Frieden. Weltfrieden,&lt;br /&gt;
S. 8, 35f&lt;br /&gt;
{{page|219|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
len Interessen gemeinschaftlich mit&lt;br /&gt;
denen anderer Staaten zu optimieren&lt;br /&gt;
sucht, ohne deshalb blind zu sein für&lt;br /&gt;
bestehende Realitäten. Verantwor-&lt;br /&gt;
tungsvolle Politik bedeutet, bewußt den&lt;br /&gt;
Weg der Verflechtung und Integration&lt;br /&gt;
zu gehen, die Entwicklung international&lt;br /&gt;
anerkannter Rechtsnormen und ein Be-&lt;br /&gt;
wußtsein der Zusammengehörigkeit&lt;br /&gt;
aller Völker auf breiter Basis zu fördern,&lt;br /&gt;
die Entfaltung eines internationalen&lt;br /&gt;
Rechtssystems zu betreiben und alle&lt;br /&gt;
konstitutionellen Schritte zu forcieren,&lt;br /&gt;
die zu regionalen und internationalen&lt;br /&gt;
Zusammenschlüssen führen — immer&lt;br /&gt;
mit Blick auf die angestrebte schließli-&lt;br /&gt;
che Weltordnung. Ob das Schwerge-&lt;br /&gt;
wicht auf rechtliche, auf funktionale&lt;br /&gt;
(vorwiegend ökonomische) oder auf er-&lt;br /&gt;
zieherisch/normative Vorgänge gelegt&lt;br /&gt;
wird, ist eine bloß pragmatische, situa-&lt;br /&gt;
tionsabhängige Entscheidung. Notwen-&lt;br /&gt;
dig sind Maßnahmen in allen Berei-&lt;br /&gt;
chen; getan werden muß, was je mög-&lt;br /&gt;
lich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein erhebliches Störpotential sind&lt;br /&gt;
dabei die Vorbehalte und Ängste gegen&lt;br /&gt;
eine Weltordnung. Sie gilt es zu verste-&lt;br /&gt;
hen und zu entkräften. Der erste, häu-&lt;br /&gt;
figste Vorbehalt entstammt einer Zufrie-&lt;br /&gt;
denheit mit dem erreichten Maß an Si-&lt;br /&gt;
cherheit und Wohlstand. »Sichert&lt;br /&gt;
nicht«, so wird gesagt, »gerade das ge-&lt;br /&gt;
genwärtige Gleichgewicht der Kräfte&lt;br /&gt;
durch die beiden großen Militärblöcke&lt;br /&gt;
und deren atomare Bewaffnung schon&lt;br /&gt;
seit vierzig Jahren den Frieden und ga-&lt;br /&gt;
rantiert uns wirtschaftliche Prosperi-&lt;br /&gt;
tät?« Offensichtlich verdrängt solches&lt;br /&gt;
Denken die reale Bedrohung,® über-&lt;br /&gt;
sieht, daß dieses Gleichgewicht stets&lt;br /&gt;
labil und durch neue waffentechnische&lt;br /&gt;
Entwicklungen jederzeit ebenso gefähr-&lt;br /&gt;
det ist wie durch menschliches oder&lt;br /&gt;
technisches Versagen. Ausgeblendet&lt;br /&gt;
wird auch, daß die Zeit nach dem Zwei-&lt;br /&gt;
ten Weltkrieg keineswegs so friedlich&lt;br /&gt;
war, wie es uns in Europa scheinen mag:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa 130 Kriege mit zirka fünfzig Mil-&lt;br /&gt;
lionen Toten sind nicht unbedingt Zei-&lt;br /&gt;
chen einer Epoche des Friedens; ebenso-&lt;br /&gt;
wenig die Tatsache, daß in einem einzi-&lt;br /&gt;
gen Jahr (1982) 600 Milliarden&lt;br /&gt;
US-Dollar für die Rüstung ausgegeben&lt;br /&gt;
wurden, während gleichzeitig Tag für&lt;br /&gt;
Tag mehr als 40 000 Kinder an Unterer-&lt;br /&gt;
nährung sterben. Diese Art »Frieden«&lt;br /&gt;
reicht nicht aus. Sich damit zufriedenge-&lt;br /&gt;
ben zu wollen, gleicht einem Tanz auf&lt;br /&gt;
sehr dünnem Eis. Es muß unsere ge-&lt;br /&gt;
meinsame Sorge sein, zu einer stabileren&lt;br /&gt;
Friedensordnung zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch wenn hierüber Einverneh-&lt;br /&gt;
men erzielt ist, bleiben noch Einwände.&lt;br /&gt;
Sie sind, grob gesagt, von zweierlei Art:&lt;br /&gt;
Zunächst die Skepsis, ob ein Weltstaat&lt;br /&gt;
überhaupt möglich sein kann; dann&lt;br /&gt;
aber auch die Frage, ob er denn wün-&lt;br /&gt;
schenswert sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen die Möglichkeit einer dauer-&lt;br /&gt;
haften, weltumspannenden Friedens-&lt;br /&gt;
ordnung wird mit der biologischen&lt;br /&gt;
Grundausstattung des Menschen argu-&lt;br /&gt;
mentiert: »Kampf und Streit gehört zur&lt;br /&gt;
menschlichen Natur. Menschen sind&lt;br /&gt;
keine Engel, keine Heiligen. Deshalb hat&lt;br /&gt;
es immer Kriege gegeben und wird es&lt;br /&gt;
immer Kriege geben.« Seine moderne&lt;br /&gt;
Begründung nimmt dieser Einwand aus&lt;br /&gt;
der Verhaltensforschung, aus der An-&lt;br /&gt;
nahme eines Aggressionstriebs beim&lt;br /&gt;
Menschen. Wissenschaftlich ist diese&lt;br /&gt;
Hypothese nicht unwidersprochen. An-&lt;br /&gt;
dere Forschungen kommen zu dem Er-&lt;br /&gt;
gebnis, daß Aggression beim Menschen&lt;br /&gt;
ein zwar tiefverwurzeltes, aber nicht an-&lt;br /&gt;
geborenes, sondern erworbenes Verhal-&lt;br /&gt;
ten ist. Doch unabhängig davon, ob&lt;br /&gt;
diese Streitfrage empirisch entschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
85 Vgl. dazu Bahd&#039;i-Briefe 50, $. 138f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
86 Diese Sichtweise wird von Abdu1-Bahä bestä-&lt;br /&gt;
tigt: »In früheren Zeiten entwickelte sich ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aggressionstrieb im Kampf mit wilden Tieren.&lt;br /&gt;
Er ist nicht länger nötig...« Abdul-Bahä in&lt;br /&gt;
London, $. 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 219&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|220|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden kann, muß der Einwand zu-&lt;br /&gt;
rückgewiesen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn der Mensch einen ange-&lt;br /&gt;
borenen Aggressionstrieb besäße,&lt;br /&gt;
könnte dies kein Einwand gegen eine&lt;br /&gt;
Weltfriedensordnung, einen Weltstaat&lt;br /&gt;
sein. Es ist gerade Aufgabe einer jeg-&lt;br /&gt;
lichen gesellschaftlichen Ordnung, egal&lt;br /&gt;
ob Stammesverband, Stadt-, National-&lt;br /&gt;
oder Weltstaat, aggressive Verhaltens-&lt;br /&gt;
weisen der Gesellschaftsglieder zu ver-&lt;br /&gt;
hindern oder wenigstens einzudämmen.&lt;br /&gt;
Gerade wenn Aggressivität ein wesent-&lt;br /&gt;
liches Kennzeichen der menschlichen&lt;br /&gt;
Natur ist, muß es im Interesse des Über-&lt;br /&gt;
lebens institutionelle Sicherungen gegen&lt;br /&gt;
diesen zerstörerischen Trieb geben. Es&lt;br /&gt;
besteht kein logischer Grund für die&lt;br /&gt;
Annahme, daß dies zwar in allen bishe-&lt;br /&gt;
rigen Gesellschaftsverbänden möglich&lt;br /&gt;
war, im Falle eines Weltstaats nun aber&lt;br /&gt;
plötzlich nicht mehr gelten soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Einwand gegen die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit eines institutionell gesicherten&lt;br /&gt;
Weltfriedens wird aus der bisherigen&lt;br /&gt;
Menschheitsgeschichte abgeleitet. »Staa-&lt;br /&gt;
ten oder staatsähnliche Gebilde sind&lt;br /&gt;
ständig neu entstanden und wieder ver-&lt;br /&gt;
gangen. Der Kampf zwischen diesen&lt;br /&gt;
Einheiten ist eine zeitüberdauernde Rea-&lt;br /&gt;
lität und dazu ein Motor des Fort-&lt;br /&gt;
schritts. Krieg wird es deshalb immer&lt;br /&gt;
geben.« Daß die Vernichtung der&lt;br /&gt;
Indianerstaaten Südamerikas, die Zer-&lt;br /&gt;
schlagung der Bantukönigreiche oder&lt;br /&gt;
der Hunnensturm mehr Fortschritt&lt;br /&gt;
brachten, darf füglich bezweifelt wer-&lt;br /&gt;
den. Der erste Teil dieser Aussage ist&lt;br /&gt;
dagegen gewiß zutreffend. Aber es ist&lt;br /&gt;
notwendig, sich diesen historischen&lt;br /&gt;
Prozeß etwas genauer anzusehen. Nor-&lt;br /&gt;
bert Elias, Soziologe, Kulturhistoriker,&lt;br /&gt;
Psychologe, hat dies in einer Betrach-&lt;br /&gt;
tung zum 8. Mai 1985 unternommen.&lt;br /&gt;
Die feststellbare Konstanz des Kriegs&lt;br /&gt;
in der Geschichte erklärt Elias als Ergeb-&lt;br /&gt;
nis der Konkurrenz »autonomer Überle-&lt;br /&gt;
benseinheiten«, von Staaten oder Stäm-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
220 BAHÄT[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men. Im Laufe einer Serie von Ausschei-&lt;br /&gt;
dungskämpfen treten zwei oder drei die-&lt;br /&gt;
ser Einheiten in einen Kampf um die&lt;br /&gt;
Vormacht der jeweiligen Region. Das&lt;br /&gt;
Ziel ist Hegemonie. Bisweilen verbrau-&lt;br /&gt;
chen sich die beteiligten Staaten in&lt;br /&gt;
aussichtslosen Pattsituationen; sie&lt;br /&gt;
werden dann von bislang randständigen&lt;br /&gt;
Mächten überflügelt. Athen, Sparta&lt;br /&gt;
und Theben sind dafür Beispiel, oder&lt;br /&gt;
die westeuropäischen Staaten im Ersten&lt;br /&gt;
und Zweiten Weltkrieg. Das Römische&lt;br /&gt;
Reich ist dagegen Beispiel des Aufstiegs&lt;br /&gt;
einer Hegemonialmacht in jahrhunder-&lt;br /&gt;
telangen Kämpfen. »Wenn es einem&lt;br /&gt;
Staat gelungen ist, bei frühen Ausschei-&lt;br /&gt;
dungskämpfen zwei oder drei annä-&lt;br /&gt;
hernd gleich starke Konkurrenten zu&lt;br /&gt;
besiegen..., dann werden seine führen-&lt;br /&gt;
den Schichten mit großer Regelmäßig-&lt;br /&gt;
keit von der Vorstellung gepackt, es sei&lt;br /&gt;
für ihre Sicherheit nötig, militärisch&lt;br /&gt;
stärker zu sein als irgendein anderer&lt;br /&gt;
Staat in ihrer Reichweite. Die Figura-&lt;br /&gt;
tion, die sie mit anderen Staaten bilden,&lt;br /&gt;
übt auf jeder Stufe eines solchen Aus-&lt;br /&gt;
scheidungskampfes immer von neuem&lt;br /&gt;
einen starken Druck auf sie aus, jeden&lt;br /&gt;
nur möglichen Gegner in die Schranken&lt;br /&gt;
zu fordern und durch dessen Besiegung&lt;br /&gt;
oder Zerstörung die Sicherheit des eige-&lt;br /&gt;
nen Staates zu gewährleisten.«?” Elias&lt;br /&gt;
nennt diese psychosoziale Disposition&lt;br /&gt;
des second to none den furor hegemo-&lt;br /&gt;
nialis, das Hegemonialfieber. Die so&lt;br /&gt;
entstehenden Gebilde stehen in der&lt;br /&gt;
Gefahr, sich zu überdehnen. Die Utopie&lt;br /&gt;
einer absolut sicheren Grenze, durch&lt;br /&gt;
Ausschaltung aller möglichen Konkur-&lt;br /&gt;
renten, war nie zu erreichen. Alexander&lt;br /&gt;
kam nie an daseerträumte Ende der Welt;&lt;br /&gt;
sein in wenigen Jahren erobertes Reich&lt;br /&gt;
kollabierte rasch. Rom bezahlte die&lt;br /&gt;
Überdehnung seiner Kräfte mit einer&lt;br /&gt;
zunehmenden Militarisierung aller&lt;br /&gt;
Lebensverhältnisse. Zentrifugale Kräfte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
87 Elias, Humana conditio, $. 28&lt;br /&gt;
{{page|221|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=27}}im Innern und immer neue äußere&lt;br /&gt;
Feinde ließen bislang noch jede Hege-&lt;br /&gt;
monialmacht wieder zerfallen und leite-&lt;br /&gt;
ten eine neue Serie von Ausscheidungs-&lt;br /&gt;
kämpfen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute geht es mehr denn je darum,&lt;br /&gt;
die Zwangsläufigkeiten bestimmbarer&lt;br /&gt;
Figurationen zu sehen. »Erst wenn man&lt;br /&gt;
aufhört, den sich steigernden Gegensatz&lt;br /&gt;
zwischen der Sowjetunion und den Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten als etwas Einzigartiges,&lt;br /&gt;
ganz für sich zu betrachten, erst wenn&lt;br /&gt;
man sieht, daß es Hunderte von Präze-&lt;br /&gt;
denzfällen gibt, daß es sich hier um eine&lt;br /&gt;
soziale Figuration mit gewissen Regel-&lt;br /&gt;
mäßigkeiten, mit wiederkehrenden Ab-&lt;br /&gt;
läufen handelt, erst dann kann man klar&lt;br /&gt;
herausarbeiten, was an dieser heutigen&lt;br /&gt;
Situation einzigartig ist.«® Zu den hi-&lt;br /&gt;
storischen Regelmäßigkeiten solcher&lt;br /&gt;
bipolaren Hegemonialkämpfe gehören&lt;br /&gt;
im Vorfeld die weitgehende Polarisie-&lt;br /&gt;
rung des Staatensystems, Rüstungs-&lt;br /&gt;
wettlauf und dann die kriegerische Aus-&lt;br /&gt;
tragung des Gegensatzes.® Zweierlei ist&lt;br /&gt;
heute aber ohne Präzedenz: Universali-&lt;br /&gt;
tät und Bedrohung. Krieg zwischen den&lt;br /&gt;
Supermächten ist weder die Fortsetzung&lt;br /&gt;
der Politik mit anderen Mitteln, noch&lt;br /&gt;
eines der bekannten tektonischen Beben&lt;br /&gt;
in den zwischenstaatlichen Beziehun-&lt;br /&gt;
gen, mehr auch als die Existenzgefähr-&lt;br /&gt;
dung für einen oder beide Hegemonial-&lt;br /&gt;
kandidaten: Ein solcher Konflikt birgt&lt;br /&gt;
die Gefahr des universalen Genozids.&lt;br /&gt;
Alle Erfahrungen und Beschreibungen&lt;br /&gt;
der Vergangenheit sind nicht länger&lt;br /&gt;
angemessen. Austragungsort dieses&lt;br /&gt;
Hegemonialkampfes ist die gesamte&lt;br /&gt;
Erde. Gäbe es einen Gewinner, so stün-&lt;br /&gt;
den ihm nie gekannte militärische und&lt;br /&gt;
ökonomische Machtmittel zu Gebote;&lt;br /&gt;
eine weitere effektive Staatenkonkur-&lt;br /&gt;
renz wäre nicht mehr existent. Aller-&lt;br /&gt;
dings ist dieser Ausgang sehr unwahr-&lt;br /&gt;
scheinlich, bei der derzeitigen Kräfte-&lt;br /&gt;
verteilung sogar unmöglich. Wesentlich&lt;br /&gt;
näher liegt die reale Gefahr der weit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gehenden Vernichtung beider Hege-&lt;br /&gt;
monialkandidaten und ihrer Klientel, ja&lt;br /&gt;
die Gefährdung der Bewohnbarkeit der&lt;br /&gt;
Erde überhaupt. In beiden Fällen wäre&lt;br /&gt;
dies wohl auch ein Ende des Kriegs: Ent-&lt;br /&gt;
weder als gewaltsame Pazifizierung&lt;br /&gt;
unter der Knute einer Welthegemonial-&lt;br /&gt;
macht — oder durch das Ende der&lt;br /&gt;
Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich sind wir — so oder so&lt;br /&gt;
— am Ende eines Wegs angelangt. Wir&lt;br /&gt;
kennen die Mechanismen des Kriegs,&lt;br /&gt;
wir wissen um die möglichen Konse-&lt;br /&gt;
quenzen. Aber Fatalismus ist nicht am&lt;br /&gt;
Platz, denn es sind soziale Gesetze, ge-&lt;br /&gt;
schaffen durch menschliches Verhalten,&lt;br /&gt;
abhängig von unseren Entscheidungen.&lt;br /&gt;
Sollten wir da das Unvermeidliche, die&lt;br /&gt;
Überwindung des Kriegs und die Schaf-&lt;br /&gt;
fung einer institutionell gesicherten&lt;br /&gt;
Friedensordnung, nicht besser aus Ein-&lt;br /&gt;
sicht tun? Ob wir es wollen oder nicht,&lt;br /&gt;
wir stehen in einer Entscheidungssitua-&lt;br /&gt;
tion: »Ob der Friede erst nach unvor-&lt;br /&gt;
stellbaren Schrecken erreichbar ist, her-&lt;br /&gt;
aufbeschworen durch stures Beharren&lt;br /&gt;
der Menschheit auf veralteten Verhal-&lt;br /&gt;
tensmustern, oder ob er heute durch&lt;br /&gt;
einen konsultativen Willensakt herbei-&lt;br /&gt;
geführt wird, das ist die Wahl, vor die&lt;br /&gt;
alle Erdenbewohner gestellt sind.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bei vielen erzeugt der Gedanke&lt;br /&gt;
an eine weltumfassende institutionelle&lt;br /&gt;
Friedensordnung Angst: »Ein Welt-&lt;br /&gt;
staat, das wäre eine Tyrannei ohne Aus-&lt;br /&gt;
weg, der Verlust der Freiheit, das uni-&lt;br /&gt;
forme Ende aller Kulturvielfalt.« Man&lt;br /&gt;
darf diese Furcht nicht zu leicht neh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 2.2.0., 5.66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
89 ‘Abdu’l-Bahá spricht die Eigendynamik dieses&lt;br /&gt;
Prozesses an, wenn Er in einem Interview mit&lt;br /&gt;
dem Montreal Daily Star vom 11. September&lt;br /&gt;
1912 erklärte: »Es ist sinnlos, darauf zu hoffen,&lt;br /&gt;
daß die Nationen in ihrem gegenwärtigen Wett-&lt;br /&gt;
rüsten nachlassen werden... Die Rüstung selbst&lt;br /&gt;
führt schon den Krieg herbei...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9% Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Welt-&lt;br /&gt;
frieden, S. 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 221&lt;br /&gt;
{{page|222|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|223|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men, sie ist nicht unbegründet. Würde&lt;br /&gt;
die Pazifizierung der Welt erreicht&lt;br /&gt;
durch ein einheitlich beherrschtes Impe-&lt;br /&gt;
rium, einen Staat, dessen Droh- oder&lt;br /&gt;
Gewaltpotential ausreicht, allen ande-&lt;br /&gt;
ren seinen Willen aufzuzwingen — etwa&lt;br /&gt;
in der Folge einer begrenzten atomaren&lt;br /&gt;
Katastrophe — so wäre eine totalitäre&lt;br /&gt;
Weltdiktatur sogar eher wahrschein-&lt;br /&gt;
lich. Eine solche Zukunft ist nicht ausge-&lt;br /&gt;
schlossen. Ausgehend von der absolu-&lt;br /&gt;
ten Notwendigkeit des Weltfriedens hat&lt;br /&gt;
Carl Friedrich von Weizsäcker dies in&lt;br /&gt;
folgender These ausgedrückt: »Nicht&lt;br /&gt;
die Elimination der Konflikte, sondern&lt;br /&gt;
die Elimination einer bestimmten Art&lt;br /&gt;
ihres Austrags ist der unvermeidliche&lt;br /&gt;
Friede der technischen Welt. Dieser&lt;br /&gt;
Weltfriede könnte sehr wohl eine der&lt;br /&gt;
düstersten Epochen der Menschheitsge-&lt;br /&gt;
schichte werden. Der Weg zu ihm&lt;br /&gt;
könnte ein letzter Weltkrieg oder bluti-&lt;br /&gt;
ger Umsturz, seine Gestalt könnte die&lt;br /&gt;
einer unentrinnbaren Diktatur sein.&lt;br /&gt;
Gleichwohl ist er notwendig.«” Jaspers&lt;br /&gt;
sieht die Gefahr eines Weltdespotismus&lt;br /&gt;
nicht nur in der Genese eines solchen&lt;br /&gt;
Einheitsstaats, sondern auch in dessen&lt;br /&gt;
faktischem Gewaltmonopol: »Denn&lt;br /&gt;
jede Macht, die alle Gewalt in einer&lt;br /&gt;
Hand konzentriert, vernichtet alsbald&lt;br /&gt;
die Freiheit.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer institutio-&lt;br /&gt;
nellen Weltfriedensordnung wird davon&lt;br /&gt;
nicht berührt. Im Gegenteil: Gerade&lt;br /&gt;
dann, wenn wir uns nicht um eine an-&lt;br /&gt;
dere Form der institutionellen Friedens-&lt;br /&gt;
sicherung bemühen, verbleiben uns mit&lt;br /&gt;
ständig zunehmender Unausweichlich-&lt;br /&gt;
keit Vernichtung oder Weltdespotie als&lt;br /&gt;
einzige Alternative. Der vernünftige,&lt;br /&gt;
für die Menschheit gangbare Weg in den&lt;br /&gt;
Frieden ist ein weltumspannender Föde-&lt;br /&gt;
ralismus.” Dieser Föderalismus bedingt&lt;br /&gt;
die freiwillige vertraglich fixierte Souve-&lt;br /&gt;
ränitätsbegrenzung aller Staaten der&lt;br /&gt;
Welt zugunsten einer übergeordneten&lt;br /&gt;
Exekutive. Deren »Souveränität kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beschränkt sein auf jene elementaren&lt;br /&gt;
Machtfragen — Militär, Polizei, Geset-&lt;br /&gt;
zesschöpfung — und an dieser Souverä-&lt;br /&gt;
nität kann durch Wahl und Mitwirkung&lt;br /&gt;
die gesamte Menschheit beteiligt&lt;br /&gt;
sein.«’ Auch Elias sieht als einzigen&lt;br /&gt;
Ausweg die freiwillige Souveränitäts-&lt;br /&gt;
übertragung an eine Konföderation&lt;br /&gt;
aller Staaten der Erde, mit effektiven&lt;br /&gt;
Organen zur zwischenstaatlichen Kon-&lt;br /&gt;
fliktlösung und der Fähigkeit zur Bestra-&lt;br /&gt;
fung von Friedensbrechern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nähe dieser Vorschläge zu&lt;br /&gt;
Bahäullähs Konzept des Geringeren&lt;br /&gt;
Friedens ist auffällig. Durch Freiwillig-&lt;br /&gt;
keit des Zusammenschlusses, föderative&lt;br /&gt;
Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, die Ga-&lt;br /&gt;
rantie grundlegender Menschenrechte&lt;br /&gt;
und sozialen Ausgleich können die&lt;br /&gt;
möglichen negativen Begleiterscheinun-&lt;br /&gt;
gen eines Weltstaats aufgefangen wer-&lt;br /&gt;
den. Alle diese Elemente sind Bestand-&lt;br /&gt;
teile des von Bahä’u/lläh vorgesehenen&lt;br /&gt;
Vertragswerks. Nicht alle Souveräni-&lt;br /&gt;
tätsrechte gehen an die Weltexekutive&lt;br /&gt;
über, sondern lediglich die, welche zur&lt;br /&gt;
Friedenssicherung unumgänglich sind:&lt;br /&gt;
der Anspruch auf Kriegführung, dazu&lt;br /&gt;
Teile der Steuerhoheit. Selbst die Rü-&lt;br /&gt;
stungspolitik bleibt den Gliedstaaten&lt;br /&gt;
insoweit überlassen, wie es zur »Auf-&lt;br /&gt;
rechterhaltung der inneren Ordnung«&lt;br /&gt;
nötig ist.” Die Weltexekutive ist damit&lt;br /&gt;
kein omnipotenter zentralistischer&lt;br /&gt;
Machtapparat; sie soll zudem demokra-&lt;br /&gt;
tischer Kontrolle unterworfen sein.”&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá spricht sich ausdrücklich&lt;br /&gt;
gegen jeglichen Zentralismus aus und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
91 Der bedrohte Friede, $. 127&lt;br /&gt;
92 Die Atombombe, 5. 65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
93 So Jaspers, Ursprung, 5. 190ff; vgl. Die Atom-&lt;br /&gt;
bombe, S. 71; auch Weizsäcker, Der bedrohte&lt;br /&gt;
Friede, S. 23£ff, 209, und Wege in der Gefahr, $.&lt;br /&gt;
263&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
94 Jaspers, Ursprung, $. 193&lt;br /&gt;
95 Shoghi Effendi, Weltordnung, $. 66&lt;br /&gt;
% 2.a0., 5.67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 223&lt;br /&gt;
{{page|224|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
empfiehlt eine Weltföderation, in der&lt;br /&gt;
»jede Provinz völlig selbständig ist, wo es&lt;br /&gt;
aber einen Bund gibt, der die Interessen&lt;br /&gt;
der unterschiedlichen unabhängigen&lt;br /&gt;
Staaten schützt... Den Zentralismus ab-&lt;br /&gt;
zuschaffen, da er die Despotie fördert,&lt;br /&gt;
ist das Erfordernis der Zeit.«” Auch die&lt;br /&gt;
vorgeschlagene Zusammensetzung des&lt;br /&gt;
Weltschiedsgerichtshofs drückt das Be-&lt;br /&gt;
streben aus, keine Nation, Staaten-&lt;br /&gt;
gruppe oder Rechtstradition zu benach-&lt;br /&gt;
teiligen; die Mitglieder dieses Gerichts-&lt;br /&gt;
hofs sind von den Nationalparlamenten&lt;br /&gt;
zu wählen. Die Zahl der Abgeordneten&lt;br /&gt;
steht im Verhältnis zur Bevölkerungs-&lt;br /&gt;
zahl des Landes. Die Wahl ist vom&lt;br /&gt;
Oberhaus, durch das Kabinett und den&lt;br /&gt;
Präsidenten oder Monarchen des jewei-&lt;br /&gt;
ligen Staats zu bestätigen, damit jeder&lt;br /&gt;
dieser gewählten Richter »die ganze Na-&lt;br /&gt;
tion« vertritt. Gleichzeitig legt Abdull-&lt;br /&gt;
Bahä Wert auf Persönlichkeiten, die zur&lt;br /&gt;
Unabhängigkeit ihrer Entscheidungen&lt;br /&gt;
befähigt sind. Benannt werden sollen&lt;br /&gt;
»die Edelsten ihres Volkes, Kenner des&lt;br /&gt;
internationalen Rechts sowie der inter-&lt;br /&gt;
nationalen Beziehungen, dazuhin ver-&lt;br /&gt;
traut mit den wesentlichen Bedürfnissen&lt;br /&gt;
der heutigen Menschheit«.”®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zu manchen Einwän-&lt;br /&gt;
den wird die Vielfalt der Kulturen und&lt;br /&gt;
Traditionen in einer solchen Weltföde-&lt;br /&gt;
ration als Chance aufgefaßt. »Einheit in&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit« ist das Programm&lt;br /&gt;
einer zu schaffenden Weltkultur; dabei&lt;br /&gt;
geht es »nicht um Einheit, die zu Unei-&lt;br /&gt;
nigkeit führt, oder um Eintracht, die&lt;br /&gt;
Zwietracht schafft«”. Kulturimperialis-&lt;br /&gt;
mus, Anpassungszwang, Uniformie-&lt;br /&gt;
rung sind von Übel. Statt dessen wird&lt;br /&gt;
eine Pluralität gefördert, die nicht auf&lt;br /&gt;
ein gleichgültiges Nebeneinander, son-&lt;br /&gt;
dern auf eine facettenreiche Einheit ge-&lt;br /&gt;
richtet ist. Quelle dieser Einheit muß&lt;br /&gt;
Anerkennung und Gegenseitigkeit sein,&lt;br /&gt;
»eine Stufe, auf der jede verdienstvolle&lt;br /&gt;
Seele ihren Teil erhält«!®. Politisch geht&lt;br /&gt;
es um einen Interessenausgleich zwi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
224 BAHÄT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen Nationalstaat und Weltordnung.&lt;br /&gt;
Mehr noch: langfristig ist eine Interes-&lt;br /&gt;
senoptimierung auch für den National-&lt;br /&gt;
staat nur über die föderale Friedens-&lt;br /&gt;
ordnung zu erreichen. So antwortete&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá auf die Frage eines hohen&lt;br /&gt;
US-Regierungsbeamten, wie er denn die&lt;br /&gt;
Interessen seiner Regierung und seines&lt;br /&gt;
Landes am besten fördern könne: »Sie&lt;br /&gt;
können ihrem Land am besten dienen,&lt;br /&gt;
indem Sie in Ihrer Eigenschaft als Welt-&lt;br /&gt;
bürger bestrebt sind mitzuhelfen, daß&lt;br /&gt;
das Prinzip des Föderalismus, das der&lt;br /&gt;
Regierung Ihres eigenen Landes zu-&lt;br /&gt;
grunde liegt, endlich auf die Beziehun-&lt;br /&gt;
gen angewandt wird, die jetzt zwischen&lt;br /&gt;
den Völkern und Nationen der Welt be-&lt;br /&gt;
stehen.«!&amp;quot;! Shoghi Effendi faßt diesen&lt;br /&gt;
Aspekt des Geringeren Friedens aus den&lt;br /&gt;
Lehren und dem Gesetz Bahä’u’llähs zu-&lt;br /&gt;
sammen: »Weit davon entfernt, auf den&lt;br /&gt;
Umsturz der bestehenden Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnungen abzuzielen, sucht es ihre&lt;br /&gt;
Grundlagen zu erweitern, ihre Institu-&lt;br /&gt;
tionen in einer Weise umzugestalten, die&lt;br /&gt;
mit den Bedürfnissen einer stets sich&lt;br /&gt;
wandelnden Welt in Einklang steht. Es&lt;br /&gt;
kann mit keiner rechtmäßigen Unterta-&lt;br /&gt;
nenpflicht in Widerspruch sein, noch&lt;br /&gt;
kann es wirkliche Treue untergraben.&lt;br /&gt;
Seine Absicht ist weder, die Flamme&lt;br /&gt;
einer vernünftigen Vaterlandsliebe in&lt;br /&gt;
den Herzen der Menschen zu ersticken,&lt;br /&gt;
noch den Grundsatz nationaler Selb-&lt;br /&gt;
ständigkeit abzuschaffen, der so we-&lt;br /&gt;
sentlich ist, wenn die Übel übertriebe-&lt;br /&gt;
ner Zentralisation vermieden werden&lt;br /&gt;
sollen. Es übersieht weder die Verschie-&lt;br /&gt;
denheiten der völkischen Herkunft, des&lt;br /&gt;
Klimas, der Geschichte, Sprache und&lt;br /&gt;
Überlieferung, des Denkens und der Ge-&lt;br /&gt;
wohnheit, die die Völker und Länder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
97 Promulgation, $. 167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
98 Briefe 227:31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Bahä’u’lläh, Botschaften 11:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 4.2.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
101 Zitiert in: Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 61&lt;br /&gt;
{{page|225|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=31}}der Erde unterschiedlich gestalten, noch&lt;br /&gt;
versücht es, sie auszumerzen... Es be-&lt;br /&gt;
steht auf der Unterordnung nationaler&lt;br /&gt;
Belange unter die zwingenden Ansprü-&lt;br /&gt;
che einer geeinten Welt. Es verwirft ei-&lt;br /&gt;
nerseits die übersteigerte Zentralisation&lt;br /&gt;
und entsagt zum andern allen Versu-&lt;br /&gt;
chen der Gleichmacherei. Seine Losung&lt;br /&gt;
ist Einheit in der Mannigfaltigkeit...«!”&lt;br /&gt;
Es bleiben Einwände: »Der Gedanke&lt;br /&gt;
einer Weltföderation klingt gut. Aber&lt;br /&gt;
geht er nicht an der Realität vorbei? Die&lt;br /&gt;
Welt ist nicht nur machtpolitisch in zwei&lt;br /&gt;
Lager gespalten; jede Seite vertritt offen-&lt;br /&gt;
siv eine bestimmte Vorstellung vom&lt;br /&gt;
Menschen und der Gesellschaft. Diese&lt;br /&gt;
Ideologien sind unverzichtbare Be-&lt;br /&gt;
standteile der Ordnungspolitik und Le-&lt;br /&gt;
gitimation der verschiedenen Systeme.&lt;br /&gt;
Wie sollte da ein föderativer Zusam-&lt;br /&gt;
menschluß überhaupt möglich sein?«&lt;br /&gt;
Diesem Einwand liegen zwei aufeinan-&lt;br /&gt;
der bezogene Argumente zugrunde: Das&lt;br /&gt;
eine setzt voraus, daß die ideologischen&lt;br /&gt;
Gräben auf Dauer bestehen werden.&lt;br /&gt;
Das zweite hält die ideologische Eini-&lt;br /&gt;
gung für die unbedingte Voraussetzung&lt;br /&gt;
einer institutionellen Friedenssiche-&lt;br /&gt;
rung, eines föderativen Weltstaats.&lt;br /&gt;
Werner Becker — seine Argumenta-&lt;br /&gt;
tion steht für viele andere Befürworter&lt;br /&gt;
eines Abschreckungsfriedens — sieht&lt;br /&gt;
machtpolitische Stellung und Gesell-&lt;br /&gt;
schaftsideologie der beiden Super-&lt;br /&gt;
mächte als untrennbar verbunden. »Die&lt;br /&gt;
USA und die UdSSR sind natürliche&lt;br /&gt;
Feinde, weil sie in ihren Staatsauffas-&lt;br /&gt;
sungen Lebens- und Gesellschaftsideale&lt;br /&gt;
verkörpern, die einander ausschließen.&lt;br /&gt;
Es sind Ideale, die nicht auf Koexistenz&lt;br /&gt;
angelegt sind, weil jede Seite das ihre&lt;br /&gt;
mit dem Anspruch auf globale Geltung&lt;br /&gt;
vertritt.«!® Zwar könne diese Feind-&lt;br /&gt;
schaft aufgrund der damit einhergehen-&lt;br /&gt;
den Existenzbedrohung nicht kriege-&lt;br /&gt;
risch ausgetragen werden, aber eine&lt;br /&gt;
weitergehende Kooperation, ein Über-&lt;br /&gt;
gang zu gemeinsamem ordnungspoliti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schem Handeln sei ausgeschlossen:&lt;br /&gt;
»Die Vereinigten Staaten können weder&lt;br /&gt;
nach innen noch nach außen ihre welt-&lt;br /&gt;
politische Rolle rechtfertigen, ohne die&lt;br /&gt;
ideologische Feindschaft gegen jede&lt;br /&gt;
Form von Diktatur, besonders gegen die&lt;br /&gt;
am meisten totalitäre — die durch die&lt;br /&gt;
Sowjetunion repräsentierte kommuni-&lt;br /&gt;
stische — in den Mittelpunkt ihres au-&lt;br /&gt;
Benpolitischen Selbstverständnisses zu&lt;br /&gt;
stellen. Genausowenig kann die Sowjet-&lt;br /&gt;
union die kommunistische Weltrevolu-&lt;br /&gt;
tion, und damit die Feindschaft gegen&lt;br /&gt;
den westlichen Kapitalismus, aus ihrer&lt;br /&gt;
Selbstdarstellung streichen. Sie verlöre&lt;br /&gt;
— auch in den Augen der russischen Be-&lt;br /&gt;
völkerung — das Ansehen der Füh-&lt;br /&gt;
rungsmacht des kommunistischen La-&lt;br /&gt;
gers.«! Zwar muß das realpolitische&lt;br /&gt;
Interesse beider Staaten allein am ge-&lt;br /&gt;
meinsamen Überleben orientiert sein;&lt;br /&gt;
gegenüber der Bevölkerung sei aber ein&lt;br /&gt;
Verzicht auf den eigenen ideologischen&lt;br /&gt;
Anspruch unmöglich, da damit die&lt;br /&gt;
Grundlage des militärischen Status quo&lt;br /&gt;
und in der Folge die Garantie des gegen-&lt;br /&gt;
seitigen Wohlverhaltens verloren ginge:&lt;br /&gt;
»Weder in den USA und in den westeu-&lt;br /&gt;
ropäischen Demokratien noch bei den&lt;br /&gt;
Völkern der UdSSR ließe sich Verteidi-&lt;br /&gt;
gungsbereitschaft mobilisieren, wenn es&lt;br /&gt;
nicht im Dienst der jeweils eigenen poli-&lt;br /&gt;
tischen Grundwerte geschähe.«!®&lt;br /&gt;
Diese Argumentation setzt den fest-&lt;br /&gt;
gefügten allgemeinen Glauben an die ei-&lt;br /&gt;
gene Ideologie voraus. In Wahrheit sind&lt;br /&gt;
die Menschen viel mehr auf die unmit-&lt;br /&gt;
telbare Bewältigung ihres täglichen Le-&lt;br /&gt;
bens bezogen. Systemstabilisierend wir-&lt;br /&gt;
ken Gewöhnung und unspezifische&lt;br /&gt;
Ängste, die sich auf ein austauschbares&lt;br /&gt;
Feindbild projizieren lassen; die eigene&lt;br /&gt;
Ideologie wird darum nicht glaubhaf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
102 Weltordnung, 5. 67f&lt;br /&gt;
103 Der Streit, $. 78&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
104 2,.2.0., 5. 83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 4.2.0,, S. 108&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 225&lt;br /&gt;
{{page|226|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ter. Die ideologischen Ansprüche sind&lt;br /&gt;
längst erodiert. Bisweilen mögen sie&lt;br /&gt;
noch zur kurzfristigen regionalen Mobi-&lt;br /&gt;
lisierung taugen; im Weltmaßstab&lt;br /&gt;
haben die enttäuschten Hoffnungen der&lt;br /&gt;
ideologischen Versprechen einer besse-&lt;br /&gt;
ren Welt nurmehr Apathie hinterlassen.&lt;br /&gt;
Viel zu oft wurde ein Krieg als »der&lt;br /&gt;
letzte« im Kampf gegen das absolut Böse&lt;br /&gt;
apostrophiert; viel zu oft wurden Ent-&lt;br /&gt;
behrungen und Opfer verlangt für eine&lt;br /&gt;
bessere, gerechtere Welt, die dann nicht&lt;br /&gt;
kam. »Die Zeit ist gekommen, daß die&lt;br /&gt;
Dogmenprediger des Materialismus —&lt;br /&gt;
im Osten wie im Westen, im Kapitalis-&lt;br /&gt;
mus wie im Sozialismus — Rechen-&lt;br /&gt;
schaft ablegen müssen über die mora-&lt;br /&gt;
lische Führung, die auszuüben sie sich&lt;br /&gt;
anmaßen. Wo ist die von diesen Ideolo-&lt;br /&gt;
gien verheißene »neue Welt«? Wo ist der&lt;br /&gt;
internationale Friede, für dessen Ideale&lt;br /&gt;
sie ihre Ergebenheit bekunden?&lt;br /&gt;
Warum versinkt in unserer Welt der&lt;br /&gt;
Großteil der Völker immer tiefer in&lt;br /&gt;
Hunger und Elend, wenn den heutigen&lt;br /&gt;
Sachwaltern der Gesellschaft Reichtum&lt;br /&gt;
in einem Maße zur Verfügung steht, von&lt;br /&gt;
dem die Pharaonen, die Caesaren oder&lt;br /&gt;
selbst die imperialistischen Mächte des&lt;br /&gt;
19. Jahrhunderts nicht hätten träumen&lt;br /&gt;
können?«!%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die allmähliche Überwindung&lt;br /&gt;
tiefsitzender ideologischer Feindschaf-&lt;br /&gt;
ten möglich ist, dafür gibt es historische&lt;br /&gt;
Beispiele. Elias verweist auf das Zeit-&lt;br /&gt;
alter der Glaubenskämpfe. Die uner-&lt;br /&gt;
bittliche Feindschaft zwischen den An-&lt;br /&gt;
hängern der christlichen Konfessionen&lt;br /&gt;
saß sicherlich tiefer, als die ideolo-&lt;br /&gt;
gischen Spannungen heute; ging es für&lt;br /&gt;
die Zeitgenossen doch um mehr als um&lt;br /&gt;
Ordnungspolitik und zeitlich begrenzte,&lt;br /&gt;
irdische Freiheit: Es ging um die eigene&lt;br /&gt;
Seligkeit, um das Ewige Leben. Doch&lt;br /&gt;
die unsäglichen Leiderfahrungen der&lt;br /&gt;
Religionskriege brachten eine Neuori-&lt;br /&gt;
entierung des Denkens; Vernunft und&lt;br /&gt;
Humanität sollten an die Stelle eifernder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
226 BAHAT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaubensloyalitäten treten. Der Glaube&lt;br /&gt;
verlor seine zentrale Stellung, Leben&lt;br /&gt;
und Denken säkularisierten sich. Keine&lt;br /&gt;
Ideologie, keine religiöse und schon gar&lt;br /&gt;
keine säkulare, ist auf Dauer resistent&lt;br /&gt;
gegen die Erfahrung des durch sie ge-&lt;br /&gt;
zeugten Leids. Appellativ bringt Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi dies zum Ausdruck, wenn er&lt;br /&gt;
schreibt: »Wenn lang gehegte Ideale,&lt;br /&gt;
wenn altehrwürdige Institutionen,&lt;br /&gt;
wenn gesellschaftliche Postulate und re-&lt;br /&gt;
ligiöse Glaubensbekenntnisse das Wohl&lt;br /&gt;
der Gesamtheit aller Menschen nicht&lt;br /&gt;
mehr fördern, wenn sie den Bedürfnis-&lt;br /&gt;
sen einer sich ständig entwickelnden&lt;br /&gt;
Menschheit nicht länger gerecht wer-&lt;br /&gt;
den, dann fegt sie hinweg und verbannt&lt;br /&gt;
sie in die Rumpelkammer veralteter und&lt;br /&gt;
vergessener Doktrinen! Warum sollten&lt;br /&gt;
sie in einer Welt, die dem unabänder-&lt;br /&gt;
lichen Gesetz des Wandels und Verfalls&lt;br /&gt;
unterliegt, von der Entartung verschont&lt;br /&gt;
bleiben, die alle menschlichen Einrich-&lt;br /&gt;
tungen zwangsläufig ereilt? Rechtsnor-&lt;br /&gt;
men, politische und wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Theorien sind nur dazu da, die Interes-&lt;br /&gt;
sen der Menschheit als Ganzes zu schüt-&lt;br /&gt;
zen; nicht aber ist die Menschheit dazu&lt;br /&gt;
da, für die unversehrte Aufrechterhal-&lt;br /&gt;
tung eines bestimmten Gesetzes oder&lt;br /&gt;
Lehrsatzes gekreuzigt zu werden.«!”&lt;br /&gt;
Doch unabhängig davon, ob und wie&lt;br /&gt;
lange diese Ideologien fortbestehen, ist&lt;br /&gt;
auch die zweite Voraussetzung dieses&lt;br /&gt;
Einwands nicht fraglos. Müßten sich bei&lt;br /&gt;
einem föderativen Zusammenschluß&lt;br /&gt;
wirklich alle Staaten der Erde auf eine&lt;br /&gt;
gemeinsame binnenstaatliche Ord-&lt;br /&gt;
nungspolitik, auf eine gemeinsame Ide-&lt;br /&gt;
ologie einigen? Bemühen wir nochmals&lt;br /&gt;
das historische Beispiel des konfes-&lt;br /&gt;
sionell gespaltenen Europas im 17. und&lt;br /&gt;
18. Jahrhundert. Nach einer Übergangs-&lt;br /&gt;
phase des cuius regio, eius religio be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Welt-&lt;br /&gt;
frieden, S. 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Weltordnung, S. 69&lt;br /&gt;
{{page|227|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=33}}standen die verschiedenen Religionen&lt;br /&gt;
nebeneinander in einem politischen Ge-&lt;br /&gt;
meinwesen; der Staat wurde zum Ga-&lt;br /&gt;
ranten religiöser Toleranz. Grundlage&lt;br /&gt;
dafür war die funktionale Reduzierung&lt;br /&gt;
der Staatsaufgaben auf die Garantie des&lt;br /&gt;
formalen Friedens in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
sowie das gegenseitige Übereinkommen&lt;br /&gt;
zwischen staatlichen und religiösen In-&lt;br /&gt;
stitutionen, sich nicht in den Zuständig-&lt;br /&gt;
keitsbereich des anderen einzumischen.&lt;br /&gt;
Warum sollte sich eine entsprechende&lt;br /&gt;
funktionale Arbeitsteilung nicht auch&lt;br /&gt;
auf einen föderalen Weltstaat übertra-&lt;br /&gt;
gen lassen? Struktur und Verfassung&lt;br /&gt;
eines solchen Bundes könnten durchaus&lt;br /&gt;
darauf ausgerichtet sein, die nationale&lt;br /&gt;
Eigenständigkeit gerade in Fragen der&lt;br /&gt;
Ordnungspolitik weitgehend zu bewah-&lt;br /&gt;
ren und zu garantieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz in diesem Sinne antwortete&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahá, als Er in den Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten gefragt wurde, ob denn der&lt;br /&gt;
Weltfriede nicht die Errichtung der De-&lt;br /&gt;
mokratie in allen Staaten der Erde zur&lt;br /&gt;
Voraussetzung habe, mit dem Hinweis&lt;br /&gt;
auf den föderalen Charakter dieser Frie-&lt;br /&gt;
densordnung. Vordringlich ist, »daß es&lt;br /&gt;
in Zukunft keine Zentralisierung in den&lt;br /&gt;
Ländern... geben wird.« Demgegenüber&lt;br /&gt;
ist ihr politisches System sekundär:&lt;br /&gt;
»...egal ob ihre Regierungsform konsti-&lt;br /&gt;
tutionell, republikanisch oder demo-&lt;br /&gt;
kratisch ist.« Unabhängig von ihrer&lt;br /&gt;
Regierungs- und Gesellschaftsform sol-&lt;br /&gt;
len alle Staaten in einem föderalen Bund&lt;br /&gt;
zusammengeschlossen sein. Aufgabe&lt;br /&gt;
des Bundes ist, »die Interessen der unter-&lt;br /&gt;
schiedlichen unabhängigen Staaten zu&lt;br /&gt;
schützen«. Auf den Bund bezogen, faßt&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha nochmals zusammen: »Er&lt;br /&gt;
braucht keine republikanische oder&lt;br /&gt;
demokratische Ordnung zu haben. Den&lt;br /&gt;
Zentralismus abzuschaffen, da er die&lt;br /&gt;
Despotie fördert, ist das Erfordernis der&lt;br /&gt;
Zeit.«!® Ist diese Überlebensordnung&lt;br /&gt;
einmal geschaffen, dann kann und muß&lt;br /&gt;
die innere Ausgestaltung einvernehm-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich vorangehen. In den von Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä so genannten »Lichtern der Ein-&lt;br /&gt;
heit« finden sich denn auch »die Einheit&lt;br /&gt;
im politischen Bereich«, »die Einheit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationen« und »die Einheit in der Frei-&lt;br /&gt;
heit«.1%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Logik säkularer Ersatzlösungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche werden gegen diese Skizze des&lt;br /&gt;
Geringeren Friedens einwenden, dies sei&lt;br /&gt;
kein wirklicher Frieden, die Maßnah-&lt;br /&gt;
men blieben zu äußerlich, garantierten&lt;br /&gt;
nicht eine wirklich friedfertige Gesell-&lt;br /&gt;
schaft. Dieser Einwand besteht zu&lt;br /&gt;
Recht. Aber heute geht es nicht um ein&lt;br /&gt;
himmlisches oder säkulares Friedens-&lt;br /&gt;
reich, sondern ums Überleben. Der&lt;br /&gt;
ewige Frieden mag, soll unsere Hoff-&lt;br /&gt;
nung sein; unmittelbar erreichen wer-&lt;br /&gt;
den wir ihn nicht. Die Menschheit hat&lt;br /&gt;
das Gnadengeschenk des Größten Frie-&lt;br /&gt;
dens zurückgewiesen; er ist uns wieder&lt;br /&gt;
künftige Verheißung, auf die wir gläu-&lt;br /&gt;
big hoffen dürfen. Aber dieses göttliche&lt;br /&gt;
Friedensreich wird weder vom Himmel&lt;br /&gt;
fallen, noch läßt es sich politisch&lt;br /&gt;
erzwingen, gar herbeibomben. Im An-&lt;br /&gt;
gesicht der Gefahr brauchen wir eine&lt;br /&gt;
mittelfristige Not-Lösung — statt des&lt;br /&gt;
ewigen, des himmlischen Friedens we-&lt;br /&gt;
nigstens einen gesicherten Frieden der&lt;br /&gt;
Waffen. Abschreckung ist da nicht&lt;br /&gt;
genug; man mag die Wahrscheinlichkeit&lt;br /&gt;
für geringer oder größer halten, daß das&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Schreckens versagt&lt;br /&gt;
— die Konsequenz wäre tödlich, tödlich&lt;br /&gt;
in einer bislang unvorstellbaren Dimen-&lt;br /&gt;
sion. Ein bloßer Abschreckungsfrieden&lt;br /&gt;
ist instabil, nicht zukunftsfähig. Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
108 Promulgation, S. 167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
109 Zitiert in: Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 64.&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi bemerkt an anderer Stelle, daß&lt;br /&gt;
die Reihenfolge der von Abdul-Bahä genann-&lt;br /&gt;
ten sieben »Lichtstrahlen der Einheit« nicht als&lt;br /&gt;
vorgegeben betrachtet werden kann. Directi-&lt;br /&gt;
ves from the Guardian, New Delhi 1973, S. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 227&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|228|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden muß eine institutionelle Form&lt;br /&gt;
finden, die für alle Staaten akzeptabel&lt;br /&gt;
ist, eine Form, die sie mehrheitlich be-&lt;br /&gt;
wahren wollen; und diese Form bedarf&lt;br /&gt;
der Mittel und Maßnahmen, die ihr&lt;br /&gt;
Stabilität geben. Wenn wir die Welt&lt;br /&gt;
in eitel Liebe und Frieden (noch) nicht&lt;br /&gt;
haben können, dann müssen wir wol-&lt;br /&gt;
len, was möglich ist. Eben den Gerin-&lt;br /&gt;
geren Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist hilfreich, hier auf die Unter-&lt;br /&gt;
scheidung zwischen einem formalen&lt;br /&gt;
und einem inhaltlichen Begriff des&lt;br /&gt;
Friedens zurückzugreifen. Ein formal&lt;br /&gt;
verstandener Friede löst keine Kon-&lt;br /&gt;
flikte; aber er bietet Regeln und Insti-&lt;br /&gt;
tutionen zu ihrer nichtkriegerischen&lt;br /&gt;
Austragung. Eine verbindliche Schlich-&lt;br /&gt;
tungs- oder Schiedsinstanz ist Teil des&lt;br /&gt;
Systems. Das Gewaltmonopol ist be-&lt;br /&gt;
sonderen Einrichtungen übertragen, die&lt;br /&gt;
auf dieses Regelsystem verpflichtet sind.&lt;br /&gt;
Ein solcher Frieden schafft nicht Har-&lt;br /&gt;
monie, aber bietet Schutz und Sicher-&lt;br /&gt;
heit. Er tritt nicht mit moralischem&lt;br /&gt;
Anspruch auf, er will Rechtssicherheit.&lt;br /&gt;
Er entnimmt seine Legitimation nicht&lt;br /&gt;
einem Wahrheitsanspruch, sondern der&lt;br /&gt;
Vereinbarung zwischen Vertragspart-&lt;br /&gt;
nern. Sein Modell ist der Rechtsstaat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das inhaltliche Friedensverständnis&lt;br /&gt;
will mehr. Ihm liegt ein bestimmter&lt;br /&gt;
Begriff sozialer Gerechtigkeit, eine ge-&lt;br /&gt;
waltfreie Gesellschaftsvision, ein irdi-&lt;br /&gt;
sches oder himmlisches Friedenstelos&lt;br /&gt;
zugrunde. Solcher Frieden hat einen&lt;br /&gt;
moralischen Anspruch. Er will, er muß&lt;br /&gt;
bekehren. Wo dieser Missionswille poli-&lt;br /&gt;
tisch wird, kommt es zum Streit um den&lt;br /&gt;
Frieden. Eine Vielzahl kapitalistischer,&lt;br /&gt;
sozialistischer, pazifistischer, christ-&lt;br /&gt;
licher, muslimischer und sonstiger Kon-&lt;br /&gt;
zepte stehen sich hier weitgehend un-&lt;br /&gt;
versöhnlich gegenüber. Modell dieses&lt;br /&gt;
Friedens ist die weltanschaulich einheit-&lt;br /&gt;
liche, geschlossene Gemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geringere Frieden will Frieden&lt;br /&gt;
trotz gegensätzlicher Positionen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
228 BAHÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Systeme ermöglichen. Er ist keine Frage&lt;br /&gt;
des (ideologischen) Glaubens, sondern&lt;br /&gt;
der planenden Vernunft. Der Weg zum&lt;br /&gt;
Geringeren Frieden führt nicht über&lt;br /&gt;
Umkehr, Konversion, Bekennertum,&lt;br /&gt;
Kreuzzüge, sondern über politische Ver-&lt;br /&gt;
einbarungen im wohlerwogenen Eigen-&lt;br /&gt;
interesse aller Staaten. Der Geringere&lt;br /&gt;
Frieden verbleibt darum weitgehend auf&lt;br /&gt;
der Ebene des formalen Friedens. Wo&lt;br /&gt;
er inhaltlich wird — inhaltlich werden&lt;br /&gt;
muß, damit die fortdauernden Konflik-&lt;br /&gt;
te nicht die formale Einigung aushöhlen&lt;br /&gt;
— , etwa in Fragen der sozialen Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit, des Umweltschutzes, der Ras-&lt;br /&gt;
sengleichheit, der Emanzipation der&lt;br /&gt;
Frau, der Erziehung, da sucht er eine&lt;br /&gt;
einvernehmliche Lösung, ist er am Prin-&lt;br /&gt;
zip der Gegenseitigkeit orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í und der Geringere Frieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Größte Friede wird kommen«, so&lt;br /&gt;
lautet die Verheißung Bahäullähs.!!°&lt;br /&gt;
Der Geringere Frieden ist nach der Zu-&lt;br /&gt;
rückweisung der Offenbarung Bahä-&lt;br /&gt;
ullähs durch die Machtträger und&lt;br /&gt;
Völker der Welt eine historisch notwen-&lt;br /&gt;
dige Vorstufe dazu. Obwohl der Gerin-&lt;br /&gt;
gere Frieden unverkennbar säkularen&lt;br /&gt;
Charakter hat, sich in weitgehender&lt;br /&gt;
Unkenntnis über die Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u/llähs realisieren wird, ist er nach&lt;br /&gt;
Überzeugung der Bahá’í Teil des gött-&lt;br /&gt;
lichen Heilsplans.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht das erste Mal in der Ge-&lt;br /&gt;
schichte, daß sich der göttliche Heils-&lt;br /&gt;
wille säkularer Formen bedient.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
110 Worte Bahä’ullähs, gerichtet an den britischen&lt;br /&gt;
Orientalisten Edward Granville Browne bei&lt;br /&gt;
dessen Besuch in Bahji, 15. — 20. April 1890;&lt;br /&gt;
zitiert in dessen Einleitung zu: A Travellers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Narrative. Written to illustrate the Episode of&lt;br /&gt;
the Báb, Cambridge 1891, S. xl; Reprint Am-&lt;br /&gt;
sterdam 1975&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
111 Für das Beispiel des Nationalstaats vgl. Denis&lt;br /&gt;
MacEoin, The Concept of the Nation in Islam,&lt;br /&gt;
in: World Order, Bd. 10, Summer 1976, S. 7-21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|229|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter anderem Namen bleibt er&lt;br /&gt;
identisch. Hinter manchem, was sich sä-&lt;br /&gt;
kular gibt, wirkt die Heilsgeschichte&lt;br /&gt;
fort. Klänge es nicht hinterhältig und&lt;br /&gt;
damit falsch, man könnte es die List der&lt;br /&gt;
göttlichen Vernunft nennen, die sich&lt;br /&gt;
‚ gegen die menschliche : Unvernunft&lt;br /&gt;
durchsetzt: Der Heilswille geht voran,&lt;br /&gt;
auch wo ihm der Weg verlegt ist; dann&lt;br /&gt;
halt auf Umwegen, verborgen, in ande-&lt;br /&gt;
rer Tracht. Scheitert die unmittelbare&lt;br /&gt;
Umsetzung des göttlichen Gesetzes am&lt;br /&gt;
bornierten Widerstreben der Men-&lt;br /&gt;
schen, dann kann auch eine säkulare&lt;br /&gt;
Lösung »wenigstens ein gewisser Fort-&lt;br /&gt;
schritt auf dem Weg zur Einheit sein«,&amp;quot;?&lt;br /&gt;
Schadensbegrenzung, heilsnotwendiger&lt;br /&gt;
Umweg zur nächsten Etappe. Denn »der&lt;br /&gt;
Mensch kann sich gegen alles stellen,&lt;br /&gt;
nur nicht gegen das, was für das Zeit-&lt;br /&gt;
alter und seine Bedürfnisse göttlich&lt;br /&gt;
bestimmt und verordnet ist«!”. Der&lt;br /&gt;
Geringere Frieden ist ermöglicht durch&lt;br /&gt;
das schöpferische Wort Gottes in&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, ist präsente Eschatologie,&lt;br /&gt;
handlungsfordernd, verweist in aller&lt;br /&gt;
Beschränkung bereits auf das heilsge-&lt;br /&gt;
schichtliche Ziel des Größten Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel dazu gestaltet sich ein zweiter&lt;br /&gt;
Prozeß, der ebenfalls in den Größten&lt;br /&gt;
Frieden münden wird: Die Entfaltung&lt;br /&gt;
des Gesetzes und der Ordnung Bahä-&lt;br /&gt;
u’llähs in und durch Seine Gemeinde. In&lt;br /&gt;
dieser Aufgabe stehen die Bahäfi allein.&lt;br /&gt;
Es ist ihr zentraler Friedensauftrag.&#039;?&lt;br /&gt;
Der Geringere Frieden wird dagegen&lt;br /&gt;
ohne die direkte gestaltende Mitwir-&lt;br /&gt;
kung der Bahä’i-Gemeinde verwirklicht&lt;br /&gt;
werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geht also der Geringere Frieden die&lt;br /&gt;
Bahä’i gar nichts an? Stehen sie abseits&lt;br /&gt;
als zwar wohlwollende, aber distan-&lt;br /&gt;
zierte Beobachter? Überlassen sie es&lt;br /&gt;
anderen, das baufällige Gebäude der&lt;br /&gt;
»alten Ordnung« notdürftig zu sichern,&lt;br /&gt;
während sie am Neubau des Größten&lt;br /&gt;
Friedens zimmern? Natürlich weist der&lt;br /&gt;
spezifische Friedensdienst der Bahäi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weit über die unmittelbaren Nöte der&lt;br /&gt;
Gegenwart hinaus. Aber »dies bedeu-&lt;br /&gt;
tet... nicht, daß die Bahä’i abseits stehen&lt;br /&gt;
und auf das Kommen des Geringeren&lt;br /&gt;
Friedens warten, bevor sie sich um den&lt;br /&gt;
Frieden für die Menschheit küm-&lt;br /&gt;
mern«!”°. Zur Ethik der Bahäi gehört&lt;br /&gt;
eine durchaus pragmatische Haltung&lt;br /&gt;
der Weltverantwortung. Das Universale&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit, das oberste&lt;br /&gt;
Führungsgremium der Bahá’í-Gemein-&lt;br /&gt;
de, ruft die Bahäii ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
auf, »jetzt alles in ihrer Macht Ste-&lt;br /&gt;
hende« zu tun, um den Übergang »vom&lt;br /&gt;
jetzigen System nationaler Souveränität&lt;br /&gt;
zu einem System der Weltregierung«&lt;br /&gt;
voranzutreiben.&#039;!!* Der Geringere Frie-&lt;br /&gt;
den ist ein lebenswichtiges Ziel für alle&lt;br /&gt;
Menschen. In diesem Ringen ist auch&lt;br /&gt;
der Bahä’i mitbetroffener Bürger, Näch-&lt;br /&gt;
ster und Bruder: »Unsere wesentlichste&lt;br /&gt;
Pflicht ist, den Glauben zu lehren und&lt;br /&gt;
seine Verwaltungsordnung mitzutra-&lt;br /&gt;
gen. Aber das ist nicht alles. Der Glaube&lt;br /&gt;
wird sein Ziel und seine Ordnung in&lt;br /&gt;
dem großen Reich des Friedens nicht&lt;br /&gt;
erreichen, solange seine Grundsätze&lt;br /&gt;
nicht in die Tat umgesetzt sind. Wir&lt;br /&gt;
müssen die verschiedenen Bewegungen&lt;br /&gt;
unterstützen, die fortschrittliche Ge-&lt;br /&gt;
danken haben und Ziele verfolgen, die&lt;br /&gt;
unseren ähnlich sind.«!!” Den parteipo-&lt;br /&gt;
litischen, ideologischen Streit um den&lt;br /&gt;
Frieden gilt es dabei allerdings zu mei-&lt;br /&gt;
den: »... immer vorausgesetzt, daß wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
112 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, Promulgation, 5. 394&lt;br /&gt;
113 Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 125&lt;br /&gt;
114 Siehe dazu Bahäd&#039;i-Briefe 50, S. 157-160&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
115 Aus einem Brief vom 31. Januar 1985 im Auf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
trag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Frieden, S. 79 (Nr. 76)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
116 Aus einem Brief vom 19. Januar 1983 im Auf-&lt;br /&gt;
trag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Frieden, S.76f (Nr. 74)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
117 Aus einem Brief im Auftrag Shoghi Effendis an&lt;br /&gt;
ein Mitglied eines regionalen Lehrausschusses&lt;br /&gt;
in Kanada, Baha’i News, Nr. 10, Februar 1926,&lt;br /&gt;
S.7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 229&lt;br /&gt;
{{page|230|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Glauben aus politischen Streit-&lt;br /&gt;
fragen und politischer Parteinahme her-&lt;br /&gt;
aushalten.«!!® Beides setzt eine gewisse&lt;br /&gt;
Kenntnis dieser Strömungen voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Perspektive&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei Ausklammerung parteipoliti-&lt;br /&gt;
schen Engagements stehen dem Bahäi&lt;br /&gt;
eine erhebliche Zahl von Bereichen der&lt;br /&gt;
Friedensförderung offen, so etwa: Ent-&lt;br /&gt;
wicklung von Friedensstrategien und&lt;br /&gt;
-modellen, Publizität für den Frieden,&lt;br /&gt;
Förderung des inneren Friedens durch&lt;br /&gt;
soziale Projekte, Friedenserziehung,&lt;br /&gt;
Förderung von Minderheiten, Projekte&lt;br /&gt;
der Entwicklungshilfe, der wichtige&lt;br /&gt;
Bereich des internationalen Rechts, die&lt;br /&gt;
Arbeit in internationalen Organisatio-&lt;br /&gt;
nen zur Stärkung der möglichen institu-&lt;br /&gt;
tionellen Garanten einer föderativen&lt;br /&gt;
Welt-Friedensordnung. Zur aktiven&lt;br /&gt;
Friedensarbeit der Bahäi außerhalb&lt;br /&gt;
ihrer eigenen Gemeinde zählt so die&lt;br /&gt;
möglichst breite Streuung der Bahäli-&lt;br /&gt;
Lehren über den Frieden, vor allem auch&lt;br /&gt;
an die Meinungsführer, an Politiker,&lt;br /&gt;
an herausragende Denker. Dies bedarf&lt;br /&gt;
auch intellektueller Anstrengung. Es&lt;br /&gt;
gilt, die drückenden Probleme der&lt;br /&gt;
Menschheit zu sehen, sie zu analysieren&lt;br /&gt;
und tragfähige Lösungsmodelle zu&lt;br /&gt;
entwickeln.!!? Die Bahä’i müssen sich&lt;br /&gt;
einlassen auf die drängenden Fragen der&lt;br /&gt;
Welt, müssen für ihre Mitmenschen fä-&lt;br /&gt;
hige und kenntnisreiche Dialogpartner&lt;br /&gt;
werden: »Befaßt euch gründlich mit den&lt;br /&gt;
Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt&lt;br /&gt;
den Schwerpunkt eurer Überlegungen&lt;br /&gt;
auf ihre Bedürfnisse und Forderun-&lt;br /&gt;
gen.«&#039;? In derzeit 1030 Entwicklungs-&lt;br /&gt;
projekten in aller Welt findet diese Sorge&lt;br /&gt;
um die Mitmenschen weiter praktischen&lt;br /&gt;
Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Beitrag der Bahäi&lt;br /&gt;
für den Geringeren Frieden ist allein&lt;br /&gt;
schon die Stützung und Verbreitung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
230 BAHÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedankens einer internationalen Welt-&lt;br /&gt;
friedensordnung. In einem Meinungs-&lt;br /&gt;
klima, das nach den anfänglich über-&lt;br /&gt;
zogenen Erwartungen an die Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen nunmehr von Ernüchterung&lt;br /&gt;
und Skepsis gegen jede Form insti-&lt;br /&gt;
tutioneller Friedenssicherung geprägt&lt;br /&gt;
ist, finden sich nur wenige Entschei-&lt;br /&gt;
dungsträger, die wagen, eine solche&lt;br /&gt;
Perspektive zum langfristigen Ziel ihres&lt;br /&gt;
politischen Handelns zu machen. Es ist&lt;br /&gt;
ein Klima der Resignation und der Un-&lt;br /&gt;
geduld: Was nicht kurz- oder zumindest&lt;br /&gt;
mittelfristig realisierbar erscheint, taugt&lt;br /&gt;
schlecht zur Mobilisierung von Wäh-&lt;br /&gt;
lern. Kein Wunder, daß eine technizisti-&lt;br /&gt;
sche Utopie, die Vision einer doch noch&lt;br /&gt;
möglichen Dominierung des Gegners&lt;br /&gt;
mit technischen Mitteln, wesentlich&lt;br /&gt;
besser ins politische Geschäft paßt.&lt;br /&gt;
Wer das bipolare Hegemonialsystem&lt;br /&gt;
der beiden Supermächte durch ein mul-&lt;br /&gt;
tipolares Weltsystem entschärfen und&lt;br /&gt;
ersetzen will — der als Einstieg erwä-&lt;br /&gt;
genswerte, als Lösungsvorschlag aber&lt;br /&gt;
unzureichende Versuch der Übertra-&lt;br /&gt;
gung der Gleichgewichtspolitik des 18.&lt;br /&gt;
und 19. Jahrhunderts auf die Bedingun-&lt;br /&gt;
gen des nuklearen Zeitalters — vertritt&lt;br /&gt;
als Politiker bereits eine eigenwillige&lt;br /&gt;
Position. Wer eine institutionell gesi-&lt;br /&gt;
cherte Weltfriedensordnung für eine&lt;br /&gt;
zwar noch ferne, aber unumgängliche&lt;br /&gt;
Notwendigkeit hält, ist Außenseiter,&lt;br /&gt;
auch unter seinen politischen Freunden.&lt;br /&gt;
Es gehört Mut dazu, eine solche Posi-&lt;br /&gt;
tion zu vertreten. Sie im politischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
118 2.20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Vgl. Frieden, $. 77 (Nr. 74); Den Glauben ver-&lt;br /&gt;
tiefen. Aus den Schriften Bahä’u’llähs, Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs und Shoghi Effendis zusammengestellt&lt;br /&gt;
von der Forschungsabteilung des Universalen&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit, Hofheim-Langen-&lt;br /&gt;
hain 1984, Nr. 137, Nr. 152&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 Bahä’u‘lläh, Ährenlese 106:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 Davon dienen 599 Projekte der Ausbildung&lt;br /&gt;
und Erziehung, die übrigen der Gesundheits-&lt;br /&gt;
fürsorge und der Land- und Forstwirtschaft.&lt;br /&gt;
{{page|231|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=37}}Tagesgeschäft in mühselige kleine&lt;br /&gt;
Schritte umzusetzen, dazu bedarf es&lt;br /&gt;
noch weit mehr. Die Medien sind hier&lt;br /&gt;
wahrlich keine Hilfe: Vorschläge und&lt;br /&gt;
Argumente für eine föderale Weltfrie-&lt;br /&gt;
densordnung selbst von Seiten so gefei-&lt;br /&gt;
erter Denker wie Karl Jaspers oder Carl&lt;br /&gt;
Friedrich von Weizsäcker finden so gut&lt;br /&gt;
wie keine Resonanz. Unter dem medien-&lt;br /&gt;
politischen Paradigma eines kritischen&lt;br /&gt;
Realismus kommen regionale Zusam-&lt;br /&gt;
menschlüsse wie die EG nur mit ihren&lt;br /&gt;
Schwierigkeiten und Querelen in die&lt;br /&gt;
Schlagzeilen. Die Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
haben eine anhaltend schlechte Presse;&lt;br /&gt;
daß sie nicht besser sein können als ihre&lt;br /&gt;
Mitgliedstaaten, wird nie als Auftrag&lt;br /&gt;
zur Umgestaltung, sondern immer nur&lt;br /&gt;
als unveränderliches Faktum ihrer Im-&lt;br /&gt;
potenz gesehen. Hinter diesem durch-&lt;br /&gt;
gängig negativen Meinungsbild steckt&lt;br /&gt;
der mangelnde Glaube an die Entwick-&lt;br /&gt;
lungsfähigkeit des Menschen und seiner&lt;br /&gt;
Institutionen; eine kollektive Willens-&lt;br /&gt;
lähmung, genährt vielleicht aus unserer&lt;br /&gt;
Erfahrung historischer Schuld, viel-&lt;br /&gt;
leicht auch (unbewußtes) Residuum&lt;br /&gt;
einer Jahrhunderte eingeschärften Erb-&lt;br /&gt;
sündenlehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi können und müssen hier&lt;br /&gt;
dazu beitragen, schrittweise ein anderes&lt;br /&gt;
Meinungsklima zu schaffen. Das Men-&lt;br /&gt;
schenbild, das sie vermitteln können, ist&lt;br /&gt;
realistisch und optimistisch zugleich.&lt;br /&gt;
Grundsätzlich bezeugen die Schriften&lt;br /&gt;
Bahäullähs die Perfektibilität des&lt;br /&gt;
Menschen und die Möglichkeit dessen&lt;br /&gt;
ethischer Reife.’ Aber die Natur des&lt;br /&gt;
Menschen ist ambivalent: Der Mensch&lt;br /&gt;
ist befähigt, sich seiner göttlichen&lt;br /&gt;
Bestimmung zu verweigern. Nur unter&lt;br /&gt;
der Voraussetzung dieser Verweigerung&lt;br /&gt;
ist »die Welt des Menschen eine Welt der&lt;br /&gt;
Unterdrückung und Grausamkeit, ein&lt;br /&gt;
Reich von Aggression und Irrtum«!2,&lt;br /&gt;
Das selbstverschuldete Unvermögen,&lt;br /&gt;
die Existenz des Bösen werden nicht&lt;br /&gt;
geleugnet, aber die Menschen sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damit nicht alleingelassen. Die Fried-&lt;br /&gt;
losigkeit und ihre Ursachen werden ver-&lt;br /&gt;
standen als Krankheit, als Abirrung,&lt;br /&gt;
derer die menschliche Natur fähig ist,&lt;br /&gt;
nicht aber als der Normalzustand des&lt;br /&gt;
menschlichen Wesens. Heilung ist mög-&lt;br /&gt;
lich, das Heilmittel aber nicht beliebig;&lt;br /&gt;
es ist eine Gnadengabe Gottes, der ei-&lt;br /&gt;
gentliche Zweck der Religion: die Erzie-&lt;br /&gt;
hung des Menschen durch Sein Wort.&#039;*&lt;br /&gt;
Das Wort Gottes hat die Fähigkeit, »sa-&lt;br /&gt;
tanische Stärke in himmlische Kraft zu&lt;br /&gt;
verwandeln«&#039;®. Im Wissen um diese&lt;br /&gt;
Macht des Wortes können die Bahäi&lt;br /&gt;
unbeirrt und aus tiefster Überzeugung&lt;br /&gt;
das Etappenziel benennen, das als prä-&lt;br /&gt;
sente Eschatologie allein das Überleben&lt;br /&gt;
der Menschheit sichern kann: den Ge-&lt;br /&gt;
ringeren Frieden. Wie niemand sonst&lt;br /&gt;
haben die Bahá’í den unerschütterlichen&lt;br /&gt;
Glauben, die Gewißheit, daß Einheit&lt;br /&gt;
und Frieden ein nicht bloß notwendiges,&lt;br /&gt;
sondern auch erreichbares Zielsind. Die&lt;br /&gt;
Bahäi wissen, daß Anstrengungen in&lt;br /&gt;
Richtung auf diese Weltfriedensord-&lt;br /&gt;
nung, allen Widerständen und Rück-&lt;br /&gt;
schlägen zum Trotz, nicht vergeblich&lt;br /&gt;
sind: »Einzelne, welche die im mensch-&lt;br /&gt;
lichen Streben ruhende Kraft nicht ken-&lt;br /&gt;
nen, halten diesen Gedanken für völlig&lt;br /&gt;
undurchführbar, ja für jenseits dessen,&lt;br /&gt;
was selbst die äußersten Anstrengungen&lt;br /&gt;
des Menschen je erreichen können;&lt;br /&gt;
doch ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil&lt;br /&gt;
kann dank der unerschöpflichen Gnade&lt;br /&gt;
Gottes... nichts, was es auch sei, als&lt;br /&gt;
unerreichbar angesehen werden. Eifer,&lt;br /&gt;
unermüdlicher Eifer ist nötig. Nur un-&lt;br /&gt;
bezähmbare Entschlußkraft kann das&lt;br /&gt;
Werk vollbringen... Der Tag wird sicher&lt;br /&gt;
kommen, an dem ihr klares Licht Er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
122 Vgl. etwa Ährenlese 27:2, 90:1, 90:2, 109:1,&lt;br /&gt;
109:2, 161:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
123 Abdu’l-Bahá, Briefe 227:24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
124 Vgl. Bahä’ulläh, Ährenlese 122; siehe auch&lt;br /&gt;
Claudia Gollmer, Grundlagen, bes. S. 102ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
125 Bahäulläh, Ährenlese 99&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 231&lt;br /&gt;
{{page|232|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
leuchtung über die gesamte Menschheit&lt;br /&gt;
gießen wird.«&#039;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Voraussetzungen sind&lt;br /&gt;
bedeutende Friedensbeiträge auch&lt;br /&gt;
durch den kontinuierlichen Ausbau der&lt;br /&gt;
Beziehungen zwischen der Bahäi-&lt;br /&gt;
Gemeinde und den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
zu leisten. Dies gilt für die direkte Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit der Bahä’i International&lt;br /&gt;
Community mit den Führungsgremien&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen, aber auch an&lt;br /&gt;
der Basis, in den etwa 30000 Bahäi-&lt;br /&gt;
Gemeinden in aller Welt. Existenz und&lt;br /&gt;
Erfahrungen der Bahä’i-Gemeinde als&lt;br /&gt;
multikultureller Gemeinschaft könnten&lt;br /&gt;
ebenfalls ihren Beitrag leisten. Das Uni-&lt;br /&gt;
versale Haus der Gerechtigkeit schreibt&lt;br /&gt;
in seiner »Botschaft an die Völker der&lt;br /&gt;
Welt« anläßlich des von den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen proklamierten »Jahres des&lt;br /&gt;
Friedens«: »Wenn die Erfahrungen der&lt;br /&gt;
Bahäi, in welchem Ausmaß auch&lt;br /&gt;
immer, etwas dazu beitragen können,&lt;br /&gt;
die Hoffnung auf Einheit des Menschen-&lt;br /&gt;
geschlechts zu stärken, schätzen wir&lt;br /&gt;
uns glücklich, sie als Studienmodell an-&lt;br /&gt;
zubieten.«!2” Die Überreichung dieser&lt;br /&gt;
Botschaft an sämtliche Staatsoberhäup-&lt;br /&gt;
ter der Welt, die breite Streuung des&lt;br /&gt;
Aufrufs zum Geringeren Frieden, greift&lt;br /&gt;
den historischen Appell Bahä’w’llähs&lt;br /&gt;
an die Könige und Herrscher der Welt&lt;br /&gt;
und Abdul-Bahäs Friedensmission am&lt;br /&gt;
Vorabend des Ersten Weltkriegs wieder&lt;br /&gt;
auf und entspricht dem Auftrag Bahä’-&lt;br /&gt;
ullähs an die »Männer des Hauses der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit«, den »Geringeren Frie-&lt;br /&gt;
den zu fördern«.&#039;*? Mit dem wachsen-&lt;br /&gt;
den Gewicht der Bahä’i-Gemeinde kann&lt;br /&gt;
diese Pflicht nachdrücklicher umgesetzt&lt;br /&gt;
werden; auch hier greifen Lehrauftrag&lt;br /&gt;
und Weltverantwortung ineinander,&lt;br /&gt;
findet das Mühen um den Geringeren&lt;br /&gt;
und den Größten Frieden zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
232 BAHÄ[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoffnung, Sehnsucht und letztes Ziel&lt;br /&gt;
bleibt der ewige, der Größte Frieden.&lt;br /&gt;
Das seit alters verheißene Reich Gottes&lt;br /&gt;
auf Erden verspricht, die Ursachen des&lt;br /&gt;
Kriegs aufzuheben, verspricht Liebe&lt;br /&gt;
zwischen den Menschen, den Frieden&lt;br /&gt;
der Herzen. Hieran muß sich jeder er-&lt;br /&gt;
reichte Friedenszustand messen lassen;&lt;br /&gt;
doch nicht als Vorwurf, nicht als For-&lt;br /&gt;
derung an Gesellschaft und Mitmensch.&lt;br /&gt;
Der Vorblick auf das Friedensreich&lt;br /&gt;
sollte vielmehr Ansporn sein — zur&lt;br /&gt;
eigenen Vervollkommnung, zu einem&lt;br /&gt;
wachsenden Verständnis der Welt und&lt;br /&gt;
der Ordnung Bahäullähs, zu einer&lt;br /&gt;
immer besseren, sinnentsprechenderen&lt;br /&gt;
Umsetzung Seiner Gebote für die&lt;br /&gt;
Menschheit, zu umfassender Liebe: ein&lt;br /&gt;
unendlicher Prozeß. Es ist Ausdruck&lt;br /&gt;
dieser Liebe, daß zugleich der drohen-&lt;br /&gt;
den Gefahr der Selbstvernichtung der&lt;br /&gt;
Menschheit wirksam begegnet wird,&lt;br /&gt;
daß die materiellen Voraussetzungen&lt;br /&gt;
geschaffen werden, das weltweite Un-&lt;br /&gt;
recht, das sinnlose Leiden und Sterben&lt;br /&gt;
zu begrenzen — durch Strukturen, die&lt;br /&gt;
im göttlichen Heilsplan vorgesehen und&lt;br /&gt;
darum möglich sind: durch den Gerin-&lt;br /&gt;
geren Frieden. Solange dieser Frieden&lt;br /&gt;
nicht realisiert ist, solange die Existenz&lt;br /&gt;
der Menschheit weiter bedroht bleibt,&lt;br /&gt;
gilt für jeden — ob Bahá’í oder nicht —&lt;br /&gt;
der Appell ‘Abdu’l-Bahás: »In der Zwi-&lt;br /&gt;
schenzeit müssen sich alle Menschen&lt;br /&gt;
guten Willens darum bemühen, den&lt;br /&gt;
Weltfrieden zum größten Anliegen zu&lt;br /&gt;
machen.«!?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
126 Abdu’l-Bahá, Geheimnis, S. 64&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
127 Weltfrieden, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
128 Botschaften 7:19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
129 Siehe Baha’i-Briefe 50, S. 157-160&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
130 Zitiert in Balyuzi, Abdu’l-Bahá, Bd. 1, S. 357&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|233|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=39}}Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu beiden Teilen des Aufsatzes, Bahä’i-Briefe 50&lt;br /&gt;
und 52&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh, Ähreniese, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
31980&lt;br /&gt;
Botschaften aus Akkä,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1982&lt;br /&gt;
Brief an den Sohn des Wolfes,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1966&lt;br /&gt;
Das Buch der Gewißheit, Kitäb-i-Igän,&lt;br /&gt;
Frankfurt 21969&lt;br /&gt;
Kalimät-i-Maknünih, Verborgene Worte,&lt;br /&gt;
zweisprachige Ausgabe, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain&lt;br /&gt;
1983&lt;br /&gt;
Die Verkündigung Bahä’u’llähs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Seinen Schriften gerichtet an die Könige&lt;br /&gt;
und Herrscher der Welt, Frankfurt 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb, Selections from the Writings of&lt;br /&gt;
The Báb, Haifa 1976&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu/l-Bahä, Ansprachen in Paris,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 61983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleine Auswahl aus Seinen Schriften,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beantwortete Fragen,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 21977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis göttlicher Kultur,&lt;br /&gt;
Oberkalbach 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Promulgation of Universal Peace,&lt;br /&gt;
Wilmette 21982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selections from the Writings of&lt;br /&gt;
Abdu/l-Bahä, Haifa 1978; eine deutsche&lt;br /&gt;
Ausgabe unter dem Titel »Briefe und&lt;br /&gt;
Botschaften: ist in Vorbereitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu/l-Bahä in London, Addresses and&lt;br /&gt;
Notes of Conversations, London 21982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Bahä’i Administration,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilmette 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Citadel of Faith, Messages to America&lt;br /&gt;
1947-1957, Wilmette 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott geht vorüber,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 21974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messages to the Bahä’i World&lt;br /&gt;
1950—1957, Wilmette 21971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verheißene Tag ist gekommen,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weltordnung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Die Verheißung des Weltfriedens, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 21985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä‘i in Deutsch-&lt;br /&gt;
land (Hrsg.),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden, Eine Textauswahl aus den Schriften&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs, Abdul-Bahäs und Shoghi&lt;br /&gt;
Effendis, sowie Briefen des Universalen&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit, zusammengestellt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von der Forschungsabteilung des Universalen&lt;br /&gt;
Hauses der Gerechtigkeit, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hasan M. Balyuzi, Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
2 Bde., Hofheim-Langenhain 1983/84&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werner Becker, Der Streit um den Frieden,&lt;br /&gt;
München 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Norbert Elias, Humana conditio.&lt;br /&gt;
Beobachtungen zur Entwicklung der&lt;br /&gt;
Menschheit am 40. Jahrestag eines&lt;br /&gt;
Kriegsendes (8. Mai 1985), Frankfurt 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John E. Esslemont, Bahá’u’lláh und das&lt;br /&gt;
neue Zeitalter, Hofheim-Langenhain 61976&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Claudia Gollmer, Die metaphysischen und&lt;br /&gt;
theologischen Grundlagen der Erziehungs-&lt;br /&gt;
lehre der Bahá’í-Religion, MA-Arbeit am&lt;br /&gt;
Institut für Philosophie und Pädagogik der&lt;br /&gt;
Universität Stuttgart, WS 1982/3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der&lt;br /&gt;
Geschichte, Frankfurt 21955&lt;br /&gt;
Die Atombombe und die Zukunft des&lt;br /&gt;
Menschen, München 21961&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermann Grossmann, Das Bündnis Gottes&lt;br /&gt;
in der Offenbarungsreligion, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 31981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Udo Schaefer, Die Grundlagen der&lt;br /&gt;
»Verwaltungsordnung« der Bahä’i, Diss.&lt;br /&gt;
Heidelberg 1957&lt;br /&gt;
Die mißverstandene Religion. Das&lt;br /&gt;
Abendland und die nachbiblischen&lt;br /&gt;
Religionen, Frankfurt 1968&lt;br /&gt;
Der Bahá’í in der modernen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strukturen eines neuen Glaubens,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 21981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dolf Sternberger, Die Politik und der&lt;br /&gt;
Friede, Frankfurt 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Tyson, World Peace and World Government.&lt;br /&gt;
From Vision to Reality, Oxford 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carl Friedrich von Weizsäcker,&lt;br /&gt;
Wege in der Gefahr, München 1976&lt;br /&gt;
Der Garten des Menschlichen.&lt;br /&gt;
Beiträge zur geschichtlichen Anthropologie,&lt;br /&gt;
Frankfurt 21980&lt;br /&gt;
Der bedrohte Friede,&lt;br /&gt;
München 21983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 233&lt;br /&gt;
{{page|234|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=40}}Office of Public Information&lt;br /&gt;
ZUR FRAGE DER APARTHEID&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prinzipien und Grundaussagen der Bahá’í-Religion sind in letzter Zeit bei ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Gelegenheiten Teil der öffentlichen Diskussion auch in der Bundes-&lt;br /&gt;
republik Deutschland geworden. Im von den Vereinten Nationen proklamierten&lt;br /&gt;
„Internationalen Jahr des Friedens« 1986 setzten sich die Baha’i in Dutzenden von&lt;br /&gt;
Podiumsgesprächen, Symposien und Vortragsveranstaltungen für den Gedanken&lt;br /&gt;
des Friedens und der Einheit der Menschheit ein. Dabei führten sie mit evangelischen&lt;br /&gt;
und katholischen Theologen, Universitätsprofessoren und Politikern, darunter Mit-&lt;br /&gt;
gliedern des Deutschen Bundestags, oft fruchtbare Dialoge. Den Auftakt zu diesem&lt;br /&gt;
verstärkten öffentlichen Engagement der Bahä’i-Gemeinde bildete ein Aufruf des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit, der höchsten Führungsinstitution der Baha’i-&lt;br /&gt;
Welt, anläßlich des internationalen Jahres des Friedens an die Völker der Welt. In&lt;br /&gt;
diesem Aufruf wird der Rassismus »eines der verhängnisvollsten, hartnäckigsten&lt;br /&gt;
Übel, ein Haupthindernis für den Frieden« genannt und weiter ausgeführt: »Wo er&lt;br /&gt;
herrscht, wird die Menschenwürde zu schändlich verletzt, als daß es unter irgend-&lt;br /&gt;
einem Vorwand gebilligt werden könnte. Der Rassismus hemmt die Entfaltung der&lt;br /&gt;
unbegrenzten Möglichkeiten seiner Opfer, korrumpiert die Täter und vereitelt den&lt;br /&gt;
menschlichen Fortschritt. Die Einheit der Menschheit, vollzogen durch geeignete&lt;br /&gt;
rechtliche Maßnahmen, muß allgemein gültig anerkannt werden, wenn dieses Pro-&lt;br /&gt;
blem überwunden werden soll.« Die hier veröffentlichte Stellungnahme führt den&lt;br /&gt;
Grundgedanken der Überwindung des Rassismus weiter aus. Verfaßt wurde sie von&lt;br /&gt;
dem im Jahre 1984 vom Universalen Haus der Gerechtigkeit gegründeten Informa-&lt;br /&gt;
tionsbüro der Bahä’i International Community in Haifa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist die Bahä’i-Weltgemeinde seit&lt;br /&gt;
ihren Anfängen vor mehr als einem Jahr-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor etwas mehr als einhundert Jahren&lt;br /&gt;
erklärte Bahä’ulläh, der Stifter der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäi-Religion, die Menschheit trete in&lt;br /&gt;
ein neues Zeitalter ihrer Geschichte ein,&lt;br /&gt;
in welchem der immer rascher ablau-&lt;br /&gt;
fende Prozeß ihres Zusammenwachsens&lt;br /&gt;
der allgemeinen Erkenntnis zum Durch-&lt;br /&gt;
bruch verhelfe, daß die Menschheit nur&lt;br /&gt;
eine einzige Gattung, nur eine Spezies&lt;br /&gt;
ist. Bahä’ulläh rief die Völker der Welt&lt;br /&gt;
auf, diese grundlegende Wahrheit zu ak-&lt;br /&gt;
zeptieren und alle Schranken der Rasse,&lt;br /&gt;
Nationalität und Kultur — die Hauptur-&lt;br /&gt;
sachen der Kriege, die unsere Geschichte&lt;br /&gt;
seit je begleiten — zu beseitigen. Nach&lt;br /&gt;
Bahä’ullläh gibt es keine Möglichkeit für&lt;br /&gt;
einen Weltfrieden, solange das Grund-&lt;br /&gt;
prinzip der Einheit nicht anerkannt ist&lt;br /&gt;
und in der Gestaltung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
Anwendung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
234 BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hundert geprägt durch die Integration der&lt;br /&gt;
zahlreichen sie konstituierenden religiö-&lt;br /&gt;
sen, rassischen, ethnischen, kulturellen,&lt;br /&gt;
sprachlichen und nationalen Elemente.&lt;br /&gt;
Zur Ehe zwischen Menschen unterschied-&lt;br /&gt;
licher ethnischer und kultureller Abstam-&lt;br /&gt;
mung, insbesondere zwischen schwarzen&lt;br /&gt;
und weißen Bahäi, wird in den Bahäi-&lt;br /&gt;
Schriften sehr ermutigt. Um sicherzustel-&lt;br /&gt;
len, daß Angehörige solcher Gruppen, die&lt;br /&gt;
in der Gesellschaft diskriminiert werden,&lt;br /&gt;
nicht auch bei der Mitwirkung am Ge-&lt;br /&gt;
meindeleben behindert sind, enthalten die&lt;br /&gt;
Bahä’-Lehren administrative Grundsätze&lt;br /&gt;
zur Überwindung von Benachteiligungen&lt;br /&gt;
aus sozialer Ungleichheit. Etwa in Fällen&lt;br /&gt;
der Stimmengleichheit bei einer Bahä&#039;-&lt;br /&gt;
Gemeindewahl oder bei gleicher Qualifi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|235|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=41}}kation zweier Gläubiger für ein Amt wird&lt;br /&gt;
grundsätzlich dem der Vorrang gegeben,&lt;br /&gt;
der einen benachteiligten oder unter-&lt;br /&gt;
drückten Teil der Gesellschaft repräsen-&lt;br /&gt;
tiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Anfang dieses Jahrhunderts sind&lt;br /&gt;
die Bahá’í in Südafrika diesen Grundsät-&lt;br /&gt;
zen gefolgt. Nachdem die Apartheidsge-&lt;br /&gt;
setze bei bestimmten örtlichen Vereini-&lt;br /&gt;
gungen, zu denen die gewählten Geistigen&lt;br /&gt;
Räte der Bahä’i zählen, eine gemischtrassi-&lt;br /&gt;
sche Zusammensetzung untersagten, ver-&lt;br /&gt;
zichteten die weißen Bahäi auf das Recht,&lt;br /&gt;
in diese Gremien gewählt zu werden,&lt;br /&gt;
getreu dem Grundsatz, benachteiligten&lt;br /&gt;
Bevölkerungsschichten den Vorzug zu&lt;br /&gt;
geben. Mit Ausnahme dieser örtlichen&lt;br /&gt;
entscheidungsbefugten Körperschaften,&lt;br /&gt;
deren Mitgliedschaft ausdrücklich durch&lt;br /&gt;
staatliches Recht eingeschränkt war, gab&lt;br /&gt;
es bei Bahäi-Zusammenkünften in Süd-&lt;br /&gt;
afrika keine Rassenschranken. Diese Tat-&lt;br /&gt;
sache ist den Behörden wohlbekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben ihrem Versuch, ein ermutigen-&lt;br /&gt;
des Beispiel für die Rassenintegration zu&lt;br /&gt;
geben, hat sich die Bahä’i-Gemeinde in&lt;br /&gt;
Südafrika mit Nachdruck darum be-&lt;br /&gt;
müht, im einzelnen Bahäi-Grundsätze&lt;br /&gt;
wie die Einheit der Menschheit zu veran-&lt;br /&gt;
kern und ihm ein Selbstwertgefühl und so-&lt;br /&gt;
ziale Verantwortung einzuprägen. Parallel&lt;br /&gt;
dazu wurde ein Programm durchgeführt,&lt;br /&gt;
dessen Ziel es war, die Geistigen Räte in&lt;br /&gt;
den Grundsätzen der Beratung und Pro-&lt;br /&gt;
blemlösung zu schulen. Die Ergebnisse&lt;br /&gt;
dieser Bemühungen erfüllen die Bahä’i mit&lt;br /&gt;
besonderem Stolz, da so den schwarzen&lt;br /&gt;
Gläubigen die höchsten Ämter der Ge-&lt;br /&gt;
meinde durch Wahl oder Ernennung er-&lt;br /&gt;
öffnet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser historische Hintergrund unter-&lt;br /&gt;
streicht die Überzeugung der Bahä’i, daß&lt;br /&gt;
es zur Lösung von Konfliktsituationen wie&lt;br /&gt;
derin Südafrika der Kraft des Beispiels be-&lt;br /&gt;
darf. Ein grundlegender Wandel im sozia-&lt;br /&gt;
len Verhalten wird am ehesten dann er-&lt;br /&gt;
reicht, wenn die entsprechenden geistigen&lt;br /&gt;
und moralischen Grundsätze mutig vor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gelebt werden und wenn Männer und&lt;br /&gt;
Frauen guten Willens sehen können, wie&lt;br /&gt;
andere sich erfolgreich bemühen, diesen&lt;br /&gt;
Idealen in ihrem persönlichen Leben wie&lt;br /&gt;
in der Gemeinschaft praktischen Aus-&lt;br /&gt;
druck zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das System der Apartheid verstößt&lt;br /&gt;
gegen die Menschenwürde; es erweckt&lt;br /&gt;
daher in den Menschen aller Nationen&lt;br /&gt;
und Kulturen tiefempfundene Abscheu.&lt;br /&gt;
Bahäf teilen dieses Gefühl in besonderem&lt;br /&gt;
Maße. Doch ist die daraus erwachsende&lt;br /&gt;
moralische Herausforderung inzwischen&lt;br /&gt;
zutiefst mit parteipolitischen Interessen&lt;br /&gt;
vermengt. Diese Verflechtung ist so voll-&lt;br /&gt;
kommen, daß beide Aspekte des Kon-&lt;br /&gt;
flikts nicht mehr voneinander getrennt&lt;br /&gt;
werden können: Sozialer Protest aus mo-&lt;br /&gt;
ralischer Empörung hat den Charakter&lt;br /&gt;
politischer Aktionen angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Voraussetzung des Freund-&lt;br /&gt;
Feind-Verhältnisses, das die politischen&lt;br /&gt;
Traditionen in aller Welt bestimmt, ist dies&lt;br /&gt;
nur folgerichtig. Aber politische Aktio-&lt;br /&gt;
nen ohne die Bedingung wirklicher Bera-&lt;br /&gt;
tung, in der Parteiinteressen den Interes-&lt;br /&gt;
sen des Ganzen untergeordnet werden,&lt;br /&gt;
können für sich allein bei so ernsten Pro-&lt;br /&gt;
blemen, wie sie Südafrika erschüttern,&lt;br /&gt;
keine dauerhafte Lösung bringen. Doch&lt;br /&gt;
unabhängig davon, wie schwierig die&lt;br /&gt;
Aufgabe und wie entmutigend die derzei-&lt;br /&gt;
tige Lage auch sei, jene Teile der südafrika-&lt;br /&gt;
nischen Bevölkerung, die in der völligen&lt;br /&gt;
Integration die zentrale Aufgabe sehen,&lt;br /&gt;
stehen vor der Herausforderung, durch&lt;br /&gt;
gemeinsame Anstrengungen solche Be-&lt;br /&gt;
dingungen zu schaffen. Dies ist eine mora-&lt;br /&gt;
lische Pflicht; sie ist so dringlich wie jede&lt;br /&gt;
andere, die Menschen guten Willens moti-&lt;br /&gt;
viert, Südafrika von seiner schrecklichen&lt;br /&gt;
Last zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäii sind durch die Lehren ihres&lt;br /&gt;
Glaubens gehalten, sich jeder parteipoliti-&lt;br /&gt;
schen Aktivität und jeder Beteiligung an&lt;br /&gt;
Unruhen zu enthalten. Dies gilt unabhän-&lt;br /&gt;
gig davon, ob es sich um Reaktionen auf&lt;br /&gt;
rassische Unterdrückung wie in Südafrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAÄTI-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 235&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|236|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt oder ob sich der Widerstand&lt;br /&gt;
gegen die verbreiteten Versuche wendet,&lt;br /&gt;
das Volk zu spalten und zu schwächen,&lt;br /&gt;
sei es durch Verfolgung der Religion,&lt;br /&gt;
die Unterdrückung der Frau, oder&lt;br /&gt;
die Verweigerung politischer Freiheit.&lt;br /&gt;
Schmerzliche Erfahrungen unter all die-&lt;br /&gt;
sen Bedingungen haben in den Bahá’í die&lt;br /&gt;
Gewißheit wachsen lassen, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit lernen kann, wie eine Fami-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lie zu leben, und daß die Kräfte der Ge-&lt;br /&gt;
schichte unsere Gattung heute rasch in&lt;br /&gt;
diese Richtung drängen. Der Druck die-&lt;br /&gt;
ser Gewalten ist unausweichlich; selbst&lt;br /&gt;
Südafrika wird schließlich darauf einge-&lt;br /&gt;
hen müssen. In welcher Art und wie&lt;br /&gt;
rasch dies geschieht, hängt ebensosehr&lt;br /&gt;
von geistigen und moralischen Bedin-&lt;br /&gt;
gungen ab wie von ökonomischen und&lt;br /&gt;
politischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Gott&lt;br /&gt;
gibt es keine Weißen und Schwarzen.&lt;br /&gt;
Alle Fargen sind eins,&lt;br /&gt;
sie alle sind&lt;br /&gt;
die Farbe des Dienstes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist das Herz.&lt;br /&gt;
Ist das Herz rein,&lt;br /&gt;
so sind weder weiß, noch schwarz,&lt;br /&gt;
noch eine andere Farbe&lt;br /&gt;
von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sieht nicht auf die Farbe;&lt;br /&gt;
Er sieht auf das Herz.&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Promulgation, 5. 44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
236 BAHÄT-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|237|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=43}}BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerda Sdun-Fallscheer: Jahre des Lebens, Die Geschichte einer Familie in Palästina&lt;br /&gt;
um die Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg, ].F. Steinkopf Verlag, Stutt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gart, 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerda Sdun-Fallscheer beschreibt in&lt;br /&gt;
ihrem Buch das Leben ihrer Mutter, Dr.&lt;br /&gt;
Josephine Fallscheer-Zürcher, einer&lt;br /&gt;
Frau, die ein Leben des Dienstes und der&lt;br /&gt;
Nächstenliebe führte und deren Liebe,&lt;br /&gt;
Güte und Tatkraft all ihren Mitmen-&lt;br /&gt;
schen stets Hilfe, Trost und Beistand&lt;br /&gt;
entgegenbrachte. Es ist eine ungewöhn-&lt;br /&gt;
liche Lebensgeschichte, die den Leser&lt;br /&gt;
anregt, über das Leben und seinen Sinn&lt;br /&gt;
nachzudenken und sein eigenes Leben&lt;br /&gt;
geistig und zugleich praktisch auszu-&lt;br /&gt;
richten. Besonders interessant für den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Leser ist die Verbindung dieser&lt;br /&gt;
bemerkenswerten Frau zur Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion: Sie lebte sieben Jahre in der&lt;br /&gt;
Kolonie der deutschen Templer am&lt;br /&gt;
Berge Karmel in Haifa und war die&lt;br /&gt;
Hausärztin der Familie Abdu’l-Bahás;&lt;br /&gt;
später in Deutschland hatte sie engen&lt;br /&gt;
Kontakt zur Stuttgarter Bahäi-Ge-&lt;br /&gt;
meinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josephine Zürcher wurde am 1. Okto-&lt;br /&gt;
ber 1866 in der Schweiz geboren, verlor&lt;br /&gt;
als Zehnjährige ihren Vater und mußte&lt;br /&gt;
wegen der schwierigen wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Verhältnisse ihrer Mutter einige Jahre&lt;br /&gt;
im Waisenhaus verbringen. Sie hatte&lt;br /&gt;
sich zum Ziel gesetzt, Medizin zu studie-&lt;br /&gt;
ren, um mit diesem Beruf den Menschen&lt;br /&gt;
dienen zu können. Es gelang ihr als einer&lt;br /&gt;
der ersten Frauen in der Schweiz Ende&lt;br /&gt;
des letzten Jahrhunderts, dieses Stu-&lt;br /&gt;
dium erfolgreich abzuschließen. Ihr be-&lt;br /&gt;
sonderes Interesse galt der Psychiatrie,&lt;br /&gt;
und einer ihrer Lehrer war der berühmte&lt;br /&gt;
Psychiater und Naturwissenschaftler&lt;br /&gt;
Prof. August Forel, der sich später zur&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion bekannte, eine Tatsa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
che, die auch in diesem Buch Erwäh-&lt;br /&gt;
nung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Berlin erfuhr Josephine Zürcher&lt;br /&gt;
von den Massakern an den Armeniern&lt;br /&gt;
in der Türkei, die unter diesem Volk un-&lt;br /&gt;
sägliches Leid verursacht hatten. Der&lt;br /&gt;
Gründer der »Deutschen Orientmis-&lt;br /&gt;
sion«, Dr. Lepsius, sprach sie an, ob sie&lt;br /&gt;
nicht als Ärztin in die Türkei gehen&lt;br /&gt;
wolle, um dort den in großer Not leben-&lt;br /&gt;
den Armeniern zu helfen. Sie war von&lt;br /&gt;
dieser Idee sehr beeindruckt, kam sie&lt;br /&gt;
doch ihrem Wunsche, leidenden Men-&lt;br /&gt;
schen zu helfen, geradezu entgegen.&lt;br /&gt;
1897 trat sie dann die Reise in den Orient&lt;br /&gt;
an, wo sie in Urfa/Mesopotamien ihre&lt;br /&gt;
erste Stelle als Missionsärztin antrat.&lt;br /&gt;
Dort lernte sie auch ihren späteren&lt;br /&gt;
Mann, Heinrich Fallscheer, kennen, der&lt;br /&gt;
von der Missionsgesellschaft beauftragt&lt;br /&gt;
war, ihr organisatorisch zur Seite zu ste-&lt;br /&gt;
hen. Er war ein Sohn des beliebten deut-&lt;br /&gt;
schen Missionars Johann Christian Fall-&lt;br /&gt;
scheer, der in Nablus wirkte. Er war im&lt;br /&gt;
Orient aufgewachsen, hatte in Deutsch-&lt;br /&gt;
land das Lehramt studiert und war jetzt&lt;br /&gt;
bei der Mission in Palästina tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun folgte ein wechselvolles Leben in&lt;br /&gt;
verschiedenen Städten des Orients, in&lt;br /&gt;
Aleppo, Marasch, Haifa, Nablus und&lt;br /&gt;
Jerusalem, wo Josephine Fallscheer-&lt;br /&gt;
Zürcher als Ärztin praktizierte und&lt;br /&gt;
Mensch und Tier ihre berufliche und&lt;br /&gt;
private Hilfe angedeihen ließ. 1901&lt;br /&gt;
wurde in Aleppo ihre einzige Tochter&lt;br /&gt;
Gerda, die Autorin des Buches, ge-&lt;br /&gt;
boren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1905 bis 1912 lebte die Familie in&lt;br /&gt;
der deutschen Templerkolonie am Fuße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 237&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|238|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Berg Karmel mit der Templerkolonie und dem Grabmal des Baäb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Berges Karmel in Haifa. Das war&lt;br /&gt;
auch die Zeit, in der Dr. Fallscheer als&lt;br /&gt;
Hausärztin ‘Abdu’l-Bahás und seiner Fa-&lt;br /&gt;
milie wirkte. Gerne besuchte sie diesen&lt;br /&gt;
Haushalt und unterhielt sich mit&lt;br /&gt;
&#039;Abdul-Baha, den sie sehr verehrte,&lt;br /&gt;
über religiös-philosophische Themen.&lt;br /&gt;
Auch sammelte sie Aussprüche und&lt;br /&gt;
Reden von ihm, die sie in späteren Jah-&lt;br /&gt;
ren der Stuttgarter Bahäi-Gemeinde zur&lt;br /&gt;
Verfügung stellte. Der Kontakt zu&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá blieb auch in späteren Jah-&lt;br /&gt;
ren erhalten, als sie längst in Nablus und&lt;br /&gt;
Jerusalem lebte. Die Autorin des Buches&lt;br /&gt;
widmet ein ganzes Kapitel der Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion, in dem sie einen Artikel ihrer&lt;br /&gt;
Mutter über die »Bahä’i-Bewegung« aus&lt;br /&gt;
dem Jahre 1929 zitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren erlebte die&lt;br /&gt;
Familie Fallscheer die Auswirkungen&lt;br /&gt;
des ersten Weltkrieges in Palästina, ins-&lt;br /&gt;
besondere durch den so nahen Sinai-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
238 BAHÄ(I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feldzug. Im März 1917 erhielt Heinrich&lt;br /&gt;
Fallscheer als Auslandsdeutscher seinen&lt;br /&gt;
Stellungsbefehl nach Eßlingen am&lt;br /&gt;
Neckar. So nahm die Familie nun Ab-&lt;br /&gt;
schied von ihrem geliebten Palästina&lt;br /&gt;
und trat die beschwerliche Reise ins&lt;br /&gt;
ferne Heimatland, durch die Türkei und&lt;br /&gt;
den Balkan, an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zufall wollte es, daß sie 1919 eine&lt;br /&gt;
Wohnung im Hause von Herrn und Frau&lt;br /&gt;
Konsul Schwarz in Stuttgart bezogen,&lt;br /&gt;
dem Hause, in dem ‘Abdu/l-Baha 1913&lt;br /&gt;
als Gast geweilt hatte. So entstand eine&lt;br /&gt;
enge Beziehung zur Stuttgarter Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1922 kehrte die Familie nach Palästina&lt;br /&gt;
zurück, wo der Vater in der Templerko-&lt;br /&gt;
lonie Bethlehem bei Nazareth die Schule&lt;br /&gt;
übernahm. Danach lebten sie noch fünf&lt;br /&gt;
Jahre in Jerusalem, bevor sie im Jahre&lt;br /&gt;
1930 endgültig nach Deutschland zu-&lt;br /&gt;
rückkehrten. Wieder in Stuttgart,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|239|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=45}}schrieb Josephine Fallscheer in ihren&lt;br /&gt;
letzten Jahren unter anderem ihre Erin-&lt;br /&gt;
nerungen an ‘Abdu’l-Bahá nieder, die sie&lt;br /&gt;
der Bahäi-Gemeinde zur Verfügung&lt;br /&gt;
stellte. Am 10. Juli 1932 verließ sie diese&lt;br /&gt;
Welt nach einem aufopfernden Leben&lt;br /&gt;
des tätigen Dienstes am Nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Buch ist in zweifacher Hinsicht&lt;br /&gt;
für den Bahä’i-Leser faszinierend: Zum&lt;br /&gt;
einen beschreibt es das Leben einer&lt;br /&gt;
selbstlosen und tatkräftigen Frau, die&lt;br /&gt;
trotz häufiger gesundheitlicher Schwä-&lt;br /&gt;
che immer bereit war, ihren Mitmen-&lt;br /&gt;
schen zu helfen, und die mehrmals im&lt;br /&gt;
Leben so eng mit der Bahä’i-Religion in&lt;br /&gt;
Berührung kam. Sie war eine protestan-&lt;br /&gt;
tische Christin, jedoch immer offen,&lt;br /&gt;
aufgeschlossen und tolerant gegenüber&lt;br /&gt;
jeder anderen Religion, Kultur und Le-&lt;br /&gt;
bensweise und stellte den Glauben an&lt;br /&gt;
Gott über jede Konfession.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Ze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Yen HERE IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen beschreibt dieses Buch&lt;br /&gt;
sehr anschaulich die Lebensverhältnisse&lt;br /&gt;
und äußeren Gegebenheiten, die politi-&lt;br /&gt;
schen und religiösen Umstände in Palä-&lt;br /&gt;
stina zur Zeit ‘Abdu’l-Bahás und stellt&lt;br /&gt;
somit eine fruchtbare Ergänzung zu den&lt;br /&gt;
Schilderungen der Bahäi-Geschichte&lt;br /&gt;
dar. Dabei werden auch religiöse Min-&lt;br /&gt;
derheiten wie die Templer, die Drusen,&lt;br /&gt;
die Samaritaner und die Armenier in&lt;br /&gt;
ihrer Eigenart beschrieben, so daß der&lt;br /&gt;
Leser sich ein Bild vom Völkergemisch&lt;br /&gt;
im Heiligen Land machen kann. Auch&lt;br /&gt;
erfährt er von Choleraepidemien, Heu-&lt;br /&gt;
schreckenplagen und Erdbebenkata-&lt;br /&gt;
strophen jener Zeit. Es gelingt dem Leser&lt;br /&gt;
geradezu, sich in diese Zeit zurückzu-&lt;br /&gt;
versetzen, besonders dann, wenn er die-&lt;br /&gt;
ses geschichtsträchtige und vielen Reli-&lt;br /&gt;
gionen heilige Land bereits selbst einmal&lt;br /&gt;
besucht hat. Karl Türke jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Der Herr ist nahe«, Inschrift an einem Haus der Templerkolonie in Haifa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986 239&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|240|file=Baha&#039;i_Briefe_52.pdf|page=46}}Inhaltsübersicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Briefe 47—52, Band 1 der Neuen Folge&lt;br /&gt;
13. Jahrgang 1984 bis 15. Jahrgang 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jacques Chouleur, Der Bahäi-Glaube: Weltreligion der Zukunft 4&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel, Der Fetisch Souveränität 15&lt;br /&gt;
Christopher Sprung, Bahä’i-Haus der Andacht 1964—1984 21&lt;br /&gt;
Friedo Zölzer, 140 Jahre Bedrängnis. Ein Abriß der Bahá’í-Geschichte im Iran 35&lt;br /&gt;
Amin Banani, Die Bahä‘i im Iran — Religion oder Komplott der Kolonialmächte? 48&lt;br /&gt;
Sohrab Faridani, Standhaft in Gottes Namen 59&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo, Weltgesellschaft im Wandel: Eine Herausforderung zum Handeln 76&lt;br /&gt;
Ingo Hofmann, Frieden ist mehr als keine Waffen 89&lt;br /&gt;
Badi Panahi, Vorurteile und Weltfrieden 101&lt;br /&gt;
Huschmand Sabet, Frieden, Frucht der Einheit 108&lt;br /&gt;
Adelbert Mühlschlegel, Die Einheit Gottes und Seiner Propheten 118&lt;br /&gt;
Alessandro Bausani, Frieden, Fortschritt und politische Ethik 123&lt;br /&gt;
Ulrich Gollmer, Der lange Weg zum Größten Frieden 128&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh, Die Notwendigkeit einer neuen Gesellschaftsordnung 162&lt;br /&gt;
Kent Beveridge, Professor Edward Granville Browne 169&lt;br /&gt;
Peter Khan, Wie einst die Verfolgung der Christen 183&lt;br /&gt;
Christopher Sprung, Zur Lage der Bahá’í im Iran 190&lt;br /&gt;
Daniel Jordan, Erkennen, Wollen, Handeln 199&lt;br /&gt;
Ulrich Gollmer, Der Friede vor dem Frieden 207&lt;br /&gt;
Office of Public Information, Zur Frage der Apartheid 234&lt;br /&gt;
Besprechungen&lt;br /&gt;
Zur Darstellung der Bahäf-Religion in: Taschenlexikon Religion und Theologie (TRT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Theologische Realenzyklopädie (TRE)(Ulrich Gollmer) 29&lt;br /&gt;
Christine Hakim: Die Bahä’i — oder der Sieg über die Gewalt (Peter Spiegel) 65&lt;br /&gt;
Juan R. Cole: Imami Jurisprudence and the Role of the Ulama (Ulrich Gollmer) 66&lt;br /&gt;
Internationale Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung (Adolf Kärcher) 71&lt;br /&gt;
Serge Moscovici: Sozialer Wandel durch Minoritäten (Foad Kazemzadeh) 113&lt;br /&gt;
Die Bahä’i im Iran. Dokumentation der Verfolgung einer religiösen Minderheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Karl Türke jun.) 195&lt;br /&gt;
Gerda Sdun-Fallscheer: Jahre des Lebens (Karl Türke jun.) 237&lt;br /&gt;
Illustrationen&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht im Bau (Archivbilder) 24&lt;br /&gt;
Bazare in Persien (Archivbilder) 47,58&lt;br /&gt;
David 5. Ruhe, Stufen zum Haus Bahä’u/llähs in Mazra&#039;ih 74&lt;br /&gt;
David 5, Ruhe, Maulbeerfeigenbaum auf dem Weg zum Schrein Bahä’ulllähs in Bahji 175&lt;br /&gt;
David 5. Ruhe, Das Haus im Garten Ridvan 198&lt;br /&gt;
David 5. Ruhe, Das Seetor in Akkä 206&lt;br /&gt;
Houshang Sayhoon, Herbstliche Allee 222&lt;br /&gt;
David 5. Ruhe, Blick auf das Grabmal des Báb am Berg Karmel 238&lt;br /&gt;
David 5. Ruhe, Haus in der Templerkolonie Haifa 239&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
240 BAHÄ’I-BRIEFE 52 DEZEMBER 1986&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_51/Text&amp;diff=75349</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 51/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|159|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=1}}{{ocr}}ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHALBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PIEFT | 15. JAHRGANG APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FOAD KAZEMZADEH&lt;br /&gt;
DIE NOTWENDIGKEIT&lt;br /&gt;
EINER NEUEN GESELLSCHAFTSORDNUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KENT BEVERIDGE&lt;br /&gt;
PROFESSOR EDWARD GRANVILLE BROWNE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PETER KHAN&lt;br /&gt;
WIE EINST DIE VERFOLGUNG DER CHRISTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZUR LAGE DER BAHÄI IM IRAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
{{page|160|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=2}}Die Baha’i-Briefe wollen eine intensive Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung mit den Lehren und der&lt;br /&gt;
Geschichte der Bahá’í-Religion fördern und&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich&lt;br /&gt;
auf der Grundlage zeitgemäßen religiösen&lt;br /&gt;
Denkens aufrichtig um die Lösung der Welt-&lt;br /&gt;
probleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAIH-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 51, April 1986&lt;br /&gt;
15. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer neuen&lt;br /&gt;
Gesellschaftsordnung 162&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kent Beveridge&lt;br /&gt;
Professor&lt;br /&gt;
Edward Granville Browne 169&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Khan&lt;br /&gt;
Wie einst die&lt;br /&gt;
Verfolgung der Christen 183&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Lage&lt;br /&gt;
der Bahá’í im Iran 190&lt;br /&gt;
Buchbesprechung 195&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahäi in Deutschland e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Ulrich Gollmer, Hans&lt;br /&gt;
Günther Randau, Christopher Sprung, Karl Türke jun. Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahá’í-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim 6. Nament-&lt;br /&gt;
lich gezeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar. Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abon-&lt;br /&gt;
nementpreis für vier Ausgaben 20,— DM. Einzelpreis 6,— DM. Vertrieb und&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
{{page|161|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr, die ihr Gott liebt! Seid freundlich zu allen Völkern, kümmert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch um jeden Menschen, tut, was ihr könnt, um die Herzen und&lt;br /&gt;
Gemüter der Menschen zu läutern, und bemüht euch, jede Seele zu&lt;br /&gt;
erfreuen. Seid für jede Au ein Regenschauer der Gnade, für jeden Baum&lt;br /&gt;
das Wasser des Lebens, seid wie süßer Moschus für den Sinn der&lt;br /&gt;
Menschen, und für die Kranken seid eine frische, belebende Brise. Seid&lt;br /&gt;
klares Wasser für alle Dürstenden, ein behutsamer Führer für alle, die&lt;br /&gt;
ihren Weg verloren haben; seid den Waisen Vater und Mutter, den Alten&lt;br /&gt;
liebevolle Söhne und Töchter, ein reicher Schatz den Armen. Erachtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Brüderlichkeit als die Wonnen des Himmels, Feindseligkeit&lt;br /&gt;
und Haß als der Hölle Qual.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwöhnt euren Leib nicht mit Ruhe, sondern arbeitet mit ganzer&lt;br /&gt;
Seele, und aus vollem Herzen ruft und bittet Gott, daß Er euch Seine&lt;br /&gt;
Hilfe und Gnade gewähre. So verwandelt ihr diese Welt in das Paradies&lt;br /&gt;
Abhä, diesen Erdball in den Paradeplatz für das Reich der Höhe. Wenn&lt;br /&gt;
ihrnur die Mühe aufeuch nehmt, wird diese Pracht sicherlich leuchten,&lt;br /&gt;
diese Wolken der Barmherzigkeit werden ihren Regen verströmen, diese&lt;br /&gt;
lebenspendenden Winde werden sich erheben und wehen, und dieser&lt;br /&gt;
süßduftende Moschus wird sich allenthalben verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selections from the Writings of Abdul-Bahä, Haifa 1978, 200:8-9. Deutsche Ausgabe »’Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Briefe und Botschaften« in Vorbereitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 161&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|162|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE NOTWENDIGKEIT EINER NEUEN&lt;br /&gt;
GESELLSCHAFTSORDNUNG*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedenssehnsucht der Menschen und&lt;br /&gt;
gleichzeitig Krieg — dieses Paradox&lt;br /&gt;
durchzieht wie ein roter Faden die überlie-&lt;br /&gt;
ferte Menschheitsgeschichte, und wenn&lt;br /&gt;
man von den bestehenden Verhältnissen&lt;br /&gt;
ausgeht, dann scheint sich daran auch in&lt;br /&gt;
Zukunft nichts zu ändern. Die Fernsehbil-&lt;br /&gt;
der aus Beirut zeigen uns vor den Zerstö-&lt;br /&gt;
rungen einer Autobombe verzweifelte&lt;br /&gt;
Menschen, die in die Kameras hineinru-&lt;br /&gt;
fen, die zuschauende Welt möge doch&lt;br /&gt;
helfen, damit endlich Frieden werde in&lt;br /&gt;
diesem geplagten Land. Aber jeder weiß,&lt;br /&gt;
daß auch dieser Ruf nach Frieden unge-&lt;br /&gt;
hört verhallen wird und daß die Explo-&lt;br /&gt;
sion der nächsten Autobombe nicht lange&lt;br /&gt;
auf sich warten läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir finden Beirut nicht nur im Liba-&lt;br /&gt;
non, sondern an vielen anderen Orten&lt;br /&gt;
der Welt. Und was die Menschheit&lt;br /&gt;
plagt, ist nicht nur der Bürgerkrieg, son-&lt;br /&gt;
dern auch der Hungertod von Millio-&lt;br /&gt;
nen, die Slums der Großstädte, die Aus-&lt;br /&gt;
sichtslosigkeit armer Länder, jemals aus&lt;br /&gt;
ihrer Verschuldung bei den reichen her-&lt;br /&gt;
auszukommen und vor allem: die un-&lt;br /&gt;
vorstellbare und doch realistische Dro-&lt;br /&gt;
hung, daß die Menschheit insgesamt&lt;br /&gt;
vernichtet werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dieser Widerspruch? Einer-&lt;br /&gt;
seits die seit Menschengedenken beste-&lt;br /&gt;
hende Friedenssehnsucht - denken wir&lt;br /&gt;
nur an die 2500 Jahre alte Vision Jesaias,&lt;br /&gt;
die auch von Shoghi Effendi zitiert&lt;br /&gt;
wird: »... Denn kein Volk wird das&lt;br /&gt;
Schwert gegen das andere erheben, und&lt;br /&gt;
sie werden hinfort nicht mehr die&lt;br /&gt;
Kriegskunst lernen ...« oder an Begriffe&lt;br /&gt;
wie »das Goldene Zeitalter« oder das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Tausendjährige Reich«, die Ausdruck&lt;br /&gt;
für die in die Zukunft projizierte Frie-&lt;br /&gt;
denssehnsucht sind. Und andererseits&lt;br /&gt;
immer gewagtere Anstrengungen, die&lt;br /&gt;
angesammelte Vernichtungskraft durch&lt;br /&gt;
immer ausgeklügeltere Waffensysteme&lt;br /&gt;
zu vergrößern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der bekannten Versuche, diesen&lt;br /&gt;
Widerspruch zwischen Friedenssehn-&lt;br /&gt;
sucht und Krieg zu erklären, ist die Ant-&lt;br /&gt;
wort Sigmund Freuds auf eine entspre-&lt;br /&gt;
chende Frage von Einstein.! Er verweist&lt;br /&gt;
auf, wieer meint, zwei von Natur ausim&lt;br /&gt;
Menschen wirkende, einander entge-&lt;br /&gt;
gengesetzte Triebe, den Todes- oder Zer-&lt;br /&gt;
störungstrieb und Eros, den Trieb der&lt;br /&gt;
Liebe. Auf diese psychologische Proble-&lt;br /&gt;
matik kann nicht weiter eingegangen&lt;br /&gt;
werden, weil sie den Rahmen des The-&lt;br /&gt;
mas sprengen würde. Ich möchte nur&lt;br /&gt;
bemerken, daß auch in der Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion von einer ähnlichen Polarität,&lt;br /&gt;
nämlich von der geistigen und der mate-&lt;br /&gt;
riellen Natur des Menschen, gesprochen&lt;br /&gt;
wird; allerdings mit dem Unterschied,&lt;br /&gt;
daß hier das Geistige und das Materielle&lt;br /&gt;
nicht als unveränderliche Größen gese-&lt;br /&gt;
hen werden. Ob das eine oder das an-&lt;br /&gt;
dere überwiegt, ist vielmehr eine Frage&lt;br /&gt;
der Erziehung und der persönlichen An-&lt;br /&gt;
strengung.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserem Thema näher kommt die&lt;br /&gt;
Antwort der Kulturkritik und konser-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Vgl. Sigmund Freud, Warum Krieg?, u.a. in:&lt;br /&gt;
Sigmund Freud, Das Unbewußte. Schriften zur&lt;br /&gt;
Psychoanalyse, hrsg. von Alexander Mitscher-&lt;br /&gt;
lich, Frankfurt 1963, S. 417ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Vgl. hierzu auch Badi Panahi, Vorurteile und&lt;br /&gt;
Weltfriede, in: Bahaii-Briefe, Heft 49, Mai 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vortrag, gehalten anläßlich der Konferenz » Aspekte zur Friedensordnung«, 30. 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— 1. 9, 1985 in Hofheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
162 BAHÄTI-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
{{page|163|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vativer Soziologie auf die Frage: Warum&lt;br /&gt;
Krieg trotz Friedenssehnsucht? Da heißt&lt;br /&gt;
es, die im einzelnen liegenden Ansätze&lt;br /&gt;
zum Guten, seine Bereitschaft zum&lt;br /&gt;
friedlichen Miteinander würden in der&lt;br /&gt;
Gesellschaft, vor allem in der Masse,&lt;br /&gt;
überlagert vom Zwang zur Konkurrenz&lt;br /&gt;
und Aggression, seine Fähigkeit zum&lt;br /&gt;
überlegten und vernünftigen Handeln&lt;br /&gt;
zunichte gemacht durch den Druck zur&lt;br /&gt;
Anpassung und Nachahmung. Diese&lt;br /&gt;
Behauptung kann zweifellos durch un-&lt;br /&gt;
zählige Beobachtungen in den verschie-&lt;br /&gt;
densten Situationen bestätigt werden.&lt;br /&gt;
Wir wissen aus eigener Erfahrung, daß&lt;br /&gt;
wir uns in Gruppen und Versammlun-&lt;br /&gt;
gen unkontrollierter und unsicherer&lt;br /&gt;
verhalten, ja aggressiver handeln, als&lt;br /&gt;
es unserem Naturell, unserer Neigung&lt;br /&gt;
entspricht — besonders dann, wenn die&lt;br /&gt;
Situation für uns ungewohnt ist oder&lt;br /&gt;
uns bedrohlich vorkommt. Es kommt&lt;br /&gt;
hinzu, daß wir uns in sozialen Gruppen,&lt;br /&gt;
Verbänden und Organisationen — sei es&lt;br /&gt;
im Beruf oder in der Schule, in einer Par-&lt;br /&gt;
tei oder Gewerkschaft, ja sogar in der&lt;br /&gt;
Familie — jeweils spezifischen, mehr&lt;br /&gt;
oder weniger unpersönlichen Regeln&lt;br /&gt;
unterwerfen müssen. Und das Ziel die-&lt;br /&gt;
ser Regelungen ist nicht in erster Linie,&lt;br /&gt;
bei den Menschen Eigenschaften der&lt;br /&gt;
Friedfertigkeit und der gegenseitigen&lt;br /&gt;
Zuneigung zu fördern, sondern der rei-&lt;br /&gt;
bungslose Betriebsablauf. Da begegnen&lt;br /&gt;
sich Menschen nicht als ganzheitliche&lt;br /&gt;
Personen, die einander so wie sie sind&lt;br /&gt;
akzeptieren, sondern verfremdet als&lt;br /&gt;
Rollenträger, mehr oder weniger ange-&lt;br /&gt;
strengt, den auferlegten Part so gut wie&lt;br /&gt;
möglich zu spielen, der Sachbearbeiter&lt;br /&gt;
gegenüber dem Abteilungsleiter und&lt;br /&gt;
umgekehrt, der Schüler vor dem Lehrer&lt;br /&gt;
und vice versa. Hier tut sich also tat-&lt;br /&gt;
sächlich ein Gegensatz zwischen dem&lt;br /&gt;
einzelnen und der Gesellschaft auf,&lt;br /&gt;
zwischen potentiell individueller Fried-&lt;br /&gt;
fertigkeit und gesellschaftlicher Ag-&lt;br /&gt;
gression, der das Paradox »Friedens-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehnsucht und gleichzeitig Krieg« we-&lt;br /&gt;
nigstens zum Teil erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur: welche Konsequenz ist aus die-&lt;br /&gt;
ser Feststellung zu ziehen? Soll man die&lt;br /&gt;
Gesellschaft verdammen und die Ein-&lt;br /&gt;
bindung des einzelnen in die Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, seine Beziehung zu sozialen&lt;br /&gt;
Gruppen auf ein absolut notwendiges&lt;br /&gt;
Maß beschränken? Schon die Frage ist&lt;br /&gt;
absurd. Denn der Mensch ist ein durch&lt;br /&gt;
und durch, im Guten wie im Schlechten,&lt;br /&gt;
soziales Wesen; er versteht sich über-&lt;br /&gt;
haupt erst dann als Individuum, wenn&lt;br /&gt;
er sich als Mitmensch, als Mitglied der&lt;br /&gt;
Gruppe begreift. Es wäre also nur eine&lt;br /&gt;
romantische Illusion, sich von der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft abkehren zu wollen, die Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft sozusagen als hoffnungslosen&lt;br /&gt;
Fall, als Quelle allen Übels aufgeben zu&lt;br /&gt;
wollen. Wenn Frieden erreicht und dau-&lt;br /&gt;
erhaft eingerichtet werden soll, dann&lt;br /&gt;
müssen auch die gesellschaftlichen Ver-&lt;br /&gt;
hältnisse so beschaffen sein, daß sie den&lt;br /&gt;
Frieden mittragen und ihm nicht entge-&lt;br /&gt;
genwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Anliegen der Religionen ist&lt;br /&gt;
es stets gewesen, nicht nur das Seelen-&lt;br /&gt;
heil des einzelnen, sondern ebenso Frie-&lt;br /&gt;
den und Gerechtigkeit in der menschli-&lt;br /&gt;
chen Gesellschaft herbeizuführen. So&lt;br /&gt;
lesen wir in Bahäullähs Schriften:&lt;br /&gt;
»Wenn Gott Seine Propheten zu den&lt;br /&gt;
Menschen sendet, ist Seine Absicht eine&lt;br /&gt;
zweifache. Die erste ist, die Menschen-&lt;br /&gt;
kinder aus dem Dunkel der Unwissen-&lt;br /&gt;
heit zu befreien und sie zum Lichte wah-&lt;br /&gt;
ren Verstehens zu führen, die zweite,&lt;br /&gt;
den Frieden und die Ruhe der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zu sichern und alle Mittel bereitzu-&lt;br /&gt;
stellen, durch die beides erreicht werden&lt;br /&gt;
kann.«3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte sagen, daß in diesen we-&lt;br /&gt;
nigen Worten bereits vor etwa hundert&lt;br /&gt;
Jahren die Grundlage für den Weltfrie-&lt;br /&gt;
den gelegt worden ist. Und eines der&lt;br /&gt;
wichtigsten Mittel, die bereitgestellt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Ährenlese, Hofheim-Langenhain 31980, 34:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 51 APRIL 1986 163&lt;br /&gt;
{{page|164|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=6}}wurden, den Frieden der Menschheit zu&lt;br /&gt;
sichern, ist die von Bahä’u’lläh gestiftete&lt;br /&gt;
Ordnung der Gemeinschaft derer, die&lt;br /&gt;
sich auf Ihn berufen — das Modell für&lt;br /&gt;
die Gesellschaftsordnung friedfertiger&lt;br /&gt;
Menschen. Die Bahäi sind sich aller-&lt;br /&gt;
dings darüber im klaren, daß es nicht&lt;br /&gt;
eine Frage von wenigen Jahren ist, bis&lt;br /&gt;
die Welt dieses Modell akzeptiert haben&lt;br /&gt;
wird. Sie wissen auch, daß der Frieden,&lt;br /&gt;
der zunächst darin besteht, daß keine&lt;br /&gt;
Kriege mehr geführt werden, auf ande-&lt;br /&gt;
rem Wege und recht bald erreicht wer-&lt;br /&gt;
den muß. Wenn aber dieser Frieden&lt;br /&gt;
mehr als nur ein kurzlebiger Waffen-&lt;br /&gt;
stillstand sein soll, dann erfordert er al-&lt;br /&gt;
lerdings mehr als nur Verträge; er ver-&lt;br /&gt;
langt zumindest eine solche Gesell-&lt;br /&gt;
schaftsordnung, die die Möglichkeit&lt;br /&gt;
eines Kriegsausbruchs ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief an die Zentralorganisa-&lt;br /&gt;
tion für einen dauerhaften Frieden im&lt;br /&gt;
Haag hat ‘Abdul-Bahä im Jahre 1919 die&lt;br /&gt;
Bemühungen dieser Organisation um&lt;br /&gt;
die Sicherung des Friedens gewürdigt,&lt;br /&gt;
zugleich aber betont, daß eine zu enge&lt;br /&gt;
Konzentrierung der Anstrengungen auf&lt;br /&gt;
eine Sache — z. B. die internationale&lt;br /&gt;
Ächtung des Krieges allein — nicht aus-&lt;br /&gt;
reichen würde, um das gewünschte Er-&lt;br /&gt;
gebnis zu erzielen. Er schrieb: »Heute ist&lt;br /&gt;
der Weltfriede wichtig, aber die Einheit&lt;br /&gt;
des Bewußtseins ist wesentlich, damit&lt;br /&gt;
so die Grundlage dieser Angelegenheit&lt;br /&gt;
fest, ihre Errichtung gesichert und ihr&lt;br /&gt;
Gebäude stark sein möge.«* »Einheit&lt;br /&gt;
des Bewußtseins« — hat das überhaupt&lt;br /&gt;
etwas mit der Gesellschaftsordnung zu&lt;br /&gt;
tun, oder ist esetwas, das eher in den Be-&lt;br /&gt;
reich kontemplativer Beschaulichkeit&lt;br /&gt;
und religiöser Mystik hineingehört?&lt;br /&gt;
Wir haben es hier durchaus mit einer&lt;br /&gt;
Kategorie zu tun, die von grundlegender&lt;br /&gt;
Bedeutung für den Bestand und die&lt;br /&gt;
Funktionsfähigkeit jeder Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung ist. Die Sozialwissenschaftler&lt;br /&gt;
gebrauchen für denselben Sachverhalt&lt;br /&gt;
den Ausdruck »gemeinsame Werte«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es sind in der Tat nicht individuelle&lt;br /&gt;
und Gruppeninteressen, nicht mate-&lt;br /&gt;
rielle Anreize und auch nicht nur die&lt;br /&gt;
Aussicht auf Belohnung bei erwünsch-&lt;br /&gt;
tem und Bestrafung bei unerwünschtem&lt;br /&gt;
Verhalten, die die Gesellschaft zusam-&lt;br /&gt;
menhalten, sondern soziale und kultu-&lt;br /&gt;
relle Werte — z. B. Gerechtigkeit, Frei-&lt;br /&gt;
heit, Familie, Freundschaft usw. —,&lt;br /&gt;
Werte, die von den Gesellschaftsmitglie-&lt;br /&gt;
dern geteilt werden und somit, wie&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá es ausdrückt, die Einheit&lt;br /&gt;
des Bewußtseins begründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Wirkung dieser Werte&lt;br /&gt;
nachzulassen beginnt, wenn sich ihre&lt;br /&gt;
Verbindlichkeit abschwächt und die&lt;br /&gt;
Menschen ihr Verhalten immer weniger&lt;br /&gt;
nach den grundlegenden Werten aus-&lt;br /&gt;
richten, wenn also die Einheit des Be-&lt;br /&gt;
wußtseins schwindet, dann treten&lt;br /&gt;
immer stärker die Regeln von Sachge-&lt;br /&gt;
schehen in den Vordergrund. Die Men-&lt;br /&gt;
schen orientieren sich dann in ihren Be-&lt;br /&gt;
ziehungen zueinander weniger an ge-&lt;br /&gt;
meinsam hochgehaltenen Werten und&lt;br /&gt;
mehr an sogenannten Sachzwängen, die&lt;br /&gt;
ihnen im Grunde fremd sind, zu denen&lt;br /&gt;
sie keine innere Beziehung haben, z.B.&lt;br /&gt;
an Konkurrenz, wie in den westlichen&lt;br /&gt;
Gesellschaften. Konkurrenz ist aber ein&lt;br /&gt;
Gesetz des Marktes, auf dem knappe&lt;br /&gt;
Güter nach Angebot und Nachfrage be-&lt;br /&gt;
wertet und verteilt werden. Es regelt rein&lt;br /&gt;
materielle Prozesse und ist völlig blind&lt;br /&gt;
für geistig-soziale Belange. Je mehr aber&lt;br /&gt;
die geistige Grundlage einer Gesell-&lt;br /&gt;
schaft ausgehöhlt und von materiellen&lt;br /&gt;
Normen überlagert wird, um so labiler&lt;br /&gt;
und gefährlicher wird der Zustand der&lt;br /&gt;
Gesellschaft. Ausgangspunkt dieses&lt;br /&gt;
Verfallsprozesses ist die Schwächung&lt;br /&gt;
der religiösen Werte. Baha’u’lläh sagt:&lt;br /&gt;
»Die Religion ist das wichtigste Mittel&lt;br /&gt;
zur Begründung von Ordnung in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 &#039;Abdu’l-Baha, An die Zentralorganisation für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen dauerhaften Frieden im Haag, Frankfurt&lt;br /&gt;
1968, 5.4&lt;br /&gt;
{{page|165|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=7}}Welt und zur Befriedung aller, die darin&lt;br /&gt;
wohnen. Die Schwächung der Pfeiler&lt;br /&gt;
der Religion stärkt die Hände der Un-&lt;br /&gt;
wissenden und macht sie dreist und&lt;br /&gt;
anmaßend. Wahrlich, Ich sage, was&lt;br /&gt;
immer die erhabene Stellung der Reli-&lt;br /&gt;
gion erniedrigt, vermehrt die Wider-&lt;br /&gt;
spenstigkeit der Gottlosen, und das Er-&lt;br /&gt;
gebnis kann nur Gesetzlosigkeit sein.«&lt;br /&gt;
»Die Religion ist ein strahlendes Licht&lt;br /&gt;
und ein uneinnehmbares Bollwerk für&lt;br /&gt;
den Schutz und die Wohlfahrt der Völ-&lt;br /&gt;
ker dieser Welt; denn die Gottesfurcht&lt;br /&gt;
treibt den Menschen an, sich fest an das&lt;br /&gt;
zu halten, was gut ist, und alles Böse zu&lt;br /&gt;
meiden. Sollte die Lampe der Religion&lt;br /&gt;
verdunkelt werden, so werden Chaos&lt;br /&gt;
und Wirrnis die Folge sein, und die Lich-&lt;br /&gt;
ter der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
der Ruhe und des Friedens werden zu&lt;br /&gt;
scheinen aufhören.«5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt auf der Hand, daß auch&lt;br /&gt;
Werte, die der geistige Unterbau, das&lt;br /&gt;
Fundament von Gesellschaften sind,&lt;br /&gt;
wie alles in der Menschenwelt, nicht un-&lt;br /&gt;
verändert ewige Gültigkeit besitzen. Sie&lt;br /&gt;
müssen in Anpassung an die Gesamt-&lt;br /&gt;
entwicklung der Menschheit von Zeit zu&lt;br /&gt;
Zeit verändert, ergänzt und mit neuem&lt;br /&gt;
Inhalt versehen werden. Wenn wir also&lt;br /&gt;
nach der Notwendigkeit einer neuen&lt;br /&gt;
Gesellschaftsordnung fragen, dann gilt&lt;br /&gt;
die Frage nicht in erster Linie dem Pro-&lt;br /&gt;
blem der zeitgemäßen Organisation ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlicher Institutionen, also z. B.&lt;br /&gt;
dem Problem der Verteilung der in einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft produzierten Güter oder&lt;br /&gt;
den Regeln, wie Herrschaft ausgeübt&lt;br /&gt;
und gesellschaftliche Macht kontrolliert&lt;br /&gt;
werden soll, sondern die Frage gilt zu-&lt;br /&gt;
nächst und vor allem dem geistigen&lt;br /&gt;
Prinzip, der sozialen Basis der neuen&lt;br /&gt;
Gesellschaftsordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist die Überzeugung der Bahäf,&lt;br /&gt;
daß menschliches Forschen und Nach-&lt;br /&gt;
denken allein nicht zur gültigen Ant-&lt;br /&gt;
wort auf diese umfassende Frage führen&lt;br /&gt;
kann, sondern nur göttliche Führung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die heute von Bahäu’lläh kommt. Es&lt;br /&gt;
sind auch kaum ernstzunehmende An-&lt;br /&gt;
zeichen in den gesellschaftlichen Kräf-&lt;br /&gt;
ten wahrzunehmen, die darauf ausge-&lt;br /&gt;
richtet wären, die Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;
von einem geistigen Prinzip her zu re-&lt;br /&gt;
konstruieren. Im Gegenteil: der einzigen&lt;br /&gt;
großen sozialen Bewegung unserer Zeit,&lt;br /&gt;
die die Erneuerung der Gesellschaft zum&lt;br /&gt;
Ziel hat, dem Marxismus, geht es gerade&lt;br /&gt;
darum, die Gesellschaftsordnung mate-&lt;br /&gt;
rialistisch zu begründen und alles Gei-&lt;br /&gt;
stige als abgeleitete Größe, als »Über-&lt;br /&gt;
bau« zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi hat die Vorstellung,&lt;br /&gt;
daß die Menschen aus eigener Kraft den&lt;br /&gt;
Weg zu einer neuen, den Erfordernissen&lt;br /&gt;
der Zeit angemessenen Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung finden würden, mit folgenden&lt;br /&gt;
Worten als Illusion charakterisiert:&lt;br /&gt;
»Ob wir die Menschheit im Lichte der&lt;br /&gt;
persönlichen Lebensführung oder der&lt;br /&gt;
Beziehungen zwischen den organi-&lt;br /&gt;
sierten Gemeinschaften und Nationen&lt;br /&gt;
betrachten, sie ist leider zu weit ab-&lt;br /&gt;
geirrt, hat einen zu tiefen Niedergang&lt;br /&gt;
erlitten, als dal3 sie allein durch die&lt;br /&gt;
unbeholfenen Anstrengungen selbst der&lt;br /&gt;
besten unter ihren anerkannten Herr-&lt;br /&gt;
schern und Staatsmännern ... erlöst&lt;br /&gt;
werden könnte. Kein Plan, den die Be-&lt;br /&gt;
rechnungen höchster Staatskunst noch&lt;br /&gt;
ersännen, kein Lehrgebäude, das die&lt;br /&gt;
hervorragendsten Vertreter der Wirt-&lt;br /&gt;
schaftstheorie noch errichteten, kein&lt;br /&gt;
Grundsatz, den der glühendste Moralist&lt;br /&gt;
noch aufimpfen wollte, können letzten&lt;br /&gt;
Endes ausreichende Grundlagen bieten,&lt;br /&gt;
auf die die Zukunft einer verwirrten&lt;br /&gt;
Welt gebaut werden kann ... Ja, ich&lt;br /&gt;
wage zu behaupten, daß nicht einmal&lt;br /&gt;
das Ersinnen eines Ordnungsgefüges,&lt;br /&gt;
wie es für die politische und wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Vereinigung der Menschheit erfor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Bahä’ulläh, zitiert in: Shoghi Effendi, Die Welt-&lt;br /&gt;
ordnung Bahäulllähs, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1977, S. 269f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 165&lt;br /&gt;
{{page|166|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
derlich ist, ... aus sich selbst heraus&lt;br /&gt;
das Heilmittel gegen das Gift bieten&lt;br /&gt;
könnte, welches ständig die Kraftreser-&lt;br /&gt;
ven der entwickelten Völker und Natio-&lt;br /&gt;
nen auszehrt. Was sonst, so können wir&lt;br /&gt;
getrost fragen, als die vorbehaltlose&lt;br /&gt;
Annahme des göttlichen Programms,&lt;br /&gt;
das Bahä’ulläh ... mit solcher Macht&lt;br /&gt;
und Schlichtheit verkündet hat, eines&lt;br /&gt;
Programms, das in seinen Wesenszügen&lt;br /&gt;
Gottes Plan für die Vereinigung der&lt;br /&gt;
Menschheit in diesem Zeitalter zum&lt;br /&gt;
Ausdruck bringt, kann ... schließlich&lt;br /&gt;
den Kräften innerer Auflösung wider-&lt;br /&gt;
stehen, die sich, wenn ihnen kein Ein-&lt;br /&gt;
halt geboten wird, immer tiefer in das&lt;br /&gt;
Mark einer verzweifelten Gesellschaft&lt;br /&gt;
hineinfressen? Diesem Ziel — dem Ziel&lt;br /&gt;
einer neuen Weltordnung, göttlich im&lt;br /&gt;
Ursprung, allumfassend in der Reich-&lt;br /&gt;
weite, unparteiisch im Grundsatz, her-&lt;br /&gt;
ausfordernd im Charakter — muß eine&lt;br /&gt;
gequälte Menschheit zustreben.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Prinzip, das die Kraft&lt;br /&gt;
haben soll, die Gesellschaftsordnung zu&lt;br /&gt;
tragen und die Beziehung der Menschen&lt;br /&gt;
und der Gruppen zueinander zu festi-&lt;br /&gt;
gen, muß die Teilhabe aller ermöglichen&lt;br /&gt;
und allen die Möglichkeit der Identifi-&lt;br /&gt;
kation mit diesem fundamentalen Wert&lt;br /&gt;
bieten. Es darf keine Gruppe ausschlie-&lt;br /&gt;
ßen und keine auf Kosten anderer be-&lt;br /&gt;
vorzugen. Es muß ferner den Notwen-&lt;br /&gt;
digkeiten der Zeit entsprechen. Aus den&lt;br /&gt;
soeben zitierten Worten Shoghi Effendis&lt;br /&gt;
klang schon heraus, welches geistige&lt;br /&gt;
Prinzip diese Bedingungen für unsere&lt;br /&gt;
Zeit, für die neue Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;
erfüllt. Esist das Prinzip der Einheit. Die&lt;br /&gt;
Kategorie der Einheit ist kein bloß er-&lt;br /&gt;
dachtes, sondern ein der Wirklichkeit&lt;br /&gt;
des Daseins entlehntes höchstes geisti-&lt;br /&gt;
ges Prinzip. Seine grundlegende Veran-&lt;br /&gt;
kerung hat es in der Einheit Gottes;&lt;br /&gt;
davon abgeleitet ist die Einheit der&lt;br /&gt;
Schöpfung Gottes, einschließlich der&lt;br /&gt;
Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezogen auf die Geschichte der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
166 BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft ist der Ge-&lt;br /&gt;
halt des Prinzips der Einheit histori-&lt;br /&gt;
schem Wandel unterworfen. Die Ge-&lt;br /&gt;
schichte der menschlichen Geseilschaf-&lt;br /&gt;
ten ist als eine Entwicklung zu immer&lt;br /&gt;
umfassenderen Einheitsgebilden zu in-&lt;br /&gt;
terpretieren. Einige Stadien dieser Ent-&lt;br /&gt;
wicklung waren: die Einheit der Familie,&lt;br /&gt;
die Stammeseinheit, die Einheit der&lt;br /&gt;
Stadtstaaten und in jüngster Zeit der&lt;br /&gt;
Nationen. Die nationale Einheit ist das&lt;br /&gt;
geistige Prinzip, das zur Bildung der&lt;br /&gt;
heute bestehenden Gesellschaften ge-&lt;br /&gt;
führt hat und auch heute noch als Legiti-&lt;br /&gt;
mationsbasis für die nationale Abgren-&lt;br /&gt;
zung der Gesellschaften herangezogen&lt;br /&gt;
wird. Besonderen Auftrieb erlangte die&lt;br /&gt;
Idee der Nation als Leitmotiv der Befrei-&lt;br /&gt;
ung der Völker und ihrer Eigenständig-&lt;br /&gt;
keit nach den napoleonischen Kriegen.&lt;br /&gt;
Nachdem sich diese Idee gegen die sie&lt;br /&gt;
bekämpfenden Mächte — vor allem die&lt;br /&gt;
Heilige Allianz — erfolgreich behauptet&lt;br /&gt;
hatte, »wurde«, wie Shoghi Effendi es&lt;br /&gt;
beschreibt, »die Möglichkeit einer Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, die in ihrer Reichweite die po-&lt;br /&gt;
litischen Einrichtungen dieser Nationen&lt;br /&gt;
überragt, ernsthaft erwogen«. Es ist&lt;br /&gt;
bemerkenswert, daß, wie wiederum&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi dies darstellt, aus dem&lt;br /&gt;
Nationalismus selbst die Tendenz zur&lt;br /&gt;
Verwirklichung einer Weltordnung ge-&lt;br /&gt;
boren wurde, und diese Tendenz erst&lt;br /&gt;
nach dem ersten Weltkrieg einen Rück-&lt;br /&gt;
schlag erlitt.” Zur Illustrierung dieses&lt;br /&gt;
Hinweises von Shoghi Effendi, daß den&lt;br /&gt;
Verfechtern des Nationalgedankens eine&lt;br /&gt;
internationale Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;
nicht fremd gewesen ist, sei auf den Füh-&lt;br /&gt;
rer und Theoretiker des italienischen&lt;br /&gt;
Nationalismus, Giuseppe Mazzini, ver-&lt;br /&gt;
wiesen. Mazzini hat in einer Reihe von&lt;br /&gt;
Aufsätzen, die er zwischen 1844 und&lt;br /&gt;
1852 schrieb, die These vertreten, daß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 56 f&lt;br /&gt;
7 \gl. Weltordnung, S. 71 f&lt;br /&gt;
{{page|167|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=9}}Gottes Plan die Vereinigung der gesam-&lt;br /&gt;
ten Menschheit sei und daß die Vollen-&lt;br /&gt;
dung des Nationalismus der erste&lt;br /&gt;
Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel&lt;br /&gt;
wäre.d&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee der Nation hat sich durchge-&lt;br /&gt;
setzt; die Nationenbildung ist weltweit&lt;br /&gt;
abgeschlossen worden. Aber wie so vie-&lt;br /&gt;
les in der Geschichte der Menschheit ist&lt;br /&gt;
die konsequente Weiterentwicklung die-&lt;br /&gt;
ser Idee durch die Unzulänglichkeiten&lt;br /&gt;
der Menschen aufgehalten worden. Ob-&lt;br /&gt;
wohl der wissenschaftlich-technische&lt;br /&gt;
Fortschritt es seit langem ermöglicht&lt;br /&gt;
und die weltweiten Verbindungen und&lt;br /&gt;
Verknüpfungen es von Tag zu Tag dring-&lt;br /&gt;
licher erfordern, ist die Einheit der&lt;br /&gt;
gesamten Menschheit als Grundlage ei-&lt;br /&gt;
ner längst fälligen neuen Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung, wie sie von Bahä’u’llaäh vor&lt;br /&gt;
über 100 Jahren verkündet wurde, noch&lt;br /&gt;
nicht anerkannt und akzeptiert worden.&lt;br /&gt;
Ansätze, die zu diesem Ziel hätten&lt;br /&gt;
führen können — der Völkerbund, die&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen, die zahlreichen&lt;br /&gt;
überstaatlichen Zusammenschlüsse wie&lt;br /&gt;
z.B. die EG —, wurden und werden&lt;br /&gt;
von nationalstaatlichen Gegensätzen&lt;br /&gt;
geschwächt bzw. zunichte gemacht.&lt;br /&gt;
Obwohl inzwischen kaum noch jemand&lt;br /&gt;
bestreitet, daß alle großen Probleme&lt;br /&gt;
unserer Zeit — ob Umweltverschmut-&lt;br /&gt;
zung oder Hungersnot, ob wirtschaftli-&lt;br /&gt;
che Rückständigkeit oder Krieg und&lt;br /&gt;
Kriegsgefahr — nur im weltweiten&lt;br /&gt;
Maßstab und nicht in den Grenzen von&lt;br /&gt;
Nationalstaaten zu lösen sind, verhin-&lt;br /&gt;
dern uneingeschränkte Souveränitäts-&lt;br /&gt;
ansprüche der Staaten eine effektive&lt;br /&gt;
internationale Kooperation. Schlimmer&lt;br /&gt;
noch: es sind die ängstlich gehüteten&lt;br /&gt;
Machtansprüche der Nationalstaaten,&lt;br /&gt;
die die immense Vergeudung der Mittel&lt;br /&gt;
für Rüstung und damit die ständige&lt;br /&gt;
Erhöhung der Kriegsgefahr bewirken.&lt;br /&gt;
Vielleicht verstehen wir es erst heute so&lt;br /&gt;
recht, was Shoghi Effendi gemeint hat,&lt;br /&gt;
als er vor fünfzig Jahren sagte: »Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anarchie, die der nationalstaatlichen&lt;br /&gt;
Souveränität anhaftet, nähert sich heute&lt;br /&gt;
einem Höhepunkt.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Wohlfahrt der Menschheit«, er-&lt;br /&gt;
klärt Bahäu/lläh, »ihr Friede und ihre&lt;br /&gt;
Sicherheit sind unerreichbar, wenn und&lt;br /&gt;
bevor nicht ihre Einheit fest begründet&lt;br /&gt;
ist.«10 Mit diesem Ruf hat Bahä&#039;ullläh kei-&lt;br /&gt;
neswegs die Nivellierung der vielfältigen&lt;br /&gt;
kulturellen Unterschiede eingeläutet. Sein&lt;br /&gt;
Ruf ist allerdings, wie Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
schreibt, »... gegen jede Art von Provin-&lt;br /&gt;
zialismus, jede Engstirigkeit, jedes Vor-&lt;br /&gt;
urteil gerichtet«. Er schreibt weiter:&lt;br /&gt;
»Wenn lang gehegte Ideale, wenn alt-&lt;br /&gt;
ehrwürdige Institutionen, wenn gesell-&lt;br /&gt;
schaftliche Postulate und religiöse Glau-&lt;br /&gt;
bensbekenntnisse das Wohl der Gesamt-&lt;br /&gt;
heit aller Menschen nicht mehr fördern,&lt;br /&gt;
wenn sie den Bedürfnissen einer sich stän-&lt;br /&gt;
dig entwickelnden Menschheit nicht län-&lt;br /&gt;
ger gerecht werden, dann fegt sie hinweg&lt;br /&gt;
und verbannt sie in die Rumpelkammer&lt;br /&gt;
veralteter und vergessener Doktrinen!&lt;br /&gt;
Warum sollten sie in einer Welt, die&lt;br /&gt;
dem unabänderlichen Gesetz des Wan-&lt;br /&gt;
dels und des Verfalls unterliegt, von der&lt;br /&gt;
Entartung verschont bleiben, die alle&lt;br /&gt;
menschlichen Einrichtungen zwangs-&lt;br /&gt;
läufig ereilt? Rechtsnormen, politische&lt;br /&gt;
und wirtschaftliche Theorien sind nur&lt;br /&gt;
dazu da, die Interessen der Menschheit&lt;br /&gt;
als Ganzes zu schützen; nicht aber ist die&lt;br /&gt;
Menschheit dazu da, für die unversehrte&lt;br /&gt;
Aufrechterhaltung eines bestimmten&lt;br /&gt;
Gesetzes oder Lehrsatzes gekreuzigt zu&lt;br /&gt;
werden.«11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit der uneingeschränkte Na-&lt;br /&gt;
tionalstaatsgedanke nicht zu einem&lt;br /&gt;
solchen Lehrsatz wird, um dessentwil-&lt;br /&gt;
len die Menschheit gekreuzigt wird,&lt;br /&gt;
muß die Welt erkennen und danach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Nosratollah Rassekh, The Bahá’í Era: The First&lt;br /&gt;
138 Years, in: World Order. A Bahá’í Magazine,&lt;br /&gt;
Summer 1982, S. 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Weltordnung, S. 295&lt;br /&gt;
10 Bahä’ulläh, zitiert in: Weltordnung, S. 296&lt;br /&gt;
11 Weltordnung, $. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|168|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handeln, daß die Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;
der Zukunft auf dem Grundsatz der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit beruht. Dieser&lt;br /&gt;
Grundsatz verlangt nach den Worten&lt;br /&gt;
Shoghi Effendis »...eine organische,&lt;br /&gt;
strukturelle Veränderung der heutigen&lt;br /&gt;
Gesellschaft, wie sie die Welt noch nicht&lt;br /&gt;
erlebt hat... Er fordert nichts Geringe-&lt;br /&gt;
res als den Wiederaufbau und die Ent-&lt;br /&gt;
militarisierung der ganzen zivilisierten&lt;br /&gt;
Welt, einer Welt, die in allen Grund-&lt;br /&gt;
fragen des Lebens, in ihrem politischen&lt;br /&gt;
Mechanismus, ihren geistigen Bestre-&lt;br /&gt;
bungen, in Handel und Finanzwesen,&lt;br /&gt;
Schrift und Sprache organisch zusam-&lt;br /&gt;
mengewachsen und doch in den natio-&lt;br /&gt;
nalen Eigentümlichkeiten ihrer ver-&lt;br /&gt;
bündeten Staatenglieder von einer&lt;br /&gt;
unendlichen Mannigfaltigkeit ist.«12&lt;br /&gt;
Eine Gesellschaftsordnung auf der&lt;br /&gt;
Basis der Einheit der Menschheit erfor-&lt;br /&gt;
dert, daß alle historisch entstandenen,&lt;br /&gt;
inzwischen unnatürlich gewordenen&lt;br /&gt;
Grenzen auf der Welt, die die Menschen&lt;br /&gt;
trennen und zwischen ihnen Barrieren&lt;br /&gt;
errichten, durch politische Maßnahmen&lt;br /&gt;
überwunden werden. Für den Bereich&lt;br /&gt;
der Wirtschaft heißt dies z. B., daß der&lt;br /&gt;
Zahlungsverkehr durch eine einheitli-&lt;br /&gt;
che Währung und der Warenverkehr&lt;br /&gt;
durch den Freihandel erleichtert, vor&lt;br /&gt;
allem aber, daß die extremen Gegen-&lt;br /&gt;
sätze zwischen arm und reich beseitigt&lt;br /&gt;
werden. Für den politischen Bereich be-&lt;br /&gt;
deutet dies, daß wirklich und nicht nur&lt;br /&gt;
scheinbar ° demokratisch gewählte&lt;br /&gt;
Volksvertreter und Entscheidungsträger&lt;br /&gt;
nach Beratungen, die diese Bezeichnung&lt;br /&gt;
auch tatsächlich verdienen, Beschlüsse&lt;br /&gt;
fassen und Entscheidungen durchfüh-&lt;br /&gt;
ren. Dies hätte unweigerlich zur Folge,&lt;br /&gt;
daß sich die Nationen zu einem Welt-&lt;br /&gt;
bundesstaat zusammenschließen, ihre&lt;br /&gt;
Souveränität in bestimmten Angelegen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
168 BAHATI-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten, vor allem in Fragen der Verteidi-&lt;br /&gt;
gung und Rüstung, an die übergeord-&lt;br /&gt;
nete globale Bundesebene abtreten —&lt;br /&gt;
wie z. B. die Länder der Bundesrepublik&lt;br /&gt;
an die Bundesorgane — und auf diese&lt;br /&gt;
Weise die Gefahr kriegerischer Ausein-&lt;br /&gt;
andersetzungen bannen. Diese Forde-&lt;br /&gt;
rung, die Bahä’u’llah vor hundert Jahren&lt;br /&gt;
ausgesprochen hat, wird heute zuneh-&lt;br /&gt;
mend von Menschen, die sich mit der&lt;br /&gt;
Frage der Friedenssicherung befassen,&lt;br /&gt;
als die einzige Lösung betrachtet. So&lt;br /&gt;
sieht z.B. C.E. von Weizsäcker den&lt;br /&gt;
Weltfrieden nur dadurch gesichert, daß,&lt;br /&gt;
wie er sich ausdrückt, die bisherige Au-&lt;br /&gt;
Benpolitik von einer Weltinnenpolitik&lt;br /&gt;
abgelöst wird und daß nur eine einzige&lt;br /&gt;
Institution auf der Welt das Waffenmo-&lt;br /&gt;
nopol besitzt. !3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kulturellen Bereich schließ-&lt;br /&gt;
lich muß die neue Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;
zur Folge haben, dal} die freie mensch-&lt;br /&gt;
liche Kommunikation weltweit, vor&lt;br /&gt;
allem durch eine Welthilfssprache,&lt;br /&gt;
gefördert wird: daß alle gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Institutionen, die Bildungs- und&lt;br /&gt;
Erziehungsaufgaben wahrzunehmen&lt;br /&gt;
haben, gestärkt werden und die best-&lt;br /&gt;
mögliche intellektuelle und Persönlich-&lt;br /&gt;
keitsbildung jedes einzelnen sicherge-&lt;br /&gt;
stellt wird — vor allem mit dem Ziel,&lt;br /&gt;
Vorurteile gegenüber gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen abzubauen, die Empfindsam-&lt;br /&gt;
keit der Menschen für Gerechtigkeit in&lt;br /&gt;
gesellschaftlichem Handeln und für&lt;br /&gt;
Liebe in persönlichen Beziehungen zu&lt;br /&gt;
kultivieren und jeden Menschen in die&lt;br /&gt;
Lage zu versetzen, sich und seine Mit-&lt;br /&gt;
menschen als geistige und nur deshalb&lt;br /&gt;
gesellschaftsfähige Wesen zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Weltordnung, 5. 70&lt;br /&gt;
13 Vgl. Bergedorfer Protokolle, Bd. 18, Ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltfrieden unvermeidlich? Hamburg /Berlin&lt;br /&gt;
1967, S. 14, 16f&lt;br /&gt;
{{page|169|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kent D, Beveridge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PROFESSOR EDWARD GRANVILLE BROWNE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nie kann ich das Antlitz dessen, den&lt;br /&gt;
ich schaute, vergessen, und doch ver-&lt;br /&gt;
mag ich nicht, es zu beschreiben! Seine&lt;br /&gt;
durchdringenden Augen schienen einem&lt;br /&gt;
in der Seele zu lesen; Macht und Autori-&lt;br /&gt;
tät lagen auf Seiner hohen Stirne... Hier&lt;br /&gt;
bedurfte es keiner Fragen mehr, vor wem&lt;br /&gt;
ich stand, als ich mich vor einem Manne&lt;br /&gt;
neigte, der Gegenstand einer Verehrung&lt;br /&gt;
und Liebe ist, um die Ihn Könige benei-&lt;br /&gt;
den könnten und nach der Kaiser sich&lt;br /&gt;
vergeblich sehnen... .«1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beschreibung von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
wird jedem, der sich näher mit der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion auseinandergesetzt hat,&lt;br /&gt;
bekannt sein. Sie entstammt der Feder&lt;br /&gt;
von Edward Granville Browne. Im Zuge&lt;br /&gt;
seiner Nachforschungen über die Bábi-&lt;br /&gt;
Religion — die Vorläuferin der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion — besuchte er im Jahre 1890&lt;br /&gt;
Akkä und kam als einziger westlicher&lt;br /&gt;
Wissenschaftler in die Gegenwart von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl vor Browne schon einzelne&lt;br /&gt;
Orientalisten, wie beispielsweise Comte&lt;br /&gt;
de Gobineau oder Mirzä Kazem Beg,&lt;br /&gt;
über die Bábi-Religion geschrieben hat-&lt;br /&gt;
ten, waren es seine Forschungen, die&lt;br /&gt;
diese Religion in den gebildeten Kreisen&lt;br /&gt;
Europas um die Jahrhundertwende be-&lt;br /&gt;
kanntmachten. Mehr als jedem anderen&lt;br /&gt;
Wissenschaftler ist es ihm zu verdan-&lt;br /&gt;
ken, daß die Geschichte der Geburt und&lt;br /&gt;
des Aufstiegs dieser Religion erforscht,&lt;br /&gt;
festgehalten und einem breiten Publi-&lt;br /&gt;
kum zugänglich gemacht wurde. Schon&lt;br /&gt;
am Anfang seiner wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Laufbahn erkannte er, daß diese Reli-&lt;br /&gt;
gion noch größere Bedeutung erlangen&lt;br /&gt;
werde: »Meines Erachtens steht es außer&lt;br /&gt;
Zweifel: die Zukunft (falls der Bábis-&lt;br /&gt;
mus, wovon ich fest überzeugt bin, eine&lt;br /&gt;
Zukunft hat) gehört Bahä’u’lläh sowie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen Nachfolgern und Anhängern.«?&lt;br /&gt;
Es ist umso merkwürdiger, daß außer&lt;br /&gt;
einem schmalen Band von H.M.&lt;br /&gt;
Balyuzi3 und einem Kapitel in Moojan&lt;br /&gt;
Momens Analyse der zeitgenössischen&lt;br /&gt;
Veröffentlichungen über den Glauben&lt;br /&gt;
im Westen? sehr wenig über die Ver-&lt;br /&gt;
dienste E. G. Brownes um die Bábi- und&lt;br /&gt;
Bahäfi-Religion erschienen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Forschungen für seine zahlrei-&lt;br /&gt;
chen Schriften zum Thema unterliefen&lt;br /&gt;
Browne jedoch auch einige gravierende&lt;br /&gt;
Fehler. Sie wurden von anderen Orien-&lt;br /&gt;
talisten ungeprüft übernommen und be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gegnen uns noch heute in zahlreichen&lt;br /&gt;
Artikeln und Werken über den Bahá’í-&lt;br /&gt;
Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da mir die Kenntnis über Verdienste&lt;br /&gt;
und Irrtümer E.G. Brownes für eine&lt;br /&gt;
Auseinandersetzung mit der Bahäfi-&lt;br /&gt;
Religion wichtig erscheint, möchte ich&lt;br /&gt;
im folgenden den Werdegang der Ge-&lt;br /&gt;
danken und der Forschungen von E.G.&lt;br /&gt;
Browne untersuchen und erläutern, wie&lt;br /&gt;
und in welcher Weise seine Ansichten&lt;br /&gt;
über den Báb, die Bábis und über&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh entstanden sind und sich im&lt;br /&gt;
Laufe seiner Arbeit gewandelt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edward Granville Browne wurde am&lt;br /&gt;
7. September 1862 in Uley, Gloucester-&lt;br /&gt;
shire geboren. Sein Vater, Sir Benjamin&lt;br /&gt;
Browne, war ein bekannter Ingenieur&lt;br /&gt;
und Industrieller. Nichts in seinem Fa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Abdu’l-Bahá, A Traveller’s Narrative Written to&lt;br /&gt;
Illustrate the Episode of the Báb, übers. und&lt;br /&gt;
annot. von E. G. Browne, Cambridge 1891, S.&lt;br /&gt;
xxxixf. Deutsche Übersetzung in: Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi, Gott geht vorüber, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
21974, 5. 220f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 A Travellers Narrative, S. xviüi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Edward Granville Browne and the Bahá’í Faith,&lt;br /&gt;
London 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 The Bábi and Bahäi Religions, 1844-1944:&lt;br /&gt;
Some Contemporary Western Accounts, Ox-&lt;br /&gt;
ford 1981, 5. 29-36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 51 APRIL 1986 169&lt;br /&gt;
{{page|170|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=12}}milienhintergrund hätte Brownes her-&lt;br /&gt;
vorragende akademische Laufbahn&lt;br /&gt;
oder die intensive Liebe zu Persien, die&lt;br /&gt;
sein Leben kennzeichnen sollte, erahnen&lt;br /&gt;
lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule war keine glückliche Zeit&lt;br /&gt;
für Browne, und seine schulischen Lei-&lt;br /&gt;
stungen waren nicht besonders. In die-&lt;br /&gt;
sen Abschnitt fiel jedoch eines der be-&lt;br /&gt;
deutendsten Ereignisse in Brownes&lt;br /&gt;
Leben: »Es war der türkische Krieg mit&lt;br /&gt;
Rußland in den Jahren 1877 — 78, wel-&lt;br /&gt;
cher meine Aufmerksamkeit auf den&lt;br /&gt;
Osten lenkte, auf ein Gebiet, von dem&lt;br /&gt;
ich bis dahin nichts gewußt und mir&lt;br /&gt;
noch weniger daraus gemacht hatte...&lt;br /&gt;
Zuerst galt meine Zuneigung keinesfalls&lt;br /&gt;
den Türken, aber der Verlierer hat&lt;br /&gt;
immer einen Anspruch auf unsere Sym-&lt;br /&gt;
pathie, besonders dann, wenn er weiter-&lt;br /&gt;
hin tapfer gegen die Niederlage an-&lt;br /&gt;
kämpft... Vor Kriegsende wäre ich&lt;br /&gt;
gestorben, um die Türkei zu retten. Ich&lt;br /&gt;
habe den Fall von Plevna betrauert, als&lt;br /&gt;
sei er eine Niederlage gewesen, die mei-&lt;br /&gt;
nem eigenen Land zugefügt wurde.&lt;br /&gt;
Langsam wandelte sich mein Mitleid in&lt;br /&gt;
Bewunderung, und Bewunderung wan-&lt;br /&gt;
delte sich in Begeisterung, bis die Tür-&lt;br /&gt;
ken zuletzt in meinen Augen wahrhafte&lt;br /&gt;
Helden wurden. Der Wunsch, mich mit&lt;br /&gt;
ihrer Sache zu identifizieren, mich unter&lt;br /&gt;
ihnen niederzulassen und mich mit&lt;br /&gt;
ihnen in der Verteidigung ihres Landes&lt;br /&gt;
zu vereinen, nahm mein Herz und meine&lt;br /&gt;
Seele in Besitz.«5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begannE. G. Brownes lebenslange&lt;br /&gt;
Faszination für den Orient. Zu dieser&lt;br /&gt;
Zeit sah er sein Lebensziel darin, Offi-&lt;br /&gt;
zier im türkischen Heer zu werden. Um&lt;br /&gt;
eine entsprechende Ausbildung zu er-&lt;br /&gt;
halten, beabsichtigte er, in der briti-&lt;br /&gt;
schen Armee den Rang eines Haupt-&lt;br /&gt;
mannes zu erreichen. Danach wollte er&lt;br /&gt;
sein Offizierspatent zurückgeben und in&lt;br /&gt;
den Dienst des Osmanischen Reiches&lt;br /&gt;
treten. Da dieser Plan bis zu seiner Ver-&lt;br /&gt;
wirklichung einige Zeit in Anspruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
170 BAHA’-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nehmen würde, beschloß er, mit dem zu&lt;br /&gt;
beginnen, was sofort getan werden&lt;br /&gt;
konnte: der Sechzehnjährige lernte zu-&lt;br /&gt;
erst allein und aus Büchern die türkische&lt;br /&gt;
Sprache. Später traf er Leute, die ihm bei&lt;br /&gt;
seinem Selbststudium behilflich waren.&lt;br /&gt;
Als Browne nach der Matura zur Armee&lt;br /&gt;
gehen wollte, erhob sein Vater Ein-&lt;br /&gt;
spruch: der Sohn sollte dem Vater im&lt;br /&gt;
Ingenieurberuf und in der Schiffsbau-&lt;br /&gt;
branche folgen, doch konnte sich&lt;br /&gt;
Browne für diesen Beruf nicht erwär-&lt;br /&gt;
men. Er nahm daher den Alternativ-&lt;br /&gt;
vorschlag seines Vaters, Arzt zu werden,&lt;br /&gt;
an. 1879 begann Edward Granville&lt;br /&gt;
Browne an der Universität Cambridge&lt;br /&gt;
sein Medizinstudium. Trotz des schwe-&lt;br /&gt;
ren Studiums fand Browne Zeit, sich&lt;br /&gt;
weiter den orientalischen Sprachen zu&lt;br /&gt;
widmen. Da Türkisch zu jener Zeit im&lt;br /&gt;
Vorlesungsplan Cambridges nicht ange-&lt;br /&gt;
boten wurde, fuhr Browne alle zwei&lt;br /&gt;
Wochen nach London, um dort bei An-&lt;br /&gt;
gehörigen der türkischen Botschaft&lt;br /&gt;
Sprachunterricht zu nehmen. Gleichzei-&lt;br /&gt;
tig fing er mit dem Studium der persi-&lt;br /&gt;
schen und der arabischen Sprache auf&lt;br /&gt;
der Universität Cambridge an. In sei-&lt;br /&gt;
nem Vorwort zu »A Year Amongst the&lt;br /&gt;
Persians«, schrieb er, daß er, obwohl&lt;br /&gt;
er nur wenig Zeit dafür aufwenden&lt;br /&gt;
konnte, in einem Semester mehr Ara-&lt;br /&gt;
bisch gelernt habe, als Altgriechisch&lt;br /&gt;
oder Latein in fünf Schuljahren.&lt;br /&gt;
Während dieser Studien machte&lt;br /&gt;
Browne erstmals Bekanntschaft mit der&lt;br /&gt;
Religion des Báb. Im Vorwort zu A Tra-&lt;br /&gt;
veller&#039;s Narrative: schrieb er darüber:&lt;br /&gt;
»Eines Tages vor etwa sieben Jahren&lt;br /&gt;
suchte ich in den Büchern der Universi-&lt;br /&gt;
tätsbibliothek zu Cambridge neue Un-&lt;br /&gt;
terlagen für einen Aufsatz über die Süfi-&lt;br /&gt;
Philosophie, als ich plötzlich das Buch&lt;br /&gt;
vom Comte de Gobineau — »Religion et&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 E.G. Browne, A Year Amongst the Persians: Im-&lt;br /&gt;
pressions as to the Life, Character, and Thought&lt;br /&gt;
of the People of Persia, London 1893, S. 8&lt;br /&gt;
{{page|171|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophies dans l’Asie Centrale« —&lt;br /&gt;
sah. Ich nahm das Buch in die Hand und&lt;br /&gt;
blätterte es durch, um zu prüfen, ob es&lt;br /&gt;
irgendetwas über die Süfi enthalte. Da&lt;br /&gt;
diesem Thema ein kurzes Kapitel gewid-&lt;br /&gt;
met war, nahm ich das Buch mit. Mein&lt;br /&gt;
erster, oberflächlicher Blick zeigte mir&lt;br /&gt;
auch, daß ein Großteil des Buches aus&lt;br /&gt;
einer Abhandlung über den Bábismus&lt;br /&gt;
bestand, eine Sekte, von der ich zu jener&lt;br /&gt;
Zeit keine bestimmte Kenntnis besaß,&lt;br /&gt;
außer daß sie äußerst schweren Verfol-&lt;br /&gt;
gungen unterworfen war.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel über die Süfi war für&lt;br /&gt;
Browne enttäuschend. »Als ich mich&lt;br /&gt;
von diesem traurigen Kapitel jenem Teil&lt;br /&gt;
des Buches über die Bäabi zuwandte, war&lt;br /&gt;
die Sache ganz anders. Für jemand, der&lt;br /&gt;
dieses Glanzstück geschichtlicher Kom-&lt;br /&gt;
position bereits gelesen hat, diese äu-&lt;br /&gt;
Berst vollkommene Präsentation von&lt;br /&gt;
sorgfältiger und kritischer Forschung in&lt;br /&gt;
Form einer Erzählung, die die Spannung&lt;br /&gt;
und das Interesse des Lesers ununterbro-&lt;br /&gt;
chen aufrecht hält, wie man dies in&lt;br /&gt;
einem Drama oder Roman zu finden&lt;br /&gt;
hofft, aber kaum von einem Geschichts-&lt;br /&gt;
schreiber erwartet, für den ist es nicht&lt;br /&gt;
notwendig zu beschreiben, welche Wir-&lt;br /&gt;
kung es auf mich ausübte... Ich hatte&lt;br /&gt;
schon lange inbrünstig gewünscht, Per-&lt;br /&gt;
sien, und vor allem Shiraz, zu besuchen.&lt;br /&gt;
Jetzt wurde dieser Wunsch umso stär-&lt;br /&gt;
ker. Während ich früher Shiraz sehen&lt;br /&gt;
wollte, weil es die Heimat von Häfiz und&lt;br /&gt;
Sadi war, wollte ich es jetzt besuchen,&lt;br /&gt;
weil es der Geburtsort von Mirzä Ali-&lt;br /&gt;
Muhammad, dem Báb, war.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1887, nach Abschluß seines Stu-&lt;br /&gt;
diums, ergab sich die heiß ersehnte Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit zum Besuch Persiens. Browne&lt;br /&gt;
hatte ohne Erfolg eine Arbeitsstelle im&lt;br /&gt;
Nahen Osten gesucht, als er — für ihn&lt;br /&gt;
völlig überraschend — zum »Fellow of&lt;br /&gt;
Pembroke College« in Cambridge ge-&lt;br /&gt;
wählt wurde, einer mit der Dozentur&lt;br /&gt;
vergleichbaren Stellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Studiums hatte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Browne nicht nur das Staatsexamen in&lt;br /&gt;
Medizin, sondern auch die in den soge-&lt;br /&gt;
nannten »Indischen Sprachen« — Per-&lt;br /&gt;
sisch, Arabisch und Hindustani — mit&lt;br /&gt;
Auszeichnung bestanden. E. G. Browne&lt;br /&gt;
konnte sein College dafür gewinnen,&lt;br /&gt;
ihn zur Vorbereitung auf seinen neuen&lt;br /&gt;
Posten als Dozent für Persisch für eine&lt;br /&gt;
ausgedehnte Reise in Persien freizustel-&lt;br /&gt;
len und sogar finanziell dabei zu unter-&lt;br /&gt;
stützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. Oktober 1887 betrat Edward&lt;br /&gt;
Granville Browne zum ersten Mal persi-&lt;br /&gt;
schen Boden. Seine Eindrücke hielt er in&lt;br /&gt;
einem Buch, »A Year Amongst the Per-&lt;br /&gt;
sians«, fest, welches mit Recht zu den&lt;br /&gt;
Klassikern unter den Reisebüchern zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Reise führte Browne über Ta-&lt;br /&gt;
briz, wo er die Hinrichtungsstätte des&lt;br /&gt;
Báb besuchte, nach Tihrän und Isfahän.&lt;br /&gt;
Einer der Hauptzwecke seiner Reise war&lt;br /&gt;
es, Kontakt mit den Anhängern des Báb&lt;br /&gt;
aufzunehmen. Dieses Vorhaben schien&lt;br /&gt;
jedoch von Anfang an zum Scheitern&lt;br /&gt;
verurteilt, da es im Persien jener Zeit le-&lt;br /&gt;
bensgefährlich war, auch nur als »Babi«&lt;br /&gt;
bezeichnet zu werden. Umso überrasch-&lt;br /&gt;
ter war Browne, als ihm plötzlich in&lt;br /&gt;
Isfahän ein »Dalläl« — ein Straßenver-&lt;br /&gt;
käufer — ins Ohr flüsterte, »Ich bin ein&lt;br /&gt;
Babi.«8 Durch den Dalläl kam er mit&lt;br /&gt;
denjenigen zusammen, die er Baäbi&lt;br /&gt;
nannte, die aber zu jener Zeit bereits&lt;br /&gt;
Anhänger von Bahä’u’lläh — also Bahá’í&lt;br /&gt;
— waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Bahäi, die Browne in&lt;br /&gt;
Isfahan kennenlernte, war Häji Mirzä&lt;br /&gt;
Haydar-’Ali. Dieser gab Browne die&lt;br /&gt;
Namen von weiteren Bahá’í in Shiraz&lt;br /&gt;
und Abädih und kündigte dort dessen&lt;br /&gt;
Kommen an. Die Gelegenheit zu einge-&lt;br /&gt;
henden Diskussionen über Geschichte&lt;br /&gt;
und Theologie der Bábi- und Bahäfi-&lt;br /&gt;
Religion ergab sich erst in Shiräz. Hier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 A Traveller’s Narrative, S. ixf&lt;br /&gt;
7 A Traveller’s Narrative, S. xf&lt;br /&gt;
8 Year, S. 223&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 51 APRIL 1986 171&lt;br /&gt;
{{page|172|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
traf Browne Ali-Muhammad Khän, den&lt;br /&gt;
späteren Vater von Hand der Sache Got-&lt;br /&gt;
tes Hasan Balyuzi, wieder. Browne hatte&lt;br /&gt;
ihn schon früher während des gemein-&lt;br /&gt;
samen Dienstes im St. Bartholomew’s&lt;br /&gt;
Hospital zu London kennengelernt,&lt;br /&gt;
wußte aber nicht, daß er Bahäi war.&lt;br /&gt;
Durch Ali-Muharnmad Khan, einen&lt;br /&gt;
Afnan — d.h. ein Verwandter des Bab —&lt;br /&gt;
wurde Browne mit weiteren Verwand-&lt;br /&gt;
ten des Báb in Shiraz und Yazd bekannt.&lt;br /&gt;
Drei Wochen lang weilte Browne in&lt;br /&gt;
Shiräz. Sein Aufenthalt mußte vor dem&lt;br /&gt;
geplanten Besuch im Hause des Bäab&lt;br /&gt;
vorzeitig abgebrochen werden, da eine&lt;br /&gt;
Europäerin auf der Durchreise in einer&lt;br /&gt;
Karawanserei 200 km nördlich von&lt;br /&gt;
Shiräz plötzlich schwer erkrankte und&lt;br /&gt;
Browne zur Hilfe gerufen wurde. Es ist&lt;br /&gt;
bezeichnend für die in Persien zu jener&lt;br /&gt;
Zeit herrschenden Bedingungen, daß&lt;br /&gt;
die Reise, obwohl in höchster Eile&lt;br /&gt;
durchgeführt, fast drei Tage dauerte.&lt;br /&gt;
Nach Genesung seiner Patientin&lt;br /&gt;
wollte Browne über Yazd und Kirmän&lt;br /&gt;
nach Shiräz zurückkehren. In Yazd blieb&lt;br /&gt;
er etwa drei Wochen, um seinen For-&lt;br /&gt;
schungen, sowohl über die Religion der&lt;br /&gt;
»Bábi« als auch über die der Zoroastrier,&lt;br /&gt;
nachzugehen. Wie in Shiräz gab es auch&lt;br /&gt;
hier längere Diskussionen mit den orts-&lt;br /&gt;
ansässigen Bahäi. Von Yazd reiste&lt;br /&gt;
Browne nach Kirmän, wo er nur kurze&lt;br /&gt;
Zeit bleiben wollte. Hier bekam er je-&lt;br /&gt;
doch eine schmerzhafte Augeninfek-&lt;br /&gt;
tion, die er mit Opium behandelte. Die&lt;br /&gt;
durch die Behandlungsmethode be-&lt;br /&gt;
dingte Trägheit hatte die Verlängerung&lt;br /&gt;
seines Aufenthalts auf über drei Monate&lt;br /&gt;
zur Folge. Bei seinen dennoch fortge-&lt;br /&gt;
setzten Bemühungen, mit »Bábi« in&lt;br /&gt;
Kontakt zu kommen, traf Browne hier&lt;br /&gt;
Personen, die in ihren Ansichten selt-&lt;br /&gt;
sam und in ihrem Benehmen unbere-&lt;br /&gt;
chenbar waren. In Kirmän lernte er zum&lt;br /&gt;
ersten Mal Azali — Anhänger von&lt;br /&gt;
Mirzä Yahya, auch Subh-i-Azal ge-&lt;br /&gt;
nannt — kennen, was sich als Anfang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
172 BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer verhängnisvollen Verbindung er-&lt;br /&gt;
weisen sollte. Darüber hinaus begegnete&lt;br /&gt;
er Bábi, die sowohl Subh-i-Azal als&lt;br /&gt;
auch Bahäu’lläh ablehnten, und Bahá’í,&lt;br /&gt;
die den verschiedensten eigenartigen&lt;br /&gt;
Fantasien nachhingen. Die Eindrücke,&lt;br /&gt;
die Browne während dieses Aufenthal-&lt;br /&gt;
tes gewann, kehrten in seinen späteren&lt;br /&gt;
Werken immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Telegramm aus Cambridge riß&lt;br /&gt;
Browne schließlich aus der Lethargie,&lt;br /&gt;
der er in Kirmän verfallen war: er solie&lt;br /&gt;
zum Semesterbeginn im Oktober wie-&lt;br /&gt;
der in Cambridge sein. Dadurch war er&lt;br /&gt;
gezwungen, seinen Plan, noch einmal&lt;br /&gt;
nach Shiräz und anschließend nach&lt;br /&gt;
&amp;quot;Akkä zu fahren, endgültig aufzugeben.&lt;br /&gt;
Er reiste über Tihrän, das Kaspische&lt;br /&gt;
Meer und Rußland wieder nach Eng-&lt;br /&gt;
land, wo er — nach etwas mehr als&lt;br /&gt;
einem Jahr — am 10. Oktober 1888 ein-&lt;br /&gt;
traf. Bei seinem zweiten Aufenthalt in&lt;br /&gt;
Tihrän traf er Bahä’i, von denen er selbst&lt;br /&gt;
bemerkte: »Sie Juden mich zum Mittag-&lt;br /&gt;
essen ein... Ich war sehr durch ihr wür-&lt;br /&gt;
devolles Benehmen, so verschieden von&lt;br /&gt;
der anarchischen Freiheit der Bábi in&lt;br /&gt;
Kirmän, beeindruckt.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort nach seiner Rückkehr begann&lt;br /&gt;
Browne, die Bábi- und Bahä-&lt;br /&gt;
Manuskripte, die er in Persien erworben&lt;br /&gt;
hatte — das »Kitäb-i-Igän«, das »Kitäb-&lt;br /&gt;
i-Agdas«, die »Tärikh-i-Jadid« und den&lt;br /&gt;
‚Persischen Bayan&amp;lt; — sowie seine um-&lt;br /&gt;
fangreichen Notizen zu überarbeiten.&lt;br /&gt;
Im Jahre 1889, kurz nach seiner Wahl in&lt;br /&gt;
die Royal Asiatic Society, erschien&lt;br /&gt;
Brownes erster Artikel über die »Bábi«-&lt;br /&gt;
Religion: der erste Teil behandelte ihre&lt;br /&gt;
Geschichte und seine »persönlichen Er-&lt;br /&gt;
fahrungen« in der Gemeinde in Persien;&lt;br /&gt;
der zweite beschäftigte sich mit ihren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehren und ihrem Schrifttum.!0 An den&lt;br /&gt;
Anfang des Artikels stellte Browne jene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Year, S. 601&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Journal of the Royal Asiatic Society (JRAS)&lt;br /&gt;
1889, Bd. 21, art. VI, S. 485-526, und art. XII,&lt;br /&gt;
S. 881-1009&lt;br /&gt;
{{page|173|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=15}}Gründe, die ihn zu dessen Abfassung&lt;br /&gt;
bewogen hatten: er wollte die Aufmerk-&lt;br /&gt;
samkeit auf eine religiöse Gemeinde&lt;br /&gt;
lenken, die in seinen Worten »eines der&lt;br /&gt;
bemerkenswertesten Phänomene dieses&lt;br /&gt;
Jahrhunderts zu sein scheint«!!. Browne&lt;br /&gt;
drückte auch seine Überzeugung aus, daß&lt;br /&gt;
es dem Bábismus (wie er den Glauben&lt;br /&gt;
nennt) vorherbestimmt zu sein scheine,&lt;br /&gt;
ein dauerhaftes Zeichen in der Welt zu&lt;br /&gt;
setzen.!2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel gibt Browne eine&lt;br /&gt;
Feststellung wieder, die er den Werken de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gobineaus entnommen hatte, und zwar,&lt;br /&gt;
daß nach der Hinrichtung des Báb Subh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i-Azal, der Halbbruder von Bahä’ulläh,&lt;br /&gt;
das Oberhaupt der Bábi-Gemeinde war.&lt;br /&gt;
Demzufolge stellte Browne nun die These&lt;br /&gt;
auf, daß Bahä’ulläh während Seines Auf-&lt;br /&gt;
enthaltes in Baghdad die Geschicke der&lt;br /&gt;
Babi-Gemeinde im Namen und auf Ge-&lt;br /&gt;
heiß von Subh-i-Azal gelenkt habe. Als&lt;br /&gt;
Beweis für diese These führte Browne&lt;br /&gt;
jene Stelle im »Kitäb-i-Igäan« an, wo&lt;br /&gt;
Bahaulläh in bezug auf Seinen Aufent-&lt;br /&gt;
halt in Sulaymäniyyih schrieb: »... bis zu&lt;br /&gt;
der Stunde, da aus der mystischen Quelle&lt;br /&gt;
der Ruf an Uns erging, der Uns die Rück-&lt;br /&gt;
kehr befahl, dorthin, woher Wir gekom-&lt;br /&gt;
men waren. Wir ergaben Unseren Willen&lt;br /&gt;
dem Seinigen und unterwarfen Uns Sei-&lt;br /&gt;
nem Geheiß.«13 Diese „mystische Quelle«&lt;br /&gt;
war für Browne niemand anderer als&lt;br /&gt;
Subh-i-Azal.14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig erkannte er allerdings,&lt;br /&gt;
daß zu jener Zeit in den Augen der&lt;br /&gt;
Feinde der Bábi-Gemeinde Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
»der Anführer der Sekte« war, und daß&lt;br /&gt;
ihre Aktivitäten daher hauptsächlich&lt;br /&gt;
gegen Ihn gerichtet waren.15 Für die Zeit&lt;br /&gt;
nach der Erklärung Bahä’ullähs, der&lt;br /&gt;
vom Báb verheißene Gottesoffenbarer&lt;br /&gt;
zu sein, bestätigt Browne selbst, daß&lt;br /&gt;
»fast alle Bábi Bahá’í sind«le, und daß&lt;br /&gt;
die Azali sehr gering an Zahl sind:&lt;br /&gt;
»Unter den vielen Bábi, die ich in Per-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sien kennenlernte, traf ich nur sechs&lt;br /&gt;
Azali.«!” In diesem Artikel brachte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Browne weiters seine Ansicht zum Aus-&lt;br /&gt;
druck, daß Bahä’u’lläh, sofern tatsäch-&lt;br /&gt;
lich der vom Báb verheißene Man-Yuz-&lt;br /&gt;
hiruhu’lläh — »Er, den Gott offenbaren&lt;br /&gt;
wird« —, auch berechtigt sei, Subh-i-&lt;br /&gt;
Azal als Führer der Gemeinde abzulö-&lt;br /&gt;
sen. In späteren Werken änderte Browne&lt;br /&gt;
jedoch seine Einschätzung dieses Ver-&lt;br /&gt;
hältnisses und verteidigte den Füh-&lt;br /&gt;
rungsanspruch Subh-i-Azals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil des Artikels schrieb&lt;br /&gt;
Browne, daß, seinen Informationen zu-&lt;br /&gt;
folge, Subh-i-Azal bereits verstorben&lt;br /&gt;
sei. Daraufhin erhielt er Leserzuschrif-&lt;br /&gt;
ten, daß dieser noch auf Zypern lebe. In&lt;br /&gt;
seinem Drang, mehr vom Báb und Sei-&lt;br /&gt;
nen Anhängern zu erfahren, schrieb&lt;br /&gt;
Browne sofort an die englischen Kon-&lt;br /&gt;
suln auf Zypern, sie möchten versu-&lt;br /&gt;
chen, Kontakt mit Subh-i-Azal aufzu-&lt;br /&gt;
nehmen. In der Folge kam es durch&lt;br /&gt;
deren Vermittlung tatsächlich zu einer&lt;br /&gt;
Verbindung von E.G. Browne mit&lt;br /&gt;
Subh-i-Azal, die einen wesentlichen&lt;br /&gt;
Einfluß auf das spätere Schaffen von&lt;br /&gt;
Browne hatte. Unter anderem über-&lt;br /&gt;
sandte Subh-i-Azal Browne eine Kopie&lt;br /&gt;
jenes Dokumentes, von dem er behaup-&lt;br /&gt;
tete, es enthalte seine Ernennung zum&lt;br /&gt;
Nachfolger des Báb. Dieses Dokument&lt;br /&gt;
druckte Browne, zusammen mit einer&lt;br /&gt;
Übersetzung, als Anhang zum zweiten&lt;br /&gt;
Teil seines Artikels im Journal of the&lt;br /&gt;
Royal Asiatic Society ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweiter und vielleicht sogar noch&lt;br /&gt;
wichtigerer Grund der Änderung in&lt;br /&gt;
Brownes Ansichten über die Rechtmä-&lt;br /&gt;
Bigkeit der einander widersprechenden&lt;br /&gt;
Ansprüche von Bahä’u&#039;lläh und Seinem&lt;br /&gt;
Halbbruder war die Korrespondenz mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 JRAS, Bd. 21, S. 485&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 JRAS, Bd. 21, S. 485&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Baha’ulläh, Das Buch der Gewißheit, Frank-&lt;br /&gt;
furt 1969, S. 165&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 JRAS, Bd. 21, S. 946. Siehe auch JRAS, Bd. 24,&lt;br /&gt;
1892, art. VIL, S. 305&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 JRAS, Bd. 21, S. 943f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 JRAS, Bd. 21, 5. 518&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 JRAS, Bd. 21, S. 518&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 51 APRIL 1986 173&lt;br /&gt;
{{page|174|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=16}}Shaykh Ahmad-i-Rühi, die mit dessen&lt;br /&gt;
unerwartetem Brief, datiert 7. Oktober&lt;br /&gt;
1890, begann. Allen Berichten zufolge&lt;br /&gt;
war Shaykh Ahmad-i-Rühi ein äußerst&lt;br /&gt;
intelligenter und gelehrter Mann. Bei-&lt;br /&gt;
spielsweise war er der Übersetzer von&lt;br /&gt;
Moriers ‚Ihe Adventures of Hajji Baba of&lt;br /&gt;
Isphahan« ins Persische. Er war Schwie-&lt;br /&gt;
gersohn von Subh-i-Azal und einer seiner&lt;br /&gt;
führenden Anhänger. Als unverhohlener&lt;br /&gt;
Gegner von Bahä’ullläh ließ er gleichzeitig&lt;br /&gt;
keine Gelegenheit ungenützt, dessen&lt;br /&gt;
Namen zu beschmutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem ersten Brief schrieb Shaykh&lt;br /&gt;
Ahmad-i-Rühi, daß er aus Persien und&lt;br /&gt;
Zypern gehört habe, Browne interessiere&lt;br /&gt;
sich für die Babi-Religion. Er schreibe ihm&lt;br /&gt;
daher, um vor gewissen Heuchlern (ge-&lt;br /&gt;
meint sind die Bahá’í) zu warnen und um&lt;br /&gt;
ihm das Manuskript einer Geschichte des&lt;br /&gt;
Glaubens — »Hasht Bihisht« — zum Kauf&lt;br /&gt;
anzubieten. Obwohl angeblich von Häji&lt;br /&gt;
Javäd-i-Karbiläi, einem der ersten An-&lt;br /&gt;
hänger des Báb verfaßt, wurde »Hasht&lt;br /&gt;
Bihisht« wahrscheinlich von Shaykh&lt;br /&gt;
Ahmad-i-Rühi selbst geschrieben und&lt;br /&gt;
stellt im wesentlichen eine Rechtfer-&lt;br /&gt;
tigungs- und Verteidigungsschrift für&lt;br /&gt;
Subh-i-Azal dar.!8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bestreben, mehr aus erster Hand&lt;br /&gt;
über den Báb zu erfahren, führte Brow-&lt;br /&gt;
nes nächste Reise in den Nahen Osten&lt;br /&gt;
nach Zypern und nach ‘Akkä, um Subh-&lt;br /&gt;
i-Azal und Bahäu’lläh persönlich zu&lt;br /&gt;
treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. März 1890 landete Browne in&lt;br /&gt;
Zypern. Zwei Wochen lang besuchte er&lt;br /&gt;
täglich Subh-i-Azal. Wie er selbst&lt;br /&gt;
schrieb: »Heft und Bleistift in der Hand,&lt;br /&gt;
saß ich Tag für Tag vor ihm; und jeden&lt;br /&gt;
Abend kehrte ich mit einem reichen&lt;br /&gt;
Schatz an neuen Daten wieder (in meine&lt;br /&gt;
Unterkunft) zurück.«1? Wie er selbst in&lt;br /&gt;
seiner Einleitung schrieb, verwendete&lt;br /&gt;
Browne diese Daten dann dazu, das Ma-&lt;br /&gt;
nuskript von &amp;gt;A Traveller&#039;s Narrative«&lt;br /&gt;
bei der Übersetzung zu kontrollieren&lt;br /&gt;
bzw. zu ergänzen.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
174 BAHA’I-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 5. April schiffte sich Browne zu&lt;br /&gt;
seiner Weiterreise nach Beirut ein. Von&lt;br /&gt;
Beirut aus reiste er über Land nach&lt;br /&gt;
&#039;Akkä, wo er fünf Tage als Gast im Land-&lt;br /&gt;
haus zu Bahji verbrachte. »Hier in Bahji&lt;br /&gt;
wurde ich als Gast einquartiert, mitten&lt;br /&gt;
in alldem, was für den Bábismus als&lt;br /&gt;
Edelstes und Heiligstes zählt. Hier habe&lt;br /&gt;
ich fünf denkwürdige Tage verbracht,&lt;br /&gt;
an denen ich mich der unvergleichlichen&lt;br /&gt;
und nie erhofften Gelegenheit erfreute,&lt;br /&gt;
Gemeinschaft zu pflegen mit denen,&lt;br /&gt;
welche die Quellen für jenen mächtigen&lt;br /&gt;
und wundersamen Geist sind, der un-&lt;br /&gt;
sichtbar, aber mehr und mehr an der&lt;br /&gt;
Wandlung und Neubelebung eines in&lt;br /&gt;
totenähnlichen Schlaf gesunkenen Vol-&lt;br /&gt;
kes wirkt. Es war wirklich ein selt-&lt;br /&gt;
sames und ergreifendes Erlebnis, von&lt;br /&gt;
dem ich jedoch nur einen ganz schwa-&lt;br /&gt;
chen Eindruck wiederzugeben vermag.&lt;br /&gt;
Ich könnte mich tatsächlich bemühen,&lt;br /&gt;
die Formen und Gestalten, die mich&lt;br /&gt;
umgaben, die feierlichen, melodiösen&lt;br /&gt;
Lesungen der Heiligen Schriften, das&lt;br /&gt;
allgemeine Gefühl der Harmonie und&lt;br /&gt;
Zufriedenheit, das den Ort durchdrang,&lt;br /&gt;
und die duftenden, schattigen Gärten,&lt;br /&gt;
wohin wir uns manchmal am Nachmit-&lt;br /&gt;
tag zurückzogen, genauer zu beschrei-&lt;br /&gt;
ben. Aber dies wäre wie ein Nichts im&lt;br /&gt;
Vergleich zu der geistigen Atmosphäre,&lt;br /&gt;
von der ich umgeben war.«?1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bahji lernte Browne auch Abdull-&lt;br /&gt;
Bahä, den ältesten Sohn Bahäu’llähs&lt;br /&gt;
kennen: »Selten habe ich jemanden ge-&lt;br /&gt;
sehen, dessen Erscheinung mich mehr&lt;br /&gt;
beeindruckte. Ein großer, kräftig gebau-&lt;br /&gt;
ter Mann, der sich pfeilgerade hält, mit&lt;br /&gt;
weißem Turban und weißer Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 JRAS, Bd. 24, art. XIII, S. 680 und Balyuzi,&lt;br /&gt;
Browne, S. 33. Browne wußte selbst, daß&lt;br /&gt;
diese Schrift von einem Azali verfaßt worden&lt;br /&gt;
ist: A Traveller’s Narrative, S. 359 und JRAS,&lt;br /&gt;
Bd. 24, art. VII, S. 283&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 A Traveller’s Narrative, S. xxv&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 A Traveller&#039;s Narrative, S. xxv&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 A Traveller&#039;s Narrative, $. xxxviiif&lt;br /&gt;
{{page|175|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=17}}The Paty To Tre SuRue&lt;br /&gt;
Band!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|176|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
langen schwarzen Locken, die fast bis&lt;br /&gt;
auf die Schulter fallen, breiter, mäch-&lt;br /&gt;
tiger Stirn, die von hoher Intelligenz&lt;br /&gt;
verbunden mit einem standhaften Wil-&lt;br /&gt;
len zeugt, Augen, scharf wie die Augen&lt;br /&gt;
eines Adlers und strenggezeichneten&lt;br /&gt;
aber angenehmen Gesichtszügen — so&lt;br /&gt;
war mein erster Eindruck von Abbäs&lt;br /&gt;
Effendi, »dem Meister: (Ägä), wie er&lt;br /&gt;
von den Bábi treffend genannt wird ...&lt;br /&gt;
Ich glaube kaum, daß irgendjemand,&lt;br /&gt;
sogar unter der beredsamen, schlag-&lt;br /&gt;
fertigen und scharfsinnigen Rasse, der&lt;br /&gt;
Er angehört, zu finden sein wird, der&lt;br /&gt;
beredsamer im Vortrag, schlagfertiger&lt;br /&gt;
im Argumentieren, geschickter im Er-&lt;br /&gt;
läutern, mehr vertraut mit den Heiligen&lt;br /&gt;
Büchern der Juden, Christen und Mo-&lt;br /&gt;
hammedaner ist als Er. Diese Eigen-&lt;br /&gt;
schaften, verbunden mit einer majestä-&lt;br /&gt;
tischen und genialen Haltung, hatten&lt;br /&gt;
zur Folge, daß ich nicht mehr über Ein-&lt;br /&gt;
fluß und Achtung, die Er sogar weit&lt;br /&gt;
über den Kreis der Anhänger Seines&lt;br /&gt;
Vaters hinaus genießt, erstaunt war.&lt;br /&gt;
Niemand, der Ihn gesehen hatte, konnte&lt;br /&gt;
die Größe und Macht dieses Mannes&lt;br /&gt;
bezweifeln.«22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bahji wurden Browne auch einige&lt;br /&gt;
Manuskripte überreicht, darunter eine&lt;br /&gt;
Kopie des »Kitäb-i-Igän&amp;lt; und eine von&lt;br /&gt;
»A Traveller&#039;s Narrative«, beide in der&lt;br /&gt;
Handschrift von Zaynu’l-Mugarrabin.&lt;br /&gt;
Nachdem E. G. Browne am 1. Mai 1890&lt;br /&gt;
wieder nach Cambridge zurückgekehrt&lt;br /&gt;
war, begann er sofort mit der Überset-&lt;br /&gt;
zung von »A Traveller&#039;s Narrative«, ohne&lt;br /&gt;
zu jener Zeit zu wissen, daß der Verfas-&lt;br /&gt;
ser Abdu’l-Bahá war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»A Travellers Narrative Written to&lt;br /&gt;
Illustrate the Episode of the Báb: ist eine&lt;br /&gt;
Geschichte der Religionen des Báb und&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs aus der Sicht eines Anhän-&lt;br /&gt;
gers von Bahä’u’lläh. Browne versah&lt;br /&gt;
seine Übersetzung mit zahlreichen Fuß-&lt;br /&gt;
noten und Anhängen aus dem Material,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das er während seiner Reise gesammelt&lt;br /&gt;
hatte, und die über die Hälfte des Buch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
176 BAHAT-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inhaltes ausmachen, sowie mit einer&lt;br /&gt;
langen und sehr wichtigen Einleitung.&lt;br /&gt;
Die vorhergehenden Zitate sowie die&lt;br /&gt;
Beschreibung Bahä’u’llähs am Anfang&lt;br /&gt;
dieses Artikels stammen alle aus dieser&lt;br /&gt;
Einleitung. Die Feststellung, daß die&lt;br /&gt;
Zukunft der »Bábi«-Religion bei Bahä’-&lt;br /&gt;
ulläh sowie Seinen Nachfolgern und&lt;br /&gt;
Anhängern liegt, zeigt, welchen Ein-&lt;br /&gt;
druck Bahä’u’lläh auf Browne gemacht&lt;br /&gt;
hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im angesehenen Oxford Magazine er-&lt;br /&gt;
schien am 25. Mai 1892 eine Rezension&lt;br /&gt;
des kurz zuvor erschienenen »A Travel-&lt;br /&gt;
ler&#039;s Narrative«, die das Buch, und vor&lt;br /&gt;
allem die Einleitung von Browne, »einer&lt;br /&gt;
persönlichen Einstellung, fast unvor-&lt;br /&gt;
stellbar für einen rationalen Europäer,&lt;br /&gt;
und eines für einen Universitätsdozen-&lt;br /&gt;
ten unverzeihlichen Stils«23 bezichtigt.&lt;br /&gt;
Der schlecht informierte und überheb-&lt;br /&gt;
liche Kritiker, der Browne persönlich&lt;br /&gt;
bekannt war, äußerte die Meinung, daß&lt;br /&gt;
»die Geschichte einer jungen Sekte, die&lt;br /&gt;
den Teil der moslemischen Welt, der am&lt;br /&gt;
wenigsten Bedeutung hat, beeinflußte&lt;br /&gt;
(und jenen Teil nicht sehr tief), und die&lt;br /&gt;
auf einen persönlichen Anspruch, der&lt;br /&gt;
der geringsten Untersuchung nicht&lt;br /&gt;
standhält, gegründet ist, ... der Gelehr-&lt;br /&gt;
samkeit und Arbeit, die der Autor ange-&lt;br /&gt;
wandt hat, gänzlich unwürdig«?* sei.&lt;br /&gt;
Die Übersetzung von »A Traveller&#039;s Nar-&lt;br /&gt;
rative« sei »eine Vergeudung der Kräfte&lt;br /&gt;
und Möglichkeiten eines Wissenschaft-&lt;br /&gt;
lers der persischen Sprache«25. Diese&lt;br /&gt;
scharfe und ungerechtfertigte Kritik traf&lt;br /&gt;
Browne sehr tief. Nichtsdestotrotz er-&lt;br /&gt;
schienen im gleichen Jahr zwei weitere&lt;br /&gt;
Aufsätze von Edward Granville Browne&lt;br /&gt;
im Journal of the Royal Asiatic Society:&lt;br /&gt;
‚Some Remarks on the Bábi Texts edited&lt;br /&gt;
by Baron Victor Rosen in Vols. I and&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 A Traveller’s Narrative, S. xxxvi&lt;br /&gt;
23 Oxford Magazine 1892, Bd. 10, Nr. 21, 5. 394&lt;br /&gt;
24 Oxford Magazine, Bd. 10, S. 394&lt;br /&gt;
25 Oxford Magazine, Bd. 10, 5. 394&lt;br /&gt;
{{page|177|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI of the Collections Scientifiques de&lt;br /&gt;
lInstitut de Langues Orientales de Saint-&lt;br /&gt;
Petersbourg.2* und »Catalogue and&lt;br /&gt;
Description of 27 Babi Manuscripts«27,&lt;br /&gt;
sowie der Artikel »Bábismus« in »Reli-&lt;br /&gt;
gious Systems of the World«,2® welchen&lt;br /&gt;
Moojan Momen als »vielleicht Brownes&lt;br /&gt;
beste Zusammenfassung der Bábi- und&lt;br /&gt;
Bahäi-Religion« bezeichnet.2?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieser Zeit führte Browne&lt;br /&gt;
neben seiner Korrespondenz mit Subh-&lt;br /&gt;
i-Azal, Shaykh Ahmad-i-Rühi und an-&lt;br /&gt;
deren, die er während seines Persien-&lt;br /&gt;
aufenthaltes kennengelernt hatte, auch&lt;br /&gt;
umfangreiche Korrespondenz mit ande-&lt;br /&gt;
ren Orientalisten jener Zeit, wie bei-&lt;br /&gt;
spielsweise mit V. Rosen und B. Dorn in&lt;br /&gt;
Rußland, A.L.M. Nicolas und Cl.&lt;br /&gt;
Huart in Frankreich, Th. Nöldeke, F.&lt;br /&gt;
Andreas und Fr. Rosen in Deutschland&lt;br /&gt;
und anderen mehr. Sie tauschten Ma-&lt;br /&gt;
nuskripte, Übersetzungen und Meinun-&lt;br /&gt;
gen betreffend den Báb, Seine Lehren&lt;br /&gt;
und Seine Anhänger und Nachfolger&lt;br /&gt;
aus. Auch auf diese Weise trug Browne&lt;br /&gt;
sehr maßgeblich zur positiven Mei-&lt;br /&gt;
nungsbildung in den akademischen&lt;br /&gt;
Kreisen Europas bei. Schon im darauf-&lt;br /&gt;
folgenden Jahr erschien das nächste&lt;br /&gt;
Buch von E.G. Browne: das bereits&lt;br /&gt;
erwähnte »A Year Amongst the Persians:&lt;br /&gt;
Impressions as to the Life, Character&lt;br /&gt;
and Thought of the People of Persia«.&lt;br /&gt;
Neben seinen Qualitäten als Reisebuch&lt;br /&gt;
vermittelt dieses Buch auch einen leb-&lt;br /&gt;
haften Eindruck der Bahá’í-Gemeinde in&lt;br /&gt;
Persien zu jener Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Jahr — 1893 — erschien&lt;br /&gt;
ferner Tärikh-i-Jadid or the New Hi-&lt;br /&gt;
story of Mirzä ‘Ali-Muhammad, The&lt;br /&gt;
Báb«, die Übersetzung einer Geschichte&lt;br /&gt;
des Glaubens, die Browne in Shiraz ge-&lt;br /&gt;
schenkt worden war. Tärikh-i-Jadid: ist&lt;br /&gt;
die Überarbeitung eines früheren, un-&lt;br /&gt;
vollendeten Geschichtswerks über die&lt;br /&gt;
Bábi-Religion. Laut einer Aussage von&lt;br /&gt;
Mirzä Abu/l-Fadl, dem hervorragend-&lt;br /&gt;
sten Bahä’i-Gelehrten, wurde Tärikh-i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jadid&amp;lt; um 1880 von Mirzä Husayn-i-Ha-&lt;br /&gt;
madäni verfaßt. Fadl stellte fest, daß&lt;br /&gt;
das Werk schon zu Lebzeiten des Verfas-&lt;br /&gt;
sers durch fehlerhafte Übertragung ver-&lt;br /&gt;
fälscht wurde. Browne selbst schrieb,&lt;br /&gt;
ihm sei bei der Übergabe des Manu-&lt;br /&gt;
skripts gesagt worden, daß diese Ge-&lt;br /&gt;
schichte nicht sehr gut sei. Das Werk&lt;br /&gt;
war seinerzeit nach ‘Akkä gesandt wor-&lt;br /&gt;
den. Da Bahä’ulläh aber damit nicht&lt;br /&gt;
zufrieden war, ordnete Er an, daß ein&lt;br /&gt;
neues Werk geschrieben werden solle.&lt;br /&gt;
Dieses Werk war dann »A Traveller’s&lt;br /&gt;
Narrative«.30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei seiner Übersetzung von »A&lt;br /&gt;
Travellers Narrative« versah Browne&lt;br /&gt;
auch Tärikh-i-Jadid« mit zahlreichen&lt;br /&gt;
Fußnoten und Anhängen sowie mit&lt;br /&gt;
einer langen Einleitung. In dieser Ein-&lt;br /&gt;
leitung kommen seine nun geänderten&lt;br /&gt;
Ansichten klar zum Ausdruck. Bei-&lt;br /&gt;
spielsweise verglich er »A Traveller’s&lt;br /&gt;
Narrative« von ‘Abdu’l-Bahá mit dem&lt;br /&gt;
Werk eines Hofgeschichtsschreibers und&lt;br /&gt;
schrieb, daß jenes Buch den Zweck&lt;br /&gt;
habe, »die sehr legitimen Ansprüche&lt;br /&gt;
von Mirzä Yahyä herabzusetzen und&lt;br /&gt;
(seinen) vollkommen makellosen Cha-&lt;br /&gt;
rakter.... in Verruf zu bringen«®!. Eini-&lt;br /&gt;
ge Seiten später beschrieb er Subh-i-&lt;br /&gt;
Azal als »eine friedliebende, nachdenk-&lt;br /&gt;
liche, sanfte Seele, die gänzlich dem&lt;br /&gt;
Gedenken des geliebten Meisters erge-&lt;br /&gt;
ben ist, die sich nichts aus Autorität&lt;br /&gt;
macht und der Selbstbehauptung unfä-&lt;br /&gt;
hig ist«22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Seines Aufenthaltes in&lt;br /&gt;
Adrianopel wandte sich Bahä’u’lläh im&lt;br /&gt;
März 1866 in Seinem Sendschreiben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 JRAS 1892, Bd. 24, art. VII, S. 259—335&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 JRAS1892, Bd. 24, art. IX, S.433—499 und art.&lt;br /&gt;
XIIL S. 637—710&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Religious Systems of the World, London 1893&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 Momen, Bábi and Bähä’i Religions, S. 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 Year, S. 344f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Tärikh-i-Jadid or A New History of Mirzä Ali-&lt;br /&gt;
Muhammad, The Báb, Cambridge 1893, 5. xiv&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Tärikh-i-Jadid, S. xx&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 51 APRIL 1986 177&lt;br /&gt;
{{page|178|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=20}}»‚Süriy-i-Amr&amp;lt; an Subh-i-Azal, als den&lt;br /&gt;
vom Báb ernannten und bisher aner-&lt;br /&gt;
kannten Führer der Bábi-Gemeinde,33&lt;br /&gt;
und unterrichtete ihn formell von Seiner&lt;br /&gt;
Offenbarung als der vom Báb verhei-&lt;br /&gt;
ßene Man-Yuzhiruhu/lläh. In diesem&lt;br /&gt;
Tablet brachte Bahä’u/lläh Seine An-&lt;br /&gt;
sprüche und das Wesen Seiner Sendung&lt;br /&gt;
klar zum Ausdruck. Die Antwort Subh-&lt;br /&gt;
i-Azals auf dieses Sendschreiben war&lt;br /&gt;
eine Gegenerklärung, in der er nun sei-&lt;br /&gt;
nerseits behauptete, Empfänger einer&lt;br /&gt;
göttlichen Offenbarung zu sein, wo-&lt;br /&gt;
nach alle Völker der Welt ihm zu folgen&lt;br /&gt;
und seiner Person Respekt und Huldi-&lt;br /&gt;
gung darzubringen hätten. Zu einer ver-&lt;br /&gt;
einbarten öffentlichen Begegnung mit&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh, bei der sich die Wahrheit&lt;br /&gt;
über die konkurrierenden Erklärungen&lt;br /&gt;
erweisen sollte, erschien Subh-i-Azal&lt;br /&gt;
jedoch nicht. In der Folge erwies sich der&lt;br /&gt;
offene und endgültige Bruch zwischen&lt;br /&gt;
Bahäulläh und Subh-i-Azal sowie zwi-&lt;br /&gt;
schen deren Anhängern als unaus-&lt;br /&gt;
weichlich, wobei der überwältigende&lt;br /&gt;
Anteil der Gemeinde die Rechtmäßig-&lt;br /&gt;
keit der Offenbarung von Bahä’ulläh&lt;br /&gt;
anerkannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese Episode schrieb Browne in&lt;br /&gt;
der Einleitung zu Tärikh-i-Jadid«: »Zu-&lt;br /&gt;
erst hielten nicht wenige prominente&lt;br /&gt;
Babi, darunter sogar einige Buchstaben&lt;br /&gt;
des Lebendigen (die ersten achtzehn&lt;br /&gt;
Gläubigen des Báb) und persönliche&lt;br /&gt;
Freunde des Báb, treu zu Subh-i-Azal.&lt;br /&gt;
Aber nach und nach verschwanden sie,&lt;br /&gt;
die meisten, was, wie ich fürchte, nicht&lt;br /&gt;
angezweifelt werden kann, durch Mord&lt;br /&gt;
seitens übereifriger Bahä’i.«35 Browne&lt;br /&gt;
hatte die Behauptungen und Verleum-&lt;br /&gt;
dungen der Azali widerspruchslos über-&lt;br /&gt;
nommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Erscheinen von Tärikh-i-&lt;br /&gt;
Jadid« galten die Interessen von Edward&lt;br /&gt;
Granville Browne nicht mehr haupt-&lt;br /&gt;
sächlich der Bábi-Religion. Der Grund&lt;br /&gt;
hierfür scheint das sogar bis zur Ableh-&lt;br /&gt;
nung reichende Unverständnis zu sein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
178 BAHÄT-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf das Brownes bisherige Arbeit unter&lt;br /&gt;
seinen Freunden und Kollegen in den&lt;br /&gt;
britischen Universitätskreisen gestoßen&lt;br /&gt;
war und für das die Rezension im Ox-&lt;br /&gt;
ford Magazine nur ein, wenn auch das&lt;br /&gt;
schärfste, Beispiel ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1902—1924 erschien&lt;br /&gt;
Brownes »A Literary History of Persia«&lt;br /&gt;
in vier Bänden. Dieses Werk wird heute&lt;br /&gt;
noch mit Recht als das Nachschlage-&lt;br /&gt;
werk über persische Literatur betrach-&lt;br /&gt;
tet. Es wurde in jahrelanger, mühseliger&lt;br /&gt;
Arbeit verfaßt. Im vierten Band befin-&lt;br /&gt;
den sich Übersetzungen einiger Verse&lt;br /&gt;
von Qurratu’l-Ayn — die erste weib-&lt;br /&gt;
liche Anhängerin des Báb und eine der&lt;br /&gt;
Buchstaben des Lebendigen —, sowie&lt;br /&gt;
ein Gedicht von Na’im.36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren erschienen nur&lt;br /&gt;
vereinzelte Arbeiten von E. G. Browne&lt;br /&gt;
über die Bábi-Religion: Personal Remi-&lt;br /&gt;
niscences of the Bábi Insurrection at Zan-&lt;br /&gt;
jan in 1850« im Journal of the Royal Asia-&lt;br /&gt;
tic Society, 1897,37 die Einleitung zu&lt;br /&gt;
‚Abbas Effendi: His Life and Teachings&amp;lt;&lt;br /&gt;
vonM.H. Phelps, 1903;38 »Báb, Bábis,«&lt;br /&gt;
in »Hastings’ Encyclopadia of Religion&lt;br /&gt;
and Ethics, 1909;3% und »Bábism,« in&lt;br /&gt;
»Encyclopzdia Britannica«, 1910.40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erschien Brownes nächste Über-&lt;br /&gt;
setzung eines Babi-Manuskriptes in Buch-&lt;br /&gt;
form: »Kitäb-i-Nugtatu/l-Käf«.*! Der&lt;br /&gt;
Untertitel, mit dem Browne seine Über-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33 Gott geht vorüber, S. 185&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 Siehe Gott geht vorüber, 5. 189192, und Adib&lt;br /&gt;
Taherzadeh, The Revelation of Bahä’u/lläh,&lt;br /&gt;
Bd. 2, Oxford 1977, S. 161—170 und 291—298&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Tärikh-i-Jadid, S. xxiii&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 A Literary History of Persia, Bd. 4: Modern&lt;br /&gt;
Times (1500—1924), Cambridge 1924, S.&lt;br /&gt;
194 — 220&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37 RAS 1897, Bd. 29, art. XXVI, S. 761827&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 MyronH. Phelps, ‘Abbas Effendi: His Life and&lt;br /&gt;
Teachings, New York 1903&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39 James Hastings (Hrsg.), Encyclopaedia of Reli-&lt;br /&gt;
gion and Ethics, Edinburgh 1909, S. 299—308&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40 Encyclopaedia Britannica, Cambridge 111910,&lt;br /&gt;
Bd. 3, S. 94—95&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#1 Kitäb-i-Nugtatu/l-Käf, Bd. 15, E.J.W. Gibb&lt;br /&gt;
Memorial Series, Leyden 1910&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|179|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=21}}setzung versah, zeigt die Bedeutung, die&lt;br /&gt;
er ihr beimaß, deutlich: »die früheste&lt;br /&gt;
Geschichte der Bábi, verfaßt von Haji&lt;br /&gt;
Mirzä Jani von Käshan zwischen 1850&lt;br /&gt;
und 1852.« Häji Mirzä Jäni war jener&lt;br /&gt;
Kaufmann, bei dem sich der Bab wäh-&lt;br /&gt;
rend Seiner Reise nach Mäh-Kü drei&lt;br /&gt;
Tage lang aufhielt. Nach diesem Besuch&lt;br /&gt;
begann Mirzä Jäni eine Geschichte der&lt;br /&gt;
Bábi-Gemeinde zu schreiben, die wegen&lt;br /&gt;
seines Märtyrertodes 1852 nie vollendet&lt;br /&gt;
wurde. Während seines Aufenthaltes in&lt;br /&gt;
Persien hatte de Gobineau ein Manu-&lt;br /&gt;
skript erworben, das angeblich diese&lt;br /&gt;
unvollendete Geschichte war. Nach sei-&lt;br /&gt;
nem Tode kam diese Handschrift zur&lt;br /&gt;
Pariser Bibliotheque Nationale, wo&lt;br /&gt;
Browne sie später entdeckte. Nach der&lt;br /&gt;
Lektüre dieses Manuskriptes bezeich-&lt;br /&gt;
nete es Mirzä ‘“Abu’l-Fadl als Fäl-&lt;br /&gt;
schung.*? Trotzdem hielt Browne dieses&lt;br /&gt;
Werk für so wesentlich, weil es seiner&lt;br /&gt;
Meinung nach unmittelbar zur Zeit der&lt;br /&gt;
Anfänge der Bábi-Religion verfaßt&lt;br /&gt;
wurde, wohingegen er glaubte, daß die&lt;br /&gt;
später verfaßten &amp;gt;A Travellers Narra-&lt;br /&gt;
tive« und »Tärikh-i-Jadid« die Geschichte&lt;br /&gt;
verfälschten, um Bahä’u’lläh und Seine&lt;br /&gt;
Sache in möglichst gutem Lichte dar-&lt;br /&gt;
zustellen. »Nugta-tul-Käf« hat zwei&lt;br /&gt;
Einleitungen: eine in persischer und&lt;br /&gt;
eine in englischer Sprache. Beide sollen&lt;br /&gt;
von E.G. Browne stammen. Da aber&lt;br /&gt;
die beiden Einleitungen nicht identisch&lt;br /&gt;
sind — sie weisen sogar stellenweise&lt;br /&gt;
Widersprüche auf —, kann angenom-&lt;br /&gt;
men werden, daß die persische Einlei-&lt;br /&gt;
tung (und vielleicht auch die Überarbei-&lt;br /&gt;
tung des gesamten Buches) von einem&lt;br /&gt;
anderen stammt.*3 Der Inhalt der von&lt;br /&gt;
Browne verfaßten englischen Einlei-&lt;br /&gt;
tung stellt eine Steigerung der Vorwürfe&lt;br /&gt;
aus der Einleitung von »Tärikh-i-Jadid«&lt;br /&gt;
dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1906 hatte Muzaffari’d-Din Shäh auf-&lt;br /&gt;
grund starken Druckes seitens weiter&lt;br /&gt;
Teile der Bevölkerung eine Verfassung&lt;br /&gt;
unterschrieben und ein Parlament ins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben gerufen. E. G. Browne war sofort&lt;br /&gt;
Feuer und Flamme für diese Sache und&lt;br /&gt;
verbrachte von da an den Großteil sei-&lt;br /&gt;
ner Zeit mit der aktiven Unterstützung&lt;br /&gt;
der Verfassungspartei, welche die Er-&lt;br /&gt;
neuerung Persiens anstrebte. Nach der&lt;br /&gt;
Gegenrevolution, die zum Sturz der&lt;br /&gt;
Verfassungspartei, zur Wiedereinfüh-&lt;br /&gt;
rung des Absolutismus und schließlich&lt;br /&gt;
zur Aufteilung Persiens zwischen Ruß-&lt;br /&gt;
land und Großbritannien führte, orga-&lt;br /&gt;
nisierte Browne das Persia Committee,&lt;br /&gt;
um die Anliegen der Verfassungsanhän-&lt;br /&gt;
ger zu fördern und zu verteidigen. In&lt;br /&gt;
dieser Sache schrieb er fünf Bücher und&lt;br /&gt;
zahlreiche Presseartikel, hielt unzählige&lt;br /&gt;
Vorträge und ähnliches mehr. »Browne&lt;br /&gt;
war der beste Freund und der mächtigste&lt;br /&gt;
Bundesgenosse, den die Perser jemals&lt;br /&gt;
gefunden haben. Er bewährte sich als&lt;br /&gt;
Freund des ganzen Landes und als&lt;br /&gt;
Freund jedes einzelnen. Jeder gebildete&lt;br /&gt;
Perser kennt seinen Namen und zollt&lt;br /&gt;
ihm Dank und Verehrung.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
42 Balyuzi, Browne, S. 70. In seinem »A Revised&lt;br /&gt;
Survey of the Sources for Early Babi Doctrine&lt;br /&gt;
and History« (unveröffentlichte Dissertation,&lt;br /&gt;
King&#039;s College, Cambridge 1977) stellt Denis&lt;br /&gt;
MacEoin die Hypothese auf, daß das&lt;br /&gt;
Nugtatu’l-Käf ursprünglich etwa 1853-4 von&lt;br /&gt;
zwei oder drei anderen Personen auf der&lt;br /&gt;
Grundlage von Haji Mirza Janis Notizen&lt;br /&gt;
verfaßt, und daß zu einem späteren Zeitpunkt&lt;br /&gt;
eine zweite Geschichte der Babi-Religion in ein&lt;br /&gt;
Manuskript dieses Buches eingearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
Dieses aus zwei Arbeiten bestehende Werk&lt;br /&gt;
wurde alsdann von Browne übersetzt und als&lt;br /&gt;
Häji Mirza Jänis Geschichte veröffentlicht.&lt;br /&gt;
Interessanterweise stellt MacEoin fest, daß&lt;br /&gt;
Browne noch vor der Veröffentlichung dieses&lt;br /&gt;
Werkes von der Existenz eines weiteren Manu-&lt;br /&gt;
skriptes des Nugtatu’l-Käf wußte, daß er es&lt;br /&gt;
jedoch nicht erwähnte, weil dies die von ihm so&lt;br /&gt;
herausgestrichene Einzigartigkeit des Pariser&lt;br /&gt;
Manuskriptes beeinträchtigen würde (»Revised&lt;br /&gt;
Survey«, S. 181).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
43 Balyuzi, Browne, S. 73f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Fr, Rosen, »Erinnerungen an Edward G.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Browne«, Orientalische Literaturzeitung 1926,&lt;br /&gt;
Nr. 10, 5. 880&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 51 APRIL 1986 179&lt;br /&gt;
{{page|180|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem vergaß Browne die Bahäi&lt;br /&gt;
nicht ganz: in einem Anhang zu seinem&lt;br /&gt;
Buch ‚The Persian Revolution of 1905—&lt;br /&gt;
1909.45 behandelte er »die Einstellung&lt;br /&gt;
der Bahä’i zur persischen Politik«*.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Buch, welches Browne der&lt;br /&gt;
Babi- und Bahäf-Religion widmete, heißt&lt;br /&gt;
‚Materials for the Study ofthe BábiReli-&lt;br /&gt;
gion«,#7 obwohl sich 90% des Inhaltes&lt;br /&gt;
auf die Bahä’i-Religion bezieht. Zwei&lt;br /&gt;
Aufsätze nehmen mehr als die Hälfte des&lt;br /&gt;
Buchumfanges in Anspruch: »Die Ge-&lt;br /&gt;
schichte der Bábi und Bahäi bis 1898&lt;br /&gt;
von Mirza Muhammad Javäd-i-&lt;br /&gt;
Qazvinic — einer jener, die nach dem&lt;br /&gt;
Hinscheiden Bahä’u’llähs Sein Bündnis&lt;br /&gt;
bezüglich Seines Nachfolgers Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä gebrochen hatten, und Ibrahim&lt;br /&gt;
George Khayru’llah and the Bahä’i Pro-&lt;br /&gt;
paganda in America«, in dem dessen&lt;br /&gt;
Lehrmethoden in einer Art und Weise&lt;br /&gt;
präsentiert wurden, die diese nur&lt;br /&gt;
lächerlich erscheinen lassen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Browne wußte, daß ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Baha schriftlich zum Nachfolger&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs und zum Mittelpunkt Sei-&lt;br /&gt;
nes Bündnisses ernannt worden war,&lt;br /&gt;
obwohl er jahrelang mit ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
korrespondiert hatte und obwohl er bei&lt;br /&gt;
zwei Gelegenheiten mehrere Male sich&lt;br /&gt;
mit Abdu/-Bahä persönlich unterhalten&lt;br /&gt;
hatte, zog er es vor, einen so großen Teil&lt;br /&gt;
dieses letzten Buches den Widersachern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Abdu/-Bahä zu widmen. Dabei&lt;br /&gt;
ließ er Abdu’l-Bahás ausgedehnte Rei-&lt;br /&gt;
sen in den Westen und die positiven&lt;br /&gt;
Reaktionen, die diese Reisen hervor-&lt;br /&gt;
riefen, völlig unerwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Buch erschien übrigens&lt;br /&gt;
auch die erste Wiederveröffentlichung&lt;br /&gt;
des Briefes des österreichischen Haupt-&lt;br /&gt;
mannes Alfred de Gumoens, in dem er&lt;br /&gt;
im Jahre 1852 die Verfolgung der Bábi in&lt;br /&gt;
Tihrän so bildlich beschrieb. Von dieser&lt;br /&gt;
Quelle übernahm Shoghi Effendi den&lt;br /&gt;
Brief für »God Passes By«.*8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende 1924, kurz nach dem Erscheinen&lt;br /&gt;
des letzten Bandes seiner »Literary Hi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
180 BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
story of Persia«, erlitt Edward Granville&lt;br /&gt;
Browne einen Herzinfarkt. Acht Mo-&lt;br /&gt;
nate lang wurde er liebevoll von seiner&lt;br /&gt;
Frau betreut, bis sie plötzlich im Juni&lt;br /&gt;
1925 verstarb. Browne erholte sich nicht&lt;br /&gt;
mehr von diesem schweren Schlag und&lt;br /&gt;
starb am 5. Januar 1926 in Cambridge.&lt;br /&gt;
Balyuzi schreibt dazu: »So endet die&lt;br /&gt;
Karriere jenes hervorragenden Orienta-&lt;br /&gt;
listen, der seinesgleichen in bezug auf&lt;br /&gt;
seine Kenntnisse von Persien und der&lt;br /&gt;
persischen Sprache sucht, ein Mann von&lt;br /&gt;
großem Charme und großem Wissen,&lt;br /&gt;
ein fähiger und begabter Schreiber, der&lt;br /&gt;
sowohl ausgezeichnete Gedichte als&lt;br /&gt;
auch ausgezeichnete Prosa hervor-&lt;br /&gt;
brachte.«49&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aber hat zum Wandel von Brow-&lt;br /&gt;
nes Ansichten über Bahäw’liäh und&lt;br /&gt;
Seine Anhänger von jenen positiven&lt;br /&gt;
Äußerungen in der Einleitung zu »A Tra-&lt;br /&gt;
veller&#039;s Narrative&amp;lt; hin zu jenen zyni-&lt;br /&gt;
schen, fast feindseligen Bemerkungen in&lt;br /&gt;
»Kitäb-i-Nugtatu’l-Käf« und »Materials&lt;br /&gt;
for the Study of the Bábi Religion: und&lt;br /&gt;
zu seiner offenen Verfechtung der An-&lt;br /&gt;
sprüche Mirzä Yahyäs geführt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war zuerst die Türkei, dann Persien&lt;br /&gt;
und schließlich der Báb, welche das Ob-&lt;br /&gt;
jekt des jugendlichen Enthusiasmus —&lt;br /&gt;
man könnte fast sagen der Schwärmerei&lt;br /&gt;
— von Edward Granville Browne wa-&lt;br /&gt;
ren. In den Leiden des jungen Báb sah&lt;br /&gt;
Browne eine Wiederholung der Passion&lt;br /&gt;
Christi. Was für ein Schock mußte es für&lt;br /&gt;
ihn gewesen sein, daß die überwälti-&lt;br /&gt;
gende Mehrzahl der überlebenden&lt;br /&gt;
»Bábi«, die er in Persien kennengelernt&lt;br /&gt;
und von denen er erwartet hatte, daß sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
45 The Persian Revolution of 1905—1909, Cam-&lt;br /&gt;
bridge 1910&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
46 Persian Revolution, S. 424—429&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
47 Materials for the Study of the Bábi Religion,&lt;br /&gt;
Cambridge 1918&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
48 Shoghi Effendi, God Passes By, Wilmette 1970,&lt;br /&gt;
S. 65£. In der deutschen Übersetzung, Gott geht&lt;br /&gt;
vorüber, 5. 71—73&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
49 Balyuzi, Browne, $. 121&lt;br /&gt;
{{page|181|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=23}}seine Gefühle teilten, an Bahä’u’lläh als&lt;br /&gt;
den vom Báb Verheißenen, den Gott&lt;br /&gt;
offenbaren wird, glaubte. Dadurch&lt;br /&gt;
hatten sie seiner Meinung nach den Báb&lt;br /&gt;
auf die Stufe eines reinen Vorläufers&lt;br /&gt;
herabgesetzt, während die Azali Seine&lt;br /&gt;
ursprüngliche Bedeutung weiterhin&lt;br /&gt;
hochhielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens wurde Browne in der Angli-&lt;br /&gt;
kanischen Kirche erzogen. Für ihn war&lt;br /&gt;
daher Jesus Christus der größte aller&lt;br /&gt;
Propheten, weil Er der Sohn Gottes war.&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs Lehre von der fortschrei-&lt;br /&gt;
tenden Gottesoffenbarung, wonach alle&lt;br /&gt;
Offenbarer einschließlich Christus auf&lt;br /&gt;
derselben erhabenen Stufe stehen, hat&lt;br /&gt;
Browne nicht verkraftet, wie die zahl-&lt;br /&gt;
reichen Diskussionen, die in »A Year&lt;br /&gt;
Amongst the Persians« wiedergegeben&lt;br /&gt;
worden sind, zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner war es für Browne, der Persien&lt;br /&gt;
so liebte, der innigste Wunsch, dessen&lt;br /&gt;
Renaissance durch die Einführung de-&lt;br /&gt;
mokratischer Reformen herbeigeführt&lt;br /&gt;
zusehen, und er meinte, daß jeder recht-&lt;br /&gt;
denkende Perser an dieser Sache mitar-&lt;br /&gt;
beiten müßte. Das Bahá’í-Prinzip der&lt;br /&gt;
Nicht-Einmischung in die Tagespolitik&lt;br /&gt;
erregte daher seinen Unmut: »Bahä’is-&lt;br /&gt;
mus ist meines Erachtens«, schrieb er in&lt;br /&gt;
seiner Einleitung zum »Nugtatu’l-Käf«,&lt;br /&gt;
»zu weltgerichtet in seinen Zielen, um&lt;br /&gt;
große Dienste bei der Wiedererweckung&lt;br /&gt;
des nationalen Geistes von Persien zu&lt;br /&gt;
leisten. »Es rühme sich nicht der, wel-&lt;br /&gt;
cher sein Vaterland liebt«, sagt Bahä’-&lt;br /&gt;
ulläh, »sondern der, welcher die Welt&lt;br /&gt;
liebt«. Dies ist eine feine Haltung, aber&lt;br /&gt;
zur Zeit sind es Männer, die ihr Vater-&lt;br /&gt;
land über alles lieben, die Persien&lt;br /&gt;
braucht.«5°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Grund, der wahrschein-&lt;br /&gt;
lich mitwirkte, war die Tatsache, daß es&lt;br /&gt;
sich — damals wie heute — nicht&lt;br /&gt;
ziemte, wenn sich ein Forscher für sein&lt;br /&gt;
Thema begeisterte. Man bewundert&lt;br /&gt;
nicht, man berichtet. Dies war nicht nur&lt;br /&gt;
der Hauptangriffspunkt des früher er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wähnten Kritikers des Oxford Magazi-&lt;br /&gt;
nes gegen Browne, selbst seine Freunde,&lt;br /&gt;
wie Dennison Ross, haben diesbezüg-&lt;br /&gt;
lich auf ihn eingewirkt. Diese Aktionen&lt;br /&gt;
hatten sicherlich ihre Wirkung, wie&lt;br /&gt;
auch Atkins in seinem Artikel über&lt;br /&gt;
Browne bemerkte: Browne »würde in&lt;br /&gt;
Pembroke, außer im Kreis seiner eng-&lt;br /&gt;
sten Freunde, nicht über Bábismus&lt;br /&gt;
reden.«51 Wahrscheinlich führte Browne&lt;br /&gt;
deshalb die Kollokation und Annota-&lt;br /&gt;
tion des persischen Bayän, von der er&lt;br /&gt;
bereits 1892 im Journal of the Royal&lt;br /&gt;
Asiatic Society berichtete, nie zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Ursachen für Brownes&lt;br /&gt;
Meinungsänderung zugunsten der Azali&lt;br /&gt;
führt Momen in seinem Kapitel über&lt;br /&gt;
dessen Werke folgendes an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— die Tatsache, daß Brownes erster&lt;br /&gt;
Kontakt mit der Bábi-Religion Religion&lt;br /&gt;
et Philosophie dans l’Asie Centrale« war,&lt;br /&gt;
in dem de Gobineau sehr lobend über&lt;br /&gt;
Subh-i-Azal schrieb. Umso größer war&lt;br /&gt;
Brownes Überraschung, als er während&lt;br /&gt;
seines Aufenthaltes in Persien feststellen&lt;br /&gt;
mußte, daß eine Änderung in der&lt;br /&gt;
»Bábi«-Gemeinde stattgefunden hatte&lt;br /&gt;
und der Person von Subh-i-Azal keine&lt;br /&gt;
große Bedeutung mehr beigemessen&lt;br /&gt;
wurde;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— die Tatsache, daß die Tendenz der&lt;br /&gt;
Engländer, sich mit dem Verlierer, dem&lt;br /&gt;
»underdog« zu identifizieren, sich in E. G.&lt;br /&gt;
Browne par excellence manifestiert hatte.&lt;br /&gt;
Dies zeigt auch das oben angeführte Zitat&lt;br /&gt;
über den Türkisch-Russischen Krieg. Als&lt;br /&gt;
die Bahäi-Gemeinde sich weiterent-&lt;br /&gt;
wickelte, waren die Azali sowohl zahlen-&lt;br /&gt;
mäßig als auch im Hinblick auf ihre&lt;br /&gt;
Entwicklung und Verbreitung deutlich&lt;br /&gt;
unterlegen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— die Einstellungen und Handlungen&lt;br /&gt;
einzelner Bahäi selbst. Browne erwähnte&lt;br /&gt;
immer wieder seine Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
50 Nugtatul-Käf, S. li&lt;br /&gt;
51 E.G. Browne, A Persian Anthology, London&lt;br /&gt;
1927, 5. 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 18]&lt;br /&gt;
{{page|182|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=24}}den eigenartigen, wein-trinkenden und&lt;br /&gt;
opium-rauchenden Bahá’í von Kirmän.2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß die Fehler und die Miß-&lt;br /&gt;
verständnisse, die in Brownes umfang-&lt;br /&gt;
reichen Arbeiten über die Bábi- und&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion vorkommen, kennen,&lt;br /&gt;
um sie besser entkräften zu können,&lt;br /&gt;
wenn sie, was allzuoft geschieht, von&lt;br /&gt;
zeitgenössischen Autoren unkontrol-&lt;br /&gt;
liert übernommen werden. Trotzalle-&lt;br /&gt;
dem können und sollen die Verdienste&lt;br /&gt;
von Edward Granville Browne um die&lt;br /&gt;
Bábi- und Bahä&#039;ı-Religion nicht geschmä-&lt;br /&gt;
lert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein westlicher Gelehrter hat sich so&lt;br /&gt;
viel wie E.G. Browne um die Erfor-&lt;br /&gt;
schung und Erhaltung der Geschichte&lt;br /&gt;
dieser Religionen für kommende Gene-&lt;br /&gt;
rationen bemüht. Das klassische Werk&lt;br /&gt;
von Comte de Gobineau war unbeach-&lt;br /&gt;
tet, als Browne mit Eifer und Bewunde-&lt;br /&gt;
rung vom jungen »Bábi«-Glauben zu&lt;br /&gt;
schreiben begann. Viele Menschen im&lt;br /&gt;
englischen Sprachraum wurden erst-&lt;br /&gt;
mals durch die Schriften von E.G.&lt;br /&gt;
Browne mit der spannenden Geschichte&lt;br /&gt;
jenes Glaubens bekannt. Die Bahä’i sind&lt;br /&gt;
Edward Granville Browne ohne Zweifel&lt;br /&gt;
zu großem Dank verpflichtet. Er hinter-&lt;br /&gt;
ließ der Nachwelt die einzige Beschrei-&lt;br /&gt;
bung von Bahä’u’lläh, majestätisch und&lt;br /&gt;
ehrfürchtig. Er schrieb einen gerechten&lt;br /&gt;
und edien Nachruf für Abdu’l-Bahá im&lt;br /&gt;
Journal of the Royal Asiatic Society.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
182 BAHÄT-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz einiger irriger Ansichten ist sein&lt;br /&gt;
Ruhm verdient und bleibend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wichtigkeit von Edward Gran-&lt;br /&gt;
ville Brownes Besuch in ‘Akkä und der&lt;br /&gt;
vier Audienzen, die Bahäulläh ihm&lt;br /&gt;
dabei gewährte, kann nicht genug betont&lt;br /&gt;
werden. Seine Beschreibung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
die Balyuzi als »einzigartig in den Anna-&lt;br /&gt;
len der Menschheit« bezeichnete, stammt&lt;br /&gt;
von diesem Besuch. ‘Abdu’l-Bahá schrieb&lt;br /&gt;
in späteren Jahren an Browne: »... Gott&lt;br /&gt;
hat diesem liebenswürdigen Freund gro-&lt;br /&gt;
Ben Segen verliehen. Sie sollten würdi-&lt;br /&gt;
gen, daß von allen Historikern Europas&lt;br /&gt;
keiner außer Ihnen die Heilige Schwelle&lt;br /&gt;
erlangt hat. Dieser Segen war allein für&lt;br /&gt;
Sie bestimmt.«$4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich dieser Audienzen schrieb&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi: »Diese Unterredungen&lt;br /&gt;
wurden unsterblich durch die histori-&lt;br /&gt;
sche Erklärung des Verbannten, daß&lt;br /&gt;
diese fruchtlosen Streitigkeiten, diese&lt;br /&gt;
vernichtenden Kriege verschwinden&lt;br /&gt;
und der »Größte Friede kommen&lt;br /&gt;
wird.««55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch diese Worte, die immer wieder&lt;br /&gt;
zitiert werden, verdanken wir Edward&lt;br /&gt;
Granville Browne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
52 Momen, Bábi and Bahäi Religions, 5. 33—36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
53 „Sir Abdu&#039;-Baha Abbäs«, JRAS Juli 1922,&lt;br /&gt;
S. 145—146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
54 Aus einem Brief datiert 1. Februar 1901, zitiert&lt;br /&gt;
in Balyuzi, Browne, S. 104&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
55 Gott geht vorüber, S. 220&lt;br /&gt;
{{page|183|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=25}}Peter J. Khan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIE EINST DIE VERFOLGUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER CHRISTEN...”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Bahäfi-Religion lassen all-&lt;br /&gt;
gemeine Gesetzmäßigkeiten erkennen,&lt;br /&gt;
die wirksam werden, wenn der Glaube&lt;br /&gt;
Angriffen und Verfolgungen ausgesetzt&lt;br /&gt;
ist. Diese Gesetzmäßigkeiten verdeutli-&lt;br /&gt;
chen, daß solche Widerstände letztlich&lt;br /&gt;
zum Scheitern verurteilt sind. Das&lt;br /&gt;
Wachstum der Religion vollzieht sich in&lt;br /&gt;
ständigem Auf und Ab; unweigerlich&lt;br /&gt;
folgt auf jede Krise ein neuer Sieg, unauf-&lt;br /&gt;
haltsam geht Gottes Plan seiner Erfüllung&lt;br /&gt;
entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten der Verfolgung gibt es einen&lt;br /&gt;
auffallenden Gegensatz zwischen dem&lt;br /&gt;
leuchtenden und erhebenden Beispiel der&lt;br /&gt;
Gläubigen und dem Haß und Fanatismus&lt;br /&gt;
ihrer Peiniger. Dieser offenkundige Ge-&lt;br /&gt;
gensatz gewinnt dem Glauben die An-&lt;br /&gt;
hängerschaft derer, die ihm zuvor gleich-&lt;br /&gt;
gültig oder gar feindselig gegenüberstan-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derzeit ist der Bahäii-Glaube in seinem&lt;br /&gt;
Geburtsland schweren Verfolgungen aus-&lt;br /&gt;
gesetzt, deren Ende noch nicht abzusehen&lt;br /&gt;
ist. Vor diesem Hintergrund ist es sicher-&lt;br /&gt;
lich sinnvoll, Art und Auswirkungen&lt;br /&gt;
einer auffallend ähnlichen Verfolgung in&lt;br /&gt;
einer früheren Epoche, als der Gottes-&lt;br /&gt;
glaube von Jesus Christus der Welt ver-&lt;br /&gt;
kündet wurde, näher zu untersuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Analyse der Weltlage verweist&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi auf »die Anzeichen einer&lt;br /&gt;
bevorstehenden, auffallend an den Verfall&lt;br /&gt;
des Römischen Reiches im Abendland er-&lt;br /&gt;
innernden Katastrophe, die das ganze&lt;br /&gt;
Gefüge der heutigen Zivilisation hinweg-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zufegen droht«! und bringt sie mit der&lt;br /&gt;
Unruhe, die die Geburt der Bahäli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwaltungsordnung in der Welt hervor-&lt;br /&gt;
gerufen hat, in Verbindung. So gesehen&lt;br /&gt;
existieren Parallelen zwischen der heuti-&lt;br /&gt;
gen Zeit und den turbulenten Ereignissen&lt;br /&gt;
der Vergangenheit, als der noch junge&lt;br /&gt;
christliche Glaube sich aus den Zwängen&lt;br /&gt;
befreite, die ihm eine im Niedergang be-&lt;br /&gt;
findliche Gesellschaftsordnung aufer-&lt;br /&gt;
legte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch Vorsicht geboten, wenn&lt;br /&gt;
man Lehren aus der Vergangenheit ziehen&lt;br /&gt;
will. Als Folge der Offenbarung Bahä’-&lt;br /&gt;
ullähs — unvergleichlich in Kraft und&lt;br /&gt;
Reichweite, ausgestattet mit einem einzig-&lt;br /&gt;
artigen Bündnis — entsprechen die heuti-&lt;br /&gt;
gen Ereignisse nicht exakt denen der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit. Die unfehlbare Führung des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
das sich zur Verteidigung der unterdrück-&lt;br /&gt;
ten Bahäi auf die weltweiten Mittel und&lt;br /&gt;
das wachsende Ansehen der Bahäfi-&lt;br /&gt;
Gemeinde stützen kann, wird letztendlich&lt;br /&gt;
in einem triumphalen Sieg des Glaubens&lt;br /&gt;
münden, dessen Größe ohne Beispiel in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Geschichte ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Christentum in der römischen Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich das 3. Jahrhundert seinem Ende&lt;br /&gt;
zuneigte, befand sich das römische Welt-&lt;br /&gt;
reich in einer heillosen Verfassung. Die&lt;br /&gt;
Grenzen waren ständig von Einfällen un-&lt;br /&gt;
barmherziger Horden bedroht, die das&lt;br /&gt;
Reich zu zerstückeln suchten. Im Inneren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Die Weltordnung Bahä’u&#039;llähs, Hofheim-Langen-&lt;br /&gt;
hain 1977, S. 225&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dieser Beitrag, im Original »Historical Parallels in the Persecution of the Faith«, er-&lt;br /&gt;
schien erstmals in den Bahä’i News vom Juli 1985. Dr. Peter Khan ist Mitglied des Inter-&lt;br /&gt;
nationalen Lehrzentrums am Baha&#039;i-Weltzentrum in Haifa/Israel. Die Übersetzung aus&lt;br /&gt;
dem Englischen besorgte Hans Günther Randau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 183&lt;br /&gt;
{{page|184|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Imperiums höhlten Anarchie, ga-&lt;br /&gt;
loppierende Inflation, moralischer Ver-&lt;br /&gt;
fall, Klassengegensätze, Münzver-&lt;br /&gt;
schlechterung, maßlose Besteuerung,&lt;br /&gt;
Massenarbeitslosigkeit und eine aus-&lt;br /&gt;
ufernde Bürokratie das soziale Gefüge&lt;br /&gt;
immer mehr aus. Verängstigt und ver-&lt;br /&gt;
unsichert nahm die Bevölkerung Zu-&lt;br /&gt;
flucht zu einer Wiederbelebung des Re-&lt;br /&gt;
ligiösen, das seinen Ausdruck fand in&lt;br /&gt;
der Anbetung heidnischer römischer&lt;br /&gt;
Gottheiten und in einer »großen Vielfalt&lt;br /&gt;
von Volkskulten, von Mode- und&lt;br /&gt;
Fluchtphilosophien, wie sie während&lt;br /&gt;
der ersten Jahrhunderte christlicher&lt;br /&gt;
Zeitrechnung blühten und die Staatsre-&lt;br /&gt;
ligion des römischen Volkes aufzusau-&lt;br /&gt;
gen und zu verkehren suchten«2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Umfeld hatte sich das&lt;br /&gt;
Christentum mehrere Jahrzehnte hin-&lt;br /&gt;
durch entwickelt, war erblüht und hatte&lt;br /&gt;
die Verfolgungen aus seiner frühesten&lt;br /&gt;
Zeit vergessen lassen. Es hatte Besitz-&lt;br /&gt;
tum erworben, prächtige Kirchen er-&lt;br /&gt;
richtet und vermögende und angese-&lt;br /&gt;
hene Leute unter seinem Dach versam-&lt;br /&gt;
melt. Die christlichen Bischöfe wurden&lt;br /&gt;
mit Hochachtung behandelt, nicht nur&lt;br /&gt;
von ihrer eigenen treuen Gemeinde,&lt;br /&gt;
sondern auch seitens der Behörden.&lt;br /&gt;
Wenn Kaiser Diokletian vertrauens-&lt;br /&gt;
würdige und befähigte Persönlichkeiten&lt;br /&gt;
in verantwortungsvolle und wichtige&lt;br /&gt;
Positionen der Verwaltung des&lt;br /&gt;
Imperiums berief, stellte er häufig&lt;br /&gt;
fest, daß es sich bei den Ernannten um&lt;br /&gt;
Christen handelte, obwohl »nur der&lt;br /&gt;
zwanzigste Teil der Untertanen im Rö-&lt;br /&gt;
mischen Reich unter dem Banner Christi&lt;br /&gt;
versammelt war«3. Einige Angehörige&lt;br /&gt;
des kaiserlichen Hofes waren Christen&lt;br /&gt;
und nutzten ihren großen Einfluß dazu,&lt;br /&gt;
den von ihnen angenommenen Glauben&lt;br /&gt;
zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesteckt durch den sie umgeben-&lt;br /&gt;
den moralischen und ethischen Verfall,&lt;br /&gt;
ließen die christlichen Gemeinden es zu,&lt;br /&gt;
daß weltliche Begierden und das Stre-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
184 BAHAI-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ben nach materiellen Gütern ihre Ma-&lt;br /&gt;
kellosigkeit beeinträchtigten. Die christ-&lt;br /&gt;
liche Kirche war zur reichsten religiösen&lt;br /&gt;
Gemeinschaft im Kaiserreich gewor-&lt;br /&gt;
den. Gibbon stellt fest, daß der »Wohl-&lt;br /&gt;
stand die festen Bande der Selbstzucht&lt;br /&gt;
gesprengt hatte«*. Als Antwort auf&lt;br /&gt;
diese offenkundige Weltlichkeit fühlte&lt;br /&gt;
sich eine Minderheit von Christen vom&lt;br /&gt;
Asketentum und Mönchsleben angezo-&lt;br /&gt;
gen. Die Saat des Schismas, die im fol-&lt;br /&gt;
genden Jahrhundert ihre giftige Frucht&lt;br /&gt;
hervorbringen sollte, gedieh prächtig&lt;br /&gt;
auf dem Boden theologischer Streitig-&lt;br /&gt;
keiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausbruch von Verfolgungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Herrschaft Diokletians brach&lt;br /&gt;
die letzte große Verfolgungswelle über&lt;br /&gt;
die Christengemeinde herein, ehe diese&lt;br /&gt;
über das römische Kaiserreich trium-&lt;br /&gt;
phieren sollte. Unwissenheit und Verun-&lt;br /&gt;
sicherung der Bevölkerung, die sich da-&lt;br /&gt;
durch leicht von fanatischen heidni-&lt;br /&gt;
schen Priestern manipulieren ließ,&lt;br /&gt;
schufen die äußeren Bedingungen dieser&lt;br /&gt;
Verfolgung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unheil nahm seinen Anfang im&lt;br /&gt;
Jahre 287, als Diokletian Änderungen&lt;br /&gt;
verfügte, die das Imperium in eine heid-&lt;br /&gt;
nische Theokratie umwandelten. Dio-&lt;br /&gt;
kletian wurde mit dem römischen Gott&lt;br /&gt;
Jupiter, sein Mitherrscher Maximian&lt;br /&gt;
mit dem Gott Herkules gleichgesetzt.&lt;br /&gt;
Beide Herrscher hatten von da an als&lt;br /&gt;
Auserwählte der Götter und als von&lt;br /&gt;
göttlicher Natur zu gelten. Damit war&lt;br /&gt;
die Grundlage für eine Anbetung des&lt;br /&gt;
Kaisers geschaffen, was bald darauf als&lt;br /&gt;
Waffe gegen die Christen benutzt wer-&lt;br /&gt;
den sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 a.2.0., S. 266&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 a.a2.0., 5. 90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Edward Gibbon, The Decline and Fall of the&lt;br /&gt;
Roman Empire (Niedergang und Fall des Römi-&lt;br /&gt;
schen Reichs), Kapitel 16&lt;br /&gt;
{{page|185|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=27}}Der Funke, der die Flamme der Unter-&lt;br /&gt;
drückung entfachte, ging von Galerius&lt;br /&gt;
aus, der als Stellvertreter Diokletians im&lt;br /&gt;
Range eines Cäsaren stand und ein fana-&lt;br /&gt;
tischer Anhänger heidnischen Glau-&lt;br /&gt;
bensgutes war. Um den zunehmenden&lt;br /&gt;
Einfluß des Christentums zu zerschla-&lt;br /&gt;
gen, initiierte er eine Versammlung&lt;br /&gt;
maßgebender Persönlichkeiten. In ihrer&lt;br /&gt;
Stellungnahme gegenüber Diokletian&lt;br /&gt;
bezeichnete sie die christliche Gemeinde&lt;br /&gt;
als eine gefährliche politische Bewe-&lt;br /&gt;
gung: sie sei ein Staat im Staate mit eige-&lt;br /&gt;
nen Gesetzen, eigener Gerichtsbarkeit,&lt;br /&gt;
eigenem Vermögen, einer eigenen Orga-&lt;br /&gt;
nisationsstruktur und zeichne sich&lt;br /&gt;
durch Gehorsam gegenüber ihren Bi-&lt;br /&gt;
schöfen aus. Galerius argumentierte&lt;br /&gt;
eindringlich, daß die Einheit des Kaiser-&lt;br /&gt;
reiches nicht zu verwirklichen sei, so-&lt;br /&gt;
lange man einer abtrünnigen Bewegung&lt;br /&gt;
wie dem Christentum weiterhin zu exi-&lt;br /&gt;
stieren gestatte. Er drängte Diokletian,&lt;br /&gt;
dieser gefährlichen politischen Organi-&lt;br /&gt;
sation ein Ende zu bereiten, bevor sie,&lt;br /&gt;
unter der Maske einer Religion, militäri-&lt;br /&gt;
sche Macht erlange. Als Ergebnis dieser&lt;br /&gt;
Beeinflussung verfügte Diokletian in&lt;br /&gt;
den Jahren 303 und 304 durch kaiserli-&lt;br /&gt;
che Edikte folgende Maßnahmen gegen&lt;br /&gt;
die Christen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Alle christlichen Kirchen sollten bis&lt;br /&gt;
auf die Grundmauern zerstört werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Die Todesstrafe drohte allen, die&lt;br /&gt;
sich insgeheim zum Zwecke religiöser&lt;br /&gt;
Andacht versammelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Alle heiligen Bücher sollten dem&lt;br /&gt;
Magistrat zur öffentlichen Verbrennung&lt;br /&gt;
überliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Das gesamte Kirchenvermögen&lt;br /&gt;
sollte konfisziert und entweder versteigert&lt;br /&gt;
oder der Regierung übereignet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Die kirchliche Verwaltungsordnung&lt;br /&gt;
sollte aufgelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Christen waren jetzt Mitglieder&lt;br /&gt;
einer »ungesetzlichen Religion«, während&lt;br /&gt;
Juden und die Anhänger anderer Religio-&lt;br /&gt;
nen einer »genehmigten Religion« ange-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hörten. Dies hatte zur Folge, daß die&lt;br /&gt;
Christen nicht mehr unter dem Schutz des&lt;br /&gt;
Gesetzes standen und dadurch noch ver-&lt;br /&gt;
wundbarer waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Veröffentlichung der Edikte&lt;br /&gt;
überstürzten sich die Ereignisse. Die&lt;br /&gt;
prachtvolle Kathedrale von Nicomedeia,&lt;br /&gt;
der Residenz des (Öst-JReiches, wurde&lt;br /&gt;
zerstört, weitere Kirchen fielen der Zer-&lt;br /&gt;
störung oder Schließung anheim. Besitz-&lt;br /&gt;
tümer wurden enteignet und Bücher ver-&lt;br /&gt;
nichtet. Die Christen verloren ihre Ar-&lt;br /&gt;
beitsplätze; sie waren die Sündenböcke&lt;br /&gt;
für alle gesellschaftlichen Probleme und&lt;br /&gt;
wurden für die zahllosen Aufstände ver-&lt;br /&gt;
antwortlich gemacht, die das zugrunde-&lt;br /&gt;
gehende Imperium erschütterten. Als der&lt;br /&gt;
Kaiserpalast in Nicomedeia in Flammen&lt;br /&gt;
aufging, wurden die Christen dafür zur&lt;br /&gt;
Verantwortung gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diokletian setzte die Verfolgung durch&lt;br /&gt;
weitere Edikte fort:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Alle Christen mit Amt und Würden&lt;br /&gt;
in der Kirche kamen ins Gefängnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Alle Christen wurden, notfalls&lt;br /&gt;
durch Gewaltanwendung oder Folter, ge-&lt;br /&gt;
zwungen, die römischen Götter anzu-&lt;br /&gt;
beten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwere Strafen wurden gegen alle&lt;br /&gt;
Nicht-Christen verhängt, die Christen&lt;br /&gt;
vor der Anwendung dieser Edikte&lt;br /&gt;
schützten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald nach Verkündung dieser Edikte&lt;br /&gt;
dankten Diokletian und Maximian im&lt;br /&gt;
Jahre 305 ab. Ihre Nachfolger waren der&lt;br /&gt;
skrupellose Galerius im Osten des Rei-&lt;br /&gt;
ches und der gemäßigte Constantius,&lt;br /&gt;
Vater des Konstantin, im Westen. Die&lt;br /&gt;
Verfolgungen aber gingen weiter, insbe-&lt;br /&gt;
sondere in den von Galerius beherrsch-&lt;br /&gt;
ten Gebieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Verfolgung auf&lt;br /&gt;
die Christen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im großen und ganzen ertrugen die&lt;br /&gt;
Christen ihre Lage mit bewundernswer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 51 APRIL 1986 185&lt;br /&gt;
{{page|186|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=28}}tem Heldenmut. Sie weigerten sich trotz&lt;br /&gt;
Androhung von Kerkerhaft, Folter und&lt;br /&gt;
Tod, die ihnen wertvollen Schriften her-&lt;br /&gt;
auszugeben oder heidnische Götter an-&lt;br /&gt;
zubeten. Etwa 1500 Gläubige nahmen&lt;br /&gt;
den Märtyrertod auf sich, allen voran&lt;br /&gt;
der afrikanische Bischof Felix, der ent-&lt;br /&gt;
hauptet wurde, weil er sich weigerte,&lt;br /&gt;
von den heiligen Schriften abzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Dorf verbarrikadierten sich&lt;br /&gt;
die Christen in ihrer Kirche und ver-&lt;br /&gt;
suchten vergebens, dieses Gebäude zu&lt;br /&gt;
schützen, das ihnen heilig und teuer ge-&lt;br /&gt;
worden war; alle kamen um, als ihre&lt;br /&gt;
Verfolger den Bau in Brand steckten.&lt;br /&gt;
Christen schmachteten in den Gefäng-&lt;br /&gt;
nissen und erlitten die Folter, aber sie er-&lt;br /&gt;
trugen standhaft alle Grausamkeiten&lt;br /&gt;
und übten ihre Religion weiterhin aus.&lt;br /&gt;
Die Gefangenen, die zur Arbeit in den&lt;br /&gt;
Bergwerken verurteilt worden waren,&lt;br /&gt;
schufen sich unterirdische Kapellen, die&lt;br /&gt;
der Anbetung ihres Herrn geweiht&lt;br /&gt;
waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst schwächten diese Verfol-&lt;br /&gt;
gungen das Christentum, da seine Ver-&lt;br /&gt;
waltungsordnung zerschlagen, seine Be-&lt;br /&gt;
sitztümer enteignet wurden und die im&lt;br /&gt;
Glauben Schwachen abfielen, die in&lt;br /&gt;
guten Zeiten die Religion angenommen&lt;br /&gt;
hatten. Langfristig gesehen stärkten sie&lt;br /&gt;
jedoch das Christentum in vielfältiger&lt;br /&gt;
Weise. Die Zusammenstellung und Ver-&lt;br /&gt;
breitung eines Buches, der Acta Marty-&lt;br /&gt;
rum, das über einige der vielen Helden-&lt;br /&gt;
taten jener Epoche berichtet, stärkte&lt;br /&gt;
und festigte den christlichen Glauben.&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit, angesichts mate-&lt;br /&gt;
rieller Entbehrungen Methoden der Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit und gegenseitiger Unter-&lt;br /&gt;
stützung zu entwickeln, ließ das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein der Einheit in der christlichen&lt;br /&gt;
Gemeinde wachsen. Diese Bande der&lt;br /&gt;
Einheit wurden auch dadurch gestärkt,&lt;br /&gt;
daß viele Christen, um der Verfolgung&lt;br /&gt;
zu entgehen, in entlegene Gebiete zogen&lt;br /&gt;
und mit den dortigen Gemeinden ver-&lt;br /&gt;
schmolzen. Gibbon verweist auf die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
186 BAHAI-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
große Zahl von Christen aus der Mittel-&lt;br /&gt;
schicht, »die nicht an die Ketten des&lt;br /&gt;
Wohlstands oder der Armut gefesselt&lt;br /&gt;
waren«° und auf der Suche nach Frei-&lt;br /&gt;
heit aus den von Galerius beherrschten&lt;br /&gt;
Gebieten flohen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lose, aber wirksame Nachrichtenver-&lt;br /&gt;
bindungen unter den weit verstreuten&lt;br /&gt;
christlichen Flüchtlingen trugen eben-&lt;br /&gt;
falls zur Weiterentwicklung des Be-&lt;br /&gt;
wußtseins einer Gemeinschaft bei, die&lt;br /&gt;
die traditionellen kulturellen Schranken&lt;br /&gt;
überwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings war die Reaktion der Chri-&lt;br /&gt;
sten auf die Verfolgungen nicht ohne&lt;br /&gt;
Makel. Shoghi Effendi weist auf »das&lt;br /&gt;
anstößige Verhalten jener Bischöfe«s&lt;br /&gt;
der afrikanischen Kirche hin, die die&lt;br /&gt;
heiligen Schriften den Ungläubigen&lt;br /&gt;
preisgaben oder ihren Glauben wider-&lt;br /&gt;
riefen; andere in geringerer Stellung&lt;br /&gt;
folgten ihrem Beispiel. Später, als das&lt;br /&gt;
Christentum gesiegt hatte, strebten&lt;br /&gt;
diese Bischöfe danach, ihre kirchlichen&lt;br /&gt;
Stellungen und Privilegien wiederzuer-&lt;br /&gt;
langen, und veranlaßten dadurch eine&lt;br /&gt;
Spaltung, die die Kirche Nordafrikas&lt;br /&gt;
Jahrhunderte belastete, bis schließlich&lt;br /&gt;
die afrikanischen Christen im sich aus-&lt;br /&gt;
breitenden Islam aufgingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Grausamkeiten gegen die&lt;br /&gt;
Christen an Härte zunahmen, wandelte&lt;br /&gt;
sich die öffentliche Meinung von einer&lt;br /&gt;
antagonistischen Haltung zu Sympa-&lt;br /&gt;
thie und Bewunderung für die be-&lt;br /&gt;
drängte christliche Gemeinschaft, denn&lt;br /&gt;
das heidnische Volk wurde voll Staunen&lt;br /&gt;
Zeuge von Standhaftigkeit und Helden-&lt;br /&gt;
tum der Christen. Viele Ungläubige ris-&lt;br /&gt;
kierten die Todesstrafe und gewährten&lt;br /&gt;
den verfolgten Opfern Schutz und Ob-&lt;br /&gt;
dach. So fühlten sich schließlich immer&lt;br /&gt;
mehr einsichtige und aufrichtig den-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 a.a0.&lt;br /&gt;
6 Weltordnung, $. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|187|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kende Menschen von der christlichen&lt;br /&gt;
Gemeinschaft angezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sichtbar wurde, daß die strengen&lt;br /&gt;
Verfolgungen das Licht des Christen-&lt;br /&gt;
tums nicht auslöschen konnten, son-&lt;br /&gt;
dern seinen Glanz eher verstärkten, daß&lt;br /&gt;
sie zudem die öffentliche Meinung in&lt;br /&gt;
Sympathie und Unterstützung für die&lt;br /&gt;
Christen umschlagen ließen, befiel die&lt;br /&gt;
Machthaber Unruhe und Verzweiflung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 310 erkrankte Galerius an&lt;br /&gt;
einem quälenden Leiden, das ihn all-&lt;br /&gt;
mählich immer mehr behinderte und&lt;br /&gt;
schließlich im Jahre 311 zu seinem Tod&lt;br /&gt;
führte. Auf dem Sterbebett erkannte er&lt;br /&gt;
das Scheitern seiner Bemühungen und&lt;br /&gt;
versuchte, mit dem unbesiegten Chri-&lt;br /&gt;
stengott Frieden zu schließen, indem er&lt;br /&gt;
ein Toleranzedikt erließ, das den »Chri-&lt;br /&gt;
sten das Recht einräumte, wieder zu exi-&lt;br /&gt;
stieren und ihre Andachtsstätten zu er-&lt;br /&gt;
richten, vorausgesetzt, sie verstoßen&lt;br /&gt;
nicht gegen die öffentliche Ordnung«’.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus ergaben sich rasch einschnei-&lt;br /&gt;
dende Änderungen für die Christenge-&lt;br /&gt;
meinde. Viele Christen wurden aus den&lt;br /&gt;
Gefängnissen und Bergwerken entlas-&lt;br /&gt;
sen; Flüchtlinge kehrten in ihre Heimat&lt;br /&gt;
zurück; wer seinem Glauben abge-&lt;br /&gt;
schworen hatte, trachtete danach, wie-&lt;br /&gt;
der in die Gemeinschaft aufgenommen&lt;br /&gt;
zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Kaiser schrieb in Verken-&lt;br /&gt;
nung der geistigen Kraft des christlichen&lt;br /&gt;
Glaubens dessen Triumph der Disziplin&lt;br /&gt;
seiner Anhänger und der Stärke seiner&lt;br /&gt;
Institutionen zu. Er versuchte, den heid-&lt;br /&gt;
nischen Götterglauben zu beleben,&lt;br /&gt;
indem er ihn nach Grundsätzen ähnlich&lt;br /&gt;
denen der Christen, jedoch mit weniger&lt;br /&gt;
strengen Vorschriften, ausrichtete und&lt;br /&gt;
herrliche Andachtsstätten bauen ließ.&lt;br /&gt;
Die unmittelbare Folge war eine Ermuti-&lt;br /&gt;
gung der heidnischen Priester, die Chri-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stenverfolgung wieder aufzunehmen.&lt;br /&gt;
Diese flackerte auch für ein paar Mo-&lt;br /&gt;
nate erneut auf, wurde aber dann durch&lt;br /&gt;
Bürgerkrieg beendet. Auf lange Sicht&lt;br /&gt;
war diese Politik ein völliger Fehlschlag;&lt;br /&gt;
die dem Christentum innewohnende&lt;br /&gt;
geistige Kraft ließ sich nicht künstlich&lt;br /&gt;
nachahmen — weit mehr noch: die Un-&lt;br /&gt;
gläubigen wurden darauf vorbereitet,&lt;br /&gt;
christliche Verhaltensweisen anzuneh-&lt;br /&gt;
men und die einzigartigen Wesensmerk-&lt;br /&gt;
male der christlichen Religion traten ins&lt;br /&gt;
Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Zeit der Wirren ging im&lt;br /&gt;
Jahre 313 Kaiser Konstantin als Herr-&lt;br /&gt;
scher hervor. Inmitten von Zwietracht&lt;br /&gt;
und Chaos fühlte er sich unwidersteh-&lt;br /&gt;
lich von der Ordnung und Moral im&lt;br /&gt;
christlichen Verhalten angezogen, vom&lt;br /&gt;
Gehorsam, den die Christen ihrer Geist-&lt;br /&gt;
lichkeit zollten, von der Überwindung&lt;br /&gt;
des Klassenkampfes durch den Einfluß&lt;br /&gt;
des Christentums und der Stärkung der&lt;br /&gt;
Institutionen von Ehe und Familie. In-&lt;br /&gt;
folgedessen benutzte er seine Amtsge-&lt;br /&gt;
walt, die christliche Gemeinde zu&lt;br /&gt;
schützen, die nach der Verfolgung nun&lt;br /&gt;
wieder neu entstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Jahr erließ Konstantin ein&lt;br /&gt;
Edikt, das Religionsfreiheit gewährte,&lt;br /&gt;
und befahl, allen christlichen Besitz&lt;br /&gt;
ohne Gegenleistung an die früheren Ei-&lt;br /&gt;
gentümer zurückzugeben. Den jetzigen&lt;br /&gt;
Besitzern wurde erlaubt, beim Staat&lt;br /&gt;
einen Ausgleich für den durch die Rück-&lt;br /&gt;
gabe entstandenen Verlust geltend zu&lt;br /&gt;
machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf seiner Regent-&lt;br /&gt;
schaft begünstigte Konstantin das Chri-&lt;br /&gt;
stentum immer offener; er verzichtete&lt;br /&gt;
nach und nach bei staatlichen Feierlich-&lt;br /&gt;
keiten auf heidnische Rituale, gab der&lt;br /&gt;
Kirche einen gesetzlichen Status, ge-&lt;br /&gt;
währte ihr Steuerfreiheit und stellte aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Bettenson, Documents of the Christian&lt;br /&gt;
Church, S. 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 187&lt;br /&gt;
{{page|188|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=30}}dem Staatshaushalt Mittel für den Bau&lt;br /&gt;
christlicher Andachtsstätten zur Verfü-&lt;br /&gt;
gung. Der Höhepunkt dieser Entwick-&lt;br /&gt;
lung kam im Jahre 324, als Konstantin&lt;br /&gt;
sich öffentlich zum Christentum be-&lt;br /&gt;
kannte und seine Untertanen einlud, die&lt;br /&gt;
neue Religion zu prüfen und anzuneh-&lt;br /&gt;
men. Innerhalb weniger Jahre war so&lt;br /&gt;
das Christentum im Imperium von den&lt;br /&gt;
Gefängnissen zum Palast des Herrschers&lt;br /&gt;
emporgestiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá preist Konstantin als&lt;br /&gt;
den ersten, »der im ganzen Römischen&lt;br /&gt;
Reich öffentliche Krankenhäuser für die&lt;br /&gt;
ärztliche Pflege der Armen, Verwunde-&lt;br /&gt;
ten und der Hilfsbedürftigen einrich-&lt;br /&gt;
tete... Dieser große König war der erste&lt;br /&gt;
römische Herrscher, der für die Sache&lt;br /&gt;
Christi eintrat. Er scheute keine Mühe&lt;br /&gt;
und weihte sein Leben der Verbreitung&lt;br /&gt;
der Grundlehren des Evangeliums. Das&lt;br /&gt;
römische Staatswesen, das in Wirklich-&lt;br /&gt;
keit nur ein System uneingeschränkter&lt;br /&gt;
Unterdrückung war, gründete er auf&lt;br /&gt;
Mäßigung und Gerechtigkeit. Sein ge-&lt;br /&gt;
segneter Name erstrahlt aus dem Dun-&lt;br /&gt;
kel der Geschichte wie der Morgenstern,&lt;br /&gt;
und sein Ruhm, seine Stufe als eine der&lt;br /&gt;
edelsten und kultiviertesten Persönlich-&lt;br /&gt;
keiten des Weltgeschehens ist heute&lt;br /&gt;
noch im Munde der Christen aller Be-&lt;br /&gt;
kenntnisse.«8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Historiker Will Durant kom-&lt;br /&gt;
mentiert: »Es gibt kein großartigeres&lt;br /&gt;
Schauspiel in der Geschichte der&lt;br /&gt;
Menschheit, als die Geschichte der&lt;br /&gt;
wenigen Christen, die — immer wieder&lt;br /&gt;
von den Herrschern verachtet und un-&lt;br /&gt;
terdrückt — alle Prüfungen zäh und&lt;br /&gt;
hartnäckig erduldeten, in aller Stille&lt;br /&gt;
immer zahlreicher wurden und ihre&lt;br /&gt;
Ordnung errichteten, währenddessen&lt;br /&gt;
ihre Feinde das Chaos heraufbeschwo-&lt;br /&gt;
ren; die dem Schwert das Wort entge-&lt;br /&gt;
gensetzten, der Grausamkeit die Hoff-&lt;br /&gt;
nung, und schließlich das mächtigste&lt;br /&gt;
Staatswesen niederrangen, das die Ge-&lt;br /&gt;
schichte kennt. Caesar und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
188 BAHAT-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
waren sich in der Arena begegnet, und&lt;br /&gt;
Christus hatte gesiegt.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlußfolgerungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hätte, als die Christenverfolgung&lt;br /&gt;
auf ihrem Höhepunkt war, wohl ge-&lt;br /&gt;
dacht, wie schnell und dramatisch sich&lt;br /&gt;
die Lage ändern würde? Hätte sich ein&lt;br /&gt;
Christ jener Tage, der voll Entsetzen&lt;br /&gt;
Zeuge der Zerstörung seiner heiligen&lt;br /&gt;
Stätten, der Herabsetzung und Vernich-&lt;br /&gt;
tung seiner heiligen Schriften, der Zer-&lt;br /&gt;
schlagung seiner religiösen Gemein-&lt;br /&gt;
schaft, der Verhaftung seiner führenden&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten und des Märtyrertums&lt;br /&gt;
so vieler getreuer Gläubiger wurde, vor-&lt;br /&gt;
stellen können, daß nach relativ kurzer&lt;br /&gt;
Zeit ein christlicher Kaiser regieren und&lt;br /&gt;
eine Bevölkerung, die dem Christentum&lt;br /&gt;
so unversöhnlich gegenüberstand, ihre&lt;br /&gt;
Einstellung zu Anteilnahme und Glau-&lt;br /&gt;
ben wandeln würde? Hatte er nicht viel-&lt;br /&gt;
mehr Stunden der Verzweiflung zu&lt;br /&gt;
durchleben, da er sich fragte, wann&lt;br /&gt;
wohl — wenn überhaupt — die düste-&lt;br /&gt;
ren Wolken der Unterdrückung, die sein&lt;br /&gt;
Land verdunkelten, hinweggeweht wür-&lt;br /&gt;
den? Mit Sicherheit waren sein Staunen&lt;br /&gt;
und seine Dankbarkeit ohne Grenzen,&lt;br /&gt;
als auf scheinbar wundersame Weise&lt;br /&gt;
seine Religion geläutert und gestärkt aus&lt;br /&gt;
der Feuerprobe der Verfolgung hervor-&lt;br /&gt;
ging, ihre Besitztümer wiedererlangte,&lt;br /&gt;
als ihre heiligen Stätten neu erstanden,&lt;br /&gt;
ihr Ansehen gewachsen, ihre Macht und&lt;br /&gt;
ihr Einfluß gewaltig gestiegen waren.&lt;br /&gt;
Vor allem führt dies zu einer klaren&lt;br /&gt;
Erkenntnis: die Macht Gottes ist un-&lt;br /&gt;
überwindlich, Seine Gegner sind ohn-&lt;br /&gt;
mächtig. Dieselbe Macht, welche die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Das Geheimnis göttlicher Kultur, Oberkal-&lt;br /&gt;
bach 1973, S. 78f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Caesar and Christ, S. 652&lt;br /&gt;
{{page|189|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scheinbar schutzlose Christengemeinde&lt;br /&gt;
vor ihren unnachgiebigen Widersa-&lt;br /&gt;
chern bewahrt hat, schützt heute die be-&lt;br /&gt;
drängte iranische Bahä’i-Gemeinde vor&lt;br /&gt;
ihren unerbittlichen Feinden; sie wird&lt;br /&gt;
diese tapferen Gläubigen zu einem Sieg&lt;br /&gt;
führen, der den strahlenden Sieg der&lt;br /&gt;
Christen jener Zeit bei weitem übertref-&lt;br /&gt;
fen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Worte Bahä’ulllähs gelten glei-&lt;br /&gt;
chermaßen für den Aufstieg des christli-&lt;br /&gt;
chen Glaubens in der seiner Sendung&lt;br /&gt;
bestimmten Zeit, wie für das Wachsen&lt;br /&gt;
des Bahá’í-Glaubens in unseren Tagen:&lt;br /&gt;
»Sieh, wie in dieser Sendung die Unwür-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
digen und Toren sich in ihrer Narrheit&lt;br /&gt;
eingebildet haben, sie könnten durch&lt;br /&gt;
Mittel wie Massenmord, Plünderung&lt;br /&gt;
und Verbannung die Lampe löschen, die&lt;br /&gt;
die Hand göttlicher Macht entzündet&lt;br /&gt;
hat, oder die Sonne ewiger Herrlichkeit&lt;br /&gt;
verdunkeln. Die Wahrheit, daß solche&lt;br /&gt;
Trübsal das Öl ist, das die Flamme die-&lt;br /&gt;
ser Lampe nährt, scheinen sie nicht zu&lt;br /&gt;
kennen. Dies ist Gottes umgestaltende&lt;br /&gt;
Kraft. Er wandelt, was Er will. Wahr-&lt;br /&gt;
lich, Er hat Macht über alle Dinge.«10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Ährenlese, Hofheim-Langenhain 31980, 29:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott!&lt;br /&gt;
Belohne jene,&lt;br /&gt;
die in Deinen Tagen geduldig ausharren,&lt;br /&gt;
und stärke ihre Herzen,&lt;br /&gt;
daß sie unbeirrt&lt;br /&gt;
auf dem Pfade der Wahrheit wandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewähre ihnen, o Herr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche guten Gaben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ihnen den Eintritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Dein seliges Paradies erlauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bab&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 51 APRIL 1986 189&lt;br /&gt;
{{page|190|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Lage der Bahä&#039; im Iran&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEARING DES EUROPÄISCHEN&lt;br /&gt;
PARLAMENTES IN BRÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Politische Ausschuß des Europäischen Parlaments führte am 28. November&lt;br /&gt;
1985 in Brüssel ein Hearing zur Menschenrechtssituation im Iran durch. Neben&lt;br /&gt;
Sachverständigengutachten zu den Themen Folter, Situation der Frau und Einsatz&lt;br /&gt;
von Kindern an der Kriegsfront widmete sich ein Tagesordnungspunkt der Lage der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion im Iran. Die »Baha‘i International Community« war hierzu offiziell&lt;br /&gt;
eingeladen, einen Sprecher sowie zwei Augenzeugen der Ereignisse zu entsenden.&lt;br /&gt;
Nach einem einleitenden Gutachten von Prof. Peter Avery, dem Direktor der&lt;br /&gt;
Nahost-Abteilung des Kings-College in Cambridge, hielt Christopher Sprung, ge-&lt;br /&gt;
schäftsführender Sekretär des Nationalen Geistigen Rates der Bahäi in Deutsch-&lt;br /&gt;
land, ein Grundsatzreferat über die derzeitige Diskriminierung und Verfolgung, die&lt;br /&gt;
die Baha&#039;t im Iran erdulden müssen. Diese Stellungnahme veröffentlichen wir nach-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
folgend in vollem Wortlaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Vorsitzender,&lt;br /&gt;
meine Damen und Herren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich heiße Christopher Sprung und bin&lt;br /&gt;
geschäftsführender Sekretär des Natio-&lt;br /&gt;
nalen Geistigen Rates der Bahäi in&lt;br /&gt;
Deutschland. Im Namen von 640 Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinden in 20 europäischen Ländern&lt;br /&gt;
möchte ich Ihnen unsere hohe Wert-&lt;br /&gt;
schätzung zum Ausdruck bringen. Ich&lt;br /&gt;
danke dem Europäischen Parlament —&lt;br /&gt;
das seit 1980 in vier Resolutionen die&lt;br /&gt;
Verfolgungen der Bahä’i im Iran verur-&lt;br /&gt;
teilt hat — für seine bisherigen Bemü-&lt;br /&gt;
hungen zur Linderung des Schicksals&lt;br /&gt;
der Bahä’i. Für uns ist es ein Zeichen&lt;br /&gt;
großer Hoffnung, daß Sie heute dieses&lt;br /&gt;
Hearing durchführen und dabei der Si-&lt;br /&gt;
tuation der Bahä’i-Gemeinde im Iran&lt;br /&gt;
besondere Aufmerksamkeit widmen.&lt;br /&gt;
Den Bahäi im Iran, deren Glauben ich&lt;br /&gt;
teile, wird der heutige Tag ein deutliches&lt;br /&gt;
Signal der Solidarität, des Trostes und&lt;br /&gt;
der Aussicht auf eine freiere, unbe-&lt;br /&gt;
drängte Zukunft vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch sieben Jahre nach Beginn der&lt;br /&gt;
Revolution gibt es keine objektiven An-&lt;br /&gt;
zeichen dafür, daß Politiker und Geistli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
190 BAHÄT-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
che des Iran ihre Haltung gegenüber der&lt;br /&gt;
— wie sie es nennen — »irregeleiteten&lt;br /&gt;
Sekte« — ändern würden. Die von uns&lt;br /&gt;
schon 1980 veröffentlichte Befürchtung,&lt;br /&gt;
daß es starke Kräfte im Iran gibt, die lang-&lt;br /&gt;
fristig auf die Eliminierung des Bahäi-&lt;br /&gt;
Glaubens hinarbeiten, hat sich inzwi-&lt;br /&gt;
schen auf grausame Weise bestätigt.&lt;br /&gt;
Auch wenn in den wenigen offiziellen&lt;br /&gt;
Stellungnahmen von iranischer Seite&lt;br /&gt;
immer wieder betont und daran festge-&lt;br /&gt;
halten wird, daß im Iran niemand auf-&lt;br /&gt;
grund seiner bloßen Glaubenszugehörig-&lt;br /&gt;
keit verfolgt und hingerichtet wird, auch&lt;br /&gt;
wenn immer wieder behauptet wird, die&lt;br /&gt;
Hinrichtungen und Inhaftierungen der&lt;br /&gt;
Bahäi seien die Sanktionen einer strafba-&lt;br /&gt;
ren Handlung (Spionage, Zionismus,&lt;br /&gt;
Drogenhandel, Prostitution), so können&lt;br /&gt;
wir heute vor diesem europäischen Forum&lt;br /&gt;
Beweise dafür vorlegen, daß die Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion und ihre Anhänger im Iran als&lt;br /&gt;
solche verfolgt werden, und zwar allein in&lt;br /&gt;
ihrer Eigenschaft als Bahäfi, als »Anders-&lt;br /&gt;
gläubige« und als »Abtrünnige«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei stellen wir weder subjektive&lt;br /&gt;
Behauptungen auf, noch liefern wir le-&lt;br /&gt;
diglich Interpretationen von bestimm-&lt;br /&gt;
{{page|191|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten Ereignissen. Es sind vielmehr die&lt;br /&gt;
Ereignisse und Dokumente selbst, die&lt;br /&gt;
keinen Zweifel am religiösen Charakter&lt;br /&gt;
der Verfolgungen aufkommen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit den Anfängen des Bahäi-Glau-&lt;br /&gt;
bens und auch zu Zeiten des Schah&lt;br /&gt;
wurden die Bahá’í diskriminiert und&lt;br /&gt;
verfolgt. Nie war der Bahä’i-Glaube im&lt;br /&gt;
Iran als Religion anerkannt. Auch heute&lt;br /&gt;
erwähnt Art. 13 der neuen iranischen&lt;br /&gt;
Landesverfassung lediglich Juden, Chri-&lt;br /&gt;
sten und Zoroastrier als »offizielle&lt;br /&gt;
religiöse Minderheiten«. Die ausdrück-&lt;br /&gt;
liche Auslassung der Bahá’í-Religion hat&lt;br /&gt;
in einem Land, in dem der schiitische&lt;br /&gt;
Islam Staatsreligion ist, schwerwie-&lt;br /&gt;
gende Konsequenzen. Nur die in Art. 13&lt;br /&gt;
aufgeführten Religionen genießen den&lt;br /&gt;
Status der »schutzwürdigen Minder-&lt;br /&gt;
heit«. Sie haben Bekenntnisfreiheit, sie&lt;br /&gt;
sind die Schutzbefohlenen des Islam,&lt;br /&gt;
die »dhimmic«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäullläh, der Stifter des Bahäi-&lt;br /&gt;
Glaubens, weist den Endgültigkeitsan-&lt;br /&gt;
spruch, den der orthodoxe Islam erhebt,&lt;br /&gt;
zurück. Das, worauf die Muslime noch&lt;br /&gt;
warten, ist für die Bahäfi bereits einge-&lt;br /&gt;
treten. Dies erscheint der islamischen&lt;br /&gt;
Geistlichkeit als Häresie, und der Über-&lt;br /&gt;
tritt vom Islam zur Bahá’í-Religion als&lt;br /&gt;
Apostasie, auf die nach dem Recht der&lt;br /&gt;
Scharia die Todesstrafe steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei können die iranischen Bahá’í&lt;br /&gt;
jedoch niemals unter dieses Gesetz fal-&lt;br /&gt;
len, denn sie glauben an den einzigen&lt;br /&gt;
Gott und auch an Muhammad. Außer-&lt;br /&gt;
dem gehört die große Masse der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gläubigen bereits seit Generationen&lt;br /&gt;
dem Bahäi-Glauben an. Auch nach&lt;br /&gt;
schiitischem Glaubensverständnis kann&lt;br /&gt;
daher die überwiegende Mehrheit der&lt;br /&gt;
Bahäi nicht vom Islam abgefallen sein.&lt;br /&gt;
Dies gilt um so mehr für Zehntausende&lt;br /&gt;
von Bahäi-Familien, die aus jüdischem,&lt;br /&gt;
christlichem und parsischem Glauben&lt;br /&gt;
stammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch dient die Zugehörigkeit zur&lt;br /&gt;
Bahäii-Religion versteckt oder offen den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortlichen als Begründung für ihre&lt;br /&gt;
Verfolgungsmaßnahmen. Ich gehe dabei&lt;br /&gt;
davon aus, daß Ihnen inzwischen die&lt;br /&gt;
groben Umrisse der Bahäi-Verfolgung im&lt;br /&gt;
Iran bekannt sind: Zerstörung und Be-&lt;br /&gt;
schlagnahme aller Besitztümer und&lt;br /&gt;
Bahäf-Einrichtungen; Diskriminierung&lt;br /&gt;
im Alltag; Entlassungen aus Arbeit und&lt;br /&gt;
Ausbildung; Verweigerung der eigenstän-&lt;br /&gt;
digen Regelung von Personenstandsan-&lt;br /&gt;
gelegenheiten; willkürliche Verhaftun-&lt;br /&gt;
gen; Folterungen und Hinrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den grausamsten Beweis für den&lt;br /&gt;
ausschließlich religiösen Charakter der&lt;br /&gt;
Verfolgungen finden wir in den Folte-&lt;br /&gt;
rungen und Hinrichtungen. Bis heute&lt;br /&gt;
haben wir definitive Kenntnis von 176&lt;br /&gt;
Fällen, in denen als Grund für die&lt;br /&gt;
Hinrichtungen entweder offen die Zuge-&lt;br /&gt;
hörigkeit zur Bahäd’i-Gemeinde, wie im&lt;br /&gt;
Fall des Azizullah Gulshani, oder vor-&lt;br /&gt;
geschobene Argumente, wie etwa Spio-&lt;br /&gt;
nage für Israel, Unterstützung des Zio-&lt;br /&gt;
nismus usw., von den Verantwortlichen&lt;br /&gt;
angegeben worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist uns bekannt, daß den Hinrich-&lt;br /&gt;
tungen Folterungen vorausgehen, um&lt;br /&gt;
die Bahäa&#039;i zum Abschwören ihres Glau-&lt;br /&gt;
bens zu zwingen. Die Opfer werden vor&lt;br /&gt;
die Wahl gestellt, dem Bahá’í-Glauben&lt;br /&gt;
abzuschwören und zum Islam überzu-&lt;br /&gt;
treten oder hingerichtet zu werden. Der&lt;br /&gt;
Fall des Ehepaares Baqa ist hier beson-&lt;br /&gt;
ders erschütternd: während die Frau&lt;br /&gt;
standhaft blieb und schließlich hinge-&lt;br /&gt;
richtet wurde, konnte ihr Ehemann die&lt;br /&gt;
Qualen nicht aushalten, schwor dem&lt;br /&gt;
Bahäi-Glauben ab und befindet sich&lt;br /&gt;
heute auf freiem Fuß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einigen Gebieten Irans wurden bru-&lt;br /&gt;
tale Methoden angewandt, um den&lt;br /&gt;
Glauben der Bahá’í zu brechen. In einem&lt;br /&gt;
Dorf bei Kashan wurden die Bahäi in&lt;br /&gt;
einen Stall getrieben, in den Rauch ge-&lt;br /&gt;
leitet wurde, um sie dann, dem Tode&lt;br /&gt;
nahe, zur nahegelegenen Moschee zu&lt;br /&gt;
schaffen, wo sie gezwungen wurden,&lt;br /&gt;
dem Glauben abzuschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 191&lt;br /&gt;
{{page|192|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen Anordnungen von Ministe-&lt;br /&gt;
rien und Behörden wird zur Entlassung&lt;br /&gt;
von Bahä’i-Angestellten und -Arbeitern&lt;br /&gt;
aufgerufen, sofern die Bahä’i nicht zum&lt;br /&gt;
Islam übertreten. So heißt es in einer&lt;br /&gt;
Anweisung des islamischen Revolutions-&lt;br /&gt;
gerichtes von Kirmanshah an eine Firma&lt;br /&gt;
wörtlich: »Hinsichtlich der Bahäfi-&lt;br /&gt;
Angestellten Ihrer Gesellschaft wird&lt;br /&gt;
hierdurch mitgeteilt: Wenn die Bahá’í-&lt;br /&gt;
Arbeiter und -Angestellten bereuen und&lt;br /&gt;
in ihre Personalakten hineinschreiben,&lt;br /&gt;
daß sie dem islamischen Ithna-Ashari-&lt;br /&gt;
Glauben (der Zwölfer-Schia des Islam)&lt;br /&gt;
angehören, und wenn sie diese Erklä-&lt;br /&gt;
rung samt ihren Fotografien in Zeitun-&lt;br /&gt;
gen mit weiter Verbreitung veröffentli-&lt;br /&gt;
chen, können sie ihre Arbeit für Ihre&lt;br /&gt;
Firma fortsetzen; andernfalls sind sie zu&lt;br /&gt;
entlassen. Die Frist dafür ist das Ende&lt;br /&gt;
des Shahrivar 1360«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl zum Parlament im Jahre&lt;br /&gt;
1980 warb ein Kandidat für die Majlis,&lt;br /&gt;
ein gewisser Rafii, damit, daß er im&lt;br /&gt;
Jahre 1949 einen Mordanschlag auf&lt;br /&gt;
einen Bahäi-Arzt in Kashan begangen&lt;br /&gt;
hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Rundschreiben des Erzie-&lt;br /&gt;
hungsministers, Muhammad Ali Rajafi,&lt;br /&gt;
wird die Entlassung aller Bahä’i-Lehrer&lt;br /&gt;
angeordnet, da diese »die Gedanken&lt;br /&gt;
unschuldiger Schüler verseuchen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tageszeitung »Djomhouri-Islami«&lt;br /&gt;
veröffentlichte eine Erklärung von drei&lt;br /&gt;
führenden Ayatollahs, wonach es nach&lt;br /&gt;
der Scharia verboten sei, Pensionen an&lt;br /&gt;
Bahá’í-Angehörige auszubezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erziehungsministerium teilte ein&lt;br /&gt;
Formblatt für alle Bahä’i-Kinder aus,&lt;br /&gt;
mit dem die Kinder aufgefordert wur-&lt;br /&gt;
den, ihre Religionszugehörigkeit und&lt;br /&gt;
die ihrer Familien anzugeben; das Form-&lt;br /&gt;
blatt stellt den Bahä’i-Kindern als letzte&lt;br /&gt;
Frage: »Seid ihr nun bereit, eurem Glau-&lt;br /&gt;
ben abzuschwören?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Bahäii-Schüler und -Studenten&lt;br /&gt;
werden aus ihren Schulen und Universi-&lt;br /&gt;
täten entlassen, weil sie Bahá’í sind. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
192 BAHATI-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitung »Keyhan« berichtete von der&lt;br /&gt;
Entlassung von 43 Studenten aus der&lt;br /&gt;
Universität Schiras aufgrund ihrer Mit-&lt;br /&gt;
gliedschaft in der virregeführten Bahä&#039;-&lt;br /&gt;
Gruppe«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeitung »Khabar-i-Junub« veröf-&lt;br /&gt;
fentlichte ein aufschlußreiches Inter-&lt;br /&gt;
view mit dem Vorsitzenden des islami-&lt;br /&gt;
schen Gerichtshofs von Schiraz,&lt;br /&gt;
Hujjatul-Islam-Qazai, kurz nachdem&lt;br /&gt;
dieser Todesurteile über 22 Bahá’í gefällt&lt;br /&gt;
hatte. Der Hujjatul-Islam rechtfertigt&lt;br /&gt;
diese Todesurteile mit folgenden, er-&lt;br /&gt;
schütternden Worten: »Die iranische&lt;br /&gt;
Nation hat sich in Übereinstimmung&lt;br /&gt;
mit den Lehren des Koran erhoben und&lt;br /&gt;
sich aufgemacht, die Herrschaft Gottes&lt;br /&gt;
auf Erden zu errichten. Daher kann sie&lt;br /&gt;
nicht die irregeleiteten Bahä’i akzeptie-&lt;br /&gt;
ren, die die Werkzeuge Satans und die&lt;br /&gt;
Anhänger des Teufels sind... Es ist ab-&lt;br /&gt;
solut sicher, daß es in der Islamischen&lt;br /&gt;
Republik Iran keinerlei Platz für die&lt;br /&gt;
Bahäi und den Bahäismus gibt...&lt;br /&gt;
Bevor es zu spät ist, sollten die Bahá’í&lt;br /&gt;
dem Bahäismus abschwören, der von&lt;br /&gt;
Verstand und Logik verdammt ist. An-&lt;br /&gt;
dernfalls wird bald der Tagkommen, da&lt;br /&gt;
die islamische Nation mit den Bahá’í so&lt;br /&gt;
verfahren wird, wie es ihren religiösen&lt;br /&gt;
Verpflichtungen entspricht... .«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als jüngstes Beispiel lege ich ein&lt;br /&gt;
Dokument vom 22. Juni 1985 vor. Mit&lt;br /&gt;
diesem Datum hat das Gericht von&lt;br /&gt;
Teheran folgenden Fall entschieden:&lt;br /&gt;
Während eines Verkehrsunfalls mit&lt;br /&gt;
einem Moslem war ein Bahá’í zu Tode&lt;br /&gt;
gekommen. Der Moslem wurde darauf-&lt;br /&gt;
hin des Totschlags angeklagt. Das Urteil&lt;br /&gt;
in diesem Strafverfahren lautete auf&lt;br /&gt;
Freispruch in bezug auf den Totschlag,&lt;br /&gt;
da das Opfer »ein Mitglied der irre-&lt;br /&gt;
geleiteten und irreführenden Bahä&#039;ı-&lt;br /&gt;
Gemeinde war und als ungeschützter&lt;br /&gt;
Ungläubiger betrachtet wird«; eine Ent-&lt;br /&gt;
schädigung gegenüber den Hinterblie-&lt;br /&gt;
benen des ums Leben gekommenen&lt;br /&gt;
Bahäi wurde ebenfalls abgelehnt, »da es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|193|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=35}}im islamischen Recht keine ausdrückli-&lt;br /&gt;
che Vorschriften über Schadensersatz&lt;br /&gt;
. gegenüber ungeschützten Ungläubigen&lt;br /&gt;
gibt«. Der Moslem wurde lediglich zu&lt;br /&gt;
3 Monaten Disziplinarstrafe verurteilt&lt;br /&gt;
wegen Verstoßes gegen die Straßenver-&lt;br /&gt;
kehrsvorschriften. Dieses Urteil ist das&lt;br /&gt;
jüngste und gleichzeitig erschütterndste&lt;br /&gt;
Beispiel für die Konsequenzen, die die&lt;br /&gt;
Nicht-Erwähnung der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
als schutzwürdige Minderheit in Artikel&lt;br /&gt;
13 der iranischen Landesverfassung&lt;br /&gt;
nach sich zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach all diesen Erfahrungen aus den&lt;br /&gt;
vergangenen Jahren müssen wir heute&lt;br /&gt;
unsere Befürchtung erneuern und be-&lt;br /&gt;
kräftigen, daß die Verfolgung der Bahäi&lt;br /&gt;
im Iran weder das Ergebnis von zufäl-&lt;br /&gt;
ligen, unkontrollierbaren Ausschrei-&lt;br /&gt;
tungen einzelner Bevölkerungsteile,&lt;br /&gt;
noch die nicht zu vermeidenden Begleit-&lt;br /&gt;
erscheinungen in den Anfängen einer&lt;br /&gt;
Revolution ist. Die Verfolgung der&lt;br /&gt;
Bahäi ist vielmehr systematisch von den&lt;br /&gt;
Verantwortlichen im Iran betrieben,&lt;br /&gt;
und in ihren jeweiligen Ausprägungen&lt;br /&gt;
Teil eines Drei-Stufen-Planes zur letzt-&lt;br /&gt;
lich vollständigen Vernichtung der&lt;br /&gt;
Glaubensform der Bahäi auf irani-&lt;br /&gt;
schem Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Systematische Beschlagnahme und&lt;br /&gt;
Zerstörung sämtlicher Bahä&#039;-Be-&lt;br /&gt;
sitztümer und -Vermögen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Systematische Hinrichtung oder&lt;br /&gt;
Inhaftierung der führenden Bahä&#039;ı;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Systematische Einschüchterung und&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Erdrosselung einzel-&lt;br /&gt;
ner Bahäi, um sie schließlich zum&lt;br /&gt;
Aufgeben oder Abschwören ihres&lt;br /&gt;
Glaubens zu zwingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sämtliche dieser drei Stufen sind von&lt;br /&gt;
1979 bis 1985 systematisch von den Ver-&lt;br /&gt;
antwortlichen im Iran durchschritten&lt;br /&gt;
worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
60% der seit 1979 hingerichteten&lt;br /&gt;
oder unbekannt verschleppten Bahäi&lt;br /&gt;
(bis heute 195) sind Mitglieder der&lt;br /&gt;
Bahäi-Geistigen Räte, der örtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder nationalen Führungsgremien der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, die bekanntlich kei-&lt;br /&gt;
nen Klerus kennt, sondern nach innen&lt;br /&gt;
und außen durch gewählte Gremien, die&lt;br /&gt;
Geistigen Räte, repräsentiert wird. Im&lt;br /&gt;
September 1983 wurde in der Zeitung&lt;br /&gt;
»Keyhan« das offizielle Verbot sämt-&lt;br /&gt;
licher Bahä’i-Gremien im Iran durch&lt;br /&gt;
Generalstaatsanwalt Siyyid Hossein&lt;br /&gt;
Moussavi-Tabrizi bekanntgegeben. Ge-&lt;br /&gt;
treu dem Prinzip des Gehorsams&lt;br /&gt;
gegenüber jeder Regierung, beschloß&lt;br /&gt;
der damalige Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
seine eigene sowie die Auflösung aller&lt;br /&gt;
ca. 450 örtlichen Geistigen Räte im Iran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis heute sind jedoch immer noch 767&lt;br /&gt;
Bahä’i, darunter Frauen und Kinder, teil-&lt;br /&gt;
weise seit Jahren ohne Anklage in Haft,&lt;br /&gt;
und wir haben allen Grund zu der Ge-&lt;br /&gt;
wißheit, daß auch diese Bahäi gefoltert&lt;br /&gt;
werden, um auf diese Weise ein öffentlich&lt;br /&gt;
verwertbares »Zeugnis des Abschwö-&lt;br /&gt;
rens« zu erhalten. Es sollte an dieser Stelle&lt;br /&gt;
daran erinnert werden, daß gleich zu Be-&lt;br /&gt;
ginn der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
die damaligen Mitglieder des Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rates, die inzwischen ver-&lt;br /&gt;
schleppt oder hingerichtet sind, mehrere&lt;br /&gt;
Versuche unternahmen, um mit der Re-&lt;br /&gt;
gierung und den Verantwortlichen in Ver-&lt;br /&gt;
handlungen zur Lösung der drängenden&lt;br /&gt;
Fragen zu kommen. Erst als diese Versu-&lt;br /&gt;
che scheiterten, hat die internationale&lt;br /&gt;
Bahäi-Gemeinde andere Wege suchen&lt;br /&gt;
müssen, um ihr Anliegen — die Freiheit&lt;br /&gt;
der Religionsausübung — vorzubringen&lt;br /&gt;
und weltweit deutlich zu machen. Es ist&lt;br /&gt;
ein grundlegendes Prinzip der Bahai-&lt;br /&gt;
Religion, sich nicht in aktuelle Tages-&lt;br /&gt;
politik einzumischen und loyal und&lt;br /&gt;
gehorsam zur jeweiligen Regierung zu&lt;br /&gt;
stehen, soweit nicht Grundlagen des&lt;br /&gt;
Glaubens erschüttert werden. Vergessen&lt;br /&gt;
ist heute, daß die iranische Bahaäi-&lt;br /&gt;
Gemeinde im Jahre 1975 als einzige Grup-&lt;br /&gt;
pierung im Iran es öffentlich ablehnte,&lt;br /&gt;
zur damaligen Einheitspartei des Schah&lt;br /&gt;
(Rastakhiz) überzutreten. Vergessen ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 193&lt;br /&gt;
{{page|194|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=36}}—n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß die Bahäi trotz all der Härten, die&lt;br /&gt;
sie seit 1979 im Iran erdulden, zu keinem&lt;br /&gt;
Zeitpunkt mit Gegengewalt geantwortet&lt;br /&gt;
haben. Die Politiker und Geistlichen&lt;br /&gt;
Irans wissen nur zu gut, daß derartiges&lt;br /&gt;
von der Bahä’i-Gemeinde niemals zu er-&lt;br /&gt;
warten sein wird. Die Bahä’i möchten&lt;br /&gt;
nur eins: in Frieden und Freiheit ihre Re-&lt;br /&gt;
ligion ausüben, eine Religion, die sie&lt;br /&gt;
dazu anhält, ihr Heimatland zu lieben,&lt;br /&gt;
für den Aufbau und die Ordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Staates einzustehen und in Erzie-&lt;br /&gt;
hung, Ausbildung und Beruf Hervorra-&lt;br /&gt;
gendes zu leisten. Die Bahá’í in Europa&lt;br /&gt;
können nicht verstehen, aus welchem&lt;br /&gt;
Grunde außer religiösem Fanatismus&lt;br /&gt;
eine Gruppierung wie die der Bahä’i im&lt;br /&gt;
Iran sowohl zu Zeiten des Schah wie&lt;br /&gt;
auch nun, leider in noch schlimmerer&lt;br /&gt;
Form, in der Islamischen Republik Iran&lt;br /&gt;
nicht geduldet, diskriminiert und als vo-&lt;br /&gt;
gelfrei erklärt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend schilderten zwei Zeugen ihre persönlichen Erlebnisse in iranischen&lt;br /&gt;
Gefängnissen und im iranischen Alltag — diskriminiert, inhaftiert und gefoltert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weil sie ihrem Glauben nicht abschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verkehret mit allen Religionen&lt;br /&gt;
in herzlicher Verbundenheit&lt;br /&gt;
und Eintracht,&lt;br /&gt;
auf daß sie Gottes süße Düfte&lt;br /&gt;
von euch einatmen.&lt;br /&gt;
Hütet euch,&lt;br /&gt;
daß euch im Umgang mit den Menschen&lt;br /&gt;
nicht die Flamme törichter Unwissenheit überwältige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles kommt von Gott&lt;br /&gt;
und alles kehrt zu Ihm zurück.&lt;br /&gt;
Er ist aller Dinge Ursprung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und in Ihm haben alle Dinge&lt;br /&gt;
ihr Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha&#039;ullah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kitäab-i-Agdas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
194 BAHATI-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
{{page|195|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Dokument religiöser Verfolgung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahad&#039;t im Iran. Dokumentation der Verfolgung einer religiösen Minderheit, 4. über-&lt;br /&gt;
arbeitete und ergänzte Auflage, Baha&#039;t-Verlag, November 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Gemeinde ist mit rund 300.000&lt;br /&gt;
Mitgliedern die größte religiöse Minder-&lt;br /&gt;
heit im Iran. Seit Beginn der Islamischen&lt;br /&gt;
Revolution im Jahre 1978 sind die Bahäii&lt;br /&gt;
dort erneut schwersten Verfolgungen aus-&lt;br /&gt;
gesetzt. Diese dauern nun schon über sie-&lt;br /&gt;
ben Jahre, und ein Ende ist nicht in Sicht.&lt;br /&gt;
Um die Leiden und Opfer, aber auch die&lt;br /&gt;
Standhaftigkeit und Seelenstärke dieser&lt;br /&gt;
Menschen einer breiten Öffentlichkeit zu-&lt;br /&gt;
gänglich zu machen, hat der Nationale&lt;br /&gt;
Geistige Rat der Bahäi in Deutschland&lt;br /&gt;
Ende letzten Jahres eine überarbeitete und&lt;br /&gt;
ergänzte Neuauflage der Dokumentation&lt;br /&gt;
über diese Verfolgungen herausgebracht.&lt;br /&gt;
Diese 164 Seiten umfassende Dokumenta-&lt;br /&gt;
tion kann für sich in Anspruch nehmen,&lt;br /&gt;
im deutschsprachigen Raum die seither&lt;br /&gt;
umfassendste und ausführlichste ihrer Art&lt;br /&gt;
zu sein. Man war bemüht, das Thema der&lt;br /&gt;
Bahäi-Verfolgungen mit all seinen Aspek-&lt;br /&gt;
ten systematisch und sachlich darzustellen&lt;br /&gt;
— ein Versuch, den man sicherlich als ge-&lt;br /&gt;
lungen betrachten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst werden die Hintergründe der&lt;br /&gt;
Verfolgungen beleuchtet: Das exklusive,&lt;br /&gt;
jede weitere Offenbarung nach Muham-&lt;br /&gt;
mad ausschließende Verständnis des&lt;br /&gt;
Qurän; jeder Offenbarungsanspruch&lt;br /&gt;
nach ihm ist Häresie. Der Bahá’í-Glaube&lt;br /&gt;
wird folglich nicht als Religion anerkannt&lt;br /&gt;
sondern als Gotteslästerung verfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf aufbauend wird die systemati-&lt;br /&gt;
sche Vorgehensweise der iranischen&lt;br /&gt;
Machthaber geschildert. Die Maßnah-&lt;br /&gt;
men lassen sich nach drei Schwerpunkten&lt;br /&gt;
gliedern, wobei die beiden ersten darauf&lt;br /&gt;
abzielen, die Gemeinde zu schwächen und&lt;br /&gt;
den einzelnen Bahä’i den Rückhalt in der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft zu nehmen: 1. Ein gezieltes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorgehen gegen die führenden Mitglieder&lt;br /&gt;
der Gemeinde durch Verhaftung, Hinrich-&lt;br /&gt;
tung und Mord. 2. Enteignung und Zer-&lt;br /&gt;
störung von Gemeindebesitz, Verbot aller&lt;br /&gt;
Verwaltungskörperschaften, sozialen Ein-&lt;br /&gt;
richtungen und religiösen Zusammen-&lt;br /&gt;
künfte. 3. Extremer wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Druck und tagtäglicher Terror, von büro-&lt;br /&gt;
kratischen Schikanen bis zu Folter und&lt;br /&gt;
Tod, gegen die Masse der Gläubigen, um&lt;br /&gt;
sie zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwin-&lt;br /&gt;
gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausführliches Bildmaterial und die&lt;br /&gt;
Schilderung einiger Einzelschicksale füh-&lt;br /&gt;
ren dem Leser die Opfer dieser Verbrechen&lt;br /&gt;
vor Augen und belegen die Zerstörungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beitrag über die Verfassung der Isla-&lt;br /&gt;
mischen Republik Iran erhellt das Bemü-&lt;br /&gt;
hen der Machthaber, die Verfolgungen zu&lt;br /&gt;
legitimieren. Die Anschuldigungen gegen&lt;br /&gt;
die Bahäi werden dargestellt und es wird&lt;br /&gt;
dazu Stellung genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem weiteren Kapitel wird die Ge-&lt;br /&gt;
schichte der Verfolgungen der Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion vom Jahre 1844 bis zum Beginn&lt;br /&gt;
der Islamischen Revolution dargestellt.&lt;br /&gt;
Dabei wird deutlich, daß die Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinde schon immer der Willkür und&lt;br /&gt;
dem politischen Kalkül der religiösen und&lt;br /&gt;
weltlichen Machthaber Irans ausgesetzt&lt;br /&gt;
war. Die heutige Verfolgung, deren Au-&lt;br /&gt;
genzeugen wir sind, stellt nur eine Fortset-&lt;br /&gt;
zung dieser wechselvollen Leidensge-&lt;br /&gt;
schichte dar. Es gibt jedoch einen entschei-&lt;br /&gt;
denden und in sich hoffnungsvollen&lt;br /&gt;
neuen Aspekt: Durch die weltweite Aus-&lt;br /&gt;
breitung der Bahä’i-Gemeinden in den&lt;br /&gt;
letzten Jahrzehnten in 207 Ländern und&lt;br /&gt;
abhängigen Gebieten dieses Erdballs sind&lt;br /&gt;
die Bahä’i außerhalb Irans zahlreicher und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 51 APRIL 1986 195&lt;br /&gt;
{{page|196|file=Baha&#039;i_Briefe_51.pdf|page=38}}bekannter geworden. Siehaben überall an&lt;br /&gt;
das Gewissen der Weltöffentlichkeit, an&lt;br /&gt;
die Menschenrechtsorganisationen und&lt;br /&gt;
die Staatsmänner appelliert und dadurch&lt;br /&gt;
die Aufmerksamkeit auf ihre verfolgten&lt;br /&gt;
Glaubensbrüder und -schwestern lenken&lt;br /&gt;
können. Dies hat zu einem Druck auf die&lt;br /&gt;
Machthaber im Iran geführt, der bis jetzt&lt;br /&gt;
noch Schlimmeres verhindern half. Es ist&lt;br /&gt;
nicht mehr möglich, ungesehen und unbe-&lt;br /&gt;
achtet eine unliebsame religiöse Minder-&lt;br /&gt;
heit zu beseitigen, wie es die Machthaber&lt;br /&gt;
im Iran sich vorgestellt hatten. Diese inter-&lt;br /&gt;
nationalen Proteste, Resolutionen und&lt;br /&gt;
Appelle werden in einem weiteren Kapitel&lt;br /&gt;
dargestellt und im Anhang ausführlich&lt;br /&gt;
dokumentiert. Presseberichte aus deut-&lt;br /&gt;
schen Zeitungen und Zeitschriften bezeu-&lt;br /&gt;
gen die Aufmerksamkeit, die den Verfol-&lt;br /&gt;
gungen in der Öffentlichkeit bereits entge-&lt;br /&gt;
gengebracht wurde. Auch werden&lt;br /&gt;
Dokumente iranischer Behörden, die den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zerstörter Bahá’í-Friedhof in Schiras&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
196 BAHA’I-BRIEFE 51 APRIL 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationales Bahä’i-Zentrum, Teheran, nach&lt;br /&gt;
der Beschlagnahme durch Revolutionsgardi-&lt;br /&gt;
sten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
religiösen Charakter der Verfolgungen be-&lt;br /&gt;
legen, in Faksimile und Übersetzung abge-&lt;br /&gt;
druckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine kurze Darstellung über Lehren,&lt;br /&gt;
Ziele und Entwicklung der Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion, eine chronologische Übersicht&lt;br /&gt;
der Daten und Fakten der Verfolgungen&lt;br /&gt;
(über dreizehn Seiten!) und eine Liste der&lt;br /&gt;
seit 1978 im Iran ermordeten Bahá’í run-&lt;br /&gt;
den die Dokumentation ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich hierbei gewiß um einen&lt;br /&gt;
gelungenen Beitrag, um sowohl den inter-&lt;br /&gt;
essierten Zeitgenossen als auch den enga-&lt;br /&gt;
gierten Menschenrechtler und Politiker&lt;br /&gt;
mit Hintergrundinformationen über das&lt;br /&gt;
Geschehen im Iran zu versehen, die ihn ge-&lt;br /&gt;
gebenenfalls in die Lage versetzen, geziel-&lt;br /&gt;
ter für die Rechte dieser verfolgten religiö-&lt;br /&gt;
sen Minderheit einzutreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_50/Text&amp;diff=75348</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 50/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:11:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|115|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=1}}{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHALBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERT () 14. JAHRGANG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ADELBERT MÜHLSCHLEGEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE EINHEIT GOTTES&lt;br /&gt;
UND SEINER PROPHETEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ALESSANDRO BAUSANI&lt;br /&gt;
FRIEDEN, FORTSCHRITT&lt;br /&gt;
UND POLITISCHE ETHIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ULRICH GOLLMER&lt;br /&gt;
DER LANGE WEG&lt;br /&gt;
ZUM GRÖSSTEN FRIEDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
{{page|116|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=2}}Die Bahä’i-Briefe wollen eine intensive Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung mit den Lehren und der&lt;br /&gt;
Geschichte der Baha’i-Religion fördern und&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich&lt;br /&gt;
auf der Grundlage zeitgemäßen religiösen&lt;br /&gt;
Denkens aufrichtig um die Lösung der Welt-&lt;br /&gt;
probleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAHBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 50, Oktober 1985&lt;br /&gt;
14. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adelbert Mühlschlegel&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
und Seiner Propheten 118&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alessandro Bausani&lt;br /&gt;
Frieden, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und politische Ethik 123&lt;br /&gt;
Ulrich Gollmer&lt;br /&gt;
Der lange Weg&lt;br /&gt;
zum Größten Frieden 128&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in Deutschland e.V,,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Ulrich Gollmer, Hans&lt;br /&gt;
Günther Randau, Christopher Sprung, Karl Türke jun. Redaktionsanschrift:&lt;br /&gt;
Bahá’í-Briefe, Redaktion, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6. Nament-&lt;br /&gt;
lich gezeichnete Beiträge stellen nicht notwendig die Meinung der Redaktion&lt;br /&gt;
oder des Herausgebers dar. Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abon-&lt;br /&gt;
nementpreis für vier Ausgaben 20,— DM. Einzelpreis 6-— DM. Vertrieb und&lt;br /&gt;
Bestellungen: Bahá’í-Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
{{page|117|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=3}}40 JAHRE VEREINTE NATIONEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 24. Oktober 1945 trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft. In ihrer&lt;br /&gt;
Präambel erklärten die Unterzeichnerstaaten — unverkennbar unter dem Ein-&lt;br /&gt;
durck des Zweiten Weltkriegs — ihre Entschlossenheit, »künftige Geschlechter&lt;br /&gt;
vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten&lt;br /&gt;
unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Vereinten Nationen war nach dem Scheitern des Völkerbundes&lt;br /&gt;
erneut eine Weltorganisation geschaffen, die sich die Friedensbewahrung zum&lt;br /&gt;
obersten Ziel setzt. Artikel 1 der Charta nennt an erster Stelle die Aufgabe, »den&lt;br /&gt;
Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck&lt;br /&gt;
wirksame Kollektirmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu&lt;br /&gt;
verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu&lt;br /&gt;
unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem&lt;br /&gt;
Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz partieller Erfolge sind wir heute von der Einlösung dieser Ziele noch&lt;br /&gt;
weit entfernt. Es ist daher nur folgerichtig, daß am vierzigsten Jahrestag der Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen das »Internationale Jahr des Friedens« zur Bekräftigung dieser&lt;br /&gt;
vordringlichen Zielsetzung proklamiert wird. Kein Anlaß für Feiern und Feste:&lt;br /&gt;
In unserer unfriedlichen Welt ruft das »Jahr des Friedens« eindringlich zur Ver-&lt;br /&gt;
wirklichung der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen. Es soll, nach&lt;br /&gt;
den Worten des UN-Generalsekretärs, die Vereinten Nationen, ihre Mitglied-&lt;br /&gt;
staaten, die internationalen nichtstaatlichen Organisationen und die Medien&lt;br /&gt;
veranlassen, eindringlich den Frieden und alle Möglichkeiten friedlicher Kon-&lt;br /&gt;
fliktlösung zu fördern. Es soll die Mitgliedstaaten an die Verpflichtung erinnern,&lt;br /&gt;
die sie mit der Unterzeichnung der Charta eingegangen sind. Es soll dazu beitra-&lt;br /&gt;
gen, daß der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in »seiner Hauptaufgabe,&lt;br /&gt;
der Erhaltung von Frieden und Sicherheit«, gestärkt wird. Es soll dazu dienen,&lt;br /&gt;
daß die Welt sich gemeinsam auf Grundvoraussetzungen des Friedens konzen-&lt;br /&gt;
triert, auf Abrüstung, die Einhaltung der Menschenrechte, auf internationale&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit, Entwicklung und sozialen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi-Gemeinden der Welt werden die Ziele dieses Jahres nach Kräften&lt;br /&gt;
unterstützen. Ineiner Stellungnahme auf dem europäischen regionalen Seminar&lt;br /&gt;
zum Jahr des Friedens (6. — 10. Mai 1985 in Wien) stellt die Internationale&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde, die Vertretung der Bahäi-Weltgemeinde bei den Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen, fest: »Wenn das Internationale Jahr des Friedens zu Vorhaben ermuti-&lt;br /&gt;
gen kann, die ein Bewußtsein der Interdependenz und der organischen Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit stärken, so wird es damit Bedingungen wachsen lassen, in&lt;br /&gt;
denen Frieden möglich wird.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|118|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=4}}Adelbert Mühlschlegel&lt;br /&gt;
DIE EINHEIT GOTTES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UND SEINER PROPHETEN*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr geehrter Herr Pastor!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank für Ihren inhaltsrei-&lt;br /&gt;
chen Brief. Die Schwierigkeiten beim&lt;br /&gt;
Auftreten eines neuen ganz Großen sind&lt;br /&gt;
in der ganzen Religionsgeschichte&lt;br /&gt;
grundsätzlich die gleichen; sie liegen&lt;br /&gt;
vorwiegend im einzelnen Menschen, so-&lt;br /&gt;
dann in den religiösen Traditionen und&lt;br /&gt;
Dogmen, am wenigsten in allen sonsti-&lt;br /&gt;
gen Verhältnissen. Dabei hat es der&lt;br /&gt;
Christ besonders schwer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Unbehagen, wenn man um-&lt;br /&gt;
lernen soll. Auch gibt es so viele falsche&lt;br /&gt;
Propheten und Wirrköpfe in der Welt.&lt;br /&gt;
Aber das »metanoeite«! ist eben uner-&lt;br /&gt;
läßlich. Und dazu muß der Christ allein&lt;br /&gt;
von Jesus ausgehen, nicht von der Kir-&lt;br /&gt;
che oder dem Christentum und nicht&lt;br /&gt;
vom Mythos mit der Vergottung. Leider&lt;br /&gt;
weiß man von Jesus so wenig: etwa 20&lt;br /&gt;
Buchseiten Seiner eigenen Worte, und&lt;br /&gt;
diese nicht von Ihm geschrieben, son-&lt;br /&gt;
dern nacherzählt nach Jahrzehnten der&lt;br /&gt;
Überlieferung. (Wie anders stehen die&lt;br /&gt;
übrigen Hochreligionen da!) Und dieser&lt;br /&gt;
spärliche Bericht wurde dann von Hie-&lt;br /&gt;
ronymus zusammengestellt, so gut es&lt;br /&gt;
ging, und in andere, plumpere Sprachen&lt;br /&gt;
übersetzt, wobei fast gleich viele apo-&lt;br /&gt;
kryphe Worte Jesu, zu recht oder zu un-&lt;br /&gt;
recht, unter den Tisch fielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen eigenen Aussprüchen&lt;br /&gt;
bezeichnet Jesus als das höchste und&lt;br /&gt;
vornehmste Gebot: Gott und den Näch-&lt;br /&gt;
sten zu lieben und zwar ganz — was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1,Kehret um«, »tut Buße«, vgl. Matthäus 3:2, 4:17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meist übersehen wird — mit Herz, Seele&lt;br /&gt;
und Denken ( »synnoia«, nicht »Gemüt«&lt;br /&gt;
wie bei Luther!). Das heißt, wenn Ver-&lt;br /&gt;
stand und Gefühl einem echten Christen&lt;br /&gt;
andeuten, daß hier, mit Bahä’u’lläh, eine&lt;br /&gt;
neue Willensäußerung des Allein- und&lt;br /&gt;
Ganz-Geliebten geschehen sein könnte,&lt;br /&gt;
müßte sein Herz jubeln; seine Seele&lt;br /&gt;
müßte sich im Glauben an Gottes Füh-&lt;br /&gt;
rung und Liebe öffnen, er müßte die&lt;br /&gt;
neue Botschaft eifrig studieren und&lt;br /&gt;
durchdenken. Dabei dürfte er keine alt-&lt;br /&gt;
hergebrachten Maßstäbe anlegen, son-&lt;br /&gt;
dern müßte sich an dem orientieren,&lt;br /&gt;
was Liebe, Gebet und Meditation ihm&lt;br /&gt;
eingeben. Was das Material angeht, hat&lt;br /&gt;
der Sucher in der Bahä’i-Religion nicht&lt;br /&gt;
20, sondern rund 8000 verifizierte Seiten&lt;br /&gt;
»Wort Gottes« zur Verfügung. Auch see-&lt;br /&gt;
lisch betrachtet, dürfte ihm kaum etwas&lt;br /&gt;
im Wege stehen, denn in den letzten 120&lt;br /&gt;
Jahren ist noch jeder wahre Bahá’í Chri-&lt;br /&gt;
stus unendlich viel näher gekommen,&lt;br /&gt;
als er Ihm vor seinem Eintreten für&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah war. Nur vor dem gedankli-&lt;br /&gt;
chen Erfassen erhebt sich die herge-&lt;br /&gt;
brachte Theologie wie eine Barriere.&lt;br /&gt;
Der Christ, der ja Jesus näher kommen&lt;br /&gt;
will, hat ständig das Wort vor sich: »Es&lt;br /&gt;
werden zu Mir kommen nicht, die da sa-&lt;br /&gt;
gen Herr, Herr, sondern die den Willen&lt;br /&gt;
tun Meines Vaters im Himmel.« Es war&lt;br /&gt;
immer falsch, das Auftreten eines neuen&lt;br /&gt;
Gottgesandten mit den Maßstäben der&lt;br /&gt;
vorhandenen Traditionen und Dogmen&lt;br /&gt;
zu messen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gottgesandten oder — wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäu’llah sich ausdrückt — Manife-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dr. Adelbert Mühlschlegel (1897-1980), Arzt mit breiten historischen, philosophi-&lt;br /&gt;
schen und religionswissenschaftlichen Interessen, 1952 zur »Hand der Sache Got-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tes« ernannt, schrieb 1967 diesen Brief an einen protestantischen Theologen. Erst-&lt;br /&gt;
veröffentlichung in Bahá’í-Briefe 29, 1967, 5, 736-740.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
118 BAHÄT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
{{page|119|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=5}}stationen Gottes sind die Begründer der&lt;br /&gt;
geschichtlichen Hochreligionen und&lt;br /&gt;
nach den Bahá’í-Lehren jeweils die Her-&lt;br /&gt;
ren des Zeitalters. Wir wollen uns auf&lt;br /&gt;
diesen Begriff der »Manifestation Got-&lt;br /&gt;
tes« einigen, im Unterschied zum Aus-&lt;br /&gt;
druck »Prophet«, der im Westen einen&lt;br /&gt;
Weissager oder im engeren Sinn eine der&lt;br /&gt;
tragenden Gestalten des Alten Testa-&lt;br /&gt;
ments bedeutet, aber auch im Unter-&lt;br /&gt;
schied zum Begriff »Offenbarer«, was&lt;br /&gt;
sowohl »Manifestation Gottes« als auch&lt;br /&gt;
»Prophet« umfassen kann, oder zum&lt;br /&gt;
»Sohn Gottes«, bei dem die Christen ein&lt;br /&gt;
einmaliges Geschehnis unterstellen.&lt;br /&gt;
Religion ist eine Verbindung des&lt;br /&gt;
Göttlichen mit dem Irdischen, die dem&lt;br /&gt;
menschlichen Leben Sinn und Ziel gibt.&lt;br /&gt;
Dazu bedarf es fünf Elemente, die alle&lt;br /&gt;
Hochreligionen mehr oder weniger&lt;br /&gt;
aufweisen:&lt;br /&gt;
1. Gott,&lt;br /&gt;
2. der Mittler,&lt;br /&gt;
3. die Wandlung des einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen,&lt;br /&gt;
4. die Lehren,&lt;br /&gt;
5. Gesetz und Ordnung;&lt;br /&gt;
denn bis in die Bereiche des menschli-&lt;br /&gt;
chen Lebens soll sich ja Gottes Wille und&lt;br /&gt;
Sein »Reich auf Erden« auswirken. Gott&lt;br /&gt;
(1) ist ewig gleich, unfaßbar. Die Mittler&lt;br /&gt;
(2) wirken als Heilande, wie es die Nöte&lt;br /&gt;
erfordern und die Fassungskraft der&lt;br /&gt;
Menschen erlaubt; jeder könnte mehr&lt;br /&gt;
sagen, aber »wir können’s noch nicht&lt;br /&gt;
tragen«. Der Mensch (3) als einer, der&lt;br /&gt;
sich wandeln soll — die Christen nen-&lt;br /&gt;
nen diesen Vorgang »Erlösung« — ist&lt;br /&gt;
eingebettet in Kulturen und Zeitalter,&lt;br /&gt;
die verschiedene Tugenden und Ziele&lt;br /&gt;
haben; so unterscheiden sich die Wir-&lt;br /&gt;
kungsweisen der Mittler (2) nach den&lt;br /&gt;
orts- und zeitgebundenen Verhältnissen&lt;br /&gt;
ein wenig voneinander: Ihre Lehren (4)&lt;br /&gt;
weichen in den Einzelheiten scheinbar&lt;br /&gt;
voneinander ab; Gesetze und Ordnun-&lt;br /&gt;
gen (5), auf die materiellen Gegebenhei-&lt;br /&gt;
ten bezogen und für jedermann verbind-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich, widersprechen einander bisweilen&lt;br /&gt;
sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Entwicklungsbedingtheit des&lt;br /&gt;
Menschen und seiner sozialen Struktu-&lt;br /&gt;
ren (3—5) ergibt sich zwingend, daß&lt;br /&gt;
immer neue Manifestationen Gottes als&lt;br /&gt;
Mittler (2) für die Menschheit auftreten&lt;br /&gt;
müssen. Daß »das Kreuz« alle weiteren&lt;br /&gt;
Offenbarungen erübrige, ist eine theo-&lt;br /&gt;
logische Konstruktion, die sich nicht&lt;br /&gt;
weiter als bis zu Paulus zurück verfolgen&lt;br /&gt;
läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Manifestationen Gottes reden je&lt;br /&gt;
nach der Gelegenheit von verschiedenen&lt;br /&gt;
Stufen aus: manchmal nur als »Men-&lt;br /&gt;
schen« über zeitliche Dinge, manchmal&lt;br /&gt;
»aus Gott«, und dann meist ewig Gülti-&lt;br /&gt;
ges; aber immer ist es die Wahrheit. Daß&lt;br /&gt;
Jesus sagte: »Der Vater und Ich sind&lt;br /&gt;
eines« oder »Wer Mich siehet, der siehet&lt;br /&gt;
den Vater«, ist keine Unterlage für das&lt;br /&gt;
Irinitätsdogma. Es ist eher begreiflich&lt;br /&gt;
durch das Gleichnis von der Sonne im&lt;br /&gt;
Spiegel, das Bahä’u&#039;lläh oft gebraucht.&lt;br /&gt;
Auch die anderen Manifestationen Got-&lt;br /&gt;
tes drücken sich ähnlich aus, nur ver-&lt;br /&gt;
wenden sie nicht das Wort »Vater« und&lt;br /&gt;
nur selten den Begriff »Sohn«. Gegen die&lt;br /&gt;
Trinität sprechen auch Äußerungen Jesu&lt;br /&gt;
wie: »Wann dies aber geschieht, wissen&lt;br /&gt;
weder die Engel des Himmels, noch der&lt;br /&gt;
Sohn, sondern allein der Vater«, oder&lt;br /&gt;
der Gethsemane-Konflikt, oder der&lt;br /&gt;
Aufschrei am Kreuz »Warum hast Du&lt;br /&gt;
Mich verlassen?«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben keine Ver-&lt;br /&gt;
gleichsmaßstäbe für die »Größe« der&lt;br /&gt;
Manifestationen Gottes; wir sind sozu-&lt;br /&gt;
sagen wie kleine Jungen, die sich um die&lt;br /&gt;
Größe ihrer Väter streiten. Wir sehen&lt;br /&gt;
nicht über Merkmale und Äußerlichkei-&lt;br /&gt;
ten hinaus; aber dabei handelt es sich&lt;br /&gt;
nicht um Rangabzeichen, sondern&lt;br /&gt;
gleichsam um Strahlungskegel gleich-&lt;br /&gt;
starker Lampen, die verschiedenartige&lt;br /&gt;
Lampenschirme haben. So kommen wir&lt;br /&gt;
zu falschen Begriffen von historischer&lt;br /&gt;
Größe und messen nach erfüllten Pro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|120|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
phezeiungen, die wirnach unserem Sinn&lt;br /&gt;
oder nach den Maßstäben unserer Kir-&lt;br /&gt;
che auslegen. Dies führt zu tragischen&lt;br /&gt;
Fehlentwicklungen, wenn unser For-&lt;br /&gt;
schen nach Wahrheit nicht von dem&lt;br /&gt;
höchsten Gebot Jesu, der ganzen Liebe&lt;br /&gt;
zu Gott und zum Nächsten, geleitet&lt;br /&gt;
wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh spricht von Jesus mit be-&lt;br /&gt;
sonderer Liebe und Verehrung; Er sagt,&lt;br /&gt;
daß durch den Opfertod Christi Kräfte&lt;br /&gt;
ausgelöst worden sind, die sich in allen&lt;br /&gt;
Menschen der Erde dartun und die&lt;br /&gt;
menschliche Kultur maßgeblich beein-&lt;br /&gt;
flussen. Aber diese Zeichen, wenngleich&lt;br /&gt;
sie weit über menschliches Begreifen&lt;br /&gt;
hinausgehen, sind kein Beweis für die&lt;br /&gt;
Einmaligkeit der Stellung Jesu. Auch&lt;br /&gt;
Wunder sind dies nicht. Manche Wun-&lt;br /&gt;
der — nach den Bahä’i-Lehren z.B. die&lt;br /&gt;
Auferstehung Jesu — sind als erhabene&lt;br /&gt;
Symbole zu verstehen. Andere Wunder&lt;br /&gt;
oder Visionen sind Erlebnisse von Mas-&lt;br /&gt;
sensuggestion; wieder andere lassen&lt;br /&gt;
sich tiefenpsychologisch erklären und&lt;br /&gt;
sind mit den menschlichen Begrenzthei-&lt;br /&gt;
ten der jeweiligen Medien behaftet. Nie&lt;br /&gt;
darf ein Christ Jesus Seiner Wunder we-&lt;br /&gt;
gen eine einmalige Stufe beimessen; dies&lt;br /&gt;
entspräche dem Niveau des tibetischen&lt;br /&gt;
Tantrismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Manifestation Gottes bestätigt&lt;br /&gt;
die Stufe der vorhergegangenen Offen-&lt;br /&gt;
barung und erfüllt deren Sendung, ob-&lt;br /&gt;
wohl sie in den Fragen der Wandlung&lt;br /&gt;
(3), der Lehre (4) und der Ordnung (5)&lt;br /&gt;
Neues bringt und Altes abschafft. Be-&lt;br /&gt;
sonders deutlich wird dies bei Jesus in&lt;br /&gt;
der Bergpredigt: »Ihr habt gehört, daß&lt;br /&gt;
zu den Alten gesagt ward ...; Ich aber sa-&lt;br /&gt;
ge euch ....«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis hierher besteht noch kein tiefgrei-&lt;br /&gt;
fender Unterschied zwischen den Leh-&lt;br /&gt;
ren Bahäu’lliähs und den modernen&lt;br /&gt;
Richtungen der christlichen Theologie,&lt;br /&gt;
abgesehen davon, daß die letzteren in&lt;br /&gt;
ihren Aussagen auf die Bibel begrenzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 BAHA’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bleiben. Aber kommen wir zu dem, was&lt;br /&gt;
die ganze nichtchristliche Menschheit&lt;br /&gt;
der Kirche vorzuwerfen hat: daß sie&lt;br /&gt;
»vollkommen die Welt zugeschlossen&lt;br /&gt;
und, wie die alten messtanischen Hoff-&lt;br /&gt;
nungen, so die Apokalypse selber unter-&lt;br /&gt;
schlagen oder vermittelst des Pfingst-&lt;br /&gt;
festes zu einer bloßen universalen Wie-&lt;br /&gt;
derholungsszene und Tautologie des be-&lt;br /&gt;
reits Geschehenen abgeschwächt hat«&lt;br /&gt;
(Ernst Bloch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Heilige Geist seit Pfingsten&lt;br /&gt;
bei der Kirche geblieben und weiter&lt;br /&gt;
maßgebend gewesen sein sollte alseiner,&lt;br /&gt;
der »in alle Wahrheit leitet«, ist ein arges&lt;br /&gt;
Stück. Dieser »Geist der Wahrheit« wird&lt;br /&gt;
ja nach den Worten Jesu »nicht von sich&lt;br /&gt;
selber reden, sondern was er hören&lt;br /&gt;
wird, das wird er reden«, also wie bei Je-&lt;br /&gt;
sus selbst, »was der Vater Ihm eingibt«&lt;br /&gt;
— und dies weit eher ein Hinweis auf die&lt;br /&gt;
nächstfolgende Manifestation Gottes&lt;br /&gt;
als auf einen anonymen Pfingstgeist.&lt;br /&gt;
Daß der Heilige Geist in den Aposteln&lt;br /&gt;
wirksam gewesen wäre, anerkennen wir&lt;br /&gt;
Bahä’i nur bedingt. Sie mögen zeitweise&lt;br /&gt;
vom Geist beseelt gewesen sein, aber sie&lt;br /&gt;
hatten deshalb nicht die Stufe einer All-&lt;br /&gt;
gegenwart des Heiligen Geistes erlangt.&lt;br /&gt;
Paulus war nicht das Wort Gottes, auch&lt;br /&gt;
wenn er, wie ich vor 50 Jahren als Kon-&lt;br /&gt;
firmand heimlich feststellte, von den&lt;br /&gt;
Kanzeln herab fast dreimal so oft zitiert&lt;br /&gt;
wird wie Jesus. Er war vielleicht nach&lt;br /&gt;
Jesus die bedeutendste Gestalt im Chri-&lt;br /&gt;
stentum, aber wenn er nach seinem&lt;br /&gt;
Damaskus-Schock das »Skandalon« als&lt;br /&gt;
die »zentrale Aussage des Neuen lesta-&lt;br /&gt;
ments einführte«, vermischte er auf der&lt;br /&gt;
ihm eigenen Ebene eines Eiferers das&lt;br /&gt;
Neue, das ihn überwältigt hatte, mit sei-&lt;br /&gt;
nem individuellen Erleben und mit sei-&lt;br /&gt;
nem Verständnis des Zeitgeists. Was&lt;br /&gt;
wußte er von Zarathustra, Laotse oder&lt;br /&gt;
Buddha, was von der Unermeßlichkeit&lt;br /&gt;
des Universums, als er die groteske Idee&lt;br /&gt;
formulierte, der unendliche Gott habe&lt;br /&gt;
einen Sohn, den Er auf dieses Staubkorn&lt;br /&gt;
{{page|121|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=7}}von einem Planeten herabgesandt habe,&lt;br /&gt;
um die dort befindliche Menschheit zu&lt;br /&gt;
erlösen, und damit sei ein für allemal&lt;br /&gt;
Schluß mit allen weiteren Offenbarun-&lt;br /&gt;
gen, die ja nicht mehr nötig seien?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Konto von Paulus geht auch&lt;br /&gt;
das unentwickelte Verhältnis der christ-&lt;br /&gt;
lichen Religion zu Ordnung und Gesetz&lt;br /&gt;
(5). Seine neurotische Reaktion auf frü-&lt;br /&gt;
heres, eiferndes Pharisäertum — wis-&lt;br /&gt;
senschaftlich Enantiodromie — schlug&lt;br /&gt;
um in eine Unterbewertung des Geset-&lt;br /&gt;
zes. So waren die Christen seit dem&lt;br /&gt;
Apostelkonzil eben römische Bürger;&lt;br /&gt;
selbst der Kaiser Konstantin führte das&lt;br /&gt;
Corpus juris weiter, und es blieb das Ne-&lt;br /&gt;
beneinander von kirchlicher und weltli-&lt;br /&gt;
cher Gewalt bis auf den heutigen Tag;&lt;br /&gt;
der geoffenbarte Wille Gottes konnte&lt;br /&gt;
nicht im Gesetz seinen Ausdruck fin-&lt;br /&gt;
den, wie es — wenngleich begrenzt —&lt;br /&gt;
im Brahmanismus, im Mosaismus und&lt;br /&gt;
im Islam geschah. Stattdessen öffnete&lt;br /&gt;
sich das Christentum den Einflüssen&lt;br /&gt;
orientalischer und hellenistischer My-&lt;br /&gt;
sterien, vor allem der bereits im Hera-&lt;br /&gt;
kleskult gegebenen Vorstellung der Er-&lt;br /&gt;
lösung durch die Opferleistungen eines&lt;br /&gt;
Gottessohnes, in geringerem Maße auch&lt;br /&gt;
der Gnostik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad, selbst von »gebildeten«&lt;br /&gt;
Abendländern dank einseitiger Erzie-&lt;br /&gt;
hung heute noch verkannt, hätte dem&lt;br /&gt;
damals schon so kranken Christentum&lt;br /&gt;
bringen können, was es brauchte: einen&lt;br /&gt;
sauberen, absoluten Gottesbegriff, eine&lt;br /&gt;
Fülle von zuverlässigerem »Wort Got-&lt;br /&gt;
tes«, als Lehraussage so gut wie als prak-&lt;br /&gt;
tische Gesetzesnorm, die Einheit von&lt;br /&gt;
Religion und Staat, geprägt durch das&lt;br /&gt;
Beispiel des staatsmännisch wirkenden&lt;br /&gt;
Offenbarers, die Einheit der Sprache,&lt;br /&gt;
die Einheit und Gleichheit eines jeden&lt;br /&gt;
vor Gott. Sofort war allerdings auch der&lt;br /&gt;
Islam verdorben und über der Nachfol-&lt;br /&gt;
gefrage gespalten. Zwischen den beiden&lt;br /&gt;
großen Religionen häuften sich die Vor-&lt;br /&gt;
urteile, oft mit lächerlichen Anschuldi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gungen — eine weltgeschichtliche&lt;br /&gt;
Tragödie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es aber nicht vermag, durch die&lt;br /&gt;
»ganze« Liebe zu Gott und Seiner Wahr-&lt;br /&gt;
heit den Dschungel der Theologie zu&lt;br /&gt;
durchdringen, für den gibt es ja in dem&lt;br /&gt;
herrlichen Jesuswort vom höchsten Ge-&lt;br /&gt;
bot noch den zweiten Satz: »Das andere&lt;br /&gt;
aber ist dem gleich«, d.h. das Gleiche,&lt;br /&gt;
nicht nur gleichwertig: »Liebe deinen&lt;br /&gt;
Nächsten wie dich selbst«. Es ist dies die&lt;br /&gt;
tätige Liebe zum Göttlichen in jedem&lt;br /&gt;
Menschen. Der Nächste aber ist heute,&lt;br /&gt;
nach 150 Jahren stürmischer techni-&lt;br /&gt;
scher Entwicklung auf unserem&lt;br /&gt;
schrumpfenden Planeten, die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit geworden. Sie ist todkrank.&lt;br /&gt;
Ein religiöser, verantwortungsbewußter&lt;br /&gt;
Mensch ergreift jede Möglichkeit, ihr zu&lt;br /&gt;
helfen. Er prüft mit allen ihm zu Gebote&lt;br /&gt;
stehenden Mitteln, ob dies nicht doch&lt;br /&gt;
die Zeit des Endes ist, in der wir leben —&lt;br /&gt;
nicht das »Ende der Welt« (Kosmos),&lt;br /&gt;
sondern das »Ende des Weltzeitalters«&lt;br /&gt;
(Äon), wie es im griechischen Text der&lt;br /&gt;
Bibel heißt. Er erkennt, daß nur ein Be-&lt;br /&gt;
wußtsein der Einheit, der Universalität&lt;br /&gt;
weiterführen kann, und bemüht sich&lt;br /&gt;
darum, sich selbst und seine Umwelt&lt;br /&gt;
darauf einzustellen (3). Er findet eine&lt;br /&gt;
Fülle von Wegen und praktischen&lt;br /&gt;
Grundgedanken in den Bahäi-Lehren&lt;br /&gt;
(4); mehr und mehr festigt sich in ihm&lt;br /&gt;
die Überzeugung, daß Bahä’u/llahs An-&lt;br /&gt;
spruch, die Manifestation Gottes (2) für&lt;br /&gt;
unser Zeitalter zu sein, zu Recht besteht,&lt;br /&gt;
und er reiht sich in die rasch wachsende&lt;br /&gt;
Bahäi-Weltgemeinschaft ein, um in&lt;br /&gt;
ihrer Ordnung (5) mitzuwirken, Model-&lt;br /&gt;
le für das zukünftige »Reich Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden« zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie, lieber Herr Pastor, die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Iexte lesen und Ihnen die Sprache&lt;br /&gt;
und die Gedankenwelt bisweilen unge-&lt;br /&gt;
wohnt und fremd erscheinen, weil sie&lt;br /&gt;
sich meistens auf den Islam als&lt;br /&gt;
geographisch-historische Wiege dieser&lt;br /&gt;
Offenbarung beziehen, dann bedenken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE SO OKTOBER 1985 121&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|122|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie bitte, daß die Ausdrucksweise und&lt;br /&gt;
die Bezugssysteme des Neuen Testa-&lt;br /&gt;
ments den Römern, Griechen und Ger-&lt;br /&gt;
manen vor 1800 Jahren ebenso fremd&lt;br /&gt;
gewesen sein mochten. Die Metaphern&lt;br /&gt;
der blumenreichen persisch-arabischen&lt;br /&gt;
Sprache sind nicht zufällig und nicht&lt;br /&gt;
nur Ausdruck einer tausendjährigen&lt;br /&gt;
poetischen Tradition, sondern haben&lt;br /&gt;
einen tiefen Sinn, als Ausschöpfung im-&lt;br /&gt;
mer neuer Bedeutungen für die Attribu-&lt;br /&gt;
te des Göttlichen, als Verbindung von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vordersatz und Nachsatz, aber auch als&lt;br /&gt;
Zusammenklang von Denkkategorien&lt;br /&gt;
und Gefühlswerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeiten, Formen und Worte sind der&lt;br /&gt;
Wandlung unterworfen. Was immer&lt;br /&gt;
währt und uns über die Grenzen der Na-&lt;br /&gt;
men und Bekenntnisse brüderlich ver-&lt;br /&gt;
eint, ist die Liebe zu Gott und zum Mit-&lt;br /&gt;
menschen, und aus dieser Liebe heraus&lt;br /&gt;
die Sehnsucht nach Wahrheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glückauf zum Forschen nach dieser&lt;br /&gt;
Wahrheit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch&lt;br /&gt;
muß das Licht lieben,&lt;br /&gt;
gleichgültig,&lt;br /&gt;
woher es kommt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Religionen durchforschen,&lt;br /&gt;
um die ihnen zugrundeliegenden Prinzipen&lt;br /&gt;
zu entdecken,&lt;br /&gt;
so werden wir sie in Übereinstimmung finden,&lt;br /&gt;
denn ihre&lt;br /&gt;
grundlegende Wirklichkeit&lt;br /&gt;
ist eine&lt;br /&gt;
und nicht vielerlei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esslemont, S. 95f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
122 BAHA’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
{{page|123|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=9}}Alessandro Bausani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRIEDEN, FORTSCHRITT&lt;br /&gt;
UND POLITISCHE ETHIK*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung zu ‘Abdu’l-Bahás »Das Geheimnis göttlicher Kultur«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Sohn des Stifters der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion, schrieb dieses Buch En-&lt;br /&gt;
de des 19. Jahrhunderts in einer Zeit, da&lt;br /&gt;
sich der Iran — wie heute — in einer&lt;br /&gt;
Wachstumskrise befand. Damals wie&lt;br /&gt;
heute fanden die Erscheinungsformen&lt;br /&gt;
dieser Krise besonders die Kritik außen-&lt;br /&gt;
stehender Beobachter mit völlig euro-&lt;br /&gt;
zentrischem Blickwinkel, die die orien-&lt;br /&gt;
talische Lebensweise nicht genügend&lt;br /&gt;
kennen. Auf Grund dieser Parallelen&lt;br /&gt;
halte ich dieses Buch für aktuell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das persische Original trägt den Titel&lt;br /&gt;
Risala-yi madaniyya, »Brief über die Zi-&lt;br /&gt;
vilisation«, in der Bahá’í-Transliteration&lt;br /&gt;
Risaliy-i-Madaniyyih. Es wurde von&lt;br /&gt;
‘Abdul-Bahä im Jahre 1875 geschrieben,&lt;br /&gt;
als Er erst 31 Jahre alt war. Erst 1882&lt;br /&gt;
wurde es in Bombay lithographisch ver-&lt;br /&gt;
vielfältigt und publiziert.! Die erste eng-&lt;br /&gt;
lische Übersetzung von ‘Ali Quli Khän&lt;br /&gt;
(einem Bahä’i, der auch wichtige diplo-&lt;br /&gt;
matische Funktionen innehatte) erschien&lt;br /&gt;
zuerst 1910 in London? und dann 1918&lt;br /&gt;
in Chicago? unter dem Titel »The my-&lt;br /&gt;
sterious forces of civilization«. Eine ver-&lt;br /&gt;
besserte Übersetzung von Marzieh Gail,&lt;br /&gt;
der Tochter des ersten Übersetzers, mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Eine Neuauflage des persischen Originals er-&lt;br /&gt;
schien 1984 im Bahäi-Verlag, Hofheim-Lan-&lt;br /&gt;
genhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Cope &amp;amp; Fenwick&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Bahá’í Publishing Society&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahäi Publishing Trust, Wilmette&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt;8. Jahrgang 1928/29, S. 98£f, 117Ef; 34ff, 164ff;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Titel »The Secret of Divine Civili-&lt;br /&gt;
zation« wurde 1957 veröffentlicht.?&lt;br /&gt;
Teilübersetzungen ins Deutsche erschie-&lt;br /&gt;
nen bereits in den Jahren 1928 bis 1930&lt;br /&gt;
in der Zeitschrift Sonne der Wahrheit®&lt;br /&gt;
und 1961/62 in den Bahä’i-Briefen®.&lt;br /&gt;
1973 wurde das Buch unter dem Titel&lt;br /&gt;
»Das Geheimnis göttlicher Kultur«&lt;br /&gt;
veröffentlicht.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wovon handelt dieses Buch? Im Iran&lt;br /&gt;
wurde damals lebhaft über politische&lt;br /&gt;
und soziale Reformen diskutiert. Das&lt;br /&gt;
Land war noch eine absolute Monar-&lt;br /&gt;
chie, aber Näsiri’d-Din Shäh versuchte&lt;br /&gt;
unter europäischem Einfluß, neue Ideen&lt;br /&gt;
einzuführen. Es gab zwei Tendenzen: die&lt;br /&gt;
Nachahmer Europas und die »Reaktio-&lt;br /&gt;
näre«, die der Auffassung waren, daß&lt;br /&gt;
die Reformen, die von einigen Ministern&lt;br /&gt;
verfochten wurden, für Persien nicht an-&lt;br /&gt;
gemessen seien. So sehen wir hier schon&lt;br /&gt;
ein Schauspiel, das sich später mutatis&lt;br /&gt;
mutandis wiederholen würde: von et-&lt;br /&gt;
nem eurozentrischen Blickwinkel her&lt;br /&gt;
(oder auch für gewisse europäisierte&lt;br /&gt;
Orientalen) ist die Versuchung stark, al-&lt;br /&gt;
les, was nicht modernistisch im europäi-&lt;br /&gt;
schen Sinne ist, als reaktionär zu be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. Jahrgang 1929/30, 5. 37ff, 55ff, 86ff, 115ff,&lt;br /&gt;
134ff, 150ff, 167ff. Aus dem Englischen über-&lt;br /&gt;
setzt von Karl Klitzing.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Hefte 4-7, S. 92ff, 106ff, 130ff und 15aff; aus&lt;br /&gt;
dem Englischen übersetzt von Peter Mühl-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlegel.&lt;br /&gt;
7 Bahäi-Verlag, Oberkalbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zuerst veröffentlicht in Opinioni Baha&#039;i, 3. Jahrgang, Frühjahr 1979, 5. 19-24, unter&lt;br /&gt;
dem Titel »Un libro dattualitä«. Der Verfasser ist Professor für persische Literatur und&lt;br /&gt;
Islamistik an der Universität Rom. Die Übersetzung aus dem Italienischen besorgte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Yasmin Mellinghoff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 123&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|124|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
trachten und dabei zu vergessen, daß die&lt;br /&gt;
sozialen Bedingungen völlig verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind, daß die große Masse des Volks&lt;br /&gt;
nicht für diese Art Fortschritt tauglich ist&lt;br /&gt;
und daß der Fortschritt im Orient auch&lt;br /&gt;
über andere Wege gehen kann — ver-&lt;br /&gt;
mittels einer stark religiösen Kom-&lt;br /&gt;
ponente -— als über Wege, die in Europa&lt;br /&gt;
als fortschrittlich betrachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ist einem der damaligen&lt;br /&gt;
modernistischen Minister gewidmet und&lt;br /&gt;
befürwortet die fortschrittlichen Ten-&lt;br /&gt;
denzen (wir werden sehen, wie), indem&lt;br /&gt;
es eine Art Religionsgeschichte der Zivi-&lt;br /&gt;
lisation entwirft. Abdu’l-Bahá schreibt:&lt;br /&gt;
»Nach Ansicht des Verfassers sollte die&lt;br /&gt;
Einsetzung der nichtständigen Mitglieder&lt;br /&gt;
beratender Körperschaften in souverä-&lt;br /&gt;
nen Staaten vom Willen und der Wahl&lt;br /&gt;
des Volkes abhängen. Denn Abgeordne-&lt;br /&gt;
te, die gewählt werden, sind aus diesem&lt;br /&gt;
Grunde wenigstens einigermaßen ge-&lt;br /&gt;
neigt, sich gerecht zu verhalten, damit&lt;br /&gt;
ihr Ruf keinen Schaden leide und sie&lt;br /&gt;
nicht vor der Öffentlichkeit in Ungnade&lt;br /&gt;
fallen.«® Und wenig später sagt Er zu&lt;br /&gt;
dem extremen Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
arm und reich, der Persien damals —&lt;br /&gt;
und zum Teil auch heute noch — quäl-&lt;br /&gt;
te: »Wohlstand ist in höchstem Maße&lt;br /&gt;
lobenswert, sofern die ganze Bevölke-&lt;br /&gt;
rung in Wohlstand lebt.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser letzte Satz zeigt, wie dieses&lt;br /&gt;
Buch, obwohl es sich in erster Linie an&lt;br /&gt;
die Perser von 1875 richtet, auch für die&lt;br /&gt;
heutige Zeit von Nutzen ist: Er enthält&lt;br /&gt;
unter anderem eine positive Bewertung&lt;br /&gt;
des Wohlstandes, die etwa dem ur-&lt;br /&gt;
sprünglichen antiken Christentum unbe-&lt;br /&gt;
kannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ist von allgemeinem Inter-&lt;br /&gt;
esse, weil es die Grundlagen und Prinzi-&lt;br /&gt;
pien dessen festlegt und illustriert, was&lt;br /&gt;
man als »Bahä’i-Politik« bezeichnen&lt;br /&gt;
könnte; Politik verstanden in einem&lt;br /&gt;
weiteren, »religiösen« Sinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden werden einige grundle-&lt;br /&gt;
gende Punkte des Buches aufgezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
124 BAHÄTI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das parlamentarische System ist&lt;br /&gt;
nicht per se vollkommen gut. Es ist nur&lt;br /&gt;
gut (und sogar das beste) unter den fol-&lt;br /&gt;
genden eindeutigen Bedingungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens: Die gewählten Mitglieder&lt;br /&gt;
müssen redlich, gottesfürchtig, hochge-&lt;br /&gt;
sinnt und unbestechlich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens: Sie müssen »die Gesetze&lt;br /&gt;
Gottes in allen ihren Einzelheiten ken-&lt;br /&gt;
nen; sie müssen über die obersten&lt;br /&gt;
Grundsätze des Rechts Bescheid wissen,&lt;br /&gt;
in den Verfahrensregeln für innere An-&lt;br /&gt;
gelegenheiten und für auswärtige Bezie-&lt;br /&gt;
hungen beschlagen und in den nutzbrin-&lt;br /&gt;
genden Künsten und Wissenschaften be-&lt;br /&gt;
wandert sein. Schließlich müssen sie&lt;br /&gt;
sich mit ihren rechtmäßigen Einkünften&lt;br /&gt;
zufriedengeben.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen in wenigen Worten zwei&lt;br /&gt;
wesentliche Eigenschaften besitzen: Ehr-&lt;br /&gt;
lichkeit und Sachkompetenz. Ich frage&lt;br /&gt;
mich, wie viele unserer Abgeordneten&lt;br /&gt;
(und auch die anderer Staaten) diese&lt;br /&gt;
Prüfung bestehen würden...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen zeigen, daß die&lt;br /&gt;
Bahäi-Demokratie (wie übrigens auch die&lt;br /&gt;
islamische in ihren besten Momenten)&lt;br /&gt;
nicht nur eine rein formale Demokratie ist&lt;br /&gt;
wie die des modernen abendländischen,&lt;br /&gt;
liberalen Parlamentarismus. Sie ist statt-&lt;br /&gt;
dessen eine, sagen wir es ruhig, ethische,&lt;br /&gt;
ideologische Demokratie. Es ist daher&lt;br /&gt;
nicht leicht, sie mit den heute im Abend-&lt;br /&gt;
land gängigen Maßstäben zu messen, wo&lt;br /&gt;
leider viele darüber lächeln würden, daß&lt;br /&gt;
man als Bedingung für die Wahl eines Ab-&lt;br /&gt;
geordneten moralische Eigenschaften ver-&lt;br /&gt;
langt; heute lächelt man sogar, wenn ge-&lt;br /&gt;
fordert wird, die Regierenden sollten fach-&lt;br /&gt;
liche Qualitäten haben: Eine »Regierung&lt;br /&gt;
der Fachleute« wird als reaktionär&lt;br /&gt;
betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Einer der Hauptgründe für Tyrannei&lt;br /&gt;
und Mißwirtschaft besteht darin, daß das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Volk nicht wirklich religiös und ausrei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
85.31&lt;br /&gt;
9aal.&lt;br /&gt;
10 5.26&lt;br /&gt;
{{page|125|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=11}}chend gebildet ist. Nur wenn das Volk ver-&lt;br /&gt;
steht, daß seine Regierung gegen die (wah-&lt;br /&gt;
ren) Gesetze Gottes verstößt, und wenn es&lt;br /&gt;
über die angemessenen kulturellen Mittel&lt;br /&gt;
verfügt, um einen ordentlichen, legalen&lt;br /&gt;
Protest zu erheben, nur dann kann es seine&lt;br /&gt;
Situation verbessern. Leider — sagt&lt;br /&gt;
“Abdu’l-Bahá — »fehlen jedoch dem größ-&lt;br /&gt;
ten Teil der Bevölkerung aus Mangel an&lt;br /&gt;
Schulbildung sogar die Worte, um ein An-&lt;br /&gt;
liegen auszudrücken.«&#039;! Dies ist ein sehr&lt;br /&gt;
wichtiger Punkt, und es ist interessant,&lt;br /&gt;
daß schon 1875 in Persien darauf hinge-&lt;br /&gt;
wiesen wurde, während heute im Abend-&lt;br /&gt;
land noch darüber gestritten wird.&#039;? Es ist&lt;br /&gt;
nötig, daß das Volk in der Lage ist, sich gut&lt;br /&gt;
auszudrücken: Sonst wird es dem, der am&lt;br /&gt;
besten reden kann, immer gelingen, die&lt;br /&gt;
Unwissenden zu betrügen. Genau hier&lt;br /&gt;
liegt einer der schwersten Mängel einer&lt;br /&gt;
rein formalen Demokratie, in derein guter&lt;br /&gt;
Redner über die Mittel verfügt, die Ah-&lt;br /&gt;
nungslosen zu beherrschen; die dann, um&lt;br /&gt;
sich schadlos zu halten, zu terroristischen&lt;br /&gt;
Methoden greifen, also zu einem unange-&lt;br /&gt;
messenen, gewaltsamen Protest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Der Kern des Buches&amp;quot;? ist dem Kom-&lt;br /&gt;
mentar einer islamischen Tradition über&lt;br /&gt;
die ulamäd&#039;! gewidmet, die die Führer des&lt;br /&gt;
Volkes waren (und es zum Teil heute noch&lt;br /&gt;
sind). Abdul-Baha wendet diese Tradi-&lt;br /&gt;
tion, indem er sie kommentiert, auch auf&lt;br /&gt;
die Führer des Volks im allgemeinen an,&lt;br /&gt;
die wir heute die idealen gewählten Volks-&lt;br /&gt;
vertreter nennen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tradition lautet wie folgt: »Wer zu&lt;br /&gt;
den Gebildeten gehört, muß sich selbst be-&lt;br /&gt;
wahren, seinen Glauben verteidigen, sei-&lt;br /&gt;
nen Leidenschaften widerstehen und die&lt;br /&gt;
Gebote des Herrn befolgen. Sodann ist es&lt;br /&gt;
die Pflicht des Volkes, sich an sein Beispiel&lt;br /&gt;
zu halten.«&#039;’ Vom idealen Volksvertreter&lt;br /&gt;
heißt es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) sainan li-nafsihi: »der sich selbst be-&lt;br /&gt;
wahrt«. Dies bedeutet nach Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
in erster Linie, »Attribute geistiger und&lt;br /&gt;
materieller Vollkommenheit zu erwer-&lt;br /&gt;
ben«. Diese sind drei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Bildung, einschließlich religiöser Bil-&lt;br /&gt;
dung und profunder Kenntnis nicht nur&lt;br /&gt;
der eigenen, sondern aller großen Religio-&lt;br /&gt;
nen, und wissenschaftliche Bildung. &#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Gerechtigkeit und Unparteilichkeit,&lt;br /&gt;
was bedeutet, »die Menschheit als ein ein-&lt;br /&gt;
ziges Lebewesen, sich selbst als ein Glied&lt;br /&gt;
dieses großen Körpers zu erkennen. ..«&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
—- der aufrichtige Wille, die Massen zu&lt;br /&gt;
erziehen und im Volk wenigstens einen&lt;br /&gt;
Ansatz von wissenschaftlicher und tech-&lt;br /&gt;
nischer Bildung zu verbreiten. »Denn in&lt;br /&gt;
ihrem tiefverwurzelten Aberglauben« —&lt;br /&gt;
sagt Abdu’l-Baha — »meinen viele Leute&lt;br /&gt;
heutzutage, ein Mensch, der an Gott und&lt;br /&gt;
Seine Zeichen, an die Propheten, ihre Of-&lt;br /&gt;
fenbarungen und ihre Gesetze glaubt, der&lt;br /&gt;
fromm und gottesfürchtig ist, müsse not-&lt;br /&gt;
wendigerweise müßiggehen und seine Ta-&lt;br /&gt;
ge mit Nichtstun verbringen..«&#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigt sich die weite Öffnung des&lt;br /&gt;
Bahá’í-Glaubens gegenüber der Welt des&lt;br /&gt;
Handelns und der Praxis und ihr Miß-&lt;br /&gt;
trauen gegenüber einer mystischen As-&lt;br /&gt;
kese, die zu nichts führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) häfizan li-dinihi: »Verteidiger (oder&lt;br /&gt;
Beschützer, Wächter) des Glaubens«. Dies&lt;br /&gt;
bedeutet für Abdul-Bahä nicht (oder&lt;br /&gt;
nicht nur), die Orthodoxie und die religiö-&lt;br /&gt;
sen Riten zu verteidigen und Sünden zu&lt;br /&gt;
vermeiden: Es bedeutet vielmehr, die Ge-&lt;br /&gt;
samtheit der Gläubigen zu schützen und&lt;br /&gt;
zu verteidigen und sie als soziales Gefüge&lt;br /&gt;
in jeder Hinsicht gegenüber anderen Reli-&lt;br /&gt;
gionsgemeinschaften zu heben. Dies hat&lt;br /&gt;
beispielsweise Luther in Europa getan, in-&lt;br /&gt;
dem er die verschlafene mittelalterliche&lt;br /&gt;
Chhrristenheit zu einem gesitteten Leben er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
118.27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Vgl. etwa Don Milani, Die Schule von Barbiana&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Etwa die Seiten 38-46&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Wörtlich übersetzt »Gelehrte«, »Doktoren der&lt;br /&gt;
Rechte«; heute würde man wie die Journalisten&lt;br /&gt;
verallgemeinernd »Ayatollähs« sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
155.39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 5, 0ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
175.43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18 5. 43£&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 125&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|126|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=12}}weckte und eine neue Kultur schuf.!? Dies&lt;br /&gt;
muß jedoch ohne Gewalt, ohne »heilige&lt;br /&gt;
Kriege« geschehen. Im Altertum, in bar-&lt;br /&gt;
barischen und unreifen Zeiten konnten&lt;br /&gt;
Kriege zumindest teilweise zu rechtferti-&lt;br /&gt;
gen sein, aber heute sind sie als Mittel der&lt;br /&gt;
Überzeugung völlig verboten: Der&lt;br /&gt;
Glauben muß durch geistige Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten verbreitet werden, und daher ist die&lt;br /&gt;
beste Art, die Wahrheit des Islam oder ei-&lt;br /&gt;
nes anderen Glaubens zu beweisen, eine&lt;br /&gt;
tadellose Lebensführung. Hier zeigt sich&lt;br /&gt;
unter anderem wieder einmal der tief hi-&lt;br /&gt;
storische Sinn des Bahä’i-Glaubens: Der&lt;br /&gt;
Pazifismus ist heute zweifellos aktuell,&lt;br /&gt;
weil der Krieg mit den heutigen Mitteln&lt;br /&gt;
auch noch das bißchen Sinn verliert, das&lt;br /&gt;
er in der Antike haben konnte, weil er eine&lt;br /&gt;
vollständige und unterschiedslose Zerstö-&lt;br /&gt;
rung mit sich bringt, während er in be-&lt;br /&gt;
stimmten Fällen in der Antike auch einen&lt;br /&gt;
positiven historischen Sinn haben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c) mukhälifan li-hawahu: »der seinen&lt;br /&gt;
Leidenschaften widersteht«. Auf den vor-&lt;br /&gt;
angegangenen Seiten hatte Abdu-Bahä&lt;br /&gt;
die sektiererische Intoleranz gewisser&lt;br /&gt;
Muslime in einigen Aspekten kritisiert.&lt;br /&gt;
Hier dagegen mißbilligt er gewissermaßen&lt;br /&gt;
das genaue Gegenteil, d.h. übertriebene&lt;br /&gt;
moralische Permissivität der abendländi-&lt;br /&gt;
schen Kultur, die völlig weltliche Haltung&lt;br /&gt;
der europäischen und amerikanischen Zi-&lt;br /&gt;
vilisation. Während die Menschen in&lt;br /&gt;
Asien oft sektiererisch und blind ihren&lt;br /&gt;
Führern folgen (und hierfür haben wir ak-&lt;br /&gt;
tuelle Beispiele), haben die Menschen im&lt;br /&gt;
Abendland noch nicht gelernt (oder bes-&lt;br /&gt;
ser: haben es verlernt), »ihren Leiden-&lt;br /&gt;
schaften zu widerstehen«, sich einer mora-&lt;br /&gt;
lischen Autorität zu unterwerfen. So wird&lt;br /&gt;
jedoch ihre ganze glänzende Kultur zu-&lt;br /&gt;
nichte. Europa bietet im Jahre 1875 (... wer&lt;br /&gt;
weiß, was der Autor nach dem Zweiten&lt;br /&gt;
Weltkrieg gesagt hätte!) einen Anblick&lt;br /&gt;
entfesselter Leidenschaften: »Unter dem&lt;br /&gt;
Vorwand des Friedens bietet man Tag und&lt;br /&gt;
Nacht alle Kräfte auf, um noch mehr&lt;br /&gt;
Kriegsgerät zusammenzutragen, und das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
126 BAHÄ&#039;I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Volk muß den größten Teil dessen, was es&lt;br /&gt;
unter Mühe und Schweiß erwirbt, auf-&lt;br /&gt;
bringen, um für die Rüstung zu&lt;br /&gt;
bezahlen.«”! »Europa ist moralisch&lt;br /&gt;
unzivilisiert.«22 »Wenn die Kriegsvorbe-&lt;br /&gt;
reitungen« — fügt Abdu’l-Bahá mit be-&lt;br /&gt;
wundernswertem Weitblick hinzu — »im&lt;br /&gt;
heutigen Umfang fortgeführt werden, er-&lt;br /&gt;
reichen die Rüstungen bald einen Stand,&lt;br /&gt;
auf dem sie der Menschheit unerträglich&lt;br /&gt;
werden.«” Heute muß für die Führer der&lt;br /&gt;
Welt »seinen Leidenschaften widerstehen«&lt;br /&gt;
vor allem bedeuten, »den universalen Frie-&lt;br /&gt;
den zu errichten«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d) mutian li-amri maula&#039;: »gehorsam&lt;br /&gt;
gegenüber den Geboten des Herrn«. Hier&lt;br /&gt;
unternimmt ‘Abdul-Bahä eine Neubewer-&lt;br /&gt;
tung des Konzepts der Religion.** Auch&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Glauben sieht die absolute Mo-&lt;br /&gt;
ral darin, »den Geboten des Herrn zu ge-&lt;br /&gt;
horchen« und nicht wie die moderne, nur&lt;br /&gt;
weltliche Ethik, in einer ethischen Auto-&lt;br /&gt;
nomie des Gewissens des Individuums.&lt;br /&gt;
Dies mag einigen als antiquierte Vorstel-&lt;br /&gt;
lung erscheinen. Aber wir dürfen zwei&lt;br /&gt;
Punkte nicht aus den Augen verlieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die moderne Vorstellung der ethi-&lt;br /&gt;
schen Autonomie hat kein sichtbares&lt;br /&gt;
praktisches und soziales Ergebnis hervor-&lt;br /&gt;
gebracht. Kriege, eine wilde Entfesselung&lt;br /&gt;
sozialer Leidenschaften, folgen im moder-&lt;br /&gt;
nen Europa der Verkündung dieses Prin-&lt;br /&gt;
zips und sind viel fürchterlicher als früher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Wir dürfen nicht die persönliche Ver-&lt;br /&gt;
vollkommnung als vorrangig betrachten,&lt;br /&gt;
deren absolute (und zu akzeptierende)&lt;br /&gt;
Grundlagen bereits im Christentum gelegt&lt;br /&gt;
wurden, sondern die Vervollkommnung&lt;br /&gt;
und soziale Heiligung der ganzen Mensch-&lt;br /&gt;
heit. Und die derzeitige ganze Menschheit&lt;br /&gt;
besteht nicht nur aus uns intellektuellen&lt;br /&gt;
und anspruchsvollen Europäern und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 Vgl. S.45&lt;br /&gt;
20 Vgl. S. 46ff&lt;br /&gt;
215,60&lt;br /&gt;
25.62&lt;br /&gt;
235.65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24.5, 68ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|127|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=13}}Amerikanern, sondern aus relativ primi-&lt;br /&gt;
tiven Völkern, die nunmehr jedoch in un-&lt;br /&gt;
mittelbarem kulturellen Kontakt mit uns&lt;br /&gt;
leben, und die auch in die vereinigte&lt;br /&gt;
Menschheit miteinbezogen werden müs-&lt;br /&gt;
sen. Im Lichte dieser Betrachtungen wer-&lt;br /&gt;
den wir Abdul-Bahä besser verstehen,&lt;br /&gt;
wenn Er uns sagt, daß das beste, dauer-&lt;br /&gt;
hafteste und stärkste Mittel, die geistige&lt;br /&gt;
und materielle Vollkommenheit der&lt;br /&gt;
Menschheit zu erreichen und den Wohl-&lt;br /&gt;
stand und die Kultur der ganzen Welt zu&lt;br /&gt;
fördern, die Religion ist, d.h. »den Gebo-&lt;br /&gt;
ten des Herrn zu gehorchen«. Wenn die&lt;br /&gt;
Atheisten — fügt Abdul-Baha hinzu —&lt;br /&gt;
die Religion als Verderberin der Welt kriti-&lt;br /&gt;
sieren, so haben sie teilweise recht: Aber&lt;br /&gt;
sie betrachten nur die späten Ausprägun-&lt;br /&gt;
gen der Religionen, ihre Priesterklassen,&lt;br /&gt;
ihre Riten, ihren Aberglauben, und hier-&lt;br /&gt;
aus leiten sie eine Definition der Religion&lt;br /&gt;
ab, die ihrem wahren Wesen fremd ist.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel des positiven Wirkens der&lt;br /&gt;
Religionen im sozialen Bereich erwähnt&lt;br /&gt;
Abdul-Baha Moses als Vereiniger des&lt;br /&gt;
Volkes Israel und als Begründer einer&lt;br /&gt;
neuen Kultur: Als verderbliches Ele-&lt;br /&gt;
ment der reinen mosaischen Religion sieht&lt;br /&gt;
Er die immer wieder auflebende Idolatrie&lt;br /&gt;
und den Aberglauben an, symbolisiert&lt;br /&gt;
durch das goldene Kalb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach erschien Jesus, der die Basis der&lt;br /&gt;
modernen Ethik legte und der in den Wor-&lt;br /&gt;
ten Abdul-Bahäs »das heilige Gesetz auf&lt;br /&gt;
der Grundlage sittlicher Charakterstärke&lt;br /&gt;
und völliger Durchgeistigung« errichtete,&lt;br /&gt;
»und für jene, die an Ihn glaubten, ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 Vgl.S.69&lt;br /&gt;
2° 5. 71ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leitbild der Lebensführung entwarf, das&lt;br /&gt;
den höchsten Verhaltensmaßstab auf Er-&lt;br /&gt;
den darstellt«.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ihm erschien Muhammad, mit&lt;br /&gt;
dem die Geschichte des Christentums en-&lt;br /&gt;
det und dessen Zyklus mit einem fürchter-&lt;br /&gt;
lichen Niedergang der christlichen Welt&lt;br /&gt;
zusammenfällt. Der Islam verursachte ei-&lt;br /&gt;
nesoziale und kulturelle Bewegung, die ei-&lt;br /&gt;
ne wesentliche Ursache für die europäi-&lt;br /&gt;
sche Renaissance war.? Den Grund für&lt;br /&gt;
den Niedergang des Islam sieht Abdul-&lt;br /&gt;
Bahä (wie übrigens auch einige offenere,&lt;br /&gt;
modernere Muslime) in der Formierung&lt;br /&gt;
einer Priesterklasse oder Para-Priester-&lt;br /&gt;
klasse, die dem wahren Islam fremd ist (in&lt;br /&gt;
Persien die Mujtahid, die Äyat&#039;u’llah und&lt;br /&gt;
ähnliche) und die sich zwischen Gott und&lt;br /&gt;
die Menschen schob und so verhinderte,&lt;br /&gt;
daß die Menschen direkt »den Geboten&lt;br /&gt;
des Herrn gehorchen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lichte dieses Buches kann man nicht&lt;br /&gt;
übersehen, daß der Islam gerade am Feh-&lt;br /&gt;
len einer Erneuerung leidet. Sein schein-&lt;br /&gt;
bares Glück verdankt er leider mehr dem&lt;br /&gt;
Erdöl als einer wahren religiösen Wieder-&lt;br /&gt;
geburt. Man spricht noch vom Heiligen&lt;br /&gt;
Krieg, man verfolgt noch immer religiöse&lt;br /&gt;
Minderheiten wie zur Zeit im Iran die&lt;br /&gt;
Bahä’i, also gerade diejenige Religion, die&lt;br /&gt;
als einzige die Mittel besitzt — religiös und&lt;br /&gt;
modern zugleich —, um der Krise zu ent-&lt;br /&gt;
rinnen; die, wie alle Religionen in ihren&lt;br /&gt;
Anfängen, jeder bestehenden Autorität&lt;br /&gt;
Respekt zollt und sicher ist, daß die wahre&lt;br /&gt;
Autorität allein bei Gott und Seinen Of-&lt;br /&gt;
fenbarern liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 5.76&lt;br /&gt;
28 5. gaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 127&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|128|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=14}}Ulrich Gollmer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA MUTANTUR ET PAX IN ILLIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der lange Weg zum Größten Frieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jeder klar Denkende bezeugt, daß es&lt;br /&gt;
heute nichts Wichtigeres auf der Welt gibt&lt;br /&gt;
als den Weltfrieden...« Abdu’l-Baha;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Frieden sind (fast) alle. Nur über&lt;br /&gt;
das »Wie« kommt es bisweilen zum Krieg.&lt;br /&gt;
Oder zumindest zu waffenstarrendem&lt;br /&gt;
Mißtrauen, das jederzeit in die Katastro-&lt;br /&gt;
phe führen kann. »Es ist sinnlos, darauf zu&lt;br /&gt;
hoffen, daß die Nationen in ihrem gegen-&lt;br /&gt;
wärtigen Wettrüsten nachlassen werden...&lt;br /&gt;
Der Weltfriede kann nur durch ein inter-&lt;br /&gt;
nationales Übereinkommen erreicht wer-&lt;br /&gt;
den, dem alle Nationen beitreten... Die&lt;br /&gt;
Rüstung selbst führt schon den Krieg&lt;br /&gt;
herbei...«2 Diese Einschätzung Abdul-&lt;br /&gt;
Bahäs am Vorabend des Ersten Weltkriegs&lt;br /&gt;
ist nicht resignativ, sondern zukunftsbe-&lt;br /&gt;
zogen, programmatisch: »In der Zwi-&lt;br /&gt;
schenzeit müssen sich alle Menschen gu-&lt;br /&gt;
ten Willens darum bemühen, den Welt-&lt;br /&gt;
frieden zum größten Anliegen zu&lt;br /&gt;
machen.«° Dafür gibt es gewiß viele&lt;br /&gt;
Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden, so die These dieses Essays, ist&lt;br /&gt;
ein historischer Begriff, für den zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten Religion bestimmend war und ist:&lt;br /&gt;
Die Wurzel allen Friedens ist das offen-&lt;br /&gt;
barte Wort, das Heilsversprechen und die&lt;br /&gt;
Friedensverheißung Gottes an die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
! An die Zentralorganisation für einen dauerhaf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten Frieden im Haag, Frankfurt 1968, S. 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Bericht des Montreal Daily Star vom 11. Sep-&lt;br /&gt;
tember 1912 über ein Interview mit Abdu&#039;-&lt;br /&gt;
Bahä, zitiert in: Balyuzi, ‘Abdu’l-Bahá, Bd. 1,&lt;br /&gt;
S. 356ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 a.a.0., S. 357&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Auch außerhalb der vorderasiatischen Reli-&lt;br /&gt;
gionslinie von Judentum — Christentum — Is-&lt;br /&gt;
lam finden sich analoge messianische Hoffnun-&lt;br /&gt;
gen: 3000 Jahre nach Zarathustra erwarten des-&lt;br /&gt;
sen Anhänger das Kommen des »Retters«, des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
128 BAHA’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... und des Friedens kein Ende...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesaja 9:6&lt;br /&gt;
Frieden ist nach dem Zeugnis der Schrift&lt;br /&gt;
Gottesgeschenk, Gnade und Heil, aber&lt;br /&gt;
auch verheißene Zukunft, eschatologi-&lt;br /&gt;
sche Erwartung eines messianischen Welt-&lt;br /&gt;
alters. Nach theologischem Sprachge-&lt;br /&gt;
brauch ist Eschatologie die »Lehre von den&lt;br /&gt;
Letzten Dingen«. Ausihnen ergibt sich der&lt;br /&gt;
Sinn desmenschlichen Lebens, individuell&lt;br /&gt;
wie als historische Kategorie. Alle Letzten&lt;br /&gt;
Dinge zielen auf das Reich und die Herr-&lt;br /&gt;
schaft Gottes. Sie sind im eigentlichen&lt;br /&gt;
Sinn nicht »Dinge«, sondern Vorgänge im&lt;br /&gt;
großen Strom der Heilsgeschichte. Tradi-&lt;br /&gt;
tionell unterscheidet die christliche Theo-&lt;br /&gt;
logie individuelle Eschata, die jeder einzel-&lt;br /&gt;
ne erfährt — wie Tod, Gericht, Himmel&lt;br /&gt;
und Hölle — und kollektive Eschata: die&lt;br /&gt;
Wiederkunft Christi (Parusie), das Welt-&lt;br /&gt;
gericht und den ewigen Tag Gottes. In die-&lt;br /&gt;
sen Zusammenhang gehört auch die Ver-&lt;br /&gt;
heißung von Frieden und Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
am Ende der Zeiten, eine Erwartung, die&lt;br /&gt;
nicht nur der christlichen Religion zu&lt;br /&gt;
eigen ist.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alten Testament ist Gott Herr der&lt;br /&gt;
Geschichte. Alle Wechselfälle im Leben&lt;br /&gt;
des Volkes Israel sind göttliche Schickun-&lt;br /&gt;
gen, verstanden als Segen oder Strafe, ent-&lt;br /&gt;
sprechend dem Gehorsam oder Ungehor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saoshyant. Die Buddhisten harren auf den&lt;br /&gt;
Maitreya, den Buddha der Endzeit. Hinduisti-&lt;br /&gt;
schen Erwartungen zufolge wird als zehnter&lt;br /&gt;
Avatära Visnus Kalkin erscheinen, um mit blit-&lt;br /&gt;
zendem Schwert die Bösen zu bestrafen, die&lt;br /&gt;
Guten zu belohnen und als Heilsbringer einen&lt;br /&gt;
neuen Äon einzuleiten. E. Abegg (Der Messias-&lt;br /&gt;
glaube in Indien und Iran, Berlin 1928) kommt&lt;br /&gt;
in seinen Untersuchungen zu dem Schluß, daß&lt;br /&gt;
die hinduistischen, buddhistischen und irani-&lt;br /&gt;
schen Messiasgedanken unabhängig voneinan-&lt;br /&gt;
der aus den jeweiligen Religionen erwachsen&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
{{page|129|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=15}}sam des Volkes gegen Gottes Gebote. Gott&lt;br /&gt;
führt sein Volk in und durch die Geschich-&lt;br /&gt;
te. Geschichte ist für Israel ein Erziehungs-&lt;br /&gt;
prozeß, ihr Sinn ist das Heil, das anbre-&lt;br /&gt;
chen wird, wenn das Volk die Bedingung&lt;br /&gt;
des Gehorsams erfüllt hat. Die jüdische&lt;br /&gt;
Apokalyptik kündigt dramatisch ein En-&lt;br /&gt;
de dieser Heilsmöglichkeit an: Verantwor-&lt;br /&gt;
tung des einzeinen und Heil des Volkes&lt;br /&gt;
brechen auseinander, die apokalyptische&lt;br /&gt;
Hoffnung heftet sich nunmehr an den ein-&lt;br /&gt;
zelnen Glaubenden, die Geschichte reift&lt;br /&gt;
nicht zur Vollendung, sondern bricht ab,&lt;br /&gt;
Gott setzt ihr ein Ende. An Stelle der alten&lt;br /&gt;
Welt wird dann eine neue Schöpfung&lt;br /&gt;
treten.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der weiteren Geschichte des&lt;br /&gt;
jüdischen Volkes kann es nicht verwun-&lt;br /&gt;
dern, daß das spätere Judentum »keine&lt;br /&gt;
Fußspuren des Erlösers inmitten dieser so&lt;br /&gt;
handgreiflich unerlösten Welt«‘ ausma-&lt;br /&gt;
chen kann und alle Hoffnung auf die Zu-&lt;br /&gt;
kunft setzt. In scharfem Kontrast zu&lt;br /&gt;
christlicher Deutung ist nicht die Wieder-&lt;br /&gt;
kunft, sondern das Kommen des Heils Ge-&lt;br /&gt;
genstand der Hoffnung. Damit hat jüdi-&lt;br /&gt;
sches Sein den Charakter eines »Lebens im&lt;br /&gt;
Aufschub«”, der radikalen Differenz zwi-&lt;br /&gt;
schen der unerlösten Welt der Geschichte&lt;br /&gt;
und der messianischen Erlösung. Selbst&lt;br /&gt;
chiliastischer Aktivismus wirkt jeher vor&lt;br /&gt;
dieser Voraussetzung gebrochen. Zu tief&lt;br /&gt;
eingeprägt ist die Erfahrung, daß die mes-&lt;br /&gt;
sianische Hoffnung nicht zu erzwingen&lt;br /&gt;
ist, daß man nicht »auf das Ende&lt;br /&gt;
hindrängen«® darf, wie die rabbinische&lt;br /&gt;
Warnung lautet. Es entspricht dieser skep-&lt;br /&gt;
tischen Grundhaltung, daß man (vor al-&lt;br /&gt;
lem im rationalistischen Messianismus?)&lt;br /&gt;
das Augenmerk nicht auf Zeichen und&lt;br /&gt;
Wunder für das Eingreifen des Himmels in&lt;br /&gt;
die Geschichte richtet, sondern daß die&lt;br /&gt;
einzige Legitimation des Messias — der in&lt;br /&gt;
der Theologie des Reformjudentums ent-&lt;br /&gt;
personalisiert ist, nur noch Symbolgestalt&lt;br /&gt;
für die messianische Zeit hat! — dessen&lt;br /&gt;
historischer Erfolg ist. Die Wahrheit des&lt;br /&gt;
Messias oder einer entpersonalisierten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
messianischen Ordnung erweist sich am&lt;br /&gt;
— realhistorisch verstandenen — messia-&lt;br /&gt;
nischen Reich.&#039;! Pointiert heißt dies: Die&lt;br /&gt;
Bedingung des (eschatologischen) Frie-&lt;br /&gt;
dens ist der realisierte (universelle)&lt;br /&gt;
Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Politisch wie theologisch ist auch die&lt;br /&gt;
Verknüpfung des Friedens mit dem Kom-&lt;br /&gt;
men Christi nicht ohne Probleme. Daß&lt;br /&gt;
Jesu Verkündigung der Gottesherrschaft&lt;br /&gt;
eschatologische Botschaft war, gehört&lt;br /&gt;
heute zum Gemeingut theologischen Re-&lt;br /&gt;
dens. Kaum ein Bereich ist jedoch so strit-&lt;br /&gt;
tig wie die nähere Bestimmung dieser Aus-&lt;br /&gt;
sage. Bereits die Evangelien sind Zeugnis&lt;br /&gt;
widerstreitender Rezeptionen der Heils-&lt;br /&gt;
botschaft.!? Der Naherwartung der Wie-&lt;br /&gt;
derkehr Christi (Parusie), von Gericht,&lt;br /&gt;
Weltende und dem nachfolgenden Frieden&lt;br /&gt;
des messianischen Reiches, steht im Jo-&lt;br /&gt;
hannesevangelium die Gegenwärtigkeit&lt;br /&gt;
des Heils in Christus, die Erlösung im&lt;br /&gt;
Glauben gegenüber. Selbst im Vergleich&lt;br /&gt;
zu Paulus kann bei Johannes die Spiritua-&lt;br /&gt;
lisierung der Eschatologie als noch weiter&lt;br /&gt;
radikalisiert herausgelesen werden: Bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Zum Ganzen vgl. Rudolf Bultmann, Geschich-&lt;br /&gt;
te und Eschatologie, Tübingen ?1979, S. 19-23,&lt;br /&gt;
28-36; siehe auch Gershom Scholem, Über ei-&lt;br /&gt;
nige Grundbegriffe des Judentums, Frankfurt&lt;br /&gt;
1970, S. 126ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Schalom Ben-Chorin, Dein Reich komme.&lt;br /&gt;
Reich-Gottes-Erwartungen in jüdischer und&lt;br /&gt;
christlicher Sicht, in: Werner Licharz/Martin&lt;br /&gt;
Stöhr (Hrsg.), Einladung ins Lehrhaus. Beiträ-&lt;br /&gt;
ge zum jüdischen Selbstverständnis, Frankfurt&lt;br /&gt;
1981, S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Scholem, Grundbegriffe, $S. 167&lt;br /&gt;
8 Scholem, Grundbegriffe, S. 138&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Unterscheidung von restaurativem, apoka-&lt;br /&gt;
lyptischem, utopischem und rationalistischem&lt;br /&gt;
Messianismus siehe Scholem, Zum Verständnis&lt;br /&gt;
der messianischen Idee im Judentum, in:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundbegriffe, S. 121ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Schalom Ben-Chorin, Jüdischer Glaube, Tü-&lt;br /&gt;
bingen 1979, S. 288&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Scholem, Grundbegriffe, S. 159f; Ben Chorin,&lt;br /&gt;
Jüdischer Glaube, S. 287&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Vgl. Rudolf Bultmann, Geschichte und Escha-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE SO OKTOBER 1985 129&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|130|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihm ist von einer apokalyptischen Zu-&lt;br /&gt;
kunftseschatologie nirgends die Rede.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Parusieverzögerung&lt;br /&gt;
wird die eschatologische Gemeinde zur&lt;br /&gt;
Kultgemeinde, die eschatologische Hoff-&lt;br /&gt;
nung wird mit der Institution der Kirche&lt;br /&gt;
verbunden, die, als Verwalterin der Sakra-&lt;br /&gt;
mente, eine Vermittlungsrolle für das indi-&lt;br /&gt;
viduelle Seelenheil beansprucht und da-&lt;br /&gt;
mit bereits in dieser Welt als jenseitige&lt;br /&gt;
Kraft fungiert. In scharfsinniger Zuspit-&lt;br /&gt;
zung formulierte der Pater Alfred Loisy&lt;br /&gt;
um die Jahrhundertwende: »Jesus kündigt&lt;br /&gt;
das Gottesreich an, und was kam, war die&lt;br /&gt;
Kirche.«!* Auch gegen die Kirche haben&lt;br /&gt;
christliche Gruppierungen die eschatolo-&lt;br /&gt;
gische Hoffnung in reine Innerlichkeit und&lt;br /&gt;
Jenseitsvorstellungen umgelenkt&#039;? -- oder&lt;br /&gt;
in kurzlebigen chiliastischen Bewegungen&lt;br /&gt;
radikalisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiederentdeckung der Eschatolo-&lt;br /&gt;
gie in unserem Jahrhundert — radikal und&lt;br /&gt;
prägnant ausgesprochen bei Jürgen Molt-&lt;br /&gt;
mann: »Das Christentum ist ganz und gar&lt;br /&gt;
und nicht nur im Anhang Eschatolo-&lt;br /&gt;
gie...«® — ist oft verbunden mit ihrer&lt;br /&gt;
Umformung in politische Theologie na-&lt;br /&gt;
tionalistischen oder sozialistischen Ein-&lt;br /&gt;
schlags.&#039;7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies gibt Anlaß zu einer Reihe offener&lt;br /&gt;
Fragen: Wie läßt sich die Parusieverzöge-&lt;br /&gt;
rung, die jahrhundertelange Wartefrist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Da hier lediglich der Fortgang der Rezeption&lt;br /&gt;
des Heilsgedankens angedeutet werden soll,&lt;br /&gt;
kann außer acht bleiben, ob damit tatsächlich&lt;br /&gt;
eine Neubestimmung oder doch nur eine Ak-&lt;br /&gt;
zentverlagerung vor dem akzeptierten Hinter-&lt;br /&gt;
grund der übrigen Evangelien vorgenommen&lt;br /&gt;
wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!4 Zitiert nach Ben-Chorin, Dein Reich komme,&lt;br /&gt;
S. 47. Loisy war ein Vertreter des Modernis-&lt;br /&gt;
mus in der katholischen Kirche. Er wurde im&lt;br /&gt;
Jahre 1908 exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 Ben-Chorin verweist in diesem Zusammen-&lt;br /&gt;
hang auf den nicht hebräischen Ursprung des&lt;br /&gt;
Begriffs »Paradies«, a.a.O., 5. 48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Theologie der Hoffnung. Untersuchungen zur&lt;br /&gt;
Begründung und zu den Konsequenzen einer&lt;br /&gt;
christlichen Eschatologie, München 111980,&lt;br /&gt;
S. 12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
130 BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf die Wiederkunft Christi — entgegen&lt;br /&gt;
der offenbaren Überzeugung Seiner Jün-&lt;br /&gt;
ger — theologisch rechtfertigen, psy-&lt;br /&gt;
chisch und politisch bewältigen? Lebt die-&lt;br /&gt;
se Hoffnung noch in der Gemeinde?&amp;quot;®&lt;br /&gt;
Wird das erhoffte Gottesreich sich bei Sei-&lt;br /&gt;
ner Wiederkunft erfüllen und in welcher&lt;br /&gt;
Form? Oder ist das Heil, ist der Frieden mit&lt;br /&gt;
dem ersten Kommen Jesu schon gegen-&lt;br /&gt;
wärtig? Spricht Er vom schon realisierten&lt;br /&gt;
Gottesreich? Ist es das Reich Gottes, der&lt;br /&gt;
Friede in uns, den allein die Gnade be-&lt;br /&gt;
wirkt? Oder sind beide Interpretationen,&lt;br /&gt;
die der Innerlichkeit und die der apoka-&lt;br /&gt;
lyptischen Erwartung in der Zeit, satt,&lt;br /&gt;
selbstgefällig und quietistisch? Leben wir&lt;br /&gt;
doch in einer Zwischenfrist individueller&lt;br /&gt;
Bewährung? Muß sich der Christ auf eine&lt;br /&gt;
Zeit politisch und ethisch mit der Realität&lt;br /&gt;
des Kriegs abfinden? Wann aber hat diese&lt;br /&gt;
Zwischenfrist ein Ende? Ist vielleicht gar&lt;br /&gt;
der Mensch aufgerufen, das Reich Gottes&lt;br /&gt;
durch sein Handeln herbeizuführen,&lt;br /&gt;
selbst Frieden zu schaffen? Ist er dazu&lt;br /&gt;
überhaupt fähig? Gerinnt damit nicht Re-&lt;br /&gt;
ligion unversehens zur totalitären Ideolo-&lt;br /&gt;
gie, maßt sich menschliches Wollen Abso-&lt;br /&gt;
lutheit an, die nur Gott zukommt? Wie&lt;br /&gt;
aber dann ist das Friedensgebot der Berg-&lt;br /&gt;
predigt gesellschaftlich einzulösen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an Träger einer religiös-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Vgl. etwa Hermann Fischer, Systematische&lt;br /&gt;
Theologie, in: Georg Strecker (Hrsg.), Theolo-&lt;br /&gt;
gie im 20. Jahrhundert, Tübingen 1983, S.&lt;br /&gt;
314ff; Reinhart Maurer, Chiliasmus und Ge-&lt;br /&gt;
sellschaftsreligion, Thesen zur politischen&lt;br /&gt;
Theologie, in: Jacob Taubes (Hrsg.), Religions-&lt;br /&gt;
theorie und Politische Theologie, Bd. 1, Mün-&lt;br /&gt;
chen u.a. 1983, S. 117ff; sowie die Sammel-&lt;br /&gt;
bände von Helmut Peukert (Hrsg.), Diskus-&lt;br /&gt;
sion zur »politischen Theologie«, München&lt;br /&gt;
1969 und Ernst Feil/Rudolf Weth (Hrsg.), Dis-&lt;br /&gt;
kussion zur »Theologie der Revolution«. Mün-&lt;br /&gt;
chen 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Weltkirchenkonferenz von Evan-&lt;br /&gt;
ston/USA 1954 konnte man sich nicht einigen,&lt;br /&gt;
ob mit der Wiederkunft Christi noch zu rech-&lt;br /&gt;
nen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18&lt;br /&gt;
{{page|131|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=17}}politischen Ordnung, stellt sich das Pro-&lt;br /&gt;
blem des Friedens für den Islam in anderer&lt;br /&gt;
Weise. Zwar gibt es auch hier die Verhei-&lt;br /&gt;
Bung einer endzeitlichen Heilsgestalt, eine&lt;br /&gt;
Erwartung, auf die in politischen Umbrü-&lt;br /&gt;
chen immer wieder Bezug genommen&lt;br /&gt;
wurde und die vor allem in der Schia&lt;br /&gt;
(Shiah) noch lebendig ist. Aber die Funk-&lt;br /&gt;
tion dieses Verheißenen ist auf die bereits&lt;br /&gt;
gegebene Ordnung gerichtet, die er ledig-&lt;br /&gt;
lich wiederherstellen und weltweit zum&lt;br /&gt;
Sieg führen wird: Das Heil liegt in der isla-&lt;br /&gt;
mischen Ordnung. Traditionell werden&lt;br /&gt;
darum Friedensauftrag und die Pflicht&lt;br /&gt;
zum Heiligen Krieg (jihad) als zwei&lt;br /&gt;
Aspekte eines heilsgeschichtlichen Man-&lt;br /&gt;
dats verstanden. Frieden wird herrschen,&lt;br /&gt;
wenn überall auf Erden das Gesetz Gottes&lt;br /&gt;
gilt. Ihm Geltung zu verschaffen, ist heili-&lt;br /&gt;
ge Pflicht jedes Gläubigen — wenn nötig&lt;br /&gt;
mit Waffengewalt. Diese fundamentalisti-&lt;br /&gt;
sche Interpretation sieht in Qur’an 9:29&lt;br /&gt;
und 2:216 die letzte und endgültige&lt;br /&gt;
Entwicklungsstufe der qurfänischen Aus-&lt;br /&gt;
sagen über die Beziehung zwischen der&lt;br /&gt;
Gemeinde der Gläubigen und der nicht-&lt;br /&gt;
muslimischen Umwelt;!? jede situations-&lt;br /&gt;
bezogene Relativierung dieser Aussagen&lt;br /&gt;
wird abgelehnt, die große Zahl der ver-&lt;br /&gt;
söhnlichen, toleranten Aussprüche als&lt;br /&gt;
überholte Zeugnisse der politisch-militä-&lt;br /&gt;
rischen Schwäche der frühen Gemeinde&lt;br /&gt;
abgetan.?° In dieser radikalen Auffassung&lt;br /&gt;
wird der Heilige Krieg zum Wesens-&lt;br /&gt;
bestandteil eines aggressiv vertretenen&lt;br /&gt;
Glaubens. Frieden bedarf damit der vor-&lt;br /&gt;
herigen Unterwerfung aller Anders-&lt;br /&gt;
denkender, auch und besonders in den&lt;br /&gt;
eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch liberale, spirituelle und&lt;br /&gt;
selbst modernistische Richtungen müssen&lt;br /&gt;
daran festhalten, daß Frieden — wirkli-&lt;br /&gt;
cher, dauerhafter Frieden — nur alsFrucht&lt;br /&gt;
des islamischen Gesetzes möglich ist. Es&lt;br /&gt;
geht dabei wohlgemerkt nicht um die&lt;br /&gt;
Konversion aller Andersgläubigen zum Is-&lt;br /&gt;
lam, sondern um Ordnungsstrukturen:&lt;br /&gt;
Die pax islamica bedeutet die universelle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geltung und Anwendung des islamischen&lt;br /&gt;
Rechts, der Shariah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wo reifen im Islam heute Ord-&lt;br /&gt;
nungsstrukturen, die auch für eine mehr-&lt;br /&gt;
heitlich nicht-islamische Weltbevölke-&lt;br /&gt;
rung akzeptabel wären? Wie wird das&lt;br /&gt;
Problem der Anpassung des islamischen&lt;br /&gt;
Gesetzes und einer islamischen Ordnung&lt;br /&gt;
an die Herausfordungen der Moderne be-&lt;br /&gt;
wältigt? Bietet die heute so zersplitterte is-&lt;br /&gt;
lamische Welt denn wenigstens in ihrer&lt;br /&gt;
Geschichte die Verheißung einer retro-&lt;br /&gt;
spektiven Friedensutopie? War die Welt&lt;br /&gt;
des Islam nicht seit dem Tode Muham-&lt;br /&gt;
mads ebenso Schauplatz blutiger Schis-&lt;br /&gt;
men und Machtkämpfe wie ihr christli-&lt;br /&gt;
ches Pendant? Ist fundamentalistische&lt;br /&gt;
Verhärtung in ihren kontroversen Spielar-&lt;br /&gt;
ten, ist der Islamismus als anti-westliche,&lt;br /&gt;
anti-modernistische Ideologie denn über-&lt;br /&gt;
haupt friedensfähig? Hat nicht selbst die&lt;br /&gt;
Shiah ihre eschatologische Erwartung in&lt;br /&gt;
klerikaler Gewaltpolitik veräußerlicht??!&lt;br /&gt;
Wessen Islam soll uns Frieden bringen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar bedarf es eines weiteren An-&lt;br /&gt;
satzes, um die Friedensmächtigkeit dieser&lt;br /&gt;
religiösen Verheißungen besser zu fassen.&lt;br /&gt;
Wir wollen sie dazu nicht als konkurrie-&lt;br /&gt;
rende Entwürfe verstehen, sondern heils-&lt;br /&gt;
geschichtlich aufeinander beziehen. Das&lt;br /&gt;
Dogma der fortschreitenden Offenbarung&lt;br /&gt;
in der Bahä’i-Religion legt diese Interpre-&lt;br /&gt;
tation nahe. Diesem Verständnis entspre-&lt;br /&gt;
chend, ist alle Religion als Offenbarungs-&lt;br /&gt;
religion Ausdruck des sich fortschreitend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 Qur’än 9:29 lautet: »Kämpfet wider diejenigen&lt;br /&gt;
aus dem Volk der Schrift, die nicht an Gott&lt;br /&gt;
und den Jüngsten Tag glauben und nicht ver-&lt;br /&gt;
bieten, was Gott und Sein Gesandter verboten&lt;br /&gt;
haben, und nicht der wahren Religion/Ord-&lt;br /&gt;
nung (din) angehören, bis sie den Tribut aus&lt;br /&gt;
der Hand gedemütigt entrichten.« Vgl. auch&lt;br /&gt;
Qur’än 9:5, 9:36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 Vgl. auch Qur’än 2:190, 2:256, 4:90, 5:8, 8:61f,&lt;br /&gt;
16:125, 20:130, 29:46, 49:9, 49:13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 Vgl. dazu meine Rezension: Stationen politi-&lt;br /&gt;
scher Theologie im schiitischen Islam, in&lt;br /&gt;
Bahá’í-Briefe 48, 13. Jg. 1984, S. 66ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 131&lt;br /&gt;
{{page|132|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
enthüllenden göttlichen Willens. Reli-&lt;br /&gt;
gion ist immer auch ein historisches Phä-&lt;br /&gt;
nomen: verändernde Triebkraft als Wi-&lt;br /&gt;
derschein und zugleich Gegenbild einer&lt;br /&gt;
bestimmten Epoche.?? Löst man sie über&lt;br /&gt;
diese Erkenntnis nicht historistisch auf, als&lt;br /&gt;
je Singuläres, unvergleichbar mit Vergan-&lt;br /&gt;
genem oder Künftigem, so kann jede hi-&lt;br /&gt;
storische Ausprägung offenbarter Reli-&lt;br /&gt;
gion Ausdruck gegenwärtigen Heils und&lt;br /&gt;
zugleich dessen Entwicklung sein. Damit&lt;br /&gt;
gewinnen Aussagen über Krieg und Frie-&lt;br /&gt;
den eine geschichtliche Dimension, die&lt;br /&gt;
zur Eschatologie in eine neue Beziehung&lt;br /&gt;
gebracht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... stiftet Frieden unter ihnen...«&lt;br /&gt;
Quran 49:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alten Testament führt das Volk Gottes,&lt;br /&gt;
trotz des absoluten Tötungsverbots,*&lt;br /&gt;
Kriege, die als Verteidigungskriege für&lt;br /&gt;
Volk und Glauben die Billigung und Hilfe&lt;br /&gt;
Gottes erfahren. Billigung und Hilfe&lt;br /&gt;
aber sind abhängig von der absoluten Un-&lt;br /&gt;
terwerfung des Volkes Israel unter den&lt;br /&gt;
Willen Gottes, vom Gehorsam gegenüber&lt;br /&gt;
Seinen Gesetzen.” Unter dieser Voraus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 Vgl. etwa Shoghi Effendi, Weltordnung, S$.&lt;br /&gt;
91-95&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 In den Worten Bahä’u’llähs: »Denn jedes Zeit-&lt;br /&gt;
alter fordert ein neues Maß an Gottes Licht.&lt;br /&gt;
Jede göttliche Offenbarung wurde so herabge-&lt;br /&gt;
sandt, wie es den Verhältnissen des Zeitalters&lt;br /&gt;
entsprach, in dem sie erschien.« Ährenlese&lt;br /&gt;
34:7. Vgl. auch Abdu’l-Bahás Unterscheidung&lt;br /&gt;
eines ewigen und eines zeitbedingten Teils der&lt;br /&gt;
Religion, Beantwortete Fragen, Kap. 11, S.&lt;br /&gt;
58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 5, Mose 5:17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 Vgl. etwa 2. Mose 17:8; 23:22, 27-33; 5. Mose&lt;br /&gt;
7:17-24; 11:25; 28:7; Richter 1:4; 4:14f; 5:11,&lt;br /&gt;
31: 6:14, 16; 7; Josua 7; 8:1-29; 10:8; 11:6, 15;&lt;br /&gt;
23:3-5, 9f; 24:8-12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 „Seht, ich lege euch heute Segen und Fluch&lt;br /&gt;
vor: den Segen, wenn ihr gegen den Herrn, eu-&lt;br /&gt;
ren Gott, gehorsam seid, den Fluch aber, wenn&lt;br /&gt;
ihr den Befehlen des Herrn, eures Gottes nicht&lt;br /&gt;
Folge leistet, sondern abweicht von dem Weg,&lt;br /&gt;
den ich euch heute anbefehle ...« 5. Mose&lt;br /&gt;
11:26-28; vgl. auch 3. Mose 26:24-39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
132 BAHAT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzung sind Tapferkeit und Opferbereit-&lt;br /&gt;
schaft des Kriegers anerkannte und er-&lt;br /&gt;
wünschte Tugenden: »Seidtapfer und laßt&lt;br /&gt;
uns mutig eintreten für unser Volk und die&lt;br /&gt;
Städte Gottes. Der Ewige aber tue, was&lt;br /&gt;
Ihm wohlgefällt.«2” Der Kämpfende wird&lt;br /&gt;
zum Werkzeug Gottes, jeder Sieg ist ein&lt;br /&gt;
Sieg des Herrn allein, mangelnde Opfer-&lt;br /&gt;
bereitschaft und mangelnder Mut der&lt;br /&gt;
Gläubigen sind ein Bruch des Bündnis-&lt;br /&gt;
ses.” Die bindende Verpflichtung des&lt;br /&gt;
fünften Gebotes wird also suspendiert,&lt;br /&gt;
wenn die Bewahrung des göttlichen Ge-&lt;br /&gt;
setzes dies unvermeidlich macht. Der&lt;br /&gt;
»Zorn Gottes« wird so zur Gnade, weil&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur durch diesen schmerzhaften Schritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Gesetz Gottes?” als höchstes Gut für&lt;br /&gt;
Volk und Welt, für Gegenwart und Zu-&lt;br /&gt;
kunft, bewahrt werden kann.” Das he-&lt;br /&gt;
bräische schalom’! ist in seiner Bedeutung&lt;br /&gt;
nicht deckungsgleich mit dem deutschen&lt;br /&gt;
Wort »Frieden«: »Während einerseits&lt;br /&gt;
schalom sein Heil-Wohl nicht immer&lt;br /&gt;
friedlich erwirken muß,” ... schwingen&lt;br /&gt;
andererseits in den Drei Göttlichen Tugen-&lt;br /&gt;
den chessed?, zedek* und emeth” einige&lt;br /&gt;
Grundkomponenten von Frieden mit.&lt;br /&gt;
Beracha”* heißt nicht nur: mit irdischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 2. Samuel 10:12&lt;br /&gt;
28 Vgl. etwa Richter 5:23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29 Vgl. 2. Mose 22:23 und 5. Mose 6:25. Das gött-&lt;br /&gt;
liche Gesetz ist die unabdingbare Leiter zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vervollkommnung des einzelnen wie der&lt;br /&gt;
Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies zeigt sich auch in der Situation eines Bru-&lt;br /&gt;
derkriegs: Richter 19:22-20:48. Auch die zahl-&lt;br /&gt;
reichen Todesstrafen für Vergehen gegen das&lt;br /&gt;
göttliche Gesetz sind so zu verstehen, etwa: 2.&lt;br /&gt;
Mose 21:12, 14-17, 29; 22:17f; 3. Mose 10:9;&lt;br /&gt;
18:29; 20:3-6, 9-21, 27; 24:17, 21; 4. Mose&lt;br /&gt;
15:31, 35; 25:4f; 5. Mose 13:6, 7-12, 13-17;&lt;br /&gt;
17:1-7, 12; 19:21; 21:21; 22:21-25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Dieser Begriff findet sich im Alten Testament&lt;br /&gt;
237 mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Etwa Jeremia 28:9: 2. Samuel 11:7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33 »Huld«, »Gnade«, »Bundestreue« usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34 „Recht«, »Gerechtigkeit« usw.&lt;br /&gt;
35 „Wahrheit«, »Treue«, »Zuverlässigkeit« usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 „Segen«&lt;br /&gt;
{{page|133|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=19}}Glücksgütern versehen, sondern auch:&lt;br /&gt;
von Gott geführt werden und Seinen&lt;br /&gt;
Schutz genießen, was mit dem Gewähren&lt;br /&gt;
des schalom weitgehend gleichbedeutend&lt;br /&gt;
ist. Ebenso ist berith?” fast ausnahmslos&lt;br /&gt;
gedanklich mit schalom verbunden.«”°&lt;br /&gt;
Bündnistreue, Bewahren und Lebendiger-&lt;br /&gt;
halten der göttlichen Ordnung, das Ins-&lt;br /&gt;
Werk-Setzen der im göttlichen Hilfsver-&lt;br /&gt;
sprechen enthaltenen Friedensverhei-&lt;br /&gt;
Bung,” bleiben ein ständiger Auftrag an&lt;br /&gt;
die Gläubigen und sind damit ein Stück&lt;br /&gt;
präsenter Eschatologie, ein Heil, das zwar&lt;br /&gt;
schon gegeben, aber nie gänzlich eingelöst&lt;br /&gt;
ist und das die Menschen in ihrer Ver-&lt;br /&gt;
stocktheit immer wieder verwirken.” »So&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind ... Wohl und Heil, Wohlbefinden,&lt;br /&gt;
Wohlwollen und Seelenruhe, Wohlfahrt&lt;br /&gt;
und Sicherheit, Glück und Sozialharmo-&lt;br /&gt;
nie die komplementären Aspekte ein und&lt;br /&gt;
desselben schalom, der so unteilbar ist,&lt;br /&gt;
wie die biblischen Bereiche Politik, Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, Natur und Theologie, die im jüdi-&lt;br /&gt;
schen Zusammendenken eine einzige&lt;br /&gt;
Weltordnung unter Dem Einen Gott aus-&lt;br /&gt;
machen.«*! Gleichzeitig stellt aber diese&lt;br /&gt;
Ordnung die heilsgeschichtliche Voraus-&lt;br /&gt;
setzung des für die Zukunft verheißenen&lt;br /&gt;
Friedensreichs dar, der zukünftigen&lt;br /&gt;
Eschatologie. So prophezeit Jesaja: »Es&lt;br /&gt;
wird zur Letzten Zeit der Berg, da des&lt;br /&gt;
Herrn Haus ist, fest stehen, höher denn&lt;br /&gt;
alle Berge, und über alle Hügel erhaben&lt;br /&gt;
werden, und alle Völker strömen zu ihm...&lt;br /&gt;
Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen,&lt;br /&gt;
und des Herrn Wort von Jerusalem. Und&lt;br /&gt;
er wird richten unter den Heiden und stra-&lt;br /&gt;
fen viele Völker. Da werden sie ihre&lt;br /&gt;
Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spie-&lt;br /&gt;
Be zu Sicheln machen. Denn es wird kein&lt;br /&gt;
Volk wider das andere ein Schwert aufhe-&lt;br /&gt;
ben, und werden hinfort nicht mehr krie-&lt;br /&gt;
gen lernen.«*?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die frühen Christen stellt sich das&lt;br /&gt;
Problem der Bewahrung und Sicherung&lt;br /&gt;
der gottgegebenen Ordnung nicht in der-&lt;br /&gt;
selben Weise: Nirgends ist das Christen-&lt;br /&gt;
tum in den ersten zwei Jahrhunderten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch rechtlich-soziale Gesellschaft, über-&lt;br /&gt;
all .ist es sporadisch verfolgte gläubige&lt;br /&gt;
Minderheit in einem glaubensfremden&lt;br /&gt;
Staat. Aufgrunddessen und infolge ihrer&lt;br /&gt;
sozialen Rekrutierungsbasis®” waren die&lt;br /&gt;
Christen dieser Zeit politisch unwirksam&lt;br /&gt;
und überwiegend desinteressiert. Das neu&lt;br /&gt;
bestärkte fünfte Gebot,* das für jeden&lt;br /&gt;
einzelnen gesprochene Gebot der Näch-&lt;br /&gt;
stenliebe* und der Aufruf Jesu zum Ge-&lt;br /&gt;
waltverzicht* »wird im 1. und 2. christ-&lt;br /&gt;
lichen Jahrhundert fast durchgehend, im&lt;br /&gt;
3. Jahrhundert noch weitgehend pazi-&lt;br /&gt;
fistisch ernst genommen«°. Dabei bleibt&lt;br /&gt;
das Problem der Heilsbewahrung durch&lt;br /&gt;
tätige Sicherung des göttlichen Gesetzes&lt;br /&gt;
— wie alle Fragen konkreter Weltgestal-&lt;br /&gt;
tung — außer acht: sie sind unwichtig,&lt;br /&gt;
verblassen vor der unmittelbaren Erwar-&lt;br /&gt;
tung der Wiederkunft Christi. So wurde&lt;br /&gt;
auch die Ermahnung Christi zur Ge-&lt;br /&gt;
setzestreue® rein individuell und völlig&lt;br /&gt;
ahistorisch verstanden; die »Erfüllung des&lt;br /&gt;
Gesetzes« ist kein gesellschaftlicher Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37 „Bund«, »Verheißung«, »Bündnis«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 Pinchas Lapide, Zukunftserwartung und Frie-&lt;br /&gt;
den im Judentum, in: Gerhard Liedke (Hrsg.),&lt;br /&gt;
Eschatologie und Frieden, Heidelberg 1978,&lt;br /&gt;
Bd. 2, 5. 127&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39 Vgl. etwa 3. Mose 26:6-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40 Etwa 2. Mose 32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Lapide, a.a.O., S. 128f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
42 2.2-4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
% Vgl. dazu Friedrich Wilhelm Kantzenbach,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christentum und Gesellschaft, Bd. 1, Ham-&lt;br /&gt;
burg 1975, S. 44-49&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Matthäus 5:21; 19:18; Markus 10:19; Lukas&lt;br /&gt;
18:20; Römer 13:9; Jakobus 2:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
45 Matthäus 5:43; 19:19; 22:39; Markus 12:31,&lt;br /&gt;
33; Lukas 10:27; Römer 13:9; Galater 5:14; Ja-&lt;br /&gt;
kobus 2:8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
46 Matthäus 5:9, 39-41, 43f; 26:51f; Markus&lt;br /&gt;
14:47: Johannes 18:10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
47 Paulus Engelhardt, Die Lehre vom »gerechten&lt;br /&gt;
Krieg« in der vorreformatorischen und ka-&lt;br /&gt;
tholischen Tradition, in: Hessische Stiftung&lt;br /&gt;
Friedens- und Konfliktforschung (Hrsg.), Der&lt;br /&gt;
gerechte Krieg: Christentum, Islam, Marxis-&lt;br /&gt;
mus, Frankfurt 1980, S. 72&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
48 Matthäus 5:17-20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 133&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|134|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=20}}staltungsauftrag, sondern perfectum&lt;br /&gt;
praesens: die Frohbotschaft des erschie-&lt;br /&gt;
nenen Christus. Kriege, und damit auch&lt;br /&gt;
alle Überlegung zu deren Notwendigkeit&lt;br /&gt;
oder Rechtmäßigkeit, gehören zu den&lt;br /&gt;
Kennzeichen einer unheiligen Welt, von&lt;br /&gt;
der man sich distanziert. Die Erwartung&lt;br /&gt;
der nahen Parusie, der Wiederkunft Chri-&lt;br /&gt;
sti zum Weltgericht, enthebt die Christen&lt;br /&gt;
solcher Überlegungen. Gott selbst wird&lt;br /&gt;
durch Seinen Sohn das ersehnte und ver-&lt;br /&gt;
heißene Friedensreich bringen, Er selbst&lt;br /&gt;
wird, wie die Schrift verheißt, Krieger sein&lt;br /&gt;
und Richter über Seine Feinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit der offenbaren Parusieverzöge-&lt;br /&gt;
rung und mit dem Hinüberwachsen der&lt;br /&gt;
Christen zur staatstragenden Kraft mußte&lt;br /&gt;
man sich diesem Fragenkomplex stellen.”&lt;br /&gt;
Augustinus steht am Anfang eines langen&lt;br /&gt;
Ringens um die Bestimmung des gerech-&lt;br /&gt;
ten Kriegs. Dabei bleibt die Beziehung&lt;br /&gt;
zwischen weltlicher und geistlicher Macht&lt;br /&gt;
immer kontrovers; die selbstverständliche&lt;br /&gt;
Einheit von Glaube und Gesellschaft, von&lt;br /&gt;
göttlichem Gebot und staatlichem Recht&lt;br /&gt;
hat es im Christentum nie gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders im Islam. Islam heißt »Er-&lt;br /&gt;
gebung«, »Unterwerfung«, und dies be-&lt;br /&gt;
zieht sich nicht nur auf den individuellen&lt;br /&gt;
Lebenswandel, sondern auf die Gesamt-&lt;br /&gt;
heit des politisch-gesellschaftlichen Le-&lt;br /&gt;
bens. Islam ist die Ergebung in den Willen&lt;br /&gt;
Gottes und die Befolgung Seiner Gesetze&lt;br /&gt;
— in allen Bereichen und zu allen Zeiten:&lt;br /&gt;
»Und wer eine andere Glaubenslehre&lt;br /&gt;
sucht als den Islam: nimmer soll sie von&lt;br /&gt;
ihm angenommen werden, und im zu-&lt;br /&gt;
künftigen Leben soll er unter den Verlie-&lt;br /&gt;
renden sein.«°° So verweist Muhammad,&lt;br /&gt;
an die Juden gewandt, zurück auf das Alte&lt;br /&gt;
Testament: »Dies ist die Religion eures&lt;br /&gt;
Vaters Abraham. Er nannte euch Musli-&lt;br /&gt;
mim, das heißt: die sich Gott unter-&lt;br /&gt;
werfen.«°! Und es ist kein Zufall, daß das&lt;br /&gt;
arabische islam mit dem hebräischen&lt;br /&gt;
schalom (wie auch mit dem arabischen&lt;br /&gt;
salam) stammverwandt ist: Durch die Be-&lt;br /&gt;
folgung des göttlichen Gesetzes gilt für je-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
134 BAHÄTI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
de Zeit und für jede Offenbarung das Ver-&lt;br /&gt;
sprechen Gottes an Sein Volk im Alten Te-&lt;br /&gt;
stament: »Ich verleihe dem Land Frieden:&lt;br /&gt;
Ihr könnt euch niederlegen, ohne daß&lt;br /&gt;
euch jemand aufschreckt; ... kein Schwert&lt;br /&gt;
soll in eurem Land umgehen! Ihr werdet&lt;br /&gt;
eure Feinde in die Flucht schlagen; sie wer-&lt;br /&gt;
den vor euch durch das Schwert fallen!...&lt;br /&gt;
Ich wende mich euch zu, lasse euch frucht-&lt;br /&gt;
bar und zahlreich werden und errichte&lt;br /&gt;
meinen Bund mit euch!«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgerichtig ist im politischen Denken&lt;br /&gt;
des Islam die Welt aufgeteilt in das dar al-&lt;br /&gt;
islam, das »Reich des Friedens«, in dem je-&lt;br /&gt;
der Kampf und Streit zwischen rechtgläu-&lt;br /&gt;
bigen Muslimen verboten ist und das Ge-&lt;br /&gt;
setz Gottes gilt, und in das dar al-harb”,&lt;br /&gt;
das »Reich des Krieges«, in dem das gött-&lt;br /&gt;
liche Gesetz noch nicht zur Geltung ge-&lt;br /&gt;
bracht wurde. Den Gläubigen ist es zur&lt;br /&gt;
Pflicht gemacht, sich mit ihrem »Vermö-&lt;br /&gt;
gen und in eigener Person auf dem Pfad&lt;br /&gt;
Gottes« zu mühen.”* Diese Pflicht impli-&lt;br /&gt;
ziert auch den bewaffneten Schutz der&lt;br /&gt;
Sache Gottes, gegen den Angriff von au-&lt;br /&gt;
ßen — zur Verteidigung des muslimischen&lt;br /&gt;
Gebiets muß unbedingt jeder Gläubige in&lt;br /&gt;
den Kampf ziehen —”, wie gegen den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Die veränderte Lage spiegelt sich in einem Be-&lt;br /&gt;
schluß der von Konstantin einberufenen Syn-&lt;br /&gt;
ode von Arles in Jahre 314: »In Bezug auf die,&lt;br /&gt;
die im Frieden die Waffen wegwerfen, gefiel es&lt;br /&gt;
(der Synode), daß sie sich der Kommunion&lt;br /&gt;
enthielten.« Also Exkommunikation der Be-&lt;br /&gt;
fehlsverweigerer im Heer in Friedenszeiten.&lt;br /&gt;
Nach Engelhardt, S. 73&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
50 Qur’än 3:86&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5l Qur‘än 22:77; vgl. dazu Qurän 2:125: »Gott&lt;br /&gt;
sagte zu Abraham: unterwerfe dich (arab.: ass-&lt;br /&gt;
lim lAlläh)!« mit Bezug auf 1. Mose 17:1 »Ich&lt;br /&gt;
bin der Allmächtige Gott: wandle vor mir und&lt;br /&gt;
sei ungeteilt (hebr.: schelim) mit mir.« Des&lt;br /&gt;
weiteren Qur’än 2:124ff; 3:68, 95. Siehe dazu&lt;br /&gt;
Pinchas Lapide a.a.O., S. 143f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
52 3. Mose 26:6-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
53 Oder där al-kufr, das »Gebiet der Ungläubi-&lt;br /&gt;
gen«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
54 Qur’än 9:41&lt;br /&gt;
55 Vgl. Christiane Rajewsky, Der gerechte Krieg&lt;br /&gt;
im Islam, in: Der gerechte Krieg, S. 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|135|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=21}}heimtückischen Versuch, Gläubige zum&lt;br /&gt;
Unglauben zu verführen; auch in diesem&lt;br /&gt;
Fall ist selbst im heiligen Monat” der&lt;br /&gt;
Kampf erlaubt: »In ihm kämpfen ist ein&lt;br /&gt;
schweres Vergehen. Aber vom Pfad Got-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tes abhalten, Ihn leugnen und Gläubige&lt;br /&gt;
von der heiligen Stätte abhalten und deren&lt;br /&gt;
Anwohner vertreiben wiegt bei Gott&lt;br /&gt;
schwerer. Und der Versuch, Gläubige zum&lt;br /&gt;
Abfall vom Islam zu verführen, wiegt&lt;br /&gt;
schwerer als Töten. Und sie werden nicht&lt;br /&gt;
eher aufhören euch zu bekämpfen, als bis&lt;br /&gt;
sie euch von eurem Glauben abtrünnig ge-&lt;br /&gt;
macht haben — wenn sie es vermögen.«”&lt;br /&gt;
Wie im Alten Testament sind es die heid-&lt;br /&gt;
nischen Götzendiener, die Ungläubigen,°®&lt;br /&gt;
von denen eine tödliche Bedrohung für&lt;br /&gt;
den jungen Glauben ausgeht.° Und eben-&lt;br /&gt;
falls wie im Alten Testament verbietet der&lt;br /&gt;
Qurän zum Schutz der Gläubigen jede&lt;br /&gt;
Vermischung mit ihnen® und jede&lt;br /&gt;
Nachsicht,°! allerdings nur — und hier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
56 Heilige Monate sind der erste, Muharram, der&lt;br /&gt;
neunte, Ramadan, der elfte, Dhü I-qada und&lt;br /&gt;
der zwölfte, Dhü I-hijja, der zwölf Monate&lt;br /&gt;
des islamischen Mondjahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 Qur’än 2:217&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
58 Im Unterschied zu den »Völkern des Buches«,&lt;br /&gt;
den Anhängern der dem Islam vorangegange-&lt;br /&gt;
nen Öffenbarungsreligionen, die bereits an&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den einen Gott glauben und denen im Qur’än&lt;br /&gt;
eine vorher nie gekannte Toleranz zuteil wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5° So flehte Muhammad in der Schlacht von&lt;br /&gt;
Badr (März 624): »O Gott! Erfülle, was Du mir&lt;br /&gt;
verheißen hast! Sollte diese Schar von Musli-&lt;br /&gt;
men hinweggerafft werden, niemand bliebe&lt;br /&gt;
auf Erden zurück, Dir zu dienen.« Zitiert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach: Hasan M. Balyuzi, Muhammad and the&lt;br /&gt;
Course of Islam, Oxford 1976, S. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß hier auch auf den Unterschied in der&lt;br /&gt;
Situation Muhammads und Jesu hingewiesen&lt;br /&gt;
werden: »... die aggressive und drohende Hal-&lt;br /&gt;
tung der Götzendiener zwang Muhammad&lt;br /&gt;
zum Handeln, da Er nicht länger nur Nadhir&lt;br /&gt;
(der »Warner«) und Bashir (‚der Bringer der&lt;br /&gt;
Frohbotschaft«) war (— wie Jesus —) sondern&lt;br /&gt;
als Oberhaupt einer großen Oase Pflichten ge-&lt;br /&gt;
genüber der Bevölkerung hatte. Er mußte für&lt;br /&gt;
die Sicherheit der Menschen in Medina sor-&lt;br /&gt;
gen...« Balyuzi, S. 62. Daneben sei auf eine Be-&lt;br /&gt;
sonderheit der römischen Religionspolitik ver-&lt;br /&gt;
wiesen: Die römische Religionsvorstellung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeigt sich der Islam als universale Religion&lt;br /&gt;
und als neue Stufe in der Entfaltung der&lt;br /&gt;
göttlichen Gnade‘? — solange sie in ihrem&lt;br /&gt;
Götzendienst verharren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Qur‘än nennt klare Vorschriften für&lt;br /&gt;
die Kriegführung‘? und zur Begrenzung&lt;br /&gt;
der dafür notwendigen Gewalt, denn&lt;br /&gt;
»Gott liebt nicht die Maßlosen«“. Von&lt;br /&gt;
den Gläubigen verlangt Er Opferbereit-&lt;br /&gt;
schaft und Tapferkeit und verheißt&lt;br /&gt;
dafür ihre Überlegenheit im Kampf: »Pro-&lt;br /&gt;
phet! Feure die Gläubigen zum Kampf an!&lt;br /&gt;
Wenn unter euch zwanzig sind, die Ge-&lt;br /&gt;
duld und Ausdauer zeigen, werden sie&lt;br /&gt;
über zweihundert, und wenn unter euch&lt;br /&gt;
hundert sind, werden sie über tausend von&lt;br /&gt;
den Ungläubigen siegen.«” Wer im&lt;br /&gt;
Kampf für die Sache Gottes den Tod fin-&lt;br /&gt;
det, ist ein shahid, ein Zeuge oder Märty-&lt;br /&gt;
rer seines Glaubens, dem der schönste&lt;br /&gt;
Lohn des Paradieses zugedacht ist. Und&lt;br /&gt;
der Qur’än stellt fest, daß nur der das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war von Anfang an offen für die Übernahme&lt;br /&gt;
fremder Götter und Kulte, die in die eigene&lt;br /&gt;
Glaubenswelt integriert wurden. Die Christen&lt;br /&gt;
wurden in dieser Atmosphäre relativer religiö-&lt;br /&gt;
ser Toleranz — oder besser Indifferenz — nur&lt;br /&gt;
darum sporadisch verfolgt, weil sie nicht be-&lt;br /&gt;
reit waren, auch den heidnischen Göttern mit&lt;br /&gt;
zu huldigen, eine Weigerung, die mit dem Kai-&lt;br /&gt;
serkult auch politische Dimensionen annahm.&lt;br /&gt;
Eine systematische, kontinuierliche Verfol-&lt;br /&gt;
gung der Christen um ihres Glaubens willen,&lt;br /&gt;
die den Fortbestand ihrer Religion gefährdet&lt;br /&gt;
hätte, hat es nie gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
60 2:221; vgl. auch 2. Mose 34:16; 5. Mose 7:3f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
61 47:4; 9:13f, 123; vgl. 2. Mose 23:32f; 34:12,&lt;br /&gt;
15; 5. Mose 7:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
62 Vgl. dagegen 5. Mose 23:3-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
63 2:190-193; 8:1, 15-19, 38-41, 56-61, 65-71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
64 Qur’an 2:190&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
65 Vgl. 2:216; 9:24, 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
66 Muhammad trug ein Schwert mit den eingra-&lt;br /&gt;
vierten Worten: »Feigheit trägt ihr Mal, ein&lt;br /&gt;
kühner Angriff beweist den Heldenmut. Wer&lt;br /&gt;
aber flieht, kann seinem Schicksal nicht entge-&lt;br /&gt;
hen.« Zitiert nach Balyuzi, 5. 77&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
67 Qur’än 8:65; vgl. 3. Mose 26:8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
68 Qur’än 3:169; 9:88f, 111; 22:.58f: 47:4, 6;&lt;br /&gt;
61:11f; vgl. auch Balyuzi, S. 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 135&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|136|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=22}}Opfer des »sich Mühens für Gott« ver-&lt;br /&gt;
weigert und um Entbindung von seiner&lt;br /&gt;
Pflicht bittet, der »nicht an Gott und den&lt;br /&gt;
Jüngsten Tag« glaubt.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie im Judentum, so ist auch im Islam&lt;br /&gt;
die göttlich offenbarte Ordnung ein Stück&lt;br /&gt;
präsenter Eschatologie, das es unter allen&lt;br /&gt;
Umständen zu bewahren gilt, auch mit&lt;br /&gt;
dem Mittel des Kriegs. Daneben verweist&lt;br /&gt;
aber auch der Qur’än auf ein zukünftiges&lt;br /&gt;
Friedensreich, auf die »Stunde des Ge-&lt;br /&gt;
richts«, auf den »Tag Gottes«, an der Er al-&lt;br /&gt;
lein der Richter und der Herrscher sein&lt;br /&gt;
wird.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die muslimischen Tugenden der Krieg-&lt;br /&gt;
führung blieben nicht ohne Auswirkung&lt;br /&gt;
auf das christliche Abendland. In der&lt;br /&gt;
reconquista’”&#039; und in den Kreuzzügen”?&lt;br /&gt;
kam man in engen Kontakt mit den ghazi,&lt;br /&gt;
den Glaubenskämpfern des Islam, diesich&lt;br /&gt;
an der Grenze zwischen dar al-islam und&lt;br /&gt;
där al-harb in besonders asketischen, reli-&lt;br /&gt;
giöse und kriegerische Tugenden ver-&lt;br /&gt;
schmelzenden Bruderschaften zusam-&lt;br /&gt;
mengefunden hatten. Auf der christlichen&lt;br /&gt;
Seite entstanden, besonders in Spanien&lt;br /&gt;
und Sizilien, ganz ähnliche Strukturen,&lt;br /&gt;
und es gibt Hinweise darauf, daß die Idee&lt;br /&gt;
der Verteidigung und der Ausbreitung des&lt;br /&gt;
christlichen Glaubens mit dem Schwert&lt;br /&gt;
auf islamisches Gedankengut zurückge-&lt;br /&gt;
griffen hat.”” Die kämpferisch-religiöse&lt;br /&gt;
Tugend des ghäzi stieß auf ein aufnahme-&lt;br /&gt;
bereites Vakuum auf christlicher Seite:&lt;br /&gt;
Der spannungsreichen Beziehung zwi-&lt;br /&gt;
schen Gewalt, Recht und Religion wurde&lt;br /&gt;
hier ein versöhntes Ideal vorgeführt, das&lt;br /&gt;
zum christlichen Ritterideal umgeformt&lt;br /&gt;
wurde. Zwischen dem Ende des 12. und&lt;br /&gt;
der Mitte des 13. Jahrhunderts weist der&lt;br /&gt;
schon vorher bestehende Begriff ritter eine&lt;br /&gt;
völlige Veränderung des Gefühlswerts,&lt;br /&gt;
verbunden mit einer vollkommen neuen&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Einschätzung der Rit-&lt;br /&gt;
terschaft auf,” der so weit ging, daß ab&lt;br /&gt;
1200 auch Könige mit dem Rittertitel be-&lt;br /&gt;
dacht werden.” Als literarische Zeugnisse&lt;br /&gt;
mag man dabei an die Neugestaltung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
136 BAHA’-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artus-Stoffs in den Epen Wolframs von&lt;br /&gt;
Eschenbach, Parzival und Willehalm,&lt;br /&gt;
denken.” Wolfram gestaltet im Parzival,&lt;br /&gt;
was nie christliche Realität wurde: Im&lt;br /&gt;
Gralskönigtum wird Göttliches und&lt;br /&gt;
Menschliches, Recht und Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
Religion und Gesellschaftsgestaltung in&lt;br /&gt;
einem harmonischen Einklang himm-&lt;br /&gt;
lischer und irdischer Gewalten versöhnt.&lt;br /&gt;
Der »heilige Gral« ist dasSymbol des Bun-&lt;br /&gt;
des Gottes, Seines Versprechens an Sein&lt;br /&gt;
Volk, ihm unter der Bedingung absoluter&lt;br /&gt;
Treue und absoluten Gehorsams schalom,&lt;br /&gt;
inneren und äußeren Frieden zu gewäh-&lt;br /&gt;
ren.’”’ Das potentiell Erreichbare, der rela-&lt;br /&gt;
tive innere Frieden und die bewaffnete&lt;br /&gt;
Sicherheit nach außen durch die Ordnung&lt;br /&gt;
des Irdischen nach dem Willen und Gesetz&lt;br /&gt;
Gottes, das was wir beim Judentum und&lt;br /&gt;
im Islam die präsente Eschatologie nann-&lt;br /&gt;
ten, nimmt hier als dichterische Vision Ge-&lt;br /&gt;
stalt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist für die Geltungsdauer dieser Reli-&lt;br /&gt;
gionen der Krieg zwar eine unvermeidli-&lt;br /&gt;
che Gegebenheit; aber er ist in seiner zer-&lt;br /&gt;
störerischen Kraft nicht übermächtig. Die&lt;br /&gt;
Unterwerfung unter den Willen Gottes si-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 9.24, 45&lt;br /&gt;
70 Qur’än 22:55f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
71 Der »Wiedereroberung« Spaniens durch die&lt;br /&gt;
Christen, im 11. bis 13. Jahrhundert (mit Aus-&lt;br /&gt;
nahme Granadas, das erst 1492 fiel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
72 1096 - 1270&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
73 Christiane Rajewsky, S. 37 mit Verweisen. Da-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit wird allerdings nur auf die Ideengeschichte&lt;br /&gt;
des Kreuzzugsgedankens Bezug genommen,&lt;br /&gt;
nicht auf die vielfältigen politischen und wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Motive seiner kriegerischen&lt;br /&gt;
Realisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
74 Johanna Maria von Winter, Rittertum. Ideal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Wirklichkeit, München ?1979, bes. $.18,&lt;br /&gt;
22f, 35-37, 44ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
75 2.20,, 58.23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
76 Es ist kein Zufall, daß gerade Wolfram den&lt;br /&gt;
»Sarazenen« als ritterlichen Gegner, aber auch&lt;br /&gt;
als Freund und Mitgeschöpf achtet und die&lt;br /&gt;
blutige Praxis der Kreuzzüge als »große Sün-&lt;br /&gt;
de« geißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 Ngl. 3. Mose 26:6-9&lt;br /&gt;
{{page|137|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=23}}chert Seinem Volk Ordnung und Frieden&lt;br /&gt;
im Geltungsbereich Seines Gesetzes. Und&lt;br /&gt;
mit der Treue gegenüber diesem Gesetz ist&lt;br /&gt;
das Versprechen verbunden, dieses Volk&lt;br /&gt;
gegen innere und äußere Feinde zu schüt-&lt;br /&gt;
zen und zu stärken. Dieser relative Frieden&lt;br /&gt;
bewaffneter Sicherheit ist potentiell gege-&lt;br /&gt;
ben: Er ist allerdings abhängig von der&lt;br /&gt;
Bündnistreue des (jeweiligen) Volkes Got-&lt;br /&gt;
tes und kann so jederzeit verwirkt werden.&lt;br /&gt;
Das göttliche Gesetz ist in Form und Geist&lt;br /&gt;
Teil der Eschatologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil der Friedensverheißung in Zei-&lt;br /&gt;
ten der Not bezieht sich auf die Wieder-&lt;br /&gt;
herstellung dieses relativen Friedens,” auf&lt;br /&gt;
die Wiedereinsetzung des göttlichen Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzes als Gestaltungsprinzip der Gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft, auf die Erneuerung des Bundes.”&lt;br /&gt;
Dies kann durch abhängige Propheten®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Wiederherstellung des noch gültigen&lt;br /&gt;
Gesetzes sein, oder — als Irost und bereits&lt;br /&gt;
zukünftige Eschatologie, oft in apokalyp-&lt;br /&gt;
tischer Form — der Hinweis auf den näch-&lt;br /&gt;
sten Tag Gottes,®! auf die nächste selb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
78 So etwa sehr deutlich in der historischen Si-&lt;br /&gt;
tuation des Deuterojesaja (ca. 587 - 539 v.&lt;br /&gt;
Chr.), in der Zeit der Rückkehr des Volkes Is-&lt;br /&gt;
rael aus dem Exil in Babylon. Doch auch hier&lt;br /&gt;
sind präsente und zukünftige Eschatologie ver-&lt;br /&gt;
woben, etwa durch den Hinweis auf den »neu-&lt;br /&gt;
en Himmel und die neue Erde«, d.h. die näch-&lt;br /&gt;
ste Manifestation (Jesaja 66:22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
79 Vgl. Jesaja 40:1f,31; 41:10; 45:17; 24f; 46:13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
80 Abdu’l-Bahá unterscheidet zwei Arten von&lt;br /&gt;
Propheten: Die unabhängigen Propheten, im&lt;br /&gt;
Bahá’í-Schrifttum zumeist Manifestationen ge-&lt;br /&gt;
nannt, sind die Stifter neuer Religionen, Be-&lt;br /&gt;
gründer eines neuen religiösen Gesetzes, wie&lt;br /&gt;
etwa Moses, Christus, Muhammad, der Báb&lt;br /&gt;
und Bahä’ulläh. Abhängige Propheten, wie et-&lt;br /&gt;
wa David, Jesaja, Jeremia und Hesekiel, sind&lt;br /&gt;
Nachfolger der vorangegangenen Manifesta-&lt;br /&gt;
tion, Bekräftiger und Förderer des bereits ge-&lt;br /&gt;
stifteten Glaubens und stehen unter dessen&lt;br /&gt;
Gesetz. Vgl. Beantwortete Fragen, Kap. 43,&lt;br /&gt;
$. 163f. Zum Begriff der »Manifestation« siehe&lt;br /&gt;
weiter das Stichwort »Bahäismus« im Bd. 5&lt;br /&gt;
der Theologischen Realenzyklopädie, Berlin&lt;br /&gt;
1979, Ziffer 3.1.2.: Claudia Gollmer, Grundla-&lt;br /&gt;
gen, S. 98ff; Udo Schaefer, Der Bahá’í, 166ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
81 Ein eschatologischer Begriff in allen Religionen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ständige Manifestation Gottes”? und da-&lt;br /&gt;
mit auf den relativen Frieden unter einem&lt;br /&gt;
neuen, zeitgemäßeren und umfassende-&lt;br /&gt;
ren Gesetz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr als dieser relative Frieden bewaff-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
neter Sicherheit war in den bisherigen Re-&lt;br /&gt;
ligionen gesellschaftlich nicht erreichbar&lt;br /&gt;
— egal, ober unter dem gegebenen Gesetz&lt;br /&gt;
als präsente Eschatologie potentiell gege-&lt;br /&gt;
ben, oder als Hinweis auf die je nächste&lt;br /&gt;
Stufe in der Entfaltung des göttlichen&lt;br /&gt;
Heilsplans als künftige Eschatologie visio-&lt;br /&gt;
när geschaut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die prophetischen Visionen verweisen&lt;br /&gt;
daneben aber auch auf einen ganz neuen,&lt;br /&gt;
einen grundsätzlichen, radikalen anderen&lt;br /&gt;
und umfassenden Frieden. Hier verwi-&lt;br /&gt;
schen sich die Grenzen zwischen verhei-&lt;br /&gt;
Bener Zukunft und dem, was christliche&lt;br /&gt;
Theologen die »absolute Zukunft« nen-&lt;br /&gt;
nen. Jedenfalls haben sie recht — selbst&lt;br /&gt;
da, woessich um real verheißene Zukunft&lt;br /&gt;
handelt wenn sie humanistisch-&lt;br /&gt;
sozialistischen Utopien entgegenhalten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sich auf die Erscheinungszeit des Verheiße-&lt;br /&gt;
nen bezieht, vgl. etwa: Ährenlese 4:1, 7:1f, 11:1,&lt;br /&gt;
14:5, 18:2f; Qur’än 19:37-40, 24:65, 28:65f,&lt;br /&gt;
40:15-18; Matthäus 24:36, 25:13; Markus 13:32;&lt;br /&gt;
Apostelgeschichte 2:20, 3:24; Jesaja 2:2, 2:11,&lt;br /&gt;
13:6; Hesekiel 30:3; Obadja 15; Maleachi 3:2.&lt;br /&gt;
Zum kontinuierlichen und verpflichtenden&lt;br /&gt;
Charakter dieser Hinweise schreibt Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä: »Abraham, Friede sei mit Ihm, errichtete&lt;br /&gt;
einen Bundhinsichtlich Mose und gab die frohe&lt;br /&gt;
Botschaft Seines Kommens. Moses errichtete&lt;br /&gt;
ein Bündnis hinsichtlich des Verheißenen und&lt;br /&gt;
verkündete der Welt die gute Kunde der Offen-&lt;br /&gt;
barung Christi. Christus errichtete ein Bündnis&lt;br /&gt;
hinsichtlich des »Trösters« und gab die Botschaft&lt;br /&gt;
Seines Kommens. Der Prophet Muhammad er-&lt;br /&gt;
richtete ein Bündnis hinsichtlich des Báb (siehe&lt;br /&gt;
Anm. 248), und der Bab war der von Muham-&lt;br /&gt;
mad Verheißene, denn Muhammad gab die&lt;br /&gt;
Botschaft Seines Kommens.« Abdu’l-Bahá, in:&lt;br /&gt;
Bahät World Faith. Selected Writings of&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh and ‘Abdu’l-Bahá, Wilmette ?1976,&lt;br /&gt;
S. 358. Zum Begriff des »Trösters« (Johannes&lt;br /&gt;
14:16) vgl. Der Báb, Der Persische Bayän 4:11;&lt;br /&gt;
siehe auch Hermann Grossmann, Bündnis,&lt;br /&gt;
S. 39, Anm. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
82 Siehe Anm. 80&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 137&lt;br /&gt;
{{page|138|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=24}}daß dieses Friedensreich, dieses »Reich&lt;br /&gt;
Gottes auf Erden«, diese Versöhnung von&lt;br /&gt;
Individuum und Gesellschaft, von Frei-&lt;br /&gt;
heit und Ordnung, dieses Ende der »Herr-&lt;br /&gt;
schaft von Menschen über Menschen«&lt;br /&gt;
und die Entfaltung einer friedvollen,&lt;br /&gt;
wahrhaft repressionsfreien Weltkultur,&lt;br /&gt;
der Mensch sich nicht selbst durch sein&lt;br /&gt;
planendes, gestaltendes Handeln geben&lt;br /&gt;
kann: Diese radikal andere Welt ist ein Ge-&lt;br /&gt;
schenk, die vorgängige Gnade Gottes, auf&lt;br /&gt;
die der Mensch durch sein Handeln nur&lt;br /&gt;
antworten kann? und muß, will er das&lt;br /&gt;
ihm bereitete Heil nicht in Unheil verkeh-&lt;br /&gt;
ren. Erst wenn diese Gnade präsent, wenn&lt;br /&gt;
diese neue Stufe des göttlichen Heilsplans&lt;br /&gt;
gegenwärtig ist, dann wird die verant-&lt;br /&gt;
wortliche und tätige Erfüllung des verhei-&lt;br /&gt;
Benen Weltfriedens durch die Völker der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt zur präsenten Eschatologie, zur rea-&lt;br /&gt;
len Möglichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Und es fiel Feuer vom Himmel und ver-&lt;br /&gt;
zehrte sie.« Offenbarung 20:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unverkennbar befinden wir uns seit dem&lt;br /&gt;
6. August des Jahres 1945 in einer neuen&lt;br /&gt;
Phase der Kriegsgeschichte, für die wir&lt;br /&gt;
keine historische Parallele kennen. Wir&lt;br /&gt;
können nach Hiroschima nicht mehr auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bewährte Denkmuster zurückgreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 So stellt Abdu1-Baha mit Bezug auf Qur’än&lt;br /&gt;
8:63 fest: »Nichts in der Welt ist durchführbar,&lt;br /&gt;
ja nicht einmal denkbar ohne Einheit und Ein-&lt;br /&gt;
klang, und das vollkommene Mittel, Freund-&lt;br /&gt;
schaft und Einheit zu bewirken, ist wahre Reli-&lt;br /&gt;
gion. »Hättest Du auch alle Schätze der Welt&lt;br /&gt;
darauf verwandt, ihre Herzen hättest Du nicht&lt;br /&gt;
geeint; Gott aber hat sie geeint (Qur’an 8:63).««&lt;br /&gt;
Das Geheimnis göttlicher Kultur, S. 70; vgl.&lt;br /&gt;
auch Quriän 48:29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
84 Das Gesamtarsenal atomarer Waffen ent-&lt;br /&gt;
spricht derzeit der Sprengwirkung von 20&lt;br /&gt;
Mrd. Tonnen TNT, das ist 1,6 millionenmal&lt;br /&gt;
die Sprengkraft der Hiroschimabombe. Um-&lt;br /&gt;
gerechnet auf die Weltbevölkerung ist dies ei-&lt;br /&gt;
ne Sprengkraft von 5 Tonnen TNT pro Kopf;&lt;br /&gt;
auf jeden Einwohner der zu den beiden gro-&lt;br /&gt;
Ben Militärblöcken gehörenden Staaten um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
138 BAHAI-BRIEFE SO OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor 150 Jahren konnte der Krieg als&lt;br /&gt;
»Fortsetzung der Politik mit anderen Mit-&lt;br /&gt;
teln« beschrieben werden, als legitimes&lt;br /&gt;
und einsetzbares Instrument souveräner&lt;br /&gt;
nationaler Politik, ein kalkulierbares Risi-&lt;br /&gt;
ko. Unter dem Eindruck der großen tech-&lt;br /&gt;
nisierten Massenkriege unseres Jahrhun-&lt;br /&gt;
derts verlor der Krieg seine selbstver-&lt;br /&gt;
ständliche Rechtfertigung. Überall auf der&lt;br /&gt;
Welt entstanden pazifistische Bewegun-&lt;br /&gt;
gen, vor dem ersten Weltkrieg, in der Zwi-&lt;br /&gt;
schenkriegszeit, nach dem zweiten Welt-&lt;br /&gt;
krieg, heute. Doch selbst die Erfahrung&lt;br /&gt;
der furchtbar neuen Qualität des Krieges,&lt;br /&gt;
die Kernspaltungsbomben auf Hiroschi-&lt;br /&gt;
ma und Nagasaki, hat die Nationen und&lt;br /&gt;
ihre Führer bis heute nicht zu praktischer&lt;br /&gt;
Einsicht geführt. Statt dessen hat sich das&lt;br /&gt;
Wettrüsten auf der jeweils höchstmögli-&lt;br /&gt;
chen Stufe technischer Entwicklung seit-&lt;br /&gt;
dem noch beschleunigt. Zwar hat das Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wußtsein, nach Hiroschima in ein neues&lt;br /&gt;
Zeitalter der Massenvernichtungswaffen&lt;br /&gt;
getreten zu sein, immerhin dazu geführt,&lt;br /&gt;
daß bislang keine weiteren Nuklearbom-&lt;br /&gt;
ben kriegerisch eingesetzt wurden, aber&lt;br /&gt;
auf Produktion und militärische Einsatz-&lt;br /&gt;
planung wird nicht verzichtet. Die&lt;br /&gt;
Menschheit weiß um die Gefahr nuklea-&lt;br /&gt;
rer Selbstvernichtung; die Angst davor ist&lt;br /&gt;
allgegenwärtig und wird trotz aller Ver-&lt;br /&gt;
drängung ständig greifbarer. Aber man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerechnet sogar 60 Tonnen. In einem im Auf-&lt;br /&gt;
trag der Weltgesundheitsorganisation erstell-&lt;br /&gt;
ten Szenario über die Auswirkungen eines to-&lt;br /&gt;
talen Atomkriegs wird mit 1,1 Milliarden un-&lt;br /&gt;
mittelbaren Todesopfern und weiteren 1,1&lt;br /&gt;
Milliarden Verletzten ohne jede Chance auf&lt;br /&gt;
medizinische Hilfe gerechnet (Frankfurter&lt;br /&gt;
Allgemeine Zeitung vom 11.5.1983). Nicht&lt;br /&gt;
aufgenommen in diese Zahlen sind die wahr-&lt;br /&gt;
scheinlichen Folgeopfer durch Kontamina-&lt;br /&gt;
tion der Umwelt und den Zusammenbruch&lt;br /&gt;
der Ordnungssysteme. Unberücksichtigt&lt;br /&gt;
bleibt auch die Gefahr des »atomaren Win-&lt;br /&gt;
ters«. Vgl. auch den vom US-Senat in Auftrag&lt;br /&gt;
gegebenen Bericht des Office of Technology&lt;br /&gt;
Assessment über Atomkriegsfolgen, Frankfurt&lt;br /&gt;
21984.&lt;br /&gt;
{{page|139|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=25}}versucht noch immer, der Gefahr und der&lt;br /&gt;
Angst Herr zu werden, indem man die&lt;br /&gt;
Mittel dieses Selbstmords der Gattung&lt;br /&gt;
Mensch täglich verfeinert und ver-&lt;br /&gt;
mehrt.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedensbewahrung durch nukleare&lt;br /&gt;
Abschreckung setzt das gegenseitige Ein-&lt;br /&gt;
verständnis voraus, daß es sinnlos ist, ge-&lt;br /&gt;
geneinander Krieg zu führen, weil dieser&lt;br /&gt;
Krieg die Vernichtung beider Seiten zur&lt;br /&gt;
Folge hätte. Abgesehen davon, daß dieses&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Schreckens durch mili-&lt;br /&gt;
tärtechnische Innovationen oder einfach&lt;br /&gt;
durch Pannen? aus der Balance geraten&lt;br /&gt;
kann, führt uns die unverzichtbare Prä-&lt;br /&gt;
misse dieser Abschreckungspolitik in ein&lt;br /&gt;
ethisches Dilemma: Abschreckung funk-&lt;br /&gt;
tioniert nur dann, wenn jede Seite glaub-&lt;br /&gt;
haft macht, daß sie im Falle eines gegneri-&lt;br /&gt;
schen Angriffs den Verlust der eigenen&lt;br /&gt;
Existenz mit der posthumen Vernichtung&lt;br /&gt;
des Gegners beantwortet.% Damit aber&lt;br /&gt;
wird alle traditionelle religiöse Friedens-&lt;br /&gt;
ethik bewaffneter Sicherheit im Kern brü-&lt;br /&gt;
chig: Was die eigene Lebensform bewah-&lt;br /&gt;
ren soll, wird zur gegenseitigen Bedro-&lt;br /&gt;
hung der Existenz. Das Unrecht eines ato-&lt;br /&gt;
maren Überfalls läßt sich — wie lange&lt;br /&gt;
noch? — nur mit der Drohung durch das-&lt;br /&gt;
selbe Unrecht aufschieben: »Wie du mir,&lt;br /&gt;
so ich dir.« Weltpolitik, basierend auf der&lt;br /&gt;
Grundstruktur der Rache, von der&lt;br /&gt;
Abdu1-Baha sagt: »Beide Handlungen&lt;br /&gt;
sind gleich; wenn eine verwerflich ist, so&lt;br /&gt;
sind es beide. Der einzige Unterschied ist&lt;br /&gt;
der, daß die eine Tat früher, die andere&lt;br /&gt;
später verübt wurde.«?” Können wir un-&lt;br /&gt;
sere Existenz dauerhaft auf diese zweifel-&lt;br /&gt;
hafte Ethik gründen wollen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann dieses paradoxe Verhalten&lt;br /&gt;
als unvernünftig oder gar als verbreche-&lt;br /&gt;
risch qualifizieren und es so emotional ab-&lt;br /&gt;
tun; aber dahinter steckt mehr. Es ist die&lt;br /&gt;
Lebensmächtigkeit einer seit Jahrtausen-&lt;br /&gt;
den eingeübten und bislang recht erfolg-&lt;br /&gt;
reichen Ethik der Friedenssicherung, die&lt;br /&gt;
nie ohne Opfer zu haben und allzeit selbst&lt;br /&gt;
gefährdet war, eine Ethik der Selbstüber-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
windung und -preisgabe des einzelnen&lt;br /&gt;
zum Wohl des sozialen Organismus, der&lt;br /&gt;
Sicherung der eigenen religiös begründe-&lt;br /&gt;
ten Lebensform vor der Bedrohung und&lt;br /&gt;
Korruption von außen: der relative Frie-&lt;br /&gt;
den bewaffneter Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch vor dem Hintergrund der völlig&lt;br /&gt;
neuen Bedrohungsqualität enthüllt sich&lt;br /&gt;
das Beharren in diesen Verhaltensnormen&lt;br /&gt;
und Denktraditionen als immer größer&lt;br /&gt;
werdende Kluft zwischen unseren Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten, technisch zu planen und zu&lt;br /&gt;
produzieren, und der bislang entfalteten&lt;br /&gt;
Fähigkeit, in Anpassung an eine veränder-&lt;br /&gt;
te Umwelt politisch-ethisch zu denken&lt;br /&gt;
und zu handeln. Die religiöse Verantwor-&lt;br /&gt;
tungsethik vergangener Jahrhunderte —&lt;br /&gt;
wie sie sich vor allem im Islam manife-&lt;br /&gt;
stierte — ist im Bereich der Friedenssicher-&lt;br /&gt;
ung heute ebenso atavistisch wie die Blut-&lt;br /&gt;
rache im binnenstaatlichen Bereich, auch&lt;br /&gt;
wenn sie sich auf das Bibelwort beriefe:&lt;br /&gt;
»Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn&lt;br /&gt;
um Zahn.«® In ihren Auswirkungen ist&lt;br /&gt;
die überkommene Friedensethik aber&lt;br /&gt;
noch weit gefährlicher. Visionär schrieb&lt;br /&gt;
Abdu&#039;/-Bahä am 12. Juli 1920: »Die Zu-&lt;br /&gt;
kunft kann nicht mit der Vergangenheit&lt;br /&gt;
verglichen werden, denn die Waffen der&lt;br /&gt;
Vergangenheit waren einfach, aber mo-&lt;br /&gt;
derne Waffensysteme können binnen kur-&lt;br /&gt;
zem die ganze Welt vernichten. Sie sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darum für die Menschheit nicht trag-&lt;br /&gt;
bar.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
85 Vgl. etwa den Bericht der Zeit vom 13.6.1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über mehrere Computerpannen im Frühwarn-&lt;br /&gt;
system der USA.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
86 Auf sowjetischer wie auf amerikanischer Seite&lt;br /&gt;
gab oder gibt es Gedankenspiele, die für den&lt;br /&gt;
Fall eines umfassenden gegnerischen Nuklear-&lt;br /&gt;
angriffs mit der Vorstellung einer Art »Weltun-&lt;br /&gt;
tergangsmaschine« spielen: Die Explosion ei-&lt;br /&gt;
ner großen Zahl von Atomwaffen auf dem ei-&lt;br /&gt;
genen Territorium, was der ganzen Welt den&lt;br /&gt;
atomaren Winter bescheren würde. Vgl. etwa&lt;br /&gt;
Der Spiegel 2/1985, S.85 und 4/1985, S. 164ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
87 Beantwortete Fragen, Kap. 77, S. 261&lt;br /&gt;
88 2, Mose 21:23ff&lt;br /&gt;
89 Star of the West, Bd. 11, Nr. 17, 1921, 5. 288&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 139&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|140|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=26}}»Selig sind die Friedfertigen...«&lt;br /&gt;
Matthäus 5:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Friedensethik, eine neue religiös&lt;br /&gt;
fundierte Friedenspolitik tut not, die die-&lt;br /&gt;
ses heute so gefahrvolle Sicherheitsdenken&lt;br /&gt;
aufhebt. Bietet sich dafür die Bergpredigt&lt;br /&gt;
nicht geradezu an? Dort steht nichts von&lt;br /&gt;
der Sicherung der eigenen Existenz, von&lt;br /&gt;
der Verteidigung materieller Rechte, von&lt;br /&gt;
der Abschreckung des Gegners zur Be-&lt;br /&gt;
wahrung der eigenen Lebensform: »Selig&lt;br /&gt;
sind die Sanftmütigen«”, »Sei willfährig&lt;br /&gt;
deinem Widersacher...«”, »Liebet eure&lt;br /&gt;
Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl&lt;br /&gt;
denen, die euch hassen; bittet für die, so&lt;br /&gt;
euch beleidigen und verfolgen.«” Die Ab-&lt;br /&gt;
kehr von dem früheren Konzept des Ab-&lt;br /&gt;
schreckungsfriedens scheint bewußt und&lt;br /&gt;
radikal: »Ihr habt gehört, daß da gesagt&lt;br /&gt;
ist, „Auge um Auge, Zahn um Zahn«. Ich&lt;br /&gt;
aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben&lt;br /&gt;
sollt dem Übel; sondern wenn dir jemand&lt;br /&gt;
einen Streich gibt auf deine rechte Backe,&lt;br /&gt;
dem biete auch die andere dar. Und wenn&lt;br /&gt;
jemand mit dir rechten will und deinen&lt;br /&gt;
Rock nehmen, dem laß auch den&lt;br /&gt;
Mantel.«”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage drängt sich auf: Kann man&lt;br /&gt;
mit der Bergpredigt regieren? Lassen sich&lt;br /&gt;
aus ihr politische Strukturen und Verhal-&lt;br /&gt;
tensnormen ableiten, die mit Aussicht auf&lt;br /&gt;
Erfolg eine Befriedung der Welt ermögli-&lt;br /&gt;
chen? Franz Alt — sein Name soll hier für&lt;br /&gt;
eine ganze Denkrichtung stehen — bejaht&lt;br /&gt;
dies. Publikumswirksam hat er versucht,&lt;br /&gt;
aus der Bergpredigt die praktische Konse-&lt;br /&gt;
quenz abzuleiten: »Frieden ist möglich.«”&lt;br /&gt;
Die Lehre Jesu ist für ihn »ein Angebot für&lt;br /&gt;
eine bessere Welt«”°, die Bergpredigt da-&lt;br /&gt;
mit »radikaler als das kommunistische&lt;br /&gt;
Manifest«”, denn Marx »wollte einige&lt;br /&gt;
Verhältnisse ändern, Jesus will die Um-&lt;br /&gt;
kehr der Herzen«”. Hierin liegt die&lt;br /&gt;
»Chance zur Veränderung der Welt«%,&lt;br /&gt;
denn »die Welt wird nur verändert durch&lt;br /&gt;
eine Umkehr der Herzen«”. Alt setzt sich&lt;br /&gt;
von den Vorstellungen ab, diesen von Je-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
140 BAHÄTI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sus geforderten »neuen Menschen« könne&lt;br /&gt;
man von außen »schaffen«: »Menschen&lt;br /&gt;
kann man nicht ändern, Menschen kön-&lt;br /&gt;
nen nur sich selbst ändern.«!® Die Um-&lt;br /&gt;
kehr der einzelnen ist Voraussetzung der&lt;br /&gt;
neuen Politik: »Nur Menschen, die selbst&lt;br /&gt;
friedlich sind, können auch politisch Frie-&lt;br /&gt;
den bewirken.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliche Gedanken sind in vielen&lt;br /&gt;
christlichen Gemeinden und Gruppen&lt;br /&gt;
lebendig.&#039;” Der Friede wird verstanden&lt;br /&gt;
als die Summe des christlichen Verhaltens&lt;br /&gt;
der einzelnen. Alt überträgt diese Vorstel-&lt;br /&gt;
lung jedoch vom zwischenmenschlichen&lt;br /&gt;
Verhalten auf das Verhältnis unter Staa-&lt;br /&gt;
ten. Auch für sie erwächst Frieden aus un-&lt;br /&gt;
gesicherten einseitigen Vorleistungen.&lt;br /&gt;
»Frieden gibt es erst, wenn einer ohne&lt;br /&gt;
Wenn und Aber den ersten Schritt tut, be-&lt;br /&gt;
dingungslos.«!®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derartige Vorstellungen als utopisch,&lt;br /&gt;
realitätsblind oder sektiererisch abzutun,&lt;br /&gt;
sie gar unter den Verdacht zu nehmen, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
90 Matthäus 5:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
91 Matthäus 5:25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Matthäus 5:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
93 Matthäus 5:38-40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
94 So der Titel seines Buches, München 1983.&lt;br /&gt;
Siehe aber auch Anm. 103&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9% a.a.0., S. 25&lt;br /&gt;
96 S, 30&lt;br /&gt;
97 5, 30&lt;br /&gt;
98.5, 29&lt;br /&gt;
9” 5, 29f&lt;br /&gt;
100 5, 78&lt;br /&gt;
101 5, 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
102 Ein herausragender Vertreter dieser Auffas-&lt;br /&gt;
sung war Leo Tolstoi (vgl. Wilhelm Albert&lt;br /&gt;
Hauck, Rudolf Sohm und Leo Tolstoi, Rechts-&lt;br /&gt;
ordnung und Gottesreich, Heidelberg 1950).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S. 81. Später nimmt Alt diese Aussage aller-&lt;br /&gt;
dings weitgehend zurück, bis hin zu dem Ein-&lt;br /&gt;
geständnis: »Ich würde den Satz, sman kann&lt;br /&gt;
nur im Geiste der Bergpredigt regieren«, heute&lt;br /&gt;
nicht mehr schreiben. Staaten können das&lt;br /&gt;
nicht.« Frieden und Freiheit sind möglich.&lt;br /&gt;
Das Streitgespräch Franz Alt mit Heiner&lt;br /&gt;
Geißler, München 1983, $.34. Vgl. auch&lt;br /&gt;
a.a.O,, S. 15, 62.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
103&lt;br /&gt;
{{page|141|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=27}}nützliche Idiotie das Geschäft des macht-&lt;br /&gt;
politischen Gegners zu besorgen — wasin&lt;br /&gt;
der Diskussion der letzten Monate oft ge-&lt;br /&gt;
nug geschehen ist — ‚ wird der aufrichti-&lt;br /&gt;
gen, ernsthaften Suche nach einem Aus-&lt;br /&gt;
weg aus unserem sicherheitspolitischen&lt;br /&gt;
Dilemma nicht gerecht. Man tut besser&lt;br /&gt;
daran, die Bergpredigt ernst zu nehmen,&lt;br /&gt;
sie selbst auf Intention und Geltungsan-&lt;br /&gt;
spruch zu befragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist trivial, darauf zu verweisen, daß&lt;br /&gt;
eine sicherungslos-friedfertige politische&lt;br /&gt;
Gemeinschaft neuer Menschen in Christo&lt;br /&gt;
— trotz einer fast 2000jährigen Wirkungs-&lt;br /&gt;
geschichte der Bergpredigt — nicht exi-&lt;br /&gt;
stiere. Im Menschenbild der Bibel ist eine&lt;br /&gt;
Weltgesellschaft der Heiligen auch gar&lt;br /&gt;
nicht avisiert. Die Bergpredigt ist durch-&lt;br /&gt;
aus realistisch. Der Verstoß gegen ihren&lt;br /&gt;
Geist ist bereits mitgedacht;&#039;® ebenso&lt;br /&gt;
menschliche Existenz außerhalb ihrer.!®&lt;br /&gt;
Daß in Matthäus 5:11 »die Menschen« in&lt;br /&gt;
ihrer Gegnerschaft angesprochen sind,&lt;br /&gt;
daß 7:13f aussagt, nur wenige entsprä-&lt;br /&gt;
chen der Bergpredigt, der anderen aber&lt;br /&gt;
»sind viele«, zeigt, daß die Bergpredigt&lt;br /&gt;
nicht als allgemein geübtes Sozialverhal-&lt;br /&gt;
ten vorausgesetzt werden kann. Die Berg-&lt;br /&gt;
predigt erwartet tatsächlich eine unge-&lt;br /&gt;
sicherte Vorleistung des Gläubigen, die&lt;br /&gt;
nicht aufein entsprechendes Verhalten des&lt;br /&gt;
Gegenübers hofft, sondern »im Himmel&lt;br /&gt;
wohl belohnt«!® wird. Damit ist es aber&lt;br /&gt;
weder möglich noch beansprucht, auf die-&lt;br /&gt;
ser Ethik eine Sozialordnung zu gründen.&lt;br /&gt;
Diese Ethik kann sich nicht in der Welt&lt;br /&gt;
aufheben: Wer in Christo lebt, ist »nicht&lt;br /&gt;
von der Welt, gleichwieich auch nicht von&lt;br /&gt;
der Welt bin«!”, der Gläubige ist »aus der&lt;br /&gt;
Welt erwählt«&#039;®,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wird auch deutlich in der Friedens-&lt;br /&gt;
verheißung des Evangeliums. Es ist zu-&lt;br /&gt;
meist kein zukünftiger geschichtlicher Zu-&lt;br /&gt;
stand, auf den Bezug genommen wird, nie&lt;br /&gt;
ein ausdrücklicher Gestaltungsauftrag an&lt;br /&gt;
die gegenwärtige Gesellschaft. Die Frie-&lt;br /&gt;
denseschatologie des Evangeliums ist indi-&lt;br /&gt;
viduelle Heilsgegenwart für den Gläubi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen — in diesem Sinne präsentisch —,&lt;br /&gt;
Erlösungsversprechen; nicht aber präsen-&lt;br /&gt;
te Eschatologie eines weltlichen Friedens-&lt;br /&gt;
reiches: »Mein Reich ist nicht von dieser&lt;br /&gt;
Welt.«!® Der Frieden des Evangeliums ist&lt;br /&gt;
im Glauben Gegenwart: »Frieden lasse ich&lt;br /&gt;
euch, meinen Frieden gebe ich euch.«!!°&lt;br /&gt;
Die Botschaft Jesu ist deshalb nicht&lt;br /&gt;
weltfremd, gar weltfeindlich. Sie setzt zu-&lt;br /&gt;
nächst die Existenz einer Ordnung billi-&lt;br /&gt;
gend voraus.!!! Doch ihr Beitrag dazu ist&lt;br /&gt;
viel bedeutender: Durch den Geist der&lt;br /&gt;
Bergpredigt wird die Rechtsstruktur&amp;quot;?&lt;br /&gt;
des Gemeinwesens mit Menschen erfüllt,&lt;br /&gt;
die bereit sind, mehr zu geben, als zu&lt;br /&gt;
empfangen.&#039;&#039;? Die Heilsgaben von Gna-&lt;br /&gt;
de, Vergebung und Mitleid werden so für&lt;br /&gt;
den inneren Frieden der Gesellschaft&lt;br /&gt;
fruchtbar. Rechtsstrukturen, die nicht&lt;br /&gt;
entsprechend vergeistigt werden, tendie-&lt;br /&gt;
ren zum Nachteil der Schwächeren, zur&lt;br /&gt;
Starrheit aus Angst und übergroßer Vor-&lt;br /&gt;
sicht, zu bloßem Buchstabengehorsam,&lt;br /&gt;
den der Eigennutz diktiert. Der Gläubige&lt;br /&gt;
aber sieht hinter allen Rechtsansprüchen&lt;br /&gt;
und Ordnungsstrukturen die Verheißung:&lt;br /&gt;
»Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
104 Etwa Matthäus 5:27-33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 Vgl. Matthäus 5:10,11; 7:13,15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 Matthäus 5:12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Johannes 17:19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
108 Johannes 15:19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
109 Johannes 18:36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
110 Johannes 14:27. Vgl. auch Johannes 16:33;&lt;br /&gt;
Matthäus 10:13; Lukas 10:6; Römer 14:17;&lt;br /&gt;
15:13; Epheser 2:17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
111 Etwa Matthäus 5:22,25; 22:17-21; Markus&lt;br /&gt;
12:14-17; Lukas 20:22-25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
112 Die Frage ihrer Form kann hier offenbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
113 Vg]. etwa Matthäus 18:21-35. Entsprechendes&lt;br /&gt;
gilt für Baha’ullähs Forderung nach freiwilli-&lt;br /&gt;
gem Teilen: »Freiwilliges Teilen ist mehr als&lt;br /&gt;
Gleichheit ..., der Mensch sollte sich nicht&lt;br /&gt;
selbst anderen vorziehen, sondern Leben und&lt;br /&gt;
Besitz für sie opfern. Doch darf dies nicht&lt;br /&gt;
durch Zwang eingeführt und zum Gesetz wer-&lt;br /&gt;
den, dem man gehorchen muß. Statt dessen&lt;br /&gt;
sollte man freiwillig und aus eigenem Antrieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben und Besitz für andere opfern...«&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá, Selections 227:19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 141&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|142|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=28}}habt einem unter diesen meinen gering-&lt;br /&gt;
sten Brüdern, das habt ihr mir getan.«!&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß dies eine politische Dimension hat,&lt;br /&gt;
ist unverkennbar. Sie ist zwar rechtlich&lt;br /&gt;
nicht einklagbar, aber notwendig. Gesell-&lt;br /&gt;
schaften ohne sie versteinern oder zerfal-&lt;br /&gt;
len aus inneren Widersprüchen. In diesem&lt;br /&gt;
Sinne läßt sich Franz Alt wieder aufneh-&lt;br /&gt;
men: »Ein Christ darf politisches und reli-&lt;br /&gt;
giöses Handeln nicht trennen.«&#039;5 Die Ar-&lt;br /&gt;
beit »an der Heiligung der Welt«!!® ist —&lt;br /&gt;
so verstanden — tatsächlich Friedenspoli-&lt;br /&gt;
tik; allerdings keine zureichende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Großen Frieden haben, die Dein Gesetz&lt;br /&gt;
lieben...« Psalm 119:165&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Politik, die am Frieden interessiert ist,&lt;br /&gt;
ist darum nicht gegen die Bergpredigt&lt;br /&gt;
möglich. Erwarten wir von ihr jedoch&lt;br /&gt;
eine gesellschaftliche Ordnungsstruk-&lt;br /&gt;
tur, einen Entwurf staatlichen Handelns&lt;br /&gt;
und ein Handlungsmuster internationa-&lt;br /&gt;
ler Friedenspolitik, dann überfordern&lt;br /&gt;
wir diese Frohbotschaft Jesu. Insoweit&lt;br /&gt;
kann man mit der Bergpredigt tatsäch-&lt;br /&gt;
lich nicht regieren. Biegt man sie trotz-&lt;br /&gt;
dem zum tagespolitischen Gebrauchs-&lt;br /&gt;
muster um, dann verfälscht man ihre&lt;br /&gt;
Grundabsicht und gibt ihr friedensför-&lt;br /&gt;
derndes Heil auf. Die Bergpredigt erfaßt&lt;br /&gt;
— wie alle religiösen Tugendlehren —&lt;br /&gt;
den ganzen Menschen, seine Totalität.&lt;br /&gt;
Läßt man diese Ethik aber nicht freiwil-&lt;br /&gt;
lige Liebesvorgabe des verantwortli-&lt;br /&gt;
chen, inspirierten einzelnen sein, son-&lt;br /&gt;
dern ihren Inhalt zur verbindlichen&lt;br /&gt;
Rechtsnorm oder zum politischen Pro-&lt;br /&gt;
gramm gerinnen, dann vergeht man ssich&lt;br /&gt;
gegen ihren Geist. Eine solche Politik&lt;br /&gt;
tendiert dazu, totalitär zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind alte Erfahrungen: Tätige&lt;br /&gt;
Nächstenliebe und Lösung vom Mate-&lt;br /&gt;
riellen als Forderung nicht an sich&lt;br /&gt;
selbst, sondern an andere institutionali-&lt;br /&gt;
siert den sozialen Neid als politische&lt;br /&gt;
Maxime. Selbstloses Dienen bringt gro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
142 BAHA&#039;-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ben geistigen Gewinn; doch wo man&lt;br /&gt;
den anderen dazu zwingt, verwischen&lt;br /&gt;
leicht die Grenzen zur Sklaverei. Har-&lt;br /&gt;
monie und Einheit der politischen oder&lt;br /&gt;
religiösen Gemeinde sind ein hoher&lt;br /&gt;
Wert, das Verbot übler Nachrede!” ist&lt;br /&gt;
segensreich für den Umgang mit dem&lt;br /&gt;
Nächsten — als politische Forderung an&lt;br /&gt;
die Beherrschten sind es treffliche Mittel&lt;br /&gt;
zur Verschleierung und Verewigung un-&lt;br /&gt;
sauberer Machtausübung, zur Begrün-&lt;br /&gt;
dung jeder Art von Zensur. Leid gedul-&lt;br /&gt;
dig zu ertragen, ist eine hohe Tugend;&lt;br /&gt;
diese Duldsamkeit aber durch Macht-&lt;br /&gt;
träger gefordert, ist eine arge Verschär-&lt;br /&gt;
fung menschenverachtender Unter-&lt;br /&gt;
drückung, zumal, wenn das Gebot der&lt;br /&gt;
Friedfertigkeit dem Opfer auch noch&lt;br /&gt;
moralisch das Recht zum Widerstand&lt;br /&gt;
nimmt. Wo das Wort Jesu: »Wer von&lt;br /&gt;
euch ohne Sünde ist, der werfe den er-&lt;br /&gt;
sten Stein...«!!® offensiv auf die andern&lt;br /&gt;
bezogen, zum Duldungszwang eigenen&lt;br /&gt;
— oder den eigenen Interessen ver-&lt;br /&gt;
schwägerten — Fehlverhaltens umge-&lt;br /&gt;
münzt wird, da bleibt Rücksichtnahme&lt;br /&gt;
ebenso auf der Strecke wie gesellschaft-&lt;br /&gt;
liche oder politische Moral. Die Summe&lt;br /&gt;
der christlichen Botschaft bei Paulus,&lt;br /&gt;
das Wort von »des Gesetzes Ende«!!®,&lt;br /&gt;
läßt sich gleichermaßen zum Kampf ge-&lt;br /&gt;
gen alle Rechtsstrukturen mißbrau-&lt;br /&gt;
chen, wie zur Rechtfertigung eines un-&lt;br /&gt;
ausweichlich bloß positiven, d.h. will-&lt;br /&gt;
kürlich gesetzten Rechts und damit je-&lt;br /&gt;
den beliebigen Gewaltsystems. Ob also&lt;br /&gt;
populistisch oder autoritär ausgebeutet:&lt;br /&gt;
Die Politisierung religiöser Tugend-&lt;br /&gt;
lehren ist gnaden-, heil- und friedlos.&lt;br /&gt;
Denn so erhält Religion eine Funktion&lt;br /&gt;
außerhalb ihrer selbst, wird für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 Matthäus 25:40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
115 Frieden ist möglich, S. 112&lt;br /&gt;
116 2.2.0, S. 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
117 Qur’än 49:12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
118 Johannes 8:7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Römer 10:4&lt;br /&gt;
{{page|143|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=29}}menschliche Zwecke verfügbar ge-&lt;br /&gt;
macht, wird Mittel entgegen ihrer ei-&lt;br /&gt;
gentlichen Bestimmung. Aber »Religion&lt;br /&gt;
sollte weder Haß noch Unterdrückung&lt;br /&gt;
oder Ungerechtigkeit verursachen«!*.,&lt;br /&gt;
Wo Religion unter Beibehaltung ihres&lt;br /&gt;
Namens in ihr Gegenteil verkehrt wird,&lt;br /&gt;
da ist sie Ideologie, bloßer Trug, der&lt;br /&gt;
»niemals die Wahrheit ersetzen«!?&lt;br /&gt;
kann. Eine Gesellschaft, die solche Um-&lt;br /&gt;
wertung zuläßt, begibt sich der Frie-&lt;br /&gt;
densleistung religiöser Tugendlehren.&lt;br /&gt;
Allerdings ist auch nur schwer vor-&lt;br /&gt;
stellbar, daß sich der Friedensgehalt&lt;br /&gt;
religiöser Tugendlehren gegen alle mög-&lt;br /&gt;
lichen gesellschaftlichen Rahmenbedin-&lt;br /&gt;
gungen neutral verhalten könnte. Denn&lt;br /&gt;
wer aus freien Stücken in gereifter Gläu-&lt;br /&gt;
bigkeit dem Geist der Bergpredigt lebt,&lt;br /&gt;
wer also Frieden hat in Gott!*? und da-&lt;br /&gt;
durch zum Ferment einer friedvollen,&lt;br /&gt;
entwicklungsfähigen und lebenskräfti-&lt;br /&gt;
gen Gesellschaft wird, zum »Salz der&lt;br /&gt;
Erde«!?, zum »Sauerteig«!*, ja zum&lt;br /&gt;
»Licht der Welt«!#, der kann nicht in&lt;br /&gt;
asketischer Abkehr, sondern — ohne&lt;br /&gt;
der Welt verhaftet zu sein — nur in ihr&lt;br /&gt;
und für sie seine Aufgabe erfüllen.&lt;br /&gt;
Gerade durch diesen Bezug auf tätige&lt;br /&gt;
Gestaltung der Welt kann sich religiöse&lt;br /&gt;
Tugendlehre aber nicht in einem gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Vakuum vollziehen. Religi-&lt;br /&gt;
öse Tugend ist nicht asozial. Sie ist am&lt;br /&gt;
Nächsten und an dessen Wohl interes-&lt;br /&gt;
siert. Sie will dienen, Leid mindern,&lt;br /&gt;
wenn möglich überwinden, hat durch-&lt;br /&gt;
aus große Affinität zu dem, was Aristo-&lt;br /&gt;
teles das »gute Leben« nennt. Aus dieser&lt;br /&gt;
Haltung entspringt eine grundsätzliche&lt;br /&gt;
Kritik an der Unausgewogenheit&lt;br /&gt;
menschlicher Lebensverhältnisse: »Wie-&lt;br /&gt;
wohl der gesellschaftliche Organismus&lt;br /&gt;
eine einzige Familie ist, leben doch aus&lt;br /&gt;
Mangel an harmonischen Beziehungen&lt;br /&gt;
manche Mitglieder im Wohlstand, man-&lt;br /&gt;
che in krassem Elend; manche sind satt,&lt;br /&gt;
andere sind hungrig; manche Glieder&lt;br /&gt;
sind mit kostbarsten Gewändern ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schmückt, andere Familien haben we-&lt;br /&gt;
der Nahrung noch Obdach.«&#039;# So&lt;br /&gt;
manche politische Ausdeutung des&lt;br /&gt;
Evangeliums lebt aus dieser Erfahrung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verzweifelter Ausdruck einer tief&lt;br /&gt;
empfundenen Diskrepanz zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Geist der Botschaft Jesu und einer&lt;br /&gt;
ungerechten, menschenverachtenden,&lt;br /&gt;
unfriedlichen Ordnung der Welt. Mit&lt;br /&gt;
der Politisierung der Bergpredigt aber&lt;br /&gt;
wird parteilich über das Wort verfügt.&lt;br /&gt;
Vom Geist des Wortes getrieben, steht&lt;br /&gt;
man in der Gefahr, es unter menschli-&lt;br /&gt;
ches Wollen zu beugen — im Kontext&lt;br /&gt;
traditionellen christlichen Verständnis-&lt;br /&gt;
ses ein unaufhebbares Dilemma.&lt;br /&gt;
Andere religiöse Entwürfe beziehen&lt;br /&gt;
darum die gesellschaftliche Ordnung&lt;br /&gt;
mit in den Heilsauftrag ein. Idealerweise&lt;br /&gt;
sind religiöse Ethik und gesellschaftli-&lt;br /&gt;
che Form aufeinander angelegt. Dies&lt;br /&gt;
trifft dann zu, wenn sie beide Aspekte&lt;br /&gt;
des umfassenden religiösen Gesetzes&lt;br /&gt;
sind — und damit Teil der präsenten&lt;br /&gt;
Eschatologie. Dem sozialen Organis-&lt;br /&gt;
mus wird so »ein Gesetz auferlegt...,&lt;br /&gt;
durch welches alle ... Glieder gleicher-&lt;br /&gt;
maßen Wohlfahrt und Glück genießen&lt;br /&gt;
werden«&#039;?”. Nicht um seiner selbst wil-&lt;br /&gt;
len ist das göttliche Gesetz gegeben. Des&lt;br /&gt;
Gesetzes Ziel ist das Glück des Men-&lt;br /&gt;
schen, das geistiger und gesellschaftli-&lt;br /&gt;
cher Frieden bewirkt: in der Hinwen-&lt;br /&gt;
dung des Gläubigen zu seinem Schöp-&lt;br /&gt;
fer, der Vorbereitung auf das künftige&lt;br /&gt;
Leben und — kaum weniger gewichtig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 Abdu‘l-Baha, Promulgation, S. 394, zitiert&lt;br /&gt;
nach: Die Bahäfi-Religion, Eine Einführung,&lt;br /&gt;
Oberkalbach 1971, S. 12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 Ährenlese 113:2&lt;br /&gt;
122 Johannes 16:33&lt;br /&gt;
123 Matthäus 5:13&lt;br /&gt;
124 Ährenlese 82:7&lt;br /&gt;
125 Matthäus 5:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
126 Abdu’l-Baha, Das Gesellschaftsmodell von&lt;br /&gt;
Bahäullläh, in: Baha’i-Briefe, Heft 39, 10, Jg.&lt;br /&gt;
1960, S. 1046&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
127 2.2.0., S. 1047&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 143&lt;br /&gt;
{{page|144|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=30}}— in der kulturellen Entfaltung, dem&lt;br /&gt;
Leben in einer wohlgeordneten, ent-&lt;br /&gt;
wicklungsfähigen, gerechten, befriede-&lt;br /&gt;
ten Gesellschaft. !2®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Christentum gab es dieses&lt;br /&gt;
umfassende Verständnis eines göttli-&lt;br /&gt;
chen Gesetzes mit dem Aufeinander-&lt;br /&gt;
Bezogensein von Individualethik, Erlö-&lt;br /&gt;
sung, kultischer und gesellschaftlicher&lt;br /&gt;
Ordnung: Für die Judenchristen ist das&lt;br /&gt;
mosaische Gesetz weiter gültig,&amp;quot; nur&lt;br /&gt;
leicht modifiziert und vor allem vergei-&lt;br /&gt;
stigt durch die Frohbotschaft Jesu. Für&lt;br /&gt;
Paulus dagegen ist Christus »des Geset-&lt;br /&gt;
zes Ende«&#039;®, das gesellschaftlich-&lt;br /&gt;
politische Umfeld unwichtig vor dem&lt;br /&gt;
Erlösungswerk Christi. Er trennt damit,&lt;br /&gt;
was im Islam von der Idee her nie strittig&lt;br /&gt;
war: die unteilbare Einheit und Gegen-&lt;br /&gt;
seitigkeit von individueller Tugendleh-&lt;br /&gt;
re, Erlösung und gesellschaftlichem&lt;br /&gt;
Ordnungsrahmen im religiösen Gesetz.&lt;br /&gt;
Wenn darum gemeinhin der Islam dem&lt;br /&gt;
westlichen Beobachter als »Gesetzesreli-&lt;br /&gt;
gion« gilt, ja das Recht als »die typisch-&lt;br /&gt;
ste Äußerung der islamischen Lebens-&lt;br /&gt;
weise, der eigentliche Wesenskern des&lt;br /&gt;
Islams«&#039;?!, so ist dies vor allem als be-&lt;br /&gt;
wußtes Herausarbeiten von Unterschei-&lt;br /&gt;
dungsmerkmalen zwischen einem sich&lt;br /&gt;
rechtlich verfestigten Islam und einem&lt;br /&gt;
paulinisch geprägten Christentum zu&lt;br /&gt;
verstehen. Werden diese Religionen&lt;br /&gt;
aber nicht als eigenständige kulturelle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
128 Vgl. Abdul-Bahä, Das Geheimnis göttlicher&lt;br /&gt;
Kultur, S. 48f, 59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
129 Vor allem unter Berufung auf Matthäus&lt;br /&gt;
5:17-19&lt;br /&gt;
130 Römer 10:4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
131 Joseph Schacht, Islamisches religiöses Recht,&lt;br /&gt;
in: Schacht/Bosworth (Hrsg.), Das Ver-&lt;br /&gt;
mächtnis des Islams, Bd. 2, München ?1983,&lt;br /&gt;
S. 167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
132 So auch die besondere Betonung der absolu-&lt;br /&gt;
ten Transzendenz und Einzigkeit Gottes in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scharfer Ablehnung trinitarischer Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen, vgl. etwa Qur’an 9:31, 3:51, 4:171&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 BAHÄ-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phänomene, sondern als historische&lt;br /&gt;
Abfolgen und Wandlungen desselben&lt;br /&gt;
göttlichen Impulses und Heilswillens&lt;br /&gt;
verstanden, so kann man nicht davon&lt;br /&gt;
absehen, daß der Islam auf dem Evange-&lt;br /&gt;
lium fußt (wie dieses auf der Thora).&lt;br /&gt;
Dieser Bezug des Islam auf die ihm vor-&lt;br /&gt;
angegangene ÖOffenbarungsstufe hat&lt;br /&gt;
zweifach Relevanz für unser Thema. So&lt;br /&gt;
kann die besondere Betonung des Geset-&lt;br /&gt;
zescharakters göttlicher Ordnung im Is-&lt;br /&gt;
lam durchaus als ein Gegensteuern zur&lt;br /&gt;
Gesetzesfeindschaft in der christlichen&lt;br /&gt;
Gemeinde verstanden werden: Die Defi-&lt;br /&gt;
zite in der historischen Entfaltung der&lt;br /&gt;
vorausgegangenen Sendung werden&lt;br /&gt;
aufgegriffen und besonders betont.&#039;”&lt;br /&gt;
Auch als offenbartes Wort steht der&lt;br /&gt;
Qurän nicht allein und isoliert. Das&lt;br /&gt;
Neue Testament ist in Bezug auf den&lt;br /&gt;
Qur’än dessen »Altes Testament«. Der&lt;br /&gt;
Qur’än setzt damit die Ethik des Neuen&lt;br /&gt;
Testaments, die Durchgeistigung des&lt;br /&gt;
Gesetzes, die Stärkung der sittlich ver-&lt;br /&gt;
antwortlichen Individualität ebenso&lt;br /&gt;
voraus, wie die Frohbotschaft Jesu im&lt;br /&gt;
mosaischen Gesetz wurzelt und auf die-&lt;br /&gt;
ses bezogen bleibt. Wer den Qur’än rich-&lt;br /&gt;
tiglesen will, muß den Geist des Evange-&lt;br /&gt;
liums mitdenken.&#039;?*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeugnisse dieser Individualethik fin-&lt;br /&gt;
den sich aber auch im Qur’än. Auch hier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist der Gläubige aufgerufen zu&lt;br /&gt;
Demut’, Dankbarkeit!”, Rechtschaf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
133 Diese Sichtweise eines historischen Kontinu-&lt;br /&gt;
ums im offenbarten Wort entspricht nicht&lt;br /&gt;
muslimischer Interpretation. Der Qur’än gilt&lt;br /&gt;
(mit Bezug auf Sure 43:3) als Abschrift des&lt;br /&gt;
ummu’l-kitab, des himmlischen Mutter-&lt;br /&gt;
buchs, ist mithin vollständig, unüberholbar,&lt;br /&gt;
ewig und unveränderlich. Damit wird dem&lt;br /&gt;
Qurän eine analoge zentrale und überge-&lt;br /&gt;
schichtliche Stellung zugemessen wie in&lt;br /&gt;
christlicher Deutung der Person Jesu Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
134 3.17; 3:199&lt;br /&gt;
135 31:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|145|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=31}}fenheit!®, Verzeihen!”, zu Geduld’,&lt;br /&gt;
Großmut&#039;” und Nachsicht!*, zu&lt;br /&gt;
Friedfertigkeit&#039;”! und Höflichkeit&#039;!*.&lt;br /&gt;
Der Gläubige soll Gutes tun, !* eintre-&lt;br /&gt;
ten für das Recht der Schwachen, &#039;* für&lt;br /&gt;
seinen Nächsten Fürbitte tun,&#039;* spen-&lt;br /&gt;
den, woran sein Herz hängt,!* auch&lt;br /&gt;
dann, wenn er selbst bedürftig ist.’&lt;br /&gt;
Solches Verhalten, solch uneigennützi-&lt;br /&gt;
ge Vorleistung gegenüber dem Nächsten&lt;br /&gt;
entspricht »der Gottesfurcht«&#039;*# und hat&lt;br /&gt;
seinen Lohn »bei ihrem Herrn«!*. Es&lt;br /&gt;
zeigt, daß der »Glaube ins Herz einge-&lt;br /&gt;
gangen«’” ist. Darum können Taten der&lt;br /&gt;
Nächstenliebe und Frömmigkeit auch&lt;br /&gt;
nicht marktschreierisch, nicht um des&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Ansehens willen&lt;br /&gt;
erfolgen.&#039;°! Gott kennt die Motive,”&lt;br /&gt;
Gott sieht alles stille Dienen: »Was ihr&lt;br /&gt;
an Gutem tut, darüber weiß Gott Be-&lt;br /&gt;
scheid.«&#039;®? Wer aber Vorteile ziehen will&lt;br /&gt;
aus seiner Mildtätigkeit oder seinem&lt;br /&gt;
frömmelnden Gehabe, der macht seinen&lt;br /&gt;
Lohn dadurch zunichte.!” Prahlerei,&lt;br /&gt;
Einbildung&#039;”, Selbstgerechtigkeit&#039;”*,&lt;br /&gt;
Verleumdung?’”, Neid!®, Geiz!” und&lt;br /&gt;
Habgier!® sind dem Menschen feind.&lt;br /&gt;
Aber wer sich nur nach außen hin dem&lt;br /&gt;
Gesetz unterwirft, der hat keinen Anteil&lt;br /&gt;
am Heil.&#039;°&#039; Doch es ist nicht das Verhal-&lt;br /&gt;
ten des anderen, das uns kümmern soll:&lt;br /&gt;
»Haltet euch an euch selbst.«&#039;% Ist also&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
136 3.134; 4:128&lt;br /&gt;
137 4:149&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
138 2.177; 3:17, 146, 186, 200&lt;br /&gt;
139 2.237&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
140 3.134&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
141 4.128&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
142 4:86&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
143 4.36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 4.127&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
145 4:85&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 3:92&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
147 3.134&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
148 2:237&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
149 2.262&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
150 49:19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jeder für sein eigenes Tun verantwort-&lt;br /&gt;
lich, so ist der Islam darum gewiß keine&lt;br /&gt;
Lehre der Selbstrechtfertigung des Men-&lt;br /&gt;
schen: Immer bedarf es der göttlichen&lt;br /&gt;
Gnade, um die der Gläubige flehen&lt;br /&gt;
wird: »Vergib uns unsere Schuld...« &#039;*&lt;br /&gt;
Gesetz und Ethik also brauchen ein-&lt;br /&gt;
ander. Durch die Ethik lebt das Gesetz.&lt;br /&gt;
Der Geltungsbereich der Ethik ist vor-&lt;br /&gt;
bestimmt, bezogen auf die Funktion des&lt;br /&gt;
Gesetzes. Im offenbarten Wort sind bei-&lt;br /&gt;
de abgewogen auf das umfassende Heil.&lt;br /&gt;
Außerhalb ihres Orts und ohne ihren&lt;br /&gt;
geistigen Sinn wird religiöse Ethik dis-&lt;br /&gt;
funktional, oft schädigend.&lt;br /&gt;
Offensichtlich steht aber nicht nur die&lt;br /&gt;
religiöse Ehtik in der Gefahr einer&lt;br /&gt;
interessiert-ideologischen Entwertung.&lt;br /&gt;
Dem religiösen Gesetz droht dasselbe&lt;br /&gt;
Schicksal. Menschliches Interesse kann&lt;br /&gt;
es seinem Geist entfremden, ideologisie-&lt;br /&gt;
ren, zum Herrschaftsinstrument einzel-&lt;br /&gt;
ner Gruppen entwerten; denn »alles Er-&lt;br /&gt;
habene, so unvergleichlich es sein mag,&lt;br /&gt;
kann zu bösen Zwecken mißbraucht&lt;br /&gt;
werden«.&#039;‘ Allzu oft verbindet sich ei-&lt;br /&gt;
ne autokratische Herrschaftsübung mit&lt;br /&gt;
einem äußerlichen Gesetzesverständ-&lt;br /&gt;
nis, gehen Selbstgerechtigkeit und Fana-&lt;br /&gt;
tismus einher mit der falschen Heilsge-&lt;br /&gt;
wißheit buchstäblichen Gesetzesgehor-&lt;br /&gt;
sams. Die Versuchung ist groß, sich hin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
151 2.177; Sure 107&lt;br /&gt;
152 3:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
153 4:127&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
154 2.264&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
155 4:36; 31:18&lt;br /&gt;
156 4:49&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
157 49:6,11,12&lt;br /&gt;
158 4.32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
159 3.180, 4:32&lt;br /&gt;
160 4.2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
161 2.8ff; 4:38&lt;br /&gt;
162 5.105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 3.16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 ‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kul-&lt;br /&gt;
tur, S. 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ(-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 145&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|146|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ter dem Gesetz zu verstecken, sich aus&lt;br /&gt;
der persönlichen Verantwortung stehlen&lt;br /&gt;
zu wollen. Und mancher wird es nicht&lt;br /&gt;
ungern sehen, wenn das Schweigen aus&lt;br /&gt;
kleinmütiger Existenzangst, der Mangel&lt;br /&gt;
an Zivilcourage, als besondere Geset-&lt;br /&gt;
zestreue idealisiert wird. Allzu leicht&lt;br /&gt;
meinen die, denen das Gesetz anvertraut&lt;br /&gt;
wurde, es sei ihnen ausgeliefert zur be-&lt;br /&gt;
liebigen Verfügung: »Gottes Hand ist ge-&lt;br /&gt;
fesselt.«1% Um kleiner Profite willen —&lt;br /&gt;
oder weil politische Tagesfragen es rat-&lt;br /&gt;
sam erscheinen lassen — wird das Ge-&lt;br /&gt;
setz passend ausgedeutet und ange-&lt;br /&gt;
wandt: »Aus den Gesetzen und Geboten&lt;br /&gt;
Gottes machen sie ein Spielzeug ...«&#039;*&lt;br /&gt;
Gewinnstreben hat sich hinter dem&lt;br /&gt;
Buchstaben des Gesetzes ebenso ver-&lt;br /&gt;
steckt wie Machtgier und Grausamkeit.&lt;br /&gt;
Man hat unter Berufung auf das Gesetz&lt;br /&gt;
Haß gepredigt, Intoleranz gegen Min-&lt;br /&gt;
derheiten und Minderheitsmeinungen&lt;br /&gt;
geübt, Fanatismus geschürt, vorgebli-&lt;br /&gt;
che Ketzer verfolgt und getötet. Man hat&lt;br /&gt;
das Gesetz benutzt, um sich politischer&lt;br /&gt;
und ideologischer Feinde zu entledigen.&lt;br /&gt;
Herrscht das Gesetz ohne Geist, ist es&lt;br /&gt;
Mittel eines ihm fremden Zwecks, so&lt;br /&gt;
wird der Mensch zum Objekt, dem&lt;br /&gt;
Widerstreit verdeckter politisch-ökono-&lt;br /&gt;
mischer Interessen ausgeliefert. Wo&lt;br /&gt;
islamische Herrscher und Geistliche das&lt;br /&gt;
Bündnis Gottes verletzten, und sich&lt;br /&gt;
gegen die inhärente Ethik des Gesetzes&lt;br /&gt;
vergingen, da wurde das Gesetz Gottes&lt;br /&gt;
»ein lebloser Körper ohne Geist«!%. In&lt;br /&gt;
Auslegung des 11. Kapitels der Johan-&lt;br /&gt;
nesoffenbarung beschreibt ‘Abdull-&lt;br /&gt;
Bahäa, was durchaus aktuellen Bezug&lt;br /&gt;
hat: »Äußerlich halten sie an der Reli-&lt;br /&gt;
gion Gottes fest und lassen sie nicht völ-&lt;br /&gt;
lig aus ihrer Mitte verschwinden; auch&lt;br /&gt;
erlauben sie nicht, daß ihr toter Körper&lt;br /&gt;
ganz zerstört und vernichtet werde. In&lt;br /&gt;
Wirklichkeit aber haben sie das Gesetz&lt;br /&gt;
Gottes verlassen, und nur nach außen&lt;br /&gt;
hin erwähnen sie es und halten an sei-&lt;br /&gt;
nem Namen fest.«!%®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das offenbarte Wort selbst unter-&lt;br /&gt;
scheidet nicht zwischen ethischen, so-&lt;br /&gt;
zialen, kultischen und politischen Ge-&lt;br /&gt;
setzen, es kategorisiert nicht, trennt&lt;br /&gt;
nicht. »Halte Meine Gebote aus Liebe zu&lt;br /&gt;
Meiner Schönheit!«&#039;° Das ist das göttli-&lt;br /&gt;
che Gesetz in der undifferenzierten To-&lt;br /&gt;
talität von Geist und Form, von indivi-&lt;br /&gt;
duellen und gesellschaftlichen Aspek-&lt;br /&gt;
ten, von Mystik, Dogma, Kult, Lebens-&lt;br /&gt;
entwurf und Ördnungsstruktur. Der&lt;br /&gt;
relative Frieden präsenter Eschatologie&lt;br /&gt;
ist göttliches Gnadengeschenk, gegeben&lt;br /&gt;
auf die erwidernde Liebe des Men-&lt;br /&gt;
schen,! auf dessen Bündnistreue, !”!&lt;br /&gt;
dessen Gesetzesgehorsam — ein unteil-&lt;br /&gt;
bares Ganzes, dessen Aspekte nicht&lt;br /&gt;
gegeneinander ausgespielt werden kön-&lt;br /&gt;
nen. Nicht religiöse Ethik allein schafft&lt;br /&gt;
eine friedensfähige gesellschaftliche&lt;br /&gt;
Struktur. Nicht um einer bloßen Form&lt;br /&gt;
willen ist das göttliche Gesetz gegeben;&lt;br /&gt;
nicht reflexhaftes, buchstäblich-äußer-&lt;br /&gt;
liches Befolgen läßt sein Heil wirken.&lt;br /&gt;
Geist ohne Form droht, sich zu verflüch-&lt;br /&gt;
tigen, ist schutzlos angesichts der Seins-&lt;br /&gt;
mächtigkeit gesellschaftlicher Interes-&lt;br /&gt;
sen, bleibt kraftlos für die Gestaltung&lt;br /&gt;
der Gesellschaft. Form ohne Geist aber&lt;br /&gt;
ist ein Prokrustesbett für den Glauben,&lt;br /&gt;
ein Hemmnis bei der Fortentwicklung&lt;br /&gt;
der Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo institutionalisierte Religion das&lt;br /&gt;
Heil des umfassenden, unversehrten&lt;br /&gt;
göttlichen Gesetzes nachhaltig ver-&lt;br /&gt;
wirkt, da bleibt lediglich das tastende&lt;br /&gt;
Suchen nach einer säkularisierten Form&lt;br /&gt;
der Gesellschaft, die wenigstens rudi-&lt;br /&gt;
mentär den Erfordernissen der Zeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 Qur’än 5:64&lt;br /&gt;
166 Bahä’ullah, Botschaften 8:76&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
167 &#039;Abdu’l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap. 11,&lt;br /&gt;
5.61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
168 4.2.0. S. 62&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
169 Ährenlese 155:4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
170 Vgl. Bahä’u&#039;lläh, Verborgene Worte, arab. 5&lt;br /&gt;
171 Vgl. dazu einschränkend a.a.O. pers. 71&lt;br /&gt;
{{page|147|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=33}}Rechnung trägt — ein Schritt, der in den&lt;br /&gt;
Bahá’í-Schriften ausdrücklich gutgehei-&lt;br /&gt;
Ben wird.’ Friedenssicherung kann&lt;br /&gt;
unter diesen Bedingungen nicht länger&lt;br /&gt;
unmittelbare Umsetzung des göttlichen&lt;br /&gt;
Gesetzes sein, sondern wird zum vor-&lt;br /&gt;
herrschenden Anliegen politischer Re-&lt;br /&gt;
flexion und sozialer Erfahrung. Die&lt;br /&gt;
Kosten solch hart erkämpfter Ersatzlö-&lt;br /&gt;
sungen sind allerdings hoch: Allein in&lt;br /&gt;
Deutschland sank die Bevölkerungszahl&lt;br /&gt;
im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs&lt;br /&gt;
von etwa 20 Millionen auf nur 7 Millio-&lt;br /&gt;
nen Menschen,” bevor nach 1648 all-&lt;br /&gt;
mählich eine neue Friedensordnung&lt;br /&gt;
mehr säkular orientierter Nationalstaa-&lt;br /&gt;
ten entstand. Ungelöst blieben dabei die&lt;br /&gt;
Fragen individueller Freiheit und sozia-&lt;br /&gt;
ler Gerechtigkeit, die bald die innere&lt;br /&gt;
Auflösung dieses Ordnungssystems&lt;br /&gt;
vorbereiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Denn wenn Er spricht, so geschieht&#039;s;&lt;br /&gt;
wenn Er gebietet, so steht&#039;s da.«&lt;br /&gt;
Psalm 33:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch die mühsam errungene säku-&lt;br /&gt;
lare Ordnung ist auf den relativen Frie-&lt;br /&gt;
den bewaffneter Sicherheit hin&lt;br /&gt;
orientiert.&#039;”* Unter der apokalyptischen&lt;br /&gt;
atomaren Drohung ist uns damit aber&lt;br /&gt;
ebensowenig geholfen wie mit einer ver-&lt;br /&gt;
steinerten religiösen Ordnungspolitik,&lt;br /&gt;
die im Freund-Feind-Denken gefangen&lt;br /&gt;
bleibt, oder mit einer friedensfördern-&lt;br /&gt;
den Individualethik allein. Fraglos muß&lt;br /&gt;
die Menschheit unter dieser Drohung zu&lt;br /&gt;
neuen Formen internationaler Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit und nichtkriegerischer Kon-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fliktbewältigung finden — vor allem&lt;br /&gt;
aber zu dem eingewurzelten Bewußtsein&lt;br /&gt;
ihrer Schicksalseinheit. Soll die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menschliche Gattung sich weiter ent-&lt;br /&gt;
wickeln können, soll das Sehnen nach&lt;br /&gt;
Glück und Frieden nicht eine bittere&lt;br /&gt;
Utopie bleiben, dann ist eine neue Stufe&lt;br /&gt;
der Evolution, ein Mutationssprung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewußtsein und gesellschaftlichen Ver-&lt;br /&gt;
haltensmustern erforderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aber ist diese weitere Evolution&lt;br /&gt;
möglich? Gegen die friedensschaffende&lt;br /&gt;
Wirksamkeit menschlicher Vernunft al-&lt;br /&gt;
lein spricht alle historische Evidenz —&lt;br /&gt;
allemal waren in der Geschichte Hab-&lt;br /&gt;
sucht, Machtgier und Dummheit stär-&lt;br /&gt;
ker; auch kann ich nicht glauben, daß&lt;br /&gt;
naiver friedensbewegter Aktionismus&lt;br /&gt;
die fatalistische Trägheit der Massen,&lt;br /&gt;
die kurzfristige Interessiertheit oder den&lt;br /&gt;
Starrsinn der Entscheidungsträger zu&lt;br /&gt;
wandeln vermöchte. Was früher der&lt;br /&gt;
Vernunft bei unumgänglicher Neuord-&lt;br /&gt;
nung gesellschaftlicher Strukturen för-&lt;br /&gt;
dernd zur Seite stand, der Leidensdruck&lt;br /&gt;
schmerzhafter Erfahrung, ist heute eher&lt;br /&gt;
Alpdruck als mögliche Hoffnung: Wir&lt;br /&gt;
können uns nicht leisten, aus den Folgen&lt;br /&gt;
eines atomaren Schlagabtauschs zu&lt;br /&gt;
lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zeugnis der Schrift ist der&lt;br /&gt;
Mensch nicht allein gelassen in der Ge-&lt;br /&gt;
staltung und Bewältigung seiner Zu-&lt;br /&gt;
kunft: »Und der Herr schafft, was er&lt;br /&gt;
will, und wählt... Ihm steht die Ent-&lt;br /&gt;
scheidung zu.«!” »... und was zukünftig&lt;br /&gt;
ist, wird er euch verkünden.«&#039;” Escha-&lt;br /&gt;
tologische Verheißung verkündet als&lt;br /&gt;
künftige Eschatologie das nicht Vorhan-&lt;br /&gt;
dene, für den Menschen Unvorherseh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
172 Vgl. Abdu’i-Bahä, Ansprachen, $. 102; Pro-&lt;br /&gt;
mulgation, $. 117, 128, 129, 170, 181, 232,&lt;br /&gt;
287, 298, 315, 328, 347, 373, 394, 454f; siehe&lt;br /&gt;
dazu auch Bahä’ulläh, Botschaften 8:63,&lt;br /&gt;
11:15, 15:4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
173 Erst in den 50er oder 70er Jahren des 18. Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts sollte hier der Bevölkerungsstand&lt;br /&gt;
von um 1600 wieder erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
174 Die Beziehung zwischen dem Werden des Na-&lt;br /&gt;
tionalstaats mit der auf ihn bezogenen neuen&lt;br /&gt;
inneren und äußeren Friedensordnung und&lt;br /&gt;
dem Impuls der Offenbarung Muhammads&lt;br /&gt;
bedarf dringend weiterer Untersuchung. Vgl.&lt;br /&gt;
dazu Denis MacEoin, The Concept of the Na-&lt;br /&gt;
tion in Islam, in: World Order, Bd. 10, Sum-&lt;br /&gt;
mer 1976, S. 7-21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
175 Qur’än 28:68,88&lt;br /&gt;
176 Johannes 16:13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE SO OKTOBER 1985 147&lt;br /&gt;
{{page|148|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=34}}bare, Zukünftige, das nicht aus dem Ge-&lt;br /&gt;
gebenen resultiert. Als präsente Escha-&lt;br /&gt;
tologie schafft sie die Bedingungen der&lt;br /&gt;
Möglichkeit des Neuen. Sie verweist auf&lt;br /&gt;
das Wirken des Göttlichen in der Ge-&lt;br /&gt;
schichte, darauf, daß die Entwicklung&lt;br /&gt;
des Menschen und seiner Gesellschaft&lt;br /&gt;
aus dem Einfluß des Wortes Gottes!”&lt;br /&gt;
geschieht. Johannes 1:3 bezeugt, daß&lt;br /&gt;
dem Wort Gottes Schöpferkraft zu-&lt;br /&gt;
kommt: »Ohne dasselbe ist nichts ge-&lt;br /&gt;
macht, was gemacht ist.« Nach Bahäi-&lt;br /&gt;
Lehre ist das Wort Gottes nicht einmal,&lt;br /&gt;
endgültig und unüberbietbar erschie-&lt;br /&gt;
nen, göttliche Offenbarung nicht besie-&lt;br /&gt;
gelt und abgeschlossen, sondern das&lt;br /&gt;
Wort ist innere Wirklichkeit jeder&lt;br /&gt;
Manifestation!” Gottes.” Es enthüllt&lt;br /&gt;
sich in jeder Sendung entsprechend den&lt;br /&gt;
Rahmenbedingungen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Zeit.!% Jede Sendung wurzelt in der ihr&lt;br /&gt;
vorangegangenen, bleibt auf sie bezo-&lt;br /&gt;
gen, auch in Überformung und&lt;br /&gt;
Aufhebung.&amp;quot;®! Der Gehalt der jeweili-&lt;br /&gt;
gen Offenbarung ist in Schwerpunkt&lt;br /&gt;
und Enthüllungsgrad vorherbestimmt:&lt;br /&gt;
»Denn jedes Zeitalter fordert ein neues&lt;br /&gt;
Maß an Gottes Licht.«&#039;#&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie das Wort von Sendung zu Sen-&lt;br /&gt;
dung zunehmend entfaltet wird, ent-&lt;br /&gt;
wickeln sich die Gestaltungsmöglich-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
177 Vgl. dazu Claudia Gollmer, Grundlagen,&lt;br /&gt;
Kap. 4, S. 91ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
178 Zu diesem Begriff siehe Anmerkung 80&lt;br /&gt;
179 Vgl. Beantwortete Fragen, Kap. 38, 5. 152&lt;br /&gt;
180 Vgl. Ährenlese 34:6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
181 Vgl. Ährenlese 31; 33:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
182 Ährenlese 34:7; vgl. auch 31; 34:4; 38;&lt;br /&gt;
Abdul-Bahä in: Shoghi Effendi, Weltord-&lt;br /&gt;
nung, S. 60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
183 Dies gilt auch umgekehrt: »Wie mannigfaltig&lt;br /&gt;
sind die Wahrheiten, die unausgesprochen&lt;br /&gt;
bleiben müssen, bis die festgesetzte Zeit ge-&lt;br /&gt;
kommen ist.« Ährenlese 89:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
184 Baha&#039;ulläh, Darya-i-Danish, Hidden Words,&lt;br /&gt;
Words of Wisdom and Communes, Chicago&lt;br /&gt;
o.J., S. 58ff; deutsch in: Worte der Weisheit.&lt;br /&gt;
Verborgene Worte, Frankfurt 1965, $.8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
148 BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
keiten des Menschen. Das im Wort po-&lt;br /&gt;
tentiell Vorgegebene ist präsente Escha-&lt;br /&gt;
tologie und damit grundsätzlich&lt;br /&gt;
realisierbar.!% Allerdings nicht als Au-&lt;br /&gt;
tomatismus. Zur Umsetzung des schöp-&lt;br /&gt;
ferischen Wortes in gesellschaftliche&lt;br /&gt;
Wirklichkeit braucht es den Menschen&lt;br /&gt;
und dessen Wort-getreues Handeln:&lt;br /&gt;
»Alle Dinge der Welt erscheinen durch&lt;br /&gt;
den Menschen und kommen in ihm zum&lt;br /&gt;
Ausdruck.«&#039;® Zeitgemäße Friedenspo-&lt;br /&gt;
litik und die dafür notwendige Neuord-&lt;br /&gt;
nung der Welt und Neuorientierung des&lt;br /&gt;
Menschen hat dieselben Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wahrlich, Gottes strahlendes Licht er-&lt;br /&gt;
schien mitten unter euch, ... euch recht&lt;br /&gt;
zu leiten auf den Wegen des Friedens...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bab!#&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh trat im Jahre 1863 mit dem&lt;br /&gt;
Anspruch hervor, Träger einer neuen&lt;br /&gt;
göttlichen Offenbarung zu sein, den&lt;br /&gt;
Willen und die Gnade Gottes für die&lt;br /&gt;
kommenden Jahrhunderte zu ver-&lt;br /&gt;
körpern.&#039;?° Seine Schriften und Briefe&lt;br /&gt;
sind für den Bahä’i Wort Gottes, schöp-&lt;br /&gt;
ferischer Impuls einer neuen Zeit, fähig,&lt;br /&gt;
»die Welt umzustürzen«!, Einbruch&lt;br /&gt;
des Neuen in die Geschichte.&#039;®® In dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
185 Qayyümu/l-Asmä‘, Kap. 62, Selections, S. 61&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
186 Auch mit Bahä’u’lläh ist die Kette der aufein-&lt;br /&gt;
anderfolgenden Manifestationen Gottes kei-&lt;br /&gt;
nesfalls abgeschlossen, denn Gott wird »fort-&lt;br /&gt;
fahren so zu tun bis an das »Ende, das kein&lt;br /&gt;
Ende hat««. Bahä’u’lläh, Süriy-i-Sabr, zitiert&lt;br /&gt;
in: Shoghi Effendi, Weltordnung, $. 177. Zu&lt;br /&gt;
den verschiedenen Aussagen über die Dauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Sendung Bahaullähs siehe Hermann&lt;br /&gt;
Grossmann, Bündnis, $. 103-106.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
187 Botschaften 17:103&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
188 „Das Wort Gottes allein kann für sich in An-&lt;br /&gt;
spruch nehmen, die Fähigkeit zu einer so gro-&lt;br /&gt;
Ben, so weitreichenden Wandlung zu besit-&lt;br /&gt;
zen.« Ährenlese 99; vgl. auch a.a.O. 14:4,&lt;br /&gt;
78:3; Botschaften 7:6, 8:26, 8:46, 9:12, 17:99,&lt;br /&gt;
17:115&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|149|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=35}}von Bahä’u’lläh offenbarten Gotteswort&lt;br /&gt;
— wie auch in den Erläuterungen der&lt;br /&gt;
bevollmächtigten Ausleger Abdu/l-&lt;br /&gt;
Bahä und Shoghi Effendi —&#039;# drückt&lt;br /&gt;
sich eine unverkennbare Neubestim-&lt;br /&gt;
mung von Möglichkeit, Umfang, Inten-&lt;br /&gt;
sität und Methode des Friedens aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie jede religiöse Sendung, so hat&lt;br /&gt;
auch die Offenbarung Bahä’u&#039;llähs ih-&lt;br /&gt;
ren eigenen historischen Auftrag: »In&lt;br /&gt;
dieser wundersamen Offenbarung, die-&lt;br /&gt;
sem herrlichen Jahrhundert, ist die&lt;br /&gt;
Grundlage des Glaubens Gottes und das&lt;br /&gt;
hervorstechende Merkmal Seines Ge-&lt;br /&gt;
setzes das Bewußtsein der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit.«!% Diese Einheit ist nicht&lt;br /&gt;
gedachtes Ideal oder fromme Hoffnung,&lt;br /&gt;
sondern im Wort Gottes vorgeprägt,&lt;br /&gt;
präsente Eschatologie: »Wir haben... of-&lt;br /&gt;
fenbart, was Schutz und Sicherheit, Ru-&lt;br /&gt;
he und Frieden bewirkt...«&#039;”&amp;quot; »So wird&lt;br /&gt;
schließlich die ganze Erde als eine Stadt&lt;br /&gt;
und ein Land betrachtet.«&#039;” Die Mah-&lt;br /&gt;
nung, »Haltet den Frieden der Welt&lt;br /&gt;
nicht für ein unerreichbares Ideal«!,&lt;br /&gt;
verweist auf die mit dem Ziel der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit notwendig verbundene&lt;br /&gt;
neue Friedensqualität, die über den vor-&lt;br /&gt;
läufigen Frieden bewaffneter Sicherheit&lt;br /&gt;
hinausweist. Weltfrieden kann nicht&lt;br /&gt;
isoliertes Ziel sein, sondern ist Teil einer&lt;br /&gt;
grundsätzlichen Neuordnung: »Die&lt;br /&gt;
Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede&lt;br /&gt;
und ihre Sicherheit sind unerreichbar,&lt;br /&gt;
wenn und bevor nicht ihre Einheit fest&lt;br /&gt;
begründet ist.«&#039;” Das Wort ist Schöpfer&lt;br /&gt;
einer neuen Wirklichkeit, die alles Tren-&lt;br /&gt;
nende zwischen den Völkern und Natio-&lt;br /&gt;
nen aufhebt: »Es rühme sich nicht, wer&lt;br /&gt;
sein Vaterland liebt, sondern wer die&lt;br /&gt;
ganze Welt liebt.«&#039;” »... richtet euren&lt;br /&gt;
Blick auf die Einheit... Diese Handbreit&lt;br /&gt;
Erde ist nur eine Heimat und eine&lt;br /&gt;
Wohnstatt.«!%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nie zuvor in der Religionsge-&lt;br /&gt;
schichte wird die Menschheit als Ganzes&lt;br /&gt;
angesprochen: »Alle Völker der Welt&lt;br /&gt;
haben die Pflicht, ihre Gegensätze aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zugleichen und in vollkommener Ein-&lt;br /&gt;
heit und in Frieden im Schatten des Bau-&lt;br /&gt;
mes Seiner Obhut und Gnade zu woh-&lt;br /&gt;
nen. Es geziemt ihnen, sich an das zu&lt;br /&gt;
halten, was an diesem Tag der Erhöhung&lt;br /&gt;
ihrer Stufe und der Förderung ihres eige-&lt;br /&gt;
nen Besten dient.«!° Wenn sich Bahä’-&lt;br /&gt;
ulläh an alle Menschen als »Früchte&lt;br /&gt;
eines Baumes und Blätter eines&lt;br /&gt;
Zweiges«!° wendet, so ist dies weit&lt;br /&gt;
mehr als das einprägsame Bild eines&lt;br /&gt;
sonst fleischlosen Kosmopolitismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat durch die Träger Seiner Of-&lt;br /&gt;
fenbarung die ganze Menschheitsge-&lt;br /&gt;
schichte formend begleitet. Er ist damit&lt;br /&gt;
nicht nur Schöpfer der leiblichen und&lt;br /&gt;
geistigen, sondern auch der gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Existenz des Menschen und&lt;br /&gt;
deren Zielrichtung. Die Grundanliegen&lt;br /&gt;
aller Religionen und Kulturen drängen&lt;br /&gt;
im Wesen dazu, einzumünden in eine&lt;br /&gt;
vielgestalte und facettenreiche Einheit.&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit ist göttliches&lt;br /&gt;
Gnadengeschenk und Verpflichtung für&lt;br /&gt;
alle Menschen, Religionen und Kultu-&lt;br /&gt;
ren. Alle haben teil am Auftrag der Neu-&lt;br /&gt;
gestaltung der Welt. Die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit ist mit der Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs präsente Eschatologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist mit dieser Offen-&lt;br /&gt;
barung in ein neues Zeitalter der Reife&lt;br /&gt;
eingetreten. »Was den menschlichen Be-&lt;br /&gt;
dürfnissen in der Frühgeschichte unse-&lt;br /&gt;
res Geschlechts angemessen war, ist we-&lt;br /&gt;
der passend noch genügend für die Er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18° Vgl. dazu Hermann Grossmann, Bündnis,&lt;br /&gt;
S. 53-73&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
190 “Abdu’l-Bahá, zitiert in: Shoghi Effendi, Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, S. 60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
191 Botschaften 8:52&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
192 2.2.0. 6:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
193 &#039;Abdu/l-Bahä, Ansprachen in Paris, S. 18&lt;br /&gt;
194 Bahä’ullläh, Ährenlese 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
195 Botschaften 7:13; vgl. auch 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
196 4.2.0. 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
197 Ährenlese 4:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
198 Botschaften 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;[-BRIEFE SO OKTOBER 1985 149&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|150|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fordernisse des heutigen Tages, dieser&lt;br /&gt;
Zeit des Neuen und der Vollendung.«!”&lt;br /&gt;
Dieser Reife eignet notwendig Verant-&lt;br /&gt;
wortung: Verantwortung, die sich auch&lt;br /&gt;
ausdrückt durch die Möglichkeit kol-&lt;br /&gt;
lektiven Selbstmords in einer nuklearen&lt;br /&gt;
Katastrophe, in den ungeheueren tech-&lt;br /&gt;
nisch-wissenschaftlichen Möglichkeiten&lt;br /&gt;
zur Veränderung unserer gesamten Le-&lt;br /&gt;
bensbedingungen — zum Guten oder&lt;br /&gt;
Schlechten. Im Wort von der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit liegt die ethische Norm für&lt;br /&gt;
die Bewältigung dieser Herausforde-&lt;br /&gt;
rungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort Gottes ist die Bedingung&lt;br /&gt;
der Möglichkeit eines neuen planetari-&lt;br /&gt;
schen Bewußtseins: der Gemeinsamkeit&lt;br /&gt;
aller Menschen als Kinder des einen&lt;br /&gt;
göttlichen Vaters, denen allen zusam-&lt;br /&gt;
men die Erde zu Lehen gegeben ist, sie&lt;br /&gt;
»zu bebauen und zu bewahren«?®, als&lt;br /&gt;
Menschheitskörper, als Organismus in&lt;br /&gt;
unauflöslicher Interdependenz und in-&lt;br /&gt;
dividueller Verantwortung jeder Einzel-&lt;br /&gt;
zelle für das Ganze — bei gleichzeitiger&lt;br /&gt;
Bewahrung und liebender Förderung&lt;br /&gt;
der Individualität, dem Zeichen der&lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit göttlicher Schöpfung.&lt;br /&gt;
Ein Bewußtsein, das einmündet in eine&lt;br /&gt;
neue Qualität des Friedens: »Das Ban-&lt;br /&gt;
ner des Größten Friedens ward entfal-&lt;br /&gt;
tet.« 2%! Ein Friede, in dem Gesetz und&lt;br /&gt;
Liebe, Sicherung und Agape verwoben&lt;br /&gt;
sind, in dem das göttliche Gesetz sein&lt;br /&gt;
Wesen in ganzer Fülle äußert, »denn&lt;br /&gt;
was verheißen war in den heiligen&lt;br /&gt;
Schriften, ist nun erfüllt«.2%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukünftige Eschatologie hat schon&lt;br /&gt;
immer auf diese Zeit verwiesen, in der&lt;br /&gt;
die »Menschen versammelt werden«?%,&lt;br /&gt;
der »Tag, da die Menschheit vor dem&lt;br /&gt;
Herrn der Welten stehen wird«2%, der&lt;br /&gt;
lag, von dem geschrieben steht: »Das&lt;br /&gt;
Reich wird Gottes sein«?®, von dem&lt;br /&gt;
Gott spricht: »Von mir wird ein Gesetz&lt;br /&gt;
ausgehen, und mein Recht will ich zum&lt;br /&gt;
Licht der Völker ... stellen«?°, der Tag,&lt;br /&gt;
von dem verheißen ist: »Und der Herr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
150 BAHÄT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird König sein über alle Lande. Zu der&lt;br /&gt;
Zeit wird der Herr nur einer sein und&lt;br /&gt;
sein Name nur einer«?”, der Tag, von&lt;br /&gt;
dem die Johannesapokalypse frohlockt:&lt;br /&gt;
»Siehe da, die Hütte Gottes bei den&lt;br /&gt;
Menschen! Und er wird bei ihnen woh-&lt;br /&gt;
nen, und sie werden sein Volk sein, und&lt;br /&gt;
Gott selbst wird bei ihnen sein als ihr&lt;br /&gt;
Gott. Und Gott wird abwischen alle Trä-&lt;br /&gt;
nen von ihren Augen, und der Tod wird&lt;br /&gt;
nicht mehr sein, noch Leid noch Klage&lt;br /&gt;
noch Schmerz wird mehr sein; denn das&lt;br /&gt;
Frühere ist vergangen... Siehe, ich ma-&lt;br /&gt;
che alles neu!«2%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Frieden scheinen sich hier ur-&lt;br /&gt;
alte Verheißungen (zukünftige Eschato-&lt;br /&gt;
logie) und reale Möglichkeit (präsente&lt;br /&gt;
Eschatologie) im Wort von der Heran-&lt;br /&gt;
kunft des »Größten Friedens« zu berüh-&lt;br /&gt;
ren: »Denn er wird Frieden gebieten den&lt;br /&gt;
Völkern, und seine Herrschaft wird sein&lt;br /&gt;
von einem Meer bis zum andern und&lt;br /&gt;
vom Strom bis an die Enden der&lt;br /&gt;
Erde.«?° Ein Friede, der weit mehr ist&lt;br /&gt;
als Nichtkrieg: »Ich will zu deiner&lt;br /&gt;
Obrigkeit den Frieden machen und zu&lt;br /&gt;
deinen Vögten die Gerechtigkeit. Man&lt;br /&gt;
soll keinen Frevel mehr hören in deinem&lt;br /&gt;
Lande noch Schaden oder Verderben in&lt;br /&gt;
deinen Grenzen.«*!° »Da werden sie ihre&lt;br /&gt;
Schwerter zu Pflugscharen und ihre&lt;br /&gt;
Spieße zu Sicheln machen. Denn es&lt;br /&gt;
wird kein Volk wider das andere das&lt;br /&gt;
Schwert erheben, und sie werden hin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
199 &amp;quot;Abdu’l-Bahá, zitiert in: Shoghi Effendi, Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, S. 235&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
200 1, Mose 2:15&lt;br /&gt;
201 Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 29&lt;br /&gt;
202 Bahä’ulläh, Botschaften 6:57&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
203 Vgl. Qur’än 4:87, 4:172, 15:25, 18:99; Jesaja&lt;br /&gt;
60:3-4; Micha 4:2, Markus 13:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 (Jur’&#039;an 83:6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Qur’an 40:16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Jesaja 51:4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
207 Sacharja 14:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
208 Offenbarung 21:3-5; vgl. auch Hesekiel 37:27&lt;br /&gt;
209 Sacharja 9:10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
210 Jesaja 60:17-18&lt;br /&gt;
{{page|151|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=37}}fort nicht mehr lernen, Krieg zu&lt;br /&gt;
führen.«?!! Ein Friede, der endgültig&lt;br /&gt;
scheint, unüberbietbar: »Da werden die&lt;br /&gt;
Wölfe bei den Lämmern wohnen und&lt;br /&gt;
die Panther bei den Böcken lagern. Ein&lt;br /&gt;
kleiner Knabe wird Kälber und junge&lt;br /&gt;
Löwen und Mastvieh miteinander trei-&lt;br /&gt;
ben. Kühe und Bären werden zusammen&lt;br /&gt;
weiden, daß ihre Jungen beieinander lie-&lt;br /&gt;
gen, und Löwen werden Stroh fressen&lt;br /&gt;
wie die Rinder. Und ein Säugling wird&lt;br /&gt;
spielen am Loch der Otter, und ein ent-&lt;br /&gt;
wöhntes Kind wird seine Hand stecken&lt;br /&gt;
in die Höhle der Natter. Man wird nir-&lt;br /&gt;
gends Schaden tun noch verderben auf&lt;br /&gt;
meinem ganzen heiligen Berge.«”&#039;?&lt;br /&gt;
»Meine Gnade soll nicht von dir wei-&lt;br /&gt;
chen und der Bund meines Friedens soll&lt;br /&gt;
nicht hinfallen, spricht der Herr, dein&lt;br /&gt;
Erbarmer.«?&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Schwere Prüfungen harren euer am&lt;br /&gt;
Tage des Gerichts. « Der Bab?&amp;quot;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Segensfülle präsenter Escha-&lt;br /&gt;
tologie ist immer nur latent gegeben;&lt;br /&gt;
sie ist gleichermaßen Herausforderung&lt;br /&gt;
wie Gnadengeschenk. Das schöpferi-&lt;br /&gt;
sche Wort, der Urkeim des Neuen, ruft&lt;br /&gt;
zur Entscheidung. Jeder Zeitpunkt in&lt;br /&gt;
der Geschichte, an dem sich das Wort&lt;br /&gt;
neu offenbart, ist Ausnahmesituation,&lt;br /&gt;
ist »Tag Gottes«, ist in gewisser Weise&lt;br /&gt;
»Tag des Gerichts«; ihm eignet das Un-&lt;br /&gt;
vorhersehbare, das Einmalig-Extreme&lt;br /&gt;
des Jüngsten Gerichts.’ Die Verkün-&lt;br /&gt;
digung des Worts lädt alle Menschen,&lt;br /&gt;
Institutionen, überkommenen Über-&lt;br /&gt;
zeugungen und Richtmaße vor das&lt;br /&gt;
Weltengericht. Brauchbares wird vor&lt;br /&gt;
dem Tribunal des Worts bestätigt, Fal-&lt;br /&gt;
sches und Unzeitgemäßes verworfen,&lt;br /&gt;
Not-wendig Neues verkündet. In der&lt;br /&gt;
schubweisen Offenbarung des Worts,&lt;br /&gt;
in Bestätigung, Verwerfung und Neu-&lt;br /&gt;
begründung vollzieht sich der göttliche&lt;br /&gt;
Heilsplan in unausweichlicher Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mangelnde Eingehen des Men-&lt;br /&gt;
schen auf diese Bestimmung, seine Ver-&lt;br /&gt;
stocktheit, selbst der hartnäckigste Wi-&lt;br /&gt;
derstand, kann den Heilslauf nicht hin-&lt;br /&gt;
dern — aber erschwert, verzögert ihn&lt;br /&gt;
durch Turbulenzen, Umwege, Brüche,&lt;br /&gt;
maßloses Leid und unnötige Opfer.&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit, das Wort Gottes&lt;br /&gt;
kundzutun, liegt im Wesen der Offen-&lt;br /&gt;
barung. Es scheint im Wesen menschli-&lt;br /&gt;
cher Gesellschaften, ja der Menschen&lt;br /&gt;
selbst zu liegen, daß sie sich mit weni-&lt;br /&gt;
gen Ausnahmen gegen seine Heraus-&lt;br /&gt;
forderung sperren — in Gleichgültig-&lt;br /&gt;
keit oder aktiver Feindschaft. Die Ver-&lt;br /&gt;
kündigung Bahä’ullähs, Sein An-&lt;br /&gt;
spruch und die Zielsetzung Seiner Leh-&lt;br /&gt;
ren — allen voran die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit, aber auch die Gleichstel-&lt;br /&gt;
lung der Geschlechter, die Forderung&lt;br /&gt;
einer grundlegenden Erziehung und&lt;br /&gt;
Bildung aller, oder die Vergeistigung&lt;br /&gt;
von Politik und Wirtschaft — fand un-&lt;br /&gt;
barmherzige Gegner in der islamischen&lt;br /&gt;
Geistlichkeit. Die mächtigsten Herr-&lt;br /&gt;
scher der Region, Näsiri’d-Din Shäh&lt;br /&gt;
und Sultan ‘Abdu’l-’Aziz, suchten den&lt;br /&gt;
neuen Glauben zu unterdrücken. Als&lt;br /&gt;
Folge lebte Bahä’u’lläh bis zu Seinem&lt;br /&gt;
Tode vierzig lange Jahre in Gefangen-&lt;br /&gt;
schaft und Verbannung; Seine Anhän-&lt;br /&gt;
ger waren blutigen Verfolgungen aus-&lt;br /&gt;
gesetzt — Verfolgungen, die im Iran&lt;br /&gt;
auch heute nicht der Vergangenheit&lt;br /&gt;
angehören.?!° Aus Seinem dritten Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
211 Jesaja 2:4; vgl. auch Micha 4:4-5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
212 Jesaja 11:6-9; vgl. 65:25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
213 Jesaja 54:10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 Kitäb-i-Asmä’ 17:2, Selections, S. 140&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 Zur Interpretation des Jüngsten Gerichts siehe&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh, Kitäb-i-Igan 119 (S. 80), 25&lt;br /&gt;
(5.26), 54 (S. 41); Ährenlese 7:1, 10:1, 12,&lt;br /&gt;
17:1-4, 18:1-7: Botschaften 8:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
216 Siehe: Die Bahá’í im Iran. Dokumentation&lt;br /&gt;
der Verfolgung einer religiösen Minderheit,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1985; Baha&#039;i-Briefe 48,&lt;br /&gt;
November 1984; Douglas Martin, The Perse-&lt;br /&gt;
cution of the Bahä’is of Iran 1844-1984, Baha&#039;i&lt;br /&gt;
Studies 12/13, Ottawa 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 151&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|152|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=38}}bannungsort, Adrianopel?&#039;”, und später&lt;br /&gt;
aus dem Gefängnis in ‘Akkä wandte&lt;br /&gt;
sich Bahä’u’lläh mit Seiner Botschaft&lt;br /&gt;
an die Könige und Regenten Seiner&lt;br /&gt;
Zeit, darunter an Kaiser Wilhelm I., an&lt;br /&gt;
Napoleon Ill., an Zar Alexander II., an&lt;br /&gt;
Königin Victoria von England, an Kai-&lt;br /&gt;
ser Franz Joseph, an Sultän ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
&amp;quot;Aziz, an Näsiri’d-Din Shäh und an die&lt;br /&gt;
Präsidenten der Republiken Nord- und&lt;br /&gt;
Südamerikas. Die Parlamentarier aller&lt;br /&gt;
Länder und die geistlichen Führer der&lt;br /&gt;
Religionen sind weitere Adressaten&lt;br /&gt;
Seines Wortes.?!® „Niemals seit Anbe-&lt;br /&gt;
ginn der Welt«, so lautet Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
eigenes Zeugnis, »ward Gottes Bot-&lt;br /&gt;
schaft so offen verkündet «?&#039;?.&lt;br /&gt;
»Wahrlich, Ich sage«, so spricht&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh in einem Seiner Sendschrei-&lt;br /&gt;
ben die ganze Menschheit an, »dies ist&lt;br /&gt;
der Tag, an dem die Menschheit das&lt;br /&gt;
Angesicht des Verheißenen schauen&lt;br /&gt;
und Seine Stimme hören kann. Gottes&lt;br /&gt;
Ruf ist erhoben, und das Licht Seines&lt;br /&gt;
Antlitzes ist über den Menschen aufge-&lt;br /&gt;
gangen.«22° Baha’u’lläh ruft die Herr-&lt;br /&gt;
scher der Welt auf: »Prüfet Unsere Sa-&lt;br /&gt;
che ...«22! Unmißverständlich prokla-&lt;br /&gt;
miert Bahä’u’lläh, der nach menschli-&lt;br /&gt;
chen Maßstäben hilflose Gefangene,&lt;br /&gt;
den Anspruch gottgegebener Souverä-&lt;br /&gt;
nität vor aller weltlichen Herrschaft:&lt;br /&gt;
»O Könige der Erde! Er, der Lehensherr&lt;br /&gt;
aller, ist gekommen. Das Reich ist Got-&lt;br /&gt;
tes, des allmächtigen Beschützers, des&lt;br /&gt;
Selbstbestehenden. Betet keinen an&lt;br /&gt;
außer Gott, und strahlenden Herzens&lt;br /&gt;
hebt euer Angesicht auf zu euerem&lt;br /&gt;
Herrn, dem Herrn aller Namen. Dies ist&lt;br /&gt;
eine Offenbarung, mit der niemals ver-&lt;br /&gt;
gleichbar ist, was ihr besitzet, wenn ihr&lt;br /&gt;
es doch wüßtet!... Ihr seid nur Vasallen,&lt;br /&gt;
o Könige der Erde! Er, der König der&lt;br /&gt;
Könige, ist erschienen, gekleidet in Seine&lt;br /&gt;
wunderbarste Herrlichkeit, und lädt&lt;br /&gt;
euch vor Sich, den Helfer in Gefahr, den&lt;br /&gt;
Selbstbestehenden. Hütet euch, daß&lt;br /&gt;
nicht Hochmut euch abhalte, den Quell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
152 BAHÄTI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Offenbarung zu erkennen, daß die&lt;br /&gt;
Dinge dieser Welt euch nicht wie ein&lt;br /&gt;
Schleier von Ihm, dem Schöpfer des&lt;br /&gt;
Himmels, trennen. Erhebt euch und die-&lt;br /&gt;
net Ihm, dem Verlangen aller Völker,&lt;br /&gt;
der euch durch Sein Wort erschaffen&lt;br /&gt;
und euch für alle Zeit zu Sinnbildern&lt;br /&gt;
Seiner Herrschaft bestimmt hat... Welch&lt;br /&gt;
großer Segen harrt des Königs, der sich&lt;br /&gt;
erhebt, Meiner Sache in Meinem Reiche&lt;br /&gt;
zu helfen, und sich von allem außer Mir&lt;br /&gt;
loslöst!... Ein solcher König ist das&lt;br /&gt;
wahre Auge der Menschheit, der leuch-&lt;br /&gt;
tende Schmuck auf der Stirn der Schöp-&lt;br /&gt;
fung, der Brunnquell des Segens für die&lt;br /&gt;
ganze Welt.«??&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich macht Bahä’u’lläh deutlich,&lt;br /&gt;
daß diese Aussagen nicht einen religiös&lt;br /&gt;
verbrämten Herrschaftsanspruch be-&lt;br /&gt;
gründen sollen, sondern sich auf eine&lt;br /&gt;
grundsätzliche geistige Neuorientie-&lt;br /&gt;
rung, auf die Herrschaft Gottes über die&lt;br /&gt;
Menschenherzen beziehen: »Wir haben&lt;br /&gt;
nicht den Wunsch, Hand an eure König-&lt;br /&gt;
reiche zu legen. Unsere Aufgabe ist, die&lt;br /&gt;
Herzen der Menschen zu ergreifen und&lt;br /&gt;
zu besitzen. «??&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Bahä’u’llähs Ruf verhallt unge-&lt;br /&gt;
hört; die Neuordnung staatlicher Ge-&lt;br /&gt;
waltpolitik bleibt aus; der Gefangene&lt;br /&gt;
von ‘Akkä wird in den Zentren der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
217 Dem heutigen Edirne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
218 Zum Ganzen siehe: Die Verkündigung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, Aus Seinen Schriften gerichtet&lt;br /&gt;
an die Könige und Herrscher der Welt, Frank-&lt;br /&gt;
furt 1967; Shoghi Effendi, Gott geht vorüber,&lt;br /&gt;
S. 195-200, 234-242; Adib Taherzadeh, The&lt;br /&gt;
Revelation of Bahä’u’lläh, Bd. 2, Kap. 15 und&lt;br /&gt;
16, Bd. 3, Kap. 6, 7 und 8; interessant auch&lt;br /&gt;
die Verknüpfung der Ermahnungen und War-&lt;br /&gt;
nungen Bahä’u’llähs mit den historischen Er-&lt;br /&gt;
eignissen bei Geoffrey Nash, The Phoenix&lt;br /&gt;
and the Ashes, Oxford 1984, S. 136-141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
219 Zitiert in: Shoghi Effendi, Gott geht vorüber,&lt;br /&gt;
S. 242&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
220 Ährenlese 7:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
221 Ährenlese 118:7&lt;br /&gt;
222 Ährenlese 105:1,5,7&lt;br /&gt;
223 Ährenlese 105:6&lt;br /&gt;
{{page|153|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=39}}Macht nicht ernst genommen.” Die&lt;br /&gt;
Führer der Welt versagten vor der&lt;br /&gt;
Herausforderung dieser neuen Stufe&lt;br /&gt;
präsenter Eschatologie. Die Möglichkeit&lt;br /&gt;
einer umfassenden und dazu vergleichs-&lt;br /&gt;
weise sanften, bruchlosen und leid-&lt;br /&gt;
armen Neuordnung der Welt ist vorerst&lt;br /&gt;
vertan. Die leichtfertige Zurückweisung&lt;br /&gt;
des Heils wird unsägliches Unheil wir-&lt;br /&gt;
ken: Die Namen Auschwitz und Hiro-&lt;br /&gt;
schima stehen für viele. »Denn des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrn Tag ist Finsternis und nicht&lt;br /&gt;
Licht.«2?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erneut wendet sich Bahä’u’lläh an die&lt;br /&gt;
Herrscher der Welt: »O ihr Herrscher&lt;br /&gt;
der Erde! Warum habt ihr, den Wolken&lt;br /&gt;
gleich, die Sonne und ihren Glanz ver-&lt;br /&gt;
dunkelt und sie am Scheinen gehindert?&lt;br /&gt;
Hört auf den Rat, den euch die Feder des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höchsten gibt, damit ihr und die Armen&lt;br /&gt;
Ruhe und Frieden finden. Wir flehen zu&lt;br /&gt;
Gott, daß Er den Königen der Erde bei-&lt;br /&gt;
stehe, den Frieden auf Erden zu errich-&lt;br /&gt;
ten. Er, wahrlich, tut was Er will... Nun,&lt;br /&gt;
da ihr den Größten Frieden zurückge-&lt;br /&gt;
wiesen habt, haltet euch fest an diesen,&lt;br /&gt;
den Geringeren Frieden, damit ihr euere&lt;br /&gt;
eigene Lage und die euerer Untertanen&lt;br /&gt;
einigermaßen bessert.«?*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
224 So soll etwa Napoleon III. nach Erhalt Seines&lt;br /&gt;
Briefes ausgerufen haben, »Wenn dieser&lt;br /&gt;
Mann ein Gott ist, dann bin ich zwei Götter«&lt;br /&gt;
(vgl. Nash, S. 137). Wenige Jahre später er-&lt;br /&gt;
füllte sich an ihm die warnende Prophezei-&lt;br /&gt;
hung Bahä’u’llähs: »Für das, was du getan&lt;br /&gt;
hast, soll dein Reich in Verwirrung gestürzt&lt;br /&gt;
werden; deine Herrschaft soll deinen Händen&lt;br /&gt;
entgleiten, zur Strafe für das, was du verüb-&lt;br /&gt;
test.« Verkündigung, 5. 34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
225 Amos 5:18&lt;br /&gt;
226 Ährenlese 119:1,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
227 Vgl. Brief im Auftrag Shoghi Effendis an ei-&lt;br /&gt;
nen Gläubigen, 14.3.1939, in: Helen Hornby,&lt;br /&gt;
Lights of Guidance, New Delhi 1983, Nr. 850;&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Der Verheißene Tag, S. 185f.&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtigkeit nennt&lt;br /&gt;
diesen Prozeß in einem Brief vom 8.12.1967&lt;br /&gt;
(Wellspring of Guidance, Wilmette 1969, S.&lt;br /&gt;
134; dt. Botschaften des Universalen Hauses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Größte Frieden, die Vision Jesa-&lt;br /&gt;
jas, ist damit wieder in die Zukunft ge-&lt;br /&gt;
rückt. Präsente und zukünftige Eschato-&lt;br /&gt;
logie, die sich für einen Moment in der&lt;br /&gt;
Offenbarung Bahä’u’llähs berührten,&lt;br /&gt;
treten erneut auseinander. Der Größte&lt;br /&gt;
Frieden wird wieder zur entrückten Ver-&lt;br /&gt;
heißung, Motiv gläubiger Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch bleiben zukünftige und&lt;br /&gt;
präsente Eschatologie eng verwoben.&lt;br /&gt;
Der Größte Frieden ist der Gemeinde&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs mehr als ferne Hoffnung.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i sehen zwei Prozesse simultan&lt;br /&gt;
am Werk: Der Geringere Frieden — die&lt;br /&gt;
Überwindung des Kriegs als Mittel der&lt;br /&gt;
Politik und die schließliche politische&lt;br /&gt;
Einigung der Welt — muß sich durch die&lt;br /&gt;
gemeinsame Anstrengung der Völker&lt;br /&gt;
und Staaten der Erde realisieren.”&lt;br /&gt;
Doch schon während sich der Geringere&lt;br /&gt;
Frieden schrittweise vollzieht, reift der&lt;br /&gt;
Größte Frieden im Kokon der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinde heran, kaum merklich nach&lt;br /&gt;
außen, heutenoch ein Fötus im Stadium&lt;br /&gt;
der ersten Zellteilungen.?* Er gliedert,&lt;br /&gt;
differenziert sich, gewinnt Gestalt in der&lt;br /&gt;
Verbreitung der Lehre Bahä’u’llähs in al-&lt;br /&gt;
le Welt, in der langsamen Entfaltung der&lt;br /&gt;
Ordnung Seines Glaubens, ihrer Geset-&lt;br /&gt;
ze und Einrichtungen, in der Wandlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit, Bd. 1, 1981, S. 79) den&lt;br /&gt;
»Größeren Plan Gottes«, der sich auf »ge-&lt;br /&gt;
heimnisvollen Wegen« vollzieht, »die Er al-&lt;br /&gt;
lein zu führen weiß«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
228 Auf diesen Prozeß kann hier nur stichwortar-&lt;br /&gt;
tig eingegangen werden. Zum besseren Ver-&lt;br /&gt;
ständnis sind eine Fülle von Detailstudien&lt;br /&gt;
zum Gesamtkomplex der politischen Theolo-&lt;br /&gt;
gie der Bahä’i-Religion unverzichtbar, immer&lt;br /&gt;
dessen eingedenk, daß Shoghi Effendi vor der&lt;br /&gt;
Vermessenheit warnt, heute schon zu »einem&lt;br /&gt;
genauen und befriedigenden Verständnis aller&lt;br /&gt;
Aspekte und Schritte dieses Prozesses gelan-&lt;br /&gt;
gen zu wollen« (Der verheißene Tag, S. 187).&lt;br /&gt;
Zum Begriff des Größten Friedens vgl.&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 232; Der&lt;br /&gt;
verheißene Tag, $. 24, 52, 186f; Hornby Nr.&lt;br /&gt;
850; Wellspring of Guidance $. 133f (dt. Bot-&lt;br /&gt;
schaften des Universalen Hauses der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit, Bd. 1, S. 79).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 153&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|154|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=40}}und im Reifen Seiner Anhänger”, um&lt;br /&gt;
so dem im Geringeren Frieden äußerlich&lt;br /&gt;
geeinten Körper der Welt »wahre Ein-&lt;br /&gt;
heit und Geistigkeit» einzuhauchen??°:&lt;br /&gt;
ebenso Vorbedingungen des Größten&lt;br /&gt;
Friedens wie die Verschmelzung *°&#039; aller&lt;br /&gt;
Rassen, Bekenntnisse, Klassen und Na-&lt;br /&gt;
tionen. Mit dem Größten Frieden ein-&lt;br /&gt;
hergehen wird die schließliche Vereini-&lt;br /&gt;
gung der Menschheit in einem gemein-&lt;br /&gt;
samen Glauben, unter einem göttlichen&lt;br /&gt;
Gesetz, in einem durchgeistigten Welt-&lt;br /&gt;
gemeinwesen, einem »Bahäi World&lt;br /&gt;
Commonwealth«??— das wohl Jesaja&lt;br /&gt;
visionär schaute und für dessen Heran-&lt;br /&gt;
kunft uns Jesus beten lehrte — und eine&lt;br /&gt;
Weltkultur, das »Kind dieses Frie-&lt;br /&gt;
dens«?®. Ein Prozeß, der nicht mit der&lt;br /&gt;
Dauer der Sendung Bahä’u’llähs been-&lt;br /&gt;
det, sondern von weiteren Offenbarun-&lt;br /&gt;
gen des Bahäi-Zyklusses in immer&lt;br /&gt;
neuen Stufen präsenter Eschatologie er-&lt;br /&gt;
möglicht und entfaltet wird.?”* Gleich-&lt;br /&gt;
wohl ist diese Vision für den Bahäi&lt;br /&gt;
durch ihre zeitimmanenten, vorberei-&lt;br /&gt;
tenden Aspekte nicht nur Trost und fer-&lt;br /&gt;
ne Hoffnung, sondern gegenwärtiger&lt;br /&gt;
Gestaltungsauftrag mit Blick auf eine&lt;br /&gt;
unendliche Heilsgeschichte.2?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
229 Vgl. Shoghi Effendi, Das Kommen, 5. 37ff:&lt;br /&gt;
Hornby Nr. 852, 854; Abdu’l-Bahá in Lon-&lt;br /&gt;
don. Addresses and Notes of Conversations,&lt;br /&gt;
Reprint Oakham 1982, S. 83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
230 Wellspring of Guidance, S. 134&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
231 Shoghi Effendi spricht von »fusion«; The&lt;br /&gt;
World Order of Bahä’u’lläh, Wilmette ?1974,&lt;br /&gt;
S. 162&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
232 Shoghi Effendi, Citadel, S. 6, 32; Messages,&lt;br /&gt;
S. 75&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
233 Citadel, S. 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
234 Vgl. Messages, S. 75. Die Dauer der Sendung&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs beziffert sich auf mindestens&lt;br /&gt;
1000 Jahre, der von Seiner Sendung eingelei-&lt;br /&gt;
tete ÖOffenbarungszyklus auf mindestens&lt;br /&gt;
500.000 Jahre. Vgl. dazu Hermann Gross-&lt;br /&gt;
mann, Bündnis, S. 103ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
235 Vgl. dazu Wellspring of Guidance, S. 134 (dt.&lt;br /&gt;
79): »... der Kleinere Plan, den Er uns als un-&lt;br /&gt;
sere Rolle in seinem großen Programm für die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
154 BAHAT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir werden Dich siegreich machen&lt;br /&gt;
durch Dich selbst und Deine Feder.«&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah?°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es versteht sich nach dem bisher Ge-&lt;br /&gt;
sagten fast von selbst, daß die Verbrei-&lt;br /&gt;
tung der Lehre Bahä’u’llähs nicht durch&lt;br /&gt;
Gewalt erfolgen darf.” Zwar ist die&lt;br /&gt;
Vereinigung aller Menschen in einem&lt;br /&gt;
Glauben vorhergesagt,?® das Lehren&lt;br /&gt;
der Sache Gottes jedem Gläubigen An-&lt;br /&gt;
liegen und Verpflichtung,” aber dies&lt;br /&gt;
schafft kein feindschaftliches Konkur-&lt;br /&gt;
renzverhältnis zu den früheren Reli-&lt;br /&gt;
gionen.” Alle Religionen stammen&lt;br /&gt;
und zeugen von derselben Quelle, und&lt;br /&gt;
diese Gemeinsamkeit gilt es zu beto-&lt;br /&gt;
nen. Die Ansprachen &#039;Abdu’l-Bahás in&lt;br /&gt;
Amerika im Jahre 1912 sind ein Aufruf&lt;br /&gt;
zur Duldsamkeit, zum gegenseitigen&lt;br /&gt;
Verstehen, zur interreligiösen Öku-&lt;br /&gt;
mene.”*! Harmonie unter den Religio-&lt;br /&gt;
nen zu schaffen, ist ein wesentlicher&lt;br /&gt;
Friedensbeitrag: »Verkehret mit den&lt;br /&gt;
Anhängern aller Religionen im Geiste&lt;br /&gt;
des Wohlwollens und der Brüderlich-&lt;br /&gt;
keit. «2%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Wort und dem Grund-&lt;br /&gt;
satz der Einheit aller Menschen als der&lt;br /&gt;
»Früchte eines Baumes« ist eine uralte&lt;br /&gt;
Zweiteilung und Aufspaltung der&lt;br /&gt;
Menschheit aufgehoben, die zum Si-&lt;br /&gt;
cherungsbestand früherer Religions-&lt;br /&gt;
systeme gehörte: die Scheidung der&lt;br /&gt;
Menschen in Gläubige, als »Empfänger&lt;br /&gt;
der göttlichen Gnade«, zur einen Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erlösung der Menschheit anvertraut hat, ist&lt;br /&gt;
klar beschrieben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
236 Brief 35 (S. 34)&lt;br /&gt;
237 Bahä’ulläh, Ährenlese 128:10&lt;br /&gt;
238 4.2.0. 120:3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
239 Vgl. Baha’u/lläh, Ährenlese 128:10, 144:1, 158&lt;br /&gt;
USW.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
240 Vgl. Shoghi Effendi, Weltordnung, $. 173f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
241 Vgl. Promulgation, S. 200ff, 347, 367£f, 408ff,&lt;br /&gt;
4a13ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
242 Bahä’ulläh, Botschaften 7:13; vgl. 3:5, 4:10&lt;br /&gt;
{{page|155|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=41}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und zur anderen das »Volk der Un-&lt;br /&gt;
gläubigen«, das Gottes Zorn verspüren&lt;br /&gt;
wird. Zwar brauchen alle Menschen —&lt;br /&gt;
entsprechend ihrer unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Entwicklung — die Erziehung durch&lt;br /&gt;
das Wort Gottes, aber keiner ist ver-&lt;br /&gt;
worfen, »alle empfangen Gottes Gna-&lt;br /&gt;
dengaben«*.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fanatismus?*, stolzes Überheben?*&lt;br /&gt;
und selbstgefälliges Sich-Absondern?*&lt;br /&gt;
der Gläubigen sind damit Un-Tugen-&lt;br /&gt;
den. Der Glaube des Nächsten ist keine&lt;br /&gt;
Kategorie der Begrenzung im zwi-&lt;br /&gt;
schenmenschlichen Verkehr: »Denn es&lt;br /&gt;
gibt nur einen Gott und eine Mensch-&lt;br /&gt;
heit, und das einzige Glaubensbe-&lt;br /&gt;
kenntnis der Propheten ist das der Lie-&lt;br /&gt;
be und Einheit. «2%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese geänderte Haltung zu den Mit-&lt;br /&gt;
menschen — nicht nur zu den einzel-&lt;br /&gt;
nen, sondern auch zu deren religiös-&lt;br /&gt;
politischen Verbänden — wird beson-&lt;br /&gt;
ders deutlich in der Abrogation des&lt;br /&gt;
Heiligen Kriegs. Sieht man von der&lt;br /&gt;
kurzfristigen Sonderstellung des frü-&lt;br /&gt;
hen Christentums ab, dessen weitge-&lt;br /&gt;
hende pazifistische Prägung nicht&lt;br /&gt;
durchgehalten werden konnte als es&lt;br /&gt;
zur gesellschaftlichen Größe heran-&lt;br /&gt;
wuchs, so ist der mögliche Rückgriff&lt;br /&gt;
auf militärische Mittel allen früheren&lt;br /&gt;
Religionen selbstverständlich, die sich&lt;br /&gt;
als umfassende Ordnungssysteme ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
243 Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 454&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
244 Vgl. Bahäulläh, Ährenlese 132:2; Botschaf-&lt;br /&gt;
ten 6:28; Abdul-Bahä, Das Geheimnis göttli-&lt;br /&gt;
cher Kultur, $. 53, 56, 94; Bahä’i World Faith,&lt;br /&gt;
S. 247&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
245 Vgl. Bahä’ulläh, Ährenlese 137:5; Botschaf-&lt;br /&gt;
ten 6:10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
246 Vgl. Bahäulläh, Ährenlese 156; Botschaften&lt;br /&gt;
11:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
247 Abdul-Bahä, Promulgation, S. 410; vgl.&lt;br /&gt;
auch S. 337ff, 402f; Ansprachen, S. 35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
248 18191850, Herold der Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahäullähs und Träger einer eigenen Sen-&lt;br /&gt;
dung. Siehe Shoghi Effendi, Weltordnung, S.&lt;br /&gt;
181-189; ders., Gott geht vorüber, $. XXI-96;&lt;br /&gt;
Hasan M. Balyuzi, The Báb, Oxford, 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stehen. War dementsprechend der&lt;br /&gt;
Heilige Krieg im Islam ein Wesensbe-&lt;br /&gt;
standteil zur Sicherung des Glaubens&lt;br /&gt;
und zur Friedensbewahrung, hatte er&lt;br /&gt;
noch in der Sendung des Báb?* zu-&lt;br /&gt;
mindest als Verteidigungskrieg der&lt;br /&gt;
Gläubigen Funktion und Berechti-&lt;br /&gt;
gung’®, so verkündet Bahä’u’lläh für&lt;br /&gt;
Seine Sendung: »Die erste frohe Bot-&lt;br /&gt;
schaft, die das Mutterbuch in dieser&lt;br /&gt;
Größten Offenbarung allen Völkern&lt;br /&gt;
der Welt überbringt, ist, daß das Ge-&lt;br /&gt;
setz des Heiligen Krieges aus dem&lt;br /&gt;
Buche getilgt ist.«”° Hier wird deut-&lt;br /&gt;
lich vom relativen Frieden bewaffneter&lt;br /&gt;
Sicherheit abgerückt, zugunsten einer&lt;br /&gt;
scheinbar sicherungsiosen Friedfertig-&lt;br /&gt;
keit. In bewußter Abgrenzung zur&lt;br /&gt;
Praxis der Anhänger des Báb betont&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh dieses Ideal an zahllosen&lt;br /&gt;
Stellen: «Im Buch Gottes... ist euch&lt;br /&gt;
verboten, euch in Kampf und Streit&lt;br /&gt;
einzulassen.«?°! »Hütet euch, irgend&lt;br /&gt;
jemandes Blut zu vergießen!«?”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Friedfertigkeit bedeutet aber&lt;br /&gt;
nicht Schutzlosigkeit. Die Verteidigung&lt;br /&gt;
der Gottessache erfolgt in der Sendung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs durch die Bereitschaft zu&lt;br /&gt;
gewaltfreiem Streiten der Standhaftig-&lt;br /&gt;
keit und Bündnistreue, das hohe Anfor-&lt;br /&gt;
derungen an die Gläubigen stellt. Eine&lt;br /&gt;
ganze Palette aktiver friedlicher Ele-&lt;br /&gt;
mente sichert den Schutz und schließli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
249 Vgl. Pers. Bayän 7:6; Shoghi Effendi, Gott&lt;br /&gt;
geht vorüber, Kap. 3; siehe auch Selections&lt;br /&gt;
from the Writings of the Báb, S. 16f; einge-&lt;br /&gt;
hend dazu: Muhammad Afnän / William S.&lt;br /&gt;
Hatcher, Western Islamic Scholarship and&lt;br /&gt;
Bahäi Origins, Religion, 15. Jg. 1985,&lt;br /&gt;
S. 29-51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
250 Botschaften aus Akkä 3:4; vgl. auch a.aO.&lt;br /&gt;
3:29 und direkt auf die Sendung des Báb be-&lt;br /&gt;
zogen 7:7; ebenso Bahä’u/lläh, Brief 36 (S.&lt;br /&gt;
35), 141 (S. 85), 43 (S. 37)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
251 Bahä’ullah, Brief 42 (S. 37); Botschaften 3:26,&lt;br /&gt;
8:40, 8:62, 15:6; Ährenlese 96:3, 128:11,&lt;br /&gt;
136:4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
252 Bahä’u’lläh, Brief 43 (S. 37); vgl. a.aO. 44;&lt;br /&gt;
Botschaften 6:39; Ährenlese 128:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 155&lt;br /&gt;
{{page|156|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=42}}chen Sieg der Religion Gottes in diesem&lt;br /&gt;
Zeitalter: die schrittweise Entfaltung&lt;br /&gt;
der von Bahä’u’llah vorgeprägten Ord-&lt;br /&gt;
nung der Gemeinde in Einheit und Ein-&lt;br /&gt;
tracht, ein Leben der Tugend und Got-&lt;br /&gt;
tesfurcht, die Erziehung der Menschen&lt;br /&gt;
durch Wort und Tat und — scheinbar&lt;br /&gt;
Inbegriff der Wehrlosigkeit — Leid und&lt;br /&gt;
Martyrium auf Seinem Pfad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War im Islam der ein shahid, ein Mär-&lt;br /&gt;
tyrer, der als wehrhafter Streiter für den&lt;br /&gt;
Glauben starb, so tritt an die Stelle der&lt;br /&gt;
Verpflichtung zur Bewahrung der göttli-&lt;br /&gt;
chen Ordnung im Heiligen Krieg unter&lt;br /&gt;
Einsatz des eigenen Lebens in der Lehre&lt;br /&gt;
Bahäullahs die Maxime »Lieber den&lt;br /&gt;
Tod erdulden, als selbst zu töten«?,&lt;br /&gt;
Das frühere Ideal des bewaffneten&lt;br /&gt;
Kampfes für die Sache Gottes wird&lt;br /&gt;
durch die völlige Selbstpreisgabe, das&lt;br /&gt;
sich aller Gegengewalt enthaltende&lt;br /&gt;
Martyrium, positiv überhöht. Der Mär-&lt;br /&gt;
tyrertod ist nicht nur Zeichen indivi-&lt;br /&gt;
dueller Glaubensstärke; auch unter dem&lt;br /&gt;
Sicherungsaspekt der Gemeinde ver-&lt;br /&gt;
spricht Gott, daß diese Opfer nicht um-&lt;br /&gt;
sonst sind: »Wie zahlreich sind die Orte,&lt;br /&gt;
die euer Blut um Gottes willen adelte...&lt;br /&gt;
Wisset und seid gewiß, daß Er euch zum&lt;br /&gt;
Sieg führen wird.«?°* Leid, Verfolgung&lt;br /&gt;
und Tod um Gottes willen gläubig zu er-&lt;br /&gt;
dulden — nicht haßerfüllt und dumpf,&lt;br /&gt;
sondern in liebender Ergebung — hat ei-&lt;br /&gt;
ne heiligende, friedensstiftende Wir-&lt;br /&gt;
kung: »So grämt euch nicht, denn uner-&lt;br /&gt;
meßlich ist Sein Erbarmen für sie.&lt;br /&gt;
Durch ihr Martyrium lodert hell das&lt;br /&gt;
Feuer der Liebe zu Gott, wird Sein Wort&lt;br /&gt;
hinausgetragen,... ihr Blut tränkt den&lt;br /&gt;
Baum des Friedens, ... und heilige Düfte&lt;br /&gt;
strömen vom Baum des Lebens in alle&lt;br /&gt;
Welt.«2&amp;gt;5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daneben steht ein Leben religiöser&lt;br /&gt;
Tugend an erster Stelle: »Jede Sache&lt;br /&gt;
braucht einen Helfer. In dieser Sendung&lt;br /&gt;
sind die Heerscharen, die sie zum Sieg&lt;br /&gt;
führen, rühmliche Taten und ein auf-&lt;br /&gt;
rechter Charakter.«2° Bahäulläh nimmt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
156 BAHÄTI-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier ein Motiv der islamischen Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf, den Gedanken des »größten jihäd«,&lt;br /&gt;
des Heiligen Krieges gegen das Selbst,&lt;br /&gt;
gegen die eigenen Mängel und Unvoll-&lt;br /&gt;
kommenheiten. Aber Er transponiert&lt;br /&gt;
dieses Motiv von der Ebene individuel-&lt;br /&gt;
ler Innerlichkeit in den Bereich gesell-&lt;br /&gt;
schaftsverändernden Handelns. Diese&lt;br /&gt;
doppelte Umwertung des Begriffs jihäd&lt;br /&gt;
wird besonders deutlich in folgender&lt;br /&gt;
Textstelle: »Eilt, nach dem Wohlgefallen&lt;br /&gt;
Gottes zu handeln, und kämpft tapfer,&lt;br /&gt;
wie es euch zu kämpfen geziemt, für die&lt;br /&gt;
Verkündigung Seiner unwiderstehli-&lt;br /&gt;
chen, unerschütterlichen Sache. Wir ha-&lt;br /&gt;
ben befohlen, daß auf dem Pfade Gottes&lt;br /&gt;
der Krieg (jihäd) mit den Heeren der&lt;br /&gt;
Weisheit und des Wortes geführt werden&lt;br /&gt;
soll, mit den Waffen eines guten Cha-&lt;br /&gt;
rakters und rühmlicher Taten.«?”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letztliche Sieg des Wortes erfolgt&lt;br /&gt;
durch das Wort, zu dessen Mittler sich&lt;br /&gt;
die Gläubigen machen und durch Taten,&lt;br /&gt;
die in Einklang damit stehen: »Zieht das&lt;br /&gt;
Schwert eurer Zunge aus der Scheide&lt;br /&gt;
der Rede, denn damit könnt ihr die Boll-&lt;br /&gt;
werke der Menschenherzen erobern.«?5®&lt;br /&gt;
Die hier und an anderer Stelle gebrauch-&lt;br /&gt;
te kämpferische Terminologie?” signali-&lt;br /&gt;
siert keinesfalls Aggressivität; gleich-&lt;br /&gt;
wohl ist sie sicherlich mit Bedacht ge-&lt;br /&gt;
wählt, verweist sie doch auf die Über-&lt;br /&gt;
tragung ehedem gewaltsam geübter&lt;br /&gt;
Funktionen auf jetzt friedliche Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
253 Bahä’ullläh, Brief 128 (S. 77)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
254 Bahä’ulläh, Botschaften 17:56; siehe auch&lt;br /&gt;
3:15, 6:59, 11:50, 14:5; Ährenlese 55:1, 91:3,&lt;br /&gt;
91:5; Verborgene Worte arab. 45, 46, 71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
255 ‘Abdu&#039;l-Bahä, Tablets of Abdul-Baha Abbas,&lt;br /&gt;
Bd. 2, Chicago ?1919, S. 334&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
256 Bahä’ulläh, Brief 47 (S. 38); vgl. Botschaften&lt;br /&gt;
8:56&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
257 Bahä’ulläh, Brief 41 (S. 36)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
258 Bahä’u’lläh, Brief 43 (S. 37); Botschaften 7:7,&lt;br /&gt;
11:31, 13:10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
259 Vgl. etwa Bahä’ullläh, zitiert in: Shoghi Effen-&lt;br /&gt;
di, Weltordnung, $. 161; Abdu‘l-Bahä, Selec-&lt;br /&gt;
tions 19:13, 184:2, 193:2, 195:8, 207:3, 208&lt;br /&gt;
usw.&lt;br /&gt;
{{page|157|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=43}}»Es geziemt dem Volke Bahäs, durch die&lt;br /&gt;
Macht seiner Rede dem Herrn zum Sieg&lt;br /&gt;
zu verhelfen und die Menschen durch&lt;br /&gt;
edle Taten und guten Charakter zu er-&lt;br /&gt;
mahnen, zumal Taten größeren Einfluß&lt;br /&gt;
üben als Worte.«2%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... Frieden ist der Liebe Frucht.«&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Baha!&lt;br /&gt;
Ganz im Geiste der Bergpredigt wird&lt;br /&gt;
dem einzelnen Gläubigen auch gesell-&lt;br /&gt;
schaftlich eine wichtige Aufgabe auf&lt;br /&gt;
dem Weg des Friedens übertragen. Die&lt;br /&gt;
Aufforderung, »sei einer derer, die den&lt;br /&gt;
Frieden fördern«?%, umfaßt die Bot-&lt;br /&gt;
schaft der Bergpredigt in ihrer Fülle;&lt;br /&gt;
denn »der Frieden muß zuerst unter&lt;br /&gt;
den einzelnen Menschen gestiftet&lt;br /&gt;
werden«?%. Das dafür notwendige&lt;br /&gt;
Fundament wird wie ehedem durch die&lt;br /&gt;
religiösen Tugenden gelegt, denn »so&lt;br /&gt;
wird das Licht der göttlichen Führung&lt;br /&gt;
leuchten und Gottes Segen die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit umfangen, denn Liebe ist&lt;br /&gt;
Licht, wo immer sie wohnt, und Haß&lt;br /&gt;
ist Finsternis, wo immer er nistet.«?**&lt;br /&gt;
Liebe, Feindesliebe zumal,’* ist die&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung dauernden Frie-&lt;br /&gt;
dens: »Liebe ist größer denn Erieden,&lt;br /&gt;
denn der Frieden gründet auf die Lie-&lt;br /&gt;
be... Solange keine Liebe ist, kann&lt;br /&gt;
Friede nicht sein...«?° In der Liebe&lt;br /&gt;
wirkt Gottes Gnade, denn nur in ihrer&lt;br /&gt;
Übermächtigkeit — verbunden mit Tu-&lt;br /&gt;
genden wie Aufrichtigkeit?”, Redlich-&lt;br /&gt;
keit?%, Güte, Nachsicht”, Freundlich-&lt;br /&gt;
keit, Erbarmen?”, Beharrlichkeit?”&#039;,&lt;br /&gt;
Weisheit?” und Mut”? — läßt sich der&lt;br /&gt;
aufgestaute Haß vergangenen und ge-&lt;br /&gt;
genwärtigen Unrechts aufheben: »So&lt;br /&gt;
jemand mit euch Streit sucht, trachtet&lt;br /&gt;
danach, ihn zum Freunde zu gewinnen.&lt;br /&gt;
So euch jemand bis ins Innerste ver-&lt;br /&gt;
letzt, seid ein heilender Balsam für sei-&lt;br /&gt;
ne Wunden. So euch jemand verspot-&lt;br /&gt;
tet und verhöhnt, begegnet ihm mit&lt;br /&gt;
Liebe. So jemand seine Schuld auf euch&lt;br /&gt;
abwälzt, lobt ihn... Sollte er die Qual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst sein, so seid ihr seine&lt;br /&gt;
Medizin.«?”* Auch hier zeigt sich reli-&lt;br /&gt;
giöse Tugend als ungesicherte, ungebe-&lt;br /&gt;
tene Vorleistung des Gläubigen an sei-&lt;br /&gt;
nen Nächsten, oft genug zurückgewie-&lt;br /&gt;
sen und schlecht gelohnt, nicht ein-&lt;br /&gt;
klagbare Verhaltensregeln auf Gegen-&lt;br /&gt;
seitigkeit, sondern friedensnotwendige&lt;br /&gt;
Ausnahme, als »anders sein« ohne Er-&lt;br /&gt;
wartung auf irdischen Lohn, als Heili-&lt;br /&gt;
gung und Beseelung der Welt mit Got-&lt;br /&gt;
tes Hilfe. Heute wie ehedem läßt sich&lt;br /&gt;
von diesem gläubigen Streben sagen:&lt;br /&gt;
»Dies ist immerwährende Glückselig-&lt;br /&gt;
keit... Dies heißt »in den Himmel kom-&lt;br /&gt;
men«. Dies heißt, nach dem Ebenbild&lt;br /&gt;
und Gleichnis Gottes erschaffen zu&lt;br /&gt;
sein.«?7°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»...Krieg und Hader verschwinden und&lt;br /&gt;
werden nicht mehr sein.«&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Baha?”&lt;br /&gt;
Individualethik allein war nie und ist&lt;br /&gt;
auch heute nicht ausreichend. Geist be-&lt;br /&gt;
darf der Form, individuelle Heiligung&lt;br /&gt;
vergeistigter gesellschaftlicher Struktu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
260 Bahä’ulläh, Botschaften 6:3; Ährenlese 91:4,&lt;br /&gt;
139:8; Verborgene Worte pers. 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
261 Promulgation, S. 169&lt;br /&gt;
262 Abdul-Bahä, Selections 10:2&lt;br /&gt;
263 2.2.0. 201:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
264 4.2.0. 1:7; siehe auch Abdu’l-Bahá, Kleine&lt;br /&gt;
Auswahl, $. 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
265 Vgl. Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 470&lt;br /&gt;
266 2.2.0,, 5. 169&lt;br /&gt;
267 ‘Abdu‘l-Bahä, Ansprachen, S. 19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
268 Bahä’ulläh, Ährenlese 115:4, 130, 163:1; vgl.&lt;br /&gt;
auch 100:6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
269 Bahä’u’lläh, Brief 46 (S. 38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
270 Bahä’u’lläh, Botschaften 4:11&lt;br /&gt;
271 Bahä’ulläh, Ährenlese 144:3&lt;br /&gt;
272 Botschaften 8:72&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
273 2.2.0. 7:11, 10:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
274 Selections 16:5; siehe auch Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Kleine Auswahl, S. 10. Vgl. dazu Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi, Bahá’í Administration, S. 35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
275 ‘Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 470&lt;br /&gt;
276 ‘Abdu’l-Bahá, Selections 16:5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 157&lt;br /&gt;
{{page|158|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=44}}ren, Mystik der klaren Ordnung des&lt;br /&gt;
Gesetzes, um die Welt nachhaltig zu&lt;br /&gt;
gestalten. Schon gar angesichts des be-&lt;br /&gt;
sonderen heilsgeschichtlichen Auftrags&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Offenbarung, der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit, kann sich die Bot-&lt;br /&gt;
schaft Bahä’u’llähs nicht darauf be-&lt;br /&gt;
schränken, »nur dasselbe erhabene&lt;br /&gt;
Richtmaß persönlichen Verhaltens,&lt;br /&gt;
wie ... die vor Ihm gekommenen Pro-&lt;br /&gt;
pheten«?”” wieder aufzugreifen und&lt;br /&gt;
neu zu bestätigen. Seine Botschaft&lt;br /&gt;
kann nicht nur Maßstab für den einzel-&lt;br /&gt;
nen sein; ihrem gesellschaftsumspan-&lt;br /&gt;
nenden Ziel entsprechend befaßt sie&lt;br /&gt;
sich »in erster Linie mit der Natur jener&lt;br /&gt;
notwendigen Beziehungen, die alle&lt;br /&gt;
Staaten und Nationen als Glieder einer&lt;br /&gt;
menschlichen Familie verbinden&lt;br /&gt;
müssen«?”®. Es kann an dieser Stelle&lt;br /&gt;
nicht darum gehen, das Gesetz Bahä’-&lt;br /&gt;
ulllähs auch nur kursorisch vorzu-&lt;br /&gt;
stellen.” Zwei Aspekte allerdings, die&lt;br /&gt;
für die Friedensordnung der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion — dem verheißenen Größten&lt;br /&gt;
Frieden — von besonderer Bedeutung&lt;br /&gt;
sind, sollen kurz erörtert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuralgische Punkte aller gestifteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
277 Shoghi Effendi, Weltordnung, $. 93&lt;br /&gt;
278 4.a0., 5. 70&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
279 Vgl. dazu A Synopsis and Codification of the&lt;br /&gt;
Kitäb-i-Aqgdas, the Most Holy Book of Bahä’-&lt;br /&gt;
ulläh, Haifa 1973 (deutsche Ausgabe in Vor-&lt;br /&gt;
bereitung); Shoghi Effendi, Gott geht vor-&lt;br /&gt;
über, S. 243-250; Udo Schaefer, Grundlagen,&lt;br /&gt;
bes. S. 38 ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
280 Unter »Nachfolge« meint christlicher Sprach-&lt;br /&gt;
gebrauch die imitatio Christi (Johannes 8:12,&lt;br /&gt;
12:26; Matthäus 4:19, 16:24; Lukas 9:23&lt;br /&gt;
usw.). Dies ist hier nicht gemeint, sondern die&lt;br /&gt;
Fragen von Lehrgewalt und Führung der&lt;br /&gt;
Gemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
281 Siehe Bahä’u’lläh, Kitäb-i- Ahd, in: Botschaf-&lt;br /&gt;
ten 15; Synopsis and Codification of the&lt;br /&gt;
Kitab-i-Agdas 16, S. 24; Abdu’l-Bahá, Wille&lt;br /&gt;
und Testament, Oberkalbach *1973; Her-&lt;br /&gt;
mann Grossmann, Bündnis, Kapitel 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
282 Sind diese frühen Auseinandersetzungen und&lt;br /&gt;
ihre bis heute dauernden Folgen für den Islam&lt;br /&gt;
recht geläufig, so wird dies für die Frühge-&lt;br /&gt;
schichte des Christentums leicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 BAHAI-BRIEFE 50 OKTOBER’1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religionen sind die Regelungen von&lt;br /&gt;
Nachfolge und Rechtsgestalt der&lt;br /&gt;
Gemeinde. Beides ist in der Religion&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs vom Stifter selbst vorge-&lt;br /&gt;
geben. Person und Kompetenzbereich&lt;br /&gt;
der Nachfolger sind in besonderen Do-&lt;br /&gt;
kumenten niedergelegt und wesentli-&lt;br /&gt;
cher Teil der Bündnisverpflichtung der&lt;br /&gt;
Gläubigen.*®! Die immense Bedeutung&lt;br /&gt;
dieser Sicherungsmaßnahme für den&lt;br /&gt;
inneren Frieden enthüllt sich leicht&lt;br /&gt;
beim Studium der Frühgeschichte an-&lt;br /&gt;
derer Religionen.*#? Auch die Rechts-&lt;br /&gt;
gestalt der Gemeinde Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
gründet im offenbarten Recht. Ihre&lt;br /&gt;
Institutionen sind vom Stifter selbst&lt;br /&gt;
vorgegeben und von den beiden er-&lt;br /&gt;
nannten Nachfolgern in der Zuweisung&lt;br /&gt;
von Einzelfunktionen ergänzt. Alle&lt;br /&gt;
entscheidungsbefugten Institutionen&lt;br /&gt;
werden demokratisch bestellt. Es ist&lt;br /&gt;
ihre Aufgabe, die gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Aspekte des Gesetzes Bahä’u’llähs in&lt;br /&gt;
Geist und Form anzuwenden und —&lt;br /&gt;
soweit der Wortlaut des Gesetzes dies&lt;br /&gt;
ermöglicht — an die sich historisch&lt;br /&gt;
verändernde Wirklichkeit anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die  Verwaltungsinstitutionen des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spannungen zwischen den Führungsge-&lt;br /&gt;
stalten Petrus, Paulus und dem Herrenbruder&lt;br /&gt;
Jakobus (vgl. Galater 2; siehe etwa Hans Joa-&lt;br /&gt;
chim Schoeps, Theologie und Geschichte des&lt;br /&gt;
Judenchristentums, Tübingen 1949, S. 118ff,&lt;br /&gt;
320ff; Wilhelm Schneemelcher, Das Urchri-&lt;br /&gt;
stentum, Stuttgart 1981, S. 155ff), zwischen&lt;br /&gt;
Judenchristentum, Heidenchristentum und&lt;br /&gt;
christlicher Gnosis haben nachhaltige theolo-&lt;br /&gt;
gische Differenzen bewirkt, die schließlich&lt;br /&gt;
mehr Opfer forderten als die Christenverfol-&lt;br /&gt;
gungen des heidnischen römischen Staates&lt;br /&gt;
(vgl. auch Jack McLean, The Deification of&lt;br /&gt;
Jesus, World Order, Bd. 14, Nr. 3/4, Früh-&lt;br /&gt;
sommer 1980, $. 23ff).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
283 Vgl. dazu Udo Schaefer, Grundlagen. Über&lt;br /&gt;
den Aufbau der Institutionen informiert Kent&lt;br /&gt;
Beveridge, Die gesellschaftspolitische Rolle&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Verwaltungsordnung innerhalb der&lt;br /&gt;
Bahä’i, unter besonderer Betrachtung der&lt;br /&gt;
zwei leitenden Institutionen, Diss. Wien&lt;br /&gt;
1977; Eunice Braun, The March of the Institu-&lt;br /&gt;
tions, Oxford 1984&lt;br /&gt;
{{page|159|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=45}}Glaubens bilden Nukleus und Modell&lt;br /&gt;
einer von der Offenbarung Bahä’-&lt;br /&gt;
ulllahs geprägten Weltordnung.** Die&lt;br /&gt;
Institutionen sind geschaffen, an Stelle&lt;br /&gt;
traditioneller Herrschaft von Men-&lt;br /&gt;
schen über Menschen eine am Ideal&lt;br /&gt;
geistigen Konsenses”®, des organi-&lt;br /&gt;
schen Welt-Gemeinwohls*® und der&lt;br /&gt;
freien, verantwortungsbewußten Ent-&lt;br /&gt;
faltung des einzelnen?” ausgerichtete&lt;br /&gt;
Politik zu betreiben. Wesentlich ist da-&lt;br /&gt;
bei der Entscheidungsprozeß, der nicht&lt;br /&gt;
herrschafts- und interessenorientiert&lt;br /&gt;
sein darf, sondern einem geistig be-&lt;br /&gt;
stimmten Gemeinwohl, dem Gedan-&lt;br /&gt;
ken des Dienstes für die ganze Mensch-&lt;br /&gt;
heit, verpflichtet ist.2%#&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weltgemeinwesen unter dem&lt;br /&gt;
Wort Gottes ist Verheißung und Gna-&lt;br /&gt;
dengeschenk: »Die Hand der Allmacht&lt;br /&gt;
hat Seine Offenbarung auf einen un-&lt;br /&gt;
verletzlichen, dauerhaften Grund ge-&lt;br /&gt;
stellt. Stürme menschlichen Streites&lt;br /&gt;
vermögen ihre Grundfesten nicht zu&lt;br /&gt;
schwächen, noch werden die wunderli-&lt;br /&gt;
chen Ideen der Menschen ihrem Auf-&lt;br /&gt;
bau schaden können. .«?*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Zeit und bewußte Anstrengung&lt;br /&gt;
braucht die Verwirklichung dieser welt-&lt;br /&gt;
umspannenden Ordnung; nicht fertig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
284 Vgl. Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 206f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
285 Vgl. etwa Geistige Räte — Häuser der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit, Aus den Schriften von Bahäu’lläh,&lt;br /&gt;
&#039;Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi zusammen-&lt;br /&gt;
gestellt vom Universalen Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, Hofheim-Langenhain 1975, $. 15-18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
286 Vgl. ‘Abdu’l-Bahá, Das Gesellschaftsmodell&lt;br /&gt;
von Bahäulläh, Bahä’i-Briefe a.aO., S.&lt;br /&gt;
1046f; Shoghi Effendi, Weltordnung, S.&lt;br /&gt;
296-299&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
287 Vgl. etwa Geistige Räte — Häuser der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit, S. 25; ‘Abdu’l-Bahá, Promulgation,&lt;br /&gt;
S. 197&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
288 Eine Schlüsselstellung im Entscheidungspro-&lt;br /&gt;
zeß nimmt die Bahá’í-Beratung ein; vgl. dazu&lt;br /&gt;
Beratung, Eine Zusammenstellung des Uni-&lt;br /&gt;
versalen Hauses der Gerechtigkeit aus den&lt;br /&gt;
Schriften Bahä’u’llähs, ‘Abdu/l-Bahäs und&lt;br /&gt;
Shoghi Effendis und aus Botschaften des Uni-&lt;br /&gt;
versalen Hauses der Gerechtigkeit, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1979; Penelope Graham Walker,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gegeben fällt sie dem untätig staunen-&lt;br /&gt;
den Gottesvolk in den Schoß; sie be-&lt;br /&gt;
darf, um irdisch-greifbare Gestalt zu ge-&lt;br /&gt;
winnen, des gewandelten, handelnden&lt;br /&gt;
Menschen?® und der Institutionen, die&lt;br /&gt;
allmählich zu sich selbst finden.?”&#039; Ein&lt;br /&gt;
Weg nicht ohne Fährnisse: Die jeder Or-&lt;br /&gt;
ganisation inhärenten oligarchischen&lt;br /&gt;
Tendenzen, die häufig beklagte »Ver-&lt;br /&gt;
kirchlichung« des lebendigen Glaubens&lt;br /&gt;
in allen religiösen Systemen, die Gefahr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Verkrustung und Deformation,&lt;br /&gt;
sind soziale Gegebenheiten, denen be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wußt entgegengesteuert werden muß.&lt;br /&gt;
Strukturelle und ethische Grundmuster&lt;br /&gt;
stehen dazu bereit, sind Teil der präsen-&lt;br /&gt;
ten Eschatologie dieser Sendung. Auch&lt;br /&gt;
Einzelmenschen sind von Natur aus we-&lt;br /&gt;
der gleich noch einig in Zielsetzung, Er-&lt;br /&gt;
wartung, Hoffnung und Prioritätenset-&lt;br /&gt;
zung. Sie werden es auch nicht, wenn sie&lt;br /&gt;
der Gemeinde Bahä’ullähs beitreten.&lt;br /&gt;
Sekten suchen diesem Problem zu ent-&lt;br /&gt;
gehen, indem sie sich bewußt eng defi-&lt;br /&gt;
nieren, d.h. als notwendig kleine auser-&lt;br /&gt;
wählte Gruppe mit scharfer Abgren-&lt;br /&gt;
zung nach außen und erheblichem Kon-&lt;br /&gt;
formitätsdruck nach innen, als kleine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schar der Heiligen in einer unheiligen&lt;br /&gt;
Welt.2”? Bahä’u’lläh richtet Sein Wort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beratung. Schlüssel zu kreativem Entscheiden,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1982; A.L. Lincoln, Po-&lt;br /&gt;
litik des Glaubens. Eine neue politische Kul-&lt;br /&gt;
tur, Oberkalbach 1973, S. 21ff; Udo Schaefer,&lt;br /&gt;
Der Bahä’i, S. 380ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
289 Bahä’u’lläh, zitiert in: Shoghi Effendi, Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, S. 165&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
290 Zum »Neuen Menschen« vgl. etwa Udo&lt;br /&gt;
Schaefer, Der Bahä’i, S. 317ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
291 Nicht umsonst bleibt Bahä’u’llähs Designa-&lt;br /&gt;
tion »Haus der Gerechtigkeit« bislang dem in-&lt;br /&gt;
ternationalen Führungsgremium der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinde vorbehalten; die örtlichen und&lt;br /&gt;
nationalen Gremien werden noch »Geistige&lt;br /&gt;
Räte« genannt. Vgl. Shoghi Effendi, Gott geht&lt;br /&gt;
vorüber, S. 377; ders., Bahä’i Administration,&lt;br /&gt;
Wilmette 51968, 5. 39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
222 Zur Diskussion des Sektenbegriffs siehe etwa&lt;br /&gt;
Udo Schaefer, Sekte oder Offenbarungsreli-&lt;br /&gt;
gion?, Hofheim-Langenhain 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985 159&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|160|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=46}}an alle Menschen, spricht sie als Einheit&lt;br /&gt;
an. Seine Gemeinde ist damit offen,&lt;br /&gt;
geradezu durch die Mannigfaltigkeit ih-&lt;br /&gt;
rer Glieder bestimmt; in ihr treffen&lt;br /&gt;
Menschen mit Vorprägungen der unter-&lt;br /&gt;
schiedlichsten Rassen, Nationen,&lt;br /&gt;
Schichten, Klassen, Religionen und&lt;br /&gt;
Ideologien aufeinander. Was Bahä’-&lt;br /&gt;
ullläh seinen Anhängern als Teil der prä-&lt;br /&gt;
senten Eschatologie an die Hand gibt, ist&lt;br /&gt;
ein neues Milieu der Problembewäilti-&lt;br /&gt;
gung: Dazu gehören Basiswerte, ein ab-&lt;br /&gt;
strakt formuliertes Fernziel, das Wort&lt;br /&gt;
als richtungweisendes Gegenüber im&lt;br /&gt;
Lebenskampf, die Gemeinde und ihre&lt;br /&gt;
Institutionen als Übungsfeld für die not-&lt;br /&gt;
wendig neuen psychischen und gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Strukturen. »Erkenntnis,&lt;br /&gt;
Wille, Tat«,&amp;gt;” diese Begriffe kennzeich-&lt;br /&gt;
nen die Dynamik der Veränderung. Er-&lt;br /&gt;
kenntnisquellen sind Wort und Erfah-&lt;br /&gt;
rung, ein nie abgeschlossener Prozeß,&lt;br /&gt;
der extreme Lernbereitschaft voraus-&lt;br /&gt;
setzt und der ohne gesellschaftliche Um-&lt;br /&gt;
setzung steril bliebe. Einheit ist in die-&lt;br /&gt;
sem Kontext die Fähigkeit, sich gegen-&lt;br /&gt;
seitig in aller Verschiedenheit zu er-&lt;br /&gt;
tragen, Verständnis für das Fremde im&lt;br /&gt;
anderen zu lernen, es gerade als Aus-&lt;br /&gt;
druck der göttlichen Wirklichkeit zu lie-&lt;br /&gt;
ben, Werte bewußt zu erkennnen, zu ge-&lt;br /&gt;
wichten und dann Entscheidungen zu-&lt;br /&gt;
nehmend friktionsärmer zu treffen —&lt;br /&gt;
gerade auch als Institution. Einheit ist&lt;br /&gt;
nicht Zustand, sondern ein nie abge-&lt;br /&gt;
schlossener Prozeß. Mit Bezug auf diese&lt;br /&gt;
Annäherung an den Größten Frieden&lt;br /&gt;
sagt Daniel Jordan zu Recht: »Der&lt;br /&gt;
Kampf um die Welteinheit findet dem-&lt;br /&gt;
entsprechend weit mehr innerhalb als&lt;br /&gt;
außerhalb der Bahäi-Gesellschaft&lt;br /&gt;
statt.«?*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frucht dieses Prozesses fortdauern-&lt;br /&gt;
der individueller und sozialer Perfekti-&lt;br /&gt;
bilität des Menschen unter dem Wort&lt;br /&gt;
und der Gnade Gottes ist das in allen Re-&lt;br /&gt;
ligionen verheißende »Reich Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden«, das Reich des »Friedefürsten«,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
160 BAHA’I-BRIEFE 50 OKTOBER 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Größte Frieden, die endliche Reali-&lt;br /&gt;
sierung präsenter Eschatologie. Eine&lt;br /&gt;
umfassende Wandlung des Menschen&lt;br /&gt;
im Glauben an das neue Gesetz?” wird&lt;br /&gt;
erstmals nicht begrenzt, sondern welt-&lt;br /&gt;
umgreifend erfolgen, »denn die Erde&lt;br /&gt;
wird voll sein der Erkenntnis der Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit des Herrn,” wie Wasser das&lt;br /&gt;
Meer bedeckt«.2” Der Wandel gesell-&lt;br /&gt;
schaftlicher Leitnormen ist radikal:&lt;br /&gt;
Friedfertigkeit, Solidarität, Mitleid und&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit verändern völlig Struktur&lt;br /&gt;
und Charakter der Gesellschaft.2” Das&lt;br /&gt;
Ringen um diese Werte, der damit ver-&lt;br /&gt;
bundene friedfertige Kampf, die unge-&lt;br /&gt;
heuere Anforderung an die Lernbereit-&lt;br /&gt;
schaft von einzelnen und Institutionen,&lt;br /&gt;
an die Gottesfurcht, Zivilcourage, gei-&lt;br /&gt;
stige Unabhängigkeit und Freiheit und&lt;br /&gt;
den daraus geborenen Gehorsam in Lie-&lt;br /&gt;
be zu Gott und Seiner Menschheit ist&lt;br /&gt;
wohl der wesentlichste Beitrag der ent-&lt;br /&gt;
stehenden Bahä’i-Kultur für den Frieden&lt;br /&gt;
der Welt, auch in der Etappe des Gerin-&lt;br /&gt;
geren Friedens. Über diesen wird weiter&lt;br /&gt;
noch zu reden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
293 Vgl. Abdu’l-Bahá, Promulgation, S. 157&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
294 Durchbruch zur Selbstverwirklichung, Ober-&lt;br /&gt;
kalbach 1972, $. 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
295 Vgl. Jesaja 42:1-9, 42:21; »Und ich will ihnen&lt;br /&gt;
ein einträchtig Herz geben, und einen neuen&lt;br /&gt;
Geist in euch geben... auf daß sie in meinen&lt;br /&gt;
Geboten wandeln und meine Ordnungen hal-&lt;br /&gt;
ten und danach tun.« Hesekiel 11:19-20; »Ich&lt;br /&gt;
will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ih-&lt;br /&gt;
ren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein, und ich will ihr Gott sein.« Jeremia&lt;br /&gt;
31:33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
296 „Herrlichkeit Gottes« arab. = Bahäulläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
297 Habakuk 2:14; vgl. Jesaja 11:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
298 „Und Gott wird abwischen alle Tränen von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr&lt;br /&gt;
sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz&lt;br /&gt;
wird mehr sein... Siehe, ich mache alles neu!«&lt;br /&gt;
Offenbarung 21:4-5; »... daß Güte und Treue&lt;br /&gt;
einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede&lt;br /&gt;
sich küssen ...« Psalm 85:11; vgl. auch Selec-&lt;br /&gt;
tions from the Writings of Abdu’l-Bahá 223:1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|161|file=Baha&#039;i_Briefe_50.pdf|page=47}}Literatur zum vorstehenden Aufsatz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh, Ähreniese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Botschaften aus Akkäa, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief an den Sohn des Wolfes, Frankfurt 1966&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch der Gewißheit, Kitäb-i-Iqän, Frank-&lt;br /&gt;
furt 21969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kalimät-i-Maknünih, Verborgene Worte, zwei-&lt;br /&gt;
sprachige Ausgabe, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verkündigung Bahä’ullähs. Aus Seinen&lt;br /&gt;
Schriften gerichtet an die Könige und Herr-&lt;br /&gt;
scher der Welt, Frankfurt 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb, Selections from the Writings of The&lt;br /&gt;
Báb, Haifa 1976&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, Hofheim-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langenhain 61983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleine Auswahl aus Seinen Schriften, Hof-&lt;br /&gt;
heim-Langenhain 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beantwortete Fragen,&lt;br /&gt;
41977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis göttlicher Kultur, Oberkalbach&lt;br /&gt;
1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Promulgation of Universal Peace, Wilmette&lt;br /&gt;
21982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selections from the Writings of Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Haifa 1978; eine deutsche Ausgabe unter&lt;br /&gt;
dem Titel »Briefe und Botschaften« ist in&lt;br /&gt;
Vorbereitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Bahä’i Administration, Wilmette&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Citadel of Faith, Messages to America 1947-&lt;br /&gt;
1957, Wilmette 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott geht vorüber, Hofheim Langenhain ?1974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, Frank-&lt;br /&gt;
furt 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messages to the Bahá’í World 1950-1957, Wil-&lt;br /&gt;
mette 21971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verheißene Tag ist gekommen, Frankfurt&lt;br /&gt;
1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weltordnung Bahä’u&#039;llähs,&lt;br /&gt;
Langenhain 1977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hasan M. Baiyuzi, ‘Abdu/l-Bahä, Bd. 1, Hof-&lt;br /&gt;
heim-Langenhain 1983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofheim-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Claudia Gollmer, Die metaphysischen und theo-&lt;br /&gt;
logischen Grundlagen der Erziehungslehre&lt;br /&gt;
der Bahäf-Religion, MA-Arbeit am Institut&lt;br /&gt;
für Philosophie und Pädagogik der Univer-&lt;br /&gt;
sität Stuttgart, WS 1982/83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermann Grossmann, Das Bündnis Gottes in der&lt;br /&gt;
Offenbarungsreligion, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
31981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Udo Schaefer, Der Bahá’í in der modernen Welt,&lt;br /&gt;
Strukturen eines neuen Glaubens, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 21981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Grundlagen der »Verwaltungsordnung«&lt;br /&gt;
der Bahäi, Diss. Heidelberg 1957&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mißverstandene Religion. Das Abendland&lt;br /&gt;
und die nachbiblischen Religionen, Frank-&lt;br /&gt;
furt 1968&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_5/Text&amp;diff=75347</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 5/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Juli 1961&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 4/Text|Heft 4]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 6/Text|Heft 6]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|103|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá: Das Geheimnis göttlicher Kultur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol und Tabak&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und der moderne Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JULI 1961 HEFT 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|104|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|105|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Offenbarung jedes himmlischen Buches, ja,&lt;br /&gt;
jedes von Gott geoffenbarten Verses liegt die Absicht&lt;br /&gt;
zugrunde, alle Menschen mit Rechtschaffenheit und Einsicht &lt;br /&gt;
zu begaben, damit Friede und Ruhe dauerhaft&lt;br /&gt;
unter ihnen begründet werden. Alles, was den Herzen&lt;br /&gt;
der Menschen Sicherheit einflößt, ihre Stufe erhöht oder&lt;br /&gt;
ihre Zufriedenheit fördert, ist vor Gott wohlgefällig.&lt;br /&gt;
Wie erhaben ist die Stufe, die der Mensch erlangen&lt;br /&gt;
kann, wenn er sich dazu entschließt, seine hohe Bestimmung &lt;br /&gt;
zu erfüllen! In welche Tiefen der Erniedrigung&lt;br /&gt;
aber kann er sinken, Tiefen, die die niedrigsten &lt;br /&gt;
Geschöpfe noch nie erreicht haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Freunde, ergreift die Gelegenheit, die dieser Tag&lt;br /&gt;
euch bietet, und verscherzt nicht die großmütigen Gaben&lt;br /&gt;
Seiner Gnade! Ich flehe zu Gott, daß Er euch alle&lt;br /&gt;
gnädig befähigen möge, euch an diesem Tag mit dem&lt;br /&gt;
Schmucke reiner, heiliger Taten zu zieren. Wahrlich,&lt;br /&gt;
Er tut, was Er will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese CI. S. 135&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|106|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu‘l-Bahá:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Geheimnis göttlicher Kultur (II)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortsetzung von Seite 97 der „BAHA’I-BRIEFE&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; “The Secret of Divine Civilization’ by ’Abdu’l-Bahá, translated from the &lt;br /&gt;
original Persian text by Marzieh Gail, Bahá’í Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA,&lt;br /&gt;
1957 Seite 33 ff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung mit Genehmigung des Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rates der Bahá’í von USA von Peter A. Mühlschlegel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eigenschaften des Gebildeten&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistig Gebildeten sind Leuchten der Führung unter den Nationen&lt;br /&gt;
und Sterne des Glücks, die vom Horizont des Menschentums strahlen.&lt;br /&gt;
Sie sind Springbrunnen des Lebens für solche, die dem Tode stumpfer&lt;br /&gt;
Unwissenheit verfallen sind, und reine Quellen der Vollkommenheit für&lt;br /&gt;
jene, die dürstend durch die Wüsten ihrer Fehler und Irrtümer wandern. &lt;br /&gt;
Die Dämmerorte der Zeichen göttlicher Einheit sind sie, und Eingeweihte &lt;br /&gt;
in die Geheimnisse des ruhmreichen Qur’án. Sie sind erfahrene Ärzte für &lt;br /&gt;
den kranken Körper der Welt und das sichere Heilmittel&lt;br /&gt;
gegen das Gift, das die menschliche Gesellschaft verderbt hat. Sie&lt;br /&gt;
sind es, die als starke Feste die Menschheit beschützen, sie sind die&lt;br /&gt;
unantastbare Freistatt für die Bedrängten, die Bekümmerten und Gequälten &lt;br /&gt;
und für die Opfer der Unwissenheit. „Wissen ist ein Licht, das&lt;br /&gt;
Gott ins Herz wirft wem immer Er will.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jedes Ding hat Gott ein Zeichen und Sinnbild geschaffen, hat Er&lt;br /&gt;
Maßstäbe und Prüfsteine aufgestellt, nach denen es beurteilt werden&lt;br /&gt;
kann. Die geistig Gebildeten müssen sich durch innere wie äußere&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten auszeichnen; sie müssen einen guten Charakter, ein&lt;br /&gt;
aufgeschlossenes Wesen, reine Absichten so gut wie Verstandeskraft,&lt;br /&gt;
Scharfsinn, Unterscheidungs- und Einfühlungsvermögen besitzen, ferner &lt;br /&gt;
müssen sie besonnen, vorsichtig, beherrscht und ehrerbietig sein&lt;br /&gt;
und Gott aufrichtig fürchten. Denn eine Kerze, die nicht brennt, ist,&lt;br /&gt;
so dick und groß sie auch sein mag, nicht besser als ein dürrer Baum&lt;br /&gt;
oder ein Haufen Reisig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine bestätigte Überlieferung sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Wer ein Gebildeter&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist, muß&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(I) sich selbst bewahren,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(II) seinen Glauben verteidigen,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(III) seinen Leidenschaften widerstehen und&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;(IV) die Gebote seines Herrn befolgen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sodann ist es die Pflicht des Volkes, sich an sein Beispiel zu halten.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; ‘ulamá (vom arabischen ‘alima = wissen) kann auch als „Gelehrter“, &lt;br /&gt;
„Wissenschaftler“, „religiöse Autorität“ übersetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diese erlauchten und heiligen Worte alle Voraussetzungen der&lt;br /&gt;
Bildung beinhalten, ist eine kurze Erläuterung ihres Sinns angebracht.&lt;br /&gt;
Wem es auch immer an diesen göttlichen Fähigkeiten gebricht, wer&lt;br /&gt;
{{page|107|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
diese unabdingbaren Erfordernisse nicht in seiner Lebensführung an&lt;br /&gt;
den Tag legt, sollte nicht als ein Gebildeter angesehen werden und ist&lt;br /&gt;
nicht wert, den Gläubigen als Vorbild zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;. . . sich selbst bewahren&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste dieser Erfordernisse ist, sich selbst zu bewahren. Offensichtlich &lt;br /&gt;
bedeutet dies nicht, daß man sich vor Unglück und materiellen Prüfungen &lt;br /&gt;
schützt; denn alle Propheten und Heiligen waren dem&lt;br /&gt;
bittersten Leid, das die Welt zu bieten hat, ausgesetzt und dienten der&lt;br /&gt;
Menschheit zur Zielscheibe ihrer Grausamkeit und Angriffslust. Sie&lt;br /&gt;
gaben ihr Leben für das Wohlergehen des Volkes, und aus ganzem&lt;br /&gt;
Herzen strebten sie ihrer Opferstätte entgegen. Durch ihre innere und&lt;br /&gt;
äußere Vollkommenheit schmückten sie die Menschenwelt mit neuen&lt;br /&gt;
Gewändern vortrefflicher Eigenschaften, angeborener wie anerzogener.&lt;br /&gt;
Die Grundbedeutung dieser „Selbstbewahrung“ ist deshalb, die &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Attribute geistiger und materieller Vollkommenheit}} zu&lt;br /&gt;
erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissen — Attribut der Vollkommenheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Attribut der Vollkommenheit sind Wissen und die kulturellen &lt;br /&gt;
Errungenschaften des Geistes. Diese hohe Stufe ist erreicht, wenn jemand &lt;br /&gt;
eine umfassende Kenntnis besitzt von der vielschichtigen, übernatürlichen &lt;br /&gt;
Wirklichkeit Gottes, den Grundwahrheiten der politisch-religiösen &lt;br /&gt;
Gesetze des Qur’án, dazu von dem Inhalt der heiligen Schriften anderer &lt;br /&gt;
Bekenntnisse sowie von den Bestimmungen und Maßnahmen, die zum Fortschritt &lt;br /&gt;
und zur Zivilisierung dieses hervorragenden Landes beitragen können. Darüber &lt;br /&gt;
hinaus sollte ein solcher Mensch über anderer Länder Gesetze und Grundsätze, &lt;br /&gt;
Gebräuche, Lebensumstände und Gepflogenheiten sowie über die materiellen &lt;br /&gt;
und sittlichen Vorzüge, die deren Staatskunst kennzeichnen, Bescheid wissen;&lt;br /&gt;
er sollte in allen nutzbringenden Wissensgebieten seiner Zeit wohl beschlagen &lt;br /&gt;
sein und die Annalen der Geschichte studieren. Denn wenn ein&lt;br /&gt;
Mann von Bildung nicht die heiligen Schriften und den Gesamtbereich&lt;br /&gt;
der Gottes- und Naturwissenschaften, des religiösen Rechts, der &lt;br /&gt;
Staatskunst, des Tageswissens und der großen geschichtlichen Ereignisse&lt;br /&gt;
kennt, dann kann es leicht sein, daß er einem Ernstfall nicht gewachsen&lt;br /&gt;
ist, und das wäre unvereinbar mit dem notwendigen Erfordernis &lt;br /&gt;
umfassenden Wissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn zum Beispiel ein islamischer Gelehrter im Wortstreit mit einem&lt;br /&gt;
Christen liegt und nichts von den herrlichen Melodien des Evangeliums&lt;br /&gt;
weiß, dann wird es ihm nicht möglich sein, den Christen zu überzeugen; &lt;br /&gt;
er wird tauben Ohren predigen, so viel er auch aus dem Qur’án&lt;br /&gt;
vorträgt. Merkt der Christ jedoch, daß der Muslim über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten des Christentums besser Bescheid weiß als die &lt;br /&gt;
christlichen Theologen und daß er den Sinn der Schriften tiefer &lt;br /&gt;
erfaßt hat als jene, dann wird er den Folgerungen des Muslims gern &lt;br /&gt;
zustimmen; tatsächlich bleibt ihm dann keine andere Wahl.&lt;br /&gt;
{{page|108|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf zwei Kräfte ist der Staat gegründet: die gesetzgebende und die&lt;br /&gt;
ausführende Gewalt. Die ausführende Gewalt geht von der Regierung&lt;br /&gt;
aus, während im Mittelpunkt der Gesetzgebung der Gebildete steht.&lt;br /&gt;
Wie wäre es denkbar, daß ein Staat Bestand hätte, wenn diese letztere&lt;br /&gt;
starke Stütze, dieser Grundpfeiler, schadhaft ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Weitere Attribute der Vollkommenheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Attribut der Vollkommenheit sind {{Sperrsatz|Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Unparteilichkeit}}. Dies bedeutet, keine Rücksicht auf persönlichen &lt;br /&gt;
Nutzen und eigensüchtige Vorteile zu nehmen, vielmehr die&lt;br /&gt;
Gesetze Gottes ohne den leisesten Hintergedanken an irgend etwas &lt;br /&gt;
anderes anzuwenden. Es bedeutet ferner, sich selbst nur als einen der&lt;br /&gt;
Diener Gottes, des Allbesitzenden, anzusehen und nie danach zu&lt;br /&gt;
trachten, sich von den anderen abzusondern, es sei denn im Streben&lt;br /&gt;
nach geistiger Würde. Es bedeutet, das Wohl der Gemeinschaft als das&lt;br /&gt;
eigene zu empfinden. Kurz gesagt heißt dies, die ganze Menschheit als&lt;br /&gt;
ein einziges Lebewesen, sich selbst als ein Glied dieses großen Körpers &lt;br /&gt;
zu erkennen und in der Gewißheit zu wirken, daß jede Not, jede Wunde, &lt;br /&gt;
die irgend einen Teil dieses Körpers trifft, unweigerlich alle&lt;br /&gt;
übrigen Glieder in Mitleidenschaft zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Voraussetzung für die Vollkommenheit ist, sich aufrichtig &lt;br /&gt;
und mit der lautersten Absicht aufzumachen, die {{Sperrsatz|Massen zu &lt;br /&gt;
erziehen:}} sich bis zum äußersten anzustrengen, um sie auf den verschiedenen &lt;br /&gt;
Gebieten der Gelehrsamkeit und der nutzbringenden Wissenschaften zu &lt;br /&gt;
unterweisen, um neue Fortschritte zu fördern, die Reichweite des Handels, &lt;br /&gt;
der Industrie und des Kunstgewerbes zu vergrößern und solche Maßnahmen &lt;br /&gt;
zu unterstützen, die die Wohlfahrt des Volkes erhöhen. Die breiten &lt;br /&gt;
Schichten der Bevölkerung wissen nämlich nicht Bescheid über jene &lt;br /&gt;
lebensspendenden Kräfte, die die chronischen Leiden der &lt;br /&gt;
Gesellschaft rasch heilen könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unbedingt nötig, daß die Gelehrten und geistig Gebildeten &lt;br /&gt;
aufrichtigen und reinen Herzens und nur aus Liebe zu Gott daran gehen,&lt;br /&gt;
die Massen zu beraten, sie zu ermahnen und ihr Gesichtsfeld zu weiten&lt;br /&gt;
mit jener „Brille“, die Wissen heißt. Denn in ihrem tief verwurzelten&lt;br /&gt;
Aberglauben meinen viele Leute heutzutage, ein Mensch, der an Gott&lt;br /&gt;
und Seine Zeichen, an die Propheten, ihre Offenbarungen und ihre&lt;br /&gt;
Gesetze glaubt, der fromm und gottesfürchtig ist, müsse notwendigerweise &lt;br /&gt;
müßig gehen und seine Tage mit Nichtstun verbringen, um in den Augen &lt;br /&gt;
Gottes dazustehen als einer, der der Welt und ihres Trugs&lt;br /&gt;
entsagt, sein Herz dem künftigen Leben zugewandt und sich von den&lt;br /&gt;
anderen abgesondert hat, damit er dadurch Ihm näher kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Attribute der Vollkommenheit sind, Gott zu fürchten, Ihn&lt;br /&gt;
zu lieben, indem man Seine Diener liebt, Sanftmut, Geduld und &lt;br /&gt;
Gelassenheit zu üben, aufrichtig, willfährig, milde und mitleidsvoll, &lt;br /&gt;
entschlossen und mutig, zuverlässig und tatkräftig zu sein, zu ringen und&lt;br /&gt;
zu streben, edelmütig, treu und ohne Hintergedanken zu sein, Eifer und&lt;br /&gt;
{{page|109|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
Ehrgefühl an den Tag zu legen, hochgesinnt und großmütig zu sein und&lt;br /&gt;
die Rechte anderer zu achten. Wem es an diesen hervorragenden &lt;br /&gt;
menschlichen Eigenschaften fehlt, der ist unvollkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... seinen Glauben verteidigen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite jener geistigen Maßstäbe, die an den Gebildeten anzulegen &lt;br /&gt;
sind, ist, daß er seinen Glauben verteidigen soll. Natürlich beziehen &lt;br /&gt;
sich diese heiligen Worte nicht nur darauf, daß man nach dem&lt;br /&gt;
tieferen Sinn der Gesetze forscht, gottesdienstliche Formvorschriften &lt;br /&gt;
einhält, größere und kleinere Sünden vermeidet, Riten und Bräuche &lt;br /&gt;
wahrnimmt und auf diese Weise den Glauben schützt. Weit eher bedeuten&lt;br /&gt;
diese Worte, daß alle Menschen geschützt werden sollen, daß alle &lt;br /&gt;
Anstrengungen unternommen werden, um durch die Zusammenfassung&lt;br /&gt;
aller erdenklichen Maßnahmen das Wort Gottes zu verbreiten, die Zahl&lt;br /&gt;
der Gläubigen zu vermehren, die Sache Gottes zu fördern, sie zu &lt;br /&gt;
erhöhen und zum Sieg zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelne Menschen, denen die Wirklichkeit unter der Oberfläche der&lt;br /&gt;
Ereignisse verborgen bleibt, die den Pulsschlag der Welt nicht fühlen&lt;br /&gt;
können, die nicht wissen, welch große Dosis Wahrheit der Menschheit &lt;br /&gt;
eingegeben werden muß, damit sie von dem chronischen Leiden&lt;br /&gt;
der Lüge geheilt wird, sind der Ansicht, daß der Glaube nur durch das&lt;br /&gt;
Schwert verbreitet werden kann; sie unterbauen ihre Meinung mit der&lt;br /&gt;
Überlieferung: „Ich bin ein Prophet durch das Schwert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sie diese Frage jedoch sorgfältig prüfen würden, müßten sie&lt;br /&gt;
erkennen, daß das Schwert heutzutage, in diesem Zeitalter, kein &lt;br /&gt;
passendes Mittel für die Verbreitung des Glaubens ist, weil es die Herzen&lt;br /&gt;
der Menschen nur mit Abscheu und Schrecken füllt. Nach dem göttlichen &lt;br /&gt;
Gesetz Muhammads geht es nicht an, daß das Volk des Buches &lt;br /&gt;
gezwungen wird, den Glauben anzuerkennen und anzunehmen. Während &lt;br /&gt;
es eine heilige Pflicht für jeden ist, der mit Überzeugung an die &lt;br /&gt;
Einheit Gottes glaubt, die Menschen zur Wahrheit zu führen, beziehen&lt;br /&gt;
sich die Überlieferungen: „Ich bin ein Prophet durch das Schwert“ und&lt;br /&gt;
„Mir ist befohlen, den Leuten nach dem Leben zu trachten, bis sie&lt;br /&gt;
sagen: ‚Es gibt keinen Gott außer Gott‘“ auf die Götzendiener aus&lt;br /&gt;
den Tagen der Unwissenheit, die in ihrer Blindheit und Tierhaftigkeit&lt;br /&gt;
tief unter die menschliche Stufe gesunken waren. Auf einen Glauben,&lt;br /&gt;
der durch Schwertstreiche begründet würde, wäre schwerlich Verlaß; der&lt;br /&gt;
geringste Anlaß würde ihn in Irrtum und Unglauben zurückverwandeln.&lt;br /&gt;
So fielen z. B. auch die Stämme in der Umgebung Medinas nach dem&lt;br /&gt;
Heimgang Muhammads, nach Seinem Aufstieg auf „den Sitz der Wahrheit &lt;br /&gt;
in der Gegenwart des allmächtigen Königs“ (Qur’án 54:55), von&lt;br /&gt;
ihrem Glauben ab und wandten sich wieder dem Götzendienst der &lt;br /&gt;
heidnischen Zeit zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glaube Gottes muß durch menschliche Vollkommenheiten, hervorragende, &lt;br /&gt;
gefällige Charaktereigenschaften und ein durchgeistigtes Betragen &lt;br /&gt;
verkündet werden. Wenn sich eine Seele aus eigenem Antrieb&lt;br /&gt;
Gott zuwendet, wird sie an der Schwelle der Einheit aufgenommen; denn&lt;br /&gt;
{{page|110|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
ein solcher Mensch ist frei von persönlichen Beweggründen, von Habgier&lt;br /&gt;
und selbstischer Gewinnsucht. Er hat unter dem Schutz und Schirm&lt;br /&gt;
seines Herrn Zuflucht gesucht. Unter seinen Mitmenschen wird er durch&lt;br /&gt;
seine Vertrauenswürdigkeit und Wahrheitsliebe, Mäßigung und Gewissenhaftigkeit, &lt;br /&gt;
Großherzigkeit und Treue, Unbestechlichkeit und Gottesfurcht bekannt &lt;br /&gt;
werden. So wird das höchste Ziel der Verkündigung des göttlichen &lt;br /&gt;
Gesetzes — Glück im kommenden Leben, eine hochentwickelte Kultur und &lt;br /&gt;
edle Charaktereigenschaften auf dieser Welt zu schaffen — verwirklicht. &lt;br /&gt;
Das Schwert hingegen wird nur Menschen hervorbringen, die äußerlich &lt;br /&gt;
Gläubige, in ihrem Herzen aber Ketzer und Verräter sind.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... seinen Leidenschaften widerstehen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Forderung des heiligen Textes, den wir hier besprechen,&lt;br /&gt;
ist, „seinen Leidenschaften zu widerstehen“. Wunderbar sind die &lt;br /&gt;
Folgerungen, die sich aus diesem scheinbar einfachen, doch umfassenden&lt;br /&gt;
Wort ergeben. Es beinhaltet die wirkliche Grundlage jeder menschlichen &lt;br /&gt;
Tugend; in der Tat verkörpern diese wenigen Silben das Licht&lt;br /&gt;
der Welt, den unumstößlichen Unterbau aller geistigen Attribute des&lt;br /&gt;
Menschen. Es ist das Steigrad im Uhrwerk des guten Betragens, das&lt;br /&gt;
Mittel, alle edlen Eigenschaften eines Menschen im Gleichgewicht zu&lt;br /&gt;
halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leidenschaft ist eine Flamme, die schon ungezählte Male die Ernte&lt;br /&gt;
des Lebens vieler Gebildeter in Asche verwandelt hat, ein allverzehrendes &lt;br /&gt;
Feuer, das sich auch nicht mit dem Meer ihres aufgespeicherten&lt;br /&gt;
Wissens löschen ließ. Wie oft ist es schon geschehen, daß jemand mit&lt;br /&gt;
allen Attributen des Menschentums gesegnet war, das Kleinod wahren&lt;br /&gt;
Verstehens besaß, aber dennoch seinen Leidenschaften nachging, bis&lt;br /&gt;
seine außergewöhnlichen Eigenschaften die Grenzen der Mäßigung &lt;br /&gt;
überschritten und er sich zu Ausschweifungen hinreißen ließ. Seine guten&lt;br /&gt;
Absichten wandelten sich zum Bösen, seine Anlagen waren nicht länger &lt;br /&gt;
auf Ziele gerichtet, die ihrer wert waren, und die Macht seiner Begierden &lt;br /&gt;
lenkte ihn von der Rechtschaffenheit und ihrem Lohn ab auf gefährliche &lt;br /&gt;
und dunkle Wege. In den Augen Gottes, Seiner Erwählten und aller &lt;br /&gt;
Einsichtsvollen ist ein guter Charakter das Erhabenste und&lt;br /&gt;
Lobenswerteste, was es gibt, jedoch immer unter der Voraussetzung, daß&lt;br /&gt;
die Quelle seiner Ausstrahlung Vernunft und Erkenntnis sind, und daß er&lt;br /&gt;
wahre Mäßigung zur Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sind alle Völker Europas trotz ihrer vielgepriesenen Zivilisation&lt;br /&gt;
versunken und ertrunken in diesem furchtbaren Meer der Leidenschaft&lt;br /&gt;
und Begierde, und das ist der Grund, warum alle Erscheinungen ihrer&lt;br /&gt;
Kultur zu nichts führen. Niemand sollte über diese Feststellung erstaunt &lt;br /&gt;
sein oder sie beklagen. Dafür, daß machtvolle Gesetze niedergelegt, &lt;br /&gt;
hohe Grundsätze aufgestellt und Einrichtungen geschaffen werden,&lt;br /&gt;
die sich mit jedem Gesichtspunkt der Zivilisation befassen, ist das&lt;br /&gt;
{{page|111|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
Glück der Menschen der oberste Zweck, der tiefste Grund. Das Glück&lt;br /&gt;
jedoch besteht ausschließlich darin, der Schwelle Gottes, des Allmächtigen, &lt;br /&gt;
näher zu kommen und den Frieden und die Wohlfahrt jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Angehörigen des Menschengeschlechts, sei er hoch oder niedrig, zu &lt;br /&gt;
sichern; und die besten Mittel, dieses zweifache Ziel zu erreichen,&lt;br /&gt;
sind die hervorragenden Tugenden, die der Menschenwelt verliehen &lt;br /&gt;
worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Äußerliche Zivilisation ...&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine oberflächliche Zivilisation, die nicht von kultivierter Sittlichkeit &lt;br /&gt;
getragen wird, ist nur „ein verworrener Mischmasch von Träumen“ &lt;br /&gt;
(Qur’án 12:44; 21:5), und äußerlicher Glanz ohne inwendige Vollkommenheit &lt;br /&gt;
ist „wie ein Dunst in der Wüste, den der Dürstende für Wasser hält“ &lt;br /&gt;
(Qur’án 24:39). Denn eine rein äußerliche Zivilisation kann niemals &lt;br /&gt;
Ergebnisse zeitigen, die das Wohlgefallen Gottes finden und für&lt;br /&gt;
Frieden und Wohlfahrt der Menschen Gewähr leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Völker Europas haben sich noch nicht zu der höheren Stufe sittlicher &lt;br /&gt;
Kultur erhoben, wie ihre Ansichten und ihr Verhalten klar beweisen. &lt;br /&gt;
Sehet zum Beispiel, wie es das oberste Ziel der europäischen&lt;br /&gt;
Regierungen und ihrer Völker heutzutage ist, einander zu überwinden und&lt;br /&gt;
zu vernichten, und wie sie, obwohl sie insgeheim tiefste Abneigung &lt;br /&gt;
gegeneinander hegen, doch ihre Zeit damit verbringen, Äußerungen &lt;br /&gt;
nachbarlicher Liebe, Freundschaft und Harmonie miteinander &lt;br /&gt;
auszutauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannt ist der Fall von dem Herrscher, der Frieden und Gelassenheit &lt;br /&gt;
um sich verbreitet und gleichzeitig mehr Kraftaufwand als die&lt;br /&gt;
Kriegshetzer darauf verwendet, Waffen anzuhäufen und eine noch &lt;br /&gt;
größere Armee aufzubauen mit der Begründung, daß Frieden und &lt;br /&gt;
Eintracht nur mit Gewalt herbeigeführt werden könnten. Unter dem &lt;br /&gt;
Vorwand des Friedens bietet man Tag und Nacht alle Kräfte auf, um noch&lt;br /&gt;
mehr Kriegsgerät zusammenzutragen, und das unglückliche Volk muß den&lt;br /&gt;
größten Teil dessen, was es unter Mühe und Schweiß erwirbt, aufbringen, &lt;br /&gt;
um für diese Rüstung zu bezahlen. Wie viele haben ihre Arbeit&lt;br /&gt;
in nutzbringenden Gewerben aufgegeben und mühen sich Tag und Nacht,&lt;br /&gt;
neue, immer tödlichere Waffen herzustellen, mit denen das Blut der&lt;br /&gt;
Menschenrasse noch reichlicher als zuvor vergossen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag erfindet man neue Bomben und Granaten, und dann sind die&lt;br /&gt;
Regierungen gezwungen, ihre veralteten Waffen wegzuwerfen und damit &lt;br /&gt;
zu beginnen, die neuen herzustellen, weil sich die alten gegen die&lt;br /&gt;
neuen Waffen nicht behaupten können. So wurden zum Beispiel zur&lt;br /&gt;
Zeit dieser Niederschrift, im Jahr 1875, in Deutschland ein neues &lt;br /&gt;
Gewehr und in Österreich eine neue Kanone entwickelt, die größere &lt;br /&gt;
Feuerkraft als das Martini-Henry-Gewehr und die Krupp-Kanone haben,&lt;br /&gt;
eine schnellere Schußfolge zulassen und noch wirkungsvoller im &lt;br /&gt;
Auslöschen menschlichen Lebens sind. Und die überwältigenden Kosten &lt;br /&gt;
all dessen müssen von den unglücklichen Massen getragen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urteilet gerecht: Kann diese Zivilisation dem Namen nach den Frieden&lt;br /&gt;
und die Wohlfahrt des Volkes herbeiführen oder das Wohlgefallen Gottes &lt;br /&gt;
{{page|112|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
finden, solange sie nicht von einer wahren Zivilisation des Charakters &lt;br /&gt;
getragen wird? Zerstört sie nicht vielmehr den Wohlstand des Menschen &lt;br /&gt;
und reißt die Pfeiler des Glücks und des Friedens nieder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;... und wahre Kultur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten,&lt;br /&gt;
sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen und hochsinnigen &lt;br /&gt;
Herrscher — leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschlossenheit — mit&lt;br /&gt;
festem Entschluß und klarem Blick daran geht, den Weltfrieden zu&lt;br /&gt;
stiften. Sie müssen die Friedensfrage zum Gegenstand gemeinsamer&lt;br /&gt;
Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln &lt;br /&gt;
versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen &lt;br /&gt;
verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen &lt;br /&gt;
eindeutig, unverletzlich und bestimmt sind. Sie müssen ihn der ganzen &lt;br /&gt;
Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschenrasse &lt;br /&gt;
für ihn erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses erhabene und edle Unterfangen — der wahre Quell des Friedens und &lt;br /&gt;
Wohlergehens für alle Welt — sollte allen, die auf Erden&lt;br /&gt;
wohnen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht&lt;br /&gt;
werden, um die Dauer und den Bestand dieses größten aller Bündnisse&lt;br /&gt;
zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes&lt;br /&gt;
einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen &lt;br /&gt;
der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet&lt;br /&gt;
und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt&lt;br /&gt;
werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede&lt;br /&gt;
Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunähme der&lt;br /&gt;
Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet &lt;br /&gt;
würde, so würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt werden. Die &lt;br /&gt;
Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so festgelegt &lt;br /&gt;
werden, daß bei einer späteren Verletzung irgendeiner Bestimmung &lt;br /&gt;
durch irgendeine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, &lt;br /&gt;
um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu&lt;br /&gt;
bringen, nein, die gesamte Menschheit sollte sich entschließen, mit &lt;br /&gt;
allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu vernichten. &lt;br /&gt;
Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Weltkörper &lt;br /&gt;
angewandt werden, so wird er sich gewiß wieder von seinen Leiden &lt;br /&gt;
erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn solche erfreulichen Zustände einträten, müßte keine Regierung&lt;br /&gt;
mehr ständig Waffen speichern oder sich gezwungen sehen, immer&lt;br /&gt;
neues Kriegsgerät herzustellen, um damit die übrige Menschheit zu&lt;br /&gt;
unterwerfen. Eine kleine Streitmacht für die Aufrechterhaltung der&lt;br /&gt;
inneren Ordnung, die Verfolgung von Verbrechern und Asozialen und&lt;br /&gt;
die Verhütung örtlicher Unruhen würde genügen — nichts weiter. Auf&lt;br /&gt;
diese Weise wäre die ganze Weltbevölkerung von der drückenden Last&lt;br /&gt;
der Rüstungsausgaben befreit; außerdem bräuchten zahllose Leute nicht&lt;br /&gt;
länger ihre Zeit darauf zu verschwenden, ständig neue Vernichtungswaffen &lt;br /&gt;
zu ersinnen, neue Beweise der Habsucht und Blutgier zu liefern,&lt;br /&gt;
die in unvereinbarem Widerspruch zu den Gnadengaben des Lebens&lt;br /&gt;
{{page|113|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
stehen. Stattdessen könnten sie ihren Eifer darauf richten, solche &lt;br /&gt;
Geräte herzustellen, die das Leben erleichtern, Frieden und Wohlstand&lt;br /&gt;
fördern, und sie könnten so dem Fortschritt und der Wohlfahrt der ganzen &lt;br /&gt;
Welt dienen. Jede Nation auf Erden würde dann in Ehren regiert,&lt;br /&gt;
und jedes Volk fühlte sich geborgen in Ruhe und Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelne, welche die im menschlichen Streben ruhende Kraft nicht&lt;br /&gt;
kennen, halten diese Gedanken für völlig undurchführbar, ja für &lt;br /&gt;
jenseits dessen, was selbst die äußersten Anstrengungen des Menschen je&lt;br /&gt;
erreichen können; doch ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil kann dank&lt;br /&gt;
der unerschöpflichen Gnade Gottes, der Herzensgüte Seiner Begünstigten, &lt;br /&gt;
den beispiellosen Bemühungen weiser und fähiger Seelen und den&lt;br /&gt;
Gedanken der unvergleichlichen Führer dieses Zeitalters nichts, was&lt;br /&gt;
es auch sei, als unerreichbar angesehen werden. Eifer, unermüdlicher&lt;br /&gt;
Eifer ist nötig. Nur unbezähmbare Entschlußkraft kann das Werk vollbringen. &lt;br /&gt;
Manches hat man in vergangenen Zeiten als reines Hirngespinst betrachtet; &lt;br /&gt;
heute ist es leicht durchführbar geworden. Warum sollte diese wichtigste &lt;br /&gt;
und erhabenste Sache — das Tagesgestirn am Himmelszelt wahrer Kultur &lt;br /&gt;
und die Ursache des Ruhmes, des Fortschrittes, des Wohlergehens und &lt;br /&gt;
Erfolges der ganzen Menschheit — unmöglich sein? Der Tag wird sicher &lt;br /&gt;
kommen, an dem ihr klares Licht Erleuchtung über die gesamte &lt;br /&gt;
Menschheit gießen wird.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung folgt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Um seine Ausführungen zu bekräftigen, flicht ‘Abdu’l-Bahá &lt;br /&gt;
an dieser Stelle die Erzählung ein, die wir auf Seite 113 wiedergeben. &lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Abschnitt wurde von Shoghi Effendi übersetzt und in „The World Order of&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh“, S. 37-38 zitiert. Vgl. Bahá’í-Studientexte II, 2 „Göttliche Weltordnung“, &lt;br /&gt;
Frankfurt 1952, S. 2 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hanzala und Nu‘mán===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá erzählt eine Geschichte aus dem alten Arabien&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die arabischen Chroniken berichten, wie in der Zeit vor dem Kommen &lt;br /&gt;
Muhammads Nu’mán, der Sohn Mundhirs des Lakhmiten — ein&lt;br /&gt;
arabischer König aus den Tagen der Unwissenheit, dessen Residenz&lt;br /&gt;
die Stadt Hirih war — dem Wein einmal so sehr zugesprochen hatte,&lt;br /&gt;
daß sich seine Sinne verfinsterten und der Verstand ihn verließ. In&lt;br /&gt;
diesem betrunkenen, gefühllosen Zustand gab er den Befehl, seine beiden&lt;br /&gt;
Zechbrüder und vertrauten, vielgeliebten Freunde, Khálid, den Sohn&lt;br /&gt;
des Mudallil, und ‘Amr, den Sohn des Mas’úd-Kaldih, vom Leben zum&lt;br /&gt;
Tode zu befördern. Als der König nach diesem Gelage erwachte und&lt;br /&gt;
nach seinen beiden Freunden fragte, wurde er an das entsetzliche&lt;br /&gt;
Geschehnis erinnert. Kummer befiel sein Herz; in seiner aufrichtigen&lt;br /&gt;
Liebe und Sehnsucht ließ er über den beiden Gräbern zwei herrliche&lt;br /&gt;
Denkmäler bauen, die er „die Blutbeschmierten“ benannte. Daraufhin&lt;br /&gt;
bestimmte er zwei Tage des Jahres zum Gedächtnis an die beiden &lt;br /&gt;
Gefährten. Den einen hieß er den „Tag des Übels“, den zweiten den „Tag&lt;br /&gt;
der Gnade“. Jedes Jahr pflegte er an diesen Tagen mit Pomp und Gepränge &lt;br /&gt;
hinauszuziehen und sich zwischen den beiden Grabmälern &lt;br /&gt;
{{page|114|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
niederzulassen. Wenn an dem „Tag des Übels“ sein Auge auf irgend jemand&lt;br /&gt;
fiel, wurde dieser umgebracht; wer jedoch am „Tag der Gnade“ vorüberging, &lt;br /&gt;
wurde mit Geschenken und Gunstbeweisen überschüttet. Solcherart war sein &lt;br /&gt;
königliches Gebot, das mit einem mächtigen Eid besiegelt und immer streng &lt;br /&gt;
eingehalten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages bestieg der König sein Roß, Mahmúd genannt, und ritt&lt;br /&gt;
hinaus in die Steppe, um zu jagen. Von ungefähr erblickte er in der&lt;br /&gt;
Ferne ein Wildpferd. Nu&#039;mán gab seinem Roß die Sporen, um das Wild&lt;br /&gt;
einzuholen, und hetzte mit solcher Geschwindigkeit davon, daß er von&lt;br /&gt;
seinem Gefolge abgeschnitten wurde. Die Nacht brach herein, und der König &lt;br /&gt;
war hoffnungslos verloren. Da entdeckte er fern in der Wüste ein Zelt; &lt;br /&gt;
er wandte sein Pferd und ritt darauf zu. Als er zu dem Eingang gekommen &lt;br /&gt;
war, fragte er den Besitzer, Hanzala, den Sohn des Abí-Ghafráy-i-Tá’i: &lt;br /&gt;
„Nimmst du einen Gast auf?“ Hanzala sagte zu, trat herfür und half &lt;br /&gt;
Nu’mán beim Absteigen. Dann ging er zu seiner Frau und sprach zu ihr: &lt;br /&gt;
„Es sind deutliche Anzeichen hohen Ranges in dem Verhalten dieses &lt;br /&gt;
Menschen. Tue dein Möglichstes, um ihm Gastfreundschaft zu erweisen, &lt;br /&gt;
und bereite ein Fest.“ „Wir haben ein Mutterschaf, das du darbringen &lt;br /&gt;
könntest“, erwiderte sie, „und ich habe noch ein bißchen Mehl für &lt;br /&gt;
solche Gelegenheiten aufgespart.“ Hanzala molk zunächst das Schaf &lt;br /&gt;
und bot Nu’mán die Schale zum Trunk, dann schlachtete er das Tier &lt;br /&gt;
und bereitete ein Festmahl, und dank seiner gütigen Gastfreundschaft &lt;br /&gt;
verbrachte Nu’mán die Nacht in Frieden und Behagen. Als die Dämmerung &lt;br /&gt;
heraufzog, machte sich Nu’mán fertig und sagte zu Hanzala: &lt;br /&gt;
„Du hast mir größte Freigebigkeit erwiesen, wie du&lt;br /&gt;
mich aufgenommen und festlich bewirtet hast. Ich bin Nu’mán, der&lt;br /&gt;
Sohn des Mundhir, und freue mich sehr darauf, dich an meinem Hofe&lt;br /&gt;
begrüßen zu können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit ging dahin, Hungersnot zog ein im Lande Tayy. Hanzala kam&lt;br /&gt;
in große Bedrängnis, und darum suchte er den König auf. Ein &lt;br /&gt;
seltsamer Zufall fügte es, daß er am „Tag des Übels“ eintraf. Nu’mán&lt;br /&gt;
zeigte sich höchst beunruhigt. Er machte seinem Freund Vorwürfe:&lt;br /&gt;
„Warum bist du gerade heute zu mir gekommen? Denn dies ist der&lt;br /&gt;
‚Tag des Übels‘, der Tag des Zornes und der Pein. Selbst wenn mir&lt;br /&gt;
heute Qábús, mein einziger Sohn, unter die Augen träte, käme er nicht&lt;br /&gt;
mit dem Leben davon. Nun bitte mich um irgendeine Gunst, die du&lt;br /&gt;
willst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hanzala erwiderte: „Ich wußte nichts von deinem ‚Tag des Übels‘.&lt;br /&gt;
Die Gaben dieser Welt sind für die Lebenden da. Was sollen mir alle&lt;br /&gt;
Schätze dieser Erde, wenn ich den Tod kosten muß?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Daran ist nichts zu ändern“, sagte Nu’mán.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hanzala sprach: „So gewähre mir denn Aufschub, daß ich zu meinem&lt;br /&gt;
Weib heimkehren und meinen letzten Willen machen kann. Im nächsten&lt;br /&gt;
Jahr werde ich am ‚Tag des Übels‘ wiederkommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nu’mán verlangte einen Bürgen, der an Hanzalas Statt hingerichtet&lt;br /&gt;
würde, falls dieser nicht zurückkehrte. Bestürzt und hilflos sah sich&lt;br /&gt;
Hanzala um. Da fiel sein Blick auf einen aus Nu’máns Gefolge, Sharík,&lt;br /&gt;
{{page|115|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
den Sohn des ‘Amr-ibn-Qays-ibn-Shaybán, und an ihn wandte er&lt;br /&gt;
sich mit den Worten: „O Sohn des ‘Amr, mein Gefährte! Gibt es &lt;br /&gt;
irgendeinen Ausweg vor dem Tode? O du Bruder jedes Bedrängten, du Bruder&lt;br /&gt;
des Bruderlosen, du Bruder Nu’máns! Du könntest dem Scheich Bürgschaft &lt;br /&gt;
leisten. Wo ist Shaybán der Edelmütige — möge der Allbarmherzige ihm &lt;br /&gt;
Gunst bezeigen?“ Aber Sharík erwiderte nur: „Mein Bruder, ein Mann &lt;br /&gt;
sollte nicht mit seinem Leben spielen.“ Da wußte das&lt;br /&gt;
Opfer nicht mehr, wohin es sich wenden sollte. Doch ein Mann namens&lt;br /&gt;
Qarád, Sohn Adjas des Kalbiten, stand auf und bot sich als Bürge an;&lt;br /&gt;
er willigte ein, daß der König mit ihm, Qarád, tun könne, was er wolle,&lt;br /&gt;
wenn er zum nächsten ‚Tag des Zornes‘ Hanzala nicht beibrächte. Daraufhin &lt;br /&gt;
schenkte Nu’mán dem Hanzala fünfhundert Kamele und entließ ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im folgenden Jahr der „Tag des Übels“ hereinbrach, zog Nu’mán&lt;br /&gt;
wie gewohnt mit Pomp und Prunk hinaus zu den beiden Grabmälern,&lt;br /&gt;
die die Blutbeschmierten hießen. Er führte Qarád mit sich, um seinen&lt;br /&gt;
königlichen Zorn an ihm auszulassen. Die Pfeiler des Staates lösten&lt;br /&gt;
ihre Zunge und baten um Gnade; sie flehten den König an, er möge&lt;br /&gt;
Qarád bis zum Sonnenuntergang Aufschub gewähren, denn sie hofften,&lt;br /&gt;
Hanzala käme noch. Aber des Königs Absicht war, Hanzalas Leben zu&lt;br /&gt;
schonen und diesem die Gastfreundschaft zu vergelten, indem er&lt;br /&gt;
Qarád an seiner Stelle hinrichtete. Als sich die Sonne zum Abend&lt;br /&gt;
neigte, zog man Qarád die Kleider vom Leibe und schickte sich an, ihm&lt;br /&gt;
den Kopf abzuschlagen. Da wurde in der Ferne ein Reiter sichtbar,&lt;br /&gt;
der in gestrecktem Galopp näherkam. „Warum zögerst du?“, wandte&lt;br /&gt;
sich Nu’mán an den Henker. Der antwortete: „Vielleicht ist es Hanzala,&lt;br /&gt;
der da kommt.“ Bald sah man, daß es kein anderer war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nu’mán war höchst ungehalten. „Du Dummkopf!“, sagte er. „Einmal&lt;br /&gt;
bist du den Klauen des Todes entronnen. Mußt du ihn nun zum zweiten&lt;br /&gt;
Male herausfordern?“ Aber Hanzala erwiderte: „Süß schmeckt mir das&lt;br /&gt;
Gift des Todes in dem Gedanken, daß ich damit mein Unterpfand&lt;br /&gt;
auslöse.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da fragte Nu’mán: „Was ist der Grund für solche Pflichttreue? &lt;br /&gt;
Weshalb hältst du dich so genau an deine Obliegenheiten, so streng an&lt;br /&gt;
deinen Eid?“ — „Das macht mein Glaube an den einen Gott und an&lt;br /&gt;
die Bücher, die vom Himmel kamen“, gab Hanzala zur Antwort. Nu’mán&lt;br /&gt;
fragte: „Zu welchem Glauben bekennst du dich?“, und Hanzala sagte:&lt;br /&gt;
„Es war der heilige Odem Jesu, der mir das Leben gab. Ich folge dem&lt;br /&gt;
geraden Pfad Christi, des Geistes Gottes.“ Da bat Nu’mán: „Laß auch&lt;br /&gt;
mich diesen süßen Hauch des Geistes atmen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam es, daß Hanzala die weiße Hand der Führung aus dem Busen&lt;br /&gt;
der Liebe Gottes zog&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; und das Blickfeld derer, die ihn umstanden,&lt;br /&gt;
mit dem Lichte des Evangeliums erleuchtete. Dem klaren Klang einer&lt;br /&gt;
Glocke gleich trug er einige der göttlichen Verse aus der Bibel vor.&lt;br /&gt;
Da wurden Nu’mán und alle seine Diener ihrer Götzen überdrüssig und&lt;br /&gt;
wollten diese keinen Augenblick länger anbeten. Im Glauben an Gott&lt;br /&gt;
wurden sie bestätigt, und sie riefen: „Wehe uns, tausendmal wehe uns,&lt;br /&gt;
{{page|116|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|117|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
daß wir uns bis heute nicht um diese grenzenlose Gnade kümmerten&lt;br /&gt;
und sie vor uns verborgen blieb, daß wir dieser Segensströme aus den&lt;br /&gt;
Wolken der Gunst Gottes beraubt waren!“ Sofort riß der König die&lt;br /&gt;
beiden Denkmäler ab, die die Blutbeschmierten hießen. Er bereute&lt;br /&gt;
seine Gewaltherrschaft und ließ fortan Gerechtigkeit walten in seinem&lt;br /&gt;
Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*  *  *&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket, wie hier ein einfacher Mann aus der Wüste, namenlos&lt;br /&gt;
und ohne Rang und Würden, imstande war, diesen stolzen Herrscher&lt;br /&gt;
und eine große Schar anderer aus der Nacht des Unglaubens zu befreien &lt;br /&gt;
und sie in das Morgenlicht des Heils zu führen, wie er sie aus&lt;br /&gt;
dem Verderben der Götzendienerei an das rettende Gestade der &lt;br /&gt;
Einheit Gottes brachte und den Verirrungen ein Ende setzte, die ganze&lt;br /&gt;
Kulturen untergraben und ganze Völker zur Barbarei herabwürdigen — nur &lt;br /&gt;
weil er eine der Eigenschaften jener aufwies, die reinen Herzens&lt;br /&gt;
sind. Man muß tief über dieses Geschehnis nachsinnen, um seine volle&lt;br /&gt;
Bedeutung zu erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Entnommen aus „The Secret of Divine Civilization“ by ‘Abdu’l-Bahá, &lt;br /&gt;
Bahá’í Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA, 1957, S. 46 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Zu diesem Sinnbild vgl. 2. Mose 4:6, Qur’án 27:12,&lt;br /&gt;
7:105, 20:23, 26:32 und 28:32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Unter der Lupe: Alkohol und Tabak===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Technik unserer Zeit, die rationalisierte und automatisierte Arbeit &lt;br /&gt;
erfordern vom heutigen Menschen seine ganze Gesundheit, größte&lt;br /&gt;
Verläßlichkeit und äußerste Konzentration. Der Straßenverkehr nimmt&lt;br /&gt;
unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Sorge um die Existenz &lt;br /&gt;
der Familie belastet unsere Nerven in erhöhtem Maße. Tagtäglich&lt;br /&gt;
bedeuten diese Anforderungen für den Durchschnittsmenschen ein&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|„Muß“}}, dem er sich nur ungern beugt. Als Ausgleich macht sich bei&lt;br /&gt;
ihm ein {{Sperrsatz|„Will“}} geltend: Der Mensch {{Sperrsatz|will}} Entspannung, &lt;br /&gt;
Freude, er {{Sperrsatz|will}} genießen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In raffinierter Aufdringlichkeit und Fülle bietet sich ihm eine Wunderwelt des &lt;br /&gt;
Vergnügens, des Genusses dar. Im Vordergrund der verlockenden Anpreisungen: &lt;br /&gt;
Alkohol und Tabak. Diese beiden Genußmittel ziehen auf der ganzen Welt die &lt;br /&gt;
Menschen in ihren Bann. Es erscheint deshalb notwendig, sie einmal gründlich &lt;br /&gt;
zu durchleuchten. Lassen wir zuerst die Medizin sprechen, und sehen wir dann, &lt;br /&gt;
was die Religion dazu zu sagen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In der Sicht des Arztes&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Natur aus ist der Mensch mit Trieben ausgestattet, die vornehmlich &lt;br /&gt;
der Erhaltung und Fortpflanzung seiner Gattung dienen. Die&lt;br /&gt;
Befriedigung dieser Triebe ist lustbetont. Eine Befriedigung bedeutet es&lt;br /&gt;
auch, zu essen und zu trinken, um damit Hunger und Durst zu stillen.&lt;br /&gt;
Während jedoch diese Lust-Befriedigung etwas durchaus Normales, Gesundes &lt;br /&gt;
ist, kann die Lust, der Hang nach Alkohol und Tabak leicht gefährlich &lt;br /&gt;
werden. Dies gilt besonders für Menschen, die körperlich und seelisch &lt;br /&gt;
labil sind. Aus dem Hang wird die Gewohnheit, nach der Gewohnheit kommt &lt;br /&gt;
die {{Sperrsatz|Sucht}}. In diesem Stadium ist der Mensch dann reiner Sklave.&lt;br /&gt;
{{page|118|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir die alkoholischen Getränke: Hiezu gehören Bier mit&lt;br /&gt;
3—5 Prozent, Wein mit 8—10 Prozent, Sherry mit 17 Prozent, Wodka mit &lt;br /&gt;
über 40 Prozent, Cognac mit 55 Prozent, Rum mit 80 Prozent Alkohol. &lt;br /&gt;
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sei hier festgestellt: &lt;br /&gt;
Alkoholische Getränke kräftigen und stärken in der Regel {{Sperrsatz|nicht}}.&lt;br /&gt;
Nach vorübergehender Anregung, einer gewissen Aufpeitschung der&lt;br /&gt;
Körperkräfte — und auch des seelischen Zustands — folgt rasch &lt;br /&gt;
Erschlaffung. Die vermeintliche Erwärmung des Körpers beruht auf einer&lt;br /&gt;
erhöhten Herztätigkeit. Betrunkene erfrieren beispielsweise schneller&lt;br /&gt;
als Nüchterne. Nur in besonderen Fällen, wenn vom Arzt verordnet,&lt;br /&gt;
kann Alkohol Heilwirkung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist erwiesen, daß Alkohol hemmend auf jede körperliche (auch&lt;br /&gt;
sportliche) und geistige Arbeit wirkt. Die durch Alkohol verursachten&lt;br /&gt;
Verkehrsunfälle sprechen eine deutliche Sprache. Daß ein beachtlicher&lt;br /&gt;
Teil der begangenen Verbrechen auf das „Konto Alkohol“ fällt, sei nicht&lt;br /&gt;
unerwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über alkoholbedingte Krankheiten schreibt Dr. med. A. {{Sperrsatz|Esser}}&lt;br /&gt;
(„Rauschgifte“, Berckers Kleine Volksbibliothek Nr. 1007, Kevelaer 1949)&lt;br /&gt;
u. a. folgendes: „Um die Alkoholwirkungen auf den Menschen zu erkennen, &lt;br /&gt;
muß man wissen, {{Sperrsatz|wie}} er auf den Organismus wirkt. Da ist&lt;br /&gt;
zuerst zu sagen, daß der Alkohol schnell und fast restlos vom Darm aus&lt;br /&gt;
ins Blut geht, mit dem Blutkreislauf in alle Organe des Körpers gelangt&lt;br /&gt;
und in die Zellen eindringt. Es ist eigenartig, daß die Körperzellen, die&lt;br /&gt;
im allgemeinen gegen schädliche Stoffe ein gewisses Abwehrvermögen&lt;br /&gt;
besitzen, allen rauscherzeugenden Stoffen gegenüber widerstandslos sind.&lt;br /&gt;
Trinkt also ein Mensch „über den Durst“, werden alle Organe in einen&lt;br /&gt;
Rauschzustand versetzt, und der auf das feinste ineinanderarbeitende&lt;br /&gt;
Apparat des Stoffwechsels gerät durcheinander. Ganz speziell jedoch&lt;br /&gt;
wirkt das alkoholische Gift auf das Zentral-Nervensystem, das Gehirn&lt;br /&gt;
und Rückenmark. Alkohol ist, wie die Medizin dies ausdrückt, ein &lt;br /&gt;
Nervengift ersten Ranges.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Bedrohung der körperlichen Gesundheit und die Zerstörung &lt;br /&gt;
des Familienlebens als Folge übermäßigen Trinkens sagt Dr. Esser: &lt;br /&gt;
„Chronische Alkoholeinwirkung führt allmählich zu schweren&lt;br /&gt;
körperlichen Störungen. Infolge Gefäßerweiterung in der Haut entsteht&lt;br /&gt;
das typisch gedunsene, rötliche Trinkergesicht, der Magen zeigt den&lt;br /&gt;
Befund der chronischen Schleimhautentzündung, es treten Verfettung&lt;br /&gt;
des Herzmuskels und Herzerweiterung auf, mehr oder weniger schwere&lt;br /&gt;
Leber- und Nierenstörungen werden beobachtet. Charakteristisch ist&lt;br /&gt;
das ständige feine Zittern der Hände. Sehr häufig sind Nervenentzündungen &lt;br /&gt;
mit deutlichen Schmerzen. Die Sehfähigkeit läßt nach. Diesem körperlichen &lt;br /&gt;
Bilde gesellen sich schwere Charakterveränderungen zu: Der&lt;br /&gt;
Säufer ist in seinem häuslichen Milieu ein brutaler Tyrann, der zu&lt;br /&gt;
Mißhandlungen von Frau und Kindern neigt, zu Wutanfällen, bei denen&lt;br /&gt;
er sinnlos Mobiliar zertrümmert. Die Arbeitslust sinkt immer mehr, der&lt;br /&gt;
Trinker gleitet auf der sozialen Stufenleiter tiefer und setzt schnell&lt;br /&gt;
seine Familie dem Notstand aus. Leicht verfällt solch ein Mensch &lt;br /&gt;
mannigfachen Straftaten. Die bösartigsten Folgen des Säufertums aber &lt;br /&gt;
betreffen wieder, wie beim akuten Rausch, das Triebleben.“&lt;br /&gt;
{{page|119|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches läßt sich auch über den Tabak sagen. Er ist gleichfalls als&lt;br /&gt;
Suchtmittel anzusprechen, führt jedoch nicht zur Berauschung. Es ist&lt;br /&gt;
erwiesen, daß die Zigarette für den Menschen auf die Dauer am schädlichsten &lt;br /&gt;
ist, da ihr Rauch am tiefsten inhaliert wird, und Nikotin und&lt;br /&gt;
Tabakteer am weitesten in die inneren Organe vordringen. Stimmband-,&lt;br /&gt;
Kehlkopf- und Lungenkrebs können die Folgen sein. Raucherkatarrh,&lt;br /&gt;
chronische Bronchitis, erhöhter Blutdruck sind ebenfalls, neben &lt;br /&gt;
anderen negativen Auswirkungen, dem übermäßigen Tabakgenuß zuzuschreiben. &lt;br /&gt;
Rauchen und Alkoholgenuß bei nüchternem Magen sind am&lt;br /&gt;
gefährlichsten und schädlichsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Bilanz dieser giftigen Genüsse?&lt;br /&gt;
:— Verluste an Gesundheit und Arbeitsleistung;&lt;br /&gt;
:— Trunkenheit und Trunksucht lassen viele Menschen mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kommen;&lt;br /&gt;
:— Zerrüttete Familien, Ehescheidungen gehen oft auch auf das Konto des Alkohols;&lt;br /&gt;
:— Verkehrsunfälle! Bei 70 Prozent aller Führerscheinentziehungen lag die Ursache im Alkoholgenuß.&lt;br /&gt;
:— Vielfältige Erbschäden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr für Jahr werden — und zwar in steigendem Maße! — Milliarden&lt;br /&gt;
Mark für Alkohol und Tabak ausgegeben! Etwa 9,6 Prozent des gesamten &lt;br /&gt;
westdeutschen Volkseinkommens, nämlich rund 20 Milliarden DM, &lt;br /&gt;
wurden 1960 für Tabakwaren und Alkoholgetränke ausgegeben. Das ist &lt;br /&gt;
nahezu die Hälfte dessen, was aus Beiträgen und Steuern für die &lt;br /&gt;
öffentlichen Sozialleistungen dieses Jahres veranschlagt ist, &lt;br /&gt;
die nach dem „Bulletin“ der deutschen Bundesregierung &lt;br /&gt;
insgesamt 39,57 Milliarden DM betragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rauschmittel im Lichte der Religion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stellen sich nun die {{Sperrsatz|Religionen}} dazu? {{Sperrsatz|Moses}} &lt;br /&gt;
z. B. führt in bezug auf Alkohol keine Ge- und Verbote an. Lediglich einmal&lt;br /&gt;
lesen wir: „Das Haus des Hohepriesters Aron enthalte sich von allen&lt;br /&gt;
alkoholischen Getränken“. Lehrreich und interessant ist indes die Geschichte &lt;br /&gt;
des Propheten Daniel im Alten Testament. Hier wird gezeigt, welche Fähigkeiten &lt;br /&gt;
und Segnungen jene Propheten durch ihre Enthaltsamkeit empfingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im {{Sperrsatz|Evangelium}} Jesu Christi finden wir {{Sperrsatz|keine}} &lt;br /&gt;
ausdrücklichen Verbote. Dem Sinne der christlichen Botschaft entsprechend ist&lt;br /&gt;
aber Mäßigkeit in allen Lebensbezirken notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der {{Sperrsatz|Islam}} strengstes Alkoholverbot hat, ist bekannt. Dafür&lt;br /&gt;
wird „als Ausgleich“ Haschisch geraucht, was fast noch größere Schäden &lt;br /&gt;
verursacht und ebenfalls — wenn auch vielleicht nicht ausdrücklich — dem &lt;br /&gt;
Willen des Propheten zuwiderläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion verbietet den Alkoholgenuß, ausgenommen im Falle &lt;br /&gt;
einer ärztlichen Anordnung. ‘Abdu’l-Bahá, der bevollmächtigte Ausleger &lt;br /&gt;
der Lehren Bahá’u’lláhs, sagt u. a.: „O Freunde Gottes! Die Erfahrung &lt;br /&gt;
hat gezeigt, wie sehr die Enthaltsamkeit von Tabak, Wein und&lt;br /&gt;
{{page|120|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
Opium Gesundheit, Kraft, geistige Freude, ein scharfes Urteilsvermögen &lt;br /&gt;
und physische Lebenskraft mit sich bringt.“ &lt;br /&gt;
(„Sonne der Wahrheit“, 6. Jg. H. 5, S. 77.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen heute, daß Alkohol und Tabak mehr noch denn in früheren &lt;br /&gt;
Zeiten die Menschen schädigen. Männer und Frauen, jung und alt,&lt;br /&gt;
huldigen heute — und leiden unter diesen „Genüssen“. Sollen wir &lt;br /&gt;
untätig bleiben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein! Wir sollten uns bemühen, aktiv gegen diese Geißeln der Menschheit &lt;br /&gt;
zu wirken. Heute, da es gilt, nach dem Willen Gottes die Einheit&lt;br /&gt;
unter den Menschen fest zu begründen, eine Einheit in dauerhaftem,&lt;br /&gt;
göttlich gewolltem Frieden, — jetzt, da wir aufgerufen sind, die latent&lt;br /&gt;
in uns schlummernden göttlichen Fähigkeiten endlich zu entwickeln, sie&lt;br /&gt;
zu Nutz und Frommen der gesamten Menschheit einzusetzen, brauchen&lt;br /&gt;
wir gesunde Organe, schöpferische Kräfte, klaren Blick. Alkohol- und&lt;br /&gt;
Tabakgenuß birgt Suchtgefahren in sich und wirkt auf die Dauer&lt;br /&gt;
zerstörend. Diese Genußmittel schädigen — das haben wir erkannt — nicht &lt;br /&gt;
nur den Körper, sie trüben auch den Geist. Unser Zeitalter erfordert &lt;br /&gt;
aber „ganze Menschen!“ Aufklärung darüber, besonders auch&lt;br /&gt;
unter den Jugendlichen, tut dringend not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Georg Schlotz&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religion und der moderne Mensch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiöse Erziehung der Menschheit zu einer friedvollen &lt;br /&gt;
Weltgemeinschaft ist eine Aufgabe, der größte Bedeutung zukommt. Sie &lt;br /&gt;
kann indes nicht erfolgen ohne ein gewisses Minimum an Kenntnissen, ohne&lt;br /&gt;
einen bestimmten Grad an Wissen darüber, wessen der Mensch zu seinem&lt;br /&gt;
Fortbestehen in materieller, vor allem aber geistiger Hinsicht bedarf.&lt;br /&gt;
Dieses Grundwissen, wie es hier einmal genannt sein soll, haben in&lt;br /&gt;
der Vergangenheit alle großen Religionen gelehrt; angewandt hat es die&lt;br /&gt;
Menschheit allerdings kaum, ja, sie hat vielleicht nicht einmal richtig&lt;br /&gt;
erfaßt, welche Möglichkeiten ihr durch die Gottesoffenbarer aller &lt;br /&gt;
Zeiten zuteil geworden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Bahá’í-Religion lehrt dieses Grundwissen; sie rückt aber&lt;br /&gt;
die Begriffe Religion und Erziehung in ein ganz neues Licht und macht&lt;br /&gt;
sie dadurch für uns moderne Menschen verständlicher. Bahá’u’lláh, ihr&lt;br /&gt;
Begründer, macht unmißverständlich klar, daß Gott zu verschiedenen&lt;br /&gt;
Zeiten im Laufe der Entwicklung des Menschengeschlechts Seine Offenbarer &lt;br /&gt;
auf die Erde gesandt hat, die, jeweils der geistigen Erkenntnisfähigkeit &lt;br /&gt;
der Menschen gemäß, Religionen begründeten und religiöse Gesetze schufen. &lt;br /&gt;
Es leuchtet ein, daß eben diese Gesetze durch die Jahrtausende hindurch &lt;br /&gt;
Änderungen unterworfen, „relativ“ sein mußten. Gleich geblieben ist &lt;br /&gt;
jedoch von Anbeginn ihre Quelle: {{Sperrsatz|Gott}}. Deshalb&lt;br /&gt;
lehrt die Bahá’í-Religion, daß alle Hochreligionen göttlichen Ursprungs&lt;br /&gt;
sind, daß sie {{Sperrsatz|einem}} Ziele zustreben und sich in ihrer &lt;br /&gt;
Absicht — die Menschen hinzuführen zu Gott — ergänzen. Somit ist ein &lt;br /&gt;
weiterer Grundsatz der Bahá’í-Religion geradezu selbstverständlich, &lt;br /&gt;
daß nämlich die Völker aller Rassen dieser Erde ihre Glaubenskräfte aus &lt;br /&gt;
derselben göttlichen Quelle schöpfen und die Diener ein und desselben&lt;br /&gt;
{{page|121|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
Gottes sind. Bahá’u’lláh spricht davon, alle Propheten der &lt;br /&gt;
Vergangenheit — „Werkzeuge“ und „Kanäle“ der Ewigen Wahrheit — zusammen&lt;br /&gt;
bildeten „das Wort Gottes“. Die Menschheit kann deshalb nicht bei&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einem}} Propheten verharren, wie wenn eben dieser &lt;br /&gt;
der letzte wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Zyklik der Religion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte beweist, wie bedeutungsvoll diese Erkenntnis ist. Mit&lt;br /&gt;
dem Auftreten eines jeden großen Propheten und Offenbarers sind &lt;br /&gt;
geistiger Aufschwung, aber auch materielle Entwicklung verknüpft. &lt;br /&gt;
Wissenschaften und Künste blühen auf, es geht allenthalben vorwärts. Bis eines&lt;br /&gt;
Tages die materiellen Gedanken überhandnehmen, und das geistige Leben &lt;br /&gt;
zurückgedrängt wird. Dieser Niedergang geht nur schrittweise, aber&lt;br /&gt;
er hinterläßt in der Geschichte deutliche Spuren. Zunächst schwindet bei&lt;br /&gt;
den Menschen der Glaube; es reißt die Bindung zwischen ihm und seinem&lt;br /&gt;
Schöpfer, die zu Beginn und in der ersten Phase des prophetischen&lt;br /&gt;
Zyklus bestanden hat. Der Glaube, der die Märtyrer und Heiligen beseelte, &lt;br /&gt;
wird nach und nach durch Verstandeskräfte, durch gefühlsmäßige&lt;br /&gt;
Glaubensformen und Philosophien ersetzt. Anstelle einer Religion, die&lt;br /&gt;
sich tätig im täglichen Leben auswirkt, finden wir einen Glauben, gelenkt&lt;br /&gt;
durch Riten und Gebräuche der Kirchen. Allgemeine Formen des &lt;br /&gt;
Gottesdienstes — von der Geistlichkeit für eine ihr untertane Gemeinde &lt;br /&gt;
ausgearbeitet — treten an die Stelle des vom Offenbarer gebotenen &lt;br /&gt;
selbständigen Forschens. Blinde Nachahmung alter Gepflogenheiten und &lt;br /&gt;
theologische Auslegungen prägen das religiöse Leben. Die verschiedensten &lt;br /&gt;
Dogmen schleichen sich ein. Aberglaube verdunkelt die ursprüngliche Wirklichkeit. &lt;br /&gt;
Die Welt wird dunkel, wahres religiöses Leben erlischt schließlich. Uneinigkeit &lt;br /&gt;
macht sich breit, neue Dogmen kommen hinzu, denn die&lt;br /&gt;
Menschen sollen an die Kirchen gebunden werden. Am Ende hält sich der&lt;br /&gt;
Mensch nur noch an bloße Nachahmung und wird so des Glanzes der&lt;br /&gt;
Religion völlig beraubt. Was ein Zeugnis des Wissens sein sollte, wird&lt;br /&gt;
ein Beweis von Unkenntnis. Die sogenannten Religionsgelehrten wie auch&lt;br /&gt;
die Philosophen verlieren sich in selbstsüchtigen Auslegungen und &lt;br /&gt;
Phantastereien und führen auf diese Weise ihre Anhänger den falschen Pfad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh ermahnt sie mit diesen Worten: „O ihr Toren, die ihr für&lt;br /&gt;
weise geltet! Warum behauptet ihr, Hirten Meiner Herde zu sein und seid&lt;br /&gt;
doch zu Wölfen unter Meinen Schafen geworden? Ihr gleicht dem Morgenstern, &lt;br /&gt;
welcher, der Dämmerung vorausgehend, noch strahlend hell erscheint, danach &lt;br /&gt;
aber zur Ursache der Irreführung und des Untergangs der&lt;br /&gt;
Pilgerzüge zu Meiner Stadt und zu Meinem Hause wird.“ (Verborgene&lt;br /&gt;
Worte). Und an anderer Stelle sagt er: „O ihr äußerlich Vollkommenen&lt;br /&gt;
und doch so Unvollkommenen! Ihr seid wie bitteres, klares Wasser, das&lt;br /&gt;
rein und vollkommen scheint, von dem jedoch, wenn es in die Hand des&lt;br /&gt;
göttlichen Prüfers fällt, nicht ein Tropfen angenommen wird. Wahrhaftig,&lt;br /&gt;
die Sonnenstrahlen fallen gleicherweise auf den Staub wie auf den Spiegel, &lt;br /&gt;
doch siehe, wie groß der Unterschied ist zwischen Stern und Staub!&lt;br /&gt;
Wahrlich, der Unterschied ist unendlich!“ (Verborgene Worte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blätter der Geschichtsschreibung zeigen uns, daß der Pfad noch&lt;br /&gt;
weiter nach unten führt. Es kommt zur Spaltung innerhalb der Kirchen.&lt;br /&gt;
{{page|122|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
Sie treten in Konkurrenz zueinander, wobei jeder Teil versucht, seine&lt;br /&gt;
„Ware“ so günstig wie möglich zu „verkaufen“. Um die Zivilisation dann&lt;br /&gt;
noch zu retten, einigt man sich zuguterletzt auf politische und &lt;br /&gt;
wirtschaftliche Thesen, denen es an geistiger Substanz vollständig &lt;br /&gt;
mangelt. Dieser innere Zerfall des Menschen ist es, der letztlich &lt;br /&gt;
all unsere Nöte, all unsere Kriege verursacht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier aufgezeigten Vorgänge haben sich zu allen Zeiten und in allen&lt;br /&gt;
Teilen dieser Erde zugetragen, wenn natürlich auch in unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Graden. Wir leben in einer Welt, die sich ständig wandelt, und dieser&lt;br /&gt;
Wandel scheint überhaupt das einzige Beständige zu sein. Entweder die&lt;br /&gt;
Menschheit macht Fortschritte, oder sie ist auf dem Wege des Niedergangs. &lt;br /&gt;
Stillstand gibt es nicht. Jeder geschichtliche Zyklus hat aber seine&lt;br /&gt;
zwei Seiten: eine positive und eine negative. Bislang haben wir das &lt;br /&gt;
Negative dargelegt. Wir müssen aber auch das Positive hervorheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Selbständiges Denken&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich dem absteigenden Pfad gibt es einen aufsteigenden, einen, der&lt;br /&gt;
zu Erleuchtung führt. Am Ausgangspunkt dieses Weges steht das Geschenk &lt;br /&gt;
der neuen Offenbarung Gottes. Der Prophet erscheint, und mit&lt;br /&gt;
Ihm kehrt der göttliche Geist auf Erden ein. Dieser Geist beflügelt den&lt;br /&gt;
menschlichen Willen; er schenkt dem Menschen die diesem verloren &lt;br /&gt;
gegangene Freiheit des unabhängigen Forschens nach geistiger Wahrheit&lt;br /&gt;
wieder. Im Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes kann der Mensch&lt;br /&gt;
seine Kräfte so entfalten, wie dies in der Absicht der Schöpfung stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus Christus z. B. gebot Seinen Jüngern, selbständig zu denken, „alles&lt;br /&gt;
zu prüfen und das Beste zu behalten“. Die Menschen insgesamt ermahnte&lt;br /&gt;
Er: „Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan.“&lt;br /&gt;
Muhammad, Buddha, Zoroaster und all die anderen Propheten und Offenbarer &lt;br /&gt;
lehrten zu ihren Zeiten, in ihrem Zyklus, genau das&lt;br /&gt;
Gleiche. Doch wie das Falsche von dem Wahren unterscheiden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht umsonst hat Gott dem Menschen die Gabe der Vernunft verliehen; &lt;br /&gt;
wir sollen prüfen, meditieren und so zu Erkenntnis gelangen. Die&lt;br /&gt;
Freiheit des unabhängigen Suchens und Forschens erst öffnet dem &lt;br /&gt;
Menschen den Weg ins Reich Gottes. Gleichzeitig aber führt sie auch zu&lt;br /&gt;
schöpferischer Tätigkeit des Menschen. All dies ist indes nur möglich,&lt;br /&gt;
wenn der Mensch sein Herz und seinen Verstand dem Offenbarer öffnet,&lt;br /&gt;
wenn er Ihn anerkennt. Denn es ist der Geist des Offenbarers, welcher&lt;br /&gt;
die Fesseln der Dogmen, des Aberglaubens und der Unkenntnis sprengt.&lt;br /&gt;
Der Offenbarer selbst trennt das Wahre vom Falschen; Er gibt den Maßstab &lt;br /&gt;
für unser Tun und Denken. Wir leben — wie zuvor schon festgestellt — in &lt;br /&gt;
einer Welt ständigen Wandels. Doch Gott ist eins, das Wort Gottes ist &lt;br /&gt;
eins, Seiner Herolde sind viele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der erste Hüter des Bahá’í-Glaubens, sagte: „Wenn&lt;br /&gt;
lang gehegte Ideale und Einrichtungen, wenn gewisse soziale Gewohnheiten &lt;br /&gt;
und religiöse Gebräuche aufgehört haben, das allgemeine Wohl der&lt;br /&gt;
Menschheit zu fördern, wenn sie nicht länger dazu beitragen, den &lt;br /&gt;
Bedürfnissen einer sich ständig entwickelnden Menschheit zu dienen, dann&lt;br /&gt;
werden sie weggefegt. Warum auch sollten diese alten Lehren in einer&lt;br /&gt;
{{page|123|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
Welt, die dem unveränderlichen Gesetz des Wandels unterworfen ist, frei&lt;br /&gt;
sein von der Entfremdung, die notwendigerweise jede menschliche &lt;br /&gt;
Einrichtung anfallen muß? Denn alle Maßstäbe des Rechts, alle Theorien der&lt;br /&gt;
Politik und Wirtschaft sind einzig und allein geschaffen worden, um die&lt;br /&gt;
Interessen der Menschheit als Ganzes zu wahren, und nicht etwa, um die&lt;br /&gt;
Menschheit zu opfern, damit irgendwelche besonderen Rechte oder Lehren &lt;br /&gt;
geschützt werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gerade diese überkommenen Lehren, Dogmen und abgenutzten&lt;br /&gt;
Prinzipien sind den Menschen derart eingefleischt, daß es göttlicher Kraft&lt;br /&gt;
bedarf, sie auszumerzen. Deshalb müssen die Propheten als die Verkünder &lt;br /&gt;
von Gottes Wort anerkannt werden, denn sie öffnen den Zutritt ins&lt;br /&gt;
Reich Gottes und erleuchten den menschlichen Verstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Echter Glaube bewahrt die Menschen davor, sich mit unwahren &lt;br /&gt;
Philosophien zu befassen; er macht sie gewissermaßen immun gegenüber allen&lt;br /&gt;
negativen Lehrmeinungen. Er gibt uns den sittlichen Maßstab für all unser &lt;br /&gt;
Tun, er verfeinert die menschlichen Empfindungen. Disziplin herrscht,&lt;br /&gt;
und sie weckt im Menschen das Verlangen nach Moral; überkommene &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, überlebter Ballast, die den einzelnen bislang gefesselt &lt;br /&gt;
hielten, werden ausgemerzt. Die öffentliche Meinung wird für einen solchen&lt;br /&gt;
Menschen belanglos, und er findet sich am Ende in den Garten göttlicher&lt;br /&gt;
Einheit versetzt. Das ist die Kraft, welche die großen Propheten aller&lt;br /&gt;
Zeitalter in die Welt gebracht haben, und sie wird auch weiterhin strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Umbruch zur Einheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer ungewöhnlichen Zeit. Wir haben zuvor &lt;br /&gt;
festgestellt, daß es im Laufe der Entwicklung ab- und aufsteigende Pfade&lt;br /&gt;
gibt. Unser Jahrhundert befindet sich auf dem aufsteigenden. Sein &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt ist das Kommen von Bahá’u’lláh, Der, wie einst Jesus &lt;br /&gt;
Christus, Falsches von Wahrem getrennt, der Menschheit neue geistige &lt;br /&gt;
Impulse verliehen und für ein Zeitalter ohne alle Trennungen göttlich &lt;br /&gt;
verordnete Gebote gebracht hat. Eine neue Menschheit ist im Werden; ihre &lt;br /&gt;
Einheit ist die Achse, um welche sich alle Lehren Bahá’u’lláhs drehen.&lt;br /&gt;
Neue Gesetze sind geoffenbart, neue Einrichtungen sind im Entstehen,&lt;br /&gt;
abgestimmt auf eine neue, veränderte Welt. Eine neue Weltordnung muß&lt;br /&gt;
geschaffen werden, und es bedarf neuer Wege, sie zu erreichen. Der neue&lt;br /&gt;
Lebensstrom, der Bahá’u’lláhs kraftvolle Offenbarung durchpulst, wird&lt;br /&gt;
unsere Welt reinigen und erneuern. Seine Lehren, der Wille und die&lt;br /&gt;
Macht Seines Heiligen Geistes bewirken neue Taten und richten die &lt;br /&gt;
Welteinheit auf. Wohl begegnen wir heute in der Welt noch allenthalben&lt;br /&gt;
Haß und Aberglauben, wohl herrschen Mißverständnisse, und überwuchern &lt;br /&gt;
Dogmen die Religionen. Schuld daran sind unsere innere Trägheit und das &lt;br /&gt;
Unvermögen, die uns innewohnenden schöpferischen Fähigkeiten anzuwenden. &lt;br /&gt;
Gottes neues Wort, Seine Gesetze sind jedoch so stark und mächtig, daß &lt;br /&gt;
die Menschheit ihnen folgen muß, will sie nicht einer Katastrophe &lt;br /&gt;
zum Opfer fallen. Fast scheint es, als müsse der Mensch erst &lt;br /&gt;
Leiden erfahren, ehe er sich Gott zuwendet. Er muß aber&lt;br /&gt;
{{page|124|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
heute erkennen, daß alles, was er auf politischem, wirtschaftlichem, &lt;br /&gt;
kulturellem Gebiet beginnt, in Einklang stehen muß mit den neuen, weltweit &lt;br /&gt;
gültigen Gesetzen, die Bahá’u’lláh geoffenbart hat. Zum erstenmal&lt;br /&gt;
in ihrer langen Geschichte haben die Menschen ein ganz bestimmtes Ziel&lt;br /&gt;
vor Augen, das zu erreichen es alle Kräfte einzusetzen, alle Möglichkeiten &lt;br /&gt;
auszuschöpfen gilt. An dieser Stelle sei dies nochmals mit allem&lt;br /&gt;
Nachdruck gesagt: Es gibt heute keine größere Aufgabe als die religiöse&lt;br /&gt;
Erziehung zu einer friedvollen Weltgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke des Friedens muß heute in einem viel höheren Bereich&lt;br /&gt;
des menschlichen Bewußtseins Platz greifen. Um Friede zu haben, muß&lt;br /&gt;
der Mensch ganz persönlich in diesen Bereich vorstoßen. Er wird nie und&lt;br /&gt;
nimmer zu erreichen sein, wenn nicht Vorurteil, Selbstsucht, Aberglaube&lt;br /&gt;
und Haß abgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier Gesagte ist nur ein Teil dessen, was die Bahá’í-Lehren &lt;br /&gt;
religiöse Erziehung zu einer friedvollen Weltgemeinschaft nennen. Dem&lt;br /&gt;
Sucher wird in diesen Lehren dargetan, daß alles Wissen von Gott&lt;br /&gt;
kommt, und daß eben dieses Wissen in immer umfassenderem Maß geoffenbart &lt;br /&gt;
wird, je weiter sich die Menschheit geistig entwickelt. Ergebenheit &lt;br /&gt;
in den göttlichen Willen und die göttliche Wahrheit ist die höchste&lt;br /&gt;
Bestimmung der Erschaffung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh sagt in den „Worten der Weisheit“: „Die Quelle alles &lt;br /&gt;
Wissens ist die Erkenntnis Gottes. Erhaben ist Sein Ruhm. Diese Erkenntnis &lt;br /&gt;
kann auf keine andere Weise erlangt werden als durch die Erkenntnis &lt;br /&gt;
Seiner göttlichen Manifestation.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Wesen der Liebe ist für den Menschen: Sein Herz dem Geliebten&lt;br /&gt;
zuzuwenden, sich von allem anderen, außer Ihm, zu lösen und nichts zu&lt;br /&gt;
wünschen außer dem, was sein Herr für ihn wünscht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Wesen der Religion ist, das anzuerkennen, was der Herr offenbarte, &lt;br /&gt;
und zu befolgen, was Er in Seinem mächtigen Buch verordnet hat.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Quelle alles Guten ist: Vertrauen in Gott, Gehorsam Seinen &lt;br /&gt;
Geboten gegenüber und Zufriedenheit mit Seinem heiligen Willen und&lt;br /&gt;
Wohlgefallen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Erziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh ermahnt die ganze Welt, die Erziehung für alle Völker zu&lt;br /&gt;
einem unabdingbaren Gebot zu erheben. Diese Erziehung soll sich auf&lt;br /&gt;
dreierlei beziehen: das rein Materielle, das Menschliche und das Geistige.&lt;br /&gt;
Erziehung im materiellen Bereich heißt, das zu fördern, was die physischen &lt;br /&gt;
Kräfte des Menschen stärkt, was zu seiner Bequemlichkeit und seinem &lt;br /&gt;
körperlichen Wohlergehen beiträgt. Auf dieser Ebene sind sich im&lt;br /&gt;
übrigen Mensch und Tier gleich. Erziehung im menschlichen Bereich &lt;br /&gt;
erstreckt sich auf die Errungenschaften der Zivilisation und deren &lt;br /&gt;
Fortschritte. Erziehung im Bereich des Geistes bedeutet, himmlische&lt;br /&gt;
Eigenschaften zu erlangen und dem Reiche Gottes zuzustreben. Dies ist&lt;br /&gt;
wahre Erziehung, denn durch sie wird der Mensch zum Bilde Gottes. Er&lt;br /&gt;
verkörpert dann das Wort: „Lasset Uns Menschen machen nach Unserem&lt;br /&gt;
Bild und Gleichnis.“ Dies ist das höchste Ziel der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligen Manifestationen Gottes, die göttlichen Propheten sind die&lt;br /&gt;
ersten, die vornehmsten Lehrer der menschlichen Rasse. Sie sind &lt;br /&gt;
{{page|125|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
universale Erzieher, welche uns im materiellen, menschlichen und geistigen &lt;br /&gt;
Bereich lehren und deren Autorität überall gilt. Sie alle vermitteln ihren&lt;br /&gt;
„Lehrstoff“ aus der gleichen Quelle: der göttlichen Wahrheit. Was sich&lt;br /&gt;
heute an Nachahmung und Aberglauben in diese Lehren eingeschlichen&lt;br /&gt;
hat, steht im Widerspruch zum Ursprung. Seine Heiligkeit Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
hat heute alle diese Lehren wieder auf ihren Kern zurückgeführt, indem&lt;br /&gt;
Er alles Nebensächliche weggewischt und die Religion von jeder menschlichen &lt;br /&gt;
Auslegung gereinigt hat. Die Bahá’í-Lehre bringt die Religion mit&lt;br /&gt;
der Vernunft in Einklang; Aberglaube hat in ihr keinen Platz. Religion&lt;br /&gt;
und Weltordnung schließen sich nach Bahá’u’lláh nicht etwa aus, denn&lt;br /&gt;
das Universum ist eine vollkommene Schöpfung Gottes. Wenn wir unser&lt;br /&gt;
Wissen und unsere Vernunft anwenden, wie die Propheten Gottes gelehrt &lt;br /&gt;
haben, wird unser Lebensschiff auf dem Lebensstrom stetig vorankommen &lt;br /&gt;
und nicht kentern, und unser geistiges, sittliches und materielles &lt;br /&gt;
Leben wird Fortschritte machen und in geordnete Bahnen geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh spricht: „O Sohn des Geistes! Ich habe dich reich &lt;br /&gt;
erschaffen. Warum machst du dich selber arm? Edel erschuf Ich dich.&lt;br /&gt;
Warum erniedrigst du dich selbst? Aus den Tiefen des Wissens&lt;br /&gt;
offenbarte Ich dich. Warum suchst du anderes außer Mir? Aus dem Ton&lt;br /&gt;
der Liebe formte Ich dich. Warum trachtest du nach anderem als Mir?&lt;br /&gt;
Schaue in dich selbst, damit du Mich in dir findest, aufrecht und mächtig&lt;br /&gt;
in Kraft und Beständigkeit.“ (Verborgene Worte, aus dem Arabischen,&lt;br /&gt;
Nr. 13.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ben Schreibmann&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Anhänger des Evangeliums, seht, die Tore&lt;br /&gt;
des Himmels sind geöffnet. Er, Der zu Ihm emporgestiegen &lt;br /&gt;
war, ist nun gekommen. Hört auf Seine&lt;br /&gt;
Stimme, die laut über Land und Meer ruft und der&lt;br /&gt;
Menschheit das Ereignis dieser Offenbarung ankündigt,&lt;br /&gt;
einer Offenbarung, durch deren Wirksamkeit die Zunge&lt;br /&gt;
der Größe heute verkündet: ‚Seht, das heilige Versprechen &lt;br /&gt;
wurde erfüllt, denn Er, der Verheißene, ist&lt;br /&gt;
gekommen‘.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|126|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In Memoriam:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Corinne True&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alter von 99 Jahren starb am 3. April 1961 die&lt;br /&gt;
Hand der Sache, Corrinne {{Sperrsatz|True}}, in ihrem Heim in&lt;br /&gt;
Wilmette/USA. Die Nachricht vom Hinscheiden dieser sehr verdienstvollen&lt;br /&gt;
Anhängerin des Bahá’í-Glaubens übermittelten die&lt;br /&gt;
Hände der Sache im Heiligen Land in einem Telegramm voll Trauer über&lt;br /&gt;
den Verlust und voll der Ehre und des Lobes für&lt;br /&gt;
diese ausgezeichnete Persönlichkeit, deren Leben,&lt;br /&gt;
Dienst und Standhaftigkeit „die Annalen des Glaubens der westlichen Welt“&lt;br /&gt;
bereichern werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau True gehörte zu der kleinen Gruppe unerschütterlicher Anhänger des&lt;br /&gt;
Meisters, die sich dem Bahá’í-Glauben kurz vor&lt;br /&gt;
der Jahrhundertwende zuwandten. Sie stammte aus&lt;br /&gt;
einer Familie des Südens der USA, die tief im orthodoxen Glauben wurzelte. &lt;br /&gt;
Ihr Vater war ein protestantischer Pfarrer. Frau True vollzog&lt;br /&gt;
einen radikalen Bruch mit der gesamten Tradition und Strenggläubigkeit &lt;br /&gt;
ihrer Familie. Paul {{Sperrsatz|Haney}}, Hand der Sache, sagte anläßlich&lt;br /&gt;
der Gedenkfeier: „Erinnern wir uns daran, wie die Anhänger des Báb,&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh angeführt, auf der Konferenz von Badasht gänzlich mit&lt;br /&gt;
der Vergangenheit, d. h. mit der muhammadanischen Strenggläubigkeit&lt;br /&gt;
und Überlieferung, brachen. Frau True tat genau das gleiche.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon kurz, nachdem sie Bahá’í geworden war, schrieb sie an &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
und bat Ihn um einige Leitprinzipien für ihr Leben. Sie erhielt&lt;br /&gt;
das folgende Tablet von Ihm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„O Du geschätzte Dienerin Gottes! Deinen Brief habe Ich erhalten und seinen Inhalt gelesen. Was die von dir verlangten Lebensregeln betrifft, so lauten sie: Glaube an Gott, wende dich dem höchsten Königreich zu, lasse dich von der Schönheit Bahás anziehen, stehe fest im Bündnis, sehne dich danach, zum Himmel des Alls aufzusteigen, löse dich von der Welt und lasse dich durch die Düfte der &lt;br /&gt;
{{page|127|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
:Heiligkeit im Königreich des Höchsten beleben. Sei ein Verkünder der Liebe, sei gütig zu allen Menschen, sei freundlich zu allen, nimm Anteil an dem Volk dieser Welt, verlange nach Harmonie und suche Freundschaft und Ehrlichkeit. Sei ein Heilmittel für jede Wunde, eine Hilfe für jeden Kranken und eine Quelle der Eintracht unter den Menschen. Singe die Verse der Führung; bete zu Gott, erhebe dich zur Rechtleitung der Menschen. Deine Zunge künde und dein Angesicht sei erleuchtet von der glühenden Liebe zu Gott. Raste nie und tue keinen Atemzug der Ruhe, bis du zum Zeichen der göttlichen Liebe und zum Banner von Gottes Gunst geworden bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau True hat sich große Verdienste bei der Errichtung des Muttertempels &lt;br /&gt;
des Westens in Wilmette erworben. Lange Jahre war sie der&lt;br /&gt;
Rechner, durch dessen Hände die Beiträge für den Tempel gingen. Dieses &lt;br /&gt;
Amtes nahm sie sich in nimmermüder Weise an. Während das&lt;br /&gt;
Tempelbauvorhaben voranschritt, kam Frau True zu der Überzeugung,&lt;br /&gt;
daß es nicht mit dem Bemühen der Bahá’í in diesem kleinen Gebiet um&lt;br /&gt;
Chicago getan sei, sondern daß die Verantwortung für seine Weiterführung &lt;br /&gt;
mit den anderen Freunden in Amerika geteilt werden müsse. Sie&lt;br /&gt;
schrieb dem Meister und machte einen entsprechenden Vorschlag. Sie&lt;br /&gt;
erhielt von Ihm Anweisungen, die zur Bildung des „Bahá’í Temple&lt;br /&gt;
Unity“, des ersten nationalen Gremiums der Vereinigten Staaten von&lt;br /&gt;
Amerika, führten, und obgleich es zunächst nur für den Tempel &lt;br /&gt;
zuständig war, war es dennoch der Vorläufer des ersten Nationalen &lt;br /&gt;
Geistigen Rates der Bahá’í-Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben ihrem urübertroffenen Dienst an der Errichtung des Muttertempels &lt;br /&gt;
des Westens war das {{Sperrsatz|Lehren}} ein anderer großer Beitrag von&lt;br /&gt;
Frau True. Sie lehrte nicht nur durch ihr Beispiel, ihre Freundlichkeit&lt;br /&gt;
und ihre weitherzige Liebe, sondern auch dadurch, daß sie viele direkt&lt;br /&gt;
zur Offenbarung Bahá’u’lláhs hinführte. Der Meister schrieb ihr: „O&lt;br /&gt;
du vom Feuer der göttlichen Liebe Entzündete! Gesegnet bist du, denn&lt;br /&gt;
Gott hat dich für Seine Liebe in diesem neuen Zeitalter erwählt, und&lt;br /&gt;
Freude sei mit dir, denn du wurdest zum größten Königreich geleitet.&lt;br /&gt;
Wahrlich, dein Herr hat dich erwählt, um den Menschen den Pfad zum&lt;br /&gt;
Königreich Gottes zu zeigen. Ich war glücklich, von deinen Bemühungen &lt;br /&gt;
in der Sache Gottes zu hören. Dies ist in der Tat ein großer Dienst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau True gehörte zu jenen im Bündnis standhaften Gläubigen, die&lt;br /&gt;
den Übergang von ‘Abdu’l-Bahá zu Shoghi Effendi ohne Bruch vollzogen.&lt;br /&gt;
Sie fuhr fort, dem Glauben mit der gleichen tiefen Ergebenheit und&lt;br /&gt;
Hingabe zu dienen, und gleich dem Meister lobte der Hüter oft ihre&lt;br /&gt;
Dienste. Achtmal hatte Frau True den Vorzug, das Heilige Land &lt;br /&gt;
besuchen zu dürfen: das erste Mal 1907 und das letzte Mal 1952 im Alter&lt;br /&gt;
von 91 Jahren. Der Hüter ehrte Frau True auf jener achten Pilgerreise&lt;br /&gt;
in das Heilige Land im Jahre 1952, als er den 10-Jahres-Plan verkündete.&lt;br /&gt;
Damals sagte er: „Frau True ist die verehrungswürdigste Gestalt unter&lt;br /&gt;
den ‚alten‘ Pionieren des Glaubens im Westen.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;U. Gr.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|128|file=Baha&#039;i_Briefe_05.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Göttliche Lebenskunst“, zusammengestellt aus den Schriften von Bahá’u’lláh und &#039;Abdu&#039;l-Bahá von Mabel Hyde Paine, Bahá’í-Verlag, Frankfurt/Main 1961, 144 S. geb. DM 6,35.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter demselben Titel wie eine frühere Auswahl heiliger Texte, die von&lt;br /&gt;
Mary M. Rabb besorgt wurde (vgl. „Sonne der Wahrheit“, Jahrgang 18—20,&lt;br /&gt;
Stuttgart 1948/51), ist nun eine neue Sammlung von Auszügen aus den &lt;br /&gt;
geoffenbarten Schriften der Bahá’í-Religion auch in deutscher Sprache &lt;br /&gt;
erschienen. In weitgespanntem Bogen geben die fünfzehn Kapitel dieses&lt;br /&gt;
Buches Antwort auf eine Vielfalt von Grundsatzfragen und praktischen &lt;br /&gt;
Problemen unseres persönlichen Lebens. „Gottvertrauen“, „Gebet und Meditation“,&lt;br /&gt;
„Heilung und Gesundheit“, „Gehorsam und Demut“, „Ewiges Leben“ sind &lt;br /&gt;
einige der Überschriften. Sein handliches Format macht dieses kleine Buch zu&lt;br /&gt;
einem rechten Vademecum für alle, die das Leben nach göttlichen Prinzipien&lt;br /&gt;
zu meistern suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;P. M.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;William Sears, „Thief in the Night — The strange Case of the Missing Millennium“ („Der Dieb in der Nacht — Der seltsame Fall des Tausendjährigen Reiches“), Talisman Books No, 5, Verlag: George Ronald, London 1961, zu beziehen durch Bahá’í-Verlag, Wiesbaden-Sonnenberg, Am Kirchgarten 9, 304 S., DM 2,75.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der seltsame Fall des Tausendjährigen Reiches“ betitelt William Sears&lt;br /&gt;
die Schilderung seines Sucherweges, die wie eine Detektivgeschichte angelegt &lt;br /&gt;
ist: Er baut streng auf der Bibel und ihren Prophezeiungen auf, die&lt;br /&gt;
ihn zu der Hypothese führen, daß Christus in der Zeit zwischen 1830 und&lt;br /&gt;
1850 wiedergekommen sein müßte, Aus den verschiedensten Büchern des&lt;br /&gt;
Alten und des Neuen Testaments — insgesamt mehrere hundert Textstellen —&lt;br /&gt;
entwickelt er nahezu dreißig Kriterien für den Messias, die er alle in&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh erfüllt und bestätigt findet. Eine Darstellung der wichtigsten&lt;br /&gt;
Bahá’í-Lehren, der Sendschreiben Bahá’u’lláhs an die Herrscher der Welt&lt;br /&gt;
und der spannungsgeladenen, chaotischen Übergangszeit, in der sich die&lt;br /&gt;
Menschheit heute befindet, leitet über zu einem flammenden Aufruf an alle&lt;br /&gt;
Christen, sich dem Geist des neuen Zeitalters aufzuschließen, das Gebot der&lt;br /&gt;
Stunde zu erkennen und ihr Teil zur Verwirklichung des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
auf Erden beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das flüssig und spannend in der Ich-Form geschriebene Werk mit seinen&lt;br /&gt;
einprägsamen Induktionen, Beispielen und Anekdoten ist für den christlichen &lt;br /&gt;
Sucher wie für den Bahá’í-Lehrer gleichzeitig unterhaltsam und&lt;br /&gt;
lehrreich. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn das Buch bald in deutscher&lt;br /&gt;
Fassung erscheinen könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;P. M.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Georg-Deuschle-Straße 86, Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_49/Text&amp;diff=75346</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 49/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|71|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=1}}{{ocr}}ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHALBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 49 14. JAHRGANG MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERVIN LASZIO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTGESELLSCHAFT IM WANDEL:&lt;br /&gt;
EINE HERAUSFORDERUNG ZUM HANDELN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INGO HOFMANN&lt;br /&gt;
FRIEDEN IST MEHR ALS KEINE WAFFEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BADI PANAHI&lt;br /&gt;
VORURTEILE UND WELTFRIEDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUSCHMAND SABET&lt;br /&gt;
FRIEDEN, FRUCHT DER EINHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BESPRECHUNGEN UND HINWEISE&lt;br /&gt;
{{page|72|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=2}}Die Baha&#039;i-Briefe wollen eine intensive Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung mit den Lehren und der&lt;br /&gt;
Geschichte der Bahäii-Religion fördern und&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich&lt;br /&gt;
auf der Grundlage zeitgemäßen religiösen&lt;br /&gt;
Denkens aufrichtig um die Lösung der Welt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAIBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 49, Mai 1985&lt;br /&gt;
14. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu-Bahä&lt;br /&gt;
Frieden ist eine Frucht&lt;br /&gt;
der ewigen Gnade 75&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ervin Laszlo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltgesellschaft im Wandel:&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung zum&lt;br /&gt;
Handeln 76&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingo Hofmann&lt;br /&gt;
Frieden ist mehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als keine Waffen 89&lt;br /&gt;
Badi Panahi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteile und Weltfrieden 101&lt;br /&gt;
Huschmand Sabet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden, Frucht der Einheit 108&lt;br /&gt;
Besprechungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Hinweise 113&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahäi in Deutschland eV.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Ulrich Gollmer, Chri-&lt;br /&gt;
stopher Sprung. Redaktionsanschrift: Bahä’i-Briefe, Redaktion, Eppsteiner&lt;br /&gt;
Straße 89, D-6238 Hofheim-6. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen&lt;br /&gt;
nicht notwendig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis für vier Aus-&lt;br /&gt;
gaben 20, DM. Einzelpreis 6,- DM. Vertrieb und Bestellungen: Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|73|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=3}}Vor vierzig Jahren, am 8. Mai 1945, kapitulierte die deutsche Wehr-&lt;br /&gt;
macht. Eine aggressive Übersteigerung nationalen Denkens und natio-&lt;br /&gt;
naler Machtpolitik, das gewaltsame Aufbäumen gegen den historisch&lt;br /&gt;
notwendigen Übergang vom Nationalismus zum Universalismus, war&lt;br /&gt;
gescheitert. Vielleicht gerade noch rechtzeitig, um Europa die furchtbare&lt;br /&gt;
Erfahrung einer weiteren Eskalationsstufe technischer Kriegführung&lt;br /&gt;
zu ersparen. Gleichwohl wurde die Welt in diesen vierzig Jahren Zeuge&lt;br /&gt;
von etwa 130 Kriegen mit insgesamt über 50 Millionen Toten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Atavismus nationalstaatlicher Ordnung und traditioneller&lt;br /&gt;
Macht- und Interessenpolitik hat viele Gesichter: Ideologische Verhär-&lt;br /&gt;
tungen und Fanatismen unterschiedlichster Herkunft und Zielrichtung&lt;br /&gt;
vergiften das Denken, terroristische Regime sind eine Gefahr für die ei-&lt;br /&gt;
gene Bevölkerung und für den Frieden; eine desolate Weltwirtschaft,&lt;br /&gt;
Überbevölkerung, Hunger und die zunehmende Zerstörung der Le-&lt;br /&gt;
bensgrundlagen bilden zusammen eine fast ebenso große Bedrohung&lt;br /&gt;
der Menschheit wie die Hybris der Überrüstung. Es steht zu wünschen,&lt;br /&gt;
daß Machtverlust, Leiderfahrung und das problematische Verhältnis&lt;br /&gt;
zur eigenen Geschichte die Menschen und Machtträger dieses geteilten&lt;br /&gt;
Landes besonders für die Warnzeichen der Strukturkrise des National-&lt;br /&gt;
staats sensibilisiert haben, daß sie darum bereit sind, mit Geduld und&lt;br /&gt;
Hartnäckigkeit für internationale Lösungen und damit für einen gesi-&lt;br /&gt;
cherteren Frieden zu optieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vereinten Nationen — trotz aller Mängel und Beschränkungen&lt;br /&gt;
realer Hoffnungsträger einer neuen Qualität der Weltpolitik — haben&lt;br /&gt;
das Jahr 1986 zum Jahr des Friedens proklamiert. Frieden, das »ist&lt;br /&gt;
mehr als keine Waffen«, mehr als Abrüstung und Nicht-Krieg. Mit dem&lt;br /&gt;
Frieden notwendig verbunden sind in unserer Epoche alle Aspekte des&lt;br /&gt;
Übergangs vom Nationalstaat zu einer alle Staaten umfassenden&lt;br /&gt;
föderativen Weltordnung. Die Beiträge dieses Hefts und weitere in den&lt;br /&gt;
folgenden Nummern sind im Vorblick auf dieses bedeutsame Jahr&lt;br /&gt;
ausgewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985 73&lt;br /&gt;
{{page|74|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
74 BAHÄ&#039;-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
{{page|75|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du, die Gottes Liebe mitreißt! Die Sonne der Wahrheit ist über&lt;br /&gt;
dem Horizont dieser Welt aufgegangen und wirft ihre Lichtstrahlen der&lt;br /&gt;
Führung hernieder. Die ewige Gnade wird nie unterbrochen, und eine&lt;br /&gt;
Frucht dieser ewigen Gnade ist der Weltfrieden. Sei deshalb gewiß: In&lt;br /&gt;
diesem Zeitalter des Geistes wird das Reich des Friedens sein Tabernakel&lt;br /&gt;
auf den Gipfeln der Welt errichten. Die Gebote des Friedefürsten wer-&lt;br /&gt;
den jedes Volk so durchdringen und durchpulsen, daß sie alle Nationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf Erden in Seinen schützenden Schatten ziehen. An den Quellen der&lt;br /&gt;
Liebe, der Wahrheit und der Einheit wird der wahre Hirte Seine Schafe&lt;br /&gt;
tränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du Dienerin Gottes! Der Friede muß zuerst unter den einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen gestiftet werden, bis er schließlich zum Frieden unter den&lt;br /&gt;
Nationen führt. O ihr Bahä’i! Strebt deshalb mit ganzer Kraft danach,&lt;br /&gt;
durch die Macht des Gotteswortes echte Liebe, geistige Gemeinschaft&lt;br /&gt;
und dauerhafte Bande zwischen den Menschen zu schaffen. Das ist&lt;br /&gt;
eure Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baháa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selections from the Writings of Abdu‘l-Bahä, Haifa 1978, 201:1-2. Deutsche Ausgabe »’Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Briefe und Botschaften« in Vorbereitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 49 MAI 1985 75&lt;br /&gt;
{{page|76|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=6}}Ervin Laszlo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTGESELLSCHAFT IM WANDEL:&lt;br /&gt;
EINE HERAUSFORDERUNG ZUM HANDELN *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich danke Ihnen, Professor Eyford, und&lt;br /&gt;
der Gesellschaft für Bahäi-Studien, daß&lt;br /&gt;
Sie mich hierher eingeladen haben. Ich&lt;br /&gt;
muß sagen, meine Bekanntschaft mit&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Gemeinde war bislang nur&lt;br /&gt;
flüchtig. Sie erfolgte durch meine Arbeit&lt;br /&gt;
bei den Vereinten Nationen, wo wir, wie&lt;br /&gt;
Sie wissen, ein sehr aktives und angese-&lt;br /&gt;
henes Verbindungsbüro haben, und ich&lt;br /&gt;
hatte die Gelegenheit und Ehre, an eini-&lt;br /&gt;
gen Bahá’í-Versammlungen bei den Ver-&lt;br /&gt;
einten Nationen teilzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber schon durch diese kurze Be-&lt;br /&gt;
kanntschaft ist mir klar geworden, daß&lt;br /&gt;
die Ziele, die Sie haben und verfolgen,&lt;br /&gt;
außerordentlich mit den Idealen und&lt;br /&gt;
Träumen harmonieren, die ich habe,&lt;br /&gt;
und so fühle ich mich bei Ihnen weniger&lt;br /&gt;
allein. Die Menschen in internationalen&lt;br /&gt;
Kreisen bleiben oft am Status quo kle-&lt;br /&gt;
ben, versuchen hartnäckig, das Beste-&lt;br /&gt;
hende zu bewahren, haben Angst, nach&lt;br /&gt;
vorn zu sehen; und sogar wenn sie nach&lt;br /&gt;
vorn blicken, geben sie vor, alles sei in&lt;br /&gt;
Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch ist längst nicht alles in Ord-&lt;br /&gt;
nung, und es gibt eine Menge, was wir&lt;br /&gt;
tun können — und ich denke, daß Ihre&lt;br /&gt;
Gemeinschaft weltweit zu den wenigen&lt;br /&gt;
Gruppen gehört, die die positiven&lt;br /&gt;
Aspekte repräsentieren, welche uns von&lt;br /&gt;
einem Zeitalter ins nächste helfen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann allerdings nicht so tun, als&lt;br /&gt;
könnte ich, was ich meine, in Ihr Gedan-&lt;br /&gt;
kengebäude übertragen; ich weiß nicht&lt;br /&gt;
genug davon. Trotzdem möchte ich mit&lt;br /&gt;
einigen Textstellen beginnen, die mir&lt;br /&gt;
auffielen, weil sie besonderen Bezug zu&lt;br /&gt;
den Anliegen haben, die mir sehr am&lt;br /&gt;
Herzen liegen und die ich Ihnen mittei-&lt;br /&gt;
len will. Und so möchte ich Ihnen zuerst&lt;br /&gt;
einfach einige Textstellen vorlesen, die&lt;br /&gt;
Sie sicherlich auswendig können —&lt;br /&gt;
aber ich möchte gleichsam als Vorwort&lt;br /&gt;
an sie erinnern, als einen globalen Rah-&lt;br /&gt;
men für das, was ich sagen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Darstellung steht in dem&lt;br /&gt;
Faltblatt, das mit Ihrer Anmeldebestäti-&lt;br /&gt;
gung kam, und ich will einfach ein paar&lt;br /&gt;
Sätze daraus vorlesen. Es wird über das&lt;br /&gt;
Prinzip der Einheit gesprochen, und es&lt;br /&gt;
heißt, daß dieses Prinzip der Einheit »ei-&lt;br /&gt;
ne organische, strukturelle Verände-&lt;br /&gt;
rung der heutigen Gesellschaft« ver-&lt;br /&gt;
langt, »eine Veränderung, wie sie die&lt;br /&gt;
Welt noch nicht erlebt hat«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Wandel wird »die Vollendung&lt;br /&gt;
der menschlichen Entwicklung« ge-&lt;br /&gt;
nannt, »einer Entwicklung, die ihren&lt;br /&gt;
Uranfang in der Geburt des Familienle-&lt;br /&gt;
bens hat, deren weitere Entfaltung zur&lt;br /&gt;
Stammeseinheit und zur Bildung des&lt;br /&gt;
Stadtstaates führte, und die sich später&lt;br /&gt;
zur Bildung unabhängiger, souveräner&lt;br /&gt;
Nationen erweiterte«. Dieser Prozeß ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Vortrag, gehalten bei der 8. Jahreskonferenz der Association for Bahd’i Studies&lt;br /&gt;
(Gesellschaft für Baha&#039;i-Studien), 4. - 7. November 1983, Palmer House, Chicago.&lt;br /&gt;
Dr. Ervin Laszlo ist Direktor des Programms für regionale und interregionale&lt;br /&gt;
Kooperation beim Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
(UNITAR). Die Übersetzung aus dem Englischen besorgten Cornelia Meseke und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gudrun Pallaske.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
76 BAHÄ&#039;T-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
{{page|77|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=7}}»nicht nur notwendig, sondern unum-&lt;br /&gt;
gänglich«, und »seine Verwirklichung«&lt;br /&gt;
nähert sich »rasch«.!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese ... Gedanken haben mich tief&lt;br /&gt;
berührt. Lassen Sie mich dieses durch&lt;br /&gt;
ein Zitat ergänzen, das ebenso von&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi stammt und das in der&lt;br /&gt;
Monographie von Dr. Danesh über&lt;br /&gt;
»Die gewaltlose Gesellschaft«? ange-&lt;br /&gt;
führt ist. Er zitiert Shoghi Effendi, und&lt;br /&gt;
lassen Sie mich Ihnen einfach auch diese&lt;br /&gt;
beiden Sätze vorlesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die langen Zeiten der Kindheit&lt;br /&gt;
und der Minderjährigkeit, welche die&lt;br /&gt;
Menschheit zu durchschreiten hatte,&lt;br /&gt;
sind in den Hintergrund getreten. Die&lt;br /&gt;
Menschheit erlebt jetzt die Erregungen,&lt;br /&gt;
die unabänderlich mit der stürmisch-&lt;br /&gt;
sten Stufe ihrer Entwicklung, dem Jüng-&lt;br /&gt;
lingsalter, verbunden sind. In dieser Zeit&lt;br /&gt;
erreichen jugendliche Unbändigkeit&lt;br /&gt;
und Heftigkeit den Höhepunkt; sie müs-&lt;br /&gt;
sen Schritt für Schritt von der Ruhe, der&lt;br /&gt;
Weisheit und der Vollendung abgelöst&lt;br /&gt;
werden, welche die Stufe des Mannes-&lt;br /&gt;
alters kennzeichnen.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mein Traum und meine Hoff-&lt;br /&gt;
nung, daß wir für dieses Alter der Reife&lt;br /&gt;
wirken und es schließlich erreichen kön-&lt;br /&gt;
nen, diese Stufe der Menschlichkeit,&lt;br /&gt;
welche ruhig und friedvoll sein und alle&lt;br /&gt;
Völker der Erde in einer weltweiten Fa-&lt;br /&gt;
milie vereinen wird. Und ich möchte,&lt;br /&gt;
und davon soll meine Rede eigentlich&lt;br /&gt;
handeln, die Aussage in diesem bemer-&lt;br /&gt;
kenswerten Satz unterstreichen, daß wir&lt;br /&gt;
im Augenblick »die stürmischste Stufe«&lt;br /&gt;
der menschlichen Entwicklung durch-&lt;br /&gt;
laufen. Das ist wahr, und ich fürchte, es&lt;br /&gt;
wird in den nächsten zehn oder fünf-&lt;br /&gt;
zehn Jahren immer zutreffender wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Daten und Belege in internatio-&lt;br /&gt;
nalen Dokumenten, alle Pläne, alle&lt;br /&gt;
Strategien, die ich in den Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen und außerhalb gesehen habe,&lt;br /&gt;
drängen mir die Schlußfolgerung auf,&lt;br /&gt;
daß das gegenwärtige System — undich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spreche über das internationale sozio-&lt;br /&gt;
ökonomische, technische, industrielle&lt;br /&gt;
System — auf eine Krise zusteuert, auf&lt;br /&gt;
eine Wasserscheide, und daß es kein Zu-&lt;br /&gt;
rück gibt. Aber ich will nicht den Welt-&lt;br /&gt;
untergang predigen. Wenn ich dies sage,&lt;br /&gt;
dann meine ich nicht, dies sei das Ende&lt;br /&gt;
der Straße. Was ich sagen will, ist, daß&lt;br /&gt;
es das Ende eines Zeitalters ist — und ich&lt;br /&gt;
hoffe, es ist das Ende des Zeitalters der&lt;br /&gt;
Adoleszenz und es möge der Anfang des&lt;br /&gt;
Zeitalters der Reife sein. Aber dafür&lt;br /&gt;
müssen wir handeln, müssen wir schon&lt;br /&gt;
jetzt handeln, denn wenn es ein Wort&lt;br /&gt;
gibt, über das ich sprechen möchte,&lt;br /&gt;
dann ist es dies eine Wort »unumgäng-&lt;br /&gt;
lich«, das unvermeidbare Erreichen der&lt;br /&gt;
nächsten Stufe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht waren, als diese Worte ge-&lt;br /&gt;
schrieben wurden, die entsetzlichen Ge-&lt;br /&gt;
walten, die die Menschheit freigesetzt&lt;br /&gt;
hat, noch nicht bekannt, konnten nicht&lt;br /&gt;
bekannt sein. Es konnte nicht bekannt&lt;br /&gt;
sein, daß wir jetzt uns und alle Lebe-&lt;br /&gt;
wesen auf Erden durch das Drücken von&lt;br /&gt;
ein paar Knöpfen umbringen können.&lt;br /&gt;
Es war nicht bekannt, daß wir jetzt&lt;br /&gt;
praktisch die Lebenserhaltungssysteme&lt;br /&gt;
der Erde, dieses Planeten, der unser Zu-&lt;br /&gt;
hause ist, zerstören können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so möchte ich Ihnen eindringlich&lt;br /&gt;
sagen, daß Sie nicht blind an das Her-&lt;br /&gt;
aufkommen des nächsten Zeitalters&lt;br /&gt;
glauben möchten, sondern daß Sie da-&lt;br /&gt;
für arbeiten müssen. Denn es gibt eine&lt;br /&gt;
Alternative, eine furchtbare Alterna-&lt;br /&gt;
tive: daß wir es nicht schaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte Ihnen zeigen, was wir&lt;br /&gt;
eventuell erwarten können, wenn wir&lt;br /&gt;
uns auf die 90er Jahre zu und in sie hin-&lt;br /&gt;
ein bewegen, welche Entscheidungen&lt;br /&gt;
wir treffen müssen, welche Perspek-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’ullähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977, S. 70 f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 In: Farzin Dusthar (Hrsg.), Das Modell des Frie-&lt;br /&gt;
dens. Ausweg aus der Krise, Wien 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Weltordnung, S. 295&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985 77&lt;br /&gt;
{{page|78|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=8}}tiven wir haben werden — denn wir ge-&lt;br /&gt;
hen nicht auf eine prädeterminierte Epo-&lt;br /&gt;
che zu. Wir sind nicht festgelegt, weder&lt;br /&gt;
in der einen noch in der anderen Rich-&lt;br /&gt;
tung. Ich glaube, wir haben noch Ent-&lt;br /&gt;
scheidungsmöglichkeiten, und es wird&lt;br /&gt;
zunehmend an uns liegen, die Entschei-&lt;br /&gt;
dungen zu treffen. Das ist mein Haupt-&lt;br /&gt;
anliegen. Es wird möglich sein, die Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen zu der Zeit zu treffen, wo&lt;br /&gt;
das gegenwärtige System, dieses Zeit-&lt;br /&gt;
alter der Adoleszenz, um uns herum zer-&lt;br /&gt;
fällt; und ich glaube, es wird zerfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache, daß wir mitten in einer&lt;br /&gt;
Krise eine Wahlmöglichkeit haben, ist&lt;br /&gt;
kein vager Verdacht, sie ist jetzt eine gut&lt;br /&gt;
dokumentierte, anerkannte wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Einsicht, die sich auf die Bio-&lt;br /&gt;
logie, auf physikalische und chemische&lt;br /&gt;
Systeme und auf die Evolution des Uni-&lt;br /&gt;
versums als Ganzem stützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will Ihnen hier nicht einen Vortrag&lt;br /&gt;
über die Theorien von Wandel und Evo-&lt;br /&gt;
lution halten, sondern Sie lediglich an&lt;br /&gt;
ein paar Dinge erinnern. Die Vorstel-&lt;br /&gt;
lung, daß Evolution sich langsam und&lt;br /&gt;
allmählich vollzieht, ist im großen und&lt;br /&gt;
ganzen aufgegeben worden, sogar in&lt;br /&gt;
den Bio-Wissenschaften. Erst kürzlich&lt;br /&gt;
— so ungefähr 1980 — kam man dar-&lt;br /&gt;
auf, daß man in dieser Hinsicht umden-&lt;br /&gt;
ken muß. Die Vorstellung, daß die Na-&lt;br /&gt;
tur keine Sprünge macht — was ja eine&lt;br /&gt;
Hauptthese Darwins war — können wir&lt;br /&gt;
in den Schornstein schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt sprechen wir von »akzentuier-&lt;br /&gt;
tem Equilibrium« oder von sprunghaf-&lt;br /&gt;
ten Versionen der darwinistischen The-&lt;br /&gt;
se. Mit anderen Worten: man sagt heu-&lt;br /&gt;
te, daß Evolution dann stattfindet —&lt;br /&gt;
Makro-Evolution, die Schöpfung einer&lt;br /&gt;
neuen Spezies, und auch in der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft spricht man in gewissem Sinne&lt;br /&gt;
von der Schöpfung einer neuen Spe-&lt;br /&gt;
zies —, wenn die existierende, domi-&lt;br /&gt;
nante Spezies die Anpassung nicht mehr&lt;br /&gt;
leisten kann; und dann kann einekleine,&lt;br /&gt;
bis dahin sozusagen latent vorhandene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
78 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder am Rande existierende Spezies&lt;br /&gt;
ganz plötzlich auftauchen, sich ausbrei-&lt;br /&gt;
ten und an die Stelle der alten treten.&lt;br /&gt;
Stellen Sie mal die Analogie her. Stellen&lt;br /&gt;
Sie die Analogie sogar zur Bahäli-&lt;br /&gt;
Gruppe her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird eine Zeit kommen, und ich&lt;br /&gt;
bin davon überzeugt, es wird noch vor&lt;br /&gt;
dem Ende dieses Jahrhunderts sein, wo&lt;br /&gt;
die dominanten Systeme, die Institutio-&lt;br /&gt;
nen von heute, zerfallen werden, wo&lt;br /&gt;
diejenigen Randbewegungen, die heute&lt;br /&gt;
unterdrückt und verfolgt werden, zum&lt;br /&gt;
Zuge kommen. Und wir müssen hoffen,&lt;br /&gt;
daß solche Bewegungen wie die Ihre be-&lt;br /&gt;
deutend werden, und nicht unmensch-&lt;br /&gt;
liche, diktatorische, terroristische Be-&lt;br /&gt;
wegungen — und deshalb müssen wir&lt;br /&gt;
uns heute schon darauf vorbereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einem anderen Blickwinkel, dem&lt;br /&gt;
der Systemtheorie, — der Tagungsvor-&lt;br /&gt;
sitzende hat ja erwähnt, daß ich auf die-&lt;br /&gt;
sem Gebiet interessiert bin und eine Rei-&lt;br /&gt;
he Bücher darüber geschrieben habe —&lt;br /&gt;
sind wir ebenfalls zum Schluß gekom-&lt;br /&gt;
men, daß kein System sich entwickelt,&lt;br /&gt;
ohne eine sogenannte Fluktuation, eine&lt;br /&gt;
sehr bedeutende Fluktuation, manch-&lt;br /&gt;
mal auch Mega-Fluktuation genannt.&lt;br /&gt;
Diese Fluktuation, welche entweder der&lt;br /&gt;
Umwelt entstammt oder vom System&lt;br /&gt;
selbst erzeugt wird, muß die vorhande-&lt;br /&gt;
nen korrektiven, selbststabilisierenden&lt;br /&gt;
Mechanismen dieses Systems destabili-&lt;br /&gt;
sieren, so daß das System dann in einen&lt;br /&gt;
neuen Zustand übergehen kann, in eine&lt;br /&gt;
andere Art der Existenz, in ein soge-&lt;br /&gt;
nanntes neues dynamisches System.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will dies — wie schon gesagt —&lt;br /&gt;
nicht weiter ausführen ... Aber Beweise&lt;br /&gt;
dafür, daß dies im Universum überall&lt;br /&gt;
geschieht, daß dies im Laboratorium re-&lt;br /&gt;
produziert werden kann, mehren sich.&lt;br /&gt;
Seit Mitte der 70er Jahre hat dies ein&lt;br /&gt;
Laborversuch nach dem anderen bestä-&lt;br /&gt;
tigt. In den späten 70er Jahren wurde für&lt;br /&gt;
diese Entdeckung ein Nobelpreis verlie-&lt;br /&gt;
hen.&lt;br /&gt;
{{page|79|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=9}}Unser Denken über die Struktur des&lt;br /&gt;
Wandels verändert sich. Wandel voll-&lt;br /&gt;
zieht sich nicht reibungslos, nicht&lt;br /&gt;
schrittweise. Er geschieht plötzlich, er&lt;br /&gt;
bewegt sich durch Krisen, er kann in die&lt;br /&gt;
Katastrophe führen, aber er kann uns&lt;br /&gt;
auch auf die nächste Ebene heben, auf&lt;br /&gt;
die nächste Stufe der Evolution. Und&lt;br /&gt;
wir müssen darauf hoffen, daß Wandel,&lt;br /&gt;
bezogen auf die menschliche Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, nicht die Form einer Katastrophe&lt;br /&gt;
annimmt, sondern uns auf jene nächste&lt;br /&gt;
Ebene hebt, die die Reife unserer Spezies&lt;br /&gt;
darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie mich von einem etwas&lt;br /&gt;
mehr empirischen Aspekt sprechen. Ich&lt;br /&gt;
möchte Ihnen sagen, warum ich glaube,&lt;br /&gt;
daß wir uns einer solchen Wasserschei-&lt;br /&gt;
de nähern. Wir haben in dieser Epoche,&lt;br /&gt;
in diesem Jahrhundert Perioden des&lt;br /&gt;
Kriegs und Perioden des finanziellen&lt;br /&gt;
Zusammenbruchs erlebt — aber auch&lt;br /&gt;
Epochen des Fortschritts, der Koopera-&lt;br /&gt;
tion und der Stabilität. Wenn wir&lt;br /&gt;
jedoch Bilanz ziehen müßten, dann&lt;br /&gt;
würden wir merken, daß die Krisen-&lt;br /&gt;
perioden schneller aufeinander folgen,&lt;br /&gt;
daß die Instabilität wächst, und wenn&lt;br /&gt;
diese Tendenzen anhalten, erreichen wir&lt;br /&gt;
möglicherweise einen Punkt, der keine&lt;br /&gt;
Umkehr mehr erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht kommt eine Serie unterein-&lt;br /&gt;
ander verbundener Krisen, in der ein Er-&lt;br /&gt;
eignis das nächste auslöst, und deren&lt;br /&gt;
Ausbrechen kein Marshallplan, keine&lt;br /&gt;
Apollo-Mission, keine von den gegen-&lt;br /&gt;
wärtigen administrativen oder politi-&lt;br /&gt;
schen Systemen unternommene An-&lt;br /&gt;
strengung verhindern kann. Die Risiken&lt;br /&gt;
sind jetzt natürlich größer denn je. Wir&lt;br /&gt;
haben jetzt ungefähr 4,5 Milliarden&lt;br /&gt;
Menschen; um 1990 werden es 5 Milliar-&lt;br /&gt;
den sein; im Jahr 2000 müßten es ent-&lt;br /&gt;
sprechend Hochrechnungen der Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen 6,5 Milliarden Menschen&lt;br /&gt;
sein. Augenblicklich machen wir uns&lt;br /&gt;
Sorgen über den zusätzlichen Druck,&lt;br /&gt;
der von diesen Menschen in einer triba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listisch orientierten Weltgesellschaft&lt;br /&gt;
ausgeht — und damit meine ich Natio-&lt;br /&gt;
nalstaaten, die nach innen sehen, die an&lt;br /&gt;
ihrer Souveränität festhalten, als sei sie&lt;br /&gt;
gottgewollt, als ob nichts anderes exi-&lt;br /&gt;
stiere, die von gegenseitiger Abhängig-&lt;br /&gt;
keitreden, aber ihre Nachbarn fürchten,&lt;br /&gt;
und die nur darum miteinander in Be-&lt;br /&gt;
ziehung zu kommen trachten, um für&lt;br /&gt;
sich selbst Vorteile herauszuschlagen —&lt;br /&gt;
und wir sind besorgt darüber, daß wir&lt;br /&gt;
uns in dieser Epoche plötzlich in der Si-&lt;br /&gt;
tuation eines Zusammenbruchs wieder-&lt;br /&gt;
finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hören, daß dies zu einem Krieg&lt;br /&gt;
führen würde, zu einer Konfrontation,&lt;br /&gt;
in der Atomwaffen eingesetzt werden&lt;br /&gt;
könnten. Das ist eine Möglichkeit; aber&lt;br /&gt;
ich möchte Ihnen gegenüber betonen —&lt;br /&gt;
obwohl das sehr ketzerisch klingen&lt;br /&gt;
mag — daß, verfallen wir in übertriebe-&lt;br /&gt;
nem Maße der Faszination, die von dem&lt;br /&gt;
nuklearen Gespenst ausgeht, diese uns&lt;br /&gt;
fast ... und ich gebrauche dieses »fast«&lt;br /&gt;
im klinischen Sinne ... blind machen&lt;br /&gt;
kann gegenüber einem anderen Faktor:&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nicht gegenseitig umbrin-&lt;br /&gt;
gen, wird uns die Fortschreibung der ge-&lt;br /&gt;
genwärtigen Tendenzen in den Zusam-&lt;br /&gt;
menbruch führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es genügt nicht, die Atomwaffen ab-&lt;br /&gt;
zuschaffen. Wir müssen diesen Schritt&lt;br /&gt;
natürlich tun, denn das Vorhandensein&lt;br /&gt;
nuklearer Waffen bedeutet in dieser&lt;br /&gt;
Epoche eine allgegenwärtige Gefahr, es&lt;br /&gt;
wird auch auf der nächsten Ebene der&lt;br /&gt;
Zivilisation eine Gefahr bleiben. Aber&lt;br /&gt;
wir dürfen uns von der Furcht vor dem&lt;br /&gt;
nuklearen Blitz nicht derart blenden las-&lt;br /&gt;
sen, daß wir die Tendenzen, die Makro-&lt;br /&gt;
Tendenzen, die Weltproblematik, aus&lt;br /&gt;
dem Blick verlieren, die uns geradewegs&lt;br /&gt;
in eine Situation führen, deren Herr zu&lt;br /&gt;
werden schwer sein wird — die wir, wie&lt;br /&gt;
ich meine, nicht mit unseren jetzigen In-&lt;br /&gt;
stitutionen werden bewältigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oberflächlich betrachtet — lassen Sie&lt;br /&gt;
mich nun etwas in die Zukunft blicken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 49 MAI 1985 79&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|80|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— werden die 90er Jahre, wie ich meine,&lt;br /&gt;
eine Zeit steigender Spannungen und&lt;br /&gt;
sich selbst verstärkender Krisen sein.&lt;br /&gt;
Diese Krisen werden soziale Unruhen&lt;br /&gt;
mit sich bringen, Staatsstreiche und&lt;br /&gt;
alles, was dazugehört. Das wird sich er-&lt;br /&gt;
eignen, trotz der Zusicherung unser&lt;br /&gt;
Ökonomen, ... daß alle diese Schwan-&lt;br /&gt;
kungen ihrer Natur nach vorüberge-&lt;br /&gt;
hend sind und sich selbst korrigieren,&lt;br /&gt;
daß wir lediglich den Markt wirken las-&lt;br /&gt;
sen müssen, und daß er sich dann schon&lt;br /&gt;
aller unserer Probleme annehmen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist in der Tat eine der gefährlich-&lt;br /&gt;
sten Überzeugungen, denn sie lädt zu&lt;br /&gt;
Untätigkeit ein. Sie besagt: »Laß die&lt;br /&gt;
Dinge laufen, wie sie laufen, sie werden&lt;br /&gt;
sich schon selber regeln«. Und Zeichen&lt;br /&gt;
einer wirtschaftlichen Erholung können&lt;br /&gt;
in uns die falsche Illusion wecken, daß&lt;br /&gt;
alles in Ordnung ist. Aber sehen Sie sich&lt;br /&gt;
das weltweite Bild an; die Dinge sind&lt;br /&gt;
weit davon entfernt, in Ordnung zu&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden in den letzten 25 Jahren&lt;br /&gt;
dieses Jahrhunderts ungefähr 2,23 Mil-&lt;br /&gt;
liarden Menschen mehr haben — fast&lt;br /&gt;
zwei und eine viertel Milliarde neuer&lt;br /&gt;
Menschen — das ist die Zuwachsrate&lt;br /&gt;
der menschlichen Bevölkerung. Nach&lt;br /&gt;
allen Hochrechnungen ist dies die größ-&lt;br /&gt;
te Zuwachsrate, die die Menschheit je&lt;br /&gt;
erlebt hat, und möglicherweise die&lt;br /&gt;
größte, die sie je erleben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später, selbst wenn wir uns nicht ge-&lt;br /&gt;
genseitig umbringen und selbst wenn&lt;br /&gt;
wir das gegenwärtige System aufrecht-&lt;br /&gt;
erhalten können, wäre im Jahre 2000 bis&lt;br /&gt;
2025 die nächste Zuwachsrate kleiner,&lt;br /&gt;
weil es dann nicht so viele junge Leute&lt;br /&gt;
gäbe. Die Altersverteilung wäre anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Menschen kommen in den är-&lt;br /&gt;
meren Gegenden auf die Welt. Bis zum&lt;br /&gt;
Jahr 2000 werden, wenn die gegenwärti-&lt;br /&gt;
gen Irends anhalten, über 80 % der Be-&lt;br /&gt;
völkerung in dem Teil der Welt leben,&lt;br /&gt;
den wir ... heute die Dritte Welt nennen.&lt;br /&gt;
Das schnellste Bevölkerungswachstum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
80 BAHÄ&#039;T-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vollzieht sich in den ärmsten Gebieten.&lt;br /&gt;
Diese würden eine Kapitalinfusion&lt;br /&gt;
brauchen, eine Infusion an Bildung und&lt;br /&gt;
Fertigkeiten, die Schaffung einer Infra-&lt;br /&gt;
struktur und neue Arbeitsmöglichkei-&lt;br /&gt;
ten von ungeheurer Größenordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, was nottut. Zum Beispiel&lt;br /&gt;
besagen die letzten Berechnungen der&lt;br /&gt;
Ernährungs- und Landwirtschaftsorga-&lt;br /&gt;
nisation der Vereinten Nationen, daß&lt;br /&gt;
wir die Investitionen in die Nahrungs-&lt;br /&gt;
mittelproduktion in den Entwicklungs-&lt;br /&gt;
ländern verfünffachen müßten. Ähnli-&lt;br /&gt;
ches gilt, wenn man über Gesundheit&lt;br /&gt;
spricht, über Arbeit, über die Verteilung&lt;br /&gt;
der industriellen Produktion usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kein Anzeichen, daß dies ge-&lt;br /&gt;
schehen kann. Tatsächlich hat die Nah-&lt;br /&gt;
rungsmittelproduktion pro Kopf wäh-&lt;br /&gt;
rend des letzten Jahrzehnts in Afrika um&lt;br /&gt;
10 % abgenommen. Sie nimmt auch in&lt;br /&gt;
vielen Ländern in Asien und Latein-&lt;br /&gt;
amerika ab, wo immer mehr Länder&lt;br /&gt;
von Nahrungsmitteleinfuhren abhängig&lt;br /&gt;
werden. Und wenn dies geschieht, wer-&lt;br /&gt;
den sie von zweierlei abhängig: von der&lt;br /&gt;
Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln&lt;br /&gt;
und von dem Geld, mit dem man diese&lt;br /&gt;
kaufen kann. Beides wird es in den kom-&lt;br /&gt;
menden Jahren nicht geben können.&lt;br /&gt;
Warum? Zuerst einmal steigt die Ver-&lt;br /&gt;
schuldung für die betroffenen Länder,&lt;br /&gt;
so daß sie kein Kapital haben werden.&lt;br /&gt;
Sie haben jetzt schon kein Kapital; es&lt;br /&gt;
könnte reihenweise Staatsbankrotte ge-&lt;br /&gt;
ben. Zweitens ist die Menge der Nah-&lt;br /&gt;
rungsmittel, die auf den Weltmärkten&lt;br /&gt;
umgeschlagen werden kann, im Abneh-&lt;br /&gt;
men begriffen. Die neuesten Hochrech-&lt;br /&gt;
nungen, welche erst bei einem Treffen&lt;br /&gt;
des Club of Rome vor mehr als einem&lt;br /&gt;
Monat in Budapest in einigen hochqua-&lt;br /&gt;
lifizierten, professionellen Computer-&lt;br /&gt;
studien über die Agrarwirtschaft der&lt;br /&gt;
USA ans Licht kamen, zeigen, daß die&lt;br /&gt;
USA im Jahr 2000 keine Nahrungsmittel&lt;br /&gt;
mehr für den Export haben werden.&lt;br /&gt;
Dem liegen wieder eine Reihe von Ursa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|81|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=11}}chen zugrunde: der Preis für Energie,&lt;br /&gt;
das Unbrauchbarwerden von ertragrei-&lt;br /&gt;
chem Land, die Erosion der Ackerkru-&lt;br /&gt;
me, der steigende Bedarf an Kunstdün-&lt;br /&gt;
ger, an Mechanisierung usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß&lt;br /&gt;
wir um die Jahrhundertwende nicht in&lt;br /&gt;
der Lage sein werden, sechs und eine&lt;br /&gt;
halbe Milliarde Menschen zu ernähren.&lt;br /&gt;
Und das ist nur einer der vielen Aspekte&lt;br /&gt;
des Problems. Lassen Sie mich Ihnen&lt;br /&gt;
kurz ausmalen, wie die Dinge sich ent-&lt;br /&gt;
wickeln könnten. Ich hoffe, sie tun es&lt;br /&gt;
nicht; auf der anderen Seite hoffe ich in&lt;br /&gt;
gewissem Sinne auf eine Art Zusam-&lt;br /&gt;
menbruch, denn ich sehe keine Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit, eine neue, eine bessere Welt zu&lt;br /&gt;
schaffen, wenn nicht die gegenwärtigen&lt;br /&gt;
Institutionen einen derartigen Zerfall&lt;br /&gt;
erleiden. Ich glaube nicht, daß man eine&lt;br /&gt;
neue Welt bauen kann, bevor die alte&lt;br /&gt;
verschwunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie mich Ihnen jetzt dieses&lt;br /&gt;
knappe Szenario entwickeln: Stellen Sie&lt;br /&gt;
sich vor, Sie befinden sich in den späten&lt;br /&gt;
80er Jahren. Sie sehen, daß eine Reihe&lt;br /&gt;
von lateinamerikanischen Staaten — sa-&lt;br /&gt;
gen wir Brasilien, Argentinien, Chile,&lt;br /&gt;
Mexiko, Venezuela — ihre Schulden&lt;br /&gt;
nicht mehr zurückzahlen können. Sie&lt;br /&gt;
haben beschlossen, ihre Schulden nicht&lt;br /&gt;
anzuerkennen. Sie schließen sich zu-&lt;br /&gt;
sammen, sie bilden eine gemeinsame&lt;br /&gt;
Front — das steht bereits zur Diskussion&lt;br /&gt;
— und sie sagen, daß sie als souveräne&lt;br /&gt;
Nationen das Recht dazu haben. Sie ha-&lt;br /&gt;
ben so große innenpolitische Probleme,&lt;br /&gt;
daß sie es sich einfach nicht leisten kön-&lt;br /&gt;
nen, Kapital zu exportieren. Menschen&lt;br /&gt;
strömen in die Städte, die schon zum&lt;br /&gt;
Bersten überfüllt sind. Sie kennen die&lt;br /&gt;
Berechnungen für die größten Städte:&lt;br /&gt;
Mexiko City 31 Millionen Menschen im&lt;br /&gt;
Jahre 2000; jetzt sind es wahrscheinlich&lt;br /&gt;
etwa 15 Millionen. Es gibt keine Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit, daß Mexiko City Wasser und&lt;br /&gt;
sanitäre Anlagen für mehr als 18 oder 20&lt;br /&gt;
Millionen bereitstellen kann; ganz zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schweigen von Elektrizität, Arbeits-&lt;br /&gt;
möglichkeiten und anderen Dienstlei-&lt;br /&gt;
stungen; und so weit ist es schon in ein&lt;br /&gt;
paar Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sao Paulo, Buenos Aires — alle diese&lt;br /&gt;
Städte wachsen zu erschreckenden Aus-&lt;br /&gt;
maßen, und anderswo in der Welt ge-&lt;br /&gt;
schieht dasselbe. Aber zurück zu unse-&lt;br /&gt;
rem Szenario: Die ländlichen Gebiete&lt;br /&gt;
verarmen, schlimmer noch als heute.&lt;br /&gt;
Die Regierungen, die ja ihre Haut retten&lt;br /&gt;
wollen, jedenfalls noch auf ein paar Jah-&lt;br /&gt;
re, müssen einige Sofortmaßnahmen er-&lt;br /&gt;
greifen. Das erste und einzige, was sie&lt;br /&gt;
versuchen können, ist die Verwendung&lt;br /&gt;
alles vorhandenen Kapitals für Investi-&lt;br /&gt;
tionen im eigenen Land, um die innen-&lt;br /&gt;
politische Unruhe zu ersticken, statt&lt;br /&gt;
eines Kapitalexports für die Rückzah-&lt;br /&gt;
lung ihrer aus der Vergangenheit stam-&lt;br /&gt;
menden Schulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschieht dies, dann werden es die&lt;br /&gt;
anderen Länder wahrscheinlich genau-&lt;br /&gt;
so machen. Und es gibt mehrere Dut-&lt;br /&gt;
zend Länder in der Welt, die vor dem&lt;br /&gt;
finanziellen Zusammenbruch stehen,&lt;br /&gt;
auch in Osteuropa; aber die Mehrzahl&lt;br /&gt;
ist in Asien und Afrika, und das alles&lt;br /&gt;
kommt natürlich noch zu den Staaten&lt;br /&gt;
aus Lateinamerika dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht wahrscheinlich, daß sie&lt;br /&gt;
sich Streitkräften gegenübersehen, die&lt;br /&gt;
sie zur Rückzahlung ihrer Schulden&lt;br /&gt;
zwingen sollen. Warum? Weil man in&lt;br /&gt;
ein Land eine Invasion vornehmen kann&lt;br /&gt;
— oder, um es genauer auszudrücken,&lt;br /&gt;
man kann eine Bergungsaktion durch-&lt;br /&gt;
führen — aber das kann man nicht mit&lt;br /&gt;
zwei Dutzend, drei Dutzend oder vier&lt;br /&gt;
Dutzend Ländern machen. Marinein-&lt;br /&gt;
fanterie hilft da nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so ist es ganz gut vorstellbar, daß&lt;br /&gt;
wir in den frühen 90er Jahren weltweit&lt;br /&gt;
einen massiven finanziellen Zusammen-&lt;br /&gt;
bruch erleben werden. Das wird in den&lt;br /&gt;
betroffenen Ländern ernsthafte politi-&lt;br /&gt;
sche Konsequenzen haben. Es wird&lt;br /&gt;
ernsthafte politische Konsequenzen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ[-BRIEFE 49 MAI 1985 81&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|82|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=12}}den kreditgewährenden Ländern haben&lt;br /&gt;
— und nicht die geringsten in den&lt;br /&gt;
USA — weil enorme Geldsummen auf&lt;br /&gt;
dem Spiel stehen. Die Banken werden&lt;br /&gt;
verlangen, daß die Regierung für ihre&lt;br /&gt;
Verluste eintritt. Es ist aber nicht wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich, daß die Regierung die öf-&lt;br /&gt;
fentlichen Ausgaben so weit steigert,&lt;br /&gt;
daß sie Chase Manhattan und Morgan&lt;br /&gt;
Guaranty Trust aus der Klemme hilft.&lt;br /&gt;
Statt dessen wird sie sagen, »ihr habt&lt;br /&gt;
ihnen schließlich das Geld gegeben und&lt;br /&gt;
nun müßt ihr auch die Konsequenzen&lt;br /&gt;
tragen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... Die Mittel, die dem Internationa-&lt;br /&gt;
len Währungsfonds zur Verfügung ste-&lt;br /&gt;
hen, ungeachtet dessen, was Sie in den&lt;br /&gt;
Zeitungen lesen, werden nur die näch-&lt;br /&gt;
sten zwei Jahre ausreichen, sogar wenn&lt;br /&gt;
sie aufgestockt werden. Werden sie ver-&lt;br /&gt;
doppelt, dann reichen sie für die kom-&lt;br /&gt;
menden drei Jahre aus. Die benötigten&lt;br /&gt;
Summen sind so immens und steigern&lt;br /&gt;
sich so rasch, daß einfach nicht genü-&lt;br /&gt;
gend vorhanden ist, um den Bedarf zu&lt;br /&gt;
decken. Wir müßten die OPEC in einen&lt;br /&gt;
humanitären Verein verwandeln, damit&lt;br /&gt;
sie nur einen Teil der nötigen Gelder zur&lt;br /&gt;
Verfügung stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich besuche häufig den Mittleren&lt;br /&gt;
Osten. Vor kurzem war ich zum Beispiel&lt;br /&gt;
in Kuwait, und in allen unseren Diskus-&lt;br /&gt;
sionen dort habe ich keine Anzeichen&lt;br /&gt;
dafür erkennen können, daß die OPEC&lt;br /&gt;
sich in einen humanitären Verein ver-&lt;br /&gt;
wandelt. Eigentlich wissen sie dort&lt;br /&gt;
wohl, daß sie in einer sehr schwierigen&lt;br /&gt;
und kritischen Situation stecken. Sie&lt;br /&gt;
haben zwar das höchste Pro-Kopf-&lt;br /&gt;
Einkommen der Welt, aber sie sagen,&lt;br /&gt;
ganz so ist das nicht, weil wir ja einen&lt;br /&gt;
nichterneuerbaren Rohstoff verkaufen,&lt;br /&gt;
von dem es irgendwann in Kürze nichts&lt;br /&gt;
mehr gibt, und was wird dann aus uns?&lt;br /&gt;
Und das ist eigentlich eine sehr gute&lt;br /&gt;
Frage. Was wird aus ihnen? Es gibt näm-&lt;br /&gt;
lich in der Tat einen Unterschied zwi-&lt;br /&gt;
schen Entwicklung und ökonomischem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
82 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachstum. Sie haben zwar ökonomi-&lt;br /&gt;
sches Wachstum, aber keine Entwick-&lt;br /&gt;
lung. Sobald die Geldquelle versiegt,&lt;br /&gt;
werden sie wieder dort sein, wo sie&lt;br /&gt;
waren, bevor das Geld anfing zu flie-&lt;br /&gt;
Ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb glaube ich nicht, daß die&lt;br /&gt;
OPEC helfen wird; ich denke eher, daß&lt;br /&gt;
die Einheit der OPEC in dieser Entwick-&lt;br /&gt;
lung leidet. Ich glaube nicht, daß die&lt;br /&gt;
Europäische Gemeinschaft helfen kann;&lt;br /&gt;
ich glaube nicht, daß die USA helfen&lt;br /&gt;
wird; die Sowjetunion wird sicherlich&lt;br /&gt;
nicht helfen. Es wird also eine erheb-&lt;br /&gt;
liche politische Verunsicherung geben,&lt;br /&gt;
in der sich das politische Spektrum&lt;br /&gt;
rasch von links nach rechts verschieben&lt;br /&gt;
kann. Neue Führer werden auftauchen,&lt;br /&gt;
sie werden nationale Einheit predigen,&lt;br /&gt;
möglicherweise indem sie sich von den&lt;br /&gt;
Ländern zu distanzieren suchen, von&lt;br /&gt;
denen sie abhängig waren. Man kann&lt;br /&gt;
dazu Dutzende von Szenarien ent-&lt;br /&gt;
wickeln; keines davon wird in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht sehr verheißungsvoll sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wechselseitige Abhängigkeit in-&lt;br /&gt;
nerhalb des Systems bewirkt jedoch,&lt;br /&gt;
daß dieser Zusammenbruch eine Krise&lt;br /&gt;
weltweiten Ausmaßes heraufbeschwö-&lt;br /&gt;
ren wird. In fast allen Währungen wird&lt;br /&gt;
es wahrscheinlich eine galoppierende&lt;br /&gt;
Inflation geben. Die meisten Länder hal-&lt;br /&gt;
ten ihre gesamte Vorratswährung, ihre&lt;br /&gt;
Geldreserve, in Dollar. Druckt die USA&lt;br /&gt;
mehr Geld, um ihren Bedarf abzu-&lt;br /&gt;
decken, wird der Wert des Dollars fal-&lt;br /&gt;
len. Er nimmt jetzt schon ab, aber noch&lt;br /&gt;
nicht auf Grund der Situation, die ich&lt;br /&gt;
Ihnen eben schilderte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Extremismus der verschiedensten Art&lt;br /&gt;
könnte herrschen. Wenn wir Glück&lt;br /&gt;
haben, ... wird kein Krieg ausbrechen.&lt;br /&gt;
Ein Krieg würde unter solchen Umstän-&lt;br /&gt;
den vollkommen nutzlos sein. Man&lt;br /&gt;
kann Armut nicht mit Bomben be-&lt;br /&gt;
kämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Situation wäre chaotisch. Es wür-&lt;br /&gt;
de massenhafte Völkerwanderungen ge-&lt;br /&gt;
{{page|83|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=13}}ben wie die, von der sie aus Westafrika&lt;br /&gt;
gehört haben, wo vor kurzem ein Land&lt;br /&gt;
alle Einwohner auswies, die nicht&lt;br /&gt;
Staatsbürger waren. Das würde woan-&lt;br /&gt;
ders auch passieren — in Asien, in Afri-&lt;br /&gt;
ka und Lateinamerika. Es könnten Mil-&lt;br /&gt;
lionen von Menschen über die Grenzen&lt;br /&gt;
wandern. Es ist nicht wahrscheinlich,&lt;br /&gt;
daß irgendeine Friedenstruppe für Ord-&lt;br /&gt;
nung sorgen könnte. Wir sehen ja, was&lt;br /&gt;
in einem kleinen Land wie dem Libanon&lt;br /&gt;
passiert, wenn wir versuchen, dort Ord-&lt;br /&gt;
nung zu schaffen, wo innere Unruhe,&lt;br /&gt;
wo innere Spaltung herrscht. Und inne-&lt;br /&gt;
re Spaltungen werden zunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also erreichen wir einen Punkt,&lt;br /&gt;
wahrscheinlich in den späten 90er Jah-&lt;br /&gt;
ren, an dem das politische System, das&lt;br /&gt;
technisch-industrielle System, das Fi-&lt;br /&gt;
nanzsystem, wie wir es kennen, ruiniert&lt;br /&gt;
ist. Wer sich mit diesen Fragen befaßt,&lt;br /&gt;
wird, wenn er ehrlich ist, Ihnen bestäti-&lt;br /&gt;
gen, daß diese Entwicklung sehr wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich ist. Wenn man es nicht zu-&lt;br /&gt;
gibt, dann darum, weil es klingt wie die&lt;br /&gt;
Ankündigung des Jüngsten Gerichts,&lt;br /&gt;
wie das Ende der Welt. Aber ich sage Ih-&lt;br /&gt;
nen — und ich denke, besonders den&lt;br /&gt;
hier Versammelten kann ich es mit Zu-&lt;br /&gt;
versicht sagen — dies ist nur das Ende&lt;br /&gt;
einer Welt. Es ist voraussichtlich und&lt;br /&gt;
sehr wahrscheinlich der Anfang einer&lt;br /&gt;
neuen Welt, einer Welt, die von Ideen&lt;br /&gt;
getragen wird, wie Sie sie haben. Es&lt;br /&gt;
könnte eine viel bessere Welt sein als&lt;br /&gt;
die, in der wir jetzt leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch interessant, daß ein der-&lt;br /&gt;
artiger Zusammenbruch, wenn Sie line-&lt;br /&gt;
are Hochrechnungen von der Gegen-&lt;br /&gt;
wart in die Zukunft anstellen, ungefähr&lt;br /&gt;
am Wendepunkt des Jahrhunderts, viel-&lt;br /&gt;
mehr des Jahrtausends, eintreten wird.&lt;br /&gt;
Auch hier ist ein psychologisches Mo-&lt;br /&gt;
ment enthalten. Sie wissen, wie gern wir&lt;br /&gt;
zu Neujahr gute Vorsätze fassen — aber&lt;br /&gt;
nur für ein Jahr. Wenn ein neues Jahr-&lt;br /&gt;
zehnt kommt, erliegt die internationale&lt;br /&gt;
Gemeinschaft einer ähnlichen — wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wollen — Selbsttäuschung. Ich muß&lt;br /&gt;
sagen, daß nicht alle Vorsätze auch&lt;br /&gt;
durchgeführt werden, aber ich glaube,&lt;br /&gt;
viele doch. Doch wir haben internatio-&lt;br /&gt;
nale Entwicklungsstrategien verab-&lt;br /&gt;
schiedet, angefangen in den 60er und&lt;br /&gt;
den 70er Jahren, und wir haben nun die&lt;br /&gt;
dritte Entwicklungsstrategie in den 80er&lt;br /&gt;
Jahren. Jede wird mehr zum Trugbild als&lt;br /&gt;
die vorherige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß&lt;br /&gt;
in den späten 90er Jahren, wenn wir der&lt;br /&gt;
psychologischen Wasserscheide des Jah-&lt;br /&gt;
res 2000 zusteuern und die Spannungen’&lt;br /&gt;
dann einen Höhepunkt erreichen, dies&lt;br /&gt;
Wandel und Veränderung beschleuni-&lt;br /&gt;
gen wird, allem voran die Auflösung des&lt;br /&gt;
vorhandenen Systems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... Die Kosten an Menschen könnten&lt;br /&gt;
sehr hoch sein, und ich werde gleich&lt;br /&gt;
darüber sprechen, wie wir sie verrin-&lt;br /&gt;
gern könnten. Aber die Spannungen&lt;br /&gt;
werden heftig sein; wenn wir Glück ha-&lt;br /&gt;
ben, werden wir uns dabei nicht um-&lt;br /&gt;
bringen. Sicherlich aber werden viele&lt;br /&gt;
Menschen Entbehrungen leiden müs-&lt;br /&gt;
sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wird dann passieren? Dafür&lt;br /&gt;
habe ich keine Theorie des Unabwend-&lt;br /&gt;
baren; an dieser Stelle können wir wäh-&lt;br /&gt;
len, und die Wahl hängt von uns ab...&lt;br /&gt;
Ich würde nur gern zwei Szenarios für&lt;br /&gt;
Sie ausmalen, und Ihnen dann einige&lt;br /&gt;
Vorstellungen mitteilen, einige Gedan-&lt;br /&gt;
ken über das, was wir heute tun könn-&lt;br /&gt;
ten, um das bessere der beiden Szena-&lt;br /&gt;
rios zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um es interessanter zu machen, wer-&lt;br /&gt;
de ich eines davon das Szenario der&lt;br /&gt;
Apokalypse und das andere das Szena-&lt;br /&gt;
rio des Phoenix nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir zunächst das Szenario&lt;br /&gt;
der Apokalypse. Wir befinden uns an&lt;br /&gt;
der Wende des Jahrhunderts. Wir haben&lt;br /&gt;
jetzt kleine Kolonien, weil die Men-&lt;br /&gt;
schen aus ihren großen Städten ausge-&lt;br /&gt;
wandert sind; sie haben keine Möglich-&lt;br /&gt;
keit mehr, dort Dienstleistungen, Arbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 49 MAI 1985 83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|84|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=14}}oder Lebensmittel zu bekommen. Sie&lt;br /&gt;
ziehen dorthin, wo es für sie eine Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit gibt, sich zu ernähren und Ge-&lt;br /&gt;
meinschaften zu bilden, in denen wenig-&lt;br /&gt;
stens ein gewisses Maß an Lebenserhal-&lt;br /&gt;
tung und Zuversicht möglich ist. Dort&lt;br /&gt;
sind sie nun. Sie können miteinander&lt;br /&gt;
kommunizieren. Einer der bemerkens-&lt;br /&gt;
wertesten Aspekte unserer Kommuni-&lt;br /&gt;
kationstechnologien ist, daß sie nicht&lt;br /&gt;
viel Energie verbrauchen. Und wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich werden, sogar wenn sich alles&lt;br /&gt;
zum Schlechten hin entwickelt, die&lt;br /&gt;
Nachrichtensatelliten erhalten bleiben,&lt;br /&gt;
wir werden noch Radios haben, und wir&lt;br /&gt;
werden miteinander kommunizieren&lt;br /&gt;
können. So werden die Kontaktbedürf-&lt;br /&gt;
nisse, die die Menschen haben, sogar&lt;br /&gt;
über größere Entfernungen hinweg be-&lt;br /&gt;
friedigt werden können — immer vor-&lt;br /&gt;
ausgesetzt, wie ich schon sagte, daß es&lt;br /&gt;
nicht zu einer nuklearen Katastrophe&lt;br /&gt;
kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also kommen sie zusammen und be-&lt;br /&gt;
ratschlagen. Es könnte sich zeigen, daß&lt;br /&gt;
einige dieser Kolonien ganze Lager voll&lt;br /&gt;
tödlicher Waffen besitzen. Es könnte&lt;br /&gt;
sich herausstellen, daß andere keine ha-&lt;br /&gt;
ben. Manche könnten hervorragende&lt;br /&gt;
Fachleute haben, auch Menschen ohne&lt;br /&gt;
Skrupel, andere nicht. Vielleicht sind&lt;br /&gt;
diese auch aufrichtiger, ehrlicher,&lt;br /&gt;
menschlicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Voraussetzungen be-&lt;br /&gt;
ginnt das Pokern um die Macht. Es ist&lt;br /&gt;
möglich, daß die besser organisierten,&lt;br /&gt;
machthungrigen, die Situation ausnüt-&lt;br /&gt;
zen, um neue Macht- und Abhängig-&lt;br /&gt;
keitsstrukturen zu schaffen. Man kann&lt;br /&gt;
detaillierte Szenarios ausmalen; in mei-&lt;br /&gt;
nem neuen Buch, das bald erscheinen&lt;br /&gt;
wird, tue ich das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsache ist, daß wir durch Zwangs-&lt;br /&gt;
maßnahmen, durch Rhetorik, mit Hilfe&lt;br /&gt;
der Kommunikationsmittel — was ja&lt;br /&gt;
eine neutrale Technologie ist und wie&lt;br /&gt;
alle Technologien zum Guten wie zum&lt;br /&gt;
Bösen verwendet werden kann — eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
84 BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt des Terrors schaffen könnten, eine&lt;br /&gt;
Welt, in der von Machtzentren aus re-&lt;br /&gt;
giert und die Mehrheit der Menschen&lt;br /&gt;
unterjocht wird. Diese Welt, der Traum&lt;br /&gt;
des »Tausendjährigen Reiches«, könnte&lt;br /&gt;
verwirklicht werden — wenn wir es zu-&lt;br /&gt;
lassen, wenn wir uns nicht vorbereiten.&lt;br /&gt;
Ein Zurück wäre dann sehr schwierig.&lt;br /&gt;
Sind wir erst an dem Punkt angelangt,&lt;br /&gt;
wo größere Machtzentren existieren,&lt;br /&gt;
wo die Menschen gezwungen werden,&lt;br /&gt;
gehorsam zu sein, ist es schwierig, aus&lt;br /&gt;
dieser Situation wieder auszubrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kennen die neueren terroristi-&lt;br /&gt;
schen Regime; sie bleiben erhalten,&lt;br /&gt;
wenn sie Waffen und Geld haben. Wenn&lt;br /&gt;
wir Pech haben und unklug sind, könnte&lt;br /&gt;
die Welt nach diesem Schema neu auf-&lt;br /&gt;
gebaut werden. Das wäre katastrophal;&lt;br /&gt;
es wäre tragisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber lassen Sie mich Ihnen auch die-&lt;br /&gt;
ses andere Bild aufzeigen, das Szenario&lt;br /&gt;
des Phoenix. Ich glaube, es steht der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Sicht sehr nahe. Eine Kommuni-&lt;br /&gt;
kation ist möglich; die Menschen kom-&lt;br /&gt;
men zusammen. Sie kommen zu einer&lt;br /&gt;
Einsicht, die nach Katastrophen eben-&lt;br /&gt;
falls sehr häufig ist — daß es besser ist&lt;br /&gt;
zusammenzuhalten, es besser ist, ge-&lt;br /&gt;
meinsame Ziele zu verfolgen; daß wir&lt;br /&gt;
aus den Fehlern der Vergangenheit ler-&lt;br /&gt;
nen sollten, daß wir zusammenarbeiten&lt;br /&gt;
sollten, daß wir nicht machthungrig&lt;br /&gt;
sein sollten bis zu dem Punkt, wo wir&lt;br /&gt;
uns selbst und die Welt zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir könnten unabhängige Gemein-&lt;br /&gt;
den gründen, die ihre eigene Nahrung&lt;br /&gt;
produzieren, die Arbeit für ihre Mitglie-&lt;br /&gt;
der schaffen, die ihre eigenen Entschei-&lt;br /&gt;
dungen treffen. Ich glaube, die Bahá’í-&lt;br /&gt;
Gemeinden sind Prototypen dieser Art&lt;br /&gt;
von Szenarios. Diese könnten auf der&lt;br /&gt;
Basis der Selbstversorgung Beziehungen&lt;br /&gt;
zueinander aufbauen. Der berühmte&lt;br /&gt;
Begriff »wechselseitige Abhängigkeit«,&lt;br /&gt;
der so oft in sogenannten progressiven&lt;br /&gt;
Kreisen mit sehr positiver Bedeutung&lt;br /&gt;
genannt wird, ist, muß ich sagen, ein&lt;br /&gt;
{{page|85|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=15}}sehr gefährliches Konzept, denn wech-&lt;br /&gt;
selseitige Abhängigkeit ist nur bei&lt;br /&gt;
Gleichberechtigten möglich. Dann sind&lt;br /&gt;
es gleichberechtigte und gutwillige&lt;br /&gt;
Menschen. Ist der wechselseitig Abhän-&lt;br /&gt;
gige dein Feind, mußt du aufpassen.&lt;br /&gt;
Und ist dein Feind stärker als du, heißt&lt;br /&gt;
wechselseitige Abhängigkeit Verskla-&lt;br /&gt;
vung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum glaube ich, daß diese neue&lt;br /&gt;
Welt sehr viel unabhängiger, auf lokaler&lt;br /&gt;
Ebene unabhängiger, sein muß als die,&lt;br /&gt;
die wir jetzt aufgebaut haben. Wir ha-&lt;br /&gt;
ben diese Welt zu schnell gebaut. Wir&lt;br /&gt;
haben sie nach unseren technologisch-&lt;br /&gt;
industriellen Kapazitäten zugeschnit-&lt;br /&gt;
ten, auf globale Dimensionen hin, und&lt;br /&gt;
wir sind psychisch und geistig auf diese&lt;br /&gt;
globale Welt nicht vorbereitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir könnten in dieser Welt, in diesem&lt;br /&gt;
neuen Szenario, uns dazu entschließen,&lt;br /&gt;
die meisten und gefährlichsten Waffen&lt;br /&gt;
zu begraben, zu demontieren, sie zu ent-&lt;br /&gt;
schärfen. Wir könnten uns stattdessen&lt;br /&gt;
dazu entscheiden, den höchsten Wert&lt;br /&gt;
auf die Erfüllung von Bedürfnissen zu&lt;br /&gt;
legen — auf soziale, geistige und leib-&lt;br /&gt;
liche Bedürfnisse. Wir könnten uns da-&lt;br /&gt;
zu entscheiden, die Kommunikation&lt;br /&gt;
und den Kontakt zu Menschen, denen&lt;br /&gt;
wir kein Vertrauen schenken können,&lt;br /&gt;
nicht so eng werden zu lassen, daß wir&lt;br /&gt;
von ihnen abhängig werden. Wir könn-&lt;br /&gt;
ten uns dafür entscheiden, Menschen&lt;br /&gt;
guten Willens zusammenarbeiten zu las-&lt;br /&gt;
sen, und könnten versuchen, die eigenen&lt;br /&gt;
unbotmäßigen Elemente zu kontrollie-&lt;br /&gt;
ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles könnten wir tun, weil es ein&lt;br /&gt;
neues Denken gäbe. Man kann nicht&lt;br /&gt;
durch eine Krise gehen und sich dabei&lt;br /&gt;
nicht verändern. Es ist eine der großen,&lt;br /&gt;
gefährlichen Illusionen dieser Epoche,&lt;br /&gt;
wenn wir denken, man könne einen&lt;br /&gt;
Umbruch durchmachen — einen sozia-&lt;br /&gt;
len, persönlichen, ökonomischen oder&lt;br /&gt;
politischen Umbruch — und dabei so&lt;br /&gt;
bleiben, wie man war. Das ist ein Irr-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tum. Die Menschen haben sich verän-&lt;br /&gt;
dert; das habe ich nach dem Zweiten&lt;br /&gt;
Weltkrieg in Europa gesehen, ich habe&lt;br /&gt;
das als Kind durchgemacht, und Men-&lt;br /&gt;
schen können nicht gleichgültig blei-&lt;br /&gt;
ben. Für mein Land, Ungarn, war eseine&lt;br /&gt;
große Tragödie, daß es keine Möglich-&lt;br /&gt;
keit hatte, zu werden, was es werden&lt;br /&gt;
wollte, sondern unter eine andere Vor-&lt;br /&gt;
herrschaft geriet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, es gibt realistische Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten für die Verwirklichung dieses&lt;br /&gt;
Bildes vom Phoenix, und aufgrund aller&lt;br /&gt;
mir zur Verfügung stehenden theoreti-&lt;br /&gt;
schen Einsicht kann ich Ihnen sagen,&lt;br /&gt;
daß alle Gruppen, die jetzt verfolgt wer-&lt;br /&gt;
den, die jetzt klein, jetzt machtlos sind,&lt;br /&gt;
ihre Chance bekommen werden, weil&lt;br /&gt;
alle Zentren, die diese Gruppen unter-&lt;br /&gt;
drücken, nicht mehr existieren werden.&lt;br /&gt;
Die Kräfte der Unterdrückung werden&lt;br /&gt;
nicht mehr da sein, die schwere Hand&lt;br /&gt;
der Vergangenheit wird weggenommen&lt;br /&gt;
werden. Und ich sehe nicht, daß eine&lt;br /&gt;
Veränderung zu unseren Lebzeiten statt-&lt;br /&gt;
finden könnte ohne eine solche Situa-&lt;br /&gt;
tion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber um das Bild vom Phoenix ein&lt;br /&gt;
wenig wahrscheinlicher zu machen als&lt;br /&gt;
das von der Apokalypse, werden wir&lt;br /&gt;
noch einiges tun müssen — es ist nicht&lt;br /&gt;
notwendig, daß alle Menschen dies tun,&lt;br /&gt;
nur daß einige Zentren des Bewußt-&lt;br /&gt;
seinswandels in der Welt erwachsen. Ich&lt;br /&gt;
glaube, daß die Bahäi-Gemeinde ein&lt;br /&gt;
ideales Bewußtseinszentrum für diese&lt;br /&gt;
Art von Initiative ist, die überall in der&lt;br /&gt;
Welt ihre Verbreitung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie mich nur einige Dinge auf-&lt;br /&gt;
zählen, die wir tun müssen. Erstens: Wir&lt;br /&gt;
müssen die Fähigkeit entwickeln zu&lt;br /&gt;
überleben. Das bezieht sich nicht nur&lt;br /&gt;
auf körperliches Überleben, das heißt&lt;br /&gt;
nicht, daß man sich mit Gewehren und&lt;br /&gt;
Handgranaten ausrüstet. Es heißt, daß&lt;br /&gt;
man die Fähigkeit besitzt, Gemeinden&lt;br /&gt;
zu bilden, die nicht vom System abhän-&lt;br /&gt;
gig sind, die ihre eigene Nahrung produ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE 49 MAI 1985 85&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|86|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=16}}zieren können, die die medizinischen&lt;br /&gt;
und sozialen Bedürfnisse ihrer Mitglie-&lt;br /&gt;
der befriedigen können, auch die geisti-&lt;br /&gt;
gen Bedürfnisse, und die sich selbst be-&lt;br /&gt;
haupten können. Ich glaube, es gibt vie-&lt;br /&gt;
le Experimente dieser Art, es ist sehr er-&lt;br /&gt;
staunlich, daß diese Art des Experimen-&lt;br /&gt;
tierens weltweit verbreitet ist. Wir müs-&lt;br /&gt;
sen das bewußt pflegen: die Fähigkei-&lt;br /&gt;
ten, die Kenntnisse, die Information,&lt;br /&gt;
was immer notwendig ist, um sich nur&lt;br /&gt;
auf sich selbst verlassen zu können und,&lt;br /&gt;
wenn nötig, auch autark zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens: Wir müssen für die nächste&lt;br /&gt;
Generation mitsorgen ... Die mensch-&lt;br /&gt;
liche Natur ist nicht unveränderlich; sie&lt;br /&gt;
ist sehr stark von politischen, ökonomi-&lt;br /&gt;
schen und kulturellen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
geprägt, und es wäre ein tragischer Feh-&lt;br /&gt;
ler, wenn wir heute unsere Kinder einer&lt;br /&gt;
Gehirnwäsche unterziehen würden, wie&lt;br /&gt;
es die Erziehung manchmal macht, und&lt;br /&gt;
ihnen dabei das aufzwingen würden,&lt;br /&gt;
was soeben veraltet. Etwa, wenn wir sie&lt;br /&gt;
auf Wettbewerb hin schulten, dazu, den&lt;br /&gt;
unmittelbaren Rivalen zu übertrump-&lt;br /&gt;
fen, auf Materialismus hin, auf Besitz-&lt;br /&gt;
gier oder auf Intoleranz hin — dabei&lt;br /&gt;
wird kein Kind mit diesen Eigenschaften&lt;br /&gt;
geboren; Kinder sind von Natur aus&lt;br /&gt;
egalitär. Wir erziehen sie; wie unterzie-&lt;br /&gt;
hen sie einer Gehirnwäsche, die der von&lt;br /&gt;
uns geschaffenen Zivilisation ent-&lt;br /&gt;
spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre tragisch, wenn diese neue Ge-&lt;br /&gt;
neration, die heute geboren wird, die&lt;br /&gt;
sich jetzt in der Kindheit befindet, wenn&lt;br /&gt;
diese Generation eine Erziehung bekä-&lt;br /&gt;
me, die es für sie schwierig machte, in&lt;br /&gt;
eine andere Welt hineinzuwachsen, die&lt;br /&gt;
sie vorbereiten würde auf ein konkur-&lt;br /&gt;
renz- und machtorientiertes, apokalyp-&lt;br /&gt;
tisches Szenario, statt auf eines der Ko-&lt;br /&gt;
operation und Solidarität. Also müssen&lt;br /&gt;
wir unsere Kinder sehr bewußt erzie-&lt;br /&gt;
hen; oder lassen wir sie einfach ihre na-&lt;br /&gt;
türlichen Neigungen zur Solidarität ent-&lt;br /&gt;
wickeln, zu ihrer Gewaltlosigkeit — und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
86 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Experte hierfür ist Professor Hos-&lt;br /&gt;
sain Danesh, aber ich ersehe aus seinen&lt;br /&gt;
Formulierungen, daß es keine ererbte,&lt;br /&gt;
keine genetische, sondern vielmehr eine&lt;br /&gt;
erlernte Eigenschaft ist, ein kultureller&lt;br /&gt;
Faktor.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch noch eine Anzahl ande-&lt;br /&gt;
rer Dinge, zusätzlich zu den mensch-&lt;br /&gt;
lichen Aspekten. Wir müssen aufpas-&lt;br /&gt;
sen, daß die Rohstoffe der Erde nicht&lt;br /&gt;
zerstört werden, die unsere Erhaltung&lt;br /&gt;
als Gattung ermöglichen. Und, meine&lt;br /&gt;
Damen und Herren, es ist eine reale Ge-&lt;br /&gt;
fahr, daß sie zerstört werden, und dabei&lt;br /&gt;
meine ich nicht durch nuklearen Schlag-&lt;br /&gt;
abtausch. Wir könnten die Ackerkrume&lt;br /&gt;
zerstören, wie wir es jetzt tun. Große&lt;br /&gt;
Bestände an Ackerkrume werden Jahr&lt;br /&gt;
für Jahr zerstört; sie verschwinden&lt;br /&gt;
weltweit. Die Gewässer werden trotz&lt;br /&gt;
gelegentlicher Anstrengungen und trotz&lt;br /&gt;
Erfolgsmeldungen beständig ver-&lt;br /&gt;
schmutzt; wir gefährden unsere Wasser-&lt;br /&gt;
wege. Die Luft wird schlechter; natür-&lt;br /&gt;
lich kennen Sie das in den großen Städ-&lt;br /&gt;
ten — ganz zu schweigen vom sauren&lt;br /&gt;
Regen oder anderen Dingen, die unseren&lt;br /&gt;
Freunden hier aus Kanada bekannt&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle von uns nutzbaren Rohstoffe&lt;br /&gt;
müssen bewahrt werden, nicht nur die&lt;br /&gt;
nicht-erneuerbaren, sondern auch die&lt;br /&gt;
erneuerbaren Rohstoffe. Es wird viel-&lt;br /&gt;
leicht nur selten darüber gesprochen,&lt;br /&gt;
daß die Wüsten der Welt sich jedes Jahr&lt;br /&gt;
etwa um eine Fläche vergrößern, die&lt;br /&gt;
sich mit der Fläche von Holland verglei-&lt;br /&gt;
chen läßt. Das ist das Resultat der Ent-&lt;br /&gt;
waldung; die Armen holzen die Wälder&lt;br /&gt;
ab und verbrennen sie als Brennholz.&lt;br /&gt;
Wir können auch Land überweiden; die&lt;br /&gt;
Regenwälder dieser Welt könnten wohl&lt;br /&gt;
bis zur Wende des Jahrhunderts ver-&lt;br /&gt;
schwinden, wenn wir sie weiter so ab-&lt;br /&gt;
holzen und für die Landwirtschaft ro-&lt;br /&gt;
den, wie wir es jetzt tun. Dabei ergibt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Siehe Anmerkung 2&lt;br /&gt;
{{page|87|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieses Land noch nicht einmal fruchtba-&lt;br /&gt;
ren Boden, weil die ungeschützte Erde&lt;br /&gt;
weggespült wird, wir kennen das schon&lt;br /&gt;
vom Amazonas her. Die ökologischen&lt;br /&gt;
Probleme sind sehr ernst, weil wir noch&lt;br /&gt;
nicht einmal mit den besten Motiven,&lt;br /&gt;
mit dem besten Bewußtsein eine Welt&lt;br /&gt;
schaffen können, in der sechseinhalb&lt;br /&gt;
Milliarden Menschen leben und ihre&lt;br /&gt;
vorhandenen physischen Bedürfnisse&lt;br /&gt;
befriedigen können, wenn wir die Roh-&lt;br /&gt;
stoffe zerstören, die sie dazu brauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir etwas tun, um&lt;br /&gt;
die nukleare Bedrohung zu entschärfen,&lt;br /&gt;
selbst wenn es keinen nuklearen Krieg&lt;br /&gt;
gibt — und das ist die Frage. Aber sogar&lt;br /&gt;
wenn wir davon verschont bleiben, ist&lt;br /&gt;
das bloße Vorhandensein von nuklea-&lt;br /&gt;
ren Waffen, von Waffenlagern, eine&lt;br /&gt;
ständige Versuchung, eine dauernde Be-&lt;br /&gt;
drohung des Wohlergehens aller. Es ge-&lt;br /&gt;
nügt nicht, die Entwicklung von immer&lt;br /&gt;
mehr Waffen dieser Art zu stoppen; wir&lt;br /&gt;
müßten anfangen, sie zu vernichten.&lt;br /&gt;
Dies könnte ein Aspekt sein, der an Be-&lt;br /&gt;
deutung gewinnt, wenn sich heraus-&lt;br /&gt;
stellt, daß es keine militärischen Lösun-&lt;br /&gt;
gen für die Probleme gibt, mit denen wir&lt;br /&gt;
konfrontiert werden — wenn diese Pro-&lt;br /&gt;
bieme nicht die befürchtete Drohung&lt;br /&gt;
von seiten der Großmächte, sondern die&lt;br /&gt;
handgreiflichen Bedrohungen durch&lt;br /&gt;
vier oder fünf Milliarden Menschen&lt;br /&gt;
sind, die einfach nicht wissen, wie sie&lt;br /&gt;
überleben sollen, denen die Mittel zum&lt;br /&gt;
Überleben fehlen. Und vielleicht könn-&lt;br /&gt;
ten wir unter solchen Umständen einige&lt;br /&gt;
Schritte in dieser Richtung unterneh-&lt;br /&gt;
men; wir müßten es tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schließlich — und das ist viel-&lt;br /&gt;
leicht das Wichtigste, da ich alles andere&lt;br /&gt;
für weniger wichtig halte — müßten wir&lt;br /&gt;
uns auf das vorbereiten, was Sie in Ih-&lt;br /&gt;
rem Glauben als das Alter der Reife der&lt;br /&gt;
Menschheit kennen. Wir müßten anfan-&lt;br /&gt;
gen, so wie Sie das bereits tun, uns dar-&lt;br /&gt;
auf vorzubereiten; wir müßten Zugang&lt;br /&gt;
zu den öffentlichen Medien schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müßten Gemeinschaftsformen&lt;br /&gt;
schaffen, die wahrscheinlich auch noch&lt;br /&gt;
weiteres von dem tun müßten, was Sie&lt;br /&gt;
bereits tun — aber vergessen Sie nicht,&lt;br /&gt;
daß andere eseben nicht tun. Und ob sie&lt;br /&gt;
sich nun zum selben Glauben bekennen&lt;br /&gt;
oder nicht, wir müßten bei ihnen dieses&lt;br /&gt;
Bewußtsein wecken, wenn wir wissen,&lt;br /&gt;
was die Alternative ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir könnten versuchen, diese neue&lt;br /&gt;
Welt einzuüben. Man kann das auf ver-&lt;br /&gt;
schiedene Weise tun. Wir könnten Rol-&lt;br /&gt;
lenspiele spielen; wir könnten eine neue&lt;br /&gt;
Science Fiction entwickeln; aber diese&lt;br /&gt;
Science Fiction würde nicht von interga-&lt;br /&gt;
laktischen Kriegen handeln, sondern&lt;br /&gt;
das Management der Welt zum Thema&lt;br /&gt;
haben, die aus dieser Erschütterung der&lt;br /&gt;
Krise ersteht; sie würde eine neue Welt&lt;br /&gt;
schaffen. Wir könnten das Leben in neu-&lt;br /&gt;
en Gemeinschaften erproben, wir könn-&lt;br /&gt;
ten neue Formen menschlicher Interak-&lt;br /&gt;
tion üben, wir könnten neue Technolo-&lt;br /&gt;
gien schaffen, welche insofern einfache&lt;br /&gt;
Technologien wären, als sie nicht kapi-&lt;br /&gt;
talintensiv sind, weder viel Geld noch&lt;br /&gt;
viel Hardware erfordern. Wir haben&lt;br /&gt;
jetzt Technologien, die für fast jeden&lt;br /&gt;
benutzbar sind. Wir müßten uns darauf&lt;br /&gt;
vorbereiten, und unsere Jugend könnte&lt;br /&gt;
hier sehr wohl einbezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, es ist viel aufregender,&lt;br /&gt;
sich vorzustellen, wie eine Welt nach&lt;br /&gt;
dieser beschaffen sein würde, eine Welt,&lt;br /&gt;
die sehr bald kommen wird, vielleicht in&lt;br /&gt;
20, vielleicht in 15 Jahren, als sich in die&lt;br /&gt;
Phantastereien der heute so beliebten&lt;br /&gt;
Science Fiction zu flüchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ali das kann getan werden, und auf&lt;br /&gt;
vielerlei Art tun wir es auch. Aber einen&lt;br /&gt;
letzten Punkt möchte ich gern wieder-&lt;br /&gt;
holen — ich habe ihn schon erwähnt —&lt;br /&gt;
daß nämlich alle empirischen und theo-&lt;br /&gt;
retischen Belege und Folgerungen auf&lt;br /&gt;
eine Tatsache hinweisen: Bei einer be-&lt;br /&gt;
deutenden Umwälzung kann jede kleine&lt;br /&gt;
Veränderung, jede kleine Abwandlung&lt;br /&gt;
innerhalb des Systems, die bis dahin be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985 87&lt;br /&gt;
{{page|88|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=18}}hindert oder unterdrückt wurde, um ein&lt;br /&gt;
Vielfaches verstärkt werden; wie es&lt;br /&gt;
steht, werden eine oder mehrere sich er-&lt;br /&gt;
heblich ausbreiten. So entwickeln sich&lt;br /&gt;
Gattungen nun einmal ... Das passiert&lt;br /&gt;
in physikalisch-chemischen Systemen,&lt;br /&gt;
wenn eine kleine innere Fluktuation sich&lt;br /&gt;
verstärkt und das System danach be-&lt;br /&gt;
herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist, wie ich meine, auf die&lt;br /&gt;
menschliche Gesellschaft übertragbar&lt;br /&gt;
und auf diese in wechselseitiger Abhän-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gigkeit stehende Weltgesellschaft, in der&lt;br /&gt;
wir nicht mehr lange zu leben haben: Es&lt;br /&gt;
wird sich eine neue Mutation ereignen,&lt;br /&gt;
wenn die Dominanz des Systems auf-&lt;br /&gt;
hört und jene kleinen Gruppen, die be-&lt;br /&gt;
reit stehen, um eine Welt globaler Ein-&lt;br /&gt;
heit zu schaffen, zum Zuge kommen.&lt;br /&gt;
Ich bin sicher, das wird Ihre große Stun-&lt;br /&gt;
de sein, undiich hoffe, es wird eine große&lt;br /&gt;
Stunde für uns alle sein. Ich danke&lt;br /&gt;
Ihnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von den gelehrten Größen&lt;br /&gt;
der Kunst und der Wissenschaft&lt;br /&gt;
so oft gepriesene Zivilisation&lt;br /&gt;
wird, wenn man ihr gestattet,&lt;br /&gt;
die Grenzen der Mäßigung zu überschreiten,&lt;br /&gt;
großes Unheil&lt;br /&gt;
über die Menschen bringen.&lt;br /&gt;
So warnt euch der Allwissende.&lt;br /&gt;
Ins Übermaß gesteigert,&lt;br /&gt;
wird sich die Zivilisation&lt;br /&gt;
als eine ebenso ergiebige Quelle des Übels erweisen,&lt;br /&gt;
wie sie, in den Schranken der Mäßigung gehalten,&lt;br /&gt;
eine (Quelle des Guten war.&lt;br /&gt;
Denkt darüber nach, o Menschen,&lt;br /&gt;
und gehört nicht zu denen,&lt;br /&gt;
die verwirrt&lt;br /&gt;
durch die Öden des Irrtums streifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese 163:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
88 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
{{page|89|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=19}}Ingo Hofmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRIEDEN IST MEHR ALS KEINE WAFFEN*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit jeher ist das friedvolle Zusammen-&lt;br /&gt;
leben von Menschen durch die Andro-&lt;br /&gt;
hung militärischer Gewalt gefährdet&lt;br /&gt;
gewesen. Die heute von immer mehr&lt;br /&gt;
Menschen als ernsthaft, wenn nicht&lt;br /&gt;
hoffnungslos empfundene Bedrohung&lt;br /&gt;
des Weltfriedens unterscheidet sich&lt;br /&gt;
jedoch wesentlich von allen Erfahrun-&lt;br /&gt;
gen, die die Menschheit im Verlauf ihrer&lt;br /&gt;
Geschichte gemacht hat. Das eigentlich&lt;br /&gt;
Neue am Friedensproblem muß in der&lt;br /&gt;
weltweiten Dimension und der latenten&lt;br /&gt;
Gefahr einer Selbstvernichtung der&lt;br /&gt;
Menschheit gesehen werden. Obwohl&lt;br /&gt;
das Gesamtarsenal atomarer Waffen&lt;br /&gt;
derzeit pro Kopf eine Sprengwirkung&lt;br /&gt;
entsprechend 5 Tonnen INT aufweist&lt;br /&gt;
— insgesamt also über 20 Mrd. Ton-&lt;br /&gt;
nen — bestehen Pläne, die eine Erhö-&lt;br /&gt;
hung der Zahl nuklearer Sprengkörper&lt;br /&gt;
von derzeit 50000 auf etwa 80000 bis&lt;br /&gt;
zum Ende des nächsten Jahrzehnts vor-&lt;br /&gt;
sehen. Die Bedrohung, die von dieser&lt;br /&gt;
quantitativen Ausweitung ausgeht,&lt;br /&gt;
wird noch wesentlich verschärft durch&lt;br /&gt;
die geplante Einführung neuer Wäaffen-&lt;br /&gt;
systeme. Nach derzeitigen Plänen soll&lt;br /&gt;
noch in diesem Jahrhundert mit einem&lt;br /&gt;
Gesamtaufwand von 100 Mrd. Dollar&lt;br /&gt;
mittels Strahlenwaffen der Weltraum&lt;br /&gt;
strategisch erschlossen werden. Durch&lt;br /&gt;
solche Anti-Raketenwaffen kann die&lt;br /&gt;
Möglichkeit geschaffen werden — so-&lt;br /&gt;
fern sie nicht bereits heute besteht —&lt;br /&gt;
einen Nuklearkrieg militärtechnisch&lt;br /&gt;
gewinnbar zu machen. Der Wahnsinn&lt;br /&gt;
einer solchen Entwicklung, die zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
neuem Wettrüsten führen muß, darf&lt;br /&gt;
nicht unwidersprochen bleiben. Er-&lt;br /&gt;
schüttern muß die in ihr liegende Men-&lt;br /&gt;
schenverachtung: alle 2 Sekunden stirbt&lt;br /&gt;
in der Welt ein Kind an Hunger, wäh-&lt;br /&gt;
rend in der gleichen Zeit für 50000 Dol-&lt;br /&gt;
lar neue Waffen gebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede ist heute nicht regional ge-&lt;br /&gt;
fährdet, sondern weltweit, da politische&lt;br /&gt;
und wirtschaftliche Interessenverflech-&lt;br /&gt;
tungen den gesamten Erdball umspan-&lt;br /&gt;
nen. In dem Maße, wie die Anhäufung&lt;br /&gt;
atomaren Vernichtungspotentials den&lt;br /&gt;
Mythos vom Untergang der Menschheit&lt;br /&gt;
zur realen Möglichkeit werden läßt,&lt;br /&gt;
stellt sich die Frage, ob nicht hierin&lt;br /&gt;
zugleich eine einzigartige Herausforde-&lt;br /&gt;
rung an die Menschheit herantritt: den&lt;br /&gt;
in vergangenen Zeiten utopischen&lt;br /&gt;
Wunsch nach einem universalen Frie-&lt;br /&gt;
den zur Realität werden zu lassen. Heute&lt;br /&gt;
scheint eher die Vorstellung utopisch,&lt;br /&gt;
die Menschheit könne ohne einen uni-&lt;br /&gt;
versalen Friedensschluß einer Zukunft&lt;br /&gt;
entgegensehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit eines Weltfrie-&lt;br /&gt;
dens wird heute von immer mehr Men-&lt;br /&gt;
schen gesehen; dies genügt jedoch nicht,&lt;br /&gt;
um ihn auch Wirklichkeit werden zu&lt;br /&gt;
lassen. Die Einsicht der Notwendigkeit&lt;br /&gt;
kann aber den entscheidenden Anstoß&lt;br /&gt;
dazu liefern, unsere Situation grundle-&lt;br /&gt;
gend zu überdenken, das gewohnte&lt;br /&gt;
Denken zu überprüfen und Wege zu fin-&lt;br /&gt;
den, die die Menschheit aus ihrer heuti-&lt;br /&gt;
gen Ohnmacht herausführen. Im fol-&lt;br /&gt;
genden wird der am Frieden interessierte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dieser Beitrag erscheint gleichzeitig mit kleinen Veränderungen in dem Sammel-&lt;br /&gt;
band von Farzin Dustdar (Hrsg.), Das Modell des Friedens. Ausweg aus der Krise,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horizonte Verlag in Poseidon Press, Wien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;[-BRIEFE 49 MAI 1985 89&lt;br /&gt;
{{page|90|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=20}}Bu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch anhand der Lehren der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion auf neue Wege und Perspek-&lt;br /&gt;
tiven hingewiesen. Der verbreiteten&lt;br /&gt;
Resignation des Bürgers angesichts des&lt;br /&gt;
neuen Wettrüstens der achtziger Jahre&lt;br /&gt;
und des Scheiterns der Friedensinitiati-&lt;br /&gt;
ven, diesem Einhalt zu gebieten, wird&lt;br /&gt;
eine neue Hoffnung gegenübergestellt:&lt;br /&gt;
Frieden kann möglich werden, wenn die&lt;br /&gt;
tieferen Ursachen, die das Gleichge-&lt;br /&gt;
wicht der heutigen Welt stören, erkannt&lt;br /&gt;
und der breiten Öffentlichkeit bewußt&lt;br /&gt;
gemacht werden. Wer in der Friedens-&lt;br /&gt;
frage bisher vor allem ein Problem der&lt;br /&gt;
Rüstungskontrolle und der Abrüstung&lt;br /&gt;
sah, mag hier die Frage einwerfen, mit&lt;br /&gt;
welchem Recht eine Religion den An-&lt;br /&gt;
spruch erheben darf, hierzu Wesent-&lt;br /&gt;
liches beitragen zu können. Die Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion vermag hier auf folgende&lt;br /&gt;
Gründe zu verweisen, die zugleich zu&lt;br /&gt;
einem Überdenken traditioneller Vor-&lt;br /&gt;
stellungen über Religion auffordern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die Lösung der Friedensfrage ange-&lt;br /&gt;
sichts der latenten Gefahr der Selbstver-&lt;br /&gt;
nichtung, zugleich aber auch der totalen&lt;br /&gt;
Herrschaft materialistischer Ideologien&lt;br /&gt;
und Lebensweisen macht es erforder-&lt;br /&gt;
lich, daß der Mensch Kräfte erweckt,&lt;br /&gt;
die der Wurzel seines Seins entspringen.&lt;br /&gt;
Dies war in der Geschichte der Mensch-&lt;br /&gt;
heit immer den Religionen vorbehalten,&lt;br /&gt;
die die Frage des Woher und Wohin in&lt;br /&gt;
einer Weise erhellten, durch die die&lt;br /&gt;
schöpferischen Kräfte des Menschen&lt;br /&gt;
entfaltet wurden. Religion ist hier nicht&lt;br /&gt;
mit ihrer Institutionalisierung in Kir-&lt;br /&gt;
chen oder vergleichbaren Machtträgern&lt;br /&gt;
gleichzusetzen, welche in den geschicht-&lt;br /&gt;
lichen Religionen zum Schauplatz der&lt;br /&gt;
Entfremdung von der ursprünglich ge-&lt;br /&gt;
offenbarten Lehre des Stifters wurden.&lt;br /&gt;
Die Bahá’í sehen in allen Religionsstif-&lt;br /&gt;
tern Erzieher der Menschheit, Brücken&lt;br /&gt;
zwischen dem absoluten Sein Gottes&lt;br /&gt;
und dem sich entwickelnden Sein des&lt;br /&gt;
Menschen.! Kulturen sind der sichtbare&lt;br /&gt;
Ausdruck der Religionen; in dem Maße,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
90 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie sich die Lebensweisen und Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse der Völker zu verschiedenen Zei-&lt;br /&gt;
ten und in verschiedenen geographi-&lt;br /&gt;
schen Gegenden voneinander unter-&lt;br /&gt;
schieden, mußten auch die Religionen&lt;br /&gt;
voneinander abweichen, obwohl sie alle&lt;br /&gt;
auf eine gemeinsame Quelle zurückge-&lt;br /&gt;
hen und einen gemeinsamen Kern besit-&lt;br /&gt;
zen.&lt;br /&gt;
2. Die Lebensbedingungen haben sich&lt;br /&gt;
mit dem Eintritt in das technisch-natur-&lt;br /&gt;
wissenschaftliche Zeitalter auf eine so&lt;br /&gt;
grundlegende Weise gewandelt, daß das&lt;br /&gt;
starre Festhalten am Denken der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit zu einer zunehmenden Ver-&lt;br /&gt;
schärfung der Menschheitskrise führen&lt;br /&gt;
muß. So mahnte Albert Einstein: »Die&lt;br /&gt;
entfesselte Macht des Atoms hat alles&lt;br /&gt;
verändert, nur unser Denken nicht«. Die&lt;br /&gt;
Bahäf-Religion, als jüngste Weltreligion&lt;br /&gt;
vor über 130 Jahren an der Wende zum&lt;br /&gt;
technischen Zeitalter von Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
(»Herrlichkeit Gottes«) begründet, ver-&lt;br /&gt;
steht sich als Offenbarungsreligion für&lt;br /&gt;
unsere Zeit — dem gleichen Prinzip fol-&lt;br /&gt;
gend, das den Religionen der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend der Universalität der&lt;br /&gt;
Friedensfrage in unserer Zeit wendet&lt;br /&gt;
sich die Bahäi-Religion an alle Men-&lt;br /&gt;
schen, gleich welcher religiösen, rassi-&lt;br /&gt;
schen, sozialen oder nationalen Her-&lt;br /&gt;
kunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Gott gilt als die unabhängige Ursache allen&lt;br /&gt;
Seins; der Mensch verkörpert im Laufe der Evo-&lt;br /&gt;
lution zunehmend göttliche Eigenschaften, zu-&lt;br /&gt;
mindest über größere Zeitabschnitte hinweg.&lt;br /&gt;
Hierzu gehört die Fähigkeit zu Erkenntnis, Lie-&lt;br /&gt;
be und Gerechtigkeit, die sich nach Bahá’í-&lt;br /&gt;
Vorstellung im sozialen Gefüge niederschlagen&lt;br /&gt;
muß. Die dem Judentum, Christentum oder Is-&lt;br /&gt;
lam eigene Vorstellung eines »Reiches Gottes«&lt;br /&gt;
wird in der Bahä&#039;-Religion gesellschaftsimma-&lt;br /&gt;
nent interpretiert. In seiner Verwirklichung als&lt;br /&gt;
gerechte, friedvolle und von zerstörerischen&lt;br /&gt;
Gegensätzen befreite Weltordnung liegt die&lt;br /&gt;
eigentliche Herausforderung der Menschheit.&lt;br /&gt;
{{page|91|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=21}}3. Bahä’u/lläh hat in unmißverständli-&lt;br /&gt;
chen Worten bereits in den Jahren&lt;br /&gt;
1867-70 die bedeutendsten politischen&lt;br /&gt;
und religiösen Führer Europas und des&lt;br /&gt;
Osmanischen wie auch des Persischen&lt;br /&gt;
Reichs in einer Reihe von Sendschreiben&lt;br /&gt;
zur Abrüstung und Errichtung eines&lt;br /&gt;
weltweiten Friedens aufgefordert.” Die-&lt;br /&gt;
sen historischen Auftrag, der damals&lt;br /&gt;
‘weitgehend unbeachtet blieb, nimmt&lt;br /&gt;
heute die Bahä’i-Weltgemeinschaft wie-&lt;br /&gt;
derum wahr, indem sie sich an maßgeb-&lt;br /&gt;
liche Persönlichkeiten und Staatsführer,&lt;br /&gt;
aber auch an jeden einzelnen wendet.’&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang sei auch auf&lt;br /&gt;
die Erklärungen der »Bahäi Internatio-&lt;br /&gt;
nal Community« verwiesen, die als&lt;br /&gt;
nichtstaatliche Organisation die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Weltgemeinschaft bei den Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen vertritt.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prinzipien des Weltfriedens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage der Abrüstung steht heute im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt der Friedensdiskussion.&lt;br /&gt;
Dabei wird der Mensch von zwei Seiten&lt;br /&gt;
von Ängsten bedrängt, die sich nach&lt;br /&gt;
keiner einfachen Formel auf einen Nen-&lt;br /&gt;
ner bringen lassen. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
die Angst, daß das »Gleichgewicht des&lt;br /&gt;
Schreckens« nur ein labiles Gleichge-&lt;br /&gt;
wicht ist: Ein mit Mitteln der heutigen&lt;br /&gt;
Politik nicht lösbarer Machtkonflikt in&lt;br /&gt;
einem Spannungsgebiet auf der Erde,&lt;br /&gt;
oder auch ein denkbares technisches&lt;br /&gt;
Versagen könnten den Einsatz eines Ver-&lt;br /&gt;
nichtungspotentials auslösen, dessen&lt;br /&gt;
Stärke vielleicht dem Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftler noch ein Begriff ist, das jedoch&lt;br /&gt;
in seiner :verheerend zerstörerischen&lt;br /&gt;
Wirkung auf das Leben und die Bedin-&lt;br /&gt;
gungen des Lebens auf dieser Erde letzt-&lt;br /&gt;
lich unvorstellbar bleiben muß. Eine&lt;br /&gt;
einzige Wasserstoffbombe vermag die&lt;br /&gt;
gesamte Sprengkraft aller im Zweiten&lt;br /&gt;
Weltkrieg eingesetzter Bomben (etwa 6&lt;br /&gt;
Mio. Tonnen TNT) aufzubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung von Nuklearbomben&lt;br /&gt;
geht jedoch weit über ihre Sprengwir-&lt;br /&gt;
kung hinaus.® Angesichts dieser Situa-&lt;br /&gt;
tion sagte Einstein: »Ich weiß nicht, wel-&lt;br /&gt;
che Waffen im nächsten Krieg zur An-&lt;br /&gt;
wendung kommen, wohl aber, welche&lt;br /&gt;
im übernächsten: Pfeil und Bogen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite steht die Angst&lt;br /&gt;
des heutigen Menschen, er könne durch&lt;br /&gt;
eine Verringerung der militärischen&lt;br /&gt;
Stärke die Freiheit verlieren. Beide Äng-&lt;br /&gt;
ste müssen gesehen und überwunden&lt;br /&gt;
werden. Angesichts der jederzeit mög-&lt;br /&gt;
lichen Katastrophe genügt es nicht,&lt;br /&gt;
Angst zu beschwichtigen oder durch die&lt;br /&gt;
Androhung der Gefahr des Verlusts der&lt;br /&gt;
Freiheit erträglich zu machen. Die Frei-&lt;br /&gt;
heit des Bürgers zu demokratischer&lt;br /&gt;
Selbstbestimmung muß erhalten blei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Vgl. Ährenlese, Hofheim-Langenhain 31980,&lt;br /&gt;
101-120; Die Verkündigung Bahä’u&#039;llähs, Frank-&lt;br /&gt;
furt 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 So wurden die historisch bedeutsamen Send-&lt;br /&gt;
schreiben Bahäullähs im Jahre 1967 (siehe&lt;br /&gt;
Anm. 2) allen Staatsführern der Erde als Aufruf&lt;br /&gt;
zum Frieden übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahäi International Community (BIC), New&lt;br /&gt;
York City, UN Plaza. Zur Beziehungsgeschichte&lt;br /&gt;
zwischen der BIC und den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
siehe The Bahäi World XVII, Haifa 1981,&lt;br /&gt;
S. 229-245.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Bei der Explosion einer 20-Megatonnen-Bombe&lt;br /&gt;
(20 Mio. Tonnen Explosivkraft, entsprechend&lt;br /&gt;
dem 1600fachen der Hiroshimabombe) würde&lt;br /&gt;
ein Feuerball von 5 Kilometer Durchmesser ent-&lt;br /&gt;
stehen, falls die Bombe in etwa 10 Kilometer&lt;br /&gt;
Höhe gezündet wird. Im Umkreis von 30 Kilo-&lt;br /&gt;
metern fallen alle Menschen, die sich im Freien&lt;br /&gt;
aufhalten, der Hitze zum Opfer. Im Umkreis&lt;br /&gt;
von 20 Kilometern werden durch die Druck wel-&lt;br /&gt;
le alle Gebäude völlig zerstört. Bei einer Boden-&lt;br /&gt;
explosion ist der Feuerball doppelt so groß: die&lt;br /&gt;
meisten Gegenstände und sämtliche Menschen&lt;br /&gt;
verdampfen und steigen mit dem Feuerball&lt;br /&gt;
hoch, der zu einem gewaltigen, die Sonne ver-&lt;br /&gt;
finsternden Atompilz wird. Der radioaktive&lt;br /&gt;
Niederschlag aus der Pilzwolke verseucht Tau-&lt;br /&gt;
sende von Quadratkilometern mit einer tödli-&lt;br /&gt;
chen Strahlendosis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 49 MAI 1985 9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|92|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=22}}ben, nicht aber die Freiheit, alles zu tun,&lt;br /&gt;
was dem Verlangen nach größerer eige-&lt;br /&gt;
ner politischer und wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Macht dienlich ist. Die Verteidigung ei-&lt;br /&gt;
ner eigennützigen Freiheit und des&lt;br /&gt;
Egoismus der Konsumgesellschaft ist zu&lt;br /&gt;
einem bedrohlichen Vorwand gewor-&lt;br /&gt;
den, mit dem allzu bequem die Zustim-&lt;br /&gt;
mung des Bürgers zur Rüstungspolitik&lt;br /&gt;
erkauft wird. Die neue Situation macht&lt;br /&gt;
es erforderlich, das überlieferte Denken&lt;br /&gt;
hinsichtlich Mensch und Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
überwinden und gefährliche Klischees&lt;br /&gt;
zu durchschauen. Als erstes muß das&lt;br /&gt;
Zusammenleben der Nationen neu ge-&lt;br /&gt;
staltet werden, derart, daß dem Wohler-&lt;br /&gt;
gehen der ganzen Menschheit Rechnung&lt;br /&gt;
getragen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Recht und Gesetz dürfen nicht an den&lt;br /&gt;
Grenzen der eigenen Nation Halt ma-&lt;br /&gt;
chen und jenseits dieser Grenzen durch&lt;br /&gt;
das Recht des Stärkeren ersetzt werden.&lt;br /&gt;
Angesichts des immer mehr sichtbaren&lt;br /&gt;
Verfalls persönlicher und politischer&lt;br /&gt;
Moral ist zugleich die Frage nach dem&lt;br /&gt;
letzten Ziel und Sinn aufzuwerfen und&lt;br /&gt;
mit dem Anliegen des Weltfriedens und&lt;br /&gt;
einer neuen Ordnung in der Welt in Ein-&lt;br /&gt;
klang zu bringen. Dies muß auf eine&lt;br /&gt;
Weise geschehen, die als tragfähiges&lt;br /&gt;
Fundament für einen neuen Menschen&lt;br /&gt;
und eine neue Weltordnung gesehen&lt;br /&gt;
werden kann. In den Worten Bahä’u’-&lt;br /&gt;
llähs: »Der ist wirklich ein Mensch, der&lt;br /&gt;
sich heute dem Dienst am ganzen Men-&lt;br /&gt;
schengeschlecht hingibt«°, ferner, »Die&lt;br /&gt;
Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede&lt;br /&gt;
und ihre Sicherheit sind unerreichbar,&lt;br /&gt;
wenn und ehe nicht ihre Einheit fest be-&lt;br /&gt;
gründet ist«7, ist der Aufruf der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion zur Errichtung eines solchen&lt;br /&gt;
Fundamentes kurz umrissen. Dieses be-&lt;br /&gt;
steht aus drei Hauptprinzipien, die in&lt;br /&gt;
ihrer wechselseitigen Abhängigkeit ge-&lt;br /&gt;
sehen werden müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Ährenlese 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 BAHÄ&#039;T-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abrüstung ——— Neue Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuer Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keines dieser Prinzipien kann für sich&lt;br /&gt;
alleine Aussicht auf dauerhaften Erfolg&lt;br /&gt;
bieten. So genügt es beispielsweise&lt;br /&gt;
nicht, von Abrüstung alleine zu spre-&lt;br /&gt;
chen, denn diese kann nur wirksam sein&lt;br /&gt;
in einer Welt, in der zugleich verläßliche&lt;br /&gt;
und von allen anerkannte Wege der ge-&lt;br /&gt;
waltfreien Lösung von Konflikten ge-&lt;br /&gt;
schaffen werden; dies berührt die neue&lt;br /&gt;
Weltordnung und den neuen Menschen.&lt;br /&gt;
Andererseits bleibt das Ideal eines neu-&lt;br /&gt;
en Menschen — gewaltfrei und der&lt;br /&gt;
Wahrheit verpflichtet — ein bloßes&lt;br /&gt;
Wunschbild, wenn nicht die Strukturen&lt;br /&gt;
des Zusammenlebens der Völker erneu-&lt;br /&gt;
ert werden. Der Aufruf der Bergpredigt:&lt;br /&gt;
»Selig sind die, die Frieden stiften«&lt;br /&gt;
bleibt — so sehr er auch heute noch&lt;br /&gt;
wahr ist — unwirksam, wenn die Bereit-&lt;br /&gt;
schaft zum Frieden nicht im konkreten&lt;br /&gt;
Bild einer neuen Weltordnung, die der&lt;br /&gt;
heutigen Situation Rechnung trägt, zur&lt;br /&gt;
Tat werden kann. Frieden ist heute eben&lt;br /&gt;
weit mehr als der Aufruf zu Friedfertig-&lt;br /&gt;
keit, der durch Jesus, aber auch bereits&lt;br /&gt;
durch andere Religionsstifter vor ihm in&lt;br /&gt;
die Welt kam. Erst der naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftlich-technische Fortschritt hat&lt;br /&gt;
durch die »Vernichtung der Entfernung«&lt;br /&gt;
(im Sinne Arnold Toynbees), die welt-&lt;br /&gt;
weite wirtschaftliche Abhängigkeit,&lt;br /&gt;
aber auch die Bedrohung der Existenz&lt;br /&gt;
der Menschheit durch ein nukleares&lt;br /&gt;
Inferno oder den biologischen Tod der&lt;br /&gt;
Erde der Friedensfrage die heutige&lt;br /&gt;
Mehrdimensionalität verliehen: die&lt;br /&gt;
Wandlung des einzelnen ist untrennbar&lt;br /&gt;
von der Dimension der Abrüstung und&lt;br /&gt;
der Dimension einer neuen Weltord-&lt;br /&gt;
nung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Ährenlese 131:2&lt;br /&gt;
{{page|93|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=23}}Abrüstung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standpunkt der Bahá’í-Religion zur&lt;br /&gt;
Abrüstung ist eindeutig und kompro-&lt;br /&gt;
mißlos. So sagte Abdu’l-Bahá, der Sohn&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, vor einem dreiviertel Jahr-&lt;br /&gt;
hundert: »Alle Regierungen der Welt&lt;br /&gt;
müssen durch ein allgemeines Überein-&lt;br /&gt;
kommen gleichzeitig abrüsten. Es hilft&lt;br /&gt;
nichts, wenn einer die Waffen niederlegt&lt;br /&gt;
und die anderen sich weigern, dasselbe&lt;br /&gt;
zu tun. Die Nationen der Welt müssen in&lt;br /&gt;
dieser lebenswichtigen Angelegenheit&lt;br /&gt;
übereinstimmen und zusammen die&lt;br /&gt;
Mordwaffen endgültig niederlegen. So-&lt;br /&gt;
lange ein Volk seinen Rüstungsetat zu&lt;br /&gt;
Wasser und Lande vergrößert, werden&lt;br /&gt;
andere Nationen durch natürliche und&lt;br /&gt;
vermeintliche Interessen in diesen irren&lt;br /&gt;
Wettbewerb hineingezwungen.«3 Der&lt;br /&gt;
vollständige Verzicht auf (nationale)&lt;br /&gt;
Rüstung ist letztlich unentbehrlich. Eine&lt;br /&gt;
bloße Beschränkung der Rüstung nach&lt;br /&gt;
Quantität und Qualität — so zum Bei-&lt;br /&gt;
spiel das Verbot von Nuklearwaffen —&lt;br /&gt;
kann hingegen nur als Zwischenschritt&lt;br /&gt;
gesehen werden. Das Wissen über Nu-&lt;br /&gt;
klearwaffen und ihre Herstellung läßt&lt;br /&gt;
sich nicht auslöschen; in einer anson-&lt;br /&gt;
sten unverändert gebliebenen Welt&lt;br /&gt;
könnten sie in Konfliktsituationen in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit wieder hergestellt wer-&lt;br /&gt;
den. Zudem darf nicht übersehen wer-&lt;br /&gt;
den, daß die neuere Entwicklung auf&lt;br /&gt;
dem Gebiet konventioneller, biologi-&lt;br /&gt;
scher und chemischer Waffen die allei-&lt;br /&gt;
nige Ächtung von Nuklearwaffen als&lt;br /&gt;
unzureichend erscheinen läßt. Neben&lt;br /&gt;
der Bedrohung für das Leben der Völker&lt;br /&gt;
dieser Erde müssen auch die weltwirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Folgen der Rüstungspolitik&lt;br /&gt;
gesehen werden. Nach den Feststellun-&lt;br /&gt;
gen der Brandt-Kommission (1983) ist&lt;br /&gt;
— entgegen landläufiger Meinungen —&lt;br /&gt;
ein direkter Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
hohen Rüstungsausgaben und hoher&lt;br /&gt;
Arbeitslosigkeit bzw. Inflation feststell-&lt;br /&gt;
bar. Demnach kann sich die Welt »zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tode rüsten«, ohne daß ein Krieg tat-&lt;br /&gt;
sächlich ausbricht. Eine Umstellung auf&lt;br /&gt;
konventionelle Rüstung könnte diesen&lt;br /&gt;
Trend sogar verstärken. Die Forderung&lt;br /&gt;
nach völliger Abrüstung steht auch im&lt;br /&gt;
Einklang mit der abschließenden Erklä-&lt;br /&gt;
rung der Vereinten Nationen über Ab-&lt;br /&gt;
rüstung und Entwicklung aus dem Jahre&lt;br /&gt;
1978, ungeachtet der Tatsache, wie&lt;br /&gt;
wenig die feierlich angenommene Erklä-&lt;br /&gt;
rung von den Mitgliedsstaaten seitdem&lt;br /&gt;
beachtet wurde. Unter den gegebenen&lt;br /&gt;
Umständen sind alle Bemühungen um&lt;br /&gt;
kleine Erfolge zu bejahen, da sie dazu&lt;br /&gt;
dienen können, eine Atmosphäre des&lt;br /&gt;
Vertrauens und der Bereitschaft zu Ver-&lt;br /&gt;
handlungen aufzubauen. Hierzu gehört&lt;br /&gt;
auch das Verbot der Entwicklung bzw.&lt;br /&gt;
des Tests von Nuklearwaffen jeder&lt;br /&gt;
Größe (nur Tests ab einer bestimmten&lt;br /&gt;
Größe sind heute durch ein Abkommen&lt;br /&gt;
verboten), da die Eigendynamik der Mi-&lt;br /&gt;
litärforschung mit zum Wettrüsten bei-&lt;br /&gt;
trägt. Es ist bekannt, daß fast die Hälfte&lt;br /&gt;
der weltweit in der Forschung eingesetz-&lt;br /&gt;
ten Arbeitskräfte und Sachmittel der&lt;br /&gt;
Rüstung dienen. Der Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaftler kann sich heute der Verant-&lt;br /&gt;
wortung nicht mehr entziehen, die er&lt;br /&gt;
mitträgt — in einem Maße wie nie zuvor&lt;br /&gt;
in der Geschichte der Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch muß gesehen werden, daß&lt;br /&gt;
die Forderung nach Abrüstung in der&lt;br /&gt;
heutigen Welt nur realistisch bleibt,&lt;br /&gt;
wenn sie von nicht weniger ernsthaften&lt;br /&gt;
Anstrengungen begleitet wird, an die&lt;br /&gt;
Stelle der Gewalt als letztes Mittel der&lt;br /&gt;
Konfliktlösung ein weltweit verbindli-&lt;br /&gt;
ches Recht zu setzen. Hierin besteht der-&lt;br /&gt;
zeit der größte Mangel, vielleicht aber&lt;br /&gt;
liegt hierin auch die größte Hoffnung,&lt;br /&gt;
wenn dieses zu einer Weltordnung füh-&lt;br /&gt;
rende Prinzip in das Bewußtsein der&lt;br /&gt;
Verantwortlichen dringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Zitiert in Abrüstung und Weltfrieden. Eine Er-&lt;br /&gt;
klärung der Internationalen Bahät-Gemeinde,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1980, S. 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 49 MAI 1985 93&lt;br /&gt;
{{page|94|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=24}}Die neue Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das Ziel der Errichtung eines&lt;br /&gt;
weltweiten Bundes durch vertragliche&lt;br /&gt;
Anerkennung eines globalen Rechtszu-&lt;br /&gt;
standes zwischen den Nationen vermag&lt;br /&gt;
Abrüstung auf Dauer wirkungsvoll und&lt;br /&gt;
glaubhaft zu machen. Ein derartiger&lt;br /&gt;
Bund macht es erforderlich, die absolu-&lt;br /&gt;
te Souveränität, auf der die heutigen&lt;br /&gt;
Nationen noch fest beharren, einzu-&lt;br /&gt;
schränken. Dies ist in allen Bereichen&lt;br /&gt;
berechtigter überregionaler oder über-&lt;br /&gt;
nationaler Interessen notwendig. Hier-&lt;br /&gt;
zu gehören die Sicherheit, aber auch die&lt;br /&gt;
Frage eines weltweit soliden Finanz- und&lt;br /&gt;
Währungssystems, der Rohstoffmarkt,&lt;br /&gt;
der Schutz der Umwelt nach globalen&lt;br /&gt;
Maßstäben, die Beseitigung des Hun-&lt;br /&gt;
gers und weltweite Sicherstellung eines&lt;br /&gt;
menschenwürdigen Daseins. Während&lt;br /&gt;
das Nationalbewußtsein nach innen&lt;br /&gt;
den Zusammenhalt eines Volkes fördern&lt;br /&gt;
und den Ausgleich der verschiedenarti-&lt;br /&gt;
gen Interessen erleichtern kann, ist seine&lt;br /&gt;
Wirkung nach außen eher aggressiv&lt;br /&gt;
und vorurteilsfördernd. Das heutige&lt;br /&gt;
System von souveränen Nationalstaa-&lt;br /&gt;
ten begünstigt letztlich die Willkür und&lt;br /&gt;
Ungesetzlichkeit im Zusammenleben&lt;br /&gt;
der Völker, da der Nationalstaat keine&lt;br /&gt;
höhere Bindung anerkennt, es sei denn&lt;br /&gt;
die eines regionalen Bündnissystems. Er&lt;br /&gt;
gibt sich selbst die Freiheit, die Mittel&lt;br /&gt;
zum Durchsetzen seiner Machtinteres-&lt;br /&gt;
sen zu bestimmen — notfalls Gewalt.&lt;br /&gt;
Ein Novum in der Geschichte der Reli-&lt;br /&gt;
gionen ist der in der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
bestehende Plan einer Weltordnung, in&lt;br /&gt;
deren Mittelpunkt die Errichtung eines&lt;br /&gt;
Weltbundesstaates steht. Diese Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, die auf Bahä’u’lläh selbst zu-&lt;br /&gt;
rückgeht, kann als der eigentliche Kern&lt;br /&gt;
der von ihm begründeten Religion be-&lt;br /&gt;
zeichnet werden. Shoghi Effendi erklärt&lt;br /&gt;
hierzu: »Ein Welt-Überstaat, an den alle&lt;br /&gt;
Nationen der Erde willig den Anspruch,&lt;br /&gt;
Krieg zu führen, gewisse Rechte der Er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
94 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hebung von Steuern und alle Rechte auf&lt;br /&gt;
Kriegsrüstung außer zur Aufrechterhal-&lt;br /&gt;
tung der inneren Ordnung in ihren Ge-&lt;br /&gt;
bieten abtreten — ein solcher Staat muß&lt;br /&gt;
notwendigerweise in irgendeiner Form&lt;br /&gt;
entwickelt werden. Sein Organisations-&lt;br /&gt;
rahmen wird eine internationale Exeku-&lt;br /&gt;
tive einschließen müssen, die jedem&lt;br /&gt;
widerspenstigen Mitglied der Gemein-&lt;br /&gt;
schaft ihre höchste und unantastbare&lt;br /&gt;
Autorität aufzwingen kann; ein Welt-&lt;br /&gt;
parlament, dessen Mitglieder durch das&lt;br /&gt;
Volk aller Länder gewählt werden und&lt;br /&gt;
in ihrer Amtsübernahme von den jewei-&lt;br /&gt;
ligen Regierungen bestätigt werden, so-&lt;br /&gt;
wie einen Obersten Gerichtshof, dessen&lt;br /&gt;
Urteil bindende Gültigkeit haben wird,&lt;br /&gt;
selbst in Fällen, in denen die Parteien&lt;br /&gt;
ihren Streit nicht freiwillig seiner&lt;br /&gt;
Rechtsfindung unterwerfen.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche zukünftige Weltordnung&lt;br /&gt;
baut damit auf den demokratischen&lt;br /&gt;
Institutionen Weltregierung, Weltparla-&lt;br /&gt;
ment und Oberster Gerichtshof auf. Sie&lt;br /&gt;
fordert zugleich menschliche Freiheit,&lt;br /&gt;
die jedoch durch ein für alle bindendes&lt;br /&gt;
Recht eingegrenzt wird. Sie sieht das in&lt;br /&gt;
der bisherigen Staatenbildung bewährte&lt;br /&gt;
Prinzip des Föderalismus als geeignetes&lt;br /&gt;
Mittel vor, um die zentrale Machtkon-&lt;br /&gt;
zentration auf der Seite der Weltinstitu-&lt;br /&gt;
tionen zugunsten der weiterhin verblei-&lt;br /&gt;
benden nationalen Gremien auf ein&lt;br /&gt;
unumgängliches Maß zu begrenzen.&lt;br /&gt;
Damit wird den berechtigten Ängsten&lt;br /&gt;
gegenüber einer totalen Machtkonzen-&lt;br /&gt;
tration in den Händen eines zentralisti-&lt;br /&gt;
schen Weltstaates begegnet. Der hier&lt;br /&gt;
vorgeschlagene Weltbundesstaat ent-&lt;br /&gt;
spricht nicht einem Verlangen nach&lt;br /&gt;
mehr zentraler Macht, vielmehr der&lt;br /&gt;
Realität, daß die heutigen nationalen&lt;br /&gt;
Regierungen zu klein für die großen Be-&lt;br /&gt;
lange und zu groß für die kleinen Belan-&lt;br /&gt;
ge der Menschheit sind — wie der Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Die Weltordnung Bahäu’llähs,&lt;br /&gt;
Langenhain 1977, S. 66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofheim-&lt;br /&gt;
{{page|95|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=25}}gründer des Club of Rome, Aurelio Pec-&lt;br /&gt;
cei, treffend bemerkte. Hinsichtlich der&lt;br /&gt;
zu den »großen Belangen« zählenden Si-&lt;br /&gt;
cherheit der Völker fordert die Bahäi-&lt;br /&gt;
Weltordnung zugleich einen durch alle&lt;br /&gt;
Völker zu unterzeichnenden bindenden&lt;br /&gt;
Friedenspakt,” dessen Einhaltung&lt;br /&gt;
durch eine internationale Schutztruppe&lt;br /&gt;
gewährleistet werden muß. Dieses Prin-&lt;br /&gt;
zip einer von der Mehrheit der Völker&lt;br /&gt;
getragenen »kollektiven Sicherheit«&lt;br /&gt;
kann alleine dem Wahnsinn des Wett-&lt;br /&gt;
rüstens Einhalt gebieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vereinten Nationen sind in dieser&lt;br /&gt;
Frage mit der Einführung des Vetorechts&lt;br /&gt;
gleich zu Anfang gescheitert. Über ein&lt;br /&gt;
Jahrzehnt vor der Gründung der Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen wurde in den Bahäi-&lt;br /&gt;
Schriften durch Shoghi Effendi festge-&lt;br /&gt;
halten: »Der Aufbau von Nationalstaa-&lt;br /&gt;
ten ist zu einem Ende gekommen. Die&lt;br /&gt;
Anarchie, die der nationalstaatlichen&lt;br /&gt;
Souveränität anhaftet, nähert sich heute&lt;br /&gt;
einem Höhepunkt. Eine Welt, die zur&lt;br /&gt;
Reife heranwächst, muß diesen Fetisch&lt;br /&gt;
aufgeben, die Einheit und Ganzheit der&lt;br /&gt;
menschlichen Beziehungen erkennen&lt;br /&gt;
und ein für allemal den Apparat auf-&lt;br /&gt;
richten, der diesen Leitgrundsatz ihres&lt;br /&gt;
Daseins am besten zu verkörpern&lt;br /&gt;
vermag.«!! In dieser Erkenntnis der&lt;br /&gt;
»Einheit und Ganzheit der menschli-&lt;br /&gt;
chen Beziehungen« über die heutigen&lt;br /&gt;
Grenzen engen nationalen, sozialen,&lt;br /&gt;
rassischen oder religiösen Denkens hin-&lt;br /&gt;
aus liegt der treibende Impuls in der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltordnung. In dem Wort&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«!?&lt;br /&gt;
wird die Forderung umrissen, daß die&lt;br /&gt;
Menschheit in allen wesentlichen Ange-&lt;br /&gt;
legenheiten geeint vorgehen muß. Die&lt;br /&gt;
heutige Weltpolitik scheint noch dem&lt;br /&gt;
umgekehrten Prinzip ihren Schwur zu&lt;br /&gt;
leisten: Was dir nicht schadet, kann mir&lt;br /&gt;
nicht nützen! Die Beschwörungsfor-&lt;br /&gt;
meln Freiheit und Wachstum dürfen&lt;br /&gt;
niemanden mehr über die versteckten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maximen hinwegtäuschen, derer sich&lt;br /&gt;
die heutige Politik noch bedient. Erst die&lt;br /&gt;
Einsicht, daß die Menschheit ein Orga-&lt;br /&gt;
nismus ist, dessen einzelne Teile einer&lt;br /&gt;
globalen Steuerung und weltweit ver-&lt;br /&gt;
bindlichen Rechtsprechung bedürfen,&lt;br /&gt;
kann einer neuen Politik zum Durch-&lt;br /&gt;
bruch verhelfen, der von Bahä’u/llah vor&lt;br /&gt;
über 100 Jahren begründeten Politik der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umwandlung des bestehenden&lt;br /&gt;
Systems souveräner Nationalstaaten in&lt;br /&gt;
die neue Weltordnung wird dadurch er-&lt;br /&gt;
schwert, daß von der gegenwärtigen na-&lt;br /&gt;
tionalen Politik, ihren Institutionen,&lt;br /&gt;
Praktiken und Zielsetzungen ausgegan-&lt;br /&gt;
gen werden muß. Ein gewaltsamer&lt;br /&gt;
Bruch mit der bestehenden Ordnung&lt;br /&gt;
stünde im Widerspruch zu den Prinzi-&lt;br /&gt;
pien der Freiheit und Gerechtigkeit, die&lt;br /&gt;
die neue Ordnung tragen sollen. Anar-&lt;br /&gt;
chie oder Gewaltherrschaft könnten all-&lt;br /&gt;
zuschnell das Ergebnis eines solchen&lt;br /&gt;
Umsturzes sein, so daß nur der Weg&lt;br /&gt;
einer evolutionären Umwandlung&lt;br /&gt;
bleibt. Unsere Hoffnung kann jedoch&lt;br /&gt;
nicht auf beliebig langsamen Verände-&lt;br /&gt;
rungen gründen. Die Geschwindigkeit,&lt;br /&gt;
mit der sich die Menschheitskrise auf&lt;br /&gt;
allen Gebieten vertieft, läßt immer&lt;br /&gt;
weniger Zeit für eine Lösung übrig. Die&lt;br /&gt;
Evolution in der Natur kennt Phasen&lt;br /&gt;
langsamer Änderung, dann aber auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 jn den Bahá’í-Schriften wird der von den Natio-&lt;br /&gt;
nen zu unterzeichnende weltweite Friedensver-&lt;br /&gt;
trag, der die Voraussetzung für die Herstellung&lt;br /&gt;
des Gleichgewichts in der Ordnung der Welt ist,&lt;br /&gt;
als »geringerer Friede« bezeichnet, der noch in&lt;br /&gt;
diesem Jahrhundert erreichbar ist. Unter dem&lt;br /&gt;
Begriff »Größter Friede« wird eine längerfristi-&lt;br /&gt;
ge Verwandlung der menschlichen Gesellschaft&lt;br /&gt;
verstanden, die zu einer endgültigen, anhalten-&lt;br /&gt;
den Verbannung des Krieges vom Angesicht der&lt;br /&gt;
Erde führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Weltordnung, S. 295f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Botschaften aus Akkä, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1982, 11:13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985 95&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|96|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=26}}spontanes Umschlagen in einen neuen&lt;br /&gt;
Zustand des Wachstums. Solche Pha-&lt;br /&gt;
senübergänge treten plötzlich auf: Die&lt;br /&gt;
Erhöhung der Konzentration in einer&lt;br /&gt;
Salzlösung führt ab einem gewissen&lt;br /&gt;
Wert abrupt zu Kristallbildung — einer&lt;br /&gt;
neuen Ördnungsstruktur — die zu-&lt;br /&gt;
nächst aber punktuell von wenigen ein-&lt;br /&gt;
zeinen Kristallisationskeimen ausgeht.&lt;br /&gt;
Das Studium von Systemen in der be-&lt;br /&gt;
lebten und unbelebten Natur, in denen&lt;br /&gt;
»Chaos« abrupt in einen stabileren Zu-&lt;br /&gt;
stand der Ordnung übergeht, hat in den&lt;br /&gt;
letzten Jahren in der Wissenschaft der&lt;br /&gt;
Synergetik Bedeutung erlangt. Weit da-&lt;br /&gt;
von entfernt, Erfahrungen mit »über-&lt;br /&gt;
schaubaren« Systemen einfach auf das&lt;br /&gt;
komplexe System menschlichen Zusam-&lt;br /&gt;
menwirkens anwenden zu wollen, kön-&lt;br /&gt;
nen uns diese Vergleiche zumindest&lt;br /&gt;
darin ermutigen, die Entstehung einer&lt;br /&gt;
neuen Weltordnung als Ergebnis einer&lt;br /&gt;
inneren Umwandlung zu erwarten, die&lt;br /&gt;
sich in einem Zeittempo ergibt, das in&lt;br /&gt;
der Vergangenheit nicht seinesgleiches&lt;br /&gt;
hatte. Diese Erwartung wird durch die&lt;br /&gt;
folgenden Einsichten gestärkt, zu deren&lt;br /&gt;
Überprüfung die Bahäi-Lehren auffor-&lt;br /&gt;
dern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die Erneuerung der bestehenden&lt;br /&gt;
Ordnung ist notwendig, um die&lt;br /&gt;
Menschheit aus der Gefahr der Selbst-&lt;br /&gt;
vernichtung herauszuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Die von Bahä’ulläh vorgeschlagene&lt;br /&gt;
Weltordnung auf der Grundlage eines&lt;br /&gt;
Weltbundesstaates stellt eine reale Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit der dauerhaften Friedenssiche-&lt;br /&gt;
rung nach dem Prinzip der kollektiven&lt;br /&gt;
(statt nationalen oder bündnisgebunde-&lt;br /&gt;
nen) Sicherheit dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Der Weltbundesstaat ist der konse-&lt;br /&gt;
quente Abschluß der Staatenbildung im&lt;br /&gt;
Verlauf der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Der Mensch ist nicht von Natur aus&lt;br /&gt;
unfähig, das Zusammenleben in der&lt;br /&gt;
neuen Weltordnung zu verwirklichen.&lt;br /&gt;
Er wird dazu fähig durch das Bewußt-&lt;br /&gt;
sein, Bürger einer Welt zu sein, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
96 BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch den Verzicht auf die Politik der&lt;br /&gt;
Macht im bisherigen Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Dimension des Bahäfi-&lt;br /&gt;
Friedenswegs liegt schließlich in der&lt;br /&gt;
Umwandlung des Menschen selbst, die&lt;br /&gt;
als langfristiger Prozeß zu sehen ist. Sie&lt;br /&gt;
ist unumgänglich, da sie untrennbar&lt;br /&gt;
verbunden ist mit den Prinzipien der&lt;br /&gt;
Abrüstung und der neuen Weltord-&lt;br /&gt;
nung. Ohne sie wären jene letztlich zum&lt;br /&gt;
Scheitern verurteilt, bestenfalls von nur&lt;br /&gt;
vorübergehendem Erfolg. Der neue&lt;br /&gt;
Mensch ist in seinem Denken und Tun&lt;br /&gt;
geleitet von einem neuen Bewußtsein,&lt;br /&gt;
dem Weltbewußtsein an Stelle des Na-&lt;br /&gt;
tionalbewußtseins: »Es rühme sich&lt;br /&gt;
nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern&lt;br /&gt;
wer die ganze Welt liebt«&#039;?; ihn kenn-&lt;br /&gt;
zeichnet die Bereitschaft zur Koopera-&lt;br /&gt;
tion an Stelle von Konfrontation und&lt;br /&gt;
Gewalt, Solidarität anstatt der Feind-&lt;br /&gt;
schaft, Dienen (für die Belange der&lt;br /&gt;
Menschheit) an Stelle des Herrschens,&lt;br /&gt;
geistige Orientierung an Stelle materiel-&lt;br /&gt;
ler Konsumbefriedigung; die Erkenntnis&lt;br /&gt;
Gottes als Wurzel des Daseins, jedoch in&lt;br /&gt;
einer Weise, die Vernunft und religiöse&lt;br /&gt;
Einsicht nicht als antagonistisch hin-&lt;br /&gt;
nimmt, sondern als grundsätzlich in&lt;br /&gt;
Übereinstimmung befindlich. Die wohl&lt;br /&gt;
tiefste Ursache für die heutige Krise liegt&lt;br /&gt;
in der Entseelung des modernen Men-&lt;br /&gt;
schen und in dem zunehmenden Sinn-&lt;br /&gt;
verlust, die im Gefolge der Entthronung&lt;br /&gt;
der alten Religionen und der Herr-&lt;br /&gt;
schaftsübernahme durch die Konsum-&lt;br /&gt;
gesellschaft auftraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forderung der Umkehr zu einem&lt;br /&gt;
neuen Menschen setzt nicht voraus, daß&lt;br /&gt;
der bisher immer als recht unvollkom-&lt;br /&gt;
men erlebte Mensch nun plötzlich voll-&lt;br /&gt;
kommen werden soll. Dies wäre un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33 Bahä’u/lläh, Botschaften aus Akkä 7:13&lt;br /&gt;
{{page|97|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
glaubhaft. Die Bahä’i-Religion geht hier&lt;br /&gt;
vielmehr von zwei Vorstellungen aus:&lt;br /&gt;
1. Jede der Religionen in der Geschichte&lt;br /&gt;
der Menschheit hat gezeigt, daß eine&lt;br /&gt;
geistige und sittliche Neuorientierung&lt;br /&gt;
des Menschen möglich ist. 2. Aus der&lt;br /&gt;
Tatsache, daß nicht schon die Religio-&lt;br /&gt;
nen der Vergangenheit (z.B. das Chri-&lt;br /&gt;
stentum) die für den heutigen Menschen&lt;br /&gt;
geforderten Tugenden in ausreichendem&lt;br /&gt;
Maße verwirklicht haben, folgt nicht&lt;br /&gt;
die Unerreichbarkeit dieses Ziels, son-&lt;br /&gt;
dern höchstens, daß jede Religion nur&lt;br /&gt;
eine begrenzte Wirkung hat; was für den&lt;br /&gt;
Weltfrieden heute notwendig erscheint,&lt;br /&gt;
war für den vor 2000 Jahren in einer&lt;br /&gt;
Hirten- und Bauerngesellschaft leben-&lt;br /&gt;
den Menschen im Gründe entbehrlich.&lt;br /&gt;
Der Lehre Christi kann nicht der Vor-&lt;br /&gt;
wurf gemacht werden, sie habe nicht&lt;br /&gt;
den Menschen hervorgebracht, den wir&lt;br /&gt;
heute fordern, da dies auch nicht ihre&lt;br /&gt;
Aufgabe war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erneuerung des Menschen ist erst&lt;br /&gt;
durch das Wirken des Zeitfaktors glaub-&lt;br /&gt;
würdig: Die heutige Zeit bedingt sowohl&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit als auch die reale&lt;br /&gt;
Möglichkeit zu Weltfrieden und Welt-&lt;br /&gt;
ordnung und damit zu einem neuen&lt;br /&gt;
Menschen. Die Notwendigkeit, weil da-&lt;br /&gt;
mit die Katastrophe der Selbstzerstö-&lt;br /&gt;
rung gebannt wird; die reale Möglich-&lt;br /&gt;
keit, weil sowohl die Mittel der Kommu-&lt;br /&gt;
nikation als auch die Gemeinsamkeit&lt;br /&gt;
der Interessen in ausreichendem Maße&lt;br /&gt;
vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansätze zu einer Friedenserziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Weltfrieden ernst zu nehmen,&lt;br /&gt;
bedeutet zu akzeptieren, daß sich der&lt;br /&gt;
Mensch selbst ändern muß. Manipula-&lt;br /&gt;
tion oder Gewalt können dabei nicht er-&lt;br /&gt;
laubt sein, da sie den hier beschriebenen&lt;br /&gt;
Prinzipien der Weltordnung und des&lt;br /&gt;
Weltfriedens entgegengesetzt sind. Da&lt;br /&gt;
die Änderung des Menschen auch nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch ein kosmisches oder mystisches&lt;br /&gt;
Ereignis erwartet wird,&#039;* verbleibt der&lt;br /&gt;
Weg der Erziehung. Die Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
sieht diesen Weg in zweifacher Hinsicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Erziehung setzt einen Erzieher vor-&lt;br /&gt;
aus. Die Religionsstifter werden als »Er-&lt;br /&gt;
zieher der Menschheit« verstanden. Ihr&lt;br /&gt;
Wirken ist fortschreitend, aufeinander&lt;br /&gt;
aufbauend, was mit dem Begriff »fort-&lt;br /&gt;
schreitende Gottesoffenbarung« um-&lt;br /&gt;
schrieben wird. Bahä’u’lläh gilt als Er-&lt;br /&gt;
zieher zum Weltfrieden und zur Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Die eigentliche Umwandlung des&lt;br /&gt;
Menschen an Hand der von Bahäu’lläh&lt;br /&gt;
aufgestellten Maßstäbe geschieht durch&lt;br /&gt;
die aktive Mitwirkung in einer Weltge-&lt;br /&gt;
meinschaft, die bereits die Strukturen&lt;br /&gt;
einer geeinten Menschheit aufweist. Im&lt;br /&gt;
Felde der praktischen Erfahrung in der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft und durch Selbsterzie-&lt;br /&gt;
hung können neue Qualitäten im Men-&lt;br /&gt;
schen verwirklicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden werden einige Aspekte&lt;br /&gt;
dieser Friedenserziehung geschildert,&lt;br /&gt;
die als konkreter Beitrag der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion zur Friedensfrage verstanden&lt;br /&gt;
sein wollen. Naturgemäß kann es sich&lt;br /&gt;
hier nur um einen Überblick handeln,&lt;br /&gt;
der die von den Bahä’i-Lehren ausgehen-&lt;br /&gt;
den Impulse für eine Friedenserzie-&lt;br /&gt;
hung&#039;® umreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der gefährlichsten Klischees&lt;br /&gt;
verbirgt sich hinter der verbreiteten Vor-&lt;br /&gt;
stellung, daß Kriege letztlich eine Folge&lt;br /&gt;
der aggressiven und egoistischen Natur&lt;br /&gt;
des Menschen seien: Es hat in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Der allen Religionen vertraute Begriff »Endzeit«&lt;br /&gt;
wird durch Bahä’u‘lläh nicht als kosmische Um-&lt;br /&gt;
wandlung der Erde, sondern als Umbruch zu&lt;br /&gt;
einem neuen Zeitalter, dem der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit, interpretiert; auch Begriffe wie&lt;br /&gt;
Himmel und Hölle werden nur als symbolische&lt;br /&gt;
Bezeichnungen für Gottnähe und Gottferne&lt;br /&gt;
verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 Vgl. hierzu Hossain Danesh, Die gewaltlose Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft: ein Geschenk für unsere Kinder, in:&lt;br /&gt;
Farzin Dustdar (Hrsg.), Ausweg aus der Krise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 49 MAI 1985 97&lt;br /&gt;
{{page|98|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangenheit immer Kriege gegeben,&lt;br /&gt;
daher müsse es auch in der Zukunft wei-&lt;br /&gt;
terhin Kriege geben, da sich die Natur&lt;br /&gt;
des Menschen nicht ändere. Wer an&lt;br /&gt;
einen eigenständigen Aggressionstrieb&lt;br /&gt;
glaubt, wird bezweifeln, daß der Krieg&lt;br /&gt;
vom Angesicht der Erde verbannt wer-&lt;br /&gt;
den kann. Freud und mit ihm viele mo-&lt;br /&gt;
derne Verhaltensforscher lehren die Exi-&lt;br /&gt;
stenz eines solchen Triebes. Wäre dies&lt;br /&gt;
wahr, dann verbliebe nur die unbefrie-&lt;br /&gt;
digende Hoffnung darauf, daß ein Krieg&lt;br /&gt;
bestenfalls aufschiebbar ist. Dem stehen&lt;br /&gt;
aber anthropologische Forschungen&lt;br /&gt;
entgegen, die zeigen, daß es Kulturen&lt;br /&gt;
gibt, in denen nur friedliche Konfliktlö-&lt;br /&gt;
sungen bekannt sind. Demnach sind die&lt;br /&gt;
eigentlichen Voraussetzungen für Krie-&lt;br /&gt;
ge in der Existenz von Vorurteilen natio-&lt;br /&gt;
naler, rassischer, sozialer und religiöser&lt;br /&gt;
Natur zu sehen.!° Die Kreuzzüge und&lt;br /&gt;
die Glaubenskriege der Neuzeit legen&lt;br /&gt;
dafür Zeugnis ab. Die Massenkriege des&lt;br /&gt;
20. Jahrhunderts wären — ungeachtet&lt;br /&gt;
der unmittelbar auslösenden Momente&lt;br /&gt;
— undenkbar ohne die von nationalen&lt;br /&gt;
und rassischen Vorurteilen bewegten&lt;br /&gt;
Massen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beseitigung von Vorurteilen jeder&lt;br /&gt;
Art ist ein Grundziel der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Erziehung und nach den Bahä’i-Lehren&lt;br /&gt;
eine wesentliche Voraussetzung für die&lt;br /&gt;
Verbannung des Krieges. Der Weg hier-&lt;br /&gt;
zu liegt in der Erkenntnis der Gleichwer-&lt;br /&gt;
tigkeit aller Menschen auf der Grundla-&lt;br /&gt;
ge der Einsicht, daß alle Geschöpfe eines&lt;br /&gt;
Gottes sind, der sich allen Völkern und&lt;br /&gt;
Kulturen in größeren Zeitabständen ge-&lt;br /&gt;
offenbart hat. Es mag die Meinung be-&lt;br /&gt;
stehen, daß die Gleichwertigkeit auch&lt;br /&gt;
auf der Basis einer allgemeinen Huma-&lt;br /&gt;
nität verwirklichbar sei. Dieses Jahr-&lt;br /&gt;
hundert hat nicht nur einmal gezeigt,&lt;br /&gt;
wie leicht Humanität dem Eigennutz&lt;br /&gt;
zum Opfer fallen kann. Die Rassendis-&lt;br /&gt;
kriminierung durch den Nationalsozia-&lt;br /&gt;
lismus ist mit der Forderung nach Rein-&lt;br /&gt;
haltung der eigenen Rasse und ihrem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
98 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schutz vor Verfremdung und Verweich-&lt;br /&gt;
lichung durch Rassenmischung vertei-&lt;br /&gt;
digt worden. Der in den Abgrund füh-&lt;br /&gt;
rende Ruf nach »höherer rassischer&lt;br /&gt;
Qualität« mag Vergangenheit scheinen.&lt;br /&gt;
Dennoch gibt es keinen Schutz davor,&lt;br /&gt;
daß das Ideal der Humanität nicht auf&lt;br /&gt;
neue Art mißbraucht wird. Könnte&lt;br /&gt;
nicht die an sich humane Forderung&lt;br /&gt;
nach Erhaltung der materiellen Lebens-&lt;br /&gt;
qualität in den Industrieländern gegen&lt;br /&gt;
die Menschen in der Dritten Welt ge-&lt;br /&gt;
richtet werden — oder ist das etwa&lt;br /&gt;
schon der Fall? Für die Bahäi liegt die&lt;br /&gt;
Wende in einer Neuorientierung zu Gott&lt;br /&gt;
hin: Die »vertikale Dimension« muß&lt;br /&gt;
mit neuem Inhalt gefüllt werden. Der&lt;br /&gt;
technisch-wissenschaftliche Fortschritt&lt;br /&gt;
hat sich in der »horizontalen Dimen-&lt;br /&gt;
sion« maßlos ausgewirkt und ist heute&lt;br /&gt;
an ungewollte, aber unabänderliche&lt;br /&gt;
Grenzen gestoßen, die mit technischen&lt;br /&gt;
Mitteln alleine nicht beherrschbar sind.&lt;br /&gt;
Eine neue Hinwendung zu Gott kann&lt;br /&gt;
nur auf eine Weise geschehen, die für al-&lt;br /&gt;
le Menschen gleichermaßen annehmbar&lt;br /&gt;
ist,die frei ist vom Ballast obskurer Tra-&lt;br /&gt;
ditionen und von Vernunftfeindlichkeit.&lt;br /&gt;
Gott ist der Vater aller Menschen, der&lt;br /&gt;
sich im Verlauf der Geschichte von Zeit&lt;br /&gt;
zu Zeit den verschiedenen Völkern&lt;br /&gt;
gleichwertig offenbarte, während er&lt;br /&gt;
sich in unserer Zeit in der Bahä&#039;-&lt;br /&gt;
Offenbarung der gesamten Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Diese These wird von Badi Panahi (Vorurteile:&lt;br /&gt;
Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus in&lt;br /&gt;
der Bundesrepublik heute, Frankfurt 1980)&lt;br /&gt;
durch empirische soziologische Untersuchun-&lt;br /&gt;
gen erhärtet. So findet Panahi, daß Menschen&lt;br /&gt;
mit rassischen oder nationalen Vorurteilen&lt;br /&gt;
überwiegend die Möglichkeit einer friedvollen&lt;br /&gt;
Gesellschaft ablehnen. Es bestehen auch sehr&lt;br /&gt;
deutliche Korrelationen zwischen verschiede-&lt;br /&gt;
nen Arten von Vorurteilen, wonach beispiels-&lt;br /&gt;
weise religiös vorurteilshafte Personen zugleich&lt;br /&gt;
starke rassische oder nationale Vorurteile&lt;br /&gt;
besitzen.&lt;br /&gt;
{{page|99|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zuwendet. Mit dieser fundamentalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsicht, die weit mehr als Toleranz ist,&lt;br /&gt;
beginnt bereits die Erziehung der Kin-&lt;br /&gt;
der. Der allgemeine Toleranzbegriff ist&lt;br /&gt;
eher ein bequemes Alibi: Man »duldet«&lt;br /&gt;
Andersdenkende oder Andersgläubige,&lt;br /&gt;
kümmert sich weiter nicht um sie und ist&lt;br /&gt;
letztlich allein von der eigenen Wahrheit&lt;br /&gt;
überzeugt. Die Bahá’í-Erziehung geht&lt;br /&gt;
davon aus, daß es keine bessere Vorbe-&lt;br /&gt;
reitung für den Frieden gibt, als die ge-&lt;br /&gt;
genseitige Anerkennung fundamentaler&lt;br /&gt;
Wahrheiten — auf gleicher Ebene —&lt;br /&gt;
und die Bereitschaft, das Gemeinsame&lt;br /&gt;
an Stelle des Trennenden zu sehen. Das&lt;br /&gt;
positive Denken gilt auch für die Bezie-&lt;br /&gt;
hung der Religion zur Wissenschaft. Die&lt;br /&gt;
in der christlichen Theologie — nicht&lt;br /&gt;
von Jesus selbst — verteidigte Unver-&lt;br /&gt;
träglichkeit von Glauben und Vernunft&lt;br /&gt;
ist dem Bahä’i-Denken fremd: Wahre&lt;br /&gt;
Religion kann keinen Widerspruch zwi-&lt;br /&gt;
schen Glauben und Vernunft lehren,&lt;br /&gt;
vielmehr sind beide aufeinander ange-&lt;br /&gt;
wiesen. ‘Abdu/-Bahä vergleicht die&lt;br /&gt;
Menschheit mit einem Vogel, der zwei&lt;br /&gt;
Flügel besitzt, den des Glaubens und&lt;br /&gt;
den der Vernunft. Benützt sie nur erste-&lt;br /&gt;
ren, dann ist sie in Gefahr, in Aberglau-&lt;br /&gt;
ben und Fanatismus zu versinken; der&lt;br /&gt;
zweite Flügel allein bringt die Gefahr des&lt;br /&gt;
Absturzes in den Materialismus. Beide&lt;br /&gt;
Extreme sind uns bekannt — jetzt liegt&lt;br /&gt;
unsere Chance in einem neuen Gleichge-&lt;br /&gt;
wicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Nation kann bestehen ohne die&lt;br /&gt;
Loyalität des Bürgers zu dieser Nation&lt;br /&gt;
und ihren Einrichtungen. Diese Loyali-&lt;br /&gt;
tät ist niemandem angeboren, sondern&lt;br /&gt;
Ergebnis eines geschichtlichen Prozes-&lt;br /&gt;
ses. Der Fortbestand der Menschheit er-&lt;br /&gt;
fordert gleichermaßen die Entwicklung&lt;br /&gt;
eines neuen Bewußtseins der Loyalität&lt;br /&gt;
zur ganzen Menschheit. Das haben sich&lt;br /&gt;
die Bahä’i zum Ziel gemacht. Sie sind&lt;br /&gt;
hierin ohne Zweifel eine Minderheit in&lt;br /&gt;
einer Welt, in der — wie widersinnig es&lt;br /&gt;
auch sein mag — immer mehr der Ruf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Rückbesinnung auf nationales&lt;br /&gt;
Selbstgefühl hörbar wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kann die Einstellung, die zu einer&lt;br /&gt;
friedvollen Menschheit führen soll,&lt;br /&gt;
praktisch verwirklicht werden? Unsere&lt;br /&gt;
Einstellungen und Verhaltensweisen&lt;br /&gt;
werden immer wesentlich durch die&lt;br /&gt;
Struktur der Gruppe bestimmt, in der&lt;br /&gt;
wir uns bewegen, sei es Familie, Wohn-&lt;br /&gt;
gemeinde, Kollegenkreis bis zur — im&lt;br /&gt;
allgemeinen nur noch indirekt erlebten&lt;br /&gt;
— Weltöffentlichkeit. Die Resignation&lt;br /&gt;
des modernen Menschen gegenüber der&lt;br /&gt;
Möglichkeit einer friedvollen Gesell-&lt;br /&gt;
schaft rührt nicht nur von seiner negati-&lt;br /&gt;
ven Einstellung zur Weltpolitik her, son-&lt;br /&gt;
dern auch davon, daß er in der Regel die&lt;br /&gt;
unmittelbare menschliche Umgebung&lt;br /&gt;
nicht als kreativ für neue Verhaltenswei-&lt;br /&gt;
sen erlebt. Am Modell der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Weltgemeinschaft sei ein praktisch er-&lt;br /&gt;
folgreicher Weg kurz beschrieben. Ihre&lt;br /&gt;
Strukturen gehen auf den Religionsstif-&lt;br /&gt;
ter Bahä’u/liäh selbst zurück, der die&lt;br /&gt;
Einrichtung eines Priesterstandes aufge-&lt;br /&gt;
hoben hat, da dieser der selbständigen&lt;br /&gt;
Erkenntnisfähigkeit des modernen&lt;br /&gt;
Menschen nicht mehr entsprechen wür-&lt;br /&gt;
de. Die Keimzellen dieser Weltgemein-&lt;br /&gt;
schaft sind »Geistige Räte«, aus neun er-&lt;br /&gt;
wachsenen Bahä’i bestehende Gremien,&lt;br /&gt;
die in jedem Ort mit über neun Bahá’í&lt;br /&gt;
durch demokratische Wahlen in jährli-&lt;br /&gt;
chem Abstand gebildet werden (derzeit&lt;br /&gt;
bestehen etwa 30000 solcher Geistiger&lt;br /&gt;
Räte in aller Welt). Auf der nächst höhe-&lt;br /&gt;
ren Ebene werden »Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Räte« gewählt (derzeit etwa 140 welt-&lt;br /&gt;
weit), während auf Weltebene das »Uni-&lt;br /&gt;
versale Haus der Gerechtigkeit« die&lt;br /&gt;
höchste Körperschaft ist, die im Ab-&lt;br /&gt;
stand von fünf Jahren gewählt wird. Die&lt;br /&gt;
örtliche Gemeinde mit ihrem Geistigen&lt;br /&gt;
Rat ist die eigentliche Basis, auf der mit&lt;br /&gt;
hoher Eigenständigkeit das Prinzip der&lt;br /&gt;
Selbstverwaltung praktiziert wird. Der&lt;br /&gt;
einzelne wird dabei in seinen Überle-&lt;br /&gt;
gungen durch die Lehren Bahäu’llähs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985 99&lt;br /&gt;
{{page|100|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=30}}geleitet. In allen Bahá’í-Gremien werden&lt;br /&gt;
Entscheidungen auf dem Weg der Bera-&lt;br /&gt;
tung und anschließenden Abstimmung&lt;br /&gt;
gefunden. Die eigentliche Kunst wird in&lt;br /&gt;
der Beratung gesehen, deren Ziel die op-&lt;br /&gt;
timale Wahrheitsfindung ist, ohne Par-&lt;br /&gt;
teienbildung und Interessenkämpfe. In&lt;br /&gt;
den Beratungsprozeß ist im Grunde die&lt;br /&gt;
gesamte Bahä’i-Gemeinde mit einbezo-&lt;br /&gt;
gen. Als Richtschnur gilt, bei der Lö-&lt;br /&gt;
sung der lokalen Probleme die regiona-&lt;br /&gt;
len und nationalen Belange im Auge zu&lt;br /&gt;
behalten, während bei der Lösung na-&lt;br /&gt;
tionaler Probleme weltweite Maßstäbe&lt;br /&gt;
angelegt werden müssen. Damit besteht&lt;br /&gt;
eine direkte Brücke zwischen der örtli-&lt;br /&gt;
chen Gemeinde und der durch das Uni-&lt;br /&gt;
versale Haus der Gerechtigkeit geführ-&lt;br /&gt;
ten Weltgemeinde. Auf dem Wege der&lt;br /&gt;
Beratung in der örtlichen Gemeinde&lt;br /&gt;
kann der Vorschlag eines einzelnen&lt;br /&gt;
Bahá’í über die nationale Ebene für die&lt;br /&gt;
gesamte Bahäi-Welt Gültigkeit erlan-&lt;br /&gt;
gen. Dabei ist von praktischer Bedeu-&lt;br /&gt;
tung, daß örtliche Gemeinden mit An-&lt;br /&gt;
gehörigen verschiedener Rassen bzw.&lt;br /&gt;
nationaler oder religiöser Herkunft eher&lt;br /&gt;
die Regel als eine Ausnahme sind. Diese&lt;br /&gt;
Struktur kommt dem Abbau von Vor-&lt;br /&gt;
urteilen in der tätigen Gemeinschaft&lt;br /&gt;
zugute. Sie erweist sich auch als sehr&lt;br /&gt;
geeignet bei dem derzeit weltweit von&lt;br /&gt;
den Bahäi begonnenen Aufbau von&lt;br /&gt;
Projekten zur sozialen und wirtschaft-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
100 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Entwicklung zum Nutzen der All-&lt;br /&gt;
gemeinheit. Hierzu gehören für die Län-&lt;br /&gt;
der der Dritten Welt Projekte auf dem&lt;br /&gt;
Gebiet der Landwirtschaft, Hygiene,&lt;br /&gt;
Erziehung, des Schutzes von Minder-&lt;br /&gt;
heiten, der Verständigung zwischen ver-&lt;br /&gt;
schiedenen einander ablehnenden&lt;br /&gt;
Gruppierungen und andere mehr.&lt;br /&gt;
Friedensdienst ist heute weit mehr, als&lt;br /&gt;
gegen Krieg zu sein. Während in der&lt;br /&gt;
Vergangenheit Friede immer dann war,&lt;br /&gt;
wenn kein Krieg herrschte, sehnen wir&lt;br /&gt;
uns heute nach Frieden, obwohl — zu-&lt;br /&gt;
mindest in unserem Teil der Welt — kein&lt;br /&gt;
Krieg ist. Die Hoffnung auf Frieden ist&lt;br /&gt;
zugleich die Hoffnung auf eine bessere&lt;br /&gt;
Welt. Abdu’l-Bahá sagte im Jahre 1911:&lt;br /&gt;
»Ich heiße euch alle und jeden von euch,&lt;br /&gt;
all euer Denken und Fühlen auf Liebe&lt;br /&gt;
und Einigkeit zu richten. Wenn ein&lt;br /&gt;
Kriegsgedanke kommt, so widersteht&lt;br /&gt;
ihm mit einem stärkeren Gedanken des&lt;br /&gt;
Friedens. Ein Haßgedanke muß durch&lt;br /&gt;
einen mächtigeren Gedanken der Liebe&lt;br /&gt;
vernichtet werden. Kriegsgedanken zer-&lt;br /&gt;
stören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Freude ... Haltet den Frieden der&lt;br /&gt;
Welt nicht für ein unerreichbares&lt;br /&gt;
Idealbild!«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Ansprachen in Paris, Oberkalbach 61973,&lt;br /&gt;
$. 18; zitiert nach H.M. Balyuzi, Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
Bd. 1, Hofheim-Langenhain 1983, 5. 232&lt;br /&gt;
{{page|101|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=31}}Badi Panahi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VORURTEILE UND WELTFRIEDEN*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem am 30. Juli 1932 an Sigmund&lt;br /&gt;
Freud gerichteten Brief stellt Albert Ein-&lt;br /&gt;
stein die Frage: »Gibt es eine Möglich-&lt;br /&gt;
keit, die psychische Entwicklung der&lt;br /&gt;
Menschen so zu leiten, daß sie den Psy-&lt;br /&gt;
chosen des Hasses und des Vernichtens&lt;br /&gt;
gegenüber widerstandsfähiger werden?«&#039;&lt;br /&gt;
Auf diese Frage gibt Freud die Antwort:&lt;br /&gt;
»Wenn die Bereitwilligkeit zum Krieg&lt;br /&gt;
ein Ausfluß des Destruktionstriebs ist,&lt;br /&gt;
so liegt es nahe, gegen sie den Gegen-&lt;br /&gt;
spieler dieses Triebes, den Eros, anzuru-&lt;br /&gt;
fen. Alles, was Gefühlsbindungen unter&lt;br /&gt;
den Menschen herstellt, muß dem Krieg&lt;br /&gt;
entgegenwirken... Die Psychoanalyse&lt;br /&gt;
braucht sich nicht zu schämen, wenn sie&lt;br /&gt;
hier von Liebe spricht, denn die Religion&lt;br /&gt;
sagt dasselbe: Liebe deinen Nächsten&lt;br /&gt;
wie dich selbst. Das ist nun leicht gefor-&lt;br /&gt;
dert, aber schwer zu erfüllen.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber die Bereitwilligkeit zum&lt;br /&gt;
Krieg ein Ausfluß potentieller Aggres-&lt;br /&gt;
sion ist, dann ist jede Aussicht auf die&lt;br /&gt;
Realisierung der Welteinheit oder des&lt;br /&gt;
Weltfriedens illusorisch. Die menschli-&lt;br /&gt;
che Aggressivität muß nicht unbedingt&lt;br /&gt;
auf einen selbständigen Destruktions-&lt;br /&gt;
trieb zurückgeführt werden, wenn die&lt;br /&gt;
erzieherischen und gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Einflüsse bei der Entstehung von Feind-&lt;br /&gt;
seligkeit die wichtigste Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Wer von der Existenz einer primären&lt;br /&gt;
Aggressivität überzeugt ist, die nur be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Albert Einstein, Brief an Sigmund Freud, Zürich&lt;br /&gt;
1972, S. 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Sigmund Freud, Warum Krieg. Brief an Albert&lt;br /&gt;
Einstein (September 1932), Zürich 1972, S. Alf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sänftigt werden kann, der muß zwangs-&lt;br /&gt;
läufig auch den Krieg rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Postulierung eines eigenständi-&lt;br /&gt;
gen Todes- oder Destruktionstriebes&lt;br /&gt;
steht entgegen, daß einige Völker der&lt;br /&gt;
Welt ihre Streitigkeiten und Konflikte&lt;br /&gt;
auf friedliche Weise beilegen können.&lt;br /&gt;
Die Hypothese, daß der Krieg ein&lt;br /&gt;
unvermeidliches Ereignis des menschli-&lt;br /&gt;
chen Kulturlebens sei, wird durch eine&lt;br /&gt;
Reihe ethnologischer und anthropologi-&lt;br /&gt;
scher Untersuchungen widerlegt. Diese&lt;br /&gt;
Forschungen haben ergeben, daß es Kul-&lt;br /&gt;
turen gab, die den Krieg nicht kannten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sigmund Freud, Konrad Lorenz und&lt;br /&gt;
viele andere Exponenten der modernen&lt;br /&gt;
Verhaltensforschung vertreten die An-&lt;br /&gt;
sicht, daß der Mensch kein sanftes und&lt;br /&gt;
liebebedürftiges Wesen sei. Sie argu-&lt;br /&gt;
mentieren folgenderweise: Da aggressi-&lt;br /&gt;
ves Verhalten ein durch alle Zeiten und&lt;br /&gt;
alle Bevölkerungsschichten immer wie-&lt;br /&gt;
der auftauchendes Phänomen ist, liegt&lt;br /&gt;
einem solchen Verhalten ein selbständi-&lt;br /&gt;
ges Potential zugrunde. »Homo homini&lt;br /&gt;
lupus: wer hat nach allen Erfahrungen&lt;br /&gt;
des Lebens und der Geschichte den Mut,&lt;br /&gt;
diesen Satz zu bestreiten?«° Dieser Satz&lt;br /&gt;
stammt von Freud.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Faktoren, die hem-&lt;br /&gt;
mend auf die Verwirklichung der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit oder einer einigen&lt;br /&gt;
Welt wirken, liegen nicht in einem&lt;br /&gt;
eigenständigen Aggressionstrieb, son-&lt;br /&gt;
dern in tiefverwurzelten, aber erworbe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur,&lt;br /&gt;
G.W. Bd. XIV, Frankfurt 1968, S. 470&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Überarbeitete Fassung eines Radiovortrags am 28. Juni 1981 im Südwestfunk in&lt;br /&gt;
der Sendereihe »Die Aula«. Der Beitrag basiert auf den Ergebnissen einer empiri-&lt;br /&gt;
schen Untersuchung des Autors über Vorurteile in der Bundesrepublik Deutschland:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteile. Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heute, 5. Fischer Verlag, Frankfurt 1980.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Bundesrepublik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985 101&lt;br /&gt;
{{page|102|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=32}}nen sozialen Vorurteilen, die durch das&lt;br /&gt;
Leben der Völker wie eine Erbkrankheit&lt;br /&gt;
von Generation zu Generation fortge-&lt;br /&gt;
schleppt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die tiefverwurzelten sozialen Stereo-&lt;br /&gt;
type sind nichts anderes als rassische,&lt;br /&gt;
antisemitische, ethnozentrische, natio-&lt;br /&gt;
nale, religiöse, politische und wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Vorurteile, die die Krankhei-&lt;br /&gt;
ten der menschlichen Gesellschaften&lt;br /&gt;
verursacht haben. Die traurigen Kriege&lt;br /&gt;
der Weltgeschichte wurden durch das&lt;br /&gt;
eine oder das andere dieser Vorurteile&lt;br /&gt;
hervorgerufen. Beispiele dafür sind die&lt;br /&gt;
religiösen Kriege (Kreuzzüge) zwischen&lt;br /&gt;
den islamischen und christlichen Natio-&lt;br /&gt;
nen, die vom Ende des 11. bis zum Ende&lt;br /&gt;
des 13. Jahrhunderts dauerten und gro-&lt;br /&gt;
ße Blutopfer forderten. Religiöse Vorur-&lt;br /&gt;
teile, eine der schwer zu beseitigenden&lt;br /&gt;
seelischen Krankheiten der menschli-&lt;br /&gt;
chen Rasse, treten immer wieder in Er-&lt;br /&gt;
scheinung. Der französische Historiker&lt;br /&gt;
und Religionsphilosoph Ernest Renan&lt;br /&gt;
berichtet in seinem Buch »Die Apostel«&lt;br /&gt;
über jene tragischen Ereignisse, die sich&lt;br /&gt;
im 19. Jahrhundert in Persien abspiel-&lt;br /&gt;
ten. Renan schreibt: »Ein Tag ohneglei-&lt;br /&gt;
chen in der Weltgeschichte ist vielleicht&lt;br /&gt;
der, an welchem in Teheran die große&lt;br /&gt;
Metzelei an den Babisten begangen wur-&lt;br /&gt;
de. Man sah an diesem Tage in den Stra-&lt;br /&gt;
ßen und Bazaren von Teheran ein&lt;br /&gt;
Schauspiel, das die Bevölkerung wohl&lt;br /&gt;
nie vergessen wird. Heute noch, wenn&lt;br /&gt;
davon die Rede ist, kann man die mit&lt;br /&gt;
Entsetzen vermischte Bewunderung&lt;br /&gt;
wahrnehmen, welche die Menge emp-&lt;br /&gt;
fand und welche mit den Jahren nicht&lt;br /&gt;
verringert wurde.«* Die grausamen Ver-&lt;br /&gt;
folgungen und Hinrichtungen finden&lt;br /&gt;
heute noch statt. Tausende Anhänger&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion sind jetzt in Persien&lt;br /&gt;
von der Todesstrafe bedroht. Die Regie-&lt;br /&gt;
rungen der Welt und die Weltöffentlich-&lt;br /&gt;
keit sollten davon Kenntnis nehmen.&lt;br /&gt;
Soviel über religiöse Vorurteile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Ernest Renan, Die Apostel, Leipzig 1935, S. 305&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
102 BAHATI-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Hindernis, das heute wie&lt;br /&gt;
in früheren Zeiten die Verwirklichung&lt;br /&gt;
einer universalen Friedensordnung un-&lt;br /&gt;
terbindet und auf die internationalen&lt;br /&gt;
Beziehungen der Einzelstaaten zueinan-&lt;br /&gt;
der einen schädlichen Einfluß ausübt,&lt;br /&gt;
ist ein ins Ungeheuerliche gesteigerter&lt;br /&gt;
Nationalismus, der die Nation über die&lt;br /&gt;
Menschheit erheben will. Die schlimm-&lt;br /&gt;
sten Götzenbilder, die die Geschichte&lt;br /&gt;
der Menschheit während des 19. und 20.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts beherrschten und unter&lt;br /&gt;
den Nationen und Völkern der Welt&lt;br /&gt;
Haß, Zwietracht, Rivalität und Feindse-&lt;br /&gt;
ligkeit erzeugten, sind Rassismus, Anti-&lt;br /&gt;
semitismus und Nationalismus. Es be-&lt;br /&gt;
darf keiner Erklärung, daß die Verherr-&lt;br /&gt;
lichung dieser Götzen den Aufstieg&lt;br /&gt;
heuchlerischer, demagogischer, grausa-&lt;br /&gt;
mer und unglaublich verbrecherischer&lt;br /&gt;
Regime verursacht hat. Historisch be-&lt;br /&gt;
trachtet, liegen die Ursprünge dieser&lt;br /&gt;
Götzenbilder im Anfang des 18. Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts, als der führende Rassentheo-&lt;br /&gt;
retiker dieser Zeit, Comte de Boulainvil-&lt;br /&gt;
liers, seine Frankenlegende über die Ent-&lt;br /&gt;
stehung des französischen Volkes auf-&lt;br /&gt;
stellte. Zur Zeit der Französischen Revo-&lt;br /&gt;
lution war die Rassenlehre wissen-&lt;br /&gt;
schaftlich erledigt. Während der Revo-&lt;br /&gt;
lution stellten sich einige Schriftsteller&lt;br /&gt;
Frankreichs die Aufgabe, die Idee einer&lt;br /&gt;
zweigeteilten französischen Nation&lt;br /&gt;
(Franken und Gallier), die auf Boulain-&lt;br /&gt;
villiers zurückgeht, weiter auszubauen.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschien&lt;br /&gt;
in Frankreich eine Reihe von Büchern,&lt;br /&gt;
die sich wie frühere Publikationen mit&lt;br /&gt;
den Legitimationsproblemen der fran-&lt;br /&gt;
zösischen Aristokratie befaßten. Der&lt;br /&gt;
Gedanke einer allgemeinen Überlegen-&lt;br /&gt;
heit der französischen Aristokratie, be-&lt;br /&gt;
dingt durch deren Abstammung von&lt;br /&gt;
den Germanen, wurde von zahlreichen&lt;br /&gt;
Repräsentanten der Rassentheorie wäh-&lt;br /&gt;
rend des 19. Jahrhunderts leidenschaft-&lt;br /&gt;
lich vertreten. Diese sahen in der Revo-&lt;br /&gt;
lution von 1789 einen Aufstand der gal-&lt;br /&gt;
{{page|103|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lischen Plebejer gegen ihre germani-&lt;br /&gt;
schen Eroberer. Es entstand allmählich&lt;br /&gt;
eine besondere Art von Germanophilie.&lt;br /&gt;
In seinem 1853 erschienenen Werk&lt;br /&gt;
„Essai sur linegalite des races humai-&lt;br /&gt;
nes« vertritt Comte Joseph Arthur de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gobineau eine pessimistische Ge-&lt;br /&gt;
schichtsauffassung, die auf die Situa-&lt;br /&gt;
tion der entmachteten französischen&lt;br /&gt;
Aristokratie zurückzuführen ist. Trotz&lt;br /&gt;
der restaurativen Bemühungen der Ras-&lt;br /&gt;
senideologen Frankreichs befand sich&lt;br /&gt;
die Aristokratie nach Gobineau im Nie-&lt;br /&gt;
dergang. Für ihn war die Französische&lt;br /&gt;
Revolution nichts anderes als der Aus-&lt;br /&gt;
druck einer ungerechtfertigten Empö-&lt;br /&gt;
rung der Plebs gegen die höhere Rasse.&lt;br /&gt;
Der Begriff Arier stand bei ihm im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt seiner rassentheoretischen&lt;br /&gt;
Analysen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee von der Großartigkeit der&lt;br /&gt;
arischen Rasse wurde also im 19. Jahr-&lt;br /&gt;
hundert systematisch entwickelt. Sie er-&lt;br /&gt;
langte später durch den Nationalsozia-&lt;br /&gt;
lismus eine ungeheuerliche Bedeutung.&lt;br /&gt;
In Rosenbergs »Der Mythus des 20.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts« und in Hitlers »Mein&lt;br /&gt;
Kampf« wurde diese Idee zum Funda-&lt;br /&gt;
ment der nationalsozialistischen Welt-&lt;br /&gt;
anschauung. Im Arier fand Hitler den&lt;br /&gt;
Übermenschen, von dem Nietzsche das&lt;br /&gt;
Heil der menschlichen Gesellschaft er-&lt;br /&gt;
wartet hatte. Der Rassenmystizismus&lt;br /&gt;
Hitlers richtete sich vor allem gegen die&lt;br /&gt;
Juden. Sein paranoider Judenhaß zieht&lt;br /&gt;
sich wie ein roter Faden durch die Seiten&lt;br /&gt;
seines Buches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Judenfrage gehörte wesensmäßig&lt;br /&gt;
zur nationalsozialistischen Herrschaft&lt;br /&gt;
und Ideologie. Ohne antisemitische Ge-&lt;br /&gt;
sinnung wäre das ganze Gebäude der&lt;br /&gt;
nationalsozialistischen Weltanschau-&lt;br /&gt;
ung in sich zusammengebrochen. Der&lt;br /&gt;
Antisemitismus hing also mit dem Fa-&lt;br /&gt;
schismus sehr eng zusammen. Beide ha-&lt;br /&gt;
ben einige unmittelbare geistige Ahnen&lt;br /&gt;
gehabt. Neben Lagarde gilt Chamber-&lt;br /&gt;
lain als das wichtigste ideologische Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bindungsglied zwischen den alten Ras-&lt;br /&gt;
sentheorien und dem späteren Faschis-&lt;br /&gt;
mus. In seinem Buch »Die Grundlagen&lt;br /&gt;
des 19. Jahrhunderts« betrachtet Cham-&lt;br /&gt;
berlain die Juden als ein fremdes Ele-&lt;br /&gt;
ment in der abendländischen Geschich-&lt;br /&gt;
te und Kultur. Chamberlain und Wag-&lt;br /&gt;
ner sorgten vor allem dafür, daß sich die&lt;br /&gt;
Rassenlehre Gobineaus in Deutschland&lt;br /&gt;
weit verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soweit über einige geschichtliche Be-&lt;br /&gt;
trachtungen des Rassenvorurteils. Die&lt;br /&gt;
Frage, ob es in der modernen Industrie-&lt;br /&gt;
gesellschaft noch rassische und antise-&lt;br /&gt;
mitische Vorurteile gibt, muß mit ja be-&lt;br /&gt;
antwortet werden. In einer sorgfältigen&lt;br /&gt;
Untersuchung der von mir in Auftrag&lt;br /&gt;
gegebenen Repräsentativumfrage bei&lt;br /&gt;
der erwachsenen Bevölkerung der Bun-&lt;br /&gt;
desrepublik Deutschland im Jahre&lt;br /&gt;
1977/78 kam ich zu dem Ergebnis, daß&lt;br /&gt;
in der Bundesrepublik rassische, antise-&lt;br /&gt;
mitische, ethnozentrische und nationale&lt;br /&gt;
Stereotype nicht nur stark ausgeprägt&lt;br /&gt;
sind, sondern daß überdies zwischen&lt;br /&gt;
diesen Vorurteilen ein enger Zusam-&lt;br /&gt;
menhang besteht. Das heißt: Die Men-&lt;br /&gt;
schen, die gegenüber einer bestimmten&lt;br /&gt;
Fremdgruppe vorurteilsvoll sind, müß-&lt;br /&gt;
ten auch gegenüber den anderen vorein-&lt;br /&gt;
genommen sein. Personen, die bei-&lt;br /&gt;
spielsweise Neger als Vorgesetzte von&lt;br /&gt;
Weißen ablehnen, neigen sehr wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich auch dazu, Gastarbeiter als&lt;br /&gt;
Schwiegersöhne abzulehnen. Oder, die&lt;br /&gt;
Individuen, die den Negern negative&lt;br /&gt;
Charaktereigenschaften wie grausam,&lt;br /&gt;
streitsüchtig und träge zuschreiben, ten-&lt;br /&gt;
dieren sehr wahrscheinlich auch dazu,&lt;br /&gt;
Gastarbeiter als Vorgesetzte abzuleh-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorurteile gegen Fremdgruppen&lt;br /&gt;
ergänzen sich also wechselseitig. Meine&lt;br /&gt;
empirische Untersuchung hat eindeutig&lt;br /&gt;
gezeigt, daß Personen mit ethnozentri-&lt;br /&gt;
schen Einstellungen sehr wahrscheinlich&lt;br /&gt;
auch mit rassischen und antisemitischen&lt;br /&gt;
Vorurteilen behaftet sind. Menschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 49 MAI 1985 103&lt;br /&gt;
{{page|104|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=34}}die beispielsweise der Überzeugung&lt;br /&gt;
sind, daß die Juden einen schädlichen&lt;br /&gt;
Einfluß auf die christlich-abendländi-&lt;br /&gt;
sche Kultur ausüben, sind mit großer&lt;br /&gt;
Wahrscheinlichkeit auch gegen be-&lt;br /&gt;
stimmte soziale Rollen und Funktionen&lt;br /&gt;
der Neger und Gastarbeiter (z.B. als&lt;br /&gt;
Vorgesetzte). Personen, die der Auffas-&lt;br /&gt;
sung sind, daß einige Rassen ihrer Ver-&lt;br /&gt;
anlagung nach unmoralischer oder krie-&lt;br /&gt;
gerischer sind als die anderen Rassen,&lt;br /&gt;
tendieren mit großer Wahrscheinlich-&lt;br /&gt;
keit auch dazu, gegenüber den Juden ne-&lt;br /&gt;
gative Einstellungen und feindselige Ge-&lt;br /&gt;
fühle zu entwickeln. Die rassischen, an-&lt;br /&gt;
tisemitischen, Anti-Neger- und -Gast-&lt;br /&gt;
arbeiter-Stereotype ergänzen sich wech-&lt;br /&gt;
selseitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der wichtigsten Resultate, das&lt;br /&gt;
ich in der Repräsentativumfrage von&lt;br /&gt;
1977/78 erzielt habe, bezieht sich auf&lt;br /&gt;
den Zusammenhang zwischen rassi-&lt;br /&gt;
schen, antisemitischen, ethnozentri-&lt;br /&gt;
schen Vorurteilen und dem Glauben an&lt;br /&gt;
eine einige Welt oder an den Weltfrie-&lt;br /&gt;
den. Es konnte nachgewiesen werden,&lt;br /&gt;
daß zwischen Rassismus, Antisemitis-&lt;br /&gt;
mus, Ethnozentrismus und Ablehnung&lt;br /&gt;
des Pazifismus eine positive Korrelation&lt;br /&gt;
besteht. Das heißt: Je mehr die Men-&lt;br /&gt;
schen in rassischen und antisemitischen&lt;br /&gt;
Kategorien denken und den fremden&lt;br /&gt;
Völkern negative Eigenschaften zu-&lt;br /&gt;
schreiben, desto mehr neigen sie auch&lt;br /&gt;
dazu, die Möglichkeit der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit oder einer einigen Welt ab-&lt;br /&gt;
zulehnen. Während 24 Prozent der Ver-&lt;br /&gt;
suchspersonen von der natürlichen Ag-&lt;br /&gt;
gressivität fremder Völker überzeugt&lt;br /&gt;
sind und gleichzeitig die Wahrschein-&lt;br /&gt;
lichkeit einer einigen Welt nicht aus-&lt;br /&gt;
schließen, bejahen 76 Prozent der Be-&lt;br /&gt;
fragten ebenfalls die angeborene Ag-&lt;br /&gt;
gressivität anderer Völker, lehnen aber&lt;br /&gt;
die Möglichkeit der Einheit der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Rasse völlig ab. Diejenigen Be-&lt;br /&gt;
fragten, die überzeugt sind, daß einige&lt;br /&gt;
Völker von Natur aus kriegerischer als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
104 BAHÄ-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
andere Völker oder einige Rassen ihrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veranlagung nach unmoralischer als die&lt;br /&gt;
anderen sind, entwickeln gegenüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fremdgruppen, wie Gastarbeitern, Ne-&lt;br /&gt;
gern und Juden negative Einstellungen&lt;br /&gt;
und feindliche Impulse. Probanden mit&lt;br /&gt;
dieser Einstellung neigen gleichzeitig&lt;br /&gt;
dazu, die Wahrscheinlichkeit einer eini-&lt;br /&gt;
gen Welt oder eines dauerhaften Frie-&lt;br /&gt;
dens unter allen Nationen irgendwann&lt;br /&gt;
in Zukunft auszuschließen. Die Korre-&lt;br /&gt;
lation der rassischen, antisemitischen,&lt;br /&gt;
der Anti-Neger- und -Gastarbeiter-&lt;br /&gt;
Haltung mit der Einstellung zu Weltein-&lt;br /&gt;
heit und Weltfrieden ergibt ein Resultat,&lt;br /&gt;
das für die internationale Vorurteils-&lt;br /&gt;
und Friedensforschung von fundamen-&lt;br /&gt;
taler Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was zum Beispiel die Korrelation&lt;br /&gt;
zwischen Antisemitismus und Ableh-&lt;br /&gt;
nung des Pazifismus anbetrifft, so habe&lt;br /&gt;
ich in meinen empirischen Untersu-&lt;br /&gt;
chungen die Reaktion der Bevölkerung&lt;br /&gt;
auf die Frage: »Glauben Sie, daß es für&lt;br /&gt;
alle Nationen der Welt irgendwann in&lt;br /&gt;
Zukunft möglich sein wird, in Harmo-&lt;br /&gt;
nie und Frieden zusammenzuleben?«&lt;br /&gt;
mit der Reaktion auf das folgende Item&lt;br /&gt;
»Die Juden sollten doch untereinander&lt;br /&gt;
bleiben und sich nicht so viel in christli-&lt;br /&gt;
che Angelegenheiten und Organisatio-&lt;br /&gt;
nen einmischen.« in Verbindung ge-&lt;br /&gt;
bracht. Mit 99,9%iger Wahrscheinlich-&lt;br /&gt;
keit konnte nachgewiesen werden, daß&lt;br /&gt;
die beiden Variablen (Antisemitismus&lt;br /&gt;
und Verneinung des Pazifismus) in ei-&lt;br /&gt;
nem Zusammenhang stehen. Die beob-&lt;br /&gt;
achteten Häufigkeiten haben folgendes&lt;br /&gt;
Bild vermittelt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Menschen, die keine antisemi-&lt;br /&gt;
tischen Vorurteile haben und auch in&lt;br /&gt;
bezug auf den Weltfrieden optimistisch&lt;br /&gt;
eingestellt sind (40 Prozent). Wir finden&lt;br /&gt;
auch Menschen, die ebenfalls keine Vor-&lt;br /&gt;
urteile gegen Juden haben, die aber hin-&lt;br /&gt;
sichtlich der Möglichkeit des Weltfrie-&lt;br /&gt;
dens pessimistisch sind (60 Prozent).&lt;br /&gt;
Während 27 Prozent der befragten Per-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|105|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=35}}sonen mit antisemitischen Tendenzen&lt;br /&gt;
die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaf-&lt;br /&gt;
ten Friedens aller Nationen nicht ableh-&lt;br /&gt;
nen, halten dagegen 73 Prozent der Be-&lt;br /&gt;
fragten mit ebenfalls antisemitischen&lt;br /&gt;
Gefühlen den Pazifismus nicht für mög-&lt;br /&gt;
lich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen mit Vorurteilen lehnen&lt;br /&gt;
nicht nur die Möglichkeit der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit oder des Weltfriedens&lt;br /&gt;
ab, sondern äußern sich auch zynisch&lt;br /&gt;
destruktiv über alle Bemühungen für&lt;br /&gt;
die Abschaffung des Krieges. Es besteht&lt;br /&gt;
ein enger Zusammenhang zwischen An-&lt;br /&gt;
tipazifismus und Antiinternationalis-&lt;br /&gt;
mus. Um diese Beziehung nachweisen&lt;br /&gt;
zu können, habe ich die folgenden im&lt;br /&gt;
Fragebogen enthaltenen Items miteinan-&lt;br /&gt;
der in Verbindung gebracht. Die Bevöl-&lt;br /&gt;
kerung wurde einmal befragt: »Ist die&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit oder eine einige&lt;br /&gt;
Welt Ihrer Meinung nach möglich?«&lt;br /&gt;
und zum anderen: »Manche Leute mei-&lt;br /&gt;
nen, es solle eine Weltregierung geben,&lt;br /&gt;
die imstande ist, die politischen und so-&lt;br /&gt;
zialen Probleme zwischen den Nationen&lt;br /&gt;
zu lösen und den Weltfrieden zu ermög-&lt;br /&gt;
lichen. Soll es nun eine solche Regierung&lt;br /&gt;
geben oder nicht?« Die Ergebnisse die-&lt;br /&gt;
ser Korrelation sind statistisch hochsig-&lt;br /&gt;
nifikant. Aus den Antworten läßt sich&lt;br /&gt;
eine deutliche Korrelation ablesen: Je&lt;br /&gt;
mehr die Menschen gegen die Errich-&lt;br /&gt;
tung einer Weltregierung eingestellt&lt;br /&gt;
sind, um so stärker neigen sie auch da-&lt;br /&gt;
zu, die Möglichkeit einer einigen Welt&lt;br /&gt;
zu verneinen. Während 17 Prozent der&lt;br /&gt;
befragten Personen die Errichtung einer&lt;br /&gt;
Weltregierung nicht für notwendig hal-&lt;br /&gt;
ten und gleichzeitig die Wahrscheinlich-&lt;br /&gt;
keit der Einheit der Menschheit nicht&lt;br /&gt;
ausschließen, sind es dagegen 83 Pro-&lt;br /&gt;
zent der Befragten, die weder eine einige&lt;br /&gt;
Welt für möglich halten noch die Not-&lt;br /&gt;
wendigkeit einer Weltregierung postu-&lt;br /&gt;
lieren. Der Antiinternationalismus&lt;br /&gt;
schließt nicht nur negative Einstellun-&lt;br /&gt;
gen zur Welteinheit oder zur künftigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltregierung, sondern auch Opposi-&lt;br /&gt;
tionen gegen die Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
und gegen alle sonstigen internationalen&lt;br /&gt;
Organisationen ein, die sich um die Ver-&lt;br /&gt;
ständigung und Zusammenarbeit der&lt;br /&gt;
Völker der Welt bemühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die gegenüber allen Be-&lt;br /&gt;
mühungen für die Abschaffung des&lt;br /&gt;
Krieges gleichgültig sind und sich&lt;br /&gt;
zynisch destruktiv über Welteinheit und&lt;br /&gt;
Weltfrieden äußern, neigen auch dazu,&lt;br /&gt;
die Kriege für unausweichlich zu halten.&lt;br /&gt;
In der Repräsentativerhebung von&lt;br /&gt;
1977/78 habe ich der Bevölkerung fol-&lt;br /&gt;
gende Fragen gestellt: »Glauben Sie,&lt;br /&gt;
daß der Mensch von Natur aus aggres-&lt;br /&gt;
siv und kriegerisch ist?« und »Glauben&lt;br /&gt;
Sie, daß Kriege auf die menschliche Na-&lt;br /&gt;
tur zurückzuführen sind?«. 39,4 Prozent&lt;br /&gt;
der Befragten sind der Überzeugung,&lt;br /&gt;
der Mensch sei von Natur aus aggressiv.&lt;br /&gt;
52,5 Prozent der Befragten teilen diese&lt;br /&gt;
Auffassung aber nicht. 8,1 Prozent ha-&lt;br /&gt;
ben keinerlei Meinung darüber. Wäh-&lt;br /&gt;
rend 30,6 Prozent der befragten Bevöl-&lt;br /&gt;
kerung die Kriege nicht als Ausfluß der&lt;br /&gt;
menschlichen Natur betrachten, sind es&lt;br /&gt;
dagegen 59,6 Prozent der Bevölkerung,&lt;br /&gt;
die in entgegengesetzter Richtung den-&lt;br /&gt;
ken. 9,7 Prozent äußern keine Meinung.&lt;br /&gt;
Es ist wenig ergiebig, wenn wir eine An-&lt;br /&gt;
zahl von Variablen unabhängig vonein-&lt;br /&gt;
ander betrachten. Bei diesen eindimen-&lt;br /&gt;
sionalen Prozentwerten handelt es sich&lt;br /&gt;
zunächst um Feststellungen. Statistisch&lt;br /&gt;
gesprochen, müssen die Ergebnisse der&lt;br /&gt;
univarianten Analysen durch bivariante&lt;br /&gt;
Untersuchungen zu weitreichenden&lt;br /&gt;
theoretischen Aussagen zusammenge-&lt;br /&gt;
faßt werden. Wenn wir nun die beiden&lt;br /&gt;
Dimensionen (Aggressivität des Men-&lt;br /&gt;
schen und Zurückführung der Kriege&lt;br /&gt;
auf menschliche Natur) miteinander in&lt;br /&gt;
Beziehung setzen, so erhalten wir Resul-&lt;br /&gt;
tate, die für die internationale Friedens-&lt;br /&gt;
und Konfliktforschung äußerst wichtig&lt;br /&gt;
sind. Auch hier sind die Ergebnisse stati-&lt;br /&gt;
stisch hochsignifikant. Mit 99,9 %iger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|106|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=36}}Sicherheit können wir nachweisen, daß&lt;br /&gt;
zwischen beiden Dimensionen eine po-&lt;br /&gt;
sitive Korrelation besteht. Während 4&lt;br /&gt;
Prozent der Probanden die natürliche&lt;br /&gt;
Aggressivität des Menschen bejahen&lt;br /&gt;
und die Kriege nicht als Ausfluß&lt;br /&gt;
menschlicher Natur betrachten, sind es&lt;br /&gt;
dagegen 96 Prozent der Befragten, die&lt;br /&gt;
ebenfalls von einer primären Feindselig-&lt;br /&gt;
keit des Menschen überzeugt sind und&lt;br /&gt;
gleichzeitig die menschliche Natur für&lt;br /&gt;
die Entstehung der Kriege verantwort-&lt;br /&gt;
lich machen. Diese bivariablen Häufig-&lt;br /&gt;
keiten erlauben uns, folgende Aussage&lt;br /&gt;
zu machen: Menschen, die von der Exi-&lt;br /&gt;
stenz einer primären Feindseligkeit&lt;br /&gt;
überzeugt sind, die nur besänftigt wer-&lt;br /&gt;
den kann, müssen logischerweise auch&lt;br /&gt;
den Krieg rechtfertigen. Mit anderen&lt;br /&gt;
Worten, Personen, die in menschlicher&lt;br /&gt;
Aggressivität nicht ein reaktives, son-&lt;br /&gt;
dern ein endogen-spontanes Verhalten&lt;br /&gt;
erblicken, müssen zwangsläufig auch&lt;br /&gt;
den Krieg als Ausfluß der menschlichen&lt;br /&gt;
Natur betrachten. Die Auffassung über&lt;br /&gt;
die Unvermeidbarkeit des Krieges hängt&lt;br /&gt;
also mit der Überzeugung von der Bös-&lt;br /&gt;
artigkeit der menschlichen Natur eng&lt;br /&gt;
zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die weiteren statistischen Analysen&lt;br /&gt;
haben erkennen lassen, daß die Einstel-&lt;br /&gt;
lung zum Krieg mit der Auffassung über&lt;br /&gt;
die Möglichkeit einer einigen Welt posi-&lt;br /&gt;
tiv korreliert. Das heißt: Menschen, die&lt;br /&gt;
Kriege auf die menschliche Natur zu-&lt;br /&gt;
rückführen, müssen logischerweise&lt;br /&gt;
auch die Wahrscheinlichkeit der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit ausschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den bisherigen Überlegungen&lt;br /&gt;
möchte ich folgende Schlußfolgerungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Wahrscheinlichkeit des Weltfrie- :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dens ziehen: Die Kräfte und Faktoren,&lt;br /&gt;
die destruktiv auf die Verwirklichung&lt;br /&gt;
der Einheit des Menschengeschlechts&lt;br /&gt;
wirken, liegen nicht in einem eigenstän-&lt;br /&gt;
digen Aggressionstrieb, sondern in den&lt;br /&gt;
erworbenen sozialen Stereotypen, d.h.&lt;br /&gt;
in religiösen, rassischen, antisemiti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schen, ethnozentrischen, politischen,&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen und nationalen Vorur-&lt;br /&gt;
teilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ungeheuren Kräfte und Vernich-&lt;br /&gt;
tungspotentiale dieser Stereotype müs-&lt;br /&gt;
sen durch wirksame erzieherische Maß-&lt;br /&gt;
nahmen sowie langfristige Aufklä-&lt;br /&gt;
rungsstrategien auf nationaler und in-&lt;br /&gt;
ternationaler Ebene bekämpft werden.&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang soll auf die&lt;br /&gt;
Bedeutung des folgenden von der&lt;br /&gt;
UNESCO aufgestellten Präambelsatzes&lt;br /&gt;
hingewiesen werden: »Da Kriege in den&lt;br /&gt;
Köpfen der Menschen beginnen, muß in&lt;br /&gt;
den Köpfen der Menschen Vorsorge für&lt;br /&gt;
den Frieden getroffen werden.« Wenn&lt;br /&gt;
die Abschaffung des Krieges in den&lt;br /&gt;
Köpfen, mit anderen Worten, wenn die&lt;br /&gt;
Überwindung nationaler, rassischer, re-&lt;br /&gt;
ligiöser, wirtschaftlicher und politi-&lt;br /&gt;
scher Vorurteile gelingt, dann kann ein&lt;br /&gt;
Weltgemeinwesen entstehen, in dem al-&lt;br /&gt;
le Nationen, Rassen, Klassen und Glau-&lt;br /&gt;
bensbekenntnisse dauerhaft vereint zu-&lt;br /&gt;
sammenleben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einschränkung der nationalen&lt;br /&gt;
Souveränität der Einzelstaaten zugun-&lt;br /&gt;
sten der Souveränität der Menschheit ist&lt;br /&gt;
heute die Grundvoraussetzung für die&lt;br /&gt;
Schaffung dieses Weltgemeinwesens.&lt;br /&gt;
Der Verzicht auf uneingeschränkte na-&lt;br /&gt;
tionale Macht und Souveränität ent-&lt;br /&gt;
springt den Idealen eines kommenden&lt;br /&gt;
Humanismus, der den Frieden durch&lt;br /&gt;
eine mittels Verhandlung entstehende&lt;br /&gt;
Ordnung garantieren will. Wenn Staa-&lt;br /&gt;
ten zum Zweck der friedlichen Beile-&lt;br /&gt;
gung ihrer Streitfragen und der Lösung&lt;br /&gt;
des Friedensproblems zusammenkom-&lt;br /&gt;
men, dann gilt zwischen ihnen der Ver-&lt;br /&gt;
trag, dem sich alle bedingungslos unter-&lt;br /&gt;
werfen müssen. Historisch betrachtet,&lt;br /&gt;
konnten die Staaten Nordamerikas im&lt;br /&gt;
18. Jahrhundert nur durch Verhandeln&lt;br /&gt;
und gemeinsamen Beschluß sowie&lt;br /&gt;
durch Verzicht auf einen wesentlichen&lt;br /&gt;
Teil ihrer nationalstaatlichen Souverä-&lt;br /&gt;
nität zugunsten der Souveränität des&lt;br /&gt;
{{page|107|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=37}}Ganzen zu einer höheren übernationa-&lt;br /&gt;
len Einheit gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht eine frappante Ähnlichkeit&lt;br /&gt;
zwischen dem Zusammenschluß von&lt;br /&gt;
Stadtstaaten zu einer Nation und der&lt;br /&gt;
Vereinigung von Nationalstaaten in&lt;br /&gt;
einem größeren einheitlichen Gesell-&lt;br /&gt;
schaftssystem. Der Weg scheint heute&lt;br /&gt;
von den Nationalstaaten über die gro-&lt;br /&gt;
ßen kontinentalen Führungsräume zur&lt;br /&gt;
Weltgesellschaft zu gehen; diese benö-&lt;br /&gt;
tigt eine Weltordnung. Der Weg zu die-&lt;br /&gt;
ser Weltordnung führt über den Ver-&lt;br /&gt;
zicht aller Staaten auf einige wichtige&lt;br /&gt;
Souveränitätsrechte zugunsten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
übergeordneten Souveränität eines&lt;br /&gt;
Weltgemeinwesens, das die Vorausset-&lt;br /&gt;
zung für die Freiheit aller Menschen im&lt;br /&gt;
Atomzeitalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, der Begründer der Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion, hat diese Entwicklung bereits&lt;br /&gt;
vor hundert Jahren als notwendig vor-&lt;br /&gt;
hergesagt. Nachdem die Einheit der Fa-&lt;br /&gt;
milie, der Sippe, des Stadtstaats und der&lt;br /&gt;
Nation in der Geschichte der Mensch-&lt;br /&gt;
heit nacheinander versucht und ver-&lt;br /&gt;
wirklicht wurden, ist die Einheit der Na-&lt;br /&gt;
tionen das Kennzeichen der Stufe, der&lt;br /&gt;
sich die menschlichen Gesellschaften&lt;br /&gt;
allmählich nähern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Vorurteile,&lt;br /&gt;
mögen sie solche der Religion,&lt;br /&gt;
der Rasse, der Politik oder der Nation sein,&lt;br /&gt;
müssen fallen,&lt;br /&gt;
denn diese Vorurteile&lt;br /&gt;
haben die Krankheit der Welt verursacht.&lt;br /&gt;
Es ist eine schwere Krankheit,&lt;br /&gt;
die, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird,&lt;br /&gt;
die ganze Menschheit vernichten kann.&lt;br /&gt;
Alle verderblichen Kriege&lt;br /&gt;
mit ihrem furchtbaren Blutvergießen und Elend&lt;br /&gt;
wurden durch eines dieser Vorurteile&lt;br /&gt;
hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprachen in Paris, S. 116&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’[-BRIEFE 49 MAI 1985 107&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|108|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=38}}Huschmand Sabet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRIEDEN, FRUCHT DER EINHEIT *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konfrontation des Menschen mit&lt;br /&gt;
dem zweiten Tod, mit der Möglichkeit&lt;br /&gt;
des kollektiven Todes der Menschheit,&lt;br /&gt;
gibt nicht nur dem Krieg eine neue Di-&lt;br /&gt;
mension, sondern auch dem Frieden.&lt;br /&gt;
Frühere Friedensverträge waren kurzle-&lt;br /&gt;
big. In seltenen Fällen hielten sie Jahr-&lt;br /&gt;
zehnte oder eine Generation. Heute ist&lt;br /&gt;
die Menschheit gefordert, den ewigen&lt;br /&gt;
Frieden zu schaffen. Die Völker, Natio-&lt;br /&gt;
nen, Rassen und Religionen müssen sich&lt;br /&gt;
auf diesen Größten Frieden hinbewe-&lt;br /&gt;
gen. Dies bedeutet zugleich, daß ein&lt;br /&gt;
weltweiter Prozeß der Befriedung den&lt;br /&gt;
Menschen ergreifen muß, der ganz all-&lt;br /&gt;
mählich zur Genesung des schwerkran-&lt;br /&gt;
ken Körpers der Menschheit führen&lt;br /&gt;
wird. Universale Liebe muß im Rahmen&lt;br /&gt;
einer gerechten Weltordnung ständig an&lt;br /&gt;
Intensität gewinnen und bewirken, daß&lt;br /&gt;
die Menschen mehr und mehr ein Welt-&lt;br /&gt;
gewissen entfalten, welches den Krieg&lt;br /&gt;
undenkbar macht. Dadurch können&lt;br /&gt;
Konflikte geschlichtet und gelöst wer-&lt;br /&gt;
den, bevor sie die Menschheit in Lebens-&lt;br /&gt;
gefahr bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese universale Befriedung muß alle&lt;br /&gt;
Bereiche des politischen, wirtschaftli-&lt;br /&gt;
chen, sozialen und religiösen Lebens der&lt;br /&gt;
Menschheit umfassen und dem funda-&lt;br /&gt;
mentalen Glaubenssatz von der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um des Friedens teilhaftig zu werden,&lt;br /&gt;
müssen wir einige heilige Kühe schlach-&lt;br /&gt;
ten. Auf politischem Gebiet müssen Tei-&lt;br /&gt;
le der nationalen Souveränität einem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltbundesstaat übertragen werden.&lt;br /&gt;
Die Organisation der UNO kann dabei&lt;br /&gt;
als Keimzelle des kommenden Weltbun-&lt;br /&gt;
desstaates angesehen werden. Es ist ein&lt;br /&gt;
großer Irrtum zu glauben, daß jede der&lt;br /&gt;
150 Nationen der Welt durch eigene Ini-&lt;br /&gt;
tiative den Platz innerhalb des interna-&lt;br /&gt;
tionalen Wettbewerbs erobern kann,&lt;br /&gt;
der ihren Fähigkeiten, ihrem Stellenwert&lt;br /&gt;
entspricht. Hier funktioniert kein&lt;br /&gt;
Markt. Märkte können funktionieren,&lt;br /&gt;
wenn die Rahmenbedingungen stim-&lt;br /&gt;
men, beispielsweise, wenn die Mitbe-&lt;br /&gt;
werber ähnliche Startbedingungen ha-&lt;br /&gt;
ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht möglich, die Welt zu be-&lt;br /&gt;
frieden, wenn die Nationen nach&lt;br /&gt;
national-egoistischen Interessen han-&lt;br /&gt;
deln dürfen. Seit dem Zweiten Welt-&lt;br /&gt;
krieg ist eskaum einem Land der Dritten&lt;br /&gt;
Welt gelungen, seinen Status zu verbes-&lt;br /&gt;
sern, obwohl mit verschiedenen Regie-&lt;br /&gt;
rungsformen experimentiert wurde und&lt;br /&gt;
es auch an blutigen Revolutionen nicht&lt;br /&gt;
gefehlt hat. Insgesamt ist die Kluft zwi-&lt;br /&gt;
schen reichen und armen Ländern sogar&lt;br /&gt;
von Jahrzehnt zu Jahrzehnt größer ge-&lt;br /&gt;
worden. Bei dieser ungesunden Ent-&lt;br /&gt;
wicklung läßt selbst die Bereitschaft zur&lt;br /&gt;
Entwicklungshilfe in den reichen Län-&lt;br /&gt;
dern nach. Instinktiv fühlen viele, daß&lt;br /&gt;
die bisherigen Wege nicht zur Befrie-&lt;br /&gt;
dung der Welt führen, weil sie nicht von&lt;br /&gt;
einer einheitlichen Welt ausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im religiösen Bereich ist die heilige&lt;br /&gt;
Kuh, die es zu schlachten gilt, die reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ansprache anläßlich der Präsentation seines Buches »Der Weg aus der Ausweglo-&lt;br /&gt;
sigkeit« durch den Seewald Verlag am 29. März 1985 im Weißen Saal des Neuen&lt;br /&gt;
Schlosses in Stuttgart vor etwa 600 Gästen. Das Koreferat hielt Franz Alt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
108 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN IIIEE CIE THREE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|109|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=39}}giöse Abgrenzung. Theologen der ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Religionen haben nichts un-&lt;br /&gt;
versucht gelassen und jede gedankliche&lt;br /&gt;
Möglichkeit genutzt, um die Anhänger&lt;br /&gt;
von der Wiege an zu erziehen, im eige-&lt;br /&gt;
nen Glauben den gottgefälligsten, im ei-&lt;br /&gt;
genen Gottesboten den ranghöchsten zu&lt;br /&gt;
sehen. Selbst innerhalb der Konfessio-&lt;br /&gt;
nen und Sekten ist jeder Gläubige davon&lt;br /&gt;
überzeugt, daß sein Weg und sein Glau-&lt;br /&gt;
be der beste sei. Daß heute Gott durch&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh eine universelle Versöhnung&lt;br /&gt;
angeboten hat, in der wir die anderen&lt;br /&gt;
bedingungslos als »Brüder in der Wahr-&lt;br /&gt;
heit« erkennen können, erzeugt bei&lt;br /&gt;
Theologen aller Religionen und Prove-&lt;br /&gt;
nienzen Ablehnung statt erleichterter&lt;br /&gt;
Freude. Wir brauchen aber heute uni-&lt;br /&gt;
verselle Liebe, die mehr ist als Nächsten-&lt;br /&gt;
liebe und Feindesliebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele glauben, daß es allein die Politi-&lt;br /&gt;
ker in der Hand haben, Frieden zu schaf-&lt;br /&gt;
fen. Wären die Politiker nur ein bißchen&lt;br /&gt;
menschlicher, ein bißchen verständiger,&lt;br /&gt;
sie würden sich an einen Tisch setzen&lt;br /&gt;
und Verträge schließen, die der Mensch-&lt;br /&gt;
heit Ruhe und Befriedigung geben. Dies&lt;br /&gt;
ist nach meiner Ansicht ein Irrglaube.&lt;br /&gt;
Die ganze Menschheit ist gefordert, am&lt;br /&gt;
Bau des Weltfriedens mitzuwirken. Je-&lt;br /&gt;
der von uns ist bewußt oder unbewußt&lt;br /&gt;
ein Amalgam von ererbten oder erwor-&lt;br /&gt;
benen Vorurteilen: religiöse Vorurteile,&lt;br /&gt;
nationale Vorurteile, rassische Vorurtei-&lt;br /&gt;
le u. a. Aus bleiernem Herzen wird man&lt;br /&gt;
kein goldenes Zeitalter bauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst die Grundmuster unseres Den-&lt;br /&gt;
kens, selbst die Menschenbilder, die&lt;br /&gt;
heute in den verschiedenen Religionen&lt;br /&gt;
vorherrschen, sind alles andere als auf&lt;br /&gt;
die kommende friedliche Welt zuge-&lt;br /&gt;
schnitten. Tag für Tag appellieren Geist-&lt;br /&gt;
liche und Kirchenfürsten verschiedener&lt;br /&gt;
Rangordnung an die Politiker, Frieden&lt;br /&gt;
zu schaffen — sicherlich eine notwendi-&lt;br /&gt;
ge, ja lebensnotwendige Aufforderung.&lt;br /&gt;
Nur muß man wünschen, daß die ange-&lt;br /&gt;
sprochenen Politiker nicht zu den Kir-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chenbesuchern zählen. In den Kirchen&lt;br /&gt;
nämlich erfahren sie oft bei der Predigt,&lt;br /&gt;
daß der Mensch an der Wurzel gebro-&lt;br /&gt;
chen sei, unfähig, dem Zwang der Sün-&lt;br /&gt;
de zu entgehen. Deshalb sei auch der&lt;br /&gt;
Friede nicht für das Diesseits, sondern&lt;br /&gt;
erst für das Jenseits vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man bedenkt, wieviele Jahr-&lt;br /&gt;
hunderte hindurch dieses Menschenbild&lt;br /&gt;
den Gläubigen vermittelt wurde, dann&lt;br /&gt;
nimmt es nicht Wunder, daß im christli-&lt;br /&gt;
chen Abendland starke seelische Vorbe-&lt;br /&gt;
halte gegen den Frieden vorhanden sind.&lt;br /&gt;
Skepsis und Pessimismus sind unbe-&lt;br /&gt;
schreiblich groß. Sie gehen soweit, daß&lt;br /&gt;
viele Denker die Idee einer Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in Bausch und Bogen ver-&lt;br /&gt;
werfen. Andere konstatieren für jegli-&lt;br /&gt;
che Art einer Weltregierung eine Welt-&lt;br /&gt;
diktatur. Wieder andere sehen in der&lt;br /&gt;
Einführung einer Weltsprache eine&lt;br /&gt;
Gleichschaltung aller Menschen. Noch&lt;br /&gt;
andere erblicken in der universellen Ver-&lt;br /&gt;
söhnung die Möglichkeit eines Identi-&lt;br /&gt;
tätsverlustes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu darf ich an die Damen und Her-&lt;br /&gt;
ren, die heute abend hier anwesend&lt;br /&gt;
sind, eine Frage richten: Die meisten von&lt;br /&gt;
Ihnen sind aus Deutschland oder dem&lt;br /&gt;
deutschsprachigen, deutschstämmigen&lt;br /&gt;
Ausland. Wissen Sie, welchem deut-&lt;br /&gt;
schen Stamm Sie jeweils angehören?&lt;br /&gt;
Gehören Sie zu den Kimbern oder Teu-&lt;br /&gt;
tonen, zu den Rugiern oder Herulern, zu&lt;br /&gt;
den Franken oder Gepiden, zu den&lt;br /&gt;
Chauken oder Sachsen, zu den Goten&lt;br /&gt;
oder gar zu den Vandalen? Die meisten&lt;br /&gt;
werden es wohl nicht wissen. Ist damit&lt;br /&gt;
für Sie ein Identitätsverlust verbunden?&lt;br /&gt;
Wohl kaum. Denn was man häufig als&lt;br /&gt;
Identitätsverlust befürchtet, ist in Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit ein erweitertes Selbstverständ-&lt;br /&gt;
nis, eine neue Identität. Identitätsver-&lt;br /&gt;
lust ist, was uns von unserer Zukunft&lt;br /&gt;
abschneidet. Heute müssen wir zu unse-&lt;br /&gt;
rer neuen Identität finden, diesen Plane-&lt;br /&gt;
ten als Vaterland aller erleben und ein-&lt;br /&gt;
richten. Nicht »Vandale«, »Kannibale«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 49 MAI 1985 109&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|110|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder »Jäger und Sammler« sind unsere&lt;br /&gt;
wahre Identität, sondern »Iräger einer&lt;br /&gt;
künftigen Weltkultur«. Wir dürfen auch&lt;br /&gt;
nicht Menschen, die jenseits eines Flus-&lt;br /&gt;
ses oder eines Berges leben, als Fremde,&lt;br /&gt;
als Gegner oder als Feinde erleben. Dies&lt;br /&gt;
ist eine wichtige Voraussetzung für&lt;br /&gt;
die Schaffung des Friedens, weil dafür&lt;br /&gt;
nicht nur unser Verstand, sondern auch&lt;br /&gt;
unser Herz und unser Gemüt gefordert&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die-Christen, auch die An-&lt;br /&gt;
hänger anderer Religionen haben ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Schwierigkeiten, unter das&lt;br /&gt;
neue Zelt der Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
und somit bewußt in eine neue Ära ein-&lt;br /&gt;
zutreten. Die Hindus sehen die Mensch-&lt;br /&gt;
heit durch die Brille des Kastenwesens,&lt;br /&gt;
jener intelligenten Alternative zur Skla-&lt;br /&gt;
verei. Die Juden sind religiös tief geprägt&lt;br /&gt;
von der Differenzierung zwischen den&lt;br /&gt;
Juden — dem auserwählten Gottesvolk&lt;br /&gt;
— und den Nicht-Juden. Die Muslime&lt;br /&gt;
haben über die Differenzierung zwi-&lt;br /&gt;
schen Muslimen und Nicht-Muslimen,&lt;br /&gt;
über die daraus abgeleiteten Rechtsan-&lt;br /&gt;
sprüche hinaus das Gebot des Heiligen&lt;br /&gt;
Krieges zu überwinden. Nach muslimi-&lt;br /&gt;
schem Verständnis ist die Welt geteilt in&lt;br /&gt;
das Land des Islam (dar al-Islam) und&lt;br /&gt;
das Land des Krieges (dar al-Harb). Von&lt;br /&gt;
diesem Denkansatz her wird deutlich,&lt;br /&gt;
daß eine Welt, die in zwei Teile zerfällt,&lt;br /&gt;
niemals die eine Welt sein kann. Der&lt;br /&gt;
Heilige Krieg ist die Konsequenz dieser&lt;br /&gt;
Einteilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kriege der Vergangenheit waren&lt;br /&gt;
durch die Wahrnehmung sogenannter&lt;br /&gt;
nationaler, völkischer, rassischer, religi-&lt;br /&gt;
öser, machtpolitischer und, nicht zu&lt;br /&gt;
vergessen, wirtschaftlicher Interessen&lt;br /&gt;
gekennzeichnet. Die Mächtigen schür-&lt;br /&gt;
ten aus ihrer Interessenlage heraus die&lt;br /&gt;
Vorurteile der Ohnmächtigen, die in&lt;br /&gt;
diese Kriege getrieben wurden. Ausge-&lt;br /&gt;
hend vom Ziel eines befriedeten geein-&lt;br /&gt;
ten Weltgemeinwesens, können wir so-&lt;br /&gt;
mit Vorurteile als die wesentlichen Ursa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
110 BAHAT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen der Kriege ausmachen: rassische&lt;br /&gt;
Vorurteile, nationale und völkische&lt;br /&gt;
Vorurteile, religiöse Vorurteile, Vorur-&lt;br /&gt;
teile im wirtschaftlichen Bereich, die be-&lt;br /&gt;
wußt oder unbewußt den Reichtum und&lt;br /&gt;
die Unabhängigkeit der eigenen Nation,&lt;br /&gt;
aber die wirtschaftliche Abhängigkeit&lt;br /&gt;
und Schwäche der anderen Nationen&lt;br /&gt;
zum Ziel hatten. Viele Menschen, Mil-&lt;br /&gt;
lionen Soldaten wurden in der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit so erzogen und werden leider&lt;br /&gt;
auch heute in manchen Ländern noch so&lt;br /&gt;
erzogen, daß sie für diese Götzen willig&lt;br /&gt;
ihr Leben hingeben, vom Hinschlachten&lt;br /&gt;
des Gegners ganz zu schweigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir und unsere Friedenspartner müs-&lt;br /&gt;
sen erzieherisch und bewußtseinsmäßig&lt;br /&gt;
einen Sprung machen vom National-&lt;br /&gt;
staat zum Weltstaat. Solche Sprünge&lt;br /&gt;
hat die Menschheit in der Vergangenheit&lt;br /&gt;
vollzogen. Sie hat in den hinter uns lie-&lt;br /&gt;
genden Jahrtausenden die Einheit der&lt;br /&gt;
Familie, der Sippe, des Volkes und der&lt;br /&gt;
Nation nacheinander versucht und ver-&lt;br /&gt;
wirklicht. Es gibt keinen Grund, wes-&lt;br /&gt;
halb ihr verwehrt sein sollte, zur Welt-&lt;br /&gt;
einheit zu finden, zumal wenn ihr Über-&lt;br /&gt;
leben davon abhängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß dieser Gedanke nicht abwegig&lt;br /&gt;
ist, kann man am Beispiel der Verei-&lt;br /&gt;
nigten Staaten von Amerika aufzeigen.&lt;br /&gt;
Menschen verschiedener Nationalitäten&lt;br /&gt;
und Rassen aus Europa, Asien und Afri-&lt;br /&gt;
ka wanderten freiwillig oder unter&lt;br /&gt;
Zwang nach Amerika aus. Sie bilden&lt;br /&gt;
heute trotz — vielleicht sogar wegen —&lt;br /&gt;
dieser ungeheueren Vermischung eine&lt;br /&gt;
starke Nation. Warum sollten die&lt;br /&gt;
Daheimgebliebenen, also die nicht&lt;br /&gt;
nach den Vereinigten Staaten ausge-&lt;br /&gt;
wanderten Teile der einzelnen Natio-&lt;br /&gt;
nen, niemals zu einer Einheit finden&lt;br /&gt;
können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Kraft, die stärker auf die&lt;br /&gt;
Menschenseele wirkt als jedwedes Vor-&lt;br /&gt;
urteil: der reine Geist religiöser Wahr-&lt;br /&gt;
heit. In dieser Kraft liegt die Lösung des&lt;br /&gt;
Menschheitsproblems. Parallel zur poli-&lt;br /&gt;
{{page|111|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=41}}tischen Entwicklung von der Einheit der&lt;br /&gt;
Familie bis hin zur Einheit der gesamten&lt;br /&gt;
Menschheit auf dem Planeten haben wir&lt;br /&gt;
Menschen bewußtseinsmäßig und reli-&lt;br /&gt;
giös eine Entwicklung durchgemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Kulturphilosophie von Jean&lt;br /&gt;
Gebser haben wir im Verlauf der Ent-&lt;br /&gt;
wicklung das archaische Bewußtsein&lt;br /&gt;
durch das magische, dieses wiederum&lt;br /&gt;
durch das mythische Bewußtsein ersetzt&lt;br /&gt;
bzw. ergänzt und erweitert. Später ha-&lt;br /&gt;
ben wir uns durch das mentale Bewußt-&lt;br /&gt;
sein einen großen Schatz an Wissen und&lt;br /&gt;
Technologie angeeignet. Nun sind wir&lt;br /&gt;
nach Gebser dabei, das integrale Be-&lt;br /&gt;
wußtsein zu entwickeln, ein Weltbe-&lt;br /&gt;
wußtsein, das für die Entstehung einer&lt;br /&gt;
Weltzivilisation und Weltkultur uner-&lt;br /&gt;
läßlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grund ist die Entstehung der Frie-&lt;br /&gt;
densbewegungen in der ganzen Welt ein&lt;br /&gt;
Zeichen des heraufkommenden integra-&lt;br /&gt;
len Bewußtseins. Nicht allein Furcht vor&lt;br /&gt;
dem totalen Untergang ist das Motiv&lt;br /&gt;
dieser Bewegungen. Vielfach ist ihnen&lt;br /&gt;
Frieden ein existentielles Bedürfnis ge-&lt;br /&gt;
worden. Mancher ist sogar bereit, sein&lt;br /&gt;
Leben dafür einzusetzen. Ob die ange-&lt;br /&gt;
botenen Wege und Vorschläge zum Ziel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
führen, spielt in diesem Rahmen keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rolle.&lt;br /&gt;
Im religiösen Bereich können wir das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Licht der Religion zunächst in den soge-&lt;br /&gt;
nannten archaischen und primitiven&lt;br /&gt;
Kulturkreisen ausmachen. Später kön-&lt;br /&gt;
nen wir das Aufgehen des Lichtes der&lt;br /&gt;
Religion in den sich bildenden Stämmen&lt;br /&gt;
beobachten — heute noch existieren&lt;br /&gt;
Stammesreligionen in verschiedenen&lt;br /&gt;
Teilen der Welt — dann in der Stiftung&lt;br /&gt;
von Volksreligionen; das Judentum war&lt;br /&gt;
zu Beginn eine solche Volksreligion. Erst&lt;br /&gt;
später kamen die Hochreligionen auf,&lt;br /&gt;
die heute das religiöse Bild der Welt im&lt;br /&gt;
wesentlichen bestimmen. Den Religio-&lt;br /&gt;
nen ist gemeinsam, daß sie das Kommen&lt;br /&gt;
oder die Wiederkunft eines Offenbarers&lt;br /&gt;
»in der Fülle der Zeit« verkünden. Die-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ser hat die Aufgabe, den Frieden auf Er-&lt;br /&gt;
den in Gerechtigkeit zu verwirklichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Friedensfürst läutet zugleich&lt;br /&gt;
das Zeitalter einer Weltreligion ein, in&lt;br /&gt;
der Gott der Hirte und die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit eine Herde sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh, der Begründer der Bahá’í-&lt;br /&gt;
Religion, erhebt den Anspruch, der Ver-&lt;br /&gt;
heißene aller Religionen und der Frie-&lt;br /&gt;
densfürst zu sein. Durch ihn, durch sei-&lt;br /&gt;
ne Lehren und die Weltordnung, die sei-&lt;br /&gt;
nen Namen trägt, erhalten wir die psy-&lt;br /&gt;
chische Ausstattung, die für den Frieden&lt;br /&gt;
notwendig ist, das Rüstzeug für eine&lt;br /&gt;
zielkonforme Lebensführung sowie eine&lt;br /&gt;
administrative Ordnung zur Verwirkli-&lt;br /&gt;
chung des Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere wahre Identität ist geistiger&lt;br /&gt;
Natur, nicht geographisch-irdischer&lt;br /&gt;
Natur. Wir dürfen die Menschen nicht&lt;br /&gt;
einteilen, wie ein Wollhändler Schafe&lt;br /&gt;
einteilt: hier Merinoschafe vom&lt;br /&gt;
Flachland Australiens, dort Karakul-&lt;br /&gt;
bergschafe vom Kaukasus. Wir müssen&lt;br /&gt;
unser Licht am Licht des Friedensfürsten&lt;br /&gt;
anzünden. Dann werden wir keinen Er-&lt;br /&gt;
denbewohner mehr als Fremden wahr-&lt;br /&gt;
nehmen können. Unsere wahre Identi-&lt;br /&gt;
tät ist nicht auf die Vergangenheit bezo-&lt;br /&gt;
gen, sondern auf die Zukunft. Wir ge-&lt;br /&gt;
hen nicht von den Wurzeln über die&lt;br /&gt;
Äste zu den Blättern, sondern sind un-&lt;br /&gt;
terwegs von der Peripherie zum Zen-&lt;br /&gt;
trum. Im materiellen Bereich kommt&lt;br /&gt;
erst der Vater, später der Sohn. Im&lt;br /&gt;
geistig-religiösen Bereich jedoch kam&lt;br /&gt;
erst der Sohn und heute kommt der Va-&lt;br /&gt;
ter. Wir haben das Vorrecht, am Tage&lt;br /&gt;
Gottes zu leben, und das ist unsere Zeit,&lt;br /&gt;
wie sie in den Heiligen Schriften aller&lt;br /&gt;
Hochreligionen beschrieben wird. Wir&lt;br /&gt;
haben das Vorrecht, zu unserer planeta-&lt;br /&gt;
rischen, universellen Identität zu finden&lt;br /&gt;
und darauf das Gebäude der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit zu errichten. Der politische&lt;br /&gt;
Frieden ist nur ein Aspekt dieser Ein-&lt;br /&gt;
heit. Abdu’l-Baha, der Sohn des Be-&lt;br /&gt;
gründers der Bahäi-Religion, zählt sie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTTI-BRIEFE 49 MAI 1985 111&lt;br /&gt;
{{page|112|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ben Lichtstrahlen, sieben Teilbereiche&lt;br /&gt;
der Einheit auf:!&lt;br /&gt;
1. Einheit auf politischem Gebiet&lt;br /&gt;
2. Einheit des Denkens in&lt;br /&gt;
Weltangelegenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Einheit der Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Einheit auf dem Gebiet der&lt;br /&gt;
Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Einheit der Völker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Einheit der Rassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Einheit der Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Nachdruck darf ich darauf hin-&lt;br /&gt;
weisen, daß die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
immer im Sinne der Einheit in der Viel-&lt;br /&gt;
falt, Einheit in der Mannigfaltigkeit ge-&lt;br /&gt;
meint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich darf mit einem Wort Bahä’ullähs&lt;br /&gt;
schließen: »Jeder Mensch, der darüber&lt;br /&gt;
nachsinnt, was die aus dem Himmel des&lt;br /&gt;
heiligen Willen Gottes herabgesandten&lt;br /&gt;
Schriften offenbart haben, wird leicht&lt;br /&gt;
erkennen, wie es ihr Ziel ist, daß alle&lt;br /&gt;
Menschen als eine Seele betrachtet wer-&lt;br /&gt;
den sollen, damit das Siegel mit den&lt;br /&gt;
Worten »Das Reich wird Gottes sein« je-&lt;br /&gt;
dem Herzen aufgeprägt werde und das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
112 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Licht göttlicher Großmut, Gnade und&lt;br /&gt;
Barmherzigkeit die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
umhülle. Der eine, wahre Gott — ge-&lt;br /&gt;
priesen sei Seine Herrlichkeit —&lt;br /&gt;
wünscht nichts für sich selbst. Ihm nützt&lt;br /&gt;
weder die Untertanentreue der Mensch-&lt;br /&gt;
heit, noch schadet Ihm ihre Verderbt-&lt;br /&gt;
heit. Der Vogel aus dem Reiche der Äu-&lt;br /&gt;
Berung erhebt unaufhörlich diesen Ruf:&lt;br /&gt;
Alle Dinge habe Ich für dich gewollt,&lt;br /&gt;
und auch dich um deiner selbst wil-&lt;br /&gt;
len&amp;lt;...O ihr Vielgeliebten! Das Heilig-&lt;br /&gt;
tum der Einheit ist errichtet; betrachtet&lt;br /&gt;
einander nicht als Fremde. Ihr seid die&lt;br /&gt;
Früchte eines Baumes, die Blätter eines&lt;br /&gt;
Zweiges.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
! Vgl. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’u‘-&lt;br /&gt;
llähs, Hofheim-Langenhain 1977, S. 64. Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi kommentiert an anderer Stelle: »Die&lt;br /&gt;
sieben Lichtstrahlen der Einheit müssen nicht&lt;br /&gt;
unbedingt in dieser Reihenfolge aufscheinen.&lt;br /&gt;
Eine Frucht des zweiten mag durchaus eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltkultur sein.« Directives from the Guardian,&lt;br /&gt;
New Delhi 1973, S, 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
? Botschaften aus ’Akkä 11:3,6&lt;br /&gt;
{{page|113|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=43}}BESPRECHUNGEN UND HINWEISE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vernachlässigten Einflußmöglichkeiten von Minderheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Serge Moscovici: Sozialer Wandel durch Minoritäten, 273 Seiten, Urban &amp;amp; Schwar-&lt;br /&gt;
zenberg, München 1979. Das englische Original ist unter dem Titel »Social Influence&lt;br /&gt;
and Social Change« 1976 bei Academic Press, London erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es zu erklären, daß Verhaltens-&lt;br /&gt;
und Normenänderungen in der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft stattfinden, und zwar nicht nur&lt;br /&gt;
dann, wenn die Verbindlichkeit beste-&lt;br /&gt;
hender Normen nachläßt, sondern ent-&lt;br /&gt;
gegen sehr wirksamem sozialem Druck&lt;br /&gt;
— daß trotz Konformitätsdruck nicht&lt;br /&gt;
alles beim alten bleibt, sondern Innova-&lt;br /&gt;
tionen stattfinden? Wie kommt es z.B.,&lt;br /&gt;
daß trotz der dem modernen Mitteleu-&lt;br /&gt;
ropäer unvorstellbaren Strenge, mit der&lt;br /&gt;
Mitte des 19. Jahrhunderts im Iran&lt;br /&gt;
»Rechtgläubigkeit« definiert, gehütet&lt;br /&gt;
und verbindlich vorgeschrieben wurde,&lt;br /&gt;
die Babi- und Bahä’i-Religion Anhänger&lt;br /&gt;
gewinnen und sich trotz grausamer Ver-&lt;br /&gt;
folgung und Unterdrückung verbreiten&lt;br /&gt;
konnte? Es ist doch geradezu ein unwan-&lt;br /&gt;
delbarer Zug der Frühgeschichte der Re-&lt;br /&gt;
ligionen, fast schon ein Gesetz, daß die&lt;br /&gt;
Wahrheit der Offenbarung nicht durch&lt;br /&gt;
die Mächtigen, sondern gegen sie, durch&lt;br /&gt;
die Schwachen verbreitet wird. Hat&lt;br /&gt;
nicht der Báb das Angebot des Ihm&lt;br /&gt;
wohlgesonnenen, mächtigen und rei-&lt;br /&gt;
chen Gouverneurs von Isfahan Manü-&lt;br /&gt;
chihr Khän, Seiner Sache mit Geld und&lt;br /&gt;
Einfluß den Weg zu ebnen, abgelehnt&lt;br /&gt;
mit der Begründung, daß Seine Bot-&lt;br /&gt;
schaft durch die Armen und Schwachen&lt;br /&gt;
verbreitet werden muß? Wie aber ist es&lt;br /&gt;
möglich, daß die wenigen Armen und&lt;br /&gt;
Schwachen sich gegen die Reichen und&lt;br /&gt;
Mächtigen durchsetzen können?&lt;br /&gt;
Solche Fragen verweisen natürlich in&lt;br /&gt;
erster Linie auf eine übernatürliche&lt;br /&gt;
Kraft als Wirkmoment der Gottesoffen-&lt;br /&gt;
barung, und insofern ist die Quelle die-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ser Kraft menschlichem Begriffsvermö-&lt;br /&gt;
gen enthoben. Damit ist aber nicht&lt;br /&gt;
schon die Frage verneint, ob der Mecha-&lt;br /&gt;
nismus, die Art und Weise, wie diese&lt;br /&gt;
größte schöpferische Kraft ihre Wir-&lt;br /&gt;
kung in der Menschenwelt entfaltet,&lt;br /&gt;
nicht doch dem Forschergeist zugäng-&lt;br /&gt;
lich bleibt. Sind die Vorgänge, die auf&lt;br /&gt;
der Ebene der zwischenmenschlichen&lt;br /&gt;
Beziehungen dazu führen, daß neue Re-&lt;br /&gt;
ligionen sich allmählich durchsetzen,&lt;br /&gt;
also Gedanken, Ideen, Wertvorstellun-&lt;br /&gt;
gen und Verhaltensweisen einer Min-&lt;br /&gt;
derheit von der Mehrheit übernommen&lt;br /&gt;
werden, nicht magischer Natur, dann&lt;br /&gt;
sind sie auch grundsätzlich der Erfor-&lt;br /&gt;
schung und Erklärung mit wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Methoden zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen des französischen&lt;br /&gt;
Sozialpsychologen Serge Moscovici&lt;br /&gt;
über sozialen Einfluß haben Ergebnisse&lt;br /&gt;
erbracht, die auch auf den Prozeß ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlicher Durchsetzung religiöser&lt;br /&gt;
Wahrheit hin interpretiert werden kön-&lt;br /&gt;
nen. Interessant sind diese Ergebnisse&lt;br /&gt;
für den Bahäi allerdings nicht deshalb,&lt;br /&gt;
weil sich daran etwa die Erfolgsmög-&lt;br /&gt;
lichkeit der Sache Bahä’u’llähs messen&lt;br /&gt;
ließe, sondern weil sie ihm helfen kön-&lt;br /&gt;
nen, seinen Blick für vorhandene Ab-&lt;br /&gt;
läufe und Interaktionen zu schulen.&lt;br /&gt;
Nicht ohne Interesse sind die Untersu-&lt;br /&gt;
chungen auch für ein bewußteres Ge-&lt;br /&gt;
stalten des öffentlichen Erscheinungs-&lt;br /&gt;
bildes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangsbasis für die Untersuchun-&lt;br /&gt;
gen Moscovicis ist seine Unzufrieden-&lt;br /&gt;
heit mit den Grundannahmen sozial-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’T-BRIEFE 49 MAI 1985 113&lt;br /&gt;
{{page|114|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
psychologischer Forschung über das&lt;br /&gt;
Verhältnis von Minderheits- und Mehr-&lt;br /&gt;
heitsgruppen zueinander. Er beanstan-&lt;br /&gt;
det an dieser Forschungstradition ihre&lt;br /&gt;
einseitige Auffassung von Minderheiten&lt;br /&gt;
als Randgruppen der Gesellschaft. In&lt;br /&gt;
dieser Auffassung ist das Verhältnis der&lt;br /&gt;
Mehrheit zu den Minderheiten entwe-&lt;br /&gt;
der durch Nichtbeachtung oder durch&lt;br /&gt;
Ausübung von Druck zur »Bekehrung«&lt;br /&gt;
der Minderheiten, zu ihrer Einschwö-&lt;br /&gt;
rung auf herrschende Normen, zu kon-&lt;br /&gt;
formem Verhalten bestimmt. Damit ist&lt;br /&gt;
den Untersuchungen über die Wir-&lt;br /&gt;
kungsweise von Beeinflussungsprozes-&lt;br /&gt;
sen von vornherein ein prinzipiell un-&lt;br /&gt;
gleiches Verhältnis, eine asymetrische&lt;br /&gt;
Beziehung zwischen der Mehrheit und&lt;br /&gt;
den Minderheiten vorausgesetzt. Die&lt;br /&gt;
Minderheit kann im Rahmen eines sol-&lt;br /&gt;
chen Forschungskonzeptes immer nur&lt;br /&gt;
als Adressat, als Objekt des sozialen&lt;br /&gt;
Einflusses untersucht werden, nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber als Einflußquelle.&lt;br /&gt;
Moscovici bezweifelt die generelle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gültigkeit der Annahme über die asym-&lt;br /&gt;
metrische Beziehung zwischen der&lt;br /&gt;
Mehrheit und den Minderheiten und&lt;br /&gt;
meint, die Zeit sei reif für eine neue&lt;br /&gt;
Orientierung, »... eine Orientierung auf&lt;br /&gt;
die Psychologie des sozialen Einflusses&lt;br /&gt;
hin, die auch eine Psychologie der Inno-&lt;br /&gt;
vation ist, ... eine Psychologie, die von&lt;br /&gt;
den Standpunkten der Minderheit, des&lt;br /&gt;
abweichenden Individuums und der so-&lt;br /&gt;
zialen Veränderung her ausgedacht und&lt;br /&gt;
gestaltet wird.« Nicht auf die einseitige,&lt;br /&gt;
sondern die wechselseitige Abhängig-&lt;br /&gt;
keit zwischen Individuum und Gruppe,&lt;br /&gt;
der Minderheit und der Mehrheit richtet&lt;br /&gt;
Moscovici sein Augenmerk. Dem kriti-&lt;br /&gt;
sierten sogenannten »funktionalisti-&lt;br /&gt;
schen« Theoriemodell setzt Moscovici&lt;br /&gt;
sein eigenes, das er das »genetische«&lt;br /&gt;
Modell nennt, gegenüber. Die soziale&lt;br /&gt;
Situation, in der Individuen und Grup-&lt;br /&gt;
pen aufeinander treffen und aufeinan-&lt;br /&gt;
der bezogen handeln, ist in seinem Mo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dell nicht so sehr, wie häufig angenom-&lt;br /&gt;
men wird, durch unveränderliche Gege-&lt;br /&gt;
benheiten (z.B. unverrückbare Wertmu-&lt;br /&gt;
ster, eindeutig definierte soziale Rollen,&lt;br /&gt;
absolut gültige Wahrheiten) bestimmt;&lt;br /&gt;
vielmehr wird die soziale Situation&lt;br /&gt;
durch die Handlung der agierenden In-&lt;br /&gt;
dividuen und Gruppen erst aktiviert&lt;br /&gt;
und hervorgebracht. Natürlich erfor-&lt;br /&gt;
dert jeder Ablauf sozialen Handelns&lt;br /&gt;
Anpassung der Individuen und Grup-&lt;br /&gt;
pen an das System und die Umwelt. Die-&lt;br /&gt;
se Anpassung ist jedoch »nur das Ge-&lt;br /&gt;
genstück der vom System und der Um-&lt;br /&gt;
welt geleisteten Anpassung an Indivi-&lt;br /&gt;
duen und Gruppen«. Die Offenheit der&lt;br /&gt;
Situation ist Voraussetzung dafür, daß&lt;br /&gt;
Veränderung und Innovation stattfin-&lt;br /&gt;
den können. Mehr noch: Jedes soziale&lt;br /&gt;
System ist auf Innovation genauso ange-&lt;br /&gt;
wiesen wie auf Konformität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es eine bekannte Tatsache&lt;br /&gt;
ist, daß Innovation nichts mit dem so-&lt;br /&gt;
zialen Status ihrer Träger zu tun hat —&lt;br /&gt;
man denke nur an die größten Erneuerer&lt;br /&gt;
der Menschheitsgeschichte, die Reli-&lt;br /&gt;
gionsstifter — haben sich Sozialwissen-&lt;br /&gt;
schaft und Psychologie traditionell auf&lt;br /&gt;
Innovationen konzentriert, die von&lt;br /&gt;
oben kommen. Dies beanstandet Mos-&lt;br /&gt;
covici, der selbst der Frage nachgeht,&lt;br /&gt;
unter welchen Bedingungen es den Min-&lt;br /&gt;
derheiten gelingt, Innovation zu bewir-&lt;br /&gt;
ken und Denk- und Verhaltensweisen&lt;br /&gt;
der Mehrheit in ihrem Sinne zu beein-&lt;br /&gt;
flussen. Zur Klärung dieser Frage zitiert&lt;br /&gt;
Moscovici Ergebnisse empirischer Un-&lt;br /&gt;
tersuchungen mit Versuchspersonen,&lt;br /&gt;
auf deren Aufbau und Durchführung&lt;br /&gt;
hier nicht näher eingegangen werden&lt;br /&gt;
soll. Nur einige, in bezug auf die ein-&lt;br /&gt;
gangs formulierte Fragestellung interes-&lt;br /&gt;
sante Schlußfolgerungen seien hier wie-&lt;br /&gt;
dergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Für die Durchsetzung einer Grup-&lt;br /&gt;
penmeinung ist die Zahl der Gruppen-&lt;br /&gt;
mitglieder von untergeordneter Bedeu-&lt;br /&gt;
tung, während es entscheidend auf die&lt;br /&gt;
{{page|115|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=45}}Einigkeit in der Gruppe ankommt. Eine&lt;br /&gt;
kleine Gruppe, die als Einheit auftritt,&lt;br /&gt;
ist einflußreicher als eine große Grup-&lt;br /&gt;
pe, deren Mitglieder uneinig sind.&lt;br /&gt;
Wichtig ist, daß die Einheit nicht nur&lt;br /&gt;
vorgeblich ist und daß unterschiedliche&lt;br /&gt;
Standpunkte geklärt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einfluß ist ein wechselseitiger Pro-&lt;br /&gt;
zeß und wird in zwei Richtungen ausge-&lt;br /&gt;
übt: »von der Mehrheit auf die Minder-&lt;br /&gt;
heit und von der Minderheit auf die&lt;br /&gt;
Mehrheit«. Diese Feststellung könnte,&lt;br /&gt;
angewandt auf die Frühgeschichte der&lt;br /&gt;
Religionen, die in der Regel geprägt ist&lt;br /&gt;
durch grausame Verfolgungen der An-&lt;br /&gt;
hänger der neuen Religion, also der&lt;br /&gt;
Minderheit durch die Mehrheit, zu einer&lt;br /&gt;
interessanten Schlußfolgerung führen:&lt;br /&gt;
Faßt man diese Verfolgungen als Beein-&lt;br /&gt;
flussung der Minderheit durch die&lt;br /&gt;
Mehrheit auf — eine Beeinflussung, die&lt;br /&gt;
vom Versuch, die »Häretiker« zum Ab-&lt;br /&gt;
schwören zu bewegen, bis zu deren phy-&lt;br /&gt;
sischer Vernichtung reicht — dann muß&lt;br /&gt;
gemäß dieser Feststellung Moscovicis&lt;br /&gt;
angenommen werden, daß dabei gleich-&lt;br /&gt;
zeitig eine Beeinflussung von Seiten der&lt;br /&gt;
äußerlich so ohnmächtigen Unter-&lt;br /&gt;
drückten in umgekehrter Richtung statt-&lt;br /&gt;
findet, und zwar umso stärker je gravie-&lt;br /&gt;
render die Unterdrückungsmaßnahme&lt;br /&gt;
ist. Dabei braucht das Zielfeld der um-&lt;br /&gt;
gekehrten Beeinflussung nicht auf die&lt;br /&gt;
unmittelbar Beteiligten, also die Peini-&lt;br /&gt;
ger begrenzt zu sein. Vielleicht liefert&lt;br /&gt;
dieser Befund einen Teil der Erklärung&lt;br /&gt;
dafür, daß die Unterdrückung der&lt;br /&gt;
Bahäi im Iran in Vergangenheit und&lt;br /&gt;
Gegenwart nicht zur Auslöschung ihres&lt;br /&gt;
Glaubens geführt hat, sondern umge-&lt;br /&gt;
kehrt die Ausbreitung dieser Religion&lt;br /&gt;
entscheidend gefördert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Minderheiten können allein auf-&lt;br /&gt;
grund ihres Andersseins eine beträchtli-&lt;br /&gt;
che Attraktion ausüben. Während die&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen und Vorstellungen der&lt;br /&gt;
Mehrheit häufig vom grauen Dunst des&lt;br /&gt;
Alltäglichen, Mechanischen und Vor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hersehbaren eingehüllt sind, zeichnen&lt;br /&gt;
sich Verhalten und Denkweisen der&lt;br /&gt;
Minderheiten häufig durch Spontanei-&lt;br /&gt;
tät aus »und sie bieten noch dazu Zu-&lt;br /&gt;
gang zum Unbekannten, Neuen und&lt;br /&gt;
Überraschenden an«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Moscovici unterscheidet zwischen&lt;br /&gt;
»nomischen« und »anomischen« Mehr-&lt;br /&gt;
heiten bzw. Minderheiten. Der Unter-&lt;br /&gt;
schied besteht darin, daß nomische&lt;br /&gt;
Gruppen über eigene Grundsätze, Re-&lt;br /&gt;
geln und Normen verfügen und ein kla-&lt;br /&gt;
res Selbstverständnis besitzen — also&lt;br /&gt;
Merkmale, die auf religiöse Gruppen&lt;br /&gt;
zutreffen — während letztere keine ei-&lt;br /&gt;
genständigen Konzepte vorzuweisen&lt;br /&gt;
haben. Es ist festzustellen, daß anomi-&lt;br /&gt;
sche Minderheiten keinerlei Einfluß-&lt;br /&gt;
möglichkeiten besitzen, während nomi-&lt;br /&gt;
sche Minderheiten beträchtlichen Ein-&lt;br /&gt;
fluß ausüben können. Ob eine Minder-&lt;br /&gt;
heit Quelle oder Objekt von Beeinflus-&lt;br /&gt;
sung wird, bestimmt sich »durch die&lt;br /&gt;
An- oder Abwesenheit einer klar umris-&lt;br /&gt;
senen Position, eines kohärenten Stand-&lt;br /&gt;
punkts, einer eigenständigen Norm.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Für Minderheiten ist es leichter, die&lt;br /&gt;
verdeckten Einstellungen der Mehrheit&lt;br /&gt;
zu beeinflussen als ihre sozialen Verhal-&lt;br /&gt;
tensweisen, während der Einfluß der&lt;br /&gt;
Mehrheit sich stärker auf sichtbare&lt;br /&gt;
Handlungen auswirkt als auf innere&lt;br /&gt;
Einstellungen. Dies erklärt vielleicht die&lt;br /&gt;
Beobachtung, daß Menschen, die z.B.&lt;br /&gt;
einer neuen Religion gegenüber sympa-&lt;br /&gt;
thisch eingestellt sind, sich vor der Kon-&lt;br /&gt;
sequenz der offenen Reaktion scheuen&lt;br /&gt;
und der Gemeinschaft der religiösen&lt;br /&gt;
Minderheit nicht beitreten. Minderhei-&lt;br /&gt;
ten müssen daher einen Großteil ihrer&lt;br /&gt;
Bemühungen darauf richten, »private&lt;br /&gt;
Einstellungen und Überzeugungen in&lt;br /&gt;
öffentliches Verhalten umzuwandeln,&lt;br /&gt;
während Mehrheiten ihre Energien auf&lt;br /&gt;
den Versuch konzentrieren, öffentliches&lt;br /&gt;
Verhalten und öffentliche Erklärungen&lt;br /&gt;
in private Einstellungen umzuwandein«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Wenn Minderheiten in ihrem Stand-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAI-BRIEFE 49 MAI 1985 115&lt;br /&gt;
{{page|116|file=Baha&#039;i_Briefe_49.pdf|page=46}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
punkt unerschütterlich sind, machen sie&lt;br /&gt;
sich dadurch nicht immer beliebt (so&lt;br /&gt;
z.B. die Bahäii aus der Sicht des Regimes&lt;br /&gt;
im Iran), doch wenn die Standhaftigkeit&lt;br /&gt;
fehlt, ist es aussichtslos, Minderheitspo-&lt;br /&gt;
sitionen durchzusetzen. Standhaftigkeit&lt;br /&gt;
heißt allerdings nicht soziale Isolation.&lt;br /&gt;
Offenheit und Gesprächsbereitschaft&lt;br /&gt;
gehören dazu, und das schließt eine gute&lt;br /&gt;
Kenntnis der »gegnerischen« Gedanken-&lt;br /&gt;
welt mit ein. Wer sich seinem Gesprächs-&lt;br /&gt;
partner aufdrängt, ihn schulmeistert&lt;br /&gt;
oder wer sich abkapselt wird zur&lt;br /&gt;
uninterressanten Sekte.&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Untersuchungen,&lt;br /&gt;
die trotz Originalität und dem Mut zur&lt;br /&gt;
Abkehr von eingefahrenen Bahnen im-&lt;br /&gt;
mer noch von Theorien geleitet werden,&lt;br /&gt;
die wesentliche Momente der Realität&lt;br /&gt;
oder des menschlichen Daseins ausblen-&lt;br /&gt;
den, können nur Ergebnisse von be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grenzter Aussagekraft hervorbringen.&lt;br /&gt;
So liefern die Schlußfolgerungen Mos-&lt;br /&gt;
covicis — so hilfreich sie für die Strate-&lt;br /&gt;
gie von Minderheiten sind — bei weitem&lt;br /&gt;
keine hinreichenden Erklärungen für&lt;br /&gt;
das Phänomen der Wandlung einer reli-&lt;br /&gt;
giösen Idee vom gesellschaftlich verach-&lt;br /&gt;
teten »Irrglauben« bis zum Gesellschaf-&lt;br /&gt;
ten und Kulturen hervorbringenden und&lt;br /&gt;
diese prägenden Wertsystem. Dennoch&lt;br /&gt;
erscheint es nicht abwegig, in den Be-&lt;br /&gt;
mühungen, die zu solchen Einsichten&lt;br /&gt;
geführt haben, einen Schritt in die Rich-&lt;br /&gt;
tung zu sehen, die Wissenschaft ein-&lt;br /&gt;
schlagen muß, will sie eines Tages, be-&lt;br /&gt;
freit vom realitätsfernen Ballast des&lt;br /&gt;
Materialismus, zu den Erkenntnissen&lt;br /&gt;
über den Menschen durchdringen, die&lt;br /&gt;
ihr heute noch weitgehend verschlossen&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Frieden und Einheit: Texte und Diskussionen zum Bahá’í-Modell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farzin Dustdar (Hrsg.): Das Modell des Friedens. Ausweg aus der Krise, 355 Seiten,&lt;br /&gt;
Horizonte Verlag, Wien 1985. Anthony A. Lee (Hrsg.): Circle of Unity. Bahá’í Ap-&lt;br /&gt;
proaches to Current Social Issues, 258 Seiten, Kalimät Press, Los Angeles 1984.&lt;br /&gt;
Huschmand Sabet: Der Weg aus der Ausweglosigkeit. Ein Plädoyer für den Frieden,&lt;br /&gt;
204 Seiten, Seewald Verlag, Stuttgart / Herford 1985. Peter Spiegel (Hrsg.): Gedan-&lt;br /&gt;
ken des Friedens. Die Reden und Schriften von Abdu’l-Bahá für eine neue Kultur des&lt;br /&gt;
Friedens, 127 Seiten, Horizonte Verlag, Wien 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier neue Beiträge zur Funktion der&lt;br /&gt;
Bahäi-Religion in der modernen Gesell-&lt;br /&gt;
schaft: daß davon drei den Begriff »Frie-&lt;br /&gt;
den« im Titel führen, ist mehr als ein&lt;br /&gt;
modischer Zufall; sind doch Frieden&lt;br /&gt;
und Einheit die wesentlichsten Impulse&lt;br /&gt;
einer sich entfaltenden Bahäi-Ge-&lt;br /&gt;
meinde für ihre Mitmenschen in aller&lt;br /&gt;
Welt. Das Büchlein von Peter SPIEGEL ist&lt;br /&gt;
zugleich Materialsammlung und Medi-&lt;br /&gt;
tationstext über Aspekte des Friedens.&lt;br /&gt;
Die historisch ausgerichtete Einleitung&lt;br /&gt;
von Kent Beveridge ist eine Orientie-&lt;br /&gt;
rungshilfe für alle, die noch nicht mit&lt;br /&gt;
der Person ‘Abdu‘l-Bahäs und Seinen&lt;br /&gt;
Lehren vertraut sind. Huschmand SA-&lt;br /&gt;
BET stellt atomaren Ängsten und der Fi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
116 BAHÄT-BRIEFE 49 MAI 1985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
xierung auf militärisches Sicherheits-&lt;br /&gt;
denken in der bisherigen Friedensdis-&lt;br /&gt;
kussion den Gesamtentwurf eines Frie-&lt;br /&gt;
dens durch Welteinheit im Offenba-&lt;br /&gt;
rungsmodell Bahä’u’llähs entgegen. Ei-&lt;br /&gt;
nige Aspekte dieses Modells stellt der&lt;br /&gt;
Sammelband von Farzin DUSTDAR nä-&lt;br /&gt;
her vor. Durchaus keine Einführung ist&lt;br /&gt;
Circle of Unity, herausgegeben von An-&lt;br /&gt;
thony LEE. Hier wird — teilweise kon-&lt;br /&gt;
trovers — die Beziehung der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinde zu wichtigen gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen Fragestellungen und Denkrichtun-&lt;br /&gt;
gen diskutiert: Friedensbewegung, Ras-&lt;br /&gt;
senproblem, soziale Unterschiede, wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Entwicklung, Frauenbewe-&lt;br /&gt;
gung, Marxismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_48/Text&amp;diff=75345</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 48/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:11:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=1}}{{ocr}}ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHALBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT. AS 13. JAHRGANG NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRIEDO ZÖLZER&lt;br /&gt;
140 JAHRE BEDRÄNGNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AMIN BANANI&lt;br /&gt;
DIE BAHAIIM IRAN —&lt;br /&gt;
RELIGION ODER KOMPLOTT DER KOLONIALMÄCHTE?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SOHRAB FARIDANI&lt;br /&gt;
STANDHAFT IN GOTTES NAMEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BESPRECHUNGEN UND HINWEISE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=2}}Die Bahä’i-Briefe wollen eine intensive Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung mit den Lehren und der&lt;br /&gt;
Geschichte der Bahä’t-Religion fördern und&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich&lt;br /&gt;
auf der Grundlage zeitgemäßen religiösen&lt;br /&gt;
Denkens aufrichtig um die Lösung der Welt-&lt;br /&gt;
probleme mühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAHBRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hef 48, November 1984&lt;br /&gt;
13. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leserforum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedo Zölzer&lt;br /&gt;
140 Jahre Bedrängnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amin Banani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i im Iran —&lt;br /&gt;
Religion oder Komplott&lt;br /&gt;
der Kolonialmächte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sohrab Faridani&lt;br /&gt;
Standhaft in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottes Namen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besprechungen&lt;br /&gt;
und Hinweise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
65&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in Deutschland e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Ulrich Gollmer, Chri-&lt;br /&gt;
stopher Sprung. Redaktionsanschrift: Bahá’í-Briefe, Redaktion, Eppsteiner&lt;br /&gt;
Straße 89, D-6238 Hofheim-6. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen&lt;br /&gt;
nicht notwendig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis für vier Aus-&lt;br /&gt;
gaben 20,— DM. Einzelpreis 6,- DM. Vertrieb und Bestellungen: Bahä’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’ı-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|33|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=3}}GEWALT UND TERROR OHNE ENDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfolgungsmaßnahmen gegen die Bahä’i im Iran, von den Verant-&lt;br /&gt;
wortlichen dort nicht nur geduldet, sondern offen unterstützt und in&lt;br /&gt;
vielen Fällen auch geplant und durchgeführt, können kaum noch in&lt;br /&gt;
faßbaren Worten geschildert werden. Wer von uns vermag die Gefühle&lt;br /&gt;
jener Mutter aus Yazd nachzuvollziehen, von der die Revolutions-&lt;br /&gt;
wächter verlangten, die Kugel zu bezahlen, mit der ihr Sohn hingerich-&lt;br /&gt;
tet wurde? Wer von uns könnte Ruhe bewahren, wenn er vom Lehrer&lt;br /&gt;
seiner 14jährigen Tochter erfahren müßte, dieser habe sie entführt, um&lt;br /&gt;
sie zum »rechten Glauben« umzuerziehen? Für die Verfolgten ist es&lt;br /&gt;
Trost und Hoffnung zu wissen, daß ihr Schicksal nicht unbekannt&lt;br /&gt;
bleibt. Die hingerichteten Bahá’í hätten ihr Leben retten können, wenn&lt;br /&gt;
sie — kurz vor der Todesstunde vor die Wahl gestellt — ihrem Glauben&lt;br /&gt;
abgeschworen hätten und zum Islam übergetreten wären. Was die Fol-&lt;br /&gt;
ter nicht erreichte, soll die Todesdrohung bewirken. Hierbei befremdet&lt;br /&gt;
besonders, daß iranische Diplomaten und Politiker, von westlichen&lt;br /&gt;
Diplomaten auf die Bahäi-Pogrome angesprochen, mit kaltschnäu-&lt;br /&gt;
ziger Seelenruhe behaupten, die Bahäi seien im Iran keine religiöse,&lt;br /&gt;
sondern eine politische Gruppierung, eine religiöse Verfolgung finde&lt;br /&gt;
demnach nicht statt, die Inhaftierten und Hingerichteten seien allein&lt;br /&gt;
krimineller Delikte schuldig. Doch wo sind die fairen Prozesse, die&lt;br /&gt;
gerichtlich dokumentierten Urkunden und Beweise für die abstrusen&lt;br /&gt;
Vorwürfe der Spionage für Amerika und den Zionismus, des Rausch-&lt;br /&gt;
gifthandels und der Prostitution? Könnte man von den iranischen&lt;br /&gt;
Behörden nicht erwarten, daß sie der Weltöffentlichkeit schon längst&lt;br /&gt;
den Beweis für ihre Anschuldigungen gegen die Bahäi hätten vorlegen&lt;br /&gt;
müssen? Welcher iranische Diplomat, welcher islamische Geistliche&lt;br /&gt;
hat den Mut, auf die Frage zu antworten, wie es kommt, daß ein Bahá’í&lt;br /&gt;
seiner Bestrafung für die ihm vorgeworfenen kriminellen Delikte ent-&lt;br /&gt;
gehen kann, wenn er seinem Glauben abschwört?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist an der Zeit, in klaren Worten und anhand der verfügbaren&lt;br /&gt;
Dokumente deutlich zu machen, daß die Geschehnisse im Iran von&lt;br /&gt;
langer Hand geplant sind und ihren Ursprung in religiösem Haß und&lt;br /&gt;
Fanatismus haben. Dieser Zielsetzung dienen vor allem die umfang-&lt;br /&gt;
reichen Dokumentationen, die von der Internationalen Bahäi-&lt;br /&gt;
Gemeinde in New York und dem Nationalen Geistigen Rat der Bahäi&lt;br /&gt;
in Deutschland herausgegeben wurden. Die vorliegende Ausgabe der&lt;br /&gt;
Bahäfi-Briefe will hierzu eine sinnvolle Ergänzung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|34|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LESERFORUM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich ist sie wieder da — die Bahá’í-Zeitschrift, auf deren Einband in&lt;br /&gt;
altvertrautem, etwas schief wirkendem Schriftzug BAHÄT-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ leuchtet. Bereits in 46 Nummern hat diese Zeitschrift bis zur Unterbre-&lt;br /&gt;
chung ihres Erscheinens wesentlich zur Entfaltung der Bahäi-Kultur im&lt;br /&gt;
deutschsprachigen Raum beigetragen. Entsprechend groß sind jetzt die&lt;br /&gt;
Erwartungen an die neue Folge. Ihr Anfang ist gelungen und verspricht&lt;br /&gt;
eine Vielzahl anregender Artikel in den noch kommenden Heften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin sicher, daß die qualifizierte Redaktion ihren Teil dazu beitra-&lt;br /&gt;
gen wird, daß die neue Folge den in sie gesetzten Erwartungen gerecht&lt;br /&gt;
wird. Damit allein aber wird es nicht getan sein. Um eine Zeitschrift zu&lt;br /&gt;
entwickeln, sie am Leben zu halten und voll zur Entfaltung zu bringen,&lt;br /&gt;
bedarf es auch eines sie tragenden Publikums. Ein interessiertes Publi-&lt;br /&gt;
kum, Leser, die mit Spannung auf jede neue Nummer warten, die sich&lt;br /&gt;
über ein gelungenes Heft freuen und es herumzeigen und über eine&lt;br /&gt;
schwächere Ausgabe enttäuscht und traurig sind, die sich ab und zu zu&lt;br /&gt;
Wort melden, ein solches Publikum ist das Lebensblut einer periodisch&lt;br /&gt;
erscheinenden Zeitschrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neuen Folge der Bahä’i-Briefe wünsche ich von Herzen neben&lt;br /&gt;
qualifizierten Autoren eine große, interessierte und engagierte Leser-&lt;br /&gt;
schaft, auf daß sie getreu ihrem Motto vielfältige Wege zum tieferen&lt;br /&gt;
Verständnis der Lehren und der Geschichte der Bahá’í-Religion eröffne&lt;br /&gt;
und den Dialog um die Lösung der Menschheitsprobleme »auf der&lt;br /&gt;
Grundlage zeitgemäßen religiösen Denkens« fördern möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foad Kazemzadeh, Garbsen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Erscheinen der Bahäii-Briefe freue ich mich sehr. Das Motto des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lebendigen Dialogs über unsere Religion hätte ich lieber im 1. Artikel des&lt;br /&gt;
Prof. Chouleur wörtlich verwirklicht gesehen, z.B. in Form eines Inter-&lt;br /&gt;
views.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir dürfen die ungefestigten Herzen in unseren Reihen nicht verges-&lt;br /&gt;
sen, die sich bei den aufgezählten »Klippen« bestätigt sehen, oder darauf&lt;br /&gt;
aufmerksam gemacht werden. Ein Interview hätte den Vorteil, daß&lt;br /&gt;
solche Behauptungen nicht unwidersprochen stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem finde ich es als langjähriger Bahäi langweilig, wenn über&lt;br /&gt;
viele Spalten hinweg ein Nicht-Bahäf eine Einführung gibt. Diese kost-&lt;br /&gt;
baren Seiten hätte ich lieber für eine ermutigende Vertiefung gesehen.&lt;br /&gt;
Ich wünsche den Bahä’i-Briefen herzlich einen erfolgreichen Start.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klara Meyer, Deisenhofen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit großem Interesse habe ich das Heft 47 der Bahä’i-Briefe gelesen. Die&lt;br /&gt;
Zielsetzung dieser Zeitschrift erlaubt eine wertvolle Auseinander-&lt;br /&gt;
setzung mit Themen, die uns als Weltbürgern ganz besonders am Herzen&lt;br /&gt;
liegen. Als zukünftige Weltkultur ist die Bahäi-Religion in der einzig-&lt;br /&gt;
artigen Lage, alle Kulturerben der Menschheit in sich zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bharati Banerjee, Heidenheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
34  BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|35|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=5}}Friedo Zölzer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
140 JAHRE BEDRÄNGNIS&lt;br /&gt;
Ein Abriß der Bahä’i-Geschichte im Iran&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geschichtlichen Hintergründe&lt;br /&gt;
dessen verstehen zu können, was den&lt;br /&gt;
Bahäi im Iran zur Zeit widerfährt,&lt;br /&gt;
kommt man nicht umhin, die Entwick-&lt;br /&gt;
lung dieser Gemeinschaft und ihrer Leh-&lt;br /&gt;
re um mehr als ein Jahrhundert zurück-&lt;br /&gt;
zuverfolgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Weltreligionen ist die Erwar-&lt;br /&gt;
tung gemeinsam, daß eines nicht allzu&lt;br /&gt;
fernen Tages das Jüngste Gericht über&lt;br /&gt;
die Welt hereinbrechen, daß das Gute&lt;br /&gt;
endgültig über das Böse siegen und daß&lt;br /&gt;
das Reich Gottes auf Erden beginnen&lt;br /&gt;
werde. Diese Überzeugung war sowohl&lt;br /&gt;
im Christentum als auch im Islam wäh-&lt;br /&gt;
rend des vorigen Jahrhunderts beson-&lt;br /&gt;
ders lebendig — nicht in der Menge der&lt;br /&gt;
Gläubigen, sondern in einigen recht&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Gemeinschaften an&lt;br /&gt;
deren Rande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Jahr 1843 sagte der Amerika-&lt;br /&gt;
ner William Miller das Jüngste Gericht&lt;br /&gt;
voraus und wurde damit zum Begrün-&lt;br /&gt;
der der Adventisten-Gemeinde. Wenig&lt;br /&gt;
später rief der Deutsche Christoph&lt;br /&gt;
Hoffmann die Gesellschaft der Templer&lt;br /&gt;
ins Leben, die sich zum Ziel setzte, das&lt;br /&gt;
Heilige Land für die Wiederkehr Christi&lt;br /&gt;
vorzubereiten. Ihre erste Siedlung ent-&lt;br /&gt;
stand 1868 in Haifa. Der Amerikaner&lt;br /&gt;
Charles I. Russell schließlich, auf den&lt;br /&gt;
die Zeugen Jehovas zurückgehen, kün-&lt;br /&gt;
digte das Reich Gottes für das Jahr 1914&lt;br /&gt;
an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz ähnliche Bewegungen gab es&lt;br /&gt;
etwa zur gleichen Zeit im Osten. Deut-&lt;br /&gt;
licher als im Westen bestand dort die&lt;br /&gt;
Vorstellung, daß es zwei Gottesboten&lt;br /&gt;
sein müßten, durch die das Ende herbei-&lt;br /&gt;
geführt werde. Im sunnitischen Islam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erwartete man das Erscheinen des Mah-&lt;br /&gt;
di (oder Mihdi), des »Rechtgeleiteten«,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und die Wiederkehr Jesu Christi. Im&lt;br /&gt;
schiitischen Islam richtete sich die Hoff-&lt;br /&gt;
nung auf zwei Imäme, Nachfolger des&lt;br /&gt;
Propheten in der Führung der Gemein-&lt;br /&gt;
de. Zunächst sollte Muhammad al-&lt;br /&gt;
Mahdi, der zwölfte und letzte Imäm,&lt;br /&gt;
von dem man glaubte, er sei entrückt&lt;br /&gt;
worden, lebe aber im Verborgenen&lt;br /&gt;
weiter, erscheinen. Er sollte der Qä’im,&lt;br /&gt;
»Er, der sich erhebt«, sein. Später sollte&lt;br /&gt;
Husayn, der dritte Imam, der wegen&lt;br /&gt;
seines Märtyrertodes besondere Vereh-&lt;br /&gt;
rung genoß, wiederkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mahdi und verheißener Messias zu-&lt;br /&gt;
gleich zu sein, beanspruchte um 1890 der&lt;br /&gt;
Inder Mirzä Ghuläm Ahmad. Die von&lt;br /&gt;
ihm gegründete Ahmadiyya-Bewegung&lt;br /&gt;
versteht sich als eine Erneuerung des&lt;br /&gt;
Islam für die nun anbrechenden Letzten&lt;br /&gt;
Tage. Ebenfalls um 1890 gab sich im&lt;br /&gt;
Sudan ein gewisser Muhammad Ahmad&lt;br /&gt;
als der Mahdi aus. Er zettelte einen Auf-&lt;br /&gt;
stand gegen die ägyptische Regierung&lt;br /&gt;
an, der erst mit Hilfe der Engländer nie-&lt;br /&gt;
dergeschlagen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich früher, um 1820, hatten&lt;br /&gt;
im Irag Shaykh Ahmad-i-Ahsäi und&lt;br /&gt;
sein Nachfolger Siyyid Käzim-i-Rashti&lt;br /&gt;
verkündet, das Erscheinen das QOäim&lt;br /&gt;
stehe unmittelbar bevor. Sie hatten viele&lt;br /&gt;
der Verheißungen über das Jüngste Ge-&lt;br /&gt;
richt und die Wiederkehr der Gottesbo-&lt;br /&gt;
ten sinnbildlich gedeutet und sich damit&lt;br /&gt;
den Zorn weiter Teile der Geistlichkeit&lt;br /&gt;
zugezogen. Die Shaykhi, ihre Anhänger,&lt;br /&gt;
waren nichtsdestoweniger im Iraq und&lt;br /&gt;
im Iran recht zahlreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. Mai 1844 erklärte nun ein jun-&lt;br /&gt;
ger Mann namens Siyyid Ali Muham-&lt;br /&gt;
mad in Shiräz im Iran, er sei der Ver-&lt;br /&gt;
heißene, auf dessen Kommen Shaykh&lt;br /&gt;
Ahmad und Siyyid Käzim hingewiesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|36|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatten. Er nannte sich »Báb«, »das Tor«.&lt;br /&gt;
Dieser Titel schien zunächst nur darauf&lt;br /&gt;
hinzudeuten, daß Er sich als ein Mittler&lt;br /&gt;
zwischen dem verborgenen Imäm und&lt;br /&gt;
den Gläubigen betrachtete. Später je-&lt;br /&gt;
doch erhob Er in aller Öffentlichkeit&lt;br /&gt;
den Anspruch, Er selbst sei der Qä’im.&lt;br /&gt;
In Seinen Schriften bezeichnete Er sich&lt;br /&gt;
darüber hinaus als »den Ersten Punkt,&lt;br /&gt;
aus dem alles Erschaffene gezeugt ward«&lt;br /&gt;
und »das Antlitz Gottes, dessen Glanz&lt;br /&gt;
sich nie verdunkeln läßt«.! Seine Auf-&lt;br /&gt;
gabe aber sah Er vor allem darin, Weg-&lt;br /&gt;
bereiter zu sein für jenen anderen Ver-&lt;br /&gt;
heißenen: »Ihn, den Gott offenbaren&lt;br /&gt;
wird«. Und in diesem Sinne verstand Er&lt;br /&gt;
sich als »Báb«, »das Tor«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bald wurden die weltlichen&lt;br /&gt;
und geistlichen Mächte mißtrauisch.&lt;br /&gt;
Die Zahl der Bábi, Seiner Anhänger,&lt;br /&gt;
nahm überall im Land rasch zu. Es&lt;br /&gt;
schien, als habe man es mit einem Auf-&lt;br /&gt;
ruhr zu tun, den es so schnell wie mög-&lt;br /&gt;
lich zu ersticken galt. So kam es bereits&lt;br /&gt;
im Sommer 1845 zu Ausschreitungen.&lt;br /&gt;
Die »Times« berichtete in ihrer Ausgabe&lt;br /&gt;
vom 1. November jenes Jahres: »Man&lt;br /&gt;
beehrte uns mit dem folgenden Brief,&lt;br /&gt;
datiert Büshir, den 10. August: Ein per-&lt;br /&gt;
sischer Kaufmann, der kürzlich von&lt;br /&gt;
einer Pilgerreise nach Mekka zurück-&lt;br /&gt;
kehrte, hatte hier eine Zeitlang versucht&lt;br /&gt;
zu beweisen, daß er einer der Nachfol-&lt;br /&gt;
ger Muhammads sei und daher das&lt;br /&gt;
Recht in Anspruch nehmen könne, als&lt;br /&gt;
solcher von allen wahren Muslimen in&lt;br /&gt;
ihrem Ruf zum Gebet erwähnt zu wer-&lt;br /&gt;
den. Er hatte schon eine beträchtliche&lt;br /&gt;
Zahl von Anhängern um sich geschart,&lt;br /&gt;
die ihm heimlich halfen, seine Lehre zu&lt;br /&gt;
verbreiten. Am Abend des vergangenen&lt;br /&gt;
23. Juni wurde ich aus verläßlicher&lt;br /&gt;
Quelle informiert, daß in Shiraz vier&lt;br /&gt;
Personen den Ruf zum Gebet in der&lt;br /&gt;
Form gebraucht hätten, die von jenem&lt;br /&gt;
Hochstapler vorgeschrieben worden&lt;br /&gt;
war. Sie wurden verhört, der unverzeih-&lt;br /&gt;
lichen Blasphemie für schuldig befun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
36 BAHATI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den und dazu verurteilt, ihre Bärte&lt;br /&gt;
durch Abbrennen derselben zu verlie-&lt;br /&gt;
ren. Dieser Urteilsspruch wurde mit all&lt;br /&gt;
dem Eifer und Fanatismus ausgeführt,&lt;br /&gt;
der den muhammadanischen Gläubi-&lt;br /&gt;
gen zu eigen ist. Da man den Verlust der&lt;br /&gt;
Bärte nicht als eine ausreichende Strafe&lt;br /&gt;
für die Anhänger des Hochstaplers&lt;br /&gt;
empfand, wurden sie des weiteren dazu&lt;br /&gt;
verurteilt, am nächsten Tag mit ge-&lt;br /&gt;
schwärzten Gesichtern in der Stadt zur&lt;br /&gt;
Schau gestellt zu werden. Jeder von&lt;br /&gt;
ihnen wurde von einem Scharfrichter&lt;br /&gt;
geführt, der ihm ein Loch in die Nase&lt;br /&gt;
gebohrt und durch dieses einen Strick&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gezogen hatte, an dem er manchmal mit&lt;br /&gt;
solcher Gewalt zerrte, daß das unglück-&lt;br /&gt;
liche Opfer bald um die Gnade des&lt;br /&gt;
Scharfrichters, bald um die Rache des&lt;br /&gt;
Himmels flehte. Es ist Brauch in Persien,&lt;br /&gt;
daß bei solchen Gelegenheiten die&lt;br /&gt;
Scharfrichter bei den Zuschauern Geld&lt;br /&gt;
sammeln, insbesondere bei den Ge-&lt;br /&gt;
schäftsleuten im Basar. Am Abend, als&lt;br /&gt;
die Taschen der Scharfrichter wohlge-&lt;br /&gt;
füllt waren, führten sie ihre unglückli-&lt;br /&gt;
chen Opfer zum Stadttor und sagten zu&lt;br /&gt;
ihnen: »Offen liegt die Welt vor ihnen,&lt;br /&gt;
sie sind frei zu wählen, wo ihr Obdach&lt;br /&gt;
sei, und Gott lenkt ihre Schritte.« Da-&lt;br /&gt;
nach sandten die Mullas von Shiraz&lt;br /&gt;
einige Männer nach Büshir mit dem&lt;br /&gt;
Auftrag, den Hochstapler zu ergreifen&lt;br /&gt;
und nach Shiräz zu bringen, wo er, als&lt;br /&gt;
man ihn verhörte, sehr klug die Ketze-&lt;br /&gt;
rei, die man ihm vorwarf, leugnete und&lt;br /&gt;
so der Bestrafung entging.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, der Báb hatte keineswegs Seinen&lt;br /&gt;
Anspruch widerrufen, sondern sich le-&lt;br /&gt;
diglich gegen einige Mißverständnisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Aus einem Brief an Muhammad Shäh, Der&lt;br /&gt;
Báb, Kleine Auswahl aus Seinen Schriften,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1980, S. 7; vgl. Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, Die Weltordnung Bahäullähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977, S. 187&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 M. Momen (Hrsg.), The Bábi and Bahá’í Reli-&lt;br /&gt;
gions, S. 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=7}}gewandt. Und so blieb Er vor weiteren&lt;br /&gt;
Nachstellungen nicht lange verschont.&lt;br /&gt;
Im September 1846 mußte Er auf Ge-&lt;br /&gt;
heiß von Gouverneur Husayn Khän&lt;br /&gt;
Shiraz verlassen. Er wurde zunächst in&lt;br /&gt;
Isfahan freundlich aufgenommen und&lt;br /&gt;
verbrachte dort mehrere Monate im&lt;br /&gt;
Hause des Gouverneurs Manüchihr&lt;br /&gt;
Khänunter dessen persönlichemSchutz.&lt;br /&gt;
Als Sein Gönner jedoch im März 1847&lt;br /&gt;
starb, befahl Muhammad Shäh, Ihn&lt;br /&gt;
nach Teheran zu bringen. Und der Kö-&lt;br /&gt;
nig schien durchaus bereit, Ihm Gele-&lt;br /&gt;
genheit zur Verteidigung Seines An-&lt;br /&gt;
spruchs zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war der Großwesir, Häji Mirzä&lt;br /&gt;
Ägäsi, der eine Begegnung zwischen&lt;br /&gt;
dem Báb und Muhammad Shäh verhin-&lt;br /&gt;
derte und bewirkte, daß der vermeint-&lt;br /&gt;
liche Aufrührer zunächst in die Festung&lt;br /&gt;
Mäh-Kü nahe der persisch-russischen&lt;br /&gt;
Grenze und neun Monate später in die&lt;br /&gt;
Festung Chihriq nahe Urümiyyih ver-&lt;br /&gt;
bannt wurde. Die Ehrerbietung jedoch,&lt;br /&gt;
die Ihm selbst an diesen entlegenen Or-&lt;br /&gt;
ten nicht nur von Seinen Anhängern,&lt;br /&gt;
sondern auch von der Bevölkerung er-&lt;br /&gt;
wiesen wurde, ließ strengere Maßnah-&lt;br /&gt;
men unumgänglich erscheinen. Im Juli&lt;br /&gt;
1848 wurde Er nach Tabriz beordert und&lt;br /&gt;
dort in Gegenwart des Thronfolgers, des&lt;br /&gt;
späteren Näsiri’d-Din Shäh, von füh-&lt;br /&gt;
renden Geistlichen der Stadt einem Ver-&lt;br /&gt;
hör unterzogen. Daß man Ihn der Ketze-&lt;br /&gt;
rei für schuldig befinden würde, hatte&lt;br /&gt;
von vornherein festgestanden. Nun er-&lt;br /&gt;
hob der Bab unmißverständlich den&lt;br /&gt;
Anspruch, Er sei der Qä’iim, doch konn-&lt;br /&gt;
te man sich nicht einig werden, wie wei-&lt;br /&gt;
ter mit Ihm verfahren werden sollte. Dr.&lt;br /&gt;
William McCormick, ein britischer&lt;br /&gt;
Arzt, der sich zu jener Zeit in Tabriz auf-&lt;br /&gt;
hielt, schrieb später an einen Bekann-&lt;br /&gt;
ten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sie fragen mich nach Einzelheiten&lt;br /&gt;
meiner Begegnung mit dem Begründer&lt;br /&gt;
jener Sekte der Bábi. Nichts von Bedeu-&lt;br /&gt;
tung trug sich während dieser Begeg-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nung zu, denn der Báb war sich bewußt,&lt;br /&gt;
daß man mich mit zwei anderen, persi-&lt;br /&gt;
schen Ärzten geschickt hatte, um zu&lt;br /&gt;
prüfen, ober geistig gesund oder irre sei;&lt;br /&gt;
danach sollte die Frage entschieden wer-&lt;br /&gt;
den, ob er zum Tode verurteilt würde&lt;br /&gt;
oder nicht. Da er dies wußte, war er&lt;br /&gt;
nicht geneigt, irgendwelche Fragen zu&lt;br /&gt;
beantworten, die man ihm stellte. So&lt;br /&gt;
sehr wir auch in ihn zu dringen versuch-&lt;br /&gt;
ten, betrachtete er uns lediglich mit sanf-&lt;br /&gt;
tem Blick und sang mit tiefer, melodi-&lt;br /&gt;
scher Stimme Lobpreisungen Gottes,&lt;br /&gt;
wie ich annehme. Zwei andere siyyids?,&lt;br /&gt;
seine engsten Freunde, waren auch zu-&lt;br /&gt;
gegen, ebenso wie ein paar Regierungs-&lt;br /&gt;
beamte. Nur einmal geruhte er, mir zu&lt;br /&gt;
antworten, als ich nämlich sagte, ich sei&lt;br /&gt;
kein Muslim und bereit, etwas über sei-&lt;br /&gt;
ne Religion zu erfahren, da ich vielleicht&lt;br /&gt;
geneigt sein könnte, sie anzunehmen. Er&lt;br /&gt;
betrachtete mich sehr eingehend, als ich&lt;br /&gt;
das sagte, und antwortete, er habe kei-&lt;br /&gt;
nen Zweifel, daß alle Europäer seine Re-&lt;br /&gt;
ligion annehmen würden. Unser Bericht&lt;br /&gt;
an den Shäh zu jener Zeit empfahl, sein&lt;br /&gt;
Leben zu schonen ...Er erhielt lediglich&lt;br /&gt;
die Bastonade, wobei man einmal, ob&lt;br /&gt;
nun absichtlich oder nicht, ihn mit dem&lt;br /&gt;
Stock, der eigentlich für die Füße be-&lt;br /&gt;
stimmt war, ins Gesicht schlug. Es ent-&lt;br /&gt;
stand eine große Wunde und das Ge-&lt;br /&gt;
sicht schwoll stark an. Als man ihn frag-&lt;br /&gt;
te, ob ein persischer Arzt zu seiner Be-&lt;br /&gt;
handlung gerufen werden solle, gab er&lt;br /&gt;
dem Wunsch Ausdruck, man möge&lt;br /&gt;
nach mir schicken. Ich behandelte ihn&lt;br /&gt;
einige Tage lang, aber bei diesen Begeg-&lt;br /&gt;
nungen konnte ich ihn niemals dazu&lt;br /&gt;
bringen, ein vertrauliches Gespräch mit&lt;br /&gt;
mir zu führen, da immer einige Regie-&lt;br /&gt;
rungsbeamte anwesend waren, denn er&lt;br /&gt;
war ja ein Gefangener. Er bedankte sich&lt;br /&gt;
sehr für meine Bemühungen. Er war ein&lt;br /&gt;
sanft und zart aussehender Mann, recht&lt;br /&gt;
klein an Gestalt und sehr hell für einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Nachkommen Muhammads&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|38|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=8}}Perser, mit einer melodischen, weichen&lt;br /&gt;
Stimme, die mich tief berührte. Da er&lt;br /&gt;
ein siyyid war, kleidete er sich nach dem&lt;br /&gt;
Brauch dieser Leute, ebenso wie seine&lt;br /&gt;
Gefährten. In der Tat waren sein Äuße-&lt;br /&gt;
res wie sein Verhalten sehr dazu ange-&lt;br /&gt;
tan, den Besucher für ihn einzunehmen.&lt;br /&gt;
Über seine Lehren hörte ich nichts von&lt;br /&gt;
ihm selbst, obwohl man allgemein der&lt;br /&gt;
Meinung ist, daß sie eine gewisse Nähe&lt;br /&gt;
zum Christentum aufweisen. Einige ar-&lt;br /&gt;
menische Schreiner, die Reparaturen in&lt;br /&gt;
seinem Gefängnis auszuführen hatten,&lt;br /&gt;
sahen ihn in der Bibel lesen und er&lt;br /&gt;
versuchte nicht, dies zu verbergen, son-&lt;br /&gt;
dern erzählte ihnen im Gegenteil davon.&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit gibt es den muslimischen&lt;br /&gt;
Fanatismus in seiner Religion nicht,&lt;br /&gt;
noch jene Unterdrückung der Frau, wie&lt;br /&gt;
sie zur Zeit üblich ist.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ereignisse in Tabriz unterbrachen&lt;br /&gt;
die Gefangenschaft des Báb in der Fe-&lt;br /&gt;
stung Chihriq für weniger als zwei&lt;br /&gt;
Monate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zur gleichen Zeit trafen sich&lt;br /&gt;
in Badasht einundachtzig Seiner An-&lt;br /&gt;
hänger, um ihr Verhältnis zur Vergan-&lt;br /&gt;
genheit neu zu bestimmen. Sie erklär-&lt;br /&gt;
ten die Gesetze des Islam für aufgehoben&lt;br /&gt;
und stellten mit Nachdruck die Unab-&lt;br /&gt;
hängigkeit ihrer eigenen Religion fest.&lt;br /&gt;
Bald darauf begannen Verfolgungen&lt;br /&gt;
ungeahnten Ausmaßes, in denen die&lt;br /&gt;
Babi mancherorts mutig zu den Waffen&lt;br /&gt;
griffen, um sich zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1848 wurden etwa 300&lt;br /&gt;
von ihnen in Bärfurüsh angegriffen und&lt;br /&gt;
zogen sich zum nahegelegenen Schrein&lt;br /&gt;
von Shaykh-Tabarsi zurück. Dort lei-&lt;br /&gt;
steten sie 7 Monate lang einer Über-&lt;br /&gt;
macht an Regierungstruppen Wider-&lt;br /&gt;
stand, bis sie fast vollständig aufge-&lt;br /&gt;
rieben waren. Im Mai 1850 sahen sich&lt;br /&gt;
in Nayriz etwa 70 ihrer Glaubensgenos-&lt;br /&gt;
sen gezwungen, in einem Fort außer-&lt;br /&gt;
halb des Ortes Zuflucht zu nehmen,&lt;br /&gt;
wo sie vier Wochen lang belagert wur-&lt;br /&gt;
den. Zur gleichen Zeit schlossen Re-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gierungstruppen 3.000 Einwohner von&lt;br /&gt;
Zanjan, die den neuen Glauben ange-&lt;br /&gt;
nommen hatten, in der östlichen Hälfte&lt;br /&gt;
der Stadt ein. 1.800 Männer, Frauen und&lt;br /&gt;
Kinder kamen in den 9 Monate dauern-&lt;br /&gt;
den Kämpfen ums Leben. In allen drei&lt;br /&gt;
Fällen versprach man den Bábi schließ-&lt;br /&gt;
lich freien Abzug, doch wurden die&lt;br /&gt;
meisten von ihnen, sobald sie den&lt;br /&gt;
Schutz der jeweiligen Befestigung ver-&lt;br /&gt;
ließen, erbarmungslos niedergemetzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad Shäh war im September&lt;br /&gt;
1848 gestorben, und Näsirid-Din Shäh&lt;br /&gt;
hatte seine Nachfolge angetreten. Der&lt;br /&gt;
mächtigste Mann im Staate aber war der&lt;br /&gt;
neue Großwesir, Mirzä TJagi Khän.&lt;br /&gt;
Ihm schien das einzige Mittel, der Lage&lt;br /&gt;
im Land Herr zu werden, die Auslö-&lt;br /&gt;
schung des Mittelpunkts jener Gemein-&lt;br /&gt;
schaft, des Báb selbst. Er ordnete an,&lt;br /&gt;
den Gefangenen nach Tabriz zu bringen&lt;br /&gt;
und Ihn dort öffentlich hinzurichten.&lt;br /&gt;
Drei der führenden Geistlichen der&lt;br /&gt;
Stadt unterzeichneten das Todesurteil&lt;br /&gt;
und am 9. Juli 1850 wurde der Báb auf&lt;br /&gt;
dem Platz vor der Zitadelle erschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Seiner Anhänger waren ver-&lt;br /&gt;
wirrt und verzweifelt und zwei von ih-&lt;br /&gt;
nen unternahmen im August 1852 ein&lt;br /&gt;
Attentat auf Näsirid-Din Shäh, das je-&lt;br /&gt;
doch fehlschlug. Obwohl die Mehrheit&lt;br /&gt;
der Bábi die Tat mißbilligte, brach er-&lt;br /&gt;
neut eine Welle von Verfolgungen über&lt;br /&gt;
sie herein. Der »Österreichische Solda-&lt;br /&gt;
tenfreund« veröffentlichte am 12. Okto-&lt;br /&gt;
ber 1852 den folgenden Brief des Haupt-&lt;br /&gt;
manns Alfred von Gumoens, der sich&lt;br /&gt;
damals in Teheran aufhielt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... Aber folge mir, Freund, der Du&lt;br /&gt;
Herz und europäische Sitte Dein nennst,&lt;br /&gt;
folge mir zu den Beklagenswerthen, die&lt;br /&gt;
mit ausgestochenen Augen die eigenen&lt;br /&gt;
abgeschnittenen Ohren am Orte der Tat&lt;br /&gt;
und ohne Bereitung verzehren müssen;&lt;br /&gt;
oder zu denen, deren Zähne von der&lt;br /&gt;
Hand der Schergen mit entmenschter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%2.2.0., 5. 74f&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=9}}Gewalt ausgebrochen wurden, und de-&lt;br /&gt;
nen nun der kahle Schädel durch die&lt;br /&gt;
Kraft der Hammerschläge zermalmt&lt;br /&gt;
wird; — oder dorthin wo man den&lt;br /&gt;
Bazar mit Unglücklichen beleuchtet,&lt;br /&gt;
indem man recht- und linkseitig tiefe&lt;br /&gt;
Löcher in die Brust und Schulter gräbt,&lt;br /&gt;
und brennende Kerzen in die Wunden&lt;br /&gt;
birgt. Ich sah deren, die an Ketten durch&lt;br /&gt;
den Bazar — eine Militärmusik an der&lt;br /&gt;
Spitze — gezerrt wurden, deren Kerzen&lt;br /&gt;
tief abgebrannt waren, und nun Un-&lt;br /&gt;
schlitt gleich einer verlöschenden Lam-&lt;br /&gt;
pe in der Wunde zuckend flammte.&lt;br /&gt;
Nicht selten begibt sich, daß die nie&lt;br /&gt;
ermattende Fantasie der Orientalen zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
neuen Erscheinungen schreitet. Man&lt;br /&gt;
zieht den Babis die Haut der Sohlen ab,&lt;br /&gt;
labt die blutende Wunde mit siedendem&lt;br /&gt;
Öl, beschlägt den Fuß gleich dem Hufe&lt;br /&gt;
des Pferdes und zwingt das Opfer nun&lt;br /&gt;
zum Laufe. Kein Laut war der Brust ent-&lt;br /&gt;
stiegen, finster schweigend war die Qual&lt;br /&gt;
an dem eiserstarrten Gefühle des Fanati-&lt;br /&gt;
kers vorübergezogen; — nun soll er lau-&lt;br /&gt;
fen — der Körper kann nicht ertragen,&lt;br /&gt;
was die Seele ertrug — er sinkt; gebt ihm&lt;br /&gt;
den erlösenden Stoß, endet seine Pein!&lt;br /&gt;
Nein, der Scherge schwingt seine Peit-&lt;br /&gt;
sche, und — ich mußte es selbst sehen —&lt;br /&gt;
der hundertfach Gequälte läuft. Das ist&lt;br /&gt;
der Anfang vom Ende. Das Ende selbst:&lt;br /&gt;
Man hängt den durchbohrten, verseng-&lt;br /&gt;
ten Körper bei Hand und Fuß an einen&lt;br /&gt;
Baum, den Kopf der Erde zugeneigt,&lt;br /&gt;
und nun mag jeder Perser von einer be-&lt;br /&gt;
stimmten nicht allzu nahen Distanz aus&lt;br /&gt;
das Vergnügen haben, auf das edle gelie-&lt;br /&gt;
ferte Wild die Schußfertigkeit zu erpro-&lt;br /&gt;
ben...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gericht beschenkt zuweilen ein-&lt;br /&gt;
zelne Würdenträger mit den unglück-&lt;br /&gt;
lichen Babis ... Ein Babi wurde dem&lt;br /&gt;
löblichen Offizierscorps der Garnison&lt;br /&gt;
verehrt; der General en chef führte den&lt;br /&gt;
ersten Hieb, und sodann jeder, wie es&lt;br /&gt;
der Rang gestattete. Die persischen&lt;br /&gt;
Truppen sind Schlächter und nicht Krie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ger. Einen Babi bekam auch der Imam&lt;br /&gt;
Giume, auch er mordete. Der Islam&lt;br /&gt;
weiß nichts von Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt das Geschriebene wie-&lt;br /&gt;
der lese, überkommt mich der Gedanke,&lt;br /&gt;
daß man bei Euch im lieben theueren&lt;br /&gt;
Österreich an der vollen Wahrheit des&lt;br /&gt;
Geschilderten zweifeln, mir eine Über-&lt;br /&gt;
treibung zur Last legen könnte. — Gäbe&lt;br /&gt;
es Gott, daß ich es nicht erlebt hätte,&lt;br /&gt;
nicht erlebte. Aber durch das Gebot&lt;br /&gt;
meines Berufes war ich leider oft, sehr&lt;br /&gt;
oft Zeuge der Greuel. Zur Stunde verlas-&lt;br /&gt;
se ich gar nicht mehr mein Haus, um&lt;br /&gt;
nicht erneuerten Schreckens-Scenen zu&lt;br /&gt;
begegnen ...«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Strudel der Ereignisse geriet&lt;br /&gt;
auch Mirza Husayn Ali, einer der füh-&lt;br /&gt;
renden Anhänger des Báb. Näsiri’d-Din&lt;br /&gt;
Shäh ordnete noch im August 1852&lt;br /&gt;
Seine Verhaftung an. Er wurde darauf-&lt;br /&gt;
hin in Teheran eingekerkert, unter ernie-&lt;br /&gt;
drigenden Umständen vier Monate lang&lt;br /&gt;
gefangengehalten und erst auf Vermitt-&lt;br /&gt;
lung des russischen Gesandten Dolgoru-&lt;br /&gt;
kij wieder aus der Haft entlassen. Es war&lt;br /&gt;
Ihm jedoch nur eine kurze Zeit der Ruhe&lt;br /&gt;
vergönnt. Von Näsirid-Din Shah des&lt;br /&gt;
Landes verwiesen, machte Er sich auf&lt;br /&gt;
den Weg nach Bagdad, wo Er im April&lt;br /&gt;
1853 ankam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch war Er es, dem sich die An-&lt;br /&gt;
hänger des Báb nach den schweren&lt;br /&gt;
Schlägen der letzten Jahre zuwandten.&lt;br /&gt;
Nicht die Verfolgungen hatten den Fort-&lt;br /&gt;
schritt der Sache gehemmt, sondern der&lt;br /&gt;
innere Zustand der Gemeinde. Zu wenig&lt;br /&gt;
waren die Gläubigen mit dem vertraut&lt;br /&gt;
gewesen, was die Lehre des Báb von&lt;br /&gt;
ihnen forderte. In dieser Hinsicht trat&lt;br /&gt;
nun unter der Führung Mirzä Husayn&lt;br /&gt;
Alis ein grundlegender Wandel ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl man Ihn des Landes verwie-&lt;br /&gt;
sen hatte, schien Sein Einfluß größer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 M. v. Najmäjer, Gurret-ül-Eyn. Ein Bild aus Per-&lt;br /&gt;
siens Neuzeit (mit Biographie, Vorwort und&lt;br /&gt;
historischem Abriß), Wien 1981, S. XXXf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|40|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=10}}denn je. Die Geistlichen waren zutiefst&lt;br /&gt;
beunruhigt. Einige sprachen von der&lt;br /&gt;
Notwendigkeit eines Heiligen Krieges&lt;br /&gt;
gegen Ihn und Seine Gefährten, stießen&lt;br /&gt;
aber auf Widerstand aus den eigenen&lt;br /&gt;
Reihen. Immerhin sah sich die persische&lt;br /&gt;
Regierung veranlaßt, auf Seine Verban-&lt;br /&gt;
nung an einen möglichst weit entfernten&lt;br /&gt;
Ort hinzuwirken. Die osmanische Re-&lt;br /&gt;
gierung gab schließlich dem Drängen&lt;br /&gt;
nach und lud Ihn ein, als ihr Gast nach&lt;br /&gt;
Konstantinopel zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor Seiner Abreise —&lt;br /&gt;
vom 22. April bis zum 3. Mai 1863 —&lt;br /&gt;
begab Er sich in einen Garten am Ufer&lt;br /&gt;
des Tigris, der später »Ridvan«, »Garten&lt;br /&gt;
des Paradieses« genannt wurde. Dort er-&lt;br /&gt;
klärte Er, derjenige zu sein, auf dessen&lt;br /&gt;
Kommen der Báb hingewiesen hatte.&lt;br /&gt;
Das war kein geringer Anspruch. »Er,&lt;br /&gt;
den Gott offenbaren wird« sollte der&lt;br /&gt;
Verheißene aller Religionen, Richter&lt;br /&gt;
und Erlöser der Menschheit und der Ge-&lt;br /&gt;
stalter des neuen Zeitalters sein. Und Er&lt;br /&gt;
sollte einen Titel tragen, der diesen An-&lt;br /&gt;
spruch deutlich machte: »Bahä’u/lläh«,&lt;br /&gt;
»die Herrlichkeit Gottes«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einer Begegnung zwischen Ihm&lt;br /&gt;
und dem Sultän ‘Abdu’l-’Aziz kam es&lt;br /&gt;
nicht, als Er sich vom August bis zum&lt;br /&gt;
Dezember 1863 in Konstantinopel auf-&lt;br /&gt;
hielt. Die Intrigen am Hofe, an denen&lt;br /&gt;
auch die persische Regierung einen&lt;br /&gt;
nicht unerheblichen Anteil hatte, mach-&lt;br /&gt;
ten es unmöglich. Er wurde schließlich&lt;br /&gt;
auf Befehl des Herrschers und seiner&lt;br /&gt;
ersten Minister, Ali Päsha und Fu’äd&lt;br /&gt;
Päshä, nach Adrianopel, dem heutigen&lt;br /&gt;
Edirne, verbannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Seiner Heimat war es um die An-&lt;br /&gt;
hänger des Báb still geworden. Mehrere&lt;br /&gt;
Jahre lang hatten sie keine Verfolgungen&lt;br /&gt;
erlitten, und es schien, als habe sich der&lt;br /&gt;
Zorn ihrer Gegner gelegt. Am 3. Mai&lt;br /&gt;
1864 jedoch berichtete der französische&lt;br /&gt;
Geschäftsträger, M. le Comte de Roche-&lt;br /&gt;
chouart, aus Isfahän: »Es scheint, daß&lt;br /&gt;
einige Bábi, ungefähr ein Dutzend, in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AO BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Stadt Isfahän ergriffen und hierher&lt;br /&gt;
(nach Najaf-Abäd) gebracht wurden,&lt;br /&gt;
um allen möglichen Foltern unterzogen&lt;br /&gt;
zu werden. Ich hoffe immer noch, daß&lt;br /&gt;
diese Nachricht sich als falsch heraus-&lt;br /&gt;
stellen wird, denn das Volk, weiter fort-&lt;br /&gt;
geschritten als die Regierung, betrachtet&lt;br /&gt;
diese Massaker mit Abscheu und Wi-&lt;br /&gt;
derwillen, zumal sie völlig unnötig sind:&lt;br /&gt;
die Bábi sind eine harmlose Sekte — sie&lt;br /&gt;
predigen, das ist wahr, gegen Fehlver-&lt;br /&gt;
halten der Regierungsmitglieder und&lt;br /&gt;
vor allem gegen Korruption; sie sind&lt;br /&gt;
den Europäern im allgemeinen und uns&lt;br /&gt;
im besonderen sehr freundlich geson-&lt;br /&gt;
nen. Sollten die erwähnten Dinge ent-&lt;br /&gt;
gegen meinen Erwartungen zutreffen,&lt;br /&gt;
so werde ich jede Anstrengung unter-&lt;br /&gt;
nehmen, ein Massaker zu vermeiden,&lt;br /&gt;
für das nicht einmal die Entschuldigung&lt;br /&gt;
vorgebracht werden könnte, sie (die&lt;br /&gt;
Bábi) hätten zuerst mit dem Ärger be-&lt;br /&gt;
gonnen. Ich werde den Standpunkt ver-&lt;br /&gt;
treten, daß man sich erhebliche Vor-&lt;br /&gt;
würfe gefallen lassen müßte und völlig&lt;br /&gt;
mit der zivilisierten Welt brechen wür-&lt;br /&gt;
de, wenn man ein solches Unrecht&lt;br /&gt;
zuließe.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Mitteilung ist in zweierlei Hin-&lt;br /&gt;
sicht interessant. Zum einen fällt auf,&lt;br /&gt;
daß die Verfolgten immer noch als Bábi&lt;br /&gt;
bezeichnet werden. Erst nach und nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erfuhren sie von dem Anspruch Bahä’-&lt;br /&gt;
uwllähs und es vergingen einige Jahre,&lt;br /&gt;
bevor sie in ihrer Mehrzahl zu Bahäj,&lt;br /&gt;
Seinen Anhängern, geworden waren.&lt;br /&gt;
Zum anderen zeigt der Bericht, daß sie&lt;br /&gt;
sich nicht mehr gegen Übergriffe zur&lt;br /&gt;
Wehr setzten, sondern die Unter-&lt;br /&gt;
drückung geduldig ertrugen. Sie folgten&lt;br /&gt;
damit einem Gebot Bahä’u’llähs — oder&lt;br /&gt;
vielmehr Mirzä Husayn ’Alis, ihres&lt;br /&gt;
Oberhauptes. Dennoch kam es auch in&lt;br /&gt;
den folgenden Jahren immer wieder zu&lt;br /&gt;
Ausschreitungen. Urheber waren jetzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 M. Momen (Hrsg.), The Bábi and Bahá’í Reli-&lt;br /&gt;
gions, S. 268f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|41|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=11}}meist die Geistlichen, während die Re-&lt;br /&gt;
gierung es mitunter ablehnte, sich an&lt;br /&gt;
ihren Machenschaften zu beteiligen.&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist außerdem, daß die&lt;br /&gt;
Vertreter Englands und Rußlands in&lt;br /&gt;
einigen Fällen intervenierten, es ihnen&lt;br /&gt;
allerdings nur selten gelang, die Lage der&lt;br /&gt;
Verfolgten zu bessern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäu’lläh selbst wurde erneut das&lt;br /&gt;
Opfer von Intrigen. Sultän Abdu’l-Aziz&lt;br /&gt;
verbannte Ihn nach Akkä in Palästina,&lt;br /&gt;
einer Strafkolonie des osmanischen Rei-&lt;br /&gt;
ches. Dort traf Er im August 1868 ein&lt;br /&gt;
und wurde zunächst zwei Jahre und&lt;br /&gt;
zwei Monate in der Zitadelle gefangen-&lt;br /&gt;
gehalten. Später wies man Ihm ein Haus&lt;br /&gt;
zu, doch stand Er weiterhin unter mehr&lt;br /&gt;
oder weniger strengem Arrest. Erst 1877&lt;br /&gt;
konnte Er die Stadt verlassen und in ein&lt;br /&gt;
nahegelegenes Landhaus umziehen.&lt;br /&gt;
Sowohl von Adrianopel als auch von&lt;br /&gt;
Akkä aus wandte Er sich an die welt-&lt;br /&gt;
lichen und geistlichen Führer Seiner&lt;br /&gt;
Zeit, unter Ihnen Sultän ‘Abdu’l-Aziz,&lt;br /&gt;
Näsirid-Din Shäh, Kaiser Napoleon III.,&lt;br /&gt;
Königin Viktoria, Zar Alexander II.,&lt;br /&gt;
Kaiser Wilhelm I., Kaiser Franz Joseph&lt;br /&gt;
und Papst Pius IX. Im April 1890 be-&lt;br /&gt;
suchte Ihn Prof. E.G. Browne, ein be-&lt;br /&gt;
kannter englischer Orientalist. Er&lt;br /&gt;
schrieb später im Vorwort zu dem von&lt;br /&gt;
ihm herausgegebenen Buch »A Travel-&lt;br /&gt;
lers Narrative«:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mein Führer stand einen Augenblick&lt;br /&gt;
stille, während ich meine Schuhe ableg-&lt;br /&gt;
te. Mit einem raschen Griff zog er den&lt;br /&gt;
Vorhang zurück, und ich betrat ein gro-&lt;br /&gt;
Bes Zimmer, an dessen oberem Ende ein&lt;br /&gt;
Diwan und der Türe gegenüber zwei&lt;br /&gt;
oder drei Stühle standen. Obschon ich&lt;br /&gt;
dunkel ahnte, wohin ich jetzt ging und&lt;br /&gt;
wen ich sehen sollte (eine bestimmte&lt;br /&gt;
Andeutung war mir nicht gemacht wor-&lt;br /&gt;
den), stand ich doch einige Sekunden&lt;br /&gt;
mit Herzklopfen und voll Ehrfurcht da,&lt;br /&gt;
bevor ich mir endlich bewußt wurde,&lt;br /&gt;
daß der Raum nicht leer war. In der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ecke, wo der Diwan an die Wand stieß,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
saß eine hoheitsvolle, ehrwürdige Ge-&lt;br /&gt;
stalt mit jener Kopfbedeckung, wie sie&lt;br /&gt;
bei den Derwischen Täj genannt wird&lt;br /&gt;
(aber von ungewöhnlicher Höhe und&lt;br /&gt;
Form), und um deren unteren Teil ein&lt;br /&gt;
kleiner weißer Turban gewunden war.&lt;br /&gt;
Das Antlitz, in dasich nun blickte, kann&lt;br /&gt;
ich nie vergessen, obgleich ich nicht im-&lt;br /&gt;
stande bin, es zu beschreiben. Diese&lt;br /&gt;
durchdringenden Augen schienen auf&lt;br /&gt;
dem Grunde der Seele zu lesen. Macht&lt;br /&gt;
und Würde lagen über diesen breiten&lt;br /&gt;
Augenbrauen; die tiefen Falten auf Sei-&lt;br /&gt;
ner Stirne und Seinem Gesicht verrieten&lt;br /&gt;
ein Alter, das Sein tiefschwarzes Haar&lt;br /&gt;
und der in üppiger Fülle bis zur Leibes-&lt;br /&gt;
mitte herabwallende Bart Lügen zu stra-&lt;br /&gt;
fen schienen. Unnötig zu fragen, in wes-&lt;br /&gt;
sen Gegenwart ich stand, als ich mich&lt;br /&gt;
vor Dem verneigte, der das Ziel einer&lt;br /&gt;
Verehrung und Liebe ist, um die Ihn&lt;br /&gt;
Könige beneiden könnten und nach der&lt;br /&gt;
sich Kaiser vergeblich sehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine milde, würdevolle Stimme bat&lt;br /&gt;
mich, Platz zu nehmen, und sprach so-&lt;br /&gt;
dann: »Gelobt sei Gott, daß du es er-&lt;br /&gt;
reicht hast! ... Du bist gekommen, um&lt;br /&gt;
einen Gefangenen und Verbannten zu&lt;br /&gt;
sehen ... Wir wünschen nur das Wohl&lt;br /&gt;
der Welt und das Glück der Völker; den-&lt;br /&gt;
noch hält man Uns für Anstifter von&lt;br /&gt;
Streit und Aufruhr, die Gefangenschaft&lt;br /&gt;
und Verbannung verdienen ... Wir&lt;br /&gt;
wünschen, daß alle Völker in einem&lt;br /&gt;
Glauben vereint und alle Menschen&lt;br /&gt;
Brüder werden; daß das Band der Liebe&lt;br /&gt;
und Einigkeit zwischen den Menschen-&lt;br /&gt;
kindern gestärkt werde; daß Religions-&lt;br /&gt;
verschiedenheit aufhöre und die Unter-&lt;br /&gt;
schiede, welche zwischen den Rassen&lt;br /&gt;
gemacht werden, aufhören — was ist&lt;br /&gt;
nun Schlimmes hieran? ... Aber trotz&lt;br /&gt;
all dem wird es dahin kommen; diese&lt;br /&gt;
fruchtlosen Kämpfe, diese zerstörenden&lt;br /&gt;
Kriege werden aufhören und der »Größ-&lt;br /&gt;
te Friede« wird kommen ... Habt ihr&lt;br /&gt;
dies in Europa nicht auch nötig? Ist dies&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht das, was Christus verhieß? ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|42|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=12}}Aber dennoch sehen Wir eure Könige&lt;br /&gt;
und Regenten die Schätze ihrer Länder&lt;br /&gt;
mehr auf die Zerstörung der menschli-&lt;br /&gt;
chen Rasse verschwenden als darauf,&lt;br /&gt;
was zum Glück der Menschheit führen&lt;br /&gt;
würde... Diese Kämpfe, dieses Blutver-&lt;br /&gt;
gießen und diese Zwietracht müssen&lt;br /&gt;
aufhören, alle Menschen müssen sein,&lt;br /&gt;
als ob sie einem Geschlecht und einer Fa-&lt;br /&gt;
milie angehörten. Es rühme sich kein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch dessen, daß er sein Land liebt,&lt;br /&gt;
sondern eher dessen, daß er das ganze&lt;br /&gt;
Menschengeschlecht liebt .. .«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solcher Art waren, soweit ich sie aus&lt;br /&gt;
dem Gedächtnis wiedergeben kann, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, die ich, neben vielen anderen,&lt;br /&gt;
von Bahä hörte. Mögen die, die sie le-&lt;br /&gt;
sen, sie gut daraufhin ansehen, ob sol-&lt;br /&gt;
che Lehren Tod und Ketten verdienen,&lt;br /&gt;
und ob die Welt von ihrer Verbreitung&lt;br /&gt;
nicht vielleicht mehr gewinnen als ver-&lt;br /&gt;
lieren würde.«’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u/lläh verschied am 29. Mai&lt;br /&gt;
1892. Sein Sohn ‘Abbäs Effendi war von&lt;br /&gt;
Ihm zum »Mittelpunkt des Bündnisses«&lt;br /&gt;
und zum »Ausleger des Wortes Gottes«®&lt;br /&gt;
bestimmt worden, zog es aber vor,&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá, »Diener der Herrlich-&lt;br /&gt;
keit«, genannt zu werden. In Seinen&lt;br /&gt;
Händen lag nun die Führung der Ge-&lt;br /&gt;
meinde. Er hatte Bahäwlläh während&lt;br /&gt;
der 40 Jahre Seiner Verbannung beglei-&lt;br /&gt;
tet, und jener Erlaß des Sultäns Abdull-&lt;br /&gt;
“Aziz, der strenggenommen noch immer&lt;br /&gt;
nicht aufgehoben worden war, galt&lt;br /&gt;
auch Ihm. Er konnte sich jedoch mehr&lt;br /&gt;
oder weniger frei bewegen. Einen gro-&lt;br /&gt;
ßen Teil Seiner Zeit verbrachte Er in&lt;br /&gt;
Haifa, wo Er im Sommer 1899 mit dem&lt;br /&gt;
Bau eines Grabmals für den Báb be-&lt;br /&gt;
gann, dessen sterbliche Überreste jahr-&lt;br /&gt;
zehntelang an verschiedenen Orten Per-&lt;br /&gt;
siens versteckt gehalten worden waren.&lt;br /&gt;
Seine Gegner behaupteten, das neue&lt;br /&gt;
Gebäude sei eine Festung, die Ihm zur&lt;br /&gt;
Vorbereitung eines Aufstandes diene.&lt;br /&gt;
Sultan Abdu/l-Hamid setzte daraufhin&lt;br /&gt;
im August 1901 den Erlaß seines Vor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
42  BAHÄT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gängers erneut in Kraft und Abdull-&lt;br /&gt;
Bahä konnte mehrere Jahre lang ‘Akkä&lt;br /&gt;
nicht mehr verlassen. Zweimal, im&lt;br /&gt;
Sommer 1905 und im Winter 1907, er-&lt;br /&gt;
schien eine Untersuchungskommission,&lt;br /&gt;
um die gegen Ihn erhobenen Vorwürfe&lt;br /&gt;
an Ort und Stelle zu prüfen. Sie hatte&lt;br /&gt;
jedoch kaum ihren Bericht vorgelegt,&lt;br /&gt;
als 1908 Sultan Abdu’l-Hamid durch&lt;br /&gt;
die jungtürkische Revolution zu einer&lt;br /&gt;
Amnestie für religiöse und politische&lt;br /&gt;
Gefangene gezwungen wurde.&lt;br /&gt;
‘Abdul-Bahä war nun endgültig frei.&lt;br /&gt;
Ein Jahr später konnte Er die sterblichen&lt;br /&gt;
Überreste des Báb in dem dafür vorgese-&lt;br /&gt;
henen Grabmal beisetzen und verlegte&lt;br /&gt;
auch Seinen ständigen Wohnsitz nach&lt;br /&gt;
Haifa. In den Jahren 1911—1913 unter-&lt;br /&gt;
nahm Er ausgedehnte Reisen nach Euro-&lt;br /&gt;
pa und Nordamerika, die der Sache Sei-&lt;br /&gt;
nes Vaters dort zu einem bemerkenswer-&lt;br /&gt;
ten Grad der Bekanntheit verhalfen.&lt;br /&gt;
Die Verfolgungen der Bahäi im Iran&lt;br /&gt;
flammten auch während Seiner Amts-&lt;br /&gt;
zeit immer wieder auf, insbesondere im&lt;br /&gt;
Sommer 1903. Der amerikanische Mis-&lt;br /&gt;
sionar Napier Malcolm, der damals in&lt;br /&gt;
Yazd lebte, gab später in seinem Buch&lt;br /&gt;
»Five Years in a Persian Town« die fol-&lt;br /&gt;
gende Schilderung: »Die Bahä’i wurden&lt;br /&gt;
zu jener Zeit nicht von dem mujtahid’&lt;br /&gt;
verurteilt und hingerichtet, sondern&lt;br /&gt;
vom Pöbel in Stücke gerissen. Was die&lt;br /&gt;
Menge erregt hatte, war nicht in erster&lt;br /&gt;
Linie religiöser Eifer. Es war vielmehr&lt;br /&gt;
die Erklärung der geistlichen Autoritä-&lt;br /&gt;
ten, daß das Eigentum der Bahá’í für&lt;br /&gt;
jeden »rechtmäßig« sei, daß also jeder,&lt;br /&gt;
der wollte, sie ausplündern dürfe. Die&lt;br /&gt;
Angriffe wurden häufig von Männern&lt;br /&gt;
unternommen, die lange Zeit in enger&lt;br /&gt;
Nachbarschaft mit den Bahäi gelebt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 J,E. Esslemont, Bahä’u’lläh und das neue Zeital-&lt;br /&gt;
ter, Hofheim-Langenhain 1976, S. 56f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
S.199&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Religiöse Richter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|43|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=13}}hatten, die allezeit gewußt hatten, daß&lt;br /&gt;
diese Mitglieder der Sekte waren, und&lt;br /&gt;
die doch mit ihnen ganz selbstverständ-&lt;br /&gt;
lich Umgang gepflegt hatten. Löcher&lt;br /&gt;
wurden in die Köpfe einiger dieser ar-&lt;br /&gt;
men Teufel gebohrt, dann wurde Öl hin-&lt;br /&gt;
eingegossen und angezündet; andere&lt;br /&gt;
Formen der Folter wurden angewandt,&lt;br /&gt;
die man nicht beschreiben kann. Frauen&lt;br /&gt;
und Kinder wurden selten getötet, aber&lt;br /&gt;
schrecklich mißhandelt und manchmal&lt;br /&gt;
dem Tode durch Verhungern preisgege-&lt;br /&gt;
ben. Es wird berichtet, daß an einem&lt;br /&gt;
Ort Bábi-Kinder in Sichtweite der Dorf-&lt;br /&gt;
bewohner starben, nachdem sie tage-&lt;br /&gt;
lang unter den Bäumen gewartet hatten,&lt;br /&gt;
unter denen sie von ihren Eltern, die&lt;br /&gt;
man ermordet hatte, zurückgelassen&lt;br /&gt;
worden waren ... Ein Soldat traf auf&lt;br /&gt;
einen Yazdi, der einen anderen Mann&lt;br /&gt;
hinter sich her zog und herauszufinden&lt;br /&gt;
versuchte, ob er tatsächlich ein Bahä’i&lt;br /&gt;
sei. »Sehen Sie«, sagte er, »ich bin mein&lt;br /&gt;
ganzes Leben lang ein schlechter&lt;br /&gt;
Mensch gewesen, und ich habe nie mei-&lt;br /&gt;
ne Gebete gesagt oder andere savabs!?&lt;br /&gt;
verrichtet, deshalb werde ich sicher in&lt;br /&gt;
die Hölle kommen, falls ich nicht etwas&lt;br /&gt;
Großes vollbringe. Sollte dieser Mensch&lt;br /&gt;
ein Bábi sein, so darf ich ihn nicht loslas-&lt;br /&gt;
sen, denn wenn ich einen Ungläubigen&lt;br /&gt;
töte, werde ich geradewegs in den Him-&lt;br /&gt;
mel aufsteigen.« «&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu/l-Bahä starb am 28. November&lt;br /&gt;
1921 und Sein Enkel Shoghi Effendi, den&lt;br /&gt;
Er zum »Hüter der Sache Gottes« einge-&lt;br /&gt;
setzt hatte, folgte Ihm als Oberhaupt&lt;br /&gt;
der Gemeinde. Auch er lebte und wirkte&lt;br /&gt;
in Haifa. Unter seiner Führung begann&lt;br /&gt;
der Aufbau örtlicher und nationaler&lt;br /&gt;
Bahäfi-Institutionen in aller Welt — der&lt;br /&gt;
Fundamente einer Verwaltungsord-&lt;br /&gt;
nung, wie sie Bahä’u/lläh selbst umris-&lt;br /&gt;
sen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Iran wurden diese Gremien bald&lt;br /&gt;
zur Zielscheibe für die Angriffe der&lt;br /&gt;
weltlichen und geistlichen Mächte. Man&lt;br /&gt;
schränkte ihre Arbeit weitgehend ein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beschlagnahmte mancherorts ihr Eigen-&lt;br /&gt;
tum und schloß alle ihre Schulen. Die&lt;br /&gt;
Gemeinde wandte sich in wachsendem&lt;br /&gt;
Maße an Behörden und Gerichte des&lt;br /&gt;
Landes sowie an internationale Organi-&lt;br /&gt;
sationen, um gegen die Übergriffe zu&lt;br /&gt;
protestieren, doch führte das natürlich&lt;br /&gt;
nur selten zu einem greifbaren Ergebnis.&lt;br /&gt;
Immerhin ist festzustellen, daß für Leib&lt;br /&gt;
und Leben der Gläubigen kaum noch&lt;br /&gt;
Gefahr bestand, wenn es auch vereinzelt&lt;br /&gt;
immer noch zu Ausschreitungen kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Shoghi Effendi am 4. November&lt;br /&gt;
1957 starb, hinterließ er keine Nach-&lt;br /&gt;
kommen. Die Verantwortung lag nun&lt;br /&gt;
vorübergehend bei einigen hervorra-&lt;br /&gt;
genden Gläubigen, die von ihm zu&lt;br /&gt;
»Händen der Sache Gottes« ernannt und&lt;br /&gt;
als »Hauptsachwalter der Weltgemein-&lt;br /&gt;
schaft Bahä’ullähs«&#039;? bezeichnet wor-&lt;br /&gt;
den waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. April 1963 konnte dann zum&lt;br /&gt;
ersten Mal das »Universale Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit«, die höchste Institution der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verwaltungsordnung, gewählt&lt;br /&gt;
werden. Es leitet seither die Geschicke&lt;br /&gt;
der Gemeinde. Daß es eines Tages die&lt;br /&gt;
traurige Pflicht haben würde, die Gläu-&lt;br /&gt;
bigen auf der ganzen Welt von erneuten&lt;br /&gt;
Verfolgungen ihrer Schwestern und&lt;br /&gt;
Brüder im Iran zu unterrichten, war&lt;br /&gt;
noch vor wenigen Jahren kaum vorstell-&lt;br /&gt;
bar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die geschichtliche&lt;br /&gt;
Entwicklung, wie sie hier dargestellt&lt;br /&gt;
wurde, so bleibt die Frage nach den&lt;br /&gt;
Gründen zunächst weiterhin offen.&lt;br /&gt;
Mag sein, daß in den Tagen des Báb das&lt;br /&gt;
Mißverständnis aufkam, man habe es&lt;br /&gt;
mit dem Versuch eines politischen Um-&lt;br /&gt;
sturzes zu tun. Mag sein, daß dieses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mißverständnis dadurch gefördert wur-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Fromme Werke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 M. Momen (Hrsg.), The Bábi and Bahäfi Reli-&lt;br /&gt;
gions, S. 390f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 The Bahä’i World. An International Record,&lt;br /&gt;
Vol. XVII, Haifa 1981, 5. 319&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|44|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
de, daß sich Seine Anhänger verteidig-&lt;br /&gt;
ten, wo sie bedrängt wurden. Aber spä-&lt;br /&gt;
testens als Bahä’ulläh ihnen verbot, von&lt;br /&gt;
der Waffe Gebrauch zu machen, und sie&lt;br /&gt;
dazu aufrief, sich gegenüber der Staats-&lt;br /&gt;
gewalt loyal zu verhalten, hätten sich&lt;br /&gt;
doch die Wogen glätten müssen. Auch&lt;br /&gt;
westlichen Beobachtern scheinen die&lt;br /&gt;
Motive der Verfolgungen nicht recht&lt;br /&gt;
einsichtig gewesen zu sein. Der britische&lt;br /&gt;
Diplomat Lord Curzon of Kedleston,&lt;br /&gt;
der sich 1889 im Iran aufhielt, schrieb&lt;br /&gt;
später in seinem Buch »Persia and the&lt;br /&gt;
Persian Question«: »Aus der Tatsache,&lt;br /&gt;
daß der Babismus sich anfänglich im&lt;br /&gt;
Konflikt mit den weltlichen Mächten&lt;br /&gt;
befand und daß einige Babi einen An-&lt;br /&gt;
schlag auf das Leben des Schah unter-&lt;br /&gt;
nahmen, ist fälschlicherweise der&lt;br /&gt;
Schluß gezogen worden, daß die Bewe-&lt;br /&gt;
gung in ihrem Ursprung politisch und&lt;br /&gt;
von nihilistischem Charakter sei. Was&lt;br /&gt;
die Schriften des Bab und seiner Nach-&lt;br /&gt;
folger betrifft, so enthalten sie nichts,&lt;br /&gt;
was diesen Verdacht erhärten könnte.&lt;br /&gt;
Die Verfolgung durch die Regierung&lt;br /&gt;
trieb die Anhänger des neuen Glaubens&lt;br /&gt;
sehr früh in eine Widerstandshaltung,&lt;br /&gt;
und angesichts der Erbitterung, die der&lt;br /&gt;
Kampf hervorrief, sowie der grausamen&lt;br /&gt;
Brutalität, mit der die Sieger ihre Rechte&lt;br /&gt;
geltend machten, war es nicht verwun-&lt;br /&gt;
derlich, daß sich fanatische Elemente&lt;br /&gt;
fanden, die dem Herrscher nach dem&lt;br /&gt;
Leben trachteten. Zur Zeit sind die Babi&lt;br /&gt;
ebenso loyale Untertanen der Krone wie&lt;br /&gt;
andere... Im großen und ganzen könn-&lt;br /&gt;
te man den Babismus als eine Religion&lt;br /&gt;
der Nächstenliebe und ganz allgemein&lt;br /&gt;
der Liebe zur Menschheit bezeichnen.&lt;br /&gt;
Brüderlichkeit, Freundlichkeit gegen-&lt;br /&gt;
über Kindern, Höflichkeit verbunden&lt;br /&gt;
mit Würde, Geselligkeit, Gastfreund-&lt;br /&gt;
schaft, keine Frömmelei, freundschaft-&lt;br /&gt;
licher Umgang sogar mit Christen gehö-&lt;br /&gt;
ren zu seinen Lehren. Zu behaupten,&lt;br /&gt;
jeder Babi halte sich an diese Vorschrif-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten, wäre unsinnig. Aber ein Prophet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 BAHÄT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sollte, wenn seine Botschaft in Frage&lt;br /&gt;
steht, nach seinen eigenen Worten beur-&lt;br /&gt;
teilt werden.«&amp;quot;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bleibt als Grund letztlich nur ei-&lt;br /&gt;
nes: religiöser Fanatismus. Aber war&lt;br /&gt;
nicht gerade im Islam die Erwartung&lt;br /&gt;
zweier Gottesboten lebendig? Und bezo-&lt;br /&gt;
gen sich nicht der Bab und Bahä’u&#039;lläh&lt;br /&gt;
ausdrücklich auf jene Erwartung? Nun,&lt;br /&gt;
es ging Ihnen nicht anders als Christus,&lt;br /&gt;
den man kreuzigte, weil Er nicht dem&lt;br /&gt;
überlieferten Bild des Messias ent-&lt;br /&gt;
sprach. Auch über die beiden Verheiße-&lt;br /&gt;
nen des Islam hatten sich im Laufe der&lt;br /&gt;
Jahrhunderte ganz bestimmte Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen herausgebildet. Muhammad&lt;br /&gt;
war nach eigenem Bekunden das »Siegel&lt;br /&gt;
der Propheten« gewesen. Gottesboten&lt;br /&gt;
wie Ihn, so glaubte man, werde es des-&lt;br /&gt;
halb nicht mehr geben. Der Mahdi und&lt;br /&gt;
der wiederkehrende Christus oder der&lt;br /&gt;
Oäim und der wiederkehrende Imäam&lt;br /&gt;
Husayn sollten den Islam und nichts&lt;br /&gt;
als den Islam verkünden. Sowohl der&lt;br /&gt;
Báb als auch Bahä’u&#039;lläh jedoch erhoben&lt;br /&gt;
einen weitergehenden Anspruch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sahen sich als Träger einer neu-&lt;br /&gt;
en, eigenständigen Offenbarung und&lt;br /&gt;
Sie nannten Ihre Schriften »Heilige Ver-&lt;br /&gt;
se« (Ayät). Diese Bezeichnung war dem&lt;br /&gt;
Qur’än vorbehalten gewesen und nicht&lt;br /&gt;
einmal auf die mündlich überlieferten&lt;br /&gt;
Aussprüche Muhammads, geschweige&lt;br /&gt;
denn auf die Worte der Imäme, ange-&lt;br /&gt;
wandt worden. Der Báb aber erklärte&lt;br /&gt;
unzweideutig: »Wahrlich, Wir machten&lt;br /&gt;
die Offenbarung von Versen (ayät) zu&lt;br /&gt;
einem Beweis Unserer Botschaft an&lt;br /&gt;
euch. Könnt ihr einen einzigen Buchsta-&lt;br /&gt;
ben hervorbringen, der diesen Versen&lt;br /&gt;
gleichkommt?«&#039;*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bekundete allerdings auch Seine&lt;br /&gt;
Demut vor Dem, der nach Ihm kommen&lt;br /&gt;
sollte: »Wie schwach und armselig er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 M. Momen (Hrsg.), The Bábi and Bahäf Reli-&lt;br /&gt;
gions, S. 46f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Selections from the Writings of the Báb, Haifa&lt;br /&gt;
1976, 5. 43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|45|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=15}}scheint Mein Wort und alles, was Mir zu-&lt;br /&gt;
gehört, es sei denn, daß es Beziehung zu&lt;br /&gt;
Deiner großen Herrlichkeit besitze.«!’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Bahäu’lläh schrieb: »O ihr Men-&lt;br /&gt;
schen, wenn ihr diese Verse leugnet, auf&lt;br /&gt;
welchen Beweis hin glaubt ihr dann an&lt;br /&gt;
Gott?«!°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide lehrten darüber hinaus, Got-&lt;br /&gt;
tesoffenbarung sei fortschreitend. Die&lt;br /&gt;
verschiedenen Religionen enthielten&lt;br /&gt;
einerseits Grundsätze, die ewig und un-&lt;br /&gt;
veränderlich seien, andererseits aber&lt;br /&gt;
Richtlinien für das Leben des einzelnen&lt;br /&gt;
und der Gesellschaft, die der Zeit und&lt;br /&gt;
ihren Umständen entsprächen. Dieser&lt;br /&gt;
zweite Teil der Offenbarung sei somit&lt;br /&gt;
einem ständigen Wandel unterworfen,&lt;br /&gt;
und die Gesetze des Islam könnten nicht&lt;br /&gt;
in der Form bestehen bleiben, in der sie&lt;br /&gt;
Jahrhunderte lang gegolten hatten. Der&lt;br /&gt;
Báb ergänzte sie zunächst durch einige&lt;br /&gt;
neue Vorschriften, darunter die Erwäh-&lt;br /&gt;
nung Seines eigenen Namens im Ruf&lt;br /&gt;
zum Gebet. Das allein reichte aus, Ihn&lt;br /&gt;
der Blasphemie zu beschuldigen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erste Übergriffe zu rechtfertigen. Später&lt;br /&gt;
hob Er die Bestimmungen des Qur’än&lt;br /&gt;
ausdrücklich auf und ersetzte sie durch&lt;br /&gt;
andere. Diesen Bruch mit der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit spiegelte dann auch die Ent-&lt;br /&gt;
scheidung Seiner in Badasht versam-&lt;br /&gt;
melten Anhänger wider. Welche der&lt;br /&gt;
Neuerungen von Dauer sein würden,&lt;br /&gt;
machte Er abhängig vom Wohlgefallen&lt;br /&gt;
Dessen, der nach Ihm kommen sollte.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh bestätigte einige Seiner Ge-&lt;br /&gt;
setze, setzte andere außer Kraft und füg-&lt;br /&gt;
te wiederum neue hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide schließlich waren davon über-&lt;br /&gt;
zeugt, daß Ihr Wirken das Reich Gottes&lt;br /&gt;
auf Erden herbeiführen werde. Muham-&lt;br /&gt;
mad habe sich das »Siegel der Prophe-&lt;br /&gt;
ten« genannt, weil Er der letzte Gottes-&lt;br /&gt;
bote vor jenem großen Umbruch gewe-&lt;br /&gt;
sen sei. Nun war allerdings das endzeit-&lt;br /&gt;
liche Geschehen im Qur’än als der »Tag&lt;br /&gt;
Gottes« und die »Begegnung mit Gott«&lt;br /&gt;
bezeichnet worden. Damit schienen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Báb und Bahä’u&#039;lliaäh den Anspruch zu&lt;br /&gt;
erheben, Gott selbst zu sein, und in der&lt;br /&gt;
Tat finden sich in Ihren Schriften ent-&lt;br /&gt;
sprechende Andeutungen. Es ist jedoch&lt;br /&gt;
unmißverständlich klar, daß sie nicht&lt;br /&gt;
sich selbst, die Person Siyyid Ali-&lt;br /&gt;
Muhammad oder die Person Mirzä&lt;br /&gt;
Husayn ‘Ali, sondern die in Ihnen sicht-&lt;br /&gt;
bar werdende göttliche Wirklichkeit&lt;br /&gt;
meinten. So schrieb der Báb: »O Meine&lt;br /&gt;
Diener! Dies ist Gottes festgesetzter Tag,&lt;br /&gt;
den der Herr der Gnade euch in Seinem&lt;br /&gt;
Buch verheißen hat.«!’ »Die Erkenntnis&lt;br /&gt;
dessen, der der Träger der göttlichen&lt;br /&gt;
Wahrheit ist, ist keine andere als die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes, und die Liebe zu Ihm&lt;br /&gt;
ist keine andere als die Liebe zu Gott. Ich&lt;br /&gt;
schwöre jedoch bei dem erhabenen We-&lt;br /&gt;
sen Gottes — gepriesen und verherrlicht&lt;br /&gt;
sei Er — daß Ich nicht wünschte, Meine&lt;br /&gt;
Person bekannt zu machen.«&#039;®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder betonte Er Seine Ehrer-&lt;br /&gt;
bietung für den, der nach Ihm kommen&lt;br /&gt;
sollte: »O Du Spur Gottes! Ich habe&lt;br /&gt;
Mich ganz für Dich geopfert; Ich habe&lt;br /&gt;
um Deinetwillen Verfluchungen auf&lt;br /&gt;
Mich genommen und nach nichts ver-&lt;br /&gt;
langt als nach dem Märtyrertode auf&lt;br /&gt;
dem Pfade Deiner Liebe.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ullläh selbst erklärte: »Dies ist&lt;br /&gt;
der König der Tage, der Tag, welcher&lt;br /&gt;
den Heißgeliebten hat kommen sehen,&lt;br /&gt;
Ihn, nach dem die Sehnsucht der Welt&lt;br /&gt;
seit aller Ewigkeit gegangen.«?° »Wenn&lt;br /&gt;
Ich, o Gott, der Verwandtschaft nach-&lt;br /&gt;
sinne, die Mich mit Dir verbindet, so&lt;br /&gt;
fühle Ich Mich bewogen, allen erschaf-&lt;br /&gt;
fenen Dingen zu verkünden: »Wahrlich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’ulllähs,&lt;br /&gt;
S. 153&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 Tablet an Ahmad, Bahä’i-Gebete, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1984, S. 330&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17 Selections from the Writings of the Báb, S. 72&lt;br /&gt;
18 2.2.0., S. 121&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’ullähs,&lt;br /&gt;
S. 154&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 2.2.0., S. 161&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 45&lt;br /&gt;
{{page|46|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=16}}Ich bin Gott« und wenn Ich Mein eigenes&lt;br /&gt;
Selbst betrachte, so finde Ich, daß es&lt;br /&gt;
geringer als der Staub ist.«?!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles mußte den Geistlichen des&lt;br /&gt;
vorigen Jahrhunderts als Ketzerei er-&lt;br /&gt;
scheinen. Und doch hat die Verfolgung&lt;br /&gt;
der Bahä’i mit dem Islam ebenso wenig&lt;br /&gt;
zu tun wie die Kreuzzüge oder die Inqui-&lt;br /&gt;
sition mit dem Christentum. Von ihrem&lt;br /&gt;
Ursprung her ist die Religion Muham-&lt;br /&gt;
mads ausgesprochen tolerant. »Laßt&lt;br /&gt;
keinen Zwang im Glauben sein«2,&lt;br /&gt;
heißt es im Qur’än, und der Prophet&lt;br /&gt;
selbst gab immer wieder Beispiele dieser&lt;br /&gt;
Haltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Gemeinde sah sich allerdings in&lt;br /&gt;
der Frühzeit einer ständigen Bedrohung&lt;br /&gt;
durch die heidnischen Araber, die »Göt-&lt;br /&gt;
zendiener« (mushrikun), ausgesetzt.&lt;br /&gt;
Gegen sie war denn auch unter gewissen&lt;br /&gt;
Umständen der Kampf erlaubt: »Und&lt;br /&gt;
kämpfet für die Sache Gottes gegen jene,&lt;br /&gt;
die euch bekämpfen, doch überschreitet&lt;br /&gt;
das Maß nicht. Wahrlich, Gott liebt&lt;br /&gt;
nicht die Maßlosen. Und tötet sie, wo&lt;br /&gt;
immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie&lt;br /&gt;
von dort, von wo sie euch vertreiben;&lt;br /&gt;
denn Verfolgung ist ärger als Tot-&lt;br /&gt;
schlag... Wenn sie jedoch ablassen,&lt;br /&gt;
dann, wahrlich, Gott ist der Allverge-&lt;br /&gt;
bende, der Barmherzige, und bekämp-&lt;br /&gt;
fet sie, bis die Verfolgung aufgehört hat&lt;br /&gt;
und der Glaube an Gott frei ist. Wenn&lt;br /&gt;
sie jedoch ablassen, dann wisset, daß&lt;br /&gt;
keine Feindschaft erlaubt ist.«??&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war die Ausbreitung des neu ent-&lt;br /&gt;
stehenden Reiches kein religiöses, son-&lt;br /&gt;
dern ein politisches Geschehen. Die un-&lt;br /&gt;
terworfenen Völker wurden nicht ge-&lt;br /&gt;
zwungen, den Islam anzunehmen, und&lt;br /&gt;
jahrhundertelang lebten die Anhänger&lt;br /&gt;
verschiedener Religionen in Frieden&lt;br /&gt;
miteinander. Juden und Christen, die&lt;br /&gt;
»Völker des Buches« (ahl-i-kitäb), gal-&lt;br /&gt;
ten als Schutzbefohlene (dhimmi):&lt;br /&gt;
»Wahrlich, die da glauben, und die Ju-&lt;br /&gt;
den und die Christen... Wer immer von&lt;br /&gt;
diesen an Gott und den Jüngsten Tag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
46 BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
glaubt und tut, was recht ist: über sie&lt;br /&gt;
soll weder Furcht noch Kummer&lt;br /&gt;
kommen.«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in der Verfassung der Islami-&lt;br /&gt;
schen Republik Iran werden den Juden,&lt;br /&gt;
den Christen und auch den Zarathu-&lt;br /&gt;
striern gewisse Rechte als religiösen&lt;br /&gt;
Minderheiten eingeräumt. Daß man&lt;br /&gt;
sich weigert, Gleiches den Bahá’í zuzu-&lt;br /&gt;
gestehen, entspricht dem fundamentali-&lt;br /&gt;
stischen Verständnis des Qur’än: Offen-&lt;br /&gt;
barung nach Muhammad kann es nicht&lt;br /&gt;
geben, also auch keine weiteren Schutz-&lt;br /&gt;
befohlenen. Folglich sind die Bahäi&lt;br /&gt;
nichts weiter als Ketzer (murtadd) und&lt;br /&gt;
ihr Glaube — oder Unglaube — ist keine&lt;br /&gt;
Religion (din nist).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es eine mündliche Überliefe-&lt;br /&gt;
rung, nach der Muhammad gesagt ha-&lt;br /&gt;
ben soll: »Wer seine Religion wechselt,&lt;br /&gt;
den tötet.«2? Das klingt nicht sehr&lt;br /&gt;
glaubwürdig angesichts der Tatsache,&lt;br /&gt;
daß im Qur’än nur von jenseitiger Strafe&lt;br /&gt;
für ein solches Vergehen die Rede ist.&lt;br /&gt;
Dennoch stimmen alle islamischen&lt;br /&gt;
Rechtsschulen darin überein, daß Ket-&lt;br /&gt;
zer den Tod verdient haben und jeder-&lt;br /&gt;
mann ihr Blut ungestraft vergießen darf&lt;br /&gt;
(mahdüru’l-damm). Umstritten ist le-&lt;br /&gt;
diglich, ob ihnen Gelegenheit zur Reue&lt;br /&gt;
gegeben werden soll. Die schiitischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistlichen vertreten in der Regel den&lt;br /&gt;
Standpunkt, daß solche Milde nur bei&lt;br /&gt;
denen angebracht ist, die den Islam aus&lt;br /&gt;
freien Stücken angenommen und sich&lt;br /&gt;
dann wieder von ihm abgewandt haben.&lt;br /&gt;
Das freilich traf auf die ersten Bábi und&lt;br /&gt;
Bahä’i nicht zu, denn die meisten von ih-&lt;br /&gt;
nen waren zeit ihres Lebens Muslim ge-&lt;br /&gt;
wesen. Allerdings gab es andere, die aus&lt;br /&gt;
jüdischen und zarathustrischen Fami-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21 2.2.0., 5.172&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22 Qur’an 2:257&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23 Qur’än 2:191-194&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 Qur’än 5:70&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 A.J. Wensinck und J.H. Kramers (Hrsg.), Hand-&lt;br /&gt;
wörterbuch des Islam, S. 545&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|47|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=17}}lien stammten und ebenso gnadenlos&lt;br /&gt;
verfolgt wurden. Heute sind die Bahá’í&lt;br /&gt;
der zweiten, dritten und vierten Genera-&lt;br /&gt;
tion in einer ähnlichen Lage. Ohne je&lt;br /&gt;
Muslim gewesen zu sein, gelten auch sie&lt;br /&gt;
als Ketzer. In mancher Hinsicht nimmt&lt;br /&gt;
man es eben mit der Überlieferung nicht&lt;br /&gt;
so genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Gelegenheit zur Reue betrifft,&lt;br /&gt;
so könnten die Bahä’i tatsächlich der&lt;br /&gt;
Verfolgung entgehen, wenn sie ihren&lt;br /&gt;
Glauben verleugneten. Sie tun es nicht,&lt;br /&gt;
denn es würde für sie einen Rückschritt&lt;br /&gt;
bedeuten. Sie verehren Muhammad als&lt;br /&gt;
Gesandten Gottes und anerkennen den&lt;br /&gt;
Qur’än als Gottes Wort. Und sie sind der&lt;br /&gt;
festen Überzeugung, daß die Verhei-&lt;br /&gt;
ßungen des Islam im Báb und in&lt;br /&gt;
Bahäulläh ihre Erfüllung gefunden&lt;br /&gt;
haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahá, A Travellers Narrative, Wilmette&lt;br /&gt;
1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bazar von Teheran (Tihrän), um 1873&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
H.M. Balyuzi, Abdu’l-Bahá, 2 Bde., Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1983/1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
H.M. Balyuzi, The Báb, Oxford 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
H.M. Balyuzi, Bahä’ulläh. The King of Glory,&lt;br /&gt;
Oxford 1980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
R. Cooper, The Bahá’ís of Iran (Minority Rights&lt;br /&gt;
Group, Report No. 51), London 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
R. Mehrabkhani, Some Words on the Principles,&lt;br /&gt;
unveröffentlicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Momen (Hrsg.), The Bábi and Bahäfi Reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gions, 1844—1944. Some Contemporary Western&lt;br /&gt;
Accounts, Oxford 1981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U. Schaefer, Die mißverstandene Religion. Das&lt;br /&gt;
Abendland und die nachbiblischen Religionen,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 21974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (Hrsg.), The Dawn-Breakers.&lt;br /&gt;
Nabils Narrative of the Early Days of the Bahá’í&lt;br /&gt;
Revelation, Wilmette 51974; dt.: Nabils Bericht.&lt;br /&gt;
Aus den frühen Tagen der Bahá’í-Offenbarung,&lt;br /&gt;
3 Bde., Hofheim-Langenhain 1975/1982, Bd. 3 in&lt;br /&gt;
Vorbereitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A.J. Wensinck und J.H. Kramers (Hrsg.), Hand-&lt;br /&gt;
wörterbuch des Islam, Leiden 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’[-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 47&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|48|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amin Banani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄT IM IRAN -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RELIGION ODER KOMPIOTT DER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOLONIALMÄCHTE?*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht nicht oft, daß der Gegen-&lt;br /&gt;
stand einer historischen Untersuchung&lt;br /&gt;
entscheidende Konsequenzen für Leben&lt;br /&gt;
oder Tod eines nicht unbedeutenden&lt;br /&gt;
Teils der Menschheit hat. Schon der&lt;br /&gt;
Begriff »Krise« läßt auf Konflikt und&lt;br /&gt;
Streit schließen, Umstände, die sich&lt;br /&gt;
einer leidenschaftslosen wissenschaft-&lt;br /&gt;
lichen Methodik widersetzen. Die Kon-&lt;br /&gt;
troverse, die in diesem Vortrag behan-&lt;br /&gt;
delt wird, ist jedoch von einer Art, die&lt;br /&gt;
am ehesten durch Anwendung rigoroser&lt;br /&gt;
wissenschaftlicher Objektivität beige-&lt;br /&gt;
legt werden kann. Nur eine sorgfältige&lt;br /&gt;
Analyse, frei von Leidenschaft und vor-&lt;br /&gt;
gefaßten Meinungen und unter strenger&lt;br /&gt;
Beachtung anerkannter Tatsachen,&lt;br /&gt;
kann hoffen, den Konflikt zu lösen.&lt;br /&gt;
Gemeint ist der Vernichtungsfeldzug&lt;br /&gt;
gegen die Bahá’í im Iran, eine Gemeinde&lt;br /&gt;
von etwa 350.000 Menschen und somit&lt;br /&gt;
die größte religiöse Minderheit des&lt;br /&gt;
Landes. Es ist ein systematischer und&lt;br /&gt;
umfassender Prozeß, der in rasch zu-&lt;br /&gt;
nehmendem Tempo alle Möglichkeiten&lt;br /&gt;
des physischen und psychologischen&lt;br /&gt;
Terrors einsetzt. Hierzu gehört, daß in&lt;br /&gt;
vielen Orten aktive Führer dieser Ge-&lt;br /&gt;
meinde hingerichtet werden, daß allen&lt;br /&gt;
Bahäi grundlegende Menschenrechte&lt;br /&gt;
versagt werden, daß sie aus dem öffent-&lt;br /&gt;
lichen Dienst entlassen werden, daß&lt;br /&gt;
ihre Privatunternehmen wirtschaftlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
boykottiert werden, ihr Besitz enteignet&lt;br /&gt;
wird, ihre Kinder keine Schulbildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erhalten, die Altersrente der Pensionäre&lt;br /&gt;
nicht bezahlt wird, ihre Heiligen Stätten&lt;br /&gt;
und Friedhöfe geschändet und zerstört&lt;br /&gt;
werden, daß Bahäi-Kinder entführt&lt;br /&gt;
und junge Mädchen zur Heirat mit Mus-&lt;br /&gt;
limen gezwungen werden. Dies sind die&lt;br /&gt;
auffälligsten Merkmale eines umfas-&lt;br /&gt;
send und vollständig dokumentierten&lt;br /&gt;
Unterdrückungssystems, dem die Bahäi&lt;br /&gt;
des Iran ausgesetzt sind. Die psycho-&lt;br /&gt;
logische Belastung, fortwährendem Ter-&lt;br /&gt;
ror ausgesetzt zu sein, die völlige Un-&lt;br /&gt;
sicherheit der Lebensumstände, der&lt;br /&gt;
Druck, ihren Glaubensgrundsätzen ab-&lt;br /&gt;
zuschwören und sich zum Islam zu be-&lt;br /&gt;
kennen (was man irshad — geistige Füh-&lt;br /&gt;
rung — nennt), und insbesondere die&lt;br /&gt;
Flut entwürdigender Mißhandlungen,&lt;br /&gt;
Beschuldigungen und Beleidigungen&lt;br /&gt;
sind das tägliche Los der iranischen&lt;br /&gt;
Bahä’i und einer der nachhaltigsten Fälle&lt;br /&gt;
von Menschenrechtsverletzungen in un-&lt;br /&gt;
serer Zeit. Dies ist umso verwerflicher,&lt;br /&gt;
als die Verfolgung der Bahäfi allein der&lt;br /&gt;
Unterdrückung eines religiösen Glau-&lt;br /&gt;
bens gilt, da die Bahäfi die Sicherheit des&lt;br /&gt;
iranischen Staates nicht bedrohen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Verständnis dieser Krise ist es&lt;br /&gt;
notwendig, sich wenigstens kurz den&lt;br /&gt;
Ursprung und die geschichtliche Rolle&lt;br /&gt;
der Bahäii im Iran zu vergegenwärtigen.&lt;br /&gt;
Es ist möglich, im Entstehen der Babi-&lt;br /&gt;
Bahäi-Bewegungen des 19. Jahrhun-&lt;br /&gt;
derts den Wandlungsprozeß eines hete-&lt;br /&gt;
rodoxen und scheinbar unbedeutenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vortrag auf dem 31. Internationalen Kongreß für Humanwissenschaft in Asien&lt;br /&gt;
und Nordafrika, Tokio, vom 1. September 1983. Amin Banani ist Professor für&lt;br /&gt;
Islamwissenschaft an der Universität von Kalifornien, Los Angeles. Die Überset-&lt;br /&gt;
zung aus dem Englischen besorgte Heidemarie Lakshman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
48  BAHÄT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|49|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=19}}Zweiges der Shaykhi-Schule innerhalb&lt;br /&gt;
der Zwölferschia des Islam zu einer&lt;br /&gt;
unabhängigen Weltreligion zu sehen.&lt;br /&gt;
Dieser Prozeß wurde von bedeutenden&lt;br /&gt;
Historikern! als hervorragendes Bei-&lt;br /&gt;
spiel für die Erwartungen des tausend-&lt;br /&gt;
jährigen Reiches im schiitischen Islam&lt;br /&gt;
beschrieben, die im 19. Jahrhundert ver-&lt;br /&gt;
stärkt auftraten. Für die vergleichende&lt;br /&gt;
Religionsgeschichte ist dieser Vorgang&lt;br /&gt;
nicht einmalig. Die Geburt eines neuen&lt;br /&gt;
religiösen Systems innerhalb der Tradi-&lt;br /&gt;
tionen einer älteren Religion und dessen&lt;br /&gt;
schließliche Emanzipation als unabhän-&lt;br /&gt;
gige Religion kann in der historischen&lt;br /&gt;
Verbindung von Christentum und Ju-&lt;br /&gt;
dentum oder von Buddhismus und Hin-&lt;br /&gt;
duismus beobachtet werden. Auch Ab-&lt;br /&gt;
lehnung und Verfolgung der Anhänger&lt;br /&gt;
einer neuen Bewegung aufgrund der&lt;br /&gt;
wohlbegründeten Rechte der älteren Re-&lt;br /&gt;
ligion sind soziale Stereotypen und&lt;br /&gt;
nicht auf die Geschichte der Bábi-&lt;br /&gt;
Bahäi-Bewegungen begrenzt. Eigen-&lt;br /&gt;
tümlich am derzeitigen Vernichtungs-&lt;br /&gt;
feldzug gegen die Bahá’í im Iran sind&lt;br /&gt;
jedoch die ständig wechselnden Recht-&lt;br /&gt;
fertigungen, die die Behörden der Isla-&lt;br /&gt;
mischen Republik dafür vorbringen.&lt;br /&gt;
Von Anfang an in ihrem Geburtsland&lt;br /&gt;
schweren Verfolgungen ausgesetzt,&lt;br /&gt;
wurden die Bábi und Bahäi in den ersten&lt;br /&gt;
hundert Jahren vorwiegend aus dogma-&lt;br /&gt;
tischen Gründen angegriffen. Die Bábi,&lt;br /&gt;
und später die Bahä’i, wurden als Häre-&lt;br /&gt;
tiker gebrandmarkt und getötet oder als&lt;br /&gt;
Abtrünnige verfolgt. In den letzten 40&lt;br /&gt;
Jahren, als die iranische Politik mehr&lt;br /&gt;
und mehr zum Kampfplatz importierter&lt;br /&gt;
Ideologien und globaler Machtpolitik&lt;br /&gt;
wurde, sind den alten dogmatischen&lt;br /&gt;
Polemiken eine Vielzahl politischer An-&lt;br /&gt;
schuldigungen hinzugefügt worden.&lt;br /&gt;
Während man der religiösen Polemik,&lt;br /&gt;
die in dem absoluten und ausschließlich&lt;br /&gt;
dogmatischen Standpunkt der schiiti-&lt;br /&gt;
schen Geistlichkeit gründet, eine gewis-&lt;br /&gt;
se Ehrlichkeit nicht absprechen kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
muß man die neueren politischen An-&lt;br /&gt;
griffe mit ihren ungereimten Machwer-&lt;br /&gt;
ken, ihren unbelegten Behauptungen&lt;br /&gt;
und ihren widersprüchlichen Argumen-&lt;br /&gt;
ten als bestenfalls bizarr bezeichnen.&lt;br /&gt;
Gemeinsam ist ihnen die Behauptung,&lt;br /&gt;
die Bahäi-Religion sei ein Instrument&lt;br /&gt;
imperialistischer Verschwörung, das&lt;br /&gt;
nur für die Schwächung des Islam ge-&lt;br /&gt;
schaffen wurde. Diese Anschuldigun-&lt;br /&gt;
gen durch hochrangige Vertreter der&lt;br /&gt;
Islamischen Republik werden häufig&lt;br /&gt;
genug wiederholt, sind wohldokumen-&lt;br /&gt;
tiert, weit verbreitet und leicht zugäng-&lt;br /&gt;
lich, angefangen mit einer Erklärung&lt;br /&gt;
Khomeynis, die er vor seiner Rückkehr&lt;br /&gt;
nach Iran in Paris? abgegeben und im&lt;br /&gt;
Juni 1983 wiederholt und bekräftigt hat.&lt;br /&gt;
In zwei Stellungnahmen vor der Men-&lt;br /&gt;
schenrechtskommission der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen in Genf wurden diese Beschul-&lt;br /&gt;
digungen im März 1982 in allen Einzel-&lt;br /&gt;
heiten und mit dem Gewicht offizieller&lt;br /&gt;
Verlautbarung vom Sprecher der Dele-&lt;br /&gt;
gation der Islamischen Republik, Herrn&lt;br /&gt;
Sabzalian, vorgebracht, im Januar und&lt;br /&gt;
Februar 1983 wiederholt und im April&lt;br /&gt;
1983 von Hujjatul-Islam Khosrow-&lt;br /&gt;
shahi, dem Botschafter Khomeynis im&lt;br /&gt;
Vatikan, noch erweitert. Schließlich&lt;br /&gt;
wurden sämtliche Anschuldigungen mit&lt;br /&gt;
vorgeblichen Beweisdokumenten verse-&lt;br /&gt;
hen in einer Broschüre in englischer&lt;br /&gt;
Sprache unter dem Titel »Bahaism, its&lt;br /&gt;
origins and its role«’ von einem Organ&lt;br /&gt;
der Islamischen Republik für die »Ver-&lt;br /&gt;
breitung der Kultur der Islamischen&lt;br /&gt;
Revolution« veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Beitrag will ich Anschul-&lt;br /&gt;
digungen und Beweisführung dieser&lt;br /&gt;
Schrift einer eingehenden Prüfung un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1Wie J. A. Gobineau, A. L. M. Nicolas, E.G.&lt;br /&gt;
Browne, V. Rosen, V. A. Zhukowski, A. Tu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
manski, A. Bausani, A. H. Avareh, A. Amanat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2In einem Interview mit James D. Cockcroft,&lt;br /&gt;
einem amerikanischen Soziologen, New York&lt;br /&gt;
Times vom 16.1.1979&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Bahaismus, sein Ursprung und seine Rolle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 49&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|50|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=20}}terziehen, in der Hoffnung, daß wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Objektivität und Fairness&lt;br /&gt;
die Haltlosigkeit dieser Behauptungen&lt;br /&gt;
aufdecken und die Ungeheuerlichkeit&lt;br /&gt;
der Verbrechen, die damit sanktioniert&lt;br /&gt;
werden sollen, erkennen lassen wird.&lt;br /&gt;
Daß derartige Erklärungen vor einer&lt;br /&gt;
internationalen Körperschaft durch&lt;br /&gt;
offizielle Vertreter der Islamischen&lt;br /&gt;
Republik abgegeben werden, die sich&lt;br /&gt;
der schwerwiegenden Konsequenzen&lt;br /&gt;
grundloser Beschuldigungen und reiner&lt;br /&gt;
Erfindungen für ihre eigene Glaubwür-&lt;br /&gt;
digkeit bewußt sein müßten, ist in sich&lt;br /&gt;
ein erstaunliches Phänomen, das einer&lt;br /&gt;
genauen Untersuchung bedarf. Ohne&lt;br /&gt;
gründliches Studium der Geschichte der&lt;br /&gt;
öffentlichen Angriffe auf die Bahäi im&lt;br /&gt;
Iran ist es unmöglich, die Denkweise zu&lt;br /&gt;
begreifen, die solchen Erklärungen zu-&lt;br /&gt;
grunde liegt. Seit über 140 Jahren ist&lt;br /&gt;
eine Flut von Anschuldigungen und&lt;br /&gt;
Verleumdungen schonungslos über die&lt;br /&gt;
Bahä’i hingegangen, während man ih-&lt;br /&gt;
nen gleichzeitig jede Möglichkeit der Er-&lt;br /&gt;
widerung und der Verteidigung genom-&lt;br /&gt;
men hat. Ihrer Bürgerrechte beraubt,&lt;br /&gt;
war den Bahä’i der Zugang zur Presse&lt;br /&gt;
und jede Veröffentlichung verboten. Es&lt;br /&gt;
ist leicht ersichtlich, daß auch die auf-&lt;br /&gt;
richtiggesinnte Mehrheit des iranischen&lt;br /&gt;
Volkes nach fast anderthalb Jahrhun-&lt;br /&gt;
derten einseitiger Beeinflussung Opfer&lt;br /&gt;
dieser Falschdarstellungen, Verzerrun-&lt;br /&gt;
gen und durchsichtigen Erfindungen&lt;br /&gt;
werden mußte. Die von den offiziellen&lt;br /&gt;
Vertretern der Islamischen Republik ge-&lt;br /&gt;
gen die Bahä’i vorgebrachten Behaup-&lt;br /&gt;
tungen sind derart an den Haaren her-&lt;br /&gt;
beigezogen, so offenkundig anfechtbar&lt;br /&gt;
in Beweisführung und Dokumentation,&lt;br /&gt;
daß nur Menschen bereit sein können,&lt;br /&gt;
solche Erklärungen einer unpartei-&lt;br /&gt;
ischen Überprüfung auszusetzen, die&lt;br /&gt;
selbst unfreiwillige Opfer jahrzehnte-&lt;br /&gt;
langer Falschinformationen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alleinige Grund dafür, daß den&lt;br /&gt;
Bahä’i im Iran ihre Rechte versagt wer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
50 BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den, ist die Behauptung, ihr Ursprung&lt;br /&gt;
und ihre Funktion seien politischer&lt;br /&gt;
Natur. Dabei kann es keine klarere und&lt;br /&gt;
konsequentere Ermahnung geben, sich&lt;br /&gt;
politischer Aktivitäten, der Parteimit-&lt;br /&gt;
gliedschaft und des Parteigeists zu ent-&lt;br /&gt;
halten, als dies der Wortlaut der Bahä&#039;ti-&lt;br /&gt;
Lehren den Bahäi auferlegt. Diese Aus-&lt;br /&gt;
sagen reichen von den heiligsten Worten&lt;br /&gt;
des Stifters des Glaubens und den Erklä-&lt;br /&gt;
rungen jeder Person und Institution, die&lt;br /&gt;
mit höchster Autorität der weltweiten&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde betraut sind, bis zu&lt;br /&gt;
den vielfach wiederholten Weisungen&lt;br /&gt;
der Bahäi-Institutionen auf nationaler&lt;br /&gt;
und örtlicher Ebene. Im Iran sind die&lt;br /&gt;
Akten und Archive der Bahä’i-Institu-&lt;br /&gt;
tionen von den Beamten der Islami-&lt;br /&gt;
schen Republik beschlagnahmt worden&lt;br /&gt;
und stehen ihrer Überprüfung uneinge-&lt;br /&gt;
schränkt offen. Sie sind ein Beweis des&lt;br /&gt;
sorgsamen Bemühens der Bahäji, sich&lt;br /&gt;
aller Verstrickung in die Politik zu ent-&lt;br /&gt;
halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter den weitverbreiteten Vorwür-&lt;br /&gt;
fen, die den Ursprung der Bábi- und&lt;br /&gt;
Bahäi-Bewegungen ausländischen In-&lt;br /&gt;
trigen zuschreiben, steht eine grobe Fäl-&lt;br /&gt;
schung, die als Jtirafät-i-Siyasi ya&lt;br /&gt;
Yaddäshthäy-i-Kinyaz Dalqurki‘ be-&lt;br /&gt;
kannt ist. Anfänglich wurde sie in Tehe-&lt;br /&gt;
ran in den späten 30er Jahren in ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Manuskriptformen in Um-&lt;br /&gt;
lauf gebracht und 1943 in Mashhad zum&lt;br /&gt;
erstenmal als eine historische Ergän-&lt;br /&gt;
zung des Khuräsan-Jahrbuches veröf-&lt;br /&gt;
fentlicht. 1944 wurden sie in Teheran&lt;br /&gt;
mit bedeutsamen Veränderungen gegen-&lt;br /&gt;
über der Mashhad-Ausgabe in Bezug&lt;br /&gt;
auf Satzbau, Beschreibung von Ereig-&lt;br /&gt;
nissen und Chronologie nachgedruckt.&lt;br /&gt;
In den vergangenen vierzig Jahren sind&lt;br /&gt;
sie verschiedentlich neu aufgelegt wor-&lt;br /&gt;
den, Auszüge daraus kamen als Sensa-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Politische Geständnisse oder die Memoiren des&lt;br /&gt;
Prinzen Dolgorukij&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|51|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=21}}tionsmeldungen in der Presse. Eine ara-&lt;br /&gt;
bische Übersetzung wurde in den späten&lt;br /&gt;
70er Jahren von einem gewissen Siyyid&lt;br /&gt;
Ahmad Fäli in Karbilä, Irak, veröffent-&lt;br /&gt;
licht. Diese sogenannten Memoiren&lt;br /&gt;
werden in jeder offiziellen Stellungnah-&lt;br /&gt;
me der Islamischen Republik, so auch in&lt;br /&gt;
der oben erwähnten Broschüre von&lt;br /&gt;
1983, als Schuldbeweis gegen die Bahäi&lt;br /&gt;
angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst eine rudimentäre Anwendung&lt;br /&gt;
der Prinzipien wissenschaftlicher Me-&lt;br /&gt;
thodik wird dieses Dokument als Fäl-&lt;br /&gt;
schung entlarven, die durch unbegrün-&lt;br /&gt;
dete Annahmen, Anachronismen, un-&lt;br /&gt;
glaubwürdige Darstellungen von Ereig-&lt;br /&gt;
nissen und vor allem durch den Grad&lt;br /&gt;
der Unkenntnis allgemein bekannter hi-&lt;br /&gt;
storischer Tatsachen geradezu absurd&lt;br /&gt;
ist. Die sogenannten »Politischen Ge-&lt;br /&gt;
ständnisse« geben vor, die Memoiren&lt;br /&gt;
des Fürsten Dolgorukij zu sein, der von&lt;br /&gt;
1845 bis 1854 bevollmächtigter Gesand-&lt;br /&gt;
ter Rußlands am Hof der Qäjären war.&lt;br /&gt;
Darin wird behauptet, daß er während&lt;br /&gt;
seiner vier- oder fünfjährigen Amtszeit&lt;br /&gt;
in Persien, die dem Zweck diente, die&lt;br /&gt;
russischen imperialistischen Interessen&lt;br /&gt;
in jenem Lande voranzutreiben, selbst&lt;br /&gt;
Muslim geworden sei und den Namen&lt;br /&gt;
Shaykh Isa Lankaräni angenommen&lt;br /&gt;
habe. Ferner, daß er Mirzä Husayn- ‘Ali&lt;br /&gt;
Nüri und dessen jüngeren Bruder Mirzä&lt;br /&gt;
Yahyäa, die später als Bahä’u‘lläh und&lt;br /&gt;
Subh-i-Azal bekannt wurden, als russi-&lt;br /&gt;
sche Spione in seine Dienste genommen&lt;br /&gt;
habe. Nach seiner Rückkehr nach Per-&lt;br /&gt;
sien als leitender Gesandter habe er&lt;br /&gt;
Siyyid Ali-Muhammad von Shiräz, be-&lt;br /&gt;
kannt als Bab, durch massiven Einsatz&lt;br /&gt;
von Drogen dazu gebracht, den An-&lt;br /&gt;
spruch zu erheben, der erwartete Zwölf-&lt;br /&gt;
te Imäam zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die kürzeste Auflistung der&lt;br /&gt;
grundsätzlichen Widersprüche und Un-&lt;br /&gt;
gereimtheiten dieses Dokuments ge-&lt;br /&gt;
nügt, es keiner weiteren ernsthaften Un-&lt;br /&gt;
tersuchung mehr zu würdigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. In keiner der wiederholten Aufla-&lt;br /&gt;
gen dieser Memoiren gibt es irgendeine&lt;br /&gt;
Information über den Originaltext. We-&lt;br /&gt;
der in russischen Publikationen noch in&lt;br /&gt;
Katalogen der in russischen Archiven&lt;br /&gt;
befindlichen Manuskripte existiert auch&lt;br /&gt;
nur irgendetwas Ähnliches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Da Dolgorukij Russe war, gibt es&lt;br /&gt;
guten Grund anzunehmen, daß er seine&lt;br /&gt;
Memoiren auf russisch geschrieben hät-&lt;br /&gt;
te. Da zudem das einzige Thema dieser&lt;br /&gt;
Memoiren die geplante Subversion des&lt;br /&gt;
Islam, die Unterminierung der Staats-&lt;br /&gt;
hoheit Persiens und das Vorantreiben&lt;br /&gt;
imperialistischer Interessen Rußlands in&lt;br /&gt;
jenem Land ist, ist es jedenfalls unwahr-&lt;br /&gt;
scheinlich, daß der Autor sie auf per-&lt;br /&gt;
sisch niedergeschrieben hat. Trotzdem&lt;br /&gt;
gibt es in keiner der persischen Ausga-&lt;br /&gt;
ben einen Hinweis auf den oder die&lt;br /&gt;
Übersetzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Hätten derartige Memoiren eines&lt;br /&gt;
russischen Gesandten in Persien aus den&lt;br /&gt;
frühen Jahren der Bábi-Bewegung exi-&lt;br /&gt;
stiert, so würde dies der Aufmerksam-&lt;br /&gt;
keit zahlreicher europäischer Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler, die den Ursprung und die Ge-&lt;br /&gt;
schichte dieser Bewegung sehr sorgfältig&lt;br /&gt;
studiert haben, nicht entgangen sein.&lt;br /&gt;
Keiner von ihnen hat sie in irgendeiner&lt;br /&gt;
seiner Arbeiten erwähnt.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Es gibt krasse Unterschiede zwi-&lt;br /&gt;
schen der ersten Mashhad-Ausgabe von&lt;br /&gt;
1943 und den darauffolgenden Ausga-&lt;br /&gt;
ben. In der Mashhad-Ausgabe nennt&lt;br /&gt;
»Dalgqürki« als Datum seiner ersten An-&lt;br /&gt;
kunft in Teheran den Januar 1838. In&lt;br /&gt;
den späteren Auflagen ist es auf 1834&lt;br /&gt;
vorverlegt. Der wirkliche Dolgorukij&lt;br /&gt;
war 1831 für ein Jahr in Ieheran. Der&lt;br /&gt;
Grund der Datumsänderung war wohl,&lt;br /&gt;
daß der ungenannte Herausgeber der&lt;br /&gt;
späteren Ausgaben den Anachronismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Zusammenfassend zu diesen Studien siehe&lt;br /&gt;
Moojan Momen (Hrsg.), The Bábi and Bahá’í&lt;br /&gt;
Religions, 1844—1944. Some Contemporary&lt;br /&gt;
Western Accounts, Oxford 1981. (Anm. der&lt;br /&gt;
Redaktion)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 51&lt;br /&gt;
{{page|52|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=22}}in der Datierung der in den Memoiren&lt;br /&gt;
beschriebenen Ereignisse entdeckt hat.&lt;br /&gt;
Aber das Zurückdatieren auf 1834 hat&lt;br /&gt;
eine Reihe weiterer Diskrepanzen und&lt;br /&gt;
Unglaubwürdigkeiten geschaffen, von&lt;br /&gt;
denen die eklatantesten das Alter von&lt;br /&gt;
Mirzä Husayn- Ali (Bahä’u/lläh), der als&lt;br /&gt;
»ungeschlachter alter Mann« bezeichnet&lt;br /&gt;
wird, und Mirzä Yahyäs (Subh-i-Azal)&lt;br /&gt;
sind, die zum Zeitpunkt, als sie angeb-&lt;br /&gt;
lich von »Dalgqürki« als Spione für Ruß-&lt;br /&gt;
land in Dienst genommen wurden, 17&lt;br /&gt;
bzw. 5 Jahre alt waren. Es gibt noch&lt;br /&gt;
weitere Ungereimtheiten in Bezug auf&lt;br /&gt;
Daten, Orte und Familienumstände im&lt;br /&gt;
Leben des Báb und Bahä’u&#039;llähs in diesen&lt;br /&gt;
angeblichen Memoiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Memoiren weisen eine Unzahl&lt;br /&gt;
von Beispielen völliger Unkenntnis über&lt;br /&gt;
leicht feststellbare historische Tatsachen&lt;br /&gt;
auf. Der Autor schreibt von einer Au-&lt;br /&gt;
dienz bei Zar Alexander im Juli 1838.&lt;br /&gt;
Zar Alexander II. sollte den Thron erst&lt;br /&gt;
1855 besteigen. Der Autor beschreibt,&lt;br /&gt;
wie er den Báb mittels Drogen veranlaßt&lt;br /&gt;
habe, seinen Anspruch zu verkünden,&lt;br /&gt;
kurz nachdem er (Dolgorukij) als russi-&lt;br /&gt;
scher Gesandter im Dezember 1845 in&lt;br /&gt;
Teheran angekommen war. Der Báb&lt;br /&gt;
hatte sich bereits im Mai 1844 in Shiräz&lt;br /&gt;
erklärt. Der Autor spricht von seinen&lt;br /&gt;
späteren Bemühungen als russischer Ge-&lt;br /&gt;
sandter in Persien um die Weiterverban-&lt;br /&gt;
nung Bahä’ulllähs nach Konstantinopel,&lt;br /&gt;
Adrianopel und ‘Akkä. Dolgorukijs&lt;br /&gt;
Amtszeit in Persien endete 1854; er&lt;br /&gt;
kehrte damals nach Rußland zurück.&lt;br /&gt;
Die Verbannung Bahä’u/llähs nach Kon-&lt;br /&gt;
stantinopel, Adrianopel und Akkä er-&lt;br /&gt;
eignete sich erst in den Jahren zwischen&lt;br /&gt;
1863 und 1867.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Abgesehen von diesen groben Tat-&lt;br /&gt;
sachenfehlern sind die sogenannten&lt;br /&gt;
»Memoiren des Dalgqürki« ein faden-&lt;br /&gt;
scheiniger Mischmasch widersprüchli-&lt;br /&gt;
cher Standpunkte und Ziele. Der Autor&lt;br /&gt;
stellt sich einerseits als aufrichtiger Kon-&lt;br /&gt;
vertit zum Islam dar, der das politische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
52  BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Potential des Islam zur Weltherrschaft&lt;br /&gt;
erkennt und die Vorteile der Bekehrung&lt;br /&gt;
des Zaren zu dieser Religion erwägt,&lt;br /&gt;
und andererseits als teuflischer Intri-&lt;br /&gt;
gant, der insgeheim die Spaltung und&lt;br /&gt;
den Niedergang des Islam betreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In der in Karbilä veröffentlichten&lt;br /&gt;
arabischen Ausgabe macht der Überset-&lt;br /&gt;
zer geltend, daß die Originalfassung im&lt;br /&gt;
al-Sharg, einer Zeitschrift des Instituts&lt;br /&gt;
für Orientalische Studien der Sowjeti-&lt;br /&gt;
schen Akademie der Wissenschaften,&lt;br /&gt;
erschienen sei. Anscheinend hat er keine&lt;br /&gt;
Hemmungen, dieser offenkundigen Fäl-&lt;br /&gt;
schung noch eine weitere leicht wider-&lt;br /&gt;
legbare Unwahrheit hinzuzufügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitteilungen des wirklichen Für-&lt;br /&gt;
sten Dolgorukij, russischer Gesandter in&lt;br /&gt;
Teheran, die er an das Auswärtige Amt&lt;br /&gt;
in St. Petersburg geschickt hat und in&lt;br /&gt;
denen die Bábi-Unruhen in Persien in&lt;br /&gt;
den Jahren 1848-1852 erwähnt sind,&lt;br /&gt;
sind erhalten und wurden als Anhang in&lt;br /&gt;
Babijskie vosstania v Irane® von M.S.&lt;br /&gt;
Ivanov veröffentlicht. Sie sind geprägt&lt;br /&gt;
von wachsender Unruhe über die nach-&lt;br /&gt;
teiligen Folgen, die ein derartiger Auf-&lt;br /&gt;
bruch in Persien für die imperialisti-&lt;br /&gt;
schen Interessen Rußlands dort haben&lt;br /&gt;
würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorstehende macht nur zu deut-&lt;br /&gt;
lich, daß diese primitive Fälschung ge-&lt;br /&gt;
schrieben wurde, um die ungebildeten&lt;br /&gt;
und fanatischen Elemente der irani-&lt;br /&gt;
schen Gesellschaft zu beeinflussen und&lt;br /&gt;
ihre eingefleischten Vorurteile gegen die&lt;br /&gt;
Bahä’i zu schüren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuverlässige iranische Historiker wie&lt;br /&gt;
’Abbäs &#039;Igbäl, Mujtaba Minuvi und&lt;br /&gt;
Ahmad Kasravi haben die »Memoiren&lt;br /&gt;
des Dalgürki« als dreiste Fälschung ent-&lt;br /&gt;
larvt. Trotzdem konnten sich diese Vor-&lt;br /&gt;
stellungen auch unter iranischen Intel-&lt;br /&gt;
lektuellen so festsetzen, daß sie die pa-&lt;br /&gt;
ranoide Verschwörungsthese über den&lt;br /&gt;
Ursprung der Bábi- und Bahäfı-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Die Bábi-Erhebung im Iran, Moskau 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|53|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=23}}Bewegungen akzeptieren, ohne sich&lt;br /&gt;
überhaupt die Mühe einer objektiven&lt;br /&gt;
Untersuchung zu machen. Nichts könn-&lt;br /&gt;
te besser den drückenden Tribut ver-&lt;br /&gt;
deutlichen, den Unterdrückung und&lt;br /&gt;
Unwissenheit dem Denkvermögen der&lt;br /&gt;
iranischen Gesellschaft auferlegt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer »Beweis« des russischen&lt;br /&gt;
Ursprungs der Bahä’i-Bewegung in dem&lt;br /&gt;
von der Islamischen Republik verbrei-&lt;br /&gt;
teten Dokument ist die bewußte Verfäl-&lt;br /&gt;
schung einer geschichtlichen Tatsache.&lt;br /&gt;
Auf Fürsprache des russischen Gesand-&lt;br /&gt;
ten in Teheran wurde Bahä’u’lläh 1853&lt;br /&gt;
aus dem Gefängnis entlassen und aus&lt;br /&gt;
Persien verbannt. Der einfache Tatbe-&lt;br /&gt;
stand ist, daß der Ehemann einer&lt;br /&gt;
Schwester Bahä’ulllähs, ein angesehener&lt;br /&gt;
Muslim von hohem Rang namens Mirzä&lt;br /&gt;
Majid ‘Ahi, persischer Sekretär in der&lt;br /&gt;
russischen Gesandtschaft war. Auf seine&lt;br /&gt;
Bitte hat der russische Gesandte um die&lt;br /&gt;
Entlassung Bahä’ullähs ersucht — ob le-&lt;br /&gt;
diglich seinem Sekretär zuliebe, oder ob&lt;br /&gt;
er die Gelegenheit begrüßte, um unter&lt;br /&gt;
Beweis zu stellen, daß er Druck auf den&lt;br /&gt;
persischen Hof ausüben konnte, steht&lt;br /&gt;
hier nicht zur Debatte. Tatsache ist, daß&lt;br /&gt;
er dafür keinerlei politische Vorteile er-&lt;br /&gt;
hoffen konnte und auch nicht erhalten&lt;br /&gt;
hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die russische Patenschaft&lt;br /&gt;
an den Bábi und Bahä’i mit solch unhalt-&lt;br /&gt;
baren Aussagen begründet wurde, wird&lt;br /&gt;
weiter behauptet, die Bahäi seien&lt;br /&gt;
gleichzeitig ein Instrument des briti-&lt;br /&gt;
schen Imperialismus. Der Widersinn&lt;br /&gt;
dieser Beschuldigung stellt die Leicht-&lt;br /&gt;
gläubigkeit eines jeden, der einigerma-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ben unterrichtet ist, hart auf die Probe.&lt;br /&gt;
Es ist bekannt, daß Rußland und Eng-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
land im 19. Jahrhundert erbitterte Ri-&lt;br /&gt;
valen um die Vorherrschaft in Persien&lt;br /&gt;
waren. Dennoch behaupten die Spre-&lt;br /&gt;
cher der Islamischen Republik, bar jeder&lt;br /&gt;
Logik, daß Rußland und Großbritan-&lt;br /&gt;
nien gemeinsam — oder gar jeder für&lt;br /&gt;
sich — dieselbe Bewegung »gründeten«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschuldigung, daß der Bahäi-&lt;br /&gt;
Glaube von britischer Seite unterstützt&lt;br /&gt;
wird, basiert auf noch fadenscheinige-&lt;br /&gt;
ren »Beweisen«. Im Zentrum steht die&lt;br /&gt;
Tatsache, daß die britische Regierung&lt;br /&gt;
durch ihre örtlichen Repräsentanten in&lt;br /&gt;
Palästina im Jahre 1919 ‘Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
den Sohn Bahä’ullähs, in Anerkennung&lt;br /&gt;
seiner weithin bekannten humanitären&lt;br /&gt;
Dienste in den Jahren des Ersten Welt-&lt;br /&gt;
krieges in den Ritterstand erhoben hat.&lt;br /&gt;
Er hatte vor allem eine große Zahl armer&lt;br /&gt;
Menschen in Palästina, von denen die&lt;br /&gt;
überwiegende Mehrheit Muslime wa-&lt;br /&gt;
ren, vor dem Hungerstod bewahrt. Die-&lt;br /&gt;
se Ehrung entsprach übrigens dem allge-&lt;br /&gt;
meinen Wunsch nach Anerkennung der&lt;br /&gt;
altruistischen, menschenfreundlichen&lt;br /&gt;
Taten Abdu’l-Bahás. Lebten die Vertre-&lt;br /&gt;
ter der Islamischen Republik nicht in&lt;br /&gt;
solcher Unkenntnis über die übrige&lt;br /&gt;
Welt, so wüßten sie, daß die alljährliche&lt;br /&gt;
britische Ritterschaftsliste oft Männer&lt;br /&gt;
und Frauen von Bedeutung aufweist,&lt;br /&gt;
die nicht britischer Staatsbürgerschaft&lt;br /&gt;
oder Herkunft sind — Künstler, Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler und Menschenfreunde. Der&lt;br /&gt;
Titel hat keinerlei politische Bedeutung.&lt;br /&gt;
Jedenfalls war Abdu’l-Bahás zurückhal-&lt;br /&gt;
tende Annahme dieser öffentlichen Eh-&lt;br /&gt;
rung lediglich ein Ausdruck guten&lt;br /&gt;
orientalischen Benehmens. Sie abzuleh-&lt;br /&gt;
nen, wäre unhöflich gewesen. Erhat den&lt;br /&gt;
Titel nie benutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Akten der verschiedenen briti-&lt;br /&gt;
schen Archive sind der Öffentlichkeit&lt;br /&gt;
zugänglich. Es gibt darin viele Beispiele&lt;br /&gt;
für britische Sorgen über die potentielle&lt;br /&gt;
Gefährdung ihrer Interessen, auch über&lt;br /&gt;
Zahlungen an einzelne Mitglieder der&lt;br /&gt;
schiitischen Geistlichkeit, aber nicht&lt;br /&gt;
einen Hinweis für die britische Unter-&lt;br /&gt;
stützung der Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weiteres Zeugnis des betrügeri-&lt;br /&gt;
schen Einvernehmens zwischen den&lt;br /&gt;
Bahäii und dem Britischen Imperialis-&lt;br /&gt;
mus zitiert besagte Broschüre vom April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1983 der Islamischen Republik aus einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 53&lt;br /&gt;
{{page|54|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=24}}1964er Nummer der Bahdi News’ wie&lt;br /&gt;
folgt: »Zum Gedenken an den verstorbe-&lt;br /&gt;
nen indischen Premierminister Jawahar&lt;br /&gt;
Laal Nehru wurde in der Albert Hall&lt;br /&gt;
eine Gedenkfeier abgehalten, an der der&lt;br /&gt;
Britische Premierminister, Kabinetts-&lt;br /&gt;
mitglieder und eine Anzahl von Diplo-&lt;br /&gt;
maten und Repräsentanten aus aller&lt;br /&gt;
Welt teilnahmen. Ein Mitglied der briti-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i-Gemeinde las Bahäfi-&lt;br /&gt;
Gebete.« Es würde schwer halten, einem&lt;br /&gt;
objektiven und gebildeten Publikum&lt;br /&gt;
den Grad geistiger Beschränktheit und&lt;br /&gt;
pervertierter Geschichtsauffassung&lt;br /&gt;
jener zu vermitteln, die gegen die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verbrechen begehen und sie so rechtfer-&lt;br /&gt;
tigen, wenn sie nicht selbst mit ihren&lt;br /&gt;
Verdrehungen an die Öffentlichkeit ge-&lt;br /&gt;
treten wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wohl lächerlichste Beschuldigung&lt;br /&gt;
gegen die Bahä’ ist ihre angebliche »Zu-&lt;br /&gt;
gehörigkeit und Verbindung zum inter-&lt;br /&gt;
nationalen Zionismus«. Dies ist ein Vor-&lt;br /&gt;
wurf, der bei den bösartigen Angriffen&lt;br /&gt;
auf die Bahäi im heutigen Iran immer&lt;br /&gt;
wieder auftaucht. Spionage für den Zio-&lt;br /&gt;
nismus ist eine gängige Anklage, sei es&lt;br /&gt;
gegen einen 84jährigen Bauern oder ge-&lt;br /&gt;
gen 17jährige Schulmädchen und dient&lt;br /&gt;
als Vorwand für ihre Hinrichtung. Diese&lt;br /&gt;
völlig unbegründete Unterstellung kann&lt;br /&gt;
nur auf dem Umstand beruhen, daß sich&lt;br /&gt;
das Weltzentrum der Bahä’i-Religion im&lt;br /&gt;
Heiligen Land befindet. Die histori-&lt;br /&gt;
schen Ereignisse, die dazu führten, sind&lt;br /&gt;
so eindeutig und unanfechtbar, daß&lt;br /&gt;
jeder der dazu Willens ist, sie verstehen&lt;br /&gt;
kann. Die erbarmungslose Unter-&lt;br /&gt;
drückung und Verfolgung der Bahai&lt;br /&gt;
durch zwei islamische Staaten des Mitt-&lt;br /&gt;
leren Ostens im 19. Jahrhundert, durch&lt;br /&gt;
Persien und die Osmanische Türkei,&lt;br /&gt;
hatte Bahä’u’lläh, dem Stifter der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion, ein Leben in Exil und Gefan-&lt;br /&gt;
genschaft aufgezwungen. Die letzte&lt;br /&gt;
Etappe dieser Verbannung war die Ge-&lt;br /&gt;
fängnisstadt Akkä, damals Teil der syri-&lt;br /&gt;
schen Provinz des Osmanischen Rei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
54 BAHATI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ches, wo Bahä’ulläh seit dem Jahre 1867&lt;br /&gt;
gefangengehalten wurde; also zwei&lt;br /&gt;
Jahrzehnte, ehe noch die zionistische&lt;br /&gt;
Bewegung in Europa überhaupt gegrün-&lt;br /&gt;
det werden sollte. Er starb im Jahre&lt;br /&gt;
1892, und seine Grabstätte gilt seither&lt;br /&gt;
den Bahäi der ganzen Welt als heilig.&lt;br /&gt;
Untrennbar von diesem geistigen Mit-&lt;br /&gt;
telpunkt des Glaubens hat sich auch das&lt;br /&gt;
administrative Zentrum seit der An-&lt;br /&gt;
kunft Bahä’u’llähs im Heiligen Land ent-&lt;br /&gt;
wickelt. Aufgrund dieser historischen&lt;br /&gt;
Umstände, die nicht in der Hand der&lt;br /&gt;
Bahä’i lagen, haben die Bahá’í heute mit&lt;br /&gt;
drei anderen großen Weltreligionen teil&lt;br /&gt;
an der geistigen Bestimmung des Heili-&lt;br /&gt;
gen Landes. Weder der Zeitpunkt noch&lt;br /&gt;
die Umstände der Ankunft der Bahäiim&lt;br /&gt;
Heiligen Land hatten irgendetwas mit&lt;br /&gt;
der internationalen zionistischen Bewe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gung zu tun, genausowenig wie die gei-&lt;br /&gt;
stigen Beziehungen der anderen Weltre-&lt;br /&gt;
ligionen zum Heiligen Land etwas damit&lt;br /&gt;
zu tun haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäi aus allen Teilen der Welt ma-&lt;br /&gt;
chen Pilgerfahrten ins Heilige Land, um&lt;br /&gt;
ihre heiligen Stätten zu besuchen, und&lt;br /&gt;
sie spenden für den Unterhalt ihres dor-&lt;br /&gt;
tigen Weltzentrums. Mit eigenartiger&lt;br /&gt;
Unlogik brandmarken die Behörden der&lt;br /&gt;
Islamischen Republik dies als »Koope-&lt;br /&gt;
ration mit Israel« und als »Diebstahl am&lt;br /&gt;
muslimischen Staatsschatz, zugunsten&lt;br /&gt;
der Regierung, die Jerusalem besetzt&lt;br /&gt;
hält«. Wer mit den Vorschriften des isla-&lt;br /&gt;
mischen Gesetzes vertraut ist, sollte die-&lt;br /&gt;
se eifrigen Verteidiger der Reinheit des&lt;br /&gt;
Islam fragen, nach welcher muslimi-&lt;br /&gt;
schen Rechtsschule das Privatvermögen&lt;br /&gt;
einzelner als Teil des muslimischen&lt;br /&gt;
Staatsschatzes angesehen werden kann.&lt;br /&gt;
Und was soll man, an derselben Logik&lt;br /&gt;
gemessen, von der Flut schiitischer Pil-&lt;br /&gt;
ger und Gelder halten, die ihren Weg in&lt;br /&gt;
den Irak der Ba’th-Partei gefunden&lt;br /&gt;
haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Ein Bahäf-internes Nachrichtenblatt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|55|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Litanei von Anschuldigun-&lt;br /&gt;
gen in der die Unterscheidung zwischen&lt;br /&gt;
Wahrheit und Falschbehauptung aufge-&lt;br /&gt;
hoben ist, gibt es einige, die komisch&lt;br /&gt;
wären, würden durch sie nicht Tragö-&lt;br /&gt;
dien ausgelöst und gerechtfertigt. Der&lt;br /&gt;
Nationale Geistige Rat der Bahä’i im&lt;br /&gt;
Iran wurde beschuldigt, in den 70er Jah-&lt;br /&gt;
ren regelmäßig militärische Geheimnis-&lt;br /&gt;
se der iranischen Armee gesammelt und&lt;br /&gt;
an Israel weitergegeben zu haben. Dies&lt;br /&gt;
zu einer Zeit, als es nach Angabe des&lt;br /&gt;
gleichen Sprechers der Islamischen Re-&lt;br /&gt;
publik über 40.000 amerikanische und&lt;br /&gt;
israelische Agenten und Militärberater&lt;br /&gt;
im Iran gegeben hat, die mit den gesam-&lt;br /&gt;
ten iranischen Verteidigungseinrichtun-&lt;br /&gt;
gen vertraut waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso unbegründet und allen Tatsa-&lt;br /&gt;
chen zum Trotz ist die Behauptung, die&lt;br /&gt;
Bahäi seien ein Werkzeug des amerika-&lt;br /&gt;
nischen Imperialismus. Die Bahäfi-&lt;br /&gt;
Gemeinde ist eine Weltgemeinde, die&lt;br /&gt;
fast überall in der sogenannten ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Welt etabliert ist.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i werden in diesen Ländern als&lt;br /&gt;
loyale, fortschrittliche und unpartei-&lt;br /&gt;
ische Bürger anerkannt. Es ist natürlich&lt;br /&gt;
wahr, daß in Amerika seit fast einem&lt;br /&gt;
Jahrhundert eine große, aktive Bahäi-&lt;br /&gt;
Gemeinde besteht; und es ist auch wahr,&lt;br /&gt;
daß sie um das Wohlergehen ihrer Mit-&lt;br /&gt;
gläubigen in der ganzen Welt sehr be-&lt;br /&gt;
sorgt ist, und ebenso, daß sie eine be-&lt;br /&gt;
sondere Liebe zu Iran, der Wiege ihres&lt;br /&gt;
Glaubens, empfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi werden auch beschuldigt,&lt;br /&gt;
eine zentrale Rolle in der Staatsführung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der früheren iranischen Regierung ge-&lt;br /&gt;
spielt zu haben, und die Namen einiger&lt;br /&gt;
Prominenter wie Amir Abbas Hoveyda,&lt;br /&gt;
Premierminister von 1964—1977, und&lt;br /&gt;
General Nasiri, Leiter von SAVAK, wer-&lt;br /&gt;
den als Beispiele angeführt. Die Mit-&lt;br /&gt;
gliederlisten der iranischen Bahäfi-&lt;br /&gt;
Gemeinde und alle Verwaltungsakten&lt;br /&gt;
und Korrespondenzunterlagen sind von&lt;br /&gt;
den Behörden der Islamischen Republik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beschlagnahmt worden. Die Statistiken&lt;br /&gt;
von 1971, in denen alle Bahd&#039;i nament-&lt;br /&gt;
lich aufgeführt sind, stehen ihnen eben-&lt;br /&gt;
falls zur Verfügung. Sie wissen daher,&lt;br /&gt;
daß keine der genannten Personen&lt;br /&gt;
Bahäi war. Trotzdem wiederholen sie&lt;br /&gt;
ungehindert diese Unwahrheiten. Es&lt;br /&gt;
sollte ihnen auch bekannt sein, daß die&lt;br /&gt;
Bahäii, im Gegensatz zu den schiitischen&lt;br /&gt;
Muslimen, kein tagiyyih praktizieren,&lt;br /&gt;
d.h., daß sie ihre religiöse Überzeugung&lt;br /&gt;
nicht verleugnen, um sich selbst zu&lt;br /&gt;
schützen. Leugnet irgendjemand, Bahäi&lt;br /&gt;
zu sein, so kann er hinfort nicht mehr als&lt;br /&gt;
solcher angesehen werden. Und jeder&lt;br /&gt;
Bahäi, der eine politische Stellung an-&lt;br /&gt;
nimmt, verliert seinen Status als Mit-&lt;br /&gt;
glied der Bahäi-Gemeinde.? Es scheint,&lt;br /&gt;
der schiitische Klerus gebraucht in der&lt;br /&gt;
Stunde seines Triumphes in der Islami-&lt;br /&gt;
schen Republik die Lüge als eine will-&lt;br /&gt;
kommene Waffe in seiner Vernichtungs-&lt;br /&gt;
kampagne gegen die Bahá’í, nachdem er&lt;br /&gt;
tausend Jahre lang die Lüge als Mittel&lt;br /&gt;
zum Überleben religiös gerechtfertigt&lt;br /&gt;
hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielleicht traurigste, unwahrste&lt;br /&gt;
und undankbarste aller Anklagen gegen&lt;br /&gt;
die Bahäfi ist, daß sie sich islamfeindlich&lt;br /&gt;
betätigten. Wer offenen Auges die Heili-&lt;br /&gt;
gen Schriften der Bahäfi liest, kann sich&lt;br /&gt;
selbst von der Liebe und Verehrung&lt;br /&gt;
überzeugen, die Muhammad und sei-&lt;br /&gt;
nem Glauben von den Bahä’i entgenge-&lt;br /&gt;
bracht wird. Wer sich die Mühe macht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachzulesen, wird erkennen, mit wel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chem Mut ‘Abdu’l-Bahá in den Jahren&lt;br /&gt;
1911—13° in den Kirchen und Synago-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Folgendes soll beispielhaft angemerkt werden:&lt;br /&gt;
Hoveydas Großvater war Bahäi, sein Vater&lt;br /&gt;
schied aus der Gemeinde aus, als er eine Beru-&lt;br /&gt;
fung ins Außenministerium annahm. Hoveyda&lt;br /&gt;
selbst war nie Bahäi, und er war sehr bemüht,&lt;br /&gt;
den »Makel« seiner Abstammung durch zahl-&lt;br /&gt;
reiche Unterdrückungsmaßnahmen gegen die&lt;br /&gt;
Bahäi wettzumachen. (Anm. der Redaktion)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Nach seiner Entlassung aus türkischer Haft im&lt;br /&gt;
Jahre 1908 hat Abdull-Bahä, knapp siebzigjäh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 55&lt;br /&gt;
{{page|56|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=26}}gen des Westens den göttlichen Ur-&lt;br /&gt;
sprung des Islam bekräftigte — zu einer&lt;br /&gt;
Zeit, als die Muslime von den Völkern&lt;br /&gt;
des Westens tief verachtet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist jedem unparteiischen&lt;br /&gt;
Beobachter inzwischen klar geworden,&lt;br /&gt;
daß dieser agitatorische Schwall fal-&lt;br /&gt;
scher Anschuldigungen und Bezichti-&lt;br /&gt;
gungen politischer Verbrechen sehr we-&lt;br /&gt;
nig mit dem wahren Grund der Verfol-&lt;br /&gt;
gung der Bahä‘i im Iran zu tun hat. Um&lt;br /&gt;
ihn zu finden, brauchen wir nur auf die&lt;br /&gt;
Erklärungen und Aktionen der Behör-&lt;br /&gt;
den der Islamischen Republik selbst zu&lt;br /&gt;
schauen: Firg-i-zällih, übersetzt »Irr-&lt;br /&gt;
glaube«!, ist die Bezeichnung, die sie&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Bewegung geben. Selbst in&lt;br /&gt;
besagter Erklärung, die zusammenge-&lt;br /&gt;
braut wurde, um der Welt zu beweisen,&lt;br /&gt;
daß die Bahá’í-Religion keine Religion&lt;br /&gt;
ist, und um die Verfolgung der Bahäi als&lt;br /&gt;
gefährliche politische Dissidenten zu&lt;br /&gt;
rechtfertigen, vermögen sie nicht, kon-&lt;br /&gt;
sistent zu bleiben. Sie greifen zum Voka-&lt;br /&gt;
bular der Ketzerei. Ayatollah Saddugqi,&lt;br /&gt;
ranghohe Shf’ah-Autorität in Yazd, war&lt;br /&gt;
da direkter. Er veröffentlichte ein&lt;br /&gt;
Rechtsgutachten, nach dem die Bahäii&lt;br /&gt;
murtadd, Abtrünnige, und mahdüru’l-&lt;br /&gt;
damm sind, d.h., daß ihr Blut vergossen&lt;br /&gt;
werden darf. Aber auch die fundamen-&lt;br /&gt;
talistische Grausamkeit eines Saddugqi&lt;br /&gt;
und Konsorten stimmt nicht mit dem&lt;br /&gt;
muslimischen Gesetz überein. Unter&lt;br /&gt;
den Bahá’í, die im Iran hingerichtet wur-&lt;br /&gt;
den, waren viele von zoroastrischer und&lt;br /&gt;
jüdischer Herkunft und weder sie noch&lt;br /&gt;
ihre Vorfahren waren je Muslime. Die&lt;br /&gt;
meisten anderen Bahä’i entstammen Fa-&lt;br /&gt;
milien, die vor vier, fünf oder sechs Ge-&lt;br /&gt;
nerationen aus dem Islam konvertiert&lt;br /&gt;
sind. In keiner muslimischen Rechts-&lt;br /&gt;
schule wird Abtrünnigkeit als erbliches&lt;br /&gt;
Kapitalverbrechen aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei angesehene Ayatollahs in Shiraz,&lt;br /&gt;
Rabbani-Shiräzi, Mahallati und Dast-e&lt;br /&gt;
Gheyb, haben gemeinsam eine fatva!!&lt;br /&gt;
abgegeben, wonach die Zahlung von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
56 BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geldern aus öffentlichen Mitteln der&lt;br /&gt;
Muslime an die Bahäi gesetzwidrig ist;&lt;br /&gt;
damit haben sie die Entlassung der&lt;br /&gt;
Bahäi aus ihren Arbeitsstellen und die&lt;br /&gt;
Einbehaltung aller Altersrenten an die&lt;br /&gt;
im Ruhestand befindlichen Bahá’í sank-&lt;br /&gt;
tioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine unübersehbare Fülle do-&lt;br /&gt;
kumentarischen Beweismaterials für die&lt;br /&gt;
nicht zu verschleiernde Tatsache, daß&lt;br /&gt;
die grundlegenden Menschen- und Bür-&lt;br /&gt;
gerrechte der Bahäi im Iran lediglich&lt;br /&gt;
aufgrund des »Verbrechens« ihrer religi-&lt;br /&gt;
ösen Überzeugung mit Füßen getreten&lt;br /&gt;
werden. Sogar jenen, die vorgeblich we-&lt;br /&gt;
gen Spionage für ausländische Mächte&lt;br /&gt;
angeklagt und zum Tode verurteilt wer-&lt;br /&gt;
den, wird — oft unterstützt durch Folter&lt;br /&gt;
— die Möglichkeit gegeben, ihrem&lt;br /&gt;
Glauben abzuschwören, um alsbald&lt;br /&gt;
freigelassen zu werden. Die wenigen,&lt;br /&gt;
die das tun, werden dann als Helden&lt;br /&gt;
gefeiert. Kein Beweis kann besser die&lt;br /&gt;
Grundlosigkeit der Anklagen wegen&lt;br /&gt;
politischer Verbrechen und die Heuche-&lt;br /&gt;
lei der Ankläger verdeutlichen. Hier ein&lt;br /&gt;
typisches Beispiel des islamischen irshäd,&lt;br /&gt;
»geistige Führung«, wie es heute im Iran&lt;br /&gt;
verstanden und angewendet wird: Im&lt;br /&gt;
August 1981 wurden in Vadegan, einem&lt;br /&gt;
Dorf in der Nähe von Käshän, die Bahä’i&lt;br /&gt;
in einen Stall getrieben, in den dann&lt;br /&gt;
Rauch geleitet wurde. Als sie dem Tode&lt;br /&gt;
nahe waren, wurden sie in eine Moschee&lt;br /&gt;
geschleppt und gezwungen, ihrem&lt;br /&gt;
Glauben abzuschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und falls noch irgendwelche Zweifel&lt;br /&gt;
über die wahre Natur der Verfolgungen&lt;br /&gt;
der Bahäi im Iran vorhanden sind,&lt;br /&gt;
Hojjat-ol-Islam Qazai (Hujjatu’l-Islam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rig, am Vorabend des Ersten Weltkriegs Europa&lt;br /&gt;
und Nordamerika bereist, um dort für den Frie-&lt;br /&gt;
den und ein vertieftes Verständnis aller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religionen zu wirken. (Anm. der Redaktion)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Sjehe S. 3 von Bahaism: Its origins and its role,&lt;br /&gt;
Den Haag 1983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Religiöses Rechtsgutachten. (Anm. der Redak-&lt;br /&gt;
tion)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|57|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=27}}Qada’i) der Vorsitzende des Religiösen&lt;br /&gt;
Gerichtshofs in Shiräz, hat laut Khabar-&lt;br /&gt;
i-Junüub, Ausgabe vom 22. Februar&lt;br /&gt;
1983, gesagt: »Die iranische Nation ist&lt;br /&gt;
entschlossen, die Regierung Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden zu errichten. Deshalb kann sie die&lt;br /&gt;
pervertierten Bahäi, diese Werkzeuge&lt;br /&gt;
Satans und Anhänger des Teufels, nicht&lt;br /&gt;
dulden. Es gibt in der Islamischen Repu-&lt;br /&gt;
blik keinen Platz für Bahäi und den&lt;br /&gt;
Bahä’ismus«. Und dies im Namen des Is-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lam, der »Zwang in der Religion«&#039;?&lt;br /&gt;
verdammt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wessen wir Zeuge sind — und als&lt;br /&gt;
Zeugen können wir nicht mit morali-&lt;br /&gt;
scher Gleichgültigkeit reagieren — ist&lt;br /&gt;
ein aufkommender Sturm atavistischen&lt;br /&gt;
religiösen Fanatismus. Die Elemente,&lt;br /&gt;
die heute in der Islamischen Republik&lt;br /&gt;
herrschen und die ihre Herrschaft zu er-&lt;br /&gt;
weitern suchen, indem sie die rück-&lt;br /&gt;
schrittlichen Elemente der Gesellschaft&lt;br /&gt;
ermutigen, die Bahä’i zu Sündenböcken&lt;br /&gt;
all ihrer Nöte zu machen, -— sie können&lt;br /&gt;
die Existenz der Bahá’í in ihrer Mitte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht dulden. Die Bahä’i glauben an reli-&lt;br /&gt;
giösen Fortschritt, Weltfrieden und an&lt;br /&gt;
die Einheit der Menschheit, an die&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung von Mann und&lt;br /&gt;
Frau, an die Harmonie zwischen Wis-&lt;br /&gt;
senschaft und Religion, an allgemeine&lt;br /&gt;
Schulbildung und — vor allem — an die&lt;br /&gt;
unabhängige Suche nach Wahrheit in&lt;br /&gt;
einer Gemeinde ohne Geistlichkeit —&lt;br /&gt;
und dies sind die wahren Gründe der&lt;br /&gt;
grausamen Unterdrückung, der die&lt;br /&gt;
Bahá’í in der mittelalterlichen Theokra-&lt;br /&gt;
tie, die die Islamische Republik heute&lt;br /&gt;
darstellt, ausgeliefert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Standhaftigkeit so vieler Bahäi&lt;br /&gt;
unter diesen unmenschlichen Gegeben-&lt;br /&gt;
heiten erinnert uns alle an die Wahrheit&lt;br /&gt;
der Worte Mahatma Gandhis: »Das be-&lt;br /&gt;
reitwillige Opfer des Unschuldigen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die machtvollste Antwort auf anma-&lt;br /&gt;
Bende Tyrannei, die je von Gott und&lt;br /&gt;
Mensch ersonnen wurde«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Qurän 10:99&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 57&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|58|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=28}}GBI LEE EEE NEE ET REEEL ET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basar in Shiraz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
58 BAHA’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|59|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=29}}Sohrab Faridani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STIANDHAFT IN GOTTES NAMEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Streitet nicht mit dem Volk des Buches,&lt;br /&gt;
es sei denn in der besten Art; außer mit&lt;br /&gt;
denen, die ungerecht sind. Und sprecht:&lt;br /&gt;
Wir glauben an das, was zu uns herab-&lt;br /&gt;
gesandt ward und was zu euch herabge-&lt;br /&gt;
sandt ward; und unser Gott und euer&lt;br /&gt;
Gott ist einer; und Ihm sind wir&lt;br /&gt;
ergeben.«!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Rufe auf zum Wege deines Herrn mit&lt;br /&gt;
Weisheit und schöner Ermahnung, und&lt;br /&gt;
streite mit ihnen auf die beste Art. Wahr-&lt;br /&gt;
lich, dein Herr weiß am besten, wer von&lt;br /&gt;
Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt&lt;br /&gt;
am besten jene, die rechtgeleitet sind.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wahrlich, Gott ist mit denen, die&lt;br /&gt;
rechtschaffen sind und die Gutes tun.«’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es geschieht um Gottes Barmherzig-&lt;br /&gt;
keit willen, daß du zu ihnen milde bist:&lt;br /&gt;
und wärest du schroff, hartherzig gewe-&lt;br /&gt;
sen, sie wären gewiß rings um dich zer-&lt;br /&gt;
stoben. So verzeih ihnen und erbitte Ver-&lt;br /&gt;
gebung für sie... .«*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir entsandten dich nur als eine&lt;br /&gt;
Barmherzigkeit für alle Welten. «&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die obigen Verse aus dem Qur’än ver-&lt;br /&gt;
deutlichen den wahren Geist des Islam.&lt;br /&gt;
Muhammad ermahnt Seine Anhänger&lt;br /&gt;
zu Liebe und Toleranz gegenüber An-&lt;br /&gt;
dersgläubigen und schreibt ihnen vor,&lt;br /&gt;
mit den anderen Menschen, besonders&lt;br /&gt;
mit denen, die an Gott und Seine Einheit&lt;br /&gt;
glauben, friedlich umzugehen und die&lt;br /&gt;
Glaubensunterschiede nicht zum Anlaß&lt;br /&gt;
von Streitigkeiten zu nehmen. Er ruft&lt;br /&gt;
Seine Anhänger zu Rechtschaffenheit,&lt;br /&gt;
Geduld, edlen Taten, Vergebung, Groß-&lt;br /&gt;
mut und Gerechtigkeit auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Geist vereinigte jahrhunderte-&lt;br /&gt;
lang Millionen von Menschen aus ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Erdteilen, unterschiedlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprachen und Kulturen, schuf eine&lt;br /&gt;
neue, weltweite Kultur und trieb die&lt;br /&gt;
Menschheit in ihrer Entwicklung einen&lt;br /&gt;
beachtlichen Schritt voran. Aus diesem&lt;br /&gt;
Geist gingen zahlreiche berühmte Theo-&lt;br /&gt;
logen, Mystiker, Dichter und Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler als Vorbilder der Weisheit,&lt;br /&gt;
Barmherzigkeit, Liebe und Demut her-&lt;br /&gt;
vor. In allen ihren Werken und Schriften&lt;br /&gt;
verurteilen sie Unterdrückung, religiöse&lt;br /&gt;
Intoleranz, Fanatismus und Ungerech-&lt;br /&gt;
tigkeit sehr und bezeichnen diese als tie-&lt;br /&gt;
rische Eigenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird ein Bruchteil&lt;br /&gt;
der Taten geschildert, die im Namen der&lt;br /&gt;
Religion und zum Schutz des Islam in&lt;br /&gt;
den letzten Jahren gegen die Anhänger&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion im Iran verübt wur-&lt;br /&gt;
den und zur Zeit noch in voller Stärke&lt;br /&gt;
anhalten. Jeder Leser möge selbst beur-&lt;br /&gt;
teilen, ob diese Art von Handlungen&lt;br /&gt;
und diese absolute Mißachtung der&lt;br /&gt;
Menschenrechte tatsächlich im Sinne&lt;br /&gt;
der islamischen Lehre ist oder von&lt;br /&gt;
purem Fanatismus herrührt. Es ist nicht&lt;br /&gt;
unsere Absicht, gewisse Personen oder&lt;br /&gt;
Institutionen anzugreifen, sondern wir&lt;br /&gt;
möchten die Aufmerksamkeit aller&lt;br /&gt;
Menschen in der freien Welt auf das&lt;br /&gt;
Schicksal der dreihunderttausend un-&lt;br /&gt;
schuldigen und hilflosen Bahá’í lenken,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damit sie vielleicht vor einem noch grö-&lt;br /&gt;
Beren Unheil bewahrt bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
! Qur’än 29:46&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Qur’än 16:125&lt;br /&gt;
3 Qur’än 16:128&lt;br /&gt;
4 Qurän 3:159&lt;br /&gt;
&amp;gt; Qur’än 21:107&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 59&lt;br /&gt;
{{page|60|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was geschah und was geschieht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Bahäfi-Religion, der&lt;br /&gt;
jüngsten monotheistischen Religion, die&lt;br /&gt;
Mitte des 19. Jahrhunderts in Persien&lt;br /&gt;
entstand, ist von Anfang an durch bluti-&lt;br /&gt;
ge Verfolgungen, grausame Hinrichtun-&lt;br /&gt;
gen, Verhaftungen und Verbannungen&lt;br /&gt;
gekennzeichnet. Die Intensität dieser&lt;br /&gt;
Feindseligkeiten war von Zeit zu Zeit&lt;br /&gt;
und sogar von Ort zu Ort verschieden.&lt;br /&gt;
Die Lehre und die Ziele der Bahäi-&lt;br /&gt;
Religion wurden von Anfang an im Iran&lt;br /&gt;
verleumdet. Zu keiner Zeit wurde der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaube von einer Regierung oder&lt;br /&gt;
Verfassung des Iran als selbständige Re-&lt;br /&gt;
ligion anerkannt, obwohl seine Anhän-&lt;br /&gt;
ger die größte religiöse Minderheit im&lt;br /&gt;
Lande darstellen. Während der Herr-&lt;br /&gt;
schaft der Qäjär-Dynastie waren die&lt;br /&gt;
Verfolgungen allgemein und oft außer-&lt;br /&gt;
ordentlich brutal. Gemessen daran lie-&lt;br /&gt;
ßen die blutigen Ereignisse in der Zeit&lt;br /&gt;
der Pahlawi-Dynastie nach, aber Dis-&lt;br /&gt;
kriminierung und Unterdrückung be-&lt;br /&gt;
standen weiterhin. Alle Bahäi-Schulen&lt;br /&gt;
wurden geschlossen. Falsche Anschul-&lt;br /&gt;
digungen, Sachbeschädigungen, Ver-&lt;br /&gt;
haftungen und sogar Tötungen waren&lt;br /&gt;
nicht selten. Ich erinnere mich sehr gut&lt;br /&gt;
an die grundiose Verhaftung sämtlicher&lt;br /&gt;
Mitglieder des Geistigen Rates und an-&lt;br /&gt;
derer unschuldiger Bahä’i in meiner Hei-&lt;br /&gt;
matstadt, einmal Anfang der vierziger&lt;br /&gt;
und einmal Anfang der fünfziger Jahre.&lt;br /&gt;
Diese Männer, alle ehrwürdig und&lt;br /&gt;
fromm, manche in hohem Alter, wur-&lt;br /&gt;
den beide Male fälschlich und arglistig&lt;br /&gt;
beschuldigt, Mordtaten geplant und&lt;br /&gt;
durchgeführt zu haben. Sie blieben viele&lt;br /&gt;
Jahre in Haft, zuletzt in Teheran (Tih-&lt;br /&gt;
ran). Einige starben im Gefängnis, und&lt;br /&gt;
manche starben kurz nach der Entlas-&lt;br /&gt;
sung infolge der langen Gefängnishaft.&lt;br /&gt;
Ebenfalls denke ich an das brutale und&lt;br /&gt;
barbarische Massaker, das eine aufge-&lt;br /&gt;
brachte Menge an einer siebenköpfigen&lt;br /&gt;
Bahäi-Familie in einem Dorf in der Nä-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
60 BAHÄT[-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
he meiner Heimatstadt verübte. Der&lt;br /&gt;
hinterhältige Mord an einem sehr be-&lt;br /&gt;
liebten und als Bahä’i bekannten Arzt in&lt;br /&gt;
Käshän und die Ermordung einiger&lt;br /&gt;
Bahäi in Shährüd sind allgemein be-&lt;br /&gt;
kannt. Ich erinnere mich an die massive&lt;br /&gt;
Hetzkampagne der Geistlichen im Jahre&lt;br /&gt;
1955, insbesondere in Teheran, die vier&lt;br /&gt;
Wochen lang von Radio Teheran ver-&lt;br /&gt;
breitet wurde und das ganze Land in ei-&lt;br /&gt;
nen äußerst gespannten und explosiven&lt;br /&gt;
Zustand versetzte. Unmittelbare Folgen&lt;br /&gt;
davon waren die Beschlagnahme und&lt;br /&gt;
Zerstörung des nationalen Bahäli-&lt;br /&gt;
Zentrums in Ieheran durch die Geist-&lt;br /&gt;
lichkeit und auch durch militärische&lt;br /&gt;
Kräfte, sowie unschätzbare materielle&lt;br /&gt;
Schäden durch Zerstörung und Plünde-&lt;br /&gt;
rungen von Bahäi-Gemeindeeigentum&lt;br /&gt;
im ganzen Land. Die Einzelheiten wur-&lt;br /&gt;
den damals in einer Reihe führender eu-&lt;br /&gt;
ropäischer und amerikanischer Zeitun-&lt;br /&gt;
gen veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an die Entlassung&lt;br /&gt;
zahlreicher Bahä’i-Lehrer und Dozenten&lt;br /&gt;
von ihren Posten. Noch nie hat derirani-&lt;br /&gt;
sche Staat die Gültigkeit der Bahä&#039;ı-&lt;br /&gt;
Ehen und die Bahäi-Feiertage aner-&lt;br /&gt;
kannt. Wenn die fanatischen Gegner&lt;br /&gt;
keine Möglichkeit hatten, die Bahaii von&lt;br /&gt;
außen anzugreifen, versuchten sie mit&lt;br /&gt;
List und Tücke, Zugang in die Gemein-&lt;br /&gt;
den zu finden und die innere Struktur&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Administration zu zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn heute behauptet wird, daß die&lt;br /&gt;
Bahäi im Iran in der Zeit des Shah&lt;br /&gt;
irgendeine Freiheit oder Vergünstigung&lt;br /&gt;
genossen hätten, ist diese Behauptung&lt;br /&gt;
freierfunden, böswillig und absurd. Die&lt;br /&gt;
gegnerische und ablehnende Haltung&lt;br /&gt;
der Allgemeinheit blieb kontinuierlich&lt;br /&gt;
vorhanden und äußerte sich von Zeit zu&lt;br /&gt;
Zeit je nach der politischen Situation&lt;br /&gt;
des Landes stärker oder schwächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Machtübernahme durch die&lt;br /&gt;
islamische Revolution flammten die&lt;br /&gt;
Verfolgungen der ohnehin unterdrück-&lt;br /&gt;
ten Bahá’í im ganzen Land mit stärkerer&lt;br /&gt;
{{page|61|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft auf. Die Rechte der Bahd&#039;i wurden&lt;br /&gt;
auch in der neuen Verfassung nicht an-&lt;br /&gt;
erkannt. Zunächst wurden alle Gemein-&lt;br /&gt;
den enteignet, die Bahäi-Friedhöfe ver-&lt;br /&gt;
wüstet und geschlossen, die sozialen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäi-Einrichtungen wie Krankenhäu-&lt;br /&gt;
ser und Altersheime entweder zerstört&lt;br /&gt;
oder beschlagnahmt. Tausende un-&lt;br /&gt;
schuldiger Menschen, darunter auch&lt;br /&gt;
Alte und Kranke, wurden obdachlos&lt;br /&gt;
gemacht, aus ihren Städten und Dörfern&lt;br /&gt;
vertrieben und Hunderte von Wohn-&lt;br /&gt;
häusern in Brand gesetzt. Die heiligste&lt;br /&gt;
Stätte der Bahá’í im Iran, das Haus des&lt;br /&gt;
Bäab in Shiräz, wurde im November&lt;br /&gt;
1979 dem Erdboden gleichgemacht.&lt;br /&gt;
Viele Bahäi in verschiedenen Städten,&lt;br /&gt;
darunter der damalige Sekretär des Na-&lt;br /&gt;
tionalen Geistigen Rates, wurden ent-&lt;br /&gt;
führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. August 1980 wurden alle Mit-&lt;br /&gt;
glieder des Nationalen Geistigen Rates&lt;br /&gt;
und zwei andere Bahäi in einer Privat-&lt;br /&gt;
wohnung verhaftet. Bis heute sind alle&lt;br /&gt;
diese Personen verschollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem schon einzelne Bahäi exe-&lt;br /&gt;
kutiert worden waren, wurden am 8.&lt;br /&gt;
September 1980 sieben Bahäi als erste&lt;br /&gt;
Gruppe in meiner Heimatstadt hinge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
richtet. Mein Bruder war einer davon.&lt;br /&gt;
Manche waren meine besten Jugend-&lt;br /&gt;
freunde. Der Älteste in dieser Gruppe&lt;br /&gt;
war ein 86jähriger Mann. Ich war fas-&lt;br /&gt;
sungslos, als ich diese entsetzliche&lt;br /&gt;
Nachricht an demselben Morgen aus&lt;br /&gt;
dem Munde meiner alten Mutter tele-&lt;br /&gt;
fonisch erfuhr. Diese sieben Männer&lt;br /&gt;
waren bei der Bevölkerung wegen ihrer&lt;br /&gt;
menschlichen Tugenden und ihres tadel-&lt;br /&gt;
losen Charakters sehr beliebt. Die Be-&lt;br /&gt;
völkerung verhielt sich aber gegenüber&lt;br /&gt;
einer Gruppe fanatischer Machthaber&lt;br /&gt;
stumm und zurückhaltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leichen waren nach der Hinrich-&lt;br /&gt;
tung auf ein Ödland, einige Kilometer&lt;br /&gt;
außerhalb der Stadt, gebracht worden.&lt;br /&gt;
Dann wurde den ahnungslosen Ange-&lt;br /&gt;
hörigen, die noch am Vorabend die In-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haftierten hatten besuchen dürfen, tele-&lt;br /&gt;
fonisch mitgeteilt, wo sich die Leichen&lt;br /&gt;
dieser Personen befänden. In dieser&lt;br /&gt;
Wüste gibt es kein Wasser. Die jugendli-&lt;br /&gt;
chen Freunde brachten es eimerweise&lt;br /&gt;
aus der Stadt, um die Körper der Märty-&lt;br /&gt;
rer zu waschen. Die Söhne und Bekann-&lt;br /&gt;
ten der Märtyrer mußten mit Mühe die&lt;br /&gt;
Gräber vorbereiten. Niemand von der&lt;br /&gt;
Behörde half ihnen. Herzlose Gardisten&lt;br /&gt;
standen da und amüsierten sich. Sie&lt;br /&gt;
wollten die Angehörigen und Freunde&lt;br /&gt;
der Hingerichteten jammern und wei-&lt;br /&gt;
nen sehen. Aber keiner weinte. Alle,&lt;br /&gt;
sogar die Kinder, waren Vorbilder der&lt;br /&gt;
Geduld und Standhaftigkeit. Diese un-&lt;br /&gt;
gewöhnlich starke Haltung der Bahä&#039;-&lt;br /&gt;
Freunde verstärkte den Haß und Zorn&lt;br /&gt;
der Feinde. Sie verlangten von manchen&lt;br /&gt;
Familien die Kosten für die Hinrichtung,&lt;br /&gt;
sie durchsuchten ständig die Häuser&lt;br /&gt;
und nahmen alles mit, was sie wollten.&lt;br /&gt;
Sie beschlagnahmten endlich sämtliche&lt;br /&gt;
Häuser und Besitztümer der Angehöri-&lt;br /&gt;
gen ihrer Opfer und versteigerten alle ih-&lt;br /&gt;
re Sachen im Bazar. Der Druck der Ty-&lt;br /&gt;
rannen nahm von Tag zu Tag derartig&lt;br /&gt;
zu, daß alle Angehörigen fliehen muß-&lt;br /&gt;
ten. Sie leben noch versteckt in verschie-&lt;br /&gt;
denen Orten in Persien und wagen&lt;br /&gt;
nicht, am hellen Tag auf die Straße zu&lt;br /&gt;
gehen. In allen Teilen des Landes erlei-&lt;br /&gt;
den die Angehörigen der Märtyrer und&lt;br /&gt;
der Inhaftierten das gleiche Schicksal.&lt;br /&gt;
Alle sind heimatlos, arbeitslos, enteig-&lt;br /&gt;
net und auf Hilfe von Bekannten oder&lt;br /&gt;
auf Spenden angewiesen. Es ist sehr im-&lt;br /&gt;
ponierend, daß sie in ihren Briefen nie&lt;br /&gt;
klagen, sondern unsbitten, für sie zu be-&lt;br /&gt;
ten, um diesen Schwierigkeiten stand-&lt;br /&gt;
halten zu können. Ohne Gottes Trost&lt;br /&gt;
und Beistand und ohne eine starke Liebe&lt;br /&gt;
zu ihrem Glauben könnten sie niemals&lt;br /&gt;
solche Demütigungen, Entbehrungen&lt;br /&gt;
und Unterdrückungen hinnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtungen am 8. September&lt;br /&gt;
1980 kamen sehr unerwartet. Die Em-&lt;br /&gt;
pörung der Weltöffentlichkeit und na-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE A8 NOVEMBER 1984 6]&lt;br /&gt;
{{page|62|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=32}}türlich der Bahä’i in der ganzen Welt war&lt;br /&gt;
sehr groß. Die Reaktionen der Presse,&lt;br /&gt;
der Politiker und der Parlamentarier,&lt;br /&gt;
vieler namhafter Persönlichkeiten, zahl-&lt;br /&gt;
reicher religiöser und humanitärer Or-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ganisationen waren diesmal sehr heftig.&lt;br /&gt;
Man hoffte, daß diese abscheulichen&lt;br /&gt;
Taten sich nicht schnell wiederholen&lt;br /&gt;
würden. Dieses Ereignis war aber leider&lt;br /&gt;
nur der Beginn einer Reihe von Hinrich-&lt;br /&gt;
tungen und Verhaftungen, die nachein-&lt;br /&gt;
ander in vielen Städten und Dörfern&lt;br /&gt;
Persiens vollzogen wurden und weiter in&lt;br /&gt;
einer heftigeren und unmenschlicheren&lt;br /&gt;
Form vollzogen werden. Als die Leichen&lt;br /&gt;
von sieben Märtyrern in Hamadän&lt;br /&gt;
schwerste Körperverletzungen aufwie-&lt;br /&gt;
sen, die auf Folterungen vor der Hin-&lt;br /&gt;
richtung hindeuteten, war die Bevöl-&lt;br /&gt;
kerung sehr erregt und voller Mitleid.&lt;br /&gt;
Diese barbarischen Mißhandlungen&lt;br /&gt;
wurden in der ganzen Stadt und Umge-&lt;br /&gt;
bung scharf kritisiert. Da die Kritik an-&lt;br /&gt;
hielt, sah sich der maßgebende Geist-&lt;br /&gt;
liche gezwungen, der Bevölkerung unter&lt;br /&gt;
Androhung hoher Strafen jede weitere&lt;br /&gt;
Äußerung über diese Vorgänge zu ver-&lt;br /&gt;
bieten. Nach diesen und ähnlichen Vor-&lt;br /&gt;
kommnissen werden die gefolterten und&lt;br /&gt;
hingerichteten Körper der Märtyrer&lt;br /&gt;
grundsätzlich nicht mehr den Angehö-&lt;br /&gt;
rigen zur Beerdigung überlassen. Die&lt;br /&gt;
Angehörigen werden von der Hinrich-&lt;br /&gt;
tung nicht einmal benachrichtigt. Be-&lt;br /&gt;
such und Kontakt mit den Inhaftierten&lt;br /&gt;
wird nicht gestattet. Man erfährt viel&lt;br /&gt;
später und sehr kaltblütig von den Ver-&lt;br /&gt;
antwortlichen, daß die betreffende Per-&lt;br /&gt;
son nicht mehr lebt. Manche Leichen,&lt;br /&gt;
die durch Zufall entdeckt wurden, zeug-&lt;br /&gt;
ten von schweren Verletzungen und&lt;br /&gt;
Mißhandlungen. Es ist heute kein Ge-&lt;br /&gt;
heimnis mehr, daß die inhaftierten&lt;br /&gt;
Bahä’i mit Drahtpeitschen gefoltert wer-&lt;br /&gt;
den, damit sie ihrem Glauben abschwö-&lt;br /&gt;
ren oder ein vorbereitetes Geständnis&lt;br /&gt;
unterschreiben, in dem sie sich hochver-&lt;br /&gt;
räterischer Taten bezichtigen, die sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
62  BAHAÄI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nie begangen haben. Das Schicksal&lt;br /&gt;
dieser standhaften und tapferen Bahäii&lt;br /&gt;
ist ein grausames Sterben. Die psychi-&lt;br /&gt;
schen Belastungen während der Haft,&lt;br /&gt;
die unmenschlichen und rechtswidrigen&lt;br /&gt;
Verhöre, die Unmöglichkeit, sich zu ver-&lt;br /&gt;
teidigen, der monatelange Aufenthalt in&lt;br /&gt;
einer sehr kleinen, dunklen und isolier-&lt;br /&gt;
ten Zelle mit ungenügender Versorgung,&lt;br /&gt;
die Brutalität und der Haß der Wächter&lt;br /&gt;
zeigen uns einigermaßen, welche starke&lt;br /&gt;
Seele, welche felsenfeste Überzeugung&lt;br /&gt;
und welche unerschütterliche Liebe zu&lt;br /&gt;
ihrem Glauben diese Menschen haben&lt;br /&gt;
müssen, um bereit zu sein, sich von allen&lt;br /&gt;
Bequemlichkeiten zu lösen und einen&lt;br /&gt;
grausamen Foltertod in Kauf zu neh-&lt;br /&gt;
men. Die Zahl dieser Helden ist inzwi-&lt;br /&gt;
schen auf über 180 angewachsen. Sie&lt;br /&gt;
kamen aus allen Bevölkerungsschich-&lt;br /&gt;
ten, aus verschiedenen Altersstufen (17&lt;br /&gt;
bis 86 Jahre) und waren beiderlei Ge-&lt;br /&gt;
schlechts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte über die Hinrichtungen,&lt;br /&gt;
soweit man sie anfangs noch erfahren&lt;br /&gt;
konnte, sind einerseits erschütternd,&lt;br /&gt;
andererseits rufen sie Bewunderung&lt;br /&gt;
hervor. Die Testamente und die Briefe&lt;br /&gt;
zahlreicher Märtyrer sind Beweise für&lt;br /&gt;
ihre völlige Hingabe und für ihren Stolz,&lt;br /&gt;
auf dem Pfade Gottes sterben zu dürfen.&lt;br /&gt;
Diese Personen baten ihre Angehörigen,&lt;br /&gt;
nicht um sie zu trauern, sondern zu fei-&lt;br /&gt;
ern, sie küßten die Hände ihrer herzlo-&lt;br /&gt;
sen Mörder und beteten um Vergebung&lt;br /&gt;
für sie. Acht junge Frauen und Mädchen&lt;br /&gt;
zwischen 17 und 24 Jahren, die vor ei-&lt;br /&gt;
nem Jahr in Shiräz erhängt wurden,&lt;br /&gt;
waren Vorbilder der Standhaftigkeit&lt;br /&gt;
und Loslösung. Eine von diesen jungen&lt;br /&gt;
Frauen bat ihren Henker, ihr zu gestat-&lt;br /&gt;
ten, vor der Hinrichtung zum letzten&lt;br /&gt;
Mal auf dieser Erde ein Gebet zu spre-&lt;br /&gt;
chen und ihren Schöpfer zu preisen.&lt;br /&gt;
Manche nahmen mit solcher Ruhe und&lt;br /&gt;
Gelassenheit und manche erregt vor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freude und Begeisterung Abschied von&lt;br /&gt;
dieser Welt, um die Wahrheit der Sache,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|63|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=33}}an die sie glauben, zu beweisen und zu&lt;br /&gt;
bezeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heutige Zustand der Bahä’i&lt;br /&gt;
und der Bahá’í-Gemeinden im Iran&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen davon, daß zur Zeit über&lt;br /&gt;
750 Männer, Frauen und sogar kleine&lt;br /&gt;
Kinder in verschiedenen Städten inhaf-&lt;br /&gt;
tiert sind, manche von ihnen gefoltert&lt;br /&gt;
werden, und abgesehen davon, daß eine&lt;br /&gt;
beachtliche Zahl nach abgelegenen Ge-&lt;br /&gt;
bieten verbannt worden ist, leben die&lt;br /&gt;
dreihunderttausend Mitglieder dieser&lt;br /&gt;
größten religiösen Minderheit in Per-&lt;br /&gt;
sien in direkter Gefahr. Es besteht kei-&lt;br /&gt;
nerlei Schutz für sie, und sie haben kei-&lt;br /&gt;
nerlei Rechte. Nicht nur die Erwachse-&lt;br /&gt;
nen, sondern auch die Kinder und die&lt;br /&gt;
Jugendlichen sind betroffen. Die Kinder&lt;br /&gt;
werden im allgemeinen von den Schulen&lt;br /&gt;
verwiesen, sobald bekannt wird, daß&lt;br /&gt;
sie Bahä’t sind. Bahä’i-Studenten wer-&lt;br /&gt;
den in den Hochschulen nicht zugelas-&lt;br /&gt;
sen. Alle Bahá’í-Beamten und Angestell-&lt;br /&gt;
ten sind ausnahmslos entlassen worden.&lt;br /&gt;
Die Rentner und Pensionäre bekommen&lt;br /&gt;
längst kein Geld mehr. Die Revolutions-&lt;br /&gt;
gardisten haben uneingeschränkte Frei-&lt;br /&gt;
heit, Bahä’i-Häuser zu durchsuchen, zu&lt;br /&gt;
beschlagnahmen und nach Belieben&lt;br /&gt;
Personen zu inhaftieren, Taten, die die&lt;br /&gt;
Menschenrechte schwer verletzen und&lt;br /&gt;
absolut mißachten und nicht im gering-&lt;br /&gt;
sten mit der islamischen Lehre überein-&lt;br /&gt;
stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29.8.83 wurden sämtliche Bahä’i-&lt;br /&gt;
Verwaltungsgremien im Iran verboten.&lt;br /&gt;
Da ein Prinzip der Bahäi-Religion die&lt;br /&gt;
Loyalität gegenüber jeder Regierung ist,&lt;br /&gt;
hat der Nationale Geistige Rat der&lt;br /&gt;
Bahá’í im Iran sich selbst und alle loka-&lt;br /&gt;
len Geistigen Räte, etwa 500 an der&lt;br /&gt;
Zahl, aufgelöst. Durch dieses offizielle&lt;br /&gt;
Verbot sind die Bahäii im Iran ihrer gei-&lt;br /&gt;
stigen Führung beraubt worden. Ver-&lt;br /&gt;
sammlungen sind streng verboten. Bei&lt;br /&gt;
der Eheschließung tauchen große Pro-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bleme auf, da die Bahä’i-Irauung nicht&lt;br /&gt;
rechtlich anerkannt wird und es keine&lt;br /&gt;
standesamtliche Trauung gibt. Auch bei&lt;br /&gt;
den Beerdigungen bereiten die Verant-&lt;br /&gt;
wortlichen den Angehörigen der Ver-&lt;br /&gt;
storbenen oft große Schwierigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Bahä’i darf zur Zeit das Land ver-&lt;br /&gt;
lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist zu befürchten, daß ein Plan für&lt;br /&gt;
die systematische Verfolgung und Aus-&lt;br /&gt;
rottung der gesamten Bahäi im Iran&lt;br /&gt;
besteht. Die klare Aussage des Hojjatol-&lt;br /&gt;
Islam Qazai (Hujjatull-Islam Qadafi),&lt;br /&gt;
Präsident des Revolutionsgerichts in&lt;br /&gt;
Schiras, am 22.2.83: »Es ist absolut&lt;br /&gt;
sicher, daß in der islamischen Republik&lt;br /&gt;
Iran für die Bahä’i und den Bahä’ismus&lt;br /&gt;
kein Platz ist«°, und die Äußerung von&lt;br /&gt;
Ajatollah Tehrani gegenüber einem Re-&lt;br /&gt;
porter des Spiegel: »Es gibt zum Beispiel&lt;br /&gt;
eine Gruppe, welche die Angehörigen&lt;br /&gt;
des Bahai-Glaubens gnadenlos elimi-&lt;br /&gt;
nieren möchte«”, geben Anlaß zu größ-&lt;br /&gt;
ter Besorgnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gnadenlosigkeit und die Härte&lt;br /&gt;
der Fanatiker werden von Jahr zu Jahr&lt;br /&gt;
deutlicher. Nachdem die Bahäfi-&lt;br /&gt;
Verwaltungsorgane aufgelöst worden&lt;br /&gt;
sind, versuchen sie, die einzelnen Bahäi&lt;br /&gt;
durch Gewalt und Unterdrückung zu&lt;br /&gt;
zwingen, ihrem Glauben abzuschwö-&lt;br /&gt;
ren. Sie glauben, die Bahá’í-Sache da-&lt;br /&gt;
durch vernichten zu können. Aber die&lt;br /&gt;
Vergangenheit hat gezeigt, daß auch die&lt;br /&gt;
vereinigten Kräfte der persischen und&lt;br /&gt;
türkischen Herrscher, unterstützt von&lt;br /&gt;
den religiösen Führern und deren fanati-&lt;br /&gt;
schen Anhängern, mit all ihren grausa-&lt;br /&gt;
men und blutigen Verfolgungen nicht&lt;br /&gt;
imstande waren, die Entwicklung und&lt;br /&gt;
Ausbreitung dieses Glaubens zu verhin-&lt;br /&gt;
dern. Das Blut der Märtyrer ist zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten der Same jeder neuen Religion&lt;br /&gt;
gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Khabar-i-Junüb vom 22.2.1983&lt;br /&gt;
7 Nr. 23 vom 4. Juni 1984, $. 113&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 63&lt;br /&gt;
{{page|64|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=34}}Der Märtyrertod der unschuldigen&lt;br /&gt;
Gläubigen gibt der Sache, die sie vertre-&lt;br /&gt;
ten, einen neuen Impuls. Die Tatsache,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß sich die Menschen für ihren Glau-&lt;br /&gt;
ben opfern und sich standhaft ihren Un-&lt;br /&gt;
terdrückern entgegenstellen, beweist,&lt;br /&gt;
daß eseinen Geist gibt, der stärker ist als&lt;br /&gt;
die Gewalt und letzten Endes über den&lt;br /&gt;
blinden Fanatismus siegt. Die Herr-&lt;br /&gt;
schaft des Geistes ist ein geheimnisvolles&lt;br /&gt;
Ergebnis des Opfers und kann durch&lt;br /&gt;
Gewalt nicht besiegt werden. Im Gegen-&lt;br /&gt;
teil, die religiösen Verfolgungen setzen&lt;br /&gt;
ungeahnte geistige Kräfte frei, die die&lt;br /&gt;
bekämpfte Sache rasch vorantreiben.&lt;br /&gt;
Wir sind heute selbst die Zeugen dieser&lt;br /&gt;
geistigen Impulse, die in allen Teilen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt fühlbar sind. In Seinem Send-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schreiben an den persischen Herrscher&lt;br /&gt;
schreibt Bahä’u’lläh ».... Wahrlich, Gott&lt;br /&gt;
machte das Leid zum Morgentau auf&lt;br /&gt;
Seiner grünen Au und zum Docht für&lt;br /&gt;
Seine Lampe, die Erde und Himmel&lt;br /&gt;
erleuchtet.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte, wie ich begonnen habe,&lt;br /&gt;
auch mit einem Vers aus dem Qur’än&lt;br /&gt;
abschließen, mit einem Vers, den die&lt;br /&gt;
Unterdrücker überdenken sollten: »Sie&lt;br /&gt;
möchten Gottes Licht auslöschen mit&lt;br /&gt;
ihren Mündern, doch Gott wird Sein&lt;br /&gt;
Licht vollkommen machen, auch wenn&lt;br /&gt;
die Ungläubigen es hassen.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8Sendschreiben Bahä’ufllähs an Näsiri’d-din Shäh&lt;br /&gt;
9Qur’än 60:8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wähne nicht,&lt;br /&gt;
die allgenügende Kraft Gottes&lt;br /&gt;
sei leerer Trug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist der wahre Glaube,&lt;br /&gt;
den du für die Manifestation Gottes&lt;br /&gt;
in jeder Sendung hegst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist ein Glaube, der mehr genügt&lt;br /&gt;
als alles, was auf Erden ist,&lt;br /&gt;
während nichts, was auf Erden erschaffen wurde,&lt;br /&gt;
außer dem Glauben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir genügen kann.&lt;br /&gt;
Der Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daläiil-i-Sab’ih&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
64  BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|65|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=35}}BESPRECHUNGEN UND HINWEISE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe statt Gegengewalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christine Hakim: Die Bahá’í — oder der Sieg über die Gewalt, 240 Seiten, Panora-&lt;br /&gt;
ma Verlag, Altstätten 1984. Das französische Original erschien unter dem Titel »Les&lt;br /&gt;
Bahä’is ou victoire sur la violence« 1982 im Verlag Favre, Lausanne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick auf den Umschlag, und man ist&lt;br /&gt;
gewiß: Dies ist ein persönliches Buch,&lt;br /&gt;
ein Buch, das ganz offensichtlich auch&lt;br /&gt;
das Herz ansprechen will, denn es bildet&lt;br /&gt;
groß das Gesicht der Autorin ab: Chri-&lt;br /&gt;
stine Hakim — strahlend, voll Wärme,&lt;br /&gt;
jung, aktiv, aber gleichzeitig eine Güte&lt;br /&gt;
vermittelnd, die man erst nach einem&lt;br /&gt;
lang gereiften Leben erwarten würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liest man nun den Text auf der Um-&lt;br /&gt;
schlagkappe, das Inhaltsverzeichnis&lt;br /&gt;
oder eine Rezension, wie sie am 19. Juli&lt;br /&gt;
dieses Jahres in der Neuen Zürcher Zei-&lt;br /&gt;
tung erschien, so steht dem positiven&lt;br /&gt;
Umschlag ein um so tragischerer Inhalt&lt;br /&gt;
gegenüber: »Die Bahai, die Angehöri-&lt;br /&gt;
gen einer Religionsgemeinschaft, wer-&lt;br /&gt;
den in Iran offensichtlich systematisch&lt;br /&gt;
geächtet, verfolgt und oft auch ermor-&lt;br /&gt;
det... Das Schicksal von Christine Ha-&lt;br /&gt;
kim ist, obwohl sie als Soziologin und&lt;br /&gt;
Ethnologin in der Schweiz lebt, aufs&lt;br /&gt;
engste mit der Tragödie in Iran ver-&lt;br /&gt;
knüpft. Ihr Vater, Professor Manuchihr&lt;br /&gt;
Hakim, war am 12. Januar 1981 in Iran&lt;br /&gt;
als überzeugter Bahai und Arzt ermor-&lt;br /&gt;
det worden...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch sehr schnell löst sich dieser an-&lt;br /&gt;
scheinende Widerspruch durch eine&lt;br /&gt;
Botschaft, die ebenso überrascht wie er-&lt;br /&gt;
greift: Das schuldlose Leiden der Bahá’í&lt;br /&gt;
ruft nicht Haß und Gegengewalt hervor,&lt;br /&gt;
sondern entfacht Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist dieser Geist, der das Buch von&lt;br /&gt;
Christine Hakim auszeichnet: »Wenden&lt;br /&gt;
wir uns, in diesem so kritischen Augen-&lt;br /&gt;
blick unserer Geschichte, an das Herz&lt;br /&gt;
und den Verstand des Menschen, damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er — bevor es zu spät ist — zur Solidari-&lt;br /&gt;
tät der Welt und zur Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit beitrage. Wer wir auch sei-&lt;br /&gt;
en, wir leben auf derselben Erde, und&lt;br /&gt;
wir brauchen einander. Diese Erde —&lt;br /&gt;
auf der alles Leben nur der Widerschein&lt;br /&gt;
unseres Herzens ist. Dieses Herz — so&lt;br /&gt;
weit wie ein Ozean, Schatzkammer so&lt;br /&gt;
vieler Geheimnisse — das allein die&lt;br /&gt;
Macht besitzt, das Antlitz der Welt&lt;br /&gt;
durch die Kraft seiner Liebe zu verwan-&lt;br /&gt;
dein, wenn es ihm gelingt, diese Liebe&lt;br /&gt;
wachsen zu lassen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so sehr dieses Gefühl der univer-&lt;br /&gt;
salen Verbundenheit jede Zeile des Bu-&lt;br /&gt;
ches durchpulst, so sehr ist es auch nach&lt;br /&gt;
intellektuellen Kriterien ein ganz her-&lt;br /&gt;
vorragendes Buch. Mit sprachlicher&lt;br /&gt;
Wärme und wissenschaftlicher Nüch-&lt;br /&gt;
ternheit verfolgt Christine Hakim den&lt;br /&gt;
Pfad des Leidens von den aktuellen Ge-&lt;br /&gt;
schehnissen in der Islamischen Republik&lt;br /&gt;
über die Zeit der Pahlevi-Dynastie bis&lt;br /&gt;
zu den Bábi-Pogromen zurück, um&lt;br /&gt;
von dort die Geschichte einer neuen&lt;br /&gt;
Gottesoffenbarung zu berichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erzählt, wie die Herzen der frühen&lt;br /&gt;
Gläubigen in der neu entdeckten Liebe&lt;br /&gt;
dahinschmolzen, wie geistige Größen&lt;br /&gt;
des Westens mit dem neuen Glauben in&lt;br /&gt;
Berührung kamen, wie selbst jene, die&lt;br /&gt;
nur aus der Ferne beobachten konnten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Botschaft des Bahä’i-Glaubens&lt;br /&gt;
den »Irost der Menschheit« (Gandhi)&lt;br /&gt;
erkannten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erzählt in kurzen Abrissen — viel-&lt;br /&gt;
leicht zum erstenmal dem deutschen Le-&lt;br /&gt;
ser zugänglich — die Geschichte der so-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 65&lt;br /&gt;
{{page|66|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=36}}Völker von Südamerika bis Ostasien&lt;br /&gt;
auf die neue Lehre und neue Ordnung&lt;br /&gt;
reagierten. Peter Spiegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zialen und kulturellen Entwicklung der&lt;br /&gt;
iranischen Bahäi-Gemeinde und be-&lt;br /&gt;
schreibt wie die unterschiedlichsten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stationen politischer Theologie im schiitischen Islam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juan R. Cole: Imami Jurisprudence and the Role of the Ulama: Mortaza Ansari on&lt;br /&gt;
Emulating the Supreme Exemplar, in: NikkiR. Keddie (Hrsg. ), Religion and Politics&lt;br /&gt;
in Iran. Shiism from Quietism to Revolution, Yale University Press, New&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haven/London 1983, 5. 33—46&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der durchschnittliche westliche Beob-&lt;br /&gt;
achter steht den Denkmustern der irani-&lt;br /&gt;
schen Revolution recht hilflos gegen-&lt;br /&gt;
über. Eine ähnliche Fremdheit empfin-&lt;br /&gt;
det der Leser von »Nabils Bericht. Aus&lt;br /&gt;
den frühen Tagen der Bahäi-Offen-&lt;br /&gt;
barung«&#039;; nicht gegenüber dem dort ge-&lt;br /&gt;
schilderten eschatologischen Geschehen&lt;br /&gt;
— dafür bietet die christliche Religion&lt;br /&gt;
genügend Parallelen — aber gegenüber&lt;br /&gt;
dem religiösen Umfeld dieser Ereignis-&lt;br /&gt;
se, dem theologisch-gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Hintergrund, den Nabil als bekannt&lt;br /&gt;
voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe neuerer Publikationen zu&lt;br /&gt;
Geschichte und Denken des schiitischen&lt;br /&gt;
Islam bieten hier einigen Aufschluß.?&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll kurz eine Studie&lt;br /&gt;
vorgestellt werden, deren Gegenstand&lt;br /&gt;
»für die Geschichte des modernen Schi-&lt;br /&gt;
ismus ebenso bedeutsam ist wie der Tri-&lt;br /&gt;
umph päpstlicher Macht auf dem Vati-&lt;br /&gt;
canum I für den modernen Katholizis-&lt;br /&gt;
mus«? und der gleichermaßen die Früh-&lt;br /&gt;
geschichte der Bábi- und Bahäı-&lt;br /&gt;
Religionen wie das derzeitige Gesche-&lt;br /&gt;
hen im Iran beleuchtet. Gemeint ist die&lt;br /&gt;
Entwicklung der Institution des Mujta-&lt;br /&gt;
hid in der imamitischen Schia, eines&lt;br /&gt;
rechtlich-religiösen Amtes, das sich erst&lt;br /&gt;
im 18. und 19. Jahrhundert durchsetzen&lt;br /&gt;
konnte und dessen Funktionen als Vor-&lt;br /&gt;
bild und autoritativer Interpret im be-&lt;br /&gt;
merkenswerten Kontrast zur früheren&lt;br /&gt;
imamitischen Lehre stehen. Zum Zweck&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
66 BAHÄI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieser Besprechung gilt es aber zuvor&lt;br /&gt;
etwas auszuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die westliche Unterscheidung von&lt;br /&gt;
Kirche und Staat, Religion und Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, kennt der Islam nicht. Der&lt;br /&gt;
Qur’än ist Gottes Wort, allumfassende&lt;br /&gt;
Lebensordnung, Wegweiser persönli-&lt;br /&gt;
chen Heils und Grundgesetz der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, ewig und unveränderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Prämisse hat erheblichen Anteil&lt;br /&gt;
an der Glaubensvitalität der muslimi-&lt;br /&gt;
schen Gemeinde, an ihrer bemerkens-&lt;br /&gt;
werten Resistenz gegen Säkularisie-&lt;br /&gt;
rungsbestrebungen. Sie war und ist al-&lt;br /&gt;
lerdings auch der Anlaß für zahlreiche&lt;br /&gt;
interne Konflikte: Jede politisch-soziale&lt;br /&gt;
Veränderung tendiert zum Glaubens-&lt;br /&gt;
streit; abweichende religiöse Anschau-&lt;br /&gt;
ungen werden leicht als Gefahr für die&lt;br /&gt;
politische und gesellschaftliche Ord-&lt;br /&gt;
nung empfunden und entsprechend be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Shoghi Effendi (Hrsg.), Hofheim-Langenhain,&lt;br /&gt;
2 Bde., 1975/1982; Bd. 3 in Vorbereitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Mangol Bayat, Mysticism and Dissent. Sociore-&lt;br /&gt;
ligious Thought in Qajar Iran, New York 1982;&lt;br /&gt;
Edmund Bosworth/Carole Hillenbrand (Hrsg.),&lt;br /&gt;
Qajar Iran. Political, social and cultural change&lt;br /&gt;
1800—1925, Edinburgh 1983; Nikki R. Keddie&lt;br /&gt;
(Hrsg.), Religions and Politics in Iran. Shi’ism&lt;br /&gt;
from Quietism to Revolution, New Haven/&lt;br /&gt;
London 1983; ders., Roots of Revolution. An&lt;br /&gt;
interpretative History of Modern Iran, New&lt;br /&gt;
Haven/London 1981; Abdulaziz Abdulhussein&lt;br /&gt;
Sachedina, Islamic Messianism. The Idea of the&lt;br /&gt;
Mahdi in Twelver Shi’ism, Albany 1981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Juan R. Cole, in: Keddie, Religion, S. 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|67|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=37}}kämpft. Die religiöse Legitimation be-&lt;br /&gt;
günstigte autokratische Herrschaftsfor-&lt;br /&gt;
men; Reformbestrebungen und sachlich&lt;br /&gt;
berechtigte Kritik wurden zu gern als&lt;br /&gt;
häretisch abgetan. Reformbewegungen&lt;br /&gt;
verwandelten sich allzu leicht in gewalt-&lt;br /&gt;
tätige, unduldsame Kreuzzüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Problem wurde sehr früh&lt;br /&gt;
durch zwei Umstände verschärft. Der&lt;br /&gt;
Qur’än bietet keine explizite Methode&lt;br /&gt;
zur Entscheidung von Fragen, die nicht&lt;br /&gt;
ausdrücklich und eindeutig durch sei-&lt;br /&gt;
nen Wortlaut geregelt sind, oder die in&lt;br /&gt;
der Folge eines unausweichlichen gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Wandels entstehen. Viel&lt;br /&gt;
hängt unter dieser Voraussetzung vom&lt;br /&gt;
Führer der Gemeinde ab. Muhammads&lt;br /&gt;
absolute Souveränität als religiöse Au-&lt;br /&gt;
torität und als Staatsmann war fraglos.&lt;br /&gt;
Seine Auslegung, Sein Verhalten, Seine&lt;br /&gt;
Entscheidung waren den Gläubigen&lt;br /&gt;
Maßstab. Aber wer Ihm — undmit wel-&lt;br /&gt;
cher Befugnis — in diesen Funktionen&lt;br /&gt;
nachfolgen sollte, darüber herrschte&lt;br /&gt;
keine Einigkeit. Diese offenen Fragen&lt;br /&gt;
führten zur Ermordung ‘Umars, ‘Uth-&lt;br /&gt;
mäns und Alis, des zweiten, dritten und&lt;br /&gt;
vierten Kalifen, zu Schisma und Bürger-&lt;br /&gt;
krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schiitische Zweig des Islam, die&lt;br /&gt;
Shiat Ali, bietet für diese Probleme&lt;br /&gt;
eine Lösung an, die allerdings von der&lt;br /&gt;
Mehrheit der Muslime nicht akzeptiert&lt;br /&gt;
wird. Nach schiitischer Überzeugung&lt;br /&gt;
hat Muhammad zur Rechtleitung der&lt;br /&gt;
Gemeinde nicht nur den Qur’än hinter-&lt;br /&gt;
lassen, sondern auch Seine Familie als&lt;br /&gt;
Heilsträger. Von dem jeweils vorange-&lt;br /&gt;
gangenen eingesetzt, sollte immer einer&lt;br /&gt;
Seiner Nachkommen als Oberhaupt der&lt;br /&gt;
Gemeinde, als der Imäm, wirken. Der&lt;br /&gt;
Imäm ist politischer Führer und Erklä-&lt;br /&gt;
rer der Gottesworte. Seine Funktion&lt;br /&gt;
umfaßt Auslegung, Anwendung und&lt;br /&gt;
Adaption der Lehren des Qur‘än ent-&lt;br /&gt;
sprechend den jeweiligen Zeiterforder-&lt;br /&gt;
nissen. Ali ibn Abu-Tälib, Muham-&lt;br /&gt;
mads Neffe und Schwiegersohn, war&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Ihm zum ersten Imäm designiert&lt;br /&gt;
worden. Einer Tradition zufolge hatte&lt;br /&gt;
Muhammad erklärt, »Ich bin die Stadt&lt;br /&gt;
des Wissens und Ali ist mein Tor.« Ali&lt;br /&gt;
sollte jedoch erst der vierte Kalif wer-&lt;br /&gt;
den, zu einer Zeit, da sich bereits be-&lt;br /&gt;
trächtlicher sozialer, politischer und re-&lt;br /&gt;
ligiöser Zündstoff angesammelt hatte.&lt;br /&gt;
Zeit seiner Regierung war ‘Ali gezwun-&lt;br /&gt;
gen, um die Einheit und Unversehrtheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gemeinde zu kämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung ‘Alis bemäch-&lt;br /&gt;
tigte sich Mu’äwiyah, sein hartnäckig-&lt;br /&gt;
ster Gegner, des Kalifats und begründe-&lt;br /&gt;
te die Dynastie der Umayyaden.&lt;br /&gt;
Husayn, Sohn Alis und der dritte&lt;br /&gt;
Imäam, weigerte sich, öffentlich auf die&lt;br /&gt;
politisch-religiöse Führerrolle seines&lt;br /&gt;
Amtes zu verzichten und fand dafür im&lt;br /&gt;
Jahre 680 zusammen mit einer kleinen&lt;br /&gt;
Schar von Getreuen den Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Umayyaden war begleitet&lt;br /&gt;
von zahlreichen schiitisch inspirierten&lt;br /&gt;
oder zumindest begründeten Aufstän-&lt;br /&gt;
den sehr unterschiedlicher Sekten und&lt;br /&gt;
Gruppen, was schließlich im Jahre 750&lt;br /&gt;
zur Vernichtung der Dynastie der Um-&lt;br /&gt;
ayyaden führte, allerdings ohne Imamat&lt;br /&gt;
und Kalifat wieder zu versöhnen und&lt;br /&gt;
ohne die Schia (Shiah), die Partei Alis&lt;br /&gt;
und seiner Nachkommen, zum Sieg zu&lt;br /&gt;
führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nötig festzuhalten, daß der Be-&lt;br /&gt;
griff Shiah für eine große Zahl sehr&lt;br /&gt;
unterschiedlicher Sekten steht, die sich&lt;br /&gt;
sowohl theologisch als auch in der je-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weils vertretenen Deszendenzlinie be-&lt;br /&gt;
trächtlich unterscheiden.‘ Hier interes-&lt;br /&gt;
siert uns weiter lediglich die imamiti-&lt;br /&gt;
sche oder Zwölferschia, die heutige&lt;br /&gt;
Staatsreligion des Iran, auf deren Boden&lt;br /&gt;
die Shaykhi-Schule und die Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vgl. W. Montgomery Watt, The Significance of&lt;br /&gt;
the Early Stages of Imami Shi’ism, in: Keddie,&lt;br /&gt;
Religion, S. 21ff; Sachedina, Islamic Messia-&lt;br /&gt;
nism; Tilman Nagel, Staat und Glaubensge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meinschaft im Islam, Bd. 1, Zürich/München&lt;br /&gt;
1981, S. 131ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 67&lt;br /&gt;
{{page|68|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=38}}des Báb und Bahäu’llähs entstanden&lt;br /&gt;
sind. Der Name dieser Richtung ver-&lt;br /&gt;
weist auf die hier vertretene Reihe von&lt;br /&gt;
zwölf als rechtmäßig anerkannten Imä-&lt;br /&gt;
men, deren letzter, Muhammad al&lt;br /&gt;
Mahdi, etwa im Jahre 874 im frühen&lt;br /&gt;
Kindesalter verschwand. Zunächst be-&lt;br /&gt;
anspruchten noch vier seiner Anhänger&lt;br /&gt;
nacheinander als seine Mittler zu wir-&lt;br /&gt;
ken. Im Jahre 940 endete diese Zeit der&lt;br /&gt;
„kleinen Verborgenheit«, der indirekte&lt;br /&gt;
Zugang zum Imäm war verstummt, die&lt;br /&gt;
»große Verborgenheit« hatte begonnen.&lt;br /&gt;
Nach schiitischem Glauben lebte und&lt;br /&gt;
lebt der zwölfte Imäm jedoch in der Ver-&lt;br /&gt;
borgenheit weiter und wird am Ende der&lt;br /&gt;
Zeiten wiederkehren, alle Abtrünnigen&lt;br /&gt;
und Ungläubigen strafen, den wahren&lt;br /&gt;
Glauben wiederherstellen und eine ge-&lt;br /&gt;
rechte Gottesherrschaft errichten.&lt;br /&gt;
Außer ‘Ali hatte keiner der Imäme&lt;br /&gt;
den religiös-politischen Führungsan-&lt;br /&gt;
spruch des Amtes auch nur zeitweise rea-&lt;br /&gt;
lisieren können. Nach dem tragischen&lt;br /&gt;
Ende Husayns, des dritten Imäms, bei&lt;br /&gt;
Karbilä trat keiner der Imäme mehr mit&lt;br /&gt;
diesem Anspruch an die Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
Die aktuellen Machtverhältnisse und&lt;br /&gt;
die andauernde latente Gefährdung des&lt;br /&gt;
Imäms und seiner Gemeinde nötigten zu&lt;br /&gt;
einer quietistischen Haltung. Wahr-&lt;br /&gt;
scheinlich der sechste Imäm, Ja’far as-&lt;br /&gt;
Säadig, führte zum Schutz der Ge-&lt;br /&gt;
meinde die Praxis der tagiyyah ein, der&lt;br /&gt;
Verschleierung der tatsächlichen Glau-&lt;br /&gt;
bensinhalte gegenüber allen, die nicht&lt;br /&gt;
zur Gemeinde gehören: »Fürchtet um&lt;br /&gt;
euere Religion und schützt sie durch&lt;br /&gt;
tagiyyah, denn ohne tagiyyah wird es&lt;br /&gt;
keinen Glauben mehr geben.«° Für die&lt;br /&gt;
verfolgte Minderheit, die ihrem Ober-&lt;br /&gt;
haupt, dem jeweiligen Imäm, uneinge-&lt;br /&gt;
schränkte religiöse Autorität zumaß,&lt;br /&gt;
mußte es allein um den Schutz dieser&lt;br /&gt;
Quelle der Führung und um die interne&lt;br /&gt;
Bewahrung des »wahren Islam« gehen.&lt;br /&gt;
Der politische Anspruch wurde darum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht aufgegeben, seine Realisierung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
68 BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber wurde vertagt. De facto bedeutete&lt;br /&gt;
dies eine Trennung von Religion und&lt;br /&gt;
Staat. Die »große Verborgenheit« und&lt;br /&gt;
damit die endgültige Abwesenheit des&lt;br /&gt;
Imäm stärkte zuerst für lange Zeit diese&lt;br /&gt;
quietistische Tendenz und vertagte je-&lt;br /&gt;
den politischen Anspruch der Schia bis&lt;br /&gt;
zur Wiederkunft des Imam Mahdi. Für&lt;br /&gt;
alle schiitischen Gelehrten dieser Zeit&lt;br /&gt;
wäre die Vorstellung eines schiitischen&lt;br /&gt;
Staats, der in Abwesenheit des Imam&lt;br /&gt;
von den schiitischen Ulamä® geleitet&lt;br /&gt;
wird, eine undenkbare Häresie gewe-&lt;br /&gt;
sen.&lt;br /&gt;
Doch die »große Verborgenheit« be-&lt;br /&gt;
deutete für die Gemeinde einen tiefen&lt;br /&gt;
Einschnitt. Das Amt des Imäm und sei-&lt;br /&gt;
ne inspirierte charismatische Führerrol-&lt;br /&gt;
le hatte die Herausbildung einer eigenen&lt;br /&gt;
schiitischen Rechtsschule und Theolo-&lt;br /&gt;
gie unnötig gemacht. Jetzt war die Ge-&lt;br /&gt;
meinde ihres göttlich inspirierten Füh-&lt;br /&gt;
rers beraubt und völlig unvorbereitet.&lt;br /&gt;
Wie konnten Einheit und Rechtleitung&lt;br /&gt;
der Gemeinde gesichert werden, wenn&lt;br /&gt;
alle Interpretation und Adaption der&lt;br /&gt;
Gesetze des Qur’än und der Traditionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
allein dem Imäm zustand? Wie sollte&lt;br /&gt;
später, als unter den Safaviden und&lt;br /&gt;
und den Qäjären die Schia zur beherr-&lt;br /&gt;
schenden Religion des Landes geworden&lt;br /&gt;
war, ein schittisch orientierter Staat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
funktionieren, wo doch nach ursprüng-&lt;br /&gt;
licher imamitischer Lehre alle zentralen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Zitiert nach Bayat, Mysticism, S. 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Plural von ‘älim = einer, der in hohem Maße die&lt;br /&gt;
Eigenschaft des &#039;ilm (Wissen, Gelehrsamkeit im&lt;br /&gt;
weitesten Sinne) besitzt. Ulamä sind gleicher-&lt;br /&gt;
maßen die Gelehrten des religiösen Rechts, der&lt;br /&gt;
shariah, wie systematisch orientierte Theo-&lt;br /&gt;
logen (im Gegensatz zum Mystiker). Es muß an-&lt;br /&gt;
gemerkt werden, daß der Islam keine Geistli-&lt;br /&gt;
chen im Sinne einer zur Sakramentsverwaltung&lt;br /&gt;
befugten Körperschaft kennt. Allerdings weist&lt;br /&gt;
Cole (S. 43) darauf hin, daß die Ulamä der&lt;br /&gt;
Usüli-Schule (siehe S. 69) durch die strikte&lt;br /&gt;
Trennung in Laien und Religionsexperten, sowie&lt;br /&gt;
deren geistlichen Leitanspruch, der Funktion des&lt;br /&gt;
Geistlichen am nächsten kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|69|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=39}}Aufgaben der Staatslenkung, darunter&lt;br /&gt;
auch das alleinige Recht, den »heiligen&lt;br /&gt;
Krieg« (jihäd) auszurufen und zu füh-&lt;br /&gt;
ren, ausschließlich dem Imäm vorbe-&lt;br /&gt;
halten waren? Wie konnten schiitische&lt;br /&gt;
Geistliche tausend Jahre nach Beginn&lt;br /&gt;
der »großen Verborgenheit« im Iran&lt;br /&gt;
eine klerikal beherrschte Republik eta-&lt;br /&gt;
blieren? Wie konnten sie dort die fakti-&lt;br /&gt;
sche Trennung von Religion und Politik&lt;br /&gt;
rückgängig machen, selber die Staatsge-&lt;br /&gt;
schäfte übernehmen, auch den »heiligen&lt;br /&gt;
Krieg« erklären, und damit zentrale&lt;br /&gt;
Funktionen des Imam Mahdi für sich&lt;br /&gt;
reklamieren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Coles Studie bietet am Beispiel von&lt;br /&gt;
Stellung und Lehre Mortaza Ansaris&lt;br /&gt;
(Murtada Ansäri) einigen Aufschluß&lt;br /&gt;
zu diesen Fragen. Wesentlich für die&lt;br /&gt;
weitere Entwicklung der imamitischen&lt;br /&gt;
Schia war der Sieg der Mujtahidi- oder&lt;br /&gt;
Usüli-Rechtsschule im 18. und 19. Jahr-&lt;br /&gt;
hundert. Charakteristisch für diese&lt;br /&gt;
Schule ist eine strenge Trennung der&lt;br /&gt;
Gläubigen in Laien und Experten des&lt;br /&gt;
religiösen Rechts, die Ulamä und an&lt;br /&gt;
deren Spitze die Mujtahids. Nur wenn&lt;br /&gt;
der Laie dem Vorbild eines lebenden&lt;br /&gt;
Muijtahids folgt, können seine religiö-&lt;br /&gt;
sen Bemühungen (wie Gebet, Fasten&lt;br /&gt;
usw.) Annahme finden. Der Laie hat die&lt;br /&gt;
Pflicht, von allen lebenden Mujtahids&lt;br /&gt;
dem gelehrtesten nachzueifern; um die-&lt;br /&gt;
sen zu finden, muß er jedoch dem Ex-&lt;br /&gt;
pertenrat folgen. Dieser gelehrteste&lt;br /&gt;
Muijtahid ist allen Gläubigen das »erha-&lt;br /&gt;
benste Beispiel«. Damit tritt an die Stelle&lt;br /&gt;
des inspirierten, durch seine Abkunft&lt;br /&gt;
aus der Familie des Propheten ausge-&lt;br /&gt;
zeichneten und von seinem Vorgänger&lt;br /&gt;
designierten Imäm der Experte religiö-&lt;br /&gt;
sen Rechts als unbedingter Führer der&lt;br /&gt;
Gemeinde. Der qualifizierte Gelehrte&lt;br /&gt;
wird vermöge seines Wissens zum Spre-&lt;br /&gt;
cher des Verborgenen Imäm. Dennoch&lt;br /&gt;
bringt die Usüli-Schule keine voll-&lt;br /&gt;
ständige Verrechtlichung des imamiti-&lt;br /&gt;
schen Charismas: Innerhalb der Grup-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
pe der Mujtahids, vor allem für die Füh-&lt;br /&gt;
rungsrolle des »erhabensten Beispiels«,&lt;br /&gt;
gibt es keine formal definierte Hierar-&lt;br /&gt;
chie. Allgemeine Anerkennung durch&lt;br /&gt;
die übrigen Experten definiert die jewei-&lt;br /&gt;
lige Position; der Schlüssel für diese An-&lt;br /&gt;
erkennung ist neben dem Wissen nicht&lt;br /&gt;
zuletzt das persönliche Charisma.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam hatte sich die Institution&lt;br /&gt;
des Mujtahid in der Schia durchgesetzt.&lt;br /&gt;
Die schiitische Tradition wendet sich&lt;br /&gt;
entschieden gegen jede Rechtsfindung&lt;br /&gt;
durch bloße Meinung, egal wie diese be-&lt;br /&gt;
gründet sei. Vom 10. bis zum 13. Jahr-&lt;br /&gt;
hundert lehnten schiitische Gelehrte&lt;br /&gt;
einhellig ijtihäd, die persönliche Rechts-&lt;br /&gt;
findung durch den Experten, und damit&lt;br /&gt;
die Institution des Mujtahid ab. Noch&lt;br /&gt;
die dominierende Rechtsschule des 17.&lt;br /&gt;
und 18. Jahrhunderts, die Akhbäris&lt;br /&gt;
(von akhbär-Tradition), lehnte die In-&lt;br /&gt;
stitution des Mujtahid strikt ab. Nach&lt;br /&gt;
dieser Schule sollten die Gläubigen al-&lt;br /&gt;
lein Muhammad, dem Qur’än und&lt;br /&gt;
den Imämen, nicht aber fehlbaren Muj-&lt;br /&gt;
tahids folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die äußeren Bedingungen des Sie-&lt;br /&gt;
ges der Usüli-Schule müssen wir uns&lt;br /&gt;
wieder anderweitig orientieren.® Im 16.&lt;br /&gt;
Jahrhundert hatten die Safaviden die&lt;br /&gt;
Zwölferschia zur Staatsreligion ge-&lt;br /&gt;
macht. Von ihnen gefördert bildete sich&lt;br /&gt;
eine Schicht geistlicher Rechtsgelehrter&lt;br /&gt;
heraus, mit häufig engen Beziehungen&lt;br /&gt;
zur Krone. Da die safavidischen Herr-&lt;br /&gt;
scher für sich in Anspruch nahmen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Vgl. dazu auch Denis MacEoin, Changes in cha-&lt;br /&gt;
rismatic authority in Qajar Shi’ism, in: Bos-&lt;br /&gt;
worth/Hillenbrand (Hrsg.), Qajar Iran, S. 148ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Vgl. etwa Hamid Algar, Religion and State in&lt;br /&gt;
Iran, 1785—1906: The Role of the Ulama in the&lt;br /&gt;
Qajar Period, Berkeley/Los Angeles 1969; Nikki&lt;br /&gt;
R. Keddie, Einführung zu ders., Religion, S. 5ff;&lt;br /&gt;
ders., Iran und Afghanistan, in: Gustave E. von&lt;br /&gt;
Grunebaum (Hrsg.), Der Islam II, Fischer Welt-&lt;br /&gt;
geschichte Bd. 15, Frankfurt 1971, 5. 160ff; Ked-&lt;br /&gt;
die, Roots; Azar Tabari, The Role of the Clergy&lt;br /&gt;
in Modern Iranian Politics, in: Keddie, Religion,&lt;br /&gt;
S. 47ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|70|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=40}}Stellvertreter des Verborgenen Imam zu&lt;br /&gt;
sein, waren sie gleichzeitig ein religiös-&lt;br /&gt;
politisches Gegengewicht zu diesen&lt;br /&gt;
schiitischen Rechtslehrern. Zur Blüte-&lt;br /&gt;
zeit der Safaviden war darum eine&lt;br /&gt;
unabhängige Stellung der ‘Ulamä nicht&lt;br /&gt;
möglich. Kritik am Herrscher — etwa&lt;br /&gt;
als Hinweis auf die grundsätzliche Ille-&lt;br /&gt;
gitimität aller weltlichen Herrschaft&lt;br /&gt;
während der Abwesenheit des Inam —&lt;br /&gt;
wurde, wenn überhaupt, nur sehr ver-&lt;br /&gt;
halten laut. Doch noch während der&lt;br /&gt;
Safavidenzeit lösten sich die schi-&lt;br /&gt;
itischen ‘Ulamä aus der Abhängigkeit&lt;br /&gt;
von der herrschenden Dynastie. Das 18.&lt;br /&gt;
Jahrhundert brachte indes einschnei-&lt;br /&gt;
dende politische und soziale Umwäl-&lt;br /&gt;
zungen. Nach dem Sturz der Safaviden&lt;br /&gt;
anfangs des 18. Jahrhunderts, in einem&lt;br /&gt;
ihrer Konfession feindlichen Klima sun-&lt;br /&gt;
nitischer Eroberer, nach dem Versuch&lt;br /&gt;
des Nädir Shäh, die Schia als lediglich&lt;br /&gt;
eine fünfte Rechtsschule wieder in den&lt;br /&gt;
sunnitischen Islam einzugliedern, sahen&lt;br /&gt;
sich die schiitischen Ulamä gezwungen,&lt;br /&gt;
aus eigener Kraft den Fortbestand ihrer&lt;br /&gt;
Stellung und Lehre zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft der schiitischen Qä-&lt;br /&gt;
jaren brachte zunächst gegen Ende des&lt;br /&gt;
18. Jahrhunderts eine gewisse Konsoli-&lt;br /&gt;
dierung. Ungleich den Safaviden hat-&lt;br /&gt;
ten die Qäjären selbst keinen religiösen&lt;br /&gt;
Anspruch und suchten nicht, die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Zwölferschia zu beeinflus-&lt;br /&gt;
sen; entsprechend stärker war die Stel-&lt;br /&gt;
lung der selbstbewußt gewordenen&lt;br /&gt;
‘Ulamä. Bald ließen Mißwirtschaft,&lt;br /&gt;
außen- und innenpolitische Schwäche&lt;br /&gt;
wieder ein Machtvakuum entstehen,&lt;br /&gt;
Diese Konstellation bildete eine günsti-&lt;br /&gt;
ge Voraussetzung für die Lehren der&lt;br /&gt;
Usüli-Schule und für die Durchsetzung&lt;br /&gt;
des religiösen Führungsanspruchs der&lt;br /&gt;
Muijtahids.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gestärkten Position entsprach zu-&lt;br /&gt;
nehmend ein verändertes Verhältnis zur&lt;br /&gt;
staatlichen Gewalt. Die Ulamä verfüg-&lt;br /&gt;
ten inzwischen über eigene Verwal-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
70  BAHAT-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tungs- und Steuersysteme, waren finan-&lt;br /&gt;
ziell unabhängig, ihnen oblag die ge-&lt;br /&gt;
samte Rechtsprechung — mit Ausnah-&lt;br /&gt;
me des Strafrechts — und die Versor-&lt;br /&gt;
gung der Armen, sie kontrollierten das&lt;br /&gt;
Bildungswesen und hatten eigene Poli-&lt;br /&gt;
zeitruppen. Zunehmend erwarteten die&lt;br /&gt;
Muijtahids, daß die Herrscher ihrem re-&lt;br /&gt;
ligiösen Expertenrat entsprechen. Im&lt;br /&gt;
Konfliktfall zwischen Mujtahid und&lt;br /&gt;
staatlicher Gewalt hatten die Gläubigen&lt;br /&gt;
ihrem religiösen Führer zu folgen. In&lt;br /&gt;
den Konflikten zwischen politischer Ge-&lt;br /&gt;
walt und religiöser Autorität, vor allem&lt;br /&gt;
in den neunziger Jahren des vorigen und&lt;br /&gt;
der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts&lt;br /&gt;
in diesem Jahrhundert, verstanden sich&lt;br /&gt;
die Ulamä, insbesondere aber die füh-&lt;br /&gt;
renden Muijtahids, als legitime Sachwal-&lt;br /&gt;
ter des göttlichen Rechts, auch in politi-&lt;br /&gt;
schen Fragen. Trotzdem sollte es noch&lt;br /&gt;
bis in die sechziger Jahre unseres Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts dauern, daß sie die politische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrschaft unmittelbar für sich fordern&lt;br /&gt;
würden. Noch Ajatolläh Muhammad&lt;br /&gt;
Husain Näini (gestorben 1936), der&lt;br /&gt;
entschieden für eine tagespolitische Ein-&lt;br /&gt;
flußnahme der ‘Ulamä eintrat, schreck-&lt;br /&gt;
te indes in seinem Kampf um eine isla-&lt;br /&gt;
mische Staatsform — in einem inzwi-&lt;br /&gt;
schen mehr säkular orientierten Ge-&lt;br /&gt;
meinwesen — davor zurück, die Herr-&lt;br /&gt;
schaft unmittelbar für die Spezialisten&lt;br /&gt;
des religiösen Rechts zu reklamieren.’&lt;br /&gt;
Erst für Khomeini sind endgültig die Be-&lt;br /&gt;
fugnisse der Rechtsgelehrten im islami-&lt;br /&gt;
schen Gemeinwesen gleich denen des&lt;br /&gt;
Propheten und der Imäme: »Die Regie-&lt;br /&gt;
rung ist notwendig, und wenn Gott nie-&lt;br /&gt;
manden für die Regierung in der Zeit der&lt;br /&gt;
Entrücktheit bestimmt hat, so hat er&lt;br /&gt;
doch das Charakteristikum der Regie-&lt;br /&gt;
rung, das vom Beginn des Islams bis&lt;br /&gt;
zum Zwölften Imäm vorhanden war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Tilman Nagel, Staat und Glaubensgemein-&lt;br /&gt;
schaft im Islam, Bd. 2, Zürich/München 1981,&lt;br /&gt;
S. 305f&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|71|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=41}}auch für die Zeit nach der Entrückung&lt;br /&gt;
(als verbindlich) festgesetzt. Dieses&lt;br /&gt;
Charakteristikum, nämlich die Kennt-&lt;br /&gt;
nis des göttlichen Gesetzes und die Un-&lt;br /&gt;
bescholtenheit, findet sich in einer un-&lt;br /&gt;
zähligen Menge von Rechtsgelehrten&lt;br /&gt;
unserer Epoche. Wenn diese zusammen-&lt;br /&gt;
kommen, können sie eine Regierung&lt;br /&gt;
umfassender Gerechtigkeit in der Welt&lt;br /&gt;
bilden. Wenn ein fähiger Mann, der die-&lt;br /&gt;
se beiden Charakteristika besitzt, sich&lt;br /&gt;
erhebt und eine Regierung bildet, be-&lt;br /&gt;
sitzt er die gleiche Amtsbefugnis, die der&lt;br /&gt;
Prophet bei der Verwaltung der Ge-&lt;br /&gt;
meinde hatte, und es ist die Pflicht aller&lt;br /&gt;
Menschen, ihm zu gehorchen.«!°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ohne die islamische Republik&lt;br /&gt;
an diesem Anspruch auf umfassende&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit zu messen und abgesehen&lt;br /&gt;
von der grundsätzlichen Skepsis gegen&lt;br /&gt;
die Anmaßung völliger Schuldlosigkeit&lt;br /&gt;
eingedenk Johannes 8,7, muß hier die&lt;br /&gt;
radikale Umwertung der früheren schii-&lt;br /&gt;
tischen Lehre auffallen. An die Stelle der&lt;br /&gt;
transzendenten, verliehenen Sündlosig-&lt;br /&gt;
keit des Imäm tritt die formale Werk-&lt;br /&gt;
und Gesetzesgerechtigkeit des religiösen&lt;br /&gt;
Experten; an die Stelle der Legitimation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorurteils- und Friedensforschung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch Abstammung und Berufung in&lt;br /&gt;
ununterbrochener Linie tritt die Aner-&lt;br /&gt;
kennung durch die gelehrten Kollegen;&lt;br /&gt;
inspirierte Führung, Auslegung und&lt;br /&gt;
Adaption des qur’änischen Gesetzes&lt;br /&gt;
durch den allein dazu legitimierten&lt;br /&gt;
Imam wird abgelöst durch Experten-&lt;br /&gt;
meinung und tagespolitisches Kalkül.&lt;br /&gt;
Trotz allem für den Abendländer ver-&lt;br /&gt;
blüffenden Auflodern religiöser Mas-&lt;br /&gt;
senbegeisterung: Für die religiösen&lt;br /&gt;
Rechtsgelehrten des Iran ist unverkenn-&lt;br /&gt;
bar »religiöser Alltag«, die eschatologi-&lt;br /&gt;
sche Erwartung des Imam Mahdi ist&lt;br /&gt;
dem Bedürfnis nach Etablierung und Si-&lt;br /&gt;
cherung der eigenen klerikalen Macht&lt;br /&gt;
gewichen. Kein Wunder, daß die Bábi&lt;br /&gt;
und Bahäi, die nicht nur an der ur-&lt;br /&gt;
sprünglichen Erwartung und ihren Im-&lt;br /&gt;
plikationen festhalten, sondern sie be-&lt;br /&gt;
reits eingelöst sehen, mit der unversöhn-&lt;br /&gt;
lichen Härte religiös verbrämter ideo-&lt;br /&gt;
logischer Todfeindschaft verfolgt wur-&lt;br /&gt;
den und werden. Ulrich Gollmer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Khomeini, Wilajat-i faqih (Die Herrschaft des&lt;br /&gt;
Rechtsgelehrten), Najaf 1389(1970), S. 62f, zi-&lt;br /&gt;
tiert nach Nagel, Staat, Bd. 2, S. 314&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Internationale Zeitschrift für Friedens- und Vorurteilsforschung, Verlag für interdis-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ziplinäre Forschungen (ViF), Nürnberg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall in der Welt, wo vorurteilslos&lt;br /&gt;
und unparteiisch Gedanken über Frie-&lt;br /&gt;
den und Einheit erörtert und gepflegt&lt;br /&gt;
werden, sind die Bahä’i bemüht, das zu&lt;br /&gt;
unterstützen. Wenn diese Gedanken in&lt;br /&gt;
wissenschaftlicher und neutraler Weise&lt;br /&gt;
geäußert werden, finden sich Bahäi&lt;br /&gt;
immer mehr in dem bestätigt, was in&lt;br /&gt;
den Lehren Bahä’u’llähs zu finden ist&lt;br /&gt;
und zum Kernthema der Bahá’í-Religion&lt;br /&gt;
gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi wissen sehr wohl, daß al-&lt;br /&gt;
len wissenschaftlichen Erörterungen die&lt;br /&gt;
göttliche Weisheit und Segenskraft von&lt;br /&gt;
Offenbarungstexten fehlt. Doch der Of-&lt;br /&gt;
fenbarer selbst und ‘Abdu’l-Bahá haben&lt;br /&gt;
unmißverständlich zu erkennen gege-&lt;br /&gt;
ben, daß gute und ernsthafte Bemühun-&lt;br /&gt;
gen geschätzt und unterstützt werden&lt;br /&gt;
sollen. In der Bundesrepublik Deutsch-&lt;br /&gt;
land gehört die Internationale Gesell-&lt;br /&gt;
schaft für Vorurteils- und Friedensfor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984 7]&lt;br /&gt;
{{page|72|file=Baha&#039;i_Briefe_48.pdf|page=42}}schung eV. (IASP — International&lt;br /&gt;
Association for the Study of Peace and&lt;br /&gt;
Prejudice Inc. Assoc.) zur Zeit zu den&lt;br /&gt;
wenigen Institutionen, die in Zielset-&lt;br /&gt;
zung und Finanzierung völlig unabhän-&lt;br /&gt;
gig und neutral die Vorurteils- und Frie-&lt;br /&gt;
densforschung betreiben kann. Sie wur-&lt;br /&gt;
de 1980 von über 70 Wissenschaftlern&lt;br /&gt;
sehr unterschiedlicher Fachgebiete aus&lt;br /&gt;
25 Ländern gegründet. Sie arbeitet rein&lt;br /&gt;
wissenschaftlich und ist durch die Sat-&lt;br /&gt;
zung zu politischer und weltanschau-&lt;br /&gt;
licher Neutralität verpflichtet. Das&lt;br /&gt;
Sprachrohr der Gesellschaft ist die »In-&lt;br /&gt;
ternationale Zeitschrift für Friedens-&lt;br /&gt;
und Vorurteilsforschung«. Die Texte&lt;br /&gt;
sind in Deutsch und Englisch. Die sat-&lt;br /&gt;
zungsgemäßen Ziele sind: 1. Bestehende&lt;br /&gt;
Vorurteile in der Welt durch empirische&lt;br /&gt;
Untersuchungen zu erforschen; 2. Kon-&lt;br /&gt;
zepte auf wissenschaftlicher Basis zu&lt;br /&gt;
erarbeiten, die zum Abbau von Vorur-&lt;br /&gt;
teilen geeignet sind; 3. einen Beitrag zur&lt;br /&gt;
Erreichung des Weltfriedens zu leisten;&lt;br /&gt;
4. Förderung der Zusammenarbeit und&lt;br /&gt;
des Meinungsaustausches von Wissen-&lt;br /&gt;
schaftlern, die bereits auf dem Gebiet&lt;br /&gt;
der Vorurteils- und Friedensforschung&lt;br /&gt;
tätig sind; 5. allen Interessierten die&lt;br /&gt;
Möglichkeit zu bieten, sich durch Semi-&lt;br /&gt;
nare und Publikationen über den neue-&lt;br /&gt;
sten Stand der theoretischen und ange-&lt;br /&gt;
wandten Vorurteils- und Friedensfor-&lt;br /&gt;
schung zu informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Mitbegründern der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft und der Zeitschrift zählt auch der&lt;br /&gt;
bekannte amerikanische Gelehrte Prof.&lt;br /&gt;
Jordan, der vielen Bahá’í durch zahlrei-&lt;br /&gt;
che erziehungswissenschaftliche Arbei-&lt;br /&gt;
ten und Modelle — z.B. das ANISA-&lt;br /&gt;
Modell — bekannt geworden ist. Nach&lt;br /&gt;
seinem tragischen Tod wurde das Leben&lt;br /&gt;
und die Leistung dieses bedeutenden&lt;br /&gt;
Bahä&#039; schon in der ersten Nummer die-&lt;br /&gt;
ser Zeitschrift gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber der Zeitschrift ist Dr.&lt;br /&gt;
Badi Panahi. Er beschreibt auch in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einführungsnummer 1/1983, wie tief-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
72 BAHATI-BRIEFE 48 NOVEMBER 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verwurzelte rassische, nationale, religi-&lt;br /&gt;
öse, politische und wirtschaftliche Vor-&lt;br /&gt;
urteile die meisten Krankheiten und&lt;br /&gt;
Kriege der menschlichen Gesellschaft&lt;br /&gt;
verursacht haben. Die auf sorgfältigen&lt;br /&gt;
Befragungen beruhenden Aussagen zei-&lt;br /&gt;
gen einige wichtige Zusammenhänge&lt;br /&gt;
auf: Menschen mit Vorurteilen lehnen&lt;br /&gt;
nicht nur die Möglichkeit der Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit oder des Weltfriedens&lt;br /&gt;
ab, sondern neigen auch dazu, Kriege&lt;br /&gt;
für unausweichlich zu halten. Jede Form&lt;br /&gt;
von Zwist und Krieg beginnt in den&lt;br /&gt;
Köpfen der Menschen und ist keine Na-&lt;br /&gt;
turnotwendigkeit. Trotz der bestehen-&lt;br /&gt;
den Probleme gibt es, so Panahi, einen&lt;br /&gt;
unaufhaltsamen Weg zu einer neuen&lt;br /&gt;
Weltordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem weiteren Artikel der ersten&lt;br /&gt;
Nummer wird das menschliche Sozial-&lt;br /&gt;
verhalten analysiert und festgestellt,&lt;br /&gt;
daß ein Leben ohne Konfrontation und&lt;br /&gt;
Aggression möglich ist. In einem Aufruf&lt;br /&gt;
an die Regierungen der Welt wird dazu&lt;br /&gt;
aufgefordert, alles zu tun, um die beste-&lt;br /&gt;
henden Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der demnächst erscheinenden&lt;br /&gt;
zweiten Nummer werden folgende The-&lt;br /&gt;
men behandelt: Prof. Dr. Jahn, Univer-&lt;br /&gt;
sität Speyer: Kann der Mensch verbes-&lt;br /&gt;
sert werden?; Dr. Panahi: Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit oder permanenter Krieg;&lt;br /&gt;
Prof. Dr. Windisch, Universität Genf:&lt;br /&gt;
Tiefere Struktur der Fremdenfeindlich-&lt;br /&gt;
keit; Dr. Bostock, Universität Tasmania&lt;br /&gt;
(Australien): Vorurteile über die austra-&lt;br /&gt;
lischen Ureinwohner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisher erkennbare Linie der Zeit-&lt;br /&gt;
schrift erscheint doch sehr ermutigend&lt;br /&gt;
positiv, eine Eigenschaft, die gerade&lt;br /&gt;
Bahäi begrüßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adolf Kärcher&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_47/Text&amp;diff=75344</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 47/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:11:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|-1|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=1}}{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VORWORT&lt;br /&gt;
ZIELSETZUNG DER NEUEN FOLGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JACQUES CHOULEUR&lt;br /&gt;
DER BAHÄT-GLAUBE: WELTRELIGION DER ZUKUNFT?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PETER MÜHLSCHLEGEL&lt;br /&gt;
DER FETISCH SOUVERÄNITÄT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTOPHER SPRUNG&lt;br /&gt;
BAHÄT-HAUS DER ANDACHT 1964-1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BUCHBESPRECHUNG&lt;br /&gt;
{{page|0|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Briefe wollen eine intensive Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung mit den Lehren und der&lt;br /&gt;
Geschichte der Bahá’í-Religion fördern und&lt;br /&gt;
zu einem Dialog mit allen beitragen, die sich&lt;br /&gt;
auf der Grundlage zeitgemäßen religiösen&lt;br /&gt;
Denkens aufrichtig um die Lösung der Welt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAI-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 47, April 1984&lt;br /&gt;
13. Jahrgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inhalt&lt;br /&gt;
Zum Geleit 2&lt;br /&gt;
Jacques Chouleur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Glaube:&lt;br /&gt;
Weltreligion der Zukunft? 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fetisch Souveränität 15&lt;br /&gt;
Christopher Sprung&lt;br /&gt;
Bahä’i-Haus der Andacht&lt;br /&gt;
1964—1984 21&lt;br /&gt;
Buchbesprechung 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber: Der Nationale Geistige Rat der Baha’i in Deutschland e.V.,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain. Redaktion: Dr. Klaus Franken, Ulrich Gollmer, Chri-&lt;br /&gt;
stopher Sprung. Redaktionsanschrift: Bahä’i-Briefe, Redaktion, Eppsteiner&lt;br /&gt;
Straße 89, D-6238 Hofheim-6. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen&lt;br /&gt;
nicht notwendig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers dar.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Briefe erscheinen halbjährlich. Abonnementpreis für vier Aus-&lt;br /&gt;
gaben 20, DM. Einzelpreis 6;- DM. Vertrieb und Bestellungen: Bahá’í-&lt;br /&gt;
Verlag, Eppsteiner Straße 89, D-6238 Hofheim-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH. ISSN 0005-3945&lt;br /&gt;
{{page|1|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=3}}AN UNSERE LESER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Befaßt euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und&lt;br /&gt;
legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und&lt;br /&gt;
Forderungen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Bestreben, ein besseres Verständnis für die Bedeutung der über-&lt;br /&gt;
wältigenden Offenbarung Baha’u’llähs zu erlangen, muß nach meiner&lt;br /&gt;
unumstößlichen Überzeugung immer erste Pflicht und Ziel des unab-&lt;br /&gt;
lässigen Bemühens eines jeden ihrer getreuen Jünger bleiben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zitate umreißen die Zielsetzung dieser Zeitschrift: Sie soll den&lt;br /&gt;
Dialog der Bahá’í nach innen und nach außen fördern, zu einer durch-&lt;br /&gt;
dachten Glaubensüberzeugung beitragen und Lösungsmuster für die&lt;br /&gt;
drängenden Weltprobleme entwickeln helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausgeber der Bahá’í-Briefe ist der Nationale Geistige Rat, das&lt;br /&gt;
Führungsgremium der deutschen Bahä’i-Gemeinde. In seinem Geleit-&lt;br /&gt;
wort benennt er diese Aufgabenstellung, die einem historisch gewach-&lt;br /&gt;
senen Bedürfnis der Bahá’í-Gemeinde entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artikel dieser Nummer sind entsprechend ausgewählt: Der Bei-&lt;br /&gt;
trag von Jacques Chouleur, er ist Professor an der Universität Avignon&lt;br /&gt;
und kein Bahä’i, wirft — bei aller Sympathie — kritische Fragen auf,&lt;br /&gt;
denen wir Bahä’i uns stellen müssen. Peter Mühlschlegel greift in eigen-&lt;br /&gt;
ständiger Weise ein Zentralproblem unserer Zeit auf, das Spannungs-&lt;br /&gt;
verhältnis zwischen nationaler Souveränität und globaler Verflech-&lt;br /&gt;
tung und Verantwortung. Die beiden weiteren Beiträge sind in gewisser&lt;br /&gt;
Weise komplementär: ein Kapitel deutscher Bahä’i-Geschichte und&lt;br /&gt;
zugleich Selbstdarstellung der Bahä’i-Gemeinde nach außen (Bahäf-&lt;br /&gt;
Haus der Andacht 1964 bis 1984); dazu ein knapper Literaturbericht&lt;br /&gt;
über die Bahä’i-Religion im Spiegel theologischer Lexika — Reflexion&lt;br /&gt;
auf die Fremdeinschätzung dieses Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion ist bestrebt, dieser Zielsetzung auch in künftigen&lt;br /&gt;
Ausgaben durch vielfältige Beiträge gerecht zu werden. Weitere Buch-&lt;br /&gt;
besprechungen und ein ständiges Leserforum sind ebenfalls vorge-&lt;br /&gt;
sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984 1&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=4}}ZUM GELEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem erneuten Erscheinen der Baha’i-Briefe wird nach einer Pause&lt;br /&gt;
von dreizehn Jahren an eine jahrzehntealte Tradition deutschsprachi-&lt;br /&gt;
ger Bahä’i-Zeitschriften angeknüpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im März des Jahres 1921 erschien, einer Anregung Abdu-&lt;br /&gt;
Bahäs folgend, die erste deutsche Bahäi-Zeitschrift, die Sonne der&lt;br /&gt;
Wahrheit. In dieser frühen Entwicklungsphase der deutschen Bahäi-&lt;br /&gt;
Gemeinde war deren hauptsächliches Ziel, das Schriftgut des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens in deutscher Übersetzung zugänglich zu machen und die&lt;br /&gt;
Verbindung zwischen den Bahäi zu fördern, was durch das Ein-&lt;br /&gt;
beziehen von Beiträgen in Englisch und Esperanto sogar über den&lt;br /&gt;
deutschen Sprachraum hinaus gelang. Bis zum Verbot des Bahäfi-&lt;br /&gt;
Glaubens durch das NS-Regime erreichte die Sonne der Wahrheit&lt;br /&gt;
siebzehn Jahrgänge. Nach Kriegsende wurde sie wiederum einige Jahre&lt;br /&gt;
herausgegeben und hat einen kleinen Ersatz für die in den Bücher-&lt;br /&gt;
verbrennungen des Dritten Reiches vernichtete Bahä&#039;-Literatur ge-&lt;br /&gt;
schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1964 wurde die Sonne der Wahrheit in die Zeitschrift&lt;br /&gt;
Baha’i-Briefe umgestaltet. Das damalige Motto der Baha&#039;i-Briefe »Blät-&lt;br /&gt;
ter für Weltreligion und Weltbewußtsein« umreißt auch die Zielset-&lt;br /&gt;
zung dieser neuen Folge: beizutragen zu einem religiös fundierten Ver-&lt;br /&gt;
ständnis der notwendigen Einheit aller Völker und Nationen. Der Fort-&lt;br /&gt;
schrittsoptimismus der sechziger Jahre ist inzwischen allerdings&lt;br /&gt;
allgemeiner Besorgnis gewichen. Die Sinnkrise der Menschen und&lt;br /&gt;
Völker, der desolate Zustand der Weltwirtschaft, Hunger, Rohstoff-&lt;br /&gt;
und Energieknappheit, Überbevölkerung, Umweltverseuchung — um&lt;br /&gt;
nur einige Problemkreise zu nennen — konnten nicht bewältigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2  BAHÄI-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|3|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=5}}werden. Die Rüstungsspirale dreht sich weiter. Das Scheitern aller&lt;br /&gt;
partiellen Lösungsversuche schreit geradezu nach einem umfassenden&lt;br /&gt;
geistigen Neuansatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Durchdenken der Weltprobleme, der Situation des Einzel-&lt;br /&gt;
menschen und seiner Beziehung zur Gemeinschaft, zur Bedeutung&lt;br /&gt;
geistiger und materieller Kräfte für den Menschen, zum Sinn des&lt;br /&gt;
Lebens und dem Kulturziel der Menschheit und zu weiteren weltweit&lt;br /&gt;
interessanten Themenkreisen wollen die Baha&#039;i-Briefe Beiträge auf der&lt;br /&gt;
Grundlage der vielseitigen Bahä’i-Lehren vorlegen. Gegeben sein soll&lt;br /&gt;
ein Forum für den Dialog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Absicht wenden sich die Bahd’i-Briefe an alle, denen die&lt;br /&gt;
Suche nach einem Zusammenhang zwischen ihrer Welterfahrung,&lt;br /&gt;
zeitgenössischem Denken und zeitgemäßen religiösen Lehren ein&lt;br /&gt;
Anliegen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’i in Deutschland e.V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 47 APRIL 1984 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=6}}Jacques Chouleur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BAHÄTI-GLAUBE:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION DER ZUKUNFT?”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einem Planeten, den Autobahnen,&lt;br /&gt;
Flugzeuge, Fernsehen und Nachrichten-&lt;br /&gt;
satelliten in den letzten Jahrzehnten be-&lt;br /&gt;
trächtlich haben schrumpfen lassen,&lt;br /&gt;
muß sich das Problem einer universel-&lt;br /&gt;
len Religion für die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
früher oder später zwangsläufig stellen.&lt;br /&gt;
Gewiß, viele Menschen und philosophi-&lt;br /&gt;
sche Richtungen verneinen die Notwen-&lt;br /&gt;
digkeit, ja sogar die Nützlichkeit jeg-&lt;br /&gt;
licher Religion, und das trübe Bild, das&lt;br /&gt;
die großen überlieferten Glaubensrich-&lt;br /&gt;
tungen heute abgeben, kann ein solches&lt;br /&gt;
Urteil nur bestärken. Besonders das&lt;br /&gt;
Christentum macht immer mehr den&lt;br /&gt;
Eindruck, an das Ende seiner geschicht-&lt;br /&gt;
lichen Wirkungskraft gekommen zu&lt;br /&gt;
sein, die »Altersgrenze« erreicht zu&lt;br /&gt;
haben, nach der sich jede Bewegung in&lt;br /&gt;
vergeblichem Andenken an vergange-&lt;br /&gt;
nen Ruhm oder in nicht weniger vergeb-&lt;br /&gt;
lichen Verjüngungs- und Wiederbele-&lt;br /&gt;
bungskuren erschöpft. Die ökumeni-&lt;br /&gt;
sche Bewegung, so lobenswert sie auch&lt;br /&gt;
sein mag, reift nur langsam. Überhaupt&lt;br /&gt;
kann man sich mit Recht fragen, ob die&lt;br /&gt;
Addition von Schwächen jemals eine er-&lt;br /&gt;
neuernde, wiederbelebende Kraft erge-&lt;br /&gt;
ben wird. Andererseits scheint das Be-&lt;br /&gt;
dürfnis nach einer Religion, nach geisti-&lt;br /&gt;
ger Nahrung bei den Menschen ebenso&lt;br /&gt;
fundamental und ewig zu sein wie das&lt;br /&gt;
nach Luft, Wasser, Brot und Sonne. Es&lt;br /&gt;
gibt sicherlich etwas »Religiöses« in den&lt;br /&gt;
atheistischen und humanistischen Phi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
losophien, den Fortschritts- und Ersatz-&lt;br /&gt;
religionen. Sie fordern von ihren An-&lt;br /&gt;
hängern einen reinen, festen Glauben,&lt;br /&gt;
wie ihn die abendländische Konsumge-&lt;br /&gt;
sellschaft offenbar nicht hervorbringen&lt;br /&gt;
kann. Auch sie erheben die Suche nach&lt;br /&gt;
einer gerechten brüderlichen Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion zu ihrem Ethos. Es gibt jedoch keine&lt;br /&gt;
wahre Brüderlichkeit ohne gemeinsame&lt;br /&gt;
Vaterschaft, hätte Monsieur de la Palice&lt;br /&gt;
gesagt, und gerade das Fehlen dieses ge-&lt;br /&gt;
meinsamen Vaters ist es, was die Struk-&lt;br /&gt;
turen der humanistischen Familie ge-&lt;br /&gt;
fährdet. Die Religionen geben allen&lt;br /&gt;
Menschen eine wirkliche Brüderlich-&lt;br /&gt;
keit, die auf der Annahme eines gemein-&lt;br /&gt;
samen Vaters beruht, ganz gleich, ob&lt;br /&gt;
man ihn Jehova oder Allah oder mit&lt;br /&gt;
einem anderen Namen anruft. Die naiv-&lt;br /&gt;
modernistischen Kirchen, die sich be-&lt;br /&gt;
mühen, diese »vertikale Dimension« zu&lt;br /&gt;
verniedlichen, um nur die horizontale&lt;br /&gt;
des Dienstes am Nächsten zu behalten,&lt;br /&gt;
scheitern an dem verhängnisvollen&lt;br /&gt;
Widerspruch einer Brüderlichkeit ohne&lt;br /&gt;
gemeinsamer Vaterschaft. Sie entledi-&lt;br /&gt;
gen sich ihrer Kompetenzen und ihrer&lt;br /&gt;
heiligen Merkmale, sie würdigen die&lt;br /&gt;
Religion auf die Stufe der Politik herab,&lt;br /&gt;
die kirchliche Gemeinschaft auf die&lt;br /&gt;
eines Wohltätigkeitsvereins, einer Ge-&lt;br /&gt;
werkschaft oder Partei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist übrigens offensichtlich, daß es&lt;br /&gt;
der Ökumene nicht gelingen wird, die&lt;br /&gt;
verschiedenen Kirchen zu einer einzigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dieser Beitrag erschien erstmals unter dem Titel La Foi Mondiale Bahalie: Religion&lt;br /&gt;
Planetaire de l’Avenir? in den Annales Universitaires, Avignon, 1. Jahrgang, Nr. 2,&lt;br /&gt;
1975. Der Verfasser ist Professor an der Universität Avignon, Faculte des Lettres et&lt;br /&gt;
Sciences Humaines. Die Übersetzung aus dem Französischen besorgte Yasmin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schaefer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=7}}Organisation zu verschmelzen. Jede&lt;br /&gt;
Organisation, wie sehr sie sich auch im&lt;br /&gt;
Zerfall befindet, wie verbraucht sie&lt;br /&gt;
auch sein mag, neigt von Natur aus da-&lt;br /&gt;
zu, in ihrem Sein bestehen zu bleiben&lt;br /&gt;
und sich in ihrer Identität zu verkramp-&lt;br /&gt;
fen. Auch leuchtet ein, daß eine vage&lt;br /&gt;
Verbindung von Konfessionen, die&lt;br /&gt;
durch ihre theologischen Ansichten,&lt;br /&gt;
ihre kulturellen Traditionen, ihre Ge-&lt;br /&gt;
schichte bis heute auseinanderführende&lt;br /&gt;
Wege eingeschlagen haben, nicht eine&lt;br /&gt;
wahre universale Religion ersetzen&lt;br /&gt;
kann, eine Religion, die eine neue Kul-&lt;br /&gt;
tur planetarischer Dimension schaffen&lt;br /&gt;
könnte. Schließlich liegt es auf der&lt;br /&gt;
Hand, daß keine der heutigen großen&lt;br /&gt;
Religionen in der Lage ist, alle anderen&lt;br /&gt;
in sich aufzunehmen. Juden, Christen,&lt;br /&gt;
Muslime, Hindus und Buddhisten blei-&lt;br /&gt;
ben ihrem jeweiligen Milieu verhaftet,&lt;br /&gt;
weil die anderen zu geringe Anziehungs-&lt;br /&gt;
kraft für eine Konversion, die zugleich&lt;br /&gt;
Verrat wäre, ausüben. Viel mehr als nur&lt;br /&gt;
in der Vereinigung oder Verschmelzung&lt;br /&gt;
der bestehenden Kirchen muß die Ent-&lt;br /&gt;
stehung einer etwaigen planetarischen&lt;br /&gt;
Religion in der dynamischen Teilnahme&lt;br /&gt;
an einem wirklich neuen Konzept ge-&lt;br /&gt;
sucht werden. Sagt nicht selbst das&lt;br /&gt;
Evangelium, daß die alten Schläuche&lt;br /&gt;
kaum für den neuen Wein taugen?&lt;br /&gt;
Aber existiert diese Religion der Zu-&lt;br /&gt;
kunft, diese Religion für alle Männer&lt;br /&gt;
und Frauen von morgen denn schon?&lt;br /&gt;
Wenn dies der Fall ist und wenn es sich,&lt;br /&gt;
wie gesagt, nicht um eine der vorhande-&lt;br /&gt;
nen Großorganisationen handeln kann&lt;br /&gt;
— welche lebendige Minderheit wäre&lt;br /&gt;
denn fähig, deren Ablösung zu über-&lt;br /&gt;
nehmen? Unser Zeitalter ist gekenn-&lt;br /&gt;
zeichnet durch ein erstaunliches Ge-&lt;br /&gt;
wimmel von Sekten aller Art. Einige wie&lt;br /&gt;
die Sieben-Tage-Adventisten oder Jeho-&lt;br /&gt;
vas Zeugen haben ihre Wurzeln in dem&lt;br /&gt;
anglo-amerikanischen biblischen Fun-&lt;br /&gt;
damentalismus des 19. Jahrhunderts,&lt;br /&gt;
und es ist offensichtlich, daß ihr enger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchstabenglaube, ihr puritanisches&lt;br /&gt;
Erbe, ihre fast mittelalterliche Welt-&lt;br /&gt;
anschauung sie nicht zu einer geistigen&lt;br /&gt;
Eroberung unseres Planeten befähigen,&lt;br /&gt;
wie groß im übrigen ihre Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und der missionarische Eifer ihrer&lt;br /&gt;
Anhänger sein mag. Andere aus dem&lt;br /&gt;
Christentum hervorgegangene Abspal-&lt;br /&gt;
tungen, wie der Swedenborgianismus&lt;br /&gt;
oder die Christliche Wissenschaft er-&lt;br /&gt;
scheinen a priori besser dazu qualifi-&lt;br /&gt;
ziert, weil sie auf einem höheren intel-&lt;br /&gt;
lektuellen Niveau stehen und eine ratio-&lt;br /&gt;
nale Erklärung unseres Universums an-&lt;br /&gt;
bieten; aber ihr Bekehrungseifer ist fast&lt;br /&gt;
gleich Null. Die Mormonen, zahlreich,&lt;br /&gt;
modern, dynamisch, straff organisiert,&lt;br /&gt;
mit eindrucksvollen finanziellen Hilfs-&lt;br /&gt;
quellen versehen und von unbegrenz-&lt;br /&gt;
tem Expansionsdrang bewegt, scheinen&lt;br /&gt;
fähig, sich in vielen Ländern durchzu-&lt;br /&gt;
setzen. Was zu ihren Gunsten spricht, ist&lt;br /&gt;
die Lehre von der immerwährenden Ein-&lt;br /&gt;
heit der Ehepartner und der Familie als&lt;br /&gt;
Zelle, vom ewigen Fortschritt der Seelen&lt;br /&gt;
der Gerechten, der in einer wahrhaft&lt;br /&gt;
göttlichen Stellung im Jenseits endet,&lt;br /&gt;
was die Menschen nicht davon entbin-&lt;br /&gt;
det, hier auf Erden danach zu streben,&lt;br /&gt;
das Neue Jerusalem der Redlichkeit, des&lt;br /&gt;
Lichtes und der Gerechtigkeit zu bauen,&lt;br /&gt;
von dem die alten Propheten träumten.&lt;br /&gt;
Gegen sie spricht der biblische Funda-&lt;br /&gt;
mentalismus, verstärkt noch durch das&lt;br /&gt;
Vorhandensein zusätzlicher, aus-&lt;br /&gt;
schließlich mormonischer Schriften&lt;br /&gt;
zweifelhafter Herkunft, die Glaubens-&lt;br /&gt;
bindung an reichlich problematische&lt;br /&gt;
Visionen und Offenbarungen der Kir-&lt;br /&gt;
chenführer, das Schreckgespenst einer&lt;br /&gt;
kraftstrotzenden Theokratie, und sicher&lt;br /&gt;
auch der allzu deutlich yankeehafte&lt;br /&gt;
Charakter dieser Phalanx der Heiligen&lt;br /&gt;
der letzten Tage. Was die zahlreichen&lt;br /&gt;
aus Indien oder dem Fernen Östen im-&lt;br /&gt;
portierten religiösen Strömungen an-&lt;br /&gt;
langt, von der Soka Gakkai bis zur&lt;br /&gt;
Transzendentalen Meditation des Ma-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;T-BRIEFE 47 APRIL 1984 5&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=8}}harishi Mahesh Yogi, vom Zen-Bud-&lt;br /&gt;
dhismus bis zum »Göttlichen Licht« des&lt;br /&gt;
halbwüchsigen, steinreichen, paus-&lt;br /&gt;
bäckigen Guru Maharaj Ji, so unter-&lt;br /&gt;
scheiden sie sich beträchtlich in der tat-&lt;br /&gt;
sächlichen oder mangelnden Ernst-&lt;br /&gt;
haftigkeit, die sie kennzeichnet. Alle&lt;br /&gt;
sind jedoch zu sehr Gefangene einer be-&lt;br /&gt;
sonderen Kultur, einer nationalen oder&lt;br /&gt;
regionalen Folklore als daß sie Univer-&lt;br /&gt;
salität beanspruchen könnten. Welchen&lt;br /&gt;
Abendländer wird man glauben ma-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chen, daß man sich den Schädel rasie-&lt;br /&gt;
ren, dabei ein langes Haarbüschel auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Hinterkopf stehen lassen muß, daß&lt;br /&gt;
man safrangelbe Gewänder anlegen und&lt;br /&gt;
endlos »Hare Krishna, Hare Rama« vor&lt;br /&gt;
sich hinleiern und gleichzeitig eine&lt;br /&gt;
Trommel schlagen und Glöckchen zum&lt;br /&gt;
Klingen bringen muß, um das ewige&lt;br /&gt;
Leben zu gewinnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine »neue« Religion, die Bahäfi-&lt;br /&gt;
Religion, scheint mir dagegen in dem&lt;br /&gt;
Wettbewerb um die Stellung als Univer-&lt;br /&gt;
salreligion der Zukunft sehr gut dazu-&lt;br /&gt;
stehen. Das Wort Religion ist übrigens&lt;br /&gt;
nicht ganz exakt in diesem Fall, weil die&lt;br /&gt;
Verantwortlichen dieser Bewegung ihm&lt;br /&gt;
den Begriff des Glaubens vorziehen, der&lt;br /&gt;
weniger exklusiv und dynamischer ist.&lt;br /&gt;
Bahä’i werden heißt auf keinen Fall, sich&lt;br /&gt;
von seiner bisherigen Religion loszusa-&lt;br /&gt;
gen. Im Gegenteil, die Bahá’í gründen&lt;br /&gt;
ihre ganze Philosophie auf das Prinzip&lt;br /&gt;
der Wahrheit und grundsätzlichen&lt;br /&gt;
Übereinstimmung aller Religionen. Es&lt;br /&gt;
handelt sich nicht einfach um »lole-&lt;br /&gt;
ranz«, sondern um eine wohlbedachte&lt;br /&gt;
Anerkennung des göttlichen Charakters&lt;br /&gt;
der Inspiration, die sich in Synagogen,&lt;br /&gt;
Kirchen, Kapellen, Moscheen, Pagoden&lt;br /&gt;
an allen Enden der Welt gleichermaßen&lt;br /&gt;
manifestiert. Für die Bahá’í gibt es nur&lt;br /&gt;
eine Religion, weil es nur einen Gott und&lt;br /&gt;
nur eine Menschheit gibt. Dem Hindu,&lt;br /&gt;
dem Buddhisten, dem Anhänger Zara-&lt;br /&gt;
thustras, dem Juden, dem Christen, dem&lt;br /&gt;
Moslem sagt der Bahäi nicht: »Eure&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp; BAHÄ’T-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion ist falsch, unsere ist richtig; wir&lt;br /&gt;
müssen euch bekehren!« Er sagt ihnen:&lt;br /&gt;
»Eure Religion ist wahr, zumindest in&lt;br /&gt;
ihrem Kern und in ihrer ursprünglichen&lt;br /&gt;
Form, aber sie ist jetzt überholt. Sie war&lt;br /&gt;
gültig für einen Stamm, ein Volk, eine&lt;br /&gt;
Kulturgemeinschaft, in einem bestimm-&lt;br /&gt;
ten kulturellen Zusammenhang und zu&lt;br /&gt;
einem bestimmten Zeitpunkt der Ge-&lt;br /&gt;
schichte, aber jetzt müssen wir die Bar-&lt;br /&gt;
rieren niederreißen, um zu einem globa-&lt;br /&gt;
len Verständnis der zugrundeliegenden&lt;br /&gt;
Einheit zu gelangen. Eure Religion ist&lt;br /&gt;
wahr, aber sie ist nicht die einzig wahre.&lt;br /&gt;
Sie gibt nur einen Teil der Wahrheit wie-&lt;br /&gt;
der, und diese Wahrheit gilt nur für ei-&lt;br /&gt;
nen bestimmten Zeitraum der Geschich-&lt;br /&gt;
te der Kulturen. Schaut über die vorge-&lt;br /&gt;
faßten Meinungen und die Grenzen hin-&lt;br /&gt;
weg! Blickt über das gegenwärtige Jahr-&lt;br /&gt;
hundert hinaus! Baut mit uns die plane-&lt;br /&gt;
tarische Religion auf, die Religion der&lt;br /&gt;
ganzen Menschheit, die Religion unse-&lt;br /&gt;
rer Zeit und der Zukunft.« Zu einer Er-&lt;br /&gt;
weiterung unseres religiösen Horizon-&lt;br /&gt;
tes, nicht zu einem Abtrünnigwerden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ruft uns der Bahä’i-Glaube auf.&lt;br /&gt;
Wie wir bald sehen werden, hat der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäi-Glaube auf islamischem Boden&lt;br /&gt;
das Licht der Welt erblickt. Das bedeutet&lt;br /&gt;
fürs erste wenig und zwar aus dem einfa-&lt;br /&gt;
chen Grunde, daß die Bahäi so ver-&lt;br /&gt;
schiedene Erscheinungen wie Zara-&lt;br /&gt;
thustra, Abraham, Mose, Jesus, Muham-&lt;br /&gt;
mad als wahre Propheten anerkennen.&lt;br /&gt;
Sie schließen auch Krishna und Buddha&lt;br /&gt;
nicht aus, ohne sich jedoch mit der sel-&lt;br /&gt;
ben Bestimmtheit auszusprechen, und&lt;br /&gt;
weisen auch nicht die Hypothese zu-&lt;br /&gt;
rück, daß es in vergangenen Zeiten Pro-&lt;br /&gt;
pheten gegeben habe, deren sich die&lt;br /&gt;
Menschheit heute nicht mehr erinnert.&lt;br /&gt;
Für die Bahäi sind alle diese Propheten&lt;br /&gt;
»Manifestationen Gottes«, auserwählte&lt;br /&gt;
Wesen, die in mehr oder weniger regel-&lt;br /&gt;
mäßigen Abständen in diese Welt ge-&lt;br /&gt;
sandt werden, um die Menschen die&lt;br /&gt;
großen wesentlichen Wahrheiten zu leh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|7|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=9}}ren oder sie wieder daran zu erinnern.&lt;br /&gt;
Die erste dieser Wahrheiten ist die Liebe.&lt;br /&gt;
Alle echten Religionsstifter haben Mit-&lt;br /&gt;
leid, Sanftmut, Barmherzigkeit, gegen-&lt;br /&gt;
seitige Hilfe, Verzeihung, Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Brüderlichkeit verkündet. Dem&lt;br /&gt;
ewigen Fundamentalgesetz: »Du sollst&lt;br /&gt;
lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem&lt;br /&gt;
Herzen und von ganzem Gemüte.... Du&lt;br /&gt;
sollst deinen Nächsten lieben wie dich&lt;br /&gt;
selbst«! konnten die Propheten Vor-&lt;br /&gt;
schriften, die für einen Teil der Mensch-&lt;br /&gt;
heit in einem bestimmten Stadium ihrer&lt;br /&gt;
geschichtlichen Entwicklung gültig wa-&lt;br /&gt;
ren, hinzufügen. Die Nachfolger der&lt;br /&gt;
Propheten, die Priester, Theologen und&lt;br /&gt;
Kirchen konnten nach Belieben Dekrete&lt;br /&gt;
verfassen, die die Organisation der Kir-&lt;br /&gt;
che, der Gesellschaft, der Riten und Sit-&lt;br /&gt;
ten usw. betrafen, was zur Folge hatte,&lt;br /&gt;
daß die Kluft zwischen den verschiede-&lt;br /&gt;
nen Völkern und Glaubensbekenntnis-&lt;br /&gt;
sen unaufhaltsam immer tiefer wurde.&lt;br /&gt;
So praktizieren die Juden die Beschnei-&lt;br /&gt;
dung und enthalten sich des Schweine-&lt;br /&gt;
fleischs, zwei Gebote, die die Christen&lt;br /&gt;
nicht kennen; so enthalten sich die Mus-&lt;br /&gt;
lime geistiger Getränke, ein Gebot, das&lt;br /&gt;
weder Juden noch Christen kennen;&lt;br /&gt;
Christen werden getauft und feiern das&lt;br /&gt;
Abendmahl, zwei Riten, die Juden und&lt;br /&gt;
Muslimen fremd sind. Die einen beten&lt;br /&gt;
knieend, die anderen werfen sich nieder.&lt;br /&gt;
Die einen wenden sich beim Gebet nach&lt;br /&gt;
Mekka, die anderen nach Jerusalem.&lt;br /&gt;
Die einen halten am Freitag, andere am&lt;br /&gt;
Samstag, wieder andere am Sonntag&lt;br /&gt;
Andacht. Alle diese Unterschiede sind,&lt;br /&gt;
wie die Bahä’i meinen, geringfügig und&lt;br /&gt;
äußerlich. Einige haben ihren Grund,&lt;br /&gt;
meist symbolischer Art, in einem be-&lt;br /&gt;
stimmten Zusammenhang, während an-&lt;br /&gt;
dere nur sterile, lächerliche Auswüchse&lt;br /&gt;
sind, wie sie den Baum der Religion im&lt;br /&gt;
Laufe eines langen Wachstums mit tau-&lt;br /&gt;
send schicksalhaften Ereignissen heim-&lt;br /&gt;
gesucht haben. Man muß den Baum er-&lt;br /&gt;
halten, nicht seine toten Zweige oder die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warzen, die seine Rinde verunstalten.&lt;br /&gt;
Andererseits konnten die wirklichen&lt;br /&gt;
Lehren der Propheten von den Gläubi-&lt;br /&gt;
gen späterer Generationen zu einem ge-&lt;br /&gt;
wissen Grade zensiert, verbogen, verän-&lt;br /&gt;
dert, entstellt werden. Die Botschaft&lt;br /&gt;
dieser aufeinanderfolgenden Manife-&lt;br /&gt;
stationen Gottes konnte verändert, de-&lt;br /&gt;
formiert, amputiert, kompliziert wer-&lt;br /&gt;
den — daher die Notwendigkeit neuer&lt;br /&gt;
Manifestationen, wenn eine Religion in&lt;br /&gt;
ihre Winterzeit eintritt, wie es die Bahäi&lt;br /&gt;
nennen, wenn sie ihr goldenes Zeitalter&lt;br /&gt;
überschritten hat und keine Früchte&lt;br /&gt;
mehr trägt. Man denkt an die berühm-&lt;br /&gt;
ten Verse der Bhagavadgita:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Jedesmal, wenn die Rechtmäßigkeit&lt;br /&gt;
im Schwinden ist und das Unrecht sich&lt;br /&gt;
erhebt, lasse ich mein Selbst Fleisch&lt;br /&gt;
werden ... Um die Guten zu beschützen,&lt;br /&gt;
die Bösen zu vernichten und die Recht-&lt;br /&gt;
mäßigkeit zu festigen, entstehe ich von&lt;br /&gt;
Weltalter zu Weltalter.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn die Bhagavadgita unseren&lt;br /&gt;
kartesianischen Geistern zu exotisch&lt;br /&gt;
oder zu esoterisch erscheint, so zitieren&lt;br /&gt;
wir Balsac:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Und wenn es unendlich viele Formen&lt;br /&gt;
der Anbetung gegeben hat, so hat weder&lt;br /&gt;
ihr Sinn noch ihr metaphysisches Sy-&lt;br /&gt;
stem sich je geändert. Letzten Endes hat&lt;br /&gt;
der Mensch immer nur eine Religion ge-&lt;br /&gt;
habt ... Für den, der sich in diese religi-&lt;br /&gt;
ösen Fluten stürzt, deren Stifter nicht al-&lt;br /&gt;
le bekannt sind, steht fest, daß Zara-&lt;br /&gt;
thustra, Mose, Buddha, Konfuzius, Je-&lt;br /&gt;
sus Christus, Swedenborg die gleichen&lt;br /&gt;
Grundsätze gehabt und sich die gleichen&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben.«°&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Manifestationen&lt;br /&gt;
sind zwar menschliche Wesen, aber der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilige Geist bewohnt und erleuchtet&lt;br /&gt;
sie. Es sind die Boten Gottes, die Erklä-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Matth. 22:37—40&lt;br /&gt;
2 IV, 7und8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Louis Lambert, S. 134f, Ausgabe Broceliande,&lt;br /&gt;
Straßburg 1959&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 47 APRIL 1984 7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rer seines Willens unter den Menschen.&lt;br /&gt;
Für die Bahäi sind die beiden letzten&lt;br /&gt;
Manifestationen in der chronologi-&lt;br /&gt;
schen Reihenfolge Siyyid Mirzä ‘Ali&lt;br /&gt;
Muhammad, genannt der Báb (d.h. das&lt;br /&gt;
Tor), und Mirzä Husayn ‘Ali, der den&lt;br /&gt;
Titel Bahä’u’lläh, Herrlichkeit Gottes,&lt;br /&gt;
annahm. Beide waren Perser, in der isla-&lt;br /&gt;
mischen Religion shfitischer Richtung&lt;br /&gt;
erzogen. Der erste der beiden war ein re-&lt;br /&gt;
ligiöser Reformator, kühn und voll&lt;br /&gt;
Großmut, der sich gegen den sterilen&lt;br /&gt;
Ritualismus und chauvinistischen Fana-&lt;br /&gt;
tismus seiner Glaubensbrüder erhob.&lt;br /&gt;
Der Schah und die Geistlichkeit waren&lt;br /&gt;
beunruhigt über den Aufruhr, bewirkt&lt;br /&gt;
von den »Bábi«, wie man die Anhänger&lt;br /&gt;
des Báb nannte. Es fanden greuliche&lt;br /&gt;
Verfolgungen statt, in deren Verlauf&lt;br /&gt;
Tausende von Menschen nach schreck-&lt;br /&gt;
lichen Foltern massakriert wurden. Der&lt;br /&gt;
Báb wurde verhaftet, zum Tode verur-&lt;br /&gt;
teilt und im Jahre 1850 hingerichtet. Von&lt;br /&gt;
Kugeln durchsiebt, erschossen von&lt;br /&gt;
einem ganzen Bataillon der kaiserlichen&lt;br /&gt;
Armee, starb er, nachdem er auf wun-&lt;br /&gt;
derbare Weise von einer ersten Salve un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verletzt geblieben war.&lt;br /&gt;
In der Sicht der Bahä’i war der Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur Vorbote und Vorläufer dessen, »den&lt;br /&gt;
Gott offenbaren wird«, das heißt Bahä’-&lt;br /&gt;
ullähs (1817—1892). Für seinen Nach-&lt;br /&gt;
folger war der Báb das, was Johannes&lt;br /&gt;
der Täufer für Jesus war, nämlich Weg-&lt;br /&gt;
bereiter. Bahä’u’lläh, Sohn eines hohen&lt;br /&gt;
Beamten des Schah in Teheran, hatte&lt;br /&gt;
offene Sympathie für die Person und die&lt;br /&gt;
Tätigkeit des Bab an den Tag gelegt. Das&lt;br /&gt;
brachte ihm 1852 die Verhaftung ein. Er&lt;br /&gt;
wurde in einen schrecklichen Kerker&lt;br /&gt;
ohne Luft und Licht geworfen, in Gesell-&lt;br /&gt;
schaft einiger Dutzend anderer Opfer,&lt;br /&gt;
die an diesem Ort unter fürchterlichen&lt;br /&gt;
hygienischen Bedingungen zusammen-&lt;br /&gt;
gepfercht waren. Vier Monate blieb er&lt;br /&gt;
dort. Den Hals in einem Ring an einer&lt;br /&gt;
langen Kette, die Beine ebenfalls in Fes-&lt;br /&gt;
seln, erwartete er täglich seine Hinrich-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8  BAHÄ’I-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tung. Aber die Verfolgungen legten sich&lt;br /&gt;
etwas: Bahä’u/lläh entging dem Tod und&lt;br /&gt;
wurde verbannt. Ernest Renan hat&lt;br /&gt;
mehrfach seine Bewunderung und sein&lt;br /&gt;
Mitleid für die Babi und ihre Nachfol-&lt;br /&gt;
ger, die Bahäi, geäußert. Graf Gobi-&lt;br /&gt;
neau hat ähnliche Gefühle für sie zum&lt;br /&gt;
Ausdruck gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Persien vertrieben, begann&lt;br /&gt;
Bahäulläh einen langen Marsch, der&lt;br /&gt;
ihn über Baghdad, Istanbul und Adria-&lt;br /&gt;
nopel bis nach Akkä in Palästina führte,&lt;br /&gt;
wo er 1868 ankam. In Baghdad hatte er&lt;br /&gt;
öffentlich verkündet, daß er die neue&lt;br /&gt;
Manifestation Gottes sei, eine Gewiß-&lt;br /&gt;
heit, die ihm während seiner Gefangen-&lt;br /&gt;
schaft zuteil geworden war. Die türki-&lt;br /&gt;
schen Behörden, mißtrauisch und von&lt;br /&gt;
den persischen vor diesem »Agitator«&lt;br /&gt;
gewarnt, kerkerten Bahä’u’lläh, seine Fa-&lt;br /&gt;
milie und einige Anhänger in der Kaser-&lt;br /&gt;
ne der trostlosen Stadt ‘Akkä ein. Mit&lt;br /&gt;
den Jahren wurde die Schärfe der Haft&lt;br /&gt;
gemildert. Dem persischen Propheten&lt;br /&gt;
wurde erlaubt, in einem Privathaus zu&lt;br /&gt;
wohnen und praktisch frei Besuche sei-&lt;br /&gt;
ner immer zahlreicheren Anhänger zu&lt;br /&gt;
empfangen. Unter seinen Gästen ist Pro-&lt;br /&gt;
fessor Edward Granville Browne, ein&lt;br /&gt;
berühmter englischer Orientalist, Fel-&lt;br /&gt;
low vom Pembroke College in Cam-&lt;br /&gt;
bridge, zu nennen. Er tat viel, um&lt;br /&gt;
Bahäullläh und die Bahä’i-Lehren im&lt;br /&gt;
Abendland bekannt zu machen. Dar-&lt;br /&gt;
aufhin gaben so hervorragende und ver-&lt;br /&gt;
schiedenartige Persönlichkeiten wie Leo&lt;br /&gt;
Tolstoi, Auguste Forel, Helen Keller,&lt;br /&gt;
Präsident Masaryk und Präsident Be-&lt;br /&gt;
nesch öffentlich ihrer Sympathie für&lt;br /&gt;
den ehrfurchtgebietenden Unterdrück-&lt;br /&gt;
ten und seine Sache Ausdruck. Königin&lt;br /&gt;
Maria von Rumänien ging so weit, sich&lt;br /&gt;
öffentlich dem Bahá’í-Glauben anzu-&lt;br /&gt;
schließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner ihm aufgezwungenen, über-&lt;br /&gt;
wachten Residenz in Akkä, nicht weit&lt;br /&gt;
vom Berg Karmei, der in allen heiligen&lt;br /&gt;
Schriften als Ort des kommenden Sieges&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=11}}der Kräfte des Guten über das Dunkel&lt;br /&gt;
gefeiert wird, sah Bahä’u’lläh die friedli-&lt;br /&gt;
che Armee derer, die an seine Sendung&lt;br /&gt;
glaubten, wachsen und stark werden.&lt;br /&gt;
Diese Armee führte, organisierte und&lt;br /&gt;
inspirierte er durch zahlreiche »Tablete«&lt;br /&gt;
(Sendschreiben) und vor allem durch&lt;br /&gt;
das Beispiel seines eigenen Lebens voll&lt;br /&gt;
Würde, Mäßigung und Güte. Die zahl-&lt;br /&gt;
reichen Anschläge seiner Feinde, von&lt;br /&gt;
denen einige (und das ist sehr orienta-&lt;br /&gt;
lisch) übrigens seine nahen Verwandten&lt;br /&gt;
waren, scheiterten an seinem ruhigen&lt;br /&gt;
Mut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tode im Jahre 1892 trat&lt;br /&gt;
sein Sohn Abdu’l-Bahá seine Nachfolge&lt;br /&gt;
als Haupt der Bahä’i-Gemeinde an.&lt;br /&gt;
Abdull-Baha, dem edle Gesichtszüge&lt;br /&gt;
und ein langer, weißer Bart im Alter ein&lt;br /&gt;
sehr biblisches, patriarchalisches Aus-&lt;br /&gt;
sehen verliehen, zeigte sich in jeder Hin-&lt;br /&gt;
sicht als Führerpersönlichkeit. Auch er&lt;br /&gt;
war ein ständiger Gefangener, dem von&lt;br /&gt;
den Türken ‘Akkä als Aufenthaltsort&lt;br /&gt;
zugewiesen war. Während des Ersten&lt;br /&gt;
Weltkrieges beschloß die von einer Rei-&lt;br /&gt;
he militärischer Niederlagen erschöpfte&lt;br /&gt;
türkische Soldateska, sich des Häreti-&lt;br /&gt;
kers zu entledigen und ihn mitsamt sei-&lt;br /&gt;
ner Familie zu kreuzigen! Glücklicher-&lt;br /&gt;
weise hinderte das schnelle Vordringen&lt;br /&gt;
der englischen Truppen sie an der Aus-&lt;br /&gt;
führung dieses schändlichen Planes.&lt;br /&gt;
Abdu&#039;-Baha wurde in Anerkennung&lt;br /&gt;
seines wohltätigen, moralischen Ein-&lt;br /&gt;
flusses als Sir Abdul in den britischen&lt;br /&gt;
Adelsstand erhoben. Er starb 1921. In&lt;br /&gt;
den letzten Jahren seines Wirkens hatte&lt;br /&gt;
er seine wiedergewonnene Freiheit dazu&lt;br /&gt;
benutzt, die frohe Botschaft persönlich&lt;br /&gt;
nach Europa und Amerika zu tragen.&lt;br /&gt;
Diese Saat fiel auf fruchtbaren Boden;&lt;br /&gt;
die amerikanischen Bahäi lagen bei der&lt;br /&gt;
Ausbreitung der Bewegung bald an der&lt;br /&gt;
Spitze, dank ihrer Hingabe, aber auch&lt;br /&gt;
ihrer sehr amerikanischen Tugenden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nämlich ihrem Sinn für Organisation&lt;br /&gt;
und Effizienz. Nach dem Tode Abdu’l-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäs sollte sein Enkel Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
die Geschicke der Sache leiten. Er hatte&lt;br /&gt;
bei den französischen Jesuiten in Haifa,&lt;br /&gt;
dann am amerikanischen College in Bei-&lt;br /&gt;
rut und schließlich an der Universität&lt;br /&gt;
Oxford (Balliol College) studiert. Im&lt;br /&gt;
Vergleich zu seinen Vorgängern war er&lt;br /&gt;
also mehr von abendländischen Einflüs-&lt;br /&gt;
sen geprägt. Unter seiner fähigen Füh-&lt;br /&gt;
rung breitete der Glaube sich in den mei-&lt;br /&gt;
sten Ländern der Erde aus. Bald gab es&lt;br /&gt;
Bahä’i unter den Eskimos, den India-&lt;br /&gt;
nern und den Polynesiern. Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi verschied im Jahre 1957. Niemand&lt;br /&gt;
folgte ihm; die Leitung der Bewegung&lt;br /&gt;
geschah fortan kollektiv, sichergestellt&lt;br /&gt;
durch das »Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit«, das demokratisch von der gan-&lt;br /&gt;
zen internationalen Bahá’í-Gemeinde&lt;br /&gt;
gewählt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist schwierig, die zahlenmäßige&lt;br /&gt;
Stärke der Bahá’í-Bewegung genau aus-&lt;br /&gt;
zumachen. Die Verantwortlichen wei-&lt;br /&gt;
gern sich, Statistiken über die Zahl der&lt;br /&gt;
Anhänger der Sache herauszugeben.&lt;br /&gt;
Handelt es sich um Bescheidenheit,&lt;br /&gt;
Schüchternheit, oder, was wahrschein-&lt;br /&gt;
licher ist, um Vorsicht? Das Zeitalter der&lt;br /&gt;
Verfolgungen ist vielleicht noch nicht&lt;br /&gt;
ganz abgeschlossen, und die Bahá’í dür-&lt;br /&gt;
fen sich vor allem in den meisten islami-&lt;br /&gt;
schen Ländern nicht sehen lassen. Die&lt;br /&gt;
letzten Massaker an Bahäi in Persien ge-&lt;br /&gt;
hen nur bis 1955 zurück!* Die Bahäi&lt;br /&gt;
stellen lieber Listen von »Gebieten, die&lt;br /&gt;
dem Glauben erschlossen« sind, oder&lt;br /&gt;
von ihren »Geistigen Räten« auf. Eine&lt;br /&gt;
Politik universaler Anwesenheit mit&lt;br /&gt;
mindestens einer Bahäi-Zelle auf der&lt;br /&gt;
kleinsten Pazifikinsel, in den verlassen-&lt;br /&gt;
sten Gegenden Nordkanadas oder in&lt;br /&gt;
den unterentwickeltsten Ländern der&lt;br /&gt;
Sahelzone und Südostasiens scheinen&lt;br /&gt;
sie nur punktuellen, aber massiven Ak-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Seit 1978 sind im Iran die Verfolgungen wieder&lt;br /&gt;
aufgeflammt und haben bislang mindestens 142&lt;br /&gt;
Todesopfer gefordert. (Anm. der Redaktion)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄI-BRIEFE 47 APRIL 1984 9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|10|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tionen zur Gewinnung neuer Gläubiger&lt;br /&gt;
vorzuziehen. Es gibt Hunderttausende,&lt;br /&gt;
vielleicht sogar mehrere Millionen von&lt;br /&gt;
Bahä’i, die über den ganzen Erdball ver-&lt;br /&gt;
streut sind. Die einzige Ausnahme sind&lt;br /&gt;
die kommunistischen Länder nach der&lt;br /&gt;
im Jahr 1928 erfolgten Schließung und&lt;br /&gt;
Enteignung des ersten Bahäi-Tempels&lt;br /&gt;
von /Ishgäbäd im Kaukasus auf russi-&lt;br /&gt;
schem Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Gemeinde ist vor allem&lt;br /&gt;
eine Gemeinde, in der viele Nationen&lt;br /&gt;
und Rassen vertreten sind. Sie ist zu-&lt;br /&gt;
tiefst antirassistisch. Bahä’u/llah hatte&lt;br /&gt;
zu seiner Zeit die völlige Gleichwertig-&lt;br /&gt;
keit und unbedingte Brüderlichkeit aller&lt;br /&gt;
Rassen verkündet. Aber statt ihren An-&lt;br /&gt;
tirassismus durch Umzüge, blutrünstige&lt;br /&gt;
Flugblätter, feierliche Proteste und an-&lt;br /&gt;
dere auffällige Verhaltensweisen zu be-&lt;br /&gt;
kunden, bemühen sich die Bahä’i ruhig,&lt;br /&gt;
in vielrassigen Gruppen zu leben. Das&lt;br /&gt;
Zusammenleben zu lernen, rassistische&lt;br /&gt;
Reflexe, deren leider jeder Mensch fähig&lt;br /&gt;
ist, abzubauen, scheint ihnen mutiger&lt;br /&gt;
und realistischer zu sein, als mit viel&lt;br /&gt;
Lärm auf den Rassismus der anderen zu&lt;br /&gt;
deuten. Eine der großen Bahäfi-&lt;br /&gt;
Tugenden liegt gerade im Fehlen von Be-&lt;br /&gt;
schuldigungen, Verurteilungen und Sar-&lt;br /&gt;
kasmen gegenüber dem Nächsten, sei er&lt;br /&gt;
Verwandter, Freund, Nachbar, Kollege,&lt;br /&gt;
ein Unbekannter auf der Straße oder ein&lt;br /&gt;
Politiker, der auf dem Bildschirm er-&lt;br /&gt;
scheint. Natürlich kann man immer be-&lt;br /&gt;
stimmte Taten des anderen beklagen&lt;br /&gt;
oder kritisieren, aber man darf es nur&lt;br /&gt;
mit Maß und Höflichkeit tun, nur wenn&lt;br /&gt;
es nötig ist, und man muß sich dabei im-&lt;br /&gt;
mer den Spruch vom Splitter und vom&lt;br /&gt;
Balken vergegenwärtigen. Um auf die&lt;br /&gt;
Rassenfrage zurückzukommen, so ist zu&lt;br /&gt;
bemerken, daß eine typische Bahäi-&lt;br /&gt;
Gruppe aus Menschen verschiedener&lt;br /&gt;
ethnischer Gruppen besteht. In den Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten zum Beispiel besteht die&lt;br /&gt;
Gruppe nicht nur aus den »Kaukasiern«&lt;br /&gt;
(d.h. der Weißen im amerikanischen ad-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10  BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ministrativen Jargon) und aus den An-&lt;br /&gt;
gelsachsen, sondern auch aus Schwar-&lt;br /&gt;
zen, Puertoricanern, Japanern, Chica-&lt;br /&gt;
nos usw., je nach der örtlichen Bevölke-&lt;br /&gt;
rung. Eine absolute Gleichheit charakte-&lt;br /&gt;
risiert die Aufteilung der Aufgaben und&lt;br /&gt;
Verantwortungsbereiche. Die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Zelle wird so zum Entwurf, zum leibhaf-&lt;br /&gt;
ten Modell des Gesellschaftstypus, den&lt;br /&gt;
die Bewegung für die zukünftigen Jahr-&lt;br /&gt;
hunderte ins Leben rufen will. Von Ehen&lt;br /&gt;
verschiedenrassischer Partner wird kei-&lt;br /&gt;
neswegs abgeraten; sie werden vielmehr&lt;br /&gt;
mit Sympathie betrachtet, ihre Partner&lt;br /&gt;
zu diesem Schritt gern ermutigt. Gleich-&lt;br /&gt;
zeitig bestehen die Bahä’i darauf, daß je-&lt;br /&gt;
des Volk seine Identität bewahren sollte,&lt;br /&gt;
da die Mannigfaltigkeit der Beiträge für&lt;br /&gt;
das Ganze nur günstig sein kann. Eine&lt;br /&gt;
solche Einstellung wird sicherlich er-&lt;br /&gt;
leichtert durch den religiösen Glauben&lt;br /&gt;
an einen gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Rast gegen Vorurteile ankämp-&lt;br /&gt;
fen, den Versuchungen des Hasses und&lt;br /&gt;
der Verachtung widerstehen, das sind&lt;br /&gt;
die ersten Pflichten eines Bahäi. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i widersetzen sich der Diskriminie-&lt;br /&gt;
rung aus Gründen des Besitzes und des&lt;br /&gt;
sozialen Ranges ebenso wie aus Grün-&lt;br /&gt;
den der Rasse. Die Bahä’i lehnen es ab,&lt;br /&gt;
in der Kontroverse Kapitalismus -- So-&lt;br /&gt;
zialismus Partei zu ergreifen, versichern&lt;br /&gt;
aber, daß eine gesunde Gesellschaft&lt;br /&gt;
himmelschreiende Ungleichheiten, »ex-&lt;br /&gt;
tremen Reichtum und extreme Armut«,&lt;br /&gt;
abschaffen muß. Auch weigern sie sich,&lt;br /&gt;
an politischen Kämpfen teilzunehmen.&lt;br /&gt;
Ein Bahä’i hat nicht das Recht, einer Par-&lt;br /&gt;
tei anzugehören, weil schon das Kon-&lt;br /&gt;
zept der Partei an sich notwendigerwei-&lt;br /&gt;
se Spaltung, Teilung, Opposition impli-&lt;br /&gt;
ziert. Die Bahäi anerkennen die Autori-&lt;br /&gt;
tät der Regierung, gleich welche Regie-&lt;br /&gt;
rungsform in dem jeweiligen Land be-&lt;br /&gt;
steht, ob demokratisch oder autoritär,&lt;br /&gt;
ob Volksregierung oder Aristokratie.&lt;br /&gt;
Sie versuchen jedoch, ihr Ideal der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit, der Toleranz und des Frie-&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=13}}dens zu verkünden. Chauvinismus, ag-&lt;br /&gt;
gressiver Nationalismus, kriegerische&lt;br /&gt;
Gesinnung sind dem Bahä’i-Glauben&lt;br /&gt;
völlig entgegengesetzt. Man rät jungen&lt;br /&gt;
Bahäi, ihren Militärdienst nur in der&lt;br /&gt;
nichtkämpfenden Truppe abzuleisten,&lt;br /&gt;
aber diese Einstellung geht nicht bis zum&lt;br /&gt;
Ungehorsam, der im Widerspruch zu&lt;br /&gt;
dem Prinzip des Gehorsams gegenüber&lt;br /&gt;
der rechtmäßigen Regierung des Landes&lt;br /&gt;
stünde. Noch auf einem anderen Gebiet&lt;br /&gt;
arbeiten die Bahäi für die Durchsetzung&lt;br /&gt;
der Gleichheit aller Menschen: Sie ver-&lt;br /&gt;
künden die vollkommene Gleichberech-&lt;br /&gt;
tigung von Mann und Frau. Daß sie dies&lt;br /&gt;
seit Mitte des 19. Jahrhunderts und in is-&lt;br /&gt;
lamischen Ländern getan haben, be-&lt;br /&gt;
weist ihre Originalität, ihre Aufrichtig-&lt;br /&gt;
keit und ihren Mut. Unter den ersten&lt;br /&gt;
Anhängern des Báb war eine Frau, eine&lt;br /&gt;
Dichterin mit dem Namen Tahirih (die&lt;br /&gt;
Reine). Sie hatte als erste den Mut, mit&lt;br /&gt;
entblößtem Gesicht, ohne den in islami-&lt;br /&gt;
schen Ländern traditionellen Schleier in&lt;br /&gt;
einer Versammlung von Männern zu er-&lt;br /&gt;
scheinen. Diese Tat machte sie zu einer&lt;br /&gt;
der ersten Märtyrerinnen während der&lt;br /&gt;
Verfolgungen im Jahr 1852. Sie wurde&lt;br /&gt;
erdrosselt, ihr Leichnam in einen Brun-&lt;br /&gt;
nen geworfen. Die Bahä’i-Frauen erfreu-&lt;br /&gt;
en sich in den Räten der Sache der glei-&lt;br /&gt;
chen Rechte und der gleichen Autorität&lt;br /&gt;
wie die Männer. Diese wahre Gleich-&lt;br /&gt;
wertigkeit hat nichts mit der übertriebe-&lt;br /&gt;
nen und zänkischen Einstellung jener&lt;br /&gt;
Gruppe der »Womer&#039;s Lib« zu tun, die&lt;br /&gt;
den Haß gegen den Mann und gleichzei-&lt;br /&gt;
tig die Vermännlichung der Frau pre-&lt;br /&gt;
digt. Die Bahäii sehen in der Ehe eine er-&lt;br /&gt;
habene Einrichtung und in der Gatten-&lt;br /&gt;
liebe die bewundernswerteste Sache&lt;br /&gt;
überhaupt. Sie lassen die Scheidung zu,&lt;br /&gt;
bedauern sie aber und auferlegen de-&lt;br /&gt;
nen, die sich scheiden lassen wollen, ein&lt;br /&gt;
Trennungsjahr zum Nachdenken. Die&lt;br /&gt;
Erziehung der Kinder ist andererseits&lt;br /&gt;
ein Hauptanliegen der Bahäi-Religion,&lt;br /&gt;
und das Recht auf eine wirkliche Erzie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hung für alle, Männer wie Frauen, wird&lt;br /&gt;
stark betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi-Theologie, sofern man&lt;br /&gt;
überhaupt von Theologie sprechen&lt;br /&gt;
kann, ist von großer Einfachheit. Es gibt&lt;br /&gt;
einen einzigen Gott. Er ist der Vater aller&lt;br /&gt;
Menschen. Er ist unerforschlich, aber,&lt;br /&gt;
nach den Worten des Qurän: »... dem&lt;br /&gt;
Menschen näher als seine Halsschlag-&lt;br /&gt;
ader«. Er ist der Gott Abrahams, Ja-&lt;br /&gt;
kobs, Mose, Jesu, aber auch der Muham-&lt;br /&gt;
mads. Wie Allah ist er ewig, allmächtig,&lt;br /&gt;
barmherzig und voll Weisheit. Er ist zu-&lt;br /&gt;
gleich transzendent und immanent, um&lt;br /&gt;
die christliche Terminologie zu gebrau-&lt;br /&gt;
chen, aber die Bahä’i halten sich kaum&lt;br /&gt;
mit Diskussionen über metaphysische&lt;br /&gt;
Probleme auf. Gott ist die geistige Son-&lt;br /&gt;
ne des Universums. Er strahlt Liebe zu&lt;br /&gt;
allen Lebewesen aus, aber fordert sei-&lt;br /&gt;
nerseits eine nicht weniger flammende&lt;br /&gt;
Liebe von ihnen. Durch seine Manife-&lt;br /&gt;
stationen wirkt er auf die Welt ein. Die&lt;br /&gt;
Christen wird es sicher ärgern festzustel-&lt;br /&gt;
len, daß die zweite Person ihrer Trinität&lt;br /&gt;
bei den Bahä’i keine privilegierte Stel-&lt;br /&gt;
lung einnimmt, da sie die Worte »Gottes&lt;br /&gt;
Sohn« nur in einem übertragenen Sinn&lt;br /&gt;
verstehen, ohne eine wundersame Ge-&lt;br /&gt;
burt und Auferstehung zu erwähnen.&lt;br /&gt;
Die Bahäi sind wenig verlockt durch&lt;br /&gt;
das »Wunderbare« an Wundern. Sie ha-&lt;br /&gt;
ben keine Mythologie. Sie glauben an&lt;br /&gt;
die Wissenschaft. Für sie dürfen Wis-&lt;br /&gt;
senschaft und Religion nie in Konflikt&lt;br /&gt;
geraten. Nach den Worten des Prophe-&lt;br /&gt;
ten der Bahá’í-Religion sind sie die bei-&lt;br /&gt;
den Flügel des menschlichen Vogels auf&lt;br /&gt;
dem Wege des Fortschritts, und man&lt;br /&gt;
fliegt sehr schlecht mit nur einem Flügel.&lt;br /&gt;
Kein Aberglaube, kein Obskurantis-&lt;br /&gt;
mus, kein krankhaftes Festklammern an&lt;br /&gt;
Buchstaben der Schriften. Übrigens&lt;br /&gt;
werden die Schriften aller Religionen in&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Iempeln gelesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäfi sind sehr zahlreich im Iran,&lt;br /&gt;
müssen aber vorsichtig in der Ausübung&lt;br /&gt;
ihrer religiösen Rechte sein, die zwar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 47 APRIL 1984 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|12|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=14}}von der Verfassung anerkannt,’ aber&lt;br /&gt;
oft von fanatischen Randgruppen der&lt;br /&gt;
islamischen Bevölkerung bedroht wer-&lt;br /&gt;
den, vor allem auf dem Lande. Viele&lt;br /&gt;
ausgewanderte Perser sind Bahä’i. Sie le-&lt;br /&gt;
ben in England, Frankreich, der&lt;br /&gt;
Schweiz, Deutschland ... In Ägypten&lt;br /&gt;
und Indien gibt es ebenfalls viele Bahá’í.&lt;br /&gt;
Auf dem afrikanischen Kontinent sind&lt;br /&gt;
sie vor allem in Uganda stark vertreten.&lt;br /&gt;
In Europa noch schwach, sehen sie ihre&lt;br /&gt;
Mitgliederzahl in Australien, Neusee-&lt;br /&gt;
land, Kanada, Lateinamerika und vor&lt;br /&gt;
allem in den Vereinigten Staaten ständig&lt;br /&gt;
wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi haben keinen Klerus. An&lt;br /&gt;
jedem Ort, wo sie vertreten sind, wäh-&lt;br /&gt;
len die Bahá’í einen »Geistigen Rat« von&lt;br /&gt;
neun Mitgliedern, der jedes Jahr erneu-&lt;br /&gt;
ert wird. Ähnlich wählen sie über eine&lt;br /&gt;
Abgeordnetenversammlung die Mit-&lt;br /&gt;
glieder des Nationalen Geistigen Rates.&lt;br /&gt;
Diese ihrerseits wählen hervorragende&lt;br /&gt;
Mitglieder in das höchste Organ der&lt;br /&gt;
Pyramide, das »Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit«, Sitz Haifa im Heiligen&lt;br /&gt;
Lande. Dieser Prozeß ist also vollkom-&lt;br /&gt;
men demokratisch, aber ohne die ge-&lt;br /&gt;
wöhnlichen Fehler der Demokratie: Es&lt;br /&gt;
gibt weder Wahlkampagnen noch Par-&lt;br /&gt;
teien, keine Rivalitäten von Richtungen&lt;br /&gt;
oder Personen. Stattdessen gibt es: Ge-&lt;br /&gt;
bete, freundschaftliche Beratung, Wahl&lt;br /&gt;
bzw. Abstimmung und ruhige Annah-&lt;br /&gt;
me der Mehrheitsentscheidung durch&lt;br /&gt;
alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bahäii weder Kirchen noch&lt;br /&gt;
Moscheen haben, beten sie zu Hause,&lt;br /&gt;
ein- bis dreimal täglich obligatorisch,&lt;br /&gt;
aber eigentlich ist ihr ganzes Leben ein&lt;br /&gt;
Gebet. Es gibt jedoch Bahá’í-Ternpel,&lt;br /&gt;
von denen einige außerordentlich schön&lt;br /&gt;
sind, aber sie sind eher Brennpunkte&lt;br /&gt;
mystischer Vereinigung, symbolisches&lt;br /&gt;
Zeugnis der Gegenwart der Bahäi, als&lt;br /&gt;
Kultstätten im gewöhnlichen Sinn. Man&lt;br /&gt;
kann sich dorthin zurückziehen (sie&lt;br /&gt;
sind jedermann offen), still beten, medi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12  BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tieren, aber man hört darin weder Pre-&lt;br /&gt;
digten noch Instrumentalmusik. 1975&lt;br /&gt;
bestanden solche Häuser der Andacht&lt;br /&gt;
in Wilmette bei Chicago, Panama, Kam-&lt;br /&gt;
pala (Uganda), Sydney (Australien) und&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain bei Frankfurt.&lt;br /&gt;
Das erste Ziel war also offensichtlich, ei-&lt;br /&gt;
nen Tempel auf jedem Kontinent zu er-&lt;br /&gt;
richten, aber das ist nur der erste&lt;br /&gt;
Schritt. Einige Tempel sind in klassi-&lt;br /&gt;
scher Architektur erbaut, andere wie&lt;br /&gt;
die in Frankfurt und Panama, ganz mo-&lt;br /&gt;
dern. Aber alle haben eine Kuppel, die&lt;br /&gt;
an die islamischen Wurzeln des Glau-&lt;br /&gt;
bens erinnert, und alle sind in Form ei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nes Kreises gebaut, der in neun gleiche&lt;br /&gt;
Teile geteilt ist. Jeder Teil besitzt ein Tor,&lt;br /&gt;
das jedes eine der großen Religionen der&lt;br /&gt;
Menschheit symbolisiert. Die Gläubi-&lt;br /&gt;
gen, die durch diese Tore eintreten, be-&lt;br /&gt;
wegen sich alle auf ein Zentrum zu. Der&lt;br /&gt;
Symbolgehalt dieser in einer Religion,&lt;br /&gt;
in einem Gott, einer vereinten Mensch-&lt;br /&gt;
heit konvergierenden Bewegung ist so-&lt;br /&gt;
fort evident. Zu diesen Tempeln kom-&lt;br /&gt;
men die verschiedenen heiligen Stätten&lt;br /&gt;
der Bahäii in Palästina, in Haifa, hinzu.&lt;br /&gt;
Es sind dies die berühmten, von den Rei-&lt;br /&gt;
seführern erwähnten »Persischen Gär-&lt;br /&gt;
ten«, in denen sich besonders das Mau-&lt;br /&gt;
soleum des Báb und das Archivgebäude&lt;br /&gt;
der Bahä’i, einem griechischen Tempel&lt;br /&gt;
ähnlich, erhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahä’i-Leben ist einem besonde-&lt;br /&gt;
ren Rhythmus unterworfen, da diese&lt;br /&gt;
Religion ihren eigenen Kalender besitzt.&lt;br /&gt;
In regelmäßigem Abstand (alle neun-&lt;br /&gt;
zehn Tage) treffen sich die Bahäi eines&lt;br /&gt;
Ortes oder eines bestimmten Gebietes in&lt;br /&gt;
freundschaftlicher Weise zu dem, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Nicht so die Verfassung der Islamischen Repu-&lt;br /&gt;
blik Iran, die die Bahä’i nicht zu den schützens-&lt;br /&gt;
werten religiösen Minderheiten des Landes&lt;br /&gt;
zählt, obwohl sie dessen größte sind. Zu den&lt;br /&gt;
Auswirkungen siehe »Dokumentation zur Ver-&lt;br /&gt;
folgung der Bahá’í im Iran«, herausgegeben vom&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Rat der Bahäi in Deutsch-&lt;br /&gt;
land. (Anm. der Redaktion)&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=15}}gewöhnlich »Neunzehntagefest« ge-&lt;br /&gt;
nannt wird. Die Versammlung besteht&lt;br /&gt;
aus drei Teilen: ein Teil für Gebet und&lt;br /&gt;
Lektüre der heiligen Schriften (d.h. von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh und Abdull-Bahä), ein Teil,&lt;br /&gt;
der der Beratung über geistige und mate-&lt;br /&gt;
rielle Angelegenheiten der Gemeinde&lt;br /&gt;
dient, und schließlich ein geselliger Teil&lt;br /&gt;
mit Gesang, Musik, Spiel, Erfrischun-&lt;br /&gt;
gen. In christlichen Ländern nutzen die&lt;br /&gt;
Bahä’i die Wochenenden zu Spaziergän-&lt;br /&gt;
gen, Ausflügen, gemeinsamen Mahlzei-&lt;br /&gt;
ten oder Picknicks in freudiger, ent-&lt;br /&gt;
spannter Atmosphäre. Erwähnen wir&lt;br /&gt;
noch, daß es keine Speiseverbote gibt,&lt;br /&gt;
daß aber alkoholische Getränke und&lt;br /&gt;
Drogen absolut verboten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man wird Bahäi durch einfachen&lt;br /&gt;
Aufnahmeantrag. Man bleibt es, indem&lt;br /&gt;
man sich bemüht, nach den Grundsät-&lt;br /&gt;
zen der Sache zu leben, und die Bewe-&lt;br /&gt;
gung zeigt sich sehr tolerant denen ge-&lt;br /&gt;
genüber, die sich nur langsam der mit&lt;br /&gt;
diesen Prinzipien angestrebten Voll-&lt;br /&gt;
kommenheit nähern. Man hört auf,&lt;br /&gt;
Bahäi zu sein, durch bloße Austrittser-&lt;br /&gt;
klärung. Wer die Reihen der Bahá’í ver-&lt;br /&gt;
läßt, wird nicht im geringsten verfemt&lt;br /&gt;
oder gebannt; Freunde bleiben Freunde.&lt;br /&gt;
Der Austritt wird dem inneren Umsturz&lt;br /&gt;
vorgezogen. Diejenigen, die sich ver-&lt;br /&gt;
schwören, um die Lehren der Sache im&lt;br /&gt;
Interesse ihrer persönlichen Ambitio-&lt;br /&gt;
nen oder Wünsche zu verbiegen, wer-&lt;br /&gt;
den »Bündnisbrecher« genannt und&lt;br /&gt;
selbstverständlich ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i kennen keine Sakramente.&lt;br /&gt;
Es gibt weder Taufe noch Kommunion.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Trauung ist von großer Ein-&lt;br /&gt;
fachheit. Niemand »verheiratet« die&lt;br /&gt;
Bahä’i, die Verlobten erklären lediglich,&lt;br /&gt;
daß sie vor Gott einander zugehören. Je-&lt;br /&gt;
des Jahr haben die Bahä’i eine Art Ra-&lt;br /&gt;
madan, eine Fastenzeit von neunzehn&lt;br /&gt;
Tagen nach der Art der Araber, wäh-&lt;br /&gt;
rend der sie keine feste oder flüssige&lt;br /&gt;
Nahrung zwischen Sonnenaufgang und&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang zu sich nehmen. Das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der Fastenzeit bildet ein besonde-&lt;br /&gt;
res Fest mit einem großen Festessen und&lt;br /&gt;
einem unterhaltenden oder festlichen&lt;br /&gt;
Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht mir nicht zu, ein Werturteil&lt;br /&gt;
über die Bahá’í-Religion abzugeben.&lt;br /&gt;
Meine Bilanz ist eher die der Anzie-&lt;br /&gt;
hungskraft, die von diesem religiösen&lt;br /&gt;
Entwurf ausgeht, und der Klippen, die&lt;br /&gt;
er birgt — beide werden sicherlich das&lt;br /&gt;
Schicksal dieses Glaubens in seiner&lt;br /&gt;
weltweiten Ausbreitung beeinflussen.&lt;br /&gt;
Zuerst die Klippen: Eine zu einfache, zu&lt;br /&gt;
ungenaue Theologie kann Anhänger&lt;br /&gt;
sehr »theologischer« Glaubensrichtun-&lt;br /&gt;
gen wie des römischen Katholizismus&lt;br /&gt;
abstoßen. Einige klagen, das Geschick&lt;br /&gt;
des Menschen nach dem Tode sei in der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Perspektive zu verschwommen&lt;br /&gt;
angedeutet, weil man sich damit begnü-&lt;br /&gt;
ge, die Unsterblichkeit der Seele und die&lt;br /&gt;
Belohnung der Gerechten ohne weitere&lt;br /&gt;
Details zu bestätigen (aber eine leibliche&lt;br /&gt;
Auferstehung erscheint ausgeschlos-&lt;br /&gt;
sen). Die Behauptung der Einheit der&lt;br /&gt;
Religionen und der Ähnlichkeit der Leh-&lt;br /&gt;
ren mag diejenigen unbefriedigt lassen,&lt;br /&gt;
die die Worte von Jesus, Muhammad&lt;br /&gt;
oder Gautama Buddha etwas genauer&lt;br /&gt;
vergleichen. Christus hielt die andere&lt;br /&gt;
Wange hin, Muhammad predigte den&lt;br /&gt;
heiligen Krieg. Jesus war (wahrschein-&lt;br /&gt;
lich) unverheiratet, der Prophet des Is-&lt;br /&gt;
lam polygam, während Buddha riet,&lt;br /&gt;
sich von den Frauen fernzuhalten, die&lt;br /&gt;
nach seinen Worten niedere Wesen sei-&lt;br /&gt;
en. Jesus lehrte die Auferstehung und&lt;br /&gt;
das ewige Leben, während der Hinduis-&lt;br /&gt;
mus von Reinkarnation spricht und der&lt;br /&gt;
Buddhismus das Leben als ein Unglück&lt;br /&gt;
betrachtet, dem die endgültige Auslö-&lt;br /&gt;
schung im Nirvana vorzuziehen sei. Die&lt;br /&gt;
Versicherung der Gleichheit, die angeb-&lt;br /&gt;
lich zwischen den verschiedenen Mani-&lt;br /&gt;
festationen Gottes besteht, kann dieje-&lt;br /&gt;
nigen schockieren, die vielleicht nicht&lt;br /&gt;
ohne Grund der Meinung sind, daß die-&lt;br /&gt;
ser oder jener der großen Religionsstif-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 47 APRIL 1984 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=16}}ter wegen der Erhabenheit seiner Lehren&lt;br /&gt;
oder der Inbrunst seines Opfers einem&lt;br /&gt;
anderen überlegen sei. Wenn alle »Ma-&lt;br /&gt;
nifestationen« dasselbe sagen, warum&lt;br /&gt;
bis Bahä’ulläh gehen, der nur das wie-&lt;br /&gt;
derholen konnte, was Jesus, Muham-&lt;br /&gt;
mad oder Mose gesagt haben? Wie kann&lt;br /&gt;
man andererseits ohne Vorbehalt die&lt;br /&gt;
Stufe als Prophet, als Bote Gottes aner-&lt;br /&gt;
kennen, die Bahä’ulläh beansprucht?&lt;br /&gt;
Sein Leben war von Mut und Würde,&lt;br /&gt;
seine Persönlichkeit strahlte Güte und&lt;br /&gt;
Großherzigkeit aus, aber sind das genü-&lt;br /&gt;
gende Beweise? Wo sind seine Wunder-&lt;br /&gt;
taten? werden einige hinzufügen: aber&lt;br /&gt;
das Fehlen von aufsehenerregenden&lt;br /&gt;
»Wundern« scheint mir eher zugunsten&lt;br /&gt;
Bahä’u/llähs zu sprechen. Die Historiker&lt;br /&gt;
können die wirkliche Verbindung zwi-&lt;br /&gt;
schen der Sendung des Báb und derjeni-&lt;br /&gt;
gen Bahä’ulllähs erforschen. Die beiden&lt;br /&gt;
sind sich tatsächlich nie begegnet, und&lt;br /&gt;
es ist nicht unmöglich, im Wirken&lt;br /&gt;
Bahä’ullähs einen illegitimen Versuch,&lt;br /&gt;
die Bábi-Bewegung an sich zu reißen, zu&lt;br /&gt;
sehen. Auf der anderen Seite kann der&lt;br /&gt;
Bahäi-Kalender, weit davon entfernt,&lt;br /&gt;
eine Quelle der Einheit zu sein, als eine&lt;br /&gt;
unnötige Komplikation erscheinen. Die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Schriften, vor allem diejenigen&lt;br /&gt;
Bahä’u&#039;llähs, zeugen sicherlich von einer&lt;br /&gt;
unleugbaren Seelengröße, aber ihr blu-&lt;br /&gt;
miger, komplizierter, feierlicher, sehr&lt;br /&gt;
kunstvoller Stil orientalischer Art mag&lt;br /&gt;
vielen abendländischen Lesern auf die&lt;br /&gt;
Nerven gehen. Es ist dauernd die Rede&lt;br /&gt;
von süßen Düften, strahlender Morgen-&lt;br /&gt;
röte, wohllautendem Gesang der Nach-&lt;br /&gt;
tigall, köstlichen Winden und derglei-&lt;br /&gt;
chen. Juden und Christen ziehen sicher&lt;br /&gt;
die Schmucklosigkeit der biblischen&lt;br /&gt;
Verse vor. Schließlich bleibt die Glaub-&lt;br /&gt;
würdigkeit des Bahä’i-Glaubens als gro-&lt;br /&gt;
Be universale Religion bestreitbar. Wird&lt;br /&gt;
es einer Handvoll Gläubigen, von »Pio-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14  BAHÄI-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nieren der Sache«, gelingen, eines Tages&lt;br /&gt;
die Mehrheit zu bilden, oder auch nur&lt;br /&gt;
eine starke Minderheit, die beachtlich&lt;br /&gt;
genug wäre, um eine entsprechende Rol-&lt;br /&gt;
le in der Richtung einer höheren Kultur&lt;br /&gt;
zu spielen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite ist die Aktivsei-&lt;br /&gt;
te der Bilanz bemerkenswert. Die Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit ist ein erhabenes&lt;br /&gt;
Ziel. Sie ist ein Ziel, das die Begeisterung&lt;br /&gt;
der Jugend zu entfachen vermag. Die re-&lt;br /&gt;
ligiöse und geistige Einheit der Völker&lt;br /&gt;
ist ebenfalls eine dynamische Idee, die&lt;br /&gt;
nur ein günstiges Echo finden kann. Die&lt;br /&gt;
Idee einer Religion ohne Klerus, ohne&lt;br /&gt;
Riten, Sakramente, Kirchen, Mytholo-&lt;br /&gt;
gie, Aberglauben und theologische&lt;br /&gt;
Spitzfindigkeiten ist verführerisch. Sie&lt;br /&gt;
trifft sich mit den Vorstellungen der&lt;br /&gt;
Quäker, die gleichfalls das »innere&lt;br /&gt;
Licht«, die Toleranz und die Brüderlich-&lt;br /&gt;
keit aller Menschen zu ihrem Leitgedan-&lt;br /&gt;
ken gemacht haben. Trotz ihrer Ableh-&lt;br /&gt;
nung von Dogmen und Liturgien ist die&lt;br /&gt;
Bahäf-Religion wirklicher Glaube an ei-&lt;br /&gt;
nen lebendigen, wahren Gott, an eine&lt;br /&gt;
unsterbliche Seele, an ein Leben, das&lt;br /&gt;
durch das Wissen um seinen tiefen Sinn&lt;br /&gt;
verändert wird. Sie gibt dem Leben&lt;br /&gt;
Sinn, sie verneint seine Absurdität. Daß&lt;br /&gt;
die ganze Menschheit nur eine Familie&lt;br /&gt;
sei und die Menschen »die Tropfen eines&lt;br /&gt;
Ozeans, die Blätter eines Baumes«, wie&lt;br /&gt;
es Bahä’u/lläh mit poetischen und hof-&lt;br /&gt;
fentlich auch prophetischen Worten&lt;br /&gt;
ausgedrückt hat, das kann jeder Huma-&lt;br /&gt;
nist, auch der religiös Ungläubige, mit&lt;br /&gt;
ganzem Herzen und gutem Gewissen&lt;br /&gt;
unterschreiben. Der Bahá’í-Weltglaube&lt;br /&gt;
hat also eine Chance, sich eines ’lages&lt;br /&gt;
durchzusetzen. Von einem rein humani-&lt;br /&gt;
stischen Standpunkt aus müssen wir an-&lt;br /&gt;
erkennen, daß unser kleiner Planet sich&lt;br /&gt;
dazu nur beglückwünschen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=17}}Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER FETISCH SOUVERÄNITÄT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die moderne Friedensbewegung be-&lt;br /&gt;
hauptet, Frieden sei ohne Androhung&lt;br /&gt;
und Anwendung von Gewalt möglich.&lt;br /&gt;
Daß »Gewalt« verabscheuungswürdig&lt;br /&gt;
ist, steht außer Zweifel, so schwer es&lt;br /&gt;
auch fällt, klar zu definieren, wo Gewalt&lt;br /&gt;
anfängt und wo sie aufhört. Alle Auf-&lt;br /&gt;
klärung, alle modernen Erziehungsme-&lt;br /&gt;
thoden zielen auf Gewaltlosigkeit.&lt;br /&gt;
Nicht nur im Umgang der einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen miteinander, auch im Um-&lt;br /&gt;
gang der Politiker eines Landes und der&lt;br /&gt;
Staaten gilt es mehr und mehr als sitten-&lt;br /&gt;
widrig, gewaltsam vorzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Androhung und Anwendung von&lt;br /&gt;
Gewalt generell als unnatürlich, unnö-&lt;br /&gt;
tig und fortschrittshemmend zu be-&lt;br /&gt;
trachten und letztlich das Vorhanden-&lt;br /&gt;
sein von Gewalt auf das Vorhandensein&lt;br /&gt;
von Herrschaft im weitesten Sinn zu-&lt;br /&gt;
rückzuführen, ist der Irrtum der Anar-&lt;br /&gt;
chisten. Von Natur aus ist der Mensch&lt;br /&gt;
kein friedlicher Wiederkäuer wie das&lt;br /&gt;
Rind oder das Schaf, sondern mit Si-&lt;br /&gt;
cherheit das intelligenteste Lebewesen&lt;br /&gt;
der sichtbaren Welt. Es kann nicht aus-&lt;br /&gt;
bleiben, daß einzelne Subjekte der Spe-&lt;br /&gt;
zies aller guten Erziehung zum Trotz die&lt;br /&gt;
Gewalt als keineswegs unnatürlich, son-&lt;br /&gt;
dern als allgemeines Lebensprinzip ver-&lt;br /&gt;
stehen, kämpfen doch fast alle Lebewe-&lt;br /&gt;
sen einen harten Kampf ums Dasein,&lt;br /&gt;
sind Glieder einer Nahrungskette des&lt;br /&gt;
Fressens und Gefressenwerdens und&lt;br /&gt;
können ohne Gewaltanwendung kaum&lt;br /&gt;
einen Tag lang überleben. Die Versu-&lt;br /&gt;
chung, die im täglichen Daseinskampf&lt;br /&gt;
gegen Tiere, Pflanzen und andere Sa-&lt;br /&gt;
chen angewandte Gewalt auch gegen&lt;br /&gt;
den Mitmenschen zu kehren, hat die&lt;br /&gt;
ganze menschliche Entwicklung beglei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u&#039;llah!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tet, seitdem Kain seinen Bruder Abel er-&lt;br /&gt;
schlug, und die Beobachtung, daß Men-&lt;br /&gt;
schen und Staaten von den gigantisch&lt;br /&gt;
gewachsenen Freiheiten und Möglich-&lt;br /&gt;
keiten des modernen Lebens gerade in&lt;br /&gt;
diese Versuchung laufend geführt wer-&lt;br /&gt;
den, ist wesentlich realistischer als die&lt;br /&gt;
eingangs getroffene Feststellung, daß&lt;br /&gt;
gewaltsames Vorgehen mehr und mehr&lt;br /&gt;
als sittenwidrig gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit&lt;br /&gt;
gehören zu den höchsten gesellschaftli-&lt;br /&gt;
chen Werten. Das kann im ausgehenden&lt;br /&gt;
zweiten Jahrtausend keiner bestreiten,&lt;br /&gt;
der mit seiner politischen Meinung&lt;br /&gt;
ernst genommen werden will. Halten&lt;br /&gt;
wir uns an die landesübliche Unter-&lt;br /&gt;
scheidung zwischen äußerlicher Zivili-&lt;br /&gt;
sation und wahrer Kultur, und verste-&lt;br /&gt;
hen wir unter Kultur als Prozeß die fort-&lt;br /&gt;
schreitende Darstellung und Überwin-&lt;br /&gt;
dung von Widersprüchen, was gleich-&lt;br /&gt;
bedeutend ist mit der fortschreitenden&lt;br /&gt;
Darstellung und Verwirklichung von&lt;br /&gt;
Werten, dann folgt aus dieser Defini-&lt;br /&gt;
tion, daß es so etwas wie einen Kultur-&lt;br /&gt;
willen gibt, der im Gang der Weltge-&lt;br /&gt;
schichte seine Wirkung entfaltet und in&lt;br /&gt;
jedem Menschen als die gesellschaft-&lt;br /&gt;
liche Komponente zum Sinn seines&lt;br /&gt;
Lebens mehr oder minder bewußt wird,&lt;br /&gt;
aber doch unabhängig von den denken-&lt;br /&gt;
den Subjekten vorhanden ist. Dieser&lt;br /&gt;
Kulturwille steht im Zusammenhang&lt;br /&gt;
mit dem Zeitgeist und sinnverwandten&lt;br /&gt;
Konkretisierungen. Er manifestiert sich&lt;br /&gt;
nicht nur in religiösen Geboten und Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Ährenlese 43:6, Hofheim-Langenhain 31980;&lt;br /&gt;
Botschaften aus Akkä 7:13, Hofheim-&lt;br /&gt;
Langenhain 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|16|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=18}}heißungen — wie etwa über die Selig-&lt;br /&gt;
keit der Friedfertigen, die das Reich Got-&lt;br /&gt;
tes erben werden — sondern auch recht&lt;br /&gt;
konkret in staatlichen Ordnungen, wel-&lt;br /&gt;
che die natürlichen und unnatürlichen&lt;br /&gt;
Gewalttätigkeiten in gesetzlichen Schran-&lt;br /&gt;
ken halten sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sollten es. »Natürlich« konnte&lt;br /&gt;
nicht ausbleiben, daß die Gewalttäter,&lt;br /&gt;
einzeln und in ganzen Scharen, dienoch&lt;br /&gt;
so weise verfaßten staatlichen Ordnun-&lt;br /&gt;
gen für ihre Zwecke mißbrauchten und&lt;br /&gt;
nach ihren Zwecken verunstalteten. Die&lt;br /&gt;
ganze Weltgeschichte ist Zeugnis des&lt;br /&gt;
Ringens um immer reinere Staatlich-&lt;br /&gt;
keit, immer klarere Bestimmung und&lt;br /&gt;
Durchsetzung von Friedensordnungen&lt;br /&gt;
als fortschreitende Verwirklichung je-&lt;br /&gt;
nes Kulturwillens. Dabei gab undgibt es&lt;br /&gt;
unzählige Kämpfe und Konflikte, An-&lt;br /&gt;
griffe und Rückschläge; aber eine Stu-&lt;br /&gt;
fenfolge des administrativen Kultur-&lt;br /&gt;
fortschritts ist deutlich wahrnehmbar:&lt;br /&gt;
»Die Einheit der Familie, des Stammes,&lt;br /&gt;
des Stadtstaates und der Nation ist&lt;br /&gt;
nacheinander in Angriff genommen&lt;br /&gt;
und völlig erreicht worden.«? Landfrie-&lt;br /&gt;
den ist ein schönes deutsches Wort für&lt;br /&gt;
den Zustand, der auf diesem Wege alles&lt;br /&gt;
in allem, wenn auch keineswegs immer&lt;br /&gt;
und überall, erreicht worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum nur fällt es den Menschen&lt;br /&gt;
trotz aller Krisen und Katastrophen,&lt;br /&gt;
trotz der Drohung des totalen Unter-&lt;br /&gt;
gangs so schwer, den zwingend notwen-&lt;br /&gt;
digen nächsten Denkschritt auf dem&lt;br /&gt;
Wege der politischen Kultur zu tun? Wa-&lt;br /&gt;
rum setzt die Friedensbewegung dem&lt;br /&gt;
ganzen Rüstungswahnsinn, dem absur-&lt;br /&gt;
den Konzept wechselseitiger Ab-&lt;br /&gt;
schreckung großer und kleiner Atom-&lt;br /&gt;
mächte nur die kaum weniger absurde&lt;br /&gt;
Vorstellung entgegen, daß Frieden ohne&lt;br /&gt;
Androhung oder Anwendung von Ge-&lt;br /&gt;
walt denkbar sei? Sind wirklich alle so&lt;br /&gt;
blind, so bar jedes logischen Rechts-&lt;br /&gt;
empfindens und jeder politischen Phan-&lt;br /&gt;
tasie, daß keiner erkennt, wie absurd es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 BAHÄ’I-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, wenn in unserer kleingeschrumpften&lt;br /&gt;
Welt mehr als hundertfünfzig unabhän-&lt;br /&gt;
gige Nationalstaaten ihre jeweiligen&lt;br /&gt;
Souveränitätsrechte mit Klauen und&lt;br /&gt;
Zähnen verteidigen, statt sich zu einem&lt;br /&gt;
Weltbundesstaat zusammenzuraufen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Weltregierung... ist ein Traum,&lt;br /&gt;
und nicht einmal ein schöner«, schreibt&lt;br /&gt;
ein deutscher Professor Ende 1982 im&lt;br /&gt;
führenden deutschen Intelligenzblatt,?&lt;br /&gt;
und keiner widerspricht dem. Er&lt;br /&gt;
schreibt das in einer Kritik der Friedens-&lt;br /&gt;
bewegungen und weiß sehr wohl, daßer&lt;br /&gt;
sich mit diesen Worten an den Spruch&lt;br /&gt;
eines erzreaktionären preußischen Ge-&lt;br /&gt;
nerals anlehnt, der dasselbe vor gut&lt;br /&gt;
hundert Jahren über den Frieden gesagt&lt;br /&gt;
hat. Welch zynische Verkennung des&lt;br /&gt;
Wesens und des Zweckes staatlicher Ge-&lt;br /&gt;
walt, Frieden auf unbegrenzte Dauer —&lt;br /&gt;
und das bedeutet: nicht nur Landfrie-&lt;br /&gt;
den, sondern Weltfrieden — zu schaf-&lt;br /&gt;
fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897—1957), der Hü-&lt;br /&gt;
ter des Bahäi-Glaubens, schrieb 1936:&lt;br /&gt;
»Die Vereinigung der ganzen Mensch-&lt;br /&gt;
heit ist das Kennzeichen der Stufe, der&lt;br /&gt;
sich die menschliche Gesellschaft heute&lt;br /&gt;
nähert... Welteinheit ist das Ziel, dem&lt;br /&gt;
eine gequälte Menschheit zustrebt. Der&lt;br /&gt;
Aufbau von Nationalstaaten ist zu ei-&lt;br /&gt;
nem Ende gekommen. Die Anarchie, die&lt;br /&gt;
der nationalstaatlichen Souveränität&lt;br /&gt;
anhaftet, nähert sich heute einem Höhe-&lt;br /&gt;
punkt. Eine Welt, die zur Reife heran-&lt;br /&gt;
wächst, muß diesen Fetisch aufgeben,&lt;br /&gt;
die Einheit und Ganzheit der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Beziehungen erkennen und ein&lt;br /&gt;
für allemal den Apparat aufrichten, der&lt;br /&gt;
diesen Leitgrundsatz ihres Daseins am&lt;br /&gt;
besten zu verkörpern vermag.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahä’u&#039;llähs,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1977, S. 295&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Prof. Dr. Michael Zöller, Bayreuth, in der&lt;br /&gt;
Frankfurter Allgemeinen vom 3.11.82, S. 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Shoghi Effendi, a.aO.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|17|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=19}}Zwischen der neuen Friedensbewe-&lt;br /&gt;
gung mit ihren wiederbelebten anarchi-&lt;br /&gt;
stischen Vorstellungen und ewig-gestri-&lt;br /&gt;
gen Vertretern souveräner National-&lt;br /&gt;
staaten mit ihrer Theorie eines Friedens&lt;br /&gt;
durch Abschreckung werden wir Bahä’i&lt;br /&gt;
den schmalen Mittelweg gehen müssen,&lt;br /&gt;
der den Ausbau der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
zu einem handlungsfähigen Weltbun-&lt;br /&gt;
desstaat zum Ziel hat. Wir werden mit&lt;br /&gt;
wachsender Deutlichkeit sagen müssen,&lt;br /&gt;
daß dies der einzig gangbare Weg zur&lt;br /&gt;
Sicherung des von Bahä’u’liah vorherge-&lt;br /&gt;
sagten »Geringeren Friedens« ist, ja daß&lt;br /&gt;
konsequenterweise jede Außenpolitik,&lt;br /&gt;
die auf andere Ziele gerichtet ist, frie-&lt;br /&gt;
densgefährdend ist. Und wir werden die&lt;br /&gt;
Fehlhaltung derjenigen, die die soge-&lt;br /&gt;
nannte Souveränität der hundertfünfzig&lt;br /&gt;
Nationalstaaten verteidigen, so entlar-&lt;br /&gt;
ven müssen, wie sie Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
schon 1936 bezeichnet hat: als&lt;br /&gt;
Fetischismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Welt hat es sich in den letzten&lt;br /&gt;
Jahrzehnten gefallen lassen müssen, tie-&lt;br /&gt;
fenpsychologisch auseinandergenom-&lt;br /&gt;
men zu werden. Kein Mensch, keine ge-&lt;br /&gt;
sellschaftliche Erscheinung, die nicht&lt;br /&gt;
unter dem Bombardement psychoana-&lt;br /&gt;
lytischer Aussagen stünde. Nur ein Pro-&lt;br /&gt;
blemkreis bleibt, an den sich — soweit&lt;br /&gt;
in der einschlägigen Literaturschwem-&lt;br /&gt;
me feststellbar — noch kein Tiefenpsy-&lt;br /&gt;
chologe richtig herangewagt hat: das&lt;br /&gt;
Bewußtseinsfeld der Beziehungen des&lt;br /&gt;
erwachsenen Bürgers zum universalen&lt;br /&gt;
Machtanspruch des souveränen Staates&lt;br /&gt;
sowie das Feld der Vorstellungen, wel-&lt;br /&gt;
che die hundertfünfzig existierenden&lt;br /&gt;
universalen Machtansprüche in den je-&lt;br /&gt;
weiligen Machtträgern auslösen. Die&lt;br /&gt;
auf diesen Feldern wirkenden halbbe-&lt;br /&gt;
wußten Widersprüche darzustellen und&lt;br /&gt;
therapeutisch anzugehen, wird ein ent-&lt;br /&gt;
scheidender Beitrag zur Ausformung je-&lt;br /&gt;
nes allumfassenden Kulturwillens sein;&lt;br /&gt;
dafür den Begriff »Fetisch« zu erschlie-&lt;br /&gt;
Ben, wie ihn Shoghi Effendi vor bald&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fünfzig Jahren verwandt hat, wird noch&lt;br /&gt;
tragfähigere Aussagen liefern als die&lt;br /&gt;
staatsphilosophisce Konfrontation&lt;br /&gt;
mit der »Anarchie, die der national-&lt;br /&gt;
staatlichen Souveränität anhaftet«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fetisch, spätlateinisch factitius, por-&lt;br /&gt;
tugiesisch feitico, »das künstlich Ge-&lt;br /&gt;
machte«, bezeichnete ursprünglich die&lt;br /&gt;
Amulette und anderen Mittel der Ma-&lt;br /&gt;
gie, mit denen die Europäer im ausge-&lt;br /&gt;
henden 15. Jahrhundert den Eingebore-&lt;br /&gt;
nen Westafrikas gegenübertraten, spä-&lt;br /&gt;
ter die eigenen magischen Gegenstände&lt;br /&gt;
dieser Eingeborenen. August Comte&lt;br /&gt;
(1798—1857), der Vater der Soziologie,&lt;br /&gt;
verwandte den Begriff auf die primiti-&lt;br /&gt;
ven Religionen im allgemeinen, von de-&lt;br /&gt;
nen er annahm, daß sie menschliche Ei-&lt;br /&gt;
genschaften nichtmenschlichen Kör-&lt;br /&gt;
pern zuschreiben. Das beschrieb man&lt;br /&gt;
später als Animismus. Fetischismus ist&lt;br /&gt;
demgegenüber nach modernerem Ver-&lt;br /&gt;
ständnis der Glaube, daß Geister in&lt;br /&gt;
stofflichen Gegenständen verkörpert&lt;br /&gt;
oder sonstwie mit diesen verbunden&lt;br /&gt;
sind und durch diese Einfluß ausüben.&lt;br /&gt;
Die Anthropologie verwendet das Wort&lt;br /&gt;
Fetischismus kaum mehr, weil sie heut-&lt;br /&gt;
zutage weniger die stofflichen Artifakte&lt;br /&gt;
als vielmehr die übernatürlichen Glau-&lt;br /&gt;
bensvorstellungen beobachtet. Umso&lt;br /&gt;
eifriger hat die Psychoanalyse dieses&lt;br /&gt;
Wort aufgegriffen. Sie bezeichnet damit&lt;br /&gt;
ein abnormes Sexualverhalten, nämlich&lt;br /&gt;
die erotische Beziehung unbelebter Ge-&lt;br /&gt;
genstände oder gewöhnlich asexueller&lt;br /&gt;
Teile des menschlichen Körpers. Interes-&lt;br /&gt;
sant ist, daß Fetischismus in diesem Sin-&lt;br /&gt;
ne fast ausschließlich unter Männern&lt;br /&gt;
vorkommt — genauso wie der Fetischis-&lt;br /&gt;
mus um die nationale Souveränität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde zu weit führen, hier im ein-&lt;br /&gt;
zelnen darzustellen und mit Beispielen&lt;br /&gt;
zu untermauern, wie die überwältigen-&lt;br /&gt;
de Mehrheit der politisch denkenden&lt;br /&gt;
und handelnden Menschheit heutzuta-&lt;br /&gt;
ge dem Fetisch der nationalen Souverä-&lt;br /&gt;
nität hörig ist. Vom Stammtischredner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 47 APRIL 1984 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis zum Staatspräsidenten, zum Kanzler&lt;br /&gt;
und zum Außenminister gibt es keinen,&lt;br /&gt;
der zu der Einsicht durchbräche, daß die&lt;br /&gt;
hundertfünfzig Nationalstaaten in der&lt;br /&gt;
Welt von heute genauso an die Kandare&lt;br /&gt;
einer übergreifenden Ordnung genom-&lt;br /&gt;
men gehören wie etwa die Länder eines&lt;br /&gt;
Bundesstaates oder die Ortsgemeinden&lt;br /&gt;
eines Landes. Positive Ansätze einer&lt;br /&gt;
staatsphilosophischen und staatsrecht-&lt;br /&gt;
lichen Untermauerung für die Überlei-&lt;br /&gt;
tung der wichtigsten Souveränitätsrech-&lt;br /&gt;
te, vor allem der Verteidigungs- und Fi-&lt;br /&gt;
nanzhoheit, auf einen Weltbundesstaat&lt;br /&gt;
— Ansätze, die etwa von Lionel George&lt;br /&gt;
Curtis (1872—1955) und anderen zwi-&lt;br /&gt;
schen den beiden Weltkriegen als die&lt;br /&gt;
edelste Frucht des britischen Imperialis-&lt;br /&gt;
mus vertreten wurden — sind heute in&lt;br /&gt;
einer Flut neuer Staatsgründungen un-&lt;br /&gt;
tergegangen, oder besser gesagt: ver-&lt;br /&gt;
drängt worden. Bei Gründung der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen wurde ein Antrag,&lt;br /&gt;
der Generalversammlung gesetzgeben-&lt;br /&gt;
de Gewalt zuzusprechen, ausdrücklich&lt;br /&gt;
abgelehnt. Die Weltstaat- und Welt-&lt;br /&gt;
bürger-Bewegung, die sich daraufhin in&lt;br /&gt;
den vierziger und fünfziger Jahren vor-&lt;br /&gt;
übergehend stark entwickelte, geriet&lt;br /&gt;
nach dem Koreakrieg und der Grün-&lt;br /&gt;
dung östlicher wie westlicher Verteidi-&lt;br /&gt;
gungsbündnisse — Frieden durch Ab-&lt;br /&gt;
schreckung — in Vergessenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kosmopolit, der zugleich Zyniker&lt;br /&gt;
ist, könnte hier einwerfen, die Mensch-&lt;br /&gt;
heit habe einen Ersten Weltkrieg benö-&lt;br /&gt;
tigt, um das lockere, brüchige Gebilde&lt;br /&gt;
des Völkerbundes zustandezubringen,&lt;br /&gt;
und den Zweiten Weltkrieg, damit die&lt;br /&gt;
einigermaßen verbesserte Organisation&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen entstand; nun&lt;br /&gt;
würde eben ein dritter Weltkrieg vonnö-&lt;br /&gt;
ten sein, um die hundertfünfzig Natio-&lt;br /&gt;
nalstaaten unverbrüchlich aneinander-&lt;br /&gt;
zuschmieden. Schließlich ist ja selbst&lt;br /&gt;
die Führungsnation des Westens nicht&lt;br /&gt;
ohne einen Bürgerkrieg zu dem gewor-&lt;br /&gt;
den, was sie heute ist. Und wenn dank&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18  BAHA&#039;T-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
modernster Waffen in diesem Lernpro-&lt;br /&gt;
zeß die Hälfte der Menschheit drauf-&lt;br /&gt;
geht, dann sind nach Ansicht unseres&lt;br /&gt;
Zynikers immer noch genügend da, um&lt;br /&gt;
das endlich nachzuvoliziehen, was&lt;br /&gt;
schon seit Generationen hätte gesche-&lt;br /&gt;
hen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das wirklich der politischen Weis-&lt;br /&gt;
heit letzter Schluß? Können sich verant-&lt;br /&gt;
wortungsbewußte Weltbürger ausge-&lt;br /&gt;
sprochen oder unausgesprochen eine&lt;br /&gt;
derartige Einstellung leisten? Gibt es&lt;br /&gt;
stichhaltige Argumente, sie herunterzu-&lt;br /&gt;
spielen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Bahäi haben hundertvierzig Jah-&lt;br /&gt;
re hindurch mit Engelszungen die Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit gepredigt. Wir ha-&lt;br /&gt;
ben alle religiösen und rationalen Be-&lt;br /&gt;
weisgründe ins Feld geführt: die Pro-&lt;br /&gt;
phezeiungen und Endzeiterwartungen,&lt;br /&gt;
das Jüngste Gericht, die Wiederkehr in&lt;br /&gt;
der Herrlichkeit des Vaters, das ganze&lt;br /&gt;
System einer umfassenden religiösen&lt;br /&gt;
Aufklärung. Zwanzigtausend Bábi und&lt;br /&gt;
Bahäi haben mit ihrem Märtyrerblut&lt;br /&gt;
für den Glauben an die präexistent-&lt;br /&gt;
geistige und real-künftige Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit Zeugnis abgelegt, und viele&lt;br /&gt;
tausend weitere werden heute und mor-&lt;br /&gt;
gen allein dieses Glaubens wegen umge-&lt;br /&gt;
bracht oder aller ihrer Menschenrechte&lt;br /&gt;
beraubt. Bahäu&#039;lläh, die »Gesegnete&lt;br /&gt;
Schönheit«, hat in unzähligen Werken,&lt;br /&gt;
mit unübertrefflicher Deutlichkeit und&lt;br /&gt;
Eindringlichkeit die höchsten denkba-&lt;br /&gt;
ren Zielvorstellungen für die Entwick-&lt;br /&gt;
lung des einzelnen Menschen wie der&lt;br /&gt;
ganzen menschlichen Gesellschaft ent-&lt;br /&gt;
faltet: Der eine wahre Gott hat die Welt&lt;br /&gt;
und den Menschen erschaffen, um er-&lt;br /&gt;
kannt und geliebt zu werden; Er hat alle&lt;br /&gt;
Menschen erschaffen, damit sie eine&lt;br /&gt;
ständig fortschreitende Kultur voran-&lt;br /&gt;
tragen; Er spricht von Zeitalter zu Zeit-&lt;br /&gt;
alter durch Propheten, »Manifestatio-&lt;br /&gt;
nen Gottes«, um jeweils das Gesetz und&lt;br /&gt;
den Impuls für den nächsten Entwick-&lt;br /&gt;
lungsabschnitt zu geben, und Er hat in&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=21}}unserer Zeit die geistigen und recht-&lt;br /&gt;
lichen Grundlagen für die Reife und Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit niedergelegt. Wir&lt;br /&gt;
müssen das nur zur Kenntnis nehmen,&lt;br /&gt;
uns damit auseinandersetzen, uns dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bekennen, es nachvollziehen und ein-&lt;br /&gt;
üben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber alle diese Deklarationen, Pro-&lt;br /&gt;
klamationen und Demonstrationen ha-&lt;br /&gt;
ben den Durchbruch zum »Geringeren&lt;br /&gt;
Frieden« nicht bewirken können, zum&lt;br /&gt;
Zustand des weltweiten Nichtkrieges,&lt;br /&gt;
den Bahä’u’lläh als Zwischenlösung vor-&lt;br /&gt;
ausgeschaut hat.° Wir Bahá’í sind gefor-&lt;br /&gt;
dert, die Schraube unserer Überzeu-&lt;br /&gt;
gungskraft einige Windungen weiter zu&lt;br /&gt;
drehen. Zwar halten wir uns freudig an&lt;br /&gt;
das Gebot, »Flüche und Schmähreden«&lt;br /&gt;
zu vermeiden und »keinen Kummer, ge-&lt;br /&gt;
schweige denn Zwietracht und Streit«&lt;br /&gt;
zu verursachen. Wir werden aber nicht&lt;br /&gt;
umhin können, eigens und gerade von&lt;br /&gt;
unserem Standpunkt eines umfassen-&lt;br /&gt;
den, strahlenden, opferbereiten Weltbe-&lt;br /&gt;
wußtseins her mit allen zu Gebote ste-&lt;br /&gt;
henden Mitteln eine Kritik an den Fehl-&lt;br /&gt;
haltungen unserer Umwelt und an ihren&lt;br /&gt;
staatsphilosophischen Widersprüchen&lt;br /&gt;
zu vollziehen. Vom Bahä’i-Standpunkt&lt;br /&gt;
aus werden wir eine Psychopathologie&lt;br /&gt;
der nationalistischen Machtausübung&lt;br /&gt;
entwickeln und dem Fetischismus um&lt;br /&gt;
die nationale Souveränität in seinen&lt;br /&gt;
tausendfältigen Ausprägungen auf den&lt;br /&gt;
Grund gehen müssen. Das wird für Ge-&lt;br /&gt;
nerationen von Psychologen und Sozio-&lt;br /&gt;
logen eine große Aufgabe sein, aber zur&lt;br /&gt;
Popularisierung dieser Kritik, zur Aus-&lt;br /&gt;
einandersetzung in der breiten Öffent-&lt;br /&gt;
lichkeit mit den uns gemäßen Mitteln,&lt;br /&gt;
kann jeder Einsichtige seinen Beitrag&lt;br /&gt;
leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kritik am Fetischcharakter der&lt;br /&gt;
nationalstaatlichen Souveränität als&lt;br /&gt;
wesentlicher Beitrag zum »Geringeren&lt;br /&gt;
Frieden« ist eine Sache, ihre Abstim-&lt;br /&gt;
mung mit einer Reihe von Gegenstands-&lt;br /&gt;
punkten eine andere. Da ist zunächst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Bahäii-Grundsatz der Nichteinmi-&lt;br /&gt;
schung in die Tagespolitik. Wir Bahä’i&lt;br /&gt;
treiben keine Einmischung in die inne-&lt;br /&gt;
ren Angelegenheiten souveräner Staa-&lt;br /&gt;
ten über die sorgfältige Ausübung unse-&lt;br /&gt;
rer Bürgerpflichten hinaus. Da ist so-&lt;br /&gt;
dann ein grundlegender Etatismus: Der&lt;br /&gt;
Staat an sich ist ein unverzichtbarer We-&lt;br /&gt;
sensbestandteil menschlicher Kultur,&lt;br /&gt;
und Anarchismus ist ein ebenso schlim-&lt;br /&gt;
mer Greuel wie die faktisch unbegrenzte&lt;br /&gt;
Souveränität von hundertfünfzig Na-&lt;br /&gt;
tionalstaaten. Da ist drittens das Bestre-&lt;br /&gt;
ben der Bahäi-Weltgemeinschaft, als&lt;br /&gt;
anerkannte Nicht-Regierungs-Organi-&lt;br /&gt;
sation in den Gremien der Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen mit den Vertretern aller Nationen&lt;br /&gt;
gute Beziehungen zu pflegen und ihnen&lt;br /&gt;
die Einsicht in die notwendigen Refor-&lt;br /&gt;
men Schritt für Schritt zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Viertens steht die Bahä’i-Lehrarbeit,&lt;br /&gt;
nein, jedwede Bahäi-Tätigkeit unter&lt;br /&gt;
dem unverbrüchlichen Gebot der Ge-&lt;br /&gt;
waltlosigkeit. Nur der Staat darf Gewalt&lt;br /&gt;
ausüben; aber er muß es — das ist das&lt;br /&gt;
Entscheidende — widerspruchsfrei tun.&lt;br /&gt;
Fünftens ist da der Modellcharakter der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verwaltungs- und Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung,’ deren Prinzipien jeden Gläu-&lt;br /&gt;
bigen zur Mitwirkung und Ausgestal-&lt;br /&gt;
tung herausfordern, aber trotz aller&lt;br /&gt;
Weltoffenheit nicht ohne weiteres in das&lt;br /&gt;
freie Feld des Politischen übertragen&lt;br /&gt;
werden können, weil sie auf Glaubens-&lt;br /&gt;
sätzen beruhen. Und sechstens sind mit&lt;br /&gt;
dieser neuen Verwaltungs- und Gesell-&lt;br /&gt;
schaftsordnung nicht nur vage Hoff-&lt;br /&gt;
nungen, sondern strukturierte lehrpoli-&lt;br /&gt;
tische Erwartungen verbunden: »Ihr Lo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 UN Doc 507, 11/2/22,9 UNCIO Doc 70 (1945)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Eine Charakterisierung des »Geringeren« und&lt;br /&gt;
des »Größen Friedens« findet sich bei Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi, a.a.O., S. 231&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
? Die staatsrechtlichen Aspekte der Bahäfi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung behan-&lt;br /&gt;
delt A. L. Lincoln, Politik des Glaubens, Hof-&lt;br /&gt;
heim-Langenhain 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’I-BRIEFE 47 APRIL 1984 19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sungswort ist die Vereinigung des Men-&lt;br /&gt;
schengeschlechts, ihr Banner der »Größ-&lt;br /&gt;
te Friede«, ihre Vollendung der Anbruch&lt;br /&gt;
jenes Goldenen Zeitalters, des Tages, da&lt;br /&gt;
die Reiche dieser Welt zum Reiche Got-&lt;br /&gt;
tes, welches das Reich Bahä’u&#039;llähs ist,&lt;br /&gt;
geworden sind.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles darf aber nicht dazu führen,&lt;br /&gt;
den Fetischismus um die nationale Sou-&lt;br /&gt;
veränität alsetwas Unabänderliches wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das schlechte Wetter hinzunehmen.&lt;br /&gt;
Wenn wir die Ermahnungen Bahä’-&lt;br /&gt;
ulllähs zur Weltoffenheit ernst nehmen,&lt;br /&gt;
müssen wir dieser grassierenden Seuche&lt;br /&gt;
mutig entgegenwirken — mit den besten&lt;br /&gt;
Mitteln und Methoden, wie Er sie uns&lt;br /&gt;
gewiesen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Shoghi Effendi, a.a.O., $. 226&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefste Sinn&lt;br /&gt;
und der vollkommenste Ausdruck dessen,&lt;br /&gt;
was die Völker früherer Zeiten gesagt und geschrieben haben,&lt;br /&gt;
ist durch diese mächtigste Offenbarung&lt;br /&gt;
aus dem Himmel des Willens&lt;br /&gt;
des Allbesitzenden, des Immerwährenden Gottes herabgesandt.&lt;br /&gt;
Einst wurde offenbart:&lt;br /&gt;
»Die Liebe zum Vaterland ist ein Bestandteil des Gottesglaubens.«&lt;br /&gt;
Die Zunge der Größe jedoch&lt;br /&gt;
verkündet am Tage Seiner Offenbarung:&lt;br /&gt;
»Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt,&lt;br /&gt;
sondern wer die ganze Welt liebt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die von diesem erhabenen Wort entfesselte Kraft&lt;br /&gt;
verleiht Er den Vögeln der Menschenherzen frischen Schwung,&lt;br /&gt;
weist ihnen eine neue Richtung&lt;br /&gt;
und tilgt jede Spur von Beschränkung und Begrenzung&lt;br /&gt;
aus Gottes heiligem Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=23}}Christopher Sprung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-HAUS DER ANDACHT 1964—1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4, Juli 1984 jährt sich zum zwanzig-&lt;br /&gt;
sten Mal die Einweihung des Europäi-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i-Hauses der Andacht in&lt;br /&gt;
Langenhain/Taunus. Dies gibt will-&lt;br /&gt;
kommenen Anlaß, Rückschau zu hal-&lt;br /&gt;
ten, uns der Eigenart eines »Hauses der&lt;br /&gt;
Andacht« des Bahäi-Glaubens zu erin-&lt;br /&gt;
nern und einen Blick auf die denkbare&lt;br /&gt;
Entwicklung in der Zukunft zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht in der kleinen&lt;br /&gt;
Taunusgemeinde Langenhain, kaum&lt;br /&gt;
zwanzig Kilometer vom brodelnden,&lt;br /&gt;
hektischen Stadtkern Frankfurts ent-&lt;br /&gt;
fernt und doch beschaulich und ruhig in&lt;br /&gt;
eine Landschaft von Wiesen und Wäl-&lt;br /&gt;
dern eingebettet, erfüllt nicht nur die&lt;br /&gt;
deutsche Bahä’i-Gemeinde mit Stolz.&lt;br /&gt;
Oft wird es als »europäischer Mutter-&lt;br /&gt;
tempel« bezeichnet, um zu veranschau-&lt;br /&gt;
lichen, daß es das erste und bis heute&lt;br /&gt;
einzige Gebäude dieser Art auf dem eu-&lt;br /&gt;
ropäischen Kontinent darstellt. Für die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinden in achtzehn Ländern&lt;br /&gt;
Europas ist es »ihr« Haus der Andacht,&lt;br /&gt;
ihr geistiger Mittelpunkt. Das Haus der&lt;br /&gt;
Andacht gewinnt aber noch mehr an&lt;br /&gt;
Bedeutung, wenn man sich die weltwei-&lt;br /&gt;
te Entwicklung der Bahä’i-Religion vor&lt;br /&gt;
Augen hält und sich bewußt wird, wel-&lt;br /&gt;
chen Rang Langenhain für die Bahá’í in&lt;br /&gt;
aller Welt einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäi-Religion ist ein junger&lt;br /&gt;
Glaube, vor erst 140 Jahren in Persien&lt;br /&gt;
entstanden. Ein halbes Jahrhundert&lt;br /&gt;
mußte vergehen, bis die Kunde von der&lt;br /&gt;
neuen Religion zum ersten Mal in einem&lt;br /&gt;
westlichen Land vernommen wurde.&#039;&lt;br /&gt;
Doch bis zu diesem Zeitpunkt rief sie in&lt;br /&gt;
ihrem Ursprungsland wie auch in be-&lt;br /&gt;
nachbarten Ländern beachtenswerte&lt;br /&gt;
Umwälzungen hervor. Hunderttausen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
de bekannten sich mutig zum neuen&lt;br /&gt;
Glauben, zwanzigtausend wurden un-&lt;br /&gt;
ter grausamen Umständen von der fana-&lt;br /&gt;
tischen Orthodoxie niedergemetzelt.?&lt;br /&gt;
Die blutigen Verfolgungen, die leider&lt;br /&gt;
auch in jüngster Zeit wieder aufge-&lt;br /&gt;
flammt sind,? konnten die Ausbreitung&lt;br /&gt;
des modernen und weltoffenen Gedan-&lt;br /&gt;
kenguts jedoch nicht hindern. Sie tru-&lt;br /&gt;
gen, wie so oft in der Geschichte, eher zu&lt;br /&gt;
ihrer Verbreitung bei. So kam es, daß&lt;br /&gt;
bereits im Jahre 1902 mit dem Bau des&lt;br /&gt;
ersten Hauses der Andacht der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion begonnen werden konnte — in&lt;br /&gt;
‘Ishqabäd im damaligen Turkmenistan.&lt;br /&gt;
Die Geschichte des Hauses der Andacht&lt;br /&gt;
in Langenhain geht zurück auf den er-&lt;br /&gt;
sten Stein, gesetzt in &#039;Ishqabäd, das erste&lt;br /&gt;
Blut, geopfert in Persien, den ersten&lt;br /&gt;
göttlichen Ruf, erklungen am 23. Mai&lt;br /&gt;
1844 in Shiräz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die rasche Ausbreitung des Bahá’í-&lt;br /&gt;
Glaubens im Westen wurde durch die&lt;br /&gt;
Reisen Abdu’l-Bahás nach Europa und&lt;br /&gt;
in die USA (1910—1913) eingeleitet.&lt;br /&gt;
1912 legte ‘Abdu’l-Bahá den Grundstein&lt;br /&gt;
für das erste Bahä’i-Haus der Andacht&lt;br /&gt;
des Westens in Wilmette am Michigan-&lt;br /&gt;
See bei Chikago. Doch zwei Weltkriege&lt;br /&gt;
und die damit verbundenen politischen&lt;br /&gt;
und ökonomischen Wirren verzögerten&lt;br /&gt;
die Fertigstellung bis 1953. Nun wurde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Am 23. September 1893 anläßlich eines Welt-&lt;br /&gt;
kongresses in Chicago&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Siehe die umfangreiche Literatur zur Bahä’i-&lt;br /&gt;
Geschichte, u.a.: Shoghi Effendi, Gott geht vor-&lt;br /&gt;
über, Hofheim-Langenhain 21974&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Siehe »Dokumentation zur Verfolgung der&lt;br /&gt;
Bahäfi in Iran«, herausgegeben vom Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rat der Bahä’i in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄTI-BRIEFE 47 APRIL 1984 721&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
angestrebt, ein Haus der Andacht in je-&lt;br /&gt;
dem Kontinent zu errichten. Die Bahá’í&lt;br /&gt;
in aller Welt trugen durch ihre Spenden&lt;br /&gt;
dazu bei, daß dieses Ziel rasch erreicht&lt;br /&gt;
werden konnte: die Häuser der Andacht&lt;br /&gt;
bei Kampala/Uganda (Januar 1961),&lt;br /&gt;
Sidney/Australien (September 1961),&lt;br /&gt;
Frankfurt/Deutschland (Juli 1964) und&lt;br /&gt;
Panama City/Panama (April 1972) ge-&lt;br /&gt;
ben ein beredtes Zeugnis von der Dyna-&lt;br /&gt;
mik, der Entfaltungskraft und der glo-&lt;br /&gt;
balen Ausrichtung der Bahä’i-Religion.&lt;br /&gt;
Zwei weitere, in ihrer Architektur eben-&lt;br /&gt;
so beeindruckende Tempel befinden&lt;br /&gt;
sich derzeit im Bau: bei Neu-Delhi/In-&lt;br /&gt;
dien (Grundsteinlegung Oktober 1977)&lt;br /&gt;
und Apia/West-Samoa (Grundsteinle-&lt;br /&gt;
gung Januar 1979).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist es, das die Bahä’i-Gemeinden&lt;br /&gt;
dazu antreibt, überall auf der Welt in so&lt;br /&gt;
einzigartiger, unnachahmlicher Weise&lt;br /&gt;
faszinierende Kuppelbauten zu errich-&lt;br /&gt;
ten, manche verwurzelt in orientali-&lt;br /&gt;
scher Tradition, manche neuzeitlich an-&lt;br /&gt;
mutend, der indische Tempel in seiner&lt;br /&gt;
der Lotusblüte angelehnten Form die of-&lt;br /&gt;
fene Einladung den Hindus und Buddhi-&lt;br /&gt;
sten aussprechend? Ein Verständnis&lt;br /&gt;
hierfür kann nur gewinnen, wer die gei-&lt;br /&gt;
stige Bedeutung dieser Tempel zu verste-&lt;br /&gt;
hen versucht. Dies heißt aber, herkömm-&lt;br /&gt;
liche Vorstellungen abzulegen, altherge-&lt;br /&gt;
brachte Begriffe und Bauten jüdischer&lt;br /&gt;
Tempel, christlicher Kirchen und islami-&lt;br /&gt;
scher Moscheen zu vergessen. Das Bahäi-&lt;br /&gt;
Haus der Andacht eröffnet ein neues Ver-&lt;br /&gt;
ständnis von religiöser Anbetung und&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Göttlichen. Den&lt;br /&gt;
Schlüssel gibt uns seine arabische Be-&lt;br /&gt;
zeichnung, wie sie in den Heiligen Schrif-&lt;br /&gt;
ten des Bahá’í-Glaubens zu finden ist:&lt;br /&gt;
»Mashriqu/l-Adhkär« bedeutet im&lt;br /&gt;
Wortsinne »Aufgangsort der Lobprei-&lt;br /&gt;
sung Gottes«. Im Mashriqu’l-Adhkär&lt;br /&gt;
soll allein das göttliche Wort gespro-&lt;br /&gt;
chen werden, losgelöst, befreit und un-&lt;br /&gt;
beschwert von menschlicher Interpreta-&lt;br /&gt;
tion, von Vortrag und Predigt. Kein Ri-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22  BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tual stört den Sucher, keine überladene&lt;br /&gt;
Kunst lenkt ihn ab. Zu sprechen erlaubt&lt;br /&gt;
sind allein die Heiligen Schriften aller&lt;br /&gt;
Religionen. Die göttlichen Wahrheiten,&lt;br /&gt;
verborgen im ewigen Schatz der&lt;br /&gt;
Menschheit — Altes Testament, Neues&lt;br /&gt;
Testament, Qur’än, Heilige Schriften&lt;br /&gt;
des Bahä’i-Glaubens und der anderen&lt;br /&gt;
Religionen — geben unverfälscht ihre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft und ihren Trost, ihre Hoffnung&lt;br /&gt;
und ihre Richtschnur. So ist das Haus&lt;br /&gt;
der Andacht fähig, die Anhänger aller&lt;br /&gt;
Religionen und Weltanschauungen vor-&lt;br /&gt;
urteilsfrei willkommen zu heißen und&lt;br /&gt;
zu integrieren. Es gibt niemanden, der&lt;br /&gt;
Haß, Intoleranz oder Unduldsamkeit&lt;br /&gt;
verkündet, der für sich einen Absolut-&lt;br /&gt;
heitsanspruch erhebt und anderen Be-&lt;br /&gt;
kenntnissen deren Unwahrheit unter-&lt;br /&gt;
stellt. Im Gegenteil: die Heiligen Schrif-&lt;br /&gt;
ten werden akzeptiert und verehrt. Den&lt;br /&gt;
Gläubigen jeder Religion, jeder Konfes-&lt;br /&gt;
sion oder Sekte mag das Haus der An-&lt;br /&gt;
dacht einen Anreiz vermitteln, zu den&lt;br /&gt;
Ursprüngen der eigenen Religion zu-&lt;br /&gt;
rückzukehren und sich auf die liebende&lt;br /&gt;
Botschaft des Religionsstifters zu-&lt;br /&gt;
rückzubesinnen. »Die Tore werden allen&lt;br /&gt;
Nationen und Religionen offenstehen«,&lt;br /&gt;
hat Abdul-Bahd&amp;amp;ö vom Mashriqul-&lt;br /&gt;
Adhkär gefordert, »es wird keine Tren-&lt;br /&gt;
nungslinie gezogen werden. Ihre Tore&lt;br /&gt;
werden dem Menschengeschlecht geöff-&lt;br /&gt;
net sein. Vorurteile gegen niemand, Lie-&lt;br /&gt;
be für alle.«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bürger von Langenhain haben&lt;br /&gt;
nicht nur ein auf Deutschland begrenz-&lt;br /&gt;
tes Phänomen zum Nachbarn. »Unser&lt;br /&gt;
Tempel«, wie er im Volksmund inzwi-&lt;br /&gt;
schen liebevoll genannt wird, ist wichti-&lt;br /&gt;
ger Teil und göttlich begründete Institu-&lt;br /&gt;
tion einer weltumspannenden_ Reli-&lt;br /&gt;
gionsgemeinschaft, die weder Sekte,&lt;br /&gt;
Kult oder Konfession, sondern eine un-&lt;br /&gt;
abhängige und eigenständige Offenba-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Bahäi-Briefe, Heft 3, S. 63&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=25}}rungsreligion darstellt.° Aber es hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lange gedauert, bis das Neue, das Unge-&lt;br /&gt;
wohnte in der benachbarten Umgebung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
akzeptiert und aufgenommen wurde.&lt;br /&gt;
Als Anfang der fünfziger Jahre die er-&lt;br /&gt;
sten Absichten der Bahäi-Gemeinde, ei-&lt;br /&gt;
nen Tempel in Frankfurt oder Umge-&lt;br /&gt;
bung zu bauen, in der Öffentlichkeit be-&lt;br /&gt;
kannt wurden, hat es erheblichen Wi-&lt;br /&gt;
derstand gegeben. Es kann nicht uner-&lt;br /&gt;
wähnt bleiben, daß es die christlichen&lt;br /&gt;
Kirchen waren, die gegen die Errichtung&lt;br /&gt;
des Hauses der Andacht Sturm liefen.&lt;br /&gt;
Die damals noch kleine Bahäli-&lt;br /&gt;
Gemeinde war gezwungen, in einem&lt;br /&gt;
Spießrutenlauf von einem Bauplatz&lt;br /&gt;
zum nächsten, von einem Ort zum an-&lt;br /&gt;
dern zu ziehen. Die Odyssee dauerte elf&lt;br /&gt;
Jahre, von 1953 bis 1964. Die Chronik&lt;br /&gt;
der Ereignisse muß aus dem Abstand ei-&lt;br /&gt;
ner Generation befremdend anmuten.&lt;br /&gt;
Das erste Baugesuch wurde von der&lt;br /&gt;
Stadt Frankfurt abgelehnt. Als dann ein&lt;br /&gt;
Bauplatz in Eschborn gefunden wurde,&lt;br /&gt;
hielt die evangelische Kirche im August&lt;br /&gt;
1954 eine Protestversammlung ab, ließ&lt;br /&gt;
Posaunenchöre erklingen, protestanti-&lt;br /&gt;
sche und katholische Geistliche traten&lt;br /&gt;
gemeinsam auf, Flugblätter wurden&lt;br /&gt;
ausgeteilt, Warnungen öffentlich ange-&lt;br /&gt;
schlagen, Eingaben und Resolutionen&lt;br /&gt;
der Landesregierung überreicht. Dar-&lt;br /&gt;
aufhin erklärten die Aufsichtsbehörden&lt;br /&gt;
die bereits unterzeichneten Grund-&lt;br /&gt;
stückskaufverträge für ungültig. Der&lt;br /&gt;
Rechtsweg bis zum Oberlandesgericht&lt;br /&gt;
Frankfurt brachte keinen Erfolg. An-&lt;br /&gt;
schließend abgeschlossene Kaufverträ-&lt;br /&gt;
ge über Grundstücke in Diedenbergen&lt;br /&gt;
wurden ebenfalls nicht genehmigt.&lt;br /&gt;
Schließlich konnte im Oktober 1957 ein&lt;br /&gt;
Kaufvertrag über Grundstücke in der&lt;br /&gt;
Gemarkung Langenhain abgeschlossen&lt;br /&gt;
werden, aber auch hier wieder starke&lt;br /&gt;
Proteste, Flugblätter, Versammlungen.&lt;br /&gt;
Drei Jahre sollten vergehen, bis die erste&lt;br /&gt;
Baugenehmigung für den Tempelbau er-&lt;br /&gt;
teilt wurde. Ein unrühmliches Kapitel in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sachen Toleranz und Religionsfreiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fand seinen letztlich positiven Ab-&lt;br /&gt;
schluß.®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 20. November 1960 strömten&lt;br /&gt;
mehr als 500 Bahäi erleichtert und über-&lt;br /&gt;
glücklich zur Grundsteinlegung nach&lt;br /&gt;
Langenhain. Die Redner betonten die&lt;br /&gt;
Bedeutung dieses Tages. Der Grund-&lt;br /&gt;
stein trägt folgende Inschrift: »Haus der&lt;br /&gt;
Andacht — Mother Temple of Europe&lt;br /&gt;
— Mashriqul-Adhkär — Grundstein-&lt;br /&gt;
legung 20. November 1960, Bahä’i Era&lt;br /&gt;
17. Qudrat 117«. Die Hand der Sache&lt;br /&gt;
Gottes Amelia Collins legte als Vertrete-&lt;br /&gt;
rin des Bahä’i-Weltzentrums eine Hand-&lt;br /&gt;
voll Erde vom Heiligen Schrein Bahä”&lt;br /&gt;
ullähs zusammen mit einer Urkunde&lt;br /&gt;
folgenden Inhalts in den Grundstein:&lt;br /&gt;
»In Anwesenheit von sieben Händen&lt;br /&gt;
der Sache Gottes, europäischen Hilfs-&lt;br /&gt;
amtsmitgliedern und Vertretern der eu-&lt;br /&gt;
ropäischen Nationalen Geistigen Räte&lt;br /&gt;
wurde am heutigen Tage von unserer lie-&lt;br /&gt;
ben, hochverehrten Frau Amelia Col-&lt;br /&gt;
lins, als Beauftragte der Hände der Sa-&lt;br /&gt;
che Gottes im Heiligen Land, der&lt;br /&gt;
Grundstein für das Haus der Andacht&lt;br /&gt;
Europas (Mother Temple of Europe) an&lt;br /&gt;
diesem Ort der Gemarkung Langenhain&lt;br /&gt;
im Taunus bei Frankfurt am Main, im&lt;br /&gt;
Herzen Europas, gelegt. Freudig und mit&lt;br /&gt;
tiefempfundenem Dank an Baha’ulläh&lt;br /&gt;
gedenkt die Bahäi-Weltgemeinschaft in&lt;br /&gt;
Liebe und Verehrung des Hüters Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, der diesen Platz am Vorabend&lt;br /&gt;
seines Hinscheidens gutgeheißen hat.&lt;br /&gt;
Frankfurt am Main, am 20. November&lt;br /&gt;
1960, 17. Qudrat 117«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeiten an diesem ungewöhnli-&lt;br /&gt;
chen Kuppelbau schritten nun voran.&lt;br /&gt;
Am 16. November 1963 wurde das&lt;br /&gt;
Richtfest begangen. Knapp acht Mona-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Siehe die Besprechung der »Theologischen Real-&lt;br /&gt;
enzyklopädie« in diesem Heft; sowie Udo Schae-&lt;br /&gt;
fer, Sekte oder Offenbarungsreligion?, Hof-&lt;br /&gt;
heim-Langenhain 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Zum ganzen vgl. Bahá’í-Briefe, Hefte 3, 9, 11,17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE A7 APRIL 1984 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24 BAHÄ’I-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=27}}Das Haus der&lt;br /&gt;
Andacht im Bau.&lt;br /&gt;
Dreimal neun&lt;br /&gt;
Pfeiler tragen die&lt;br /&gt;
Kuppel, die fertig-&lt;br /&gt;
gestellt eine Höhe&lt;br /&gt;
von 28 m erreicht.&lt;br /&gt;
Der Kuppelraum&lt;br /&gt;
hat einen Durch-&lt;br /&gt;
messer von 25 m,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Kuppelinnere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erhält Licht durch&lt;br /&gt;
570 Glasscheiben&lt;br /&gt;
zwischen den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betonrippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ’-BRIEFE 47 APRIL 1984 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
te später fand die feierliche Einweihung&lt;br /&gt;
statt. Am 4. Juli 1964 kamen rund ein-&lt;br /&gt;
tausend Gäste aus allen Kontinenten&lt;br /&gt;
zum feierlich geschmückten Haus der&lt;br /&gt;
Andacht. In ihrer Einweihungsanspra-&lt;br /&gt;
che sagte die Hand der Sache Gottes&lt;br /&gt;
Amatul-Baha Rühiyyih Khänum:&lt;br /&gt;
»Dieses Gebäude ist den drei Wahrhei-&lt;br /&gt;
ten geweiht, die dem Bahä’i-Glauben zu-&lt;br /&gt;
grundeliegen: der Einheit Gottes, der&lt;br /&gt;
Einheit Seiner Offenbarer, der Einheit&lt;br /&gt;
des Menschengeschlechts. Seine Tore&lt;br /&gt;
stehen offen für Menschen aller Glau-&lt;br /&gt;
bensrichtungen, aller Rassen, aller Völ-&lt;br /&gt;
ker und aller Klassen. Innerhalb seiner&lt;br /&gt;
Mauern wird man die Gebete und die&lt;br /&gt;
Heiligen Schriften nicht nur unseres ei-&lt;br /&gt;
genen Glaubens hören, sondern der gro-&lt;br /&gt;
Ben Offenbarungsreligionen der ganzen&lt;br /&gt;
Welt. Wir glauben, daß diese Heiligen&lt;br /&gt;
Schriften die Schatzkammern der ewi-&lt;br /&gt;
gen Grundwahrheiten sind, die Gott in&lt;br /&gt;
verschiedenen Zeitaltern für die Füh-&lt;br /&gt;
rung und die Erlösung der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit geoffenbart hat. Es ist die&lt;br /&gt;
Hoffnung der Bahá’í, daß ein jeder von&lt;br /&gt;
Ihnen sich frei fühlen möge, in diesen&lt;br /&gt;
Tempel zu kommen und hier zu beten&lt;br /&gt;
und mit uns teilzunehmen an den An-&lt;br /&gt;
dachten zum Preise Gottes, Den wir alle&lt;br /&gt;
lieben, Dem wir alle uns anbetend zu-&lt;br /&gt;
wenden, und von Dem wir alle göttliche&lt;br /&gt;
Gnade und Segnungen erhoffen in die-&lt;br /&gt;
ser unruhigen, sorgenvollen Welt.«?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So groß war der Andrang der Besu-&lt;br /&gt;
cher, daß drei Andachten abgehalten&lt;br /&gt;
werden mußten, um jedem die Gelegen-&lt;br /&gt;
heit eines ersten Verweilens im Haus der&lt;br /&gt;
Andacht zu geben. Am Abend fand im&lt;br /&gt;
Gesellschaftshaus des Zoologischen&lt;br /&gt;
Gartens in Frankfurt ein Empfang für&lt;br /&gt;
zahlreiche Gäste des In- und Auslands&lt;br /&gt;
statt, an dem unter anderen der Vertre-&lt;br /&gt;
ter der hessischen Landesregierung, der&lt;br /&gt;
Bürgermeister von Langenhain und der&lt;br /&gt;
Architekt des Hauses der Andacht teil-&lt;br /&gt;
nahmen. An den zwei folgenden Tagen&lt;br /&gt;
versammelten sich rund 800 Teilnehmer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 BAHÄTI-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu einer europäischen Bahäi-Konfe-&lt;br /&gt;
renz, unter ihnen auch Amatu’-Bahä&lt;br /&gt;
Rühiyyih Khanum und sechs weitere&lt;br /&gt;
Hände der Sache Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Öffentlichkeit nahm an diesen Er-&lt;br /&gt;
eignissen regen Anteil. Weihbischof&lt;br /&gt;
Kampe des Bistums Limburg schrieb:&lt;br /&gt;
»An der Geschichte der Bahä’i kann&lt;br /&gt;
man den erregenden Vorgang des Ent-&lt;br /&gt;
stehens einer neuen Religion ablesen.&lt;br /&gt;
Am Anfang der Bewegung stehen my-&lt;br /&gt;
stisch begabte Persönlichkeiten. Durch&lt;br /&gt;
den Eindruck, der von ihnen ausgeht,&lt;br /&gt;
sammeln sie bald viele Anhänger um&lt;br /&gt;
sich, die für ihren neuen Glauben in Tod&lt;br /&gt;
und Kerker zu gehen bereit sind. . .«®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Presse spiegelte sich die Einwei-&lt;br /&gt;
hung in bunten Schlagzeilen wider.&lt;br /&gt;
»Bahäi-Iempel im Taunus eingeweiht«,&lt;br /&gt;
»Weltreligion der Zukunft«, »Bahä’i-&lt;br /&gt;
Tempel steht allen offen« — auch die&lt;br /&gt;
Journalisten hatten sich erst an das Neue&lt;br /&gt;
zu gewöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esliegt auf der Hand, daß mit der Ein-&lt;br /&gt;
weihung und Eröffnung des ersten&lt;br /&gt;
Bahäi-Hauses der Andacht auf dem eu-&lt;br /&gt;
ropäischen Kontinent auch die deutsche&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde einen lange ersehnten&lt;br /&gt;
Aufschwung verzeichnete. Für sie war&lt;br /&gt;
es der erste große Schritt nach vorne&lt;br /&gt;
nach den Jahren des Verbots unter der&lt;br /&gt;
Hitler-Diktatur.” Zwar kam der erste&lt;br /&gt;
Bahäi bereits im Jahre 1904 nach&lt;br /&gt;
Deutschland; 1906 erschien die erste in&lt;br /&gt;
deutsch von Bahäi herausgegebene&lt;br /&gt;
Schrift; 1913 konnte Abdu’l-Bahá eine&lt;br /&gt;
große Schar begeisterter neuer Gläubi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 Bahä’i-Briefe, Heft 17, S. 412&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Bahá’í-Briefe, Heft 19, S. 473&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%° Am 21. Mai 1937 wurde die Bahá’í-Religion&lt;br /&gt;
durch einen Sonderbefehl des Reichsführers der&lt;br /&gt;
SS, Heinrich Himmler, verboten; am 14. Au-&lt;br /&gt;
gust 1945 konnten die Aktivitäten zunächst in&lt;br /&gt;
der amerikanischen Zone wieder aufgenommen&lt;br /&gt;
werden. Vgl. »Der Bahäi-Glaube in Deutsch-&lt;br /&gt;
land — Ein Rückblick«, Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
1980, S. 33 ff&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=29}}ger in die Arme schließen;!° und 1923&lt;br /&gt;
zählte der »Nationale Geistige Rat der&lt;br /&gt;
Bahäi in Deutschland und Österreich«&lt;br /&gt;
mit denen der »Britischen Inseln« und&lt;br /&gt;
»Indien und Birma« zu den ersten drei&lt;br /&gt;
weltweit gebildeten Nationalen Geisti-&lt;br /&gt;
gen Räten.!! Dennoch bedeuteten die&lt;br /&gt;
Jahre des Verbots, des zweiten Weltkrie-&lt;br /&gt;
ges und des Wiederaufbaus einen&lt;br /&gt;
schweren Rückschlag für die Entwick-&lt;br /&gt;
lung des Glaubens in Deutschland. Um-&lt;br /&gt;
so höher ist es zu bewerten, daß das&lt;br /&gt;
Haus der Andacht trotz aller Widrigkei-&lt;br /&gt;
ten errichtet und in den Jahren danach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Brennpunkt aller Aktivitäten wur-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
de.&lt;br /&gt;
In den seitdem vergangenen zwei De-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kaden hat sich um das Haus der An-&lt;br /&gt;
dacht viel getan. Zunächst wurde nur&lt;br /&gt;
wenige hundert Meter entfernt ein soge-&lt;br /&gt;
nanntes »Iorhaus« errichtet, das das&lt;br /&gt;
Hausmeisterehepaar beherbergt und in-&lt;br /&gt;
zwischen auch eine Ausstellung und ei-&lt;br /&gt;
ne gut sortierte Bücherstube bereithält.&lt;br /&gt;
1974 konnte ebenfalls in Sichtweite des&lt;br /&gt;
Hauses der Andacht ein Verwaltungs-&lt;br /&gt;
zentrum eingeweiht werden, das das Se-&lt;br /&gt;
kretariat des Nationalen Geistigen Ra-&lt;br /&gt;
tes, Abteilungen des Bahä’i-Verlages,&lt;br /&gt;
Versammlungsräume, Archiv, Biblio-&lt;br /&gt;
thek und Wohnungen umfaßt. Nächste&lt;br /&gt;
Etappe auf dem Weg zur Vervollkomm-&lt;br /&gt;
nung des Mashriqull-Adhkär wird der&lt;br /&gt;
Bau eines Bahä’i-Altenheimes sein, eine&lt;br /&gt;
weitere große Herausforderung, der&lt;br /&gt;
sich die deutsche Bahäi-Gemeinde&lt;br /&gt;
gegenübersieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die künftige Entwicklung vermag am&lt;br /&gt;
besten mit den Worten ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
verdeutlicht werden: »Der Tempel ist&lt;br /&gt;
die höchste Stiftung für die Menschen-&lt;br /&gt;
welt; er hat viele Nebengebäude. Wäh-&lt;br /&gt;
rend der Tempel selbst die Stätte der An-&lt;br /&gt;
dacht ist, sind ihm ein Krankenhaus, ei-&lt;br /&gt;
ne Apotheke, ein Pilgerhaus, eine Schu-&lt;br /&gt;
le für Waisen und eine Hochschule für&lt;br /&gt;
das Studium der Wissenschaften ange-&lt;br /&gt;
gliedert. Jeder Tempel ist mit diesen Ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
richtungen verbunden. .. Das Mysterium&lt;br /&gt;
des Baues ist groß und kann jetzt noch&lt;br /&gt;
nicht enthüllt werden, aber seine Errich-&lt;br /&gt;
tung ist das wichtigste Werk dieses&lt;br /&gt;
Tages. .. Im Mashriqu‘]-Adhkär werden&lt;br /&gt;
jeden Morgen Gottesdienste gehalten.&lt;br /&gt;
Eine Orgel wird im Mashriqu’l-Adhkär&lt;br /&gt;
nicht sein. In den Nebenbauten werden&lt;br /&gt;
Feste, Gottesdienste, öffentliche Zusam-&lt;br /&gt;
menkünfte und geistige Versammlungen&lt;br /&gt;
gehalten werden, aber im Tempel wer-&lt;br /&gt;
den Lied und Gesang unbegleitet sein.&lt;br /&gt;
Öffnet die Tore des Tempels allen&lt;br /&gt;
Menschen!«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gartenanlagen, die sich weiträu-&lt;br /&gt;
mig um das Haus der Andacht in Lan-&lt;br /&gt;
genhain erstrecken, werden ständig ge-&lt;br /&gt;
pflegt und verschönt. Sie stehen der Be-&lt;br /&gt;
völkerung zur Erholung offen. Viele Be-&lt;br /&gt;
sucher nehmen an der Andacht teil, die&lt;br /&gt;
jeden Sonntagnachmittag um 15.00 Uhr&lt;br /&gt;
stattfindet und werfen einen Blick auf&lt;br /&gt;
Ausstellung und Diavorführung im Kel-&lt;br /&gt;
lergeschoß. Immer öfter werden für vor-&lt;br /&gt;
angemeldete Besuchergruppen ausführ-&lt;br /&gt;
liche Führungen veranstaltet, immer öf-&lt;br /&gt;
ter können Ausflügler und Wanderer,&lt;br /&gt;
aber auch Schulklassen und Reisegrup-&lt;br /&gt;
pen begrüßt werden. Im Laufe der Zeit&lt;br /&gt;
hat das Bahäii-Haus der Andacht einen&lt;br /&gt;
festen Platz im Bewußtsein der Öffent-&lt;br /&gt;
lichkeit eingenommen, es wird akzep-&lt;br /&gt;
tiert und verstanden als Symbol der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Religionen, als Mahnmal der&lt;br /&gt;
Friedfertigkeit und Toleranz, als Leucht-&lt;br /&gt;
feuer der Einheit der Völker und Natio-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manch ein Sucher findet hier aber&lt;br /&gt;
auch die nötige Stille, den rechten Ort&lt;br /&gt;
zu Besinnung und Einkehr, Andacht&lt;br /&gt;
und Meditation. Im Innern des Kuppel-&lt;br /&gt;
baus gilt nur das Heilige Wort, darf sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 4.20.,5.8ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Eunice Braun, From Strength to Strength, Wil-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mette/1ll. 1978, S. 7; Bahä‘i-World, Vol. XVI, S.&lt;br /&gt;
66&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Bahá’í-Briefe, Heft 3, S. 63&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄT-BRIEFE 47 APRIL1984 27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menschliche Sprache nur durch Heilige&lt;br /&gt;
Schriften Gehör verschaffen. »Es gibt&lt;br /&gt;
materielle Dinge, die große geistige Im-&lt;br /&gt;
pulse auslösen« sagt Abdu’l-Baháa zum&lt;br /&gt;
Bau dieses ersten Hauses der Andacht in&lt;br /&gt;
Europa, »der Mashriqu’l-Adhkär ist&lt;br /&gt;
ist eine materielle Sache, die große Wir-&lt;br /&gt;
kungen auf das geistige Leben der Völ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 BAHÄ’I-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ker auslösen wird. Er ist ein Ausdruck&lt;br /&gt;
der Erhöhung des Wortes Gottes. Die&lt;br /&gt;
Gründung des Tempels wird eine Stufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein zum Einzug des Reiches Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden.«&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Bahá’í-Briefe, Heft 17, S. 405&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|29|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=31}}BESPRECHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Darstellung der Bahä’i-Religion in neueren theologischen Lexika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst seriöse Lexika und Handbücher&lt;br /&gt;
tun sich nicht immer leicht mit der Dar-&lt;br /&gt;
stellung der Bahá’í-Religion. Gründe&lt;br /&gt;
dafür gibt es genug: im theologischen&lt;br /&gt;
Bereich das Skandalon eines nach-&lt;br /&gt;
christlichen, nach-islamischen Offen-&lt;br /&gt;
barungsanspruchs, der eo ipso an die&lt;br /&gt;
Grundfesten der jeweiligen Glaubens-&lt;br /&gt;
überzeugungen rührt; dadurch bedingt,&lt;br /&gt;
eine emotionale Barriere, die verhin-&lt;br /&gt;
dert, das Bahäi-Modell einer periodi-&lt;br /&gt;
schen Erneuerung und Weiterführung&lt;br /&gt;
des Offenbarungsgeschehens zu verste-&lt;br /&gt;
hen, oder auch nur wertneutral zu be-&lt;br /&gt;
schreiben, und die Unfähigkeit, das&lt;br /&gt;
neue Paradigma der Einheit aller Offen-&lt;br /&gt;
barungsreligionen anders denn als syn-&lt;br /&gt;
kretistische Verschleifung von Unver-&lt;br /&gt;
einbarkeiten zu fassen. Bei Fachhistori-&lt;br /&gt;
kern führt der Mangel an eigenständiger&lt;br /&gt;
Forschungsarbeit über die Bábi- und&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religionen leicht zur vorschnel-&lt;br /&gt;
len Übernahme ehrwürdiger Irrtümer&lt;br /&gt;
angesehener Fachkollegen der Jahrhun-&lt;br /&gt;
dertwende.&#039; Aber auch unvoreinge-&lt;br /&gt;
nommenen Betrachtern fällt es oft&lt;br /&gt;
schwer, diese religionsgeschichtlich&lt;br /&gt;
noch junge Gemeinde — am 21. März&lt;br /&gt;
begann für die Bahä’i das Jahr 141 ihrer&lt;br /&gt;
Zeitrechnung — nach anderen als nur&lt;br /&gt;
oberflächlichen Kriterien zu beurteilen,&lt;br /&gt;
ihrer noch wenig differenzierten und&lt;br /&gt;
elaborierten Erscheinungsform unter&lt;br /&gt;
die Haut zu blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bleibt das Stichwort »Bahä’i« im&lt;br /&gt;
jüngst erschienenen »Taschenlexikon&lt;br /&gt;
Religion und Theologie«? in seinem Er-&lt;br /&gt;
kenntniswert hinter den Erwartungen&lt;br /&gt;
zurück, wobei man freilich einräumen&lt;br /&gt;
muß, daß ein lexikalischer Artikel von&lt;br /&gt;
solcher Kürze einem so komplexen Ge-&lt;br /&gt;
bilde wie einer Offenbarungsreligion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grundsätzlich nicht gerecht werden&lt;br /&gt;
kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben einigen kleinen Fehlern — so&lt;br /&gt;
hat etwa nicht, wie behauptet,&lt;br /&gt;
Bahäu’lläh, sondern der Báb den An-&lt;br /&gt;
spruch erhoben, der Mahdi zu sein,’&lt;br /&gt;
was Bahä’u&#039;lläh in Seinem Kitäb-i-Igän&lt;br /&gt;
ausdrücklich bestätigt — zeigt der ge-&lt;br /&gt;
samte Artikel eine gewisse Hilflosigkeit&lt;br /&gt;
gegenüber den Grundanliegen dieser&lt;br /&gt;
Religion. Dem _ heilsgeschichtlichen&lt;br /&gt;
Grundmotiv der Einheit? wird die dort&lt;br /&gt;
gewählte Formulierung nicht gerecht:&lt;br /&gt;
»Auf der Basis der Einheit Gottes... be-&lt;br /&gt;
tont sie die Einheit der Menschheit so-&lt;br /&gt;
wie diejenige von &amp;gt; Religion und —&lt;br /&gt;
Wissenschaft und fordert eine Einheits-&lt;br /&gt;
sprache.« Das gesellschaftliche Ziel der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion (»Einheit der Mensch-&lt;br /&gt;
heit«) wird mit zwei beliebig herausge-&lt;br /&gt;
griffenen und ihres Bedeutungskontex-&lt;br /&gt;
tes beraubten Mitteln dazu (»Einheits-&lt;br /&gt;
sprache«, »Einheit von Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft«) auf die gleiche Ebene ge-&lt;br /&gt;
stellt. Zudem scheint hier »Einheit von&lt;br /&gt;
Religion und Wissenschaft« einen gege-&lt;br /&gt;
benen Sachverhalt zu bezeichnen; diese&lt;br /&gt;
Form der Aussage läßt nicht erkennen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 So fußen noch manche Darstellungen der letzten&lt;br /&gt;
Jahre weitgehend auf den Arbeiten von Gobi-&lt;br /&gt;
neau, Browne, Nicolas und Roemer, ohne diese&lt;br /&gt;
anhand neueren Materials kritisch zu überprü-&lt;br /&gt;
fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
? Erwin Fahlbusch (Hrg.), 11983, in 5 Bänden er-&lt;br /&gt;
schienen bei Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht in Göttin-&lt;br /&gt;
gen, Bd.1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Kitäb-i-Asmä’ 16:18, 17:4; Pers. Bayän 9:3, 8:17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Vgl. etwa Bahä’u&#039;lläh, Botschaften aus ‘Akka,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1982, 6:30, 8:58, 11:9,&lt;br /&gt;
11:15, 7:16, 15:4, 8:63; Shoghi Effendi, Die&lt;br /&gt;
Weltordnung Bahäullähs, Hofheim-Langen-&lt;br /&gt;
hain 1977, bes. S. 60-71, 295ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;[-BRIEFE 47 APRIL 1984 29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß es sich dabei um ein normatives&lt;br /&gt;
Programm handelt, das auf zentrale&lt;br /&gt;
ethische und wissenschaftstheoretische&lt;br /&gt;
Probleme unserer technischen Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion zielt. Ein weiteres Mißverständnis&lt;br /&gt;
sei hier noch exemplarisch angespro-&lt;br /&gt;
chen: Das Dogma der Gleichursprüng-&lt;br /&gt;
lichkeit aller Religion in Gott und der&lt;br /&gt;
Gedanke der unendlich fortschreiten-&lt;br /&gt;
den Offenbarungskette eines offenen&lt;br /&gt;
heilsgeschichtlichen Prozesses wird in&lt;br /&gt;
dem vorliegenden Artikel verkürzt auf&lt;br /&gt;
einen in dieser Form nicht erhobenen&lt;br /&gt;
Absolutheitsanspruch: Daß die Bahäi&lt;br /&gt;
lehrten, alle bisherigen Religionen hät-&lt;br /&gt;
ten ihre Gültigkeit verloren, stimmt nur&lt;br /&gt;
in bezug auf gewisse soziale und kulti-&lt;br /&gt;
sche Gesetze und für religiöse Organisa-&lt;br /&gt;
tionsformen. Es darf nicht übersehen&lt;br /&gt;
werden, daß die Bahá’í-Lehren jede Of-&lt;br /&gt;
fenbarung in zwei distinkte Bereiche&lt;br /&gt;
scheiden: einen äußerlichen, der zeitbe-&lt;br /&gt;
dingt ist und damit im Laufe der Ge-&lt;br /&gt;
schichte obsolet wird. Der wesentliche,&lt;br /&gt;
existentielle Aspekt der Offenbarung&lt;br /&gt;
aber ist nicht der Historizität unterwor-&lt;br /&gt;
fen. Bibel und Qur’an zeugen für den&lt;br /&gt;
Bahä’i auch heute noch vom Wort Got-&lt;br /&gt;
tes, die Zehn Gebote und die Ethik der&lt;br /&gt;
Bergpredigt etwa werden durchaus als&lt;br /&gt;
gültig anerkannt. Wie wären die Bahá’í&lt;br /&gt;
auch sonst in der Lage, den offenen&lt;br /&gt;
freundschaftlichen Dialog mit den An-&lt;br /&gt;
hängern anderer Religionen zu führen,&lt;br /&gt;
der ihnen von Bahä’u’lläh aufgetragen&lt;br /&gt;
ist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5 Erschienen 1979 im Verlag Walter de Gruyter,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berlin.&lt;br /&gt;
6 New Edition (EI?2), Leyden/London 1954ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzungen dieser Artikel von&lt;br /&gt;
Alessandro Bausani finden sich in den Bahä’i-&lt;br /&gt;
Briefen 15, S. 365ff (»Der Báb«), 16. S. 399ff&lt;br /&gt;
(»Bahä’ullläh«), 18, S. 445ff (»Die Bahäi«) und&lt;br /&gt;
20, S. 495ff (»Die Baäbi«).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
? Cittä del Vaticano, 1948—1954&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 Chicago/London/Toronto, seit der 15. Auflage&lt;br /&gt;
1974. Die deutsche Übersetzung dieses Artikels&lt;br /&gt;
von Firuz Kazemzadeh wurde 1979 im Bahäi-&lt;br /&gt;
Verlag, Hofheim-Langenhain, veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 BAHÄTI-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von völlig anderem Charakter ist&lt;br /&gt;
der Artikel »Bahaiismus« im Band 5&lt;br /&gt;
der »Theologischen Realenzyklopädie«&lt;br /&gt;
(TRE).’ Die TRE ist der ambitionierte&lt;br /&gt;
Versuch einer Gesamtdarstellung des&lt;br /&gt;
zeitgenössischen theologischen Wis-&lt;br /&gt;
sens. Von den 25 Bänden, mit denen die&lt;br /&gt;
Enzyklopädie in ungefähr einem Jahr-&lt;br /&gt;
zehnt abgeschlossen sein dürfte, sind&lt;br /&gt;
bislang zwölf erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Stichwort »Baha’ismus«&lt;br /&gt;
konnten die Herausgeber Fereydun Vah-&lt;br /&gt;
man gewinnen. Was hier auf 18 Seiten&lt;br /&gt;
vorgelegt wird, ist eine einfühlsame und&lt;br /&gt;
in dieser Form neuartige Würdigung der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion. In der Aufbereitung der&lt;br /&gt;
gegebenen Informationen übertrifft die-&lt;br /&gt;
se Darstellung noch die recht guten Arti-&lt;br /&gt;
kel der »Encyclopaedia of Islam«*, der&lt;br /&gt;
»Enciclopedia Cattolica«’ und der »En-&lt;br /&gt;
cyclopaedia Britannica«°.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Teil des Artikels gibt einen&lt;br /&gt;
historischen Abriß der Entwicklung der&lt;br /&gt;
Bábi- und Bahä’i-Religionen, gegliedert&lt;br /&gt;
in die Abschnitte »Islamische Eschatolo-&lt;br /&gt;
gie«, »Shaykhi-Bewegung«, »Der Báb«,&lt;br /&gt;
»Bahä’u/lläh«, »Abdu/l-Bahä«, »Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi und die weitere Entwicklung«.&lt;br /&gt;
Für den historisch interessierten Leser&lt;br /&gt;
sei hier angemerkt, daß nach Publika-&lt;br /&gt;
tion dieses Artikels eine Anzahl von De-&lt;br /&gt;
tailstudien zu einzelnen Gestalten,&lt;br /&gt;
Aspekten und Zeitabschnitten der&lt;br /&gt;
Bahäi-Geschichte erschienen sind.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 Die wichtigsten sind: H. M. Balyuzi, Bahä:&lt;br /&gt;
ulllah, The King of Glory, Oxford 1980; Moojan&lt;br /&gt;
Momen (Hrsg.), The Babi and Bahäfi-Religions,&lt;br /&gt;
1844-1944, Some Contemporary Western&lt;br /&gt;
Accounts, Oxford 1981; ders. (Hrsg.), Studies in&lt;br /&gt;
Babi and Bahäi History, Vol. 1, Los Angeles&lt;br /&gt;
1982; Gayle Morrison, To Move the World. Lou-&lt;br /&gt;
is G. Gregory and the Advancement of Racial&lt;br /&gt;
Unity in America, Wilmette 1982; David Hof-&lt;br /&gt;
man, George Townshend, Oxford 1983. Von&lt;br /&gt;
Adib Taherzadeh sind 1977/1983 Bd. 2&lt;br /&gt;
(1863—1868) und Bd. 3 (1868—1877) seiner&lt;br /&gt;
Offenbarungs- und Werkübersicht The Revela-&lt;br /&gt;
tion of Bahä’u’lläh erschienen.&lt;br /&gt;
{{page|31|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Angaben zur Ausbreitung&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion überholt sind, liegt&lt;br /&gt;
nicht am Autor, sondern an der expansi-&lt;br /&gt;
ven Dynamik dieser Religion. Waren es&lt;br /&gt;
1977 noch 124 Nationale Geistige Räte&lt;br /&gt;
(die gewählten nationalen Führungsgre-&lt;br /&gt;
mien der Bahá’í), so zählte die offizielle&lt;br /&gt;
Statistik im Januar 1983 bereits 133 Na-&lt;br /&gt;
tionale Geistige Räte. Im selben Zeit-&lt;br /&gt;
raum ist auch die Zahl der Orte, an de-&lt;br /&gt;
nen Bahä’i leben, von 70 000 auf etwa&lt;br /&gt;
115 000 gestiegen. Ein weiterer wichti-&lt;br /&gt;
ger Indikator für die Entwicklung der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinde, der im Artikel nicht&lt;br /&gt;
genannt wird: Die Zahl der örtlichen&lt;br /&gt;
Geistigen Räte (gewählte lokale Füh-&lt;br /&gt;
rungsgremien der Bahäi) betrug 1983&lt;br /&gt;
etwa 25 000; 1973 waren es 17 000, 1964&lt;br /&gt;
erst 4 500. Inzwischen sehen auch zwei&lt;br /&gt;
weitere Bahá’í-Häuser der Andacht, in&lt;br /&gt;
Samoa und New Delhi, Indien, ihrer&lt;br /&gt;
Vollendung entgegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abschnitt zur Theologie der&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion setzt seine Schwerpunk-&lt;br /&gt;
te auf die Heilsgeschichte und auf die Be-&lt;br /&gt;
ziehung zwischen Gott und Mensch.&lt;br /&gt;
Hier liegen auch die theologischen Cha-&lt;br /&gt;
rakteristika dieser Religion: Wie nir-&lt;br /&gt;
gends sonst wird in den heiligen Schrif-&lt;br /&gt;
ten der Bahä’i-Religion die notwendige&lt;br /&gt;
Mittlerrolle des Gottgesandten und Re-&lt;br /&gt;
ligionsstifters betont, die Heilsgeschich-&lt;br /&gt;
te als unendliche Kette von Theopha-&lt;br /&gt;
nien in Gestalt dieser Mittler gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas knapp geraten sind die Bemer-&lt;br /&gt;
kungen über das gesellschaftliche Ziel&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion, zu dem, was&lt;br /&gt;
‘Abdul-Baha das »zentrale Thema«’!&lt;br /&gt;
der Religion Seines Vaters nennt: die&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit. In der Ge-&lt;br /&gt;
schichtsphilosophie Shoghi Effendis&lt;br /&gt;
wird die gesamte Menschheitsgeschich-&lt;br /&gt;
te auf dieses Ziel hin interpretiert. Es gei-&lt;br /&gt;
stig, psychologisch, aber auch institu-&lt;br /&gt;
tionell und technisch möglich zu ma-&lt;br /&gt;
chen, ist ein Hauptauftrag der Bahäı.&lt;br /&gt;
Allerdings entspricht bislang die intel-&lt;br /&gt;
lektuelle Auseinandersetzung der Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit diesem Thema nicht einmal entfernt&lt;br /&gt;
seiner Bedeutung: Die Sekundärlitera-&lt;br /&gt;
tur begnügt sich zumeist mit einer vari-&lt;br /&gt;
ierenden Wiederholung des von Bahä’-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u/lläh, Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
Gesagten.&#039;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abschnitt über die Ordnung der&lt;br /&gt;
Gemeinde verdankt offensichtlich viel&lt;br /&gt;
der — leider noch immer unveröffent-&lt;br /&gt;
lichten — Dissertation von Udo&lt;br /&gt;
Schaefer&#039;?. Er begnügt sich nicht mit ei-&lt;br /&gt;
ner bloßen Deskription der gewählten&lt;br /&gt;
und ernannten Körperschaften des&lt;br /&gt;
Glaubens, sondern gründet diese Insti-&lt;br /&gt;
tutionen in einer Offenbarungstheorie&lt;br /&gt;
des Rechts. Daß die Bahäi-Gemeinde&lt;br /&gt;
grundsätzlich Rechtsgestalt hat, daß de-&lt;br /&gt;
ren Quelle das schriftlich fixierte offen-&lt;br /&gt;
barte Wort ist, gibt der Gemeinde eine&lt;br /&gt;
eigentümliche Stellung unter den Reli-&lt;br /&gt;
gionssystemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Ende des Artikels wird das Wag-&lt;br /&gt;
nis einer religionswissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Einordnung der Bahä&#039;-Religion ver-&lt;br /&gt;
sucht. So problematisch es mir grund-&lt;br /&gt;
sätzlich erscheint, religionswissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Begriffe aus dem beschränk-&lt;br /&gt;
ten Erfahrungshorizont des konfessio-&lt;br /&gt;
nell aufgespaltenen christlichen Kultur-&lt;br /&gt;
kreises auf andere religiöse Gebilde&lt;br /&gt;
übertragen zu wollen, so zeigt Vahman&lt;br /&gt;
immerhin plausibel, daß der traditio-&lt;br /&gt;
nelle soziologische Sektenbegriff auf die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion nicht anwendbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Siehe dazu Christopher Sprung, Bahä’i-Haus&lt;br /&gt;
der Andacht 1964—1984, in diesem Heft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11 Die Weltordnung Bahäulllähs, a.a.O., S. 60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12 Zu den erfreulichen Ausnahmen gehört: Hos-&lt;br /&gt;
sain Danesh, The Violence-Free Society: A Gift&lt;br /&gt;
for our Children, Bahä&#039;t Studies Vol. 6, 1979&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13 Die Grundlagen der »Verwaltungsordnung«&lt;br /&gt;
der Bahá’í, Heidelberg 1957&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 Dazu ausführlich: Udo Schaefer, Sekte oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarungsreligion? Zur religionswissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Einordnung des Bahá’í-Glaubens,&lt;br /&gt;
Hofheim-Langenhain 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-BRIEFE 47 APRIL 1984 3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|32|file=Baha&#039;i_Briefe_47.pdf|page=34}}Sein Fazit: »Angesichts der Tatsache,&lt;br /&gt;
daß der Baha’ismus sich an die gesamte&lt;br /&gt;
Menschheit wendet und bereits in den&lt;br /&gt;
meisten Ländern der Erde Fuß gefaßt&lt;br /&gt;
hat, kann er schon heute den Weltreli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige weitere behandelte Aspekte be-&lt;br /&gt;
treffen Symbolik, Kult und die Eigenart&lt;br /&gt;
des Bahäii-Kalenders. Insgesamt ein Ar-&lt;br /&gt;
tikel der zuverlässig orientiert und auf&lt;br /&gt;
die wichtigste weiterführende Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gionen zugerechnet werden.« verweist. Ulrich Gollmer&lt;br /&gt;
Religion&lt;br /&gt;
ist der Ausdruck der göttlichen Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Deshalb muß sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32  BAHÄ&#039;I-BRIEFE 47 APRIL 1984&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lebendig, kraftvoll, beweglich sein&lt;br /&gt;
und sich entwickeln.&lt;br /&gt;
Ermangelt ihr Bewegung und Fortschritt,&lt;br /&gt;
so ist sie ohne das göttliche Leben;&lt;br /&gt;
sie ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die göttlichen Gesetze&lt;br /&gt;
sind beständig wirksam und in Entwicklung begriffen.&lt;br /&gt;
Deshalb muß ihre Offenbarung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortschreitend und kontinuierlich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Promulgation, S. 140&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_46/Text&amp;diff=75343</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 46/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:10:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1323|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=1}}D: 2015558&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAT-&lt;br /&gt;
BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blätter für Weltreligion und Heft 46&lt;br /&gt;
Weltbewußtsein Oktober 1971&lt;br /&gt;
{{page|1324|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1325|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=3}}OKTOBER 1971 BAHA’-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 46&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘“Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1325&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1326|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit und das Bündnis Bah4’u’llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás vom 16. September 1912 in Chikago&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alläh’u’Abhä! Preis sei Gott! Einige Tage habe ich nun mit Ihnen ver-&lt;br /&gt;
bracht und war in duftender Liebe mit Ihnen zusammen. Preis sei Gott!&lt;br /&gt;
Ihre Herzen sind rein, Ihre Angesichter strahlen, Ihr Geist ist beschwingt&lt;br /&gt;
von den Frohen Botschaften Gottes. Ich bete für Sie und suche himmlische&lt;br /&gt;
Bestätigung für Sie, auf daß jeder von Ihnen zu einer leuchtenden Kerze&lt;br /&gt;
werde, die ihr Licht in die Menschenwelt ergießt. Möge jeder von Ihnen&lt;br /&gt;
zur Quintessenz der Liebe werden! Mögen Sie sich als der Strahlenglanz&lt;br /&gt;
Gottes erweisen, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes, und als Quell&lt;br /&gt;
der Einheit und der Kameradschaft in der Menschenwelt; denn die&lt;br /&gt;
Menschheit leidet heute größten Mangel an Liebe und Übereinstimmung.&lt;br /&gt;
Sollte die Welt so bleiben, wie sie heute ist, käme sie in schlimme Gefahr;&lt;br /&gt;
wenn jedoch Versöhnung und Einheit festzustellen sind, wenn Sicherheit&lt;br /&gt;
und Vertrauen fest begründet werden, wenn wir uns mit Herz und Seele&lt;br /&gt;
Mühe geben, damit die Lehren Bahá’u’lláhs die Wirklichkeiten der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft kraftvoll durchdringen, damit sie Kamerad-&lt;br /&gt;
schaft und Einklang bewirken, die Herzen der verschiedenen Bekenntnisse&lt;br /&gt;
aneinanderbinden und die auseinanderstrebenden Völker vereinen — dann&lt;br /&gt;
erlangt die Menschheit Frieden und innere Ruhe, dann wird der Wille&lt;br /&gt;
Gottes zum Willen des Menschen, und die Erde verwandelt sich in eine&lt;br /&gt;
Wohnstatt von Engeln. Die Seelen werden herangebildet, die Laster ver-&lt;br /&gt;
bannt, die Tugenden der Menschenwelt gewinnen die Oberhand, der&lt;br /&gt;
Materialismus verschwindet, die Religion wird gefestigt und erweist sich&lt;br /&gt;
als diejenige Bindung, welche die Herzen der Menschen aneinanderfügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Welt des Seins gibt es verschiedene Bindungen, welche die Men-&lt;br /&gt;
schenherzen vereinen; aber keine dieser Bindungen wirkt vollkommen.&lt;br /&gt;
Zuallererst haben wir die Bindung der Familienbeziehungen; sie führen&lt;br /&gt;
zu keiner wirksamen Einheit, denn wie oft geschieht es doch, daß Mei-&lt;br /&gt;
nungsverschiedenheiten und Abweichungen dieses enge gesellschaftliche&lt;br /&gt;
Band zerreißen. Die Bindung der Vaterlandsliebe kann Kameradschaft&lt;br /&gt;
und Übereinstimmung vermitteln; aber die Einheit der Abstammung&lt;br /&gt;
schweißt Menschenherzen nicht völlig aneinander, denn wenn wir auf&lt;br /&gt;
die Geschichte zurückblicken, stellen wir fest, daß häufig Menschen der-&lt;br /&gt;
selben Rasse und Abstammung miteinander Krieg geführt haben. In&lt;br /&gt;
Bürgerkriegen haben sie das Blut derselben Rasse vergossen und die&lt;br /&gt;
Habe ihrer eigenen Landsleute vernichtet. Deshalb ist diese Bindung&lt;br /&gt;
ungenügend. Ein weiteres Mittel scheinbarer Einheit ist die Bindung von&lt;br /&gt;
politischen Allianzen, in denen sich Regierungen und Herrscher aus Grün-&lt;br /&gt;
den des wechselseitigen Verkehrs und des gegenseitigen Schutzes zusam-&lt;br /&gt;
menschließen; solche Pakte und Vereinigungen sind jedoch späteren Ver-&lt;br /&gt;
änderungen unterworfen; oft entsteht grimmiger Haß bis zum Äußersten,&lt;br /&gt;
bis zu Krieg und Blutvergießen. Offenbar ist politische Einheit nicht&lt;br /&gt;
ständig wirksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1326&lt;br /&gt;
{{page|1327|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=5}}Die Quelle vollkommener Einheit und Liebe in der Welt des Seins ist&lt;br /&gt;
die Bindung und Einheit, die von der Wirklichkeit herrührt. Wenn die&lt;br /&gt;
göttliche, die grundlegende Wirklichkeit in das Herz und das Leben der&lt;br /&gt;
Menschen einzieht, bewahrt und schützt sie alle Zustände und Verhält-&lt;br /&gt;
nisse der Menschheit; sie errichtet jene innere Einheit der Menschenwelt,&lt;br /&gt;
die nur durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes ins Dasein tritt. Denn&lt;br /&gt;
der Heilige Geist ist wie das Leben im menschlichen Körper, das alle&lt;br /&gt;
Unterschiede der Teile und Glieder zu Einheit und Übereinstimmung ver-&lt;br /&gt;
bindet. Schauen Sie nur, wie zahlreich diese Teile und Glieder sind, aber&lt;br /&gt;
die Einheit des Lebensgeistes, der den Organismus beseelt, verbindet sie&lt;br /&gt;
alle in vollkommener Kombination. Dieser Lebensgeist errichtet im&lt;br /&gt;
körperlichen Organismus eine solche Einheit, daß wenn irgendein Teil&lt;br /&gt;
verletzt oder krank wird, alle anderen Teile und Funktionen sympathe-&lt;br /&gt;
tisch darauf eingehen und dank der vollkommenen Einheit, die den&lt;br /&gt;
Körper beseelt, mitleiden. Wie nun der menschliche Lebensgeist die&lt;br /&gt;
wechselseitige Abstimmung zwischen den verschiedenen Teilen des&lt;br /&gt;
menschlichen Organismus bewirkt, so ist der Heilige Geist die steuernde&lt;br /&gt;
Ursache der Einheit und des Zusammenwirkens der Menschheit. Das will&lt;br /&gt;
besagen: Die Bindung oder Einheit der Menschheit kann auf keine andere&lt;br /&gt;
Weise wirksam errichtet werden als durch die Macht des Heiligen Geistes;&lt;br /&gt;
‚denn die Menschenwelt ist ein organisch zusammengesetzter Körper, und&lt;br /&gt;
der Heilige Geist ist das beseelende Prinzip seines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb müssen wir uns bemühen, daß die Macht des Heiligen Geistes&lt;br /&gt;
in der gesamten Welt der Menschheit wirksam wird, daß sie dem Gesell-&lt;br /&gt;
schaftsorganismus der Nationen und Völker neues, erfrischendes Leben&lt;br /&gt;
einflößt und daß alle zum Schutz und Schirm des Wortes Gottes hinge-&lt;br /&gt;
führt werden. Dann wird diese Welt des Menschen engelsgleich werden,&lt;br /&gt;
irdisches Dunkel wird verschwinden und himmlische Erleuchtung wird die&lt;br /&gt;
Horizonte überfluten, menschliche Fehler werden getilgt und göttliche&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten leuchten auf. Dies ist machbar und real, aber nur&lt;br /&gt;
durch die Macht des Heiligen Geistes. Der dringendste Bedarf, den die&lt;br /&gt;
Welt von heute hat, ist der Bedarf an beseelender, einender Gegenwart&lt;br /&gt;
des Heiligen Geistes. So lange dieser Geist nicht wirksam wird, so lange&lt;br /&gt;
er nicht unmittelbar und wechselseitig die Herzen und die Geister durch-&lt;br /&gt;
dringt, so lange nicht vollkommener, vernünftiger Glaube in das Bewußt-&lt;br /&gt;
sein der Menschen hineingepflanzt wird, kann der Gesellschaftskörper&lt;br /&gt;
unmöglich von Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft erfüllt sein. Nein,&lt;br /&gt;
im Gegenteil: Feindschaft und Streit werden Tag für Tag zunehmen, die&lt;br /&gt;
Differenzen und das Auseinanderstreben der Nationen werden schmerz-&lt;br /&gt;
haft anwachsen. Die Rüstungen der Land- und Seestreitkräfte der Welt&lt;br /&gt;
werden ständig erhöht, die Furcht, ja die Gewißheit eines großen, welt-&lt;br /&gt;
weiten Krieges — eines Krieges, der nicht seinesgleichen in der Geschichte&lt;br /&gt;
kennt — wird sich steigern; denn die Rüstungen, die bislang begrenzt&lt;br /&gt;
waren, werden jetzt in kolossalem Umfang erhöht. Die Verhältnisse&lt;br /&gt;
spitzen sich zu und nähern sich dem Zustand, daß sich die Menschen auf&lt;br /&gt;
den Meeren bekriegen, daß sie sich auf den Feldern bekriegen, daß sie&lt;br /&gt;
sich sogar in der Atmosphäre bekriegen, mit einer Gewalttätigkeit, wie&lt;br /&gt;
sie in früheren Jahrhunderten unbekannt war. Mit dem Anwachsen der&lt;br /&gt;
Rüstungen und Vorbereitungen werden die Gefahren immer größer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1328|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns bis zum Äußersten anstrengen, damit der Heilige Geist&lt;br /&gt;
die Gemüter und die Herzen zum Frieden hin beeinflußt, damit die Seg-&lt;br /&gt;
nungen Gottes die Menschen umfangen, die göttlichen Ausstrahlungen&lt;br /&gt;
Erfolg zeitigen, die Menschenseelen Fortschritte machen, das Bewußtsein&lt;br /&gt;
sich zu größeren Vorstellungen erweitert, die Seelen heiliger werden und&lt;br /&gt;
die Menschenwelt sich aus dieser großen Gefahr befreit. Für die Ver-&lt;br /&gt;
besserung der Welt hat Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh alle Leiden, Heim-&lt;br /&gt;
suchungen und Wechselfälle des Lebens erduldet, hat Sein ganzes Sein&lt;br /&gt;
geopfert, hat Seinen Wohlstand, Seine Ländereien, Seinen Besitz, Seine&lt;br /&gt;
Ehre hingegeben — alles, was zum menschlichen Dasein gehört — und das&lt;br /&gt;
nicht ein Jahr lang, sondern fast fünfzig Jahre hindurch. In dieser langen&lt;br /&gt;
Zeit wurde Er verfolgt und mißhandelt, in den Kerker geworfen, aus&lt;br /&gt;
Seinem Vaterland verbannt; Er nahm Härten und Erniedrigungen auf sich&lt;br /&gt;
und wurde viermal weitervertrieben. Zuerst wurde Er aus Persien nach&lt;br /&gt;
Baghdad verbannt, dann nach Konstantinopel, von dort nach Rumelien&lt;br /&gt;
und schließlich in die große Gefängnisfestung von ‘Akkä in Syrien, wo&lt;br /&gt;
Er den Rest Seines Lebens verbrachte. Jeden Tag wurde Er mit neuer&lt;br /&gt;
Unterdrückung und Mißhandlung überhäuft, bis Er Seinen Flug aus dem&lt;br /&gt;
Kerker in die höhere Welt nahm und zu Seinem Herrn zurückkehrte. Er&lt;br /&gt;
erduldete diese Leiden und Schwierigkeiten, damit diese irdische Men-&lt;br /&gt;
schenwelt himmlisch werde, damit die Erleuchtung des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
in den Menschenherzen zur Wirklichkeit werde, damit die einzelnen Mit-&lt;br /&gt;
glieder der menschlichen Gesellschaft Fortschritte machen, damit die&lt;br /&gt;
Macht des Heiligen Geistes stärker wirke und alles durchdringe und damit&lt;br /&gt;
das Glück der Menschenwelt sichergestellt sei. Für alle wünschte Er&lt;br /&gt;
äußere und innere Ruhe, und allen Nationen erwies Er Güte, ungeachtet&lt;br /&gt;
ihrer besonderen Verhältnisse und ihrer Unterschiede. Er wandte sich an&lt;br /&gt;
die Menschheit und sprach: „O ihr Menschenkinder! Wahrlich, ihr seid&lt;br /&gt;
alle die Blätter und Früchte eines Baumes, ihr seid alle eins. Deshalb ver-&lt;br /&gt;
einigt euch in Freundschaft! Liebet einander! Gebt rassische Vorurteile&lt;br /&gt;
auf! Vertreibt für immer dieses schwermütige Düster menschlicher Un-&lt;br /&gt;
wissenheit, denn das Jahrhundert des Lichtes, die Sonne der Wirklichkeit&lt;br /&gt;
ist erschienen! Jetzt ist die Zeit der Verbrüderung, der Einheit und des&lt;br /&gt;
Einklangs. Tausende von Jahren hindurch habt ihr euch bekriegt und&lt;br /&gt;
gestritten. Es ist genug damit. Jetzt ist es an der Zeit für die Einheit.&lt;br /&gt;
Legt alle selbstischen Interessen beiseite und erkennet mit Sicherheit,&lt;br /&gt;
daß alle Menschen die Diener eines einzigen Gottes sind, der sie in Liebe&lt;br /&gt;
und Einklang aneinander bindet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da in der ganzen Vergangenheit große Unterschiede und Abweichungen&lt;br /&gt;
bei den Glaubensbekenntnissen aufgetreten sind, weil jeder Mensch, der&lt;br /&gt;
eine neue Idee hatte, sie Gott beilegte, hat Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
gewünscht, es solle keine Ursache, keinen Grund für Meinungsverschie-&lt;br /&gt;
denheiten unter den Bahä’i geben. Deshalb hat Er mit eigener Feder das&lt;br /&gt;
Buch Seines Bündnisses geschrieben, in dem Er Seine Verwandten und&lt;br /&gt;
alle Völker der Welt anredet mit den Worten: „Wahrlich, Ichhabe Einen&lt;br /&gt;
zum Mittelpunkt Meines Bündnisses ernannt. Alle müssen Ihm gehorchen.&lt;br /&gt;
Alle müssen sich Ihm zuwenden. Er ist der Ausleger Meines Buches, Er&lt;br /&gt;
weiß über Meine Absicht Bescheid. Alle müssen sich Ihm zuwenden. Was&lt;br /&gt;
immer Er sagt, ist richtig, denn wahrlich, Er kennt die Texte Meines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1328&lt;br /&gt;
{{page|1329|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=7}}Buches. An Ihm vorbei kennt keiner Mein Buch.“ Der Zweck dieser Er-&lt;br /&gt;
klärung ist, daß es niemals Mißklang und Abweichungen zwischen den&lt;br /&gt;
Bahaäa’i geben soll, daß sie immer einig und verträglich seien. Auch sagte&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh in Seinen Gebeten: „O Gott! Wer immer Mein Bündnis ver-&lt;br /&gt;
letzt, o Gott, erniedrige ihn! Wahrlich, wer immer Mein Bündnis verletzt,&lt;br /&gt;
o Gott, lösche ihn aus und tilge ihn!“ In allen Seinen Sendschreiben, unter&lt;br /&gt;
denen das Sendschreiben vom Zweig ist, hat Er die Kennzeichen und&lt;br /&gt;
Eigenschaften derjenigen Persönlichkeit, auf die Er sich im Buch Seines&lt;br /&gt;
Bündnisses bezog, erwähnt und erläutert. Er hat die Aufgabe und die&lt;br /&gt;
Wirkkraft dieser Persönlichkeit voll dargelegt, so daß keiner sagen kann:&lt;br /&gt;
„Ich verstehe die Schriften Bahä’u’lähs dahingehend ...“, denn Er hat&lt;br /&gt;
den Mittelpunkt oder Ausleger des Buches ernannt. Er sagte: „Wahrlich,&lt;br /&gt;
Er ist der Ernannte; außer Ihm gibt es keinen“; damit beabsichtigte Er,&lt;br /&gt;
daß keine Sekten oder Vorurteile gebildet werden, und verhinderte, daß&lt;br /&gt;
jeder Mensch, der hier und da einen neuen Gedanken hat, Zwietracht und&lt;br /&gt;
Widerspruch schafft. Es ist, als ob ein König einen Generalgouverneur&lt;br /&gt;
ernannte. Wer diesem gehorcht, gehorcht dem König. Wer sein Gebot ver-&lt;br /&gt;
letzt und ihm nicht gehorcht, verletzt das Gebot des Königs. Wer deshalb&lt;br /&gt;
dem von Bahä’u’lläh ernannten Mittelpunkt des Bündnisses gehorcht, der&lt;br /&gt;
gehorcht Bahä’u’lläh, und wer Ihm nicht gehorcht, der gehorcht Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
nicht. Das hat nichts mit ihm persönlich (mit ‘Abdu’l-Bahá) zu tun; es ist&lt;br /&gt;
wie bei dem Generalgouverneur, den der König ernannt hat: Wer dem&lt;br /&gt;
Generalgouverneur gehorcht, gehorcht dem König, und wer dem General-&lt;br /&gt;
gouverneur nicht gehorcht, gehorcht dem König nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb müssen Sie die Sendschreiben Bahä’u’llähs lesen; Sie müssen&lt;br /&gt;
das Sendschreiben vom Zweig lesen und beachten, was Er so klar fest-&lt;br /&gt;
stellt. Geben Sie Acht, geben Sie Acht, damit ihnen keiner aus der Auto-&lt;br /&gt;
rität seiner eigenen Gedanken spricht oder aus sich selbst heraus neue&lt;br /&gt;
Dinge schafft! Geben Sie Acht, geben Sie Acht! Nach dem deutlichen&lt;br /&gt;
Bündnis Bahä’u’lähs sollen Sie sich überhaupt nicht um einen solchen&lt;br /&gt;
Menschen kümmern. Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh meidet solche Seelen.&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen diese Dinge erklärt, damit die Lehren Bahä’u’llähs: be-&lt;br /&gt;
wahrt und geschützt bleiben, damit Sie im Bilde sind, damit nicht irgend-&lt;br /&gt;
welche Seelen Sie täuschen und Argwohn unter Ihnen wecken. Sie müssen&lt;br /&gt;
alle Menschen lieben; aber wenn irgendwelche Seelen Sie in Zweifel&lt;br /&gt;
bringen wollen, müssen Sie wissen, daß Bahä’u’lläh von diesen Seelen&lt;br /&gt;
geschieden ist. Wer immer für Einheit und Kameradschaft arbeitet, ist ein&lt;br /&gt;
Diener Bahä’u’llähs, und Bahä’u’lläh ist sein Beistand und Helfer. Ich&lt;br /&gt;
bitte Gott, Er möge Sie zu den besten Werkzeugen der Übereinstimmung |&lt;br /&gt;
und der Einheit machen, Er möge Sie strahlende, barmherzige, himmlische&lt;br /&gt;
Kinder des Reiches Gottes werden lassen. Ich bete, daß Sie Tag für Tag&lt;br /&gt;
Fortschritte machen, daß Sie leuchten wie diese Lampen und Licht auf die&lt;br /&gt;
ganze Menschheit ergießen. Meinen Gruß zum Abschied, leben Sie wohl!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschiedsansprache im Haus von Frau Corinne True, nach Aufzeichnungen von&lt;br /&gt;
Gertrude Buikema, aus „The Promulgation of Universal Peace“, Vol. II, Wil-&lt;br /&gt;
mette/Ill. 1922/1943, S. 314 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1329&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1330|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1330&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Er von uns geschieden, Gottes Wort,&lt;br /&gt;
das neue Menschen schafft und neue Zeiten,&lt;br /&gt;
weit klaffte da verwaistes Hier zum Dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So rief Er Dich, um unseren Weg zu leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Wesen ist dem Seinen so vermählt&lt;br /&gt;
als mildes Licht von Seinem ewigen Glanze,&lt;br /&gt;
daß Du, der Meister, von Ihm auserwählt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Weiser warst für alle, für das Ganze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wär’ die Welt geworden ohne Dich?&lt;br /&gt;
Du lebst in uns, Du bist uns nie entschwunden.&lt;br /&gt;
Dein Vorbild, menschvollendet, königlich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist heilig unserem Innersten verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Deinem Beispiel ringen wir uns frei.&lt;br /&gt;
Von Deinen Lippen trinken wir die Lehren.&lt;br /&gt;
Durch Deine Liebe und durch Dein Verzeih&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erahnen wir des Himmels reine Sphären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie danken wir, die wir von Dank beschwert,&lt;br /&gt;
erfüllt, erhoben und emporgerissen? —&lt;br /&gt;
O Freunde, laßt uns Seiner Liebe wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Leben leben, das wir von Ihm wissen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adelbert Mühlschlegel&lt;br /&gt;
{{page|1331|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=9}}“Abdu’l-Baha: Mittelpunkt des Bündnisses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur fünfzigsten Wiederkehr Seines Todestages am 28. Nov. 1971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahü’i-Welt hätte zur diesjährigen Feier des „Tags des Bündnisses“&lt;br /&gt;
am 26. November und des Todestags ‘&#039;Abduw’l-Bahäs am 28. November&lt;br /&gt;
kaum ein größeres Geschenk erwarten können als das neue Buch von&lt;br /&gt;
H. M. Balyuzi, Hand der Sache Gottes, über „‘Abdw’l-Bahd, der Mittel-&lt;br /&gt;
punkt des Bündnisses Bahd’u’llähs“ !). Auf 537 Seiten wird das Leben des&lt;br /&gt;
„Meisters“ in einer Ausführlichkeit dargestellt, für die es im abendländi-&lt;br /&gt;
schen Sprachbereich kein Vorbild gibt. Wir können uns hier einen Abriß&lt;br /&gt;
dieses Lebenslaufes erübrigen, nachdem wir in Heft 45 / Juli 1971 der&lt;br /&gt;
„BAHA’I-BRIEFE“ (Seite 1295 ff.) Allen L. Ward darüber eingehend&lt;br /&gt;
haben zu Wort kommen lassen. Das Buch von Balyuzi soll uns vielmehr&lt;br /&gt;
Anlaß sein, einige wichtige Episoden nachzuzeichnen und Schwerpunkte&lt;br /&gt;
hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Kapitel, „Der Meister“, faßt Balyuzi die Urteile der Zeitge-&lt;br /&gt;
nossen ‘Abdu’l-Bahás wie folgt zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hier liegt ein Leben vor uns, das überströmend, weiträumig, unermeß-&lt;br /&gt;
lich ist. Es läßt sich nicht angemessen beschreiben; es läßt sich nicht um-&lt;br /&gt;
fassen. Es liegt jenseits unseres Urteilsvermögens, weil jedes Ereignis im&lt;br /&gt;
Leben des Sohnes Bahá’u’lláhs von der höchsten Warte her bestimmt&lt;br /&gt;
wird. Acht Jahre war Er alt, als Er in den Kerker von Tihrän gebracht&lt;br /&gt;
wurde und dort Seinen geliebten Vater unter der Last der Ketten sah.&lt;br /&gt;
Von diesem zarten Alter an bis zu der Stunde, da Er mit 77 Jahren nach&lt;br /&gt;
vollbrachter Arbeit Seine sterbliche Hülle verließ, führte ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
ein Leben völliger Selbstverleugnung, ein Leben ununterbrochenen, un-&lt;br /&gt;
eingeschränkten Dienstes an Gott und der Menschheit. Auf diesem Felde&lt;br /&gt;
der Ehre scheute Er keine Mühe und keine Qual. Bahä’u’lläh verlieh Ihm&lt;br /&gt;
die Titel ‚der Größte Zweig‘, ‚das Geheimnis Gottes‘, ‚der Meister‘. Als&lt;br /&gt;
aber der Mantel der Autorität auf Seine Schultern gelegt war, zog Er vor,&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Diener Bahäs, zu heißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá trauerte mit den Trauernden, den Heimgesuchten und&lt;br /&gt;
Leidgeprüften, in tiefem Mitleid. Er freute sich mit den wahrhaft Fröh-&lt;br /&gt;
lichen. Tausende drängten zu Seiner Tür, um Hilfe zu suchen. Manche&lt;br /&gt;
davon suchten irdische Güter. Aber viel mehr strebten nach der Hilfe, die&lt;br /&gt;
nur die Gaben des Geistes leihen können. Ihnen allen gab ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
freizügig und im Überfluß. Keiner fand Seine Tür verschlossen. Keiner&lt;br /&gt;
wurde abgewiesen. Keiner verließ Seine Gegenwart mit leeren Händen.&lt;br /&gt;
Er wartete nicht nur darauf, daß die Unterdrückten, die Verirrten und&lt;br /&gt;
Gestrauchelten zu Ihm kämen. Er ging hinaus, um sie zu finden und&lt;br /&gt;
ihnen zu helfen. Auch die Gebildeten und die Weisen kamen zu Ihm und&lt;br /&gt;
tranken tief aus dem Brunnquell Seines Wissens. Herrscher und Poten-&lt;br /&gt;
taten, Staatsmänner und Generäle, die Mächtigen und die Großen kamen&lt;br /&gt;
desgleichen und fanden in ‘Abdu’l-Bahá einen Ratgeber, dessen Beweg-&lt;br /&gt;
gründe edelmütig und interessenfrei waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1331&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1332|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man täuscht sich, wenn man diese Beschreibung für ein vollständiges,&lt;br /&gt;
umfassendes Porträt ‘Abdu’l-Bahás hält. Was wir bis hierher von Ihm&lt;br /&gt;
gesagt haben, läßt sich auch über die Heiligen und Propheten aller Zeit-&lt;br /&gt;
alter sagen. Keine Beschreibung reicht jedoch an das Leitmotiv eines&lt;br /&gt;
Lebens heran, das jedes Hindernis übersteigt, bis es sich völlig erfüllt hat.&lt;br /&gt;
Ein Beobachter bemerkte einst, ‘Abdu’l-Bahá wandle ‚den mystischen&lt;br /&gt;
Pfad mit praktischen Füßen‘. Dr. T. K. Cheyne, der gefeierte Bibelgelehrte&lt;br /&gt;
und Kritiker, sprach von Ihm als dem ‚Botschafter an die Menschlich-&lt;br /&gt;
keit‘.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Balyuzi zitiert Edward Granville Browne, den Cambridger Orienta-&lt;br /&gt;
listen, Thornton Chase, den ersten amerikanischen Bahä’i, Horace Holley,&lt;br /&gt;
Howard Colby Ives und andere prominente Zeitgenossen, die ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä begegnet sind und tief von Ihm beeindruckt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Vertraute Seines Vaters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einzigartigkeit der Erziehung, die dem jungen Abbas zuteil wurde,&lt;br /&gt;
übersteigt unser Begriffsvermögen. In eine der vornehmsten persischen&lt;br /&gt;
Familien hineingeboren, deren Oberhaupt, Bahä’u’lläh, sich spontan für&lt;br /&gt;
die Sendung des Báb erklärt hatte, fand der kleine Abbas bereits in zarte-&lt;br /&gt;
ster Kindheit reiche Anregungen. In Seinem Elternhaus gingen die be-&lt;br /&gt;
deutendsten Männer und die geistigen Führer der Bábi ein und aus. Eine&lt;br /&gt;
Erkrankung des Siebenjährigen an Tuberkulose, die Ihm zeitlebens zu&lt;br /&gt;
schaffen machte, verhinderte, daß Er während der schlimmsten Verfol-&lt;br /&gt;
gungen von den Eltern getrennt und aufs Land gebracht wurde. Der Be-&lt;br /&gt;
such im Kerker, wo Bahä’u’lläh in dieser Zeit Seine Berufung erlebte,&lt;br /&gt;
prägte den Achtjährigen unauslöschlich. „Seine Haltung Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
gegenüber war nicht nur die eines Sohnes zu seinem Vater. Sie drückte&lt;br /&gt;
eine höhere Stufe der Verehrung, einen würdevolleren Gehorsam aus.&lt;br /&gt;
Der Báb sagt, der erste, der an eine Manifestation Gottes glaube, ver-&lt;br /&gt;
körpere die Errungenschaften der vorangegangenen Sendung Gottes. So&lt;br /&gt;
war ‘Abdu’l-Bahá, der erste, der mit Seinem ganzen Wesen an die Sen-&lt;br /&gt;
dung Seines Vaters glaubte, der bedeutendste Vertreter aller Tugenden,&lt;br /&gt;
die der Báb gefordert hatte. Er sollte demzufolge ‚die Verkörperung jeg-&lt;br /&gt;
lichen Bahä’i-Ideals, die Fleischwerdung jeder Bahä’i-Tugend‘ sein“&lt;br /&gt;
(S. 13). Tatsächlich war sich ‘Abdu’l-Bahá bereits als Zwölfjähriger um&lt;br /&gt;
1856, sieben Jahre vor der öffentlichen Erklärung Bahä’u’llähs, der Sen-&lt;br /&gt;
dung Seines Vaters voll bewußt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In Adrianopel offenbarte Bahä’u’lläh ein Sendschreiben, dessen Be-&lt;br /&gt;
deutung nicht überschätzt werden kann, die Süriy-i-Ghusn (Sure vom&lt;br /&gt;
Zweig)... Darin preist Er Seinen ältesten Sohn wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Dem Sadratu’l-Muntahä’°) ist dieses heilige, ruhmreiche Wesen, dieser&lt;br /&gt;
Zweig der Heiligkeit entsprossen; wohl dem, der Seinen Schutz sucht und&lt;br /&gt;
in Seinem Schatten weilt, Wahrlich, der Ast des Gesetzes Gottes ist aus&lt;br /&gt;
dieser Wurzel entsprungen, die Gott fest in den Grund Seines Willens&lt;br /&gt;
pflanzte und deren Zweig Er so hoch hebt, daß er die ganze Schöpfung&lt;br /&gt;
umfängt. Verherrlicht sei Er darum für dieses hehre, dieses gesegnete,&lt;br /&gt;
dieses mächtige, dieses hocherhabene Werk! Ein Wort ist, als Zeichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1332&lt;br /&gt;
{{page|1333|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=11}}Unserer Gunst, von dem Größten Sendschreiben ausgegangen — ein Wort,&lt;br /&gt;
das Gott mit dem Schmuck Seines eigenen Selbstes zierte, das Er zum&lt;br /&gt;
Herren über die Erde machte, über alles, was darinnen ist, und zum&lt;br /&gt;
Merkmal Seiner Größe und Macht unter ihrem Volk ... Danke Gott,&lt;br /&gt;
o Volk, für Sein Erscheinen; denn wahrlich, Er ist die größte Gnade für&lt;br /&gt;
dich, die vollkommenste Segengabe, und jedes modernde Gebein wird&lt;br /&gt;
durch Ihn belebt. Wer sich Ihm zuwendet, hat sich Gott zugewandt, und&lt;br /&gt;
wer sich von Ihm abkehrt, hat sich von Meiner Schönheit abgekehrt, hat&lt;br /&gt;
Meinen Beweis verworfen und sich gegen Mich vergangen. Er ist der Ver-&lt;br /&gt;
traute Gottes unter euch, Sein Pfand in euch, Seine Offenbarung für euch&lt;br /&gt;
und Sein Erscheinen unter Seinen begünstigten Dienern ... Wir haben Ihn&lt;br /&gt;
herabgesandt in der Gestalt eines menschlichen Tempels. Gepriesen und&lt;br /&gt;
geheiligt sei Gott, der durch Seinen unumstößlichen, unfehlbaren Rat-&lt;br /&gt;
schluß werden läßt, was immer Er wünscht. Wer nicht im Schatten des&lt;br /&gt;
Zweiges bleibt, der ist verloren in der Wüste des Irrtums. Die Glut welt-&lt;br /&gt;
licher Wünsche zehrt ihn auf, und er gehört zu denen, die sicherlich&lt;br /&gt;
untergehen‘).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig erklärt Bahä’u’lläh die erhabene Stufe Seines geliebten Sohnes&lt;br /&gt;
in diesen ergreifenden Worten. Streng und flammend ist Bahä’u’llähs Ge-&lt;br /&gt;
bot, daß Sein Sohn Mittelpunkt der Verehrung jedes Bahä’i sein muß.&lt;br /&gt;
Schonungslos verurteilt er jene, die sich vom Größten Zweig abkehren“&lt;br /&gt;
(S. 22 £.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Memoiren von Häji Mirzä Haydar-‘Ali, einem der verdientesten&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehrer des ersten Bahä’i-Jahrhunderts, entnimmt Balyuzi folgende&lt;br /&gt;
Aufzeichnung über ein Gespräch, in dem Bahä’u’lläh die Lehrmethode&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás als beispielhaft hervorhebt. Danach sagte Bahä’u’lläh:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine gefällige, freundliche Sinnesart und geübte Toleranz den Menschen&lt;br /&gt;
gegenüber sind Vorbedingungen für das Lehren der Sache Gottes. Was&lt;br /&gt;
immer jemand sagt, sei es auch noch so belanglos, ein Produkt leerer Vor-&lt;br /&gt;
stellungen, ein papageienhaftes Nachplappern der Ansichten anderer —&lt;br /&gt;
man sollte es hingehen lassen. Keinesfalls sollte man sich auf einen Wort-&lt;br /&gt;
streit einlassen, der zu halsstarriger Ablehnung und zu Feindseligkeit&lt;br /&gt;
führt und damit aufhört; denn der andere würde sich überwunden und&lt;br /&gt;
besiegt fühlen. Die Folge wäre, daß weitere Schleier zwischen ihn und die&lt;br /&gt;
Sache Gottes treten und daß er nur noch achtloser wird. Man sollte sagen:&lt;br /&gt;
Richtig, zugegeben, aber nun schauen Sie die Frage einmal von dieser&lt;br /&gt;
anderen Seite her an und urteilen Sie selbst, ob das wahr oder falsch ist.&lt;br /&gt;
Natürlich sollte man dies höflich, freundlich, überlegt dartun. Dann wird&lt;br /&gt;
der andere zuhören, wird keine Erwiderung suchen und wird sich nicht&lt;br /&gt;
Beweisgründe für seine ablehnende Haltung zurechtrücken. Er wird zu-&lt;br /&gt;
stimmen, weil ihm klar wird, daß man nicht die Absicht hatte, Wortge-&lt;br /&gt;
fechte zu führen und ihm gegenüber die Oberhand zu gewinnen. Er sieht,&lt;br /&gt;
daß man bestrebt ist, das Wort der Wahrheit mitzuteilen, Menschlichkeit&lt;br /&gt;
zu zeigen, himmlische Eigenschaften vorzuweisen. Seine Augen und seine&lt;br /&gt;
Ohren öffnen sich, sein Herz gibt Antwort, seine wahre Natur entfaltet&lt;br /&gt;
sich, und mit der Gnade Gottes wird er zu einem neuen Geschöpf ... Der&lt;br /&gt;
Größte Zweig leiht sein Ohr willig jeder Art von leerem Gerede in sol-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1333&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1334|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
chem Maße, daß der andere sich selber sagt: Er versucht, etwas von mir&lt;br /&gt;
zu lernen. Dann, nach und nach, mit Mitteln, die der andere nicht wahr-&lt;br /&gt;
nimmt, vermittelt Er ihm Einsicht und Verständnis“ (S. 27, %).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine schwere Führungskrise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo viel Licht ist, fallen die Schatten besonders scharf. Trotzdem bleibt&lt;br /&gt;
es kaum verständlich, wie in den Jahren nach dem Heimgang Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
eine so schwere Führungskrise die junge Glaubensgemeinschaft befallen&lt;br /&gt;
konnte. Hatte Bahä’w’lläh nicht ein klares Testament, die „Rote Arche“&lt;br /&gt;
Seines Bündnisses, hinterlassen? (S. 50). Waren diesem Testament nicht&lt;br /&gt;
Hunderte von schriftlichen und mündlichen Hinweisen auf ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
als den Mittelpunkt des Bündnisses vorangegangen? War nicht die Früh-&lt;br /&gt;
geschichte des Islam den Bahä’i, die großenteils dem schiitischen Islam&lt;br /&gt;
entsprossen waren und sich in dieser Geschichte auskennen mußten, War-&lt;br /&gt;
nung genug? Fragen über Fragen, für deren Studium nunmehr außer dem&lt;br /&gt;
„theoretischen“ Ansatz Shoghi Effendis in „Die Sendung Bahä’u’llähs“ und&lt;br /&gt;
seinem historischen Bericht in „Gott geht vorüber“ (Kapitel XIV und XV)&lt;br /&gt;
Hasan Balyuzis wertvolle Ergänzung und Vertiefung (Kapitel 4 und 5)&lt;br /&gt;
vorliegt, ein neuer Nachweis, wenn noch weitere nötig sein sollten, für die&lt;br /&gt;
Tatsache, daß die in diese Führungskrise verwickelten Personen sich alle-&lt;br /&gt;
samt durch ihr Verhalten selbst richteten, mit einer Deutlichkeit, wie sie&lt;br /&gt;
nur selten in geschichtlichen Abläufen zu verfolgen ist. Es war die Eman-&lt;br /&gt;
zipation des Bündnisgedankens nicht nur von den Privatinteressen einer&lt;br /&gt;
an Reichtum gewohnten Adelsfamilie, sondern darüber hinaus von allen&lt;br /&gt;
bis dahin anerkannten Ideen der religiösen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá sah in dieser Krise die Grenzen des Glaubensbewußtseins&lt;br /&gt;
bei Seinen Landsleuten und Mitgläubigen. Umso freudiger nahm Er das&lt;br /&gt;
erste Echo auf, das der neue Glaube im Westen, in den aufgeklärtesten&lt;br /&gt;
Nationen des Abendlandes hervorrief. Wenn Shoghi Effendi in seinen&lt;br /&gt;
zeitkritischen Dokumenten die Parallelität unserer Gegenwartskrise mit&lt;br /&gt;
dem Untergang des Römischen Reiches betont, können wir auch hier eine&lt;br /&gt;
— ganz entfernte — Analogie zur Ausbreitung des Christentums fest-&lt;br /&gt;
stellen: Die Juden verdrängten den Glauben an den Erlöser; die Christen&lt;br /&gt;
strahlten über Stützpunkte in den jüdischen Diasporagemeinden in den&lt;br /&gt;
weiteren hellenistischen Kulturkreis aus und hatten große Lehrerfolge. In&lt;br /&gt;
den letzten hundert Jahren wurde das neue Gedankengut des Báb und&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs von der ursprünglichen islamischen Umwelt verdrängt und&lt;br /&gt;
verfolgt; es strahlte in die westliche Welt hinein und hatte dort beachtliche&lt;br /&gt;
Anfangserfolge. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Pro-&lt;br /&gt;
zessen ist, daß die Ausbreitung des Bahä’i-Glaubens von einer so über-&lt;br /&gt;
ragenden Persönlichkeit wie ‘Abdu’l-Bahá gefördert und gesteuert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Balyuzi erwähnt die ersten wissenschaftlichen und journalistischen Be-&lt;br /&gt;
richte, die in den Westen dringen: Sheil, Binning, Gobineau, Renan,&lt;br /&gt;
Browne, Arnold, Jessup, und als völlig andere Kategorie von Menschen&lt;br /&gt;
die ersten Gläubigen des Westens: Thornton Chase, den ersten amerikani-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i, dem ‘Abdu’l-Bahá den Ehrentitel „Thäbit“ (der Standhafte)&lt;br /&gt;
verlieh, Louisa A. Moore-Getsinger, die Er „Livä“ (das Banner) nannte,&lt;br /&gt;
und andere mehr. Die ausführliche Wiedergabe von Pilgerberichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1334&lt;br /&gt;
{{page|1335|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=13}}in Balyuzis Buch spiegeln die reife Haltung dieser frühen Gläubi-&lt;br /&gt;
gen, die außer dem brieflichen Kontakt zu ‘Abdu’l-Bahá, außer den vor-&lt;br /&gt;
sichtigen, von den türkischen Behörden und der Einwohnerschaft miß-&lt;br /&gt;
trauisch beobachteten Besuchen in ‘Akkä, außer wenigen unvollkomme-&lt;br /&gt;
nen Übersetzungen und den Erläuterungen der ersten Reiselehrer keine&lt;br /&gt;
Grundlage für ihren Glauben hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Breakwell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Europäern war es neben Hippolyte Dreyfus, dem wir um-&lt;br /&gt;
fangreiche Übersetzungen ins Französische verdanken, und Laura Barney,&lt;br /&gt;
seiner späteren Ehefrau, die durch die Zusammenstellung der „Beantwor-&lt;br /&gt;
teten Fragen“ die Lehrarbeit befruchtete, vor allem Thomas Breakwell,&lt;br /&gt;
der „erste englische Gläubige, der später durch einen glühenden Nachruf,&lt;br /&gt;
den ‘Abdu’l-Bahá zu seinem Gedächtnis schrieb, unsterblich gemacht&lt;br /&gt;
wurde“ (Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 295). Es bedarf eines Ein-&lt;br /&gt;
fühlungsvermögen, das wir heute noch kaum besitzen können, um auszu-&lt;br /&gt;
loten, was dieser junge Europäer für ‘Abdu’l-Bahá bedeutet haben mag.&lt;br /&gt;
Balyuzi berichtet anhand der Aufzeichnungen von May Bolles-Maxwell&lt;br /&gt;
(in Bahä‘i World VII, S. 707-711):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Geschichte von Thomas Breakwell ist dramatisch und packend ...&lt;br /&gt;
Es war im Sommer des Jahres 1901. Thomas Breakwell, ein junger Eng-&lt;br /&gt;
länder in den zwanziger Jahren, der einen verantwortlichen und einträg-&lt;br /&gt;
lichen Posten in einer Baumwollspinnerei im Süden der Vereinigten Staa-&lt;br /&gt;
ten bekleidete, war auf Urlaub in Europa. May Bolles hielt sich in Paris&lt;br /&gt;
auf. Ihre Mutter wollte sie den Sommer über in die Bretagne mitnehmen,&lt;br /&gt;
aber ‘Abdu’l-Bahá hatte May gesagt, sie solle sich ‚unter keinen Umstän-&lt;br /&gt;
den‘ aus Paris entfernen. , .... Meine unglückliche Mutter war empört,&lt;br /&gt;
schloß unsere Wohnung ab und ließ mich allein‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Freund, dem der Hang von Thomas Breakwell zu&lt;br /&gt;
Mystik und Esoterik aufgefallen war, brachte ihn mit May Bolles zusam-&lt;br /&gt;
men. Eines Morgens fand sie die beiden vor ihrer Tür. ‚Meine Aufmerk-&lt;br /&gt;
samkeit‘, berichtete sie, ‚war von diesem jungen Mann gefesselt: mittel-&lt;br /&gt;
groß, schlank, aufrecht, graziös, mit tiefen Augen und einem unbeschreib-&lt;br /&gt;
lichen Scharm’. Zunächst wurde der Glaube, dem May Bolles mit der&lt;br /&gt;
ganzen Glut ihres großen Herzens diente, nicht erwähnt. Sie sprachen&lt;br /&gt;
über Theosophie, und Breakwell dachte, um diese Bewegung kreise die&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit seiner Gastgeberin. Aber May sah in ihm von Anfang an&lt;br /&gt;
nach ihren eigenen Worten ‚eine seltene Persönlichkeit von hohem Niveau,&lt;br /&gt;
kultiviert, einfach, natürlich, völlig wirklichkeitsnah in seiner Haltung&lt;br /&gt;
gegenüber dem Leben und seinen Mitmenschen‘. Breakwell fragte, ob er&lt;br /&gt;
nochmals vorsprechen dürfe, und kam am folgenden Vormittag wieder. Er&lt;br /&gt;
war in einem Zustand des Frohlockens und fragte May Bolles gerade-&lt;br /&gt;
heraus, ob sie etwas ‚Seltsames‘ an ihm sehen könne. Dann fuhr er fort:&lt;br /&gt;
‚Als ich gestern hier war, spürte ich eine Kraft, einen Einfluß, den ich&lt;br /&gt;
schon einmal in meinem Leben empfunden habe, während drei Monaten,&lt;br /&gt;
in denen ich ununterbrochen mit Gott in Verbindung stand. Es war mir in&lt;br /&gt;
dieser Zeit, als bewegte ich mich in einer hohen, reinen Atmosphäre von&lt;br /&gt;
Licht und Schönheit. Mein Herz war entflammt von Liebe zum höchsten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1335&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1336|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geliebten, ich fühlte mich befriedet und eins mit allen meinen Mitmen-&lt;br /&gt;
schen. Gestern, als ich Sie verließ und die Champs-Elysees hinunterschlen-&lt;br /&gt;
derte, war die Luft warm und schwer, kein Blatt bewegte sich. Plötzlich&lt;br /&gt;
traf mich ein Windstoß und wirbelte um mich her, und in diesem Wind&lt;br /&gt;
sagte eine Stimme unbeschreiblich süß und eindringlich: Christus ist&lt;br /&gt;
wiedergekommen! Christus ist wiedergekommen&amp;quot;‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breakwell fragte als nächstes, ob May Bolles glaube, daß er den Ver-&lt;br /&gt;
stand verliere. Sie erwiderte: ‚Nein, Sie sind dabei, gesund zu werden’,&lt;br /&gt;
und sie erzählte ihm vom Kommen Bahä’u’llähs. Spontan erklärte sich&lt;br /&gt;
Thomas Breakwell als Bahä’i.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Geschichte von Thomas Breakwell ist hier nicht zu Ende. Er&lt;br /&gt;
brannte vor Verlangen, den Weg in die Gegenwart ‘Abdu’l-Bahás zu fin-&lt;br /&gt;
den. ‚Mein Gebieter, ich glaube, vergib mir, Dein Diener Thomas Break-&lt;br /&gt;
well‘, das waren die Worte, die dem Meister seine Hoffnung und seine&lt;br /&gt;
Gefolgschaft übermittelten. ‚An diesem Abend‘, schreibt seine Lehrerin,&lt;br /&gt;
‚ging ich zur Concierge unseres Hauses, um meine Post in Empfang zu&lt;br /&gt;
nehmen, und da lag ein kleines blaues Telegramm von ‘Abdu’l-Bahá! Mit&lt;br /&gt;
welcher Scheu und Verwunderung las ich Seine Worte: ‚Sie können Paris&lt;br /&gt;
jederzeit verlassen‘ ... Dankbar verweilt mein Herz bei dem göttlichen&lt;br /&gt;
Mitgefühl des Meisters, bei der Freude und Verwunderung meiner Mutter,&lt;br /&gt;
als ich ihr alles erzählte. Sie las das Telegramm und brach in Tränen aus&lt;br /&gt;
mit den Worten: ‚Du hast wirklich einen wundervollen Meister‘,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás Erlaubnis für die Pilgerreise kam, und kurz darauf war&lt;br /&gt;
Thomas Breakwell in ‘Akkä, begleitet von Herbert Hopper, einem jungen&lt;br /&gt;
amerikanischen Bahä’i, der ebenfalls von May Bolles in den Glauben ein-&lt;br /&gt;
geführt worden war. Sie berichtet: ‚Sie wurden in einen großen Raum&lt;br /&gt;
geführt. Am einen Ende stand eine Gruppe von Männern in orientalischer&lt;br /&gt;
Kleidung. Herbert Hoppers Gesicht leuchtete auf in der Freude sofortigen&lt;br /&gt;
Erkennens, aber Breakwell konnte niemand Besonderen unter diesen&lt;br /&gt;
Männern entdecken. Er fühlte sich plötzlich krank und schwach; völlig&lt;br /&gt;
niedergeschlagen setzte er sich an einen Tisch ... Dort klagte er bitterlich:&lt;br /&gt;
Warum war er hierhergekommen? Warum hatte er seine vorgesehene&lt;br /&gt;
Reise aufgegeben und war stattdessen in diese entlegene Gefängnisstadt&lt;br /&gt;
gefahren, auf der Suche nach — wer weiß was”‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch dann fand er sich schlagartig aus seiner düsteren Innenwelt erlöst.&lt;br /&gt;
Schleusen des Lichts öffneten sich vor ihm. ‘Abdu’l-Bahá trat in den Saal,&lt;br /&gt;
und Thomas Breakwell war ein neuer Mensch. Von diesem Augenblick an&lt;br /&gt;
schaute er nie mehr zurück. Er erklärte ‘Abdu’l-Bahá seine Berufstätig-&lt;br /&gt;
keit, daß seine Arbeit der Mühe wert sei und er sehr gut verdiene; aber&lt;br /&gt;
jetzt trage er Bedenken, weil der Erfolg seiner Firma auf Kinderarbeit&lt;br /&gt;
beruhe. ‘Abdu’l-Bahá riet ihm: ‚Kabeln Sie Ihre Kündigung’. Breakwell&lt;br /&gt;
tat es. Er ging zurück nach Paris und blieb dort wohnen. Der Meister&lt;br /&gt;
wünschte es so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
May Bolles-Maxwell berichtet weiter: ‚Er schien sich überhaupt nicht&lt;br /&gt;
um die Zukunft zu sorgen. Wie ein weißes Licht brannte er im Dunkel&lt;br /&gt;
von Paris, bis zu seinem letzten Atemzug diente er seinen Mitmenschen&lt;br /&gt;
mit geistiger Kraft und mit Leidenschaft.‘ Dieser letzte Atemzug ließ nicht&lt;br /&gt;
lange auf sich warten, denn er erlag der Schwindsucht. Die Welt konnte&lt;br /&gt;
ihn nicht länger fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1336&lt;br /&gt;
{{page|1337|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=15}}Ein Augenzeuge jener beiden denkwürdigen Tage, die Breakwell in der&lt;br /&gt;
Gefängnisstadt ‘Akkä verbrachte, Dr. Yünis Khan Afrükhtih, berichtet in&lt;br /&gt;
„Erinnerungen an neun Jahre in ‘Akkä“ (persisch, S. 180 - 187) über den&lt;br /&gt;
ersten Engländer, der als Pilger kam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Die Leidenschaft und der Glaube dieses jungen Mannes waren so voll-&lt;br /&gt;
endet in ihrer Art, daß sein gesegneter Name durch die Jahrhunderte fort-&lt;br /&gt;
klingen wird. Mit tiefer Zuneigung wird man sich seiner in vielen Chro-&lt;br /&gt;
niken erinnern. Verse aus den Evangelien, Zeugnisse für die Herrlichkei-&lt;br /&gt;
ten des Reiches Gottes, waren ständig auf seinen Lippen. Sein Aufenthalt&lt;br /&gt;
war zu kurz, aber seine Liebe war so stark, sein Eifer so flammend, daß&lt;br /&gt;
er tief die Herzen aller bewegte, die ihn hörten. So oft er in die Gegen-&lt;br /&gt;
wart unseres unvergleichlichen Meisters trat, war er außer sich vor Stau-&lt;br /&gt;
nen. Zu anderen Zeiten bezeugten seine Haltung und alles, was er tat,&lt;br /&gt;
die Hingabe, die ihn beseelte. Es war ihm nicht möglich, allen Freunden&lt;br /&gt;
in ‘Akkä zu begegnen (aufgrund der Beschränkungen, die die Behörden&lt;br /&gt;
wieder eingeführt hatten). Am Tag seiner Abreise sagte ihm der Meister:&lt;br /&gt;
‚Bleiben Sie in Paris‘. Auf Geheiß des Meisters begleitete ich ihn nach&lt;br /&gt;
Haifa bis an das Schiff. Außerhalb ‘Akkäs konnten wir ihn für eine oder&lt;br /&gt;
zwei Stunden im Hause eines der Gläubigen bewillkommnen, bevor sein&lt;br /&gt;
Schiff in See stach. In diesem Hause waren wir in einem Zimmer, das auf&lt;br /&gt;
‘Akkä hin schaute. Dort stand er mehrere Male, völlig ruhig, in einem&lt;br /&gt;
Zustand der geistigen Verbindung ‘Akka zugewandt. Tränen entströmten&lt;br /&gt;
seinen Augen, seine Zunge formte Worte zu Bittgebeten. Alle Anwesenden&lt;br /&gt;
waren tief bewegt. In diesem Zustand der Entrücktheit fragte er mich, ob&lt;br /&gt;
er von Zeit zu Zeit Briefe mit mir tauschen dürfe. Meine Antworten, sagte&lt;br /&gt;
er, würden ihm die Düfte der strahlenden Stadt ‘Akkä vermitteln. Wir&lt;br /&gt;
standen alle in Tränen, als wir ihm Lebewohl wünschten.‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Yünis Khän, der ‘Abdu’l-Bahá mit beispielhafter Hingabe in einer&lt;br /&gt;
überaus kritischen Periode Seiner Amtszeit als Sekretär und Dolmetscher&lt;br /&gt;
diente, setzt sodann diese fesselnde Geschichte von Thomas Breakwell&lt;br /&gt;
fort. In regelmäßigen zweiwöchigen Abständen erhielt er Briefe von dem&lt;br /&gt;
jungen Engländer aus Paris, wo dieser mit seiner fortschreitenden Aus-&lt;br /&gt;
zehrung kämpfte. In einem seiner Briefe bemerkt Breakwell, er habe zu&lt;br /&gt;
Gott um Schmerz, Betrübnis und Leid gefleht, damit er seinen Geliebten&lt;br /&gt;
nicht vergesse. Je ungestümer die Krankheit in ihm tobte, desto aus-&lt;br /&gt;
drucksvoller, desto glühender wurden Breakwells Freudenhymnen. Sein&lt;br /&gt;
Briefpartner berichtet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Alles, was er schrieb, legte ich dem Meister vor. Manchmal sagte Er:&lt;br /&gt;
‚Übermitteln Sie ihm meine Grüße‘. Wenn Er keine Bemerkung machte,&lt;br /&gt;
wußte ich, daß die geheimnisvolle Verbindung zwischen dem Liebenden&lt;br /&gt;
und dem Geliebten keines gesprochenen Wortes bedarf. Dann kam sein&lt;br /&gt;
letzter Brief. Er schrieb: ‚Leid ist ein berauschender Wein; ich bin bereit,&lt;br /&gt;
die Gabe zu empfangen, die die größte aller Gaben ist. Die Qualen des&lt;br /&gt;
Fleisches haben mich befähigt, meinem Gebieter viel näher zu kommen.&lt;br /&gt;
Allem Todesschmerz zum Trotz wünsche ich mir Leben, um länger zu&lt;br /&gt;
dulden und mehr Leid zu kosten. Wonach mich verlangt, ist das Wohlge-&lt;br /&gt;
fallen meines Gebieters; erwähnen Sie mich in Seiner Gegenwart‘. Ein&lt;br /&gt;
paar Tage danach begleitete ich abends den Meister, zusammen mit dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1338|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verstorbenen Dr. Arastü Khän, von dem Haus, wo Er Besucher empfing,&lt;br /&gt;
zu Seiner Wohnung am Meeresufer. Urplötzlich wandte Er sich an mich&lt;br /&gt;
und fragte: ‚Haben Sie gehört?‘ ‚Nein, Meister‘, antwortete ich, und Er&lt;br /&gt;
sagte: ‚Breakwell ist heimgegangen. Ich bin traurig, tief traurig. Ich habe&lt;br /&gt;
ein Besuchsgebet für ihn geschrieben. Es ist sehr ergreifend, so ergreifend,&lt;br /&gt;
daß ich beim Schreiben zweimal meine Tränen nicht zurückhalten konnte.&lt;br /&gt;
Sie müssen es gut übersetzen, so daß jeder, der es liest, weinen muß‘. Ich&lt;br /&gt;
habe nie erfahren, wer dem Meister die Nachricht von Breakwells Tod&lt;br /&gt;
übermitttelt hatte. Wenn jemand in Englisch oder Französisch geschrieben&lt;br /&gt;
oder gekabelt hätte, wäre diese Mitteilung mit Sicherheit durch meine&lt;br /&gt;
Hände gegangen. Zwei Tage später wurde mir das Besuchsgebet über-&lt;br /&gt;
geben. Es drückte einem das Herz zusammen, und ich konnte meine Trä-&lt;br /&gt;
nen nicht zurückhalten. Ich übersetzte es ins Französische und später, mit&lt;br /&gt;
der Hilfe von Lua Getsinger, ins Englische:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier einige Auszüge aus dieser Lobpreisung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚O0 Breakwell, mein Geliebter! Wo ist dein schönes Antlitz, wo dein&lt;br /&gt;
beredter Mund? Wo ist deine strahlende Stirn und wo dein leuchtendes&lt;br /&gt;
Angesicht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein teurer Breakwell! Wo sind deine hellen Augen, wo deine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lächelnden Lippen? Wo sind deine zarten Wangen und wo ist deine an-&lt;br /&gt;
mutige Gestalt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Teuerster, o Breakwell! Wahrlich, du hast diese vergängliche&lt;br /&gt;
Welt aufgegeben, hast dich aufgeschwungen in das Reich Gottes, hast die&lt;br /&gt;
Gnade der unsichtbaren Welt erlangt und hast dich geopfert an der&lt;br /&gt;
Schwelle des Herrn der Macht! ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Verehrter, o Breakwell! So hast du ein Licht im Leuchter der&lt;br /&gt;
Höchsten Heerscharen entzündet, bis eingetreten in das Paradies Abhä,&lt;br /&gt;
stehst geschützt im Schatten des Gesegneten Baumes und bist in die Ver-&lt;br /&gt;
sammlung (des Herrn der Wahrheit) an Seinem himmlischen Wohnsitz&lt;br /&gt;
gelangt! ....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Geliebter, o Breakwell! Wahrlich, dein Herr hat dich für Seine&lt;br /&gt;
Liebe auserwählt, hat dich zum Hofe Seiner Heiligkeit geführt, hat dich&lt;br /&gt;
in den Paradiesgarten Seiner Gegenwart eintreten lassen und hat es dir&lt;br /&gt;
vergönnt, Seine Schönheit zu schauen! ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Geliebter, o Breakwell! Du bist ein Stern am erhabensten Hori-&lt;br /&gt;
zonte, eine Lampe unter den Engeln des Himmels, lebendiger Geist in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höchsten Welt geworden, du sitzest in Sicherheit auf dem Thron der Un-&lt;br /&gt;
sterblichkeit! ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Verehrter, o Breakwell! Fortgesetzt erwähne ich deinen Namen,&lt;br /&gt;
ich vergesse dich nie. Tag und Nacht bete ich für dich, und ich sehe dich&lt;br /&gt;
klar und offenbar, o mein Verehrter, o Breakwell&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Yünis Khän, der getreue Chronist, hat uns noch mehr über Thomas&lt;br /&gt;
Breakwell zu berichten. ‚Eines Tages, etwa ein Jahr später‘, schreibt er,&lt;br /&gt;
‚rief mich ‘Abdu’l-Bahá in Seine Gegenwart, um mir Briefe zum Über-&lt;br /&gt;
setzen auszuhändigen. Da lagen viele Umschläge, aus zahlreichen Orten&lt;br /&gt;
hergesandt. ‘Abdu’l-Bahá prüfte sie noch in verschlossenem Zustand;&lt;br /&gt;
plötzlich griff Er einen heraus und sagte: ‚Wie angenehm ist doch der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1338&lt;br /&gt;
{{page|1339|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=17}}Duft, der von diesem Umschlag ausgeht. Rasch, öffnen Sie ihn und sehen&lt;br /&gt;
Sie, woher er kommt. Eilen Sie sich!‘ Schon früher war es oft vorgekom-&lt;br /&gt;
men, daß der Meister einen bestimmten Briefumschlag herausgriff und&lt;br /&gt;
zuerst öffnen ließ, und mit Sicherheit enthielt der Brief dann Nachrichten&lt;br /&gt;
von großer geistiger Bedeutung. So beeilte ich mich jetzt, den Umschlag&lt;br /&gt;
zu öffnen, den der Meister ausgesucht hatte. Er enthielt eine Postkarte ....,&lt;br /&gt;
die in schönen Farbtönen koloriert war. Beigefügt war eine einzige Blume,&lt;br /&gt;
ein Veilchen. In goldenen Buchstaben standen die Worte geschrieben: ‚Er&lt;br /&gt;
ist nicht tot, er lebt im Reich Gottes weiter‘. Ferner war der Satz zu lesen:&lt;br /&gt;
‚Diese Blume ist von Breakwells Grab gepflückt‘. Als ich dem Meister&lt;br /&gt;
sagte, welche Botschaft die Postkarte enthielt, erhob Er sich sofort von&lt;br /&gt;
Seinem Sessel, nahm die Karte, legte sie auf Seine gesegnete Stirn, und&lt;br /&gt;
Tränen flossen Ihm über die Wangen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Breakwell ist, wie der Hüter sagte, eine Leuchte am Firma-&lt;br /&gt;
ment des Glaubens Bahä’u’llähs“ (Balyuzi, S. 74 - 80). Wenn auch der&lt;br /&gt;
Geist, aus dem er lebte und spontan zum Glauben fand, einer fernen Zeit&lt;br /&gt;
anzugehören scheint, in der die Menschen noch „heil“ waren — die Art,&lt;br /&gt;
wie ‘Abdu’l-Bahá auf diesen Geist reagierte, zeigt uns, daß er dem inner-&lt;br /&gt;
sten Wesen des Menschen eher entspricht als viele Normen und Maßstäbe,&lt;br /&gt;
die unsere Umwelt an uns heranträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reisen in den Westen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás angegriffener körperlicher Zusand hatte ähnliche Ur-&lt;br /&gt;
sachen wie die Krankheit Breakwells; die übermenschlichen Belastungen&lt;br /&gt;
in der Verteidigung des Glaubens gegen reaktionäre Unterdrücker und&lt;br /&gt;
Bündnisbrecher taten ein Übriges. So brauchte Er, nachdem Er im Sep-&lt;br /&gt;
tember 1910 in aller Stille den ersten Schritt aus dem Lande Seines Exils&lt;br /&gt;
nach Ägypten getan hatte, elf Monate der Erholung, ehe Er im August&lt;br /&gt;
1911 Seine berühmte Reise in den Westen wagen konnte. Gleich die erste&lt;br /&gt;
öffentliche Ansprache Seines Lebens, die er am Sonntag, 10. September&lt;br /&gt;
1911, im City Temple von London hielt, offenbarte die Größe Seiner Bot-&lt;br /&gt;
schaft und den Stil, in dem Er sie dem Westen vorzutragen gedachte: Er&lt;br /&gt;
appelliert zuvörderst an das aufgeklärte Empfinden seiner Zuhörer dafür,&lt;br /&gt;
daß heute „ein neuer Zyklus menschlicher Macht“ beginnt. „In diesem&lt;br /&gt;
wunderbaren Zeitalter ist der Osten erleuchtet, der Westen ist von Duft&lt;br /&gt;
erfüllt... Die Gabe Gottes an dieses erleuchtete Zeitalter ist die Erkennt-&lt;br /&gt;
nis der Einheit der Menschheit und der grundlegenden Einheit der Reli-&lt;br /&gt;
gion. Krieg wird zwischen den Nationen aufhören, und durch den Willen&lt;br /&gt;
Gottes wird der Größte Frieden kommen; die Welt wird als eine neue&lt;br /&gt;
Welt betrachtet, und alle Menschen werden wie Brüder leben“ (S. 141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Differenzierung aus der Mitte dieses neuen Einheitsbewußtseins,&lt;br /&gt;
aus der Gefolgschaft gegenüber Bahä’u’lläh heraus folgt nach in dem&lt;br /&gt;
Maße, wie sich ‘Abdu’l-Bahás Erwartung bestätigt, daß es nur wenige&lt;br /&gt;
vorbereitete Seelen sind, die sich diesem neuen Geist begeistert erschlie-&lt;br /&gt;
Ben, daß aber die Politiker, Geistlichen, Journalisten und anderen Mei-&lt;br /&gt;
nungsführer, die ‘Abdu’l-Baháa zu Tausenden begegnen, Seiner Botschaft&lt;br /&gt;
trotz aller Bereitschaft zum Gespräch und zur Fragestellung mit einer Art&lt;br /&gt;
wohlwollender Skepsis gegenüberstehen. Es ist über alle Maßen lehrreich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1339&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1340|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Balyuzi den Prozeß mitzuverfolgen, wie ‘Abdu’l-Bahá in Seinen Aus-&lt;br /&gt;
sagen immer deutlicher und differenzierter wird, wie er die Bewußtseins-&lt;br /&gt;
widersprüche, die in den äußerlich erfolgreichen hochzivilisierten west-&lt;br /&gt;
lichen Ländern klarer und offener zu Tage traten als in der zerstörten&lt;br /&gt;
Glaubenswelt Persiens oder in der Dekadenz des Osmanischen Imperiums,&lt;br /&gt;
fortschreitend beim Namen nennt und vom Geistigen her, mit der heilen-&lt;br /&gt;
den Macht des Wortes Bahä’u’llähs, beseitigt. Sind die „Ansprachen in&lt;br /&gt;
Paris“ und die ersten Reden in den Vereinigten Staaten noch strahlender&lt;br /&gt;
Geist religiöser Aufklärung, so kommen in den späteren amerikanischen&lt;br /&gt;
Ansprachen dunklere Töne hinzu: milde Ironie, wenn er die Materialisten&lt;br /&gt;
in einem „Open Forum“ in San Franzisko zu den Kühen schickt, die die&lt;br /&gt;
Philosophie der Nichtanerkennung ideeller Wirklichkeiten am besten ver-&lt;br /&gt;
stünden („BAHA‘I-BRIEFE“ 42, S. 1183); mutiges Eintreten in jüdischen&lt;br /&gt;
Synagogen für Christus und Muhammad, für eine aufgeklärte, gesell-&lt;br /&gt;
schaftsbezogene Religiosität, was Ihm eine kühle Aufnahme einbrachte.&lt;br /&gt;
Besonders ergreifend ist der Appell zur Bündnistreue, den ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
in Chikago an die Bahä’i richtete, weil dort einer der schlimmsten inneren&lt;br /&gt;
Feinde des Glaubens sein Unwesen trieb. Wir geben diese Ansprache an&lt;br /&gt;
anderer Stelle wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Balyuzi bringt trefflich nicht nur den wesentlichen Gehalt dieser An-&lt;br /&gt;
sprachen in Europa und Amerika, sondern auch die begleitenden Episoden&lt;br /&gt;
und Begegnungen, die ganze Lebensart des großen Lehrmeisters, seine&lt;br /&gt;
natürliche Entfaltung in der fremden Umwelt des Westens zur Geltung.&lt;br /&gt;
Ergreifend ist ‘Abdu’l-Bahás ständige Rückverbindung zu Bahä’u’lläh und&lt;br /&gt;
den großen Märtyrern des Glaubens; immer wieder zeigt Er sie in Seinen&lt;br /&gt;
Gesprächen und Entscheidungen. Viele anekdotenhafte Begebenheiten&lt;br /&gt;
sind beispielgebend und lehrreich, viele Zitate und Darstellungen bieten&lt;br /&gt;
neue Informationen. Wir erfahren zum Beispiel aus einem Artikel der&lt;br /&gt;
Londoner Zeitschrift „Weekly Budget“ vom 8. Dezember 1912, daß Leo&lt;br /&gt;
Tolstoi, dem wir eines der reifsten Urteile über die Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs verdanken, vor seinem Tode mit ‘Abdu’l-Bahá in Brief-&lt;br /&gt;
wechsel stand und Material für ein Buch über Bahä’u’lläh sammelte&lt;br /&gt;
(S. 350). Leider haben sich bei der Beschreibung des Besuches ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
in Deutschland und in der Donaumonarchie einige Fehler bei der Rück-&lt;br /&gt;
übersetzung von Namen aus dem Persischen eingeschlichen, weil deutsche&lt;br /&gt;
Quellen offenbar nicht zugezogen wurden (S. 379 - 391).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erste Weltkrieg und die letzten Jahre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem halbjährigen Erholungsaufenthalt mit umfangreicher Lehr-&lt;br /&gt;
tätigkeit in Ägypten kehrte ‘Abdu’l-Bahá am 5. Dezember 1913 nach Haifa&lt;br /&gt;
zurück. In den kurzen Monaten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs&lt;br /&gt;
strömten Scharen von Pilgern zu Seiner Tür. Die Verantwortung für die&lt;br /&gt;
Sache Gottes lastete schwer auf Ihm, sein Gesundheitszustand war delikat.&lt;br /&gt;
Es war die Zeit, in der Er mit dem Sendschreiben auf Seite 1363 dieses&lt;br /&gt;
Heftes zu „universeller Teilnahme“ aufrief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende Juni 1914 schickte ‘Abdu’l-Bahá die letzten Pilger heim und ließ&lt;br /&gt;
keine neuen Besucher mehr anreisen. Die internationale Lage war zu&lt;br /&gt;
prekär geworden. Die Kriegsjahre brachten neue Bedrohungen. So&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1340&lt;br /&gt;
{{page|1341|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=19}}schwach Sultan Muhammad V. unter den Jungtürken geworden war, die&lt;br /&gt;
Erklärung des Ersten Weltkrieges zum Heiligen Krieg ließ er sich als eine&lt;br /&gt;
der letzten Amtshandlungen als Khalif abringen. Religiöser und national-&lt;br /&gt;
türkischer Fanatismus zielten beide in die gleiche Richtung: auf univer-&lt;br /&gt;
salistische, aufgeklärte Gruppen wie die der Bahä’i. Inmitten der ersten&lt;br /&gt;
Kriegshysterie verlagerte ‘Abdu’l-Bahá die Bahä’i aus ‘Akkä und Haifa&lt;br /&gt;
in ein Drusendorf in den Bergen von Galiläa, nach Abü-Sinän, wo schon&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh einst drei Monate lang freundlich aufgenommen worden war.&lt;br /&gt;
Mit dem autoritären türkischen Militärbefehlshaber Jamäl Päsha fand&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá einen Modus vivendi, nachdem Er bei einem Galaessen in&lt;br /&gt;
Nazareth, zu dem Er gleichzeitig mit dem Päshä eingeladen worden war,&lt;br /&gt;
vor fast zweihundert Offizieren so aufgeklärt in Türkisch über philoso-&lt;br /&gt;
phische und wissenschaftliche Themen sprach, daß alle ihr Essen kalt&lt;br /&gt;
werden ließen. Trotzdem äußerte der Päshä später, er werde ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
kreuzigen, wenn er erst den Feldzug gewonnen habe; die ständigen Ver-&lt;br /&gt;
leumdungen der Bündnisbrecher wirkten sich hier aus und verhinderten,&lt;br /&gt;
daß ‘Abdu’l-Bahá sich im Verein mit den islamischen und christlichen&lt;br /&gt;
Führern stärker für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Lande&lt;br /&gt;
einsetzen konnte. Er mußte sich darauf beschränken, auf Lände-&lt;br /&gt;
reien am See Genezareth Getreide anzubauen, um die Bahä’i und die&lt;br /&gt;
Armen von ‘Akkä und Haifa vor dem schlimmsten Hunger bewahren zu&lt;br /&gt;
helfen. Bei den wöchentlichen Versammlungen der Bahä’i von Haifa im&lt;br /&gt;
Hause ‘Abdu’l-Bahás entstanden ab Mitte 1915 die „Erinnerungen an die&lt;br /&gt;
Gläubigen“ (Tadhkiratu‘l-Vafa‘), 79 Kurzbiographien von bedeutenden&lt;br /&gt;
Bahä’i, die ‘Abdu’l-Bahá selbst mündlich vortrug. Im Frühjahr 1916 und&lt;br /&gt;
im Frühjahr 1917 schrieb Er die „Sendschreiben vom Göttlichen Plan“&lt;br /&gt;
nieder, mit denen Er die Verantwortung für die planmäßige Ausbreitung&lt;br /&gt;
der Botschaft Bahä’u’llähs über die ganze Erde vor allem auf die Schul-&lt;br /&gt;
tern der nordamerikanischen Gläubigen legte und die Grundlage für die&lt;br /&gt;
Lehrpolitik des Hüters und des Universalen Hauses der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
schuf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nicht zuletzt dem Einsatz britischer Bahä’i zu verdanken, daß&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá und die Bahä’i im Heiligen Land beim Abzug der Türken&lt;br /&gt;
und Einmarsch der Engländer im Spätsommer 1918 nicht zu Schaden&lt;br /&gt;
kamen. General Allenby kabelte nach London: „Habe heute Palästina ein-&lt;br /&gt;
genommen. Verständigt die Welt, daß ‘Abdu’l-Bahá in Sicherheit ist“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten drei Lebensjahre waren erfüllt von tiefen Sorgen um den&lt;br /&gt;
politischen, den „Geringeren Frieden“ in der Welt und die Ausbreitung&lt;br /&gt;
der Botschaft Bahä’u’llähs als Grundlage des „Größten Friedens“. Das&lt;br /&gt;
„Sendschreiben an die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden&lt;br /&gt;
in Den Haag“ und das Sendschreiben an Professor Forel sind letzte Höhe-&lt;br /&gt;
punkte im Wirken ‘Abdu’l-Bahás. Die Ritterschaft des Britischen Empire&lt;br /&gt;
akzeptierte Er als „Ehrengeschenk eines gerechten Königs“ (S. 443).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Trauerfeierlichkeiten beim Heimgang ‘Abdu’l-Bahás schreibt&lt;br /&gt;
Balyuzi: „In dem Lande, das wir als das Heilige Land kennen, gab es&lt;br /&gt;
während der ganzen letzten zweitausend Jahre seiner turbulenten Ge-&lt;br /&gt;
schichte kein Ereignis, das alle Einwohner, wie verschieden ihr Bekenntnis,&lt;br /&gt;
ihre Herkunft und ihre Absicht auch ist, so in einem einzigen Gefühls-&lt;br /&gt;
und Gedankenausdruck vereinigte wie das Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahás.&lt;br /&gt;
Juden und Christen, Muslim und Drusen aller Überzeugungen und Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1341&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1342|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kenntnisse, Araber und Türken, Kurden, Armenier und andere Volks-&lt;br /&gt;
gruppen waren in der Trauer um Seinen Abschied, im Bewußtsein des&lt;br /&gt;
großen Verlustes, den sie erlitten hatten, vereint“ (S. 453). Ergreifend ist&lt;br /&gt;
Balyuzis Zusammenstellung von Zeugnissen, die wir aus anderen Quellen&lt;br /&gt;
zum Teil bereits kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt des Bündnisses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ‘Abdu’l-Bahá eingangs als den ersten Vertrauten Seines&lt;br /&gt;
Vaters kennengelernt. Ein kurzer Gedanke zurück in die Religionsge-&lt;br /&gt;
schichte genügt, um die Einmaligkeit dieser Beziehung zu erkennen, auch&lt;br /&gt;
wenn wir sie ihrem Wesen nach nie werden ausloten können. Keine der&lt;br /&gt;
heute bekannten Manifestationen Gottes hatte einen Sohn, den sie in&lt;br /&gt;
einem 48jährigen Prozeß der Erziehung und Anregung zu ihrem Nach-&lt;br /&gt;
folger heranbilden konnte, und wir können sicher sein, daß es nie einen&lt;br /&gt;
Menschen gab, der zu einem Offenbarer Gottes ein so inniges, schöpferi-&lt;br /&gt;
sches Verhältnis herstellte wie ‘Abdu’l-Baha zu Seinem Vater. „Es ist in&lt;br /&gt;
der Tat für uns“, schreibt Shoshi Effendi (Sendung, S. 43), „die wir zeit-&lt;br /&gt;
lich einer so ungeheuer großen Gestalt so nahe stehen und von der ge-&lt;br /&gt;
heimnisvollen Kraft einer so anziehenden Persönlichkeit gefesselt werden,&lt;br /&gt;
schwer, einen klaren und genauen Begriff von der Rolle und dem Cha-&lt;br /&gt;
rakter Dessen zu erhalten, der nicht nur in der Sendung Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
sondern auch auf dem gesamten Gebiet der Religionsgeschichte ein einzig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, den die Feder des Höchsten in allen Hei-&lt;br /&gt;
ligen Schriften verherrlicht hat. Kein Vers ist darin, der&lt;br /&gt;
nicht den Ruhm Seines heiligen Namens kundtut, und kein&lt;br /&gt;
Buch, das nicht für die Erhabenheit dieses höchsten Themas&lt;br /&gt;
zeugt... Es obliegt an diesem Tag einem jeden, sein ganzes&lt;br /&gt;
Vertrauen auf die mannigfachen Gaben Gottes zu setzen und&lt;br /&gt;
sich zu erheben, um mit äußerster Weisheit die Wahrheiten&lt;br /&gt;
Seiner Sache zu verbreiten. Dann, und nur dann wird das&lt;br /&gt;
Morgenlicht Seiner Offenbarung die gesamte Erde umgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
(Ährenlese X)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1342&lt;br /&gt;
{{page|1343|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=21}}dastehendes Amt hat. Obgleich Er sich in Seiner eigenen Sphäre bewegt&lt;br /&gt;
und eine Stufe einnimmt, die völlig verschieden von denjenigen des Ur-&lt;br /&gt;
hebers und des Vorläufers der Bahä’i-Offenbarung ist, bildet Er doch&lt;br /&gt;
kraft der Stellung, die Ihm durch das Bündnis Bahä’u’llähs zuteil ward,&lt;br /&gt;
mit jenen zusammen das, was wir als die drei Zentralgestalten eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaubens bezeichnen können, der in der Geistesgeschichte der Welt einzig&lt;br /&gt;
ist“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi betont ‘Abdu’l-Bahás Stellung als „der Mittelpunkt und&lt;br /&gt;
die Achse des unvergleichlichen und allumfassenden Bündnisses Bahä’u’-&lt;br /&gt;
llähs..., als Seine erhabenste Schöpfung, der fleckenlose Spiegel Seines&lt;br /&gt;
Lichtes, das vollkommene Beispiel Seiner Lehren, der niemals irrende&lt;br /&gt;
Ausleger Seines Wortes, der Ausdruck eines jeglichen Bahä’i-Ideales, die&lt;br /&gt;
Verkörperung jeglicher Bahä’-Tugend, der Mächtige Zweig, der aus&lt;br /&gt;
der Urewigen Wurzel hervorging, der Arm des göttlichen Gesetzes, das&lt;br /&gt;
Wesen, ‚um das sich alle Namen bewegen‘, die Triebkraft der Vereinigung&lt;br /&gt;
der Menschheit, das Banner des Größten Friedens, der Mond des Zentral-&lt;br /&gt;
gestirnes dieser heiligen Sendung“ (Sendung, S. 46). Von dieser Stellung&lt;br /&gt;
unterscheidet der Hüter ‘Abdu’l-Bahás besondere Identität, die Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
Ihm mit dem Titel „das Geheimnis Gottes“ verliehen hat. So deutlich die&lt;br /&gt;
um die Rolle eines Mittelpunkts des Bündnisses angeordneten Benennun-&lt;br /&gt;
gen die Richtung andeuten, in der wir uns eine Vorstellung von der Stufe&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás zu bilden haben, so unergründlich wird Er uns und der&lt;br /&gt;
Nachwelt als das „Geheimnis Gottes“ bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Balyuzi neigt sich ehrfürchtig vor diesem Geheimnis, indem er am&lt;br /&gt;
Ende seines Buches die Aussage des Anfangs wiederholt: „Keine Beschrei-&lt;br /&gt;
bung reicht an das Leitmotiv eines Lebens heran, das jedes Hindernis&lt;br /&gt;
übersteigt, bis es sich völlig erfüllt hat“ (S. 494). Der Geschichtsschreibung&lt;br /&gt;
und den Deutungen von Shoghi Effendi als dem Hüter des Bahä’i-Glau-&lt;br /&gt;
bens nachgeordnet, ist Balyuzis Werk eine wertvolle Sammlung, Erweite-&lt;br /&gt;
rung und Erläuterung, ein unschätzbarer Beitrag zum Verständnis der&lt;br /&gt;
ersten achtzig Jahre Bahä’i-Geschichte. Wir können abschließend nur die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoffnung ausdrücken, daß sich bald Übersetzer für die deutsche Ausgabe&lt;br /&gt;
finden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) „Abdu’l-Bahá, The Centre of the Covenant of Bahä’u’lläh“ by H. M. Balyuzi,&lt;br /&gt;
Verlag George Ronald, 17—21 Sunbeam Road, London, N. W. 10, 1971, ISBN&lt;br /&gt;
85398 029 2, 537 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Sadrat (u’l-Muntahä) — Baum, den die Araber früher an das Ende der Wege&lt;br /&gt;
als Markierung ptianzten. Symbolisch „der göttliche Lotosbaum, über den hin-&lt;br /&gt;
aus niemand gehen kann“, d. h. der Offenbarer Gottes. Vgl. Qur’än 53:16 und&lt;br /&gt;
„Gott geht vorüber“, S. 105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) vgl. Shoghi Effendi, „Die Sendung Bahä’u’llähs, Frankfurt/Oxford 1948, S. 47 £.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Häji Mirzä Haydar-‘Ali, der Empfänger des Sendschreibens „Worte des Para-&lt;br /&gt;
dieses“ von Bahä’u’lläh (vgl. BAHA’I-BRIEFE 10, S. 226 ff.), wurde zusammen&lt;br /&gt;
mit sechs anderen Gläubigen auf Veranlassung des persischen Generalkonsuls&lt;br /&gt;
in Kairo verhaftet und nach Khartüm/Sudan verbannt, bis er 1877 nach neun&lt;br /&gt;
Jahren durch General Gordon befreit wurde. Verhaftung, Transport und Exil&lt;br /&gt;
brachten entsetzliche Leiden mit sich. Später bereiste Häji Mirzä Haydar-‘Ali&lt;br /&gt;
intensiv ganz Persien und die Nachbarländer, eine Lehrmission, die mehr als&lt;br /&gt;
ein Vierteljahrhundert dauerte. Seinen Lebensabend verbrachte er im Heiligen&lt;br /&gt;
Land, wo ihn die westlichen Pilger als den „Engel vom Berg Karmel“ schätzten.&lt;br /&gt;
Seine Geschichte ist eine Odyssee des Bahä’i-Glaubens. Sie wurde 1913 unter&lt;br /&gt;
dem Titel „Bihjatu’s-Sudür“ (Herzenswonne) veröffentlicht; Zitate S. 251 f£.&lt;br /&gt;
und 257.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1343&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1344|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr, meine treuen Geliebten! Sollten je einmal im Heiligen&lt;br /&gt;
Land betrübliche Ereignisse eintreten, so beunruhigt und er-&lt;br /&gt;
regt euch nicht darüber, habt weder Furcht noch Kummer.&lt;br /&gt;
Denn was auch geschehen mag, wird nur dazu beitragen, das&lt;br /&gt;
Wort Gottes zu erheben und die himmlischen Düfte zu ver-&lt;br /&gt;
breiten. Schreitet mutig voran und ermannt euch mit größter&lt;br /&gt;
Standhaftigkeit, Seiner Sache zu dienen. — Der Geist Gottes&lt;br /&gt;
und Seine Herrlichkeit ruhe auf dem, der fest und standhaft&lt;br /&gt;
im Bunde ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abduw’l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hinscheiden ‘Abdu’l-Baha’s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bericht von Sitarih Khanum (Lady Blomfield) und Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, Haifa, Januar 1922&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wohlbekannt, daß die Geliebten ‘Abdu’l-Bahás in allen Ländern&lt;br /&gt;
der Welt begierig auf Einzelheiten und nähere Umstände Seines Hin-&lt;br /&gt;
scheidens aus diesem irdischen Leben warten (28. November 1921). Aus&lt;br /&gt;
diesem Grunde wurde der folgende Bericht geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen mehr und mehr, daß der Meister Tag und Stunde wußte,&lt;br /&gt;
da Er nach Beendigung Seiner Mission auf der Erde in Seine himmlische&lt;br /&gt;
Heimat eingehen würde. Er war indessen darauf bedacht, daß Seine&lt;br /&gt;
Familie ohne Vorahnung von dem kommenden Leid bliebe. Durch Seine&lt;br /&gt;
stets liebevolle Rücksicht auf die Seinen wurden gleichsam aller Augen&lt;br /&gt;
verhüllt, damit sie die Bedeutung gewisser Träume und anderer Zeichen&lt;br /&gt;
kommender Ereignisse nicht voraussahen. Heute erkennen sie, daß es&lt;br /&gt;
Seine Absicht war, ihre Kraft zu erhalten, um die großen Prüfungen,&lt;br /&gt;
wenn sie eintreten sollten, zu bestehen. Sie sollten nicht im Vorgefühl&lt;br /&gt;
eines seelischen Schmerzes niedergeschmettert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den vielen Zeichen der Annäherung der Stunde, in der Er von&lt;br /&gt;
Seinem Lebenswerk auf Erden sagen konnte: „Es ist vollbracht“, scheinen&lt;br /&gt;
zwei hier folgende Träume von Bedeutung zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Monate vor Seinem Scheiden erzählte der Meister Seiner&lt;br /&gt;
Familie folgendes: „Mir war, als ob ich in einer großen Moschee stünde,&lt;br /&gt;
im innersten Raum, den Blick der Qiblih (dem Ort der Anbetung, wohin&lt;br /&gt;
sich die Betenden wenden, — wie in der christlichen Kirche nach Osten)&lt;br /&gt;
und dem Platz des Imams zugewendet. Ich bemerkte, daß eine große Men-&lt;br /&gt;
schenmenge die Moschee betrat, und immer noch drängten Scharen von&lt;br /&gt;
Menschen herzu und nahmen ihren Platz in der Halle hinter mir ein, bis&lt;br /&gt;
schließlich eine ungeheure Menschenmenge beisammen war. — Als ich so&lt;br /&gt;
dastand, ließ ich laut den „Ruf zum Gebet“ ertönen. Plötzlich kam mir&lt;br /&gt;
der Gedanke, die Moschee zu verlassen. Als ich mich außerhalb derselben&lt;br /&gt;
befand, sagte ich zu mir: „Aus welchem Grund bin ich weggegangen, ohne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1344&lt;br /&gt;
{{page|1345|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=23}}das Gebet geleitet zu haben? Aber es schadet nichts; jetzt, nachdem ich&lt;br /&gt;
den Ruf zum Gebet erschallen ließ, wird die große Menschenmenge allein&lt;br /&gt;
das Gebet singen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Meister verschieden war, dachte Seine Familie über diesen&lt;br /&gt;
Traum nach und legte ihn folgendermaßen aus: Er hat diese große Men-&lt;br /&gt;
schenmenge — alle Völker, alle Religionen, alle Rassen und Nationen —&lt;br /&gt;
zur Vereinigung und zum Frieden gerufen, zu universaler Liebe und&lt;br /&gt;
Brüderlichkeit. Nachdem Er sie gerufen hatte, kehrte Er zu Gott, dem&lt;br /&gt;
Geliebten, zurück, auf dessen Befehl Er den majestätischen Ruf erhoben&lt;br /&gt;
und die göttliche Botschaft gebracht hatte. Diese große Menge — die Völ-&lt;br /&gt;
ker, Religionen, Nationen und Rassen — sollen das Werk, zu dem sie&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá gerufen, fortsetzen und selbständig zu seiner Erfüllung&lt;br /&gt;
bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Wochen nach diesem Traumgesicht kam der Meister aus dem&lt;br /&gt;
alleinliegenden Zimmer im Garten, das Er zuvor bewohnt hatte, und&lt;br /&gt;
sagte: „Mir träumte, ich sähe die ‚Gesegnete Schönheit‘ (Bahä’u’lläh) zu&lt;br /&gt;
mir treten und sagen: ‚Zerstöre diese Kammer!‘“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seinigen, die wünschten, daß Er im Hause schlafen sollte und die&lt;br /&gt;
nicht ruhig waren, wenn sie Ihn in der Nacht allein wußten, riefen aus:&lt;br /&gt;
„Ja, Meister, wir glauben, Dein Traum bedeutet, daß Du dieses Zimmer&lt;br /&gt;
aufgeben und ins Haus ziehen sollst“. Als Er dies von uns hörte, lächelte&lt;br /&gt;
Er verständnisvoll, obgleich Er mit ihrer Auslegung nicht übereinstimmte.&lt;br /&gt;
Späterhin begriffen sie, daß Er mit der „Kammer“ den Tempel Seines&lt;br /&gt;
Körpers meinte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat vor seinem Tode erhielt Dr. Sula’man Rafat Bay, ein tür-&lt;br /&gt;
kischer Freund, der als Gast im Hause war, ein Telegramm mit der Nach-&lt;br /&gt;
richt vom plötzlichen Tod seines Bruders. ‘Abdu’l-Bahá tröstete ihn und&lt;br /&gt;
flüsterte ihm zu: „Sei nicht traurig, denn er wurde nur von dieser Erde&lt;br /&gt;
(Sphäre) in eine höhere versetzt; auch ich werde bald versetzt werden,&lt;br /&gt;
denn meine Tage sind gezählt“. Dann streichelte Er ihm mit der Hand&lt;br /&gt;
über die Schulter und sagte, indem Er in sein Antlitz schaute: „Und es&lt;br /&gt;
wird sich zutragen in den allernächsten Tagen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In derselben Woche schrieb Er ein Tablet nach Amerika, in dem folgen-&lt;br /&gt;
des Gebet steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ya“ Bahä’u’l-Abhä (O Du, die Herrlichkeit der Herrlichkeiten), ich habe&lt;br /&gt;
der Welt und den Menschen entsagt und bin gebrochen und sehr traurig&lt;br /&gt;
über die Ungetreuen. Im Käfig dieser Welt flattere ich wie ein geängstig-&lt;br /&gt;
ter Vogel und sehne mit jeden Tag danach, meinen Flug nach Deinem&lt;br /&gt;
Königreich anzutreten. — Ya Bahä’u’l-Abhä! Lasse mich aus dem Kelch&lt;br /&gt;
des Opfers trinken und befreie mich. Erlöse mich von diesen Schmerzen&lt;br /&gt;
und Leiden, von diesen Anfechtungen und diesem Kummer! Du bist der,&lt;br /&gt;
der hilft, der unterstützt, der behütet, der Seine hilfreiche Hand aus-&lt;br /&gt;
streckt“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Morgen des letzten Freitags Seines Lebens (25. November) sagte Er&lt;br /&gt;
zu Seinen Töchtern: „Die Hochzeit der Khusraw muß heute vollzogen&lt;br /&gt;
werden. Wenn ihr zu sehr beschäftigt seid, so will ich eigenhändig die&lt;br /&gt;
Vorbereitungen dazu treffen, denn sie muß heute stattfinden“. (Khusraw&lt;br /&gt;
ist einer der beliebtesten und vertrauenswürdigsten Diener in des Meisters&lt;br /&gt;
Haus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1345&lt;br /&gt;
{{page|1346|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá besuchte das Mittagsgebet in der Moschee. Als er zurück-&lt;br /&gt;
kam, fand Er die Armen auf die Almosen wartend, welche Er gewohnt&lt;br /&gt;
war, jeden Freitag zu geben. An diesem Tage blieb Er, wie gewöhnlich,&lt;br /&gt;
unter ihnen, trotz größter Müdigkeit — und gab mit eigener Hand jedem&lt;br /&gt;
seine Münze. .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Mittagsmahl diktierte Er Ruhi Effendi einige Tablets (seine&lt;br /&gt;
letzten). Als Er geruht hatte, machte Er im Garten einen Spaziergang.&lt;br /&gt;
Er schien in tiefes Nachdenken versunken zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein guter und treuer Diener, Ismä‘il-Aqgä, erzählt folgendes: „Etwa&lt;br /&gt;
zwanzig Tage, ehe mein Meister verschied, war ich in Seiner Nähe im Gar-&lt;br /&gt;
ten und hörte, wie Er einen alten Gläubigen aufforderte zu kommen mit&lt;br /&gt;
den Worten: ‚Komm mit mir, damit wir zusammen die Schönheit des&lt;br /&gt;
Gartens bewundern. Sieh, was der Geist treuen Dienstes alles erfüllen&lt;br /&gt;
kann. Dieser blühende Ort war noch vor wenigen Jahren eine Steinwüste,&lt;br /&gt;
und nun grünt er von Laub und Blumen. Ich wünsche, daß nach meinem&lt;br /&gt;
Tod die Geliebten sich alle erheben, um der göttlichen Sache zu dienen,&lt;br /&gt;
und so Gott will, wird es geschehen. In kurzem werden die Menschen&lt;br /&gt;
kommen, welche Leben in die Welt bringen’.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Tage später sagte Er: ‚Ich bin so müde! Die Stunde ist gekom-&lt;br /&gt;
men, in der ich alles verlassen und Abschied nehmen muß. Ich bin zu&lt;br /&gt;
müde, um spazieren zu gehen’. Und dann sagte Er — es war in den letzten&lt;br /&gt;
Tagen, als ich damit beschäftigt war, Seine Schriftlichkeiten zu sammeln,&lt;br /&gt;
die auf dem Diwan Seines Schreibzimmers in Bahji zerstreut lagen, —&lt;br /&gt;
während Er sich zu mir wandte: ‚Es hat keinen Zweck, sie zu sammeln;&lt;br /&gt;
ich muß sie lassen und gehen. Auch ich habe mein Werk vollendet, ich&lt;br /&gt;
kann nichts mehr tun; daher muß ich es verlassen und Abschied nehmen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Tage vor Seinem Tode rief mich ‘Abdu’l-Bahá, als Er im Garten&lt;br /&gt;
saß, und sagte: ‚Ich bin krank vor Müdigkeit. Bringe mir zwei von deinen&lt;br /&gt;
Orangen, damit ich sie esse um deinetwillen‘. Dies tat ich. Als Er sie ge-&lt;br /&gt;
gessen hatte, wandte Er sich zu mir und fragte: ‚Hast du noch von den&lt;br /&gt;
süßen Zitronen?‘ Er bat mich, einige zu pflücken. Indem ich es tat, kam&lt;br /&gt;
Er an den Baum heran und sagte: ‚Nein, ich muß sie mit eigener Hand&lt;br /&gt;
brechen‘. Als Er von den Früchten zu sich genommen hatte, wandte Er&lt;br /&gt;
sich an mich und sagte: ‚Wünschest du noch mehr?‘ Dann sagte Er mit&lt;br /&gt;
einer rührenden Handbewegung ergreifend, nachdrücklich und nachdenk-&lt;br /&gt;
lich: ‚Jetzt ist es zu Ende, es ist zu Ende!‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese bedeutungsvollen Worte drangen mir tief in die Seele. Ich hatte&lt;br /&gt;
das Gefühl, als ob bei jedem Wort mir ein Messer ins Herz gestoßen&lt;br /&gt;
würde. Ich verstand deren Sinn, doch dachte ich niemals, daß das Ende&lt;br /&gt;
so nahe sei“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ismä’il-Agä, fast dreißig Jahre lang des Meisters Gärtner, war es, der&lt;br /&gt;
in der ersten Woche nach diesem unersetzlichen Verlust, getrieben durch&lt;br /&gt;
hoffnungslosen Kummer, über allen seinen Besitz verfügte, seinen letzten&lt;br /&gt;
Willen verfaßte, zu des Meisters Schwester ging und um Verzeihung bat&lt;br /&gt;
für alle Fehler, die er begangen habe. Daraufhin übergab er den Schlüssel&lt;br /&gt;
des Gartens einem vertrauenswürdigen Diener des Haushalts, um seinem&lt;br /&gt;
Leben am Grabe seines geliebten Meisters ein Ende zu machen. Er ging&lt;br /&gt;
den Berg hinan zu der geweihten Stätte, umschritt das Gebäude dreimal&lt;br /&gt;
und hätte seinem Leben ein Ende bereitet, wenn nicht zufällig ein Freund&lt;br /&gt;
gekommen wäre, der ihn von der Erfüllung seines Vorhabens abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1346&lt;br /&gt;
{{page|1347|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=25}}Später, am Abend des Freitags, segnete Er die Braut und den Bräuti-&lt;br /&gt;
gam, die soeben getraut worden waren. Er sprach eindringlich zu ihnen.&lt;br /&gt;
„Khusraw“, sagte Er, „du hast deine Kindheit und Jugend im Dienst&lt;br /&gt;
dieses Hauses verbracht; ich hoffe, daß du unter dem selben Dach alt&lt;br /&gt;
werden und stets Gott dienen wirst“. Den ganzen Abend hielt Er die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
übliche Versammlung mit den Freunden in Seinem eigenen Sprechzimmer&lt;br /&gt;
ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstagmorgen stand Er sehr früh auf, betrat das Teezimmer&lt;br /&gt;
und trank etwas Tee. Er verlangte nach dem pelzgefütterten Mantel&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs. Oft zog Er diesen Mantel, den Er sehr liebte, an, wenn Er&lt;br /&gt;
fror und sich nicht wohl fühlte. Dann zog Er sich in Sein Zimmer zurück,&lt;br /&gt;
legte sich auf Sein Bett und sagte: „Deckt mich zu, ich friere so sehr; die&lt;br /&gt;
vergangene Nacht schlief ich nicht gut, ich fror. Dies ist ernst, dies ist der&lt;br /&gt;
Anfang“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierauf legte man noch weitere Decken auf Ihn; Er verlangte, daß der&lt;br /&gt;
Pelzmantel, den Er abgelegt hatte, über Ihn gedeckt werde. An diesem&lt;br /&gt;
Tage fieberte Er sehr. Am Abend stieg die Temperatur höher, das Fieber&lt;br /&gt;
fiel jedoch in der Nacht. Nach Mitternacht verlangte Er noch etwas Tee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Sonntagmorgen sagte Er: „Es ist mir ganz gut, ich will aufstehen&lt;br /&gt;
wie immer und den Tee mit euch im Teezimmer nehmen“. Nachdem Er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich angezogen hatte, wurde Er überredet, auf dem Sofa in Seinem Zim-&lt;br /&gt;
mer zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Nachmittag schickte Er alle Freunde hinauf zum Grab des Báb, wo&lt;br /&gt;
aus Anlaß des Gedenktages der „Erklärung des Bundes“ (26. November)&lt;br /&gt;
ein Fest veranstaltet wurde, zu dem ein Pilger — ein Parse, der kürzlich&lt;br /&gt;
aus Indien angekommen war — eingeladen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um vier Uhr nachmittags sagte Er von dem Sofa in Seinem Zimmer&lt;br /&gt;
aus, wo Er ruhte: „Rufe meine Schwester und meine ganze Familie, daß&lt;br /&gt;
sie zum Tee zu mir kommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später kamen der Mufti von Haifa und der Oberste des Stadtbezirkes&lt;br /&gt;
mit noch einem Besuch, die von dem Meister angenommen wurden. Sie&lt;br /&gt;
blieben etwa eine Stunde. Er sprach über Bahä’u’lläh zu ihnen, erzählte&lt;br /&gt;
ihnen Seinen zweiten Traum, erzeigte ihnen außerordentliche, über Seine&lt;br /&gt;
gewohnheitsmäßige Höflichkeit hinausgehende Freundlichkeit beim Ab-&lt;br /&gt;
schied und geleitete sie an das äußerste Tor trotz ihrer Bitten, Er möge&lt;br /&gt;
auf dem Sofa bleiben und ruhen. Dann nahm Er den Besuch des Polizei-&lt;br /&gt;
direktors, eines Engländers, an, der vom Meister ebenfalls mit liebens-&lt;br /&gt;
würdiger Güte empfangen wurde. Der Meister schenkte ihm seidene,&lt;br /&gt;
handgewobene persische Taschentücher, die der Empfänger sehr schätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine vier Schwiegersöhne und Ruhi Effendi kamen nach Rückkehr von&lt;br /&gt;
der Versammlung auf dem Berg zu Ihm und sagten: „Der Gastgeber war&lt;br /&gt;
unglücklich, weil Du nicht dabei warst“. Er gab ihnen zur Antwort: „Ich&lt;br /&gt;
war doch dort, wenn auch nicht körperlich, mein Geist war dort, mitten&lt;br /&gt;
unter euch. Ich war mit den Freunden am Grab. Die Freunde sollten kein&lt;br /&gt;
Gewicht auf die Anwesenheit meines Körpers legen. Im Geist bin ich&lt;br /&gt;
immer mit den Freunden und werde immer bei ihnen sein, wenn ich auch&lt;br /&gt;
weit von ihnen entfernt bin“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1347&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1348|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am selben Abend erkundigte Er sich nach dem Befinden eines jeden&lt;br /&gt;
Mitglieds des Haushaltes, der Pilger und der Freunde in Haifa. „Sehr gut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehr gut“, sagte Er, als sie Ihm berichteten, daß niemand krank sei. Dies&lt;br /&gt;
waren seine letzten Worte an die Freunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um acht Uhr ging Er zu Bett, nachdem Er etwas Nahrung zu sich ge-&lt;br /&gt;
nommen hatte, und sagte: „Es geht mir ganz gut“. Er bat alle Familien-&lt;br /&gt;
angehörigen, zu Bett zu gehen. Zwei seiner Töchter blieben dennoch bei&lt;br /&gt;
Ihm. In dieser Nacht schlief der Meister sehr gut, ganz fieberfrei. Er stand&lt;br /&gt;
um 1,15 Uhr nachts auf und ging zum Tisch hin, wo Er etwas Wasser zu&lt;br /&gt;
sich nahm. Er legte ein Übergewand ab und sagte: „Es ist mir zu warm“.&lt;br /&gt;
Dann legte Er sich wieder zu Bett, und als Seine Tochter Ruha Khanum&lt;br /&gt;
sich Ihm näherte, sah sie Ihn friedvoll daliegen. Er schaute sie an und bat&lt;br /&gt;
sie, das Moskitonetz aufzuschlagen mit den Worten: „Ich bekomme schwer&lt;br /&gt;
Atem, führe mir mehr Luft zu“. Es wurde Ihm Rosenwasser gereicht,&lt;br /&gt;
wovon Er im Bett aufsitzend, ohne Hilfe trank. Dann legte Er sich wieder,&lt;br /&gt;
und als Ihm etwas Nahrung angeboten wurde, sagte Er mit klarer und&lt;br /&gt;
deutlicher Stimme: „Du willst mir Milch geben, jetzt, da ich scheide?“ —&lt;br /&gt;
Er gewährte einen wundervollen Anblick; Sein Gesicht war so ruhig, der&lt;br /&gt;
Ausdruck so hoheitsvoll; sie dachten, Er schliefe. —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nun vor den Augen Seiner Geliebten verschieden. Die Augen,&lt;br /&gt;
die stets voll Güte auf die Menschen — ob Freund oder Feind — gerichtet&lt;br /&gt;
waren, hatten sich geschlossen. Die Hände, die stets bereit waren, den&lt;br /&gt;
Armen und Bedürftigen Almosen zu geben, den Gelähmten und Ver-&lt;br /&gt;
stümmelten, den Blinden, den Waisen und Witwen zu helfen, hatten nun&lt;br /&gt;
ihre Arbeit vollbracht. Die Füße, die unermüdlich gewandert waren, um&lt;br /&gt;
die vielen Aufträge des Herrn der Barmherzigkeit auszuführen, ruhten&lt;br /&gt;
nun aus. Die Lippen, die so beredt den Kampf gegen die Ursachen der&lt;br /&gt;
Leiden der Menschheit geführt hatten, waren geschlossen. Das Herz, das&lt;br /&gt;
so stark in wundervoller Liebe für die Kinder Gottes geschlagen hatte,&lt;br /&gt;
stand nun still. Sein strahlender Geist war aus diesem Erdenleben mit&lt;br /&gt;
seinen Verfolgungen durch die Feinde der Wahrheit, mit seinen Stürmen&lt;br /&gt;
und Qualen während einer fast achtzigjährigen unermüdlichen Arbeit für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Wohl anderer, hinübergegangen. — Sein langes Märtyrertum war&lt;br /&gt;
vollendet!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Wolken des schweren Verlustes noch dunkel über den&lt;br /&gt;
trauernden Frauen der Familie hingen, hatte eine Enkelin des Meisters&lt;br /&gt;
einen merkwürdigen Traum. Sie sah Ihn mit Seiner geliebten Schwester,&lt;br /&gt;
dem „Größten Heiligen Blatt“ sprechen, im selben Zimmer, in dem frü-&lt;br /&gt;
morgens die Familie sich in Seiner Gegenwart zu versammeln pflegte, um&lt;br /&gt;
das Morgengebet zu singen und alsdann den Frühstückstee einzunehmen.&lt;br /&gt;
Er wandte sich zu ihr und sagte: „Warum seid ihr alle so verstört? Warum&lt;br /&gt;
klagt ihr und seid so traurig? Ich bin mit euch allen sehr zufrieden. Schon&lt;br /&gt;
lange habe ich mir gewünscht, meinem Vater, der ‚gesegneten Schönheit‘,&lt;br /&gt;
zu folgen. Ich bat Ihn immer, mich in Seinen Rosengarten hinüber zu&lt;br /&gt;
nehmen, und nun, da mein Gebet erhört ist, wie glücklich, wie froh bin&lt;br /&gt;
ich! Wie ruhe ich aus! Deshalb seid nicht traurig!“ Dann gab Er noch&lt;br /&gt;
mancherlei Ratschläge und ermahnte sie, allezeit die Anordnungen&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs zu befolgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1348&lt;br /&gt;
{{page|1349|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=27}}Früh am Montagmorgen verbreitete sich die Kunde des plötzlichen Hin-&lt;br /&gt;
scheidens ‘Abdu’l-Bahás in der ganzen Stadt; sie rief eine beispiellose&lt;br /&gt;
Aufregung hervor und erfüllte die Herzen mit unaussprechlichem Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beisetzungsfeierlichkeiten und Grabreden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am anderen Morgen (Dienstag) fand die Beisetzung statt, Es war ein&lt;br /&gt;
Begräbnis, wie es Haifa, ja ganz Palästina sicherlich noch niemals erlebt&lt;br /&gt;
hatte. Ergreifend war der Schmerz, der viele Tausende von Trauernden,&lt;br /&gt;
Vertreter vieler Religionen, Rassen und Sprachen, bewegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der High Commissioner, Sir Herbert Samuel, der Gouverneur zu Jeru-&lt;br /&gt;
salem, der Gouverneur von Phönizien, die höchsten Staatsbeamten der&lt;br /&gt;
Regierung, die Konsuln der verschiedenen Länder, die in Haifa wohnen,&lt;br /&gt;
die Oberhäupter der verschiedenen religiösen Gemeinschaften, die Nota-&lt;br /&gt;
beln von Palästina, ferner Juden, Christen, Mosiem, Drusen, Ägypter,&lt;br /&gt;
Griechen, Türken, Kurden, eine Menge Seiner amerikanischen und euro-&lt;br /&gt;
päischen Freunde, Fremde und Freunde Seines eigenen Landes, Männer,&lt;br /&gt;
Frauen und Kinder von hohem und niederem Stand, alle, etwa zehntau-&lt;br /&gt;
send an der Zahl, beweinten den Verlust ihres geliebten Herrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eindrucksvolle Leichenzug wurde von einer Ehrenwache geführt, die&lt;br /&gt;
aus der Stadtpolizeiwache bestand, ihr folgte die Jungmannschaft der&lt;br /&gt;
moslemischen und christlichen Gemeinden, die ihre Banner trugen. Ein&lt;br /&gt;
Chor mohammedanischer Sänger sang Verse aus dem Koran. Das Ober-&lt;br /&gt;
haupt der moslemischen Gemeinden, an der Spitze ein Mufti, eine Anzahl&lt;br /&gt;
christlicher, griechischer und englischer Geistlicher — alle folgten dem&lt;br /&gt;
heiligen Schrein, den die Schultern der Getreuen trugen. Hinter dem Sarg&lt;br /&gt;
schritten die Familienmitglieder, mit ihnen der britische „High Commis-&lt;br /&gt;
sioner“, der Gouverneur von Jerusalem und der Gouverneur von Phöni-&lt;br /&gt;
zien. Dann folgten die Konsuln und die Notabeln des Landes und schließ-&lt;br /&gt;
lich eine ungeheure Menge derer, die Ihn verehrten und liebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tage war der Himmel wolkenlos, lautlos die Stadt und das&lt;br /&gt;
Land, durch das wir schritten; vernehmbar war nur der sanfte, langsame&lt;br /&gt;
Rhythmus des Rufs zum Gebet und das fassungslose Schluchzen der Ver-&lt;br /&gt;
lassenen, die den Verlust ihres einzigartigen Freundes beweinten, der sie&lt;br /&gt;
in all ihren Nöten und ihrem Kummer beschützte und dessen großherzige&lt;br /&gt;
Güte sie selbst und ihre Kinder vor dem Hungertod in den Jahren des&lt;br /&gt;
„Großen Leids“ bewahrt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„© Gott, mein Gott!“ jammerte das Volk allenthalben einstimmig:&lt;br /&gt;
„Unser Vater hat uns verlassen, unser Vater ist von uns gegangen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch eine ungeheure Volksmasse! Menschen aller Religionen, Rassen&lt;br /&gt;
und Farben waren im Herzen geeint durch die Offenbarung des Dienstes&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás (der Religion der Tat) in Seinem langen Lebenswerk. —&lt;br /&gt;
Als sie langsam den Weg zum Karmel, dem Berg Gottes, hinaufschritten,&lt;br /&gt;
schien der Sarg emporgehoben durch unsichtbare Hände, so hoch über den&lt;br /&gt;
Häuptern der Menschen wurde er getragen. Nach zweistündigem, lang-&lt;br /&gt;
samem Marsch erreichten sie den Garten, in welchem das Grabgebäude&lt;br /&gt;
des Báb sich befindet. Sanft wurde der Sarg auf einen großen Tisch&lt;br /&gt;
niedergelassen, der mit einem schönen, weißleinenen Tuch bedeckt war.&lt;br /&gt;
Als sich die große Menschenmenge um das Heiligtum Seines Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1349&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1350|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=28}}drängte, der darauf wartete, an seine Ruhestätte in der Gruft neben dem&lt;br /&gt;
Báb getragen zu werden, waren alle Herzen erfüllt von glühender Liebe&lt;br /&gt;
zu ‘Abdu’l-Bahá; etliche erhoben im Impuls des Augenblicks — oder auch&lt;br /&gt;
vorbereitet — die Stimme in Trauer und Schmerz. Sie brachten ihrem&lt;br /&gt;
Geliebten die letzte Ehrenbezeugung und ihr Lebewohl dar. Sie waren in&lt;br /&gt;
ihrer Trauer noch so verbunden mit Ihm, dem weisen Erzieher und Be-&lt;br /&gt;
rater der Menschen in der gegenwärtigen wirren und traurigen Zeit, daß&lt;br /&gt;
es schien, als bliebe den Bahä’i nichts mehr zu sagen übrig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachstehend Auszüge aus einigen Reden, die bei dieser Trauerkund-&lt;br /&gt;
gebung gehalten wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der moslemische Geistliche brachte die Gefühle seiner Glaubensge-&lt;br /&gt;
nossen folgendermaßen zum Ausdruck: „O du arabisches und persisches&lt;br /&gt;
Volk! Wen betrauerst du? Ist es Der, der gestern groß war im Leben&lt;br /&gt;
und heute im Tode noch größer ist? Vergießt keine Tränen für Ihn, der&lt;br /&gt;
aus dieser Welt in die Ewigkeit einging, sondern weint darüber, daß&lt;br /&gt;
soviel Tugend, Weisheit, Wissenschaft und Edelsinn mit Ihm aus dieser&lt;br /&gt;
Welt gingen. Klaget über euch selbst, denn ihr seid die Verlierenden,&lt;br /&gt;
indessen Er, der Dahingegangene, ein hochgeschätzter Pilger ist, der&lt;br /&gt;
aus einer vergänglichen Welt in die ewige Heimat zog. Weint eine Stunde&lt;br /&gt;
lang um Ihn, der nahezu achtzig Jahre mit euch geweint hat! Schaut zur&lt;br /&gt;
Rechten, zur Linken, nach dem Osten, nach dem Westen und seht, welche&lt;br /&gt;
Herrlichkeit und Größe dahingegangen, welch eine Säule des Friedens&lt;br /&gt;
gestürzt ist! Welch beredte Lippen haben sich geschlossen! Wehe! In dieser&lt;br /&gt;
Trübsal ist kein Herz, das nicht aus Kummer klagt, kein Auge, das&lt;br /&gt;
trocken bleibt! Wehe den Armen, denn wisset, die Güte ist von ihnen ge-&lt;br /&gt;
gangen; wehe den Waisen, denn ihr liebenswürdiger Vater ist nicht mehr&lt;br /&gt;
bei ihnen! Hätte das Leben von Sir ‘Abdu’l-Bahá zurückgekauft werden&lt;br /&gt;
können durch das Opfer vieler kostbarer Seelen, so würden sie sicherlich&lt;br /&gt;
freudig ihr Leben für Sein Leben geopfert haben. Aber das Schicksal hat&lt;br /&gt;
es anders gewollt. Jedes Schicksal ist vorausbestimmt und niemand kann&lt;br /&gt;
der göttlichen Vorsehung widerstehen. Wer bin ich, daß ich die Helden-&lt;br /&gt;
taten dieses Menschenführers hier nenne? Sie sind zu herrlich, um ge-&lt;br /&gt;
priesen, zu zahlreich, um aufgezählt zu werden. Es genüge zu sagen, daß&lt;br /&gt;
Er in jedem Herzen den tiefsten Eindruck hinterlassen hat und jede&lt;br /&gt;
Zunge Seines Lobes voll ist. Er hat ein Gedächtnis hinterlassen, das herr-&lt;br /&gt;
lich und unauslöschlich ist, Er ist wahrlich nicht tot. So tröste dich denn,&lt;br /&gt;
du Volk Bahäs! Erdulde und sei geduldig, denn kein Mensch, sei er aus&lt;br /&gt;
dem Osten oder dem Westen, kann dich jemals trösten; nein, er bedarf&lt;br /&gt;
selbst des Trostes!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann trat der christliche Priester heran und sprach: „Ich weine über die&lt;br /&gt;
Welt, in der mein Herr gestorben ist; es gibt außer mir noch viele, die,&lt;br /&gt;
wie ich, den Tod ihres Herrn beweinen. Bitter ist der Schmerz, den dieses&lt;br /&gt;
herzbrechende Leid verusacht. Es ist nicht nur ein Verlust für unser Land,&lt;br /&gt;
sondern ein Verlust für die ganze Welt. Er hat nahezu achtzig Jahre lang&lt;br /&gt;
das Leben eines Gottgesandten und eines Apostels Gottes gelebt. Er hat&lt;br /&gt;
die Seelen der Menschen erzogen; Er war gütig zu ihnen und hat sie den&lt;br /&gt;
Weg der Wahrheit geführt. So erhob Er Sein Volk auf die Höhe des&lt;br /&gt;
Ruhms, und Sein Gotteslohn wird deshalb groß sein; es ist der Lohn für&lt;br /&gt;
den Gerechten! Hört mich, ihr Menschen: Abbas ist weder gestorben,&lt;br /&gt;
noch ist das Licht Bahäs erloschen! O nein, das Licht wird scheinen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1350&lt;br /&gt;
{{page|1351|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=29}}ewigem Glanze. Die Leuchte Bahä Abbas ist rein und hat in sich das&lt;br /&gt;
wahre Licht des Geistes geoffenbart. Und nun ist Er eingegangen in die&lt;br /&gt;
Herrlichkeit, ein reiner Engel, reich gekleidet in Taten der Barmherzig-&lt;br /&gt;
keit, edel in Seinen köstlichen Tugenden. O ihr Mitchristen! Ihr traget&lt;br /&gt;
wohl die sterblichen Reste dieses ewig Betrauerten zu Seiner letzten&lt;br /&gt;
Ruhestätte; doch wisset mit aller Gewißheit, daß euer Abbas immer im&lt;br /&gt;
Geiste unter euch leben wird durch Seine Taten, Seine Worte, Seine&lt;br /&gt;
Tugenden und die ganze Wesenheit Seines Lebens. Wir sagen dem mate-&lt;br /&gt;
riellen Körper unseres Abbas Lebewohl; Sein irdischer Leib ist unseren&lt;br /&gt;
Augen entschwunden, aber Seine Wirklichkeit, unser geistiger Abbas, wird&lt;br /&gt;
nie aus unserem Gedächtnis, unseren Gedanken, unseren Herzen, unserer&lt;br /&gt;
Seele entschwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du großer, Du allverehrter Entschlafener! Du warst gut zu uns, hast&lt;br /&gt;
uns geführt, hast uns gelehrt. Du hast ein großes Leben unter uns gelebt&lt;br /&gt;
in allüberragender einsamer Größe, Du hast uns stolz gemacht auf Deine&lt;br /&gt;
Taten und auf Deine Worte. Du hast den Orient auf den Gipfel des&lt;br /&gt;
Ruhms erhoben, hast den Menschen Güte gezeigt, hast sie Dir zur Rechen-&lt;br /&gt;
schaft erzogen und hast Dich gemüht bis ans Ende, bis Du die Krone der&lt;br /&gt;
Herrlichkeit errangst. Ruhe ewig im Schutz der Barmherzigkeit des Herrn,&lt;br /&gt;
Deines Gottes, der Dir reichlich vergelten wird!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann sprach ein weiterer Mohammedaner, der Mufti von Haifa, u.a.&lt;br /&gt;
folgendes: „Ich will in meiner Rede über diesen Großen nicht übertreiben,&lt;br /&gt;
denn Seine stets bereite, helfende Hand im Dienst der Menschheit und die&lt;br /&gt;
herrliche und wunderbare Geschichte Seines Lebens, das dem Dienste&lt;br /&gt;
alles Edlen und Guten gewidmet war, kann niemand leugnen, es sei denn,&lt;br /&gt;
sein Herz sei blind ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Du hochgepriesener Abgeschiedener! Du warst groß in Deinem&lt;br /&gt;
Leben und bist groß im Tode! Dieser große Leichenzug ist ein herrlicher&lt;br /&gt;
Beweis Deiner Größe im Leben wie im Tode! O Du, den wir nun verloren&lt;br /&gt;
haben! Du Menschheitsführer, mildtätig und wohlwollend! Auf wen sollen&lt;br /&gt;
die Armen jetzt hoffen? Wer wird für die Hungernden sorgen und für die&lt;br /&gt;
Unglücklichen, die Witwen und Waisen? Möge der Herr die Deinen mit&lt;br /&gt;
Seinem Geiste erfüllen, ihnen Kraft verleihen in dieser großen Trübsal&lt;br /&gt;
und sie versenken in den Ozean Seiner Gnade und Barmherzigkeit.&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist Gott, der die Gebete erhört und beantwortet!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun trat ein Jude vor und widmete Ihm folgende Worte in französischer&lt;br /&gt;
Sprache: „In einem Jahrhundert des übertriebenen Positivismus und&lt;br /&gt;
zügellosen Materialismus ist es erstaunlich und selten, einen Philosophen&lt;br /&gt;
von solch hoher Geisteskraft zu finden wie den heute von uns betrauerten&lt;br /&gt;
‘Abdu’i-Bahä Abbas, der an unsere Herzen und Gefühle appellierte, der&lt;br /&gt;
stets trachtete, unsere Seelen zu erziehen, indem Er uns die höchsten&lt;br /&gt;
Prinzipien lehrte, die Er als die Basis jeder Religion und Moral ansah.&lt;br /&gt;
Durch Seine Schriften, durch Seine Worte, durch Seine Gespräche im&lt;br /&gt;
engen Kreis wie auch durch Seine berühmten Unterredungen mit den&lt;br /&gt;
gebildetsten und angesehensten Vertretern der verschiedenen religiösen&lt;br /&gt;
Richtungen hat Er zu überzeugen gewußt und hat stets den Sieg davon-&lt;br /&gt;
getragen. Sein lebendiges Beispiel war der Ausdruck einer höheren Macht.&lt;br /&gt;
Sein Leben in der Öffentlichkeit war ein Beispiel der Ergebenheit und der&lt;br /&gt;
Selbstaufopferung zum Wohle anderer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1351&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1352|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=30}}Seine Philosophie ist einfach, werdet ihr sagen, aber sie ist eben durch&lt;br /&gt;
diese Einfachheit groß, dem menschlichen Charakter angepaßt, der von&lt;br /&gt;
seiner Schönheit verliert, wenn er durch Vorurteile und Aberglauben&lt;br /&gt;
entstellt ist. Abbas starb inHaifa in Palästina, auf der heiligen Erde, die die&lt;br /&gt;
Propheten hervorbrachte. Viele Jahrhunderte lag diese heilige Erde brach,&lt;br /&gt;
nun entsteht sie wieder aufs neue und nimmt ihren hohen Rang und ehe-&lt;br /&gt;
maligen Ruf wieder ein. Nicht wir allein verherrlichen Ihn. In Europa, in&lt;br /&gt;
Amerika, was sage ich, in jedem Lande, das von Menschen bewohnt ist,&lt;br /&gt;
die ihre Aufgabe auf dieser Welt erkennen, die nach sozialer Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und Verbrüderung streben, wird man Ihn beweinen. Er ist gestorben,&lt;br /&gt;
nachdem Er unter Despotismus, Fanatismus und Unduldsamkeit viel ge-&lt;br /&gt;
litten hat. Akka, die türkische Bastille, wurde Ihm jahrzehntelang zum&lt;br /&gt;
Gefängnis. Bagdad, die Hauptstadt der Abbassiden, war auch Sein Ge-&lt;br /&gt;
fängnis, wie das Seines Vaters. Persien, die einstige Wiege edler und&lt;br /&gt;
göttlicher Philosophie, hat Seine Kinder, die ihre Ideen von ihr schöpften,&lt;br /&gt;
aus dem Lande gestoßen. Sieht man nicht darin ein göttliches Walten und&lt;br /&gt;
einen bedeutungsvollen Vorzug für das gelobte Land, das die Wiege aller&lt;br /&gt;
großzügigen und edlen Gedanken war und auch in Zukunft sein wird?&lt;br /&gt;
Wer eine so edle Vergangenheit hinterläßt, ist nicht tot. Wer so hohe&lt;br /&gt;
Prinzipien niederschrieb, hat Seine Familie auf alle Seine Leser ausge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dehnt und hat Seinen Namen der Nachwelt überliefert, gekrönt durch&lt;br /&gt;
Unsterblichkeit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die neun Redner ihre Gedächtnisreden gehalten hatten, kam -&lt;br /&gt;
der Augenblick, wo der Sarg mit dieser Perle liebenden Dienstes langsam&lt;br /&gt;
und feierlich zu seiner einfachen, geheiligten Ruhestätte gebracht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachrufe der Presse und Beileidstelegramme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch ein ungeheurer Schmerz, daß die geliebten Füße nicht mehr über&lt;br /&gt;
diese Erde schreiten, daß Derjenige, der solche Ergebenheit und Ehrfurcht&lt;br /&gt;
einflößte, dieser Erde entrückt worden ist! — Unter den vielerlei Zeitun-&lt;br /&gt;
gen, die im Osten und Westen Berichte über dieses bedeutende Ereignis&lt;br /&gt;
brachten, steht an erster Stelle „Le Temps“, die führende französische&lt;br /&gt;
Zeitung; sie schildert in ihrer Ausgabe vom 19. Dezember 1921 unter dem&lt;br /&gt;
Titel „Ein Friedensstifter“ Leben und Lehre ‘Abdu’l-Bahás sehr an-&lt;br /&gt;
ziehend. Folgendes ist ein kurzer Auszug daraus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In Palästina ist vor kurzem ein Prophet gestorben, der die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Lehre, eine Einheitsreligion, die nichts anderes ist als der Bábismus, dem&lt;br /&gt;
Graf von Gobineau so große Beachtung schenkte, gründete. Der Báb, der&lt;br /&gt;
Stifter des Bábismus, setzte sich die maßvolle Regeneration Persiens zum&lt;br /&gt;
Ziel, was Ihn im Jahre 1850 das Leben kostete. — Bahä’ulläh und Sein&lt;br /&gt;
Sohn ‘Abdu’l-Bahá, „der Diener Gottes“, erstrebten nicht weniger als die&lt;br /&gt;
Wiedergeburt der ganzen Welt. — ‘Abdu’l-Bahá hat Paris besucht. Vor&lt;br /&gt;
zehn Jahren verbreitete dieser herrliche, gütige Greis das heilige Wort&lt;br /&gt;
unter uns. Er war mit einem einfachen, olivgrünen Gewand bekleidet,&lt;br /&gt;
auf dem Haupt trug Er einen weißen Turban. Darunter strahlten Seine&lt;br /&gt;
Augen hervor in Intelligenz und Güte. Er hatte etwas Väterliches, Liebe-&lt;br /&gt;
volles und Einfaches; es schien, als ob Seine Kraft darin läge, die Men-&lt;br /&gt;
schen zu lieben und ihnen auch Zuneigung für sich einzuflößen. Seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1352&lt;br /&gt;
{{page|1353|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=31}}Sprache war sanft und beruhigend, wie ein Gebet. Man lauschte Ihm mit&lt;br /&gt;
andächtiger Freude, auch wenn man Ihn nicht verstand, da Er in persi-&lt;br /&gt;
scher Sprache redete. Die Bahä’i-Lehre ist, kurz gesagt, die Religion der&lt;br /&gt;
Nächstenliebe und der Einigkeit, in ihr ist also das Judentum wie das&lt;br /&gt;
Christentum — streng konfessioneller und liberaler Richtung — enthalten.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá berief sich auf Zoroaster, Moses, Muhammad und Jesus.&lt;br /&gt;
Man wird vielleicht denken, daß diese gleichzeitige Vereinigung zu viel-&lt;br /&gt;
seitig und zu verwirrend sei. Das kommt aber nur daher, daß man gar&lt;br /&gt;
nichts von den heiligen Dingen versteht, wenn man nicht vom göttlichen&lt;br /&gt;
Geist inspiriert ist. Wenn man von uns verlangte, die Vortrefflichkeit&lt;br /&gt;
dieser ursprünglichen und reinen Religion zu bezeugen, so würden wir&lt;br /&gt;
unseren Glauben durch folgende Formel ehrlich bekennen: Die Religionen&lt;br /&gt;
sind schön, solange sie noch nicht in der Welt existieren.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Morning Post“ brachte zwei Tage nach dem Hinscheiden ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs folgende Mitteilung über die Begebenheit: „Der verehrungswürdige&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh starb 1892 und der „Mantel Seiner religiösen Sendung“ fiel&lt;br /&gt;
auf Seinen Sohn ‘Abdu’l-Bahá. Nachdem ‘Abdu’l-Bahá vierzig Jahre im&lt;br /&gt;
Gefängnis verbracht hatte, ermöglichten Ihm die konstitutionellen Ver-&lt;br /&gt;
änderungen in der Türkei, England, Frankreich und Amerika zu besuchen.&lt;br /&gt;
Seine beharrlichen Botschaften vom göttlichen Ursprung und von der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit waren so eindrucksvoll wie der Bote selbst, der&lt;br /&gt;
von außerordentlicher Hoheit war. An Seinem Tisch saßen Buddhisten&lt;br /&gt;
und Mohammedaner, Hindus und Zoroastrier, Juden und Christen in&lt;br /&gt;
Freundschaft beisammen. Die Menschen, sagte Er, wurden durch Liebe&lt;br /&gt;
erschaffen, laßt sie in Liebe und Freundschaft leben!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „New York World“ vom 1. Dezember 1921 veröffentlichte folgendes:&lt;br /&gt;
„Nie hat vor ‘Abdu’l-Bahá der Führer einer orientalischen religiösen Be-&lt;br /&gt;
wegung die Vereinigten Staaten aufgesucht ... Als im Juni dieses Jahres&lt;br /&gt;
ein Spezial-Berichterstatter von „The World“ diesen Propheten besuchte,&lt;br /&gt;
beschrieb er Ihn folgendermaßen: Auf den, der ‘Abdu’l-Bahá sieht, macht&lt;br /&gt;
Seine Persönlichkeit einen unauslöschlichen Eindruck: die majestätische,&lt;br /&gt;
ehrwürdige, mit einem faltenreichen Gewand bekleidete Gestalt, das&lt;br /&gt;
Haupt von einem Turban gekrönt, weiß wie Sein Haar, die durchdringen-&lt;br /&gt;
den, tiefen Augen, deren Blick das Herz erschüttert, das Lächeln, das&lt;br /&gt;
Seine Milde über alles ergießt ... Selbst noch an Seinem Lebensabend&lt;br /&gt;
brachte ‘Abdu’l-Bahá den Weltereignissen das lebhafteste Interesse ent-&lt;br /&gt;
gegen. Als General Allenby von Ägypten her die Küste säuberte, kam er&lt;br /&gt;
zuerst, um ‘Abdu’l-Bahás Rat zu hören. Wenn Zionisten im verheißenen&lt;br /&gt;
Land ankamen, baten sie ‘Abdu’l-Bahá um Seinen Rat. Für Palästina&lt;br /&gt;
heste Er die frohesten Hoffnungen. ‘Abdu’l-Bahá glaubte, daß der Bol-&lt;br /&gt;
schewismus eine Warnung für die irreligiöse Welt sei. Er lehrte die&lt;br /&gt;
Gleichheit von Mann und Frau und sagte: Die Welt der Menschheit hat&lt;br /&gt;
zwei Schwingen, Mann und Frau. Wenn ein Flügel lahm ist, kann der&lt;br /&gt;
Vogel nicht fliegen ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„The Times of India“ eröffnete in ihrer Ausgabe vom 2. Januar 1922&lt;br /&gt;
einen der Hauptartikel wie folgt: „In normaleren Zeiten als den jetzigen&lt;br /&gt;
würde der Tod ‘Abduw’l-Bahäs, der auf dem Bahä’i-Kongreß in Bombay&lt;br /&gt;
mit Trauer vernommen wurde, das Gemüt vieler erregt haben, die, ohne&lt;br /&gt;
zu den Bahä’i zu gehören, mit ihren Lehren sympathisieren und das&lt;br /&gt;
Lebenswerk derer, die sie verkündet haben, bewundern. So haben auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1353&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1354|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir beinahe zufällig vom Tod dieses großen religiösen Führers erfahren.&lt;br /&gt;
Diese Tatsache braucht uns jedoch nicht daran zu hindern, uns von der&lt;br /&gt;
Politik und der Unruhe der laufenden Geschehnisse abzuwenden, um zu&lt;br /&gt;
verstehen, was dieser Mann tat und was Er erstrebte.“ — Dann wird kurz&lt;br /&gt;
ein Bild der Geschichte der Bewegung entworfen und gesagt: „Es ist nicht&lt;br /&gt;
an uns, darüber zu urteilen, ob die Reinheit, der Mystizismus und die&lt;br /&gt;
erhabenen Gedanken der Bahä’i-Lehre nach dem Verlust des großen&lt;br /&gt;
Führers unverändert weiterleben werden, oder darüber nachzusinnen, ob&lt;br /&gt;
der Bahä’ismus eines Tages eine ebenso große oder noch größere Macht&lt;br /&gt;
in der Welt erlangen wird wie das Christentum oder der Islam; wir wollen&lt;br /&gt;
aber das Gedächtnis eines Mannes ehren, der einen großen Einfiuß auf&lt;br /&gt;
die Verwirklichung des Guten hatte und der, obgleich Er im Weltkrieg&lt;br /&gt;
viele Seiner Ideen sichtbar zerstört sehen mußte, Seiner Überzeugung&lt;br /&gt;
doch treu blieb und Seinen Glauben an ein Reich der Liebe und des&lt;br /&gt;
Friedens aufrecht erhielt, der weit wirksamer als Tolstoi dem Westen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zeigte, daß die Religion eine Lebenskraft ist, die nie unterschätzt werden&lt;br /&gt;
darf.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der großen Anzahl von Telegrammen und Kondolenzdepeschen, die&lt;br /&gt;
einliefen, mögen folgende erwähnt sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner Britischen Majestät Staatssekretär für die Kolonien, Mr. Winston&lt;br /&gt;
Churchill, telegraphierte an Seine Exzellenz, den „High Commissioner of&lt;br /&gt;
Palestine“, der Bahä’i-Gemeinschaft im Namen der Regierung Seiner&lt;br /&gt;
Majestät deren Sympathie und ihre Teilnahme am Tod von Sir ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä K.B.E. (Knight Commander of the British Empire), zu übermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Namen des Geschäftsausschusses der amerikanischen Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft wurde folgende Beileidsbezeugung übermittelt: „Er tut, was&lt;br /&gt;
immer er will! Herzen weinen in größter Betrübnis. Amerikanische&lt;br /&gt;
Freunde senden durch den Einigkeitsausschuß strahlende Liebe, grenzen-&lt;br /&gt;
lose Sympathie und Ergebenheit. Standhaft bleibend im Bewußtsein&lt;br /&gt;
Seiner steten Gegenwart und Nähe...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vicomte Allenby, der High Commissioner von Ägypten, hat durch die&lt;br /&gt;
Vermittlung Seiner Exzellenz, des High Commissioner von Palästina unter&lt;br /&gt;
dem Datum von 29. November 1921 folgende Botschaft telegraphiert:&lt;br /&gt;
„Bitte übermitteln Sie den Verwandten des verstorbenen Sir ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
Abbas Effendi und der Bahä’i-Gemeinschaft mein aufrichtiges Mitgefühl&lt;br /&gt;
beim Verlust ihres hochwürdigen Führers.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä” in Deutschland versichern das Größte Heilige Blatt ihrer&lt;br /&gt;
Treue mit folgenden Worten: „Alle Gläubigen sind tief bewegt durch den&lt;br /&gt;
unersetzlichen Verlust des kostbaren Lebens unseres Meisters. Wir bitten&lt;br /&gt;
um himmlischen Schutz für die heilige Sache und geloben Treue und&lt;br /&gt;
Gehorsam dem Mittelpunkt des Bundes.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine offizielle Botschaft, durch das Ministerium in Bagdad übermittelt,&lt;br /&gt;
datiert vom 8. Dezember 1921, lautet folgendermaßen: „Seine Hoheit&lt;br /&gt;
Sayed Abdurrahman, der Premier-Minister, bittet, der Familie Seiner&lt;br /&gt;
Heiligkeit ‘Abdu’l-Bahás sein Mitgefühl bei ihrem Verlust auszudrücken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Oberkommandeur des Ägyptischen Expeditionsheeres sendet durch&lt;br /&gt;
Seine Exzellenz den High Commissioner für Palästina folgende Worte der&lt;br /&gt;
Sympathie: „General Congreve bittet Sie, der Familie des verstorbenen&lt;br /&gt;
Sir Abbas al-Bahä’i sein tiefstes Mitgefühl zu übermitteln.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1354&lt;br /&gt;
{{page|1355|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=33}}Die Theosophische Gesellschaft in London übermittelt durch einen Gläu-&lt;br /&gt;
bigen in Haifa folgende Worte: „Der heiligen Familie sendet die Theoso-&lt;br /&gt;
phische Gesellschaft Gedanken der Liebe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten Persönlichkeiten der kleinen und heiligen Stadt Naza-&lt;br /&gt;
reth telegraphierte folgendes: „Mit tiefstem Bedauern und Schmerz kon-&lt;br /&gt;
dolieren wir Ihnen zum Untergang des Morgensterns des Ostens. Wir&lt;br /&gt;
kommen von Gott, und zu Ihm werden wir zurückkehren.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tausende von Bahä’i in Teheran, der Hauptstadt Persiens, gedenken&lt;br /&gt;
ihrer westlichen Brüder und Schwestern im Abendland und versichern sie&lt;br /&gt;
ihres unerschütterlichen Glaubens mit folgenden Worten: „Das Licht des&lt;br /&gt;
Bündnisses überträgt sich vom Auge aufs Herz. Jetzt ist der Tag des&lt;br /&gt;
Lehrens, der Vereinigung und Selbstaufopferung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich drückt eine der hervorragendsten Persönlichkeiten aus dem&lt;br /&gt;
akademischen Kreis der Universität Oxford, ein berühmter Professor, der&lt;br /&gt;
als vollendeter Schüler und Kenner der Sache unter seinen Kollegen an&lt;br /&gt;
erster Stelle steht, mit seiner Gattin sein Beileid in folgenden Worten aus:&lt;br /&gt;
„Das Scheiden aus Seiner Hülle zum Übergang in ein höheres Leben muß&lt;br /&gt;
besonders wundervoll und segensreich für die sein, deren Gedanken&lt;br /&gt;
immer nach Hohem gerichtet waren und die bestrebt sind, schon auf&lt;br /&gt;
Erden ein erhabenes Leben zu führen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feier für die Armen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am siebten Tage nach dem Hinscheiden des Meisters wurde in Seinem&lt;br /&gt;
Namen Korn unter ungefähr tausend Armen von Haifa verteilt — gleich-&lt;br /&gt;
gültig, welcher Rasse oder Religion sie angehörten — für die Er immer&lt;br /&gt;
ein Freund und Beschützer gewesen war. Ihr Kummer beim Verlust des&lt;br /&gt;
„Vaters der Armen“ war erschütternd. Auch in den ersten sieben Tagen&lt;br /&gt;
wurden täglich 50 bis 100 Arme in des Meisters Haus gespeist, an dem-&lt;br /&gt;
selben Ort, wo Er ihnen Almosen zu geben pflegte. Am vierzigsten Tag&lt;br /&gt;
wurde eine Gedenkfeier abgehalten, zu der über 600 Personen von Haifa,&lt;br /&gt;
‘Akkä&amp;amp; und den umliegenden Orten von Palästina und Syrien geladen&lt;br /&gt;
waren, Menschen von verschiedenen Religionen, Rassen und Farben. Über&lt;br /&gt;
100 Arme wurden an diesem Tage ebenfalls gespeist. Der Statthalter von&lt;br /&gt;
Phönizien, viele andere Beamte und einige Europäer waren anwesend. —&lt;br /&gt;
Das Fest wurde ganz allein von den Mitgliedern des Haushalts des&lt;br /&gt;
Meisters veranstaltet. Die langen Tafeln waren mit Ranken von Bougain-&lt;br /&gt;
villea geschmückt. Ihre lieblichen purpurroten Blüten waren mit weißen&lt;br /&gt;
Narzissen vermischt, und die großen Schalen mit goldgelben Orangen aus&lt;br /&gt;
des geliebten Meisters Garten boten einen wunderschönen Anblick in den&lt;br /&gt;
hohen weiten Hallen, deren weiterer Schmuck die prächtigen, in ge-&lt;br /&gt;
dämpften Farben gehaltenen, seltenen persischen Teppiche waren. Keine&lt;br /&gt;
unnützen, unbedeutenden Zierrate störten die vornehme Einfachheit.&lt;br /&gt;
Jedem Gast, einem wie dem andern, wurde derselbe Willkommen. Es gab&lt;br /&gt;
keine „Ehrenplätze“. Hier, wie immer, in des Meisters Haus, gab es kein&lt;br /&gt;
Ansehen der Person.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Imbiß kamen die Gäste in die große Mittelhalle, auch diese&lt;br /&gt;
war ohne Schmuck, außer dem Bild Dessen, zu dessen Ehre sie sich ver-&lt;br /&gt;
sammelt hatten, und einigen alten, gewirkten persischen Teppichen, die&lt;br /&gt;
an einer Wand herabhingen. Davor stand ein Rednerpult, von dem aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1355&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1356|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Ansprachen an die gedrängt stehende, stumme, tiefergriffene Menge&lt;br /&gt;
gehalten wurden. — Der Statthalter von Phönizien sprach im Laufe seiner&lt;br /&gt;
Rede folgendes: „Die meisten von uns hier haben wohl ein klares Bild&lt;br /&gt;
von Sir ‘Abdu’l-Bahá ‘Abbas, Seiner ehrwürdigen Gestalt, wie Er ge-&lt;br /&gt;
dankenvoll durch unsere Straßen wandelte, Seiner höflichen und liebens-&lt;br /&gt;
würdigen Art, Seiner Freundlichkeit, Seiner Liebe zu kleinen Kindern&lt;br /&gt;
und zu Blumen, Seiner Großmut und Sorge für die Armen und Leidenden.&lt;br /&gt;
So mild war Er und so einfach, daß man in Seiner Gegenwart beinahe&lt;br /&gt;
vergaß, daß Er auch ein großer Lehrer war und daß Seine Schriften, wie&lt;br /&gt;
auch die Unterredungen mit Ihm, Trost und Belebung für Hunderte und&lt;br /&gt;
Tausende von Menschen im Osten und Westen bedeuteten.“ — Andere nach&lt;br /&gt;
ihm sprachen mit Ehrerbietung vom Leben und Wirken ‘Abdu’l-Bahás.&lt;br /&gt;
Das folgende sind nur wenige Auszüge aus ihren Reden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine Stimme ruft laut von Teheran, hallt wider in Irak, klingt in türki-&lt;br /&gt;
schen Landen, tönt durch das heilige Land, das auf ihre Melodie lauscht&lt;br /&gt;
und durch sie erhoben, entwickelt und vergeistigt wurde, bis zuletzt ihr&lt;br /&gt;
Widerhall durch ganz Ägypten ertönte, über die Meere im Westen hörbar&lt;br /&gt;
wurde und von dort in die neue Welt hinüberklang. — Eine Stimme, die&lt;br /&gt;
die Menschheit zur Liebe, Einigkeit und Frieden aufforderte; eine Stimme,&lt;br /&gt;
der es, wäre sie nicht die Quelle der Reinheit gewesen, in keiner Weise&lt;br /&gt;
hätte gelingen können, ihre Wellen mit der Geschwindigkeit des Licht-&lt;br /&gt;
strahls durch die ganze Welt zu senden. — Heil sei ‘Abbas, dem Stolz und&lt;br /&gt;
dem Ruhm des Ostens, in einer Zeit, die durch Erkenntnis und Wissen&lt;br /&gt;
Vorurteile schwinden läßt, Ihm, der den Gipfel der Größe erreicht hat,&lt;br /&gt;
Ihm, dem Siegesflaggen winken; Ihm, dessen Stern in Persien aufging,&lt;br /&gt;
der Sein Licht auf die Gemüter der Menschen ausstrahlte, Dessen Zeichen&lt;br /&gt;
sich in himmlischer Pracht vervielfältigt haben, bis es in vollem Glanz&lt;br /&gt;
an unserem Horizont unterging; Heil sei Ihm, dessen Lehre die Menschen&lt;br /&gt;
demütig macht, wie Bahäa’u’lläh selbst es vor ihm getan...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube mit Bestimmtheit, daß Der, dessen Verlust wir jetzt be-&lt;br /&gt;
klagen, der achtzig Jahre auf dieser Erde wandelte, die Menschen mit&lt;br /&gt;
Seiner Zunge belehrte, sie durch Seine Feder führte, ihnen durch Seine&lt;br /&gt;
herrlichen Taten ein gutes Beispiel gab, daß Er sie, da nun Seine Stimme&lt;br /&gt;
verstummt ist, geistig führen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt uns denn in unseren Betrachtungen und Gedanken Ihm unseren&lt;br /&gt;
Tribut zollen. Obgleich ich neulich an Seiner Schwelle bittere Tränen&lt;br /&gt;
vergoß, ist es jetzt doch meine Pflicht, euch zu bitten, euren Schmerz und&lt;br /&gt;
eure Klagen einzustellen und eure Tränen versiegen zu lassen. Es ist&lt;br /&gt;
wahr, Sir ‘Abbas ist körperlich von uns geschieden, aber Er lebt weiter&lt;br /&gt;
unter uns in Seinem nie ermüdenden Geist und in Seinen wunderbaren&lt;br /&gt;
Werken. Wenn Er auch von uns gegangen ist, so hat Er uns doch ein&lt;br /&gt;
köstliches Erbe hinterlassen in Seinen weisen Ratschlägen, in der Größe&lt;br /&gt;
Seiner Lehren, der Güte Seiner Werke, dem Beispiel Seines kostbaren&lt;br /&gt;
Lebens, der Erhabenheit Seines Strebens, der Macht Seines Willens, Seiner&lt;br /&gt;
Geduld und Seelenstärke und Seiner Standhaftigkeit bis zu Seinem Ende.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Testament ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wollen wir uns zum Schluß den Schriften ‘Abdu’l-Bahás,&lt;br /&gt;
Seinen Abschiedsworten, Ratschlägen und Gebeten, Seinem Ruf und&lt;br /&gt;
Seiner Prophezeiung zuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1356&lt;br /&gt;
{{page|1357|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=35}}In Seinem Testament sprach Er zu allen Freunden folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Geliebten des Herrn! In dieser heiligen Sendung ist keinerlei&lt;br /&gt;
Kampf und Streit gestattet. Jeder Angreifer beraubt sich selbst der&lt;br /&gt;
Gnade Gottes. Jedem einzelnen obliegt es, allen Völkern und Artver-&lt;br /&gt;
wandten auf Erden Liebe, Redlichkeit, Ehrlichkeit und aufrichtige Freund-&lt;br /&gt;
schaft zu erzeigen, gleichviel, ob sie Freunde oder Feinde sind. So stark&lt;br /&gt;
muß der Geist der Liebe und Güte sein, daß sich der Fremde als Freund,&lt;br /&gt;
der Feind als wahrer Bruder fühlt und kein Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
ihnen besteht. Denn allumfassend zu sein ist göttlich, und alle Be-&lt;br /&gt;
schränkungen sind irdisch. Darum muß der Mensch danach streben,&lt;br /&gt;
daß sein Wesen Tugenden und Vortrefflichkeiten ausstrahlt, deren Licht&lt;br /&gt;
auf jedermann scheine. Das Licht der Sonne scheint auf die ganze Welt&lt;br /&gt;
herab, und die Gnadenschauer göttlicher Vorsehung ergießen sich über&lt;br /&gt;
alle Menschen. Der belebende Lufthauch erfrischt jedes lebende Geschöpf,&lt;br /&gt;
und alle mit Leben begabten Wesen erhalten ihren Anteil und ihr Maß&lt;br /&gt;
von Seiner himmlischen Tafel. Ebenso muß auch die Zuneigung und Güte&lt;br /&gt;
der Diener des einen wahren Gottes freigebig und allumfassend der ge-&lt;br /&gt;
samten Menschheit gelten. In dieser Hinsicht sind keinerlei Einschrän-&lt;br /&gt;
kungen und Begrenzungen gestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verkehrt darum, o Meine liebenden Freunde, mit allen Völkern, Stäm-&lt;br /&gt;
men und Religionen der Welt in äußerster Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit,&lt;br /&gt;
Treue, Güte, Zuneigung und Freundlichkeit, auf daß sich die ganze Da-&lt;br /&gt;
seinswelt mit der heiligen Entzückung der Gnade Bahäs erfülle, Un-&lt;br /&gt;
wissenheit, Feindseligkeit, Haß und Groll aus der Welt verschwinden und&lt;br /&gt;
die Finsternis der Entfremdung unter den Völkern und Stämmen der&lt;br /&gt;
Welt dem Lichte der Einigkeit weichen mögen. Sollten andere Völker und&lt;br /&gt;
Nationen euch gegenüber treulos sein, so müßt ihr ihnen Treue erzeigen,&lt;br /&gt;
sollten sie ungerecht gegen euch sein, so müßt ihr gegen sie gerecht sein,&lt;br /&gt;
sollten sie sich von euch fernhalten, so ziehet sie zu euch hin, sollten sie&lt;br /&gt;
sich feindselig zeigen, so seid freundlich zu ihnen, sollten sie euer Leben&lt;br /&gt;
vergiften, so versüßt ihre Seelen, sollten sie euch verletzen, so seid ein&lt;br /&gt;
Balsam für ihre Wunden. Dies sind die Eigenschaften der Aufrichtigen!&lt;br /&gt;
Dies sind die Eigenschaften der Wahrhaftigen!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Geliebten des Herrn! Bemüht euch mit ganzem Herzen darum,&lt;br /&gt;
die Gottessache vor dem Angriff der Unaufrichtigen zu schützen, denn&lt;br /&gt;
solche Seelen machen Gerades krumm und verkehren die Wirkung aller&lt;br /&gt;
wohlgemeinten Bemühungen ins Gegenteil“ (1964/121, S. 27 und 34).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Leiden und Prüfungen, die auf dieser Welt über Ihn kamen,&lt;br /&gt;
und über Sein Verlangen nach Märtyrertum schreibt ‘Abdu’l-Bahá fol-&lt;br /&gt;
gendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Gott, mein Gott! Du siehst diesen Unrecht leidenden Diener in den&lt;br /&gt;
Klauen von wilden Löwen, reißenden Wölfen und blutdürstigen Tieren.&lt;br /&gt;
Hilf mir gnädig durch meine Liebe zu Dir, daß ich zutiefst aus dem Kelche&lt;br /&gt;
trinke, der von Treue zu Dir überquillt und voll Deiner mildtätigen Gnade&lt;br /&gt;
ist, damit ich, in den Staub gestürzt, erschöpft und empfindungslos hin-&lt;br /&gt;
sinken möge, indessen mein Gewand sich mit meinem Blute rot färbt.&lt;br /&gt;
Dies ist mein Wunsch, meine Herzenssehnsucht, meine Hoffnung, mein&lt;br /&gt;
Stolz, meine Herrlichkeit. Gib, o Herr, mein Gott und meine Zuflucht,&lt;br /&gt;
daß in meiner letzten Stunde mein Ende wie der Moschus seinen Duft&lt;br /&gt;
des Ruhmes verströme! Gibt es wohl einen reicheren Lohn als diesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1357&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1358|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, bei Deiner Herrlichkeit! Ich rufe Dich zum Zeugen, daß kein Tag&lt;br /&gt;
vergeht, an dem ich nicht die Fülle dieses Kelches trinke, so drückend&lt;br /&gt;
sind die Übeltaten derer, die das Bündnis brachen und Zwietracht weck-&lt;br /&gt;
ten, ihre Arglist zeigten, Aufruhr im Land erregten und Dich vor Deinen&lt;br /&gt;
Dienern entehrten! Herr, beschirme die mächtige Festung Deines Glaubens&lt;br /&gt;
vor diesen Bündnisbrechern und beschütze Dein verborgenes Heiligtum&lt;br /&gt;
vor den Angriffen der Gottlosen. Du bist in Wahrheit der Mächtige, der&lt;br /&gt;
Kraftvolle, der Gnädige und der Starke!“ (S. 22 £.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Herr! Du siehst, wie alle Dinge Tränen über mich vergießen, während&lt;br /&gt;
sich meine Verwandten an meinen Schmerzen weiden. Bei Deiner Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit, o mein Gott! Selbst einige von meinen Feinden beklagten meine&lt;br /&gt;
Qual und Pein, und eine Reihe meiner Neider beweinte meine Sorgen,&lt;br /&gt;
meine Verbannung und meine Not. Sie taten dies, weil sie nichts an mir&lt;br /&gt;
finden konnten als Liebe und Fürsorge, Güte und Erbarmen. Als sie&lt;br /&gt;
sahen, wie diese Flut von Elend und Trübsal mich fortriß, wie ich den&lt;br /&gt;
Pfeilen des Schicksals zur Zielscheibe diente, da bewegte Mitleid ihre&lt;br /&gt;
Herzen, Tränen traten ihnen in die Augen, und sie bekundeten: ‚Der Herr&lt;br /&gt;
ist unser Zeuge! Nichts haben wir je von ihm erfahren als Treue, Großmut&lt;br /&gt;
und grenzenloses Erbarmen‘. Die Bündnisbrecher jedoch, jene Unheilver-&lt;br /&gt;
künder, wurden nur noch gehässiger in ihrer Erbitterung. Sie frohlockten,&lt;br /&gt;
als ich der schlimmsten Heimsuchung zum Opfer fiel, wiegelten einander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erneut gegen mich auf und freuten sich über die herzzerreißenden Ge-&lt;br /&gt;
schehnisse um mich her“ (S. 31).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Herr! Der Kelch meiner Leiden fließt über, und von allen Seiten um-&lt;br /&gt;
toben mich wilde Stürme. Die Speere der Not bedrängen mich, und die&lt;br /&gt;
Pfeile der Pein regnen auf mich hernieder. So hat mich die Drangsal&lt;br /&gt;
überwältigt, und meine Kraft hat der Ansturm der Feinde in Schwäche&lt;br /&gt;
verwandelt, als ich ganz einsam und verlassen inmitten meiner Leiden&lt;br /&gt;
stand. Herr! Hab Erbarmen mit mir, erhebe mich zu Dir und lasse mich&lt;br /&gt;
trinken aus dem Kelch des Märtyrertums, denn diese weite, ausgedehnte&lt;br /&gt;
Welt kann mich nicht länger halten. Du bist wahrlich der Barmherzige,&lt;br /&gt;
der Mitleidvolle, der Gnädige, der Allgütige!“ (S. 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bittet um Schutz für Seine Freunde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Herr, mein Gott! Hilf Du Deinen Geliebten, Deinem Glauben treu&lt;br /&gt;
zu sein, auf Deinen Wegen zu wandeln und standhaft in Deiner Sache&lt;br /&gt;
zu bleiben. Gewähre ihnen Deine Gnade, damit sie den Angriffen selbsti-&lt;br /&gt;
scher Leidenschaften widerstehen und dem Lichte göttlicher Führung&lt;br /&gt;
folgen. Du bist der Machtvolle, der Gnadenreiche, der Selbstbestehende,&lt;br /&gt;
der Geber, der Mitleidvolle, der Allmächtige, der Allgütige“ (S. 28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen Feinden gilt folgendes Gebet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich flehe zu Dir, o Herr, mein Gott, nicht nur mit Worten, sondern mit&lt;br /&gt;
meinem ganzen Herzen: Vergilt ihnen nicht ihre Grausamkeit und ihre&lt;br /&gt;
Übeltaten, ihre Verschlagenheit und das Unheil, das sie anrichteten, denn&lt;br /&gt;
sie sind dumm und gemein und wissen nicht, was sie tun. Sie können Gut&lt;br /&gt;
und Böse, Wahr und Falsch, Recht und Unrecht nicht unterscheiden. Sie&lt;br /&gt;
gehen ihren eigenen Gelüsten nach und folgen den Fußstapfen der Dümm-&lt;br /&gt;
sten und Unvollkommensten unter ihnen. O mein Herr! Habe Mitleid mit&lt;br /&gt;
ihnen, bewahre sie vor allem Leid in dieser so unruhvollen Zeit und ge-&lt;br /&gt;
währe, daß alle Sorge und Mühsal Deinem Diener zufalle, der in diesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1358&lt;br /&gt;
{{page|1359|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=37}}finsteren Abgrund stürzte. Erwähle mich für jegliche Pein und mache&lt;br /&gt;
mich zum Opfer für alle Deine Geliebten. O Herr, Du Höchster! Nimm&lt;br /&gt;
mein Herz, mein Leben, mein Sein, meinen Geist, nimm alles, was mein&lt;br /&gt;
ist, zum Opfer für sie hin! O Gott, mein Gott! Demütig bittend, mein&lt;br /&gt;
Angesicht im Staube, flehe ich zu Dir mit der ganzen Inbrunst meiner&lt;br /&gt;
Anbetung: Vergib jedem, der mich verletzte, verzeihe dem, der sich gegen&lt;br /&gt;
mich verschwor und versündigte, und lösche die Untaten derer, die mir&lt;br /&gt;
Unrecht zufügten. Gewähre ihnen Deine göttlichen Gaben, gib ihnen&lt;br /&gt;
Freude, bewahre sie vor Leid, schenke ihnen Frieden und Wohlstand,&lt;br /&gt;
gönne ihnen Deine Wonne und überschütte sie mit Deiner Freigebigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist der Machtvolle, der Gnädige, der Helfer in Gefahr, der Selbst-&lt;br /&gt;
bestehende!“ (S. 31 £.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Wichtigkeit, die Lehre Gottes zu verkündigen, sagt Er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr, die ihr fest im Bündnis steht! Wenn die Stunde kommt, da&lt;br /&gt;
dieser Unrecht leidende und flügellahme Vogel seinen Flug zu den Heer-&lt;br /&gt;
scharen des Himmels nimmt, wenn er in das Reich des Ungeschauten eilt&lt;br /&gt;
und seine sterbliche Hülle verschollen oder im Staube begraben ist, ob-&lt;br /&gt;
liegt es den Afnän (Nachkommen des Báb, d. Red.), die standhaft im&lt;br /&gt;
Bündnis Gottes und Zweige des Baumes der Heiligkeit sind, den Händen&lt;br /&gt;
der Sache Gottes — die Herrlichkeit des Herrn sei mit ihnen — und den&lt;br /&gt;
Freunden und Geliebten, jedem und allen, sich aufzumachen und sich&lt;br /&gt;
einhellig mit Herz und Seele zu erheben, die süßen Düfte Gottes zu ver-&lt;br /&gt;
breiten, Seine Sache zu lehren und Seinen Glauben zu fördern. Es ziemt&lt;br /&gt;
ihnen, keinen Augenblick zu ruhen oder nach Ruhe zu trachten. Sie&lt;br /&gt;
müssen sich über alle Länder verstreuen, alle Landstriche durchstreifen&lt;br /&gt;
und alle Gegenden durchreisen. Rege, rastlos und standhaft bis zum Ende&lt;br /&gt;
müssen sie in jedem Land den Siegesruf Yä Bahä’wl-Abhä (O Du, die&lt;br /&gt;
Herrlichkeit der Herrlichkeiten) erheben; wohin sie in der Welt auch&lt;br /&gt;
gehen, müssen sie sich einen guten Namen machen, bei jeder Versamm-&lt;br /&gt;
lung hell wie eine Kerze leuchten und in jeder Gemeinde die Flamme der&lt;br /&gt;
göttlichen Liebe entzünden, auf daß das Licht der Wahrheit mitten im&lt;br /&gt;
Herzen der Welt erstrahle, in Ost und West sich eine gewaltige Schar&lt;br /&gt;
unter dem Schatten des Wortes Gottes versammle, die lieblichen Düfte&lt;br /&gt;
der Heiligkeit sich ausbreiten, die Gesichter hell leuchten, die Herzen mit&lt;br /&gt;
dem göttlichen Geist erfüllt und die Seelen zu himmlischen Seelen&lt;br /&gt;
werden“ (S. 23 £.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Jünger Christi vergaßen sich selbst und alles Irdische, gaben alle&lt;br /&gt;
ihre Sorgen und ihre Habe auf, läuterten sich vom Ich und den Leiden-&lt;br /&gt;
schaften und verstreuten sich in völliger Loslösung weithin, um die&lt;br /&gt;
Völker unter die göttliche Führung zu rufen, bis sie schließlich aus dieser&lt;br /&gt;
Welt eine neue Welt gemacht und die Erdoberfläche erleuchtet hatten.&lt;br /&gt;
Bis zu ihrer letzten Stunde bewiesen sie ihre Opferbereitschaft auf dem&lt;br /&gt;
Pfad jenes Geliebten Gottes, Schließlich erlitten sie in verschiedenen Län-&lt;br /&gt;
dern ruhmvolles Märtyrertum. Laßt die, welche Menschen der Tat sind,&lt;br /&gt;
ihren Spuren folgen!“ (S. 24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wer und welche Versammlung auch immer der Verbreitung des Glau-&lt;br /&gt;
benslichtes zum Hindernis wird, sollte durch die Geliebten beraten werden&lt;br /&gt;
und gesagt bekommen: ‚Von allen Gaben Gottes ist die größte die des&lt;br /&gt;
Lehrens. Es zieht die Gnade Gottes an und ist unsere oberste Verpflich-&lt;br /&gt;
tung. Wie könnten wir uns einer solchen Gabe berauben? Nein, unser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1359&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1360|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben, unsere Habe, unsere Bequemlichkeit, unsere Ruhe, das alles brin-&lt;br /&gt;
gen wir der Schönheit Abhä zum Opfer und lehren die Sache Gottes‘.&lt;br /&gt;
Doch müssen Vorsicht und Klugheit beachtet werden, wie es im Buch&lt;br /&gt;
verzeichnet ist. Der Schleier darf keineswegs plötzlich auseinandergerissen&lt;br /&gt;
werden“ (S. 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Glaubensgrundlage des Volkes Bahäs sagt Er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahäs — möge ihm mein Leben&lt;br /&gt;
als Opfer dienen — ist diese: ‚Seine Heiligkeit der Erhabene (der Báb)&lt;br /&gt;
ist die Offenbarung der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer&lt;br /&gt;
der Ewigen Schönheit. Seine Heiligkeit die Schönheit Abhä — möge mein&lt;br /&gt;
Leben ein Opfer für Seine standhaften Freunde sein — ist die höchste&lt;br /&gt;
Offenbarung Gottes und der Aufgangsort Seines höchst göttlichen Wesens.&lt;br /&gt;
Alle anderen sind Seine Diener und befolgen, was Er gebietet‘. Jeder muß&lt;br /&gt;
sich nach dem Heiligsten Buche richten, und was darin nicht ausdrücklich&lt;br /&gt;
Erwähnung findet, ist an das Universale Haus der Gerechtigkeit zu ver-&lt;br /&gt;
weisen. Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit&lt;br /&gt;
entscheidet, ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abgeht,&lt;br /&gt;
gehört wahrlich zu denen, die Uneinigkeit lieben, Bosheit zeigen und sich&lt;br /&gt;
vom Herrn des Bündnisses abkehren ...“ (S. 32).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Ergebenheit der Bahä’i gegenüber den Machthabern und den&lt;br /&gt;
Landesgesetzen sagt Er folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Geliebten des Herrn! Es obliegt euch, allen gerechten Herrschern&lt;br /&gt;
ergeben zu sein und jedem rechtlichen König eure Treue zu erweisen.&lt;br /&gt;
Dient den Herrschern der Welt mit äußerster Wahrhaftigkeit und Er-&lt;br /&gt;
gebenheit. Erzeigt ihnen Gehorsam und bringt ihnen Wohlwollen ent-&lt;br /&gt;
gegen. Mischt euch nicht ohne ihre Erlaubnis und Genehmigung in poli-&lt;br /&gt;
tische Dinge ein, denn Untreue gegen einen gerechten Herrscher ist Un-&lt;br /&gt;
treue gegen Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist Mein Rat und Gottes Gebot an euch. Wohl denen, die danach&lt;br /&gt;
handeln!“ (S. 29).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schließt einen Abschnitt Seines Testaments mit folgendem Gebet:&lt;br /&gt;
„O Gott, mein Gott! Ich rufe Dich, Deine Propheten, Deine Boten und&lt;br /&gt;
Deine Heiligen zu Zeugen, daß ich Deine Beweise überzeugend vor Deinen&lt;br /&gt;
Geliebten verkündet und alles deutlich vor ihnen an den Tag gelegt habe,&lt;br /&gt;
damit sie über Deinen Glauben wachen, Deinen geraden Pfad behüten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Dein strahlendes Gesetz beschützen. Du bist wahrlich der Allwissende,&lt;br /&gt;
der Allweise!“ (S. 34 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Ermahnungen, Verheißungen, Ratschläge und&lt;br /&gt;
Abschiedsworte ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun von Seinem Testament zu Seinen Sendschreiben und Bot-&lt;br /&gt;
schaften! Dort lesen wir folgende Mahnung, die Er in Seinem letzten&lt;br /&gt;
allgemeinen Tablet an die Geliebten der ganzen Welt richtet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Geliebten! Hütet die Sache Gottes! Laßt euch nicht durch süße&lt;br /&gt;
Redensarten verlocken, achtet vielmehr auf den Beweggrund jeder Seele&lt;br /&gt;
und erwägt die Gedanken, die sie hegt, seid äußerst achtsam und auf der&lt;br /&gt;
Hut (gegen Übelwollende)! Meidet sie, greift sie nicht an, wendet euch ab&lt;br /&gt;
von Tadel und Verleumdung. Überlasset sie der Hand Gottes.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1360&lt;br /&gt;
{{page|1361|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=39}}Eine klare und deutliche Prophezeiung, die Er angesichts der wunder-&lt;br /&gt;
baren Ausbreitung der Lehre in nicht allzuferner Zeit aussprach, ist&lt;br /&gt;
kraftvoll in einem Brief niedergelegt, den Er, trotz der Drohung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungskomitees, während der trübsten Tage Seiner Gefangen-&lt;br /&gt;
schaft in ‘Akkä schrieb:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nun hat in dieser Welt des Seins die Hand der göttlichen Macht den&lt;br /&gt;
festen Grund zu dieser höchsten Wohltat und dieser mächtigen Sache&lt;br /&gt;
gelegt. Was in diesem heiligen Zyklus noch verborgen ist, wird nach und&lt;br /&gt;
nach in Erscheinung treten und offenbar werden, denn jetzt stehen wir&lt;br /&gt;
erst im Beginn seiner Entwicklung, im Frühling der Offenbarung seiner&lt;br /&gt;
Vorzeichen. Noch vor Ende dieses Jahrhunderts und Zeitalters wird es&lt;br /&gt;
klar und augenscheinlich werden, wie wundervoll diese Frühlingszeit war&lt;br /&gt;
und wie himmlisch diese Gabe ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ähnliche und noch bestimmtere Äußerung, das Wachstum der Be-&lt;br /&gt;
wegung prophezeiend, steht in einem Tablet, das Er nach dem Weltkrieg&lt;br /&gt;
einem kurdischen Freund, der in Ägypten lebt, schrieb. Es lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Betreffs des Verses im Buch Daniel, um dessen Auslegung du bittest,&lt;br /&gt;
nämlich: ‚Gesegnet sind die, die unter die 1335 Tage kommen‘, ist zu&lt;br /&gt;
sagen: Diese Tage müssen als Sonnen- und nicht als Mondjahre gerechnet&lt;br /&gt;
werden, denn übereinstimmend mit dieser Berechnung wird seit dem&lt;br /&gt;
Aufgang der Sonne der Wahrheit ein Jahrhundert verflossen sein, dann&lt;br /&gt;
werden die Lehren Gottes auf der ganzen Erde festen Fuß gefaßt haben&lt;br /&gt;
und das göttliche Licht wird die Welt vom Osten bis zum Westen durch-&lt;br /&gt;
fluten. Dann, an diesem Tag, wird der Gläubige sich freuen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geheimnisvolle Deutung des oben erwähnten Ausspruches bestätigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erklärt Er mit folgenden, einem früheren Tablet entnommenen&lt;br /&gt;
Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Diener Gottes! Die oben erwähnten 1335 Tage müssen vom Abschei-&lt;br /&gt;
den Mohammeds an, des Boten Gottes, gerechnet werden (nach d.&lt;br /&gt;
Hedschra) — Lob und Segen ruhen auf Ihm! Am Ende dieser Zeit werden&lt;br /&gt;
die Anzeichen der Zunahme der Herrlichkeit, der Erhabenheit und der&lt;br /&gt;
Verbreitung des Wortes Gottes vom Osten bis zum Westen erscheinen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Seiner letzten Tablets berät Er die Freunde Gottes und ist&lt;br /&gt;
voll frischen, ermunternden Geistes. Er sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Achtet nicht auf die Persönlichkeit ‘Abdu’l-Bahás, denn sie wird eines&lt;br /&gt;
Tages von euch gehen; blickt auf das Wort Gottes! Wenn es sich erhebt&lt;br /&gt;
und ausbreitet, so freut euch; seid froh und dankbar, selbst wenn ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä bedroht, eingekerkert oder in Ketten gelegt werden sollte. Denn&lt;br /&gt;
das, was von höchster Bedeutung ist, ist der Tempel der heiligen Sache&lt;br /&gt;
Gottes und nicht die sterbliche Hülle ‘Abdu’l-Bahás. Die Geliebten Gottes&lt;br /&gt;
müssen sich mit einer solchen Standhaftigkeit erheben, daß in einem&lt;br /&gt;
Augenblick hunderte von Seelen wie ‘Abdu’l-Bahá zu einer Zielscheibe&lt;br /&gt;
für die Geschosse des Leids gemacht werden; nichts auf der Welt soll&lt;br /&gt;
ihren festen Entschluß, ihre Absicht, ihren Eifer, ihre Begeisterung, ihren&lt;br /&gt;
Dienst an der Sache Gottes beeinflussen oder abschwächen ... Dies, o ihr&lt;br /&gt;
Geliebten des Herrn, ist mein Rat und meine Ermahnung an euch. Wohl&lt;br /&gt;
dem, dem der Herr hilft, das zu tun, um was in diesem reinen und ge-&lt;br /&gt;
heiligten Tablet gebeten wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1361&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1362|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=40}}Das Rundschreiben, das beim Hinscheiden des Meisters vom Geistigen&lt;br /&gt;
Rat in Teheran veröffentlicht wurde, enthält Auszüge aus einem Tablet,&lt;br /&gt;
das vierzehn Jahre zuvor durch die Feder des Mittelpunktes des Bundes&lt;br /&gt;
geoffenbart wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr, meine treuen Geliebten! Sollten je einmal im Heiligen Land&lt;br /&gt;
betrübliche Ereignisse eintreten, so beunruhigt und erregt euch nicht&lt;br /&gt;
darüber, habt weder Furcht noch Kummer. Denn was auch geschehen&lt;br /&gt;
mag, wird nur dazu beitragen, das Wort Gottes zu erheben und die himm-&lt;br /&gt;
lischen Wohlgerüche zu verbreiten. Schreitet mutig voran und ermannt&lt;br /&gt;
euch mit größter Standhaftigkeit, Seiner Sache zu dienen ... Der Geist&lt;br /&gt;
Gottes und Seine Herrlichkeit ruhe auf dem, der fest und standhaft im&lt;br /&gt;
Bunde ist!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Seinen Äußerungen über Sein Abscheiden von dieser Welt be-&lt;br /&gt;
findet sich folgende Versicherung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Denkt daran, daß ich, ob ich lebe oder sterbe, stets mit euch sein&lt;br /&gt;
werde!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in einem Tablet, das an einen der Freunde in Amerika gerichtet&lt;br /&gt;
ist, schildert Er die künftige Herrlichkeit des heiligen Baumes Gottes, an&lt;br /&gt;
dem Er der Größte Zweig ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fürchtet euch nicht, wenn dieser Zweig von der materiellen Welt&lt;br /&gt;
genommen wird und seine Blätter verliert; o nein, dann werden seine&lt;br /&gt;
Blätter erst recht gedeihen, denn dieser Ast wird wachsen, nachdem er&lt;br /&gt;
von dieser Welt getrennt worden ist, er wird die höchsten Zinnen der&lt;br /&gt;
Herrlichkeit erreichen und Früchte tragen, die die Welt mit ihrem Wohl-&lt;br /&gt;
geruch erfüllen werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein allerletztes Tablet, das Er in Seiner Güte Seinen Geliebten in&lt;br /&gt;
Stuttgart offenbarte, übermittelt Seine Betrachtungen über diese irdische&lt;br /&gt;
Welt und Seine Ratschläge für Seine Geliebten, die in ihr leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O ihr Geliebten des Herrn! In dieser irdischen Welt ist nichts von&lt;br /&gt;
Bestand. Die Menschen dieser Erde wohnen auf ihr und verbringen viele&lt;br /&gt;
Tage mit nutzlosen Dingen, bis sie zuletzt in den Staub sinken und in die&lt;br /&gt;
Heimat der ewigen Ruhe eingehen, kein Werk, keinen Segen, kein Er-&lt;br /&gt;
gebnis, keine Frucht hinterlassend. So haben sie alle Tage ihres Lebens&lt;br /&gt;
nutzlos vergeudet. Indessen säen die Kinder des Königreichs Samen in&lt;br /&gt;
das fruchtbare Land des Glaubens, der endlich aufgehen, reichen Ertrag&lt;br /&gt;
bringen und den Menschen Wachstum und reiches Gedeihen verleihen&lt;br /&gt;
wird. Sie werden ewiges Leben erhalten, unvergänglicher Gnade teilhaftig&lt;br /&gt;
werden und wie strahlende Sterne am Firmament des göttlichen König-&lt;br /&gt;
reichs leuchten. Die Herrlichkeit der Herrlichkeiten ruhe auf euch!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun: Mit welchem anderen, unmittelbareren, bewegenderen Appell&lt;br /&gt;
sollte ich diesen traurigen und doch erhebenden Bericht Seiner letzten&lt;br /&gt;
Tage schließen als mit Seinen folgenden rührendsten und erhebendsten&lt;br /&gt;
Worten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Freunde, die Zeit naht, da ich nicht mehr unter euch sein werde.&lt;br /&gt;
Ich habe alles getan, was getan werden konnte. Ich habe der Sache&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs nach besten Kräften gedient. Tag und Nacht habe ich ge-&lt;br /&gt;
arbeitet durch alle Jahre meines Lebens. O wie sehne ich mich danach,&lt;br /&gt;
daß die Geliebten die Verantwortung für die Sache auf eigene Schultern&lt;br /&gt;
nehmen. Es ist jetzt Zeit, das Königreich Abhäs zu verkünden! Jetzt ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1362&lt;br /&gt;
{{page|1363|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=41}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Stunde der Liebe und Einigung! Dies ist der Tag für geistige Har-&lt;br /&gt;
monie der Geliebten Gottes. Alle meine körperlichen Kräfte sind erschöpft,&lt;br /&gt;
und mein Geist lebt nur noch von den willkommenen Botschaften der&lt;br /&gt;
Einigkeit des Volkes Bahäs. Ich lausche nach Ost und West, nach Nord&lt;br /&gt;
und Süd, ob ich zu meiner Freude das Lied der Liebe und Freundschaft&lt;br /&gt;
aus der Versammlung der Getreuen ertönen höre, denn meine Tage sind&lt;br /&gt;
gezählt und außer dieser gibt es keine Freude für mich. O, wie ich mich&lt;br /&gt;
danach sehne, die Freunde geeint zu sehen wie eine Reihe köstlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perlen, wie das leuchtende Siebengestirn, wie die Strahlen der Sonne&lt;br /&gt;
und wie Gazellen auf einer Weide!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mystische Nachtigall jubelt euch zu; möchtet ihr nicht lauschen?&lt;br /&gt;
Der Paradiesvogel lockt, wollt ihr nicht hören? Der Engel Abhäs ruft&lt;br /&gt;
euch, wollt ihr nicht darauf horchen? Der Bote des Bündnisses fleht euch&lt;br /&gt;
an, wollt ihr ihm nicht folgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich warte und warte auf die frohe Botschaft, daß die Gläubigen die&lt;br /&gt;
Verkörperung der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, der Liebe und&lt;br /&gt;
Freundschaft sind, die lebendigen Symbole der Einheit und Eintracht.&lt;br /&gt;
Wollen sie mein Herz nicht erfreuen? Wollen sie mein Sehnen nicht&lt;br /&gt;
stillen? Wollen sie meinen Wunsch nicht erfüllen? Wollen sie das Ver-&lt;br /&gt;
langen meines Herzens nicht verwirklichen? Wollen sie auf meinen Ruf&lt;br /&gt;
nicht hören?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich warte, ich warte geduldig!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amerikas geistige Sendung&lt;br /&gt;
Die Sendschreiben ‘Abdu’l-Bahás zum Göttlichen Plan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Geistigen Räte und Versammlungen der Gläubigen&lt;br /&gt;
Gottes und der Dienerinnen des Barmherzigen in den Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten und in Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Al-Abhä sei mit ihnen!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr gesegneten Seelen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich flehe um ewiges Glück und Gedeihen für euch und bitte um die&lt;br /&gt;
völlige Bestätigung jedes einzelnen in der himmlischen Welt. Es ist meine&lt;br /&gt;
Hoffnung für euch, daß ein jeder erstrahlen möge wie der Morgenstern&lt;br /&gt;
am Himmelsbogen der Welt und ein gesegneter Baum in diesem Garten&lt;br /&gt;
Gottes werde, der unvergängliche Früchte und Erfolge zeitigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum will ich euch hinlenken auf das, was zu eurer himmlischen Be-&lt;br /&gt;
stätigung und Erleuchtung im Reiche Gottes führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich um folgendes: Alaska ist ein weites Land, und obwohl&lt;br /&gt;
eine der Dienerinnen des Barmherzigen dorthin eilte, als Bibliothekarin&lt;br /&gt;
an der Öffentlichen Bücherei arbeitet und nach besten Kräften nichts&lt;br /&gt;
unversucht läßt, um die Sache zu lehren, so ist doch der Ruf zum Reiche&lt;br /&gt;
Gottes noch nicht durch dieses unermeßliche Gebiet erschollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1363&lt;br /&gt;
{{page|1364|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Heiligkeit Christus sagt: Ziehet hin gen Osten und gen Westen&lt;br /&gt;
und rufet die Menschen zum Reiche Gottes. Also muß die Gnade Gottes&lt;br /&gt;
die ganze Menschheit umschließen, und ihr dürft nicht denken, es ginge&lt;br /&gt;
an, jene Gegend der Morgenlüfte der Führung beraubt zu lassen. Folglich&lt;br /&gt;
mühet euch, so sehr ihr könnt, dorthin gewandte Redner zu senden, die&lt;br /&gt;
losgelöst sind von allem außer Gott, angezogen von den Düften Gottes,&lt;br /&gt;
geheiligt und geläutert von allen Wünschen und Versuchungen. Ihre&lt;br /&gt;
Nahrung und Versorgung muß aus den Lehren Gottes bestehen. Zuerst&lt;br /&gt;
müssen sie selbst nach jenen Grundsätzen leben, dann die Menschen&lt;br /&gt;
führen. So Gott will, werden vielleicht die Lichter der göttlichen Führung&lt;br /&gt;
jenes Land erleuchten, und die Düfte aus dem Rosengarten der Liebe&lt;br /&gt;
Gottes werden den Bewohnern von Alaska durch die Nase ziehen. Wenn&lt;br /&gt;
ihr standhaft einen solchen Dienst erfüllet, dann seid gewiß, daß ihr euer&lt;br /&gt;
Haupt mit dem Diadem unvergänglicher Herrschaft krönet und an der&lt;br /&gt;
Schwelle der Einheit als die Lieblingsdiener aufgenommen werdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist die Republik Mexiko. Die Mehrzahl ihrer Einwohner&lt;br /&gt;
sind ergebene Katholiken. Das Wesen der heiligen Schrift, des Evange-&lt;br /&gt;
liums und der neuen göttlichen Lehren ist ihnen völlig unbewußt. Sie&lt;br /&gt;
wissen nicht, daß die Grundlage der Religionen Gottes eine ist, und daß&lt;br /&gt;
die heiligen Offenbarungen der Sonne der Wahrheit gleichen, die an ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Orten aufgeht. Diese Seelen sind versunken im Meere der&lt;br /&gt;
Dogmen. Wenn nur ein einziger Hauch des Lebens über ihnen weht, so&lt;br /&gt;
werden große Erfolge daraus erwachsen. Aber es ist besser für diejenigen,&lt;br /&gt;
die nach Mexiko gehen wollen um zu lehren, mit der spanischen Sprache&lt;br /&gt;
vertraut zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gleiche gilt für die sechs mittelamerikanischen Republiken, die&lt;br /&gt;
südlich von Mexiko liegen: Guatemala, Honduras, El Salvador, Nikaragua,&lt;br /&gt;
Kostarika, Panama, und für das siebte Land, Belize oder Britisch-&lt;br /&gt;
Honduras. Die Lehrer, die in diese Länder ziehen, müssen ebenfalls die&lt;br /&gt;
spanische Sprache beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müßt großes Gewicht auf die Lehrarbeit unter den Indianern, den&lt;br /&gt;
Ureinwohnern Amerikas, legen; denn diese Seelen gleichen den alten&lt;br /&gt;
Bewohnern der arabischen Halbinsel, die vor der Offenbarung Seiner&lt;br /&gt;
Heiligkeit Muhammad als Wilde angesehen wurden. Als aber das Licht&lt;br /&gt;
Muhammads in ihrer Mitte erstrahlte, wurden sie davon so erfüllt, daß&lt;br /&gt;
sie die ganze Welt erleuchteten. Ebenso steht es mit diesen alteinge-&lt;br /&gt;
sessenen Indianern: Wenn sie erzogen und geführt werden, dann werden&lt;br /&gt;
sie zweifellos durch die göttlichen Lehren so erleuchtet werden, daß sich&lt;br /&gt;
ihr Licht über alle Regionen ergießt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle die obengenannten Länder sind von Wichtigkeit, aber besonders&lt;br /&gt;
wichtig ist die Republik Panama, in der der Atlantische und der Pazifische&lt;br /&gt;
Ozean durch den Panama-Kanal zusammentreffen. Sie ist ein Knoten-&lt;br /&gt;
punkt des Reise- und Durchgangsverkehrs von Amerika in andere Erd-&lt;br /&gt;
teile und wird in der Zukunft ganz besondere Bedeutung erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die westindischen Inseln wie Kuba, Haiti, Puerto Rico, Jamaika,&lt;br /&gt;
die Inseln der Kleinen Antillen, die Bahama-Inseln und sogar die kleine&lt;br /&gt;
Watling-Insel sind sehr wichtig; ganz besonders die beiden schwarzen&lt;br /&gt;
Freistaaten, Haiti und die Dominikanische Republik, die in der Gruppe&lt;br /&gt;
der Großen Antillen liegen. Ebenso bedeutungsvoll ist die Inselgruppe der&lt;br /&gt;
Bermudas im Atlantischen Ozean.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1364&lt;br /&gt;
{{page|1365|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=43}}Ein Gleiches gilt für die Staaten des Erdteils Südamerika: Kolumbien,&lt;br /&gt;
Ekuador, Peru, Brasilien, Britisch-Guayana, Niederländisch-Guayana,&lt;br /&gt;
Französisch-Guayana, Bolivien, Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay,&lt;br /&gt;
Venezuela; auch für die Inseln im Norden, Osten und Westen von Süd-&lt;br /&gt;
amerika wie die Falkland- und die Galapagos-Inseln, Juan Fernandez,&lt;br /&gt;
Tobago und Trinidad. Ebenso die Stadt Bahia, die an der Ostküste Bra-&lt;br /&gt;
siliens liegt. Weil sie seit einiger Zeit unter diesem Namen bekannt wurde,&lt;br /&gt;
wird sie große Bedeutung gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, o ihr Gläubigen Gottes, erhöhet euren Einsatz und steckt&lt;br /&gt;
eure Ziele weit! Seine Heiligkeit Christus sagt: Selig sind die Armen,&lt;br /&gt;
denn das Himmelreich ist ihr. Mit anderen Worten: Selig sind die namen-&lt;br /&gt;
losen und spurlosen Armen, denn sie sind die Führer der Menschheit.&lt;br /&gt;
Ebenso ist im Qur’än gesagt: „Wir wünschen Unsere Gaben zu verteilen&lt;br /&gt;
auf diejenigen, die auf Erden schwach wurden, und sie zu einem Volk&lt;br /&gt;
und zu Erben (geistiger Wahrheit) zu machen.“ Oder: Wir wünschen, den&lt;br /&gt;
schwachen Seelen Gunst zu erweisen und sie als die Erben der Boten und&lt;br /&gt;
Propheten einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb ist es jetzt an der Zeit, daß ihr euch des Gewandes der Bindung&lt;br /&gt;
an dieses äußerliche Reich entledigt, daß ihr euch von der stofflichen Welt&lt;br /&gt;
völlig loslöst, daß ihr zu Engeln des Himmels werdet, durch all diese&lt;br /&gt;
Gegenden reiset und lehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erkläre bei Ihm, neben dem es keinen zweiten gibt, daß ein jeder&lt;br /&gt;
von euch zum Israfil!) des Lebens werden soll, der den Odem des Lebens&lt;br /&gt;
anderen in die Seele haucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demütige Bitte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du unvergleichlicher Gott! O Du Herr des Königreiches! Diese Seelen&lt;br /&gt;
sind Dein himmlisches Heer. Hilf ihnen und führe sie mit der Menge der&lt;br /&gt;
himmlischen Heerscharen zum Sieg, auf daß eine jede von ihnen einem&lt;br /&gt;
Regimente gleichwerde und diese Länder durch die Liebe zu Gott und die&lt;br /&gt;
Erleuchtung göttlicher Lehren erobern möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! Sei Du ihr Beistand und ihr Helfer, und in der Wildnis, im&lt;br /&gt;
Gebirg, im Tal und in den Wäldern, auf den Steppen und den Meeren sei&lt;br /&gt;
Du ihr Vertrauter, damit sie durch die Macht des Königreiches und den&lt;br /&gt;
Odem des Heiligen Geistes ihren Ruf erschallen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Machtvolle, der Starke und der Allmächtige, und&lt;br /&gt;
Du bist der Weise, der Hörende und der Sehende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
8. April 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Gläubigen und die Dienerinnen des Barmherzigen&lt;br /&gt;
der Baha’i-Versammlungen und Geistigen Räte in den&lt;br /&gt;
Vereinigten Staaten und in Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr wahren Bahä’i Amerikas,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Seiner Erhabenheit dem Langersehnten, daß ihr bestätigt&lt;br /&gt;
wurdet in der Verbreitung der göttlichen Lehren über jenen weiten Erdteil,&lt;br /&gt;
daß ihr den Ruf zum Reiche Gottes in jenen Gefilden erhebet und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1365&lt;br /&gt;
{{page|1366|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=44}}SER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frohen Botschaften von der Offenbarung des Herrn der Heerscharen und&lt;br /&gt;
Seiner Erhabenheit des Verheißenen verkündetet. Dank sei dem Herrn,&lt;br /&gt;
daß ihr in dieser Aufgabe unterstützt und bestätigt wurdet. Dies geschah&lt;br /&gt;
nur durch die Bestätigungen des Herrn der Heerscharen und den Odem&lt;br /&gt;
des Heiligen Geistes. Heute ist eure Bestätigung noch unbekannt und&lt;br /&gt;
unverstanden. Binnen kurzem werdet ihr sehen, daß jeder von euch wie&lt;br /&gt;
ein leuchtender und glänzender Stern das Licht der Führung von jenem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horizonte ausstrahlt, und daß ihr zur Quelle ewigen Lebens wurdet für&lt;br /&gt;
die Bewohner Amerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket! Die Stufe und die Bestätigung der Apostel war zur Zeit&lt;br /&gt;
Christi verborgen, und niemand hielt sie für etwas Besonderes — nein,&lt;br /&gt;
die Leute verfolgten und verlachten sie gar. Später wurde offenbar,&lt;br /&gt;
welche Kronen, mit glänzenden Juwelen übersät, den Aposteln, Maria&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magdalena und Maria, der Mutter des Johannes, aufs Haupt gesetzt&lt;br /&gt;
worden waren. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso ist eure Bestätigung gegenwärtig noch unbekannt. Ich hoffe, daß&lt;br /&gt;
sie binnen kurzem die Pfeiler der Erde mächtig zum Schwingen bringt.&lt;br /&gt;
Es ist darum die Hoffnung ‘Abdu’l-Bahás, daß ihr ebenso, wie ihr auf&lt;br /&gt;
dem amerikanischen Erdteil bestätigt und unterstützt wurdet, auch auf&lt;br /&gt;
den anderen Kontinenten des Erdballs Bestätigung und Hilfe findet; das&lt;br /&gt;
heißt, ihr solltet den Ruhm der Sache Gottes hinaustragen gen Osten und&lt;br /&gt;
gen Westen und solltet die frohen Botschaften vom Erscheinen des König-&lt;br /&gt;
reiches des Herrn der Heerscharen über alle fünf Erdteile verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser göttliche Ruf vom Erdteil Amerika nach Europa, Asien,&lt;br /&gt;
Afrika, Australien und auf die Inseln des Pazifik wandert, werden die&lt;br /&gt;
amerikanischen Gläubigen auf dem Thron unsterblichen Ruhmes sitzen,&lt;br /&gt;
die Kunde von ihrer Erleuchtung und Führung wird durch alle Bereiche&lt;br /&gt;
ziehen, und ihre Größe wird weltweit gewürdigt werden. Deshalb muß&lt;br /&gt;
sich eine Gesellschaft von Gläubigen, die die Sprachen beherrschen, den&lt;br /&gt;
drei großen Inselgruppen des Stillen Ozeans zuwenden und sie bereisen:&lt;br /&gt;
nach Polynesien, Mikronesien und Melanesien und auf die Inseln, die bei&lt;br /&gt;
diesen Gruppen liegen, wie zum Beispiel Neuguinea, Borneo, Java,&lt;br /&gt;
Sumatra, die Philippinen, die Salomonen, die Fidschi-Inseln, die Neuen&lt;br /&gt;
Hebriden, die Loyalitäts-Inseln, Neu-Kaledonien, der Bismarck-Archipel,&lt;br /&gt;
Ceram, Celebes, die Tonga-Inseln, die Samoa-Inseln, die Gesellschafts-&lt;br /&gt;
Inseln, die Karolinen, die Niedrigen Inseln, die Markesas-Inseln, die&lt;br /&gt;
Hawaii-Inseln, die Gilbert-Inseln, die Molukken, die Marshall-Inseln,&lt;br /&gt;
Timor und andere mehr. Mit Herzen, die von der Liebe Gottes über-&lt;br /&gt;
fließen, mit Zungen, die dem Gedenken Gottes dienen, die Augen auf das&lt;br /&gt;
Reich Gottes gerichtet, so müssen sie die frohe Botschaft von der Offen-&lt;br /&gt;
barung des Herrn der Heerscharen allen Menschen überbringen. Wisset&lt;br /&gt;
wahrlich, daß in jeder Versammlung, die ihr besuchet, der Heilige Geist&lt;br /&gt;
über den Häuptern wogt und die himmlischen Bestätigungen der Geseg-&lt;br /&gt;
neten Vollkommenheit alle umschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket, daß Fräulein Agnes Alexander, die Tochter des Königreiches,&lt;br /&gt;
die geliebte Dienerin der Gesegneten Vollkommenheit, ganz allein nach&lt;br /&gt;
Hawaii und nach Honolulu reiste und nunmehr geistige Siege in Japan&lt;br /&gt;
erringt! Denket darüber nach, wie diese Tochter auf den Hawaii-Inseln&lt;br /&gt;
bestätigt ward! Sie wurde die Quelle der Führung für eine Gruppe von&lt;br /&gt;
Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1366&lt;br /&gt;
{{page|1367|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=45}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso reiste Fräulein Knobloch allein nach Deutschland. In welch&lt;br /&gt;
großem Ausmaß wurde sie bestätigt! Seid deshalb gewiß, daß ein jeder,&lt;br /&gt;
der sich an diesem Tage aufmacht, die göttlichen Düfte zu verbreiten, von&lt;br /&gt;
den Heerscharen des Reiches Gottes bestätigt und mit den Gaben und&lt;br /&gt;
Gunstbeweisen der Gesegneten Vollkommenheit umgeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O, wie sehne ich mich danach, diese Gegenden zu durchreisen, wenn&lt;br /&gt;
nötig, sogar zu Fuß und in tiefster Armut die Städte, die Dörfer, die&lt;br /&gt;
Berge, die Wüsten und die Meere zu durchqueren, mit höchster Stimme&lt;br /&gt;
den Ruf „Yä-Bahä’u’l-Abhä!* zu erheben und die göttlichen Lehren zu&lt;br /&gt;
verbreiten. Aber dies ist mir jetzt nicht möglich; ich lebe darum in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großem Kummer. Vielleicht, so Gott es will, werdet ihr in dieser Aufgabe&lt;br /&gt;
unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Tage sind auf Hawaii durch die Bemühungen von Fräulein Ale-&lt;br /&gt;
xander eine Anzahl Seelen an das Ufer der See des Glaubens gelangt.&lt;br /&gt;
Bedenket, welches Glück, welche Freude dies bedeutet! Ich versichere&lt;br /&gt;
beim Herrn der Heerscharen: Hätte diese hochgeschätzte Tochter ein&lt;br /&gt;
Kaiserreich gegründet, dieses Kaiserreich wäre nicht so groß! Denn diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrschaft ist ewige Herrschaft, und dieser Ruhm ist unvergänglicher&lt;br /&gt;
Ruhm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen, wenn einige Lehrer auf andere Inseln und in andere Ge-&lt;br /&gt;
biete gehen, etwa in den Erdteil Australien, nach Neuseeland, Tasmanien,&lt;br /&gt;
auch nach Japan, ins asiatische Rußland, nach Korea, Französisch-Indo-&lt;br /&gt;
china, Siam, in die Straits Settlements °), nach Indien, Ceylon und Afgha-&lt;br /&gt;
nistan, so wird dies größte Erfolge zeitigen. Wie gut wäre es, wenn es eine&lt;br /&gt;
Möglichkeit gäbe, daß eine Abordnung aus Männern und Frauen zusam-&lt;br /&gt;
men durch China und Japan reiste, auf daß das Band der Liebe gestärkt&lt;br /&gt;
werde und sie durch ihr Kommen und Gehen die Einheit der Menschen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welt aufrichten, die Menschen zum Reiche Gottes rufen und die Lehren&lt;br /&gt;
verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso sollten sie, wenn möglich, in den Erdteil Afrika reisen, auf die&lt;br /&gt;
Kanarischen, die Kapverdischen und die Madeira-Inseln, nach Reunion,&lt;br /&gt;
St. Helena, Sansibar, Mauritius und anderen; sie sollten in diesen Ländern&lt;br /&gt;
das Volk zum Reich Gottes rufen und den Ruf „Yäa-Bahä’u’l-Abhä!“ er-&lt;br /&gt;
heben. Auch sollten sie die Fahne der Einheit der Menschenwelt auf der&lt;br /&gt;
Insel Madagaskar errichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bücher und Druckschriften müssen in die Sprachen dieser Länder und&lt;br /&gt;
Inseln übersetzt oder neu zusammengestellt werden, um in allen Rich-&lt;br /&gt;
tungen und in allen Gebieten umzulaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man berichtet, daß in Südafrika eine Diamantmine entdeckt wurde.&lt;br /&gt;
Obwohl diese Mine sicher höchst wertvoll ist, finden sich dort letzten&lt;br /&gt;
Endes doch nur Steine. So Gott will, wird vielleicht die Fundgrube der&lt;br /&gt;
Menschlichkeit entdeckt, und die glänzenden Perlen des Königreiches&lt;br /&gt;
werden darin gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In kurzen Worten, dieser weltverzehrende Krieg hat eine solche Feuers-&lt;br /&gt;
brunst in die Herzen gelegt, daß die Worte fehlen, sie zu beschreiben.&lt;br /&gt;
In allen Ländern der Welt hat die Sehnsucht nach allumfassendem Frie-&lt;br /&gt;
den vom Bewußtsein der Menschen Besitz ergriffen. Da gibt es keine&lt;br /&gt;
Seele, die sich nicht nach Eintracht und Frieden sehnt. So verwirklicht&lt;br /&gt;
sich jetzt ein wunderbarer Zustand der Empfänglichkeit. Dies geschah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1367&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1368|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=46}}a a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch die vollendete Weisheit Gottes, damit die Aufnahmefähigkeit ge-&lt;br /&gt;
schaffen, die Standarte der Einheit der Menschenwelt aufgerichtet und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Grundlagen des allumfassenden Friedens und der göttlichen Leitsätze&lt;br /&gt;
gefördert werden, im Osten wie im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum. o ihr Gläubigen Gottes, gebet euch Mühe und verbreitet nach&lt;br /&gt;
diesem Krieg die neue, vereinende Schau der göttlichen Lehren auf den&lt;br /&gt;
Britischen Inseln, in Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn, Ruß-&lt;br /&gt;
land, Italien, Spanien, Belgien, in der Schweiz, in Norwegen, Schweden,&lt;br /&gt;
Dänemark, Holland, Portugal, Rumänien, Serbien, Montenegro, Bulgarien,&lt;br /&gt;
Griechenland, Andorra, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, San Marino,&lt;br /&gt;
auf den Balearen, auf Korsika, Sardinien, Sizilien, Kreta, Malta, Island,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf den Faröer und den Shetland-Inseln, den Hebriden und den Orkney-&lt;br /&gt;
Inseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In all diesen Ländern strahlet wie der Morgenstern vom Horizonte der&lt;br /&gt;
Führung! Bis heute habt ihr höchsten Edelmut gezeigt, aber von nun an&lt;br /&gt;
müßt ihr eure Mühe tausendfach steigern und in den oben genannten&lt;br /&gt;
Ländern, in ihren Hauptstädten, auf den Inseln, in Versammlungen und&lt;br /&gt;
Kirchen die Menschheit einladen in das Reich Abhä! Der Kreis eurer Be-&lt;br /&gt;
mühungen muß erweitert werden. Je mehr ihr ihn vergrößert und ver-&lt;br /&gt;
breitert, desto größer wird eure Bestätigung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt es miterlebt, wie ‘Abdu’l-Bahá, trotz aller körperlichen&lt;br /&gt;
Schwäche und Kraftlosigkeit, trotz seiner Unpäßlichkeit und obwohl er&lt;br /&gt;
nicht die Kraft hatte, sich zu bewegen — wie er ungeachtet dieser körper-&lt;br /&gt;
lichen Verfassung durch viele Länder reiste, durch Europa und Amerika,&lt;br /&gt;
sich in Kirchen, Versammlungen und Tagungen mit der Verbreitung der&lt;br /&gt;
göttlichen Grundsätze befaßte und das Volk zu der Offenbarung des&lt;br /&gt;
Reiches Abhä rief. Ihr habt auch miterlebt, wie die Bestätigungen der&lt;br /&gt;
Gesegneten Vollkommenheit alle umspannten. Was ist der Erfolg mate-&lt;br /&gt;
rieller Rast und Ruhe, des Luxus und des Verhaftetseins in dieser körper-&lt;br /&gt;
lichen Welt? Es ist doch offenbar, daß der Mensch, der diesen Dingen&lt;br /&gt;
nachjagt, am Ende mit Reue und Verlust geschlagen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folglich müssen wir unsere Augen völlig vor diesen Dingen verschließen&lt;br /&gt;
und nach dem ewigen Leben trachten, nach der Erhabenheit der Welt der&lt;br /&gt;
Menschlichkeit, nach himmlischen Fortschritten, dem Heiligen Geiste, der&lt;br /&gt;
Förderung des Wortes Gottes, der Führung der Bewohner dieses Erdballs,&lt;br /&gt;
der Verbreitung des allumfassenden Friedens und der Verkündigung der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschenwelt. Dies ist die Aufgabe! Andernfalls müßten wir&lt;br /&gt;
uns wie Vögel und andere Tiere nur mit den Erfordernissen dieses stoff-&lt;br /&gt;
lichen Lebens abgeben, deren Befriedigung das höchste Streben des Tier-&lt;br /&gt;
reiches ist, und müßten über die Erde stapfen wie die Vierfüßler,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket! Einerlei, wieviel Wohlstand, Reichtum und Überfluß ein&lt;br /&gt;
Mensch in dieser Welt zusammenrafft, er wird doch nicht einmal so un-&lt;br /&gt;
gebunden sein wie eine Kuh. Denn diese wohlgemästeten Kühe streifen&lt;br /&gt;
frei über die weite Ebene; alle Steppen und Weiden bieten sich ihnen zum&lt;br /&gt;
Grasen, und alle Quellen und Flüsse dienen ihnen zum Trinken. So viel&lt;br /&gt;
sie auch fressen, die Felder sind niemals erschöpft. Es ist offenbar, daß sie&lt;br /&gt;
diese stofflichen Schätze ohne jede Mühe erworben haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1368&lt;br /&gt;
{{page|1369|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=47}}Noch idealer als dies ist das Leben eines Vogels. Solch ein Vogel hat&lt;br /&gt;
sich auf dem Gipfel eines Berges, in hohen, wogenden Ästen sein Nest&lt;br /&gt;
gebaut, das schöner ist als die Paläste der Könige. Die Luft ist frisch und&lt;br /&gt;
rein, das Wasser kühl und klar wie Kristall, und die Aussicht ist bezau-&lt;br /&gt;
bernd lieblich. In solch herrlicher Umgebung verbringt er die Tage, die&lt;br /&gt;
ihm bemessen wurden. Alle die Früchte des Feldes sind sein Besitz, und&lt;br /&gt;
er erntet all seinen Reichtum ohne die geringste Mühe. So weit es ein&lt;br /&gt;
Mensch auch bringen mag in dieser Welt, er wird doch nie in die Lage&lt;br /&gt;
dieses Vogels kommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit wird es offenbar, daß der Mensch in Dingen dieser Welt nicht&lt;br /&gt;
einmal den Überfluß, die Freiheit und das ungebundene Leben eines&lt;br /&gt;
kleinen Vögleins erlangen kann, so sehr er sich auch müht und bis zu&lt;br /&gt;
seinem Tode abrackert. Dies beweist und bestätigt die Tatsache, daß der&lt;br /&gt;
Mensch nicht für das Leben in dieser vergänglichen Welt erschaffen&lt;br /&gt;
wurde; nein, er wurde vielmehr erschaffen, um unbegrenzte Vollkommen-&lt;br /&gt;
heiten zu erwerben, um in die erhabene Welt der Menschlichkeit aufzu-&lt;br /&gt;
steigen, um der göttlichen Pforte nahe zu sein und auf dem Throne unver-&lt;br /&gt;
gänglicher Herrschaft zu sitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä Al-Abhä sei mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
xx x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Seele, die sich auf eine Lehrreise nach verschiedenen Gegenden&lt;br /&gt;
begibt oder in fremden Ländern weilt, möge Tag und Nacht das folgende&lt;br /&gt;
demütige Gebet sorgsam lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Du siehst mich liebedurchglüht und angezogen von&lt;br /&gt;
Deinem Reiche Abhä, entzündet vom Feuer Deiner Liebe unter den Men-&lt;br /&gt;
schen. Ich bin ein Herold Deines Reiches in diesen unermeßlich weiten&lt;br /&gt;
Ländern, gelöst von allem außer Dir. Ich stütze mich auf Dich, habe Rast&lt;br /&gt;
und Behagen verlassen, bin fern von meinem Heimathaus, ein Wanderer&lt;br /&gt;
in diesen Gegenden, ein Fremdling, der demütig vor Deiner erhabenen&lt;br /&gt;
Schwelle und ergeben vor Deinem höchsten Königreich zur Erde niederfiel.&lt;br /&gt;
Ich flehe zu Dir in der Tiefe der Nächte und im Herzen der Abende und&lt;br /&gt;
flehe und rufe Dich an des Morgens und am Abend, daß Du mir bei-&lt;br /&gt;
stehest im Dienste Deiner Sache, in der Verbreitung Deiner Lehren und&lt;br /&gt;
der Erhöhung Deines Wortes im Osten und Westen der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Herr! Mache meinen Rücken stark, bestätige mich in Deinem Dienst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit allen meinen Kräften und überlasse mich nicht mir selbst in diesen&lt;br /&gt;
Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Geselle Dich mir in meiner Einsamkeit und begleite mich auf&lt;br /&gt;
meinen Reisen durch diese fremden Lande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bestätigst, wen immer Du willst, in dem, was Dir gefällt,&lt;br /&gt;
und wahrlich, Du bist der Machtvolle, der Allmächtige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
11. April 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1369&lt;br /&gt;
{{page|1370|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=48}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Geisten Räte und Versammlungen der Gläubigen&lt;br /&gt;
Gottes und der Dienerinnen des Barmherzigen in den Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten und in Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit ihnen sei Bahä’u’lläh Al-Abhä!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr himmlischen Seelen, ihr Söhne und Töchter des Königreiches!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott spricht im Qur’än: „Haltet euch fest am Seile Gottes, einer wie alle,&lt;br /&gt;
und werdet nicht uneins untereinander.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser bedingten Welt gibt es viele Sammellager, die zur Verbin-&lt;br /&gt;
dung und Einheit zwischen den Menschenkindern beitragen. So sind zum&lt;br /&gt;
Beispiel Patriotismus und Nationalismus, die Gleichheit der Interessen,&lt;br /&gt;
politische Bündnisse oder ideelle Vereinigungen solche Sammellager,&lt;br /&gt;
und die Wohlfahrt der Menschenwelt ist von ihrer Bildung und Förderung&lt;br /&gt;
abhängig. Aber alle die obengenannten Einrichtungen sind in Wirklichkeit&lt;br /&gt;
Stoff und nicht Wesen, zufällig und nicht ewig, zeitbedingt und nicht un-&lt;br /&gt;
vergänglich. Mit dem Auftreten großer Umwälzungen und Aufstände sind&lt;br /&gt;
diese Sammellager wie weggewischt. Doch das Sammellager des Reiches&lt;br /&gt;
Gottes, das die göttlichen Einrichtungen und Lehren umfaßt, ist das ewige&lt;br /&gt;
Sammellager. Es bahnt Verwandtschaft an zwischen Ost und West, baut&lt;br /&gt;
die Einheit der Menschenwelt auf und zerstört die Grundlage von Mei-&lt;br /&gt;
nungsverschiedenheiten. Es übertrifft all die anderen Sammellager und&lt;br /&gt;
schließt sie alle in sich ein. Wie die Strahlen der Sonne vertreibt es alles&lt;br /&gt;
Dunkel, das die Lande umfängt, und läßt göttliche Erleuchtung erstrahlen.&lt;br /&gt;
Durch den Odem des Heiligen Geistes vollbringt es Wunder: Ost und West&lt;br /&gt;
fallen einander in die Arme, Nord und Süd werden vereint und vertraut,&lt;br /&gt;
Zank und Streit verschwinden, widerstrebende Zielsetzungen sind wie&lt;br /&gt;
weggewischt, das Gesetz vom Kampf ums Dasein ist aufgehoben, der Bal-&lt;br /&gt;
dachin der Einheit der Menschenwelt wird hoch über dem Erdball aufge-&lt;br /&gt;
richtet und wirft seinen Schatten über alle Menschenrassen. Daher ist das&lt;br /&gt;
wahre Sammellager die Gesamtheit der göttlichen Lehren; sie umfassen&lt;br /&gt;
alle Entwicklungsstufen und beinhalten al die weltweiten Beziehungen&lt;br /&gt;
und notwendigen Gesetze der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket! Die Menschen des Ostens und des Westens waren einander&lt;br /&gt;
völlig fremd. In welch großem Umfang sind sie jetzt miteinander bekannt&lt;br /&gt;
und vereint! Wie weit sind die Bewohner Persiens von den entlegensten&lt;br /&gt;
Ländern Amerikas entfernt! Aber sehet nun, wie groß der Einfluß der&lt;br /&gt;
Himmelsmacht ist; denn die Entfernung von vielen tausend Meilen wurde&lt;br /&gt;
gleichbedeutend mit einem einzigen Schritt. Wie verschieden sind die&lt;br /&gt;
Nationen, die bisher in keiner Weise verbunden oder gleichgeartet waren;&lt;br /&gt;
jetzt aber wurden sie durch diese göttliche Kraft vereinigt und aufein-&lt;br /&gt;
ander abgestimmt. In der Tat, Gott war mächtig in der Vergangenheit und&lt;br /&gt;
wird es in der Zukunft sein! Und Gott hat wahrlich Macht über alle&lt;br /&gt;
Dinge!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket! Wenn Regen, Wärme, Sonnenlicht und laue Lüfte zusammen-&lt;br /&gt;
wirken, welch herrliche Gärten können da erstehen! Bedenket, wie sich&lt;br /&gt;
verschiedene Arten von Hyazinthen, Rosen, Bäumen und anderen Pflanzen&lt;br /&gt;
zusammentun und jede zu der anderen Schmuck und Zierde beiträgt! So&lt;br /&gt;
hat der gemeinsame Anteil an den Gaben der Sonne, des Regens und des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1370&lt;br /&gt;
{{page|1371|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=49}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Windes alle anderen Gesichtspunkte so überlagert, daß die Verschieden-&lt;br /&gt;
artigkeit von Farbe, Duft und Geschmack den Schmuck, die Anmut und die&lt;br /&gt;
Anziehungskraft des Ganzen noch steigert. Und wenn das göttliche Sam-&lt;br /&gt;
mellager die Ausstrahlung der Sonne der Wirklichkeit und der Odem&lt;br /&gt;
des Heiligen Geistes zusammenwirken, dann werden die Verschiedenartig-&lt;br /&gt;
keit der Rassen und die Unterschiede, die zwischen den einzelnen Ländern&lt;br /&gt;
bestehen, der Menschenwelt zu Schmuck, Zierde und Vornehmheit ge-&lt;br /&gt;
reichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum müssen die Gläubigen Gottes in allen Staaten Amerikas durch&lt;br /&gt;
die göttliche Macht die himmlischen Lehren fördern und die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit errichten. Jede bedeutende Seele muß sich aufmachen, um&lt;br /&gt;
allen Teilen Amerikas den Odem des Lebens einzuhauchen, den Menschen&lt;br /&gt;
einen neuen Geist zu vermitteln und sie zu taufen mit dem Feuer der&lt;br /&gt;
Liebe Gottes, dem Wasser des Lebens und dem Odem des Heiligen Gei-&lt;br /&gt;
stes, damit sich ihre Wiedergeburt verwirkliche. Denn es steht geschrieben&lt;br /&gt;
im Evangelium: „Was da geboren ist aus Fleisch, ist Fleisch, und was da&lt;br /&gt;
geboren ist aus Geist, ist Geist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum, o ihr Gläubigen Gottes in den Vereinigten Staaten und in&lt;br /&gt;
Kanada, wählt bedeutende Persönlichkeiten unter euch aus, oder laßt sie&lt;br /&gt;
sich selbst erwählen, Persönlichkeiten, die sich loslösen von aller Behag-&lt;br /&gt;
lichkeit und Ruhe dieser Welt, um sich aufzumachen auf die Reise durch&lt;br /&gt;
ganz Alaska, den Freistaat Mexiko und die mittelamerikanischen Staaten&lt;br /&gt;
im Süden Mexikos, nämlich Guatemala, Honduras, El Salvador, Nikara-&lt;br /&gt;
gua, Kostarika, Panama und Belize; ferner durch die großen südameri-&lt;br /&gt;
kanischen Republiken wie Argentinien, Uruguay, Paraguay, Brasilien,&lt;br /&gt;
Französisch-Guayana, Niederländisch-Guayana, Britisch-Guayana, Vene-&lt;br /&gt;
zuela, Ekuador, Peru, Bolivien und Chile; auch auf die westindischen&lt;br /&gt;
Inselgruppen, nach Kuba, Haiti, Puerto Rico, Jamaika und der Domini-&lt;br /&gt;
kanischen Republik; ferner nach der Inselgruppe der Kleinen Antillen,&lt;br /&gt;
den Bahama-Inseln und den Bermudas; in gleicher Weise auf die Inseln&lt;br /&gt;
im Osten, Westen und Süden von Südamerika, also nach Trinidad, den&lt;br /&gt;
Falkland- und Galapagos-Inseln, nach Juan Fernandez und Tobago. Be-&lt;br /&gt;
suchet besonders die Stadt Bahia an der Ostküste Brasiliens. Daß diese&lt;br /&gt;
Stadt in den letzten Jahren auf den Namen Bahia getauft wurde, geschah&lt;br /&gt;
zweifellos durch die Eingebung des Heiligen Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gläubigen Gottes müssen folglich die größten Anstrengungen ma-&lt;br /&gt;
chen, in allen oben erwähnten Gebieten die göttliche Weise anstimmen,&lt;br /&gt;
die himmlischen Lehren verbreiten und über alle Menschen den Geist&lt;br /&gt;
ewigen Lebens ergießen, damit jene Staaten so erleuchtet werden im&lt;br /&gt;
Strahlenglanz der Sonne der Wirklichkeit, daß sie von allen anderen Län-&lt;br /&gt;
dern gelobt und gepriesen werden. Auch müßt ihr der Republik Panama&lt;br /&gt;
größte Aufmerksamkeit widmen, weil sich dort Ost und West durch den&lt;br /&gt;
Panama-Kanal verbinden und weil dieses Land zwischen den beiden&lt;br /&gt;
großen Weltmeeren liegt. Dieser Platz wird in Zukunft sehr wichtig wer-&lt;br /&gt;
den. Wenn die Lehren dort fest begründet sind, werden sie Ost und West,&lt;br /&gt;
Nord und Süd vereinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So muß eure Absicht geläutert, euer Bemühen veredelt und erhaben&lt;br /&gt;
werden, damit ihr zwischen den Herzen der Menschenwelt Verwandt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1371&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1372|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=50}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft stiftet. Dieses ruhmreiche Ziel wird auf keine andere Weise er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
reicht als durch die Förderung der göttlichen Lehren, die die Grundlagen&lt;br /&gt;
der heiligen Religionen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket, wie die Religionen Gottes der Menschenwelt dienten! Wie die&lt;br /&gt;
Religion der Torah dem jüdischen Volk zu Ruhm, Ehre und Fortschritt&lt;br /&gt;
verhalf! Wie der Odem des Heiligen Geistes Seiner Heiligkeit Christi&lt;br /&gt;
Verwandtschaft und Einheit schuf zwischen verschiedenartigen Gemein-&lt;br /&gt;
schaften und streitenden Familien! Wie die geweihte Macht Seiner Heilig-&lt;br /&gt;
keit Muhammads das Mittel wurde, das die kampflustigen Stämme und&lt;br /&gt;
die verschiedenen Sippen der arabischen Halbinsel vereinte und ver-&lt;br /&gt;
brüderte — in solchem Ausmaß, daß tausend Stämme zu einem Stamm&lt;br /&gt;
zusammengeschweißt wurden, daß Hader und Zwist beseitigt waren, daß&lt;br /&gt;
sie alle in Einklang und Eintracht danach strebten, die Grundlagen der&lt;br /&gt;
Kultur und der Zivilisation auszubauen, sich solchermaßen freimachten&lt;br /&gt;
von der tiefsten Stufe der Erniedrigung und sich aufschwangen zu den&lt;br /&gt;
Höhen unvergänglichen Ruhems! Kann man ein besseres Sammellager&lt;br /&gt;
in der Welt der Erscheinung finden als dieses? Im Vergleich zu diesem&lt;br /&gt;
göttlichen Sammellager sind die Sammellager der Nation, des Patriotis-&lt;br /&gt;
mus, der Politik, der intellektuellen und kulturellen Beziehungen wie&lt;br /&gt;
kindlicher Tand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gebet euch Mühe, daß ihr dieses Sammellager der heiligen Reli-&lt;br /&gt;
gionen — zu dessen Erhöhung sich alle Propheten offenbarten und das&lt;br /&gt;
nichts anderes ist als der Geist der göttlichen Lehren — über alle Teile&lt;br /&gt;
Amerikas ausdehnt, damit ein jeder von euch vom Horizonte der Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit erstrahle wie der Morgenstern, damit göttliche Erleuchtung das&lt;br /&gt;
Dunkel der Natur überwinde und die Menschenwelt aufgeklärt werde.&lt;br /&gt;
Dies ist die größte aller Aufgaben! Wenn ihr darin bestätigt werdet, dann&lt;br /&gt;
wird diese Welt zu einer neuen Welt, die ganze Erdoberfläche wird ein&lt;br /&gt;
liebliches Paradies, und ewige Einrichtungen werden begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt alle, die in die verschiedenen Gegenden reisen um zu lehren, im&lt;br /&gt;
Gebirg und in der Wüste, über Land und Meer das folgende demütige&lt;br /&gt;
Gebet sorgsam lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Du siehst mich, schwach, niedrig und bescheiden unter&lt;br /&gt;
Deinen Geschöpfen; dennoch habe ich auf Dich vertraut und mich erhoben,&lt;br /&gt;
um Deine Lehren unter Deinen standhaften Dienern zu fördern, ganz im&lt;br /&gt;
Vertrauen auf Deine Kraft und Macht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Ich bin ein Vogel mit gebrochenen Schwingen und sehne mich&lt;br /&gt;
danach, aufzusteigen in Deine Sphären, die ohne Grenzen sind. Wie bin&lt;br /&gt;
ich dazu anders fähig als durch Deine Vorsehung und Gnade, Deine Be-&lt;br /&gt;
stätigung und Hilfe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Hab Erbarmen mit meiner Schwäche und stärke mich durch&lt;br /&gt;
Deine Kraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Habe Mitleid mit meiner Unfähigkeit und unterstütze mich mit&lt;br /&gt;
Deiner Macht und Erhabenheit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1372&lt;br /&gt;
{{page|1373|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=51}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Wenn der Odem des Heiligen Geistes das schwächste aller Ge-&lt;br /&gt;
schöpfe bestätigt, dann wird es die höchste Stufe erreichen und alles&lt;br /&gt;
besitzen, was es begehrt. Du bist in der Tat Deinen Dienern beigestanden&lt;br /&gt;
in vergangenen Tagen, und sie waren die schwächsten Deiner Geschöpfe,&lt;br /&gt;
die niedersten Deiner Diener und die unscheinbarsten derer, die auf Erden&lt;br /&gt;
lebten; aber nach Deinem Willen und durch Deine Macht nahmen sie den&lt;br /&gt;
Vorrang ein vor den Ruhmreichsten Deines Volkes und den Vornehmsten&lt;br /&gt;
Deiner Menschheit. Sie waren wie unscheinbare Nachtfalter und wurden&lt;br /&gt;
zu königlichen Falken; sie waren wie Seifenblasen und wurden zu Meeren.&lt;br /&gt;
Durch Deine Gabe, Deine Gnade und Deine größte Gunst wurden sie&lt;br /&gt;
strahlende Sterne am Horizonte der Führung, singende Vögel im Rosen-&lt;br /&gt;
garten der Unsterblichkeit, brüllende Löwen in den Wäldern des Wissens&lt;br /&gt;
und der Weisheit und mächtige Wale in den Meeren des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Gütige, der Kraftvolle, der Mächtige und der&lt;br /&gt;
Barmherzigste aller Barmherzigen.&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
8. März 1917&lt;br /&gt;
* * *&lt;br /&gt;
An die Gläubigen und die Dienerinnen des Barmherzigen in&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Räten der Vereinigten Staaten von Amerika und&lt;br /&gt;
Kanadas.&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh Al-Abhä sei mit ihnen!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© ihr Apostel Bahä’u’llähs — möge mein Leben ein Opfer für euch sein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesegnete Persönlichkeit des Verheißenen ist im Heiligen Buche als&lt;br /&gt;
der Herr der Heerscharen, der himmlischen Streitmacht dargestellt. Mit&lt;br /&gt;
„himmlischen Heerscharen“ sind solche Seelen gemeint, die völlig losgelöst&lt;br /&gt;
sind von der menschlichen Welt, die in Himmelsgeister verwandelt sind&lt;br /&gt;
und zu göttlichen Engeln wurden. Solche Seelen sind die Strahlen der&lt;br /&gt;
Sonne der Wirklichkeit, die alle Kontinente erleuchten werden. Eine jede&lt;br /&gt;
hält in der Hand eine Posaune und bläst den Odem des Lebens über alle&lt;br /&gt;
Lande. Sie sind menschlicher Eigenschaften ledig und befreit von den&lt;br /&gt;
Gebrechen der stofflichen Welt, sind mit göttlichen Merkmalen ausge-&lt;br /&gt;
zeichnet und von den Düften des Barmherzigen angezogen. Wie die Apo-&lt;br /&gt;
stel ganz von Christus erfüllt waren, so sind diese Seelen erfüllt von&lt;br /&gt;
Seiner Heiligkeit Bahä’u’lläh; das heißt, die Liebe zu Bahä’u’lläh hat von&lt;br /&gt;
jedem Organ, jedem Teil, jedem Glied ihres Körpers so sehr Besitz er-&lt;br /&gt;
griffen, daß menschliche Regungen ihre Wirkung verloren haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seelen sind die Heerscharen Gottes und die Eroberer des Ostens&lt;br /&gt;
und des Westens. Wenn sich einer von ihnen in irgendeine Richtung&lt;br /&gt;
wendet und das Volk zum Reiche Gottes ruft, dann eilen alle Mächte des&lt;br /&gt;
Himmels zu seiner Hilfe und Verstärkung, und die Bestätigung des Herrn&lt;br /&gt;
steht ihm bei. Er wird sehen, wie sich ihm die Türen öffnen und wie&lt;br /&gt;
mächtige Burgen und uneinnehmbare Festungen in sich zusammen-&lt;br /&gt;
brechen. Allein und ganz auf sich gestellt wird er die Heere dieser Welt&lt;br /&gt;
angreifen, den rechten und den linken Flügel der Streitmacht aller Län-&lt;br /&gt;
der in die Flucht schlagen, durch die Reihen der Legionen aller Völker&lt;br /&gt;
hindurchstoßen und seinen Angriff mitten in das Herz der Mächte dieser&lt;br /&gt;
Erde vortragen. — Dies ist die Bedeutung der „Heerscharen Gottes“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1373&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1374|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=52}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Seele aus den Reihen der Gläubigen Bahä’u’llähs, die diese Stufe&lt;br /&gt;
erreicht, wird als Apostel Bahä’u’lähs bekannt werden. Darum strebet&lt;br /&gt;
mit Herz und Seele danach, daß ihr diese hohe und erhabene Stellung&lt;br /&gt;
erlanget, daß ihr fest auf dem Throne unvergänglicher Herrlichkeit sitzet&lt;br /&gt;
und euer Haupt krönet mit dem leuchtenden Diadem des Königreiches,&lt;br /&gt;
dessen glänzende Juwelen Jahrhunderte und Zeitalter überstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© ihr liebevollen Freunde! Erhebt euch in Edelmut und schwinget euch&lt;br /&gt;
hoch in den höchsten Himmel, damit eure gesegneten Herzen Tag für Tag&lt;br /&gt;
immer mehr erleuchtet werden durch die Strahlen der Sonne der Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit, das ist Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh; damit euer Geist jeden&lt;br /&gt;
Augenblick neues Leben erlange und das Dunkel der stofflichen Welt&lt;br /&gt;
gänzlich zerstreut werde, damit ihr auf diese Weise eingeborenes Licht&lt;br /&gt;
und verkörperter Geist werdet, der niederen Dinge dieser Welt völlig ver-&lt;br /&gt;
gesset und mit dem Walten der göttlichen Welt in Fühlung kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket, welche Tore Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh vor euch auftat,&lt;br /&gt;
welche hohe und erhabene Stufe Er für euch bestimmte und welche&lt;br /&gt;
Gaben Er für euch bereithält! Wenn wir uns aus diesem Kelch berauschen,&lt;br /&gt;
werden wir alle Herrschaft dieses Erdballs geringer schätzen als kind-&lt;br /&gt;
lichen Tand. Würde vor uns in der Arena die Krone der Macht über die&lt;br /&gt;
ganze Welt aufgestellt und ein jeder von uns aufgefordert, sie anzuneh-&lt;br /&gt;
men, so würden wir zweifellos nicht willfahren, sondern ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese höchste Stufe können wir aber nur erreichen, wenn wir gewisse&lt;br /&gt;
Bedingungen erfüllen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Bedingung ist Festigkeit im Bündnis Gottes; denn die Macht&lt;br /&gt;
des Bündnisses schützt die Sache Bahä’u’llähs vor den Zweifeln der Irren-&lt;br /&gt;
den. Das Bündnis ist die starke Feste der Sache Gottes und der sichere&lt;br /&gt;
Pfeiler der Religion Gottes. Es gibt heute keine Macht, die die Einheit der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Welt bewahren kann, außer dem Bündnis Gottes; ohne dieses&lt;br /&gt;
würden Meinungsverschiedenheiten die Bahä’i-Welt umfangen wie ein&lt;br /&gt;
heftiger Sturm. Es ist offensichtlich, daß die Achse der Einheit der Men-&lt;br /&gt;
schenwelt die Macht des Bündnisses ist und nichts anderes. Wäre das&lt;br /&gt;
Bündnis nicht entstanden, wäre es nicht von der Höchsten Feder offenbart&lt;br /&gt;
worden und hätte nicht das Buch des Bundes die Welt erleuchtet gleich&lt;br /&gt;
den Strahlen der Sonne der Wirklichkeit, so wären die Kräfte der Sache&lt;br /&gt;
Gottes völlig zerstreut, und gewisse Seelen, die dann Gefangene ihrer&lt;br /&gt;
eigenen Lüste und Leidenschaften wären, würden eine Axt in die Hand&lt;br /&gt;
nehmen, um den Heiligen Baum an der Wurzel zu fällen. Jeder einzelne&lt;br /&gt;
würde dann seine eigenen Wünsche verfolgen und sich mit seiner eigenen&lt;br /&gt;
Ansicht aufspielen. Dieses großen Bündnisses ungeachtet, zogen einige&lt;br /&gt;
achtlose Seelen auf ihren Kleppern zu Felde und vermeinten, sie könnten&lt;br /&gt;
vielleicht die Grundpfeiler der Sache Gottes ins Wanken bringen; aber,&lt;br /&gt;
Preis sei Gott! sie alle wurden von schmerzlichen Verlusten betroffen, und&lt;br /&gt;
ehe noch viel Zeit vergeht, werden sie sich in bitterer Verzweiflung sehen.&lt;br /&gt;
Darum muß ein jeder zuallererst auf sicherem Fuß im Bündnis stehen,&lt;br /&gt;
damit die Bestätigung Bahä’u’llähs ihn von allen Seiten umgibt, damit die&lt;br /&gt;
Höchsten Heerscharen ihm zur Hilfe und zum Beistand werden und die&lt;br /&gt;
Ermahnungen und Ratschläge ‘Abduwl-Bahäs wie in Stein gemeißelt&lt;br /&gt;
immerwährend und unauslöschlich auf den Tafeln der Herzen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1374&lt;br /&gt;
{{page|1375|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=53}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Bedingung: Liebe und Kameradschaft unter den Gläubigen.&lt;br /&gt;
Die Freunde Gottes müssen sich gegenseitig lieben und sich zueinander&lt;br /&gt;
hingezogen fühlen und jederzeit bereit und willens sein, ihr eigenes Leben&lt;br /&gt;
füreinander zu opfern. Wenn einer der Gläubigen einen anderen trifft, so&lt;br /&gt;
muß es sein, als ob ein Dürstender mit brennenden Lippen zur Quelle des&lt;br /&gt;
Wassers des Lebens gelangt, oder wie wenn ein Liebender seiner wahren&lt;br /&gt;
Geliebten begegnet. Denn eine der größten göttlichen Weisheiten im Hin-&lt;br /&gt;
blick auf das Erscheinen der heiligen Manifestationen ist die, daß die&lt;br /&gt;
Seelen einander kennenlernen und miteinander vertraut werden, daß die&lt;br /&gt;
Macht der Liebe Gottes sie alle zu Wogen eines Meeres, zu Blumen eines&lt;br /&gt;
Rosengartens und zu Sternen eines Himmels machen kann. Dies ist die&lt;br /&gt;
Weisheit, die im Auftreten der heiligen Manifestationen liegt! Wenn sich&lt;br /&gt;
diese größte Gabe in den Herzen der Gläubigen offenbart, dann wird die&lt;br /&gt;
stoffliche Welt verwandelt, das Dunkel des bedingten Seins wird ver-&lt;br /&gt;
schwinden und himmliche Erleuchtung erlangt werden. Dann wird die&lt;br /&gt;
ganze Welt das Paradies Abhä, und jeder Gläubige Gottes wird zu einem&lt;br /&gt;
gesegneten Baum, der wundervolle Früchte zeitigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Freunde! Kameradschaft, Liebe, Einheit! Kameradschaft, Liebe&lt;br /&gt;
und Einheit, auf daß die Macht der Bahä’i-Sache hervortrete und sich in&lt;br /&gt;
der Welt des Seins offenbare. Ich bin in diesem Augenblick in Gedanken&lt;br /&gt;
ganz bei euch, und Mein Herz ist entflammt in Glut und Entzücken!&lt;br /&gt;
Könntet ihr euch vorstellen, wie Mein ganzes Bewußtsein von der Liebe&lt;br /&gt;
zu den Freunden beherrscht ist, ihr würdet zweifellos von solchem Duft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und solcher Freude umfangen, daß ihr alle in Liebe zueinander ent-&lt;br /&gt;
brennen würdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Bedingung: Lehrer müssen ständig durch alle Teile des Kon-&lt;br /&gt;
tinentes, nein, durch alle Teile der Welt reisen; aber sie müssen reisen&lt;br /&gt;
wie ‘Abdu’l-Bahá, der alle Städte Amerikas besuchte. Er war frei und ge-&lt;br /&gt;
heiligt von jeder Verhaftung und in höchster Loslösung. Wie Seine Heilig- |&lt;br /&gt;
keit Christus sagte: „Schüttelt sogar den Staub von euren Füßen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt es miterlebt, wie bei meinem Aufenthalt in Amerika viele&lt;br /&gt;
Seelen in größter Demut und Eindringlichkeit verschiedene Geschenke an-&lt;br /&gt;
boten; aber dieser Diener hat, entsprechend den Befehlen und Ermahnun-&lt;br /&gt;
gen der Gesegneten Vollkommenheit, nie etwas angenommen, obwohl wir&lt;br /&gt;
zeitweise in sehr beschränkten Verhältnissen waren. Wenn andererseits&lt;br /&gt;
eine Seele um Gottes willen, freiwillig und aus reiner Absicht einen Bei-&lt;br /&gt;
trag leisten will (zu den Ausgaben eines Lehrers), dann soll der Lehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um den Spender glücklich zu machen, eine kleine Summe annehmen; aber&lt;br /&gt;
er muß in größter Bescheidenheit leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel ist folgendes: Die Absicht des Lehrers muß rein, sein Herz un-&lt;br /&gt;
abhängig, sein Geist hingezogen, sein Denken befriedet, sein Entschluß&lt;br /&gt;
fest, sein Mut erhaben und eine strahlende Fackel der Liebe Gottes sein.&lt;br /&gt;
Wenn er solche Eigenschaften erwirbt, dann wird sein geheiligter Odem&lt;br /&gt;
sogar auf Felsen wirken; anders aber wird er keinerlei Ergebnis hervor-&lt;br /&gt;
bringen. Solange eine Seele nicht vervollkommnet ist, wie kann sie da die&lt;br /&gt;
Fehler anderer tilgen? Solange sie nicht frei ist von allem außer Gott,&lt;br /&gt;
wie kann sie anderen Loslösung lehren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1375&lt;br /&gt;
{{page|1376|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=54}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, o ihr Gläubigen Gottes! Bemühet euch, daß ihr jedes Mittel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ergreifet, um die Religion Gottes zu verkünden und die Düfte Gottes zu&lt;br /&gt;
verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem geht es um die Veranstaltung von Lehrtreffen, in denen&lt;br /&gt;
gesegnete Seelen und die Alten unter den Gläubigen die Jugend der Liebe&lt;br /&gt;
Gottes in Schulen der Unterweisung um sich scharen und sie all die gött-&lt;br /&gt;
lichen Beweise und unwiderleglichen Argumente lehren, ihnen die Ge-&lt;br /&gt;
schichte der Sache erläutern und erklären und auch die Verheißungen&lt;br /&gt;
und Beweise auslegen, die in den göttlichen Büchern und Episteln be-&lt;br /&gt;
richtet und vorhanden sind über die Manifestation des Verheißenen —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf daß die Jugend im vollkommenen Wissen alle die oben genannten&lt;br /&gt;
Stufen durchmesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso muß, sobald es möglich ist, ein Ausschuß begründet werden für&lt;br /&gt;
die Übersetzung der Sendschreiben. Weise Seelen, die das Persische, das&lt;br /&gt;
Arabische und andere Fremdsprachen oder eine derselben vollkommen&lt;br /&gt;
studiert haben und beherrschen, müssen damit beginnen, die Sendschreiben&lt;br /&gt;
und Bücher zu übersetzen, welche die Beweise dieser Offenbarung ent-&lt;br /&gt;
halten, und müssen diese Bücher veröffentlichen und über alle fünf Erd-&lt;br /&gt;
teile verbreiten. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch muß die Zeitschrift, der „Star of the West“, mit größter Regel-&lt;br /&gt;
mäßigkeit erscheinen; sein Inhalt muß in der Verkündung der Sache&lt;br /&gt;
Gottes bestehen, damit Ost und West von den wichtigsten Ereignissen&lt;br /&gt;
unterrichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In kurzen Worten: In allen Versammlungen, seien sie öffentlich oder&lt;br /&gt;
geschlossen, sollte über nichts diskutiert werden als das, was zur Sprache&lt;br /&gt;
steht, und alle Themen sollten um die Sache Gottes kreisen. Privatge-&lt;br /&gt;
spräche sollten nicht einbezogen werden, und Streit ist streng verboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehrer müssen, wenn sie in verschiedene Richtungen reisen, die&lt;br /&gt;
Sprache des Landes kennen, in welches sie sich begeben. So sollte zum&lt;br /&gt;
Beispiel jemand, der in der japanischen Sprache bewandert ist, nach&lt;br /&gt;
Japan reisen, oder jemand, der des Chinesischen mächtig ist, sollte nach&lt;br /&gt;
China eilen, und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, nach diesem weltumspannenden Krieg sind die Menschen&lt;br /&gt;
bereitet wie noch nie, auf die göttlichen Lehren zu hören; denn die Weis-&lt;br /&gt;
heit dieses Krieges ist, daß es allen bewiesen wird, wie das Feuer des&lt;br /&gt;
Krieges die Welt zerstört, während die Lichtstrahlen des Friedens die&lt;br /&gt;
Welt erleuchten. Das erste ist Tod, das zweite Leben; jenes ist Untergang,&lt;br /&gt;
dieses ist Unsterblichkeit; das eine ist schlimmstes Unheil, das andere das&lt;br /&gt;
größte Glücksgut; jenes ist Dunkel, dieses Licht; das erstere ist ewige&lt;br /&gt;
Erniedrigung, das letztere unvergänglicher Ruhm; der Krieg zerstört die&lt;br /&gt;
Grundlagen des Menschlichen, der Frieden aber begründet die Wohlfahrt&lt;br /&gt;
der Menschenrasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demzufolge muß sich eine Anzahl Seelen aufmachen, in Übereinstim-&lt;br /&gt;
mung mit den obengenannten Bedingungen verfahren und in alle Teile der&lt;br /&gt;
Welt eilen, besonders von Amerika nach Europa, Afrika, Asien und&lt;br /&gt;
Australien, sowie durch Japan und China reisen. Ebenso sollten Lehrer&lt;br /&gt;
und Gläubige aus Deutschland nach den Kontinenten Amerika, Afrika,&lt;br /&gt;
nach Japan und China reisen; kurz gesagt, sie sollten alle Kontinente und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1376&lt;br /&gt;
{{page|1377|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=55}}Inseln des Erdballs durchstreifen. So werden in kurzer Zeit die wunder-&lt;br /&gt;
barsten Ergebnisse gezeitigt, das Banner des allumfassenden Friedens&lt;br /&gt;
weht über den Höhen der Welt, und das Licht der Einheit der Menschen-&lt;br /&gt;
welt erleuchtet das Universum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In kurzen Worten, o ihr Gläubigen Gottes! Im göttlichen Buche steht&lt;br /&gt;
geschrieben: Wenn zwei Seelen über eine der göttlichen Fragen zanken&lt;br /&gt;
und streiten, in Hader und Zwist, dann haben sie beide nicht recht. Es ist&lt;br /&gt;
die Weisheit dieses unzweideutigen Gesetzes Gottes, daß zwischen zweien&lt;br /&gt;
der Gläubigen Gottes kein Zank und Streit entstehen soll, daß sie in un-&lt;br /&gt;
endlicher Liebe und Freundschaft miteinander sprechen sollen. Sobald&lt;br /&gt;
sich die geringste Spur von Gegensätzen abzeichnet, müssen sie schweigen&lt;br /&gt;
und beide ihre Aussprache nicht länger fortsetzen, sondern bei dem Aus-&lt;br /&gt;
leger erkunden, wie es wirklich um ihre Frage steht. So lautet der un-&lt;br /&gt;
leugbare Befehl!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä Al-Abhä sei mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet für den Frieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Du siehst, wie schwarze Finsternis alle Bereiche um-&lt;br /&gt;
fangen hat, wie alle Länder in den Flammen der Zwietracht brennen, und&lt;br /&gt;
wie Krieg und Gemetzel im Osten und Westen der Erde entzündet wurde.&lt;br /&gt;
Blut wird vergossen, die Leichen liegen dahingestreckt, die Köpfe abge-&lt;br /&gt;
schlagen und über das Schlachtfeld verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Herr! Hab Erbarmen mit diesen Unwissenden, schaue auf sie mit&lt;br /&gt;
dem Auge des Vergebens und Verzeihens. Lösche dieses Feuer, auf daß&lt;br /&gt;
die düsteren Wolken, die den Himmel bedecken, sich verziehen, auf daß&lt;br /&gt;
die Sonne der Wirklichkeit leuchte mit den Strahlen der Versöhnung, das&lt;br /&gt;
Dunkel sich zerteile und alle Länder erleuchtet werden im Licht des&lt;br /&gt;
Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Erwecke sie aus den Tiefen des Meeres der Feindseligkeit, befreie&lt;br /&gt;
sie aus dieser undurchdringlichen Finsternis, stifte Verwandtschaft zwi-&lt;br /&gt;
schen ihren Herzen und erhelle ihre Augen mit dem Lichte des Friedens&lt;br /&gt;
und der Aussöhnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Errette sie aus den unergründlichen Tiefen des Krieges und des&lt;br /&gt;
Blutvergießens! Erwecke sie aus dem Düster des Irrtums, reiße den&lt;br /&gt;
Schleier von ihren Augen, erleuchte ihre Herzen mit dem Lichte der Füh-&lt;br /&gt;
rung, verfahre mit ihnen nach Deiner Gunst und Gnade, aber begegne&lt;br /&gt;
ihnen nicht mit Deiner grimmen Gerechtigkeit, die die Mächtigen erzittern&lt;br /&gt;
ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Wahrlich, die Herzen sind erregt und die Seelen erschüttert. Habe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitleid mit diesen Armen und lasse sie nicht sich antun, was sie vor-&lt;br /&gt;
haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Sende durch Deine Lande demütige und ergebene Seelen, deren&lt;br /&gt;
Antlitz erleuchtet ist von den Strahlen der Führung, die sich losgelöst&lt;br /&gt;
haben von der Welt, Dein Gedenken und Deinen Lobpreis verkünden und&lt;br /&gt;
Deine heiligen Düfte verbreiten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Stütze ihnen den Rücken, stärke ihre Lenden und weite ihre Brust&lt;br /&gt;
mit den Zeichen Deiner größten Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1377&lt;br /&gt;
{{page|1378|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=56}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Wahrlich, sie sind schwach, und Du bist der Kraftvolle und der&lt;br /&gt;
Mächtige; sie sind unfähig, Du aber bist der Helfer und der Gnädige!&lt;br /&gt;
Herr! Wahrlich, das Meer der Übertretung schlägt hohe Wellen, und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stürme werden sich nicht legen, es sei denn durch Deine grenzenlose&lt;br /&gt;
Gnade, die alle Bereiche umfängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Wahrlich, die Menschenseelen schmachten tief in den Schluchten&lt;br /&gt;
der Begierden, und nichts kann sie daraus erwecken als Deine wunder-&lt;br /&gt;
vollen Gnadengaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr! Vertreibe dieses Dunkel der Versuchung und erhelle die Herzen&lt;br /&gt;
mit der Lampe Deiner Liebe, durch die alle Länder erleuchtet werden.&lt;br /&gt;
Bestätige jene Gläubigen, die ihre Heimat, ihre Familie und ihre Kinder&lt;br /&gt;
verlassen und durch alle Bereiche wandern um der Liebe zu Deiner&lt;br /&gt;
Schönheit, der Verbreitung Deiner Düfte und der Verkündung Deiner&lt;br /&gt;
Lehren willen. Stehe Du ihnen bei in der Einsamkeit, hilf ihnen durch&lt;br /&gt;
ferne Lande, tilge ihre Sorgen, tröste ihren Jammer, befreie sie aus dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unglück, lösche ihren Durst, heile sie von ihren Leiden und besänftige das&lt;br /&gt;
Feuer ihrer Sehnsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Gütige, der Gnädige, und, wahrlich, Du bist der&lt;br /&gt;
Mitleidvolle und der Allerbarmer.&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
19., 20. und 22. April 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
uk&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Freunde und Dienerinnen Gottes in den nordöstlichen&lt;br /&gt;
Staaten (der USA).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit ihnen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Herolde des Himmels!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies sind die Tage des Nawrüz. Ich bin immer in Gedanken bei den&lt;br /&gt;
lieben Freunden. Ich flehe für alle und jeden von euch um Bestätigung&lt;br /&gt;
und Beistand von der Schwelle der Einheit, auf daß die Versammlungen&lt;br /&gt;
in den Ländern Amerikas entzündet werden wie helle Kerzen und sie das&lt;br /&gt;
Licht der Liebe Gottes in die Herzen tragen; so mögen die Strahlen der&lt;br /&gt;
göttlichen Lehren die Staaten Amerikas schmücken und erhellen wie die&lt;br /&gt;
Sterne der größten Führung das unendliche Weltall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nordöstlichen Staaten an den Küsten des Atlantik: Maine, New&lt;br /&gt;
Hampshire, Massachusetts, Rhode Island, Connecticut, Vermont, Pennsyl-&lt;br /&gt;
vania, New Jersey und New York — in einigen dieser Staaten sind Gläu-&lt;br /&gt;
bige anzutreffen, aber in manchen der Städte dort sind die Menschen bis&lt;br /&gt;
heute noch nicht erleuchtet vom Lichte des Königreiches und kennen die&lt;br /&gt;
himmlischen Lehren noch nicht; darum machet euch auf in diese Städte,&lt;br /&gt;
so bald es einem jeden von euch möglich ist, und wie die Sterne lasset&lt;br /&gt;
das Licht der größten Führung erstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott spricht im ruhmreichen Qur’än: „Die Erde war schwarz und ver-&lt;br /&gt;
trocknet. Da ließen Wir den Regen auf sie herniederströmen, und augen-&lt;br /&gt;
blicks wurde sie grün und fruchtbar, und jegliche Art von Pflanzen sproß&lt;br /&gt;
in üppiger Fülle hervor.“ Mit anderen Worten, Er sagt, die Erde ist&lt;br /&gt;
schwarz, aber wenn die Frühlingsschauer darüber niedergehen, wird&lt;br /&gt;
dieser schwarze Boden erfrischt und bringt buntfarbige Blumen hervor.&lt;br /&gt;
Dies bedeutet, daß die Seelen der Menschen, die der stofflichen Welt an-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1378&lt;br /&gt;
{{page|1379|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=57}}gehören, schwarz sind wie die Erde. Aber wenn die himmlischen Aus-&lt;br /&gt;
gießungen herniederströmen und die schimmernden Strahlen hervor-&lt;br /&gt;
brechen, dann werden die Herzen neu belebt und befreit vom Dunkel der&lt;br /&gt;
Natur, und die Blumen göttlicher Geheimnisse wachsen und sprießen&lt;br /&gt;
üppig empor. Folglich muß der Mensch zur Quelle der Erleuchtung für&lt;br /&gt;
die Menschenwelt werden und muß die heiligen Lehren verbreiten, wie&lt;br /&gt;
sie durch göttliche Eingebung in den Heiligen Büchern offenbart sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gesegneten Evangelium steht geschrieben: „Ziehet hin gen Osten&lt;br /&gt;
und gen Westen und erleuchtet das Volk mit dem Lichte der größten&lt;br /&gt;
Führung, damit sie am ewigen Leben Anteil haben.“ Preis sei Gott, die&lt;br /&gt;
nordöstlichen Staaten sind überaus aufnahmebereit. Der Boden ist reich,&lt;br /&gt;
und die Schauer göttlicher Ausgießung regnen hernieder. Nun müßt ihr&lt;br /&gt;
himmlische Bauern werden und reine Saaten über den bereiteten Boden&lt;br /&gt;
ausstreuen. Die Ernte aus jeder anderen Saat ist begrenzt, aber die Gaben&lt;br /&gt;
und Segnungen aus der Saat der göttlichen Lehren sind unendlich. In&lt;br /&gt;
kommenden Jahrhunderten und Zeitaltern werden viele Ernten einge-&lt;br /&gt;
bracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet die Arbeit früherer Menschenalter. Zu den Lebzeiten Seiner&lt;br /&gt;
Heiligkeit Christi waren der gläubigen, standhaften Seelen nur wenige,&lt;br /&gt;
aber die himmlischen Segnungen strömten in solcher Fülle hernieder, daß&lt;br /&gt;
in wenigen Jahren zahllose Seelen unter den Schatten des Evangeliums&lt;br /&gt;
traten. Gott sprach im Qur’än: „Ein Korn wird sieben Ähren hervor-&lt;br /&gt;
bringen, und jede Ähre wird hundert Körner enthalten.“ Mit anderen&lt;br /&gt;
Worten: Ein Korn wird zu siebenhundert Körnern werden, und so Gott&lt;br /&gt;
will, wird er auch diese noch verdoppeln. Es ist schon oft geschehen, daß&lt;br /&gt;
eine gesegnete Seele für ein ganzes Volk zur Quelle der Führung wurde.&lt;br /&gt;
Wir müssen jetzt nicht auf unsere eigene Geschicklichkeit und Fähigkeit&lt;br /&gt;
blicken; nein, wir sollten vielmehr auf die Gunst und die Gaben Gottes&lt;br /&gt;
schauen in diesen Tagen. Er ließ im Tropfen das Meer seinen Ausdruck&lt;br /&gt;
finden und gab dem Atom die Bedeutung der Sonne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
26. März 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barm-&lt;br /&gt;
herzigen in den nordöstlichen der Vereinigten Staaten von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amerika — Maine, New Hampshire, Massachusetts, Rhode&lt;br /&gt;
Island, Connecticut, Vermont, Pennsylvania, New Jersey,&lt;br /&gt;
New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr wahren Freunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen des Einen Wahren sind alle Bereiche wie ein Bereich&lt;br /&gt;
und alle Städte und Dörfer einander vollkommen gleich. Keines wird den&lt;br /&gt;
anderen vorgezogen. Alle sind sie der Acker Gottes und der Wohnort der&lt;br /&gt;
Menschenseelen. Aber durch Glauben und Gewißheit und dadurch, daß&lt;br /&gt;
sich ein Teil der Menschen vor anderen auszeichnet, überträgt der Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1379&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1380|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=58}}men&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wohner Heiligung und Weihe auf seine Behausung. Einige der Länder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden auf diese Weise zu etwas Außergewöhnlichem und erlangen die&lt;br /&gt;
höchste Stufe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Ländern Europas und Amerikas zum Beispiel zeichnen sich&lt;br /&gt;
einzelne aus durch die Reinheit ihrer Luft, die Bekömmlichkeit ihres&lt;br /&gt;
Wassers und die Anmut ihrer Berge, Ebenen und Steppen, und werden&lt;br /&gt;
darum den anderen vorgezogen. Aber dessen ungeachtet wurde beispiels-&lt;br /&gt;
weise Palästina zur Zierde aller anderen Bereiche der Welt, weil alle die&lt;br /&gt;
heiligen Manifestationen Gottes von der Zeit Seiner Heiligkeit Abraham&lt;br /&gt;
bis auf das Erscheinen des Siegels der Propheten in diesem Gebiete wohn-&lt;br /&gt;
ten, dorthin einwanderten oder es durchreisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erlangten auch Yathrib und Bathä ’) diese größte Gabe, und das Licht&lt;br /&gt;
der Propheten strahlte von ihrem Himmel nieder. Darum sind Palästina&lt;br /&gt;
und Hedschas vor allen anderen Gauen ausgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der amerikanische Erdteil ist in den Augen des Einen Wahren ein&lt;br /&gt;
Feld strahlenden Lichtes, ein Königreich der Offenbarung von Geheim-&lt;br /&gt;
nissen, die Heimat der Rechtschaffenen und das Sammellager der Freien;&lt;br /&gt;
darum ist er in allen seinen Teilen gesegnet. Aber weil die genannten&lt;br /&gt;
neun Staaten mit Glauben und Gewißheit begünstigt wurden, haben sie&lt;br /&gt;
durch diese Auszeichnung ein geistiges Vorrecht erworben. Sie müssen&lt;br /&gt;
sich des Wertes dieser Gabe bewußt werden: Weil ihnen solche Gunst&lt;br /&gt;
zuteil wurde und um für dieses größte Geschenk Dank zu erweisen,&lt;br /&gt;
müssen sie sich aufmachen, die göttlichen Düfte zu verbreiten, auf daß&lt;br /&gt;
der gesegnete Vers des Qur’än verwirklicht werde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gott ist das Licht des Himmels und der Erde. Das Ebenbild Seines&lt;br /&gt;
Lichtes ist eine Nische in der Wand, in der eine Lampe aufgestellt ist,&lt;br /&gt;
und diese Lampe ist von einem gläsernen Behältnis umgeben. Das Glas&lt;br /&gt;
erstrahlt, als wäre es ein funkelnder Stern. Es wird erleuchtet vom Öl&lt;br /&gt;
eines gesegneten Baumes, eines Ölbaumes, der weder im Osten noch im&lt;br /&gt;
Westen steht. Es fehlte nur wenig, und dieses Olivenöl würde leuchten,&lt;br /&gt;
auch wenn kein Feuer es berührte,. Dies ist das Licht, das zu dem Licht&lt;br /&gt;
hinzukommt. Gott führt zu seinem Lichte, wen immer Er will.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht: „Die stoffliche Welt ist die Welt des Dunkels, weil sie der&lt;br /&gt;
Ursprung von tausenderlei Verderbtheit ist; ja, sie ist Dunkel über&lt;br /&gt;
Dunkel.“ Die Erleuchtung der stofflichen Welt hängt ab vom Strahlen-&lt;br /&gt;
glanz der Sonne der Wirklichkeit. Die Gnade der Führung gleicht einem&lt;br /&gt;
Licht, das entflammt ist in dem Glas der Erkenntnis und Weisheit, und&lt;br /&gt;
dieses Glas der Erkenntnis und Weisheit ist der Spiegel der Menschen-&lt;br /&gt;
herzen. Das Öl ist so gereinigt, daß es brennt, ohne entzündet zu sein.&lt;br /&gt;
Wenn die Stärke des Lichtes, die Durchsichtigkeit des Glases und die&lt;br /&gt;
Reinheit des Spiegels zusammenkommen, dann entsteht Licht über Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit kurzen Worten, in diesen neun gesegneten Staaten reiste und wan-&lt;br /&gt;
derte ‘Abdu’l-Bahá von Ort zu Ort, erklärte die Weisheiten und ver-&lt;br /&gt;
breitete die Düfte der himmlischen Bücher. In den meisten dieser Staaten&lt;br /&gt;
legte er den Grundstein für das Haus Gottes und öffnete die Pforte des&lt;br /&gt;
Lehrens. In diesen Staaten säte er seine Saaten aus und pflanzte ge-&lt;br /&gt;
segnete Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1380&lt;br /&gt;
{{page|1381|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=59}}Nun müssen die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barm-&lt;br /&gt;
herzigen diese Felder bewässern und müssen sich mit größter Kraft be-&lt;br /&gt;
mühen, diese himmlischen Pflanzungen zu pflegen, damit die Saaten&lt;br /&gt;
wachsen und sich entfalten, damit sie gedeihen und gesegnet seien und&lt;br /&gt;
viele reiche, große Ernten eingebracht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich Gottes ist gleich einem Bauern, der in den Besitz eines Stücks&lt;br /&gt;
reinen, jungfräulichen Bodens gelangt. Himmlische Saaten werden darauf&lt;br /&gt;
ausgesät, die Wolken göttlicher Vorsehung ergießen sich und die Sonne&lt;br /&gt;
der Wirklichkeit erstrahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt sind alle diese Segnungen vorhanden, und reich entfalten sie sich&lt;br /&gt;
in diesen neun Staaten. Der göttliche Gärtner schritt über diesen heiligen&lt;br /&gt;
Grund und streute reine Saaten aus den Lehren des Herrn auf dieses&lt;br /&gt;
Feld; der Regen der Gaben Gottes ergoß sich und die Glut der Sonne der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit — das heißt, die gnädigen Bestätigungen — erstrahlte in&lt;br /&gt;
voller Pracht. Es ist meine Hoffnung, daß jede von jenen gesegneten&lt;br /&gt;
Seelen ein unvergleichlicher, ein einzigartiger Ackerbauer werde, daß der&lt;br /&gt;
Osten und der Westen Amerikas einem köstlichen Paradiese gleich wer-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den, so daß ihr alle die höchsten Heerscharen ausrufen höret: „Selig&lt;br /&gt;
seid ihr, und abermals: Selig seid ihr!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende demütige Bitte sollte von den Lehrern und allen Freunden&lt;br /&gt;
täglich gelesen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du gütiger Herr! Preis sei Dir, daß Du uns die Straße Deiner Füh-&lt;br /&gt;
rung zeigtest, das Tor zu Deinem Königreich auftatest und Dich durch die&lt;br /&gt;
Sonne der Wirklichkeit offenbartest. Den Blinden gabst Du das Augen-&lt;br /&gt;
licht, den Tauben Gehör, Du auferwecktest die Toten, Du wiesest den&lt;br /&gt;
Weg denen, die in die Irre gegangen; Du lenktest die ausgetrockneten&lt;br /&gt;
Lippen zum Springquell der Führung; Du ließest den dürstenden Fisch&lt;br /&gt;
zum Meere der Wirklichkeit gelangen, und Du ludest die Zugvögel ein&lt;br /&gt;
in den Rosengarten der Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du Allmächtiger! Wir Menschen sind Deine Diener und Deine Armen!&lt;br /&gt;
Wir sind Dir ferne, wir sehnen uns nach Deiner Gegenwart; wir dürsten&lt;br /&gt;
nach dem Wasser Deines Brunnquells; wir sind krank und schmachten&lt;br /&gt;
nach einer Arznei. Wir wandeln auf Deinem Pfad und haben kein anderes&lt;br /&gt;
Ziel, keine Sehnsucht, als Deine Düfte zu verbreiten, auf daß alle Seelen&lt;br /&gt;
den Ruf anstimmen: „O Gott! Führe uns auf den geraden Pfad!“ Laß sie&lt;br /&gt;
die Augen öffnen, wenn sie das Licht erschauen, und sich befreien vom&lt;br /&gt;
Dunkel der Unwissenheit! Gib, daß sie die Lampe der Führung umkreisen!&lt;br /&gt;
Laß den Mittellosen ihren Anteil zukommen und die Beraubten mit den&lt;br /&gt;
Geheimnissen vertraut werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Allmächtiger! Schaue auf uns mit dem Auge der Barmherzigkeit!&lt;br /&gt;
Gewähre uns himmlische Bestätigung! Segne uns mit dem Odem des&lt;br /&gt;
Heiligen Geistes, auf daß uns in unserem Dienen geholfen werde und wie&lt;br /&gt;
strahlende Sterne wir diese Lande erleuchten mit dem Lichte der Füh-&lt;br /&gt;
rung! Wahrlich, Du bist der Kraftvolle, der Mächtige, und Du bist der&lt;br /&gt;
Weise und der Sehende!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
2. Februar 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1381&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1382|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=60}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Freunde und die Dienerinnen des Barmherzigen in&lt;br /&gt;
den südlichen Staaten (der USA).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit ihnen!&lt;br /&gt;
O ihr Herolde des Reiches Gottes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst vor wenigen Tagen ging ein Brief an jene Gläubigen Gottes ab,&lt;br /&gt;
aber weil heuer die Tage des Nawrüz sind, kamt ihr mir in den Sinn, und&lt;br /&gt;
ich sende euch meine Grüße zu diesem erhabenen Fest. Alle Tage sind&lt;br /&gt;
gesegnet, aber dieses Fest ist das Nätionalfest Persiens. Die Perser be-&lt;br /&gt;
gehen es seit einigen tausend Jahren. In Wirklichkeit ist jeder Tag, den&lt;br /&gt;
der Mensch damit verbringt, Gottes zu gedenken, die Düfte Gottes zu ver-&lt;br /&gt;
breiten und das Volk zum Reiche Gottes zu rufen, ein Festtag für ihn.&lt;br /&gt;
Preis sei Gott, daß ihr im Dienste an Seinem Königreich und in der Ver-&lt;br /&gt;
kündung der Religion Gottes Tag und Nacht tätig seid. Darum sind alle&lt;br /&gt;
eure Tage Festtage. Es ist kein Zweifel, daß euch die Hilfe und der Segen&lt;br /&gt;
Gottes zuteil werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den südlichen der Vereinigten Staaten, in Delaware, Maryland, Vir-&lt;br /&gt;
ginia, West-Virgina, North Carolina, South Carolina, Georgia, Florida, Ala-&lt;br /&gt;
bama, Mississippi, Tennessee, Kentucky, Louisiana, Arkansas, Oklahoma und&lt;br /&gt;
Texas gibt es erst wenige Freunde. Darum müßt ihr euch selber auf-&lt;br /&gt;
machen oder eine Anzahl gesegneter Seelen aussenden in diese Staaten,&lt;br /&gt;
damit sie die Menschen zum Reich des Himmels führen. Eine der heiligen&lt;br /&gt;
Manifestationen wandte sich einmal an eine gläubige Seele und sprach:&lt;br /&gt;
„Wenn jemand zur Quelle der Erleuchtung für eine Seele wird, so ist dies&lt;br /&gt;
besser als ein unermeßlich großer Schatz.“ Und wiederum sagte Er:&lt;br /&gt;
„O ‘Ali! Wenn Gott durch dich eine Seele führt, so ist das besser für dich&lt;br /&gt;
als alle Reichtümer!“ Und weiter sprach Er: „Führe uns auf den geraden&lt;br /&gt;
Pfad!“, das heißt: Zeige uns den rechten Weg. Dies ist auch im Evange-&lt;br /&gt;
lium erwähnt: „Ziehet hin in alle Welt und verkündet die frohe Botschaft&lt;br /&gt;
von der Ankunft des Reiches Gottes.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, ich hoffe, ihr werdet in dieser Hinsicht größten Einsatz&lt;br /&gt;
und Edelmut entfalten. Es ist sicher, daß ihr dabei unterstützt und be-&lt;br /&gt;
stätigt werdet. Wer die frohen Botschaften vom Erscheinen der Wirklich-&lt;br /&gt;
keiten und Bedeutungen des Reiches Gottes kundtut, der gleicht einem&lt;br /&gt;
Bauern, welcher reine Saaten auf reichen Boden aussät. Die Wolke des&lt;br /&gt;
Frühlings wird die Schauer der Freigebigkeit darauf ergießen, und&lt;br /&gt;
zweifellos wird das Ansehen des Bauern bei seinem Dorfherrn steigen,&lt;br /&gt;
und viele Ernten werden eingebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb, o ihr Freunde Gottes, würdigt den Wert dieser Stunde und&lt;br /&gt;
bemühet euch darum, die Saaten auszusäen, auf daß ihr den Segen des&lt;br /&gt;
Himmels und die Bestätigung des Herrn findet. Bahä Al-Abhä sei mit&lt;br /&gt;
euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
27. März 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1382&lt;br /&gt;
{{page|1383|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=61}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barm-&lt;br /&gt;
herzigen in den südlichen Staaten (der USA).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Al-Abhä sei mit ihnen!&lt;br /&gt;
O ihr gesegneten, geschätzten Seelen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Philosophen der Alten, die Denker des Mittelalters und die Wissen-&lt;br /&gt;
schaftler dieses und des vorigen Jahrhunderts waren sich alle darüber&lt;br /&gt;
einig, daß der geeignetste, der ideale Bezirk für den Wohnsitz des Men-&lt;br /&gt;
schen die gemäßigte Zone ist, denn in diesem Gürtel entwickelt sich das&lt;br /&gt;
Denken und der Intellekt des Menschen zur höchsten Reife, und das Ver-&lt;br /&gt;
mögen und die Fähigkeit zur Zivilisation offenbaren sich dort in voller&lt;br /&gt;
Blüte. Wenn ihr die Geschichte kritisch und mit durchdringendem Auge&lt;br /&gt;
leset, dann wird euch klar, daß die meisten berühmten Menschen in der&lt;br /&gt;
gemäßigten Zone geboren wurden, dort aufwuchsen und ihre Taten voll-&lt;br /&gt;
brachten, während nur sehr wenige aus den heißen und den kalten Zonen&lt;br /&gt;
stammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen die sechzehn Südstaaten der Vereinigten Staaten in der ge-&lt;br /&gt;
mäßigten Zone, und in diesen Gebieten haben sich die Vollkommenheiten&lt;br /&gt;
der stofflichen Welt voll entfaltet. Denn mildes Wetter, eine schöne Um-&lt;br /&gt;
gebung und die geographische Gestalt eines Landes üben großen Einfluß&lt;br /&gt;
auf die Welt des Gemüts und der Gedanken. Diese Ta*sache ist reich&lt;br /&gt;
belegt durch Beobachtung und Erfahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade die heiligen Manifestationen Gottes waren von höchst ausge-&lt;br /&gt;
glichenem Wesen; ihre Gesundheit und ihr leibliches Befinden waren&lt;br /&gt;
überaus vollkommen, ihr Körperbau ausgestattet mit physischer Stärke,&lt;br /&gt;
ihre Kräfte arbeiteten in bester Ordnung, ihre äußeren Empfindungen&lt;br /&gt;
waren verknüpft mit inneren Wahrnehmungen; beide wirkten mit außer-&lt;br /&gt;
ordentlicher Schwungkraft in völliger Abstimmung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil diese sechzehn Staaten an andere Länder stoßen und weil ihr&lt;br /&gt;
Klima besonders gemäßigt ist, müssen sich in ihnen die göttlichen Lehren&lt;br /&gt;
in hellerem Glanz offenbaren, der Odem des Heiligen Geistes muß dort&lt;br /&gt;
eine durchdringende Stärke entfalten, das Meer der Liebe Gottes muß&lt;br /&gt;
höhere Wellen schlagen, der Hauch aus dem Rosengarten der göttlichen&lt;br /&gt;
Liebe muß dort rascher ausströmen und die Düfte der Heiligkeit müssen&lt;br /&gt;
sich schnell und ungestüm ausbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott, die göttlichen Ausgießungen sind grenzenlos, die Melodie&lt;br /&gt;
der Grundsätze des Herrn ist von höchster Wirkung, die größte Sonne&lt;br /&gt;
erstrahlt in vollkommenem Glanz, die höchsten Heerscharen greifen an&lt;br /&gt;
mit unbesiegbarer Macht, die Zungen sind schärfer als Schwerter, die&lt;br /&gt;
Herzen strahlender als das elektrische Licht, der Edelmut der Freunde&lt;br /&gt;
übertrifft denjenigen aller früheren und kommenden Geschlechter, die&lt;br /&gt;
Seelen sind hingezogen zum Göttlichen und das Feuer der Liebe Gottes&lt;br /&gt;
ist entzündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute und in diesem Zeitabschnitt müssen wir uns die besonders gün-&lt;br /&gt;
stige Gelegenheit zunutze machen. Wir dürfen nicht für einen Augenblick&lt;br /&gt;
untätig dasitzen; wir müssen uns loslösen von aller Behaglichkeit, von&lt;br /&gt;
Rast und Ruhe, von Wohlstand, Eigentum, Leben und der Bindung an das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1383&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1384|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=62}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stoffliche. Wir müssen alles Seiner Erhabenheit, dem Herrn über alles&lt;br /&gt;
Sein, opfern, damit die Kräfte des Königreiches alles durchdringen und&lt;br /&gt;
Sein Strahlenglanz in diesem neuen Zeitalter die Welten der Gemüter&lt;br /&gt;
und der Ideale erleuchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist etwa dreiundzwanzig Jahre her, daß die Düfte Gottes in Amerika&lt;br /&gt;
verbreitet wurden, aber es hat sich keine entsprechende Bewegung er-&lt;br /&gt;
geben, und kein großer Beifall, keine beschleunigte Ausbreitung konnten&lt;br /&gt;
beobachtet werden. Nun hege ich die Hoffnung, daß durch die himmlische&lt;br /&gt;
Macht, durch die Düfte des Barmherzigen, durch die Anziehungskraft&lt;br /&gt;
eures Bewußtseins, durch die göttlichen Ausgießungen, durch die himm-&lt;br /&gt;
lischen Heerscharen und durch die Ströme aus dem Springquell göttlicher&lt;br /&gt;
Liebe die Gläubigen Gottes sich aufmachen, daß binnen kurzem die&lt;br /&gt;
größte Gabe Gottes ihr Antlitz entschleiere und die Sonne der Wirklich-&lt;br /&gt;
keit mit solcher Leuchtkraft erstrahle, daß das Dunkel der stofflichen&lt;br /&gt;
Welt völlig verjagt und vertrieben wird. Aus allen Ecken muß eine wun-&lt;br /&gt;
derbare Weise erklingen, die Vögel der Morgenfrühe müssen solch ein&lt;br /&gt;
Lied anstimmen, daß die Menschenwelt bewegt und begeistert wird, die&lt;br /&gt;
festen Körper müssen zerschmelzen, und die Seelen, die diamantharten&lt;br /&gt;
Felsen gleichen, müssen ihre Schwingen entfalten und in der Glut der&lt;br /&gt;
Liebe Gottes himmelwärts fliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor nahezu zweitausend Jahren war Armenien von undurchdringlichem&lt;br /&gt;
Dunkel umhüllt. Eine gesegnete Seele aus der Schar der Jünger Christi&lt;br /&gt;
eilte in diese Provinz, und durch ihren Einsatz wurde das Land binnen&lt;br /&gt;
kurzem erleuchtet. So wurde offenbar, wie die Macht des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum bleibet der Bestätigung des Barmherzigen und der Hilfe des&lt;br /&gt;
Höchsten versichert, werdet geheiligt und gereinigt von dieser Welt und&lt;br /&gt;
ihren Bewohnern, laßt euer Vorhaben allen zunutze sein, löst euch aus der&lt;br /&gt;
Bindung an das Irdische und werdet so licht und fein wie Geistwesen.&lt;br /&gt;
Mit fester Entschlossenheit, mit reinem Herzen, mit frohem Mut und be-&lt;br /&gt;
redter Zunge widmet sodann eure Zeit der Verbreitung der göttlichen&lt;br /&gt;
Lehrsätze, auf daß die Einheit der Menschenwelt ihren Baldachin über&lt;br /&gt;
den Zinnen Amerikas ausbreite und alle Nationen der Welt die Göttliche&lt;br /&gt;
Politik befolgen. Es ist gewiß, daß die Göttliche Politik Gerechtigkeit und&lt;br /&gt;
Güte für die ganze Menschheit bedeutet. Denn alle Völker der Welt sind&lt;br /&gt;
die Schafe Gottes, und Gott ist der gütige Hirte. Er hat diese Schafe er-&lt;br /&gt;
schaffen. Er hat sie beschützt, ernährt und erzogen. Gibt es größere Güte&lt;br /&gt;
als dies? Und mit jedem Atemzug müssen wir hunderttausendfachen&lt;br /&gt;
Dank sagen dafür, daß wir, Gott sei gelobt, frei wurden von all den un-&lt;br /&gt;
wissenden Vorurteilen, daß wir liebreich sind zu allen Schafen Gottes,&lt;br /&gt;
daß es unser größtes Ziel ist, ihnen allen zu dienen und ein jedes zu er-&lt;br /&gt;
ziehen wie ein liebender Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* x %*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Seele, die durch die Städte, Dörfer und Weiler jener Staaten reist&lt;br /&gt;
und sich um die Verbreitung der Düfte Gottes müht, sollte dieses Gebet&lt;br /&gt;
alle Morgen sorgsam lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1384&lt;br /&gt;
{{page|1385|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=63}}O Gott! O Gott! Schaue herab auf mich! Trotz meiner Niedrigkeit,&lt;br /&gt;
meiner Unwissenheit und Unfähigkeit habe ich mich entschlossen, größte&lt;br /&gt;
Taten zu vollbringen mit dem Ziel, Dein Wort in diesen Ländern zu&lt;br /&gt;
fördern und Deine Lehren unter der ganzen Menschheit zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Ferne sei es mir, in dieser Arbeit anders bestätigt zu werden als durch&lt;br /&gt;
Deine Hilfe mit dem Odem des Heiligen Geistes! Mache mich siegreich&lt;br /&gt;
durch die Streitmacht Deines höchsten Königreiches und umgib mich mit&lt;br /&gt;
Deinen Bestätigungen, die die Motte zu einem Adler machen, den Tropfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu einem Strom und einem Meer und das Fünkchen zu Sonnen und&lt;br /&gt;
Monden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Bestätige mich mit Deiner unüberwindlichen Macht und Deiner&lt;br /&gt;
alldurchdringenden Kraft, auf daß meine Zunge Deinen Ruhm und Preis&lt;br /&gt;
unter Deinen Geschöpfen verkünde und mein Herz überströme vom Wein&lt;br /&gt;
Deiner Liebe und Erkenntnis. Wahrlich, Du bist kraftvoll zu tun, was Du&lt;br /&gt;
willst, und Du bist mächtig über alle Dinge!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
3. Februar 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
x x x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barmher-&lt;br /&gt;
zigen in den Staaten des Mittelwestens (der USA).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr himmlischen Seelen, o ihr Geistigen Räte, o ihr Versammlungen&lt;br /&gt;
des Herrn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Briefwechsel hat sich eine zeitlang verzögert, und zwar weil&lt;br /&gt;
Schwierigkeiten beim Versand und Empfang von Briefen entstanden&lt;br /&gt;
waren. Aber nun ergeben sich einige Möglichkeiten; darum bin ich dabei,&lt;br /&gt;
dieses kurze Schreiben an euch aufzusetzen, weil mein Herz und meine&lt;br /&gt;
Seele in Duft und Freude sind, wenn ich der Freunde gedenke. Ständig&lt;br /&gt;
betet und fleht dieser Wanderer an der Schwelle Seiner Heiligkeit des&lt;br /&gt;
Einen und bittet um Hilfe, Segen und himmlische Bestätigung für die&lt;br /&gt;
Gläubigen. Ihr seid immer in meinen Gedanken. Ihr seid nicht vergessen&lt;br /&gt;
und werdet es niemals sein. Ich hoffe, daß ihr durch die Gunst Seiner&lt;br /&gt;
Heiligkeit des Allmächtigen Tag für Tag wachset im Glauben, in Gewiß-&lt;br /&gt;
heit, Festigkeit und Standhaftigkeit, und daß ihr zu Werkzeugen für die&lt;br /&gt;
Förderung der Heiligen Sache werdet. In dem großen Buch, dem göttlichen&lt;br /&gt;
Qur’än, wendet sich Gott an Seinen Boten, Seine Heiligkeit Muhammad&lt;br /&gt;
— Gruß und Ehre sei mit Ihm! — und spricht: „Wahrlich, Du führst das&lt;br /&gt;
Volk auf den geraden Pfad.“ Mit anderen Worten: Du zeigst der Mensch-&lt;br /&gt;
heit den rechten Weg. Bedenket, was für eine unendlich wichtige Sache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Führung ist; denn sie weist auf die Erhabenheit der Stufe Seiner&lt;br /&gt;
Heiligkeit des Gottesboten hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es auch in den Staaten Illinois, Wisconsin, Ohio, Michigan und&lt;br /&gt;
Minnesota — Gott sei gelobt — Gläubige gibt, die in größter Festigkeit&lt;br /&gt;
und Standhaftigkeit miteinander vereint sind — Tag und Nacht haben sie&lt;br /&gt;
kein anderes Ziel als die Verbreitung der Düfte Gottes, kein anderes&lt;br /&gt;
Sehnen als die Förderung der himmlischen Lehren; wie Kerzen sind sie&lt;br /&gt;
entflammt im Lichte der Liebe Gottes, und wie dankerfüllte Vögel singen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1385&lt;br /&gt;
{{page|1386|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=64}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie begeisternde, freudespendende Weisen im Rosengarten der Erkenntnis&lt;br /&gt;
Gottes — so sind doch in den Staaten Indiana, Iowa, Missouri, Nord-&lt;br /&gt;
Dakota, Süd-Dakota, Nebraska und Kansas der Gläubigen nur wenige zu&lt;br /&gt;
finden. Bisher wurde in diesen Staaten der Ruf zum Reiche Gottes und&lt;br /&gt;
die Verkündung der Einheit der Menschenwelt noch nicht planmäßig und&lt;br /&gt;
begeistert verwirklicht. Gesegnete Seelen und losgelöste Lehrer sind noch&lt;br /&gt;
nicht mehrmals durch diese Gegenden gereist; darum befinden sich diese&lt;br /&gt;
Staaten noch im Zustand der Achtlosigkeit. Durch die Anstrengungen der&lt;br /&gt;
Freunde Gottes müssen auch in diesen Staaten Seelen vom Feuer der&lt;br /&gt;
Liebe zu Gott erfaßt und zum Reiche Gottes hingezogen werden, damit&lt;br /&gt;
auch dieser Bezirk erleuchtet werde und der die Seelen erfüllende Hauch&lt;br /&gt;
aus dem Rosengarten des Königreiches seinen Bewohnern durch die Nase&lt;br /&gt;
zieht. Darum entsendet, wenn es möglich ist, in diese Gebiete Lehrer, die&lt;br /&gt;
von allem außer Gott losgelöst, rein und geheiligt sind. Wenn von diesen&lt;br /&gt;
Lehrern stärkste Anziehungskraft ausgeht, dann werden sich in kurzer&lt;br /&gt;
Zeit große Erfolge zeigen. Die Söhne und Töchter des Königreiches glei-&lt;br /&gt;
chen wahrhaften Bauern. Durch welchen Staat und durch welches Land&lt;br /&gt;
sie auch ziehen, überall beweisen sie ihre Selbstaufopferung und säen&lt;br /&gt;
göttliche Saaten. Diese Aussaat bringt Ernten hervor. Über dieses Thema&lt;br /&gt;
ist im ruhmreichen Evangelium offenbart: Wenn reine Saaten auf guten&lt;br /&gt;
Boden gesät werden, wird sich himmlischer Segen einstellen. Ich hoffe,&lt;br /&gt;
daß ihr unterstützt und bestätigt werdet und nie den Mut verlieret, die&lt;br /&gt;
göttlichen Lehren zu fördern. Möget ihr Tag für Tag eure Bemühungen,&lt;br /&gt;
eure Anstrengungen und euren Edelmut steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
29. März 1916&lt;br /&gt;
xx *&lt;br /&gt;
An die Gläubigen und die Dienerinnen Gottes in den Staa-&lt;br /&gt;
ten des Mittelwestens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Al-Abhä sei mit ihnen!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott spricht im erhabenen Qur’än: „Er auserwählt für Seine Gnade,&lt;br /&gt;
wen immer er will.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr alten Gläubigen und vertrauten Freunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene zwölf Staaten in der Mitte der Vereinigten Staaten sind gleichsam&lt;br /&gt;
das Herz Amerikas, und das Herz ist mit allen Organen und Gliedern des&lt;br /&gt;
Menschen verbunden. Wird das Herz gekräftigt, so sind alle Organe des&lt;br /&gt;
Körpers neu gestärkt, und ist das Herz schwach, dann sind alle Teile des&lt;br /&gt;
Körpers matt und kraftlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, Gott sei Dank, Chikago und seine Umgebung waren von jeher ein&lt;br /&gt;
starkes Herz, seitdem die Düfte Gottes verbreitet wurden. Darum wurde&lt;br /&gt;
diese Stadt durch die göttliche Gunst und Vorsehung in gewissen bedeut-&lt;br /&gt;
samen Dingen bestätigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens: Der Ruf zum Reiche Gottes wurde zuallererst von Chikago aus&lt;br /&gt;
erhoben. Dies ist ein großes Vorrecht; in fernen Jahrhunderten und Zeit-&lt;br /&gt;
altern wird es wie eine Achse sein, um die sich die Ehre Chikagos dreht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1386&lt;br /&gt;
{{page|1387|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=65}}Zweitens: In diesem gesegneten Fleck erhob sich eine Anzahl Seelen in&lt;br /&gt;
größter Festigkeit und Standhaftigkeit, um das Wort Gottes zu fördern;&lt;br /&gt;
sie reinigten und heiligten ihr Herz von jedem anderen Gedanken, und bis&lt;br /&gt;
auf den heutigen Tag gaben sie sich der Verbreitung der Lehren Gottes&lt;br /&gt;
hin. Darüber erhob sich bei den höchsten Heerscharen unablässiger Jubel&lt;br /&gt;
und Preis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens: Während seiner Amerikareise kam ‘Abdu’l-Bahá mehrere&lt;br /&gt;
Male durch Chikago und traf dort mit den Freunden Gottes zusammen.&lt;br /&gt;
Für einige Zeit verweilte er in jener Stadt. Tag und Nacht war er damit&lt;br /&gt;
beschäftigt, von dem Einen Wahren zu künden und das Volk zum Reiche&lt;br /&gt;
Gottes zu rufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viertens: Bis auf den heutigen Tag wirkte eine jede Bewegung, die von&lt;br /&gt;
Chikago ausging, weithin in alle Richtungen und über alle Teile des Lan-&lt;br /&gt;
des, genauso wie alles, was vom Herzen aus auftritt und sich offenbart,&lt;br /&gt;
alle Organe und Glieder des Körpers beeinflußt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünftens: Der erste Mashriqu’l-Adhkär von Amerika wurde in Chikago&lt;br /&gt;
begründet, und diese Ehre und Auszeichnung ist von unendlichem Wert.&lt;br /&gt;
Zweifellos werden aus diesem Mashriqul-Adhkär Tausende weiterer&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkärs hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso (wurden in Chikago begründet) die allgemeine Jahrestagung,&lt;br /&gt;
die Stiftung des „Star of the West“, die Verlagsgesellschaft für die Ver-&lt;br /&gt;
öffentlichung von Büchern und Sendschreiben und für deren Verbreitung&lt;br /&gt;
über ganz Amerika sowie die Vorbereitungen, die jetzt getroffen werden,&lt;br /&gt;
für die Feier des hundertjährigen Jubiläums des Reiches Gottes. Ich hoffe,&lt;br /&gt;
daß dieses Jubiläum und die Ausstellung in höchster Vollendung gefeiert&lt;br /&gt;
werden, auf daß der Ruf zu einer Welt der Einheit erschalle: „Es gibt&lt;br /&gt;
keinen Gott als den einen Gott, und alle Seine Boten vom Anbeginn an&lt;br /&gt;
bis auf das Siegel der Propheten (Muhammad) wurden von dem Einen&lt;br /&gt;
Wahren ausgesandt!“, auf daß das Banner der Einheit der Menschenwelt&lt;br /&gt;
entfaltet werde, das Lied des allumspannenden Friedens die Ohren des&lt;br /&gt;
Ostens und des Westens erreiche, damit alle Wege gesäubert und be-&lt;br /&gt;
gradigt werden, alle Herzen sich hingezogen fühlen zum Reiche Gottes,&lt;br /&gt;
damit das Tabernakel der Einheit über den Zinnen Amerikas errichtet&lt;br /&gt;
werde, die Gesänge der Liebe Gottes alle Völker und Nationen erheitern&lt;br /&gt;
und erfreuen, damit das ganze Erdenrund zum ewigen Paradiese werde,&lt;br /&gt;
die dunklen Wolken sich zerstreuen und die Sonne der Wahrheit mit&lt;br /&gt;
hellem Licht erstrahle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Freunde Gottes! Bemühet euch mit Herz und Seele, auf daß Ver-&lt;br /&gt;
bundenheit, Liebe, Einheit und Einmütigkeit zwischen den Herzen er-&lt;br /&gt;
wachsen, auf daß alle Ziele in dem einen Ziel aufgehen, alle Lieder zu&lt;br /&gt;
einem Lied werden und die Kraft des Heiligen Geistes überwältigend&lt;br /&gt;
siegreich werde und alle Mächte der stofflichen Welt überwinde. Arbeitet!&lt;br /&gt;
Dies ist die große Arbeit, möget ihr darin bestärkt werden. So möge&lt;br /&gt;
Amerika der Stützpunkt der Aufnahmebereitschaft für die Gnadengaben&lt;br /&gt;
werden, der Thron des Reiches Gottes möge auf Erden errichtet werden&lt;br /&gt;
in großer Freude und Herrlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Augenblick ist diese äußerliche Welt dem Wandel unterworfen.&lt;br /&gt;
Mit jeder Sekunde ist sie neuem Wechsel, neuer Veränderung ausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1387&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1388|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=66}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Einrichtung wird schließlich zusammenbrechen; jeder Ruhm, jeder&lt;br /&gt;
Glanz wird letztlich verschwinden und vergehen. Nur das Reich Gottes ist&lt;br /&gt;
ewig, und die himmlische Erhabenheit und Herrschaft wird fest begründet&lt;br /&gt;
sein für alle Zeit. Darum schätzt der Weise die Strohmatte im Reiche&lt;br /&gt;
Gottes höher ein als den Thron der Regentschaft über die ganze Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ständig sind mein Auge und mein Ohr auf die Staaten des Mittel-&lt;br /&gt;
westens gerichtet; vielleicht könnte das Lied einiger gesegneter Seelen&lt;br /&gt;
mein Ohr erreichen, Seelen, die die Dämmerorte der Liebe Gottes sind,&lt;br /&gt;
die Sterne am Himmel der Heiligung und Weihe, Seelen, die dieses dunkle&lt;br /&gt;
All erleuchten und diese tote Welt zum Leben erwecken. Die Freude&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás hängt hiervon ab! Ich hoffe, daß ihr darin bestätigt werdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher müssen jene Seelen, die auf der Stufe völliger Loslösung stehen,&lt;br /&gt;
geläutert von den Mängeln der stofflichen Welt, geheiligt von der Bindung&lt;br /&gt;
an diese Erde, belebt mit dem Odem ewigen Lebens, mit strahlenden&lt;br /&gt;
Herzen begabt, mit himmlischem Geist, mit anziehendem Bewußtsein, mit&lt;br /&gt;
überirdischem Edelmut, mit beredter Zunge und mit klaren Auslegungen&lt;br /&gt;
— solche Seelen müssen sich eilen und durch alle Teile des Mittelwestens&lt;br /&gt;
reisen. In jeder Stadt und in jedem Dorf müssen sie sich damit befassen,&lt;br /&gt;
die göttlichen Ermahnungen und Ratschläge zu verbreiten, die Seelen zu&lt;br /&gt;
führen und die Einheit der Menschenwelt zu fördern. Sie müssen die&lt;br /&gt;
Weise der internationalen Versöhnung spielen mit solcher Kraft, daß alle&lt;br /&gt;
Tauben hören, alle Erloschenen erglühen, alle Toten zu neuem Leben er-&lt;br /&gt;
wachen und alle Teilnahmslosen begeistert werden. Dies ist fürwahr die&lt;br /&gt;
höchste Erfüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* ok x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Düfte Gottes verbreitet, der möge jeden Morgen das folgende&lt;br /&gt;
Gebet sorgsam lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! O Herr! Preis und Dank sei Dir, denn Du hast mich auf die&lt;br /&gt;
Straße des Königreiches geführt. Du läßt mich wandeln auf diesem gera-&lt;br /&gt;
den und weitreichenden Pfad, Du erleuchtest mein Auge mit Deinem&lt;br /&gt;
Licht, läßt mich den Liedern der heiligen Vögel aus dem Reiche der Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse lauschen und fesselst mein Herz in Deiner Liebe zu den Recht-&lt;br /&gt;
schaffenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Bestätige mich durch den Heiligen Geist, daß ich in Deinem&lt;br /&gt;
Namen die Völker rufe und die frohen Botschaften von der Offenbarung&lt;br /&gt;
Deines Königreiches der Menschheit verkünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Ich bin schwach, stärke mich mit Deiner Kraft und Macht.&lt;br /&gt;
Meine Zunge stockt, laß mich Deiner gedenken und dich preisen. Ich bin&lt;br /&gt;
verlassen, tröste mich und laß mich eintreten in Dein Reich. Ich bin fern&lt;br /&gt;
von Dir, laß mich der Schwelle Deiner Gnade näher kommen. O Herr!&lt;br /&gt;
Mache mich zu einer hellen Leuchte, einem strahlenden Stern und einem&lt;br /&gt;
gesegneten Baum, geschmückt mit Früchten und Zweigen, die alle diese&lt;br /&gt;
Gefilde überschatten. Wahrlich, Du bist der Mächtige, der Kraftvolle und&lt;br /&gt;
der Unbegrenzte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
8. Februar 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= x: %*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1388&lt;br /&gt;
{{page|1389|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=67}}An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barm-&lt;br /&gt;
herzigen in den westlichen Staaten (der USA)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Söhne und Töchter des Königreiches!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht befasse ich mich mit nichts anderem als dem Gedenken&lt;br /&gt;
an die Freunde, und ich bete aus der Tiefe meines Herzens für sie. Ich&lt;br /&gt;
flehe um ihre Bestätigung aus dem Reiche Gottes und bitte, daß der Odem&lt;br /&gt;
des Heiligen Geistes unmittelbar auf sie wirke. Die Gunst Seiner Erha-&lt;br /&gt;
benheit, des Herrn der Segengaben, läßt mich hoffen, daß die Freunde&lt;br /&gt;
Gottes in einer Zeit wie der heutigen zur geheimen Quelle der Erleuch-&lt;br /&gt;
tung für die Menschenherzen werden, daß sie den Odem des Lebens den&lt;br /&gt;
Geistern einhauchen und daß solche preiswürdigen Erfolge der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zu ewigem Ruhm und zu unvergänglicher Herrlichkeit gereichen. In&lt;br /&gt;
einigen der westlichen Staaten — wie etwa in Kalifornien, Oregon,&lt;br /&gt;
Washington und Colorado — wurden die Düfte der Heiligkeit verbreitet,&lt;br /&gt;
zahlreiche Seelen haben dort ihr Teil aus der Quelle ewigen Lebens ge-&lt;br /&gt;
nommen, haben himmlische Segnungen empfangen, haben einen über-&lt;br /&gt;
strömenden Kelch vom Weine der Liebe Gottes getrunken und der Weise&lt;br /&gt;
der höchsten Heerscharen gelauscht — aber in den Staaten Neu-Mexiko,&lt;br /&gt;
Wyoming, Montana, Idaho, Utah, Arizona und Nevada wurde das Licht&lt;br /&gt;
der Liebe Gottes noch nicht auf hinreichende und passende Art entzündet,&lt;br /&gt;
und der Ruf zum Reiche Gottes ist noch nicht erklungen. Nun, wenn es&lt;br /&gt;
möglich ist, dann gebt euch Mühe in dieser Hinsicht. Reiset entweder&lt;br /&gt;
selbst durch alle diese Staaten oder erwählet andere und schickt sie hin,&lt;br /&gt;
damit sie die Seelen lehren. Jetzt sind diese Staaten wie tote Körper; die&lt;br /&gt;
Lehrer müssen ihnen den Odem des Lebens einhauchen und sie mit&lt;br /&gt;
himmlischem Geiste segnen. Wie die Sterne müssen sie dort am Himmel&lt;br /&gt;
glänzen, auf daß die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit auch jene&lt;br /&gt;
Staaten erleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott spricht im erhabenen Qur’än: „Wahrlich, Gott ist der Helfer derer,&lt;br /&gt;
die Glauben haben. Er wird sie aus der Finsternis ins Licht führen.“ Dies&lt;br /&gt;
bedeutet: Gott liebt die Gläubigen, folglich wird er sie aus dem Dunkel&lt;br /&gt;
befreien und sie in die Welt des Lichtes bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht auch geschrieben im gesegneten Evangelium: „Ziehet hin in&lt;br /&gt;
alle Welt und rufet das Volk zum Reiche Gottes.“ Jetzt ist die Zeit ge-&lt;br /&gt;
kommen, da ihr euch aufmachen solltet, diesen größten Dienst zu erweisen&lt;br /&gt;
und für unzählige Seelen zur Quelle der Führung zu werden. So mögen&lt;br /&gt;
durch diesen übermenschlichen Dienst die Strahlen des Friedens und der&lt;br /&gt;
Versöhnung alle Lande erhellen und erleuchten, auf daß die Menschen-&lt;br /&gt;
welt Ruhe und Frieden finde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meines Aufenthalts in Amerika erhob ich meine Stimme in&lt;br /&gt;
jeder Versammlung und rief die Menschen auf, die Ideale des allum-&lt;br /&gt;
fassenden Friedens zu verbreiten. Ich sagte offen, daß der Erdteil Europa&lt;br /&gt;
zu einem Waffenarsenal geworden sei, das mit einem einzigen Funken in&lt;br /&gt;
die Luft gehen könne, und daß in den folgenden Jahren, oder innerhalb&lt;br /&gt;
zweier Jahre, alles, was in der Offenbarung des Johannes und im Buche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1389&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1390|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=68}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel geschrieben steht, eintreffe und in Erfüllung gehe. Diese Äußerung&lt;br /&gt;
wurde aller Wahrscheinlichkeit nach im „San Francisco Bulletin“ vom&lt;br /&gt;
12. Oktober 1912 veröffentlicht. Ihr könnt sie dort nachlesen, damit die&lt;br /&gt;
Wahrheit klar und offenbar werde; so möget ihr euch voll bewußt wer-&lt;br /&gt;
den, daß es heute wirklich an der Zeit ist, die Düfte zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Edelmut des Menschen muß himmlischer Natur sein, oder mit ande-&lt;br /&gt;
ren Worten: Er muß Hand in Hand gehen mit göttlicher Bestätigung, auf&lt;br /&gt;
daß ihr zur Quelle der Erleuchtung für die Menschheit werdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
1. April 1916&lt;br /&gt;
x +&lt;br /&gt;
An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barm-&lt;br /&gt;
herzigen in den westlichen der Vereinigten Staaten: in Neu-&lt;br /&gt;
Mexiko, Colorado, Arizona, Nevada, Kalifornien, Wyoming,&lt;br /&gt;
Montana, Idaho, Oregon, Washington und Utah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Al-Abhä sei mit ihnen!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Freunde und Dienerinnen des Barmherzigen, ihr Auserwählten&lt;br /&gt;
des Königreiches!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gesegnete Staat Kalifornien ist dem heiligen Lande, das heißt Palä-&lt;br /&gt;
stina, sehr ähnlich. Die Luft ist außergewöhnlich milde, die Ebene weit&lt;br /&gt;
ausgebreitet, und die Früchte Palästinas sind in jenem Land in herrlicher&lt;br /&gt;
Frische und Köstlichkeit anzutreffen. Als ‘Abdu’l-Bahá durch jene Staaten&lt;br /&gt;
reiste, da wähnte er sich in Palästina, denn jeder Fleck Erde dort glich&lt;br /&gt;
der Gegend hier aufs Haar. Die Küsten des Stillen Ozeans sind in einigen&lt;br /&gt;
Fällen das vollkommene Ebenbild der Gestade des Heiligen Landes, sogar&lt;br /&gt;
die Pflanzenwelt des Heiligen Landes wächst an jenen Ufern, und das&lt;br /&gt;
Studium dieser Zusammenhänge führte zu viel Nachsinnen und Ver-&lt;br /&gt;
wunderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch offenbaren sich in Kalifornien und in anderen westlichen Staaten&lt;br /&gt;
in der Welt der Natur wundervolle Szenen, die den Menschen ganz ver-&lt;br /&gt;
wirren. Himmelhohe Berge, tiefe Schluchten, große, majestätische Wasser-&lt;br /&gt;
fälle und riesige Bäume sind auf allen Seiten zu sehen, während der&lt;br /&gt;
Boden überaus reich und fruchtbar ist. Dieser gesegnete Staat ist dem&lt;br /&gt;
Heiligen Land ähnlich, diese Gegend, die einem köstlichen Paradiese&lt;br /&gt;
gleicht, stimmt in mancherlei Beziehung mit Palästina überein. Nun, wo&lt;br /&gt;
solche Übereinstimmung im Bereich der Natur besteht, da muß auch ein&lt;br /&gt;
himmlisches Ebenbild geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Palästina offenbart sich das Licht göttlicher Spuren. Die Mehrzahl&lt;br /&gt;
der jüdischen Propheten erhob den Ruf zum Reiche Gottes auf diesem&lt;br /&gt;
heiligen Boden. Und wie sich die geistigen Lehren ausbreiteten, erfüllten&lt;br /&gt;
sie den Atem der geistig Gesinnten und strahlten aus den Augen der er-&lt;br /&gt;
leuchteten Seelen; die Weisen Gottes klangen in den Ohren, die Herzen&lt;br /&gt;
erlangten ewiges Leben durch den seelenerfrischenden Hauch aus dem&lt;br /&gt;
Reiche Gottes und höchste Erleuchtung von den Strahlen der Sonne der&lt;br /&gt;
Wirklichkeit. Dann verbreitete sich das Licht aus dieser Gegend über&lt;br /&gt;
Europa, Amerika, Asien, Afrika und Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1390&lt;br /&gt;
{{page|1391|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=69}}Nun müssen Kalifornien und die anderen Staaten des Westens auch im&lt;br /&gt;
Geistigen dem Heiligen Lande ähnlich werden; aus dem Bereich dieser&lt;br /&gt;
Staaten muß sich der Hauch des Heiligen Geistes über alle Teile Amerikas&lt;br /&gt;
und Europas verbreiten, auf daß der Ruf zum Reiche Gottes alle Ohren&lt;br /&gt;
erheitere und erfreue, die göttlichen Grundsätze neues Leben spenden, die&lt;br /&gt;
verschiedenen Parteien eine Partei werden, die einander widersprechen-&lt;br /&gt;
den Ideen verschwinden und sich alle um ein einziges Sammellager&lt;br /&gt;
bewegen, auf daß der Osten und der Westen Amerikas sich umarmen, der&lt;br /&gt;
Weihesang der Einheit der Menschenwelt alle Menschenkinder neu belebe&lt;br /&gt;
und das Tabernakel allumfassenden Friedens über den Gipfeln Amerikas&lt;br /&gt;
errichtet werde. So mögen Europa und Afrika belebt werden durch den&lt;br /&gt;
Hauch des Heiligen Geistes, diese Welt eine andere Welt werden, der Kör-&lt;br /&gt;
per der Gesellschaft neu beschwingt werden, und wie in Kalifornien und&lt;br /&gt;
anderen Staaten des Westens im Reiche der Natur wunderbare Bilder in&lt;br /&gt;
Erscheinung treten, so sollen auch die großen Zeichen des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
enthüllt werden, damit der Körper mit dem Geiste übereinstimme, die&lt;br /&gt;
äußere Welt ein Gleichnis der inneren Welt und der Spiegel der Erde ein&lt;br /&gt;
Spiegel des Königreichs werde, der die vollkommenen Tugenden des&lt;br /&gt;
Himmels widerstrahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich durch jene Gegenden reiste, schaute ich die wundervollen Bilder&lt;br /&gt;
und herrlichen Panoramen der Natur: Obsthaine und Flüsse, National-&lt;br /&gt;
parks und Naturschutzgebiete, Wüsten, Ebenen, Weiden und Steppen; die&lt;br /&gt;
Getreidearten und die Vielfalt der Früchte fesselten meine Aufmerksam-&lt;br /&gt;
keit, und bis auf den heutigen Tag ist dies alles in meinen Gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders erfreuten mich aber die Versammlungen in San Franzisko,&lt;br /&gt;
Oakland und Los Angeles und die Gläubigen, die aus den Städten anderer&lt;br /&gt;
Staaten kamen. So oft ich mich ihrer Gesichter erinnere, werde ich un-&lt;br /&gt;
endlich glücklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum hege ich die Hoffnung, daß sich die göttlichen Lehren wie die&lt;br /&gt;
Strahlen der Sonne über alle Staaten des Westens ausbreiten und der&lt;br /&gt;
gesegnete Vers des Qur’än verwirklicht werde: „Es ist eine gute Stadt,&lt;br /&gt;
und der Herr ist der Vergebende!“ Ebenso möge sich die Bedeutung eines&lt;br /&gt;
anderen Verses des Qur’än strahlend offenbaren: „Wandert ihr nicht&lt;br /&gt;
durch das Land und sehet die Spuren der Gnade Gottes?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Gott! In jenem Bereich ist dank der freigiebigen Vorsehung&lt;br /&gt;
Gottes das Aufgabengebiet sehr weit, der Verstand der Menschen ist über-&lt;br /&gt;
aus aufgeweckt und fortschrittlich, Wissenschaften und Künste werden&lt;br /&gt;
gefördert, die Herzen sind wie Spiegel so rein und durchsichtig, und die&lt;br /&gt;
Freunde fühlen sich hingezogen zu Gott. Darum ist zu hoffen, daß Lehr-&lt;br /&gt;
versammlungen eingeleitet und veranstaltet werden, und daß weise&lt;br /&gt;
Lehrer in die Städte und auch in die Dörfer entsendet werden, um die&lt;br /&gt;
Düfte Gottes zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehrer der Sache müssen himmlisch, vornehm und strahlend sein.&lt;br /&gt;
Sie müssen verkörperter Geist, verwirklichte Vernunft sein und sich zum&lt;br /&gt;
Dienste erheben mit höchster Festigkeit, Standhaftigkeit und Selbstauf-&lt;br /&gt;
opferung. Auf ihren Reisen dürfen sie nicht an Nahrung und Kleidung&lt;br /&gt;
gebunden sein. Sie müssen ihre Gedanken sammeln auf die Ausgießungen&lt;br /&gt;
des Reiches Gottes und um die Bestätigung des heiligen Geistes bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1391&lt;br /&gt;
{{page|1392|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=70}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit göttlicher Kraft, mit fesselndem Bewußtsein, mit himmlischen frohen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Botschaften und in engelsgleicher Heiligkeit müssen sie den Hauch des&lt;br /&gt;
Paradieses Abhäs verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= x %*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Gebet sollen die Lehrer der Sache jeden Tag lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Dies ist ein Vogel mit gebrochenen Schwingen, der nur&lt;br /&gt;
langsam fliegen kann — stehe ihm bei, auf daß er sich erhebe zum Gipfel&lt;br /&gt;
des Glücks und des Heils, auf daß er seinen Weg ziehe durch den unend-&lt;br /&gt;
lichen Raum, in eitel Freude und Wonne, daß er in Deinem hehrsten&lt;br /&gt;
Namen sein Lied anstimme über allen Gefilden, die Ohren erheitere mit&lt;br /&gt;
seinem Ruf und die Augen erhelle mit dem Zeichen der Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Ich bin einsam, allein und gering. Für mich gibt es keinen Er-&lt;br /&gt;
halter außer Dir, keinen Helfer außer Dir, keinen Ernährer außer Dir.&lt;br /&gt;
Bestätige mich in Deinem Dienst, stehe mir bei mit den Scharen Deiner&lt;br /&gt;
Engel, mache mich siegreich in der Verbreitung Deines Wortes und lasse&lt;br /&gt;
mich Deine Weisheit unter Deinen Geschöpfen verkünden. Wahrlich, Du&lt;br /&gt;
bist der Hüter der Armen und der Verteidiger der Geringen, und wahr-&lt;br /&gt;
lich, Du bist der Kraftvolle, der Mächtige und der Unbegrenzte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
15. Februar 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*x x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barmher-&lt;br /&gt;
zigen in den Provinzen des Dominions Kanada.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Töchter und Söhne des Königreiches!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den meisten Staaten und Städten der Vereinigten Staaten sind —&lt;br /&gt;
gelobt sei Gott! — die Düfte Gottes verbreitet; ungezählte Seelen haben&lt;br /&gt;
ihr Antlitz auf das Reich Gottes gerichtet und nähern sich ihm; jedoch&lt;br /&gt;
in einigen der Staaten ist die Fahne der Einheit noch nicht so aufgerichtet,&lt;br /&gt;
wie es sein soll und muß, und die Geheimnisse der Heiligen Bücher, wie&lt;br /&gt;
etwa des Alten und des Neuen Testaments und des Qur’äns, sind nicht&lt;br /&gt;
verkündet. Durch den einmütigen Einsatz der Freunde muß das Banner&lt;br /&gt;
der Einheit in jenen Staaten entfaltet und die göttlichen Lehren müssen&lt;br /&gt;
so gefördert werden, daß auch diese Gebiete ihren Anteil an den himm-&lt;br /&gt;
lischen Gaben und der größten Führung erhalten. Ebenso steht es in den&lt;br /&gt;
Provinzen Kanadas, in Neufundland, auf der Prinz-Eduard-Insel, in Neu-&lt;br /&gt;
Schottland, Neu-Braunschweig, Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan,&lt;br /&gt;
Alberta, Britisch-Kolumbien, Ungava, Keewatin, Mackenzie, Yukon und&lt;br /&gt;
den Franklin-Inseln über dem Polarkreis: Die Gläubigen Gottes in den&lt;br /&gt;
Provinzen Kanadas müssen selbstaufopfernd und wie die Lichter der&lt;br /&gt;
Führung erleuchtet werden. Wenn sie solchen Edelmut an den Tag legen,&lt;br /&gt;
dann werden sie fürwahr umfassende göttliche Bestätigung erlangen, die&lt;br /&gt;
Scharen des Himmels werden sie ständig neu bestärken, und ein herr-&lt;br /&gt;
licher Sieg wird errungen. Vielleicht, so Gott will, wird der Ruf zum&lt;br /&gt;
Königreich auch die Ohren der Eskimos, der Bewohner Grönlands und der&lt;br /&gt;
Franklin-Inseln im Norden Kanadas, erreichen. Sollte in Grönland das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1392&lt;br /&gt;
{{page|1393|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=71}}Feuer der Liebe Gottes entzündet werden, so würde es alles Eis dieses&lt;br /&gt;
Erdteils schmelzen und sein kaltes Klima in ein gemäßigtes Klima ver-&lt;br /&gt;
wandeln; das heißt, wenn die Herzen die Wärme der Liebe Gottes auf-&lt;br /&gt;
nehmen, dann wird dieses Land und dieser Erdteil zu einem göttlichen&lt;br /&gt;
Garten und zu einem herrlichen Obsthain, und die Seelen werden gleich&lt;br /&gt;
früchtebeladenen Bäumen köstliche Frische erlangen. Edelmut ist not,&lt;br /&gt;
himmlischer Eifer ist Gebot. Wenn ihr euch dafür einsetzt, daß die Düfte&lt;br /&gt;
Gottes unter den Eskimos verbreitet werden, so wird dies zu größten und&lt;br /&gt;
weitreichenden Erfolgen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott spricht im erhabenen Qur’än: „Es wird ein Tag kommen, an dem&lt;br /&gt;
die Lichter der Einheit die ganze Welt erleuchten. Die Erde wird um-&lt;br /&gt;
strahlt werden vom Lichte ihres Herrn.“ Mit anderen Worten: „Die Erde&lt;br /&gt;
wird erleuchtet werden vom Lichte Gottes. Dieses Licht ist das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit.“ „Es gibt keinen Gott außer Gott.“ Der Kontinent und die Inseln&lt;br /&gt;
der Eskimos sind auch Teile dieser Erde. Sie müssen gleichfalls ihr Teil&lt;br /&gt;
von den Gaben der größten Führung erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruß und Ehre seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
5. April 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“rx%*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Gläubigen Gottes und die Dienerinnen des Barm-&lt;br /&gt;
herzigen im Dominion Kanada: in Neufundland, auf der&lt;br /&gt;
Prinz-Eduard-Insel, in Neu-Schottland, Neu-Braunschweig,&lt;br /&gt;
Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan, Alberta, Britisch-&lt;br /&gt;
Kolumbien, Yukon, Mackenzie, Keewatin, Ungava, auf den&lt;br /&gt;
Franklin-Inseln und in Grönland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Al-Abhä sei mit ihnen!&lt;br /&gt;
Er ist Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr liebreichen Freunde und Dienerinnen des Barmherzigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im erhabenen Qur’än spricht Gott: „Du sollst keinen Unterschied sehen&lt;br /&gt;
zwischen den Geschöpfen Gottes.“ Mit anderen Worten, Er sagt: Vom&lt;br /&gt;
ideellen Standpunkt aus sind alle Geschöpfe Gottes gleich, denn sie alle&lt;br /&gt;
wurden von Ihm erschaffen. Aus dem obigen Satz ist zu schließen, daß&lt;br /&gt;
auch kein Unterschied zwischen den verschiedenen Ländern besteht;&lt;br /&gt;
nichtsdestoweniger hat das Dominion Kanada eine überaus große Zukunft,&lt;br /&gt;
und seine Geschichte ist unendlich ruhmreich. So wird es den Glanz der&lt;br /&gt;
Vorsehung auf sich lenken und die Gunst des höchsten Herrn offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Reise durch jenes Dominion und während seines Auf-&lt;br /&gt;
enthalts dort wurde ‘Abdu’l-Bahá größte Freude zuteil. Vor meiner Ab-&lt;br /&gt;
reise dorthin warnten mich viele Seelen, nicht nach Montreal zu fahren;&lt;br /&gt;
sie sagten, die Mehrzahl der Einwohner seien Katholiken und überaus&lt;br /&gt;
fanatisch, sie seien versunken im Meer der Nachahmung, seien nicht&lt;br /&gt;
bereit, dem Rufe zum Reich Gottes zu lauschen, der Schleier der Bigotterie&lt;br /&gt;
habe ihre Augen so umhüllt, daß sie sich selbst des Anblicks der größten&lt;br /&gt;
Führung beraubten, die Dogmen hätten ganz von ihren Herzen Besitz&lt;br /&gt;
ergriffen und keine Spur von Wirklichkeitssinn übrig gelassen. Sie ver-&lt;br /&gt;
sicherten, wenn die Sonne der Wirklichkeit mit vollkommenem Glanz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1393&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1394|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=72}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jenes Dominion überstrahlte, dann verhüllten die undurchdringlichen&lt;br /&gt;
dunklen Wolken des Aberglaubens den Himmel so sehr, daß es keinem&lt;br /&gt;
Menschen möglich wäre, diese Strahlen zu schauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber diese Geschichten hatten keinen Einfluß auf den Entschluß&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás. Im Vertrauen auf Gott wandte er sein Angesicht gen&lt;br /&gt;
Montreal. Als er jene Stadt betrat, fand er alle Türen offen, er traf die&lt;br /&gt;
Herzen in höchster Empfänglichkeit und sah, wie die geistige Macht des&lt;br /&gt;
Reiches Gottes jedes Hemmnis und Hindernis beseitigte. In den Kirchen&lt;br /&gt;
und Versammlungen jenes Dominions rief er mit größter Freude die Men-&lt;br /&gt;
schen zum Reiche Gottes und streute Saaten aus, die von der Hand der&lt;br /&gt;
göttlichen Kraft bewässert werden. Zweifellos werden diese Saaten wach-&lt;br /&gt;
sen, grünen und gedeihen und viele reiche Ernten tragen. In der Förde-&lt;br /&gt;
rung der göttlichen Grundsätze fand er keinen Feind noch Widersacher.&lt;br /&gt;
Die Gläubigen, die er in jener Stadt traf, waren überaus vergeistigt und&lt;br /&gt;
hingezogen zu den Düften Gottes. Er fand, daß durch den Einsatz der&lt;br /&gt;
Dienerin Gottes, Frau Maxwell, eine Anzahl der Söhne und Töchter des&lt;br /&gt;
Königreiches in jenem Dominion zusammentrafen und sich vereinigten,&lt;br /&gt;
und daß ihre beschwingte Freude Tag für Tag wuchs. Die Zeit meines&lt;br /&gt;
Aufenthalts war auf wenige Tage beschränkt, aber die Wirkungen auf&lt;br /&gt;
die Zukunft sind unerschöpflich. Wenn ein Bauer in den Besitz jungfräu-&lt;br /&gt;
lichen Bodens gelangt, kann er in kurzer Zeit ein großes Feld bebauen.&lt;br /&gt;
Darum hoffe ich, daß in Zukunft Montreal so aufgerüttelt wird, daß das&lt;br /&gt;
Lied des Königreichs aus jenem Dominion in alle Teile der Welt wandert&lt;br /&gt;
und sich der Hauch des Heiligen Geistes von diesem Punkt bis in den&lt;br /&gt;
Osten und Westen Amerikas ausbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Gläubigen Gottes! Seht nicht auf eure geringe Zahl und die Viel-&lt;br /&gt;
heit der Nationen. Fünf Körner Weizen werden mit himmlischem Segen&lt;br /&gt;
bedacht, während tausend Tonnen Unkraut keinen Nutzen, keine Wirkung&lt;br /&gt;
erzielen. Ein fruchtbarer Baum wird dem Leben der Gesellschaft nützen,&lt;br /&gt;
während tausend Wälder wildwachsender Bäume keine Früchte tragen.&lt;br /&gt;
Das Feld ist mit Kieseln übersät, aber Edelsteine sind selten. Eine Perle&lt;br /&gt;
ist besser als tausend Sandwüsten, besonders diese Perle von höchstem&lt;br /&gt;
Wert, die mit himmlischem Segen bedacht ist. In kurzer Zeit wird sie&lt;br /&gt;
tausend andere Perlen hervorbringen. Und wenn sich diese Perle mit den&lt;br /&gt;
Kieseln verbindet und mit ihnen vertraut wird, dann verwandeln sich&lt;br /&gt;
diese gleichfalls in Perlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum sage ich noch einmal, daß Kanada eine große Zukunft hat, sei es&lt;br /&gt;
nun in Hinsicht auf die Zivilisation oder im Hinblick auf die Tugenden&lt;br /&gt;
des Königreiches. Tag für Tag wird es an Freiheit und Zivilisation ge-&lt;br /&gt;
winnen, und die Wolke des Königreichs wird auf die Saaten der Führung,&lt;br /&gt;
die in jenem Dominion gesät sind, regnen. Deshalb rastet nicht, trachtet&lt;br /&gt;
nicht nach eurer Ruhe, hängt euch nicht an das Wohlleben dieser flüch-&lt;br /&gt;
tigen Welt, sondern befreiet euch von allen Banden und strebet mit Herz&lt;br /&gt;
und Seele danach, fest gegründet im Reich Gottes zu stehen. Erwerbet&lt;br /&gt;
euch himmlische Schätze. Tag für Tag werdet heller erleuchtet. Kommet&lt;br /&gt;
der Schwelle der Einheit immer näher. Werdet zu Offenbarungen geistiger&lt;br /&gt;
Gaben und zu Dämmerorten unendlichen Lichtes! Wenn es euch möglich&lt;br /&gt;
ist, entsendet Lehrer in andere Teile Kanadas und gleicherweise nach&lt;br /&gt;
Grönland und in die Heimat der Eskimos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1394&lt;br /&gt;
{{page|1395|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=73}}Was die Lehrer betrifft, so müssen sie sich ihrer alten Gewänder völlig&lt;br /&gt;
entledigen und ein neues Gewand antun. Nach dem Worte Christi müssen&lt;br /&gt;
sie die Stufe der Wiedergeburt erlangen, das heißt, wie sie bei der ersten&lt;br /&gt;
Geburt aus dem Mutterleib hervorgingen, so müssen sie nunmehr aus dem&lt;br /&gt;
Leib der stofflichen Welt geboren werden. Wie sie jetzt ihrer Erlebnisse&lt;br /&gt;
in der Welt des Mutterleibes sich in keiner Weise mehr bewußt sind, so&lt;br /&gt;
müssen sie auch die Mängel des Reiches der Natur völlig vergessen. Sie&lt;br /&gt;
müssen getauft werden mit dem Wasser des Lebens, dem Feuer der Liebe&lt;br /&gt;
Gottes und dem Odem des Heiligen Geistes; sie müssen sich mit wenig&lt;br /&gt;
Nahrung zufriedengeben, aber ein großes Stück von der himmlischen Tafel&lt;br /&gt;
nehmen. Sie müssen sich frei machen von Versuchung und Begier und&lt;br /&gt;
vom Geist erfüllt sein. Durch das Wirken ihres reinen Odems müssen sie&lt;br /&gt;
den Stein in einen leuchtenden Rubin verwandeln und die Muschel in eine&lt;br /&gt;
Perle. Wie die Wolke des Frühlingsschauers müssen sie den schwarzen&lt;br /&gt;
Boden umgestalten in einen Rosengarten und einen Obsthain. Sie müssen&lt;br /&gt;
den Blinden sehend machen, den Tauben hörend, den Erloschenen ent-&lt;br /&gt;
zünden und in Brand setzen und den Toten beleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Al-Abhä sei mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Düfte Gottes verbreitet, sollte jeden Morgen die folgende&lt;br /&gt;
demütige Bitte sorgsam lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis sei Dir, o Gott! Wahrlich, dies sind Deine Diener, angezogen durch&lt;br /&gt;
die Düfte Deiner Barmherzigkeit, entflammt durch das Feuer im Bren-&lt;br /&gt;
nenden Busch Deiner Einzigkeit und die Augen erleuchtet durch den An-&lt;br /&gt;
blick der Lichtstrahlen vom Sinai Deiner Einheit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Löse ihnen die Zunge zu Deiner Erwähnung unter Deinem&lt;br /&gt;
Volke, laß sie Dein Lob verkünden durch Deine Gunst und Huld, stehe&lt;br /&gt;
ihnen bei mit den Scharen Deiner Engel, stärke ihre Lenden in Deinem&lt;br /&gt;
Dienst und mache sie zu Zeichen Deiner Führung unter Deinen Ge-&lt;br /&gt;
schöpfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Machtvolle, der Erhabene, der Vergeber und der&lt;br /&gt;
Gnädige!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Du siehst, wie dieser Schwache bittet um die Kraft&lt;br /&gt;
Deines Königreichs, wie dieser Arme fleht um die Schätze Deines Him-&lt;br /&gt;
mels, wie sich dieser Dürstende sehnt nach dem Springquell des Wassers&lt;br /&gt;
ewigen Lebens, wie dieser Kranke um völlige Heilung bittet durch Deine&lt;br /&gt;
grenzenlose Gnade, die Du bestimmt hast für Deine erwählten Diener in&lt;br /&gt;
Deinem höchsten Königreich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Ich habe keinen Helfer als Dich, keinen Tröster neben Dir und&lt;br /&gt;
keinen Ernährer außer Dir! Stehe mir mit Deinen Engeln bei, Deine hei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ligen Düfte zu verbreiten und Deine Lehren auszusäen in Dein ausge-&lt;br /&gt;
wähltes Volk!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1395&lt;br /&gt;
{{page|1396|file=Baha&#039;i_Briefe_46.pdf|page=74}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Gib, daß ich mich trenne von allem außer Dir und mich fest-&lt;br /&gt;
halte am Saume Deines Gewandes. Mache mich ergeben in Deinem&lt;br /&gt;
Glauben, fest in Deiner Liebe, und laß mich leben in Einklang mit dem,&lt;br /&gt;
was Du mir befohlen hast in Deinem Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Starke, der Kraftvolle und der Allmächtige!&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina,&lt;br /&gt;
21. Februar 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Israfil, hebräisch wohl Serafim, einer der Erzengel. Er liest nach der islamischen&lt;br /&gt;
Mythologie die göttlichen Beschlüsse von einer goldenen Tafel ab und über-&lt;br /&gt;
mittelt sie den anderen Erzengeln zur Ausführung. Ständig hält er eine Po-&lt;br /&gt;
saune am Mund, um auf den Befehl Gottes zugleich das Jüngste Gericht anzu-&lt;br /&gt;
kündigen und die Toten aufzuerwecken (vgl. A. J. Wensinck in der Enzyklopädie&lt;br /&gt;
des Islams, 1927, B. II, S. 592) D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Singapur, Malakka, Penang, Labuan, Kokosinseln und die Weihnachtsinsel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unsere Leser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dringenden Aufgaben im Rahmen des Neunjahrplanes&lt;br /&gt;
für die weltweite Verbreitung des Bah@a’i-Glaubens haben den&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Rat der Bahä’t in Deutschland veranlaßt,&lt;br /&gt;
die Herausgabe der „BAHAI-BRIEFE“ mit diesem Heft bis&lt;br /&gt;
zur Beendigung dieses Planes im Frühjahr 1973 zu unter-&lt;br /&gt;
brechen. Andere Zeitschriften sterben an finanzieller Aus-&lt;br /&gt;
zehrung; wir machen nur eine Pause und hoffen, daß in der&lt;br /&gt;
Zwischenzeit viele fähige Mitarbeiter zu uns stoßen werden.&lt;br /&gt;
Allen unseren Lesern danken wir für ihre kritische Aufmerk-&lt;br /&gt;
samkeit und für die Anregungen und Ermutigungen, die sie&lt;br /&gt;
uns vermittelt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6239 Langenhain, Kohlgrubenstraße 3.&lt;br /&gt;
Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung&lt;br /&gt;
des Herausgebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A, Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14.&lt;br /&gt;
Tel. (0 6257) 7467, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (0711) 74 97 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’i-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH., 6491 Oberkalbach, Postscheck-&lt;br /&gt;
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An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_45/Text&amp;diff=75342</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 45/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:10:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1291|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=1}}  &lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá —&lt;br /&gt;
Ein Kind des Lichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung&lt;br /&gt;
des Größten Namens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationaltagung der&lt;br /&gt;
deutschen Bahä’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 45 JULI 1971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAI&lt;br /&gt;
BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1292|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1293|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=3}}JULI 1971 . BAHAT- BRIEFE HERT 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Höhen, die der sterbliche Mensch durch Gottes gnädigste Ge-&lt;br /&gt;
wogenheit an diesem Tag erreichen kann, sind bis heute seinem&lt;br /&gt;
Blick noch nicht enthüllt. Die Welt des Seins hat die Aufnahme-&lt;br /&gt;
fähigkeit für eine solche Offenbarung niemals besessen und besitzt&lt;br /&gt;
sie auch jetzt noch nicht. Der Tag ist jedoch nahe, an dem die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten einer so großen Gunst auf Seinen Befehl hin den Menschen&lt;br /&gt;
kundgetan werden können. Wenn sich auch die Streitkräfte der&lt;br /&gt;
Nationen gegen Ihn aufstellten und die Könige der Erde sich ver-&lt;br /&gt;
bündeten, um Seine Sache zu untergraben, wird Seine Macht den-&lt;br /&gt;
noch unerschüttert stehen. Er spricht die Wahrheit und ruft die&lt;br /&gt;
ganze Menschheit auf den Weg zu sich, dem Unvergleichlichen, dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allwissenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Menschen wurden erschaffen, eine fortschreitende Kultur&lt;br /&gt;
voranzuführen. Der Allmächtige bezeugt Mir: Wie die Tiere auf dem&lt;br /&gt;
Felde sich zu verhalten, ist des Menschen unwürdig. Die Tugenden,&lt;br /&gt;
die zu seiner Würde passen, sind Geduld, Erbarmen, Mitleid und&lt;br /&gt;
Güte für alle Menschen und Geschlechter der Erde. Sprich: O&lt;br /&gt;
Freunde! Trinkt in Fülle aus diesem kristallklaren Strom, der durch&lt;br /&gt;
die himmlische Gnade Dessen, der der Herr der Namen ist, dahin-&lt;br /&gt;
flutet. Laßt andere in Meinem Namen an seinen Wassern teilhaben,&lt;br /&gt;
damit die Führer der Menschen in jedem Lande die Absicht klar&lt;br /&gt;
erkennen, in der die ewige Wahrheit geoffenbart wurde, und den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grund, aus dem sie selbst erschaffen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’w’liäh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese CIX)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1293&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1294|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herolde des Allmächtigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief ‘Abdu’l-Bahás an einen Bahä’i-Lehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O du Phönix aus der unsterblichen Flamme, die im geheiligten Baume&lt;br /&gt;
brennt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lliäh — mögen mein Leben, meine Seele, mein Geist Opfer für&lt;br /&gt;
Seine demütigen Diener sein — hat in Seinen letzten Tagen auf Erden&lt;br /&gt;
eindrücklich verheißen, die Gnadenströme Gottes und die hilfreiche Unter-&lt;br /&gt;
stützung aus Seinem Reich in der Höhe werden dazu führen, daß sich&lt;br /&gt;
Seelen erheben und heilige Wesen erscheinen, die sternengleich das&lt;br /&gt;
Himmelszelt göttlicher Führung schmücken, den Tagesanbruch der&lt;br /&gt;
Gnadengaben erleuchten, die Zeichen der Einheit Gottes offenbaren,&lt;br /&gt;
Seelen, die mit dem Licht der Heiligkeit und Reinheit strahlen, ihr volles&lt;br /&gt;
Maß göttlicher Eingebung empfangen, hoch die heilige Fackel des Glau-&lt;br /&gt;
bens recken, fest wie der Fels und unverrückbar wie der Berg bestehen&lt;br /&gt;
und wachsen, um Leuchten in den Himmeln Seiner Offenbarung zu&lt;br /&gt;
werden, breite Kanäle Seiner Gunst, Werkzeuge für die Segnungen von&lt;br /&gt;
Gottes wohltätiger Fürsorge, Herolde, die den Namen des einen wahren&lt;br /&gt;
Gottes ausrufen, und Bauleute an der Welt größtem Ordnungsgefüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unablässig werden sie Tag und Nacht tätig sein, weder Prüfung noch&lt;br /&gt;
Schmerz achten, keinen Aufschub in ihren Anstrengungen dulden, keine&lt;br /&gt;
Ruhe suchen, Wohlstand und Behagen verschmähen und losgelöst und&lt;br /&gt;
unbefleckt jeden flüchtigen Augenblick ihres Lebens der Verbreitung der&lt;br /&gt;
Düfte Gottes, der Verherrlichung Seines heiligen Wortes weihen. Himm-&lt;br /&gt;
lische Freude wird ihr Angesicht ausstrahlen, und ihr Herz wird von&lt;br /&gt;
Frohlocken erfüllt sein. Ihre Seelen werden erleuchtet sein, ihre Grund-&lt;br /&gt;
lagen fest verankert. In alle Welt hin werden sie sich zerstreuen, durch&lt;br /&gt;
alle Regionen werden sie reisen. Ihre Stimme werden sie in jeder Ver-&lt;br /&gt;
sammlung erheben, jedes Zusammentreffen von Menschen werden sie&lt;br /&gt;
schmücken und beleben. In jeder Sprache werden sie reden und alle ver-&lt;br /&gt;
borgenen Bedeutungen erklären. Die Geheimnisse des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
werden sie offenbaren und jedem Menschen die Zeichen Gottes enthüllen.&lt;br /&gt;
Wie helle Kerzen werden sie im Herzen jeder Versammlung brennen und&lt;br /&gt;
wie Sterne von allen Horizonten strahlen. Die linden Lüfte aus den&lt;br /&gt;
Gärten ihrer Herzen werden die Seelen der Menschen erwecken und&lt;br /&gt;
durchduften, und die Enthüllungen ihres Geistes werden wie Regen-&lt;br /&gt;
schauer die Völker und Nationen der Welt neu beleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich warte, ich warte voll Ungeduld auf das Erscheinen dieser Heiligen.&lt;br /&gt;
Wie lange werden sie noch säumen? Mein Gebet, meine flehende Bitte des&lt;br /&gt;
Abends und des Morgens ist, diese strahlenden Sterne mögen bald ihren&lt;br /&gt;
Glanz über die Welt ergießen, ihr gesegnetes Angesicht möge sterblichen&lt;br /&gt;
Augen entschleiert werden und die Wogen der Gnade, die aus Gottes&lt;br /&gt;
himmlischen Meeren steigen, mögen sich über die ganze Menschheit er-&lt;br /&gt;
gießen. Betet auch ihr und flehet zu Ihm, daß durch die helfende Gunst&lt;br /&gt;
der Altehrwürdigen Schönheit diese Seelen den Augen der Welt enthüllt&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Tablets of ‘Abdu’l-Bahá“, p. 405; vgl. „Bahä’i World Faith“, Wilmette/Ill.,&lt;br /&gt;
USA, 1956, p. 354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1294&lt;br /&gt;
{{page|1295|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=5}}Ein Kind des Lichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá — der Diener Bahäs / von Allan L. Ward&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29. November 1921 wurde die sterbliche Hülle ‘Abdu’l-Bahás zur&lt;br /&gt;
letzten Ruhe an den Hängen des Berges Karmel gelegt. Die Art, wie die&lt;br /&gt;
Menschen auf Seine plötzliche körperliche Abwesenheit reagierten, brachte&lt;br /&gt;
zum Ausdruck, was Seine Gegenwart ihnen bedeutet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Dienstag, morgens um neun Uhr, begann der Zug mit Seinem Sarg&lt;br /&gt;
aus „glattem weißem Holz“, bedeckt mit einem „kostbaren persischen&lt;br /&gt;
Schal“, hinauf zu den Hängen des Berges Karmel. Bahä’i, Christen,&lt;br /&gt;
Moslem und Juden säumten den Weg. Sie waren außer sich vor Schmerz,&lt;br /&gt;
vergossen Tränen auf den Sarg und bedeckten ihn mit ihren Küssen. Um&lt;br /&gt;
10.25 Uhr wurde der Sarg nahe dem Schrein des Báb aufgebahrt. Eine&lt;br /&gt;
lange Reihe von Sprechern brachte zum Ausdruck, welchen Schmerz alle&lt;br /&gt;
fühlten. Ein Moslem meinte: „Welche Seiner Taten kann ich erwähnen,&lt;br /&gt;
wenn sie doch alle größer sind, als man ausdrücken kann, und deren mehr&lt;br /&gt;
sind, als man zählen kann.“ Ein Christ schrieb: „Er hat die Seelen erzogen,&lt;br /&gt;
belehrt, unterstützt, gerettet und auf den geraden Pfad geführt.“ Ein&lt;br /&gt;
jüdischer Religionsführer meinte, daß viele Menschen in Europa, in Ame-&lt;br /&gt;
rika und in der ganzen Welt nach Seinen weltumfassenden, zu wahrer&lt;br /&gt;
Brüderlichkeit führenden Grundsätzen dürsten; auch sie trauern, weil sie&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá entbehren !),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás Leben durchströmte eine Folge von fast unglaublichen&lt;br /&gt;
Ereignissen: Gegensätze, Rückschläge, Wandlungen. Dennoch bleibt Er der&lt;br /&gt;
gute Freund, der das Göttliche in Menschlichkeit übersetzte, in einem mit-&lt;br /&gt;
reißenden, stetigen Strom pausenlosen Wirkens, mehr als drei Viertel&lt;br /&gt;
eines Jahrhunderts lang. Sein Leben stand in Beziehung zur ganzen Welt.&lt;br /&gt;
Es verlief nicht fernab vom Schmutz des Bauernhofes und dem Schweiß&lt;br /&gt;
auf der Straße. Sein Leben war nicht das eines einsamen Mönches, der&lt;br /&gt;
sich von dem täglichen Kampf ums Dasein löst; er führte ein Leben in-&lt;br /&gt;
mitten dieses Existenzkampfes. Die Welt der Geldgier, der Lüge, des&lt;br /&gt;
Betrugs, der Heuchelei, des spöttelnden Reichtums und der himmel-&lt;br /&gt;
schreienden Armut, die glitzernden Ballsäle und die dumpfen Leichen-&lt;br /&gt;
hallen waren die Stätten Seines Wirkens. Er erwartete von keinem, daß&lt;br /&gt;
er irgendwohin ginge, wo Er nicht selbst lebte, durchhielt und trium-&lt;br /&gt;
phierte. Nichts von dem Schmutz drang in den geistigen Kern Seines&lt;br /&gt;
Wesens. Kein Schwert, kein Gewehr, weder Gut noch Geld verführten Ihn&lt;br /&gt;
dazu, nur um Haaresbreite davon abzugehen, die Attribute der Liebe, der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und der Wahrhaftigkeit vollkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu wahren.&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ‘Abdu’l-Bahá 1844 geboren wurde, gingen zwei historische Zyklen&lt;br /&gt;
ineinander über. Während der ersten neun Jahre Seines Lebens ent-&lt;br /&gt;
flammten die Lehren des Báb Persien. Scharen von Helden fanden den&lt;br /&gt;
Tod. ‘Abdu’l-Bahás Schwester erinnert sich an die Tage ihrer Kindheit:&lt;br /&gt;
„Täglich hörten wir den Mob schreien, wenn ein neues Opfer gepeinigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1295&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1296|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und hingerichtet wurde. Nie wußten wir, ob es nicht unser Vater&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh ist. Lange Tage verbrachten wir in ständigem Schrecken ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir fürchteten uns, die Tür zu öffnen; es hätten Leute hereinstürzen und&lt;br /&gt;
uns töten können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnert sich auch an die Reise ins Exil über schneebedeckte Berge:&lt;br /&gt;
„Es war bitter kalt; wir alle waren ungenügend gekleidet und litten sehr&lt;br /&gt;
unter der Kälte. Vor allem mein Bruder hatte nur dünne Sachen an. Seine&lt;br /&gt;
Füße, Knöchel, Hände und Arme waren der Kälte stark ausgesetzt; es war&lt;br /&gt;
so schlimm, daß sie anschwollen und Er Frostbeulen bekam, die Ihm&lt;br /&gt;
großen Schmerz bereiteten 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden zehn Jahre, vom neunten bis zum neunzehnten Lebens-&lt;br /&gt;
jahr, verbrachte ‘Abdu’l-Bahá in Baghdad. Dort „wurde Er Seines Vaters&lt;br /&gt;
(Bahä’u’llähs) engster Gefährte“, und schon als Heranwachsender „über-&lt;br /&gt;
nahm Er die Aufgabe, mit den vielen Besuchern, die zu Seinem Vater&lt;br /&gt;
kamen, Gespräche zu führen ... Er half Seinem Vater, Fragen zu beant-&lt;br /&gt;
worten und die Schwierigkeiten dieser Besucher zu lösen“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá war der vollkommene Schüler des vollkommenen Lehrers.&lt;br /&gt;
Seine Schwester erinnert sich: „Während dieser Jahre pflegte Abbas&lt;br /&gt;
Effendi (‘Abdu’l-Bahá) in den Moscheen ein- und auszugehen. Hier disku-&lt;br /&gt;
tierte Er mit den Doktoren und Gelehrten. Sie waren über Sein Wissen&lt;br /&gt;
und Seinen Scharfsinn erstaunt, und Er wurde als der jugendliche Weise&lt;br /&gt;
bekannt. Sie fragten Ihn öfters: ‚Wer ist Dein Lehrer, wo lernst Du das,&lt;br /&gt;
was Du sagst?‘ Seine Antwort war, Sein Vater habe Ihn unterrichtet.&lt;br /&gt;
Obwohl Er keinen Tag die Schule besuchte, war Er auf allen Wissens-&lt;br /&gt;
gebieten bewandert, wie sie gebildeten, jungen Leuten beigebracht wur-&lt;br /&gt;
den. Dies erregte viel Aufsehen unter Seinen Bekannten“ 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit neunzehn Jahren begleitete ‘Abdu’l-Bahá Seinen Vater Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
auf die zweite Etappe Seiner Verbannung nach Konstantinopel, dann auf&lt;br /&gt;
die dritte nach Adrianopel, wo Sie fünf Jahre lang blieben. Als Er vier-&lt;br /&gt;
undzwanzig Jahre alt war, kam die Familie in ‘Akkä an. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
beschrieb die Verhältnisse: „Stellen Sie sich unsere Lebensbedingungen&lt;br /&gt;
und unsere Umgebung vor ..., eingekerkert in der Kaserne von ‘Akkä.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh bewohnte einen Raum. Seine und mehrere andere Familien&lt;br /&gt;
waren in einem anderen zusammengedrängt. Abgesehen von den schweren&lt;br /&gt;
Krankheiten, die bei Kindern und Erwachsenen um sich griffen und den&lt;br /&gt;
Tod von vielen unter uns Gefangenen bedeuten, da sie der ungesunden&lt;br /&gt;
Umgebung und dem Hunger zuzuschreiben waren, bemerkte Ich, daß Meine&lt;br /&gt;
Anwesenheit zu weiteren Qualen für alle anderen führte. Dies war darin&lt;br /&gt;
begründet, daß in Meiner Gegenwart sich Kinder und Erwachsene ge-&lt;br /&gt;
hemmt fühlten, sich beherrschten und versuchten, still und freundlich zu&lt;br /&gt;
sein. Um ihnen mehr Freiheit zu geben, zog Ich in die Leichenhalle der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaserne, welche der einzig verfügbare Raum war. Hier wohnte Ich unge-&lt;br /&gt;
fähr zwei Jahre lang“ ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ‘Akkä heiratete ‘Abdu’l-Bahá. Seine Frau erzählt: „... Ich war die&lt;br /&gt;
Frau meines Geliebten. Wie wunderbar, wie edel war Er in Seiner Schön-&lt;br /&gt;
heit. Ich betete Ihn an. Ich erkannte Seine Größe und dankte Gott, daß Er&lt;br /&gt;
mich zu Ihm geführt hatte. Das Glück, mit dem Meister zusammenzusein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1296&lt;br /&gt;
{{page|1297|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=7}}ist unmöglich zu beschreiben. Es war mir, als ob ich in Seiner Gegenwart&lt;br /&gt;
in einem herrlichen Reich heiligen Glücks sei ... In der Jugend Seiner&lt;br /&gt;
Schönheit und männlichen Kraft, mit Seiner Güte, Seiner Fröhlichkeit,&lt;br /&gt;
Seiner unfehlbaren Liebe, Seinem Sinn für Humor, Seiner geduldigen&lt;br /&gt;
Rücksicht gegen jedermann, war Er wunderbar, ohne Seinesgleichen&lt;br /&gt;
sicherlich auf der ganzen Welt! O mein geliebter Gatte und mein Herr!&lt;br /&gt;
Wie soll ich von Ihm sprechen?“ 5),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá hatte neun Kinder, von denen jedoch fünf, darunter alle&lt;br /&gt;
Seine Söhne, in der Gefangenschaft starben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dienst an Bahä’u’lläh und Seinen Anhängern war nicht die einzige&lt;br /&gt;
Tätigkeit ‘Abdu’l-Bahás. Mit einunddreißig Jahren schrieb Er: „Preis und&lt;br /&gt;
Dank seien der Vorsehung, daß sie aus allen Reichen der Schöpfung den&lt;br /&gt;
Menschen in seiner Wesenheit auserwählt und ihn mit Verstand und&lt;br /&gt;
Weisheit, den beiden strahlendsten Lichtquellen in dieser und der anderen&lt;br /&gt;
Welt, ausgezeichnet hat.“ So beginnt Sein Buch „Das Geheimnis göttlicher&lt;br /&gt;
Kultur“). Und mit den Worten: „Betreffs des Einen, der als der Báb&lt;br /&gt;
bekannt ist, laufen verschiedenartige Geschichten unter den Menschen um,&lt;br /&gt;
und zahlreiche Berichte sind in den Blättern der persischen Geschichte&lt;br /&gt;
und in den europäischen Chroniken enthalten,“ beginnt Sein Bericht über&lt;br /&gt;
die frühe Geschichte des Bahä’i-Glaubens in „A Travellers Narrative“ 7).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ‘&#039;Abdu’l-Bahá sechsundvierzig Jahre alt und zweiundzwanzig Jahre&lt;br /&gt;
lang eingekerkert war, besuchte Ihn der englische Orientalist E. G.&lt;br /&gt;
Browne. Er gab der Welt den einzigen unmittelbaren Eindruck von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh auf einen Europäer, und er war es, der ‘Abdu’l-Bahá wohl als&lt;br /&gt;
erster Besucher aus dem Abendland beschrieb: „Selten sah ich jemanden,&lt;br /&gt;
dessen Erscheinung mich mehr beeindruckte. Ein großer, kräftig gebauter&lt;br /&gt;
Mann, der sich gerade wie ein Pfeil hielt, in weißer Kleidung, auf dem&lt;br /&gt;
Kopf einen weißen Turban, lange schwarze Locken, die fast bis auf die&lt;br /&gt;
Schultern wallten, eine breite, machtvolle Stirn, ... Augen, scharf wie die&lt;br /&gt;
eines Falken, ausgeprägte, doch angenehme Züge, dies war mein erster&lt;br /&gt;
Eindruck von Abbas Effendi. ... Die anschließende Unterhaltung ver-&lt;br /&gt;
größerte den Respekt, den Seine Erscheinung mir von Anfang an einge-&lt;br /&gt;
flößt hatte, nur noch mehr. Es dürfte schwer sein, denke ich, einen zweiten&lt;br /&gt;
zu finden, der so beredt im Ausdruck, so geistesgegenwärtig in der Be-&lt;br /&gt;
weisführung, so eng vertraut mit den heiligen Büchern der Juden, Chri-&lt;br /&gt;
sten und Moslem ist. ... Diese Eigenschaften, verbunden mit einem&lt;br /&gt;
hoheitsvollen, doch herzlichen Auftreten, beseitigten meine Verwunderung&lt;br /&gt;
über Seinen Einfluß und die Achtung, die Ihm die Anhänger Seines Vaters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zollten. An der Größe und Macht dieses Mannes kann keiner, der Ihn sah,&lt;br /&gt;
einen Zweifel hegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr darauf, ‘Abdu’l-Bahá war siebenundvierzig, starb Bahä’u’lläh.&lt;br /&gt;
Sein Wille bestimmte, daß sich alle dem Größten Zweig (‘Abdu’l-Bahá)&lt;br /&gt;
zuwenden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit gelangten die ersten Seitenwurzeln des Glaubens in den&lt;br /&gt;
Westen. 1898 erreichten die ersten Pilger aus dem Westen das Heilige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Land. Ein Mitglied dieser Gruppe, May Maxwell, beschreibt den Aufent-&lt;br /&gt;
halt in ‘Akka:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1297&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1298|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=8}}„Während der drei wundervollen Tage und Nächte, die wir an diesem&lt;br /&gt;
geheiligten Platz verbrachten, hörten wir nichts als die Erwähnung Gottes.&lt;br /&gt;
Sein heiliger Name war auf jeder Zunge, Seine Schönheit und Seine Güte&lt;br /&gt;
waren das Thema jeder Unterhaltung, Sein wundervoller Glaube das Ziel&lt;br /&gt;
jedes Lebens. So oft wir uns in einem Raum versammelten, hörten wir&lt;br /&gt;
unablässig von der Gesegneten Vollkommenheit sprechen; man erzählte&lt;br /&gt;
uns Begebenheiten aus dem Leben des Geliebten, führte Seine Worte an,&lt;br /&gt;
berichtete von Seinen Taten und der leidenschaftlichen Liebe und Er-&lt;br /&gt;
gebenheit Seiner Anhänger, bis uns das Herz vor lauter Liebe und Sehn-&lt;br /&gt;
sucht weh tat“ 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Pilgerin, Phoebe Hearst, schrieb: „Dies waren die denk-&lt;br /&gt;
würdigsten drei Tage meines Lebens... mein größter Segen in dieser Welt&lt;br /&gt;
ist, daß ich das Vorrecht gehabt habe, in Seiner (‘Abdu’l-Bahás) Gegen-&lt;br /&gt;
wart zu weilen und auf Sein geheiligtes Antlitz zu schauen. Ich muß&lt;br /&gt;
sagen, Er ist das wundervollste Geschöpf, das ich je in dieser Welt ge-&lt;br /&gt;
troffen habe oder jemals zu treffen erwarte. Unbeschreiblich ist Seine&lt;br /&gt;
geistige Aura, die machtvoll auf alle Menschen Seiner Umgebung ein-&lt;br /&gt;
wirkt ...?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Pilger kamen ins heilige Land. Der erste amerikanische Bahä’i,&lt;br /&gt;
Thornton Chase, der 1907 nach Israel pilgerte, beschreibt, wie ‘Abdul-&lt;br /&gt;
Bahä „uns mit Küssen umarmte, wie ein Vater seinen Sohn, oder wie&lt;br /&gt;
Brüder nach langer Trennung sich begrüßen.“ ‘Abdu’l-Bahá „zögert nicht,&lt;br /&gt;
Seine Liebe zu zeigen, und Er liebt wahrhaftig die ganze Menschheit in&lt;br /&gt;
jedem einzelnen. Er ist der große Menschenfreund, und jeder Freund ist&lt;br /&gt;
für Ihn ein Vertreter der ganzen Menschheit.“ Er sagt, ‘Abdu’l-Bahá be-&lt;br /&gt;
sitze „den Gang und die Freiheit eines Königs — oder eines Hirten. Er&lt;br /&gt;
war stark, machtvoll, ohne jedes Rollendenken, frei und natürlich, wie ein&lt;br /&gt;
Vater mit seiner Familie oder ein Junge mit seinen Spielkameraden.&lt;br /&gt;
Dennoch brachte jede Seiner Bewegungen, Sein Gang, Seine Begrüßungen,&lt;br /&gt;
Sein Platznehmen und Aufstehen Seine Macht, Seine Würde, Seine Frei-&lt;br /&gt;
heit und Seine Größe deutlich zum Ausdruck“ 1%), Zwei andere Pilger&lt;br /&gt;
sagten 1908, sie hätten, während Ihres Aufenthaltes in ‘Akkä, „mit&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá das Gefängnisleben geteilt, aber in der Heimatstatt Gottes&lt;br /&gt;
gewohnt“ 11),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 verbrachte eine englische Journalistin einige Monate bei der heili-&lt;br /&gt;
gen Familie in Haifa. Sie lernte sie sehr gut kennen und schrieb dann&lt;br /&gt;
einen umfassenden Bericht für die englische Zeitschrift „Fortnightly&lt;br /&gt;
Review“, dem ein genauso ausführlicher im amerikanischen „Everybody’s“&lt;br /&gt;
folgte. Darin heißt es: „Dieser Diener Bahäs ist ein Mann mit klugen,&lt;br /&gt;
freundlichen, höflichen Augen; sie scheinen den Besucher zu durchdringen,&lt;br /&gt;
aber er muß unwillkürlich diese Augen und alles, was dazugehört, gern&lt;br /&gt;
haben ... Schaut Ihn genau an, meine Freunde, denn in Ihm seht ihr eine&lt;br /&gt;
der bedeutendsten Gestalten der religiösen Welt von heute ... Er besitzt&lt;br /&gt;
in wunderbarem Maße die Gabe, sich jeder Menschenseele zu widmen, die&lt;br /&gt;
um Seine geistige oder praktische Hilfe bittet... Aber weit darüber hinaus&lt;br /&gt;
besitzt Er die verfeinerte Eigenschaft der Geistigkeit, die man, wenn man&lt;br /&gt;
mit Ihm in Berührung kommt, besser empfindet als versteht. Allezeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1298&lt;br /&gt;
{{page|1299|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=9}}mild, herzlich und höflich, empfängt, belehrt, berät und stützt Er mit&lt;br /&gt;
unfehlbarem Feingefühl und Verständnis die Pilgerflut, die stetig schwel-&lt;br /&gt;
lend aus aller Welt gegen die kleine syrische Küstenstadt brandet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Fürsorglichkeit Abbas Effendis kennt keine rassischen oder reli-&lt;br /&gt;
giösen Grenzen. Die ungefähr dreißig persischen Familien, die Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
ins Exil gefolgt waren, hatten mehr als einmal Seinem Sohn ihre Kleidung&lt;br /&gt;
und ihr täglich Brot zu verdanken. ‚Es vergeht kein Jahr‘, sagte eine&lt;br /&gt;
Katholikin vor kurzem, ‚in dem Abbas Effendi uns nicht bei unserem&lt;br /&gt;
Werk für die Armen hilft, und —‘ sie machte eine Pause, weil Seine Wohl-&lt;br /&gt;
tätigkeit immer vertraulich ist — ‚wenn ich Ihnen nur über die Wohltaten&lt;br /&gt;
erzählen dürfte, die Er insgeheim tut.‘ Fragen Sie nur, und die Imame der&lt;br /&gt;
Moscheen von Haifa, der Pastor der Deutsch-Lutherischen Kirche, die aus-&lt;br /&gt;
ländischen Konsulatsvertreter und der in Haifa wohnende Bezirksdirektor&lt;br /&gt;
der Hedschasbahn werden Ihnen das gleiche sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn Sie in Damaskus über die Hauptgeschäftsstraße gehen, können&lt;br /&gt;
Sie mit einem Perser ins Geschäft kommen, der auf die Mitteilung hin,&lt;br /&gt;
daß Sie nach Haifa weiterreisen, Ihnen ganz ehrfuchtsvoll begegnet und&lt;br /&gt;
Sie bittet, dem Meister seine ergebenen Grüße und einen Brief zu be-&lt;br /&gt;
stellen. Als an einem Frühlingstag 1909 kurdischer Fanatismus die Stadt&lt;br /&gt;
Adana mit einer blutigen Woge überschwemmte und 40000 Leichen zu-&lt;br /&gt;
rückließ, sah er, wie sein Laden geplündert und angezündet, seine Familie&lt;br /&gt;
hingeschlachtet wurde; er selbst fand sich halbtot unter einem Haufen&lt;br /&gt;
Erschlagener wieder. Als Abbas Effendi von seinem traurigen Schicksal&lt;br /&gt;
vernahm, sandte Er ihm Geld, half ihm geschäftlich auf die Beine und&lt;br /&gt;
schrieb ihm freundliche Briefe, die ihm neuen Mut zum Leben gaben.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá nimmt an allen Persern in Haifa persönlichen Anteil, trägt&lt;br /&gt;
zu ihrer Erziehung bei, wenn sie sich die Ausbildung nicht leisten können,&lt;br /&gt;
schlichtet ihre Streitigkeiten, entscheidet Meinungsverschiedenheiten und&lt;br /&gt;
berät sie in ihren praktischen wie in ihren geistigen Bedürfnissen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Meister selbst ... lebt ganz einfach. Sein Schlafzimmer wirkt fast&lt;br /&gt;
spartanisch in seiner Schlichtheit. Eine Tasse Suppe und ein Teller Reis&lt;br /&gt;
bilden normalerweise Seine kräftigste Mahlzeit...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»... Daß Seine Theorien sich unter Seinen Anhängern bewahrheiten,&lt;br /&gt;
erweist sich durch das Dutzend Völkerschaften, das sich oft in schönster&lt;br /&gt;
Harmonie an Seiner Tafel niederläßt, und das, man bedenke, in einem&lt;br /&gt;
Land, wo Religion und Fanatismus fast bedeutungsgleich sind, wo sich ein&lt;br /&gt;
wahrer Gläubiger kaum damit abfinden kann, einen Teller zu benutzen,&lt;br /&gt;
den ein Ungläubiger aufgelegt hat, geschweige denn, neben ihm zu essen.&lt;br /&gt;
Der Effendi ist ein eifriger und kluger Gesprächspartner, Seine Wort-&lt;br /&gt;
parade und Seine Ausfälle sind so schnell wie Degenstöße. Dies mußten&lt;br /&gt;
zu ihrem Leidwesen auch Theologen aller Bekenntnisse erfahren, die nach&lt;br /&gt;
Haifa gekommen waren, um Ihn mit ihren Argumenten zum Schweigen&lt;br /&gt;
zu bringen. Selbst von den bigottesten Moslem wird Er so sehr bewundert,&lt;br /&gt;
daß viele bekannte Religionsgelehrte ihre Reise zu den Heiligen Stätten&lt;br /&gt;
unterbrochen haben, um Ihm in Haifa einen Höflichkeitsbesuch abzu-&lt;br /&gt;
statten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1299&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1300|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=10}}„Er beschränkt sich nicht auf Gespräche geistiger und theoretischer&lt;br /&gt;
Art; Er zeigt lebhaftes Interesse an den politischen, sozialen und erziehe-&lt;br /&gt;
rischen Bewegungen der westlichen Welt, die Er als beginnende Erfüllung&lt;br /&gt;
der Offenbarung Bahä’u’llähs ansieht...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Neben Seiner geistigen Macht und Gewalt besitzt Er die unschätzbare&lt;br /&gt;
Gabe des Humors, die Priester, Bauern und Prinzen auf die gemeinsame&lt;br /&gt;
Grundlage des Verständnisses hinführt ... Er ist ein aufrichtiger, be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herzter Mann, eine Gestalt, deren wachsender Einfluß bereits die Welt&lt;br /&gt;
umspannt“ 12),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So vergingen vier Jahrzehnte, von 1870 bis 1910, bis ‘Abdu’l-Bahá das&lt;br /&gt;
erste Mal wieder ‘&#039;Akkä verließ. Er war in Seinen zwanziger Jahren&lt;br /&gt;
in das Gefängnis gekommen, hatte dort Seinen Bruder und fünf&lt;br /&gt;
Seiner eigenen Kinder sterben sehen, wurde in Seines Vaters Testament&lt;br /&gt;
zum Mittelpunkt des Bündnisses bestimmt, überlebte die ständigen Ver-&lt;br /&gt;
folgungen und Belästigungen durch die Beamtenschaft, erlebte den Sturz&lt;br /&gt;
der Dynastie, die Ihn eingekerkert hatte, sah, wie die Wissenschaft wäh-&lt;br /&gt;
rend Seiner Verbannung das Telephon, das elektrische Licht, den Phono-&lt;br /&gt;
graphen, das Radio, das Automobil, das Flugzeug schuf, und verließ mit&lt;br /&gt;
66 Jahren für längere Zeit Sein Gefängnis, um dreimal nach Afrika, zwei-&lt;br /&gt;
mal nach Europa und einmal nach Amerika zu reisen. Dort schrieb ein&lt;br /&gt;
bekannter Journalist im Jahre 1912, „Er scheint direkt aus dem College&lt;br /&gt;
zu kommen, frisch, unberührt von der Welt der Arbeit und der Sorge“.&lt;br /&gt;
Er schließt mit den Worten: „Unter denkenden Menschen kann kein&lt;br /&gt;
Zweifel bestehen, daß dieser Mann in großem Maße den wachsenden, sich&lt;br /&gt;
entwickelnden Geist unseres Zeitalters vertritt“ 13).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Seinem Weg quer durch Amerika und Europa hielten Reporter und&lt;br /&gt;
Leute auf der Straße inne, schauten hin, kehrten sich um, einen zweiten&lt;br /&gt;
Blick auf Ihn zu werfen, und fanden Ihn in vielerlei Hinsicht unfaßlich.&lt;br /&gt;
Seine „Gewandtheit“, Seine „Fähigkeit zu denken und einprägsame Theo-&lt;br /&gt;
rien über jedes Thema zu entwickeln“, schrieb eine Reporterin, „erstaunen&lt;br /&gt;
um so mehr, wenn man bedenkt, daß Abbas Effendi ... vierzig Jahre ein&lt;br /&gt;
sorgfältig bewachter Gefangener ... gänzlich von der Umwelt abge-&lt;br /&gt;
schnitten, kein einziges Jahr Schulbildung genossen hat“ &amp;quot;%).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Er, Hand in Hand mit dem Archidiakonus von Westminster zur&lt;br /&gt;
Kirche St. John schritt und die erste öffentliche Ansprache Seines Lebens&lt;br /&gt;
hielt, äußerte sich der „Fortnightly Review“, daß „sicherlich der Morgen&lt;br /&gt;
eines neuen Tages verkündet wurde“, und der „American Review of&lt;br /&gt;
Reviews“ stimmte diesem Urteil zu: „Wenn man die Würde und den&lt;br /&gt;
Konservatismus der Staatskirche Englands betrachtet und die Tatsache,&lt;br /&gt;
daß dieser relativ unbekannte persische Prophet in die westliche Welt&lt;br /&gt;
gekommen ist, um den Beginn des tausendjährigen Reiches anzusagen und&lt;br /&gt;
zu verkünden, der von allen Nationen erwartete Messias habe während&lt;br /&gt;
des vergangenen Jahrhunderts wirklich auf dieser Erde gelebt und ge-&lt;br /&gt;
lehrt, ferner, um das zu predigen, was Er und Seine Anhänger als die&lt;br /&gt;
neue Weltreligion betrachten, die alle anderen Religionen umfassen und&lt;br /&gt;
verdrängen, alle Nationen unter dem Banner eines gemeinsamen Glaubens&lt;br /&gt;
vereinigen soll, so wirkt dies kaum aus der Luft gegriffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1300&lt;br /&gt;
{{page|1301|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=11}}Als Ihn Lady Blomfield in Paris über einen Brief aus zuverlässiger&lt;br /&gt;
Quelle unterrichtete, in dem stand, daß es „gefährlich für Ihn sein könnte,&lt;br /&gt;
ein gewisses Land zu besuchen“, antwortete Er, „meine Tochter, hast Du&lt;br /&gt;
noch nicht bemerkt, daß ich noch keinen Tag meines Lebens außer Gefahr&lt;br /&gt;
war?“ Er versicherte ihr, daß „diese Feinde keine Macht über Mein Leben&lt;br /&gt;
haben, außer derjenigen, die von Gott gegeben ist“ 15). Die amerikanischen&lt;br /&gt;
Bahä’i zeichneten 18000 Dollar für Seine Reise nach den Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten, doch ‘Abdu’l-Bahá gab das Geld für milde Zwecke zurück !9),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Francis Henry Skrine schrieb zu dieser Zeit ein neues Buch über den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glauben und sagte, daß er „plötzlich über die große Republik&lt;br /&gt;
kommen könnte, mit einer Sturmwoge, der nichts wiederstehen kann“ 17),&lt;br /&gt;
Und Elibert Hubbard schrieb: ‘Abdu’l-Bahá ist eine höchst bemerkens-&lt;br /&gt;
werte Persönlichkeit, Er besitzt magnetische Anziehungskraft und einiges&lt;br /&gt;
dazu. Sein Eifer, Sein Enthusiasmus, Seine Lebendigkeit, Seine Hoffnung&lt;br /&gt;
und Sein Glauben strömen über und überschwemmen alles. Keiner kann&lt;br /&gt;
mit Ihm streiten. Keiner kann mit Ihm disputieren. Jeder muß Ihm zu-&lt;br /&gt;
stimmen — und jeder tut es. Er ist das, was Er ist. Er wurde in diese&lt;br /&gt;
Tätigkeit hineingeboren, Er ist für sie geschaffen, und betrachtet sich&lt;br /&gt;
selbst als göttlich ernannt“ 18),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag für Tag unter einem Programm, das Seine körperliche Belastbarkeit&lt;br /&gt;
bis zum letzten ausschöpfte, fuhr Er im Auto zu nahegelegenen Städten&lt;br /&gt;
und reiste längere Strecken sitzend im Zug, anstatt sich die Bequemlich-&lt;br /&gt;
keit eines Schlafwagens zu gönnen. So fuhr Er von New York über&lt;br /&gt;
Washington nach Chikago, zurück über Cleveland, Pittsburgh nach Was-&lt;br /&gt;
hington, dann wieder nach New York, wobei Er Montclair, Lake Mohonk,&lt;br /&gt;
Jersey City, Boston, Worcester, Cambridge, Brookline, Fanwood, Phila-&lt;br /&gt;
delphia, Newark, Morristown und Englewood besuchte. Dann reiste Er&lt;br /&gt;
über Boston nach Dublin, New Hampshire, Eliot in Maine, zurück über&lt;br /&gt;
Malden, Boston und Cambridge, dann nördlich nach Montreal, und weiter&lt;br /&gt;
nach Buffalo, zurück nach Chikago und Kenosha, westwärts nach Minnea-&lt;br /&gt;
polis, St. Paul, Omaha, Lincoln, Salt Lake City, Denver, Glenwood Springs,&lt;br /&gt;
San Franzisko und Oakland. In Kalifornien besuchte Er außerdem Palo&lt;br /&gt;
Alto und Los Angeles, kehrte nach San Franzisko zurück, fuhr daraufhin&lt;br /&gt;
nach Sacramento, zurück nach Denver und Chikago, weiter nach Cincin-&lt;br /&gt;
nati, Washington, Baltimore und dann nach New York zurück. Er sagte&lt;br /&gt;
den Bahä’i am 239. Tage Seiner Lehrtätigkeit in Wort und Vorbild: „Sie&lt;br /&gt;
können vor Gott keine Entschuldigung vorbringen, wenn Sie es ver-&lt;br /&gt;
säumen, nach Seinem Befehl zu leben — denn Sie sind jetzt über alles&lt;br /&gt;
informiert, was Gott wohlgefällig ist“ 18),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieser 239 Tage sprach Er in Kirchen, Synagogen, verschiede-&lt;br /&gt;
nen Klubs und Organisationen. Wenn Er eine bestimmte Zeit irgendwo&lt;br /&gt;
blieb, mietete Er sich ein Haus, bereitete Mahlzeiten zu und bediente&lt;br /&gt;
Seine Gäste. Er wurde von Alexander Graham Bell, Admiral Peary, dem&lt;br /&gt;
US-Finanzminister Lee McClung und dem ehemaligen Präsidenten Theo-&lt;br /&gt;
dore Roosevelt empfangen, besuchte in New York ein Schauspiel, wurde&lt;br /&gt;
für die Wochenschau gefilmt, nahm ein Dampfbad in einer heißen Höhlen-&lt;br /&gt;
quelle in Colorado, lehrte den Glauben in den Eisenbahnwagen, wo sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1301&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1302|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=12}}Reisende um Ihn scharten, scherzte mit den Richtern am Bundesgerichts-&lt;br /&gt;
hof, brachte Schwarz und Weiß zusammen, indem Er ihnen darlegte, daß&lt;br /&gt;
die Welteinheit von ihrer Einheit abhänge, machte Schlagzeilen mit Seiner&lt;br /&gt;
ausdrücklichen Bejahung der Mischehe und führte selbst eine derartige&lt;br /&gt;
Heirat herbei, Er benutzte häufig Straßenbahnen statt Taxis, um Geld zu&lt;br /&gt;
sparen, versammelte die Dienerschaft des Hearst-Landsitzes um sich und&lt;br /&gt;
gab ihr fürstliche Trinkgelder, legte den Grundstein für das Haus der&lt;br /&gt;
Andacht in Wilmette, vertiefte unaufhörlich das Verständnis der Freunde,&lt;br /&gt;
indem Er ihnen aus dem Leben Bahä’u’llähs und der Märtyrer erzählte&lt;br /&gt;
und jeden der Stufe Seiner Fähigkeit nach auf dem Pfade geistiger Ent-&lt;br /&gt;
wicklung förderte, Er machte ein Nickerchen auf dem Rasen eines New&lt;br /&gt;
Yorker Parks, verteilte Äpfel an Kinder, antwortete auf die Bemerkung&lt;br /&gt;
des Sekretärs der Friedensgeselischaft, der gesagt hatte, daß Religion&lt;br /&gt;
leider nicht in das Programm der Organisation aufgenommen werden&lt;br /&gt;
könne, weil die verschiedenen Sekten sich in die Haare kommen könnten:&lt;br /&gt;
„Man kann Ihre Mitglieder mit Masseln von verschiedenen Metallen ver-&lt;br /&gt;
gleichen. Sie versuchen, diese Metallstücke zu vereinigen, wie Sie ver-&lt;br /&gt;
suchen, diese Finger mit einer Schnur zusammenzuziehen. Wie sehr Sie&lt;br /&gt;
auch ziehen, die Finger bleiben immer getrennt. Wenn Sie aber die Metalle&lt;br /&gt;
legieren wollen, müssen Sie sie in einen Tiegel legen und kräftig ein-&lt;br /&gt;
heizen, damit sie alle schmelzen. Wir benutzen zum Einschmelzen das&lt;br /&gt;
Feuer der Liebe Gottes“ 19),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá reiste wieder nach Europa und besuchte London, Paris,&lt;br /&gt;
Stuttgart, Budapest und Wien. Er kehrte nach Haifa zurück, wo Er wieder&lt;br /&gt;
eingekerkert und mit der Kreuzigung bedroht wurde. Unterdessen war Er&lt;br /&gt;
damit beschäftigt, einen umfassenden Plan für die weltweite Verkündi-&lt;br /&gt;
gung von Seines Vaters Offenbarung auszuarbeiten. Als General Allenby,&lt;br /&gt;
frisch von seinen Heldentaten mit Lawrence von Arabien zurückgekehrt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa einnahm, kabelte er nach London: „Teilen Sie der Welt mit, daß&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá in Sicherheit ist“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen eines Zeitalters, in dem Stofflichkeit und Geistigkeit oft&lt;br /&gt;
durcheinandergebracht und mißverstanden werden, führte ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
Lebensstil vor Augen, welche Werte Er verkörperte. Im Halbdunkel einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Suchende muß zu allen Seiten sein Vertrauen in Gott&lt;br /&gt;
setzen, muß dem Erdenvolk entsagen, muß sich von der Welt&lt;br /&gt;
des Staubes lösen und sich an Ihn, den Herrn der H errn, hal-&lt;br /&gt;
ten. Er darf niemals versuchen, sich über irgend jemanden zu&lt;br /&gt;
erheben. Er muß jede Spur von Stolz und Hochmut von der&lt;br /&gt;
Tafel seines Herzens hinwegwaschen, muß Geduld ınd Entsa-&lt;br /&gt;
gung üben, Schweigen beachten und sich eitler Rede enthal-&lt;br /&gt;
ten. Denn die Zunge ist ein schwelendes Feuer, und Übermaß&lt;br /&gt;
der Sprache ist ein tödliches Gift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese CXXV Bahäd’wlläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
m —— nn nn 1 m [1110107010107&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1302&lt;br /&gt;
{{page|1303|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=13}}Welt der Unsicherheit und des Kompromisses finden diejenigen, die Ihn&lt;br /&gt;
persönlich kannten, und alle, die sich tiefer in Sein Leben hineinlesen, ein&lt;br /&gt;
Vorbild der kompromißlosen Geschmeidigkeit, der Güte ohne Schlaffheit,&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit ohne Härte, der Liebe ohne Besitzanspruch und eine Heer-&lt;br /&gt;
schar weiterer Tugenden in hochentwickeltem Maße. Er stellte diese&lt;br /&gt;
Tugenden nicht in philosophischen Abhandlungen, sondern in Seinen täg-&lt;br /&gt;
lichen Entscheidungen dar. Sein Leben zu studieren, heißt das „Licht“&lt;br /&gt;
dieser Eigenschaften in ihrer täglichen Wirksamkeit zu untersuchen. Er&lt;br /&gt;
nahm abstrakte Tugenden und übertrug sie in die Verhaltensweisen des&lt;br /&gt;
Essens, Schlafens, Sprechens, Arbeitens, Lehrens, Liebens, Teilens, Betens&lt;br /&gt;
und Lachens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch besitzt die Anlage für das Verständnis dieser Tugenden&lt;br /&gt;
und für deren Ausdruck in täglichen Verrichtungen. ‘Abdu’l-Bahá zeigte&lt;br /&gt;
uns, daß eine durch das Licht entwickelter geistiger Eigenschaften er-&lt;br /&gt;
leuchtete Seele einen Körper jedweder Größe, jeder Farbe, jeden Alters&lt;br /&gt;
tragen kann, wie dieser Körper in das Gewand jedes Berufes, jedes Him-&lt;br /&gt;
melstrichs oder jeder Kultur gekleidet sein kann. Es ist die Seele mit&lt;br /&gt;
ihren Eigenschaften, die darüber bestimmt, wie Körper und Gewänder&lt;br /&gt;
gebraucht werden. Ohne diese innere Entwicklung bringt die äußere&lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit Reibungen zwischen Bevölkerungsgruppen, Generations-&lt;br /&gt;
probleme, zerstörerischen Kleingeist mit sich; mit der Einheit seelischer&lt;br /&gt;
Eigenschaften wird die äußere Mannigfaltigkeit als Schönheit wahrge-&lt;br /&gt;
nommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir heute, da der Planet zu einer großen Nachbarschaft geworden&lt;br /&gt;
ist, einen „universellen Menschen“ suchen, der in diesen neuen Verhält-&lt;br /&gt;
nissen lebt, können wir damit beginnen, ‘Abdu’l-Bahá zu studieren,&lt;br /&gt;
können bei den Lehren verweilen, die Seinem Leben Inhalt gaben, können&lt;br /&gt;
die Universalität entdecken, die Er jeder Verhaltensweise einflößte, und&lt;br /&gt;
zu verstehen suchen, was Seine Lebensform für uns selbst bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „World Order, a Bahä’i Magazine“, Summer 1970. Allen L. Ward, Ph. D,, ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktor für Forschung und Personalschulung an einem Institut für Blindenfür-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorge in Arkansas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!) „The Memorial Services of Abdul-Bahä on Mount Carmel, Palestine“, compiled&lt;br /&gt;
and translated by Zia Bagdadi, Chicago 1921, S. 2-7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?) zitiert bei Myron H, Phelps, „Abdul Baha Abbas’ Leben und Lehren“, Stuttgart&lt;br /&gt;
1922, S. 38 und 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) J. E. Esslemont, „Bahä’u’lläh und das neue Zeitalter“, 4. Kap.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) zitiert by Zia Bagdadi, „Star of the West“ XIX, S. 140/141&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) zitiert bei Lady Blomfield, „The Chosen Highway, Wilmette/Ill. 1941, S. 89 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) vgl. „BAHA’I-BRIEFE“, Heft 4-7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?) „A Traveller’s Narrative“, trans. Edward G. Browne, New York 1930, S. 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) May Maxwell, „An Early Pilgrimage“, Oxford 1953, S. 19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) zitiert bei Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Kap. XVI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Thornton Chase, „In Galilee“, Chicago 1921, S. 29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Helen S. Goodall und Ella Goodall Cooper, „Daily Lessons Received at Acca“,&lt;br /&gt;
Chicago 1908, S. 5 °&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22) E, S. Stevens, „Light in the Lantern“, Everybody’s XXV, Dez. 1911, S. 775 ft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18) Elbert Hubbard, „A Modern Prophet“, Hearst&#039;s Magazine XXI, Juli 1912, S. 50&lt;br /&gt;
14) Stevens, wie 12), S. 782&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Blomfield, wie 5), S. 184 f.&lt;br /&gt;
16) ‘Abdu’l-Bahá, „Promulgation of Universal Peace“, Vol. I., Chicago 1922, S. 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17) zitiert in „The Universal Gospel that Abdul Baha Brings Us“, Current Litera-&lt;br /&gt;
ture, LII, Juni 1912, S. 678&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18) „Promulgation“, S. 466&lt;br /&gt;
19) zitiert bei Bagdadi, S. 182&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1303&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1304|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=14}}„Seit aller Ewigkeit warst Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fassungskraft und dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begriffsvermögen Deiner Die-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ner weit überlegen und über .&lt;br /&gt;
das Streben Deiner Knechte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Geheimnis auszudrücken,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unendlich erhaben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sinnbild des Größten Namens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Einführung von Abdu’l-Qäsim Faizi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch die anderen mannigfachen, grundlegenden Wahrheiten des&lt;br /&gt;
Neuen Zeitalters sollte die Bedeutung des Größten Namens, eines Myste-&lt;br /&gt;
riums, das seit undenklichen Zeiten „hinter dem mystischen Schleier“ in&lt;br /&gt;
der Schatzkammer göttlichen Wissens verborgen war, zur festgesetzten&lt;br /&gt;
Zeit in Einklang mit dem göttlichen Plan vor den Augen der Menschen&lt;br /&gt;
geoffenbart und dargelegt werden. Frühere Gottesboten, unter deren Ein-&lt;br /&gt;
fluß der Mensch geistige Fortschritte machte und gradweise ein klareres&lt;br /&gt;
Verständnis für seine verborgene Bedeutung erlangte, haben schon An-&lt;br /&gt;
deutungen gemacht. Wie eine strahlende, aber von Wolken umhüllte Sonne&lt;br /&gt;
blieb der Größte Name verborgen und unerkannt. Jene, die es danach&lt;br /&gt;
verlangte, einen Schimmer seines Glanzes zu erhaschen, kamen ihm zwar&lt;br /&gt;
näher, aber sie erfreuten sich nur eines matten Widerscheins. In Einklang&lt;br /&gt;
mit der unerforschlichen Weisheit in Gottes fortschreitender Offenbarung&lt;br /&gt;
der Wahrheit verblieben die Schleier während der vergangenen Jahr-&lt;br /&gt;
hunderte, bis sie stufenweise einer nach dem andern von diesem kost-&lt;br /&gt;
baren, allumfassenden Namen Gottes gehoben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erwartung früherer Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eifrigen Anhänger der früheren Religionen fanden in ihrem innigen&lt;br /&gt;
Wunsch, einen Lichtfunken jenes majestätischen Tagesanbruches zu er-&lt;br /&gt;
leben, daß der neue Name des All-Erhabenen, der erscheinen sollte,&lt;br /&gt;
„Licht“, „Glanz“ und „Herrlichkeit“ bedeute. Die Anhänger Krischnas z.B.&lt;br /&gt;
erwarteten Seine Wiederkunft unter dem Namen „Vishnu Yasha“, was in&lt;br /&gt;
Sanskrit „Herrlichkeit Gottes“ bedeutet. Das letzte Kapitel des Shrimad&lt;br /&gt;
Bhagwad der heiligen Hindu-Schrift stellt fest: „Vishnu Yasha wird von&lt;br /&gt;
großer Kraft, Klugheit und Tapferkeit sein ... Er wird in dieser Welt&lt;br /&gt;
Ordnung und Frieden wiederherstellen ... Der Mensch wird allgemein&lt;br /&gt;
anfangen, die Wahrheit zu ehren und in die Tat umzusetzen.“ !)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bahä’i-Gelehrter im Mittleren Osten, dessen Vater früher einem&lt;br /&gt;
buddhistischen Tempel vorstand und der sich in den Schriften jenes Glau-&lt;br /&gt;
bens gut auskannte, erzählte mir, daß er viele Male das gesamte Evange-&lt;br /&gt;
lium Buddhas in Sanskrit gelesen habe. Er verstand davon jedes Wort&lt;br /&gt;
mit Ausnahme eines Wortes, das aus „B“, „H“ und „A“ bestand und das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1304&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1305|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=15}}gelegentlich in der buddhistischen heiligen Schrift vorkam. Als er den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glauben kennenlernte, war das Geheimnis gelüftet. Zusammen-&lt;br /&gt;
gefügt ergaben diese Buchstaben den Namen „Bahä“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinweise sind bei Buddha außergewöhnlich klar. Ananda, einer&lt;br /&gt;
Seiner Jünger, fragte Ihn: „Wer wird uns lehren, wenn Du von uns ge-&lt;br /&gt;
gangen bist?“ Buddha antwortete mit diesen klaren Worten: „Ich bin nicht&lt;br /&gt;
der erste Buddha, der auf die Erde kam, noch werde ich der letzte sein.&lt;br /&gt;
Zur rechten Zeit wird ein anderer Buddha in der Welt erscheinen ... Er&lt;br /&gt;
wird euch die selben ewigen Wahrheiten offenbaren, die Ich euch gelehrt&lt;br /&gt;
habe. Er wird euch Seine Religion predigen, herrlich in ihrem Ursprung,&lt;br /&gt;
herrlich auf ihrem Gipfel, herrlich im Ziel, im Geist und im Wort.“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist höchst interessant festzustellen, daß in den buddhistischen Schrif-&lt;br /&gt;
ten, besonders im Amitayus Sutra, klar auf „AMITABHA“ als das „unend-&lt;br /&gt;
liche Licht der Offenbarung“, das „unbegrenzte Licht“ und den „Quell der&lt;br /&gt;
Weisheit, Tugend und Buddhahaftigkeit“ hingewiesen wird. Bei der Schil-&lt;br /&gt;
derung der Eigenschaften des wahren Schülers erklärte Buddha, jener sei&lt;br /&gt;
ein „wahrer Nachfolger“, der „von Herzen auf Amitabha, das grenzenlose&lt;br /&gt;
Licht der Wahrheit, vertraue.“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die jüdischen Mystiker kannten die Bedeutung der beiden Buchstaben&lt;br /&gt;
„B“ und „H“ und maßen ihnen große Wichtigkeit bei. Ihre geistigen&lt;br /&gt;
Führer und Philosophen schrieben Kommentare darüber und lenkten die&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit suchender Seelen auf diese Buchstaben. Unter den Juden&lt;br /&gt;
gibt es eine Legende über Salomons Siegel, das angeblich den Größten&lt;br /&gt;
Namen getragen haben soll und dem es, wie man sagt, die Macht über&lt;br /&gt;
alles Erschaffene, selbst die Tierwelt, verdankte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Jesaja lesen wir: „... Beschämt steht Libanon da und verdorrt. Der&lt;br /&gt;
Steppe gleich ist Scharon; Basan und Karmel werfen das Laub ab.“ ®)&lt;br /&gt;
Außerdem sagte Jesaja: „... denn die Herrlichkeit des Libanon soll ihr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gegeben werden, die Pracht des Karmel und der Ebene Saron. Sie werden&lt;br /&gt;
die Herrlichkeit des Herrn und die Pracht unseres Gottes sehen.“ 5) Es ist&lt;br /&gt;
interessant, diesen letzten Vers mit der arabischen Version zu vergleichen,&lt;br /&gt;
die wörtlich übersetzt lautet: „Gott wird dem Libanon seine Herrlichkeit&lt;br /&gt;
gewähren; das Bahä des Karmel und Sharon wird offenbar werden und&lt;br /&gt;
sie werden die Herrlichkeit Gottes, das Bahä unseres Herrn, schauen.“ ®)&lt;br /&gt;
Als Jesus zu den Juden sprach, denen diese Begriffe geläufig waren, sagte&lt;br /&gt;
Er deshalb, daß Er „in der Herrlichkeit des Vaters“ wiederkommen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der islamische Glaube dem Neuen Tag unmittelbar voranging,&lt;br /&gt;
fanden die Anhänger des Islam, daß die Schleier, die diesen verborgenen&lt;br /&gt;
Schatz verhüllten, durchsichtiger geworden sind, die himmlischen Licht-&lt;br /&gt;
strahlen stärker durchdringen ließen und die Wirklichkeit dieses Myste-&lt;br /&gt;
riums deutlicher preisgaben. Es waren klare Hinweise auf den Größten&lt;br /&gt;
Namen gegeben, und weil die Sucher deutliche Angaben zu diesen An-&lt;br /&gt;
spielungen fanden, wurden sie ermutigt, in ihrer Suche standhaft fortzu-&lt;br /&gt;
fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Worte der Imame und Gelehrten des Islam halfen, die suchenden&lt;br /&gt;
Seelen zur Quelle wahren Wissens zu leiten. Es gibt ein sehr machtvolles&lt;br /&gt;
Gebet, das die Schiiten während des Fastenmonats bei Tagesanbruch&lt;br /&gt;
singen. Die treuen Gläubigen erwachen in der Morgendämmerung und&lt;br /&gt;
nehmen die Melodie seiner Weise in sich auf, wenn es von den Minaretten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1305&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1306|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=16}}der Moscheen gesungen oder heutzutage vom Rundfunk übertragen wird.&lt;br /&gt;
Als Imäm Rida dieses Gebet einführte, sagte er: „Ich schwöre bei Gott,&lt;br /&gt;
daß der Größte Name in diesem Gebet gefunden wird. Hättet ihr das ge-&lt;br /&gt;
wußt, dann hättet ihr mit Schwertern gefochten, um dieses Gebet zu&lt;br /&gt;
besitzen.“ ?) Die einleitenden Worte des Gebets lauten: „O Gott, mein Gott!&lt;br /&gt;
Ich bitte Dich flehentlich bei Deinem Bahä, Deinem Bahä in seiner Ganz-&lt;br /&gt;
heit, Ich flehe Dich an bei all Deinem Bahä ...“ Das Gebet nennt im wei-&lt;br /&gt;
teren Verlauf andere Namen Gottes, so auch „Schönheit“, „Glanz“ und&lt;br /&gt;
alle die Namen, die im Bahä’i-Kalender vorkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Dichtern gepriesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichter und Philosophen fanden dieses wunderbare Geheimnis und be-&lt;br /&gt;
sangen es offen. In der Regierungszeit von Shäh ‘Abbäs, der ein Zeitge-&lt;br /&gt;
nosse der Königin Elizabeth I. war, kam der größte Gelehrte jenes Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts vom Libanon nach Persien und ließ sich in Isfähan, der damali-&lt;br /&gt;
gen Residenz- und Hauptstadt, nieder. Dieser Mann besaß ein umfassendes&lt;br /&gt;
Wissen und schrieb hervorragende Bücher über Künste, Wissenschaften,&lt;br /&gt;
Literatur und Philosophie seines Zeitalters. Es gibt viele Geschichten über&lt;br /&gt;
ihn, seine Gelehrsamkeit und Genialität. Es wird sogar berichtet, er hätte&lt;br /&gt;
eine Maschine erfunden, die Stimmen aus entfernten Gegenden wieder-&lt;br /&gt;
gab. Eine seiner Entdeckungen war der Größte Name, und deshalb nannte&lt;br /&gt;
er sich „Bahä’i“. Shaykh Bahä’i ist fraglos der berühmteste aller per-&lt;br /&gt;
sischen Gelehrten. In einem seiner Werke sagt er: „Der Größte Name ist&lt;br /&gt;
dem Menschen unbekannt, aber in der Liste aller Namen Gottes steht er&lt;br /&gt;
an erster Stelle.“ Zweifellos meinte er damit das oben erwähnte Gebet&lt;br /&gt;
zur Morgendämmerung, das mit dem Namen Bahä beginnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedichte Mawlavis (Jaläl-i-Din Rümi), des größten mystischen Dich-&lt;br /&gt;
ters des Ostens, sind für ihre Schilderung der geistigen Reise des Men-&lt;br /&gt;
schen und deren Endziel in den Welten Gottes berühmt. Mawlavi erklärte:&lt;br /&gt;
„Wir haben Bahä gefunden und wir eilen, ihm unser Leben als Opfer&lt;br /&gt;
darzubringen. Er ist unsere Erlösung.“ 8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häfiz, der berühmteste Lyriker des Ostens, wandte sich an Persien und&lt;br /&gt;
sprach: „Möge dieses Land ewig blühen! Bei jedem Atemzug entströmen&lt;br /&gt;
seiner heiligen Erde die Düfte des Barmherzigen. Frohe Botschaften seien&lt;br /&gt;
den glorreichen Königen Persiens! Frohe Botschaften für ein seliges Ende!&lt;br /&gt;
Die Macht des Größten Namens hat das Übel von diesem Lande abge-&lt;br /&gt;
halten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich in Arabien war, studierte ich das Manuskript eines dortigen Ge-&lt;br /&gt;
lehrten über mystische Philosophie. In einem Kapitel spricht der Autor&lt;br /&gt;
von den Bedingungen, die der Sucher auf dem Pfad zu Gott beachten&lt;br /&gt;
muß, und sagte: „Jene, die den Pfad betreten und an das Tor des erleuch-&lt;br /&gt;
teten Wissens klopfen, sind aufrichtig und geduldig. Sie stehen den&lt;br /&gt;
Engeln, die sie willkommen heißen, reinigen und läutern, von Angesicht&lt;br /&gt;
zu Angesicht gegenüber. Man reicht ihnen Wasser aus der Quelle Bahäs.&lt;br /&gt;
Wenn sie ihre Augen öffnen, sehen sie, wie mit großer Majestät Gott vor-&lt;br /&gt;
übergeht; Sein Name leuchtet über dem Horizont des Reiches ... Obwohl&lt;br /&gt;
sie auf Erden wandeln, sind jene Menschen dem Herzen nach mit dem&lt;br /&gt;
Erhabensten Ort und den Bewohnern des Großen Tabernakels ver-&lt;br /&gt;
bunden.“ 9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1306&lt;br /&gt;
{{page|1307|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=17}}Den Babi kundgetan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Anbruch des Neuen Zeitalters und dem Erscheinen seines&lt;br /&gt;
Herolds, des Báb, wurden die verbliebenen Schleier durch die Bewegung&lt;br /&gt;
Seiner erhabenen Feder zerrissen. Die Menschen verstanden, mehr und&lt;br /&gt;
mehr, daß ohne den leisesten Zweifel „Bahä“ der so wohl verwahrte&lt;br /&gt;
Name war, der in aller Herrlichkeit und Majestät offenbar zu werden&lt;br /&gt;
bestimmt wurde. Die Deutlichkeit, mit der der Báb auf Bahä’u’lläh hin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wies und die glühenden Worte, mit denen er Ihn pries, machten „Bahä“&lt;br /&gt;
zum Brennpunkt der Verehrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb hob den Größten Namen in den Manuskripten Seiner unver-&lt;br /&gt;
gleichlichen Schriften deutlich heraus. Vor Jahren hatte ich die Ehre, drei&lt;br /&gt;
Bände Seiner Schriften zu lesen, ehe sie dem geliebten Hüter überbracht&lt;br /&gt;
wurden. Die Bücher waren von Mullä ‘Ali Akbar Ardistani!P) im ersten&lt;br /&gt;
Jahr der Sendung des Báb niedergeschrieben worden — mit schwarzer&lt;br /&gt;
Tinte, aber wann immer einer der zahlreichen Hinweise auf das Wort&lt;br /&gt;
„Bahä“ vorkam, erschien dieses Wort in rot. Im allerersten Jahr Seines&lt;br /&gt;
Wirkens hatte der Báb Seine Sekretäre zu dieser Schreibweise angehalten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um jenen, die keine Zeit oder Geduld hatten, Seine Schriften ganz zu&lt;br /&gt;
lesen, zu helfen, diesen Namen zu sehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Schriften des Báb gibt es unzählige Hinweise auf „Bahä“. Sie&lt;br /&gt;
alle anzuführen ginge weit über den Rahmen dieses Aufsatzes hinaus. Es&lt;br /&gt;
genügt festzustellen, daß Er gesagt hat: „Wohl dem, der seinen Blick auf&lt;br /&gt;
die Ordnung Bahä’u’llähs richtet und seinem Herrn dankt.“ 1!)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Anhänger des Báb sich unter besonderen Umständen in Badasht&lt;br /&gt;
versammelten, erhielt dort jeder einen neuen Namen. Sie erkannten dabei,&lt;br /&gt;
daß dieses strahlende Diadem der Macht und Majestät seine ewige Offen-&lt;br /&gt;
barung gefunden hatte — nicht auf dem Haupte eines Gelehrten im Talar,&lt;br /&gt;
sondern auf dem eines Jünglings, dessen Erscheinung majestätisch, dessen&lt;br /&gt;
Haltung und Sitten herrlich und der in jedem Atom seines Wesens göttlich&lt;br /&gt;
war. In den Augen der Menschen war er so erhaben, so hoch geachtet&lt;br /&gt;
und verehrt, daß sie aus reiner Verehrung und Liebe nicht wagten, Seinen&lt;br /&gt;
Namen auszusprechen. Statt dessen wurde Er mit „Ishan“ angeredet.!?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Buchstaben des Lebendigen und die ersten Gläubigen kannten nun-&lt;br /&gt;
mehr den Träger dieses Namens und nahmen in Ihm solche himmlischen&lt;br /&gt;
Eigenschaften wahr, daß sie, obgleich sie bereits von dem neu gefundenen&lt;br /&gt;
Lebensstrom getrunken hatten, sehnsüchtig um den noch herrlicheren Tag&lt;br /&gt;
Gottes beteten — den Tag, an dem sie in den mächtigen, himmlischen&lt;br /&gt;
Ozean der Verkündigung dieses Größten Wesens tauchen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tähirih schreibt in einem ihrer Briefe: „O mein Gott! O mein Gott! Der&lt;br /&gt;
Schleier vor dem Antlitz dieser Spur göttlicher Gegenwart muß fallen!&lt;br /&gt;
O mein Gott! Beschütze Husayn, das Geheimnis Muhammads, und führe&lt;br /&gt;
den Tag der Vereinigung mit Ihm schnell herbei... O mein Gott! Laß den&lt;br /&gt;
Punkt von Bahä kreisen ,„.. O mein Gott! Beschütze alle, die die Zwillings-&lt;br /&gt;
punkte umwandeln und mache sie standhaft in Deiner größten Sache, so&lt;br /&gt;
daß sie den Punkt erblicken mögen, der Licht auf sie ergießt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Wunder also, daß Hunderte von Gelehrten und hervorragenden&lt;br /&gt;
Geistlichen auf dem Pfad der Verkündigung des Größten Namens ihr&lt;br /&gt;
Leben in Ergebenheit und Glauben opferten. Sie warteten auf Sein Kom-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1307&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1308|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
men, auf den Augenblick des Aufleuchtens Seines Glanzes. Sobald sie&lt;br /&gt;
fühlten, wie Er zu Seinem Aufgangsort emporstieg, entflammten sie in&lt;br /&gt;
Seinem Licht, erhoben sich wie entzündete Leuchten und wurden die&lt;br /&gt;
„Dawn Breakers“, die die Nacht vertreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt zahlreiche prophetische Hinweise auf den Namen, den Geburts-&lt;br /&gt;
ort, den Zeitpunkt der Erklärung, die Verbannungsorte, die Gefangen-&lt;br /&gt;
schaft und das ganze Schicksal der Zentralgestalt unseres Glaubens. Im&lt;br /&gt;
Rahmen dieses Aufsatzes genügt es, folgende wichtige, authentische isla-&lt;br /&gt;
mische Überlieferung zu kennen: „Alle Anhänger des verheißenen Qä’im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden getötet außer dem Einen, dessen Antlitz mit der Schönheit Abhä&lt;br /&gt;
in der Ebene von ‘Akkä leuchten wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Einführung fassen wir zusammen, daß der Größte Name&lt;br /&gt;
„Bahä“ ist. Dies sollte klar verstanden und stets gegenwärtig sein, wenn&lt;br /&gt;
wir nun fortfahren, mit unseren begrenzten Mitteln dieses große göttliche&lt;br /&gt;
Geheimnis zu ergründen. Wir müssen langsam und geduldig, Schritt für&lt;br /&gt;
Schritt, vorgehen, um jede Phase dieses wichtigen Themas zu untersuchen,&lt;br /&gt;
bis wir einen genauen Begriff von allen Fragen bekommen, die diesen&lt;br /&gt;
Gegenstand betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb verehrte den Namen „Bahä“ und gebrauchte ihn häufig in&lt;br /&gt;
Seinen Schriften. Er machte sogar viele Ableitungen von diesem einen&lt;br /&gt;
Wort und schrieb sie in einem Tablet nieder, das die Gestalt eines fünf-&lt;br /&gt;
zackigen Sternes hat. Das Pentagramm versinnbildlicht den menschlichen&lt;br /&gt;
Tempel (Körper).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden nun lediglich einige Punkte hervorheben, um den Weg zum&lt;br /&gt;
klaren Verständnis des Symbols des Größten Namens zu bahnen, ohne&lt;br /&gt;
dabei zu versuchen, diesen Gegenstand erschöpfend zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Größten Namens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Erklärung des Symbols des Größten Namens beruht vorwiegend&lt;br /&gt;
auf einem von ‘Abdu’l-Bahá geoffenbarten Tablet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer entwarf das Sinnbild?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Gläubigen, die die Gnade und das Vorrecht hatten, in der&lt;br /&gt;
Gegenwart des geliebten Meisters zu weilen, berichtete eine mündliche&lt;br /&gt;
Darlegung des Meisters, wonach Er selbst dieses Sinnbild geschaffen habe.&lt;br /&gt;
Kein Geringerer als &#039;Abdu’l-Bahá konnte dieses Sinnbild entworfen haben,&lt;br /&gt;
denn wer sonst hätte so viele göttliche Geheimnisse auf so kleinem Raum&lt;br /&gt;
und in so wenigen Buchstaben zusammenfassen können! Einige Mystiker&lt;br /&gt;
unter den Israeliten lenkten die Aufmerksamkeit ihrer Anhänger nach-&lt;br /&gt;
drücklich auf die beiden Buchstaben „b“ und „h“ und deuteten an, daß sie&lt;br /&gt;
etwas mit dem Größten Namen zu tun hätten. Man sagt, daß der Größte&lt;br /&gt;
Name der vorherrschende Schmuck des Tempels war. Den Moslem war&lt;br /&gt;
er noch vertrauter, aber nicht in dieser Form und Vollendung. In den&lt;br /&gt;
islamischen Gesetzen über Gebet und Verehrung heißt es, wer je einen&lt;br /&gt;
Ring mit dem Symbol des Größten Namens besäße, solle ihn an der&lt;br /&gt;
rechten Hand tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh verpflichtet die Freunde nicht, einen Ring mit diesem Sinn-&lt;br /&gt;
bild zu tragen, zumal da es diesbezüglich kein besonderes Gesetz von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1308&lt;br /&gt;
{{page|1309|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=19}}Bahä’u’lläh im Agdas oder in Seinen Tablets gibt. Der geliebte Meister&lt;br /&gt;
sagte den Freunden im Westen, daß man den Ring an der rechten Hand&lt;br /&gt;
tragen solle, was eine Verewigung des obigen islamischen Gesetzes be-&lt;br /&gt;
deutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Ableitungen vom Namen Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä = Licht oder Herrlichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abhäa = am herrlichsten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al Abhä = der Allherrliche, der Herrlichste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahiyyih = Name des Größten Heiligen Blattes, „voll Herrlichkeit“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alläh’w’Abhä = „Gott, der Allerherrlichste“, ein Bahäa’i-Gruß, der in den&lt;br /&gt;
Tagen von Adrianopel aufkam und seither gebraucht wird.&#039;?) Ihn täg-&lt;br /&gt;
lich fünfundneunzigmal zu sprechen, ist gemäß einem Hinweis im&lt;br /&gt;
Auftrag des Hüters „nicht absolut bindend“. „Alläh’wW’Abhä“ muß im&lt;br /&gt;
langen täglichen Gebet an den Stellen wiederholt werden, wo die An-&lt;br /&gt;
leitung zum Sprechen des Größten Namens auffordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ya Bahä’w’l-Abhä = eine Anrufung; sie bedeutet „O Herrlichkeit des&lt;br /&gt;
Allerherrlichsten“. In diesem Zusammenhang erinnern wir an die auf-&lt;br /&gt;
rüttelnde Botschaft des Hüters zu den Interkontinentalen Konferenzen&lt;br /&gt;
1953, wo er auf „Yä Bahä’u’l-Abhä“ und „Ya ‘Aliyyu’l-A’lä“ („O Erha-&lt;br /&gt;
benheit des Erhabensten“) als „Anfeuerungsrufe* der Pioniere und&lt;br /&gt;
Lehrer an den vielen Stätten des weltumfassenden Kreuzzuges hin-&lt;br /&gt;
weist. Nirgends in den Schriften wird verlangt, daß wir solche Anru-&lt;br /&gt;
fungen so und so viele Male am Tage wiederholen sollen. Wie dem auch&lt;br /&gt;
sei, welch packendes Erlebnis ist es für uns, wenn wir in Zeiten bitterer&lt;br /&gt;
Not Gottes Führung, Hilfe und Kraft suchen, indem wir uns&lt;br /&gt;
Bahä’u’llaäh und dem Báb mit diesen schönen Anrufungen direkt zu-&lt;br /&gt;
wenden! Yä Bahä’u’l-Abhä wird so dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Symbolik des Größten Namens&lt;br /&gt;
Beginnen wir mit den Grundzügen des Bildes und vervollständigen wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es schrittweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ao&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Teil des Symbols besteht aus drei Ebenen, wobei jede Ebene eine&lt;br /&gt;
Zahl bedeutet. Zusammen stellen sie den grundlegenden Glauben dar,&lt;br /&gt;
der die Basis aller Religionen Gottes bildet. Sie bedeuten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1309&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1310|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Die Welt Gottes — der Schöpfer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die Welt der Propheten oder Manifestationen — die Sache, der&lt;br /&gt;
Befehl Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Die Welt des Menschen — Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger aller Religionen glauben, daß der Mensch, sich selbst&lt;br /&gt;
überlassen, Gott niemals erkennen oder in Seine Gegenwart gelangen&lt;br /&gt;
könne, noch imstande sei, das Geheimnis und den Sinn seiner eigenen&lt;br /&gt;
Erschaffung zu ergründen. Gott hat und wird weiterhin in Seiner grenzen-&lt;br /&gt;
losen Gnade Seine Erwählten ausersehen, die Er zu verschiedenen Zeiten&lt;br /&gt;
in die Welt des Menschen sendet, um ihm umfassende Einsicht zu ver-&lt;br /&gt;
mitteln und ihm einen Schimmer der nie verblassenden Herrlichkeiten der&lt;br /&gt;
zahllosen jenseitigen Welten zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Propheten willigen ein, von ihrem Reich der Höhe herabzusteigen,&lt;br /&gt;
und sie erdulden die Erniedrigung, in einem menschlichen Tempel&lt;br /&gt;
(Körper) zu leben, unter Menschen zu wandeln und ihre Sprachen zu&lt;br /&gt;
sprechen. Seit eh und je wurden die Manifestationen verleugnet, verlacht,&lt;br /&gt;
gedemütigt und sogar getötet. Ohne Ihren geistigen Impuls und Ihre Füh-&lt;br /&gt;
rung hätte der Mensch weiterhin wie ein wildes Tier gelebt, zu ewiger&lt;br /&gt;
Armut und Ehrlosigkeit verdammt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Funktionen der Propheten sind im Zeichen des Größten Namens&lt;br /&gt;
klar dargelegt, indem die Ebene der Propheten, als horizontale Linie auf-&lt;br /&gt;
geführt, vertikal wiederholt wird. Diese Linie verbindet so die Welt des&lt;br /&gt;
Schöpfers mit der Seiner Schöpfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz hierzu glauben die Mystiker nur an zwei Welten, die Welt&lt;br /&gt;
Gottes und die Welt des Menschen. Sie verkünden, losgelöst von allen&lt;br /&gt;
weltlichen Wünschen und irdischen Verhaftungen werde der Mensch fähig,&lt;br /&gt;
in die Gegenwart des Herrn, des Schöpfers, zu gelangen. Die Mystiker&lt;br /&gt;
behaupten, man brauche kein Verbindungsglied zwischen Gott und seiner&lt;br /&gt;
Schöpfung. Deshalb glauben sie an Askese und leben danach, indem sie&lt;br /&gt;
sich teilweise an abgelegene Orte der Welt in die Berge oder Wälder&lt;br /&gt;
zurückziehen. Ein solches Eremitenleben hat die mächtige Feder&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs ausdrücklich verboten, weil Er jeden Menschen als ein frucht-&lt;br /&gt;
tragendes Glied der Gesellschaft zu sehen wünscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1310&lt;br /&gt;
{{page|1311|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=21}}Die Baha’i glauben, daß der Mensch, zu welchen Gipfeln geistigen,&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen und materiellen Erfolges er auch aufsteige, die göttliche&lt;br /&gt;
Führung durch die Propheten nötig hat und immer nötig haben wird. Nur&lt;br /&gt;
durch Sie kann der Mensch die Geheimnisse wahrer Zivilisation begreifen&lt;br /&gt;
und den Willen, die Absicht seines Schöpfers erkennen. Die Bahä’i glau-&lt;br /&gt;
ben außerdem, daß durch das umfassende Verständnis für die prophetische&lt;br /&gt;
Religion und durch die rückhaltlose Einführung ihres Wertsystems, ihrer&lt;br /&gt;
lebenswichtigen Vorkehrungen und Lehren der Mensch den höchsten&lt;br /&gt;
Zustand der Glückseligkeit erreichen und sich der Gegenwart seines Herrn&lt;br /&gt;
erfreuen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir weiter über dieses Zeichen nach und betrachten wir mit&lt;br /&gt;
eigenen Augen die vollkommene Erfüllung des christlichen Vaterunsers.&lt;br /&gt;
Die Lichter des Reiches der Höhe werden von den Manifestationen Gottes&lt;br /&gt;
auf die Ebene der Schöpfung gespiegelt; so erfüllt sich die Verheißung,&lt;br /&gt;
daß das Reich Gottes „wie im Himmel also auch auf Erden“ kommen&lt;br /&gt;
werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Buchstaben des Größten Namens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studieren wir nun die Buchstaben, die in das Symbol gelegt sind, um&lt;br /&gt;
ihre Bedeutung zu entdecken. In der Schrift des Orients werden die Buch-&lt;br /&gt;
staben „B* und „H*W_&amp;gt; bzw. os geschrieben. „B“ steht für den Namen&lt;br /&gt;
„Bahä“ und „h“ steht für den Namen „Báb“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Bedeutung und die ganze Tragweite der schönen und kunst-&lt;br /&gt;
vollen Verbindung dieser beiden Schriftzeichen im Größten Namen zu&lt;br /&gt;
erfassen, müssen wir uns daran erinnern, daß von den Völkern des Nahen&lt;br /&gt;
Ostens als erste die Phoenizier mit ihren Schiffen zu fernen Ländern&lt;br /&gt;
fuhren. Wohin sie auch reisten, errichteten sie Handelsplätze, und als&lt;br /&gt;
Händler sahen sie sich gezwungen, praktische Methoden zur Aufzeichnung&lt;br /&gt;
ihrer Geschäfte zu entwickeln. Die Zeichen, die sie sich zulegten, wurden&lt;br /&gt;
ihr Alphabet. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich dieses Alphabet&lt;br /&gt;
zum Grundmuster für die Alphabete, die heute in Ost und West benützt&lt;br /&gt;
werden. Gibbon sagt: „Phönizien und Palästina werden ewig im Gedächt-&lt;br /&gt;
nis der Menschheit leben, denn Amerika wie Europa bekamen vom einen&lt;br /&gt;
die Buchstaben und vom andern die Religion.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vermächtnis der alten Kulturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Gebrauch von Buchstaben wurde bei den Wilden Europas etwa&lt;br /&gt;
1500 Jahre vor Christus eingeführt; und die Europäer brachten sie etwa&lt;br /&gt;
15 Jahrhunderte nach dem Beginn der christlichen Zeitrechnung nach&lt;br /&gt;
Amerika. Aber im Verlauf dieser 3000 Jahre wurde das phönizische&lt;br /&gt;
Alphabet unter dem Einfluß der Griechen und Römer beträchtlich ver-&lt;br /&gt;
ändert.“ !#)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
will Durant nennt in seiner großartigen „Geschichte der Zivilisation“&lt;br /&gt;
diesen Beitrag das kostbarste Vermächtnis der alten Kulturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1311&lt;br /&gt;
{{page|1312|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=22}}Die alten Alphabete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phoenizier benützten ihr Alphabet als Buchstaben und als Zahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hatte jeder Buchstabe einen Zahlenwert. Ihr Alphabet beginnt&lt;br /&gt;
so 15):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchstabe Zahlenwert Buchstabe Zahlenwert&lt;br /&gt;
A 1 H 8&lt;br /&gt;
B 2 T 9&lt;br /&gt;
J (dsch) 3 I 10&lt;br /&gt;
D 4 K 20&lt;br /&gt;
H 5 L 30&lt;br /&gt;
W 6 M 40&lt;br /&gt;
Z 7 N 50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Phoenizier „ein Haus, zwei Jahre oder neun Briefe“ sagen&lt;br /&gt;
wollten, schrieben sie „A. Haus, B Jahre, T Briefe“, Es gibt in den heuti-&lt;br /&gt;
gen westlichen Sprachen einige recht interessante Überbleibsel jenes Ein-&lt;br /&gt;
flusses, den dieses alte Volk des Nahen Ostens ausübte. Die vier Buch-&lt;br /&gt;
staben K, L, M und N stehen im lateinischen und griechischen Alphabet&lt;br /&gt;
in genau derselben Reihenfolge wie im phoenizischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Etappe im Umgang mit Zahlen war das Einführen von&lt;br /&gt;
Ziffern durch die Moslems, die diese von den Indern übernahmen. Die&lt;br /&gt;
Moslems fügten den 9 Ziffern der Inder die Null bei und vervollständigten&lt;br /&gt;
damit die Wissenschaft von den Zahlen. Die Welt ist den Indern für&lt;br /&gt;
diesen sehr wertvollen, grundlegenden Beitrag zu Dank verpflichtet.&lt;br /&gt;
Denn ohne diese Ziffern hätten die mathematischen Wissenschaften stag-&lt;br /&gt;
niert. Ohne Mathematik hätte der Mensch in der Technik keinen Fort-&lt;br /&gt;
schritt gemacht, und er hätte auch nicht die Werkzeuge bauen können,&lt;br /&gt;
mit denen er heutzutage das Aussehen der Erde verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen des Ostens gaben den Buchstaben ihres Alphabets weiter-&lt;br /&gt;
hin Zahlenwerte, obwohl sie die indischen Ziffern hatten. Es ist auch&lt;br /&gt;
heute noch üblich, daß Dichter, Theologen und Schriftsteller. ihren Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
danken durch die Symbolik der Zahlenwerte von Buchstaben Ausdruck&lt;br /&gt;
verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb wandte diese Methode sehr häufig an. Er gab oft Personen und&lt;br /&gt;
Orten Beinamen, die den gleichen Zahlenwert wie die ursprünglichen&lt;br /&gt;
Namen hatten. Zum Beispiel nannte er Mah-kü „Basit“ (offen). Mah-kü&lt;br /&gt;
und Basit haben beide den Zahlenwert 72. Er nannte Chihriq „Shadid“&lt;br /&gt;
(kummervoll). Diese beiden Wörter haben den Zahlenwert 318. Der große&lt;br /&gt;
Verfasser der „Dawn Breakers“ hieß Muhammad, sein Beiname aber war&lt;br /&gt;
Nabil. Der Zahlenwert beider Namen ist 92. Dieselbe Methode wurde bei&lt;br /&gt;
den Symbolzeichen des Größten Namens angewandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh und der Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zahlenwert für Bibist:B=23, A = 1, B&lt;br /&gt;
Der Name „Bahä“ (Bhäa) ist wie Ale: B=23,H&lt;br /&gt;
zusammen = 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1312&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1313|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=23}}Die Neun ist die vollkommene Zahl an der Spitze der Leiter des pro-&lt;br /&gt;
gressiven Zahlenaufbaus. Sie ist sehr geheimnisvoll und in ihr liegen&lt;br /&gt;
mehr besondere Eigenschaften und Möglichkeiten als in jeder anderen&lt;br /&gt;
Zahl. Die Zahlenreihe endet mit der Neun. Was immer wir nach der&lt;br /&gt;
Neun in Zahlen schreiben, ist eine Wiederholung derselben Ziffern. Die&lt;br /&gt;
Menschheit wird im Laufe der Zeiten schrittweise die Geheimnisse dieser&lt;br /&gt;
besonderen Zahl, die den numerischen Ausdruck des Größten Namens&lt;br /&gt;
„Bahä“ (Bhäa) darstellt, ergründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zahl Neun enthält alle Zahlen von eins bis neun. Zusammengezählt&lt;br /&gt;
ergeben sie eine Summe von 45 (1+2+3 usw.). Nun führen wir unsere&lt;br /&gt;
Berechnung auf diese Weise weiter und sagen, daß die Zahl 5, die den&lt;br /&gt;
Báb darstellt (B = 2, A = 1) alle Zahlen von 1 bis 5 enthält, die zusam-&lt;br /&gt;
mengezählt eine Summe von 15 ergeben. Der Name von Eva besteht im&lt;br /&gt;
Arabischen, Persischen und anderen orientalischen Sprachen aus den drei&lt;br /&gt;
Buchstaben: H = 8 W = 6,A = 1. Ihre Summe ist 15. Ebenso besteht&lt;br /&gt;
der Name von Adam in den orientalischen Sprachen aus drei Buchstaben:&lt;br /&gt;
A=1D=-4M = 40 Ihre Summe ist 45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entdecken wir, daß zwei traditionsreiche Namen wie Adam und Eva,&lt;br /&gt;
die ersten beiden geistigen Geschöpfe Gottes, von denen die alten Heiligen&lt;br /&gt;
Schriften berichten und die durch Jahrhunderte von den Menschen verehrt&lt;br /&gt;
wurden, mit den beiden Manifestationen verbunden sind, auf die alle&lt;br /&gt;
Bücher Gottes hinweisen und deren Erscheinen sie für den letzten Tag&lt;br /&gt;
verheißen. Adam und Eva stehen in diesem großartigen Sinnbild mit dem&lt;br /&gt;
Báb und Bahä’u’lläh in Beziehung, womit dieses Sinnbild zum Zeichen&lt;br /&gt;
der Einheit zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Opfers und der Dienstbarkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden fünfzackigen Sterne an beiden Seiten des Zeichens stellen&lt;br /&gt;
den menschlichen Körper dar: einen Kopf, zwei Arme und zwei Beine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehe stets gerade voran und beharre in Seinem Dienst.&lt;br /&gt;
Sprich: O Menschen! Der Tag, der euch in allen Schriften ver-&lt;br /&gt;
heißen wurde, ist jetzt gekommen. Fürchtet Gott und vorent-&lt;br /&gt;
haltet euch nicht selbst die Erkenntnis des Einen, der das Ziel&lt;br /&gt;
eurer Erschaffung ist. Eilt zu Ihm. Das ist besser für euch als&lt;br /&gt;
die Welt und alles, was in ihr ist. Könntet ihr es doch er-&lt;br /&gt;
kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese CXLIV Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1313&lt;br /&gt;
{{page|1314|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=24}}Die beiden Sterne bedeuten die beiden Offenbarer Gottes an diesem Tage.&lt;br /&gt;
Ihr Kommen ist die Erfüllung aller Bücher der Gottesboten vergangener&lt;br /&gt;
Zeiten, die der Menschheit nachdrücklich und immer wieder in einer&lt;br /&gt;
Sprache, klarer als das Licht der Sonne, das unzweifelhafte Kommen&lt;br /&gt;
dieser Zwillingsleuchten bestätigten, die die Welt von den Fesseln des&lt;br /&gt;
Vorurteils und von der Zwangsherrschaft des Selbstes befreien würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das echte Beispiel der Lehren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schluß erlaube ich mir, noch eine andere Bedeutung der beiden&lt;br /&gt;
Sterne anzuregen. Dies ist eine rein persönliche, nicht authorisierte An-&lt;br /&gt;
sicht. Man könnte sich Gott als in seiner strahlendsten Herrlichkeit in der&lt;br /&gt;
majestätischen Gestalt Bahä’u’llähs erschienen vorstellen; Ihm stehen&lt;br /&gt;
zwei überragende Persönlichkeiten von unübertrefflicher Schönheit zur&lt;br /&gt;
Seite: der Báb, der Herold, die Verkörperung von Opfer und Selbstver-&lt;br /&gt;
leugnung, der höchste Ausdruck wahrer Liebe, die jemals in diesem be-&lt;br /&gt;
grenzten Leben möglich ist, und ‘Abdu’l-Bahá, der Mittelpunkt des Bünd-&lt;br /&gt;
nisses, das echte Beispiel der Lehren, die höchste Verkörperung der&lt;br /&gt;
Dienstbarkeit. Sie beide geben ein Beispiel für die Geheimnisse von Opfer&lt;br /&gt;
und Dienst; Sie rufen alle Menschen auf, sich eilig aufzumachen und ihre&lt;br /&gt;
Fähigkeiten als bescheidene Gaben für die Errichtung der erlösenden&lt;br /&gt;
Ordnung Gottes, der Wiederspiegelung Seines Reiches auf Erden, darzu-&lt;br /&gt;
bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „Bahä’i News“ (USA), Oktober 1968, Nr. 451&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Prof, Printam Singh, „The Second Coming of Shri Krishna“, p. 10&lt;br /&gt;
2) Predigt vom Großen Dahinschwinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Shirin Khanum, „Lord Buddha and Amitabha“, pp. 13, 17-19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Jesaja, Kap. 33, Vers 9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Jesaja, Kap. 35, Vers 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Bibel, arabische Übersetzung, 1881, 3. Aufl. ebenso: Ishraq Khavari, Rahigq-i-&lt;br /&gt;
Makhtum. (Der Versiegelte Wein) pp. 218-219.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Mafatihu’l Janan, Schlüssel zum Paradies. Zusammenstellung moslemischer&lt;br /&gt;
Gebete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Nabils Erzählungen, p. 72 „Wer immer Mich sucht, wird Mich finden“ (eine&lt;br /&gt;
Überlieferung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®») Magqam A’ala ist der Name, den ‘Abdu’l-Bahá&amp;amp;ä dem Schrein des Báb gab. Er&lt;br /&gt;
bedeutet „Der Erhabene Ort“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Nabils Erzählungen, p. 146, Fußnote Nr. 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Seite 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Höflichkeitsform des persischen Fürworts für die 3. Person Einzahl.&lt;br /&gt;
18) Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Seite 200&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14) Gibbon, „The Decline and Fall of the Roman Empire“, Kap. l, p. 32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Das hebräische Alphabet, das die Israelis heute verwenden, ist genau das&lt;br /&gt;
gleiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1314&lt;br /&gt;
{{page|1315|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=25}}Lehrarbeit im Mittelpunkt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der 41. Nationaltagung der deut-&lt;br /&gt;
schen Bahü’i in Frankfurt Ende April&lt;br /&gt;
standen im Mittelpunkt — außer der&lt;br /&gt;
Wahl des neuen nationalen Rats —&lt;br /&gt;
die Diskussionen über die Lehrarbeit.&lt;br /&gt;
Es wurde mitgeteilt, daß sechs neue&lt;br /&gt;
Geistige Räte gebildet werden konn-&lt;br /&gt;
ten; ferner soll die Jugendarbeit akti-&lt;br /&gt;
viert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1315&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1316|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William Sears&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der&lt;br /&gt;
Bundesrepublik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Vertreter des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Weltzentrums in Haifa hat&lt;br /&gt;
William Sears im Frühjahr die&lt;br /&gt;
Bundesrepublik bereist. Sears&lt;br /&gt;
ist Autor mehrerer Bücher, Fernseh- und Theaterstücke. In Deutschland&lt;br /&gt;
ist er nicht zuletzt durch sein Buch „Dieb in der Nacht“ bekannt geworden,&lt;br /&gt;
in dem er das Wiederkunftsgeschehen in der Mitte des 19. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
anhand zahlreicher Bibelstellen und ähnlich lautender Hinweise aus dem&lt;br /&gt;
Koran in der Form eines spannenden „Kriminalromans“ schildert. Der&lt;br /&gt;
60 Jahre alte ehemalige US-Sportreporter ist im Jahr 1957 von Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, dem „Hüter“ der Bahä’i-Religion, zur „Hand der Sache Gottes“&lt;br /&gt;
berufen worden. Seither hat Sears eine große Zahl von Weltreisen unter-&lt;br /&gt;
nommen, die stets ausgesprochene Lehrreisen waren und ihm die Gelegen-&lt;br /&gt;
heit boten, Tausende von Menschen mit der Bahä’i-Religion bekannt zu&lt;br /&gt;
machen. Durch seine lebendige und humorvolle Art gelingt es ihm stets,&lt;br /&gt;
seine Zuhörer zu fesseln. Unter anderem nahm er Ende April auch an der&lt;br /&gt;
41. Nationaltagung der deutschen Bahä’i in Frankfurt/Main teil. Sears&lt;br /&gt;
überbrachte dabei die Grüße des Universalen Hauses der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
und berichtete über die vor allem in den USA erfolgreiche Bahä’i-Lehr-&lt;br /&gt;
tätigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinen Vorträgen in der Bundesrepublik wies Sears immer wieder&lt;br /&gt;
auf die durch die drei Zentralgestalten des Bahä’i-Glaubens der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zuteil gewordene Fülle göttlicher Offenbarung und Anleitung hin.&lt;br /&gt;
Allein Bahä’u’lläh habe mit eigener Feder über 100 Bände geschrieben —&lt;br /&gt;
ein Phänomen, das in der bisherigen Religionsgeschichte ohne Parallelen&lt;br /&gt;
sei. Die Auswirkungen würden durch die kommenden Jahrhunderte spür-&lt;br /&gt;
bar sein und Generationen ungeahnte Impulse verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1316&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1317|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=27}}Kommunikation als Lehrtechnik&lt;br /&gt;
Vier Aktionsrichtungen / von Chellie J. Sundram&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Ozeanischen Bahä’i-Konferenz in&lt;br /&gt;
Singapur, 1.-3. Januar 1971, fand ein Proklamationsseminar&lt;br /&gt;
statt, in dem Dr. Chellie J. Sundram, Mitglied des Berater-&lt;br /&gt;
amts für Südostasien, über „Die Bahäa’i-Ausstellungen als&lt;br /&gt;
Werkzeug der Kommunikation“ referierte. Die nachfolgenden&lt;br /&gt;
einleitenden Ausführungen entnehmen wir den „Malaysian&lt;br /&gt;
Bahü’i News“, Vol. 6, No. 4, Dec. 1970/Jan. 1971, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Glaube ist ein auf das Verhalten ausgerichteter Erziehungs-&lt;br /&gt;
prozeß, weil er Muster für ein Leben in weltweiter Einheit und Einmütig-&lt;br /&gt;
keit bietet. Bei allen Fragen der Kommunikation müssen zunächst Ar-&lt;br /&gt;
beitsprogramme aufgestellt werden. Erst wenn ein solches Programm vor-&lt;br /&gt;
handen ist, können wir uns in die programmierte Richtung bewegen. In&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Lehrarbeit müssen wir uns von Kommunikationsprozessen&lt;br /&gt;
losmachen, die nur auf der Verabreichung von Information beruhen. Wie&lt;br /&gt;
machen wir das? Wir wollen hier ein auf das gesamte Verhalten ausge-&lt;br /&gt;
richtetes Arbeitsprogramm mit vier Aktionsrichtungen bieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Interesse wecken 2. Über Tatsachen informieren&lt;br /&gt;
ä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Verhalten konzentriertes&lt;br /&gt;
Kommunikationsprogramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Bei den Menschen ankommen 3. Zur Geistigkeit motivieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Kommunikationsprozeß, ob er nun auf einen einzelnen Menschen,&lt;br /&gt;
eine Gemeinde oder eine Nation abzielt, braucht ein Arbeitsprogramm,&lt;br /&gt;
das in einem auf das Verhalten konzentrierten Rahmen geprüft sein muß.&lt;br /&gt;
Lassen Sie uns die vier Aktionsrichtungen kurz untersuchen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l. Interesse wecken: Wir müssen den einzelnen Menschen, die&lt;br /&gt;
Ortsgemeinde, die Nation dazu hinführen, daß sie sich ihrer geistigen&lt;br /&gt;
Bedürfnisse bewußt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Information: Wir müssen die Öffentlichkeit über die Botschaft&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs und das von Ihm geschaffene Instrumentarium für den&lt;br /&gt;
Aufbau von weltweiter Einmütigkeit und Einheit durch die eigenstän-&lt;br /&gt;
digen Bemühungen des Volkes um klares Denken und positives&lt;br /&gt;
Handeln informieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Motivation: Wir müssen die Menschen dazu ermutigen, selb-&lt;br /&gt;
ständig die göttlichen Vorkehrungen für das Bahä’i-Leben im unmittel-&lt;br /&gt;
baren Zusammenhang mit den Tagesproblemen des einzelnen Men-&lt;br /&gt;
schen und der ganzen Welt zu untersuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Ankommmen: Wir müssen durch die verschiedensten Kommuni-&lt;br /&gt;
kationsmedien bei den Menschen anzukommen suchen. Es besteht ein&lt;br /&gt;
dringendes Bedürfnis für die Kommunikation der göttlichen Botschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1317&lt;br /&gt;
{{page|1318|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=28}}Bahä’u’llähs an die heutige Menschheit und für die Errichtung der&lt;br /&gt;
Grundlagen, auf denen die Empfänger dieser Botschaft zur Tat&lt;br /&gt;
schreiten können. Hierzu gehört auch die Beseitigung von Furcht und&lt;br /&gt;
Vorurteil gegenüber der Religion im allgemeinen und dem Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glauben im besonderen. Die Bahä’i-Schriften machen es allen Gläubi-&lt;br /&gt;
gen nachdrücklich zur Pflicht, durch gutes Beispiel und durch Taten&lt;br /&gt;
zu lehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine der vier Aktionsrichtungen hat Vorrang vor den anderen. Alle&lt;br /&gt;
vier Ecken unseres Arbeitsprogramms müssen zur gleichen Zeit oder&lt;br /&gt;
abwechselnd behandelt werden. Wichtig ist, daß dieses Vier-Richtungs-&lt;br /&gt;
Programm auf das Verhalten und nicht auf die Information konzentriert&lt;br /&gt;
ist. Information an sich hat nur flüchtigen Wert und ist unproduktiv,&lt;br /&gt;
wenn es um die Veränderung des Herzens und des Bewußtseins geht. Das&lt;br /&gt;
hat die Verhaltensforschung klar bewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend können wir festhalten:&lt;br /&gt;
1. Wir müssen das Interesse am Glauben wecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Wir müssen die am Glauben Interessierten informieren, wir müssen&lt;br /&gt;
klar darstellen, was es bedeutet, Bahä’i zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Wir müssen den einzelnen und die Gesellschaft zum Denken und Han-&lt;br /&gt;
deln motivieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Wir müssen im Herzen und im Bewußtsein aller Empfänger dieser&lt;br /&gt;
Botschaft „ankommen“.&lt;br /&gt;
So wird unser Arbeitsprogramm ein Meßinstrument für die Bewertung&lt;br /&gt;
aller Kommunikationsprozesse, die wir einsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Memoriam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lina Benke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. Mai starb im Alter&lt;br /&gt;
von 97 Jahren Frau Lina&lt;br /&gt;
Benke. Sie zählte in jeder Be-&lt;br /&gt;
ziehung zu den „alten“ deut-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i; bereits im Jahr&lt;br /&gt;
1920 hatte sie — in Leipzig —&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Glauben angenom-&lt;br /&gt;
men. Während ihres langen,&lt;br /&gt;
gesegneten Lebens war sie viel&lt;br /&gt;
in der Welt herumgekommen;&lt;br /&gt;
in Rußland heiratete sie Adam&lt;br /&gt;
Benke. Später war sie unter&lt;br /&gt;
anderem in Sofia als Bahä’i-&lt;br /&gt;
Lehrerin tätig. Je älter „Tante&lt;br /&gt;
Linchen“ wurde, desto bekann-&lt;br /&gt;
ter und beliebter wurde sie&lt;br /&gt;
bei den deutschen Bahä’i. Ihre&lt;br /&gt;
letzten Lebensjahre verbrachte&lt;br /&gt;
sie in einem Altersheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1318&lt;br /&gt;
{{page|1319|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=29}}Neu auf unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„BEANTWORTETE FRAGEN“ von ‘Abdu’l-Bahá, gesammelt von Laura&lt;br /&gt;
Clifford Barney. Bahä’i-Verlag, Frankfurt/Main 1962, 306 Seiten, Leinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DM 16.—.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Beantworteten Fragen“ stehen in der gesamten religiösen Literatur&lt;br /&gt;
einzigartig da. Das Buch enthält die authentischen und beglaubigten Ant-&lt;br /&gt;
worten auf Fragen, die eine westliche Pilgerin dem Sohn einer Mani-&lt;br /&gt;
festation Gottes stellte. Hier erklärt ‘Abdu’l-Bahá, der älteste Sohn&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, des prophetischen Gründers der Bahä’i-Religion, zahlreiche&lt;br /&gt;
Themen, welche die Menschen im Jahr 1908 beunruhigten und nach&lt;br /&gt;
Ansicht der Zeitgenossen ungelöst geblieben waren. ‘Abdu’l-Bahá spricht&lt;br /&gt;
aus Autorität — einer geistigen Eigenschaft, die von der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gemieden und zugleich gesucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vielzahl Fragen findet Antwort. Verwirrende Bibeltexte werden&lt;br /&gt;
erklärt. Um einige Beispiele zu nennen: Was ist der Mensch? Gibt es&lt;br /&gt;
einen Gott? Wie können wir den Schöpfer erkennen? Kann Gott mit Men-&lt;br /&gt;
schen sprechen? Was versteht man unter Dreieinigkeit? Wie kann man&lt;br /&gt;
die Wiederkunft, die durch die Propheten verheißen worden ist, ver-&lt;br /&gt;
stehen? Was ist gemeint mit: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will&lt;br /&gt;
ich meine Kirche bauen“? Was ist Unsterblichkeit, freier Wille, Heilung,&lt;br /&gt;
Reinkarnation? Warum der Autorität des Wortes Gottes, das durch einen&lt;br /&gt;
Göttlichen Sprecher übermittelt wurde, folgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Meisters „Augenblicke der Erschöpfung“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel bestehen aus Tischgesprächen zwischen ‘Abdu’l-Bahá und&lt;br /&gt;
Laura Clifford Barney. Wie ‘Abdu’l-Bahá bemerkte, fielen diese Tischge-&lt;br /&gt;
spräche in Seine „Augenblicke der Erschöpfung“, in die Pausen zwischen&lt;br /&gt;
angestrengter Arbeit. Als formlose Diskussionen fanden sie statt während&lt;br /&gt;
der schwierigen Jahre 1904 bis 1906, in denen Seine Bewegungsfreiheit&lt;br /&gt;
durch die türkische Regierung auf die Stadt ‘Akkä beschränkt worden&lt;br /&gt;
war und Ihm nur wenige Besucher zu empfangen erlaubt wurde. Zu&lt;br /&gt;
dieser Zeit stand Er unter der ständigen Drohung, Er werde fortgeschafft&lt;br /&gt;
und fern in der Wüste eingekerkert. Dennoch wurden Laura Barney&lt;br /&gt;
mehrere Besuche erlaubt; dank ihren erstaunlichen Bemühungen haben&lt;br /&gt;
wir alle den Nutzen davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laura Barney war begierig darauf, diese kostbaren Sitzungen genau auf-&lt;br /&gt;
gezeichnet zu bekommen. Einer von ‘Abdu’l-Bahás Schwiegersöhnen oder&lt;br /&gt;
ein Mitglied Seines Sekretariats wurde immer gebeten, anwesend zu sein.&lt;br /&gt;
Später las ‘Abdu’l-Bahá die Abschriften; „manchmal änderte Er ein Wort&lt;br /&gt;
oder eine Zeile mit Seiner Rohrfeder, dann unterschrieb und stempelte Er&lt;br /&gt;
jede einzelne Seite mit Seinem Siegel“. Fräulein Barney übersetzte die&lt;br /&gt;
Gespräche vom Persischen ins Englische. Nachdem sie die Antworten als&lt;br /&gt;
außerordentlich wertvoll erkannt hatte, fühlte sie sich bewogen, die Er-&lt;br /&gt;
laubnis zur Veröffentlichung zu erbitten, damit andere an ihrem geistigen&lt;br /&gt;
Schatz teilhaben könnten. 1908 erschien das Buch gleichzeitig in Franzö-&lt;br /&gt;
sisch, Englisch und Persisch. Der Meister selbst muß über dieses Ergebnis&lt;br /&gt;
erfreut gewesen sein, denn es ist bekannt, daß Er andere Pilger auf das&lt;br /&gt;
Buch verwiesen hat (vergleiche George Latimer, Das Licht der Welt, 1920).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1319&lt;br /&gt;
{{page|1320|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=30}}Auszüge wurden später in Form kleiner Broschüren veröffentlicht: „Einige&lt;br /&gt;
Christliche Themen“ (London 1946) und „Die Verheißungen Christi sind&lt;br /&gt;
erfüllt“ (Wilmette, USA, 1954) mit einer Einführung von George Towns-&lt;br /&gt;
hend, damaligem Domherr der St. Patricks-Kathedrale in Dublin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl seit der ersten Veröffentlichung über sechzig Jahre verstrichen&lt;br /&gt;
sind, erweist sich dieser Bahä’i-Klassiker immer aufs neue als eine erfreu-&lt;br /&gt;
liche Entdeckung für die vielen neuen Bahä’i und für alle Religionsge-&lt;br /&gt;
lehrten. Was Wunder, daß das Buch bereits in seiner achten englischen&lt;br /&gt;
Auflage erscheint. Die zweite deutsche Ausgabe von 1962 enthält die Ein-&lt;br /&gt;
führung von Fräulein Barney aus dem Jahre 1907. Der Leser findet ein&lt;br /&gt;
ausgezeichnetes Inhaltsverzeichnis vor; zu seiner Bequemlichkeit sind die&lt;br /&gt;
Gespräche in methodischer Form zusammengestellt, und das Wichtigste&lt;br /&gt;
von allem: ein hervorragendes Sachwörterverzeichnis. Al dies ist eine&lt;br /&gt;
Einladung dazu, die Weisheit jenes Meisters zu suchen, der „im Hause des&lt;br /&gt;
Finanzministers der Vereinigten Staaten von Nordamerika frühstückte“,&lt;br /&gt;
der auf Einladung von Alexander Graham Bell (1847 bis 1922) zu einer&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Organisation sprach und von dem der Präsident der&lt;br /&gt;
Stanford Universität sagte, daß „Er den mystischen Weg mit praktischen&lt;br /&gt;
Füßen ging“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Interpret des Gottesworts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis enthüllt einen Bruchteil des gewal-&lt;br /&gt;
tigen geistigen Gesichtskreises der Lehren Bahä’u’llähs für eine neue&lt;br /&gt;
Weltordnung. Diese Lehren hatte der Meister Seinen Zeitgenossen aus-&lt;br /&gt;
zulegen, ohne die alten religiösen Wahrheiten, welche für das Wohler-&lt;br /&gt;
gehen des Menschen wesentlich waren, zu entkräften. Zu fünf Teilen&lt;br /&gt;
zusammengefaßt, beginnen die Kapitel oft mit einer Frage. Einige Glanz-&lt;br /&gt;
punkte seien angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der I. Teil befaßt sich, logischerweise, mit dem „Einfluß der Gottes-&lt;br /&gt;
offenbarer auf die Entwicklung der Menschheit“. Falls dies den Leser&lt;br /&gt;
überrascht, sollte er sich mit Arnold Toynbees „Gang der Weltgeschichte“&lt;br /&gt;
oder mit seiner Rezension zu Ninian Smarts „Die religiöse Erfahrung der&lt;br /&gt;
Menschheit“ (New York Times Book Review, 9. Februar 1969) beschäftigen.&lt;br /&gt;
Toynbee schreibt: „Es ist eine Geschichte der Menschheit, die sich auf die&lt;br /&gt;
Religion konzentriert, nicht auf Krieg und Politik oder Wirtschaftsleben“.&lt;br /&gt;
Er fährt fort: „Vor nicht allzulanger Zeit, sagen wir vor sechzig Jahren,&lt;br /&gt;
wäre es unmöglich gewesen, dieses Buch zu schreiben“, wegen der vor-&lt;br /&gt;
herrschenden Unkenntnis, des Vorurteils und der Feindseligkeit. Aber&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá war kein gewöhnlicher Sterblicher; Er wußte bereits vor&lt;br /&gt;
mehr als sechzig Jahren um den Impuls der Religion auf die Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Licht der Vernunft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im I. Teil werden die grundlegenden Vorstellungen im Lichte der Ver-&lt;br /&gt;
nunft betrachtet. Die „Beantworteten Fragen“ beginnen mit einem Essay&lt;br /&gt;
über das allumfassende Gesetz, unter dem die Natur steht, und leiten&lt;br /&gt;
über zu den Beweisen für das Dasein Gottes. Der Leser wird dann auf&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit eines göttlichen Erziehers hingewiesen. Einige dieser&lt;br /&gt;
Gesellschaftslehrer, beginnend mit Abraham, werden im Lichte ihrer Er-&lt;br /&gt;
rungenschaften besprochen. Nur von solchen Gestalten erlangen die Men-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1320&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1321|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=31}}schen wahren Wohlstand. Um aber zu ihnen zu finden, muß der Sucher&lt;br /&gt;
bestimmte Eigenschaften aufweisen. So seltsam es scheinen mag, muß er&lt;br /&gt;
sowohl von der Liebe als auch vom Haß gegenüber menschlichen Wesen&lt;br /&gt;
frei sein; Liebe und Haß können die Erkenntnis der Wahrheit verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christliche Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da eine westliche Pilgerin ‘Abdu’l-Bahá befragte, ist verständlich, daß&lt;br /&gt;
ihr Zugang jüdisch-christlich war. Der II. Teil befaßt sich daher mit&lt;br /&gt;
christlichen Themen, die heute einer Klärung bedürfen. In der modernen&lt;br /&gt;
Christenheit verfängt sich der vernünftige Geist in Stolperdrähten. Eine&lt;br /&gt;
Anzahl davon überwindet ‘Abdu’l-Bahá: Religiöser Symbolismus, die Vor-&lt;br /&gt;
stellung vom Heiligen Geist, die Taufe, die Dreifaltigkeit, und die „Wie-&lt;br /&gt;
derkunft“ oder das zweite Kommen Christi. ‘Abdu’l-Bahá singt das Hohe-&lt;br /&gt;
lied Christi, der „niemandem Schaden zufügte“. In unserer Zeit, mit einer&lt;br /&gt;
in Hunderte von Sekten geteilten Christenheit, mit der sich ausbreitenden&lt;br /&gt;
ökumenischen Bewegung und der in Frage gestellten päpstlichen Auto-&lt;br /&gt;
rität, erinnert uns der Meister, daß „... die Lehren Christi eine Sache&lt;br /&gt;
für sich sind und die Methoden der päpstlichen Regierung eine ganz&lt;br /&gt;
andere: Sie stimmen nicht überein“ (Seite 137).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarung Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im III. Teil werden wir vernünftigen Erklärungen für jenes kaum&lt;br /&gt;
verstandene Wesen, den Propheten oder die Manifestation Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden, näher gebracht. Das Kapitel „Gott kann nur durch die göttlichen&lt;br /&gt;
Offenbarer erkannt werden“ wird überzeugend dargeboten. „Das Um-&lt;br /&gt;
fassende ist fürwahr größer als das Umfaßte, und das Umfaßte kann nicht&lt;br /&gt;
das Umfassende ermessen noch seine Wirklichkeit begreifen“. „Der&lt;br /&gt;
Verstand ist unfähig, Gott zu begreifen ...“ Die Manifestationen, diese&lt;br /&gt;
„»... göttlichen Wesen ... sind die wahren Spiegel des geheiligten Seins&lt;br /&gt;
Gottes“ (Seite 146 f). Er anerkennt natürlich sowohl die menschliche als&lt;br /&gt;
auch die geistige Seinsweise der Göttlichen Manifestationen. Ferner spricht&lt;br /&gt;
Er von zwei Arten von Propheten: Die unabhängigen Gesetzgeber wie&lt;br /&gt;
zum Beispiel Moses, Jesus oder Bahä’u’lläh, dem weitere Offenbarer&lt;br /&gt;
folgen werden, und die abhängigen Propheten wie Isaiah oder Jeremiah,&lt;br /&gt;
welche Gefolgsleute sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufe des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der IV. Teil behandelt demgegenüber Gesichtspunkte des normalen&lt;br /&gt;
menschlichen Wesens, das gleichfalls noch kaum verstanden wird. Hier ist&lt;br /&gt;
reiche Gelegenheit zu entdecken, wer der Mensch ist und wohin er geht.&lt;br /&gt;
Wenn von der Veränderung der Arten gesprochen wird, erfahren wir,&lt;br /&gt;
daß „... der Mensch ... allmählich wuchs und sich entwickelte, von einer&lt;br /&gt;
Form zur anderen schritt, bis er in höchster Schönheit und Vollendung&lt;br /&gt;
erschien“ (Seite 182). Beim Lesen des folgenden werden einige unwillig&lt;br /&gt;
erstaunen: „Aber von allem Anfang an ist der Mensch eine besondere&lt;br /&gt;
Art.“ Ungeachtet der Theorie Darwins aus dem aufgeklärten neunzehnten&lt;br /&gt;
Jahrhundert legt ‘Abdu’l-Bahá unzweideutig dar, daß „der Mensch immer&lt;br /&gt;
eine besondere Art war, kein Tier, sondern ein Mensch“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1321&lt;br /&gt;
{{page|1322|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was den Menschen und seinen Gott anbetrifft, handelt der Meister&lt;br /&gt;
beredt über die Unfähigkeit des Menschen, die Wesenheit seines Schöpfers&lt;br /&gt;
zu begreifen. „Gott erkennen bedeutet das Verstehen und die Kenntnis&lt;br /&gt;
Seiner Eigenschaften, aber nicht Seiner Wirklichkeit“ (Seite 216). Wie&lt;br /&gt;
wichtig es ist, die Offenbarungen anzuerkennen, wird vollauf deutlich&lt;br /&gt;
gemacht: „... Wenn der Mensch zur Erkenntnis der Offenbarer Gottes&lt;br /&gt;
gelangt, so wird er auch die Erkenntnis Gottes gewinnen; und wenn er&lt;br /&gt;
die Erkenntnis der heiligen Offenbarer außer acht läßt, wird er der Er-&lt;br /&gt;
kenntnis Gottes beraubt.“ Dem Menschen ist, während er auf Erden lebt,&lt;br /&gt;
ein gewisses Maß freien Willens verliehen worden, selbst wenn er in der&lt;br /&gt;
mächtigen Hand Gottes ein Gefangener ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stoff des letzten Buchabschnitts enthält ein anregendes Gemisch&lt;br /&gt;
von Fragen, die die große Vielseitigkeit der Herausgeberin widerspiegeln.&lt;br /&gt;
Ob es sich um praktische Probleme wie Arbeiterstreiks handelt oder um&lt;br /&gt;
die Theorie des Pantheismus, die Antworten ‘Abdu’l-Bahás sind über-&lt;br /&gt;
zeugend. Irgendwie empfindet man, daß Gott den Menschen — unent-&lt;br /&gt;
schlossen und widerwillig wie er auch sein mag — mit einem Heilmittel&lt;br /&gt;
versorgt, und zwar tut Gott dies lange bevor der Mensch überhaupt&lt;br /&gt;
gewahr wird, daß er ein ernsthaftes Problem zu bewältigen hat. Heute&lt;br /&gt;
haben wir eine zunehmende Verbrechensquote. Wir hören lautes Rufen&lt;br /&gt;
nach Gesetz und Ordnung. Vor langer Zeit hat uns bereits der Meister&lt;br /&gt;
aufgefordert, die „Volksmassen zu erziehen ...“ und Gerechtigkeit walten&lt;br /&gt;
zu lassen. Er sagte: „... die Gemeinschaft sollte viel mehr daran denken,&lt;br /&gt;
die Verbrechen zu verhüten, als sie streng zu bestrafen“ (Seite 264).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserer Zeit, in der Menschenfreundlichkeit und Menschlichkeit&lt;br /&gt;
besser verstanden werden als Göttlichkeit, fordert es unser Denken heraus.&lt;br /&gt;
wenn wir lesen: „... wenn sich zur Erkenntnis Gottes die Liebe Gottes&lt;br /&gt;
gesellt, sowie Anziehung, Begeisterung und guter Wille, dann ist eine&lt;br /&gt;
rechtschaffene Tat vollkommen und vollständig. Sonst aber ist eine gute&lt;br /&gt;
Tat, so anerkennenswert sie auch sein mag, doch unvollkommen, wenn sie&lt;br /&gt;
nicht von der Erkenntnis Gottes, der Liebe Gottes und einer lauteren&lt;br /&gt;
Absicht unterstützt wird“ (Seite 289). Könnte hier nicht der Schlüssel zu&lt;br /&gt;
einem sicheren Menschen und zu einer stabilen Gesellschaft liegen? Innere&lt;br /&gt;
Welten breiten sich aus und warten nur darauf, erobert zu werden — wie&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá feststellt: „Der Mensch steht auf der höchsten Stufe der&lt;br /&gt;
Materie und am Anfang der Geistigkeit....“ (Seite 228).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vollkommene Lehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der ganzen Lektüre dieses ungewöhnlichen Buches wird der&lt;br /&gt;
Leser vom Wissen und vom Charakter des Meisters beeindruckt. Mit einer&lt;br /&gt;
Weisheit, die Er bei Seinem Vater gesammelt hatte, erfuhr ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
keine Schulbildung im üblichen Sinn. Er war gleichzeitig praktisch und&lt;br /&gt;
geistig ausgerichtet. Er sprach von dem, was machbar ist. Gütig bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit, des vollkommenen Weges sicher, konnte Er dennoch sagen:&lt;br /&gt;
„Wir widersetzen uns nicht den Meinungen anderer, auch billigen wir den&lt;br /&gt;
Kritizismus nicht.“ In diesem Buch lehrte Er einfach, ohne Dichtung oder&lt;br /&gt;
Rhetorik, geduldig und gewissenhaft eine eifrige Sucherin, und durch&lt;br /&gt;
dieses Buch erreicht Er heute Tausende und morgen Millionen rund um&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1322&lt;br /&gt;
{{page|1323|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=33}}den Erdball. Er erzieht den ganzen Menschen und sagt: „Wir brauchen&lt;br /&gt;
einen Erzieher, der zugleich körperlicher, menschlicher und geistiger Er-&lt;br /&gt;
zieher ist...“ (Seite 22). Beim Studium dieses Buches stellen wir fest, daß&lt;br /&gt;
Er selbst als Interpret für das Wort Bahä’u’llähs ein solcher Erzieher ge-&lt;br /&gt;
wesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Beantworteten Fragen“ sind für Sucher mit offenem Geist be-&lt;br /&gt;
stimmt. Die Antworten sind unorthodox. Das Buch appelliert eher an die&lt;br /&gt;
Vernunft als an das Gefühl des Menschen. Während es den Denker mit&lt;br /&gt;
religiößsem Hintergrund erleuchtet, regt es den Agnostiker und den&lt;br /&gt;
Atheisten an. Seine Kapitel betonen eher die persönlichen Glaubensvor-&lt;br /&gt;
stellungen des Menschen als sein gesellschaftliches Verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch verlangt Besinnung; dann wird es lebendiges Wasser für die&lt;br /&gt;
dürstende Seele. ‘Abdu’/l-Bahä erklärt: „Glücklich sind jene, die ihre&lt;br /&gt;
Tage damit verbringen, daß sie Wissen erwerben, die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
Natur ergründen und die reine Wahrheit in ihren Feinheiten durch-&lt;br /&gt;
dringen! Wehe denen, ... die ihre Leben ungenützt verschwenden!“ Und&lt;br /&gt;
an anderer Stelle: „Selig sind die Nachdenklichen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Herausgeberin der „Beantworteten Fragen“ wird Laura Barney von&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, dem Hüter des Bahä’i-Glaubens, in „Gott geht vorüber“&lt;br /&gt;
geehrt; denn sie erwarb sich in der Tat „unvergängliche Verdienste“, in-&lt;br /&gt;
dem sie die „unschätzbar wertvollen Erklärungen“, die sie vom Meister&lt;br /&gt;
selbst erhielt, sammelte und der Nachwelt übermittelte (Seite 295).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Annemarie Honnold&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Bahä’f News (USA), Dezember 1969, Nr. 465&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wisse, daß sich Wesen und Ursprung der Gerechtigkeit in&lt;br /&gt;
den Gesetzen verkörpern, die von Ihm verordnet wurden, der&lt;br /&gt;
die Offenbarung des Wesens Gottes unter den Menschen ist —&lt;br /&gt;
möchtet ihr doch diese Wahrheit erkennen! Er verkörpert für&lt;br /&gt;
die ganze Schöpfung das höchste, unfehlbare Richtmaß der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit... Würden die Menschen die treibende Absicht&lt;br /&gt;
in der Offenbarung Gottes entdecken, so würden sie sicher-&lt;br /&gt;
lich ihre Furcht ablegen und dankbaren Herzens in jubelnder&lt;br /&gt;
Freude überströmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese LXXXVIII Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1323&lt;br /&gt;
{{page|1324|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=34}}Schriften aus dem Bahd’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS IST DIE BAHA’I-RELIGION...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vier großen Themenkreisen werden Anspruch und Lehren der Bahd&#039;i-&lt;br /&gt;
Religion behandelt: Grundzüge der Bahd’i-Religion — Menschen nach Gottes&lt;br /&gt;
Bild — Erkenntnis — Geist der Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
68 Seiten, kartoniert DM 1,50; sFr. 1,60&lt;br /&gt;
Bahd’v’llah:&lt;br /&gt;
WORTE DER WEISHEIT —&lt;br /&gt;
VERBORGENE WORTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In kurzen Sinnsprüchen werden grundlegende Wahrheiten über das Wesen&lt;br /&gt;
des Menschen und sein Verhältnis zu Gott und zu seinem Nächsten in poeti-&lt;br /&gt;
scher Sprache aufgezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
90 Seiten, Ganzleinen DM 4,50; sFr. 4,90&lt;br /&gt;
&amp;quot;Abdu’l-Baha:&lt;br /&gt;
ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdu’l-Bahd, der Sohn Bahd’u’llähs, gibt in klarer und dem abendländischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken angepaßter Form eine Erläuterung des Wesens und der wichtigsten&lt;br /&gt;
Lehren der Bahd&#039;’i-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
140 Seiten, Ganzleinen DM 6,40; sFr. 6,90&lt;br /&gt;
kartoniert DM 4,30; sFr. 4,60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Townshend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTUS UND BAHA’U’LLAH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein hervorragender Theologe und Wissenschaftler überprüft hier die Aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagen der Bibel über die „Wiederkunft” Christi im Lichte der göttlichen&lt;br /&gt;
Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
128 Seiten, Ganzleinen DM 6,70; sFr. 7,20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William Sears:&lt;br /&gt;
DIEB IN DER NACHT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vielzahl von Verheißungen aus der Heiligen Schrift wird hier verglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und geprüft. Wie ein spannender Roman liest sich die Suche des Verfassers&lt;br /&gt;
nach dem wiedergekommenen Christus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
312 Seiten, kartoniert DM 5,2%; sFr. 5,60&lt;br /&gt;
Dr. J. E. Esslemont:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLAH UND DAS NEUE&lt;br /&gt;
ZEITALTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Einführung in die Geschichte und die Lehren des Bahdri-&lt;br /&gt;
Glaubens. Das umfassende Handbuch und Nachschlagewerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
324 Seiten, Ganzleinen DM 16,80; sFr. 18,10&lt;br /&gt;
kartoniert DM 13,90; sFr. 15,—-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestellungen richten Sie bitte an Ihren Buchhändler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-VERLAG GMBH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-6491 Oberkalbach, Telefon 0 97 42/344&lt;br /&gt;
Postscheckkonto: Frankfurt am Main 205 43&lt;br /&gt;
Bankkonto: Dresdner Bank, Frankfurt, Konto 903 814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1324&lt;br /&gt;
{{page|1325|file=Baha&#039;i_Briefe_45.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland: e. V., 6239 Langenhain, Kohlgrubenstraße 3,&lt;br /&gt;
Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung&lt;br /&gt;
des Herausgebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Münlschlegel, 6104 Jugerihieim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 6257) 7467, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (0711) 74 97.67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 BSRBBREITILISPHANBER, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 9058 oder (07 11) 87 32:48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE*“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, 85 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 44/Text</title>
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&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Loslösung&lt;br /&gt;
Glaube und Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mystik, Spiel und&lt;br /&gt;
Psychologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Wahrheit&lt;br /&gt;
gefunden hat...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT44 APRIL 1971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1268|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1269|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=3}}APRIL 1971 BAHAT BRIEFE HERT 44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gleichgewicht der Welt scnwankt infolge der aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
strahlenden Schwingungen dieser größten und neuen Welt-&lt;br /&gt;
ordnung. Die Lebensweise der Menschheit ist in Aufruhr ge-&lt;br /&gt;
raten durch das Wirken dieses einzigartigen und wunder-&lt;br /&gt;
samen Planes, desgleichen menschliche Augen noch nie ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaut haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versenkt euch in das Meer Meiner Worte, damit ihr seine&lt;br /&gt;
Geheimnisse ergründen und die Perlen der Weisheit entdek-&lt;br /&gt;
ken möget, die in seinen Tiefen schlummern! Hütet euch, in&lt;br /&gt;
eurem Entschluß wankend zu werden und die Wahrheit die-&lt;br /&gt;
ser Sache nicht anzunehmen — einer Sache, welche die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeiten der Macht Gottes enthüllt und Seine höchste Herr-&lt;br /&gt;
schaft errichtet hat! Eilt freudestrahlend zu Ihm! Dies ist der&lt;br /&gt;
unveränderliche Glaube Gottes, ewig in der Vergangenheit,&lt;br /&gt;
ewig in der Zukunft. Laßt den, der sucht, zu Ihm gelangen!&lt;br /&gt;
Wenn Ihn aber jemand zu suchen verschmäht, so genügt s!ch&lt;br /&gt;
wahrlich Gott selbst, und Er ist über jede Abhängigkeit von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen Geschöpfen erhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahö’u’lldh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Buch der Gesetze, Ährenlese LXX)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1269&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1270|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=4}}Die Freuden der Loslösung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Brief ‘Abdu’l-Bahás an die Bahä’i von Persien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist der Herrlichste!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Freunde Gottes, die ihr entflammt seid vom Feuer der Liebe des&lt;br /&gt;
Barmherzigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einem Nest in dieser Welt ist die Art und Weise der&lt;br /&gt;
Erdenwürmer und der Vögel des niedrigen Staubes; die Vögel der gött-&lt;br /&gt;
lichen Auen aber suchen ihre Zuflucht nur im göttlichen Rosenstrauch,&lt;br /&gt;
die Vögel des geheiligten Gartens bauen ihr Nest nur im Lotusbaum des&lt;br /&gt;
ewigen Paradieses, die Adler in den höchsten Wipfeln wünschen sich für&lt;br /&gt;
ihren Flug keinen anderen Raum als die Weiten des Himmels der Ehre.&lt;br /&gt;
Diese vergängliche Welt des Staubes, Urquell der Verwirrung, ist ein da-&lt;br /&gt;
hinschwindender Schatten; diese Welt des Staubes ist in den Augen der&lt;br /&gt;
Gottnahen geringer als ein aufgelöstes Molekül. Und als sie — so weit&lt;br /&gt;
es möglich ist — Bescheid wußten über die Zustände in dieser Welt, ihre&lt;br /&gt;
Nichtigkeit und Vergänglichkeit, ihre Genüsse und Ärgernisse, ihren&lt;br /&gt;
Schmutz und ihre Enttäuschungen, ihre verseuchten Quellen und ihr gif-&lt;br /&gt;
tiges Gebräu, da waren sie der Welt und ihrer Bewohner überdrüssig und&lt;br /&gt;
wandten sich ab von allem außer Gott. Sie weihten ihr Herz der ewigen&lt;br /&gt;
Welt und befreiten sich vom Irdischen und seiner Dunkelheit. Sie brei-&lt;br /&gt;
teten die geheiligten Flügel aus und erhoben sich zum Flug in den weiten&lt;br /&gt;
Raum, bis sie die Höhe des Höchsten, das Reich Abhä, den Sitz der Wahr-&lt;br /&gt;
heit des machtvollen Königs, erreichten und der Begegnung mit der Größ-&lt;br /&gt;
ten Schönheit, der unvergänglichen Gnade und der höchsten Gunst ge-&lt;br /&gt;
würdigt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum, o ihr, die ihr berauscht seid vom göttlichen Wein und trunken&lt;br /&gt;
vom Kelche des Hingezogenseins zu Gott und Seinen Gaben, entsaget&lt;br /&gt;
Rang und Würden, Sichtbarem, Verborgenem und eitlem Wahn; seid er-&lt;br /&gt;
haben über Bequemlichkeit und Annehmlichkeit, Ehre, Reichtum und&lt;br /&gt;
Macht dieser vergänglichen Welt und richtet euer Streben darauf, die&lt;br /&gt;
göttlichen Strahlen und die Gnadengaben des ewigen Himmelreiches zu&lt;br /&gt;
empfangen. Sollten große Trübsale und schmerzliches Unglück über euch&lt;br /&gt;
kommen, sollte die ganze Welt gegen euch aufstehen, dann werdet nicht&lt;br /&gt;
traurig und bekümmert, jammert und klaget nicht: Die frohe Botschaft&lt;br /&gt;
wurde von den Reinen Lippen verkündet und ist in den göttlichen Tablets&lt;br /&gt;
niedergelegt, die belebende Botschaft wurde in den ewigen Büchern offen-&lt;br /&gt;
bart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt dieser gesegneten Worte deutet darauf hin, daß die Trüb-&lt;br /&gt;
sale, die die Freunde Gottes befallen, und die Verletzungen, Qualen und&lt;br /&gt;
Kümmernisse, die auf die Liebenden der Schönheit des Barmherzigen&lt;br /&gt;
herabkommen, diese Weisheit in sich bergen: Da diese heiligen Menschen&lt;br /&gt;
den Zweigen und Blättern des gesegneten Baumes Gottes vergleichbar&lt;br /&gt;
sind, wird alles, was den gesegneten göttlichen Baum selbst betroffen&lt;br /&gt;
hat, zweifellos auch seine Zweige und Blätter befallen. Nachdem der Herr&lt;br /&gt;
selbst die größten Heimsuchungen, Leiden und Kümmernisse und die Qua-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1270&lt;br /&gt;
{{page|1271|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=5}}len des Kerkers auf dem Pfade Seiner Schönheit ertragen hat und während&lt;br /&gt;
dieser Gefangenschaft in höchster Freude und völliger Gelassenheit lebte,&lt;br /&gt;
müßt auch ihr, o Freunde Gottes, jeder nach seiner Fähigkeit und Bega-&lt;br /&gt;
bung, an diesen erhabenen Gnadengaben teilhaben. Wenn ihr dies im&lt;br /&gt;
Lichte der Wahrheit betrachtet — gibt es dann eine noch größere Gnade&lt;br /&gt;
und ein größeres Geschenk, als auf dem Pfade des Erbarmers an den&lt;br /&gt;
Trübsalen der Ewigen Schönheit, des Höchsten Gestirns, teilzuhaben? Froh&lt;br /&gt;
seien die Aufrichtigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Erdenbewohner den leisesten Duft von den Reichen Gottes&lt;br /&gt;
und der geistigen Welt Gottes einatmen, in die zu gelangen den Menschen&lt;br /&gt;
nach ihrem Aufstieg in das Reich Abhä, zu der höchsten Allmacht, be-&lt;br /&gt;
stimmt ist, dann wird zweifellos jeder von ihnen voller Verlangen und&lt;br /&gt;
in heißer Sehnsucht auf dem Pfade der Liebe Gottes zum Altar des Op-&lt;br /&gt;
fers eilen. Würde der Geruchsinn geistiger Menschen den Dufthauch jener&lt;br /&gt;
göttlichen Welt nicht verspüren, wäre ihr gesegnetes Herz nicht von dem&lt;br /&gt;
Hellen Licht des Horizontes Abhä bestrahlt, dann hätten sie niemals&lt;br /&gt;
diese schweren Trübsale und Leiden ertragen. Wisset also: Es sind die le-&lt;br /&gt;
benspendenden Düfte aus dem Reiche Gottes, die den Geruchsinn der&lt;br /&gt;
Gottnahen durchduftet und ihren geheiligten Geist froh gestimmt haben,&lt;br /&gt;
daß sie mit solch tiefer Freude alle Härte, Unterdrückung und Gehässig-&lt;br /&gt;
keit der Weltbewohner ertragen. Und wenn die Gnaden jener göttlichen&lt;br /&gt;
Welten und die Geheimnisse jenes ewigen Himmelreiches in dieser ver-&lt;br /&gt;
gänglichen Erdenwelt nicht klar und sichtbar zutage treten, dann ist dies&lt;br /&gt;
nicht verwunderlich und auch kein Grund zu Zweifel und Mißtrauen,&lt;br /&gt;
denn es ist klar, daß jede Begabung und Vortrefflichkeit, jede Kraft und&lt;br /&gt;
Vollkommenheit, die ein Seiendes auf irgend einer Stufe erwirbt, erst&lt;br /&gt;
offenbar wird, wenn es in die nächst höhere Stufe eingeordnet wird. Die&lt;br /&gt;
innerhalb der ersten, niederen Stufe erworbenen Gaben werden in der&lt;br /&gt;
nächst höheren erscheinen und offenbar werden. Anders ausgedrückt: Die&lt;br /&gt;
in der niederen Welt erworbenen Vollkommenheiten erscheinen in der&lt;br /&gt;
höheren Welt, denn jene niedere Welt hat nicht die nötige Fähigkeit und&lt;br /&gt;
Anlage dafür. So werden zum Beispiel die Fähigkeiten und Gaben, die&lt;br /&gt;
das Mineral in der Welt des Minerals erwirbt, in der Welt des Minerals&lt;br /&gt;
selbst nicht sichtbar, aber wenn sie in die Welt der Pflanzen übergegangen&lt;br /&gt;
sind, werden jene Gaben ersichtlich, und wenn die Pflanze in der Pflan-&lt;br /&gt;
zenwelt die Fähigkeit zur Herstellung empfindsamer Substanz erworben&lt;br /&gt;
hat, tritt diese Vollkommenheit beim Übergang in die Tierwelt in Er-&lt;br /&gt;
scheinung. Und wenn der Mensch in der Welt des Mutterleibes die Kräfte&lt;br /&gt;
des Sehens, Hörens, Riechens und andere Kräfte, menschliche Empfin-&lt;br /&gt;
dungen und Vollkommenheiten erwirbt, so hat die Welt des Mutterleibes&lt;br /&gt;
nicht die Fähigkeit und Anlage für das Erscheinen dieser Gaben; es ist&lt;br /&gt;
völlig unmöglich, daß sich die Fähigkeiten des Hörens und Sehens dort&lt;br /&gt;
kundtun. Erst wenn der Mensch aus der Enge des mütterlichen Schoßes&lt;br /&gt;
in diese lichtvolle Welt übergegangen ist, wird jenes Auge hell und se-&lt;br /&gt;
hend, hört jenes Ohr, lernt jene Zunge sprechen und treten seine Voll-&lt;br /&gt;
kommenheiten klar zutage. Er wird dann genau wissen und erkennen,&lt;br /&gt;
daß er alle diese Gaben schon in der dunklen Welt des Mutterleibes er-&lt;br /&gt;
worben hatte. Die Welt des Mutterschoßes aber hatte nicht die Fähigkeit&lt;br /&gt;
und Anlage für das Offenbarwerden dieser Geheimnisse; ja sogar noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1271&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1272|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=6}}dem Neugeborenen waren alle diese Gaben völlig unbewußt, und selbst&lt;br /&gt;
wenn ihm Gabriel persönlich erschienen wäre und verkündet hätte, wel-&lt;br /&gt;
che Gnadengaben ihm in diesem dunklen und engen Raum geschenkt&lt;br /&gt;
wurden, hätte er dies nicht geglaubt und sogar geleugnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso ist es mit den Tugenden und Begabungen, dem Wohlwollen&lt;br /&gt;
und sehnsüchtigen Verlangen, mit dem die heiligen Seelen in dieser Welt&lt;br /&gt;
begnadet sind, und mit den Vollkommenheiten, die sie erworben haben.&lt;br /&gt;
Diese Welt hat nicht die Anlagen für ihr Erscheinen. Erst wenn sie in&lt;br /&gt;
andere Welten Gottes hinübergehen, werden jene herrliche Gabe ersicht-&lt;br /&gt;
lich und jene erhabene Barmherzigkeit ihre Schönheit enthüllen. Schlim-&lt;br /&gt;
mer steht es mit einem Embryo, der dieser Lebensgaben verlustig ging:&lt;br /&gt;
Sein Verlust tritt erst nach dem Übergang klar zutage. Genau so ist es&lt;br /&gt;
mit dem Verlust und den Mängeln der verhüllt gebliebenen Menschen:&lt;br /&gt;
Auch ihr Verlust und ihre Mängel werden erst nach ihrem Scheiden&lt;br /&gt;
aus dieser Welt klar und offensichtlich werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Makatib“ (Briefe ‘Abdu’l-Bahás), Band 4, S. 54/55, deutsch von Helga und&lt;br /&gt;
Aminullah Ahmedzadeh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaube und Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Diskussionsbeitrag / von Willy Obrist *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der tragenden Ideen unserer Zeit ist die der Evolution: die&lt;br /&gt;
Vorstellung, daß der gesamte Kosmos sich von einfachen zu immer kom-&lt;br /&gt;
plexeren Gebilden entfaltet. Sie gewann an Bedeutung, seitdem Darwin&lt;br /&gt;
der empirische Nachweis gelang, daß die tierischen Arten sich wandelten.&lt;br /&gt;
Seither erfaßte der Evolutionsgedanke ein Wissensgebiet nach dem an-&lt;br /&gt;
dern. Man kam schließlich zur Einsicht, daß selbst unser Erkenntnisorgan,&lt;br /&gt;
das Bewußtsein, sich entwickelt. Diese Einsicht ist für die Frage nach&lt;br /&gt;
den Beziehungen zwischen Glauben und Wissen von entscheidender Be-&lt;br /&gt;
deutung. In der heutigen Zeit gelangen immer weitere Kreise zur Über-&lt;br /&gt;
zeugung, daß der Wandel das einzig Sichere sei und daß die Geschichte&lt;br /&gt;
des menschlichen Geistes aus einer unaufhörlichen Folge sich erweiternder&lt;br /&gt;
und differenzierender Weltbilder bestehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Archaisches Bewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gradmesser für die Entwicklungshöhe des Bewußtseins gilt&lt;br /&gt;
nicht in erster Linie die Menge des Wissens, sondern vielmehr die Fä-&lt;br /&gt;
higkeit des Menschen, sich sowohl von der äußeren Umgebung als&lt;br /&gt;
auch von den inneren Bildern zu unterscheiden und zu di-&lt;br /&gt;
stanzieren. Bei primitiven Völkern kann man heute noch die frühe&lt;br /&gt;
Bewußtseinsstufe der archaischen Identität beobachten: Weil sie nicht&lt;br /&gt;
imstande sind, die unwillkürlich nach außen projizierten Bilder des seeli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*aus der „Neuen Züricher Zeitung“ vom 13. 9. 1970, mit freundlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1272&lt;br /&gt;
{{page|1273|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=7}}schen Innenraumes als solche zu erkennen, können sie in der Außenwelt&lt;br /&gt;
Nixen, Trolle, Dämonen und himmlische Wesen sehen. Es erscheint ihnen&lt;br /&gt;
auch nicht absonderlich, daß ein Mensch sich in ein Tier oder eine Pflanze&lt;br /&gt;
verwandeln oder mit dem Leib in den Himmel auffahren kann. Äußere&lt;br /&gt;
Ereignisse führen sie nicht wie wir auf Ursache-Wirkungs-Ketten zurück,&lt;br /&gt;
sie schreiben sie dem Wirken übernatürlicher Mächte zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Bewußtseinsentwicklung änderte sich auch die Vor-&lt;br /&gt;
stellung von der Herkunft der Erkenntnis. Für den&lt;br /&gt;
abendländischen Bereich können wir wohl vereinfachend sagen, daß bis&lt;br /&gt;
zum Ende des Mittelalters die Ansicht vorherrschte, Gott selbst habe dem&lt;br /&gt;
Menschen alles Wissenswerte über sich und die Welt geoffenbart; ferner,&lt;br /&gt;
daß sich seit der Renaissance immer mehr die Überzeugung durch-&lt;br /&gt;
setzte, der Mensch verdanke alles Wissen der eigenen Vernun ft. Seit&lt;br /&gt;
der Entdeckung des Unbewußten beginnt auch diese Ansicht zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittelalterliche Gelehrte interessierte sich in erster Linie für das&lt;br /&gt;
Heil des Menschen; damit auch für dessen seelische Entwicklung im&lt;br /&gt;
heutigen Sinn. Das mittelalterliche Wissen hatte deshalb weniger intel-&lt;br /&gt;
lektuellen als existentiellen Charakter. In der Neuzeit galt das Interesse&lt;br /&gt;
fast ausschließlich der Außenwelt. Das Wissen wurde dabei versach-&lt;br /&gt;
licht und von der ethischen Seite der Persönlichkeit abgetrennt. Die Ent-&lt;br /&gt;
deckung des Unbewußten hat zur Folge, daß der existentielle Aspekt des&lt;br /&gt;
Wissens dort, wo es um menschliche Dinge geht, wiederum mehr berück-&lt;br /&gt;
sichtigt wird. Dies erklärt den Ruf der Jungen nach vermehrtem Enga-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theologie und archaisches Denken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Wissenschaft wird geprägt durch die Geisteshaltung der Zeit, in&lt;br /&gt;
der sie entsteht. Wegen der verschiedenen Geisteshaltungen des Mittel-&lt;br /&gt;
alters, der Neuzeit und der Gegenwart scheint es empfehlenswert, die&lt;br /&gt;
unterschiedliche Struktur von Theologie, rationalen Wissen-&lt;br /&gt;
schaften und Tiefenpsychologie im Auge zu behalten, wenn man das Ver-&lt;br /&gt;
hältnis zwischen Glauben und Wissenschaft untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theologie entfaltete sich im Mittelalter zu einer systematischen&lt;br /&gt;
Wissenschaft und erlebte im 13. Jahrhundert eine Blütezeit. Daß sie sich&lt;br /&gt;
heute unter den übrigen Wissenschaften in mancher Hinsicht wie ein&lt;br /&gt;
erratischer Block ausnimmt, hat seinen Grund wohl darin, daß sie, na-&lt;br /&gt;
mentlich im katholischen Bereich, noch wesentliche Züge der damaligen&lt;br /&gt;
erkenntnistheoretischen Voraussetzungen und der mittelalterlichen Art des&lt;br /&gt;
Welterlebens beibehalten hat. Dies läßt ihre Ausdrucksweise für viele&lt;br /&gt;
Moderne so fremdartig und schwer verständlich erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch des Mittelalters erlebte die Welt noch weitgehend im&lt;br /&gt;
Sinne der unbewußten archaischen Identität. Das wohl am wei-&lt;br /&gt;
testen verbreitete Buch des Mittelalters, die „Legenda aurea“ des Jacobus&lt;br /&gt;
a Voragine (1230 — 1298), kann uns eine Vorstellung davon vermitteln.&lt;br /&gt;
Seitdem die Tiefenpsychologie die unbewußt verlaufenden Projektions- und&lt;br /&gt;
Introjektionsvorgänge entdeckte, wird jene archaische Weltsicht für uns&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1273&lt;br /&gt;
{{page|1274|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wieder einfühlbar und sinnvoll. Der mittelalterliche Mensch stand noch&lt;br /&gt;
in viel innigerem Kontakt mit dem Unbewußten als wir. Aber er konnte&lt;br /&gt;
jene an sich unanschaulichen, das bewußte Seelenleben weitgehend bestim-&lt;br /&gt;
menden Mächte, welche über die unbewußte Psyche wirken und sich dem&lt;br /&gt;
Bewußtsein bildhaft und personifiziert darstellen, im allgemeinen noch&lt;br /&gt;
nicht von den Dingen der Außenwelt unterscheiden und dem innerseeli-&lt;br /&gt;
schen Bereich zuordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem war das Mittelalter nicht wie wir auf Erfahrung&lt;br /&gt;
eingestellt. Es schöpfte seine Erkenntnis der Wirklichkeit in erster Linie&lt;br /&gt;
aus dem, was die Theologie die Schrift gewordene göttliche Offenba-&lt;br /&gt;
rung nennt und als ein Sprechen Gottes auffaßt. Dies führte dazu, daß&lt;br /&gt;
die Theologie in ihrem Wesen eine hermeneutische, ein begrenztes&lt;br /&gt;
Schrifttum ausdeutende Wissenschaft wurde. Aus den Deutungen der&lt;br /&gt;
Offenbarungstexte errichtete die dogmatische Disziplin ein System von&lt;br /&gt;
„Wahrheiten“ und die Moraltheologie ein System von Handlungsnormen.&lt;br /&gt;
Für die weitere Entwicklung der katholischen Theologie wurde bedeut-&lt;br /&gt;
sam, daß sie keine freie Wissenschaft ist. Über die Richtigkeit ihrer Er-&lt;br /&gt;
gebnisse entscheidet das aus Papst und Bischöfen bestehende kirchliche&lt;br /&gt;
Lehramt, welches seine Kompetenz aus einem göttlichen Auftrag ableitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei komplementäre Weltbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die modernen Wissenschaften entstanden, mit Ausnahme der Tiefen-&lt;br /&gt;
psychologie, auf dem Boden des Rationalismus. Deshalb möchte ich&lt;br /&gt;
sie als rationale Wissenschaften bezeichnen. Man hielt die Vernunft, das&lt;br /&gt;
heißt das menschliche Bewußtsein, für ein allmächtiges Instrument, mit&lt;br /&gt;
dem es möglich sei, Klarheit bis in die hintersten Winkel des Seins zu&lt;br /&gt;
bringen. Deshalb war — und ist — die rationalistische Epoche von der&lt;br /&gt;
Überzeugung beseelt, daß dem Fortschritt keine Grenzen gesetzt seien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schritt für Schritt wiesen die rationalen Wissenschaften, insbesondere&lt;br /&gt;
die Naturwissenschaften, nach, daß in der Außenwelt all jene Wesen nicht&lt;br /&gt;
vorhanden seien, welche die primitive Vorstellungsweise nach außen proji-&lt;br /&gt;
ziert hatte und auf deren äußere Existenz der theologische Konkretismus&lt;br /&gt;
weiterhin bestand. Außerdem erwies sich die konkretistische Auslegung&lt;br /&gt;
des biblischen Schöpfungsberichtes als unhaltbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Theologie und rationalen Wissenschaften stehen sich zwei Be-&lt;br /&gt;
wußtseinsstufen mit den entsprechenden Weltbildern gegenüber,&lt;br /&gt;
welche entwicklungsmäßig mehr als ein halbes Jahrtausend auseinander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liegen, auch wenn die Vertreter beider Geisteshaltungen zur gleichen Zeit&lt;br /&gt;
leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entdeckung des Unbewußten konnten die Vertre-&lt;br /&gt;
ter der rationalen Wissenschaften wegen ihres Glaubens an die Allein-&lt;br /&gt;
gültigkeit der Vernunft nicht einsehen, daß ihre Aussagen lediglich für&lt;br /&gt;
die Außenwelt Geltung haben, ebenso wie sich die Theologen nicht dazu&lt;br /&gt;
verstehen konnten, ihre Aussagen auf die innerseelische Welt zu beziehen.&lt;br /&gt;
Wegen der Unmöglichkeit auf beiden Seiten, die Relativität ihres Stand-&lt;br /&gt;
punktes einzusehen, erfaßte der Konflikt zwischen Glauben und Wissen&lt;br /&gt;
immer weitere Kreise der Bevölkerung. Er ist in unseren Tagen für sehr&lt;br /&gt;
viele Menschen zu einem wahrhaft tragischen Konflikt geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274&lt;br /&gt;
{{page|1275|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=9}}Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bahnte sich in aller Stille eine&lt;br /&gt;
grundsätzlich neue Einstellung des Bewußtseins an, welche&lt;br /&gt;
imstande wäre, den Konflikt zwischen Glauben und Wissen zu überwin-&lt;br /&gt;
den. Diese neue Einstellung ist heute so weit herangereift und wissen-&lt;br /&gt;
schaftlich untermauert, daß sie von der Allgemeinheit übernommen wer-&lt;br /&gt;
den könnte. Der wesentliche Punkt der neuen Einstellung besteht in der&lt;br /&gt;
Einsicht, daß die menschliche Psyche nicht aus dem Bewußtsein allein&lt;br /&gt;
besteht, sondern daß das Bewußtsein (Vernunft, Ratio) ein sehr be-&lt;br /&gt;
schränktes Erkenntnisorgan ist, das in bisher ungeahntem Maße vom un-&lt;br /&gt;
bewußten Anteil der Psyche abhängt und außerdem nur ein für die&lt;br /&gt;
menschliche Art spezifisches Erkennen vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschütterte Allmacht der Vernunft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wie zu Beginn unseres Jahrhunderts die Relativitäts- und&lt;br /&gt;
Quantentheorie das Weltbild der klassischen Physik revolutionierten, so&lt;br /&gt;
erschütterte die Entdeckung des Unbewußten den Glauben an die All-&lt;br /&gt;
macht der Vernunft. Die beiden revolutionären Entdeckungen auf dem&lt;br /&gt;
Gebiete der Physik und der Psychologie führten zu erkenntnistheoreti-&lt;br /&gt;
schen Konsequenzen, die heute, von verschiedenen Seiten her kommend,&lt;br /&gt;
konvergieren, um eine völlig neuartige Weltschau anzubahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es seien hier die Grundzüge dieser Entwicklung, soweit sie die psy-&lt;br /&gt;
chologische Seite betreffen, kurz skizziert: Um 1780, also noch bevor sich&lt;br /&gt;
die rationalen Wissenschaften richtig enfalteten, äußerte Immanuel Kant&lt;br /&gt;
die Ansicht, daß es der menschlichen Vernunft nicht möglich sei, die Welt&lt;br /&gt;
an sich zu erkennen, sondern daß die Vernunft nur ein für den Menschen&lt;br /&gt;
spezifisches Bild der Welt vermitile. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts ent-&lt;br /&gt;
wickelten C. G. Carus und E. v. Hartmann philosophische Denk-&lt;br /&gt;
modelle, worin sie neben dem bewußten Bereich der Psyche einen um-&lt;br /&gt;
fangreicheren unbewußten Bezirk derselben postulierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesen spekulativen Versuchen bereiteten die biologischen&lt;br /&gt;
Wissenschaften mosaikartig den Boden für ein neues Selbstverständnis&lt;br /&gt;
des Menschen vor: Ein erster Forschungszweig führte über Anatomie und&lt;br /&gt;
Physiologie zur heutigen Molekularbiologie. Diese physikalisch-chemisch&lt;br /&gt;
orientierte Forschungsrichtung ließ uns das Lebewesen als das kom-&lt;br /&gt;
plexeste lernfähige kybernetische System erkennen. ‚Ein weiterer Zweig&lt;br /&gt;
der biologischen Forschung befaßte sich mit der Evolution des Leben-&lt;br /&gt;
digen. Er erarbeitete nicht nur den Stammbaum der Arten, sondern zeigte&lt;br /&gt;
auch, daß der Gradmesser für die Evolutionshöhe eines Lebewesens in&lt;br /&gt;
der Struktur des Nervensystems zu suchen sei. Für höhere Lebe-&lt;br /&gt;
wesen ergab sich als eigentlicher Maßstab das Verhältnis zwischen der&lt;br /&gt;
Masse des Großhirns und der des Stammhirns. Es zeigte sich, daß das re-&lt;br /&gt;
flektierende Bewußtsein, durch welches sich die menschliche von der&lt;br /&gt;
tierischen Seinsebene unterscheidet, bei jenem Entwicklungszweig entstand,&lt;br /&gt;
dessen Großhirnmasse diejenige des Stammhirns am stärksten übertraf.&lt;br /&gt;
Damit wurde der menschliche Geist als ein Gebilde erkannt, das nicht frei&lt;br /&gt;
und unabhängig über allen Dingen schwebt, sondern das sich als jüngster&lt;br /&gt;
Sproß aus der allem Lebendigen eigenen unbewußten Geistigkeit heraus-&lt;br /&gt;
entwickelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1275&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1276|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=10}}Ein dritter Zweig der biologischen Forschung befaßte sich mit der&lt;br /&gt;
Innerlichkeit der Tiere. Die Verhaltensforschung kam zur An-&lt;br /&gt;
sicht, daß allem Erkennen und allem Wirken im Bereich des Lebendigen&lt;br /&gt;
sogenannte Schemata oder Muster zu Grunde liegen. Schließlich bemühte&lt;br /&gt;
sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts eine Anzahl von Psychologen um&lt;br /&gt;
den empirischen Nachweis des menschlichen Unbewußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkmodell des menschlichen Unbewußten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das entscheidende Denkmodeil, welches schließlich die divergieren-&lt;br /&gt;
den Entwicklungslinien der philosophischen Erkenntniskritik, der Reli-&lt;br /&gt;
gionswissenschaft, der Evolutionslehre, der Tierpsychologie und der empi-&lt;br /&gt;
rischen Psychologie des menschlichen Unbewußten unter einem einheit-&lt;br /&gt;
lichen Gesichtspunkt zusammenfaßte, kann wohl C. G. Jungs Theorie&lt;br /&gt;
des für die menschliche Art spezifischen (sog. kollektiven) Unbe-&lt;br /&gt;
wußten angesehen werden. Die Jung’sche Theorie bezieht sich vor allem&lt;br /&gt;
auf die Dynamik zwischen unbewußten und bewußten Vorgängen. Aus ihr&lt;br /&gt;
ergab sich eine große Zahl von Fragestellungen, welche heute in zuneh-&lt;br /&gt;
mendem Maße jene Wissenschaften zu revolutionieren beginnt, deren&lt;br /&gt;
Interesse um den Menschen und die Produkte des menschlichen Geistes&lt;br /&gt;
kreist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Frage von Glaube und Wissen scheinen mir vor allem jene An-&lt;br /&gt;
sichten wichtig zu sein, welche den Prozeß der Symbolbildung&lt;br /&gt;
und Symbolverarbeitung betreffen. Es dürfte, da sie relativ&lt;br /&gt;
wenig bekannt sind, empfehlenswert sein, näher darauf einzugehen. Die&lt;br /&gt;
biologische Forschung stieß in neuester Zeit an eine erkenntnismäßige&lt;br /&gt;
Grenze beim Problem der sogenannten Schemata. Es handelt sich um&lt;br /&gt;
die Frage, auf welche Weise das Protoplasma es fertigbringe, mittels der&lt;br /&gt;
Schemata oder Muster das noch nie Erkannte zu erkennen und Energie&lt;br /&gt;
in Aufbau, Form, Ausdruck und Tun umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß sogenannte Schemata als anordnende Faktoren bei allen Lebewesen&lt;br /&gt;
das unbewußte Erkennen und Wirken bestimmen, kann als gesichert gel-&lt;br /&gt;
ten. Für den Fall des Menschen kompliziert sich das Problem dadurch, daß&lt;br /&gt;
er nicht nur wie das Tier unbewußt dahinlebt, sondern außerdem noch&lt;br /&gt;
ein reflektierendes Bewußtsein besitzt, in welchem er die Welt abbildet.&lt;br /&gt;
Jene speziellen Schemata, welche das menschliche Bewußtsein mit Bil-&lt;br /&gt;
dern versorgen, bezeichnete Jung als Archetypen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Archetypen sind wie die übrigen Schemata des Lebensprozesses nicht&lt;br /&gt;
direkt erkennbar. Aber sie bewirken Bilder, welche das Bewußtsein wahr-&lt;br /&gt;
nehmen kann. Die archetypischen Bilder sind das Rohmaterial und die&lt;br /&gt;
Triebkraft für den Bewußtseinsprozeß. Der Ausdruck „Bild“ ist der vi-&lt;br /&gt;
suellen Sphäre entnommen. Er ist aber in einem umfassenderen Sinne zu&lt;br /&gt;
verstehen: als etwas, das unser gesamtes Vorstellungsvermögen bean-&lt;br /&gt;
sprucht. Ein archetypisches Bild kann jede Sinnesfunktion ansprechen, es&lt;br /&gt;
hat zudem einen Gefühlswert und kann als bewegende Kraft erlebt wer-&lt;br /&gt;
den. Jeder Archetypus kann eine unendliche Reihe variierender Bilder er-&lt;br /&gt;
zeugen, deren jedes einen anderen Aspekt des Themas darstellt. Aber&lt;br /&gt;
trotz aller Variationsmöglichkeit ist die Welt der menschlichen Vorstellung&lt;br /&gt;
spezifisch menschlich, anthropomorph.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1276&lt;br /&gt;
{{page|1277|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=11}}Bildersprache des Unbewußten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unbewußte teilt sich also dem Bewußtsein mittels einer Bilder-&lt;br /&gt;
sprache mit. Wie die menschliche Sprache nicht nur aus Wörtern, sondern&lt;br /&gt;
aus Sätzen besteht, so besteht die Bildersprache des Unbewußten nicht&lt;br /&gt;
nur aus einzelnen Bildern. Ihr eigentliches Ausdruckselement ist der -Bild-&lt;br /&gt;
ablauf, das Mythologem oder Mythenmotiv. In nahezu „naturreinem“ Zu-&lt;br /&gt;
stand finden wir die Bildersprache des Unbewußten in den Träumen, in&lt;br /&gt;
Visionen, Mythen, religiösen Symbolen und in vielen Erzählungen der&lt;br /&gt;
heiligen Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bilder und Mythologeme sind der Rohstoff für die reflektierende&lt;br /&gt;
Bewußtseinstätigkeit. Je differenzierter das Bewußtsein ist, um so inten-&lt;br /&gt;
siver „verdaut“ es die Bilder und Mythologeme, indem es sie in Begriffe&lt;br /&gt;
und Ideen umformt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf jeder Entwicklungsstufe des Bewußtseins liegen bestimmte Fragen&lt;br /&gt;
„in der Luft“. Wenn jeweils die Bewußtseinsspannung stark genug ist,&lt;br /&gt;
produziert das Unbewußte Bilder, welche das gesuchte Unbekannte auf die&lt;br /&gt;
zurzeit bestmögliche Weise ausdrücken. Derartige Bilder oder Mythen-&lt;br /&gt;
motive für etwas zum größten Teil noch Unbekanntes hezeichnete Jung&lt;br /&gt;
als Symbole. Wenn ein Symbol vom Bewußtsein verdaut&lt;br /&gt;
und in Begriffe übersetzt ist, verliert es sein belebende Wir-&lt;br /&gt;
kung. Es befriedigt dann vor allem noch das historische Interesse. Je zen-&lt;br /&gt;
traler die Stellung eines Symbols im hierarchischen Gesamtmuster der&lt;br /&gt;
Archetypen ist (zum Beispiel ein Gottesbild), um so größer ist sein durch&lt;br /&gt;
das Bewußtsein nicht verdaubarer Rest. Von allen Symbolen können somit&lt;br /&gt;
die Gottesbilder vom Bewußtsein am wenigsten assimiliert werden. Des-&lt;br /&gt;
halb üben sie noch eine belebende und bereichernde Wirkung aus, wenn&lt;br /&gt;
andere, gleich alte Symbole längst verarbeitet und durch Begriffe ersetzt&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wissenschaftliche Theorien sind lebendige Symbole, solange sie&lt;br /&gt;
noch eine Hypothese enthalten, also etwas ausdrücken, das zum größten&lt;br /&gt;
Teil noch unbekannt ist. Erst aus diesen bildhaften Denkmodellen ergibt&lt;br /&gt;
sich die Fragestellung für eine gezielte wissenschaftliche Forschung. Wis-&lt;br /&gt;
senschaftliche Theorien fallen, wie alle Symbole, aus dem Unbewuß-&lt;br /&gt;
ten als mehr oder weniger fertig gestaltete „Einfälle“ ins Bewußtsein&lt;br /&gt;
ein und regen dieses zu reflektierender Bearbeitung an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil dass Unbewußte mehr „weiß“ als das Bewußtsein, ent-&lt;br /&gt;
halten die wissenschaftlichen Theorien ein scheinbar prophetisches Wis-&lt;br /&gt;
sen, welches nachträglich durch die Empirie bestätigt wird. Die anord-&lt;br /&gt;
nenden Faktoren (Schemata) des unbewußten Be-&lt;br /&gt;
reichs haben Anteil an jenem „Wissen“ das nötig&lt;br /&gt;
war, umim Evolutionsprozeß die Elemente, den Kos-&lt;br /&gt;
mos, die Verbindungen und die Lebewesen entstehen&lt;br /&gt;
zu lassen. Aus dieser Auffassung des Unbewußten ergibt sich eine Er-&lt;br /&gt;
klärung für die erstaunliche Tatsache, daß auf Grund eines mathemati-&lt;br /&gt;
schen Formalismus bisher unbekannte Beobachtungen vorausgesagt wer-&lt;br /&gt;
den können. Unsere Mathematik entstand eben aus der Verarbeitung einer&lt;br /&gt;
Entwicklungsreihe von Symbolen, die dem Archetypus der Zahl entquol-&lt;br /&gt;
len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1277&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1278|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Entwicklungsströme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch ständigen Nachschub neuer Bilder und Sym-&lt;br /&gt;
bole fördert das Unbewußte die Entwicklung des Bewußtseins. Das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein hat die Tendenz, das Gemisch von unverdauten, halb- und ganz-&lt;br /&gt;
verdauten Bildern fortlaufend zu einem Weltbild zu ordnen. Es lassen sich&lt;br /&gt;
also zwei grundverschiedene Evolutionsströme erkennen. Auf&lt;br /&gt;
der einen Seite sehen wir die seit einigen Milliarden Jahren andauernde&lt;br /&gt;
Evolution des Kosmos und des irdischen Lebens. Als zweiten, sehr&lt;br /&gt;
viel jüngeren Entwicklungsprozeß, der sich im Menschen selbst ab-&lt;br /&gt;
spielt, erkennen wir die Entwicklung des Bewußtseins. Bei diesem in-&lt;br /&gt;
nermenschlichen Evolutions- oder Schöpfungsprozeß extrahiert der Mensch&lt;br /&gt;
gewissermaßen den „objektiven“ Geist, der in der Natur verwirklicht ist,&lt;br /&gt;
und schafft mit Hilfe des so gewonnenen, menschlich gefärbten „subjek-&lt;br /&gt;
tiven“ Geistes Geschichte und Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Erforschung der Dynamik zwischen Unbewußtem und Be-&lt;br /&gt;
wußtsein eröffnete die Tiefenpsychologie die Möglichkeit, alle&lt;br /&gt;
Inhalte und Produkte des menschlichen Bewußtseins, zum Beispiel Mythen,&lt;br /&gt;
Religionen, Dichtung, bildende Kunst und Wissenschaften, in ihrer Ent-&lt;br /&gt;
stehung und Wandlung gleichsam „von außen“ zu betrachten, ähnlich wie&lt;br /&gt;
der Verhaltensforscher ein Insektenvolk studiert. Die Tiefenpsychologie&lt;br /&gt;
ermöglicht damit eine eigentliche Wissenschaft vom menschlichen (subjek-&lt;br /&gt;
tiven) Geist, welche etwas ganz anderes ist als die traditionellen rationa-&lt;br /&gt;
len Geisteswissenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaube und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem tiefenpsychologischen Standpunkt aus ergeben sich für die&lt;br /&gt;
Frage nach dem Verhältnis zwischen Glauben und Wissenschaft folgende&lt;br /&gt;
Überlegungen: Weil die Symbole in bildhafter Sprache einen Sachverhalt&lt;br /&gt;
darstellen, der erst geahnt wird, aber noch nicht bewußt ist, kann das&lt;br /&gt;
Bewußtsein anfänglich gar nicht überprüfen, ob die Aussage eines Sym-&lt;br /&gt;
bols richtig sei. Mag das Symbol Christus heißen, Vernunft oder Evolu-&lt;br /&gt;
tion des Lebendigen, am Anfang kann das Bewußtsein, das von ihm er-&lt;br /&gt;
faßt wird, nicht anders, als daran glauben; denn der Akt des Glaubens&lt;br /&gt;
im Sinne von Glaubenszustimmung besteht darin, daß man&lt;br /&gt;
etwas auf dieAussage hin als richtig annimmt, auch&lt;br /&gt;
ohne die Möglichkeit der Nachprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenes Andere, das die Symbole gestaltet und durch sie etwas aussagt,&lt;br /&gt;
heißt in archaischer Sprache offenbarender Gott. Heute nennen&lt;br /&gt;
es viele, vor dem Hintergrund all der Erkenntnisse über die Innerlichkeit&lt;br /&gt;
der Lebewesen, das Unbewußte. Beide Ausdrucksweisen beruhen auf dem&lt;br /&gt;
gleichen Erlebnis, denn das Unbewußte wird gerade von jenen Menschen,&lt;br /&gt;
welche im analytischen Prozeß gelernt haben, mit dem eigenen Unbewuß-&lt;br /&gt;
ten umzugehen, als etwas Fremdes und Überlegenes mit Person-Qua-&lt;br /&gt;
lität erlebt. Je mehr ein Symbol im Laufe der Zeit vom Bewußtsein assi-&lt;br /&gt;
miliert wird, um so mehr geht es zum Teil in Wissen über. In diesem&lt;br /&gt;
Sinne läßt sich wohl sagen, daß der Glaube die Voraussetzung der Wis-&lt;br /&gt;
senschaft sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1278&lt;br /&gt;
{{page|1279|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=13}}Glaubenshaltung bedeutet nicht nur Zustimmung, sondern ebenso sehr&lt;br /&gt;
Vertrauen auf die Macht und Hilfsbereitschaft eines höheren Wesens.&lt;br /&gt;
Dieses Vertrauen entspringt nicht einem bewußten Willensakt, wie es&lt;br /&gt;
denn auch von der Theologie der Wirkung der „göttlichen Gnade“ zuge-&lt;br /&gt;
schrieben wurde. Es gibt dem Gläubigen die Kraft, „Berge zu versetzen“,&lt;br /&gt;
Wenn zum Beispiel Scharen von Physikern die Arbeit eines Lebens dar-&lt;br /&gt;
auf verwenden, das Denkmodell, welches der Quantentheorie zu Grunde&lt;br /&gt;
liegt, zu verifizieren, zu präzisieren und weiter zu entwickeln, fließt ihnen&lt;br /&gt;
die dazu nötige Kraft aus dem Vertrauen in die grundsätzliche Richtigkeit&lt;br /&gt;
der Planckschen Theorie zu. Auch in diesem Sinne kann der Glaube als&lt;br /&gt;
Voraussetzung der Wissenschaft gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Glaube wird außerdem der Inhalt des Symbols bezeichnet.&lt;br /&gt;
Da der Inhalt der Symbole als der Rohstoff jeglicher Bewußtseinsent-&lt;br /&gt;
wicklung und somit auch allen Wissens angesehen wird, kann der Glaube&lt;br /&gt;
auch in der Bedeutung von Glaubensinhalt eine Voraussetzung der Wis-&lt;br /&gt;
senschaft genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaube als Offenheit des Bewußtseins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaube im Sinne von Glaubensfunktion kann als Grundlage jedes be-&lt;br /&gt;
wußten Erkennens und Tuns angesehen werden. Jeder Bewußtseins-&lt;br /&gt;
inhalt enthält neben dem, was davon gewußt wird, letztlich einen Anteil,&lt;br /&gt;
der geglaubt werden muß. Bei der Gottesvorstellung ist der Anteil des zu&lt;br /&gt;
Glaubenden wegen der Unfaßbarkeit dessen, was wir das Göttliche nen-&lt;br /&gt;
nen, entsprechend groß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaube bedeutet Offenheit des Bewußtseins für das, was es von der ihm&lt;br /&gt;
überlegenen unbewußten Seelentätigkeit empfängt. In der Geisteshaltung&lt;br /&gt;
des Rationalismus kapselt sich das Bewußtsein vom Unbewußten ab und&lt;br /&gt;
negiert dessen Existenz. Die Entdeckung und Erforschung des Unbewuß-&lt;br /&gt;
ten gab dem Glauben seine Berechtigung zurück, allerdings in einem ge:&lt;br /&gt;
genüber früheren Bewußtseinsstufen wesentlich erweiterten Sinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb sind, der geistigen Redlichkeit zuliebe, alle jene Bestrebungen&lt;br /&gt;
abzulehnen, welche noch der Auffassung Vorschub leisten, der Aus-&lt;br /&gt;
druck „Glaube“ sei für den Glauben an die christliche Offenba-&lt;br /&gt;
rung zu reservieren. Abgesehen von dieser nicht mehr vertretba-&lt;br /&gt;
ren Einengung der Glaubensfunktion auf den religiösen Bereich darf wohl&lt;br /&gt;
darauf hingewiesen werden, daß auch die Gottesbilder sich im Laufe der&lt;br /&gt;
Bewußtseins-Evolution verändern und nie als endgültig angesprochen&lt;br /&gt;
werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1279&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1280|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mystik, Spiel und Psychologie * — _,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere theologischen Gegner in&lt;br /&gt;
christlichen Kreisen werfen uns&lt;br /&gt;
gern vor, wir Bahä’ti hätten eine&lt;br /&gt;
„hintergründige Arroganz“ und&lt;br /&gt;
„kein Verständnis für die Bot-&lt;br /&gt;
schaft vom Kreuz“. Oberflächlich&lt;br /&gt;
aus einer repressiven Grundein-&lt;br /&gt;
stellung heraus betrachtet, stimmt&lt;br /&gt;
das. Wir sollten tief darüber nach-&lt;br /&gt;
denken und dabei auch der Frage&lt;br /&gt;
nicht ausweichen, ob ein Anflug&lt;br /&gt;
von Arroganz nicht notwendiger&lt;br /&gt;
Selbstschutz ist, wenn man es mit&lt;br /&gt;
Menschen zu tun hat, die das We-&lt;br /&gt;
sentliche nicht verstehen, weil sie&lt;br /&gt;
sich willentlich einfachen und&lt;br /&gt;
notwendigen Grundzusammen-&lt;br /&gt;
hängen verschließen. Weiter aber&lt;br /&gt;
führt die Frage, was dieses We-&lt;br /&gt;
sentlicbe an der Haltung eines&lt;br /&gt;
neuen, „wiedergeborenen“ Gläubi-&lt;br /&gt;
gen ist und wodurch er über das&lt;br /&gt;
herkömmliche Verständnis für die&lt;br /&gt;
Botschaft vom Kreuz hinaus-&lt;br /&gt;
wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vordergrund des neuen Be-&lt;br /&gt;
wußtseins steht die Produktivität,&lt;br /&gt;
das Streben nach echter Leistung&lt;br /&gt;
zur Verwirklichung neuer, großer,&lt;br /&gt;
umfassender Ziele. Diese Grund-&lt;br /&gt;
haltung entfaltet sich auf drei&lt;br /&gt;
Ebenen, je nach den Objekten, mit&lt;br /&gt;
denen wir es zu tun haben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Ebene ist die der&lt;br /&gt;
Mystik. Die Beziehung zu den&lt;br /&gt;
Wesensinhalten des Glaubens, zu&lt;br /&gt;
einem möglichst klaren Gottesbe-&lt;br /&gt;
griff, zu Werten, Vorbildern und&lt;br /&gt;
Zielvorstellungen ist muystisch.&lt;br /&gt;
Mystik ist kein Gegensatz zum&lt;br /&gt;
verstandlichen Denken, sondern&lt;br /&gt;
dessen Erweiterung. Mystik ist der&lt;br /&gt;
ganzheitliche, ehrfürchtige Um-&lt;br /&gt;
gang mit Kategorien, die größer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind als das denkende und han-&lt;br /&gt;
delnde Subjekt. Die Nöte und Be-&lt;br /&gt;
dürfnisse der Gesellschaft um ihn&lt;br /&gt;
her darf ein Mystiker nicht außer&lt;br /&gt;
acht lassen: Er muß sich auch und&lt;br /&gt;
gerade mit „der Welt“, „der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft“, mit praktischen Wer-&lt;br /&gt;
ten befassen, und wenn er dies&lt;br /&gt;
tut, wird er überrascht sein, wie-&lt;br /&gt;
viele Lehrsätze, Mitmenschen,&lt;br /&gt;
Strukturen und Nahziele, die er&lt;br /&gt;
bislang als Mittel zum Zweck&lt;br /&gt;
mißbraucht haben mag, sich für&lt;br /&gt;
den mystischen Umgang eignen.&lt;br /&gt;
Dieser Umgang besteht darin, daß&lt;br /&gt;
man solche Lehrsätze, Mitmen-&lt;br /&gt;
schen, Strukturen und Ziele von&lt;br /&gt;
einer übergeordneten Warte her&lt;br /&gt;
mit den als göttlich erkannten&lt;br /&gt;
Maßstäben vorsichtig kritisiert,&lt;br /&gt;
universalisiert und transzendiert,&lt;br /&gt;
wobei es darauf ankommt, den&lt;br /&gt;
Blick auf die positiven, entwick-&lt;br /&gt;
lungsfähigen, dem Aufbau die-&lt;br /&gt;
nenden Bestandteile zu konzen-&lt;br /&gt;
trieren. Das erfordert ein schar-&lt;br /&gt;
fes Denk- und Beobachtungsver-&lt;br /&gt;
mögen, eine Kunst des Fragens,&lt;br /&gt;
viel Vorsicht und Verschwiegen-&lt;br /&gt;
heit; denn jede unbedachte Äuße-&lt;br /&gt;
rung, jeder negative Gedanke, so&lt;br /&gt;
berechtigt sie sein mögen, können&lt;br /&gt;
Reaktionen und Änderungen bei&lt;br /&gt;
unserem Beobachtungsgegenstand&lt;br /&gt;
auslösen, die der Beobachtung&lt;br /&gt;
und vor allem unserer schöpferi-&lt;br /&gt;
schen Beziehung zu diesem Ge-&lt;br /&gt;
genstand abträglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich bedarf es der göttli-&lt;br /&gt;
chen Gnade und des schlichten&lt;br /&gt;
Glaubens; aber das „sola gratia“&lt;br /&gt;
(nur durch die Gnade) und das&lt;br /&gt;
„sola fide“ (nur durch den Glau-&lt;br /&gt;
ben) der herkömmlichen Theolo-&lt;br /&gt;
{{page|1281|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=15}}gie ist ein Überbleibsel aus dem&lt;br /&gt;
finsteren Mittelalter, nach den&lt;br /&gt;
Worten Bahä’u’llähs „eitler Wahn&lt;br /&gt;
und leerer Trug“. Die Tiefenpsy-&lt;br /&gt;
chologie hat einleuchtende Erklä-&lt;br /&gt;
rungen dafür gefunden, warum&lt;br /&gt;
sich solche Vorstellungen hart-&lt;br /&gt;
näckig am Leben erhalten. Ganz&lt;br /&gt;
allgemein gilt im Zugang zu den&lt;br /&gt;
höchsten Werten dasselbe, was für&lt;br /&gt;
jede andere schöpferische Bezie-&lt;br /&gt;
hung, 2. B. für ein Gespräch zwi-&lt;br /&gt;
schen Ehepartnern, gilt: Wörter&lt;br /&gt;
wie „immer“, „nie“ und „nur“&lt;br /&gt;
sind abträglich, weil sie in ih-&lt;br /&gt;
rem tieferen seelischen Grund&lt;br /&gt;
„nur“ Ausdruck von Absolutheits-&lt;br /&gt;
ansprüchen und Alleinvertre-&lt;br /&gt;
tungsanmaßungen sind. Die Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit ist „immer“ differenzier-&lt;br /&gt;
ter: In ihr gibt es viele Faktoren,&lt;br /&gt;
und es kommt auf deren dyna-&lt;br /&gt;
misches, produktives Gleichge-&lt;br /&gt;
wicht, auf ihre bestmögliche&lt;br /&gt;
schöpferische Kombination an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nur“ der mystische Zugang zu&lt;br /&gt;
höheren Kategorien schafft eine&lt;br /&gt;
Atmosphäre, die das Zwanghaft-&lt;br /&gt;
Neurotische an der Religion über-&lt;br /&gt;
windet. Bahd’u’lläh befiehlt nicht&lt;br /&gt;
einfach: „Wandleg in Meinen Ge-&lt;br /&gt;
setzen“, Er fügt im selben Atem-&lt;br /&gt;
zug hinzu: „...aus Liebe zu Mir“&lt;br /&gt;
(arab. Verborgene Worte, 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Ebene, die des prak-&lt;br /&gt;
tischen Umgangs mit Gleichwerti-&lt;br /&gt;
gem und Gleichberechtigtem, mit&lt;br /&gt;
den Mitmenschen und der Gesell-&lt;br /&gt;
schaft, steht unter dem Leitwort&lt;br /&gt;
Spiel, und zwar in dem Maße,&lt;br /&gt;
wie unsere grundlegenden Le-&lt;br /&gt;
bensbedürfnisse befriedigt sind.&lt;br /&gt;
Vom spätsozialdarwinistischen&lt;br /&gt;
Daseinskampf unterscheidet sich&lt;br /&gt;
das Spiel dadurch, daß das allge-&lt;br /&gt;
meine und das spezifische, auf den&lt;br /&gt;
jeweiligen Sinnzusammenhang&lt;br /&gt;
bezogene System von Regeln hö-&lt;br /&gt;
her bewertet wird als der vorder-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gründige Erfolg. Hinzu kommen&lt;br /&gt;
eine gewisse Festlichkeit und die&lt;br /&gt;
schöpferische Entfaltung der&lt;br /&gt;
Phantasie innerhalb des Regelsy-&lt;br /&gt;
stems. Wenn wir nach dem Reich&lt;br /&gt;
Gottes und seiner Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
trachten sollen, damit uns alles&lt;br /&gt;
andere, auch der Erfolg, zufällt&lt;br /&gt;
(Matth. 6), dann bedeutet diese&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit — im Englischen&lt;br /&gt;
besser übersetzt: „His righteous-&lt;br /&gt;
ness“, Gottes Rechtschaffenheit&lt;br /&gt;
und Geradlinigkeit — in erster&lt;br /&gt;
Linie die tägliche, praktische Liebe&lt;br /&gt;
zu den Spielregeln des Wohlver-&lt;br /&gt;
haltens und zu deren schöpferi-&lt;br /&gt;
scher Kritik und Weiterbildung.&lt;br /&gt;
Es ist also unsere ganz konkrete&lt;br /&gt;
Aufgabe, die hohen Ideale unseres&lt;br /&gt;
Glaubens in das Kleingeld des&lt;br /&gt;
schöpferischen Umgangs mit&lt;br /&gt;
Gläubigen, Halbgläubigen und&lt;br /&gt;
Ungläubigen umzumünzen und&lt;br /&gt;
unsere Liebe zu dem Höchsten,&lt;br /&gt;
was Menschengeist beseelen kann,&lt;br /&gt;
dabei praktisch zu beweisen: nicht&lt;br /&gt;
dadurch, daß wir aus falsch ver-&lt;br /&gt;
standener Nächstenliebe und Op-&lt;br /&gt;
ferbereitschaft besonders große&lt;br /&gt;
Vorleistungen erbringen und an-&lt;br /&gt;
deren Gelegenheit verschaffen, uns&lt;br /&gt;
übers Ohr zu hauen, sondern&lt;br /&gt;
dadurch, daß wir jedem Men-&lt;br /&gt;
schen, dem wir begegnen, in dem&lt;br /&gt;
Maße, wie wir mit ihm zu tun ha-&lt;br /&gt;
ben, behilflich sind, seine eigenen&lt;br /&gt;
schöpferischen Fähigkeiten mit&lt;br /&gt;
uns, statt gegen uns, im Dienst&lt;br /&gt;
der Gesellschaft zu entfalten und&lt;br /&gt;
daraus Befriedigung zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt unendlich viele schöne,&lt;br /&gt;
große und liebenswerte Regelsy-&lt;br /&gt;
steme, an die wir schöne und&lt;br /&gt;
große Gedanken verwenden soll-&lt;br /&gt;
ten. Irgendein abstrakter Markt,&lt;br /&gt;
eine Börse mit klaren, zweckmä-&lt;br /&gt;
figen Usancen kann echten Öko-&lt;br /&gt;
nomen so viel bedeuten wie Ma-&lt;br /&gt;
leraugen die Farbenfülle eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1281&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1282|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüsemarkts vor einem alten&lt;br /&gt;
Renaissance-Rathaus. Das erlebte&lt;br /&gt;
Regelsystem des Schachspiels gibt&lt;br /&gt;
Anregungen für die Strategien des&lt;br /&gt;
Familien-, Berufs- und Gesell-&lt;br /&gt;
schaftslebens. Der Straßenverkehr&lt;br /&gt;
ist eine treffliche Analogie für&lt;br /&gt;
allgemeines gesellschaftliches Ver-&lt;br /&gt;
halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt unterscheidet sich das&lt;br /&gt;
Bewußtsein eines Bahä’t von&lt;br /&gt;
demjenigen eines Normalchristen&lt;br /&gt;
dadurch, daß er die Welt als einen&lt;br /&gt;
Kosmos betrachtet, als ein wohl-&lt;br /&gt;
geordnetes Ganzes, in dem ledig-&lt;br /&gt;
lich die Schlüsselfigur Mensch neu&lt;br /&gt;
programmiert werden muß. Die&lt;br /&gt;
früheren Hoffnungen und Ver-&lt;br /&gt;
heißungen sind erfüllt, Bahd’u’-&lt;br /&gt;
lläh hat das umfassende Pro-&lt;br /&gt;
gramm einer neuen Weltordnung&lt;br /&gt;
gegeben. Nun gilt es, dieses ganz-&lt;br /&gt;
he:tliche Regelsystem auf unsere&lt;br /&gt;
alltäglichen Verrichtungen abzu-&lt;br /&gt;
leiten und im täglichen Umgang&lt;br /&gt;
mit den herrschenden Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen, Mitmenschen und Strukturen&lt;br /&gt;
als das zu erweisen, was den&lt;br /&gt;
größten Erfolg hat: vor allem als&lt;br /&gt;
eine neue Liebe, als den inneren&lt;br /&gt;
Erfolg, der nach den Worten der&lt;br /&gt;
Weisheit „das Wesen des Reich-&lt;br /&gt;
tums“ ist. Das ist kein täglicher&lt;br /&gt;
Lebenskampf, sondern eine Sym-&lt;br /&gt;
phonie von Lebensspielen, die&lt;br /&gt;
man dann meistert, wenn man&lt;br /&gt;
sich ganz dem Wesentlichen, dem&lt;br /&gt;
gestaltbaren Regelsystem, zuwen-&lt;br /&gt;
det und demgegenüber alles ma-&lt;br /&gt;
teriell Erreichbare, „die ganze&lt;br /&gt;
Welt“ für so viel wert hält „wie&lt;br /&gt;
das Schwarze im Auge einer toten&lt;br /&gt;
Ameise“ (Baha’wliäh an Napo-&lt;br /&gt;
leon III.). &#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ungläubigen und die Halb-&lt;br /&gt;
gläubigen, die ihre kleinen tägli-&lt;br /&gt;
chen Verrichtungen tierisch ernst&lt;br /&gt;
nehmen, werden sich diese Hal-&lt;br /&gt;
tung nicht widerstandslos gefallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1282&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lassen. Gewiß, wir sollen sie mög-&lt;br /&gt;
lichst sich selbst überlassen, wenn&lt;br /&gt;
sie auf unsere liebevolle Heraus-&lt;br /&gt;
forderung nicht positiv reagieren.&lt;br /&gt;
Bahü’u’lläh stellt in den Mittel-&lt;br /&gt;
punkt dieser Haltung die 109.&lt;br /&gt;
Sure des Qur’än, der kürzesten&lt;br /&gt;
und schönsten eine, und berich-&lt;br /&gt;
tet im „Brief an den Sohn des&lt;br /&gt;
Wolfes“ (S. 138) darüber, wie oft&lt;br /&gt;
Er selbst zu dieser Sure Zuflucht&lt;br /&gt;
nimmt: „Sprich: O ihr Ungläubi-&lt;br /&gt;
gen! Ich verehre nicht, was ihr&lt;br /&gt;
verehret, und ihr verehret nicht,&lt;br /&gt;
was Ich verehre. Ich werde nie&lt;br /&gt;
verehren, was ihr verehret, noch&lt;br /&gt;
werdet ihr je verehren, was Ich&lt;br /&gt;
verehre. Euch sei euer Glaube und&lt;br /&gt;
Mir Mein Glaube“. Diese Haltung&lt;br /&gt;
bedeutet nicht Fühllosigkeit oder&lt;br /&gt;
Unbekümmertheit um mensch-&lt;br /&gt;
liche Fehlhaltungen und ihre Fol-&lt;br /&gt;
gen; es geht lediglich um inneren&lt;br /&gt;
Abstand und Selbstschutz im&lt;br /&gt;
Dienst höherer Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
” Isolation und Selbstschutz s’nd&lt;br /&gt;
aber in unserer fortschreitend&lt;br /&gt;
technisierten Welt nur bedingt&lt;br /&gt;
möglich; durch tausend Zwecke&lt;br /&gt;
sind wir mit unserer Umwelt ver-&lt;br /&gt;
woben. Wir brauchen Waffen zu&lt;br /&gt;
unserem Selbstschutz, aber auch&lt;br /&gt;
zum Angriff auf Fehlhaltungen,&lt;br /&gt;
die wir als grob gesellschaftsschä-&lt;br /&gt;
digend nicht hinnehmen können.&lt;br /&gt;
Die physische Gewaltanwendung&lt;br /&gt;
ist uns und allen anderen, außer&lt;br /&gt;
der Polizei, im Buche Gottes ver-&lt;br /&gt;
boten, nicht jedoch die Aufrüstung&lt;br /&gt;
mit Waffen, die viel wirksamer&lt;br /&gt;
sind und die uns die Psycho-&lt;br /&gt;
logie, vor allem die Tiefen-&lt;br /&gt;
psychologie, liefert. Wenn inner-&lt;br /&gt;
halb der spätpluralistischen Wohl-&lt;br /&gt;
standsgesellschaft eine Mischung&lt;br /&gt;
aus Freud und Marx die erstaun-&lt;br /&gt;
lichsten Wirkungen in verunsi-&lt;br /&gt;
cherten Studentengehirnen her-&lt;br /&gt;
vorruft, was kann da erst alles&lt;br /&gt;
geschehen, wenn wir lernen, die&lt;br /&gt;
{{page|1283|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=17}}höchsten dem Menschen vorstell-&lt;br /&gt;
baren Strebungen und die tiefen&lt;br /&gt;
Einblicke in das menschliche We-&lt;br /&gt;
sen, die Baha’u’lläh enthüllt hat,&lt;br /&gt;
psychologisch aufzuschließen?&lt;br /&gt;
Kultur ist die fortschreitende&lt;br /&gt;
Darstellung und Überwindung von&lt;br /&gt;
Widersprüchen, und eine alte po-&lt;br /&gt;
litische wie erkenntnistheoretische&lt;br /&gt;
Grundregel heißt: „Teile und&lt;br /&gt;
herrsche“. Wenn wir auf einer&lt;br /&gt;
dritten Ebene des Umgangs mit&lt;br /&gt;
unentwickelten oder seelisch an-&lt;br /&gt;
geschlagenen Menschen — zu de-&lt;br /&gt;
nen auch wir selbst gehören kön-&lt;br /&gt;
nen — tiefenpsychologische Mit-&lt;br /&gt;
tel einsetzen wollen, muß unsere&lt;br /&gt;
Strategie dahin gehen, daß wir&lt;br /&gt;
die Widersprüche zu den auf alle&lt;br /&gt;
Menschen verbindlich anwendba-&lt;br /&gt;
ren Grundwahrheiten der Reli-&lt;br /&gt;
gion, der Menschenrechte und&lt;br /&gt;
Menschenpflichten so klar wie&lt;br /&gt;
möglich herauspräparieren und&lt;br /&gt;
analysieren. Sodann müssen wir&lt;br /&gt;
uns die positiven Kräfte, so&lt;br /&gt;
schwach sie auch sein mögen, zu&lt;br /&gt;
Bundesgenossen gegen die nega-&lt;br /&gt;
tiven Kräfte machen, die es zu&lt;br /&gt;
überwinden gilt. Ausschlaggebend&lt;br /&gt;
für den Erfolg ist, daß wir bei&lt;br /&gt;
uns selbst beginnen, denn jeder,&lt;br /&gt;
der sich von uns angegriffen fühlt,&lt;br /&gt;
wird das natürliche Bestreben&lt;br /&gt;
haben, zum Gegenangriff gegen&lt;br /&gt;
unsere eigenen Fehler überzuge-&lt;br /&gt;
hen, die wir folglich zuvor auf&lt;br /&gt;
ein erträglichkes Maß zurückge-&lt;br /&gt;
schraubt haben sollten. Wichtig&lt;br /&gt;
ist, daß wir möglichst wenig ge-&lt;br /&gt;
gen Menschen vorgehen, vielmehr&lt;br /&gt;
gegen menschliche Fehlhaltungen,&lt;br /&gt;
und auch gegen diese möglichst&lt;br /&gt;
nur, soweit sie gesellschaftsschä-&lt;br /&gt;
digend sind; noch besser ist im-&lt;br /&gt;
mer die Betonung des Werts, der&lt;br /&gt;
Schönheit und der Wahrheit von&lt;br /&gt;
positiven Grundhaltungen und&lt;br /&gt;
deren Untermauerung von der&lt;br /&gt;
Psychologie her. Das „Teile und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herrsche“ gilt auch für die Grund-&lt;br /&gt;
kategorien unseres Denkens: Wir&lt;br /&gt;
müssen vor allem die Kategorie&lt;br /&gt;
Menschen deutlich von der Kate-&lt;br /&gt;
gorie Tier unterscheiden und die&lt;br /&gt;
Wissenschaft darin kritisieren, daß&lt;br /&gt;
sie zur Verwischung dieses Unter-&lt;br /&gt;
schieds neigt. Recht deutlich kön-&lt;br /&gt;
nen wir uns gegen kollektive&lt;br /&gt;
Fehlhaltungen wenden, wie sie&lt;br /&gt;
vor allem in Mitteleuropa nicht&lt;br /&gt;
gerade selten sind: Kollektivneu-&lt;br /&gt;
rosen, Tabus, Ressentiments, Pro-&lt;br /&gt;
jektionen. An Literatur mangelt&lt;br /&gt;
es nicht. Wertvolles Material zur&lt;br /&gt;
Analyse liefern die Mitscherlichs,&lt;br /&gt;
ausgeprägte Neo-Freudianer, aber&lt;br /&gt;
auch die ganze neuere, kritische&lt;br /&gt;
Belletristik. Wo wir das Positive&lt;br /&gt;
an der Tradition suchen, hilft uns&lt;br /&gt;
die Richtung von C.C. Jung; wo es&lt;br /&gt;
uns um die psychologische Unter-&lt;br /&gt;
stützung unserer auf Bahä’u’lidh&lt;br /&gt;
gegründeten Heilbemühungen&lt;br /&gt;
geht, greifen wir am besten auf&lt;br /&gt;
Alfred Adler und seine Schüler&lt;br /&gt;
einerseits, auf die rein praktisch&lt;br /&gt;
ausgerichteten Behaviouristen an-&lt;br /&gt;
dererseits zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf allen Bewußtseinsebenen,&lt;br /&gt;
bei allen unseren Bemühungen&lt;br /&gt;
um Mystik, Spiel und Psychologie&lt;br /&gt;
sollten wir möglichst ganzheitlich&lt;br /&gt;
von der einen umfassenden&lt;br /&gt;
Wahrheitsquelle her vorgehen und&lt;br /&gt;
uns vor Einseitigkeiten, vor&lt;br /&gt;
Rechthaberei oder vor einem&lt;br /&gt;
Festfahren in Unwesentlichem&lt;br /&gt;
hüten. Religion ist nach ‘Abdw’l-&lt;br /&gt;
Bahäa die Gesamtstruktur der&lt;br /&gt;
notwendigen Beziehungen, die die&lt;br /&gt;
Wirklichkeiten der Dinge unter-&lt;br /&gt;
einander verbinden. Wenn wir&lt;br /&gt;
diese Grundeinsicht klar erken-&lt;br /&gt;
nen und immer im Auge behalten,&lt;br /&gt;
werden alle Zusammenhänge ein-&lt;br /&gt;
fach und durchschaubar. Bahd’u’-&lt;br /&gt;
lläh, der Bab und ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
sind in ihrem ganzen Denken und&lt;br /&gt;
in ihrer reichen, leidvollen Le-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1283&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1284|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
benspraxis unter dem Eindruck das immer deutlicher als ihr eige-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dieses Begriffs von Religion ge- ner Schaden. In wachsendem&lt;br /&gt;
standen, und das gibt jedem Wort Maße müssen sie erkennen, daß&lt;br /&gt;
aus ihrem Munde eine unüber- ihnen nach dem Goethewort „das&lt;br /&gt;
treffliche Wirkkraft. Wenn sich geistige Band“ um „die Teile in&lt;br /&gt;
die Führer und Anhänger der al- der Hand“ fehlt und daß sie vor&lt;br /&gt;
ten Religionen dieses Begriffs von lauter Bäumen den Wald nicht&lt;br /&gt;
Rel’gion berauben, erweist sich mehr sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Winterschule Salzburg mit 600 Teilnehmern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem großartigen Erfolg und einem unvergeßlichen Erlebnis wurde&lt;br /&gt;
die erste internationale Bahäd’i-Jugend-Winterschule zur Jahreswende&lt;br /&gt;
1970/71 in Salzburg. Rund 600 junge Leute aus 25 Ländern vereinten sich&lt;br /&gt;
für eine Woche im Studium des Glaubens, und sie lernten sich in froher&lt;br /&gt;
Geselligkeit kennen. In einem übermittelten Bericht des Jugendausschus-&lt;br /&gt;
ses von Österreich heißt es: „Es ist schwierig, den empfundenen herr-&lt;br /&gt;
lichen Geist zu schildern. Aber das Vorhandensein einer deutlich fühl-&lt;br /&gt;
baren Baha’i-Atmosphäre war ohne Zweifel ein bewegender Faktor für&lt;br /&gt;
19 Teilnehmer, sich im Verlaufe der Woche als Bahä’i zu erklären“. Einer&lt;br /&gt;
der Höhepunkte war das öffentliche Auftreten der „Dawnbreakers“ (Vgl.&lt;br /&gt;
Bahä’i-Briefe Nr. 43, Januar 1971). Die Veranstaltung im Kongreßhaus&lt;br /&gt;
der Stadt Salzburg wurde von zirka 1000 Personen besucht. Während der&lt;br /&gt;
Winterschule wurde in der Mozart-Stadt die österreichische Bahä’i-Aus-&lt;br /&gt;
stellung gezeigt. Die Salzburger Zeitungen berichteten ausführlich, und&lt;br /&gt;
im Rundfunk wurde ein Interview mit einem Bahä’i gesendet. — Unser&lt;br /&gt;
Bild zeigt Teilnehmer der Schule, die sich zum obligaten Gruppenfoto&lt;br /&gt;
zusammengefunden haben. Photo: Ellinger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1284&lt;br /&gt;
{{page|1285|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Du schaust auf uns aus Deinem unsicht-&lt;br /&gt;
baren Reich der Einheit. Du siehst, wie wir uns in dieser&lt;br /&gt;
geistigen Sitzung versammelt haben, im Glauben an Dich, im&lt;br /&gt;
Vertrauen auf Deine Zeichen, fest in Deinem Bund und Te-&lt;br /&gt;
stament, hingezogen zu Dir, entflammt vom Feuer Deiner&lt;br /&gt;
Liebe, aufrichtig in Deiner Sache, als Knechte in Deinem&lt;br /&gt;
Weinberg, Verkündiger Deiner Religion, Anbeter vor Deinem&lt;br /&gt;
Antlitz, demütig vor Deinem Geliebten, ergeben an Deiner&lt;br /&gt;
Schwelle. So flehen wir Dich an, bestätige uns im Dienst an&lt;br /&gt;
Deinen Erwählten. Hilf uns mit Deinen unsichtbaren Heer-&lt;br /&gt;
scharen, stärke unsere Lenden in Deiner Arbeit und mache&lt;br /&gt;
uns zu gehorsamen, andächtigen Dienern, die mit Dir ver-&lt;br /&gt;
kehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O unser Herr! Wir sind schwach und Du bist der Mächtige,&lt;br /&gt;
der Starke. Wir sind sterblich und Du bist der große leben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spendende Geist. Wir sind bedürftig und Du bist der macht-&lt;br /&gt;
volle Erhalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O unser Herr! Wende unsere Angesichter zu Deinem gött-&lt;br /&gt;
lichen Antlitz. Nähre uns von Deiner himmlischen Tafel durch&lt;br /&gt;
Deine selige Gnade. Hilf uns mit den Scharen Deiner höch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sten Engel und bestätige uns durch die Heiligen in Deinem&lt;br /&gt;
Reich Abhaä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Großmütige, der Barmherzige. Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bist der Besitzer großer Gnadengaben, und wahrlich, Du bist&lt;br /&gt;
der Mildtätige, der Huldreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus „Bahä’i Prayers“, Wilmette/Ill., USA, 1957, S. 156 f£.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Gebet ist zum Abschluß von Ratssitzungen im Haus&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1285&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1286|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Memoriam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Agnes Alexander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. Januar 1971 hat Agnes&lt;br /&gt;
Alexander, eine der „Hände der&lt;br /&gt;
Sache Gottes“, im gesegneten Al-&lt;br /&gt;
ter von 96 Jahren ihre sterbliche&lt;br /&gt;
Hülle verlassen: in ihrem Ge-&lt;br /&gt;
burtsland auf Honolulu, einer der&lt;br /&gt;
Hawaii-Inseln. Ihre Vorfahren&lt;br /&gt;
hatten vor vielen Jahrzehnten als&lt;br /&gt;
erste den christlichen Glauben&lt;br /&gt;
dorthin gebracht. Agnes Alexan-&lt;br /&gt;
der aber hatte schon früh, 1900,&lt;br /&gt;
während ihrer Studien in Italien&lt;br /&gt;
durch Mrs. Brittingham die Of-&lt;br /&gt;
fenbarung Bahä’u’llähs aufgenom-&lt;br /&gt;
men und bald darauf in Paris, mit&lt;br /&gt;
May Maxwell befreundet, sich&lt;br /&gt;
noch mehr in Seinen Geist ver-&lt;br /&gt;
tieft. So hatte sie schon in ihrer&lt;br /&gt;
Jugend diesem Glauben dienen&lt;br /&gt;
und mit ‘Abdu’l-Bahá in engere&lt;br /&gt;
Fühlung treten dürfen. Sie begeg-&lt;br /&gt;
nete und begleitete ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
auf Seinen Reisen durch die Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
Bald ging sie dann in ihr Geburts-&lt;br /&gt;
land als Pionierin zurück und er-&lt;br /&gt;
schloß es dem Bahä’i-Glauben. Doch kurz darauf, 1914, kam die&lt;br /&gt;
Zeit, da sie im Auftrag ‘Abdu’l-Bahás nach Japan übersiedelte und die&lt;br /&gt;
geistige Mutter der in diesem Inselreich dem Glauben gewonnenen Seelen&lt;br /&gt;
wurde. Vor allem unter den Blinden fand sie ergebene Freunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem der „Sendschreiben des Göttlichen Planes“, das der Meister 1916&lt;br /&gt;
als Ziel und Weg der Verbreitung des Bahä’i-Glaubens über die ganze&lt;br /&gt;
Welt schrieb, hob Seine Feder sie liebevoll hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bedenket, wie Miss Agnes Alexander, die Tochter des Königreiches,&lt;br /&gt;
die geliebte Dienerin der Gesegneten Schönheit, allein nach Hawaii und&lt;br /&gt;
der Insel Honolulu reiste, und jetzt gewinnt sie in Japan geistige Siege!&lt;br /&gt;
Denket darüber nach, wie diese Tochter auf den Hawaii-Inseln bestä-&lt;br /&gt;
tigt wurde. Sie wurde zur Ursache der Führung vieler Menschen.“...&lt;br /&gt;
„Heutzutage haben durch die Bemühungen Miss Agnes Alexanders eine&lt;br /&gt;
Anzahl Seelen die Küsten des Glaubensmeeres erreicht. Bedenket, wel-&lt;br /&gt;
ches Glück, welche Freude dies ist! Ich erkläre beim Herrn der Heer-&lt;br /&gt;
scharen: Hätte diese hochgeachtete Tochter ein Kaiserreich gegründet,&lt;br /&gt;
so wäre solch ein Reich nicht so groß gewesen, denn diese Herrschaft&lt;br /&gt;
ist eine ewige Herrschaft, und dieser Ruhm ist ein ewiger Ruhm.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1286&lt;br /&gt;
{{page|1287|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=21}}Immer wieder war sie Verkünderin der Weisheit Bahä’u’llähs, in den&lt;br /&gt;
Universitäten Japans von einer begeisterten Jugend geliebt, und oft sprach&lt;br /&gt;
sie durch den Rundfunk zu Tausenden von Hörern. Auch von den Ainu,&lt;br /&gt;
der Urbevölkerung, die noch im Norden Hokkaidos wohnt, traten manche&lt;br /&gt;
zum Bahä’i-Glauben über. So wurde sie eine international bekannte und&lt;br /&gt;
geschätzte Lehrerin. Manche alten Bahä’i werden sich wohl noch ihres&lt;br /&gt;
Lehrbesuches in Deutschland vor vielen Jahren erinnern. Wenige haben&lt;br /&gt;
wie sie, schon in allererster Zeit, die Stufe und Bedeutung des Hütertums&lt;br /&gt;
erkannt. Die große Stärke dieser mutigen „Hand der Sache Gottes“ lag in&lt;br /&gt;
ihrer klaren Festigkeit im neuen Bündnis Gottes. Ihre Kenntnis der Bi-&lt;br /&gt;
bel und des Qur’än ergänzten ihr Wissen und Verstehen der Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs. Der Hüter Shoghi Effendi sandte sie, nach erfolgreichen&lt;br /&gt;
Lehrreisen in anderen Ländern, 1950 ein zweites Mal nach Japan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre allerletzten Lebensjahre hat sie wieder in ihrem geliebten Hawaii&lt;br /&gt;
verbracht. Obwohl bettlägerig, war sie mit wachem Geist auch dort noch&lt;br /&gt;
immer für den geliebten Glauben tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was uns so dankbar und bewundernd zum Leben dieser unvergeßlichen&lt;br /&gt;
Seele aufblicken läßt, ist ihre einfache, tatkräftige Entschiedenheit für&lt;br /&gt;
das Wesentliche, das so hoch über dem Wirbel von Schmutz und Staub&lt;br /&gt;
der kranken Welt von heute hin leuchtet und ewig währt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adeibert Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Wahrheit gefunden hat...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Suche ein Weg des Gehorsams / von ‘Ali Akbar Furutan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Vertreter des Bahä’i-Weltzentrums in Haifa hat ‘Ali&lt;br /&gt;
Akbar Furutan bei der niederländischen Bahü’i-Sommer-&lt;br /&gt;
schule 1970 über das Prinzip des selbständigen Suchens nach&lt;br /&gt;
Wahrheit gesprochen. Im folgenden veröffentlichen wir Aus-&lt;br /&gt;
züge aus diesem Referat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat uns den Grundsatz, selbständig nach Wahrheit zu su-&lt;br /&gt;
chen, verkündet, um alle Menschen zueinander zu führen und alle Arten&lt;br /&gt;
von Vorurteilen zu beseitigen. Die Hauptursache aller Spaltungen und&lt;br /&gt;
Zwistigkeiten unter den Menschen bestehe darin, so sagt Bahä’u’lläh ganz&lt;br /&gt;
klar, daß sie es verabsäumten, selbständig die Wahrheit zu erforschen.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá wies in vielen Seiner Ansprachen nach, daß die Wahrheit im-&lt;br /&gt;
mer eineist. Alle Menschen können, auch wenn die Ausgangspunkte ver-&lt;br /&gt;
schieden sind, gemeinsam zu einer Wahrheit gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie, die Sie hier beisammen sind, sich „Bahä’i“ nennen, bedeutet&lt;br /&gt;
dies, daß Sie selbständig nach Wahrheit gesucht und sich dann „erklärt“&lt;br /&gt;
haben. Im Sich-Erklären liegt eine tiefe Weisheit. Damit wird ausgedrückt,&lt;br /&gt;
daß man auf der selbständigen Wahrheitssuche Bahä’i-Bücher gelesen, die&lt;br /&gt;
Lehren studiert, mit Bahä’i-Lehrern diskutiert hat. Und es heißt, daß man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1287&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1288|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nun an Bahä’u’lläh als den Mittelpunkt der Wahrheit, als den göttlichen&lt;br /&gt;
Heiler, glaubt und daran, daß Seine Lehren das einzige Heilmittel gegen&lt;br /&gt;
die Krankheiten der menschlichen Gesellschaft, des Menschengeschlechts&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind also Bahä’i. Was ist unsere Pflicht nach der „Erklärung“? Was&lt;br /&gt;
sagt Bahä’u’lläh darüber? Er sagt (vgl. „Ährenlese“), daß Sie, nachdem Sie&lt;br /&gt;
die Wahrheit gefunden hätten und Sein Anhänger geworden seien, in die&lt;br /&gt;
zweite Phase Ihres Lebens als Bahä’i eintreten sollten: in die Phase Seiner&lt;br /&gt;
Nachfolge. ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich spreche nicht von „gehorchen“, sondern sage „Ihm nachfolgen“. Der&lt;br /&gt;
Sinn ist derselbe, doch in unserer modernen Zeit ist das Wort „gehorchen“&lt;br /&gt;
verpönt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie mich jetzt folgendes bemerken: Es gibt einen besonderen&lt;br /&gt;
Zweig der Wissenschaft — die Logik. In der Logik bestehen allgemein&lt;br /&gt;
gültige Gesetze (nicht zu verwechseln mit Theorien oder Hypothesen). Ei-&lt;br /&gt;
nes dieser Gesetze sagt aus: Wenn jemand etwas erlangt, erreicht hat und&lt;br /&gt;
sich dennoch weiter bemüht, das gleiche Objekt zu erlangen, sind diese&lt;br /&gt;
Bemühungen unlogisch, nicht richtig. Ein Beispiel: Ich habe diese meine&lt;br /&gt;
Uhr „erlangt“, sie befindet sich an meiner Hand. Wollte ich jetzt versu-&lt;br /&gt;
chen, sie „wieder“ zu erlangen, wäre mein Verhalten unlogisch. Ich wie-&lt;br /&gt;
derhole das Gesetz: „Etwas schon besitzen und dann versuchen, das glei-&lt;br /&gt;
che aufs neue zu bekommen, heißt unlogisches Verhalten zeigen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Phase kostet Mühe. Es ist möglich, Sie suchen jahrelang nach&lt;br /&gt;
der Wahrheit — oder auch nur ein paar Stunden. Von dem Augenblick&lt;br /&gt;
an ziehen Sie bitte einen Strich unter Ihr Suchen. Folgen Sie von nun an&lt;br /&gt;
einfach dem Mittelpunkt der Wahrheit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Phase ist — ich sagte es bereits — der Gehorsam. Damit&lt;br /&gt;
meine ich nicht, wir müßten Bahä’u’lläh blind gehorchen. Wir sollten viel-&lt;br /&gt;
mehr in dieser Phase versuchen, alles zu verstehen, Klarheit zu erstreben.&lt;br /&gt;
Gelingt dies nicht, sollten wir uns eingestehen: Unser Geist hat Schranken,&lt;br /&gt;
wir können nicht alle Wahrheit erfassen. Bahä’u’lläh sagt: Befrage Mich,&lt;br /&gt;
wenn du Meine Lehren nicht begreifst. — Das ist Sein Gebot. Er bestimmte&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá zum Deuter Seiner Schriften nach Ihm. ‘Abdu’l-Bahá wie-&lt;br /&gt;
derum bestimmte den Hüter Shoghi Effendi zum Ausleger der Schriften.&lt;br /&gt;
Wieviele Briefe des Hüters gibt es doch, in denen Fragen beantwortet wer-&lt;br /&gt;
den. Heute haben wir das Universale Haus der Gerechtigkeit — und wie-&lt;br /&gt;
der steht uns eine Tür offen. Jeder Gläubige hat das Recht, sich schrift-&lt;br /&gt;
lich an das Universale Haus zu wenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweierlei Fragen beschäftigen uns. Zum einen suchen wir besseres&lt;br /&gt;
Verständnis, zum anderen wollen wir unsere Einwände zum Ausdruck&lt;br /&gt;
bringen. Wenn Sie fragen: Warum hat uns Bahä’u’lläh das Fasten gebo-&lt;br /&gt;
ten?, dann ist das eine gute Frage: Sie wollen besser verstehen lernen,&lt;br /&gt;
weshalb wir fasten, Sie wollen die Weisheit dieses Gebots begreifen. Fra-&lt;br /&gt;
gen Sie jedoch: Warum gebot uns Bahä’u’lläh, daß wir fasten? Ich bin da&lt;br /&gt;
anderer Meinung! — Dies wäre für einen Bahä’i eine sonderbare Ein-&lt;br /&gt;
stellung, die zeigen würde, daß der Betreffende nicht im Einklang mit&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1288&lt;br /&gt;
{{page|1289|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=23}}Ich bin also Bahä’i. Ich halte alles für richtig, was Bahä’u’lläh sagt, weil&lt;br /&gt;
Er der Mittelpunkt der Wahrheit ist. Ich bin aber ein Mensch, meinem&lt;br /&gt;
Geist sind Schranken gesetzt, und ich kann nicht alles begreifen. Ich werde&lt;br /&gt;
fragen. Doch zuletzt — wenn mir etwas noch immer nicht Klar sein soll-&lt;br /&gt;
te — werde ich Ihm trotzdem nachfolgen, Ihm gehorchen, weil ich glaube,&lt;br /&gt;
weil ich Vertrauen darein setze, daß Er recht hat!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh verkündete in Seinen Gesetzen, Verordnungen und Prinzi-&lt;br /&gt;
pien der gesamten Welt eine höchst erhabene Stufe. Er brachte göttliche&lt;br /&gt;
Weisheit zu uns. Unser begrenzter Geist kann nur einen Teil Seiner Er-&lt;br /&gt;
kenntnis und Weisheit aufnehmen. Bahä’u’lläh tat alles, Seine Lehren zu&lt;br /&gt;
erklären und sie dem Niveau unseres Begreifens nahe zu bringen. Verste-&lt;br /&gt;
hen wir dennoch die Weisheit einiger Seiner Lehren nicht, sollten wir&lt;br /&gt;
uns klar machen, daß unser Wissen nicht ausreicht, daß wir die ganze&lt;br /&gt;
Tiefe nicht zu ergründen vermögen. Leider halten sich die meisten Men-&lt;br /&gt;
schen für tüchtige Denker und Philosophen, die alles zu begreifen im-&lt;br /&gt;
stande seien. Sicher: Wir müssen Klarstellung anstreben — aber wir müs-&lt;br /&gt;
sen auch folgen. Einen anderen Weg gibt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch dies: Unser Gehorsam muß aufrichtig sein. Wir&lt;br /&gt;
sollten in voller Herzensbereitschaft alles tun, von dem wir fühlen,&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh wolle, daß wir es tun. Wir sollten es tun aus Liebe zu&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh, der Manifestation Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baha’i-Verlag: Quelle der Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umfangreiches Programm steht zur Verfügung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr verehrte Dame, sehr geehrter Herr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als kritisch denkender Mensch suchen Sie nach neuen Ansätzen für&lt;br /&gt;
ein zukunftweisendes Weltbild. Wollen Sie da nicht ein Schrifttum&lt;br /&gt;
prüfen, von dem kein Geringerer als Leo Tolstoi sagte, es bringe&lt;br /&gt;
„den Schlüssel zum Geheimnis des Universums“ und „die höchste&lt;br /&gt;
und reinste Form religiöser Lehre“?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde ist alles ganz einfach: Wir müssen nur zwischen dem&lt;br /&gt;
einen wahren Gott und Seiner Offenbarung, Seinem „Befehl“ als&lt;br /&gt;
Heilsplan im Gang der Weltgeschichte, unterscheiden lernen. Die&lt;br /&gt;
„Man’festationen Gottes“, die großen Religionsstifter, beweisen sich&lt;br /&gt;
selbst innerhalb des historischen Entwicklungsprozesses nach Maß-&lt;br /&gt;
stäben, die heutzutage sogar wissenschaftlich nachprüfbar sind. Daß&lt;br /&gt;
wir in einer endzeitlichen Weltkrise leben, darüber kann es wenig&lt;br /&gt;
Zweifel mehr geben. Wenn Bahä’u’lläh den einzigartigen Anspruch&lt;br /&gt;
erhebt, der göttliche Verfassungsgeber für ein neues Weltzeitalter&lt;br /&gt;
zu sein, muß er dies durch sein schöpferisches Wort zu allen Grund-&lt;br /&gt;
fragen des Lebens erweisen. Er muß optimale Problemlösungen zur&lt;br /&gt;
Erreichung der beiden Grundziele bieten: zur Entfaltung der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Persönlichkeit zum Ebenbild Gottes, zur Entwicklung der&lt;br /&gt;
Gesellschaft zum Reich Gottes. So wird jede Grundfrage zu einer&lt;br /&gt;
einfachen Ja-Nein-Entscheidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1289&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1290|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prüfen Sie bitte selbst, ob Bahä’u’lläh seinem Anspruch gerecht&lt;br /&gt;
wird. Wir sind uns im klaren, daß unsere Übersetzungen und un-&lt;br /&gt;
sere literarischen Bemühungen um diesen Stoff unvollkommen sind;&lt;br /&gt;
aber Sie werden dennoch rasch erkennen, welcher Geist hier weht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Schreiben wendet sich der Bahä’i-Verlag (D-6491, Ober-&lt;br /&gt;
kalbach) an Menschen, denen die Bahä’i-Religion noch unbekannt ist.&lt;br /&gt;
Eine Karte, die außer dem Zitat von Bahä’u’lläh „Alle Menschen wurden&lt;br /&gt;
erschaffen, eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen“ eine Liste&lt;br /&gt;
der zur Zeit lieferbaren Bahä’i-Literatur enthält, soll den interessierten&lt;br /&gt;
Empfänger ermuntern, Information zu erbitten oder Bücher zu bestellen.&lt;br /&gt;
Mit seiner Anschrift auf dem Adreßfeld der Karte ist diese als vorge-&lt;br /&gt;
druckter Bestellschein verwendbar. Wer über einen Bekanntenkreis ver-&lt;br /&gt;
fügt, den er unpersönlich ansprechen möchte, kann sich an den Verlag&lt;br /&gt;
wenden und eine Anzahl Briefe, Antwortkarten, Handzettel und Fenster-&lt;br /&gt;
briefumschläge anfordern. Kosten entstehen dadurch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Verlag sieht seine Aufgabe darin, die grundlegenden Schrif-&lt;br /&gt;
ten der Bahä’i-Offenbarung sowie interpretierende Texte zur Verfügung&lt;br /&gt;
zu stellen. Hatte Bahä’u’lläh, der Begründer der Bahä’i-Religion, Seine&lt;br /&gt;
Sendung Selbst in zahllosen Werken niedergelegt („Die Verkündigung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs“, „Brief an den Sohn des Wolfes“, Das „Buch der Gewißheit“,&lt;br /&gt;
das auf deutsch noch nicht vorliegende „Buch der Gesetze“), so fand das&lt;br /&gt;
literarische Wirken ‘Abdu’l-Bahás, Seines Sohnes und autorisierten In-&lt;br /&gt;
terpreten, seine Form vorwiegend im Lehrbrief und im Lehrgespräch, der&lt;br /&gt;
kurzen Ansprache aus dem Stegreif, die von seinen Besuchern oder seinen&lt;br /&gt;
Sekretären mitgeschrieben wurde. So entstanden unter anderem „Beant-&lt;br /&gt;
wortete Fragen“. In 84 Kapiteln wird in diesem Buch ein weitgespannter&lt;br /&gt;
Themenkreis behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der von ‘Abdu’l-Bahá als Hüter des Bahä’i-Glaubens&lt;br /&gt;
eingesetzte Enkel Bahä’u’llähs (bis zu seinem Tode 1957 Oberhaupt der&lt;br /&gt;
sich konsolidierenden Bahä’i-Weltgemeinschaft), schrieb mehrere grund-&lt;br /&gt;
legende Werke über die Frühgeschichte der Bahä’i-Religion („God Passes&lt;br /&gt;
By“, „Der Verheißene Tag ist gekommen“, „Die Sendung Bahä’u’llähs‘“),&lt;br /&gt;
und er war vor allem als Übersetzer der Werke Bahä’u’llähs ins Englische&lt;br /&gt;
tätig. Seine fundierten Analysen der gesellschaftlichen Krise der Gegen-&lt;br /&gt;
wart („Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit“) und seine bahnbrechenden&lt;br /&gt;
Pläne zu einer globalen Neuordnung („The World Order of Bahä’u’lläh“,&lt;br /&gt;
zum Teil deutsch in BAHÄ’I-BRIEFE Nr. 40), bilden die Grundlage für&lt;br /&gt;
die Arbeit der Bahä’i an einer neuen Weltordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit sind folgende Titel im Bahä’i-Verlag lieferbar: „Die Verkün-&lt;br /&gt;
digung Bahä’u’llähs an die Könige und Herrscher der Welt“ (Leinen 8,—);&lt;br /&gt;
Bahä’u’läh: Brief an den Sohn des Wolfes (Leinen 10,—); Bahä’u’lläh:&lt;br /&gt;
Die sieben Täler und Die Vier Täler (Neuaufl. in Vorber.); Bahä’uwlläh:&lt;br /&gt;
Worte der Weisheit und Verborgene Worte (Leinen 5,—); Bahä’u’lläh: Das&lt;br /&gt;
Buch der Gewißheit (Leinen 14,—); Bahä’u’lläh: Gebete und Meditationen&lt;br /&gt;
(Leinen flexibel, Dünndruck 16,—); Bahä’u’lläh: „Buch des Bundes“ und&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: „Wille und Testament“ (Leinen 3,—).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1290&lt;br /&gt;
{{page|1291|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=25}}‘Abdu’l-Bahá: Beantwortete Fragen (Leinen 16,—); ‘Abdu’l-Bahá: An-&lt;br /&gt;
sprachen in Paris (Leinen 6,—, kartoniert 5,—); ‘Abduw’l-Bahä: An die&lt;br /&gt;
Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden im Haag (kart. —,60);&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: Das wirkliche Leben zu leben heißt... (Faltkarte, 10 Stück&lt;br /&gt;
2,50).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi: Der verheißene Tag ist gekommen (Leinen 8,—);&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi: Die Sendung Bahä’u’llähs (1,—); Shoghi Effendi: Das Bild&lt;br /&gt;
der zukünftigen Gesellschaftsordnung (10 Stück 2,50); Shoghi Effendi: Das&lt;br /&gt;
Kommen göttlicher Gerechtigkeit (kart. 4,—); Shoghi Effendi: Bahä’i:&lt;br /&gt;
Religion der Einheit (The Bahä’i World Religion) (10 Stück 2,50).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esslemont: Bahä’u’lläh und das neue Zeitalter (Leinen 16,—); Gross-&lt;br /&gt;
mann: Der Bahä’i-Gläubige und die Bahä’i-Gemeinschaft (kart. 3,—);&lt;br /&gt;
Townshend: Christus und Bahä’u’lläh (kart. 4,—); Schäfer: Die mißver-&lt;br /&gt;
standene Religion (kart. 5,—); Grossmann: Das Bündnis in der Offen-&lt;br /&gt;
barungsreligion (kart. 1,50); Sears: Dieb in der Nacht (kart. 4,—); Hofman:&lt;br /&gt;
Gott und Seine Boten (Leinen 10,—); Grossmann: Was ist die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion? (kart. 1,50); Die Bahä’i-Religion, eine Einführung (10 Stück&lt;br /&gt;
5,—); Kindergebete (Leinen 4,—).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nen auf unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Wehrli, „Formen mittelalterlicher Erzählung“, Aufsätze, Atlantis&lt;br /&gt;
Verlag, Zürich und Freiburg/Breisgau 1969, 280 Seiten, geb. sfrs. 28,—.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gesellschaftspolitische Anliegen Bahä’u’llähs kann dahingehend ver-&lt;br /&gt;
standen werden, daß Er auf möglichst hohem Niveau, unter Einbeziehung&lt;br /&gt;
aller positiven Errungenschaften der Neuzeit, ein umfassendes Gleichge-&lt;br /&gt;
wicht wiederherzustellen sucht. Das Mittelalter war eine Zeit des provi-&lt;br /&gt;
sorischen, dualistisch zwischen Christentum und Islam, Kaiser und Papst&lt;br /&gt;
gespannten Gleichgewichts. Wenn in der Sprache der höchste und klarste&lt;br /&gt;
Ausdruck des eigentlich Menschlichen liegt, muß die mittelalterliche&lt;br /&gt;
Dichtung viele Strukturen enthalten, die einen Seelenzustand dynamischen&lt;br /&gt;
Gleichgewichts offenbaren und damit für das künftige Menschheitsbe-&lt;br /&gt;
wußtsein ebenso richtungweisend sind wie die chaotischen Erfahrungen&lt;br /&gt;
des Unvermögens, die die Neuzeit vermittelt hat. Die Literaturhistoriker&lt;br /&gt;
der Romantik haben solche Zusammenhänge in den Mittelpunkt des Bil-&lt;br /&gt;
dungsinteresses gerückt, in den letzten 150 Jahren ist das Verständnis da-&lt;br /&gt;
für unter dem Eindruck der naturwissenschaftlichen und technischen Re-&lt;br /&gt;
volution verblaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wehrli, Ordinarius für ältere deutsche Literaturgeschichte an der Uni-&lt;br /&gt;
versität Zürich, greift von seinem Fachgebiet zur Theologie und Tiefen-&lt;br /&gt;
psychologie Jung’scher Prägung hinüber. „Jedes Zeitalter bedarf einer&lt;br /&gt;
Mythologie, in der es sich spiegeln kann — einer mehr oder weniger&lt;br /&gt;
verbindlichen Erzählwelt“. Heilsgeschichte und Aventiure sind die beiden&lt;br /&gt;
Pole. der mittelalterlich-deutschen Dichtung, in den konkreten Werken&lt;br /&gt;
innig miteinander verwoben. Wehrli versteht es, Bilder, Symbole und&lt;br /&gt;
mystische Untertöne in einer Weise lebendig zu machen, die auch dem&lt;br /&gt;
Laien neue Inhalte eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
pmh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1291&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1292|file=Baha&#039;i_Briefe_44.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swami Omkarananda, „Ein Licht in unserer Zeit“, „Licht, Liebe und Ein-&lt;br /&gt;
heit“, „Leben in göttlichem Licht“, „Geist und Leben“, „Das Licht des un-&lt;br /&gt;
endlichen Bewußtseins“. Eleonore Lauterborn, „Swami Omkarananda und&lt;br /&gt;
C©. G. Jung“, alle Bände im ABC Verlag Zürich, ca. 200 Seiten, geb. sfrs.&lt;br /&gt;
14,50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einigen Jahren kam ein noch junger indischer Weiser nach Europa&lt;br /&gt;
und fühlte sich zu einem Kreis von Tiefenpsychologen aus der Schule von&lt;br /&gt;
C. G. Jung hingezogen. Er eröffnete in Winterthur (Anton-Graff-Straße 65,&lt;br /&gt;
Telefon 221903), ein „Divine Light Zentrum“ als „gemeinnützige, nicht&lt;br /&gt;
Profit suchende, unpolitische, nicht sektiererische Organisation für den kul-&lt;br /&gt;
turellen, moralischen und geistigen Fortschritt der Menschheit“ und ist&lt;br /&gt;
dabei, viele dankbare und denkfreudige Schüler und Schülerinnen um sich&lt;br /&gt;
zu scharen. Die angezeigten Bücher setzen sich vorwiegend aus Lehrge-&lt;br /&gt;
sprächen Omkaranandas mit seinen Schülern zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Omkaranandas Denken bewegt sich auf einem außergewöhnlich hohen&lt;br /&gt;
Niveau existentieller Mystik, bereichert durch die Einbeziehung von Er-&lt;br /&gt;
kenntnissen der modernen Seelenforschung. Trotz asketischer Grundstim-&lt;br /&gt;
mung ist er freudestrahlend und optimistisch. Selbst der apokalyptischen&lt;br /&gt;
Gegenwartskrise weiß er viele durchdachte positive Züge abzugewinnen.&lt;br /&gt;
Bei alledem ist dieses Denken aber bemerkenswert unstrukturiert, un-&lt;br /&gt;
differenziert, eben monistisch mit einem pantheistischen Einschlag. Es&lt;br /&gt;
steht unter dem spezifischen indischen Dilemma, die Offenbarungen des&lt;br /&gt;
Buddha und Muhammads nicht als solche erkannt und verarbeitet zu&lt;br /&gt;
haben. Omkarananda projiziert einen Gott, der keinen ausgeprägten Wil-&lt;br /&gt;
len hat, einen Gott, der sich nicht von Zeitalter zu Zeitalter manifestiert.&lt;br /&gt;
Dadurch fehlt es an Engagement und Opfergeist, an Sendungsbewußtsein,&lt;br /&gt;
an Sinn für äußerlichen Fortschritt, geistig-politische Gesetze und eine&lt;br /&gt;
hierarchische Ordnung der Welt. Der gebildete Mensch kann sich so erlösen,&lt;br /&gt;
die Welt und die Gesellschaft als Material für seine Selbstverwirklichung&lt;br /&gt;
gebrauchen. In dieser Hinsicht mag solche Literatur nützliche Anregungen&lt;br /&gt;
vermitteln. Die Gesellschaft in ihrem ganzheitlichen Wesen, ihrer Räson&lt;br /&gt;
und Dynamik läßt sich aber so nicht begreifen. Wenn das Ganze mehr ist&lt;br /&gt;
als die Summe seiner Teile, ist auch die Menschheit mehr als das nach Gott&lt;br /&gt;
strebende Individuum. Dieses Mehr verlangt nach Gestaltung, nach gött-&lt;br /&gt;
licher Politik. So weit kann man aber erst sehen, wenn man auch Mu-&lt;br /&gt;
hammad, den Báb und Bahä’u’llah versteht. pmh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’i in Deutschland e. V., 6239 Langenhain, Kohlgrubenstraße 3.&lt;br /&gt;
Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung&lt;br /&gt;
des Herausgebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14.&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich, Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_43/Text&amp;diff=75340</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 43/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:10:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1219|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=1}}AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
Erkenntnis und Liebe&lt;br /&gt;
Dawnbreakers in Europa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und&lt;br /&gt;
Persönlichkeitsentfaltung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materielle und göttliche&lt;br /&gt;
Zivilisation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 Jahre&lt;br /&gt;
Vereinte Nationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kongreß im Engadin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 43 JAN. 1971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FUR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1220|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1221|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=3}}JANUAR 1971 BAHAT- BRIEFE HEFT 43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die A bsicht Gottes bei der Erschaffung des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war und wird immer sein, ihn zu befähigen, seinen Schöpfer&lt;br /&gt;
zu erkennen und in Seine Gegenwart zu gelangen. Diesen&lt;br /&gt;
höchsten Zweck, dieses erhabenste Ziel bezeugen unzweideu-&lt;br /&gt;
tig alle himmlischen Bücher und die göttlich geoffenbarten,&lt;br /&gt;
inhaltsschweren Schriften. Wer den Morgen göttlicher Füh-&lt;br /&gt;
rung erkennt und Seinen heiligen Hof betritt, der nähert sich&lt;br /&gt;
Gott und erreicht Seine Gegenwart, eine Gegenwart, die das&lt;br /&gt;
wahre Paradies ist und für welche die erhabensten Wohn-&lt;br /&gt;
stätten nur ein Sinnbild sind... Wer es versäumt, Ihn zu&lt;br /&gt;
erkennen, verdammt sich selbst zum elenden Fernsein, einem&lt;br /&gt;
Fernsein, das völliges Nichtsein und das Wesen des niedersten&lt;br /&gt;
Feuers ist. Dies wird sein Schicksal sein, möge er auch dem&lt;br /&gt;
äußeren Anschein nach die höchsten Sitze der Erde inne-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben und ihren erhabensten Thron einnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese XXIX)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1221&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1222|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkenntnis und Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás am 16. August 1912 in&lt;br /&gt;
Green Acre/Eliot, Maine/USA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was man auch immer einem nachdenklichen Zuhörerkreis vorträgt, es&lt;br /&gt;
muß von Vernunftsbeweisen und logischen Argumenten gestützt sein.&lt;br /&gt;
Beweise sind von viererlei Art: erstens durch Sinneswahrnehmung, zwei-&lt;br /&gt;
tens durch Denkfähigkeit, drittens von traditionellen oder literarischen&lt;br /&gt;
Autoritäten her, viertens durch das Medium der Inspiration. Das will be-&lt;br /&gt;
sagen, daß es vier Kriterien oder Maßstäbe der Urteilsbildung gibt, mit&lt;br /&gt;
denen der menschliche Geist zu seinen Schlußfolgerungen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst wollen wir den Maßstab der Sinne betrachten. Er ist ein Maß-&lt;br /&gt;
stab, an den sich auch die materialistischen Philosophen dieser Welt noch&lt;br /&gt;
halten. Was den Sinnen wahrnehmbar ist, glauben sie, ist eine Wahrheit,&lt;br /&gt;
eine Gewißheit und zweifelsfrei existent. Zum Beispiel sagen sie: „Hier&lt;br /&gt;
ist eine Lampe, die Sie sehen, und weil sie Ihrem Gesichtssinn wahr-&lt;br /&gt;
nehmbar ist, können Sie ihr Vorhandensein nicht anzweifeln. Dort ist ein&lt;br /&gt;
Baum; Ihr Gesichtssinn versichert Sie seiner Wirklichkeit, die unzweifel-&lt;br /&gt;
haft ist. Dies hier ist ein Mann; Sie sehen, daß er ein Mann ist, deshalb&lt;br /&gt;
existiert er.“ Mit einem Wort: Alles, was von den Sinnen bestätigt wird,&lt;br /&gt;
gilt als unzweifelhaft und unfraglich wie das Produkt aus fünf mal fünf,&lt;br /&gt;
das nicht sechsundzwanzig oder weniger als fünfundzwanzig sein kann.&lt;br /&gt;
Folgerichtig betrachten die materialistischen Philosophen den Maßstab der&lt;br /&gt;
Sinne als den ersten und vornehmsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Einschätzung der göttlichen Philosophen jedoch sind dieser Be-&lt;br /&gt;
weis und diese Versicherung unzuverlässig; ja, sie halten den Maßstab&lt;br /&gt;
der Sinne sogar für falsch, weil er unvollkommen ist. Der Gesichtssinn&lt;br /&gt;
zum Beispiel ist einer der wichtigsten Sinne, aber er unterliegt vielen&lt;br /&gt;
Abirrungen und Ungenauigkeiten. Das Auge sieht eine Luftspiegelung als&lt;br /&gt;
Ansammlung von Wasser; es betrachtet Bilder in einem Spiegel als Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeiten, wo sie doch nur Spiegelungen sind. Ein Mann, der auf einem&lt;br /&gt;
Fluß fährt, stellt sich vor, die Gegenstände am Ufer bewegten sich, wäh-&lt;br /&gt;
rend er selbst sich in Bewegung befindet und die Gegenstände stillstehen.&lt;br /&gt;
Dem Auge kommt es so vor, als stünde die Erde still und als kreisten&lt;br /&gt;
Sonne und Sterne um sie. Tatsächlich stehen die Himmelskörper still&lt;br /&gt;
und die Erde dreht sich um ihre Achse. Die ungeheueren Sonnen, Plane-&lt;br /&gt;
ten und Sternbilder, die am Himmel leuchten, kommen dem menschlichen&lt;br /&gt;
Blick wie kleine Punkte vor, wo sie doch in Wirklichkeit der Ausdehnung&lt;br /&gt;
und dem Rauminhalt nach viel größer als die Erde sind. Ein wirbelnder&lt;br /&gt;
Funke erscheint dem Auge als ein Feuerkreis. Es gibt zahllose Beispiele&lt;br /&gt;
dieser Art, die den Irrtum und die Ungenauigkeit der Sinne belegen. Des-&lt;br /&gt;
halb betrachten die göttlichen Philosophen diesen Maßstab der Beurtei-&lt;br /&gt;
lung als schadhaft und unzuverlässig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Maßstab ist derjenige des Verstandes. Besonders die alten&lt;br /&gt;
Philosophen hielten den Verstand für das wichtigste Mittel der Urteils-&lt;br /&gt;
bildung. Unter den Weisen Griechenlands, Roms, Persiens und Ägyptens&lt;br /&gt;
war die Vernunft der Maßstab wahren Beweises, Sie behaupteten, alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1222&lt;br /&gt;
{{page|1223|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=5}}was dem Denkvermögen unterbreitet werde, ließe sich als wahr oder&lt;br /&gt;
falsch beweisen und müsse dementsprechend angenommen oder zurück-&lt;br /&gt;
gewiesen werden. Aber nach Meinung der Einsichtsvollen ist auch dieser&lt;br /&gt;
Maßstab fehlerhaft und unvollkommen; denn dieselben Philosophen, die&lt;br /&gt;
sich an den Verstand oder Intellekt als den Maßstab menschlichen Urteils&lt;br /&gt;
hielten, waren sehr unterschiedlicher Meinung über jeden Gegenstand&lt;br /&gt;
ihrer Forschung. Die Erklärungen der griechischen Philosophen wider-&lt;br /&gt;
sprechen den Schlüssen der persischen Weisen. Selbst die griechischen&lt;br /&gt;
Philosophen untereinander zeigen fortgesetzte Meinungsunterschiede und&lt;br /&gt;
Mangel an Übereinstimmung bei jedem Thema auf. Erhebliche Verschie-&lt;br /&gt;
denheit im Denken herrschte auch zwischen den Weisen Griechenlands&lt;br /&gt;
und Roms. Wenn das Kriterium des Verstands oder Intellekts einen rich-&lt;br /&gt;
tigen und unfehlbaren Urteilsmaßstab darstellte, hätten diejenigen, die&lt;br /&gt;
es geprüft und angewandt haben, zu denselben Schlußfolgerungen kom-&lt;br /&gt;
men müssen. Ihre unterschiedlichen und widersprüchlichen Schlüsse sind&lt;br /&gt;
ein Zeichen dafür, daß die Methode und der Maßstab der Prüfung fehler-&lt;br /&gt;
haft und unzureichend gewesen sein muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Maßstab für Beweise ist die Tradition und das Schriftzeugnis:&lt;br /&gt;
Jede Behauptung oder Schlußfolgerung sollte sich durch Überlieferungen&lt;br /&gt;
stützen lassen, die in gewissen religiösen Büchern aufgezeichnet sind.&lt;br /&gt;
Wenn wir die heiligen Schriften, die Bücher Gottes, studieren, erhebt sich&lt;br /&gt;
vor uns die Frage: „Wer versteht diese Bücher? Von welcher Autorität&lt;br /&gt;
der Auslegung her können diese Bücher verstanden werden?“ Es muß die&lt;br /&gt;
Autorität des menschlichen Verstandes sein, und wenn der Verstand oder&lt;br /&gt;
Intellekt der Erklärung gewisser Fragen unfähig ist oder wenn diejeni-&lt;br /&gt;
gen, die über Verstand verfügen, einander in der Ausdeutung von Über-&lt;br /&gt;
lieferungen widersprechen, wie kann man sich da auf einen solchen Maß-&lt;br /&gt;
stab verlassen, wenn man zu genauen Schlußfolgerungen kommen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vierte Maßstab ist derjenige der Inspiration. In vergangenen Jahr-&lt;br /&gt;
hunderten haben viele Philosophen Erleuchtungen oder Offenbarungen&lt;br /&gt;
für sich beansprucht und ihren Äußerungen Ankündigungen vorange-&lt;br /&gt;
stellt wie „Dieser Gegenstand ist durch mich enthüllt worden“ oder „Also&lt;br /&gt;
sage ich kraft Inspiration“. Von dieser Art waren die Philosophen der&lt;br /&gt;
Illuminaten. Inspirationen sind Einflüsterungen und Empfindungen des&lt;br /&gt;
menschlichen Herzens. Manchmal sind diese Einflüsterungen des Herzens&lt;br /&gt;
teuflisch. Wie können wir da unterscheiden? Wie sollen wir sagen, ob&lt;br /&gt;
eine bestimmte Äußerung eine Inspiration und Eingebung durch die Hilfe&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen oder aber durch die Wirksamkeit des Teuflischen ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit ist uns klar geworden, daß die vier Kriterien oder Maßstäbe der&lt;br /&gt;
Beurteilung, mit denen der menschliche Geist seine Schlüsse zieht, man-&lt;br /&gt;
gelhaft und ungenau sind. Alle können zu falschen und irrigen Schluß-&lt;br /&gt;
folgerungen führen. Aber eine dem Menschengeist vorgelegte Erklärung,&lt;br /&gt;
welche von Beweisen begleitet ist, die die Sinne als richtig wahrnehmen&lt;br /&gt;
können, denen der Verstand zustimmen kann, die mit der überlieferten&lt;br /&gt;
Autorität übereinstimmen und von den Eingebungen des Herzens bestä-&lt;br /&gt;
tigt werden — eine solche Erklärung kann als völlig richtig angesprochen&lt;br /&gt;
werden und man kann sich auf sie verlassen, weil sie nach allen Maß-&lt;br /&gt;
stäben der Urteilsfindung geprüft und als vollständig erwiesen worden ist.&lt;br /&gt;
Wenn wir nur eine einzige Probe machen, gibt es Fehlerquellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1223&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1224|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe — Grundlage des Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen zuerst betrachten, wie sich dies durch Sinneswahrnehmung&lt;br /&gt;
beweisen läßt. Wenn wir das Weltall beobachten, stellen wir fest, daß alles&lt;br /&gt;
werfen und unsere Folgerungen daraus ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erklären, daß Liebe die existentielle Ursache aller Erscheinungen&lt;br /&gt;
ist und daß das Fehlen von Liebe Auflösung oder Nichtsein bewirkt. Liebe&lt;br /&gt;
ist das bewußte Lehen Gottes, das Band der Sinnverwandtschaft zwischen&lt;br /&gt;
allen Erscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen zuerst betrachten, wie sich dies durch Sinneswahrnehmung&lt;br /&gt;
beweisen läßt. Wenn wir das Weltall beobachten, stellen wir fest, daß alles&lt;br /&gt;
Zusammengesetzte, alle vorzufindenden Erscheinungen, von Grund auf&lt;br /&gt;
aus einzelnen Elementen angelegt sind, die durch eine Anziehungskraft&lt;br /&gt;
aneinandergebunden sind. Durch diese Anziehungskraft offenbart sich&lt;br /&gt;
der Zusammenhalt zwischen den Atomen der Bestandteile. Das Ergebnis&lt;br /&gt;
ist eine Erscheinung niederer, zufälliger Art. Die Kraft des Zusammen-&lt;br /&gt;
halts, die sich im Mineralreich ausdrückt, ist in Wirklichkeit Liebe oder&lt;br /&gt;
Anziehung, wie sie auf einer niederen Stufe, den Notwendigkeiten der&lt;br /&gt;
Mineralwelt entsprechend, offenbar wird. Wir steigen eine Stufe höher in&lt;br /&gt;
das Pflanzenreich und finden dort, daß eine gesteigerte Anziehungskraft&lt;br /&gt;
zwischen den die Erscheinungen bildenden Bestandteilen offenbar wird.&lt;br /&gt;
Dieser Grad der Anziehung schafft ein Gemenge von Zellen aus den&lt;br /&gt;
Elementen, die den Körper der Pflanze aufbauen. Deshalb gibt es auf der&lt;br /&gt;
Stufe des Pflanzenreiches Liebe. Wir treten in das Tierreich ein und stel-&lt;br /&gt;
len dort die Anziehungskraft fest, die wie im Mineral einzelne Elemente&lt;br /&gt;
miteinander verbindet, dazuhin das Zellgemenge wie in der Pflanze und&lt;br /&gt;
weiterhin die Erscheinungen des Gefühls oder der Empfindung. Wir be-&lt;br /&gt;
obachten, daß die Tiere für eine gewisse Verbindung oder Kameradschaft&lt;br /&gt;
empfänglich sind und daß sie eine natürliche Zuchtwahl üben. Diese ele-&lt;br /&gt;
mentare Anziehung, dieses Gemenge und diese Zuneigung aus Zuchtwahl&lt;br /&gt;
ist Liebe, wie sie sich auf der Stufe des Tierreiches offenbart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich kommen wir zum Reich des Menschen. Da es das höchste&lt;br /&gt;
Reich der Schöpfung ist, strahlt hier das Licht der Liebe am hellsten. Im&lt;br /&gt;
Menschen finden wir die Anziehungkraft unter den Elementen, die sei-&lt;br /&gt;
nen stofflichen Körper zusammensetzen, dazuhin die Anziehung, die das&lt;br /&gt;
Zellgemenge hervorruft, die Kraft des Wachstums, des weiteren die An-&lt;br /&gt;
ziehung, die die sinnliche Empfindungswelt des Tierreichs kennzeichnet;&lt;br /&gt;
aber noch weit mehr und über alle diese niederen Kräfte hinaus ent-&lt;br /&gt;
decken wir im menschlichen Wesen die Anziehungskraft des Herzens, die&lt;br /&gt;
Empfindsamkeit und Zuneigung, die Menschen aneinander bindet und sie&lt;br /&gt;
befähigt, in Freundschaft und Solidarität zusammenzuleben und eine&lt;br /&gt;
Gesellschaft zu bilden. Daraus wird augenscheinlich, daß in der Men-&lt;br /&gt;
schenwelt der höchste, königliche Souverän die Liebe ist. Würde die Liebe&lt;br /&gt;
ausgetilgt, würde die Anziehungskraft hinweggenommen, würde die Zu-&lt;br /&gt;
neigung der Menschenherzen zerstört, dann verschwänden die Erschei-&lt;br /&gt;
nungen menschlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist eine Beweiskette, die unseren Sinnen wahrnehmbar ist, unse-&lt;br /&gt;
rem Verstand einleuchtet, mit den Überlieferungen und Lehren der hei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1224&lt;br /&gt;
{{page|1225|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=7}}ligen Bücher übereinstimmt und von den Eingebungen des Menschen-&lt;br /&gt;
herzens bekräftigt wird. Es ist ein Beweis, den wir als absolut verläßlich&lt;br /&gt;
und als vollständig erklären können. Aber hier handelt es sich nur um&lt;br /&gt;
diejenigen Stufen der Liebe, die in der natürlichen oder stofflichen Welt&lt;br /&gt;
vorkommen. Sie offenbaren sich dort jeweils nach den Erfordernissen der&lt;br /&gt;
natürlichen Bedingungen und Maßstäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahre Liebe ist die Liebe, die zwischen Gott und Seinen Dienern be-&lt;br /&gt;
steht, die Liebe, welche heilige Seelen aneinander bindet. Das ist die&lt;br /&gt;
Liebe der geistigen Welt, nicht die Liebe von stofflichen Körpern und&lt;br /&gt;
Organismen. Beobachten und bedenken Sie zum Beispiel, wie die Gna-&lt;br /&gt;
dengaben Gottes Stück für Stück auf die Menschen herniederkommen, wie&lt;br /&gt;
die Strahlungen des Göttlichen ewig über der Menschenwelt scheinen.&lt;br /&gt;
Es kann keinen Zweifel geben, daß diese Gnadengaben, diese Segnun-&lt;br /&gt;
gen, diese Strahlen von der Liebe ausgehen. Wäre Liebe nicht der gött-&lt;br /&gt;
liche Beweggrund, könnte das menschliche Herz unmöglich diese Gaben&lt;br /&gt;
erreichen oder aufnehmen. Gäbe es keine Liebe, könnte der göttliche&lt;br /&gt;
Segen auf überhaupt keinen Gegenstand auftreffen. Wäre keine Liebe&lt;br /&gt;
da, könnte der Empfänger göttlicher Ausstrahlung diese Ausstrahlung&lt;br /&gt;
nicht seinerseits wiederspiegeln und auf andere Objekte weiterstrahlen.&lt;br /&gt;
Wenn wir zu den Verständnisvollen gehören, erkennen wir, daß sich die&lt;br /&gt;
Segnungen Gottes ununterbrochen offenbaren, wie die Sonnenstrahlen&lt;br /&gt;
unaufhörlich von der Sonne ausgehen. Durch die leuchtende Strahlen-&lt;br /&gt;
fülle der Sonne ist die Welt der Erscheinung hell und glanzvoll. In der-&lt;br /&gt;
selben Weise wird das Reich der Herzen und des Geistes vom Strahlen-&lt;br /&gt;
kranz der Sonne der Wirklichkeit und von den Segnungen der Liebe&lt;br /&gt;
Gottes erleuchtet und wiederbelebt. Von da her wird die Welt des Seins,&lt;br /&gt;
das Reich der Herzen und des Geistes unaufhörlich zum Leben angeregt.&lt;br /&gt;
Gäbe es nicht die Liebe Gottes, die Herzen wären unbeseelt, die Geister&lt;br /&gt;
würden verdorren, die Wirklichkeit des Menschen wäre bleibender Gaben&lt;br /&gt;
verlustig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenken Sie, in welchem Ausmaß sich die Liebe Gottes offenbart. Un-&lt;br /&gt;
ter den Zeichen Seiner Liebe, wie sie in der Welt erscheinen, sind die&lt;br /&gt;
Aufgangsorte Seiner Manifestationen. Welch ein unendliches Maß von&lt;br /&gt;
Liebe strahlen die göttlichen Manifestationen auf die Menschheit aus!&lt;br /&gt;
Um der Führung des Volkes willen, um die Menschenherzen neu zu be-&lt;br /&gt;
leben, haben sie willig ihr Leben geopfert. Sie haben das Kreuz auf sich&lt;br /&gt;
genommen. Um es den Menschenseelen zu ermöglichen, die höchste Stufe&lt;br /&gt;
des Fortschritts zu erreichen, haben sie ein Leben lang unvorstellbare&lt;br /&gt;
Prüfungen und Schwierigkeiten erduldet. Hätte Seine Heiligkeit Jesus&lt;br /&gt;
Christus nicht Liebe für die Menschenwelt besessen, Er hätte sicherlich&lt;br /&gt;
nicht willig das Kreuz auf sich genommen. Um der Liebe zur Mensch-&lt;br /&gt;
heit willen wurde Er gekreuzigt. Bedenken Sie die grenzenlose Weite&lt;br /&gt;
dieser Liebe! Ohne Liebe zur Menschheit hätte Johannes der Täufer nicht&lt;br /&gt;
sein Leben geopfert. Genauso war es mit allen Propheten und allen hei-&lt;br /&gt;
ligen Seelen. Hätte Seine Heiligkeit der Báb keine Liebe zur Menschheit&lt;br /&gt;
geoffenbart, Er hätte sicherlich Seine Brust nicht tausend Kugeln darge-&lt;br /&gt;
boten. Wäre Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh nicht von Liebe zur Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entflammt gewesen, hätte Er nicht freiwillig vierzig Jahre Kerker er-&lt;br /&gt;
duldet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1225&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1226|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten Sie, wie selten die Menschen ihr Vergnügen und ihre Be-&lt;br /&gt;
quemlichkeit für andere opfern, wie unwahrscheinlich es ist, daß ein&lt;br /&gt;
Mensch einem anderen zuliebe ein Auge oder ein Körperglied einsetzt.&lt;br /&gt;
Alle göttlichen Manifestationen jedoch haben Blut und Leben geopfert,&lt;br /&gt;
ihre ganze Existenz, ihr Behagen und allen Besitz um der Menschheit&lt;br /&gt;
willen hingegeben. Bedenken Sie deshalb, wie sehr diese Manifestationen&lt;br /&gt;
geliebt haben. Ohne ihre Liebe zur Menschheit wäre geistige Liebe ein&lt;br /&gt;
leeres Wort. Ohne ihre Erleuchtung könnten Menschenseelen nicht strah-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
len. Wie produktiv ist ihre Liebe! Sie ist ein Zeichen der Liebe Gottes, ein&lt;br /&gt;
Strahl der Sonne der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb müssen wir Gott lobpreisen, denn es ist das Licht Seiner&lt;br /&gt;
Großmut, das durch Seine ewige Liebe auf uns strahlt. Seine göttlichen&lt;br /&gt;
Manifestationen haben ihr Leben aus Liebe zu uns geopfert. Bedenken&lt;br /&gt;
Sie demnach, was die Liebe Gottes bedeutet. Gäbe es nicht die Liebe&lt;br /&gt;
Gottes, aller Geist bliebe leblos. Die Bedeutung dieses Satzes liegt nicht&lt;br /&gt;
in einem körperlichen Tod, sondern in jenem Zustand, von dem Seine&lt;br /&gt;
Heiligkeit Christus erklärte: „Laßt die Toten ihre Toten begraben, denn&lt;br /&gt;
was vom Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was vom Geiste geboren&lt;br /&gt;
ist, ist Geist.“ Gäbe es nicht die Liebe Gottes, die Herzen würden nicht&lt;br /&gt;
erleuchtet. Gäbe es nicht die Liebe Gottes, der Weg zu Seinem Reich&lt;br /&gt;
würde nicht gebahnt. Gäbe es nicht die Liebe Gottes, die heiligen Bücher&lt;br /&gt;
wären nicht geoffenbart worden. Gäbe es nicht die Liebe Gottes, die&lt;br /&gt;
göttlichen Propheten wären nicht in die Welt gesandt worden. Die Grund-&lt;br /&gt;
lage aller dieser Gnadengaben ist die Liebe Gottes. Deshalb gibt es in&lt;br /&gt;
der Menschenwelt keine größere Macht als die Liebe Gottes. Es ist die&lt;br /&gt;
Liebe Gottes, die uns heute abend hier zusammengeführt hat. Es ist die&lt;br /&gt;
Liebe Gottes, die den Osten mit dem Westen verbindet. Es ist die Liebe&lt;br /&gt;
Gottes, die die Welt neu belebt. Wir müssen Gott Dank sagen, daß uns&lt;br /&gt;
ein so großes Lehen und eine solche Strahlenfülle anvertraut worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Transzendenz des Bewußtseins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kommen jetzt zu einem anderen Aspekt unseres Themas: Sind die&lt;br /&gt;
Tätigkeit und die Wirkungen der Liebe auf diese Welt begrenzt oder&lt;br /&gt;
erstrecken sie sich auch auf eine andere Seinsweise? Berührt ihr Ein-&lt;br /&gt;
fluß nur unser irdisches Dasein oder auch das ewige Leben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das Menschenreich beobachten, fällt uns ins Auge, daß es&lt;br /&gt;
allen anderen Seinsweisen überlegen ist. In der Entwicklung der Welt&lt;br /&gt;
des Seins gibt es vier Stufen oder Reiche: das Mineralreich, das Pflan-&lt;br /&gt;
zenreich, das Tierreich und das Menschenreich. Das Mineralreich ist mit&lt;br /&gt;
einer Eigenschaft ausgestattet, die wir Zusammenhalt nennen. Das Pflan-&lt;br /&gt;
zenreich besitzt diese Kraft des Zusammenhalts und darüber hinaus die&lt;br /&gt;
Kraft des Wachstums und der Vermehrung. Das Tierreich verfügt über&lt;br /&gt;
die Vortrefflichkeiten des Mineral- und des Pflanzenreiches und zusätz-&lt;br /&gt;
lich über die Kraft der Sinne. Aber wenngleich das Tier mit Empfin-&lt;br /&gt;
dungsvermögen begabt ist, fehlt ihm doch völlig das Bewußtsein; es steht&lt;br /&gt;
in keinerlei Beziehung zur Welt des Bewußtseins und des Geistes. Das&lt;br /&gt;
Tier besitzt keine Kräfte, durch die es Entdeckungen machen könnte, die&lt;br /&gt;
über den Bereich der Sinne hinausreichen. Es hat keine intellektuelle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1226&lt;br /&gt;
{{page|1227|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=9}}Schöpferkraft. Zum Beispiel könnte ein in Europa lebendes Tier den&lt;br /&gt;
Erdteil Amerika nicht entdecken. Es versteht nur Erscheinungen, die in&lt;br /&gt;
den Bereich seiner Sinne und seines Instinkts treten. Es kann sich nichts&lt;br /&gt;
abstrakt ausdenken. Das Tier kann nicht begreifen, daß die Erde ein&lt;br /&gt;
Ball ist und sich um eine Achse dreht. Es kann nicht verstehen, daß die&lt;br /&gt;
kleinen Sterne am Himmel riesige Welten sind, viel größer als diese&lt;br /&gt;
Erde. Das Tier kann sich den Verstand nicht abstrakt vorstellen. Dieser&lt;br /&gt;
Kraft ist es beraubt. Demnach sind diese Kräfte nur dem Menschen&lt;br /&gt;
eigen, und wir haben verdeutlicht, daß es im Menschenreich eine Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit gibt, die dem Tiere fehlt. Was ist diese Wirklichkeit? Es ist der&lt;br /&gt;
Geist des Menschen. Durch ihn erhebt sich der Mensch weit über alle&lt;br /&gt;
anderen Reiche der Erscheinung. Wenngleich er alle Vorzüge der niederen&lt;br /&gt;
Reiche besitzt, ist er darüber hinaus mit der geistigen Fähigkeit, der&lt;br /&gt;
himmlischen Gabe des Bewußtseins, ausgerüstet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle materiellen Erscheinungen sind der Natur unterworfen. Alle stoff-&lt;br /&gt;
lichen Organismen sind Gefangene der Natur. Keiner von ihnen kann&lt;br /&gt;
auch nur im geringsten vom Naturgesetz abweichen. Diese Erde, die&lt;br /&gt;
großen Berge, die Tiere mit ihren wundersamen Kräften und Instinkten&lt;br /&gt;
können nicht über ihre natürlichen Grenzen hinausgehen. Alle Dinge&lt;br /&gt;
sind Gefangene der Natur, ausgenommen der Mensch. Der Mensch ist&lt;br /&gt;
Herrscher über die Natur; er bricht ihre Gesetze. Obwohl er ein Lebe-&lt;br /&gt;
wesen ist, das seiner natürlichen Ausstattung nach auf der Erdoberfläche&lt;br /&gt;
leben müßte, schwingt er sich wie ein Vogel in die Luft, segelt über den&lt;br /&gt;
Ozean und taucht mit Unterseebooten tief in seine Wellen unter. Der&lt;br /&gt;
Mensch besitzt eine Macht, mit der er Naturgesetze durchdringt, entdeckt&lt;br /&gt;
und von der Welt des Unsichtbaren auf die Ebene des Sichtbaren holt.&lt;br /&gt;
Die Elektrizität war einst eine verborgene Kraft der Natur. Nach den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen sollte sie ein Geheimnis bleiben, aber der Geist des Men-&lt;br /&gt;
schen entdeckte sie, holte sie aus ihrer geheimnisvollen Schatzkammer&lt;br /&gt;
und machte ihre Erscheinungen sichtbar. Es ist klar und offenbar, daß&lt;br /&gt;
der Mensch fähig ist, die Naturgesetze zu brechen. Wie kann er dies?&lt;br /&gt;
Durch einen Geist, den Gott ihm bei seiner Erschaffung verliehen hat.&lt;br /&gt;
Das ist der Beweis dafür, daß der Geist den Menschen über alle niedere-&lt;br /&gt;
ren Reiche erhebt und ihn von diesen unterscheidet. Es ist dieser Geist,&lt;br /&gt;
auf den sich der Vers des Alten Testaments bezieht, in dem es heißt, der&lt;br /&gt;
Mensch sei „nach dem Bild und Gleichnis Gottes“ erschaffen worden. Nur&lt;br /&gt;
der Geist des Menschen durchdringt die Wirklichkeiten Gottes und nimmt&lt;br /&gt;
an den göttlichen Gaben teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese große Macht muß offensichtlich von dem stofflichen Körper&lt;br /&gt;
oder „Tempel“ unterschieden werden, in dem sie sich offenbart. Be-&lt;br /&gt;
obachten und begreifen Sie, wie dieser menschliche Körper sich verändert;&lt;br /&gt;
der Geist des Menschen jedoch bleibt immer im selben Zustand. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel wird der Körper manchmal schwach, manchmal stark und dick;&lt;br /&gt;
bisweilen wird er kleiner oder verliert ein Glied, aber all dies hat keinen&lt;br /&gt;
Einfluß auf den Geist. Das Auge mag blind werden, der Fuß kann ab-&lt;br /&gt;
genommen werden, aber keine derartige Unvollkommenheit beeinträchtigt&lt;br /&gt;
den Geist. Das ist der Beweis dafür, daß der Geist des Menschen von&lt;br /&gt;
seinem Körper zu unterscheiden ist. Wir kommen zu dem exakten Schluß,&lt;br /&gt;
daß der Geist, wenngleich der ganze Körper einer radikalen Verände-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1227&lt;br /&gt;
{{page|1228|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rung unterworfen wird, dennoch diese Verwandlung überlebt; selbst&lt;br /&gt;
wenn der Körper des Menschen zerstört wird und dem Nichtsein an-&lt;br /&gt;
heimfällt, bleibt der Geist des Menschen unversehrt. Denn der Geist des&lt;br /&gt;
Menschen lebt immerfort. Manchmal schläft der Körper, das Auge sieht&lt;br /&gt;
nichts, das Ohr hört nichts, die Glieder hören auf, sich zu bewegen, jeg-&lt;br /&gt;
liche Sinnesfunktion ist erloschen wie im Tod; dennoch sieht der Geist,&lt;br /&gt;
er hört und schwingt sich in die Höhe, denn er besitzt Fähigkeiten, die&lt;br /&gt;
ohne die Werkzeuge des Körpers wirksam sind. In der Welt der Ge-&lt;br /&gt;
danken sieht er ohne Augen, hört ohne Ohren und reist, ohne den Fuß&lt;br /&gt;
zu bewegen. Ohne körperliche Kraft vollzieht er jede Funktion. Dies alles&lt;br /&gt;
macht klar, daß während des Schlafs der Geist lebendig ist, wenngleich&lt;br /&gt;
der Körper tot erscheint. In der Welt der Träume wird der Körper&lt;br /&gt;
völlig passiv, aber der Geist ist aktiv tätig und besitzt umfassendes Emp-&lt;br /&gt;
findungsvermögen. Das führt zu dem Schluß, daß das Leben des Geistes&lt;br /&gt;
vom Leben des Körpers nicht bedingt oder abhängig ist. Allenfalls läßt&lt;br /&gt;
sich sagen, der Körper sei ein bloßes Gewand, das sich der Geist anlegt.&lt;br /&gt;
Wird das Gewand vernichtet, bleibt sein Träger unversehrt und ist in der&lt;br /&gt;
Tat geschützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod und ewiges Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überdies sind alle Erscheinungen Veränderungen von einem Zustand&lt;br /&gt;
zum anderen unterworfen; die Revolution, die von dieser fortschreitenden&lt;br /&gt;
Umwandlung bewirkt wird, führt zu einer Art Nichtsein. Wenn zum&lt;br /&gt;
Beispiel ein Mensch vom Menschenreich zum Mineralischen umgewandelt&lt;br /&gt;
wird, sagen wir, er sei tot, denn er hat die stoffliche Form des Menschen&lt;br /&gt;
aufgegeben und den Zustand mineralischer Substanzen angenommen.&lt;br /&gt;
Diese Umwandlung oder Transmutation wird Tod genannt. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
daß kein Organismus der Erscheinungswelt zur gleichen Zeit zwei For-&lt;br /&gt;
men besitzen kann. Wenn ein Gegenstand, eine Erscheinung, dreieckige&lt;br /&gt;
Gestalt hat, Kann er nicht zur gleichen Zeit die Gestalt eines Quadrats&lt;br /&gt;
besitzen. Ist er kreisförmig, kann er nicht gleichzeitig fünf- oder sechs-&lt;br /&gt;
eckig sein. Um eine neue Gestalt oder Form anzunehmen, muß unser&lt;br /&gt;
Gegenstand seine frühere Gestalt oder Abmessung aufgeben; so muß man&lt;br /&gt;
das Dreieck aufgeben, um ein Quadrat zu erhalten, das Quadrat muß sich&lt;br /&gt;
ändern, um Fünfeck zu werden. Diese fortschreitenden Umwandlungen&lt;br /&gt;
oder Veränderungen aus einem Zustand in den anderen entsprechen dem&lt;br /&gt;
Tode. Aber die Wirklichkeit des Menschen, der menschliche Geist, besitzt&lt;br /&gt;
gleichzeitig alle Formen und Gestalten, ohne einer von ihnen beraubt zu&lt;br /&gt;
sein. Er braucht keine Umwandlung von einem Begriff zum anderen.&lt;br /&gt;
Würde man ihn einer oder aller Gestalten berauben können, müßten wir&lt;br /&gt;
sagen, er sei in eine andere Gestalt übergeführt worden, und dies wäre&lt;br /&gt;
gleichbedeutend mit Tod. Da jedoch der menschliche Geist alle Gestalten&lt;br /&gt;
gleichzeitig besitzt, kennt er keine Umwandlung und keinen Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin ist es nach der Naturphilosophie eine gesicherte Tatsache,&lt;br /&gt;
daß die einzelnen, einfachen Elemente unzerstörbar sind. Wie die Natur&lt;br /&gt;
unzerstörbar ist, so sind auch alle einfachen Bauteile der Natur dauer-&lt;br /&gt;
haft und beständig. Tod und Nichtswerdung befallen nur Verbindungen&lt;br /&gt;
und Zusammengesetztes. Das will besagen, Zusammensetzungen können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1228&lt;br /&gt;
{{page|1229|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=11}}vernichtet werden. Wenn die Auflösung Platz greift, tritt der Tod ein.&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wurden gewisse Elemente verbunden, um diese Blume hier&lt;br /&gt;
zu bilden. Wenn die Verbindung sich auflöst, wenn das Zusammenge-&lt;br /&gt;
setzte auseinanderfällt, stirbt die Blume als Organismus des Pflanzen-&lt;br /&gt;
reichs. Die einzelnen Elemente jedoch, aus denen diese Blume zusammen-&lt;br /&gt;
gesetzt ist, werden keinen Tod erleiden, denn alle diese Elemente sind&lt;br /&gt;
dauerhaft, immerwährend und nicht der Vernichtung unterworfen. Sie&lt;br /&gt;
sind unzerstörbar, weil sie elementar sind und nicht zusammengesetzt. So&lt;br /&gt;
können sie nicht auseinanderfallen oder in ihre atomaren Bestandteile&lt;br /&gt;
getrennt werden; vielmehr sind sie einzelstehend, einfach und deshalb&lt;br /&gt;
beständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn elementarer Stoff Beständigkeit besitzt, wie sollte da der&lt;br /&gt;
menschliche Geist, die menschliche Wirklichkeit, weit über jeder Ver-&lt;br /&gt;
bindung und Zusammensetzung stehend, zerstörbar sein? Nein, keines-&lt;br /&gt;
wegs! Dieser Geist ist alles in allem; er ist eine Einheit und nichts Zu-&lt;br /&gt;
sammengesetztes. Seine Zerstörung ist deshalb unmöglich. Der Geist des&lt;br /&gt;
Menschen übersteigt die Eigenschaften und Wesenszüge jedes natürlichen&lt;br /&gt;
Elements. Er hat höhere Vorzüge als Gold, Silber oder Eisen — Elemente,&lt;br /&gt;
die nicht zerstört werden können. Wenn sie frei von Zerstörung sind und&lt;br /&gt;
sich durch Dauerhaftigkeit auszeichnen, wieviel mehr noch muß da der&lt;br /&gt;
menschliche Geist frei und unsterblich sein! Wie könnte er jemals zer-&lt;br /&gt;
stört werden? Dies ist eine Frage von großer Bedeutung. Es gibt zahl-&lt;br /&gt;
lose Beweise, die unsere Antwort unterstützen; Ich hoffe, daß wir die&lt;br /&gt;
Untersuchung ein andermal fortsetzen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir auseinandergehen, möchte Ich ein Gebet für Fräulein Farmer&lt;br /&gt;
sprechen; denn sie ist die Begründerin dieser Institution, die Quelle die-&lt;br /&gt;
ser liebevollen Kameradschaft und unseres Zusammentreffens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du gütiger Gott! Umfange diese Diener mit Deiner leuchtenden Vor-&lt;br /&gt;
sehung. Entflamme die Herzen in dieser Versammlung mit dem Feuer&lt;br /&gt;
Deiner Liebe. Erleuchte die Gesichter mit dem Licht des Himmels. Er-&lt;br /&gt;
helle die Herzen mit dem Strahl der höchsten Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! Die Wolken des Aberglaubens haben die Horizonte der Herzen&lt;br /&gt;
umzogen. O Herr! Zerstreue diese Wolken, auf daß das Licht der Sonne&lt;br /&gt;
der Wirklichkeit scheine. © Herr! Erleuchte unsere Augen, damit wir&lt;br /&gt;
Dein Licht sehen. O Herr! Richte unsere Ohren aus, damit wir den Ruf&lt;br /&gt;
der höchsten Heerscharen hören. O Herr! Mache unsere Zungen beredt,&lt;br /&gt;
damit wir uns für Dein Gedenken einsetzen. O Herr! Heilige und reinige&lt;br /&gt;
die Herzen, damit der Glanz Deiner Liebe in ihnen strahle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du gütiger Herr! Durch Deine Macht und Großmut verleihe der Be-&lt;br /&gt;
gründerin dieser Vereinigung baldige Genesung. O Herr! Diese Frau hat&lt;br /&gt;
Dir gedient, hat ihr Antlitz Deinem Reiche zugewandt und hat diese&lt;br /&gt;
Lehrseminare ins Leben gerufen, damit die Wirklichkeit erforscht werde&lt;br /&gt;
und das Licht der Wahrheit scheine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Herr! Sei Du für immer ihr Beistand. O Herr! Sei Du allezeit ihr&lt;br /&gt;
Tröster. O Herr! Schenke ihr rasche Heilung. Wahrlich, Du bist der Milde.&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Barmherzige. Wahrlich, Du bist der Großmütige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufzeichnungen von Edna MceKinney, aus „The Promulgation of Universal Peace“,&lt;br /&gt;
Vol. II, Wilmette/Ili. 1922/1943, S. 247 ff. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1229&lt;br /&gt;
{{page|1230|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;* Die Erde ist eine Heimat&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind&lt;br /&gt;
ihre Bürger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
La terre n’est qu’un seul&lt;br /&gt;
pays et les hommes en sont&lt;br /&gt;
les citoyens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The earth is one country&lt;br /&gt;
and mankind its citizens,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1230&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Show für eine&lt;br /&gt;
geeinte Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit ihrer Musical-Show&lt;br /&gt;
„Plea for one World“ haben&lt;br /&gt;
die „Dawnbreakers“, eine&lt;br /&gt;
junge Bahä’i-Singgruppe,&lt;br /&gt;
im Spätsommer 1970 in&lt;br /&gt;
zahlreichen Städten Euro-&lt;br /&gt;
pas für die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit geworben. Die&lt;br /&gt;
Tournee, die überall in der&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit auf viel In-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
teresse stieß — wie das&lt;br /&gt;
große Echo in der Presse&lt;br /&gt;
bewies —, begann in Bonn -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bad Godesberg und endete&lt;br /&gt;
in Apeldoorn in den Nie-&lt;br /&gt;
derlanden. Grundgedanke&lt;br /&gt;
der Show war, die Zuhörer&lt;br /&gt;
auf das aufmerksam zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1231|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
machen, was UN-Generalsekretär U Thant so ausdrückte: „Wir haben die&lt;br /&gt;
Mittel und das Vermögen, um den Krieg und die Rüstung und die Armut&lt;br /&gt;
und den Hunger und die Krankheit aus dem Antlitz der Erde zu beseiti-&lt;br /&gt;
gen... Wir brauchen dazu nur den Willen.“ „Wollt!“, riefen deshalb die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1231&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1232|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dawnbreakers“ ihrem Pu-&lt;br /&gt;
blikum zu. Und sie verkün-&lt;br /&gt;
deten dabei die Botschaft&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh, der lehrte,&lt;br /&gt;
daß „Friede und Sicherheit&lt;br /&gt;
unerreichbar sind, sofern&lt;br /&gt;
und ehe nicht die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit fest begrün-&lt;br /&gt;
det ist“. Unsere Fotos auf&lt;br /&gt;
diesen Seiten geben Aus-&lt;br /&gt;
schnitte aus dem Programm&lt;br /&gt;
und dem Auftreten der jun-&lt;br /&gt;
gen Bahä’i, die sich aus ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Ländern zusam-&lt;br /&gt;
mengefunden hatten, wie-&lt;br /&gt;
der. Vielfach erregten sie&lt;br /&gt;
nicht nur bei ihren abend-&lt;br /&gt;
lichen Veranstaltungen Auf-&lt;br /&gt;
merksamkeit — oft verwickelten sie bei einem Tech-In auf den Stra-&lt;br /&gt;
ßen und Plätzen der Städte die Menschen in lebhafte Diskussionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pyrre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1233|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=15}}Religion und Persönlichkeitsentfaltung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überraschende psychische Wirkungen des Glaubens /&lt;br /&gt;
von James J. Keene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So, wie sie gemeinhin verstanden und praktiziert wird, ist die Religion&lt;br /&gt;
häufig eine Quelle des Streits und der Verwirrung. Das gibt nicht nur den&lt;br /&gt;
Geistlichen Rätsel auf. In dem Maße, wie die traditionelle Religiosität vor&lt;br /&gt;
dem Ansturm der industriellen Zivilisation zurückweicht, sind auch Sozio-&lt;br /&gt;
logen und Psychologen untereinander uneins, was die Rolle der Religion&lt;br /&gt;
im modernen Leben betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud zum Beispiel dachte, die Religion sei eine illusionäre Auffas-&lt;br /&gt;
sung der Wirklichkeit, die das Persönlichkeitswachstum behindert und&lt;br /&gt;
deshalb abgeschafft werden muß. Im Gegensatz dazu war der berühmte&lt;br /&gt;
Psychologe Carl Jung der Ansicht, Begriffe wie Opfer und Wiedergeburt,&lt;br /&gt;
Allgemeinbegriffe des Religiösen, seien an den grundlegenden Prozessen&lt;br /&gt;
der Persönlichkeitsentwicklung beteiligt. Allgemein läßt sich sagen, daß&lt;br /&gt;
manche Sozialwissenschaftler die Religion für einen integrierenden und&lt;br /&gt;
aufbauenden Einfluß auf das menschliche Bemühen, für eine wichtige,&lt;br /&gt;
bedeutsame und eigenständige Kraft halten, während andere die Religion&lt;br /&gt;
als eine Zerfalls- und Auflösungserscheinung oder als etwas Zweitrangi-&lt;br /&gt;
ges ansprechen, das nur unter dem Aspekt von „grundlegenderen“ Ereig-&lt;br /&gt;
nissen, dem Austausch vom Lustempfindungen oder Wirtschaftsgütern&lt;br /&gt;
etwa, erklärt werden kann. Die Verwirrung beschränkt sich aber keines-&lt;br /&gt;
wegs auf die Sozialwissenschaftler: Auch die Laien, seien sie begütert,&lt;br /&gt;
mittelständisch oder arm, auch der Nachbar von nebenan — alle sind&lt;br /&gt;
skeptisch, verwirrt oder verunsichert, was die Auswirkungen ihrer eige-&lt;br /&gt;
nen religiösen Aktivität auf ihr Leben angeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die heutige Verwirrung die lawinenartige Folge von jahrhunderte-&lt;br /&gt;
alten religiösen Spekulationen ist, besteht ein Bedürfnis nach einer ver-&lt;br /&gt;
nunftsgemäßen, wissenschaftlichen Durchleuchtung der Wechselwirkungen&lt;br /&gt;
zwischen religiöser Aktivität und persönlichem Wohlbefinden eines Men-&lt;br /&gt;
schen. Mit Hilfe systematischer sozialwissenschaftlicher Methoden habe ich&lt;br /&gt;
Ermittlungen von fast 700 Personen aus fünf religiösen Gruppen unter&lt;br /&gt;
35 Aspekten ihres Glaubenslebens, wie Gebet, Beteiligung an Gottesdien-&lt;br /&gt;
sten und Glauben an Gott, sowie unter 74 Gesichtspunkten ihrer Persön-&lt;br /&gt;
lichkeit und ihrer gesellschaftlichen Beziehungen untersucht. Eine beschei-&lt;br /&gt;
dene Addition (35 + 74 = 109) und eine Multiplikation (109 X 700 = 76 300)&lt;br /&gt;
zeigt, daß hier mehr als 70000 Einzel-Informationen über das religiöse,&lt;br /&gt;
persönliche und gesellschaftliche Leben vieler Leute zusammengetragen&lt;br /&gt;
wurde. Wollte man alle möglichen Beziehungen zwischen den untersuch-&lt;br /&gt;
ten religiösen und psychosozialen Tätigkeiten durchleuchten und verste-&lt;br /&gt;
hen, hätte man es mit etwa 5886 Beziehungen zu tun (109 X 108/2 = 5886).&lt;br /&gt;
Dies soll nur andeuten, wie weit und verwickelt religiöse Erscheinungen&lt;br /&gt;
sind; es läßt sich leicht vorstellen, wie stark Individuen in ihrer Wahrneh-&lt;br /&gt;
mung und in ihrem Verständnis des Religiösen voneinander abweichen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1233&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1234|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=16}}In dem Bestreben, einfache und doch grundlegende Vorstellungen von&lt;br /&gt;
der Religion in ihrem Leben zu entwickeln, fassen die Menschen in ihrem&lt;br /&gt;
Bewußtsein sicherlich mehr als 70 000 Bits an Erfahrung zusammen. Oft&lt;br /&gt;
achtet der Mensch jedoch nur auf eine kleine Auswahl oder gar nur auf&lt;br /&gt;
einen einzigen Gesichtspunkt religiöser Erfahrungen — diejenigen, wel-&lt;br /&gt;
che sich mit den eigenen persönlichen Vorurteilen und vorgefaßten Mei-&lt;br /&gt;
nungen über das Wesen der Religion decken. Diese einseitige Auswahl&lt;br /&gt;
religiöser Erfahrungen führt zu einer unvollständigen Vorstellung oder&lt;br /&gt;
zu einer irrigen Auffassung der Religion in allen ihren Aspekten. Ge-&lt;br /&gt;
wöhnlich trifft dies auf populäre Meinungen über die Religion und auf&lt;br /&gt;
Verallgemeinerungen zu, die deshalb früher oder später zwangsläufig mit&lt;br /&gt;
der Erfahrung in Konflikt geraten und zwischen den einzelnen Menschen&lt;br /&gt;
sehr weit auseinanderklaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Studie!) ist objektiv und wissenschaftlich, nicht weil sie keinerlei&lt;br /&gt;
wichtige und bedeutsame menschliche Erfahrungen ausschließt, sondern&lt;br /&gt;
weil ihre empirische Durchleuchtung solcher Erfahrungen ohne persön-&lt;br /&gt;
liche Vorurteile und vorgefaßte Meinungen vor sich ging. Auf einem Com-&lt;br /&gt;
puter mit mathematischer Genauigkeit durchgeführt, benutzte das Pro-&lt;br /&gt;
jekt eine statistische Technik, die Faktoranalyse heißt und genau das tut,&lt;br /&gt;
was sie besagt: Sie analysierte alle 5886 Beziehungen, die sich auf die&lt;br /&gt;
70 000 Bits an Erfahrung gründen, und bestimmte die Faktoren, Trends&lt;br /&gt;
oder Grundhaltungen, die am besten alle Facetten des Erscheinungsbilds&lt;br /&gt;
beschreiben. Durch Prüfung der wechselseitigen Beziehungen zwischen&lt;br /&gt;
diesen Faktoren in jeder von fünf religiösen Gruppen versuchte ich, ein&lt;br /&gt;
umfassenderes und verständlicheres Bild der Wechselwirkungen zwischen&lt;br /&gt;
Religion und Persönlichkeit zu geben, als es meines Wissens in der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit möglich war. Wichtig für den Leser dieser Ergebnisse ist die&lt;br /&gt;
Feststellung, daß sich die Studie nicht notwendigerweise mit den Ansich-&lt;br /&gt;
ten und Vorstellungen der anerkannten Vertreter der untersuchten Reli-&lt;br /&gt;
gionsgruppen befaßt; vielmehr gründet sie sich auf die wirkliche Lebens-&lt;br /&gt;
erfahrung und die Beobachtungen von Menschen, die diese Religionen&lt;br /&gt;
ausüben, da ich das Ziel verfolgte, die tatsächlichen Wirkungen religiösen&lt;br /&gt;
Verhaltens auf die Persönlichkeit und auf die gesellschaftlichen Gruppen&lt;br /&gt;
zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Grundhaltungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier wichtige Grundhaltungen (oder Faktoren) wurden im Leben des&lt;br /&gt;
modernen Menschen festgestellt; wir können sie hier nur kurz umreißen:&lt;br /&gt;
Neurotisch / anpassungsfähig: Mehr als die Hälfte aller gegenwärti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Krankenhausinsassen sind wegen irgendwelcher Verhaltensstörungen&lt;br /&gt;
dort. Das Problem der geistigen Gesundheit geht sowohl den einzelnen&lt;br /&gt;
als auch die Gesellschaft an. Beim Individuum kommt es auf die bestän-&lt;br /&gt;
dige, ganzheitliche Entwicklung seiner Anlagen und Fähigkeiten durch&lt;br /&gt;
immer weitere Interessen und durch die Einsicht in sein eigenes Leben an;&lt;br /&gt;
dem steht die Selbstverteidigung gegenüber, in die sich ein Mensch unbe-&lt;br /&gt;
wußt unter der Qual seiner eigenen bruchstückhaften, engen und klein-&lt;br /&gt;
lichen Belange hineinmanövriert. Viele Menschen versagen nachhaltig&lt;br /&gt;
vor der Aufgabe, den Spannungen und Herausforderungen des Lebens ins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1234&lt;br /&gt;
{{page|1235|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=17}}Gesicht zu sehen; sie vergeuden ihre Energie auf den Konflikt als solchen&lt;br /&gt;
oder auf Versuche, der Herausforderung auszuweichen. Ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
diesen Wachstumsmangel ausweist, wollen wir neurotisch nennen. Gesund&lt;br /&gt;
ist nicht notwendigerweise ein Mensch, der keine Konflikte hat, sondern&lt;br /&gt;
ein Mensch, der mit Konflikten und Ängsten dadurch umgehen kann, daß&lt;br /&gt;
er die damit verbundene Energie zu konstruktiver Tätigkeit hin kanalisiert.&lt;br /&gt;
Für die Gesellschaft soll geistige Gesundheit zur sozialen Integration&lt;br /&gt;
führen, in deren Rahmen Gesellschaft und Individuum wechselseitig&lt;br /&gt;
wachstumsfördernd wirken; dem steht gesellschaftliche Desorganisation&lt;br /&gt;
in Gestalt von Krieg, Massenverfolgungen, Scheidung, Verbrechen und&lt;br /&gt;
lebenslänglichem Aufenthalt in Nervenheilanstalten gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungezwungen / gehemmt: Ungezwungenheit ist Ausdruck emotionaler&lt;br /&gt;
oder unbewußter Erfahrungen: ein Lachen, ein Gefühl der Wärme oder&lt;br /&gt;
Freude, eine plötzliche Eingebung oder neue Idee. In Verbindung mit an-&lt;br /&gt;
passungsfähigem Verhalten ist Ungezwungenheit vielleicht am besten als&lt;br /&gt;
Kreativität zu bezeichnen. Bei Neigung zu Neurose gibt der ungezwun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i aus den deutschsprachigen Ländern trafen sich am 28. und 29. No-&lt;br /&gt;
vember 1970 in Zürich zu einer Lehrkonferenz. Dr. A. Mühlschlegel wies&lt;br /&gt;
dabei unter anderem auf das Vorrecht aller Bahä’i hin, am Aufbau einer&lt;br /&gt;
neuen Gesellschaft mitzuarbeiten. Unser Bild zeigt einige der Teilnehmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1236|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gene Gefühlsausdruck bestenfalls den Versuch wieder, angepaßte Reorga-&lt;br /&gt;
nisationen innerhalb der Persönlichkeit vorzunehmen. Schlimmstenfalls&lt;br /&gt;
ist Ungezwungenheit in Verbindung mit neurotischer Neigung lediglich&lt;br /&gt;
Flucht, wie es sich bei sexueller Zwanglosigkeit, unkontrolliertem Drogen-&lt;br /&gt;
konsum und Sensationslüsternheit erweist. Der Gegensatz der Ungezun-&lt;br /&gt;
genheit ist psychologische und gesellschaftliche Härte und Gehemmtheit&lt;br /&gt;
sowie die Furcht, zum Umgang mit der irrationalen Seite des Lebens un-&lt;br /&gt;
fähig zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltoffen / volkstümlerisch: Es ist eine Schlüsselfunktion für den&lt;br /&gt;
modernen Menschen auf der gegenwärtigen Stufe seiner gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Entwicklung, daß er ein Selbstbewußtsein als Weltbürger entwickelt, an-&lt;br /&gt;
statt sich ausschließlich mit einer einzigen Nation, Religion oder Rasse zu&lt;br /&gt;
identifizieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstbezogen / gruppenbezogen: Hier geht es um ein kulturelles&lt;br /&gt;
Anliegen in der Beziehung zwischen dem Individuum und der Gruppe.&lt;br /&gt;
Selbstbezogenes Verhalten führt zu Wettbewerb, Individualität, Unabhän-&lt;br /&gt;
gigkeit und Freiheit des Ausdrucks, während Gruppenbezogenheit die&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit, das Bemühen um eine Lebensführung nach den Wert-&lt;br /&gt;
maßstäben der Gruppe, gegenseitige Abhängigkeit und Gefühlsbeherrscht-&lt;br /&gt;
heit mit sich bringt. Sowohl Selbst- wie Gruppenbezogenheit können, je&lt;br /&gt;
nach der Situation, erwünscht oder unerwünscht sein. Schlimmstenfalls&lt;br /&gt;
findet man Selbstbezogenheit zum Beispiel in dem gesellschaftswidrigen&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen, der etwas tut, das er will, obwohl dies schäd-&lt;br /&gt;
liche Folgen für andere haben könnte. Günstigstenfalls ist Selbstbezogen-&lt;br /&gt;
heit im Spiel, wenn jemand denkt, was er für richtig hält, und dabei dem&lt;br /&gt;
Druck der Gruppe widersteht. Die meisten werden mir beipflichten, daß&lt;br /&gt;
Gruppenbezogenheit unerwünscht ist, wenn sie den Verlust der persön-&lt;br /&gt;
lichen Identität durch übertriebene Anpassung oder durch Massenaktio-&lt;br /&gt;
nen zur Folge hat; sie ist erwünscht in Gestalt von Güte, Höflichkeit und&lt;br /&gt;
Mitgefühl. Wir können sagen, daß die Belange sowohl des Individuums&lt;br /&gt;
wie der Gesellschaft am besten bei Persönlichkeiten gewahrt sind, die die&lt;br /&gt;
positiven Gesichtspunkte sowohl der Selbst- wie der Gruppenbezogenheit&lt;br /&gt;
verkörpern. Wir werden später sehen, wie der Konflikt zwischen Indi-&lt;br /&gt;
viduum und Gesellschaft, der in der volkstümlichen Weltanschauung un-&lt;br /&gt;
serer Tage so sehr im Vordergrund steht, bei einer der untersuchten reli-&lt;br /&gt;
giösen Gruppen optimal gelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es stellte sich heraus, daß die Art und Weise, wie die Menschen diese&lt;br /&gt;
vier psychosozialen Aufgaben in ihrem Alltagsleben lösen, in enger Be-&lt;br /&gt;
ziehung steht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) zu den Formen religiöser Tätigkeit, an denen sie teilnehmen,&lt;br /&gt;
(2) zu den religiösen Gruppen, denen sie angehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden will ich die grundlegenden Ergebnisse meiner Untersu-&lt;br /&gt;
chung beschreiben, wie sie sich für einen Leser darstellen, der sich um&lt;br /&gt;
die Frage kümmert, welche Wirkungen seine eigene religiöse Aktivität&lt;br /&gt;
unter der Oberfläche auf seine Persönlichkeit und seine gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Beziehungen haben könnte. Was sich bei den 700 untersuchten Personen&lt;br /&gt;
erwies, dürfte auch auf jeden Leser dieses Aufsatzes zutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1236&lt;br /&gt;
{{page|1237|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=19}}Was ist Religion?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor die Wirkung der Religion auf die Persönlichkeit geklärt werden&lt;br /&gt;
kann, müssen wir wissen, was diese Wirkung hervorruft. Was ist die Re-&lt;br /&gt;
ligion eigentlich? Eine große Vielfalt von Glaubenssätzen und Praktiken&lt;br /&gt;
wird von vielen Menschen an vielerlei Orten als religiös bezeichnet. Das&lt;br /&gt;
weist darauf hin, daß die Religion in verschiedenen religiösen Gruppen&lt;br /&gt;
verschiedenartiger ist als die Leute denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel neigen Katholiken dazu, an das Leben nach dem Tode, an&lt;br /&gt;
die Seele und an Gott zu glauben und sich an religiösen Aktivitäten zu&lt;br /&gt;
beteiligen, die sie in erster Linie als Lehre, Glaubensbekenntnis und Ri-&lt;br /&gt;
tual verstehen. Trotz dieser allgemeinen Aktivität neigen die Katholiken&lt;br /&gt;
gleichzeitig dazu, der Religion gegenüber skeptisch zu sein. Die Prote-&lt;br /&gt;
stanten sind dem Religiösen gegenüber so skeptisch wie die Katholiken;&lt;br /&gt;
die Protestanten glauben jedoch nicht so fest an das Leben nach dem Tode,&lt;br /&gt;
an die Seele und an Gott wie die Katholiken, nehmen nicht so sehr an&lt;br /&gt;
religiösen Aktivitäten teil und werten Lehre und Ritual nicht so hoch.&lt;br /&gt;
Eine Auffassung von Religion, die Lehre, Glaubensbekenntnis und Ritual&lt;br /&gt;
betont, ist unter Juden ebenso weit verbreitet wie unter Katholiken. Die&lt;br /&gt;
Juden neigen jedoch weniger als die Katholiken dazu, an religiösen Akti-&lt;br /&gt;
vitäten teilzunehmen, an das Leben nach dem Tode, die Seele und Gott&lt;br /&gt;
zu glauben oder die Gültigkeit der Religion in Frage zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Juden, Katholiken und Protestanten gibt es vier Hauptfragen&lt;br /&gt;
oder Bereiche der Meinungsverschiedenheit über die Religion:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Soll man an religiösen Aktivitäten teilnehmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Soll man die unantastbaren Vorstellungen, die mit religiöser Aktivität&lt;br /&gt;
unveränderlich verbunden sind, wie Leben nach dem Tod, Seele und&lt;br /&gt;
Gott, akzeptieren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Soll es überhaupt Religion geben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Soll die religiöse Teilnahme auf Lehre, Glaubensbekenntnis und Ritual&lt;br /&gt;
oder auf persönliche, innerliche Erfahrung gegründet sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bezeichne die letztere Frage als Frage der Orthodoxie im Gegensatz&lt;br /&gt;
zum persönlichen Zugang zur Religion. Der Begriff Orthodoxie gibt die&lt;br /&gt;
Zustimmung zu den akzeptierten Maßstäben einer religiösen Gruppe wie-&lt;br /&gt;
der. Bei meiner Untersuchung verwende ich jedoch diesen Ausdruck in&lt;br /&gt;
einer begrenzten Bedeutung, um mit ihm die Einwilligung in oder Wert-&lt;br /&gt;
schätzung von äußerlichen religiösen Formen — Lehrsätzen und Ritualen —&lt;br /&gt;
in solchem Umfang zu bezeichnen, daß das Verständnis für den eigent-&lt;br /&gt;
lichen Sinn der Religion, der in der persönlichen Erfahrung und Überzeu-&lt;br /&gt;
gung liegt, zum Opfer gebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vorstehenden vier Hauptfragen sind denjenigen Bereichen des reli-&lt;br /&gt;
giösen Lebens zuzuordnen, in denen die größten Gegensätze, Meinungs-&lt;br /&gt;
und Verhaltensunterschiede bestehen. Jede dieser Fragen rief innerhalb&lt;br /&gt;
der untersuchten Gruppen unterschiedliche Grade von Zustimmung oder&lt;br /&gt;
Ablehnung hervor. Man nehme zum Beispiel die erste Frage: Sollte man&lt;br /&gt;
an religiösen Aktivitäten teilnehmen? Es stellte sich heraus, daß weder&lt;br /&gt;
Juden noch Katholiken oder Protestanten unter sich in diesem Punkt&lt;br /&gt;
einig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1237&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn&lt;br /&gt;
{{page|1238|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des weiteren neigen Juden und Protestanten dazu, innerhalb ihrer&lt;br /&gt;
Gruppen in solchen religiösen Fragen verschiedener Meinung zu sein, in&lt;br /&gt;
denen die Katholiken am meisten zur Übereinstimmung neigen. Bei Ju-&lt;br /&gt;
den wie bei Protestanten gibt es wenig Einigkeit darüber, ob sie das Leben&lt;br /&gt;
nach dem Tode, die Seele und Gott annehmen oder ablehnen sollen, fer-&lt;br /&gt;
ner ob sie einen orthodoxen oder einen persönlichen Zugang zur Religion&lt;br /&gt;
suchen sollen. Demgegenüber herrscht bei den Katholiken relativ starke&lt;br /&gt;
Übereinstimmung darüber, daß sie an das Leben nach dem Tode, an die&lt;br /&gt;
Seele und an Gott glauben und die Lehre, das Glaubensbekenntnis und&lt;br /&gt;
das Ritual als die wichtigsten Bestandteile ihrer Religion positiv bewer-&lt;br /&gt;
ten sollen. Seltsamerweise sind die Katholiken mehr als Juden oder Pro-&lt;br /&gt;
testanten unter sich darüber uneins, ob sie an religiösen Aktivitäten teil-&lt;br /&gt;
nehmen sollen, trotz ihrer relativ entschiedenen Haltung zur Existenz der&lt;br /&gt;
Seele und Gottes sowie zur Bedeutung von Lehre und Ritual.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So unterscheiden sich verschiedene religiöse Gruppen in den religiösen&lt;br /&gt;
Aktivitäten und Ansichten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25 Jahre Vereinte Nationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Botschaft des Präsidenten der UN-Vollversammlung,&lt;br /&gt;
Edvard Hambro, zum Tag der Vereinten Nationen 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor fünfundzwanzig Jahren traten die Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
ins Leben. Empfangen, während der Zweite Weltkrieg noch&lt;br /&gt;
tobte, und geboren, bevor die Kanonen kalt geworden waren,&lt;br /&gt;
sollten die Vereinten Nationen dauernden Frieden und ein&lt;br /&gt;
besseres Schicksal für die Menschen herbeizuführen suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vereinten Nationen haben noch nicht alle unsere Hoff-&lt;br /&gt;
nungen erfüllt, aber sie haben auch nicht alle Hoffnungen&lt;br /&gt;
enttäuscht. Es ist an uns, dafür zu sorgen, daß die Verheißung&lt;br /&gt;
von San Franzisko voll eingelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Krieg mit seinem Gefolge von Leid und Elend hat in&lt;br /&gt;
den letzten fünfundzwanzig Jahren viel zu viele Länder heim-&lt;br /&gt;
gesucht. Aber die Vereinten Nationen haben mitgeholfen,&lt;br /&gt;
einen dritten Weltenbrand zu verhindern. Sie haben die in-&lt;br /&gt;
ternationale Gewalttätigkeit gemildert. Sie haben bei den&lt;br /&gt;
Kernwaffen die ersten Beschränkungen durchgesetzt, auch&lt;br /&gt;
wenn der entsetzlich teure Rüstungswettlauf weitergeht. Sie&lt;br /&gt;
haben zu den armen Nationen die Hand ausgestreckt, haben&lt;br /&gt;
internationales Recht geformt, um die Menschenrechte zu ver-&lt;br /&gt;
teidigen, und zur Befreiung vieler Völker in Afrika und Asien&lt;br /&gt;
beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch halten Kampf, Unterdrückung, Armut und Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1238&lt;br /&gt;
{{page|1239|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=21}}(1) an denen sich ein Mitglied typischerweise beteiligt und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) bei denen es zwischen seinen Mitgläubigen auf die größten Meinungs-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Verhaltensunterschiede trifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Unterschiede sind wichtig für das Verständnis der psychosozialen&lt;br /&gt;
Wirkungen der Religion, weil die besondere Entscheidung eines Menschen&lt;br /&gt;
in den religiösen Hauptfragen, denen er seinen Willen unterordnet, ver-&lt;br /&gt;
schiedenartige Folgen für seine Persönlichkeit und seine gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Beziehungen, je nach seiner religiösen Gruppenzugehörigkeit, hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen einen typischen Angehörigen der jüdischen Gruppe betrach-&lt;br /&gt;
ten. Wenn er Lehre, Glaubensbekenntnis und Ritual seiner Religion be-&lt;br /&gt;
sonders hoch wertet und an das Leben nach dem Tod, an die Seele und&lt;br /&gt;
an Gott glaubt, ist er in der Mehrzahl der Fälle gruppenbezogen, volks-&lt;br /&gt;
tümlerisch und gehemmt. Wenn er sich jedoch entschließt, seine orthodoxe&lt;br /&gt;
Auffassung von Religion, seinen Glauben an das Leben nach dem Tod,&lt;br /&gt;
an die Seele und an Gott sowie seine Beteiligung am religiösen Leben&lt;br /&gt;
aufzugeben, dann neigt er dazu, selbstbezogener, weltoffener und unge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zweiflung auch heute Millionen, ja Hunderte von Millionen&lt;br /&gt;
in ihrem Griff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und neue Drohungen, neue Herausforderungen bestürmen&lt;br /&gt;
uns: das unkontrollierte Bevölkerungswachstum, die Gefah-&lt;br /&gt;
ren einer ziellos gewordenen Technik, die Verschmutzung un-&lt;br /&gt;
serer Umwelt, der Gifthauch der Drogen, die sich öffnenden&lt;br /&gt;
Reiche der Meerestiefen und des Weltraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen noch stärkere Vereinte Nationen, um diesen&lt;br /&gt;
großen Problemen, den alten wie den neuen, zu begegnen,&lt;br /&gt;
und vor allem, um den Frieden zu sichern. Die Nationalstaa-&lt;br /&gt;
ten müssen Schritt für Schritt ihre Ansprüche auf absolute&lt;br /&gt;
Souveränität aufgeben und ihren Blick auf die Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aller Menschen richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kein Mensch ist eine Insel, die nur sich selber lebt; jeder&lt;br /&gt;
Mensch ist Stück des Kontinents, Teil des Ganzen;... des&lt;br /&gt;
ärmsten Mannes Tod schmälert mich, denn ich bin in die&lt;br /&gt;
Menschheit verwoben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Worte wurden Jahrhunderte vor der UN-Charta nie-&lt;br /&gt;
dergeschrieben, aber sie können uns wohl in die Jahre vor&lt;br /&gt;
uns leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen uns alle „geschmälert“ fühlen von dem Hunger,&lt;br /&gt;
der Krankheit, der Unterdrückung, dem gewaltsamen Tode&lt;br /&gt;
anderer Menschen, was immer sie sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen alle „verwoben“ sein in die Menschheit und&lt;br /&gt;
in die Vereinten Nationen. Dann wird die Welt in den näch-&lt;br /&gt;
sten fünfundzwanzig Jahren nichts zu befürchten haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1239&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1240|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=22}}zwungener zu sein. Somit fällt die Wahl zwischen uneingeschränkter Be-&lt;br /&gt;
teiligung am religiösen Leben und weltoffener Haltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Situation eines typischen Katholiken ist ein wenig anders und&lt;br /&gt;
vielleicht überraschend. Seine Beteiligung an religiöser Aktivität be-&lt;br /&gt;
günstigt in ihm selbst ein anpassungsfähiges Verhalten, seine orthodoxe&lt;br /&gt;
Bewertung von Lehre, Glaubensbekenntnis und Ritual jedoch begünstigt&lt;br /&gt;
eine neurotische Haltung und ein provinzielles Weltbild. Somit ist sein&lt;br /&gt;
Persönlichkeitswachstum zwischen den entgegengesetzten Einflüssen sei-&lt;br /&gt;
nes orthodoxen Weltbilds und seiner religiösen Beteiligung eingeklemmt.&lt;br /&gt;
Ein großer Teil der Motivation, die hinter den gegenwärtigen ökumeni-&lt;br /&gt;
schen Strömungen steht, läßt sich vermutlich als ein Bemühen um die&lt;br /&gt;
Verminderung dieser wesenhaften Spannung im zeitgenössischen Katholi-&lt;br /&gt;
zismus verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich scheint es in meinen Datenreihen keinen Anhaltspunkt da-&lt;br /&gt;
für zu geben, daß der Durchschnittskatholik diesen Konflikt innerhalb&lt;br /&gt;
seiner Religion besonders gut meistert. Charakteristisch ist es für die&lt;br /&gt;
Katholiken, daß sie mit diesem Konflikt leben, indem sie ihre religiöse&lt;br /&gt;
Beteiligung aufrechterhalten und dabei Lehre und Ritual sowie den&lt;br /&gt;
Glauben an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott voll akzeptie-&lt;br /&gt;
ren. Dieses Grundschema religiöser Aktivität ist gewöhnlich von einer&lt;br /&gt;
Kombination aus volkstümlerischen, gruppenbezogenen, neurotischen und&lt;br /&gt;
ungezwungenen Verhaltensweisen begleitet. Unbefriedigend erscheint eine&lt;br /&gt;
derartige Anpassung deswegen, weil ihre neurotischen und volkstümle-&lt;br /&gt;
rischen Komponenten darauf hindeuten, daß der negative Einfluß der&lt;br /&gt;
orthodoxen Auffassung von Religion vorherrschend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Zugang zu diesem Konflikt, den sehr viele Katholiken&lt;br /&gt;
einschlagen, ist die Beibehaltung der Ansicht, daß Lehre und Ritual der&lt;br /&gt;
wichtigste Teil ihrer Religion seien; gleichzeitig schränken sie jedoch ihre&lt;br /&gt;
religiöse Beteiligung ein und verlieren den Glauben an das Leben nach&lt;br /&gt;
dem Tode, an die Seele und an Gott. Diese Katholiken neigen zu einem&lt;br /&gt;
Charaktermodell, das neurotisch, selbstbezogen, volkstümlerisch und ge-&lt;br /&gt;
hemmt ist. In dieser offensichtlich nicht wünschenswerten Anpassungs-&lt;br /&gt;
weise sind wiederum die negativen Auswirkungen des orthodoxen Welt-&lt;br /&gt;
bildes vorherrschend. Alle diese Daten lassen sich dahingehend zusam-&lt;br /&gt;
menfassen, daß das persönliche Wohlergehen von Katholiken davon ab-&lt;br /&gt;
hängt, daß sie Lehre und Ritual weniger betonen. Es läßt sich daraus fol-&lt;br /&gt;
gern, daß die ökumenische Bewegung das Leben des Durchschnittskatho-&lt;br /&gt;
liken verbessern kann, nicht durch den bloßen Wechsel von einer Lehre&lt;br /&gt;
oder einem Ritual zu einem anderen, sondern dadurch, daß die Bedeu-&lt;br /&gt;
tung von Lehre und Ritual allgemein in den Augen der Katholiken ge-&lt;br /&gt;
mindert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Protestanten liegt die wichtigste Folge religiöser Aktivität in&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Beziehungen, wie sie durch die Grundfrage der Selbst-&lt;br /&gt;
oder Gruppenbezogenheit beschreibbar sind. Wenn ein Protestant an reli-&lt;br /&gt;
giösen Aktivitäten teilnimmt, an das Leben nach dem Tod, die Seele und&lt;br /&gt;
Gott glaubt, die Religion als solche anerkennt und einen persönlichen&lt;br /&gt;
Zugang zu ihr findet, dann wird er wahrscheinlich eine gruppenbezogene&lt;br /&gt;
Persönlichkeit sein. Ist hingegen Selbstbezogenheit seine vorherrschende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1240&lt;br /&gt;
{{page|1241|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=23}}Form geselischaftlicher Anpassung, dann wird er wahrscheinlich sowohl&lt;br /&gt;
seinen Glauben an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott als auch&lt;br /&gt;
seine religiöse Beteiligung in Frage stellen, weil beides für seine Art von&lt;br /&gt;
Persönlichkeit unwichtig ist und als Lehre, Glaube und Ritual empfunden&lt;br /&gt;
wird. Das wichtigste, worüber ein Protestant nachzudenken pflegt, ist&lt;br /&gt;
vielleicht die Frage, warum seine religiöse Aktivität nicht in direkter&lt;br /&gt;
Beziehung zu den anderen drei Hauptzielen steht: geistige Gesundheit,&lt;br /&gt;
Ungezwungenheit und Weltoffenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt neigen die meisten Juden, Katholiken und Protestanten trotz&lt;br /&gt;
aller veröffentlichten idealistischen Theorien dazu, die Religion in erster&lt;br /&gt;
Linie als Lehre und Ritual zu sehen und die Welt mit volkstümlerischen&lt;br /&gt;
Augen zu betrachten, unabhängig von dem Ausmaß ihrer Beteiligung an&lt;br /&gt;
ihren jeweiligen Religionen. Zwei Spielarten kommen in diesem Sinn-&lt;br /&gt;
zusammenhang vor: Erstens neigen diejenigen, für welche Religion un-&lt;br /&gt;
wichtig und fragwürdig ist, auch dazu, neurotisch und selbstbezogen zu&lt;br /&gt;
sein. Zweitens sind diejenigen, die sich religiös beteiligen und ihre Reli-&lt;br /&gt;
gion hoch schätzen, die an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott&lt;br /&gt;
glauben, zugleich gruppenbezogen. Das ist die genaueste Beschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf der Grundlage meiner Daten geben läßt. Im Zusammenhang&lt;br /&gt;
mit der Lehre, dem Ritual und der volkstümlerischen Haltung einer über-&lt;br /&gt;
kommenen Religion führt das individuelle Streben nach persönlichem&lt;br /&gt;
Wohlbefinden entweder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. zu einer selbstbezogenen, neurotischen Haltung, wenn der Betreffende&lt;br /&gt;
in einen skeptischen Mangel an religiöser Beteiligung versinkt, oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. zu einer Gruppenbezogenheit, die aufgrund der mit ihr verbundenen&lt;br /&gt;
volkstümlerischen Haltung zur Abgrenzung gegen andere Gruppen&lt;br /&gt;
neigt, soweit der Betreffende seine religiöse Beteiligung fortführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion im Fegfeuer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die zentrale Dynamik der überkommenen Religionen im Bereich&lt;br /&gt;
von Lehre, Ritual und Volkstum wirkt, suchen Menschen, die sich nicht&lt;br /&gt;
länger mit diesen Religionen verbunden fühlen, wahrscheinlich nach einer&lt;br /&gt;
persönlicheren Hinwendung zur Religion oder nach einer weltoffeneren&lt;br /&gt;
Gesamthaltung. Es ist nicht verwunderlich, daß jemand den Bruch der for-&lt;br /&gt;
malen Zugehörigkeit zu einer Religion vorzieht, wenn ihm sein skepti-&lt;br /&gt;
scher Mangel an Beteiligung eine selbstbezogene, neurotische Haltung ein-&lt;br /&gt;
trüge, oder wenn er sich mit einer ausschließlich gesellschaftlichen Akti-&lt;br /&gt;
vität im Rahmen seiner Beteiligung wegen der vorherrschend volkstüm-&lt;br /&gt;
lerischen Züge nicht abfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion als aktive Kraft im Leben des Menschen scheint zeitweise&lt;br /&gt;
verbannt und zu einem Zustand des Fegfeuers verurteilt zu sein — ein&lt;br /&gt;
Zwischenstadium, in dem nicht nur die individuelle Seele, sondern heut-&lt;br /&gt;
zutage die Religion als solche durch sühnendes Leid auf ihr künftiges&lt;br /&gt;
Leben vorbereitet wird. Die Reise durch das Fegfeuer beginnt, wenn die&lt;br /&gt;
Seele sich von diesem Leben trennt, wie sich die Religion tatsächlich&lt;br /&gt;
vom Leben der aus den Kirchen Ausgetretenen getrennt hat. Dann, so&lt;br /&gt;
lautet die Überlieferung, kann die Seele — ebenso wie die Religion der&lt;br /&gt;
Liebe, Einheit und Gerechtigkeit — erst wiedergeboren werden, wenn sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1241&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1242|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von dem, was nach dem „Gericht“ der ausgetretenenen Ehemaligen die&lt;br /&gt;
„Sünden“ der übertriebenen Doktrin, des übersteigerten Rituals und einer&lt;br /&gt;
volkstümlerischen Haltung sind, geläutert und gereinigt worden ist. In&lt;br /&gt;
diesem Sinn sind die überkommenen Religionen in das Fegfeuer einge-&lt;br /&gt;
treten, wo sie Leid tragen, um ihre Lehre und ihr Ritual so zu verändern,&lt;br /&gt;
daß sie bereitet sind für das „Paradies“, die entscheidende Rolle im Le-&lt;br /&gt;
ben der Menschen zu spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lichte meiner Daten erscheint es weder zufällig noch unpassend,&lt;br /&gt;
daß das Konzept des Fegfeuers innerhalb derjenigen Religionsgemein-&lt;br /&gt;
schaft entwickelt worden ist, die heute die am stärksten in die Öffentlich-&lt;br /&gt;
keit dringenden Anstrengungen unternimmt, ihre Lehre zu verändern,&lt;br /&gt;
und in welcher wir die widersprüchlichsten Auswirkungen der Religion&lt;br /&gt;
auf das persönliche Leben ihrer Glieder feststellen mußten. Ein ortho-&lt;br /&gt;
doxes Weltbild widerspricht, wie unsere Untersuchung zeigte, der reli-&lt;br /&gt;
giösen Beteiligung, weil beides entgegengesetzte Wirkungen auf die An-&lt;br /&gt;
passungsfähigkeit von Katholiken hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So lautet die erste Grundfrage zwischen den untersuchten religiösen&lt;br /&gt;
Gruppen, ob es überhaupt Religion geben sollte. Die überkommenen Re-&lt;br /&gt;
ligionen sagen ja, die ernüchterten Ehemaligen sagen nein. Während sich&lt;br /&gt;
die verbannten Religionen mühen, aus dem Fegfeuer zu kommen, in das&lt;br /&gt;
sie die Mächte der modernen Gesellschaft gestoßen haben, kann der Ehe-&lt;br /&gt;
malige weltoffen sein und sich einer gewissen Anpassungsfähigkeit er-&lt;br /&gt;
freuen, auch wenn er dazu neigt, die Vorstellungen vom Leben nach dem&lt;br /&gt;
Tod, der Seele und Gott zu verwerfen, weil sie so eng mit der orthodoxen,&lt;br /&gt;
von ihm abgelehnten Religion verknüpft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Überlegung weist jedoch darauf hin, daß diese unter den&lt;br /&gt;
Ehemaligen gebräuchliche Einstellung keineswegs die empfehlenswerte&lt;br /&gt;
Lösung des Problems ist. Nach der Erfahrung des Ehemaligen ist der&lt;br /&gt;
Glaube an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott unlöslich mit&lt;br /&gt;
einer unannehmbaren volkstümlerischen, orthodoxen Haltung in den&lt;br /&gt;
überkommenen Religionen verbunden. Derselbe Glaube ist jedoch zugleich&lt;br /&gt;
verknüpft mit seinem eigenen ungezwungenen Gefühlsausdruck. Wenn&lt;br /&gt;
folglich die für Ehemalige typische selbstbezogene Einstellung mit der&lt;br /&gt;
aus seinem Unglauben an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott&lt;br /&gt;
herrührenden Gefühlsgehemmtheit verbunden ist, kann dies dazu füh-&lt;br /&gt;
ren, daß seine Beziehungen zu anderen Menschen abgewürgt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erneuerung des Menschen durch Erneuerung der Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den untersuchten Religionsgrup-&lt;br /&gt;
pen kehrt bei jeder Datenanalyse wieder und trennt die Mitglieder der&lt;br /&gt;
überkommenen Religionen insgesamt von denjenigen des Bahä’i-Glaubens.&lt;br /&gt;
Übereinstimmend unterschieden sich die Bahä’i von Juden, Katholiken&lt;br /&gt;
und Protestanten in folgenden Punkten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Obwohl die untersuchten Bahä’i der Rasse, der Nationalität und&lt;br /&gt;
dem religiösen Hintergrund nach verschiedenartiger waren als die an-&lt;br /&gt;
deren religiösen Gruppen, gab es wenig Meinungsunterschiede in den&lt;br /&gt;
beiden Hauptfragen, die bei den anderen Gruppen strittig waren: Soll&lt;br /&gt;
man sich an religiösen Aktivitäten beteiligen und soll man an das Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1242&lt;br /&gt;
{{page|1243|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach dem Tod, die Seele und Gott glauben? Somit zeigen die Bahä’i&lt;br /&gt;
größere religiöse Einheit inmitten ihrer größeren demographischen Ver-&lt;br /&gt;
schiedenartigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. In ihrer relativ einheitlichen Position zeigen die Bahä’i größere&lt;br /&gt;
Festigkeit. In der Bahä’i-Gemeinschaft ist die Beteiligung des einzelnen&lt;br /&gt;
viel größer, der Glaube an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott&lt;br /&gt;
ist stärker, die skeptische Einstellung gegenüber der eigenen Religion&lt;br /&gt;
und derjenigen von anderen ist viel geringer und der Zugang zur Religion&lt;br /&gt;
ist persönlicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Mit dem Zugang eines Bahä’i zur Religion ist ein anpassungsfähiges&lt;br /&gt;
Verhalten verknüpft. Der Zugang ist persönlich, weil die Betonung von&lt;br /&gt;
Lehre, Glaubensbekenntnis und Ritual vermindert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Liste muß später, nach eingehender Behandlung einiger Unter-&lt;br /&gt;
suchungsergebnisse, vervollständigt werden. Da jedoch der Bahä’i-Glaube&lt;br /&gt;
historisch eine junge Religion mit einem hohen Anteil an Mitgliedern der&lt;br /&gt;
ersten Generation ist, legen die drei genannten Unterscheidungsmerk-&lt;br /&gt;
male bereits hinreichend deutlich nahe, daß es eine Alternative zur Ab-&lt;br /&gt;
lehnung der Religion in Bausch und Bogen gibt: die Bildung neuen Le-&lt;br /&gt;
bens durch eine neue Weltreligion. Meine wichtigsten Untersuchungs-&lt;br /&gt;
ergebnisse, die die Bahä’i betreffen, lassen sich im Rahmen der neuen&lt;br /&gt;
Form gesellschaftlicher Organisation wie auch unter dem Gesichtspunkt&lt;br /&gt;
der Wandlung des individuellen Lebens durch diese neue Religion recht&lt;br /&gt;
einfach beschreiben. Die Bahä’i-Gemeinschaft, die aus der Synthese die-&lt;br /&gt;
ser Neuerungen auf gesellschaftlicher und individueller Ebene hervorgeht,&lt;br /&gt;
hat die Wesenszüge eines lebendigen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind die Teile dieses neuen Organismus? Wenn man ein star-&lt;br /&gt;
kes Herz, eine große Lunge, ein Paar kräftige Beine usw. braucht, um&lt;br /&gt;
körperlich leistungsfähig zu sein, was benötigt dann eine neue Religion,&lt;br /&gt;
um ihre soziale und geistige Wirksamkeit in einer Gesellschaft zu sichern,&lt;br /&gt;
die die überkommenen Religionen aus dem „Fegfeuer“ in die „ewige&lt;br /&gt;
Hölle“ weiterzuverbannen droht? Ich stellte empirisch fest, daß die Bahä’i&lt;br /&gt;
zwischen mehr Teilbereichen ihrer religiösen Aktivität unterscheiden, als&lt;br /&gt;
es die anderen Religionsgruppen tun. Das ist vorteilhaft, weil die fünf&lt;br /&gt;
Komponenten der Religion, die die Bahä’i nach meiner Analyse auszeich-&lt;br /&gt;
nen, zur Beantwortung der Frage beitragen, welche Arten religiöser Tä-&lt;br /&gt;
tigkeit notwendig sind, um eine neue Religion zu formen, die zugleich&lt;br /&gt;
Gesellschaft und Lebensweg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens fand ich eine erkenntnistheoretische Kompo-&lt;br /&gt;
nente: die Ideen und Leitbilder, welche die Bahä’i gemeinhin verfol-&lt;br /&gt;
gen, insbesondere den Glauben an die Seele und an Gott. Der Glaube an&lt;br /&gt;
die Seele führt den Bahä’i zu der Ansicht, daß der Mensch im Verfolg&lt;br /&gt;
dessen, wozu er bestimmt ist, die Entscheidung treffen kann, hohen&lt;br /&gt;
Zielen und edlen Eigenschaften — wie Liebe, Gerechtigkeit und Barm-&lt;br /&gt;
herzigkeit — den Vorrang vor Motivationen einzuräumen, die sich in rei-&lt;br /&gt;
nen Wirtschafts-, Sexual- oder Machtkampftheorien vom Menschen be-&lt;br /&gt;
schreiben lassen. Die Bahä’i glauben an einen Gott, der nicht anthropo-&lt;br /&gt;
morph, sondern seinem Wesen nach unerkennbar ist. Da jedoch die rein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1243&lt;br /&gt;
{{page|1244|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
empirische Forschung nicht ausreicht, Weltprobleme zu lösen, glauben&lt;br /&gt;
die Bahä’i, daß Gott für die notwendige Erkenntnis und Autorität durch&lt;br /&gt;
große religiöse Lehrer wie den Gründer des Bahä’i-Glaubens sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweiter hervorragender Wesenszug dieser neuen Religion ist der&lt;br /&gt;
meditative Aspekt des religiösen Lebens. Die Bahä’i sind die ein-&lt;br /&gt;
zige untersuchte Religionsgruppe, deren Mitglieder nicht nur an Gott&lt;br /&gt;
glauben, sondern auch häufig beten und meditieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i unterscheiden sich auch nach zwei Gesichtspunkten ihrer&lt;br /&gt;
religiösen Beteiligung. Die administrative Komponente die-&lt;br /&gt;
ser Beteiligung bringt die Teilnahme am Bahä’i-Gemeindeleben mit sich:&lt;br /&gt;
gewisse regelmäßige Versammlungen, Beiträge zum Bahä’i-Fonds, Wahl-&lt;br /&gt;
recht, Dienst in gewählten oder ernannten Verwaltungskörperschaften.&lt;br /&gt;
Andererseits befaßt sich die Religion für den Bahä’i auch mit Problemen&lt;br /&gt;
und Problemlösungen, die in erster Linie alltäglich und persönlich sind.&lt;br /&gt;
Diese experimentelle Form religiöser Beteiligung bringt die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Auffassung zum Ausdruck, daß der Wert der Bahä’i-Lehren Skep-&lt;br /&gt;
tikern gegenüber am besten nachgewiesen werden kann, wenn diese Leh-&lt;br /&gt;
ren dazu führen, das persönliche Leben ihrer Verfechter besser und rei-&lt;br /&gt;
cher zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den fünften bedeutenden Bestandteil dieser neuen Religion bilden ganz&lt;br /&gt;
einfach Menschen, die willens sind, die vier zuvor genannten Komponen-&lt;br /&gt;
ten wirksam einzusetzen. Ich bezeichne dies als die Selbstbestäti-&lt;br /&gt;
sungs-Komponente einer neuen Religion, weil hier ein Prozeß in&lt;br /&gt;
Gang kommt, in dessen Verlauf die Mitglieder ihre Religion in sich auf-&lt;br /&gt;
nehmen, indem sie alte Bindungen und Vorstellungen aufgeben, wo es&lt;br /&gt;
nottut, und neue Bindungen für die Ausbreitung und Entwicklung der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltgemeinde auf weltweiter, nationaler und örtlicher Ebene ein-&lt;br /&gt;
gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem wir somit die Anatomie dieser neuen Religion in ihren we-&lt;br /&gt;
sentlichen Bestandteilen umrissen haben, müssen wir untersuchen, was&lt;br /&gt;
jeder Bestandteil tut und warum er nötig ist. Der Blutkreislauf, die At-&lt;br /&gt;
mung und alle anderen Systeme in einem lebendigen Organismus, wie zum&lt;br /&gt;
Beispiel einern Menschen stehen zueinander in wechselseitiger Beziehung&lt;br /&gt;
und Abhängigkeit; es war deshalb keine besondere Überraschung festzu-&lt;br /&gt;
stellen, daß die vorgenannten fünf Komponenten des Bahä’i-Lebens in&lt;br /&gt;
einer funktionalen Wechselbeziehung zueinander innerhalb eines leben-&lt;br /&gt;
digen Organismus, nämlich einer neuen Religion, stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Selbstbestätigungs-Komponente führt zu einer wachsenden Mit-&lt;br /&gt;
gliedschaft im Bahä’i-Glauben und bringt den neuen Anhängern die&lt;br /&gt;
Funktion der anderen vier Komponenten nahe. Dies setzt die aktive Ent-&lt;br /&gt;
scheidung jedes einzelnen voraus, über alle Begrenzungen des Selbstver-&lt;br /&gt;
ständnisses, etwa im Sinne der Zugehörigkeit zu einer Rasse, einer Klasse&lt;br /&gt;
oder Nation, hinauszuwachsen und die eigenen Fähigkeiten, die eigene&lt;br /&gt;
Identität dadurch zu entdecken, daß man sich die Freude, Bahä’i-Ziel-&lt;br /&gt;
setzungen zu erreichen, wie auch die Schwierigkeiten, für diese Ziele zu&lt;br /&gt;
arbeiten, zur persönlichen Erfahrung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1244&lt;br /&gt;
{{page|1245|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organisatorisch Emotional&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Persönlich Erkenntnisbezogen Experimentell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesellschaftlich Administrativ Meditativ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Schaubild zeigt die vier Schwerpunkte, die wir bei den psycho-&lt;br /&gt;
sozialen Funktionen der vier Grundkomponenten des Bahä’i-Lebens ge-&lt;br /&gt;
funden haben. Die Hauptfunktion der administrativen Komponente der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Gemeinschaft ist wohl die gesellschaftliche Organisation. Bahä’i,&lt;br /&gt;
die an den administrativen Aspekten des Bahä’i-Lebens teilnehmen, nei-&lt;br /&gt;
gen dazu, ein Selbstverständnis als Weltbürger zu entwickeln, so zu leben,&lt;br /&gt;
wie sie wollen, anstatt so, wie jemand anderes will, den Menschen ge-&lt;br /&gt;
genüber freundschaftliche Gefühle zu hegen, anderen ihre Schüchternheit&lt;br /&gt;
zu nehmen, genügend Anerkennung auf sich zu ziehen. Der Glaube an&lt;br /&gt;
die Seele und an Gott innerhalb der erkenntnistheoretischen Komponente&lt;br /&gt;
organisiert, kontrolliert und diszipliniert nach unseren Feststellungen das&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen, so daß er zum Beispiel nicht nachhaltig Dinge&lt;br /&gt;
tut, die seine Selbstachtung schädigen; er gerät nicht leicht aus der Fas-&lt;br /&gt;
sung, wird nicht schwermütig, vergeudet seine Zeit nicht. Im Rahmen der&lt;br /&gt;
persönlichen Organisation, die von der erkenntnisbezogenen Komponente&lt;br /&gt;
gefördert wird, kann der experimentelle Aspekt religiöser Tätigkeit —&lt;br /&gt;
das ernsthafte Bemühen, die Bahä’i-Lehren zu leben — den Strom emo-&lt;br /&gt;
tionaler Energie und Schöpferkraft in der tagtäglichen Persönlichkeitsent-&lt;br /&gt;
wicklung verstärken. Die meditative Komponente wird in unserer Unter-&lt;br /&gt;
suchung mit einem Gefühl der Stärke, der Unabhängigkeit, der Zuver-&lt;br /&gt;
sicht und der Gemütsruhe bei gesellschaftlichen Beziehungen verbunden.&lt;br /&gt;
Es hat mich selbst ein wenig überrascht festzustellen, daß der meditative&lt;br /&gt;
Aspekt des religiösen Lebens in erster Linie dazu führt, die Wirksamkeit&lt;br /&gt;
des einzelnen Menschen in gesellschaftlichen Situationen zu steigern, in-&lt;br /&gt;
dem seine Gefühlskräfte gefestigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kurze Zusammenfassung gibt einen Eindruck davon, was jede&lt;br /&gt;
Grundkomponente der Bahä’i-Religion im Leben der Bahä’i bewirkt. Die&lt;br /&gt;
Funktionen religiöser Komponenten können so zusammenwirken, daß&lt;br /&gt;
sich Ansammlungen von Individuen zu kreativen Gemeinden entwickeln,&lt;br /&gt;
in denen die Mitglieder in allen fünf Komponenten der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
aktiv sind. Jede Komponente ist notwendig; wenn eine davon zu schwach&lt;br /&gt;
ist, zerbricht die organische Integrität der Gemeinde. Soziale Umwälzungen&lt;br /&gt;
und das Anwachsen geistiger Erkrankungen sind nur zwei Anzeichen sol-&lt;br /&gt;
cher Schwächen und ihrer pathologischen Wirkungen auf die Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein volles Gemeinschaftsleben setzt demnach voraus, daß die organi-&lt;br /&gt;
satorischen und emotionalen Komponenten auf persönlicher wie auf ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlicher Ebene (siehe Schaubild) so integriert werden, daß Indi-&lt;br /&gt;
viduum und Gruppe harmonisch zusammenwirken. Solch ein ausgegliche-&lt;br /&gt;
nes Gemeinschaftsleben, das durch Aktivität innerhalb aller fünf Kom-&lt;br /&gt;
ponenten der Religion gekennzeichnet ist, ist eine neue religiöse Erschei-&lt;br /&gt;
nung, weil es nur unter den Bahä’i festzustellen war. Diese totale religiöse&lt;br /&gt;
Beteiligung ist überdies von einzigartiger Konsequenz für die Art und&lt;br /&gt;
Weise, in der die Bahä’i die vier psychosozialen Grundhaltungen, die wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1245&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1246|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingangs besprachen, ins Gleichgewicht bringen können: indem sie näm-&lt;br /&gt;
lich gleichzeitig weltoffen, ungezwungen und anpassungsfähig sind. Eine&lt;br /&gt;
derartige persönliche Orientierung — sie tritt in dem Maße hervor, wie&lt;br /&gt;
ein Bahä’i totale religiöse Beteiligung entwickelt — ist in den anderen&lt;br /&gt;
religiösen Gruppen nicht typisch feststellbar und deshalb ein ausschließ-&lt;br /&gt;
licher Wesenszug der Bahä’i. Im ganzen ist es so, daß die Bahä’i sich&lt;br /&gt;
selbst erneuern, indem sie die Religion erneuern. Wenn die Bahä’i Züge&lt;br /&gt;
ihres Charakters entwickeln, die noch nicht allgemein so offenkundig&lt;br /&gt;
waren, bevor sie mit der Zusammenarbeit begannen, dann setzen sie so&lt;br /&gt;
in ihrem Leben die Teile einer neuen Religion zusammen, die vor mehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als einem Jahrhundert Bahä’u’lläh, der Begründer des Bahä’i-Glaubens,&lt;br /&gt;
entworfen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiöse und gesellschaftliche Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Religion wird in dem Maße heranreifen, wie immer mehr&lt;br /&gt;
Menschen zu ihrem Aufbau zusammenarbeiten und dabei selbst verwan-&lt;br /&gt;
delt werden. Wer im Sinn hat, sich selbst zu erneuern, indem er die Re-&lt;br /&gt;
ligion erneuert, wird ein letztes Untersuchungsergebnis wichtig finden:&lt;br /&gt;
Wenn man den Einsatz einer der geschilderten Komponenten der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion im eigenen Leben vernachlässigt, kann das einzigartige Verhal-&lt;br /&gt;
tensmuster kombinierter Weltoffenheit, Ungezwungenheit und Anpas-&lt;br /&gt;
sungsfähigkeit schwerlich in der eigenen Persönlichkeit aufkommen. Es&lt;br /&gt;
leuchtet ein, daß die von den emotionalen Komponenten erzeugte Energie&lt;br /&gt;
weder einen Sinnzusammenhang noch die nötige Zielorientierung findet,&lt;br /&gt;
wenn sie nicht von den organisatorischen Komponenten her gesteuert&lt;br /&gt;
wird. Andererseits könnte man ohne die emotionalen Komponenten der&lt;br /&gt;
Organisation keine Bedeutung abgewinnen und nicht stark genug dazu&lt;br /&gt;
motiviert werden, die Ziele zu erreichen. Wenn die persönlichen Kom-&lt;br /&gt;
ponenten dazu führen, die persönliche Organisation und Funktionsweise&lt;br /&gt;
zu verbessern, dann würde das Fehlen dieser Komponenten vermutlich&lt;br /&gt;
die eigene Wirksamkeit innerhalb des Lebens der Bahä’i-Gemeinde herab-&lt;br /&gt;
mindern. Ohne die gesellschaftlichen Komponenten hätte der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaube wahrscheinlich nur geringen Einfluß auf die Gesellschaft. Somit&lt;br /&gt;
geht die gesamte Wirkung verloren, wenn eine der religiösen Kompo-&lt;br /&gt;
nenten fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach all diesen Erklärungen können wir die Zusammenfassung der Un-&lt;br /&gt;
terschiede fortsetzen, die wir zwischen den Mitgliedern der Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft und den Mitgliedern der überkommenen Religionsgemein-&lt;br /&gt;
schaften festgestellt haben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Die Bahä’i schenken den verschiedenen Gesichtspunkten ihres reli-&lt;br /&gt;
giösen Verhaltens, wie sie durch die erkenntnistheoretische, die experi-&lt;br /&gt;
mentelle, die selbstbestätigende, die administrative und die meditative&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Komponente umrissen werden, eine stärker differenzierte Aufmerksam-&lt;br /&gt;
keit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;5. Diese Gesichtspunkte des religiösen Verhaltens spielen im Leben der&lt;br /&gt;
Bahä’i eine einzigartige Rolle. So wird zum Beispiel nur in der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinschaft der Glaube an das Leben nach dem Tod, die Seele und Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1246&lt;br /&gt;
{{page|1247|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit einem angepaßten Verhalten verknüpft. Da diese positive Beziehung&lt;br /&gt;
in den überkommenen Religionen fehlt, ist es kein Wunder, daß der&lt;br /&gt;
Glaube an die geistige Natur des Menschen und an Gott in diesen Reli-&lt;br /&gt;
gionen wie auch unter ihren ehemaligen Anhängern ausstirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überdies sind nur im Bahä’i-Glauben meditative und administrative&lt;br /&gt;
religiöse Tätigkeiten mit einer weltoffenen Haltung verbunden. Weit ent-&lt;br /&gt;
fernt von irgendwelchen Strömungen, die dem Gedanken der Welteinheit&lt;br /&gt;
Widerstand leisten könnten, sind die Bahä’i die einzige untersuchte Reli-&lt;br /&gt;
gionsgruppe, die sowohl in ihrer gesellschaftlichen Struktur (administra-&lt;br /&gt;
tiv) als auch in den tiefsten Hoffnungen ihrer Mitglieder (meditativ) ein&lt;br /&gt;
Bewußtsein der völligen Einheit der Menschheit entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Eine Beteiligung an allen fünf religiösen Komponenten gleichzeitig&lt;br /&gt;
— totale, ausgeglichene religiöse Aktivität — war nur im Bahä’i-Glauben&lt;br /&gt;
festzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Die Bahä’i stehen unter einer einzigartigen Wechselwirkung zwischen&lt;br /&gt;
Persönlichkeit und Religion; ihre totale religiöse Beteiligung begünstigt&lt;br /&gt;
ein Verhaltensmuster der Weltoffenheit, Ungezwungenheit und Anpas-&lt;br /&gt;
sungsfähigkeit. Eine Abweichung von dieser totalen religiösen Beteiligung&lt;br /&gt;
führt zum Bruch jenes einzigartigen Persönlichkeitsmusters, und umge-&lt;br /&gt;
kehrt gilt das gleiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. Totale, ausgeglichene religiöse Beteiligung ist die Grundlage krea-&lt;br /&gt;
tiver Gemeinden im Bahä’i-Glauben. Ausfälle oder pathologische Er-&lt;br /&gt;
scheinungen im Gemeindeleben können auf die unzureichende Verwirk-&lt;br /&gt;
lichung von einer oder mehreren Komponenten der Bahä’i-Religion zu-&lt;br /&gt;
rückgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist ein Konzentrat der Schwerpunkte, in denen sich die Bahä’i von&lt;br /&gt;
den Anhängern der überkommenen Religionen unterscheiden. „Ich kann&lt;br /&gt;
das nicht glauben! Man kann nicht an Unmögliches glauben“, mögen Sie&lt;br /&gt;
sagen, wie Alice im Wunderland zu der Königin sagte. Unsere Antwort&lt;br /&gt;
würde etwa ebenso lauten wie die der Königin: „Ich muß sagen, du hast&lt;br /&gt;
noch nicht viel Übung. Weiß Gott, manchmal habe ich schon vor dem&lt;br /&gt;
Frühstück sechs unmögliche Sachen geglaubt!“ Durch ihre einzigartigen&lt;br /&gt;
Wesenszüge geben die Bahä’i der Religion einen neuen Sinn. Ich habe le-&lt;br /&gt;
diglich berichtet, was ich empirisch festgestellt habe; wenn etwas un-&lt;br /&gt;
möglich klingt, sind Sie in der gleichen Weise wie ich selbst über die Er-&lt;br /&gt;
scheinungen einer Religion gestolpert, die das Unmögliche vollbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion vollbringt Unmögliches nicht in Alices Wunderland,&lt;br /&gt;
sondern in der wirklichen Welt. Das Unmögliche besteht aus Dingen, die&lt;br /&gt;
unmöglich scheinen, bis sie von Leuten verwirklicht werden, die an vor-&lt;br /&gt;
übergehend „unmögliche“ Dinge glauben. Wenn Sie einmal zufällig in&lt;br /&gt;
eine Gruppentherapie-Sitzung kommen, werden Sie viele Alicen hören,&lt;br /&gt;
die traurig sind, weil sie ihre eigene Persönlichkeitsentfaltung für un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „World Order, a Bahä’i Magazine“, Wilmette/Iil., USA, Winter 1967/68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Die Ergebnisse der hier umrissenen Studie sind in den Aufsätzen des Verfassers&lt;br /&gt;
„Religious Behaviour and Neurotism, Spontaneity, and Worldmindedness“, Socio-&lt;br /&gt;
metry, Vol. 30, No. 2, Juni 1967, und „Bahä’i World Faith: Redefinition of Reli-&lt;br /&gt;
gion“, Journal for the Scientific Study of Religion, Oktober 1967, dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1247&lt;br /&gt;
{{page|1248|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich halten, mindestens so lange sie diese Entfaltung nicht spüren. Sie&lt;br /&gt;
können kiloweise die populäre Auffassung nachlesen, daß der Weltfriede&lt;br /&gt;
eines jener unmöglichen Dinge sei. Die Bahä’i sind Menschen mit der&lt;br /&gt;
durchdachten Überzeugung, daß es die Mühe lohnt, das Unmögliche zu&lt;br /&gt;
versuchen — für die Welt und für jeden von uns selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kongreß im Engadin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war in den ersten schönen Septembertagen, als in einem großen&lt;br /&gt;
Hotel in Vulpera im Unterengadin sich eine Elite von etwa 150 Psycho-&lt;br /&gt;
therapeuten, Medizinern, Soziologen, Philosophen und Theologen zusam-&lt;br /&gt;
menfand, um eine Woche lang sich über „das Bild vom Menschen“, wie&lt;br /&gt;
es heute ist und wie es werden soll, auszusprechen. Diese Absicht, sich —&lt;br /&gt;
mit oder ohne Gott — Rechenschaft zu geben über ein adäquates, ver-&lt;br /&gt;
pflichtendes Menschenbild, trug viel Erfreuliches, aber auch Tragisches in&lt;br /&gt;
sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wohl ganz richtig, daß das Suchen nach einer neuen, besseren&lt;br /&gt;
Zeit mit dem Suchen nach einem neuen, besseren Menschentum begon-&lt;br /&gt;
nen wird, in einer Zeit, wo das materialistische Menschenverständnis fast&lt;br /&gt;
verbindlich geworden ist, das sein Heil nur vom Bedingten erwartet.&lt;br /&gt;
Aber Nietzsches „Gott ist tot“ traf ja nicht zu. Der Natur des Menschen&lt;br /&gt;
ist das Gottsuchen wesenseigen. Dies zu beweisen, es als einzigen Aus-&lt;br /&gt;
weg aus den vielen Sackgassen von heute klarzustellen, Rechenschafts-&lt;br /&gt;
berichte aus der persönlichen Erfahrung und Forschung zu geben, das&lt;br /&gt;
waren die tragenden Gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch erfreulich war es darum, daß es dem Züricher Psychotherapeuten&lt;br /&gt;
Balthasar Staehelin gelungen war, ein Team verschiedenster Fachgelehr-&lt;br /&gt;
ter im „Engadiner Kollegium“ um das Leitthema „Mensch“ zu vereinen&lt;br /&gt;
und dieses Kollegium zusammen mit prominenten Gästen von weither&lt;br /&gt;
als Referenten in dieser Woche zum Wort kommen zu lassen. Ihnen scholl&lt;br /&gt;
ein starkes Echo einer lebhaften Aussprache entgegen, bis tief in die&lt;br /&gt;
Abende hinein. Die Vormittage waren programmfrei. Sie dienten der Er-&lt;br /&gt;
holung, der Besinnung und der Aussprache im kleinsten Kreise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tragisch freilich mutete die „babylonische Sprachverwirrung“ an, die&lt;br /&gt;
nicht zu einer Synthese hin überwunden werden konnte. So viel Schönes&lt;br /&gt;
und Wahres ist gesagt worden. Aber die von allen Teilen der Peripherie&lt;br /&gt;
nach dem Kern vorstoßenden Denker und Forscher waren doch noch&lt;br /&gt;
ziemlich weit von einer einheitlichen Aussage dessen geblieben, was das&lt;br /&gt;
Bild des Menschen von morgen in seinem gesunden, wahren Wesen sein&lt;br /&gt;
solle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dankbar dürfen wir Bahä’i doch Bahä’u’lläh sein, dessen göttliche&lt;br /&gt;
Lehren uns nicht nur ein klares Bild des Bahä’i, des Menschen von mor-&lt;br /&gt;
gen als Ziel gegeben, sondern auch eine Ordnung aufgerichtet haben, in&lt;br /&gt;
der die Menschen von morgen in vollkommener Einheit leben und zu-&lt;br /&gt;
gleich ihre besten Eigenschaften in Harmonie mit den Mitmenschen opti-&lt;br /&gt;
mal entfalten können! A.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1248&lt;br /&gt;
{{page|1249|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=31}}Als Vertreter des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Weltzentrums in Haifa hat&lt;br /&gt;
John A. Robarts in den ver-&lt;br /&gt;
gangenen Wochen die deut-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i-Gemeinden be-&lt;br /&gt;
sucht. Seine auf ungezähl-&lt;br /&gt;
ten Weltreisen gemachten&lt;br /&gt;
Erfahrungen gaben seinen&lt;br /&gt;
Zuhörern wertvolle Hin-&lt;br /&gt;
weise auf eine wirksame&lt;br /&gt;
Lehrtätigkeit. (Bild links:&lt;br /&gt;
John A. Robarts).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeitskreis für Reli-&lt;br /&gt;
gion und Weltanschauung&lt;br /&gt;
der Rheinisch-Westfälischen&lt;br /&gt;
Auslandsgesellschaft e. V.&lt;br /&gt;
veranstaltete 1970 zusam-&lt;br /&gt;
men mit der Gesellschaft&lt;br /&gt;
für Christlich-Jüdische Zu-&lt;br /&gt;
sammenarbeit vier Semi-&lt;br /&gt;
nare, die sich alle mit dem&lt;br /&gt;
Wesen der im Heiligen Land&lt;br /&gt;
vertretenen Religionen be-&lt;br /&gt;
schäftigten. Dabei hatten&lt;br /&gt;
auch die deutschen Bahä’i&lt;br /&gt;
eine ausgezeichnete Gele-&lt;br /&gt;
genheit, einen Tag lang den Glauben und die Lehren Baha’u’llähs zu&lt;br /&gt;
erläutern. Unser Foto unten zeigt die Besucher an diesem Seminar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1249&lt;br /&gt;
{{page|1250|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=32}}Materielle und göttliche Zivilisation&lt;br /&gt;
Folgen radikaler Einstellung / von Aminullah Ahmedzadeh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war ‘Abdu’l-Bahá, der vor etwa sechzig Jahren während Seiner Rei-&lt;br /&gt;
sen in Europa und Amerika eindringlich die Unterscheidung zwischen&lt;br /&gt;
„zweierlei Arten von Zivilisation“ betonte: Beide müssen nebeneinander&lt;br /&gt;
bestehen, wenn die Welt zu Ruhe und wahrer Glückseligkeit kommen&lt;br /&gt;
soll, wenn die Menschheit endlich und endgültig zu wahrem stetigem&lt;br /&gt;
Fortschritt gelangen, wenn der Krieg, das größte Übel der Welt, auf-&lt;br /&gt;
hören und der allumfassende Friede seine wohltuenden Strahlen über die&lt;br /&gt;
ganze Menschheit werfen soll. So sagte Er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Obschon auf dieser Reise offensichtlich klar geworden ist, daß die&lt;br /&gt;
westliche Welt große Fortschritte in der materiellen Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion erworben hat, ist doch die göttliche Zivilisation nahe daran,&lt;br /&gt;
vollkommen vergessen zu werden; denn alle Gedanken sind mit der&lt;br /&gt;
Welt der Natur beschäftigt. Die Welt der Natur ist es, die in allem&lt;br /&gt;
und jedem in Erscheinung tritt. Die göttliche Zivilisation ist ver-&lt;br /&gt;
steckt, während die Natur allenthalben den Vorrang genießt. Und da&lt;br /&gt;
die stärkste Kraft in der Natur die Kraft des Kampfes ums Dasein&lt;br /&gt;
ist, ist sie die Ursache aller Schwierigkeiten in der menschlichen Welt&lt;br /&gt;
geworden: die Ursache des Krieges, des Zankes, der Eigenliebe, der&lt;br /&gt;
Feindschaft und des Hasses unter den Menschen, die Ursache der&lt;br /&gt;
Übergriffe in die Rechte der anderen, was zu den niedrigsten Eigen-&lt;br /&gt;
schaften der Tierwelt gehört...“ (Khitäbät, S. 54/55)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend von diesen Prämissen, warnte ‘Abdu’l-Bahá die Menschen&lt;br /&gt;
vor den schrecklichen und gefährlichen Folgen dieser einseitigen, radika-&lt;br /&gt;
len Einstellung, falls ihr nicht durch die Neubegründung der göttlichen&lt;br /&gt;
Kultur Einhalt geboten würde. In solchen Zeiten der Gleichgültigkeit,&lt;br /&gt;
ja Ablehnung gegen die göttlichen Lehren waren es immer die Gesandten&lt;br /&gt;
und Offenbarer Gottes, die die Menschheit auf den wahren Weg riefen&lt;br /&gt;
und schließlich die Rettung und Erlösung ermöglichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá ging bei diesen Ausführungen, Warnungen und Prophe-&lt;br /&gt;
zeiungen so weit, daß er den Beginn des ersten Weltkrieges für 1914 im&lt;br /&gt;
Jahre 1912 voraussagte als die in der Bibel prophezeite „Schlacht von&lt;br /&gt;
Harmagedon“ (Esslemont, Bahä’u’lläh und das neue Zeitalter, S. 238).&lt;br /&gt;
Zahlreich sind Seine Reden, Briefe und Sendschreiben, die alle warnend&lt;br /&gt;
an die Menschheit und an die Führer der Welt gerichtet waren; aber&lt;br /&gt;
kaum einer hat sich damals darum gekümmert, auch waren nur wenige&lt;br /&gt;
bereit, wenigstens eine kleine Weile über all dies nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt wohl in der Natur des Menschen, Warnungen und Prophe-&lt;br /&gt;
zeiungen gering zu schätzen, bis die Katastrophe ausbricht und der&lt;br /&gt;
Mensch der Gefahr unmittelbar gegenübersteht. Erst dann, wenn jede&lt;br /&gt;
Mühe vergebens und das Unglück nicht mehr zu beheben ist, fängt er&lt;br /&gt;
gewöhnlich an, ernste Schritte dagegen zu unternehmen und Mittel und&lt;br /&gt;
Wege zur Beseitigung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1250&lt;br /&gt;
{{page|1251|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=33}}Heute, mehr als fünfzig Jahre später, nachdem die erste und die&lt;br /&gt;
zweite Etappe dieses Unglücks bereits über die Menschheit hinweggefegt&lt;br /&gt;
sind, werden die Stimmen vieler Denker laut, die dieselben Gedanken und&lt;br /&gt;
Befürchtungen aussprechen, wie sie seinerzeit den Inhalt von ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs Reden und Schriften darstellten. Es sind Philosophen, Soziologen&lt;br /&gt;
und Politiker, die aufmerksam werden, nachdem die krassesten Formen&lt;br /&gt;
der Kriminalität, der Rassendiskriminierung, des Rauschgift- und Alko-&lt;br /&gt;
holmißbrauchs, der Unsicherheit vor dem Ausbruch eines alles vernich-&lt;br /&gt;
tenden Atomkrieges die Welt unmittelbar an den Rand des Chaos ge-&lt;br /&gt;
bracht haben und eine Rettung so gut wie unmöglich erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Wert solcher späten Einsichten äußerte sich Shoghi Effendi,&lt;br /&gt;
der Hüter des Bahä’i-Glaubens, einmal so: „...man kann sich nicht vor-&lt;br /&gt;
stellen, daß nach 80 Jahren der Nachlässigkeit die Menschheit noch&lt;br /&gt;
einen Ausweg aus der plötzlich eintreffenden Katastrophe findet...“&lt;br /&gt;
(Ruhiyyih Khanum, Die einzigartige Perle, S. 297).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst heute, zu so später Stunde, wo die Dinge schon ihren Lauf genom-&lt;br /&gt;
men haben und nicht mehr so einfach rückgängig zu machen sind, beginnt&lt;br /&gt;
man alimählich, ernsthaft von der Notwendigkeit einer humanen Kultur&lt;br /&gt;
und von menschlichkem Ethos zu sprechen; so zum Beispiel Heinrich&lt;br /&gt;
Schirmbeck in dem Buch „Ihr werdet sein wie die Götter“, S. 177 und 192).&lt;br /&gt;
Oder in der Tagespresse: Vor zwei Jahren las man da z.B. im „Schwarz-&lt;br /&gt;
wälder Boten“ vom 28. 8. 1968 diese Notiz: „... Jede 3% Stunde ein Mord.&lt;br /&gt;
In den Vereinigten Staaten wurde im vergangenen Jahr alle 43 Minuten&lt;br /&gt;
ein Mensch ermordet, alle 19 Minuten eine Frau vergewaltigt... Seit 1960&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben die schweren Strafen um 89 % zugenommen, die Gewaltverbrechen&lt;br /&gt;
um 73%“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi über die Lage der Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der Hüter der Sache Gottes, beleuchtete und analysierte&lt;br /&gt;
dieses Übel in seinen Briefen, Reden und Gesprächen. Seine tief gehende&lt;br /&gt;
Betrachtungsweise erhellt uns erst den Grad der Verdorbenheit, des Ver-&lt;br /&gt;
falls und Chaos in der Welt von heute, in der wir leben. In dem soeben&lt;br /&gt;
erschienenen Buch von Ruhiyyih Khänum, „Die einzigartige Perle“ (vor-&lt;br /&gt;
erst in englischer und persischer Sprache veröffentlicht) finden sich ver-&lt;br /&gt;
schiedene Äußerungen hierzu, die ich im folgenden wiedergeben möchte,&lt;br /&gt;
immer aus der persischen Fassung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Im Herzen der menschlichen Gemeinschaft sind die klaren Zeichen&lt;br /&gt;
des unheilvollen Sturzes in die Sünde wahrnehmbar, die Abwesen-&lt;br /&gt;
heit des Schamgefühls in allen Handlungen...“ (S. 298)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der europäische Kontinent ist wohl die Wiege einer Zivilisation,&lt;br /&gt;
aber diese ist bar der Erkenntnis des einzigen Schöpfers, der Verdor-&lt;br /&gt;
benheit verfallen und prahlt leider auch noch damit. Doch die eigent-&lt;br /&gt;
lichen Verbreiter dieser zum Untergang verurteilten Zivilisation sind&lt;br /&gt;
die Bewohner Amerikas. Wenn man die Verhältnisse in jenem Lande&lt;br /&gt;
genauer betrachtet, wird man sehen können, wie die Erscheinungen&lt;br /&gt;
dieser traurigen Zustände in allen Bereichen jenes Landes zu be-&lt;br /&gt;
obachten sind — ein zügelloser Materialismus hat die Menschen dort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1251&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1252|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so umgeben und erfaßt, daß er die ganze Welt beeinflussen konnte...“&lt;br /&gt;
(S. 300/301).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Krise (d. h. die geistige, soziale und politische) wird dort&lt;br /&gt;
äußerst hart sein; so hart, daß man mit einem oberflächlichen Blick&lt;br /&gt;
unmöglich die großen Gefahren genau abzuschätzen vermag, die in&lt;br /&gt;
ihrem Inneren wühlen: das ist ein krebsartiger Materialismus, der&lt;br /&gt;
seine starken Pranken bis zu den Völkern Asiens hin ausgestreckt&lt;br /&gt;
hat... Jetzt hat dieser Krebs begonnen, das eigene Herz zu befallen,&lt;br /&gt;
was Bahä’u’lläh mit äußerster Macht und Klarheit verurteilt und&lt;br /&gt;
einer vernichtenden Flamme gleichgesetzt hat, die als eine Kata-&lt;br /&gt;
strophe hereinbrechen, mit ihren Flammen die Städte vernichten und&lt;br /&gt;
im Herzen der Erdbewohner Angst, Furcht und Unsicherheit hinter-&lt;br /&gt;
lassen wird...“ (S. 302).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Niedergang der Moral und das Sinken der Stufe der Religion&lt;br /&gt;
ist es, was gleich einem Schreckgespenst allmählich mit seinen schar-&lt;br /&gt;
fen Zähnen den Untergrund des Daseins zerstückelt und die Grund-&lt;br /&gt;
säulen des Lebens restlos zu Fall, Niedergang und Nichtsein bringt...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...Im Jahre 1949 hat der Hüter nochmals den Zorn Gottes über&lt;br /&gt;
die Gestalt der menschlichen Gesellschaft beschrieben und gesagt:&lt;br /&gt;
‚Das ist eine Welt, die durch politische Bewegungen erschüttert, deren&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Grundlage zerbrochen und deren soziales Leben auf&lt;br /&gt;
den Kopf gestellt ist; die Welt des Sittlichen hat den dunkelsten&lt;br /&gt;
Punkt erreicht. Eine solche Welt ist von geistigem Tod bedroht...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit solchen Worten und Warnungen, schreibt Ruhiyyih Khänum&lt;br /&gt;
selbst, wollte der Hüter die Freunde Gottes vor großen Gefahren, die&lt;br /&gt;
sie von allen Seiten umgeben, schützen und bewahren, damit die&lt;br /&gt;
Überschwemmungen der Verdorbenheit sie nicht vernichten (S. 300).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Zustände in der Welt mit den göttlichen Maßstäben ver-&lt;br /&gt;
glichen, schreibt sie, und mit einer wunderschönen Sprache die Schwä-&lt;br /&gt;
chen des Menschen festgestellt. Niemals habe er geschmeichelt, und&lt;br /&gt;
er meinte, die Irrtümer seien nicht einfach deshalb anzunehmen, weil&lt;br /&gt;
sie allgemein üblich geworden seien. Kurz gesagt, es geht nicht an zu&lt;br /&gt;
sagen, eine Gewohnheit sei zu akzeptieren, weil sie allgemein üblich&lt;br /&gt;
und gebräuchlich geworden ist, und der Täter wäre dadurch ent-&lt;br /&gt;
schuldigt; wenn die Führer und Leiter des Volkes oder seine Gelehr-&lt;br /&gt;
ten und Fachleute eine Anschauung verbreiten, sei diese nicht schon&lt;br /&gt;
deshalb anzunehmen. Solche Unachtsamkeit sei dem Hüter nicht eigen&lt;br /&gt;
gewesen. „Er hat die Wissenschaften von der Politik, von Kunst, Mu-&lt;br /&gt;
sik, Literatur und Sitte, die Medizin und die Sozialwissenschaft je-&lt;br /&gt;
weils mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt und hat viele ihrer Maß-&lt;br /&gt;
stäbe mit den Prinzipien der göttlichen Lehre verglichen“, schreibt&lt;br /&gt;
sie, „und wie oft hat er sie mit diesen Lehren nicht in Übereinstim-&lt;br /&gt;
mung gefunden, ja ihnen sogar entgegengesetzt...“ (S. 303).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte lehrt durch Beispiele&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekanntlich sind in der Geschichte Perioden der Vorherrschaft des&lt;br /&gt;
Materialismus und der Gottlosigkeit häufig aufgetreten. Jedesmal endeten&lt;br /&gt;
sie mit der Zerstörung der Grundlagen großer Staaten und Imperien, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1252&lt;br /&gt;
{{page|1253|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=35}}immer geschah solches zu einer Zeit, da ein neuer göttlicher Gesandter&lt;br /&gt;
die Menschen davor gewarnt hatte. Daher erinnert auch Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
in seinen Schriften an den Verfall des alten römischen Imperiums zur&lt;br /&gt;
Zeit Christi. Der Historiker Sallust charakterisierte den Materialismus&lt;br /&gt;
jener Zeit mit folgenden Worten: „Am baren Geld, nach dem der Pöbel&lt;br /&gt;
und die reichen Spekulanten gleich gierig waren, sind die Ehre und Größe&lt;br /&gt;
Roms, seine Rasse, seine Idee, zugrundegegangen....“ (Spengler, Jahre der&lt;br /&gt;
Entscheidung, S. 63). Einer der ersten Gelehrten, die die Meinung aus-&lt;br /&gt;
sprachen, daß am Ende jeder Kultur der Materialismus wiederkehrt, war&lt;br /&gt;
der Deutsche Oswald Spengler, der zwischen materialistischer Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion und Kultur unterschied. „Jetzt,“ schrieb er, „wo die Kultur am Ende&lt;br /&gt;
ist, beginnt die Zivilisation, und das uralte Barbarentum, jahrhunderte-&lt;br /&gt;
lang unter der Formenstrenge einer hohen Kultur verborgen und gefes-&lt;br /&gt;
selt, wacht wieder auf...“ (ebda. S. 13).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Bahä’i-Lehren waren es die Gesandten oder Offenbarer Got-&lt;br /&gt;
tes, die auftraten, wenn eine solche Periode der göttlichen Kultur oder&lt;br /&gt;
Zivilisation sich ihrem Ende zuneigte und damit die tierischen Instinkte&lt;br /&gt;
in der menschlichen Welt wieder überhand nahmen. Durch die Macht des&lt;br /&gt;
Heiligen Geistes im Offenbarer war es stets möglich, die materialistischen&lt;br /&gt;
Tendenzen der Zeit zu bannen und den geistigen Strömungen erneut Bahn&lt;br /&gt;
zu schaffen; damit wurde dem weiteren Fortschritt des menschlichen Gei-&lt;br /&gt;
stes der Boden bereitet und seine Entfaltung zu noch größeren Höhen als&lt;br /&gt;
bis dahin ermöglicht, obschon im Auf und Ab der Zeiten die Gottlosig-&lt;br /&gt;
keit und der Materialismus nach Jahrhunderten sich wieder Platz mach-&lt;br /&gt;
ten und für eine kleine Zeit die Oberhand gewannen. Eine solche Zeit&lt;br /&gt;
erlebt die Welt heute, eine Welt, deren Offenbarer Bahä’u’lläh ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erscheinungen dieses Zeitabschnittes sind dank der Forschung und&lt;br /&gt;
den Ergebnissen der Wissenschaften ins Unerhörte verstärkt. Die Zeichen&lt;br /&gt;
des Verfalls treten daher schärfer und klarer denn je zutage. Den Gelehr-&lt;br /&gt;
ten unserer Zeit ist die Bedeutung eines Moses, Christus, Muhammad und&lt;br /&gt;
Buddha verborgen geblieben, denn sie wollen es unternehmen, ungeachtet&lt;br /&gt;
der Offenbarung Bahá’u’lláhs, allein mit Hilfe der Errungenschaften des&lt;br /&gt;
materiellen und intellektuellen Fortschritts und des Studiums der Natur-&lt;br /&gt;
kräfte und -gesetze, des Auflösungsprozesses Herr zu werden. Indessen,&lt;br /&gt;
während die Macht des Menschen über die äußere Natur des Menschen&lt;br /&gt;
unendlich gewachsen ist, üben die Triebe und Kräfte seiner eigenen Na-&lt;br /&gt;
tur in Gestalt von Aggressionen, Machttrieben, Leidenschaften und Be-&lt;br /&gt;
gierden animalischer Herkunft weiterhin ihre Gewalt über ihn aus?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wege tiefer in das Chaos&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die genannten Verfallserscheinungen machen vor keinem Bereich halt,&lt;br /&gt;
sei es Politik, Wirtschaft, Handel und Verkehr, soziales oder sittliches&lt;br /&gt;
Leben. Insbesondere ist bei diesem Vorgang eine hartnäckige Tendenz&lt;br /&gt;
zur Verschlechterung zu beobachten; die Verdorbenheit dringt vor bis in&lt;br /&gt;
das Knochenmark des sozialen Lebens, ungeachtet der Anwendung viel-&lt;br /&gt;
gelobter und anerkannter technischer Mittel und wissenschaftlicher Er-&lt;br /&gt;
kenntnisse. Die wundervollen Erkenntnisse der Biologie, der Psychologie,&lt;br /&gt;
Soziologie und Technik vermögen diesen fortschreitenden Prozeß nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1253&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1254|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzudämmen, geschweige denn rückgängig zu machen. Dennoch hat man&lt;br /&gt;
eine Biotechnik, Psychotechnik und Soziotechnik entwickelt, will man an&lt;br /&gt;
das Gen herankommen und es im Sinne der Erzeugung eines besseren&lt;br /&gt;
Geschlechts manipulieren, um der Entwicklung eines Supergehirns durch&lt;br /&gt;
künstliche Mutationen den Weg zu bereiten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Erwartungen werden auch an die Anwendung der Psychothera-&lt;br /&gt;
pie und der Tiefenpsychologie geknüpft; die Hoffnungen reichen bis zur&lt;br /&gt;
Lösung des Problems von Krieg und Frieden. An dieser Stelle wollen wir&lt;br /&gt;
nochmals Ruhiyyih Khänum zu Wort kommen lassen, die über die Hal-&lt;br /&gt;
tung des Hüters zu solchen Fragen berichtet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eines der Probleme und eine der Anschauungen, die voll Irrtümern&lt;br /&gt;
stecken und die heute die Geister überall beherrschen, aber absolut&lt;br /&gt;
gegen die Lehren Bahaä’u’llahs sind, liegt in der Auffassung, daß die&lt;br /&gt;
Menschen für ihre Taten nicht verantwortlich seien und daß das, was&lt;br /&gt;
sie tun, von Bedingungen und Ursachen abhängt, die im Laufe der&lt;br /&gt;
Zeitereignisse oder in ihrem Lebenslauf stattgefunden haben, die&lt;br /&gt;
also außerhalb ihres Vermögens und Machtbereichs liegen und sie zu&lt;br /&gt;
ihren Handlungen veranlaßt haben. Der Hüter verlor dabei jedesmal&lt;br /&gt;
seine Geduld, denn dies war genau gegen die Lehren Bahä’u’llähs,&lt;br /&gt;
der sagt: ‚Die Ordnung der Welt ruht auf zwei Säulen: Belohnung&lt;br /&gt;
und Strafe‘. Sowohl der einzelne als auch die Völker und Gemein-&lt;br /&gt;
schaften der Welt sind verantwortlich für ihre Taten und werden&lt;br /&gt;
dafür zur Verantwortung gezogen werden... Natürlich gibt es Ver-&lt;br /&gt;
hältnisse, die einen Einfluß haben, darüber besteht kein Zweifel;&lt;br /&gt;
aber die... Lehren Bahä’u’llähs gehen dahin, daß Gott dem Men-&lt;br /&gt;
schen Zeit und Kraft und Möglichkeit gibt, sich zu entscheiden. Wenn&lt;br /&gt;
seine Taten gemäß dem Maßstab Gottes geschehen, werden sie ihre&lt;br /&gt;
Belohnung finden, wenn er aber in seinen Taten seine Schwäche&lt;br /&gt;
zeigt, folgt die Strafe... (S. 304). Aber in den Wissenschaften von der&lt;br /&gt;
Seele, wenn Sie darauf aufmerksam werden, wie diese gehandhabt&lt;br /&gt;
werden, werden Sie solch ein Prinzip nicht finden; was man hier fin-&lt;br /&gt;
det, ist entgegen der Meinung der heiligen Offenbarer...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist die Ursache — wo liegt der Irrtum?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Problemstellung liegt, das ist klar ersichtlich, in den höheren Be-&lt;br /&gt;
reichen des menschlichen Lebens, im Gebiet des Sittlichen, der Moral, der&lt;br /&gt;
Verhaltensweise des Menschen: Der Mensch könnte die Ergebnisse der&lt;br /&gt;
Technik und der Naturwissenschaften ebenso zum Allgemeinwohl und für&lt;br /&gt;
die allgemeine Sicherheit verwenden, wie er sie mißbrauchen kann, um&lt;br /&gt;
seinen Ehrgeiz und seinen Machttrieb zu befriedigen, selbst um den Preis,&lt;br /&gt;
daß dabei Millionen von Menschen, Städte und Dörfer zugrundegerichtet&lt;br /&gt;
werden. Demnach liegt das Problem im Geistigen, und der Begriff „Geist“&lt;br /&gt;
wäre im Lichte der Bahä’i-Lehren zu erhellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Grund der Evolutionstheorie sind fast alle Gelehrten und Denker&lt;br /&gt;
darin einig, daß der menschliche Geist das Produkt eines Millionen Jahre&lt;br /&gt;
dauernden Cerebrationsprozesses ist, wobei die Materie durch Verfeine-&lt;br /&gt;
rung und Höherentwicklung das menschliche Hirn und den menschlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1254&lt;br /&gt;
{{page|1255|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist hervorgebracht hat. Somit sei der menschliche Geist nicht ein Pro-&lt;br /&gt;
dukt der stoff- und raumlosen geistig-göttlichen Sphäre und demnach&lt;br /&gt;
immateriell, nicht ein qualitativ Anderes, sondern nur ein quantitativ&lt;br /&gt;
höher entwickelter tierischer Geist, der ebenso wie beim Tier aus der&lt;br /&gt;
Natur stammt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá lehnt diese Auffassung ausdrücklich ab und bringt zahl-&lt;br /&gt;
reiche Beweise dafür, daß der menschliche Geist, der „Homo sapiens“ im&lt;br /&gt;
Gegensatz zum Pflanzen- und Tiergeist nicht materiellen Ursprungs ist.&lt;br /&gt;
„Der Unterschied zwischen Tier und Mensch“, sagt ‘Abdu’l-Bahá, „liegt&lt;br /&gt;
darin, daß der Mensch geistige Kräfte besitzt, deren das Tier beraubt ist;&lt;br /&gt;
der Mensch weiß von Gott, während das Tier keine Kenntnis von Ihm&lt;br /&gt;
hat; der Mensch erkennt die Wirklichkeiten der Dinge, das Tier aber ist&lt;br /&gt;
unwissend und nachlässig. Der Mensch ist fähig, kraft seines Willens die&lt;br /&gt;
verborgenen Wirklichkeiten der Dinge ans Licht zu bringen; das Tier&lt;br /&gt;
aber hat keinen Anteil daran... Diese Fähigkeiten und Vollkommenhei-&lt;br /&gt;
ten strahlen gleich Lichtstrahlen aus der Wesenheit des Menschen hervor.&lt;br /&gt;
Die Religion Gottes fördert das Hervortreten dieser Fähigkeiten im&lt;br /&gt;
Menschen...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der menschliche Geist nicht materiellen Ursprungs ist, dann&lt;br /&gt;
sind auch alle Bemühungen der Naturwissenschaften in dieser Richtung&lt;br /&gt;
verlorene Zeit und Mühe, denn sie haben lediglich die Mechanismen, die&lt;br /&gt;
Werkzeuge des Geistes, entdeckt, nicht aber den Geist selbst. Über die&lt;br /&gt;
Beziehungen des Geistes zum Körper findet sich eine Stelle von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh in der Ährenlese (LXXXIII), wo Er sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Denke an die geistige Fähigkeit der vernünftigen Seele, mit der&lt;br /&gt;
Gott das Ich des Menschen begabt hat! Prüfe dich selbst und beachte,&lt;br /&gt;
wie deine Bewegungen und deine Ruhe, Wille und Absicht, Gesicht,&lt;br /&gt;
Gehör, Geruchsinn, Sprachvermögen und was weiter noch mit deinen&lt;br /&gt;
leiblichen Sinnen oder deinem geistigen Erkenntnisvermögen zusam-&lt;br /&gt;
menhängt oder sie überragt, eben dieser Fähigkeit entspringt und ihr&lt;br /&gt;
sein Dasein verdankt! So eng ist dies alles mit ihr verknüpft, daß&lt;br /&gt;
jeder einzelne Sinn seine Tätigkeit sofort einstellt und die Kraft, den&lt;br /&gt;
Beweis seiner Tätigkeit zu geben, verliert, sobald seine Verbindung&lt;br /&gt;
mit dem menschlichen Körper auch nur für einen Augenblick gelöst&lt;br /&gt;
wird. Es ist ohne Zweifel klar und augenscheinlich, daß jedes der ge-&lt;br /&gt;
nannten Werkzeuge, um seinen Zweck erfüllen zu können, von dieser&lt;br /&gt;
Fähigkeit abhängt und immer abhängen wird...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vervollkommnung der höheren Kräfte des menschlichen Geistes&lt;br /&gt;
muß also von anderer Quelle her geschehen: durch den Geist selbst, der&lt;br /&gt;
die Materie schafft und bildet. Nach den Lehren Bahä’u’llähs ist die Re-&lt;br /&gt;
ligion Gottes die Ursache, die Kraftquelle, die die geistigen Fähigkeiten&lt;br /&gt;
im Menschen erweckt und fördert. ‘Abdu’l-Baháa erklärte einmal dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Strahlen des Heiligen Geistes sind es, die das ewige Leben&lt;br /&gt;
verleihen... Christus sagte: Alles, was aus dem Geist geboren ist,&lt;br /&gt;
ist Geist... Hier ist unter Geist die religiöse Wahrheit zu ver-&lt;br /&gt;
stehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An anderer Stelle sagt Er, daß unter „Religion Gottes“ nicht die über-&lt;br /&gt;
lieferten Nachahmungen zu verstehen sind, die man pflegt und die man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1255&lt;br /&gt;
{{page|1256|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion nennt, sondern die wahre Grundlage der Religion, die göttlich&lt;br /&gt;
ist, nicht menschlich (siehe auch „Payami-Malaküt“, Kapitel ‚Die Welt&lt;br /&gt;
braucht die Strahlen des Heiligen Geistes‘, S. 7).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verstand ist also nicht die einzige Kraft des menschlichen Geistes,&lt;br /&gt;
sondern es liegen noch weitere schöpferisch-dynamische Kräfte in ihm&lt;br /&gt;
verborgen. Ohne Vermittlung dieser Kräfte wäre der Intellekt nicht zur&lt;br /&gt;
Entdeckung der Geheimnisse der Natur fähig. Alle wunderbaren Errun-&lt;br /&gt;
genschaften der Wissenschaften sind durch diese Kräfte ermöglicht wor-&lt;br /&gt;
den. Nach den Lehren Bahä’u’llähs erfährt der Geist eine weitere Ent-&lt;br /&gt;
faltung (und auch darin liegt ein grundsätzlicher Unterschied zum tieri-&lt;br /&gt;
schen Geist), wenn er in den Erziehungsbereich des Heiligen Geistes ge-&lt;br /&gt;
langt und zum Geist des Glaubens wird (siehe Beantwortete Fragen). Erst&lt;br /&gt;
indem die göttlichen Tugenden und Vollkommenheiten geweckt und sicht-&lt;br /&gt;
bar werden, tritt eine Umwandlung und Vervollkommnung ein. Seine&lt;br /&gt;
vollendete Entfaltung und Offenbarung erfährt der Geist nach Bahä’i-&lt;br /&gt;
Auffassung im „vollkommenen Menschen“, dem Offenbarer Gottes, bei&lt;br /&gt;
dem noch weitere Eigenschaften und Attribute des Geistes sichtbar wer-&lt;br /&gt;
den — wie beispielsweise die Unfehlbarkeit und das von Gott verliehene&lt;br /&gt;
Wissen — von denen Erziehung und Fortschritt, Kultur und Wissen in&lt;br /&gt;
der menschlichen Welt abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist, kurz gefaßt, der Begriff des Geistes in der Bahä’i-Religion.&lt;br /&gt;
Diese Vorstellungen und Begriffe harren noch der gründlichen wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Untersuchung. Es steht zu hoffen, daß dieses Feld bald ernst&lt;br /&gt;
genommen und leidenschaftslos erforscht wird. Es ist das Feld der „gött-&lt;br /&gt;
lichen Zivilisation“, auf dem die sittlichen, ethischen, moralischen, Kul-&lt;br /&gt;
turellen Werte gepflanzt und erzogen werden. Einheit, Liebe, Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, Erkenntnis Gottes, Dienst an der Menschheit nennt ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
vor allem anderen und führt besonders vier Punkte aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Einheit in der Schöpfung,&lt;br /&gt;
2. Einheit in der Rasse,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Einheit des Vaterlandes,&lt;br /&gt;
4. Einheit in der Politik;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das heißt, es sollten keine Bevorzugungen persönlicher, rassischer, vater-&lt;br /&gt;
ländischer und politischer Art Platz greifen (Khitäbät S. 94).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen kurzen Ausführungen ist festgestellt: Solange der Geist nicht&lt;br /&gt;
durch den Heiligen Geist geweckt und erneuert ist, kann es keinen Frie-&lt;br /&gt;
den geben, weil der Mensch nicht umgewandelt ist, weil er nicht aus der&lt;br /&gt;
Sklaverei seiner Natur, seines Selbstes, seiner Hingezogenheit zur Welt,&lt;br /&gt;
befreit ist. Keine andere Macht als der Heilige Geist in einer neuen Aus-&lt;br /&gt;
gießung vermag diese Umwandlung zu bewirken, weder die überlieferten&lt;br /&gt;
Religionssysteme noch nationale, politische oder philosophische Systeme,&lt;br /&gt;
denn alle diese Mächte sind begrenzt und einander derart entgegenge-&lt;br /&gt;
setzt, daß sie zu Streit und Krieg Anlaß geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ‘Abdu’l-Bahá in seinen Reden und Schriften mit der „göttlichen&lt;br /&gt;
Zivilisation“ meinte, bezieht sich auf die Grundlage jeder Religion, auf&lt;br /&gt;
das Wort Gottes, das allein fähig ist, durch Lehren und Gesetze einen&lt;br /&gt;
neuen Menschen und schließlich auch den wahren Frieden zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1256&lt;br /&gt;
{{page|1257|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=39}}Dieser Gedanke wird verständlicher, wenn man bedenkt, daß die Na-&lt;br /&gt;
tur an sich — (entgegen der Meinung vieler Gelehrter) — unvollkommen&lt;br /&gt;
ist, „unvollkommen“ hier im Sinne von „nicht entfaltet“ gebraucht. Auch&lt;br /&gt;
die Natur oder die Welt des Menschen ist demnach unvollkommen, denn&lt;br /&gt;
abgesehen von den Eigenschaften, Vortrefflichkeiten und Qualitäten an&lt;br /&gt;
sich, die naturgemäß und ohne Einfluß von außen in den Dingen liegen,&lt;br /&gt;
sind auch andere Eigenschaften vorhanden, die größeren und höheren Di-&lt;br /&gt;
mensionen angehören, aber innewohnend und verborgen sind und erst&lt;br /&gt;
durch die Wirkung des Heiligen Geistes entfaltet werden und in Erschei-&lt;br /&gt;
nung treten. Allen Bereichen der Existenz sind diese zweierlei Fähigkei-&lt;br /&gt;
ten eigen, ob es sich um die Stufe des Minerals, der Pflanze, des Tieres&lt;br /&gt;
oder des Menschen handelt. Jene Fähigkeiten, die auf allen Stufen als&lt;br /&gt;
Möglichkeiten vorhanden sind, können erst durch die Macht der Kultivie-&lt;br /&gt;
rung und Erziehung hervorgebracht werden; sonst bleiben sie unvoll-&lt;br /&gt;
kommen, d.h. unvollendet im Ding verborgen. Darum sagt ‘Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
die Natur sei, entgegen der allgemeinen Meinung, unvollkommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wäre die Welt der Natur erleuchtet und vollkommen, dann bräuch-&lt;br /&gt;
ten wir keine Erziehung, keine Schulen, keine Techniker, denn dann&lt;br /&gt;
wäre sie vollkommen. Wir hätten keine Propheten nötig, denn dann&lt;br /&gt;
wäre die Welt der Natur vollkommen, und wir hätten auch keinen&lt;br /&gt;
Gott nötig. All das brauchen wir aber, weil die Welt der Natur doch&lt;br /&gt;
unvollkommen ist“ (Khitäbät S. 16).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die in der Welt des Menschen herrschenden Triebe und Leiden-&lt;br /&gt;
schaften, die Aggressionen und der Kampf ums Dasein überwunden wer-&lt;br /&gt;
den sollen, müssen also die im menschlichen Geist verborgenen Fähigkei-&lt;br /&gt;
ten zuerst entdeckt, erzogen und entfaltet werden. Dies war in allen Zeit-&lt;br /&gt;
altern die Aufgabe der Religion Gottes, und durch sie wurde die Grund-&lt;br /&gt;
lage für die göttliche Zivilisation geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einstellung der modernen Welt und der Gelehrten ist dieser Auf-&lt;br /&gt;
fassung diametral entgegengesetzt: Man nimmt an, der Geist selbst ent-&lt;br /&gt;
stehe aus der Materie; d.h. man müsse nur auf die Natur und die kör-&lt;br /&gt;
perliche Substanz zurückgehen, dann sei die Vervollkommnung des Gei-&lt;br /&gt;
stes durch die Vervollkommnung dieser materiellen Substanz zu errei-&lt;br /&gt;
chen, beispielsweise durch Manipulation der Gene. Die Fähigkeiten und&lt;br /&gt;
schöpferischen Eigenschaften des Geistes werden ignoriert; stattdessen&lt;br /&gt;
wird versucht, die materielle, animalische Welt zu stärken und zu mani-&lt;br /&gt;
pulieren. Höchst merkwürdig sind die diesbezüglichen Aussagen des eng-&lt;br /&gt;
lischen Biologen D. Morris in seinem Bestseller „Der nackte Affe“. Er&lt;br /&gt;
kommt zu der Auffassung, wenn es dem Menschen im Laufe der Jahr-&lt;br /&gt;
millionen dauernden Kultur nicht möglich geworden sei, sich nach den zu-&lt;br /&gt;
nehmend verstärkten, außerordentlich hohen Anforderungen zu richten,&lt;br /&gt;
die die Fortschritte im Technischen an ihn stellen (und er habe sich noch&lt;br /&gt;
immer seiner animalischen Natur unterworfen), dann sei es besser, wenn&lt;br /&gt;
er seine Zivilisation so forme, daß er nicht dauernd mit den in ihm an-&lt;br /&gt;
gelegten animalischen Bedürfnissen in Konflikt gerate (Morris, Der nackte&lt;br /&gt;
Affe, S. 37/38, Knaur). Mit anderen Worten: Wenn wir nicht ‚das Tier in&lt;br /&gt;
uns‘ beherrschen und Mensch werden können, dann schlagen wir eben&lt;br /&gt;
den umgekehrten Weg ein und werden endgültig zum Tier! Abgesehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1257&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1258|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß dieser Vorschlag zu den Ergebnissen und Forschungen der-&lt;br /&gt;
selben technisch fortgeschrittenen Welt auf Schritt und Tritt in Wider-&lt;br /&gt;
spruch gerät, beweist er, daß der Autor von den Errungenschaften der&lt;br /&gt;
hohen Kulturen in der menschlichen Geschichte offenbar wenig Kenntnis&lt;br /&gt;
besitzt, Kulturen, die diesen Riesenschritt vom Tierzustand bis zum&lt;br /&gt;
heutigen Menschen erst ermöglicht haben, und zwar nicht im Laufe von&lt;br /&gt;
Jahrmillionen, sondern in etwa sechstausend Jahren. Es ist ihm anschei-&lt;br /&gt;
nend nicht bekannt, daß es nachweislich Perioden und Zeitalter gab, in&lt;br /&gt;
denen wahre göttliche Kulturen die hervorragendsten Leitbilder der&lt;br /&gt;
Menschlichkeit, der höchsten Ethik, des Wissens, der Loslösung von ma-&lt;br /&gt;
teriellen und animalischen Bedürfnissen, hervorbrachten. Er übersieht die&lt;br /&gt;
Kulturen der jüdischen, christlichen, islamischen, indischen und iranischen&lt;br /&gt;
Religionen, die, wie heute erst vereinzelt erkannt wird, den Anstoß und&lt;br /&gt;
die Ursache für all das gegeben haben, worauf wir heute so stolz sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem diese Leitbilder auf geschichtlich feststellbaren Tatsachen be-&lt;br /&gt;
ruhen, wäre es angebracht, wenn die heutige Wissenschaft auf ihre Wir-&lt;br /&gt;
kungen aufmerksam würde, selbst wenn Leitbilder und Wirkungen bis-&lt;br /&gt;
her nur in begrenzten Räumen, nur für Gruppen und einzelne Völker der&lt;br /&gt;
Erde, sichtbar wurden. Auf jeden Fall müßte die Wissenschaft die Ge-&lt;br /&gt;
gebenheiten, Fähigkeiten, Kräfte und Möglichkeiten studieren, die jene&lt;br /&gt;
Kulturen ausstrahlen. Es wäre dann womöglich nur noch ein kleiner&lt;br /&gt;
Schritt zu der Wahrnehmung, daß dieselben Kräfte auch heute in der&lt;br /&gt;
Welt am Werke sind und in der Bahä’i-Gemeinschaft bereits das Modell&lt;br /&gt;
einer neuen Weltordnung liefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man weiß heute nicht mehr, daß Grundlage der Kulturen in Wirklich-&lt;br /&gt;
keit die Religionen Gottes waren, daß am Anfang das schöpferische gött-&lt;br /&gt;
liche Wort eine geistige Zivilisation hervorgerufen hatte. Es ist ebenso&lt;br /&gt;
unbekannt, daß diese geistigen Schöpfungen einem ähnlichen Werden,&lt;br /&gt;
Wachsen und Vergehen unterworfen sind wie die Dinge der materiellen&lt;br /&gt;
Welt. Wie in der Natur auf die kalte Winterzeit stets Frühjahr und Som-&lt;br /&gt;
mer folgen, so folgt in der geistigen Welt der Eiseskälte einer materia-&lt;br /&gt;
listischen Periode der göttliche Frühling, indem eine neue Offenbarung&lt;br /&gt;
ihr lebenspendendes Wasser, das Wort Gottes, über die Menschen aus-&lt;br /&gt;
gießt. Wir wollen hier noch einmal auf die Worte ‘Abdu’l-Bahás zurück-&lt;br /&gt;
kommen, die am Anfang dieser Ausführungen stehen: „Obschon.... offen-&lt;br /&gt;
sichtlich klar geworden ist, daß die westliche Welt große Fortschritte in&lt;br /&gt;
der materiellen Zivilisation erworben hat, so ist doch die göttliche Zivili-&lt;br /&gt;
sation nahe daran, vergessen zu werden...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem ‘Abdu’l-Bahá auf die geistige, göttliche, umwandlungsfähige&lt;br /&gt;
Kraft hinweist, die nur in den Offenbarern Gottes wirksam und für den&lt;br /&gt;
Zivilisationsprozeß unbedingt erforderlich ist, spricht Er an anderer Stelle&lt;br /&gt;
über diese Kraft in Christus: „Christus hat alle diese verschiedenen Völ-&lt;br /&gt;
ker geeinigt; das hat Er nicht mit Hilfe der nationalen Kraft, nicht im&lt;br /&gt;
Namen des Vaterlandes, nicht durch politische Macht vollbracht, sondern&lt;br /&gt;
kraft des göttlichen, des heiligen Geistes. Eine Einigung ist also nur durch&lt;br /&gt;
diese Mittel möglich; im anderen Falle würden die Gegensätze und der&lt;br /&gt;
Kampf bis in Ewigkeit fortdauern....“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1258&lt;br /&gt;
{{page|1259|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=41}}Die Ausgießung des Heiligen Geistes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Verwirklichung dieser großen Taten durch die göttliche Kraft,&lt;br /&gt;
die Strahlen des Heiligen Geistes und die Gnadengaben Gottes bedingt&lt;br /&gt;
ist, könnte die Frage entstehen: Von wo sollen wir dies alles holen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine solche Frage könnte tatsächlich entstehen“, sagt ‘Abdu’l-Bahá,&lt;br /&gt;
„deshalb sagen wir nur: Gott ist ein ewiger Gott — Er ist kein&lt;br /&gt;
‚neuer‘ Gott, das Reich Gottes ist ein ewiges Reich, kein neues Reich.&lt;br /&gt;
Dieses Reich ist nicht sechstausend Jahre alt. Betrachten Sie dieses&lt;br /&gt;
unendliche Weltall: So ein großes Unternehmen, so ein machtvolles&lt;br /&gt;
Reich ist nicht das Ergebnis von ein paar Zeitaltern. Die Namen und&lt;br /&gt;
Eigenschaften Gottes sind ewig. Die Namen und Eigenschaften Gottes&lt;br /&gt;
an sich fordern die Existenz des Seienden, verursachen die Schöp-&lt;br /&gt;
fung, sie sind die Ursache für die Entstehung der Wirklichkeiten der&lt;br /&gt;
Dinge. Wir sagen: Gott ist der Schöpfer, der Schöpfer aber bedingt&lt;br /&gt;
ein Geschöpf, und wenn keine Geschöpfe da sind, wodurch kann dann&lt;br /&gt;
die Schöpfungskraft Gottes sich bewahrheiten? Wir sagen: Gott ist&lt;br /&gt;
der Ernährer. Wenn Er keine Nahrung gibt, wie kann Er dann ein&lt;br /&gt;
Ernährer sein? Wir sagen: Gott ist der Herr. Wenn keine Untertanen&lt;br /&gt;
sind, wie kann dann der Herr bewiesen werden?... Diejenigen, die&lt;br /&gt;
sagen: Es war eine Zeit, wo Gott weder Untertanen noch Heerscharen&lt;br /&gt;
noch Geschöpfe hatte, entthronen in Wirklichkeit Gott... Kurz ge-&lt;br /&gt;
sagt: Seid der Gnaden Gottes und Seiner frohen Botschaft sicher! Der&lt;br /&gt;
Gott, der die früheren Völker mit Seiner Güte und Gnade bedachte,&lt;br /&gt;
jener Gott, der in vergangenen Zeiten den göttlichen Geist ver-&lt;br /&gt;
schenkte, jener Gott, der den ewigen Überfluß gab, dieser Gott ist&lt;br /&gt;
auch mächtig, jederzeit die Strahlen des Himmelreichs auf die mensch-&lt;br /&gt;
liche Welt herniederfließen zu lassen... Wenn schon in den materiel-&lt;br /&gt;
len Dingen der Überfluß Gottes ununterbrochen vorhanden ist, wie&lt;br /&gt;
kann man dann behaupten, daß jener göttliche Überfluß, jene Kraft&lt;br /&gt;
des Heiligen Geistes, jene ewigen Gnadengaben abgebrochen seien? Es&lt;br /&gt;
ist Klar, daß die Wirklichkeit der Gnadengaben größer ist als die-&lt;br /&gt;
jenige.der materiellen Welt... Wenn wir die Dinge betrachten, sehen&lt;br /&gt;
wir, daß jedes Ding durch alle anderen Seinsformen wandert... (Da-&lt;br /&gt;
mit meint ‘Abdu’l-Bahá, daß das Mineral ins Pfianzenreich, von dort&lt;br /&gt;
in das Tierreich, aus dem Tierreich in das Menschenreich gelangt; mit&lt;br /&gt;
der Zersetzung des menschlichen Körpers beginnt der Kreislauf von&lt;br /&gt;
neuem)... So strömt zum Beispiel der Ätherstoff durch alle Dinge&lt;br /&gt;
hindurch. Überall, wo Wellen entstehen, ist dies durch die Wellenbe-&lt;br /&gt;
wegung des Ätherstoffs bewirkt, und dann sieht man das Licht. Ge-&lt;br /&gt;
nauso ist es mit den Gnadengaben Gottes: Sie strömen durch alle&lt;br /&gt;
Dinge, sie haben weder Anfang noch Ende. Überall, wo die Bereit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft vorhanden ist, wird jener unbegrenzte Überfluß erscheinen...“&lt;br /&gt;
(Khitäbät, S. 96/97).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserer Zeit bedeutet diese „Bereitschaft“ das Erreichen der Stufe&lt;br /&gt;
der Reife des Menschen. „Alle erschaffenen Dinge haben ihren Grad oder&lt;br /&gt;
ihre Stufe der Reife. Der Zeitpunkt der Reife im Leben eines Baumes ist&lt;br /&gt;
die Zeit seines Fruchttragens... Der Mensch erreicht seine Reife, wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1259&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1260|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Licht seines Verstandes die größte Kraft und Entfaltung erlangt...“&lt;br /&gt;
(‘Abdu’l-Bahá, zitiert in „Die Entfaltung der neuen Weltzivilisation“).&lt;br /&gt;
Alles, was der Mensch bis jetzt erreicht hat, gehört der früheren Be-&lt;br /&gt;
grenztheit und Vorerziehung an. „Dann aber“ sagt Er weiter, „muß er&lt;br /&gt;
von neuen Tugenden und Kräften, von neuen sittlichen Wertmaßen, von&lt;br /&gt;
neuen Fähigkeiten erfüllt sein“ (ebenda). Erst wenn diese Fähigkeiten&lt;br /&gt;
des Geistes bewußt und evident geworden sind, wird der Mensch eine&lt;br /&gt;
völlige Umwandlung und Vergeistigung erfahren. Erst das Erreichen die-&lt;br /&gt;
ser Stufe, die konform mit den Gegebenheiten und Beziehungen der Zeit&lt;br /&gt;
gestaltet ist, wird die Bereitschaft schaffen, von der ‘Abdu’l-Bahá sagt,&lt;br /&gt;
daß sie den Funken des Heiligen Geistes aufleuchten läßt und seinen&lt;br /&gt;
Beistand anzieht. Erst dann kann dem Leidensweg der Menschheit ein&lt;br /&gt;
Ende gemacht und, im Verein mit der schon vorhandenen technisch-&lt;br /&gt;
materiellen Zivilisation, die Welt in das „Paradies Abha“ umgewandelt&lt;br /&gt;
werden, das durch die Offenbarung Bahä’u’llähs errichtet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist also eine Bereitschaft, eine Zusammenballung der Elemente der&lt;br /&gt;
Reife im Menschen und in allen Bereichen seines Lebens erforderlich. Da-&lt;br /&gt;
zu gehört eine gewisse Periode der vorwiegend wissenschaftlich durchge-&lt;br /&gt;
führten Forschung im Bereiche der Offenbarungen Gottes, d.h. der ge-&lt;br /&gt;
meinsamen Struktur aller Religionen, ihrer Geschichte, Lehren, Gesetze&lt;br /&gt;
und heiligen Bücher. Eine isolierte Wissenschaft wie die Theologie, die&lt;br /&gt;
begrenzt, nach Religionen und Bekenntnissen getrennt, fern von jeder&lt;br /&gt;
Objektivität und Toleranz gehandhabt wird, kann in einer Zeit unge-&lt;br /&gt;
heurer Wandlung der Wissenschaftlichkeit nicht mehr genügen. Die heutige&lt;br /&gt;
Zeit verlangt ein Zusammenfließen aller Theologien, damit wie in allen&lt;br /&gt;
anderen wissenschaftlichen Disziplinen ein sämtliche Religionen umfas-&lt;br /&gt;
sendes, einheitliches Wissen begründet werden kann. Dieses Prinzip ist&lt;br /&gt;
im Kitäb-i-Iqän von Bahä’u’lläh niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Zeit schlägt sich in Sinnlosigkeiten herum,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie ein gefallenes Pferd in seinen Strängen. Durch äußere&lt;br /&gt;
Maßnahmen und durch neues Organisieren sucht sie die&lt;br /&gt;
schweren Probleme, mit denen sie es zu tun hat, zu lösen.&lt;br /&gt;
Umsonst. Auf die Füße kommt das Pferd erst wieder, wenn&lt;br /&gt;
man es abschirrt und beim Kopfe aufrichtet. Auf die Füße&lt;br /&gt;
kommt unsere Welt erst wieder, wenn sie sich beibringen&lt;br /&gt;
läßt, daß ihr Heil nicht in Maßnahmen, sondern in neuen Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sinnungen besteht.&lt;br /&gt;
Albert Schweitzer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Kultur und Ethik, 1923, Kap. XVII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1260&lt;br /&gt;
{{page|1261|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=43}}‘Abdu’l-Bahá erklärte, wenn die Gelehrten und Wissenschaftler nur&lt;br /&gt;
einen Bruchteil jener Zeit, die sie für die Erforschung der Natur auf-&lt;br /&gt;
bringen, dem Suchen und der Forschung im Bereiche der göttlichen Kul-&lt;br /&gt;
tur widmeten, dann würde die Wahrheit alle vereinen und einen gemein-&lt;br /&gt;
samen Boden für die Einigung der Völker und der Welt bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich: Wenn hier rein wissenschaftliche Forschungsmethoden&lt;br /&gt;
angewendet würden, könnte man des Erfolges gewiß sein; aber die bis-&lt;br /&gt;
herigen Forschungen in dieser Richtung haben nicht einmal in der Meta-&lt;br /&gt;
physik der verschiedenen philosophischen Schulen ein einheitliches Er-&lt;br /&gt;
gebnis erbracht. Auch Soziologen und Religionswissenschaftler bewegen&lt;br /&gt;
sich nur am Rande des Stoffes, so daß das Problem im Kern unberührt&lt;br /&gt;
bleibt. Andererseits stehen dem modernen Forscher Mittel und Wege zur&lt;br /&gt;
Verfügung, das Gebiet der göttlichen Zivilisation und ihrer Offenbarun-&lt;br /&gt;
gen an Hand der geschichtlichen Religionen einer exakten Untersuchung&lt;br /&gt;
zu unterziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der einschlägige Beitrag hinzugezogen würde, der aus der Offen-&lt;br /&gt;
barungsquelle Bahä’u’llähs stammt und von ‘Abdu’l-Bahá als ‚göttliche&lt;br /&gt;
Philosophie‘ oder ‚göttliche Weisheit‘ bezeichnet wurde — ein Beitrag, der&lt;br /&gt;
viele Bände umfaßt und die genannten Probleme und Fragen religiösen&lt;br /&gt;
und wissenschaftlichen Ursprungs von einem neuen, einmaligen Stand-&lt;br /&gt;
punkt aus behandelt — dann könnte das Problem des Zusammenwirkens&lt;br /&gt;
zwischen göttlicher und materieller Zivilisation gelöst, die Harmonie her-&lt;br /&gt;
gestellt und die Grundlage für eine neue Welt und einen neuen Menschen&lt;br /&gt;
gelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne sprach ‘Abdu’l-Bahá:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Genau so eifrig, wie ihr euch um den Fortschritt in der materiellen&lt;br /&gt;
Welt bemüht, sollt ihr euch zu weiterem Fortschritt im Geistigen an-&lt;br /&gt;
strengen. Ebenso, wie ihr den Körper pflegt und wichtig nehmt, sollt&lt;br /&gt;
ihr es mit dem Geist halten: Wenn in der menschlichen Gestalt kein&lt;br /&gt;
Geist ist, was nützt sie dann? Der Körper ist tot! Genauso ist der&lt;br /&gt;
Körper der Welt. Ist sie des geistigen Fortschritts beraubt, so ist sie&lt;br /&gt;
nichts anderes als ein Körper ohne Seele...“ (Aus dem Persischen,&lt;br /&gt;
Payami-Malaküt, Kapitel „Strahlen des Heiligen Geistes“, S. 7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!)„... Die Spaltung zwischen Wissenschaft und Weisheit ist eine nachträgliche&lt;br /&gt;
abendländische Erfindung... im Gegensatz zu Griechenland... Ehe sie nicht&lt;br /&gt;
wieder dialektisch abgebaut ist, ehe der Mensch nicht wieder gelernt hat, das&lt;br /&gt;
Wissen über sich selbst mit dem Wissen über die Natur in Einklang zu bringen,&lt;br /&gt;
wird die Krise nicht gemeistert werden... Wissenschaft ohne menschliches&lt;br /&gt;
Ethos entartet in Barbarei...“ (S. 177).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) J. Gebser schreibt in „Abendländische Wandlung“ S. 55, Ullstein Berlin 1963:&lt;br /&gt;
„Dem Menschen ist heute gegeben, auf der Erde Prozesse auszulösen, welche&lt;br /&gt;
denen, die auf der Sonne stattfinden, entsprechen. Die Explosion einer Atom-&lt;br /&gt;
bombe erzeugt Lichtstärken und Wärmegrade, die sich jener der Sonne nähern;&lt;br /&gt;
der Mensch ist rein physisch über die Erde hinausgewachsen und steht&lt;br /&gt;
im Begriff, das Planetensystem zu sprengen...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) Aber solche Geister wie „Bergson, Carrels, Klages und Theodor Lessing waren&lt;br /&gt;
immer der Meinung, der menschliche Intellekt vermöge wohl mathematisch-&lt;br /&gt;
technische Gebilde zu entwerfen und zu beherrschen, er könne sie aber nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit der Komplexität des Lebens, der Feinheit des gesellschaftlichen Netzes, der&lt;br /&gt;
Bedürfnisse der Seele in Einklang bringen...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Heinrich Schirmbeck, Ihr werdet sein wie die Götter, S. 196)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1261&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1262|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wirre Muster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Reise durch Burma bat A. @. Faizi eine chinesische Bahad’i-&lt;br /&gt;
Familie, die dort lebt, ihm aus dem Schatz der Erinnerungen an Kon-&lt;br /&gt;
fuzius, der im Volke lebt, zu erzählen. Die folgende Geschichte war eine&lt;br /&gt;
der interessantesten. D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Konfuzius ein junger Mann im stürmischen Alter von 20 Jahren&lt;br /&gt;
war, geriet er in die Gesellschaft junger Leute, die dem Alkohol und dem&lt;br /&gt;
Opium frönten. Seine Mutter war über diese Entwicklung sehr betrübt.&lt;br /&gt;
Sie war eine wunderbare Frau und verstand es, herrliche Stoffe mit fei-&lt;br /&gt;
nen, geschmackvollen Mustern zu weben. Eine solche kostbare Arbeit&lt;br /&gt;
hatte sie vor kurzem begonnen und bis zu einem Drittel vorangebracht.&lt;br /&gt;
Eines Tages sah Konfuzius, als er nach Hause kam, daß der Stoff zu Ende&lt;br /&gt;
gewebt, aber völlig verdorben war. Die Muster waren wirr, die zarten&lt;br /&gt;
Blumen verzerrt, das Gewebe unregelmäßig und ohne Festigkeit. Kon-&lt;br /&gt;
fuzius war bestürzt und fragte: „Liebe Mutter, warum hast du diesen&lt;br /&gt;
wunderschönen Anfang so häßlich zu Ende geführt?“ Die Mutter antwor-&lt;br /&gt;
tete: „Mein lieber Sohn, dies ist das Muster deines Lebens. Meine Liebe&lt;br /&gt;
hat dich zu diesem wunderschönen Muster am Anfang erzogen. Dann&lt;br /&gt;
gingst du weg in schlechte Gesellschaft und gabst dich den Lastern hin.&lt;br /&gt;
Siehe selbst, was aus dem schönen Muster geworden ist und zu welchem&lt;br /&gt;
Ende das Böse führt.“ Konfuzius begriff die liebevolle Lehre seiner Mut-&lt;br /&gt;
ter und änderte sein Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neu auf unseren Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manes Sperber, „Alfred Adler oder das Elend der Psychologie“,&lt;br /&gt;
Verlag Fritz Molden, Wien/München/Zürich 1970, 302 S., Leinen DM 26,—.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor kam mit zehn Jahren nach Wien und war noch keine sech-&lt;br /&gt;
zehn, als er beim Besuch eines Kurses der Volkshochschule den damals&lt;br /&gt;
einundfünfzigjährigen Alfred Adler kennenlernte. Er schreibt: „Auf der&lt;br /&gt;
schwarzen Tafel zeichnet ein untersetzter Mann einen kreideweißen Strich,&lt;br /&gt;
er zieht ihn sachte von unten nach oben. Mit einer Entschiedenheit, als ob&lt;br /&gt;
er mit diesem Strich einen unwiderleglichen Beweis lieferte, fügt er hin-&lt;br /&gt;
zu: ‚Sie sehen, das ist also das seelische Leben; alles Seelische ist eine&lt;br /&gt;
Bewegung, muß als eine Bewegung von unten nach oben verstanden wer-&lt;br /&gt;
den.’ Es mag sein, daß nicht wenige der jungen Zuhörer Adlers nicht zu-&lt;br /&gt;
letzt wegen dieses Wortes wiederkamen: Bewegung. Es war einfach und&lt;br /&gt;
doch ein Schlüsselwort ohnegleichen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sperber beschreibt, wie Adler besonders auf die jungen Leute, die von&lt;br /&gt;
ihm lernen wollten, so ermutigend wirkte, daß „jeder selbst nach einem&lt;br /&gt;
ganz kurzen Gespräch mit inm gleichsam einen neuen Glauben an sich&lt;br /&gt;
selbst davontrug... Man wußte auf einmal, daß man von sich selbst un-&lt;br /&gt;
gleich mehr fordern, mehr aus sich ‚herausholen‘ könnte, als man es vor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1262&lt;br /&gt;
{{page|1263|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=45}}her je für möglich gehalten hätte.“ „Seine Art befähigte ihn, auch dem&lt;br /&gt;
unansehnlichsten Gesprächspartner das Gefühl ... der Gleichwertigkeit&lt;br /&gt;
einzuflößen.“ Und noch ein anderes beeindruckte an Adler: daß er&lt;br /&gt;
„... uns im gleichen Atemzug... über die unfaßliche Nichtigkeit und über&lt;br /&gt;
die unübertreffliche Größe des Menschen“ belehrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sperber war nicht nur der Schüler Adlers, sondern wurde auch sein Mit-&lt;br /&gt;
arbeiter, der bereits mit zwanzig Jahren sein erstes Buch schrieb: „Alfred&lt;br /&gt;
Adler und seine Lehre“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach sechs weiteren Jahren trat der Bruch in der Freundschaft&lt;br /&gt;
zwischen Adler und Sperber ein. Sperber lehrte inzwischen in Berlin die&lt;br /&gt;
Individualpsychologie Adlers an verschiedenen Fach- und Hochschulen.&lt;br /&gt;
Dieser Bruch, den Sperber sachlich zu schildern versucht, ist einer der&lt;br /&gt;
Hauptanlässe für seine nicht ausreichend optimistische Einstellung: „Das&lt;br /&gt;
Elend der Psychologie“. Was er meint, ist das Elend der Psychologen, das&lt;br /&gt;
heißt die Enttäuschung darüber, daß nach seiner Ansicht Adler infolge&lt;br /&gt;
einer persönlichen Unzulänglichkeit den Bruch herbeigeführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sehr auch Sperber darunter gelitten haben mag, in diesem Buch&lt;br /&gt;
nimmt das Persönliche keinen allzugroßen Raum ein, dafür umsomehr&lt;br /&gt;
die Lehren der Individualität in ihrem sozialen und soziologischen Zusam-&lt;br /&gt;
menhang. Die Schilderung der Lehre Adlers, die für jeden modernen&lt;br /&gt;
Menschen von großer Bedeutung ist, erfolgt in einzigartiger Weise, immer&lt;br /&gt;
im Hinblick auf unsere gegenwärtige Zeit. Jeder kann daraus sehr viel&lt;br /&gt;
zum Verständnis des heutigen Menschen, der modernen Zeit entnehmen.&lt;br /&gt;
Es ist ein ungeheuer aktuelles Buch, das alles, nur nicht einseitig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Individualpsychologie wird in ihren Hauptprinzipien ge-&lt;br /&gt;
schildert: Der Mensch ist eine zielgerichtete Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
Sein Denken, Glauben, Fühlen, Ahnen und Handeln sind auf Ziele ge-&lt;br /&gt;
richtet, die ihm allerdings meist nicht genügend bewußt sind. Jeder strebt&lt;br /&gt;
der bestmöglichen Entfaltung der eigenen Kräfte und Fähigkeiten, dem&lt;br /&gt;
Ziel der Vollkommenheit zu, ob er es weiß oder nicht, ob er es will oder&lt;br /&gt;
nicht. (Adler nannte Gott die „glänzendste Manifestation des Zieles der&lt;br /&gt;
Vollkommenheit‘“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Ziel ist das menschliche Bestreben, sich zugehörig zu&lt;br /&gt;
fühlen, seinen Platz zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer diesen positiven gibt es eine Unzahl von negativen Zielen. Der&lt;br /&gt;
Mensch ist ein soziales Wesen, das auf andere angewiesen ist (Erziehung!)&lt;br /&gt;
und für andere eine Mitverantwortung trägt. Damit rückt der Begriff des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsgefühls, das sinngebend für das Leben ist, in&lt;br /&gt;
den Vordergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Menschen sind grundsätzlich sozial gleichwertig, das heißt, man&lt;br /&gt;
sieht im anderen nicht den Konkurrenten, sondern den Mitmenschen, vor&lt;br /&gt;
dem man Achtung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist eine Ganzheit, eine Einheit.&lt;br /&gt;
Der Mensch ist ein Entscheidungen treffendes Wesen, wenn sich&lt;br /&gt;
auch die meisten Entscheidungen nicht zur bewußten Ebene erheben. Da-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit ist der Mensch für sein Verhalten und Tun verantwortlich. Seine Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen trifft der Mensch aufgrund seiner relativen Freiheit in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1263&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1264|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=46}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung seiner Meinung. Tatsachen sind zweitrangig. Der Mensch „macht“,&lt;br /&gt;
im wahrsten Sinn des Wortes, seine Erfahrungen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Individualpsychologie ist keine der üblichen Besitzpsychologien,&lt;br /&gt;
sondern eine Gebrauchspsychologie: Es ist nicht so wichtig,&lt;br /&gt;
was für Eigenschaften und Möglichkeiten der Mensch besitzt, bzw. was er&lt;br /&gt;
von der Natur mitbekommen hat und was er ist, sondern wesentlich ist,&lt;br /&gt;
wie und wozu er das, was er ist und das, was er hat, gebraucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erkenntnis der ungeheuren Kraft unserer Erwartungen (un-&lt;br /&gt;
seres Glaubens) führt zum Optimismus der Individualpsychologie. Ziel der&lt;br /&gt;
Individualpsychologie ist, durch neue, lehrbare Methoden der Erziehung&lt;br /&gt;
zu größerer Einsicht und Bewußtheit und zum Ablegen der Vorurteile,&lt;br /&gt;
zur Synthese zwischen Persönlichkeit und Gemeinschaft, zu verstärktem&lt;br /&gt;
Wirklichkeitssinn, Verantwortlichkeit und Ersatz der latenten Gehässig-&lt;br /&gt;
keit durch gegenseitiges Wohlwollen zu verhelfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sperber arbeitet Klar heraus, daß es Adler nicht um den ihm von sei-&lt;br /&gt;
nen Gegnern unterstellten „Willen zur Macht“ ging, den Adler&lt;br /&gt;
nur als eine von tausend möglichen Neuroseformen ansah, sondern: „Weit-&lt;br /&gt;
blickend und scharfsichtig erfaßte der Fünfzigjährige sodann, was die&lt;br /&gt;
Psychologie, die er meinte, werden und was sie zustandebringen könnte&lt;br /&gt;
und was Psychologen anstreben mußten — bis zu jener vielleicht ganz&lt;br /&gt;
nahen Zukunft, ‚die nur eines kennen wird: Erziehung‘.“ Außerdem:&lt;br /&gt;
„Adler bekannte sich (im Gegensatz zu anderen Psychotherapien, ganz&lt;br /&gt;
besonders aber zu der von Freud) zur erzieherischen Funktion des Psycho-&lt;br /&gt;
therapeuten, dazu, daß dieser seinem Patienten aktiv bei der Selbst-&lt;br /&gt;
erziehung, das heißt bei der Umerziehung seiner selbst, helfen muß.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heutige psychoanalytische Therapie wird der Adlerschen immer&lt;br /&gt;
ähnlicher. „Man darf hier von einem immensen Sieg der Individual-&lt;br /&gt;
psychologie sprechen, den Adler vorausgesehen hat; er hat aber auch&lt;br /&gt;
vorausgesagt, daß Jahrzehnte vergehen würden, ehe die Psychoanalytiker&lt;br /&gt;
es zugeben würden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch von Sperber ist auch deshalb für den denkenden Menschen&lt;br /&gt;
unserer Zeit von ausschlaggebender Wichtigkeit, weil es im Rahmen der&lt;br /&gt;
Adlerschen Lehre Aufschluß gibt über Erscheinungen der Gegenwart,&lt;br /&gt;
die jeden angehen: Schuldgefühle, Angst, Depression, Aggression, Zu-&lt;br /&gt;
sammenbruch der Autorität, Auswirkungen einer schrankenlosen Sexua-&lt;br /&gt;
lität sowie des Kampfes zwischen den Generationen und den Geschlech-&lt;br /&gt;
tern. Im letzteren passiert Sperber allerdings ein Denkfehler, denn&lt;br /&gt;
der sogenannte „männliche Protest“ (bei der Frau ihre Rebellion gegen&lt;br /&gt;
die Unterlegenheit ihrer Geschlechtsrolle, beim Mann seine Angst, die ihm&lt;br /&gt;
unterstellte Überlegenheit seiner Geschlechtsrolle nicht durchhalten zu&lt;br /&gt;
können) wird zur Zeit nicht geringer, sondern wirkt sich durch die zu-&lt;br /&gt;
nehmende Demokratisierung des Privatlebens immer stärker aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Problem Autorität und Freiheit angeht, ist Sperber etwas zu&lt;br /&gt;
allgemein, weil er nicht genügend zwischen äußerer und innerer Freiheit&lt;br /&gt;
unterscheidet und auf der anderen Seite nicht ausreichend aufzeigt, daß&lt;br /&gt;
die Individualpsychologie nur die Autorität einer Einzelperson ablehnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1264&lt;br /&gt;
{{page|1265|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=47}}dagegen die Autorität der Wirklichkeit, der Ordnung, des Lebens, der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft durchaus anerkennt und für notwendig hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer kleiner Hinweis: Als ursprünglicher Marxist ist Sperber&lt;br /&gt;
vielleicht etwas voreingenommen, wenn er den Verzicht auf Privateigen-&lt;br /&gt;
tum preist und die Verwirklichung der Idee des Kibbuz in Israel als&lt;br /&gt;
ungefährdet ansieht. Denn gerade die Problematik des Verzichts auf Pri-&lt;br /&gt;
vateigentum zeigt die Schranken dieser Idee und hat schon andere Lö-&lt;br /&gt;
sungen, wie z.B. die Siedlung Shave-Zion usw. hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Dinge mindern jedoch nicht den Wert des Buches, genau so&lt;br /&gt;
wenig wie das größte Problem, an dem letztlich nicht nur Adler selbst,&lt;br /&gt;
sondern auch Fritz Künkel und Viktor Frankl ebenso wie Sperber selbst,&lt;br /&gt;
scheitern, der Problemkreis Tod, Sinn des Lebens, Religion, Gott. Adler&lt;br /&gt;
und Sperber scheitern daran, daß sie die geistige Dimension, den Glauben,&lt;br /&gt;
die Religion nicht einbeziehen konnten, Künkel und Frankl scheitern,&lt;br /&gt;
weil sie den folgeschweren Unterschied zwischen Religion und Kirche&lt;br /&gt;
nicht gesehen bzw. verstanden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sperber beendet für sich selbst diesen Problemkreis mit einer gewissen&lt;br /&gt;
Trauer und einer immer wiederkehrenden Hinwendung zum Problem der&lt;br /&gt;
Einsamkeit und stellt damit letztlich zwei der wesentlichen individual-&lt;br /&gt;
psychologischen Begriffe, den Optimismus und das Gemeinschaftsgefühl,&lt;br /&gt;
in eine Art Fragwürdigkeit. Und in diesem Punkt sieht er auch Adler&lt;br /&gt;
nicht ganz richtig, wenn er ihn als entschieden ungläubig, ja total glau-&lt;br /&gt;
benslos schildert. Allerdings berichtigt Sperber diese Aussage etwas:&lt;br /&gt;
„...daß in Adlers späten Schriften eine andere Stellung zum Vorschein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommt, ein Wille zum Verständnis, vielleicht gar eine Hinneigung zum&lt;br /&gt;
Glauben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluß schreibt Sperber: „In den letzten Jahren seines Lebens&lt;br /&gt;
hatte er (Adler) begonnen, die Frage nach dem Sinn des Lebens neu zu&lt;br /&gt;
stellen. Damit räumte er dem Glauben und der Metaphysik einen viel&lt;br /&gt;
breiteren Platz ein, als er es, etwa zehn Jahre früher, für möglich, ge-&lt;br /&gt;
schweige denn für nötig gehalten hätte... Wer wollte sagen, ob ihn diese&lt;br /&gt;
zum Teil neuen Erwägungen über seinen gewohnten Bereich hinausge-&lt;br /&gt;
führt und wohin sie ihn gebracht hätten? Wer wollte ermessen, ob der&lt;br /&gt;
Siebenundsechzigjährige mit seinem unverminderten Elan nicht einen&lt;br /&gt;
neuen Ausbruch ins Freie gewagt hätte? Jenen Ausbruch, mit dem ein&lt;br /&gt;
Mensch seinem Leben die zumeist hoffnungslos ersehnte, zusätzliche Di-&lt;br /&gt;
mension verleiht, ohne die das Fragment, das unser Dasein jedenfalls&lt;br /&gt;
bleiben muß, sich gar häufig zu einem zerschlagenen, zerfallenen Stück-&lt;br /&gt;
werk degradiert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adlers eigene Stellungnahme zur Religion möge aus Worten ersichtlich&lt;br /&gt;
werden, die er vier Jahre vor seinem plötzlichen Tod geschrieben hat:&lt;br /&gt;
„Fehlt der materialistischen Anschauung das Leben bedeutende Ziel, so&lt;br /&gt;
der religiösen — die in diesem Punkt weit voraus ist — der kausale Un-&lt;br /&gt;
terbau. Gott ist nicht wissenschaftlich erweisbar, er ist ein Geschenk des&lt;br /&gt;
Glaubens“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Blumenthal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1265&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1266|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=48}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Maßstäbe für die Zukunft. Neue Aspekte christlicher Ethik in einer ver-&lt;br /&gt;
änderten Welt“, hgg. von Hans-Joachim Girock, Furche-Verlag H. Renne-&lt;br /&gt;
bach KG, Hamburg 1970, 138 Seiten, kart. DM 10,80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Sendereihe des Südwestfunks hervorgegangen, bietet diese&lt;br /&gt;
Broschüre aufschlußreiche Überlegungen einiger Politiker, Hochschul-&lt;br /&gt;
lehrer und Journalisten, vorwiegend aus dem protestantischen Bereich.&lt;br /&gt;
Prof. Ernst Fuchs, Marburg, behandelt das „Doppelgebot der Liebe“ zu&lt;br /&gt;
Gott und zum Nächsten, Klaus Lefringhausen die christliche Verantwor-&lt;br /&gt;
tung vor der Entwicklungspolitik. Martin Schröter kommt mit dem&lt;br /&gt;
„Zwang zum Frieden“ zu dem Ergebnis, daß „der Frieden der Zukunft&lt;br /&gt;
kein Staaten-, sondern ein Gesellschaftsfrieden sein wird“ (S. 39). Konrad&lt;br /&gt;
Jutzler versucht eine christliche Ethik des Informationswesens, ohne in&lt;br /&gt;
allgemeine Fragen der Wissensvermittlung und der Erziehung hinein zu&lt;br /&gt;
erweitern. Bundespräsident Heinemann spricht Gelassenheit und Offen-&lt;br /&gt;
heit als die wichtigsten christlichen Tugenden für den Politiker an; den-&lt;br /&gt;
jenigen, die umfassende neue Vorstellungen entwickeln, bringt er Aner-&lt;br /&gt;
kennung entgegen, auch wenn er selbst der Nüchternheit und der Taktik&lt;br /&gt;
der kleinen Schritte zuneigt. Siegfried Keil, Universität Marburg, sieht&lt;br /&gt;
die „Familie im sozialen Wandel“ und ist dabei großfamilienähnlichen&lt;br /&gt;
Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaften nicht abgeneigt, selbstverständlich&lt;br /&gt;
bei Aufrechterhaltung der „Lebenseinheit Vater — Mutter — Kind als&lt;br /&gt;
Keimzelle menschlichen Lebens“ (S. 82). Karl Horst Wrage geht bei der&lt;br /&gt;
„Beziehung der Geschlechter“ mit überlieferten christlichen Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen ins Gericht und betont die Freiheit der Entscheidung. Prof. Hans-&lt;br /&gt;
Eckehard Bahr, Marburg, sieht den Problemkreis „Arbeit und Freizeit“&lt;br /&gt;
unter dem Aspekt der nach wie vor bestehenden Entfremdung, die auf-&lt;br /&gt;
zuheben eine „Revision der gesamten Erziehung“ und eine „Änderung&lt;br /&gt;
der bisherigen Machtverhältnisse“ (S. 108) erforderlich macht. Seine An-&lt;br /&gt;
sicht, „das Schreckgespenst beschäftigungsloser Massen“ blockiere eine&lt;br /&gt;
technisch bereits mögliche Automation in weiten Wirtschaftsbereichen,&lt;br /&gt;
ist ökonomisch absurd. „Gut ist, was Zukunft hat“, postuliert Vilma&lt;br /&gt;
Sturm von der FAZ-Redaktion; das Prinzip Hoffnung sei zu lange das&lt;br /&gt;
Aschenputtel unter den drei christlichen Kardinaltugenden gewesen; Teil-&lt;br /&gt;
hard de Chardins Kosmologie, aber auch der Alte Bund der Juden mit&lt;br /&gt;
ihrem Gott — ein Bund, ein „Vertrag ist auf Zukunft bezogen“ (S. 115) —&lt;br /&gt;
eröffnen neue Perspektiven. Mit einer Betrachtung über die Luthersche&lt;br /&gt;
„Freiheit eines Christenmenschen“ beschließt Prof. Walter Kreck, Bonn,&lt;br /&gt;
die Sammlung: „Und doch ist uns heute nichts so nötig wie die Stimme&lt;br /&gt;
einer Vernunft, die nicht von egoistischen Gruppeninteressen oder ver-&lt;br /&gt;
festigten Ideologien diktiert wird“ (S. 132).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist beachtlich, auch wenn durch die Bank das Wichtigste fehlt:&lt;br /&gt;
die klare, umfassende Ordnungssvorstellung. Sie ist in 2000 Jahren noch&lt;br /&gt;
nie so recht Jie Sache christlicher Denker gewesen. Von schwärmerischer&lt;br /&gt;
Liebe zu Gott, zu Jesus und zum Nächsten erfüllt, hat man das harte&lt;br /&gt;
Brot des Gesetzes und der Ordnung gern andere, weniger empfindliche&lt;br /&gt;
Seelen brechen lassen, oder man hat die christliche Liebe beiseitegelegt,&lt;br /&gt;
wenn man an wirtschaftliche und politische Entscheidungen heranging.&lt;br /&gt;
Hier, im Mangel an Liebe zu den gesellschaftlichen Strukturen, liegt die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1266&lt;br /&gt;
{{page|1267|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=49}}christliche Ursünde, Durch die Überbetonung des Prinzips der Liebe ge-&lt;br /&gt;
genüber demjenigen der Gerechtigkeit, seinem notwendigen Pendant,&lt;br /&gt;
durch die monomane Ausrichtung auf den persönlichen Glauben an den&lt;br /&gt;
einzigen Sohn eines persönlichen Gottes hat man seit je versäumt, klare&lt;br /&gt;
Vorstellungen von transzendenten, universalen Werten zu entwickeln&lt;br /&gt;
und daraus eine Ordnung — die ja immer eine Prioritätsskala von Wer-&lt;br /&gt;
ten ist — abzuleiten. Krisen und Kriege werden wie Naturkatastrophen&lt;br /&gt;
hingenommen; der Gedanke, daß sie einen erzieherischen Zweck im Heils-&lt;br /&gt;
plan Gottes erfüllen könnten, wird nicht gedacht. All dies ist ein pro-&lt;br /&gt;
funder Mangel an „Trachten nach dem Reich Gottes und nach seiner&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit“ (nicht „Liebe!“ Matth. 6, 33), wie es von Jesus als umfas-&lt;br /&gt;
sende Pflicht des gläubigen Menschen vorgeschrieben worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vilma Sturm spürt am Rande ihrer Überlegungen den geistigen Struk-&lt;br /&gt;
turen des Alten Bundes der Juden nach, aber sonst fühlt sich keiner der&lt;br /&gt;
zehn prominenten Verfasser bemüßigt, über den christlichen Bereich&lt;br /&gt;
hinauszudenken, zum Beispiel in den nachchristlichen Islam hinein, der&lt;br /&gt;
zu unserer abendländischen Kultur mindestens ebenso viel beigetragen&lt;br /&gt;
hat wie das Christentum selbst. Jeder beklagt das Versagen der christ-&lt;br /&gt;
lichen Führung und Gemeinde vor den großen Problemen der letzten&lt;br /&gt;
200 Jahre, aber keiner sieht sich zu der Frage veranlaßt, ob das christ-&lt;br /&gt;
liche Verständnis der Welt wirklich die einzig mögliche Grundhaltung&lt;br /&gt;
ist. Fast jeder Verfasser bringt Wiederkunftshoffnungen zum Ausdruck,&lt;br /&gt;
einzelne weisen sogar auf die apokalyptischen Züge in der Gegenwarts-&lt;br /&gt;
krise hin, aber keiner geht dem Gedanken nach, ob sich diese Wieder-&lt;br /&gt;
kunft nicht schon ereignet haben könnte und ob die Gegenwartskrise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht gar eine kritische Phase der Anpassung an den neugeoffenbarten&lt;br /&gt;
göttlichen Willen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Christen müssen noch viel lernen, bevor sie richtig lernen können.&lt;br /&gt;
Sie sollten weniger basteln und puzzeln und mehr suchen! Daß derjenige,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sucht, gewiß finden wird, ist uns allen schon seit zwei Jahrtausenden&lt;br /&gt;
verheißen. P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George Lichtheim, „Ursprünge des Sozialismus“, Das moderne Sachbuch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— dms —, Band 86, Bertelsmann Sachbuchverlag, Gütersloh 1969, 304 Sei-&lt;br /&gt;
ten, Leinen DM 15,—.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft erhebt sich der Wunsch nach einer allgemeinverständlichen Ein-&lt;br /&gt;
führung in die geistigen Grundlagen des Marxismus. Hier liegt ein durch-&lt;br /&gt;
dachtes Werk dieser Art vor, das von der ideengeschichtlichen Seite her&lt;br /&gt;
vorgeht. Professor Lichtheim gilt als einer der bedeutendsten Kenner des&lt;br /&gt;
Sozialismus. Deutscher Herkunft, emigrierte er nach England und lehrte&lt;br /&gt;
zeitweilig an verschiedenen amerikanischen Universitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Französischen und der Industriellen Revolution ausgehend,&lt;br /&gt;
zeigt Lichtheim die Ursprünge des marxschen Denkens im französischen&lt;br /&gt;
Sozialutopismus, der englischen Wirtschaftswissenschaft und der idealisti-&lt;br /&gt;
schen deutschen Philosophie. Was Marx daraus bereitet hat, feiert der&lt;br /&gt;
Verfasser trotz aller klar dargestellten Widersprüche als eine Synthese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1267&lt;br /&gt;
{{page|1268|file=Baha&#039;i_Briefe_43.pdf|page=50}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner eigenen Kritik ist Lichtheim selbst stark der klassischen Philo-&lt;br /&gt;
sophie verhaftet. Wenn er neuere Kulturphilosophien, den Strukturalis-&lt;br /&gt;
mus oder gar religiöse Kategorien verarbeitet hätte, wären viele schief-&lt;br /&gt;
liegende Pauschalierungen („Ist ein philosophisches System umfassend,&lt;br /&gt;
dann ist es statisch, ist es kritisch, ist es nicht länger mehr total“, S. 206;&lt;br /&gt;
„die Geschichte wiederholt sich nicht“, S. 227) zu vermeiden gewesen. Bei&lt;br /&gt;
einem der größten deutschen Verlagshäuser dürften nicht so viele Druck-&lt;br /&gt;
und Übersetzungsfehler vorkommen: Lasalle sprach nicht von dem „eiser-&lt;br /&gt;
nen Gesetz der Löhne“ (S. 186), sondern von einem „ehernen Lohngesetz“,&lt;br /&gt;
und Moses Heß war, zwei Generationen vor Erfindung der Glühbirne,&lt;br /&gt;
sicher kein „geborener Elektriker“ (S. 197), sondern ein Eklektiker. Sehr&lt;br /&gt;
wertvoll sind für jeden Studenten die ausführlichen Anmerkungen und&lt;br /&gt;
die kritischen Literaturhinweise. pmh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’i in Deutschland e. V., 6239 Langenhain, Kohlgrubenstraße 3.&lt;br /&gt;
Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung&lt;br /&gt;
des Herausgebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14.&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 879058 oder (07 11) 8732 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich, Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_42/Text&amp;diff=75339</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 42/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1175|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=1}}&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM: INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch&lt;br /&gt;
und die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot; Religion der Entwicklung&lt;br /&gt;
Über das Unternehmertum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung&lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 42 OKT. 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1176|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1177|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=3}}OKTOBER 1970 BAHAT- BRIEFE HEFT 42&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieh, wie die Beweise dieser Offenbarung in allen Dingen zutage&lt;br /&gt;
treten und wie die Besserung aller Wesen davon abhängt. Diese&lt;br /&gt;
Erziehung ist zweifacher Art. Die eine ist allumfassend. Ihr Ein-&lt;br /&gt;
fluß durchdringt und erhält alle Dinge. Aus diesem Grund hat Gott&lt;br /&gt;
die Benennung „Herr aller Welten“ angenommen. Die andere ist&lt;br /&gt;
auf die beschränkt, die sich unter den Schatten dieses Namens be-&lt;br /&gt;
geben und den Schutz dieser mächtigsten Offenbarung gesucht ha-&lt;br /&gt;
ben. Wer es aber versäumt, diesen Schutz aufzusuchen, hat das&lt;br /&gt;
Vorrecht verscherzt und ist außerstande, aus der geistigen Unter-&lt;br /&gt;
stützung Gewinn zu ziehen, die durch die himmlische Gnade dieses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Größten Namens herniedergesandt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese XCIII)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1177&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1178|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch und die Wirklichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás am 10. Oktober 1912 in San Franzisko&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Ich Mich heute abend unwohl fühlte, hat Mich doch die Liebe&lt;br /&gt;
zu Ihnen in diese Versammlung geführt. Ich habe nämlich gehört, dies&lt;br /&gt;
hier sei ein offenes Forum, das die Wirklichkeit erforscht; Sie selbst seien&lt;br /&gt;
frei von blinden Nachahmungen und bemühten sich, der Wahrheit der&lt;br /&gt;
Dinge auf den Grund zu gehen, und Ihre Bestrebungen seien hoch-&lt;br /&gt;
gemut. Deshalb dachte Ich Mir, es sei angebracht, zu Ihnen über das&lt;br /&gt;
Thema „Philosophie“ zu sprechen, das den Osten wie den Westen im&lt;br /&gt;
selben Maße beschäftigt, befähigt es uns doch, die Übereinstimmungen&lt;br /&gt;
und Unterschiede zwischen den Denkrichtungen des Orients und des&lt;br /&gt;
Okzidents zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erkenntnismaßstab, den die westlichen Philosophen schätzen, ist die&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmung. Sie halten das, was die Sinne fassen oder wahr-&lt;br /&gt;
nehmen können, für eine Wirklichkeit, an deren Existenz kein Zweifel&lt;br /&gt;
besteht. Wir beweisen zum Beispiel die Existenz dieses Lichtes hier&lt;br /&gt;
durch den Gesichtssinn, wir machen uns ein Bild von diesem Raum,&lt;br /&gt;
wir sehen die Sonne und die grünen Felder; wir benutzen unseren&lt;br /&gt;
Gesichtssinn, um sie zu beobachten. Diese Philosophen sind nun der&lt;br /&gt;
Meinung, daß diese Wahrnehmung Wirklichkeit sei und daß die Sinne&lt;br /&gt;
der höchste Maßstab der Wahrnehmung und des Urteils seien, an dem&lt;br /&gt;
es keinerlei Zweifel oder Ungewißheit geben könne. Nach Auffassung&lt;br /&gt;
der östlichen Philosophen, besonders der Griechen und der Perser, ist&lt;br /&gt;
der Verstand Maßstab der Erkenntnis. Sie sind der Ansicht, der Maß-&lt;br /&gt;
stab der Sinne sei fehlerhaft, und beweisen dies damit, daß die Sinne oft&lt;br /&gt;
getäuscht und irregeführt werden. Was Fehlern unterworfen ist, kann&lt;br /&gt;
nicht unfehlbar, kann kein Maßstab der Erkenntnis sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der machtvollste und zuverlässigste unter den Sinnen ist das Ge-&lt;br /&gt;
sicht. Dieser Sinn zeigt eine Fata Morgana als eine Ansammlung von&lt;br /&gt;
Wasser und ist ihrer Merkmale völlig sicher, obwohl eine Fata Morgana&lt;br /&gt;
etwas Nichtbestehendes ist. Der Gesichissinn sieht Bilder in einem&lt;br /&gt;
Spiegel als Wirklichkeiten, wo uns doch der Verstand erklärt, sie seien&lt;br /&gt;
nichtbestehend. Das Auge sieht die Sonne und die Planeten sich um&lt;br /&gt;
die Erde drehen, während in Wirklichkeit die Sonne fest in der Mitte&lt;br /&gt;
steht und sich die Erde auf ihrer Kreisbahn um sie dreht. Der Gesichts-&lt;br /&gt;
sinn sieht die Erde als eine ebene Scheibe, während die Verstandeskräfte&lt;br /&gt;
entdecken, daß die Erde eine Kugel ist. Das Auge sieht die Himmelskörper&lt;br /&gt;
im grenzenlosen Raum als kleine, unscheinbare Punkte, wo uns doch der&lt;br /&gt;
Verstand erklärt, daß sie ungeheuer große Sonnen sind. Der Gesichtssinn&lt;br /&gt;
nimmt einen wirbelnden Feuerfunken als einen Lichtkreis wahr und hat&lt;br /&gt;
keinen Zweifel darüber, während in Wirklichkeit kein derartiger Kreis&lt;br /&gt;
besteht. Ein Mensch, der in einem Schiff fährt, sieht die Ufer auf beiden&lt;br /&gt;
Seiten sich vorbewegen, wo sich doch das Schiff bewegt. Kurz, es gibt&lt;br /&gt;
zahllose Einzelfälle und Beweise, die die Behauptung widerlegen, daß&lt;br /&gt;
greifbare Dinge und Sinneseindrücke Gewißheiten seien, denn die Sinne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1178&lt;br /&gt;
{{page|1179|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=5}}sind häufig irreführend und fehlerhaft. Wie können wir da zu Recht be-&lt;br /&gt;
haupten wollen, sie würden die Wirklichkeit beweisen, wo doch der Maß-&lt;br /&gt;
stab, das Merkmal selbst fehlerhaft ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verstand als das Menschliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Philosophen des Ostens betrachten den Verstand oder Intellekt&lt;br /&gt;
als den vollkommenen Maßstab, an dem die Wirklichkeit aller Objekte&lt;br /&gt;
bewiesen werden könne, denn der Maßstab des Verstandes und des&lt;br /&gt;
Intellekts, sagen sie, sei vollkommen, und alles, was durch den Verstand&lt;br /&gt;
beweisbar ist, sei wirklich. Demnach betrachten diese Denker alle philo-&lt;br /&gt;
sophischen Ableitungen als richtig, wenn sie nach den Maßstäben des&lt;br /&gt;
Verstandes geprüft worden sind; die Sinne, so erklären sie, seien die&lt;br /&gt;
Helfer und die Werkzeuge des Verstandes, und obgleich die Erforschung&lt;br /&gt;
der Wirklichkeiten durch die Sinne geschehen möge, sei der Maßstab der&lt;br /&gt;
Erkenntnis und des Urteils der Verstand. Auf diese Weise unterscheiden&lt;br /&gt;
sich die Philosophen des Ostens und des Westens; hier sind sie ver-&lt;br /&gt;
schiedener Meinung. Die materialistischen Philosophen des Westens be-&lt;br /&gt;
haupten, der Mensch gehöre zum Tierreich, während die Philosophen&lt;br /&gt;
des Ostens, wie Plato, Aristoteles und die Perser, die Welt des Seins, die&lt;br /&gt;
Erscheinungen des Lebens, in zwei allgemeine Kategorien oder Reiche&lt;br /&gt;
teilen: Das eine ist das Tierreich oder die Welt der Natur, das andere&lt;br /&gt;
das Menschenreich oder die Welt des Verstandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch erhebt sich über die Tiere durch seinen Verstand. Die&lt;br /&gt;
Wahrnehmungen des Menschen sind von zweierlei Art: gegenständlich&lt;br /&gt;
oder sinnlich und verstandlich; die tierischen Wahrnehmungen hingegen&lt;br /&gt;
sind auf das Sinnliche, Gegenständliche beschränkt. Die gegenständliche&lt;br /&gt;
Wahrnehmung kann mit dieser Kerze verglichen werden, die verstand-&lt;br /&gt;
liche Wahrnehmung mit dem Licht. Die Lösung mathematischer Pro-&lt;br /&gt;
bleme, die Bestimmung der Kugelform dieser Erde geschehen durch&lt;br /&gt;
verstandliche Wahrnehmung. Das Zentrum der Schwerkraft ist eine&lt;br /&gt;
verstandliche Hypothese. Der Verstand selbst ist nicht greifbar oder&lt;br /&gt;
wahrnehmbar für die Sinne. Der Verstand ist eine intellektuelle Wahr-&lt;br /&gt;
heit oder Wirklichkeit. Alle Werte sind ideelle Wirklichkeiten, keine&lt;br /&gt;
greifbaren Wirklichkeiten. Zum Beispiel sagen wir, dieser Mann sei&lt;br /&gt;
ein Gelehrter. Erkenntnis ist eine ideelle Errungenschaft, die für die&lt;br /&gt;
Sinne nicht wahrnehmbar ist. Wenn Sie diesen Gelehrten vor Augen&lt;br /&gt;
haben, können Sie seine Erkenntnis nicht sehen; Ihr Ohr kann seine&lt;br /&gt;
Wissenschaftlichkeit nicht hören, noch können Sie diese durch den Ge-&lt;br /&gt;
schmackssinn wahrnehmen. Es handelt sich nicht um eine greifbare&lt;br /&gt;
Wahrheit. Wissenschaftlichkeit ist eine ideelle Wahrheit. Es ist deshalb&lt;br /&gt;
klar, daß die Wahrnehmungen des Menschen von zweierlei Art, ver-&lt;br /&gt;
standlich und greifbar oder sinnlich, sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Tier anbelangt, so ist es nur mit der Sinneswahrnehmung&lt;br /&gt;
begabt. Es geht der verstandlichen Wahrnehmung verlustig. Es kann die&lt;br /&gt;
ideellen Wirklichkeiten nicht begreifen. Das Tier kann sich die Erde&lt;br /&gt;
nicht als Kugel vorstellen. Die Intelligenz eines in Europa wohnenden&lt;br /&gt;
Tieres hätte niemals die Entdeckung des amerikanischen Kontinents&lt;br /&gt;
vorausplanen können. Das Tierreich ist außerstande, die verborgenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1179&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1180|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimnisse der Natur, wie die Elektrizität, zu entdecken und sie aus&lt;br /&gt;
dem Bereich des Unsichtbaren auf die Ebene des Sichtbaren zu bringen.&lt;br /&gt;
Es ist offenkundig, daß Entdeckungen und Erfindungen die tierische&lt;br /&gt;
Intelligenz übersteigen. Das Tier kann nicht die Geheimnisse der Schöp-&lt;br /&gt;
fung und der Entstehung der Arten durchdringen. Sein Gehirn ist&lt;br /&gt;
unfähig, sich die Wirklichkeit des Äthers vorzustellen. Es kann die Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse des Magnetismus nicht erkennen, weil die Gaben des ab-&lt;br /&gt;
strakten Denkens und des Intellekts in seiner Grundausstattung fehlen.&lt;br /&gt;
Das will besagen, das Tier ist von seinem Schöpfungszweck her ein Ge-&lt;br /&gt;
fangener der Sinne. Jenseits der greifbaren Dinge und seiner Sinnes-&lt;br /&gt;
eindrücke kann es nichts wahrnehmen. Es leugnet alles. Es ist ideeller&lt;br /&gt;
Wahrnehmungen unfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arten und ihre Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tugend und Vollkommenheit gehören dem Menschen an, der sowohl die&lt;br /&gt;
Fähigkeit der sinnlichen wie diejenige der ideellen Wahrnehmung be-&lt;br /&gt;
sitzt. Zum Beispiel sind astronomische Entdeckungen Errungenschaften&lt;br /&gt;
des Menschen. Er hat dieses Wissen nicht durch seine Sinne erworben.&lt;br /&gt;
Der größte Teil davon ist durch den Verstand, durch seinen ideellen&lt;br /&gt;
Sinn, erworben worden. Die Erfindungen des Menschen sind über die&lt;br /&gt;
Straße seiner Verstandesfähigkeiten in die Erscheinung getreten. Alle&lt;br /&gt;
seine wissenschaftlichen Errungenschaften sind durch seine verstandliche&lt;br /&gt;
Begabung Wirklichkeit geworden. Kurz, die Zeichen des Intellekts, des&lt;br /&gt;
Verstandes, sind im Menschen offenbar. Durch sie unterscheidet er sich&lt;br /&gt;
vom Tier. Deshalb ist das Tierreich abgesondert und minderwertig ge-&lt;br /&gt;
genüber dem Menschenreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz alledem haben die Philosophen des Westens gewisse Gedanken-&lt;br /&gt;
gänge und Nachweise, mit denen sie zu beweisen suchen, der Mensch&lt;br /&gt;
habe seinen Ursprung im Tierreich. Obwohl er heute ein Wirbeltier sei,&lt;br /&gt;
habe er ursprünglich im Meer gelebt. Von dort sei er aufs Land über-&lt;br /&gt;
gewechselt und zum Wirbeltier geworden. Nach und nach seien in seiner&lt;br /&gt;
anatomischen Entwicklung Füße und Hände aufgetreten. Er habe begon-&lt;br /&gt;
nen, auf allen Vieren zu gehen, bis er schließlich die menschliche Gestalt&lt;br /&gt;
erlangt habe und aufrecht gegangen sei. Sie stellen fest, die menschliche&lt;br /&gt;
Anatomie habe nacheinander Veränderungen durchgemacht, bis sie&lt;br /&gt;
schließlich menschliche Form annahm; die Zwischenformen oder Ver-&lt;br /&gt;
änderungen seien miteinander verbunden wie die Glieder einer Kette.&lt;br /&gt;
Zwischen dem Menschen und dem Affen fehle lediglich ein letztes Glied;&lt;br /&gt;
bis zum heutigen Tag waren die Wissenschaftler außerstande, es zu&lt;br /&gt;
entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der höchste Beweis dieser westlichen Theorie der menschlichen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung ist demnach anatomischer Art; er geht davon aus, daß im&lt;br /&gt;
Menschen gewisse Reste von Organen zu finden seien, die dem Affen&lt;br /&gt;
und den niedereren Tieren eigentümlich sind. Daraus sei zu schließen,&lt;br /&gt;
daß der Mensch zu einer gewissen Zeit in seiner Aufwärtsentwicklung&lt;br /&gt;
diese Organe, die heute nicht mehr arbeiten, sondern als bloße Reste und&lt;br /&gt;
Überbleibsel in Erscheinung treten, besessen habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1180&lt;br /&gt;
{{page|1181|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=7}}Die Schlange zum Beispiel hat einen Stummel, der darauf hinweist,&lt;br /&gt;
daß sie einstmals lange Glieder hatte; da dieses Geschöpf aber dazu&lt;br /&gt;
überging, seine Behausung in den Erdhöhlen zu suchen, wurden diese&lt;br /&gt;
Glieder nicht länger gebraucht. Sie schrumpften und bildeten sich&lt;br /&gt;
zurück, so daß sie heute nur noch als Rest oder Stummel übrig sind,&lt;br /&gt;
lediglich ein Zeichen dafür, daß sie einmal lang und gebrauchsfähig&lt;br /&gt;
waren. So wird behauptet, auch der Mensch habe gewisse Organreste in&lt;br /&gt;
seinem Körperbau, was beweise, daß es eine Zeit gab, in der seine&lt;br /&gt;
anatomische Struktur verschieden von seinem gegenwärtigen Organismus&lt;br /&gt;
war, und daß eine entsprechende Umwandlung oder Veränderung in die-&lt;br /&gt;
ser Struktur stattgefunden habe. Das Steißbein zum Beispiel, das Ende&lt;br /&gt;
der menschlichen Wirbelsäule, soll der Rest eines Schwanzes sein, den der&lt;br /&gt;
Mensch früher besessen hat, der jedoch nach und nach verschwand, nach-&lt;br /&gt;
dem er aufrecht ging. Diese Feststellungen und Darlegungen drücken den&lt;br /&gt;
Grundgehalt der westlichen Philosophie zur Frage der menschlichen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Philosophen des Orients erwidern den Denkern der westlichen&lt;br /&gt;
Welt: Angenommen, der menschliche Körperbau sei ursprünglich anders&lt;br /&gt;
als heute gewesen, er sei stufenweise von einem Zustand in den anderen&lt;br /&gt;
umgewandelt worden; einmal sei er einem Fisch ähnlich gewesen, später&lt;br /&gt;
einem wirbellosen Tier, schließlich von menschlicher Gestalt, dann ändere&lt;br /&gt;
oder berühre diese körperliche Entfaltung nicht die Feststellung, daß die&lt;br /&gt;
Entwicklung des Menschen immer der Grundform nach menschlich,&lt;br /&gt;
dem Fortschreiten nach biologisch gewesen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den menschlichen Embryo mikroskopisch untersuchen, ist er&lt;br /&gt;
zunächst nur ein Bazillus oder ein Wurm. Schritt für Schritt entwickelt&lt;br /&gt;
er sich und zeigt gewisse Unterteilungen. Ansätze von Händen und Füßen&lt;br /&gt;
treten auf, das heißt, ein oberer und ein unterer Teil sind zu unter-&lt;br /&gt;
scheiden. Danach macht er bestimmte deutliche Veränderungen durch, bis&lt;br /&gt;
er seine eigentliche menschliche Gestalt erlangt und in diese Welt ge-&lt;br /&gt;
boren wird. Aber zu allen Zeiten, selbst als der Embryo einem Wurm&lt;br /&gt;
glich, war er der Möglichkeit und dem Wesen nach menschlich, nicht&lt;br /&gt;
tierisch. In dieser ganzen Entfaltung gab es eine Verlagerung der Gestalt,&lt;br /&gt;
jedoch eine Bewahrung der Gattung oder der Art. Wenn wir uns dies be-&lt;br /&gt;
wußt machen, können wir gern die Tatsache eingestehen, daß der Mensch&lt;br /&gt;
einstmals ein Meeresbewohner war, zu einer anderen Zeit ein wirbel-&lt;br /&gt;
loses Tier, dann ein Wirbeltier und schließlich ein aufrecht stehendes&lt;br /&gt;
menschliches Wesen. Auch wenn wir diese Veränderungen zugestehen,&lt;br /&gt;
können wir doch nicht sagen, der Mensch sei ein Tier. Auf jeder dieser&lt;br /&gt;
Stufen gab es Zeichen und Beweise für seine menschliche Existenz und&lt;br /&gt;
seine Bestimmung. Ein Nachweis hierfür liegt in der Tatsache, daß der&lt;br /&gt;
menschliche Embryo heute noch einem Wurm gleicht. Dieser Embryo&lt;br /&gt;
schreitet heute noch von einem Zustand zum anderen fort; er durch-&lt;br /&gt;
läuft verschiedene Formen, bis das, was als Möglichkeit in ihm liegt, das&lt;br /&gt;
Menschenbild nämlich, zum Vorschein kommt. Deshalb ist selbst im&lt;br /&gt;
Protoplasma der Mensch ein Mensch. Die Erhaltung der Arten erfor-&lt;br /&gt;
dert dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „missing link“, das fehlende Bindeglied der Theorie Darwins (zwi-&lt;br /&gt;
schen Tier und Mensch) ist seinerseits ein Beweis dafür, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1181&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1182|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=8}}kein Tier ist. Wie wäre es möglich, daß alle Glieder der Entwicklungs-&lt;br /&gt;
kette vorhanden sind und dieses wichtige Glied fehlt? Sein Fehlen ist ein&lt;br /&gt;
Zeichen dafür, daß der Mensch nie ein Tier war. Es wird nie zu finden&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch steht über der Natur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung all dessen liegt darin, daß sich die Menschenwelt deut-&lt;br /&gt;
lich vom Tierreich unterscheidet. Das ist die Lehre der orientalischen&lt;br /&gt;
Philosophen. Sie haben einen Beweis dafür: Die Tiere sind Gefangene&lt;br /&gt;
der Natur. Alle Seinsweisen und Erscheinungen der niedereren Reiche&lt;br /&gt;
sind Gefangene der Natur. Die machtvolle Sonne, die zahllosen Sterne,&lt;br /&gt;
das Reich der Pflanzen und der Minerale — nichts darin kann auch nur&lt;br /&gt;
um Haaresbreite über die Grenzen der Naturgesetze treten. Sie waren&lt;br /&gt;
allezeit und sind weiterhin von der Hand der Natur gefesselt. Der Mensch&lt;br /&gt;
jedoch bricht die Gesetze der Natur und macht sie seinen Zwecken&lt;br /&gt;
dienstbar. Zum Beispiel ist der Mensch ein erdgebundenes Lebewesen,&lt;br /&gt;
in gleicher Weise wie die Tiere. Die Sachzwänge der Natur fordern, daß&lt;br /&gt;
er sich auf der Erde aufhält; aber er bricht die Naturgesetze und schwingt&lt;br /&gt;
sich hoch in die Luft. Durch den Gebrauch seines Verstandes überwindet&lt;br /&gt;
er Naturgesetze und taucht mit Unterseebooten in die Meere oder über-&lt;br /&gt;
quert sie in Schiffen. Er fesselt mächtige Naturkräfte wie die Elektrizität&lt;br /&gt;
und bannt sie in eine Glühlampe. Nach dem Naturgesetz sollte er sich&lt;br /&gt;
nur über eine Entfernung von rund tausend Fuß verständigen können;&lt;br /&gt;
durch seine Erfindungen und Entdeckungen jedoch tauscht er Nachrichten&lt;br /&gt;
mit dem Osten und dem Westen innerhalb weniger Augenblicke. Das ist&lt;br /&gt;
ein Bruch der Naturgesetze. Der Mensch fesselt die menschliche Stimme&lt;br /&gt;
und gibt sie in einem Phonographen wieder. Seine Stimme sollte allen-&lt;br /&gt;
falls ein paar hundert Fuß entfernt hörbar sein; er aber erfindet ein&lt;br /&gt;
Instrument, das sie tausend Meilen weit überträgt. Kurz, alle Künste und&lt;br /&gt;
Wissenschaften, Erfindungen und Entdeckungen, die der Mensch in unse-&lt;br /&gt;
rer Zeit vollbracht hat, waren einst Geheimnisse, welche die Natur ver-&lt;br /&gt;
steckt und verborgen halten wollte; der Mensch jedoch hat sie von der&lt;br /&gt;
Ebene des Unsichtbaren weggenommen und auf die Ebene des Sichtbaren&lt;br /&gt;
gebracht. Dies geschah entgegen den Naturgesetzen. Die Elektrizität sollte&lt;br /&gt;
ein verborgenes Geheimnis bleiben; aber der Mensch entdeckt sie und&lt;br /&gt;
macht sie zu seiner Sklavin. Er reißt der Natur ihr Schwert aus der&lt;br /&gt;
Hand und wendet sich damit gegen die Natur selbst; er beweist, daß&lt;br /&gt;
eine Macht in ihm steckt, die über die Natur hinausreicht, weil sie im-&lt;br /&gt;
stande ist, die Naturgesetze zu brechen und zu unterwerfen. Wäre diese&lt;br /&gt;
Macht nicht übernatürlich und außergewöhnlich, die Errungenschaften&lt;br /&gt;
des Menschen wären nie möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des weiteren liegt es auf der Hand, daß die natürliche Welt kein Be-&lt;br /&gt;
wußtsein hat. Die Natur hat keine Erkenntnis, während der Mensch be-&lt;br /&gt;
wußt lebt. Die Natur hat keine Erinnerung; der Mensch besitzt sie.&lt;br /&gt;
Die Natur hat weder Willen noch Vorstellung; der Mensch besitzt beides.&lt;br /&gt;
Es ist klar, daß dem Menschen Tugenden innewohnen, die es in der Welt&lt;br /&gt;
der Natur nicht gibt. Das ist von jedem Standpunkt her beweisbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn behauptet wird, die verstandliche Wirklichkeit des Menschen&lt;br /&gt;
gehöre zur Welt der Natur, sie sei der Teil eines größeren Ganzen, dann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1182&lt;br /&gt;
{{page|1183|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=9}}fragen wir, ob der Teil Werte enthalten könne, die das Ganze nicht be-&lt;br /&gt;
sitzt. Kann zum Beispiel ein Tropfen Werte besitzen, deren das Meer als&lt;br /&gt;
Ganzes beraubt ist? Kann ein Blatt mit Werten ausgestattet sein, die im&lt;br /&gt;
ganzen Baum fehlen? Ist es denkbar, daß die außergewöhnliche Fähig-&lt;br /&gt;
keit des Verstandes im Menschen dem Wesen und der Art nach etwas&lt;br /&gt;
Tierisches sei? Auf der anderen Seite ist es klar und wahr, auch wenn&lt;br /&gt;
es höchst überraschend ist, daß im Menschen jene übernatürliche Kraft&lt;br /&gt;
oder Fähigkeit gegenwärtig ist, die die Wirklichkeiten der Dinge entdeckt&lt;br /&gt;
und die Macht der Vergeistigung und der Begriffsbildung umschließt. Sie&lt;br /&gt;
kann wissenschaftliche Gesetze entdecken, und wir wissen, daß die Wis-&lt;br /&gt;
senschaft keine greifbare Wirklichkeit ist. Die Wissenschaft besteht im&lt;br /&gt;
Bewußtsein des Menschen als eine ideelle Wirklichkeit. Das Bewußtsein&lt;br /&gt;
selbst, der Verstand selbst, ist eine ideelle Wirklichkeit und nicht greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen ungeachtet sagen manche besonders Scharfsinnige: Wir haben&lt;br /&gt;
die höchste Stufe des Wissens erreicht. Wir sind in das Laboratorium&lt;br /&gt;
der Natur eingedrungen, haben Wissenschaften und Künste studiert.&lt;br /&gt;
Wir haben den höchsten Rang der Erkenntnis in der Menschenwelt er-&lt;br /&gt;
langt. Wir haben die Tatsachen erforscht, wie sie sind, und sind zu dem&lt;br /&gt;
Schluß gekommen, daß nichts zu Recht annehmbar ist außer dem sinn-&lt;br /&gt;
lich Wahrnehmbaren. Dies ist die einzige Wirklichkeit, die Glauben&lt;br /&gt;
verdient. Alles, was nicht sinnlich wahrnehmbar ist, ist Einbildung und&lt;br /&gt;
Unsinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seltsam ist es in der Tat, daß der Mensch nach zwanzig Jahren Aus-&lt;br /&gt;
bildung in Hochschulen und Universitäten einen Punkt erreichen sollte,&lt;br /&gt;
wo er die Existenz des Ideellen leugnet und alles ablehnt, was die Sinne&lt;br /&gt;
nicht wahrnehmen können. Haben Sie schon einmal innegehalten und be-&lt;br /&gt;
dacht, daß das Tier bereits diese Art von Universität hinter sich gebracht&lt;br /&gt;
hat? Haben Sie sich bewußt gemacht, daß die Kuh schon eine emeritierte&lt;br /&gt;
Professorin von dieser Universität ist? Denn ohne harte Arbeit, ohne&lt;br /&gt;
Studien ist die Kuh bereits eine Philosophin von höchsten Graden in&lt;br /&gt;
der Schule der Natur. Die Kuh verleugnet alles, was sie nicht sinnlich&lt;br /&gt;
wahrnehmen kann, und sagt: „Ich kann sehen! Ich kann fressen! Deshalb&lt;br /&gt;
glaube ich nur an das, was greifbar ist!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum sollten wir da noch die Hochschulen besuchen? Laßt uns zur&lt;br /&gt;
Kuh gehen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufzeichnungen von Bijou Straun, aus „The Promulgation of Universal Peace“,&lt;br /&gt;
Vol. II, Wilmette/Ill. 1922/1943, S. 349 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glücklich der Mensch, der sich erhebt, um Meiner Sache zu&lt;br /&gt;
dienen und Meinen herrlichen Namen zu preisen! Ergreife&lt;br /&gt;
Mein Buch mit der Kraft Meiner Macht und halte dich be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
harrlich an jedes Gebot, das dein Herr, der Verordner, der&lt;br /&gt;
Allweise, darin bestimmt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ährenlese XXVIII Bahd’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1183&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1184|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion der Entwicklung&lt;br /&gt;
Die Wege des Suchers / von Robert L. Gulick jr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion kann vernünftig sein, ohne ihr Feuer zu verlieren. Wahre&lt;br /&gt;
Religion vermeidet magischen Putz und achtet des Menschen Hoffnung&lt;br /&gt;
auf ein reicheres Leben. Mit dem Schild des Glaubens bewaffnet, können&lt;br /&gt;
wir diese Erde von ihrem Fluch befreien: von vernichtendem Krieg, von&lt;br /&gt;
entwürdigender Armut, von nutzlosem Leiden, von Gewaltherrschaft.&lt;br /&gt;
Zu viel Nachdruck auf Sinnbilder und Rituale zehrt die Lebenskraft des&lt;br /&gt;
Gottesglaubens aus. Die Bahä’i wissen, daß „die Menschenwelt im Dun-&lt;br /&gt;
keln tappt, weil sie die Fühlung mit der Welt Gottes verloren hat“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i bezeugen die Erhabenheit und den veredelnden Einfluß&lt;br /&gt;
aller Propheten. Ihr Ziel ist die Vereinigung aller Völker in einer um-&lt;br /&gt;
fassenden Bewegung, einem gemeinsamen Glauben. Der Prophet Gottes&lt;br /&gt;
kommt zur Welt und lebt unter den Menschen, „um eine ständig fort-&lt;br /&gt;
schreitende Kultur voranzutragen“. Gehorsam gegenüber dem Propheten&lt;br /&gt;
ist die Triebfeder menschlichen Fortschritts. Der Gesandte Gottes kann&lt;br /&gt;
die Krankheiten der Welt heilen und das Volk zu „einer Herde“ mit&lt;br /&gt;
„einem Hirten“ einigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begründer der großen Religionen hatten zwei Aufgaben. Die eine&lt;br /&gt;
bestand darin, den Pfad Gottes von dem Schutt zu säubern, den die Men-&lt;br /&gt;
schen aufgehäuft hatten. Die andere war, Ziele für den gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Fortschritt zu setzen. Jeder Religionsstifter gab dieselben Grundlehren:&lt;br /&gt;
den Glauben an einen einzigen Gott, das Gesetz der Liebe, die Brüderlich-&lt;br /&gt;
keit der Menschen und das ewige Leben. Das Hauptbedürfnis unserer&lt;br /&gt;
Zeit ist eine gerechte Weltordnung, und höchstes Ziel jedes Bahä’i ist es,&lt;br /&gt;
die Einheit der Menschheit zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion ist eine unabhängige Offenbarungsreligion, keine&lt;br /&gt;
Sekte und kein Ableger eines früheren Bekenntnisses. Sie entstand in&lt;br /&gt;
der Nacht des 22./23. Mai 1844, als in Shiräz, Persien, ‘Ali Muhammad,&lt;br /&gt;
ein Nachkomme des Propheten Muhammad, Seinen jungen Gast, Mullä&lt;br /&gt;
Husayn, durch die Erklärung bestürzte, Er sei ein Bote Gottes. Er nahm&lt;br /&gt;
den Titel Báb (das Tor) an. Wie Johannes der Täufer verkündete Er, der&lt;br /&gt;
Vorläufer eines anderen, Größeren, zu sein. Darüber hinaus beanspruchte&lt;br /&gt;
Er den Rang eines unabhängigen Propheten, ausgestattet mit der Voll-&lt;br /&gt;
macht, vorherrschende religiöse Bräuche zu ändern und Gebete und&lt;br /&gt;
Gesetze zu offenbaren. Später werde Seine Sendung abgelöst durch die&lt;br /&gt;
Sendung „Dessen, den Gott offenbaren wird“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb war in Shiräz, der Stadt der Dichter Häfiz und Sa’di, am&lt;br /&gt;
20. Oktober 1819 geboren worden. Als Kind setzte Er Seinen Lehrer durch&lt;br /&gt;
Tugendhaftigkeit und angeborenes Wissen in Erstaunen. Später setzten&lt;br /&gt;
Seine Redlichkeit und Sein Gerechtigkeitssinn als Kaufmann in der Ge-&lt;br /&gt;
schäftswelt hohe Maßstäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1184&lt;br /&gt;
{{page|1185|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=11}}Die Jahre nach der Erklärung des Báb waren erfüllt von Unruhe. In-&lt;br /&gt;
nerhalb eines Jahres mordeten die unwissenden persischen Muslim in&lt;br /&gt;
ihrem blinden Fanatismus 4000 Bábi. Den ersten, der an Ihn glaubte,&lt;br /&gt;
traf eine Kugel aus dem Hinterhalt; Sein bedeutendster Jünger, Quddüs,&lt;br /&gt;
wurde auf dem Markt von Bärfurüsh (Bábul) in Stücke zerrissen.&lt;br /&gt;
Tähirih, die Dichterin und wichtigste Frau unter den Bábi, schleuderte&lt;br /&gt;
ihren Mördern entgegen: „Ihr könnt mich töten, wann ihr wollt, aber&lt;br /&gt;
die Gleichberechtigung der Frauen könnt ihr nicht aufhalten!“ Der Rest&lt;br /&gt;
von 313 Gläubigen, die im Grabmal des Shaykh Tabarsi in einem Wald&lt;br /&gt;
am Kaspischen Meer Zuflucht gesucht hatten, wurde niedergemacht oder&lt;br /&gt;
als Sklaven verkauft; ein Prinz brach sein Versprechen, sie frei nach&lt;br /&gt;
Hause ziehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den vielen Büchern des Báb, die Er teilweise als Gefangener in&lt;br /&gt;
den Bergen von Adhirbäyjän schrieb, ragen der Persische Bayän, der&lt;br /&gt;
Arabische Bayän und das Qayyümu’l-Asmä’ hervor. Den Persischen&lt;br /&gt;
Bayän übersetzte A. L. M. Nicolas, der im Iran geborene französische&lt;br /&gt;
Konsul in Tabriz, der sich für den Lebenslauf und die Lehren des&lt;br /&gt;
Propheten aus Shiräz begeisterte, in die französische Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wofür der Báb Sein Leben opferte, das war die Liebe zu Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
der Herrlichkeit Gottes. Sein dramatischer Märtyrertod ereignete sich auf&lt;br /&gt;
dem windgepeitschten Kasernenhof von Tabriz zur Mittagsstunde des&lt;br /&gt;
9. Juli 1850. Mit einem Seil wurde Er an einen Pfeiler gefesselt; 750&lt;br /&gt;
Mann feuerten auf Ihn, aber der Báb blieb unverletzt und führte eine&lt;br /&gt;
Unterhaltung mit Seinem Sekretär zu Ende. Das Feuerkommando war&lt;br /&gt;
nicht bereit, die Exekution zu wiederholen; ein anderes Regiment mußte&lt;br /&gt;
anrücken. Als der Báb starb, erhob sich ein heftiger Sturm über der Stadt&lt;br /&gt;
und blendete ihren Menschen die Augen, bis die Nacht hereinbrach.&lt;br /&gt;
Innerhalb weniger Jahre kamen sämtliche Angehörigen des zweiten Exe-&lt;br /&gt;
kutionskommandos grausam um: 250 Mann samt Offizieren starben in&lt;br /&gt;
einem schlimmen Erdbeben, die übrigen erlitten als Strafe für eine&lt;br /&gt;
Meuterei „das gleiche Schicksal, das ihre Hand dem Báb bereitet hatte“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne der Wahrheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt des zweiten Abschnitts der Bahä’i-Geschichte steht&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh als derjenige, den der Báb angekündigt hatte. Er war am&lt;br /&gt;
12. November 1817 in Tihrän, der Hauptstadt Persiens, geboren worden&lt;br /&gt;
und bekam den Namen Husayn ‘Ali. Später nahm Er den geistigen&lt;br /&gt;
Namen Bahá’u’lláh an, was auf arabisch „die Herrlichkeit Gottes“ be-&lt;br /&gt;
deutet und in der Offenbarung Johannis mit einem neuen Himmel und&lt;br /&gt;
einer neuen Erde in Verbindung gebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Husayn ‘Ali entstammte einer hochangesehenen, reichen Adelsfamilie.&lt;br /&gt;
Eine glänzende Laufbahn im Staatsdienst stand Ihm offen, aber Er küm-&lt;br /&gt;
merte sich nicht um die Tagespolitik und um äußerliche Macht. Sein Reich&lt;br /&gt;
war nicht von dieser Welt. Dem Luxusleben Seiner Umgebung abgewandt,&lt;br /&gt;
setzte Er sich spontan für die Sache des Báb ein. Er wußte wohl, daß&lt;br /&gt;
dies Entbehrung, Leid und Verfolgung für Ihn selbst und Seine Lieben&lt;br /&gt;
bedeutete. Der Schicksalsschlag traf Ihn, als Er im August 1852 in das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1185&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1186|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwarze Loch, den Kerker von Tihrän, geworfen wurde. In diesem&lt;br /&gt;
unterirdischen Verlies, umgeben von Dieben und Mördern, in schweren&lt;br /&gt;
Ketten, die sich Ihm tief ins Fleisch schnitten und lebenslänglich Narben&lt;br /&gt;
hinterließen, inmitten des Schmutzes, des Schreckens und des peinvollen&lt;br /&gt;
Düsters wurde die Offenbarung Bahá’u’lláhs geboren. „Eines Nachts im&lt;br /&gt;
Traum waren von allen Seiten diese erhabenen Worte zu hören: ‚Wahr-&lt;br /&gt;
lich, Wir werden Dich durch Dich selbst und durch Deine Feder siegreich&lt;br /&gt;
machen. Sei nicht traurig über das, was Dir widerfahren ist, und fürchte&lt;br /&gt;
Dich nicht, denn Du bist in Sicherheit. Binnen kurzem wird Gott die&lt;br /&gt;
Schätze der Erde offenkundig machen — Menschen, die Dir beistehen&lt;br /&gt;
werden durch Dich selbst und durch Deinen Namen, durch welchen Gott die&lt;br /&gt;
Herzen derer belebt, die Ihn erkannt haben‘“ &amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Januar 1853 wurde Bahä’u’lläh mit Seiner Familie aus Persien ver-&lt;br /&gt;
bannt. Er wandte sich nach Baghdäd. Die Reise mitten im Winter ging&lt;br /&gt;
über Kirmanshäh gewundene Pfade durch das vereiste Gebirge westwärts&lt;br /&gt;
nach der Stadt am Tigris. Die Jahre gingen ins Land, Bahä’u’llähs An-&lt;br /&gt;
sehen wuchs, viele Gelehrte besuchten Ihn, wandelten mit Ihm am&lt;br /&gt;
Flußufer und erforschten Seine Ansichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Spaziergängen am Tigris und bei gelegentlichen Ruhe-&lt;br /&gt;
pausen in einer Moschee, die als Zeuge jener Tage verblieben ist, ver-&lt;br /&gt;
faßte Bahä’u’lläh die „Verbordenen Worte“, Sinnsprüche über die&lt;br /&gt;
Wesenszüge wahrer Religion. Sein wichtigstes Werk aus Baghdäd ist&lt;br /&gt;
das „Buch der Gewißheit“. Es behandelt Seine Lehre der fortschreiten-&lt;br /&gt;
den Gottesoffenbarung, wonach Propheten das Wort Gottes nach den Be-&lt;br /&gt;
dürfnissen und der Fassungskraft der Menschen offenbaren. Sein Ein-&lt;br /&gt;
fluß wurde stärker, als es den Herrschern Persiens und der Türkei ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nehm war; sie beschlossen, Ihn weiter von Seinem Vaterland zu ent-&lt;br /&gt;
fernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 22. April 1863 verließ Bahä’u’lläh Seinen Wohnsitz, überquerte&lt;br /&gt;
den Tigris und pflanzte Sein Zelt in einem Garten auf, den Er Ridvän,&lt;br /&gt;
den Garten des Paradieses, nannte. Hier erklärte Er sich Seinen Ver-&lt;br /&gt;
trauten als die Manifestation Gottes, die der Báb angekündigt hatte und&lt;br /&gt;
die das seit Anbeginn der Geschichte verheißene Reich des Friedens ein-&lt;br /&gt;
leiten soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächsten Stationen Seines Verbannungsweges waren Konstan-&lt;br /&gt;
tinopel (Istanbul) und Adrianopel (Edirne), wo Bahä’u’lläh öffentlich&lt;br /&gt;
Seine Sendung verkündete. In Adrianopel offenbarte Er das Send-&lt;br /&gt;
schreiben an die Könige: Er warnte die Herrscher des Ostens und des&lt;br /&gt;
Westens, ihr Ungehorsam gegen Gott werde sie in den sicheren Unter-&lt;br /&gt;
gang treiben. Sein mächtigster Feind, Näsiri’d-Din Shäh, wurde später&lt;br /&gt;
am Vorabend seines Regierungsjubiläums ermordet, ‘Abdu’l-‘Aziz, der&lt;br /&gt;
Sultan der Türkei, fiel schon 1876 in seinem Harem einem Anschlag von&lt;br /&gt;
Ministern und Generälen zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde Bahä’u’lläh 1868 in der Gefängnisstadt ‘Akkä, der&lt;br /&gt;
alten Kreuzritterfestung, eingekerkert. Selbst das Klima dieses verpeste-&lt;br /&gt;
ten und verseuchten Flecks Erde schien sich während Seines Aufenthalts&lt;br /&gt;
zu bessern. Dort, im Heiligen Land, schrieb Er das Buch Adqdas, Sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1186&lt;br /&gt;
{{page|1187|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=13}}„Heiligstes Buch“. In diesem Gesetzeswerk schafft Er viele überholte&lt;br /&gt;
Gebote der alten Religionen ab, verordnet Pflichtgebete, legt einen neuen&lt;br /&gt;
Kalender, Fest- und Fastentage fest, verurteilt üble Nachrede, Müßiggang&lt;br /&gt;
und Grausamkeit gegenüber Tieren. Das Buch verbietet den Genuß von&lt;br /&gt;
Rauschgiften und Alkohol, außer für wissenschaftliche Zwecke, ferner&lt;br /&gt;
Sklaverei, Bettelei, Mönchstum und Glücksspiele. Die Einehe wird vorge-&lt;br /&gt;
schrieben, die Abfassung eines Testaments zur Pflicht gemacht. Jeder&lt;br /&gt;
Bahä’i hat seiner Regierung zu gehorchen. Unter den Bahä’i-Tugenden&lt;br /&gt;
sind Sauberkeit, Keuschheit, Vertrauenswürdigkeit, Gastfreundschaft,&lt;br /&gt;
Höflichkeit und Gerechtigkeitssinn besonders hervorgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den einzigen Besuch aus dem Westen stattete 1890 Professor Edward&lt;br /&gt;
G. Browne von der Universität Cambridge Bahä’u’lläh ab. Ein Satz aus&lt;br /&gt;
Brownes Aufzeichnungen genügt, um den Eindruck zu ermessen, den&lt;br /&gt;
dieser Besuch bei ihm hinterlassen hat: „Hier bedurfte es keiner Frage&lt;br /&gt;
mehr, vor wem ich stand, als ich mich vor einem Manne neigte, der Ge-&lt;br /&gt;
genstand einer Verehrung und Liebe ist, um die Ihn Könige beneiden&lt;br /&gt;
könnten und nach der sich Kaiser vergeblich sehnen“ °).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vollkommene Beispiel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Seinem Hinscheiden 1892 schrieb Bahä’u’lläh ein Testament, in&lt;br /&gt;
dem Er Seinen Sohn ‘Abdu’l-Bahá bevollmächtigte, Seine Lehren auszu-&lt;br /&gt;
legen. ‘Abdu’l-Bahás ursprünglicher Name war ‘Abbäs Effendi; Er war in&lt;br /&gt;
Tihrän in derselben Nacht des 22. Mai 1844 geboren worden, in der sich&lt;br /&gt;
der Báb in Shiräz erklärte. Gefängnis und Verbannung teilte Er mit&lt;br /&gt;
Seinem Vater. Noch als Kind wurde Er aufgefordert, einen Vers des&lt;br /&gt;
Qur’än zu kommentieren; Er schrieb ein literarisches Meisterwerk. Seine&lt;br /&gt;
hervorragende soziologische Arbeit war „Das Geheimnis göttlicher Kul-&lt;br /&gt;
tur“ 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während einer kurzen Periode der Freiheit reiste ‘Abdu’l-Bahá 1911&lt;br /&gt;
bis 1913 nach Ägypten, Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
In Universitäten, Kirchen und Klubs, vor einer Vielzahl von Zuhörern,&lt;br /&gt;
hielt Er Ansprachen, und viele Prominente suchten Seine Gegenwart&lt;br /&gt;
auf. Professor Dr. David Starr Jordan, ein bedeutender Wissenschaftler&lt;br /&gt;
und Präsident der Stanford University, sagte: „Sicherlich wird Er den&lt;br /&gt;
Osten und den Westen vereinen, denn Er beschreitet den Pfad der&lt;br /&gt;
Mystik mit praktischen Füßen“. Ein hoher Beamter der amerikanischen&lt;br /&gt;
Bundesregierung suchte Seinen Rat, und Er empfahl ihm: „Sie können&lt;br /&gt;
Ihrem Land am besten dienen, indem Sie in Ihrer Eigenschaft als Welt-&lt;br /&gt;
bürger bestrebt sind mitzuhelfen, daß das Prinzip des Föderalismus,&lt;br /&gt;
das der Regierung Ihres eigenen Landes zugrundeliegt, endlich auf die&lt;br /&gt;
Beziehungen angewandt wird, die jetzt zwischen den Völkern und Na-&lt;br /&gt;
tionen der Welt bestehen“ 5). In Sacramento, Kalifornien, sagte Er 1912&lt;br /&gt;
den Ausbruch des Ersten Weltkriegs für das Jahr 1914 voraus, brachte&lt;br /&gt;
aber auch die Hoffnung zum Ausdruck, daß „das erste Banner des&lt;br /&gt;
Weltfriedens“ in diesem Land, in dem später die Charta der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen unterzeichnet wurde, aufgerichtet werde. Die Freiheit war&lt;br /&gt;
das, was Er in Amerika am meisten schätzte. „Amerika wird alle Na-&lt;br /&gt;
tionen geistig führen“, prophezeite Er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1187&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1188|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anerkennung Seiner langjährigen Dienste an der Sache der inter-&lt;br /&gt;
nationalen Versöhnung und am öffentlichen Wohl verlieh die britische&lt;br /&gt;
Regierung ‘Abdu’l-Bahá in Haifa im April 1920 die Ritterwürde. Im&lt;br /&gt;
November des folgenden Jahres starb Er. Dr. J. E. Esslemont schrieb zu&lt;br /&gt;
Seinem Andenken: „Er zeigte, daß es auch inmitten der Unrast und Hetze&lt;br /&gt;
des modernen Lebens, inmitten der ringsum herrschenden Eigenliebe&lt;br /&gt;
und des Kampfes um materiellen Wohlstand möglich ist, das Leben völ-&lt;br /&gt;
liger Hingabe an Gott und des Dienstes am Mitmenschen zu führen, das&lt;br /&gt;
Christus, Bahä’u’lläh und alle Propheten vom Menschen gefordert haben“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zeichen Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i glauben an ein Größeres Bündnis, nach welchem Gott ver-&lt;br /&gt;
heißen hat, dem Menschen allezeit einen göttlichen Boten zu senden, einen&lt;br /&gt;
Baum der Führung an der Straße des Fortschritts. In einem Kleineren&lt;br /&gt;
Bündnis sagt jede Manifestation Gottes das Kommen des nächsten Gott-&lt;br /&gt;
gesandten voraus, wie Jesus Christus in der Prophezeiung über den „Geist&lt;br /&gt;
der Wahrheit“, der die Gläubigen ‚in alle Wahrheit leiten werde“. Zum&lt;br /&gt;
erstenmal in der Religionsgeschichte sind nun, durch Baha’u’lläh selbst&lt;br /&gt;
und in Seiner Nachfolge durch ‘Abdu’l-Bahá, diese Bündnisse zu einer&lt;br /&gt;
umfassenden Gesellschafts- und Verwaltungsordnung gestaltet worden.&lt;br /&gt;
Grundlage und Zentrum des Gemeindelebens ist das Neunzehntagefest:&lt;br /&gt;
Alle 19 Tage, einmal in jedem Bahä’i-Monat, trifft sich jede örtliche&lt;br /&gt;
Gemeinde zu einem Fest, das aus drei Teilen besteht: Lektüre heiliger&lt;br /&gt;
Texte und gemeinsames Gebet, Berichte über Gemeindeangelegenheiten&lt;br /&gt;
und Beratung, gemeinsamer Imbiß und Geselligkeit. Auf der Grundlage&lt;br /&gt;
dieser Geistigkeit und Personenkenntnis können die örtlichen Geistigen&lt;br /&gt;
Räte jedes Frühjahr ohne Kandidaturen und ohne jedwede Wahlbeein-&lt;br /&gt;
flussung gewählt werden; die Wahl ist ein wichtiger Akt des Gottesdien-&lt;br /&gt;
stes, der in Gebetshaltung vollzogen wird. Die Räte selbst sind nur Gott&lt;br /&gt;
und Seinem geoffenbarten Willen gegenüber für Ihre Entscheidungen&lt;br /&gt;
verantwortlich; außerhalb der Ratssitzungen haben die Ratsmitglieder&lt;br /&gt;
keine Vorrechte und Sonderbefugnisse. Die Nationalen Geistigen Räte und&lt;br /&gt;
das Universale Haus der Gerechtigkeit, das als international leitende&lt;br /&gt;
Körperschaft des Bahä’i-Glaubens 1963 erstmals gebildet wurde, werden&lt;br /&gt;
nach den selben Regeln gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesem republikanischen Element lebte auch die persönliche&lt;br /&gt;
Nachfolge der Manifestation Gottes fort. ‘Abdu’l-Bahá ernannte Seinen&lt;br /&gt;
ältesten Enkelsohn, Shoghi Effendi, zum Hüter des Gottesglaubens und&lt;br /&gt;
nannte ihn „das Zeichen Gottes“ auf Erden. Niemand dürfte mehr über-&lt;br /&gt;
rascht gewesen sein als Shoghi Effendi selbst, der damals, 1921, in Ox-&lt;br /&gt;
ford studierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken Shoghi Effendis bis zu seinem Tode im November 1957&lt;br /&gt;
war von vielfältigen Projekten gekrönt. Am meisten Zeit verwendete er&lt;br /&gt;
auf seine umfangreiche Korrespondenz mit Bahä’i-Zentren und Einzel-&lt;br /&gt;
personen in aller Welt. Er richtete persönlich die internationalen Bahä’i-&lt;br /&gt;
Archive in Haifa, Israel, dem Weltzentrum des Glaubens, ein. Seine&lt;br /&gt;
historischen und analytischen Schriften umfassen unter anderem die&lt;br /&gt;
Werke „Gott geht vorüber“, „Der verheißene Tag ist gekommen“ und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1188&lt;br /&gt;
{{page|1189|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=15}}„Die Weltordnung Bahä’u’llähs“. Zu seinen unvergleichlichen Übersetzun-&lt;br /&gt;
gen aus dem Persischen und Arabischen ins Englische zählen „Gebete&lt;br /&gt;
und Meditationen Bahä’u’llähs“, „Ährenlese aus den Schriften Bahä-&lt;br /&gt;
’u’llähs“, „Verborgene Worte“, „Das Buch der Gewißheit“, „Brief an den&lt;br /&gt;
Sohn des Wolfes“ und das Geschichtswerk „The Dawn Breakers“ von&lt;br /&gt;
Nabil. Shoghi Effendi besorgte die Herausgabe der Jahrbücher „The&lt;br /&gt;
Bahä’i World“ und traf Entscheidungen zu mannigfaltigen Problemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Wirkens des Báb (1844—1853) breitete sich der Glaube&lt;br /&gt;
nur in Persien und dem ‘Iräq aus. Elf Länder kamen unter der Füh-&lt;br /&gt;
rung Bahä’u’llähs (1853—1892) hinzu. ‘Abdu’l-Bahás Leitung brachte die&lt;br /&gt;
Zahl der Länder und Territorien auf 33; um 1950 hatte die Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion in 101 Ländern Fuß gefaßt; ihr Schrifttum war in 60 Sprachen&lt;br /&gt;
übersetzt. Mit elf Neugründungen waren es im Mai 1970 insgesamt 94&lt;br /&gt;
Nationale Geistige Räte, auf die sich das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit bei der Durchführung des gegenwärtigen Neunjahrplanes 1964 bis&lt;br /&gt;
1973 für die Verbreitung des Bahä’i-Glaubens stützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaube in Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage dieses Glaubens ist die Einheit Gottes und die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit. Erkenntnis ist die größte Gabe Gottes an den Men-&lt;br /&gt;
schen; die Suche nach ihr muß frei und unbehindert sein. Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft müssen für das Wohl des Menschen zusammenwirken;&lt;br /&gt;
sonst degeneriert die Religion zu Aberglauben, und die Wissenschaft wird&lt;br /&gt;
ein Frankenstein-Ungeheuer. Die Erziehung muß umfassend sein und zur&lt;br /&gt;
allgemeinen Pflicht werden. Eine Weltsprache muß auf demokratische&lt;br /&gt;
Weise bestimmt und neben den Nationalsprachen in allen Schulen der&lt;br /&gt;
Welt gelehrt werden. Die Frauen sollen auf allen Gebieten dieselben&lt;br /&gt;
Chancen wie die Männer haben. Die häßlichen und haßerzeugenden&lt;br /&gt;
Vorurteile der Nation, der Rasse, des Glaubens und der Klasse müssen&lt;br /&gt;
ausgetilgt werden. Die Religion muß die Quelle einer wahren Liebe sein,&lt;br /&gt;
die weit über Toleranz hinausgeht. Die Beseitigung von Armut ist nicht&lt;br /&gt;
lediglich eine Frage der Verteilung; sie ist ein geistiges Problem, das alle&lt;br /&gt;
Menschen guten Willens angeht. Es muß Arbeit für alle geben, so daß&lt;br /&gt;
keine untätigen Armen und keine untätigen Reichen übrigbleiben. Dienst&lt;br /&gt;
an der Gesellschaft ist Gebet; ehrbare Arbeit wird zum Rang des Gottes-&lt;br /&gt;
dienstes erhoben. Bahä’u’lläh drängte schon vor über hundert Jahren&lt;br /&gt;
auf die Einschränkung der nationalen Kriegsrüstungen. Internationale&lt;br /&gt;
Streitigkeiten müssen durch ein Weltgericht entschieden werden; hinter&lt;br /&gt;
seinem zwingenden, endgültigen Urteilsspruch muß eine internationale&lt;br /&gt;
Streitmacht stehen. Die Macht muß zur Dienerin der Gerechtigkeit wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Herr ist gekommen! Christus ist wiedergekehrt in der Herrlich-&lt;br /&gt;
keit des Vaters!“ Das ist der herausfordernde Anspruch und der höchste&lt;br /&gt;
Lehrsatz des Bahä’i-Glaubens. Welche Beweise werden angeboten?&lt;br /&gt;
Warum hat nicht jedes Auge den Herrn der Heerscharen erkannt? Der&lt;br /&gt;
ungeschulte Verstand mißversteht Symbole als etwas Reales und bringt&lt;br /&gt;
poetische Wahrheit mit praktischer Wahrheit durcheinander. Die Israe-&lt;br /&gt;
liten weigerten sich, Christus anzuerkennen, weil Er ihre Erwartungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1189&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1190|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Messias käme von einem unbekannten Ort, ein Schwert in der Hand,&lt;br /&gt;
er würde König der Juden und befreite Israel vom römischen Joch,&lt;br /&gt;
nicht buchstäblich erfüllte. Die herkömmliche Einstellung zu der Verhei-&lt;br /&gt;
Bung, „jedes Auge werde Ihn sehen“, geht buchstäblich und bildlich von&lt;br /&gt;
der Vorstellung aus, die Erde sei eine flache Scheibe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beweise für Bahä’u’lläh liegen darin, daß Seine Lehren nicht von&lt;br /&gt;
Menschen übernommen sind, daß Seine Prophezeiungen eingetreten sind,&lt;br /&gt;
daß Seine Lehren die weltweite Bahä’i-Gemeinde hervorgebracht haben,&lt;br /&gt;
in der sich alter Haß in dauerhafte Liebe verwandelt hat. Die Weltord-&lt;br /&gt;
nung Bahä’u’llähs ist das Reich Gottes, um das die Christen beten, das&lt;br /&gt;
neue Jerusalem. Nicht auf die buchstabengläubigen, sondern die „war-&lt;br /&gt;
tenden Knechte“, die „hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“, wird&lt;br /&gt;
gerechnet: Sie sollen sich die Herausforderung, Baumeister einer neuen&lt;br /&gt;
Weltkultur zu werden, ans Herz wachsen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i wissen, daß eine Wandlung der Herzen, eine Bekehrung im&lt;br /&gt;
besten Sinne des Wortes, bei genügend vielen starken Persönlichkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die einzige Veränderung ist, die der Menschheit dauerhaften Frieden&lt;br /&gt;
und Gerechtigkeit bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kadi von Khänigayn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Sieben Täler“ von Bahä’u’lläh können als Gipfelpunkt im Reiche&lt;br /&gt;
mystischer Verdichtung angesprochen werden. Dieser tiefgreifende Essay&lt;br /&gt;
entstand als Antwort auf Fragen des Shaykh Muhyi’d-Din, des Richters&lt;br /&gt;
von Khänigayn, einer kleinen Stadt in Kurdistan. Offensichtlich war der&lt;br /&gt;
Kadi ein Student und Anhänger der Süfi-Philosophie, einer mystischen&lt;br /&gt;
Bewegung, die vor 1200 Jahren innerhalb des Isläm entstand. Ziel des&lt;br /&gt;
Süfi ist es, durch Meditation und Gebet, Kontemplation und Ekstase in&lt;br /&gt;
die Gegenwart Gottes zu gelangen. Eine besondere Begriffswelt wurde&lt;br /&gt;
entwickelt, um die Stufen geistigen Fortschritts darzustellen. Manche&lt;br /&gt;
Süfi faßten die Lehrmeinung, sie könnten direkt, ohne die Hilfe Muham-&lt;br /&gt;
mads oder anderer Propheten, zu Gott gelangen. Diese Ansicht führte&lt;br /&gt;
sie folgerichtig zu der Behauptung, sie seien vom religiösen Gesetz be-&lt;br /&gt;
freit, und im Unterschied zur großen Masse der Gläubigen sei das Ge-&lt;br /&gt;
wissen für sie selbst eine zuverlässige Führung. Die größten persischen&lt;br /&gt;
Mystiker, Jalälu’d-Din Rümi und al-Ghazzäli, wandten sich gegen diese&lt;br /&gt;
Theorie; sie bestätigten, daß der Mensch nur durch den Gehorsam gegen&lt;br /&gt;
die vom Gesandten Gottes geoffenbarten Gesetze in die göttliche Gegen-&lt;br /&gt;
wart gelangen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shaykh Muhyi’d-Din war zweifellos mit den Schriften des großen&lt;br /&gt;
persischen Süfi aus dem 12. Jahrhundert, Faridu’d-Din ‘Attär, vertraut.&lt;br /&gt;
‘Attär hatte den richtigen Namen; er war ein Parfumeur, bevor er&lt;br /&gt;
Philosoph wurde. Sein bekanntestes Werk war „Mantiqu’t-Tayr“ oder&lt;br /&gt;
„Die Sprache der Vögel“. Darin wird die Reise der Seele durch sieben&lt;br /&gt;
Täler beschrieben: Suche, Liebe, Erkenntnis, Loslösung, Vereinigung, Be-&lt;br /&gt;
stürzung und Nichtswerdung. Bahä’u’lläh verwendet ein ähnliches, wenn&lt;br /&gt;
auch keineswegs gleiches Muster in Seinen persischen „Sieben Tälern“,&lt;br /&gt;
um die sieben Stufen des Fortschritts der Seele zum Ziel ihres Daseins&lt;br /&gt;
anzudeuten. Er schrieb dieses Werk nach Seiner Rückkehr aus der Ein-&lt;br /&gt;
samkeit der Berge um Sulaymäniyyih. Das Thema ist seinem Wesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1190&lt;br /&gt;
{{page|1191|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=17}}nach zeit- und raumlos; es geht um die innersten Wahrheiten der Reli-&lt;br /&gt;
gion. Die geistige Wirklichkeit ist dieselbe in allen fest gegründeten Reli-&lt;br /&gt;
gionen, und sie ist die Grundlage des Glaubens. Das meint Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
wenn Er über Seinen Glauben sagt: „Dies ist der unwandelbare Glaube&lt;br /&gt;
Gottes, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft“. Die gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Lehren Bahaä’u’llähs sind deutlich dem 20. Jahrhundert und&lt;br /&gt;
den nachfolgenden Generationen angepaßt; sie weichen klar von den Wer-&lt;br /&gt;
ten vergangener Kulturen und Religionssysteme ab. Aber die „Sieben&lt;br /&gt;
Täler“ behandeln das Reich, das nicht von dieser Welt ist, und unter-&lt;br /&gt;
scheiden sich nicht grundlegend von der Bergpredigt oder von Muham-&lt;br /&gt;
mads Beschreibung Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Sieben Täler“ lehren, der Weg in die Gegenwart Gottes führe&lt;br /&gt;
über das Hören auf die Botschaft der Manifestation Gottes für unsere&lt;br /&gt;
Zeit. Ein gewöhnlicher und selbst ein außergewöhnlicher Mensch kann&lt;br /&gt;
niemals hoffen, ein Christus zu werden. So sehr er sich auch müht, kann&lt;br /&gt;
doch keiner seiner Körpergröße einen Zoll hinzufügen; ein Distel wird&lt;br /&gt;
niemals Feigen tragen. Keiner kann beanspruchen, mit der Wesenheit&lt;br /&gt;
Gottes identisch zu sein; denn keiner besitzt unendliche Macht, Erkenntnis&lt;br /&gt;
und Güte. Aber jeder Mensch, wie niedrig auch seine Herkunft sei, kann&lt;br /&gt;
die Attribute Gottes erwerben, indem er sich den göttlichen Gesetzen&lt;br /&gt;
unterwirft und das Wort Gottes, wie es durch Seine Manifestationen ge-&lt;br /&gt;
offenbart wurde, aus seinem eigenen Wesen heraus wiederspiegelt. Der&lt;br /&gt;
Mensch, der an das Ziel der mystischen Suche, in die Gegenwart Gottes,&lt;br /&gt;
gelangt, ist derjenige, der die Manifestation Gottes für sein Zeitalter&lt;br /&gt;
anerkennt und sich durch die Befolgung ihrer Gebote mit solchen himm-&lt;br /&gt;
lischen Eigenschaften bekleidet, die es ihm ermöglichen, seinem Geliebten&lt;br /&gt;
näherzukommen. Ein solcher Mensch wird niemals von sich behaupten,&lt;br /&gt;
er sei gottähnlich; vielmehr werden seine Taten für ihn sprechen. In Per-&lt;br /&gt;
sien erzählt man sich die Geschichte eines Mannes, der seinen Sohn&lt;br /&gt;
mit sich in einen Garten nahm, wo viele Leute zum Gebet versammelt&lt;br /&gt;
waren. Nach einer Stunde voll Gebeten und Gesängen sah sich der Knabe&lt;br /&gt;
um und bemerkte, daß viele Andächtige nicht dem Gebet, sondern dem&lt;br /&gt;
Schlaf hingegeben waren. Er fragte seinen Vater: „Sind wir nicht besser&lt;br /&gt;
als alle, die schlafen, statt zu beten?“ Der Vater antwortete schlicht: „Du&lt;br /&gt;
könntest besser gewesen sein, hättest du nicht diese Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verse von Rümi im Tal der Einheit über Khidr beziehen sich auf&lt;br /&gt;
die Erzählung im Qur’än (18:59—81) über den göttlichen Boten, dem&lt;br /&gt;
sich Moses anschloß, um von ihm Führung zu erlangen. Sie bestiegen&lt;br /&gt;
ein Schiff, in das Khidr ein Loch machte. Moses wundert sich darüber:&lt;br /&gt;
„Hast Du ein Loch hinein gemacht, damit Du seine Mannschaft er-&lt;br /&gt;
tränkst?“ Später erklärt Khidr, „das Schiff gehörte armen Leuten, die&lt;br /&gt;
auf dem Meere arbeiten, und ich wollte es beschädigen, da hinter ihnen&lt;br /&gt;
ein König war, der jedes Schiff mit Gewalt nahm“, Diese Erzählung hat&lt;br /&gt;
eine zweifache Bedeutung. Die erste ist, daß das Geschöpf die Taten seines&lt;br /&gt;
Schöpfers nicht mit den eigenen, fehlerhaften Maßstäben messen sollte;&lt;br /&gt;
die zweite, daß ein Unglück, das der Himmel schickt, gnädig und barm-&lt;br /&gt;
herzig sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tal des Staunens wird ein Vers von Sanäa’i über die Unfähigkeit der&lt;br /&gt;
reinen Vernunft, das Wort Gottes zu begreifen, zitiert. Der Dichter fragt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1191&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1192|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob eine Spinne in ihrem Netz einen Phönix fangen könne. Der Phönix,&lt;br /&gt;
ein mythischer Vogel mit tausend Jahren Lebenserwartung, spielt in der&lt;br /&gt;
Gottesgelehrsamkeit zahlreicher Völker eine große Rolle. Er soll allein&lt;br /&gt;
leben und einen flötengleichen Schnabel mit hundert Löchern haben; jedes&lt;br /&gt;
Loch öffnet sich und bringt einen mystischen Laut hervor. Wenn der Tod&lt;br /&gt;
naht, bereitet sich der Phönix einen Scheiterhaufen, tönt sein tragisches&lt;br /&gt;
Lied und entzündet das Feuer mit seinen Federn. Die Kohlen verglühen&lt;br /&gt;
bis auf einen letzten Funken, und dann erhebt sich wundersam ein neuer&lt;br /&gt;
Phönix aus der Asche. Auf eine Anfrage hin erklärte Shoghi Effendi,&lt;br /&gt;
der Hüter des Bahä’i-Glaubens, das Symbol des Phönix „hat nichts mit&lt;br /&gt;
der Manifestation Gottes zu tun, aber es wird dichterisch gebraucht, um&lt;br /&gt;
den Gedanken an etwas Unsterbliches oder an etwas aus der Zerstörung&lt;br /&gt;
Aufsteigendes auszudrücken...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Inhalt der „Sieben Täler“ esoterisch und dem Alltags-&lt;br /&gt;
leben in der rauhen Wirklichkeit fern erscheint, gibt es eine breite, all-&lt;br /&gt;
gemeine, praktische Anwendung für dieses Entwicklungsdenken. Leit-&lt;br /&gt;
motiv ist dabei, daß ein wahrhaft gott-trunkener Mensch in seinem Auf-&lt;br /&gt;
treten spontan seine Liebe zu Gerechtigkeit, Wahrheit, Echtheit, Güte und&lt;br /&gt;
all den anderen Eigenschaften äußert, die von der Manifestation des Ge-&lt;br /&gt;
liebten hervorgerufen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu oft hat die Gesellschaft in ihrer Geschichte unter äußerlich frommen&lt;br /&gt;
Menschen gelitten, die Säulen ihrer Kirchen und Zierrat ihrer Gemeinden&lt;br /&gt;
und vor allem fest davon überzeugt waren, daß sie das „Heil“ hätten und&lt;br /&gt;
ungestraft gegen die Grundregeln anständigen Betragens verstoßen könn-&lt;br /&gt;
ten. Diese „Erlösten“ führten doppelte Sittenmaßstäbe ein, mit anderen&lt;br /&gt;
Regeln für sich selbst als für das Fußvolk. Die Selbstgerechten waren&lt;br /&gt;
auch immer bemerkenswert unaufgeschlossen für die Lehren und Gebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eines neuen Propheten. Jesus versuchte nicht, die „Gerechten“, die an-&lt;br /&gt;
gesehenen Pharisäer und Schriftgelehrten, zu retten. Er spendete Seinen&lt;br /&gt;
Segen nicht denjenigen, die überzeugt waren, sie hätten das Heil in Hän-&lt;br /&gt;
den, sondern den Sündern, die dennoch nicht aufhörten, nach Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit zu hungern und zu dürsten. Wahre Mystik ist nicht die Zuflucht des&lt;br /&gt;
Schurken, der Hafen des Selbstbewunderers oder das Asyl dessen, der&lt;br /&gt;
der gesellschaftlichen Verantwortung entflieht. Durch die Sieben Täler&lt;br /&gt;
geht die Straße des Fortschritts, die zur Erkenntnis Gottes und zum Dienst&lt;br /&gt;
an der Menschheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Vier Täler“, ein Sendschreiben, das in Baghdäd nach den „Sie-&lt;br /&gt;
ben Tälern“ verfaßt wurde, waren an den gelehrten Shaykh ‘Abdu’r-&lt;br /&gt;
Rahmän aus Karkük, einer Stadt im irakischen Kurdistän, gerichtet. Sie&lt;br /&gt;
legen vier Wege dar, auf denen das Ungeschaute gesehen wird, die vier&lt;br /&gt;
Stufen des menschlichen Herzens und die vier Arten mystischer Wande-&lt;br /&gt;
rer auf der Suche nach dem Ersehnten, dem Gepriesenen, dem ewig&lt;br /&gt;
Anziehenden, dem Geliebten. Die vier göttlichen Zustände kommen in&lt;br /&gt;
dem Qur’än-Vers (57:3) zum Ausdruck: „Er ist der erste und der letzte,&lt;br /&gt;
der Sichtbare und der Verborgene, und Er weiß um alle Dinge“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Oxford/Frankfurt 1954, S. 59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bahä’u’lläh, „Brief an den Sohn des Wolfes“, Frankfurt 122/1966, S. 34&lt;br /&gt;
% wie !), S. 221&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) auszugsweise in „BAHA’I-BRIEFE“, Heft 4-7, S. 92-154&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») vgl. Shoghi Effendi, „Das Ziel: die neue Weltordnung“, „BAHA’I-BRIEFE“ 40,&lt;br /&gt;
S. 1101&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1192&lt;br /&gt;
{{page|1193|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=19}}-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Filosofie“ der Faktorkombination&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Unternehmertum als das eigentlich Menschliche&lt;br /&gt;
/ von Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen „Filosofie“ treiben, nicht Philosophie. „Filosofie“ ist etwas&lt;br /&gt;
Angewandtes, Praxisorientiertes wie Grafik oder Fotografie, keine system-&lt;br /&gt;
bildende Überzüchtung des Denkapparates. Es geht, bildlich gesprochen,&lt;br /&gt;
um Sofie, die Dienerin, die ihrer Rolle als Magd der Theologie, einer&lt;br /&gt;
wiedergeborenen Gottesgelehrsamkeit, bewußt geworden ist — nicht um&lt;br /&gt;
Sophia, die emanzipierte große Dame, die ihre Starallüren auf der Welt-&lt;br /&gt;
bühne produziert. „Filosofie“ hilft uns, die Erkenntnis der Einheit Gottes,&lt;br /&gt;
der Einheit Seiner Wertordnung und der Einheit Seiner Offenbarung im&lt;br /&gt;
Gang der Weltgeschichte auf unsere täglichen Entscheidungen anzuwen-&lt;br /&gt;
den, die Hochspannung der Universalbegriffe sozusagen auf produktiv ver-&lt;br /&gt;
wertbare Spannungen herabzutransformieren. „Filosofie“ ist die notwen-&lt;br /&gt;
dige Frucht der Meditation, des strukturierten Nachdenkens, das jedem&lt;br /&gt;
gläubigen Menschen zur Pflicht gemacht ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht ungefährlich, das unternehmerische Denken in den Mittel-&lt;br /&gt;
punkt der Betrachtung zu rücken, und es mit einer religiösen Transzenden-&lt;br /&gt;
tal-„Filosofie“ zu verbinden, handelt es sich doch um die konzentrierte, mit&lt;br /&gt;
den höchsten subjektiven Vorstellungen harmonisierte Anwendung der&lt;br /&gt;
Macht des Menschengeistes in einer Weise, die zahllosen Menschen mög-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich ist. Die Sozialgeschichte ist voll von mißbräuchlichen Interpretationen&lt;br /&gt;
des Religiösen im Bereich der Wirtschaft, vor allem zum Zweck der&lt;br /&gt;
moralischen Rechtfertigung des unternehmerischen Egoismus. Nur die&lt;br /&gt;
beständige, ethisch fundierte Selbstkritik und die gewissenhafte Befolgung&lt;br /&gt;
des göttlichen Gesetzes bewahren vor Fehlschlüssen und Fehlentschei-&lt;br /&gt;
dungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der universalen Betrachtungsweise Bahä’u’llähs nähern wir uns&lt;br /&gt;
am besten dadurch, daß wir allgemeingültige Thesen aufstellen und durch&lt;br /&gt;
deren Erläuterung unsere enge Begriffswelt erweitern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Faktorkombination ist das Instrument unternehmerischen Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns&lt;br /&gt;
Die Wissenschaft definiert das Wirtschaftsgeschehen als die organisierte&lt;br /&gt;
Bereitstellung von Mitteln zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einem kritischen, erzieherisch engagierten Standpunkt her läßt sich er-&lt;br /&gt;
gänzen, daß es sich um objektiv angemessene Bedürfnisse handeln sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unternehmerisches Denken und Handeln setzt hier ein, indem es&lt;br /&gt;
a) sich an (angemessenen) menschlichen Bedürfnissen orientiert;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) produktive Faktoren zur Bereitstellung von Produkten, die mehr sind&lt;br /&gt;
als die Summe der Aufwendungen und Bestandteile, kombiniert;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c) auf optimale Weise vorgeht, d. h. ein vorgegebenes Ziel mit dem ge-&lt;br /&gt;
ringstmöglichen Aufwand oder mit einem vorgegebenen Aufwand den&lt;br /&gt;
größtmöglichen Ertrag zu erreichen sucht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d) Risiken bereitwillig übernimmt;&lt;br /&gt;
e) Gewinn aus der eigenen Tätigkeit erwartet und vorausberechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1193&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1194|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle hier auftretenden Begriffe lassen sich universalisieren, d.h. ins&lt;br /&gt;
Außerökonomische, Allgemeingültige erweitern und transzendieren, d.h.&lt;br /&gt;
ins Überökonomische, rein Geistige ausdehnen. Ökonomie ist Sachgerech-&lt;br /&gt;
tigkeit und damit ein wesentliches Element des Prinzips der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, das „in den Augen Gottes das Kostbarste“ ist!!).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unternehmer ist also, wer die Mittelbereitstellung selbständig, auf eige-&lt;br /&gt;
nes Risiko und mit der Absicht, daraus für sich selbst Gewinn zu ziehen,&lt;br /&gt;
organisiert. Der Weg, auf dem dies geschieht, ist die optimale Kombina-&lt;br /&gt;
tion produktiver Faktoren. An sich ist solche Faktorkombination das&lt;br /&gt;
Wesen jeglicher Arbeit. Eine Hausfrau, die einen Kuchen backt und dafür&lt;br /&gt;
nach dem bekannten Kindervers Eier und Schmalz, Butter und Salz, Milch.&lt;br /&gt;
Mehl und Safran kombiniert, handelt unternehmerisch, ein Lehrer, For-&lt;br /&gt;
scher, Künstler, Arzt, Handwerker, Arbeiter ebenfalls, insoweit sie selb-&lt;br /&gt;
ständig tätig sind. Der Begriff des Unternehmers im engeren Sinn, als&lt;br /&gt;
Handelsherr oder Industrieller, ist folglich quantitativer Natur: Das&lt;br /&gt;
Risiko der backenden Hausfrau, daß der Kuchen mißlingt, macht ein paar&lt;br /&gt;
Mark und vielleicht einige wenige enttäuschte Gesichter von Mann, Kin-&lt;br /&gt;
dern und Gästen aus; beim eigentlichen Unternehmer kann es um Mil-&lt;br /&gt;
lionen gehen. Die Hausfrau lenkt in ihrem „Betrieb“ vielleicht die Ar-&lt;br /&gt;
beitskraft ihrer kleinen Tochter, die wißbegierig beim Backen hilft und&lt;br /&gt;
ein paar Groschen Taschengeld dabei verdient: der Unternehmer dirigiert&lt;br /&gt;
das Arbeitsleben von Hunderten oder Tausenden und setzt Daten für&lt;br /&gt;
Hunderttausende von Lieferanten, Abnehmern und Konsumenten. Da es&lt;br /&gt;
sich hierbei, entwicklungsgeschichtlich gesehen, um relativ junge Struk-&lt;br /&gt;
turen handelt — Unternehmer mit großer Entscheidungsmacht gibt es,&lt;br /&gt;
von wenigen Ausnahmen abgesehen, erst seit etwa 200 Jahren — ist auch&lt;br /&gt;
der Begriff des Unternehmers nicht älter als die erste Industrielle Revo-&lt;br /&gt;
lution und weitgehend im Gegensatz zum Begriff des Arbeiters, des un-&lt;br /&gt;
selbständigen, entfremdeten, wenig ausgebildeten Lohnempfängers, der&lt;br /&gt;
die vom Unternehmer installierte Maschinerie bedient, entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neuartigkeit und Wandelbarkeit der wesentlichsten Begriffe&lt;br /&gt;
unseres Gesellschaftslebens sollten wir immer im Auge behalten. Wenn&lt;br /&gt;
uns heute eine zweite industrielle Revolution mit Wachstumsraten von&lt;br /&gt;
4—8 % im Jahr in eine Überflußgesellschaft hineinkatapultiert, ergibt sich&lt;br /&gt;
als natürliche Konsequenz, daß sich alle Grundbegriffe erneut ändern,&lt;br /&gt;
miteinander verschmelzen und verfeinert wieder aufsteigen, daß die so-&lt;br /&gt;
zialen Gegensätze zusammenwachsen — nicht etwa dadurch, daß Unter-&lt;br /&gt;
nehmer zu Arbeitern degenerieren, sondern dadurch, daß Arbeiter, Haus-&lt;br /&gt;
frauen, Lehrer, Forscher, Künstler, Ärzte und Handwerker das Unterneh-&lt;br /&gt;
merische in ihrer Tätigkeit, das bislang nur den Besten unter ihnen&lt;br /&gt;
intuitiv bewußt war, klar als ein wesentliches Element ihres schöpferi-&lt;br /&gt;
schen Menschseins entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir als produktive Faktoren betrachten, ist weitgehend unsere&lt;br /&gt;
subjektive Angelegenheit. Die klassische Wirtschaftswissenschaft mit ihren&lt;br /&gt;
harten, positivistischen Begriffen ist zu wenig differenziert, wenn sie von&lt;br /&gt;
„Natur“, „Arbeit“, „Kapital“, „gesellschaftlicher Umwelt“ und dergleichen&lt;br /&gt;
spricht. Gewiß ist man dabei, das Unternehmerbild psychologisch, sozio-&lt;br /&gt;
logisch und philosophisch anzureichern, aber ohne die Einbettung in eine&lt;br /&gt;
umfassende Wertordnung führen solche Bemühungen nur zu begrenzten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1194&lt;br /&gt;
{{page|1195|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=21}}Resultaten. Einstweilen ist, von den allgemeinen, positiven Daten abge-&lt;br /&gt;
sehen, ein produktiver Faktor ganz einfach das, was der Unternehmer als&lt;br /&gt;
produktiven Faktor erkennt. Friedrich Schiller brauchte faule Äpfel in&lt;br /&gt;
seiner Schreibtischschublade, um zu den höchsten Dichtungen inspiriert&lt;br /&gt;
zu werden; folglich waren für ihn — und nur für ihn — faule Äpfel,&lt;br /&gt;
Gegenstände ohne Marktwert, natürliche produktive Faktoren. Gläubige&lt;br /&gt;
Menschen wissen, daß es jenseits aller menschlichen Vernunftstätigkeit&lt;br /&gt;
im Wort Gottes produktive Faktoren gibt, die von der Schulwissenschaft&lt;br /&gt;
noch gar nicht als solche erkannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festhalten sollten wir in diesem Zusammenhang, daß mit fortschreiten-&lt;br /&gt;
der wirtschaftlicher Entwicklung die subjektiven, menschlichen, persön-&lt;br /&gt;
lichen Faktoren im Verhältnis zu den objektiven, sachlichen, unpersön-&lt;br /&gt;
lichen Faktoren immer wichtiger werden, auch wenn vielfach der Anschein&lt;br /&gt;
in die entgegengesetzte Richtung weist. Je konsumnäher eine Produktion&lt;br /&gt;
oder Dienstleistung ist, desto stärker kommt es darauf an, daß nicht nur&lt;br /&gt;
Waren oder Leistungen verteilt, sondern Problemlösungen verkauft wer-&lt;br /&gt;
den, und das ist eine Frage der Kombination von technischen Faktoren&lt;br /&gt;
mit persönlichem Einsatz. Derjenige wird den größten Erfolg haben, dem&lt;br /&gt;
es gelingt, sachliche Faktoren zu verpersönlichen und persönliche Faktoren&lt;br /&gt;
— erzieherisch — zu versachlichen. Public Relations im weitesten Sinn,&lt;br /&gt;
die Imagebildung konsumnaher Unternehmen, das Franchising und andere&lt;br /&gt;
moderne Entwicklungen gehören hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Faktorkombination ist die Grundlage allen Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der unternehmerische Mensch im wesentlichen erst seit 200 Jahren&lt;br /&gt;
vollzieht, leistet die Natur seit Anbeginn der Welt. Der Aufbau des Lebens&lt;br /&gt;
vom ersten Eiweißmolekül bis zum leiblich-seelischen Organismus des&lt;br /&gt;
Menschen als dem kompliziertesten unter allen Naturprodukten ist eine&lt;br /&gt;
fortschreitende Entfaltung immer höherer Faktorkombinationen. Wir wis-&lt;br /&gt;
sen heute, daß das natürliche Leben nicht nur durch das Recht des Stär-&lt;br /&gt;
keren im Kampf ums Dasein, sondern auch durch gegenseitige Hilfe ge-&lt;br /&gt;
kennzeichnet ist, und daß sich der Entwicklungsprozeß nicht nur in fort-&lt;br /&gt;
schreitender Anpassung an die Umweltbedingungen, durch größere Über-&lt;br /&gt;
lebens- und Fortpflanzungschancen des besser angepaßten Individuums&lt;br /&gt;
vollzieht, sondern auch in plötzlichen Mutationssprüngen, die einzelne&lt;br /&gt;
Organismen wesentlich ändern und selbst für den fachlich geschulten Be-&lt;br /&gt;
obachter oft ans Wunderbare grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der unternehmerische Mensch bei seinen Faktorkombinationen der&lt;br /&gt;
Natur voraus hat, ist sein Bewußtsein. Kein zweites Lebewesen ist so&lt;br /&gt;
weit über instinktive Steuerungen hinausgewachsen, kein anderes kann&lt;br /&gt;
gedanklich abstrahieren, Beobachtungen zu Regel- und Gesetzmäßigkeiten&lt;br /&gt;
durchbilden, Werkzeuge entwickeln, Werte erkennen und realisieren,&lt;br /&gt;
Träume und Visionen entfalten. Kein anderes Lebewesen „nimmt der&lt;br /&gt;
Natur das Schwert aus der Hand und versetzt ihr einen schweren Schlag“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil er ein gesellschaftliches Lebewesen ist und weil ihm der Schutz-&lt;br /&gt;
mantel natürlicher Instinkte fehlt, ist der Mensch einerseits auf admini-&lt;br /&gt;
strative Hierarchien, andererseits auf umfassende, allgemeinverbindliche&lt;br /&gt;
Wertordnungen angewiesen. Nur innerhalb des Schutzes leidlich zuver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1195&lt;br /&gt;
{{page|1196|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lässiger Verwaltungs- und Wertordnungen kann er seine subjektiven Pro-&lt;br /&gt;
duktionsfaktoren optimal entfalten. Um optimal zu sein, müssen diese&lt;br /&gt;
Herrschafts- und Wertordnungen transzendent, über das individuelle und&lt;br /&gt;
gesellschaftliche Leben hinausgehend, und universell, alle Menschen, ja&lt;br /&gt;
die gesamte belebte und unbelebte Welt umfassend, sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je reicher und entwickelter das persönliche und gesellschaftliche Leben&lt;br /&gt;
ist, desto stärker ist es in allen schöpferischen Faktorkombinationen auf&lt;br /&gt;
immer vielfältigere Faktoren, insbesondere auf den produktiven Beitrag&lt;br /&gt;
anderer Menschen und auf geordnete gesellschaftliche Verhältnisse, an-&lt;br /&gt;
gewiesen. Die Zuordnung des Produktwerts auf einzelne Faktoren nach&lt;br /&gt;
anderen als marktkonformen oder ordnungspolitisch vertretbaren Maß-&lt;br /&gt;
stäben ist so absurd wie zum Beispiel die Frage, ob an einem Automobil&lt;br /&gt;
der Motor, die Räder oder das Chassis die wichtigsten Bestandteile sind.&lt;br /&gt;
In dem Maße, wie das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, sind&lt;br /&gt;
die produktiven Faktoren, welche die Teile bereitstellen, dem Ganzen als&lt;br /&gt;
dem Produkt ihrer schöpferischen Funktion verpflichtet; anders verlieren&lt;br /&gt;
sie diese schöpferische Funktion selbst. Jedes Faktorkombinat, d. h. jedes&lt;br /&gt;
sinnvolle Arrangement produktiver Faktoren sowie jedes höher ent-&lt;br /&gt;
wickelte Produkt, das aus solchen Arrangements hervorgeht, ist tenden-&lt;br /&gt;
ziell etwas durch schöpferischen Willen Entstandenes, Lebendiges, auf eine&lt;br /&gt;
spezifische Funktion Angelegtes, der Wiederauflösung und dem Tode Ge-&lt;br /&gt;
weihtes. Die Begriffe „Seele“ und „schöpferische Funktion“ sind weit-&lt;br /&gt;
gehend identisch. Insofern haben auch „tote“ Produkte schöpferischer&lt;br /&gt;
menschlicher Tätigkeit so lange Anspruch auf ein gewisses Maß an „Ehr-&lt;br /&gt;
furcht vor dem Leben“, wie sie eine wesentliche Funktion erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Das Reich Gottes ist das umfassende optimale Faktorkombinat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozeß der Faktokombination führt zu Faktorkombinaten, unter&lt;br /&gt;
denen wir sinnvolle Arrangements von produktiven Faktoren oder Pro-&lt;br /&gt;
duktionsmitteln wie auch die aus ihnen hervorgehenden Produkte ver-&lt;br /&gt;
stehen können. Das Gemeinsame von Produkten und Produktionsmitteln&lt;br /&gt;
ist ihre Funktionalität, ihre Zweckhaftigkeit. Alles Geschöpfliche, alles&lt;br /&gt;
Produzierte, ist funktional angelegt und dient einem höheren Zweck;&lt;br /&gt;
nichts ist an sich und in sich selbst existent. Positive Funktionen sind&lt;br /&gt;
ihrem Wesen nach einfach; auch die kompliziertesten Fragen lassen sich&lt;br /&gt;
einfach lösen, wenn man die beteiligten Kräfte auf ihre positiven Funk-&lt;br /&gt;
tionen prüft. Nur wer zu wenig Glauben hat, empfindet denjenigen,&lt;br /&gt;
der so vorgeht, als „terrible simplificateur“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die umfassende Funktion des Menschen ist es, Ebenbild Gottes zu&lt;br /&gt;
werden oder, wie es in dem von ’Abdu’l-Bahá oft zitierten Qur’än-Vers&lt;br /&gt;
heißt, die Stufe des „Gepriesen sei Gott, der Herrlichste der Schöpfer“&lt;br /&gt;
zu erreichen. Für die inhaltliche Interpretation des Ebenbildcharakters&lt;br /&gt;
sind dem schöpferischen Gestaltungswillen innerhalb eines weiten Rah-&lt;br /&gt;
mens fast keine Grenzen gesetzt. Im gesellschaftlichen Bereich ergibt die&lt;br /&gt;
Ebenbildlichkeit vieler einzelner eine Einheit in der Mannigfaltigkeit, d.h.&lt;br /&gt;
ein optimales Faktorkombinat, in dem nach einem übergeordneten Plan&lt;br /&gt;
diejenigen Teilfunktionen der einzelnen Glieder geordnet und notfalls&lt;br /&gt;
beschnitten werden, die wesentliche Funktionen anderer Glieder beein-&lt;br /&gt;
trächtigen könnten. Oft verwandtes Modell für die Einheit in der Man-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1196&lt;br /&gt;
{{page|1197|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=23}}nigfaltigkeit ist ein Garten mit verschiedensten Pflanzen und Tieren,&lt;br /&gt;
deren Symbiose dem gestaltenden Willen eines Gärtners unterworfen ist.&lt;br /&gt;
Vergessen wir nicht, daß der Schöpfungsmythos mit einem Paradieses-&lt;br /&gt;
garten beginnt, daß die Jenseitsvorstellungen der Bibel und insbesondere&lt;br /&gt;
des Qur’än von Gartenlandschaften geprägt sind, daß die biblischen Bilder&lt;br /&gt;
des künftigen Friedensreiches, vor allem bei Jesaia, Daniel und in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarung des Johannes, die ästhetische und ökonomische Begriffswelt&lt;br /&gt;
von Kulturlandschaften wiederspiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Idealtypus des Ebenbildes Gottes für den einzelnen Menschen&lt;br /&gt;
ist, das ist das Reich Gottes für die menschliche Gesellschaft als Ganzes,&lt;br /&gt;
die Menschheit, als Krone und Regent der gesamten bekannten Schöpfung.&lt;br /&gt;
Aus dem Urwaldgarten des verlorenen Paradieses wurde der Mensch ver-&lt;br /&gt;
bannt, als er, vermutlich erst vor wenigen Jahrtausenden, langsam zum&lt;br /&gt;
Bewußtsein seiner selbst erwachte. Wir stehen heute im revolutionären&lt;br /&gt;
Abschluß dieser Pubertätsphase der Gattung Mensch, die durch die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit ihrer kollektiven Selbstvernichtung „reif“ geworden ist, wie denn&lt;br /&gt;
das Wissen um die jederzeitige Möglichkeit des eigenen Todes ein wesent-&lt;br /&gt;
liches Merkmal des erwachsenen Bewußtseins ist. Die Alternative zur&lt;br /&gt;
Selbstvernichtung ist die bewußte Anpassung an die schlagartig geän-&lt;br /&gt;
derten technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse —&lt;br /&gt;
ein Lernprozeß, der einerseits durch die wachsende Muße innerhalb der&lt;br /&gt;
Wohlstands- und Freizeitgesellschaft, andererseits durch leichtere und&lt;br /&gt;
schwerere Krisen und Katastrophen beschleunigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Idealtypus Ebenbild Gottes, so ist auch der Begriff des Reiches&lt;br /&gt;
Gottes einer großen Bandbreite von Auslegungen zugänglich, zumal dann,&lt;br /&gt;
wenn man den Weg zu diesem Idealzustand als einen langwierigen An-&lt;br /&gt;
passungsprozeß versteht. Neben der Einheit in der Mannigfaltigkeit —&lt;br /&gt;
d. h. Übereinstimmung in den Grundfragen der Wertordnung, Freiheit&lt;br /&gt;
in der Vielfalt der Lebensäußerungen, Höherbewertung der gemeinsamen&lt;br /&gt;
Grundsätze gegenüber den verschiedenartigen sonstigen Ideen — emp-&lt;br /&gt;
fiehlt sich vor allem das Denkmodell des dynamischen Gleichgewichts:&lt;br /&gt;
Produktive Leistung entsteht aus der Bewegung, die eine hohe Elastizität,&lt;br /&gt;
Flexibilität und Mobilität der Faktoren und ihrer Kombinationen vor-&lt;br /&gt;
aussetzt. Statik bedeutet Stillstand, Zyklik die ewige Wiederkehr des Glei-&lt;br /&gt;
chen. Nur die Bereitschaft der wichtigsten Entscheidungsträger, neue Daten&lt;br /&gt;
sachgerecht zu berücksichtigen, das Gemeinsame über das Verschieden-&lt;br /&gt;
artige zu stellen und allgemein vertretbare Ziele anzustreben, wird letz-&lt;br /&gt;
tenendes Gleichgewichtszustände herbeiführen, die den Makel der Träg-&lt;br /&gt;
heit und der Dekadenz vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit kann gesagt werden, daß eine reife Gesellschaft funda-&lt;br /&gt;
mentaldemokratisch aufgebaut, d. h. auf den weitestmöglichen Konsensus&lt;br /&gt;
aller Beteiligten in allen wesentlichen Fragen hin orientiert ist, daß sie&lt;br /&gt;
eine Gesellschaft von ständig Lernenden ist, daß sie das Lernen durch&lt;br /&gt;
attische Diskussionsfreude erleichtert und ermutigt und daß sie im Zuge&lt;br /&gt;
dieser weltweiten Lernprozesse eine umfassende Umwertung aller Werte&lt;br /&gt;
vollzieht. In dem Maße, wie sich ihre Individuen aus rücksichtslosen Kon-&lt;br /&gt;
kurrenz- und Daseinskämpfern zu kooperativen Verehrern allgemeingül-&lt;br /&gt;
tiger Zielvorstellungen und zu Nutznießern allgemein anwendbarer Werte&lt;br /&gt;
und Einrichtungen wandeln, wächst organisch das Bild des Reiches Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung Seite 1200)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1197&lt;br /&gt;
{{page|1198|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit von August 1970 bis September 1971 finden acht Ozeanische&lt;br /&gt;
beziehungsweise kontinentale Bahä’i-Konferenzen statt, in deren Mittel-&lt;br /&gt;
punkt die weitere Verbreitung des Glaubens in aller Welt steht. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1198&lt;br /&gt;
{{page|1199|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ersten Konferenzen vereinten in Maritius (linke Seite) und La Paz (rechts)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’i aus zahlreichen Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1199&lt;br /&gt;
{{page|1200|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als einer universalen, die ganze gestaltbare Schöpfung umschließenden&lt;br /&gt;
Weltordnung. Ihre wesentlichen Strukturen sind einfach und klar; jeder&lt;br /&gt;
Gebildete kann sie heute schon als Zielvorstellungen realisieren, wenn er&lt;br /&gt;
nur bereit ist, persönliche und gesellschaftliche Vorurteile abzulegen, in-&lt;br /&gt;
teressenfrei zu denken, alle Alleinvertretungsansprüche zu meiden und&lt;br /&gt;
seine bisherigen Wertvorstellungen zu Kritisieren, zu transzendieren und&lt;br /&gt;
zu universalisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Die Manifestation Gottes ist die höchste Verkörperung des&lt;br /&gt;
Unternehmergeistes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben festgestellt, daß mit fortschreitender wirtschaftlicher Ent-&lt;br /&gt;
wicklung das unternehmerische Denken und Handeln zum tragenden Ele-&lt;br /&gt;
ment schöpferischer Lebensgestaltung wird. Wir haben das Ebenbild Got-&lt;br /&gt;
tes als die Zielfunktion menschlicher Existenz erwähnt, das Reich Gottes&lt;br /&gt;
als höchstes Kombinat produktiver Faktoren angedeutet. Die logische&lt;br /&gt;
Folge ist, daß die unternehmerische Haltung eine göttliche Eigenschaft sein&lt;br /&gt;
muß, daß diese Haltung in der Manifestation Gottes, Seinem „Sohn“, Ge-&lt;br /&gt;
sandten und Sprachrohr, im besonderen Maße zum Ausdruck kommen&lt;br /&gt;
muß und daß sie sich im geoffenbarten Wort Gottes umso stärker nieder-&lt;br /&gt;
schlagen muß, je weiter sich die Menschheit zu ihrer wahren Bestim-&lt;br /&gt;
mung hin entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die heiligen Schriften mit aufgeklärten Augen lesen, finden&lt;br /&gt;
wir genau dies bestätigt. Während die östlichen Religionen die kontempla-&lt;br /&gt;
tiven Elemente des geistigen Lebens betonen und auf eine Schematisierung&lt;br /&gt;
der Gesellschaftsstrukturen und Verhaltensweisen zielen, sind die west-&lt;br /&gt;
lichen Offenbarungsreligionen ausgesprochen dynamisch und unterneh-&lt;br /&gt;
merisch angelegt: Sie verfolgen ein Unternehmen, das im Gang von Jahr-&lt;br /&gt;
tausenden planmäßig vorangetrieben und bis zur „Marktbeherrschung“&lt;br /&gt;
ausgebaut worden ist. In der Tat könnte man sich keine höhere unter-&lt;br /&gt;
nehmerische Leistung als die Vorbereitung des Reiches Gottes vorstellen,&lt;br /&gt;
mit einem Investitionszeitraum von 4000 Jahren, in welchem die Hoffnung&lt;br /&gt;
auf ein schließliches Gelingen unter unsäglichen Opfern und Belastungen&lt;br /&gt;
durchgehalten wurde. Wie Abraham als einziger in einer Welt von Götzen-&lt;br /&gt;
dienern die Idee der Einheit Gottes hochhielt und die Regression in die&lt;br /&gt;
nomadische Lebensweise auf sich nahm, um diese Idee unverfälscht seiner&lt;br /&gt;
Nachkommenschaft weiterzugeben, wie Moses die Glaubensgemeinschaft&lt;br /&gt;
sammelt, ihr eine umfassende Lebensordnung gibt und sie in den ihr be-&lt;br /&gt;
stimmten Lebensraum führt, wie Jesus die harte Schale der Äußerlich-&lt;br /&gt;
keiten durchbricht und die persönlichen Beziehungen zum Göttlichen&lt;br /&gt;
und zur Umwelt in den Mittelpunkt des Bewußtseins rückt, wie Muham-&lt;br /&gt;
mad schließlich einer degenerierten Gesellschaft die Disziplin der ersten&lt;br /&gt;
nationalstaatlichen Ordnung anlegt und sie in kürzester Zeit zu höchster&lt;br /&gt;
Kulturentfaltung führt — das alles zeigt neben vielen anderen Tugenden&lt;br /&gt;
ein Höchstmaß an unternehmerischer Tatkraft. Tausend andere große Ge-&lt;br /&gt;
stalten der Religions- und Geistesgeschichte bieten ergänzende Vorbilder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wortzeugnisse sind nicht minder anspornend. Viele Gleichnisse&lt;br /&gt;
Jesu handeln von Grundherren, die sachgerechte unternehmerische Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen treffen und begründen. Die klarste Hinführung zur richtigen&lt;br /&gt;
Einstellung gegenüber Wirtschaftsproblemen, die je aufgezeichnet worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1200&lt;br /&gt;
{{page|1201|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=27}}ist, dürfte der Abschnitt aus der Bergpredigt (Matth. 6) sein, wo zunächst&lt;br /&gt;
die übertriebene Ängstlichkeit um die Befriedigung der — meist zu hoch&lt;br /&gt;
geschraubten — Bedürfnisse verurteilt und auf die Vögel in der Luft, die&lt;br /&gt;
nicht säen und ernten und doch von ihrem himmlischen Vater versorgt&lt;br /&gt;
werden, sowie auf die Lilien des Feldes, die nicht spinnen und weben und&lt;br /&gt;
doch schöner gekleidet sind als Salomo, verwiesen wird. Diese Haltung&lt;br /&gt;
steht natürlich dem Menschen nicht an; er soll vielmehr sein Trachten&lt;br /&gt;
umfassend „auf das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit richten; dann&lt;br /&gt;
wird ihm alles andere zufallen“. Lassen wir die Frage nach dem Unter-&lt;br /&gt;
schied zwischen dem vorgegebenen Soll und dem tatsächlichen Verhalten&lt;br /&gt;
der Wirtschaftssubjekte beiseite. Achten wir lieber darauf, was das Trach-&lt;br /&gt;
ten nach dem Reich und seiner Gerechtigkeit praktisch zum Inhalt hat.&lt;br /&gt;
Diese Gerechtigkeit schließt ja einen gesunden Kern von Egoismus Keines-&lt;br /&gt;
wegs aus, nur daß hmier der Erwerbssinn nicht mehr zum Erwerbstrieb&lt;br /&gt;
degeneriert ist. Heute, da uns die Zusammenhänge und gegenseitigen Ab-&lt;br /&gt;
hängigkeiten klar und wissenschaftlich vor Augen liegen, können wir&lt;br /&gt;
leicht nachvollziehen, daß Jesus eigentlich nur die Theorie der produktiven&lt;br /&gt;
Umwege, mit der man den Einsatz von Anlagegütern und Maschinen im&lt;br /&gt;
Produktionsprozeß erklärt, vorwegnimmt und transzendiert: Wenn die&lt;br /&gt;
spezifischen Zwecke — hier die subjektive Bedürfnisbefriedigung — auf&lt;br /&gt;
dem geistigen Umweg über ihre Einbettung in die Gerechtigkeit des Got-&lt;br /&gt;
tesreiches gesehen und verfolgt werden, wenn sich das Bewußtsein rein,&lt;br /&gt;
strahlend und ordnend über die organischen Strukturen erhebt, statt sich&lt;br /&gt;
kämpferisch und zerstörend gegen sie durchzusetzen, lassen sich berech-&lt;br /&gt;
tigte Interessen mit geringem Aufwand realisieren, und die Früchte fal-&lt;br /&gt;
len dem wirtschaftenden Menschen mehr oder weniger zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Trachten nach der Gerechtigkeit des Gottesreiches ist in seinem&lt;br /&gt;
Kern nichts anderes als eine ständige latente Bereitschaft zu optimalen&lt;br /&gt;
Faktorkombinationen um der Kombination, der schöpferischen Tätigkeit&lt;br /&gt;
selbst willen. Es ist eine Fortentwicklung derjenigen Geisteshaltung, die&lt;br /&gt;
manchen Unternehmer sagen läßt, das Geld liege auf der Straße, man&lt;br /&gt;
brauche es nur aufzuheben. Auch wenn dieses „Aufheben“ nicht einfach&lt;br /&gt;
ist, sondern Mut, Energie und Durchsetzungsvermögen erfordert — die&lt;br /&gt;
Chancen sind groß und weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das produktivste Ergebnis des Trachtens nach dem Gottesreich und sei-&lt;br /&gt;
ner Gerechtigkeit im Bewußtsein des Wirtschaftssubjekts ist Vertrauens-&lt;br /&gt;
würdigkeit. Es wird viel zu wenig beachtet und praktiziert, daß „Glaube“,&lt;br /&gt;
„Vertrauen“ und „Kredit“ fast deckungsgleiche Begriffe sind. Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
ist sehr sparsam damit, menschliche Tugenden zu personifizieren oder&lt;br /&gt;
eigene mystische Erlebnisse auszubreiten. Umso bedeutungsvoller ist sein&lt;br /&gt;
Bericht darüber, wie Er nach entbehrungsreicher Kerkerhaft in der Stein-&lt;br /&gt;
wüste von ‘Akkä „Seine grüne Insel“, einen von ‘Abdu’l-Bahá für Ihn&lt;br /&gt;
vorbereiteten Garten, betritt und dort die Vertrauenswürdigkeit als „eines&lt;br /&gt;
der herrlichen Wesen des Erhabensten Paradieses, auf einer Säule reinen&lt;br /&gt;
Lichtes stehend“, erlebt). Wenn wir diese Erzählung vor dem Hinter-&lt;br /&gt;
grund Seines Grundsatzes sehen: „Alle Menschen wurden erschaffen, eine&lt;br /&gt;
ständig fortschreitende Kultur voranzutragen“ *), wenn wir Seine fortge-&lt;br /&gt;
setzten Aufforderungen bedenken: „Wendet euch der Förderung des&lt;br /&gt;
Wohlergehens und der Ruhe der Menschenkinder zu! Widmet euren Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1201&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1202|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Willen der Erziehung der Völker und Geschlechter der Erde...!“ 5),&lt;br /&gt;
wenn wir überlegen, daß mit fortschreitender Kultur die Lebensäußerun-&lt;br /&gt;
gen und Lebensbeziehungen immer vielfältiger werden und demnach eines&lt;br /&gt;
integrierenden Elements, eben jener Gläubigkeit und Vertrauenswürdig-&lt;br /&gt;
keit, bedürfen, dann erleben wir erneut, wie umfassend der unternehme-&lt;br /&gt;
rische Weitblick einer Manifestation Gottes ist, die alle produktiven Fak-&lt;br /&gt;
toren ausnahmslos auf ihre Wertigkeit prüft und sie von einem absolut&lt;br /&gt;
reinen Willen her, durch sparsamen und doch kraftvollen Ausdruck im&lt;br /&gt;
göttlichen Logos, optimal kombiniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Privatwirtschaftlicher Gewinn ist nicht die Hauptfunktion unter-&lt;br /&gt;
nehmerischer Tätigkeit, aber die optimale Steuerung für ihre&lt;br /&gt;
Aktivierung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glauben und Vertrauen in einem neuen, geläuterten Sinn sind die höch-&lt;br /&gt;
ste, aber schlechterdings nicht die einzige Motivation unternehmerischen&lt;br /&gt;
Denkens und Handelns. Gewinnerwartungen der Wirtschaftssubjekte sind&lt;br /&gt;
in einem sehr hohen Maße natürlich, zweckmäßig und berechtigt. Nur&lt;br /&gt;
sollte ein Unternehmer bewußtseinsmäßig so weit entwickelt sein, daß er&lt;br /&gt;
sich, zumindest mit einem kleinen Teil seines Denkapparats, sozusagen&lt;br /&gt;
auch von außen her, in seiner gesamtwirtschaftlichen Funktion sieht.&lt;br /&gt;
Dann muß er erkennen, daß die Steuerung der Wirtschaft über die Ge-&lt;br /&gt;
winne selbständiger Unternehmen keineswegs die einzig denkbare Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsverfassung ist; sie kann durch das Fehlverhalten mächtiger Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssubjekte in ihrer Wirksamkeit so herabgedrückt werden, daß an-&lt;br /&gt;
dere Wirtschaftsverfassungen, zumindest in Teilbereichen, zweckmäßiger&lt;br /&gt;
sind. Zweitens sollte man sich des (übergebührlichen) Gewinnstrebens,&lt;br /&gt;
von einer ethischen Warte her gesehen, eher ein wenig schämen, anstatt&lt;br /&gt;
es an einer rechenhaften Auffassung des Erfolges aufzuhängen und mit&lt;br /&gt;
diesem zusammen durch wirtschaftswissenschaftliche Dogmen aus der Zeit&lt;br /&gt;
des Laissez-faire zu vergolden. Drittens sollte man sich eingestehen, daß&lt;br /&gt;
ein gewisser, schwer quantifizierbarer Teil der Gewinne weniger das Pro-&lt;br /&gt;
dukt zweckmäßiger Unternehmensführung als das Ergebnis von zufälligen&lt;br /&gt;
oder herbeigeführten Marktverengungen und Marktverformungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesamtwirtschaftlich erfüllt der Unternehmergewinn Funktionen wie&lt;br /&gt;
die des Blütennektars bei der Pflanzenbestäubung oder die des Tachome-&lt;br /&gt;
ters beim Kraftfahrzeug. Man kann Pflanzen zur Not auch künstlich be-&lt;br /&gt;
stäuben und ohne Tachometer fahren, nur eben nicht so bequem. Jeden-&lt;br /&gt;
falls sind die Hummel, die nur an den Nektar denkt und ihrer Bestäu-&lt;br /&gt;
bungsfunktion nicht innewird, und der Halbstarke, der sich waagrecht auf&lt;br /&gt;
sein Moped legt und voll aufdreht, nur damit die Tachometernadel hoch-&lt;br /&gt;
geht, im Grunde bemitleidenswerte Geschöpfe. Ein gebildeter Unterneh-&lt;br /&gt;
mer sollte geistig etwas weiter vorangeschritten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie weit dieser geistige Fortschritt gediehen ist, zeigt sich in der Quali-&lt;br /&gt;
tät der Faktorkombination im weitesten Sinn, und diese beruht in stei-&lt;br /&gt;
gendem Maße auf der Qualität der subjektiven, persönlichen Faktoren.&lt;br /&gt;
Gereifte, in sich selbst gefestigte Persönlichkeiten, denen die Ehrfurcht&lt;br /&gt;
vor gewachsenen Strukturen so viel bedeutet wie ein starkes Empfinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1202&lt;br /&gt;
{{page|1203|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=29}}für das ökonomische Prinzip, werden es ablehnen, das Diktat der Fakten&lt;br /&gt;
und Sachzwänge als die höchste Orientierungsgröße für ihre Entscheidun-&lt;br /&gt;
gen anzuerkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Bahä’u’lläh, „Verborgene Worte“, arab. 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) ‘Abdu’l-Bahá, Brief vom 21. Sept. 1921 an Prof. Dr. Auguste Forel, „BAHA’I-&lt;br /&gt;
BRIEFE“ 1/Juli 1960, S. 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Tablet Taräzät, vgl. Bahä’u’läh, „Brief an den Sohn des Wolfes“, Frankfurt&lt;br /&gt;
122/1966, S. 121, und „BAHA’I-BRIEFE“ 9/Juli 1962, S. 204&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ı) „Ahrenlese aus den Schriften Bahä’u’llähs“, CIX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) „Ährenlese“ CLVI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung zur Selbständigkeit&lt;br /&gt;
Ein Brief von A.@. Faizi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich 1965 die europäischen Sommerschulen besuchte, fand ich, daß&lt;br /&gt;
die Vorträge über Bahä’i-Erziehung viele Herzen gewannen. Unter den&lt;br /&gt;
vielen Fragen, die gestellt wurden, stand die des unabhängigen Forschens&lt;br /&gt;
nach Wahrheit im Vordergrund. Wir verbrachten viel Zeit mit dem Aus-&lt;br /&gt;
tausch von Meinungen und dem Nachlesen von Texten; unsere Augen&lt;br /&gt;
wurden geöffnet und unsere Herzen erbaut von der Majestät und Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit unseres kostbaren, allumfassenden Glaubens. Nun habe ich noch-&lt;br /&gt;
mals die Gelegenheit, mein Herz denen von Ihnen zu öffnen, die so weit&lt;br /&gt;
entfernt leben und doch geistig meinem Herzen und meiner Seele so nahe&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist, ob Bahä’i-Eltern ihren Kindern gegenüber so eingestellt&lt;br /&gt;
sein sollen, daß sie die Kinder als Bahä’i großziehen, oder ob sie die Kin-&lt;br /&gt;
der sich selbst überlassen sollen in der irrigen Annahme und mit der&lt;br /&gt;
vagen Hoffnung, daß sie den Glauben von selbst fänden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte ist eine Mißdeutung des göttlichen Worts, einer der schlimm-&lt;br /&gt;
sten Faktoren für die zahlenmäßige Abnahme von Gemeinden, den geisti-&lt;br /&gt;
gen Zerfall von Bahä’i-Familien und für den Mangel an Fortschritt in&lt;br /&gt;
der Lehrtätigkeit vieler Länder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist in der Tat bedauerlich, daß manche neue Gläubige aus ihrem&lt;br /&gt;
mangelhaften Wissen über unseren allumfassenden Glauben heraus, in&lt;br /&gt;
ihrem Wunsche, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und die&lt;br /&gt;
Stimme ihres Gewissens zu besänftigen, dieses für das ewige Leben des&lt;br /&gt;
Menschen grundlegende Prinzip mißdeuten. So wird die Gabe Gottes —&lt;br /&gt;
uns anvertraut, damit wir sie als Fackel auf dem finsteren Pfade des&lt;br /&gt;
Lebens benützen — in ein Feuer verwandelt, das jede Faser unseres gei-&lt;br /&gt;
stigen Wesens verzehrt und nichts übrig läßt als das Skelett unseres kör-&lt;br /&gt;
perlichen Seins, das dazu bestimmt ist, zu Staub zu zerfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu meinem großen Kummer stellte ich fest, daß manche Bahä’i-Ehe-&lt;br /&gt;
leute, selbst aktive Mitglieder von Bahä’i-Gemeinden, aufgrund ihres be-&lt;br /&gt;
sorgniserregenden Mißverständnisses für dieses grundlegende Prinzip&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1203&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1204|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihren Kindern gegenüber kein Wort über unser ewiges Vermächtnis, die-&lt;br /&gt;
sen herrlichen Glauben, äußern. Ungeachtet der Folgen solcher Unwissen-&lt;br /&gt;
heit in den Herzen und Seelen ihrer Lieben benehmen sie sich, als gehör-&lt;br /&gt;
ten sie einer Geheimgesellschaft an. Es gibt kein einziges Anzeichen für&lt;br /&gt;
ihren Glauben in ihren wohlausgestatteten Häusern. Ich stellte sogar fest,&lt;br /&gt;
daß manche von ihnen sich schämen, ihre Glaubensbrüder und -schwe-&lt;br /&gt;
stern zu erwähnen. So bleibt der Glaube ihren Kindern unbekannt; sie&lt;br /&gt;
werden aus ihrem Elternhaus in die Welt ziehen, ohne jemals auf den&lt;br /&gt;
weiten Horizont zu schauen, der im Flutlicht der aufsteigenden Sonne der&lt;br /&gt;
Wahrheit erstrahlt. Wenn man diese Eltern fragt, haben sie stets die Ant-&lt;br /&gt;
wort: „Wir möchten, daß die Kinder den Glauben selbst finden und ihn&lt;br /&gt;
unabhängig erforschen.“ Diese Antwort belud mein Herz mit so viel Kum-&lt;br /&gt;
mer, daß ich keine passenden Worte finden konnte, meine Gefühle aus-&lt;br /&gt;
zudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„...den Glauben selbst finden“: Was für ein falscher Spruch! Wie&lt;br /&gt;
sollen sie ihn finden? Durch wen und woher, wenn nicht zuhause unter&lt;br /&gt;
der liebevollen, wachsamen Anleitung ihrer Eltern? Wenn uns unsere&lt;br /&gt;
Kinder nicht leid tun, wenn wir sie in die reißenden Wogen dieses stür-&lt;br /&gt;
mischen Meeres, der Gesellschaft werden, wie können wir von anderen&lt;br /&gt;
erwarten, daß sie ihnen leid tun, daß sie unsere Kinder an der Hand neh-&lt;br /&gt;
men und sie an das sichere Ufer retten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es das ist, was wir unter „unabhängigem Forschen“ verstehen,&lt;br /&gt;
warum geben wir uns dann größte Mühe um ihre Schulbildung, warum&lt;br /&gt;
lassen wir sie Jahre im voraus bei bekannten Lehranstalten vormerken?&lt;br /&gt;
Warum nötigen wir sie das ganze Jahr, keine Schulstunde auszulassen?&lt;br /&gt;
Warum ermutigen wir sie zu besserer Leistung und sind stolz über ihre&lt;br /&gt;
Kleinen täglichen Fortschritte in dem, was man Künste und Wissenschaf-&lt;br /&gt;
ten nennt? Warum lassen wir ihnen nicht die Freiheit, ihren eigenen Weg&lt;br /&gt;
durch die Erziehungseinrichtungen zu finden, ohne sie zu fragen, ob sie&lt;br /&gt;
ihre Tage in der Schule oder in Bars und Spielhöllen zugebracht haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um der materiellen Erziehung willen drängen wir unsere Kinder sicher-&lt;br /&gt;
lich, besondere Kurse zu besuchen; wir verlangen Disziplin und passen&lt;br /&gt;
gut auf, daß sie keine Gelegenheit versäumen. Aber ach! In der wichtig-&lt;br /&gt;
sten Sache, die wie der Sonnenschein für alle Lebensäußerungen unserer&lt;br /&gt;
Lieben ist und ihnen ewiges Glück sichert, bleiben wir achtlos, gleichgül-&lt;br /&gt;
tig und unbesorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen der Selbständigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von allen Grundsätzen Bahä’u’llähs für den Schutz der Weltordnung&lt;br /&gt;
und die Einheit der Menschheit, ist dieses Prinzip des unabhängigen For-&lt;br /&gt;
schens nach Wahrheit eines der wenigen, die sich ausschließlich an den&lt;br /&gt;
einzelnen wenden; die anderen sind im Grunde kollektiver Natur und&lt;br /&gt;
bringen in erster Linie gesellschaftliche Veränderung mit sich. Beispiels-&lt;br /&gt;
weise sind die Einzelmenschen nicht dafür verantwortlich, daß eine Welt-&lt;br /&gt;
sprache eingeführt wird oder daß ein allgemeines System der Erziehung&lt;br /&gt;
festgelegt wird; aber sie haben die Wahrheit zu erforschen und dabei un-&lt;br /&gt;
abhängig von anderen vorzugehen. Es ist jedoch bedeutungsvoll für uns&lt;br /&gt;
zu erkennen, daß dieses Prinzip ein zweischneidiges Schwert ist: Die eine&lt;br /&gt;
Schneide trennt das Falsche vom Wahren, die andere schützt den einzel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1204&lt;br /&gt;
{{page|1205|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=31}}nen Gläubigen vor dem eigenen Ich, wenn er mit göttlichen Prüfungen&lt;br /&gt;
konfrontiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Prinzip bezieht sich nicht nur auf das geistige Leben des Men-&lt;br /&gt;
schen; es ist wichtig zu wissen, daß es auf alles anwendbar ist, was wir&lt;br /&gt;
tun wollen. Bei allen kleineren und größeren Tätigkeiten machen wir die-&lt;br /&gt;
sen Prozeß des Forschens durch. Selbständiges Forschen ist in der Tat&lt;br /&gt;
unumgänglich und eines der grundlegenden Erfordernisse für jeden ein-&lt;br /&gt;
zelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns darauf beschränken, uns selbst aus der Qual des Unglau-&lt;br /&gt;
bens, des Zweifels und der Skepsis zu Anerkennung, Glauben und Gewiß-&lt;br /&gt;
heit in der Wahrheit der Sendung Bahä’u’llähs durchzuringen, dann ist&lt;br /&gt;
die erste Etappe unserer Reise zu Ende, so bald wir dieses höchste Ziel&lt;br /&gt;
erreicht und Ihn als den göttlichen Erzieher erkannt haben. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
daß anschließend jede Handlung Bahä’u’llähs und jede von Ihm geoffen-&lt;br /&gt;
barte Äußerung als Manifestation der Wahrheit angenommen werden&lt;br /&gt;
muß. Der Geist des Forschens wird sodann dem Wanderer, der sich auf-&lt;br /&gt;
gemacht hat, helfen, den Schmutz der Falschheit von den Perlen der&lt;br /&gt;
Wahrheit zu trennen und auf diesem Pfade fortzuschreiten, bis jedes&lt;br /&gt;
Glied seines stofflichen Tempels, ja jedes Haar Zungen findet, den in sei-&lt;br /&gt;
nem Herzen entzündeten Glauben auszudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Reise geht weiter. Hat der Wanderer die Stufe des Glaubens&lt;br /&gt;
erreicht, sieht er sich am Ufer eines endlosen, unergründlichen Meeres&lt;br /&gt;
göttlicher Äußerung. Da muß er hineinspringen: nicht um die Wahrheit&lt;br /&gt;
jedes Wortes, Verses, Grundsatzes und Gebotes nachzuprüfen, sondern&lt;br /&gt;
ganz im Gegenteil. Mit einem Herzen voller Gewißheit und in einer&lt;br /&gt;
Haltung völliger Ergebenheit und bittender Demut wird der Gläubige&lt;br /&gt;
nachdenken und beten und dann die Perlen der Weisheit zu entdecken&lt;br /&gt;
suchen. Dabei wird er die ewige Schönheit und die unermeßlichen Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse schauen, die in jedem Wort verwahrt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hujjat und die freie Glaubensentscheidung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehe wir uns dem Hauptthema dieses Briefes zuwenden, wollen wir die&lt;br /&gt;
beiden nachfolgenden Auszüge aus dem unsterblichen Bericht Nabils in&lt;br /&gt;
uns aufnehmen, um unsere Erinnerung an die ruhmreichen Taten der&lt;br /&gt;
Helden und Heiligen unseres geliebten Glaubens aufzufrischen. Diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge veranschaulichen die beiden Aspekte unseres Problems und wer-&lt;br /&gt;
den sicherlich viel Licht auf unsere Untersuchung werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald Hujjat der Ruf aus Shiräz zu Ohren kam, entsandte er einen&lt;br /&gt;
seiner Schüler, Mulläa Iskandar, in den er volles Vertrauen setzte, damit er&lt;br /&gt;
die ganze Angelegenheit untersuche und ihm das Ergebnis seiner Nach-&lt;br /&gt;
forschungen vortrage. Gleichgültig gegenüber dem Lob oder Tadel seiner&lt;br /&gt;
Landsleute, deren Aufrichtigkeit er anzweifelte und deren Urteil er&lt;br /&gt;
gering achtete, schickte er seinen Vertrauten nach Shiräz mit der aus-&lt;br /&gt;
drücklichen Weisung, genaue und selbständige Untersuchungen anzustel-&lt;br /&gt;
len. Mullä Iskandar gelangte in die Gegenwart des Báb und fühlte&lt;br /&gt;
sofort die belebende Kraft Seines Einflusses. Er verweilte 40 Tage in&lt;br /&gt;
Shiräz, nahm in dieser Zeit die Grundsätze des Glaubens in sich auf und&lt;br /&gt;
verschaffte sich seiner Fassungskraft entsprechend Kenntnis über das&lt;br /&gt;
Ausmaß der Herrlichkeit dieser neuen Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1206|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Zustimmung des Báb kehrte er nach Zanjän zurück. Als er ankam,&lt;br /&gt;
waren gerade alle führenden Ulama (Geistlichen) bei Hujjat versammelt,&lt;br /&gt;
und Hujjat fragte ihn unumwunden, ob er an die neue Offenbarung&lt;br /&gt;
glaube oder sie ablehne. Mullä Iskandar legte die Schriften des Báb, die&lt;br /&gt;
er mitgebracht hatte, vor und versicherte, was immer das Urteil seines&lt;br /&gt;
Meisters sei, wolle er als verbindlich betrachten. „Was?“ rief Hujjat&lt;br /&gt;
ärgerlich aus. „Wenn diese edle Versammlung nicht hier wäre, würde ich&lt;br /&gt;
dich streng bestrafen. Wie kannst du es wagen, Glaubenssachen der&lt;br /&gt;
Billigung oder Ablehnung anderer zu unterwerfen?“ Er nahm seinem&lt;br /&gt;
Boten eine Abschrift des Qayyümu’l-Asmä, des ersten Offenbarungs-&lt;br /&gt;
werks des Báb, aus der Hand, und nachdem er eine Seite des Buches&lt;br /&gt;
überflogen hatte, fiel er ausgestreckt zu Boden und rief: „Ich bezeuge,&lt;br /&gt;
daß die Worte, die ich hier gelesen habe, derselben Quelle entströmen&lt;br /&gt;
wie die des Qur’än. Wer die Wahrheit dieses heiligen Buches erkannt hat,&lt;br /&gt;
muß sich unbedingt den Geboten seines Urhebers unterwerfen. Sie, die&lt;br /&gt;
Mitglieder dieser Versammlung, sind meine Zeugen: Ich gelobe dem Ur-&lt;br /&gt;
heber dieser Offenbarung solche Treue, daß ich mich, sollte Er die Nacht&lt;br /&gt;
zum Tag erklären und die Sonne zum Schatten, vorbehaltslos Seinem&lt;br /&gt;
Urteil fügte und es als die Stimme der Wahrheit betrachtete. Wer Ihn&lt;br /&gt;
verleugnet, den werde ich als Gottesleugner ansehen.“ Mit diesen Wor-&lt;br /&gt;
ten beendete er die Ratsversammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf kam Hujjats besonderer Bote, Mashadi Ahmad, den er&lt;br /&gt;
insgeheim mit einer Bittschrift und persönlichen Geschenken für den Báb&lt;br /&gt;
nach Shiräz gesandt hatte, wieder in Zanjän an und überreichte ihm,&lt;br /&gt;
während er zu seinen Schülern sprach, einen versiegelten Brief seines&lt;br /&gt;
Geliebten. In diesem Tablet verlieh ihm der Báb zu seinen anderen Titeln&lt;br /&gt;
hin den Namen Hujjat und drängte ihn, die grundlegenden Lehren&lt;br /&gt;
Seines Glaubens ohne den geringsten Vorbehalt von der Kanzel herab zu&lt;br /&gt;
verkünden. Kaum hatte er die Wünsche seines Meisters zur Kenntnis ge-&lt;br /&gt;
nommen, als er schon seinen Entschluß erklärte, alle Anordnungen dieses&lt;br /&gt;
Tablets unverzüglich auszuführen. Er entließ seine Schüler, befahl ihnen,&lt;br /&gt;
ihre Bücher zu schließen, und bekundete seine Absicht, seine Seminare&lt;br /&gt;
nicht weiterzuführen. „Welchen Zweck“, fragte er, „haben Studien und&lt;br /&gt;
Forschungen für diejenigen, die die Wahrheit schon gefunden haben, und&lt;br /&gt;
warum sollten wir nach gelehrter Erkenntnis streben, wenn Er, das Ziel&lt;br /&gt;
aller Erkenntnis, Sich geoffenbart hat?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schatzberg des Menschenherzens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder menschliche Tempel, ungeachtet der Rasse, der Farbe, des Lan-&lt;br /&gt;
des oder des Klimas, ist nach Bahä’u’lläh ein Schatzberg, in welchem Gott&lt;br /&gt;
in Seiner unergründlichen Weisheit und Seiner grenzenlosen Liebe Edel-&lt;br /&gt;
steine verwahrt hat, die durch den Prozeß einer sachgerechten, göttlichen,&lt;br /&gt;
umfassenden Erziehung entdeckt, poliert und geschliffen werden müssen.&lt;br /&gt;
Bei diesen Edelsteinen handelt es sich um die unerschlossenen Kräfte&lt;br /&gt;
und Talente, mit denen jeder einzelne Mensch begabt ist. Wenn diese&lt;br /&gt;
Kräfte und Fähigkeiten entdeckt und richtig geschult werden, dann wird&lt;br /&gt;
die Menschenwelt zu einem himmlischen Spiegel, aus dem alle göttlichen&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten herrlich widerstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1206&lt;br /&gt;
{{page|1207|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=33}}Das große Thema der Bahä’i-Erziehung hat viele Verzweigungen, die&lt;br /&gt;
sich über alle Aspekte des menschlichen Lebens erstrecken. Unsere&lt;br /&gt;
Bahä’i-Literatur ist voll von Erklärungen, die unseren Augen die ver-&lt;br /&gt;
borgensten Winkel der menschlichen Seele enthüllen. Wie kläglich, daß&lt;br /&gt;
die Menschheit den Überfluß dieser göttlichen Gaben starrköpfig von sich&lt;br /&gt;
weist und den Pfad der Schande und des Verderbens wählt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber noch bedauerlicher ist es, wenn jene, die an die Höchste Mani-&lt;br /&gt;
festation Gottes glauben, sich selbst ihres liebevollen Rats berauben. Für&lt;br /&gt;
die Zeit bis wir offizielle Klassifikationen und Übersetzungen aller hei-&lt;br /&gt;
ligen Texte haben werden, will ich mich in diesem Brief auf Aussagen&lt;br /&gt;
über die elterlichen Pflichten gegenüber den Kindern beschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung und Unterricht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst müssen wir wissen, daß zwischen Erziehung im Sinn der&lt;br /&gt;
Charakterbildung und Unterricht ein riesengroßer Unterschied besteht.&lt;br /&gt;
Der geliebte Meister hat nachdrücklich betont, daß Erziehung immer den&lt;br /&gt;
Vorrang vor dem bloßen Ansammeln von Wissen haben muß. Viele Tat-&lt;br /&gt;
sachen zu wissen, zahllose Lehrsätze auswendig zu lernen und wie ein&lt;br /&gt;
Papagei wissenschaftliche Theorien wiederzugeben ist keine Ehre für&lt;br /&gt;
den Menschen. Wahre Ehre liegen in des Menschen geistiger Erziehung&lt;br /&gt;
und in seinem sittlichen Verhalten, die ihn befähigen, ein Spiegel gött-&lt;br /&gt;
licher Vollkommenheiten zu sein und wie ein Leitstern zu strahlen, eher&lt;br /&gt;
zum Sterben bereit als dazu, sein Wissen für die Zerstörung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zu mißbrauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem letzten Ziel zuzustreben, werden wir alle ermutigt. Göttliche&lt;br /&gt;
Erziehung bewertet Bahä’u’lliäh als „das erhabenste“ unter allen Seinen&lt;br /&gt;
Geboten und als „einen starken Schutz“ für die Sache Gottes. Erziehungs-&lt;br /&gt;
einrichtungen müssen den Herzen und Seelen der Kinder als erstes die&lt;br /&gt;
göttlichen Gesetze und Gebote einflößen. So wachsen die Kinder dazu auf,&lt;br /&gt;
Gott zu verehren und sich gegenseitig als Seine Söhne und Töchter zu&lt;br /&gt;
lieben. Unmittelbar nachdem Er uns diesen Befehl gibt, warnt uns&lt;br /&gt;
Bahä’u’lliäh vor der übermäßigen Anwendung von Systemen, die indi-&lt;br /&gt;
viduell oder kollektiv Vorurteile und Unduldsamkeit in die unschuldigen&lt;br /&gt;
Herzen unserer Kinder einimpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den Texten erfahren wir klar, daß es keinerlei Zwang im Glauben&lt;br /&gt;
geben darf. Unter keinen Umständen dürfen Eltern ihre Kinder zwingen,&lt;br /&gt;
Bahä’i zu werden, aber nach den deutlichen Texten sind sie für die gei-&lt;br /&gt;
stige Geburt und das geistige Wachstum ihrer Kinder verantwortlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie uns hier von der Natur lernen. Wenn eine Mutter empfängt,&lt;br /&gt;
schafft die Natur besondere Verhältnisse in ihrem stofflichen Tempel, der&lt;br /&gt;
dem wachsenden Embryo Heimstatt ist. In dieser zweckmäßigen Umge-&lt;br /&gt;
bung beginnt das körperliche Wachstum des Kindes. Obwohl die Eltern&lt;br /&gt;
darauf brennen, ihr Kleines von Angesicht zu Angesicht zu sehen, werden&lt;br /&gt;
sie doch seine Geburt nicht erzwingen. Im Gegenteil warten sie geduldig,&lt;br /&gt;
bis die Stunde kommt, die die Vorsehung bestimmt hat; sie achten dar-&lt;br /&gt;
auf, daß alles andere mit dem natürlichen Ablauf in Einklang steht. Wenn&lt;br /&gt;
durch das Wirken der natürlichen Kräfte der gesegnete Augenblick da ist,&lt;br /&gt;
wird das Kind in diese unermeßliche Welt hineingeboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1207&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1208|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen nun die gleichen Regeln auf die zweite Heimat anwenden,&lt;br /&gt;
in die das Kind durch seine körperliche Geburt eingeführt wird. Unter&lt;br /&gt;
göttlicher Erziehung zuhause verstehen wir die Schaffung einer Atmo-&lt;br /&gt;
sphäre, in der das Kind die geistigen Kräfte dieses Zeitalters atmen kann,&lt;br /&gt;
um zur rechten Zeit wie eine Rose aufzublühen, sich zu entfalten und&lt;br /&gt;
sein Dasein im Garten Gottes unter der Fürsorge und dem Schutz des&lt;br /&gt;
göttlichen Gärtners kundzutun. Durch Gewalt oder durch irgendeine Art&lt;br /&gt;
von Zwang kann dies nicht erreicht werden, so wenig wie die Geburt des&lt;br /&gt;
Kindes durch äußere Kräfte bewerkstelligt werden kann. Wir versuchen&lt;br /&gt;
ja auch im Winter nicht, die Blüte aus dem Stengel herauszuziehen. Zur&lt;br /&gt;
rechten Zeit werden die Stengel von Blüten geschmückt, den Regeln und&lt;br /&gt;
Gesetzen entsprechend, die der Schöpfer für die Pflanzen bestimmte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie uns dies durch ein weiteres Beispiel veranschaulichen. Kin-&lt;br /&gt;
der, die in Häusern leben, in denen oft die Musik von Mozart oder Beet-&lt;br /&gt;
hoven gespielt wird, wachsen sicherlich dazu heran, diese Art Musik gern&lt;br /&gt;
zu haben. Dies kommt daher, daß die Atmosphäre des Hauses von solchen&lt;br /&gt;
Melodien erfüllt ist. Das Kind hat sie eingeatmet. Dieses gemeinsame&lt;br /&gt;
Anliegen ist überdies ein Brennpunkt, der die Eltern einander nahe-&lt;br /&gt;
bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Eltern jeden Morgen und jeden Abend in den heiligen&lt;br /&gt;
Schriften lesen, wie es die Altehrwürdige Schönheit gebot, wenn sie in&lt;br /&gt;
ihrer Wohnung Ausspracheabende halten, bei denen sie den Menschen&lt;br /&gt;
ohne Rücksicht auf Rasse, Klasse oder Herkunft Liebe, Achtung und Ehr-&lt;br /&gt;
erbietung entgegenbringen, wenn sie die Pflichtgebete sprechen, wenn sie&lt;br /&gt;
fasten, das Neunzehntagefest besuchen, die neun Feiertage einhalten und&lt;br /&gt;
bei allen diesen Feiern ihren Kindern deren Bedeutung und Wichtigkeit&lt;br /&gt;
erklären, dann brauchen die Eltern nichts zu befürchten. Voll Stolz wer-&lt;br /&gt;
den sie die Blumen in ihrem eigenen Heim wachsen sehen; der Geist der&lt;br /&gt;
Sache Gottes wird die ganze Atmosphäre des Hauses durchdringen. Licht&lt;br /&gt;
und Wärme der göttlichen Liebe, die von einem solchen Heim ausstrahlen,&lt;br /&gt;
werden den Kleinen sicherlich helfen, zu fruchtbaren Bäumen im Garten&lt;br /&gt;
Gottes heranzuwachsen, und zu gegebener Zeit werden sie nicht nur in&lt;br /&gt;
Worten, sondern durch die Reinheit ihrer Taten bekunden, daß sie unter&lt;br /&gt;
dem Banner des Größten Namens versammelt sind, Soldaten in der&lt;br /&gt;
Armee des Lebens, die in der vordersten Schlachtlinie des Lehrens, der&lt;br /&gt;
Festigung und der Pionierarbeit siegreich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Schriften raten den werdenden Müttern weiterhin, sie sollen&lt;br /&gt;
die Worte Gottes aufsagen, um das geistige Wachstum der Kinder, die&lt;br /&gt;
sie unter dem Herzen tragen, zu begünstigen. Auch nach der Geburt des&lt;br /&gt;
Kindes wird die Mutter ermahnt, Gebete zu sprechen, während sie ihre&lt;br /&gt;
Lieben zu Bett bringt. Der Einfluß dieser Worte auf das kindliche Herz&lt;br /&gt;
wird mit dem Einfluß des Sonnenlichts und der Sonnenwärme auf die&lt;br /&gt;
heranwachsende Blume verglichen. Während die Kinder heranwachsen,&lt;br /&gt;
sind die Eltern gehalten, ihnen die Worte Gottes zu lehren. Vom fünften&lt;br /&gt;
Lebensjahr an sollen sie zusammengeholt werden, um religiöse Erziehung&lt;br /&gt;
zu erhalten. Klar erkennen wir, wie diese Erziehung betont wird und&lt;br /&gt;
Vorrang in der Wertskala genießt. Ausdrücklich wird uns anempfohlen,&lt;br /&gt;
den Kindern zuerst Höflichkeit und Ehrerbietung zu lehren; erst dann&lt;br /&gt;
kommt der Erwerb von Kenntnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1208&lt;br /&gt;
{{page|1209|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=35}}Religion als Lernhilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sachwissen muß mit göttlicher Erziehung Hand in Hand gehen; sonst&lt;br /&gt;
wird der Lernprozeß von Habgier und Begehrlichkeit regiert. Diese La-&lt;br /&gt;
ster verwandeln die Wissenschaft in Schande und führen letztlich zur&lt;br /&gt;
Zerstörung aller menschlichen Errungenschaften. ‘Abdu’l-Bahaä bittet die&lt;br /&gt;
Freunde in Seiner Liebe zu den Kindern inständig, ihren Lieben eine&lt;br /&gt;
richtige Bahä’i-Erziehung angedeihen zu lassen, damit sie von der Wich-&lt;br /&gt;
tigkeit der Anwendung der göttlichen Gebote in ihrem Leben durch-&lt;br /&gt;
drungen seien. Er verspricht, daß Kinder, die in den göttlichen Gärten&lt;br /&gt;
der Liebe und in Wohnungen leben, die vom Bahä’i-Geist erfüllt sind, in&lt;br /&gt;
einem Monat das lernen können, was andere in zwölf Monaten lernen.&lt;br /&gt;
Er legt den Eltern nahe, die zarten Schritte ihrer Kleinen auf dem Pfade&lt;br /&gt;
ewigen Ruhms sorgfältig zu lenken. Dies alles muß mit zärtlicher Zunei-&lt;br /&gt;
gung, mit liebevoller Fürsorge und mit Güte getan werden. Er warnt uns&lt;br /&gt;
davor, die Kinder zu schlagen, sie zu Opfern von Strafpredigten oder&lt;br /&gt;
scharfen Verweisen zu machen. Die Erfahrung zeigt, daß eine solche Be-&lt;br /&gt;
handlung dem richtigen Wachstum der seelischen, geistigen und sogar&lt;br /&gt;
der körperlichen Kräfte des Kindes schadet; sie hemmt den Durchbruch&lt;br /&gt;
und den Strom seiner verborgenen Fähigkeiten. Außerdem kommt es&lt;br /&gt;
dazu, sein Elternhaus und alles, was dazu gehört, zu hassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer sollten wir uns an die grundlegende Einsicht des Meisters er-&lt;br /&gt;
innern, daß die Erziehung eines Heranwachsenden von mehr als 15 Jah-&lt;br /&gt;
ren überaus schwierig, ja in manchen Fällen sogar unmöglich ist. Können&lt;br /&gt;
wir einen Zweig kräftigen, wenn er bereits hart und steif geworden ist?&lt;br /&gt;
Solche Kinder, warnt uns der Meister, werden dem Abgrund des Elends&lt;br /&gt;
überlassen bleiben, Opfer des Frevels, des Hochmuts, des Stolzes und der&lt;br /&gt;
Unkenntnis, oft sogar mit geistigen Schäden. Verachtet und gedemütigt,&lt;br /&gt;
krank und untauglich werden sie sein und sich fortgesetzt ihrer selbst&lt;br /&gt;
schämen. Die Prüfungen des Lebens werden sie kaum durchstehen kön-&lt;br /&gt;
nen. Was werden diese Kinder über ihre Eltern denken, die die Fackel&lt;br /&gt;
der Führung in Händen hielten und nicht versuchten, sie ihren Lieben&lt;br /&gt;
zu zeigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eltern, die durch Fahrlässigkeit ihre Nachkommen zu solchen Tiefen&lt;br /&gt;
des Elends herabwürdigen, werden sich zweifellos vor Gott zu verant-&lt;br /&gt;
worten haben. Nachdrücklich werden wir von der Urewigen Schönheit&lt;br /&gt;
gewarnt, Er werde den Eltern ihre Versäumnisse zur Last legen und&lt;br /&gt;
diese als große Sünden behandeln — Sünden, die nie vergeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höchste Verantwortung der Eltern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lähs Befehl an die Eltern, ihren Kindern göttliche Erziehung&lt;br /&gt;
angedeihen zu lassen, ist so eindringlich, daß Er hervorhebt, jene, die&lt;br /&gt;
diese Verantwortung mißachten, gingen in den Augen Gottes aller Rechte&lt;br /&gt;
ihrer Elternschaft verlustig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich appelliere an die Herzen der Eltern, die nur das Wohl ihrer Kinder&lt;br /&gt;
wünschen, die ihre Augäpfel sind oder, wie die Araber sagen, „die Teile&lt;br /&gt;
ihrer Herzen, die auf Erden wandeln“. Ich flehe sie an, über die Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1210|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hältnisse in der Welt nachzudenken und bei sich selbst herauszufinden,&lt;br /&gt;
ob Kinder Schutz brauchen oder ob sie sich selbst und den grausamen&lt;br /&gt;
Einflüssen des Lebens überlassen werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Welt nur zu sehr in uns steckt und daß die Gesellschaft von&lt;br /&gt;
vielen sozialen Krankheiten befallen ist, kann kein gesunder Verstand&lt;br /&gt;
bezweifeln. Nicht nur die Luft und das Wasser, sondern auch der Mensch&lt;br /&gt;
mit allen Poren seiner Existenz ist von der Verseuchung bedroht; die&lt;br /&gt;
Sümpfe sittlicher Korruption haben die entferntesten und trockensten&lt;br /&gt;
Wüsten und die entlegensten Winkel der dürrsten Einöde überflutet.&lt;br /&gt;
Fleischliche Lüste und tierische Leidenschaften sind entfesselt und zielen&lt;br /&gt;
alle darauf ab, befriedigt zu werden. Mit allen Mitteln sucht dieses Tier&lt;br /&gt;
der Wollust seine Befriedigung, selbst auf die Gefahr hin, daß jeder ge-&lt;br /&gt;
heiligte Maßstab im menschlichen Leben gebrochen wird. Den Wünschen&lt;br /&gt;
des niederen Ichs nachzugeben, ist zum umfassenden Gebot geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hineingestürzt in diese unverhüllt sittenlose Welt, die von der rasen-&lt;br /&gt;
den Bestie der Lust regiert wird, verstrickt in den Kampf mit ihren&lt;br /&gt;
teuflischen Machenschaften, unfähig, das Teuflische vom Göttlichen zu&lt;br /&gt;
unterscheiden, und fast abgestumpft gegen wohlwollende Liebe, Mitleid&lt;br /&gt;
und Ehrerbietung, finden sich unsere Kinder, unsere armen Kinder, von&lt;br /&gt;
ihren eigenen Trieben fortgerissen und von den blendenden, verlocken-&lt;br /&gt;
den Lichtern um sie her hypnotisiert. Brauchen sie nicht Lampen zu&lt;br /&gt;
ihren Füßen, eine eingeborene, machtvolle Kraft, die sie befähigt, wahr-&lt;br /&gt;
haft als Menschen zu leben, voll himmlischen Stolzes einherzugehen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein klares, heiliges und reines Leben zu führen, als Vorspiel zum ewigen&lt;br /&gt;
Leben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Erklärung die Welt auch bietet und wie immer sie ihre gegen-&lt;br /&gt;
wärtige Notlage deuten mag, den Anhängern unseres Glaubens ist es&lt;br /&gt;
kristallklar, daß die Straße durch diese vom Dunkel verhüllte Welt, die&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh erbaut hat, von den Schutzmaßnahmen Seiner Lehren erhellt&lt;br /&gt;
und geschützt wird. Die unverzeihliche Achtlosigkeit und Nachlässigkeit&lt;br /&gt;
von Eltern in ihrer Haltung gegenüber ihren Kindern ist das Ergebnis&lt;br /&gt;
falscher Schlußfolgerungen; es wird die Kinder in einen Abgrund von&lt;br /&gt;
Schmach und Schande stürzen und sie im kommenden Leben der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit Gottes ausliefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir in einem Haus ohne Lampen wohnen, werden zweifellos die&lt;br /&gt;
Folgen in Form von unvorhersehbaren Schwierigkeiten oder gar von&lt;br /&gt;
Unglücksfällen über uns kommen. Wenn wir das Feuer des Glaubens&lt;br /&gt;
nicht in den Herzen unserer Kleinen entzünden, wird der Zerfall ihres&lt;br /&gt;
seelischen, körperlichen und geistigen Lebens sogleich einsetzen. Wo Licht&lt;br /&gt;
ist, kann alles an den richtigen Platz gestellt und deutlich gesehen wer-&lt;br /&gt;
den, und die Hausbewohner können alles im richtigen Sinn benützen.&lt;br /&gt;
Dasselbe gilt für das Licht des Glaubens, wenn es in den Herzen und&lt;br /&gt;
Seelen der Kinder entflammt wird. Dann werden sich alle ihre von Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verliehenen Gaben, Talente und Fähigkeiten harmonisch und wirksam&lt;br /&gt;
entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich der Horizont des Lebens vor unseren Kindern weitet,&lt;br /&gt;
sehen wir sie von zwei Kräften hin- und hergerissen. Die eine zieht sie&lt;br /&gt;
zu dem Punkt, wo sich ihre ganze Lebensfreude in Todesangst verwan-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1210&lt;br /&gt;
{{page|1211|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=37}}delt; die andere wird durch eine Stimme in ihrer eigenen Brust versinn-&lt;br /&gt;
bildlicht, die sie zu strahlenden Gipfeln zu erheben sucht, wo selbst der&lt;br /&gt;
Tod Ruhm und Ewigkeit bedeutet. Seht sie euch an mit ihren erwar-&lt;br /&gt;
tungsvollen, unschuldigen, staunenden Augen, unentschlossen zwischen&lt;br /&gt;
den widersprüchlichen, alles verschlingenden Kräften des Lebens. Kön-&lt;br /&gt;
nen wir da wie die vornehmen Römer bequem in unserer Loge sitzen&lt;br /&gt;
und uns ansehen, wie Menschenleben im Rachen von wilden Bestien ver-&lt;br /&gt;
schwindet? Oder stehen wir ihnen als redliche Eltern bei, führen wir sie&lt;br /&gt;
und helfen ihnen, die Augen zu erheben und die aufgehende Sonne der&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu schauen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Üble Nachrede, ein schlimmer Hausfreund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meiner Erfahrung kenne ich ein Unheil, das den wachsenden Geist&lt;br /&gt;
unserer Kinder erbarmungslos Stück für Stück abtötet. Dieses Unheil&lt;br /&gt;
ist oft ein ungebetener Gast, aber leider auch manchmal ein geladener&lt;br /&gt;
Hausfreund, dem der beste Platz im Haus, der Platz in unseren Herzen,&lt;br /&gt;
eingeräumt wird und dem die besten Gelegenheiten unseres kostbaren&lt;br /&gt;
Lebens gewidmet werden. Er ist wie der frostige Odem des tiefsten Win-&lt;br /&gt;
ters, der durch den Mandelhain bläst, die Blüten zerstört und die Bauern,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die gemütlich in ihren warmen Zimmern sitzen, verarmt und sorgenvoll&lt;br /&gt;
zurückläßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser gräßliche Eindringling ist die üble Nachrede. Wie sehr wir uns&lt;br /&gt;
auch bemühen, unsere Kinder im Geist des Glaubens zu erziehen, ihnen&lt;br /&gt;
seine Gesetze, Prinzipien und Gebote zu lehren — wenn in unseren Woh-&lt;br /&gt;
nungen auch nur das geringste Flüstern von übler Nachrede umgeht,&lt;br /&gt;
können wir sicher sein, daß uns die lieben Kleinen für immer entfrem-&lt;br /&gt;
det und unwiderbringlich verloren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gefährlichen Wirkungen sind so fein, daß man ihrer selbst nicht&lt;br /&gt;
gewahr wird und die Eltern sich von den Anzeichen des um sich grei-&lt;br /&gt;
fenden geistigen Leidens nicht gewarnt fühlen. Ein alter Bahä’i-Lehrer&lt;br /&gt;
pflegte zu sagen, wir suchten eine schwere Last in das Obergeschoß un-&lt;br /&gt;
seres Hauses hinaufzuziehen, und wenn sie oben ist, drückt irgendein&lt;br /&gt;
Dummkopf die scharfe Schneide seines Messers auf das gespannte Seil.&lt;br /&gt;
Der Sturz ist sicher; alle Mühe der vielen Arbeiter, die die Last empor-&lt;br /&gt;
gezogen haben, ist in einem Nu und für immer verloren. Dasselbe gilt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von der giftigen Atmosphäre, die der heimtückische Gast in unserem&lt;br /&gt;
Hause schafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir glauben, die Kinder spielten mit ihren Sachen und achteten nicht&lt;br /&gt;
auf das, was gesprochen wird. Es mag sein, daß sie nicht bewußt auf das&lt;br /&gt;
Gespräch der Erwachsenen reagieren; aber mit Augen und Ohren neh-&lt;br /&gt;
men sie die Dinge auf, um sie innerlich zu registrieren. Die Herzen und&lt;br /&gt;
Seelen der Kinder sind wie reine Spiegel, wie Behälter mit reinem,&lt;br /&gt;
kristallklarem, durchsichtigem Wasser. Jedes Wort, das wir negativ über&lt;br /&gt;
andere Freunde sprechen, ist wie ein Tropfen Tinie, der tief in die klaren&lt;br /&gt;
Herzen sinkt. Zunächst scheint sich die Farbe nicht zu verändern, aber&lt;br /&gt;
wir müssen wissen, daß sie mit allen ihren giftigen Auswirkungen auf-&lt;br /&gt;
genommen wurde, Wenn sich die giftigen Tropfen häufen, fällt das ganze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1211&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1212|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasein des Kindes einer geistigen Krankheit zum Opfer. Ihre ersten An-&lt;br /&gt;
zeichen sind sein Widerwillen, Bahä’i-Klassen zu besuchen, und sein ge-&lt;br /&gt;
heimer Groll, manchmal sogar sein Haß gegen andere Bahä’i.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erwarten wir von unseren Kindern, wenn wir als Erwachsene zu-&lt;br /&gt;
hause sitzen und hinter anderen Bahä’i herreden, die vielleicht Mitglie-&lt;br /&gt;
der eines Ausschusses, des örtlichen oder gar des Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Rates sind? Die Kinder schauen zu diesen göttlichen Institutionen auf,&lt;br /&gt;
und wir ziehen diese Institutionen in den Staub vor ihrem wachsenden&lt;br /&gt;
Verstand und ihrem liebevollen Herzen. Wenn sie dann groß sind, emp-&lt;br /&gt;
finden sie keinerlei Sicherheit und Geborgenheit in den Häusern anderer&lt;br /&gt;
Freunde, noch haben sie Vertrauen zu Bahä’i-Ausschüssen, örtlichen oder&lt;br /&gt;
nationalen Geistigen Räten. Und wenn wir sie auffordern, an Studien-&lt;br /&gt;
klassen oder Sommerschulen teilzunehmen, ist ihre Reaktion unverkenn-&lt;br /&gt;
bar ablehnend. Das ist gerade so, als ob wir das Kind lähmten und es&lt;br /&gt;
dann aufforderten zu laufen, oder als ob wir es aushungerten und dann&lt;br /&gt;
zu athletischen Leistungen zwängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Canadian Bahä’i News“ Juli 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ewige Wahrheit — neues Gesetz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Presseinterview mit Ali Akbar Furutan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ali Akbar Furutan, einer der profiliertesten Bahäd’i-Lehrer, be-&lt;br /&gt;
suchte im April 1970 als Vertreter des Bahü’i-Weltzentrums die 40.&lt;br /&gt;
deutsche Nationaltagung und reiste im Mai und Juni 1970 durch&lt;br /&gt;
Jast alle deutschen Bahd’i-Gemeinden. Am 28. Mai 1970 gab er in&lt;br /&gt;
Hamburg eine Pressekonferenz. Wir bringen nachstehend die voll-&lt;br /&gt;
ständige Tonbandaufzeichnung. D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion nennt sich die neue Weltreligion. Was ist das für&lt;br /&gt;
eine Religion? Können Sie sie kurz umreißen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Religion basiert auf drei Einheiten: der Einheit Gottes, der&lt;br /&gt;
Einheit der Religion und der Einheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Bahä’i werde, muß ich dann meine Religion aufgeben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verstehen unter Religion etwas anderes, als es hier üblich ist. Als&lt;br /&gt;
Bahä’i verlieren Sie Christus nicht, sondern bekommen das Verständnis&lt;br /&gt;
für alle anderen Propheten dazu. In Japan schrieb eine Zeitung: „Zum&lt;br /&gt;
erstenmal in der Geschichte Japans begegnet uns eine Religion, die&lt;br /&gt;
Buddha als Offenbarer anerkennt. Das ist die Bahä’i-Religion“. Wir&lt;br /&gt;
fügen Bahä’u’lläh zu den andern hinzu, denn die Religion Gottes hat&lt;br /&gt;
eine Wurzel. Aber der Baum der Religion hat viele Äste, und un-&lt;br /&gt;
glücklicherweise sagen die Anhänger der einzelnen Zweige: „Nur meiner&lt;br /&gt;
ist richtig!“ Von oben gesehen streben alle dem gleichen Lichte zu. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion will die Herzen aller vereinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1212&lt;br /&gt;
{{page|1213|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=39}}Die zwölf Grundsätze der Bahä’t, unter anderen den Weltfrieden zu&lt;br /&gt;
verwirklichen, die sozialen Fragen zu lösen, eine Einheitssprache und&lt;br /&gt;
-schrift für die ganze Welt einzuführen oder die Errichtung eines Welt-&lt;br /&gt;
schiedsgerichtshofes, scheinen illusionistisch, wenn nicht die Menschen ge-&lt;br /&gt;
ändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das haben wir vor! Das ist unser Ziel! Wissen Sie, wie wir das&lt;br /&gt;
anfangen wollen? Ihre Herzen, ihren Geist zu ändern! Wie hat Christus&lt;br /&gt;
das vollbracht? Um die Menschheit zu ändern, müssen wir den einzelnen&lt;br /&gt;
wandeln. Wir vertreten die Ansicht, daß wir die Menschen ändern, indem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir den Problemen auf den Grund gehen, sie erklären und damit die&lt;br /&gt;
Vorurteile beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Menschen haben 2000 Jahre lang Kriege geführt, sich ge-&lt;br /&gt;
tötet und gehaßt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben recht, früher war es so, aber da waren die Menschen noch&lt;br /&gt;
nicht reif. Sie lebten im Kindheitsstadium und stritten sich, wie Kinder&lt;br /&gt;
um ein Spielzeug streiten. Jetzt hat das Zeitalter der Reife begonnen.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh kam, um die Hindernisse und Schwierigkeiten zu beseitigen.&lt;br /&gt;
Deshalb verkündete Er die internationale Liebe und Grundsätze wie z.&lt;br /&gt;
B. die internationale Schrift und Sprache. Das bedeutet keine Gleich-&lt;br /&gt;
macherei. Jeder soll sein Land, seine Traditionen, seine Literatur usw.&lt;br /&gt;
lieben und pflegen, aber gleichzeitig sollen wir unseren Kindern weltweite&lt;br /&gt;
Liebe nahebringen. Als Lehrer weiß ich, welch großen Einfluß die Er-&lt;br /&gt;
ziehung hat. Bringen Sie einmal schwarze, rote und weiße Kinder zu-&lt;br /&gt;
sammen — sie werden spielen und sich mögen. Nur die Eltern bringen&lt;br /&gt;
sie durch ihre Vorurteile auseinander. Diese Vorurteile sind nicht von&lt;br /&gt;
Gott, die Menschen machen sie. Unsere Pläne sind keine Utopien.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat viele Symbole erklärt, um religiöse Mißverständnisse zu&lt;br /&gt;
beseitigen. Er zeigte, daß wir zusammenleben können, obwohl wir Deut-&lt;br /&gt;
sche, Franzosen, Perser usw. sind. Wir bleiben dabei, was wir als Indivi-&lt;br /&gt;
duen waren. Sie werden gerne Kartoffeln essen; ich esse lieber Reis —&lt;br /&gt;
und das ist gut so. Aber in einem Punkt müssen wir zusammenkom-&lt;br /&gt;
men: in der universalen Liebe zur Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist totaler Humanismus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stimmt! Die Philosophen des Humanismus wollten die Menschen durch&lt;br /&gt;
ihr Denken vereinen, aber Bahä’u’lläh vereint sie durch ihre Herzen,&lt;br /&gt;
durch die Religion, die Kraft Gottes. Als ich in Moskau studierte, lernte&lt;br /&gt;
ich so viele deutsche Philosophen kennen, daß ich behaupten möchte,&lt;br /&gt;
Deutschland sei die Wiege der Philosophie, aber sie konnten die Men-&lt;br /&gt;
schen dennoch nicht zusammenbringen. Christus konnte es durch die&lt;br /&gt;
Kraft Gottes. Bahä’u’lläh hat die gleiche Kraft, weil Er ebenfalls ein&lt;br /&gt;
Offenbarer des Willens Gottes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt uns schwer, daran zu glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Juden fiel es auch schwer, an Christus zu glauben. Aber diese&lt;br /&gt;
Kraft des Glaubens hilft der Bahä’i-Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begannen 1953 einen Welt-Lehrfeldzug. Tun Sie das noch immer&lt;br /&gt;
oder immer wieder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bahä’i-Glauben gibt es keine Priester und keine bezahlten Mis-&lt;br /&gt;
sionare, Alle Bahä’i sind dazu berufen und aufgerufen, die Lehren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1213&lt;br /&gt;
{{page|1214|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh’s zu verbreiten. Wir haben keine Zeremonien und Riten.&lt;br /&gt;
Wenn Sie einmal das Haus der Andacht in Langenhain bei Frankfurt be-&lt;br /&gt;
suchen, werden Sie es sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es noch mehr Bahä’i-Tempel in Europa?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch nicht, aber später wird es sie in jeder Stadt geben. Heute stehen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Häuser der Andacht in Sydney (Australien), Kampala (Afrika),&lt;br /&gt;
Frankfurt (Europa), Wilmette (Amerika), und einer ist in Panama im&lt;br /&gt;
Bau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieviele Anhänger haben Sie in der Welt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen es nicht genau. Unser Glaube wächst so schnell, daß unsere&lt;br /&gt;
letzten Stastiken heute schon nicht mehr stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Sie müssen eine Menge Anhänger haben, denn allein der Tempel&lt;br /&gt;
in Frankfurt kostete Sie 4 Millionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wisen Sie, alle Bahä’i der Welt haben mitgeholfen, selbst wenn es nur&lt;br /&gt;
mit einer Mark war. Ebenso haben die deutschen Bahä’i viel beim Bau&lt;br /&gt;
des Tempels in Kampala z. B. geholfen, und jetzt helfen alle dem Auf-&lt;br /&gt;
bau in Panama. Die Bahä’i sind wie eine Familie auf der Erde, und so&lt;br /&gt;
helfen sie in allen Vorhaben zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Ihren Prinzipien ist die Lösung der Sozialen Frage. Könnten&lt;br /&gt;
Sie dies etwas genauer beleuchten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir glauben nicht an eine Gleichheit, die alle Menschen ganz gleich&lt;br /&gt;
machen möchte. Das ist unmöglich. Selbst die sozialistischen Länder&lt;br /&gt;
konnten das nicht. Bahä’u’lläh sagt, daß die Bahä’i-Gemeinschaft auf&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit basieren muß. Jeder muß ein menschenwürdiges Leben&lt;br /&gt;
haben. Ränge und Unterschiede werden immer sein, aber Er gibt viele&lt;br /&gt;
Richtlinien zur Lösung der Wirtschaftsprobleme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i sind wohl noch nicht in der Lage, dies zu verwirklichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick nicht, aber in der Zukunft sicher. Es gibt eine Menge&lt;br /&gt;
Literatur über das Wirtschaftsprogramm des Bahä’i-Glaubens. Es beginnt&lt;br /&gt;
mit den Bauern, befaßt sich dann mit den Arbeitern und dann immer&lt;br /&gt;
weiter mit den andern Tätigkeiten: Wir können die heutigen Systeme&lt;br /&gt;
nicht gutheißen. Aber alles wird sich ändern, wird erneuert werden.&lt;br /&gt;
Wenn Sie diese Literatur studieren, sehen Sie, welch große Wichtigkeit&lt;br /&gt;
solchen Problemen beigemessen wird. Für uns ist Religion nicht nur Zere-&lt;br /&gt;
monie. ‘Abdu’l-Bahá sagt: „Die Bahä’i-Religion ist ein Schutzgeleit der&lt;br /&gt;
Wirtschaftssubjekte.“ Das hat mich persönlich sehr beeindruckt, beson-&lt;br /&gt;
ders nachdem ich in Moskau viele Wirtschaftssysteme und -probleme&lt;br /&gt;
studiert hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was halten Sie von Sozialismus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Glaube basiert auf Sozialismus im menschlichen Leben, aber&lt;br /&gt;
nicht so extrem wie die heutigen Formen. Der Bahä’i-Sozialismus bildet&lt;br /&gt;
einen goldenen Mittelweg zwischen rechts und links.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ein Bahä’i z. B. tun, wenn er so reich wie Henry Ford wäre?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bahä’i soll sein Vermögen testamentarisch in 32 verschiedenen&lt;br /&gt;
Teilen unter 7 verschiedene Erben, darunter die Lehrer, aufteilen. Bahä’-&lt;br /&gt;
u’lläh’s Plan ist, große Vermögenskomplexe stufenweise aufzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1214&lt;br /&gt;
{{page|1215|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=41}}Heute können wir diese Empfehlungen nur in unseren eigenen Reihen&lt;br /&gt;
verwirklichen. Für uns bedeutet Religion nicht nur Beten, sie muß auch&lt;br /&gt;
die materiellen Probleme lösen helfen. Der Mensch besteht aus Geist&lt;br /&gt;
und Körper, wir müssen uns um beide gleichzeitig kümmern. Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
sagt: „Arbeit ist Gottesdienst.“ Dies gibt der Arbeit eine neue Ethik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch sind die größten Geldmittel in den Händen der Regierungen,&lt;br /&gt;
die damit ihre Politik machen. Was halten Sie davon?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind nicht für eine konzentrierte nationale Geldmacht. Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
legt großes Gewicht auf die Entwicklung der Gemeinden durch einen ge-&lt;br /&gt;
sunden Sozialismus. Kein Mensch soll mehr das Betteln nötig haben.&lt;br /&gt;
Das ist nicht einfach, aber wir alle sind verantwortlich für unsere Ent-&lt;br /&gt;
wicklung. Ich kann Ihnen hier nur diese kurzen Informationen geben;&lt;br /&gt;
Sie sollten einmal einige Bahä’i-Bücher aufmerksam studieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es Bilder von Baha’u’llah?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bahä’i-Religion ist es verboten, Bilder von Bahä’u’lläh zu&lt;br /&gt;
machen. Nicht einmal im Haus der Andacht hängt ein Bild von Ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glauben Sie an die Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können das Wesen Gottes nicht erfassen, nur Seine Offenbarer kön-&lt;br /&gt;
nen wir verstehen. Als ‘Abdu’l-Bahá in Paris war, hatte er ungefähr&lt;br /&gt;
folgendes Gespräch mit Prof. Henri Bergson. Prof. Bergson: „Was ist&lt;br /&gt;
Gott?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: „Stellen wir erst fest: Was ist Materie?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof. Bergson: „Wir kennen Moleküle, Atome, Elektronen .. .“&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: „Und was ist Elektrizität?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof. Bergson: „Wir wissen es nicht.“ — (Sogar Einstein sagte, daß nie-&lt;br /&gt;
mand weiß, was Elektrizität wirklich ist.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá: „Solange wir noch nicht alles über die Materie wissen,&lt;br /&gt;
wie wollen wir da Gott definieren?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kennen die phänomenalen Auswirkungen der Elektrizität, ohne ihre&lt;br /&gt;
Wirklichkeit zu kennen. Wir sehen die phänomenale Schöpfung, ohne&lt;br /&gt;
ihren Schöpfer in Seiner Wirklichkeit zu erkennen. Alles in der Schöp-&lt;br /&gt;
fung ist eine Manifestation Gottes. Von Zeit zu Zeit ist einer unter den&lt;br /&gt;
vielen Menschen zu der überragenden Stufe ausersehen, als höchste&lt;br /&gt;
Manifestation, als Prophet, als Sprachrohr Gottes zu wirken. Aber wie&lt;br /&gt;
Gott selbst ist, weiß niemand. Die Bahä’i-Philosophie ist sehr tief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sagten, alle Religionen seien gleich. Aber man findet doch so viele&lt;br /&gt;
unterschiedliche Meinungen in den Religionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keinen Unterschied in den Religionen, der Unterschied liegt in&lt;br /&gt;
ihren Anhängern. Sehen Sie, als Lehrer kennt man den ganzen Stoff des&lt;br /&gt;
Unterrichts. Wenn Sie nun eine 1. Klasse unterrichten, können Sie dann&lt;br /&gt;
Algebra oder Philosophie lehren? Nein, Sie fangen mit dem ABC an. In&lt;br /&gt;
den höheren Klassen ändern Sie Ihre Methode, ebenso auf der Universi-&lt;br /&gt;
tät. Sie sagen immer die Wahrheit, aber relativ zu Ihren Schülern. Als&lt;br /&gt;
meine Tochter etwa 4 Jahre alt war, fragte sie mich: „Vater, was sind&lt;br /&gt;
Sterne eigentlich?“ Sollte ich ihr von Newton oder Keppler erzählen? Ich&lt;br /&gt;
fragte sie: „Wieviele Lampen haben wir?“ Sie sagte: „Vier“. Ich fragte:&lt;br /&gt;
„Machen wir sie alle an, wenn es dunkel wird?“ Sie sagte: „Ja.“ Darauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1215&lt;br /&gt;
{{page|1216|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich: „Schau, Gott hat viele Millionen Lampen, er läßt sie alle so schön&lt;br /&gt;
leuchten in der Nacht!“ Sie war darüber sehr glücklich. Ich hatte ihr&lt;br /&gt;
die Wahrheit gesagt, aber relativ! Bahä’u’llähs Lehren für die heutige&lt;br /&gt;
Zeit sind logisch, wissenschaftlich und klar. Er sagt uns ganz deutlich,&lt;br /&gt;
daß Seine Lehren für die nächsten tausend Jahre ausreichen. Dann wird&lt;br /&gt;
wieder ein Prophet kommen. Aber zunächst müssen wir Seine Prinzipien&lt;br /&gt;
verwirklichen und Gerechtigkeit auf der Erde walten lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glauben die Bahü’i an das Leben nach dem Tode?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, daran glauben wir, nur können wir es uns nicht vorstellen. Die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Literatur zu diesem Thema ist sehr interessant und tief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hörte, daß Sie das Böse als nicht existent betrachten. Wie begrün-&lt;br /&gt;
den Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können Sie sich vorstellen, daß Gott etwas Schlechtes erschaffen hat?&lt;br /&gt;
Seine Schöpfung ist vollkommen, aber Er ließ den Menschen den freien&lt;br /&gt;
Willen, sich nach Seinen Geboten zu richten oder nicht. Wenn ein Mensch&lt;br /&gt;
böse ist, so ist das eine Folge falscher Erziehung, die sich über Gene-&lt;br /&gt;
rationen verschleppen kann. Daran sehen Sie, warum Bahä’u’lläh der&lt;br /&gt;
Pflicht zur guten Erziehung so große Bedeutung für die ganze Menschheit,&lt;br /&gt;
die ja aus einzelnen besteht, beimißt. Für die Bahä’i ist das Schlechte die&lt;br /&gt;
Folge der Abwesenheit des Guten, so wie die Dunkelheit die Abwesenheit&lt;br /&gt;
des Lichtes ist. Sicher verstehen Sie jetzt, warum wir das Prinzip des&lt;br /&gt;
selbständigen Forschens nach der Wahrheit jedem zur Pflicht machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir scheint, daß die Bahä’i-Religion so viele Gesetze und Vorschriften&lt;br /&gt;
hat, daß man sich nicht mehr frei fühlen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfinden Sie als Christ die Gebote Christi als Last?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein — soweit sie von Christus sind und nicht von sonst jemandem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist richtig. Wir glauben, daß Bahä’u’lläh ein Offenbarer Gottes ist,&lt;br /&gt;
genau wie Christus. Deshalb sind für uns Seine Worte gleich bindend&lt;br /&gt;
und wichtig wie die von Christus. Aber wir kennen für den einzelnen&lt;br /&gt;
keine Inquisition. Jeder Mensch ist nur Gott gegenüber verantwortlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darf ich Sie noch auf eine Tatsache aufmerksam machen: Die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion verfügt über viele, viele Bände authentischer Schriften, die alle&lt;br /&gt;
wichtigen Lehren und Richtlinien für dieses Zeitalter enthalten. Das&lt;br /&gt;
bedeutet für uns keine Bürde, sondern gerade darin liegt der große&lt;br /&gt;
Reichtum der Bahä’i-Religion. Glauben Sie mir, es lohnt sich, sich ernst-&lt;br /&gt;
haft damit zu befassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neu auf unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erich Buchholz, „Alternative Gottesreich. Unterwegs zur künftigen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft“, Verlag Hinder + Deelmann, Bellnhausen über Gladenbach&lt;br /&gt;
(Hessen), 300 Seiten, Paperback DM 16,80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Den Märtyrern des Gottesreiches“ ist dieses feinsinnige Buch gewid-&lt;br /&gt;
met. Der Verfasser, 1896 in Leipzig geboren, Theologe, Psychologe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1216&lt;br /&gt;
{{page|1217|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=43}}Pädagoge und Schriftforscher, legt damit die Ernte seines lebenslangen&lt;br /&gt;
Suchens vor: Eine tiefempfundene Hinführung zu vielen — nicht allen&lt;br /&gt;
— Gottesreichversuchen in der Menschheitsgeschichte, eine lehrreiche&lt;br /&gt;
Konfrontation zum Historisch-Faktischen und seiner „normativen Kraft“,&lt;br /&gt;
vor allem aber ein zartes Antönen wesentlicher Elemente des geistigen&lt;br /&gt;
„Überbaus“, den sich die Menschheit hier und heute schaffen muß, um&lt;br /&gt;
nicht innerlich wie äußerlich zugrunde zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Eindruck, das Buch sei vielschreiberisch, unstrukturiert,&lt;br /&gt;
leichtgläubig und unkritisch, verflüchtigt sich in dem Maße, wie man es&lt;br /&gt;
lernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Gleichwohl fehlt es vor allem für&lt;br /&gt;
denjenigen, dem die Gottesreichidee bislang noch nicht so tief unter die&lt;br /&gt;
Haut gedrungen ist, am roten Faden, am Abwägen von Gutem und&lt;br /&gt;
weniger Gutem nach einfachen, klaren Maßstäben. Das ist vom christ-&lt;br /&gt;
lichen Standpunkt her besonders schwer, fast unmöglich: Verklärung&lt;br /&gt;
und Verblendung liegen ja — schon der Wortbedeutung nach — ganz&lt;br /&gt;
dicht beieinander; vor dem Hintergrund der auch hier allgegenwärtigen&lt;br /&gt;
christlichen „Alleinvertretungsanmaßung“ ist ein Hinüberfließen des&lt;br /&gt;
einen zum anderen geradezu strukturbedingt. Auf alle Fälle wird jeder,&lt;br /&gt;
der Anlaß dazu hat, sich noch als Schmalspur-Bahä’i zu fühlen, sehr gut&lt;br /&gt;
daran tun, dieses Buch gründlich durchzuarbeiten, weil er daraus er-&lt;br /&gt;
kennt, wie groß und bunt der Kreis derjenigen ist, die berufen waren&lt;br /&gt;
und sind. Inwieweit Auserwähltheit dazu kommt, bestimmt sich nach&lt;br /&gt;
anderen Kriterien als nach dem Anspruch, in alle Wahrheit geleitet zu&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei große Fehler nehmen dem Buch viel von dem Wert, den es haben&lt;br /&gt;
könnte: Die beiden wichtigsten Gottesreichversuche, Byzanz und der&lt;br /&gt;
Islam, werden so gut wie völlig verschwiegen. Der Großmogul Akbar&lt;br /&gt;
(1555—1605) wird zwar erwähnt, aber eigentlich nur unter dem Aspekt&lt;br /&gt;
der Jesuiten, die er an seinen Hof zog (S. 32). Die Christen müssen wohl&lt;br /&gt;
noch viele „Verunsicherungen“ und schmerzhafte Lernprozesse durch-&lt;br /&gt;
stehen, bis sie erkannt haben, wie herrlich und wahrhaft optimal die&lt;br /&gt;
Konzentration auf das Wesentliche ist, die Muhammad dem politischen&lt;br /&gt;
Versagen des Christentums in der ausgehenden Antike gegenübergestellt&lt;br /&gt;
hat, auch wenn der Islam durch den Nachfolgestreit sofort nach Muham-&lt;br /&gt;
mads Tod an der Wurzel getroffen wurde. So sind auch die „säkularen&lt;br /&gt;
Reiche“ der Philosophen, der idealistischen Romantiker und der Natio-&lt;br /&gt;
nalisten zu oberflächlich dargestellt und aus ihrem Zusammenhang mit&lt;br /&gt;
dem Islam, der von der Antike zu Renaissance, Barock und Aufklärung&lt;br /&gt;
nicht nur vermittelt, sondern fortentwickelt hat, herausgelöst. Aufschluß-&lt;br /&gt;
reich ist das unterentwickelte Verhältnis, das Martin Luther, einer der&lt;br /&gt;
wichtigsten Gestalter des gesellschaftlichen Bewußtseins in Mitteleuropa,&lt;br /&gt;
zum Reich Gottes hat: Er „sieht seine Sendung darin, die unbedingte&lt;br /&gt;
Trennung der beiden Reiche, des Geistigen vom Weltlichen, ‚einzubleuen’“&lt;br /&gt;
(S. 73) und ist damit einer der Hauptschuldigen an der abendländischen&lt;br /&gt;
Bewußtseinsspaltung. Mit der Auffassung, Monarchen und Geistliche&lt;br /&gt;
hätten um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Sternstunde der Mensch-&lt;br /&gt;
heitsgeschichte verpaßt, stehen wir Bahä’i keineswegs allein da. Buchholz&lt;br /&gt;
verweist auf den bekannten jesuitischen Theologen Karl Rahner, der&lt;br /&gt;
„die Macht des Marxschen Königsgedankens, ‚die Welt zu verändern’,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1217&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1218|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
betonte; er warf Kirche und Christentum (in Salzburg) vor, im vorigen&lt;br /&gt;
Jahrhundert den ‚geschichtlichen Augenblick’ verpaßt zu haben, jenen&lt;br /&gt;
Stand der menschlichen Dinge zu erkennen, ‚wo die menschliche Gesell-&lt;br /&gt;
schaft reflex und geplant organisiert werden kann, wo der Mensch alsc&lt;br /&gt;
sein Schicksal gesellschaftlich aktiv planend in die Hand zu nehmen&lt;br /&gt;
imstande ist’“ (S. 123).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man Institutionen, die jahrhundertelang so repressiv taktiert&lt;br /&gt;
und so gründlich versagt haben, heute noch Vertrauen schenken, wenn&lt;br /&gt;
sie an den Explosionen der Menschheitskatastrophe erwacht zu sein&lt;br /&gt;
scheinen? Ist es nicht sinnvoller, auf der ganzen Welt zu suchen, bis man&lt;br /&gt;
eine Autorität findet, die den Gedanken der Einheit Gottes in moderner,&lt;br /&gt;
verständlicher, widerspruchsloser und pragmatischer Weise darzustellen&lt;br /&gt;
versteht? Buchholz trägt dazu bei, die Frage nach dem Wesen des Gottes-&lt;br /&gt;
reiches zu präzisieren. Die Antworten und das Reich selbst, die „Kraft“&lt;br /&gt;
und die „Herrlichkeit“, muß, nachdem die „Obrigkeit“ vor einem Jahr-&lt;br /&gt;
hundert versagt hat, jeder selbst finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elias Auerbach, „Pionier der Verwirklichung. Ein Arzt aus Deutschland&lt;br /&gt;
erzählt vom Beginn der zionistischen Bewegung und seiner Niederlassung&lt;br /&gt;
in Palästina kurz nach der Jahrhundertwende“, Deutsche Verlags-Anstalt,&lt;br /&gt;
Stuttgart 1969, 414 Seiten mit Namensregister, Leinen DM 25,—.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haifa ist nicht nur das Weltzentrum der Bahä’i-Gemeinschaft, sondern&lt;br /&gt;
nach Theodor Herzls Roman „Altneuland“ (1904), der die zionistische Be-&lt;br /&gt;
wegung maßgeblich beeinfiußte, „die Vision der Zukunft, das Symbol der&lt;br /&gt;
Verwandlung des Landes durch jüdische Arbeit“ (S. 203). Auerbach, aus&lt;br /&gt;
den kleinen jüdischen Gemeinden der preußischen Provinz Posen her-&lt;br /&gt;
vorgegangen, ließ sich 1909 als 27jähriger Arzt in Haifa nieder und grün-&lt;br /&gt;
dete dort das erste jüdische Krankenhaus. Neben seiner ärztlichen Tätig-&lt;br /&gt;
keit nahm er 60 Jahre lang aktiven Anteil an der Entwicklung der Stadt&lt;br /&gt;
und ihrer Umgebung, zunächst allerdings nur bis zum Ausbruch des&lt;br /&gt;
Ersten Weltkriegs. Damals schlug er sich auf einem abenteuerlichen&lt;br /&gt;
Marsch durch Vorderasien nach Deutschland durch, um in vaterländischer&lt;br /&gt;
Treue seinen Kriegsdienst zu leisten. Mit der Demobilisierung 1918 endet&lt;br /&gt;
der Bericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Buches bilden lebendige Milieuschilderungen aus&lt;br /&gt;
dem alten Haifa, dargebracht in einem recht selbstbewußten Pionier- und&lt;br /&gt;
Kolonialstil. Der Verfasser ist ein Mann der Tat, der Bedeutendes zu&lt;br /&gt;
Wege bringt; darunter leidet das Einfühlungsvermögen in die Bewußt-&lt;br /&gt;
seinsstrukturen der sich begegnenden Religionen und Kulturen. Von den&lt;br /&gt;
schwäbischen Templern am Fuße des Berges Karmel ist viel die Rede,&lt;br /&gt;
von ‘Abdu’l-Baháa, den Bahä’i und den späteren „Persischen Gärten“&lt;br /&gt;
eigentümlicherweise gar nicht, obwohl dies alles doch vor Auerbachs Tür&lt;br /&gt;
lag und schon damals eine gewisse Aufmerksamkeit erregen mußte. Als&lt;br /&gt;
Ergänzung früher Pilgerberichte aus der Bahä’i-Welt ist das Buch lesens-&lt;br /&gt;
wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1218&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1219|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=45}}„Ein Harem in Bismarcks Reich. Das ergötzliche Reisetagebuch des&lt;br /&gt;
Nasreddin Schah“, herausgegeben von Hans Leicht, Horst Erdmann Ver-&lt;br /&gt;
lag, Tübingen/Basel 1969, 288 Seiten, Leinen DM 19,80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Hintergrund der Bahä’i-Geschichte nimmt sich das Reise-&lt;br /&gt;
tagebuch Nasreddins, der die meisten der 20 000 Bahä’i-Märtyrer auf dem&lt;br /&gt;
Gewissen hat, eher makaber als „ergötzlich“ aus: Was offenbart sich hier&lt;br /&gt;
doch für eine arrogante, ichsüchtige und oberflächliche Figur, zum Gau-&lt;br /&gt;
dium des abendländischen Publikums! Damit rückt der schlimmste Feind&lt;br /&gt;
Bahä’u’lähs in die Nähe von Produzenten unfreiwillig komischer&lt;br /&gt;
Literatur, etwa seiner Zeitgenossin Friederike Kempner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immerhin nahm Nasreddin von seiner Europareise 1873 nicht nur die-&lt;br /&gt;
ses Tagebuch mit nach Hause, das im besten Stil der modernen Regen-&lt;br /&gt;
bogenpresse geschrieben oder redigiert ist. Er holte sich auch Anregun-&lt;br /&gt;
gen zu Reformen, die das Volk ein klein wenig aus der Umklammerung&lt;br /&gt;
seiner Despotie befreiten; sie regten Bahä’u’lläh zu mehreren Tablets,&lt;br /&gt;
darunter das „Sendschreiben über die Welt“!), ‘Abdu’l]-Bahäa zu Seinem&lt;br /&gt;
Buch „Das Geheimnis göttlicher Kultur“?) an. Wie wenig sich dadurch&lt;br /&gt;
die Verhältnisse in Persien und die Motivationen des Herrschers, der&lt;br /&gt;
1896 ermordet wurde, auch änderten, wir haben auf diese Weise ent-&lt;br /&gt;
wicklungspolitische Grundsatzdokumente bekommen, wie wir sie uns&lt;br /&gt;
umfassender und klarer nicht vorstellen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bábi-Bewegung und die Bahä’i-Religion hat der Herausgeber in&lt;br /&gt;
der Einleitung kurz dargestellt. Das Glossar am Schluß des Buches ent-&lt;br /&gt;
hält Schreibfehler und spricht von einer „religiösen Sekte Irans“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sigrid Hunke, „Europas andere Religion. Die Überwindung der religiösen&lt;br /&gt;
Krise“, Econ Verlag, Düsseldorf/Wien 1969, 536 Seiten, Ln. DM 28,—.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die andere Religion Europas“, eine „Religion der Einheit“ als „Reli-&lt;br /&gt;
gion der Zukunft“, sucht die durch ihr Buch „Allahs Sonne über dem&lt;br /&gt;
Abendland“ bekannt gewordene Religionsforscherin gegen den „hurriti-&lt;br /&gt;
schen“ orientalischen Dualismus im christlichen und im platonischen&lt;br /&gt;
Denken aufzubauen. Mit einem reichen, bildhaft dargestellten Zitaten-&lt;br /&gt;
schatz konzentriert sie sich dabei auf eine geschickte Auswahl von be-&lt;br /&gt;
deutenden Freigeistern, die in den anderthalb Jahrtausenden von der&lt;br /&gt;
kirchlichen Machtübernahme bis zum Durchbruch der Aufklärung in&lt;br /&gt;
Nord- und Westeuropa systematisch verketzert worden waren: Der Brite&lt;br /&gt;
Pelagius protestiert gegen seinen Zeitgenossen Augustin und dessen Erb-&lt;br /&gt;
sündendogma und betont die Willensfreiheit des Menschen. Johannes&lt;br /&gt;
Scotus Eriugena wendet sich gegen die Abwertung des Diesseits im Ver-&lt;br /&gt;
hältnis zum Jenseits. Meister Eckhart verherrlicht die Geburt Gottes in&lt;br /&gt;
der Menschenseele und hält Sakramente für überflüssig. Nikolaus von&lt;br /&gt;
Cues lehrt die Einheit aller Gegensätze in Gott und befruchtet damit die&lt;br /&gt;
gesamte idealistische Philosophie. Viele andere große Geister, von Seuse,&lt;br /&gt;
Böhme, Bruno bis Rilke und Teilhard de Chardin, sind in dieses Kom-&lt;br /&gt;
pendium des Protestes gegen das kirchliche Dogma aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Dr. Hunke bemüht sich wacker, Ordnung in die Vielfalt dieses&lt;br /&gt;
Protestes zu bringen. Fiel ihr dies bereits bei der Gegenüberstellung des&lt;br /&gt;
Islam mit der abendländischen Zivilisation schwer, weil sie den Islam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1219&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1220|file=Baha&#039;i_Briefe_42.pdf|page=46}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu sehr als eine Emanation des arabischen Nationalgeistes und zu wenig&lt;br /&gt;
als eine Offenbarungsreligion anerkennt, so schießt sie mit ihrem neuen&lt;br /&gt;
Buch aus demselben Grund am Christentum vorbei. Sie vergißt, daß&lt;br /&gt;
Religion mehr ist als das artikulierte Weltgefühl von Persönlichkeiten,&lt;br /&gt;
die die Kraft und die Muße haben, über „Gott“ zu denken und zu reden.&lt;br /&gt;
Was dabei zusammenläuft, ist allenfalls eine Privatreligion für engagierte&lt;br /&gt;
Edelketzer, verwaschen, ungenau und nur für eine Handvoll Gebildete&lt;br /&gt;
nachvollziehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit ihrem frühgriechischen Logosbegriff kommt die Autorin nicht an&lt;br /&gt;
den Wesenskern der Offenbarungsreligion heran, der in der Selbstdar-&lt;br /&gt;
stellung und gegenseitigen Bestätigung einer Kette von archetypischen&lt;br /&gt;
Führergestalten im Gang der Weltgeschichte liegt, die von ihrer über-&lt;br /&gt;
ragenden Stellung her nicht nur individuelle Gottsucher, sondern alle&lt;br /&gt;
Menschen, auch die geistig weniger Bemittelten und die menschliche Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft als Ganzes, den rechten Weg leiten. Dualistische Schwarz-Weiß-&lt;br /&gt;
Zeichnungen von wesentlichen Lehraussagen sind dabei didaktisch bis-&lt;br /&gt;
weilen notwendig, selbst wenn ihre dogmatische Verkrustung uns heute&lt;br /&gt;
bedauerlich erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übrigen muß jemand, der sich im ausgehenden 20. Jahrhundert auf&lt;br /&gt;
500 Seiten über eine „Religion der Einheit“ ausläßt und dabei Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
mit keinem Wort erwähnt, an geistigen Sehstörungen leiden. Sie sind im&lt;br /&gt;
Fall Hunke nur aus einem idealistischen Überindividualismus zu erklä-&lt;br /&gt;
ren, der trotz Weltkriegen und Weltkrisen die Religion Gottes als schön-&lt;br /&gt;
geistige Ersatzbefriedigung mißbraucht, wo sie doch der Inbegriff mensch-&lt;br /&gt;
lichen Denkens und Handelns und damit bei aller Toleranz und Selb-&lt;br /&gt;
ständigkeit die umfassende Ordnungsmacht zu sein hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’i in Deutschland e. V., 6239 Langenhain, Kohlgrubenstraße 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung&lt;br /&gt;
des Herausgebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 9058 oder (07 11) 8732 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, 8 5 Abs. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1220&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 41/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1131|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=1}}D 20155 F&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mysterium&lt;br /&gt;
des Opfers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte&lt;br /&gt;
von Ahmad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion und&lt;br /&gt;
Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Geschichte lehrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40. Nationaltagung&lt;br /&gt;
der Bahä’i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 41 JULI 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1132|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1133|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=3}}BA HAT- BRIEFE HEFT 41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JULI 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist weit aufgeschlagen, und Sein Wort lädt die Menschheit zu sich.&lt;br /&gt;
Aber nur eine knappe Handvoll hat sich willens gefunden, Seiner&lt;br /&gt;
Sache zu folgen oder zum Werkzeug ihrer Verbreitung zu werden.&lt;br /&gt;
Diese wenigen haben das göttliche Elixier erlangt, das allein die&lt;br /&gt;
Schlacken dieser Welt in lauteres Gold verwandeln kann, und sie&lt;br /&gt;
wurden ermächtigt, die unfehlbare Arznei für alle Leiden der&lt;br /&gt;
Menschenkinder zu reichen. Nur der kann das ewige Leben gewin-&lt;br /&gt;
nen, der die Wahrheit dieser unschätzbaren, wundersamen und&lt;br /&gt;
erhabenen Offenbarung annimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Freunde Gottes, neigt euer Ohr der Stimme Dessen, der von&lt;br /&gt;
der Welt so viel Unrecht erfuhr, und haltet euch an das, was Seine&lt;br /&gt;
Sache erhöht! Er führt wahrlich jeden, der Ihm beliebt, Seinen&lt;br /&gt;
geraden Pfad. Dies ist eine Offenbarung, die den Schwachen Kraft&lt;br /&gt;
verleiht und die Armen mit Reichtum krönt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beratet mit äußerster Freundlichkeit und im Geiste vollkom-&lt;br /&gt;
mener Kameradschaft und verbringt die kostbaren Tage eures&lt;br /&gt;
Lebens damit, die Welt zu verbessern und die Sache Dessen vor-&lt;br /&gt;
anzutragen, der der ewige und höchste Herr über alles ist! Er&lt;br /&gt;
befiehlt allen Menschen, was recht ist, und Er verbietet, was ihre&lt;br /&gt;
Stufe herabsetzt. Bahd’v’liäh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese XCII)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1133&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1134|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mysterium des Opfers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache ‘Abdu’l-Bahas am 29. November 1912 in New York&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute abend möchte Ich über das Geheimnis des Opfers zu Ihnen&lt;br /&gt;
sprechen. Es gibt zwei Arten von Opfer, eine leibliche und eine geistige.&lt;br /&gt;
Die Erklärung der Kirchen über dieses Thema ist in Wirklichkeit Aber-&lt;br /&gt;
glauben. Zum Beispiel steht im Evangelium geschrieben, daß Seine&lt;br /&gt;
Heiligkeit Christus sagte: „Ich bin das Brot des Lebens, das vom Himmel&lt;br /&gt;
herniedergekommen ist; wer von diesem Brot ißt, wird ewig leben“&lt;br /&gt;
(Joh. 6). Er sagte auch: „Dieser Wein ist Mein Blut, das für die Vergebung&lt;br /&gt;
der Sünden vergossen wird.“ Solche Verse wurden von den Kirchen auf&lt;br /&gt;
derart abergläubische Weise ausgelegt, daß es dem menschlichen Ver-&lt;br /&gt;
stand unmöglich ist, diese Auslegung zu verstehen oder anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es heißt, Seine Heiligkeit Adam sei ungehorsam gegen das Gebot&lt;br /&gt;
Gottes gewesen und habe von der Frucht des verbotenen Baumes ge-&lt;br /&gt;
kostet, dadurch habe Er eine Sünde verübt, die als Erbsünde auf Seine&lt;br /&gt;
Nachkommen übergegangen sei. Man lehrt, der Sünde Adams wegen&lt;br /&gt;
hätten alle Seine Nachfahren gleichfalls gesündigt und seien durch Erb-&lt;br /&gt;
folge schuldig geworden; die ganze Menschheit verdiene demnach Strafe&lt;br /&gt;
und Vergeltung; Gott habe indessen Seinen Sohn als Opfer entsandt, da-&lt;br /&gt;
mit dem Menschen vergeben werde und die Menschenrasse von den&lt;br /&gt;
Folgen der Sünde Adams erlöst werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen diese Erklärungen vom Standpunkt der Vernunft betrach-&lt;br /&gt;
ten. Können wir uns vorstellen, daß Gott, der Höchste, der die Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit selbst ist, über die Nachkommenschaft Adams Strafen verhängt, nur&lt;br /&gt;
Adams Sünde und Adams Ungehorsams wegen? Selbst wenn wir einen&lt;br /&gt;
Regenten, einen irdischen Herrscher sähen, der einen Sohn für die Ver-&lt;br /&gt;
fehlungen seines Vaters bestrafte, würden wir diesen Herrscher als un-&lt;br /&gt;
gerecht betrachten. Gesetzt, der Vater hätte gefehlt, was hat der Sohn&lt;br /&gt;
Übles getan? Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den beiden. Adams&lt;br /&gt;
Sünde war nicht die Sünde Seiner Nachkommenschaft, zumal da Adam&lt;br /&gt;
vom heutigen Menschen her tausend Lebensalter zurückliegt. Wenn der&lt;br /&gt;
Stammvater von tausend Generationen eine Sünde beging, kann man da&lt;br /&gt;
gerechterweise fordern, die gegenwärtige Generation sollte unter den&lt;br /&gt;
Folgen zu leiden haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen noch andere Fragen und Beweise einbeziehen: Seine&lt;br /&gt;
Heiligkeit Abraham war eine Manifestation Gottes und ein Nachkomme&lt;br /&gt;
Adams; ebenso gehörten Seine Heiligkeit Ismael, Isaak, Jeremia und&lt;br /&gt;
die ganze Reihe der Propheten einschließlich Davids, Salomons und Aarons&lt;br /&gt;
zu Adams Nachkommenschaft. Waren alle diese Heiligen zu einem Reich&lt;br /&gt;
der Sühne verurteilt, nur der Tat eines Urvaters wegen, nur für den&lt;br /&gt;
Fehler, den ihr gemeinsamer ferner Vorfahre, Seine Heiligkeit Adam, be-&lt;br /&gt;
gangen haben soll? Es wird erklärt, als Seine Heiligkeit Christus kam und&lt;br /&gt;
sich opferte, sei die ganze Reihe der Propheten, die Ihm vorangegangen&lt;br /&gt;
sind, der Sünde und der Strafe ledig geworden. Nicht einmal ein Kind&lt;br /&gt;
könnte eine solche Behauptung mit Recht aufstellen. Diese Auslegungen&lt;br /&gt;
und Erklärungen sind darauf zurückzuführen, daß die Bedeutungen der&lt;br /&gt;
Bibel mißverstanden wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1134&lt;br /&gt;
{{page|1135|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=5}}Der Kreuzestod Christi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Wirklichkeit des Opfers verstehen zu lernen, wollen wir die&lt;br /&gt;
Kreuzigung und den Tod Seiner Heiligkeit Christi betrachten. Es ist wahr,&lt;br /&gt;
daß Er sich um unseretwillen geopfert hat. Als Seine Heiligkeit Christus&lt;br /&gt;
erschien, wußte Er, daß Er sich im Widerspruch gegen alle Nationen und&lt;br /&gt;
Völker der Erde verkünden mußte. Er wußte, die Menschheit würde sich&lt;br /&gt;
gegen Ihn erheben und Ihm Leiden aller Art zufügen. Zweifellos erweckt&lt;br /&gt;
jemand, der einen solchen Anspruch verkündet, wie Christus es tat, die&lt;br /&gt;
Feindschaft der Welt und ist persönlichen Beleidigungen ausgesetzt. Chri-&lt;br /&gt;
stus erkannte, daß Sein Blut vergossen und Sein Leib in Stücke gerissen&lt;br /&gt;
würde. Trotz dieser Kenntnis all dessen, was über Ihn käme, erhob Er&lt;br /&gt;
sich, Seine Botschaft zu verkünden;Er litt alle Drangsal und Bedrückung&lt;br /&gt;
aus den Händen des Volkes und brachte schließlich Sein Leben zum Opfer,&lt;br /&gt;
um die Menschheit zu erleuchten; Er gab Sein Blut, um die Menschenwelt&lt;br /&gt;
zu führen. Jede Schwierigkeit, jede Not nahm Er auf sich, um die Men-&lt;br /&gt;
schen zur Wahrheit zu leiten. Hätte Er Sein eigenes Leben retten wollen,&lt;br /&gt;
hätte Er sich nicht aufopfern wollen, dann wäre es Ihm unmöglich ge-&lt;br /&gt;
wesen, auch nur eine einzige Seele zu führen. Es gab keinerlei Zweifel.&lt;br /&gt;
daß Sein gesegnetes Blut vergossen, Sein Leib gebrochen würde. Trotzdem&lt;br /&gt;
nahm diese heilige Seele Not und Tod in ihrer Liebe zur Menschheit auf&lt;br /&gt;
sich. Dies ist eine der Bedeutungen des Opfers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die zweite Bedeutung sagte Er: „Ich bin das Brot, das vom Him-&lt;br /&gt;
mel herniedergekommen ist.“ Es war nicht der Leib Christi, der vom&lt;br /&gt;
Himmel kam. Sein Leib kam aus dem Schoß Mariens, aber die Vollkom-&lt;br /&gt;
menheiten Christi stiegen vom Himmel hernieder; die Wirklichkeit Christi&lt;br /&gt;
kam vom Himmel herab. Der Geist Christi und nicht der Leib kam vom&lt;br /&gt;
Himmel. Der Leib Christi war nur menschlich. Es steht außer Frage, daß&lt;br /&gt;
der stoffliche Leib aus dem Schoß Mariens geboren wurde. Aber die&lt;br /&gt;
Wirklichkeit Christi, der Geist Christi, die Vollkommenheiten Christi ka-&lt;br /&gt;
men alle vom Himmel. Wenn Er sagte, Er sei das Brot, das vom Himmel&lt;br /&gt;
gekommen ist, meinte Er folglich, daß die Vollkommenheiten, die Er&lt;br /&gt;
aufzeigte, göttliche Vollkommenheiten sind, daß die Gnadengaben in Ihm&lt;br /&gt;
selbst himmlische Gaben und Segnungen sind, daß Sein Licht das Licht&lt;br /&gt;
der Wirklichkeit ist. Er sprach: „Wer von diesem Brot ißt, wird ewig&lt;br /&gt;
leben.“ Das will heißen: Wer sich diese göttlichen Vollkommenheiten,&lt;br /&gt;
die in Mir sind, aneignet, wird niemals sterben; wer Anteil hat an diesen&lt;br /&gt;
himmlischen Segnungen, die Ich verkörpere, wird ewiges Leben finden;&lt;br /&gt;
wer dieses göttliche Licht in sich aufnimmt, wird immerfort leben. Wie&lt;br /&gt;
offenkundig ist doch die Bedeutung, wie augenscheinlich! Die Seele, die&lt;br /&gt;
aus den Lehren Christi göttliche Vollkommenheiten erwirbt und himm-&lt;br /&gt;
lische Erleuchtung sucht, wird zweifellos ewig leben. Dies ist ein weiteres&lt;br /&gt;
Mysterium des Opfers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit opferte sich auch Seine Heiligkeit Abraham; denn&lt;br /&gt;
Er brachte der Welt himmlische Lehren und gab der Menschheit himm-&lt;br /&gt;
lische Speise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Bedeutung des Opfers ist diese: Wenn Sie ein Samenkorn in&lt;br /&gt;
den Boden pflanzen, wird ein Baum aus diesem Samen offenbar werden.&lt;br /&gt;
Der Samen opfert sich dem Baum, der aus ihm hervorgeht. Äußerlich ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1135&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1136|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Samen verloren und zerstört, aber derselbe Samen, der sich opfert,&lt;br /&gt;
wird in dem Baum, seinen Blüten, Früchten und Zweigen, aufgenommen&lt;br /&gt;
und verkörpert. Würde der Samen in seiner Nämlichkeit dem Baume,&lt;br /&gt;
der aus ihm offenbar wird, nicht geopfert, kämen die Zweige, Blüten oder&lt;br /&gt;
Früchte nicht ans Licht. Äußerlich verschwand Seine Heiligkeit Christus.&lt;br /&gt;
Seine persönliche Nämlichkeit verbarg sich vor den Augen, wie die&lt;br /&gt;
Nämlichkeit des Samens verschwindet, aber die Segnungen, die&lt;br /&gt;
göttlichen Eigenschaften und Vollkommenheiten Christi offenbarten&lt;br /&gt;
sich in der christlichen Gemeinschaft, die Christus gründete, indem&lt;br /&gt;
Er sich opferte. Wenn Sie auf den Baum schauen, werden Sie erkennen,&lt;br /&gt;
daß die Vollkommenheiten, Segnungen, Eigenheiten und Schönheiten des&lt;br /&gt;
Samens in den Ästen, Zweigen, Blüten und Früchten offenbar geworden&lt;br /&gt;
sind; folglich hat sich der Samen dem Baum geopfert. Hätte er es nicht&lt;br /&gt;
getan, wäre der Baum nie entstanden. Seine Heiligkeit Christus opferte&lt;br /&gt;
sich wie dieser Samen für den Baum der Christenheit. Seine Vollkom-&lt;br /&gt;
menheiten, Segnungen und Vorzüge, Sein Licht und Seine Gnadengaben&lt;br /&gt;
offenbarten sich in der christlichen Gemeinschaft, für deren Kommen Er&lt;br /&gt;
sich opferte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Entwicklung fordert Opfer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der vierten Bedeutung des Opfers handelt es sich um das Prinzip,&lt;br /&gt;
daß eine Wirklichkeit ihre eigenen Wesenszüge opfert. Der Mensch muß&lt;br /&gt;
sich von den Einflüssen der stofflichen, natürlichen Welt und ihren Ge-&lt;br /&gt;
setzen lösen; denn die materielle Welt ist die Welt des Zerfalls und des&lt;br /&gt;
Todes. Sie ist die Welt des Bösen und der Finsternis, der wilden Tier-&lt;br /&gt;
haftigkeit, der Blutgier, der Ehrsucht und des Geizes, der Selbstvergot-&lt;br /&gt;
tung, der Ichsucht und der Leidenschaft; es ist die Welt der Natur. Der&lt;br /&gt;
Mensch muß sich aller dieser Unvollkommenheiten entkleiden; er muß&lt;br /&gt;
diese Neigungen, die der äußeren, stofflichen Welt des Seins zugehören,&lt;br /&gt;
opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits muß der Mensch himmlische Eigenschaften erwerben und&lt;br /&gt;
göttliche Merkmale erlangen. Er muß das Ebenbild und das Gleichnis&lt;br /&gt;
Gottes werden. Er muß die Wohltaten der Ewigkeit suchen, die Liebe&lt;br /&gt;
Gottes offenbaren, das Licht der Führung, der Baum des Lebens und die&lt;br /&gt;
Schatzkammer der Gnadengaben Gottes werden. Das will sagen: Der&lt;br /&gt;
Mensch muß die Eigenschaften und Merkmale der natürlichen Welt um&lt;br /&gt;
der Eigenschaften und Merkmale der göttlichen Welt willen opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie als Beispiel den Stoff, den wir Eisen nennen. Nehmen&lt;br /&gt;
Sie seine Eigenschaften wahr: Es ist fest, schwarz und kalt. Dies sind die&lt;br /&gt;
Kennzeichen des Eisens. Wenn dieses nämliche Eisen vom Feuer Hitze&lt;br /&gt;
aufnimmt, opfert es seine Eigenschaft der Festigkeit für die Eigenschaft&lt;br /&gt;
der Flüssigkeit. Es opfert seine Eigenschaft der Schwärze für die Eigen-&lt;br /&gt;
schaft des Leuchtens, die das Feuer kennzeichnet. Es opfert seine Eigen-&lt;br /&gt;
schaft der Kälte für die Eigenschaft der Hitze, die das Feuer besitzt; so&lt;br /&gt;
bleibt in dem Eisen keine Festigkeit, Schwärze oder Kälte mehr zurück.&lt;br /&gt;
Es wird erleuchtet und verwandelt, nachdem es seine Eigenschaften den&lt;br /&gt;
Eigenschaften und Merkmalen des Feuers geopfert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich nun der Mensch von den Merkmalen der natürlichen Welt&lt;br /&gt;
trennt und löst, opfert er die Eigenschaften und Sachzwänge jenes sterb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1136&lt;br /&gt;
{{page|1137|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=7}}lichen Reiches und offenbart statt dessen die Vollkommenheiten des&lt;br /&gt;
Reiches Gottes, ebenso wie die Eigenschaften des Eisens verschwunden&lt;br /&gt;
sind und die Eigenschaften des Feuers an ihre Stelle traten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch, der durch die Lehren Gottes erzogen und vom Lichte&lt;br /&gt;
Seiner Führung erleuchtet wird, der an Gott und Seine Zeichen glauben&lt;br /&gt;
lernt und vom Feuer der Liebe zu Gott entflammt ist, opfert die Un-&lt;br /&gt;
vollkommenheiten der Natur um der göttlichen Vollkommenheit willen.&lt;br /&gt;
Folglich steht jede entwickelte Persönlichkeit, jeder aufgeklärte, himm-&lt;br /&gt;
lische Mensch auf der Stufe des Opfers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hege die Hoffnung, daß Sie sich durch die Hilfe und Vorsehung&lt;br /&gt;
Gottes und durch die Gnadengaben des Reiches Abhä völlig von den&lt;br /&gt;
Unvollkommenheiten der natürlichen Welt lösen, daß Sie sich reinigen&lt;br /&gt;
von selbstischen, menschlichen Begierden, um Leben aus dem Reiche Abhä&lt;br /&gt;
zu empfangen und himmlische Anmut zu erwerben. Möge das göttliche&lt;br /&gt;
Licht auf Ihrem Antlitz leuchten, möge der Duft der Heiligkeit Sie er-&lt;br /&gt;
frischen, möge der Odem des Heiligen Geistes Sie mit ewigem Leben&lt;br /&gt;
erfüllen. ”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufzeichnungen von Esther Foster, aus „The Promulgation of Universal Peace“,&lt;br /&gt;
Vol. Il, Kap. VI, Wilmette/Ill. 1922/1943, S. 444 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reinste Zweig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. Juni 1970 jährte sich zum hundertsten Male ein Ereignis, das&lt;br /&gt;
einen Tiefpunkt auf dem Leidensweg Bahä’u’llähs bedeutete. Shoghi Ef-&lt;br /&gt;
fendi schreibt darüber in seinem Geschichtswerk „Gott geht vorüber“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zu dem lastenden Gewicht aller Kümmernisse kam nun noch der&lt;br /&gt;
bittere Schmerz eines plötzlichen tragischen Ereignisses hinzu — der frühe&lt;br /&gt;
Verlust des edlen und frommen Mirzä Mihdi, des Reinsten Zweiges, des&lt;br /&gt;
zweiundzwanzigjährigen Bruders von ‘Abdu’l-Bahá und Sekretärs Bahä-&lt;br /&gt;
u’lähs, der von Kindheit an seit den Tagen, da er von Tihrän nach&lt;br /&gt;
Baghdad gebracht worden war, nach seines Vaters Rückkehr aus Sulay-&lt;br /&gt;
maäniyyih dessen Verbannung teilte. Als er eines Abends in der Däm-&lt;br /&gt;
merung auf dem Dach der Kaserne (in ‘Akkä) auf und ab schritt und ganz&lt;br /&gt;
in seine Andachtsübungen versunken war, stürzte er durch den unbe-&lt;br /&gt;
deckten Lichtschacht auf einen hölzernen Packkorb, der nebenan auf dem&lt;br /&gt;
Gang stand; dabei wurde sein Brustkorb durchbohrt, und nach zweiund-&lt;br /&gt;
zwanzig Stunden erlag er am 23. Rabi’w’l-Avval 1287 A. H. (23. Juni 1870)&lt;br /&gt;
dieser Verletzung. Seine letzte Bitte an seinen bekümmerten Vater war,&lt;br /&gt;
daß sein Leben als ein Opfer angenommen werde für die, die man daran&lt;br /&gt;
hinderte, in die Gegenwart ihres Geliebten zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In einem bedeutsamen Gebet, das Bahä’u’lläh zum Gedächtnis an&lt;br /&gt;
Seinen Sohn geoffenbart hat — einem Gebet, das seinen Tod in eine&lt;br /&gt;
Reihe stellt mit den großen Sühneopfern, wie sie z. B. die beabsichtigte&lt;br /&gt;
Opferung des Sohnes Abrahams, die Kreuzigung Jesu Christi und der&lt;br /&gt;
Märtyrertod des Imäms Husayn darstellen — lesen wir folgendes: „Ich habe,&lt;br /&gt;
o mein Herr, hingegeben was Du Mir geschenkt hast, auf daß Deine&lt;br /&gt;
Diener erquickt würden und alle, die auf Erden wohnen, vereinigt wer-&lt;br /&gt;
den möchten’“ 1), (Fortsetzung Seite 1139)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1138|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1138&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mirza Mihdi, der „Reinste Zweig“&lt;br /&gt;
{{page|1139|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=9}}„Auf dir, o Zweig Gottes“, so segnet Bahá’u’lláh in einem Tablet Seinen&lt;br /&gt;
Sohn, „sei das Gedenken Gottes und Sein Lobpreis und das Lob aller, die&lt;br /&gt;
in den Reichen der Unsterblichkeit wohnen, und aller Bürger im König-&lt;br /&gt;
reich der Namen. Glücklich bist du, daß du dem Bunde Gottes und&lt;br /&gt;
Seinem Testament die Treue bewahrtest, bis du dich vor dem Angesicht&lt;br /&gt;
deines Herrn, des Allmächtigen, des Unbezwungenen, zum Opfer brach-&lt;br /&gt;
test. Dir wurde in Wahrheit Unrecht zugefügt, und dies bezeugt Seine,&lt;br /&gt;
des Selbstbestehenden Schönheit. Du hast in den frühen Tagen Meines&lt;br /&gt;
Lebens ertragen, was alle Dinge stöhnen und jeden Pfeiler erzittern ließ.&lt;br /&gt;
Glücklich, wer sich deiner erinnert und durch dich zur Nähe Gottes, des&lt;br /&gt;
Schöpfers des Morgens, hingezogen wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Selig bist du“, bestätigt Er in einem anderen Tablet, „und selig ist,&lt;br /&gt;
wer sich dir zuwendet und dein Grab besucht und sich durch dich Gott&lt;br /&gt;
nähert, dem Herrn all dessen, was war und was sein wird. Ich bezeuge,&lt;br /&gt;
daß du in Demut an deine Wohnstatt zurückgekehrt bist. Groß ist deine&lt;br /&gt;
Glückseligkeit und die Glückseligkeit derer, die sich fest an den Saum&lt;br /&gt;
deines ausgebreiteten Gewandes halten... Du bist wahrlich der Ver-&lt;br /&gt;
traute Gottes und Sein Schatz in diesem Land. Binnen kurzem wird Gott&lt;br /&gt;
durch dich Seinen Wunsch kundtun. Wahrlich, Er ist die Wahrheit und der&lt;br /&gt;
Kenner unsichtbarer Dinge. Als du zur Ruhe in die Erde gelegt wurdest,&lt;br /&gt;
zitterte die Erde selbst in ihrem Verlangen, dir zu begegnen. So wurde es&lt;br /&gt;
verordnet, und doch nehmen es die Menschen nicht wahr... Würden wir&lt;br /&gt;
die Geheimnisse deiner Himmelfahrt wiedergeben, so würden die Schla-&lt;br /&gt;
fenden erwachen, und alle Dinge würden in Flammen versetzt durch das&lt;br /&gt;
Feuer der Erwähnung Meines Namens, der Mächtige, der Liebevolle“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Oxford/Frankfurt 1954, S. 214.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Shoghi Effendi, „Guidance for Today and Tomorrow“, London 1953, S. 73; vgl.&lt;br /&gt;
„Bahä’i Holy Places at the World Centre“, Haifa 1968, S. 73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sei wie eine Feuerflamme”&lt;br /&gt;
Die Geschichte des Tablets an Ahmad / von A. Faizi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt zwei Tablets, die beide den Namen „Ahmad“ tragen: eines in&lt;br /&gt;
persisch, das andere arabisch. Das letztere wird in der ganzen Bahä’i-Welt&lt;br /&gt;
benützt, und Shoghi Effendi, der Hüter des Bahä’i-Glaubens, bezeichnete&lt;br /&gt;
es als mit besonderer Kraft ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das persische Tablet ist ziemlich lang und an Ahmad von Käshän ge-&lt;br /&gt;
richtet. Häji Mirzä Jäni, der als erster Bürger von Käshän den Glauben&lt;br /&gt;
des Báb angenommen hatte und in dessen Haus der Báb einige Tage ver-&lt;br /&gt;
weilte!), erlitt in Tihrän den Märtyrertod. Er hatte drei Brüder, von&lt;br /&gt;
denen einer niemals vom Glauben seines Bruders beeindruckt wurde, so&lt;br /&gt;
sehr dieser sich auch bemühte, ihn zu lehren. Er blieb ein Moslem und&lt;br /&gt;
starb als solcher. Der zweite hieß Ismai’l, von Bahá’u’lláh Dhabih’°)&lt;br /&gt;
(„Opfer“) oder auch Anis („Gefährte“) genannt. Der dritte, der nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1140|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baghdäd ging, hieß Ahmad. Er blieb bei Bahä’u’lläh und hatte die Ehre,&lt;br /&gt;
unter denen zu sein, die von Ihm ausgewählt wurden, Ihn in die Verban-&lt;br /&gt;
nung nach Istanbul zu begleiten. Aber unglücklicherweise wich dieser&lt;br /&gt;
Ahmad unter dem Druck der Prüfungen und Bedrängnisse vom rechten&lt;br /&gt;
Pfad ab und ging auf die Seite Azals über. So brachte er großes Leid&lt;br /&gt;
über die Gesegnete Schönheit, Seine Familie und Seine Freunde. Um die-&lt;br /&gt;
sen Mann von solchen üblen Taten und ihren schädlichen Folgen für den&lt;br /&gt;
jungen Glauben zu warnen, sandte ihm Bahä’u’lläh jenes lange persische&lt;br /&gt;
Tablet voll von Warnungen, Erklärungen über die göttliche Macht und&lt;br /&gt;
Ratschlägen, wie der wahre Sucher handeln und leben sollte. Ahmad&lt;br /&gt;
achtete dessen nicht, blieb unbewegt und unverändert. Als er jedoch&lt;br /&gt;
merkte, daß er nicht länger in der Türkei bleiben konnte, kehrte er nach&lt;br /&gt;
dem Iräg zurück, wo er seine alten Kumpane wiederfand, mit denen er&lt;br /&gt;
sein frevelhaftes Leben wieder aufnahm. Eine seiner schlimmsten Ge-&lt;br /&gt;
wohnheiten war, Menschen zu beleidigen und sie in höchst bitteren und&lt;br /&gt;
gemeinen Ausdrücken zu verfluchen. In einer der Streitereien mit seinen&lt;br /&gt;
üblen Freunden verletzte er sie so mit seiner scharfen Zunge, daß die&lt;br /&gt;
Opfer ihn eines Nachts töteten, um ihn los zu werden. Teile dieses per-&lt;br /&gt;
sischen Tablets sind in der „Ährenlese“ zu finden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad beginnt seine Suche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ahmad, dem zu Ehren das wohlbekannte Tablet geoffenbart ist,&lt;br /&gt;
wurde um 1805 in Yazd als Sohn einer angesehenen und wohlhabenden&lt;br /&gt;
Familie geboren. Sein Vater und seine Onkel waren führende Männer in&lt;br /&gt;
der Stadt, aber Ahmad zeigte schon mit vierzehn Jahren eine große Nei-&lt;br /&gt;
gung zur Mystik und war bemüht, neue Wege zur Wahrheit zu&lt;br /&gt;
finden. Als Fünfzehnjähriger — er hatte bereits seine Forschungen be-&lt;br /&gt;
gonnen — hörte er von einigen Leuten über heilige Männer, die beson-&lt;br /&gt;
dere Gebete kannten; wenn man diese las und viele Male in Verbindung&lt;br /&gt;
mit gewissen Ritualen wiederholte, sollten sie dem Leser mit Sicherheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ermöglichen, daß Antlitz des verheißenen Qä’im, des Messias, zu erken-&lt;br /&gt;
nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies entfiammte von neuem das Feuer seiner wachsenden Sehnsucht.&lt;br /&gt;
Er begann, ein asketisches Leben zu führen, sprach lange Gebete, fastete&lt;br /&gt;
tagelang und zog sich von den Menschen und der Welt zurück. Mit solcher&lt;br /&gt;
Lebensführung waren seine Eltern und Verwandten nicht einverstanden;&lt;br /&gt;
sie verboten ihm, sich weiterhin abzusondern, da dies ihren Lebensge-&lt;br /&gt;
wohnheiten und ihrem Ehrgeiz widersprach. Aber ein Mann wie Ahmad&lt;br /&gt;
konnte solchen Widerstand nicht dulden; denn sein ganzes Sehnen, sein&lt;br /&gt;
Herzenswunsch, war die Wiedervereinigung mit seinem Ewig-Geliebten.&lt;br /&gt;
So verließ er eines Tages unter dem Vorwand, ein öffentliches Bad auf-&lt;br /&gt;
zusuchen, früh am Morgen mit einem kleinen Bündel aus wenigen Klei-&lt;br /&gt;
dungsstücken und einigen Habseligkeiten sein Vaterhaus und begann die&lt;br /&gt;
Suche nach dem Offenbarer Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bettler gekleidet, wanderte er von Dorf zu Dorf, und wo immer&lt;br /&gt;
er einen „Pir“ — einen geistigen Führer — fand, saß er ihm mit großer&lt;br /&gt;
Hingabe und Aufrichtigkeit zu Füßen in der Hoffnung, einen Weg zu den&lt;br /&gt;
geheimnisvollen Welten der Wahrheit zu finden. Unermüdlich erbat er&lt;br /&gt;
von diesen Menschen immer wieder jenes besondere Gebet, welches ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1140&lt;br /&gt;
{{page|1141|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=11}}dem Hofe seines Geliebten näher bringen würde. Wann immer man ihm&lt;br /&gt;
gewisse Übungen anriet, entflammte seine Sehnsucht neu, und alle Vor-&lt;br /&gt;
schriften hielt er unbeirrbar und aufrichtig ein, wie zeitraubend und&lt;br /&gt;
schwierig sie auch sein mochten. Aber alles war vergebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich gab er alle Hoffnung und den Glauben an diese Art des&lt;br /&gt;
Suchens auf und machte sich auf den Weg nach Indien, einem Land, das&lt;br /&gt;
für Mystiker und Einsiedler mit besonderen Gaben bekannt war. Er er-&lt;br /&gt;
reichte Bombay, wo er sich niederließ und weiter nach jemandem forschte,&lt;br /&gt;
der ihm einen Blick auf den herrlichen Hof des Verheißenen ermöglichen&lt;br /&gt;
würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hörte, wenn er besondere Waschungen vornähme, fleckenlose weiße&lt;br /&gt;
Gewänder anlegte, sich demütig niederwürfe und den Vers des Qur’än&lt;br /&gt;
„Es gibt keinen Gott außer Gott“ zwölftausendmal wiederholte, würde er&lt;br /&gt;
unweigerlich sein Ziel erreichen und seinen Herzenswunsch erfüllt sehen.&lt;br /&gt;
Nicht nur einmal, sondern viele Male wiederholte er, demütig hinge-&lt;br /&gt;
streckt, den erwähnten Vers zwölftausendmal, aber immer noch fand er&lt;br /&gt;
sich im Dunkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entmutigt kehrte er nach Persien zurück, jedoch nicht in seine Heimat-&lt;br /&gt;
stadt Yazd. Er ließ sich in Käshän nieder, wo er eine Tuchweberwerk-&lt;br /&gt;
statt eröffnete. In kürzester Zeit war er ein erfolgreicher Geschäftsmann;&lt;br /&gt;
aber im Innersten seines Herzens suchte er unermüdlich weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Klopfe an, so wird dir aufgetan.“ „Bitte, so wird dir gegeben.“ Kein&lt;br /&gt;
wahrer Sucher wurde je enttäuscht und ohne Antwort vor Gottes Tor der&lt;br /&gt;
Gnade abgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Fremder weist den Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Käshän vernahm Ahmad das Gerücht von Einem, der den Anspruch&lt;br /&gt;
erhob, der verheißene Qä’im zu sein. Rastlos in seinen Bemühungen und&lt;br /&gt;
aufrichtig in seiner Suche, fragte er viele Menschen auf die verschiedenste&lt;br /&gt;
Art und Weise. Doch keiner gab ihm einen Hinweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam eines Tages ein unbekannter Reisender in die Stadt und&lt;br /&gt;
quartierte sich in demselben Gasthof ein, in dem Ahmad sein erfolg-&lt;br /&gt;
reiches Geschäft eingerichtet hatte. Ein bestimmter innerer Drang zog&lt;br /&gt;
Ahmad zu diesem Mann. Im Laufe einer Unterhaltung kam das Gespräch&lt;br /&gt;
auch auf das Gerücht, das sich nun schon verbreitet hatte. „Warum fragst&lt;br /&gt;
du das?“, wollte der Reisende wissen. „Ich möchte wissen, ob es wahr ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dem so ist, will ich es mit aller meiner Kraft verfolgen“, antwortete&lt;br /&gt;
Ahmad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lächeln des Triumphes erhellte das Gesicht des Fremden, als er&lt;br /&gt;
Ahmad riet, nach Khuräsän zu gehen und dort einen berühmten Gelehr-&lt;br /&gt;
ten, Mullä ‘Abdu’l-Khälig, ausfindig zu machen. Dieser werde ihm die&lt;br /&gt;
ganze Wahrheit mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon am nächsten Tag war Ahmad auf dem Weg nach der Provinz&lt;br /&gt;
Khuräsän. Die Besitzer der benachbarten Läden waren sehr überrascht,&lt;br /&gt;
als sie Ahmad nicht wie üblich bei seiner Arbeit fanden. „Was ist zwischen&lt;br /&gt;
ihm und dem fremden Reisenden vorgefallen?“, fragten sie einander;&lt;br /&gt;
doch keiner wußte die richtige Antwort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1141&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1142|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Fuß durchquerte Ahmad Wüsten und Gebirge, und sein Herz war&lt;br /&gt;
zum Überfließen erfüllt von Freude und Sehnsucht. Mit jedem Schritt&lt;br /&gt;
fand er sich dem Zeitpunkt näher, da alle seine Bemühungen die ersehn-&lt;br /&gt;
ten Früchte tragen würden — die Wiedervereinigung mit seinem Gelieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten, auf der Suche nach dessen Gegenwart er keine Anstrengung scheute&lt;br /&gt;
und kein Opfer zu groß fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u llah&lt;br /&gt;
Tablet an Ahmad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist der König, der Allwissende, der Weise!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieh, die Nachtigall des Paradieses singt auf den Zweigen des&lt;br /&gt;
Baumes der Ewigkeit. Mit heiligen und lieblichen Weisen verkün-&lt;br /&gt;
det sie den Aufrichtigen die frohe Botschaft der Nähe Gottes. Sie&lt;br /&gt;
beruft alle, die an die Einheit Gottes glauben, an den Hof der&lt;br /&gt;
Gegenwart des Großmütigen. Sie macht alle, die reinen Herzens&lt;br /&gt;
sind, mit dem Auftrag bekannt, den Gott, der König, der Herrliche,&lt;br /&gt;
der Unvergleichliche, enthüllt hat. Sie leitet die Liebenden zum&lt;br /&gt;
Throne der Heiligkeit hin und zu dieser strahlenden Schönheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, dies ist die Erhabenste Schönheit, die verheißen wurde&lt;br /&gt;
in den Büchern der Boten. Durch Ihn wird die Wahrheit vom Irrtum&lt;br /&gt;
geschieden und die Weisheit jedes Gebotes geprüft. Wahrlich, Er ist&lt;br /&gt;
\ der Baum des Lebens, der Früchte von Gott, dem Erhabenen, dem&lt;br /&gt;
Machtvollen, dem Großen, hervorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Ahmad! Sei du Zeuge, daß wahrlich Er Gott ist und kein Gott&lt;br /&gt;
außer Ihm ist, dem König, dem Schirmherrn, dem Unvergleich-&lt;br /&gt;
lichen, dem Allmächtigen, und daß Der, den Er aussandte mit&lt;br /&gt;
Namen ‘Ali (d. i. Seine Heiligkeit der Báb) der Wahrhafte Gottes&lt;br /&gt;
war, dessen Befehlen wir alle entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: O Menschen, gehorchet den Verordnungen Gottes, die&lt;br /&gt;
euch im Bayän durch den Herrlichen, den Weisen, auferlegt worden&lt;br /&gt;
sind. Wahrlich, Er ist der König der Boten und Sein Buch ist das&lt;br /&gt;
Mutterbuch, wenn ihr es nur wüßtet!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also erhebt die Nachtigall ihren Ruf an dich aus diesem Gefäng-&lt;br /&gt;
nis. Nur diese deutliche Botschaft hat sie zu künden. Wer immer es&lt;br /&gt;
wünscht, den lasse von diesem Ratschlag sich wenden, und wer&lt;br /&gt;
| immer es wünscht, den lasse den Pfad zu seinem Herrn erwählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Menschen, wenn ihr diese Verse abweiset, auf welchen Beweis&lt;br /&gt;
hin glaubt ihr dann wohl an Gott? Bring ihn hervor, du Rotte der&lt;br /&gt;
Falschen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, bei dem Einen, in dessen Hand meine Seele ist, sie können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1142&lt;br /&gt;
{{page|1143|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=13}}Er erreichte Mashhad in Khuräsän erschöpft und so krank, daß er sich&lt;br /&gt;
zu Bett legen mußte. Nach zweimonatigem Ringen um Gesundheit nahm&lt;br /&gt;
er den letzten Rest seiner Kraft und seines Mutes zusammen und ging&lt;br /&gt;
geradewegs zur Tür des ersehnten Hauses. Hören wir seine eigenen&lt;br /&gt;
Worte, wie er seinen damaligen Freunden und Gefährten berichtete: „Als&lt;br /&gt;
ich das Haus errichte, klopfte ich an die Tür, und der Diener erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es nicht und werden es niemals können, und würden sie sich gleich&lt;br /&gt;
zu gegenseitiger Hilfe verbünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Ahmad! Vergiß Meine Gaben nicht, während Ich ferne bin.&lt;br /&gt;
Gedenke Meiner Tage in deinen eigenen Tagen und Meiner Not&lt;br /&gt;
und Verbannung in diesem entlegenen Kerker und sei so standhaft&lt;br /&gt;
in Meiner Liebe, daß dein Herz nimmer wanke, selbst wenn der&lt;br /&gt;
Schwerterregen der Feinde über dir prasselt und die Himmel alle&lt;br /&gt;
und die Erde wider dich aufstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei wie eine Feuerflamme für Meine Feinde und ein Strom des&lt;br /&gt;
ewigen Lebens für Meine Geliebten und zähle nicht zu den Zwei-&lt;br /&gt;
felnden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn Kummer dich anfällt auf Meinem Pfade oder Ernied-&lt;br /&gt;
rigung um Meinetwillen, so sorge dich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertraue auf Gott, deinen Gott und den Herrn deiner Väter; denn&lt;br /&gt;
die Menschen wandern auf den Wegen des Wahns, der Einsicht&lt;br /&gt;
beraubt, Gott mit eigenen Augen zu schauen oder Seine Weise mit&lt;br /&gt;
eigenen Ohren zu hören. Also haben Wir sie befunden, wie auch&lt;br /&gt;
du es bezeugst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ist ihr Aberglaube zum Schleier zwischen ihnen und ihren&lt;br /&gt;
eigenen Herzen geworden und hat sie abgehalten vom Pfade Got-&lt;br /&gt;
tes, des Erhabenen, des Großen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei du in dir selbst gewiß, daß wahrlich der, der sich von dieser&lt;br /&gt;
Schönheit wendet, sich damit zugleich von den Boten der Vergan-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
genheit wendet und hoffärtig ist vor Gott von Ewigkeit zu Ewig-&lt;br /&gt;
keit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lerne dieses Tablet gut, o Ahmad! Singe es in deinen Tagen und&lt;br /&gt;
enthalte dich seiner nicht, denn Gott hat wahrlich für den, der es&lt;br /&gt;
singt, den Lohn für hundert Märtyrer und Dienst in beiden Welten&lt;br /&gt;
verordnet. Diese Gunst haben Wir dir erwiesen als Unsere Freun-&lt;br /&gt;
desgabe und als Gnade aus Unserer Gegenwart, damit du zu denen&lt;br /&gt;
gehörest, die dankbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gott! Sollte jemand, der traurig oder bekümmert ist, dieses&lt;br /&gt;
Tablet mit aufrichtigem Herzen lesen, so wird Gott seinen Kummer&lt;br /&gt;
zerstreuen, seine Schwierigkeiten lösen und seine Pein hinwegtun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist der Gnädige, der Mitleidvolle. Preis sei Gott,&lt;br /&gt;
dem Herrn aller Welten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1143&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1144|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Türe halb offen haltend, fragte er mich: „Was willst du?“ „Ich muß&lt;br /&gt;
deinen Herrn sehen“, antwortete ich. Der Mann ging zurück ins Haus,&lt;br /&gt;
und dann kam der Mullä selbst heraus. Er ließ mich in sein Haus ein-&lt;br /&gt;
treten, und als wir uns gegenüberstanden, erklärte ich ihm alles, was mir&lt;br /&gt;
zugestoßen war. Als ich geendet hatte, ergriff er sogleich meinen Arm&lt;br /&gt;
und sagte zu mir: „Sag hier nicht solche Dinge!“ Damit schob er mich zur&lt;br /&gt;
Tür hinaus. Mein Kummer war unsagbar. Bestürzt und gebrochenen&lt;br /&gt;
Herzens sagte ich zu mir: „Sind alle meine Bemühungen vergebens? Zu&lt;br /&gt;
wem soll ich gehen? An wen soll ich mich wenden?... Doch ich werde&lt;br /&gt;
niemals von diesem Mann lassen. Ich werde ausharren, bis die Zeit ge-&lt;br /&gt;
kommen ist, daß er mir sein Herz öffnen und mich auf den rechten Weg&lt;br /&gt;
Gottes führen wird. Es ist die Pflicht dessen, der sucht, den bitteren&lt;br /&gt;
Kelch der Not bis zur Neige zu leeren.“ Am nächsten Morgen war ich&lt;br /&gt;
wieder an der Tür desselben Hauses. Ich klopfte heftiger als am Tag&lt;br /&gt;
zuvor. Diesmal kam der Mullä selbst zur Tür, und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
als er öffnete, sagte ich: „Ich werde nicht fortgehen, ich werde dich nicht&lt;br /&gt;
verlassen, bis du mir die volle Wahrheit gesagt hast.“ Diesmal erkannte&lt;br /&gt;
er, daß ich es ernst meinte und ehrlich war. Er war nun sicher, daß ich&lt;br /&gt;
nicht an seine Tür gekommen war, um zu spionieren oder um ihm und&lt;br /&gt;
seinen Freunden Schwierigkeiten zu machen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad wurde angewiesen, dem Abendgebet in einer bestimmten Mo-&lt;br /&gt;
schee beizuwohnen, wo derselbe Mullä das Gemeindegebet leitete und&lt;br /&gt;
eine lange Predigt hielt. Er solle dem Mullä folgen, wenn die Predigt zu&lt;br /&gt;
Ende sei. Am folgenden Abend versuchte Ahmad sein Äußerstes, den&lt;br /&gt;
Mulla nach dem Gebet und der Predigt zu finden, aber der war von einer&lt;br /&gt;
solchen Menschenmenge umgeben, daß Ahmad nicht in seine Nähe kom-&lt;br /&gt;
men konnte. Als die beiden sich am nächsten Tag wieder trafen, wurde&lt;br /&gt;
Ahmad angewiesen, bei Nacht in eine andere Moschee zu gehen; eine&lt;br /&gt;
dritte Person würde ihm den Weg zeigen. Folgsam stellte sich Ahmad bei&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang in der Moschee ein, und wie versprochen kam nach dem&lt;br /&gt;
Abendgebet jemand zu ihm und winkte ihm zu folgen. Ohne Zögern und&lt;br /&gt;
Furcht ging Ahmad mit. Zu dritt huschten sie schattengleich in der Fin-&lt;br /&gt;
sternis durch enge und düstere Gassen. Obwohl Ahmad völlig fremd in&lt;br /&gt;
der Stadt war, wankte er nicht, noch zauderte oder floh er. Er tat jeden&lt;br /&gt;
Schritt mit großer Entschlossenheit, zu allem bereit, was auch immer ge-&lt;br /&gt;
schehen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich erreichten sie ein bestimmtes Haus. Sie klopften leise an&lt;br /&gt;
die Tür, und es wurde sofort geöffnet. Die Neuangekommenen schlüpften&lt;br /&gt;
schnellstens hinein. Sie durchschritten einen überdeckten Gang, kamen&lt;br /&gt;
auf einen kleinen Hof, stiegen einige Stufen hinauf und waren an der&lt;br /&gt;
Tür einer Kammer, in der eine sehr vornehme Gestalt saß. Der Mullä&lt;br /&gt;
näherte sich dieser Persönlichkeit voll Demut und Ehrerbietung; auf&lt;br /&gt;
Ahmad zeigend, der in Ehrfurcht und gespannter Erwartung auf der&lt;br /&gt;
Schwelle verweilte, sagte er höflich flüsternd: „Das ist der Mann, von dem&lt;br /&gt;
ich Ihnen erzählte.“ „Willkommen! Bitte, tritt herein und setze dich!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagte der Mann. Ahmad betrat daraufhin das Zimmer und setzte sich auf&lt;br /&gt;
den Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gastgeber war kein anderer als Mulla Sädiq („der Wahrhafte“),&lt;br /&gt;
einer der ersten Gläubigen während der Zeit des Báb, hoch angesehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1144&lt;br /&gt;
{{page|1145|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=15}}wegen seiner Gelehrsamkeit, Kühnheit und Standhaftigkeit. In der Zeit&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs entfaltete er so großen Eifer und so große Begeisterung, daß&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh ihm den Titel ‘Asdäg („der Wahrhaftigste“) gab‘).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schatz ist gefunden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad, der fünfundzwanzig Jahre lang die Täler des Suchens durch-&lt;br /&gt;
wandert hatte, ohne auch nur mit einem Tropfen seinen Durst löschen zu&lt;br /&gt;
können, fand nun den Weg zum Urquell. Mit ausgedorrten Lippen und&lt;br /&gt;
unersättlichem Verlangen trank er den duftenden Strom der Verse Gottes&lt;br /&gt;
durch Seine neue Manifestation in sich hinein. Drei Zusammenkünfte&lt;br /&gt;
genügten, dann nahm er den Glauben von ganzem Herzen und ganzer&lt;br /&gt;
Seele an. Er sah so erregt, verzückt und hellbegeistert aus, daß ‘Asdäq&lt;br /&gt;
ihn ermahnte, zu seiner Familie nach Käshän zurückzukehren und kei-&lt;br /&gt;
nem Menschen, nicht einmal der eigenen Frau gegenüber, seinen Glauben&lt;br /&gt;
zu erwähnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene Tage waren für den jungen Gottesglauben Tage außerordentlicher&lt;br /&gt;
Gefahr. Die wenigen Anhänger aus den Reihen der Armen dieser Welt&lt;br /&gt;
waren pausenlos die Zielscheiben vieler Greueltaten. Sogar die Luft war&lt;br /&gt;
erfüllt von Argwohn, Spionage und Verleumdung. Deshalb mußten die&lt;br /&gt;
Freunde sich in acht nehmen, daß nicht die geringste Unachtsamkeit oder&lt;br /&gt;
ein einziges unbedachtes Wort eine Feuersbrunst entfachten, die mit&lt;br /&gt;
ihren Flammen die Gläubigen verzehrt hätte. ‘Asdäq, der wußte, was&lt;br /&gt;
Ahmad durchgemacht hatte, merkte, daß dieser kein Geld hatte, um nach&lt;br /&gt;
Hause zurückkehren zu können. So gab er ihm ein paar kleine Geschenke&lt;br /&gt;
für seine Familie und drei Tumän (vier Mark) und ermahnte ihn noch-&lt;br /&gt;
mals, sehr weise zu sein. Über seine Rückkehr berichtete Ahmad: „Als&lt;br /&gt;
ich in Käshän ankam, fragten mich alle, was geschehen sei, daß ich alles&lt;br /&gt;
so plötzlich verlassen hätte. Ich sagte ihnen: ‚Mein Verlangen nach einer&lt;br /&gt;
Pilgerreise war so groß, daß ich nicht widerstehen konnte, und das war&lt;br /&gt;
gut so. Was sonst als dieses innerste Sehnen hätte mich veranlassen kön-&lt;br /&gt;
nen, mein Haus, meine Arbeit, meine Familie zu verlassen? Als ich von&lt;br /&gt;
dem Reisenden jene Worte hörte, verließ mich augenblicklich die Ge-&lt;br /&gt;
duld.’“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Käshän nahm er seine Arbeit wieder auf, aber er sehnte sich da-&lt;br /&gt;
nach, den Glauben zu lehren. Gerüchtweise hörte er, daß ein gewisser&lt;br /&gt;
Häji Mirzä Jäni seinen Glauben gewechselt hätte und Anhänger einer&lt;br /&gt;
neuen, obskuren Religion geworden sei. Er forschte nach ihm, und als die&lt;br /&gt;
beiden sich gefunden hatten, da war kein Ende ihrer Freude und Be-&lt;br /&gt;
geisterung. Sie wurden enge Freunde, ständige Gefährten und die ersten&lt;br /&gt;
und einzigen Bábi in dieser Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages (im März 1847), kam Häji Mirzä Jäni zu Ahmad und fragte&lt;br /&gt;
ihn voll Begeisterung und grenzenloser Erregung: „Möchtest du gern das&lt;br /&gt;
Antlitz deines Herrn schauen?“ Ahmads Herz schlug höher. Mit großer&lt;br /&gt;
Freude sprang er aufgeregt auf und fragte: „Wie und wann?“ Der Häji&lt;br /&gt;
erzählte ihm nun, welche Vereinbarungen er mit der Eskorte des Báb&lt;br /&gt;
getroffen habe, um den Báb für zwei oder drei Nächte in seinem Haus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beherbergen zu können. So ging Ahmad zur verabredeten Stunde in des&lt;br /&gt;
Häjis Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1145&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1146|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er eintrat, fielen seine Augen auf ein Antlitz, dessen Schönheit&lt;br /&gt;
Himmel und Erde übertraf. Ein junger Siyyid (Nachkomme des Propheten&lt;br /&gt;
Mohammed) saß dort in solcher Demut, Hoheit und Majestät, daß man&lt;br /&gt;
nichts anderes als das Licht Gottes in Seinem Antlitz wahrnehmen&lt;br /&gt;
konnte. Einige Geistliche und Würdenträger der Stadt saßen am Boden&lt;br /&gt;
im Kreis um Ihn her, und die Diener standen an der Tür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Mulläs sah den Báb an und sagte: „Wir haben gehört, daß&lt;br /&gt;
ein junger Mann in Shiräz den Anspruch erhob, der Báb zu sein. Ist das&lt;br /&gt;
wahr?“ „Ja“, antwortete der Báb. „Und offenbart er auch Verse?“, fragte&lt;br /&gt;
derselbe Mann. Der Báb antwortete: „Und Wir offenbaren auch Verse.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad erzählte weiter: „Diese klare und mutige Antwort genügte für&lt;br /&gt;
jeden, der Ohren hatte zu hören und Augen zu sehen, um die ganze&lt;br /&gt;
Wahrheit sogleich zu erfassen. Sein wunderbares Antlitz, Seine macht-&lt;br /&gt;
vollen Worte und Seine Gegenwart taten allen Dingen Genüge. Als der&lt;br /&gt;
Tee gereicht und dem Báb eine Tasse davon angeboten wurde, nahm Er&lt;br /&gt;
sie, rief den Diener desselben Mullä und überreichte ihm voll Anmut den&lt;br /&gt;
Tee. Am folgenden Tag kam dieser bescheidene Diener zu mir und be-&lt;br /&gt;
klagte sich über die Torheit seines Herrn. Eine kurze Erläuterung über&lt;br /&gt;
die Stufe des Báb genügte, ihn in unsere Gruppe zu bringen, und nun&lt;br /&gt;
waren wir drei,“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kleine Kern begann zu wachsen, und die Zahl der Gläubigen&lt;br /&gt;
nahm zu. Das erboste die Geistlichen, die ihr ganzes Geschick aufboten,&lt;br /&gt;
dem Fluß des machtvollen Lebensstromes Einhalt zu gebieten. Sie sta-&lt;br /&gt;
chelten die grausame, unwissende Menge auf. Jeden Tag pflegten sie&lt;br /&gt;
wutentbrannt vor eines anderen Bábis Haus zu ziehen, Türen und Fenster&lt;br /&gt;
einzuschlagen, das Gebäude zu plündern und zu zerstören. Am Abend&lt;br /&gt;
lagen dann die Leichen in den Straßen und Gassen und selbst über die&lt;br /&gt;
benachbarten Berge und Ebenen verstreut. So ging es wochenlang, und&lt;br /&gt;
Ahmads Haus bildete keine Ausnahme. Ahmad mußte sich vierzig Tage&lt;br /&gt;
lang in einem Turm verstecken, und die Freunde brachten ihm, was er&lt;br /&gt;
zum Leben brauchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reise zur „Wohnstatt des Friedens“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er das Leben in Käshän nicht mehr ertragen konnte und hörte, daß&lt;br /&gt;
Baghdäd ein Anziehungspunkt geworden war, entschloß sich Ahmad,&lt;br /&gt;
dorthin zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Und Gott ruft zur Wohnstatt des Friedens (Baghdäd) und Er führt,&lt;br /&gt;
wen Er will, auf den rechten Pfad“ ’).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dunkel der Nacht gab Ahmad sein Versteck auf, kletterte über die&lt;br /&gt;
Mauern der Stadt und machte sich auf den Weg nach Baghdäd. Er reiste&lt;br /&gt;
zu Fuß, erfüllt von Liebe, Begeisterung und dem heißen Verlangen, das&lt;br /&gt;
Antlitz Dessen zu schauen, den Gott nach der Verheißung des Báb offen-&lt;br /&gt;
baren werde. Als er so dahinwanderte, begegnete er einem anderen&lt;br /&gt;
Mann, der in der selben Richtung reiste. Ahmad fürchtete weitere Ver-&lt;br /&gt;
folgungen; darum beachtete er den Fremden nicht und sprach kein&lt;br /&gt;
Wort mit ihm. Doch der Mann blieb beharrlich an seiner Seite. Ahmad&lt;br /&gt;
war sehr auf der Hut, niemals seinen Glauben oder den Zweck seiner&lt;br /&gt;
Reise auch nur zu erwähnen. In Baghdäd angekommen trennte sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1146&lt;br /&gt;
{{page|1147|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=17}}Ahmad von seinem Weggefährten und machte sich sogleich auf die Suche&lt;br /&gt;
nach Bahä’u’llähs Haus. Als er es gefunden hatte und eintrat, entdeckte&lt;br /&gt;
er zu seinem größten Erstaunen, daß sein Reisegefährte auch da war. Nun&lt;br /&gt;
wurde ihm klar, daß sein Freund ebenfalls ein Bábi und unterwegs ge-&lt;br /&gt;
wesen war, in die Gegenwart der Gesegneten Schönheit zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad in der Gegenwart Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Mann wie Ahmad, der sein ganzes Leben nach diesem uner-&lt;br /&gt;
meßlichen geistigen Urquell gesucht hatte, war es ein atemberaubendes&lt;br /&gt;
Erlebnis, als er zum ersten Mal das jugendliche Antlitz Bahä’u’llähs er-&lt;br /&gt;
blickte — ein Antlitz voll Liebreiz, frischer Farbe und durchdringender&lt;br /&gt;
Geisteskraft. Er war überwältigt! Erst durch die heitere Bemerkung der&lt;br /&gt;
Ewigen Schönheit: „Er wird ein Bábi und versteckt sich dann im Turm!“,&lt;br /&gt;
kam er wieder zu sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh erlaubte Ahmad, in Baghdäd zu bleiben und ganz nahe&lt;br /&gt;
Seinem Hause zu wohnen. Sogleich stellte Ahmad seinen kleinen Web-&lt;br /&gt;
stuhl auf und war der glücklichste Mann der Welt. Was will der Mensch&lt;br /&gt;
mehr? In der Zeit der Höchsten Manifestation Gottes leben, Ihn anbeten,&lt;br /&gt;
von Ihm geliebt werden und Seinem Herzen, Seiner Seele und sogar&lt;br /&gt;
Seinem Wohnsitz so nahe sein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nähe von Panama City wächst das für die Bahäd’i von Mittel-&lt;br /&gt;
amerika bestimmte Haus der Andacht aus dem Boden. Auf einer Anhöhe&lt;br /&gt;
gelegen, wird es einmal weithin sichtbar sein. Unser Bild zeigt die&lt;br /&gt;
Baustelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1147&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1148|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=18}}Als er später einmal über die Ereignisse jener Zeit, die er in so un-&lt;br /&gt;
mittelbarer Nähe Bahä’u’llähs verbrachte, befragt wurde, sagte Ahmad&lt;br /&gt;
mit Tränen in den Augen: „Wie unzählbar, wie groß, wie überwältigend&lt;br /&gt;
machtvoll waren die Ereignisse jener Jahre! Unsere Nächte waren erfülit&lt;br /&gt;
von denkwürdigen Episoden. Freudig, zu Zeiten auch traurig, waren&lt;br /&gt;
unsere Erlebnisse; aber es ist unmöglich, sie zu beschreiben. Als zum&lt;br /&gt;
Beispiel®) eines Tages die Gesegnete Schönheit spazieren ging, näherte&lt;br /&gt;
sich Ihm ein Regierungsbeamter und berichtete, einer Seiner Anhänger&lt;br /&gt;
sei getötet und ans Flußufer geworfen worden. Die Zunge der Kraft und&lt;br /&gt;
Macht antwortete: ‚Niemand hat ihn getötet. Durch siebzigtausend Licht-&lt;br /&gt;
schleier zeigten Wir ihm die Herrlichkeit Gottes in einem Ausmaß, win-&lt;br /&gt;
ziger als ein Nadelöhr; darum konnte er die Bürde seines Lebens nicht&lt;br /&gt;
länger tragen und hat sich selbst als Opfer dargebracht.“ Als Bahä’u&#039;lläh&lt;br /&gt;
der Erlaß des Kalifen überbracht wurde, wonach Er aus Baghdäd nach&lt;br /&gt;
Istanbul gehen mußte, verließ Er die Stadt am zweiunddreißigsten Tag&lt;br /&gt;
nach Naw-Rüz und schlug Sein Zelt im Garten Ridvän auf. An demselben&lt;br /&gt;
Tag trat der Fluß über die Ufer, und erst nach ncun Tagen war es&lt;br /&gt;
Seiner Familie möglich, mit Ihm im Garten zusammenzukommen. Dann&lt;br /&gt;
trat der Fluß ein zweitesmal über die Ufer, und als dann das Wasser am&lt;br /&gt;
zwölften Tage sank, gingen alle zu Ihm. Ahmad bat Bahä’u’lläh inständig,&lt;br /&gt;
unter den Gefährten, die Sein Exil mit Ihm teilten, sein zu dürfen, aber&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh erfüllte seine Bitte nicht. Er wählte einige wenige aus und&lt;br /&gt;
gab den anderen Anweisung dazubleiben, die Sache zu lehren und sie&lt;br /&gt;
zu beschützen, und Er betonte, daß dies besser für den Glauben Gottes&lt;br /&gt;
wäre. Als Er abreiste, standen die Zurückbleibenden in einer Reihe da&lt;br /&gt;
und waren von ihrer Trauer so überwältigt, daß sie in Tränen aus-&lt;br /&gt;
brachen. Bahá’u’lláh ging noch einmal zu ihnen, tröstete sie und sagte:&lt;br /&gt;
„Es ist besser für die Sache. Einige dieser Menschen, die Mich begleiten,&lt;br /&gt;
neigen dazu, Unheil zu stiften; deshalb nehme Ich sie mit Mir.“ Einer&lt;br /&gt;
der Freunde konnte seinen Kummer und seinen Schmerz kaum beherr-&lt;br /&gt;
schen. Er wandte sich zu der Menge und sprach dieses Gedicht von Sa’di:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Laßt uns alle klagend weinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie der Frühlingswolken Regen!&lt;br /&gt;
Müssen Liebende voll Jammer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vom Geliebten schmerzlich scheiden,&lt;br /&gt;
hört man selbst der Steine Wehruf&lt;br /&gt;
weithin über Berg und Tal.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sagte Bahä’u’lläh: „Wahrlich, das wurde für diesen Tag gesagt.“&lt;br /&gt;
Dann bestieg Er Sein Pferd. Einer der Freunde legte einen Beutel voll&lt;br /&gt;
Münzen vor Seinen Sattel, und Bahä’u’lläh begann, diese Münzen unter&lt;br /&gt;
die jammernden Armen, die umherstanden, zu verteilen. Als sie auf Ihn&lt;br /&gt;
zuliefen und einander drängten, griff Er in den Beutel, schüttete alle&lt;br /&gt;
Münzen aus und sagte: „Sammelt sie selber auf!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad sah seinen Geliebten entschwinden, einem unbekannten Ziel&lt;br /&gt;
entgegen. Er ahnte nicht, daß Er, der Sonne gleich, zum Gipfel der Macht&lt;br /&gt;
und Kraft aufstieg. Traurigen Herzens und in tiefster Seelenpein kehrte&lt;br /&gt;
Ahmad nach Baghdäd zurück, das ihn nun in keiner Weise mehr anzog. Er&lt;br /&gt;
versuchte wieder glücklich zu werden, indem er die Freunde versammelte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1148&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1149|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=19}}und sie ermutigte, sich zu verteilen und den Glauben zu lehren, der so-&lt;br /&gt;
eben erklärt worden war. Obgleich er im Dienste dieser Sache sehr tätig&lt;br /&gt;
war, wurde er doch nicht froh. Nur die Nähe seines Geliebten hätte ihn&lt;br /&gt;
glücklich machen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tablet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach ein paar Jahren verließ er wieder sein Heim und seine Arbeit&lt;br /&gt;
und begab sich zu Fuß nach Adrianopel, der Stadt seiner Liebe und Sehn-&lt;br /&gt;
sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Istanbul erreichte ihn jenes Tablet Bahä’u’llähs, das wir heute als das&lt;br /&gt;
„Tablet an Ahmad“ kennen. Er beschreibt den Empfang dieses Tablets&lt;br /&gt;
folgendermaßen: „Ich erhielt das Tablet der ‚Nachtigall des Paradieses‘,&lt;br /&gt;
und nachdem ich es wieder und wieder gelesen hatte, wurde mir bewußt,&lt;br /&gt;
daß mein Geliebter wünschte, ich solle gehen, um Seinen Glauben zu&lt;br /&gt;
lehren. So zog ich es vor, Ihm zu gehorchen, anstatt Ihn zu besuchen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte den besonderen Auftrag bekommen, durch Persien zu reisen,&lt;br /&gt;
die alten Bábi-Familien zu finden und ihnen die neue Botschaft des Herrn&lt;br /&gt;
zu überbringen. Daher der wunderbare Hinweis auf den Báb in diesem&lt;br /&gt;
Tablet. Es war eine unbeschreiblich schwierige Aufgabe, daher auch solche&lt;br /&gt;
Ermahnungen wie: „Sei wie eine Feuerfiamme für meine Feinde und ein&lt;br /&gt;
Strom des ewigen Lebens für Meine Geliebten und zähle nicht zu den&lt;br /&gt;
Zweifelnden.“ Der Pfad, den er verfolgen mußte, würde ein blutiger sein,&lt;br /&gt;
es würde Dornen und Mühsal zu ertragen geben; doch dann folgten solche&lt;br /&gt;
seelenbewegenden Ermahnungen wie: „Und wenn Kummer dich an-&lt;br /&gt;
fällt auf Meinem Pfade oder Erniedrigung um Meinetwillen, so sorge dich&lt;br /&gt;
nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem göttlichen Amulett in seinem Besitz — einem kleinen Stück&lt;br /&gt;
Papier, „von Bahä’u’lläh mit besonderer Macht und Bedeutung ausgestat-&lt;br /&gt;
tet“ — und im unscheinbaren Gewand eines Bettlers machte sich Ahmad&lt;br /&gt;
auf den Weg zurück nach Persien. Er betrat das Land in dem Bezirk, in&lt;br /&gt;
dem der Báb gefangen gewesen war und wo Er den Märtyrertod gefunden&lt;br /&gt;
hatte, und er durchquerte diese Gegend wie der Odem des Lebens. Viele&lt;br /&gt;
Bábi konnten dadurch die Sonne sehen, die von Adrianopel her schien,&lt;br /&gt;
und sogar viele Moslem nahmen den Glauben von ganzem Herzen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die frohe Botschaft der Nähe Gottes“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad wurde zur Verkörperung des Tablets, das seinen Namen trägt.&lt;br /&gt;
Solche Ausdauer, solch unerschrockener Mut, solche Zähigkeit und Stand-&lt;br /&gt;
haftigkeit wie die seine ist kaum ein zweites Mal in den Annalen des&lt;br /&gt;
Glaubens zu finden. Wenn er mit jemandem in Berührung kam, pflegte&lt;br /&gt;
er, obwohl „Kummer und Erniedrigung ihn anfielen“, immer wieder zu-&lt;br /&gt;
rückzukehren, um die noch halboffenen Fragen zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er, um ein Beispiel anzuführen, durch die Provinz Khuräsän reiste,&lt;br /&gt;
besuchte er eine wohlbekannte Bábi-Familie, deren Haupt kein anderer&lt;br /&gt;
als Furüghi?) war — einer der Überlebenden des Aufstandes von Tabarsi.&lt;br /&gt;
Ahmad ging hin und brachte nach und nach die Sprache auf sein Anliegen.&lt;br /&gt;
Er erklärte offen, eifrig und mit Nachdruck, daß Der, den Gott offenbaren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1149&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1150|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werde, kein anderer als Bahä’u’lläh sei, dessen Licht nun vom Horizonte&lt;br /&gt;
des „entlegenen Kerkers“ — Adrianopel — leuchtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Furüghi, der so verwegen bei Tabarsi gekämpft hatte, fing auch hier&lt;br /&gt;
an zu kämpfen. Die Aussprache wurde mit der Zeit immer heftiger. Furü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ghi wurde zornig, griff Ahmad an, schlug ihm einen Zahn ein und warf&lt;br /&gt;
ihn aus dem Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad zog gebrochenen Herzens ab, kehrte jedoch später mit neuem&lt;br /&gt;
Mut zurück, klopfte an und sagte, er werde nicht eher gehen, als bis dieser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand völlig durchgesprochen und endgültige Schlüsse gezogen wor-&lt;br /&gt;
den wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir dürfen nicht vergessen, in welch großer Gefahr die Bábi waren.&lt;br /&gt;
Hätte man auch nur ein Stück Papier mit den Versen des Báb in irgend-&lt;br /&gt;
einem Haus gefunden, so hätte dies genügt, das Haus zu zerstören, seine&lt;br /&gt;
Bewohner ins Gefängnis zu werfen oder sogar in den Märtyrertod zu&lt;br /&gt;
treiben. Deshalb versteckten viele Freunde ihre Bücher und Schriften in&lt;br /&gt;
den Mauern ihrer Häuser. Als Ahmad zum zweitenmal zu Furüghis Haus&lt;br /&gt;
ging, um die Aussprache wieder aufzunehmen, betonte er mit Nachdruck,&lt;br /&gt;
der Größte Name BAHÄ sei vom Báb in allen Seinen Schriften oft er-&lt;br /&gt;
wähnt worden. Furüghi stellte die Wahrheit dieser Behauptung in Frage.&lt;br /&gt;
Um Ahmad zu widerlegen, riß er einen Teil der Mauer nieder und brachte&lt;br /&gt;
ein Bündel hervor, das die Schriften des Bab enthielt; er versprach, nicht&lt;br /&gt;
ein Wort gegen die klaren Texte zu sagen. Ahmad berichtet: „Der erste&lt;br /&gt;
Vers, den wir aufschlugen, bezog sich auf den Namen BAHA.“ Wie ver-&lt;br /&gt;
sprochen nahmen Furüghi und alle Mitglieder seiner Familie den Glau-&lt;br /&gt;
ben Bahä’u’llähs an, wurden seine eifrigen Verteidiger und leisteten Her-&lt;br /&gt;
vorragendes für seine Verbreitung und seinen Schutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine Feuerflamme“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er das ganze Land Khuräsän durchquert hatte, entschloß sich&lt;br /&gt;
Ahmad, noch einmal nach Baghdäd zu gehen, um allen Freunden dieser&lt;br /&gt;
wichtigen Stadt Bahä’u’llähs Botschaft der Liebe und Seine Grüße zu&lt;br /&gt;
überbringen. Aber leider wurde er auf dem Wege wiederum krank und&lt;br /&gt;
konnte Baghdäd nicht erreichen. Dazu kam, daß ihn Geistliche aus Käshän&lt;br /&gt;
in Tihrän wiedererkannten und am Hofe des Königs, der immer bereit&lt;br /&gt;
war, über die Anhänger des neuen Glaubens harte Strafen zu verhängen,&lt;br /&gt;
Klage gegen ihn erhoben. Ahmad wurde einem jungen Offizier über-&lt;br /&gt;
antwortet, der seinen Fall zu untersuchen und, wenn er sich überzeugen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
konnte, daß sein Opfer vom rechten Wege abgewichen sei, ihn sofort zu&lt;br /&gt;
töten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der junge Offizier wollte Ahmad nicht lästig fallen und forderte ihn auf,&lt;br /&gt;
seinen Glauben zu widerrufen. Ahmad berichtet: „Damals erreichte ich&lt;br /&gt;
den Höhepunkt meines Glaubens und meiner Begeisterung und dachte&lt;br /&gt;
keinen Augenblick daran zu widerrufen.“ Immer bereit, sein Leben auf&lt;br /&gt;
dem Pfade des Glaubens niederzulegen, diente er mit einer solchen Selbst-&lt;br /&gt;
aufopferung, daß er darauf bestand, kein Bábi, sondern ein Bahä’i zu&lt;br /&gt;
sein, ein Anhänger der Höchsten Manifestation Gottes. Er wurde abge-&lt;br /&gt;
führt. Im Gefängnis hörte er, die Frau des Offiziers sei plötzlich schwer&lt;br /&gt;
erkrankt. Entsetzt und tief traurig kam der Offizier zu Ahmad: „Sollte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150&lt;br /&gt;
{{page|1151|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=21}}meine Frau wieder gesund werden, werde ich dich entlassen.“ Nach drei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tagen brachte der junge Mann, ungeachtet der schlimmen Gefahren für&lt;br /&gt;
ihn selber, Ahmad zum Stadttor von Tihrän und ließ ihn ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ein Strom des ewigen Lebens“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frei wie ein Vogel ging Ahmad zunächst in Dörfer, wo einige Weizen-&lt;br /&gt;
sieber lebten, die Bábi waren. Sie empfingen ihn voll Liebe und Höflich-&lt;br /&gt;
keit und nahmen ihn gastlich auf; Ahmad führte sie auf den rechten Pfad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottes, um sich nach einigen Tagen wieder auf den Weg zu machen: nach&lt;br /&gt;
der Provinz Färs, deren Hauptstadt Shiräz ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Provinz lebte er fast ein Vierteljahrhundert. Er wurde der&lt;br /&gt;
ständige Gefährte der Mißhandelten und Betrübten. Er tröstete sie in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeiten der Verfolgung, gab ihnen Hoffnung und einen Ausblick auf den&lt;br /&gt;
stetig sich weitenden Horizont der Siege und Triumphe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alten Leuten dieser Gegend hörte der Verfasser wie ein fernes&lt;br /&gt;
Echo Berichte über einen wunderbaren Derwisch, der unter den Dorfbe-&lt;br /&gt;
wohnern gelebt hatte und ihnen ein Engel des Schutzes, der Führung und&lt;br /&gt;
des Erbarmens gewesen war. Solche Gerüchte veranlaßten mich, dieser&lt;br /&gt;
verehrungswürdigen Gestalt nachzuforschen, und da entdeckte ich, daß&lt;br /&gt;
es kein anderer als unser unschätzbarer Ahmad war, dessen Namen heute&lt;br /&gt;
auf der ganzen Welt mit so viel Liebe und Verehrung erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad nahm viele der reisenden Bahä’i-Lehrer, die durch diesen Teil&lt;br /&gt;
Persiens kamen, bei sich auf, bewirtete sie in seinem bescheidenen Heim,&lt;br /&gt;
sprach mit ihnen über Gott und Seinen Glauben und erzählte ihnen von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seinen Erlebnissen mit den vielen anderen Lehrern, die in jenen Tagen&lt;br /&gt;
die Seelen zu neuem Leben erweckten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der rührendsten Vorfälle, von Ahmad selbst berichtet, war der&lt;br /&gt;
folgende: „Eines Tages kam ein Mann, nur notdürftig bekleidet und fast&lt;br /&gt;
barfuß, zur Türe meines Hauses. Er war völlig erschöpft und übermüdet.&lt;br /&gt;
Seine Kleider waren braun und steif von einer Mischung aus Staub und&lt;br /&gt;
Schweiß. Dieser Mann war, wie sich herausstellte, Häji Mirzä Haydar-&lt;br /&gt;
‘Ali®). Ich half ihm sogleich aus seinen Kleidern, wusch sie und breitete&lt;br /&gt;
sie zum Trocknen in der Sonne aus, während er ruhte und auf die Freunde&lt;br /&gt;
wartete, die ihn bei mir treffen wollten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Standhaft in Meiner Liebe“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahre gingen dahin, angefüllt mit ereignisreichen Tagen. Als neue&lt;br /&gt;
Wogen der Verfolgung sich über ganz Persien ausbreiteten, bemühten&lt;br /&gt;
sich die Freunde in ihrer Liebe und Bewunderung für Ahmad, ihn gegen&lt;br /&gt;
lebensgefährliche Angriffe zu schützen. Nach langen Beratungen machten&lt;br /&gt;
sie ihm den Vorschlag, diesen einsamen Winkel des Landes umgehend zu&lt;br /&gt;
verlassen und in eine dichter bevölkerte Gegend zu ziehen. Wohin immer&lt;br /&gt;
sich Ahmad wandte, überall gaben ihm die Freunde denselben Rat. Er&lt;br /&gt;
war weit und breit im Lande so bekannt, daß seine bloße Gegenwart&lt;br /&gt;
unter den fanatischen Moslems Erregung hervorzurufen drohte und ihre&lt;br /&gt;
ersten Angriffe sich gegen Ahmad richten würden. Nachdem er seinen&lt;br /&gt;
Wohnort mehrmals gewechselt hatte, ließ er sich in Tihrän nieder. Er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1151&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1152|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zauderte niemals, noch war er je etwas anderes als eine „Feuerflamme“&lt;br /&gt;
und „der Strom ewigen Lebens“. Nachdem er ein Jahrhundert gelebt und&lt;br /&gt;
sich stets guter Gesundheit erfreut hatte, ging er 1905 in Tihrän in die&lt;br /&gt;
Gegenwart seines Geliebten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahmad hatte zwei Kinder: einen Sohn mit Namen Mirzä Muhammad&lt;br /&gt;
und eine Tochter, Khänum Guhar. Als Ahmads Haus beschlagnahmt&lt;br /&gt;
wurde, verließ Muhammad mit Frau und Kindern die Stadt Käshän und&lt;br /&gt;
ging nach Tihrän. Auf dem Weg dorthin starben er, seine Frau und die&lt;br /&gt;
kleine Tochter. Die Spuren ihrer Gräber — wenn es je welche gab — sind&lt;br /&gt;
für immer verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ihr fünfjähriger Sohn Jamäl überlebte. Maultiertreiber, die Lebens-&lt;br /&gt;
mittel aus den Provinzen nach Teheran brachten und nicht wußten, daß&lt;br /&gt;
Jamäl der Sohn eines Bábi war, hatten Mitleid mit dem verlassenen,&lt;br /&gt;
heimatlosen Kind, setzten es auf eine ihrer Ladungen und brachten es&lt;br /&gt;
nach Tihrän. In dieser großen Hauptstadt wurde das arme Kind ausge-&lt;br /&gt;
setzt, und niemand erzählte ihm je von seinen ruhmreichen Vorfahren,&lt;br /&gt;
noch von dem Glauben, für den seine Familie so viele Leiden und un-&lt;br /&gt;
sagbare Not ertragen hatte, bis seine Tante, Khänum Guhar®?), ebenfalls&lt;br /&gt;
nach Tihrän kam. Als auch Ahmad die Hauptstadt erreichte, erhielt er&lt;br /&gt;
Nachricht über seinen Enkelsohn und gewann ihn sehr lieb. Er nahm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihn unter seine Fittiche, und Jamäl entwickelte sich zu einem wundervollen&lt;br /&gt;
Bahä’i.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende seines Lebens vertraute Ahmad das Original des berühm-&lt;br /&gt;
ten Tablets Jamäl an, der es dann seinerseits in der Reinheit seines Her-&lt;br /&gt;
zens und in seiner Ergebenheit für den Glauben Gottes der Hand der&lt;br /&gt;
Sache, dem Treuhänder des Huqüg, Sohn und Bruder zweier erleuchteter&lt;br /&gt;
Märtyrer, Jinäb-i-Valiyu’lläh Vargä, zum Geschenk machte. Als Jinäb-i-&lt;br /&gt;
Vargqä im Auftrag des Hüters 1953 der Eröffnungsfeier des Hauses der&lt;br /&gt;
Andacht in Wilmette beiwohnte, brachte er das kostbare Tablet als Ge-&lt;br /&gt;
schenk für das Archiv der Bahä’i in den Vereinigten Staaten mit. Nun&lt;br /&gt;
sind die amerikanischen Freunde Treuhänder dieses wunderbaren Got-&lt;br /&gt;
tesgeschenkes für die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Bahä’i News“ (USA), Nr. 432/März 1967 und Nr. 433/April 1967.&lt;br /&gt;
1) „The Dawn-Breakers, Nabil’s Narrative of the Early Days of the Bahä’i Reve-&lt;br /&gt;
, lation“, Wilmette/Ill. 1962, S. 217-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) „Ährenlese aus den Schriften Bahä’u’llähs“, Frankfurt/Main 1961, CXV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) wie 2), CLIII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) wie !), S. 100 u. 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Qur’än 10:25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Oxford/Frankfurt 1954, S. 154 f£.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Eines der Mitglieder dieser Familie trug Shoghi Effendi zusammen mit achtzehn&lt;br /&gt;
anderen frühen Bahä’i als „Apostel Bahä’ullähs“ in eine Ehrenrolle ein, die in&lt;br /&gt;
„The Bahä’f World“, Band III, S. 80, veröffentsicht ist: „Mirzä Mahmud, ein un-&lt;br /&gt;
zähmbarer Geist und eifriger Verteidiger des Glaubens“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s) Häji Mirzä Haydar-‘Ali, einer der bedeutendsten Bahä’f-Lehrer des ersten Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts, war der Empfänger von Bahä’u’llähs Tablet „Worte des Paradieses“&lt;br /&gt;
(vgl. BAHA’I-BRIEFE 10, S. 226 ff.) und wurde von ‘Abdu’l-Bahá mit der Be-&lt;br /&gt;
nennung „der Engel des Berges Karmel“ geehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) Khänum Guhar, die ruhmreiche Tochter Ahmads, war eine sehr aktive Bahä’i.&lt;br /&gt;
Die Geschichte dieser tapferen Frau ist nur in groben Zügen festgehalten wor-&lt;br /&gt;
den, aber es ist sicher, daß es ganz wenige Seelen von solcher Reinheit gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In hohem Alter hörte Khänum Guhar, daß das Töchterchen einer Bahä’fi-Familie&lt;br /&gt;
auf den Tod lag. Sie ging hin und betete am Krankenbett: „Herr, ich habe&lt;br /&gt;
mein Teil am Leben gehabt. Bitte, nimm mich und laß dieses Kind seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eltern.“ In der Nacht darauf starb Khänum Guhar; das kranke Mädchen wurde&lt;br /&gt;
gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1152&lt;br /&gt;
{{page|1153|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=23}}Motivation des Fortschritts&lt;br /&gt;
Über Wesen und Ziele des Bahä’i-Glaubens /&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Bewußtsein orientiert&lt;br /&gt;
sich an quantitativen und qualita-&lt;br /&gt;
tiven Maßstäben. Voraussetzung&lt;br /&gt;
für eine Entwicklung zur Lei-&lt;br /&gt;
stungsfähigkeit ist die weitest-&lt;br /&gt;
mögliche Abstraktion dieser Maß-&lt;br /&gt;
stäbe. In der Abstraktion des&lt;br /&gt;
Quantitativen und ihrer techni-&lt;br /&gt;
schen Anwendung haben wir es&lt;br /&gt;
erstaunlich weit gebracht. Die hö-&lt;br /&gt;
here und höchste Mathematik er-&lt;br /&gt;
laubt uns zum Beispiel, die Flug-&lt;br /&gt;
bahnen der größten Himmelskör-&lt;br /&gt;
per ebenso exakt zu berechnen&lt;br /&gt;
wie die Bewegungen kleinster&lt;br /&gt;
Elektronen und Quanten, und rie-&lt;br /&gt;
sige Elektronengehirne ermitteln&lt;br /&gt;
in Sekundenschnelle, was mensch-&lt;br /&gt;
licher Geist nur in jahrelanger&lt;br /&gt;
Mühe auszurechnen fähig wäre.&lt;br /&gt;
Anders ist es mit der Abstraktion&lt;br /&gt;
des Qualitativen — des Guten,&lt;br /&gt;
Wahren und Schönen, das unse-&lt;br /&gt;
rem Leben Sinn und Ziel verleiht.&lt;br /&gt;
Schon die Tatsache, daß wissen-&lt;br /&gt;
schaftliche Theorien, die sich mit&lt;br /&gt;
dem Menschen, seinen geistigen&lt;br /&gt;
und gesellschaftlichen Ausdrucks-&lt;br /&gt;
weisen befassen, dem Hirnge-&lt;br /&gt;
spinst einer „Wertfreiheit“ nach-&lt;br /&gt;
jagen konnten und zum Teil noch&lt;br /&gt;
können, ist ein ewig gültiger Be-&lt;br /&gt;
weis für das Versagen des abend-&lt;br /&gt;
ländischen Denkens vor den we-&lt;br /&gt;
sentlichsten Fragen menschlicher&lt;br /&gt;
Existenz, ganz zu schweigen von&lt;br /&gt;
den Zusammenballungen parti-&lt;br /&gt;
kularistischer Machtinteressen, die&lt;br /&gt;
durch diesen Mangel an allge-&lt;br /&gt;
meingültigen Wertmaßstäben zu&lt;br /&gt;
einer Bedrohung von planetari-&lt;br /&gt;
schem Ausmaß geworden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem das scholastische Welt-&lt;br /&gt;
bild des Mittelalters auseinander-&lt;br /&gt;
gebrochen ist, war es keiner Insti-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tution möglich, die Spannungen&lt;br /&gt;
und Spaltungen des abendländi-&lt;br /&gt;
schen Bewußtseins zu überwin-&lt;br /&gt;
den. Geist und Materie, Offenba-&lt;br /&gt;
rung und Empirie, Tradition und&lt;br /&gt;
Aufklärung, Religion und Wissen-&lt;br /&gt;
schaft, Ordnung und Freiheit, In-&lt;br /&gt;
dividuum und Gesellschaft sind&lt;br /&gt;
Gegensätze geworden, und alle&lt;br /&gt;
Reformationen, Konzilien und&lt;br /&gt;
Entmythologisierungen konnten&lt;br /&gt;
nichts daran ändern, daß sie es&lt;br /&gt;
geblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kern dieses zentralen Pro-&lt;br /&gt;
blems unserer Existenz liegt dar-&lt;br /&gt;
in, daß wir das von der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft her weitgehend aufgeklärte&lt;br /&gt;
Phänomen der Entwicklung&lt;br /&gt;
alles geistig und sinnlich Wahr-&lt;br /&gt;
nehmbaren in unsere höchsten ge-&lt;br /&gt;
danklichen Bezugssysteme ein-&lt;br /&gt;
schließen müssen. Wir müssen&lt;br /&gt;
noch viel gründlicher als bisher&lt;br /&gt;
damit Schluß machen, die Chiffre&lt;br /&gt;
„Schöpfung“ mythisch-halbbewußt&lt;br /&gt;
als ein Geschehnis zu betrachten,&lt;br /&gt;
das irgendwann vor einigen tau-&lt;br /&gt;
send Jahren durch eine anthro-&lt;br /&gt;
pomorphe Gottheit inszeniert&lt;br /&gt;
wurde und sich über sechs abge-&lt;br /&gt;
schlossene Tage erstreckte. Wir&lt;br /&gt;
müssen uns vor allem von der&lt;br /&gt;
Vorstellung lösen, Gott habe ein-&lt;br /&gt;
malig vor nicht ganz zweitausend&lt;br /&gt;
Jahren seinen eingeborenen Sohn&lt;br /&gt;
auf dieses winzige Staubkorn von&lt;br /&gt;
einem Planeten gesandt, um die&lt;br /&gt;
hier befindliche Menschheit zu er-&lt;br /&gt;
lösen, und damit sei ein für alle-&lt;br /&gt;
mal Schluß mit allen weiteren&lt;br /&gt;
Offenbarungen Gottes, die ja nun&lt;br /&gt;
nicht mehr nötig seien. Wir müs-&lt;br /&gt;
sen uns klar machen, wie absurd&lt;br /&gt;
und heidnisch, wie vor-koperni-&lt;br /&gt;
kanisch das geistige Weltbild ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1153&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1154|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem die Mehrzahl der abend-&lt;br /&gt;
ländischen Wohlstandsbürger heu-&lt;br /&gt;
te dahinvegetiert. Wir müssen ei-&lt;br /&gt;
nen eindeutigen, klaren, philoso-&lt;br /&gt;
phisch vertretbaren Gottesbegriff&lt;br /&gt;
gewinnen, wie er, nebenbei be-&lt;br /&gt;
merkt, im Judentum und im Is-&lt;br /&gt;
lam immer nahezu selbstverständ-&lt;br /&gt;
lich war: Wenn wir von der Exi-&lt;br /&gt;
stenz eines Gottes ausgehen,&lt;br /&gt;
dann ist es nichts weiter als lo-&lt;br /&gt;
gisch und sinnfällig, daß dieser&lt;br /&gt;
Gott das einzig Absolute ist, daß&lt;br /&gt;
alles andere relativ, geschöpflich,&lt;br /&gt;
entwicklungsbedingt ist — auch&lt;br /&gt;
die religiöse Offenbarung. Zwi-&lt;br /&gt;
schen diesem absoluten, unzu-&lt;br /&gt;
gänglichen, unerforschlichen Gott&lt;br /&gt;
und Seinem Offenbarer, Seinem&lt;br /&gt;
„Sohn“, Seiner „Fleischwerdung“,&lt;br /&gt;
bestehen ebenso wichtige begriff-&lt;br /&gt;
liche Unterschiede wie zwischen&lt;br /&gt;
diesem Offenbarer als relativ-ab-&lt;br /&gt;
solutern, weil zeitbedingtem Richt-&lt;br /&gt;
maß und der übrigen Schöpfung,&lt;br /&gt;
deren Krönung der Mensch ist.&lt;br /&gt;
Die Verengung dieser Zusammen-&lt;br /&gt;
hänge im christlichen Dreieinig-&lt;br /&gt;
keitsdogma ist entwicklungsge-&lt;br /&gt;
schichtlich verständlich, zumal die&lt;br /&gt;
Begriffe „Sohn“ und „Vater“, aus&lt;br /&gt;
der menschlichen Perspektive be-&lt;br /&gt;
trachtet, in der gleichen Richtung&lt;br /&gt;
liegen. Aber das fortgeschrittene&lt;br /&gt;
Bewußtsein des heutigen Men-&lt;br /&gt;
schen läßt sich nicht mehr in die-&lt;br /&gt;
ses Denkschema pressen, so wenig&lt;br /&gt;
wie man Hochschulstudenten mit&lt;br /&gt;
denselben didaktischen Methoden&lt;br /&gt;
wie Sextaner unterrichten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem Wort: Wir müßten&lt;br /&gt;
das Prinzip der Wissenschaftlich-&lt;br /&gt;
keit auf das scholastische Den-&lt;br /&gt;
ken anwenden können. Wir brau-&lt;br /&gt;
chen eine Religion, die das Prin-&lt;br /&gt;
zip des Fortschritts, das die Wis-&lt;br /&gt;
senschaft seit über zweihundert&lt;br /&gt;
Jahren beherrscht, mit dem Prin-&lt;br /&gt;
zip des Glaubens in Einklang&lt;br /&gt;
bringt. Wir müßten eine solche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1154&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion erfinden, wenn es sie&lt;br /&gt;
nicht schon gäbe — seit gut 125&lt;br /&gt;
Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von christlicher Seite ist ver-&lt;br /&gt;
sucht worden, die Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
damit abzuwerten, daß sie „nicht&lt;br /&gt;
eine gewachsene neue Religion&lt;br /&gt;
sei, sondern etwas halb Künstli-&lt;br /&gt;
ches, halb Natürliches wie das&lt;br /&gt;
Esperanto!). Das ist ein grund-&lt;br /&gt;
legendes Mißverständnis. Unab-&lt;br /&gt;
hängig davon, daß die Bahd’i sich&lt;br /&gt;
um ein ebenso klares wie einfa-&lt;br /&gt;
ches Weltbild mit wissenschaftli-&lt;br /&gt;
chen Methoden bemühen, umfas-&lt;br /&gt;
sen die 127 Jahre Bahä’i-Geschich-&lt;br /&gt;
te Persönlichkeiten und Gescheh-&lt;br /&gt;
nisse, die an organischem Wachs-&lt;br /&gt;
tum, individueller Ausprägung&lt;br /&gt;
und Symbolkraft den alten Reli-&lt;br /&gt;
gionen in nichts nachstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäa’i-Religion steht zum&lt;br /&gt;
schiitischen Islam, der eine gei-&lt;br /&gt;
stige Erbfolge des Propheten Mu-&lt;br /&gt;
hammad durch seine Nachkom-&lt;br /&gt;
men vertritt, in einem ähnlichen&lt;br /&gt;
Verhältnis wie das Christentum&lt;br /&gt;
zum Judentum. Im Persien des&lt;br /&gt;
frühen 19. Jahrhunderts waren&lt;br /&gt;
die adventistischen Erwartungen,&lt;br /&gt;
die auch im christlichen Raum&lt;br /&gt;
Parallelen hatten, besonders le-&lt;br /&gt;
bendig. So war es nicht verwun-&lt;br /&gt;
derlich, daß 1844 die Erklärung&lt;br /&gt;
des Báb (arab. „das Tor“, 1819—&lt;br /&gt;
1850) in Schiras, der von den&lt;br /&gt;
überkommenen Religionen ver-&lt;br /&gt;
heißene Offenbarer Gottes und&lt;br /&gt;
zugleich der Wegbereiter einer&lt;br /&gt;
noch umfassendereren „Manife-&lt;br /&gt;
station Gottes“ zu sein, im gan-&lt;br /&gt;
zen mittleren Osten ein wahres&lt;br /&gt;
Lauffeuer religiöser Erneuerung&lt;br /&gt;
auslöste, dessen Vehemenz den&lt;br /&gt;
gleichzeitigen politischen Bewe-&lt;br /&gt;
gungen in Westeuropa nicht nach-&lt;br /&gt;
stand, das aber rasch die Reak-&lt;br /&gt;
tion der herrschenden Mächte auf&lt;br /&gt;
sich zog. Der Bab wurde gefan-&lt;br /&gt;
{{page|1155|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en u&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gengesetzt, verbannt und 1850 in&lt;br /&gt;
Täbris hingerichtet. Mehr als&lt;br /&gt;
20000 Seiner Anhänger wurden&lt;br /&gt;
mit so barbarischer Grausamkeit&lt;br /&gt;
hingemordet, daß zahlreiche&lt;br /&gt;
abendländische Schriftsteller, Di-&lt;br /&gt;
plomaten, Reisende und Gelehrte&lt;br /&gt;
voll Entsetzen, Mitgefühl und Be-&lt;br /&gt;
wunderung darüber berichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahäd’u’lidh (arab. „Herrlichkeit&lt;br /&gt;
Gottes“, 1817—1892), dessen Kom-&lt;br /&gt;
men der Báb verkündet hatte,&lt;br /&gt;
war der Sohn eines Staatsmini-&lt;br /&gt;
sters aus altem persischem Hoch-&lt;br /&gt;
adel. Er hatte sich spontan zum&lt;br /&gt;
Báb bekannt, wurde 1852 in Tehe-&lt;br /&gt;
ran gefangengenommen und er-&lt;br /&gt;
lebte in den Verliesen des Schah&lt;br /&gt;
Seine Berufung. 1853 mit Seiner&lt;br /&gt;
Familie nach Baghdad verbannt,&lt;br /&gt;
zog Er sich einige Jahre in die&lt;br /&gt;
Einsamkeit der kurdischen Berge&lt;br /&gt;
zurück, bevor Er im Irak die Re-&lt;br /&gt;
ste der Bábi-Gemeinschaft um&lt;br /&gt;
sich sammelte. In dieser Frühzeit&lt;br /&gt;
Seiner vierzigjährigen Verban-&lt;br /&gt;
nung und Gefangenschaft ver-&lt;br /&gt;
faßte Er zahlreiche religionsphilo-&lt;br /&gt;
sophische und entwicklungspsy-&lt;br /&gt;
chologische Werke. Vor Seiner&lt;br /&gt;
Weiterverbannung aus Baghdad&lt;br /&gt;
erklärte Er sich im April 1863 in&lt;br /&gt;
einem Park bei Baghdad vor zahl-&lt;br /&gt;
reichen Anhängern und Freun-&lt;br /&gt;
den öffentlich als die von allen&lt;br /&gt;
Religionen der Vergangenheit er-&lt;br /&gt;
wartete umfassende Offenbarung&lt;br /&gt;
Gottes in der „Zeit des Endes“,&lt;br /&gt;
die einen neuen Entwicklungsab-&lt;br /&gt;
schnitt in der Menschheitsge-&lt;br /&gt;
schichte, ein Zeitalter des Frie-&lt;br /&gt;
dens und der Einheit, einleiten&lt;br /&gt;
sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt nahe, daß sich&lt;br /&gt;
Bahd’u’llädh mit Seinem Aufruf zur&lt;br /&gt;
Anerkennung und Verwirklichung&lt;br /&gt;
einer organischen Einheit der&lt;br /&gt;
ganzen Menschheit in erster Linie&lt;br /&gt;
an die Könige und Herrscher, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistlichen und weltlichen Wür-&lt;br /&gt;
denträger Seiner Zeit wenden&lt;br /&gt;
mußte. Von Seinen Verbannungs-&lt;br /&gt;
orten Konstantinopel und Adria-&lt;br /&gt;
nopel und von der berüchtigten&lt;br /&gt;
Gefängnisstadt ‘Akka in Palästina&lt;br /&gt;
aus wandte Er sich, nachdem Sei-&lt;br /&gt;
ne Gespräche mit den Würden-&lt;br /&gt;
trägern der Hohen Pforte nichts&lt;br /&gt;
gefruchtet hatten, in zahlreichen&lt;br /&gt;
Appellen an die Herrscher der&lt;br /&gt;
damaligen Zeit, einzeln und ins-&lt;br /&gt;
gesamt. „Ihr seid nur Vasallen,&lt;br /&gt;
o Könige der Erde! Er, der Kö-&lt;br /&gt;
nig der Könige, ist im Gewande&lt;br /&gt;
Seiner wunderbarsten Herrlich-&lt;br /&gt;
keit erschienen... Bei der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit Gottes! Es ist nicht&lt;br /&gt;
Unser Wunsch, Hand an eure Kö-&lt;br /&gt;
nigreiche zu legen. Unsere Be-&lt;br /&gt;
stimmung ist, die Herzen der&lt;br /&gt;
Menschen zu ergreifen und zu be-&lt;br /&gt;
sitzen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’liahs Aufrufe zu politi-&lt;br /&gt;
scher Mäßigung, zur Überwin-&lt;br /&gt;
dung imperialistischer Machtpoli-&lt;br /&gt;
tik und partikularistischer Eigen-&lt;br /&gt;
interessen, zur Verminderung der&lt;br /&gt;
Rüstungen, zur Vertiefung der&lt;br /&gt;
Prinzipien der Beratung und der&lt;br /&gt;
kollektiven Führung, zur Einbe-&lt;br /&gt;
rufung einer weltweiten verfas-&lt;br /&gt;
sunggebenden Versammlung sind&lt;br /&gt;
nicht die wohlgemeinten Rat-&lt;br /&gt;
schläge eines weltfremden Philo-&lt;br /&gt;
sophen, der aus einem finsteren&lt;br /&gt;
Winkel Asiens anmaßende Briefe&lt;br /&gt;
an die Prominenten seiner Zeit&lt;br /&gt;
verschickte. Sie sind, wie Er ein&lt;br /&gt;
Menschenalter lang in flammen-&lt;br /&gt;
den Worten betonte, das „Jüngste&lt;br /&gt;
Gericht“ über ein sterbendes Zeit-&lt;br /&gt;
alter, die Einleitung eines neuen&lt;br /&gt;
Entwicklungsabschnitts der&lt;br /&gt;
Menschheitsgeschichte. Die stür-&lt;br /&gt;
mische Entfaltung der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft und der Technik in den&lt;br /&gt;
letzten 250 Jahren kommt nicht&lt;br /&gt;
von ungefähr. Baha’u’lläh ist der&lt;br /&gt;
einzige, der eine umfassende kos-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1155&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1156|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mologische Erklärung dafür gibt,&lt;br /&gt;
was z. B. der große russische&lt;br /&gt;
Dichter und Orientalist Leo Tol-&lt;br /&gt;
stoi 1908 würdigte, wenn er&lt;br /&gt;
schrieb, Baha’u’lläh bringe „den&lt;br /&gt;
Schlüssel zum Geheimnis des Uni-&lt;br /&gt;
versums“ und „die höchste und&lt;br /&gt;
reinste Form religiöser Lehre“.&lt;br /&gt;
Der äußerliche Fortschritt schafft&lt;br /&gt;
die materiellen Voraussetzungen&lt;br /&gt;
dafür, daß die Menschheit ihren&lt;br /&gt;
Zustand der Reife erreicht. Die&lt;br /&gt;
geistigen Grundlagen dieses Reife-&lt;br /&gt;
zustands sind in den Lehren&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs gegeben. Sie müssen&lt;br /&gt;
und werden verwirklicht werden&lt;br /&gt;
— entweder durch die Einsicht in&lt;br /&gt;
den Willen Gottes, den Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
neu präzisiert hat, oder durch ein&lt;br /&gt;
immer dichteres Netz von Kon-&lt;br /&gt;
flikten, Krisen, Katastrophen und&lt;br /&gt;
Kriegen, das der Menschheit&lt;br /&gt;
schließlich keinen anderen Aus-&lt;br /&gt;
weg mehr läßt. Es ist wie mit dem&lt;br /&gt;
Kind, das entweder auf den Rat&lt;br /&gt;
seines liebevollen Vaters hört und&lt;br /&gt;
die Finger vom Ofen läßt oder&lt;br /&gt;
erst durch leidvolle Erfahrung&lt;br /&gt;
klug wird, nachdem es sich ge-&lt;br /&gt;
brannt hat. „Wir haben euch eine&lt;br /&gt;
Zeit bestimmt, o Menschen!“ ruft&lt;br /&gt;
Bahä’u’lldh aus. „Wenn ihr ver-&lt;br /&gt;
säumt, euch zur festgesetzten&lt;br /&gt;
Stunde Gott zuzuwenden, wird Er&lt;br /&gt;
wahrlich gewaltig Hand an euch&lt;br /&gt;
legen und euch mit schmerzlicher&lt;br /&gt;
Trübsal von allen Seiten bedek-&lt;br /&gt;
ken. Wahrlich, streng ist die Züch-&lt;br /&gt;
tigung, mit der euch euer Herr&lt;br /&gt;
dann heimsuchen wird!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Zeitgeschichte ge-&lt;br /&gt;
winnt vor diesem Hintergrund ein&lt;br /&gt;
neues Gesicht. Daß jenes halbe&lt;br /&gt;
Dutzend Herrscherpersönlichkei-&lt;br /&gt;
ten, das von Bahä’u’lläh vor hun-&lt;br /&gt;
dert Jahren im besonderen ange-&lt;br /&gt;
sprochen wurde — Schah Nasred-&lt;br /&gt;
din von Persien, Sultan ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Aziz in der Türkei, Zar Alexan-&lt;br /&gt;
der II. von Rußland, Napoleon III.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1156&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Frankreich, Kaiser Franz Jo-&lt;br /&gt;
seph von Österreich-Ungarn, Kai-&lt;br /&gt;
ser Wilhelm I. von Deutschland,&lt;br /&gt;
Papst Pius IX. und Königin Vik-&lt;br /&gt;
toria von England — diesen&lt;br /&gt;
machtvollen Ruf fast völlig un-&lt;br /&gt;
beachtet ließ, wäre vielleicht ver-&lt;br /&gt;
ständlich gewesen, wenn die Of-&lt;br /&gt;
fenbarung Bahaä’u’llahs sozusagen&lt;br /&gt;
aus heiterem Himmel, ohne jede&lt;br /&gt;
Vorgeschichte aufgetreten wäre.&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von den adventi-&lt;br /&gt;
stischen Erwartungen, die in der&lt;br /&gt;
Romantik das ganze Abendland&lt;br /&gt;
durchbebt hatten, war die Sen-&lt;br /&gt;
dung Bahä’u’llähs durch die Of-&lt;br /&gt;
fenbarung des Báb vorangekün-&lt;br /&gt;
digt worden — nicht nur durch&lt;br /&gt;
eine Fülle von Büchern und&lt;br /&gt;
Schriften, sondern auch durch&lt;br /&gt;
eine Volksbewegung, die den mitt-&lt;br /&gt;
leren Osten in Atem hielt und&lt;br /&gt;
sich in zahlreichen Berichten, Auf-&lt;br /&gt;
sätzen und diplomatischen Dos-&lt;br /&gt;
siers der übrigen Welt niederge-&lt;br /&gt;
schlagen hatte. Bei einigem&lt;br /&gt;
Scharfblick hätten die Empfänger&lt;br /&gt;
jener Sendschreiben die Trag-&lt;br /&gt;
weite und die göttliche Vernunft&lt;br /&gt;
erkennen müssen, die aus diesen&lt;br /&gt;
Botschaften sprachen. Gerade die&lt;br /&gt;
Zeit um 1870 war eine Stern-&lt;br /&gt;
stunde in der politischen, wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen und geistigen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung des Abendlandes. Wä-&lt;br /&gt;
ren damals die Weichen anders&lt;br /&gt;
gestellt worden — in die Richtung&lt;br /&gt;
eines religiös motivierten Uni-&lt;br /&gt;
versalismus statt auf das Abstell-&lt;br /&gt;
gleis der Anti-Ideologien — die&lt;br /&gt;
Welt sähe heute anders aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenig die fortschrittlich-&lt;br /&gt;
sten Äußerungen des Establish-&lt;br /&gt;
ments an die umfassende Konzep-&lt;br /&gt;
tion Bahaä’wllähs heranreichen,&lt;br /&gt;
kann und soll jeder durch einfa-&lt;br /&gt;
che Textvergleiche selbst feststel-&lt;br /&gt;
len. Auch die Päpste lieben es&lt;br /&gt;
zum Beispiel, die menschliche Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft mit einem Organismus&lt;br /&gt;
{{page|1157|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=27}}zu vergleichen, aber selbst die&lt;br /&gt;
neuesten Enzykliken führen diese&lt;br /&gt;
Analogie nicht weiter als bis zum&lt;br /&gt;
Organismus eines Nationalstaats&lt;br /&gt;
und zur „Völkerfamilie“. Demge-&lt;br /&gt;
genüber Bahä’u’lläh vor hundert&lt;br /&gt;
Jahren in Seinem Appell an die&lt;br /&gt;
Parlamentarier aller Länder, der&lt;br /&gt;
dem Sendschreiben an Königin&lt;br /&gt;
Viktoria eingegliedert ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Betrachtet die Welt wie einen&lt;br /&gt;
menschlichen Körper. Obwohl er&lt;br /&gt;
bei seiner Erschaffung gesund und&lt;br /&gt;
vollkommen war, ist er aus ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Ursachen von schwe-&lt;br /&gt;
ren Störungen und Krankheiten&lt;br /&gt;
befallen worden. Keinen einzigen&lt;br /&gt;
Tag lang wurde ihm Linderung&lt;br /&gt;
zuteil, nein, im Gegenteil, sein&lt;br /&gt;
Übel verschlimmerte sich, weil er&lt;br /&gt;
in die Behandlung unwissender&lt;br /&gt;
Ärzte fiel, die ihren persönlichen&lt;br /&gt;
Wünschen nachgaben und sich&lt;br /&gt;
schmählich irrten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Herr als höchstes Mit-&lt;br /&gt;
tel und mächtigstes Werkzeug für&lt;br /&gt;
die Heilung der ganzen Welt be-&lt;br /&gt;
stimmt hat, ist die Vereinigung&lt;br /&gt;
aller ihrer Völker in einer allum-&lt;br /&gt;
fassenden Sache, einem gemein-&lt;br /&gt;
samen Glauben. Dies kann nicht&lt;br /&gt;
anders erreicht werden als durch&lt;br /&gt;
die Kraft eines erfahrenen, all-&lt;br /&gt;
gewaltigen und erleuchteten Arz-&lt;br /&gt;
tes. Wahrlich, das ist die Wahr-&lt;br /&gt;
heit und alles andere nichts als&lt;br /&gt;
Irrtum.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Frage, wie man den&lt;br /&gt;
wahren Propheten von einem fal-&lt;br /&gt;
schen unterscheiden könne, sagte&lt;br /&gt;
Jesus Christus: „An ihren Früch-&lt;br /&gt;
ten sollt ihr sie erkennen.“ Die&lt;br /&gt;
Bahäd’i wissen, daß die Geschichte&lt;br /&gt;
ihres Glaubens keine faule Frucht&lt;br /&gt;
ist. Es gibt in der Religionsge-&lt;br /&gt;
schichte keine zweite Gemein-&lt;br /&gt;
schaft, die 127 Jahre nach ihrer&lt;br /&gt;
Begründung ein solches Maß an&lt;br /&gt;
organischer Einheit, dynamischer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktivität und praktischer Welt-&lt;br /&gt;
offenheit aufgewiesen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Er bei den Herrschern&lt;br /&gt;
Seiner Zeit kein nachhaltiges Echo&lt;br /&gt;
gefunden hatte, wandte sich&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh verstärkt dem Aufbau&lt;br /&gt;
Seiner Gemeinschaft zu. Mit Sei-&lt;br /&gt;
nem „Buch der Gesetze“ über-&lt;br /&gt;
wand Er die starren Formen der&lt;br /&gt;
überkommenen Religionen, insbe-&lt;br /&gt;
sondere der islamischen Scharia.&lt;br /&gt;
Er legte die Prinzipien der un-&lt;br /&gt;
verbrüchlichen Loyalität gegen-&lt;br /&gt;
über den Staatsgewalten, der&lt;br /&gt;
Nichteinmischung in die Tages-&lt;br /&gt;
politik und der Gewaltlosigkeit&lt;br /&gt;
bei der Verbreitung Seiner Leh-&lt;br /&gt;
ren fest — Prinzipien, die Hun-&lt;br /&gt;
derte von weiteren Märtyrern im&lt;br /&gt;
Mittleren Osten mit ihrem Blut&lt;br /&gt;
besiegelt haben. Und Er setzte&lt;br /&gt;
Seinen Sohn ‘Abdw’l-Baha (arab.&lt;br /&gt;
„Diener der Herrlichkeit“, 1844—&lt;br /&gt;
1921) vor Seinem Tod als Seinen&lt;br /&gt;
Nachfolger und als bevollmäch-&lt;br /&gt;
tigten Ausleger Seiner Lehren&lt;br /&gt;
ein. Erst 1908 durch die Jung-&lt;br /&gt;
türkische Revolution aus der Ge-&lt;br /&gt;
fangenschaft befreit, unternahm&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Baha vor dem Ersten&lt;br /&gt;
Weltkrieg Reisen nach Europa und&lt;br /&gt;
Amerika, in deren Verlauf Er die&lt;br /&gt;
Lehren Seines Vaters einem brei-&lt;br /&gt;
ten Publikum darlegte und vor&lt;br /&gt;
den drohenden Katastrophen&lt;br /&gt;
warnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Seinem Willen und Testa-&lt;br /&gt;
ment hinterließ ‘Abdu’l-Bahá die&lt;br /&gt;
Charta einer Gemeinschaftsord-&lt;br /&gt;
nung, die die bewährtesten Prin-&lt;br /&gt;
zipien der Demokratie mit einem&lt;br /&gt;
tiefempfundenen Verantwortungs-&lt;br /&gt;
bewußtsein vor Gott und der Zu-&lt;br /&gt;
kunft der Menschheit vereinigt.&lt;br /&gt;
Sie wurde von den Bahä’i unter&lt;br /&gt;
Führung des als „Hüter des Glau-&lt;br /&gt;
bens“ eingesetzten Enkels ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs, Shoghi Effendi (1896—&lt;br /&gt;
1957), systematisch zum Modell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1157&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1158|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer künftigen Weltordnung aus-&lt;br /&gt;
gebaut. Am hundertsten Jahrestag&lt;br /&gt;
der Erklärung Bahä’w’lldhs wurde&lt;br /&gt;
1963 das Universale Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit als international lei-&lt;br /&gt;
tende Körperschaft des Bahü’i-&lt;br /&gt;
Glaubens gewählt — die erste aus&lt;br /&gt;
einer weltweiten allgemeinen&lt;br /&gt;
Wahl hervorgegangene Legisla-&lt;br /&gt;
tive.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Institutionen Bahd’u’llähs&lt;br /&gt;
sind darauf angelegt, den sozia-&lt;br /&gt;
len Rahmen für die Selbstver-&lt;br /&gt;
wirklichung geistig freier, nur an&lt;br /&gt;
den geoffenbarten Willen Gottes&lt;br /&gt;
gebundener Menschen zu schaffen.&lt;br /&gt;
Askese, Mönchtum und Priester-&lt;br /&gt;
tum gibt es nicht mehr; denn je-&lt;br /&gt;
der ist verpflichtet, selbständig&lt;br /&gt;
nach der Wahrheit zu forschen&lt;br /&gt;
und gemeinschaftsbezogen zu&lt;br /&gt;
handeln, durch nichts anderes be-&lt;br /&gt;
einflußt als durch die bestmög-&lt;br /&gt;
liche Erziehung, die zur vornehm-&lt;br /&gt;
sten Öffentlichen Aufgabe erklärt&lt;br /&gt;
wird. Ein neuer Kalender sieht 19&lt;br /&gt;
Monate zu je 19 Tage vor; das&lt;br /&gt;
Jahr beginnt mit dem Frühlings-&lt;br /&gt;
anfang am 21. März. Alle 19 Tage&lt;br /&gt;
kommt die örtliche Bahd’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde zu einem Fest zusammen,&lt;br /&gt;
dessen drei Teile der Andacht, der&lt;br /&gt;
Beratung von Gemeinschaftsan-&lt;br /&gt;
gelegenheiten und der Gesellig-&lt;br /&gt;
keit gewidmet sind. Auf dieser&lt;br /&gt;
Grundlage ist es jedem Gemeinde-&lt;br /&gt;
mitglied möglich, sich ein Urteil&lt;br /&gt;
darüber zu bilden, welche neun&lt;br /&gt;
Gläubigen am besten für die Mit-&lt;br /&gt;
gliedschaft im örtlichen Geistigen&lt;br /&gt;
Rat geeignet sind. Ohne Kandi-&lt;br /&gt;
datur wird dieser Rat alljährlich&lt;br /&gt;
in allgemeiner, gleicher und ge-&lt;br /&gt;
heimer Wahl gebildet. Er be-&lt;br /&gt;
schließt über alle Fragen und Un-&lt;br /&gt;
ternehmungen der Gemeinde,&lt;br /&gt;
notfalls mit Stimmenmehrheit, be-&lt;br /&gt;
richtet über seine Beschlüsse der&lt;br /&gt;
Gemeinde und nimmt deren An-&lt;br /&gt;
regungen entgegen, ist aber nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1158&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gemeinde, sondern allein Gott&lt;br /&gt;
für seine Entscheidungen verant-&lt;br /&gt;
wortlich. Nach denselben Prin-&lt;br /&gt;
zipien werden Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Räte und das Universale Haus der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit gebildet und ge-&lt;br /&gt;
führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Einrichtung sui generis ist&lt;br /&gt;
der Mashriqu’l-Adhkär (arab.&lt;br /&gt;
„Aufgangsort der Anbetung&lt;br /&gt;
Gottes“), in dessen Mittelpunkt&lt;br /&gt;
das Haus der Andacht steht.&lt;br /&gt;
Bahäd’u’lläh hat dafür vorgeschrie-&lt;br /&gt;
ben, es müsse ein Kuppelbau mit&lt;br /&gt;
neun Seiten, Toren und Gärten&lt;br /&gt;
sein, der den Anhängern aller&lt;br /&gt;
Glaubensrichtungen offensteht; es&lt;br /&gt;
dürfe darin nur die menschliche&lt;br /&gt;
Stimme ohne instrumentale Be-&lt;br /&gt;
gleitung erklingen, und nur das&lt;br /&gt;
Wort Gottes nach den heiligen&lt;br /&gt;
Büchern aller Hochreligionen&lt;br /&gt;
dürfe gelesen oder gesungen wer-&lt;br /&gt;
den. Bis jetzt wurden fünf Häu-&lt;br /&gt;
ser der Andacht in jedem Erdteil&lt;br /&gt;
errichtet. Das erste europäische&lt;br /&gt;
Bahä’t-Haus der Andacht steht in&lt;br /&gt;
Langenhain über Hofheim im&lt;br /&gt;
Taunus; Öffentliche Andachten&lt;br /&gt;
finden zur Zeit jeden Sonntag um&lt;br /&gt;
15 Uhr statt. Später werden diese&lt;br /&gt;
Andachtshäuser von humanitären&lt;br /&gt;
Einrichtungen aller Art — Schu-&lt;br /&gt;
len, Krankenhäuser, Altersheime&lt;br /&gt;
usw. — umgeben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Weltgemeinschaft ist&lt;br /&gt;
heute in fast allen Ländern ver-&lt;br /&gt;
breitet und nimmt besonders in&lt;br /&gt;
den Entwicklungsländern einen&lt;br /&gt;
raschen Aufschwung. Die Hun-&lt;br /&gt;
dertjahrfeier der Verkündigung&lt;br /&gt;
Baha’u’llähs an die Könige und&lt;br /&gt;
Herrscher der Welt wurde zum&lt;br /&gt;
Anlaß genommen, die Öffentlich-&lt;br /&gt;
keit auf die Tragweite Seiner&lt;br /&gt;
Sendung eindringlich hinzuweisen.&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit hat die wichtigsten Send-&lt;br /&gt;
schreiben Bahä’u’lldhs in einem&lt;br /&gt;
{{page|1159|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=29}}Buch zusammengefaßt, das in den&lt;br /&gt;
letzten Monaten 140 Staatsober-&lt;br /&gt;
häupter in aller Welt überreicht&lt;br /&gt;
wurde. Im Vorwort dieses Bu-&lt;br /&gt;
ches heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs Botschaft ist eine&lt;br /&gt;
Botschaft der Hoffnung, der Liebe&lt;br /&gt;
und der praktischen Erneuerung.&lt;br /&gt;
Heute ernten wir die erschrecken-&lt;br /&gt;
den Ergebnisse der Zurückwei-&lt;br /&gt;
sung Seines göttlichen ZRufes&lt;br /&gt;
durch unsere Vorfahren. Doch gibt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus dem Gefühl einer heiligen&lt;br /&gt;
Verpflichtung heraus verkündet&lt;br /&gt;
das Universale Haus der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit... erneut den Geist dieses&lt;br /&gt;
mächtigen Rufes von vor einhun-&lt;br /&gt;
dert Jahren. Mit derselben Hoff-&lt;br /&gt;
nung und Überzeugung werden&lt;br /&gt;
die Bahä’i in der ganzen Welt&lt;br /&gt;
während dieser Periode der&lt;br /&gt;
Jahrhundertfeier ihr Äußerstes&lt;br /&gt;
tun, um die erlösende Tatsache&lt;br /&gt;
dieser erneuten Ausgießung gött-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es heute andere Herrscher und&lt;br /&gt;
Menschen, die vielleicht hören und&lt;br /&gt;
die Schwere der drohenden Kata-&lt;br /&gt;
strophe aufheben oder mildern&lt;br /&gt;
können. Aus dieser Hoffnung und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
licher Führung und Liebe dem&lt;br /&gt;
Bewußtsein ihrer Mitmenschen&lt;br /&gt;
nahezubringen. Wir sind über-&lt;br /&gt;
zeugt, daß ihre Mühe nicht ver-&lt;br /&gt;
geblich sein wird.“ 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ı) Kurt Hutten, „Seher, Grübler, Enthusiasten“, Stuttgart 1962. S. 282.&lt;br /&gt;
2) „Die Verkündigung Bahä’u’llähs“, Frankfurt/Main 1967, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarung: Motor der Kulturgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Geschichte lehrt / von Gerhard Bender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Vogelsberg und Rhön, in der gastlichen Mühle von&lt;br /&gt;
Oberkalbach, traf sich an Ostern 1970 eine Handvoll Baha’i zu&lt;br /&gt;
einem Lehrseminar, das in mehrtägigen Kursen zahlreiche Aspekte&lt;br /&gt;
der Lehraussagen und Lehrmethodik Baha’ullähs erarbeitete. Das&lt;br /&gt;
zentrale Prinzip der fortschreitenden Gottesoffenbarung im Gang&lt;br /&gt;
der Weltgeschichte, das eigentlich Neue in der Bahä’i-Religion,&lt;br /&gt;
stand im Mittelpunkt der Überlegungen eines Arbeitskreises, der&lt;br /&gt;
von Gerhard Bender geleitet wurde. Das nachfolgende Arbeits-&lt;br /&gt;
papier ist das Ergebnis dieser Aussprache. Die Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Trennung von Staat und Kirche“ ist ein politisches Prinzip, das seit&lt;br /&gt;
den Tagen der Aufklärung bis heute zur Selbstverständlichkeit geworden&lt;br /&gt;
ist. Wir könnten uns das Leben nicht mehr anders vorstellen. Dieses&lt;br /&gt;
Prinzip hat aber auch die Religion ganz unmerklich aus dem praktischen&lt;br /&gt;
Leben verdrängt und zu einer Angelegenheit des Sonntagvormittags ge-&lt;br /&gt;
stempelt. So hat Bertrand Russell, der scharfsinnige Kritiker der christ-&lt;br /&gt;
lichen Kirchen und Atheist par excellence, behauptet, Religion habe&lt;br /&gt;
noch nie die Kultur gefördert. Diese Behauptung Russells steht im&lt;br /&gt;
Widerspruch zu Bahä’u’llähs Lehre von der fortschreitenden Gottesoffen-&lt;br /&gt;
barung und zur Aussage ‘Abdu’l-Bahás, die Manifestation Gottes sei der&lt;br /&gt;
Erzieher der Menschheit. Wir müßten folglich Menschen, die wie Russell&lt;br /&gt;
denken — und deren gibt es nicht wenige —, das Gegenteil beweisen&lt;br /&gt;
können. Dies möchte ich hier versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1159&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1160|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst müssen wir uns klar darüber sein, daß der moderne Mensch.&lt;br /&gt;
sofern er kein religiöser Mensch ist, alle Berichte der „Heiligen Schriften“,&lt;br /&gt;
also der Bibel, des Qur’än, der Zend Avesta usw., nicht als historische&lt;br /&gt;
Wahrheit anerkennt. Geschichte im wissenschaftlichen Sinne ist also nur&lt;br /&gt;
das, was durch Ausgrabungen und Funde oder schriftlich überlieferte&lt;br /&gt;
Berichte einwandfrei nachzuweisen ist. Während wir z. B. einen Bericht&lt;br /&gt;
wie die „Hochzeit von Kana“ (Johannes 2, V. 1—11) wissenschaftlich in&lt;br /&gt;
den Bereich der Legende oder der Symbolik verweisen müssen, kann an&lt;br /&gt;
der Existenz Jesu Christi nicht gezweifelt werden, da die Volkszählung&lt;br /&gt;
zur Zeit der Geburt Jesu unter Kaiser Augustus sowie die Kreuzigung&lt;br /&gt;
durch Pontius Pilatus aus römischen Quellen nachweisbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Offenbarer oder Manifestationen Gottes bezeichnet Bahä’u’lläh die&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten, die von Gott dazu berufen waren und sind, den Men-&lt;br /&gt;
schen das Wort Gottes und Seine Gebote weiterzugeben, also eine&lt;br /&gt;
Religion zu begründen. Dies sind im westlich-mittelmeerischen&lt;br /&gt;
Kulturkreis, auf den wir uns hier beschränken wollen: Adam, Henoch,&lt;br /&gt;
Noah, Abraham, Joseph, Moses, Zarathustra, Jesus Christus, Muhammad,&lt;br /&gt;
der Báb und Bahä’u’lläh. Welches sind nun die geschichtlichen Tatsachen,&lt;br /&gt;
die ihr Wirken beweisen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die symbolträchtigen Geschichten der Schöpfung, von Adam und Eva,&lt;br /&gt;
Kain und Abel wie auch die Sintflut, Noahs Arche und seine wunderbare&lt;br /&gt;
Rettung müssen wissenschaftlich in den Bereich der Legende oder des&lt;br /&gt;
Mythos verwiesen werden. Bei den alten Babyloniern finden wir einen&lt;br /&gt;
Flutmythos, der teilweise fast wörtlich dem biblischen Bericht gleicht.&lt;br /&gt;
Auch in Melanesien, in China, auf Formosa sowie bei amerikanischen&lt;br /&gt;
Indianerstämmen finden wir ähnliche Flutmythen. Daß Muhammad im&lt;br /&gt;
Qur’än (Sure 71) Noah erwähnt, daß Bahä’u’lläh und ‘Abdu’l-Bahá Ihn&lt;br /&gt;
bestätigen, ist einem Wissenschaftler kein Beweis für die Glaubwürdig-&lt;br /&gt;
keit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich ist es mit Henoch. Sein Leben, die Zeit Seines Wirkens,&lt;br /&gt;
sind uns unbekannt. Um 1890 aber hat man Schriften von Ihm gefunden.&lt;br /&gt;
somit ist Henoch geschichtlich beweisbare Persönlichkeit. Muhammad&lt;br /&gt;
erwähnt in Sure 2, V. 59 die Sabier (= Sabäer) und zählt sie zu den&lt;br /&gt;
Schriftbesitzern. Man nimmt an, daß Henoch der Offenbarer der altmeso-&lt;br /&gt;
potamischen Religion ist, also der Kulturen der Sumerer, Akkadier und&lt;br /&gt;
Chaldäer, die zu den ältesten im westlich-mittelmeerischen Kulturkreis&lt;br /&gt;
gezählt werden. Genaueres aber ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham trat um 2000 v. Chr. auf. Bei den Chaldäern erschien Er&lt;br /&gt;
und verkündete den Glauben an einen Gott. Da man in Seiner&lt;br /&gt;
Heimat an viele Götter glaubte, mußte Abraham außer Landes ziehen&lt;br /&gt;
und ließ sich in Kanaan, dem „Heiligen Lande“, nieder. Der berühmte&lt;br /&gt;
„Kodex des Hammurabi“, Königs von Babylon um 1750 v. Chr., das&lt;br /&gt;
älteste Gesetzeswerk, das schriftlich erhalten ist und manche Ähnlich-&lt;br /&gt;
keiten mit dem mosaischen Gesetz aufweist, wird auf den Einfluß Ab-&lt;br /&gt;
rahams zurückgeführt. Doch ist, streng geschichtlich gesehen, auch dies&lt;br /&gt;
nicht zu beweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joseph, der Sohn Jakobs, wurde von Seinen Brüdern ebenfalls ab-&lt;br /&gt;
gelehnt und mußte fliehen. Auf wundersame Weise kam er nach Ägypten,&lt;br /&gt;
wo Er den Posten eines leitenden Ministers innehatte und segensreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1160&lt;br /&gt;
{{page|1161|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=31}}für das Land wirkte. Er veranlaßte auch die Umsiedlung Seiner Lands-&lt;br /&gt;
leute nach Ägypten, was aber nach Josephs Tod einer Sklaverei gleich-&lt;br /&gt;
kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch klarer ist schon das Bild des Moses. Bewiesen ist, daß Er&lt;br /&gt;
am Hofe des Pharao erzogen wurde, also im Vergleich zu Seinen ver-&lt;br /&gt;
sklavten Landsleuten eine hervorragende Erziehung genoß und politisch&lt;br /&gt;
geschult war. Geschichtliche Tatsache ist auch der Auszug der Israeliten&lt;br /&gt;
aus Ägypten, ihr längerer Aufenthalt auf der Halbinsel Sinai und die&lt;br /&gt;
schließliche Eroberung des Landes Kanaan. Eine unleugbare Tatsache ist&lt;br /&gt;
ferner das Gesetzeswerk Mosis am Berge Sinai. Dieses Gesetzbuch ist&lt;br /&gt;
vom Offenbarer selbst verfaßt, und dies, wie wir als religiöse Menschen&lt;br /&gt;
glauben, in göttlichem Auftrag, von Gott inspiriert. In strengen Gesetzen&lt;br /&gt;
wird auf Monotheismus — Gott hat nicht einmal einen Namen und darf&lt;br /&gt;
nicht abgebildet werden —, keusches Leben, Nächstenliebe und Einhalten&lt;br /&gt;
genau festgelegter Riten geachtet. Wer nicht gehorcht, wird sofort be-&lt;br /&gt;
straft: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, auf vielen Vergehen liegt die&lt;br /&gt;
Todesstrafe durch Steinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese mosaische Religion spornte das kleine Volk zu militärischen Lei-&lt;br /&gt;
stungen, zu politischer Macht und einer hohen Kultur an. Die Blüte des&lt;br /&gt;
Staates Israel war um 1000 v. Chr. unter den Königen David und Salomo.&lt;br /&gt;
Kraft seiner Religion konnte sich das kleine Völkchen rund 1400 Jahre&lt;br /&gt;
lang trotz vieler Rückschläge zwischen den rivalisierenden Großmächten&lt;br /&gt;
sowohl politisch als kulturell in verhältnismäßiger Selbständigkeit halten.&lt;br /&gt;
Selbst die Zerstreuung der Juden in alle Welt — veranlaßt religiös durch&lt;br /&gt;
ihre Ablehnung Jesu, politisch durch die Eroberung Jerusalems unter&lt;br /&gt;
Titus nach einem Aufstand — konnte dieses Volk nicht auslöschen. So stark&lt;br /&gt;
wirkte die Religion in diesen Menschen und treibt sie im heutigen Staat&lt;br /&gt;
Israel aufs neue zu hohen Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitlich nach Moses folgt der altpersische Prophet Zarathustra.&lt;br /&gt;
Von seinem Lebenslauf wissen wir nichts Sicheres. Nicht einmal die&lt;br /&gt;
Daten seines Lebens sind bekannt, die Schätzungen liegen zwischen 1000&lt;br /&gt;
und 600 v. Chr.; jeder Forscher hält eine andere Zeit für wahrscheinlich.&lt;br /&gt;
Legendär sind Sein Lebenslauf, Seine Berufung zum Propheten, die Be-&lt;br /&gt;
kehrung des Königs Wischtaspa, der dann die Religion durchsetzte, und&lt;br /&gt;
der Märtyrertod des Propheten. Bekannt aber sind die Zend Avesta, die&lt;br /&gt;
Heilige Schrift Zarathustras, und die Tatsache, daß die von Ihm gestif-&lt;br /&gt;
tete Religion Sein Volk, das bis dahin völlig unbekannte und politisch&lt;br /&gt;
bedeutungslose Hirtenvolk der Perser, zur Kulturnation und Weltmacht&lt;br /&gt;
erhob. Obwohl griechische Berichte die persischen Erzfeinde oft genug&lt;br /&gt;
lächerlich machen, ist der hohe Stand dieser Kultur nicht zu leugnen.&lt;br /&gt;
Bekannt ist die hervorragende Nachrichtenübermittlung durch Reiter-&lt;br /&gt;
staffetten auf wohlausgebauten Straßen, weiter kennen wir viele Bild-&lt;br /&gt;
werke an Ruinen, besonders denen von Persepolis, und die Tafeln des&lt;br /&gt;
Königs Darius I. Daß die Eroberung des Perserreichs durch Alexander&lt;br /&gt;
den Großen eine Vereinigung der griechischen und persischen Kulturen&lt;br /&gt;
auslöste, die zum Hellenismus führte, jahrhundertelangen Bestand hatte&lt;br /&gt;
und in die byzantinisch-christliche ebenso wie in die islamische Kultur&lt;br /&gt;
hineinwirkte, beweist den hohen Stand dieser Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1161&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1162|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Perserreich der Achämeniden bestand von seinem Gründer, König&lt;br /&gt;
Kyros (559—525) an bis zur Eroberung durch Alexander. Schon um 200&lt;br /&gt;
v. Chr. bildet sich ein neupersisches Reich unter den Sassaniden, das&lt;br /&gt;
sich gegen die Römer halten konnte und erst nach der Eroberung durch&lt;br /&gt;
die Moslem unterging. In beiden Perserreichen war die Religion Zara-&lt;br /&gt;
thustras Staatsreligion. Nur eine kleine Gruppe von Zoroastrern zog vor&lt;br /&gt;
den Moslems nach Indien und siedelte sich um Bombay an; ihre Nach-&lt;br /&gt;
kommen leben, als Parsen (Perser) bezeichnet, dort noch heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesen kulturellen und politischen Leistungen beeindruckt bei&lt;br /&gt;
Zarathustra „eine Religiosität von solcher Reinheit und Größe der Seele&lt;br /&gt;
und des Geistes, daß sie auch heute noch nicht in ihrer ganzen Tiefe&lt;br /&gt;
und Bedeutung erfaßt ist“ (P. Eberhard in „Religionskunde“, 1920). Ahura&lt;br /&gt;
Mazda, vorher höchster vieler Naturgötter, wird einziger Gott, der in&lt;br /&gt;
Ahriman, dem Teufel, einen Gegenspieler hat. Zarathustra ruft die&lt;br /&gt;
Menschen auf, durch gute Taten dem Ahura Mazda zu helfen, denn böse&lt;br /&gt;
Taten helfen dem Ahriman. Er legt größten Wert auf Wahrheitsliebe und&lt;br /&gt;
Aufrichtigkeit. Den Lohn für gute und die Strafe für böse Taten erhält&lt;br /&gt;
man erst im Jenseits, wo die Bösen in einer Art Fegefeuer geläutert&lt;br /&gt;
werden, bis der Saoschyant, der Weltheiland, kommt, alle erlöst und in&lt;br /&gt;
Sein Reich aufnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Manifestation Gottes im westlichen Kulturkreis ist Jesus&lt;br /&gt;
Christus. An Seiner Existenz ist, wie eingangs erwähnt, nicht zu&lt;br /&gt;
zweifeln, wenn auch das Jahr 1 unserer Zeitrechnung wohl nicht das&lt;br /&gt;
Geburtsjahr Jesu war. Im Gegensatz zu Zarathustra vorher und Muham-&lt;br /&gt;
mad nachher erschien Jesus bei dem Kulturvolk der Juden, zu einer&lt;br /&gt;
Zeit, da die alte mosaische Religion im Niedergang war. Die Pharisäer,&lt;br /&gt;
eine Theologenschule jener Zeit, wurden zum Symbol der damals üb-&lt;br /&gt;
lichen Orthodoxie, einer genau festgelegten Werkgerechtigkeit. Die Pha-&lt;br /&gt;
risäer wußten, daß ihnen die Gnade Gottes sicher war, da sie ja alle&lt;br /&gt;
Gebote bis ins kleinste einhielten, und ließen das die anderen spüren,&lt;br /&gt;
waren hochmütig und sprachen nicht mit jedem. Jesus aber „predigte ge-&lt;br /&gt;
waltig und nicht nach der Schriftgelehrten Art“. Gerade in der Berg-&lt;br /&gt;
predigt (Matth. 5—7) wird dies deutlich. Sie ist eine einzige Auffor-&lt;br /&gt;
derung zu Demut, Bescheidenheit und Gerechtigkeit und eine Warnung&lt;br /&gt;
vor ungerechtfertigtem Richten. Jesu Leben war ein Beispiel dafür. Er&lt;br /&gt;
half jedem, der in Not war, hatte selbst nicht, wo Er Sein Haupt hin-&lt;br /&gt;
legte, und erklärte es für leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr&lt;br /&gt;
gehe, als daß ein Reicher in das Himmelreich komme. Zum höchsten&lt;br /&gt;
Gebot erhebt Er die Nächstenliebe, die zum Angelpunkt der Religion&lt;br /&gt;
wird. Dazu wird — ähnlich wie bei Zarathustra — die Belohnung wie die&lt;br /&gt;
Strafe ins Jenseits verlegt, ein Fortschritt gegenüber der mosaischen&lt;br /&gt;
Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Israelit tut Gutes, damit er nicht auf dieser Welt bestraft wird, der&lt;br /&gt;
Christ, damit er in den Himmel kommt. Auch die Personifizierung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bösen — der Teufel — entspricht dem Ahriman des Zarathustra. Im&lt;br /&gt;
Alten Testament ist der Teufel nicht zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit Jesu ging schon zu Seinen Lebzeiten, mehr noch nach&lt;br /&gt;
seinem Opfertod, besonders durch Paulus, über das Volk Israel hinaus&lt;br /&gt;
und strahlte in das Römerreich hinein, also wieder in eine hochstehende&lt;br /&gt;
Zivilisation. Der Monotheismus der Christen verbot die Verehrung des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1162&lt;br /&gt;
{{page|1163|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=33}}Gottkaisers, ihr Begriff von der Nächstenliebe erlaubte keine Sklaverei.&lt;br /&gt;
So untergrub das Christentum, ohne eigentlich politisch wirksam zu sein&lt;br /&gt;
(„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“), das&lt;br /&gt;
Reich an seinen Grundfesten, und man versteht, daß die Kaiser die&lt;br /&gt;
Christen verfolgten. Trotzdem zerfiel dieses Reich nach und nach, bis&lt;br /&gt;
Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhob. Das verzögerte den&lt;br /&gt;
Untergang des Westreichs, während das Ostreich mit der Hauptstadt&lt;br /&gt;
Konstantinopel eine neue Blütezeit christlich-hellenistischer Kultur er-&lt;br /&gt;
lebte, die erst im Jahre 1453 von den Türken zerstört bzw. „islamisiert“&lt;br /&gt;
wurde. Das Erbe dieses christlichen Ostkaisertums übernahmen die Groß-&lt;br /&gt;
fürsten von Moskau, die sich jetzt Zaren nannten und weltliches wie&lt;br /&gt;
geistliches Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche wurden. Im&lt;br /&gt;
Westen gab es zwei Erben: Der Bischof von Rom wurde als Nachfolger&lt;br /&gt;
Petri Papst, d. h. geistliches Oberhaupt, der römisch-deutsche Kaiser&lt;br /&gt;
seit 800 weltliches Oberhaupt der Christenheit. Schon nach zweieinhalb&lt;br /&gt;
Jahrhunderten begannen sie sich zu bekriegen, wer der Höhere sei. Die&lt;br /&gt;
Kultur von Byzanz ist als eigentlich christlich zu bezeichnen, auch Karl&lt;br /&gt;
dem Großen schwebte ein christliches Großreich vor, doch schon seine&lt;br /&gt;
Enkel teilten das Reich auf und legten den Grund für spätere National-&lt;br /&gt;
staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paulus brachte bereits Dogmen in die junge Religion, machte aus der&lt;br /&gt;
schlichten Lehre des Nazareners eine Wissenschaft über Christus,&lt;br /&gt;
erhob Geburt und Erlösertod Jesu zur Hauptsache und drängte dadurch&lt;br /&gt;
— sicher ohne böse Absicht — das Leben und die Lehren Jesu in den&lt;br /&gt;
Hintergrund. Wenige Jahrhunderte später stritt man sich um den Cha-&lt;br /&gt;
rakter Jesu, ob Er gottgleich oder nur gottähnlich sei (Streit um ein Jota&lt;br /&gt;
im griechischen Wort: homousios oder homoiousios). Konstantin berief&lt;br /&gt;
das Konzil von Nicäa ein (325), wo der Streit mit der Fixierung des Drei-&lt;br /&gt;
einigkeitsdogmas zugunsten des „gottgleich“ entschieden wurde. Dieses&lt;br /&gt;
Dogma aber war es wieder, das später zu dem entscheidenden Mißver-&lt;br /&gt;
ständnis zwischen Christen und Moslems führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Gottesoffenbarer, der unseren westlichen Kulturkreis sehr&lt;br /&gt;
wesentlich beeinfiußte, war Muhammad. Der Prophet, um 570 n. Chr.&lt;br /&gt;
in Mekka geboren, begann 610 zu predigen, müßte 622 (Beginn der&lt;br /&gt;
moslem. Zeitrechnung) nach Medina fliehen und starb 632. Er war bei&lt;br /&gt;
dem damals in viele sich gegenseitig bekriegende Stämme zerrissenen&lt;br /&gt;
Hirtenvolk der Araber erschienen, die zahllose Stammesgötter verehrten,&lt;br /&gt;
in Vielweiberei lebten und sittlich und kulturell sehr tief standen. Nur&lt;br /&gt;
die Kaaba, der bekannte Meteor in Mekka, war gemeinsames National-&lt;br /&gt;
heiligtum, in dessen engerer Umgebung alle Kriege ruhten; hier gaben&lt;br /&gt;
sich alle Stammesgötter ein Stelldichein. Muhammad lehrte, daß es nur&lt;br /&gt;
einen Gott, eben Gott, auf Arabisch Allah, gibt, der nie einen Sohn&lt;br /&gt;
gezeugt hat; Er erzog seine Gläubigen zum Gehorsam Gott und dem&lt;br /&gt;
Propheten gegenüber, erhob Gebet und rituelle Waschungen zur Pflicht&lt;br /&gt;
und beschränkte die Zahl der Frauen auf vier, wobei zu einer Zweit-,&lt;br /&gt;
Dritt- oder Viertehe die Zustimmung der Gattinnen nötig ist, wie auch&lt;br /&gt;
die materielle Lage des Ehemannes gesichert sein muß. Die Kaaba behielt&lt;br /&gt;
Er als Nationalheiligtum bei und hatte in wenigen Jahren die Araber-&lt;br /&gt;
stämme zu einem einheitlichen Volk vereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1163&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1164|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!&lt;br /&gt;
;&lt;br /&gt;
!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu wenig bekannt ist bei den Christen, daß Muhammad selbst seinen&lt;br /&gt;
Gläubigen die Christen und Juden zu schützen empfahl, daß ferner zwar&lt;br /&gt;
der arabische Machtbereich mit Waffengewalt in einem Siegeszug ohne-&lt;br /&gt;
gleichen erweitert wurde, aber dabei niemand gezwungen wurde, den&lt;br /&gt;
Islam anzunehmen. Andersgläubige mußten nur Steuern dafür bezahlen,&lt;br /&gt;
daß sie vom Kriegsdienst befreit waren. Der arabische Großstaat unter&lt;br /&gt;
den Kalifen (arab. = Nachfolger) besaß aber eine einzigartige Kultur, von&lt;br /&gt;
der unsere Geschichtsbücher leider viel zu wenig berichten. Die helle-&lt;br /&gt;
nistisch-römische Kultur wurde hier weiterentwickelt, die Naturwissen-&lt;br /&gt;
schaften Astronomie, Mathematik und Geographie standen in hoher Blüte.&lt;br /&gt;
Es sei an unsere noch heute üblichen arabischen Zahlzeichen erinnert,&lt;br /&gt;
die auf dem Stellenwertsystem aufgebaut sind und schriftliche Rechen-&lt;br /&gt;
operationen erlauben, auch das Wort Algebra und die damit verbundene&lt;br /&gt;
Rechenmethode ist arabisch. Bei den Arabern wurde die Universität er-&lt;br /&gt;
funden, und es gab dort große Bibliotheken zu einer Zeit, da in unserem&lt;br /&gt;
christlichen deutschen Vaterland das Lesen und Schreiben noch ein Vor-&lt;br /&gt;
recht der Priester war. Karl der Große hat ja erst als Herrscher ein&lt;br /&gt;
wenig diese Künste erlernt. Über die Baukunst der Moslems braucht&lt;br /&gt;
hier nichts weiter gesagt zu werden — es sei nur an die Alhambra in&lt;br /&gt;
Granada erinnert — ebenso ist die Literatur des Islam in Prosa und&lt;br /&gt;
Dichtung bekannt geworden, besonders auch durch Goethe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad hatte im Qur’än Jesus und Moses an mehreren Stellen&lt;br /&gt;
als Gottgesandte bestätigt. Folglich war Jerusalem den Moslem auch eine&lt;br /&gt;
heilige Stätte, und solange die Araber dort herrschten, konnten christ-&lt;br /&gt;
liche Pilger ohne Schwierigkeiten die heiligen Stätten von Jerusalem,&lt;br /&gt;
Bethlehem und Nazareth besuchen. Wie kam es aber zu den Kreuzzügen?&lt;br /&gt;
Der dogmatische Zwist um das Dogma der Dreieinigkeit einerseits und&lt;br /&gt;
den strengen Monotheismus auf der anderen Seite wurde nicht blutig&lt;br /&gt;
ausgetragen. Er verhinderte eigentlich nur das gegenseitige Verständnis.&lt;br /&gt;
Erst als die Türken aus dem Osten kamen und den Islam annahmen,&lt;br /&gt;
änderte sich das. Sie wollten bessere Gläubige sein als ihre Lehrmeister&lt;br /&gt;
und wurden zu Fanatikern, was die Araber eigentlich früher nie waren.&lt;br /&gt;
So kam es zu Mißhandlungen christlicher Pilger. Da der Papst nun ge-&lt;br /&gt;
rade im Konflikt mit Heinrich IV. stand, mußte er die Christenheit ab-&lt;br /&gt;
lenken und predigte den Kreuzzug. Es kam zu jenem tragischen Ringen,&lt;br /&gt;
das nach unendlich viel Blutvergießen mit einem Kompromiß endete, der&lt;br /&gt;
eigentlich kaum die christliche Niederlage vertuschen konnte. Friedrich II.&lt;br /&gt;
verhandelte mit dem Sultan, und Pilgerfahrten wurden wieder wie einst&lt;br /&gt;
erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich aber hatten die Kreuzzüge das Gegenteil von dem bewirkt,&lt;br /&gt;
was sie sollten. Sollten sie eigentlich den christlichen Einfluß im Orient&lt;br /&gt;
verstärken, so kamen die Kreuzfahrer zurück mit der Erfahrung, daß&lt;br /&gt;
dort eine hohe Kultur herrscht und daß Moslems auch Menschen sind.&lt;br /&gt;
Der Einfluß des Islam auf den Westen wurde stärker. 1200 wurde die&lt;br /&gt;
Pariser Sorbonne als erste christliche Universität gegründet, um 1250&lt;br /&gt;
hatte Friedrich II. auf Sizilien einen Musterstaat errichtet, von mosle-&lt;br /&gt;
mischen Gelehrten beraten. Dies hatte ihm aber auch den unversöhn-&lt;br /&gt;
lichen Haß der Päpste eingetragen, die ihn mit Hilfe der Franzosen zu&lt;br /&gt;
Fall brachten. Die Renaissance war die natürliche Folge dieses islami-&lt;br /&gt;
schen Einflusses. Man hatte nicht das klassische Altertum neu entdeckt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1164&lt;br /&gt;
{{page|1165|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=35}}sondern die Kultur der Moslems übernommen. Mathematik, experi-&lt;br /&gt;
mentelle Naturwissenschaft, klassische Philologie setzten sich neben den&lt;br /&gt;
alten wissenschaftlichen Disziplinen durch. So wirkte, ohne daß im&lt;br /&gt;
christlichen Abendlande jemand Moslem wurde, die Kraft des Heiligen&lt;br /&gt;
Geistes, die auch von Muhammad ausging, auf die Menschen, die sich&lt;br /&gt;
dessen nicht bewußt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad war der erste Offenbarer, der den Nationalstaat einführte.&lt;br /&gt;
Sein Staat war ein arabischer Nationalstaat, der Staat der Kalifen ein&lt;br /&gt;
Großstaat unter arabischer Führung. Dabei waren die Kalifen als Nach-&lt;br /&gt;
folger des Propheten geistliches und weltliches Oberhaupt gleichzeitig.&lt;br /&gt;
Als 843 und 870 die Enkel Karls des Großen das christliche Reich ihres&lt;br /&gt;
Großvaters aufteilten, schufen sie im Prinzip die Nationalstaaten Deutsch-&lt;br /&gt;
land und Frankreich. Auch wenn in Deutschland und Italien kein ge-&lt;br /&gt;
schlossener Staat zustandekam, man fühlte sich als Deutscher, als Fran-&lt;br /&gt;
zose, als Italiener, und die deutschen Herren des hochmittelalterlichen&lt;br /&gt;
Italiens waren für die Italiener eben Usurpatoren, die sie so rasch wie&lt;br /&gt;
möglich loszuwerden strebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Islam erlebte seinen Niedergang. Die Türken führten zu-&lt;br /&gt;
nächst den Islam zu einem zweiten Siegeszug gegen Westen bis vor die&lt;br /&gt;
Tore Wiens, doch diesem Vordringen folgte ein ebenso rascher Rückzug.&lt;br /&gt;
Die Macht der Sultane schwand; aus ehemals blühenden arabischen Ge-&lt;br /&gt;
bieten wurden entfernte Provinzen des Riesenreiches, um die sich in&lt;br /&gt;
Istanbul niemand kümmerte. Der Elan von einst fehlte, zur Existenz&lt;br /&gt;
genügte die Viehzucht, so versteppten ehemals blühende Länder, und&lt;br /&gt;
die Hohe Pforte, einst Symbol einer gefürchteten Macht, wurde zum&lt;br /&gt;
„Kranken Mann am Bosporus“, dem wohl schon früher das Lebenslicht&lt;br /&gt;
ausgeblasen worden wäre, wenn sich die christlichen Großmächte Ruß-&lt;br /&gt;
land und England-Frankreich nicht gegenseitig bekriegt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur selben Zeit aber zerschlug im christlichen Abendland die Auf-&lt;br /&gt;
klärung den letzten Rest christlich-geistlicher Macht. Der wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Fortschritt und Reichtum wurde zum Moloch der Menschheit, die&lt;br /&gt;
Wissenschaft, einst von der Kirche unterdrückt, stellte sich jetzt gegen&lt;br /&gt;
die Religion, die zu einer Angelegenheit rückständiger Menschen, die des&lt;br /&gt;
Sonntags eben ihren Gottesdienst brauchen, degradiert wurde. Es bilde-&lt;br /&gt;
ten sich Sekten. Die Waldenser waren um 1250 die ersten, blutig von&lt;br /&gt;
den Päpsten mit Inquisition, Folter, Hexenprozessen und Ketzerverbren-&lt;br /&gt;
nungen unterdrückt, bis als Folge der Renaissance die Reformation sich&lt;br /&gt;
durchsetzen konnte. Die religiöse Erneuerung war aber nur von kurzer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer; dann verfiel der Einfluß der Kirchen aufs neue, und es bildeten&lt;br /&gt;
sich neue Sekten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bahä’u’lläh ist jedem Offenbarer von Gott ein bestimmter Auf-&lt;br /&gt;
trag erteilt worden; die Ära eines jeden Gottesoffenbarers muß einmal zu&lt;br /&gt;
Ende gehen. Und so ist die Ära Jesu Christi und die Muhammads zu&lt;br /&gt;
Ende gegangen. Es wurde Zeit, daß im Osten der Morgen einer neuen&lt;br /&gt;
Offenbarung dämmerte, daß der Báb und Bahä’u’liah jenen Impuls aus-&lt;br /&gt;
lösten, der die Welt schon stark verändert hat und noch mehr verändern&lt;br /&gt;
wird. „Bald wird die Ordnung des heutigen Tages zusammengerollt und&lt;br /&gt;
eine neue an ihrer Statt ausgebreitet werden“, verheißt Bahä’u’lläh vor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über hundert Jahren. Wir stehen mitten in dieser Umwälzung und er-&lt;br /&gt;
leben sie täglich mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1165&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1166|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
40. Nationaltagung in Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. und 26. April fand im Frankfurter Palmengarten die 40. National-&lt;br /&gt;
tagung der deutschen Bah&amp;amp;@’i statt. Im Mittelpunkt des ersten Tages stand&lt;br /&gt;
die Wahl des aus neun Mitgliedern bestehenden Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Rates (Foto oben), die durch 57 Delegierte aus der Bundesrepublik und&lt;br /&gt;
Westberlin erfolgte. Weiter standen auf der Tagesordnung Beratungen&lt;br /&gt;
über die künftige Bahä’i-Lehrtätigkeit innerhalb des Neun-Jahresplanes,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die Verlags- und die Pressearbeit. Das Foto unten zeigt einen Blick&lt;br /&gt;
in den Beratungssaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1166&lt;br /&gt;
{{page|1167|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u . _ ;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Vertreter des Bahä’i-Weltzentrums war Ali-Akbar Furutan zur Natio-&lt;br /&gt;
naltagung nach Frankfurt gekommen (Bild oben in der Mitte). Neben ihm&lt;br /&gt;
der Vorsitzende des Nat. Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rats, Hemmati, und&lt;br /&gt;
(stehend) Huschmand Sabet.&lt;br /&gt;
Furutan besucht in den Som-&lt;br /&gt;
mermonaten zahlreiche Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinden wie auch der US-&lt;br /&gt;
Filmstar Linda Marshall&lt;br /&gt;
(rechts). Die junge Blondine&lt;br /&gt;
wird an der Europa-Tournee&lt;br /&gt;
der „Dawnbreakers“, einer Ba-&lt;br /&gt;
hä’i-Singgruppe, teilnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1167&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1168|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Göttliche Politik oder Tagespolitik?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Struktur der Gegenwartskrise / von Hermine Berdjis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In bezug auf „Gott“ herrschen, grob gesehen, heute zwei Hauptansich-&lt;br /&gt;
ten: hier der Materialismus, der Gottes Existenz als ein Märchen von&lt;br /&gt;
vorgestern ablehnt und alle Errungenschaften lieber der menschlichen&lt;br /&gt;
Geistesgröße zuschreibt — dort der blinde Glaube, der doktrinäre Scheu-&lt;br /&gt;
klappen trägt. Nur wenige Menschen haben den Mut, frei zu bekennen,&lt;br /&gt;
daß „der Mensch denkt und Gott lenkt“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies braucht uns nicht zu wundern; denn wer der Bahä’i-Religion noch&lt;br /&gt;
keine Beachtung schenkte, kann nicht wissen, daß Gott schon vor rund&lt;br /&gt;
hundert Jahren der Menschheit Sein neues politisches Konzept vorgelegt&lt;br /&gt;
hat: Seine Weltordnung. Das Sprachrohr war Bahä’u’lläh; Er wandte&lt;br /&gt;
sich im Laufe Seines vierzigjährigen Wirkens aus der Verbannung nicht&lt;br /&gt;
nur an viele einzelne, Gläubige und Ungläubige, Er verkündete auch den&lt;br /&gt;
Herrschern Seiner Zeit in machtvollen Sendschreiben den Plan Gottes&lt;br /&gt;
und die Wege zu dessen Verwirklichung. Hier lag eine unermeßliche&lt;br /&gt;
Chance für die Menschheit, die Möglichkeit, alle Katastrophen der&lt;br /&gt;
vergangenen hundert Jahre zu umgehen. Leider wurde dieser göttliche&lt;br /&gt;
Plan nur von dem kleinen Häuflein, das Bahä’u’lläh anerkannte, wahr-&lt;br /&gt;
genommen; diese wenigen sind es, die auch im heutigen Wirrwarr der&lt;br /&gt;
Welt der Göttlichen Politik zu dienen bestrebt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um zum Verständnis der Gegenwart zu kommen, müssen wir einen&lt;br /&gt;
kurzen Rückblick tun. In seinem Buch „Der verheißene Tag ist gekommen“&lt;br /&gt;
umreißt Shoghi Effendi die wesentlichen Züge der Sendschreiben&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs und berichtet, auf welch tragische Weise sich die düsteren&lt;br /&gt;
Prophezeiungen Bahä’u’llähs an den tauben Empfängern erfüllten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieses große Unheil der Vergeltung, für das die höchsten weltlichen&lt;br /&gt;
und geistlichen Führer der Erde in erster Linie verantwortlich sind, sollte&lt;br /&gt;
jedoch nicht ... einzig als eine Strafe betrachtet werden... Es sollte viel-&lt;br /&gt;
mehr, wenn auch nur in zweiter Linie, im Lichte einer Vergeltung für die&lt;br /&gt;
Verdorbenheit des Menschengeschlechtes im allgemeinen angesehen wer-&lt;br /&gt;
den... Die Völker der Erde haben nicht nur einen Glauben, der zugleich&lt;br /&gt;
das Wesen, die Verheißung, der Versöhner und der Vereiniger aller Re-&lt;br /&gt;
ligionen ist, übersehen ...., sondern sie sind von ihren eigenen Religionen&lt;br /&gt;
abgewichen und haben andere Götter auf ihre umgestürzten Altäre ge-&lt;br /&gt;
setzt... Die größten Götzenbilder in diesem entweihten Tempel der&lt;br /&gt;
Menschheit sind keine anderen als die drei Götter des Nationalismus, des&lt;br /&gt;
Rassismus und des Kommunismus, an deren Altären Regierungen und&lt;br /&gt;
Völker jetzt in verschiedenartigen Formen und in verschiedenen Graden&lt;br /&gt;
Gottesdienst halten. Diese ungesunden, verderblichen Theorien und Me-&lt;br /&gt;
thoden, die den Staat vergöttern und die Nation über die Menschheit er-&lt;br /&gt;
heben, die die Schwesterrassen auf der Welt einer einzigen Rasse unter-&lt;br /&gt;
zuordnen suchen, die zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden und die&lt;br /&gt;
das Übergewicht einer bevorzugten Klasse über alle anderen zulassen —&lt;br /&gt;
das sind die finsteren, falschen und verschrobenen Lehrsätze, für die jeder&lt;br /&gt;
Mensch oder jedes Volk, das an sie glaubt oder nach ihnen handelt, sich&lt;br /&gt;
früher oder später den Zorn und die Züchtigung Gottes zuziehen muß...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1168&lt;br /&gt;
{{page|1169|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=39}}Die Zeichen moralischen Verfalls als Folge der Entthronung der Religion&lt;br /&gt;
und der Thronbesteigung dieser unrechtmäßigen Götzen sind zu zahlreich&lt;br /&gt;
und zu offenbar, um nicht selbst von einem nur oberflächlichen Beobach-&lt;br /&gt;
ter des Zustandes der heutigen Gesellschaft bemerkt zu werden. Die Ver-&lt;br /&gt;
breitung von Gesetzlosigkeit, Trunksucht, Glücksspiel und Verbrechen,&lt;br /&gt;
die zügellose Sucht nach Vergnügen, Reichtum und anderen irdischen&lt;br /&gt;
Nichtigkeiten, die Laxheit der Moral, die sich äußert in einer verantwor-&lt;br /&gt;
tungslosen Haltung gegenüber der Ehe, in einer Schwächung der elter-&lt;br /&gt;
lichen Aufsicht, in einer Hochflut von Ehescheidungen, im Sinken des&lt;br /&gt;
Durchschnittsniveaus von Literatur und Presse und in einer Befürwor-&lt;br /&gt;
tung von Theorien, welche eine glatte Verleugnung von Reinheit, Moral&lt;br /&gt;
und Keuschheit darstellen — alle diese Beweise moralischen Verfalls, die&lt;br /&gt;
in den Osten wie in den Westen eindringen, jede Gesellschaftsschicht&lt;br /&gt;
durchsetzen und ihr Gift in deren Glieder beiderlei Geschlechts, jung wie&lt;br /&gt;
alt, einträufeln — schwärzen noch weiter die Rolle, auf der die mannig-&lt;br /&gt;
fachen Übertretungen einer Menschheit aufgeschrieben sind, die nichts&lt;br /&gt;
bereut...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott straft jedoch nicht nur die Übeltaten Seiner Kinder. Er züchtigt,&lt;br /&gt;
weil Er gerecht ist, und Er läutert, weil Er liebt... Die Flammen, die von&lt;br /&gt;
Seiner göttlichen Gerechtigkeit entfacht wurden, läutern eine noch nicht&lt;br /&gt;
wiedergeborene Menschheit und verschmelzen ihre uneinigen und wider-&lt;br /&gt;
streitenden Elemente, wie kein anderes Walten und Wirken sie läutern&lt;br /&gt;
und verschmelzen könnte. Es ist nicht nur ein vergeltendes und zerstö-&lt;br /&gt;
rendes Feuer, sondern auch ein erzieherisches und schöpferisches Ge-&lt;br /&gt;
schehen, dessen Ziel die Rettung des ganzen Planeten durch Einigung ist.&lt;br /&gt;
Geheimnisvoll, langsam und unwiderstehlich erfüllt Gott seinen Plan,&lt;br /&gt;
wenngleich der Anblick, dem unsere Augen an diesem Tage begegnen, das&lt;br /&gt;
Schauspiel einer Welt sein mag, die, hoffnungslos in ihre eigenen Netze&lt;br /&gt;
verwickelt, der Stimme, welche sie ein Jahrhundert lang zu Gott rief,&lt;br /&gt;
nicht achtet, den Sirenenstimmen aber, die sie in den uncrmeßlichen Ab-&lt;br /&gt;
grund locken wollen, erbärmlich hörig ist... Gottes Plan ist kein anderer,&lt;br /&gt;
als auf Wegen, die Er allein bereiten und deren volle Bedeutung Er allein&lt;br /&gt;
ergründen kann, das Große, das Goldene Zeitalter für eine lange zerspal-&lt;br /&gt;
tene und gequälte Menschheit einzuleiten. Ihr gegenwärtiger Zustand ist&lt;br /&gt;
finster, schmerzlich finster. Die fernere Zukunft aber ist strahlend, herr-&lt;br /&gt;
lich strahlend — so strahlend, daß sie sich kein Auge vorstellen kann...&lt;br /&gt;
Dies wird fürwahr die würdige Krönung jenes Prozesses der Vereini-&lt;br /&gt;
gung sein, der, ausgehend von der Familie, der kleinsten Einheit auf der&lt;br /&gt;
Stufenleiter menschlicher Organisation, nacheinander den Stamm, den&lt;br /&gt;
Stadtstaat und die Nation ins Leben gerufen hat und fortwährend weiter-&lt;br /&gt;
wirken muß, bis er in der Vereinigung der ganzen Welt gipfelt, dem End-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ziel und dem krönenden Ruhm der menschlichen Entwicklung auf diesem&lt;br /&gt;
Planeten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Vollendung muß einen schrittweisen Verlauf nehmen, und, wie&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh selbst vorausgesehen hat, zuerst zur Gründung jenes „Klei-&lt;br /&gt;
neren Friedens“ führen, den die Nationen der Erde von sich aus errichten&lt;br /&gt;
werden, noch ohne Seiner Offenbarung bewußt zu sein und noch ohne&lt;br /&gt;
Wissen darüber, daß sie die allgemeinen Grundsätze durchsetzen, die Er&lt;br /&gt;
verkündet hat... Das Gefüge Seiner Weltordnung, die sich jetzt im Schoße&lt;br /&gt;
der Verwaltungseinrichtungen, die Er selbst geschaffen hat, regt, wird als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1169&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1170|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muster und als Kern jenes Weltstaatenbundes dienen, der das sichere,&lt;br /&gt;
unumgängliche Geschick der Völker und Nationen der Erde ist“ !).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den „Sendschreiben zum göttlichen Plan“ schrieb ‘Abdu’l-Bahá 1917:&lt;br /&gt;
„In dieser Welt des Zufalis gibt es viele Sammelpunkte, die zur Verbin-&lt;br /&gt;
dung und Einheit zwischen den Menschen beitragen. So sind z. B. Pa-&lt;br /&gt;
triotismus und Nationalismus, die Gleichheit der Interessen, politische&lt;br /&gt;
Bündnisse oder ideelle Vereinigungen solche Sammelpunkte, und die&lt;br /&gt;
Wohlfahrt der Welt ist von ihrer Bildung und Förderung abhängig. Aber&lt;br /&gt;
alle diese genannten Einrichtungen sind zufällig und nicht ewig, zeit-&lt;br /&gt;
bedingt und nicht unvergänglich. Mit dem Auftreten großer Umwälzungen&lt;br /&gt;
sind diese Sammelpunkte wie weggewischt. Doch der Sammelpunkt des&lt;br /&gt;
Reiches Gottes ist der ewige Sammelpunkt. Er bahnt Verwandtschaft an&lt;br /&gt;
zwischen Ost und West, baut die Einheit der Menschenwelt auf und zer-&lt;br /&gt;
stört die Grundlage von Meinungsverschiedenheiten... Daher ist der&lt;br /&gt;
wahre Sammelpunkt der Kern der göttlichen Lehren; sie umfassen alle&lt;br /&gt;
Entwicklungsstufen und beinhalten alle die weltweiten Beziehungen und&lt;br /&gt;
notwendigen Gesetze der Menschheit“ 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heutzutage — und damit wären wir beim Wesen der Gegenwartskrise&lt;br /&gt;
angelangt — halten die meisten Menschen die Einheit für ein letztes, fast&lt;br /&gt;
unerreichbares Ziel und versuchen, zuerst da und dort diesen und jenen&lt;br /&gt;
Mißstand zu beseitigen. Die Göttliche Politik Bahä’u’llähs führt den ent-&lt;br /&gt;
gegengesetzten Weg:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Shoghi Effendi erklärt uns, daß zwei große Prozesse in der Weit ab-&lt;br /&gt;
laufen: zum einen der große Plan Gottes, der... die Barrieren gegen die&lt;br /&gt;
Welteinheit niederreißt und die menschliche Gesellschaft im Feuer des&lt;br /&gt;
Leides und der Erfahrung zu einem geeinten Organismus umschmiedet.&lt;br /&gt;
Dieser Prozeß wird... den Geringeren Frieden, die politische Vereinigung&lt;br /&gt;
der Welt, herbeiführen. Der zweite Vorgang, der diesem geeinten Orga-&lt;br /&gt;
nismus Leben einhaucht, wahre Einheit und Geistigkeit schafft und im&lt;br /&gt;
Größten Frieden seinen Höhepunkt erreicht, ist die Aufgabe der Bahä’i,&lt;br /&gt;
die sich mit genauen Weisungen und unter fortgesetzter göttlicher Füh-&lt;br /&gt;
rung bewußt bemühen, die Strukturen des Reiches Gottes auf Erden zu&lt;br /&gt;
errichten, ihre Mitmenschen dazu aufzurufen und ihnen auf diese Weise&lt;br /&gt;
ewiges Leben zu verleihen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil die Liebe zu den Mitmenschen und der Schmerz über ihre traurige&lt;br /&gt;
Lage zum Lebensinhalt jedes wahren Bahä’i gehören, drängt es uns&lt;br /&gt;
fortgesetzt zu tun, was wir nur können, um ihnen zu helfen. Es ist von&lt;br /&gt;
überragender Bedeutung, daß wir uns so verhalten, wann immer sich&lt;br /&gt;
die Gelegenheit dazu bietet; denn unsere Taten müssen dasselbe zum&lt;br /&gt;
Ausdruck bringen, was unsere Worte besagen. Aber dieses Mitleid für&lt;br /&gt;
unseren Nächsten darf uns nicht dazu verleiten, unsere Energien auf&lt;br /&gt;
Kanäle zu verteilen, die letztlich in Fehlschlägen auslaufen und uns die&lt;br /&gt;
wichtigste und grundlegendste Arbeit vernachlässigen lassen. Es gibt&lt;br /&gt;
Hunderttausende von Wohltätern der Menschheit, die ihr Leben ganz für&lt;br /&gt;
Hilfswerke und caritative Zwecke einsetzen, aber es gibt erbärmlich&lt;br /&gt;
wenige, die jene Arbeit tun, die Gott vor allem andern getan haben&lt;br /&gt;
will: die geistige Erweckung und Wiederbelebung der Menschheit“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi schreibt über die Haltung des Bahä’i: „In Wort und Tat&lt;br /&gt;
sollten sie sich der Einmischung in die politischen Bestrebungen ihrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1170&lt;br /&gt;
{{page|1171|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=41}}Länder, in die Politik ihrer Regierungen und Parteien enthalten. In öffent-&lt;br /&gt;
lichen Streitfragen sollten sie niemandem Schuld geben, keine Partei er-&lt;br /&gt;
greifen, keine fremden Pläne fördern und sich mit keinem System iden-&lt;br /&gt;
tiizieren, das den besten Interessen der weltweiten Gemeinschaft scha-&lt;br /&gt;
den könnte, die zu behüten und zu fördern ihr eigenes Ziel ist. Laßt sie&lt;br /&gt;
auf der Hut sein, daß sie nicht Werkzeuge gewissenloser Politiker wer-&lt;br /&gt;
den oder sich in den verräterischen Ränken der hinterlistigen Verschwö-&lt;br /&gt;
rer unter ihren Landsleuten verstricken... Laßt sie sich über jeden&lt;br /&gt;
Partikularismus, jede Parteilichkeit, über leeren Wortstreit, kleinliche&lt;br /&gt;
Berechnung und flüchtige Leidenschaft erheben... Laßt sie ihre unbeug-&lt;br /&gt;
same Entschlossenheit bekräftigen, fest und vorbehaltlos zum Weg&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs zu stehen, die von den Bestrebungen der Politiker untrenn-&lt;br /&gt;
baren Verwicklungen und Streitigkeiten zu meiden und zu wertvollen&lt;br /&gt;
Triebkräften jener Göttlichen Politik zu werden, die Gottes&lt;br /&gt;
Plan für die ganze Menschheit verkörpert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sollte unmißverständlich klar gemacht werden, daß eine solche&lt;br /&gt;
Haltung weder die leiseste Gleichgültigkeit gegenüber der Sache und den&lt;br /&gt;
Belangen ihres eigenen Landes noch Widersetzlichkeit gegen die Autori-&lt;br /&gt;
tät anerkannter und begründeter Regierungen bedeutet. Ebensowenig&lt;br /&gt;
stellt sie eine Verleugnung ihrer heiligen Pflicht dar, auf wirksamste&lt;br /&gt;
Weise die besten Interessen ihrer Regierung und ihres Volkes zu för-&lt;br /&gt;
dern. Sie drückt den von jedem aufrichtigen und ergebenen Anhänger&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs gehegten Wunsch aus, den höchsten Interessen ihres Landes&lt;br /&gt;
in selbstloser, bescheidener und vaterländischer Weise sowie auf eine&lt;br /&gt;
Art zu dienen, die kein Abweichen von den mit den Lehren seines&lt;br /&gt;
Glaubens verbundenen hohen Grundsätzen der Redlichkeit und Wahr-&lt;br /&gt;
haftigkeit zur Folge hat“ ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierzu gibt uns Bahä’u’lläh selbst ein Beispiel; denn wir lesen in&lt;br /&gt;
Seinem Brief an den Sohn des Wolfes: „Selbst wenn dieser Unterdrückte&lt;br /&gt;
nichts tat, was Persien zum Ruhm gereichte, hat er doch in einer Weise&lt;br /&gt;
gehandelt, die Seinem Land keine Schande brachte... Dieser Unter-&lt;br /&gt;
drückte war zu allen Zeiten bestrebt und bemüht, die Interessen sowohl&lt;br /&gt;
der Regierung als des Volkes zu veredeln und zu fördern...“®). Und im&lt;br /&gt;
selben Buche finden wir zahlreiche Gebete, die Bahä’u’lläh für den&lt;br /&gt;
Schah schrieb, obwohl dieser einer Seiner größten Widersacher war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Wahlen in den heutigen Demokratien betrifft, gibt Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi folgende Richtlinie: „Die Freunde mögen ihre Stimme abgeben,&lt;br /&gt;
wenn sie es können, ohne sich mit einer der Parteien gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
Sich auf parteipolitisches Gebiet zu begeben, tut den besten Interessen&lt;br /&gt;
des Glaubens sicherlich Abbruch... Es steht beim einzelnen, sein Wahl-&lt;br /&gt;
recht so zu üben, daß er sich aus der Parteipolitik heraushält und sich&lt;br /&gt;
stets bewußt bleibt, daß er aufgrund der Vorzüge der Persönlichkeit und&lt;br /&gt;
nicht der Zugehörigkeit zur einen oder anderen Partei wählt...“ ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtigkeit befaßte sich vor kurzem eben-&lt;br /&gt;
falls mit den Beziehungen des Bahä’i zu den sozialen und politischen&lt;br /&gt;
Kräften, die zur Zeit in der Welt wirksam sind, und schrieb: „Oft ist&lt;br /&gt;
es unser fehlgeleitetes Empfinden, wir könnten unseren Mitmenschen&lt;br /&gt;
durch irgendwelche Tätigkeiten außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft&lt;br /&gt;
besser helfen, das uns Bahä’i dazu verführt, der Politik nachzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1171&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1172|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist eine gefährliche Selbsttäuschung, wie es Shoghi Effendi durch&lt;br /&gt;
seinen Sekretär zum Ausdruck brachte: ‚Wir Bahä’i müssen uns mit der&lt;br /&gt;
Tatsache abfinden, daß sich die Gesellschaft so rasch zersetzt, daß Moral-&lt;br /&gt;
begriffe, die noch vor einem halben Jahrhundert klar dastanden, heute&lt;br /&gt;
hoffnungslos verwirrt und, was noch schlimmer ist, mit widerstreiten-&lt;br /&gt;
den politischen Interessen völlig vermengt sind. Deshalb müssen die&lt;br /&gt;
Bahä’i ihre ganze Kraft in die Kanäle des Aufbaus der Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
schaft und ihrer Verwaltungsordnung lenken. Auf keine andere Weise&lt;br /&gt;
können sie die Welt gegenwärtig verändern oder ihr helfen. Wenn sie&lt;br /&gt;
sich in die Streitfragen einmischen, in denen sich die Regierungen der&lt;br /&gt;
Welt bekämpfen, werden sie verloren sein; aber wenn sie das Bahä’i-&lt;br /&gt;
Modell aufbauen, können sie es als ein Heilmittel darreichen, wenn alles&lt;br /&gt;
andere versagt haben wird‘... ‚Wir müssen unser Bahä’i-System auf-&lt;br /&gt;
bauen und den unvollkommenen Systemen dieser Welt ihren Lauf lassen.&lt;br /&gt;
Wir können sie nicht ändern, indem wir uns hineinverwickeln; ganz im&lt;br /&gt;
Gegenteil, sie würden uns vernichten‘ “ 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Abrundung unseres Themas lassen wir Shoghi Effendi ein knap-&lt;br /&gt;
pes Bild der Weltordnung Bahä’u’llähs geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ein Welt-Überstaat, an den alle Nationen der Erde willig den An-&lt;br /&gt;
spruch, Krieg zu führen, gewisse Rechte der Erhebung von Steuern und&lt;br /&gt;
alle Rechte auf Kriegsrüstungen außer zur Aufrechterhaltung der inneren&lt;br /&gt;
Ordnung in ihren Gebieten abtreten — ein solcher Staat muß notwendi-&lt;br /&gt;
gerweise in irgendeiner Form entwickelt werden. Sein Organisations-&lt;br /&gt;
rahmen wird eine internationale Exekutive einschließen müssen, die&lt;br /&gt;
jedem widerspenstigen Mitglied der Gemeinschaft ihre unumschränkte&lt;br /&gt;
und unantastbare Autorität aufzwingen kann; ein Weltparlament, dessen&lt;br /&gt;
Mitglieder durch das Volk aller Länder gewählt und in ihrer Amtsüber-&lt;br /&gt;
nahme von den jeweiligen Regierungen bestätigt werden, sowie einen&lt;br /&gt;
Obersten Gerichtshof, dessen Urteil bindende Gültigkeit haben wird,&lt;br /&gt;
selbst in Fällen, in denen die Parteien ihren Streit nicht freiwillig seiner&lt;br /&gt;
Rechtsfindung unterwerfen. Eine Weltgemeinschaft, in der alle wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Schranken für immer niedergerissen werden, in der die&lt;br /&gt;
gegenseitige Abhängigkeit von Kapital und Arbeit ausdrücklich aner-&lt;br /&gt;
kannt wird, in der das Geschrei religiösen Eifers und Streites endgültig&lt;br /&gt;
verstummt ist, in der die Flamme des Rassenhasses ein für allemal ge-&lt;br /&gt;
löscht ist, deren einheitliches System internationalen Rechts als Ergebnis&lt;br /&gt;
der wohlüberlegten Entscheidung der weltweit vereinigten Volksver-&lt;br /&gt;
treter durch das sofortige, zwingende Eingreifen der vereinten Streit-&lt;br /&gt;
kräfte der Verbündeten sanktioniert wird; und schließlich: Eine Welt-&lt;br /&gt;
gemeinschaft, in der der Sturm eines tollkühn-militanten Nationalismus&lt;br /&gt;
in ein bleibendes Bewußtsein des Weltbürgertums verwandelt ist — so&lt;br /&gt;
wahrlich sieht, in groben Zügen gezeichnet, die von Bahä’u’lläh voraus-&lt;br /&gt;
geschaute Ordnung aus, eine Ordnung, die einmal als die edelste Frucht&lt;br /&gt;
eines langsam heranreifenden Zeitalters betrachtet werden wird“ 7).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend stellen wir fest:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Bahá’u’lláh hat die Göttliche Politik bereits vor über hundert Jahren&lt;br /&gt;
in einem umfassenden Rahmenprogramm niedergelegt und den geist-&lt;br /&gt;
lichen wie den weltlichen Herrschern der Welt unterbreitet. Die Chance&lt;br /&gt;
einer Verwirklichung, die in der historischen „Sternstunde“ um 1870&lt;br /&gt;
greifbar nahe lag, wurde von diesen Herrschern verkannt und vertan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1172&lt;br /&gt;
{{page|1173|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=43}}2.Die Folge ist ein gigantischer Umwandlungsprozeß, der teils kontinu-&lt;br /&gt;
ierlich-evolutionär, teils revolutionär in welterschütternden Krisen und&lt;br /&gt;
Katastrophen so lange abläuft, bis sich das gesellschaftliche Bewußtsein&lt;br /&gt;
der Menschheit den schlagartig geänderten technisch-ökonomischen&lt;br /&gt;
Verhältnissen genügend weit angepaßt hat und ein Mindestmaß an&lt;br /&gt;
umfassenden Ordnungsstrukturen gebildet worden ist. So lange die&lt;br /&gt;
Tagespolitik von persönlichen oder Gruppenegoismen, vom Kampf und&lt;br /&gt;
bestenfalls von einem labilen Gleichgewicht widerstreitender Interessen&lt;br /&gt;
bestimmt ist, so lange sie der Ethik der Einheit entbehrt, halten sich&lt;br /&gt;
die Bahä’i daraus fern, obwohl sie wissen und begrüßen, daß in dieser&lt;br /&gt;
Tagespolitik der gesellschaftliche Läuterungsprozeß voranschreitet und&lt;br /&gt;
die Strukturen des Geringeren Friedens heranwachsen. Die zweifache&lt;br /&gt;
Aufgabe der Bahä’i besteht darin, a) eine Verwaltungs- und Gemein-&lt;br /&gt;
schaftsordnung auf den von Bahä’u’lläh geoffenbarten Lehren und Ge-&lt;br /&gt;
setzen aufzubauen, als Modell und Keimzelle der göttlichen Weltord-&lt;br /&gt;
nung, und b) durch ihr Leben und Wirken dazu beizutragen, die&lt;br /&gt;
geistigen Grundlagen für den Frieden zu legen: ein Menschheits-&lt;br /&gt;
bewußtsein als unabdingbare Voraussetzung einer Weltstaatsraison zu&lt;br /&gt;
schaffen. Am Anfang steht die Erkenntnis, daß dieses neue Bewußtsein&lt;br /&gt;
auf einer ganzheitlichen Wertordnung, d. h. auf der Anerkennung der&lt;br /&gt;
Einheit Gottes und auf der Gottesfurcht, aufbauen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sagt Bahá’u’lláh: „Die Gottesfurcht war von jeher ein sicherer&lt;br /&gt;
Schutz und eine feste Burg für alle Völker der Welt“. Sie ist „der Ur-&lt;br /&gt;
quell aller guten Taten und Sitten... und die Führerin der Heerscharen&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit“ 8). Und weiter sagt Bahä’u’lläh: „Die Gefährten Gottes&lt;br /&gt;
sind an diesem Tage der Sauerteig, der die Völker der Welt voll durch-&lt;br /&gt;
dringen muß. Sie müssen solche Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit&lt;br /&gt;
und Ausdauer, solche Taten und einen solchen Charakter aufzeigen, daß&lt;br /&gt;
die ganze Menschheit aus ihrem Beispiel Nutzen ziehen kann“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá schreibt hierzu in seinem Buch „Das Geheimnis gött-&lt;br /&gt;
licher Kultur“: „Die Veröffentlichung edler Gedanken ist die dynamische&lt;br /&gt;
Kraft in den Schlagadern des Lebens, ja die Seele der Menschenwelt...&lt;br /&gt;
Die öffentliche Meinung muß auf das gelenkt werden, was dieses Tages&lt;br /&gt;
würdig ist... Zweifellos suchen die Massen nach ihrem Glück und&lt;br /&gt;
sehnen sich danach, aber wie ein dichter Schleier trennt sie ihre Un-&lt;br /&gt;
wissenheit davon“°). Bahä’u’lläh sagt weiter: „Wissen gleicht Flügeln&lt;br /&gt;
im Leben des Menschen; es ist wie eine Leiter für seinen Aufstieg.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leiter für den Aufstieg der menschlichen Gesellschaft ist das Wis-&lt;br /&gt;
sen um die Göttliche Politik und das Handeln nach ihren Grundsätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Shoshi ınafendi, „Der verheißene Tag ist gekommen“, Frankfurt/Main 124/1967,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) ‚abäu&#039;l-Bahs, „Sendschreiben zum Göttlichen Plan“ vom 8. 3. 1917, 19-Tage-Brief&lt;br /&gt;
4, S. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, BAHA’&#039;I-BRIEFE 32, S. 808 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Shoghi Effendi, „The Golden Age of the Cause of Bahá’u’lláh“, Wilmette/Ill.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955, S. 64, vgl. 19-Tage-Brief 10/114, S. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Bahä’u’lläh, „Brief an den Sohn des Wolfes“, Frankfurt/Main 122/1966, S. 71&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
% „Bahä’i Procedure“, Wilmette/Ill. 1942, S. 13; 19-Tage-Brief 10/114, S. 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’ Shoghi Effendi, „Das Ziel: die neue Weltordnung“, BAHA’I-BRIEFE 40, S. 1103 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) wie 5), S. 39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?) ‘Abdul’-Bahä, „Das Geheimnis göttlicher Kultur“, BAHA’I-BRIEFE 7, S. 161 £.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1173&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1174|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neu auf unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William und Paul Paddock, „Vor uns die mageren Jahre?“ (Famine 1975),&lt;br /&gt;
Rütten + Loening Verlag in der Scherz-Gruppe, Bern/München/Wien 1969,&lt;br /&gt;
308 Seiten, Leinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Robert Malthus (1766—1834), ursprünglich Pfarrer, später&lt;br /&gt;
Professor für Geschichte und politische Ökonomie, ist der Stammvater&lt;br /&gt;
der Theorie, daß die Menschen die „natürliche“ Neigung hätten, sich&lt;br /&gt;
über die Grenze ihrer Existenzmöglichkeiten hinaus zu vermehren. Der&lt;br /&gt;
Nahrungsmittelspielraum wächst nach Malthus im Verhältnis einer ein-&lt;br /&gt;
fachen arithmetischen Reihe (z.B. 2 :3 : 4 : 5) die Bevölkerung jedoch&lt;br /&gt;
in geometrischer Progression (z. B. 2:4 :8 : 16 : 32); „repressive Fak-&lt;br /&gt;
toren“ wie Kriege, Hungersnöte und Seuchen sorgen so lange für der&lt;br /&gt;
Ausgleich, bis sich „präventive Faktoren“, vor allem die Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
durchsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem diese Theorie 1798 formuliert wurde, ist sie nicht auszurotten&lt;br /&gt;
weil es den Ökonomen besonders schwer zu fallen scheint zu erkennen,&lt;br /&gt;
daß der Mensch in erster Linie das Produkt seiner Erziehung ist. Wesent-&lt;br /&gt;
lich ist, die Entstehungsgeschichte von Malthus’ Pessimismus vor Augen&lt;br /&gt;
zu haben: Er argumentiert in Form einer Streitschrift gegen William&lt;br /&gt;
Godwin, der über die politische Gerechtigkeit und ihren Einfluß auf&lt;br /&gt;
Sitte und Glück der Bevölkerung schrieb, und gegen den Marquis An-&lt;br /&gt;
toine de Condorcet (1743—1794), der als einer der Enzyklopädisten und&lt;br /&gt;
als Präsident der französischen Nationalversammlung sich besonders für&lt;br /&gt;
die Volkserziehung einsetzte. Ihnen hält der pessimistische Pfarrer-&lt;br /&gt;
Ökonom repressiv entgegen, es habe ja doch alles keinen Wert, weil das&lt;br /&gt;
Volk zu dumm sei, um seinen Kindersegen zu ernähren oder zu be-&lt;br /&gt;
schränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
William und Paul Paddock, ein Diplomat und ein Landwirtschafts-&lt;br /&gt;
experte, beide in der US-Entwicklungshilfe ergraut, wenden Malthu-&lt;br /&gt;
sianisches Gedankengut auf die Bevölkerungswelle an, die aus den Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsländern auf uns zurollt und in der Tat bedrohlich ist. Bereits&lt;br /&gt;
1975 wird nach Ansicht der Autoren die Ernährungslage in der Dritten&lt;br /&gt;
Welt katastrophal sein. Spätestens dann werden die Hilfssendungen der&lt;br /&gt;
USA nach dem Gesetz 480, das zur Verteilung der amerikanischen&lt;br /&gt;
Lebensmittelüberschüsse führte, nicht mehr ausreichen, um kontinentale&lt;br /&gt;
Hungersnöte zu vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationalisten und Pragmatiker wie sie sind, zerpflücken die beiden&lt;br /&gt;
Verfasser alle „Allheilmittel“ und Hoffnungen als Illusionen und ver-&lt;br /&gt;
gessen dabei, wie sehr falsch motivierte und falsch verstandene „Hilfe“&lt;br /&gt;
das Unheil mitverschuldet. Die „optimale Lösung“ (S. 249), die sie sehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und empfehlen, ist dementsprechend auf den ersten Blick geradezu un-&lt;br /&gt;
menschlich: das Prinzip der „Triage“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Triage ist die Dreiteilung der Verwundeten, die die Militärärzte wäh-&lt;br /&gt;
rend und nach einer Schlacht anwenden. Wenn nicht genügend Versor-&lt;br /&gt;
gungsmöglichkeiten vorhanden sind, muß eine Prioritätsskala aufgestellt&lt;br /&gt;
werden, um die meisten Menschenleben zu retten: Die Schwerverwun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1174&lt;br /&gt;
{{page|1175|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=45}}deten, die nicht überleben werden, wie immer man sie behandelt, und&lt;br /&gt;
die leichter Verwundeten, die auch ohne ärztliche Versorgung durch-&lt;br /&gt;
kommen — ungeachtet der Schmerzen, die sie haben — werden zunächst&lt;br /&gt;
ausgeklammert; die Ärzte kümmern sich um diejenigen, die durch sofor-&lt;br /&gt;
tiges Eingreifen gerettet werden können. Auf die Nahrungsmittelhilfe im&lt;br /&gt;
besonderen und die Entwicklungshilfe im allgemeinen übertragen, heißt&lt;br /&gt;
dies, daß Länder, „in denen das Bevölkerungswachstum schon das land-&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Potential überschritten hat“, in denen „eine schwache&lt;br /&gt;
Führung und andere zersetzende Faktoren“ (S. 251) wirken, ihrem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenen Schicksal, dem Hunger und rechts- oder linksgerichteten Er-&lt;br /&gt;
lösern, überlassen bleiben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder muß sich selbst einen Vers darauf machen, wie weit es mit dem&lt;br /&gt;
Spätkapitalismus und mit der abendländischen Führungsnation gekom-&lt;br /&gt;
men ist, wenn hochbezahlte Fachleute solche Vorschläge der US-&lt;br /&gt;
Regierung ernsthaft unterbreiten und öffentlich zur Diskussion stellen&lt;br /&gt;
können. Als ob der Krieg gegen den Hunger eine offene Feldschlacht&lt;br /&gt;
wäre, als ob es nicht ganz einfache ökonomische Mittel gäbe, die Nah-&lt;br /&gt;
rungsmittelproduktion weltweit zu steigern, z. B. durch ein System staat-&lt;br /&gt;
licher Mindestpreisgarantien, das zu allem anderen hin geldwertstabili-&lt;br /&gt;
sierend und einkommenssichernd wirken könnte! Die Verblendung die-&lt;br /&gt;
ser beiden Schriftsteller und unzähliger anderer Fachleute liegt darin,&lt;br /&gt;
daß sie ihr Arbeitsgebiet völlig isoliert sehen. Die linken Studenten&lt;br /&gt;
haben für diese Fehlhaltung den Ausdruck „Fachidiotie“ geprägt. Das&lt;br /&gt;
Problem der Ernährung läßt sich nicht vom Problem der Erziehung tren-&lt;br /&gt;
nen. Wenn man dafür sorgen kann, daß arbeitslose Dorf- und Slum-&lt;br /&gt;
bewohner produktive Tätigkeiten verrichten und dafür leidlich ange-&lt;br /&gt;
messene Einkommen beziehen, wird es ihnen leichter fallen, knapp&lt;br /&gt;
werdende Lebensmittel zu erwerben, als wenn sie zu einem Leben der&lt;br /&gt;
Arbeits-, Hoffnungs- und Sinnlosigkeit verurteilt sind. Malthus ging von&lt;br /&gt;
Datenreihen aus, die einer noch fast agrarischen Gesellschaft entstamm-&lt;br /&gt;
ten. Heute ist die menschliche Arbeitsproduktivität auf ein Vielfaches&lt;br /&gt;
gestiegen. Die Frage lautet, wie man diese produktiven Kräfte erzie-&lt;br /&gt;
herisch aufschließt, wie man auf optimale Weise in den „Schatzberg des&lt;br /&gt;
Menschenherzens“ (Bahä’u’lläh) eindringt. Wenn diese Frage beantwortet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, kommen kumulative Prozesse in Gang, die selbst Weltprobleme&lt;br /&gt;
spielend lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch der beiden Paddocks sollte eine aufrüttelnde Mahnung sein.&lt;br /&gt;
Es ist schon drei Jahre alt, und seither ist einiges geschehen: Ein Teil&lt;br /&gt;
der „Allheilmittel“, mit denen sich die Verfasser kritisch auseinander-&lt;br /&gt;
setzen, zZ. B. „Wunderreis“ und „Wunderweizen“, haben sich besser be-&lt;br /&gt;
währt, als man vor drei Jahren dachte. Das Jahr der Menschenrechte&lt;br /&gt;
1968 und das Jahr der Erziehung 1970 werden Wirkungen haben, wie&lt;br /&gt;
unzureichend sie auch sein mögen. Der Pearson Report über die Per-&lt;br /&gt;
spektiven der Entwicklungshilfe in den 70er Jahren wird diskutiert&lt;br /&gt;
werden, so sehr auch viele Interessentengruppen bemüht sind, das Thema&lt;br /&gt;
aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit zu verdrängen. Trotzdem ist alles&lt;br /&gt;
Bisherige nicht genug, und darum ist es gut, daß die Diskussion mit&lt;br /&gt;
solchen Beiträgen wie dem der Paddocks angeregt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1175&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1176|file=Baha&#039;i_Briefe_41.pdf|page=46}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns Bahä’i ist das Prinzip der Triage wichtig. Das Welternährungs-&lt;br /&gt;
problem ist für Triage ungeeignet; bei ihm wirken genügend produktive&lt;br /&gt;
Faktoren, die verstärkt eingesetzt werden können, wenn — und das ist&lt;br /&gt;
das Entscheidende — der richtige Geist herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen richtigen Geist zu generieren, wird nur von einem klaren&lt;br /&gt;
System umfassender Ordnungsvorstellungen und von einer genügend&lt;br /&gt;
„reinen“ Motivation her möglich sein. An diesen beiden Faktoren fehlt&lt;br /&gt;
es heutzutage, wie es in einer Feldschlacht an Ärzten fehlt. Wir werden&lt;br /&gt;
als die wenigen vorhandenen „Ärzte“ für die kranken gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Strukturen unsere Leistungen also nach dem Prinzip der Triage auf die-&lt;br /&gt;
jenigen Patienten konzentrieren müssen, bei denen wir am ehesten etwas&lt;br /&gt;
retten können: nicht die Halbgläubigen, die davonkommen werden, wenn&lt;br /&gt;
sie ihren eigenen Glauben besser verstehen lernen, auch nicht die&lt;br /&gt;
geistig „Toten, die ihre Toten begraben“ sollen, sondern die verunsicher-&lt;br /&gt;
ten Sucher, die eine mittlere Position einnehmen, die Sinnfragen stellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und noch nicht ganz daran verzweifelt sind, daß es konstruktive Ant-&lt;br /&gt;
worten gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prinzip der Triage läßt sich aber noch weiter universalisieren.&lt;br /&gt;
Wir müssen es all denen entgegenhalten, die stur einen Entweder-Oder-&lt;br /&gt;
Standpunkt vertreten oder unter zu starken dualistischen Spannungen&lt;br /&gt;
leiden, weil sie Unterschiede machen, wo das Verschiedenartige weit&lt;br /&gt;
weniger wichtig ist als das Verbindende zwischen den Gegensätzen.&lt;br /&gt;
„Jedes Extrem ist vom Übel“ und „die Wahrheit liegt in der Mitte“, das&lt;br /&gt;
sind bis heute Sprüche, die den Geruch der Weichheit und Unentschlos-&lt;br /&gt;
senheit an sich haben. Triage ist hier der tätige Entschluß, eine Position&lt;br /&gt;
in der Mitte, oder besser: über der Mitte zu wahren, aber nicht um des&lt;br /&gt;
eigenen Interesses, sondern um allgemeingültiger Werte willen. Bahä’-&lt;br /&gt;
u’lläh hat dieses Prinzip selbst zur Vollendung geführt. pmh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’i-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 9058 oder (07 11) 87 32 48. .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jJähr-&lt;br /&gt;
lich, Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_40/Text&amp;diff=75337</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 40/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1091|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=1}}D 20155 F&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi:&lt;br /&gt;
Die neue Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Schück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheitsidee und&lt;br /&gt;
der jüdische Auftrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jalil Mahmoudi:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kehrseiten der&lt;br /&gt;
Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 40 APRIL 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1092|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1093|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=3}}APRIL 1970 BAHAT- BRIEFE HEFT 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, der Tag der Ernte ist gekommen,&lt;br /&gt;
und alle Dinge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind voneinander geschieden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das, was Er wollte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in den Gefäßen der Gerechtigkeit verwahrt&lt;br /&gt;
und hat ins Feuer geworfen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was diesem verfallen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es von deinem Herrn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Mächtigen, dem Liebevollen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an diesem verheißenen Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er verordnet, was Ihm gefällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keinen Gott außer Ihm,&lt;br /&gt;
dem Allmächtigen, dem Allbezwingenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’ lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(an Papst Pius IX.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1093&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1094|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel: die neue Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warnung und Versprechen / von Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1931 gibt es wenig&lt;br /&gt;
sozialwissenschaftliches Schrifttum, das bis heute seine Aus-&lt;br /&gt;
sagekraft behalten hat. Shoghi Effendi, der Hüter des Bahd’i-&lt;br /&gt;
Glaubens, hat in seiner Botschaft vom 28. November 1931&lt;br /&gt;
eine Kulturphilosophie entwickelt, die 1970 eher noch aktuel-&lt;br /&gt;
ler geworden ist, als sie 1931 war. Wer weiß, ob wir es nicht&lt;br /&gt;
früher, als wir denken, aus ähnlichen Gründen wie damals&lt;br /&gt;
nötig haben werden, uns auf die einfachen Grundgedanken&lt;br /&gt;
dieser Botschaft zurückzubesinnen! D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährten im Glauben Bahä’u’llähs!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unerbittliche Lauf der jüngsten Ereignisse trägt die Menschheit&lt;br /&gt;
dem Ziel, das Bahä’u’lläh erahnen ließ, so nahe, daß kein verantwortungs-&lt;br /&gt;
bewußter Anhänger Seines Glaubens, der die Welt allüberall in schmerz-&lt;br /&gt;
lichen Wehen sieht, bei dem Gedanken an ihre kommende Erlösung un-&lt;br /&gt;
gerührt bleiben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheint angebracht, zu einer Zeit, da wir das erste Jahrzehnt seit&lt;br /&gt;
dem plötzlichen Heimgang ‘Abdu’l-Bahás aus unserer Mitte (28. 11. 1921)&lt;br /&gt;
beschließen, im Lichte der Lehren, die Er der Welt vermacht hat, über&lt;br /&gt;
jene Ereignisse nachzudenken, die dazu beitragen, das stufenweise Sicht-&lt;br /&gt;
barwerden der von Bahä’u’lläh vorausgeschauten Weltordnung zu be-&lt;br /&gt;
schleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zehn Jahren, an eben diesem Tage, eilte die Nachricht vom Heim-&lt;br /&gt;
gang Dessen um die Welt, der allein ihr in den vielen Trübsalen, die sie&lt;br /&gt;
zu erleiden bestimmt war, durch den veredelnden Einfluß Seiner Liebe,&lt;br /&gt;
Kraft und Weisheit hätte Halt und Trost geben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gut können wir, die kleine Schar Seiner erklärten Anhänger, die&lt;br /&gt;
wir beanspruchen, das Licht, das in Ihm strahlte, erkannt zu haben, uns&lt;br /&gt;
der wiederholten Anspielungen erinnern, die Er am Abend Seines irdi-&lt;br /&gt;
schen Lebens auf die Trübsale und den Aufruhr machte, von denen eine&lt;br /&gt;
verderbte Menschheit in steigendem Maße befallen würde. Wie schmerz-&lt;br /&gt;
lich haben sich manchem von uns die gedankenschweren Bemerkungen&lt;br /&gt;
eingeprägt, die Er in Gegenwart von Pilgern und Besuchern machte, als&lt;br /&gt;
sie nach den Jubelfeiern zur Beendigung des (ersten) Weltkriegs wieder&lt;br /&gt;
zu Seiner Tür strömten — am Ende eines Krieges, der durch das Grauen,&lt;br /&gt;
das er wachgerufen, die Verluste, die er hinterlassen, und die Verwick-&lt;br /&gt;
lungen, die er mit sich gebracht hat, einen so weitreichenden Einfluß auf&lt;br /&gt;
die Geschicke der Menschheit üben sollte. Wie gelassen und doch wie&lt;br /&gt;
machtvoll brandmarkte Er die grausame Täuschung, die ein Pakt, den&lt;br /&gt;
die Völker und Nationen als jubelnde Verkörperung der Gerechtigkeit, als&lt;br /&gt;
unfehlbares Werkzeug dauerhaften Friedens priesen, für eine unbuß-&lt;br /&gt;
fertige Menschheit bereithielt: „Friede, Friede!“ hörten wir Ihn oft sa-&lt;br /&gt;
gen. „Unaufhörlich verkünden die Lippen der Machthaber und der Völ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1094&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
{{page|1095|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=5}}ker ‚Frieden, Frieden‘, während das Feuer ungestillten Hasses noch in&lt;br /&gt;
ihren Herzen schwelt.“ Wie oft hörten wir Ihn Seine Stimme erheben, als&lt;br /&gt;
triumphale Begeisterung noch Wellen schlug, lange bevor die leisesten&lt;br /&gt;
Bedenken empfunden oder ausgedrückt wurden! Mit Entschiedenheit er-&lt;br /&gt;
klärte Er, das als die Charta einer befreiten Menschheit gepriesene Doku-&lt;br /&gt;
ment berge Saaten bitterster Enttäuschungen, die die Welt nur noch&lt;br /&gt;
schlimmer versklaven werden. Wie überreich sind jetzt die Beweise, die&lt;br /&gt;
den Scharfblick Seines unfehlbaren Urteils bezeugen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre endloser Unruhe, angefüllt von Ängsten und von unab-&lt;br /&gt;
schätzbaren Folgen für die Zukunft der Zivilisation, haben die Welt an&lt;br /&gt;
den Rand eines Unheils geführt, zu schrecklich, um darüber nachzuden-&lt;br /&gt;
ken. Traurig ist der Kontrast zwischen den Kundgebungen zuversicht-&lt;br /&gt;
licher Begeisterung, denen sich die Bevollmächtigten in Versailles so frei-&lt;br /&gt;
mütig hingaben, und dem Schrei unverhohlener Not, den nun Sieger und&lt;br /&gt;
Besiegte gleichermaßen in der Stunde bitterer Ernüchterung erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine kriegsmüde Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder die Macht, die die Gestalter und Bürgen der Friedensverträge&lt;br /&gt;
aufboten, noch die stolzen Ideale, die den Verfasser der Völkerbundsat-&lt;br /&gt;
zung beseelten, erwiesen sich als ausreichendes Bollwerk gegen die Kräfte&lt;br /&gt;
innerer Zersetzung, die eine so mühsam ausgedachte Struktur ständig an-&lt;br /&gt;
greifen. Weder die Vorkehrungen des sogenannten Verständigungsfrie-&lt;br /&gt;
dens, den die Siegermächte durchsetzen wollten, noch die Maschinerie&lt;br /&gt;
einer Einrichtung, die Amerikas berühmter und weitsichtiger Präsident&lt;br /&gt;
ersonnen hatte, erwiesen sich in Theorie oder Praxis als ausreichende&lt;br /&gt;
Mittel, die Unverletzlichkeit der angestrebten Ordnung zu sichern. „Die&lt;br /&gt;
Krankheiten, an denen die Welt jetzt leidet,“ schrieb ‘Abdu’l-Bahá im&lt;br /&gt;
Januar 1920, „werden sich vervielfachen; die Dunkelheit, die sie um-&lt;br /&gt;
schließt, wird sich vertiefen. Der Balkan wird unzufrieden bleiben. Seine&lt;br /&gt;
Ruhelosigkeit wird wachsen. Die besiegten Mächte werden weiterwühlen.&lt;br /&gt;
Sie werden zu jeder Maßnahme greifen, die die Flamme des Krieges wie-&lt;br /&gt;
der entzündet. Neugeschaffene Bewegungen von weltweiter Bedeutung&lt;br /&gt;
werden alle Kräfte für den Fortschritt ihrer Pläne aufbieten. Die Bewe-&lt;br /&gt;
gung der Linken wird große Bedeutung erlangen. Ihr Einfluß wird sich&lt;br /&gt;
ausbreiten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem jene Worte geschrieben wurden, scheint sich wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Not mit politischer Verwirrung, finanziellen Umwälzungen, religiöser&lt;br /&gt;
Ruhelosigkeit und Rassenhaß verschworen zu haben, die Last unermeßlich&lt;br /&gt;
zu vergrößern, unter der eine verarmte, kriegsmüde Welt ächzt. Die ku-&lt;br /&gt;
mulative Wirkung dieser Krisen, die mit so bestürzender Schnelligkeit&lt;br /&gt;
aufeinander folgen, ist derart, daß die Gesellschaft in ihren Grundfesten&lt;br /&gt;
erzittert. Welchen Kontinent wir auch betrachten, welches noch so abge-&lt;br /&gt;
legene Gebiet wir in den Blick fassen, überall sehen wir die Welt von&lt;br /&gt;
Mächten bedrängt, die sie weder erklären noch kontrollieren kann.&lt;br /&gt;
Europa, bis jetzt als die Wiege einer hochgepriesenen Zivilisation, als&lt;br /&gt;
Fackelträger der Freiheit und als Triebfeder der Kräfte des Handels und&lt;br /&gt;
der Industrie betrachtet, steht bestürzt und gelähmt beim Anblick eines&lt;br /&gt;
so ungeheueren Umsturzes. Lang gehegte Ideale, auf politischem nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1095&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1096|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=6}}weniger als auf wirtschaftlichem Gebiet menschlicher Tätigkeit, werden&lt;br /&gt;
einerseits unter dem Druck reaktionärer Mächte, andererseits von einem&lt;br /&gt;
heimtückischen und hartnäckigen Radikalismus schwer geprüft. Aus dem&lt;br /&gt;
Herzen Asiens kündet fernes, unheildrohendes und beharrliches Grollen&lt;br /&gt;
den steten Vormarsch einer Weltanschauung, die durch ihre Leugnung&lt;br /&gt;
Gottes, Seiner Gesetze und Leitsätze die Grundlagen der menschlichen&lt;br /&gt;
Gesellschaft aufzubrechen droht. Der Lärm eines wachsenden Nationalis-&lt;br /&gt;
mus, gepaart mit dem Wiederaufleben von Skeptizismus und Unglauben,&lt;br /&gt;
kommt als zusätzliches Unglück über einen Kontinent, der bis jetzt als das&lt;br /&gt;
Symbol jahrhundertelanger Stabilität und ungestörter politischer Ent-&lt;br /&gt;
sagung galt. Im dunkelsten Afrika kann man die ersten Regungen einer&lt;br /&gt;
bewußten und entschlossenen Revolte gegen die Ziele und Methoden des&lt;br /&gt;
politischen und wirtschaftlichen Imperialismus in steigendem Maße er-&lt;br /&gt;
kennen, einer Revolte, die ihr Teil zu den wachsenden Veränderungen&lt;br /&gt;
eines geplagten Zeitalters beiträgt. Nicht einmal Amerika, das bis vor&lt;br /&gt;
kurzem stolz auf seine traditionelle Abgeschiedenheit und seine wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Selbstversorgung, auf die Unverletzbarkeit seiner Einrichtun-&lt;br /&gt;
gen und die Beweise seines wachsenden Wohlstandes und Ansehens war,&lt;br /&gt;
konnte den Triebkräften standhalten, die es in den Strudel eines wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Wirbelsturms zogen, der nun die Grundlagen seines eigenen&lt;br /&gt;
industriellen und wirtschaftlichen Lebens zu entkräften droht. Selbst das&lt;br /&gt;
entlegene Australien, das dank seiner Entfernung von den Sturmzentren&lt;br /&gt;
Europas gegen die Prüfungen und Plagen eines leidenden Kontinents ge-&lt;br /&gt;
feit scheinen konnte, wurde von diesem Wirbel der Leidenschaft und des&lt;br /&gt;
Kampfes erfaßt, unfähig, sich aus den Verstrickungen zu lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichen des drohenden Chaos&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat gab es nie zuvor so weitverbreitete und so tiefgreifende Um-&lt;br /&gt;
wälzungen in der sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Sphäre&lt;br /&gt;
menschlichen Wirkens, wie sie jetzt in verschiedenen Teilen der Welt vor&lt;br /&gt;
sich gehen. Nie gab es so viele, so verschiedenartige Gefahrenherde, wie&lt;br /&gt;
sie jetzt die Struktur der Gesellschaft bedrohen. Bedeutsam sind wahrlich&lt;br /&gt;
die folgenden Worte Bahä’u’llähs, wenn wir innehalten, um über den ge-&lt;br /&gt;
genwärtigen Zustand einer seltsam verwirrten Welt nachzudenken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie lange wird die Menschheit in ihrem Eigensinn verharren? Wie&lt;br /&gt;
lange wird das Unrecht fortbestehen? Wie lange sollen Chaos und Ver-&lt;br /&gt;
wirrung unter den Menschen herrschen? Wie lange wird Zwietracht das&lt;br /&gt;
Antlitz der Gesellschaft zerwühlen? Die Winde der Verzweiflung wehen&lt;br /&gt;
aus jeder Richtung, und der Hader, der die Menschenrasse spaltet und&lt;br /&gt;
peinigt, nimmt täglich zu. Drohend zeichnen sich chaotische Krämpfe ab,&lt;br /&gt;
zumal die bestehende Ordnung jämmerlich unvollkommen erscheint.“&lt;br /&gt;
(Ährenlese CX)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unruhefaktor von über 30 Millionen Menschen, die auf dem euro-&lt;br /&gt;
päischen Kontinent als Minderheiten leben; die große, noch weiter wach-&lt;br /&gt;
sende Armee der Arbeitslosen mit ihren erdrückenden Lasten und ihrem&lt;br /&gt;
demoralisierenden Einfluß auf Regierungen und Völker, das niederträch-&lt;br /&gt;
tige, zügellose Wettrüsten, das den bereits verarmten Nationen immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1096&lt;br /&gt;
{{page|1097|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=7}}größere Teile ihrer Substanz wegzehrt, die völlige Demoralisierung, unter&lt;br /&gt;
der die internationalen Finanzmärkte in steigendem Maße leiden, die Ver-&lt;br /&gt;
weltlichung, die alles, was bis jetzt als die unbezwingbaren Stützen des&lt;br /&gt;
Christentums und des Islams erachtet wurde, angreift und durchdringt —&lt;br /&gt;
alle diese Erscheinungen stechen als die ernstesten Symptome hervor, als&lt;br /&gt;
unheilvolles Omen für die künftige Stabilität der modernen Zivilisation.&lt;br /&gt;
Kein Wunder, daß einer der führenden Denker Europas, der ob seiner&lt;br /&gt;
Weisheit und Zurückhaltung geschätzt wird, sich zu der kühnen Fest-&lt;br /&gt;
stellung gezwungen sah: „Die Welt macht die schlimmste Krise der Kul-&lt;br /&gt;
turgeschichte durch.“ „Wir stehen,“ schreibt ein anderer, „entweder vor&lt;br /&gt;
einer Weltkatastrophe oder aber am Tagesanbruch eines größeren Zeit-&lt;br /&gt;
alters der Wahrheit und der Weisheit.“ „Gerade in solchen Zeiten“, fügt&lt;br /&gt;
er hinzu, „sind Religionen untergegangen und geboren worden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir nicht, wenn wir den politischen Horizont absuchen, schon&lt;br /&gt;
die Trennlinien jener Kräfte erkennen, die von neuem den europäischen&lt;br /&gt;
Kontinent in mögliche Kriegslager teilen, jedes zu einem Kampf ent-&lt;br /&gt;
schlossen, der ungleich dem letzten Krieg das Ende einer Epoche, einer&lt;br /&gt;
gewaltigen Epoche in der Geschichte der menschlichen Entwicklung, dar-&lt;br /&gt;
stellen würde? Sind wir als die bevorrechtigten Bewahrer eines unschätz-&lt;br /&gt;
baren Glaubens dazu berufen, Zeugen einer sintflutartigen Umwälzung&lt;br /&gt;
zu sein, politisch so tiefgreifend und geistig so segensreich wie der Unter-&lt;br /&gt;
gang des weströmischen Reiches? Könnte es nicht dazu kommen, — jeder&lt;br /&gt;
wachsame Anhänger des Glaubens Bahä’u’llähs sollte wohl innehalten,&lt;br /&gt;
um dies zu überdenken — daß aus dieser Welteruption Kräfte von einer&lt;br /&gt;
geistigen Energie strömen, wie sie den Glanz jener Zeichen und Wunder,&lt;br /&gt;
welche die Errichtung des Glaubens Jesu Christi begleiteten, in Erinne-&lt;br /&gt;
rung rufen oder gar in den Schatten stellen? Könnte nicht aus dem To-&lt;br /&gt;
deskampf dieser erschütterten Welt eine religiöse Erneuerung von solchem&lt;br /&gt;
Umfang und solcher Kraft hervorgehen, daß sie sogar die weltbewegende&lt;br /&gt;
Wirkkraft übertrifft, mit der die früheren Religionen, in bestimmten Zeit-&lt;br /&gt;
abständen und einer unergründlichen Weisheit gemäß, gefallenen Völkern&lt;br /&gt;
und Zeiten neue Lebensschicksale eröffneten? Könnte nicht der Bankrott&lt;br /&gt;
der gegenwärtigen, hochgepriesenen materialistischen Zivilisation als sol-&lt;br /&gt;
cher das rankende Unkraut hinwegreißen, das heute Gottes ringenden&lt;br /&gt;
Glauben an der Entfaltung und an der nachfolgenden Blüte hindert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie Bahä’u’lläh selbst die Leuchtkraft Seiner Worte auf unsere&lt;br /&gt;
Bahn ergießen, während wir unseren Kurs zwischen den Fallgruben und&lt;br /&gt;
Trübsalen dieses gequälten Zeitalters hindurchsteuern. Vor über fünfzig&lt;br /&gt;
Jahren (um 1880) und in einer Welt, der die Übel und Anfechtungen, die&lt;br /&gt;
sie jetzt peinigen, noch ferne lagen, entflossen Seiner Feder die folgenden&lt;br /&gt;
prophetischen Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Welt liegt in Wehen, und ihre Erregung wächst von Tag zu Tag.&lt;br /&gt;
Ihr Antlitz ist auf Eigensinn und Unglauben gerichtet. Ihr Zustand wird&lt;br /&gt;
so werden, daß es nicht angemessen und schicklich wäre, ihn jetzt zu ent-&lt;br /&gt;
hüllen. Lange wird ihre Verderbtheit währen. Und wenn die festgesetzte&lt;br /&gt;
Stunde kommt, wird plötzlich erscheinen, was der Menschheit Glieder zit-&lt;br /&gt;
tern macht. Dann und nur dann wird das göttliche Banner entfaltet, und&lt;br /&gt;
die Nachtigall des Paradieses wird ihr Lied singen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1097&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1098|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unfähigkeit der Diplomatie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innig geliebte Freunde! Ob wir die Menschheit im Lichte der persön-&lt;br /&gt;
lichen Lebensführung oder der Beziehungen zwischen den organisierten&lt;br /&gt;
Gemeinschaften und Nationen betrachten, sie ist leider zu weit abgeirrt,&lt;br /&gt;
hat einen zu tiefen Niedergang erlitten, als daß sie allein durch die un-&lt;br /&gt;
beholfenen Anstrengungen selbst der besten unter ihren anerkannten&lt;br /&gt;
Herrschern und Staatsmännern — wie uneigennützig sie in ihren Beweg-&lt;br /&gt;
gründen, wie konzertiert sie in ihrer Aktion, wie zäh sie in ihrem Eifer&lt;br /&gt;
und wie ergeben sie gegenüber ihrer Sache auch seien — erlöst werden&lt;br /&gt;
könnte. Kein Plan, den die Berechnungen höchster Staatskunst noch er-&lt;br /&gt;
sännen, kein Lehrgebäude, das die hervorragendsten Vertreter der Wirt-&lt;br /&gt;
schaftstheorie noch errichteten, kein Grundsatz, den der glühendste Mo-&lt;br /&gt;
ralist noch aufimpfen wollte, können letztenendes ausreichende Grund-&lt;br /&gt;
lagen bieten, auf die die Zukunft einer verrückt gewordenen Welt gebaut&lt;br /&gt;
werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Aufruf zu gegenseitiger Duldsamkeit, den die Weltweisen erheben,&lt;br /&gt;
wie zwingend und nachdrücklich er auch sein mag, kann die Leidenschaf-&lt;br /&gt;
ten dieser Welt beruhigen oder ihr helfen, ihre Lebenskraft zurückzuge-&lt;br /&gt;
winnen. Auch hat kein Gesamtplan rein organisatorischer Zusammen-&lt;br /&gt;
arbeit, auf welchem Gebiet menschlicher Tätigkeit er sich immer bewegt,&lt;br /&gt;
wie geistreich er erdacht und wie umfassend er auch aufgefaßt wird, den&lt;br /&gt;
gewünschten Erfolg, wenn es darum geht, die Grundursache des Übels zu&lt;br /&gt;
beseitigen, das die heutige Gesellschaft so hart aus dem Gleichgewicht ge-&lt;br /&gt;
worfen hat. Ja, ich wage zu behaupten, daß nicht einmal der eigentliche&lt;br /&gt;
Vorgang des Ersinnens einer Maschinerie, wie sie für die politische und&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Vereinigung der Menschheit erforderlich ist — eine Grund-&lt;br /&gt;
forderung, die in letzter Zeit immer stärker vertreten wird — daß nicht&lt;br /&gt;
einmal dieser Vorgang aus sich selbst heraus das Heilmittel gegen das&lt;br /&gt;
Gift bieten könnte, welches ständig die Kraftreserven der entwickelten&lt;br /&gt;
Völker und Nationen auszehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sonst, so können wir getrost behaupten, als die vorbehaltlose An-&lt;br /&gt;
nahme des göttlichen Programms, das Bahä’u’lläh vor sechzig Jahren (um&lt;br /&gt;
1870) mit solcher Macht und Schlichtheit verkündet hat, eines Programms,&lt;br /&gt;
das in seinen Wesenszügen Gottes Plan für die Vereinigung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit in diesem Zeitalter beinhaltet, kann in Verbindung mit der unüber-&lt;br /&gt;
windlichen Gewißheit der sicheren Wirkung aller seiner Vorkehrungen&lt;br /&gt;
schließlich den Kräften innerer Auflösung widerstehen, die sich, wenn&lt;br /&gt;
ihnen kein Einhalt geboten wird, immer tiefer in das Mark einer verzwei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.felten Gesellschaft hineinfressen? Diesem Ziel — dem Ziel einer neuen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltordnung, göttlich im Ursprung, allumfassend in der Reichweite, un-&lt;br /&gt;
parteiisch im Grundsatz, herausfordernd im Charakter — muß eine ge-&lt;br /&gt;
quälte Menschheit zustreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu behaupten, alle Zusammenhänge von Bahä’u’llähs gewaltigem Plan&lt;br /&gt;
weltweiter Solidarität erfaßt oder seine Bedeutung ergründet zu haben,&lt;br /&gt;
wäre selbst von seiten der erklärten Anhänger Seines Glaubens vermes-&lt;br /&gt;
sen. Ja, der Versuch, sich diesen Plan mit all seinen Möglichkeiten vor-&lt;br /&gt;
zustellen, seine künftigen Vorteile abzuschätzen, sich seine Größe auszu-&lt;br /&gt;
malen, wäre sogar in dem heute so fortgeschrittenen Stadium der Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Menschheit verfrüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1098&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1099|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=9}}Die Leitsätze der Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das einzige, was wir vernünftigerweise versuchen können, ist, uns zu&lt;br /&gt;
bemühen, einen Schimmer der ersten Lichtstreifen der verheißenen Däm-&lt;br /&gt;
merung zu erhaschen, die, wenn die Zeit gekommen ist, das die Mensch-&lt;br /&gt;
heit umschließende Dunkel verjagen wird. Lediglich in groben Zügen kön-&lt;br /&gt;
nen wir herausstellen, was uns als die leitenden Prinzipien erscheint, die&lt;br /&gt;
der Weltordnung Bahä’u’llähs zugrunde liegen, wie sie ‘Abdu’l-Bahá, der&lt;br /&gt;
Mittelpunkt Seines Bündnisses mit der ganzen Menschheit und ernannte&lt;br /&gt;
Ausleger und Erklärer Seines Wortes, ausführlich dargestellt und erläu-&lt;br /&gt;
tert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Unruhe und das Leid, die die Masse der Menschheit peinigen,&lt;br /&gt;
in einem nicht geringen Maße dem Weltkrieg und der Unklugheit und&lt;br /&gt;
Kurzsichtigkeit der Gestalter der Friedensverträge unmittelbar zuzu-&lt;br /&gt;
schreiben sind, kann nur ein Voreingenommener sich weigern zuzugeben.&lt;br /&gt;
Daß die finanziellen Verpflichtungen, die im Laufe des Krieges einge-&lt;br /&gt;
gangen wurden, wie auch die erdrückende Bürde der Reparationen, die&lt;br /&gt;
auf den Besiegten lastete, in großem Maße verantwortlich waren für die&lt;br /&gt;
schlechte Verteilung und die daraus folgende Verknappung der Vorräte an&lt;br /&gt;
Währungsgold in der Welt, was hinwieder die noch nie dagewesenen&lt;br /&gt;
Preisstürze wesentlich verschlimmerte und dabei die Lasten der verarm-&lt;br /&gt;
ten Länder unbarmherzig erhöhte, wird kein Unparteiischer in Frage&lt;br /&gt;
stellen. Daß die zwischenstaatlichen Schulden die Massen der Bevölke-&lt;br /&gt;
rung gefährlich überbeanspruchten, das Gleichgewicht der Staatshaus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während einer Lehrreise durch Afrika besuchte ‘Amatu’l-Bahäd, die Gat-&lt;br /&gt;
tin des verstorbenen Hüters Shoghi Effendi, auch das Haus der Anbetung&lt;br /&gt;
in Kampala. Unser Bild zeigt sie inmitten der dortigen Bahä’:.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1099&lt;br /&gt;
{{page|1100|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
halte umwarfen, die nationalen Industrien lähmten und die Arbeitslosen-&lt;br /&gt;
zahlen steigerten, ist dem vorurteilsfreien Beobachter nicht weniger of-&lt;br /&gt;
fensichtlich. Daß der Geist der Rache, des Argwohns, der Furcht und der&lt;br /&gt;
Rivalität, den der Krieg hervorrief und den die Bestimmungen der Frie-&lt;br /&gt;
densverträge verewigen und fördern halfen, zu einem enormen Anwachsen&lt;br /&gt;
des internationalen Wettrüstens führte, was im letzten Jahr (1930) Ge-&lt;br /&gt;
samtausgaben von nicht weniger als einer Milliarde Pfund ausmachte und&lt;br /&gt;
die weltweite Depression verschärfte, ist eine Wahrheit, die sogar der&lt;br /&gt;
oberfiächlichste Beobachter bereitwillig zugeben wird. Daß ein engstirni-&lt;br /&gt;
ger, brutaler Nationalismus, den die Nachkriegstheorie des Selbstbestim-&lt;br /&gt;
mungsrechts verstärken half, hauptverantwortlich ist für die Politik über-&lt;br /&gt;
höhter, ja prohibitiver Zölle, die dem heilsamen Strom des internationa-&lt;br /&gt;
len Handels ebenso schaden wie dem Mechanismus des internationalen&lt;br /&gt;
Finanzwesens, ist eine Tatsache, die nur wenige anzufechten wagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behauptung wäre jedoch müßig, allein der Krieg mit all seinen&lt;br /&gt;
Folgeschäden, seinen entfesselten Leidenschaften und seiner Hinterlas-&lt;br /&gt;
senschaft an Leid sei verantwortlich für die noch nie dagewesene Ver-&lt;br /&gt;
wirrung, in die fast jeder Lebensbereich der zivilisierten Welt gegen-&lt;br /&gt;
wärtig gestürzt ist. Ist es nicht eine Tatsache — und das ist der Kernge-&lt;br /&gt;
danke, den ich hier betonen möchte — daß die grundlegende Ursache die-&lt;br /&gt;
ser weltweiten Unruhe nicht so sehr den Auswirkungen dessen zuzu-&lt;br /&gt;
schreiben ist, was man früher oder später als eine vorübergehende Ge-&lt;br /&gt;
wichtsverlagerung in den Angelegenheiten einer sich ständig wandelnden&lt;br /&gt;
Welt betrachten wird, sondern vielmehr dem Versäumnis jener, die die&lt;br /&gt;
unmittelbaren Schicksale von Völkern und Nationen in Händen halten —&lt;br /&gt;
dem Versäumnis, ihr System wirtschaftlicher und politischer Einrichtun-&lt;br /&gt;
gen den zwingenden Notwendigkeiten eines Zeitalters stürmischer Ent-&lt;br /&gt;
wicklung anzupassen? Gehen diese immer wiederkehrenden Krisen, die&lt;br /&gt;
die heutige Gesellschaft durchzucken, nicht hauptsächlich zu Lasten der&lt;br /&gt;
bedauerlichen Unfähigkeit der anerkannten Führer in der Welt, die Zei-&lt;br /&gt;
chen der Zeit richtig zu lesen, sich ein für allemal von vorgefaßten Mei-&lt;br /&gt;
nungen und engen Glaubensvorstellungen zu lösen und das Räderwerk&lt;br /&gt;
ihrer jeweiligen Regierungen nach den Maßstäben zu erneuern, die sich&lt;br /&gt;
aus Bahä’u’llähs Verkündigung der Einheit der Menschheit, dem haupt-&lt;br /&gt;
sächlichen und hervorragenden Merkmal Seines Glaubens, zwingend er-&lt;br /&gt;
geben? Denn das Prinzip der Einheit der Menschheit, der Eckstein der&lt;br /&gt;
weltumspannenden Herrschaft Bahä’u’llähs, erfordert nicht mehr und&lt;br /&gt;
nicht weniger als die Durchführung Seines Planes zur Vereinigung der&lt;br /&gt;
Welt — des Planes, den wir bereits erwähnt haben. „In jeder Sendung“,&lt;br /&gt;
schreibt ‘Abdu’l-Bahá, „war das Licht göttlicher Führung brennpunkt-&lt;br /&gt;
artig auf ein zentrales Thema gerichtet... In dieser wunderbaren Offen-&lt;br /&gt;
barung, in diesem herrlichen Jahrhundert, ist die Grundlage des Glau-&lt;br /&gt;
bens Gottes und das hervorstechende Merkmal Seines Gesetzes das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein der Einheit der Menschheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kläglich sind doch die Bemühungen jener Führer menschlicher Ein-&lt;br /&gt;
richtungen, die in völliger Mißachtung des Zeitgeistes bestrebt sind, na-&lt;br /&gt;
tionale Verfahrensweisen, die den früheren Tagen selbstgenügsamer Na-&lt;br /&gt;
tionen entsprachen, einem Zeitalter anzupassen, das entweder, wie von&lt;br /&gt;
Bahä’u’llaäh vorgezeichnet, die Einheit der Welt erreichen oder aber zu-&lt;br /&gt;
grunde gehen muß. In einer so kritischen Stunde der Kulturgeschichte ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1100&lt;br /&gt;
{{page|1101|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=11}}ziemt es den Führern aller Nationen der Erde, groß und klein, im Osten&lt;br /&gt;
wie im Westen, Sieger oder Besiegte, dem Posaunenruf Bahä’u’llähs Be-&lt;br /&gt;
achtung zu schenken und, völlig durchdrungen von einem Empfinden der&lt;br /&gt;
Weltsolidarität, dem sine qua non der Treue zu Seiner Sache, sich mann-&lt;br /&gt;
haft zu erheben, um den einen Heilsplan, den Er, der göttliche Arzt, für&lt;br /&gt;
eine gequälte Menschheit verordnet hat, zur Gänze durchzuführen. Mögen&lt;br /&gt;
sie ein für allemal jede vorgefaßte Meinung, jedes nationale Vorurteil&lt;br /&gt;
ablegen und den erhabenen Rat ‘Abdu’l-Bahás, des autorisierten Erklä-&lt;br /&gt;
rers Seiner Lehren, beachten: „Sie können Ihrem Land am besten dienen,“&lt;br /&gt;
erwiderte ‘Abdu’l-Bahá einem hohen Beamten im Dienste der Bundes-&lt;br /&gt;
regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, der Ihn gefragt hatte, wie&lt;br /&gt;
er die Interessen seiner Regierung und seines Volkes am besten fördern&lt;br /&gt;
könnte, „indem Sie in Ihrer Eigenschaft als Weltbürger bestrebt sind&lt;br /&gt;
mitzuhelfen, daß die Prinzipien des Föderalismus, die der Regierung&lt;br /&gt;
Ihres eigenen Landes zugrunde liegen, endlich auf die Beziehungen an-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gewandt werden, die jetzt zwischen den Völkern und Nationen der Welt&lt;br /&gt;
bestehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In „Das Geheimnis göttlicher Kultur“, jenem hervorragenden Beitrag&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás zur künftigen Neuordnung der Welt, lesen wir folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten,&lt;br /&gt;
sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen und hochgesinnten Herrscher&lt;br /&gt;
— leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschlossenheit — mit&lt;br /&gt;
festem Entschluß und klarem Blick zu Nutz und Glück der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit daran geht, den Weltfrieden zu stiften. Sie müssen die Frie-&lt;br /&gt;
densfrage zum Gegenstand gemeinsamer Beratung machen und mit allen&lt;br /&gt;
ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu&lt;br /&gt;
schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schlie-&lt;br /&gt;
ßen, dessen Verfügungen eindeutig, unverletzlich und bestimmt sind. Sie&lt;br /&gt;
müssen ihn der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung der ge-&lt;br /&gt;
samten Menschenrasse für ihn erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses erhabene und edle Unterfangen — der wahre Quell des Frie-&lt;br /&gt;
dens und Wohlergehens für alle Welt — sollte allen, die auf Erden woh-&lt;br /&gt;
nen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht werden,&lt;br /&gt;
um die Dauer und den Bestand dieses größten aller Bündnisse zu sichern.&lt;br /&gt;
In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen&lt;br /&gt;
Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Re-&lt;br /&gt;
gierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle in-&lt;br /&gt;
ternationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In&lt;br /&gt;
gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung ge-&lt;br /&gt;
nauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbe-&lt;br /&gt;
reitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet würde, so&lt;br /&gt;
würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt werden. Die Hauptgrund-&lt;br /&gt;
lage dieses feierlichen Vertrages sollte so festgelegt werden, daß bei einer&lt;br /&gt;
späteren Verletzung irgendeiner Bestimmung durch irgendeine Regierung&lt;br /&gt;
sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unter-&lt;br /&gt;
werfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die gesamte Menschheit&lt;br /&gt;
sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene&lt;br /&gt;
Regierung zu vernichten. Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den&lt;br /&gt;
kranken Weltkörper angewandt werden, so wird er sich gewiß wieder&lt;br /&gt;
von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1101&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1102|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Einzelne“, fügte Er weiter hinzu, „welche die im menschlichen Streben&lt;br /&gt;
ruhende Kraft nicht kennen, halten diese Gedanken für völlig undurch-&lt;br /&gt;
führbar, ja für jenseits dessen, was selbst die äußersten Anstrengungen&lt;br /&gt;
des Menschen je erreichen können; doch dies ist nicht der Fall. Im Ge-&lt;br /&gt;
genteil kann dank der unerschöpflichen Gnade Gottes, der Herzensgüte&lt;br /&gt;
Seiner Begünstigten, den beispiellosen Bemühungen weiser und fähiger&lt;br /&gt;
Seelen und den Gedanken der unvergleichlichen Führer dieses Zeitalters&lt;br /&gt;
nichts, was es auch sei, als unerreichbar angesehen werden. Eifer, un-&lt;br /&gt;
ermüdlicher Eifer ist nötig. Nur unbezähmbare Entschlußkraft kann das&lt;br /&gt;
Werk vollbringen. Manches hat man in vergangenen Zeiten als reines&lt;br /&gt;
Hirngespinst betrachtet; heute ist es leicht durchführbar geworden.&lt;br /&gt;
Warum sollte diese wichtigste und erhabenste Sache — das Tagesgestirn&lt;br /&gt;
am Himmelszelt wahrer Kultur und die Ursache des Ruhmes, des Fort-&lt;br /&gt;
schrittes, des Wohlergehens und Erfolges der ganzen Menschheit — un-&lt;br /&gt;
möglich sein? Der Tag wird sicher kommen, an dem ihr klares Licht Er-&lt;br /&gt;
leuchtung über die gesamte Menschheit gießen wird.“ !)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Lichtstrahlen der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Sein hehres Thema weiter zu erläutern, offenbarte ‘Abdu’l-Bahá in&lt;br /&gt;
einem Seiner Sendschreiben folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Obwohl in vergangenen Religionszyklen Einklang begründet wurde,&lt;br /&gt;
war in Ermangelung der (technisch-ökonomischen) Mittel die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit unerreichbar. Die Kontinente blieben weit voneinander ge-&lt;br /&gt;
trennt, ja sogar unter den Völkern eines und desselben Kontinents waren&lt;br /&gt;
Verbindung und Austausch nahezu unmöglich. Infolgedessen waren der&lt;br /&gt;
Umgang, die Verständigung und die Einheit zwischen allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde fast unerreichbar. Heute jedoch haben sich die&lt;br /&gt;
Kommunikationsmittel vervielfacht, und die fünf Kontinente der Erde&lt;br /&gt;
sind zu einem Ganzen verschmolzen... Ebenso sind alle Glieder der&lt;br /&gt;
menschlichen Familie, ob Völker oder Regierungen, Städte oder Dörfer,&lt;br /&gt;
in steigendem Maße voneinander abhängig geworden. Keiner kann mehr&lt;br /&gt;
in Selbstgenügsamkeit leben, weil politische Bindungen alle Völker und&lt;br /&gt;
Nationen vereinen und die Bande des Handels und der Industrie, der&lt;br /&gt;
Landwirtschaft und des Bildungswesens Tag für Tag stärker werden.&lt;br /&gt;
Folglich ist die Einheit der ganzen Menschheit heutzutage erreichbar ge-&lt;br /&gt;
worden. Wahrlich, dies ist nichts anderes als eines der Wunder dieses&lt;br /&gt;
wunderbaren Zeitalters, dieses ruhmreichen Jahrhunderts. Die vergange-&lt;br /&gt;
nen Zeitalter waren all dessen beraubt, denn dieses Jahrhundert — das&lt;br /&gt;
Jahrhundert des Lichtes — ist mit einzigartiger, unvergleichlicher Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit, mit Macht und Erleuchtung ausgestattet worden. Schließlich wird&lt;br /&gt;
man sehen, wie hell seine Lichtstrahlen in der Gemeinschaft der Men-&lt;br /&gt;
schen leuchten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seht, wie dieses Licht nun am dunklen Horizont der Welt zu däm-&lt;br /&gt;
mern beginnt! Der erste Lichtstrahl ist die Einheit im politischen Be-&lt;br /&gt;
reich; der-allererste Schimmer davon läßt sich nunmehr erkennen. Der&lt;br /&gt;
zweite Lichtstrahl ist die Einheit des Denkens in weltweiten Unterneh-&lt;br /&gt;
mungen, die bald vollzogen werden wird. Der dritte Lichtstrahl ist die&lt;br /&gt;
Einheit in der Freiheit, die sicherlich eintreten wird. Der vierte Licht-&lt;br /&gt;
strahl ist die Einheit in der Religion, der Eckstein, auf dem die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1102&lt;br /&gt;
{{page|1103|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=13}}lage ruht; auch sie wird durch die Macht Gottes in ihrer ganzen Strah-&lt;br /&gt;
lenfülle offenbar werden. Der fünfte Lichtstrahl ist die Einheit der Na-&lt;br /&gt;
tionen — eine Einheit, die in diesem Jahrhundert fest begründet werden&lt;br /&gt;
wird, so daß sich alle Völker der Welt als Bürger eines gemeinsamen Va-&lt;br /&gt;
terlandes betrachten. Der sechste Lichtstrahl ist die Einheit der Rassen,&lt;br /&gt;
die alle, die auf Erden wohnen, zu Völkern und Geschlechtern einer Rasse&lt;br /&gt;
macht. Der siebte Lichtstrahl ist die Einheit der Sprache, d.h. die Wahl&lt;br /&gt;
einer universalen Sprache, in der alle Menschen unterrichtet werden und&lt;br /&gt;
miteinander verkehren. All dies wird unvermeidlich eintreten, weil die&lt;br /&gt;
Macht des Reiches Gottes seine Verwirklichung fördern und unterstützen&lt;br /&gt;
wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Welt-Überstaat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Seinem Sendschreiben an Königin Viktoria wandte sich Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
vor über 60 Jahren (um 1870) an die „Schar der Herrscher auf Erden“&lt;br /&gt;
und offenbarte folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Beratet miteinander und laßt euch nur das angelegen sein, was der&lt;br /&gt;
Menschheit nützt und ihre Lage bessert... Betrachtet die Welt wie einen&lt;br /&gt;
menschlichen Körper. Obwohl er bei seiner Erschaffung gesund und voll-&lt;br /&gt;
kommen war, ist er aus verschiedenen Ursachen von schweren Störungen&lt;br /&gt;
und Krankheiten befallen worden. Keinen einzigen Tag lang wurde ihm&lt;br /&gt;
Linderung zuteil, nein, im Gegenteil, sein Übel verschlimmerte sich, weil&lt;br /&gt;
er in die Behandlung unwissender Ärzte fiel, die ihren persönlichen&lt;br /&gt;
Wünschen nachgaben und sich schmählich irrten. Wenn einmal durch die&lt;br /&gt;
Sorgfalt eines fähigen Arztes ein Glied des Körpers geheilt wurde, so&lt;br /&gt;
blieb dennoch der übrige Teil so leidend wie zuvor. So unterrichtet euch&lt;br /&gt;
der Allwissende, der Allweise... Was der Herr als höchstes Mittel und&lt;br /&gt;
mächtigstes Werkzeug für die Heilung der ganzen Welt bestimmt hat, ist&lt;br /&gt;
die Vereinigung aller ihrer Völker in einer allumfassenden Sache, einem&lt;br /&gt;
gemeinsamen Glauben. Dies kann nicht anders erreicht werden als durch&lt;br /&gt;
die Kraft eines erfahrenen, allgewaltigen und erleuchteten Arztes. Wahr-&lt;br /&gt;
lich, dies ist die Wahrheit und alles andere nichts als Irrtum.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem weiteren Abschnitt fügt Bahä’u’lläh diese Worte hinzu: „Wir&lt;br /&gt;
sehen euch jedes Jahr eure Ausgaben vermehren und deren Lasten euren&lt;br /&gt;
Untertanen aufbürden. Das ist, wahrlich, höchst ungerecht. Fürchtet die&lt;br /&gt;
Seufzer und Tränen dieses Unterdrückten und ladet nicht übermäßige&lt;br /&gt;
Lasten auf eure Völker... Versöhnt euch miteinander, so daß ihr nicht&lt;br /&gt;
mehr Kriegsrüstungen benötigt, als dem Schutz eurer Gebiete und Län-&lt;br /&gt;
der angemessen ist. Hütet euch, den Rat des Allwissenden, des Glaubwür-&lt;br /&gt;
digen, zu mißachten. Seid einig, o Herrscher der Erde, denn dadurch wird&lt;br /&gt;
der Sturm des Haders gestillt, und eure Völker finden Ruhe... Sollte&lt;br /&gt;
einer unter euch gegen einen anderen die Waffen ergreifen, so erhebt&lt;br /&gt;
euch alle gegen ihn, denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was anderes können diese schwerwiegenden Worte bedeuten als den&lt;br /&gt;
Hinweis, daß die Begrenzung der uneingeschränkten nationalen Souverä-&lt;br /&gt;
nität als unerläßlicher erster Schritt zur Bildung des künftigen Gemein-&lt;br /&gt;
wesens aller Nationen der Erde unumgänglich geworden ist? Ein Welt-&lt;br /&gt;
Überstaat, an den alle Nationen der Erde willig den Anspruch, Krieg zu&lt;br /&gt;
führen, gewisse Rechte der Erhebung von Steuern und alle Rechte auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1103&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1104|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegsrüstungen außer zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in&lt;br /&gt;
ihren Gebieten abtreten — ein solcher Staat muß notwendigerweise in&lt;br /&gt;
irgendeiner Form entwickelt werden. Sein Organisationsrahmen wird&lt;br /&gt;
eine internationale Exekutive einschließen müssen, die jedem wider-&lt;br /&gt;
spenstigen Mitglied der Gemeinschaft ihre unumschränkte und unantast-&lt;br /&gt;
bare Autorität aufzwingen kann; ein Weltparlament, dessen Mitglieder&lt;br /&gt;
durch das Volk aller Länder gewählt werden und in ihrer Amtsüber-&lt;br /&gt;
nahme von den jeweiligen Regierungen bestätigt werden, sowie einen&lt;br /&gt;
Obersten Gerichtshof, dessen Urteil bindende Gültigkeit haben wird,&lt;br /&gt;
selbst in Fällen, in denen die Parteien ihren Streit nicht freiwillig seiner&lt;br /&gt;
Rechtsfindung unterwerfen. Eine Weltgemeinschaft, in der alle wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Schranken für immer niedergerissen werden, in der die ge-&lt;br /&gt;
genseitige Abhängigkeit von Kapital und Arbeit ausdrücklich anerkannt&lt;br /&gt;
wird, in der das Geschrei religiösen Eifers und Streites endgültig ver-&lt;br /&gt;
stummt ist, in der die Flamme des Rassenhasses ein für allemal gelöscht&lt;br /&gt;
ist, deren einheitliches System internationalen Rechts als Ergebnis der&lt;br /&gt;
wohlüberlegten Entscheidung der weltweit vereinigten Volksvertreter&lt;br /&gt;
durch das sofortige, zwingende Eingreifen der vereinten Streitkräfte der&lt;br /&gt;
Verbündeten sanktioniert wird; und schließlich: eine Weltgemeinschaft,&lt;br /&gt;
in der der Sturm eines tollkühn-militanten Nationalismus in ein bleiben-&lt;br /&gt;
des Bewußtsein des Weltbürgertums verwandelt ist — so wahrlich sieht,&lt;br /&gt;
in groben Zügen gezeichnet, die von Bahä’u’lläh vorausgeschaute Ord-&lt;br /&gt;
nung aus, eine Ordnung, die einmal als die edelste Frucht eines langsam&lt;br /&gt;
heranreifenden Zeitalters betrachtet werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Tabernakel der Einheit“, verkündet Bahä’u’lläh in Seiner Bot-&lt;br /&gt;
schaft an die ganze Menschheit, „ist errichtet worden; betrachtet euch&lt;br /&gt;
nicht gegenseitig als Fremde... Ihr seid alle die Früchte eines Baumes&lt;br /&gt;
und die Blätter eines Zweiges. Die Erde ist nur ein Land und die Mensch-&lt;br /&gt;
heit seine Bürgerschaft. Der Mensch rühme sich nicht dessen, daß er sein&lt;br /&gt;
Land liebt, eher dessen, daß er seine Gattung liebt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit in der Mannigfaltigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der belebende Sinn des weltweiten Gesetzes Bahä’u’llähs darf keine bö-&lt;br /&gt;
sen Ahnungen hervorrufen. Weit davon entfernt, auf den Umsturz der&lt;br /&gt;
bestehenden Gesellschaftsordnung abzuzielen, sucht es ihre Grundlage zu&lt;br /&gt;
erweitern, ihre Einrichtungen in einer Weise umzugestalten, die mit den&lt;br /&gt;
Bedürfnissen einer stets sich wandelnden Welt in Einklang steht. Es kann&lt;br /&gt;
mit keiner rechtmäßigen Untertanenpflicht in Widerspruch sein, noch&lt;br /&gt;
kann es wirkliche Treue untergraben. Seine Absicht ist weder, die Flamme&lt;br /&gt;
einer vernünftigen Vaterlandsliebe in den Herzen der Menschen zu er-&lt;br /&gt;
sticken, noch den Grundsatz nationaler Selbständigkeit abzuschaffen, der&lt;br /&gt;
so wesentlich ist, wenn die Übel übertriebener Zentralisation vermieden&lt;br /&gt;
werden sollen. Es übersieht weder die Verschiedenheiten der völkischen&lt;br /&gt;
Herkunft, des Klimas, der Geschichte, Sprache und Überlieferung, des&lt;br /&gt;
Denkens und der Gewohnheit, die die Völker und Länder der Welt un-&lt;br /&gt;
terschiedlich gestalten, noch versucht es, sie auszumerzen. Es ruft nach&lt;br /&gt;
größerer Treue, stärkerem Bemühen als irgend ein anderes, das je die&lt;br /&gt;
Menschenwelt beseelt hat. Es besteht auf der Unterordnung nationaler&lt;br /&gt;
Regungen und Belange unter die zwingenden Ansprüche einer geeinten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1104&lt;br /&gt;
{{page|1105|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=15}}Welt. Es verwirft einerseits die übersteigerte Zentralisation und entsagt&lt;br /&gt;
zum andern allen Versuchen der Gleichmacherei. Seine Losung ist Einheit&lt;br /&gt;
in der Mannigfaltigkeit, wie ‘Abdu’l-Bahá selbst erklärte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Betrachtet die Blumen eines Gartens. Obwohl sie nach Art, Farbe,&lt;br /&gt;
Form und Gestalt verschieden sind, werden sie doch vom Wasser einer&lt;br /&gt;
Quelle erfrischt, vom selben Windhauch belebt und von den Strahlen&lt;br /&gt;
einer Sonne gestärkt, und so erhöht die Verschiedenheit ihren Reiz&lt;br /&gt;
und steigert ihre Schönheit. Wie unerfreulich wäre es für das Auge, wenn&lt;br /&gt;
alle Blumen und Pflanzen, Blätter und Blüten, Früchte, Zweige und&lt;br /&gt;
Bäume jenes Gartens die gleiche Form und Farbe hätten! Verschieden-&lt;br /&gt;
heit in Farbe, Form und Gestalt bereichert und verschönert den Garten&lt;br /&gt;
und erhöht dessen Ausdruck. Werden verschiedene Schattierungen von&lt;br /&gt;
Gedanken, Temperamenten und Charakteren unter der Macht und dem&lt;br /&gt;
Einfluß einer zentralen Kraftquelle zusammengeführt, so wird in gleicher&lt;br /&gt;
Weise die Schönheit und der Glanz menschlicher Vollkommenheit offen-&lt;br /&gt;
bar und sichtbar werden. Nichts als die himmlische Macht des Wortes&lt;br /&gt;
Gottes, die die Wirklichkeit aller Dinge beherrscht und übersteigt, ist&lt;br /&gt;
fähig, die auseinandergehenden Gedanken, Gefühle, Ideen und Überzeu-&lt;br /&gt;
gungen der Menschenkinder in Einklang zu bringen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ruf Bahä’w’llähs ist in erster Linie gegen jede Art von Provinzia-&lt;br /&gt;
lismus, jede Engstirnigkeit, jedes Vorurteil gerichtet. Wenn lang gehegte&lt;br /&gt;
Ideale, wenn vom Zeitgeist umschmeichelte Einrichtungen, wenn gesell-&lt;br /&gt;
schaftliche Stereotypen und religiöse Formeln das Wohl der Gesamtheit&lt;br /&gt;
aller Menschen nicht mehr fördern, wenn sie den Bedürfnissen einer sich&lt;br /&gt;
ständig entwickelnden Menschheit nicht länger gerecht werden, dann&lt;br /&gt;
fegt sie hinweg und verbannt sie in die Rumpelkammer veralteter und&lt;br /&gt;
vergessener Doktrinen! Warum sollten sie in einer Welt, die dem un-&lt;br /&gt;
beugsamen Gesetz des Wandels und des Verfalls unterliegt, von der Ent-&lt;br /&gt;
artung verschont bleiben, die alle menschlichen Einrichtungen zwangs-&lt;br /&gt;
läufig ereilt? Rechtsnormen, politische und wirtschaftliche Theorien sind&lt;br /&gt;
nur dazu da, die Interessen der Menschheit als Ganzes zu schützen; nicht&lt;br /&gt;
aber ist die Menschheit dazu da, für die unversehrte Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
eines bestimmten Gesetzes oder Lehrsatzes gekreuzigt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prinzip der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier darf sich kein Denkfehler einschleichen! Der Grundsatz der Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit — der Angelpunkt, um den alle Lehren Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
kreisen — ist kein bloßer Ausdruck unkundiger Gefühlsseligkeit oder un-&lt;br /&gt;
klarer frommer Hoffnung. Sein Ruf ist nicht gleichbedeutend mit einer&lt;br /&gt;
bloßen Wiedererweckung des Geistes der Brüderlichkeit und des guten&lt;br /&gt;
Willens unter den Menschen, noch geht es Ihm nur um die Förderung&lt;br /&gt;
harmonischer Zusammenarbeit zwischen einzelnen Völkern und Ländern.&lt;br /&gt;
Seine Folgerungen gehen tiefer, Sein Anspruch ist höher als alles, was&lt;br /&gt;
den früheren Propheten zu äußern erlaubt war. Seine Botschaft gilt nicht&lt;br /&gt;
nur dem einzelnen, sondern befaßt sich in erster Linie mit der Natur je-&lt;br /&gt;
ner notwendigen Beziehungen, die alle Staaten und Nationen als Glieder&lt;br /&gt;
einer menschlichen Familie verbinden müssen. Der Grundsatz der Einheit&lt;br /&gt;
stellt nicht nur die Verkündigung eines Ideals dar, sondern ist unzer-&lt;br /&gt;
trennlich mit einer Institution verbunden, die seine Wahrheit verkörpert,&lt;br /&gt;
seine Gültigkeit bekundet und seinen Einfluß dauernd zur Geltung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1106|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangt eine organische, strukturelle Veränderung der heutigen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft, eine Veränderung, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat. Er&lt;br /&gt;
stellt eine Herausforderung, kühn und weltumfassend, für die nationalen&lt;br /&gt;
Glaubensparolen dar, deren Zeit vorüber ist und die im normalen Ver-&lt;br /&gt;
lauf der Ereignisse, wie die Vorsehung sie formt und fügt, einem neuen&lt;br /&gt;
Evangelium Platz machen müssen, das grundlegend anders und unendlich&lt;br /&gt;
höherwertig ist als das, was die Welt bis jetzt begriffen hat. Er fordert&lt;br /&gt;
nichts Geringeres als den Wiederaufbau und die Entmilitarisierung der&lt;br /&gt;
ganzen zivilisierten Welt, einer Welt, die in allen Grundfragen des Le-&lt;br /&gt;
bens, in ihrem politischen Mechanismus, ihren geistigen Bestrebungen, in&lt;br /&gt;
Handel und Finanzwesen, Schrift und Sprache organisch zusammenge-&lt;br /&gt;
wachsen und doch in den nationalen Eigentümlichkeiten ihrer verbün-&lt;br /&gt;
deten Staatenglieder von einer unendlichen Mannigfaltigkeit ist. Er stellt&lt;br /&gt;
die Vollendung der menschlichen Entwicklung dar, einer Entwicklung, die&lt;br /&gt;
ihren Uranfang in der Geburt des Familienlebens hat, deren weitere Ent-&lt;br /&gt;
faltung zur Stammeseinheit und zur Bildung des Stadtstaates führte, und&lt;br /&gt;
die sich später zur Bildung unabhängiger, souveräner Nationen erweiterte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prinzip der Einheit der Menschheit, wie Bahä’u’lläh es verkündet,&lt;br /&gt;
bringt nicht mehr und nicht weniger als die heilige Versicherung mit sich,&lt;br /&gt;
daß der Durchbruch zu dieser letzten Stufe einer unendlich langen Ent-&lt;br /&gt;
wicklung nicht nur notwendig, sondern unumgänglich ist, daß sich seine&lt;br /&gt;
Verwirklichung rasch nähert und daß nichts außer einer Kraft, die aus&lt;br /&gt;
Gott geboren ist, ihn erfolgreich herbeiführen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine ersten Kundgebungen findet dieser von Gott empfangene Plan in&lt;br /&gt;
dem bewußten Bemühen und den bescheidenen praktischen Erfolgen der&lt;br /&gt;
erklärten Anhänger Bahä’u’llähs, die, der Erhabenheit ihrer Berufung&lt;br /&gt;
eingedenk und in die veredelnden Grundsätze Seiner Gemeinschaftsord-&lt;br /&gt;
nung eingeweiht, voranstreben, das Reich Gottes auf Erden zu errichten.&lt;br /&gt;
Mittelbar drückt sich dieser Plan in der allmählichen Verbreitung des&lt;br /&gt;
Geistes der Weltsolidarität aus, der spontan aus dem Wirrwarr einer un-&lt;br /&gt;
geordneten Gesellschaft aufsteigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre anregend, das geschichtliche Wachstum und die Entfaltung die-&lt;br /&gt;
ses erhabenen Gottesplanes, der in steigendem Maße die Aufmerksam-&lt;br /&gt;
keit der für das Schicksal von Völkern und Nationen Verantwortlichen&lt;br /&gt;
auf sich ziehen muß, zu verfolgen. Den Staaten und Fürstentümern, die&lt;br /&gt;
aus den Wirren der großen napoleonischen Umwälzung ans Licht traten&lt;br /&gt;
und deren Hauptziel es war, ihre Rechte auf selbstbestimmte Existenz&lt;br /&gt;
wiederzugewinnen oder aber ihre nationale Einheit zu erlangen, schien&lt;br /&gt;
ein Plan der Weltsolidarität nicht nur ferne Phantasie, sondern schlecht-&lt;br /&gt;
hin unbegreiflich. Erst als die Kräfte des Nationalismus die Grundlagen&lt;br /&gt;
der Heiligen Allianz, die ihre aufkommende Macht zu zügeln suchte, um-&lt;br /&gt;
gestoßen hatten, wurde die Möglichkeit einer Weltordnung, die in ihrer&lt;br /&gt;
Reichweite die politischen Einrichtungen dieser Nationen überragt, ernst-&lt;br /&gt;
haft erwogen. Erst nach dem Weltkrieg begannen diese Vertreter eines&lt;br /&gt;
hochmütigen Nationalismus damit, eine solche Weltordnung als Gegen-&lt;br /&gt;
stand einer verderblichen Lehre zu betrachten, die nur darauf abzielt, die&lt;br /&gt;
Loyalität, von der ihr nationales Leben abhängt, zu untergraben. Mit&lt;br /&gt;
demselben Nachdruck, mit dem die Mitglieder der Heiligen Allianz den&lt;br /&gt;
aufkommenden Nationalismus in den vom napoleonischen Joch befreiten&lt;br /&gt;
Völkern zu ersticken suchten, kämpften und kämpfen diese Verfechter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1106&lt;br /&gt;
{{page|1107|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=17}}einer unumschränkten nationalen Souveränität, um Grundsätze unglaub-&lt;br /&gt;
würdig zu machen, von denen ihre eigene Rettung letztlich abhängen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hitzige Opposition, die dem mißlungenen Versuch des Genfer Pro-&lt;br /&gt;
tokolls 3) entgegenprallte, der Spott, mit dem man den nachfolgenden Vor-&lt;br /&gt;
schlag der Vereinigten Staaten von Europa überschüttete, und der Fehl-&lt;br /&gt;
schlag des Rahmenplanes für eine europäische Wirtschaftsunion können&lt;br /&gt;
als Rückschläge in den Bemühungen betrachtet werden, die eine Hand-&lt;br /&gt;
voll weitsichtiger Menschen ernsthaft unternimmt, um diesem edlen Ideal&lt;br /&gt;
näher zu kommen. Und doch: Haben wir nicht das Recht, neuen Mut zu&lt;br /&gt;
schöpfen, wenn wir feststellen, daß bereits die Diskussion solcher Vor-&lt;br /&gt;
schläge ein Beweis für ihr ständiges Wachstum in den Gedanken und&lt;br /&gt;
Herzen der Menschen ist? Können wir nicht in den organisierten Versu-&lt;br /&gt;
chen, einen so erhabenen Plan zu verunglimpfen, auf einer breiteren&lt;br /&gt;
Ebene die Wiederholung jener aufwühlenden Kämpfe und hitzigen Kon-&lt;br /&gt;
troversen sehen, die der Geburt der geschlossenen Nationalstaaten des&lt;br /&gt;
Westens vorangingen und zu ihrem Wiederaufbau beitrugen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Föderation der Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun ein Beispiel: Wie überzeugt klangen die Erklärungen,&lt;br /&gt;
die in den Tagen vor der Vereinigung der Staaten des nordamerikani-&lt;br /&gt;
schen Kontinents über die unüberwindlichen Schranken auf dem Weg zu&lt;br /&gt;
diesem Zusammenschluß abgegeben wurden! Hat man nicht ausführlich&lt;br /&gt;
und nachdrücklich dargelegt, die widersprüchlichen Interessen, das ge-&lt;br /&gt;
genseitige Mißtrauen, die Unterschiede in Amtsführung und Brauchtum&lt;br /&gt;
zwischen den Staaten seien so stark, daß keine geistliche oder weltliche&lt;br /&gt;
Macht jemals hoffen dürfe, sie zu harmonisieren oder zu beherrschen?&lt;br /&gt;
Und doch, wie verschieden waren die vor 150 Jahren (um 1780) herr-&lt;br /&gt;
schenden Bedingungen von denen, die für die heutige Gesellschaft be-&lt;br /&gt;
zeichnend sind! Ohne Übertreibung kann man sagen, daß das Fehlen je-&lt;br /&gt;
ner Erleichterungen, die der neueste wissenschaftliche Fortschritt der heu-&lt;br /&gt;
tigen Menschheit dienstbar machte, das Problem, die amerikanischen Staa-&lt;br /&gt;
ten zu einem Bund zu verschweißen, weit komplizierter machte als es die&lt;br /&gt;
Aufgabe ist, der eine gespaltene Menschheit bei ihrem Bemühen um Welt-&lt;br /&gt;
einheit gegenübersteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer weiß andererseits, ob nicht für die Verwirklichung eines so erha-&lt;br /&gt;
benen Planes noch schlimmere Leiden über die Menschheit kommen müs-&lt;br /&gt;
sen als alle, die sie bis jetzt ausgestanden hat? Konnte etwas Geringeres&lt;br /&gt;
als das Feuer eines Bürgerkrieges mit all seiner Gewalttätigkeit und sei-&lt;br /&gt;
nen Wechselfällen — ein Krieg, der die große amerikanische Republik&lt;br /&gt;
fast gespalten hätte — die Staaten nicht nur zu einem Bund unabhängi-&lt;br /&gt;
ger Einheiten, sondern zu einer Nation verschmelzen, trotz all der völki-&lt;br /&gt;
schen Unterschiede, die ihre Bestandteile charakterisieren? Daß eine so&lt;br /&gt;
grundlegende Umwälzung mit einem so weitreichenden Wandel in der&lt;br /&gt;
Gesellschaftsstruktur auf dem gewöhnlichen Weg der Diplomatie und der&lt;br /&gt;
Erziehung erreicht werden kann, scheint höchst unwahrscheinlich. Wir&lt;br /&gt;
brauchen nur die blutgetränkte Menschheitsgeschichte zu betrachten, um&lt;br /&gt;
festzustellen, daß allein die heftigste geistige und körperliche Pein im-&lt;br /&gt;
stande war, derart epochemachende Wandlungen, wie sie die wichtigsten&lt;br /&gt;
Wahrzeichen der Kulturentwicklung bilden, rasch herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1107&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1108|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So groß und weitreichend jene früheren Veränderungen auch gewesen&lt;br /&gt;
sind — in ihrer richtigen Perspektive betrachtet, können sie doch nur als&lt;br /&gt;
zweitrangige Anpassungsvorgänge erscheinen, als Vorspiel für die Wand-&lt;br /&gt;
lung von einer noch nie dagewesenen Majestät und Reichweite, die die&lt;br /&gt;
Menschheit in unserem Zeitalter erdulden muß. Daß nur die Kräfte einer&lt;br /&gt;
Weltkatastrophe eine derart neue Phase menschlichen Denkens vorantrei-&lt;br /&gt;
ben können, wird leider immer deutlicher. Daß nichts Geringeres als das&lt;br /&gt;
Feuer eines harten Gottesgerichts, heftiger als je zuvor, die uneinigen&lt;br /&gt;
Elemente der heutigen Zivilisation zu sich ergänzenden Bestandteilen des&lt;br /&gt;
künftigen Weltgemeinwesens verschweißen und verschmelzen kann,&lt;br /&gt;
ist eine Wahrheit, die künftige Ereignisse immer mehr beweisen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die prophetische Stimme Bahä’u’llähs warnte in den abschließenden&lt;br /&gt;
Sprüchen der Verborgenen Worte „die Völker der Welt“, daß „unerwar-&lt;br /&gt;
tete Trübsal sie verfolgt und schmerzhafte Vergeltung ihrer harrt“ (P 63).&lt;br /&gt;
Dies wirft in der Tat ein gespenstisches Licht auf die unmittelbaren Ge-&lt;br /&gt;
schicke einer traurigen Menschheit. Nur eine Feuerprobe, aus der diese&lt;br /&gt;
Menschheit geläutert und vorbereitet wiederersteht, kann ihr ein Gefühl&lt;br /&gt;
für die Verantwortung einbrennen, welche die Führer eines neugebore-&lt;br /&gt;
nen Zeitalters auf ihre Schultern nehmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum wiederholten Male möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf jene be-&lt;br /&gt;
deutenden Worte Bahä’u’llähs lenken, die ich bereits angeführt habe:&lt;br /&gt;
„Und wenn die festgesetzte Stunde kommt, wird plötzlich erscheinen, was&lt;br /&gt;
der Menschheit Glieder zittern macht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat nicht ‘Abdu’l-Bahá selbst in unzweideutiger Sprache versichert, daß&lt;br /&gt;
„ein zweiter Krieg, grimmiger als der letzte, sicherlich ausbrechen wird“?&lt;br /&gt;
Von der Vollendung dieses kolossalen, dieses unsagbar ruhmreichen Un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ternehmens — eines Unternehmens, das die Erfindergabe römischer&lt;br /&gt;
Staatskunst in Verwirrung stürzte, vor dem die verzweifelten Kraftakte&lt;br /&gt;
eines Napoleon versagten — wird die endgültige Verwirklichung jenes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tausendjährigen Reiches abhängen, von dem die Dichter aller Zeiten&lt;br /&gt;
sangen und die Seher seit alters träumten. Von dieser Vollendung wird&lt;br /&gt;
es abhängen, daß die Verheißungen der alten Propheten sich erfüllen, wo-&lt;br /&gt;
nach die Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden und der Löwe&lt;br /&gt;
und das Lamm beisammen ruhen. Allein diese Vollendung kann zum&lt;br /&gt;
Reich des Himmlischen Vaters führen, wie es der Glaube Jesu Christi&lt;br /&gt;
verheißen hat. Allein diese Vollendung kann das Fundament für die neue&lt;br /&gt;
Weltordnung, wie sie Bahä’u’lläh vor Augen stand, legen — eine Welt-&lt;br /&gt;
ordnung, die, wenn auch nur schwach, auf Erden den unbeschreiblichen&lt;br /&gt;
Strahlenglanz des Reiches ‘Abhä widerspiegeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Wort zum Beschluß: Die Verkündigung der Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit — der Eckstein der allumfassenden Herrschaft Bahä’u’llähs —&lt;br /&gt;
kann unter keinen Umständen mit solchen Verlautbarungen frommer&lt;br /&gt;
Hoffnung verglichen werden, wie sie früher geäußert wurden. Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
hat nicht nur einen Ruf erschallen lassen, allein und ohne Hilfe im An-&lt;br /&gt;
gesicht des hartnäckigen, vereinten Widerstandes zweier der mächtigsten&lt;br /&gt;
orientalischen Herrscher Seiner Zeit, während Er selbst ein Verbannter&lt;br /&gt;
und Gefangener in ihren Händen war. Sein Ruf enthält zugleich eine&lt;br /&gt;
Warnung und ein Versprechen: eine Warnung, daß in ihm selbst das ein-&lt;br /&gt;
zige Mittel zum Heil einer grausam leidenden Welt liegt, und ein Ver-&lt;br /&gt;
sprechen, daß die Verwirklichung dieses Heils nahe bevorsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1108&lt;br /&gt;
{{page|1109|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=19}}Verkündet zu einer Zeit, als man seine Möglichkeit noch in keinem&lt;br /&gt;
Teil der Erde ernstlich ins Auge faßte, wird dieser Ruf kraft der himmli-&lt;br /&gt;
schen Macht des Geistes Bahä’u’llähs heute von einer wachsenden Zahl&lt;br /&gt;
denkender Menschen nicht nur als eine sich anbahnende Möglichkeit be-&lt;br /&gt;
trachtet, sondern als das notwendige Ergebnis der Kräfte, die in unserer&lt;br /&gt;
Welt am Werke sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich hat es diese Welt — durch den erstaunlichen Fortschritt im&lt;br /&gt;
Reich der Physik sowie durch die weltweite Ausdehnung von Handel und&lt;br /&gt;
Industrie zusammengeschrumpft und in einen eng verflochtenen Organis-&lt;br /&gt;
mus verwandelt, unter dem lastenden Druck der weltwirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Mächte und inmitten der Fallgruben einer materialistischen Zivilisation&lt;br /&gt;
— bitter nötig, daß ihr die Wahrheit, die allen Offenbarungen der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit zugrunde liegt, neu dargereicht wird, und zwar in einer Spra-&lt;br /&gt;
che, die ihren wesentlichen Bedürfnissen entspricht. Und welche Stimme&lt;br /&gt;
außer Bahä’u’lläh, dem Sprachrohr Gottes für dieses Zeitalter, ist im-&lt;br /&gt;
stande, eine Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen, so radikal wie&lt;br /&gt;
die Veränderung, die Er bereits in den Herzen jener Männer und Frauen&lt;br /&gt;
bewirkte, die aus ihrer scheinbaren Verschiedenartigkeit und Unversöhn-&lt;br /&gt;
lichkeit zur Körperschaft Seiner erklärten Anhänger auf der ganzen Erde&lt;br /&gt;
zusammengewachsen sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine so mächtige Vorstellungswelt im menschlichen Denken rasch&lt;br /&gt;
ausschlagen wird, daß sich Stimmen zu ihrer Unterstützung erheben wer-&lt;br /&gt;
den, daß ihre wesentlichen Strukturen im Bewußtsein der Machthaber&lt;br /&gt;
rasch kristallisieren müssen, kann in der Tat kaum jemand bezweifeln.&lt;br /&gt;
Daß ihre bescheidenen Anfänge in der weltweiten Gemeinschaftsordnung,&lt;br /&gt;
die das Wesen der Anhängerschaft Bahä’u’llähs ausmacht, bereits Gestalt&lt;br /&gt;
annehmen, können nur jene, deren Herzen vom Vorurteil vergiftet sind,&lt;br /&gt;
übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uns, geliebte Mitarbeiter, fällt die alles andere überragende Pflicht zu,&lt;br /&gt;
mit klarer Schau und unablässigem Eifer weiter zur Vollendung jenes&lt;br /&gt;
Bauwerks beizutragen, dessen Grundmauern Bahä’u’läh in unsere Her-&lt;br /&gt;
zen legte. Uns obliegt es, gesteigerte Hoffnung und Kraft aus dem all-&lt;br /&gt;
gemeinen Trend der Ereignisse abzuleiten, wie dunkel ihre unmittelbaren&lt;br /&gt;
Auswirkungen auch sein mögen, und mit unverminderter Inbrunst zu&lt;br /&gt;
beten, Er möge die Verwirklichung jener wunderbaren Vision beschleu-&lt;br /&gt;
nigen, jener strahlendsten Ausgießung Seines Geistes, jener edelsten&lt;br /&gt;
Frucht der edelsten Kulturleistung, die die Welt je gesehen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht der hundertste Jahrestag der Erklärung Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
(1863) den feierlichen Beginn eines so gewaltigen Zeitalters in der Mensch-&lt;br /&gt;
heitsgeschichte kennzeichnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr wahrer Bruder&lt;br /&gt;
Haifa, Palästina Shoghi&lt;br /&gt;
28. November 1931&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus Shoghi Effendi, „The World Order of Bahä’u’lläh“, Wilmette/Ill. 1955, S. 29 ff.&lt;br /&gt;
1) vgl. „BAHA’I-BRIEFE* 5, S. 112 £.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?) vgl. „Die Verkündigung Bahä’u’llähs“, Frankfurt/Main 1967, S. 79 und S. 35 £.;&lt;br /&gt;
„Ährenlese aus den Schriften Bahä’u’llähs“. CXX; Shoghi Effendi, „Der ver-&lt;br /&gt;
heißene Tag ist gekommen“, Frankfurt/Main 1967, S. 53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Genfer Protokoll über die Ächtung des Angriffskrieges, 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1109&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1110|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheitsidee und der jüdische Auftrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Gott besteht Zion längst / von Karl Schück&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohin sich der Blick in dieser umbruchreichen Zeit wendet, nach Osten&lt;br /&gt;
oder Westen, muß er der alarmierenden Anzeichen tiefgreifender Krisen&lt;br /&gt;
ansichtig werden. Die herübergeretteten Begriffe und Vorstellungen von&lt;br /&gt;
einst sakrosankten Werten wie Ehre, Menschlichkeit und Glaubenstreue&lt;br /&gt;
scheinen sinnentleert zu sein. Aus Stolz, Verzweiflung oder Ausweglosig-&lt;br /&gt;
keit geboren, geht das Gespenst des Atheismus um, ohne seinen Zwilling,&lt;br /&gt;
den Materialismus, zu verleugnen. Bemißt man in dieser tristen Schau&lt;br /&gt;
den Stand der Kulturen und bleibt dabei der Auffassung treu, daß sie&lt;br /&gt;
ihren Ursprung dem Geist wahrer Religion verdanken, so drängt sich der&lt;br /&gt;
Schluß auf, daß allen künstlichen Belebungsversuchen zum Trotz die&lt;br /&gt;
Religionen erstarrte Gebilde sind und der Menschheit die innnere Kraft&lt;br /&gt;
nicht mehr zu geben vermögen, ohne die sie zum Siechtum verurteilt&lt;br /&gt;
scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein geheimnisvolles Schicksal hat die jüdische Religion durch die Jahr-&lt;br /&gt;
tausende geführt. Die von Moses auf dem Berge Sinai empfangene Got-&lt;br /&gt;
tesoffenbarung hat nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt, und es ist be-&lt;br /&gt;
zeichnend, daß sie von späteren Manifestationen, Christus und Moham-&lt;br /&gt;
med, in ihrer göttlichen Heiligkeit bestätigt und in die eigenen Lehren&lt;br /&gt;
aufgenommen worden ist, wie sich auch Bahä’u’lläh, der Stifter des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens, zu ihrem göttlichen Ursprung bekennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was diese Religion vor allen anderen kennzeichnet, ist, daß sie zugleich&lt;br /&gt;
der Name für ein Volk ist. Wo wäre das irgendwann und — wo nochmals&lt;br /&gt;
anzutreffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gott, der vor über viertausend Jahren die der Barbarei und Viel-&lt;br /&gt;
götterei ergebenen Wüstenstämme einte und mit einem einzigartigen&lt;br /&gt;
Auftrag bedachte, war den damaligen Menschen keine abstrakte Wesen-&lt;br /&gt;
heit. Hatte Er sich nicht im brennenden Dornbusch manifestiert, Moses&lt;br /&gt;
nicht eine mit den zehn Geboten beschriftete Tafel gegeben und mit&lt;br /&gt;
Donnerstimme menschliche Worte geäußert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihr sollt sein ein Volk von Königen und Priestern!“, lautete der Be-&lt;br /&gt;
fehl, den zu späterer Zeit zorngeladene Propheten dem laugläubigen&lt;br /&gt;
Volke zuriefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang seiner Geschichte an ist alles auf Zukunftsvision&lt;br /&gt;
und deren Verwirklichung durch Erfüllung des göttlichen Auftrags ge-&lt;br /&gt;
richtet. Von deren einstmaliger Herrlichkeit kündet Ezechiel (47, 8), in-&lt;br /&gt;
dem er von einem großen Strome spricht, der vom Tempel ausgehen&lt;br /&gt;
werde: „Dieses Wasser fließt hinaus in den östlichen Landstrich, strömt&lt;br /&gt;
dann hinab in die Steppe und ergießt sich ins Meer und die salzige Flut,&lt;br /&gt;
und die Flut wird gesund, und an diesem Fluß, auf seinen beiden Ufern,&lt;br /&gt;
werden allerlei Bäume mit eßbaren Früchten wachsen, ihre Blätter wer-&lt;br /&gt;
den nicht verwelken, und ihre Früchte werden nicht alle werden. Ihre&lt;br /&gt;
Früchte werden als Speise dienen und ihre Blätter als Heilmittel...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, dies Endziel ist in Gott; es ist die Wiederherstellung des Para-&lt;br /&gt;
dieses und damit Vollendung des ursprünglichen Schöpfungsplanes selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1110&lt;br /&gt;
{{page|1111|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=21}}Die Vision schließt mit der Gegenwart Gottes bei seinem Volke und —&lt;br /&gt;
so heißt es bei Ezechiel am Schluß — „fortan soll der Name der Stadt&lt;br /&gt;
sein: der Herr allhier“,. Die Stadt, von der hier gesprochen wird, ist keine&lt;br /&gt;
andere als „das Wort Gottes“, wie Bahä’u’lläh sie bezeichnet. Bei Sa-&lt;br /&gt;
charja (14) ist zu lesen: „Gottes Thron ist Jerusalem. Alle Völker werden&lt;br /&gt;
zu Zion kommen, und der Herr wird König sein über die ganze Erde.“&lt;br /&gt;
Es ist die Vision von der Roten Arche, die auf den Berg Karmel, den&lt;br /&gt;
Mittelpunkt der Erde, hinstrebt, wie Bahä’u’lläh offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ruft Joel aus: „Die Völker werden im Tal der Entscheidung ver-&lt;br /&gt;
sammelt werden. Gottes gerechte Regierung wird sich unwidersprochen&lt;br /&gt;
über die ganze Welt erstrecken...“ Die Bahä’i-Offenbarung ist die erste,&lt;br /&gt;
welche die erhabenen Verheißungen in klare, unmißverständliche und&lt;br /&gt;
realistische Bahnen führt, auf denen sich die Welt des Menschen zur&lt;br /&gt;
Verwirklichung der hohen Vision hinbewegen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es sich in den Augen des frommen Juden darstellt, ist es Israels&lt;br /&gt;
Aufgabe, diese göttliche Einladung an die ganze Welt weiterzugeben und&lt;br /&gt;
sie durch stellvertretendes Leiden zur Anerkennung des einen Gottes&lt;br /&gt;
und Seiner Herrschaft zu führen. „Ich will einen ewigen Bund mit euch&lt;br /&gt;
schließen“, heißt es bei Jesaja, „getreu der dem David verheißenen&lt;br /&gt;
Gnade“. Und an anderer Stelle sagt er: „Da Ich sehe ihre Werke und&lt;br /&gt;
ihre Gedanken, komme Ich, um alle Völker und alle Zungen zu vereini-&lt;br /&gt;
gen: Sie werden kommen und Meinen Ruhm sehen, und Ich werde ihnen&lt;br /&gt;
Mein Zeichen vorsetzen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfüllung, von der hier die Rede ist, findet ihre Realität nicht in&lt;br /&gt;
einer jenseitigen Welt, in der es weder Dimensionen noch Vorstellbares&lt;br /&gt;
gibt, die Materie nicht existiert, und nur Geist zu Geist, Seele zu Seele&lt;br /&gt;
spricht. Hier wird die Erde unmißverständlich zum Ziel erhoben. Es ist&lt;br /&gt;
kein Messiaswesen, das aus der anderen Welt herniederkommt, sondern&lt;br /&gt;
vielmehr die aus der Tiefe aufsteigende Forderung und Gewißheit dessen,&lt;br /&gt;
was jeder Mensch, jede Zeit beginnen soll, damit sich das Leben wahr-&lt;br /&gt;
haft erfülle. Das Reich Gottes ist also die Welt des Menschen, wie sie&lt;br /&gt;
vor Gott sein soll. Nicht ein Reich über der Welt oder gegen&lt;br /&gt;
sie oder neben ihr. Es ist die Antwort, die das Ziel gibt: die Versöh-&lt;br /&gt;
nung des Endlichen mit dem Unendlichen, die sich im Menschen begeg-&lt;br /&gt;
nen. Und dieses Endziel ist zugleich der sozial vollkommene Staat, ist da,&lt;br /&gt;
wo, wie es heißt, „der Wolf zu Gast sein wird bei dem Lamme, und der&lt;br /&gt;
Panther bei dem Böcklein lagern...“, die Welt, in der die Schwerter&lt;br /&gt;
längst in Pflugscharen umgeschmiedet worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß dies sein soll, weil es sein muß, ist Gottes Weisung. Es ist im&lt;br /&gt;
Bündnisvertrag eingeschlossen. Und um dieser Erfüllung willen muß der&lt;br /&gt;
Jude mit dem Traumbild des Tempels in der Seele leben, muß er dienen&lt;br /&gt;
und notfalls leiden. „Würden die Juden, welche die göttliche Sendung und&lt;br /&gt;
Stellung von Christus nicht erkannten“, sagte Shoghi Effendi einmal im&lt;br /&gt;
Gespräch, „würden sie jetzt die Erfüllung und Bewahrheitung in&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh begreifen und sich zu Ihm bekennen, brauchten sie den Weg&lt;br /&gt;
nach Zion und zum neuen Tempel nicht mehr zu suchen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist für die meisten Menschen — man darf sagen: außer den&lt;br /&gt;
Bahä’i — diese überdimensionale Endziel-Vision eben nur eine, wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1112|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=22}}auch verklärtere Schau von der Art, wie sie im Laufe der Jahrtausende&lt;br /&gt;
immer wieder aufgezeichnet und von einem Plato, Dante, Thomas Moore&lt;br /&gt;
u. a. beschrieben worden ist. Ein schöner Traum, heißt es dann, und mit&lt;br /&gt;
einem Seufzen und Achselzucken fügt man hinzu: unerfüllbar. Auf die&lt;br /&gt;
Frage nach dem Grund solcher Resignation würde es dann heißen, ein&lt;br /&gt;
unvollkommenes Geschöpf könne nie ein Vollkommenes schaffen, nur ein&lt;br /&gt;
Gott könnte derlei vollbringen, und schließlich wäre ja der Mensch durch&lt;br /&gt;
den ihm seit Urzeiten anhaftenden Fluch der Erbsünde (oder des Sünden-&lt;br /&gt;
falls) gar nicht in der Lage, die für solch erhabenes Tun notwendige&lt;br /&gt;
Freiheit zu gewinnen oder — da der Mensch ja schlecht sei — in einem&lt;br /&gt;
solchen Idealzustand leben und Frieden halten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir lesen bei ‘Abduw’l-Bahä (Beantwortete Fragen, 30. Kap.): „... Be-&lt;br /&gt;
denke, wenn der Sündenfall in seinem buchstäblichen Sinn gedeutet&lt;br /&gt;
würde..., so wäre dies reine Ungerechtigkeit und völlige Vorherbestim-&lt;br /&gt;
mung. Wenn Adam sündigte, indem er vom verbotenen Baume aß, was&lt;br /&gt;
war die Sünde Abrahams, des Ruhmvollen, und was der Fehler Mose,&lt;br /&gt;
des Sprechers mit Gott? Was war das Vergehen des Propheten Noah?&lt;br /&gt;
Was die Übertretung Josephs, des Aufrechten? Und was war die Schuld&lt;br /&gt;
der Propheten Gottes, oder die Missetat Johannes des Täufers? Könnte&lt;br /&gt;
es die Gerechtigkeit Gottes zugeben, daß diese erleuchteten Offenbarer&lt;br /&gt;
der Sünde Adams wegen qualvolle Höllenpein ertragen müßten, bis&lt;br /&gt;
Christus kam und Sie durch Sein eigenes Opfer von den schmerzhaften&lt;br /&gt;
Martern befreite...?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrtausende solchen Irrtums und mutwilliger Ausdeutung mußten&lt;br /&gt;
hingehen, bis Bahä’u’lläh den Weg zu der Freiheit erschloß, ohne die&lt;br /&gt;
keine Menschenwürde erlangbar und die Furcht in der Seele getilgt ist.&lt;br /&gt;
Mit Hilfe solcher Ausweglosigkeit und Warnung vor Höllenpein hat man&lt;br /&gt;
sich die Menschen zu Untertanen herangebildet, die in ihre Liebe den&lt;br /&gt;
bitteren Tropfen des Verzichts, in ihre Hoffnung den Geschmack des Ver-&lt;br /&gt;
geblichen hineinzumischen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber nun das jüdische Volk von Gott ausersehen wurde, Seinem&lt;br /&gt;
erhabenen, für das ganze menschliche Geschlecht geltenden Auftrag bis&lt;br /&gt;
zu dessen Realisierung die Treue zu bewahren, wie ließe sich das unter&lt;br /&gt;
der Belastung eines biblischen Fluchs, in einem heimatlosen, leidgepeitsch-&lt;br /&gt;
ten Dasein, erfüllen? Zu dieser kaum beantwortbaren Frage drängen&lt;br /&gt;
weitere alles menschliche Denken übersteigende Fragen hinzu: Haben die&lt;br /&gt;
Juden so gefehlt, sind sie dermaßen abgeirrt von Gottes Auftrag, daß der&lt;br /&gt;
zürnende Jahwe seine Heimsuchung und Strafe in Gestalt jener diaboli-&lt;br /&gt;
schen Schwarzuniformierten durch Massaker und Demütigungen, durch&lt;br /&gt;
die Vernichtung in Gaskammern vollzog? Sträubt sich nicht jedes Men-&lt;br /&gt;
schen Herz bei der Vorstellung, daß Hitlers Schergen Ausführende von&lt;br /&gt;
Gottes Absicht gewesen wären? Dem folgt die Frage, ob all dies Entsetz-&lt;br /&gt;
liche geschehen mußte, um den Überlebenden das Ende der Diaspora zu&lt;br /&gt;
bieten und sie ins Land der Väter, nach Palästina, zurückzuführen, jene&lt;br /&gt;
Menschen, die so vollkommen aufgegangen waren in andren Völkern&lt;br /&gt;
und Kulturen, daß sie es mit Entrüstung abgewiesen hätten, das Judesein&lt;br /&gt;
an die erste Stelle zu setzen, in einer wüstenhaften Fremde ein nicht&lt;br /&gt;
mehr wesensgemäßes Leben zu führen und sich als Volk „von Königen&lt;br /&gt;
und Priestern“ zu fühlen. War man schon so konformistisch-modern ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1112&lt;br /&gt;
{{page|1113|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=23}}worden, daß man sich — oft genug mit Unbehagen — des Glaubens der&lt;br /&gt;
Väter nur an hohen Feiertagen erinnerte und sich dann — nur dann —&lt;br /&gt;
gewisser unentrinnbarer Pflichten entledigte? Aber der göttliche Auf-&lt;br /&gt;
trag...? Wenn er nun schon erfüllt war, da doch „fast“ alle Menschen&lt;br /&gt;
an einen einzigen Gott glaubten, wenn sie Ihn auch bei andren Namen&lt;br /&gt;
riefen? Wäre es vorstellbar, daß Gott ein Zeichen Seiner Befriedigung&lt;br /&gt;
vor dem Kommen der Stunde der Erfüllung gegeben hätte? Dann wäre&lt;br /&gt;
es ja schon erstanden, das heilige Zion, das die ganze Menschheit im&lt;br /&gt;
dauernden Frieden umschlösse? Dann wären Haß und Hader verschwun-&lt;br /&gt;
den; dann wäre einer in Wahrheit des anderen Bruder! In der geistigen&lt;br /&gt;
Geschichte der Menschheit, in der eines auf das andere bezogen ist, alles&lt;br /&gt;
aufeinander wirkt und in dem von Gott bewegten Strome dem Meer der&lt;br /&gt;
Selbsterfüllung entgegentreibt, läßt sich nicht von blinden Zufälligkeiten&lt;br /&gt;
sprechen. Die Geburtsstunde der Emanzipation der Juden ist identisch&lt;br /&gt;
mit deren nur zwei Jahre auseinanderliegenden Geburtsstunden des Báb&lt;br /&gt;
und von Bahä’u’lläh. Das Feuer des Leidens, mit dem Gott Seine Diener&lt;br /&gt;
prüft, hat die Gesegnete Schönheit, Bahä’u’lläh, nach Palästina getrieben,&lt;br /&gt;
wo Er auf dem Berge Karmel die Heilige Arche erblickte, und wo zu&lt;br /&gt;
späterer Zeit — von Ihm bestimmt — das Weltzentrum der die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit umschließenden Bahä’i-Gemeinschaft erstand, in der Mitte .&lt;br /&gt;
eines den Juden, den Christen, den Muslim heiligen Landes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie könnte man vom Ende eines göttlichen Auftrages sprechen, den&lt;br /&gt;
der Jude tief eingebrannt in seiner Seele trägt? Nicht wenige Gläubige&lt;br /&gt;
gibt es unter ihnen, welche jener mystischen Überlieferung die Treue&lt;br /&gt;
hielten, wonach die Rückkehr ins Land der Väter zusammenfiele mit dem&lt;br /&gt;
Kommen des Messias.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eben solche Gläubige scheint ein tragisches Verhängnis gleich einer&lt;br /&gt;
dunklen Wolke über Israel zu schweben, eben weil diese Verheißung sich&lt;br /&gt;
nach ihrer Auffassung nicht erfüllt hat. Sie zürnen mit jenen beherzt-&lt;br /&gt;
entschlossenen Israeli von heute, daß sie weder an die Prophetenworte&lt;br /&gt;
glauben noch daran denken wollen, daß das Judesein eben nicht nur&lt;br /&gt;
Volksein, sondern auch Gläubigsein bedeutet, und das heißt, in ständiger,&lt;br /&gt;
demutvoller Bewußtheit des Auftrags zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erinnert sich jenes Grimm’schen Märchens, in dem ein Riese und&lt;br /&gt;
ein Schneiderlein im Wettstreit liegen, wer der Stärkere sei. Der Riese&lt;br /&gt;
schleudert einen Stein so hoch, daß es geraume Zeit dauert, bis er wieder&lt;br /&gt;
auf die Erde zurückfällt; das Schneiderlein läßt einen Vogel aufsteigen,&lt;br /&gt;
der nicht zurückfällt. Was ohne Flügel des Glaubens emporstrebt, kann&lt;br /&gt;
die Welt nicht meistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glaube kann und darf jedoch niemals der sein, der im Apostelbrief&lt;br /&gt;
als der laue bezeichnet wird, der verabscheuenswert sei, „weder kalt noch&lt;br /&gt;
warm...“ Glauben ist kein Hersagen von Worten, kein bloßes Befolgen&lt;br /&gt;
von Riten, kein bloßes Zu-Einer-Gemeinschaft-Gehören. Da wäre kein&lt;br /&gt;
Glaube besser, sagt Bahä’u’lläh und erklärt, daß Glauben auch entspre-&lt;br /&gt;
chendes Handeln verlangt und daß ein der Menschheit erwiesener Dienst&lt;br /&gt;
zugleich ein Gott erwiesener Dienst sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt uns erst die uns nunmehr anvertraute Erde von Zion umwandeln&lt;br /&gt;
in Fruchtbarkeit und Schönheit, erklären die Israeli; laßt uns damit erst&lt;br /&gt;
den Boden vorbereiten, welcher der Erfüllung würdig ist. Sie blicken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1113&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1114|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hinauf zum Karmel-Berg und sehen den Strom von Pilgern zu den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Stätten ziehen. Ob wohl deren Offenbarer der Messias ist?, fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Sprüchen Salomons finden wir jene tiefbedeutsame Äußerung:&lt;br /&gt;
„Ein Volk, das nicht mehr träumt, verdorrt.“ Was für ein Volk gilt, gilt&lt;br /&gt;
für jeden einzelnen Menschen. Es bedarf keines Hinweises, daß es sich&lt;br /&gt;
hier nicht um jenes Träumen zur Nachtzeit handelt, sondern eine Schau,&lt;br /&gt;
eine Vision von Dingen ist, die einmal sein sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem unveränderlichen Gesetze ist alles, was einmal körperliche&lt;br /&gt;
Wirklichkeit gewinnen und somit Selbsterfüllung erlangen soll, zunächst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Geschenk für den König&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá über die Psychologie des Lehrens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich wird es große Weisheit erfordern, diese Wahrheit&lt;br /&gt;
der Welt vorzutragen; aber unaufhörlich werden wir darin&lt;br /&gt;
bestärkt, daß jedem, der sich nur aus Liebe zu Gott um das&lt;br /&gt;
Lehren bemüht, ein genügendes Maß an Weisheit vom Heili-&lt;br /&gt;
gen Geist eingegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lehrer muß so lehren, als brächte er einem König ein&lt;br /&gt;
Geschenk dar: bescheiden und demütig, nicht mit gewalt-&lt;br /&gt;
samer Aufdringlichkeit, nicht herrisch, das heißt auch nicht&lt;br /&gt;
eifrig-betriebsam, sondern voll Milde und Anmut. Dem Her-&lt;br /&gt;
zen und dem Verstand des Hörers muß der Lehrer die Be-&lt;br /&gt;
weisgründe und die Wahrheit unterbreiten als der Diener&lt;br /&gt;
Gottes und folglich als der Diener des Hörers. Ständig muß&lt;br /&gt;
er darauf bedacht sein, die dargebotene Speise dem Zustand&lt;br /&gt;
und der Stufe des Empfängers anzupassen; dem Säugling muß&lt;br /&gt;
er Milch geben; demjenigen, der schon kräftiger geworden ist,&lt;br /&gt;
Fleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur um Gottes willen müssen Sie diese Speise reichen;&lt;br /&gt;
nicht um des Hörers willen und nicht zu Ihrem eigenen&lt;br /&gt;
Nutzen, sondern einzig deshalb, weil Gott wünscht, daß Seine&lt;br /&gt;
Manifestationen erkannt und von denen geliebt werden, die&lt;br /&gt;
Ihn erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer denjenigen lehrt, den er liebt, weil er ihn liebt,&lt;br /&gt;
wird denjenigen nicht lehren, den er nicht liebt; und das ist&lt;br /&gt;
nicht von Gott. Wenn jemand lehrt, um die verheißenen&lt;br /&gt;
Segnungen des Lehrens für sich einzuheimsen, ist auch das&lt;br /&gt;
nicht von Gott. Lehrt er jedoch, weil Gott wünscht, erkannt&lt;br /&gt;
zu werden — und lehrt er nur aus diesem Grund —, dann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1114&lt;br /&gt;
{{page|1115|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=25}}potentiell, keimhaft, im Samen vorhanden. Die Philosophie spricht von&lt;br /&gt;
der Entelechie, von dem im Ursprung eingeschlossenen Ziel, dessen Ge-&lt;br /&gt;
winnung die eigentliche Geschichte des Geschöpflichen ist. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
gibt das Beispiel einer Kastanie, in deren kleiner Frucht der zwanzig&lt;br /&gt;
Meter hohe Kastanienbaum mit Stamm, Ästen, Blättern und neuen Früch-&lt;br /&gt;
ten eingeschlossen ist. Durch Wasser, Wind und Licht wird der Same zur&lt;br /&gt;
Entwicklung gebracht. Im Molekül eines flüssigen Chemikals ist die Pro-&lt;br /&gt;
portion des Kristalles vorhanden, in den sich dies Molekül mit unzähligen&lt;br /&gt;
anderen vereint einmal in fester Form verbindet. Das gilt für die Schön-&lt;br /&gt;
heit der Rose, die in dem kleinen Samen vorhanden ist, wie für die ge-&lt;br /&gt;
waltigen Schöpfungen von Milchstraßensystemen im unendlichen Kosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird er Erkenntnis und Weisheit erwerben, seine Worte wer-&lt;br /&gt;
den Wirkung haben; vom Heiligen Geist mit Macht ausge-&lt;br /&gt;
stattet, werden sie in den Seelen derer Wurzel schlagen, die&lt;br /&gt;
im richtigen Zustand sind, um sie aufzunehmen. In diesem&lt;br /&gt;
Fall liegt der Nutzen an Wachstum zu neunzig Prozent beim&lt;br /&gt;
Lehrer, verglichen mit zehn Prozent Nutzen für den Hörer,&lt;br /&gt;
weil der Lehrer durch die Macht Gottes zu einem frucht-&lt;br /&gt;
tragenden Baume wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdrücklich werden wir belehrt, daß der einzig wirkliche&lt;br /&gt;
Weg zum Wachstum in der Erkenntnis der göttlichen Wahr-&lt;br /&gt;
heit nicht das Hören, sondern das Handeln ist: lebendig sein&lt;br /&gt;
durch das Feuer der Liebe Gottes und den anderen nach&lt;br /&gt;
unseren besten Kräften die frohe Botschaft vom Kommen des&lt;br /&gt;
Königreichs vermitteln. Dies ist der Tag des Lehrens. Uns&lt;br /&gt;
allen ist geboten zu lehren, aber nur auf die geschilderte&lt;br /&gt;
Weise und zu dem beschriebenen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist klar, daß dies völlige Selbstverleugnung bedeutet,&lt;br /&gt;
ein Abtrennen des Ichs von der Welt, den Verzicht auf alles&lt;br /&gt;
außer Gott und Seinen Willen, demütigen Dienst für Ihn, nur&lt;br /&gt;
um Seinetwillen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird uns gesagt, wenn wir die Wahrheit dieser Lehren&lt;br /&gt;
anderen darbieten und sie wird zurückgewiesen, dürfen wir&lt;br /&gt;
keineswegs bekümmert sein, sondern müssen die anderen sich&lt;br /&gt;
selbst überlassen und für sie beten. Alle Weisheit, die uns zu&lt;br /&gt;
Gebote steht, müssen wir bei der Darlegung dieser Lehren&lt;br /&gt;
einsetzen; aber keinen Augenblick dürfen wir um die Person&lt;br /&gt;
des Hörers besorgt sein, immer nur um die Verbreitung der&lt;br /&gt;
Wahrheit Gottes, denn heute ist es Gott selbst, der erkannt&lt;br /&gt;
zu werden wünscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Star of the West“, Vol. III, No. 19, 2. März 1913&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1115&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1116|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch als Teil dieses Universums untersteht den gleichen Gesetzen.&lt;br /&gt;
Was ihn von allen anderen Geschöpfen unterscheidet, ist seine Fähigkeit,&lt;br /&gt;
nach Gutdünken Veränderungen vorzunehmen, die dem ihm eingegebenen&lt;br /&gt;
„Ebenbild Gottes“ nicht entsprechen und seinem eigentlichen, d. h. geisti-&lt;br /&gt;
gen Schicksal zuwiderlaufen. Was ihm aber zutiefst und ganz gegeben ist,&lt;br /&gt;
bezeichnet man als den freien Willen, der darin besteht, den Willen&lt;br /&gt;
Gottes durch Seine Manifestationen kennenzulernen und dann den eige-&lt;br /&gt;
nen Willen ihm zu unterwerfen, so daß nach Bahä’u’lläh freier Wille die&lt;br /&gt;
höchste Form der Selbstunterwerfung unter Gott ist. Dieser Wille ist zu-&lt;br /&gt;
gleich die Fähigkeit, sich mit den Grundharmonien des Universums, die&lt;br /&gt;
wiederum Ausdruck des Höchsten sind, verbunden zu halten. Jede Zu-&lt;br /&gt;
widerhandlung, jede Mißachtung dieses universellen Gesetzes führt zum&lt;br /&gt;
Leiden und Hinsterben der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte des Menschen ist sein unentwegtes, gottzugewandtes&lt;br /&gt;
Bemühen, der Verwirklichung jenes erhabenen Zion als seiner eigenen&lt;br /&gt;
Seinserfüllung entgegenzustreben. Das Bild ist das Ebenbild Gottes im&lt;br /&gt;
Menschen. Es ist die Realität jenes die ganze Menschheit vereinenden&lt;br /&gt;
Tempels. Und wer von dieser Vision abweicht, wer diesen Traum unter&lt;br /&gt;
den Scheinbesitz der materiellen Welt, unter Stolz und Gottesleugung&lt;br /&gt;
einzuscharren trachtet, gehört zu denen, von denen Christus sagte: „Mö-&lt;br /&gt;
gen die Toten die Toten begraben...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist alles natürlich, biologisch, sozial und klinisch geworden. Es&lt;br /&gt;
gibt keine Distanzen, keine Tiefen, keine wesentlichen Geheimnisse, keine&lt;br /&gt;
Mysterien mehr. Maschinen übernehmen die Rolle der Macht. Die Seele&lt;br /&gt;
erstickt oder erkrankt unter den unablässig in sie hineingepfropften Bil-&lt;br /&gt;
dern. Man ist zufrieden, so zu sein und zu leben wie der nächste. Viele&lt;br /&gt;
Menschen geraten über diesen Zustand in Verzweiflung. Wer aber nur&lt;br /&gt;
Zustände sieht, hat vom beseelten Kosmos so wenig begriffen wie von&lt;br /&gt;
dem Gesetze, daß alles fließt und kein anderes Absolutes existiert als&lt;br /&gt;
die Einheit Gottes. Unter der Erde gehen die Quellen des Lebens. Unter&lt;br /&gt;
dem scheinbar Erstarrten dieser Zeit sammeln sich die Kräfte des außer-&lt;br /&gt;
ordentlichen Umbruchs, der, wenn er in die Erscheinung tritt, nur wieder&lt;br /&gt;
hoffnungweckend bestätigt, daß Gott der Herr der Geschichte ist. Daß&lt;br /&gt;
keine noch so geballte Willkür den Menschen freispricht von dem Gesetz:&lt;br /&gt;
Du mußt! Daß — langsam gewiß, umwegig, von Verbrechen bedeckt —&lt;br /&gt;
die Geschichte des Menschen die Geschichte seines sich ständig vertiefen-&lt;br /&gt;
den und erweiternden Bewußtseins ist und damit die immer stärkere&lt;br /&gt;
Erhellung des ihm als Schicksal bestimmten Weges, des Weges zur Reali-&lt;br /&gt;
tät des in der Seele eingeborenen Bildes von der Seinserfüllung seiner&lt;br /&gt;
Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen doch: alles drängt aufs Menschheitliche hin. Jetzt weiß&lt;br /&gt;
man, es ist kein bloßer Traum. Die Erde rüstet sich, Fundament des&lt;br /&gt;
großen Tempels zu sein. Wir wissen, nicht Haß, sondern Apathie ist der&lt;br /&gt;
Gegensatz zur Liebe. Durch Seine gnadenvolle Manifestation hat Gott&lt;br /&gt;
die Menschen aus dieser Apathie geschüttelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach unsäglichen Kämpfen im Mai 1948 die Unabhängigkeit des&lt;br /&gt;
Staates Israel ausgerufen wurde, ging ein Jauchzen und Triumphieren&lt;br /&gt;
dort umher, wo jüdische Menschen ihre Hoffnung bewahrt hatten. Das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1116&lt;br /&gt;
{{page|1117|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=27}}Wort des Propheten erfüllt sich. Die Wüste füllt sich mit Grün. Teils mit&lt;br /&gt;
Argwohn und Haß, teils voll Bewunderung schaut die Welt zu jenen&lt;br /&gt;
Pionieren hin. Durch die Länder der Erde bewegen sich missionierende&lt;br /&gt;
Kräfte. Hier möchte man die Menschheit unter dem Zeichen von Sichel&lt;br /&gt;
und Hammer einen, da als Demokratie zusammenbringen. Kollektivismus&lt;br /&gt;
und Konformismus versuchen, den Unitätsgedanken durch Uniformität&lt;br /&gt;
zu verdrängen. Und der jüdische Auftrag?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Jesaja verkündet (43, 21): „Dieses Volk, das Ich Mir gebil-&lt;br /&gt;
det habe, Meinen Ruhm wird es künden.“ Das bedeutet nicht weniger, als&lt;br /&gt;
daß das Jenseitige durch dies Volk spricht und sein Ziel in der Geschichte&lt;br /&gt;
setzt. Man sagt dem Juden nach, daß er wurzellos sei, weil er sich nur&lt;br /&gt;
aus dem Willen Gottes begreift und das Menschliche immer und überall&lt;br /&gt;
zum Menschheitlichen erhebt. Jesaja sagt: „Ich mache dich zu einem&lt;br /&gt;
Bunde der Völker.“ In dem Wort „Bund“ ist kein Zustand zu sehen, son-&lt;br /&gt;
dern eine permanente Forderung und Aufgabe. Glaube ist, wie Leo Baeck&lt;br /&gt;
sagt, kein bloßes Bekenntnis, sondern der Wille zu Gott. Er ist der Wille&lt;br /&gt;
aus Gottes Willen zu Gottes Willen hin. Glauben ist Wissen. Er ist das&lt;br /&gt;
höchste, umfassendste Wissen, das von allem Anfang an in die Seele des&lt;br /&gt;
Menschen eingeboren war, als sie noch bei Gott war. Hier empfing sie&lt;br /&gt;
den Stempel der Realität, hier wurde ihr die Potenz beigegeben, die sie&lt;br /&gt;
zu Zeiten ihres körperlichen Daseins verwenden soll, um in der göttlichen&lt;br /&gt;
Richtung die Aufgabe zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüdische Zion ist das Zion der ganzen Menschheit. Vor Gott besteht&lt;br /&gt;
es längst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts und niemand kann sich Gottes Auftrag entziehen, der sich durch&lt;br /&gt;
keine glatte, fliinke Logik umnebeln oder als überlebt abtun läßt. Sind die&lt;br /&gt;
Juden nicht durch Meere von Blut geschritten, ist ihr Rücken nicht&lt;br /&gt;
krumm geworden unter den Schlägen der Peiniger, und hat dabei ihre&lt;br /&gt;
Seele je aufgehört, sich zu ihrem Auftrag zu bekennen? Oh, sicher haben&lt;br /&gt;
sie das Wort gehört, das ihnen Bahä’u’lläh (Ährenlese XLVII) zuruft:&lt;br /&gt;
„Oh, ihr Juden! Wenn ihr darauf bedacht seid, Jesus, den Geist Gottes,&lt;br /&gt;
noch einmal zu kreuzigen, so tötet Mich, denn Er ist euch in Meiner Per-&lt;br /&gt;
son wieder geoffenbart worden... Ich bin in den Schatten der Wolken&lt;br /&gt;
der Herrlichkeit gekommen und bin von Gott mit unüberwindlicher Herr-&lt;br /&gt;
schaft ausgestattet...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh ruft die Juden zu sich hin. Er zeigt ihnen den unmißver-&lt;br /&gt;
ständlichen Weg zu Zion hin. Gott hat ihn durch Christus, dann durch&lt;br /&gt;
Muhammad gewiesen. Die letzte Wirklichkeit ist nur eine. Der Bund der&lt;br /&gt;
Völker ist nur einer. Gott ist nur einer. Die Zeit ist gekommen, mit dem&lt;br /&gt;
Atem der Hingabe die Erde zu beleben und sie mit der Kraft der Anbe-&lt;br /&gt;
tung zu formen, sie nach dem Bilde Gottes zu kneten und mit der Liebe&lt;br /&gt;
zur Menschheit zu beleben. Nur so kann und wird sich der Auftrag er-&lt;br /&gt;
füllen, gleich ob es im Namen Moses, der Propheten, von Jesus, Muham-&lt;br /&gt;
mad, Bahä’u’lläh oder Derer, die Gott in der Zukunft schicken wird, ge-&lt;br /&gt;
schieht. „Ich liebte Meine Schöpfung“, heißt es in den „Verborgenen Wor-&lt;br /&gt;
ten“, ‚darum erschuf Ich sie.“ Die Gestaltwerdung der geeinten Mensch-&lt;br /&gt;
heit als Erfüllung des Bildes geschieht durch die Kraft Gottes, aus Seiner&lt;br /&gt;
Liebe, mit der Er die Menschheit ruft und erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1118|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kehrseiten der Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Soziologie falscher Grundvorstellungen / von J. Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die funktionelle Theorie der Soziologie lehrt, daß eine institutionelle&lt;br /&gt;
Struktur gebildet worden ist, um eine Funktion zu erfüllen. Die Insti-&lt;br /&gt;
tution muß ein praktisches Bedürfnis der Gesellschaft befriedigen. Wenn&lt;br /&gt;
sie keinen Sinn und keine Aufgabe hat, wird sie zu existieren aufhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte erweist, daß keine Kultur sich ohne Religion entwickelt&lt;br /&gt;
hat. Archäologen und Anthropologen haben selbst in den primitivsten&lt;br /&gt;
Kulturen religiöse Elemente gefunden. Da die Religion seit Anbeginn der&lt;br /&gt;
Zeiten durch alle Epochen und Wechselfälle der Menschheitsgeschichte&lt;br /&gt;
hindurch bestanden hat, läßt sich logisch schließen, daß sie einem Be-&lt;br /&gt;
dürfnis, einem Zweck dient und demnach eine Funktion oder sogar eine&lt;br /&gt;
Vielzahl von Funktionen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autoritäten auf vielen Gebieten haben die Bedeutung religiöser Insti-&lt;br /&gt;
tutionen für die Entwicklung der Gesellschaft bestätigt. Emile Durkheim&lt;br /&gt;
glaubt, daß die Religion Quelle aller Hochkulturen ist. Max Weber stellt&lt;br /&gt;
in seinen Schriften fest, daß die ganze Geschichte hindurch die Religion&lt;br /&gt;
einer der bedeutenden dynamischen Faktoren gesellschaftlicher Verände-&lt;br /&gt;
rungen war. Die Geschichtsschreibung einschließlich der Arbeiten Toynbees&lt;br /&gt;
ist voll von Deutungen der Beziehungen zwischen Universalkirchen und&lt;br /&gt;
Zivilisationen. Der französische Historiker Fustel de Coulanges, Verfasser&lt;br /&gt;
von „Die alte Stadt“ (1864), glaubt, daß vor allem anderen religiöse Ideen&lt;br /&gt;
die eigentliche Quelle gesellschaftlicher Veränderungen sind. Und der&lt;br /&gt;
britische Gesellschaftsphilosoph Benjamin Kidd versichert, die Religion&lt;br /&gt;
sei die Haupttriebfeder der sozialen Entwicklung. Kidd geht sogar so weit&lt;br /&gt;
zu sagen: „Die einzige Macht, die für den Fortschritt Gewähr bietet, ist&lt;br /&gt;
die Religion; sie ist mit übernatürlichen Rechtszwängen ausgestattet und&lt;br /&gt;
begünstigt altruistische Tugend“ !).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selten nur in der Geschichte haben einzelne Denker gegen die Religion&lt;br /&gt;
ihr Messer gewetzt. Unter den neueren finden sich Karl Marx, der er-&lt;br /&gt;
klärte, Religion sei das Opium des Volkes, und Sigmund Freud, der sie&lt;br /&gt;
als „Illusion“ und „Kollektivneurose“ bezeichnet und mit Zwangsneurosen&lt;br /&gt;
bei Kindern vergleicht. Im Ergebnis ihrer Ablehnung der Religion haben&lt;br /&gt;
diese neuen Schulen materialistischen Denkens eine neue Art von „Reli-&lt;br /&gt;
gion“ herbeigeführt, eine säkulare Religion nämlich, sei sie nun dialek-&lt;br /&gt;
tisch, empirisch oder positivistisch in der Machart. Es scheint, als seien&lt;br /&gt;
die meisten dieser von Menschen gemachten Quasireligionen oder „Ismen“&lt;br /&gt;
auf sehr diesseitige, sehr unbeständige und sehr vorübergehende Bedürf-&lt;br /&gt;
nisse bestimmter Gruppen unter bestimmten Umständen abgestellt, als&lt;br /&gt;
besäßen sie einzelne Elemente der prophetischen Religionen, während&lt;br /&gt;
ihnen die übernatürlichen Elemente des Religiösen abgehen. Äußerlich&lt;br /&gt;
ist Gott abgesetzt oder tot, und anscheinend gibt es kein derartiges Ding&lt;br /&gt;
wie die menschliche Seele oder das Jenseits. Aber sie sind nahe dabei,&lt;br /&gt;
die Begründer ihrer Denkrichtungen zu vergotten, deren Wertvorstellun-&lt;br /&gt;
gen und das Werk ihrer Hände anzubeten. Somit ist alles, was sie voll-&lt;br /&gt;
bracht haben, der Ersatz der heiligen Religion Gottes durch eine säkulare&lt;br /&gt;
Quasireligion. Soziologisch können diese säkularen Bewegungen durchaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1118&lt;br /&gt;
{{page|1119|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=29}}als eine Art Religion bezeichnet werden; wir können daraus schließen,&lt;br /&gt;
daß selbst in extrem atheistischen und materialistischen Gesellschaften&lt;br /&gt;
die Elemente des Religiösen vorhanden sind und fortdauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quasireligionen mögen einen gesellschaftlichen Zweck erfüllen, aber es&lt;br /&gt;
fehlt ihnen das zentrale Merkmal, das die theistischen oder prophetischen&lt;br /&gt;
Religionen in die menschlichen Gesellschaften und Kulturen hineintragen.&lt;br /&gt;
Dieses zentrale Merkmal ist nach O’Dea die „Transzendenz“, das Hinaus-&lt;br /&gt;
greifen der Religion „über die alltägliche Erfahrung“. Talcott Parsons&lt;br /&gt;
spricht von „transzendentalem Bezug“, von Dingen „jenseits“ des Er-&lt;br /&gt;
fahrbaren 2). Theologisch kann man dies als den Pfad oder den Weg be-&lt;br /&gt;
zeichnen, der von einer unbekannten, geheiligten Machtquelle eröffnet&lt;br /&gt;
wird, der letzten, allmächtigen, Gebete hörenden und Gebete beantwor-&lt;br /&gt;
tenden übernatürlichen Kraft, nämlich Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Ursachen — wenn nicht gar die Ursache schlechthin — für&lt;br /&gt;
Spaltungen in den Kirchen, für das Gefühl des Unglaubens, für die Ab-&lt;br /&gt;
lehnung des Religiösen und die Angriffe auf die Religion liegen bei dem,&lt;br /&gt;
was man Funktionsstörungen der Religion nennt. Einige dieser Funk-&lt;br /&gt;
tionsstörungen, wie sie von zahlreichen namhaften Soziologen beobachtet&lt;br /&gt;
wurden, lassen sich wie folgt zusammenfassen °):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Trotz der Tatsache, daß die Religion eines der wirksamsten Mittel für&lt;br /&gt;
die Herbeiführung gesellschaftlicher Veränderungen ist, kann sie auch&lt;br /&gt;
als Kraft auftreten, die gesellschaftliche Veränderungen bekämpft und&lt;br /&gt;
behindert. Der Widerstand der Geistlichkeit verschiedener Kirchen&lt;br /&gt;
gegen die wirtschaftliche Entwicklung gewisser Länder durch Boden-&lt;br /&gt;
reform sowie ihre ernstgemeinten Einwände gegen die Erziehung und&lt;br /&gt;
Emanzipation der Frau sind nur zwei von vielen Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Die Religion hat viel zur Entwicklung und Erhaltung von Wissenschaf-&lt;br /&gt;
ten und Erkenntnissen beigetragen. Die islamischen Universitäten und&lt;br /&gt;
ihre Übersetzungsabteilungen, die jüdischen Gelehrten, die christ-&lt;br /&gt;
lichen Kirchenschulen und die Geistlichen vieler anderer Religionen&lt;br /&gt;
standen in vorderster Reihe unter den Verfechtern der Aufklärung.&lt;br /&gt;
Tatsächlich behauptet Parsons, „die Wissenschaft ist ganz sicher ein&lt;br /&gt;
völlig legitimes Kind des Christentums (das jedoch nur einer der&lt;br /&gt;
Elternteile ist)“ (S. 32). Auf der anderen Seite kann die Religion primi-&lt;br /&gt;
tives Denken, pseudowissenschaftliche „Tatsachen“, begrenzte Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen und kleinbürgerliche Einstellungen religiös vergolden — Struk-&lt;br /&gt;
turen, die der Förderung und Entwicklung von Wissen als Hindernisse&lt;br /&gt;
im Wege stehen. Zum Beispiel wurde die Auffassung, die Erde sei&lt;br /&gt;
rund und bewege sich um die Sonne, von den Kirchengewalten, die&lt;br /&gt;
über Galilei zu Gericht saßen, als Gotteslästerung und als „Verbre-&lt;br /&gt;
chen“ angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Die Religion kann eine Verhaftung an überholten und unpraktischen&lt;br /&gt;
Normen hervorrufen, die ursprünglich unter den Verhältnissen und in&lt;br /&gt;
dem Kulturmilieu der Zeit und des Orts ihrer Verkündigung sinnvoll&lt;br /&gt;
und nützlich waren. Zu den Ergebnissen dieser Funktionsstörung zäh-&lt;br /&gt;
len Versuche, als altmodisch empfundene religiöse Normen zu umgehen,&lt;br /&gt;
sowie Kompromisse, die manchmal heuchlerisch und unmoralisch sind&lt;br /&gt;
und psychische Schäden hinterlassen. Die Darlehensgewährung gegen&lt;br /&gt;
Zinsen im mittelalterlichen Christentum und in manchen islamischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1120|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ländern war eines dieser Probleme. In der Praxis konnte man Zinsen&lt;br /&gt;
auf Geldbeträge als „Rente“ bezeichnen; weil es nicht verboten war,&lt;br /&gt;
Renten zu verlangen und zu zahlen, konnte man es sich erlauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Die Erscheinung, die zu einem besonders schweren Problem führte, ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Prozeß der Verstädterung. Bis vor wenigen Generationen war die&lt;br /&gt;
große Mehrheit der Weltbevölkerung selbst in Europa und den Ver-&lt;br /&gt;
einigten Staaten bäuerlich. Dieser Zustand hat sich in manchen Teilen&lt;br /&gt;
der Welt drastisch verändert; er wandelt sich gegenwärtig durchbruch-&lt;br /&gt;
artig in anderen Weltgegenden. Über drei Viertel der Gesamtbevölke-&lt;br /&gt;
rung der Vereinigten Staaten leben heute in Großstädten und ihren&lt;br /&gt;
Randgebieten; Mitte des 19. Jahrhunderts war es etwa ein Viertel.&lt;br /&gt;
Mehr oder weniger derselbe Trend kann, wenngleich in einem lang-&lt;br /&gt;
sameren Tempo, in der übrigen Welt beobachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen sind alle bedeutenden Religionen der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit innerhalb kleiner Volksstämme oder ländlicher Gemein-&lt;br /&gt;
schaften entstanden. Städtische Probleme, die heute von den über-&lt;br /&gt;
kommenen religiösen Bewegungen Lösungen erheischen — wie zum&lt;br /&gt;
Beispiel das ständige enge Zusammenleben von Menschen aus den ver-&lt;br /&gt;
schiedensten Milieus mit unterschiedlichsten Systemen religiöser Werte&lt;br /&gt;
und Normen —, haben zu der Zeit, als die religiösen Bewegungen&lt;br /&gt;
heranwuchsen, noch nicht einmal existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhaftetsein in den provinziellen Normen und Werten der reli-&lt;br /&gt;
giösen Gruppen und Bekenntnisse und der Zusammenprall der tren-&lt;br /&gt;
nenden Unterschiedlichkeiten verursachen weitere ernste Probleme.&lt;br /&gt;
Gesellschaftliche Konflikte aus derartigen Situationen lassen sich leicht&lt;br /&gt;
erkennen. Der Kampf zwischen den beiden islamischen Sekten, Schiiten&lt;br /&gt;
und Sunniten, mit all seinem Blutvergießen und die mörderischen&lt;br /&gt;
Szenen der Hindu-Muslim-Konflikte in Indien sind zwei von vielen&lt;br /&gt;
historischen Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Örtliche Trennung und Ghettos waren Lösungen in manchen Städten&lt;br /&gt;
der alten Welt, in denen es besondere Viertel für verschiedene religiöse&lt;br /&gt;
Gruppen gab. Eigene Enklaven und strikte Segregationen der völki-&lt;br /&gt;
schen, nationalen und rassischen Gruppen waren und sind bis zu einem&lt;br /&gt;
gewissen Grade heute noch das vorherrschende Bild in vielen Groß-&lt;br /&gt;
städten 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.Eng verwandt mit dem Problem der Trennung und der Ghettos ist die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage der Identität und Verschiedenartigkeit. Nicht nur zwischen den&lt;br /&gt;
Anhängern der größten Religionen — Hinduismus, Judentum, Christen-&lt;br /&gt;
tum und Islam — sondern auch zwischen den Mitgliedern der zahllosen&lt;br /&gt;
Sekten innerhalb der Weltreligionen verlaufen tiefe und breite Gräben&lt;br /&gt;
der Verschiedenartigkeit. Das starke „Wir-sie-Gefühl“ und die feste&lt;br /&gt;
Mauer zwischen der eigenen Gruppe und den Außenstehenden sind die&lt;br /&gt;
Hauptursachen der Unterschiedlichkeit und des Konfliktes. Ergebnis&lt;br /&gt;
dieser Situation, wenn sie zum Extrem zugespitzt wird, sind Religions-&lt;br /&gt;
kriege innerhalb und zwischen den großen Glaubenssystemen; unsere&lt;br /&gt;
Geschichtsbücher sind von vorn bis hinten damit besudelt. Selbst in&lt;br /&gt;
seiner mildesten Form führt der Zustand zu Uneinigkeit, die zum aller-&lt;br /&gt;
mindesten die Menschheit daran hindert, auf erfolgreiche und kulti-&lt;br /&gt;
vierte Weise zusammenzuleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1120&lt;br /&gt;
{{page|1121|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=31}}6.Das zweideutige Verhältnis der Religion zur persönlichen Reife des&lt;br /&gt;
Menschen ist ein weiteres ernstes Problem. Dr. O’Dea sagt: „Oft spielt&lt;br /&gt;
die Religion die Rolle, daß sie Unreife institutionalisiert und in ihren&lt;br /&gt;
Anhängern die Abhängigkeit von religiösen Einrichtungen und ihren&lt;br /&gt;
Führern anstelle der Fähigkeit entwickelt, persönliche Verantwortung&lt;br /&gt;
und Selbstbestimmung auf sich zu nehmen“ (S. 101).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hervorragendste literarische Beispiel dieses Dilemmas ist die&lt;br /&gt;
Geschichte vom Großinquisitor in Dostojewskis „Brüdern Karamasow“.&lt;br /&gt;
Die Szene dieser Erzählung ist in das Spanien der Inquisition verlegt.&lt;br /&gt;
Christus kehrt in Seiner ursprünglichen menschlichen Gestalt wieder,&lt;br /&gt;
und das Volk erkennt Ihn. Er gibt dem Blinden das Augenlicht. „Die&lt;br /&gt;
Menge weint und küßt die Erde unter Seinen Füßen.“ Eine Trauer-&lt;br /&gt;
gemeinde kommt mit einem kleinen offenen Sarg; die Mutter des&lt;br /&gt;
toten Kindes wirft sich Ihm zu Füßen: „Bist Du es, so erwecke mein&lt;br /&gt;
Kind!“ Er spricht sanft: „Stehe auf, Mägdlein!“, und das Mädchen er-&lt;br /&gt;
hebt sich. Weiter vollbringt Er Wunder, wie Er es bei Seinem ersten&lt;br /&gt;
Kommen tat. Der Großinquisitor geht an der Kathedrale vorüber und&lt;br /&gt;
sieht alles, auch wie sich das tote Kind erhebt. Er befiehlt der Wache,&lt;br /&gt;
Ihn festzunehmen. Die Wache führt Ihn ab in das Gefängnis unter dem&lt;br /&gt;
Palast des Heiligen Tribunals. Im Dunkel der Mitternacht kommt der&lt;br /&gt;
Großinquisitor selbst ins Gefängnis und spricht Ihn wie folgt an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue, moderne Räume hat&lt;br /&gt;
der amerikanische Bahä’i-Ver-&lt;br /&gt;
lag vor kurzem in Wilmette&lt;br /&gt;
bezogen. Unter den vielen&lt;br /&gt;
Bahü’i-Verlagen in allen Erd-&lt;br /&gt;
teilen nimmt der US-Verlag die&lt;br /&gt;
führende Rolle ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1121&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1122|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=32}}„‚Bist Du es? Du?‘ Und da er keine Antwort erhält, fügt er schnell&lt;br /&gt;
hinzu: ‚Antworte nicht, schweige. Was könntest Du auch sagen? Ich&lt;br /&gt;
weiß nur zu gut, was Du sagen würdest. Aber Du hast nicht einmal&lt;br /&gt;
das Recht, zu dem noch etwas hinzuzufügen, was von Dir schon früher&lt;br /&gt;
gesagt worden ist. Warum &#039;also bist Du gekommen, uns zu stören?&lt;br /&gt;
Denn Du bist gekommen, uns zu stören! Das weißt Du selbst. Aber&lt;br /&gt;
weißt Du auch, was morgen sein wird? Ich weiß nicht, wer Du bist,&lt;br /&gt;
und will es auch nicht wissen: Bist Du Er, oder bist Du nur Sein Eben-&lt;br /&gt;
bild? Doch morgen noch werde ich Dich richten und Dich als den&lt;br /&gt;
ärgsten aller Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrennen, und dasselbe&lt;br /&gt;
Volk, das heute noch Deine Füße geküßt hat, wird morgen auf einen&lt;br /&gt;
einzigen Wink meiner Hand zu Deinem Scheiterhaufen hinstürzen, um&lt;br /&gt;
gierig die glühenden Kohlen zu schüren — weißt Du das? Ja, vielleicht&lt;br /&gt;
weißt Du es‘, fügt er in Nachdenken versunken hinzu, ohne aber&lt;br /&gt;
auch nur für eine Sekunde den durchdringenden Blick von seinem Ge-&lt;br /&gt;
fangenen abzuwenden“ &amp;gt;),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inquisitor fährt fort. Seine Rede ist lang, aber ihr Kern ist nach&lt;br /&gt;
O’Dea, daß „die institutionalisierte Religion der großen Menge die&lt;br /&gt;
Gewähr für Glück und Sicherheit bietet und daß Christus kein Recht&lt;br /&gt;
hat, wiederzukehren und diesen glücklichen Zustand zu stören... So&lt;br /&gt;
wird bei Dostojewski emotionale Sicherheit und mit ihr Ordnung und&lt;br /&gt;
Ruhe in der Gesellschaft um den Preis der persönlichen Unreife und der&lt;br /&gt;
kollektiven Knechtschaft eingekauft“ (S. 102).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dostojewski beschließt die Geschichte mit den folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nachdem der Inquisitor verstummt ist, wartet er noch eine Zeitlang&lt;br /&gt;
auf das, was der Gefangene ihm antworten wird. Sein Schweigen&lt;br /&gt;
lastet schwer auf ihm. Er hatte gesehen, wie der Gefangene ihn an-&lt;br /&gt;
hörte und wie tief und still Er ihm in die Augen blickte, offenbar ohne&lt;br /&gt;
etwas entgegnen zu wollen. Der Greis aber will, daß Er ihm etwas&lt;br /&gt;
sage, und wäre es auch etwas Bitteres, Furchtbares. Doch siehe, Er&lt;br /&gt;
nähert sich schweigend dem Greise und küßt ihn leise auf seine blut-&lt;br /&gt;
leeren neunzigjährigen Lippen. Das ist Seine ganze Antwort, die Ant-&lt;br /&gt;
wort, die den Alten zusammenfahren macht. Und siehe, da zuckt etwas&lt;br /&gt;
an den Mundwinkeln des großen, greisen Inquisitors: Er geht zur Tür&lt;br /&gt;
des gewölbten Verlieses, öffnet sie und sagt zu Ihm: ‚Geh und komme&lt;br /&gt;
nie wieder... komme überhaupt nicht mehr... niemals, niemals!‘ Und&lt;br /&gt;
er läßt Ihn hinaus auf die dunklen, schweigenden Plätze der Stadt.&lt;br /&gt;
Und der Gefangene geht hinaus. Und der Alte? Der Kuß brennt in&lt;br /&gt;
seinem Herzen, doch er bleibt bei seiner früheren Idee.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Das religiöse Dogma kann mit säkularen und wissenschaftlichen Hilfs-&lt;br /&gt;
mitteln und Methoden zur Lösung ernster Probleme in Konflikt ge-&lt;br /&gt;
raten und sich ihnen entgegenstellen. Zum Beispiel kann es die An-&lt;br /&gt;
wendung ärztlicher Verfahrensweisen selbst dann blockieren, wenn&lt;br /&gt;
dadurch Menschenleben verloren gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Talcott Parsons sagt: „Es ist auf diesem Gebiet schwierig, echte Be-&lt;br /&gt;
wertungsunterschiede von Verdrehungen der Wirklichkeit zu unter-&lt;br /&gt;
scheiden, aber die letzteren kommen sicherlich vor“ (S. 19). Parsons gibt&lt;br /&gt;
folgendes Beispiel: „Ein bestimmter Falltypus wird von den Glaubens-&lt;br /&gt;
sätzen über die Gesundheit veranschaulicht, wie sie vornehmlich in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1122&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1123|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=33}}10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Christlichen Wissenschaft institutionalisiert worden sind. Es scheint&lt;br /&gt;
wenig Zweifel zu geben, daß viel echtes Leiden und zahlreiche vorzei-&lt;br /&gt;
tige Todesfälle von Personen, deren Leben hätte gerettet werden kön-&lt;br /&gt;
nen, durch die religiös motivierte Weigerung von Christlichen Wissen-&lt;br /&gt;
schaftern, sich die Dienste der ärztlichen Kunst zunutze zu machen,&lt;br /&gt;
verursacht worden sind.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.Gebote und Lehren wie „Du sollst nicht töten“, die „Brüderlichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aller Menschen“ und „allumfassende Liebe“ sind der wesentliche Teil&lt;br /&gt;
aller Religionen. Wie die Anhänger von Religionen der Brüderlichkeit&lt;br /&gt;
Wahrheiten dieser Art zum Beispiel in den Kreuzzügen verdrehen&lt;br /&gt;
konnten, ist eine Frage, über die man kaum lang genug nachdenken&lt;br /&gt;
kann. Der Dreißigjährige Krieg wurde hauptsächlich im Namen und&lt;br /&gt;
aus Gründen der Religion ausgetragen. Talcott Parsons schreibt:&lt;br /&gt;
„...im 17. Jahrhundert wurde die Religion der Liebe zum Brennpunkt&lt;br /&gt;
einer ganzen Reihe von Religionskriegen, die die europäische Gesell-&lt;br /&gt;
schaft fast zerstörten“ (S. 18).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige klassische Studien, die in den Vereinigten Staaten auf ört-&lt;br /&gt;
licher Ebene durchgeführt wurden, weisen auf eine beunruhigende&lt;br /&gt;
Tatsache hin. Natürlich können diese Studien hinsichtlich der Richtig-&lt;br /&gt;
keit und Zuverlässigkeit ihres methodischen Ansatzes in Frage gestellt&lt;br /&gt;
werden; auch lassen sie keine Verallgemeinerung auf sämtliche reli-&lt;br /&gt;
giösen Gruppen allüberall zu. Trotzdem weisen diese Arbeiten darauf&lt;br /&gt;
hin, daß „Amerikaner, die eng mit einer religiösen Gruppe verbunden&lt;br /&gt;
sind, mehr rassische und völkische Vorurteile an den Tag legen als&lt;br /&gt;
solche, die nicht so enge religiöse Bindungen haben“ ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.Religiosität einer bestimmten Art kann eine Haltung übertriebenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrauens und zu starken Verlasses auf Gebete und auf das Über-&lt;br /&gt;
natürliche wecken, was zu Müßiggang und Mangel an praktischer An-&lt;br /&gt;
strengung zur Lösung alltäglicher und weltlicher Probleme führt. Ex-&lt;br /&gt;
trem fatalistisches Verhalten und die Erwartung, Gott werde sich um&lt;br /&gt;
alle Einzelheiten kümmern, sind kennzeichnend für diese Fehlhaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein englischer Indienreisender berichtete einmal folgende Geschichte.&lt;br /&gt;
Er hatte einen Wagen gemietet, der ihn und Mitglieder seiner Mission&lt;br /&gt;
ins Hochland des Himalaya bringen sollte. Der Fahrer, ein frommer&lt;br /&gt;
Mann, stand früh am Morgen auf, um alle seine täglichen Gebete und&lt;br /&gt;
ein paar zusätzliche für die bevorstehende gefährliche Reise zu spre-&lt;br /&gt;
chen. Auch las er ein besonderes Gebet für den Wagen und blies&lt;br /&gt;
diesen an, als wolle er ihn dadurch einsegnen. Nach all diesen Ritualen&lt;br /&gt;
und geistigen Vorbereitungen verließen sie das Dorf. Der Wagen fuhr&lt;br /&gt;
einige Meilen und zog durch ein paar Haarnadelkurven, dann streikte&lt;br /&gt;
er plötzlich. Der Fahrer war so ganz in seinen geistigen Vorbereitungen&lt;br /&gt;
aufgegangen, daß er vergessen hatte, Benzin in den Tank und Wasser&lt;br /&gt;
in den Kühler zu füllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion, die Einheit herbeiführen und Grenzen beseitigen soll,&lt;br /&gt;
kann Diskriminierung und Absonderung mit sich bringen. Dies gilt vor&lt;br /&gt;
allem für die westliche Welt und die Anhänger dessen, der Seine Berg-&lt;br /&gt;
predigt mit den Worten „Selig sind die Armen...“ (Matth. 5:3) beginnt.&lt;br /&gt;
Die Mitgliedschaft in verschiedenen Bekenntnissen als „Statussymbol“&lt;br /&gt;
oder als das, was Max Lerner „Rangabzeichen der Zugehörigkeit“ nennt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1123&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1124|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird in vielen soziologischen Studien nachgewiesen. Peter L. Berger&lt;br /&gt;
folgert aus der Analyse dieses Problems: „Somit können wir mit vol-&lt;br /&gt;
lem Recht von Mittelstandskirchen und Arbeiterkirchen sprechen, Aus-&lt;br /&gt;
drücke, die bereits die Lynds in ihren Untersuchungen über Mittel-&lt;br /&gt;
städte gebrauchen. Die unsichtbare Grenze, die Hand- und „Geistes“-&lt;br /&gt;
Arbeit auseinanderhält — eine Grenze, die heute noch in unserem&lt;br /&gt;
Klassensystem sehr wichtig ist — trennt die Menschen auch hinsicht-&lt;br /&gt;
lich ihrer Kirchenmitgliedschaft. Die religiöse Einrichtung spiegelt so-&lt;br /&gt;
mit getreu die Klassendynamik der größeren Gesellschaft“ (S. 82 £.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pathologie des Religiösen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche gestörte Funktionen der geschilderten Arten waren entweder&lt;br /&gt;
kein Teil der Religionen in ihrer ursprünglichen Gestalt, oder sie erfüllten&lt;br /&gt;
in der Vergangenheit einen positiven Zweck. Der ausschlaggebende Faktor,&lt;br /&gt;
der diese Funktionen störend werden ließ, sollte in der zyklischen Theorie&lt;br /&gt;
und bei einem oder einer Gruppe der nachstehenden Daten gesucht&lt;br /&gt;
werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— von Menschen gemachte und hinzugefügte Dogmen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— zweckdienliche Faktoren, die übertrieben worden sind;&lt;br /&gt;
— veraltete Normen und Werte;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Kompromisse;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— naive Fehlinterpretationen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— bewußte Fehlinterpretationen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— verdrehte Anpassungen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— die Sakralisierung von Profanem oder Begrenztem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom sozialpsychologischen Gesichtspunkt her sind viele Gründe für die&lt;br /&gt;
Funktionsstörungen des Religiösen wahrscheinlich im jeweiligen Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsstand des menschlichen Bewußtseins zu finden. Die Gruppen-&lt;br /&gt;
nitgliedschaft oder das „Zugehörigkeitsgefühl“ gehören zu den höchsten&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Bewußtseinselementen beim Menschen. Erich Fromm&lt;br /&gt;
drückt dies mit dem Satz aus: „Der Mensch ist vom Ursprung her ein&lt;br /&gt;
Herdentier“ ?) und sagt, die emotionelle Bindung an die Gruppe und deren&lt;br /&gt;
institutionelle Werte sei ein überaus starkes Band. In Allen Wheelis’ Wor-&lt;br /&gt;
ten klingt das so: „Werte bestimmen Ziele, und Ziele definieren die Iden-&lt;br /&gt;
tität“ 8),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich bestimmen der Impuls, dem Führer zu folgen und Teil der&lt;br /&gt;
Gruppe zu sein, die Handlung des Menschen. Fromm sagt: „Das Ausmaß,&lt;br /&gt;
in dem der Mensch sein Denken gebraucht, um irrationale Leidenschaften&lt;br /&gt;
zu rationalisieren und die Handlungen seiner Gruppe zu rechtfertigen,&lt;br /&gt;
zeigt uns, wie weit der Weg ist, den der Mensch noch zurücklegen muß,&lt;br /&gt;
um Homo sapiens zu werden“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß jedoch bemerkt werden, daß der Rationalisierungsprozeß auf&lt;br /&gt;
dieser irrationalen Grundlage keineswegs ein unwandelbarer Bestandteil&lt;br /&gt;
der „menschlichen Natur“ ist. Er ist vielmehr ein Überbleibsel aus der&lt;br /&gt;
primitiven menschlichen Vergangenheit, die bewältigt werden kann. Zwei-&lt;br /&gt;
fellos sind Anstrengungen nötig, um die Ketten der Nachahmung und des&lt;br /&gt;
blinden Herdentriebs zu brechen. Wie rasch dies erreicht werden kann,&lt;br /&gt;
hängt von der Entschlossenheit des Menschen ab, wahre Freiheit zu er-&lt;br /&gt;
langen, selbst zu denken und unabhängig die Wahrheit zu finden. Um&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1124&lt;br /&gt;
{{page|1125|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=35}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tausende von Gläubigen der verschiedensten Religionsgemeinschaften&lt;br /&gt;
nahmen in diesem Jahr an den Feiern zum Weltreligionstag in Vietnam&lt;br /&gt;
teil. In Saigon (unser Bild zeigt die Redner) führte ein Mitglied des&lt;br /&gt;
Obersten Gerichtshofs den Vorsitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch einmal Fromm zu zitieren: „Die Entfaltung und volle Ausbildung&lt;br /&gt;
der Vernunft hängt vom Erlangen voller Freiheit und Unabhängigkeit ab.&lt;br /&gt;
Bis dies so weit ist, wird der Mensch dazu neigen, das für wahr zu halten,&lt;br /&gt;
was die Mehrheit seiner Gruppe als wahr angenommen wissen will; sein&lt;br /&gt;
Urteil ist durch sein Bedürfnis nach Kontakt zur Herde und durch die&lt;br /&gt;
Furcht, von ihr isoliert zu werden, bestimmt“ (S. 59).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religion beansprucht, ihr Hauptanliegen sei es, den Menschen auf&lt;br /&gt;
die Stufe zu erheben, die er einnehmen sollte. Der logische Zugang, der&lt;br /&gt;
Weg zu einem solchen Ideal, ist, beim „Ist“-Zustand anzusetzen, den ge-&lt;br /&gt;
genwärtigen Zustand realistisch zu betrachten und von dort her aufzu-&lt;br /&gt;
bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Hauptmerkmal des Menschen ist sein Sinn für Wertvorstellungen,&lt;br /&gt;
seine Bindung und seine Anhänglichkeit an allgemeine Werte. Die Crux&lt;br /&gt;
des Problems ist die verstandliche Erörterung und Beweisführung, wie&lt;br /&gt;
gültig oder illusorisch die Werte sein mögen. Praktisch sind Werte jene&lt;br /&gt;
Dinge, die „die Menschen schätzen und lieben, ohne auf ihre Gültigkeit&lt;br /&gt;
Bezug zu nehmen“). Die meisten Religionsstifter beanspruchen, daß sie&lt;br /&gt;
veraltete Werte umwerten, ändern, verbessern, erweitern, universalisieren&lt;br /&gt;
und vermenschlichen, daß sie neue Werte bringen und auf diese Weise&lt;br /&gt;
die Menschheit und ihre Kultur eine Stufe vorantragen. Dies läßt sich an&lt;br /&gt;
der folgenden Erklärung Christi verdeutlichen: „Wähnet nicht, Ich sei ge-&lt;br /&gt;
kommen, das Gesetz Moses und die Lehren der Propheten aufzuheben.&lt;br /&gt;
Ich bin nicht gekommen, diese aufzuheben, sondern ihnen wahre Bedeu-&lt;br /&gt;
tung zu geben“ (Matth. 5:17). Um dem Gesetz und den Lehren „wahre Be-&lt;br /&gt;
deutung zu geben“, mußte Er sie auslegen und ändern mit den Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1125&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1126|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihr habt gehört, daß vor alters gesagt wurde.... Ich aber sage euch...“&lt;br /&gt;
(Matth. 5). In gleicher Weise änderte Moses an Seinem „Tag“ die alten&lt;br /&gt;
Werte; ebenso gingen Muhammad und Bahä’u’lläh vor. Als Parallelfail und&lt;br /&gt;
bedeutungsvolles Beispiel sei eine der zentralen Aussagen Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
zitiert: „In früheren Zeitaltern wurde gesagt: ‚Glaube ist Liebe zum Vater-&lt;br /&gt;
land‘. Am Tage dieser Manifestation spricht jedoch die Zunge der Größe:&lt;br /&gt;
‚Ruhm gebührt nicht dem, der sein Vaterland liebt; Ruhm gebührt dem,&lt;br /&gt;
der die Gattung Mensch liebt‘. Mit diesen erhabenen Worten hat Er die&lt;br /&gt;
Vögel der Menschenseelen einen neuen Flug gelehrt und Begrenzung und&lt;br /&gt;
blinde Nachahmung aus dem Buche getilgt.“ 1%.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir diesen Prozeß aus einem anderen Blickwinkel, so können wir&lt;br /&gt;
die Propheten als die Führer von „wertorientierten gesellschaftlichen Be-&lt;br /&gt;
wegungen“ und damit als Revolutionäre oder Rebellen ansprechen. Über&lt;br /&gt;
Jesus sagt Parsons: „Jesus war kein Sozialrevolutionär, aber er war&lt;br /&gt;
sicherlich ein Rebell“ (S. 26). Dies erklärt zum Teil die Behandlung, die&lt;br /&gt;
die großen Religionsführer von ihrer zeitgenössischen Gesellschaft er-&lt;br /&gt;
fahren haben. So weit unsere Terminologie reicht, sind „gesellschaftliche&lt;br /&gt;
Bewegung“, „Reform“ und „Rebellion“ säkulare oder soziologische Be-&lt;br /&gt;
griffe. Die Bahä’i nennen den Gesamtvorgang „fortschreitende Gottes-&lt;br /&gt;
offenbarung“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen Darlegungen läßt sich schließen, daß die meisten Werte&lt;br /&gt;
wirksam waren, bis kurz vor der Zeit, in der der letzte „Reformer“ oder&lt;br /&gt;
„Rebell“ (nach den Begriffen der Soziologen) oder die neue „Manifesta-&lt;br /&gt;
tion Gottes“ (nach der Bahä’i-Terminologie) die neue Wertordnung ein-&lt;br /&gt;
führte, für welche die Gesellschaft reif geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zwecke unserer Studie sollten wir unterscheiden zwischen den&lt;br /&gt;
Begriffen „heilig“ und „säkular“ bzw. zwischen „transzendent“ und „pro-&lt;br /&gt;
fan“ oder, in den Worten Christi, zwischen dem, was „Gottes“, und dem,&lt;br /&gt;
was „des Kaisers“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Gesichtspunkt des „Heiligen“ und „Transzendenten“ stellt die&lt;br /&gt;
Annahme einer theistischen Religion die Anerkennung eines Propheten&lt;br /&gt;
dar, der von Gott erwählt und beauftragt worden ist. Tatsächlich glaubt&lt;br /&gt;
man an eine der großen prophetischen Gestalten als das „Sprachrohr“&lt;br /&gt;
und „die Manifestation Gottes“, die der Menschheit die Worte und Gesetze&lt;br /&gt;
Gottes übermittelt und dadurch der Welt das Heil bringt. Dies bedeutet,&lt;br /&gt;
daß Gott zu einer Person spricht und ihr das Wort gibt, das verkündet&lt;br /&gt;
werden soll. Das Sprechen Gottes kann wörtlich oder übertragen ver-&lt;br /&gt;
standen werden, durch einen Mittler wie den Heiligen Geist, einen Engel&lt;br /&gt;
oder durch direkte Offenbarung. Es versteht sich demnach mit der An-&lt;br /&gt;
erkennung eines göttlichen Propheten, daß es einen Gott gibt und daß&lt;br /&gt;
Gott wenigstens einmal gesprochen hat. Daraus läßt sich folgern, daß die&lt;br /&gt;
Gesetze, die Werte und die normativen Ordnungen, die ein göttlicher&lt;br /&gt;
Prophet verkündet hat, ihrer Natur nach göttlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage dieser Feststellungen erheben sich nunmehr drei&lt;br /&gt;
Hauptfragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Wenn Gott einmal gesprochen hat, gibt es einen Grund, warum&lt;br /&gt;
Er nicht wiederum sprechen sollte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Wenn die Worte und die Gesetze, die von einem Propheten ver-&lt;br /&gt;
kündet wurden, göttlichen Ursprungs sind, wer soll dann das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1126&lt;br /&gt;
{{page|1127|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=37}}Wort Gottes ändern oder abwandeln und veraltete göttliche Ge-&lt;br /&gt;
setze modern:sieren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Können die Gesetze Gottes Kompromissen ausgesetzt oder von&lt;br /&gt;
Menschen geändert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen das Problem im Rahmen der göttlichen Religionen und der&lt;br /&gt;
Glaubensvorstellungen weiterbehandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bahä’i ist Religion eine sehr reale und unentbehrliche Einrich-&lt;br /&gt;
tung, die sowohl die transzendenten Werte wie die praktische Führung&lt;br /&gt;
für die Sicherung der Ordnung und Ruhe in der Menschheit umfaßt.&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Religion ist das vortrefflichste Mittel für die Ordnung der Welt und&lt;br /&gt;
die Ruhe aller Lebewesen. Die Schwäche der Pfeiler der Religion hat die&lt;br /&gt;
Unwissenden dreist und anmaßend gemacht. Wahrlich, Ich sage, was&lt;br /&gt;
immer die erhabene Stellung der Religion erniedrigt, vermehrt die&lt;br /&gt;
Widerspenstigkeit unter den Gottlosen und führt letztlich zur Anarchie“ &amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i glauben nicht nur, daß die Religion in der Vergangenheit die&lt;br /&gt;
Grundlage der Menschwerdung war; ihrer Ansicht nach ist die Religion&lt;br /&gt;
die Grundlage aller Kultur und die Ursache kulturellen Fortschritts.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá lehrt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die größte Gottesgabe in der Menschenwelt ist die Religion; denn die&lt;br /&gt;
göttlichen Lehren der Religion übertreffen gewißlich alle anderen Quellen&lt;br /&gt;
der Bildung und Entwicklung des Menschen. Die Religion verleiht dem&lt;br /&gt;
Menschen ewiges Leben und führt seinen Fuß in die Welt der Sittlichkeit.&lt;br /&gt;
Sie öffnet die Tore immerwährender Glückseligkeit und verleiht dem&lt;br /&gt;
Menschenreich ewige Ehre. In der Geschichte der Menschheit war die Re-&lt;br /&gt;
ligion Grundlage aller Kulturen und jeglichen Fortschritts“ 12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da alle theistischen Religionen von derselben Quelle her verkündet&lt;br /&gt;
werden, sind sie nach dem Glauben der Bahä’i eins. Über die Religionen&lt;br /&gt;
und ihre Gesetze sagt Bahä’u’lläh: „Diese Grundsätze und Gesetze, diese&lt;br /&gt;
sicherbegründeten und mächtigen Systeme sind einer Quelle entsprungen&lt;br /&gt;
und sind die Strahlen eines Lichtes. Daß sie voneinander abweichen, ist&lt;br /&gt;
den wechselnden Erfordernissen der Zeitalter zuzuschreiben, in denen sie&lt;br /&gt;
verkündet wurden“ 1?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Warte her bekräftigen die Bahä’i die Einheit der Religion.&lt;br /&gt;
Nach ihrer Überzeugung ist Religion Wahrheit und Wirklichkeit, und&lt;br /&gt;
„Wirklichkeit läßt keine Vieldeutigkeit zu“ 1%). Ihrem Inhalt nach läßt sich&lt;br /&gt;
die Religion jedoch in zwei Teile trennen: Der eine Teil ist geistig und&lt;br /&gt;
transzendent, das Wesentliche in jeder Religion. Dieser Teil wurde und&lt;br /&gt;
wird nie geändert. Er ist ewig, unveränderlich und wird von jeder neuen&lt;br /&gt;
Manifestation Gottes bekräftigt und bestätigt. Nur in seiner Bedeutung&lt;br /&gt;
wird dieser Teil der Religion erweitert, denn die geistige Entwicklung&lt;br /&gt;
des Menschen schreitet voran. Der zweite Teil des Religiösen besteht in&lt;br /&gt;
zeitlichen Werten und gesellschaftlichen Normen; sie können in einer sich&lt;br /&gt;
fortgesetzt wandelnden, dynamischen Welt nicht statisch und unverän-&lt;br /&gt;
dert bleiben. Deshalb werden mit der Weiterentwicklung der Menschheit&lt;br /&gt;
immer wieder die passenden Lehren gegeben; die alten Lehren werden&lt;br /&gt;
geändert und modernisiert „entsprechend den Notwendigkeiten und Er-&lt;br /&gt;
fordernissen von Ort und Zeit“. Da religiöse Lehren aber göttlichen Ur-&lt;br /&gt;
sprungs sind, muß auch jede Änderung an ihnen aus einer göttlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1127&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1128|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle kommen. Mit anderen Worten: Wenn man glaubt und anerkennt,&lt;br /&gt;
daß religiöse Gesetze und Werte von Gott sind, kann das Gesetz Gottes&lt;br /&gt;
nicht durch Menschen geändert werden; es muß von derselben Autorität,&lt;br /&gt;
die es gesetzt hat, überprüft und geändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i sind überzeugt, daß genau dies der Fall ist. Sie sehen die&lt;br /&gt;
Propheten nicht als verschiedene Individuen und ihre Religionen als ver-&lt;br /&gt;
schiedene Systeme, die miteinander in Streit und Konkurrenz liegen.&lt;br /&gt;
Vielmehr betrachten die Bahä’i alle Propheten als die Boten und Sprecher&lt;br /&gt;
Gottes, deren Aufgabe es ist, Einheit und Eintracht in der Menschheit zu&lt;br /&gt;
stiften. Bahä’u’lläh sagt: „...Alle Propheten (sind) Tempel der Gottes-&lt;br /&gt;
sache, doch erscheinen sie in verschiedener Tracht. Wenn du mit feinem&lt;br /&gt;
Auge beobachtest, so wirst du sehen, daß sie alle im gleichen Heiligtum&lt;br /&gt;
wohnen, sich zum gleichen Himmel aufschwingen, auf dem gleichen&lt;br /&gt;
Throne sitzen, die gleiche Sprache reden und den gleichen Glauben ver-&lt;br /&gt;
künden“). Demnach ist ihre Offenbarung dem Wesen nach identisch,&lt;br /&gt;
aber fortschreitend, entsprechend dem Entwicklungsstand des Menschen&lt;br /&gt;
und seiner Aufnahmefähigkeit. Das ist genau, was auch Jesus sagte: „Ich&lt;br /&gt;
hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es heute noch nicht tragen.&lt;br /&gt;
Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, wird Er euch in alle Wahrheit&lt;br /&gt;
leiten“ (Joh. 16:12-13).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich der Mensch entwickelt und sich mit seiner Entwicklung die&lt;br /&gt;
Verhältnisse und Bedürfnisse ändern, lösen die alten Denkansätze nicht&lt;br /&gt;
nur die neuen Probleme nicht, sie können sogar weitere schlimme Pro-&lt;br /&gt;
bleme verursachen, wenn die gesellschaftlichen Lehren, die einmal nütz-&lt;br /&gt;
lich und wirksam waren, unerwünschte Wirkungen hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wir eingangs feststellten, ist es die Funktion, die die institutionel-&lt;br /&gt;
len Strukturen in der Gesellschaft am Leben erhält, und die Funktion ist&lt;br /&gt;
die Folge der Struktur. Wenn eine institutionelle Struktur krankhafte&lt;br /&gt;
Wirkungen hervorruft, wäre die Geseilschaft ohne sie zweifellos besser&lt;br /&gt;
gestellt. Die Funktion einer erzieherischen Struktur ist zum Beispiel, Er-&lt;br /&gt;
kenntnis und Intelligenz zu fördern; fördert sie Unwissenheit, ist die Wir-&lt;br /&gt;
kung krankhaft. Das selbe gilt von der Institution der Regierung, die Ge-&lt;br /&gt;
setz und Sicherheit bewirken soll. Fördert sie Gesetzlosigkeit und&lt;br /&gt;
Anarchie, ist ihre Wirkung krankhaft, und die Gesellschaft wäre ohne sie&lt;br /&gt;
besser daran. Mit der Religion als institutioneller Struktur steht es nicht&lt;br /&gt;
anders. Eine ihrer Hauptaufgaben ist, Einheit und Eintracht in der&lt;br /&gt;
Menschheit zu stiften. Bahä’u’lläh sagt: „O Volk der Welt! Die Religion&lt;br /&gt;
Gottes muß Liebe und Einheit schaffen; macht sie nicht zur Ursache der&lt;br /&gt;
Feindschaft und Zwietracht“. Weiter warnt Er: „Macht die Sache der Ord-&lt;br /&gt;
nung nicht zu einer Sache der Unordnung und das Mittel der Einheit&lt;br /&gt;
nicht zum Mittel der Zersetzung“ !%). Wenn sie krankhaft wirkt, bringt die&lt;br /&gt;
Religion Leid statt Nutzen, Haß statt Liebe mit sich. In diesem Fall wäre&lt;br /&gt;
die Menschheit ohne die Einrichtung der Religion besser daran. ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä sagt: „Religion muß die Ursache der Kameradschaft und Liebe sein.&lt;br /&gt;
Verursacht sie Entfremdung, ist sie unnütz, denn die Religion ist wie ein&lt;br /&gt;
Heilmittel; wenn die Arznei das Leiden verschlimmert, wird sie un-&lt;br /&gt;
nötig“ !”).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich demnach krankhafte Elemente in ein Religionssystem ein-&lt;br /&gt;
schleichen, ist es an der Zeit, daß der nächste „Geist der Wahrheit“&lt;br /&gt;
kommt, die nächste „Manifestation Gottes“ erscheint, um die früheren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1128&lt;br /&gt;
{{page|1129|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=39}}Lehren neu zu bestätigen, zu ändern, zu verbessern, fortzuentwickeln&lt;br /&gt;
und ihnen „wahre Bedeutung zu geben“. Dies war die Geschichte der Re-&lt;br /&gt;
ligion in der Vergangenheit, und sie wird in aller Zukunft so bleiben; es&lt;br /&gt;
ist ein Teil dessen, was die Bahä’i unter „fortschreitender Gottesoffen-&lt;br /&gt;
barung“ verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der verstorbene Hüter des Bahä’i-Glaubens, erklärt&lt;br /&gt;
dieses Konzept mit den folgenden Worten: „Der Glaube, der mit dem Na-&lt;br /&gt;
men Bahä’u’llähs identisch ist, verwirft jede Absicht, irgendeinen der Ihm&lt;br /&gt;
vorangegangenen Offenbarer zu verkleinern, irgendeine Ihrer Lehren zu&lt;br /&gt;
beschneiden, den Glanz Ihrer Offenbarungen, und sei es noch so wenig, zu&lt;br /&gt;
verdunkeln, sie aus den Herzen Ihrer Anhänger zu verdrängen, die&lt;br /&gt;
Grundlagen Ihrer Lehrsätze abzuschaffen, irgendeines Ihrer geoffen-&lt;br /&gt;
barten Bücher aufzugeben oder die berechtigten Bestrebungen Ihrer An-&lt;br /&gt;
hänger zu unterdrücken. Indem Bahä’u’lläh den Anspruch jeder Religion,&lt;br /&gt;
die endgültige Offenbarung Gottes für den Menschen zu sein, verwirft&lt;br /&gt;
und Endgültigkeit auch für Seine eigene Offenbarung ablehnt, betont Er&lt;br /&gt;
nachdrücklich den Grundsatz der Relativität religiöser Wahrheit, die&lt;br /&gt;
Fortdauer göttlicher Offenbarung und das Fortschreiten religiöser Erfah-&lt;br /&gt;
rung. Sein Ziel ist, die Grundlage aller geoffenbarten Religionen zu er-&lt;br /&gt;
weitern und die Geheimnisse ihrer Schriften zu enträtseln. Er besteht auf&lt;br /&gt;
der vorbehaltlosen Anerkennung der Einheit ihrer Ziele, bestätigt die&lt;br /&gt;
ewigen Wahrheiten, die sie enthalten, stimmt ihr Wirken aufeinander ab,&lt;br /&gt;
scheidet das Wesentliche und Verbürgte vom Unwesentlichen und Unech-&lt;br /&gt;
ten in ihren Lehren, trennt die von Gott gegebenen Wahrheiten von dem&lt;br /&gt;
von Geistlichen aufgebrachten Aberglauben und verkündet auf dieser&lt;br /&gt;
Grundlage die Möglichkeit, ja sogar die Unvermeidlichkeit ihrer Vereini-&lt;br /&gt;
gung und die Erfüllung ihrer höchsten Hoffnungen“ &#039;P).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „World Order, a Bahä’i Magazine“, Wilmette/Ill., USA, Winter 1968/69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Jalil Mahmoudi ist außerordentlicher Professor für Soziologie und Philologie&lt;br /&gt;
an der Universität von Utah. Seine Hauptinteressen gelten der Religions-, Familien-&lt;br /&gt;
und Sprachsoziologie. Er schrieb seine Doktorarbeit über das Thema „Soziologische&lt;br /&gt;
Analyse der Bahä’i-Bewegung“ und ist Verfasser mehrerer Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Nicholas S. Timasheff, „Sociological Theory“, New York 1963, S. 91&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Thomas F. O’Dea, „Sociology of Religion“, Englewood Cliffs/USA 1966, S. .4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») wie 2), Kap. 6; ferner Glenn M. Vernon, „Sociology of Religion“, New York bei&lt;br /&gt;
MceGraw Hill Book Co. Kap. 6-8; Talcott Parsons, „Religious Perspectives of&lt;br /&gt;
College Teaching in Sociology and Social Psychology“, New Haven, The Edward&lt;br /&gt;
W. Hazen Foundation, o. J.; James S. Coleman, „Social Change and Religious&lt;br /&gt;
Conflict“ in Lasswell, Bruma und Aronson (Hrsg.) „Life in Society“, Chicago&lt;br /&gt;
1965, S. 405&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) Als umfassende und gelehrte soziologische Analyse der Religion in der städti-&lt;br /&gt;
schen Gesellschaft sei das 1. Kapitel von J. Milton Yinger, „Sociology Looks at&lt;br /&gt;
Religion“, New York 1963, empfohlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt;) F. M. Dostojewski, „Die Brüder Karamasow“, 5. Buch, 5. Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘) Peter L. Berger, „The Noise of Solemn Assemblies“, Garden City/USA 1961, S. 100&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;) Erich Fromm, „Psychoanalyse und Religion“, New York 1964, S. 58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
°) Allen Wheelis, „The Quest for Identity“, New York 1958, S. 174&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) Wheelis, S. 177&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) „Ährenlese aus den Schriften Bahä’u’llähs“, Frankfurt 1961, XLIII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Bahä’u’lläh, „Worte des Paradieses“, BAHA’I-BRIEFE 10, S. 228&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
??) ‘Abdu’l-Bahá, „The Promulgation of Universal Peace“, Ansprache vom 12. 10. 1912&lt;br /&gt;
in San Francisco, Chicago 1917/1943, S. 355&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23) Ährenlese CXXXII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) wie 2)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Bahä’u’lläh, „Das Buch der Gewißheit“, Frankfurt/Main 126/1969, S. 153&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Bahä’u’lläh, „Das Buch des Bundes“, Frankfurt/Main 121/1964, S. 10 £.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17) ‘Abdu’l-Bahá, zitiert in „The Bahä’f Peace Program“, S. 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Shoghi Effendi, „Der verheißene Tag ist gekommen“, Frankfurt/Main 124/1967,&lt;br /&gt;
S. 164 £.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1129&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1130|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neu auf unserem Büchertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva Ruchpaul, „Hatha-Yoga“, Kenntnis und Technik. Erich-Hoffmann-&lt;br /&gt;
Verlag, Heidenheim 1969, 35,— DM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der Hüter des Bahä’i-Glaubens, hat die Technik des&lt;br /&gt;
Gebetes in fünf Stufen eingeteilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Bete und meditiere darüber. Lerne, in Schweigen und stiller&lt;br /&gt;
Betrachtung für einige Momente zu verharren. Während dieser ver-&lt;br /&gt;
tieften Gemeinschaft mit dem Göttlichen unternimm den nächsten&lt;br /&gt;
Schritt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Komme zu einer Entscheidung und halte dich daran;&lt;br /&gt;
3. Führe die Entscheidung mit Entschlossenheit durch;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Habe Glaube und Vertrauen, daß du von Kraft durchströmt&lt;br /&gt;
wirst, daß sich dir der rechte Weg zeigt, die Tür sich öffnet, der rich-&lt;br /&gt;
tige Gedanke, die richtige Botschaft, der richtige Leitsatz oder das&lt;br /&gt;
richtige Buch dir gegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Handle, handle, als ob alles schon beantwortet wäre. Indem du&lt;br /&gt;
handelst, wirst du selbst ein Magnet, der mehr und mehr Kraft in dein&lt;br /&gt;
eigenes Dasein herbeizieht, bis du ein offener Kanal wirst, durch den&lt;br /&gt;
die göttliche Macht einströmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist wohl die kürzeste und tiefgründigste moderne Interpretation&lt;br /&gt;
der Gebetsverwirklichung, die man heute in der westlichen Literatur&lt;br /&gt;
finden kann. Will man ein übriges tun, so kann man sich Gedanken über&lt;br /&gt;
die Körperhaltung während der Gebete und Meditation machen. Wer&lt;br /&gt;
das wünscht, dem ist in obengenanntem Buch eine weitgehende Hilfe&lt;br /&gt;
sicher. Nicht nur zweihundert gute Fotografien erleichtern den Einblick&lt;br /&gt;
in die Hatha-Yoga-Technik, sondern man wird ohne Zweifel wenigstens&lt;br /&gt;
eine Haltung als diejenige erkennen, die dem Betrachter den Weg nach&lt;br /&gt;
innen wesentlich erleichtern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Modern ausgedrückt, ist der Körper in einer bestimmten Haltung wie&lt;br /&gt;
ein elektrischer Leiter außerirdischer Energiequellen. Gebetshaltungen&lt;br /&gt;
aller Religionen in aller Welt geben darüber Auskunft, daß Menschen in&lt;br /&gt;
bestimmten Kulturkreisen in bestimmter Stimmung und aus bestimmtem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlaß nach einer besonderen Ausdrucksform in ihrer Körperstellung&lt;br /&gt;
strebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das System des Hatha-Yoga im Westen in den letzten Jahren so&lt;br /&gt;
hochgespielt worden ist, nimmt ihm nichts von seinem Wert. Wir haben&lt;br /&gt;
kein westliches System, das den Vergleich aushielte, wenn man davon&lt;br /&gt;
ausgeht, daß wir als Bahä’i an einer Vertiefung unserer Kenntnisse der&lt;br /&gt;
möglichen Meditationshaltungen interessiert sind. Daß der Hatha-Yoga&lt;br /&gt;
außerdem eine ausgezeichnete Körperschulung ist, soll deswegen nur am&lt;br /&gt;
Rande erwähnt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man tut gut daran, das letzte Kapitel des Buches: „Der Westmensch&lt;br /&gt;
und die Meditation“ zuerst zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1130&lt;br /&gt;
{{page|1131|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=41}}Das Buch ist klar und nüchtern und mit dem Wunsch geschrieben, jeden&lt;br /&gt;
Mystizismus zur Strecke zu bringen. Die Welt wird immer kleiner durch&lt;br /&gt;
die modernen Kommunikationsmittel, und wir Bahä’i bemühen uns, sie&lt;br /&gt;
tolerant und ohne Vorurteil zu sehen. Wer diesen Grundsatz dem großen&lt;br /&gt;
Gebiet des Yoga gegenüber anwendet — der Hatha-Yoga-Weg ist nur&lt;br /&gt;
einer unter fünf Wegen — der wird es zweifellos mit Gewinn für sich&lt;br /&gt;
persönlich und für die Verwirklichung unseres Glaubens tun. K.-P. Sch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George Townshend, „Christus und Bahä’u’lläh“, 2. unveränderte Auflage,&lt;br /&gt;
Frankfurt 126/1970, 127 Seiten, kart. DM 3.50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die einfühlsame und liebevolle Hinführung des christlichen Denkens&lt;br /&gt;
zu Bahä’u’lläh, der Wiederkunft Christi und aller Religionsstifter der&lt;br /&gt;
Vergangenheit, liegt in zweiter, unveränderter Auflage vor. Neu ist der&lt;br /&gt;
Umschlag gestaltet worden; neu ist auch der Preis, der unter demjenigen&lt;br /&gt;
vergleichbarer Taschenbücher liegt. Damit eignet sich das Buch vorzüglich&lt;br /&gt;
zu einem kleinen Geschenk, mit dem man sich die Freundschaft aufge-&lt;br /&gt;
schlossener, suchender Menschen erwirbt und erhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von dem „Brief an den Sohn des Wolfes“, mit dem Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
einem Seiner schlimmsten Feinde und durch diesen hindurch der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit den Wesensgehalt Seiner Sendung zu verdeutlichen sucht,&lt;br /&gt;
gibt es wenige Bücher, die so klar und eindeutig, so geduldig wie dieses&lt;br /&gt;
Buch Beweis auf Beweis zur selbständigen Prüfung vor dem Leser aus-&lt;br /&gt;
breiten. Als Theologe und ehemals hoher anglikanischer Geistlicher hat&lt;br /&gt;
Townshend den großen Anspruch Bahä’u’lliähs, der Weg, die Wahrheit&lt;br /&gt;
und das Leben für einen neuen Abschnitt der menschlichen Entwicklung&lt;br /&gt;
zu sein und das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen, vom Kern der&lt;br /&gt;
religiösen Lebens- und Geschichtsfragen her erfaßt. Er hat verstanden&lt;br /&gt;
und bewiesen, daß er dieses Verständnis weitergeben kann. Jeder hat die&lt;br /&gt;
Freiheit, mit Townshends Wegbegleitung oder noch selbständiger das&lt;br /&gt;
neue Wort Gottes zu hören oder sich abzukehren. Dies ist das Gericht,&lt;br /&gt;
dem letztlich keiner ausweichen kann. Wer sich drückt oder falsch ent-&lt;br /&gt;
scheidet, schadet in erster Linie sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Christen!“ schließt Townshend sein Buch, „Um euretwillen und&lt;br /&gt;
eurer Kirche willen, um der Menschheit willen und dem Reich Gottes&lt;br /&gt;
zuliebe, werft eure widerstreitenden Dogmen und Auslegungen von euch,&lt;br /&gt;
denn sie haben so viel Uneinigkeit verursacht und haben uns an den&lt;br /&gt;
Rand der Selbstvernichtung geführt. Erkennt das Zeitalter der Wahrheit!&lt;br /&gt;
Erkennt Christus in der Macht und Herrlichkeit des Vaters, und ver-&lt;br /&gt;
schreibt euch mit Herz und Seele Seiner Sache!“ : P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Pop-Einführung für die Jugend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großformat DIN A 3 und moderne grafische Aufmachung zeichnen die&lt;br /&gt;
neue Einführungsschrift im Umfang von 12 Seiten aus, die der Nationale&lt;br /&gt;
Geistige Rat der Bahä’i der Schweiz gestalten ließ. Wirr wirbeln auf der&lt;br /&gt;
Titelseite die großen Fragen der Zeit in den Köpfen der beiden abgebil-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1131&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1132|file=Baha&#039;i_Briefe_40.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deten jungen Leute herum: „Revolution, Ja oder Nein? Warum Rassen-&lt;br /&gt;
haß? Ist die Kirche überholt? Wo bleibt die Gerechtigkeit?“ Die folgenden&lt;br /&gt;
Seiten kreisen diese Fragen ein und leiten über zu den Problemlösungen&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion, wobei das Neue an der Offenbarung Gottes für un-&lt;br /&gt;
sere Zeit im Vordergrund steht. Die Ziele werden nicht als Utopien dar-&lt;br /&gt;
gestellt; vielmehr steht die Frage „Wie soll die neue Welt zustandekom-&lt;br /&gt;
men?“ im Vordergrund der Gedankenführung. Kritisch mag angemerkt&lt;br /&gt;
werden, daß dabei die persönliche Wandlung des Menschen, über den&lt;br /&gt;
„Aufruf zur Suche nach Wahrheit“ hinaus, etwas stärker zur Ergänzung&lt;br /&gt;
des aufklärerischen Rufes nach neuen, umfassenden Ordnungsvorstellun-&lt;br /&gt;
gen hätte herangeholt werden können. Ausführliche Zitate aus ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahäs „Ansprachen in Paris“ (1911) über die Einheit von Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft sowie aus „Der gespaltene Himmel“ von Huschmand Sabet&lt;br /&gt;
über die Grundlagen der Göttlichen Politik Bahä’u’llähs im Gegensatz&lt;br /&gt;
zum Versagen des Zeitgeistes leiten zu kurzen Hinweisen auf die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Geschichte und die Bahä’i-Gemeinschaftsordnung über. Den Schluß bil-&lt;br /&gt;
den Hinweise auf Sommer- und Winterschulen sowie auf die Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Räte Mitteleuropas, verbunden mit einer vorbereiteten Bücher-&lt;br /&gt;
bestellung und einer Auskunftsanfrage. Fast jede Seite bringt Zitate aus&lt;br /&gt;
den Schriften Bahä’u’llähs und weist auf die einschlägige Bahä’i- und&lt;br /&gt;
UNESCO-Literatur hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schrift kann von allen Bahä’i-Gemeinden, von der Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
GmbH, D-6 Frankfurt 1, Westendstraße 24, oder vom Schweizerischen&lt;br /&gt;
Buchkomitee der Bahä’i, CH-3000 Bern, Dufourstraße 13, unentgeltlich&lt;br /&gt;
bezogen werden. P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
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		<title>Bahai Briefe/Heft 4/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:09:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = April 1961&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 3/Text|Heft 3]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 5/Text|Heft 5]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{page|79|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltreligionstag 1961&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Dr. F. Heiler: Gott ist der Gott der ganzen Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá: Das Geheimnis göttlicher Kultur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í-Muttertempel in Afrika eingeweiht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte zu Ridván&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRIL 1961 HEFT 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|80|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|81|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dies ist der König der Tage, der Tag, welcher die Ankunft des Heißgeliebten schaute, dessen, nach dem die Sehnsucht der Welt seit aller Ewigkeit gegangen .. ..&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Welt des Daseins strahlt an diesem Tage wider vom Abglanz dieser göttlichen Offenbarung. Alle erschaffenen Dinge rühmen und lobpreisen Seine rettende Gnade. Das Weltall ist erfüllt von einem Rausch der Freude und des Glückes. Die Bücher der vorausgegangenen Gesandten feiern das große Jubelfest, das diesen größten der Tage Gottes grüßen muß. Wohl dem, der diesen Tag erlebt, geschaut und seine Stufe erkannt hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Die Sendung Bahá’u’lláhs, S. 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|82|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ridván - der „König der Feste“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gedächtnis an die Erklärung Bahá’u’lláhs in Baghdád&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wohl eines der entscheidendsten aber auch bedeutendsten Ereignisse, &lt;br /&gt;
wenn ein Gottgesandter Seine Ihm längst bewußt gewordene Berufung in aller &lt;br /&gt;
Öffentlichkeit verkündet und damit unwiderruflich nicht&lt;br /&gt;
nur Seinen eigenen Lebensweg, sondern auch den der Menschen bestimmt.&lt;br /&gt;
In dieser begnadeten Stunde, in der solches geschieht, beginnt eine neue&lt;br /&gt;
Periode in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. „Im Anfang war&lt;br /&gt;
das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat nicht jenes machtvolle, göttliche Wort: „Es werde“ die ganze&lt;br /&gt;
Schöpfung ins Dasein gerufen? Und haben nicht immer wieder zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten die Worte der Propheten und Gottesoffenbarer die Entwicklung&lt;br /&gt;
der Menschen, ihren Fortschritt auf allen Lebensgebieten beeinflußt und&lt;br /&gt;
gestaltet? Es liegt eine gewaltige schöpferische Macht, ein Mysterium in&lt;br /&gt;
solchen Worten, die, einmal ausgesprochen, allmählich ihre volle Kraft&lt;br /&gt;
entfalten und erzieherisch und umgestaltend auf das Leben der Menschen&lt;br /&gt;
einwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich, für den Offenbarer selbst hat es noch immer ein reiches Maß&lt;br /&gt;
an Leid, an unvorstellbaren Entbehrungen und oftmals Opfer des Lebens&lt;br /&gt;
bedeutet. Die Saat einer besseren Zeit war noch immer mit Blut und&lt;br /&gt;
Tränen getränkt. Doch die große Liebe zu Gott und den Menschen und&lt;br /&gt;
der absolute Gehorsam Gott gegenüber ließen Seine Gesandten jene &lt;br /&gt;
bedeutsamen Worte aussprechen und alle Qualen und bitterstes Leid auf&lt;br /&gt;
sich nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So geschah es auch im April vor 98 Jahren im Garten Ridván in Baghdad, &lt;br /&gt;
als Bahá’u’lláh Seinen Gefährten Seine hohe Sendung offenbarte.&lt;br /&gt;
Wohl hatten sich die Anhänger des Báb&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; nach Dessen Tod um &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh geschart, denn sie erkannten in Ihm eine starke Persönlichkeit, &lt;br /&gt;
von der eine unbezwingbare Kraft und Macht ausging; noch wußten sie aber nicht,&lt;br /&gt;
daß in Bahá’u’lláh der Verheißene, auf den der Báb in so wundervollen&lt;br /&gt;
und zwingenden Worten hingewiesen hatte, unter ihnen weilte. „Erkennet&lt;br /&gt;
die Grenzen, die euch gezogen sind“, schrieb einst der Báb, „denn auch der&lt;br /&gt;
Punkt des Bayán&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Selbst hat an Ihn geglaubt, den Gott geoffenbart hat,&lt;br /&gt;
noch bevor alle Dinge erschaffen waren... Keine Anspielung, die Ich&lt;br /&gt;
gemacht habe, kann Ihm genügen, auch das nicht, was im Bayán geschrieben &lt;br /&gt;
steht. Ich selbst bin nichts als nur der erste Diener, der an Ihn&lt;br /&gt;
und Seine Zeichen glaubt. Der einjährige Keim, der alle Möglichkeiten&lt;br /&gt;
der zu erwartenden Offenbarung in sich trägt, ist mit einer Kraft ausgestattet, &lt;br /&gt;
an die sämtliche im ganzen Bayán konzentrierten Kraftströme&lt;br /&gt;
nicht heranzureichen vermögen. Der gesamte Bayán ist nichts als ein einziges &lt;br /&gt;
Blatt unter den Blättern Seines Paradieses...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit solch eindringlichen Worten kennzeichnet der Báb die hohe Stufe&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh, und Er weist in anderen Worten auf die Zeit hin, in&lt;br /&gt;
welcher Seine mächtige Sendung offenbar wurde.&lt;br /&gt;
{{page|83|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun hatte Bahá’u’lláh Sein Schweigen gebrochen. Er bekannte sich&lt;br /&gt;
rückhaltlos zu Seiner Berufung, furchtlos allen Konsequenzen gegenüber,&lt;br /&gt;
um die Er wohl wußte. „Zu einer höchst kritischen und anscheinend sehr&lt;br /&gt;
ungünstigen Stunde“, schreibt Shoghi Effendi, der erste Hüter des Bahá’í-Glaubens, &lt;br /&gt;
in „Gott geht vorüber“, „entschloß sich Bahá’u’lláh, einen so&lt;br /&gt;
herausfordernden Anspruch zu stellen, das Geheimnis, in das Seine &lt;br /&gt;
Person gehüllt war, preiszugeben und sich in vollem Umfang die Macht und&lt;br /&gt;
Autorität anzueignen, die als ausschließliches Vorrecht Dessen galt, Dessen&lt;br /&gt;
Kommen der Báb verheißen hatte. Er tat dies ungeachtet der Aussicht auf&lt;br /&gt;
die entsetzlichen Nöte, die, wie Er Selbst vorhergesagt hatte, bald über&lt;br /&gt;
Ihn kommen würden, tat es am Vorabend einer weiteren Verbannung, die&lt;br /&gt;
zahlreiche Gefahren und Wagnisse mit sich bringen sollte... und tat es&lt;br /&gt;
trotz Seines Wissens um die Erweiterung des Kreises Seiner Gegner, zu&lt;br /&gt;
denen bald auch ein so despotischer Herrscher gezählt werden mußte“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Eintreffen Bahá’u’lláhs im Garten Ridván“, schreibt Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
an anderer Stelle, „kündigt den Beginn eines Ereignisses an, das nun als&lt;br /&gt;
das heiligste und bedeutsamste aller Bahá’í-Feste begangen wird, das Fest&lt;br /&gt;
zum Gedächtnis der Tage, an denen Er Seinen Gefährten Seine Sendung&lt;br /&gt;
offenbarte.“ Bahá’u’lláh Selbst spricht über die Bedeutung jener Offenbarung, &lt;br /&gt;
indem Er dieses historische Ereignis als das „Größte Fest“, den&lt;br /&gt;
„König der Feste“, das „Fest Gottes“ bezeichnet und die Menschen&lt;br /&gt;
ermahnt, sich von nichts abhalten zu lassen, um die Größe dieses Tages&lt;br /&gt;
zu erkennen und zu preisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So umgab Bahá’u’lláh beim Verlassen jenes Gartens Ridván (nach zwölf&lt;br /&gt;
Tagen am 3. Mai 1863) unbeschreiblicher Jubel der Menschenmenge, die&lt;br /&gt;
sich dort angesammelt hatte. Reitend auf einem Hengst, den Seine Freunde&lt;br /&gt;
für Ihn erworben hatten, umgeben und begleitet von tief erschütterten&lt;br /&gt;
Menschen, die sich vor Ehrfurcht vor Ihm verneigten, verließ Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
die Stadt Baghdad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es berührt uns seltsam, wenn wir von den Huldigungen hören, die&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh damals entgegengebracht wurden, werden wir doch so sehr&lt;br /&gt;
an die Begebenheiten zur Zeit Jesu Christi erinnert, als Er auf einer&lt;br /&gt;
Eselin durch die Straßen ritt, umringt von jubelnden Menschen, die Ihm&lt;br /&gt;
begeistert ihr „Hosianna“ zuriefen. Ein Triumph, der doch zugleich &lt;br /&gt;
Vorbote Seiner qualvollen Leiden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für Bahá’u’lláh begann sehr bald unbeschreibliches Martyrium.&lt;br /&gt;
„Das schlimmste, unheilvollste und andererseits doch auch wieder &lt;br /&gt;
glorreichste Kapitel in der Geschichte des ersten Bahá’í-Jahrhunderts Seiner&lt;br /&gt;
Sendung hatte begonnen“ (Shoghi Effendi). Doch das göttliche Wort war&lt;br /&gt;
ausgesprochen, und niemand und nichts vermochte und vermag jemals&lt;br /&gt;
Seine Wirkung zu schwächen oder aufzuheben, noch die Enthüllung des&lt;br /&gt;
tiefsten Geheimnisses, das es in sich birgt, zu verhindern. „Neues Leben&lt;br /&gt;
regt sich in allen Völkern der Erde“, sprach Bahá’u’lláh, „und doch hat&lt;br /&gt;
niemand seine Ursache entdeckt oder seine Triebkraft wahrgenommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer denkt bei diesen Worten nicht an die gewaltigen Umwälzungen,&lt;br /&gt;
die wir heute im Leben der Völker und Nationen wahrnehmen? Wann&lt;br /&gt;
war jemals alles Geschehen von so weltweiter Bedeutung wie heute?&lt;br /&gt;
Zwingen die Geschehnisse heute die Menschen nicht zum Umdenken? Gott&lt;br /&gt;
hat durch Bahá’u’lláh die ganze Menschheit angesprochen, sie aufgerufen&lt;br /&gt;
{{page|84|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
zur Einheit, zum Weltfrieden. Er hat eine Weltordnung geoffenbart, wie&lt;br /&gt;
sie in unserer Zeit für das Wohl der ganzen Menschheit notwendig ist.&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs Wort ist nichts anderes als die Erfüllung früherer Prophezeiungen, &lt;br /&gt;
der Beginn einer neuen Ära. Gott hat erneut gesprochen, Sein&lt;br /&gt;
Wort hat Gültigkeit, hat dynamische, schöpferische Kraft. Sollten wir&lt;br /&gt;
Menschen achtlos daran vorübergehen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;H. Schubert&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Báb „Das Tor“, selbständige Manifestation und Wegbereiter für Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Ein vom Báb geoffenbartes Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der Mannigfaltigkeit die Einheit sehen ...===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom Sinn des Weltreligionstags&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind heuer gerade zehn Jahre, daß die Bahá’í-Weltgemeinschaft auf&lt;br /&gt;
Anregung eines einfachen amerikanischen Bahá’í begonnen hat, jeweils&lt;br /&gt;
am dritten Sonntag des Monats Januar {{Sperrsatz|in aller Welt}} den &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Weltreligionstag}} zu feiern. Seither ist dieser Tag in vielen &lt;br /&gt;
Ländern, insbesondere in Städten, in denen sich größere Bahá’í-Gemeinden befinden,&lt;br /&gt;
zu einem Begriff, zu einem Ereignis geworden. Es ist beglückend, zu&lt;br /&gt;
sehen und zu erleben, wie von Jahr zu Jahr das Interesse am Weltreligionstag &lt;br /&gt;
und damit auch die Besucherzahl bei den Feiern wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was will der Weltreligionstag? Er soll die Menschen darauf hinweisen,&lt;br /&gt;
daß die Bahá’í-Religion eine {{Sperrsatz|Weltreligion}} ist, so allumfassend, daß&lt;br /&gt;
alle anderen Religionen und Lehren in ihr Raum haben, sich in ihr aus&lt;br /&gt;
der all-einen großen Wahrheit heraus, die in allen lebt, finden, achten&lt;br /&gt;
und lieben lernen können. Die Menschen sollen an den Weltreligionstagen&lt;br /&gt;
spüren, daß die Bahá’í ihnen keineswegs {{Sperrsatz|etwas nehmen}} wollen,&lt;br /&gt;
sondern Achtung und Ehrfurcht vor ihrem Glauben haben, ihm ein tiefes&lt;br /&gt;
Verständnis entgegenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das zu beweisen, laden die Bahá’í, wo immer es geht, als Mitwirkende &lt;br /&gt;
am Weltreligionstag Angehörige anderer Religionen und Bekenntnisse ein. &lt;br /&gt;
In {{Sperrsatz|Stuttgart}} ist aus diesem harmonischen, gemeinsamen&lt;br /&gt;
Begehen des Weltreligionstages die „Überkonfessionelle Arbeitsgemeinschaft“ &lt;br /&gt;
entstanden, als Beweis für die Möglichkeit, sich in Harmonie,&lt;br /&gt;
gegenseitigem Verständnis und gegenseitiger Ehrfurcht vor der &lt;br /&gt;
Überzeugung des andern {{Sperrsatz|gemeinsam an einen Tisch}} zu setzen und&lt;br /&gt;
sich zu finden in dem, worin wir uns alle einig sind: im {{Sperrsatz|Glauben}} an&lt;br /&gt;
den {{Sperrsatz|einen Gott}}, dem Gehorsam Ihm gegenüber und in der Bereitschaft, &lt;br /&gt;
Ihm und {{Sperrsatz|allen}} Menschen in Liebe selbstlos zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sollen von einem Weltreligionstag den Ansporn mit nach&lt;br /&gt;
Hause nehmen, ihr Leben aus einer letzten Verantwortung heraus zu&lt;br /&gt;
führen und sich ehrlich zu mühen, ihre religiöse Überzeugung in einem&lt;br /&gt;
Leben der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit und einer alles umfassenden&lt;br /&gt;
Liebe, die keine Grenzpfähle und keine Zäune kennt, zu bewähren. Die&lt;br /&gt;
Menschen sollen sich allezeit der großen Gemeinsamkeit bewußt bleiben&lt;br /&gt;
und in der Mannigfaltigkeit die Einheit sehen. Den Bahá’í erscheinen die&lt;br /&gt;
verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen wie ein bunter Strauß&lt;br /&gt;
verschiedenartiger und verschiedenfarbiger Blumen, von denen sie wissen,&lt;br /&gt;
daß alle aus {{Sperrsatz|ein und demselben Garten}} stammen und daß es&lt;br /&gt;
gerade ihre Verschiedenheit ist, welche die Schönheit und den Reiz des&lt;br /&gt;
Gartens ausmacht.&lt;br /&gt;
{{page|85|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenn die Menschen lernen, sich gegenseitig auch in ihrer Unterschiedlichkeit &lt;br /&gt;
und Andersartigkeit zu achten und zu lieben, wird es möglich sein, sie zu einer &lt;br /&gt;
großen Menschheitsfamilie zu vereinen; nur dann werden wir zu dem von allen &lt;br /&gt;
heiß ersehnten Weltfrieden gelangen, der doch niemals erreicht werden kann &lt;br /&gt;
auf dem Boden politischer und wirtschaftlicher Abmachungen und Verträge, &lt;br /&gt;
der auch niemals hervorgehen kann aus dem Gezänke rivalisierender &lt;br /&gt;
Parteien, der nicht erdacht und konstruiert werden kann in den Gehirnen &lt;br /&gt;
noch so kluger Menschen, wenn sie nur intellektuell und materialistisch &lt;br /&gt;
ausgerichtet sind. Dieser Weltfrieden wird einzig von Menschen geschaffen, &lt;br /&gt;
die gelernt haben, sich wieder {{Sperrsatz|Gott zuzuwenden}}, die bereit &lt;br /&gt;
sind, selbstlose Werkzeuge zu sein in Seiner Hand, die willens sind, ernst &lt;br /&gt;
zu machen mit dem, was die Gottgesandten aller Zeiten gelehrt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í wissen, daß alle Menschen auf dem ganzen Erdenrund, die&lt;br /&gt;
guten Willens sind und letztlich demselben Ziel zustreben, sich finden&lt;br /&gt;
und zusammenschließen müssen zu einem gemeinsamen großen Werk&lt;br /&gt;
der Liebe und Bruderschaft. Wenn wir Einzelgänger bleiben, wird unser&lt;br /&gt;
Tun erfolglos sein. Er nützt nichts, wenn ungezählte Rinnsale allein &lt;br /&gt;
versuchen wollen, das Rad der Welt umzutreiben; wenn sich aber alle zu&lt;br /&gt;
einem einzigen, kraftvollen, großen Strom vereinigen, wird das erstrebte&lt;br /&gt;
Ziel gewiß bald erreicht. Wenn es gelingt, durch den Weltreligionstag die&lt;br /&gt;
Menschen für diese Gedanken aufzuschließen, ist viel gewonnen und&lt;br /&gt;
mancher verkrustete Boden aufnahmebereit gemacht für die goldene Saat&lt;br /&gt;
von Bahá’u’lláh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. A. Schwarz&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltreligionstag 1961===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Von der Erkenntnis der grundsätzlichen Einheit und Wesensgleichheit aller Offenbarungsreligionen ausgehend, sind die Bahá’í in aller Welt seit vielen Jahren bestrebt, durch eine gemeinsame Feierstunde am dritten Sonntag im Monat Januar dem Gedanken der Toleranz und Brüderlichkeit zwischen den verschiedensten Bekenntnissen beredten Ausdruck zu verleihen. Auch heuer fanden wieder in den meisten deutschen Städten, in denen es kleinere oder größere Bahá’í-Gemeinden gibt, solche Veranstaltungen statt. Wo die Vertreter anderer Glaubensrichtungen ihre Teilnahme verweigerten oder der Kontakt zu ihnen noch nicht genügend ausgebaut war — wie z.B. in Nürnberg, Wiesbaden, Heilbronn, Göppingen, Karlsruhe und Baden-Baden — wurde die Ansprache eines Bahá’í-Redners von Musikstücken und Lesungen aus den verschiedenen heiligen Schriften umrahmt. Anders die Morgenfeiern in Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg: Hier hatten sich Angehörige anderer Religionen — Christen, Juden, Moslim, Hindus, Buddhisten und Freidenker — bereitgefunden, das diesjährige Leitthema „{{Sperrsatz|Taten offenbaren die Stufe des Menschen}}“ unter dem Aspekt ihrer Überzeugung zu beleuchten. Diese Veranstaltungen fanden regen Zuspruch und zum Teil auch ein lebhaftes Echo in der Presse.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir wollen im folgenden kurz über die Feier in Hamburg berichten und die Ansprache wiedergeben, die Professor Dr. Friedrich {{Sperrsatz|Heiler}}, Marburg, dort gehalten hat.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{{page|86|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Morgenfeier in Hamburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über zweihundert Menschen waren am Sonntagvormittag im Weißen&lt;br /&gt;
Saal des Curiohauses in Hamburg zusammengekommen, um an der &lt;br /&gt;
Feierstunde zum Weltreligionstag teilzunehmen. Als Redner hatten &lt;br /&gt;
sich Professor Dr. {{Sperrsatz|Heiler}} von der Universität Marburg, ein Mitglied der&lt;br /&gt;
Buddhistischen Vereinigung in Hamburg, Herr {{Sperrsatz|Rieker}}, und Dr. Eugen&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Schmidt}} aus Stuttgart zur Verfügung gestellt. Für die musikalische&lt;br /&gt;
Gestaltung sorgten Trude und Walter {{Sperrsatz|Girnatis}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Sekretär der Bahá’í-Gemeinde&lt;br /&gt;
sprach {{Sperrsatz|Professor Heiler}}. Der Redner war von dem Gedanken&lt;br /&gt;
religiöser Toleranz so sehr durchdrungen, wissenschaftliche Erkenntnis&lt;br /&gt;
und menschliche Bescheidenheit, Lehre und Haltung waren so sehr eins&lt;br /&gt;
geworden, daß seine Worte wie eine Mahnung an alle Menschen unserer&lt;br /&gt;
Zeit wirkten. Neben Eindrücken, die Professor Heiler auf einer längeren&lt;br /&gt;
Studienreise durch Asien empfangen hatte, reihten sich die Namen großer&lt;br /&gt;
Persönlichkeiten aus dem Bereich verschiedener Religionen, die alle dem&lt;br /&gt;
Gedanken religiöser Toleranz huldigten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr {{Sperrsatz|Rieker}} ging in seiner Ansprache vom Leitgedanken des &lt;br /&gt;
Weltreligionstages „Taten offenbaren die Stufe des Menschen“ aus. Aus der&lt;br /&gt;
Sicht und Höhe buddhistischer Lebensweisheit entwickelte er die Lehre&lt;br /&gt;
von der echten menschlichen Tat, die aus dem Kern einer Persönlichkeit&lt;br /&gt;
hervorgeht wie eine mühelose Vollendung des Menschen selbst. Worte&lt;br /&gt;
und Wünsche bleiben vorläufig — es kommt auf die Taten an! Eindrucksvoll &lt;br /&gt;
wiederum war die spürbare Einheit von Wort und Haltung in der&lt;br /&gt;
Persönlichkeit des Redners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Eugen {{Sperrsatz|Schmidt}} als Sprecher der Bahá’í zeigte zunächst, daß aus&lt;br /&gt;
der Lehre Bahá’u’lláhs von der Einheit der Religionen eine besondere Art&lt;br /&gt;
von Toleranz hervorgehe, eben die Haltung der Bahá’í-Religion anderen&lt;br /&gt;
Religionen gegenüber, die mehr sei als Toleranz, nämlich Hinwendung,&lt;br /&gt;
Aufgeschlossenheit und Verständnis. Durch eine Reihe wunderbarer&lt;br /&gt;
Äußerungen von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá wurde der universale &lt;br /&gt;
Charakter und der verstehende Geist der Bahá’í-Religion lebendig.&lt;br /&gt;
Der Redner ließ die Begeisterung des Bahá’í-Glaubens, seinen Schwung&lt;br /&gt;
und seine Weite fühlbar werden und betonte, daß diese neuen Kräfte sich&lt;br /&gt;
Taten zuwenden wollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:H.R.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Gott ist der Gott der ganzen Menschheit”===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache von Professor Dr. Friedrich Heiler, Marburg, zum Weltreligionstag &lt;br /&gt;
am 15. 1. 1961 in Hamburg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwei Jahren unternahm ich mit meiner Frau von New Delhi aus&lt;br /&gt;
auf meiner Pilgerreise, die mich rund um die Erde führte, eine lange&lt;br /&gt;
Bahn- und Autofahrt, um an einen ganz abgelegenen Platz in den Vorbergen &lt;br /&gt;
des Himalaja zu kommen, nach Khalsi. Diese Pilgerfahrt galt nicht&lt;br /&gt;
einem Tempel oder einer der vielen Erinnerungsstätten des Buddha, sondern &lt;br /&gt;
einer in Felsen in einer altertümlichen Schrift eingeritzten Inschrift,&lt;br /&gt;
die heute in einem schmucklosen Gehäuse vor der Witterung geschützt ist.&lt;br /&gt;
{{page|87|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
Diese Inschrift war für mich seit langem eines der größten Heiligtümer&lt;br /&gt;
der Welt. Sie ist eine der Felsinschriften, die König {{Sperrsatz|Ashoka}}, der im&lt;br /&gt;
3. vorchristlichen Jahrhundert ganz Indien beherrschte, an einer Reihe von&lt;br /&gt;
vielbesuchten Pilgerstraßen anbringen ließ. Neben mehreren anderen&lt;br /&gt;
Edikten, in denen dieser vielleicht edelste Herrscher der Weltgeschichte&lt;br /&gt;
seinen Untertanen hohe sittliche Mahnungen gibt, enthält diese Inschrift&lt;br /&gt;
das sogenannte {{Sperrsatz|Toleranzedikt}}. Es hat folgenden Wortlaut:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:“Der Gottgeliebte legt nicht so viel Gewicht auf Gaben und Ehrenbezeugungen wie darauf, daß bei allen Religionen ein Wachstum im Wesentlichen stattfinde. Die Grundlage hierfür ist aber die, daß weder ein Preisen der eigenen Religion noch ein Tadel der fremden Religionen bei unpassenden Gelegenheiten stattfindet. Andere Religionen sollen bei jeder Gelegenheit geehrt werden. Wenn man so handelt, fördert man seine eigene Religion und erweist den anderen Religionen Gutes. Im anderen Falle schädigt man seine eigene Religion und fügt den anderen Religionen Übles zu. Denn wer immer seine eigene Religion preist und die anderen Religionen tadelt, und das alles aus Zuneigung zur eigenen Religion und um die eigene Sache zu verherrlichen, der schädigt, wenn er so handelt, seine eigene Religion sehr. Einigkeit allein frommt, und daß ein jeder die andere Religion höre und gern höre.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses nicht nur von höchster Weisheit, sondern auch von tiefer Frömmigkeit &lt;br /&gt;
erfüllte Edikt ist umso bemerkenswerter, als dieser Herrscher&lt;br /&gt;
ein Missionar auf dem Königsthron war. Er war einer der eifrigsten&lt;br /&gt;
Laienjünger Gotama Buddhas, der Missionare der buddhistischen Heilslehre &lt;br /&gt;
nach allen Himmelsrichtungen aussandte, ja selbst einen eigenen&lt;br /&gt;
Sohn und zwei eigene Töchter. Aber trotz dieses missionarischen Eifers&lt;br /&gt;
für Buddha, Dharma und Sangha, das dreifache Kleinod, ja gerade wegen&lt;br /&gt;
dieses Eifers wurde er zum Herold der Toleranz in der Menschheitsgeschichte, &lt;br /&gt;
denn er folgte damit seinem großen Meister. Ja, es ist mehr als&lt;br /&gt;
Toleranz, denn was Ashoka predigt, ist keine bloße Duldung, sondern&lt;br /&gt;
Aufgeschlossenheit und Lernbereitschaft, Anerkennung und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2200 Jahre sind seit dem Erlaß dieses Ediktes vergangen, und hätte die&lt;br /&gt;
Menschheit auf diesen königlichen Prediger gehört, so wäre die Menschheitsgeschichte &lt;br /&gt;
anders verlaufen. Diese Geschichte ist voll von &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Kämpfen der verschiedenen Religionen}}, ja Konfessionen einer und&lt;br /&gt;
derselben Religion, Kämpfen mit den Waffen der Unwahrheit und Lieblosigkeit, &lt;br /&gt;
oft genug mit den Waffen der Unterdrückung, des Feuers und&lt;br /&gt;
des Schwertes. Wenn auch die Christen den traurigen Ruhm haben, am&lt;br /&gt;
grausamsten mit Juden und Ketzern verfahren zu sein, so können doch&lt;br /&gt;
die anderen Religionen nicht ausschließlich ihnen Intoleranz vorwerfen;&lt;br /&gt;
auch die Muslim, die Konfutsianer, die Juden haben andere Religionen&lt;br /&gt;
verfolgt, selbst die wegen ihrer Toleranz gerühmten Hindu und Buddhisten &lt;br /&gt;
sind von ihr nicht frei geblieben. Im christlichen Abendland haben&lt;br /&gt;
auch die großen geistigen Erneuerungsbewegungen des Humanismus, der&lt;br /&gt;
Reformation und der Aufklärung die Menschheit noch nicht frei gemacht&lt;br /&gt;
von der Geißel der Intoleranz. Nicht Europa, sondern Nordamerika wurde&lt;br /&gt;
das Land, in dem ernst gemacht wurde mit dem religiösen Toleranzgedanken. &lt;br /&gt;
Während in den USA die Grundsätze von der religiösen Freiheit &lt;br /&gt;
{{page|88|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
allen Bürgern in Fleisch und Blut übergegangen sind, stehen sie bei&lt;br /&gt;
uns für viele noch auf dem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Fortschritt in der Überwindung konfessioneller Intoleranz&lt;br /&gt;
haben in diesem Jahrhundert die ökumenische Bewegung und die ihr&lt;br /&gt;
folgende Una-Sancta-Bewegung gebracht. Die christlichen Konfessionen&lt;br /&gt;
sind nach jahrhundertelangen Religionskämpfen einander so nahe gekommen &lt;br /&gt;
wie noch nie zuvor. Gerade die Initiative des jetzigen Papstes&lt;br /&gt;
Johannes XXIII. hat der christlichen Einheitsbewegung einen mächtigen&lt;br /&gt;
Impuls gegeben. Es ist ein erhebender Gedanke, daß die Zahl derer, die&lt;br /&gt;
an der Gebetswoche um Einheit teilnehmen — die immer vom 18. bis&lt;br /&gt;
25. Januar stattfindet —, von Jahr zu Jahr wächst. Dennoch ist die &lt;br /&gt;
christliche Einheitsbewegung noch nicht groß, weit und tief genug. &lt;br /&gt;
Ja, in gewisser Weise bedeutet sie sogar einen Rückschritt gegenüber &lt;br /&gt;
der Aufklärungszeit und der Zeit der deutschen Klassik. Sie hat nicht selten&lt;br /&gt;
den Charakter einer Einheitsfront gegen die nichtchristlichen Religionen&lt;br /&gt;
angenommen. Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie Vorkämpfer der&lt;br /&gt;
christlichen Einigung als eines ihrer Motive die Renaissance der &lt;br /&gt;
nichtchristlichen Weltreligionen bezeichneten. Die innere Erneuerung der&lt;br /&gt;
großen Religionen Asiens und das Aufblühen ganz neuer Religionen, zumal &lt;br /&gt;
in Japan, die dort in wenigen Jahren ungleich mehr Anhänger gewonnen haben &lt;br /&gt;
als die christliche Mission in Jahrhunderten, macht christlichen Kirchenmännern &lt;br /&gt;
erhebliche Sorgen. Statt sich darüber zu freuen,&lt;br /&gt;
daß so viele Menschen Gott und das Heil suchen und dem Nächsten in&lt;br /&gt;
ihrem Leben mit ganzer Hingabe dienen wollen, sprechen sie von einer&lt;br /&gt;
Gefahr, welche die Christenheit zur Einigung aneifern sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist falsch, die Einheit als Ideal zu verkünden, das Ut omnes unum&lt;br /&gt;
des johanneischen Jesus als sein Testament zu preisen und die ganze&lt;br /&gt;
nichtchristliche Welt davon auszuschließen, wenigstens in dem Sinne, daß&lt;br /&gt;
man von ihr verlangt, ihre jahrhundertealten und großenteils noch viel&lt;br /&gt;
älteren Traditionen als die christliche preiszugeben. Die Christenheit ist&lt;br /&gt;
nur ein Bruchteil der Menschheit, heute etwas weniger als ein Drittel. Und&lt;br /&gt;
die Zahlenproportion ist ständig im Rückgang, weil die nichtchristlichen&lt;br /&gt;
Religionen sich ungleich schneller vermehren als die christlichen. Gott ist&lt;br /&gt;
und bleibt der Gott der ganzen Menschheit und der ganzen Welt. Schon&lt;br /&gt;
Paulus hatte den Römern die Frage vorgelegt: „Ist Gott nur der Juden&lt;br /&gt;
Gott und nicht auch der Heiden?“ und darauf geantwortet: „Ja, auch der&lt;br /&gt;
Heiden, wenn anders es nur {{Sperrsatz|einen}} Gott gibt“ (Rö. 3, 29). Man muß die&lt;br /&gt;
Vertreter des Dogmatismus fragen: Gelten die zentralen Sätze des Neuen&lt;br /&gt;
Testamentes oder nicht: „Gott ist Liebe“ (1. Joh. 4,8); „Also hat Gott die&lt;br /&gt;
Welt geliebt...“ (Joh. 3,16); „Gott will, daß alle Menschen gerettet werden &lt;br /&gt;
und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim. 2,4). Wenn diese&lt;br /&gt;
Sätze gelten, dann kann Gott seine Beziehung zur Menschheit nicht auf&lt;br /&gt;
einen Bruchteil derselben eingeengt haben. Dieser Bruchteil schrumpft&lt;br /&gt;
überdies noch zu einer mathematisch kleineren Zahl zusammen, wenn wir&lt;br /&gt;
bedenken, daß Gott nicht erst 2700 Jahre vor Christus die Welt und&lt;br /&gt;
Menschheit geschaffen hat, sondern vor Millionen von Jahren. Wenn&lt;br /&gt;
dieser Gott des unvorstellbar großen Kosmos sich geoffenbart hat, dann&lt;br /&gt;
kann er nur der ganzen Menschheit und der Gesamtheit aller geschaffenen&lt;br /&gt;
Geister sich geoffenbart haben. Sowohl der große lutherische Erzbischof&lt;br /&gt;
{{page|89|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Nathan Söderblom wie der bedeutende anglikanische Erzbischof William&lt;br /&gt;
Temple haben betont, daß Gott sich entweder allen Menschen geoffenbart&lt;br /&gt;
hat, sagt das Neue Testament ganz unmißverständlich. „Gott hat sich nie&lt;br /&gt;
unbezeugt gelassen“ (Apg. 14, 17); „der Logos (das ewige Gotteswort)&lt;br /&gt;
erleuchtet jeden Menschen“ (Joh. 1, 9); „ich sah eine große Schar aus allen&lt;br /&gt;
Völkern, Zungen und Heiden vor dem Throne Gottes stehen und vor dem&lt;br /&gt;
Lamme“ (Offb. 7, 9). Nathan Söderblom sagte noch auf dem Sterbebett:&lt;br /&gt;
„Gott lebt; ich kann es beweisen aus der Religionsgeschichte“. Und &lt;br /&gt;
daß er sich allen Menschen geoffenbart habe oder überhaupt nicht. Dieser &lt;br /&gt;
Glaube an Gottes universale Offenbarung ist nicht eine Schwärmerei von&lt;br /&gt;
einzelnen Theologen, sondern sie hat eine lange Kette von großen theologischen &lt;br /&gt;
Zeugen: angefangen von Justin dem Märtyrer und den Alexandrinern Clemens und &lt;br /&gt;
Origenes über die großen griechischen Kirchenväter und Augustinus, &lt;br /&gt;
über Abaelard, Nicolaus von Cues, Zwingli, Leibniz,&lt;br /&gt;
Schleiermacher bis auf Nathan Söderblom und Rudolf Otto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber die Menschheit eine ist, wenn Gott der Vater der Menschheit &lt;br /&gt;
ist, wenn er das eine Licht ist, das allen leuchtet, dann können auch&lt;br /&gt;
die Religionen nicht völlig getrennte Größen sein, dann muß in ihnen die&lt;br /&gt;
Einheit offenbar werden. In der Tat gibt es im Grunde, so wie es nur&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einen}} Gott gibt, auch nur {{Sperrsatz|eine}} Religion in der &lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit der äußeren religiösen Form, „una religio in rituum varietate“, &lt;br /&gt;
wie die unvergleichliche Formulierung des Nicolaus von Cues, Kardinals der &lt;br /&gt;
römischen Kirche, lautet. Diese Einheit leuchtet allen jenen auch, welche die&lt;br /&gt;
Mühe auf sich nehmen, die Religionen in ihrer Mannigfaltigkeit an ihren&lt;br /&gt;
Quellen zu studieren — um nur einen der großen Bahnbrecher der &lt;br /&gt;
Religionswissenschaft zu nennen: Friedrich Max Müller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein chinesisches Sprichwort lautet: „Der Engherzige sieht nur die &lt;br /&gt;
Unterschiede, der Weitherzige aber sieht das Gemeinsame“. Natürlich gibt&lt;br /&gt;
es große Unterschiede zwischen den Religionen, aber beileibe nicht nur&lt;br /&gt;
zwischen, sondern auch innerhalb der einzelnen Religionen, im Buddhismus &lt;br /&gt;
und Islam wie im Christentum. Bestimmte christliche Mystiker stehen&lt;br /&gt;
den Mystikern der anderen Weltreligionen viel näher als vielen Christen,&lt;br /&gt;
die einen ganz anderen religiösen Typus darstellen. Die Menschheit ist&lt;br /&gt;
eben eine, sie folgt in allen Rassen und Kulturen einzelnen geschichtlichen,&lt;br /&gt;
soziologischen und psychologischen Gesetzen. Das {{Sperrsatz|Menschsein verbindet}} &lt;br /&gt;
alle ohne Ausnahme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Menschen sind die Menschenkinder&lt;br /&gt;
:aller Zeiten, aller Zonen,&lt;br /&gt;
:ob sie unter Palmenbüschen&lt;br /&gt;
:oder unter Birken wohnen,&lt;br /&gt;
:ob sie vor dem Christengotte,&lt;br /&gt;
:ob vor Wodan sie sich bücken,&lt;br /&gt;
:ob sie sich in Lumpen hüllen,&lt;br /&gt;
:oder sich mit Purpur schmücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;(Friedrich Wilhelm Weber)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war auch das große Erlebnis, das mir zuteil wurde, als ich neun&lt;br /&gt;
Monate unter Nichtchristen der asiatischen Länder weilte. Ich fand in&lt;br /&gt;
ihnen Menschen wie wir, religiöse Menschen von tiefer Innerlichkeit, und&lt;br /&gt;
{{page|90|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
alle erschlossen mir ihr Herz. Eine tiefe Gemeinsamkeit, und zwar eine&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|religiöse}} Gemeinsamkeit, verbindet uns alle. {{Sperrsatz|Wir sind Brüder&lt;br /&gt;
und Schwestern}}, Glieder einer Familie, nicht nur im menschlichen&lt;br /&gt;
Sinne, sondern vor dem Angesicht des Ewigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einheit darf aber nicht die Sache einiger weniger Menschen, noch&lt;br /&gt;
beschränkt auf gelegentliche Begegnungen bleiben, sondern muß ständig&lt;br /&gt;
gepflegt werden. Diesem Zwecke dient eine Reihe von Vereinigungen&lt;br /&gt;
wie die Universal Religious Alliance, der Religiöse Menschheitsbund &lt;br /&gt;
Rudolf Ottos, der World Congress of Faiths, die Fellowship of Religions, die&lt;br /&gt;
„Weltharmonie“ Iran Schährs und noch andere. Von den verschiedensten&lt;br /&gt;
Seiten aus wird das Ziel der {{Sperrsatz|einen}} Menschheit gesucht, der mit Gott&lt;br /&gt;
verbundenen erlösten Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Ziel dient auch der Welt-Religions-Sonntag. Es ist nötig, neben&lt;br /&gt;
die Weltgebetsoktav für die Einigung der Christen diesen Sonntag der&lt;br /&gt;
Einigung der Religionen zu setzen. Vor einigen Jahren fand in dem&lt;br /&gt;
katholischen Blatt „Der christliche Sonntag“ (1958, Nr. 11, 16. 3. 1958) eine&lt;br /&gt;
beachtenswerte Auseinandersetzung in diesem Sinn statt. Ein Mitarbeiter&lt;br /&gt;
hatte diese Veranstaltung angegriffen. Ein katholischer Missionspriester,&lt;br /&gt;
Pater L. {{Sperrsatz|Koch}} von Mödling bei Wien, antwortete ihm: „Die Welt muß&lt;br /&gt;
heute eins werden. Wie wahr ist doch der Satz: ‚Wir können nicht zu einer&lt;br /&gt;
wirklichen Einheit in der Welt kommen ohne Einheit in der Religion.‘&lt;br /&gt;
Vergessen wir doch nicht bei der Dringlichkeit der Una Sancta Christianorum &lt;br /&gt;
das noch bedeutendere und größere Problem der Una Sancta omnium&lt;br /&gt;
religionum ... Wie hoffnungslos begann die Einigung der Christen! Und&lt;br /&gt;
welchen Sieg hat das Ringen um die Einheit denen gebracht, die ganz&lt;br /&gt;
ernst an dieser Vereinigung mitwirkten! Ist es darum so absurd, zu rufen:&lt;br /&gt;
‚Religionen aller Länder, vereinigt euch !’?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Ruf zu dieser Einheit wird immer der Vorwurf des Synkretismus&lt;br /&gt;
entgegengehalten, der nach dem Wort eines führenden Vertreters der&lt;br /&gt;
christlichen Oekumene noch gefährlicher ist als der moderne Säkularismus.&lt;br /&gt;
Dabei wird vergessen, daß nach dem Wort eines der größten und &lt;br /&gt;
unbefangensten Erforscher der christlichen Religion, Adolf von Harnack, das&lt;br /&gt;
Christentum „eine eminent synkretistische Religion“ ist. Auch der &lt;br /&gt;
genannte katholische Missionspriester erinnert an den großen Beitrag, den&lt;br /&gt;
das Judentum, das Römertum, das Griechentum und das Germanentum&lt;br /&gt;
für das Wachstum der christlichen Kirche leisteten, welche nichts anderes&lt;br /&gt;
als die „haeres gentium“ (die Erbin der Völker) ist. Auf das Wort kommt&lt;br /&gt;
es nicht an, aber der so gefürchtete Synkretismus ist in Wirklichkeit &lt;br /&gt;
nichts anderes als das „Pleroma“, als das der Epheserbrief die Kirche &lt;br /&gt;
charakterisiert, „die Fülle dessen, der alles in allen erfüllet“ (1, 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer einmal erkannt hat, daß das Christentum selbst eine Schöpfung&lt;br /&gt;
der Begegnung der Religionen zu der Zeitenwende ist, der muß die Scheu&lt;br /&gt;
vor einer fortgesetzten Begegung der Weltreligionen überwinden. Es fehlt&lt;br /&gt;
nicht an weitblickenden Geistern in den verschiedenen Religionen, welche&lt;br /&gt;
den Anbruch eines neuen Zeitalters der geistigen Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
vorhersagten. Einer von ihnen war der genannte große Religionsforscher&lt;br /&gt;
Friedrich Max Müller, ein anderer der indische Professor Vasvani, der&lt;br /&gt;
1910 auf dem „Weltkongreß für Freies Christentum und religiösen &lt;br /&gt;
Fortschritt“ in Berlin erklärte:&lt;br /&gt;
{{page|91|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Weltreligionen sind nicht Konkurrenten, sondern sie sind Brüder. Warum schließen wir uns nicht zusammen und bilden eine Familie des Glaubens zur Ehre des Vaters, der in ihnen allen wirksam ist?... In meinen Träumen sehe ich schon den Tag, an dem die getrennten Weltreligionen in {{Sperrsatz|einer}} Kirche sich vereinigen, in der freien allgemeinen Kirche der Harmonie. In dieser Harmonie werden alle Töne der einzelnen Kirchen zusammenklingen: vom Hinduismus die Immanenz Gottes und die Solidarität des Menschengeschlechtes, vom Christentum die Vaterliebe Gottes und der Weg des Kreuzes, vom Islam die Erhabenheit und transzendente Einheit Gottes, vom Buddhismus der ethische Idealismus und die Erfüllung des Willens Gottes im Dienst am Nächsten, vom Zoroastrismus die Reinheit Gottes in Gedanken, Worten und Werken. Aus allen diesen Tönen zusammen wird eine neue Harmonie erklingen, welche die Welt noch nicht kennt, aber nach der sie sich sehnt, welche die Söhne und Töchter des Ostens und Westens zu hohen Taten der Liebe begeistern und der Welt den Frieden bringen wird — die Harmonie des Neuen Bundes. — Wir träumen von dem Tage, da die Völker des Westens das Wesen des neuen Bundes der göttlichen Gnade erfassen und diese Botschaft annehmen werden, die Botschaft von der einen Religion, die allen Religionen zugrundeliegt, von dem einen Logos, der durch alle Propheten geredet hat, von dem einen Wort, das in allen Kirchen gepredigt wird, von dem einen Geist, der aus allen heiligen Schriften spricht, von dem einen Vater, der in der gesamten Menschheit gegenwärtig und wirksam ist. An dem Tage werden die brennenden Fragen der Kultur gelöst sein und eine neue Epoche in der Weltgeschichte beginnen. Dann, ja dann werden die Segnungen, die auf den Völkern des Westens ruhen, erneuert werden, und Orient und Okzident werden in Brudergemeinschaft miteinander leben als Glieder der einen Familie Gottes. Dann wird die Verheißung erfüllt sein: ‚Siehe, ich mache alles neu‘.“ (Offb. 21, 5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je enger der Austausch und die Zusammenarbeit der Weltreligionen&lt;br /&gt;
wird, desto näher rückt der Augenblick, da die Menschheit zu einer großen&lt;br /&gt;
Einheit zusammenwachsen wird, jener Einheit, nach welcher die Menschen &lt;br /&gt;
heute suchen. Die Weltorganisationen der UN sind für sich allein&lt;br /&gt;
nicht imstande, die Menschheit zu einer großen Familie zusammenzuschließen, &lt;br /&gt;
sie bedürfen dazu der Weltreligionen. Diese sind die eigentlichen&lt;br /&gt;
Bahnbrecher der Menschheit oder, richtiger gesagt, des Gottesreiches, das&lt;br /&gt;
Jesus verkündet hat, das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich&lt;br /&gt;
der Heiligkeit und Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des&lt;br /&gt;
Friedens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit hat einer der größten Kirchenmänner unserer Tage,&lt;br /&gt;
Patriarch Athenagoras von Konstantinopel, erklärt, in ein oder zwei &lt;br /&gt;
Generationen würde alle Feindseligkeit zwischen Nationen und Religionen &lt;br /&gt;
überwunden sein. Dasselbe ist auch die Auffassung eines großen&lt;br /&gt;
deutschen Vorkämpfers der Oekumene, Friedrich Siegmund-Schultze.&lt;br /&gt;
Diese Ankündigungen stimmen überein mit der Weissagung &#039;Abdu&#039;l-Bahás: .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Alle Nationen und Völker werden unter dem Schatten des göttlichen Banners... versammelt und zu einer einzigen Nation werden. &lt;br /&gt;
{{page|92|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Streitigkeiten unter den Religionen, Sekten, Feindschaften der Rassen und Völker und Zwistigkeiten der Nationen werden verschwinden. Alle Menschen werden einer Religion angehören und einen gemeinsamen Glauben haben. Sie werden in eine Rasse und in ein Volk verschmelzen; alle werden in einem gemeinsamen Vaterlande wohnen, das der Planet selber ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das {{Sperrsatz|Gebet}} um die Verwirklichung dieser großen Einheit ist &lt;br /&gt;
noch wichtiger als das um die Vereinigung jenes Bruchteils der Menschheit, &lt;br /&gt;
den die Christenheit darstellt. Dieses Gebet hat uns der größte religiöse Denker&lt;br /&gt;
nicht nur des mittelalterlichen Deutschlands, sondern Deutschlands überhaupt, &lt;br /&gt;
Nicolaus von Cues, schon vor 500 Jahren vorgesprochen in seiner&lt;br /&gt;
Schrift „De pace fidei“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Herr und König des Weltalls,... komme zu Hilfe, der du allein helfen kannst. Dieser Wettstreit geht um dich... Du also, der du der Spender des Seins und Lebens bist, du bist es, der in den verschiedenen Religionen auf verschiedene Weise gesucht und mit verschiedenen Namen benannt wird, weil du bleibst, wie du bist, allen unerkannt und unaussprechlich.... Du aber, allmächtiger Gott, der du unsichtbar bist für jeden Geist, du kannst dich auf faßliche Weise erkennbar zeigen, wem du willst. So verbirg dich nicht länger, o Herr! Sei gnädig und zeige dein Antlitz, und Heil wird widerfahren allen Völkern... Wenn du gnädiglich so tun wirst, dann werden aufhören das Schwert und der neidvolle Haß und alle Übel, und alle werden erkennen, wie {{Sperrsatz|nur eine}} Religion ist in der Mannigfaltigkeit der religiösen Bräuche. Sollte aber diese Verschiedenheit der Bräuche nicht aufgehoben werden können, oder sollte es nicht frommen, daß die Verschiedenheit die Erhöhung der Gottesverehrung bewirke, insofern jedes Land dir durch seine Bräuche, gleich als seien sie dir als dem König angenehmer, einen umso unermüdlicheren Dienst erweisen wird, dann möge wenigstens, wie du {{Sperrsatz|einer}} bist, {{Sperrsatz|eine}} Religion sein und {{Sperrsatz|ein}} anbetender Dienst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Geheimnis göttlicher Kultur (I)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Verschiedene Ansätze zu Reformen, mit denen Sháh Násiri’d-Din das absolutistische Staatswesen Persiens aufgeklärteren europäischen Vorbildern anzugleichen versuchte, veranlaßten &#039;Abdu&#039;l-Bahá im Jahre 1875 zu einem Appell an die führenden Persönlichkeiten und das Volk Persiens, in welchem Er die göttlichen Grundsätze der politischen Ethik und der Ordnung des Gemeinwesens darlegte, die ruhmvolle Vergangenheit Persiens in Erinnerung rief, den grundlegenden Einfluß der Offenbarungsreligionen auf den Gang der Weltgeschichte betonte, das parlamentarische System, die allgemeine Schulbildung und zahlreiche andere Maßnahmen befürwortete und die Vorurteile der Gegner solcher Reformen widerlegte. Gedruckt wurde das persische Original dieser Schrift erstmals 1882 in Bombay; englische Übersetzungen kamen zunächst 1910 in London und 1918 in Chicago unter dem Titel „Mysterious Forces of Civilization“ heraus. Als „Die geheimnisvollen Mächte der Kultur“ erschien eine deutsche Fassung 1928/30 in den Jahrgängen VIII und IX der „Sonne der Wahrheit“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{{page|93|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Angesichts der bleibenden Aktualität dieses Werkes und der bevorstehenden innenpolitischen Ereignisse in Deutschland möchten wir unseren Lesern im folgenden einige ausgewählte Abschnitte aus der englischen Neuveröffentlichung &amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; unterbreiten, in denen sich ‘Abdu’l-Bahá nicht nur an Seine Landsleute, sondern an alle aufgeschlossenen Menschen wendet, die sich bemühen, ihrer Verantwortung im öffentlichen Leben gerecht zu werden.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Namen Gottes, des Mildtätigen, des Barmherzigen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis und Dank seien der Vorsehung, daß sie aus allen Reichen der&lt;br /&gt;
Schöpfung den Menschen in seiner Wesenheit auserwählt und ihn mit&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Verstand}} und {{Sperrsatz|Weisheit}}, den beiden strahlendsten &lt;br /&gt;
Lichtquellen in&lt;br /&gt;
dieser und der anderen Welt, ausgezeichnet hat. Durch das Wirken dieser&lt;br /&gt;
großen Gaben hat Gott in jedem Zeitalter wunderbare neue Formen im&lt;br /&gt;
Spiegel der Schöpfung erstehen lassen. Wenn wir diese Welt unvoreingenommen &lt;br /&gt;
betrachten, wird uns klar, daß der Tempel des Seins zu allen&lt;br /&gt;
Zeiten beständig verziert und geschmückt wurde mit frischer Anmut und&lt;br /&gt;
ewig-neuem Glanz, die von der Weisheit und der Kraft der Gedanken&lt;br /&gt;
herrührten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses größte Zeichen Gottes steht an erster Stelle im Gefüge der&lt;br /&gt;
Schöpfung und nimmt auf höchster Stufe den Vorrang vor allen erschaffenen &lt;br /&gt;
Dingen ein. Dies bezeugt die heilige Überlieferung: „Vor allem anderen schuf &lt;br /&gt;
Gott den Verstand.“ Seit Anbeginn der Schöpfung war der&lt;br /&gt;
Verstand dazu bestimmt, sich im Menschen zu offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheiligt ist der Herr, Der durch die leuchtenden Strahlen dieser seltsamen &lt;br /&gt;
Himmelsmacht bewirkte, daß unsere dunkle Erde von den Welten&lt;br /&gt;
des Lichts beneidet wird: „Und die Erde wird leuchten im Lichte ihres&lt;br /&gt;
Herrn.“ (Qur’án 39:69). Heilig und erhaben ist Er, Der das Wesen des&lt;br /&gt;
Menschen zum Quell dieser grenzenlosen Gnade machte: „Der Gott des&lt;br /&gt;
Erbarmens hat den Qur’án gelehrt. Er hat den Menschen erschaffen und&lt;br /&gt;
ihn mit vernünftiger Sprache begabt.“ (Qur’án 55:1-3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr, die ihr Verstand habt zu begreifen! Erhebt eure flehenden Hände&lt;br /&gt;
zum Himmel des einen Gottes, seid demütig, beugt euch vor Ihm und&lt;br /&gt;
dankt Ihm für diese höchste Gabe. Dann bittet Ihn, uns beizustehen, auf&lt;br /&gt;
daß in unserer heutigen Zeit himmlische Impulse vom Bewußtsein der&lt;br /&gt;
Menschheit ausstrahlen und dieses Feuer, von Gott entzündet und den&lt;br /&gt;
Menschenherzen anvertraut, nimmer erlösche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedenket wohl: All die weitverzweigten Erscheinungen, die Begriffe&lt;br /&gt;
und Erkenntnisse, die Verfahren der Technik und die Systeme der Philosophie, &lt;br /&gt;
die Wissenschaften, Künste, Gewerbe und Erfindungen — alle sind &lt;br /&gt;
Ausstrahlungen des menschlichen Verstandes. Jedes Volk, das sich&lt;br /&gt;
{{page|94|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
weiter in dieses uferlose Meer hineinwagte, hat am Ende die anderen&lt;br /&gt;
Völker überragt. Glück und Stolz einer Nation bestehen darin, daß sie wie&lt;br /&gt;
die Sonne am Himmel des Wissens erstrahlt. „Sollen die, welche erkennen,&lt;br /&gt;
gleich behandelt werden wie die, welche in Unwissenheit leben?“ (Qur’án&lt;br /&gt;
39:12). Und Ehre und Würde des einzelnen liegen darin, daß er vor all den&lt;br /&gt;
Massen der Weltbewohner zu einer Quelle des öffentlichen Wohles wird.&lt;br /&gt;
Gibt es eine größere Gnade als die, daß ein Mensch, wenn er in sich geht,&lt;br /&gt;
feststellen darf, daß er, durch göttliche Gunst bestätigt, Frieden und &lt;br /&gt;
Wohlfahrt, Glück und Nutzen unter seinen Mitmenschen bewirkte? Nein, bei&lt;br /&gt;
dem einen wahren Gott! Es gibt keine größere Freude, kein vollkommeneres Glück...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Voraussetzungen des Parlamentarismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung von Parlamenten, der Aufbau beratender Körperschaften&lt;br /&gt;
ist in Wahrheit die Grundlage der Staatsführung; solche Einrichtungen&lt;br /&gt;
müssen jedoch eine Reihe wesentlicher Anforderungen erfüllen. Erstens&lt;br /&gt;
müssen ihre gewählten Mitglieder redlich, gottesfürchtig, edel gesinnt und&lt;br /&gt;
unbestechlich sein. Zum anderen müssen sie die Gesetze Gottes in allen&lt;br /&gt;
ihren Einzelheiten kennen; sie müssen über die obersten Grundsätze des&lt;br /&gt;
Rechts Bescheid wissen, in den Verfahrensregeln für innere Angelegenheiten &lt;br /&gt;
und für Auslandsbeziehungen beschlagen und in den nutzbringenden Künsten &lt;br /&gt;
und Wissenschaften bewandert sein. Schließlich müssen sie&lt;br /&gt;
sich mit ihren rechtmäßigen Einkünften zufrieden geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man soll nicht glauben, daß es solche Abgeordnete nicht gebe. Durch die&lt;br /&gt;
Gnade Gottes und Seiner Erwählten, durch das heiße Bemühen ergebener&lt;br /&gt;
und eingeweihter Seelen läßt sich jede Schwierigkeit leicht lösen, und&lt;br /&gt;
jedes noch so verwickelte Problem erweist sich als einfacher als ein&lt;br /&gt;
Augenzwinkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jedoch die Mitglieder derartiger beratender Körperschaften von&lt;br /&gt;
minderwertigem Charakter, unwissend, über die Gesetze der Staatsführung &lt;br /&gt;
und der Verwaltung nicht unterrichtet, wenn sie unklug, von niederer &lt;br /&gt;
Gesinnung, gleichgültig, nachlässig und eigennützig sind, ist die&lt;br /&gt;
Errichtung solcher Organe nutzlos. Wo in der Vergangenheit ein armer&lt;br /&gt;
Mann, der zu seinem Recht kommen wollte, nur einen einzelnen zu &lt;br /&gt;
bestechen hatte, müßte er jetzt alle Hoffnung auf Gerechtigkeit fahren&lt;br /&gt;
lassen oder aber das ganze Gremium befriedigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine eingehende Untersuchung wird belegen, daß die Hauptursache der&lt;br /&gt;
Unterdrückung und des Unrechts, der Ehrlosigkeit, Regelwidrigkeit und&lt;br /&gt;
Unordnung die Tatsache ist, daß es dem Volk an religiöser Überzeugung&lt;br /&gt;
und an Erziehung mangelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Rangordnung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Stufe und den hehrsten Bereich, den vornehmsten und&lt;br /&gt;
erhabensten Rang in der ganzen Schöpfung — ob sichtbar oder unsichtbar,&lt;br /&gt;
ob Alpha oder Omega — nehmen die {{Sperrsatz|Propheten Gottes}} ein, trotz&lt;br /&gt;
der Tatsache, daß sie größtenteils dem äußeren Anschein nach nichts als&lt;br /&gt;
ihre Armut besaßen. Desgleichen ist den {{Sperrsatz|Heiligen}} und denen, die der&lt;br /&gt;
Schwelle Gottes am nächsten sind, unaussprechliche Herrlichkeit vorbehalten, &lt;br /&gt;
{{page|95|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
obwohl sich ihresgleichen niemals, und sei es auch nur für einen&lt;br /&gt;
Augenblick, um irdischen Vorteil kümmerten. Dann kommt die Stufe jener&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|gerechten Könige}}, deren Ruf als Beschützer des Volkes und als&lt;br /&gt;
Wahrer göttlicher Gerechtigkeit die Welt erfüllte, und deren Name als&lt;br /&gt;
machtvolle Verfechter der Rechte des Volkes in der ganzen Schöpfung&lt;br /&gt;
widerhallte. Solche Könige vergeuden keinen Gedanken darauf, riesige&lt;br /&gt;
Reichtümer für sich anzusammeln; sie sehen vielmehr ihren eigenen&lt;br /&gt;
Reichtum in der Förderung des Wohlstands ihrer Untertanen. Für sie sind&lt;br /&gt;
die königlichen Schatzkammern gefüllt, wenn jeder einzelne Bürger in&lt;br /&gt;
Fülle und Behagen lebt. Sie sind nicht stolz auf Gold und Silber, sondern&lt;br /&gt;
auf ihre aufgeklärte Gesinnung und ihre Entschlossenheit, das Beste für&lt;br /&gt;
die Allgemeinheit zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Rangnächste kommen jene hervorragenden und ehrenhaften {{Sperrsatz|Minister}} &lt;br /&gt;
und Vertreter des Staates, die den Willen Gottes über ihren eigenen&lt;br /&gt;
stellen und deren Fähigkeit und Weisheit in der Verwaltung ihrer Ämter&lt;br /&gt;
die Staatskunst zu neuen Gipfeln der Vollkommenheit führt. Sie erstrahlen &lt;br /&gt;
in der Welt der Gebildeten wie Leuchten des Wissens; ihr Gedankenflug, &lt;br /&gt;
ihr Verhalten und ihre Taten veranschaulichen, wie sehr ihnen das&lt;br /&gt;
Vaterland und sein Fortschritt am Herzen liegen. Mit maßvollen Bezügen&lt;br /&gt;
zufrieden, widmen sie ihre Tage und Nächte der Erfüllung ihrer bedeutsamen &lt;br /&gt;
Aufgaben und dem Ersinnen neuer Mittel und Wege, wie die Fortentwicklung &lt;br /&gt;
des Volkes gesichert werden kann. Durch die Wirksamkeit ihres weisen Rates &lt;br /&gt;
und durch ihr gesundes Urteil haben sie eh und je ihre Regierung zu einem &lt;br /&gt;
Beispiel für alle anderen Regierungen der Welt werden lassen. Ihre Hauptstadt &lt;br /&gt;
ward zum Brennpunkt großer weltweiter Unternehmungen; sie selbst gewannen an &lt;br /&gt;
Würde, erlangten ein überragendes Maß persönlicher Bedeutung und erklommen &lt;br /&gt;
die höchsten Höhen des Ansehens und des Ruhmes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nächste kommen jene berühmten, feingebildeten {{Sperrsatz|Gelehrten}}, &lt;br /&gt;
die edle Eigenschaften und umfassendes Wissen in sich vereinigen, sich &lt;br /&gt;
aber dennoch an die Leitschnur der Gottesfurcht halten und auf dem Wege des&lt;br /&gt;
Heils bleiben. Im Spiegel ihres Geistes nehmen überstoffliche Wirklichkeiten &lt;br /&gt;
Gestalt an, und die Lampe ihrer inneren Schau empfängt ihr Licht&lt;br /&gt;
von der Sonne des allumfassenden Wissens. Tag und Nacht stehen sie im&lt;br /&gt;
Dienste gründlicher Forschungen auf solchen Wissensgebieten, die von&lt;br /&gt;
Nutzen für die Menschheit sind, und widmen sich der Unterweisung &lt;br /&gt;
befähigter Studenten. Vor ihrem feinen Empfinden ließen sich alle Schätze&lt;br /&gt;
der Könige, würden sie ihnen angeboten, nicht mit einem einzigen Tropfen&lt;br /&gt;
aus den Wassern des Wissens vergleichen, und Berge von Gold und Silber&lt;br /&gt;
könnten die erfolgreiche Lösung einer schwierigen Frage nicht aufwiegen.&lt;br /&gt;
Alle Freuden, die abseits ihrer Arbeit liegen, sind ihnen nur Kindertand,&lt;br /&gt;
und die beschwerliche Last unnötiger Besitztümer ist recht für Unwissende &lt;br /&gt;
und kleine Geister. Wie die Vögel sind sie für eine Handvoll Samen&lt;br /&gt;
dankbar, aber der Gesang ihres Wissens entzückt den Geist der Weltweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da die klugen Führer des Volkes und die &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einflußreichen Persönlichkeiten}} im ganzen Lande, die &lt;br /&gt;
als Pfeiler den Staatsbau tragen. Ihr Rang, ihre Stufe und ihr &lt;br /&gt;
Erfolg hängen davon&lt;br /&gt;
{{page|96|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
ab, ob sie dem Volke wohlgesinnt sind und ob sie Maßnahmen zu &lt;br /&gt;
verwirklichen trachten, die den Fortschritt der Nation fördern und &lt;br /&gt;
die Wohlfahrt und das Wohlergehen der Bürger mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt euch vor, ein Mensch sei eine einflußreiche Persönlichkeit in&lt;br /&gt;
seinem Land, er sei strebsam, einsichtsvoll, reinen Herzens, bekannt für&lt;br /&gt;
seine angeborenen Fähigkeiten, seine Intelligenz und seinen natürlichen&lt;br /&gt;
Scharfsinn; außerdem sei er ein wichtiges Mitglied der Staatsführung:&lt;br /&gt;
Worin kann ein solcher Mensch Ehre und bleibendes Glück, Rang und&lt;br /&gt;
Würde in dieser und der kommenden Welt sehen? Etwa nicht darin, daß&lt;br /&gt;
er gewissenhaft bei der Wahrheit und Rechtschaffenheit bleibt, daß er&lt;br /&gt;
entschlossen und hingebungsvoll nach dem Wohlgefallen Gottes trachtet,&lt;br /&gt;
daß er danach strebt, die Gunst des Herrschers und den Beifall des Volkes&lt;br /&gt;
zu finden? Oder vielleicht darin, daß er des Nachts auf ausschweifenden&lt;br /&gt;
Festgelagen schwelgt, am Tage aber das Glück seines Landes untergräbt&lt;br /&gt;
und dem Volk das Herz bricht, bis er von Gott verstoßen, von seinem&lt;br /&gt;
König vertrieben, von seinem Volk verunglimpft und mit der verdienten&lt;br /&gt;
Verachtung gestraft wird? Bei Gott, die modernden Gebeine auf den&lt;br /&gt;
Friedhöfen sind besser als solche Menschen! Welchen Wert haben sie, die&lt;br /&gt;
niemals von dem Manna wahrer menschlicher Tugenden gekostet und nie&lt;br /&gt;
aus den kristallklaren Wassern jener Gaben getrunken haben, die zum&lt;br /&gt;
Reich des Menschen gehören?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auf jeden kommt es an!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweifellos ist mit der Errichtung von Parlamenten beabsichtigt, für &lt;br /&gt;
Gerechtigkeit und Redlichkeit Sorge zu tragen; alles hängt jedoch von den&lt;br /&gt;
Anstrengungen der gewählten Abgeordneten ab. Wenn ihre Absicht rein&lt;br /&gt;
ist, wird es zu wünschenswerten Ergebnissen und zu Verbesserungen kommen, &lt;br /&gt;
die im voraus nicht abzuschätzen sind; andernfalls ist alles umsonst:&lt;br /&gt;
Das Land wird zu einem Stillstand kommen und mit dem öffentlichen&lt;br /&gt;
Wohl geht es unaufhaltsam bergab. „Wie ich sehe, kommen tausend Bauleute &lt;br /&gt;
nicht gegen einen Störenfried an. Was aber soll geschehen, wenn&lt;br /&gt;
einem Baumeister tausend Störenfriede auf dem Fuße folgen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vorangegangenen wurde darzulegen versucht, daß Glück und&lt;br /&gt;
Größe, Rang und Stufe, Freude und Frieden eines Menschen nicht in&lt;br /&gt;
seinem persönlichen Reichtum, vielmehr in seinem hervorragenden Charakter, &lt;br /&gt;
seiner edlen Entschlossenheit, seiner umfassenden Bildung und&lt;br /&gt;
seiner Fähigkeit, schwierige Probleme zu lösen, beschlossen sind. Wie&lt;br /&gt;
klar ist doch gesagt worden: „Was ich auf dem Körper trage, ist keinen&lt;br /&gt;
Pfennig wert, wollte man es verkaufen; aber darunter schlägt ein Herz,&lt;br /&gt;
das — gegen alle Herzen der Welt aufgewogen — größer und edler wäre.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ansicht des Verfassers sollte die Einsetzung der nicht-ständigen&lt;br /&gt;
Mitglieder beratender Körperschaften in souveränen Staaten vom Willen&lt;br /&gt;
und der Wahl des Volkes abhängen; denn Abgeordnete, die gewählt werden, &lt;br /&gt;
sind aus diesem Grund wenigstens einigermaßen geneigt, sich gerecht&lt;br /&gt;
zu verhalten, damit ihr Ruf keinen Schaden leide und sie nicht vor der&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit in Ungnade fallen.&lt;br /&gt;
{{page|97|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wohlstand für alle&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf nicht glauben, daß die vorstehenden Bemerkungen des Verfassers &lt;br /&gt;
dazu angetan sein sollen, den {{Sperrsatz|Wohlstand}} anzuklagen oder die&lt;br /&gt;
Armut zu empfehlen. Wohlstand ist allen Lobes wert, wenn er durch die&lt;br /&gt;
eigenen Anstrengungen eines Menschen und durch die Gnade Gottes auf&lt;br /&gt;
den Gebieten des Handels, der Landwirtschaft, der Kunst oder des &lt;br /&gt;
Gewerbefleißes erworben und für menschenfreundliche Zwecke ausgegeben&lt;br /&gt;
wird. Vor allen Dingen gäbe es, wenn ein kluger, wendiger Mensch Wege&lt;br /&gt;
fände, wie das Einkommen der Volksmassen allgemein gehoben werden&lt;br /&gt;
kann, kein wichtigeres Unternehmens als dieses, und in den Augen Gottes&lt;br /&gt;
würde dies als die größte Errungenschaft gelten, denn solch ein Wohltäter&lt;br /&gt;
würde die Bedürfnisse einer großen Menge stillen und ihr Sicherheit und&lt;br /&gt;
Wohlergehen verschaffen. Wohlstand ist in höchstem Maße lobenswert,&lt;br /&gt;
sofern die ganze Bevölkerung in Wohlstand lebt. Wenn jedoch nur einige&lt;br /&gt;
wenige übermäßige Reichtümer besitzen und alle übrigen verarmt sind,&lt;br /&gt;
wenn keine Frucht, kein Nutzen aus dem Wohlstand erwächst, dann bedeutet &lt;br /&gt;
dieser nur eine Verpflichtung für den Eigentümer. Wird der Reichtum aber &lt;br /&gt;
andererseits dazu verwendet, Wissen zu fördern, Grund- und&lt;br /&gt;
andere Schulen zu eröffnen, Kunst und Gewerbe anzuregen, Waisen und&lt;br /&gt;
Arme zu erziehen — kurz gesagt, wird er dem Wohle der Gemeinschaft&lt;br /&gt;
gewidmet —, dann steht sein Eigentümer vor Gott als der Vortrefflichste&lt;br /&gt;
unter allen, die auf Erden wohnen, und wird zum Volke des Paradieses&lt;br /&gt;
gezählt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Fortsetzung folgt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; “The Secret of Divine Civilization’ by ’Abdu’l-Bahá, tranlated from the &lt;br /&gt;
original Persian text by Marzieh Gail, Bahá’í Publishing Trust, Wilmette, Illinois, USA,&lt;br /&gt;
1957 Seiten 1, 17, 20 ff.; Deutsche Übersetzung mit Genehmigung des Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rates der Bahá’í von USA von Peter A. Mühlschlegel. Die Überschriften wurden von der &lt;br /&gt;
Redaktion eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Tagen bedarf der Osten eines materiellen&lt;br /&gt;
Fortschritts und der Westen eines geistigen Ideals. Es&lt;br /&gt;
wäre für den Westen gut, sich um Erleuchtung an den&lt;br /&gt;
Orient zu wenden und ihm dagegen seine wissenschaftlichen &lt;br /&gt;
Kenntnisse zu vermitteln. Dieser Gabenaustausch muß &lt;br /&gt;
erfolgen. Osten und Westen müssen sich zusammenschließen, &lt;br /&gt;
um einander das zu geben, was sie brauchen. Diese &lt;br /&gt;
Vereinigung wird eine wahre Zivilisation hervorbringen, &lt;br /&gt;
in der das Geistige im Materiellen Ausdruck und &lt;br /&gt;
Verwirklichung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;Abdu&#039;l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Aus „Ansprachen in Paris“, Kapitel 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|98|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Haus der Andacht auf dem Kikaya Hill===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’í- Muttertempel tür Afrika eingeweiht&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kampala war im Januar dieses Jahres das Ziel vieler Bahá’í aus allen Teilen der Welt. Fast 500 Gläubige aus 19 Ländern hatten sich in der Hauptstadt Ugandas im Osten des afrikanischen Kontinents eingefunden, um Zeuge der Einweihung des afrikanischen Muttertempels zu sein. Einem Bericht unseres persischen Bahá’í-Freundes Dr. Manutschehr {{Sperrsatz|Zabih}}, Teheran, entnehmen wir die folgenden Zeilen im Auszug:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstagfrüh, dem 14. Januar, fand in Anwesenheit von {{Sperrsatz|Ruhiyyih Khanum}}, &lt;br /&gt;
der Gattin des verstorbenen ersten Hüters der Bahá’í-Religion, Shoghi Effendi, sowie &lt;br /&gt;
den Händen der Sache, Musa {{Sperrsatz|Banani}}, John {{Sperrsatz|Robarts}} und &lt;br /&gt;
Dr. {{Sperrsatz|Mohajjir}}, die Einweihung des Tempels statt, und dies war eines &lt;br /&gt;
der schönsten Erlebnisse für uns Bahá’í. In Autobussen wurden die Freunde zum etwas &lt;br /&gt;
außerhalb der Stadt Kampala gelegenen Kikaya Hill gefahren. Ruhiyyih Khanum betrat &lt;br /&gt;
zuerst den Tempel; nach einem Gebet in englischer Sprache wandte sie sich den Freunden&lt;br /&gt;
zu. In bewegten Worten gedachte sie des Hüters Shoghi Effendi, der die Grundlagen &lt;br /&gt;
gelegt hat zur Ausbreitung des Bahá’í-Glaubens im schwarzen Erdteil, und ohne &lt;br /&gt;
dessen unermüdliches Wirken und vorausschauendes Planen dieser Tempel nicht &lt;br /&gt;
hätte gebaut werden können...In dieser Versammlung von Bahá’í der verschiedensten &lt;br /&gt;
Nationalitäten, Rassen und Stämme kam einem so richtig zum Bewußtsein, daß durch &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh die Menschheit unter das Banner der Einheit und des Friedens gerufen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf einer beherrschenden Anhöhe erhebt sich Afrikas Muttertempel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|99|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ruhiyyih Khanum inmitten einer Schar schwarzer Bahá’í-Freunde&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Nachmittag und Abend des gleichen Tages war eine Lehrkonferenz ins Makerere College &lt;br /&gt;
in Kampala einberufen worden... Ein Bahá’í vom Teso-Stamm hatte einen Speer &lt;br /&gt;
mitgebracht. „In Afrika“, sagte er, „hat jeder Mann einen solchen Speer, &lt;br /&gt;
und er gilt als Zeichen der Männlichkeit und Tapferkeit. Die Lehre von &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh ist wie dieser Speer. Wenn ein Bahá’í ohne den geistigen Speer &lt;br /&gt;
ist, d. h., wenn er nicht nach der Lehre von Bahá’u’lláh handelt, ist er &lt;br /&gt;
kein Bahá’í“. Er bat die Bahá’í, sie, die Afrikaner, mit dem Wort Gottes &lt;br /&gt;
vertraut zu machen, damit diese entsprechend handeln könnten. Zu Ruhiyyih &lt;br /&gt;
Khanum gewandt, sagte er: „Diesen Speer schenke ich Ihnen als Symbol &lt;br /&gt;
der göttlichen Worte...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der öffentlichen Einweihungsfeier am Sonntag fanden sich ungefähr&lt;br /&gt;
2000 Menschen ein. Angehörige der verschiedensten Religionen und Sekten, &lt;br /&gt;
darunter viele führende Persönlichkeiten des Landes hörten im&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár Worte Gottes über die Einheit der Menschheit. Am&lt;br /&gt;
Montagnachmittag schließlich wurde im Nationaltheater von Kampala ein&lt;br /&gt;
öffentlicher Vortrag gehalten, bei dem Ruhiyyih Khanum und Amos E.&lt;br /&gt;
Gibson, ein schwarzer amerikanischer Bahá’í, vor einem zahlreichen&lt;br /&gt;
Publikum, darunter viele Neger und Inder, sprachen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Eindruck, den die vielen schönen, offenen und gesunden schwarzen&lt;br /&gt;
Gesichter auf uns machten, die weiteren Begegnungen mit den Negerní&lt;br /&gt;
von Kampala, mit den Eingeborenen der in der Umgebung liegenden&lt;br /&gt;
Dörfer und in Nairobi, dazu die Haltung der schwarzen Bahá’í gaben uns&lt;br /&gt;
die Gewißheit, daß diese klugen Menschen sehr wohl die Zivilisation der&lt;br /&gt;
Menschen in ihren Händen zu halten vermögen. Die Weißen halten fest an&lt;br /&gt;
ihrer veralteten und traditionellen Zivilisation, welche ohnmächtig auf&lt;br /&gt;
dem Sterbebett liegt; sie wollen sich nicht im geringsten dem neuen&lt;br /&gt;
Menschheitsbewußtsein öffnen, das sich zu entfalten beginnt und das&lt;br /&gt;
allein die Geschicke der Menschheit zum Guten wenden kann. Wie anders&lt;br /&gt;
sind doch die Afrikaner! Die Ergebnisse der Bahá’í-Lehrarbeit beweisen&lt;br /&gt;
es, haben sich doch seit 1953 über 18000 Neger zum Bahá’í-Glauben&lt;br /&gt;
bekannt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|100|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religionswissenschaftliche Kurzinformationen (I)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religiöse Grundbegriffe = Die Naturreligionen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter dem Titel „Religionswissenschaftliche Kurzinformationen“ wollen wir in den nächsten Nummern der “BAHA’I-BRIEFE“ einige Grundbegriffe des religiösen Denkens stichwortartig erläutern und die Wesenszüge der historischen Religionen im Lichte der Bahá’í-Offenbarung betrachten. Natürlich ist es weder möglich noch beabsichtigt, in dieser kurzgefaßten Form kompetentes Wissen oder endgültige Urteile zu vermitteln. Die Reihe soll den Leser lediglich dazu anregen, im Sinne des Bahá’í-Grundsatzes vom selbständigen Suchen nach Wahrheit eigene Studien in dieser oder jener Richtung anzustellen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Religion&#039;&#039;&#039;: vom lateinischen {{Sperrsatz|relligio}} oder {{Sperrsatz|religio}}, &lt;br /&gt;
das auf zwei Arten erklärt wurde. Laut Cicero kommt es von &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|relégere}} = „wieder lesen, sammeln, zusammenlesen“, &lt;br /&gt;
bedeutet also „Einhaltung“ (von religiösen Bräuchen); hierzu paßt, &lt;br /&gt;
daß man mit {{Sperrsatz|religio}} das griechische {{Sperrsatz|parateresis}} &lt;br /&gt;
„Beobachtung von religiösen Riten“ übersetzte. Servius führte das Wort &lt;br /&gt;
auf {{Sperrsatz|religáre}} zurück: „binden“, es hieß also „Bindung“&lt;br /&gt;
(des Menschen an Gott). In den Schriften des Heiligen Augustin bedeutet&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|religio}} beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt von einer festen Beziehung zwischen Mensch und Gott redet man&lt;br /&gt;
in Asien eher von einem „Weg“, der den Menschen zu Gott führt. So hören&lt;br /&gt;
wir vom Weg {{Sperrsatz|(tariqa)}} des Sufi, dem achtfältigen Pfad Buddhas, dem&lt;br /&gt;
Weg Chinas {{Sperrsatz|(dau}}, früher {{Sperrsatz|tao}} geschrieben) und &lt;br /&gt;
schließlich vom „Götterweg“ Japans {{Sperrsatz|(schinto)}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Seele: 1.&#039;&#039;&#039; Der geistige Teil des Menschen; &#039;&#039;&#039;2.&#039;&#039;&#039; Ein Teil des geistigen &lt;br /&gt;
Teils. Paulus unterscheidet in 1. Thessalonicher 5:23 „Seele“ {{Sperrsatz|(psyche)}} &lt;br /&gt;
und „Geist“ {{Sperrsatz|(pneuma)}}. Ebenso unterscheiden die Schriften Bahá’u’lláhs,&lt;br /&gt;
wobei „Seele“ {{Sperrsatz|(nafs)}} den Lebenstrieb und „Geist“ {{Sperrsatz|(rúh)}} &lt;br /&gt;
die dem Menschen eigene Denkfähigkeit bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Höhere Macht:&#039;&#039;&#039; das Unerschaffene, Unabhängige im Weltgeschehen.&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist dies ein höchstes Wesen, „Gott“, im Buddhismus&lt;br /&gt;
ein höchstes „Gesetz“. In den Naturreligionen wird der Zusammenhang&lt;br /&gt;
zwischen den vielfältigen Äußerungen der Höheren Macht oft nicht klar&lt;br /&gt;
erkannt, und diese zerfällt dort in eine Unzahl Gottheiten, Geister und&lt;br /&gt;
beseelter Gegenstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bündnis, Bund:&#039;&#039;&#039; das Vertragsverhältnis zwischen Gott und Mensch oder&lt;br /&gt;
zwischen Gott und Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilige Schriften:&#039;&#039;&#039; Texte, die wegen ihres Offenbarungsanspruchs und&lt;br /&gt;
feierlich festgelegten Wortlauts im Gottesdienst und Alltag verwendet&lt;br /&gt;
werden, wie Altes und Neues Testament, Qur’án, Avesta, Bhagavad Gita,&lt;br /&gt;
Tripitaka, Kodschiki, Nihongi, Bayán, Kitáb-i-Iqán.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offenbarer, Prophet:&#039;&#039;&#039; ein vom göttlichen Geist erfüllter Mensch, der den&lt;br /&gt;
Willen Gottes verkündet.&lt;br /&gt;
{{page|101|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Naturreligionen&#039;&#039;&#039; sind in vorgeschichtlicher Zeit entstanden. Auch&lt;br /&gt;
sie gehen auf Offenbarer zurück, die jedoch nicht mehr feststellbar sind.&lt;br /&gt;
Bereits der Primitive erkannte das Bestehen einer höheren Macht, die das&lt;br /&gt;
ganze Weltgeschehen leitet. Allerdings vermutete er in seinem wenig &lt;br /&gt;
entwickelten Denken höhere Mächte auch dort, wo natürliche Ursachen &lt;br /&gt;
vorliegen. So ertrinken die Leute, weil in der Wassertiefe verborgene Geister&lt;br /&gt;
sie niederziehen. Man wird krank, weil ein Nachbar den bösen Blick auf&lt;br /&gt;
einen geworfen hat. Wind und Gewitter, Tag und Nacht, Sommer und&lt;br /&gt;
Winter werden durch das dauernde Einwirken besonderer Gottheiten &lt;br /&gt;
hervorgerufen. Ein Zusammenhang zwischen diesen Gottheiten wird nicht&lt;br /&gt;
gesehen, man glaubt an das Bestehen vieler Götter (Polytheismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns bekannten frühen Offenbarer, wie Moses und Zarathustra,&lt;br /&gt;
reinigten und vergeistigten die vorgefundene Naturreligion. Beim &lt;br /&gt;
Zurückweichen vor den Offenbarungsreligionen arten die Naturreligionen aus:&lt;br /&gt;
Menschenopfer (Jesaja 57, 5-6), unzüchtige Kulte (Dionysos und Priapos&lt;br /&gt;
im alten Griechenland, Schiwa und Kali in Indien), Astrologie, die sich in&lt;br /&gt;
Europa erneut durchzusetzen versucht, Staatsvergötterung (Kaiserkult im&lt;br /&gt;
alten Rom und im heutigen Japan).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Europa&#039;&#039;&#039; wich als letzte Naturreligion im 15. Jahrhundert die litauische&lt;br /&gt;
dem Christentum. In Übersee brechen die Naturreligionen heute im selben&lt;br /&gt;
Maße zusammen, wie die Missionen der Hochreligionen, vor allem&lt;br /&gt;
Christentum, Islam, Buddhismus, Bahá’í-Glaube, und auch die moderne&lt;br /&gt;
Erziehung vordringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für &#039;&#039;&#039;Afrika&#039;&#039;&#039; sei hier das religiöse Leben am Kongo gestreift.&lt;br /&gt;
Bei allen Stämmen besteht der Glaube an ein höchstes Wesen, das in&lt;br /&gt;
menschenähnlicher Weise gedacht wird: als großer Häuptling im Himmel,&lt;br /&gt;
wo er in einem Dorf regiert, Palaver abhält, seine Fetische besitzt und,&lt;br /&gt;
wie ein reicher Stammesfürst, viele Frauen hat. Diese Vorstellungen sind&lt;br /&gt;
vom Afrikaner aus nicht unehrerbietig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Wesen wird mit keinem Naturereignis, Sonne, Mond oder&lt;br /&gt;
Schicksal gleichgesetzt. Es hat alles geschaffen, aber es ist so weit entfernt,&lt;br /&gt;
daß es den Gang hier unten am Kongo nicht unmittelbar beeinflußt. Viel&lt;br /&gt;
nützlicher ist es daher, die Geister der Abgeschiedenen, die Geister der&lt;br /&gt;
Quellen, Flüsse, Sümpfe, Bäume zu verehren und für sich günstig zu&lt;br /&gt;
stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eine Art Priesterstand hat man die „Zauberer“ {{Sperrsatz|(nganga)}}, die im&lt;br /&gt;
hohen Ansehen stehen. Sie leiten die Verehrung der Geister und organisieren &lt;br /&gt;
das Stammesleben; sie weisen auch andere in die Lehren ein. Ihnen&lt;br /&gt;
entgegen wirken im geheimen die „Hexenmeister“ {{Sperrsatz|(ndoki)}}, die für&lt;br /&gt;
Ritualmorde und nächtliche Racheakte verantwortlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete und Sagen werden bis heute nur mündlich überliefert, doch&lt;br /&gt;
bahnen sich Reformen an. Der Kibangismus ist bereits eine Art modernisierter &lt;br /&gt;
Kongo-Religion. (Siehe N. De Cleene: Introduction à l’Ethnographie&lt;br /&gt;
du Congo Belge et du Rwanda-Burundi, Anvers 1959).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzige Naturreligion von Bedeutung hat sich in &#039;&#039;&#039;Japan&#039;&#039;&#039; der Schinto&lt;br /&gt;
erhalten. Der chinesische Name bedeutet „Götterweg“. Wer der oder die&lt;br /&gt;
Stifter des Glaubens waren, läßt sich nicht mehr sagen. Als heilige Texte&lt;br /&gt;
gelten das japanisch geschriebene {{Sperrsatz|Kodschiki}} (Geschichte der &lt;br /&gt;
Begebenheiten im Altertum) und das chinesisch geschriebene &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Nihongi}} &lt;br /&gt;
{{page|102|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
(Japanische Chronik), beide im 8. Jahrhundert gesammelt und niedergeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt ist durch die Vereinigung der beiden Gottheiten Izanagi und&lt;br /&gt;
Izanami entstanden; ihr Sproß ist die Sonnengöttin Amaterasu. Diese ist&lt;br /&gt;
die Stammutter des Kaiserhauses. Als Gottheiten gelten Naturkräfte,&lt;br /&gt;
Berge, Flüsse, Seen, einige Tiere (so die Fuchsgottheit Inari), Bäume,&lt;br /&gt;
Sonne, Mond. Ahnen und Helden werden verehrt. Eine Sittenlehre wurde&lt;br /&gt;
erst spät entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergeistigte Richtungen des Schinto entstanden im 19. Jahrhundert. So&lt;br /&gt;
gründete Kawate Bundschiro im Jahre 1855 das Konkokyo. Hier gelang&lt;br /&gt;
der Durchbruch zum Glauben an den einzigen Gott, Konko genannt. Es ist&lt;br /&gt;
bemerkenswert, daß die Wissenschaft keinen christlichen oder ausländischen &lt;br /&gt;
Einfluß auf Bundschiro nachweisen konnte, da Japan bis dahin&lt;br /&gt;
für alle Ausländer gesperrt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schinto wurde 1868 zur Staatsreligion erhoben, einige Jahre später&lt;br /&gt;
wieder abgeschafft und zur Staatszeremonie erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dr. Johann Karl Teufel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Bahá’í in Australien===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zum Gedenken an Clara Dunn&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit tiefer Bewegung nahm die internationale Bahá’í-Welt&lt;br /&gt;
die Nachricht vom Tode der Hand der Sache Gottes, Frau&lt;br /&gt;
Clara {{Sperrsatz|Dunn}}, auf. Mit ihr ist&lt;br /&gt;
eine der glühendsten und aufrichtigsten Verkünderinnen der&lt;br /&gt;
Botschaft Bahá’u’lláhs dahingegangen. Ihr Lebenswerk, dem&lt;br /&gt;
sie sich mit ganzer Hingabe gewidmet hatte, galt&lt;br /&gt;
der Verbreitung des Bahá’í-Glaubens auf dem australischen Kontinent. Es waren&lt;br /&gt;
Clara Dunn und ihr Mann, Henry Hyde Dunn, die 1918,&lt;br /&gt;
ohne einen Augenblick zu zögern, dem Aufruf &#039;Abdu&#039;l-Bahás nachkamen, &lt;br /&gt;
der in jenem Jahr die amerikanischen Bahá’í in einem Tablet angespornt hatte, &lt;br /&gt;
sich in alle Welt zu zerstreuen, um das Wort Gottes zu lehren, wie es durch&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh der Menschheit aufs neue übermittelt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über jenen Entschluß, sich nach dem australischen Kontinent aufzumachen — wo &lt;br /&gt;
es damals noch keinen einzigen Bahá’í gab — schrieb Henry&lt;br /&gt;
{{page|103|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
Hyde Dunn später einmal: „Es war alles sehr einfach — eine Woge erfaßte uns, &lt;br /&gt;
und es erfüllte sich unser Wunsch, der Sache Bahá’u’lláhs und&lt;br /&gt;
Seinem glorreichen Bündnis zu dienen...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. April 1919 erreichten Clara und Hyde Dunn Sydney. Nachdem&lt;br /&gt;
zunächst Frau Dunn für einige Monate Arbeit gefunden hatte, erhielt&lt;br /&gt;
Henry Hyde Dunn im September des gleichen Jahres eine Anstellung, die&lt;br /&gt;
es ihm erlaubte, im Laufe der Jahre den ganzen Kontinent, besonders &lt;br /&gt;
Neusüdwales, zu bereisen. Seine ständige Begleiterin war seine Frau. &lt;br /&gt;
In seinen Aufzeichnungen berichtete er u. a.: „Zweieinhalb Jahre blieben wir&lt;br /&gt;
in Neusüdwales, und überall stießen wir auf Verständnis für die Botschaft &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs. Stets besuchten uns Menschen; es war ein unaufhörliches &lt;br /&gt;
Vorwärtsdrängen... Später kam die große Gelegenheit, nach der wir uns so &lt;br /&gt;
gesehnt hatten, und wir durchkreuzten die große Wüste, hinüber nach &lt;br /&gt;
Westaustralien.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Henry Hyde Dunn starb am 17. Februar 1941. Nach seinem Hinscheiden&lt;br /&gt;
setzte Clara Dunn mit aller Energie die gemeinsam begonnene Arbeit&lt;br /&gt;
fort. 1952 erhob sie Shoghi Effendi, der erste Hüter des Bahá’í-Glaubens,&lt;br /&gt;
in den Stand einer Hand der Sache Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze heutige Bahá’í-Arbeit in Australien beruht auf den Grundlagen, &lt;br /&gt;
die Henry Hyde und Clara Dunn in langen Jahren liebender Hingabe geschaffen &lt;br /&gt;
hatten; sie ist ohne das aufopferungsvolle Wirken dieser&lt;br /&gt;
beiden hervorragenden Persönlichkeiten schlechterdings nicht denkbar.&lt;br /&gt;
Als Krönung ihres Lebens durfte Clara Dunn im Jahre 1958 den Grundstein &lt;br /&gt;
zum Muttertempel des australischen Kontinents legen, der wie so&lt;br /&gt;
vieles andere stets an ihr Wirken im Dienste des göttlichen Wortes &lt;br /&gt;
erinnern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:D.S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NEU AUF UNSEREM Büchertisch===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Islam und Abendland — Begegnung zweier Welten“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 236 Seiten.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Buch enthält eine Sammlung von Vorträgen, die eine Gemeinschaftsarbeit &lt;br /&gt;
bekannter Universitätsprofessoren und Privatgelehrter sind und im&lt;br /&gt;
Winter 1958/59 über Radio Bern verbreitet wurden. Sie sind geeignet, wichtige&lt;br /&gt;
und interessante Erkenntnisse über den Einfluß des Islam auf die abendländische &lt;br /&gt;
Welt zu vermitteln, die wechselseitigen Beziehungen zweier großen&lt;br /&gt;
Religionen aufzuzeichnen, ihre Gegensätze einander anzunähern und zugleich&lt;br /&gt;
aufzuzeigen, wie sehr es darauf ankommt, Vorurteile abzulegen, wenn man&lt;br /&gt;
zum Licht einer geschichtlichen Wahrheit gelangen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Leser findet hier manches, was ihm nützlich sein könnte und eine Bestätigung &lt;br /&gt;
darin, daß wie es der Bahá’í-Glaube lehrt, jede Gottesoffenbarung notwendiger &lt;br /&gt;
Bestandteil einer allumfassenden Einheit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreizehn Stationen der Internationalen Radio-Universität haben sich um die&lt;br /&gt;
Sendereihe beworben, ein Beweis dafür, welch starkes Echo diese überall&lt;br /&gt;
gefunden hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:R. Sch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|104|file=Baha&#039;i_Briefe_04.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;{{Sperrsatz|„Offene Welt“}}, Zeitschrift für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, herausgegeben vom Verein zur Förderung wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Bildung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947, Frankfurt a. M., Falkensteiner Straße 27, Schriftleitung: Dr. Dr. Gernot Gather, Westdeutscher Verlag, Köln/Opladen, zweimonatlich DM 2.50.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 (WIPOG) hat sich zum Ziel&lt;br /&gt;
gesetzt, das geistige Rüstzeug für die Bewältigung der großen, weltweiten&lt;br /&gt;
wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Aufgaben zu schaffen, die dem &lt;br /&gt;
deutschen Volk für die nächsten Jahre und Jahrzehnte gestellt sind. Man &lt;br /&gt;
konzentriert sich dabei auf vier Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. &#039;&#039;&#039;Entwicklungspolitik:&#039;&#039;&#039; die Erarbeitung von Grundsätzen für die &lt;br /&gt;
systematische Erforschung, Koordinierung und Intensivierung der Hilfe für die&lt;br /&gt;
Entwicklungsländer Asiens, Afrikas und Amerikas;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &#039;&#039;&#039;Integrationspolitik:&#039;&#039;&#039; die geistige Fundierung der Vereinigung Europas im&lt;br /&gt;
Rahmen einer weltoffenen und weltweiten wirtschaftlichen Arbeitsteilung;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &#039;&#039;&#039;Bildungspolitik:&#039;&#039;&#039; die Wirtschaft zu einem Bildungsgegenstand zu machen und&lt;br /&gt;
damit die Kluft zwischen Geist und Technik überbrücken zu helfen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. &#039;&#039;&#039;Historisch-politische Standortorientierung:&#039;&#039;&#039; die Überwindung des &lt;br /&gt;
nationalpolitisch orientierten, auf Europa konzentrierten Geschichtsbewußtseins als&lt;br /&gt;
Voraussetzung für die erfolgreiche Bearbeitung der eingangs geschilderten Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Diskussionsabenden und Arbeitstagungen werden Stellungnahmen zu&lt;br /&gt;
bestimmten Themen und Aufgabengebieten erarbeitet; die Ergebnisse mit&lt;br /&gt;
Referaten und Artikeln von teilweise führenden Persönlichkeiten aus Politik&lt;br /&gt;
und Wirtschaft und von den Hochschulen finden in den Heften der zweimonatlich &lt;br /&gt;
erscheinenden Zeitschrift „Offene Welt“ ihren Niederschlag. Besonders&lt;br /&gt;
Heft 65 „Unteilbare Welt“ (Frühjahr 1960) und Heft 69/70 „Partnerschaft“&lt;br /&gt;
(zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, Dezember 1960) verdienen&lt;br /&gt;
größte Beachtung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:P. M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Georg-Deuschle-Straße 86, Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_38/Text&amp;diff=75334</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 38/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|999|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geistige Einheit&lt;br /&gt;
der Nationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krise und Erfüllung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Markt und die&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gandhi —&lt;br /&gt;
Lehrer und Vorbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 38 OKTOBER 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FUR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|1000|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|1001|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=3}}OKTOBER 1969 BAHAT- BRIEFE HEFT 38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wisse,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß die wahrhaft Weisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Welt mit dem menschlichen Tempel&lt;br /&gt;
vergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Körper des Menschen&lt;br /&gt;
eines Gewandes bedarf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich zu kleiden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so muß der Menschheit Körper&lt;br /&gt;
mit dem Mantel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit und Weisheit&lt;br /&gt;
geschmückt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Prachtgewand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist die Offenbarung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Gott ihr verliehen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(zitiert in Shoghi Effendi, „Die Entfaltung der neuen Weltkultur“,&lt;br /&gt;
vgl. 19-Tage-Brief 14/114, S. 18)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1001&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1002|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=4}}Das Zeitalter der Menschheit naht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Ziel: Die geistige Einheit der Nationen /&lt;br /&gt;
von Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenharung Baha’u’llahs, deren höchstes Ziel es ist, die&lt;br /&gt;
organische und geistige Einheit aller Nationen in ihrer Gesamtheit zu&lt;br /&gt;
vollenden, muß, wenn wir ihren tieferen Sinn im Auge behalten, als&lt;br /&gt;
Signal für das Kommen eines Zeitalters des gesamten Menschengeschlechts&lt;br /&gt;
gesehen werden. Wir dürfen sie nicht nur als eine weitere geistige Er-&lt;br /&gt;
neuerung in den ewig wechselnden Geschicken der Menschheit betrachten,&lt;br /&gt;
nicht nur als ein weiteres Glied in einer Kette fortschreitender Offen-&lt;br /&gt;
barungen, noch selbst nur als den Gipfelpunkt in einer Stufenfolge wie-&lt;br /&gt;
derkehrender prophetischer Zyklen; vielmehr bezeichnet die Offenbarung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs die letzte und höchste Stufe in der atemberaubenden Ent-&lt;br /&gt;
wicklung des menschlichen Gesellschaftslebens auf diesem Planeten. Das&lt;br /&gt;
Heranwachsen einer Weltgemeinschaft, das Bewußtsein des Weltbürger-&lt;br /&gt;
tums, die Begründung einer Weltzivilisation und Weltkultur — Struktu-&lt;br /&gt;
ren, die allesamt mit den Anfangsstadien in der Entfaltung des Goldenen&lt;br /&gt;
Zeitalters der Bahä’i-Ära zusammenfallen müssen — sollten ihrer wahren&lt;br /&gt;
Natur nach, was dieses planetarische Leben anbelangt, als die äußersten&lt;br /&gt;
Grenzen für die Organisation der menschlichen Gesellschaft angesehen&lt;br /&gt;
werden, wenngleich der Mensch als Einzelwesen im Ergebnis dieser Voll-&lt;br /&gt;
endung unbegrenzt weiter fortschreiten und sich entwickeln wird und&lt;br /&gt;
muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geheimnisvolle, allesdurchdringende und doch letztlich unbestimm-&lt;br /&gt;
bare Wandlung, die wir im Leben des Einzelwesens und in der Entwick-&lt;br /&gt;
lung der Frucht als Reifezustand bezeichnen, muß, wenn wir Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
Äußerungen richtig begreifen, in der organisatorischen Entwicklung der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft ihr Gegenstück haben. Früher oder später muß&lt;br /&gt;
ein ähnlicher Reifezustand im Gemeinschaftsleben der Menschheit ein-&lt;br /&gt;
treten, ein noch eindrucksvolleres Erscheinungsbild in den weltweiten&lt;br /&gt;
Verhältnissen hervorbringen und das Menschengeschlecht als Ganzes mit&lt;br /&gt;
den Grundfähigkeiten eines geordneten Wohlergehens ausstatten, die&lt;br /&gt;
während der nachfolgenden Zeitalter den für die letztliche Erfüllung&lt;br /&gt;
ihrer hohen Bestimmung notwendigen Antrieb bilden. Ein solcher Reife-&lt;br /&gt;
zustand im Ablauf menschlicher Regierungsgeschäfte muß, wenn wir den&lt;br /&gt;
herausfordernden Anspruch Bahä’u’llähs richtig erkennen, für alle Zei-&lt;br /&gt;
ten mit der Offenbarung, deren Träger Er war, gleichgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einer besonders charakteristischen Stelle Seines Offenbarungswer-&lt;br /&gt;
kes bezeugt Er in unmißverständlicher Sprache die Wahrheit dieses her-&lt;br /&gt;
vorstechenden Grundzuges im Bahä’i-Glauben: „Es ist von uns verordnet&lt;br /&gt;
worden, daß das Wort Gottes und alle seine Wirkkräfte in genauer Über-&lt;br /&gt;
einstimmung mit solchen Verhältnissen geoffenbart werden sollen, wie&lt;br /&gt;
sie von Ihm, dem Allwissenden, dem Allweisen, vorherbestimmt worden&lt;br /&gt;
sind... Würde es zugelassen, daß das Wort plötzlich alle ihm innewoh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1002&lt;br /&gt;
{{page|1003|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=5}}nenden Kräfte entfesseit, könnte kein Mensch die Wucht einer so mäch-&lt;br /&gt;
tigen Offenbarung ertragen... Erwäge, was Muhammad, dem Gesandten&lt;br /&gt;
Gottes, herabgesandt worden ist. Das Maß der Offenbarung, deren Träger&lt;br /&gt;
Er war, ist zuvor von Ihm, dem Allmächtigen, dem Allmachtvollen, deut-&lt;br /&gt;
lich bestimmt worden. Jene, die Ihn hörten, konnten jedoch Seine Ab-&lt;br /&gt;
sicht nur bis zu dem Grade ihrer Stufe und geistigen Aufnahmefähigkeit&lt;br /&gt;
begreifen. Ebenso entschleierte Er das Antlitz der Weisheit nach Maß-&lt;br /&gt;
gabe ihrer Fähigkeit, die Last Seiner Botschaft zu tragen. Kaum aber&lt;br /&gt;
hatte die Menschheit die Stufe der Reife erreicht, da enthüllte das Wort&lt;br /&gt;
vor den Augen der Menschen die verborgenen Kräfte, mit denen es aus-&lt;br /&gt;
gestattet ist — Kräfte, die sich in der Fülle ihrer Herrlichkeit offenbar-&lt;br /&gt;
ten, als im Jahre sechzig (1844 n. Chr.) die Altehrwürdige Schönheit in&lt;br /&gt;
der Person ‘Ali-Muhammads, des Báb, erschien.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá erläutert diese Grundwahrheit und schreibt: „Alles Er-&lt;br /&gt;
schaffene hat seinen Grad oder seine Stufe der Reife. Der Reifezustand&lt;br /&gt;
im Leben eines Baumes ist die Zeit, da er Früchte trägt... Das Tier&lt;br /&gt;
erreicht eine Stufe vollen Wachstums und der Vollkommenheit, und im&lt;br /&gt;
Menschenreich gelangt der Mensch zur Reife, wenn das Licht seines Ver-&lt;br /&gt;
standes die höchste Macht und Entwicklung erreicht... Ähnlich gibt es&lt;br /&gt;
Abschnitte und Stufen im Gesellschaftsleben der Menschheit. Einmal&lt;br /&gt;
durchwanderte sie ihre Kindheit, späterhin ihre Jugendzeit, aber jetzt ist&lt;br /&gt;
sie in ihre lange verheißene Reifezeit eingetreten, deren Beweise überall&lt;br /&gt;
offenkundig sind... Was den menschlichen Bedürfnissen in der Früh-&lt;br /&gt;
geschichte unseres Geschlechts angemessen war, ist weder passend noch&lt;br /&gt;
genügend für die Erfordernisse des heutigen Tages, dieser Zeit des Neuen&lt;br /&gt;
und der Vollendung. Die Menschheit hat sich aus ihrem früheren Zustand&lt;br /&gt;
der Begrenztheit und der Vorerziehung erhoben. Jetzt muß der Mensch&lt;br /&gt;
mit neuen Tugenden und Kräften, mit neuen sittlichen Maßstäben, mit&lt;br /&gt;
neuen Fähigkeiten erfüllt werden. Neue Wohltaten und vollkommene&lt;br /&gt;
Gaben warten auf ihn und senken sich schon auf ihn herab. Die Gaben&lt;br /&gt;
und Segnungen der Jugendzeit, wenngleich sie während des Heranwach-&lt;br /&gt;
sens der Menschheit paßten und genügten, sind nicht imstande, den Er-&lt;br /&gt;
fordernissen ihrer Reifezeit zu entsprechen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „Die Entfaltung der neuen Weltkultur“, Botschaft vom 11. 3. 1936, vgl. 19-Tage-&lt;br /&gt;
Brief 13 und 19114 (Nov. 1957).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem Gottes erhabenste Segnungen den&lt;br /&gt;
Menschen zugeströmt sind, an dem sich Seine größte Gnade&lt;br /&gt;
über alles Erschaffene ergossen hat. Allen Völkern der Welt&lt;br /&gt;
obliegt es, ihre Gegensätze auszugleichen und !n vollkomme-&lt;br /&gt;
ner Einigkeit und in Frieden unter dem Schatten des Baumes&lt;br /&gt;
Seiner Hut und Güte zu verweilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Ährenlese“ IV Bahä’u’liädh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1004|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krise und Erfüllung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief eines jungen Bahä’: an seine Freunde /&lt;br /&gt;
von John Huddleston&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor ein paar Monaten wurde ich Bahä’i. Ich nehme an, daß bei dieser&lt;br /&gt;
Nachricht einige Augenbrauen in die Höhe gingen. Ob dem so ist oder&lt;br /&gt;
nicht, ich meine, daß ich in irgendeiner Form eine Erklärung schuldig bin,&lt;br /&gt;
besonders deshalb, weil früher alles in allem meine Ansichten denjenigen&lt;br /&gt;
meiner Freunde ziemlich ähnlich waren. Den Wechsel werden sicherlich&lt;br /&gt;
manche meiner Eheschließung mit einer Bahä’i zuschreiben. Sie hat natür-&lt;br /&gt;
lich einigen Einfluß auf mich gehabt; aber es war weit mehr als dies. Seit&lt;br /&gt;
einigen Jahren habe ich mich Schritt für Schritt immer ernüchterter von&lt;br /&gt;
den konventionellen Werten unserer Zeit abgewandt; ich bin sicher, daß&lt;br /&gt;
ich früher oder später, unabhängig von meiner Ehe, zu diesem Entschluß&lt;br /&gt;
gekommen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine früheren Gedanken über den Sinn des Lebens waren ihrer Natur&lt;br /&gt;
nach eher eine Reaktion auf die christlichen Kirchen als etwas Positives.&lt;br /&gt;
Von meinem fünfzehnten Lebensjahr an setzte ich organisierte Religion mit&lt;br /&gt;
Aberglauben, Heuchelei und Parteigängertum gleich. In unterschiedlichem&lt;br /&gt;
Ausmaß forderten die christlichen Kirchen den Glauben an Vorstellungen&lt;br /&gt;
wie einen physischen Himmel und eine Hölle, Engel, Wunder, die wört-&lt;br /&gt;
liche Auslegung der Schöpfungsgeschichte, die Dreifaltigkeit, die Auferste-&lt;br /&gt;
hung, die leibliche Himmelfahrt der Jungfrau Maria und anderes. Es war&lt;br /&gt;
mir einfach nicht möglich, solche Ideen mit meiner sonstigen Lebenserfah-&lt;br /&gt;
rung in Einklang zu bringen. Ich war unglücklich; später, als ich nach und&lt;br /&gt;
nach begriff, wie groß der Unterschied zwischen den Lehren Christi und&lt;br /&gt;
der Praxis seiner Kirchen ist, wuchs mein Unwille immer mehr. Christen-&lt;br /&gt;
tum sollte mit Liebe zu tun haben, mit Sorge für die Armen, Demut, Los-&lt;br /&gt;
lösung von irdischem Reichtum. Diese Grundsätze schienen vieles in der&lt;br /&gt;
Kirchengeschichte kaum beeinflußt zu haben: die Kreuzzüge, die Inquisi-&lt;br /&gt;
tion, Rom in der Renaissance, der Dreißigjährige Krieg, die Indifferenz&lt;br /&gt;
gegenüber dem Elend in den Industriestädten, die Beruhigungstaktik in&lt;br /&gt;
Sachen Sklaverei und Rassentrennung. Als ob dies noch nicht schlimm&lt;br /&gt;
genug wäre, wurde es mir immer schwieriger, Achtung vor einer Religion&lt;br /&gt;
zu bewahren, die in eine Vielzahl von Bekenntnissen gespalten war — Be-&lt;br /&gt;
kenntnisse, welche sich in allen möglichen Fragen, die meist kaum etwas&lt;br /&gt;
mit den ursprünglichen Lehren Christi oder mit den Problemen der heuti-&lt;br /&gt;
gen Gesellschaft zu tun haben, bekämpfen. Ich sah damals keine andere&lt;br /&gt;
Wahl als die Ablehnung aller Kirchen. Dabei strich ich aus meinen Vor-&lt;br /&gt;
stellungen die Idee eines Gottes, die mir wie so vieles andere unter un-&lt;br /&gt;
annehmbaren Bedingungen vorgesetzt worden war. Hier muß ich gleich-&lt;br /&gt;
wohl anfügen, daß ich nie so arrogant war zu behaupten, es gäbe keinen&lt;br /&gt;
Gott; vielmehr wollte ich ohne den Gedanken an derartige Ideen durch-&lt;br /&gt;
kommen. Wenn ich jemals über einen Sinn des Lebens nachdachte, kam ich&lt;br /&gt;
zu einer allgemeinen Vorstellung vom Menschen, der eine immer höhere&lt;br /&gt;
Stufe der Zivilisation und Kultur anstrebt, und dabei blieb es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1004&lt;br /&gt;
{{page|1005|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=7}}Bald war ich mir bewußt, daß etwas fehlte. Die Vision dessen, was über&lt;br /&gt;
das materielle Leben hinausging und die größten Künstler, Denker und&lt;br /&gt;
Wissenschaftler inspirierte, einen Rembrandt, Tolstoi oder Einstein —&lt;br /&gt;
diese Vision konnte mit meiner begrenzten Philosophie nicht in Einklang&lt;br /&gt;
gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als&lt;br /&gt;
eure Schulweisheit sich träumen läßt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere hatte ich das fortgesetzte Streitgespräch zwischen den Kir-&lt;br /&gt;
chen und der Wissenschaft als die direkte Konfrontation zwischen reli-&lt;br /&gt;
giösen und atheistischen Ansichten aufgefaßt. Nachdem jedoch mehr und&lt;br /&gt;
mehr von der Ordnung und Logik des Weltalls entdeckt wurde, dämmerte&lt;br /&gt;
mir, daß die Wissenschaft zwar einerseits Aberglauben zerstörte, anderer-&lt;br /&gt;
seits aber in die Richtung umfassenderer Bedeutungen hinter der stoff-&lt;br /&gt;
lichen Existenz wies. Ich verstand mit der Zeit die Konsequenzen der&lt;br /&gt;
Philosophie, daß der Mensch Meister seines eigenen Schicksals sei und&lt;br /&gt;
keinen Gott wünsche oder brauche. Fast täglich bekam ich in den Zeitun-&lt;br /&gt;
gen die verheerenden Folgen solcher Arroganz vorgesetzt. Man sollte&lt;br /&gt;
meinen, die Verrücktheit der letzten Jahrzehnte hätte uns ein wenig mehr&lt;br /&gt;
Demut lehren sollen. Diese wachsende Erkenntnis verstärkte meine Zweifel&lt;br /&gt;
an der hochnäsigen Art, in welcher der moderne Mensch mit der aufge-&lt;br /&gt;
speicherten Weisheit der Vergangenheit gebrochen hat. Selbst zu Zeiten, in&lt;br /&gt;
denen ich den Kirchen streitbar gegenüberstand, hatte ich Jesu für viel&lt;br /&gt;
respektgebietender gehalten als jeden modernen Theoretiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ethos des Gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es auch um meine Zweifel an der Frage nach dem Sinn des Lebens&lt;br /&gt;
im großen und ganzen stehen mochte, immer hatte ich ein feines Gespür&lt;br /&gt;
für das Unrecht in der Gesellschaft, das ich nicht als unvermeidlich hin-&lt;br /&gt;
nehmen konnte. Da ich so stark gegen die Kirchen eingenommen war, kam&lt;br /&gt;
ich nicht auf den Gedanken, sie könnten ein Werkzeug für die Herbeifüh-&lt;br /&gt;
rung gerechterer Zustände sein. Die Antwort schien vielmehr bei radikalen&lt;br /&gt;
politischen Ideen zu liegen. Unter den Parteien waren mir die Sozialisten&lt;br /&gt;
am sympathischsten; sie vertraten die Interessen der größten Gruppe von&lt;br /&gt;
Unterprivilegierten in der Gesellschaft, der industriellen Arbeiterklasse,&lt;br /&gt;
und im Gegensatz zu den Laissez-faire-Liberalen zogen sie es nicht vor,&lt;br /&gt;
die Zufälle der Geschichte abzuwarten, sondern wollten vorausplanen, um&lt;br /&gt;
eine gesellschaftliche Katastrophe zu verhindern. Wie andere junge Men-&lt;br /&gt;
schen wollte ich klare, gestochen scharfe Antworten und rasche Aktionen&lt;br /&gt;
haben; folglich hatte der revolutionäre Sozialismus oder Kommunismus&lt;br /&gt;
eine oberflächliche Anziehungskraft auf mich. Ich war mir jedoch über die&lt;br /&gt;
Geschichte genügend im klaren, um skeptisch gegen die Dynamik der&lt;br /&gt;
Revolution zu sein, die in der Vergangenheit die Ziele verdorben und tat-&lt;br /&gt;
sächlich oft schliimmeres Unrecht schuf, als sie beseitigte. Auch hatte ich&lt;br /&gt;
keine Illusionen über die Auswirkungen der kommunistischen Theorie, daß&lt;br /&gt;
der Zweck die Mittel heilige. Mir schienen deshalb die demokratischen&lt;br /&gt;
Sozialisten (bei mir in England die Labour Party) diejenigen Parteien zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1006|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bilden, die sich am realistischsten und erfolgreichsten für soziale Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit einsetzten; folglich unterstützte ich sie mit unterschiedlicher Begeiste-&lt;br /&gt;
rung von früher Jugend an. Trotz vieler Makel war die Geschichte der&lt;br /&gt;
demokratischen Linken im Westen, glaube ich, im ganzen lobenswert; es&lt;br /&gt;
ist deutlich, daß sie direkt oder indirekt das Los der Arbeiterklasse wesent-&lt;br /&gt;
lich verbessert hat, und dies war in den letzten hundert Jahren die wich-&lt;br /&gt;
tigste soziale Aufgabe des Westens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeiten haben sich aber geändert und die heutige Welt hat viel&lt;br /&gt;
größere Aufgaben. Nationalstaaten, Rassenfeindschaften und eine explo-&lt;br /&gt;
dierende Weltbevölkerung sind die schlimmsten Hindernisse weiteren&lt;br /&gt;
menschlichen Fortschritts geworden. In gewissem Sinn überschneiden und&lt;br /&gt;
ergänzen sich die beiden ersten Probleme, und das dritte ist teilweise&lt;br /&gt;
ihr Ergebnis. Jedes führt zu tragischem Unrecht und ist eine gefährliche&lt;br /&gt;
Bedrohung für das Überleben der Kultur. Die meisten anderen Streit-&lt;br /&gt;
fragen, mit denen wir im Westen vertraut sind — strukturelle Armut, die&lt;br /&gt;
Stadt als Lebensraum, Landschaftsschutz, Verkehr und Nachrichtenwesen&lt;br /&gt;
— sind im Grunde Nebenprodukte jener drei anderen Probleme. In dem&lt;br /&gt;
Maße, wie ich die Gesellschaft unter diesem Blickwinkel sah, kam ich zu&lt;br /&gt;
der Feststellung, daß die alten politischen Institutionen einschließlich der&lt;br /&gt;
demokratischen Linken nicht länger unseren Nöten genügen und daß&lt;br /&gt;
wenig Aussicht besteht, daß sie es noch einmal tun könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir das erste Problem, den souveränen Nationalstaat.&lt;br /&gt;
Er ist im Zeitalter der Atomwaffen nicht nur eine tägliche Bedrohung&lt;br /&gt;
unserer nackten Existenz, sondern wahrscheinlich die schlimmste Ursache&lt;br /&gt;
für wirtschaftliche und soziale Unausgeglichenheiten auf der ganzen Welt.&lt;br /&gt;
Wie die Dinge in der Politik heute liegen, sehe ich nicht die geringste&lt;br /&gt;
Möglichkeit dafür, daß die Nationen diesen Zustand beheben, indem sie&lt;br /&gt;
durch gegenseitige Übereinkunft ihre Souveränität auf eine einheitliche&lt;br /&gt;
Weltgewalt übertragen. Dieses Vorgehen wäre in völligem Gegensatz zum&lt;br /&gt;
Wesen althergebrachter Politik, das für jede Konzession einen unmittel-&lt;br /&gt;
baren Vorteil verlangt. Selbst zu Zeiten der stärksten Auflehnung der Völ-&lt;br /&gt;
ker gegen die Machtpolitik, 1919 etwa oder 1945, war keine Nation willens,&lt;br /&gt;
das Risiko des Handelns auf sich zu nehmen, allein aus Weitblick und im&lt;br /&gt;
Interesse der Weltgemeinschaft als eines Ganzen. Eine Quelle ständiger&lt;br /&gt;
Verwunderung für mich ist der Kontrast zwischen dem, was geschehen&lt;br /&gt;
sollte, und den kleingeistigen, langatmigen Streitgesprächen, die unsere&lt;br /&gt;
Politiker heutzutage darüber veranstalten. Der Fehler liegt nicht nur bei&lt;br /&gt;
den traditionsgebundenen, vierschrötigen Patrioten der Rechten. Über all&lt;br /&gt;
ihren Reden von weltweiter Brüderlichkeit haben die sozialistischen Par-&lt;br /&gt;
teien immer das Handeln vergessen, wenn es um größere Zusammenhänge&lt;br /&gt;
als ihren eigenen Nationalstaat ging. Das kläglichste Beispiel waren die&lt;br /&gt;
deutschen Sozialdemokraten im August 1914. In den letzten Jahren ist es&lt;br /&gt;
bei manchen Sozialisten sogar Mode geworden, den Nationalstaat als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schutzwall gegen Einmischungen in die von ihnen durchgeführten Refor-&lt;br /&gt;
men zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweifellos ist die internationale Zusammenarbeit im letzten halben Jahr-&lt;br /&gt;
hundert beträchtlich verstärkt und viel dadurch erreicht worden; aber es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1006&lt;br /&gt;
{{page|1007|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=9}}wäre unklug, diese Erfolge als mehr denn Grenzwerte zu betrachten. Der&lt;br /&gt;
harte Kern des Problems ist nach wie vor die Machtlosigkeit der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen und ihrer Sonderorganisationen, nicht nur auf den bekannten&lt;br /&gt;
Kampfplätzen der Machtpolitik, sondern auch bei Aufgaben wie derjeni-&lt;br /&gt;
gen, die reichen Länder dazu zu bringen, einen angemessenen Teil der&lt;br /&gt;
Kosten für die Entwicklung der ärmeren Weltgegenden zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Wenn es darauf ankäme, ginge alles bisher Erreichte über Nacht in die&lt;br /&gt;
Brüche. Die Atomsperrverträge sind so brüchig wie das Leben der Staats-&lt;br /&gt;
männer, die sie unterzeichnet haben. Die meisten von uns ziehen es zwar&lt;br /&gt;
vor, über solche Tatsachen nicht nachzudenken; aber niemand kann so&lt;br /&gt;
kurzsichtig sein, ihre Realität abzuleugnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätze werden preisgegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man mag einwenden, die gegenwärtige Ängstlichkeit der Staatsmänner&lt;br /&gt;
könne überwunden werden, wenn eine politische Bewegung von wirklicher&lt;br /&gt;
Weitsicht an Brennpunkten der Welt heranwüchse, indem sie einen Aus-&lt;br /&gt;
bruch weltumspannender Begeisterung einleite oder eine bedeutende poli-&lt;br /&gt;
tische Macht für sich gewinne. Ich stehe solchen Hoffnungen skeptisch&lt;br /&gt;
gegenüber. Mindestens in der jüngeren Vergangenheit haben Reformpar-&lt;br /&gt;
teien, in der Hauptsache die Sozialisten, die tatkräftige Unterstützung der&lt;br /&gt;
größten einigermaßen gleichförmigen Gesellschaftsschicht, der Industrie-&lt;br /&gt;
arbeiterklasse, gefunden, weil diese eine direkte Verbindung zwischen&lt;br /&gt;
ihren eigenen Interessen und den verfochtenen Reformen feststellen&lt;br /&gt;
konnte. Ich kann keine derart tragfähige Grundlage für eine Partei sehen,&lt;br /&gt;
die sich der Errichtung einer Weltregierung verschreiben würde, nachdem&lt;br /&gt;
dies für den Anfang praktisch nur Opfer, vor allem in den reichen Län-&lt;br /&gt;
dern, mit sich brächte. Die heutigen Armen, diejenigen Menschen in der&lt;br /&gt;
Welt, welche am meisten durch Welteinheit gewännen, stehen im Unter-&lt;br /&gt;
schied zu der Arbeiterklasse von gestern völlig außerhalb des realpoliti-&lt;br /&gt;
schen Systems, d.h. der Machtstrukturen in den reichen Ländern; sie haben&lt;br /&gt;
wenig oder überhaupt keinen Einfluß auf Entscheidungen, die ihr Leben&lt;br /&gt;
empfindlich beeinflussen. Der Reformer hat deshalb gleich zu Beginn mit&lt;br /&gt;
einem großen Nachteil zu kämpfen. Er kann, wie der Reformer längst ver-&lt;br /&gt;
fiossener Zeiten, nur die Reichen zu überzeugen suchen, daß die vorge-&lt;br /&gt;
schlagenen Maßnahmen langfristig zu aller Vorteil gereichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geschichte gab es viele große Ausbrüche der Begeisterung und&lt;br /&gt;
des Gemeinschaftsgefühls, am deutlichsten in der Frühzeit einer neuen&lt;br /&gt;
Religion oder dann, wenn eine Nation um ihr nacktes Leben zu kämpfen&lt;br /&gt;
hatte. Die Erfahrung der letzten Jahre hat mich überzeugt, daß es nahezu&lt;br /&gt;
undenkbar ist, von dem herrschenden politischen System zu erwarten, es&lt;br /&gt;
könne solche Begeisterung genügend lange und auf genügend breiter&lt;br /&gt;
Grundlage kanalisieren und aufrechterhalten, damit der souveräne Natio-&lt;br /&gt;
nalstaat als bislang höchstes Ordnungsprinzip freiwillig aufgegeben wird,&lt;br /&gt;
Vielleicht zu recht ist die heutige Gesellschaft zu zynisch, als daß so etwas&lt;br /&gt;
geschehen könnte. Sie hat lernen müssen, daß die Politik selbst Leute mit&lt;br /&gt;
den besten Motiven verdirbt und unlöslich in ihr Netzwerk verstrickt. Im&lt;br /&gt;
wirren Kampf um die Macht glaubt man immer stärker an die eigene Un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1008|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entbehrlichkeit, und diejenigen, die sich für eine gemeinsame Sache ver-&lt;br /&gt;
einigen sollten, bekämpfen sich untereinander. Grundsätze werden in&lt;br /&gt;
Kompromissen mit anderen Machtgruppen preisgegeben, und keine dieser&lt;br /&gt;
Gruppen repräsentiert die wahren Interessen der Gesellschaft. Ist die&lt;br /&gt;
Macht schließlich erkämpft, treten die Fesseln des Amtes rasch zutage. Wie&lt;br /&gt;
oft schon hat ein Kandidat die aufrichtigsten Wahlversprechen verraten,&lt;br /&gt;
wenn er erst im Amt war. Realismus? Vielleicht. Wahrscheinlicher ist, daß&lt;br /&gt;
man nicht aus Fesseln, die fast ein Eigenleben haben, ausbrechen Kann.&lt;br /&gt;
Wie kann jemand ernsthaft behaupten, die großen Tagesfragen, etwa in&lt;br /&gt;
Vietnam, Kuba, Nahost, Biafra, Berlin oder bei irgendeiner anderen Krise&lt;br /&gt;
der letzten Jahre, hätten irgend etwas mit den wahren Interessen des klei-&lt;br /&gt;
nen Mannes zu tun? Und doch ist jedesmal sein Leben in die Waagschale&lt;br /&gt;
geworfen worden. Sicherlich sind wir uns alle ähnlicher Widersprüche&lt;br /&gt;
zwischen dem wahren Interesse der Gesellschaft und demjenigen der Re-&lt;br /&gt;
gierungen auch in innenpolitischen Dingen bewußt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in der Frage der Staatsordnung, gilt dies vor allem auch in der&lt;br /&gt;
Rassen- und Minderheitenpolitik. Das wichtigste in Rassenfragen ist eine&lt;br /&gt;
tiefgreifende sittliche Erziehung für alle Glieder der Gesellschaft; gerade&lt;br /&gt;
das ist es, was die politischen Parteien nicht bewerkstelligen können. So-&lt;br /&gt;
weit sie den dringenden Bedürfnissen frustrierter und unterdrückter Be-&lt;br /&gt;
völkerungsschichten gerecht zu werden suchen, aber auch wenn sie die&lt;br /&gt;
Furcht der Herrschenden in Programme kleiden, neigen politische Parteien&lt;br /&gt;
dazu, Ansichten zu polarisieren; dies zerstört nach und nach jede Möglich-&lt;br /&gt;
keit eines vernünftigen Gesprächs oder der sittlichen Erziehung. Wenn eine&lt;br /&gt;
Reformpartei an die Macht gelangt, wird sie den Konservativen wohl oder&lt;br /&gt;
übel Gerechtigkeit — oder ihr Konzept von Gerechtigkeit — aufzwingen.&lt;br /&gt;
Solange sie die Macht nicht erreicht, wird sie ihren Ärger in gehässigen&lt;br /&gt;
Schmähschriften — man lese nur die einschlägige Wochenpresse — oder&lt;br /&gt;
vielleicht in Gewalttätigkeiten auslassen. Tatsächlich haben solche Metho-&lt;br /&gt;
den manchmal zu oberflächlichen Erfolgen geführt. Es kann zum Beispiel&lt;br /&gt;
keinen Zweifel geben, daß die Bürgerrechtsbewegung und Black Power die&lt;br /&gt;
nordamerikanische Gesellschaft gezwungen haben, beachtliche Verbesse-&lt;br /&gt;
rungen im täglichen Leben der Farbigen herbeizuführen. In einem um-&lt;br /&gt;
fassenden Sinn werden jedoch solche Tätigkeiten niemals zu wirklicher&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung führen. Sie läßt sich nur erreichen, wenn der Weiße&lt;br /&gt;
seinen schwarzen Nachbarn als Bruder erkennt; keine Gewalt der Erde&lt;br /&gt;
kann dies erzwingen, auch wenn es in gewissen Kreisen heute Mode ist,&lt;br /&gt;
solche Behauptungen aufzustellen. So liegt auch eine der Fehlhaltungen des&lt;br /&gt;
Sozialismus darin, daß er die Reichen gegen ihren Willen für Sozialrefor-&lt;br /&gt;
men zahlen läßt und dadurch tiefgreifende Widerstände schafft, die den&lt;br /&gt;
wahren Geist des Wohlfahrtsstaates untergraben. Wir alle wissen, wie&lt;br /&gt;
reiche Bürger jedes Mittel für recht halten, um ihren Anteil am Steuer-&lt;br /&gt;
aufkommen herunterzudrücken. In einer wirklich gerechten Gesellschaft&lt;br /&gt;
wäre es für die Begüterten eine Ehre, ihren Anteil an den Bedürfnissen&lt;br /&gt;
der Allgemeinheit aufzubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, ich kam zu der Überzeugung, daß das gegenwärtige Gesell-&lt;br /&gt;
schaftssystem einem Haus gleicht, welches auf Sand gebaut ist. Wir rennen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1008&lt;br /&gt;
{{page|1009|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=11}}umher und stopfen hier und dort die Löcher zu; aber wir drücken uns um&lt;br /&gt;
die eigentlichen Aufgaben. Vielleicht könnte man das Wort eines berühm-&lt;br /&gt;
ten Staatsmannes abwandeln und sagen, daß das Regieren zu wichtig ge-&lt;br /&gt;
worden ist, als daß man es den Politikern überlassen dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Elend des Humanismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem ich mit organisierter Religion völlig gebrochen hatte, waren&lt;br /&gt;
meine Bezugsgrößen für ein ethisches Verhaltensmuster des persönlichen&lt;br /&gt;
Bereichs alles in allem humanistischer Art. In der persönlichen Lebens-&lt;br /&gt;
führung gibt man sich Mühe, aufrichtig zu sein, ehrlich, rücksichtsvoll und&lt;br /&gt;
maßvoll in allen Dingen. Man steht dem Betragen anderer Leute tolerant&lt;br /&gt;
gegenüber und gibt nur ungern ein Urteil ab außer in besonders gesell-&lt;br /&gt;
schaftswidrigen Fällen. Den Zusammenbruch der alten christlichen Ethik,&lt;br /&gt;
sei es die puritanische Spielart wie in den Vereinigten Staaten oder im&lt;br /&gt;
nördlichen Europa, sei es das katholische Brauchtum wie im übrigen&lt;br /&gt;
Westen, begrüßte ich sehr und verfolgte interessiert, wie er sich in den&lt;br /&gt;
letzten Jahren beschleunigte. Ich empfand es als richtig, daß die Heuchelei&lt;br /&gt;
und Jammertalathmosphäre des Puritanismus und die strengen katholi-&lt;br /&gt;
schen Ansichten über Frauen, Scheidung, Geburtenkontrolle, Gestaltungs-&lt;br /&gt;
freiheit usw. in Frage gestellt wurden. Wieviel Elend hatte doch all dies&lt;br /&gt;
in der Vergangenheit gebracht, besonders, wie üblich, für die unterprivile-&lt;br /&gt;
gierten Volksschichten; denn „die im Lichte“ fanden immer Mittel und&lt;br /&gt;
Wege, mit moralischen Konventionen fertig zu werden. Und was war der&lt;br /&gt;
Nutzen von all dem gewesen? Ich hoffte, ein neuer Luftzug würde das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben im persönlichen Bereich ausgeglichener, toleranter, würdiger — und&lt;br /&gt;
gerechter — gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung ging aber andere Wege. Zum Teil ist das Ungenügen&lt;br /&gt;
der neuen „humanistischen“ Ethik darauf zurückzuführen, daß sie ver-&lt;br /&gt;
schwommen ist und keine zentrale Autorität hat, so daß die meisten sie&lt;br /&gt;
nicht richtig verstehen und noch viel weniger Begeisterung für sie empfin-&lt;br /&gt;
den. Praktisch bedeutet die Aufgabe der alten Regeln ein immer tieferes&lt;br /&gt;
Abgleiten in eine Haltung, der alles erlaubt erscheint. Alles ist möglich,&lt;br /&gt;
was unmittelbare Lustbefriedigung verschafft und den Nächsten nicht un-&lt;br /&gt;
mittelbar belästigt oder verletzt, und diese Grenze wird sehr eng gezogen.&lt;br /&gt;
Ohne jeden Sinn für Zielsetzungen, ohne jede andere Form von Rückgrat&lt;br /&gt;
ist die gängige Verhaltensweise zu etwas Quallenförmigem geworden. Was&lt;br /&gt;
einst gesundes kritisches Denken war, ist zu einem unterschiedslosen Man-&lt;br /&gt;
gel an Ehrfurcht vor der Autorität, vor anderen Menschen im allgemeinen&lt;br /&gt;
und sogar vor dem eigenen Ich herabgesunken. Das Gleichgewicht zwischen&lt;br /&gt;
Rechten und Pflichten ist etwas völlig Uninteressantes; Pflicht ist ein Be-&lt;br /&gt;
griff, über den altmodische Menschen zu reden pflegen. Das einzige Gesetz&lt;br /&gt;
ist der Konsum. So etwas mag gut sein für die Statistik des Bruttosozial-&lt;br /&gt;
produkts, aber sonst taugt es zu nichts. Seltsam, eine Gesellschaft zu be-&lt;br /&gt;
obachten, die in ihrer Gesamtheit, vor allem aber in den westlichen Indu-&lt;br /&gt;
strienationen, so freizügig geworden und einem immer stärker beschleu-&lt;br /&gt;
nigten Wachstum unterworfen ist, und der gerade in einem solchen Zu-&lt;br /&gt;
stand das zu fehlen scheint, was sie am dringendsten braucht: ein starkes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1009&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1010|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sittliches Leitprinzip. Das Ergebnis ist deutlich für alle, die es sehen&lt;br /&gt;
wollen. Mein eigener Eindruck ist, daß die Menschen des Westens nach&lt;br /&gt;
einem vorübergehenden Ausbruch des Optimismus angesichts ihrer neu&lt;br /&gt;
erworbenen Freiheit ihren Orientierungssinn und ihren Seelenfrieden ver-&lt;br /&gt;
loren haben. Ich spüre es in der Luft: die Indifferenz, den Mangel an&lt;br /&gt;
selbstgestellten Aufgaben, den Zynismus, die Selbstsucht, das Seine-Ruhe-&lt;br /&gt;
Haben-Wollen und immer mehr die nackte Brutalität. Unredlichkeit im&lt;br /&gt;
öffentlichen Leben hat es zu allen Zeiten mehr oder weniger gegeben.&lt;br /&gt;
Aber es ist lange her, glaube ich, seitdem die Menschen öffentlich, vom&lt;br /&gt;
Staatsoberhaupt bis herunter zum Mann auf der Straße, die Wahrheit so&lt;br /&gt;
sehr wie heute mißachtet haben, wenn es ihnen in den Kram paßte. Wer-&lt;br /&gt;
den sie dabei ertappt, brauchen sie kaum noch allgemeines Aufsehen zu&lt;br /&gt;
befürchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung dieses Zustandes auf die gesellschaftlichen Einrichtungen&lt;br /&gt;
braucht nicht umständlich erörtert zu werden. Im geschäftlichen Alltag&lt;br /&gt;
erwartet man fast ständig, betrogen zu werden, sei es durch Taschen-&lt;br /&gt;
spielertricks, sei es durch wertlose Waren oder Leistungen, und es reicht&lt;br /&gt;
bei weitem nicht hin, dies alles dem Zeitalter der Massenproduktion anzu-&lt;br /&gt;
lasten. So scharf einst der Trennungsstrich zwischen Verbrechen und nor-&lt;br /&gt;
malem gesellschaftlichem Austausch war, desto verschwommener wird er&lt;br /&gt;
von Tag zu Tag. Was für ein Licht wirft es doch auf eine Gesellschaft,&lt;br /&gt;
wenn sie die Reife eines Kindes danach bemißt, bis zu welchem Grad es&lt;br /&gt;
seine Unschuld abgelegt und einen „gesunden“ Verdacht gegen seine Mit-&lt;br /&gt;
menschen erworben hat!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einem anderen Gebiet zeigt sich die schwindende Achtung vor Wer-&lt;br /&gt;
ten jeder Art in der weitverbreiteten Hinnahme, um nicht zu sagen: Billi-&lt;br /&gt;
gung sexueller Zwanglosigkeit. Der menschliche Körper wird zu einer&lt;br /&gt;
Supermarktware, die Liebe zwischen Mann und Frau wird als romantischer&lt;br /&gt;
Plunder verlacht. Die gängigen Erklärungen für solche Verhaltensweisen&lt;br /&gt;
mögen für Cocktailparties ausreichen, aber sie erscheinen schal und seicht,&lt;br /&gt;
wenn man an die Kosten in Form von Einsamkeit denkt — einer Einsam-&lt;br /&gt;
keit, die nicht einmal der engsten menschlichen Beziehungen sicher sein&lt;br /&gt;
kann — und an die unausweichliche weitere Untergrabung der Familie,&lt;br /&gt;
die als Grundlage der Liebe und des Schutzes für das Kind noch keiner&lt;br /&gt;
ersetzen konnte. Eltern mit lasziver Moral finden auch keine glaubwürdige&lt;br /&gt;
Antwort auf die Frage ihrer Kinder: „Warum nicht Rauschgifte nehmen?“&lt;br /&gt;
Als Abschreckungsmittel bleibt ihnen nur das verzweifelte Suchen nach&lt;br /&gt;
einem Beweis der Gefahr von Drogen. Dabei liegt auf der Hand, daß eine&lt;br /&gt;
Ethik mit allgemeiner Sinngebung eine klare Antwort auf die Frage nach&lt;br /&gt;
den Rauschgiften wüßte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele, denen ich begegnet bin, stimmen alledem zu, was ich hier ausge-&lt;br /&gt;
führt habe. Aber wie früher ich selbst, sehen sie keinen Ausweg; sie&lt;br /&gt;
machen das Beste aus ihrem eigenen Leben und hoffen, daß alles gut&lt;br /&gt;
gehen werde. Heute bin ich überzeugt, daß das nicht ausreicht. In Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit ist diese Haltung egoistisch; man richtet sich selbst damit zu-&lt;br /&gt;
grunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1010&lt;br /&gt;
{{page|1011|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=13}}Obwohl ich immer mehr an den überkommenen westlichen Werten auf&lt;br /&gt;
religiöser, gesellschaftlicher oder persönlicher Ebene verzweifelte, konnte&lt;br /&gt;
ich keine wirkliche Alternative finden. In den letzten Jahren milderte sich&lt;br /&gt;
meine Feindschaft gegen die Kirchen, teils unter dem Eindruck von Papst&lt;br /&gt;
Johannes XXIII. teils wegen der rühmlichen Rolle, die einige Geistliche&lt;br /&gt;
bei den Menschenrechts- und Minderheitenproblemen in den Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten spielten. Aber Toleranz, selbst wenn sie mit Sympathie durchwirkt&lt;br /&gt;
ist, unterscheidet sich sehr wohl von einer Unterstützung oder Mitglied-&lt;br /&gt;
schaft. Es gibt zu vieles in Vergangenheit und Gegenwart, was für alle Zeit&lt;br /&gt;
ausschließt, daß diese Toleranz in etwas Positiveres auswächst. Was für die&lt;br /&gt;
wichtigsten Institutionen galt, war auch, wenngleich aus anderen Gründen,&lt;br /&gt;
auf Gruppen wie die Quäker oder die Unitarier anzuwenden, die ein besse-&lt;br /&gt;
res Bild als die meisten anderen boten. Gewiß, sie waren nicht mit ver-&lt;br /&gt;
alteten Glaubensvorstellungen angefüllt und sie taten mehr oder weniger,&lt;br /&gt;
was sie predigten; aber sie waren im Grunde durchgehend weißes Klein-&lt;br /&gt;
bürgertum und lebten in geistiger Abgeschlossenheit. Auch hatten sie&lt;br /&gt;
weder den Weitblick noch den Ehrgeiz, die Gesellschaft als Ganzes in&lt;br /&gt;
bessere Bahnen zu lenken. Ähnliche Unvollständigkeit empfand ich bei&lt;br /&gt;
anderen Bewegungen wie dem Zen-Buddhismus; auch hier gab es keine&lt;br /&gt;
politischen Antworten. Ursprünglich sympathisierte ich sehr mit den neuen&lt;br /&gt;
radikalen Bewegungen unter Studenten und Negern in den Vereinigten&lt;br /&gt;
Staaten und anderswo; sie schienen geradlinig und aufrichtig in ihrem&lt;br /&gt;
Idealismus zu sein. Die beiden letzten Jahre haben aber gezeigt, wie es mit&lt;br /&gt;
solchem Idealismus bestellt ist, wenn es darauf ankommt. Die Methoden&lt;br /&gt;
der Neuen Linken, ihre Ideale der Gesellschaft aufzuzwingen, hintergehen&lt;br /&gt;
die Sache der Gerechtigkeit kaum weniger als die Methoden der Kommu-&lt;br /&gt;
nisten vor fünfzig Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Licht des neuen Tages&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als das Leben jeden Sinn für mich verloren zu haben schien,&lt;br /&gt;
entdeckte ich eine Spur der Bahä’i-Lehren; das wirkte auf mich wie der&lt;br /&gt;
Sonnenaufgang nach einer besonders trüben und kalten Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion hat ihre Wurzeln in einer radikalen Reformbe-&lt;br /&gt;
wegung, die 1844 in Persien begann und die Gesellschaft aus den Tiefen&lt;br /&gt;
der Korruption und Verderbtheit, in die sie verfallen war, erwecken&lt;br /&gt;
wollte. Diese Bewegung verbreitete sich wie ein Lauffeuer, wurde aber&lt;br /&gt;
bald von den herrschenden Mächten hart verfolgt; ihr Oberhaupt, ‘Ali&lt;br /&gt;
Muhammad, mit dem Beinamen der Báb oder das Tor (1819—1850), und&lt;br /&gt;
viele Tausend seiner Anhänger wurden ermordet, eingekerkert oder aus&lt;br /&gt;
dem Lande gejagt. Die Bewegung weitete sich unter der Führung ihrer&lt;br /&gt;
zweiten und wichtigsten Hauptgestalt, Bahá’u’lláh (1817—1892), zu einer&lt;br /&gt;
völlig unabhängigen und allumfassenden Offenbarungsreligion aus. Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh, Sohn eines Ministers aus altem persischem Adel, wurde des&lt;br /&gt;
Landes verwiesen und verbrachte die dreißig letzten Jahre Seines Lebens&lt;br /&gt;
fast ganz als Gefangener des türkischen Reiches. Seine wichtigste Stütze in&lt;br /&gt;
Seinen späteren Jahren war ‘Abdu’l-Bahá (1844—1921), Sein ältester Sohn.&lt;br /&gt;
Er wurde von Bahá’u’lláh als Nachfolger und Oberhaupt der Bahä’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1011&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1012|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaft eingesetzt; Er brachte den Glauben in den Westen und ent-&lt;br /&gt;
wickelte seine ständige Verwaltungsordnung. Unter der Führung von&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1896—1957), der von ‘Abdw’l-Baha als „Hüter des Glau-&lt;br /&gt;
bens“ eingesetzt wurde, dehnte sich die Bewegung in alle Winkel der Erde&lt;br /&gt;
aus und wurde eine wirkliche Weltreligion. Heute gibt es Bahä’i in mehr&lt;br /&gt;
als 300 Staaten, Territorien und Inseln auf der ganzen Welt. Seit 1963&lt;br /&gt;
werden sie durch einen gewählten Rat von neun Mitgliedern, das Univer-&lt;br /&gt;
sale Haus der Gerechtigkeit, geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i glauben an den einen Gott, der jedoch infolge der Un-&lt;br /&gt;
reife und begrenzten Vorstellungskraft des Menschen nicht unmittelbar&lt;br /&gt;
erkannt werden kann, Ohne Gott gibt es keine Zukunft, ohne Ihn versinkt&lt;br /&gt;
die Gesellschaft immer tiefer in Teilnahmslosigkeit und sittlichem Verfall.&lt;br /&gt;
In der Vergangenheit wurden menschliche Gesellschaften vor der Auf-&lt;br /&gt;
lösung dadurch bewahrt, daß ihnen Männer von besonderer Gedankentiefe,&lt;br /&gt;
die um die Bedeutung des Weltganzen wußten, aufs neue den Weg zu Gott&lt;br /&gt;
zeigten. Bei jeder dieser Gelegenheiten tat die Menschheit einen großen&lt;br /&gt;
Schritt vorwärts in ihrem Reifeprozeß. Dem Auftritt dieser Übermenschen&lt;br /&gt;
folgt regelmäßig nach gewisser Zeit ein Niedergang, weil die göttlichen&lt;br /&gt;
Lehren durch Auslegungen und Fehlleistungen von weniger bedeutenden&lt;br /&gt;
Menschen verdorben werden. Der Geist der Gesellschaft welkt dahin, aber&lt;br /&gt;
dann tritt ein neuer Prophet auf und ein neuer Zyklus kommt in Gang. Die&lt;br /&gt;
großen Religionsstifter der Vergangenheit — Moses, Zarathustra, Krischna,&lt;br /&gt;
Buddha, Christus und Muhammad — sind an ihren Früchten zu erkennen&lt;br /&gt;
und unterscheiden sich deutlich von den vielen falschen Propheten, welche&lt;br /&gt;
die ganze Weltgeschichte hindurch auftraten. Die Bahä’i haben sich davon&lt;br /&gt;
überzeugt, daß der Prophet, die „Manifestation Gottes“, die heute die Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft zu neuem geistigem Leben erweckt, Bahä’u’lläh ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh weist nach, daß die Lehren aller großen Religionen aus zwei&lt;br /&gt;
Teilen bestehen: einem geistigen und einem gesellschaftlichen Teil. Der&lt;br /&gt;
geistige Teil befaßt sich mit den Allgemeinbegriffen und dem letztlichen&lt;br /&gt;
Sinn des Lebens. In dieser Hinsicht bringen alle Religionsstifter dieselbe&lt;br /&gt;
Botschaft; sie alle sprechen von der Einheit Gottes, den universalen Tugen-&lt;br /&gt;
den der Liebe, der Gerechtigkeit, des Glaubens und der Loslösung. Die ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichen Lehren hingegen folgen zwar alle den gleichen Grund-&lt;br /&gt;
sätzen, unterscheiden sich jedoch in Zeit und Raum entsprechend den Ver-&lt;br /&gt;
hältnissen und der Aufnahmefähigkeit derjenigen Menschen, für die sie&lt;br /&gt;
ursprünglich bestimmt waren. Von dieser Grunderkenntnis her versöhnt&lt;br /&gt;
Baha’u’llah die großen Religionen; Er überwindet die äußerlichen Schran-&lt;br /&gt;
ken, die Menschen zwischen ihnen errichtet haben. Wahre Religion trennt&lt;br /&gt;
nicht; sie ist im Gegenteil die stärkste Kraft, Menschen in brüderlichem&lt;br /&gt;
Gehorsam unter dem einen Gott zu verbinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das besondere Merkmal der gesellschaftlichen Lehren Bahä’u’llähs ist das&lt;br /&gt;
große Gewicht, das Er auf die Einheit der Menschheit legt. Die Gesellschaft&lt;br /&gt;
hat den Punkt erreicht, an dem Nationen nicht länger ohne Rücksicht auf&lt;br /&gt;
andere Nationen leben können. Darüber hinaus kann der Mensch auf&lt;br /&gt;
seinem Weg zur Reife und zu geistiger Erfüllung nicht vorankommen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1012&lt;br /&gt;
{{page|1013|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=15}}solange er nicht die großen gesellschaftlichen Widersprüche gelöst hat. Die&lt;br /&gt;
moderne Technik, vor allem im Verkehrs- und Informationswesen, hat die&lt;br /&gt;
Welteinheit verwaltungsmäßig möglich gemacht. Alles, was fehlt, ist die&lt;br /&gt;
einheitliche Führungsstruktur und der gesellschaftliche Organismus — und&lt;br /&gt;
das hat Bahä’u’lläh gebracht. Der Bahä’i-Glaube ist auf die Praxis ausge-&lt;br /&gt;
richtet. Die Bahä’i verehren Gott nicht so sehr andächtig in einer Kirche,&lt;br /&gt;
als vielmehr in der Arbeit für die Errichtung einer gerechten Weltgesell-&lt;br /&gt;
schaft. Es handelt sich um den Unterschied zwischen Religiosität und&lt;br /&gt;
Geistigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Auffassung der Bahä’i kann eine wahre Weltgesellschaft nicht mit&lt;br /&gt;
den bisherigen Methoden errichtet werden. Wir müssen neu beginnen. Im&lt;br /&gt;
Gegensatz zu manchen politischen Radikalen ziehen sich die Bahä’i jedoch&lt;br /&gt;
nicht von der Gesellschaft zurück oder ergötzen sich am Anblick ihres vor-&lt;br /&gt;
ausberechneten Elends. Sie unterstützen und ermutigen alle Bewegungen&lt;br /&gt;
für den Fortschritt der sozialen Gerechtigkeit. Schließlich kann eine Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gesellschaft nicht über Nacht gebildet werden; die Menschen müssen in der&lt;br /&gt;
Zwischenzeit leben. Was aus naheliegenden Gründen von den Bahä’i ver-&lt;br /&gt;
langt wird, ist, daß sie sich nicht an der Parteipolitik beteiligen. Praktisch&lt;br /&gt;
bedeutet dies Gehorsam gegenüber den etablierten Regierungen außer in&lt;br /&gt;
Fällen, in denen dieser Gehorsam den Bruch noch höherer Bahä’i-Prinzi-&lt;br /&gt;
pien bedeuten würde. Die Bahä’i sind nicht daran interessiert, das gegen-&lt;br /&gt;
wärtige System der Dinge umzustürzen. Sie halten es für gründlich ver-&lt;br /&gt;
dorben und erwarten, daß es mit der Zeit von selbst auseinanderfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praktische Leitlinien für religiöse Grundsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen haben die Bahä’i damit begonnen, eine neue Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
bauen. Ihre Grundlage ist die sittliche Lauterkeit aller ihrer Glieder, die&lt;br /&gt;
Schaffung einer neuen Menschenrasse. Als erstes wird den Bahä’i Selbst-&lt;br /&gt;
achtung auferlegt; ohne sie ist die Liebe und Achtung für andere besten-&lt;br /&gt;
falls etwas Unsicheres. Unterdrückte Rassen, zum Beispiel die Indianer,&lt;br /&gt;
werden gelehrt, stolz auf ihre Kultur und Geschichte zu sein und sich nicht&lt;br /&gt;
von der Macht des weißen Mannes einschüchtern zu lassen. Die Bedeutung&lt;br /&gt;
der Familie als Quelle der Sicherheit und Liebe für Ehepartner und Kin-&lt;br /&gt;
der wird betont. Der Nachdruck, den die Bahä’i auf die Einheit in der&lt;br /&gt;
Familie legen, wird an der Vorkehrung deutlich, daß sie nur heiraten&lt;br /&gt;
dürfen, wenn sie die Zustimmung aller lebenden Elternteile haben. Schei-&lt;br /&gt;
dung ist statthaft, aber nur dann, wenn alle Versöhnungsversuche ge-&lt;br /&gt;
scheitert sind und ein Jahr der Trennung die Lage nicht verbessert hat;&lt;br /&gt;
unter diesen Voraussetzungen ist die Ehe — vorbehaltlich der gültigen&lt;br /&gt;
Staatsgesetze — ohne Prozeßverfahren geschieden. Nächstenliebe ist die&lt;br /&gt;
Grundforderung des Bahä’i-Glaubens, wie in anderen Hochreligionen auch,&lt;br /&gt;
aber es ist eine Nächstenliebe, die einerseits von der Selbstverantwortung&lt;br /&gt;
jedes Menschen, andererseits von umfassenden Ordnungsvorstellungen ge-&lt;br /&gt;
prägt ist. Bahä’u’läh gibt zahllose praktische Leitlinien für diese Grund-&lt;br /&gt;
sätze. Beispielsweise legt Er großes Gewicht auf die bewußte Beseitigung&lt;br /&gt;
von Vorurteilen und das Verbot jeder üblen Nachrede, vor allem hinter&lt;br /&gt;
dem Rücken des Betroffenen. Üble Nachrede könnte eine gefährliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1015&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1014|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klippe für die grenzen- und klassenlose, umfassend informierte Gesell-&lt;br /&gt;
schaft der Zukunft werden. Ihr Schaden ist unermeßlich; nicht umsonst&lt;br /&gt;
spricht man von Ruf-,Mord“. Aus allen diesen gesellschaftlichen Lehren&lt;br /&gt;
ergibt sich, daß sich ein Bahä’i nicht nur um ein hohes Maß persönlicher&lt;br /&gt;
Integrität zu bemühen hat, sondern gleichzeitig fortgesetzt ermutigt wird,&lt;br /&gt;
sich für die Besserung der gesamten menschlichen Gesellschaft einzusetzen.&lt;br /&gt;
Dies wird sich nicht nur auf die Tätigkeit auswirken, die er wählt, sondern&lt;br /&gt;
auch auf den Geist, in dem er sie ausführt. Als Bahä’i erlebt man die&lt;br /&gt;
Freude am Geben und am Empfangen gleichermaßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All dies darf nicht zu dem Eindruck führen, die Bahä’i seien puritanisch.&lt;br /&gt;
Sie freuen sich an den guten Dingen des Lebens, aber in Mäßigung und&lt;br /&gt;
Loslösung. Gewohnheiten, die dem Körper schaden oder den klaren Ver-&lt;br /&gt;
stand untergraben, werden abgelehnt. Bahä’i nehmen keine Rauschgifte&lt;br /&gt;
und trinken keinen Alkohol; das Rauchen wird mißbilligt. Am Anfang&lt;br /&gt;
wird man es als Bahä’i schwer haben, alte Gewohnheiten abzulegen. Das&lt;br /&gt;
ist eine Frage des persönlichen Bewußtseins; normalerweise vergehen&lt;br /&gt;
solche Probleme von allein in dem Maße, wie man das Ineinandergreifen&lt;br /&gt;
aller dieser Gebote und Grundsätze klar erlebt. In der Zwischenzeit wer-&lt;br /&gt;
den sich die anderen Bahä’i keinerlei Urteil erlauben, solange schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten nicht überhandnehmen oder der gemeinsamen Sache in der&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit Abbruch tun. Der springende Punkt der Bahä’i-Lehren ist,&lt;br /&gt;
daß einer den anderen in seinem geistigen Wachstum unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine sehr schöne Sache, über hohe Grundsätze zu reden; aber was&lt;br /&gt;
wirklich zählt ist, ob jemand danach lebt. Was mich betrifft, war das Zu-&lt;br /&gt;
sammentreffen mit Bahä’i und der Verkehr mit ihren Gemeinden wohl&lt;br /&gt;
das, was mir die Augen für den wahren Wert ihres Glaubens geöffnet hat.&lt;br /&gt;
Der erste und stärkste Eindruck war vielleicht der völlige Wegfall aller&lt;br /&gt;
jener Begrenzungen der Rasse, der Religion, der Klasse, des Alters oder&lt;br /&gt;
kultureller Vorurteile, wie sie die übrige Gesellschaft quälen. Die Einigkeit&lt;br /&gt;
der Bahä’i ist eine Einheit in der Mannigfaltigkeit. Meinungsverschieden-&lt;br /&gt;
heiten sind keine Barrieren, sondern eine Bereicherung der Gesamterfah-&lt;br /&gt;
rung. Es ist eine Atmosphäre der Liebe, Heiterkeit, Kameradschaft, Offen-&lt;br /&gt;
heit, Reife, kurz: des sinnvollen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sittliche Lauterkeit...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sittliche Lauterkeit ist das erste Element der neuen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Das zweite ist eine neue, umfassende Ordnung, die mit der Zeit die unge-&lt;br /&gt;
rechten, vermodernden politischen Strukturen der Vergangenheit ersetzen&lt;br /&gt;
muß. Die Bahä’i begegnen sich alle neunzehn Tage bei einem Fest, dessen&lt;br /&gt;
Programm drei Teile hat: Im geistigen Teil werden heilige Texte gelesen,&lt;br /&gt;
im administrativen Teil die Gemeindeangelegenheiten beraten, der ge-&lt;br /&gt;
sellige Teil mit kleinem Imbiß dient dem gegenseitigen Kennenlernen.&lt;br /&gt;
Auf dieser Grundlage wählt jede Bahä’i-Gemeinde einmal im Jahr einen&lt;br /&gt;
örtlichen Geistigen Rat, der die Gemeindeangelegenheiten verwaltet und&lt;br /&gt;
verantwortlich entscheidet. In Ländern, deren Gemeinden einen gewissen&lt;br /&gt;
Umfang erreicht haben, wird gleichfalls jährlich eine Delegiertenversamm-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1014&lt;br /&gt;
{{page|1015|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=17}}lung einberufen, die ihrerseits einen Nationalen Geistigen Rat wählt. Alle&lt;br /&gt;
fünf Jahre treffen sich die Mitglieder aller Nationalen Räte der Welt, um&lt;br /&gt;
die höchste Körperschaft des Glaubens, das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit, zu wählen. Hier muß betont werden, daß die Bahä’i-Welt keine Kan-&lt;br /&gt;
didaturen oder Wahlkampagnen kennt. Die Gemeinde ist eng verflochten&lt;br /&gt;
und aktiv; wer fähig ist und sich für das Wohl der Gesellschaft einsetzt,&lt;br /&gt;
wird gerade dadurch bekannt, nicht durch leere Wahlreden, wie wir sie&lt;br /&gt;
alle zum Überdruß kennen. Wenn ein Bahä’i in einen Rat gewählt ist, hat&lt;br /&gt;
er nur innerhalb der Ratssitzung etwas zu sagen; dort bemühen sich die&lt;br /&gt;
Ratsmitglieder, ihre Ansichten in völliger Loslösung vorzutragen, und oft&lt;br /&gt;
geschieht es, daß die Redner ihre Meinung im Fortgang der Beratung&lt;br /&gt;
ändern. Ist ein Beschluß, notfalls mehrheitlich, gefaßt, stehen alle Rats-&lt;br /&gt;
mitglieder dazu; die übrige Welt geht es nichts an, wer in der Abstimmung&lt;br /&gt;
dafür oder dagegen war. Im übergeordneten Interesse der Einheit haben&lt;br /&gt;
alle Bahä’i die Pflicht, die Beschlüsse ihrer gewählten Räte anzunehmen,&lt;br /&gt;
wie auch immer ihre persönliche Ansicht über den jeweiligen Gegenstand&lt;br /&gt;
zuvor gewesen sein mochte. Vor ihren Entscheidungen holen die Räte gern&lt;br /&gt;
die Meinung der übergeordneten Organe ein, wenn sie im Zweifel sind.&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtigkeit steht unter der besonderen Füh-&lt;br /&gt;
rung der Hauptgestalten des Glaubens, die in ihren Schriften praktisch alle&lt;br /&gt;
Lebensfragen, oft recht ausführlich, aber fast immer in zeitlos gültiger&lt;br /&gt;
Weise, behandelt haben. Mit so umfangreichen heiligen Texten kann dieser&lt;br /&gt;
Glaube den Zweifel und die Verderbnis umgehen, die in anderen Religio-&lt;br /&gt;
nen durch den Verlaß auf zweitrangige Autoritäten entstanden sind und&lt;br /&gt;
zu Tausenden von Sekten und Sonderbewegungen geführt haben. In deut-&lt;br /&gt;
lichem Gegensatz zu so gut wie allen gegenwärtigen Einrichtungen, die die&lt;br /&gt;
Machtausübung auf die Nationalstaaten als Brennpunkte konzentrieren,&lt;br /&gt;
liegt in der Bahä’i-Verwaltungsordnung die Autorität in erster Linie bei&lt;br /&gt;
dem Propheten Gottes, in zweiter Linie beim Universalen Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzig praktikable Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i haben begriffen, daß ein solcher Plan zwar einen langen&lt;br /&gt;
Reifeprozeß erfordert, daß er aber der einzige praktikable Weg zur Welt-&lt;br /&gt;
einheit ist. Wenn die Grundstrukturen dieser Einheit errichtet sind, werden&lt;br /&gt;
sie nach den Zielmodellen der Bahä’i durch eine Weltverkehrssprache, eine&lt;br /&gt;
Weltwährung, den freien Austausch von Waren und Leistungen und&lt;br /&gt;
die Überwindung extremen Reichtums gefestigt. (Völlige wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Gleichheit wird weder als möglich noch als wünschenswert betrachtet.)&lt;br /&gt;
Das letztgenannte Ziel des Einkommens- und Vermögensausgleichs ist&lt;br /&gt;
durch progressive Besteuerung, durch ein Erbschaftsgesetz mit Vorkehrun-&lt;br /&gt;
gen gegen übermäßige Vermögensanhäufungen, durch die weitverbreitete&lt;br /&gt;
Schaffung genossenschaftlicher Organisationen, durch umfassende Erzie-&lt;br /&gt;
hungseinrichtungen und vor allem durch die Bewußtseinsbildung in neuen&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Wertvorstellungen zu erreichen. Wer die gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Grundsätze dieses Glaubens als ein geschlossenes Ganzes betrachtet,&lt;br /&gt;
dem wird klar, daß die sozialistischen Ideale in derselben Richtung liegen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1015&lt;br /&gt;
{{page|1016|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber auf einer viel engeren, oberflächlicheren Grundlage. Deshalb bin ich&lt;br /&gt;
zu der Überzeugung gekommen, daß der Bahä’i-Glaube die wahre Reform-&lt;br /&gt;
bewegung unseres Zeitalters ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß diese Religion von vielen Ebenen&lt;br /&gt;
her gesehen und verstanden werden kann: als einfache, geradlinige Richt-&lt;br /&gt;
schnur für das Alltagsleben und die Grundvorstellungen jedes Menschen,&lt;br /&gt;
aber auch als großartiger, praxisnaher Entwurf für den Aufbau einer&lt;br /&gt;
neuen, ständig fortschreitenden Kultur. So ist es nicht verwunderlich, daß&lt;br /&gt;
die Herausforderung dieses neuen Glaubens alle anspricht: Die primitiv-&lt;br /&gt;
sten Urwaldbewohner und die gebildetsten Gelehrten an den bedeutend-&lt;br /&gt;
sten Universitäten werden wahre Brüder. Sie mögen fragen, warum dies&lt;br /&gt;
der breiten Öffentlichkeit nicht mehr bekannt wird. Die Antwort liegt&lt;br /&gt;
meines Erachtens zum Teil in den Methoden der Bahä’i. Laute Reklame&lt;br /&gt;
wird vermieden, weil sie einen unwürdigen Eindruck vermitteln könnte,&lt;br /&gt;
zu falschen Darstellungen und zu nutzlosen Streitereien führen würde.&lt;br /&gt;
Freie Diskussion ist zwar ein wesentlicher Grundsatz des Glaubens, aber&lt;br /&gt;
die Bahä’i sind nicht darauf aus, kostbare Zeit mit Leuten zu vergeuden,&lt;br /&gt;
die nur Unruhe stiften wollen. Bahä’u’lläh sagte, eine Zeit, die sich an-&lt;br /&gt;
schicke, umfassende Schulbildung zu verwirklichen, könne auf Vermittler&lt;br /&gt;
zwischen dem Wort der Propheten und dem Verständnis des Menschen, im&lt;br /&gt;
Unterschied zu den Religionen der Vergangenheit, verzichten. Die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion kennt deshalb keinen Priesterstand. Vielleicht wäre sie für die&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit greifbarer, wenn sie Priester hätte; aber die Bahä’i wissen,&lt;br /&gt;
daß es auf lange Sicht der wirksamste Weg für die Verbreitung ihrer Ideen&lt;br /&gt;
ist, wenn sie ihren Glauben leben und nur mit denen darüber reden, die&lt;br /&gt;
Interesse zeigen. Ein zweiter Grund dafür, warum man so wenig über die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion weiß, ist der, daß die Weltpresse sich bislang noch wenig&lt;br /&gt;
um sie kümmert, weil sie in Glaubensdingen letztlich nur die gängigen,&lt;br /&gt;
schmalspurigen Auffassungen wiedergibt. Wenn sich jetzt die Ereignisse&lt;br /&gt;
überstürzen, mag die Presse sehr wohl plötzlich feststellen, daß sie das&lt;br /&gt;
größte Ereignis des Jahrhunderts fast verschlafen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Ausführungen streifen kaum die Oberfläche dessen, was der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaube ist. Ich hoffe jedoch, wenigstens angedeutet zu haben,&lt;br /&gt;
warum dieser Glaube mir die Antworten auf meine Zweifelsfragen ge-&lt;br /&gt;
geben hat. In seiner vollkommenen Ganzheit macht er es möglich, an Gott&lt;br /&gt;
zu glauben, schafft ein praktisches Instrumentarium für die Errichtung&lt;br /&gt;
gesellschaftlicher Gerechtigkeit im Weltmaßstab und zeigt sichere Leit-&lt;br /&gt;
linien für einen sinnvollen, erfolgversprechenden Weg des persönlichen&lt;br /&gt;
Wachstums und der Selbstverwirklichung. Was für ein Kontrast zu den&lt;br /&gt;
leeren Konventionen der Gesellschaft, die uns umgibt! Als mir dies bewußt&lt;br /&gt;
geworden war, fand ich es nicht mehr schwierig, die wahre Bedeutung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs anzuerkennen. Dabei hätte ich es belassen können. Es gibt&lt;br /&gt;
immer eine Menge von Zweitrangigem, über das man sich streiten kann;&lt;br /&gt;
man kann sagen, diese Maßstäbe seien zu hoch für einen selbst, aber her-&lt;br /&gt;
vorragend für andere, wenn sie es versuchen möchten. Irgendwelche&lt;br /&gt;
Gründe gegen ein Engagement, gegen ein Heraustreten aus der Masse der&lt;br /&gt;
anderen, gibt es immer. Aber das ist noch nie meine Art gewesen. Es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1016&lt;br /&gt;
{{page|1017|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=19}}kostet einigen Zeitaufwand und ein gewisses Maß an intellektueller Demut,&lt;br /&gt;
wenn man zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit hindurchfinden will. Hat&lt;br /&gt;
man sie gefunden, sieht man sich einer überwältigenden Herausforderung,&lt;br /&gt;
einer sittlichen Pflicht zum Engagement gegenüber. Vor einigen Monaten&lt;br /&gt;
traf ich meine Entscheidung. Seither habe ich einen ersten Eindruck davon&lt;br /&gt;
gewonnen, was es bedeutet, über sich selbst hinaus zu leben — für etwas&lt;br /&gt;
da zu sein, was in eine unendlich viel reichere, eine gerechtere Welt für&lt;br /&gt;
alle führt. Kurz, ich habe ein wenig miterlebt, was das Wort „Erfüllung“&lt;br /&gt;
bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verfasser, John Huddleston, studierte in England Wirtschaftswissenschaften&lt;br /&gt;
und ist heute im Planungsstab des Internationalen Währungsfonds tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Markt und die Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Umgang mit dem Wohlstand / von Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Zeit, in der sie in „Stalinabad“ umbenannt war,&lt;br /&gt;
heißt die Hauptstadt der Volksrepublik Tadschikistan seit Jahrhunderten&lt;br /&gt;
Duschanbe. Das Wort ist persisch-tadschikisch und bedeutet „Montag“&lt;br /&gt;
(„zwei“ nach Sabbat“). Montags kamen seit alters die Hirten von ihren&lt;br /&gt;
Almen herab, um an einem Talbogen untereinander und mit weither zu-&lt;br /&gt;
gereisten Kaufleuten Tauschhandel zu pflegen. Aus der Gewohnheit ent-&lt;br /&gt;
wickelten sich feste Einrichtungen, Handwerker siedelten sich an; eine&lt;br /&gt;
Stadt entstand, eine politische Gewalt baute sich auf, die den Markt&lt;br /&gt;
ordnete und die gemeinsamen Interessen aller gegen die Willkür einzelner&lt;br /&gt;
starker Persönlichkeiten durchsetzte. Als Zentrum der gesicherten wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen Tätigkeit, der Ordnung und der Macht wurde dieses Gemein-&lt;br /&gt;
wesen schließlich die Hauptstadt eines zunächst noch „wilden“ Landes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bräuchten nicht in die Ferne zu schweifen, um tausend weitere&lt;br /&gt;
Beispiele für Märkte als Basen von Stadtgründungen zu finden. Die Namen&lt;br /&gt;
zahlloser europäischer Mittel- und Kleinstädte sind ein beredtes Zeugnis.&lt;br /&gt;
Aber es regt zu besonderem Nachdenken an, solche Modelle und Beispiele&lt;br /&gt;
aus dem Herrschaftsbereich einer Ideologie zu beziehen, die die Bedeutung&lt;br /&gt;
des Produktionsfaktors Arbeit überbetont und das Phänomen des Marktes,&lt;br /&gt;
des gewaltlosen wirtschaftlichen Interessenausgleichs, noch nie richtig in&lt;br /&gt;
den Griff bekommen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was können wir aus diesem und anderen wirtschaftsgeschichtlichen&lt;br /&gt;
Beispielen, aus der kritischen Beobachtung gewachsener Strukturen, ler-&lt;br /&gt;
nen? Wir wollen uns nicht damit abgeben, die derzeitigen, mangelhaft ge-&lt;br /&gt;
ordneten Verhältnisse zu beschreiben und zu kritisieren. Stattdessen gehen&lt;br /&gt;
wir von gesicherten, allgemein annehmbaren Wertvorstellungen, von einer&lt;br /&gt;
gemeinschaftsbezogenen Sinngebung für unser Leben aus, stellen einige&lt;br /&gt;
Thesen auf und leiten sodann Grundsätze für die vernünftige Anwendung&lt;br /&gt;
dieser Thesen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1017&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1018|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ein Markt entsteht überall, wo zwei oder mehrere Menschen gewaltlos&lt;br /&gt;
in wirtschaftliche Beziehungen zueinander treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Robinson, der isoliert wirtschaftende Mensch, deckte unmittelbar den&lt;br /&gt;
Bedarf, den er selber hatte. Soweit ihm die Natur die Mittel zur Befriedi-&lt;br /&gt;
gung seiner Bedürfnisse nicht bot, mußte er arbeiten, um sie sich zu be-&lt;br /&gt;
schaffen. Als der Indianer Freitag zu ihm stieß, mußten die beiden, wenn&lt;br /&gt;
sie sich nicht sofort wieder trennen wollten, ein Netz von Beziehungen&lt;br /&gt;
zueinander aufbauen, das entweder auf der Herrschaft des einen und der&lt;br /&gt;
Unterwerfung des anderen beruhte oder aber auf dem marktmäßigen Aus-&lt;br /&gt;
gleich dessen, was sie beide sich als sinnvolle Grundlage des Zusammen-&lt;br /&gt;
lebens vorstellten. Dies geschah durch Beratung über die anstehenden&lt;br /&gt;
Aufgaben, durch wechselseitige Vermittlung von Know-how, durch indivi-&lt;br /&gt;
duelle und gemeinschaftliche Arbeit, durch die Verteilung der Produkte&lt;br /&gt;
oder die gemeinschaftliche Entscheidung über deren Verwendung. Für&lt;br /&gt;
Notfälle, Krankheiten und dergleichen waren vernünftige Vorkehrungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu treffen. u&lt;br /&gt;
&amp;quot;Möriher Ökonisrkt: wird sich‘ weigeff) hier“bereits &amp;quot;vor Phänomen‘ des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marktes zu sprechen. In einer geschlossenen Zwei-Personen-Wirtschaft ist&lt;br /&gt;
das Wesen des Marktes noch unausgeformt, von ganzheitlichen Interessen&lt;br /&gt;
überlagert. Robinson würde Freitag auch ohne viel Gegenleistung bei sich&lt;br /&gt;
aufnehmen und mitversorgen, um überhaupt ein menschliches Wesen um&lt;br /&gt;
sich zu haben. Aber schon hier wird das Grundphänomen des Marktes —&lt;br /&gt;
und der Wirtschaft schlechthin — deutlich: das allgemein-menschliche Be-&lt;br /&gt;
dürfnis nach wechselseitigem Geben und Nehmen, das ebenso „ursprüng-&lt;br /&gt;
lich“ und „real“ ist wie das Bedürfnis nach umfassender subjektiver&lt;br /&gt;
Nutzensmaximierung. Schon hier zeigt sich, wie grundverkehrt ein Wirt-&lt;br /&gt;
schaftsdenken ist, das ausschließlich oder vorwiegend von der kurzsich-&lt;br /&gt;
tigen, egoistischen Gewinnmaximierung als Antrieb für das Verhalten der&lt;br /&gt;
Wirtschaftssubjekte ausgeht. Kein Künstler, kein Beamter, keine Hausfrau&lt;br /&gt;
könnte auf solchen Denkgrundlagen produktive Leistungen aufbauen, und&lt;br /&gt;
doch versucht man, ganze Systeme wissenschaftlicher Lehrmeinungen ein-&lt;br /&gt;
seitig darauf einzustellen. Das ist geistige Monokultur, die ebenso sicher&lt;br /&gt;
zu realpolitischer Verarmung, zu geistiger Erosion und zu intellektueller&lt;br /&gt;
Verkarstung führen muß, wie der Raubbau an Wäldern oder eine einseitige&lt;br /&gt;
landwirtschaftliche Nutzung ganze Kulturlandschaften verwüstet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halten wir fest, daß der Markt die umfassende Grundlage für die Ge-&lt;br /&gt;
staltung wirtschaftlicher Beziehungen zwischen freien, insbesondere nicht&lt;br /&gt;
verwandtschaftlich aneinander gebundenen oder sich sonstwie außeröko-&lt;br /&gt;
nomisch verpflichteten Subjekten ist. Alternativ kommen nur die Isolation&lt;br /&gt;
oder die Gewaltanwendung in Frage. Beide Alternativen sind tendenziell&lt;br /&gt;
kulturhemmend, soweit man von dem vorübergehenden „In-die-Wüste-&lt;br /&gt;
Gehen“ bedeutender Persönlichkeiten und der geistig-gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gewaltanwendung durch gemeinsame Unterwerfung (arabisch „Isläm“}&lt;br /&gt;
unter eine über allen stehende geistige Macht absieht. Höhere, kulturell&lt;br /&gt;
angereicherte zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich nur auf der&lt;br /&gt;
geistigen Grundlage der Freundschaft und Menschenliebe oder auf der&lt;br /&gt;
ökonomischen Grundlage des Marktes vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1018&lt;br /&gt;
{{page|1019|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=21}}2. Der Markt ist die optimale Konstellation für das Stud’um und die Ein-&lt;br /&gt;
übung des eigentlich Menschlichen im Bereich der Wirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir von der Konsumption, dem ins Außerökonomische führenden&lt;br /&gt;
privaten Verbrauch, absehen, besteht wirtschaftliche Tätigkeit in der Her-&lt;br /&gt;
stellung oder Bereitstellung (Produktion) und der Verteilung (Distribution)&lt;br /&gt;
von Gütern und Dienstleistungen. Bei der Produktion ergeben sich gewisse&lt;br /&gt;
Beziehungen von Mensch zu Mensch; sie können sehr wohl vertieft und&lt;br /&gt;
verfeinert werden, sind jedoch ihrem Wesen nach immer sachlicher Natur,&lt;br /&gt;
auf eine klar umrissene produktive Leistung ausgerichtet. Sie sind außer-&lt;br /&gt;
dem fast durchweg von langfristiger Dauer: Vertragsverhältnisse zwischen&lt;br /&gt;
produktiven Faktoren, z.B. Arbeitsverträge, lassen sich in der Regel nicht&lt;br /&gt;
von Fall zu Fall für jedes zu erstellende Werk einzeln abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders die Distribution: Sie vollzieht sich in der entwickelten Wirtschaft&lt;br /&gt;
vorwiegend durch lockere Marktkontakte zwischen Produzenten, Händlern&lt;br /&gt;
und Konsumenten; der Eigenverbrauch der Produzenten hat mit fort-&lt;br /&gt;
schreitender Arbeitsteilung immer geringere Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einem Markt bietet der Produzent meist vorgefertigte Güter an. Die&lt;br /&gt;
in der vorindustriellen Wirtschaft vorherrschende Produktion auf Be-&lt;br /&gt;
stellung geht im Bereich der Güterverteilung tendenziell zurück. Anderer-&lt;br /&gt;
seits weitet sich der Bereich der Dienstleistungen immer mehr aus; die&lt;br /&gt;
gesamte Wirtschaftsgeschichte kann als ein Fortschreiten von der Urpro-&lt;br /&gt;
duktion über die Industrieproduktion zur Dienstleistungsproduktion ver-&lt;br /&gt;
standen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorherrschen der Dienstleistungswirtschaft, das sich seit wenigen&lt;br /&gt;
Jahren in den höchstentwickelten Volkswirtschaften anbahnt, bringt spezi-&lt;br /&gt;
fische neue Strukturen und Gesetzmäßigkeiten mit sich. Der Faktor Dienst-&lt;br /&gt;
leistung greift immer weiter in den Produktionsbereich zurück: Je höher&lt;br /&gt;
entwickelt die Gesamtwirtschaft und die einzelnen Industrieprodukte wer-&lt;br /&gt;
den, desto wichtiger wird, ergänzend zur „Hardware“ der Ausrüstung, die&lt;br /&gt;
Mitlieferung von „Software“, von Know-how um die Anwendung der Pro-&lt;br /&gt;
dukte, d.h. der Verkauf von Problemlösungen anstelle von Waren. Das&lt;br /&gt;
bedingt umfassenden Service, Schulung, Ausbildung, Erziehung und damit&lt;br /&gt;
neue menschliche Beziehungen. Vor allem setzt es eine neue, umfassende&lt;br /&gt;
Art von Vertrauen in den Vertragspartner, seinen guten Willen, seine&lt;br /&gt;
Aufrichtigkeit, Vertragstreue usw. voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstleistungswirtschaft der Zukunft wird sich ein eigenes, neues&lt;br /&gt;
Verhältnis zum Phänomen des Marktes erarbeiten müssen. In dem Maße,&lt;br /&gt;
wie in einzelnen Bereichen Groß- und Größtunternehmen rationell wer-&lt;br /&gt;
den, wird für deren Beurteilung vor allem ihr Verhalten gegenüber den&lt;br /&gt;
wenigen kleinen Außenseitern wesentlich sein. Ein Verdrängungswettbe-&lt;br /&gt;
werb, wie er in den zwanziger Jahren an der Tagesordnung war oder wie&lt;br /&gt;
er 1968/69 noch in Mitteleuropa bei Betonstahl passieren konnte, wird zu-&lt;br /&gt;
nehmend unmöglich werden, weil der Prestigeverlust immer schwerer ins&lt;br /&gt;
Gewicht fällt und durch Machtgewinne nicht mehr aufgezogen wird. Gewiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1019&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1020|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden auch in der näheren Zukunft Rückfälle in barbarische Macht-&lt;br /&gt;
kämpfe nicht ausbleiben; aber große Unternehmen werden es sich nicht&lt;br /&gt;
leisten können, ihren Ruf als Interessenwahrer des Wirtschaftsganzen&lt;br /&gt;
durch marktwidriges Verhalten aufs Spiel zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das eigentlich Menschliche im Bereich der Wirtschaft bekommen wir am&lt;br /&gt;
besten dadurch in den Griff, daß wir das Wort „Dienstleistung“ in seine&lt;br /&gt;
Teile zerlegen. Beide Faktoren, der „Dienst“ und die „Leistung“, sind Aus-&lt;br /&gt;
drücke für menschliches Streben nach schöpferischer Vollendung, wobei&lt;br /&gt;
der Anspruch auf Gegenleistung, in Währungseinheiten ausgedrückt, zu-&lt;br /&gt;
nächst vornehm im Hintergrund gehalten wird. Das gesamte System ten-&lt;br /&gt;
diert zu den Formen des Qualitätswettbewerbs, die in Spitzenbereichen&lt;br /&gt;
der Dienstleistungswirtschaft, etwa bei Ärzten, Anwälten oder Beratern&lt;br /&gt;
der vielfältigsten Art, schon heute üblich sind. Gerade die in diesen Berei-&lt;br /&gt;
chen vorhandenen Ungleichgewichte — ein latenter Mangel an wirklich&lt;br /&gt;
fähigen Anbietern, ungenügende Markttransparenz, überhöhte Preise —&lt;br /&gt;
werden sich auf die Dauer nicht anders als durch die umfassende, allge-&lt;br /&gt;
mein-menschliche, waren- und leistungskundliche Erziehung der Markt-&lt;br /&gt;
teilnehmer zu freien, selbständigen Wesen überwinden lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Der Markt ist der idealtypische Ort des gerechten Preises.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit, daß Karl Marx objektive Werte von Wirtschaftsgütern aus der&lt;br /&gt;
Menge der für ihre Produktion aufgewandten Arbeit, der „durchschnitt-&lt;br /&gt;
lich gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit“, definieren wollte, hat er&lt;br /&gt;
einen der verhängnisvollsten Irrtümer der Wirtschaftsgeschichte einge-&lt;br /&gt;
leitet. Möglich war dieser Irrtum für einen Philosophen, der sich im&lt;br /&gt;
Grunde nie mit praktischen Problemen der Unternehmensführung ausein-&lt;br /&gt;
andersetzen mußte, in einer Zeit, in der das Angebot an Industrieproduk-&lt;br /&gt;
ten und Dienstleistungen noch recht spärlich war. Man braucht nicht in das&lt;br /&gt;
andere Extrem der ironischen Beweisführung von C. N. Parkinson zu ver-&lt;br /&gt;
fallen, um festzustellen, daß Arbeit als Leistung pro Zeiteinheit ein äußerst&lt;br /&gt;
dehnbarer, qualitativ weit differierender Begriff ist. Natürlich ist die je&lt;br /&gt;
Produkteinheit aufgewendete Arbeit ein wesentlicher Faktor in der Kal-&lt;br /&gt;
kulation eines Anbieters; der Nachfrager wird solche Kalkulationen aber&lt;br /&gt;
allenfalls wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wenn das Angebot breit&lt;br /&gt;
genug ist und er selbst die Freiheit der Wahl besitzt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo diese freie Wahl des Nachfragers bedroht ist, besteht die öffentliche&lt;br /&gt;
Aufgabe nicht primär darin, auch die Angebotsseite durch Enteignung oder&lt;br /&gt;
Reglementierung in ihrer Entscheidungsfreiheit zu beschränken, sondern&lt;br /&gt;
darin, den Markt so zu ordnen, daß eine optimale Versorgung zu vernünf-&lt;br /&gt;
tigen Preisen erreicht und gesichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Markt leidlich geordnet erscheint, führt er deshalb die „ge-&lt;br /&gt;
rechtesten“ Preise herbei, weil er Daten setzt, denen sich jeder gutwillige&lt;br /&gt;
Interessent unterwerfen muß. Politische Preise können — wie jede poli-&lt;br /&gt;
tische Entscheidung — kritisiert, mit guten oder schlechten Argumenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1020&lt;br /&gt;
{{page|1021|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=23}}abgelehnt, umgangen werden, Marktpreise dagegen nicht. Wer als Markt-&lt;br /&gt;
teilnehmer von einem Vertragspartner Leistungen erwartet, die nicht&lt;br /&gt;
marktkonform sind, stellt sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus, weil er&lt;br /&gt;
sich auf das Niveau des Bittstellers, des vielversprechenden Angebers oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des hart an der Grenze des Erlaubten und Üblichen operierenden Schlitz-&lt;br /&gt;
ohrs begibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Der Markt ist ein kulturelles, kein natürliches Phänomen. In dem Maße,&lt;br /&gt;
wie Individuen oder Gruppen auf wichtigen Märkten Macht gewinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können, ist es notwendig, diese Märkte hoheitlich zu öffnen und zu&lt;br /&gt;
ordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Märkte für etwas Naturgegebenes zu halten, war der Grundirrtum des&lt;br /&gt;
frühen Liberalismus. Ein Markt muß veranstaltet werden: Die grund-&lt;br /&gt;
legende Entscheidung, sich weder voneinander abzusondern noch sich zu&lt;br /&gt;
bekriegen, sondern friedlich zu koexistieren und in wirtschaftlichen Aus-&lt;br /&gt;
tausch miteinander einzutreten — diese Grundentscheidung geht jedem&lt;br /&gt;
Markt voraus und bringt zwangsläufig gewisse ordnungspolitische Vor-&lt;br /&gt;
stellungen, insbesondere ein Mindestmaß an Gerechtigkeitssinn mit sich.&lt;br /&gt;
Tiere haben keine Wertvorstellungen und kennen keine Märkte; Märkte&lt;br /&gt;
sind früheste, grundlegende Äußerungen menschlicher Kultur, wie denn&lt;br /&gt;
alles den Begriff der „Natur“ übersteigt, was der Mensch über seine un-&lt;br /&gt;
mittelbare Bedürfnisbefriedigung hinaus veranstaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Kulturleistung ist ihrem Wesen nach öffentlich, soweit sie produk-&lt;br /&gt;
tiv ist, und produktiv, soweit sie öffentlich ist. Eremitische Geistesgröße&lt;br /&gt;
mit religiöser Motivation und exklusiver Kulturkonsum privilegierter&lt;br /&gt;
Kasten gehören heute gleichermaßen zu den Dekadenzerscheinungen un-&lt;br /&gt;
tergehender Gesellschaftssysteme. Märkte müssen mindestens insoweit&lt;br /&gt;
offen, das heißt für jedermann als Teilnehmer zugänglich sein, als ein all-&lt;br /&gt;
gemeines Interesse an den auf ihnen gehandelten Produkten herrscht und&lt;br /&gt;
keine schwerwiegenden fachlichen oder organisatorischen Hemmnisse,&lt;br /&gt;
denen alle gleichermaßen unterworfen sind, entgegenstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie jede andere menschliche Struktur rechtfertigt sich Marktmacht aus-&lt;br /&gt;
schließlich durch besondere Leistung. Soweit diese behauptet und bewiesen&lt;br /&gt;
wird, hat es ein mächtiger Marktteilnehmer nicht nötig, Wettbewerber mit&lt;br /&gt;
anderen als marktkonformen Mitteln, durch Qualitäts- und Preiswettbe-&lt;br /&gt;
werb, zu verdrängen. Selbst Angebotsmonopole sind unbedenklich, wenn&lt;br /&gt;
der Markt tendenziell offen ist, d.h. wenn die höhere Leistung des Mono-&lt;br /&gt;
polisten jederzeit beweisbar bleibt und die Konkurrenz von Außenseitern&lt;br /&gt;
nicht grundsätzlich ausgeschlossen wird. Ein Wettbewerbsrecht, das Macht-&lt;br /&gt;
strukturen in den Märkten zu zerschlagen sucht, anstatt alle Marktteil-&lt;br /&gt;
nehmer, insbesondere die am leichtesten kontrollierbaren mächtigen An-&lt;br /&gt;
bieter, auf bestimmte marktkonforme Normen des Wohlverhaltens festzu-&lt;br /&gt;
legen, gleicht einem Strafrecht, das Verbrecher, also Menschen, anstelle von&lt;br /&gt;
Verbrechen, also Formen des Fehlverhaltens, bekämpft. Unser gesamtes&lt;br /&gt;
gesellschaftliches Bewußtsein muß vom sozialpathologischen zum sozial-&lt;br /&gt;
hygienischen Denken hin weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1021&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1022|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=24}}Die meisten Wettbewerbsprobleme entfallen von selbst, wenn genügend&lt;br /&gt;
große Märkte geschaffen werden, wie denn viele Machtballungen nur&lt;br /&gt;
durch Wettbewerbsbeschränkungen aufgrund von nationalistischem Fehl-&lt;br /&gt;
verhalten, vor allem durch Zölle und Einfuhrkontingente, entstanden sind.&lt;br /&gt;
Für die Beurteilung von Marktmächten ist es wichtig, jederzeit kritisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
prüfen, wie und mit welchen Argumenten sie sich derartigen Wettbewerbs-&lt;br /&gt;
beschränkungen gegenüber einstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Gesellschafts- und staatspolitische Vernunft offenbart sich in dem&lt;br /&gt;
Stile, in dem die organischen Strukturen des Marktes gefördert, ge-&lt;br /&gt;
kräftigt und entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab Zeiten, in denen der Staat nur als Wächter über das Wirtschafts-&lt;br /&gt;
leben zu fungieren brauchte. Bevor nicht die grundlegenden gesellschaft-&lt;br /&gt;
lichen Widersprüche auf weltweiter Ebene, im Gesamtrahmen der Mensch-&lt;br /&gt;
heit, erkannt und überwunden sind, werden solche Zeiten mit Sicherheit&lt;br /&gt;
nicht wiederkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde ist alle Politik eine Frage der Rangordnung für allgemein&lt;br /&gt;
anzustrebende Ziele und der Mittel, die für die Verwirklichung dieser Ziele&lt;br /&gt;
als möglich und angemessen erachtet werden. Interessenkonflikte, Streit,&lt;br /&gt;
Kampf und Krieg werden so lange fortbestehen, bis die Zielsetzungen hin-&lt;br /&gt;
reichend harmonisiert sind und über die Mittel und deren Anwendung ge-&lt;br /&gt;
nügend Klarheit und Einigkeit herrschen. Fest steht, daß in der persön-&lt;br /&gt;
lichen wie der gesellschaftlichen Entwicklung zuallererst der Widerspruch&lt;br /&gt;
zwischen der unaufhörlichen Legitimation überzüchteter Eigen- und Grup-&lt;br /&gt;
peninteressen und der lautstarken Verkündigung übergreifender ethischer&lt;br /&gt;
Normen überwunden, mindestens aber auf ein erträgliches Maß zurück-&lt;br /&gt;
geführt werden muß, ehe sich gangbare Lösungen politischer Probleme&lt;br /&gt;
anbahnen lassen. Mit unserem „Sozialökonomischen Imperativ“ („BAHA’I-&lt;br /&gt;
BRIEFE“ 33, S. 839 ff.) haben wir versucht, einen von mehreren denkbaren&lt;br /&gt;
Ansätzen hierfür aufzuzeigen. Ohne eine Art Mutationssprung in den&lt;br /&gt;
grundlegenden Bewußtseinsstrukturen werden wir kein geordnetes Ver-&lt;br /&gt;
hältnis zum Wirtschaftsleben finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn erst einmal die schlimmsten egoistischen Verkrampfungen besei-&lt;br /&gt;
tigt sind, werden die mit staatlicher Macht Betrauten eine unendliche&lt;br /&gt;
Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten in den Märkten und um die Märkte&lt;br /&gt;
herum entdecken. Von dieser Fülle der Möglichkeiten können wir uns&lt;br /&gt;
heute so wenig eine Vorstellung machen, wie sich ein Jungverheirateter&lt;br /&gt;
die Fülle der Beziehungen ausdenken kann, die er im Laufe eines langen&lt;br /&gt;
Ehelebens zu seiner Partnerin entwickeln wird — sofern sie sich beide&lt;br /&gt;
Mühe geben. Die Möglichkeiten schöpferischer Marktgestaltung reichen&lt;br /&gt;
von der Monopolisierung bis zum völligen Laissez-faire: Denken wir nur&lt;br /&gt;
daran, wie unrationell im Grunde der geldgeschäftliche Gegenzug zu jedem&lt;br /&gt;
Kaufvertrag ist, der darin besteht, daß eine Zahlung entgegengenommen,&lt;br /&gt;
quittiert und verbucht, Wechselgeld herausgegeben, Kasse geführt und ab-&lt;br /&gt;
gerechnet werden muß. Heute diskutiert man bereits über sogenannte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1022&lt;br /&gt;
{{page|1023|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=25}}Nulltarife bei öffentlichen Nahverkehrsmitteln; früher oder später wird&lt;br /&gt;
man wohl die alte fabianische Idee aufgreifen, Grundnahrungsmittel und&lt;br /&gt;
andere Konsumgüter und Dienstleistungen in haushaltsüblichen Mengen&lt;br /&gt;
ebenso zum unentgeltlichen Bezug freizugeben und die Erzeuger aus&lt;br /&gt;
Staatsmitteln zu bezahlen, wie es heute etwa bei den Erziehungseinrich-&lt;br /&gt;
tungen üblich ist — nicht zuletzt deshalb, weil die Verteilung auf diese&lt;br /&gt;
Weise rationeller und gerechter vor sich geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeahnte Möglichkeiten ergeben sich vor allem aus der erzieherischen,&lt;br /&gt;
warenkundlichen Einflußnahme im Sinne einer öffentlich geförderten,&lt;br /&gt;
immer umfassenderen Transparenz der Märkte. Die Werbung wird, wenn&lt;br /&gt;
sie erst einmal den Hang zum unterschwelligen Tiefschlag auf das Trieb-&lt;br /&gt;
leben überwunden hat, zunehmend Anregungen zu immer neuen, schöpfe-&lt;br /&gt;
rischen Anwendungen vermitteln, kann man doch durch Informations-&lt;br /&gt;
media die Menschen ebenso gut empor- wie heruntermanipulieren, wenn&lt;br /&gt;
man sich dabei auch ein bißchen mehr einfallen lassen muß. Ein erstes&lt;br /&gt;
Beispiel ist für aufmerksame Beobachter die gegenwärtige Welle von An-&lt;br /&gt;
zeigen mit entwicklungspolitischen Motiven, die die Großindustrie lanciert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiger öffentlicher Tätigkeitsbereich muß die „Globalsteuerung“,&lt;br /&gt;
die allgemeine Wirtschafts- und Währungspolitik über die Märkte, werden.&lt;br /&gt;
Sie setzt allerdings mehr als bei herkömmlichen Denkmodellen voraus,&lt;br /&gt;
daß die Treuhänder des allgemeinen Wohls frei von Interessenstandpunk-&lt;br /&gt;
ten denken und Respekt vor den Strukturen der Märkte entwickeln. Eine&lt;br /&gt;
weitere Voraussetzung ist die weltweite Koordination der Zielsetzungen&lt;br /&gt;
und Maßnahmen und die loyale Einhaltung gemeinsam getroffener Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen. Ziel solcher Wirtschaftspolitik muß die allgemeine Wohlstands-&lt;br /&gt;
förderung ohne Rücksicht auf Landesgrenzen, die Hebung und Sicherung&lt;br /&gt;
der Einkommen vor allem der ärmeren Schichten in den Entwicklungs-&lt;br /&gt;
ländern, die Stabilisierung wichtiger Grundstoffpreise und die Sicherung&lt;br /&gt;
des Geldwertes sein. Bisherige unvollkommene Mittel dafür waren unter&lt;br /&gt;
anderem internationale Rohstoffabkommen, nationale Vorratslager, die&lt;br /&gt;
Offen-Markt-Politik, nach der Notenbanken gewisse festverzinsliche Wert-&lt;br /&gt;
papiere an- und verkauften, um die Geldmenge zu beeinflussen, und die&lt;br /&gt;
Wechselkurspolitik, die die Notenbanken verpflichtete, ursprünglich Gold,&lt;br /&gt;
später auch andere Währungen — mindestens den US-Dollar als Leit-&lt;br /&gt;
währung — zu bestimmten Höchst- und Mindestkursen abzugeben oder&lt;br /&gt;
aus dem Markt zu nehmen. Es wäre eine Krönung marktwirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Denkens, wenn man zu einem weltweiten Verbund von Maßnahmen käme,&lt;br /&gt;
in deren Rahmen der Internationale Währungsfonds oder die wichtigsten&lt;br /&gt;
Notenbanken börsengängige, nicht leicht verderbliche, wirtschaftlich wich-&lt;br /&gt;
tige Rohstoffe oder Lagerscheine darüber unter genau festzulegenden Be-&lt;br /&gt;
dingungen zu bestimmten Preisen an- und verkaufen müßten. Die Inter-&lt;br /&gt;
ventionspreise müßten relativ weit auseinanderliegen und den Marktge-&lt;br /&gt;
gebenheiten entsprechend um einen gewissen Prozentsatz pro Jahr ver-&lt;br /&gt;
ändert werden können. Heute klingen solche Vorstellungen utopisch; sie&lt;br /&gt;
ergeben sich aber mit zwingender Folgerichtigkeit aus der Zielsetzung&lt;br /&gt;
einer möglichst ökonomischen und gerechten Ordnung für die möglichst&lt;br /&gt;
freie schöpferische Entfaltung aller Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1023&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1024|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Der gerechte Ausgleich zwischen starken und schwachen Marktteil-&lt;br /&gt;
nehmern vollzieht s!ch außerhalb des Marktes, vorzugsweise durch&lt;br /&gt;
solidarische und erzieherische Übertragung produktiver Faktoren, nur&lt;br /&gt;
in unterentwickelten Gesellschaften oder in Notfällen durch die Über-&lt;br /&gt;
tragung konsumfertiger Güter und Leistungen. Solche Übertragungen&lt;br /&gt;
sind die einzigen zulässigen Ausnahmen vom allgemeingültigen Grund-&lt;br /&gt;
satz marktkonformen Verhaltens; auch sie müssen so marktkonform&lt;br /&gt;
wie möglich gestaltet sein, damit entwicklungshemmende Wirkungen&lt;br /&gt;
ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die primitivste Form des Transfers, der Übertragung wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Werte ohne Gegenleistung, vollzieht sich in der Weise, daß ein Bettler die&lt;br /&gt;
Hand aufhält und ein Spender etwas hineinlegt. Das Almosengeben als&lt;br /&gt;
Grundform der Solidarität ist in allen alten Religionen und Gesellschafts-&lt;br /&gt;
philosophien institutionell verankert und religiös aufgeladen worden;&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat das Betteln als erster Religionsstifter verboten, weil es den&lt;br /&gt;
sozialen Gegebenheiten einer weltweiten Wohlstandsgesellschaft und dem&lt;br /&gt;
modernen Verständnis der Menschenwürde zuwiderläuft. Tatsächlich kön-&lt;br /&gt;
nen wir in der Weltpolitik immer wieder feststellen, wie institutionalisierte&lt;br /&gt;
Wohltätigkeitsveranstaltungen ohne ausreichende ordnungspolitische Kon-&lt;br /&gt;
zeption ein Faß ohne Boden zu füllen suchen und dazu führen, daß die&lt;br /&gt;
Übeltäter in der Welt nur noch frecher werden, weil ja immer barmher-&lt;br /&gt;
zige Seelen da sind, die die schlimmsten Folgen reparieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch den Ausgleich zwischen Arm und Reich müssen wir weltweit und&lt;br /&gt;
gesamthistorisch sehen. Es gab und gibt Gesellschaften, in denen die Wohl-&lt;br /&gt;
standsverteilung von der Verfügungsmacht über Produktionsmittel be-&lt;br /&gt;
stimmt war und ist: Die Armen haben dort nichts als ihre ungeschulte&lt;br /&gt;
Arbeitskraft anzubieten, und Almosen sind ein unumgänglicher Ausgleich.&lt;br /&gt;
In dynamischen Gesellschaften und Zeiten verlagert sich der Schwerpunkt&lt;br /&gt;
produktiver Leistung — und damit des Einkommens — von den Faktoren&lt;br /&gt;
(Grund und Boden, Staatsmacht, Kapital, in geringerem Maße „Arbeit“)&lt;br /&gt;
hinweg zu demjenigen, der Innovationen, immer neue optimale Kombina-&lt;br /&gt;
tionen dieser produktiven Faktoren, herstellt: dem Unternehmer. Daß&lt;br /&gt;
unternehmerische Persönlichkeiten besonders hoch bezahlt werden, ist zu&lt;br /&gt;
einem gewissen Grad durch die Unvollkommenheit der bisherigen Herr-&lt;br /&gt;
schaftssysteme, vor allem durch ihre mangelnde Transparenz, bestimmt;&lt;br /&gt;
in erster Linie aber beruht es ganz einfach und marktkonform darauf,&lt;br /&gt;
daß es so wenige Unternehmer gibt. Kapital, Arbeitskräfte und Rohstoffe&lt;br /&gt;
sind fast überall auf der Welt in ausreichendem Maße vorhanden; das&lt;br /&gt;
Dilemma der Entwicklungspolitik liegt in den unzureichenden oder schad-&lt;br /&gt;
haften Ordnungsstrukturen auf nationalstaatlicher und weltweiter Ebene,&lt;br /&gt;
vor allem aber im Mangel an unternehmerischem Denken. Schlimm ist, daß&lt;br /&gt;
das eine das andere mitverursacht — ein Teufelskreis von umfassender&lt;br /&gt;
Tragik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter einem anderen Gesichtspunkt stellen wir fest, daß es viele stille&lt;br /&gt;
— und laute — Wohltäter mit unzureichendem unternehmerischem Blick&lt;br /&gt;
für produktive Kombinationen gibt, aber kaum irgendwelche Unter-&lt;br /&gt;
nehmer, die nicht nur bereit sind, gelegentlich von ihrer grundlegend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1024&lt;br /&gt;
{{page|1025|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=27}}egoistischen Einstellung abzurücken und in mehr oder weniger verschäm-&lt;br /&gt;
ter Wohltätigkeit einen Teil ihres Einkommens für gute Zwecke einzu-&lt;br /&gt;
setzen, sondern die sich auch selbst die Zeit und die Kraft nehmen, hinaus-&lt;br /&gt;
zugehen und den Menschen in denjenigen Gebieten, die es am nötigsten&lt;br /&gt;
haben, das Allernötigste zu vermitteln: technische Kenntnisse und unter-&lt;br /&gt;
nehmerisches Engagement. Ein abendländischer Durchschnittsmanager, der&lt;br /&gt;
sich einen Swimmingpool, einen Bauernhof, einen Reitstall, eine Jagd-&lt;br /&gt;
oder Skihütte, eine Jacht und/oder einen Bungalow an südlichen Küsten&lt;br /&gt;
leisten können zu müssen glaubt, sollte eigentlich inzwischen so weit ge-&lt;br /&gt;
kommen sein, daß er sich auch ein kleines eigenes Entwicklungsprojekt&lt;br /&gt;
zulegt — zu keinem anderen Zweck als dem seiner persönlichen schöpfe-&lt;br /&gt;
rischen Selbstverwirklichung. Und wenn er es richtig macht, wird er fest-&lt;br /&gt;
stellen, daß er selbst dabei am meisten profitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich ist, daß man der Not der Welt unternehmerisch entgegen-&lt;br /&gt;
treten muß und daß jeder dies tun muß, wie denn überhaupt die unter-&lt;br /&gt;
nehmerische Lebensgestaltung, die optimale Kombination der rationell er-&lt;br /&gt;
reichbaren produktiven Faktoren, die Lösung aller Existenzprobleme mit&lt;br /&gt;
sich bringt. Es lohnt sich, den wichtigsten — und durchaus durchschau-&lt;br /&gt;
baren — Markt, den Weltmarkt der Ideologien, daraufhin zu prüfen, welche&lt;br /&gt;
Denksysteme die stärkste Dynamik für diese unternehmerische Lebens-&lt;br /&gt;
gestaltung vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7, Wer die Unmöglichkeit von Gewaltlösungen erkannt hat, kann nicht&lt;br /&gt;
umhin, in Marktkategorien zu denken. Der Markt ist ein optimaler&lt;br /&gt;
Übungsplatz für die produktive Selbstverwirklichung frei sich ent-&lt;br /&gt;
wickelnder Menschen. Das Wesen des Marktes liegt im flexiblen, jeder-&lt;br /&gt;
zeit auswechselbaren Zusammenwirken selbständiger produktiver Fak-&lt;br /&gt;
toren zu optimalen Kombinationen. Der vernünftig geordnete Markt&lt;br /&gt;
ist deshalb eine hohe Ausdrucksform der göttlichen Weltordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben versucht, organische, gesund gewachsene Strukturen des&lt;br /&gt;
Wirtschaftslebens zu umreißen und Zielvorstellungen darauf aufzubauen&lt;br /&gt;
— ein Verfahren, das von den modernen Wirtschafts- und Sozialwissen-&lt;br /&gt;
schaften sträflich vernachlässigt wird, weil diese trotz aller Psychologisie-&lt;br /&gt;
rungstendenzen immer noch im Banne mathematisch-mechanistischer Be-&lt;br /&gt;
trachtungsweisen und primitiver materieller Zielsetzungen stehen. Nun&lt;br /&gt;
kommt es darauf an, diese Strukturen subjektivistisch zu vertiefen und mit&lt;br /&gt;
Motivationen aufzuladen, die zu einem praktischen, produktiven, persön-&lt;br /&gt;
lichen Engagement führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist seiner Natur nach übernatürlich. Er ist ein kulturschaf-&lt;br /&gt;
fendes Wesen. Wir finden keinen Geschmack daran, uns durch das Kauen&lt;br /&gt;
von Samen wildgewachsener Gräser zu ernähren; vielmehr kultivieren wir&lt;br /&gt;
diese Gräser zu Getreide, bauen es rationeil an, dreschen das Korn aus,&lt;br /&gt;
mahlen es zu Mehl, backen damit Brot, schneiden es auf und genießen es&lt;br /&gt;
in Kombination mit anderen, anders hergestellten Kunstprodukten wie&lt;br /&gt;
Butter, Marmelade, Wurst oder Käse. Wir tun dies zunächst aus dem un-&lt;br /&gt;
reflektierten Grund, „weil es uns so besser schmeckt“. In dem Maße, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1026|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir dieser primitiven Begründung überdrüssig werden und uns ähnliche&lt;br /&gt;
Begründungen für andere, ähnliche Bedürfnisbefriedigungen nicht mehr&lt;br /&gt;
als Sinn unserer Existenz genügen, werden wir zwangsläufig dazu hinge-&lt;br /&gt;
führt, uns tiefer mit dem Wesen unserer Bewußtseinsstrukturen, unserer&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen und mit dem Wesen der Kultur zu befassen. Je mehr es&lt;br /&gt;
uns dabei gelingt, ganzheitliche Vorstellungen zu entwickeln, desto klarer&lt;br /&gt;
werden wir erkennen, wie sehr die Begriffe „Leben“, „Entwicklung“,&lt;br /&gt;
„Fortschritt“ und „Kultur“ identisch sind und zu einer umfassenden Har-&lt;br /&gt;
monisierung aller Existenz im Sinne eines dynamischen, produktiven&lt;br /&gt;
Gleichgewichts drängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Subjekt her betrachtet, ist Kultur die Herstellung und Vertiefung&lt;br /&gt;
schöpferischer Beziehungen zu den in ihrem Wesenskern immer unbekann-&lt;br /&gt;
ten Möglichkeiten der Dinge, Lebewesen und Strukturen um uns her. Wir&lt;br /&gt;
bedienen uns dazu aller Werkzeuge des Erkennens und des Handelns, mit&lt;br /&gt;
denen wir ausgestattet sind oder uns selbst ausrüsten können, nach Maß-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gabe unserer unternehmerischen Vernunft und unseres persönlichen En-&lt;br /&gt;
gagements.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen der Dinge, Lebewesen und Strukturen ist von unserer subjek-&lt;br /&gt;
tiven Befindlichkeit unabhängig; es ist objektiv gegeben, insoweit es vom&lt;br /&gt;
menschlichen Geist fortschreitend in faßbarer Form objektiviert und dar-&lt;br /&gt;
gestellt werden kann. Das Wesentliche an und für sich wird von Zeitalter&lt;br /&gt;
zu Zeitalter von überragenden prophetischen Persönlichkeiten umfassend&lt;br /&gt;
in solcher Weise geoffenbart, daß die Geheimnisse des Alls und deren&lt;br /&gt;
Konsequenzen für alle Bereiche der menschlichen Existenz enthüllt werden&lt;br /&gt;
und jeder Mensch, der Intelligenteste wie der Einfachste, Anregungen zu&lt;br /&gt;
einer übergreifenden Sinngebung und schöpferischen Lebensgestaltung be-&lt;br /&gt;
ziehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Verhältnis zu den so gegebenen objektiven Sachverhalten wird&lt;br /&gt;
von unserem subjektiven Bewußtsein bestimmt, für das es im großen und&lt;br /&gt;
ganzen vier Ebenen gibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Stufe des Zwangs, der Indifferenz und der Fremdbestimmt-&lt;br /&gt;
heit werden Gesetzmäßigkeiten nur insoweit beachtet, als sie in positivem&lt;br /&gt;
Recht ausgeprägt und durch physische Gewalten (Natur, Erziehungsbe-&lt;br /&gt;
rechtigte, Polizei, Militär) durchgesetzt werden. Auf Märkten wird es noch&lt;br /&gt;
lange Zeit Menschen und Gruppen geben, die hart am Rande oder jenseits&lt;br /&gt;
des Gesetzmäßigen und Verkehrssittlichen operieren und sich darin durch&lt;br /&gt;
„den Konkurrenzkampf“ oder „die Verhältnisse“ bestätigt fühlen, weil sie&lt;br /&gt;
sich keine Vorstellungen über höhere Wettbewerbsformen und umfassen-&lt;br /&gt;
der strukturierte Verhältnisse machen können oder machen wollen. Solcher&lt;br /&gt;
Typen wird man alles in allem nur dann Herr werden können, wenn man&lt;br /&gt;
ihnen höhere Möglichkeiten des Erfolgs fortgesetzt und geduldig vorführt,&lt;br /&gt;
im übrigen aber ein Minimum an Ordnung unnachgiebig durchsetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Stufe des Opfers wird der äußere Zwang durch einen inne-&lt;br /&gt;
ren Zwang ersetzt. Die Gesetze — z.B. des Marktes oder des wirtschaft-&lt;br /&gt;
lichen Lebens im allgemeinen — werden als schlecht und unangenehm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1026&lt;br /&gt;
{{page|1027|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=29}}aber als notwendige Übel empfunden. Man ist bereit, sie auch ohne tieferes&lt;br /&gt;
Verständnis einzuhalten, obwohl sich daraus mitunter Nachteile ergeben.&lt;br /&gt;
Dieser Zustand wird als unbefriedigend empfunden; man sucht nach&lt;br /&gt;
neuen, übergreifenden Bewußtseinsinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Stufe der Begeisterung sind gewisse eigene Fähigkeiten,&lt;br /&gt;
mitmenschliche Beziehungen oder objektive Strukturen zum Erlebnis ge-&lt;br /&gt;
worden; sie enthüllen Möglichkeiten schöpferischer Entfaltung, die zu-&lt;br /&gt;
nächst unbegrenzt scheinen und immer neue Wogen psychischer Energie&lt;br /&gt;
kumultativ zum Durchbruch führen. Am sinnvollsten wird die Begeiste-&lt;br /&gt;
rungsenergie verwandt, wenn sie zur umfassenden Anpassung an eine&lt;br /&gt;
produktive Gesamtkonstellation, d.h. zur Läuterung von allem Unwesent-&lt;br /&gt;
lichen, dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Stufe der Sicherheit ist der Anpassungsprozeß in genügend&lt;br /&gt;
starkem Maße vollzogen. Der schöpferische Umgang mit den sachlichen&lt;br /&gt;
und persönlichen Gegebenheiten ist zur täglichen Routine und zum Ele-&lt;br /&gt;
ment des Lebensinhalts geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel: produktive Leistungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwierig ist die Entwicklung, wenn neue exogene Faktoren auftreten,&lt;br /&gt;
wenn die Anpassung an die Verhältnisse auf einem zu niedrigen Niveau&lt;br /&gt;
vollzogen wurde oder wenn die endogene schöpferische Energie verbraucht&lt;br /&gt;
ist. Soweit keine neuen geistigen Impulse hinzukommen, werden dann die-&lt;br /&gt;
selben Strukturen, die zuvor Anlaß zu schöpferischer Entfaltung waren, im&lt;br /&gt;
Zuge eines Rückfalls als äußerer Zwang oder als Arena des subjektiven&lt;br /&gt;
Opfers empfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt wird ein nach Selbstverwirklichung strebender Mensch&lt;br /&gt;
zwangsläufig dazu kommen, zu den Mitmenschen, Dingen und Strukturen&lt;br /&gt;
um ihn her und zu dem Unbekannten in der Welt als Ganzem schöpferische&lt;br /&gt;
Beziehungen aufzubauen. Der Markt der Waren und Dienstleistungen ist&lt;br /&gt;
nur eine von vielen, wenngleich eine der wesentlichsten Ebenen für solche&lt;br /&gt;
Beziehungen. Die Bereiche der Politik als der praktischen Ausprägung des&lt;br /&gt;
Gesamtwillens, des Familienlebens, der Freizeitgestaltung, des Sports und&lt;br /&gt;
der Hobbies, der vorkommerziellen Kunst und Kultur, der religiösen Ge-&lt;br /&gt;
meinschaften sind weitere wichtige derartige Ebenen. Jeder muß in diesen&lt;br /&gt;
Bereichen die ihm gemäße Konstellation herausfinden und verwirklichen.&lt;br /&gt;
Dabei gilt es vor allem, sich in fortgesetzter Fehlerkorrektur bewußt zu&lt;br /&gt;
werden, daß letztlich nur produktive Leistungen, die zu möglichst objek-&lt;br /&gt;
tivierbarem Nutzen für die Befriedigung möglichst allgemein-menschlicher&lt;br /&gt;
Bedürfnisse führen, auf die Dauer Genüge schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits angedeutet, sind auch die Ideologien, die dem mensch-&lt;br /&gt;
lichen Bewußtsein möglichen Weltdeutungen und Sinngebungen, durch die&lt;br /&gt;
lawinenartige Entwicklung der Informationsmedia zu einem großen, trans-&lt;br /&gt;
parenten, weltweiten Markt geworden. Sie werden sich in ihrem Konkur-&lt;br /&gt;
renzkampf zunehmend eines gewaltlosen, marktkonformen Verhaltens be-&lt;br /&gt;
fleißigen müssen, weil sie anders in den Augen einer immer wohlhaben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1027&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1028|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deren, immer umfassender informierten und vor allem immer zweckorien-&lt;br /&gt;
tierter, kritischer denkenden Weltöffentlichkeit an Kurswert verlieren. Wie&lt;br /&gt;
prestigeschädigend sich Gewaltlösungen auswirken, zeigten die großen&lt;br /&gt;
politischen Ereignisse der letzten Jahre mit aller Deutlichkeit. Sicherlich&lt;br /&gt;
fehlt es den Volksmassen noch an dem nötigen kritischen Bewußtsein, vor&lt;br /&gt;
allem aber an den klaren, eindeutigen Wertmaßstäben, die ja gerade aus&lt;br /&gt;
einer brauchbaren Weltanschauung abzuleiten wären. Aber ohne billigen&lt;br /&gt;
Optimismus verbreiten zu wollen, können wir uns anhand der vorliegen-&lt;br /&gt;
den soziologischen Daten errechnen, daß dieses kritische Denken mit&lt;br /&gt;
Sicherheit heranwachsen wird: sei es durch Krisen und Katastrophen, d.h.&lt;br /&gt;
durch stürmische Entladungen der der Weltgesellschaft immanenten Span-&lt;br /&gt;
nungen und Ungleichgewichte, oder aber — was wir eher hoffen wollen —&lt;br /&gt;
durch das natürlichste, was bei einer saturierten Lebensführung passieren&lt;br /&gt;
kann: durch Langeweile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Industrieländer sind dabei, sich zu Überflußgesellschaften zu ent-&lt;br /&gt;
falten. Sie werden in wachsendem Maße Überdrußgesellschaften werden,&lt;br /&gt;
wenn es nicht gelingt, den Umgang mit dem Wohlstand zu neuen, produk-&lt;br /&gt;
tiven Bewußtseinsinhalten zu verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So rollt mit Vehemenz eine Nachfragewelle auf den noch immer von&lt;br /&gt;
halbvermoderten Tabus umzäunten Weltmarkt der Ideologien zu. Alle, die&lt;br /&gt;
sich für Meinungsführer halten, tun gut daran, sich umfassend vorzu-&lt;br /&gt;
bereiten. Dabei wäre es Selbstbetrug, ein System von Denkmodellen, Ziel-&lt;br /&gt;
vorstellungen und gesellschaftlichen Institutionen außer Acht zu lassen,&lt;br /&gt;
von dem Sachkenner guten Gewissens behaupten können, daß es jedes&lt;br /&gt;
konkurrierende System in den Schatten stellt: die Offenbarungslehren&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs und die Bahä’i-Gemeinschaft als ihr weltweites Übungsfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich an die Gerechtigkeit hält, kann nie die Grenzen der&lt;br /&gt;
Mäßigung überschreiten. Er erkennt durch die Führung des&lt;br /&gt;
Allsehenden die Wahrheit in allen Dingen. Diese Zivilisation,&lt;br /&gt;
die so oft von den gelehrten Vertretern der Kunst und Wis-&lt;br /&gt;
senschaft gepriesen wurde, wird, wenn ihr gestattet wird, die&lt;br /&gt;
Grenzen der Mäßigung zu überschreiten, großes Unglück&lt;br /&gt;
über die Menschheit br&#039;ngen. So warnt euch der Allwissende.&lt;br /&gt;
Wenn sie sich in das Extrem steigert, wird sich die Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion als ein so großes Quell des Übels erweisen, wie sie sich&lt;br /&gt;
zuvor, in den Grenzen der Mäßigung gehalten, als ein solcher&lt;br /&gt;
des Guten erwies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ährenlese“ CLXIII Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1028&lt;br /&gt;
{{page|1029|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=31}}Gandhi als Lehrer und Vorbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Shri Morarji Desai, ehem. stellv. Ministerpräsident&lt;br /&gt;
und Finanzminister der Republik Indien *)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mir eine besondere Ehre, die Einladung zu einer Ansprache anläß-&lt;br /&gt;
lich der Gandhi-Jahrhundertfeier in der Bundesrepublik Deutschland an-&lt;br /&gt;
zunehmen. Ich möchte dem Komitee der Gandhi-Jahrhundertfeier für diese&lt;br /&gt;
Ehre herzlich danken. Ich möchte zugleich der Regierung der Bundes-&lt;br /&gt;
republik und dem deutschen Volk für die herzliche Aufnahme, die sie mir&lt;br /&gt;
zuteil werden ließen, aufrichtig danken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Sie wissen, wird das hundertjährige Gandhi-Jubiläum in der ganzen&lt;br /&gt;
Welt gefeiert. Während die Welt heute dieses großen Staatsmannes und&lt;br /&gt;
Mannes Gottes gedenkt, können alle Inder, wo sie auch sind, nicht umhin,&lt;br /&gt;
einen gewissen Stolz darin zu empfinden, daß es gerade Indien gegönnt&lt;br /&gt;
wurde, der Welt diesen Mann zu schenken. Ich sage „der Welt“, denn&lt;br /&gt;
Gandhiji gehörte der ganzen Welt und nicht Indien allein. Seine Dienste&lt;br /&gt;
und die Botschaft und Bedeutung seines Lebens übersteigen alle geogra-&lt;br /&gt;
phischen und geschichtlichen Grenzen. Ihr Wert und ihre Geltung sind für&lt;br /&gt;
alle Regionen und alle Zeiten gleich. Man wird seiner Botschaft Gehör&lt;br /&gt;
schenken — überall und wann immer an Menschen der Aufruf ergeht, für&lt;br /&gt;
die Freiheit und menschliche Würde zu kämpfen, Unterdrückung und Haß&lt;br /&gt;
zu überwinden und nach Frieden und Glück zu trachten. Sollten einmal&lt;br /&gt;
auch die militärischen und politischen Führer dieser Generation samt den&lt;br /&gt;
Interessen, die sie verpflichteten und die ihre Worte und Taten bestimm-&lt;br /&gt;
ten, in die graue Vergangenheit der Geschichte entschwunden sein, dürfen&lt;br /&gt;
wir hoffen, daß der Name Gandhijis noch leuchten und seine Botschaft&lt;br /&gt;
noch die Herzen der Menschen bewegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gandhiji hat aus der Vergangenheit eine Weisheit wiedergeholt, die zu&lt;br /&gt;
vergessen die Menschheit sich nicht mehr leisten kann. Seine Botschaft ist&lt;br /&gt;
lediglich eine Wiederbelebung und eine neue, wenn auch flüchtige Er-&lt;br /&gt;
füllung des uralten und allgemeinen Glaubens an menschliches Heldentum&lt;br /&gt;
und an die göttliche Bestimmung des Menschen, des Glaubens an die Über-&lt;br /&gt;
windung des Bösen durch das Gute, der Finsternis durch das Licht, des&lt;br /&gt;
Konflikts durch den Frieden, des Glaubens, daß letztlich der Geist über die&lt;br /&gt;
Vernunft und die Materie siegen wird. Sicherlich sind diese Gedanken zu&lt;br /&gt;
Gemeinplätzen geworden, wohl bekannte Phrasen in unnützer Wieder-&lt;br /&gt;
holung. Doch werden sie von niemandem bestritten, und sogar die Kriegs-&lt;br /&gt;
treiber behaupten, sie führten Krieg für den Frieden. Gandhijji wird da-&lt;br /&gt;
durch hervorgehoben, daß er diese Empfindungen durch sein Leben zum&lt;br /&gt;
Ausdruck brachte und sie in seinen Taten realisierte. Er lebte im Einklang&lt;br /&gt;
mit ihnen, und als es soweit war, war er bereit, für sie zu sterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) Ansprache zur feierlichen Eröffnung des Gandhi-Jahrhundert-Seminars der&lt;br /&gt;
Deuisch-Indischen Gesellschaft e. V. aus Anlaß des 100. Geburtstags Mahatma&lt;br /&gt;
Gandhis (2. 10. 1869 — 30. 1. 1948), gehalten am 8. Juli 1969 im Bürgerschaftssaal&lt;br /&gt;
des Rathauses zu Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1029&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1030|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre sehr unbescheiden, wenn ich über den Einfluß Gandhis auf mein&lt;br /&gt;
eigenes Leben spräche, obwohl dieser Einfluß durchdringend und maß-&lt;br /&gt;
gebend gewesen ist, wie bei so vielen anderen Zeitgenossen. Ich sah Gand-&lt;br /&gt;
hiji zum ersten Male als Student 1915 bei einer Tagung des Indischen&lt;br /&gt;
National-Kongresses in Bombay. Damals arbeitete ich als Freiwilliger.&lt;br /&gt;
Gandhiji war gerade aus Südafrika zurückgekehrt. Seine Berühmtheit war&lt;br /&gt;
ihm vorausgeeilt, und er wurde bereits als ein großer Mann geehrt, obwohl&lt;br /&gt;
er noch nicht als der Mahatma bekannt geworden war. Schon als Bedien-&lt;br /&gt;
steter der britischen Regierung, bevor ich meinen Posten niederlegte und&lt;br /&gt;
seiner Bewegung in den dreißiger Jahren beitrat, begann ich meine eigene&lt;br /&gt;
Suche, und ich versuchte, einen Lebenswandel nach seinen Grundsätzen zu&lt;br /&gt;
führen. Seine Philosophie und Lebensart verhalfen mir dazu, meine eigene&lt;br /&gt;
zu konkretisieren. Diese Erfahrung wurde von Hunderten anderen ge-&lt;br /&gt;
macht, die den Vorteil hatten, in seiner Umgebung zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was man für einen Status auch hatte, was man für Ideen und Empfin-&lt;br /&gt;
dungen auch hegte, schon die Begegnung mit dieser einzigartigen Persön-&lt;br /&gt;
lichkeit vermittelte jedem einen unwiderstehlichen Drang zu ihm hin.&lt;br /&gt;
Seine Worte trafen in die Seele. Sein Ruf war subtil und teilweise uner-&lt;br /&gt;
gründlich. Revolutionäre, der Gewalt verschrieben und gerade aus der&lt;br /&gt;
Haft entlassen, die aber trotzdem nach einer Bekehrung Gandhijis trach-&lt;br /&gt;
teten, wurden nach fünf Minuten in seiner Gegenwart ganz zahm. Was&lt;br /&gt;
mich am meisten beeindruckt hat, war nicht so sehr sein Idealismus oder&lt;br /&gt;
die religiöse Gesinnung, die er ausstrahlte, sondern vielmehr seine prag-&lt;br /&gt;
matische Stellungnahme zu Problemen. Herr Dr. Kiesinger hebt in seiner&lt;br /&gt;
Würdigung Gandhijis lobend sein Vertrauen in Tatsachen hervor, und&lt;br /&gt;
unterstreicht den Satz: „Tatsachen sind Wahrheit, und wenn wir an der&lt;br /&gt;
Wahrheit festhalten, kommt das Recht uns von selbst zu Hilfe.“ Nicht nur&lt;br /&gt;
das Recht, sondern alle Kräfte der Geschichte kommen uns dann zu Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vision des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unmöglich, das Phänomen Gandhijis in einer kurzen Abhandlung&lt;br /&gt;
zu erfassen — alles, was er sagte, all sein Tun, seine Schriften und Lehren,&lt;br /&gt;
was er versuchte und erreichte, alles, was er seinem Heimatland bedeutet&lt;br /&gt;
und zugleich der ganzen Welt. Die Perspektiven schwanken und Umstände&lt;br /&gt;
verändern sich. Ein Licht aber leuchtet unentwest; es ist allen sichtbar,&lt;br /&gt;
aus allen Blickwinkeln und Entfernungen. Es ist Gandhijis Vision des&lt;br /&gt;
Menschen als eines sich entwickelnden Wesens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hundert Jahre seit der Geburt Gandhijis sind äußerst entscheidend&lt;br /&gt;
für die Weltgeschichte gewesen. Während der sechziger Jahre des letzten&lt;br /&gt;
Jahrhunderts hatte sich die britische Herrschaft in Indien nach Überwin-&lt;br /&gt;
dung der unorganisierten Opposition von verschiedenen Seiten fest eta-&lt;br /&gt;
bliert. Die East India Company und die holländischen Gesellschaften hatten&lt;br /&gt;
mit ihrem Opiumhandel in China die chinesischen Massen unterjocht. Auf&lt;br /&gt;
dem afrikanischen Kontinent hatten die europäischen Mächte nach lang-&lt;br /&gt;
wierigen Streitigkeiten untereinander Kolonien errichtet. Das resultierende&lt;br /&gt;
Weltbild zeigte eine handvoll, meist europäische Mächte auf der einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1030&lt;br /&gt;
{{page|1031|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=33}}Seite, Mächte, die sich im Zuge der industriellen Revolution bereichert&lt;br /&gt;
hatten und dann zu großen Weltreichen ausgeweitet waren. Auf der ande-&lt;br /&gt;
ren Seite befanden sich ganze Kontinente mit ihren wimmelnden Men-&lt;br /&gt;
schenmassen, die alle um ihr nationales Überleben kämpften. Die Imperia-&lt;br /&gt;
listen betrachteten ihre neugeschaffenen Kolonien natürlich einfach als&lt;br /&gt;
Quellen für Rohstoffe und billige Arbeitskräfte sowie als Märkte für ihre&lt;br /&gt;
Erzeugnisse. Diese Entwicklung führte zur Verarmung und Auszehrung&lt;br /&gt;
von Millionen von Menschen, wobei die Kluft zwischen arm und reich&lt;br /&gt;
immer größer wurde. Politische Demokratie war auf einige wenige Län-&lt;br /&gt;
der Europas beschränkt, auf Länder also, die industriell entwickelt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Gandhi um sich sah, sowohl in Südafrika als auch in Indien, waren&lt;br /&gt;
nackte Leiber, hungrige Münder, schreckliche Armut und Krankheit, das&lt;br /&gt;
Elend ertragsloser Plackerei und die hoffnungslose Verzweiflung riesiger&lt;br /&gt;
Völker, die allein durch Geburt zu unwiderruflicher Minderwertigkeit ver-&lt;br /&gt;
urteilt waren. Er sah aber auch die Gewalt, die die Beziehungen zwischen&lt;br /&gt;
Mensch und Mensch, zwischen Sozialgruppe und Sozialgruppe, Land und&lt;br /&gt;
Land, zwischen Regierenden und Regierten verteufelte. Das Böse war&lt;br /&gt;
sozialer, politischer und wirtschaftlicher Natur. Es war tief in der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit verwurzelt, und seine Stärke war umwerfend. Gandhiji aber ließ&lt;br /&gt;
sich nicht umwerfen. Er bewunderte kulturelle Errungenschaften mehr als&lt;br /&gt;
die materielle Fortschrittlichkeit des Westens. Als Hindu hatte er ein tief-&lt;br /&gt;
gründiges Bewußtsein der Einheit allen Lebens und der Identität aller&lt;br /&gt;
Wesen. Er fand die gemeinsame Quelle aller Übel in moralischer Gleich-&lt;br /&gt;
gültigkeit und in geistiger Blindheit. Dann zog er aus, diesen Übeln mit&lt;br /&gt;
dem Licht der Wahrheit und mit der Macht der Gewaltlosigkeit zu begeg-&lt;br /&gt;
nen und sie zu überwinden, wobei er stets den Unterdrücker und den&lt;br /&gt;
Unterdrückten an ihre wesentliche Menschlichkeit und ihre gemeinsame&lt;br /&gt;
Zukunft erinnerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die entscheidendste Aufgabe, die vor Gandhi lag, war die Befreiung&lt;br /&gt;
Indiens von fremder Herrschaft; denn er glaubte, daß der Mensch in der&lt;br /&gt;
Versklavung sich nicht entfalten kann. Ein Sklave hat keine Tugenden.&lt;br /&gt;
Um zur Freiheit zu gelangen, mußte Gandhi um das nationale Überleben&lt;br /&gt;
und um nationale Erneuerung kämpfen. Und er widmete sich seiner Auf-&lt;br /&gt;
gabe mit tiefem Ernst und arbeitete daran in allen Lagen. Er wollte die&lt;br /&gt;
Armut und Unwissenheit aus den Dörfern Indiens vertreiben, jedem&lt;br /&gt;
Hungrigen zu essen geben, die Tränen in jedem Auge wegwischen. Dies&lt;br /&gt;
versuchte er in einem halben Jahrhundert unermüdlichen Wirkens. Er war&lt;br /&gt;
ständig unterwegs, besuchte abertausend Dörfer und brachte ihnen die&lt;br /&gt;
Botschaft der Hoffnung und des Mutes. Diese seine Botschaft und der&lt;br /&gt;
Geist, den er den schlummernden Massen Indiens einhauchte, trugen&lt;br /&gt;
schließlich Früchte. Ganz Indien geriet in Bewegung; unternehmerisches&lt;br /&gt;
Denken löste die Lethargie ab und Mutlosigkeit machte der Erwartung&lt;br /&gt;
Platz. Aus dem Staube hat er uns zu Menschen gemacht, und wir in&lt;br /&gt;
unserer Dankbarkeit nannten ihn dafür den Vater der Nation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch galt seine Botschaft nicht für Indien allein. Fast alle anderen Län-&lt;br /&gt;
der und Völker, die von der kolonialen Unterdrückung geplagt waren,&lt;br /&gt;
hörten Gandhijis Botschaft und schöpften daraus Kraft für ihren Frei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1031&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1032|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heitskampf. Wenn heute die Völker Asiens und Afrikas freie Nationen&lt;br /&gt;
geworden sind, so ist dies zu einem gewissen Grad der Inspiration und&lt;br /&gt;
dem Vorbild Gandhis zu verdanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache, daß Gandhi sich in seiner Arbeit Indien widmete, war&lt;br /&gt;
natürlich und bedeutete eine praktische Folgerung. Er wußte, daß er bei&lt;br /&gt;
der Lösung der unmittelbaren Probleme Erfolge haben müßte. Auf alle&lt;br /&gt;
Einladungen nach anderen Ländern hat er deswegen geantwortet, daß er&lt;br /&gt;
zuallererst in der Heimat erfolgreich werden müßte, damit sein Erfolg in&lt;br /&gt;
Indien dann seine Botschaft viel wirksamer verbreiten würde. Er wollte&lt;br /&gt;
Weltbürger werden, indem er vor allem ein guter Bürger des Landes seiner&lt;br /&gt;
Geburt wurde. Heute können wir erkennen, daß er Recht hatte, denn heute&lt;br /&gt;
sind es alle Länder der Welt, die seiner gedenken und die sein hundert-&lt;br /&gt;
jähriges Jubiläum spontan und voller Achtung feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kraftquell des Glaubens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Quelle für Gandhijis Kraft war — und dies muß man stets wieder-&lt;br /&gt;
holen — sein religiöser Glaube. Dieser Glaube war die persönliche Begeg-&lt;br /&gt;
nung mit dem Göttlichen, die wiederum nichts Transzendentales, keine&lt;br /&gt;
metaphysische Abstraktion war, sondern lebendige Gegenwart, innerlich&lt;br /&gt;
und im Äußerlichen, unmittelbar und ganz individuell. Religion, die so&lt;br /&gt;
konzipiert, erfahren und praktiziert wurde, lieferte die Richtlinien seines&lt;br /&gt;
Lebens. Sreyas und Tapas, Tugend und Disziplin, die bewußt gewählt und&lt;br /&gt;
unentwegt gehalten wurden, haben seine Natur umgeformt und ihn zu&lt;br /&gt;
dem gemacht, was er war. Diese moralische Integrität war es, die es ihm&lt;br /&gt;
ermöglichte, alle inneren und äußerlichen Konflikte zu überwinden. Er&lt;br /&gt;
hatte sozusagen eine wirksame Kameradschaft geschaffen zwischen Geist&lt;br /&gt;
und Leib, zwischen Neigung und Gewissen, zwischen dem Selbst und den&lt;br /&gt;
Mitmenschen, zwischen Erziehung und Natur. Das Fasten, das Gebet, die&lt;br /&gt;
Mäßigung, die Widmung an Gott und der Dienst am Nächsten, die Pfade&lt;br /&gt;
also, die der Hinduismus für den ernsthaft Suchenden vorgezeichnet hat,&lt;br /&gt;
wurden zum Lebensweg Gandhis. Nur so konnte das Ego gebändigt wer-&lt;br /&gt;
den, konnten die Empfindungen des Ichs und des Mein abgeschüttelt wer-&lt;br /&gt;
den; nur so konnten wir den inneren und äußeren Frieden — shanti,&lt;br /&gt;
shanti, shanti — finden, der ja das immerwährende Ziel des Hinduismus&lt;br /&gt;
ist. Ihm jedoch war der Hinduismus lediglich ein Weg, nicht der einzige&lt;br /&gt;
Weg, zum Ziel. Seine eigene Religion mit ihrem Bann auf die Massen, ihrer&lt;br /&gt;
Vision des Selbstes und ihrer großherzigen Caritas war ihm sehr nah und&lt;br /&gt;
teuer. Aber sie hat ihn auch gelehrt, daß er tiefe Achtung vor allen ande-&lt;br /&gt;
ren Religionen haben mußte. Daher sagte er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Religionen sind verschiedene Wege, die sich am gleichen Punkt treffen.&lt;br /&gt;
Was macht es, wenn wir verschiedene Wege gehen, wenn sie nur alle zum&lt;br /&gt;
gleichen Ziel führen. Eigentlich gibt es genau so viele Religionen, wie es&lt;br /&gt;
Menschen gibt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher rührt auch seine Bereitschaft, jedes Wertelement, das er in ande-&lt;br /&gt;
ren Religionen entdeckte, zu akzeptieren. So schrieb er zum Beispiel an&lt;br /&gt;
Rabindranath Tagore:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1032&lt;br /&gt;
{{page|1033|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=35}}„Ich will nicht, daß mein Haus von allen Seiten eingemauert wird und&lt;br /&gt;
meine Fenster alle verschlossen bleiben. Ich will, daß alle Kulturen der&lt;br /&gt;
Welt durch mein Haus ungehindert wehen, doch lasse ich mich nicht von&lt;br /&gt;
ihnen umwerfen. Meine Religion ist nicht die des Gefängnisses. Sie hat&lt;br /&gt;
Platz für die niedrigsten Kreaturen Gottes. Sie ist jedoch der Beweis gegen&lt;br /&gt;
den unverschämten Stolz von Rasse, Religion und Kultur.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gandhijis öffentliches Wirken war lediglich eine Erweiterung seines&lt;br /&gt;
religiösen Lebens. Er sagte selbst: „Das Endziel des Menschen ist das&lt;br /&gt;
Schauen Gottes. Daher sollen alle Aktivitäten, seien sie nun politisch, sozial&lt;br /&gt;
oder religiös, nach diesem Endziel der Vision Gottes orientiert werden. Der&lt;br /&gt;
unmittelbare Dienst an allen Menschen wird zu einem notwendigen Teil&lt;br /&gt;
dieses Trachtens, einfach weil der einzige Weg, Gott zu finden, darin be-&lt;br /&gt;
steht, ihn in seiner Schöpfung zu sehen, und sich mit ihr zu vereinigen.&lt;br /&gt;
Dies erreicht man nur durch den Dienst an allen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrheit und Gewaltlosigkeit, die ja der Kern der Gandhischen Bot-&lt;br /&gt;
schaft bilden, sind keine neuen Erkenntnisse. Auch er hat behauptet und&lt;br /&gt;
anerkannt, daß sie so alt wie die Erde sind, und sie bildeten schon seit&lt;br /&gt;
unbekannten Zeiten den Grundzug hinduistischen Denkens. Der Buddhis-&lt;br /&gt;
mus wie der Jainismus, die an sich Ableger des gleichen großen Stroms&lt;br /&gt;
sind, gaben ihnen einen stärkeren Auftrieb und den Status von Doktrinen.&lt;br /&gt;
Der Jainismus, der in Gujerat eine große Anzahl Gläubige hat, und dessen&lt;br /&gt;
Lehre das Primat der Gewaltlosigkeit sowie den Pluralismus und die&lt;br /&gt;
Relativität der Glaubensbekenntnisse beinhaltet, hatte einen starken Ein-&lt;br /&gt;
fluß auf den jugendlichen Gandhi gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist denn Wahrheit? In der Logik ist sie der Wert, den einer Behaup-&lt;br /&gt;
tung zugeschrieben wird und ist der Gegensatz von Falschheit. Im Gedan-&lt;br /&gt;
kengut des Hinduismus heißt der betreffende Begriff „Satya“, der noch&lt;br /&gt;
präziser und strenger ist, indem er bedeutet „eigentlich“, „in der Erfah-&lt;br /&gt;
rung erfaßt“, „wahr und gültig im Moment“. Das Wort „Satya“ stammt&lt;br /&gt;
aus dem Begriff „Sat“, der Wesen bedeutet im Gegensatz zu „Asat“ oder&lt;br /&gt;
„Nichtwesen“. Das was ist, ist „Sat“ und ist gut. Gott ist Wahrheit im&lt;br /&gt;
Wesen, während „Satya“, oder die Wahrheit, von uns erfaßt, Gott ist, wie&lt;br /&gt;
er uns bekannt ist. Um nun die ganze Identität von Gott und Wahrheit zu&lt;br /&gt;
bewahren, und weiter um deretwillen, die nicht an Gott glauben konnten,&lt;br /&gt;
sagte Gandhiji „Wahrheit ist Gott.“ Denn, so erklärte er, man kann sagen,&lt;br /&gt;
daß man nicht an Gott glaubt, aber man kann nicht behaupten, man glaube&lt;br /&gt;
nicht an Wahrheit. Einige von Ihnen werden sich nun an Hegels Verteidi-&lt;br /&gt;
gung seiner Theorie erinnern, wobei er zuerst feststellt, nur das, was&lt;br /&gt;
rational ist, sei real. Dann kehrte er die Folge der Begriffe um und sagte,&lt;br /&gt;
nur das, was real ist, sei rational. Hegel war aber nun ein großer Meta-&lt;br /&gt;
physiker, was Gandhiji nicht war. Während Hegel seinen Verstand be-&lt;br /&gt;
nutzte, benutzte Gandhiji seine Intuition. Hegels „real“ war eine Folge-&lt;br /&gt;
rung, eine Schlußfolgerung, während Gandhis Wahrheit eine unmittelbare&lt;br /&gt;
Erfahrung, eine direkt empfundene Gegenwart war. Ich zitiere Gandhiji:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich erkenne ganz undeutlich, daß, während sich alles um mich stets&lt;br /&gt;
wandelt, alles stirbt, es eine allem Wandel zugrunde liegende lebende&lt;br /&gt;
Kraft gibt, die unwandelbar ist, die alles zusammenhält, die erschafft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1033&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1034|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auflöst und neuerschafft. Jene informierende Kraft, jener Geist ist Gott.&lt;br /&gt;
Und, da nichts anderes, das ich durch meine Sinne wahrnehme, überdauern&lt;br /&gt;
kann oder wird, ist er allein. Ich kann erkennen, daß inmitten des Todes&lt;br /&gt;
das Leben überdauert, daß inmitten der Unwahrheit die Wahrheit weiter-&lt;br /&gt;
besteht, daß inmitten der Finsternis das Licht besteht. Daher folgere ich,&lt;br /&gt;
daß Gott Leben, Wahrheit, Licht ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrhaftiges Verhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Alltag drückte sich Wahrheit für Gandhiji in wahrhaftigem&lt;br /&gt;
Verhalten aus. Leider gibt es in unserem persönlichen wie auch öffent-&lt;br /&gt;
lichen Leben mehr Falschheit, als uns gut tut. Sogar die besten Menschen&lt;br /&gt;
neigen dazu, ihre Absichten und Taten für etwas anderes auszugeben, als&lt;br /&gt;
sie tatsächlich sind. Wir benutzen kluge rhetorische Mittel, um Tatsachen&lt;br /&gt;
zu verbergen, sie zu verzerren, sie unter einer Flut von Worten zu ver-&lt;br /&gt;
graben, deren einziger Zweck es ist, unsere Mitmenschen zu verführen.&lt;br /&gt;
Folglich wurden gesellschaftliche Beziehungen allmählich von Heuchelei&lt;br /&gt;
durchdrungen, wodurch Kommunikation blockiert und gegenseitiges Miß-&lt;br /&gt;
trauen verursacht worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wollte, daß der Mensch wächst, sich findet und entwickelt, nicht nur&lt;br /&gt;
materiell, sondern auch moralisch und im Geist. Was er suchte und ver-&lt;br /&gt;
suchte, war nichts Geringeres als eine geistige Umwandlung der gesamten&lt;br /&gt;
menschlichen Gemeinschaft. Die lobenswerte Formel des 19. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
vom „größten Glück der größten Zahl“ genügte ihm nicht. Er wollte nicht,&lt;br /&gt;
daß die wenigen dann ausgelassen werden. Er begehrte das größtmögliche&lt;br /&gt;
Wohl für alle, daß das geistig Gute der Habenden mit dem materiellen&lt;br /&gt;
Wohl der Habenichtse gekoppelt wird. Sein Ideal findet man in dem Bibel-&lt;br /&gt;
wort, das von Ruskin bemüht wurde: „dem Geringsten“, und hierfür fand&lt;br /&gt;
er den indischen Begriff des „Sarvodaya“ oder „Aufstieg aller“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele zeitgenössische Bewunderer wie auch Gegner Gandhis bezeichneten&lt;br /&gt;
ihn als Kreuzritter. Ja, das war er auch, ein Kreuzritter der Wahrheit, der&lt;br /&gt;
Gewaltlosigkeit, des Friedens und der Gerechtigkeit. Er war nie bereit,&lt;br /&gt;
diese Grundwerte zugunsten irgendwelcher vorübergehender Vorteile zu&lt;br /&gt;
kompromittieren. Obwohl er ein großer Staatsmann war, hat er nie einen&lt;br /&gt;
Grundsatz der Zweckmäßigkeit geopfert. Auf diese Weise wurde er zu&lt;br /&gt;
einem „öffentlichen Heiligen im 20. Jahrhundert, der noch zu Lebzeiten&lt;br /&gt;
im grellen Glanz der Blitzlichter und unter dem schonungslosen Anblick&lt;br /&gt;
der Photoapparate heiliggesprochen wurde“. Die fremdartige Verbindung&lt;br /&gt;
zwischen Außerweltlichkeit und Sorge für diese Welt, die Gandhiji be-&lt;br /&gt;
zeugte, haben Einstein sicher beeindruckt, als er bemerkte: „Die kommen-&lt;br /&gt;
den Generationen werden möglicherweise kaum glauben, daß ein solcher&lt;br /&gt;
Mensch je in Fleisch und Blut auf der Erde wandelte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen heute vor der Tür zu einem neuen Zeitalter. Eine Phase der&lt;br /&gt;
Geschichte der Menschheit ist zu Ende gegangen und eine neue Phase be-&lt;br /&gt;
ginnt. Der wachsende Fortschritt der Wissenschaft und Technik haben&lt;br /&gt;
dem Menschen eine immense physische Macht beschert, die bei guter An-&lt;br /&gt;
wendung die Menschheit neu zu erschaffen, bei schlechter Anwendung aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1034&lt;br /&gt;
{{page|1035|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=37}}sie völlig zu vernichten vermag. Die Pfade des Wissens öffnen sich nach&lt;br /&gt;
allen Seiten. Doch sind wir immer noch nicht von der Angst vor dem&lt;br /&gt;
Morgen befreit; wir sind der Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder&lt;br /&gt;
noch gar nicht sicher. Mutet dies nicht paradox an? Konflikt ist jedoch kein&lt;br /&gt;
Gesetz der Geschichte, und es ist gar nichts so sehr Unerbittliches daran.&lt;br /&gt;
Mit etwas Mühe können wir sicherlich dieser Strömung zur Selbstvernich-&lt;br /&gt;
tung Einhalt gebieten. Toynbee sagt: „Es ist heute ein Gebot, daß die&lt;br /&gt;
Menschen ein Verzicht auf die Gewaltanwendung erklären, und dies gilt&lt;br /&gt;
nicht nur für die bestimmte institutionalisierte Form des Krieges, sondern&lt;br /&gt;
für jede Beziehung zwischen Mensch und Mensch.“ Hier und heute, da die&lt;br /&gt;
Menschheit am Scheideweg des Schicksals steht, ertönt die Botschaft&lt;br /&gt;
Gandhijis in aller Dringlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen umfangreichen Worten und Schriften, die in der Geschichte&lt;br /&gt;
beispiellos sind und etwa 60 Bände umfassen, hat Gandhiji Tausende von&lt;br /&gt;
Themen behandelt: Religion, Ethik, Politik, Wirtschaft, Sozialreform, Ge-&lt;br /&gt;
sundheit, Sex, Benehmen, Kunst. Sollte man also Gandhiji lediglich als&lt;br /&gt;
einen Führer der Nation betrachten, der Indien zur Unabhängigkeit führte,&lt;br /&gt;
würde man ihm keineswegs gerecht werden. Sicherlich war Gandhiji unser&lt;br /&gt;
unangefochtener Führer bei vielen Aktionen gegen die Fremdherrschaft.&lt;br /&gt;
Politik war jedoch keineswegs seine einzige oder gar vornehmliche Be-&lt;br /&gt;
schäftigung. Für jede politische Aktion, die er startete, gibt es ein Dutzend&lt;br /&gt;
Reformen, die überhaupt nichts mit Politik gemein haben, denen er aber&lt;br /&gt;
größte Bedeutung beimaß, ob sie nun sanitäre Anlagen, die Förderung&lt;br /&gt;
einer unterdrückten Gesellschaftsgruppe oder aber eine integrierte, hand-&lt;br /&gt;
werklich ausgerichtete Bildung betrafen. Für jeden Brief, den er an eine&lt;br /&gt;
politische Behörde schrieb, gab es hundert, und sogar ziemlich lange Briefe&lt;br /&gt;
an ganz bescheidene Menschen über ihre persönlichen Probleme, an Män-&lt;br /&gt;
ner und Frauen über ihre alltäglichen Sorgen, an emsige Forscher, die mit&lt;br /&gt;
Rohkost experimentierten, an Kinder über die Notwendigkeit einer besse-&lt;br /&gt;
ren Handschrift, an Suchende nach Wahrheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selten findet man Lehrer der Menschheit, Philosophen also, die in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Leben das praktizieren, was sie in Empfehlungen predigen. Gandhiji&lt;br /&gt;
aber, der so vielen Leuten so viel über so viele Themen gesagt hat, wahrte&lt;br /&gt;
eine äußerste Konsequenz zwischen Vorsatz und Praxis. Er verlangte nichts&lt;br /&gt;
von anderen, was er selbst noch nicht getan hatte. Seine Philosophie formte&lt;br /&gt;
sich aus Experimenten. Dieser Einklang im Glauben und Verhalten verlieh&lt;br /&gt;
ihm sein Charisma. Das Geheimnis der heiligen Macht der Wahrheit wurde&lt;br /&gt;
1942 von Heinrich Zimmer in einem Vortrag ganz deutlich erklärt. Darin&lt;br /&gt;
heißt es: „Weisheit kann dann Macht sein, wenn sie die Persönlichkeit in&lt;br /&gt;
ihrer Gesamtheit durchdringt, umformt, dirigiert und formt. Ein Weiser&lt;br /&gt;
soll nicht eine wandelnde Bibliothek sein, ein Lexikon mit menschlicher&lt;br /&gt;
Stimme. Das Denken muß selbst bei ihm ins Leben umgesetzt werden,&lt;br /&gt;
d.h. in Fleisch, in Wesen und in eine Geschicklichkeit der Tat. Dann ist die&lt;br /&gt;
Verwirklichung umso höher, umso größer wird dann seine Macht sein,&lt;br /&gt;
Der Zauber des Mahatma Gandhi muß ... so verstanden werden. Der Ur-&lt;br /&gt;
sprung seiner beispielhaften Gegenwärtigkeit bei den Hindu-Massen liegt&lt;br /&gt;
in der Tatsache, daß in ihm die Wirklichkeit der asketischen Weisheit zum&lt;br /&gt;
Ausdruck kam.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1035&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1036|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gandhiji fragte nicht nach den wirksamsten und wirtschaftlichsten Mit-&lt;br /&gt;
teln, sondern nach den Mitteln, die am reinsten waren, die die Ursachen&lt;br /&gt;
des Konfliktes und der gegenseitigen Böswilligkeit und Feinseligkeit be-&lt;br /&gt;
seitigten, Eintracht und Harmonie förderten, und alle Beteiligten auf ein&lt;br /&gt;
höheres, menschlicheres Niveau heben würden. Die Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
muß auf der Ebene der Vernunft und der Seelenstärke geschehen. Man soll&lt;br /&gt;
eine anscheinend ungerechte Situation ablehnen, jedoch ohne daß man&lt;br /&gt;
dabei Groll gegenüber denjenigen empfindet, die diese Situation verursacht&lt;br /&gt;
oder unterstützt haben. Man muß zwischen dem Unrecht und dem Täter&lt;br /&gt;
des Unrechts unterscheiden. Während man also das Unrecht bekämpft,&lt;br /&gt;
muß man den Täter durch Liebe, Demut und Aufopferung gewinnen. Dies&lt;br /&gt;
war das Geheimnis der gewaltlosen Aktion Gandhijis, daß er für die&lt;br /&gt;
anderen optimale Vorteile sicherte, dabei für sich selbst aber die größt-&lt;br /&gt;
möglichen Nachteile einhandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wesentliche Bedeutung Gandhijjis für die Zukunft liegt darin, daß&lt;br /&gt;
zum ersten Mal in der Geschichte er es vermochte, die Wirksamkeit per-&lt;br /&gt;
sönlicher Güte, der Tugenden der Liebe und der Nächstenliebe vorzuleben,&lt;br /&gt;
indem er durch Dialog und gegenseitige Verständigung die sozialen und&lt;br /&gt;
politischen Probleme löste, Probleme also, die die Interessengegensätze der&lt;br /&gt;
Klassen, Gesellschaftsgruppen und Länder beinhalten. Bei früheren Kon-&lt;br /&gt;
flikten wurde nach einem Mindestmaß an Mühe und Zeit gefragt, um zu&lt;br /&gt;
einem bestimmten Ziel zu gelangen. Gewalt oder Gewaltandrohung, Lügen&lt;br /&gt;
und Erpressung waren die üblichen, natürlichen Waffen, mit denen gegen-&lt;br /&gt;
sätzliche Gruppeninteressen ausgefochten wurden. Die Folge war, daß&lt;br /&gt;
Macht allein über Recht und Unrecht richtete, daß daraus Haß entstand.&lt;br /&gt;
Im gesellschaftlichen Leben waren Zusammenstöße und Vorbereitungen&lt;br /&gt;
zum Streit gang und gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Volk, das innerhalb von 30 Jahren zwei furchtbare Kriege&lt;br /&gt;
erlebt hat und das eine tiefe Tradition des philosophischen Idealismus hegt,&lt;br /&gt;
kann vielleicht die Botschaft Gandhijis besser als andere verstehen. In&lt;br /&gt;
Südafrika hatte Gandhiji Max Müllers Werk „Indien — was es uns lehren&lt;br /&gt;
kann“ eifrig gelesen und es für seine gute Sache benutzt. Später, als er im&lt;br /&gt;
Gefängnis in Yeravda schmachtete, las er zum zweiten Mal Goethes Faust.&lt;br /&gt;
Er hatte auch Böhmes „Übersinnliches Leben“ gelesen und sich daraus&lt;br /&gt;
Notizen gemacht. Wenige Jahre danach wies er auf die Feststellung C. F.&lt;br /&gt;
Andhrews hin, „daß Indien und Deutschland sich wahrscheinlich auf der&lt;br /&gt;
Ebene des reinen Idealismus näher kommen würden als irgendwelche&lt;br /&gt;
andere Nationen der Welt.“ Dazu sagte Gandhiji: „Die Deutschen sind ein&lt;br /&gt;
großes und tapferes Volk. Ihr Fleiß, ihre Wissenschaft und Tapferkeit for-&lt;br /&gt;
dern die Bewunderung der Welt. Man hofft darauf, daß sie die Friedens-&lt;br /&gt;
bewegung führen werden. Sie wurden im letzten Krieg geschlagen, aber&lt;br /&gt;
nicht besiegt. Ihre sagenhafte Energie muß lediglich in Bahnen gelenkt&lt;br /&gt;
werden, damit sie den Fortschritt der Welt als Gesamtheit fördert.“ Die&lt;br /&gt;
Hoffnung Gandhijis, die vor über 40 Jahren ausgesprochen wurde, wird&lt;br /&gt;
sicherlich einmal wahr; dann wird Deutschland bei der Förderung des&lt;br /&gt;
Friedens und des Fortschrittes der gesamten Welt seine Rolle spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1036&lt;br /&gt;
{{page|1037|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=39}}Hermann Grossmann (1899 - 1968)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Leben im Dienst der neuen Offenbarung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist klar, daß die erhabensten&lt;br /&gt;
Wohnstätten im Reiche der Unsterb-&lt;br /&gt;
lichkeit denen zum Wohnsitz be-&lt;br /&gt;
stimmt sind, die aufrichtig an Gott&lt;br /&gt;
und Seine Zeichen geglaubt haben.&lt;br /&gt;
Niemals kann der Tod zu dieser hei-&lt;br /&gt;
ligen Stätte gelangen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus unendlicher Ferne her kommt unsere keimhafte Seele in den irdi-&lt;br /&gt;
schen Körper, lebt mit ihm ein kurzes Stück ihrer leuchtenden Bahn zu-&lt;br /&gt;
sammen, und verschwindet wieder in die unsichtbaren Regionen. Und doch&lt;br /&gt;
sind diese Tage unserer kurzen Lebenszeit auf Erden, die „weniger sind als&lt;br /&gt;
ein flüchtiger Augenblick“, so entscheidend für der Seele unendliche Zu-&lt;br /&gt;
kunft. Wir messen sie mit unseren menschlichen Augen. Doch lieben und&lt;br /&gt;
verehren wir auch das Göttliche, das hindurchschimmert durch die irdische&lt;br /&gt;
Hülle und diesem Leben Bedeutung und eigenen Sinn verleiht, einem&lt;br /&gt;
jeden Menschen nach seiner Weise der Selbstverwirklichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt ein tiefer Sinn darin verborgen, daß Hermann Grossmann, ge-&lt;br /&gt;
boren am 16. Februar 1899 in Rosario in Argentinien von deutschen Eltern,&lt;br /&gt;
in dem Schoß einer Familie heranwuchs, in der Liebe und Weitblick strahl-&lt;br /&gt;
ten, in einer Stadt und Umgebung, wo mehrere Rassen und Religionen mit-&lt;br /&gt;
einander in weitherziger Freiheit zusammenlebten, und daß er so als Junge&lt;br /&gt;
zu einem weltgeschichtlichen Zeitpunkt zum Nachdenken und Forschen&lt;br /&gt;
heranreifen durfte, an dem die alte Welt und ihre Ordnungen zusammen-&lt;br /&gt;
zubrechen begannen und die Sonne einer neuen Menschheitsepoche herauf-&lt;br /&gt;
stieg — eines Weltzeitaiters der Einheit der Menschheit auf diesem durch&lt;br /&gt;
die Fortschritte der Technik immer kleiner empfundenen Planeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hermann zehn Jahre alt war, kehrte die Familie nach Deutschland&lt;br /&gt;
zurück. Der Junge schaute auf das Land seiner Vorfahren mit anderen&lt;br /&gt;
Augen als seine Mitschüler, und wo die anderen blindlings den Vorurteilen&lt;br /&gt;
ihrer Erziehung folgten, stiegen in ihm Zweifel auf und trieben ihn zum&lt;br /&gt;
Suchen nach Wahrheit. Den ersten Weltkrieg hatte er dem Ende zu noch&lt;br /&gt;
im deutschen Heer in Frankreich mitzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Müde und traurig kam er nachhause. Konnten all der Jammer, der Haß,&lt;br /&gt;
die Zerstörungen der Sinn der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft&lt;br /&gt;
sein? Wie lange noch sollte das so weitergehen? Wenn ein weiser Schöpfer&lt;br /&gt;
doch aus Liebe den Menschen erschaffen hatte, wenn er doch immer wieder&lt;br /&gt;
ganz Große, Leuchtende zur Erde gesandt hatte, um diese seine Geschöpfe&lt;br /&gt;
weiterzuentwickeln, mußte da nicht wieder einmal die Not der Zeit, die&lt;br /&gt;
sich immer deutlicher zeigende Wandlung der Weit einen neuen Gottes-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1037&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1038|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
offenbarer gebracht haben, der vielleicht noch lebt oder schon gelebt hat?&lt;br /&gt;
Denn wer sonst könnte den anhebenden Umbruch in allen Ländern und&lt;br /&gt;
Verzweigungen des menschlichen Lebens meistern und zu einer neuen&lt;br /&gt;
Ordnung fügen? Das und manche andere Rätsel bewegten den Studenten&lt;br /&gt;
der Staatswissenschaften und der Künste, manches davon hielt seine Feder&lt;br /&gt;
in Gedichten und Aufsätzen fest, und in manchen Biadern, die er malte,&lt;br /&gt;
war diese Sehnsucht zu erahnen. 1924 promovierte er als Doktor der&lt;br /&gt;
Staatswissenschaften in Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Hegel geht im Denken der Fortschritt durch These, Antithese und&lt;br /&gt;
Synthese vor sich. Im Leben des Menschen, mit seinen unendlich vielen&lt;br /&gt;
Verflechtungen von Glück, Schicksal, Leid, Sehnsucht, Liebe, Gebet und&lt;br /&gt;
Arbeit, die weit über das Denken hinaus sein ganzes Wesen durchdringen,&lt;br /&gt;
umfaßt der „Dreischritt“ Leid, Hinwendung zu Gott, Lösung des Leides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jener Zeit, im Sommer 1920, war es seinem gereiften Suchen be-&lt;br /&gt;
stimmt, daß er der Botschaft und Sendung Bahä’u’Uähs zugeführt wurde&lt;br /&gt;
durch ein Bahä’i-Ehepaar aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Grace&lt;br /&gt;
und Harlan Ober. Die Obers waren auf der Rückreise von einem Besuch&lt;br /&gt;
bei ‘Abdu’l-Bahá in Haifa und waren auf Seine Weisung nach Leipzig ge-&lt;br /&gt;
kommen, wo sie im Kreis der Theosophischen Gesellschaft über die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion sprachen. Oft hat Hermann Grossmann von dieser schicksalhaften&lt;br /&gt;
Begegnung gesprochen: Wie er verspätet in einen nur mäßig erleuchteten&lt;br /&gt;
Saal trat, in dem eine lichte Frauengestalt am Rednerpult stand und davon&lt;br /&gt;
sprach, daß alle Menschen „die Blätter eines Baumes und die Blüten eines&lt;br /&gt;
Gartens“ seien. Sofort war er von der Wahrheit ihrer Botschaft überzeugt.&lt;br /&gt;
Als sie später auf ihn zutrat und meinte: „Ich glaube, ich habe für Sie ge-&lt;br /&gt;
sprochen“, antwortete er: „Ja, sicherlich, aber sagen Sie mir, was es ist.“&lt;br /&gt;
Es ist vielleicht interessant zu wissen, daß am gleichen Abend Frau Lina&lt;br /&gt;
Benke ebenso spontan die Bahä’i-Religion annahm und kurze Zeit danach&lt;br /&gt;
ihr Mann, der dann in Bulgarien für den Glauben arbeitete und starb und&lt;br /&gt;
von Shoghi Effendi als der erste Märtyrer Europas bezeichnet wurde. Bald&lt;br /&gt;
gingen die drei täglich zu Alma Knobloch, die sich damals in Leipzig auf-&lt;br /&gt;
hielt, um sich intensiv über die Bahä’i-Religion zu informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf seinen dankbar begeisterten Brief nach Haifa an ‘Abdu’l-Bahá er-&lt;br /&gt;
hielt er folgendes bedeutungsvolle Tablet (in persischer Sprache zusammen&lt;br /&gt;
mit einer Übersetzung ins Englische durch den damaligen Sekretär):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Er ist Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du, der Du vom Lichte der Führung geleitet wurdest!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Brief ist angekommen. Er bezeugt, daß Du Dich dem Abha-König-&lt;br /&gt;
reich zugewandt hast. Danke Gott, daß Du, nachdem Du die Schleier zer-&lt;br /&gt;
rissen und die Schönheit der Sonne der Wirklichkeit geschaut hast, jetzt&lt;br /&gt;
auf dem Pfade des Königreichs wandelst. Du solltest ewig den Seelen ver-&lt;br /&gt;
pflichtet und dankbar sein, die zur Ursache der Führung für Dich wurden,&lt;br /&gt;
denn sie schenkten Dir himmlisches Leben und leiteten Dich zum Reiche&lt;br /&gt;
des Lichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. Dezember 1920 Auf Dir sei die Herrlichkeit Abhas!&lt;br /&gt;
(gez.) ‘Abdu’l-Bahá Abbas.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1038&lt;br /&gt;
{{page|1039|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=41}}Nach Hamburg zurückgekehrt, war ihm bald die große Freude beschert,&lt;br /&gt;
seine Mutter und seine Schwester Elsa-Maria für seinen geliebten neuen&lt;br /&gt;
Glauben gewinnen zu können. Damals fand er seine Lebensgefährtin, die&lt;br /&gt;
wie er zu den gleichen Idealen hinfühlte, dachte, suchte und strebte. Wenn&lt;br /&gt;
zwei Seelen sich zusammenfinden in Liebe, erwächst daraus ein tiefes Sich-&lt;br /&gt;
verstehen und aus diesem heraus verklärt sich das Zusammenklingen zu&lt;br /&gt;
einer Einheit, die Tod und Zeitenläufe glückselig überdauert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort begann Hermann Grossmann, sich systematisch und überlegt in&lt;br /&gt;
den Dienst dieser neuen Offenbarung göttlichen Willens zu stellen, zuerst&lt;br /&gt;
in Hamburg, dann in Weinheim, schließlich in Neckargemünd. Dort wurde&lt;br /&gt;
sein Haus, das er erbaute, immer mehr zu einem der Brennpunkte des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens. Groß und klein, hoch und nieder gingen aus und ein.&lt;br /&gt;
In diesem gastlichen Heim, wo seine Liebsten, seine Frau, seine Eltern,&lt;br /&gt;
seine Schwester und seine Kinder an seiner Seite lebten, ahnte und spürte&lt;br /&gt;
man früher und deutlicher als sonst irgendwo die warme, umfassende&lt;br /&gt;
Totalität, durch die sich der Bahä’i-Glaube vor allen anderen geistigen&lt;br /&gt;
Impulsen, Ideologien oder Organisationen religiöser oder sozialer Art, alten&lt;br /&gt;
oder neuen Ursprungs, in der ganzen Welt auszeichnet: Gott — der Gottes-&lt;br /&gt;
offenbarer — die geoffenbarte Lehre — die gottgeführte Wandlung des&lt;br /&gt;
Menschen — die gottgegebene Ordnung. In jenen Jahren zwischen den&lt;br /&gt;
beiden Weltkriegen kristallisierte sich manches aus, was heute vielen&lt;br /&gt;
Bahä’i fast selbstverständlich erscheint: ein klares, historisch und reli-&lt;br /&gt;
gionswissenschaftlich begründetes Verstehen des Bündnisses Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
mit der Menschheit. Durch viele Neuerscheinungen und Übersetzungen&lt;br /&gt;
verbreitete sich nunmehr über die ganze Welt ein Ausmaß von kanonischen&lt;br /&gt;
Texten, Worten des Báb, Bahä’u’llähs, ‘Abdu’l-Bahás und Shoghi Effendis,&lt;br /&gt;
das schließlich das Mehrfache an Lehrtexten der heiligen Schriften aller&lt;br /&gt;
Hochreligionen aus der Vergangenheit zusammen darstellte. Die Themen,&lt;br /&gt;
die aus der Fülle unserer Lehren Hermann Grossmann am meisten be-&lt;br /&gt;
wegten, waren die Forderungen Bahä’u’llahs nach der Einheit von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft und nach der Einheit in der Mannigfaltigkeit, und diese&lt;br /&gt;
beiden waren ihm auch beim Lehren der jungen Generation richtungwei-&lt;br /&gt;
send. Er hat durch Jahrzehnte mit unendlichem Fleiß Sammlungen zusam-&lt;br /&gt;
mengetragen im Hinblick auf eine künftige Bahä’i-Universität bzw. das von&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi im Fünfjahresplan gebilligte „Institut für Religion und&lt;br /&gt;
Wissenschaft“, und diese Zusammenstellungen konsequent als Grundlage&lt;br /&gt;
seiner Veröffentlichungen benützt. Es kam erst in jenen Jahren allmählich&lt;br /&gt;
den Bahä’i zum Bewußtsein, daß das Testament ‘Abdu’l-Bahás, der 1921&lt;br /&gt;
diese sichtbare Welt verlassen hatte, die Urkunde einer umfassenden Ord-&lt;br /&gt;
nung für die Bahä’i-Weltgemeinschaft ist, dann allmählich auch, daß diese&lt;br /&gt;
Ordnung etwas Neuartiges ist, eine Synthese von Monarchie, Theokratie,&lt;br /&gt;
Aristokratie und Demokratie, wie der Hüter sie uns lehrte, und schließlich,&lt;br /&gt;
daß sie Beginn und Embryo und Modell einer ganz neuen, künftigen Welt-&lt;br /&gt;
ordnung darstellt, deren die chaotische Menschheit eben so dringend bedarf&lt;br /&gt;
wie einstens die Flüchtlinge aus Ägypten ihrer vielen neuen, gottgegebenen&lt;br /&gt;
Gesetze, um ein „auserwähltes“ Volk werden zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jenen zwanziger Jahren hatte sich auch eine hoffnungsvolle, weltweite&lt;br /&gt;
Zusammenarbeit der Baha’ı und Esperantisten angebahnt. Hervor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1039&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1040|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ragende Bahä’i-Lehrer, wie früher Dr. Esslemont und später Martha Root,&lt;br /&gt;
waren Esperantisten geworden; die jüngste Tochter des Esperantoschöp-&lt;br /&gt;
fers, Lidja Zamenhof, trat dem Bahä’i-Glauben bei und übersetzte viele&lt;br /&gt;
Bahä’i-Bücher in diese neue Sprache. Hermann Grossmann griff diese&lt;br /&gt;
Welle auf und veröffentlichte unter großen Opfern noch in den zwanziger&lt;br /&gt;
Jahren eine Zeitlang eine Bahä’i-Esperanto-Monatsschrift „La Nova Tago“&lt;br /&gt;
(Der Neue Tag), die über die ganze Welt hin verbreitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1928 wurde dem Ehepaar Grossmann eine Tochter, Susanne Bahiyyih,&lt;br /&gt;
1933 ein Sohn, Hartmut Harlan, geschenkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den dreißiger Jahren verbreitete sich von den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;
aus die ansprechende und segenbringende Einrichtung der Bahä’i-Sommer-&lt;br /&gt;
schulen. Etwa eine Woche lang, manchmal auch länger oder kürzer, ver-&lt;br /&gt;
sammelten sich ein paar Dutzend Bahä’i zu einem Programm von Vor-&lt;br /&gt;
trägen, Aussprachen, abendlichen Feiern in der beschwingten Stimmung&lt;br /&gt;
von Ferien, Suchen nach Wahrheit und herzlicher Freundschaft. Das kleine&lt;br /&gt;
„Häusle“ oberhalb Eßlingens war damals ein Ort, der für solche Treffen&lt;br /&gt;
weithin bekannt und beliebt war. Hermann Grossmann hat dort oft ge-&lt;br /&gt;
lehrt. 1932 schrieb er das Buch „Am Morgen einer neuen Zeit“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein besonderer Höhepunkt seines Lebens war im März/April 1937 seine&lt;br /&gt;
Pilgerfahrt zusammen mit Frau und Schwester nach Haifa, dem Welt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Brasilien: Dr. Grossmann mit Crao-Indianern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1040&lt;br /&gt;
{{page|1041|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=43}}zentrum des Bahä’i-Glaubens. Hier verweilte er in Gesprächen mit Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, dem Hüter des Bahä’i-Glaubens, neun Tage lang. Diese Gespräche&lt;br /&gt;
bezogen sich vornehmlich auf die Bahä’i-Administration als Keim und&lt;br /&gt;
Muster der Weltordnung und entwickelten diese Seite der Bahä’i-Religion,&lt;br /&gt;
die damals in Europa in ihren Details noch nicht sehr ins Bewußtsein der&lt;br /&gt;
Freunde eingedrungen war. Damals brachte er das Originaltablet, das er&lt;br /&gt;
von ‘Abdu’l-Bahá erhalten hatte, Shoghi Effendi als Geschenk mit. Der&lt;br /&gt;
Hüter nahm es mit sich, brachte es aber am nächsten Tag noch einmal zu-&lt;br /&gt;
rück und fragte Hermann Grossmann, ob er wisse, daß es ein bedeutsames&lt;br /&gt;
Tablet sei. Nach kurzem Zögern meinte Hermann Grossmann, für ihn sei&lt;br /&gt;
immer der Passus von großer Bedeutung gewesen, der lautet: „Du solltest&lt;br /&gt;
ewig den Seelen verpflichtet und dankbar sein, die zur Ursache der Füh-&lt;br /&gt;
rung für Dich wurden ...“, aber Shoghi Effendi verneinte und sagte, er&lt;br /&gt;
messe ‘Abdu’l-Bahás Worten, daß der Angeredete „auf dem Pfad des&lt;br /&gt;
Königreichs wandelt“ und „die Schleier zerrissen“ hat, größte Bedeutung&lt;br /&gt;
bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Hüters klare, überlegene Weisheit, seine Antworten auf so manche&lt;br /&gt;
Fragen, seine Ermunterungen und Anregungen klärten, festigten und er-&lt;br /&gt;
weiterten die künftigen Tätigkeiten der begeisterten Pilger für alle kom-&lt;br /&gt;
menden Jahre im Dienste dieser großen Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie Haifa verließen, hatte die tiefe Verehrung und Wertschätzung,&lt;br /&gt;
die sie schon immer Shoghi Effendi gegenüber gefühlt hatten, noch tiefere&lt;br /&gt;
Wurzeln geschlagen. Für Hermann Grossmann wurde Shoghi Effendi als&lt;br /&gt;
Oberhaupt der Bahä’i-Religion Mittelpunkt seines Seins. Shoghi Effendis&lt;br /&gt;
unerwartet frühes Hinscheiden im Jahr 1957 wurde darum für ihn zum&lt;br /&gt;
schmerzlichsten Verlust seines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber zunächst wurden die Wege zur weiteren Verbreitung des Glaubens&lt;br /&gt;
versperrt. Im Juni 1937 hatte Hitler den Bahä’i-Glauben in Deutschland&lt;br /&gt;
verboten; die Bücherbestände wurden konfisziert und vernichtet, Haus-&lt;br /&gt;
suchungen vorgenommen. Die inneren und äußeren politischen Verhält-&lt;br /&gt;
nisse spitzten sich zu, es kam zum vernichtenden Krieg. Hermann Gross-&lt;br /&gt;
mann hatte viel zu leiden unter seinen nazistischen Mitarbeitern im Betrieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und unter so manchen versteckten Anfeindungen und offenen Brüskie-&lt;br /&gt;
rungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In langen Verhandlungen mit der Gestapo gelang es ihm, die Freilassung&lt;br /&gt;
seiner inhaftierten Schwester zu erreichen; im Prozeß vor dem national-&lt;br /&gt;
sozialistischen Sondergericht gegen neun Gläubige sagte er als Zeuge für&lt;br /&gt;
sie aus, bis er selbst im September 1944 angeklagt und bestraft wurde. Der&lt;br /&gt;
größte Teil der alten Sammlungen von Texten ging durch die Gestapo ver-&lt;br /&gt;
loren. Damals sagte er: „Wenn ich nicht dächte, daß es ein Opfer für&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh ist, könnte ich den Verlust nicht ertragen.“ Aber er machte sich&lt;br /&gt;
sofort wieder daran, aus den ihm gebliebenen Resten weitere Sammlungen&lt;br /&gt;
aufzustellen, die Grundlagen eines Archivs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1041&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1042|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den ersten zwölf...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gesegnete Haus in Neckargemünd blieb unversehrt von Haß und&lt;br /&gt;
Zerstörung, und so mancher fand dort Wärme, Licht und Trost. 1945 erhob&lt;br /&gt;
sich aus den Trümmern des Landes aufs neue die durch Prüfungen ge-&lt;br /&gt;
festigte deutsche Bahä’i-Gemeinde. Viele andere, die durch die Katastro-&lt;br /&gt;
phen erschüttert waren, fanden den Weg zu ihr. Später freilich überwog&lt;br /&gt;
im Lande bald wieder das materialistische Denken, welches das „Wirt-&lt;br /&gt;
schaftswunder“ hergebracht hatte. In jener ersten Zeit nach dem Zusam-&lt;br /&gt;
menbruch waren die deutschen Bahä’i ohne ihre Literatur, doch mit&lt;br /&gt;
Herzen voller Begeisterung. Die Gestapo hatte ja alles vernichtet. Hermann&lt;br /&gt;
Grossmann fertigte sofort aus den von ihm noch geretteten Büchern kurze&lt;br /&gt;
Zusammenstellungen und kleine „Lehr- und Studienhilfen“, die verviel-&lt;br /&gt;
fältigt und gebunden wurden. So wurde der dringendste Mangel gelindert.&lt;br /&gt;
Aus seiner Feder flossen in den folgenden Jahren verschiedene kleine, aber&lt;br /&gt;
notwendige Bücher, wie 1947 „Umbruch zur Einheit“ und, neugedruckt, das&lt;br /&gt;
schon in der Vorkriegszeit veröffentlichte „Am Morgen einer neuen Zeit“.&lt;br /&gt;
Ein lebhafter Briefwechsel mit dem Hüter des Glaubens in Haifa erleuch-&lt;br /&gt;
tete manche Probleme der Zeit des Krieges, des Chaos‘ und des Wieder-&lt;br /&gt;
aufbaues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1951 begann der Hüter Shoghi Effendi damit, aus den Bahä’i der ganzen&lt;br /&gt;
Welt „Hände der Sache Gottes“ zu ernennen. Hermann Grossmann war&lt;br /&gt;
unter den ersten zwölf, die zu diesem Rang erhoben wurden. Im Laufe der&lt;br /&gt;
folgenden Jahre wurde diese Zahl auf siebenundzwanzig erhöht. Auf ihnen&lt;br /&gt;
ruhte eine besondere Verantwortung hinsichtlich der Verbreitung der&lt;br /&gt;
Lehre, der Reinerhaltung und des Schutzes des neuen Bündnisses Gottes&lt;br /&gt;
mit der Menschheit durch Bahä’u’lläh. In dieser Zeit beschäftigte sich Her-&lt;br /&gt;
mann Grossmann vor allem mit dem Wesen des Bündnisses in der Reli-&lt;br /&gt;
gionsgeschichte und prüfte für seine Lehrtätigkeit die „Meinungen“ so&lt;br /&gt;
vieler, allzuvieler aus der turbulenten Außenwelt mit dem Maßstab des&lt;br /&gt;
„Wortes Gottes“, der heiligen Schriften. Sein kleines, aber grundsätzlich&lt;br /&gt;
bedeutsames Buch „Das Bündnis Gottes in der Offenbarungsreligion“ ist&lt;br /&gt;
der Niederschlag dieser geschichtsphilosophischen Arbeiten (erschienen im&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag 1956).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Sommer 1955 unerwartet heftige Verfolgungen der Bahä’i in Iran&lt;br /&gt;
ausbrachen, wurde Hermann Grossmann als ein Mitglied des Appellations-&lt;br /&gt;
komitees vom Hüter nach Genf berufen, wo sich dieser Ausschuß bei den&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen schriftlich und in Vorsprachen bei einzelnen Delega-&lt;br /&gt;
tionen um Gerechtigkeit und Schutz für die bedrohten Gläubigen in Iran&lt;br /&gt;
bemühte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1957 waren Hermann und Anna Grossmann auf einer zwei-&lt;br /&gt;
ten Pilgerfahrt in Haifa. Der Hüter gab ihnen aus dem Schatz seiner Weis-&lt;br /&gt;
heit viele Lichtblicke auf die alimähliche Entfaltung der Weltordnung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs; im besonderen wurden die von ihnen im Auftrag des Natio-&lt;br /&gt;
nalen Geistigen Rates von Deutschland mitgebrachten Pläne für das Haus&lt;br /&gt;
der Andacht im Taunus mit dem Hüter besprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1042&lt;br /&gt;
{{page|1043|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=45}}Im Herbst 1957 traf die Bahä’i-Weltgemeinde ein schwerer Schicksals-&lt;br /&gt;
schlag. Der Hüter Shoghi Effendi erlag in London einem Herzschlag. Viele&lt;br /&gt;
Bahä’i aus aller Welt geleiteten ihn dort zu seiner Ruhestätte, die bald&lt;br /&gt;
darauf ein lichtes, erhabenes Mahnmal verschönte. Die Bahä’i-Welt sah&lt;br /&gt;
sich über Nacht harten Tatsachen gegenüber. Als fast alle siebenundzwan-&lt;br /&gt;
zig „Hände“ sich sofort in Haifa versammelt hatten, mußten sie dort fest-&lt;br /&gt;
stellen, daß der Hüter keinen Nachfolger hatte ernennen können. Sie konn-&lt;br /&gt;
ten aber den Zugriff der Feinde auf die Eigentümer des Glaubens verhin-&lt;br /&gt;
dern und hatten, als oberste Institution in der verwaisten Bahä’i-Welt-&lt;br /&gt;
gemeinde, den vom Hüter 1953 ins Leben gerufenen Zehn-Jahres-Plan in&lt;br /&gt;
den folgenden Jahren seiner Erfüllung zuzuleiten. So hielten sie in dieser&lt;br /&gt;
Zeit, bis 1963, noch mehrmals ihre Beratungen in Haifa ab. Hermann&lt;br /&gt;
Grossmann erlebte diese Begegnungen mit der ganzen Inbrunst seines&lt;br /&gt;
Wesens. Sein weiter Horizont war dabei ein hochgeachteter Faktor im&lt;br /&gt;
Ausgleich zwischen orientalischem und westlichem Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Pilgerfahrt der Familie Grossmann im März/April 1937 hatte&lt;br /&gt;
Shoshi Effendi plötzlich einmal die Frage an Hermann Grossmann gestellt:&lt;br /&gt;
„Würden Sie gerne wieder nach Südamerika gehen?“ Die Antwort: „Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, ich habe mich schwer in Deutschland eingelebt, doch jetzt bin ich&lt;br /&gt;
gerne da.“ Shoghi Effendi darauf mit einem seltsamen Lächeln: „Vielleicht&lt;br /&gt;
werden Sie eines Tages gerne wieder nach Südamerika gehen.“ An diese&lt;br /&gt;
Worte hat sich Hermann Grossmann später oft erinnert, nachdem die&lt;br /&gt;
„Hände der Sache“ ihn 1959 gebeten hatten, den südamerikanischen Freun-&lt;br /&gt;
den bei der Verwirklichung des Zehnjahresplanes zu helfen. Damals gab es&lt;br /&gt;
auf dem ganzen Kontinent Südamerika nur zwei Nationale Geistige Räte,&lt;br /&gt;
die je fünf Länder des riesigen Erdteils betreuten; zehn Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Räte waren im Zehnjahresplan bis 1963 zu errichten. 1959 machte er sich&lt;br /&gt;
auf seine erste Reise, die ihn rund um den ganzen Erdteil und in die Län-&lt;br /&gt;
der des Innern führte. Durch einen Typhus-Anfall und die Höhe des&lt;br /&gt;
Altiplano ernsthaft in seiner Gesundheit geschädigt, mußte er die Reise&lt;br /&gt;
nach viereinhalb Monaten abbrechen. Aber er kam begeistert und als&lt;br /&gt;
Optimist zurück. Daraufhin beschlossen die „Hände“, die Bildung der zehn&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Räte auf Ridväan 1961 festzulegen. Das Jahr 1960 sah&lt;br /&gt;
ihn schon Ende Januar wieder in Südamerika, diesmal zusammen mit&lt;br /&gt;
seiner Frau, und zwar zu seiner längsten, siebeneinhalb Monate währen-&lt;br /&gt;
den Reise. Unermüdlich durch den ganzen Erdteil reisend, half er den&lt;br /&gt;
Freunden, die Voraussetzungen zur Wahl der Nationalen Geistigen Räte&lt;br /&gt;
zu schaffen, zu deren Gründung er dann wieder, zum drittenmal, Süd-&lt;br /&gt;
amerika durchreiste. Nun sah er seine Aufgabe darin, diesen jungen Insti-&lt;br /&gt;
tutionen beizustehen, während sie ihre Tätigkeit aufnahmen, und sie vor&lt;br /&gt;
Machenschaften der Gegner des Glaubens erfolgreich zu behüten. Immer&lt;br /&gt;
wieder rief er Freunde dazu auf, zu den Eingeborenen, den Indios, zu&lt;br /&gt;
gehen, sei es im Norden, wo am Orinoko und in der Guajira die Arbeit&lt;br /&gt;
bereits begonnen hatte, oder im Mittelpunkt des Kontinents, auf den Hoch-&lt;br /&gt;
ebenen Boliviens, wo Schulen gegründet und Kongresse abgehalten wur-&lt;br /&gt;
den, oder im Süden, in Chile, wo ebenfalls erste Schritte unternommen&lt;br /&gt;
wurden. Das Zusammensein mit den Indio-Freunden und der Besuch der&lt;br /&gt;
südlichsten Bahä’i-Gemeinde der Welt, Punta Arenas an der Magellan-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1043&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1044|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=46}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
straße, von der er wußte, daß Shoghi Effendi sie besonders geliebt hatte,&lt;br /&gt;
machten ihn über alles glücklich. 1962 startete er zu seiner letzten Reise,&lt;br /&gt;
auf der schon deutliche Zeichen großer Abspannung zu sehen waren. Doch&lt;br /&gt;
noch einmal trug ihn seine Begeisterung von Ort zu Ort und ließ ihn, wie&lt;br /&gt;
er es selbst nannte, eine seiner schwersten Aufgaben in einem der Länder&lt;br /&gt;
Südamerikas zu einem guten Ende führen. Viele Saaten waren damals&lt;br /&gt;
gestreut worden für das Aufblühen des Bahä’i-Glaubens in Südamerika&lt;br /&gt;
in den darauffolgenden Jahren. Die südamerikanischen Eindrücke, die&lt;br /&gt;
innige Verbundenheit mit den Freunden, die Fortschritte dort waren ihnı&lt;br /&gt;
bis in seine letzten Tage eine Quelle des Glücks. Doch nicht weniger liebte&lt;br /&gt;
er Europa und darin das Land, dessen Sprache er noch mehr liebte als&lt;br /&gt;
Spanisch, in dem er den Glauben Bahä’u’llähs gefunden und ihm am läng-&lt;br /&gt;
sten gedient hatte. Diese Zuneigungen lagen eingebettet in seine Mensch-&lt;br /&gt;
heits- und Menschenliebe, die jeder empfand, der ihm näherkam, und die&lt;br /&gt;
ihm letztlich jedes Land der Erde zu einem Heimatland machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesundheit dieses mutigen Dieners des Höchsten hatte gelitten unter&lt;br /&gt;
den Strapazen, Entbehrungen und Höhenunterschieden in Südamerika. Das&lt;br /&gt;
Jahr 1963 brachte ein historisches Ereignis in der Geschichte des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens: die Wahl des „Universalen Hauses der Gerechtigkeit“, die Krö-&lt;br /&gt;
nung des nunmehr erfüllten Zehnjahresplanes. Hermann Grossmann er-&lt;br /&gt;
lebte diese Feierlichkeiten in Haifa und London, wo sich über 6000 Bahä’i&lt;br /&gt;
in der Albert Hall versammelten. Dann aber wurden seine Reisepläne&lt;br /&gt;
kleiner und seltener. Er zog sich immer mehr in sein Heim, in sein Arbeits-&lt;br /&gt;
zimmer zurück. Er schrieb 1965 „Was ist die Bahä’i-Religion?“ und 1966&lt;br /&gt;
„Der Bahä’i-Gläubige und die Bahä’i-Gemeinschaft“. Die Loslösung von&lt;br /&gt;
der vergänglichen Welt war harmonisch, wenn auch nicht ohne Schmerzen&lt;br /&gt;
des Körpers. Der Friede seiner dem Welttreiben entrückten Seele verklärte&lt;br /&gt;
den Abschied von der sichtbaren Welt am 7. Juli 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.“ So durchwandert der Mensch&lt;br /&gt;
das sichtbare Dasein, das nach Bahä’u’lläh „kürzer ist als ein Atemzug“.&lt;br /&gt;
Es ist ein tiefes Atemholen vor dem unendlichen Leben drüben. Der Atem&lt;br /&gt;
ist das Sinnbild des Lebens, die Mitte unseres irdischen Körperdaseins, des&lt;br /&gt;
Beschenktwerdens und Schenkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich war dieses Leben an Erfüllung, an Beschenktwerden und Weiter-&lt;br /&gt;
schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich sind wir alle beschenkt, die wir in dieser Zeit leben dürfen, nach&lt;br /&gt;
der sich die Großen der Vergangenheit gesehnt haben. Alle wollen wir&lt;br /&gt;
würdig werden im Weiterreichen, im Weiterschenken!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1044&lt;br /&gt;
{{page|1045|file=Baha&#039;i_Briefe_38.pdf|page=47}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wissen Sie&lt;br /&gt;
von Baha’ullah?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schrieb:&lt;br /&gt;
„Das Wesen des Reichtums ist die Liebe zu Mir. Wer Mich liebt,&lt;br /&gt;
besitzt alle Dinge, und wer Mich nicht liebt, gehört fürwahr zu den&lt;br /&gt;
Armen und Bedürftigen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Worte der Weisheit)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Millionen Bahä’i in aller Welt erkennen in Bahä’u’lläh den Gesetz-&lt;br /&gt;
geber einer neuen Weltordnung für die ganze Menschheit. Jeder muß sich&lt;br /&gt;
mit Seinem Anspruch auseinandersetzen; denn Er hat allen Menschen&lt;br /&gt;
zur Pflicht gemacht, selbständig nach der Wahrheit zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fordern Sie bitte ein unentgeltliches Literaturverzeichnis an!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄA’I-VERLAG GMBH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Frankfurt 1, Westendstraße 24, Telefon (06 11) 72 36 26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e, V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
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Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A, Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr, 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67,&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
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Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
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An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 37/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|963|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=1}}D 20155 F&lt;br /&gt;
{{ocr}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT. BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „Buch der Gewißheit“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion und F UR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Selbstverwirklichung&lt;br /&gt;
des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschenrechte und WE LIR E LI G I OÖ N&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 37 JULI 1969 WE LTB EWUS ST SE I N&lt;br /&gt;
{{page|964|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|965|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=3}}JULI 1969 | BAHAT- BRIEFE HEFT 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Menschen !&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit der Tinte des Lichtes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf die Tafel des Geistes,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was Wir dir verkündet haben.&lt;br /&gt;
Wenn du dies nicht vermagst,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so mache das Wesen deines Herzens&lt;br /&gt;
zu deiner Tinte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bist du auch dazu nicht imstande,&lt;br /&gt;
dann schreibe mit der roten Tinte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf dem Pfade zu Mir vergossen wurde.&lt;br /&gt;
Wahrlich, dies ist Mir kostbarer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als alles andere,&lt;br /&gt;
denn solches Licht währet ewiglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Verborgene Worte, arab. 71)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
965&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|966|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=4}}Der Weg zur ‚Stadt der Gewißheit”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem „Buch der Gewißheit“ von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein wahrer Sucher sich entschließt, mit forschendem Schritt den&lt;br /&gt;
Pfad zu betreten, der zur Erkenntnis des Altehrwürdigen der Tage führt,&lt;br /&gt;
so muß er vor allem sein Herz, den Sitz der Offenbarung der inneren Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse Gottes, von allem trübenden Staub erworbenen Wissens und&lt;br /&gt;
von den Einflüsterungen der Verkörperungen satanischer Wahngebilde&lt;br /&gt;
reinigen und läutern. Er muß seine Brust, das Heiligtum der immerwäh-&lt;br /&gt;
renden Liebe des Geliebten, von jeder Besudelung säubern und seine&lt;br /&gt;
Seele heiligen von allem, was dem Wasser und dem Lehm zugehört, von&lt;br /&gt;
allen schattenhaften, flüchtigen Verhaftungen. Er muß sein Herz so läu-&lt;br /&gt;
tern, daß kein Überrest von Liebe oder Haß darin verharrt, damit ihn&lt;br /&gt;
weder Liebe blind zu Irrtum leite noch Haß ihn von der Wahrheit ver-&lt;br /&gt;
treibe. Gerade jetzt kannst du bezeugen, wie die meisten Menschen, durch&lt;br /&gt;
solche Liebe oder solchen Haß des unsterblichen Antlitzes beraubt, weit&lt;br /&gt;
abgeirrt sind von den Verkörperungen der göttlichen Geheimnisse und&lt;br /&gt;
hirtenlos durch die Wildnis des Irrens und Vergessens streifen. Der Su-&lt;br /&gt;
cher muß allezeit sein Vertrauen in Gott setzen, sich abkehren von den&lt;br /&gt;
Erdenmenschen, sich lösen von der Welt des Staubes und Ihm, dem&lt;br /&gt;
Herrn der Herren, anhangen. Nie darf er sich erheben wollen über irgend-&lt;br /&gt;
wen, und jede Spur von Stolz und Dünkel muß er von der Tafel seines&lt;br /&gt;
Herzens waschen. Er muß in Geduld und in Ergebung harren, Schweigen&lt;br /&gt;
üben und sich eitler Rede enthalten. Denn die Zunge ist ein schwelend&lt;br /&gt;
Feuer, und zuviel der Rede ist ein tödlich Gift. Das irdische Feuer ver-&lt;br /&gt;
brennt den Körper, das Feuer der Zunge aber verzehrt das Herz wie die&lt;br /&gt;
Seele. Die Kraft von jenem währt nur eine Weile, aber die Wirkung von&lt;br /&gt;
diesem dauert ein Jahrhundert lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch sollte der Sucher wissen, daß Verleumdung eine arge Verirrung&lt;br /&gt;
ist, und er sollte sich fern von ihr halten; denn Verleumdung löscht das&lt;br /&gt;
Licht des Herzens und erstickt das Leben der Seele. Er sollte sich mit&lt;br /&gt;
wenigem begnügen und frei werden von allem ungehörigen Begehren.&lt;br /&gt;
Er sollte den Verkehr mit denen schätzen, die der Welt entsagt haben,&lt;br /&gt;
und es als kostbares Geschenk betrachten, die prahlerischen, weltlich ge-&lt;br /&gt;
sinnten Menschen zu meiden. Zur Morgendämmerung sollte er jeden Tag&lt;br /&gt;
zu Gott beten, und mit ganzer Seele sollte er im Suchen nach seinem Ge-&lt;br /&gt;
liebten verharren. Er sollte jeden eigenwilligen Gedanken mit der Flam-&lt;br /&gt;
me der liebevollen Erwähnung Gottes verbrennen und mit Blitzesschnelle&lt;br /&gt;
vorübereilen an allem außer Ihm. Er sollte dem Besitzlosen beistehen&lt;br /&gt;
und niemals seine Gunst und Gabe dem Hilflosen versagen. Er sollte gut&lt;br /&gt;
sein zu den Tieren und noch viel besser zu seinem Nächsten, der mit der&lt;br /&gt;
Macht der Sprache begabt ist. Er sollte nicht zögern, sein Leben für seinen&lt;br /&gt;
Geliebten zu opfern, auch sollte er sich nie durch den Tadel der Men-&lt;br /&gt;
schen von der Wahrheit abbringen lassen. Er sollte nicht für andere wün-&lt;br /&gt;
schen, was er nicht für sich selbst wünscht, und nicht versprechen, was er&lt;br /&gt;
nicht erfüllt. Von ganzem Herzen sollte der Sucher die Gesellschaft der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
966&lt;br /&gt;
{{page|967|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=5}}Übeltäter meiden und für die Vergebung ihrer Sünden beten. Er sollte&lt;br /&gt;
dem Sünder verzeihen und niemals dessen niedere Stufe verachten, denn&lt;br /&gt;
niemand weiß, wie sein eigenes Ende sein wird. Wie oft schon hat ein&lt;br /&gt;
Sünder in der Todesstunde zum Wesenskern des Glaubens gefunden, den&lt;br /&gt;
unsterblichen Wein getrunken und seinen Flug zu der himmlischen Heer-&lt;br /&gt;
schar genommen! Und wie oft schon hat sich ein ergebener Gläubiger zur&lt;br /&gt;
Stunde des Aufstiegs seiner Seele so gewandelt, daß er in das niedrigste&lt;br /&gt;
Feuer fiel! Der Sinn dieser überzeugenden und wichtigen Aussprüche ist,&lt;br /&gt;
dem Wanderer und Sucher einzuschärfen, alles außer Gott als vergänglich&lt;br /&gt;
anzusehen und alle Dinge außer Ihm, dem Ziel aller Anbetung, als äußerst&lt;br /&gt;
nichtig zu achten....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Strebens, des sehnsüch-&lt;br /&gt;
tigen Verlangens, der leidenschaftlichen Ergebenheit, der glühenden Liebe,&lt;br /&gt;
der Begeisterung und der Verzückung in des Suchers Herz entzündet ist&lt;br /&gt;
und der Hauch Seiner Güte über seine Seele weht, wird die Finsternis&lt;br /&gt;
des Irrtums vertrieben, werden die Nebel der Zweifel und Ängste zer-&lt;br /&gt;
streut und die Lichter der Erkenntnis und Gewißheit sein Wesen ein-&lt;br /&gt;
hüllen. Zu dieser Stunde wird der mystische Herold, der die Freudenbot-&lt;br /&gt;
schaft des Geistes bringt, aus der Stadt Gottes strahlend wie der Morgen&lt;br /&gt;
aufleuchten und durch den Posaunenstoß der Erkenntnis das Herz, die&lt;br /&gt;
Seele und den Geist aus dem Schlummer der Nachlässigkeit erwecken.&lt;br /&gt;
Dann werden die mannigfachen Gunstbeweise und Gnadenströme des&lt;br /&gt;
Heiligen und Ewigen Geistes solch neues Leben dem Sucher verleihen,&lt;br /&gt;
daß er sich mit einem neuen Auge, einem neuen Ohr, einem neuen Her-&lt;br /&gt;
zen und einem neuen Gemüte beschenkt sieht. Nun kann er über die&lt;br /&gt;
offensichtlichen Zeichen des Weltalls nachsinnen und die verborgenen&lt;br /&gt;
Geheimnisse der Seele durchdringen, und mit dem göttlichen Auge schau-&lt;br /&gt;
end wird er in jedem Atom eine offene Tür erblicken, die ihn zu den&lt;br /&gt;
Stufen entschiedener Gewißheit weist. In allen Dingen wird er die Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse göttlicher Offenbarung und die Beweise ewigwährender Ver-&lt;br /&gt;
kündung entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schwöre bei Gott! Würde der Sucher, der den Pfad der Führung&lt;br /&gt;
wandelt und die Höhen der Tugend zu erklimmen trachtet, diese hehre,&lt;br /&gt;
erhabene Stufe erreichen, so würde er tausend Meilen weit den Duft&lt;br /&gt;
Gottes empfinden und den strahlenden Morgen der göttlichen Führung&lt;br /&gt;
wahrnehmen, der sich über der Dämmerung aller Dinge erhebt. Ein jedes&lt;br /&gt;
Ding, und sei es noch so klein, wäre für ihn eine Offenbarung, die ihn zu&lt;br /&gt;
seinem Geliebten führt, dem Ziel seines Suchens. So groß wird seine Un-&lt;br /&gt;
terscheidungsgabe werden, daß er Wahres vom Falschen wie die Sonne&lt;br /&gt;
vom Schatten zu sondern vermag. Wenn in den fernsten Winkeln des&lt;br /&gt;
Ostens die süßen Düfte Gottes wehen, so wird er sicherlich ihren Duft&lt;br /&gt;
erkennen und einatmen, und weilte er auch im äußersten Westen. Des-&lt;br /&gt;
gleichen wird er alle Zeichen Gottes — Seine wundervollen Aussprüche,&lt;br /&gt;
Seine großen Werke und mächtigen Taten — von den Taten, Werken und&lt;br /&gt;
Zeichen der Menschen klar zu scheiden wissen, wie der Juwelier die&lt;br /&gt;
Perle vom Steine oder wie jeder Mensch den Frühling vom Herbst und&lt;br /&gt;
Hitze von Kälte. Wenn der Kanal der menschlichen Seele von allen welt-&lt;br /&gt;
lichen, hemmenden Verhaftungen geläutert ist, dann wird sie sicherlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|968|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=6}}den Hauch des Geliebten über unermeßliche Entfernungen hin verspüren&lt;br /&gt;
und, durch seinen Wohlgeruch geleitet, die Stadt der Gewißheit erreichen&lt;br /&gt;
und betreten. In ihr wird der Mensch die Wunder Seiner altehrwürdigen&lt;br /&gt;
Weisheit erfahren und all die verborgenen Lehren aus dem Rauschen der&lt;br /&gt;
Blätter des Baumes vernehmen, der in dieser Stadt blüht. Mit dem&lt;br /&gt;
äußeren und dem inneren Ohr zugleich wird er aus ihrem Staub den&lt;br /&gt;
Hymnen und Lobgesängen lauschen, die zum Herrn der Herren empor-&lt;br /&gt;
steigen, und mit dem inneren Auge wird er die Mysterien der „Wieder-&lt;br /&gt;
kunft“ und der „Wiederbelebung“ schauen. Wie unaussprechlich herrlich&lt;br /&gt;
sind die Merkmale, die Zeichen, die Offenbarungen und der Glanz, die Er,&lt;br /&gt;
der König der Namen und Eigenschaften, für diese Stadt bestimmt hat!&lt;br /&gt;
Das Erreichen dieser Stadt löscht den Durst ohne Wasser und entflammt&lt;br /&gt;
die Gottesliebe ohne Feuer. In jedem Grashalm sind die Geheimnisse&lt;br /&gt;
einer unerforschlichen Weisheit verwahrt, und in jedem Rosenbusch sin-&lt;br /&gt;
gen Tausende von Nachtigallen in seliger Verzückung. Wundervolle Tul-&lt;br /&gt;
pen enthüllen das Mysterium des Brennenden Busches, und die süßen Düfte&lt;br /&gt;
der Heiligkeit verbreiten den Wohlgeruch des Messianischen Geistes.&lt;br /&gt;
Diese Stadt verleiht Reichtum ohne Gold und gewährt Unsterblichkeit&lt;br /&gt;
ohne Tod. In jedem Blatt sind unaussprechliche Wonnen verwahrt, und in&lt;br /&gt;
jeder Kammer liegen ungezählte Geheimnisse verborgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene, die fleißig nach Gottes Willen forschen, werden, wenn sie einmal&lt;br /&gt;
allem außer Ihm entsagt haben, von dieser Stadt so angezogen und ent-&lt;br /&gt;
zückt sein, daß sie sich nicht mehr vorstellen können, auch nur einen&lt;br /&gt;
Augenblick von ihr getrennt zu leben. Sie werden den untrüglichen Be-&lt;br /&gt;
weisen aus der Hyazinthe jener Gemeinde lauschen und die sichersten&lt;br /&gt;
Zeugnisse aus der Schönheit ihrer Rose und den Gesängen ihrer Nachti-&lt;br /&gt;
gall empfangen. Ungefähr alle tausend Jahre einmal wird diese Stadt&lt;br /&gt;
erneuert und aufs neue geschmückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, „Buch der Gewißheit“ (Kitäb-i-Igän), Frankfurt 126/1969, S. 129 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durchbruch durch die Mitte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das Leben als ständigen&lt;br /&gt;
Entwicklungsprozeß erkennt, kann&lt;br /&gt;
die Lehren von Baha’u’lläh als&lt;br /&gt;
eine Theorie des gelenkten Durch-&lt;br /&gt;
bruchs betrachten. Daß Durch-&lt;br /&gt;
brüche zu veränderten Gegeben-&lt;br /&gt;
heiten und neuen Bewußtseinszu-&lt;br /&gt;
ständen das Ziel revolutionärer&lt;br /&gt;
Umwöälzungen sind, weiß jeder&lt;br /&gt;
Wissenschaftler, der sich mit kom-&lt;br /&gt;
plizierteren Zusammenhängen als&lt;br /&gt;
den einfachen mathematisch-phy-&lt;br /&gt;
sikalischen Erscheinungen befaßt.&lt;br /&gt;
Noch ist aber selbst der kritischste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist allzu schnell bereit, solche&lt;br /&gt;
Durchbrüche als unabänderliche,&lt;br /&gt;
kaum beeinflußbare Naturgewal-&lt;br /&gt;
ten hinzunehmen. Die Fragen nach&lt;br /&gt;
ihrem Wesen, ihrem Sinn und&lt;br /&gt;
ihrer Manipulierbarkeit werden&lt;br /&gt;
allenfalls theoretisch und polito-&lt;br /&gt;
logisch gestellt; vom begrenzten&lt;br /&gt;
Horizont des Dialektischen Mate-&lt;br /&gt;
rialismus her sucht man sie zu&lt;br /&gt;
beantworten. Für alle, die rechts&lt;br /&gt;
von der Mitte stehen, sind solche&lt;br /&gt;
Fragen tabu, weil sie an den&lt;br /&gt;
Grundfesten des Bestehenden rüt-&lt;br /&gt;
{{page|969|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=7}}teln könnten. Kaum einer hat be-&lt;br /&gt;
griffen, daß es sich um allge-&lt;br /&gt;
meine Erscheinungen des bewuß-&lt;br /&gt;
ten Lebens handelt, die das Indi-&lt;br /&gt;
viduum ebenso sehr betreffen wie&lt;br /&gt;
jedes politische Gemeinwesen;&lt;br /&gt;
kaum einer versteht, daß Durch-&lt;br /&gt;
brüche nicht unbedingt in gewalt-&lt;br /&gt;
tätige Revolution ausarten müs-&lt;br /&gt;
sen, daß sie vielmehr ihrem We-&lt;br /&gt;
sen nach in der Bildung und&lt;br /&gt;
Festigung neuer Bewußtseins-&lt;br /&gt;
inhalte bestehen und dementspre-&lt;br /&gt;
chend mit „friedlichen Mitteln“,&lt;br /&gt;
durch Erziehung, herbeigeführt&lt;br /&gt;
werden können: als Durchbruch&lt;br /&gt;
durch die Mitte des Lebens zu&lt;br /&gt;
neuen, höher kultivierten Ziel-&lt;br /&gt;
konzeptionen und Ordnungs-&lt;br /&gt;
systemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarungswahrheit Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’llähs ist einfach und unteil-&lt;br /&gt;
bar, weil sie auf der Grund-&lt;br /&gt;
erkenntnis aller Hochrel!gionen&lt;br /&gt;
beruht — einer Erkenntnis, die&lt;br /&gt;
leider in fast allen religiösen Ge-&lt;br /&gt;
dankensystemen immer wieder bis&lt;br /&gt;
zur Unkenntlichkeit verdeckt oder&lt;br /&gt;
vermenschlicht wird: Die Lehre,&lt;br /&gt;
daß es einen Gott gibt. Alles&lt;br /&gt;
weitere ist im Prinzip logischer&lt;br /&gt;
Ableitung zugängig. Das wird&lt;br /&gt;
freilich dann problematisch, wenn&lt;br /&gt;
der Mensch in den Mittelpunkt&lt;br /&gt;
seiner religiösen Vorstellungen&lt;br /&gt;
unerklärbare Paradoxien stellt. Es&lt;br /&gt;
ist festzuhalten: Die Religion&lt;br /&gt;
Gottes ist logisch, insoweit sie&lt;br /&gt;
allgemeinverbindlich ist, und sie&lt;br /&gt;
ist allgemeinverbindlich, insoweit&lt;br /&gt;
sie logisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praktisch bedeutet die Einheit&lt;br /&gt;
Gottes, daß alle Sinngebungen&lt;br /&gt;
menschlichen Daseins auf ein ein-&lt;br /&gt;
heitliches Ganzes bezogen sind&lt;br /&gt;
und von diesem her in ihrem Wert&lt;br /&gt;
bestimmt werden. Dieses einheit-&lt;br /&gt;
liche Ganze muß in Raum und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeit definiert werden, von Per-&lt;br /&gt;
sönlichkeiten, die aus sich selbst&lt;br /&gt;
heraus den Anspruch überragen-&lt;br /&gt;
der Autorität rechtfertigen. Wie es&lt;br /&gt;
zum Wesen der Schöpfungsord-&lt;br /&gt;
nung gehört, daß sie Genies her-&lt;br /&gt;
vorbringt, an denen sich die Men-&lt;br /&gt;
schen trotz aller Selbständigkeit&lt;br /&gt;
im Denken orientieren, wenn sie&lt;br /&gt;
auf ihren jeweiligen Gebieten et-&lt;br /&gt;
was erreichen wollen, so muß uuch&lt;br /&gt;
das Auftreten religiöser „Übermen-&lt;br /&gt;
schen“, solcher Genies der Wert-&lt;br /&gt;
ordnung, desto notwendiger sein, je&lt;br /&gt;
höher sich das Leben auf diesem&lt;br /&gt;
Planeten entwickelt. Nur Gott ist&lt;br /&gt;
einzig und absolut; folglich muß&lt;br /&gt;
alles andere vielfach und relat:v&lt;br /&gt;
sein, auch die göttliche Offenba-&lt;br /&gt;
rung. Ihre Aufeinanderfolge, die&lt;br /&gt;
„ungefähr alle tausend Jahre ein-&lt;br /&gt;
mal“ die Stadt Gottes, das Bünd-&lt;br /&gt;
nis Seiner Religion, „erneuert und&lt;br /&gt;
aufs neue schmückt“ (Igan S. 133),&lt;br /&gt;
ist auch daher zu erklären, daß&lt;br /&gt;
die Verhältnisse sich grundlegend&lt;br /&gt;
ändern und religiöse Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen und Lebensformen meist zeit-&lt;br /&gt;
bedingt und daher abzulösen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist die „Drei-Welten-Lehre“&lt;br /&gt;
der Existenz einer Welt Gottes,&lt;br /&gt;
einer Welt der Offenbarung und&lt;br /&gt;
einer Welt der Schöpfung, mit der&lt;br /&gt;
Bahä’u’lldh den Dualismus der&lt;br /&gt;
herkömmlichen Theologien zu&lt;br /&gt;
einem entwicklungsbezogenen&lt;br /&gt;
Denkmodell dynamisiert. Sie ist&lt;br /&gt;
die Grundlage des umfassenden&lt;br /&gt;
Lehrgebäudes und der Weltord-&lt;br /&gt;
nung Bahd’u’llähs, die nachweis-&lt;br /&gt;
lich die optimalen Ordnungsmo-&lt;br /&gt;
delle für die anstehende Gestal-&lt;br /&gt;
tung eines organisch-weltweiten&lt;br /&gt;
Gemeinschaftslebens liefern. Die&lt;br /&gt;
geheimnisvolle Unergründbarkeit&lt;br /&gt;
der dem Menschen übergeordne-&lt;br /&gt;
ten Welten Gottes und der Offen-&lt;br /&gt;
barung bietet Gewähr dafür, daß&lt;br /&gt;
d’e Einfachheit dieser Drei-Wel-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|970|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=8}}ten-Theorie niemals auf das Ni-&lt;br /&gt;
veau abgeflacht werden kann, das&lt;br /&gt;
manche Dialektiker und Materia-&lt;br /&gt;
listen der Menschheit aufzwingen&lt;br /&gt;
wollen. Andererseits ermöglicht&lt;br /&gt;
diese einfache Theorie einen um-&lt;br /&gt;
fassenden Autoritäts- und Wahr-&lt;br /&gt;
heitsanspruch, der jeden Menschen,&lt;br /&gt;
ob unentwickelt oder hochgebil-&lt;br /&gt;
det, vor die klare Entscheidung&lt;br /&gt;
eines Ja oder Nein stellt, weil das&lt;br /&gt;
Wesen der Religion auf die An-&lt;br /&gt;
erkennung dieser Autorität und&lt;br /&gt;
die Befolgung ihres schriftlich&lt;br /&gt;
niedergelegten Willens zurückge-&lt;br /&gt;
führt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat ein Mensch diese Aner-&lt;br /&gt;
kennung vollzogen und sich in&lt;br /&gt;
dieser Befolgung genügend ein-&lt;br /&gt;
geübt, werden sich ihm Be-&lt;br /&gt;
wußtseinszustände und Quellen&lt;br /&gt;
der Selbstverwirklichung erschlie-&lt;br /&gt;
Ben, von deren Kraft und Schön-&lt;br /&gt;
heit er sich zuvor keine Vorstel-&lt;br /&gt;
lung machen konnte. Bahd’ulläh&lt;br /&gt;
spricht vom Eintritt in die „Stadt&lt;br /&gt;
der Gewißheit“. Der psychische&lt;br /&gt;
Vorgang ist rational erklärbar. Je-&lt;br /&gt;
der hat sich in seinem Leben&lt;br /&gt;
schon um eine Frage grundsätz-&lt;br /&gt;
licher Art bemüht, bis ihm plötz-&lt;br /&gt;
lich „die“ Lösung auf unerklär-&lt;br /&gt;
liche Weise intuitiv zum Bewußt-&lt;br /&gt;
sein kam. Erfahrene Pädagogen&lt;br /&gt;
sprechen von der Gewalt des&lt;br /&gt;
„Aha-Erlebnisses“ und betrachten&lt;br /&gt;
es als besondere Kunst, solche&lt;br /&gt;
plötzlichen Durchbrüche bei ihren&lt;br /&gt;
Schülern vorzubereiten und ein-&lt;br /&gt;
zuleiten, um sodann die entste-&lt;br /&gt;
hende Begeisterungsenergie für&lt;br /&gt;
weitere Lernfortschritte nutzbar&lt;br /&gt;
zu machen. Warum sollte dieses&lt;br /&gt;
Prinzip nicht in gleicher Weise auf&lt;br /&gt;
die Grundfrage nach dem Sinn&lt;br /&gt;
unseres Daseins anzuwenden sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein bezeichnender Wider-&lt;br /&gt;
spruch in unserem modernen Den-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ken, daß für jeden schöpferisch&lt;br /&gt;
tätigen Menschen der Begriff der&lt;br /&gt;
Intuition, des überraschenden Ent-&lt;br /&gt;
deckens von neuen Gedanken-&lt;br /&gt;
inhalten, zum täglichen Hand-&lt;br /&gt;
werkszeug gehört, daß man diese&lt;br /&gt;
„Eingebung“ aber hinnimmt, ohne&lt;br /&gt;
danach zu fragen, wer der Geber&lt;br /&gt;
ist. Ein bewußteres Fragen nach&lt;br /&gt;
den ursprünglichen Sinnzusam-&lt;br /&gt;
menhängen und nach der Bestim-&lt;br /&gt;
mung des Menschen könnte das&lt;br /&gt;
Tor zur umfassenden Quelle jeder&lt;br /&gt;
Eingebung, zur Gottesoffenba-&lt;br /&gt;
rung, aufstoßen. Das Wort Gottes,&lt;br /&gt;
die „Sonne der Wahrheit, von der&lt;br /&gt;
die Erziehung des Menschen im&lt;br /&gt;
Reich der Gedanken abhängig ist“,&lt;br /&gt;
offenbart sich — durch Intuition&lt;br /&gt;
— „immer nach der Fähigkeit und&lt;br /&gt;
der Art des: Spiegels, durch den&lt;br /&gt;
sie widergespiegelt wird. Wird&lt;br /&gt;
zum Beispiel ihr Licht auf den&lt;br /&gt;
Spiegel des Weisen geworfen,&lt;br /&gt;
dann bringt es Weisheit zum Aus-&lt;br /&gt;
druck, wird es vom Geist des&lt;br /&gt;
Künstlers widergespiegelt, so&lt;br /&gt;
schafft es neue und schöne Künste,&lt;br /&gt;
leuchtet es durch den Geist des&lt;br /&gt;
Gelehrten, dann offenbart es Wis-&lt;br /&gt;
sen und enthüllt Geheimnisse“&lt;br /&gt;
(Bahä’u’lläh, Worte der Weisheit).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Einheit Gottes und von&lt;br /&gt;
der Macht göttlicher Offenbarung&lt;br /&gt;
her sich in die Entwicklungs-&lt;br /&gt;
abläufe des Lebens hineinzuden-&lt;br /&gt;
ken, bringt gegenüber den Ver-&lt;br /&gt;
fahren aller herrschenden Denk-&lt;br /&gt;
systeme, seien sie theologischer,&lt;br /&gt;
positivistischer oder dialektisch-&lt;br /&gt;
materialistischer Art, den ent-&lt;br /&gt;
scheidenden Vorteil, daß man sub-&lt;br /&gt;
jektiv dieser Eingebung voll und&lt;br /&gt;
ganz vertrauen und objektiv die&lt;br /&gt;
Einheit des Entwicklungssubjekts&lt;br /&gt;
aufrechterhalten und nutzbar&lt;br /&gt;
machen kann. Es sind grund-&lt;br /&gt;
legende Unterschiede, ob man&lt;br /&gt;
{{page|971|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=9}}beispielsweise einem reichen Geiz-&lt;br /&gt;
halz entgegenhält: „Du bist gei-&lt;br /&gt;
zig und böse; bitte darum, daß du&lt;br /&gt;
durch die Gnade Gottes großzügig&lt;br /&gt;
und gut wirst“, ob man libera-&lt;br /&gt;
listisch-positivistisch sagt: „Dein&lt;br /&gt;
Reichtum ist durch die Realitäten&lt;br /&gt;
gerechtfertigt, aber vielleicht&lt;br /&gt;
macht es dir sogar selber Spaß,&lt;br /&gt;
wenn du ihn etwas großzügiger&lt;br /&gt;
verwendest“, ob man gar nicht&lt;br /&gt;
mehr mit ihm spricht, sondern ihn&lt;br /&gt;
als einen unverbesserlichen Kapi-&lt;br /&gt;
talisten zu beseitigen trachtet,&lt;br /&gt;
oder ob man den schlichten&lt;br /&gt;
Grundsatz verkündet, daß alle&lt;br /&gt;
Menschen das ihnen vom Schöp-&lt;br /&gt;
fer anvertraute Gut sparsam und&lt;br /&gt;
doch großzügig im Dienst an der&lt;br /&gt;
Menschheit zu verwenden haben.&lt;br /&gt;
Nur die letzte Aussage führt da-&lt;br /&gt;
zu, daß sich das Entwicklungs-&lt;br /&gt;
subjekt in seinen positiven Eigen-&lt;br /&gt;
schaften bestätigt fühlt und von&lt;br /&gt;
da her, gleichsam spielend, seine&lt;br /&gt;
negativen Wesenszüge überwin-&lt;br /&gt;
det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Maße, wie einerseits das&lt;br /&gt;
Bewußtsein — individuell oder&lt;br /&gt;
gesellschaftlich — sich entwickelt,&lt;br /&gt;
andererseits die materiellen Ver-&lt;br /&gt;
hältnisse sich festigen, wächst die&lt;br /&gt;
Bedeutung der integrierenden, zur&lt;br /&gt;
Einheit führenden Kräfte im Ver-&lt;br /&gt;
gleich zu den Gegensätzen, die&lt;br /&gt;
dialektisch Spannungen innerhalb&lt;br /&gt;
des Systems hervorrufen und da-&lt;br /&gt;
durch das ihrige zur Entwicklung,&lt;br /&gt;
wenn auch oft gewaltsam ver-&lt;br /&gt;
zerrt, beitragen. Im selben Maße&lt;br /&gt;
wachsen aber auch die Gefahren,&lt;br /&gt;
welche Gleichgewichtsstörungen&lt;br /&gt;
jeglicher Art zwangsläufig mit&lt;br /&gt;
sich bringen. Im ärmsten Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsland dieser Erde gibt es&lt;br /&gt;
nicht so viele Neurosen wie in un-&lt;br /&gt;
serer spätpluralistischen Wohl-&lt;br /&gt;
standsgesellschaft, in welcher der&lt;br /&gt;
Mensch seine Mitte verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Einheit Gottes und der&lt;br /&gt;
Macht göttlicher Offenbarung her&lt;br /&gt;
ist es leicht, die Parallelität sämt-&lt;br /&gt;
licher Entwicklungsvorgänge zu&lt;br /&gt;
betonen und nutzbringend anzu-&lt;br /&gt;
wenden. Alle Kreisläufe — der&lt;br /&gt;
Tag, das Jahr, das menschliche&lt;br /&gt;
Leben, Aufstieg und Verfall ein-&lt;br /&gt;
zelner Kulturen, die Entwicklung&lt;br /&gt;
der Menschheit — unterliegen im&lt;br /&gt;
Prinzip denselben Bewegungsge-&lt;br /&gt;
setzen, die sehr wohl der Genera-&lt;br /&gt;
lisierung und Abstraktion fähig&lt;br /&gt;
sind. Bahä’u’lldh hat mit Seinen&lt;br /&gt;
„Sieben Tälern“ eine Beschrei-&lt;br /&gt;
bung des geistigen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
weges der menschlichen Seele ge-&lt;br /&gt;
geben; der Weg der Seele ist der-&lt;br /&gt;
jenige Entwicklungsablauf, den je-&lt;br /&gt;
der einzelne Mensch am klarsten&lt;br /&gt;
erfassen, am leichtesten in stän-&lt;br /&gt;
diger Fehlerkorrektur verfolgen&lt;br /&gt;
und am schöpferischsten entfal-&lt;br /&gt;
ten kann. Selbstverständlich muß&lt;br /&gt;
man die Gegebenheiten analysie-&lt;br /&gt;
ren und richtig bewerten, wenn&lt;br /&gt;
man dieses Entwicklungsgesetz&lt;br /&gt;
auf andere Systeme übertragen&lt;br /&gt;
will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend in jeder Entwick-&lt;br /&gt;
lung sind ihr Start und ihre Durch-&lt;br /&gt;
bruchphase. In der wirtschafts-&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
theorie verwendet man den Be-&lt;br /&gt;
griff des „Take-off“, des Abhe-&lt;br /&gt;
bens, der aus der Flugzeug- und&lt;br /&gt;
Raketentechnik entlehnt ist; die&lt;br /&gt;
Wirtschaftler verstehen darunter&lt;br /&gt;
den für Entwicklungsländer an-&lt;br /&gt;
zustrebenden Zustand, in welchem&lt;br /&gt;
dieinneren Wachstumskräfte „von&lt;br /&gt;
selbst“ für die weitere Wohl-&lt;br /&gt;
standsvermehrung sorgen. “Take-&lt;br /&gt;
off“ ist aber auch für alle ande-&lt;br /&gt;
ren Prozesse ein sehr anschau-&lt;br /&gt;
liches Bild, weil es wie das zweite&lt;br /&gt;
der „Sieben Täler“ von Bahá’u’lláh,&lt;br /&gt;
das Tal der Liebe oder Begeiste-&lt;br /&gt;
rung, das Wesen der Durchbruch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
971&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|972|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
situation charakterisiert. Der&lt;br /&gt;
Durchbruch ist die Phase der&lt;br /&gt;
höchsten Willensanstrengung oder&lt;br /&gt;
Energieentfaltung, wie wir es auch&lt;br /&gt;
beim Jahreskreislauf sehen, wo im&lt;br /&gt;
Mai die Sonne ihrem Kulmina-&lt;br /&gt;
tionspunkt zustrebt und „Wachs-&lt;br /&gt;
wetter“ schafft. „Take-off“ macht&lt;br /&gt;
aber zugleich deutlich, wie ent-&lt;br /&gt;
scheidend wichtig die Vorberei-&lt;br /&gt;
tung ist. Kein Raketenstart würde&lt;br /&gt;
gelingen, wenn nicht ein Heer von&lt;br /&gt;
Wissenschaftlern die Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen geschaffen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lohnt sich, die Worte von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh über die Vorausset-&lt;br /&gt;
zungen für ein erfolgreiches Su-&lt;br /&gt;
chen nach der Wahrheit und der&lt;br /&gt;
persönlichen Selbstverwirklichung,&lt;br /&gt;
wie sie in den „Sieben Tälern“,&lt;br /&gt;
im „Buch der Gewißheit“ und in&lt;br /&gt;
zahlreichen Sendschreiben nieder-&lt;br /&gt;
gelegt sind, als eine Art „Count-&lt;br /&gt;
down“ des Bewußtseins anzu-&lt;br /&gt;
sehen und in kritischer Haltung&lt;br /&gt;
gegenüber dem eigenen Ich ebenso&lt;br /&gt;
wie gegenüber der menschlichen&lt;br /&gt;
Gesellschaft zum Maßstab zu neh-&lt;br /&gt;
men. Wie weit sind gerade wir&lt;br /&gt;
„gebildeten“ Abendländer davon&lt;br /&gt;
entfernt, unser „Herz, den Sitz&lt;br /&gt;
der Offenbarung der inneren Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse Gottes, von allem trü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethische Kultur ....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
benden Staub erworbenen Wis-&lt;br /&gt;
sens“ zu reinigen, das heißt von&lt;br /&gt;
der Einheit Gottes anstatt von&lt;br /&gt;
den Zufallsergebnissen einer Wis-&lt;br /&gt;
senschaft her zu denken, die „sa-&lt;br /&gt;
tanischen Wahngebilden“ wie der&lt;br /&gt;
sogenannten „normativen Kraft&lt;br /&gt;
des Faktischen“ heute noch ver-&lt;br /&gt;
haftet ist. Es bedarf eines umfas-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
senden sittlichen Engagements&lt;br /&gt;
als Grundlage und nicht als&lt;br /&gt;
Schaumkrone des menschlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewußtseins, ehe der Durchbruch&lt;br /&gt;
durch den Teufelskreis kultivier-&lt;br /&gt;
ter Unzulänglichkeit genügend&lt;br /&gt;
vorbereitet ist. Erforderlich ist&lt;br /&gt;
eine klare Zielvorstellung von der&lt;br /&gt;
„Stadt der Gewißheit“, die uns&lt;br /&gt;
zur ewigen Heimat, zum „Jerusa-&lt;br /&gt;
lem“ des Reiches Gottes werden&lt;br /&gt;
soll. Es bedarf des Verständnisses&lt;br /&gt;
für das „Geheimnis des Weges“,&lt;br /&gt;
das darin besteht, daß der „Wan-&lt;br /&gt;
derer nicht um Haaresbreite vom&lt;br /&gt;
Gesetz abgehen darf“ (Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
Sieben Täler, S. 44), und es bedarf&lt;br /&gt;
vor allem anderen der umfassen-&lt;br /&gt;
den Anerkennung dessen, der der&lt;br /&gt;
Führer auf diesem Wege, der&lt;br /&gt;
Herrscher in jener Stadt Gottes&lt;br /&gt;
und der Verfassungsgeber einer&lt;br /&gt;
umfassenden neuen Weltordnung&lt;br /&gt;
ist. Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... verlangt Anerkennung des absoluten Wertes alles Existenz. Das&lt;br /&gt;
ist der Begriff der wahren Liebe. Liebe ist das Prinzip der ethischen&lt;br /&gt;
Kultur. Sie ist der Wille, allem, was existiert, nach seiner wahren&lt;br /&gt;
Bedeutung, das heißt nach seiner Bestimmung, gerecht zu werden.&lt;br /&gt;
(Darum macht sie keine Unterschiede: Sie ist nicht zu verwechseln&lt;br /&gt;
mit subjektiver Sympathie; Liebe ist nicht sentimental.) Aber vom&lt;br /&gt;
Menschen allein kennen wir die Bestimmung: Kultur als Pflege der&lt;br /&gt;
‘geistigen Möglichkeit. Dem Menschen gegenüber fungiert somit das&lt;br /&gt;
Liebesprinzip als Anerkennung der kulturellen Mission und Würde&lt;br /&gt;
jedes Mitmenschen. In dieser Mission ist jeder dem andern gleich:&lt;br /&gt;
Ich und Du vereinigen sich kulturell zum „Wir“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Häberlin (Schweizer Philosoph, 1878-1960)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
972&lt;br /&gt;
{{page|973|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=11}}Das schöpferische Wort Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einführung in das „Buch der Gewißheit“ /&lt;br /&gt;
von Helen Reed Bishop&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baha’u’llähs „Buch der Gewißheit“ (Kitäb-i-Igän) ist vor kurzem&lt;br /&gt;
in zweiter deutscher Auflage erschienen (Bahä’i-Verlag, Frankfurt/&lt;br /&gt;
Main 126/1969, mit Einführung, Erläuterungen, Namen- und Wort-&lt;br /&gt;
erklärungen sowie Index, 228 Seiten, Leinen DM 12,80). Wir ver-&lt;br /&gt;
öffentlichen aus diesem Anlaß die ausführliche Beschreibung des&lt;br /&gt;
Werkes, die der englischen Ausgabe (Wilmette, Ill., USA 1960) vor-&lt;br /&gt;
angestellt ist. Die Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob ein Bahä’i dem Westen oder dem Osten angehört, er wird sich nicht&lt;br /&gt;
leicht dem Wagnis einer Wegbegleitung in das „Kitäb-i-fqän“ unterziehen.&lt;br /&gt;
Jeder Gläubige ist tief erfüllt von Bewunderung und Liebe für ein Buch,&lt;br /&gt;
das „unter den unermeßlichen Schätzen aus dem wogenden Ozean von&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Offenbarung an erster Stelle“ steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Metapher hielt Shoghi Effendi, der Hüter des Bahä’i-Glau-&lt;br /&gt;
bens, in „Gott geht vorüber“ (Kap. VIII), die Bedeutung des Igqän fest.&lt;br /&gt;
„Gott geht vorüber“ ist ein geschichtlicher Abriß der Bahä’i-Religion, der&lt;br /&gt;
die Zeit und die Umstände darstellt, in denen der Igan geoffenbart wurde,&lt;br /&gt;
kurz bevor Bahä’u’lläh Seine Sendung öffentlich erklärte, gegen Abschluß&lt;br /&gt;
Seiner Verbannungszeit im ‘Iräq um 1862 n. Chr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übersetzung durch Shoghi Effendi ins Englische fängt für uns&lt;br /&gt;
abendländische Menschen eine neue Schau der göttlichen Wahrheit ein.&lt;br /&gt;
So sehr uns ihre Schönheit ergreift, sollen wir sie doch nicht nur emp-&lt;br /&gt;
fangen und schweigend für uns behalten. Dieses Geschenk fordert zu&lt;br /&gt;
einem Glaubenszeugnis heraus, als Zeichen der Antwort aus einer von&lt;br /&gt;
tiefer Dankbarkeit erfüllten Gemeinschaft. Allen Suchern nach dem Mit-&lt;br /&gt;
telpunkt der Wahrheit für ein neues Zeitalter wird nun eine neue Aus-&lt;br /&gt;
gabe des Werks dargeboten. Unsere Einführung hofft dazu beizutragen,&lt;br /&gt;
den Unwillen westlicher Sucher zu’ überwinden und ihr Augenmerk auf&lt;br /&gt;
die tiefen Wesenszüge der fortschreitenden Gottesoffenbarung zu lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kitäb-i-iqän“ ist arabisch und bedeutet „Buch der Gewißheit“. In die-&lt;br /&gt;
sem Titel liegt beschlossen, daß das Buch das schöpferische Wort Gottes&lt;br /&gt;
ist: Es benutzt den Logos, der menschlichen Seele positives Wissen um&lt;br /&gt;
das Göttliche zu vermitteln. Allein durch eigenes Bemühen kann der&lt;br /&gt;
Mensch nicht geistig werden. Die Anerkennung der Manifestation Gottes&lt;br /&gt;
verwandelt die Zweifel der Seele durch eine Wiedergeburt in Sicherheit.&lt;br /&gt;
Dies bedeutet eine höhere Stufe des Seins, das Wohnen in „der Stadt un-&lt;br /&gt;
bedingter Gewißheit“. Wer dort lebt, hat entdeckt, daß Glaube nicht die&lt;br /&gt;
bloße Zustimmung des Bewußtseins zur Übernahme umfassenderer Vor-&lt;br /&gt;
stellungen, auch nicht zu einem radikalen Wechsel der Denkmodelle ist:&lt;br /&gt;
Glaube ist eine Gabe des Reiches in der Höhe, die alle Vorstellungen in&lt;br /&gt;
geistiges Leben verwandelt. Wie sich die Seele belebt, erneuern sich auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
973&lt;br /&gt;
{{page|974|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=12}}die Atome des Körpers bis ins Mark. „Er schenkt Reichtum ohne Gold&lt;br /&gt;
und gewährt Unsterblichkeit ohne Tod“ (S. 133).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Seele auf solche Weise verwandelt, wird sie hinfort für immer&lt;br /&gt;
im Reiche Gottes weilen. Sie ist von einem unnachahmlichen Duft der&lt;br /&gt;
Anziehung umgeben. Sie schreitet durch Täler des Wachstums hindurch,&lt;br /&gt;
indem sie immer neue verborgene Tugenden entfaltet und immer neue&lt;br /&gt;
Kräfte ausstrahlt. Die Fähigkeit, auf die Herausforderungen des Leides&lt;br /&gt;
und der Freude, der Erniedrigung und der Begeisterung zu antworten,&lt;br /&gt;
vergrößert sich unermeßlich. Auf gewissen Stufen wird die erwachte&lt;br /&gt;
Seele durch das Wort als Erkenntnis beherrscht, auf anderen Stufen&lt;br /&gt;
durch das Wort als Liebe. Obgleich diese Eigenschaften jedem Gläubigen&lt;br /&gt;
gewährt werden, bleibt doch die Eigenheit jeder Seele durch alle Stufen&lt;br /&gt;
der Erleuchtung und der Nähe erhalten. Aber für alle Zeit hat die durch&lt;br /&gt;
das Wort wiedergeborene Seele den Unglauben überwunden, der die&lt;br /&gt;
gleichgültige Mehrzahl der Menschen befällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... einer inneren Krise zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine niedrigere Stufe, die dem ewigen Sicherheitsverlangen in&lt;br /&gt;
der Seele des Menschen gerecht wird. Im ausgehenden zwanzigsten Jahr-&lt;br /&gt;
hundert schreit dieses Verlangen laut hinaus. Unerbittliche Streitfragen,&lt;br /&gt;
die lange im Schach gehalten werden konnten, sind zu geistigen Krisen&lt;br /&gt;
geworden. Freilich gibt es Massen von Menschen, die sich an der Suche&lt;br /&gt;
nach dem Sinn des Lebens noch nicht beteiligen. Unter ihnen sind Män-&lt;br /&gt;
ner und Frauen, die wie besessen dem Glück nachjagen; aber sie betrü-&lt;br /&gt;
gen sich selbst, weil sie eher dem eigenen Ich davonlaufen als einem Ziel&lt;br /&gt;
nachgehen. Und selbst wenn Menschen im Genuß des Irdischen ihr ein&lt;br /&gt;
und alles finden, selbst wenn ihr Heißhunger vorübergehend gestillt wird&lt;br /&gt;
— Erfüllung ist etwas anderes. Die Jahre der Reife eilen einer inneren&lt;br /&gt;
Krise zu, von der die Jugend noch nichts ahnen kann. Fragt doch die&lt;br /&gt;
Heiden, ob sie die Alegria, das Glück der Erde, heutzutage noch finden&lt;br /&gt;
können! Es gibt praktisch keine heitere Gelassenheit mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß dieses Glück der heiteren Gelassenheit zu bestimmten Zeiten in&lt;br /&gt;
der Geschichte erreichbar war, ist mehr als eine Legende vom Goldenen&lt;br /&gt;
Zeitalter. Auch die Geschichtsschreibung muß überarbeitet werden: Er-&lt;br /&gt;
leuchtete Geschichtsbetrachtung wird einmal die Vergangenheit als einen&lt;br /&gt;
Rhythmus des Suchens und Wiederfindens der einst verlorenen Sicherheit&lt;br /&gt;
begreifen. Es gab Jahrhunderte, in denen die exaktesten Denker zutiefst&lt;br /&gt;
Gläubige waren. Gedankliche Weite umfaßte sowohl die Religion als die&lt;br /&gt;
Wissenschaft der Zeit und brachte die Tatsachen der Natur mit den Wahr-&lt;br /&gt;
heiten der Religion in Einklang. In einem derart milden Seelenklima&lt;br /&gt;
blühten die Künstler auf; sie malten wundersame Bilder, die die ganze&lt;br /&gt;
Freude an der Welt in der Madonna mit dem Kinde, umgeben von den&lt;br /&gt;
Heiligen, einfingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Kulturen, die uns beeindrucken, war die Gegenseitigkeit der&lt;br /&gt;
Gottesliebe das allumschließende Band zwischen bedeutenden Menschen&lt;br /&gt;
und den Massen, die in blindem Glauben an der Religion festhielten. In&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
974&lt;br /&gt;
{{page|975|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=13}}jeder geeinten Gesellschaft waren die gebildeten und die einfachen Men-&lt;br /&gt;
schen einander unter dem einzigen sichtbaren Joch jeder Zivilisation an-&lt;br /&gt;
genähert: unter dem religiösen Gesetz. Damals zeigten die Gesellschafts-&lt;br /&gt;
klassen unter einem Kodex des Zwanges mehr heitere Gelassenheit als&lt;br /&gt;
moderne Persönlichkeiten, die jedem Zwang abhold sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Frühlingszeit und im lang anhaltenden Sommer der Glanzzeiten&lt;br /&gt;
für Israel und die Christenheit oder in den friedfertigen Tagen des Is-&lt;br /&gt;
lams durchdrang die Religion die ganze Atmosphäre; sie beschäftigte das&lt;br /&gt;
Gemüt und die Fertigkeiten sämtlicher Menschentypen. Der Generalnen-&lt;br /&gt;
ner, der beständigste Wesenszug der Hochkulturen war ihr Sinn für die&lt;br /&gt;
Abhängigkeit von Gott, dem Urheber aller Dinge. Das sichere Wissen um&lt;br /&gt;
eine höhere Herrschaft über die Welt besänftigte die instinkthafte Natur&lt;br /&gt;
des Menschen in ihrer Rastlosigkeit, während sich die Gesellschaft durch&lt;br /&gt;
alle Bildung und Auflösung von Staatswesen hindurch zu immer mensch-&lt;br /&gt;
licheren Verhältnissen emporrang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Beschäftigung mit dem Willen Gottes in gleichem Maße wie&lt;br /&gt;
mit den alltäglichen Bedürfnissen war das Leben des einfachen Mannes&lt;br /&gt;
auf einen Zweck programmiert und nahm Bedeutung an. Er hatte sich&lt;br /&gt;
einem göttlichen Plan unterworfen, durch den er auch an seine Mitmen-&lt;br /&gt;
schen gebunden war. In der Tat stand er in Beziehung zur ganzen Welt&lt;br /&gt;
— mindestens zu dem kleinen Teil, den er davon kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Glauben erlangte ein ganzes Volk oder sogar eine Völker-&lt;br /&gt;
vereinigung einen Zustand des Friedens oder wenigstens der Bewußt-&lt;br /&gt;
heit, im Gleichgewicht mit den Zeitläuften, in denen sie lebten. Herrscher&lt;br /&gt;
und Künstler, Soldaten, Feudalherren und Leibeigene arbeiteten im Rah-&lt;br /&gt;
men ihrer Begrenzungen, aber alle waren sie eingebettet in die Gewiß-&lt;br /&gt;
heit des verheißenen Himmelreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waren sie, unsere Vorfahren, nicht dieselbe Menschenrasse wie wir?&lt;br /&gt;
Können moderne Männer und Frauen nicht von ihrer Überspanntheit ge-&lt;br /&gt;
heilt werden und anfangen, durch das Wort die verlorene Sicherheit wie-&lt;br /&gt;
derzufinden? Mit dem Glauben werden auch Gelassenheit und Reife ein-&lt;br /&gt;
kehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Iqän stellt fest, daß das Prinzip der Erneuerung, das alle Zeitalter&lt;br /&gt;
hindurch am Werke ist, die wesentliche Aufgabe des Heiligen Geistes&lt;br /&gt;
darstellt. Das Wort ist der Träger des Geistes; es erneuert und erlöst die&lt;br /&gt;
Seele. Der Mensch wird zum Krüppel, wenn er sich seiner Segnungen&lt;br /&gt;
beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wurzel religiöser Wahrheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Mensch wird beraubt und entfremdet bleiben, wenn sich die&lt;br /&gt;
Geistlichkeit zwischen den Sucher und das göttliche Licht stellt. Deshalb&lt;br /&gt;
verkündet Bahä’u’lläh bereits im ersten Absatz des igän, daß Gewißheit&lt;br /&gt;
und Sicherheit niemals wiederzugewinnen sind, ehe der Mensch seine&lt;br /&gt;
Abhängigkeit von selbsternannten Führern, ob gelehrt oder unwissend,&lt;br /&gt;
überwindet und sich um göttliche Führung ausschließlich an die Boten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
975&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|976|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=14}}Gottes wendet. Die Propheten sind in sich selbst der Maßstab für die&lt;br /&gt;
Gotterkenntnis des Menschen: Jede religiöse Wahrheit hat ihre Wurzel&lt;br /&gt;
in der prophetischen Offenbarung. Die Propheten sind die Stimme, die&lt;br /&gt;
die Herausforderung Gottes verkündet. Ihnen nur gebührt die Antwort&lt;br /&gt;
des Menschen. Mit diesem machtvollen Thema und der Erläuterung, die&lt;br /&gt;
es verdient, befassen sich die folgenden Seiten des Iqän.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch bezeugt die besonderen Stufen und Sendungen der Religions-&lt;br /&gt;
stifter. An keinem von Ihnen hat der Verfasser irgendetwas auszusetzen:&lt;br /&gt;
Er lobpreist Sie allesamt und betont die Einheit Ihrer Grundlehren. Abra-&lt;br /&gt;
ham, Moses, Christus, Muhammad und in neuester Zeit der Báb, Sie alle&lt;br /&gt;
sind die Offenbarer des göttlichen Gesetzes. Ihnen hat Gott die sittliche&lt;br /&gt;
Erziehung der Menschheit anvertraut. Sie stehen im Mittelpunkt des&lt;br /&gt;
Bündnisses, das im Himmel für das Heil des Menschen geschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufeinanderfolge der Manifestationen Gottes ist ein kosmisches&lt;br /&gt;
Drama, das den Bauplan des Weltalls entfaltet. Ihre Botschaften verkün-&lt;br /&gt;
den fortschreitend das Modell der Gesellschaft, ihrer übernatürlichen&lt;br /&gt;
Regierung, der eigentlichen Geschichte und Bestimmung des Menschen.&lt;br /&gt;
Sie entfesselten den Gemeinschaftsgeist, der seinerseits das Alltagsleben&lt;br /&gt;
der Menschen beseelt. Sie gaben die Gesetze, aus denen die Bande der&lt;br /&gt;
Brüderlichkeit, der Ehe, der Familie und der Großgemeinschaft, die wir&lt;br /&gt;
Zivilisation nennen, hervorgingen. Und Sie waren es, die die leuchtende&lt;br /&gt;
Verheißung des Reiches Gottes, das schließlich mit dem Kommen eines&lt;br /&gt;
Welterlösers auf Erden errichtet werden soll, durch die Geschichte trugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweifache Stufe des Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Iaän bezeugt die zweifache Stufe des Báb als Vorläufer dieses Welt-&lt;br /&gt;
erlösers und in der Erbfolge aus dem Geschlecht Abrahams. Als Antwort&lt;br /&gt;
auf die Frage eines Dichters des zwanzigsten Jahrhunderts: „Wo ist der&lt;br /&gt;
Prophet, der in meinem Herzen ruft?“, verkörpert der Báb das ewige&lt;br /&gt;
„Hier bin Ich!“ Denn was der Báb sagt, ist dasselbe Wort, das seit An-&lt;br /&gt;
beginn den Himmel an die Erde vermittelt. Er ist „das Tor“ zur „Stadt&lt;br /&gt;
der unbedingten Gewißheit“. In Seiner Erscheinung kommt der Prophet&lt;br /&gt;
als „ein flammengleicher Jüngling“ wieder auf die Erde, verkündet Seine&lt;br /&gt;
Botschaft und stirbt dann den Opfertod im erbarmungslosen Zauberwerk&lt;br /&gt;
böser Könige und Priester. Sicherlich, der Stoff dieses Dramas ist alt-&lt;br /&gt;
bekannt, die Verkettungen seines Ablaufs sind gleichermaßen ergreifend&lt;br /&gt;
und schrecklich. Aber für den modernen Menschen ist die Geschichte&lt;br /&gt;
des Báb vor allem deshalb so mitreißend, weil sie sich kurz vor unseren&lt;br /&gt;
eigenen Tagen, zwischen 1844 und 1850, abspielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angedeutet, aber nicht ausgedrückt ist im [qän die Stellung Bahä’u’llähs.&lt;br /&gt;
Sein Kommen gehört zur Bestimmung der Menschheit. Durch die Voll-&lt;br /&gt;
macht des Geistes ist Bahä’u’lläh der Welterlöser: Durch Seine Offen-&lt;br /&gt;
barung kann der Strahlenglanz des Heiligen Geistes der ganzen Mensch-&lt;br /&gt;
heit jenes Gefühl der Sicherheit, von dem wir eingangs sprachen, ver-&lt;br /&gt;
mitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schranken des Vorurteils und der Volksbezogenheit werden von den&lt;br /&gt;
Lebenswassern Seiner majestätischen Verse hinweggespült. Alle altmodi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
976&lt;br /&gt;
{{page|977|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=15}}schen Begrenzungen, die auf vorväterlichen Denkmodellen, Rassenstolz,&lt;br /&gt;
kriegerischem Volkstum, Erbfeindschaften, religiösem Sektierertum und&lt;br /&gt;
dergleichen beruhen, werden durch göttliches Gebot aufgehoben. In den&lt;br /&gt;
Augen ihres Schöpfers erhebt sich die Menschenwelt zu ihrer wesenhaften&lt;br /&gt;
Wirklichkeit, ihrer Einheit. Nur die Isoliertheit des menschlichen Zeit-&lt;br /&gt;
gefühls leistet der Erfüllung des Himmelreichs in der Welt des Augen-&lt;br /&gt;
blicks noch Widerstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb ruft Bahä’u’lläh die ganze Menschheit auf, sich geschlossen zu&lt;br /&gt;
erheben, sich freudigen Herzens Seine umfassenden Grundsätze zu eigen&lt;br /&gt;
zu machen und ein weltweites Gemeinwesen aufzubauen. Im Zusammen-&lt;br /&gt;
wirken der Nationen werden die unsichtbaren Heerscharen irdische Herr-&lt;br /&gt;
schaft mit göttlichem Gesetz und himmlischem Frieden erfüllen. Die Vor-&lt;br /&gt;
aussetzungen, die Jesaja aufstellte, sind gegeben: Der „Friedefürst“ hat&lt;br /&gt;
„die Herrschaft auf Seine Schulter“ genommen; Er hat „mit dem Stabe&lt;br /&gt;
Seines Mundes die Erde geschlagen und mit dem Odem Seiner Lippen&lt;br /&gt;
den Gottlosen getötet“ (Jes. 11, 4). Der übermenschliche Herrscher der wer-&lt;br /&gt;
denden Weltkultur ist ein himmlischer König, aber für Sein Volk in über&lt;br /&gt;
300 Ländern und Territorien ist Er ein Vater, der aus der Höhe über sie&lt;br /&gt;
alle wacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung Seite 978)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den vergangenen Monaten haben die Bahä’i in vielen Teilen der&lt;br /&gt;
Welt wieder eine Reihe von Lehrkonferenzen veranstaltet, in deren Ver-&lt;br /&gt;
lauf die weitere Arbeit diskutiert worden ist. Von Nordeuropa bis in die&lt;br /&gt;
südlichsten Länder, in West und Ost stand die Verbreitung der Lehren&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs im Mittelpunkt. Unser Bild zeigt einige der Teilnehmer der&lt;br /&gt;
Konferenz von Uppsala in Schweden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|978|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=16}}Weisheit, Majestät und Liebe — das waren die Eigenschaften, die&lt;br /&gt;
Bahä’u’lliäh während Seines Erdenlebens (1817-1892) verkörperte. Aus&lt;br /&gt;
Seinem Vaterland Irän wurde Er durch den Spruch weltlicher und geist-&lt;br /&gt;
licher Mächte verbannt. Sultanat und Kaliphat warfen Ihn in den Ker-&lt;br /&gt;
ker, um die alte Ordnung aufrechtzuerhalten. Aber Bahä’u’lläh verkün-&lt;br /&gt;
dete beharrlich, diese alte Ordnung könne nicht fortbestehen. Äußerlichen&lt;br /&gt;
Verhältnissen, die Ihm vierzig Jahre hindurch unermeßliches Leid brach-&lt;br /&gt;
ten, beugte Er sich niemals; denn Seine Herrschaft war göttlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde Bahä’u’lläh mit Seinen Jüngern in die finstere&lt;br /&gt;
Festung von ‘Akkä in Syrien verbannt. In ihrer blinden Unwissenheit&lt;br /&gt;
bemerkten Seine Feinde nicht, daß sie mit dieser Entscheidung eine alte&lt;br /&gt;
Verheißung erfüllten: „Karmel und Scharon — sie werden die Herrlich-&lt;br /&gt;
keit des Herrn sehen“. So ist auch die Bibel kein versiegeltes Buch mehr;&lt;br /&gt;
denn Daniel verschloß sie nur bis „zur Zeit des Endes“, wenn ihre letzt-&lt;br /&gt;
liche Bedeutung und ihr Geheimnis durch jenen Verheißenen, für den&lt;br /&gt;
sie geschrieben war, enthüllt würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der urewige Lehrsatz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der fqän ist unbesiegbare Wahrheit; denn Gott läßt Seine Selbstoffen-&lt;br /&gt;
barung nicht in Seinen Geschöpfen wohnen. Die Einheit Gottes steigt nicht&lt;br /&gt;
in die Verschiedenheit und Vielheit Seiner Schöpfung herab. Wieder ist&lt;br /&gt;
der urewige Lehrsatz von der Unerkennbarkeit des göttlichen Wesens&lt;br /&gt;
bekräftigt worden; weil das Zeitalter der Reife angebrochen ist, ver-&lt;br /&gt;
kündet der Iqän diesen Lehrsatz mit beispielloser Klarheit. Ort, Form,&lt;br /&gt;
Natur und Beziehungen, die sich der Mensch als Kategorien seines Schöp-&lt;br /&gt;
fers vorstellte, liegen jenseits alles Denkbaren: Gott ist; Er steht hoch&lt;br /&gt;
über dem menschlichen Denkvermögen und ist demzufolge erhaben über&lt;br /&gt;
alle Begriffsbestimmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Wüste zeitgenössischer Verwirrung schmachten viele „verunsi-&lt;br /&gt;
cherte“ Gottsucher. Manche streben in wildem Drang nach Selbstvergottung.&lt;br /&gt;
Solche anziehenden, spekulativen Geister sind Beispiele überspannter&lt;br /&gt;
Leichtgläubigkeit, und alle Welt macht die Modetorheiten mit. Das „neue&lt;br /&gt;
Denken“ gewinnt durch den Zusammenbruch der Orthodoxie an Volks-&lt;br /&gt;
tümlichkeit. Viele der lebendigsten Denker haben sich von den vorväter-&lt;br /&gt;
lichen Glaubensvorstellungen abgewandt und den Mentalismus, die Ver-&lt;br /&gt;
gottung des Menschengeistes, an die Stelle der Religion gesetzt. Und selbst&lt;br /&gt;
im innersten Burghof der Orthodoxie erheben sich Mystiker, die eine&lt;br /&gt;
direkte Verbindung zum Göttlichen für sich in Anspruch nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Gedankenschulen, die Mystiker wie die Mentalisten, führen gern&lt;br /&gt;
die Heiligen Schriften zum Beweis dafür an, daß ihr Geist keines Mittlers&lt;br /&gt;
bedarf. Wenn sie Verse und ganze Kapitel aus der Bibel zitieren, wird&lt;br /&gt;
allen außer ihnen selbst offenbar, wie sehr sie von der Inspiration durch&lt;br /&gt;
einen solchen Mittler abhängen. Ohne die Verbindung zu den Religions-&lt;br /&gt;
stiftern wüßten sie weder etwas von ihrem Schöpfer noch von sich selbst.&lt;br /&gt;
Würde das Band der Offenbarungsverse zertrennt, hätte der Mensch kei-&lt;br /&gt;
nerlei geistiges Bewußtsein mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
978&lt;br /&gt;
{{page|979|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Anhänger erkennen den Pfad des Mystikers als unbegeh-&lt;br /&gt;
bar, soweit er jenseits der Boten Gottes liegt; es ist Vermessenheit, sich&lt;br /&gt;
dorthin vorzutasten. Auch bereitet es dem Bahä’i keine Beschwer, daß&lt;br /&gt;
das Wesen Gottes unfaßbar ist. Er gehört zum „Volk der Anbetung“; Lie-&lt;br /&gt;
bende wollen nichts mit leidenschaftlosen Mutmaßungen über Unwäg-&lt;br /&gt;
barkeiten zu tun haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt die Rationalisten doch über Gott metaphysisch werden, wenn sie&lt;br /&gt;
darauf bestehen, ihr Herz in Prinzipien und Denkkategorien einzuschnü-&lt;br /&gt;
ren! Das Volk des Glaubens hat wieder einmal einen Panzer, der nicht&lt;br /&gt;
durch Argumente verwundbar ist: Es hat eine Person. Gläubige gehören&lt;br /&gt;
einer allwissenden und alliebenden Persönlichkeit an. Für die Bahä’i&lt;br /&gt;
ist Bahä’u’llah jene souveräne Persönlichkeit, weil Er dem Bedürfnis der&lt;br /&gt;
Seele nach Sicherheit und Selbstverwirklichung zu entsprechen vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine strahlende Wirklichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Manifestation ist nicht die Fleischwerdung Gottes, sondern die Ver-&lt;br /&gt;
körperung des ersten Prinzips, der Ausstrahlung des Heiligen Geistes, die&lt;br /&gt;
vom unteilbaren Wesen des Göttlichen ausgeht. Im Gewande des mensch-&lt;br /&gt;
lichen Körpers ist der göttliche Geist ein Prophet, der mit göttlicher Be-&lt;br /&gt;
redsamkeit zu den Sterblichen spricht. Die Manifestation ist die Wider-&lt;br /&gt;
spiegelung des Heiligen Geistes, eine strahlende, bewegende Wirklichkeit,&lt;br /&gt;
die von allen Menschen erkannt werden kann. An dieser Grundwahrheit&lt;br /&gt;
gibt es nichts Geheimnisvolles, Unlogisches oder Paradoxes. Die Religions-&lt;br /&gt;
stifter sind unter allen Völkerschaften hervorgehoben. Sie können mit&lt;br /&gt;
Namen genannt werden, Ihre besondere Stufe läßt sich nach Persönlich-&lt;br /&gt;
keit, Zeit, Ort und Bedeutung unterscheiden; aber in der Wesenseinheit&lt;br /&gt;
des göttlichen Geistes ist nunmehr aus den vielen eins geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Stufe der Manifestation gibt es keine Trennung von der Ein-&lt;br /&gt;
heit Gottes. Die Theologie verfälscht die Stufe Christi, indem sie Ihn als&lt;br /&gt;
einzigartige Fleischwerdung des Göttlichen auf die Erde kommen läßt.&lt;br /&gt;
Vielmehr sind es die Eigenschaften Gottes — die Ausstrahlung der gött-&lt;br /&gt;
lichen Attribute und nur dieser Attribute —, die heute und in der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit den Manifestationen innewohnen. Durch die vermittelnden&lt;br /&gt;
Strahlen des Heiligen Geistes erweckt die göttliche Person des Geliebten&lt;br /&gt;
bei jeder Wiederkehr die Seele des Menschen zum Gedenken an ihren&lt;br /&gt;
Schöpfer. Die Liebe dieser göttlichen Person ruft die Antwort der&lt;br /&gt;
Menschenseele auf die Liebe Gottes wach, und Ihre Erkenntnis verleiht&lt;br /&gt;
dieser Seele ein wenig Wissen um die Ewigkeit. Das Wort der göttlichen&lt;br /&gt;
Person ist das einzige Wort Gottes, wie es von Zeitalter zu Zeitalter ver-&lt;br /&gt;
kündet wird; nach ihm müssen die Menschen ihr Leben einrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh ermahnt Israel als „das Volk des Buches“, sich der wahren&lt;br /&gt;
Bedeutung dieses Wortes Gottes bewußt zu werden. Die „Zeit des Endes“,&lt;br /&gt;
das „Gericht“, das „Leben“, die „Gräber“, die „Auferstehung“, die „Wider-&lt;br /&gt;
kunft“ und andere biblische Tonzeichen sind nicht nur Symbole und er-&lt;br /&gt;
habene Dichtung, obwohl sie das durchaus auch sind. Der Iqän beweist,&lt;br /&gt;
daß die heiligen Schriften in ihren Grundstrukturen mit Ursymbolen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
979&lt;br /&gt;
{{page|980|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZEEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchwirkt sind, hinter denen eine umfassende Wirklichkeit steht: Ihre&lt;br /&gt;
Schlüsselbegriffe sagen das Drama der Erlösung voraus, das mit jeder&lt;br /&gt;
Erneuerung des Bundes zwischen Gott und Abraham weitergeht. Durch&lt;br /&gt;
den Einbruch des Propheten in die menschlichen Verhältnisse treten die&lt;br /&gt;
unwandelbaren Eigenschaften Gottes immer neu in die Geschichte; denn&lt;br /&gt;
alle abgeleiteten Wahrheiten und alle praktischen Gesetze verbrauchen&lt;br /&gt;
sich durch Revolutionen, die den Fortschritt von Zeitalter zu Zeitalter&lt;br /&gt;
kennzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlußakkord&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israel hätte die große Anpassung an den Geist vollziehen müssen, als&lt;br /&gt;
der Christ und Heiland erschien; denn Er hob das praktische Gesetz Mose&lt;br /&gt;
auf, die zweitrangige Wahrheit, die von der absoluten Wahrheit des Got-&lt;br /&gt;
tesglaubens abhängig ist. Israel ist Bahä’u’lläh besonders teuer wegen&lt;br /&gt;
seiner Verwandtschaft mit den Offenbarern, von denen unsere Erlösung&lt;br /&gt;
kommt. Die jüdische Geschichte erteilt die deutlichsten Lehren über den&lt;br /&gt;
Rhythmus der Herausforderung durch den Propheten und der Reaktion&lt;br /&gt;
des Volkes auf das Licht. Die göttliche Wahrheitsverkündigung ist immer&lt;br /&gt;
ein Appell zur Größe. Israel wurde zu Recht „Gottes Vorkämpfer“ be-&lt;br /&gt;
nannt, als Übermittler des Eingottglaubens und als Bewahrer vor Götzen-&lt;br /&gt;
dienst unter den Völkern. Als sich Israel jedoch vom Prinzip der Erneue-&lt;br /&gt;
rung abwandte und Ziele verfolgte, die von Menschen aufgestellt waren,&lt;br /&gt;
fiel ein Schatten zwischen das jüdische Volk und das Licht, wie es denn&lt;br /&gt;
überhaupt die Abkehr der Erde von der Sonne ist, die Finsternis hervor-&lt;br /&gt;
ruft; bei der Sonne herrscht immer Licht. Für die Juden kann es heute&lt;br /&gt;
keine ruhmreichere Heimkehr geben als die Begegnung mit dem Vater&lt;br /&gt;
der Menschheit und die brüderliche Einordnung in die Gemeindschaft des&lt;br /&gt;
Größten Namens. Der Weltglaube und die Weltgemeinschaft, die&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh als der Welterlöser begründet hat, sind der herrliche Schluß-&lt;br /&gt;
akkord auf die Heimatlosigkeit der Juden. Sie sind darüber hinaus die&lt;br /&gt;
Erfüllung der höheren Aufgabe Israels, des übernationalen Ideals der&lt;br /&gt;
Welterlösung, das bei Jesaja seinen stärksten Ausdruck fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die Erlösung der ganzen Menschheit kann den langen Tag der&lt;br /&gt;
Sühne zum Abschluß bringen. Einmal im Kalenderjahr gedenken die&lt;br /&gt;
jüdischen Tempel einen Tag von vierundzwanzig Stunden lang der Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit. Es ist viel Erhabenheit in den Versen der Reue und des Lob-&lt;br /&gt;
preises und in der gespenstischen Schönheit des jüdischen Genius. Der&lt;br /&gt;
Rabbi hebt die leuchtende Torahrolle hoch, während die Silberglöckchen&lt;br /&gt;
klingen, und in melodischem Hebräisch, anschließend in der Landes-&lt;br /&gt;
sprache, singt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,&lt;br /&gt;
daß der König der Herrlichkeit einziehe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer ist der König der Herrlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Herr der Heerscharen;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist der König der Herrlichkeit!“ (Ps. 24, 7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang des Christentums gleicht in vielem der Tragödie Israels.&lt;br /&gt;
Wie das jüdische Volk den Kontakt zur prophetischen Führung verlor und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
980&lt;br /&gt;
{{page|981|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich selbst der Vermittlung durch Christus, den Messias, beraubte, so be-&lt;br /&gt;
trog sich die Christenheit durch die Ablehnung Muhammads um die un-&lt;br /&gt;
mittelbaren Gnadengaben des Heiligen Geistes. Aus Mangel am Prinzip&lt;br /&gt;
der Erneuerung begann die Einheit und Ganzheit des Christentums zu&lt;br /&gt;
zerbrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Seiner Zeit war Christus der vollkommene Mittler. Durch Ihn trat&lt;br /&gt;
das Reich des Heiligen Geistes in die Geschichte ein. Die Alchimie Seines&lt;br /&gt;
Glaubens brachte die Verwandlung der Seelen zuwege: Die Einheit der&lt;br /&gt;
Evangelien rief im Mittelalter eine Kontinente umspannende Christenge-&lt;br /&gt;
meinschaft ins Leben, deren Zentralgewalt Friedensbrecher ausstoßen&lt;br /&gt;
konnte. Heute haben die Führer der Christenheit keine Macht mehr, bin-&lt;br /&gt;
dende Erklärungen zum Friedensproblem abzugeben — nicht einmal mehr&lt;br /&gt;
zu Familienfragen und anderen unausweichlichen Alltagskrisen. Die&lt;br /&gt;
Lebenskraft des Christentums hat sich bereits vor Jahrhunderten ver-&lt;br /&gt;
braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Iaän erzählte fesselnd, wie die Augen der Christen von der Sonne&lt;br /&gt;
Muhammads geblendet wurden. Als der göttliche Ratschluß den Winter&lt;br /&gt;
einer finsteren Übergangszeit beendete, erhob sich die Sonne des Gottes-&lt;br /&gt;
glaubens in Arabien. „Kein Prophet Gottes hat solches Unrecht erlitten,&lt;br /&gt;
wie Ich erleiden mußte“ (S. 78), klagte Muhammad über den Widerstand&lt;br /&gt;
gegen Seine Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in unserem Zeitalter analytischen Denkens wird Muhammad mit&lt;br /&gt;
menschlichen Maßstäben gemessen, wo Er doch in der Aufeinanderfolge&lt;br /&gt;
der Religionsstifter selbst der Maßstab ist, der an alles andere anzulegen&lt;br /&gt;
wäre. Er war der Ursprung einer glänzenden Kultur. Wer von Muhammad&lt;br /&gt;
nichts weiß, weiß nichts um das Modell des Gottesstaates. Der Qur’än&lt;br /&gt;
offenbart das bürgerliche und religiöse Gesetz, das ein höheres National-&lt;br /&gt;
gefühl zustande brachte. Der Isläm war die umfassende Kultur, die wie&lt;br /&gt;
eine Pflanze aus der Saat der Wahrheit und der Einheit emporwuchs.&lt;br /&gt;
Wesentlich ist, daß der Islam ein Weltreich war, darauf angelegt, ein&lt;br /&gt;
großes Gebiet durch eine Staatsverfassung zu beherrschen, die in einem&lt;br /&gt;
Buch Gottes niedergelegt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuorientierung ist notwendig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn in früheren Zeiten Reisende in den alten Städten des Ostens zur&lt;br /&gt;
Morgendämmerung von dem geheimnisvollen Liebesruf zum Gebet ge-&lt;br /&gt;
weckt wurden, bekamen sie ein Gefühl dafür, daß der Islam eine Reli-&lt;br /&gt;
gion von tiefer Schönheit ist. Sie entfaltet einen machtvollen Eros, der in&lt;br /&gt;
der Seele, die sich Gott nähert, vergeistigt wird. Der Mu’adhdhin ist der&lt;br /&gt;
Herzschlag eines Volkes, das sich einen Augenblick lang für die Hingabe&lt;br /&gt;
an den Willen Gottes entzückt. Mit der Urteilskraft, die der Igän kulti-&lt;br /&gt;
viert, können sich auch die Menschen des Abendlandes bewußt werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie lebenswichtig der Anteil des Islams an der Heilsgeschichte religiöser&lt;br /&gt;
Einheit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anspruch auf Endgültigkeit ist die Hauptschwäche des Isläms. Er&lt;br /&gt;
war der Stein des Anstoßes für die Muslime, die den Báb nicht anerkann-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
981&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|982|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten. Folgerichtig verkündet der igän die Unendlichkeit göttlicher Wahr-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heit:&lt;br /&gt;
„Du bist dir wohl ihrer eitlen Behauptung bewußt, daß alle Offen-&lt;br /&gt;
barung beendet sei, daß die Tore göttlicher Barmherzigkeit geschlos-&lt;br /&gt;
sen seien, daß vom Dämmerungsort ewiger Heiligkeit keine Sonne&lt;br /&gt;
mehr aufsteigen werde, daß der Ozean ewigwährender Gabenfülle&lt;br /&gt;
für immer ruht und daß aus dem Heiligtum altehrwürdiger Herrlich-&lt;br /&gt;
keit keine Gottesboten mehr geoffenbart werden“ (S. 95).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Christenheit ist eine Neuorientierung zwingend notwendig. Sie&lt;br /&gt;
läßt sich auf ganz einfache Art erreichen: durch die Hinwendung zum&lt;br /&gt;
Licht vom Horizont dieses neuen Tages. Nicht durch eine neue, ent-&lt;br /&gt;
mythologisierte Auslegung läßt sich die Wirkkraft des Evangeliums wieder&lt;br /&gt;
einfangen; nicht durch einen Existenzkampf in der Verkündigung alter&lt;br /&gt;
Halbwahrheiten läßt sich neue Lebenskraft gewinnen. Erneuerung kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man auch nicht durch geänderte Formen der Kirchenorganisation er-&lt;br /&gt;
zwingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es um die „Wiederkunft“ in der Herrlichkeit des Vaters? Der&lt;br /&gt;
Igän definiert die „Wolken“, in denen der Vater gekommen ist, als die&lt;br /&gt;
nebulosen, abergläubischen Vorstellungen, die die Christen zwischen&lt;br /&gt;
ihrem eigenen wahren Sehvermögen und der aufsteigenden Sonne der&lt;br /&gt;
Wahrheit aufgebaut haben. Die „neue Erde“ der Erkenntnis ist bereits&lt;br /&gt;
in den Ergebnissen der Wissenschaft und Technik Wirklichkeit gewor-&lt;br /&gt;
den, und die „Sterne“ kirchlicher Machtvollkommenheit sind längst vom&lt;br /&gt;
Himmel der alten Religion gefallen. Die Zeit ist weiter fortgeschritten,&lt;br /&gt;
als die alten Kirchen wahrhaben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Stunde der Entscheidung fordert der iqän alle Menschen dazu&lt;br /&gt;
heraus, die Quelle allen Lichtes anzuerkennen. „Herrlichkeit Gottes“&lt;br /&gt;
(arabisch Bahä’u’lläh) ist der schönste Name für den Herrn, der die Herr-&lt;br /&gt;
schaft über die schwankenden Herzen antritt. Unter „Vereinigung mit&lt;br /&gt;
Gott“ ist keine Partnerschaft zu verstehen, vielmehr höchste Gewißheit&lt;br /&gt;
Seiner Existenz. Alle geistige Erfahrung liegt in der Antwort auf&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh. Mit den Augen des Geistes, wie sie der Igän eröffnet, läßt&lt;br /&gt;
sich erkennen, wie die Toten den Odem neuen Lebens eingesogen haben&lt;br /&gt;
und aus dem „Grab des Selbstes“ und der Trennung auferstanden sind:&lt;br /&gt;
Die abergläubischen Vorstellungen ihrer Völkerschaften von sich wer-&lt;br /&gt;
fend, bewegen sich gläubig wissende Menschen in einem Strom welt-&lt;br /&gt;
umspannenden Bewußtseins voran. Vereint knüpfen sie das unsichtbare&lt;br /&gt;
Band, das auf dem ganzen Planeten jeden Menschen mit allen anderen&lt;br /&gt;
zusammenschließen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In wessen Herzensgrund werden diese heiligen Saaten reifen?“ (S. 48).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
982&lt;br /&gt;
{{page|983|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=21}}Durchbruch zur Selbstverwirklichung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahä’i-Glaube erschließt die Anlagen des Menschen /&lt;br /&gt;
von Daniel C. Jordan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor über hundert Jahren trat Bahä’u’lläh mit dem herausfordernden&lt;br /&gt;
Anspruch auf, Seine Offenbarung sei das wichtigste Werkzeug für die&lt;br /&gt;
Vereinigung der Menschheit und bewirke, daß schließlich eine Weltord-&lt;br /&gt;
nung und der Weltfriede begründet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige werden bestreiten, daß die gesellschaftlichen Einrichtungen&lt;br /&gt;
und die Menschen, die sie sich schaffen, eine radikale Umwandlung er-&lt;br /&gt;
fahren müssen, wenn wir vom gegenwärtigen Zustand weltweiter Un-&lt;br /&gt;
ruhen und Streitigkeiten zum Weltfrieden und zur Welteinheit kommen&lt;br /&gt;
wollen. Jeder, der sich den Weltfrieden wahrhaft angelegen sein läßt, muß&lt;br /&gt;
sich deshalb um die Frage kümmern, wie diese Umwandlung herbeige-&lt;br /&gt;
führt werden kann. Nachdem sich der Bahä’i-Glaube in kurzer Zeit über&lt;br /&gt;
die ganze Welt verbreitet und gezeigt hat, daß er das Leben vieler Men-&lt;br /&gt;
schen zu verwandeln vermag, herrscht großes Interesse an der Natur und&lt;br /&gt;
am Ablauf des Prozesses, durch welchen dieser Glaube seinen Anhängern&lt;br /&gt;
den Durchbruch zur Selbstverwirklichung ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst sollten wir uns vernünftigerweise eingestehen, daß wir un-&lt;br /&gt;
möglich alle dieser umfassenden Offenbarung innewohnenden Kräfte,&lt;br /&gt;
welche den Verwandlungsprozeß antreiben und steuern, entdecken oder&lt;br /&gt;
gar verstehen können; aber in den Bahä’i-Schriften findet sich vieles,&lt;br /&gt;
was Licht auf den Weg dieser Wandlung durch Erschließung menschlicher&lt;br /&gt;
Anlagen wirft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Interesse an der Frage, wie menschliche Anlagen erschlossen wer-&lt;br /&gt;
den können, ist eher persönlicher als akademischer Art; Millionen all-&lt;br /&gt;
überall sehnen sich danach, wie Bahä’u’lläh es ausdrückt, aus einem Zu-&lt;br /&gt;
stand der Gefangenschaft und Erniedrigung zu umfassender Vornehmheit&lt;br /&gt;
durchzubrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich sind Bahä’u’llähs Lehren über den Verwandlungprozeß intel-&lt;br /&gt;
lektuell sehr anregend; aber ihre Kenntnis hat einen durchaus prakti-&lt;br /&gt;
schen Zweck. Vollbewußtes Erkennen der Phasen dieses Prozesses hilft&lt;br /&gt;
uns, das Erreichte zu festigen, und macht uns fähig, weitere Wachstums-&lt;br /&gt;
chancen auszumachen und wahrzunehmen, oft durch schmerzliche Er-&lt;br /&gt;
fahrungen, die zunächst unnütz oder grausam erscheinen mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die persönliche Wandlung ist ein Hauptgrund dafür, daß sich Menschen&lt;br /&gt;
zum Glauben hingezogen fühlen, sich von seiner Wahrheit zunehmend&lt;br /&gt;
überzeugen und schließlich Baha’i werden. Das ist naheliegend. Menschen,&lt;br /&gt;
die mit diesem Glauben in Berührung kommen und sich durch ihn ver-&lt;br /&gt;
wandelt fühlen, machen eine Erfahrung, die für sich selbst spricht. Keiner&lt;br /&gt;
kann ihnen diese Erfahrung nehmen, kein verstandliches Argument kann&lt;br /&gt;
sie zur Bedeutungslosigkeit oder Unwirklichkeit herabmindern. Das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein, sich selbst zum Besten seiner eigenen Anlagen zu entfalten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
983&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|984|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellt die höchste Freude dar. Es fördert den Sinn für den eigenen Wert,&lt;br /&gt;
beseitigt das Bedürfnis nach Aggressionen und bewirkt ein mitfühlendes&lt;br /&gt;
Gesellschaftsbewußtsein — alles Voraussetzungen für die Welteinheit und&lt;br /&gt;
den Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen menschlicher Anlagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aber ist das „Beste“ der eigenen Anlagen? Bahä’u’lläh lehrt, der&lt;br /&gt;
höchste Ausdruck des Selbstes sei Dienstbarkeit. Das Maß, in dem diese&lt;br /&gt;
höchste Stufe der Dienstbarkeit erreicht werden kann, entspricht dem&lt;br /&gt;
Maß, in dem die grundlegenden Kräfte oder Möglichkeiten des mensch-&lt;br /&gt;
lichen Wesens erschlossen werden können. Der Prozeß der Selbstver-&lt;br /&gt;
wirklichung ist folglich gleichbedeutend mit einem Prozeß der Entfal-&lt;br /&gt;
tung grundlegender Möglichkeiten und ihrer Bereitstellung für den&lt;br /&gt;
Dienst an der Menschheit. Die alltäglichen Entscheidungen und Handlun-&lt;br /&gt;
gen, die diese Entfaltung widerspiegeln, sind dem Wesen nach religiös;&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh setzt Arbeit jeder Art, die im Geist des Dienens — im Geist&lt;br /&gt;
jener höchsten Stufe des Menschentums — verrichtet wird, dem Gottes-&lt;br /&gt;
dienst gleich. Ein Mensch, der die religiöse Natur dieses Entfaltungspro-&lt;br /&gt;
zesses zu sehen beginnt, wird nicht nur in der Arbeit und im Gottesdienst&lt;br /&gt;
eine neue Tiefendimension entdecken, sondern auch die Religion in einem&lt;br /&gt;
neuen Licht sehen. Nach und nach wird er das eine verstehen: Wenn die&lt;br /&gt;
Kraft, die den Menschen zu ständigem Wachstum befähigt, aus einer Re-&lt;br /&gt;
ligion verschwunden ist, wird es Zeit, daß diese Religion erneuert wird;&lt;br /&gt;
denn ohne jene Kraft ist eine Religion wenig mehr als leeres Ritual, in-&lt;br /&gt;
haltloses Dogma und gesellschaftliche Konvention, die die Ausprägung&lt;br /&gt;
menschlichen Geistes blockieren und den gesellschaftlichen Fortschritt&lt;br /&gt;
aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dienst an der Menschheit erhält seinen Wert durch die Tiefe und&lt;br /&gt;
den Charakter der Fähigkeiten des Menschen, der ihn erbringt. Welches&lt;br /&gt;
sind die Fähigkeiten? Bahä’u’lläh bestimmt sie in Seiner Erklärung über&lt;br /&gt;
die grundlegende Absicht bei der Erschaffung des Menschen: Gott zu er-&lt;br /&gt;
kennen und zu lieben. Klar sind hier die beiden grundlegenden Kräfte&lt;br /&gt;
oder Fähigkeiten des Erkennens und des Liebens bezeichnet und mit dem&lt;br /&gt;
Zweck und Sinn unseres Daseins verbunden. Folglich bedeutet für einen&lt;br /&gt;
Bahä’i Selbstverwirklichung die Entfaltung der eigenen Erkenntnis- und&lt;br /&gt;
Liebesfähigkeit im Dienst an der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Sinnverständnis verleiht dem Begriff der Geistigkeit Substanz:&lt;br /&gt;
Ein geistiger Mensch ist jemand, der Gott erkennt und liebt und sich&lt;br /&gt;
kämpferisch dafür einsetzt, diese Erkenntnis- und Liebesfähigkeit im Dienst&lt;br /&gt;
an der Menschheit zu entfalten. Definitionsgemäß ist es demnach ein Zei-&lt;br /&gt;
chen geistiger Unreife oder geistiger Krankheit, wenn jemand sich einem&lt;br /&gt;
Eindruck verschließt oder sich weigert, neue Beweismittel zu prüfen, wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jemand seine eigene Erkenntnisfähigkeit blockiert oder auf andere in&lt;br /&gt;
liebloser Weise reagiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle anderen Tugenden können als Ausdruck verschiedener Kombina-&lt;br /&gt;
tionen dieser Grundfähigkeiten des Liebens und Erkennens, auf mannig-&lt;br /&gt;
fache Lebenslagen angewandt, verstanden werden. Die Liebesfähigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
984&lt;br /&gt;
{{page|985|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=23}}umfaßt nicht nur die Fähigkeit zu lieben, sondern auch die Fähigkeit, ge-&lt;br /&gt;
liebt zu werden — Liebe anzuziehen. Es gibt keine Liebenden ohne Ge-&lt;br /&gt;
liebte. Wenn wir nicht wissen, wie wir geliebt werden können, oder Liebe&lt;br /&gt;
nicht annehmen, frustrieren wir andere, die um die Entfaltung ihrer&lt;br /&gt;
eigenen Liebesfähigkeit ringen. Die Nichtannahme der Liebe eines ande-&lt;br /&gt;
ren wird sehr häufig als Zurückweisung empfunden; sie richtet unermeß-&lt;br /&gt;
lichen Schaden an, besonders bei kleinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erkenntnisfähigkeit gehört auch das Wissen darum, wie man lernt&lt;br /&gt;
und wie man lehrt. Lehren und Lernen sind reziproke Gesichtspunkte der&lt;br /&gt;
Erkenntnisfähigkeit. Ein Lehrer ist kein guter Lehrer, wenn er nicht von&lt;br /&gt;
seinen Schülern lernen kann, und ein guter Schüler wird es nicht ver-&lt;br /&gt;
säumen, seinem Lehrer auf solche Weise Fragen zu stellen, daß sie beide&lt;br /&gt;
lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Fähigkeit unterstützt und erleichtert die Entwicklung der anderen.&lt;br /&gt;
Um zum Beispiel Erkenntnis zu gewinnen, müssen wir das Lernen lie-&lt;br /&gt;
ben; wenn wir lieben sollen, müssen wir nicht nur erkennen, wie man&lt;br /&gt;
liebt, sondern auch, wie man geliebt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Grundfähigkeiten des Erkennens und Liebens sind wesen-&lt;br /&gt;
hafte menschliche Anlagen. Vom Bahä’i-Standpunkt aus bedeutet wahre&lt;br /&gt;
Er-ziehung ein Heraus-ziehen, ein Ent-wickeln von Anlagen im weitest&lt;br /&gt;
möglichen Maße. Unglückseligerweise befaßt sich die heutige Erziehung&lt;br /&gt;
weit mehr mit der Darreichung von Information als mit dem Heraus-&lt;br /&gt;
ziehen von Anlagen. Schulen sind deshalb in erster Linie Anstalten, in&lt;br /&gt;
denen Tatsachen und Gedanken vom Lehrer verabreicht und vom Schü-&lt;br /&gt;
ler gespeichert werden. Folgerichtig bestätigen Titel und Diplome ledig-&lt;br /&gt;
lich von Amts wegen, daß bestimmte Arten und Mengen von Informa-&lt;br /&gt;
tion verabreicht worden sind und der Diplomant in verschiedenen Etap-&lt;br /&gt;
pen seiner formalen Erziehung aufzeigen konnte, daß er diese Informa-&lt;br /&gt;
tion gut genug gespeichert hat, um sie während einer Prüfung wieder-&lt;br /&gt;
zufinden und niederzuschreiben. Solche Titel und Diplome sagen nichts&lt;br /&gt;
über die Fähigkeit des Studenten zu lieben oder zu empfinden; sie sagen&lt;br /&gt;
deshalb kaum etwas über den Charakter — ein Wort, das die Geschick-&lt;br /&gt;
lichkeit eines Menschen bezeichnet, sein Wissen konstruktiv anzuwenden&lt;br /&gt;
und seiner Liebe zur Menschheit Ausdruck zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des weiteren hat es sich erwiesen, daß Lernpropleme auftreten und die&lt;br /&gt;
Erkenntnisfähigkeit geschwächt wird, wenn die Liebesfähigkeit auf&lt;br /&gt;
irgendeine Weise blockiert ist. Ein Schulsystem, das auf engstirniger „In-&lt;br /&gt;
formationsverabreichung“ aufgebaut ist, kann den Bedürfnissen der Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft niemals angemessen dienen. Wahre Erziehung muß den Fort-&lt;br /&gt;
schritt zur höchsten Stufe — der Dienstbarkeit — fördern und sich des-&lt;br /&gt;
halb mit dem ganzen Menschen und seinem Charakter, nicht nur einem&lt;br /&gt;
kleinen Ausschnitt, beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glaube als Erschließung menschlicher Anlagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen menschlicher Anlagen zu beschreiben und diese Anlagen zu&lt;br /&gt;
erschließen — das sind zwei recht verschiedene Dinge. Der Bahä’i-Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
985&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|986|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tut beides. Das Wesen menschlicher Fähigkeiten wurde bereits kurz be-&lt;br /&gt;
sprochen. Wir wollen nun die Wege erkunden, auf denen der Glaube&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch die Erschließung dieser Anlagen den Verwandlungsprozeß einlei-&lt;br /&gt;
tet und in Gang hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urquell für die Kraft zur Verwandlung sind die Schriften&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs. Sich Seinen Schriften zu öffnen, fördert die Entwicklung des&lt;br /&gt;
Glaubens, und Glaube ist die erste Vorbedingung der Verwandlung. Im&lt;br /&gt;
Grunde ist Glaube eine Haltung gegenüber dem Unbekannten oder Un-&lt;br /&gt;
erkennbaren, die es uns mit der Zeit ermöglicht, uns diesem Unbekannten&lt;br /&gt;
in solcher Weise zu nähern, daß ein wenig mehr davon bekannt wird.&lt;br /&gt;
Dergestalt ist Glaube eine besondere Form des Ineinandergreifens der&lt;br /&gt;
beiden Grundfähigkeiten zu erkennen und zu lieben. Dem Wesen nach&lt;br /&gt;
bedeutet Glaube eine Liebesbeziehung zum Unbekannten oder Un-&lt;br /&gt;
erkennbaren — ein Hingezogensein zu allem Unbekannten und eine&lt;br /&gt;
Fähigkeit, sich ihm zu nähern. Da Gott, wie Bahä’u’lläh bestätigt, uner-&lt;br /&gt;
kennbar ist, bedarf es des Glaubens, damit man von Ihm angezogen wird&lt;br /&gt;
und zu Ihm in Beziehung tritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir alle haben eine Art kosmischen Hungers, ein Bedürfnis, zu allen&lt;br /&gt;
Dingen einschließlich der Unendlichkeit des Alls in Beziehung zu treten.&lt;br /&gt;
Das ist ein natürliches Nebenprodukt des Bewußtseins. Da wir uns selbst&lt;br /&gt;
als abgesondert von allen übrigen Dingen im Weltall erleben, fühlen wir&lt;br /&gt;
uns gezwungen herauszufinden, wie wir zu allen anderen Dingen in Be-&lt;br /&gt;
ziehung stehen; und dies schließt die Beziehung zu den unbekannten oder&lt;br /&gt;
unerkennbaren Dingen, die gleichfalls im AU existieren, mit ein. Das&lt;br /&gt;
letzte unerkennbare Geheimnis des Weltalls trägt viele Namen: Allah,&lt;br /&gt;
Jehovah, Gott, Höchstes Wesen. Weil nun der Mensch die Fähigkeit des&lt;br /&gt;
Glaubens — eine besondere Haltung gegenüber dem Unbekannten — be-&lt;br /&gt;
sitzt, hat er die ganze Weltgeschichte hindurch auf die Stifter der großen&lt;br /&gt;
Weltreligionen angesprochen, die zu ihm kamen, um die Eigenschaften&lt;br /&gt;
jenes unerkennbaren Geheimnisses — Gottes — zu offenbaren und unse-&lt;br /&gt;
ren kosmischen Hunger zu stillen. Somit ist Glaube ein wesenhafter Aus-&lt;br /&gt;
druck unseres Lebenszwecks, Gott zu erkennen und zu lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn unsere Grundfähigkeiten das Erkennen und das Lieben sind und&lt;br /&gt;
wenn wir als Ebenbilder Gottes erschaffen sind, müssen Erkenntnis und&lt;br /&gt;
Liebe zu den Eigenschaften Gottes gehören. In den „Verborgenen Wor-&lt;br /&gt;
ten“ bestätigt uns Bahä’u’lläh, daß dies so ist. Er spricht: „O Sohn des&lt;br /&gt;
Menschen! Verhüllt in Meinem unausdenkbaren Wesen und in der Ewig-&lt;br /&gt;
keit Meines Seins erkannte Ich Meine Liebe zu dir; darum erschuf Ich&lt;br /&gt;
dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit“&lt;br /&gt;
(arab. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn weiterhin Gott unerkennbar ist und wir nach Seinem Ebenbild&lt;br /&gt;
erschaffen sind, können wir erwarten, daß auch in uns selbst etwas Un-&lt;br /&gt;
bekanntes ist. Dieses Unbekannte sind die noch nicht zum Ausdruck ge-&lt;br /&gt;
langten Anlagen in uns — die verborgenen Fähigkeiten zu erkennen und&lt;br /&gt;
zu lieben. Auf dramatische Weise lenkt uns Bahä’u’lläh in die Weite die-&lt;br /&gt;
ses Unbekannten in uns selbst, wenn Er in den „Sieben Tälern“ einen&lt;br /&gt;
Ausspruch ‘Alis, des Schwiegersohns Muhammads, anführt: „Wähnst du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
986&lt;br /&gt;
{{page|987|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=25}}dich nur eine schwächliche Form, wo in dir doch das Weltall im Kleinen&lt;br /&gt;
verborgen ruht?“ (1963, S. 39). In einem anderen Vers sagt Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
selbst: „Ihr seid Meine Schatzkammern, denn in euch legte Ich die Perlen&lt;br /&gt;
Meiner Geheimnisse und die Edelsteine Meiner Erkenntnis“ (arab. Ver-&lt;br /&gt;
borgene Worte, 69).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner von uns kennt seine Liebesfähigkeit oder weiß, wieviel er ler-&lt;br /&gt;
nen kann. Wie wir Glauben haben müssen, ehe wir etwas von den Eigen-&lt;br /&gt;
schaften Gottes erkennen können, so müssen wir Glauben haben, bevor&lt;br /&gt;
wir etwas über uns selbst erfahren. Wir müssen das Unbekannte in uns&lt;br /&gt;
selbst lieben — zu ihm hingezogen sein, eine besondere Haltung zu ihm&lt;br /&gt;
einnehmen; nur so kann es sich erschließen. Wenn wir zu dem Unbekann-&lt;br /&gt;
ten in uns selbst ausreichend in Beziehung treten, können wir auch zu&lt;br /&gt;
dem Unbekannten in anderen Menschen Beziehungen aufnehmen. Mit&lt;br /&gt;
anderen Worten, wir müssen andere Menschen nicht nur in der Form&lt;br /&gt;
annehmen, wie sie gegenwärtig sind; wir müssen in ihnen zugleich das&lt;br /&gt;
sehen, was sie werden können, sonst behindern wir sie in ihrem Ver-&lt;br /&gt;
wandlungsprozeß und halten sie von ihrer Selbstverwirklichung ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Grund, warum ein Mensch alle seine Beziehungen zu an-&lt;br /&gt;
deren verwirrt, unbefriedigend, ja schmerzhaft empfindet, wenn er sich&lt;br /&gt;
selbst aufgegeben, seine Selbstverwirklichung abgebrochen und darum&lt;br /&gt;
seine eigenen Anlagen verraten hat. Einen anderen Menschen so anzu-&lt;br /&gt;
nehmen, wie er gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist, und die Be-&lt;br /&gt;
ziehungen darauf aufzubauen, verhindert die Entfaltung von mehr als&lt;br /&gt;
einem oberflächlichen Verhältnis. Um Beziehungen von tiefem innerem&lt;br /&gt;
Gehalt zu anderen Menschen zu schaffen, müssen wir zugleich zu den&lt;br /&gt;
unbekannten Möglichkeiten in ihnen ja sagen; denn dieses Jasagen ist&lt;br /&gt;
eine wichtige Quelle ihres Mutes zur Selbstverwirklichung. Ein wenig&lt;br /&gt;
persönlicher ausgedrückt: Wenn Sie die unbekannten Möglichkeiten in&lt;br /&gt;
sich selbst nicht annehimen, werden Sie nie mehr als eine oberflächliche&lt;br /&gt;
Beziehung zu anderen herstellen können; Sie werden weder anderen da-&lt;br /&gt;
bei helfen können, ihre Anlagen zu entwickeln, noch werden Sie dies&lt;br /&gt;
bei sich selbst vermögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anlagen eines Menschen ein überaus wichtiger Teil seiner Wirk-&lt;br /&gt;
lichkeit sind — tatsächlich sind sie die Grundlage seines künftigen Wachs-&lt;br /&gt;
tums — müssen diese Anlagen von anderen angenommen werden und in&lt;br /&gt;
den zwischenmenschlichen Beziehungen eine Rolle spielen, bevor sich ein&lt;br /&gt;
Mensch voll angenommen fühlen kann. Volle Annahme durch andere&lt;br /&gt;
schafft eine besondere Art von Vertrauen, das schwerlich gebrochen wer-&lt;br /&gt;
den kann. Es ist die wichtigste Ursache für einen wohlwollenden Zwang&lt;br /&gt;
zur Selbstverwirklichung und eines der bedeutsamsten Zeichen wirk-&lt;br /&gt;
licher Liebe und Freundschaft. Wenn dieser liebevolle Zwang wechsel-&lt;br /&gt;
seitig zwischen zwei Menschen platzgreift, wird er jede Beziehung ver-&lt;br /&gt;
geistigen; besondere Bedeutung hat er jedoch in der Ehe. Er bildet die&lt;br /&gt;
geistige Grundlage der Bahä’i-Ehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß Wechselseitigkeit bei dieser Art von Beziehung notwendig ist,&lt;br /&gt;
bringt Bahä’u’lläh in den Verborgenen Worten klar zum Ausdruck: „O&lt;br /&gt;
Sohn des Seins! Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|988|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener“&lt;br /&gt;
(arab. 5). In diesem Vers befiehlt uns Gott durch Seine Manifestation, daß&lt;br /&gt;
wir Ihn lieben und Ihn trotz der Tatsache annehmen, daß Er unerkenn-&lt;br /&gt;
bar ist. Zum Unerkennbaren hingezogen zu sein, ist das Wesen des Glau-&lt;br /&gt;
bens. Wenn kein Glaube, kein Hingezogensein zu jenem ersten Geheim-&lt;br /&gt;
nis, vorhanden ist, werden wir dem Geheimnis in unserem eigenen Selbst&lt;br /&gt;
entfremdet und von der Kraft des Wachstums und der Entwicklung ab-&lt;br /&gt;
geschnitten. Das oben angeführte Zitat beginnt mit der Anrede: „O Sohn&lt;br /&gt;
des Seins!“ und endet mit dem Befehl: „Erkenne dies, o Diener“. So wer-&lt;br /&gt;
den in diesem ganz knappen Vers die beiden Grundfähigkeiten des Lie-&lt;br /&gt;
bens und Erkennens wieder im Zusammenhang mit dem Sein und dem&lt;br /&gt;
Dienen hervorgehoben. Der Prozeß des Seins, das Werden, wird mit der&lt;br /&gt;
höchsten Stufe der Dienstbarkeit verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst vor dem Unbekannten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Unbekannten ins Auge zu sehen, ist nicht leicht. Der Ausblick&lt;br /&gt;
ist immer mit Angst verbunden, besonders wenn wir dem Unbekannten&lt;br /&gt;
in uns selbst gegenübertreten. Ein Unbekanntes außerhalb von uns selbst&lt;br /&gt;
wird fast immer als eine mögliche Bedrohung unserer Sicherheit wahr-&lt;br /&gt;
genommen, weil es eine Frage aufwirft, die etwas Unbekanntes in uns&lt;br /&gt;
selbst darstellt: Haben wir das, was wir brauchen, um erfolgreich mit&lt;br /&gt;
diesem äußeren Unbekannten umgehen zu können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst hat alle Kennzeichen der Furcht, nur kein klar umgrenztes&lt;br /&gt;
Objekt. Furchtreaktionen wie Angstreaktionen sind charakterisiert durch&lt;br /&gt;
eine rasche energetische Aufladung des Systems, die es auf eine mögliche&lt;br /&gt;
Notlage vorbereitet. Die Furchtreaktion läßt sich leichter kontrollieren,&lt;br /&gt;
weil das drohende Objekt identifiziert und beseitigt oder umgangen wer-&lt;br /&gt;
den kann. Im Falle der Angst jedoch geht das System in Alarmbereit-&lt;br /&gt;
schaft über, wobei nicht klar wird, was die Notlage ausmacht. Ohne ein&lt;br /&gt;
Objekt ist es schwierig zu erkennen, welche Maßnahmen getroffen wer-&lt;br /&gt;
den sollen; auch ist das System nie ganz sicher, wann es die Notlage als&lt;br /&gt;
vorübergegangen bezeichnen kann. Angst kann folglich als Energie-&lt;br /&gt;
aufwand ohne Zielsetzung angesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzige erfolgversprechende Weg, mit der Angst umzugehen, ist&lt;br /&gt;
demnach, diese Energie als ein Geschenk aufzufassen und ein konkretes&lt;br /&gt;
Ziel für sie zu finden, das dem allgemeineren Ziel, der tieferen Sinn-&lt;br /&gt;
gebung dient: unsere Fähigkeiten des Liebens und des Erkennens zu ent-&lt;br /&gt;
falten. In arteigenen Begriffen festzulegen, was dieses Ziel genau sein&lt;br /&gt;
soll, ist vielleicht der umfassendste schöpferische Akt des Menschen. Er&lt;br /&gt;
bringt es mit sich, daß man ein Risiko trägt, den Schritt hinaus ins Un-&lt;br /&gt;
bekannte wagt, die Last des Zweifels auf die Schulter nimmt und doch&lt;br /&gt;
immer in der Hoffnung lebt, irgendeine neue Fähigkeit oder eine neue&lt;br /&gt;
Grenze (die ebenfalls Teil der eigenen Wirklichkeit ist) zu entdecken. Zu&lt;br /&gt;
jenem Unbekannten in uns selbst hingezogen sein, ist Glaube; die Energie&lt;br /&gt;
der Angst dazu verwenden zu können, ein Ziel abzustecken, und Schritte&lt;br /&gt;
auf dieses Ziel hin’ zu unternehmen, ist Mut. So sind Glaube, Zweifel,&lt;br /&gt;
Angst und Mut allesamt grundlegende Gesichtspunkte des Verwand-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
988&lt;br /&gt;
{{page|989|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=27}}lungsprozesses, der Erschließung von Anlagen. Wenn keine Unbekann-&lt;br /&gt;
ten da wären, gäbe es keinen Zweifel und keine Angst; ohne Zweifel und&lt;br /&gt;
Angst jedoch gäbe es kein Bedürfnis nach Glauben und Mut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der geistige Mutterboden der Verwandlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Macht des Bahä’i-Glaubens, Menschen durch die Erschließung ihrer&lt;br /&gt;
Anlagen zu verwandeln, rührt unmittelbar aus der Tatsache, daß er Zwei-&lt;br /&gt;
fel und Angst in beherrschbaren Grenzen hält und einen Ansporn, eine&lt;br /&gt;
Motivation dafür schafft, durch Glauben und Mut konstruktiv mit dem&lt;br /&gt;
Zweifel und der Angst umzugehen. Bahä’u’lläh selbst wies darauf hin,&lt;br /&gt;
daß die Hauptquelle jener Kraft zur Verwandlung die Annahme Seines&lt;br /&gt;
Wortes, des Wortes Gottes, ist. Man spricht von Seinen Schriften oft als&lt;br /&gt;
dem „schöpferischen Wort“, aus keinem anderen Grund als dem, daß sich&lt;br /&gt;
Menschen neu erschaffen fühlten, wenn sie sich mehr und mehr diesem&lt;br /&gt;
Wort öffneten. Deutlich versichert Bahä’u’lläh, man müsse, wenn man&lt;br /&gt;
verwandelt werden wolle, sich „in das Weltmeer Seiner Worte“ ver-&lt;br /&gt;
senken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versenkung in dieses Weltmeer leitet den Verwandlungsprozeß da-&lt;br /&gt;
durch ein, daß sie die Natur des Menschen und den Sinn unserer Erschaf-&lt;br /&gt;
fung in uns bewußt macht. Niemand kann Bahä’u’lläh lesen, ohne zu&lt;br /&gt;
spüren, wie seine eigenen Fähigkeiten zu lieben und zu erkennen geweckt&lt;br /&gt;
und entfaltet werden. In dem Maße, wie wir Seine Schriften fortgesetzt&lt;br /&gt;
durchforschen, sehen wir uns selbst und die Verhältnisse mit anderen&lt;br /&gt;
Augen. In dem Maße, wie wir uns selbst und die Verhältnisse anders&lt;br /&gt;
sehen, beginnen wir, andere Gedanken und Gefühle über die Dinge um&lt;br /&gt;
uns her zu haben. Wenn wir anders denken und fühlen, beginnen wir,&lt;br /&gt;
uns anders zu verhalten. Ein anderes Verhalten ist der greifbare Aus-&lt;br /&gt;
druck dafür, daß ein Mensch auf dem Weg zum Abenteuer seiner Selbst-&lt;br /&gt;
verwirklichung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schriften Bahä’u’llähs dienen demnach als eine Art Interventions-&lt;br /&gt;
streitmacht, die uns von all den Bindungen und Befürchtungen befreit,&lt;br /&gt;
welche uns gefangenhalten und uns hindern, den gefährlichen, aber schöp-&lt;br /&gt;
ferischen Schritt in das Unbekannte zu wagen. Wir wissen, daß Menschen&lt;br /&gt;
oft durch starke Erlebnisse dieser oder jener Art verändert werden. Die&lt;br /&gt;
Versenkung in das Weltmeer der Worte Bahä’u’llähs ist kein gewöhnliches&lt;br /&gt;
Lesen; es ist ein Erlebnis für den ganzen Menschen, das stark genug wer-&lt;br /&gt;
den kann, um ihn von den Bindungen an den Status quo zu befreien und&lt;br /&gt;
ihn zum Streben nach seiner Bestimmung zu lenken. Wenn wir uns von&lt;br /&gt;
der lähmenden Verhaftung an das, was andere Leute von uns denken, frei&lt;br /&gt;
gemacht haben, laufen wir weniger Gefahr, von anderen manipuliert und&lt;br /&gt;
gefangen gehalten zu werden. Stattdessen erschließen wir eine Quelle&lt;br /&gt;
eigenständiger Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schriften Bahä’u’llähs führen auch die allgemeine Angst und die&lt;br /&gt;
Zweifel unserer Gegenwart auf ein beherrschbares Maß zurück, indem sie&lt;br /&gt;
der Menschheitsgeschichte und dem gegenwärtigen Krisenzustand in der&lt;br /&gt;
Welt einen Sinn beimessen. Das bedeutet, daß wir uns nicht länger vor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
989&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|990|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
machen müssen, die Krisen seien nicht vorhanden, und uns nicht länger&lt;br /&gt;
dagegen sträuben müssen, ihnen ins Auge zu sehen. Das Verständnis der&lt;br /&gt;
uns umgebenden Probleme, und sei es auch nur in groben Zügen, ver-&lt;br /&gt;
mindert nicht nur die Angst, sondern vermittelt uns auch Mut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Quelle des Mutes ist Bahä’u’llähs stets allgemein gehalte-&lt;br /&gt;
ner Hinweis darauf, welche Zielsetzungen rechtens sind und mit dem&lt;br /&gt;
Sinn unserer Erschaffung in Einklang stehen. Dies gibt uns eine gewisse&lt;br /&gt;
Anleitung für den schöpferischen Schritt, ein Ziel zu umreißen, das wir&lt;br /&gt;
dadurch erreichen können, daß wir die Energie der Angst nutzbar machen.&lt;br /&gt;
Wir haben hier eine freie Wahl. Wir können entweder jenen schöpferi-&lt;br /&gt;
schen Schritt vollziehen, ein Ziel umreißen und dadurch den Verwand-&lt;br /&gt;
lungsprozeß erleichtern, oder wir können uns mehr oder weniger bewußt&lt;br /&gt;
weigern, dies zu tun, und hoffen, daß die Angst schließlich von allein&lt;br /&gt;
vergeht. Offensichtlich sind Persönlichkeiten, die eine starke Führung&lt;br /&gt;
hinsichtlich der Art der Ziele besitzen, besonders gut in der Lage, bewußt&lt;br /&gt;
über praktische Ziele zu entscheiden. So lange eine solche Zielentschei-&lt;br /&gt;
dung fehlt, drückt sich die Energie der Angst leicht in aggressiven una&lt;br /&gt;
feindseligen Akten gegen andere Menschen aus; deren Reaktionen auf&lt;br /&gt;
den Angriff behindert oft das weitere Wachstum und die Entwicklung&lt;br /&gt;
noch mehr, nicht nur bei ihnen selbst, sondern erst recht bei den Men-&lt;br /&gt;
schen, auf die sie reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schriften Bahä’u’llähs regen also unsere Grundfähigkeiten zu er-&lt;br /&gt;
kennen und zu lieben auf die einzigartige Weise an, die wir Glau-&lt;br /&gt;
ben und Mut nennen können. Glauben und Mut bieten ihrerseits die&lt;br /&gt;
Gewähr für das ständige Wachstum und die Weiterentwicklung jener&lt;br /&gt;
beiden Grundfähigkeiten. Mit anderen Worten, Erkenntnis und Liebe, in&lt;br /&gt;
richtiger Weise durch Glauben und Mut angewandt, erhöhen die Erkennt-&lt;br /&gt;
nis- und Liebesfähigkeit und erschließen menschliche Anlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gesellschaftliche Boden für die Verwandlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dies ist nicht das ganze Bild. Bahä’u’lläh hat Vorkehrungen für&lt;br /&gt;
die Bildung von Gemeinschaften getroffen, deren Einrichtungen die Ver-&lt;br /&gt;
wandlung der Menschheit sicherstellen und vorantreiben. Die Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde wird so zum gesellschaftlichen Mutterboden des Verwandlungs-&lt;br /&gt;
Prozesses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Bahä’u’lläh den Grundsatz der Einheit der Menschheit bekräftigt,&lt;br /&gt;
sind alle Bahä’i-Gemeinden aus Menschen verschiedener sprachlicher,&lt;br /&gt;
rassischer, nationaler und religiöser Herkunft zusammengesetzt. Diese&lt;br /&gt;
Mannigfaltigkeit stellt jedes Mitglied vor viele Unbekannte, oder weni-&lt;br /&gt;
ger wohlklingend ausgedrückt: Die Bahä’i-Gemeinde setzt sich aus Men-&lt;br /&gt;
schen zusammen, von denen man sich viele normalerweise nicht als&lt;br /&gt;
Freunde aussuchen und zu denen man sich ansonsten nicht sonderlich&lt;br /&gt;
hingezogen fühlen würde. Bekanntlich neigen wir dazu, solche Menschen&lt;br /&gt;
als Freunde zu gewinnen, die in der selben Weise wie wir denken, die-&lt;br /&gt;
selben Ansichten wie wir über bestimmte Dinge haben, dieselben Ge-&lt;br /&gt;
schmacksrichtungen und Liebhabereien verfolgen. Innerhalb einer der-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
990&lt;br /&gt;
{{page|991|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
maßen gleichartigen Gruppe kann die persönliche Verwandlung leicht zum&lt;br /&gt;
Stillstand kommen, denn es wird ein festes Repertoire von Antworten auf&lt;br /&gt;
alle Fragen entwickelt, und es besteht kein Anreiz, neue Antworten zu&lt;br /&gt;
finden. Dies ist der Grund, warum Mannigfaltigkeit eines der kostbarsten&lt;br /&gt;
Attribute der Bahä’i-Gemeinschaft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand einer Bahä’i-Gemeinde beitritt, kommt er in eine Fa-&lt;br /&gt;
milie von völlig verschiedenartigen Menschen, mit denen er zusammen-&lt;br /&gt;
arbeiten und sinnvolle Beziehungen aufbauen muß. Das erste, was er&lt;br /&gt;
dabei herausfindet, ist der Umstand, daß sein altes Repertoire von Ant-&lt;br /&gt;
worten nicht länger ausreicht. Derart viele verschiedene Menschen stellen&lt;br /&gt;
eine hohe Zahl von Unbekannten dar, und der Versuch, mit diesen Un-&lt;br /&gt;
bekannten in Beziehung zu treten, schafft Energie (Angst), die ihrerseits&lt;br /&gt;
jenen wechselseitigen Prozeß des Erkennens und Liebens durch Glauben&lt;br /&gt;
und Mut in Gang setzt. Wenn wir ein angemessenes Ziel setzen, das die&lt;br /&gt;
Energie dieser Angst konstruktiv nutzt, werden wir dadurch ein neues&lt;br /&gt;
Repertoire von Antworten auf Lebensfragen hervorrufen. Jede neue Ant-&lt;br /&gt;
wort ist ein Stück offenbar gewordener, bisher verborgener Fähigkeit,&lt;br /&gt;
eine Erschließung menschlicher Wirkkräfte. Eine andere Möglichkeit, dies&lt;br /&gt;
auszudrücken, ist die Feststellung, daß die Bahä’i-Gemeinschaft mehr&lt;br /&gt;
Gelegenheiten der Erkenntnis und der Liebe unter wachstumsfördernden&lt;br /&gt;
Bedingungen bietet, als irgendwo sonst anzutreffen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der typische Bahä’i bewegt sich in einem geistigen Entwicklungsmodell,&lt;br /&gt;
das mit der Toleranz für die Verschiedenartigkeit der anderen Gemeinde-&lt;br /&gt;
mitglieder beginnt. In dem Maße, wie Erkenntnis hinzutritt, wächst diese&lt;br /&gt;
Toleranz in Verständnis aus. Wenn Liebe dazukommt, blüht das Ver-&lt;br /&gt;
ständnis zu Wertschätzung auf. Diese Wertschätzung der Verschiedenartig-&lt;br /&gt;
keit ist der geistige und gesellschaftliche Gegensatz des Ethnozentrismus,&lt;br /&gt;
der Überschätzung. des eigenen Volkstums. Die Reise vom Ethnozentris-&lt;br /&gt;
mus über die Stationen der Duldung und des Verständnisses bis zum&lt;br /&gt;
Standort der Wertschätzung bringt unvermeidlich viele Ängste und Zwei-&lt;br /&gt;
fel mit sich. Wir sind oft in eine Lage versetzt, in der wir nicht genau&lt;br /&gt;
wissen, was wir tun sollen, oder wenn wir es wissen, keine Lust haben,&lt;br /&gt;
es zu tun. Das sind Prüfungen, Voraussetzungen für unsere Verwandlung.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Sohn Bahä’u’llähs, stellt eindeutig fest, daß es keine&lt;br /&gt;
geistige Entwicklung ohne Prüfungen gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommen wir zu einem höchst gefährlichen Punkt. Prüfungen kön-&lt;br /&gt;
nen manchmal ein Individuum zerstören. ‘Abdu’Ii-Bahä erklärt, wenn&lt;br /&gt;
wir uns von Gott abwenden, um die Lösung zu finden, könne uns die&lt;br /&gt;
Prüfung in der Tat vernichten. Wenn wir uns jedoch um der Lösung&lt;br /&gt;
willen Gott zuwenden, und wenn uns die anderen Gemeindemitglieder&lt;br /&gt;
liebevoll unterstützen, können wir die Prüfung erfolgreich hinter uns&lt;br /&gt;
bringen. So bereitet uns die Bahä’i-Gemeinde wegen ihrer Mannigfaltig-&lt;br /&gt;
keit viele Prüfungen von der Art, wie sie notwendig für unsere geistige&lt;br /&gt;
Entwicklung sind. Gleichzeitig vermitteln die Führung durch die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Institutionen und die Verpflichtung der Gemeindemitglieder, einander in&lt;br /&gt;
der Form anzunehmen, zu der man sich entwickeln kann, den Mut dazu,&lt;br /&gt;
daß man solche Prüfungen in Fahrzeuge für den geistigen Fortschritt,&lt;br /&gt;
für die Erschließung menschlicher Anlagen verwandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
991&lt;br /&gt;
{{page|992|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt ist dies die geistige Bedeutung jeden Mißgeschicks.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh spricht: „Meine Prüfung ist Meine Vorsehung; äußerlich ist sie&lt;br /&gt;
Feuer und Züchtigung, doch in Wirklichkeit ist sie lauter Licht und&lt;br /&gt;
Gnade. Eile ihr entgegen, damit du ein ewiges Licht und ein unsterb-&lt;br /&gt;
licher Geist werdest. Dies ist Mein Gebot an dich. So beachte es“ (Ver-&lt;br /&gt;
borgene Worte, arab. 51).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist für den Bahä’i Glückseligkeit nicht ein Leben in Freiheit von&lt;br /&gt;
Angst oder Spannung; vielmehr wäre das die Bahä’i-Definition für Lange-&lt;br /&gt;
weile. Glück bedeutet für einen Bahä’i, Prüfungen unterworfen zu sein&lt;br /&gt;
und zu erkennen, wie man Mut faßt, sie so zu bestehen, daß die eigenen&lt;br /&gt;
Erkenntnis- und Liebesfähigkeiten im Dienst an der Menschheit weiter-&lt;br /&gt;
entwickelt werden. Das Gemeinschaftsleben bringt Prüfungen mit sich,&lt;br /&gt;
die zu Gelegenheiten werden, Erfahrung mit der Übersetzung abstrakter&lt;br /&gt;
Grundsätze in konkrete Wirklichkeiten zu sammeln, und dies gibt dem&lt;br /&gt;
Glauben die Grundlage bewußter Erkenntnis. Diese ständig erweiterte,&lt;br /&gt;
bewußte Erkenntnis der Wege, auf denen die Grundsätze des Glaubens&lt;br /&gt;
in wirklichen Lebenslagen anwendbar sind, festigt die Errungenschaften&lt;br /&gt;
der geistigen Entwicklung und schafft die Grundlage für unaufhörliches&lt;br /&gt;
Wachstum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Stein im Weg: das Vorurteil&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vereinigung aller Völker dieser Erde ist unmöglich, wenn die ein-&lt;br /&gt;
zelnen Menschen nicht in sich selbst zu einer Einheit geformt werden.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh äußerte einmal, Er könne keinen Menschen finden, der inner-&lt;br /&gt;
lich und äußerlich geeint sei. Wenn unsere Erkenntnis- und unsere Lie-&lt;br /&gt;
besfähigkeiten miteinander im Streit liegen, können wir weder innerlich&lt;br /&gt;
noch äußerlich geeint sein. Die Folge ist, daß unsere Worte und unsere&lt;br /&gt;
Taten nicht übereinstimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widerstreit zwischen diesen Fähigkeiten kommt äußerlich auch auf&lt;br /&gt;
einer anderen Ebene zum Ausdruck. Die Wissenschaft kann zum Beispiel&lt;br /&gt;
als ein Ausdruck der menschlichen Erkenntnisfähigkeit, die Religion als&lt;br /&gt;
Ausdruck seiner Liebesfähigkeit betrachtet werden. Bahä’u’lläh lehrte,&lt;br /&gt;
Wissenschaft und Religion müßten Hand in Hand arbeiten, sonst wirke&lt;br /&gt;
sich der Widerstreit zerstörerisch aus. Heute sehen wir, wie die Kenntnis&lt;br /&gt;
der Kernenergie ohne eine Kompensation durch Liebe eine ständige Be-&lt;br /&gt;
drohung unserer Lebenschancen erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Grundbedeutung bezeichnet das Wort Vorurteil Konflikte in&lt;br /&gt;
der Art und Weise, wie unsere beiden Grundfähigkeiten zum Ausdruck&lt;br /&gt;
kommen. Ein Vorurteil ist der Glaube (eine Art von Erkennen) an etwas,&lt;br /&gt;
das nicht wahr ist, verbunden mit einer gefühlsmäßigen Bestätigung&lt;br /&gt;
(einer Art von Liebe). Mit anderen Worten, ein Vorurteil ist das gefühls-&lt;br /&gt;
mäßige Hingezogen- oder Ausgeliefertsein an Unwahrheit oder Irrtum.&lt;br /&gt;
Handlungen, die auf dieser Haltung beruhen, sind fast immer schädlich,&lt;br /&gt;
sowohl für die Person, die das Opfer der Handlung ist, als auch für die-&lt;br /&gt;
jenige, die sie ausführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im persönlichen Bereich stellt das Vorurteil eine endgültige Sperre ge-&lt;br /&gt;
gen den Ausdruck menschlicher Anlagen dar, weil die Liebesfähigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
992&lt;br /&gt;
{{page|993|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=31}}benutzt wird, um die Erkenntnisfähigkeit zu behindern. Grundsätzlich&lt;br /&gt;
können fast alle Neurosen und Psychosen in der Form dieses Konflikt-&lt;br /&gt;
typus verstanden werden. Ziel der Therapie muß deshalb immer sein,&lt;br /&gt;
die Sperre zu beseitigen und den Weg zur Selbstverwirklichung freizu-&lt;br /&gt;
machen, indem man die Liebesfähigkeit des betreffenden Menschen in&lt;br /&gt;
die Lage versetzt, seine Erkenntniskräfte zu unterstützen, und umgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der gesellschaftlichen Ebene schlägt tätliches Vorurteil in massive&lt;br /&gt;
Ungerechtigkeiten durch, die von Diskriminierungen und Rassentren-&lt;br /&gt;
nungen bis zu offener Gewalt und zu organisierter Feindseligkeit in Form&lt;br /&gt;
von Kriegen reichen. Auch dies stellt eine endgültige Sperre gegen den&lt;br /&gt;
Ausdruck gesellschaftlicher Möglichkeiten dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Schranke gegen die Vereinigung der Menschheit wird durch ein&lt;br /&gt;
Vorurteil aufrechterhalten — durch weitverbreitetes, kulturbedingtes, ge-&lt;br /&gt;
fühlsbetontes Ausgeliefertsein an Unwahrheiten. Aus diesem Grund sehen&lt;br /&gt;
die Bahä’i den Prozeß der Vereinigung als gleichbedeutend mit der fort-&lt;br /&gt;
schreitenden Ausrottung von Vorurteilen an. Bevor die Schranken gegen&lt;br /&gt;
die Vereinigung niedergerissen werden können, müssen die Vorurteile,&lt;br /&gt;
die sie stützen, abgebrochen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum lassen sich Vorurteile so schwer ausrotten? Ein Grund ist der,&lt;br /&gt;
daß die Menschen oft gar nicht merken, daß sie ein Vorurteil haben. Im&lt;br /&gt;
Grunde ist dies die Bedeutung der Bigotterie: nichts über die eigene Un-&lt;br /&gt;
wissenheit zu wissen und dabei kühn und zuversichtlich die Richtigkeit&lt;br /&gt;
und Wahrheit des eigenen Standpunkts zu behaupten. Bigotte Menschen&lt;br /&gt;
sind in einer tragischen Position, weil sie es immer vermeiden, sich einer&lt;br /&gt;
Lebenslage auszusetzen, die sie mit der Tatsache konfrontieren könnte,&lt;br /&gt;
daß sie möglicherweise ein Vorurteil haben. Wie kann ein Mensch jemals&lt;br /&gt;
wissen, ob er einem Irrtum in Form eines Vorurteils verfallen ist oder&lt;br /&gt;
nicht, wenn er sich nie der Erfahrung aussetzt, die dies an den Tag bringt?&lt;br /&gt;
Oder, konkret und persönlich ausgedrückt: Wie könnten Sie erkennen,&lt;br /&gt;
daß Sie ein Vorurteil haben gegen jemanden, der eine andere Sprache&lt;br /&gt;
spricht oder eine andere Hautfarbe besitzt, wenn Sie nie die Gelegenheit&lt;br /&gt;
hätten, mit solch einem Menschen zusammenzusein — eine Erfahrung, die&lt;br /&gt;
Ihren Irrtum deutlich machen würde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das ist der Grund, warum die Bahä’i-Gemeinschaft so wichtig&lt;br /&gt;
für die fortschreitende Ausrottung von Vorurteilen ist. Auf Schritt und&lt;br /&gt;
Tritt bietet sie jedermann Gelegenheit zu Erfahrungen, die ihm vor&lt;br /&gt;
Augen führen, wo seine Vorurteile liegen. Der Kampf um die Welteinheit&lt;br /&gt;
findet dementsprechend weit mehr innerhalb als außerhalb der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Gemeinschaft statt. Außerhalb der Gemeinde können sich die Leute gegen&lt;br /&gt;
Erlebnisse, die ihnen ihre eigenen Vorurteile deutlich machen, abschirmen;&lt;br /&gt;
sie können damit fortfahren, sich nur solche Erlebnisse zu eigen zu&lt;br /&gt;
machen, die ihre Wahrnehmungen verzerrt sein lassen und ihr Ausgelie-&lt;br /&gt;
fertsein an Unwahrheiten bestärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vorurteil in sich selbst zu entdecken, ist für den Bahä’i immer eine&lt;br /&gt;
Prüfung. Sobald er es erkannt hat, weiß er, daß er darum ringen muß,&lt;br /&gt;
es zu beseitigen — nicht nur, weil es ihn ungerecht gegen andere Men-&lt;br /&gt;
schen werden ließe, wenn er es nicht überwände, sondern auch, weil seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|994|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene geistige Entwicklung unweigerlich von der Beseitigung seiner Vor-&lt;br /&gt;
urteile abhängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was geschieht einem Menschen mit blockierten Anlagen — einem Men-&lt;br /&gt;
schen, der aus irgendwelchen Gründen den Durchbruch zu seiner Selbst-&lt;br /&gt;
verwirklichung nicht gefunden hat? Wenn er passiv oder in sich gekehrt&lt;br /&gt;
ist, wird er in eine Phantasiewelt zu entkommen suchen; er wird sich in&lt;br /&gt;
die Welt der Rauschgifte und des Alkohols verkriechen und vielleicht am&lt;br /&gt;
Ende so handlungsunfähig sein, daß er in eine Anstalt verbracht werden&lt;br /&gt;
muß. Ist es ein nach außen gekehrter Tatmensch, wird er feindselig und&lt;br /&gt;
angriffslustig; vielleicht muß er am Ende eingesperrt werden, weil er&lt;br /&gt;
Verbrechen begangen hat. Der springende Punkt ist, daß ein Mensch auf&lt;br /&gt;
dem Weg zur Selbstverwirklichung, dessen Liebes- und Erkenntnisfähig-&lt;br /&gt;
keiten ständig fortschreiten, weder vor der Verantwortung in eine&lt;br /&gt;
Traumwelt entfliehen will noch das Bedürfnis hat, Schlachten zu schlagen,&lt;br /&gt;
andere zu verwunden und zu töten. Unter dem Eindruck des Erlebnisses,&lt;br /&gt;
daß sich ihre menschlichen Fähigkeiten erschließen, ist es den Menschen&lt;br /&gt;
unmöglich, sich in irgendeine Art von Kriegsführung einzulassen. Es&lt;br /&gt;
bleibt keinerlei Motiv für feindselige Handlungen übrig. Aus diesem&lt;br /&gt;
Grund beansprucht Bahä’u’lläh, daß Sein Glaube und die Bahä’i-Ge-&lt;br /&gt;
meinde die Werkzeuge seien, durch die der Weltfriede schließlich fest&lt;br /&gt;
begründet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ebenbild Gottes und Sein Reich auf Erden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unbekannte, das die unausgeprägten Anlagen in uns darstellen,&lt;br /&gt;
wird seit alters als das Ebenbild Gottes bezeichnet. Durchbruch zur Selbst-&lt;br /&gt;
verwirklichung bedeutet, mit diesem Unbekannten derart in Beziehung&lt;br /&gt;
zu treten, daß es immer mehr zum Ausdruck kommt. Dabei ist immer&lt;br /&gt;
notwendig, ein Ziel für die Energie der Angst, die aus der Begegnung&lt;br /&gt;
mit dem Unbekannten entsteht, zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Gesamtprozeß hat sein gesellschaftliches Gegenstück. Was das&lt;br /&gt;
Ebenbild Gottes für den einzelnen bedeutet, ist das Reich Gottes auf&lt;br /&gt;
Erden für die menschliche Gesellschaft. Dieses Reich hat zum Inhalt, was&lt;br /&gt;
die Gesellschaft ihrer Anlage nach werden kann, genau so wie das Eben-&lt;br /&gt;
bild Gottes zum Inhalt hat, was aus dem einzelnen Menschen werden&lt;br /&gt;
kann. Wenn sich die Verwandlung von Einzelmenschen durch die Er-&lt;br /&gt;
schließung menschlicher Anlagen auf breiter Grundlage vollzieht, wenn&lt;br /&gt;
die verborgenen Liebes- und Erkenntnisfähigkeiten auf gesellschaftlicher&lt;br /&gt;
Ebene organisiert werden und als fortschreitende Ausrottung von Vor-&lt;br /&gt;
urteilen zum Ausdruck kommen, rücken wir der Errichtung des Reiches&lt;br /&gt;
Gottes auf Erden näher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Offenbarung befaßte sich nicht ausschließlich mit der Ver-&lt;br /&gt;
wandlung des einzelnen in einer Art luftleerem Raum; dies wäre außer-&lt;br /&gt;
ordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich. Er hat vielmehr zugleich den&lt;br /&gt;
Bauplan für eine neue Weltordnung entworfen. Das Bauvorhaben selbst&lt;br /&gt;
wird von Bahä’i-Institutionen in solcher Weise gelenkt und vorangetrie-&lt;br /&gt;
ben, daß es der Gesellschaft möglich wird, den Durchbruch zu ihrer&lt;br /&gt;
Selbstverwirklichung, zum Reich Gottes auf Erden, zu erzielen. Auch die&lt;br /&gt;
Antwort auf die Ängste und Prüfungen des einzelnen hat ihre gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
994&lt;br /&gt;
{{page|995|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=33}}schaftliche Entsprechung. Gesellschaftliche Einrichtungen unterliegen&lt;br /&gt;
ebenfalls Prüfungen; ihre Entwicklung hängt davon ab, ob sie den schöp-&lt;br /&gt;
ferischen Schritt ins Unbekannte vollziehen und neue Formen der Gesetz-&lt;br /&gt;
gebung auf neuen Rechtsvorstellungen aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bahä’i ist das Reich Gottes auf Erden eine Wirklichkeit, die&lt;br /&gt;
letzten Endes erreicht werden kann — nicht dadurch, daß wir untätig&lt;br /&gt;
warten, bis sie uns plötzlich durch irgendein Wunder geschenkt wird;&lt;br /&gt;
sondern durch hingebungsvolle Bemühungen, über lange Zeiträume hin-&lt;br /&gt;
weg, das zu werden, was wir angesichts vieler Prüfungen und Schick-&lt;br /&gt;
salsschläge werden können. Wer sich diesen hingebungsvollen Bemühun-&lt;br /&gt;
gen unterzieht, wird erleben, daß er eine aktive Rolle im größten aller&lt;br /&gt;
Dramen spielt: in der bewußten Übernahme der Verantwortung, erken-&lt;br /&gt;
nende und liebende Diener der Menschheit zur Verherrlichung Gottes zu&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn so immer mehr Menschen im Bahä’i-Glauben den Durchbruch zu&lt;br /&gt;
ihrer Selbstverwirklichung finden und das Ebenbild Gottes in ihrem&lt;br /&gt;
Leben widerstrahlen, ist auch die menschliche Gesellschaft auf dem Vor-&lt;br /&gt;
marsch zu ihrem wahren Selbst, dem Reich Gottes auf Erden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn die Wanderer nach dem ‚Ersehnten‘ streben, so erstreckt sich&lt;br /&gt;
diese Stufe auf das Ich — jenes, das das ‚Ich Gottes ist, wie es mit Ge-&lt;br /&gt;
setzen in Ihm steht‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zustand wird das Ich geliebt und nicht verworfen. Es ist&lt;br /&gt;
hocherfreulich und muß nicht gemieden werden. Obschon diese Stufe am&lt;br /&gt;
Anfang eine Ebene des Konfliktes ist, besteht doch ihr Ende im Erreichen&lt;br /&gt;
des Thrones der Herrlichkeit... Dies ist die Stufe des Ichs, das Gott&lt;br /&gt;
wohlgefällig ist. Das besagt der Vers:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚O Seele, die du zur Ruhe gehst —&lt;br /&gt;
kehre zurück zu deinem Herrn,&lt;br /&gt;
zufrieden und Ihm wohlgefällig...&lt;br /&gt;
Werde einer Meiner Diener&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und betritt Mein Paradies‘.“ t)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Meine Diener! Wenn ihr begreifen könntet, mit welchen Wundern&lt;br /&gt;
Meiner Freigebigkeit und Güte Ich eure Seelen betrauen will, so würdet&lt;br /&gt;
ihr euch in Wahrheit von jeglicher Bindung an alles Erschaffene lösen&lt;br /&gt;
und die wahre Erkenntnis eures eigenen Selbstes erlangen — eine Er-&lt;br /&gt;
kenntnis, die die gleiche ist wie das Begreifen Meines Wesens. Ihr wür-&lt;br /&gt;
det euch von allem außer Mir unabhängig finden und mit eurem inneren&lt;br /&gt;
und äußeren Auge, so deutlich wie die Offenbarung Meines strahlenden&lt;br /&gt;
Namens, die in euch wogenden Meere Meiner Güte und Freigebigkeit&lt;br /&gt;
wahrnehmen“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „World Order, a Bahä’i Magazine“, Wilmette/Ill., USA, Herbst 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Daniel C. Jordan ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Uni-&lt;br /&gt;
versität von Massachusetts, Amherst. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er an einer&lt;br /&gt;
Reihe von Programmen für die Entwicklung der rassischen Minderheiten in den&lt;br /&gt;
USA aktiv beteiligt. Dem Nationalen Geistigen Rat der Bahä’ der USA gehört&lt;br /&gt;
Professor Jordan als stelivertretender Vorsitzender an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Bahä’ulläh, „Sieben Täler —- Vier Täler“, Frankfurt 1963, S. 50 £.&lt;br /&gt;
?) „Ährenlese aus den Schriften Bahä’ullähs“, CLIII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
995&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|996|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=34}}.. un dat&lt;br /&gt;
Menschenrechte und Völkerrechte _ &amp;quot;7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BI&lt;br /&gt;
Yeriwülcet |&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das einigende Band unter den Religionen / 2&lt;br /&gt;
von Hans K.E.L. Keller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Treue Leser der „BAHÄ’I-BRIEFE“ werden sich an das Referat&lt;br /&gt;
von Huschmand Sabet über „Die Einheit Gottes als Grundlage mo-&lt;br /&gt;
dernen Völkerrechts“ erinnern, mit dem beim zehnten Grotius-Tag&lt;br /&gt;
im August 1960 in München, der unter dem Thema „Religion und&lt;br /&gt;
Völkerrecht“ stand, die Lehren Bahäü’u’llähs einem Kreis inter-&lt;br /&gt;
nationaler Rechtsgelehrter und Gesellschaftswissenschaftler vorge-&lt;br /&gt;
tragen wurden (vgl. Heft 3, S. 72 ff.). Die „Internationale Grotius-&lt;br /&gt;
Stiftung zur Verbreitung des Völkerrechts“, gegründet und be-&lt;br /&gt;
treut von dem unermüdlichen Vorkämpfer für eine friedliche&lt;br /&gt;
Rechtsordnung zwischen den Nationen, Dr. Dr. Dr. Hans K. E. L.&lt;br /&gt;
Keller, hat inzwischen Stützpunkte in 41 östlichen und westlichen&lt;br /&gt;
Staaten; seit 1962 befindet sich ihr Sitz im „Grotianum“, einem&lt;br /&gt;
Schlößchen bei Erding vor München, dessen umfangreiches Archiv&lt;br /&gt;
ein Zentrum für die Grundlagenforschung am Völkerrecht gewor-&lt;br /&gt;
den ist. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Keller hat uns in dankenswerter Weise seine &#039;Rede anläßlich&lt;br /&gt;
des 18. Grotius-Tages in Salzburg im September 1968 zur Wieder-&lt;br /&gt;
gabe überlassen. Bei dieser Tagung wurden Herbert von Karajan&lt;br /&gt;
in Würdigung der völkerverbindenden Mission der Musik, Nelson&lt;br /&gt;
Rockefeller, der Gouverneur von New York, für seinen fernöstlichen&lt;br /&gt;
Friedensplan sowie der Vater des Kinderdorfgedankens, Hermann&lt;br /&gt;
Gmeiner, für seinen Beitrag zur Völkererziehung mit der Grotius-&lt;br /&gt;
Medaille ausgezeichnet. Ihrer Schwerpunktaufgabe der Heranbil-&lt;br /&gt;
dung eines neuen Rechtsbewußtseins will die Stiftung durch die&lt;br /&gt;
Schaffung und Verbreitung einer „Grotianischen Charta der Völker-&lt;br /&gt;
rechte“ verstärkt nachkommen. Die Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Völkerrecht wie vom Recht überhaupt wird bekanntlich am laute-&lt;br /&gt;
sten geredet, wenn es gebrochen wird. Man braucht also kein Zyniker zu&lt;br /&gt;
sein, um aus der Fülle von Veranstaltungen, mit welchen heuer nicht nur&lt;br /&gt;
ein Tag, sondern ein ganzes Jahr der Menschenrechte begangen wird, zu&lt;br /&gt;
schließen, daß diese Menschenrechte noch nie so bedroht oder verletzt&lt;br /&gt;
waren wie heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ist aber das Ausmaß des Unrechts heute auch nicht grö-&lt;br /&gt;
ßer als früher. Dank der modernen Nachrichtenübermittlungstechnik&lt;br /&gt;
(Presse, Rundfunk und Fernsehen) wird nur ein wesentlich größerer Teil&lt;br /&gt;
der zivilisierten Menschheit zu Zeugen jeden Verstoßes gegen die Men-&lt;br /&gt;
schenrechte, dessen Opfern es gelingt, jene Massenmedien an ihrem&lt;br /&gt;
Schicksal zu interessieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bildet sich eine öffentliche Weltmeinung, unter deren Druck die&lt;br /&gt;
Mächte ihren Untertanen immer mehr Menschenrechte zugestehen müs-&lt;br /&gt;
sen, wenn sie Wert darauf legen, zu den zivilisierten Nationen zu zählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
996&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|997|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einem „Weltrechtstag“, den das von Charles Rhyne, dem wir vor&lt;br /&gt;
Jahren die Grotius-Medaille verliehen, geleitete „World Peace through&lt;br /&gt;
Law Center“ kürzlich in Genf beging, wurde mit Genugtuung festgestellt,&lt;br /&gt;
daß die Menschenrechte auf dem besten Wege seien, Gewohnheitsrecht&lt;br /&gt;
der Staaten zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand schien den Zwiespalt zu bemerken, der zwischen dieser Fest-&lt;br /&gt;
stellung und dem Bekenntnis des Versammlungsleiters Nazir Ahmad&lt;br /&gt;
Khan aus Pakistan klaffte, wonach die Menschenrechte von „Allah the&lt;br /&gt;
Creator“ verliehen seien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würden die Menschenrechte durch Staatengewohnheit geschaffen,&lt;br /&gt;
bräuchten wir uns ja über ihren göttlichen Ursprung nicht den Kopf zu&lt;br /&gt;
zerbrechen. Sind sie aber göttlichen Ursprungs, ist die Staatengewohnheit&lt;br /&gt;
doch nur eine nebensächliche Zutat!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Seelen wohnen, wie es scheint, in der Brust der Juristen, die&lt;br /&gt;
einerseits an den göttlichen Ursprung der Menschenrechte glauben, an-&lt;br /&gt;
dererseits die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen feiern,&lt;br /&gt;
obgleich sie mit Bedauern zugeben müssen, daß es sich nur um eine un-&lt;br /&gt;
verbindliche Spruchsammlung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ob es in der Macht der Staaten läge, ob die Menschenrechte verbind-&lt;br /&gt;
liches Recht werden! Werden die Mächte nicht überbewertet, wenn wir&lt;br /&gt;
uns so verhalten, als stehe es in ihrem Belieben, ihren Untertanen Men-&lt;br /&gt;
schenrechte zuzugestehen oder zu verweigern? Durch ein solches Verhal-&lt;br /&gt;
ten machen sich die Juristen mitschuldig, wenn die Menschenrechte so&lt;br /&gt;
wenig gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schmuckes neues Verwaltungsgebäude haben die Bahä’i von Ontario&lt;br /&gt;
in Canada kürzlich beziehen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
997&lt;br /&gt;
{{page|998|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=36}}Die Menschenrechte müssen ja prekär bleiben, wenn sie als Geschöpfe&lt;br /&gt;
der Mächte verstanden werden. Nicht nur die Schwäche der Menschen-&lt;br /&gt;
rechte, sondern die Schwäche des Völkerrechts wird dadurch offenbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Menschenrechte von Gott sind, bedürfen sie keiner Erklärung&lt;br /&gt;
durch die Vereinten Nationen. Vielmehr müssen sich die Vereinten Na-&lt;br /&gt;
tionen vor den Menschenrechten rechtfertigen; denn die Vereinten Natio-&lt;br /&gt;
nen sind ein Geschöpf des Völkerrechts, das Völkerrecht ist eine Frucht&lt;br /&gt;
der Menschenrechte, die Menschenrechte sind von Gott. Diese scheinbar&lt;br /&gt;
so logische Schlußfolgerung erweist sich als brüchig, wenn wir die einzel-&lt;br /&gt;
nen Glieder der Kette untersuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind die Vereinten Nationen ein Geschöpf des Völkerrechts? Wer zwi-&lt;br /&gt;
schen Völkerrecht und Mächterecht zu unterscheiden gelernt hat, wird&lt;br /&gt;
die Vereinten Nationen als Geschöpf des Mächterechts erkennen. Sind&lt;br /&gt;
sie doch wie ihr Vorläufer, der Genfer Völkerbund, durch Vertrag zwi-&lt;br /&gt;
schen Mächten zustande gekommen. Bedürfte es noch eines Beweises, daß&lt;br /&gt;
die Vereinten „Nationen“ nicht Völker, sondern Mächte meinen, genügte&lt;br /&gt;
es, sich der Feindstaatenklauseln der UN-Charta zu erinnern. Verfeindete&lt;br /&gt;
Völker gibt es ja nicht, es sei denn im Banne von Machtinteressen oder&lt;br /&gt;
-ideologien. Im Vertrauen auf die Friedfertigkeit der Völker hatte ich im&lt;br /&gt;
Jahre 1935 vorgeschlagen, im Genfer Völkerbund und, zwanzig Jahre&lt;br /&gt;
danach, in den Vereinten Nationen eine Kammer der Völker zu schaffen.&lt;br /&gt;
Wie diese Reform den Völkerbund vor dem Untergang hätte bewahren&lt;br /&gt;
können, wären die Vereinten Nationen, vom Friedenswillen der Völker&lt;br /&gt;
getragen, nicht länger den Launen der Mächte preisgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo Religionen Macht ausüben ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Völkerrecht eine Frucht der Menschenrechte? Da der Mensch in&lt;br /&gt;
Gemeinschaft lebt, das Politische also zu seinem Wesen gehört, wären die&lt;br /&gt;
Menschenrechte unvollständig, wenn nicht auch politische Rechte dazu&lt;br /&gt;
zählten: die Rechte der Völker, namentlich das Selbstbestimmungsrecht&lt;br /&gt;
im weitesten Sinne des Wortes. Es wäre ja unlogisch, dieses Selbstbestim-&lt;br /&gt;
mungsrecht verwirklicht zu sehen in der Aufrichtung einer Staatsmacht,&lt;br /&gt;
der man die Menschen- und Völkerrechte mühsam abringen muß. Das&lt;br /&gt;
Selbstbestimmungsrecht erschöpft sich also nicht in der Eigenstaatlich-&lt;br /&gt;
keit, erfüllt sich vielmehr in der volklichen Selbstverwirklichung mit&lt;br /&gt;
oder ohne Staat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind die Menschenrechte von Gott? Die Auslegung, welche der Wille&lt;br /&gt;
Gottes im Laufe der Zeiten in den verschiedenen Religionen erfahren hat,&lt;br /&gt;
scheint dagegen zu sprechen. Wo Religionen Macht ausüben, gelten die&lt;br /&gt;
Menschenrechte nicht viel. Ihres Glaubens wegen wurden die Salzburger&lt;br /&gt;
Protestanten vertrieben. Wegen konfessioneller Meinungsverschieden-&lt;br /&gt;
heiten wurde Hugo Grotius zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt.&lt;br /&gt;
Auf dem Zehnten Grotius-Tag (München 1960) bekannten sich namhafte&lt;br /&gt;
Theologen aller Religionen zum Völkerrecht. Zum ersten Male erschien&lt;br /&gt;
das Völkerrecht als das einigende Band unter den Religionen, ja als die&lt;br /&gt;
Religion der Völker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|999|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=37}}Welch großartige Vision — wenn alle unter Völkerrecht das Gleiche&lt;br /&gt;
verständen! Leider scheint es, als werde ständig aneinander vorbeigeredet,&lt;br /&gt;
als diskutiere man auf verschiedenen Ebenen. Man beklagte die Unvoll-&lt;br /&gt;
kommenheit des Völkerrechts angesichts der Übergriffe der Mächte, ohne&lt;br /&gt;
zu bedenken, daß diese nun einmal nach Mächterecht miteinander ver-&lt;br /&gt;
kehren. Ihre Übergriffe besagen im Grunde nichts gegen die Menschen-&lt;br /&gt;
und Völkerrechte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee der Menschen- und Völkerrechte wird gewiß nicht mehr von&lt;br /&gt;
dieser Erde verschwinden. Sie wird umso lebendiger sein, je tiefer die&lt;br /&gt;
Menschen- und Völkerrechte mißachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wir die Idee der Menschen- und Völkerrechte aber nicht nur stets&lt;br /&gt;
im Herzen tragen, sondern in dieser unserer Zeit der Verwirklichung&lt;br /&gt;
näher bringen wollen, dürfen wir nicht müde werden zu versuchen, die&lt;br /&gt;
Mächte dieser Welt auf das wahre Völkerrecht, das Recht der Völker, zu&lt;br /&gt;
verpflichten. In der Sprache der Juristen bedeutet dies den unausgesetz-&lt;br /&gt;
ten Versuch, die Menschen- und Völkerrechte durch Transformation in&lt;br /&gt;
staatliches Recht zu positivieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo staatliche Machtansprüche berührt werden, sind diesem Versuch lei-&lt;br /&gt;
der immer noch enge Grenzen gesetzt. Dann kann sogar die menschen-&lt;br /&gt;
freundliche Absicht, Kinder vor dem Hungertod zu retten, als völker-&lt;br /&gt;
rechtswidrige Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates&lt;br /&gt;
denunziert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den zwanziger Jahren pflegte mein Lehrer Walther Schücking zu&lt;br /&gt;
sagen: „Das Völkerrecht funktioniert bei kleinen Streitigkeiten zwischen&lt;br /&gt;
großen Mächten, bei großen Streitigkeiten zwischen kleinen Mächten,&lt;br /&gt;
aber nicht bei großen Streitigkeiten zwischen großen Mächten.“ Diese&lt;br /&gt;
Beobachtung gilt auch heute noch für die Geltung der Menschen- und&lt;br /&gt;
Völkerrechte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bescheidene Menschen- und Völkerrechte werden rezipiert von den&lt;br /&gt;
Großmächten, weiterreichende Menschen- und Völkerrechte allenfalls&lt;br /&gt;
(unter dem Druck der Großmächte) von kleinen Mächten, aber entschei-&lt;br /&gt;
dende Menschen- und Völkerrechte nur sehr widerwillig von Groß-&lt;br /&gt;
mächten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbreitung des Wissens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch und Volk haben im „Völkerrecht“ noch immer einen prekären&lt;br /&gt;
Stand. Einen vielversprechenden Schritt vorwärts tat der Europarat, in-&lt;br /&gt;
dem er dem einzelnen das Klagerecht beim Europäischen Gerichtshof für&lt;br /&gt;
Menschenrechte gewährte. Auf der erwähnten Genfer Konferenz wurde&lt;br /&gt;
beschlossen, den Vereinten Nationen die Berufung eines Hohen Kommis-&lt;br /&gt;
sars für Menschenrechte zu empfehlen, welcher den Mitgliedstaaten mit&lt;br /&gt;
Rat und Tat zur Seite stehen soll. Auf meinen Antrag wurde diese Ent-&lt;br /&gt;
schließung dahingehend ergänzt, daß sich auch nichtstaatliche Organisa-&lt;br /&gt;
tionen sowie Einzelmenschen an den Hohen Kommissar für Menschen-&lt;br /&gt;
rechte sollen wenden können. Der nächste Schritt wäre die Berufung eines&lt;br /&gt;
Hohen Kommissars für Völkerrechte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
999&lt;br /&gt;
{{page|1000|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=38}}Was kann, darüber hinaus, geschehen, um die Mächte zur Anerken-&lt;br /&gt;
nung der Menschen- und Völkerrechte zu bewegen? Wir Grotianer haben&lt;br /&gt;
den, soweit wir sehen, einzigen Weg zu diesem Ziel beschritten: die&lt;br /&gt;
Verbreitung des Wissens um die Menschen- und Völkerrechte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Popularisierung und Demokratisierung mittels der Grotianischen&lt;br /&gt;
Mission.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der „Katechismus“ dieser Grotianischen Mission soll die Charta Gro-&lt;br /&gt;
tiana sein, eine Erklärung der Völkerrechte nach dem Vorbild der Er-&lt;br /&gt;
klärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, aber — zum Un-&lt;br /&gt;
terschied von ihr — nicht von den diplomatischen Vertretern der Mächte&lt;br /&gt;
verfaßt, sondern von unabhängigen Persönlichkeiten aller Völker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen zuversichtlich, auf diese Weise eine gemeinsame Rechts-&lt;br /&gt;
überzeugung der Völker zu fördern, welcher die Mächte sich auf die&lt;br /&gt;
Dauer nicht werden verschließen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansatz zur „Welt-Innenpolitik“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang April hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusam-&lt;br /&gt;
menarbeit eine „Formel der deutschen Entwicklungspolitik“ veröffent-&lt;br /&gt;
licht. Wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung für den Durchbruch der&lt;br /&gt;
öffentlichen Meinung auf einem der wichtigsten politischen Sachgebiete&lt;br /&gt;
und für die praktische Arbeit an der Verwirklichung des „Geringeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedens“ im Sinne der Lehren Bahä’u’llähs geben wir diese Thesen nach-&lt;br /&gt;
stehend wieder:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das wirtschaftliche und soziale Gefälle zwischen den industriali-&lt;br /&gt;
sierten Zonen und den Entwicklungsgebieten der Erde erhält Ab-&lt;br /&gt;
hängigkeiten und schafft Konflikte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklungspolitik soll Völkern helfen, sich selbst zu helfen, da-&lt;br /&gt;
mit sie sozial und wirtschaftlich aufholen, ihre Gesellschaft nach&lt;br /&gt;
eigenen Zielen modernisieren und in der weltweiten Interdependenz&lt;br /&gt;
über die gemeinsame Zukunft mitbestimmen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklungspolitik macht politische Kräfte, wirtschaftliche Inter-&lt;br /&gt;
essen und solidarische Hilfsbereitschaft dem sozialen und politischen&lt;br /&gt;
Ausgleich dienstbar und bringt sie zu optimaler Wirksamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklungspolitik fordert die Lernfähigkeit auch unserer Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft heraus, ihre Bereitschaft, die Sorgen anderer Völker zu&lt;br /&gt;
teilen und ihre Entscheidung ernst zu nehmen. Entwicklungs-&lt;br /&gt;
politik ist Ansatz zu einer Weltinnenpolitik. Sie tut das Nächst-&lt;br /&gt;
liegende in einer revolutionären Weltlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklungspolitik zielt auf Frieden. Sie beweist und mobilisiert&lt;br /&gt;
Hoffnung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|1001|file=Baha&#039;i_Briefe_37.pdf|page=39}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich, herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6-Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (0711) 74 97.67,&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26.&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13,&lt;br /&gt;
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Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich, Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH,, 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes. $ 5 Abs. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_36/Text&amp;diff=75332</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 36/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|923|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}} &lt;br /&gt;
D 20155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT. BLATTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel:&lt;br /&gt;
Sozialisierte Erlösung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
..&lt;br /&gt;
David S. Ruhe: F U R&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Garten Eder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mike &amp;gt; ‘| WELTRELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Lügenprophet?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erernnd Meran UND&lt;br /&gt;
_ HEFT36 APRIL 1969 WE LTB EWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|924|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|925|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=3}}aenuio BAHAT- BRIEFE HET 30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der allwissende Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
legt Seinen Finger an den Puls der Menschheit. Er erkennt die&lt;br /&gt;
Krankheit und verschreibt in Seiner unfehlbaren Weisheit das&lt;br /&gt;
Heilmittel. Jedes Zeitalter hat seine eigenen Probleme, jede Seele&lt;br /&gt;
ihre besondere Sehnsucht. Das Heilmittel, das die Welt in ihren&lt;br /&gt;
gegenwärtigen Nöten braucht, kann nicht das gleiche sein, das ein&lt;br /&gt;
späteres Zeitalter erfordern wird. Beachtet genau die Nöte eures&lt;br /&gt;
Zeitalters und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf seine&lt;br /&gt;
Bedürfnisse und Forderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen, wie die ganze menschliche Rasse von großen, unbe-&lt;br /&gt;
rechenbaren Nöten umgeben ist. Wir fühlen, wie sie auf ihrem&lt;br /&gt;
Krankenbett dahinsiecht, schmerzlich geprüft und ernüchtert. Jene,&lt;br /&gt;
die von Eigendünkel trunken sind, haben sich zwischen sie und den&lt;br /&gt;
unfehlbaren göttlichen Arzt gedrängt. Bezeuge, wie sie alle Men-&lt;br /&gt;
schen, sich selbst mit eingeschlossen, in das Netzwerk ihrer List&lt;br /&gt;
verstrickt haben. Sie können weder die Ursache der Krankheit ent-&lt;br /&gt;
decken, noch kennen sie irgendein Heilmittel. Sie denken, das Ge-&lt;br /&gt;
rade sei krumm, und bilden sich ein, ihr Freund sei ihr Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neigt euer Ohr der süßen Weise dieses Gefangenen. Steht auf&lt;br /&gt;
und erhebt eure Stimme, damit die fest Schlafenden erwachen.&lt;br /&gt;
Sprecht: O ihr, die ihr wie tot seid! Die Hand göttlicher Freigebig-&lt;br /&gt;
keit reicht euch das Wasser des Lebens. Beeilt euch und trinkt zur&lt;br /&gt;
Genüge! Wer an diesem Tage wiedergeboren wird, soll niemals&lt;br /&gt;
sterben; wer tot bleibt, soll niemals leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’liah&lt;br /&gt;
(Ährenlese CVI)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
925&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|926|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=4}}Gott, Sein Wort und die Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte von Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wisse wahrlich, daß der Unsichtbare in keiner Weise Sein Wesen Fleisch&lt;br /&gt;
werden lassen und den Menschen offenbaren wird. Immer ist Er unermeß-&lt;br /&gt;
lich über alles erhaben, was sich beschreiben oder wahrnehmen läßt. Von&lt;br /&gt;
Seinem Ruhesitz der Herrlichkeit aus verkündet Seine Stimme unablässig:&lt;br /&gt;
„Wahrlich, Ich bin Gott. Es ist kein Gott außer Mir, dem Allwissenden,&lt;br /&gt;
dem Allweisen. Ich habe Mich den Menschen enthüllt und Ihn, den Morgen&lt;br /&gt;
der Zeichen Meiner Offenbarung, herabgesandt. Durch Ihn ließ Ich die&lt;br /&gt;
ganze Schöpfung zum Zeugen werden, daß kein Gott ist außer Mir, dem&lt;br /&gt;
Unvergleichlichen, dem Allunterrichteten, dem Allweisen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, der immer vor den Augen der Menschen verborgen bleibt, kann nie&lt;br /&gt;
anders als durch Seine Manifestation erkannt werden, und Sein Offenbarer&lt;br /&gt;
kann keinen größeren Beweis für die Wahrheit Seiner Sendung erbringen&lt;br /&gt;
als den Seiner eigenen Person.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedem unterscheidenden und erleuchteten Herzen ist klar, daß Gott, das&lt;br /&gt;
unfaßbare und himmlische Wesen, unermeßlich hoch über alle mensch-&lt;br /&gt;
lichen Zeichen, wie Körperlichkeit, Aufstieg und Abstieg, Ausgang und&lt;br /&gt;
Rückkehr, erhaben ist. Fern sei von Seiner Pracht, daß Menschenzungen&lt;br /&gt;
angemessen Seinen Ruhm zu künden oder Menschenherzen Sein uner-&lt;br /&gt;
gründliches Geheimnis zu fassen vermöchten. Immer ist und war Er in der&lt;br /&gt;
Urewigkeit Seines Wesens verborgen und wird Seine Wirklichkeit den&lt;br /&gt;
Blicken der Menschen entzogen bleiben. „Kein Blick dringt in Ihn, doch&lt;br /&gt;
Er blickt in alles. Er ist der alles Sehende, der alles Erkennende“ ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Tor zur Erkenntnis des Urewigen vor dem Angesicht aller Ge-&lt;br /&gt;
schöpfe verschlossen ist, hat der Quell unendlicher Gnade gemäß Seinem&lt;br /&gt;
Wort, „Seine Gnade hat alle Dinge überstiegen, Meine Gnade hat sie alle&lt;br /&gt;
umschlossen“, jene leuchtenden Edelsteine der Heiligkeit in der edlen&lt;br /&gt;
Gestalt des menschlichen Tempels (Körpers) aus dem Reich des Geistes&lt;br /&gt;
erscheinen und allen Menschen kund werden lassen, damit Sie der Welt&lt;br /&gt;
die Geheimnisse des unwandelbaren Seins übermitteln und von den Fein-&lt;br /&gt;
heiten Seines unvergänglichen Wesens künden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese geheiligten Spiegel, diese Morgenröten ewiger Herrlichkeit sind&lt;br /&gt;
allesamt die irdischen Vertreter Dessen, der der Angelpunkt des Weltalls,&lt;br /&gt;
sein Wesen und letztes Ziel ist. Durch Ihn empfangen Sie Wissen und Voll-&lt;br /&gt;
macht, und aus Ihm fließt Ihre Oberherrschaft. Die Schönheit Ihres Ant-&lt;br /&gt;
litzes ist nur ein Widerschein Seines Bildes und Ihre Offenbarung ein&lt;br /&gt;
Zeichen Seines unsterblichen Glanzes. Sie sind die Schatzkammern gött-&lt;br /&gt;
lichen Wissens und die Truhen himmlischer Weisheit. Durch Sie wird eine&lt;br /&gt;
Gnade übermittelt, die nicht endet, und das Licht enthüllt, das niemals&lt;br /&gt;
schwindet ... Diese Horte der Heiligkeit, diese Spiegel des Ursprungs, die&lt;br /&gt;
das Licht unvergänglicher Herrlichkeit widerstrahlen, sind nur ein Aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
926&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|927|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
druck von Ihm, dem Unsichtbaren der Unsichtbaren. Durch die Offen-&lt;br /&gt;
barung dieser Edelsteine göttlichker Tugend werden alle Namen und&lt;br /&gt;
Zeichen Gottes, wie Erkenntnis und Macht, Oberhoheit und Herrschaft,&lt;br /&gt;
Barmherzigkeit und Weisheit, Herrlichkeit, Güte und Gnade klar dargelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die göttlichen Eigenschaften werden und wurden nie bestimmten Offen-&lt;br /&gt;
barern gewährt und anderen vorenthalten, nein, alle Manifestationen&lt;br /&gt;
Gottes, Seine vielgeliebten, Seine heiligen und erwählten Boten, sind viel-&lt;br /&gt;
mehr ohne Ausnahme die Träger Seiner Namen und die Verkörperungen&lt;br /&gt;
Seiner Zeichen. Sie unterscheiden sich nur im Grade Ihrer Offenbarung&lt;br /&gt;
und der verschiedenen Kraft Ihres Lichtes, so wie Er offenbarte: „Wir ver-&lt;br /&gt;
anlaßten, daß einige der Glaubensboten die anderen überragen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher hat es sich gezeigt und erwiesen, daß im Heiligtum der Offenbarer&lt;br /&gt;
und Erwählten Gottes das Licht Seiner unendlichen Namen und erhabenen&lt;br /&gt;
Kennzeichen widergespiegelt wurde, ob nun das Licht einiger dieser Kenn-&lt;br /&gt;
zeichen aus den leuchtenden Tempeln den Augen der Menschen sichtbar&lt;br /&gt;
enthüllt worden sein mag oder nicht. Daß ein bestimmtes Kennzeichen&lt;br /&gt;
Gottes von diesen losgelösten Wesen nicht sichtbar geoffenbart wurde,&lt;br /&gt;
besagt in keiner Weise, daß Sie, die Tagesanbrüche der Kennzeichen Gottes&lt;br /&gt;
und die Schatzkammern Seiner heiligen Namen, sie nicht tatsächlich auch&lt;br /&gt;
besessen hätten. Deshalb sind jene erleuchteten Seelen und wunderbaren&lt;br /&gt;
Antlitze allesamt mit allen Zeichen Gottes, wie Oberhoheit, Herrschaft und&lt;br /&gt;
dergleichen, ausgestattet, wenn Sie auch dem äußeren Anschein nach aller&lt;br /&gt;
irdischen Majestät beraubt sind ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese XX und XIX)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sozialisierte Erlösung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Christ von Erlösung&lt;br /&gt;
spricht, denkt er zunächst an&lt;br /&gt;
seine eigene Seele. Vielleicht, daß&lt;br /&gt;
er sich noch einiger Angehöriger&lt;br /&gt;
erinnert, denen er gleichfalls Gu-&lt;br /&gt;
tes wünscht, und möglich, daß&lt;br /&gt;
auch „der Nächste“ nicht ganz&lt;br /&gt;
vergessen wird: Die menschliche&lt;br /&gt;
Gesellschaft und ihre tragenden&lt;br /&gt;
Strukturen aber stehen außerhalb&lt;br /&gt;
dieser Vorstellungen — sie blei-&lt;br /&gt;
ben für ihn unerlöst. Allenfalls&lt;br /&gt;
hebt sich fern am Horizont der&lt;br /&gt;
Zukunft die mangeihaft reflek-&lt;br /&gt;
tierte Hoffnung auf ein endgülti-&lt;br /&gt;
ges Geschehnis bei der Wieder-&lt;br /&gt;
kunft Christi, der großen Verklä-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rung der ganzen Welt, ab, denn&lt;br /&gt;
„erst das Ende der Tage bringt&lt;br /&gt;
die endgültige Erlösung in der&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Gottes“). Bis dahin&lt;br /&gt;
ist — außerhalb des persönlichen&lt;br /&gt;
Bereichs — die Heilserfahrung&lt;br /&gt;
eine Art religiöses Niemandsland:&lt;br /&gt;
„Die Heilige Schrift enthält keine&lt;br /&gt;
Theorie über Wesen und Entste-&lt;br /&gt;
hung des Staates... Eindeutige&lt;br /&gt;
Weisungen über das Verhältnis&lt;br /&gt;
der Staaten zueinander finden&lt;br /&gt;
sich im Neuen Testament nicht.&lt;br /&gt;
Wer dies erwartet, zeigt nur, daß&lt;br /&gt;
er die Bibel fälschlich als ein Re-&lt;br /&gt;
gelbuch für alle Lebenslagen an-&lt;br /&gt;
sieht...“ 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
927&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|928|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es leuchtet ein, daß sich keine&lt;br /&gt;
moderne politische Ordnung auf&lt;br /&gt;
eine Offenbarung gründen läßt,&lt;br /&gt;
in der die einzige politische Aus-&lt;br /&gt;
sage des Religionsstifters lautet,&lt;br /&gt;
man solle Kaiser und Gott jeweils&lt;br /&gt;
geben, was ihnen gehöre. Diese&lt;br /&gt;
Aussage ist als Basis umso weni-&lt;br /&gt;
ger geeignet, als sie zumeist völ-&lt;br /&gt;
lig falsch im Sinn eines dualisti-&lt;br /&gt;
schen Nebeneinanders ausgelegt&lt;br /&gt;
wird. Bahä’u’lläh sagt, „wenn das,&lt;br /&gt;
was dem Kaiser gehörte, nicht von&lt;br /&gt;
Gott gekommen wäre, hätte Er es&lt;br /&gt;
verboten“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand wird den Christen&lt;br /&gt;
einen Vorwurf daraus machen,&lt;br /&gt;
daß das Christentum für unsere&lt;br /&gt;
akuten gesellschaftlichen Nöte&lt;br /&gt;
keine Lösungen bietet. Was sehr&lt;br /&gt;
vielen jedoch vorgehalten werden&lt;br /&gt;
muß, ist dieses: Daß sie es nicht&lt;br /&gt;
vermögen, von der Liebe zum&lt;br /&gt;
Nächsten — und das ist heute die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit — getrieben,&lt;br /&gt;
nach religiösen Lösungen dieser&lt;br /&gt;
Probleme auch außerhalb des spe-&lt;br /&gt;
zifisch christlichen Bereichs zu&lt;br /&gt;
suchen. Wie apokalyptisch muß es&lt;br /&gt;
auf diesem Planeten noch zu-&lt;br /&gt;
gehen, bis die „Elite“ der Chri-&lt;br /&gt;
stenheit sich endlich fragt, ob die&lt;br /&gt;
Welt nicht in der Zeit jenes Endes&lt;br /&gt;
steht, das Christus von 2000 Jah-&lt;br /&gt;
ren mit sehr deutlichen soziologi-&lt;br /&gt;
schen Merkmalen gekennzeichnet&lt;br /&gt;
hat? Deuten die hyperbolisch steil&lt;br /&gt;
ansteigenden Kurven aller gesell-&lt;br /&gt;
schaftlich bedeutsamen Datenrei-&lt;br /&gt;
hen, die sich in den vergangenen&lt;br /&gt;
200 Jahren zunehmend kumuliert&lt;br /&gt;
haben, nicht klar auf diese End-&lt;br /&gt;
zeit, unter der freilich nichts an-&lt;br /&gt;
deres zu verstehen ist als der&lt;br /&gt;
Übergang zu einem neuen ge-&lt;br /&gt;
samthistorischen Entwicklungs-&lt;br /&gt;
abschnitt? Darf man, nur dem&lt;br /&gt;
Glauben an die Unveränderlich-&lt;br /&gt;
keit der eigenen Dogmen zuliebe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
928&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon ausgehen, Gott — Schöpfer&lt;br /&gt;
und Lenker eines umfassenden&lt;br /&gt;
Heilsgeschehens — sei in dieser&lt;br /&gt;
großen Krise von der seit 6000&lt;br /&gt;
Jahren nachweisbaren Kausalität&lt;br /&gt;
abgerückt, zunächst immer „War-&lt;br /&gt;
ner“ und „Mittler“ zu senden und&lt;br /&gt;
es dann, als direkte Folge der&lt;br /&gt;
Nichtanerkennung des erneuerten&lt;br /&gt;
göttlichen Rufs, zu Katastrophen&lt;br /&gt;
kommen zu lassen? Sollte nicht&lt;br /&gt;
allein der Gedanke, daß dies so&lt;br /&gt;
sein könnte, jeden Christen&lt;br /&gt;
zwingen, mit allen ihm zur Ver-&lt;br /&gt;
fügung stehenden Kräften auf&lt;br /&gt;
dem ganzen Erdball solange zu&lt;br /&gt;
forschen, bis er die Lösung findet?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kleines Beispiel möge die&lt;br /&gt;
gesellschaftsphilosophische Bezie-&lt;br /&gt;
hungslosigkeit der christlichen&lt;br /&gt;
Theologie illustrieren. Jeder Christ&lt;br /&gt;
kennt die Geschichte vom Turm-&lt;br /&gt;
bau zu Babel: Der Herr verwirrte&lt;br /&gt;
die Sprache der Menschen, um sie&lt;br /&gt;
für ihren Hochmut zu strafen —&lt;br /&gt;
eine Strafe, die dauern soll bis&lt;br /&gt;
zur Zeit des Endes. Der Christ&lt;br /&gt;
weiß um die zentrale Bedeutung&lt;br /&gt;
des Worts, des Logos, in den Aus-&lt;br /&gt;
sagen seines Glaubens — und je-&lt;br /&gt;
der anderen Hochreligion. Es fällt&lt;br /&gt;
leicht, aus diesem Wissen und&lt;br /&gt;
einer aufgeschlossenen Beobach-&lt;br /&gt;
tung der Praxis zu schließen, daß&lt;br /&gt;
die sprachliche Verständigung zwi-&lt;br /&gt;
schen den Menschen unabdingbare&lt;br /&gt;
Voraussetzung jeder Höherent-&lt;br /&gt;
wicklung ist, wie es nicht erst die&lt;br /&gt;
Linguistik eines Hjelmslev oder&lt;br /&gt;
die Philosophie eines Wittgenstein&lt;br /&gt;
bewiesen haben. Die sprachliche&lt;br /&gt;
Einigung verschiedenartiger VÖöl-&lt;br /&gt;
ker war schon immer von großer&lt;br /&gt;
Bedeutung für den Frieden und&lt;br /&gt;
die Entfaltung einer übergreifen-&lt;br /&gt;
den Kulturwelt: Die einheitliche&lt;br /&gt;
Schrift Chinas, die Latinisierung&lt;br /&gt;
des westeuropäischen Mittelalters,&lt;br /&gt;
die Verbreitung des Arabischen&lt;br /&gt;
{{page|929|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=7}}über ganz Vorderasien und Nord-&lt;br /&gt;
afrika als Folge des Übersetzungs-&lt;br /&gt;
verbots für den Qur’än sind Bei-&lt;br /&gt;
spiele gemeinschaftsbildender Lö-&lt;br /&gt;
sungen des Sprachproblems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichtsdestoweniger fühlt sich&lt;br /&gt;
ein führender evangelischer Theo-&lt;br /&gt;
loge, der Chef-Ideologiekritiker&lt;br /&gt;
D. Kurt Hutten, bemüßigt, in&lt;br /&gt;
einem Aufsatz über die Baha’i-&lt;br /&gt;
Religion‘) die von ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
formulierten bekannten zwölf&lt;br /&gt;
Grundsätze als eine „Sammlung&lt;br /&gt;
von frommen Wünschen, Allge-&lt;br /&gt;
meinplätzen und bloßen Illusio-&lt;br /&gt;
nen“ zu qualifizieren und dabei&lt;br /&gt;
Baha’u’llähs Forderung nach einer&lt;br /&gt;
einhe:tlichen Sprache und Schrift&lt;br /&gt;
unter die „bloßen Illusionen“ ein-&lt;br /&gt;
zureihen. Damit nicht genug, ver-&lt;br /&gt;
steigt er sich zu der Begründung:&lt;br /&gt;
„. womit nicht nur eine friedliche&lt;br /&gt;
Verständigung, sondern genauso&lt;br /&gt;
auch die Verbreitung von Lüge&lt;br /&gt;
und Hetze erleichtert würde“.&lt;br /&gt;
Wir lachen heute über die Ärzte,&lt;br /&gt;
die vor 150 Jahren behauptet ha-&lt;br /&gt;
ben, die Eisenbahn sei gesund-&lt;br /&gt;
heitsschädlich. Vielleicht entdeckt&lt;br /&gt;
eines Tages jemand einen Schrift-&lt;br /&gt;
steller, der vor 150 Jahren die&lt;br /&gt;
Vorteile der Eisenbahn als „bloße&lt;br /&gt;
Illusionen“ bezeichnet hat mit&lt;br /&gt;
dem Argument, damit hätten ja&lt;br /&gt;
nicht nur friedliche Bürger, son-&lt;br /&gt;
dern auch Verbrecher und Spione&lt;br /&gt;
raschere Transportmöglichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der springende Punkt ist die&lt;br /&gt;
falsche Wertordnung, die unvoll-&lt;br /&gt;
kommene Zuordnung der Priori-&lt;br /&gt;
täten. Man wird zur Kenntnis&lt;br /&gt;
nehmen müssen, daß die radikal&lt;br /&gt;
veränderte moderne Welt ein völ-&lt;br /&gt;
lig verändertes Weltbild erfordert&lt;br /&gt;
— durchaus im Sinne einer „Wie-&lt;br /&gt;
dergeburt aus Wasser und Geist“,&lt;br /&gt;
wie sie Jesus dem Nikodemus als&lt;br /&gt;
dem Vertreter des theologischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Establishments der Juden gegen-&lt;br /&gt;
über zur Voraussetzung für den&lt;br /&gt;
Eintritt in das Reich Gottes mach-&lt;br /&gt;
te. Was ließe sich aus dieser Szene&lt;br /&gt;
in Johannes 3 alles an Parallelen&lt;br /&gt;
zur heutigen geistigen Situation&lt;br /&gt;
gebildeter Christen herausholen!&lt;br /&gt;
Wenn wir nur an die beiden zen-&lt;br /&gt;
tralen Begriffe der Wiedergeburt&lt;br /&gt;
denken: das „Wasser“ als Grund-&lt;br /&gt;
substanz allen Lebens — und Le-&lt;br /&gt;
ben ist identisch mit Entwick-&lt;br /&gt;
lung —, der „Geist“ als der ewige&lt;br /&gt;
Logos, das Wort und der Wille&lt;br /&gt;
Gottes, der die Entwicklung des&lt;br /&gt;
Lebens vorantreibt und, entwick-&lt;br /&gt;
lungsbedingt, immer neu mani-&lt;br /&gt;
festiert werden muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prinzip der Entwicklung&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen oder es zur&lt;br /&gt;
Hoffnung auf eine immer weiter&lt;br /&gt;
hinausgeschobene Endzeit zu ver-&lt;br /&gt;
zerren, heißt die gesellschaftliche&lt;br /&gt;
Wirklichkeit aus dem Griff ver-&lt;br /&gt;
lieren. Die Hilflosigkeit und Wi-&lt;br /&gt;
dersprüchlichkeit der sogenannten&lt;br /&gt;
christlichen Politik sind Beweis ge-&lt;br /&gt;
nug. Es gilt nachzuholen, was seit&lt;br /&gt;
dem Konzil von Nicäa, ja seit&lt;br /&gt;
Paulus, versäumt und vernach-&lt;br /&gt;
lässigt wurde: das Prinzip der&lt;br /&gt;
göttlichen Gerechtigkeit unteilbar&lt;br /&gt;
und untrennbar vom Prinzip der&lt;br /&gt;
göttlichen Liebe zu sehen. Am Bau&lt;br /&gt;
der Welt liefert die Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
die Steine und die Liebe den Mör-&lt;br /&gt;
tel; ein Haus, das ganz aus Mör-&lt;br /&gt;
tel erbaut ist, bleibt nicht lange&lt;br /&gt;
stehen. Es gilt, den Dualismus&lt;br /&gt;
zwischen Gott und Welt, Religion&lt;br /&gt;
und Politik, Kirche und Staat zu&lt;br /&gt;
überwinden. Es gilt, den Begriff&lt;br /&gt;
des Glaubens, der subjektiven Er-&lt;br /&gt;
widerung auf den göttlichen An-&lt;br /&gt;
ruf, nicht so sehr unter dem&lt;br /&gt;
Aspekt der gnadenvollen Erlösung&lt;br /&gt;
als vielmehr geradlinig, logisch&lt;br /&gt;
und praktisch als Anerkennung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
929&lt;br /&gt;
{{page|930|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der prophetischen Autorität und&lt;br /&gt;
als Befolgung ihres schriftlich&lt;br /&gt;
und klar niedergelegten Willens&lt;br /&gt;
zu definieren. Es gilt, die prakti-&lt;br /&gt;
schen Folgerungen zu ziehen und&lt;br /&gt;
zuerst unseren persönlichen Wil-&lt;br /&gt;
len, sodann unsere Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung nach den neuverstande-&lt;br /&gt;
nen göttlichen Leitlinien zu pro-&lt;br /&gt;
grammieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Christen wie für die An-&lt;br /&gt;
hänger anderer alter Religionen&lt;br /&gt;
ist die Wiedergeburt aus Wasser&lt;br /&gt;
und Geist unmöglich, solange sie&lt;br /&gt;
nicht wenigstens hypothetisch be-&lt;br /&gt;
reit sind, von den Ausschließlich-&lt;br /&gt;
keitsansprüchen ihrer Dogmatik&lt;br /&gt;
abzurücken. Die Zeit, die Angst&lt;br /&gt;
und die Not sind drei gute Lehr-&lt;br /&gt;
meisterinnen: Wir werden mit Si-&lt;br /&gt;
cherheit in den nächsten Jahren&lt;br /&gt;
noch so viel an „Verunsicherun-&lt;br /&gt;
gen“ — um mit der soziologischen&lt;br /&gt;
Linken zu reden — erleben, daß&lt;br /&gt;
die Relativität aller religiösen&lt;br /&gt;
Offenbarung immer denkbarer er-&lt;br /&gt;
scheint. Dann werden die Christen&lt;br /&gt;
daran gehen, die versäumten, ganz&lt;br /&gt;
einfachen Lektionen der nach-&lt;br /&gt;
christlichen Religionen aufzuholen:&lt;br /&gt;
daß es nur einen einzigen Gott gibt,&lt;br /&gt;
der „nicht zeugt und nicht gezeugt&lt;br /&gt;
wird“ (Qur’än);daß sich dieser Gott,&lt;br /&gt;
der Entwicklung des Menschen&lt;br /&gt;
und seinen Verhältnissen gemäß,&lt;br /&gt;
immer wieder in prophetischen&lt;br /&gt;
Übermenschen manifestiert und&lt;br /&gt;
durch deren „Buch“ jeweils die&lt;br /&gt;
Leitlinien und Denkmodelle für&lt;br /&gt;
einen neuen Abschnitt im Fort-&lt;br /&gt;
schritt der menschlichen Kultur&lt;br /&gt;
setzt; daß sich diese Leitlinien&lt;br /&gt;
und Denkmodelle mit Sicherheit&lt;br /&gt;
durchsetzen, weil die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so lange unter selbstverursachten&lt;br /&gt;
Krisen und Katastrophen zu lei-&lt;br /&gt;
den haben wird, bis sie sich hin-&lt;br /&gt;
reichend angepaßt hat; daß das&lt;br /&gt;
religiöse Bewußtsein nicht in illu-&lt;br /&gt;
sionsreichen Jenseitshoffnungen,&lt;br /&gt;
sondern in der praktischen Le-&lt;br /&gt;
bensethik verankert sein muß —&lt;br /&gt;
bei Strafe der Unvermeidbarkeit&lt;br /&gt;
gesellschaftspolitischer Krisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 500 oder 1000 Jahren mußte&lt;br /&gt;
man Mystiker oder Heiliger sein,&lt;br /&gt;
um die Zusammenhänge zwischen&lt;br /&gt;
dem religiösen Bewußtsein und&lt;br /&gt;
der gesellschaftlichen Wirklichkeit&lt;br /&gt;
zu begreifen. Mit dem Heranrei-&lt;br /&gt;
fen der politisch-wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Verhältnisse und der Verfeine-&lt;br /&gt;
rung unseres sozialpsychologischen&lt;br /&gt;
Instrumentariums wird es zuneh-&lt;br /&gt;
mend zu einer Sache unternehme-&lt;br /&gt;
rischen Weitblicks, das geoffen-&lt;br /&gt;
barte Wort Gottes auf seine ge-&lt;br /&gt;
meinschaftsbildende Substanz hin&lt;br /&gt;
zu prüfen und es zur Richtschnur&lt;br /&gt;
für das eigene Handeln und die&lt;br /&gt;
Beurteilung der Umwelt zu neh-&lt;br /&gt;
men. Bereits der Qur’äan und die&lt;br /&gt;
Überlieferungen Muhammads bie-&lt;br /&gt;
ten eine Fülle von Anregungen,&lt;br /&gt;
wie es Udo Schaefer in seiner&lt;br /&gt;
fundierten Kritik an typischen&lt;br /&gt;
christlichen Vorurteilen beweist&lt;br /&gt;
(Seite 944 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahüa’u’lläh gibt in mehr als hun-&lt;br /&gt;
dert Bänden, von denen bis jetzt&lt;br /&gt;
nur das Wichtigste in abendländi-&lt;br /&gt;
sche Sprachen übersetzt werden&lt;br /&gt;
konnte, die Charta einer neuen,&lt;br /&gt;
ganzheitlichen Weltordnung und&lt;br /&gt;
damit die Erlösung nicht nur des&lt;br /&gt;
einzelnen Menschen, sondern der&lt;br /&gt;
ganzen menschlichen Rasse. Man&lt;br /&gt;
muß nur den Willen aufbringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rudolf Stählin im Fischer-Lexikon „Christliche Religion“, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Dgl. S. 296 und 298,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Bahä’u’lläh, „Brief an den Sohn des Wolfes“, S. 86.&lt;br /&gt;
4) Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt v. 27. 10. 68.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
930&lt;br /&gt;
{{page|931|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=9}}sich mit Seinem Werk selbständig&lt;br /&gt;
auseinanderzusetzen und dadurch&lt;br /&gt;
zu vollziehen, was Er jedem Men-&lt;br /&gt;
schen zur Pflicht gemacht hat.&lt;br /&gt;
Welchen Perspektiven eine erlöste&lt;br /&gt;
Menschheit entgegengeht, hat Da-&lt;br /&gt;
vid Ruhe in seinem Aufsatz (Seite&lt;br /&gt;
931 ff.) begeisternd zum Ausdruck&lt;br /&gt;
gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 500 Jahren vollzog das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wende vom ptolemäischen Welt-&lt;br /&gt;
bild des Mittelalters zur Grund-&lt;br /&gt;
konzeption der modernen Astro-&lt;br /&gt;
nomie. Die kopernikanische Wen-&lt;br /&gt;
de von der christlichen Dreifaltig-&lt;br /&gt;
keitslehre zum dynamischen, uni-&lt;br /&gt;
versalistischen, gesellschaftsbezo-&lt;br /&gt;
genen Weltbild Bahä’u’llähs wird&lt;br /&gt;
ebenso unvermeidlich, wenngleich&lt;br /&gt;
— Gott sei’s geklagt — wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
christliche Abendland — gegen&lt;br /&gt;
den Widerstand seiner religiösen&lt;br /&gt;
Führer — eine kopernikanische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schmerzhafter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Garten Eden&lt;br /&gt;
Perspektiven für eine erlöste Menschheit / von David S. Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1750 000 Jahre mögen es her sein, daß ein Wesen, das gerade Mensch&lt;br /&gt;
zu werden begann, durch die Steppen des ostafrikanischen Hochlands&lt;br /&gt;
schweifte, Fische und Nagetiere fing und grobes Handwerkszeug herstellte.&lt;br /&gt;
Dieses Wesen ging auf zwei Beinen, hatte zwei scharfe Raubtieraugen und&lt;br /&gt;
nahm seine Nahrung als Allesfresser mit den zu Greifern ausgebildeten&lt;br /&gt;
Fingern seiner Vorderbeine zu sich. Wichtiger noch ist, daß der Urmensch&lt;br /&gt;
jene Merkmale überlegener Denkfähigkeiten zeigte, die ihn zur größten&lt;br /&gt;
Bedrohung für alle anderen von Gott bis dahin geschaffenen Lebens-&lt;br /&gt;
formen werden ließ. Dr. Louis S. B. Leakey und seine Frau Mary schlossen&lt;br /&gt;
aus Knochenbruchstücken, die in der Schlucht von Olduvai in Tanzanien&lt;br /&gt;
gefunden wurden, daß diese ersten kleinen afrikanischen Hominiden die&lt;br /&gt;
Frühmenschen waren, die sich in den Jahrtausenden seither über die Welt&lt;br /&gt;
verbreiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann während der vier Eiszeiten vor vielleicht 300000 Jahren&lt;br /&gt;
geschah die große Mutation des Menschen, über die Tilly Edinger und&lt;br /&gt;
Loren Eiseley spekuliert haben. Vom Standpunkt der Entwicklungsge-&lt;br /&gt;
schichte her gesehen nahm das Großhirn schlagartig an Umfang und Ver-&lt;br /&gt;
feinerung zu. Gleichzeitig tauchte zwischen Mann und Weib und ihren&lt;br /&gt;
Kindern jene eigenartige Erscheinung auf, die man menschliche Liebe&lt;br /&gt;
nennt — eine Erscheinung, die einen großen Entwicklungszweck praktisch&lt;br /&gt;
ermöglichte: Durch die Macht der Liebe erfuhr das schwache Junge jenes&lt;br /&gt;
außergewöhnlichen neuen Jägertyps den Schutz der Erwachsenen für&lt;br /&gt;
sein gefährlich langes Wachstum zur Reife. Die verlängerte Wachstumszeit&lt;br /&gt;
betraf zwar den Körper; sie war aber, und das ist wichtiger, ein notwen-&lt;br /&gt;
diger Zeitabschnitt ausgedehnten Lernens von den Eltern, da dieses Men-&lt;br /&gt;
schenjunge ja Geisteskräfte besaß, die von der Steuerung durch Instinkte&lt;br /&gt;
zunehmend befreit waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
931&lt;br /&gt;
{{page|932|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Mutation des Großhirns „ging das Eden, das die Tierwelt&lt;br /&gt;
ganze Erdzeitalter hindurch gekannt hatte, vollends in die Brüche. Der&lt;br /&gt;
menschliche Geist bewirkte, daß die Zeit und das Dunkel, Gut und Böse...&lt;br /&gt;
in die Welt einzogen und Besitz von ihr ergriffen ...“ So beschreibt Loren&lt;br /&gt;
Eiseley, ein Wissenschaftler des zwanzigsten Jahrhunderts, die umwälzende&lt;br /&gt;
Bedeutung dieses großen Sprungs vorwärts. 3000 Jahre zuvor hatte der&lt;br /&gt;
alttestamentarische Seher, der das zweite und dritte Kapitel des 1. Buches&lt;br /&gt;
Mose aufsetzte, blasse Spuren aus dem Kollektivbewußtsein der Mensch-&lt;br /&gt;
heit in seinem Geist vereinigt und damit „ein größeres Gleichnis gestaltet,&lt;br /&gt;
als die Menschen je für möglich hielten ...“ Denn Jehovas Garten Eden&lt;br /&gt;
im Zweistromland wurde damals symbolisch als der Ort für die Entstehung&lt;br /&gt;
des menschlichen Bewußtseins, das Auftreten des Geistes im menschlichen&lt;br /&gt;
Sinne verstanden. Der Ort selbst und die Wahrscheinlichkeit, daß es tat-&lt;br /&gt;
sächlich ein afrikanischer Garten Eden war, tun nichts zur Sache. Es war&lt;br /&gt;
das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte, weil es ihr Beginn war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das tierhafte Eden der ewigen Gegenwart sind Adam und Eva, die&lt;br /&gt;
ersten wahren Menschen &#039;!), hinausgewachsen. In Wirklichkeit ließ ihnen&lt;br /&gt;
Gott keine andere Wahl, als vom Baum der Erkenntnis zu essen; denn nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so kamen sie zu der Erkenntnis, daß die Schöpfung Gottes gut ist. Nur so&lt;br /&gt;
kamen sie auch zu der Macht menschlicher Wahl, die freier Wille genannt&lt;br /&gt;
wird und die, zum ersten Mal in der Geschichte, Handlungen hervor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „World Order, a Bahä’i Magazine“, Wilmette/Ill., USA, Frühjahr 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David S. Ruhe, M. D., war Professor für medizinisches Informationswesen und&lt;br /&gt;
Hygiene an der Universität von Kansas, Verfasser zahlreicher medizinischer Bücher&lt;br /&gt;
und Aufsätze und Mitproduzent von ärztlichen Filmen. Er war lange Jahre Sekre-&lt;br /&gt;
tär des Nationalen Geistigen Rates der Bahä’f der Vereinigten Staaten von&lt;br /&gt;
Amerika und wurde von der Internationalen Bahä’i-Tagung 198 in das Universale&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) ‘&amp;lt;Abdu’l-Bahá lehrt in den „Beantworteten Fragen“ (Frankfurt 1962, Kap. 30,&lt;br /&gt;
S. 125), die Geschichte von Adam und Eva nach Genesis 2 und 3 enthalte „gött-&lt;br /&gt;
liche Geheimnisse und umfassende Bedeutungen“ und stehe „wunderbaren Er-&lt;br /&gt;
klärungen offen... Diese Verse des Alten Testaments enthalten zahlreiche&lt;br /&gt;
Bedeutungen“, Eine dieser Bedeutungen erklärend, führt Er aus, daß Adam&lt;br /&gt;
der Geist Adams und Eva seine Seele sei, während die Schlange die Bindung&lt;br /&gt;
an die Menschenwelt versinnbildliche. Aus der „Welt der Freiheit“, dem tieri-&lt;br /&gt;
schen Paradies der „Reinheit und des absolut Guten“, kam er in die „Welt der&lt;br /&gt;
Bindung..., die Menschenwelt... des Guten und Bösen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam kann auch als „Vater der Menschheit“ und als der erste Prophet des&lt;br /&gt;
gegenwärtigen Religionszyklus betrachtet werden. Es gibt Hinweise auf die&lt;br /&gt;
„Geschlechter vor Adam“ und „die Unterschiede, die seit den Tagen Adams&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten sind“ (Bahä’u’lläh, Ährenlese LXXXVII) An anderen Stellen in&lt;br /&gt;
den Bahä’i-Schriften wird Adam als der erste Prophet, der vorgeschichtliche&lt;br /&gt;
Entdecker und Verkünder des freien Willens und der Werte bezeichnet, die&lt;br /&gt;
wir jetzt „menschlich“ nennen, weil sie jenes neue Reich des Bewußtseins&lt;br /&gt;
kennzeichnen, das damals menschliches Erbgut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 13, 5. 1912 sagte ‘Abdu’l-Bahá in New York (Promulgation S. 120, Bahä’i&lt;br /&gt;
World Faith S, 233): „Bahä’u’lläh wandte sich an die ganze Menschheit und&lt;br /&gt;
sagte, Adam, der Stammvater aller Menschen, könne mit dem Baum des Le-&lt;br /&gt;
bens verglichen werden, an dem sie die Blätter und Blüten sind. Wenn dem-&lt;br /&gt;
nach ihr Ursprung der gleiche ist, müssen sie auch jetzt in Einheit und&lt;br /&gt;
Verträglichkeit leben... .“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carl G. Jung schreibt in „Antwort auf Hiob“ (Zürich 1952, Rückübersetzung):&lt;br /&gt;
„Adam und Eva: Bilder von Gottes männlichem Wesen und dessen weiblicher&lt;br /&gt;
Emanation... Eva wird aus Adams Körper herausgenommen als ein Nach-&lt;br /&gt;
gedanke“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
932&lt;br /&gt;
{{page|933|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=11}}bringen konnte, die im eigentlichen Sinn „böse“ zu nennen waren. Eine&lt;br /&gt;
dem Wesen nach tierische Welt bietet keine Wahlentscheidungen. Die&lt;br /&gt;
menschliche Welt öffnete das harte Tor zu den Werten und ihrer entschei-&lt;br /&gt;
denden Rolle im menschlichen Dasein. Eva und Adam erlebten auch die&lt;br /&gt;
Erkenntnis der Zeit, die ihnen das unbekümmerte und doch angsterfüllte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dunkel der Vergangenheit und die lange, gedankenvolle Finsternis einer&lt;br /&gt;
furchterregenden Zukunft offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eiseley kennzeichnet Adam mit seiner neu erworbenen Vorstellungsgabe&lt;br /&gt;
weiterhin als „das Traumtier“ und versichert, „es war wirklich der Mensch,&lt;br /&gt;
der ohne Erinnerung durch Schranken von Sonnenlicht und Schatten hin-&lt;br /&gt;
durch in den Morgen der Welt hinausschritt, sich niedersetzte und sich mit&lt;br /&gt;
erstaunter Hand über seine schwere Stirn fuhr; ... Zeit und Finsternis,&lt;br /&gt;
das Wissen um Gut und Böse, sind seither immer mit ihm gezogen.“ An&lt;br /&gt;
jenem Morgen vor vielleicht einer Viertelmillion Jahre „dachte zum ersten-&lt;br /&gt;
mal seit vier Milliarden Jahren ein Lebewesen über sich selbst nach und&lt;br /&gt;
hörte in einem plötzlichen, unerklärlichen Gefühl der Einsamkeit das&lt;br /&gt;
Flüstern des Windes im nächtlichen Schilfrohr. Vielleicht wußte er schon,&lt;br /&gt;
dort im Gras an den kühlen Wassern, daß er eine unermeßlich lange Wan-&lt;br /&gt;
derung vor sich hatte“ ?). Eine unermeßlich lange Wanderung! Eine wun-&lt;br /&gt;
dersame, unerbittliche Fahrt durch die Zeit zu einem neuen Eden und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne Zweifel zu immer weiteren Paradiesgärten in der fernen, blaßblauen&lt;br /&gt;
Zukunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Längst vergessene Zukunftsmenschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es genügt nicht, gelehrig alte Höhlenknochen zu studieren oder dem&lt;br /&gt;
nebulosen Gemurmel der Weissager zu lauschen, auch wenn in diesen&lt;br /&gt;
Quellen Anhaltspunkte liegen mögen. Man kann auch Menschengruppen&lt;br /&gt;
beobachten, die heute noch leben, aber lebende Erinnerungsstücke der&lt;br /&gt;
großen Mutation jener Zeit sind, in der das Bewußtsein über den Menschen&lt;br /&gt;
kam. In Australien, in Neuguinea, auf Hokkaido, am brasilianischen Fuß&lt;br /&gt;
der Anden und in der Arktis leben Menschen in Kulturen mit steinzeit-&lt;br /&gt;
lichen Merkmalen. Sie besitzen „moderne“ menschliche Gehirne, wie uns&lt;br /&gt;
Wallace, ein großer, heute vergessener Zeitgenosse Darwins darlegt. Sie&lt;br /&gt;
gehören eindeutig zur Gattung Homo sapiens. In mancher Hinsicht primitiv,&lt;br /&gt;
entfalten diese Völker eine niedere Kultur des Daseinskampfes, die bei&lt;br /&gt;
vielen modernen Menschen zu Mißverständnissen führt. In anderer Hin-&lt;br /&gt;
sicht sind sie zivilisiert und haben eine hohe Kultur des Denkens und der&lt;br /&gt;
Ästhetik entwickelt. Ein treffendes Beispiel für ein lebendes Erinnerungs-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stück aus der Menschheitsentwicklung ist unter den Ureinwohnern von&lt;br /&gt;
Australien zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Arnhemland in der nordaustralischen Wüste leben einige tausend&lt;br /&gt;
Familien, deren Vorfahren vermutlich vor vielen Jahrhunderten nach&lt;br /&gt;
Australien übergesetzt waren, ganze Zeitalter vor den europäischen Ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?) Loren Eiseley, „The Immense Journey“ (Random, New York N. Y., 1956;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vintage Books 1958, p, 210). Deutsch in „Fischer-Bücherei“ Nr. 1048, März 1969,&lt;br /&gt;
S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
933&lt;br /&gt;
{{page|934|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dringlingen des achtzehnten Jahrhunderts. Die Europäer kamen in Schif-&lt;br /&gt;
fen mit ihren stählernen Waffen und Werkzeugen; sie rechtfertigten ihre&lt;br /&gt;
Landnahme durch ihre „wesenhafte Überlegenheit“ und setzten ihre Macht&lt;br /&gt;
mit „den blutigen Tugenden des Schießpulvers“ durch. Aber nie verglichen&lt;br /&gt;
sich diese Europäer mit den Eingeborenen nach den echten Maßstäben der&lt;br /&gt;
Hochkultur auf einer wahren Wertskala; sie nannten die Eingeborenen&lt;br /&gt;
„Wilde“, weil sie nackt und gegen das Wetter abgehärtet waren, keine&lt;br /&gt;
Schrift kannten und nicht mit dem Christentum vertraut waren. Im Gegen-&lt;br /&gt;
satz zu den Illusionen vorgeblicher europäischer Überlegenheit waren und&lt;br /&gt;
sind die niedrigen wie die hohen Kulturgüter jedes Arnhemländers außer-&lt;br /&gt;
ordentlich, wenn man von der nomadischen Lebensweise ausgeht, die er in&lt;br /&gt;
seiner vorwissenschaftlichen Wüstenwelt führen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder männliche australische Eingeborene beherrscht handwerkliche und&lt;br /&gt;
kämpferische Fertigkeiten. Jeder nimmt als Vollbürger an der Regierung&lt;br /&gt;
seines Stammes ernsthaften Anteil. Jeder ist einbezogen in ein religiöses&lt;br /&gt;
Leben, das so umfassend und alldurchdringend ist, daß „alltägliche Ver-&lt;br /&gt;
richtungen eigentlich als sakramental bezeichnet werden müssen“. Jeder&lt;br /&gt;
Ureinwohner kennt eine Überlieferung seiner Gesellschaft, die von un-&lt;br /&gt;
glaublichem Umfang ist: „tausende von Liedern, hunderte von Ritualen,&lt;br /&gt;
Legenden, Geschichten, Tänze, Einzelheiten aus der Stammesgeschichte ...&lt;br /&gt;
(Jeder) beherrscht aus dem Stegreif sein kompliziertes Verwandtschafts-&lt;br /&gt;
system und eine Reihe schwieriger Kunstfertigkeiten, die für das Leben im&lt;br /&gt;
Busch zweckmäßig ist.“ Fast jeder kennt „neben seiner eigenen Sprache&lt;br /&gt;
mehrere andere Eingeborenensprachen sowie eine Zeichensprache und&lt;br /&gt;
Pidgin-Englisch“ 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das erstaunlichste ist, daß die ästhetischen Erlebnisse, die wir in&lt;br /&gt;
unseren „hochzivilisierten“ Lebensbereichen als selten und kostbar an-&lt;br /&gt;
sehen, unter den Eingeborenen etwas Alltägliches, ja Allgemeingültiges&lt;br /&gt;
sind: Sie komponieren, musizieren, tanzen, erdenken Gedichte, Lieder und&lt;br /&gt;
Geschichten, tragen sie vor und hören anderen zu. Jeder einzelne stellt&lt;br /&gt;
schöne und nützliche Gegenstände für alle Lebenslagen her. Buchstäblich&lt;br /&gt;
ist jeder Mensch ein Künstler und Kunsthandwerker. Von jedem Einge-&lt;br /&gt;
borenen wird erwartet, daß er seine weitverzweigten Fähigkeiten entfaltet,&lt;br /&gt;
um an einem reichen Stammesleben, dessen hohe Kultur eine über-&lt;br /&gt;
raschende Vielseitigkeit verlangt, teilzunehmen. Es ist tatsächlich so, wie&lt;br /&gt;
wenn jeder Einwohner von New York oder Frankfurt malen, dichten, an&lt;br /&gt;
Laienspielen teilnehmen, singen, tanzen, diskutieren, Riten der Geburt,&lt;br /&gt;
Geschlechtsreife und Heirat mitvollziehen müßte und daraus ein alldurch-&lt;br /&gt;
dringendes Gefühl der Verbundenheit aller mit allen gewinnen sollte. Daß&lt;br /&gt;
die meisten ästhetischen Lebensäußerungen dieser australischen Urein-&lt;br /&gt;
wohner im Schwinden begriffen sind und daß die tiefe Bedeutung ihrer&lt;br /&gt;
Kunst von den Missionaren und Händlern nicht verstanden wird, beweist&lt;br /&gt;
nur das typische Unvermögen, Verständigung zwischen verschiedenen&lt;br /&gt;
Kulturen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Edward L. Ruhe, „Bark Paintings from Arnhemland“ (Lawrence, Kansas City&lt;br /&gt;
1966, p. 28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
934&lt;br /&gt;
{{page|935|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Eingeborene sieht Verwandtschaft in allem Lebendigen. Er fühlt sich&lt;br /&gt;
eins mit der Beute, die er jagt, und verleiht dem Känguruh, der Eidechse&lt;br /&gt;
oder dem Wal eine totemistische Zugehörigkeit zu seinem Stamm. Er be-&lt;br /&gt;
sitzt die Vertrautheit des Wilden mit dem Wetter und versteht es, auch&lt;br /&gt;
Katastrophen hinzunehmen. Auf vielerlei Weise lebt er immer noch im&lt;br /&gt;
Garten Gottes, als zeitgenössischer Adam. Andererseits teilt er mit seinen&lt;br /&gt;
Stammesangehörigen ein ganzheitliches Gruppenbewußtsein; er erlebt die&lt;br /&gt;
schöpferischen Erfahrungen der anderen mit — Erfahrungen, die er als&lt;br /&gt;
wesenhaft religiös begreift. So ist in mancherlei Hinsicht jeder Arnhem-&lt;br /&gt;
länder „der längst vergessene Mensch der Zukunft“ 9. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Beobachtung dieser übriggebliebenen Adame kommt uns die&lt;br /&gt;
Frage: Sucht nicht gerade der moderne Mensch des zwanzigsten Jahrhun-&lt;br /&gt;
derts nach einer Hochkultur, die von gleichberechtigten Partnern getragen&lt;br /&gt;
wird, eine Kultur, in der jeder alle seine Fähigkeiten entwickelt? Eine&lt;br /&gt;
Kultur, in der man die Verwandtschaft mit allen anderen Menschen fühlt,&lt;br /&gt;
die Einheit mit allem Leben und mit dem Schöpfer des Alls? Sucht nicht&lt;br /&gt;
der moderne Mensch, das Innenleben des Arnhemländers zurückzuge-&lt;br /&gt;
winnen, aber in Verbindung mit dem äußerlichen Leben der Wissenschaft-&lt;br /&gt;
lichkeit und mit einem neuen Ethos?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohin führt die Wissenschaftlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Abendländer sind das höchste Ergebnis eines wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Zeitalters, das unsere Hoffnung und unsere Verzweiflung ist. Wir beherr-&lt;br /&gt;
schen die Methoden der Wissenschaft und genießen ihre vielfach frag-&lt;br /&gt;
würdigen Früchte. Unsere Frauen überleben das Kindsbett, unsere Säug-&lt;br /&gt;
linge werden großenteils ohne eine einzige schwere Erkrankung ihr acht-&lt;br /&gt;
zigstes Lebensjahr erreichen. Wir haben bereits die Werkzeuge in der&lt;br /&gt;
Hand, um Krankheit und Hunger zu überwinden. Innerhalb unserer&lt;br /&gt;
Nationalgesellschaften gelingt es uns im allgemeinen, Mord zu vermeiden;&lt;br /&gt;
nur oberhalb des Niveaus der Volksstämme verfallen wir immer noch in&lt;br /&gt;
den Massenmord, den man Krieg nennt. So wunderbar aber unsere Er-&lt;br /&gt;
rungenschaften sind, die uns das Überleben im Daseinskampf, Gesundheit&lt;br /&gt;
und Ernährung sicherstellen — ist doch diese wachsende Kontrolle einer&lt;br /&gt;
oft furchterregenden Naturwelt nicht das wichtigste Ergebnis. Vielmehr&lt;br /&gt;
machen gerade die Dinge, die dem menschlichen Verstand und Geist wider-&lt;br /&gt;
fahren, unsere Zeit eines neuen Frühmenschentums so kritisch. Wir sind&lt;br /&gt;
zur Gattung Homo sapiens scientificus geworden. Aber wir sind unvoll-&lt;br /&gt;
ständig. Wir müssen zur Gattung Homo sapiens scientificus spiritualis&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) Natürlich gab und gibt es Schicksalsstrafen dafür, daß man ein „vornehmer&lt;br /&gt;
Wilder“ ist. Es gab und gibt tödliche Säuglingskrankheiten, und die meisten&lt;br /&gt;
Eingeborenen sterben vorzeitig. Es gibt ein System von Stammesfehden, das&lt;br /&gt;
die Männer umbringt. Die Frauen haben die Gleichberechtigung nicht durch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesetzt, werden als Lasttiere mißbraucht und sterben oft im Kindbett. Das&lt;br /&gt;
Leben ist schwer; es läßt keinen dick werden und manchen hungern. Die Ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hältnisse des Daseinskampfes üben einen ständigen Druck aus, und es bleibt&lt;br /&gt;
zu wenig von der kostbaren Freizeit, die es den Eingeborenen gestatten würde,&lt;br /&gt;
ihrer hohen Kultur vollen Ausdruck zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
935&lt;br /&gt;
{{page|936|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=14}}nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ri N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute steht der neue Adam am Times Square, auf dem Roten Platz,&lt;br /&gt;
den Champs Elys&amp;amp;ees oder dem siebten Hügel von Kampala. Er streicht sich&lt;br /&gt;
mit erstaunter Hand über sein gewöhnlich glattrasiertes Kinn und fragt&lt;br /&gt;
sich, wenn er fragt, inmitten des lärmenden Gewimmels in verständlicher&lt;br /&gt;
Verwirrung: „Wie komme ich überhaupt hierher? Was soll diese ganze&lt;br /&gt;
Mäusejagd? Gehöre ich hierher: Kann ich jemals irgendwem etwas be-&lt;br /&gt;
deuten? Auch mir selbst? Was bedeutet überhaupt wem etwas?“ Den&lt;br /&gt;
Menschen, dieses mit Bewußtsein begabte Stück Nichts auf dem uner-&lt;br /&gt;
gründlichen Ozean des Raumes und der Zeit, packt das Staunen. Und mit&lt;br /&gt;
dieser Fähigkeit des Staunens ist er bereit für die Reise zu den Sternen&lt;br /&gt;
und ins Herz der Atome. Mit diesem Staunen im Herzen ist er auch bereit&lt;br /&gt;
für das neue Eden, das er mit Gottes Hilfe für sich bereitet. Es wird nicht&lt;br /&gt;
ein Urwald im Zweistromland sein, sondern ein entwickelter Planet; nicht&lt;br /&gt;
ein Urpaar, das seiner Einsamkeit und seiner Nacktheit bewußt wird, son-&lt;br /&gt;
dern das Ganze einer Menschheit, die sich eine Vorstellung von ihrer Ein-&lt;br /&gt;
samkeit und Nacktheit in einem expandierenden Weltall schafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir an den Raum: Was für eine überwältigende Ausdehnung&lt;br /&gt;
und Schrumpfung hat er in den letzten hundert Jahren erfahren! Heute&lt;br /&gt;
kann jeder, der es zu etwas gebracht hat, eine Reise um die Welt machen.&lt;br /&gt;
Bald wird jeder, der ein bißchen abenteuerlich veranlagt ist, wenigstens&lt;br /&gt;
einmal in seinem Leben einen Ausflug zum Mond oder zum Mars machen.&lt;br /&gt;
Bald werden auch alle Menschen in die Tiefen des Meeres tauchen können,&lt;br /&gt;
wie sie heute hin und wieder im Düsenflugzeug durch das Luftmeer reisen.&lt;br /&gt;
Unser Leben schrumpft zur Bedeutungslosigkeit, wenn wir mit den Astro-&lt;br /&gt;
nomen in die Tiefen des Raumes zu Spiralnebeln aufschauen, deren Ent-&lt;br /&gt;
fernungen nach den Worten Einsteins „schlechthin unvorstellbar“ sind.&lt;br /&gt;
Umgekehrt führt uns die schlechthin unvorstellbare Winzigkeit der Elek-&lt;br /&gt;
tronen, die in ihren Kreisbahnen um die Atomkerne wirbeln, die Nicht-&lt;br /&gt;
stofflichkeit unseres stofflichen Körpers vor Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Zeit hat sich ausgedehnt und ist geschrumpft. Unsere großen&lt;br /&gt;
Astrophysiker entwickeln Theorien über den Anfang des Kosmos und be-&lt;br /&gt;
schreiben die unendlich weit zurückliegende Ausbildung von Spiralnebeln&lt;br /&gt;
aus weißglühendem Urwasserstoff, als ob wir dies verstehen oder wirklich&lt;br /&gt;
glauben könnten. Fred Hoyle versicherte unlängst, es gäbe überhaupt&lt;br /&gt;
keinen Anbeginn des Weltalls und wir bräuchten uns nicht über erste&lt;br /&gt;
Ursachen Gedanken zu machen; Gott, die erste Ursache, war immer und&lt;br /&gt;
ist immer. Aber die Expansionstheoretiker unter den Kosmologen haben&lt;br /&gt;
noch ihre Rotverschiebung der Spektrallinien, die sie zur Annahme einer&lt;br /&gt;
Explosion der Spiralnebel führt. Sie leiten daraus her, wie groß die be-&lt;br /&gt;
grenzte Lebensdauer unserer Sonne und unseres Planeten Erde sein mag,&lt;br /&gt;
was die Erschaffung des Lebens, der Arten, des Menschen und des denken-&lt;br /&gt;
den Menschen bedeuten mag. So hat sich nach den Ausblicken eines Pierre&lt;br /&gt;
Teilhard de Chardin’) die Schöpfung von der Kosmogenese (Entstehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
°) Pierre Teilhard de Chardin, „The Phenomenon of Man“ (Harper &amp;amp; Row, New&lt;br /&gt;
York 1965, p. 320). Teilhard leitet das Wort Noogenese vom griechischen „Nous“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verstand, Vernunft, her und versteht darunter die Entstehung des Denkens&lt;br /&gt;
im Gruppensinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
936&lt;br /&gt;
{{page|937|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=15}}der Welt) über die Biogenese (Entstehung des Lebens) und die Anthropo-&lt;br /&gt;
genese (Entstehung des Menschen) zur Noogenese (Entstehung des Men-&lt;br /&gt;
schengeistes) in einer Richtung und einer Weise verändert, die wir Ent-&lt;br /&gt;
wicklung nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschwindigkeit dieser Veränderung hat sich bis fast zur Selbst-&lt;br /&gt;
aufhebung beschleunigt, wie der Philosoph Max Ways betont, wenn er&lt;br /&gt;
seine vier Zeitalter der Entwicklung definiert. Es gab in der grauen Vor-&lt;br /&gt;
geschichte ein Zeitalter des unmerklichen Wandels, in der kein Mensch&lt;br /&gt;
während seinen Lebzeiten Änderungen gegenüber der Zeit seines Vaters&lt;br /&gt;
wahrnahm; durch ein neues Getreide, ein neues Haustier, durch das Rad,&lt;br /&gt;
den Keil, den Hebel wurde der Jäger nach und nach zum Ackerbauern.&lt;br /&gt;
Das Zeitalter des langsamen Wandels brachte mit jeder Generation Neue-&lt;br /&gt;
rungen, die die Machtmittel und das Wahrnehmungsvermögen des Men-&lt;br /&gt;
schen spürbar erweiterten; so war es die gesamte historische Zeit hindurch.&lt;br /&gt;
Das Zeitalter des raschen Wandels begann mit dem Aufbruch der wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Methodik im siebzehnten Jahrhundert und beschleunigte sich&lt;br /&gt;
bis um 1950, und erst gestern sind wir in das Zeitalter des radikalen&lt;br /&gt;
Wandels eingetreten, in welchem sich sogar die Orientierungspunkte ver-&lt;br /&gt;
schieben, so rasend ist der Fortschritt in unseren Tagen des Computers, des&lt;br /&gt;
Systembaus, der Automation, der Atomkraft und der Raumforschung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uns, die wir auf diesem Staubkorn im Weltall leben, überkommt es bei&lt;br /&gt;
denjenigen Aspekten unseres stofflichen Weltalls, die unsere begrenzten&lt;br /&gt;
Kräfte ausloten können, mit ehrfürchtiger Scheu. Gleichzeitig kosten wir&lt;br /&gt;
jeden unserer Schritte auf dem Weg zur Kontrolle der Natur mit echtem&lt;br /&gt;
Stolz aus. Unsere Physiker und Biologen sind sicher, daß wir die Probleme&lt;br /&gt;
der Ernährung, der Wohnung und des Überlebens lösen werden. Wir wer-&lt;br /&gt;
den die Energien, die Nachrichten- und Transportmittel, wirklich alle&lt;br /&gt;
Werkzeuge für die Befreiung des Menschen schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so fortfahren, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen,&lt;br /&gt;
werden wir nach und nach feststellen, daß wir uns auf einer großen Kreis-&lt;br /&gt;
bahn bewegen, die uns zu einer neuen Verbindung mit dem Weltall und&lt;br /&gt;
seinem Schöpfer zurückführt. Sind wir nicht alle bereits Götter, in diesem&lt;br /&gt;
Zeitalter der Wissenschaft? Und wird uns nicht eines nicht mehr fernen&lt;br /&gt;
Tages jene Kreisbahn zu den Wurzeln des Lebensbaumes zurückführen?&lt;br /&gt;
Wie muß dann unsere Grundvorstellung vom Leben, von uns selbst und&lt;br /&gt;
von Gott beschaffen sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implosion des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Wirkungen von Wissenschaft und Technik haben sich&lt;br /&gt;
nach Umfang und Geschwindigkeit so unermeßlich erweitert, daß wir&lt;br /&gt;
modernen Menschen gleichsam auf der bebenden Oberfläche einer Lawine&lt;br /&gt;
stehen, die bereits meilenweit einen unbekannten Berghang hinunterge-&lt;br /&gt;
braust ist. Die erste industrielle Revolution zielte darauf ab, menschliche&lt;br /&gt;
Muskeln durch Maschinen zu ersetzen; sie hat den Menschen zu seinem&lt;br /&gt;
Glück aus dem Düster unbarmherziger körperlicher Mühsal befreit. Aber&lt;br /&gt;
die zweite industrielle Revolution begann bereits, den menschlichen Ver-&lt;br /&gt;
stand durch Maschinen zu ersetzen, und das überkommt uns mit Furcht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
937&lt;br /&gt;
{{page|938|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun eröffnet die Entfesselung der Atomenergie den Ausblick auf jene&lt;br /&gt;
Kraftreserven, die für die Ersatzmuskeln und Ersatzhirne erforderlich&lt;br /&gt;
sind. So könnten die beiden Revolutionen Freizeit und damit die allge-&lt;br /&gt;
meine Möglichkeit zu höchster Kultur produzieren, wenn wir nur wüßten,&lt;br /&gt;
wie wir den Menschen selbst erschließen und seine innere Führung hervor-&lt;br /&gt;
bringen könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zum Verständnis des Menschen hat uns die Wissenschaft&lt;br /&gt;
schon weit vorangebracht, so weit, daß eine Implosion, ein schlagartiger&lt;br /&gt;
Zusammenbruch durch Überdruck von außen und innere Leere, droht.&lt;br /&gt;
Die Biologen haben uns schon viel über die substantielle Zusammen-&lt;br /&gt;
setzung des Menschen erzählt: Wir sind alle aus demselben Stoff. Die&lt;br /&gt;
Psychologen sondieren die Persönlichkeit des Menschen, untersuchen seine&lt;br /&gt;
Bedürfnisse und sein Wachstum: Auch psychologisch scheinen wir uns in&lt;br /&gt;
etwa gleich zu sein, ob wir nun australoid, kaukasoid, negroid oder mongo-&lt;br /&gt;
loid sind. Die Soziologen und Anthropologen schlitzen die kulturelle Deck-&lt;br /&gt;
schicht von jeder Sorte und Gruppe Mensch auf. Überall scheint dieser&lt;br /&gt;
Gruppenmensch dieselben Bedürfnisse und Leitlinien zu verfolgen. Psy-&lt;br /&gt;
chiater, Philosophen und Religionsführer bewegen sich auf einen General-&lt;br /&gt;
nenner zu, von der Psychiatrie des Menschengeistes, die der Superfreu-&lt;br /&gt;
dianer Viktor Frankl entwickelt, bis zu Teilhard de Chardins revolutio-&lt;br /&gt;
nären Vorstellungen eines planetarischen Gruppendenkens, das alle Men-&lt;br /&gt;
schen in der Bewegung auf den letzten Punkt Omega, den Schöpfer Gott,&lt;br /&gt;
sieht. Aber in dem Maße, wie der Mensch seine Gedankenwelt erobert,&lt;br /&gt;
heranbildet, ausweitet und vereint, muß er sich selbst in das Gehege einer&lt;br /&gt;
weltweiten Disziplin begeben, die paradoxerweise eine neue Freiheit ist.&lt;br /&gt;
Nur so wird die Menschheit ein neues Zeitalter und eine neue Daseinsstufe&lt;br /&gt;
erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz alledem und wegen alledem fühlen wir uns als Reiter auf der&lt;br /&gt;
Lawine nicht wohl. Wir nehmen nicht wahr, welche Hand am Steuer ist,&lt;br /&gt;
wenn dieser Mechanismus überhaupt eine Steuerung besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So steht der Mensch in dieser Stunde vor dem klassischen Dilemma einer&lt;br /&gt;
neuen Schöpfungsgeschichte. Gott, der Schöpfer, hat ihm einen Garten von&lt;br /&gt;
planetarischen Ausmaßen gegeben, reicher als ihn je ein Dichter besungen&lt;br /&gt;
oder ein Seher erträumt hätte; aber der Mensch kann ihn noch nicht be-&lt;br /&gt;
wohnen. Gott hat ihm wiederum, in den Worten seines neuen Sprachrohrs,&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, erklärt, was er tun und was er lassen soll. Bald wird der&lt;br /&gt;
Menschengeist wieder zu essen bekommen, diesmal die Frucht von dem&lt;br /&gt;
neuen Baum wahren Lebens. Bei allen großen Entscheidungen gibt es ein&lt;br /&gt;
Risiko; aber diesmal wird der Mensch als Gattung aussterben, wenn er&lt;br /&gt;
nicht von der Frucht ißt. Und wenn er ißt, wird er noch sicherer sterben,&lt;br /&gt;
aber nur für seine zerbrochene Vergangenheit. Und so wird er das neue&lt;br /&gt;
Leben eines neuen Menschen gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zwanzigste Jahrhundert muß sich für die Explosion des Wissens um&lt;br /&gt;
die Dinge dieser Welt und für die Implosion innerhalb des Menschen ent-&lt;br /&gt;
scheiden. Um diesen Entschluß fassen zu können, muß sich der Mensch&lt;br /&gt;
die Grundgedanken und die Sittenlehre, von der der moderne Adam wirk-&lt;br /&gt;
lich leben kann, bewußt machen und einverleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
938&lt;br /&gt;
{{page|939|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=17}}Der Weg zum Garten der Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese neue Daseinsstufe zu erreichen, müssen wir, die Menschheit,&lt;br /&gt;
wiedergeboren werden. Nicht eher können wir, Einzelmensch oder Mensch-&lt;br /&gt;
heitsfamilie, in den neuen Garten Eden eingelassen werden, als bis wir ein&lt;br /&gt;
gutes Stück unserer Vergangenheit abgeworfen haben. Wir müssen auf&lt;br /&gt;
neuen ethischen Tragpfeilern fußen, die auf der alten Grundlage errichtet&lt;br /&gt;
sind. Die neue ethische Kultur kann nur dann wachsen und blühen, wenn&lt;br /&gt;
wir unser eigenes Ich, unser Gruppenich und Gott neu entdecken.&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, der Begründer der Bahä’i-Religion, ist der Architekt der&lt;br /&gt;
neuen Kultur; Er hat die neue Bibel für die neue Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
niedergeschrieben. Er stammt aus dem Osten von Eden, aus Iran. Er dringt&lt;br /&gt;
zum Kern unserer Gegenwartskrise vor. Er weist unseren Kompassen den&lt;br /&gt;
wahren Pol auf großen neuen Wegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh lehrt, daß der Mensch seinem Wesen nach gut ist, daß die&lt;br /&gt;
Fähigkeiten jedes einzelnen entwickelt werden müssen, daß das höhere,&lt;br /&gt;
geistige Ich notwendig die Oberhand im Menschen gewinnen muß. Er&lt;br /&gt;
bringt mindestens zwei neue ethische Grundsätze: daß Arbeit im Geist des&lt;br /&gt;
Dienens schöpferischer Gottesdienst ist, und daß der Überfluß und die mit&lt;br /&gt;
ihm gewonnene freie Zeit den Befreiungsmechanismus für eine optimale&lt;br /&gt;
Persönlichkeitsentwicklung darstellen. Gesellschaftliche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
als eine der möglichen Ausdrucksformen des Gruppenbewußtseins wird&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh entworfen und planmäßig angewandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist gut: Bahä’u’lläh macht uns klar, daß wir die Vorstellung&lt;br /&gt;
hinwegräumen müssen, der Mensch sei von Grund auf sündig und böse.&lt;br /&gt;
„O Sohn des Geistes!“ spricht Er den Menschen an. „Edel erschuf Ich dich.“&lt;br /&gt;
Unmittelbar darauf stellt Er die leidvolle Frage, die den freien Willen des&lt;br /&gt;
Menschen offenlegt: „Warum hast du dich selbst erniedrigt?“ Dann die&lt;br /&gt;
klare Aufforderung: „Erhebe dich doch zu dem, wozu du erschaffen&lt;br /&gt;
wurdest!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs positive Aussage über den Adel des Menschen, bereits in&lt;br /&gt;
den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verkündet, hat ihre Ent-&lt;br /&gt;
sprechung in der Negativbehauptung des trappistischen Philosophen Tho-&lt;br /&gt;
mas Merton, der 1966 schrieb: „Wir leben in einer Welt ohne Erbsünde“ ®).&lt;br /&gt;
Der neue Glaube Gottes wagt sogar zu sagen, daß wir in einer ursprüng-&lt;br /&gt;
lich guten Welt leben. Bahä’u’lläh hat dem Menschen verkündet, er müsse,&lt;br /&gt;
um in den neuen Paradiesgarten eintreten zu können, an der grundlegen-&lt;br /&gt;
den Vorstellung festhalten, daß er dem Wesen nach gut ist. So liegt die&lt;br /&gt;
Verantwortung für die persönliche Erlösung von der persönlichen Sünde&lt;br /&gt;
ganz beim einzelnen Menschen. Der Weg zu dieser Erlösung wird von dem&lt;br /&gt;
neuen großen Erzieher der Menschheit aufgezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg zur Reife: Die Machtmittel der Wissenschaft werden uns, die&lt;br /&gt;
wir in einer „Hochkultur“ leben, die Möglichkeit eröffnen, unsere persön-&lt;br /&gt;
lichen Talente auszuwerten und unsere Fähigkeiten zu verwirklichen.&lt;br /&gt;
Nicht nur ein paar Aristokraten, sondern alle Menschen können durch die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Thomas Merton, „Conjectures of a Guilty Bystander“ (Doubleday, Garden City,&lt;br /&gt;
N. Y., 1966, p. 328).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|940|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunst, die Musik, die Dichtung oder den Tanz sich selbst entdecken. Alle&lt;br /&gt;
können am Erlebnis des Schönen teilhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt, wir müssen „den Menschen als eine an Edelsteinen&lt;br /&gt;
von unschätzbarem Wert reiche Fundgrube ansehen“”). Er spricht von&lt;br /&gt;
„jenen Edelsteinen, die in den Gesteinsadern“ unseres „wahren und inner-&lt;br /&gt;
sten Selbstes verborgen liegen“. Er verspricht, daß „die der Stufe des Men-&lt;br /&gt;
schen innewohnenden Möglichkeiten, das volle Maß seiner Bestimmung&lt;br /&gt;
auf Erden, der angeborene Vorzug seiner Wirklichkeit, alle an diesem ver-&lt;br /&gt;
heißenen Tage Gottes offenbar werden“ müssen ®). Wenn der religiöse&lt;br /&gt;
Antrieb zur Lebensmitte wird, kann der Mensch durch einen radikalen&lt;br /&gt;
Wandel zum Frieden kommen. Er kann sich den beschleunigten Ent-&lt;br /&gt;
deckungen und Neuerungen anpassen. In dem neuen Paradiesgarten hat&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh alle Menschen angehalten, auf dem Marktplatz des Lebens&lt;br /&gt;
zuhause zu sein und in Fülle teilzuhaben. Jeder Mensch muß eine Fülle&lt;br /&gt;
und Vielfalt des Lebens innerhalb seiner eigenen Persönlichkeit ent-&lt;br /&gt;
wickeln, ein Leben, das seine persönliche Kultur, auf alltäglichem wie auf&lt;br /&gt;
höchstem Niveau, zu derjenigen heiligen Hingabe verfeinert, die allein&lt;br /&gt;
Glück vermitteln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des geistigen Ichs: Bahä’u’lläh verkündet zum erstenmal&lt;br /&gt;
eine Goldene Regel höherer Ordnung: „Selig ist, wer seinen Bruder sich&lt;br /&gt;
selbst vorzieht“ ?). Mit dieser Aussage eröffnet Er einen neuen Begriff von&lt;br /&gt;
der höchsten Stufe der Hingabe an andere, wie sie in dieser Form früher&lt;br /&gt;
nicht möglich war: ein Lebenszweck, der wahrscheinlich nur in einer ge-&lt;br /&gt;
nossenschaftlichen Gesellschaft mit materiellem Überfluß, Freizeit, Sicher-&lt;br /&gt;
heit und Dienstbereitschaft erfolgreich in die Tat umgesetzt werden kann.&lt;br /&gt;
Die mörderische Gesellschaft, die sich ganz der selbstischen Anhäufung&lt;br /&gt;
und Gewinnmaximierung hingibt, wird eines Tages bloße Erinnerung sein.&lt;br /&gt;
Dem Volk des neuen Paradiesgartens hat Bahä’u’lläh befohlen, den&lt;br /&gt;
neuen Typus eines vergeistigten, wissenschaftlichen Menschen zu ent-&lt;br /&gt;
wit xeln, eines Menschen, der in einem genossenschaftlichen Organismus,&lt;br /&gt;
von schöpferischem Wettbewerb geleitet, für andere lebt. In dem Maße,&lt;br /&gt;
wie der einzelne Mensch heranreift, wird er seinen höchsten persönlichen&lt;br /&gt;
Wert in seinem Dienst für andere entdecken, wenn er dem Leitspruch&lt;br /&gt;
gehorcht: „O Volk Gottes! Beschäftige dich nicht mit deinen eigenen An-&lt;br /&gt;
gelegenheiten. Lenke deine Gedanken vielmehr auf das, was das Glück&lt;br /&gt;
der Menschheit wiederherstellt und die Herzen und Seelen der Menschen&lt;br /&gt;
heiligt“ 1%).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
”, „Das Ewige Wesen sagt: Sieh den Menschen als eine an Edelsteinen von un-&lt;br /&gt;
schätzbarem Werte reiche Fundgrube an. Nur die Erziehung kann es erreichen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß sie ihre Schätze enthüllt, und sie allein kann die Menschheit befähigen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nutzen daraus zu ziehen“ (Ährenlese CXXII). „Die Absicht des einen, wahren&lt;br /&gt;
Gottes — erhaben sei Seine Herrlichkeit —, als Er sich den Menschen offen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
barte, war, jene Edelsteine bloßzulegen, die in den Gesteinsadern ihres wah-&lt;br /&gt;
ren und innersten Selbstes verborgen liegen“ (Ährenlese CXXXIn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Ährenlese CLXI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®%) Aus den „Worten des Paradieses“. „Vergeßt euer eigenes Selbst und wendet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eure Augen eurem Nächsten zu. Lenkt eure Kräfte auf alles, was der Erzie-&lt;br /&gt;
hung der Menschen dienlich ist. Nichts ist vor Gott verborgen oder könnte es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jemals sein. Wenn ihr auf Seinem Weg bleibt, werden Seine unermeßlichen&lt;br /&gt;
und unvergänglichen Segnungen auf euch herniederströmen“ (Ährenlese V).&lt;br /&gt;
1%) Ahrenlese XLIII; vgl. „BAHA’I-BRIEFE“ 21, S. 512.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
940&lt;br /&gt;
{{page|941|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeit als Gottesdienst: Bahä’u’lläh fordert eine neue Arbeitsethik von&lt;br /&gt;
uns, indem Er sagt, daß „Arbeit, die im Geist des Dienens verrichtet wird,&lt;br /&gt;
Gottesdienst ist“. In einer Welt schwindender Kunstfertigkeit und ge-&lt;br /&gt;
schmälerten Leistungsstolzes, in der der Wert der Arbeit durch die&lt;br /&gt;
schmarotzerische Gier nach Freizeit ohne Sinn und Ziel, durch geisttötende&lt;br /&gt;
Fließbandroutine und durch Automation verdunkelt wird, ist dies eine&lt;br /&gt;
Herausforderung. Unsere „niedere Kultur“ einer Arbeit zum Zweck des&lt;br /&gt;
Überlebens muß jetzt mit dem religiösen Geist des Dienens angereichert&lt;br /&gt;
werden. Jede Arbeit muß auf ihren wirklichen Wert geprüft werden; wenn&lt;br /&gt;
sie wertlos oder gar verderbniserregend ist, muß der Mensch seine Gesell-&lt;br /&gt;
schaft von solchen Tätigkeiten säubern. In dem neuen Paradiesgarten&lt;br /&gt;
muß jede Arbeit von der religiösen Bedeutung des Dienstes an anderen&lt;br /&gt;
erfüllt sein. Alle Arbeiter müssen ihre eigene Würde und ihr wahres Ver-&lt;br /&gt;
dienst spüren, und alle Arbeit muß der Hingabe, der Würde und der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tugend jedes Gotteskindes entsprechen, anstatt diese Werte herabzu-&lt;br /&gt;
mindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überfluß als Chance und Verpflichtung: Die Machtmittel der Wissen-&lt;br /&gt;
schaft haben uns Überfluß und Freizeit gebracht. Wenn Wohlstand für alle&lt;br /&gt;
erzeugt wird, ist es gut für alle, aus den Fesseln des Mangels befreit zu&lt;br /&gt;
werden; alle müssen wissen, daß „Gott alle in den Himmeln und auf&lt;br /&gt;
Erden erschaffenen guten Dinge für solche Seiner Diener bestimmt (hat),&lt;br /&gt;
die wirklich an Ihn glauben“ !!), Galbraith war vielleicht der erste, der auf&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit einer Ethik des Überflusses in Verbindung mit einer&lt;br /&gt;
Ethik der Freizeit hingewiesen hat 12), Die neue Ethik macht uns klar, daß&lt;br /&gt;
Wohlstand etwas Gutes ist, wenn er als Chance und als Verpflichtung&lt;br /&gt;
behandelt wird. Bahä’u’llähs Mahnung an die Reichen gibt Seine Goldene&lt;br /&gt;
Regel höherer Ordnung in anderen Worten wieder: „Wohl den Reichen,&lt;br /&gt;
die ihren Reichtum den Bedürftigen schenken und sie höher schätzen als&lt;br /&gt;
sich selbst“ 13),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So lange der Mangel der Ausgangspunkt menschlichen Daseins war,&lt;br /&gt;
konnte freiwillige, selbstlose Armut eine Tugend sein; aber wenn der&lt;br /&gt;
Überfluß zur Grundlage wird, ist selbstlos bewirtschafteter Wohlstand der&lt;br /&gt;
Pfad des Dienens. In dem Maße, wie die materielle Not zwangsläufig ver-&lt;br /&gt;
schwindet, wird der neue Mensch für seine geistigen und intellektuellen&lt;br /&gt;
Lebensziele befreit. Der Mensch des neuen Paradiesgartens wird die&lt;br /&gt;
Kräfte der Wirtschaft als vorzügliches Werkzeug betrachten, das er zum&lt;br /&gt;
Wohl des Menschen und für die Schaffung eines auf alle verteilten Wohl-&lt;br /&gt;
standes einsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) „Sollte ein Mensch den Wunsch haben, sich mit dem Schmuck dieser Erde zu&lt;br /&gt;
zieren, ihr Gewand zu tragen und an den Wonhltaten teilzuhaben, die sie zu&lt;br /&gt;
verleihen vermag, so kann ihm das nicht schaden, wenn er keinem von diesen&lt;br /&gt;
erlaubt, zwischen ihn und Gott zu treten. Gott hat alle in den Himmeln und&lt;br /&gt;
auf Erden erschaffenen guten Dinge für solche Seiner Diener bestimmt, die&lt;br /&gt;
wirklich an Ihn glauben. O Menschen! Kostet von den guten Dingen, die Gott&lt;br /&gt;
euch erlaubt hat, und beraubt euch nicht selbst Seiner wunderbaren Gaben.&lt;br /&gt;
Dankt Ihm und preist Ihn und gehört zu den wirklich Dankbaren!“ (Ähren-&lt;br /&gt;
lese CXXVIM).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Vgl. „BAHA’I-BRIEFE“ 33, S. 849f.&lt;br /&gt;
13) Ährenlese C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|942|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geist der Gesellschaft: In dieser kritischen Phase der Weltgeschichte&lt;br /&gt;
bekräftigt Bahä’u’lläh die Leitsätze für die Schaffung der Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung zusammenwirkender Menschen, während Er die Bedürfnisse jedes&lt;br /&gt;
Menschen als eines einzigartigen Individuums voll anerkennt. Er beschreibt&lt;br /&gt;
Seine Weltordnuüng als „dieses wunderbare System, desgleichen die Welt&lt;br /&gt;
noch nie erlebt hat“. Seine Zivilisation wird „eine Lebensfülle haben, wie&lt;br /&gt;
sie die Welt noch nie gesehen hat oder sich auch nur heute schon vorstellen&lt;br /&gt;
könnte“, Es ist eine schöpferische Gesellschaft, die Er vorhersagt, anführt&lt;br /&gt;
und gebieterisch fordert. Bahä’u’lläh erkennt und berücksichtigt, daß der&lt;br /&gt;
Mensch nach Wesen und Neigung kooperativ angelegt ist. Ein Blick in&lt;br /&gt;
unsere gefährlich gewordene Welt genügt, um uns klar zu machen, daß&lt;br /&gt;
heute die „natürliche Zuchtwahl“ weit eher zu solchen Menschen führt,&lt;br /&gt;
die zusammenarbeiten können und wollen, als zu solchen, die Bomben&lt;br /&gt;
werfen. Die Anthropologen bestätigen dies !).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesellschaft des neuen Paradiesgartens baut Bahä’u’lläh das&lt;br /&gt;
Fachwerk eines Gemeinwesens, das dem Gemeinschaftsgeist aller Men-&lt;br /&gt;
schen eine Heimstatt bietet. Seine göttliche Ordnung bestätigt die Ver-&lt;br /&gt;
heißung, daß wir wirklich eines Tages „eine Seele und ein Körper“ sind.&lt;br /&gt;
„... das Volk Bahäs... wird sich miteinander verbinden, sich zu einander&lt;br /&gt;
gesellen und in seinem Leben, Trachten, Sehnen und Streben so eng ver-&lt;br /&gt;
wachsen, als wäre es eine Seele“ 5),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist der Mensch, daß Du seiner so sehr achtest?“ sang der Psalmist&lt;br /&gt;
vor dreißig Jahrhunderten. Der Mensch ist das größte Werk der Schöpfung,&lt;br /&gt;
und er wird seinem Schöpfer näher kommen an dem großen neuen Tage&lt;br /&gt;
Gottes, dem „Tag, an dem das Weltmeer von Gottes Gnade über den Men-&lt;br /&gt;
schen ergossen wird“. Die Ureinwohner von Arnhemland werden in&lt;br /&gt;
moderner Kleidung in Chikago, Paris und Lagos auftreten. Es werden&lt;br /&gt;
Menschen sein, die mit sich selbst und ihren Mitmenschen in Frieden leben,&lt;br /&gt;
die ihre Kräfte entwickeln und sie in dienender Andacht einsetzen; es&lt;br /&gt;
werden Kinder des Lichtes sein. Alle Menschen werden von den Früchten&lt;br /&gt;
der Bäume des Lebens und der Erkenntnis essen. Durch den geistigen&lt;br /&gt;
Impuls Bahä’u’llähs wird dieser Tag Gottes mit Sicherheit kommen; Er&lt;br /&gt;
wird die harte Kruste des Menschlichen sprengen, damit die unentdeckten&lt;br /&gt;
Sonnen unserer Seelen nach außen strahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten einer neuen Manifestation Gottes ist eine Zeit der Wieder-&lt;br /&gt;
geburt und der Auferstehung. Als Bahä’u’lläh 1863 im Garten Ridvän bei&lt;br /&gt;
Baghdad Seine göttliche Bestimmung auf sich nahm, wurde Er die Stimme,&lt;br /&gt;
die uns in den Garten der Erfüllung ruft. Wir, die drei Milliarden Schläfer,&lt;br /&gt;
können an dem großen Erwachen teilhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“) Der Anthropologe Ashley Montagu stellt fest, daß der gegenwärtige Zer-&lt;br /&gt;
störungstrieb des Menschen von „den ungesunden Werten herrührt, nach denen&lt;br /&gt;
der Mensch in einer überfüllten, bedrohlichen, durch übertriebenen Wettbewerb&lt;br /&gt;
geprägten Welt auf so unzweckmäßige Weise zu leben versucht“, vgl. „Origi-&lt;br /&gt;
nal Sin Revisited“ in „Vista“, Vol. II, No. 4, Jan./Febr. 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»») „Der Allbarmherzige, der euer Herr ist, hegt in Seinem Herzen das Verlangen,&lt;br /&gt;
die ganze menschliche Rasse als eine Seele und einen Körper zu sehen“ (Äh-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
renlese CVII). „Wisse, daß die Seelen des Volkes Bahäs, die in die „Purpurne&lt;br /&gt;
Arche“ eingegangen sind und darin wohnen, sich innig miteinander verbinden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich aneinander gesellen und in ihrem Leben, Trachten, Sehnen und Streben&lt;br /&gt;
so eng verwachsen, als wären sie eine Seele« (Ährenlese LXXXVD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
942&lt;br /&gt;
{{page|943|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moselfahrt zur Sommerschule&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die „Moselterrasse Zurmaien“ in Trier — Ort der diesjährigen&lt;br /&gt;
deutschen Baha’t-Sommerschule vom 2. bis 10. August. Für alle Interes-&lt;br /&gt;
senten bietet sich so die hübsche Gelegenheit, den Besuch der Sommer-&lt;br /&gt;
schule mit einer abwechslungsreichen Moselfahrt zu verbinden. Die Woche&lt;br /&gt;
der Begegnung und der gemeinsamen Studien wird unter dem Leit-&lt;br /&gt;
thema: „Verantwortung für heute und morgen“ stehen; sie soll aber auch&lt;br /&gt;
den Teilnehmern die alte Kaiserstadt Trier und die pittoreske Landschaft&lt;br /&gt;
erschließen. Für die Unterbringung stehen Hotels, das in unmittelbarer&lt;br /&gt;
Nähe der „Moselterrasse“ gelegene moderne Studentenwohnheim&lt;br /&gt;
„Cusanushaus“, ein Campingplatz und die Jugendherberge zur Verfügung.&lt;br /&gt;
Anmeldungen nimmt Wolfgang Schumacher, 55 Trier, Udostraße 23, ent-&lt;br /&gt;
gegen.. Überlegen Sie es sich nicht mehr lange! — Wer sonst gerne seinen&lt;br /&gt;
Urlaub mit dem Besuch einer Bahä’i-Sommerschule verbinden möchte, hat&lt;br /&gt;
dazu in vielen europäischen Ländern — von Norwegen und Finnland bis&lt;br /&gt;
Italien — Gelegenheit. Auskünfte erteilt das Sekretariat des Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rates in 6000 Frankfurt, Westendstraße 24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
943&lt;br /&gt;
{{page|944|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad - ein Lügenprophet?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Klarstellung gegenüber der Katholischen Glaubens-&lt;br /&gt;
Korrespondenz / von Udo Schaefer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele unserer Leser mögen schon an den Büchertischen in katholi-&lt;br /&gt;
schen Kirchen Bestellkarten liegen gesehen oder in Tages- und&lt;br /&gt;
Wochenzeitungen Anzeigen gelesen haben, mit denen eine „Katho-&lt;br /&gt;
lische Glaubens-Korrespondenz“, herausgegeben von Prof. Dr. Dr.&lt;br /&gt;
Alois Spendeler, 32 Hildesheim, Domhof 29, Nichtkatholiken zehn&lt;br /&gt;
„Briefe für Suchende“ über den katholischen Glauben anbietet. Der&lt;br /&gt;
Herausgeber erklärt sich überdies bereit, „auf schriftliche Anfragen&lt;br /&gt;
persönlich zu antworten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich der erste dieser „Briefe für Suchende“ befaßt sich mit der&lt;br /&gt;
Frage: „Sind alle Religionen gleichwertig?“ Vom Ringgleichnis Les-&lt;br /&gt;
sings aus „Nathan der Weise“ ausgehend, legt der Verfasser dar,&lt;br /&gt;
daß nur der echte Ring die Weisheit verleiht. Folglich scheiden alle&lt;br /&gt;
Religionen aus, die ein falsches Gottesbild oder ein falsches Men-&lt;br /&gt;
schenbild haben oder aber auf falscher Prophetie beruhen. Dies&lt;br /&gt;
gilt besonders für den Islam. Wörtlich heißt es in der Schrift, die&lt;br /&gt;
das erzbischöfliche „Imprimatur, Coloniae, die 8 m. Octobris a. 1965,&lt;br /&gt;
Jr.Nr. 51821 1/65 Jansen, vic. glis.“ trägt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es scheiden auch alle die Religionen als annehmbar aus, die&lt;br /&gt;
auf einer falschen, lügenhaften oder nebelhaft-phantistischen&lt;br /&gt;
Grundlage aufbauen. Wenn sich z.B. jemand als Gottgesandter&lt;br /&gt;
und Prophet ausgibt, als solcher „göttliche Offenbarungen“ aus-&lt;br /&gt;
breitet oder sie mit Gewalt zum Glauben auferlegt, dann ist er&lt;br /&gt;
halt ein Lügenprophet, selbst wenn er noch so große Erfolge&lt;br /&gt;
hätte oder seine Lehre eine gewisse Verbesserung zur Hebung&lt;br /&gt;
der bestehenden sozialen oder religiösen Ordnungen bzw. Un-&lt;br /&gt;
ordnungen herbeigeführt hätte. So ist und bleibt Mohammed&lt;br /&gt;
ein falscher Prophet, der gewiß manchen Völkern höhere Kul-&lt;br /&gt;
tur, geistigere Frömmigkeit und politische Erfolge gebracht hat,&lt;br /&gt;
nicht zuletzt deshalb, weil er aus dem Judentum und Christen-&lt;br /&gt;
tum einige wesentliche Lehren gestohlen und zu seiner eigenen&lt;br /&gt;
Offenbarungsiehre umgemünzt hat, „wie die Lehre vom einen,&lt;br /&gt;
persönlichen Gott, dem letzten Gericht, der Messiastat Christi“.&lt;br /&gt;
Diese wahren Lehren sind aber durch sein annektiertes Pro-&lt;br /&gt;
phetentum, das eben keines war, mit so vielen und so unwah-&lt;br /&gt;
ren Sätzen etwa von der schicksalhaften Vorherbestimmung des&lt;br /&gt;
Menschen, von den „Freuden“ des Himmels, der Verworfenheit&lt;br /&gt;
aller Nichtmuselmanen, von der Entmenschung der Frauen&lt;br /&gt;
usw. vermischt, daß das Ganze unannehmbar ist, weil es falsch&lt;br /&gt;
und unwürdig ist. — Wir sind zwar heute solche Klarheiten in&lt;br /&gt;
der Sprache nicht mehr gewöhnt, aber sie sind notwendig und&lt;br /&gt;
nützlich, weil jede Anerkennung der Unwahrheit, der Sünde,&lt;br /&gt;
der bösen Folgen einer falschen Lehre über Gott und sein&lt;br /&gt;
ebenbildliches Geschöpf keine Wohltat, sondern im besten Falle&lt;br /&gt;
{{page|945|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unwahrhaft Weichheit oder Gleichgültigkeit gegen Gott und&lt;br /&gt;
seine Wahrheit ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese mittelalterlich anmutende Gemisch von Vorurteilen spie-&lt;br /&gt;
gelt die Meinung vieler abendländischer Zeitgenossen wider, wie&lt;br /&gt;
wir Bahä’i es fast täglich erleben, auch wenn solche Ansichten nur&lt;br /&gt;
noch selten geäußert, sondern meist höflich verborgen und ins Un-&lt;br /&gt;
terbewußte verdrängt werden. Dabei sollte gerade das Zweite Vati-&lt;br /&gt;
kanische Konzil der katholischen Kirche auch den konservativsten&lt;br /&gt;
Gläubigen inzwischen gelehrt haben, daß das friedliche Zusammen-&lt;br /&gt;
leben der Völker und Kulturen nur dann möglich ist, wenn man&lt;br /&gt;
die anderen gerade in demjenigen anerkennt, was ihrem Leben&lt;br /&gt;
Sinn und Gehalt gibt. Wer diese Pflicht zum brüderlichen Dialog&lt;br /&gt;
vernachlässigt, kann niemals hoffen, die Kausalzusammenhänge zu&lt;br /&gt;
durchschauen, die zu unserer heutigen Weltkrise geführt haben,&lt;br /&gt;
oder irgendeinen produktiven Beitrag zu deren Überwindung zu&lt;br /&gt;
leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Udo Schaefer, als Jurist an die nüchterne Beurteilung von&lt;br /&gt;
Motiven und Fakten gewöhnt, hat es in dem folgenden Brief an&lt;br /&gt;
den Herausgeber jener „Katholischen Glaubens-Korrespondenz“&lt;br /&gt;
unternommen, einige grundlegende Denkfehler und Mißinterpre-&lt;br /&gt;
tationen aufzudecken. Seit vielen Jahren befaßt sich Schaefer mit&lt;br /&gt;
dem abendländischen Urteil über die nachchristlichen Religionen;&lt;br /&gt;
in seiner kürzlich erschienenen Schrift „Die mißverstandene Re-&lt;br /&gt;
ligion — Das Abendland und die nachbiblischen Religionen“&lt;br /&gt;
(Bah@’i-Verlag, Frankfurt 1968, vgl. Besprechung in „BAHAI-&lt;br /&gt;
BRIEFE“ 35/Jan. 1969, S. 920 ff.) hat er sich eingehend mit dieser&lt;br /&gt;
Thematik auseinandergesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr geehrter Herr Professor!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lektüre von Heft 1 der von Ihnen herausgegebenen Katholischen&lt;br /&gt;
Glaubenskorrespondenz setzte mich in Erstaunen: Wie einfach ist doch zu&lt;br /&gt;
beweisen, daß allein die katholische Religion wahr und alle anderen Reli-&lt;br /&gt;
lionen falsch seien! Wie erstaunlich nur, daß diese Beweisgründe sich nicht&lt;br /&gt;
mehr herumgesprochen haben und die Katholiken noch immer auf dem&lt;br /&gt;
Erdkreis in der Minorität sind. Verstehen Sie mich recht: die eigene Reli-&lt;br /&gt;
gion für richtig und die konkurrierenden, davon abweichenden Lehren für&lt;br /&gt;
falsch zu halten, ist im Grunde das Fazit jeder Glaubensentscheidung. Was&lt;br /&gt;
mein Erstaunen erregt, ist nicht Ihr aus Ihrer Auffassung folgerichtig ab-&lt;br /&gt;
geleitetes Ergebnis, sondern Ihre Beweisgründe und die Art Ihrer Argu-&lt;br /&gt;
mentation. Auch ich, der ich von der ewigen Wiederkehr des Offenbarungs-&lt;br /&gt;
wirkens Gottes und der wesensmäßigen Einheit aller historischen Reli-&lt;br /&gt;
gionen überzeugt bin, teile Ihre Ansicht, daß die östlichen Religionen für&lt;br /&gt;
den abendländischen Menschen schwer durchschaubar sind!) und daß bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;) In ihren heutigen Erscheinungsformen tragen sie manche Züge, die uns be-&lt;br /&gt;
fremden, gelegentlich sogar abstoßen. Die Religionen haben einen langen Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hinter sich; sie haben im Laufe ihrer ereignisreichen Geschichte nahezu ihre&lt;br /&gt;
Identität verloren und durch menschliche Zutaten so viele Verkrustungen ange-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
945&lt;br /&gt;
{{page|946|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
i&lt;br /&gt;
;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Beurteilung Behutsamkeit geboten ist. Diese ‚Behutsamkeit haben&lt;br /&gt;
Sie jedoch in Ihrem Urteil über den Islam leider nicht walten lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß Sie als Katholik von der Basis des kirchlichen Anspruchs auf End-&lt;br /&gt;
gültigkeit und Ausschließlichkeit der christlichen Offenbarung in Muham-&lt;br /&gt;
mad einen falschen Propheten sehen, ist Ihr gutes Recht. Daß Sie ihn&lt;br /&gt;
jedoch einen „Lügenpropheten“ nennen und die Grundlagen des Islam als&lt;br /&gt;
„lügenhaft“ und deshalb diese Religion zum „Opium für das Volk“ dekla-&lt;br /&gt;
rieren, ist ein arger Lapsus. Man hält bei der Lektüre inne, schaut nach&lt;br /&gt;
dem Jahr des Erscheinens ?2) und wundert sich umso mehr, daß in nach-&lt;br /&gt;
konziliarer Zeit mit bischöflichem Imprimatur eine solche Sprache geführt&lt;br /&gt;
wird. Sie meinen zwar, solche „Klarheiten der Sprache“ seien wir heute&lt;br /&gt;
nicht mehr gewöhnt, sie seien aber notwendig und nützlich. Das II. Vati-&lt;br /&gt;
kanische Konzil, das die Söhne der katholischen Kirche zum Gespräch und&lt;br /&gt;
zur Zusammenarbeit mit den Anhängern anderer Religionen in „Klugheit&lt;br /&gt;
und Liebe“ auffordert und alle ermahnt, die vergangenen Zwistigkeiten&lt;br /&gt;
und Feindschaften zwischen Christen und Moslems beiseite zu lassen und&lt;br /&gt;
sich „aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen“, war offenbar&lt;br /&gt;
anderer Auffassung, als es dekretierte: „Mit Hochachtung betrachtet die&lt;br /&gt;
Kirche auch die Moslems, die den alleinigen Gott anbeten ... den Schöpfer&lt;br /&gt;
des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat“). Von&lt;br /&gt;
dieser Hochachtung ist in Ihrer Schrift leider nichts zu spüren. Man fragt&lt;br /&gt;
sich, wie Sie sich wohl den Dialog und die Zusammenarbeit mit den An-&lt;br /&gt;
hängern anderer Religionen vorstellen, wenn Sie deren Stiftern gegenüber&lt;br /&gt;
ein solches Vokabular benutzen. War es wirklich notwendig, in der Sprache&lt;br /&gt;
mittelalterlicher Autoren Muhammad als „Lügenpropheten“ zu beschim-&lt;br /&gt;
pfen? Für Ihre Deduktion hätte es doch genügt, wenn Sie ihn — sozusagen&lt;br /&gt;
nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ — des Irrtums geziehen hätten.&lt;br /&gt;
Denn ob Irrtum oder Lüge gewaltet haben, ist doch auch von Ihrem Stand-&lt;br /&gt;
punkt aus kaum zu entscheiden. Ein Blick in die Lehrbücher der Islam-&lt;br /&gt;
forschung hätte Sie belehrt, daß der Vorwurf, Muhammad sei ein Betrüger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
legt, daß der ursprüngliche Glanz der Offenbarung verdunkelt wurde. Sie be-&lt;br /&gt;
dürfen — wie Sie richtig bemerken — der Reinigung und Verwandlung. Diesem&lt;br /&gt;
Prozeß der geschichtlichen Abnutzung sind aber alle überkommenen Religionen&lt;br /&gt;
erlegen, auch das Christentum. Auf dieser Einsicht beruht die Reformation.&lt;br /&gt;
Jedoch: Die Reformierung einer Religion, die Rückkehr zum Ursprung, etwa&lt;br /&gt;
ım Wege der „Entmythologisierung“, wird als menschlicher Versuch immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fragmentarisch, unzulänglich und zum Scheitern verurteilt sein. Welches soll der&lt;br /&gt;
Maßstab sein, wer soll die Autorität haben? In diesen über jeder Reformation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stehenden Fragen ist keine Einigkeit zu erzielen. Die Religionsgeschichte gibt&lt;br /&gt;
davon Zeugnis. Reformation kann daher nicht vom Menschen, sondern nur von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott her geschehen. Er selbst reformiert: durch Neuoffenbarung. Zurück zu den&lt;br /&gt;
östlichen Religionen: In den Grundfragen unseres Seins, der Frage nach dem&lt;br /&gt;
letzten Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir&lt;br /&gt;
gehen, dem Sinn und Zweck unseres Lebens, nach dem Leid, dem Weg zum&lt;br /&gt;
Glück, stimmen alle Religionen überein. Sie alle lehren, bei aller Mannigfaltig-&lt;br /&gt;
keit im Erscheinungsbild, den Glauben an die geistige Natur des Menschen,&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit seiner Wandlung und Veredelung, an die Unsterblichkeit der&lt;br /&gt;
Seele und ihre Verantwortlichkeit vor dem göttlichen Richtstuhl. Dabei dürfen&lt;br /&gt;
wir uns an unterschiedlichen Begriffen, Bildern und Betrachtungsweisen nicht&lt;br /&gt;
stören. Sie laufen letzten Endes alle auf das gleiche hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®») 1. Auflage 1966&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Konzilsdekrete, Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchrist-&lt;br /&gt;
lichen Religionen, Ziffer 2 und 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
946&lt;br /&gt;
{{page|947|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=25}}gewesen, von keinem modernen Forscher mehr vertreten wird. Seine&lt;br /&gt;
subjektive Aufrichtigkeit und die Ehrlichkeit seiner Überzeugung werden&lt;br /&gt;
heute allgemein anerkannt. *)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übrigen erweisen sich sämtliche Argumente, die Sie gegen den Islam&lt;br /&gt;
ins Feld führen, von der Nähe besehen als haltlos. Ich habe auf den ange-&lt;br /&gt;
schlossenen Blättern versucht, diesen Gründen nachzugehen und nachzu-&lt;br /&gt;
weisen, daß sie auf weitverbreiteten Vorurteilen und Mißverständnissen&lt;br /&gt;
beruhen. Dabei habe ich mir erlaubt, Sie mit Ihrer eigenen Glaubensge-&lt;br /&gt;
schichte und den im Christentum vertretenen Auffassungen zu konfron-&lt;br /&gt;
tieren: nicht der Polemik halber, sondern um zu zeigen, daß die Christen,&lt;br /&gt;
oft des Splitters im eigenen Auge nicht gewahr, nicht so viel Anlaß hätten,&lt;br /&gt;
sich über den Islam zu entrüsten. Ich halte gewiß nicht viel von der&lt;br /&gt;
Methode, sozusagen mit dem Mülleimer durch die Kirchengeschichte zu&lt;br /&gt;
wandern, und allen Unrat, der sich angesammelt, aufzulesen; denn es ist&lt;br /&gt;
ungerecht, die Religionen nach ihren Zerfallserscheinungen, aus der Perspek-&lt;br /&gt;
tive ihrer Entartung, zu betrachten. Aber das, was die Kirche unwider-&lt;br /&gt;
rufen gelehrt und zum Teil sogar ex cathedra verkündet hat, muß sie sich&lt;br /&gt;
präsentieren lassen, wenn sie über andere Religionen richtet. Meiner ange-&lt;br /&gt;
schlossenen Schrift „Die mißverstandene Religion“ mögen Sie entnehmen,&lt;br /&gt;
daß man die Ihnen fremde Glaubenswelt auch anders sehen und beurteilen&lt;br /&gt;
kann, als Sie es getan haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich meine, Sie sollten Ihre von mir kritisierten Ausführungen nochmals&lt;br /&gt;
überdenken und sie, der historischen Wahrheit halber, revidieren. Ich&lt;br /&gt;
würde mich freuen, wenn Sie mir gelegentlich Ihre Meinung mitteilten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig möchte ich mit der angeschlossenen Schrift „Die mißver-&lt;br /&gt;
standene Religion“ Ihre Aufmerksamkeit auf eine religionsgeschichtliche&lt;br /&gt;
Erscheinung der Gegenwart lenken, von der bisher die Fachgelehrten&lt;br /&gt;
kaum Notiz genommen haben und die sicher auch Ihnen noch unbekannt ist:&lt;br /&gt;
die Bahä’i-Religion. Wurde sie von dem einen oder anderen Forscher be-&lt;br /&gt;
handelt, so wurde sie zumeist in ihrem Wesen verkannt und — wie ich&lt;br /&gt;
meine — in ihrer Bedeutung unterschätzt. Dies dürfte darauf zurückzu-&lt;br /&gt;
führen sein, daß sie in Europa, wo die Skepsis gegen jede Art von Religion&lt;br /&gt;
und die Abneigung, sich religiös zu engagieren, besonders ausgeprägt ist,&lt;br /&gt;
noch verhältnismäßig wenig Anhänger gefunden hat. Auf dem asiatischen,&lt;br /&gt;
afrikanischen und südamerikanischen Erdteil hingegen ist die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion im Begriff, zu einer echten Massenbewegung zu werden. „Isla-&lt;br /&gt;
mische Sekte“ oder „Synkretismus“, das sind die Qualifizierungen, die ihr&lt;br /&gt;
in der Regel von den abendländischen Forschern, die sie behandelten, zuteil&lt;br /&gt;
wurden. Die beiliegende Schrift bemüht sich um den Nachweis, daß diese&lt;br /&gt;
Vorwürfe zu Unrecht erhoben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollten Sie Fragen haben oder weiteres Schriftmaterial wünschen, so&lt;br /&gt;
stehe ich Ihnen jederzeit zu Diensten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit vorzüglicher Hochachtung&lt;br /&gt;
Ihr sehr ergebener&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(gez.) Udo Schaefer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) „Daß sich Muhammad im guten Glauben befand, kann jemand, der mit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Psychologie der Inspiration vertraut ist, kaum bezweifeln.“ (Tor Andrea, Mo-&lt;br /&gt;
hammed, Sein Leben und Glaube, Göttingen 1932, S. 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
947&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
1&lt;br /&gt;
{{page|948|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Keinen Zwang im Glauben“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soweit Sie behaupten, der Islam sei „mit Gewalt zum Glauben auferlegt“&lt;br /&gt;
worden, darf ich Sie auf die Ausführungen auf Seite 78 bis 92 meiner&lt;br /&gt;
Schrift „Die mißverstandene Religion“ verweisen, wo im einzelnen dar-&lt;br /&gt;
gelegt ist, daß diese seit Jahrhunderten überkommene, ebenso populäre wie&lt;br /&gt;
falsche Behauptung auf einer Unkenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
beruht und von der Geschichtsforschung längst widerlegt ist. Dieses un-&lt;br /&gt;
ausrottbare Vorurteil von der Verbreitung des Islam „mit Feuer und&lt;br /&gt;
Schwert“ und der Vergewaltigung aller Andersgläubigen wird noch immer&lt;br /&gt;
in den Lehrbüchern der Schulen verbreitet (die Frage stellt sich: cui bono?),&lt;br /&gt;
obwohl jeder Kenner dieser Materie bezeugen kann, daß bis in unser Jahr-&lt;br /&gt;
hundert im islamischen Herrschaftsgebiet Andersgläubigen gegenüber eine&lt;br /&gt;
Toleranz herrschte, die es im christlichen Abendland nie gegeben hat, weil&lt;br /&gt;
im Islam ein anderes Gebot als das verhängnisvolle „cogite intrare“ Augu-&lt;br /&gt;
stins (mit dem Scheiterhaufen als dem wichtigsten Argument) Geltung&lt;br /&gt;
hatte: das Gesetz Muhammads: „Laßt keinen Zwang im Glauben sein“).&lt;br /&gt;
Die in die Augen stechende, bei keiner der historischen Religionen zuvor&lt;br /&gt;
beobachtete Geschwindigkeit der Verbreitung dieser Religion beruht nicht&lt;br /&gt;
— wie Sie wähnen — auf der Zerschlagung der vorgefundenen Strukturen&lt;br /&gt;
der Hochreligionen, die völlig unangetastet blieben, sondern auf der äuße-&lt;br /&gt;
ren und inneren Attraktivität der neuen Religion, auf dem schöpferischen&lt;br /&gt;
Impuls des neuen Gotteswortes und dem überzeugenden neuen Modell&lt;br /&gt;
eines in sich geordneten und geeinten Gemeinwesens, in dem Menschen&lt;br /&gt;
aller Rassen und Hochreligionen friedlich beisammenlebten; auf einer An-&lt;br /&gt;
ziehungskraft, der das damals in sich zerstrittene, fast in der Agonie&lt;br /&gt;
liegende östliche Christentum nichts entgegenzusetzen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenständigkeit und Fortentwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Ihrer Auffassung, Muhammad habe einige wesentliche Lehren dem&lt;br /&gt;
Judentum und Christentum „gestohlen“, die Anleihen bei diesen Religionen&lt;br /&gt;
seien beim Islam „klar festzustellen“, befinden Sie sich zwar in guter Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft. Sie können sich auf die Mehrzahl der Islamforscher berufen,&lt;br /&gt;
die — begreiflicherweise — so die Entstehung dieser Religion zu erklären&lt;br /&gt;
versuchen. Denn diese Anleihehypothese ist neben dem Glauben an ein&lt;br /&gt;
Offenbarungsgeschehen in Muhammad die einzige vorstellbare Alternative.&lt;br /&gt;
So verweisen die Forscher auf die unbestreitbaren Parallelen und streiten&lt;br /&gt;
sich dann, ob mehr jüdische oder mehr christliche, ob mehr nestorianische&lt;br /&gt;
oder mehr ebionitische oder gar babylonische Einflüsse am Werke waren.&lt;br /&gt;
Zahlreiche Theorien wurden über diese angebliche Rezeption aufgestellt,&lt;br /&gt;
die sich häufig widersprechen oder gar ausschließen. Das alles aber sind&lt;br /&gt;
unbeweisbare Hypothesen, mit exakten Methoden so wenig beweisbar wie&lt;br /&gt;
der Glaube der Muselmanen an den Offenbarungscharakter der Botschaft&lt;br /&gt;
Muhammads. Was ich von dieser Methode der vergleichenden Religions-&lt;br /&gt;
wissenschaft halte, habe ich in meiner angeschlossenen Schrift, auf die ich&lt;br /&gt;
insoweit verweisen darf, ausgeführt ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Qur’an 2:257.&lt;br /&gt;
%) 8. 56-58; 69-74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
948&lt;br /&gt;
{{page|949|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=27}}Im übrigen: Die zahlreichen Bemühungen von der Frühzeit bis zum&lt;br /&gt;
heutigen Tag, die Originalität des Christentums zu widerlegen ’) und es als&lt;br /&gt;
ein Gemisch jüdisch-hellenistisch-heidnischer Lehrbestandteile zu ent-&lt;br /&gt;
larven ®), bis hin zur Verstiegenheit, die Historizität Jesu zu bestreiten und&lt;br /&gt;
die Evangelien als ein „Gemisch von Wahrheit und Dichtung“ oder als eine&lt;br /&gt;
„Anekdotensammlung“ zu qualifizieren), sollte Ihnen doch zu denken&lt;br /&gt;
geben. Warum soll die gleiche Methode auf das Christentum angewandt&lt;br /&gt;
falsch, auf den Islam angewandt aber richtig sein? Doch nur deshalb, weil&lt;br /&gt;
Sie allein das Christentum für wahr, den Islam für falsch halten! Das aber&lt;br /&gt;
ist eine Glaubensentscheidung, die mit Wissenschaft nichts zu tun hat.&lt;br /&gt;
„Klar festzustellen“ ist also gar nichts. Würden Sie es doch begreifen: Eine&lt;br /&gt;
Religion, die die Menschen verwandelt und einen neuen Menschentypus&lt;br /&gt;
geschaffen, die unter Überwindung des christlichen Dualismus von Staat&lt;br /&gt;
und Kirche ein neues religiöses Kollektivbewußtsein entwickelt, die Grund-&lt;br /&gt;
lagen einer Hochkultur abgegeben und die Jahrhunderte überdauert hat,&lt;br /&gt;
kann nicht synthetisch gezeugt, wie ein Cocktail zusammengebraut sein!&lt;br /&gt;
Hier hat dieselbe verwandelnde und gestaltende Kraft gewirkt, die auch&lt;br /&gt;
die Entstehungsursache Ihrer Religion ist: das lebendige Wort Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gläubige und Ungläubige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steht es den Christen wirklich an, an der von Ihnen behaupteten Lehre&lt;br /&gt;
von der „Verworfenheit aller Nichtmuselmanen“, wenn es sie gäbe, Kritik&lt;br /&gt;
zu üben und ihretwegen den Islam als „unannehmbar, falsch und un-&lt;br /&gt;
würdig“ abzutun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Evangelium steht geschrieben: „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird&lt;br /&gt;
selig werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ !%, „Denn&lt;br /&gt;
Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte,&lt;br /&gt;
sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird&lt;br /&gt;
nicht gerichtet, wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen&lt;br /&gt;
des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat“ !!). Es ist also für den Men-&lt;br /&gt;
schen nicht gleichgültig, ob er die Botschaft Gottes annimmt oder nicht.&lt;br /&gt;
Dies bezeugt auch der Qur’an !?). Der Glaube ist also heilsnotwendig. Ich&lt;br /&gt;
vermag hier keinen prinzipiellen Unterschied zu erkennen. Ein Unterschied&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
”) Zahlreiche Theologen nennen den Glauben an die Einzigartigkeit der Lehre&lt;br /&gt;
Jesu eine „naive Vorstellung“ (so z. B. H. Windisch, Der Sinn der Bergpredigt,&lt;br /&gt;
1929, S. 105).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Der um 180 schreibende Philosoph Celsus sah im Christentum eine Mixtur aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stoischen, platonischen, jüdischen, persischen und ägyptischen Elementen (C.&lt;br /&gt;
Andresen, Logos und Nomos, Die Polemik des Celsus wider das Christentum,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955, S. 223 ff.). Porphyrius (223-304) sah in den Evangelien eine Mythensamm-&lt;br /&gt;
lung und in den Evangelisten „Lügner und Fälscher“ (Nachweis bei Karl-Heinz&lt;br /&gt;
Deschner, Abermals krähte der Hahn, 1962, S. 125).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) A. Jülicher, Einleitung in das Neue Testament, 1931, S. 352; M. Werner, Die&lt;br /&gt;
Entstehung des christlichen Dogmas, 1941, S. 65; M. Goguel, Das Leben Jesu,&lt;br /&gt;
1934, S. 73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10%) Markus 16:16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41) Joh. 3:17-18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) „Glaubet an Gott und seinen Gesandten und spendet von dem, was er euch&lt;br /&gt;
anvertraut. Jenen von euch, welche glauben und geben, wird großer Lohn zu-&lt;br /&gt;
teil“ (57:8). Vgl. auch 48:29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
949&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|950|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besteht freilich in den Konsequenzen, die aus dieser Einsicht gezogen wer-&lt;br /&gt;
den. Nach kirchlicher Auffassung wird das Heil überhaupt nur dem der&lt;br /&gt;
Kirchenanstalt als dem mystischen Corpus Christi eingegliederten Gläu-&lt;br /&gt;
bigen zuteil. Verworfen sind also nicht nur Juden und Heiden, die nach&lt;br /&gt;
der auf dem Konzil von Florenz ausdrücklich verkündeten Lehre allesamt&lt;br /&gt;
in die Hölle kommen !?), verworfen sind auch alle Häretiker und Schisma-&lt;br /&gt;
tiker. Denn die Kirche ist alleinseligmachend: „Der kann Gott nicht zum&lt;br /&gt;
Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat“; „der ist kein Christ,&lt;br /&gt;
der nicht in der Kirche Christi ist“; „außerhalb der Kirche gibt es kein&lt;br /&gt;
Heil“, so lehrte der Kirchenvater Cyprian. Und Augustinus lehrte: „Wenn&lt;br /&gt;
du außerhalb der Kirche stehst und abgeschnitten bist vom Band der Ein-&lt;br /&gt;
heit und der Fessel der Liebe, verfällst du der ewigen Höllenstrafe, selbst&lt;br /&gt;
wenn du dich für Christus lebendig verbrennen ließest“ !*), Bonifaz VIII.&lt;br /&gt;
dekretierte ex cathedra, es sei für jede Kreatur heilsnotwendig, dem römi-&lt;br /&gt;
schen Pontifex zu unterstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Qur’an sind verworfen die Gottlosen, die das „Äußere des&lt;br /&gt;
irdischen Lebens kennen“, „des Jenseits aber gänzlich achtlos“ sind &#039;), die&lt;br /&gt;
Gottlosen, die sich einem gedankenlosen Genußleben hingeben, törichte&lt;br /&gt;
Reden führen, scherzen, spielen, voll heiteren Leichtsinns sind und alles&lt;br /&gt;
tun, was ihre Lüste ihnen bieten. Deshalb wird sie unvorbereitet und nichts&lt;br /&gt;
ahnend das Gericht ereilen !%).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht unter dem Verdammungsurteil des Gerichts stehen die Angehöri-&lt;br /&gt;
gen der anderen Offenbarungsreligionen !7). Sie gehören zur großen Ge-&lt;br /&gt;
meinde der Glaubenden und haben Anteil am ewigen Leben. Darum gilt&lt;br /&gt;
die Bezeichnung Moslem im Qur’an nicht allein für die Anhänger Muham-&lt;br /&gt;
mads und seiner Offenbarung, sondern allgemein für diejenigen, die in der&lt;br /&gt;
geoffenbarten Religion Gott ergebene Gläubige waren !®). Einen Anspruch,&lt;br /&gt;
alleinseligmachend zu sein, hat der Islam nie erhoben. Er beansprucht nur,&lt;br /&gt;
die letzte und vollkommenste Offenbarung Gottes an die Menschheit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Beleg bei Deschner, S. 222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Belege für die Zitate a.a.O.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Qur’an 30:8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
w) „Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen! Das Streben nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr beherrscht euch, bis ihr die Gräber aufsucht! Fürwahr, ihr werdet wis-&lt;br /&gt;
sen, ja fürwahr, ihr werdet wissen! Fürwahr, wüßtet ihr es doch mit dem&lt;br /&gt;
Wissen der Gewißheit! Ihr werdet die Hölle sehen, ja, ihr werdet sie sehen mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Auge der Gewißheit! Dann werdet ihr an jenem Tage nach der Wonne (des&lt;br /&gt;
Irdischen) gefragt werden!“ (Qur’an Sure 102) „Ist etwa der Gläubige den Gott-&lt;br /&gt;
losen gleich? Sie sind nicht gleich! Was diejenigen anlangt, welche glauben und&lt;br /&gt;
Gutes tun — ihnen sollen die Gärten eine Stätte sein, zum Lohn für ihr Tun!&lt;br /&gt;
Was aber die Gottlosen anlangt — ihre Stätte ist das Feuer!“ (32:19-21) „Im&lt;br /&gt;
Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen! Bei der gdahineilenden&lt;br /&gt;
Zeit! Der Mensch ist wahrlich verloren, außer denen, welche glauben und das&lt;br /&gt;
Rechte tun und einander ermahnen zur Wahrheit, einander ermahnen zur Ge-&lt;br /&gt;
duld!“ (Sure 103).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17) „Jene, die glauben, und die Juden und die Christen und die Sabäer — und wer&lt;br /&gt;
immer an Gott glaubt und an den jüngsten Tag und Gutes tut, die haben ihren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lohn bei ihrem Herrn, und keine Furcht wird über sie kommen, noch werden&lt;br /&gt;
sie traurig sein!“ (Qur’an 2:63).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1%) Rudolf Jockel, Islamische Geisteswelt, 1954, S. 315; so wird z. B. Abraham als&lt;br /&gt;
Moslem bezeichnet (Qur’an 3:68).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
950&lt;br /&gt;
{{page|951|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Summa: Nicht nur auf Erden (durch die Gesetzgebung Muhammads) 10),&lt;br /&gt;
auch im zukünftigen Leben (nach der islamischen Glaubenslehre) werden&lt;br /&gt;
die Anhänger der anderen Offenbarungsreligionen toleranter behandelt,&lt;br /&gt;
als in der Lehre der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Symbolik der Jenseitsvorstellungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den „Freuden des Himmels“ beanstanden Sie offenbar die Schilde-&lt;br /&gt;
rungen, die der Qur’an vom Paradiese gibt, von Edens Garten, wo die&lt;br /&gt;
Diener des Allmächtigen „kein Geschwätz hören, sondern nur Friede!“,&lt;br /&gt;
wo sie des morgens und des abends ihren Unterhalt finden, wo sie mit den&lt;br /&gt;
Propheten, den Gerechten, den Märtyrern und Frommen Gemeinschaft&lt;br /&gt;
pflegen, dem Garten, durchzogen von Bächen, wo die Gläubigen wohlbe-&lt;br /&gt;
hütet sind, sie keine Müdigkeit verspüren und aus dem sie nie vertrieben&lt;br /&gt;
werden ?°), dem Garten, wo sie reine Gefährten und reine Gefährtinnen&lt;br /&gt;
haben werden). Die schwarzäugigen Himmelsgefährtinnen, die „Huris“&lt;br /&gt;
sind es oifenbar, die die im Qur’an verheißenden Paradiesfreuden den&lt;br /&gt;
Christen verdächtig machen. Aber der Qur’an verheißt kein himmlisches&lt;br /&gt;
Lotterleben, denn die Schwarzäugigen sind Jungfrauen und sittsam, wie&lt;br /&gt;
ja auch der Qur’an den Gläubigen beiderlei Geschlechts an vielen Stellen&lt;br /&gt;
das Gebot der Keuschheit einschärft und sie ermahnt, die Unzucht zu mei-&lt;br /&gt;
den. Natürlich erscheinen die Himmelsfreuden in mancher Hinsicht sinn-&lt;br /&gt;
lich. Das Ganze sind jedoch Allegorien, in denen Muhammad seinen Lands-&lt;br /&gt;
leuten — Wüstenbewohnern! — das Paradies nahezubringen sucht. Das&lt;br /&gt;
Volk, an das Muhammad sich wandte, war, im Gegensatz zu Juden, Grie-&lt;br /&gt;
chen und Römern, unzivilisiert, barbarisch, ungeistig. Wie sollte er ihm das&lt;br /&gt;
Leben der Gläubigen im „Himmel“ anders verständlich machen, als in&lt;br /&gt;
Symbolen ?®), die diesem Volk Ideale waren: Wiesen, Bäche, Quellen usw.&lt;br /&gt;
Würden Sie den Sufismus kennen, so wüßten Sie, zu welchen Höhen der&lt;br /&gt;
Gottesschau sich später islamische Mystiker erhoben haben. Auch sie haben&lt;br /&gt;
das Übersinnliche, Spirituelle, durch das Sinnliche allegorisch umschrieben,&lt;br /&gt;
wie beispielsweise die berühmten Liebenden Layli und Majnün als Symbol&lt;br /&gt;
für die mystische Wanderung und die Suche nach der Wahrheit genommen&lt;br /&gt;
wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarung ist eben abhängig von den Zeitverhältnissen, in denen&lt;br /&gt;
sie erscheint. Die verkündeten Wahrheiten tragen ein zeitgemäßes Gewand.&lt;br /&gt;
Das wird doch heute gerade von der christlichen Theologie immer wieder&lt;br /&gt;
betont. Auch im Christentum waren die heute vorherrschenden Vorstellun-&lt;br /&gt;
gen von „Himmel“ und „Hölle“ als geistige Zustände erst das Fazit einer&lt;br /&gt;
sich unserem heutigen Weltbild annähernden Entwicklung. Solange Him-&lt;br /&gt;
mel und Hölle Orte waren, also bis in unsere jüngste Zeit, trugen die Aus-&lt;br /&gt;
sagen über diese oft Züge primitiver Mythologie. Und während die Qualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1%) Vergleiche die angeschlossene Schrift S, 82 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Qur’an 19:62-63; 16:32; 2:26; 9:72; 15:48-49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21) Qur’an 2:26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=) Muhammad nennt diese sinnliche Schilderung des Himmels und der Hölle&lt;br /&gt;
selbst ein Gleichnis: „Ein Gleichnis vom Paradiese, den Rechtschaffenen ver-&lt;br /&gt;
heißen...“ (Qur’an 47:16).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
951&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|952|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Sünder in dicken Farben gezeichnet wurden, waren die Hinweise auf&lt;br /&gt;
die geistigen Freuden der Himmelsbewohner karger. Eine außerordentliche&lt;br /&gt;
Freude für die Seligen — und das ließe sich gegen die christlichen Him-&lt;br /&gt;
melsfreuden einwenden — ist das Schauen der Qualen und des Elends der&lt;br /&gt;
Verdammten, des Himmels „größte Attraktivität“, wie Karl-Heinz Desch-&lt;br /&gt;
ner sarkastisch bemerkt”). Tertullian *), Cyprian, Laktans malten sich&lt;br /&gt;
diese „Freuden“ in glühenden Farben aus und Thomas von Aquin lehrte:&lt;br /&gt;
„Damit den Heiligen die Seligkeit besser gefalle und sie Gott noch mehr&lt;br /&gt;
dafür danken, dürfen sie die Strafen der Gottlosen vollkommen&lt;br /&gt;
schauen“ 3), Ich denke, daneben kann der Himmel des Qur’an bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau — Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprechen von der „Entmenschung der Frauen“ im Islam und be-&lt;br /&gt;
haupten, nach islamischer Lehre habe die Frau keine Seele und sei nicht&lt;br /&gt;
menschliche Person; die Vielweiberei beruhe auf einer Leugnung der Gott-&lt;br /&gt;
ähnlichkeit der Frau. Eine Lehre, daß die Frau der Seele entbehre, findet&lt;br /&gt;
sich aber weder im Qur’an noch in den mündlichen Überlieferungen, den&lt;br /&gt;
Hadithen. In der Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der islami-&lt;br /&gt;
schen Frauenbewegung, die im Wege einer relativierenden Interpretation&lt;br /&gt;
aus dem Qur’an sogar die Gleichberechtigung der Geschlechter herauslesen&lt;br /&gt;
wollen, und den konservativen Theologen, wird von diesen — was doch&lt;br /&gt;
naheläge — niemals das Argument ins Feld geführt, die Frau sei ohne&lt;br /&gt;
Seele und dem Mann gegenüber ein Wesen minoris qualitatis 2%). In keinem&lt;br /&gt;
der von mir benutzten Werke über den Islam habe ich für diese angeb-&lt;br /&gt;
liche Lehre einen Anhalt gefunden. Ich glaube, Sie sind Karl May aufge-&lt;br /&gt;
sessen, der sich in seinen Jugendbüchern alle Mühe gibt, den Vorrang des&lt;br /&gt;
Christentums über den Islam zu beweisen und unter anderem diese Talmi-&lt;br /&gt;
Lehre verbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Ehe nach dem Gesetz des Qur’an patriarchalisch geregelt ist, ist&lt;br /&gt;
unbestreitbar. Darin unterscheidet sich der Islam weder vom Judentum&lt;br /&gt;
noch vom Christentum. Bei der Erbteilung, der Zeugenschaft, der Poly-&lt;br /&gt;
gamie und der Ehescheidung räumt der Qur’an unbestreitbar dem Mann&lt;br /&gt;
mehr Rechte ein als der Frau. Dies war jedoch eine „Konzession an die&lt;br /&gt;
noch aus der Heidenzeit stammende Hartherzigkeit und Brutalität des&lt;br /&gt;
Mannes“ ?”), Diese Konzession ist zu verstehen aus dem Kampf des Pro-&lt;br /&gt;
pheten gegen das altarabische Heidentum und dessen Einfluß auf seine&lt;br /&gt;
Gesetzgebung. Denn eine jede Gesetzgebung ist von den vorgefundenen&lt;br /&gt;
Strukturen abhängig und muß ihnen Rechnung tragen. Muhammad Konnte&lt;br /&gt;
sein Volk nicht mit einem Schlag von der Barbarei der Vorzeit zu Welt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) a,a.0., S. 110.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») ‚Was für ein umfassendes Schauspiel wird es da geben?“, meinte er in Bezug&lt;br /&gt;
auf die Hölle, „was wird da Gegenstand meines Staunens, meines Lachens sein?&lt;br /&gt;
Wo der Ort meiner Freude, meines Frohlockens?“ (Nachweis bei Deschner,&lt;br /&gt;
a.a.0.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Nachweis bei Deschner, a. a. O.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) Rudi Paret, Zur Frauenfrage in der arabisch-islamischen Welt, 1934, 29 ff.&lt;br /&gt;
”) Al-Anisa Nazira Zainaddin, Al-fatäh wäsh-shnyükh, Beirut 1348/1929 (Zitiert&lt;br /&gt;
bei Rudi Paret, a. a. O., S. 31;) vergl. auch Math. 19:8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
952&lt;br /&gt;
{{page|953|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=31}}und Lebensanschauungen führen, wie sie uns Heutigen gemäß sind. Gegen-&lt;br /&gt;
über dem altarabischen Heidentum bedeuteten die qur’anischen Vor-&lt;br /&gt;
schriften, die auch den barbarischen Brauch der heidnischen Araber, neu&lt;br /&gt;
geborene Mädchen lebendig zu begraben, verbaten, eine wesentliche&lt;br /&gt;
Hebung der sozialen und rechtlichen Stellung der Frau. Dies gilt selbst für&lt;br /&gt;
die von Muhammad zugelassene Polygamie, die im Abendland, wo nach&lt;br /&gt;
dem Gesetz ?®) die Monogamie gilt, schon immer Befremden erregt hat. Der&lt;br /&gt;
daran geübten Kritik ist entgegenzuhalten, daß Muhammad die Polygamie&lt;br /&gt;
nicht eingeführt, sondern die vorgefundene fast schrankenlose Polygamie&lt;br /&gt;
stark eingeschränkt hat, indem er die Zahl der Frauen auf vier begrenzte:&lt;br /&gt;
„Heiratet Frauen, die euch gut dünken, zwei, drei oder vier, — und wenn&lt;br /&gt;
ihr fürchtet, nicht gerecht zu sein, dann heiratet nur eine... Dies schützt&lt;br /&gt;
euch vor Ungerechtigkeit“ ®). Schon früh gab es islamische Exegeten, die&lt;br /&gt;
aus dem Rat, nur eine Frau zu heiraten, um vor Ungerechtigkeit geschützt&lt;br /&gt;
zu sein, den Schluß zogen, Muhammad habe im Grunde die Einehe ange-&lt;br /&gt;
strebt, da es unmöglich sei, mehrere Frauen gerecht zu behandeln. Für&lt;br /&gt;
diese Auffassung spricht auch der Vers: „Und ihr könnt die Frauen nicht&lt;br /&gt;
gleich gerecht behandeln, so sehr ihr auch danach trachtet“ 3%), Gesetzlich&lt;br /&gt;
abschaffen konnte Muhammad bei den damaligen Zeitverhältnissen die&lt;br /&gt;
Polygamie ebenso wenig wie die Sklaverei. Dazu war die Zeit noch nicht&lt;br /&gt;
reif. Denn: „Alles auf einmal tun zu wollen, zerstört alles auf einmal“&lt;br /&gt;
(Lichtenberg). Muhammad konnte beide Institutionen nur mildern und ihre&lt;br /&gt;
Auswüchse beseitigen. Das hat er getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Scheidungsrecht des Qur’an, so antiquiert es uns heute&lt;br /&gt;
anmutet, war gegenüber der von Muhammad vorgefundenen Ordnung ein&lt;br /&gt;
großer Fortschritt. Die Frau war nicht mehr der launenhaften Willkür des&lt;br /&gt;
Mannes ausgeliefert, sondern erlangte eine gesicherte Rechtsposition. Der&lt;br /&gt;
Willkür des Mannes wurden Grenzen gesetzt, indem sein Verstoßungsrecht&lt;br /&gt;
eingeschränkt, Unterhaltspflichten für die geschiedene Frau stipuliert und&lt;br /&gt;
ein Scheidungsrecht der Frau (im Klagewege) eingeführt wurde. Auch&lt;br /&gt;
Muhammad hat — wie Moses ®) — mit Rücksicht auf die „Hartherzigkeit“&lt;br /&gt;
der Männer ?) die Scheidung in der Form der einseitigen Verstoßung er-&lt;br /&gt;
laubt. Aber auch nach islamischer Auffassung ist die Institution der Schei-&lt;br /&gt;
dung vor Gott ein Greuel. Sie sei ihm, wie der Prophet Muhammad einmal&lt;br /&gt;
sagte, von allem gesetzlich Erlaubten am meisten verhaßt ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Rechtspraxis zum Teil zu schlimmen Auswüchsen geführt hat,&lt;br /&gt;
ist nicht zu bestreiten. Diese Auswüchse gehen aber auf das Konto der&lt;br /&gt;
islamischen Juristen, die die Scheidungsvorschriften in teilweise rabulisti-&lt;br /&gt;
scher Exegese zugunsten des Mannes verschärften. Im ganzen wird die&lt;br /&gt;
Scheidung als notwendiges Übel betrachtet, das tunlichst zu vermeiden sei.&lt;br /&gt;
Im übrigen steht fest, daß Ehescheidungen in islamischen Ländern weniger&lt;br /&gt;
häufig als in europäischen Staaten oder gar den USA vorkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Die tatsächlichen Verhältnisse laufen hier seit je auf eine illegitime Poly-&lt;br /&gt;
gamie hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Qur’an 4:4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Qur’an 4:130.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21) 5, Mose, 24:1 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®:) Matth. 19:8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®») N. Zainaddin, Nachweis bei R. Paret, a. a. O., S. 59.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
953&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|954|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=32}}Die rechtlich verschiedene Behandlung von Mann und Frau im Qur’an&lt;br /&gt;
hat mit Wertunterschieden nicht das Geringste zu tun. Die Herrschaft des&lt;br /&gt;
Mannes bezieht sich auf die äußeren Lebensverhältnisse des Diesseits. Vor&lt;br /&gt;
Gott sind Mann und Frau gleich. Die Frau ist in der Schrift kein religiös&lt;br /&gt;
und intellektuell minderwertiges, sondern ein dem Manne ebenbürtiges&lt;br /&gt;
Wesen 3). Muhammad schärft den Gläubigen eine moralische Auffassung&lt;br /&gt;
von der Ehe ein und gebietet, die Frau mit Güte, Freundlichkeit und Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit zu behandeln °).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte gibt freilich Zeugnis davon, daß diese Gerechtigkeit der&lt;br /&gt;
islamischen Frau häufig vorenthalten wurde. Zwei Institutionen sind es&lt;br /&gt;
vor allem, die das Leben der islamischen Frau jahrhundertelang bedrückt&lt;br /&gt;
naben und die der Europäer seit je mit Recht kritisiert hat: der menschen-&lt;br /&gt;
unwürdige Verschleierungszwang und die Absperrung. Die Frau soll mög-&lt;br /&gt;
lichst wenig aus dem Haus kommen und ihre Gemächer nicht verlassen,&lt;br /&gt;
sobald männlicher Besuch im Hause weilt. Geht die Frau aus, so hat sie&lt;br /&gt;
nicht nur Arme und Hals, sondern auch das Gesicht durch einen von der&lt;br /&gt;
Stirn herabfallenden Schleier zu bedecken, der nur zwei Löcher für die&lt;br /&gt;
Augen freiläßt. Nun besteht unter allen Forschern völlige Übereinstimmung&lt;br /&gt;
darüber, daß weder die Verschleierung noch die Absperrung von Muham-&lt;br /&gt;
mad gewolit waren. Weder aus dem Qur’an, noch aus den Überlieferungen&lt;br /&gt;
(Hadith), noch aus dem consensus ®) lassen sich diese Einrichtungen ab-&lt;br /&gt;
leiten 3). Im Qur’an finden sich vier Stellen, die bei oberflächlicher Be-&lt;br /&gt;
trachtung eine solche Verschleierung und Absperrung nahezulegen schei-&lt;br /&gt;
nen: Sure 33:33 ff., 33:54, 33:60 und 24:32. Abgesehen davon, daß sich aus&lt;br /&gt;
den Versen der Sure 33 der Verschleierungszwang nicht ableiten läßt, kom-&lt;br /&gt;
men sie schon deshalb nicht als Grundlage dieser Institution in Betracht,&lt;br /&gt;
weil sie nach ihrem Wortlaut nur die Frauen des Propheten betrafen. Sure&lt;br /&gt;
24, Vers 32, lautet: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, daß sie ihre&lt;br /&gt;
Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen und daß sie&lt;br /&gt;
ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar&lt;br /&gt;
sein muß, und daß sie ihre Schleier über ihre Busen ziehen sollen und ihre&lt;br /&gt;
Reize vor niemand enthüllen als vor ihren Gatten, oder ihren Vätern, oder&lt;br /&gt;
den Vätern ihrer Gatten, oder ihren Söhnen ... oder solchen ihrer männ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%#) „Und zu Seinen Zeichen gehört, daß er euch aus euch selber Gattinnen geschaf-&lt;br /&gt;
fen hat, damit ihr in der Zuneigung zu ihnen Ruhe findet. Und er hat Liebe&lt;br /&gt;
und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für ein&lt;br /&gt;
Volk, das nachdenkt“ (Qur’an 30:22, vergl. auch 4:2). „Ich lasse das Tun des&lt;br /&gt;
Tuenden unter euch, ob Mann oder Weib, nicht verlorengehen“ (3:196). „Wahr-&lt;br /&gt;
lich, die Gott ergebenen Männer und Frauen, und die gläubigen Männer und&lt;br /&gt;
gläubigen Frauen, und die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen,&lt;br /&gt;
und die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, und die geduldi-&lt;br /&gt;
gen Männer und die geduldigen Frauen, und die demütigen Männer und die&lt;br /&gt;
demütigen Frauen, und die almosengebenden Männer und die almosengeben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Frauen, und die fastenden Männer und die fastenden Frauen, und die ihre&lt;br /&gt;
Keuschheit wahrenden Männer und die ihre Keuschheit wahrenden Frauen,&lt;br /&gt;
und die Gottes häufig gedenkenden Männer und die Gottes häufig gedenkenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen — Gott hat ihnen Vergebung und reichlichen Lohn bereitet“ (Qur’an&lt;br /&gt;
33:36).&lt;br /&gt;
®) Tor Andrae, a. a. O., S. 155.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s) = idschma, vgl. S, 43 Anm. 76 der angeschlossenen Schrift.&lt;br /&gt;
”) R. Paret, a. a. O.?S. 36 f£.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
954&lt;br /&gt;
{{page|955|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=33}}lichen Diener, die keinen Geschlechtstrieb haben, und den Kindern, die von&lt;br /&gt;
der Blöße der Frauen nichts wissen ...“ Die Frage, die sich stellte, war,&lt;br /&gt;
wo die weiblichen Reize beginnen, die zu verhüllen sind. Muhammad&lt;br /&gt;
sprach vom Busen, und so war die Muselmanin ursprünglich nicht ver-&lt;br /&gt;
schleiert. Die Araberin der ersten Jahrhunderte war keineswegs unter-&lt;br /&gt;
drückt und unfrei. Die im öffentlichen Leben stehende, selbstbewußte,&lt;br /&gt;
schlagfertige und kluge Ehefrau Muhammads, Chadidscha, war das Leit-&lt;br /&gt;
bild der arabischen Aristokratie. Gemäß der Forderung des Propheten,&lt;br /&gt;
daß auch die Frau Bildung und Wissen suchen solle, forderten bedeutende&lt;br /&gt;
Juristen für die Frau das Richteramt. Sigrid Hunke sschreibt hierzu: „Man&lt;br /&gt;
sieht Juristinnen in den Moscheen auftreten, öffentliche Vorlesungen halten&lt;br /&gt;
und Gesetze auslegen. Unter ihnen eine Staatsrechtlerin, die vielgepriesene&lt;br /&gt;
„Meisterin der Juristinnen“. Als „Scheicha“, „Frau Professor“, und als&lt;br /&gt;
„Stolz der Frauen“ wird die Gelehrte Schochda gefeiert, die nach dem&lt;br /&gt;
Studium bei den verschiedensten Leuchten der Wissenschaft die Lehr-&lt;br /&gt;
erlaubnis erhalten hat und nun selbst ihr Lichtlein anzündet. Dichterinnen&lt;br /&gt;
wetteifern noch wie früher mit den männlichen Dichtern, und niemand&lt;br /&gt;
findet das absonderlich“ 38),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schleier und Harem sind auf persische und byzantinische Einflüsse wäh-&lt;br /&gt;
rend der Zeit der Abbassidenchalifen, insbesondere während der Regent-&lt;br /&gt;
schaft des engstirnigen al-Kadir, zurückzuführen. „Was so harmlos als&lt;br /&gt;
Mode begonnen hat, wird unter ihrem finsteren Blick religiöser Zwang.&lt;br /&gt;
Und die Klausur im Harem, nach persischem Muster unter der Bedienung&lt;br /&gt;
von Eunuchen nach althergebrachter byzantinischer Sitte, anfangs elegante&lt;br /&gt;
Mode der Vornehmen, Wohlhabenden, Verwöhnten, wächst sich, unter Be-&lt;br /&gt;
rufung auf das „bleibet zu Hause“ des Propheten an seine eigenen Ehe-&lt;br /&gt;
frauen, dämonengroß aus zur zwangshaften Verbannung der Frau und&lt;br /&gt;
Ausklammerung alles Weiblichen aus dem öffentlichen Leben“ ®). Theo-&lt;br /&gt;
logen entscheiden nunmehr, auch das Gesicht sei zu den verbotenen Reizen&lt;br /&gt;
zu zählen. Und so ist Verschleierung und Absperrung noch heute in weiten&lt;br /&gt;
Kreisen der islamischen Welt, vor allem in den Städten, Sitte. Die Be-&lt;br /&gt;
duinin hat niemals den Schleier getragen „noch jemals in der Abgeschlos-&lt;br /&gt;
senheit des Harems gelebt. Schon wirtschaftliche und arbeitstechnische&lt;br /&gt;
Gründe hätten den einfachen Steppen- und Wüstenbewohnern ... niemals&lt;br /&gt;
solchen ‚Luxus‘ gestattet, ebensowenig wie den Luxus der vom Propheten&lt;br /&gt;
auf vier Frauen begrenzten Mehrehe ... Und darum ist die Beduinin der&lt;br /&gt;
ersten islamischen Jahrhunderte noch freier, noch selbständiger und ein-&lt;br /&gt;
flußreicher selbst als die hochgeachteten, vornehmen Frauen der höchsten&lt;br /&gt;
Hofkreise von Damaskus“ *#),. Die Unterdrückung der islamischen Frau ist&lt;br /&gt;
somit nicht im Gesetz des Propheten begründet, sondern eine Entartungs-&lt;br /&gt;
und Zerfallserscheinung, für die Muhammad nicht verantwortlich gemacht.&lt;br /&gt;
werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Ganzen sei bemerkt, daß es ungerecht ist, die Stellung der islami-&lt;br /&gt;
schen Frau mit der Elle des Artikels 3 unseres Grundgesetzes zu messen&lt;br /&gt;
und unsere heutigen Vorstellungen von Gerechtigkeit als Maßstab zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Allahs Sonne über dem Abendland, 1962, S. 278/79.&lt;br /&gt;
3) Sigrid Hunke, a. a. O., S. 279.&lt;br /&gt;
#) a.a.0O., S. 280/81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
955&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|956|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nehmen. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Christentums, so&lt;br /&gt;
sehen wir, daß dieses die Gleichberechtigung der Frau nicht auf seine&lt;br /&gt;
Fahnen geschrieben hatte *!). Mit dem Apostel Paulus hielten Geschlechts-&lt;br /&gt;
furcht und Frauenverachtung Einzug im Christentum ?#). Paulus, der die&lt;br /&gt;
Frau das „Gefäß“ des Mannes nennt ®), war sie — im Gegensatz zu Jesus&lt;br /&gt;
— ein „Mensch zweiter Klasse“ #): Der Mann ist der Abglanz Gottes, die&lt;br /&gt;
Frau nur „Abglanz des Mannes“ *). Der Mann ist nicht der Frau willen,&lt;br /&gt;
aber die Frau des Mannes willen geschaffen %). Darum hat sie in der&lt;br /&gt;
Kirche zu schweigen und als Zeichen ihrer Niedrigkeit ihr Haupt zu ver-&lt;br /&gt;
hüllen #°),. Der Kirchenvater Tertullian wollte die Frau überhaupt nur als&lt;br /&gt;
Jungfrau gelten lassen und bezeichnete sie als „Einfallspforte des Teu-&lt;br /&gt;
fels“ #). Die gleiche Haltung nahmen die extrem sinnenfeindlichen Kir-&lt;br /&gt;
chenväter Hieronymus und Ambrosius ein. Augustinus, dem selbst die Ge-&lt;br /&gt;
burt ein schmutziger Vorgang war („inter faeces et urinam nascimur“),&lt;br /&gt;
teilte die Geringschätzung des Weibes vorbehaltlos, Zu einer sittlichen und&lt;br /&gt;
geistigen Hochstellung der Frau kam es erst durch die Troubadoure und&lt;br /&gt;
Minnesänger im 11. und 12, Jahrhundert. Und woher kommt der Minne-&lt;br /&gt;
sang? Er ist arabisch-islamischen Ursprungs *)!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorherbestimmung und freier Wille&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Qur’an ist Gott der Erhabene, der Gewaltige, der Allmächtige:&lt;br /&gt;
„Was in den Himmeln und was auf Erden ist, preist Gott. Er ist der All-&lt;br /&gt;
mächtige, der Weise, Sein ist die Herrschaft über Himmel und Erde. Er&lt;br /&gt;
gibt Leben und Tod, und er ist allmächtig. Er ist der Erste und der Letzte,&lt;br /&gt;
der Offenbare und der Verborgene. Und er ist der Allwissende“ 5%). Gott ist&lt;br /&gt;
souverän, seinem absoluten Willen sind keine Schranken gesetzt: „Er kann&lt;br /&gt;
nicht befragt werden über sein Tun“ !). Er sendet Strafen, wenn es ihm&lt;br /&gt;
gefällt, und wenn er will, erbarmt er sich. Es gibt keine Norm, die seinen&lt;br /&gt;
Willen beschränkt und nach der man sein Handeln bestimmen und berech-&lt;br /&gt;
nen kann. Dieser souveräne und freie Wille Gottes ist Ursache alles Seien-&lt;br /&gt;
den und kann vom Menschen nicht gezwungen werden. Aus dieser All-&lt;br /&gt;
macht Gottes und der schlechthinnigen Abhängigkeit des Menschen schlos-&lt;br /&gt;
sen schon in früher Zeit islamische Theologen, die Macht Gottes erstrecke&lt;br /&gt;
sich auch auf die Bestimmung des menschlichen Willens, der Mensch könne&lt;br /&gt;
nur wollen, was Gott bestimmt hat; wenn aber dem so sei, so lehrten sie,&lt;br /&gt;
so beruhe Glaube und Unglaube letzten Endes nicht auf dem Willen des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Die beginnende Frauenemanzipation im 19. Jahrhundert wurde von den Kir-&lt;br /&gt;
chen keineswegs begrüßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“) 1. Kor. 11:3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“1. Thes. 4:4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#) J. Leipoldt, Jesus und die Frauen, 1921, S. 109.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#) 1. Kor. 11:7 ££f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) 1. Kor. 11:9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#) 1. Kor. 11:3 und 1. Kor. 14:34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#) ı Tert. cultu fem. X1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#) Sigrid Hunke a. a. O., S. 341 ff.; Rudolf Erckmann, Der Einfluß der arabisch-&lt;br /&gt;
spanischen Kultur auf die Entwicklung des Minnesangs, Diss. Gießen, 1933.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Qur’an 57:2-4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Qur’an 21:24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
956&lt;br /&gt;
{{page|957|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen; Gott sei es vielmehr, der die Gabe des Glaubens schenke oder&lt;br /&gt;
verweigere. Aber dieser Glaube an die Prädestination, an die göttliche&lt;br /&gt;
Gnadenwahl, findet sich keineswegs als expressis verbis verkündete Lehre&lt;br /&gt;
im Qur’an. Sie ist ein Produkt theologischer Reflexion. Der Qur’an enthält&lt;br /&gt;
allerdings zahlreiche Verse, die in deterministischem Sinne gedeutet wer-&lt;br /&gt;
den können 2). Aber Gott ist nicht nur allmächtig, er ist auch gerecht. Und&lt;br /&gt;
so gab es bereits in der Zeit des Kalifats der Umayyaden Muslime, die für&lt;br /&gt;
die Willensfreiheit des Menschen eintraten. Man nannte sie „Kadariten“&lt;br /&gt;
(von Kadar = Bestimmung) im Gegensatz zu den den Determinismus ver-&lt;br /&gt;
tretenden Dschabriten (von dschabr = Zwang). Es handelt sich hierbei um&lt;br /&gt;
den ältesten dogmatischen Meinungsstreit im Islam. Die Kadariten — der&lt;br /&gt;
herrschenden Umayyadendynastie ein Dorn im Auge?) — konnten sich&lt;br /&gt;
auf mindestens ebensoviele Verse des Qur’an berufen, die sich für die&lt;br /&gt;
Willensfreiheit des Menschen anführen lassen, denn daß Gott gerecht sei&lt;br /&gt;
und jeder den Lohn erhalte, den seine Handlungen wert sind, ist eine&lt;br /&gt;
immer wiederkehrende Versicherung des Propheten Muhammad.) Als im&lt;br /&gt;
8. und 9. Jahrhundert mit der Blütezeit der „Mu’tazila“ die systematische&lt;br /&gt;
Theologie des Islam einsetzte und die Vernunft (’akl) als Quelle religiöser&lt;br /&gt;
Erkenntnis ihren Einzug hielt, wurde die Frage neu diskutiert. Im Zuge&lt;br /&gt;
der Reinigung des monotheistischen Gottesbegriffs von allen Verunstaltun-&lt;br /&gt;
gen herkömmlichen Volksglaubens wurden alle Vorstellungen entfernt, die&lt;br /&gt;
der Einheit und Gerechtigkeit Gottes Abbruch tun. Nach der Lehre dieser&lt;br /&gt;
Schule ist Gott notwendig gerecht. Der Begriff der Gerechtigkeit ist vom&lt;br /&gt;
Gottesbegriff nicht zu trennen. Gott ist kein Despot, der Paradies und Hölle&lt;br /&gt;
willkürlich und launenhaft bevölkert, seine Herrschaft ist keine Willkür-&lt;br /&gt;
herrschaft. Der Mensch ist Herr seines Handelns. Mit ihrer Lehre, daß die&lt;br /&gt;
Menschen die zu ihrem Heil geoffenbarten Lehren frei befolgen und ebenso&lt;br /&gt;
frei verwerfen können, während der gerechte Gott die Guten belohnen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»N „Und keine Seele kann ohne Gottes Erlebnis gläubig werden, und er wirft&lt;br /&gt;
seinen Zorn über jene, die nicht begreifen“ (10:101). „Wahrlich, Gott läßt im&lt;br /&gt;
Irrtum, wen er will, und er leitet recht, wen er will“ (35:9; 74:32). „Und wenn&lt;br /&gt;
wir gewollt hätten, wahrlich, wir hätten jeder Seele ihre Rechtleitung gegeben.&lt;br /&gt;
Aber mein Wort war gerecht: ‚Füllen will ich die Hölle mit Dschinn und Men-&lt;br /&gt;
schen allzumal‘“ (32:14), „Die nicht geglaubt haben — es ist ihnen gleich, ob&lt;br /&gt;
du sie warnst oder nicht warnst — sie werden nicht glauben. Versiegelt hat&lt;br /&gt;
Gott ihre Herzen und Ohren und über ihren Augen liegt eine Hülle“ (2:7-8).&lt;br /&gt;
„Wahrlich, wir haben Schleier über ihre Herzen gelegt, so daß sie nicht be-&lt;br /&gt;
greifen, und Taubheit in ihre Ohren. Auch wenn du sie unter die Leitung&lt;br /&gt;
rufst, werden sie nicht den rechten Weg einschlagen“ (18:58). „Wir hätten nicht&lt;br /&gt;
die Leitung zu finden vermocht, hätte Gott uns nicht geführt“ (7:44). „Dein&lt;br /&gt;
Herr schafft und erwählt, was er will. Nicht ihnen steht die Wahl zu. Ge-&lt;br /&gt;
priesen sei Gott und hoch erhaben ist er über das, was sie ihm zur Seite stel-&lt;br /&gt;
len“ (28:69). „Darum, wen Gott leiten will, dem weitet er die Brust für dıe&lt;br /&gt;
Annahme des Islam; und wen er in die Irre gehen lassen will, dem macht er&lt;br /&gt;
die Brust eng und bang, als sollte er zu den Himmeln emporklimmen. So ver-&lt;br /&gt;
hängt Gott Strafe über die Ungläubigen“ (6:126).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5#) Sie beriefen sich zur Beglaubigung ihrer Dynastie auf die Lehre von der Vor-&lt;br /&gt;
herbestimmung (Ignaz Goldziher, Vorlesungen über den Islam, 1925, S. 92).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») „Gott belastet kein Seele über ihr Vermögen, Ihr wird, was sie verdient, und&lt;br /&gt;
über sie kommt, was sie gesündigt“ (2:287). Jede Seele erhält „was sie ver-&lt;br /&gt;
qient“ (3:27). „Das, was Sie (die Übertreter) zu wirken pflegten, hat auf ihre&lt;br /&gt;
Herzen Rost gelegt“ (83:15). Selbst wenn vom „Versiegeln der Herzen“ ge-&lt;br /&gt;
sprochen wird, heißt es, daß diejenigen „ihren Neigungen folgen“ (47:17). Nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
957&lt;br /&gt;
{{page|958|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=36}}die Schlechten bestrafen müsse, fanden die Muf’taziliten in der überliefe-&lt;br /&gt;
rungsmäßigen Rechtgläubigkeit auf die Dauer keinen Anklang, weil in ihr&lt;br /&gt;
die Taten Gottes vermenschlicht werden und letzten Endes dem freien&lt;br /&gt;
Menschen ein unfreier Gott gegenübersteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen beiden extremen Lehrauffassungen stehen zwei vermittelnde&lt;br /&gt;
Meinungen gegenüber, von der die des Theologen Asch’ari (gest. 935), die&lt;br /&gt;
dem Prädestinationsgedanken nähersteht, in die scholastische Theologie&lt;br /&gt;
eingegangen ist ’®), ohne aber als die allein zulässige betrachtet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen mögen zeigen, daß die islamische Theologie für&lt;br /&gt;
dieses theologische Grundproblem, für die Frage nach Willensfreiheit und&lt;br /&gt;
göttlicher Prädestination, verschiedene Lösungen angeboten hat, ohne für&lt;br /&gt;
diese Antinomie eine logisch befriedigende Lösung zu geben. Im Wege der&lt;br /&gt;
Logik kann dieses Problem nicht gelöst werden. Goldziher hat jedoch auf&lt;br /&gt;
einen wesentlichen Umstand hingewiesen, der für das Verständnis des&lt;br /&gt;
Problems der Willensfreiheit von Bedeutung ist: ein großer Teil der&lt;br /&gt;
Qur’an-Verse, die für die Folgerung in Anspruch genommen werden, Gott&lt;br /&gt;
selbst sei es, der die Sündhaftigkeit des Menschen veranlaßt, der ihn in die&lt;br /&gt;
Irre führt, gewinnt eine andere Bedeutung, wenn das auf dieses Irreführen&lt;br /&gt;
deutende Wort adalla schärfer erfaßt wird: nicht als „irreleiten“, sondern&lt;br /&gt;
als „irren lassen“, sich um jemand nicht kümmern, ihm nicht den Ausweg&lt;br /&gt;
zeigen. Wenn es heißt: „Gott leitet, wen er will, und läßt in die Irre gehen,&lt;br /&gt;
wen er will“, so bedeutet dieser Vers nicht, daß Gott den Irregehenden un-&lt;br /&gt;
mittelbar auf den schlechten Weg bringt, sondern daß er ihm strafweise&lt;br /&gt;
die Gnadenleitung entzieht. Goldziher führt aus: „Man möge sich einen&lt;br /&gt;
einsamen Wüstenwanderer vergegenwärtigen — aus solcher Anschauung&lt;br /&gt;
ist die Ausdrucksweise des Qur’an über Leitung und Irrung hervorge-&lt;br /&gt;
gangen. Der Wanderer irrt im grenzenlosen Raume, die rechte Richtung&lt;br /&gt;
nach seinem Ziel spähend. So ist der Mensch auf seiner Lebenswanderung.&lt;br /&gt;
Wer durch Glauben und gute Werke sich des Wohlwollens Gottes verdient&lt;br /&gt;
gemacht hat, den belohnt er mit seiner Leitung; den Missetäter läßt er&lt;br /&gt;
irren, er überläßt ihn seinem Schicksal ..., er reicht ihm nicht die führende&lt;br /&gt;
Hand, nicht aber, daß er ihn geradezu auf den schlechten Weg brächte.&lt;br /&gt;
Darum wird von den Sündern auch gern das Bild der Blindheit und des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott, sondern die Bosheit der Sünder verhärtet ihre Herzen, daß sie „wie&lt;br /&gt;
Steine und noch härter werden“ (2:75). Gott hat den Menschen den Weg gezeigt,&lt;br /&gt;
aber vom Menschen hängt es ab, ob er nun „dankbar oder undankbar sei“&lt;br /&gt;
(76:4). „Sprich, jeder handelt nach seiner Weise und euer Herr weiß am besten,&lt;br /&gt;
wessen Weg der beste ist“ (17:85). „Und sprich: die Wahrheit ist von eurem&lt;br /&gt;
Herrn. Darum laß den gläubig sein, der will, und den ungläubig, der will“&lt;br /&gt;
(18:30). „Wahrlich, dies ist eine Ermahnung. So möge, wer da will, den Weg zu&lt;br /&gt;
seinem Herrn nehmen“ (76:30). „Wahrlich, uns obliegt es zu leiten; und unser&lt;br /&gt;
ist die kommende wie die diesseitige Welt. Darum warne ich euch vor einem&lt;br /&gt;
filammenden Feuer. Keiner soll darin eingehen, als der Bösewicht, der im&lt;br /&gt;
Unglauben verharrt und den Rücken kehrt, Doch weit ferne von ihm wird der&lt;br /&gt;
Gerechte sein, der seinen Reichtum dahingibt, um sich zu läutern“ (92:13-19).&lt;br /&gt;
Gott steht also den Bösen nicht im Wege. Er gibt ihnen die Fähigkeit, das&lt;br /&gt;
Schlechte zu tun, wie den Guten das Gute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Handwörterbuch des Islam, Leiden 1941, S. 246 ff£.; Enzyklopädie des Islam,&lt;br /&gt;
Leiden 1927, Bd. I, S. 647 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
958&lt;br /&gt;
{{page|959|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herumtappens gebraucht ®).... Dieses Sichselbstüberlassenbleiben, die Ent-&lt;br /&gt;
ziehung der göttlichen Fürsorge ist eine im Qur’an vorherrschende Vor-&lt;br /&gt;
stellung in Bezug auf Leute, die sich durch ihr vorhergehendes Verhalten&lt;br /&gt;
der göttlichen Gnade unwürdig machen ... Gott vergißt die Sünder, d.h,&lt;br /&gt;
er kümmert sich nicht um sie. Die Leitung ist eine Belohnung für die&lt;br /&gt;
Guten. ‚Gott leitet nicht das frevelhafte Volk‘ 5”). Er läßt es planlos umher-&lt;br /&gt;
ziehen. Der Unglaube ist nicht die Folge, sondern die Ursache des Herum-&lt;br /&gt;
irrens“ 58).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Versiegeln der Herzen lautet die Lehre des Theologen Hasan&lt;br /&gt;
al-Basri: „Für die Versündigungen der Menschen ist durch Gott eine&lt;br /&gt;
Grenze bestimmt; ist diese erreicht, versiegelt Gott das Herz und führt den&lt;br /&gt;
Menschen nicht mehr im Guten. Er überläßt ihn sich selbst“ 5°).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe diesem Gegenstand breiteren Raum gewährt, um zu zeigen, daß&lt;br /&gt;
im Islam über dieses Problem sehr verschieden gedacht wurde und es zu&lt;br /&gt;
einem die Gläubigen verpflichtenden Dogma nicht gekommen ist. Daß eine&lt;br /&gt;
katholische Publikation glaubt, wegen dieser Frage den Islam als „unan-&lt;br /&gt;
nehmbar“ und „unwürdig“ qualifizieren zu müssen, ist unverständlich.&lt;br /&gt;
Denn das Problem der Willensfreiheit und der Prädestination ist während&lt;br /&gt;
der ganzen Kirchengeschichte nicht weniger heftig diskutiert worden als&lt;br /&gt;
von der islamischen Theologie. Dieses apodiktische Unwerturteil wird ge-&lt;br /&gt;
fällt, als habe es im Christentum Vertreter der Prädestinationslehre nie&lt;br /&gt;
gegeben. Doch bereits der Apostel Paulus, der eigentliche Schöpfer der&lt;br /&gt;
christlichen Gnadenlehre, vertrat die Lehre von der Gnadenwahl, und auf&lt;br /&gt;
ihn haben sich später mit Recht alle berufen, die wie er dachten ®%. Augu-&lt;br /&gt;
stinus griff den Prädestinationsgedanken auf, baute ihn aus und ver-&lt;br /&gt;
teidigte ihn mit äußerster Radikalität. Auch die Reformatoren übernahmen&lt;br /&gt;
diese Lehre. Nach Calvin sind „Heil und Verdammnis des Menschen“ durch&lt;br /&gt;
freien Entschluß Gottes ein für allemal festgelegt. Diesem „schrecklichen&lt;br /&gt;
Beschluß“, der der Ehre Gottes dient, muß der Mensch sich beugen. Diese&lt;br /&gt;
Lehre wurde auf der Synode von Dordrecht (1618/19) von allen calvinisti-&lt;br /&gt;
schen Kirchen angenommen. Auch Thomas von Aquin vertrat die Lehre&lt;br /&gt;
von der Vorherbestimmung, und so stritten in der katholischen Kirche&lt;br /&gt;
Thomisten und Molinisten über die Frage nach dem Zusammenwirken von&lt;br /&gt;
Gnade und Freiheit, ohne daß ein einheitliches Ergebnis erzielt worden&lt;br /&gt;
wäre. Oskar Simmel SJ bemerkt hierzu sehr richtig: „Eine rational be-&lt;br /&gt;
friedigende Lösung der hier angelegten Antinomien wird es niemals geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») „Es sind Erleuchtungen von eurem Gott gekommen; wer nun sieht, der tut es&lt;br /&gt;
zu seinem eigenen Nutzen; und wer blind ist, der ist es zu seinem Schaden“&lt;br /&gt;
{6:105) „Wir haben dir das Buch für die Menschen geoffenbart; wer sich (da-&lt;br /&gt;
durch) leiten läßt, der tut es für sich, wer aber umherirrt, der tut es zu seinem&lt;br /&gt;
eigenen Schaden“ (39:42).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
;7) Qur’an 9:109.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Goldziher, a. a. O., S, 86 ff.; vergl. auch Qur’an 61:6: „Wie sie nun eine krumme&lt;br /&gt;
Richtung nahmen, da ließ Gott ihre Herzen krumm werden; denn Gott leitet&lt;br /&gt;
nicht das widerspenstige Volk“; siehe auch 4:156; 9:127.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Nachweis bei Goldziher, S. 325 Anm. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6%) „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwir-&lt;br /&gt;
ken, denen, die nach seiner zuvor getroffenen Entscheidung berufen sind. Denn&lt;br /&gt;
die er zum voraus ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt...“ (Röm.&lt;br /&gt;
8:28-29) Vgl. auch 9:14-16 und 18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
959&lt;br /&gt;
{{page|960|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=38}}Sinn der Gnadenlehre ist indes nicht die Lösung metaphysischer Rätsel,&lt;br /&gt;
sondern die Ermöglichung eines rechten Lebens vor Gott“ ®1).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie subjektiv Ihr Urteil ist, zeigt die Bewertung der angeblich im Qur’an&lt;br /&gt;
vertretenen Prädestinationslehre durch einen dem calvinistischen Christen-&lt;br /&gt;
tum verpflichteten Forscher, Tor Andrae, der sich als dezidierter Christ %)&lt;br /&gt;
ansonsten keine Gelegenheit entgehen läßt, über Muhammad und seine&lt;br /&gt;
Religion sich abfällig zu äußern, und selbst vor der Behauptung nicht&lt;br /&gt;
zurückschreckt, der Qur’an sei in „orakelmäßigen, feierlichen Knittel-&lt;br /&gt;
versen“ abgefaßt®®), aber für diese angebliche Lehre Muhammads die&lt;br /&gt;
schönsten Worte findet: „Es ist ein bedeutungsvolles Zeugnis für die rein&lt;br /&gt;
religiöse Stärke des Gotteserlebnisses von Muhammad, daß er, soweit ich&lt;br /&gt;
sehen kann, ohne Beeinflussung vom Judentum und Christentum zu dieser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kühnen Auffassung von der unbeschränkten Majestät und Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
gelangt ist“ 6%),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun die Frage an Sie: Ist das Christentum „unwürdig“ und „unan-&lt;br /&gt;
nehmbar“, weil Paulus, Augustinus, Thomas, Luther, Calvin und andere&lt;br /&gt;
die Lehre von der göttlichen Vorherbestimmung vertreten haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte in Gebet und Meditation (l*)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weg zu den geistigen Wirklichkeiten / von Hans Randel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die Kraft der Meditation uns lehrt, die Wirklichkeit der Dinge zu&lt;br /&gt;
unterscheiden, so läßt uns das Gebet Anteil an den Kräften der göttlichen&lt;br /&gt;
Welt gewinnen. Leider haben Vorurteile das Verständnis vieler Menschen&lt;br /&gt;
für Gebet und Meditation eingeschränkt: Sie beten nicht und versuchen&lt;br /&gt;
nicht zu meditieren. Sie überschätzen die Schwierigkeit der Meditation,&lt;br /&gt;
aber unterschätzen Wesen und Wirkung des Gebets. Sie irren sich, wenn&lt;br /&gt;
sie meinen, man könne mit Gebeten bestenfalls kleine Kinder erziehen und&lt;br /&gt;
ihnen das Gefühl der Geborgenheit geben. Sie irren sich, wenn sie meinen,&lt;br /&gt;
nur schwache oder einfältige Naturen suchten Stütze und Halt für den&lt;br /&gt;
„Lebenskampf“ im Gebet — dagegen müßten sich erwachsene, selbstbe-&lt;br /&gt;
wußte und vor allem ehrliche Menschen auf ihre eigene Kraft besinnen&lt;br /&gt;
und die Hoffnung auf Hilfe durch Gebete aufgeben. Diese Meinungen&lt;br /&gt;
gehen an der eigentlichen Bedeutung des Gebetes vorbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet — Zugang zur Bestimmung des Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zahlreichen Äußerungen Bahä’u’llähs und ‘Abdu’l-Bahás finden wir&lt;br /&gt;
Hinweise auf das Gebet. Wenn wir sie in der Art des Meditierens beden-&lt;br /&gt;
ken und beachten, wird sich unser Verständnis für das Gebet vertiefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Fischer-Lexikon „Christliche Religion“, 1957, S. 107.&lt;br /&gt;
2) a.a. 0. S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) a.a. 0,5. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) a.a. 0. S. 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Fortsetzung von Heft 35, S. 919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
960&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|961|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=39}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im kurzen mittäglichen Gebet sprechen wir: „Ich bezeuge, o mein Gott,&lt;br /&gt;
daß Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und Dich anzubeten ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Zweck unserer Erschaffung und Bestimmung unseres Daseins&lt;br /&gt;
ist, Gott zu erkennen und anzubeten — wie wäre dann ein menschliches&lt;br /&gt;
Leben ohne Gebet überhaupt denkbar?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den „Verborgenen Worten“ lesen wir: „O Sohn der Offenbarung!&lt;br /&gt;
Sieh auf zu Meinem Antlitz und wende dich ab von allem außer Mir.&lt;br /&gt;
Denn Mein Reich ist beständig und Meine Herrschaft vergeht nie. Und&lt;br /&gt;
suchtest du anderes als Mich, so fändest du doch nichts, selbst wenn du&lt;br /&gt;
das ganze Weltall in Ewigkeit durchstreiftest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Lichtes! Vergiß alles außer Mir und werde vertraut mit&lt;br /&gt;
Meinem Geiste. Dies ist Mein Gebot. Handle du danach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Menschen! Laß dir genügen an Mir und suche keinen ande-&lt;br /&gt;
ren Helfer, denn nichts außer Mir kann dir jemals genügen.“ !&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Worte des Gebetes berühren Ursprung und Bestimmung des Men-&lt;br /&gt;
schen. In den „Verborgenen Worten“ erscheint ein Grundzug unserer&lt;br /&gt;
Existenz als Abhängigkeit. Aber diese geistige Abhängigkeit des Ge-&lt;br /&gt;
schöpfes von seinem Schöpfer ist zugleich Unabhängigkeit von der Schöp-&lt;br /&gt;
fung, und diese Unterordnung bedeutet zugleich einen hohen Rang im&lt;br /&gt;
Reiche des Daseins; „denn nichts außer Mir kann dir jemals genügen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá erklärt: „Der Sinn des Gebetes ist der, daß es die Ver-&lt;br /&gt;
bindung zwischen dem Diener und dem Einen Wahren schafft, denn im&lt;br /&gt;
Zustande des Gebetes wendet der Mensch sein Antlitz mit ganzem Herzen&lt;br /&gt;
und mit ganzer Seele der Erhabenheit des Allmächtigen zu und sucht Seine&lt;br /&gt;
Gemeinschaft und sehnt sich nach Seiner Liebe und Gnade.“ 1?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im großen täglichen Gebet wiederholen wir diesen Gedanken: „... mache&lt;br /&gt;
mein Gebet zu einem Feuer, das die Schleier, die mich von Deiner Schön-&lt;br /&gt;
heit trennen, verbrennen, und zu einem Lichte, das mich zum Meere Deiner&lt;br /&gt;
Gegenwart geleite.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Worte sind der Ausdruck einer Sehnsucht nach den göttlichen&lt;br /&gt;
Welten, sie Könnten, während wir sie sprechen, diese Sehnsucht in unserem&lt;br /&gt;
Herzen hervorrufen oder bewußt machen. Dann hätte das Gebet begonnen,&lt;br /&gt;
seine eigentümliche Wirkung auf uns auszuüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Frage: „Warum beten? Was ist der Sinn des Gebets, denn Gott&lt;br /&gt;
hat ja alles so eingerichtet, lenkt alle Dinge nach bester Ordnung ... was&lt;br /&gt;
ist also der Sinn des Bittens, Flehens, die Wünsche darzulegen und Hilfe&lt;br /&gt;
zu suchen?“, antwortet ‘Abdu’l-Bahá: „Wisse, daß es sich für den Schwa-&lt;br /&gt;
chen geziemt, sich an den Starken zu halten, und daß der Sucher nach&lt;br /&gt;
Gnade den Herrlichen, den Freigiebigen, darum bitten soll. Wer zu seinem&lt;br /&gt;
Herrn fleht, der wendet sich Ihm zu und sucht Gnade von Seinem Ozean.&lt;br /&gt;
So ist dieses Flehen schon an sich Licht für sein Herz, Erleuchtung für&lt;br /&gt;
sein Schauen, Leben für seine Seele und Erhöhung für sein Wesen. Beachte&lt;br /&gt;
also, wie dein Herz erquickt wird, wenn du zu Gott flehst und sprichst:&lt;br /&gt;
„Dein Name ist meine Heilung“, wie dann deine Seele durch den Geist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Bahä’u’lläh: Verborgene Worte. 1948. Aus d. Arabischen Nr. 15-17.&lt;br /&gt;
12) Göttliche Lebenskunst. 1961. S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
961&lt;br /&gt;
{{page|962|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Gottes entzückt wird, und dein Gemüt zu dem Reiche Gottes sich&lt;br /&gt;
hingezogen fühlt! Dadurch wachsen deine geistigen Anlagen und Fähig-&lt;br /&gt;
keiten. Wenn das Gefäß vergrößert wird, nimmt das Wasser darin zu, und&lt;br /&gt;
wenn der Durst sich steigert, empfindet der Mensch die Güte der Wolke&lt;br /&gt;
angenehm. Dies ist das Geheimnis des Bittens und die Weisheit des Aus-&lt;br /&gt;
sprechens der Wünsche.“ 13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige und physische Wirkungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich für die Betrachtung des Gebetes ist die Frage nach seinen&lt;br /&gt;
Wirkungen. Hier begegnen wir derselben Schwierigkeit, die auch bei der&lt;br /&gt;
Betrachtung der Meditation aufkam. Denn die Wirkung des Gebetes ist ein&lt;br /&gt;
geistiges Geschehen. Weil wir nicht gelernt haben, mit dem Geistigen zu&lt;br /&gt;
leben, wollen wir nicht einsehen, daß Beten nottut. Unsere Sinne nehmen&lt;br /&gt;
geistige Vorgänge nicht anschaulich wahr, und wir verlassen uns auf&lt;br /&gt;
unsere Sinne; daher sind wir geneigt, an den Wirkungen unserer Gebete&lt;br /&gt;
zu zweifeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt dagegen mit Bestimmtheit: „Singe die Verse Gottes, die&lt;br /&gt;
du empfangen hast, wie jene sie singen, die sich Ihm genähert haben,&lt;br /&gt;
damit die Süße deines Gesanges deine eigene Seele entflammen und die&lt;br /&gt;
Herzen aller Menschen anziehen möge. Wer zurückgezogen in seiner Kam-&lt;br /&gt;
mer die von Gott geoffenbarten Verse spricht, wird erfahren, wie die&lt;br /&gt;
Engel des Allmächtigen den Duft der Worte, die sein Mund verkündet hat,&lt;br /&gt;
überallhin verbreiten und das Herz eines jeden Gerechten höher schlagen&lt;br /&gt;
lassen. Mag er sich auch anfangs ihrer Wirkung nicht bewußt werden, so&lt;br /&gt;
wird doch die Kraft der ihm gewährten Gnade früher oder später ihren&lt;br /&gt;
Einfluß auf seine Seele üben.“ &#039;%)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen tragen unsere Wünsche und unsere Gedanken in den&lt;br /&gt;
Raum des Gebetes hinein, aber die Kräfte, die vom Gebet ausgehen, sind&lt;br /&gt;
göttliche Kräfte. Unsere Gedanken sind begrenzt und unsere Wünsche&lt;br /&gt;
hängen von den Bedingungen unseres Daseins ab, aber die göttlichen&lt;br /&gt;
Kräfte des Gebetes sind umfassend und grenzenlos; sie tragen den Atem&lt;br /&gt;
der Ewigkeit in die Enge unseres Daseins und verwandeln sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Versammlungsgebet heißt es: „Offenbare Dich dann, o Herr,&lt;br /&gt;
durch Deine gnadenvollen Worte und die Geheimnisse Deines göttlichen&lt;br /&gt;
Seins, auf daß heilige Inbrunst des Gebetes unsere Seelen erfüllen möge,&lt;br /&gt;
eines Gebetes, das Worte und Buchstaben überragt und das sich weit&lt;br /&gt;
erhebt über das Murmeln von Silben und Tönen, so daß alle Dinge in&lt;br /&gt;
Nichts versinken vor der Offenbarung Deiner Herrlichkeit.“ 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir beten, verändern sich unmerklich unsere Wünsche und&lt;br /&gt;
Gedanken. Alle Dinge geraten gleichsam unter den Maßstab göttlicher Be-&lt;br /&gt;
trachtungsweise. Was uns bedrückte, verliert an Gewicht. Was wir er-&lt;br /&gt;
hofften, erkennen wir in seinem Wert und seiner Zuträglichkeit für uns.&lt;br /&gt;
Oft geschieht es dann, daß sich unsere Wünsche dem göttlichen Willen an-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18) Göttliche Lebenskunst. 1961. S. 27.&lt;br /&gt;
14) Bahä’u’lläh: Ährenlese. 1961. CXXXVI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Bahä’u’lläh: Verborgene Worte. 1948. S. 111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
962&lt;br /&gt;
{{page|963|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=41}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gleichen. Die geoffenbarten Gebete haben die größte verwandelnde Wir-&lt;br /&gt;
kung. Da alles, was mit dem göttlichen Willen übereinstimmt, seiner Ver-&lt;br /&gt;
wirklichung entgegengeht, brauchen wir um die Erhörung unserer Gebete&lt;br /&gt;
nicht besorgt zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtiger als die Frage, ob unsere Gebete erhört werden, ist die Einsicht,&lt;br /&gt;
daß die Kraft unserer Gebete alle großen, weltweiten, menschendienlichen&lt;br /&gt;
Unternehmungen fördert und den Dienst an der ganzen Menschheit aller-&lt;br /&gt;
erst möglich macht. Die Kraft der Gebete, die uns erfreut und ermutigt,&lt;br /&gt;
gehört uns nicht allein; sie wirkt ohne Beschränkung auf alle Menschen&lt;br /&gt;
und dient dem Wohle aller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns anschicken, den göttlichen Plan auszuführen, wenn wir&lt;br /&gt;
uns die Ziele unseres Neunjahrplanes zu eigen machen und sie zu erfüllen&lt;br /&gt;
suchen, dann wollen wir uns daran erinnern, daß das Gebet eine der&lt;br /&gt;
wirksamsten geistigen Waffen ist, mit denen Gott uns ausgestattet. Wir&lt;br /&gt;
werden beten, beobachten, studieren, meditieren, handeln und siegreich&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage schöpferischer Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebet und Meditation sind im wesentlichen aktive und schöpferische&lt;br /&gt;
Haltungen. Sie dienen der Vorbereitung von Taten. Tief im menschlichen&lt;br /&gt;
Wesen veranlagt, gehören sie zu unseren unerläßlichen Pflichten. Ohne sie&lt;br /&gt;
ist ein geistiges Leben nicht denkbar. Die Anlagen und Kräfte unserer&lt;br /&gt;
menschlichen Natur können sich ohne sie nicht entfalten. Achten wir aber&lt;br /&gt;
darauf, daß wir in zwanglos natürlicher Weise meditieren und daß unsere&lt;br /&gt;
Gebete aufrichtig sind. Wir wollen nicht leere Formen und sinnlose&lt;br /&gt;
Übungen an die Stelle echten geistigen Lebens treten lassen. Wir wollen&lt;br /&gt;
kritisch sein und die Weise unseres Betens und Meditierens an den Taten&lt;br /&gt;
messen, die wir hervorbringen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67.&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’i-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26.&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes. $ 5 Abs. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
963&lt;br /&gt;
{{page|964|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=42}}AÄHRENLESE&lt;br /&gt;
aus den Schriften Bahd’u’llähs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der autorisierte Ausleger der Bahá’í-Lehren, besorgte diese Aus-&lt;br /&gt;
wahl von 165 Textstellen, die vom Wesen der Gottesoffenbarer, der geistigen&lt;br /&gt;
Natur des Menschen und der neuen, im Aufbau begriffenen Weltordnung handeln.&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Wahrheiten der Bahaä’t-Religion sind hier in einem grundlegen-&lt;br /&gt;
den Kompendium vereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
240 Seiten, Ganzleinen DM 18,90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHÄ&lt;br /&gt;
BEANTWORTETE FRAGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Tischgesprächen in ‘Akkä äußerte sich &#039;Abdu&#039;l-Bahd4 zu einer Vielfalt von&lt;br /&gt;
geistigen und philosophischen Fragen: Wesen und Bedeutung der OÖffenbarer,&lt;br /&gt;
die wahre Natur des Menschen, einige christliche Themen, Willensfreiheit, Rein-&lt;br /&gt;
karnation und vieles andere mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
306 Seiten, Ganzleinen DM 15,80&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLAH&lt;br /&gt;
UND DAS NEUE ZEITALTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Dr. J. E. Esslemont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Einführung in die Geschichte und die Lehren des Bahd’i-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaubens. Das umfassende Handbuch und Nachschlagewerk. In viele Sprachen&lt;br /&gt;
übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
324 Seiten, Ganzleinen DM 16,80&lt;br /&gt;
kartoniert (cellophaniert) DM 13,90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS IST DIE BAHA’I-RELIGION...?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine umfassende Darstellung des neuen Glaubens, Klar werden Anspruch und&lt;br /&gt;
Lehren der Bahá’í-Religion in vier großen Themenkreisen behandelt: Grundzüge&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion — Menschen nach Gottes Bild — Erkenntnis — Geist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaft. Objektive Darlegung und geoffenbartes Textgut verbinden sich&lt;br /&gt;
zu einem abgerundeten Bild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
68 Seiten, kartoniert DM 1,50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-VERLAG GMBH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Frankfurt am Main, Westendstraße 24, Telefon 72 36 26&lt;br /&gt;
Postscheckkonto: Frankfurt am Main 205 43&lt;br /&gt;
Bankkonto: Dresdner Bank, Frankfurt, Konto 114 793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
954&lt;br /&gt;
{{page|965|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=43}}{{page|966|file=Baha&#039;i_Briefe_36.pdf|page=44}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_35/Text&amp;diff=75331</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 35/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:09:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|891|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=1}}AUS DEM INHALT.&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alessandro Bausani:&lt;br /&gt;
Die religiöse Krise der&lt;br /&gt;
Gegenwart und das&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltbild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Niemöller: Die&lt;br /&gt;
Notwendigkeit einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltverwaltungsbehörde -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans Randel:&lt;br /&gt;
Gebet und Meditation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 35 JANUAR 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR.&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|892|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|893|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=3}}Iasunn 100 BAHATI- BRIEFE art 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr Heerscharen des Lebens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ost und West schauen vereint zu verblichenen Sternen auf und&lt;br /&gt;
wenden sich im Gebet verfinsterten Horizonten zu. Bewußt haben&lt;br /&gt;
sie, Ost und West, die breite Grundlage der heiligen Gesetze Got-&lt;br /&gt;
tes außer acht gelassen und die Wesenszüge, die wirksame Kraft&lt;br /&gt;
der Religion Gottes vergessen. Bräuche und Übereinkünfte haben&lt;br /&gt;
sie als die unwandelbare Grundfeste des göttlichen Glaubens be-&lt;br /&gt;
trachtet und sich fest darin eingenistet. Sie haben sich eingebildet,&lt;br /&gt;
sie hätten den ruhmreichsten Gipfel des Erfolges und des Wohl-&lt;br /&gt;
stands erreicht, wo sie doch in Wirklichkeit in den Untiefen der&lt;br /&gt;
Achtlosigkeit auf Grund geraten sind und sich völlig der Gnaden-&lt;br /&gt;
gaben Gottes beraubt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Eckstein der Religion Gottes ist die Erlangung der göttlichen&lt;br /&gt;
Vollkommenheiten und die Teilhabe an Seinen mannigfachen Seg-&lt;br /&gt;
nungen. Der Wesenskern des Glaubens ist die Veredelung des&lt;br /&gt;
menschlichen Seelenlebens durch die Gnadenströme aus den Rei-&lt;br /&gt;
chen der Höhe. Dies nicht zu erreichen, ist wahrer Verlust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb ist die Pflicht aller Bahad’i, diese hochgeistige, lebens-&lt;br /&gt;
wichtige Grundfrage in ihren Herzen zu bewegen, damit sie sich,&lt;br /&gt;
im Unterschied zu anderen Glaubensgemeinschaften, nicht mit dem&lt;br /&gt;
Lärm, dem Geschrei und der Leere religiöser Doktrinen zufrieden-&lt;br /&gt;
geben. Sie sollten vielmehr in ihrem Leben unter jedem Blickwin-&lt;br /&gt;
kel Beispiele solcher Eigenschaften und Tugenden sein, die aus Gott&lt;br /&gt;
geboren sind, und sollten sich aufmachen, um durch ihr edles Ver-&lt;br /&gt;
halten hervorzutreten. Ihren Anspruch, Bahd’i zu sein, sollten sie&lt;br /&gt;
durch Taten und nicht dem Namen nach vertreten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wahrer Baha’i ist, wer Tag und Nacht bestrebt ist, auf dem&lt;br /&gt;
Pfade menschlichen Bemühens voranzukommen und fortzuschrei-&lt;br /&gt;
ten; sein heißestes Verlangen muß sein, so zu leben und zu han-&lt;br /&gt;
deln, daß er die Welt bereichert und erleuchtet; die Quelle seiner&lt;br /&gt;
Begeisterung muß das Wesen göttlicher Tugend sein; sein Lebens-&lt;br /&gt;
ziel muß sein, sich so zu verhalten, daß er zum Anstoß unbegrenz-&lt;br /&gt;
ten Fortschritts wird. Nur wenn jemand solche vollkommene Gaben&lt;br /&gt;
erreicht, läßt sich von ihm sagen, daß er ein wahrer Bahü’t ist.&lt;br /&gt;
Denn in dieser heiligen Sendung, der krönenden Verklärung frü-&lt;br /&gt;
herer Zeitalter und Offenbarungszyklen, ist wahrer Glaube nicht&lt;br /&gt;
nur die Anerkennung der Einheit Gottes, sondern weit darüber&lt;br /&gt;
hinaus eine Lebensführung, die alle Vollkommenheiten und Tugen-&lt;br /&gt;
den solcher Anerkennung zur Geltung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus „Bahä’i World“, Vol. I1/1926-28; vgl. „Göttliche Lebenskunst“,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1961, S. 24 £.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
893&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|894|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=4}}Modellbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Naturwissenschaftler&lt;br /&gt;
Gesetzmäßigkeiten nachweisen&lt;br /&gt;
will, macht er Experimente. So-&lt;br /&gt;
fern ihm die Natur die Daten für&lt;br /&gt;
sein Experiment nicht in ver-&lt;br /&gt;
wendbarer Form bietet, baut er&lt;br /&gt;
ein Modell. Das größte Stau-&lt;br /&gt;
dammprojekt kann zunächst als&lt;br /&gt;
Sandkastenspiel simuliert wer-&lt;br /&gt;
den; das schnellste Düsenflugzeug&lt;br /&gt;
läßt sich im Windkanal erproben,&lt;br /&gt;
bevor ihm kostbare Menschen-&lt;br /&gt;
leben anvertraut werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Gesellschaftswissenschaft-&lt;br /&gt;
ler ist die Möglichkeit des Expe-&lt;br /&gt;
rimentierens weitgehend versagt.&lt;br /&gt;
Wie kaum ein Tatbestand ob-&lt;br /&gt;
jektivierbar ist, weil jast jeder&lt;br /&gt;
Sachverhalt mehrere, oft entge-&lt;br /&gt;
gengesetzte Schlüsse zuläßt, ist&lt;br /&gt;
man sich nicht einmal unter Fach-&lt;br /&gt;
leuten in Soziologenkreisen über&lt;br /&gt;
grundlegende Fragen so einig,&lt;br /&gt;
wie es für Mathematiker, Physi-&lt;br /&gt;
ker, Chemiker oder Techniker&lt;br /&gt;
selbstverständlich ist. Eine Staats-&lt;br /&gt;
verfassung, eine Sozialmaßnahme,&lt;br /&gt;
eine Wirtschaftstheorie können&lt;br /&gt;
nur in ganz seltenen Ausnahme-&lt;br /&gt;
fällen experimentell erprobt wer-&lt;br /&gt;
den. Allenfalls gedanklich, für&lt;br /&gt;
Lehrzwecke, kann man Modelle&lt;br /&gt;
bilden, indem man bestimmte, für&lt;br /&gt;
die zu beweisende Erkenntnis un-&lt;br /&gt;
wesentliche Faktoren als konstant&lt;br /&gt;
oder unverrückbar annimmt und&lt;br /&gt;
überlegt, wie der zu untersu-&lt;br /&gt;
chende Organismus auf diese und&lt;br /&gt;
jene Änderung an den Modell-&lt;br /&gt;
voraussetzungen reagiert. In der&lt;br /&gt;
Praxis sind alle Gesellschaftswis-&lt;br /&gt;
senschaften darauf angewiesen,&lt;br /&gt;
sich unter Berücksichtigung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
894&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verfügbaren Daten mühsam von&lt;br /&gt;
Fehlerkorrektur zu Fehlerkor-&lt;br /&gt;
rektur voranzutasten. Auch wenn&lt;br /&gt;
die ständig verfeinerten statisti-&lt;br /&gt;
schen Methoden und die elektro-&lt;br /&gt;
nische Datenverarbeitung immer&lt;br /&gt;
exaktere Entscheidungsunterlagen&lt;br /&gt;
liefern, liegt es auf der Hand, wie&lt;br /&gt;
unvollkommen eine solche „Stück-&lt;br /&gt;
werksmethode“ ist, zumal wenn&lt;br /&gt;
ihr keine umfassende Gesamt-&lt;br /&gt;
schau und keine perspektivische,&lt;br /&gt;
an objektiven Maßstäben der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit und Wirtschaftlichkeit&lt;br /&gt;
orientierte Zielsetzung zugrunde-&lt;br /&gt;
liegt (vgl. „BAHÄ’I-BRIEFE“ 33,&lt;br /&gt;
Ss. 853 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die gesellschaftlichen Ver-&lt;br /&gt;
hältnisse ändern will, ist nach den&lt;br /&gt;
Maßstäben der Gesellschaftswis-&lt;br /&gt;
senschaften darauf angewiesen,&lt;br /&gt;
die anderen von seiner Meinung&lt;br /&gt;
zu überzeugen oder aber durch&lt;br /&gt;
parlamentarische, außerparlamen-&lt;br /&gt;
tarische, legale, illegale Mittel,&lt;br /&gt;
durch Mehrheitsbildung oder&lt;br /&gt;
durch Revolution die Macht zu&lt;br /&gt;
gewinnen, um den eigenen Wil-&lt;br /&gt;
len auch Andersdenkenden auf-&lt;br /&gt;
zuzwingen. Wie unvollkommen&lt;br /&gt;
alle diese Wege sind, hat die Ge-&lt;br /&gt;
schichte tausendfach bewiesen.&lt;br /&gt;
Der praktisch-positive Weg des&lt;br /&gt;
Experiments, des kompromißlos&lt;br /&gt;
guten Beispiels führte entweder&lt;br /&gt;
von der Gesellschaft weg in die&lt;br /&gt;
Einsamkeit oder endete in Tragik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum erstenmal in der Mensch-&lt;br /&gt;
heitsentwicklung entfaltet sich&lt;br /&gt;
nunmehr nach dem Willen&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs eine Gemeinschaft,&lt;br /&gt;
die ihre Aufgabe darin sieht, Mo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung S. 896)&lt;br /&gt;
{{page|895|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: Kodak&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Menschen!&lt;br /&gt;
Durcheile die Unermeßlichkeit des Weltraums und durchquere die&lt;br /&gt;
Höhen des Himmels — du wirst doch keine Ruhe finden, außer in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unter Unser Gebot und in der Demut vor Unserem Antlitz.&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Verborgene Worte arab. 40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
895&lt;br /&gt;
{{page|896|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=6}}(Fortsetzung von S. 894)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dell für eine weltweite, alle Ras-&lt;br /&gt;
sen, Klassen, Völker und Be-&lt;br /&gt;
kenntnisse umfassende Wohl-&lt;br /&gt;
standsgesellschaft zu sein. Zwar&lt;br /&gt;
gab es schon früher viele Elite-&lt;br /&gt;
gruppen, die auf die übrige&lt;br /&gt;
Menschheit ausstrahlten und viel&lt;br /&gt;
Großes und Gutes erreichten —&lt;br /&gt;
allen voran der Alte Bund der&lt;br /&gt;
Juden, der Neue Bund der Chri-&lt;br /&gt;
sten und die Gemeinschaft der&lt;br /&gt;
islamischen Gläubigen, Gemein-&lt;br /&gt;
schaften, die sich mehr oder min-&lt;br /&gt;
der bewußt als Modelle des künf-&lt;br /&gt;
tigen Reiches Gottes verstanden.&lt;br /&gt;
Aber noch nie war dieser Modell-&lt;br /&gt;
charakter in so umfassender,&lt;br /&gt;
endgültiger, methodisch-wissen-&lt;br /&gt;
schaftlicher Weise durchgebildet&lt;br /&gt;
worden, noch nie hat sich eine Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft von Millionen Men-&lt;br /&gt;
schen bewußt und freiwillig für&lt;br /&gt;
ein weltweites Beispiel eingesetzt.&lt;br /&gt;
Nebenbei hat es bisher auch im-&lt;br /&gt;
mer an den wirtschaftlichen Vor-&lt;br /&gt;
aussetzungen für das Gelingen&lt;br /&gt;
solcher Modelle gefehlt; heute sind&lt;br /&gt;
sie durch den enormen technischen&lt;br /&gt;
Aufschwung gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäd’i wollen diesen Mo-&lt;br /&gt;
dellcharakter ihrer Gemeinschaft&lt;br /&gt;
in den Mittelpunkt ihrer Lehr-&lt;br /&gt;
arbeit rücken. Sie bemühen sich,&lt;br /&gt;
alle ihre Kräfte und Mittel in den&lt;br /&gt;
Dienst der Aufgabe zu stellen,&lt;br /&gt;
ihre Gemeinschaft zu derjenigen&lt;br /&gt;
Beispielhaftigkeit zu formen, zu&lt;br /&gt;
der sie von Bahäd’u’lläh bestimmt&lt;br /&gt;
wurde. Das bedeutet „göttliche&lt;br /&gt;
Lebenskunst“ im privaten, beruf-&lt;br /&gt;
lichen und öffentlichen Leben, ge-&lt;br /&gt;
wissenhafte, aber tolerante Be-&lt;br /&gt;
folgung der Gebote Bahd’w’liähs,&lt;br /&gt;
gegenseitige Ermutigung, Teil-&lt;br /&gt;
nahme an den Bahäd’i-Wahlen als&lt;br /&gt;
der obersten Pflicht im Dienst der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft, Durchdrungensein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
896&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vom Geist der Beratung und Ge-&lt;br /&gt;
horsam gegenüber den Beschlüs-&lt;br /&gt;
sen der Geistigen Räte, selbst&lt;br /&gt;
wenn man nicht volles Verständ-&lt;br /&gt;
nis dafür aufbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Verständnis&lt;br /&gt;
der Baha’i-Administration und&lt;br /&gt;
ihrer geistigen Prinzipien ist die&lt;br /&gt;
Voraussetzung für den Erfolg die-&lt;br /&gt;
ses gesellschaftspolitischen Modell-&lt;br /&gt;
baues. Um dieses umfassende&lt;br /&gt;
Verständnis zu entwickeln, stüt-&lt;br /&gt;
zen die Bahäd’i sich nicht allein&lt;br /&gt;
auf die Lektüre der heiligen&lt;br /&gt;
Schriften. Die heiligen Schriften&lt;br /&gt;
bilden die Grundlage für geistige&lt;br /&gt;
Denk- und Zielmodelle; sie klä-&lt;br /&gt;
ren normativ das Grundsätzliche,&lt;br /&gt;
das umfassend und langfristig&lt;br /&gt;
Gültige, und lassen der Selbstän-&lt;br /&gt;
digkeit jedes Menschen einen&lt;br /&gt;
möglichst großen Spielraum. Wie&lt;br /&gt;
dieser Spielraum aber vernünftig&lt;br /&gt;
durchdacht und durch Taten aus-&lt;br /&gt;
gefüllt wird, lehrt die Wissen-&lt;br /&gt;
schaft, und zwar selbst dann,&lt;br /&gt;
wenn sie — Gott sei’s geklagt —&lt;br /&gt;
nicht von den Ansatzpunkten der&lt;br /&gt;
heiligen Schriften ausgeht. Sie&lt;br /&gt;
muß notwendigerweise die zweite&lt;br /&gt;
Stütze darstellen. Wissenschajt-&lt;br /&gt;
lichkeit ist weder eine Frage&lt;br /&gt;
der Schulbildung, noch der Be-&lt;br /&gt;
rufstätigkeit oder des Geldes,&lt;br /&gt;
nicht einmal eine Frage der In-&lt;br /&gt;
telligenz, sondern lediglich eine&lt;br /&gt;
Frage der Einstellung zum Le-&lt;br /&gt;
ben, des planvollen Denkens in&lt;br /&gt;
allen Lebenslagen. Die Baha’i&lt;br /&gt;
haben von ihren heiligen Schrif-&lt;br /&gt;
ten her die Grundlage aller Wis-&lt;br /&gt;
senschaften. Wesentlich sind die-&lt;br /&gt;
jenigen Wissenschaften, die sich&lt;br /&gt;
mit dem geistigen Menschen&lt;br /&gt;
und mit den sozialen Strukturen&lt;br /&gt;
befassen: Psychologie, Soziologie,&lt;br /&gt;
Politologie, Wirtschaftswissen-&lt;br /&gt;
schaften, Geschichtsphilosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|897|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=7}}Die Menschheit ist mit Blindheit&lt;br /&gt;
geschlagen. Die Bahä’t werden&lt;br /&gt;
aller Voraussicht nach, vor allem&lt;br /&gt;
in den Industrieländern, noch&lt;br /&gt;
einige Zeit eine kleine Gemein-&lt;br /&gt;
schaft von „Außenseitern“ blei-&lt;br /&gt;
ben. Die einzige Chance, die Lehr-&lt;br /&gt;
arbeit zum Erfolg zu führen,&lt;br /&gt;
liegt im gesellschaftspolitischen&lt;br /&gt;
Modellbau: darin, daß die welt-&lt;br /&gt;
erschütternde, weltumspannende&lt;br /&gt;
und doch ganz einfache Konzep-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tion Bahä’u’llähs völlig in das Be-&lt;br /&gt;
wußtsein integriert und im Zu-&lt;br /&gt;
sammenleben mit Gleich- und&lt;br /&gt;
Andersdenkenden beispielgebend&lt;br /&gt;
verwirklicht wird. Die Welt wird&lt;br /&gt;
sich nur dadurch überzeugen las-&lt;br /&gt;
sen, daß man ihr täglich praktisch&lt;br /&gt;
beweist, wie leicht alle mensch-&lt;br /&gt;
lichen Probleme zu lösen sind,&lt;br /&gt;
wenn man sie mit den Lehren&lt;br /&gt;
Baha’u’llähs anpackt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Schonzeit ist vorüber“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auswahl von Bahä’i-Texten über die heutige Stunde der&lt;br /&gt;
Entscheidung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Gerechtigkeit Meines eigenen Selbstes! Groß, unermeßlich groß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist diese Sache! Mächtig, unvorstellbar mächtig ist dieser Tag!&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tage nähern sich ihrem Ende, und doch sieht man die Völker der&lt;br /&gt;
Erde in schmerzliche Achtlosigkeit versenkt und in offenkundigem Irrtum&lt;br /&gt;
befangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
II&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt uns Gott bitten, daß in diesen Tagen weltumfassender Trübsal, da&lt;br /&gt;
die dunklen Kräfte der Natur, des Hasses, der Empörung, Anarchie und&lt;br /&gt;
Reaktion den wirklichen Bestand der menschlichen Gesellschaft bedrohen,&lt;br /&gt;
da die köstlichen Früchte der Zivilisation ernsten und unvergleichlichen&lt;br /&gt;
Prüfungen unterzogen werden, wir alle tiefer denn je erkennen mögen,&lt;br /&gt;
daß wir, obwohl nur eine bloße Handvoll inmitten der kochenden Mas-&lt;br /&gt;
sen der Welt, an diesem Tag die erwählten Werkzeuge von Gottes Gnade&lt;br /&gt;
sind, daß unser Auftrag hochdringlich und wesentlich für das Schicksal&lt;br /&gt;
der Menschheit ist und wir, gestärkt durch diesen Gedanken, uns er-&lt;br /&gt;
heben, um Gottes heiliges Vorhaben für das Menschengeschlecht zu voll-&lt;br /&gt;
enden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
IV&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übermittelt die Botschaft! Zieht die Herzen an! Sät die Saat! Lehrt die&lt;br /&gt;
Sache denen, die nichts davon wissen. Lehrt die Sache! Lehrt! Lehrt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
897&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|898|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übermittelt die Botschaft! Erweckt die Seelen! Jetzt ist die Zeit, um die&lt;br /&gt;
Fundamente zu legen. Nun müssen wir Ziegel, Steine, Holz, Eisen und&lt;br /&gt;
anderes Baumaterial zusammentragen. Jetzt ist nicht die Zeit für Schmuck&lt;br /&gt;
und Verzierungen. Wir müssen uns Tag und Nacht bemühen und denken&lt;br /&gt;
und arbeiten: Was kann ich sagen, um Ergebnisse zu erzielen? Was kann&lt;br /&gt;
ich tun, um Erfolge aufzuweisen? Was kann ich schreiben, um Früchte zu&lt;br /&gt;
zeitigen? Nichts anderes ist heute von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn bald werden die Prüfer der Menschheit in der heiligen Gegen-&lt;br /&gt;
wart des Angebeteten nichts annehmen als reinste Tugend und lautere,&lt;br /&gt;
heilige Taten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
vI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stunde nähert sich, in der die größte Erschütterung zu Tage treten&lt;br /&gt;
wird. Ich schwöre bei Ihm, der die Wahrheit ist! Sie wird jeden mit&lt;br /&gt;
Scheidung treffen, selbst diejenigen, die sich um Mich scharen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
vmI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine schwere Prüfung für euch ist im Anzug und wird euch plötzlich&lt;br /&gt;
heimsuchen. Seit rührig — vielleicht geht sie vorüber, ohne Schaden an-&lt;br /&gt;
zurichten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
VIII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben eine festgesetzte Frist für euch, o Völker! Wenn ihr verfehlt,&lt;br /&gt;
euch zu jener bestimmten Stunde Gott zuzuwenden, wird Er euch wahr-&lt;br /&gt;
lich gewaltsam erfassen und schreckliche Not von allen Seiten über euch&lt;br /&gt;
kommen lassen. Wie streng ist dann die Strafe, mit der euch euer Herr&lt;br /&gt;
strafen wird!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
IX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit tritt in die Randbezirke einer höchst gefahrvollen Stufe&lt;br /&gt;
ihres Daseins ein. Die Möglichkeiten dieser Stunde sind unerdenklich&lt;br /&gt;
kostbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ständige und besorgniserregende Zerfall der moralischen Anschau-&lt;br /&gt;
ungen ist durch das erschreckende Anwachsen von Verbrechen gekenn-&lt;br /&gt;
zeichnet, durch die politische Korruption in immer größerem Ausmaße&lt;br /&gt;
und in immer höheren Kreisen, durch die Auflösung der heiligen Bande&lt;br /&gt;
der Ehe, durch das maßlose Verlangen nach Vergnügen und Zerstreu-&lt;br /&gt;
ungen und durch das deutlich fortschreitende Nachlassen der elterlichen&lt;br /&gt;
Kontrolle... Parallel damit läuft der krasse Materialismus, der in alle&lt;br /&gt;
Lebensbereiche eingedrungen ist. ... Dieser Materialismus legt dem welt-&lt;br /&gt;
lichen Wohlergehen übermäßiges und ständig wachsendes Gewicht bei&lt;br /&gt;
und vergißt darüber die geistigen Dinge vollständig, auf denen allein eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
898&lt;br /&gt;
{{page|899|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=9}}sichere und stabile menschliche Gesellschaft aufgebaut werden kann.&lt;br /&gt;
Derselbe Materialismus... ist von Bahä’u’lläh in Seinen Schriften mit&lt;br /&gt;
eindeutigen und leidenschaftlichen Worten angeprangert worden. Er ver-&lt;br /&gt;
glich ihn mit einer alles verzehrenden Flamme und sah in ihm die Haupt-&lt;br /&gt;
ursache der Beschleunigung der schrecklichen Prüfungen und welterschüt-&lt;br /&gt;
ternden Krisen, die zwangsläufig die Vernichtung von Städten, die Aus-&lt;br /&gt;
breitung von Terror und Bestürzung in den Herzen der Menschen nach&lt;br /&gt;
sich ziehen müssen. Einen Vorgeschmack der Zerstörungen, die&lt;br /&gt;
dieses verzehrende Flammenmeer über die Welt bringen wird, die Städte&lt;br /&gt;
der Nationen dem Boden gleichmachend, die an diesem tragischen, alles&lt;br /&gt;
verschlingenden Kampf beteiligt sind — den hat uns in der Tat schon der&lt;br /&gt;
letzte Weltkrieg gegeben ... Nicht weniger ernst zu nehmen sind der Druck&lt;br /&gt;
und die Anspannung, die sich auf die Struktur der amerikanischen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft auswirken, hervorgerufen durch die grundsätzliche und ständige&lt;br /&gt;
Vernachlässigung... der unausweichlichen und dringenden Aufgabe...:&lt;br /&gt;
nämlich, mit Hilfe einer umwälzenden Änderung der Anschauungen und&lt;br /&gt;
Haltung des weißen Durchschnittsamerikaners gegenüber seinen schwar-&lt;br /&gt;
zen Mitbürgern eine Situation, so lange es noch Zeit ist, zu bessern, die,&lt;br /&gt;
wenn man sie weitertreiben läßt, nach den Worten von ‘Abdul’l-Bahä die&lt;br /&gt;
Ursache dafür sein wird, daß in den Straßen der amerikanischen Städte&lt;br /&gt;
Blut fließen wird. Dadurch wird sich die Verwüstung noch steigern, die&lt;br /&gt;
durch furchtbare, von oben abgeworfene Vernichtungswaffen, angehäuft&lt;br /&gt;
von einem erbarmungslosen, wachsamen, mächtigen und hartnäckigen&lt;br /&gt;
Feinde, über diese Städte gebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn die festgesetzte Stunde gekommen ist, wird plötzlich das&lt;br /&gt;
erscheinen, was die Glieder der Menschheit erzittern läßt. Dann und erst&lt;br /&gt;
dann wird das Göttliche Banner entfaltet werden und die Nachtigall des&lt;br /&gt;
Paradieses ihre Melodie singen... Seid nicht bekümmert um diejenigen,&lt;br /&gt;
die sich mit den Dingen dieser Welt beschäftigt und das Gedenken Gottes,&lt;br /&gt;
des Größten, vergessen haben. Bei Ihm, der die ewige Wahrheit ist! Der&lt;br /&gt;
Tag nähert sich, an dem der grimmige Unwille des Allmächtigen sie er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faßt haben wird. Er ist wahrlich der Allgewaltige, der Allbezwingende, der&lt;br /&gt;
Mächtigste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
Quellen:&lt;br /&gt;
T) zitiert bei Shoghi Effendi, „Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit“, Frankfurt&lt;br /&gt;
1962, S. 94&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I) wie I, S. 98&lt;br /&gt;
III) „Hüterbotschaften an die Bahä’f-Welt“, Frankfurt 1962, S. 98&lt;br /&gt;
IV) aus einer Ansprache in London 1913&lt;br /&gt;
V) „Verborgene Worte“, persisch 35&lt;br /&gt;
VI) wie I, S. 98&lt;br /&gt;
VII) wie I, S. 9&lt;br /&gt;
VIII) „Ährenlese“, CVIII&lt;br /&gt;
IX) Telegramm vom 1. 5. 1939&lt;br /&gt;
X) Botschaft an die amerikanischen Bahä’f vom 28. 7. 1954&lt;br /&gt;
XD) zitiert in „Bahä’f-Nachrichten“ 9/115&lt;br /&gt;
XII) wie I, S. 99&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
899&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|900|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=10}}Die religiöse Krise der Gegenwart&lt;br /&gt;
und das Bahá’í-Weltbild / von Alessandro Bausani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es eine „Gegenwartskrise“?” Man hört oft, die Anzeichen dieser&lt;br /&gt;
Krise seien der Sieg des Materialismus, der Unmoral usw. Aber vielleicht&lt;br /&gt;
liegt der Wesenskern der gegenwärtigen Weltkrise doch nicht in solchen&lt;br /&gt;
Erscheinungen. Es trifft nicht zu, daß es in der modernen Welt keine&lt;br /&gt;
„Geistigkeit“ mehr gäbe; man könnte sogar sagen, daß man heute im&lt;br /&gt;
Denken der Physiker, die die Atombombe erfunden haben, einen beson-&lt;br /&gt;
ders hochentwickelten, anpassungsfähigen, abstrakten und verfeinerten&lt;br /&gt;
Geist findet, verglichen etwa mit dem Spiritus des Mittelalters, der um&lt;br /&gt;
etliches grobkörniger war und viel eher an die Grundbedeutung des Be-&lt;br /&gt;
griffs, den natürlichen „Windhauch“, erinnerte. Und selbst in der Frage&lt;br /&gt;
der Sittlichkeit bin ich überzeugt, daß es in den Kreisen gewisser moder-&lt;br /&gt;
ner junger Leute eine ethische Aufrichtigkeit gibt, die viel tiefer, wenn&lt;br /&gt;
auch zeitweilig flegelhafter ist als die unausstehlich verbale, rhetorische&lt;br /&gt;
Moral derjenigen Generation, die den großen Krieg 1914—1918 geführt&lt;br /&gt;
hat. Das Problem ist deshalb nicht der Mangel an Sittlichkeit oder die&lt;br /&gt;
Schwächung des Geistes gegenüber der Materie. Es ist vielmehr genau&lt;br /&gt;
das Gegenteil. „Die Photographie“, sagt Jean Cocteau, „hat die Malerei&lt;br /&gt;
befreit“, und Jacques Maritain, der in seinen „Stufen des Wissens“ dieses&lt;br /&gt;
Wort Cocteaus bestätigte, sah den Wesenszug der Moderne in der „Tren-&lt;br /&gt;
nung zwischen Fleisch und Geist“, nicht etwa in der Schwächung des&lt;br /&gt;
Geistes, sondern vielmehr in seiner „Verflüchtigung“. „Die Technik hat&lt;br /&gt;
den Geist befreit“: Dem extremen Fortschritt der befreiten Materie ent-&lt;br /&gt;
spricht ein extremer Fortschritt eines gleichfalls befreiten Geistes, der&lt;br /&gt;
völlig entstofflicht ist, nach den Sternen greift und es aufgibt, die Materie&lt;br /&gt;
zu lenken. Völlig zu Recht freut sich Maritain auf der einen Seite über&lt;br /&gt;
diese Reinigung der Metaphysik, die durch die Technik von den zahlrei-&lt;br /&gt;
chen Illusionen des griechischen Optimismus befreit wurde; aber anderer-&lt;br /&gt;
seits bringt er seine Besorgnis um die Gefahr einer „Auflösung der&lt;br /&gt;
menschlichen Form“ zum Ausdruck, die er, ebenfalls zu Recht, als Ergeb-&lt;br /&gt;
nis dieser Verflüchtigung und extremen Verfeinerung des „befreiten“&lt;br /&gt;
Geistes ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die veränderte Situation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Folgerungen aus dieser Situation sind zahlreich. Es ist eine Situa-&lt;br /&gt;
tion, die man vereinfachend, aber plastisch, durch folgende Feststellungen&lt;br /&gt;
verdeutlichen kann: In der alten Welt konnte selbst ein einfacher Bauer,&lt;br /&gt;
wenn er erst einmal eine Bildungssprache erlernt hatte, einen Text höch-&lt;br /&gt;
ster geistiger Verdichtung von Plato verstehen; heutzutage versteht selbst&lt;br /&gt;
ein Universitätsprofessor keine Schrift über strukturelle Linguistik von&lt;br /&gt;
Hjelmslev und keinen Artikel von Einstein, wenn er nicht vom Fach ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
900&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|901|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=11}}Wir wollen uns einen kurzen Überblick über die Folgerungen aus dieser&lt;br /&gt;
„Auflösung“, von der Maritain sprach, für andere Bereiche des modernen&lt;br /&gt;
Lebens verschaffen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Wissenschaft: Unsere soeben getroffene Feststellung ist bedeutsam.&lt;br /&gt;
Wir können generalisierend sagen, daß wir quantitativ einer außerordent-&lt;br /&gt;
lichen Demokratisierung der Kultur (Massenkommunikationsmittel, Popu-&lt;br /&gt;
larisierung der Wissenschaft), gleichzeitig aber qualitativ einer gleichfalls&lt;br /&gt;
ungeheuren Aristokratisierung der Kultur gegenüberstehen (nur noch&lt;br /&gt;
wenige Spezialisten kennen alle Einzelheiten eines Sachgebiets).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) Soziale Frage: Die Schnelligkeit der Transportmittel hat die soziale&lt;br /&gt;
Krise derart planetarisiert, daß man im Zweifel sein kann, ob Bewegun-&lt;br /&gt;
gen wie der Marxismus, die zur Lösung der Gesellschaftskrise im Rah-&lt;br /&gt;
men der spezifischen Verhältnisse des westeuropäischen 19. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
geschaffen wurden, nicht bereits veraltet sind, angesichts einer Situation,&lt;br /&gt;
die primitive Jägerstämme am Amazonas mit den Playboys der&lt;br /&gt;
Cöte d’Azur konfrontiert, und nicht nur deutsche Kapitalisten mit deut-&lt;br /&gt;
schen Arbeitern wie zu Zeiten von Marx.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c) Politik: Über die Konfrontation des Internationalismus mit dem Na-&lt;br /&gt;
tionalismus ist man sich heute ziemlich einig. Aber angesichts der tech-&lt;br /&gt;
nisch-wirtschaftlichen Situation unserer Zeit ist der Internationalismus&lt;br /&gt;
eine Bequemlichkeit der reichen Nationen, der Nationalismus eine Art&lt;br /&gt;
Verteidigung für die armen Völker. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit&lt;br /&gt;
eines Internationalismus, der nicht länger, wie es heute meist der Fall ist,&lt;br /&gt;
oberflächlich und scheinheilig sein darf, sondern den reichen, „zivilisier-&lt;br /&gt;
ten“ Nationen empfindliche Opfer auferlegt. Unglückseligerweise baut&lt;br /&gt;
man heutzutage Weltbürgertum immer auf der instinktiven Vorstellung&lt;br /&gt;
auf, eine neue Weltordnung müsse auf politisch-administrative Einrich-&lt;br /&gt;
tungen des traditionellen westlichen Typs — einschließlich der kommu-&lt;br /&gt;
nistischen Institutionen — gegründet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d) Kulturleben: Selbst kulturelle Opfer müssen den Entwicklungsvöl-&lt;br /&gt;
kern gebracht werden. Wenn ein Schwarzer vom Kongo nach wenigen&lt;br /&gt;
Stunden im Herzen Europas landen kann — in Zukunft vielleicht nach&lt;br /&gt;
wenigen Minuten —, dann ist die Art von Kultur, die wir bisher ge-&lt;br /&gt;
wohnt waren, zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e) Gesellschaftsethik: Die sittlichen Werte der Vergangenheit sind um-&lt;br /&gt;
gewertet; und selbst die jungen Leute, die mit ihrem „Immoralismus des&lt;br /&gt;
Protestes“ zu stark auftragen, haben angesichts der heuchlerischen tra-&lt;br /&gt;
ditionellen Moral ihre guten Gründe dafür. Die Heuchelei ist, nebenbei&lt;br /&gt;
bemerkt, durchaus verständlich, denn es erfordert ungewöhnliche An-&lt;br /&gt;
strengung, die ehrwürdigen Wertvorstellungen christlicher Substanz der&lt;br /&gt;
durch die Technik völlig veränderten Lage anzupassen. Haben diese&lt;br /&gt;
Werte noch Geltung, wenn es darum geht, unsere Probleme auf plane-&lt;br /&gt;
tarischer Ebene zu lösen? Ist das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich&lt;br /&gt;
selbst!“ nicht Ausdruck einer individualistischen Moral, die kleinen Ge-&lt;br /&gt;
sellschaften in vollkommener Weise angepaßt ist? Müßte man es nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
901&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|902|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viel eher planetarisieren als abschaffen? Wie zahlreich sind doch die-&lt;br /&gt;
jenigen, die in romantischer Sanftmut ihren Nächsten lieben, es aber&lt;br /&gt;
keineswegs unmoralisch finden, das Finanzamt zu betrügen. Wir brauchen&lt;br /&gt;
eine neue Moral, nach der die Gesellschaft mit instinktivem Unwillen in&lt;br /&gt;
gleicher Weise darauf reagiert, daß jemand den Fiskus betrügt, wie sie&lt;br /&gt;
sich heute gegen sexuelle Verfehlungen wendet (die bei uns zu Lande&lt;br /&gt;
größeren Unwillen als andere Formen der „Sünde“ auszulösen pflegen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f) Religiöses Leben: In diesem Seinsbereich ist die Krise sehr deutlich,&lt;br /&gt;
und enorm ist die — oft unbewußte — Heuchelei derjenigen, die die tradi-&lt;br /&gt;
tionellen Religionen mit dem modernen Denken zu „versöhnen“ suchen.&lt;br /&gt;
Kann man an die Transsubstantiation glauben und mit dem Flugzeug&lt;br /&gt;
reisen? Die beiden Gedankengänge, die zur Erfindung des Flugzeugs&lt;br /&gt;
beziehungsweise zur Definition des Dogmas von der Verwandlung von&lt;br /&gt;
Brot und Wein in Leib und Blut Christi führten, bewegen sich nicht auf&lt;br /&gt;
verschiedenem Niveau, wodurch sie auf gewisse Weise gleichzeitig zu-&lt;br /&gt;
lässig wären; vielmehr sind sie widersprüchlich auf dem selben Niveau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem wir die Probleme in groben Zügen angedeutet haben, müssen&lt;br /&gt;
wir jetzt die „Auflösung“ finden. Dazu müssen wir zwei methodische&lt;br /&gt;
Bemerkungen voranstellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens muß uns klar sein, daß der Bahä’i-Glaube keine festgeformte&lt;br /&gt;
religiöse Tradition ist. Seine 30 000 oder noch mehr über alle Länder der&lt;br /&gt;
Welt verstreuten Zentren sind vielmehr Laboratorien und Experimen-&lt;br /&gt;
tierstätten, in denen man versucht — nach der Überzeugung der Bahä’i:&lt;br /&gt;
unter göttlicher Führung versucht —, gemeinsam die künftige Tradition&lt;br /&gt;
einer vereinten Menschheit zu schaffen. Sich zur Bahä’i-Religion „be-&lt;br /&gt;
kehren“, bedeutet demnach nicht, eine andere, bereits formierte religiöse&lt;br /&gt;
Tradition zu übernehmen und gleichzeitig der eigenen Tradition abzu-&lt;br /&gt;
schwören (wie es bei jeder anderen Konversion, vom Judentum zum&lt;br /&gt;
Christentum, vom Christentum zum Buddhismus oder wie auch immer,&lt;br /&gt;
der Fall ist); es bedeutet vielmehr, innerhalb der eigenen Tradition&lt;br /&gt;
„Gründe“ zu finden, die uns begreifen lassen, daß diese gegebene Tradi-&lt;br /&gt;
tion nicht die endgültige ist. Gibt es solche Gründe? Um sich davon zu&lt;br /&gt;
überzeugen, genügt es, die Eschatologie!) der verschiedenen Religionen&lt;br /&gt;
zu studieren, die von den verschiedenen Orthodoxien immer auf „phy-&lt;br /&gt;
sische“ und buchstäbliche Weise verstanden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Christen erwarten die Wiederkunft Christi und die Gründung des&lt;br /&gt;
Tausendjährigen Reiches: Dies bringt uns wiederum darauf, daß das&lt;br /&gt;
Christentum so, wie es ist, nicht für alle Zeit ausreicht. „Ich hätte euch&lt;br /&gt;
noch viel zu sagen“, sagte Jesus selbst, „aber ihr könnt es jetzt noch&lt;br /&gt;
nicht tragen“. Vergleichbare Überlieferungen finden sich in allen Reli-&lt;br /&gt;
gionen, selbst denjenigen, die man primitiv zu nennen pflegt. Ich habe&lt;br /&gt;
mich selbst einmal mit einem australischen Ureinwohner unterhalten,&lt;br /&gt;
der Bahä’i geworden war, nicht etwa, indem er seiner Stammesreligion&lt;br /&gt;
abgeschworen hätte, sondern dadurch, daß er Bahä’u’lläh mit derjenigen&lt;br /&gt;
gottgesandten Persönlichkeit identifizierte, die selbst seine Religion für&lt;br /&gt;
das „Ende der Welt“ verheißen hat. Das ist eine ganz andere Sache als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
902&lt;br /&gt;
{{page|903|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=13}}die Bekehrung eines „Wilden“, der vom Missionar von seinen „falschen“&lt;br /&gt;
Traditionen erlöst und, mehr noch als zu Christus, zur sogenannten&lt;br /&gt;
Zivilisation der weißen Kolonisatoren bekehrt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens lehrt jene gottgesandte Persönlichkeit, die für die Bahä’i&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh ist, keine Dogmen (was nebenbei alle großen Religionsstifter&lt;br /&gt;
nicht getan haben); Sein Anliegen ist nicht, eine Philosophie oder ein&lt;br /&gt;
System metaphysischer Erkenntnis zu geben, sondern vielmehr, uns&lt;br /&gt;
einen Kraftspendenden, das heißt religiösen Impuls und eine neue Rich-&lt;br /&gt;
tung zu verleihen. Seine Ursprünglichkeit und Einzigartigkeit ist, könnte&lt;br /&gt;
man sagen, richtungweisend: nicht „wissenschaftlich“, sondern Vorstel-&lt;br /&gt;
lungen schaffend. Aus diesem Grund betonen die Bahä’i auch, daß es&lt;br /&gt;
keinen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion gibt. All dies ist&lt;br /&gt;
am Anfang für alle Religionen wahr gewesen, aber es ist heute nicht&lt;br /&gt;
mehr so. Es ist die Metaphysik des heiligen Thomas, die im Widerspruch&lt;br /&gt;
zur Quantenphysik steht oder stehen könnte, nicht etwa die Bergpredigt.&lt;br /&gt;
Das Gesetz des Fastens während des Monats Ramadan, das der Qur’än&lt;br /&gt;
auferlegt, widerspricht nicht der Wissenschaft; der Widerspruch beginnt&lt;br /&gt;
mit der islamischen Theologie des Mittelalters oder, genauer gesagt, mit&lt;br /&gt;
dem Starrsinn, der heutzutage noch diese mittelalterliche Theologie, die&lt;br /&gt;
keineswegs im Widerspruch zur mittelalterlichen Wissenschaft stand,&lt;br /&gt;
aufrechterhalten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kraftspendenden Leitlinien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen notwendigen Vorbemerkungen wollen wir prüfen, in wel-&lt;br /&gt;
chem Sinne die kraftspendenden Leitlinien des Bahä’i-Glaubens Mög-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeiten zur Lösung der verschiedenen Aspekte unserer Gegenwarts-&lt;br /&gt;
krise bieten können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Die Krise der Wissenschaft und der Kultur: Der Kontrast zwischen&lt;br /&gt;
der neuen, hochverfeinerten Aristokratie der modernen Weisen und den&lt;br /&gt;
Massen — ein weit gefährlicherer Gegensatz als der alte Kontrast zwi-&lt;br /&gt;
schen Adeligen und Bourgeois oder zwischen Bourgeois und Proletariern&lt;br /&gt;
— kann nur durch eine planetarische Organisation aller kulturellen&lt;br /&gt;
Mächte beseitigt werden. Aber diese Organisation ist nur dann möglich,&lt;br /&gt;
wenn sich die Wissenschaftler einmütig bereitfinden, Träger einer reli-&lt;br /&gt;
giösen Mission zu werden: religiös nicht länger im Sinn körperlicher&lt;br /&gt;
Askese mit Kasteiungen und Entsagungen, sondern im Sinn einer geisti-&lt;br /&gt;
gen und kulturellen Askese, die einen Einstein dazu treibt, Seite an Seite&lt;br /&gt;
mit einem Ureinwohner aus dem Amazonasbecken oder aus dem austra-&lt;br /&gt;
lischen Busch zu beten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) Die soziale Krise: Der Bahä’i-Glaube fixiert nicht die Dogmen einer&lt;br /&gt;
Sozialphilosophie, wie es der Marxismus tut. Auch hier gibt Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
Leitlinien, die die allgemein anerkannte Rangordnung umwälzen, nach&lt;br /&gt;
welcher man herkömmlicherweise zuerst versucht, die wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Probleme zu lösen, um dadurch — automatisch — die Vereinigung der&lt;br /&gt;
Gesellschaft zu erreichen. Demgegenüber lehrt der Bahä’i-Glaube: Zuerst&lt;br /&gt;
die Einheit! Die wirtschaftlichen Probleme lösen sich dann automatisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
903&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|904|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte die Einheit das Ordnungswort der Bahä’i-Religion nen-&lt;br /&gt;
nen. Ist sie eine Utopie? Der Zustand der heutigen Welt mit ihrer Ver-&lt;br /&gt;
tiefung der Gegensätze selbst zwischen solchen Ländern (UdSSR — China&lt;br /&gt;
— Jugoslawien), die alle Probleme gelöst zu haben glaubten, weil sie das&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Problem gelöst hätten — diese heutige Lage scheint weit&lt;br /&gt;
eher den Bahä’i recht zu geben, wenn sie es verstanden haben, in ihren&lt;br /&gt;
Gemeinden mit einer sichtbaren und organisierten Einheit des Geistes&lt;br /&gt;
praktisch eine wirkliche, sprich: religiöse Atmosphäre für die Lösung der&lt;br /&gt;
anderen Probleme zu schaffen. Ich kann Ihnen dies nicht mit Worten de-&lt;br /&gt;
monstrieren, sondern Sie nur einladen, Bahä’i-Gemeinden wie diejenigen&lt;br /&gt;
in Indien zu besuchen, wo ich selbst erlebt habe, wie Hindus mit Mus-&lt;br /&gt;
limen, Parias mit Brahmanen, Christen mit Buddhisten friedlich zusam-&lt;br /&gt;
menarbeiten. Das Geheimnis dabei ist, daß sie weder Christen noch Mus-&lt;br /&gt;
lime oder Buddhisten, weder Parias noch Brahmanen im überlieferten&lt;br /&gt;
und dogmatischen Sinn des Wortes mehr sind, sondern Bahä’i geworden&lt;br /&gt;
sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c) Die politische Krise: Die Bahä’i vertreten die einzige moderne Reli-&lt;br /&gt;
gion, die sich nicht damit begnügt, sich als Religion der Innerlichkeit und&lt;br /&gt;
des Herzens zu verstehen, sondern mit dem herausfordernden Anspruch&lt;br /&gt;
auftritt, uns eine Art Modell der sichtbaren Weltordnung zu bieten.&lt;br /&gt;
Wenngleich sie keine Revolutionäre sind, leben und arbeiten die Bahä’i&lt;br /&gt;
so, als wären die Grenzen bereits gefallen. Die Bahä’i-Verwaltungsord-&lt;br /&gt;
nung, deren göttlichen Ursprung die Bahä’i anerkennen, wirkt bereits in&lt;br /&gt;
allen Ländern der Erde wie ein großer Pyramidenbau. Die Grundmauern&lt;br /&gt;
bilden die Geistigen Räte, die in jedem Ort gewählt werden; dann kom-&lt;br /&gt;
men die Nationalen Geistigen Räte in jedem selbständigen Staat und an&lt;br /&gt;
der Spitze das Universale Haus der Gerechtigkeit, das die Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
schaft von ihrem Weltzentrum in Haifa aus leitet, nachdem Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
von der ottomanischen Regierung verbannt, in der Nähe von Haifa ver-&lt;br /&gt;
storben ist und sich dort die wichtigsten heiligen Stätten des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens befinden. Loyalität und Gehorsam gegenüber ihren verschiede-&lt;br /&gt;
nen nationalen Regierungen sind den Bahä’i Pflicht; aber welch ein un-&lt;br /&gt;
geheuerer Unterschied zwischen einem Bahä’i, der zwar den Gesetzen&lt;br /&gt;
seiner Regierung gehorcht, dem Geist und der Lebensführung nach aber&lt;br /&gt;
bereits Weltbürger ist, weil er alle kulturellen und nationalen Vorurteile&lt;br /&gt;
abgelegt hat und jeden Afrikaner oder Indianer als gleichberechtigten&lt;br /&gt;
Mitarbeiter neben sich anerkennt, und gewissen Revolutionären dem&lt;br /&gt;
Namen nach, die noch ganz in ihren nationalen und zivilisatorischen&lt;br /&gt;
Vorurteilen befangen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e) Die Krise der gesellschaftlichen Ethik: Der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem Christentum und der Bahä’i-Religion besteht darin, daß das Chri-&lt;br /&gt;
stentum lehrt: Heiligt euch selbst! während die Bahä’i-Religion den Be-&lt;br /&gt;
fehl erteilt: Heiligt das Menschengeschlecht! Eine Anzahl Heiliger reicht&lt;br /&gt;
nicht aus, eine umfassende, geheiligte Gesellschaft zu bilden. Man stelle&lt;br /&gt;
sich eine Gesellschaft vor, die aus einer Vielzahl von Männern wie dem&lt;br /&gt;
heiligen Franz von Assisi zusammengesetzt ist: Das wäre — bei aller&lt;br /&gt;
tiefempfundenen Hochachtung für die herrliche Gestalt dieses Heili-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
904&lt;br /&gt;
{{page|905|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=15}}gen — das Chaos. Die unsterblichen Werte des Christentums, das die&lt;br /&gt;
Grundlagen persönlicher Vervollkommnung gelegt hat — wie nebenbei&lt;br /&gt;
der Buddhismus in einer anderen Weltzone, was noch viel zu wenig er-&lt;br /&gt;
kannt wird — lassen sich nicht durch Addition vergesellschaften. Wir&lt;br /&gt;
brauchen eine neue Dimension gesellschaftlicher Heiligung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f) Die religiöse Krise: Man hört heute viel über die Vereinigung der&lt;br /&gt;
Religionen, aber häufig geht es den Fürsprechern um eine Vereinigung&lt;br /&gt;
so, wie die Religionen heute sind. Die Anhänger der verschiedenen Glau-&lt;br /&gt;
benssysteme geben nichts von ihren Traditionen und Dogmen auf, selbst&lt;br /&gt;
wenn sie gleichberechtigt zu interreligiösen Konzilen oder Konferenzen&lt;br /&gt;
zusammentreten. Aber eine „Föderation des Aberglaubens“ ließe alle&lt;br /&gt;
Probleme offen; ja, sie würde diese Probleme durch die nachbarschaft-&lt;br /&gt;
liche Nähe nur noch gefährlicher machen. Auch eine Vermengung von&lt;br /&gt;
Dogmen und Traditionen verschiedenen Ursprungs wäre nichts als ein&lt;br /&gt;
konfuser Synkretismus ohne ausreichende Energie für eine Änderung&lt;br /&gt;
der Verhältnisse in der Welt. Die Bahä’i-Religion ist weder eine religiöse&lt;br /&gt;
Föderation noch ein Synkretismus; sie sieht vielmehr das Problem der&lt;br /&gt;
Einheit der Religionen geschichtlich oder, wenn Sie so wollen, eschatolo-&lt;br /&gt;
gisch: Die Verheißung der Einheit besteht in allen Religionen; sie bezieht&lt;br /&gt;
sich auf die Zukunft, das „Reich Gottes“ nach dem „Ende der Welt“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Religion lehrt, daß unsere Gegenwart dieses „Ende der&lt;br /&gt;
Welt“ ist und daß der Verheißene aller Religionen gekommen ist, um die&lt;br /&gt;
eine Religion der Zukunft zu schaffen. Es geht um ein Ende der Welt im&lt;br /&gt;
Sinne des Endes eines Weltzeitalters, nicht um einen Sinngehalt jenseits&lt;br /&gt;
der Geschichte oder um eine metaphysische Vernichtung; es geht um&lt;br /&gt;
eine Religion der Zukunft, die in Richtung auf weitere künftige Ent-&lt;br /&gt;
wicklungszyklen geöffnet ist. Die Bahä’i-Religion ist die einzige organi-&lt;br /&gt;
sierte Religion, die einerseits daran festhält, daß sie heute der einzige&lt;br /&gt;
begehbare Weg für die Heiligung der Menschheit ist, andererseits aber&lt;br /&gt;
lehrt, daß sie keineswegs endgültig ist: In künftigen Zeitaltern werden&lt;br /&gt;
neue, immer noch höher verfeinerte Religionen geoffenbart werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Weltordnung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen zum Schluß Shoghi Effendi mit einer Skizze der charakte-&lt;br /&gt;
ristischen Grundzüge der Bahä’i-Weltordnung zu uns sprechen lassen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sollte hier noch ein Wort über die Idee, auf der diese Verwaltungs-&lt;br /&gt;
ordnung aufgebaut ist, und über den Grundsatz, der die Arbeitsweise&lt;br /&gt;
ihrer Haupteinrichtungen beherrschen muß, gesagt werden. Völlig irre-&lt;br /&gt;
führend wäre es, einen Vergleich zwischen dieser einzigartigen, gott-&lt;br /&gt;
empfangenen Ordnung und irgend einem der vielen Systeme zu versu-&lt;br /&gt;
chen, die der Menschengeist zu verschiedenen Zeiten der Geschichte für&lt;br /&gt;
die Herrschaft menschlicher Einrichtungen ersonnen hat, Ein solcher Ver-&lt;br /&gt;
such würde an sich schon einen Mangel an voller Wertschätzung für die&lt;br /&gt;
Vortrefflichkeit des Werkes ihres großen Urhebers verraten. Wie könnte&lt;br /&gt;
dem auch anders sein, wenn wir bedenken, daß diese Ordnung das wahre&lt;br /&gt;
Muster jener göttlichen Kultur abgibt, die auf Erden zu errichten das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
905&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|906|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
allmächtige Gesetz Bahä’u’llähs bestimmt ist, Die verschiedenen sich&lt;br /&gt;
ständig ändernden Systeme menschlicher Regierungskunst, die gestrigen&lt;br /&gt;
wie die heutigen, östlichen und westlichen Ursprungs, bieten keinen ge-&lt;br /&gt;
eigneten Vergleich, mit dem die Macht der verborgenen Wirkungsmög-&lt;br /&gt;
lichkeiten dieser neuen Ordnung ermessen oder die Gediegenheit ihrer&lt;br /&gt;
Grundlagen abgeschätzt werden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahä’i-Gemeinwesen der Zukunft, für das diese umfassende ad-&lt;br /&gt;
ministrative Ordnung das alleinige Fachwerk bildet, steht, sowohl der&lt;br /&gt;
Theorie als auch der Praxis nach, nicht nur einzig in der gesamten Ge-&lt;br /&gt;
schichte der politischen Einrichtungen, sondern auch ohne Gegenstück in&lt;br /&gt;
den Annalen aller anerkannten Religionssysteme der Welt da. Keine&lt;br /&gt;
Form demokratischer Regierung, kein System autokratischer oder dikta-&lt;br /&gt;
torischer Art, sei es monarchisch. oder republikanisch, kein vermittelnder&lt;br /&gt;
Plan einer rein aristokratischen Ordnung und selbst keine der anerkann-&lt;br /&gt;
ten Formen von Gottesherrschaft, sei es nun die hebräische Gemein-&lt;br /&gt;
schaft, seien es die verschiedenen christlichen Kirchenorganisationen oder&lt;br /&gt;
das Imamat oder Kalifat im Islam — keines von ihnen kann mit der von&lt;br /&gt;
der Meisterhand ihres vollendeten Baumeisters gebildeten administra-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tiven Ordnung gleichgesetzt oder als mit ihr übereinstimmend bezeichnet&lt;br /&gt;
werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neugeborene Verwaltungsordnung verkörpert in ihrem Bau ge-&lt;br /&gt;
wisse Elemente, die in jeder der drei anerkannten Arten weltlicher Re-&lt;br /&gt;
gierungsform zu finden sind, ohne doch in irgend einer Hinsicht eine&lt;br /&gt;
bloße Wiederholung irgend einer unter ihnen zu sein und ohne in ihrem&lt;br /&gt;
Gang irgend welche der beanstandbaren Züge einzuführen, die jenen an-&lt;br /&gt;
gestammtermaßen eigen sind. Sie verschmilzt und bringt, wie keine von&lt;br /&gt;
sterblicher Hand geformte Herrschaft es seither vollbracht hat, die zwei-&lt;br /&gt;
fellos in jedem dieser Systeme enthaltenen gesunden Bestandteile mit-&lt;br /&gt;
einander in Einklang, ohne die Reinheit jener gottgegebenen Wahrhei-&lt;br /&gt;
ten, auf die sie sich letztenendes gründet, zu verfälschen“ 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „La Pens&amp;amp;e Bahä’ie“, CH-2034 Peseux, Nr. 26/Aug. 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Alessandro Bausani ist Professor für Orientalistik an den Universitäten Rom&lt;br /&gt;
und Neapel und Vorsitzender des Nationalen Geistigen Rates der Bahä’i von&lt;br /&gt;
Italien. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Beiträge über die Bahä’i-Religion ver-&lt;br /&gt;
faßt (vgl. „BAHA’I-BRIEFE“, S. 365, 399, 445, 495 und 612) und uns mehrere Artikel&lt;br /&gt;
über Fragen eines neuen religiösen Bewußiseins zur Verfügung gestellt (vgl.&lt;br /&gt;
„BAHA’I-BRIEFE“, S. 26, 76, 189 und 208). D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Eschatologie ist die theologische Wissenschaft von den letzten Dingen, insbeson-&lt;br /&gt;
dere vom Weltende und dem Anbruch einer neuen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’) Shoghi Effendi, „Die Sendung Bahä’ullähs“, Oxford/Frankfurt 1948, S. 67 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
906&lt;br /&gt;
{{page|907|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=17}}Die Notwendigkeit&lt;br /&gt;
einer Weltverwaltungsbehörde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Appell an das Weltgewissen / von Martin Niemöller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Interlaken, das im September 1968 Schauplatz der Schweize-&lt;br /&gt;
rischen Bahä’i-Sommerschule war, tagte vom 27. August bis 1. Sep-&lt;br /&gt;
tember 1968 eine „Weltkonstituante“, zu der sich zahlreiche promi-&lt;br /&gt;
nente Weltföderalisten aus aller Welt trafen. Neben Abb£&amp;amp; Pierre,&lt;br /&gt;
dem bekannten französischen Menschenfreund, Dr. Max Habicht,&lt;br /&gt;
internationalem Rechtsberater aus Zürich, und Frau Elisabeth&lt;br /&gt;
Mann-Borgese, Tochter des Dichters Thomas Mann und amerika-&lt;br /&gt;
nische Politologin, war es vor allem Pastor Martin Niemöller, der&lt;br /&gt;
dieser Tagung mit seinem erschütternden Appell an das Weltgewis-&lt;br /&gt;
sen das Gepräge gab. Er hat uns das Manuskript seines Vortrags&lt;br /&gt;
freundlicherweise zum Abdruck überlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn wir uns mit den Folgerungen von Pastor Niemöller&lt;br /&gt;
nicht völlig identifizieren können — die großen Strukturprobleme&lt;br /&gt;
der Entwicklungsländer dürften eher durch Erziehungsmaßnahmen&lt;br /&gt;
nach neuen, umfassenden Leitbildern, sogenannte technische Hilfe&lt;br /&gt;
und Durchbrüche zu neuen Produktionsmethoden als durch Ratio-&lt;br /&gt;
nierung und Zwangswirtschaft zu lösen sein — erscheint uns der&lt;br /&gt;
Appell dieses weltbekannten Vorkämpfers für Menschenrechte und&lt;br /&gt;
Menschenwürde so beherzigenswert, daß wir allen unseren Lesern&lt;br /&gt;
anheimstellen möchten, sich ein eigenes Urteil zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einem halben Jahrhundert, am Ende des ersten großen Krieges,&lt;br /&gt;
brach sich die Überzeugung Bahn, daß für ein friedliches Beieinander-&lt;br /&gt;
leben der Staaten ein planvolles Miteinanderwirken notwendig geworden&lt;br /&gt;
sei, Und so kam es damals zur Schaffung des Völkerbundes, an dem sich&lt;br /&gt;
freilich die USA, von deren Präsident Wilson die Anregung ausgegangen&lt;br /&gt;
war, nicht beteiligten. Mit Beginn des Hitler-Regimes begann alsdann die&lt;br /&gt;
Auflösung des Bundes, wenn auch die Sowjet-Union 1934 noch beitrat.&lt;br /&gt;
Sie wurde 1939 wegen des Finnland-Krieges ausgeschlossen .Der zweite&lt;br /&gt;
große Krieg machte dann aufs neue deutlich, wie notwendig die Völker&lt;br /&gt;
eines Eintretens für den Frieden in der Welt bedurften, um ähnliche&lt;br /&gt;
Katastrophen mit allen Mitteln zu verhindern. Dies Verlangen wurde —&lt;br /&gt;
so hoffte man — mit der Schaffung der Vereinten Nationen im Jahre 1945&lt;br /&gt;
erfüllt. In den 23 Jahren, die seither verflossen sind, hat die UNO der&lt;br /&gt;
Menschheit eine ganze Reihe wertvollster Dienste zur Erhaltung des Frie-&lt;br /&gt;
dens in der Welt und zur Wiederherstellung friedlicher Zustände in Ge-&lt;br /&gt;
bieten der Krisenherde geleistet. Aber es ist zugleich und wiederholt&lt;br /&gt;
deutlich geworden, daß die UNO handlungsunfähig wird, wenn einer der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
907&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|908|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=18}}militärisch oder wirtschaftlich gewichtigen oder maßgebenden Staaten&lt;br /&gt;
seine eigene Politik macht und durchsetzt, selbst wenn die anderen darin&lt;br /&gt;
eine Gefährdung für den Frieden sehen oder wenn der Friede dadurch&lt;br /&gt;
tatsächlich gestört wird. In der Menschheit als Ganzem ist infolgedessen&lt;br /&gt;
der allgemeine Wunsch lebendig geworden, eine wirkliche Weltregierung&lt;br /&gt;
zu bekommen, die nicht nur Kriege verhindern hilft, sondern auch die&lt;br /&gt;
Vollmacht und die faktische Macht besitzt, dies zu tun, d.h. eine Welt-&lt;br /&gt;
regierung, auf die das bisherige souveräne Recht der Staaten, Krieg zu&lt;br /&gt;
führen, völlig übertragen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die technische Entwicklung der „Waffen“, derjenigen Mittel, mit denen&lt;br /&gt;
man den Gegner außer Gefecht setzen und unschädlich machen kann, ist&lt;br /&gt;
nun seit dem Ende des letzten großen Krieges so rasant fortgeschritten,&lt;br /&gt;
daß ein Staat, der die H-Bombe hat, jeden anderen Staat, der ebenfalls&lt;br /&gt;
die H-Bombe hat, logischer Weise nicht mehr zu fürchten braucht, weil&lt;br /&gt;
im Kriegsfall auch: der Verlierer den Sieger umbringen kann und wird.&lt;br /&gt;
Dabei wird dann freilich auch die übrige Staaten-, Völker- und Men-&lt;br /&gt;
schenwelt mit zugrundegehen. Damit ist der Krieg als politischer Mittel&lt;br /&gt;
zwischen Staaten mit H-Bomben erledigt. Und wenn nicht auch regie-&lt;br /&gt;
rende Politiker den Verstand verlieren könnten, wäre zweifellos die Ab-&lt;br /&gt;
schaffung des Krieges mit Sicherheit zu realisieren dadurch, daß man je-&lt;br /&gt;
dem Staatswesen soviel H-Bomben mit Kobaltmantel zur Verfügung&lt;br /&gt;
stellt, wie für die totale Vernichtung der Menschheit erforderlich und&lt;br /&gt;
ausreichend sind. Weil aber dieser Unsicherheitsfaktor nicht zu beseitigen&lt;br /&gt;
ist, muß man die Verfügungsgewalt von einer Vielzahl auf möglichst eine&lt;br /&gt;
einzige verantwortliche Stelle übertragen und ihr durch Abrüstung und&lt;br /&gt;
Demontage vorhandener nuklearer Vernichtungsmittel die sofortige und&lt;br /&gt;
kurzschlüssige Anwendung unmöglich machen, was durch völkerrecht-&lt;br /&gt;
liches Verbot zu stützen wäre. Die UNO hat allerdings diese Machtfülle&lt;br /&gt;
nicht erhalten; immerhin ist die Frage in der ganzen Welt akut gewor-&lt;br /&gt;
den und hat das Verlangen nach einer Weltregierung dringend gemacht,&lt;br /&gt;
auf die mindestens Teile aller staatlichen Souveränität übertragen wer-&lt;br /&gt;
den müssen, um den Frieden zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Folgen der „Bevölkerungsexplosion“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sorge um die nukleare Lebensbedrohung, die noch relativ leicht&lt;br /&gt;
zu beheben wäre, wenn man wirklich wollte, hat eine andere Gefährdung&lt;br /&gt;
der Menschheit und ihres künftigen Lebens und Überlebens in den Hin-&lt;br /&gt;
tergrund treten lassen, deren Bekämpfung jedoch keinen Aufschub ver-&lt;br /&gt;
trägt. Diese Gefährdung will sofort und mit aller Energie bekämpft und&lt;br /&gt;
beseitigt werden, weil die Zeit ungeheuer drängt, und weil es vielleicht&lt;br /&gt;
schon recht bald zu spät sein kann (wenn es nicht durch Untätigkeit und&lt;br /&gt;
Fehlleistungen in den letzten Jahren zu spät geworden ist). Es geht dabei&lt;br /&gt;
um Folgen und Begleiterscheinungen der „Bevölkerungsexplosion“. Wir&lt;br /&gt;
wissen darum seit zirka 15 Jahren; damals, im Jahre 1953, haben uns die&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Fachleute, die Experten der Bevölkerungsentwicklung,&lt;br /&gt;
davon unterrichtet, daß dank der hygienisch-zivilisatorischen Fortschritte&lt;br /&gt;
die Erdbevölkerung sich heutzutage in 40 Jahren verdoppelt. Im Jahre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
908&lt;br /&gt;
{{page|909|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=19}}1950 waren es zirka 3 Milliarden Menschen, 1990 werden es 6 Milliarden&lt;br /&gt;
sein, 2030 12 Milliarden, 2070 24 Milliarden usw. usw. Das war damals, als&lt;br /&gt;
man es uns mitteilte, interessant, aber auch nicht mehr. Jedenfalls er-&lt;br /&gt;
innere ich mich, daß ich noch während meiner Schulzeit, also vor 1910,&lt;br /&gt;
von einem Lehrer der Geographie dahin unterrichtet wurde, daß die&lt;br /&gt;
Erde bei fachgerechter Bearbeitung mehr als 10 Milliarden Menschen&lt;br /&gt;
würde ernähren können. Inbezug auf „fachgerechte Bearbeitung“ haben&lt;br /&gt;
wir einiges in diesen 58 Jahren hinzugelernt, so daß auch 10 Milliarden&lt;br /&gt;
Menschen noch keine absolute Höchstgrenze zu sein brauchen. Aber be-&lt;br /&gt;
unruhigend wurde die ganze Sache dadurch, daß die Experten uns mit-&lt;br /&gt;
teilen mußten, daß 57 % der 3 Milliarden Menschen, die 1950 lebten, nicht&lt;br /&gt;
ausreichend ernährt wurden, daß die Erdbevölkerung demnach aus 1,7&lt;br /&gt;
Milliarden Hungrigen und nur 1,3 Milliarden Satten bestand. Für das&lt;br /&gt;
Ende unseres Jahrhunderts gaben sie uns die Gesamtzahl mit 7 Milliar-&lt;br /&gt;
den Menschen an, eine Zahl, die sie wenige Jahre später auf 7,4 bis 7,6&lt;br /&gt;
Milliarden erhöhten. Die Menschheit wächst also in diesem halben Jahr-&lt;br /&gt;
hundert von 3 auf 7,5 Milliarden Menschen, d. h. rund 150 %. Zugleich&lt;br /&gt;
deuteten die Experten an, daß die Kurve der Bevölkerungszahl wesent-&lt;br /&gt;
lich stärker ansteigt als die Kurve der Produktionsvermehrung, was sich&lt;br /&gt;
leider als richtig erwies. Das Ergebnis bedeutet dann, daß im Jahre 1999&lt;br /&gt;
nicht nur 57% der dann lebenden Erdbevölkerung nicht mehr satt zu&lt;br /&gt;
essen haben werden, sondern 75 % oder 5,6 Milliarden Menschen. Mit an-&lt;br /&gt;
deren Worten: auf einen satten Menschen, der genug zu essen hat, kom-&lt;br /&gt;
men dann 3 hungrige Menschen, die nicht mehr genug zu essen bekom-&lt;br /&gt;
men,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Reaktion auf dieses Bekanntwerden der „Bevölkerungsexplo-&lt;br /&gt;
sion“ hieß verständlicherweise: Wie kann man dies Anwachsen so ab-&lt;br /&gt;
bremsen und verlangsamen, daß sich daraus keine unerträglichen Zu-&lt;br /&gt;
stände ergeben? Die Antwort lautete (und so lautet sie vielfach heute&lt;br /&gt;
noch): Einschränkung der Geburtenzahl, Empfängnisverhütung, Familien-&lt;br /&gt;
planung. Das zu erreichen ist technisch. durchaus möglich; wenn man aber&lt;br /&gt;
von einer amtlichen und zwangsweisen Sterilisierung oder Unfruchtbar-&lt;br /&gt;
machung — was wohl kaum mit den grundlegenden und zu respektieren-&lt;br /&gt;
den Menschenrechten in Einklang zu bringen wäre — absieht und die&lt;br /&gt;
Bestimmung der Kinderzahl den Eltern überläßt, wie es in der Oster-&lt;br /&gt;
Enzyklika Pauls VI. 1967 gefordert ist, bleiben noch zwei weitere Fra-&lt;br /&gt;
gen übrig: Werden die Eltern die künstliche Einschränkung der Gebur-&lt;br /&gt;
ten als sittlich gerechtfertigt gelten lassen oder nicht? Diese Frage ist,&lt;br /&gt;
was die „Pille“ betrifft, negativ durch die kirchliche Autorität der Röm.-&lt;br /&gt;
Kath. Kirche beantwortet worden; sie wird auch vom religiös bestimm-&lt;br /&gt;
ten Gewissen — etwa der Hindu-Bevölkerung Indiens negativ beant-&lt;br /&gt;
wortet. Auf jeden Fall braucht es zur wirksamen Durchführung einer ge-&lt;br /&gt;
wollten Empfängnisverhütung eine erhebliche moralische wie technische&lt;br /&gt;
Unterrichtung *).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 16 Jahren hatte ich in Indien selbst mit dem damaligen christlichen&lt;br /&gt;
Gouverneur der Provinz Bombay, die durch Flüchtlinge aus Pakistan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) Die 2. Frage lautet: Wird durch Einschränkung der Geburten die Katastrophe&lt;br /&gt;
vermieden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
909&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|910|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unter einem unerträglichen Zuviel an Menschen zu leiden hatte, ein&lt;br /&gt;
langes Nachtgespräch über das Problem der Geburtenbeschränkung. Seine&lt;br /&gt;
Meinung war die, daß dies notwendig sei, aber für die indische Bevölke-&lt;br /&gt;
rung erst in 70 Jahren möglich sein würde, weil sich erst dann die zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erstrebende allgemeine Schulpflicht auswirken könne in diesem (damals)&lt;br /&gt;
Vierhundert-Millionen-Volk von Analphabeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich behält dieser Mann mit seinen Vorbehalten recht; bis&lt;br /&gt;
zum Ende unseres Jahrhunderts wirkt sich die planmäßig gewollte und&lt;br /&gt;
propagierte Geburtenbeschränkung nur innerhalb der bereits entwickel-&lt;br /&gt;
ten Völker aus, also bei den Völkern der weißen Rasse und bei den&lt;br /&gt;
Japanern. Für die letzteren kann und wird sich das als Entlastung aus-&lt;br /&gt;
wirken, während die weiß-rassigen Völker eine solche Entlastung gar nicht&lt;br /&gt;
nötig haben, weil bei ihnen — und nur bei ihnen — die Produktion stärker&lt;br /&gt;
anwächst als die Bevölkerungszahl. Während sich die gesamte Mensch-&lt;br /&gt;
heit in den fünf Jahrzehnten von 1950 bis 1999 um 150 % vermehrt —&lt;br /&gt;
von 3 auf 7,5 Milliarden —, vermehrt sich der weiße Bevölkerungsteil von&lt;br /&gt;
1,2 auf 1,8 Milliarden, also um 50 %. Diese Völker erzeugen erheblich&lt;br /&gt;
mehr Nahrungsmittel als sie selber benötigen; und es ist wohl zu ver-&lt;br /&gt;
stehen, daß nachdenkende Menschen den Kopf schütteln, wenn sie lesen,&lt;br /&gt;
daß erhebliche Mengen von überproduzierten Lebensmitteln vernichtet&lt;br /&gt;
werden, um die Erzeugerpreise zu halten und ein Überangebot zu ver-&lt;br /&gt;
meiden, während die Mehrheit menschlicher Erdenbürger nicht genug zu&lt;br /&gt;
essen hat und Tag für Tag hunderttausend Menschenkinder Hungers ster-&lt;br /&gt;
ben müssen. Das ist ein Zustand, der aller Menschenwürde bar ist und ihr&lt;br /&gt;
Hohn spricht. Aber die nichtweißen Völker können bis zur Stunde ihr&lt;br /&gt;
Produktionsdefizit nicht — oder noch nicht — ausgleichen, geschweige&lt;br /&gt;
denn überwinden, weil sie stärker an Zahl zunehmen, als sie ihre Pro-&lt;br /&gt;
duktion erhöhen können. So passiert das, was die vom Oekumenischen&lt;br /&gt;
Rat der Kirchen 1966 veranstaltete Konferenz „Kirche und Gesellschaft“&lt;br /&gt;
erstmalig öffentlich erklärte und was acht Monate später in der päpst-&lt;br /&gt;
lichen Enzyklika „Populorum Progressio“ ausdrücklich festgestellt wurde:&lt;br /&gt;
„Die Reichen werden immer reicher und die Armen werden immer&lt;br /&gt;
ärmer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicher ist die Frage berechtigt, wie der auf die Länge der Zeit be-&lt;br /&gt;
denklich und bedrohlich werdenden Bevölkerungsvermehrung sinnvol-&lt;br /&gt;
lerweise Einhalt geboten werden kann; aber die andere Frage, die nicht&lt;br /&gt;
rechtzeitig gestellt und bedacht wurde (und wird), muß schnellstens und&lt;br /&gt;
sofort angepackt werden: Wie schaffen wir für eine Menschheit, die im&lt;br /&gt;
Hunger zu versinken droht, das nötige tägliche Brot, das sie am Leben&lt;br /&gt;
erhält? Das ist nicht nur die Frage der Armen und Hungrigen, das ist&lt;br /&gt;
heute schon nicht weniger die Schicksalsfrage für die Satten und Reichen.&lt;br /&gt;
In früheren Zeiten und bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wußte der&lt;br /&gt;
hungerleidende Mensch in Indien oder in Lateinamerika nicht, daß die&lt;br /&gt;
satten und reichen Zeitgenossen in anderen Ländern im Überfluß leb-&lt;br /&gt;
ten, und wenn er’s wußte oder wenigstens ahnte, dann fand er sich&lt;br /&gt;
schweigend damit ab, weil es ja keine Möglichkeit zu geben schien, den&lt;br /&gt;
Ausgleich herbeizuführen. Die Erde war weit, die Entfernungen groß und&lt;br /&gt;
praktisch nicht zu überwinden. Das ist anders geworden: die Erde ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
910&lt;br /&gt;
{{page|911|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=21}}klein geworden, die Entfernungen spielen keine Rolle mehr, und über-&lt;br /&gt;
all auf unserem Globus weiß man, wieviel der Antipode zu essen hat.&lt;br /&gt;
Wenn auf einen Satten drei Hungrige kommen, und bald — in 30 Jahren&lt;br /&gt;
— wird es so weit sein, dann verlangen die Hungernden ihren Anteil&lt;br /&gt;
oder versuchen, ihn sich mit Gewalt zu verschaffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann die eigentliche und sehr wirkliche Bedrohung des Friedens&lt;br /&gt;
auf unserer Erde. Angesichts der sich hier entwickelnden und hier lauern-&lt;br /&gt;
den Feindschaft der Hungrigen gegen die Satten, des Neides, des Hasses,&lt;br /&gt;
des Habenwollens und Nehmenmüssens, werden nationale und ideolo-&lt;br /&gt;
gische Gegensätze zu lächerlichen Kleinigkeiten: die Mutter, die ihr Kind&lt;br /&gt;
verhungern sieht, fragt nur noch, von wem sie die zu seiner Rettung&lt;br /&gt;
nötige Nahrung nehmen kann, und da ist es ihr gleich, ob er zu ihrem&lt;br /&gt;
eigenen oder zu einem fremden Volk gehört, ob er ihres eigenen oder&lt;br /&gt;
eines fremden Glaubens ist. Es muß und wird zu einer gemeinsamen&lt;br /&gt;
Front der Armen gegen die Reichen kommen; und wer Augen hat zu&lt;br /&gt;
sehen, der sieht, wie sich diese Front schon seit mindestens einem Jahr-&lt;br /&gt;
zehnt zu bilden begonnen hat, Es fing an mit dem Bruch Chinas mit der&lt;br /&gt;
Sowjet-Union; denn auch die Russen sind Weiße und gehören zu den&lt;br /&gt;
Reichen und Satten, und die Habenichtse wachsen an Zahl gewaltig: die&lt;br /&gt;
Chinesen in diesem halben Jahrhundert um 150 %, von 600 Millionen auf&lt;br /&gt;
1500 Millionen, die Schwarzen in Afrika um 200 %, von 200 Millionen auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
600 Millionen, und ähnlich sieht es wohl bei den Indios in Latein-&lt;br /&gt;
Amerika aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Amoklauf der Hungernden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewaltige Revolution ist im Anbruch, weil die große Reform —&lt;br /&gt;
die Revolution von oben, von seiten der Reichen — vor einem halben&lt;br /&gt;
Jahrhundert unterblieb und man statt dessen den Krieg zwischen den&lt;br /&gt;
Reichen inszenierte; 1939 passierte dann die gleiche verbrecherische&lt;br /&gt;
Dummheit noch einmal, und meine Generation hinterläßt den Kindern,&lt;br /&gt;
Enkeln und Urenkeln einen Scherbenhaufen, nein: einen Vulkan, der je-&lt;br /&gt;
den Augenblick losbrechen kann. In allen Ecken der Erde brodelt es&lt;br /&gt;
bereits, und niemand weiß, was daraus werden mag. Ich wüßte nicht, wo&lt;br /&gt;
in aller Welt noch ein echter, ungeheuchelter Optimismus zu finden sein&lt;br /&gt;
könnte, vielleicht bei der schwarzen Bevölkerung in Süd-Afrika und in&lt;br /&gt;
den USA. Wir hinterlassen der neuen Generation, die unsere Erbschaft&lt;br /&gt;
antreten muß, auch noch eine Selbstmordwaffe, die alles Leben ver-&lt;br /&gt;
nichten kann. Ob die Hungernden und Verhungernden aus Respekt vor&lt;br /&gt;
der H-Bombe den Angriff auf die Reichen und Satten, auf die hochent-&lt;br /&gt;
wickelten, weißen Völker unterlassen werden? Oder ob sie den Amok-&lt;br /&gt;
lauf unternehmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehe nur noch die eine Chance, das — vielleicht wenigstens — zu&lt;br /&gt;
verhindern, und ich bin überzeugt, daß diese Chance zugleich eine Chance&lt;br /&gt;
für einen ersten positiven Schritt zu einer künftigen Weltregierung dar-&lt;br /&gt;
stellen könnte und würde. In den beiden großen Kriegen haben wir Deut-&lt;br /&gt;
schen, wie eine Reihe anderer europäischer weißer Völker, die Erfahrung&lt;br /&gt;
gemacht, die gegenwärtig zur Erfahrung für die ganze Menschheit wird,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
911&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|912|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=22}}daß nicht genug zu essen da war und auch nicht geschafft werden konnte:&lt;br /&gt;
Reiche Leute konnten sich für ihr Geld das Nötige beschaffen und mehr&lt;br /&gt;
als das, arme Leute konnten das nicht. Man mußte jedoch den Bürger-&lt;br /&gt;
krieg vermeiden und die einheitliche Front nach draußen erhalten und&lt;br /&gt;
festigen: So erfand man im 1. Krieg die Rationierung, d. h. alle Bürger —&lt;br /&gt;
reiche wie arme — erhielten ihren Anteil an der unzureichenden Produk-&lt;br /&gt;
tion; der Arme nicht weniger als der Reiche, und der Reiche — mit ail&lt;br /&gt;
seinen Millionen — nicht mehr als der Arme. Keiner wurde richtig satt,&lt;br /&gt;
aber keiner brauchte deshalb den andern zu beneiden: Der Friede im&lt;br /&gt;
Innern blieb gewahrt. Keine neue Entdeckung, aber zunächst etwas sehr&lt;br /&gt;
Ungewohntes, obgleich etwas absolut Natürliches: Wenn in einer Familie&lt;br /&gt;
mit Kindern das Brot nicht langt, dann gibt die Mutter nicht ihrem Lieb-&lt;br /&gt;
ling ein großes Stück, damit es satt wird, und den andern entsprechend&lt;br /&gt;
kleinere Stücke. Der Liebling müßte dafür den Neid und die Feindschaft&lt;br /&gt;
der anderen auf sich ziehen. Wo nicht genug da ist, wird Neid und Hass,&lt;br /&gt;
Mord und Totschlag nur dadurch vermieden (oder wenigstens hinausge-&lt;br /&gt;
schoben), daß man das Vorhandene zu gleichen Teilen verteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist heute und morgen und noch auf Jahrzehnte hinaus die wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Situation der Menschheit: Es reicht nicht dazu, daß alle satt&lt;br /&gt;
werden; aber noch bekommen die einen viel und die anderen wenig oder&lt;br /&gt;
gar nichts. Das Ende ist noch nicht in Sicht, jedenfalls wird es von den&lt;br /&gt;
Staaten und ihren Regierungen noch nicht gesehen, und sie geben’s noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der „Weltkonstituante“ in Interlaken aufgenommen: Henri Huber,&lt;br /&gt;
Präsident der Berner Kantonsı egierung, begrüßt die Teilnehmer. Links&lt;br /&gt;
neben ihm, den Kopf zur Seite gewandt, Pastor Martin Niemöller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
912&lt;br /&gt;
{{page|913|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=23}}nicht zu. Doch es wird höchste Zeit — oder es ist wohl schon höchste&lt;br /&gt;
Zeit —, aus dieser Situation die vernünftige Folgerung zu ziehen. Sie&lt;br /&gt;
heißt Rationierung: Jeder Bewohner unseres Planeten Erde hat den An-&lt;br /&gt;
spruch auf seinen Anteil an der nicht für alle voll ausreichenden Lebens-&lt;br /&gt;
mittel-Produktion. Aber der nordamerikanische Millionär kann nicht für&lt;br /&gt;
all sein Geld kaufen, was einem armen Vietnamesen zusteht, wenn nicht&lt;br /&gt;
dieser selbst es ihm verkauft oder abgibt. Ich bin überzeugt, daß wir&lt;br /&gt;
eine solche Rationierung in spätestens zwei Jahrzehnten nicht nur haben,&lt;br /&gt;
sondern tatsächlich praktizieren müssen, wenn dann nicht der Schluß-&lt;br /&gt;
punkt hinter das letzte Kapitel der Menschheitsgeschichte gesetzt werden&lt;br /&gt;
soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltweite gemeinsame Planung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich entsinne mich des Ausspruchs eines amerikanischen Professors&lt;br /&gt;
auf der Konferenz „Kirche und Gesellschaft“ in Genf 1966, der sagte: „Um&lt;br /&gt;
die Katastrophe zu vermeiden, brauchen wir eine alsbaldige weltweite&lt;br /&gt;
gemeinsame Planung der Produktion und eine alsbaldige weltweite ge-&lt;br /&gt;
meinsame Planung der Distribution“. Das letztere ist sicherlich das Aller-&lt;br /&gt;
dringendste und darin besteht die nicht mehr zu leugnende und nicht&lt;br /&gt;
mehr aufschiebbare „Notwendigkeit einer Welt-Verwaltungsbehörde“, Wir&lt;br /&gt;
brauchen um der Menschheit und ihres Fortbestehens willen eine ein-&lt;br /&gt;
zige Stelle (etwa im Rahmen einer verstärkten UNO), die über alle Le-&lt;br /&gt;
bensmittel, die produziert werden, zu verfügen hat und diese so zur Ver-&lt;br /&gt;
teilung zu bringen die Befugnis und die Möglichkeiten hat, daß jeder&lt;br /&gt;
Mensch in allen Rassen und Völkern seine Lebensmittelkarte beliefert&lt;br /&gt;
bekommt. Das wird uns Menschen und Völkern der entwickelten und&lt;br /&gt;
fortgeschrittenen Welt sonderbar und sauer vorkommen; aber wir wer-&lt;br /&gt;
den uns dahinein finden müssen, wenn uns das Leben — und das unserer&lt;br /&gt;
Kinder und Enkel — lieb ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß es heute dahin gekommen ist, ist mir als Christen eine besondere&lt;br /&gt;
Genugtuung und Freude. In meinen jungen Jahren, d. h. vor sechs Jahr-&lt;br /&gt;
zehnten, galt Jesus von Nazareth für die Welt, in der ich lebte, noch als&lt;br /&gt;
blutiger Laie, Träumer und Idealist; heute weiß ich, daß er in allem recht&lt;br /&gt;
hatte, wenn er unsere Abhängigkeit voneinander und unser Angewiesen-&lt;br /&gt;
sein aufeinander behauptete und forderte, unsere „Interdependence“. Das&lt;br /&gt;
ererbte Schema von Jahrtausenden hieß: „Wenn du Erfolg haben willst,&lt;br /&gt;
mußt du deine Konkurrenten schlagen, dann kannst du aus ihrem Scha-&lt;br /&gt;
den deinen Nutzen ziehen!“ Von daher war das Recht des Stärkeren&lt;br /&gt;
Trumpf auf allen Lebensgebieten, und der Kampf mit dem Rivalen der&lt;br /&gt;
Sinn des Dasein und Daseinskampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute heißt es ganz anders. Die Zwischenstufe hieß: Leben und leben&lt;br /&gt;
lassen; auch das reicht nicht mehr. Die Wahrheit heißt: miteinander (und&lt;br /&gt;
nicht mehr neben- (oder gar gegeneinander) leben, und auch nicht von-&lt;br /&gt;
einander (d. h. auf Kosten des andern), sondern füreinander leben, tätig&lt;br /&gt;
sein und Opfer bringen. Dazu brauchen wir jetzt die längst fällig gewe-&lt;br /&gt;
sene Weit-Verwaltungsbehörde, die jedem das Seine an Lebensmitteln zu-&lt;br /&gt;
weist und gibt. Das ganze ist eine Zwischenlösung; aber sie darf nicht&lt;br /&gt;
übergangen oder übersprungen werden, wenn wir weiterkommen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
913&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|914|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=24}}Kräfte in Gebet und Meditation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weg zu den geistigen Wirklichkeiten / von Hans Randel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O du geistiger Freund! Du hast nach der Weisheit des Gebetes gefragt.&lt;br /&gt;
Wisse, daß das Gebet eine unerläßliche Pflicht ist und daß der Mensch&lt;br /&gt;
unter keinem Vorwand davon entbunden werden kann, es sei denn, er&lt;br /&gt;
ist geistig krank oder ein unüberwindliches Hindernis tritt au£f?&#039;).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese bedeutungsvolle Äußerung ‘Abdu’l-Bahás verpflichtet uns zu&lt;br /&gt;
beten. Wir könnten diese Pflicht in blindem Gehorsam erfüllen, besser&lt;br /&gt;
aber und dem Wesen des Menschen, der Stufe seiner Reife angemessener&lt;br /&gt;
wäre es, zuerst Verständnis zu suchen für das, was wir tun sollen, und&lt;br /&gt;
dann einen persönlichen Entschluß zu fassen und Taten hervorzubringen,&lt;br /&gt;
die unsere eigenen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzige Weg, Verständnis für geistige Dinge zu erlangen, — und&lt;br /&gt;
das Gebet ist eine geistige Wirklichkeit — führt über die Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Betrachtung will uns zu den Kräften in Gebet und Medi-&lt;br /&gt;
tation geleiten. Sie will Vorurteile überwinden und Selbstbetrug beiseite&lt;br /&gt;
schieben, damit wir den Weg zu den geistigen Wirklichkeiten endlich be-&lt;br /&gt;
schreiten können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwei Schritten wollen wir uns dem Ziele nähern. Wir wollen zwei&lt;br /&gt;
Übungen machen, nämlich meditieren und beten. So werden die beiden&lt;br /&gt;
folgenden Abschnitte in sich geschlossen sein, aber der erste bildet die&lt;br /&gt;
Grundlage für das Verständnis des zweiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation — natürliche Veranlagung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá spricht von der Kraft der Meditation und meint damit&lt;br /&gt;
ohne Zweifel eine Wirklichkeit. Er sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Durch die Kraft der Meditation erreicht der Mensch ewiges Leben.&lt;br /&gt;
Durch sie empfängt er den Odem des Heiligen Geistes, denn die Gabe&lt;br /&gt;
des Geistes wird ihm im Nachsinnen und in der Meditation gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kraft befreit den Menschen von der tierischen Natur, läßt ihn die&lt;br /&gt;
Wirklichkeit der Dinge unterscheiden und bringt den Menschen in Be-&lt;br /&gt;
rührung mit Gott.“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Worten kommen Begriffe vor, deren Bedeutung selbst erst&lt;br /&gt;
in der Meditation erschlossen werden kann. Eines aber wird unmißver-&lt;br /&gt;
ständlich gesagt, daß nämlich die Kraft der Meditation eine natürliche&lt;br /&gt;
Veranlagung jedes Menschen ist. Sie gehört zur geistigen Grundausstat-&lt;br /&gt;
tung des Menschen und kann von jedem einzelnen betätigt werden. Sie&lt;br /&gt;
ist eine Art von Nachsinnen oder Verweilen bei einem Gedanken. Auf&lt;br /&gt;
unserem Wege zur Menschwerdung haben wir vermutlich unzählige Male&lt;br /&gt;
diese Kraft betätigt, ohne daß es uns recht zum Bewußtsein gekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
914&lt;br /&gt;
{{page|915|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=25}}wäre zu meditieren. An dieser Stelle wollen wir ein Vorurteil ausräumen.&lt;br /&gt;
Meditation ist nicht ein Vorrecht hochbegabter, frommer oder gar aus-&lt;br /&gt;
erwählter Menschen. Jeder kann meditieren, jeder kann diese seine Ver-&lt;br /&gt;
anlsgung entwickeln und ihre Kraft in seinem Leben entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá erklärt weiterhin: „Die Kraft der Meditation ist einem&lt;br /&gt;
Spiegel ähnlich. Wenn du ihn vor irdische Dinge hältst, wird er sie wider-&lt;br /&gt;
spiegeln. Wenn daher der Menschengeist Irdisches betrachtet, wird er&lt;br /&gt;
dieser Dinge gewahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn du aber den Spiegel deines Geistes himmelwärts wendest, ... wer-&lt;br /&gt;
den die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit in deinem Herzen wider-&lt;br /&gt;
gespiegelt und du wirst der Tugenden des Königreiches teilhattig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laßt uns darum diese Kraft richtig lenken, sie der himmlischen Sonne&lt;br /&gt;
und nicht irdischen Dingen zuwenden, damit wir die Geheimnisse des&lt;br /&gt;
Königreiches entdecken und die Sinnbilder der Bibel und die Geheimnisse&lt;br /&gt;
des Geistes erfassen.“ 3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier stehen wir offenbar an einem Scheidewege. Wir können die gleiche&lt;br /&gt;
Kraft der Meditation auf irdische Dinge richten oder zu den geistigen&lt;br /&gt;
Wirklichkeiten erheben. Dieser Unterschied in der Richtung ist so we-&lt;br /&gt;
sentlich, daß ‘Abdu’l-Bahá an anderer Stelle von zweierlei Sehvermögen&lt;br /&gt;
spricht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wisse wahrlich, daß Gott die Einsicht dem Augenschein vorzieht, denn&lt;br /&gt;
das Auge sieht die materiellen Dinge, während die Einsicht die geistigen&lt;br /&gt;
Dinge erahnt. Das Auge sieht die irdische Welt, die Einsicht erkennt die&lt;br /&gt;
Welt des Gottesreiches. Dieses urteilt zeitlich, während jene ewige Seh-&lt;br /&gt;
kraft besitzt...“ %)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch klarer weisen die folgenden Worte Bahä’u’llähs auf diesen Unter-&lt;br /&gt;
schied hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Mensch mit zweierlei Sehvermögen! Schließe ein Auge und öffne das&lt;br /&gt;
andere. Schließe das eine vor der Welt und dem Treiben der Welt, und&lt;br /&gt;
öffne das andere für die Schönheit des Heilig-Geliebten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Sohn der Leidenschaft! Höre mich wohl: Das vergängliche Auge er-&lt;br /&gt;
kennt die ewige Schönheit nicht und das geistig tote Herz hängt sich nur&lt;br /&gt;
an welkende Blumen. Denn Gleiches sucht Gleiches und gesellt sich im-&lt;br /&gt;
mer zu seiner Art.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Sohn des Staubes! Werde blind, damit du Meine Schönheit schauest.&lt;br /&gt;
Werde taub, damit du Meine Melodie und Meine liebliche Stimme hörest.&lt;br /&gt;
Werde unwissend, damit du von Meinem Wissen einen Teil gewinnest.&lt;br /&gt;
Und werde arm, damit du aus dem Meer des nie versiegenden Reich-&lt;br /&gt;
tums einen unvergänglichen Anteil erlangest. Werde blind, das heißt für&lt;br /&gt;
alles außer Meiner Schönheit. Werde taub, das heißt für alles außer Mei-&lt;br /&gt;
nem Worte. Und werde unwissend, das heißt in allem außer Meinem&lt;br /&gt;
Wissen, damit du mit klarem Auge, mit reinem Herzen und feinem Ohre&lt;br /&gt;
in die Weite Meiner Heiligkeit eingehest.“ ®)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Worte bedenken, so scheint es uns, als läge der Weg,&lt;br /&gt;
den wir beschreiten wollen, offen vor uns: „...öffne das andere Auge...“&lt;br /&gt;
Aber wohin setzen wir den ersten Schritt? Wohin führt der Weg ins Gei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
915&lt;br /&gt;
{{page|916|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stige, ins Raumlose? Bahä’u’lläh spricht in den „Verborgenen Worten“&lt;br /&gt;
von „dem Dämmerungsort jenseits des Raumes“, von den „Gefilden des&lt;br /&gt;
wahren Seins“ und von der „Ebene der Ewigkeit“. Wie gelangen wir&lt;br /&gt;
dorthin?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort Gottes als Grundlage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sollten uns daran erinnern, daß die geistige Welt eine wirkliche&lt;br /&gt;
Welt ist, damit wir nicht Opfer unserer eigenen Einbildungen werden.&lt;br /&gt;
Nicht in schwärmerischen Träumen oder verstiegenen Gedanken nähern&lt;br /&gt;
wir uns der Wirklichkeit der geistigen Welt. Alle Wirklichkeit macht sich&lt;br /&gt;
uns durch Wirkungen bemerkbar, auch die geistige. Diese Wirkungen&lt;br /&gt;
gehen von den göttlichen Offenbarern aus. In den von Ihnen geoffen-&lt;br /&gt;
barten göttlichen Worten finden sich Spuren der geistigen Welt, Ihre&lt;br /&gt;
Worte können wir zur Grundlage unserer Meditation machen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Versenkt euch in das Meer Meiner Worte, damit ihr seine Geheim-&lt;br /&gt;
nisse ergründen und die Perlen der Weisheit entdecken möget, die in&lt;br /&gt;
seinen Tiefen schlummern!“ ®) So rät uns Bahä’u’lläh in der Ährenlese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen also aus der Welt unserer eigenen Gefühle und Gedanken&lt;br /&gt;
hinaus- und in die Weite des geistigen Seins hinübergehen. Der erste&lt;br /&gt;
Schritt in diesem Übergang wird nicht immer leicht sein, und manche von&lt;br /&gt;
uns verzagen schon, bevor sie diesen Schritt gewagt haben. Und&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt uns doch in den „Verborgenen Worten“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Sohn der Liebe! Eines Schrittes Weite nur trennt dich von den&lt;br /&gt;
Höhen über dir und vom himmlischen Baum der Liebe. Tue denersten&lt;br /&gt;
Schritt, und mit dem nächsten wirst du in die Unsterblichkeit schreiten,&lt;br /&gt;
in das Zelt ewigen Lebens. Dort vernimm, was die Feder der Herrlich-&lt;br /&gt;
keit offenbarte.“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle unserer Betrachtung ein Bild verwenden,&lt;br /&gt;
um das Wesen dieses Übergangs verständlich zu machen und die an-&lt;br /&gt;
fängliche Schwierigkeit in der Meditation zu überwinden. Ich denke an&lt;br /&gt;
die Erscheinung der Resonanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir eine Stimmgabel, die auf einen bestimmten Ton gestimmt ist,&lt;br /&gt;
anschlagen, dann wird sie in diesem Ton erklingen. Wir können sie aber&lt;br /&gt;
auch auf andere Weise zum Klingen bringen. Wir könnten sie aufstellen,&lt;br /&gt;
so daß sie frei schwingen kann. Wenn wir nun ein Instrument nehmen&lt;br /&gt;
und gerade diesen Ton auf dem Instrument erklingen lassen, dann wird&lt;br /&gt;
die Stimmgabel zuerst ganz leise und dann immer stärker mitklingen. So&lt;br /&gt;
wird es unserem Herzen ergehen, wenn wir die Worte Gottes erklingen&lt;br /&gt;
lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Mein Diener! Singe die Verse Gottes, die du empfangen hast, so wie&lt;br /&gt;
jene sie singen, die sich Ihm genähert haben, damit die Süße deines Ge-&lt;br /&gt;
sanges deine eigene Seele entflamme und die Herzen aller Menschen&lt;br /&gt;
anziehen möge.“ 3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gleichnis der Resonanz dürfen wir sagen, daß jeder Mensch&lt;br /&gt;
eine Stimmgabel in seinem Herzen hat, die auf den Klang der göttlichen&lt;br /&gt;
Sprache eingestimmt ist. Vielleicht wissen wir nicht, wo wir sie finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
916&lt;br /&gt;
{{page|917|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können. Dann sollten wir die Verse Gottes anstimmen und stille sein, bis&lt;br /&gt;
die Resonanz in unserem Herzen erklingt. So werden wir uns der Kraft&lt;br /&gt;
der Meditation bewußt, und können sie mehr und mehr entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konzentration und Übung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kommen jetzt zur praktischen Meditationsübung. Wir werden eine&lt;br /&gt;
Textstelle aus dem „Brief an den Sohn des Wolfes“ lesen. Dazu bedürfen&lt;br /&gt;
wir einer vollkommenen Stille. Diese Stille sollte in unserem Körper,&lt;br /&gt;
unserer Seele und unserem Geiste vollkommen ausgebreitet sein. Auch&lt;br /&gt;
die Kräfte unserer Sinne und die Aufmerksamkeit unserer Umwelts-&lt;br /&gt;
orientierung sollten zur Ruhe gekommen sein. Es gibt mancherlei Medi-&lt;br /&gt;
tationsmethoden, und es hängt ganz von der Beschaffenheit des einzel-&lt;br /&gt;
nen ab, welche Methode ihm gemäß ist. Wichtig ist es, einen hohen Grad&lt;br /&gt;
an Konzentration zu erreichen, damit wir ruhig, gelassen und stetig zu-&lt;br /&gt;
hören können. Die Texte müssen gut vorgelesen werden, und keine Un-&lt;br /&gt;
terbrechung von außen darf diese Übung stören. Wenn die Stimme ver-&lt;br /&gt;
klingt, sollte die Stille anhalten. So werden wir am besten die Resonanz&lt;br /&gt;
in unserem Herzen bemerken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« „Sei freigebig im Glück und dankbar im Unglück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sei des Vertrauens deines Nächsten wert&lt;br /&gt;
und schaue hellen und freundlichen Auges auf ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Sei ein Schatz dem Armen, ein Mahner dem Reichen,&lt;br /&gt;
eine Antwort auf den Schrei des Bedrückten&lt;br /&gt;
und halte dein Versprechen heilig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sei gerecht in deinem Urteil und behutsam in deiner Rede.&lt;br /&gt;
® Sei zu keinem Menschen unbillig, sondern erweise allen Sanftmut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
° Sei wie eine Lampe für die, so im Dunkeln gehn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Freude den Betrübten, ein Meer für die Dürstenden,&lt;br /&gt;
ein schützender Port für die Bedrängten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stütze und Verteidiger für das Opfer der Unterdrückung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Laß Sauberkeit und Redlichkeit all dein Handeln auszeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Sei eine Heimat dem Fremdling, ein Balsam dem Leidenden.&lt;br /&gt;
dem Flüchtling ein starker Turm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Sei dem Blinden Auge&lt;br /&gt;
und ein Licht der Rechtleitung für den Fuß des Irrenden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sei ein Schmuck für das Antlitz der Wahrheit,&lt;br /&gt;
eine Krone für die Stirn der Treue,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Pfeiler für den Tempel der Redlichkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lebenshauch dem Körper der Menschheit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Banner für die Heerscharen der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
ein Himmelslicht am Horizont der Tugend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tau für den Urgrund des Menschenherzens,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
917&lt;br /&gt;
{{page|918|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Arche auf dem Meer der Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Sonne am Himmel der Gnade,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Stein im Diadem der Weisheit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein strahlendes Licht am Firmament deiner Zeitgenossen,&lt;br /&gt;
eine Frucht am Baum der Demut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dich vor der Glut der Eifersucht und vor der Kälte&lt;br /&gt;
des Hasses zu schützen, darum bitten Wir Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, wahrlich, ist nahe, bereit zur Antwort.“ ®)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich werden die Empfindungen, die diese Worte in uns wachrufen,&lt;br /&gt;
sehr verschieden sein, so verschieden wie wir Menschen nun einmal&lt;br /&gt;
sind. Aber einige allgemeine Aussagen können wir an dieser Stelle&lt;br /&gt;
machen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Empfindungen müssen ursprünglich und uns ganz persönlich zu&lt;br /&gt;
eigen sein. Wir dürfen sie nicht erwarten oder gar wolien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind ein Widerhall der Worte, sie spiegeln die Bedeutung der ein-&lt;br /&gt;
zelnen Verse und Sätze und sie entzünden sich endlich an der geistigen&lt;br /&gt;
Kraft dieser Äußerungen derart, daß sie unser ganzes Wesen in Schwin-&lt;br /&gt;
gung versetzen. Die Bedeutung der einzelnen Sätze ist leicht faßlich, wir&lt;br /&gt;
wissen, was es heißt, dem Fremdling eine Heimat und dem Leidenden&lt;br /&gt;
Balsam zu sein. Über die einzelnen Sätze hinaus gibt es in diesem Text&lt;br /&gt;
auffällige Wiederholungen, sowohl im Satzbau als auch in der Führung&lt;br /&gt;
der Gedanken, so daß die Bedeutung auf eigentümliche Weise verdichtet&lt;br /&gt;
wird und der Vortrag dieser Worte einen schwingenden Rhythmus er-&lt;br /&gt;
zeugt, der unser ganzes Wesen erfaßt. Diese Schwingungen sind Liebe,&lt;br /&gt;
und Liebe ist das erkennende Auge des Geistes. Vor dem Spiegel unseres&lt;br /&gt;
Geistes entsteht das „Meer“ der göttlichen Worte, dessen Wogen über&lt;br /&gt;
unsere Seele branden, sie in Schwingungen versetzen, zur Liebe, ja Be-&lt;br /&gt;
geisterung hinreißen und als Frucht eine Sehnsucht hervorbringt, mehr&lt;br /&gt;
zu lieben und Größeres zu schauen in der Welt des Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geschichte der Bahä’i-Religion hat es kostbare Stunden gegeben,&lt;br /&gt;
in denen der Strom göttlicher Offenbarungen so mächtig und so über-&lt;br /&gt;
wältigend war, daß die Menschen, die dies erlebten, tief beeindruckt&lt;br /&gt;
waren. Mullä Husayn berichtete über die Nacht der Erklärung des Báb:&lt;br /&gt;
„Der Schlaf floh mich in jener Nacht. Ich war im Banne der Melodie je-&lt;br /&gt;
ner Stimme, die sich im Gesange hob und senkte, jetzt, da Er Verse aus&lt;br /&gt;
dem Qayytmu’l-Asmä offenbarte, mächtig anschwellend. dann wieder,&lt;br /&gt;
beim Singen der von Ihm geoffenbarten Gebete, in ätherischen, zarten&lt;br /&gt;
Harmonien erklingend... Diese Offenbarung, die so plötzlich und so un-&lt;br /&gt;
gestüm auf mich herabstürzte, brach wie ein Gewittersturm hervor und&lt;br /&gt;
benahm mir eine Zeitlang ganz die Sinne. Ich war von ihrem überirdi-&lt;br /&gt;
schen Glanz geblendet und von ihrer niederschmetternden Wucht ge-&lt;br /&gt;
troffen. Erregung, Freude, Furcht und Staunen wühlten meine Seele in&lt;br /&gt;
ihren Tiefen auf. Die hervorstechendste unter diesen Regungen war je-&lt;br /&gt;
doch eine Empfindung von Freude und Kraft, die mich verwandelt zu&lt;br /&gt;
haben schien... Ich spürte einen solchen Mut und eine solche Kraft in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
918&lt;br /&gt;
{{page|919|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir, daß ich, wenngleich die ganze Welt mit all ihren Völkern und Herr-&lt;br /&gt;
schern wider mich aufgestanden wäre, allein und furchtlos ihrem Angriff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
standgehalten hätte. Das All schien nur noch Staub in meiner&lt;br /&gt;
Hand...“ 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von aller Wirklichkeit gehen Wirkungen aus, auch von der geistigen.&lt;br /&gt;
Der Bericht des ersten Gläubigen der Bahä’i-Religion von der ersten&lt;br /&gt;
Nacht dieses neuen Glaubens ist ein Dokument, in dem die erschütternde&lt;br /&gt;
Kraft dieses neuen Gottesglaubens bezeugt wird. Wir wollen in den&lt;br /&gt;
Stunden unserer Meditation die Begegnung mit den Kräften dieses Glau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bens suchen! (Fortsetzung folgt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Göttliche Lebenskunst. 191. S. 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?) Göttliche Lebenskunst. 191. S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Göttliche Lebenskunst. 1961. S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) Göttliche Lebenskunst. 1961. S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Bahä’u’lläh: Verborgene Worte, arab. 10 und 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) Bahä’u’lläh: Ährenlese. LXX (aus dem „Buch der Gesetze“),&lt;br /&gt;
?) Bahä’u’lläh: Verborgene Worte, arab. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Bahä’ulläh: Ährenlese. CXXXVI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Bahä’u’lläh: Brief an den Sohn des Wolfes. 1966. S. 88-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1%) Shoghi Effendi: Gott geht vorüber. 1954, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen eine Philosophie, einen Leitfaden und eine Hoff-&lt;br /&gt;
rung, wenn uns nicht der gegenwärtige Zustand der Umentschie-&lt;br /&gt;
denheit in ein Chaos führen soll. Die Erregung der Gemüter, die&lt;br /&gt;
alle nach einem neuen Licht suchen, läßt die Vermutung zu, daß&lt;br /&gt;
wir uns an den Vorposten eines neuen Lebens befinden. Wir sind&lt;br /&gt;
auf der Suche nach einer religiösen Botschaft, die klar, allgemein-&lt;br /&gt;
gültig, umfassend und respektgebietend sein, einer Botschaft, die&lt;br /&gt;
dem neuen Bedürfnis nach Wahrheit und der erwachenden sozialen&lt;br /&gt;
Leidenschaft, diesen beiden hervorragenden Charakterzügen der&lt;br /&gt;
religiösen Situation von heute, Rechnung tragen soll. Glaube mag&lt;br /&gt;
schwer sein, aber die Notwendigkeit zu glauben ist eine unaus-&lt;br /&gt;
weichliche Tatsache. Man muß der sich mühenden und strebenden&lt;br /&gt;
Menschheit einen vernünftigen Glauben geben, der den freien&lt;br /&gt;
Geist des Menschen nicht beleidigt durch willkürliche Dogmen oder&lt;br /&gt;
zögernde Verneinungen, eine neue Vision Gottes, in deren Namen&lt;br /&gt;
wir uns auf einen Kreuzzug gegen all jene seltsamen Kulte bege-&lt;br /&gt;
ben können, die heute um die Herrschaft über die Seelen kämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sarvapalli Radhakrishnan&lt;br /&gt;
(Die Erneuerung des Glaubens aus dem Geist, Ullstein 238, S. 65)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
919&lt;br /&gt;
{{page|920|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NEU AUF UNSEREM Bürtgertisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Udo Schaefer, „Die mißverstandene Religion. Das Abendland und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachbiblischen Religionen“, Bahä’i-Verlag, Frankfurt 1968, 116 Seiten,&lt;br /&gt;
kart. DM 4,90.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrer von Shoghi Effendi, dem Hüter des Bahä’i-Glaubens, immer wie-&lt;br /&gt;
der hervorgehobenen Aufgabe, im Westen für die Grundwahrheiten des&lt;br /&gt;
Islam einzutreten, sind die deutschen Bahä’i bis jetzt zwar häufig in Vor-&lt;br /&gt;
trägen, Sommerschulen und persönlichen Gesprächen, aber nur selten in&lt;br /&gt;
ihrem schriftstellerischen Schaffen nachgekommen. Wir haben schon wie-&lt;br /&gt;
derholt Bücher besprochen, die sich mit dem Islam auseinandersetzen&lt;br /&gt;
(vgl. S. 103, 235, 404), und im Frühjahr 1958 brachte „Der 19-Tage-Brief“&lt;br /&gt;
eine Übersetzung der feinempfundenen und flüssig geschriebenen Arbeit&lt;br /&gt;
„Der Islam, eine Einführung in sechs Kapiteln“ von Marzieh Gail, die als&lt;br /&gt;
Tochter persisch-amerikanischer Eltern, als Baha’i und als Journalistin&lt;br /&gt;
für eine populäre Darstellung besonders prädestiniert ist. An einer Schrift,&lt;br /&gt;
die sich in kritischer Nüchternheit mit den gängigsten abendländischen&lt;br /&gt;
Vorurteilen gegen die nachchristlichen Religionen auseinandersetzt, hat&lt;br /&gt;
es jedoch bislang von Bahä’i-Seite gefehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Lücke hat Udo Schaefer ausgefüllt, auch wenn er einleitend be-&lt;br /&gt;
merkt, daß seine Arbeit „aus den Bedürfnissen der Verkündigung der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion in der abendländischen Welt entstanden ist und keine&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Intentionen verfolgt“. Als Jurist ist er geübt und ge-&lt;br /&gt;
wohnt, Tatbestände zu analysieren und Aussagen auf ihren Wahrheits-&lt;br /&gt;
gehalt zu untersuchen. Seine Ausführungen „sind von der Absicht getra-&lt;br /&gt;
gen, alteingewurzelten Vorurteilen entgegenzutreten, die noch immer den&lt;br /&gt;
Blick des Abendländers trüben, und Verständnis für den Islam und sei-&lt;br /&gt;
nen Propheten zu wecken“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den alten und immer wieder neu aufgebrachten Vorwurf zu wider-&lt;br /&gt;
legen, die Bahä’i-Religion sei nur eine Sekte des Islam, muß zunächst&lt;br /&gt;
klargestellt werden, was der Islam und was eine Sekte ist. Schaefer führt&lt;br /&gt;
aus, daß keines der wissenschaftlichen Kriterien einer Sekte auf die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion zutrifft (S. 21) und daß die Bahä’i-Religion zu ihrer&lt;br /&gt;
„Mutterreligion“, dem Islam, in einem analogen Verhältnis steht wie das&lt;br /&gt;
Christentum zum Judentum. Klar definiert er die normativen, konstitu-&lt;br /&gt;
tiven Grundsätze der Gesetzesreligion, der das göttliche Gebot nicht zur&lt;br /&gt;
„Rechtfertigung“ des Menschen vor Gott dient, wie es Paulus und die&lt;br /&gt;
gesamte protestantische Kirche mißverständlich darstellen, sondern „zur&lt;br /&gt;
Heiligung nicht nur des Menschen als Einzelwesen, sondern der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit“ (S. 27). Dieses Gesetz, bei Bahä’u’lläh weit mehr Leitlinie&lt;br /&gt;
für selbständige Entscheidungen als ein hartes, formales Reglement, muß&lt;br /&gt;
aus innerer Hingabe, aus Liebe zu Gott erfüllt werden. Als „Buchreligio-&lt;br /&gt;
nen“ ist dem Islam und der Bahä’i-Religion gemein, daß „im Zentrum&lt;br /&gt;
des Glaubens das Buch Gottes steht, nicht — wie im kirchlichen Christen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
920&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|921|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst 1968 war auch der „Verbum“-&lt;br /&gt;
Verlag mit einem repräsentativen Stand vertreten. Das in diesem Verlag&lt;br /&gt;
erschienene Buch „Der gespaltene Himmel“ — Autor Huschmand Sabet —&lt;br /&gt;
hat inzwischen allgemeine Beachtung gefunden und vielfach, insbesondere&lt;br /&gt;
in kirchlichen Kreisen, heftige Diskussionen ausgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tum — eine gottgleiche Gestalt“ (S. 32). Nach Schaefer ist die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion sogar die einzige „exklusive Buchreligion“, weil in ihr mündliche&lt;br /&gt;
Traditionen keinerlei Verbindlichkeit mehr haben, wogegen sie im Chri-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stentum ausschließliche, im Judentum und im Islam ergänzende Glau-&lt;br /&gt;
bensquelle sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluß an eine ausführliche Darstellung des Begriffs der fort-&lt;br /&gt;
schreitenden Gottesoffenbarung und seiner Vorbildung im Islam, die je-&lt;br /&gt;
doch die dogmatische Versteifung auf die Einzigartigkeit Muhammads als&lt;br /&gt;
des „Siegels der Propheten“ nicht ausschließen konnte, leitet Schaefer die&lt;br /&gt;
Entstehungsgeschichte der Bahä’i-Religion aus den messianischen Erwar-&lt;br /&gt;
tungen im schiitischen Islam her. Daraus ergibt sich das eschatologische&lt;br /&gt;
Verständnis unserer Gegenwart als „des großen Umbruchs am Tag des&lt;br /&gt;
Gerichts“ (S. 47), als „Ende des adamitischen Zeitalters, als Zusammen-&lt;br /&gt;
bruch überkommener Ordnungen und Auflösung anerkannter Wertvor-&lt;br /&gt;
stellungen... und als durch die geistigen Impulse der neuen Offenbarung&lt;br /&gt;
bewirkter, in der Geschichte sich vollziehender universaler Prozeß der&lt;br /&gt;
Wandlung des Menschen und der Umgestaltung seiner Ordnungen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
921&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|922|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=32}}Die abendländische Islamforschung geht erst seit den Zeiten der Ro-&lt;br /&gt;
mantik von anderen Voraussetzungen als theologischen Vorurteilen aus,&lt;br /&gt;
und bis auf die Gegenwart unterliegt sie vielen, oft unbewußten MiBßB-&lt;br /&gt;
interpretationen. Das ist ganz natürlich, so lange „der andere“ nicht als&lt;br /&gt;
vollwertig und gleichberechtigt anerkannt wird. „Das Geheimnis des an-&lt;br /&gt;
deren ist immer in ihm und kann nicht von außen her wahrgenommen&lt;br /&gt;
werden“, sagt Martin Buber (S. 58). Auch der Qur’än ist nur demjenigen&lt;br /&gt;
verständlich, der sich, wenigstens hypothetisch, zu ihm als dem Wort&lt;br /&gt;
Gottes bekennt. Zum Wesen und eigentlich Neuen des Islams findet der&lt;br /&gt;
kritische Forscher vollends keinen Zugang, wenn ihm das Prinzip der&lt;br /&gt;
fortschreitenden Offenbarung und daraus abgeleitet die Entwicklungsstu-&lt;br /&gt;
fen der menschlichen Kultur im dialektischen Gang der Weltgeschichte,&lt;br /&gt;
vor allem des vorderasiatisch-abendländischen Raumes, verschlossen blei-&lt;br /&gt;
ben. Den populärsten Fehlurteilen wie den Fragen des Krieges, des Fata-&lt;br /&gt;
lismus und der Vielehe, wendet sich Schaefer ausführlich zu, bevor er auf&lt;br /&gt;
die tatsächliche Intoleranz der islamischen Verfallszeit eingeht. Die Bahä’i&lt;br /&gt;
haben durch den Fanatismus der islamischen Geistlichkeit 20 000 Märtyrer&lt;br /&gt;
zu beklagen und brauchen hier nichts zu beschönigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Anhang über den Toleranzgedanken im Christentum weist&lt;br /&gt;
Schaefer nach, daß dieser von der Privilegierung der Kirche durch Kon-&lt;br /&gt;
stantin an bis weit in die Aufklärung herein weder gelehrt noch geübt&lt;br /&gt;
wurde. Die Reformatoren standen der Großkirche in nichts nach. Beson-&lt;br /&gt;
ders die Juden bekamen christliche Intoleranz immer wieder zu spüren,&lt;br /&gt;
zumal im Evangelium das Verhältnis zu anderen religiösen Gemein-&lt;br /&gt;
schaften nicht klärend behandelt ist. Demgegenüber sind im Qur’än die&lt;br /&gt;
Rechte der „schutzbefohlenen“ Juden und Christen ebenso ausdrücklich&lt;br /&gt;
sanktioniert wie das Gebot, in Glaubensdingen keinen Zwang walten zu&lt;br /&gt;
lassen. Für die Bahä’i, die jeden Menschen als potentiellen Gläubigen&lt;br /&gt;
sehen, ist Bahä’u’llähs Gebot eine Selbstverständlichkeit: „Verkehret mit&lt;br /&gt;
den Anhängern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der&lt;br /&gt;
Freundschaft!“ (Ährenlese XLIII). P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anselm Heyer, „Untergang des Morgenlandes“, Verlag Ullstein GmbH,&lt;br /&gt;
Frankfurt/Berlin 1966, 193 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pantoffeln des Abu Qasem bilden die Rahmengeschichte, die Heyer&lt;br /&gt;
als Allegorie für die geistige Situation des Morgenlandes verwendet: Der&lt;br /&gt;
reiche und geizige Kaufmann aus dem Baghdad der Blütezeit soll sein&lt;br /&gt;
Schuhwerk so lange getragen haben, bis es nur noch aus Fetzen bestand.&lt;br /&gt;
Dann wollte er es loswerden, aber bei jedem Versuch kamen die alten&lt;br /&gt;
Pantoffeln, die jedermann in der Stadt kannte, mit immer neuem Unheil&lt;br /&gt;
zu ihm zurück, bis er sie schließlich, am Bettelstab wankend, behielt.&lt;br /&gt;
Ebenso kommt der arabische Geist nicht mehr von den überholten Denk-&lt;br /&gt;
modellen des islamischen Gesetzes los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anselm Heyer, Journalist und Mittelost-Redakteur des Zweiten Deut-&lt;br /&gt;
schen Fernsehens, versteht es meisterhaft, den Geist der Wüste einzu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
922&lt;br /&gt;
{{page|923|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fangen. Seine Kostproben von gereimten Qur’än-Übersetzungen, vor allem&lt;br /&gt;
der 55. Sure, können dem deutschsprechenden Leser eine neue Erlebnis-&lt;br /&gt;
dimension erschließen. Schade, daß er die Schilderung der Frühgeschichte&lt;br /&gt;
des Islams nur in die sunnitische Richtung weiterverfolgt, von der Bagh-&lt;br /&gt;
dader Blütezeit über Kairo nach Konstantinopel. Dies ist offenbar auch&lt;br /&gt;
der Bereich, den er sich durch Reisen erschlossen hat. Das Echo auf den&lt;br /&gt;
Ruf aus der Wüste, das von den alten Kulturen Persiens und Vorder-&lt;br /&gt;
indiens ausgeht, kommt auf diese Weise zu kurz. Ebenso bleibt dem Ver-&lt;br /&gt;
fasser verborgen, daß aus dem von der Geschichte der islamischen Ver-&lt;br /&gt;
fallszeit gehörig durchgewalkten Filz der Schia ein neues Paar Pantoffel&lt;br /&gt;
verfertigt worden ist, das Abu Qasem durchaus hätte eintauschen können,&lt;br /&gt;
bevor ihm sein altes Flickwerk so übel zu schaffen machte, wie es seit&lt;br /&gt;
150 Jahren der Fall ist: Auf die Bahä’i-Religion geht Heyer ebensowenig&lt;br /&gt;
ein wie auf das indisch-pakistanische Denken, das doch dem trockenen&lt;br /&gt;
Wüstengeist der Araber manchen fruchtbaren neuen Gedanken zuführen&lt;br /&gt;
könnte. Da Heyer diese Alternative so wenig sieht wie die modernen&lt;br /&gt;
Führer der arabischen Welt, muß er an deren Zukunft verzweifeln wie&lt;br /&gt;
Abu Qasem an der seinen. PM,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt, einem der modernsten Ge-&lt;br /&gt;
mendezentren Süddeutschlands, fand eine Ausstellung statt, die in der&lt;br /&gt;
Öffentlichkeit, vor allem bei den zahlreichen Besuchern der Darmstädter&lt;br /&gt;
Stadtbücherei, auf reges Echo stieß. Vorträge von Dr. Eugen Schmidt und&lt;br /&gt;
Dr. Farhad Sobhani sowie Filmvorführungen vermittelten den Be-&lt;br /&gt;
suchern ein abgerundetes Bild von Wesen und Ziel der Bahö’i-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
923&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|924|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AÄHRENLESE&lt;br /&gt;
aus den Schriften Bahd’u’llähs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der autorisierte Ausleger der Bahä’i-Lehren, besorgte diese Aus-&lt;br /&gt;
wahl von 165 Textstellen, die vom Wesen der Gottesoffenbarer, der geistigen&lt;br /&gt;
Natur des Menschen und der neuen, im Aufbau begriffenen Weltordnung handeln.&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Wahrheiten der Bahä’i-Religion sind hier in einem grundlegen-&lt;br /&gt;
den Kompendium vereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
240 Seiten, Ganzleinen DM 18,90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘ABDU’L-BAHÄ&lt;br /&gt;
BEANTWORTETE FRAGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Tischgesprächen in &#039;Akka äußerte sich ‘Abdu’l-Bahá zu einer Vielfalt von&lt;br /&gt;
geistigen und philosophischen Fragen: Wesen und Bedeutung der Offenbarer,&lt;br /&gt;
die wahre Natur des Menschen, einige christliche Themen, Willensfreiheit, Rein-&lt;br /&gt;
karnation und vieles andere mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
306 Seiten, Ganzleinen DM 15,89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH&lt;br /&gt;
UND DAS NEUE ZEITALTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Dr. J. E. Esslemont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Einführung in die Geschichte und die Lehren des Bahd&#039;i-&lt;br /&gt;
Glaubens. Das umfassende Handbuch und Nachschlagewerk. In viele Sprachen&lt;br /&gt;
übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
324 Seiten, Ganzleinen DM 16.80&lt;br /&gt;
kartoniert (cellophaniert) DM 13,90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS IST DIE BAHA’I-RELIGION...?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine umfassende Darstellung des neuen Glaubens. Klar werden Anspruch und&lt;br /&gt;
Lehren der Bahad’i-Religion in vier großen Themenkreisen behandelt: Grundzüge&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion — Menschen nach Gottes Bild — Erkenntnis — Geist der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft. Objektive Darlegung und geoffenbartes Textgut verbinden sich&lt;br /&gt;
zu einem abgerundeten Bild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
68 Seiten, kartoniert DM 1,50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-VERLAG GMBH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Frankfurt am Main, Westendstraße 24, Telefon 72 36 26&lt;br /&gt;
Postscheckkonto: Frankfurt am Main 205 43&lt;br /&gt;
Bankkonto: Dresdner Bank, Frankfurt, Konto 114 793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|925|file=Baha&#039;i_Briefe_35.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
L&lt;br /&gt;
;&lt;br /&gt;
Fr&lt;br /&gt;
h&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f et&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, .Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter-A, Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (0711) 74 97 67,&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26,&lt;br /&gt;
Telefon (0711) 87 90 58°oder (07 11) 87 32 48. .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten 2 Bahä’if-Verlag GmbH., 6 Frähnkfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 34/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|879|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’w’lläh über die&lt;br /&gt;
menschlichen Pflichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr der&lt;br /&gt;
Menschenrechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konventionen&lt;br /&gt;
genügen nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Frau&lt;br /&gt;
Fotos aus der Bahä’i-Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEFT 34 OKTOBER 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|880|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|881|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=3}}OKTOBER 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHATI- BRIEFE ner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Menschen wurden erschaffen,&lt;br /&gt;
eine fortschreitende Kultur&lt;br /&gt;
voranzutragen. Der Allmächtige&lt;br /&gt;
bezeugt Mir: Wie die Tiere auf dem&lt;br /&gt;
Felde zu handeln, ist des Menschen&lt;br /&gt;
unwürdig. Die Tugenden,die zu&lt;br /&gt;
seiner Würde passen, sind Geduld,&lt;br /&gt;
Erbarmen, Mitleid und Güte für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
alle Menschen und Geschlechter der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lliäh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese CIX)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
861&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|882|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschlichen Pflichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte von Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Menschen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn du Barmherzigkeit übtest, würdest du nicht deinen eigenen, son-&lt;br /&gt;
dern den Nutzen der Menschheit im Auge behalten. Wenn du Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit übtest, dann würdest du für andere nur wählen, was du auch für dich&lt;br /&gt;
selbst wählst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Worte der Weisheit)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Sohn des Geistes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit ist in Meinen Augen das Kostbarste; wende dich nicht von&lt;br /&gt;
ihr ab, wenn du nach Mir verlangst, und mißachte sie nicht, damit Ich dir&lt;br /&gt;
vertrauen kann. Durch ihre Hilfe wirst du mit deinen eigenen Augen und&lt;br /&gt;
nicht mit denen anderer sehen und durch die eigene Erkenntnis und nicht&lt;br /&gt;
durch die deines Nächsten Wissen erlangen. Erwäge in deinem Herzen,&lt;br /&gt;
wie du sein solltest. Wahrlich: Gerechtigkeit ist Meine Gabe an dich und&lt;br /&gt;
das Zeichen Meiner Güte. Halte sie dir immer vor Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Verborgene Worte, arab. 2)&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wendet euch der Förderung des Wohlergehens und der Ruhe der&lt;br /&gt;
Menschenkinder zu. Widmet euren Geist und Willen der Erziehung der&lt;br /&gt;
Völker und Geschlechter der Erde, damit die Zwietracht, die sie spaltet,&lt;br /&gt;
durch die Macht des Größten Namens von ihrem Angesicht getilgt und die&lt;br /&gt;
ganze Menschheit zum Erhalter einer Ordnung und zu Bewohnern einer&lt;br /&gt;
Stadt werde. Erleuchtet und heiligt eure Herzen. Laßt sie nicht durch&lt;br /&gt;
die Dornen des Hasses und die Disteln der Bosheit entweiht werden. Ihr&lt;br /&gt;
wohnt in einer Welt und seid durch das Wirken eines Willens erschaffen&lt;br /&gt;
worden, Selig ist, wer sich mit allen Menschen im Geiste höchster Freund-&lt;br /&gt;
lichkeit und Liebe verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese CLVI)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ihr einander bekämpfenden Völker und Geschlechter der Erde! Wen-&lt;br /&gt;
det euer Angesicht der Einheit zu und laßt den Glanz ihres Lichtes auf&lt;br /&gt;
euch scheinen. Versammelt euch und beschließt um der Sache Gottes&lt;br /&gt;
willen, all das auszurotten, was die Quelle des Streites unter euch ist... ...&lt;br /&gt;
Die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören&lt;br /&gt;
mögen, leiten ihre Erkenntnis unzweifelhaft aus einer himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
her, und alle sind die Geschöpfe eines Gottes. Die Verschiedenheit ihrer&lt;br /&gt;
Lebensordnungen muß den andersartigen Anforderungen und Bedürfnis-&lt;br /&gt;
sen des Zeitalters zugeschrieben werden, in dem sie geoffenbart wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
862&lt;br /&gt;
{{page|883|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=5}}Alle außer wenigen, die das Ergebnis menschlicher Verderbtheit sind,&lt;br /&gt;
traten auf Gottes Geheiß in Erscheinung und sind ein Abglanz Seines&lt;br /&gt;
Willens und Seiner Absicht. Erhebt euch, ausgestattet mit der Kraft des&lt;br /&gt;
Glaubens, und reißt die Götzen eurer eitlen Einbildungen, die Zwietracht&lt;br /&gt;
unter euch säten, in Stücke. Dies ist das erhabenste Wort, das das Mutter-&lt;br /&gt;
buch auf euch herabgesandt und euch geoffenbart hat. Das bezeugt die&lt;br /&gt;
Zunge der Größe aus ihrer Wohnung der Herrlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese CXI)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selig ist, wer seinen Bruder sich selbst vorzieht.&lt;br /&gt;
(Worte des Paradieses)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Menschenkinder!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wwißt ihr, warum Wir euch alle aus dem gleichen Staube erschaffen&lt;br /&gt;
haben? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Erwägt immer im&lt;br /&gt;
Herzen, wie ihr erschaffen wurdet. Da Wir euch alle aus dem gleichen&lt;br /&gt;
Stoff erschufen, ziemt es euch, wie eine einzige Seele zu sein, in gleicher&lt;br /&gt;
Weise zu wandeln, in gleicher Weise zu essen und im gleichen Lande zu&lt;br /&gt;
wohnen, damit aus eurem innersten Wesen durch eure Taten und Hand-&lt;br /&gt;
lungen die Zeichen der Einheit und das Wesen der Loslösung sichtbar&lt;br /&gt;
werden. Dies ist Mein Rat an euch, o Kinder des Lichts. Beachtet diesen&lt;br /&gt;
Rat wohl, damit ihr die heiligen Früchte vom Baume der höchsten Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit erlanget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Verborgene Worte, arab. 68)&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Wunsche, die Vorbedingungen für den Frieden und die Ruhe der&lt;br /&gt;
Welt und für den Fortschritt ihrer Völker zu offenbaren, hat das Erhabene&lt;br /&gt;
Wesen geschrieben: Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwen-&lt;br /&gt;
digkeit zur Abhaltung einer ausgedehnten und allumfassenden Versamm-&lt;br /&gt;
lung der Menschen universal erkannt wird. Die Herrscher und Könige&lt;br /&gt;
der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen und, an ihren Beratungen teil-&lt;br /&gt;
nehmend, solche Wege und Mittel erwägen, die den Grund zum Größten&lt;br /&gt;
Weltfrieden unter den Menschen legen. Ein solcher Friede erfordert, um&lt;br /&gt;
der Ruhe der Völker der Erde willen, daß die Großmächte sich zu völliger&lt;br /&gt;
Versöhnung untereinander entschließen. Sollte ein König die Waffen&lt;br /&gt;
gegen einen anderen ergreifen, so müssen sich alle vereint erheben und&lt;br /&gt;
ihn daran hindern. Wenn dies geschieht, benötigen die Nationen der Welt&lt;br /&gt;
nicht länger irgendeine Bewaffnung, es sei denn zur Wahrung der Sicher-&lt;br /&gt;
heit ihrer Reiche und der inneren Ordnung in ihren Gebieten. Das wird&lt;br /&gt;
den Frieden und die Ruhe jedes Volkes, jeder Regierung und Nation ver-&lt;br /&gt;
bürgen. Wir hoffen sehr, daß die Könige und Herrscher der Erde, die&lt;br /&gt;
Spiegel des gnädigen und allmächtigen Namens Gottes, diese Stufe errei-&lt;br /&gt;
chen und die Menschheit vor dem Angriff der Gewaltherrschaft beschir-&lt;br /&gt;
men mögen. ... Der Tag ist nahe, da alle Völker der Welt eine universale&lt;br /&gt;
Sprache und eine gemeinsame Schrift annehmen werden. Wenn dies er-&lt;br /&gt;
reicht wird, ist es für jedermann, welche Stadt er auch bereisen mag, als&lt;br /&gt;
betrete er sein eigenes Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ährenlese CXVII)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
863&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|884|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer fortschreitenden Gesellschaft dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine „Bahä’i-Erklärung der Menschenpflichten&lt;br /&gt;
und Menschenrechte“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
864&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr der Menschenrechte 1968, von der Vollversammlung&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen in Erinnerung an die Verabschiedung&lt;br /&gt;
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor zwanzig Jah-&lt;br /&gt;
ren proklamiert, ist — bis jetzt — zum Jahr der Verschärfung des&lt;br /&gt;
Vietnam-Krieges, des Hungersterbens in Biafra, der Attentate und&lt;br /&gt;
Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten, einer revolutions-&lt;br /&gt;
artigen Streikwelle in Frankreich, der Verurteilung „widernatür-&lt;br /&gt;
licher“ Familienplanung durch den Papst, des tragischen Ge-&lt;br /&gt;
schehens in der Tschechoslowakei und weltweiter Studentenun-&lt;br /&gt;
ruhen geworden. Es gärt in der Menschheit, und selbst dem ober-&lt;br /&gt;
flächlichen Beobachter wird klar, was Bahä’u’lläh schon vor hun-&lt;br /&gt;
dert Jahren angekündigt hat: „Neues Leben regt sich in diesem&lt;br /&gt;
Zeitalter in allen Völkern der Erde, und dennoch hat niemand&lt;br /&gt;
seine Ursache entdeckt oder seine Triebkraft wahrgenommen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund erhebt sich die „Bahü’i-Erklärung der&lt;br /&gt;
Menschenpflichten und Menschenrechte“ als ein Dokument von&lt;br /&gt;
brennender Aktualität. Jedes Wort dieses Manifests hat in den&lt;br /&gt;
bald 22 Jahren, seitdem es der Menschenrechtskommission der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen überreicht wurde, durch die sich überstürzen-&lt;br /&gt;
den Ereignisse an Aussagekraft zugenommen. Vor allem die Be-&lt;br /&gt;
tonung der allgemeinen Menschenpflichten als Voraussetzung für&lt;br /&gt;
die proklamierten Menschenrechte wird hier viel deutlicher, als&lt;br /&gt;
es die pluralistische Weltorganisation in ihrer lockeren, macht-&lt;br /&gt;
losen Struktur ausdrücken kann: Jedem einzelnen von uns ist die&lt;br /&gt;
Achtung vor den Menschenrechten aller anderen ebenso sehr auf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlegt, wie er selbst Anspruch auf die Verwirklichung seiner per-&lt;br /&gt;
sönlichen und kollektiven Menschenrechte hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bringen im folgenden eine Übersetzung der „Bahä’i-Er-&lt;br /&gt;
klärung“ von 1947, die bereits 1949 in der Zeitschrift „Sonne der&lt;br /&gt;
Wahrheit“, 19. Jahrgang, Heft 3, in deutscher Sprache veröffent-&lt;br /&gt;
licht wurde. Als beredter Ausdruck des Geistes, in dem sich die&lt;br /&gt;
Bahä’i mit solchen grundsatzpolitischen Fragen befassen, mag die&lt;br /&gt;
von der Interkontinentalen Bahä’i-Konferenz in Chikago im Ok-&lt;br /&gt;
tober 1967 verabschiedete Erklärung „Die Menschenrechte sind&lt;br /&gt;
göttliches Recht“ angesehen werden. Was die Einstellung der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu tagespolitischen Fragen angeht, verweisen wir unsere&lt;br /&gt;
Leser auf die Stellungnahme des Universalen Hauses der Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit zum Thema „Religion und Politik“, die wir in Heft 32/ April&lt;br /&gt;
1968 unserer Zeitschrift, Seite 806 ff., wiedergegeben haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
{{page|885|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=7}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Quelle der Menschenrechte sind Eigenschaften, Tugenden und&lt;br /&gt;
Kräfte, die Gott der Menschheit ohne Ansehen des Geschlechts, der Rasse,&lt;br /&gt;
des Bekenntnisses und der Nation verliehen hat. Die Möglichkeiten dieser&lt;br /&gt;
Gottesgaben auszuschöpfen, ist der Daseinszweck des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschenrechte können dann in den gesellschaftlichen Verhält-&lt;br /&gt;
nissen Gestalt annehmen, wenn die Glieder der Gemeinschaft einsehen,&lt;br /&gt;
daß die Gabe des Lebens und des Bewußtseins sie verpflichtet, Verant-&lt;br /&gt;
wortungen gegenüber Gott, der Gesellschaft und sich selbst zu überneh-&lt;br /&gt;
men. Wechselseitige Anerkennung der Wahrheit durch die Glieder der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft, daß ihr Leben von ein und derselben Quelle ausgeht, er-&lt;br /&gt;
möglicht ihnen, geordnete Beziehungen in einem gesellschaftlichen Or-&lt;br /&gt;
ganismus aufrechtzuerhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht der gesellschaftliche Organismus, der die Grundrechte des&lt;br /&gt;
Menschen schafft. Seine Aufgabe ist die des bevollmächtigten Treuhän-&lt;br /&gt;
ders, der bei der Aufrechterhaltung derjenigen Beziehungen, welche die&lt;br /&gt;
sittlichen Errungenschaften seiner Glieder darstellen, für die Gemein-&lt;br /&gt;
schaft handelt und die geistige Einheit, welche die höchste wechselseitige&lt;br /&gt;
Verpflichtung ist, pflegt und schützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein gesellschaftlicher Organismus, welche Form er auch annimmt, hat&lt;br /&gt;
die Macht, die menschlichen Grundrechte für solche Personen aufrecht-&lt;br /&gt;
zuerhalten, die ihre sittliche Pflicht verleugnen und die Gottesgaben preis-&lt;br /&gt;
geben, durch die sich der Mensch vom Tier unterscheidet. Wenn politische&lt;br /&gt;
und ökonomische Verhältnisse rechtlich definiert werden, aber sittlicher&lt;br /&gt;
Werte und Einflüsse bar sind, entsprechen sie nicht den Grundrechten&lt;br /&gt;
des Menschen, sondern lediglich den Machtmitteln der Parteipolitik. Nur&lt;br /&gt;
sittliche Lebewesen können eine geordnete Gesellschaft aufrechterhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gottesgabe, die jedem einzelnen Menschen verliehen ist, bindet ihn&lt;br /&gt;
an die sich entwickelnde und heranreifende Menschheit. Die ganze&lt;br /&gt;
menschliche Rasse ist dem Gesetz der fortschreitenden Entwicklung un-&lt;br /&gt;
terworfen, das weit über den menschlichen Willen hinaus wirkt. In kei-&lt;br /&gt;
nem Zeitalter wiederholen sich die Zustände früherer Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Zivilisation erkennbare Entwicklung ist das Ergebnis der&lt;br /&gt;
geistigen Entwicklung, die sich durch die Menschheit vollzieht. In dem&lt;br /&gt;
Maße, wie sich neue Eigenschaften entfalten, kann ein vergrößerter Be-&lt;br /&gt;
reich geordneter Beziehungen geschaffen werden, was Änderungen des&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Aufbaus erforderlich macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der moderne Nationalstaat entstand als ein Mittel zur Einigung ver-&lt;br /&gt;
schiedenartiger Rassen und Völker. Er bedeutete einen Burgfrieden, der&lt;br /&gt;
Gemeinschaften nahegebracht oder aufgezwungen wurde, die zuvor ge-&lt;br /&gt;
trennt voneinander, in Unabhängigkeit und Feindschaft gelebt hatten.&lt;br /&gt;
Geschichtlich betrachtet ist die Nation ein großer Sieg der Sittlichkeit,&lt;br /&gt;
eine klar umgrenzte, wichtige Stufe des menschlichen Fortschritts. Sie hat&lt;br /&gt;
die Lebensverhältnisse der Volksmassen angehoben, an die Stelle der&lt;br /&gt;
Willkür einer Stammesherrschaft geschriebenes Verfassungsrecht gesetzt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
865&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|886|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung und Wissen erweitert, die Auswirkungen sektiererischer Strei-&lt;br /&gt;
tigkeiten gemildert und den gesellschaftlichen Lebensraum des Durch-&lt;br /&gt;
schnittsmenschen vergrößert. Sie schuf die Voraussetzungen für die Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Naturwissenschaften, die Nutzbarmachung von Erfindun-&lt;br /&gt;
gen und die Industrialisierung, die dem Menschen die Herrschaft über&lt;br /&gt;
die Natur verleiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neuen Kräfte und Hilfsquellen, die die Nation ermöglichte, konn-&lt;br /&gt;
ten nicht auf den nationalen Raum beschränkt bleiben; sie erzeugten einen&lt;br /&gt;
Internationalismus, dessen Ursachen und dessen Auswirkungen auf die&lt;br /&gt;
gesellschaftlichen Verhältnisse keine Nation kontrollieren konnte. Der&lt;br /&gt;
Nationalstaat hat die Grenzen seiner Entwicklungsfähigkeit als ein unab-&lt;br /&gt;
hängiges, selbstbestimmtes Gesellschaftsgebilde erreicht. Die Grenzenlo-&lt;br /&gt;
sigkeit der Wissenschaft, die Weltwirtschaft und ein Weltbewußtsein als&lt;br /&gt;
Spitzenreiter einer neuen, allumfassenden Bewegung geistiger Entwick-&lt;br /&gt;
lung legten den Grund einer Weltordnung. Als Selbstzweck aufgefaßt, ist&lt;br /&gt;
der Nationalstaat zu einer Absage an die Einheit der Menschheit gewor-&lt;br /&gt;
den, zur Quelle allgemeiner Zerrissenheit, den wahren Interessen seiner&lt;br /&gt;
Bevölkerung entgegengesetzt. Aus den Tiefen der göttlichen Gnaden-&lt;br /&gt;
gaben an den Menschen dringt ein Widerhall auf die Bekräftigung jener&lt;br /&gt;
Einheit, die unserem Zeitalter seine Hauptantriebskraft und Richtung&lt;br /&gt;
gibt. Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandlungsprozeß; sie muß&lt;br /&gt;
eine neue Ordnung zustandebringen, die auf die Ganzheit aller mensch-&lt;br /&gt;
lichen Beziehungen gegründet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Grundrechte des Menschen wurden in der Vergangenheit von zahl-&lt;br /&gt;
reichen Völkern unter verschiedenen geselischaftlichen Verhältnissen in&lt;br /&gt;
rechtliche Form gebracht: so das Bürgerrecht, als das Volk anstelle der&lt;br /&gt;
Dynastie die Nation verkörperte; das Recht auf kodifiziertes Gesetz, als&lt;br /&gt;
geschriebene Verfassungen das Gewohnheitsrecht und die Überlieferung&lt;br /&gt;
ersetzten; das Recht auf die Unverletzlichkeit der Person und des Eigen-&lt;br /&gt;
tums, als der Staat den sich befehdenden Interessentengruppen seinen&lt;br /&gt;
Frieden aufzwingen konnte; das Recht auf freie Berufswahl und Frei-&lt;br /&gt;
zügigkeit, als der einzelne Mensch nicht länger an die Scholle gebunden&lt;br /&gt;
war. Eine Geschichte dieser Rechte könnte die wichtigsten sittlichen Er-&lt;br /&gt;
rungenschaften des Menschengeschlechts in seinem unaufhörlichen Kampf&lt;br /&gt;
um die Bildung einer dauerhaften Gesellschaftsordnung aufzeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewährungsprobe für unseren Willen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Recht ist jedoch nur dann gültig und wirksam, wenn hinter ihm&lt;br /&gt;
eine unabhängige, souveräne Staatsgewalt steht. Unser ererbtes Rechts-&lt;br /&gt;
system ist in Frage gestellt, seitdem der Nationalstaat seine eigentliche&lt;br /&gt;
Souveränität verloren hat. Um die Grundrechte der Vergangenheit wie-&lt;br /&gt;
der zur Geltung zu bringen und mit wichtigen neuen Rechten auf der&lt;br /&gt;
Höhe unserer Zeit zu bleiben, brauchen wir eine Weltsouveränität. Die&lt;br /&gt;
gesamte Rechtsauffassung hat sich gewandelt. Früher bedeutete ein Recht&lt;br /&gt;
den Schutz gegen einen Übergriff; heute ist es die Verteilung von ge-&lt;br /&gt;
sellschaftlichem Status unter der Menschheit. Zum ersten Mal in der Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
866&lt;br /&gt;
{{page|887|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=9}}schichte menschlicher Erfahrung läßt sich heute das sittliche Gesetz und&lt;br /&gt;
das gesellschaftliche Gesetz zu einer Einheit verschmelzen, wenn die&lt;br /&gt;
Menschheit als Ganzes dem gleichen Recht unterworfen wird. Alles Um-&lt;br /&gt;
fassende ist geistige Wahrheit, alles Beschränkte und Parteiische ist&lt;br /&gt;
menschliche Ansichtssache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Recht und die Pflicht, in einer gesitteten Gesellschaft zu leben, ist zur&lt;br /&gt;
Entscheidungsfrage, zur Bewährungsprobe für unseren Willen zu über-&lt;br /&gt;
leben geworden. Der moderne Daseinskampf, der sich die Nationen zum&lt;br /&gt;
Werkzeug gemacht hat, ist kein Krieg der Völker oder der Herrscher-&lt;br /&gt;
häuser, sondern ein Krieg der Wertordnungen. Diese Auseinandersetzung&lt;br /&gt;
über Werte löst sich auf in einem Kampf zwischen denjenigen Menschen,&lt;br /&gt;
die sich zu einer Menschheitsgemeinschaft und einem umfassenden Staats-&lt;br /&gt;
wesen vereinigen wollen und müssen, und jenen, die getrennt, verschie-&lt;br /&gt;
denartig und selbstherrlich bleiben wollen und müssen. Der Nationalstaat&lt;br /&gt;
ist in sich selbst zerrissen und in Kämpfe verwickelt, die das bewußte&lt;br /&gt;
Verhalten der einzelnen Menschen mit Beschlag belegen. Aber in dem&lt;br /&gt;
Maße, wie dieser Nationalstaat als ganzheitlicher Organismus handeln&lt;br /&gt;
kann, wird er an der grundlegenden Wertentscheidung teilnehmen müs-&lt;br /&gt;
sen. Kein Mensch und kein gesellschaftlicher Organismus kann seiner Be-&lt;br /&gt;
stimmung entgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Bestimmung des Nationalstaats ist es, die Brücke von der&lt;br /&gt;
örtlichen Selbstverwaltung zur Welteinheit zu schlagen. Der National-&lt;br /&gt;
staat kann sein eigenständiges Erbe nur insofern bewahren und seine&lt;br /&gt;
Aufgaben nur insoweit erfüllen, als er zur Errichtung einer Weltsouve-&lt;br /&gt;
ränität beiträgt. Volk und Staat müssen als starke Pfeiler die neuen Ein-&lt;br /&gt;
richtungen tragen, weiche den höchsten und endgültigen Ausdruck&lt;br /&gt;
menschlicher Beziehungen in einer geordneten Gesellschaft darstellen.&lt;br /&gt;
Wenn wir die Erfüllung der historischen Aufgabe, die unser Zeitalter an&lt;br /&gt;
Völker und Staaten stellt — die Pflicht zur Vereinigung — hinauszögern,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
leisten wir subversiven Kräften Vorschub, die Verwirrung zur Waffe und&lt;br /&gt;
Chaos zum Ziel haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Erklärung ist nicht, alle wünschenswerten Menschen-&lt;br /&gt;
rechte aufzuzählen, sondern einen Zugang zum Wesen der Grundrechte zu&lt;br /&gt;
eröffnen. Nach unserer Definition ist ein Menschenrecht der durch eine&lt;br /&gt;
sittlich gefestigte, souveräne Gebietskörperschaft in gesellschaftsrechtliche&lt;br /&gt;
Form gebrachte Ausdruck der göttlichen Gnadengaben für den Menschen.&lt;br /&gt;
Ein Recht erhält erst dann gesellschaftliche Form, wenn es ein sittlicher&lt;br /&gt;
Wert geworden ist, den die Glieder der Gemeinschaft als eine für die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
menschlichen Beziehungen notwendige Eigenschaft vertreten und ver-&lt;br /&gt;
fechten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den menschlichen Grundrechten, die die neue Weltära kennzeichnen,&lt;br /&gt;
gehören diejenigen, welche sich mit (1) dem Einzelmenschen, (2) der Fami-&lt;br /&gt;
lie, (3) der Rasse, (4) Arbeit und Vermögensbildung, (5) Erziehung, (6)&lt;br /&gt;
Religionsausübung und (7) der Gesellschaftsordnung befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Der Mensch ist ebensosehr ein geistiges Wesen, wie er ein Mitglied&lt;br /&gt;
der Geselischaft ist. Seine Geistnatur drückt sich in sittlich gefestigten Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
867&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|888|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ziehungen innerhalb des gesamten Bereichs der Gemeinschaft aus; sie&lt;br /&gt;
verkümmert in einem Zustand der Entfremdung und der Absonderung&lt;br /&gt;
auf sich selbst, die Familie, die Rasse oder die Gesellschaftsschicht. Die&lt;br /&gt;
Pflicht jedes einzelnen ist es, den Bedürfnissen einer fortschreitenden&lt;br /&gt;
Gesellschaft zu dienen. Immer wenn die Gemeinschaft Forderungen an&lt;br /&gt;
den einzelnen stellt, die der vorherrschenden sittlichen Norm zuwiderlau-&lt;br /&gt;
fen, oder wenn sie es duldet, daß nichtöffentliche Mächte solche Forde-&lt;br /&gt;
rungen dem einzelnen auferlegen, befindet sich diese Gemeinschaft in der&lt;br /&gt;
Gefahr der Zersetzung; denn das Sittengesetz gilt auch für alle großen&lt;br /&gt;
und kleinen Einrichtungen und Gemeinschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß die Gewähr für eine gleichmäßige Norm an Menschenrechten&lt;br /&gt;
geboten sein; den Einzelmenschen müssen gleiche Möglichkeiten geboten&lt;br /&gt;
sein. Mannigfaltigkeit, nicht Einförmigkeit ist der Grundzug einer organi-&lt;br /&gt;
schen Gesellschaftsordnung. Da ein Mangel an Möglichkeiten, verbunden&lt;br /&gt;
mit Repressionen und entwürdigenden Lebensbedingungen, Menschen-&lt;br /&gt;
massen entstehen ließ, die unfähig sind, ihre bürgerlichen Pflichten zu&lt;br /&gt;
erfüllen, sind diese Menschen dem Gewissen aller übrigen als Treubesitz&lt;br /&gt;
auferlegt: Alle müssen dazu beitragen, die Unwissenden zu erziehen, die&lt;br /&gt;
Unreifen zu entwickeln und die Kranken zu heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechte der modernen Gemeinschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Wenn der Mensch die geistige Grundeinheit des Menschengeschlechts&lt;br /&gt;
ist, ist die Familie die unverletzliche, göttlich geschaffene gesellschaft-&lt;br /&gt;
liche Grundeinheit. Dem Recht auf Selbstbehauptung des einzelnen ist&lt;br /&gt;
das Recht der Familie gleichzusetzen, sich unter Bedingungen zu erhalten,&lt;br /&gt;
die für Leib, Seele und Geist zuträglich sind. Während das mündige Ein-&lt;br /&gt;
zelwesen die politische Einheit ist, stellt die Familie die wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Einheit dar; ihr Einkommen schafft die Grundlage des Familien-&lt;br /&gt;
lebens und der Wohlfahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der modernen Gemein-&lt;br /&gt;
schaft gibt der Familie eine neue und stärkere Verbindung mit den Kräf-&lt;br /&gt;
ten, die die sittliche Entwicklung bewirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(8) Die Mitglieder der nationalen Gemeinschaft sind in vielen Ländern&lt;br /&gt;
aus rassischen Gruppen zusammengesetzt, die auf verschiedenen Entwick-&lt;br /&gt;
lungsstufen stehen. Die Lebensbedingungen, die in der Vergangenheit&lt;br /&gt;
zu besonderen rassischen Gruppierungen und Charakteristiken führten,&lt;br /&gt;
werden nach und nach schwächer. Den Rechten der Rasse sind die Rechte&lt;br /&gt;
und Bedürfnisse der modernen Gemeinschaft überlegen. Rassische Vor-&lt;br /&gt;
rechte können nur aufgegeben werden, wenn an ihre Stelle die Rassen-&lt;br /&gt;
gleichheit in der Teilhabe an den höheren Rechten und Vergünstigungen&lt;br /&gt;
tritt, wie sie eine vielrassige Gesellschaft mit sich bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Die Arbeit, die der einzelne in Gewerbe, Kunst oder freiem Beruf&lt;br /&gt;
leistet, ist der Wesenskern seiner Lebensentfaltung und nicht nur die&lt;br /&gt;
Quelle seines Unterhalts. Arbeit, die im Geist des Dienens verrichtet wird,&lt;br /&gt;
kann heute als Gottesdienst angesehen werden. Die Arbeitspflicht ist&lt;br /&gt;
ihrem Wesen nach eine sittliche Pflicht, die nicht durch Reichtum aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
868&lt;br /&gt;
{{page|889|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=11}}hoben wird. Die Gemeinschaft hat keinerlei Verpflichtung gegenüber&lt;br /&gt;
denen, die arbeiten können, sich aber weigern, es zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anspruch auf Lebensunterhalt gründet sich auf Arbeit. Darüber&lt;br /&gt;
&amp;quot;hinaus hat der Arbeiter Anspruch auf einen Anteil am Gewinn des&lt;br /&gt;
Unternehmens. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vermögen bildet sich durch die Koordination vielfältiger, auf den Ein-&lt;br /&gt;
satz von Kapitalgütern und Rohstoffen gerichteter Arbeitsleistungen. Eine&lt;br /&gt;
gesunde Wirtschaft befaßt sich mit dem Gesamtprozeß in der Mannig-&lt;br /&gt;
faltigkeit seiner menschlichen Beziehungen und sucht nicht den Vorgang&lt;br /&gt;
auf bestimmte Gruppenvorteile auszurichten, ob es sich nun um das&lt;br /&gt;
Eigentum, die Unternehmensführung, das technische Know-how, das&lt;br /&gt;
handwerkliche Können oder den Verbrauch handelt. Vermögen ist zum&lt;br /&gt;
Teil Recht des einzelnen, zum Teil Recht der Gemeinschaft. Unter den&lt;br /&gt;
Bedingungen internationalen Wettbewerbs entsteht verzweifelte soziale&lt;br /&gt;
Not, wenn keine gerechte Unterscheidung zwischen privatem und öffent-&lt;br /&gt;
lichem Vermögen gemacht werden kann. Wahrer Rechtssinn und echte&lt;br /&gt;
Gesellschaftsphilosophie erwarten die Bildung weltweiter Einrichtungen&lt;br /&gt;
und die Vorherrschaft weltweiten Denkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aberkennung des Rechts und der Macht der Nationen, Kriege zu&lt;br /&gt;
führen, stellt den ersten Schritt auf dem Weg zu allseitiger Vermögens-&lt;br /&gt;
bildung und gesunder Wirtschaftsführung dar. Ohne Weltwirtschaft wird&lt;br /&gt;
das Menschengeschlecht die Früchte der Zivilisation nicht ernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(5) Die Wurzeln der Erziehung liegen in den Gaben Gottes an den&lt;br /&gt;
Menschen; zu allen Zeiten waren die Propheten die umfassenden Er-&lt;br /&gt;
zieher der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel der Erziehung ist, dem einzelnen Menschen die Herrschaft über&lt;br /&gt;
sich, selbst, eine schöpferische Beziehung zur Gesellschaft und die Er-&lt;br /&gt;
kenntnis seines Platzes im Weltganzen zu verleihen. Die Erziehung be-&lt;br /&gt;
faßt sich mit dem ganzen Menschen, mit seinem Verstand, seinen Ge-&lt;br /&gt;
fühlsregungen und seiner Willensbildung. Die jetzt noch bestehende&lt;br /&gt;
Unterscheidung zwischen schöngeistiger, wissenschaftlicher, technischer,&lt;br /&gt;
politischer und religiöser Bildung erzeugt unvollständige und unausge-&lt;br /&gt;
glichene Persönlichkeiten. Falsch erzogene Menschen erleben jede schwe-&lt;br /&gt;
rere Gesellschaftskrise von verschiedenen Blickwinkeln aus in solcher&lt;br /&gt;
Weise, daß jeder seine parteiische Auffassung rechtfertigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erziehung dauert das ganze Leben an. Unwissenheit in Dingen, die&lt;br /&gt;
Erwachsene angehen, ist schlimmer, wenngleich schwieriger wahrnehm-&lt;br /&gt;
bar als, Unwissenheit bei Kindern. Das Menschenrecht auf Erziehung&lt;br /&gt;
. ist das Recht, sich in den Gesamtprozeß kultureller Aufwärtsentwicklung&lt;br /&gt;
- einzuschalten. Schulformen, die erstarrte Einstellungen und Gefühls-&lt;br /&gt;
schablonen. erzeugen, können nicht. mehr als erzieherisch gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(6) Das Menschenrecht auf Religions- oder Gewissensfreiheit ist und&lt;br /&gt;
bleibt nur eine zwangsweise gesetzliche Schutzmaßnahme für verschie-&lt;br /&gt;
denartigste Religionsgemeinschaften, die ihre besonderen Glaubens-&lt;br /&gt;
systeme ausüben und verkünden können, bis dem einzelnen Menschen ein&lt;br /&gt;
ausreichendes Maß an geistiger Erkenntnis gewährt wird, damit er zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
869&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|890|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seiner eigenen, gereiften und unabhängigen Entscheidung über das&lt;br /&gt;
Wesen des Glaubens gelangt. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem es wissenschaftlich erwiesen ist, daß es sich bei dem Drang&lt;br /&gt;
. zur Anbetung um einen allgemein-menschlichen Wesenszug handelt, der&lt;br /&gt;
mit einer unendlichen Zahl von mehr oder weniger zeitgebundenen&lt;br /&gt;
Andachtsübungen, Sittengesetzen und Gesellschaftsformen verknüpft ist,&lt;br /&gt;
besteht kein wesentlicher Grund mehr, warum dieser Instinkt nicht in&lt;br /&gt;
der Loyalität gegenüber der Menschheit und in der Hingabe an die&lt;br /&gt;
Sache der Welteinheit erneut bekräftigt werden könnte. Der Gott der&lt;br /&gt;
Menschheit kann nicht länger als völkische Kraftquelle, als Selbstbe-&lt;br /&gt;
hauptungswille einer Nation oder gar als konfessionelles Geschenk der&lt;br /&gt;
persönlichen Erlösung dargestellt werden. Die reine Offenbarung Gottes&lt;br /&gt;
wurde der Menschheit von Zeitalter zu Zeitalter durch Seine Propheten&lt;br /&gt;
und Boten geschenkt. Zweitrangige und begrenzende Religionsformeln&lt;br /&gt;
verlängern die Gesinnungskrise der Gegenwart, die den einzelnen Men-&lt;br /&gt;
schen für die Verheißung eines neuen Weltzeitalters blind macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltordnung ist nichts anderes als die administrative Ausprägung&lt;br /&gt;
der Brüderlichkeit, und des Menschen Recht auf gesellschaftliche Ord-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nung kann nicht von seinem Recht auf eine Weltreligion getrennt wer-&lt;br /&gt;
den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(7) Jedes Zeitalter hat seine besondere Aufgabe. Die Bildung einer&lt;br /&gt;
Weltordnung ist eine Pflicht, die der heutigen Menschheit auferlegt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltordnung ıst heute gesetzlich möglich, gesellschaftlich unumgäng-&lt;br /&gt;
lich und göttlich befohlen. Das Prinzip der Föderation hat schon früher&lt;br /&gt;
unabhängige Gemeinschaften vereinigt, die nach Rasse, Sprache, Religion&lt;br /&gt;
und Bevölkerungszahl voneinander abwichen. Die Nationen können&lt;br /&gt;
einen gerechten Ausdruck für ihre angemessenen Ansprüche und Be-&lt;br /&gt;
dürfnisse finden, wenn sie in einer übernationalen Körperschaft ihrer&lt;br /&gt;
Größe entsprechend vertreten sind. So lange das Weltbürgerrecht nicht&lt;br /&gt;
als gesellschaftliche Norm garantiert ist, werden die in der Vergangenheit&lt;br /&gt;
entwickelten menschlichen Rechte und Freiheiten durch die Zerrüttung&lt;br /&gt;
der modernen Gesellschaft untergraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Errichtung eines Weltgemeinwesens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zur Schaffung einer übernationalen Ordnung haben die bestehen-&lt;br /&gt;
den Regierungen ‚das Recht, von ihren Bürgern bei allen Regierungs-&lt;br /&gt;
geschäften und Entscheidungen Treue und Gehorsam zu verlangen.&lt;br /&gt;
Ausgenommen hiervon ist eine Einmischung in den Glauben des einzel-&lt;br /&gt;
nen Menschen an Gott und seine Propheten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier bekräftigte Ordnungsdenken setzt die Errichtung eines Welt-&lt;br /&gt;
gemeinwesens voraus, das alle Nationen, Rassen, Bekenntnisse und Ge-&lt;br /&gt;
sellschaftsklassen vereinigt und die Autonomie seiner Mitgliedstaaten&lt;br /&gt;
wie auch die persönliche Freiheit und Initiative jedes einzelnen Men-&lt;br /&gt;
schen verbürgt. Dieses Weltgemeinwesen sollte aus einer Weltlegislative&lt;br /&gt;
bestehen, die als Treuhänderin der ganzen Menschheit wirkt und die-&lt;br /&gt;
jenigen Gesetze erläßt, die notwendig sind, um das Zusammenleben aller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
870&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|891|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=13}}Völker und Rassen zu regeln, ihre Bedürfnisse zu befriedigen und ihre&lt;br /&gt;
Beziehungen in geordnete Bahnen zu lenken. Eine Weltexekutive sollte,&lt;br /&gt;
gestützt auf eine internationale Streitmacht, die Gesetze und Ent-&lt;br /&gt;
scheidungen der Weltlegislative durchführen und die organische Einheit&lt;br /&gt;
des ganzen Gemeinwesens sichern. Bei allen Streitfragen sollte ein Welt-&lt;br /&gt;
gerichtshof das höchste, allgemeingültige Urteil fällen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erde ist nur ein Land und die Menschheit ihre Bürgerschaft“&lt;br /&gt;
(Bahä’u’lläh 1869).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Menschenrechtskommission der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen im Februar 1947&lt;br /&gt;
namens der Bahä’t-Weltgemeinschaft&lt;br /&gt;
vom Nationalen Geistigen Rat der&lt;br /&gt;
Bahä’t der Vereinigten Staaten von&lt;br /&gt;
Amerika vorgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschenrechte sind gottgegebene Rechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Jahr der Menschenrechte 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Anlaß der weltweiten Jahrhundertfeiern des Aufrufs von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lidh an die Herrscher der Welt fanden im Oktober 1967 sechs&lt;br /&gt;
interkontinentale Bahä’i-Konferenzen in Frankfurt, Kampala, Neu&lt;br /&gt;
Delhi, Sydney, Panama und Chikago statt. Die in Chikago ver-&lt;br /&gt;
sammelten Bahüa’t begrüßten mit der nachfolgenden Erklärung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ daß das Jahr 1968 von den Vereinten Nationen zum Jahr der Men-&lt;br /&gt;
schenrechte bestimmt worden war. Obwohl das Dokument bis zu&lt;br /&gt;
einem gewissen Grad von den gesellschaftlichen Verhältnissen&lt;br /&gt;
Nordamerikas ausgeht, gibt es in seiner umfassenden Grundlegung&lt;br /&gt;
allen gutwilligen Menschen Anregungen und praktische Entschei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dungsmodelle. D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GRÖSSTE AUFGABE für unser Zeitalter ist die Anerkennung der&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit. Schmerzlich, aber unvermeidlich ist die Erweite-&lt;br /&gt;
rung des Bewußtseins der Zugehörigkeit jedes Menschen über seine völki-&lt;br /&gt;
sche, rassische, religiöse, nationale, kulturelle und wirtschaftliche Gruppe&lt;br /&gt;
hinaus zu einer umfassenderen Einbeziehung der ganzen Menschheit;&lt;br /&gt;
diese Bewußtseinserweiterung ist die zentrale Revolution unserer Zeit. Sie&lt;br /&gt;
betrifft jeden von uns, denn sie verlangt Änderungen an der bislang pro-&lt;br /&gt;
vinziellen Einstellung und Verhaltensweise aller Menschen in der Welt.&lt;br /&gt;
Aus der Erkenntnis, daß alle Menschen einer einzigen Familie unter ei-&lt;br /&gt;
nem einzigen Gott angehören, ergibt sich die Pflicht, sich gegenseitig zu&lt;br /&gt;
achten und in jeder Weise zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
871&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|892|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE PROPHETEN GOTTES haben die einzigartige Natur der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Persönliehkeit und ihres Rechts auf ein erfülltes Leben betont. Die’&lt;br /&gt;
Menschenrechte sind demnach keine Ausschließlichkeitsrechte einzelner&lt;br /&gt;
weniger, die nach der gesetzgeberischen Entscheidung menschlicher In- .&lt;br /&gt;
stitutionen aus dem Weltganzen herausgelöst werden könnten. Wir glau- -&#039;&lt;br /&gt;
ben vielmehr, daß die Menschenrechte von Gott gegeben und demzufolge&lt;br /&gt;
unverletzlich sind,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN jeglichen Geschlechts, jeder Rasse, Nationalität,&lt;br /&gt;
Volkszugehörigkeit, Religion oder Einkommensklasse sind Geschöpfe&lt;br /&gt;
Gottes; sie sind alle gleich in ihrem geistigen Wesen und an Menschen-&lt;br /&gt;
würde. Jedwede Handlung, die irgendjemanden in seinen Menschenrech-&lt;br /&gt;
ten beeinträchtigt oder sonstwie beschränkt, verletzt die Würde des Be-&lt;br /&gt;
troffenen und steht im Gegensatz zu den göttlichen Lehren. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEEINTRÄCHTIGUNGEN ODER UNGERECHTFERTIGTE BE-&lt;br /&gt;
SCHRÄNKUNGEN einzelner Menschen, unter welchem Vorwand auch&lt;br /&gt;
immer, vergiften unsere Beziehungen und schaffen damit Konflikte, die&lt;br /&gt;
unsere Kultur zu zerstören drohen. Dies ist zweifellos die schlimmste&lt;br /&gt;
Krankheit, die unser Zeitalter befallen hat. Die dynamischen Errungen-&lt;br /&gt;
schaften einer wahrhaft organischen, zur Einheit verschmolzenen, von&lt;br /&gt;
allen vorurteilsbeladenen Einstellungen befreiten Gesellschaft bleiben uns&lt;br /&gt;
auf diese Weise vorenthalten. Gesellschaftliche Repression und erzwun-&lt;br /&gt;
gene Entwürdigung haben Menschenmassen geschaffen, die unfähig sind,&lt;br /&gt;
ihren bürgerlichen Aufgaben nachzukommen, und deshalb weder zum&lt;br /&gt;
Fortschritt der Kultur beitragen noch deren Vorteile genießen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GLEICHE CHANCEN zur Entwicklung ihrer besonderen Fähigkeiten&lt;br /&gt;
sind das Recht aller Menschen. Mannigfaltigkeit und nicht Einförmigkeit&lt;br /&gt;
ist ein Grundzug der fortschrittlichen Gesellschaft. Es muß deshalb auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der ganzen Welt eine einheitliche Norm von Menschenrechten gewahrt&lt;br /&gt;
sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage dieser Überzeugungen anerkennt die nordamerikani-&lt;br /&gt;
sche Bahä’i-Gemeinde die besondere Bedeutung der folgenden Maßnah-&lt;br /&gt;
men der Vereinten Nationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als gemeinsamen&lt;br /&gt;
Erfolgsmaßstab für alle Völker und Nationen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Erklärung über die Beseitigung aller Formen von rassischer&lt;br /&gt;
Diskriminierung als erneute Bestätigung des Grundsatzes, daß&lt;br /&gt;
alle Menschen in ihrer Würde und ihren Rechten gleich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die Bündnisse, die sich von&lt;br /&gt;
der Erklärung der Menschenrechte herleiten. Alle derartigen Bündnisse&lt;br /&gt;
oder Abkommen, die diese Erklärungen im einzelnen ausarbeiten und&lt;br /&gt;
Rechtsgrundlagen für internationale Abmachungen zu bieten suchen, sind&lt;br /&gt;
als bedeutsame Marksteine weltweiten Fortschritts zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
872&lt;br /&gt;
{{page|893|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=15}}Besonders begrüßen wir die Konventionen der Vereinten Nationen über&lt;br /&gt;
den Völkermord, die Beseitigung aller Formen von rassischer Diskriminie-&lt;br /&gt;
rung, die Sklaverei, die Zwangsarbeit, die politischen Rechte der Frau,&lt;br /&gt;
über Diskriminierungen bei der Beschäftigung von Arbeitnehmern und&lt;br /&gt;
im Berufsleben sowie über Diskriminierungen im Erziehungswesen, da&lt;br /&gt;
diese Übereinkommen wichtige rechtliche Hilfsmittel für die Schaffung&lt;br /&gt;
von Gleichberechtigung und Sicherheit für alle Menschen darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nordamerikanischen Bahä’i-Gemeinden bekennen sich zur Konven-&lt;br /&gt;
tion der Vereinten Nationen über die Beseitigung religiöser Intoleranz,&lt;br /&gt;
die es den Menschen auf der ganzen Welt möglich machen wird, ihre&lt;br /&gt;
Menschenrechte ohne Benachteiligung wegen ihrer Religion oder Über-&lt;br /&gt;
zeugung zu genießen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nordamerikanischen Bahä’i-Gemeinden unterstützen die Schaffung&lt;br /&gt;
des vorgeschlagenen Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Men-&lt;br /&gt;
schenrechte als einen wichtigen und weitreichenden Schritt auf dem Weg&lt;br /&gt;
zur Verwirklichung der Vorkehrungen über die Menschenrechte, wie sie&lt;br /&gt;
in der Charta der Vereinten Nationen und in der Allgemeinen Erklärung&lt;br /&gt;
der Menschenrechte zum Ausdruck kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1968 werden die nordamerikanischen Bahä’i-Gemeinden in Würdigung&lt;br /&gt;
des Internationalen Jahres der Menschenrechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@© ein Büro für das Menschenrechtsjahr 1968 errichten, das die Ver-&lt;br /&gt;
wirklichung der Menschenrechte in Nordamerika und der übrigen&lt;br /&gt;
Welt fördert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ Informationen zur Bekämpfung von Mißverständnissen und aber-&lt;br /&gt;
gläubischen Vorstellungen in der Rassenfrage verbreiten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Arbeitstagungen über Menschenrechtsfragen in zwanzig führenden&lt;br /&gt;
nordamerikanischen Städten sowie einem kanadischen Indianer-&lt;br /&gt;
reservat veranstalten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eine Arbeitstagung über Menschenrechte für ganz Nordamerika ab-&lt;br /&gt;
halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® einen Preis für bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Men-&lt;br /&gt;
schenrechte stiften, der am 10. Dezember 1968, dem Menschenrechts-&lt;br /&gt;
tag, verliehen werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäa’t-Gemeinden von Alaska,&lt;br /&gt;
Kanada, den Hawai-Inseln und den&lt;br /&gt;
Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
873&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|894|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
874&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
el&lt;br /&gt;
J&lt;br /&gt;
int&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
AN&lt;br /&gt;
NENSEHHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|895|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=17}}Die Fotos sind den US-&lt;br /&gt;
Bahä’i-News entnommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erläuterungen nächste&lt;br /&gt;
Seite).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
875&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|896|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschenrechte und wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Konventionen allein ist es nicht getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist eine Erklärung, die&lt;br /&gt;
Grundsätze aufstellt, ein Maßstab für die Errungenschaften aller Völker&lt;br /&gt;
und Nationen. Sie ist ihrem Wesen nach ein ethisches Dokument; sie hat&lt;br /&gt;
- Keine Macht, die Nationen an die Einhaltung ihrer Prinzipien zu binden.&lt;br /&gt;
Noch steht keine Gesetzeskraft hinter dieser Allgemeinen Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der großen Probleme, denen sich die Verfasser der Charta der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen bei der Gründungskonferenz 1945 in San Francisco&lt;br /&gt;
gegenübersahen, war die Frage, wie sie den Wünschen und Hoffnungen&lt;br /&gt;
der Völker der Welt auf eine erneute Bestätigung des Glaubens an die&lt;br /&gt;
menschlichen Grundrechte und an die Würde und den Wert der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Person angemessenen Ausdruck verleihen könnten. Aus diesem&lt;br /&gt;
Grund beginnt die UN-Charta mit den Worten: „Wir, die Völker der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen, entschlossen . . .“. Wenngleich man wußte, daß nur&lt;br /&gt;
die Regierungen die Verpflichtungen der Charta übernehmen konnten,&lt;br /&gt;
erschien es nötig klarzumachen, daß die Vereinten Nationen auch dem&lt;br /&gt;
„Volk“ zugehörten. Deshalb liegt der Ursprung der Menschenrechtserklä-&lt;br /&gt;
rung im Artikel 1 der UN-Charta, der als einen der Zwecke der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen “3. die Förderung und Ermutigung der Achtung vor den Men-&lt;br /&gt;
schenrechten und grundlegenden Freiheiten für alle ohne Ansehen der&lt;br /&gt;
Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion...“ angibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der ersten Sitzung des 1945 in London ins Leben gerufenen Wirt-&lt;br /&gt;
schafts- und Sozialrates wurde eine vorbereitende Gruppe für die Men-&lt;br /&gt;
schenrechtskommission ernannt. Diese Menschenrechtskommission setzte&lt;br /&gt;
sich zunächst aus je einem Vertreter von 18 Mitgliedsstaaten der Verein-&lt;br /&gt;
ten Nationen zusammen. Die erste Aufgabe der Kommission war Anfang&lt;br /&gt;
1947 die Vorbereitung einer internationalen „Bill of rights“, die eine Er-&lt;br /&gt;
klärung, ein oder mehrere Abkommen und ausführende Maßnahmen um-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Querschnitt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...durch die Arbeit der Bahd’i in aller Welt vermitteln unsere Fotos auf&lt;br /&gt;
den vorangegangenen Seiten. Auf der linken Seite oben zeigen wir einen&lt;br /&gt;
Teil der Informationstafel, die bei der Basler „Muba“-Messe aufgestellt&lt;br /&gt;
war. Darunter erkennt man den indischen Erziehungsminister Dr. Sen,&lt;br /&gt;
dem eine Ausgabe des Buches „Die Verkündigung von Bahd’u’lläh“ über-&lt;br /&gt;
reicht wird. Am Fuß der linken Seite einige Teilnehmer der Ridvan-Feier&lt;br /&gt;
in Saigon, Südvietnam. Auf der rechten Seite oben sieht man die be-&lt;br /&gt;
rühmte Sängerin Leontyne Price, der anläßlich eines Konzerts in&lt;br /&gt;
Washington ebenfalls ein „Proklamations“-Buch überreicht worden ist.&lt;br /&gt;
Daneben Kinder einer Bahäd’i-Schule in Nicaragua. Darunter stellen sich&lt;br /&gt;
Kinder und Erwachsene des ersten Bahä’i-Kinderlagers in Panama dem&lt;br /&gt;
Fotografen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
876&lt;br /&gt;
{{page|897|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fassen sollte. Vertreterin der Vereinigten Staaten und erste Vorsitzende&lt;br /&gt;
der Kommission war Frau Eleanor Roosevelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde von der Kommis-&lt;br /&gt;
sion fertiggestellt und von der Vollversammlung der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
am 10. Dezember 1948 ohne Gegenstimme verabschiedet. Sie wurde als&lt;br /&gt;
einer der Haupterfolge in der Frühzeit der Vereinten Nationen angesehen.&lt;br /&gt;
Sie ist „allgemein“, weil sie auf die ganze Menschheit Anwendung finden&lt;br /&gt;
soll. Auf der ganzen Welt hat sie tiefgreifende Einflüsse ausgeübt. Viele&lt;br /&gt;
Länder, die seit der Gründung der Vereinten Nationen selbständig wur-&lt;br /&gt;
den, haben Teile der Allgemeinen Erklärung in ihre Verfassungen einge-&lt;br /&gt;
fügt; auf diese Weise wurden die Bestimmungen der Erklärung natürlich&lt;br /&gt;
in solchen Ländern gesetzlich bindend. Beispiele hierfür sind Indien,&lt;br /&gt;
Japan sowie zahlreiche afrikanische Länder. Großen Einfluß übte die Er-&lt;br /&gt;
klärung auf die öffentliche Weltmeinung und auf die nationale’ Gesetz-&lt;br /&gt;
und Verfassungsgebung in allen Erdteilen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konventionen über die Menschenrechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konventionen und Bündnisse dienen der Durchführung der Allgemei-&lt;br /&gt;
nen Erklärung; sie haben von Haus aus keine Gesetzeskraft. Als inter-&lt;br /&gt;
nationale Verträge verpflichten sie nur diejenigen Nationen, die sie rati-&lt;br /&gt;
fizieren, rechtswirksam. Sie enthalten zahlreiche Vorschriften für eine&lt;br /&gt;
periodische Berichterstattung der Vertragsstaaten über die Maßnahmen,&lt;br /&gt;
die zur Erfüllung der Grundsätze getroffen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschenrechtskonventionen befassen sich mit einzelnen Menschen-&lt;br /&gt;
rechten im besonderen. Zum Beispiel verbietet eine im Juni 1957 verab-&lt;br /&gt;
‚schiedete Konvention die Zwangsarbeit als Mittel politischer Gewaltan-&lt;br /&gt;
wendung oder als Strafe dafür, daß jemand politische Ansichten hegt&lt;br /&gt;
oder vertritt, die dem etablierten politischen, gesellschaftlichen oder wirt-&lt;br /&gt;
schaftlichen System ideologisch entgegenstehen. Ferner ist Zwangsarbeit&lt;br /&gt;
verboten als Mittel zur Mobilisierung und Verwendung von Arbeitskräf-&lt;br /&gt;
ten für Zwecke der wirtschaftlichen Entwicklung, als Maßnahme der&lt;br /&gt;
Arbeitsdisziplin, als Strafe für die Teilnahme an Streiks oder als Mittel&lt;br /&gt;
der rassischen, sozialen, nationalen oder religiösen Diskriminierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konvention über Sklaverei, die 1956 als Ergänzung eines 1926 in&lt;br /&gt;
Genf getroffenen Sklavereiabkommens verabschiedet wurde, verlangt die&lt;br /&gt;
Abschaffung der Schuldhaft (für säumige Zahlungspflichtige), der Leib-&lt;br /&gt;
eigenschaft, der unfreiwilligen Eheschließung, des Verkaufs von Bräuten,&lt;br /&gt;
der Übertragung von Witwen als Erbgut, der Ausbeutung von Kindern&lt;br /&gt;
sowie die Unterbindung jeglichen Sklavenhandels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konvention über die Beseitigung aller Formen von rassischer&lt;br /&gt;
Diskriminierung, die im Dezember 1965 angenommen wurde, verbietet die&lt;br /&gt;
Apartheidspolitik und jegliche Art der Diskriminierung oder Trennung&lt;br /&gt;
auf Grund der Rasse, der Farbe oder des völkischen Ursprungs. Diese&lt;br /&gt;
Konvention sieht einen achtzehnköpfigen Ausschuß für die Überwachung&lt;br /&gt;
ihrer Durchführung vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Verbrechens&lt;br /&gt;
des Völkermords, verabschiedet im Dezember 1948, legt dar, daß gewisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
877&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|898|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlungen ein Verbrechen nach dem Völkerrecht darstellen und straf-&lt;br /&gt;
bar sind, wenn sie von der Absicht begleitet sind, eine nationale, völkische,&lt;br /&gt;
rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Abkommen behandeln die: Diskriminierung bei Beschäftigungs-&lt;br /&gt;
verhältnissen und im Berufsleben sowie die Diskriminierung im Erzie-&lt;br /&gt;
hungswesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Konventionen bedürfen der Ratifizierung durch die Mit-&lt;br /&gt;
gliedsstaaten der Vereinten Nationen, um in deren Gebieten Rechtskraft&lt;br /&gt;
zu erlangen. So haben 70 Mitgliedsstaaten die Völkermord-Konvention&lt;br /&gt;
ratifiziert, während sie in den Vereinigten Staaten von Amerika seit Juni&lt;br /&gt;
1949 im Senat aufgehalten wurde. Obwohl die USA von Anbeginn an&lt;br /&gt;
Vorkämpfer der Menschenrechte waren, konnte dort aus innenpolitischen&lt;br /&gt;
Gründen noch keine einzige der Menschenrechtskonventionen angenom-&lt;br /&gt;
men werden. Das ursprünglich für das Menschenrechtsjahr 1968 gesteckte&lt;br /&gt;
Ziel, daß wenigstens die grundlegenden Menschenrechtskenventionen von&lt;br /&gt;
allen UN-Mitgliedstaaten ratifiziert sein sollten, dürfte sich nicht verwirk-&lt;br /&gt;
lichen lassen. Am Rande sei bemerkt, daß die Bundesrepublik Deutsch-&lt;br /&gt;
land nicht Mitglied der Vereinten Nationen ist, sich aber in ihrer rechts-&lt;br /&gt;
staatlichen Verfassung den Menschenrechten und Zielen der Weltorgani-&lt;br /&gt;
sation verpflichtet fühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_ Internationale Bündnisse über die Menschenrechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 18 Jahren ins einzelne gehender, mühsamer Verhandlungen in&lt;br /&gt;
zahlreichen Gremien der Vereinten Nationen wurde endgültiges Einver-&lt;br /&gt;
nehmen über zwei umfassende Menschenrechtsverträge oder -bündnisse&lt;br /&gt;
erzielt. Diese beiden Bündnisse nahm die Vollversammlung am 16. Dezem-&lt;br /&gt;
ber 1966 an. In ihrer Verbindung miteinander bringen sie die Rechte und&lt;br /&gt;
Freiheiten der Allgemeinen Erklärung von 1948 in Gesetzesform; Staa-&lt;br /&gt;
ten, weiche die Bündnisse formell annehmen, d. h. ratifizieren, verpflich-&lt;br /&gt;
ten sich gesetzlich, ihre Vorkehrungen einzuhalten. Das eine Bündnis. be-&lt;br /&gt;
handelt die bürgerlichen und politischen, das andere die wirtschaftlichen,&lt;br /&gt;
“sozialen und kulturellen Rechte des Menschen. Die Unterteilung besteht&lt;br /&gt;
vorwiegend aus praktischen Gründen: nicht etwa deshalb, weil gewisse&lt;br /&gt;
Rechte für wichtiger als andere gelten, sondern weil die Maßnahmen für&lt;br /&gt;
die Durchführung und Beurkundung ihrem Wesen nach verschieden ge-&lt;br /&gt;
staltet werden müssen. Der praktische Unterschied zwischen bürgerlichen&lt;br /&gt;
und politischen Freiheiten auf der einen, wirfschaftlichen, sozialen und&lt;br /&gt;
kulturellen Rechten auf der anderen Seite liegt in erster Linie im Tempo,&lt;br /&gt;
mit dem sie durchgeführt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Staat, der das Internationale Bündnis über bürgerliche und poli-&lt;br /&gt;
tische Rechte ratifiziert, verpflichtet sich, sein Volk unverzüglich durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesetz gegen grausame, unmenschliche oder entwürdigende Behandlung&lt;br /&gt;
zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Staat, der das Internationale Bündnis über wirtschaftliche, soziale&lt;br /&gt;
und kulturelle Rechte ratifiziert, anerkennt seine Verpflichtung, bessere&lt;br /&gt;
Lebensbedingungen für sein Volk zu schaffen. Er anerkennt das Recht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
878&lt;br /&gt;
{{page|899|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=21}}jedes Bürgers auf Arbeit, gerechten Lohn, soziale Sicherheit, einen ange-&lt;br /&gt;
messenen Lebensstandard, auf Freiheit vor Hunger, auf Gesundheit und&lt;br /&gt;
Erziehung. Heute sind dies lediglich Wunschvorstellungen; sie können&lt;br /&gt;
nur. fortschreitend verwirklicht werden, entsprechend den Verhältnissen&lt;br /&gt;
jedes Landes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierungen der Vertragsstaaten verpflichten sich, dem Wirtschafts-&lt;br /&gt;
und Sozialrat zu berichten, in welchem Umfang sie diese verschiedenen&lt;br /&gt;
Rechte für ihre Staatsbürger verwirklichen können. Nach Erhalt dieser&lt;br /&gt;
Berichte ist der Wirtschafts- und Sozialrat gehalten, die Lage in den ein-&lt;br /&gt;
zelnen Ländern zu prüfen. Er kann über gewisse internationale Hilfsmaß-&lt;br /&gt;
nahmen beschließen, um den Ländern in ihren Bemühungen zu helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bündnisse werden drei Monate, nachdem sie von 35 Staaten rati-&lt;br /&gt;
fiziert worden sind, in Kraft treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weltfrieden ist in erster Linie eine Frage der Verwirklichung der&lt;br /&gt;
Grundrechte des Menschen. In einer Seiner Ansprachen in Amerika führte&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá aus: „Gott ist unparteiisch; Er macht keinen Unterschied&lt;br /&gt;
der Person. Für alle hat Er vorgesorgt. Die Ernte reift für jeden heran.&lt;br /&gt;
Der Regen ergießt sich auf jeden, und die Sonnenhitze wärmt nach Sei-&lt;br /&gt;
nem Willen einen jeden. Deshalb sollte die ganze Menschheit das höchste&lt;br /&gt;
Glück genießen, die größte Bequemlichkeit, die vollkommenste Wohl-&lt;br /&gt;
fahrt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(nach einem Arbeitspapier des Bahöä’!-&lt;br /&gt;
Komitees für die Vereinten Nationen,&lt;br /&gt;
Oktober 1967)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pflicht, unsere Rechte zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Pflicht jedes einzelnen Bürgers hinsichtlich der Menschen-&lt;br /&gt;
rechte erscheint so einfach und selbstverständlich, daß viele von uns sie&lt;br /&gt;
vergessen: Wir müssen kennen und verstehen lernen, welches unsere&lt;br /&gt;
Menschenrechte sind, so daß wir, wenn sie verletzt werden, dies als eine&lt;br /&gt;
Verletzung erkennen. Wenn zum Beispiel ein offensichtlich begabter Ju-&lt;br /&gt;
gendlicher nicht das Gymnasium und die Hochschule besuchen kann, weil&lt;br /&gt;
es ihm an finanziellen Mitteln fehlt, dann kann es sein, daß unsere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Reaktion lediglich in sanftmütigem Mitleid besteht. Wenn wir jedoch er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kennen, daß diese Situation im Widerspruch zu dem Grundsatz steht, daß&lt;br /&gt;
höhere Erziehung allen in gleicher Weise nach Verdienst und Leistung zu-&lt;br /&gt;
gänglich sein muß, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschen-&lt;br /&gt;
rechte proklamiert wurde, können wir die Lage ernsthafter ins Auge&lt;br /&gt;
fassen und versuchen, Abhilfe zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald wir unsere Rechte verstanden haben, ist unsere nächste Pflicht,&lt;br /&gt;
sie zu fördern — für andere so gut wie für uns selbst. Diese Pflicht be-&lt;br /&gt;
ginnt bei den Menschen um uns her; denn in unserer örtlichen Gemeinde&lt;br /&gt;
haben wir den meisten Einfluß. Wenn wir dort selbständig und im Einver-&lt;br /&gt;
nehmen mit anderen innerhalb privater Organisationen tätig sind, können&lt;br /&gt;
wir Verletzungen der Menschenrechte abhelfen und die Achtung vor die-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
879&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|900|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sen Rechten in unserer Heimat fördern. Jeder von uns kann danach stre-&lt;br /&gt;
ben, ‘daß unser eigenes Land der übrigen Welt ein gutes Beispiel gibt.&lt;br /&gt;
Und wir können von den Erfahrungen anderer lernen, indem wir uns&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darüber informieren, was andere Länder tun, um die Menschenrechte für&lt;br /&gt;
ihre Völker voranzutreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über unsere Verantwortlichkeit gegenüber unserer örtlichen Gemeinde&lt;br /&gt;
und unserer Nation hinaus haben wir die Pflicht, uns selbst und andere&lt;br /&gt;
darüber zu informieren, was die Vereinten Nationen für die Menschen-&lt;br /&gt;
rechte tun. Wir können über dieses Thema mit unserer Familie, unseren&lt;br /&gt;
Freunden und Bekannten diskutieren. Wir können die Schulen ermutigen,&lt;br /&gt;
die Menschenrechte im Unterricht zu behandeln. Wir können Zeitungen&lt;br /&gt;
und Zeitschriften anregen, über diesen Gegenstand zu schreiben. Wir kön-&lt;br /&gt;
nen Redner zu Vorträgen vor den örtlichen Vereinen und anderen Grup-&lt;br /&gt;
pen, deren Mitglieder wir sind, einladen. Wir können unsere Regierung&lt;br /&gt;
auffordern, die internationalen Menschenrechts-Konventionen zu ratifizie-&lt;br /&gt;
ren. Wir können mit Spenden zu denjenigen Programmen der Vereinten&lt;br /&gt;
Nationen beitragen, die auf die Förderung der Menschenrechte zielen, z. B.&lt;br /&gt;
der UN-Kinderfonds, der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, das UN-&lt;br /&gt;
Hilfs- und Arbeitsbüro für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, der&lt;br /&gt;
UN-Treuhandfonds für Südafrika. Und jede dieser Anregungen kann&lt;br /&gt;
zu noch größeren Erfolgen geführt werden, wenn wir in einer der Nicht-&lt;br /&gt;
Regierungs-Organisationen mitarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus der Schrift „The United Nations&lt;br /&gt;
and the Human Person, Questions&lt;br /&gt;
and Answers on Human Rights“,&lt;br /&gt;
UN-Veröffentlichung OPI/285)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Weltgemeinschaft ist als „Nicht-Regierungs-Organisation“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei den Vereinten Nationen akkreditiert. Neben dem Bahä’i-Schrifttum,&lt;br /&gt;
das sich mit jedem Satz um die geistigen Grundlagen der Menschenrechte&lt;br /&gt;
bemüht, sei auf folgende UN-Veröffentlichungen hingewiesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“The United Nations and Human Rights“, UN Publication, Sales No. 67. 1. 29.&lt;br /&gt;
„Universal Declaration of Human Rights“, OPI/15.&lt;br /&gt;
„International Covenants on Human Rights“, OPI/246.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Dis-&lt;br /&gt;
crimination“, OP1/213,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„International Year for Human Rights Newsletter“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland befassen sich mit den Vereinten Nationen und ihren Ziel- |&lt;br /&gt;
setzungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, 53 Bonn, Simrockstraße 23.&lt;br /&gt;
Deutsche UNESCO-Kommission, 5 Köln, Komödienstraße 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
880&lt;br /&gt;
{{page|901|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe”der Frau - heute und morgen&lt;br /&gt;
Gleichberechtigung bringt auch mehr Rechte und Pflichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen des 20. Jahrhunderts leben in einer Zeit des Umbruchs,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Umwälzung, der Umwertung der bisher gültigen Werte, des nahezu‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
atemberaubenden Fortschritts in Forschung und Technik; kurz gesagt, in&lt;br /&gt;
einer außergewöhnlichen Zeit. Wir leben an der Schwelle eines neuen&lt;br /&gt;
Zeitalters, eines neuen Äons, in einer der bedeutendsten Epochen der&lt;br /&gt;
Geschichte der Menschheit. Dies stellen viele unserer Zeitgenossen fest,&lt;br /&gt;
ohne die eigentliche Ursache dieser Wende zu erkennen. „Ein neues Leben&lt;br /&gt;
regt sich in diesem Zeitalter in allen Völkern der Erde“, so verkündet&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh, „und dennoch hat niemand seine Ursache entdeckt oder seine&lt;br /&gt;
friebkraft wahrgenommen. !)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Heraufdämmern eines neuen Zeitalters hat auch eine wesent-&lt;br /&gt;
liche Veränderung in der Stellung der Frau und ihren Aufgaben in der&lt;br /&gt;
Gesellschaft begonnen. Ja, der Beitrag ihrer Mitgestaltung für dieses neue&lt;br /&gt;
Zeitalter ist von weittragender Bedeutung, die wir heute nur erahnen&lt;br /&gt;
können. Nach dem durch Bahä’u’llah geoffenbarten Willen Gottes werden&lt;br /&gt;
alle Menschen dieser Erde gleichgestellt und gleichberechtigt, ungeachtet&lt;br /&gt;
ihrer Rasse, Klasse, Nation oder ihres Geschlechts, um sich zu einer&lt;br /&gt;
befriedeten, gerechten und harmonischen Einheit zusammenzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wenden uns bei dem gestellten Thema der viel erörterten Gleich-&lt;br /&gt;
berechtigung von Mann und Frau zu. Es seien Worte aus einer Rede von&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá vorangestellt, die er in London im Jahre 1913 in einer Ver-&lt;br /&gt;
sammlung der Frauenliga für Frieden und Freiheit gehalten hat. „Die&lt;br /&gt;
Menschheit gleicht einem Vogel mit seinen zwei Schwingen: die eine ist&lt;br /&gt;
das männliche, die andere das weibliche Geschlecht. Sofern nicht beide&lt;br /&gt;
‘Schwingen stark sind und durch eine gemeinsame Kraft bewegt werden,&lt;br /&gt;
kann sich der Vogel nicht himmelwärts schwingen. Dem Geiste dieses Zeit-&lt;br /&gt;
alters entsprechend müssen die Frauen Fortschritte machen und ihre Auf-&lt;br /&gt;
gaben in allen Zweigen des Lebens erfüllen, um den Männern gleich zu&lt;br /&gt;
werden. Sie müssen auf die gleiche Höhe gelangen wie die Männer, und&lt;br /&gt;
sich gleicher Rechte erfreuen. Dies ist mein inbrünstiges Gebet und einer&lt;br /&gt;
der Hauptgrundsätze von Bahä’u’lläah.“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Hauptgrundsatz findet u. a. auch Ausdruck in einem Gebet, worin&lt;br /&gt;
es heißt: „... Verordne für mich und für jene, die mir lieb sind, für meine&lt;br /&gt;
Verwandten, Männer und Frauen gleicherweise, was in dieser und der&lt;br /&gt;
kommenden Welt gut für uns ist...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Um von der Zukunft zu sprechen, ist es erforderlich, einen Blick in die&lt;br /&gt;
Vergangenheit zu werfen. Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß die Frau&lt;br /&gt;
‘ durch die beherrschende Vormachtstellung des Mannes mehr oder weni-&lt;br /&gt;
ger in allen Ländern der Erde ein abhängiges, unterdrücktes, zurückge-&lt;br /&gt;
zogenes, einflußarmes Leben über lange Zeitläufe hin führen mußte und&lt;br /&gt;
auch zu führen gewillt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es gab nicht ursprünglich freie Frauen, die von den Männern unter-&lt;br /&gt;
worfen wurden. Die Frau erschien als das ANDERE.“ Dies stellt Simone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
881&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|902|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
de Beauvoir in ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ u. a. fest. In diesem&lt;br /&gt;
Zusammenhang sei auch auf das 30. Kapitel „Adam und Eva“ in „Beant-&lt;br /&gt;
wortete Fragen“ von ‘Abdu’l-Bahá hingewiesen, in welchem erklärt wird,&lt;br /&gt;
„daß die Verse des Alten Testaments zahlreiche Bedeutungen haben, gött-&lt;br /&gt;
liche Geheimnisse enthalten und wunderbaren Erklärungen offen stehen.&lt;br /&gt;
Eine dieser Erklärungen besagt, daß mit Adam sein Geist und mit Eva&lt;br /&gt;
seine Seele gemeint ist.“ Es erhebt sich die Frage, ob die späte geistige Ent-&lt;br /&gt;
faltung des weiblichen Menschen im Schöpfungsplane gelegen hat? Wer&lt;br /&gt;
weiß es zu sagen! Jedenfalls ist für das neue Zeitalter ein grandioser,&lt;br /&gt;
göttlich bestimmter Entwicklungsplan durch Bahä’u’lläh verkündet wor-&lt;br /&gt;
den, in den auch die Entfaltung der Frau in besonderer Weise einbezogen&lt;br /&gt;
ist, Wir stehen am Anfang dieser umfassenden, umwälzenden Entwicklung,&lt;br /&gt;
von der Bahä’u’lläh spricht: „Das Gleichgewicht der Welt ist durch den&lt;br /&gt;
schwingenden Einfluß dieser größten, dieser neuen Weltordnung umge-&lt;br /&gt;
stoßen worden. Das geordnete Leben der Menschheit ist durch die Wirkung&lt;br /&gt;
dieses einzigartigen, dieses wunderbaren Systems, dessengleichen sterb-&lt;br /&gt;
liche Augen nie bezeugt haben, umgewälzt worden.“ )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tradition hat sich in der Stellung der Frau als eine beherrschende&lt;br /&gt;
Macht erwiesen. „Die Tatsache, welche die gegenwärtige Situation der&lt;br /&gt;
Frau bestimmt, ist das hartnäckige Überleben der ältesten Traditionen in&lt;br /&gt;
einer neuen Zivilisation.’ (Nach Beauvoir) Von einzelnen herausragenden&lt;br /&gt;
Frauengestalten im Laufe der Geschichte abgesehen, waren viele Kräfte&lt;br /&gt;
und Fähigkeiten des weiblichen Teiles der Menschheit, auch von ihm&lt;br /&gt;
selbst unerkannt, unentwickelt geblieben. In ihrem Wirken war die Frau&lt;br /&gt;
in die engen Schranken von Haus und Hof, den kleinen Kreis der Familie,&lt;br /&gt;
verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau im Aufbruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das in der christlichen Religion von Paulus geprägte Wort „Die Frau&lt;br /&gt;
aber sei untertan dem Mann“ wird in unserer Zeit durch die mächtige&lt;br /&gt;
Verordnung von Bahä’u’lläh „Mann und Frau haben gleiche Rechte“&lt;br /&gt;
gleichsam außer Kraft gesetzt, in Verbindung mit der wesentlichen Vor-&lt;br /&gt;
aussetzung einer gleich guten Erziehung beider Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Christentum wie auch die anderen Religionen haben nicht wenig zur&lt;br /&gt;
Unterdrückung der Frau beigetragen. Die Stellung der Frau in allen&lt;br /&gt;
christlichen Ländern fußt nicht auf dem, was Christus sagte, sondern auf&lt;br /&gt;
der Auffassung des Apostels Paulus. Die Gleichberechtigung von Mann&lt;br /&gt;
und Frau ist nun von Bahä’u’lläh selbst ausdrücklich niedergelegt, so daß&lt;br /&gt;
eine Abänderung Seiner göttlichen Anordnung unmöglich ist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen Bereichen des menschlichen Lebens begann in der Mitte des&lt;br /&gt;
letzten Jahrhunderts — mit dem Anbruch des neuen Zeitalters — eine&lt;br /&gt;
tiefgreifende Veränderung einzusetzen. Unübersehbar war dabei eine&lt;br /&gt;
Emanzipationsbewegung unter den Frauen festzustellen. Ein Blick in die&lt;br /&gt;
Vergangenheit zeigt auf, wie allmählich und dann mit zunehmender Kraft&lt;br /&gt;
diese Bewegung an geschichtlichen Daten erkennbar einsetzte. Die Frauen&lt;br /&gt;
durchbrachen die ihnen bislang gesetzten Grenzen. Sie forderten Gleich-&lt;br /&gt;
berechtigung. Die sog. Frauenrechtlerinnen waren in der westlichen Hemi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
882&lt;br /&gt;
{{page|903|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=25}}sphäre am Werk. Mögen wir auch heute über die Eigenart dieser Strei-&lt;br /&gt;
terinnen für ihr Recht manchmal ein Lächeln nicht unterdrücken können,&lt;br /&gt;
es war eine historische Tat, von der aus die Gleichberechtigung und Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Frauen um die letzte Jahrhundertwende ausgingen. Erinnern&lt;br /&gt;
wir uns, daß zu jener Zeit die akademische Ausbildung der Frau fast&lt;br /&gt;
noch unmöglich war. Es kann jenen Frauen als mutige „Heldentat“ ange-&lt;br /&gt;
rechnet werden, die ihrem Wissensdrang trotz vieler Schwierigkeiten den&lt;br /&gt;
Weg bahnten. Die Schweiz öffnete als erstes Land ihre Universitäten dem&lt;br /&gt;
weiblichen Geschlecht schon im Jahre 1867.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem islamischen Kulturbereich, in welchem die Frauen nahezu ein&lt;br /&gt;
Schattendasein hinter ihren Schleiern und den Mauern ihres Hauses füh-&lt;br /&gt;
ren mußten, ist uns die ergreifende Geschichte des Lebensweges von&lt;br /&gt;
Tahirih bekannt, Sie war eine hochbegabte Frau, erkannte die Sendung&lt;br /&gt;
des Báb, des Vorläufers von Bahä’u’lläh, wurde von Ihm zu dem Kreise&lt;br /&gt;
der „18 Buchstaben des Lebendigen“ berufen (so nannte Er Seine ersten&lt;br /&gt;
Jünger) und nahm als erste Frau in der Öffentlichkeit den Schleier von&lt;br /&gt;
ihrem Angesicht. Entsetzen vieler Augenzeugen und ihre spätere Gefan-&lt;br /&gt;
gennahme waren die Folgen. Sie starb den Märtyrertod, und ihre letz-&lt;br /&gt;
ten Worte waren: „Ihr könnt mich töten, aber die Befreiung der Frauen&lt;br /&gt;
könnt ihr nicht aufhalten!“ Welche Wahrheit hat sie ausgesprochen! Seit-&lt;br /&gt;
dem sind mehr als 100 Jahre vergangen. Der Blick in die Gegenwart zeigt&lt;br /&gt;
zum Teil widerstreitende, ungeordnete, teilweise extremistische Kräfte&lt;br /&gt;
und Strömungen in dieser noch nicht gemeisterten Situation der Gleich-&lt;br /&gt;
berechtigung von Mann und Frau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muß auch kurz das Sexualproblem angesprochen werden, das im&lt;br /&gt;
Leben der Geschlechter untereinander eine bedeutende Rolle spielt. Mir&lt;br /&gt;
scheint hier ein Schwerpunkt der noch vielfach umstrittenen Folge-&lt;br /&gt;
rungen aus der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu liegen.&lt;br /&gt;
Was zeigen z. T. die Filme? Dem weiblichen Geschlecht wird hier eine&lt;br /&gt;
maßlose Freiheit eingeräumt, die sich andererseits aber doch als starke&lt;br /&gt;
Abhängigkeit vom männlichen Geschlecht erweist. Moral und Sitte und&lt;br /&gt;
natürliches, gesundes Maßhalten, was im besonderen von der Frau be-&lt;br /&gt;
stimmt werden sollte, erscheinen aufgehoben. Das Sexualleben von Mann&lt;br /&gt;
und Frau wird oft unbekümmert um die ganzheitliche polare Einheit&lt;br /&gt;
von Mann und Frau in ihrer physiologischen, seelischen und geistigen&lt;br /&gt;
Struktur hochgespielt. „Unter den vielen Dingen, über die die Menschen&lt;br /&gt;
heute die Kontrolle verloren haben, fällt besonders ihre Schwäche in&lt;br /&gt;
sexuellen Dingen auf. Sie denken, daß die Befriedigung ihrer überent-&lt;br /&gt;
wickelten sexuellen Instinkte ihr unbedingtes Recht, ihr einziger Weg&lt;br /&gt;
zum Glück und das größte Vergnügen ist, das das Leben ihnen bieten&lt;br /&gt;
kann“, schreibt Ruhiyyih Rabbani &amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewältigung dieses allzulange tabuierten, in Film, Literatur usw.&lt;br /&gt;
heute aufgebauschten Problems, hängt weitgehend von der verantwor-&lt;br /&gt;
tungsbewußten und sachkundigen Aufklärung und Erziehung der Kinder&lt;br /&gt;
und Jugendlichen ab. Schon zeichnen sich unter der heranwachsenden&lt;br /&gt;
Jugend gesündere und natürlichere Ansichten und Zustände ab. Dies geht&lt;br /&gt;
aus einem größeren Artikel®) hervor, in welchem Eberhard Stammler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
883&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|904|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unter der Überschrift „Das solide Sorgenkind“ auf Grund vielfacher&lt;br /&gt;
Untersuchungs- und Befragungsergebnisse u.a. zu der Feststellung.&lt;br /&gt;
kommt, daß die Bindung an die Familie wieder stärker geworden ist, daß&lt;br /&gt;
von einem hohen. Prozentsatz unserer Mitmenschen die geforderte Be-&lt;br /&gt;
rufsdisziplin bejaht wird und daß die engen Bindungen der jungen Er-&lt;br /&gt;
wachsenen in zunehmendem Maße dauerhafter werden und zur Ehe füh-&lt;br /&gt;
ren. „Es gibt zwei: Forderungen“, so schreibt Ruhiyyih Rabbani, „die an&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht der Ehe gestellt werden müssen: die der Keuschheit&lt;br /&gt;
und die der Kinder. Keuschheit — eine der seltensten aller Tugenden in&lt;br /&gt;
der heutigen Welt — bedeutet, die eigenen, in ihrem Wesen so ganz ver-&lt;br /&gt;
traulichen und deinem Leben so viel Schönheit bietenden Geschlechts-&lt;br /&gt;
kräfte für den Menschen zu bewahren, dem sie zustehen: deinem Lebens-&lt;br /&gt;
gefährten, deinem Ehepartner, mit dem du Heim und Kinder und alles&lt;br /&gt;
Frohe und Schwere des Lebens teilen willst...“ ”)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die berufstätige Ehefrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf dem Gebiet der Gleichberechtigung von Mann und Frau zeich-&lt;br /&gt;
nen sich mehr und mehr positive und in gute Bahnen gelenkte Kräfte ab.&lt;br /&gt;
Wie auf allen Lebensgebieten, muß auch hier zu einer Mitte hingefunden&lt;br /&gt;
werden, die der Würde des Menschen — vor allem geht es hier um die&lt;br /&gt;
Frau — hinreichend gerecht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So lesen wir in der Enzyklika „Pacem in terris“ von Papst Johannes&lt;br /&gt;
XXIII „Mann und Frau (haben in der Ehe) gleiche Rechte und Pflich-&lt;br /&gt;
ten...“ (Nr. 15) Bezüglich der Frauen gilt, daß ihnen solche Arbeitsbedin-&lt;br /&gt;
gungen zugestanden werden, die den Bedürfnissen und Pflichten der Ehe-&lt;br /&gt;
frauen und Mütter entsprechen.“ (Nr. 19) „Die Frau, die sich ihrer Men-&lt;br /&gt;
schenwürde heutzutage immer mehr bewußt wird, ist weit davon entfernt,&lt;br /&gt;
sich als seelenlose Sache oder als bloßes Werkzeug einschätzen zu las-&lt;br /&gt;
sen...“ (Nr. 41) 2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Simone de Beauvoir schrieb über die gegenwärtige Situation der Frau&lt;br /&gt;
u. a. folgendes: „So ist heute die Frau zwischen ihren beruflichen Inter-&lt;br /&gt;
essen und den Sorgen um ihre sexuelle Berufung gespalten. Es fällt&lt;br /&gt;
ihr schwer, ihr Gleichgewicht zu finden. Wenn sie es dennoch herstellt,&lt;br /&gt;
lebt sie in ständiger Spannung. . . Es ist der Grund für ihre Nervosität&lt;br /&gt;
und die erhöhte Anfälligkeit, die man an ihr beobachtet. Die Frauen sind&lt;br /&gt;
häufig an der Grenze ihrer Kraft... Die Situation hängt jedoch nicht vom&lt;br /&gt;
Körper, sondern dieser von ihr ab...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man die beruflichen Ergebnisse der Frau beurteilt und von hier&lt;br /&gt;
ausgehend Schlüsse auf ihre Zukunft ziehen will, darf man diese Zu-&lt;br /&gt;
sammenhänge nicht aus dem Auge verlieren... Was im wesentlichen der :&lt;br /&gt;
heutigen Frau fehlt, um große Dinge zu vollbringen, ist das Selbstverges-&lt;br /&gt;
sen: Aber um sich selbst zu vergessen, muß man zunächst unbedingt&lt;br /&gt;
sicher sein, daß man bereits zu sich selbst gefunden hat. Neu in der Welt:&lt;br /&gt;
der Männer aufgetaucht ..... ist die Frau noch zu sehr damit beschäftigt,&lt;br /&gt;
sich selbst zu suchen. .. . Noch erschöpft die Frau ihren Mut in der Be-&lt;br /&gt;
seitigung der Spiegelungen und hält an der Schwelle der Wirklichkeit er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
884&lt;br /&gt;
{{page|905|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schrocken inne. Wir sind noch zu sehr mit der ersten Orientierung be-&lt;br /&gt;
schäftigt, um jenseits einer solchen Klarheit neues Dunkel durchdringen&lt;br /&gt;
zu können. ... Um schöpferisch zu werden, genügt es nicht, sich zu bil-&lt;br /&gt;
den, das heißt in sein Leben Schauspiele und Bekanntschaften einzuglie-&lt;br /&gt;
dern. Die Bildung muß durch die freie Bewegung einer Transzendenz er-&lt;br /&gt;
langt werden. ... Große Männer sind groß, weil sie das Gewicht der Welt&lt;br /&gt;
auf ihre Schultern genommen haben, es ist ihnen geglückt, sie neu zu&lt;br /&gt;
schaffen. Das hat noch keine Frau getan, aber auch noch nicht tun können.&lt;br /&gt;
Im Mann und nicht in der Frau hat sich bis jetzt der Mensch an sich&lt;br /&gt;
verkörpern können. Keine Frau hat sich dazu für berechtigt gehalten.&lt;br /&gt;
... Die freie Frau wird eben erst geboren.“ Die Autorin beschließt ihr&lt;br /&gt;
Buch mit dem schlichten Satz: „Die Zukunft steht weit offen“ was viele&lt;br /&gt;
Möglichkeiten einbezieht, ohne daß man sich auf Voraussagen festlegt 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stellung und Aufgabe der Frau im neuen Zeitalter ist durch&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh in Seinen geoffenbarten Schriften hervorgehoben; ‘Abdu’l-&lt;br /&gt;
Bahä hat sie wegweisend erklärt, Voraussetzung ist eine wissenschaftlich&lt;br /&gt;
untermauerte, sozialethisch bestimmte und zukunftsweisende Erziehung,&lt;br /&gt;
die vor allem für die Mädchen eine besondere Bedeutung hat, da sie die&lt;br /&gt;
Mütter der nachfolgenden Generation sein werden. Der Schwerpunkt der&lt;br /&gt;
Bestimmung der Frau wird auch in ferneren Zeiten in ihrer hohen Auf-&lt;br /&gt;
gabe als Mutter und Erzieherin liegen, in die sie mit immer besseren&lt;br /&gt;
Voraussetzungen und Erkenntnissen hineinwachsen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In früheren Zeiten war die Lebensaufgabe der Frau mit der Erziehung&lt;br /&gt;
der Kinder und ihren Hausfrauenpflichten erfüllt. Sie hatte am öffent-&lt;br /&gt;
lichen Leben kaum Anteil und auf dessen Belange so gut wie keinen&lt;br /&gt;
Einfluß. Doch schon seit Jahrzehnten werden die Frauen mehr und mehr&lt;br /&gt;
in das vielschichtig gewordene Berufsleben, das vordem dem Manne&lt;br /&gt;
vorbehalten war, einbezogen. Man kann sagen, daß das Maschinenzeit-&lt;br /&gt;
alter die Emanzipation der Frau förderte. Immer mehr neue Möglichkei-&lt;br /&gt;
ten eröffnen sich im Berufsleben für die Entfaltung der Fähigkeiten der&lt;br /&gt;
Frau und werden von einer ständig wachsenden Zahl vor allem von der&lt;br /&gt;
jungen Generation wahrgenommen. Die Statistik zeigt z. B., daß an 51&lt;br /&gt;
wissenschaftlichen Hochschulen sich zum Wintersemester 1966/67 157,4&lt;br /&gt;
Prozent mehr weibliche Studierende eingeschrieben haben als ein Jahr&lt;br /&gt;
Zuvor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der ganzen Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einsatz der Frau im öffentlichen Leben sollte vorwiegend in jenen&lt;br /&gt;
Berufen angestrebt werden, die der Erziehung, der sozialen Hilfe, der&lt;br /&gt;
Pfiege, der Förderung und Erhaltung der Gesundheit dienen. Ihr beson-&lt;br /&gt;
derer Einsatz sollte überall, ungeachtet ihrer sonstigen Tätigkeiten, der&lt;br /&gt;
Förderung und Erhaltung des Weltfriedens gewidmet sein. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
spricht davon, daß in der Frau die geistigen Eigenschaften der Liebe und&lt;br /&gt;
des Dienens stärker angelegt sind und daß sie hierin ihren wertvollen&lt;br /&gt;
Beitrag für den Frieden der Welt leisten kann. Die Frauen müssen sich&lt;br /&gt;
mehr und mehr ihrer Fähigkeiten bewußt werden und gewillt und be-&lt;br /&gt;
strebt sein, diese in den Dienst der ganzen Menschheit zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
885&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|906|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=28}}Ein schwieriges Problem für das zunehmende Berufsleben der Frauen&lt;br /&gt;
ist die Überbeanspruchung, teils auch ungünstige Arbeitsbedingungen&lt;br /&gt;
und -verhältnisse, die Gefahren und Schäden für ihre Gesundheit an&lt;br /&gt;
Leib und Seele mit sich bringen können. Es werden ausgedehnte Unter-&lt;br /&gt;
suchungen über die Berufs- und Erwerbstätigkeit der Frau angestellt. So&lt;br /&gt;
fand unter dem Titel „Versorgungsehe oder Beruf“ eine Untersuchung in&lt;br /&gt;
den nordischen Ländern ihren Niederschlag, die in vielseitigen Zusam-&lt;br /&gt;
menhängen in einem über 500 Seiten umfassenden Buch veröffentlicht&lt;br /&gt;
wurde 19),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Extreme und gemäßigte Richtungen werden hier beleuchtet. Vom Ab-&lt;br /&gt;
bau der familiären Funktionen bis zur Grenze der Auflösung der Familie&lt;br /&gt;
wird gesprochen, wo die kollektive Form der Kindererziehung Raum ge-&lt;br /&gt;
funden hat, bis zum gemäßigten, wo es heißt: Die Frau muß die Wahl&lt;br /&gt;
zwischen Nur-Hausfrau und Berufsfrau haben. Man will drei Phasen im&lt;br /&gt;
Leben der Frau gerecht werden: Berufszeit, dann die Ehe und die Er-&lt;br /&gt;
ziehung der kleinen Kinder, dann, wenn diese größer werden, ein Doppel-&lt;br /&gt;
leben als Hausfrau und Berufstätige. Heranwachsende Mädchen müssen&lt;br /&gt;
erfahren, daß die Mutterrolle nicht ihre einzige Lebensaufgabe ist, des-&lt;br /&gt;
halb gute Grundausbildung und breitere Berufswahl. Verheiratete Frauen&lt;br /&gt;
sollte man anregen und ermutigen, daß sie die Kenntnisse ihrer Berufs-&lt;br /&gt;
ausbildung bewahren und den Kontakt mit ihrem Beruf aufrecht erhal-&lt;br /&gt;
ten. So haben z. B. Programmiererinnen in Amerika sich in einer Ver-&lt;br /&gt;
einigung zusammengeschlossen, um in den Jahren, die der Erziehung&lt;br /&gt;
ihrer Kinder gehören, in Heimarbeit die Verbindung und die Übung in&lt;br /&gt;
ihrem Beruf zu erhalten. Der Arbeitsmarkt muß auf die Doppelrolle der&lt;br /&gt;
Frau Rücksicht nehmen, z. B. durch Einrichtung von Teilzeitarbeit, Ka-&lt;br /&gt;
renzurlaub bei Geburten, Weiterbildung und Umschulung für ältere&lt;br /&gt;
Frauen. Auch die Hausfrauenstellung ist zu verbessern durch Ausbildung&lt;br /&gt;
auf diesem Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserer Zeit der Neugestaltung ist das Verhältnis zwischen den&lt;br /&gt;
Ehepartnern einer Wandlung unterworfen. Die bestimmende Oberhand&lt;br /&gt;
des Familienoberhauptes wird abgelöst durch häufige Beratung, auch&lt;br /&gt;
mit den Kindern, über die zu treffenden familiären Entscheidungen.&lt;br /&gt;
Wenn auch heute im Zeichen des Umbruchs die Ehe — die Zelle der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft und des Staates — einer schweren Krise ausgesetzt ist und&lt;br /&gt;
sogar die absurde Idee ausgesprochen wurde, ob im Jahre 2000 die Ehe&lt;br /&gt;
überhaupt noch bestehe, so wird sich diese gottgewollte Einrichtung bei&lt;br /&gt;
der notwendigen Wandlung der Menschen wieder festigen und nach wie&lt;br /&gt;
vor die Burg von Sitte und Moral im Einzel- und Gemeinschaftsleben&lt;br /&gt;
sein. Hierbei hat gerade die Frau ihren entscheidenden Beitrag zu leisten.&lt;br /&gt;
Sie muß den Mut aufbringen, selbständig zu denken und zu handeln und&lt;br /&gt;
an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu arbeiten. Sie muß bestrebt sein,&lt;br /&gt;
den Kreis ihres Wirkens für die Besserung der Lebensbedingungen der&lt;br /&gt;
Gesellschaft zu erweitern. Ein geistiges Erwachen ist die Voraussetzung&lt;br /&gt;
hierfür, ein Erwachen, in einer bewußten Lebenshaltung verstanden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn in früheren Zeiten, wie schon angeführt, einzelne Frauen durch&lt;br /&gt;
ihre besonderen Leistungen hervortraten, so wird und muß es heute und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
886&lt;br /&gt;
{{page|907|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=29}}in künftiger Zeit eine Vielzahl sein, die ihre Kräfte und geistigen Fähig-&lt;br /&gt;
keiten zu entwickeln vermag. Es sind hierfür schon viele Voraussetzungen&lt;br /&gt;
geschaffen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Internationalen Akademiker-Konferenz in Karlsruhe im&lt;br /&gt;
August 1968, die im Zeichen der Menschenrechte und -pflichten als Richt-&lt;br /&gt;
maß für eine neue Deutung geistiger, sittlicher und sozialer Werte stand,&lt;br /&gt;
wurde im besonderen herausgestellt, daß es nicht nur um das Begreifen&lt;br /&gt;
dieser Rechte sondern auch um deren Verwirklichung gehe, bei der die&lt;br /&gt;
Bereitschaft und das Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen not-&lt;br /&gt;
wendig seien. Wege und Möglichkeiten wurden aufgezeigt: Freiheit der&lt;br /&gt;
Religion, politische Rechte der Frau, gleiche Bildungschancen, Anteil der&lt;br /&gt;
Frau an Wissenschaft und Technik, Ausbildung der Frau in den Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsländern, Bekämpfung des Analphabetentums, Recht auf Er-&lt;br /&gt;
holung, Beseitigung rassischer Diskriminierung, Menschenrechte in der&lt;br /&gt;
öffentlichen Meinung, Recht auf angemessenen Lebensstandard und nicht&lt;br /&gt;
zuletzt die Verantwortung der Wissenschaft für die Menschenrechte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá hat, wie schon eingangs erwähnt, während Seiner Reisen&lt;br /&gt;
in der westlichen Hemisphäre in den Jahren 1911—1913 des öfteren zu&lt;br /&gt;
dem Therna der geistigen Entwicklung der Frau und ihrer Gleichberech-&lt;br /&gt;
tigung gesprochen. Diese Ansprachen zeigen die Stellung und Aufgabe&lt;br /&gt;
der Frau heute und morgen auf. Zitate aus diesen Ansprachen mögen&lt;br /&gt;
dies verdeutlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In der Vergangenheit wurde die Welt durch Gewalt regiert, und der&lt;br /&gt;
Mann herrschte über die Frau, weil er sowohl in körperlicher als auch in&lt;br /&gt;
geistiger Hinsicht kräftigere und mehr zum Angriff neigende Eigenschaf-&lt;br /&gt;
ten besitzt. Aber die Zunge der Waage senkt sich schon; die Gewalt ver-&lt;br /&gt;
liert ihre Vorherrschaft, und geistige Regsamkeit, Intuition und die gei-&lt;br /&gt;
stigen Eigenschaften der Liebe und des Dienens, in denen die Frau stark&lt;br /&gt;
ist, gewinnen an Einfluß. Daher wird das neue Zeitalter ein weniger&lt;br /&gt;
männliches Zeitalter sein und mehr von den weiblichen Idealen durch-&lt;br /&gt;
drungen sein oder, um mich genauer auszudrücken, es wird ein Zeitalter&lt;br /&gt;
sein, in dem die männlichen und weiblichen Elemente der Zivilisation&lt;br /&gt;
besser ausgeglichen sein werden. ... Die Frauen müssen fortschrittlich&lt;br /&gt;
gesinnt sein, und ihre Kenntnisse müssen sich zur Vervollkommnung der&lt;br /&gt;
Menschheit auf Wissenschaft, Literatur und Geschichte erstrecken. Binnen&lt;br /&gt;
kurzem werden sie zu ihrem Rechte kommen. ... Ich hoffe, daß ihr Frauen&lt;br /&gt;
in allen Phasen des Lebens Fortschritte macht...“ 11)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Ansprache ‘Abdu’l-Bahás am 14. November 1911 in Paris:&lt;br /&gt;
„Das weibliche Geschlecht wird als niedriger stehend betrachtet und es&lt;br /&gt;
werden ihm keine gleichen Rechte und Vorrechte gestattet. Dieser Zu-&lt;br /&gt;
stand ist keine Folge der Natur, sondern der Erziehung. In der göttlichen&lt;br /&gt;
Schöpfung gibt es keine derartige Unterscheidung... Wenn die Frauen&lt;br /&gt;
die gleichen Vorzüge der Erziehung genießen wie die Männer, so wird&lt;br /&gt;
das Ergebnis zeigen, daß sich beide gleicherweise zur Bildung eignen...&lt;br /&gt;
Ist die Mutter gebildet, so werden auch ihre Kinder gut unterrichtet&lt;br /&gt;
werden... Es ist daher klar, daß die zukünftige Generation von den&lt;br /&gt;
Müttern von heute abhängt. Ist das nicht eine wesentliche Verantwortung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
887&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|908|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Frau? Bedarf sie da nicht jeder nur möglichen Förderung, um für&lt;br /&gt;
eine solche Aufgabe gerüstet zu sein? ... In Europa haben die Frauen&lt;br /&gt;
größere Fortschritte gemacht als im Osten, aber es bleibt noch viel zu&lt;br /&gt;
tun... Ich hoffe, daß sowohl die Frauen des Ostens, als auch ihre west-&lt;br /&gt;
lichen Schwestern rasche Fortschritte machen, bis die Menschheit vervoll-&lt;br /&gt;
kommnet ist... Die Frauen müssen größte Anstrengungen machen, um&lt;br /&gt;
geistige Kraft zu erwerben und die Tugenden der Weisheit und Heiligung&lt;br /&gt;
zu vermehren, bis es ihrer Erleuchtung und ihrem Streben gelingt, die&lt;br /&gt;
Einheit der Menschheit zu verwirklichen &amp;quot;).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ansprache schließt mit dem verpflichtenden Aufruf ab: „Sie (die&lt;br /&gt;
Frauen) müssen mit glühender Begeisterung arbeiten, um die Lehre&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs unter die Völker zu tragen, damit das strahlende Licht gött-&lt;br /&gt;
licher Güte die Seelen aller Nationen der Erde umgebe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besondere Anerkennung zollte ‘Abdu’l-Bahá den Frauen des Westens,&lt;br /&gt;
die sich aufgemacht hatten, die göttliche Botschaft Bahä’u’llähs weiter-&lt;br /&gt;
zutragen. „Zu den Wundern, die diese heilige Sendung kennzeichnen, ge-&lt;br /&gt;
hört dieses, daß die Frauen größere Kühnheit als die Männer bewiesen&lt;br /&gt;
haben, nachdem sie dem Glauben beigetreten waren &#039;?).*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Verwirklichung der Prinzipien der Bahä’i-Religion dürfen keine&lt;br /&gt;
gewaltsamen Maßnahmen ergriffen werden, so auch nicht bei der Herauf-&lt;br /&gt;
führung des Prinzips der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die&lt;br /&gt;
Befolgung der Gesetze Gottes bringt den größten Segen für die Entwick-&lt;br /&gt;
lung der ganzen Menschheit. „Die Gesetze Gottes“, so spricht Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
„sind keine Auflagen des Willens noch der Macht oder des Beliebens,&lt;br /&gt;
sondern Ergebnisse der Wahrheit, der Vernunft und der Gerechtigkeit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Voraussagen für die Entwicklung der Menschheit, hier insbeson-&lt;br /&gt;
dere im Hinblick auf das weibliche Geschlecht, sind aus göttlicher Feder&lt;br /&gt;
niedergelegt und künden ein neues Zeitalter an. Dieses Zeitalter wird,&lt;br /&gt;
wie schon gesagt, entscheidend von der Gleichberechtigung aller Men-&lt;br /&gt;
schen — hier im besonderen von Mann und Frau — mitbestimmt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir die Zukunft in einem helleren Licht leuchten, dank der&lt;br /&gt;
heilbringenden Kraft und Macht der Sendung von Bahä’u’lläh. Dieses&lt;br /&gt;
Licht der göttlichen Führung kann durch die gegenwärtigen, oftmals be-&lt;br /&gt;
drückenden Zerfallserscheinungen der bisherigen Gesellschafts- und Völ-&lt;br /&gt;
kerordnungen, vor allem auch im Zusammenleben der Geschlechter, nicht&lt;br /&gt;
verdunkelt werden. Wir leben in einer Übergangszeit, in der Geburts-&lt;br /&gt;
stunde eines neuen Zeitalters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erna Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ı) Shoghi Effendi, Entfaltung einer neuen Weltzivilisation S. 52&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Esslemont, Baharu ’jläh und das neue Zeitalter S. 223/24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s) Bahä’i- Gebete, Oxford, 1948, S. 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 Shoghi Effendt, Entfaltung S, 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Ruhiyyih Rabbani, Dein Leben, Deine Wahl, S. 70&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Stuttgarter Zeitung vom 20. Mai 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NR. Rabbani, s. 9) S. 76&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Ein Gott — Eine Welt, Sonderdruck aus Bahä’i-Briefe, Heft 23, S. 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Simone Beauvoir, Das andere Geschlecht (rororo 99) S. 142, 144, 146, 147, 148&lt;br /&gt;
1%, „Kvinnors liv och arbete“ Herausgeber: Studienfördundet Närigsliv och Samhälle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1962, Stockholm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Esslemont, Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter S. 226/227&lt;br /&gt;
12) Pariser Ansprachen S. 129/130&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit S. 83&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
888&lt;br /&gt;
{{page|909|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=31}}In memoriam: |Hermann Grossmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Juli 1968 hat die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltgemeinschaft von&lt;br /&gt;
Hermann Grossmann, einem&lt;br /&gt;
ihrer großen Vorkämpfer in&lt;br /&gt;
Europa, Abschied genommen.&lt;br /&gt;
Er war einer der wenigen, de-&lt;br /&gt;
nen es gegeben war, schon in&lt;br /&gt;
den frühen zwanziger und&lt;br /&gt;
dreißiger Jahren dieses Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts die Bedeutung der&lt;br /&gt;
Offenbarung Bahä’u’llähs nicht&lt;br /&gt;
nur intuitiv mit reinem Her-&lt;br /&gt;
zen und gutem Willen zu er-&lt;br /&gt;
ahnen, sondern von der Ge-&lt;br /&gt;
schichtsphilosophie, der Wirt-&lt;br /&gt;
schafts- und der Gesellschafts-&lt;br /&gt;
wissenschaft her in ihrer gan-&lt;br /&gt;
zen Tragweite zu erfassen, so&lt;br /&gt;
weit dies in unseren verworre-&lt;br /&gt;
nen Zeiten schon möglich ist.&lt;br /&gt;
Als Redner und Lehrer, in&lt;br /&gt;
mehreren Büchern und zahllo-&lt;br /&gt;
sen Aufsätzen, als Systemati-&lt;br /&gt;
ker, Sammler und Kommenta-&lt;br /&gt;
tor hat er sich unermüdlich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit sicherem Gefühl für das&lt;br /&gt;
Wesentliche und in treuer Ergebenheit für Shoghi Effendi, den Hüter des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens, vor allem den Kernfragen des neuen Menschheitsbe-&lt;br /&gt;
wußtseins zugewandt: der Idee der fortschreitenden Gottesoffenbarung als&lt;br /&gt;
dem Schlüssel zum Gang der Geschichte, dem Bündnisgedanken als dem&lt;br /&gt;
normativen, grundgesetzgebenden Prinzip des Religiösen, das nunmehr&lt;br /&gt;
in der Fülle des neuen Wortes Gottes die Charta einer weltumspannen-&lt;br /&gt;
den Ordnung vor uns ausbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weite seines Geburtslandes Argentinien und die Schrecken des Er-&lt;br /&gt;
sten Weltkriegs, seine ersten wissenschaftlichen Studien und die bohrende&lt;br /&gt;
Frage nach dem Sinn der gesellschaftlichen Entwicklung bereiteten Her-&lt;br /&gt;
mann Grossmann darauf vor, daß er schon 1919 in Leipzig sich spontan&lt;br /&gt;
zur Bahä’i-Religion bekennen konnte. Sofort stellte er sich in den Dienst&lt;br /&gt;
der Verbreitung dieser neuen Ideen, ein ganzes reich erfülltes Leben lang.&lt;br /&gt;
Große Ergebenheit, Treue, Güte und Gläubigkeit strahlten von ihm aus;&lt;br /&gt;
er trug in seinem Herzen eine tief empfundene Liebe zur Menschheit als&lt;br /&gt;
Ganzem im Lichte der göttlich bestimmten Einheit aller Rassen, Völker,&lt;br /&gt;
Nationen und Kontinente unserer so klein gewordenen Erde. Hermann&lt;br /&gt;
Grossmann war ein starker Pfeiler der deutschen Bahä’i-Gemeinde und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
889&lt;br /&gt;
{{page|910|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
blieb zielbewußt und zuversichtlich durch alle Heimsuchungen unseres&lt;br /&gt;
Volkes hindurch, immer dessen gewiß, daß Gott tut, was Er will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg erging 1951 an ihn der Ruf Shoghi Effen-&lt;br /&gt;
dis, als „Hand der Sache Gottes“ seine Kenntnisse und Fähigkeiten, seine&lt;br /&gt;
Opferbereitschaft und Hingabe in den weltweiten Dienst der Verbreitung&lt;br /&gt;
der Botschaft Bahä’u’lähs zu stellen. Zwischen 1958 und 1962 unternahm&lt;br /&gt;
er mit seiner Frau eine Reihe von Lehrreisen nach Südamerika, wobei er&lt;br /&gt;
vor allem der einheimischen Bevölkerung, den Indios, die freudige Kunde&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh als dem Einiger und Erlöser des Menschengeschlechts&lt;br /&gt;
brachte und die Herzen seiner Zuhörer gewann. Die vielen Unbilden des&lt;br /&gt;
Reisens setzten seiner Gesundheit schwer zu; dennoch ließ er erst davon&lt;br /&gt;
ab, als seine Ärzte darauf bestanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i der ganzen Welt werden Hermann Grossmann als ein leuch-&lt;br /&gt;
tendes Vorbild in ihren Herzen bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E. Sch. /P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch dieser Abschied so kurz ist, gemessen an der Ewigkeit, er&lt;br /&gt;
ist nicht ohne ein heimliches Wehgefühl. Wie kurz ist doch alles hier auf&lt;br /&gt;
Erden! Durch Zeitlichkes muß unsere Seele wandern, um dem Ewigen&lt;br /&gt;
entgegenzureifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele, die zu ihrem Vater strebt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Herrn und Schöpfer aller, die hier wohnen.&lt;br /&gt;
erkennt, wenn sie dem Dienst des Guten lebt,&lt;br /&gt;
so manche eigene, alte Illusionen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dem nur, der sich klar zum Licht erhebt,&lt;br /&gt;
erschließt die Bahn sich zu den höheren Zonen.&lt;br /&gt;
Da muß, um sich zum Echten durchzuringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch noch Abschied sagen vielen Dingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so von liebevoller Hand geleitet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird ihm bewußt, was nichtig und was groß,&lt;br /&gt;
und immer herrlicher des Staubs entkleidet,&lt;br /&gt;
schaut er der flüchtigen Dinge ewigen Schoß.&lt;br /&gt;
Und wie sein Blick sich in der Reinheit weitet,&lt;br /&gt;
wird auch sein Wesen rein und makellos&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und steigt, beflügelt mit der Liebe Schwingen,&lt;br /&gt;
zu ewigen, erhabenen Himmelsringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(aus den Abschiedsworten von Adelbert Mühlschlegel)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
890&lt;br /&gt;
{{page|911|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=33}}Die Palermo-&lt;br /&gt;
Konferenz...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... vereinte vom 23. bis 25. August&lt;br /&gt;
über 2300 Bahäd’i aus 67 Ländern&lt;br /&gt;
in der sizilianischen Hafenstadt.&lt;br /&gt;
Eskimos und Afrikaner, Europäer&lt;br /&gt;
und Asiaten, Amerikaner und&lt;br /&gt;
Australier gedachten der vor ein-&lt;br /&gt;
hundert Jahren, im August 1868,&lt;br /&gt;
von Bahä’u’lläh auf Seinem Ver-&lt;br /&gt;
bannungsweg ins Heilige Land&lt;br /&gt;
unternommenen Reise durch das&lt;br /&gt;
Mittelmeer nach Akkd. Sie hör-&lt;br /&gt;
ten gleichzeitig die ermutigenden&lt;br /&gt;
Berichte aus allen Teilen der Erde&lt;br /&gt;
über den Erfolg der Verkündigung&lt;br /&gt;
des Bahä’i-Glaubens. Dr. Ugo&lt;br /&gt;
Giachery gab als Vertreter des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses der Gerech-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tigkeit einen Überblick: 81 Nationale Geistige Räte arbeiten zurzeit als&lt;br /&gt;
wichtige Pfeiler der Bahä’i-Verwaltungsordnung; 6000 örtliche Geistige&lt;br /&gt;
Räte sind Keimzellen für die Ausbreitung des Glaubens. Im Bahd’i-Glau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
891&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|912|file=Baha&#039;i_Briefe_34.pdf|page=34}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ben haben sich schon die Angehörigen von über einhundert Rassen und&lt;br /&gt;
Stämmen gefunden, Bahä’i-Literatur ist in rund 400 Sprachen übersetzt.&lt;br /&gt;
Unsere Bilder auf den Seiten 891 und 892 zeigen Ausschnitte aus der&lt;br /&gt;
Konferenz, die in der Fiera del Mediterraneo, einer Kongreßhalle, statt-&lt;br /&gt;
fand und trotz vieler Schwierigkeiten hervorragend organisiert war. Nach&lt;br /&gt;
der Konferenz reisten viele Teilnehmer zur Jahrhundertfeier von&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Ankunft in Akka nach Haifa weiter.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_33/Text&amp;diff=75329</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 33/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:08:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|831|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=1}}D 20155 F&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
..&lt;br /&gt;
AUS -DEM INHALT: BLATTER&lt;br /&gt;
Selig ist der,Mensch ... . ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der sozialökonomische F U R&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperativ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der WE LTR E LI G I OÖ N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltwirtschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechungen U N D&lt;br /&gt;
HEFT 33 WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|832|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|833|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=3}}as BAHATI- BRIEFE Han 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirb in deinem Zorn, o Volk der Uneinigkeit!&lt;br /&gt;
Er, vor dessen Erkenntnis nichts verborgen ist,&lt;br /&gt;
über dessen Kommen das Antlitz des Wissens&lt;br /&gt;
in Freude erstrahlte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und durch den das Reich der Worte geschmückt&lt;br /&gt;
wurde - Er ist in der Tat erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder, der sich Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem König der Religionen, nähert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
macht Fortschritte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bewirkte, daß sich die Sitzenden erhoben&lt;br /&gt;
und die Ruhenden zum Berg der Zuversicht eilten.&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Gott zu einer Gnade für die Frommen machte,&lt;br /&gt;
zu einem Strafgericht über die Gottlosen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Segen für die Vorwärtsschreitenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und zum Zorn für die, welche leugnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und sich hinwegkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist mit Macht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus der Gegenwart Gottes hervorgegangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und hat geoffenbart,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was weder im Himmel noch auf Erden&lt;br /&gt;
seinesgleichen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tablet Ishräqät)&lt;br /&gt;
{{page|834|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=4}}Selig ist der Mensch... -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sprache Bahä’u’llähs fordert zur Vollendung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den wesentlichsten Aussagen&lt;br /&gt;
in der Bahä’i-Religion muß un-&lt;br /&gt;
zweifelhaft jene gezählt werden,&lt;br /&gt;
daß — entgegen theologisch-kon-&lt;br /&gt;
fessioneller Lehren — göttliche&lt;br /&gt;
Offenbarung kein einmaliger Vor-&lt;br /&gt;
gang in der Geschichte der&lt;br /&gt;
Menschheit ist. Nicht der „eingebo-&lt;br /&gt;
rene Sohn“, wie ihn das Christen-&lt;br /&gt;
tum in der Person Jesus verkörpert&lt;br /&gt;
sieht, ist göttlicher Heilskünder&lt;br /&gt;
und -bringer alleine; göttliche&lt;br /&gt;
Manifestation ist ein in Zyklen&lt;br /&gt;
sich wiederholendes Phänomen,&lt;br /&gt;
bestimmt, menschliche Erkennt-&lt;br /&gt;
niskraft zu steigern und der Welt&lt;br /&gt;
neue, zukunftweisende geistige&lt;br /&gt;
Impulse zu vermitteln, ohne die&lt;br /&gt;
keinerlei Fortschritt denkbar wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Bahäd’u’lläh klar for-&lt;br /&gt;
mulierte „fortschreitende Gottes-&lt;br /&gt;
offenbarung“ schließt somit auch&lt;br /&gt;
jede Art von Ausschließlichkeits-&lt;br /&gt;
anspruch geschichtlich gewordener&lt;br /&gt;
Offenbarungsreligionen aus. Kein&lt;br /&gt;
Offenbarer hat einen solchen je&lt;br /&gt;
postuliert; keiner von ihnen hat&lt;br /&gt;
aber so deutlich wie Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
auf den inneren Zusammenhang&lt;br /&gt;
und das Eins-Sein dieser Mani-&lt;br /&gt;
festation hingewiesen. „Betrachte&lt;br /&gt;
mit deinem inneren Auge die&lt;br /&gt;
Kette der aufeinanderfolgenden&lt;br /&gt;
Offenbarungen... Ich bezeuge vor&lt;br /&gt;
Gott, daß jede dieser Manifesta-&lt;br /&gt;
tionen durch die Wirksamkeit des&lt;br /&gt;
göttlichen Willens und Planes&lt;br /&gt;
herabgesandt wurde, daß jede die&lt;br /&gt;
Trägerin einer besonderen Bot-&lt;br /&gt;
schaft war, daß jede mit einem&lt;br /&gt;
göttlich geoffenbarten Buch be-&lt;br /&gt;
traut und beauftragt wurde, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
834&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimnisse einer machtvollen&lt;br /&gt;
Tafel zu enthüllen. Das Maß der&lt;br /&gt;
Offenbarung, das jedem von&lt;br /&gt;
Ihnen gleichgesetzt wurde, ist&lt;br /&gt;
genau vorherbestimmt gewesen.“&lt;br /&gt;
(Ährenlese XXXI) Nur logisch ist&lt;br /&gt;
deshalb Seine Warnung davor, ir-&lt;br /&gt;
gendwelche Unterschiede zwischen&lt;br /&gt;
den Offenbarern zu machen. „Wisse&lt;br /&gt;
wahrlich“, so erklärt Baha’u’lläh,&lt;br /&gt;
„daß das Wesen aller Manifesta-&lt;br /&gt;
tionen Gottes ein und dasselbe ist.&lt;br /&gt;
Ihre Einheit ist vollkommen. Gott,&lt;br /&gt;
der Schöpfer, spricht: ‚Es besteht&lt;br /&gt;
keinerlei Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
den Trägern Meiner Botschaft. Sie&lt;br /&gt;
alle haben nur eine Absicht, Ihr&lt;br /&gt;
Geheimnis ist das gleiche‘ ...Je-&lt;br /&gt;
der wahre Offenbarer hat Seine&lt;br /&gt;
Botschaft grundsätzlich als über-&lt;br /&gt;
einstimmend mit der Offenbarung&lt;br /&gt;
einer jeden Ihm vorangegange-&lt;br /&gt;
nen Manifestation angesehen.“&lt;br /&gt;
(Ährenlese XXXIV). Und: „Diese&lt;br /&gt;
Grundsätze und Gesetze, diese&lt;br /&gt;
festgefügten und mächtigen Glau-&lt;br /&gt;
benssysteme gingen alle aus&lt;br /&gt;
einer Quelle hervor und sind&lt;br /&gt;
die Strahlen eines Lichtes.&lt;br /&gt;
Wenn sie sich voneinander unter-&lt;br /&gt;
scheiden, so ist dies den wechseln-&lt;br /&gt;
den Erfordernissen der Zeitalter&lt;br /&gt;
zuzuschreiben, in denen sie ver-&lt;br /&gt;
kündet wurden.“ (Bahä’u’lläh in&lt;br /&gt;
„Brief an den Sohn des Wolfes“,&lt;br /&gt;
S. 28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser letzte Satz Baha’u’llähs&lt;br /&gt;
macht deutlich, daß es der Wille&lt;br /&gt;
des Schöpfers ist, dem Menschen&lt;br /&gt;
durch den Offenbarer von Zeit-&lt;br /&gt;
alter zu Zeitalter ein sich stei-&lt;br /&gt;
gerndes Maß an Erkenntnissen&lt;br /&gt;
{{page|835|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=5}}zuteil werden zu lassen, ganz im&lt;br /&gt;
Einklang mit der Bestimmung des&lt;br /&gt;
Menschen, sich zu einem geistig&lt;br /&gt;
hochqualifizierten, über der nie-&lt;br /&gt;
deren Kreatur stehenden Wesen,&lt;br /&gt;
eben „zum Bilde Gottes“, hinzu-&lt;br /&gt;
entwickeln. „Ich habe euch noch&lt;br /&gt;
viel zu sagen, aber ihr könnt es&lt;br /&gt;
jetzt nicht tragen. Wenn aber je-&lt;br /&gt;
ner, der Geist der Wahrheit, kom-&lt;br /&gt;
men wird, der wird euch in alle&lt;br /&gt;
Wahrheit leiten. Denn er wird&lt;br /&gt;
nicht aus sich selber reden, son-&lt;br /&gt;
dern was er hören wird, das wird&lt;br /&gt;
er reden, und was zukünftig&lt;br /&gt;
ist, wird er euch verkündigen.&lt;br /&gt;
Derselbe wird mich verherr-&lt;br /&gt;
lichen.“ Was anderes liegt in die-&lt;br /&gt;
sen Worten Christi (Johannes 16,&lt;br /&gt;
12-14), als das eindeutige Bekennt-&lt;br /&gt;
nis zur „fortschreitenden Gottes-&lt;br /&gt;
offenbarung“, formuliert gemäß&lt;br /&gt;
den „Erfordernissen Seines&#039; Zeit-&lt;br /&gt;
alters“? Wie anders sind diese&lt;br /&gt;
Sätze zu verstehen denn als Hin-&lt;br /&gt;
weis auf „Den, der nach Mir&lt;br /&gt;
kommt“? Zu einer Zeit, da die&lt;br /&gt;
Menschheit mehr „zu tragen“ im-&lt;br /&gt;
stande, ihre geistige Kapazität&lt;br /&gt;
eine größere ist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat nicht 1968 Jahre lang&lt;br /&gt;
geschwiegen, wie Er es auch zu-&lt;br /&gt;
vor nicht getan hatte. Er hat&lt;br /&gt;
durch Muhammad, das „Siegel der&lt;br /&gt;
Propheten“, Seine Stimme macht-&lt;br /&gt;
voll erhoben, Er hat sich in El&lt;br /&gt;
Báb, dem Vorläufer Baha’u’llähs,&lt;br /&gt;
und in diesem selbst mani-&lt;br /&gt;
festiert. Und Er hat, durch&lt;br /&gt;
Bahä’u’llädh, Sein Wort in einer&lt;br /&gt;
Sprache verkünden lassen, die&lt;br /&gt;
packender, aufrüttelnder, klarer&lt;br /&gt;
und präziser nicht sein könnte. Es&lt;br /&gt;
ist die Zeit angebrochen, da „ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in Bildern mit euch&lt;br /&gt;
reden werde, sondern euch frei&lt;br /&gt;
heraus verkündigen werde von&lt;br /&gt;
meinem Vater“ (Johannes 16, 25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kaum zuvor in der Geschichte&lt;br /&gt;
fordert unser Zeitalter, daß wir&lt;br /&gt;
Religion, Gottes unverfälschtes&lt;br /&gt;
Wort, mehr als bloße Ansprache&lt;br /&gt;
an Herz und Gemüt, gewisserma-&lt;br /&gt;
ßen als den göttlichen „Wink mit&lt;br /&gt;
dem Zaunpfahl“, verstehen. In&lt;br /&gt;
unserer komplexen, mit den Mit-&lt;br /&gt;
teln der Selbstzerstörung ausge-&lt;br /&gt;
statteten Welt gilt es, Gottes&lt;br /&gt;
Wort zum zentralen Ausgangs-&lt;br /&gt;
punkt all unserer Überlegungen&lt;br /&gt;
und Entscheidungen zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wer sich nur oberfläch-&lt;br /&gt;
lich mit den Schriften Baha’u’llähs&lt;br /&gt;
beschäftigt, dem wird rasch klar,&lt;br /&gt;
um wieviel moderner, positiver,&lt;br /&gt;
leistungs- und gemeinschaftsbe-&lt;br /&gt;
zogener Seine Ausdrucksweise ist,&lt;br /&gt;
entsprechend der Weiterentwick-&lt;br /&gt;
lung des menschlichen Bewußtseins.&lt;br /&gt;
Und weit unmittelbarer richtet Er&lt;br /&gt;
Sein Wort an uns. Wo Christus —&lt;br /&gt;
Seiner Zeit gemäß — noch in&lt;br /&gt;
Gleichnissen sprach, wo Er sich&lt;br /&gt;
gewissermaßen mit dem Sprach-&lt;br /&gt;
schatz des „einfachen Mannes auf&lt;br /&gt;
der Straße“ begnügen mußte,&lt;br /&gt;
strömen die Worte Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
gleich einem Sturzbach auf die&lt;br /&gt;
Menschheit nieder. Gewaltig, um-&lt;br /&gt;
fassend, beherrschend, dabei in&lt;br /&gt;
jedem Satz von erhabener Schön-&lt;br /&gt;
heit; in die Zukunft weisend, an-&lt;br /&gt;
spornend, mahnend und doch&lt;br /&gt;
sublim zugleich — das ist Seine&lt;br /&gt;
Sprache, eine Sprache, die wohl&lt;br /&gt;
an das Herz, „Meinen geheimen&lt;br /&gt;
Aufbewahrungsort“, rührt, die&lt;br /&gt;
aber zugleich herausfordert zur&lt;br /&gt;
Tat, zur Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Groß und vielfältig sind die&lt;br /&gt;
Verheißungen, die Baha’u’lldh&lt;br /&gt;
dem wahrhaft Gläubigen, dem&lt;br /&gt;
Im-Glauben-Lebenden, macht.&lt;br /&gt;
Weit spannt Er den Bogen, wenn&lt;br /&gt;
Er von den Wonnen, dem Wohl,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
835&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|836|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=6}}dem Glück und der Seligkeit de-&lt;br /&gt;
rer spricht, die sich Ihm nähern,&lt;br /&gt;
die an Ihn glauben, die „dem ge-&lt;br /&gt;
horchen, was von Seiten Gottes,&lt;br /&gt;
des urewigen Gebieters, verord-&lt;br /&gt;
net worden ist“. Seine Seligprei-&lt;br /&gt;
sungen, die wir in Fülle finden,&lt;br /&gt;
reichen weit über jene Sätze hin-&lt;br /&gt;
aus, die Christus in Seiner Berg-&lt;br /&gt;
predigt vor den Jüngern gespro-&lt;br /&gt;
chen hatte. Und es sind vor allem&lt;br /&gt;
auch Verheißungen, die nicht al-&lt;br /&gt;
lein auf das jenseitige, das Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach dem Tode, gerichtet sind.&lt;br /&gt;
Nein, „selig“ ist der Mensch&lt;br /&gt;
auch auf dieser Erde, der fest und&lt;br /&gt;
standhaft in dem von Gott erneut&lt;br /&gt;
mit der Menschheit geschlossenen&lt;br /&gt;
Bund steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion der „Bahä’i-&lt;br /&gt;
Briefe“ möchte ihre Leser in die-&lt;br /&gt;
ser Ausgabe, aber auch künftig-&lt;br /&gt;
hin, mit einer Auswahl dieser&lt;br /&gt;
Seligpreisungen und Verheißun-&lt;br /&gt;
gen bekannt machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Schubert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*%&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selig ist, wer sich aufgemacht hat hin zu Dir und eilte, um zum Sonnen-&lt;br /&gt;
aufgang der Lichter Deines Antlitzes zu gelangen. Selig ist, wer sich mit&lt;br /&gt;
seiner ganzen Zuneigung zur Morgendämmerung Deiner Offenbarung und&lt;br /&gt;
zum Quell Deiner Erleuchtung hingewendet hat. Selig, wer auf Deinem&lt;br /&gt;
Pfade das verwendet, was Du ihm durch Deine Gnade und Gunst ver-&lt;br /&gt;
liehen hast. Selig, wer vertraute Zwiesprache mit Dir gehalten und sich.&lt;br /&gt;
freigemacht hat von aller Bindung an irgendeinen außer Dir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich flehe zu Dir, o Du, Der Du der höchste Verordner bist, laß mich nicht&lt;br /&gt;
von dem Windhauch ausgeschlossen sein, der in Deinen Tagen weht, in&lt;br /&gt;
jenen Tagen, an welchen der liebliche Duft aus dem Gewande Deiner&lt;br /&gt;
Gnade in allen Landen zu spüren ist. Halte mich auch nicht fern von&lt;br /&gt;
Deinem größten Meere, in dem jeder Tropfen ausruft und spricht: „Selig&lt;br /&gt;
ist, wer aus seinem Schlummer aufgeweckt worden ist durch den Odem&lt;br /&gt;
Gottes, der aus der Quelle Seiner Gnade über alle jene unter Seinen Ge-&lt;br /&gt;
schöpfen dahinwehte, die sich Ihm zugewandt hatten!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selig der Mensch, der Dich erkannt und die Süße Deines Duftes wahrge-&lt;br /&gt;
nommen hat, der sich Deinem Königreiche zugewendet und von jenen Din-&lt;br /&gt;
gen gekostet hat, die in ihm durch Deine Gnade und Gunst vollendet&lt;br /&gt;
worden sind. Selig jener, der Deine höchste Erhabenheit anerkannt hat und&lt;br /&gt;
den die Schleier, die die Völker von Dir abschlossen, nicht davon abhalten&lt;br /&gt;
konnten, seine Augen Dir zuzuwenden, o Du, Der Du der König aller&lt;br /&gt;
Ewigkeit bist und der Beleber jeglichen sterblichen Gebeins. Selig auch&lt;br /&gt;
der, der in Deinen Tagen Deine süßen Düfte geatmet hat und von Deinen&lt;br /&gt;
Äußerungen hingerissen wurde, Selig sei jeder Mensch, der sich zu Dir&lt;br /&gt;
hinwendete, und wehe über ihn, der Dir den Rücken kehrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verherrlicht sei Dein Name, o mein Gott, denn Du hast den Tag geoffen-&lt;br /&gt;
bart, der der König aller Tage ist, den Tag, welchen Du Deinen Auser-&lt;br /&gt;
korenen und Deinen Propheten auf Deinen höchst erhabenen Tafeln ange-&lt;br /&gt;
kündigt, den Tag, an dem Du den Glanz Deiner Herrlichkeit auf alles Er-&lt;br /&gt;
schaffene ausgegossen hast. Groß ist die Glückseligkeit dessen, der sich Dir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
836&lt;br /&gt;
{{page|837|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=7}}zuwandte, Deine Gegenwart erreichte und den Klang Deiner Stimme ver-&lt;br /&gt;
nahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochgesegnet ist jener Mensch, der in seiner Liebe zu Dir, befreit von&lt;br /&gt;
jeglicher Bindung an jedermann außer Dir, zum Horizonte Deiner Offen-&lt;br /&gt;
barung eilte und diesen Kelch erreichte, der nach Deinem Willen alle&lt;br /&gt;
Meere der Erde übertrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: Gebete und Meditationen&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es obliegt allen, jene Herrscher und Staatsoberhäupter zu unterstützen,&lt;br /&gt;
die mit dem Kleide der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit geziert sind.&lt;br /&gt;
Selig sind die Herrscher und die Gelehrten in Bahä’i! Sie sind wahrlich&lt;br /&gt;
Meine Treuhänder unter Meinen Dienern und die Quellen Meiner Gebote&lt;br /&gt;
unter Meinem Volk. Auf ihnen ruhe Meine Herrlichkeit, Mein Erbarmen&lt;br /&gt;
und Meine Gnade, die die Welt umfaßt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selig ist, wer dem gehorcht, was von seiten Gottes, des urewigen Ge-&lt;br /&gt;
bieters, verordnet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: Buch des Bundes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, o mein Gott, von welcher Art das Feuer ist, das Du in&lt;br /&gt;
Deinem Lande entflammt hast. Erde kann seinen Glanz niemals verdun-&lt;br /&gt;
keln, noch kann Wasser seine Flammen löschen. Keines von allen Völkern&lt;br /&gt;
der Welt vermag seiner Gewalt zu widerstehen. Groß ist die Seligkeit für&lt;br /&gt;
den, der ihm nahe gekommen ist und sein Tosen gehört hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: Gebete und Meditationen&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, der nicht heiratete (Jesus Christus), fand wegen der Untaten der&lt;br /&gt;
Verräter keine Stätte, wo Er hätte wohnen und Sein Haupt zur Ruhe&lt;br /&gt;
legen können. Seine Heiligkeit liegt nicht in dem, was ihr glaubt und&lt;br /&gt;
euch einbildet, sondern in den Dingen, die auch Uns zugehören. Fragt,&lt;br /&gt;
damit ihr Seine Stufe erkennt, die über die leeren Vorstellungen aller&lt;br /&gt;
Völker auf Erden erhaben ist. Selig sind die Verständigen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, der Vater ist gekommen, und der Sohn (Jesus Christus) im geheiligten&lt;br /&gt;
Tal ruft aus: „Hier bin ich, hier bin ich, o Herr, mein Gott“, während der&lt;br /&gt;
Sinai das Haus umkreist und der Brennende Busch laut ausruft: „Der All-&lt;br /&gt;
gütige ist, auf den Wolken thronend, gekommen. Glückselig ist, wer sich&lt;br /&gt;
ihm nähert, und wehe denen, die weit in der Ferne sind.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, wahrlich, kam in. Seiner größten Herrlichkeit in die Welt, und alles,&lt;br /&gt;
was im Evangelium verkündet wurde, hat sich erfüllt. Das Land Syrien&lt;br /&gt;
wurde durch die Fußspuren seines Herrn, des Herrn aller Menschen,&lt;br /&gt;
geehrt, und Nord und Süd sind vom Wein Seiner Gegenwart trunken.&lt;br /&gt;
Selig ist der Mensch, der den Duft des Barmherzigsten einatmet und sich&lt;br /&gt;
dem Aufgangsort Seiner Schönheit an diesem strahlenden Morgen zu-&lt;br /&gt;
wendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Gerechtigkeit Gottes! Ihr werdet alle Dinge verkünden hören:&lt;br /&gt;
„Wahrlich, Er, der Eine Wahre, ist gekommen. Selig sind, die redlich urtei-&lt;br /&gt;
len, und selig, die sich Ihm zuwenden!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
837&lt;br /&gt;
{{page|838|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wisse, daß der in Wahrheit ein Gebildeter ist, der Meine Offenbarung&lt;br /&gt;
annimmt, vom Weltmeer Meines Wissens trinkt und sich in die Lüfte&lt;br /&gt;
Meiner Liebe aufschwingt, der alles außer Mir von sich wirft und sich mit&lt;br /&gt;
festem Griff an das hält, was vom Reiche Meines wunderbaren Wortes&lt;br /&gt;
herabgesandt wurde. Er ist fürwahr wie das Auge für die Menschheit und&lt;br /&gt;
wie der Geist des Lebens für den Körper der ganzen Schöpfung. Verherr-&lt;br /&gt;
licht sei der Allbarmherzige, der ihn erleuchtete und ihn sich aufmachen&lt;br /&gt;
ließ, dieser großen und mächtigen Sache zu dienen. Wahrlich, solch ein&lt;br /&gt;
Mensch ist gesegnet von den Scharen der Höhe und den Bewohnern des&lt;br /&gt;
Tabernakels der Größe, die Meinen versiegelten Wein trinken in Meinem&lt;br /&gt;
Namen „der Allmächtige“, „der Allmachtvolle“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem der Vogel des Wortes im Namen seines Herrn,&lt;br /&gt;
des Gottes der Barmherzigkeit, sein Lied auf den Zweigen singt. Selig ist&lt;br /&gt;
der Mensch, der auf den Schwingen der Sehnsucht Gott, dem Herrn am&lt;br /&gt;
Tag des Gerichts, entgegenschwebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, da nichts unter allen Dingen und kein Name unter&lt;br /&gt;
allen Namen euch nützen kann, es sei denn durch diesen Namen, den Gott&lt;br /&gt;
zur Manifestation Seiner Sache und zum Tagesanbruch Seiner erhabensten&lt;br /&gt;
Benennungen gemacht hat für alle, die im Reich der Schöpfung sind.&lt;br /&gt;
Selig ist der Mensch, der den Duft des Allbarmherzigen wahrgenommen&lt;br /&gt;
hat und zu denen zählt, die standhaft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Er ist über allem in den Himmeln und auf Erden. Es gibt&lt;br /&gt;
keinen Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Großen. Also haben Wir&lt;br /&gt;
den Himmel Unseres Tablets mit den Sonnen Unserer Worte geschmückt.&lt;br /&gt;
Selig ist der Mensch, der dazu gelangt und von ihnen erleuchtet wird, und&lt;br /&gt;
wehe denen, die sich abwenden, Ihn verleugnen und fern von Ihm in der&lt;br /&gt;
Irre schweifen. Preis sei Gott, dem Herrn der Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweifler sind zugrunde gegangen, aber gut bestellt ist es um den,&lt;br /&gt;
der sich — vom Lichte der Überzeugung geführt — zum Dämmerungsort&lt;br /&gt;
der Gewißheit wandte. Gesegnet bist du, der du deinen Blick auf Mich rich-&lt;br /&gt;
test, um dieses Tablets willen, das für dich herniedergesandt wurde, ein&lt;br /&gt;
Tablet, das den Seelen der Menschen Aufschwung gibt ... Bei Meinem&lt;br /&gt;
Leben! Es ist ein Tor zur Gnade deines Herrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: „Brief an den Sohn des Wolfes“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reichen, Geachteten und Mächtigen müssen der Reli-&lt;br /&gt;
gion die größtmögliche Ehrfurcht entgegenbringen. Die Reli-&lt;br /&gt;
gion ist ein strahlendes Licht und eine starke Feste für den&lt;br /&gt;
Schutz und die Ruhe der gesamten Menschheit; denn die&lt;br /&gt;
Gottesfurcht gebietet den. Menschen zu tun, was recht ist, und&lt;br /&gt;
verbietet ihnen, was böse ist. Wenn das Licht der Religion&lt;br /&gt;
verborgen bliebe, würden Aufruhr und Anarchie überhand-&lt;br /&gt;
nehmen, und die Sonne der Gerechtigkeit und Unparteilich-&lt;br /&gt;
keit, des Friedens und der Ruhe könnte kein Licht geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder einsichtsvolle Mensch wird dem hier Gesagten zu-&lt;br /&gt;
stimmen. . Baha’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
838&lt;br /&gt;
{{page|839|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=9}}Der sozialökonomische Imperativ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundgedanken zu einer neuen Wirtschaftsethik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wirtschaftssubjekt ist verpflichtet, das Wohl der Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft — möglichst umfassend als Menschheit verstanden —&lt;br /&gt;
in seine Entscheidungen einzubeziehen, und zwar in dem Maße,&lt;br /&gt;
wie seine Leistungsfähigkeit über die angemessene Befriedigung&lt;br /&gt;
seiner eigenen Bedürfnisse hinauswächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen diesen Satz bewußt als einen kategorischen Imperativ formu-&lt;br /&gt;
lieren, das heißt als einen Befehl, einen Grund-Satz, der eine bestimmte&lt;br /&gt;
Bewußtseinsstruktur, eine bestimmte Handiungsweise als objektiv not-&lt;br /&gt;
wendig darstellt. Jeder kennt den kategorischen Imperativ der Sittlichkeit,&lt;br /&gt;
den Immanuel Kant formuliert hat: „Handle so, daß die Maxime deines&lt;br /&gt;
Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung&lt;br /&gt;
gelten könnte.“ Unser sozialökonomischer Imperativ ist die moderne, ent-&lt;br /&gt;
wicklungsbedingte, praxisbezogene, leistungsorientierte, auf die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit ausgerichtete Anwendung dieses Grundsatzes, wie sie sich aus&lt;br /&gt;
der technisch-wissenschaftlichen Revolution, die sich seit Kant vollzogen&lt;br /&gt;
hat, notwendig ergibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am deutlichsten wird dieser Imperativ von Bahä’u’lläh selbst formuliert:&lt;br /&gt;
„Jedem einzelnen von euch ist es zur Pflicht gemacht, sich in irgend einem&lt;br /&gt;
Beruf ... zu betätigen. Wir veranlaßten, daß die gewissenhafte Erfüllung&lt;br /&gt;
eurer Berufspflichten dem Dienste Gottes, des Wahrhaftigen, gleichgeachtet&lt;br /&gt;
wird ... Vergeudet eure Zeit nicht mit Müßiggang und Trägheit, sondern&lt;br /&gt;
beschäftigt euch mit dem, was euch und anderen Nutzen bringt ... Der,&lt;br /&gt;
welcher nur dasitzt und bettelt, wird von Gott am meisten verabscheut“&lt;br /&gt;
(12. „Frohe Botschaft“). „Beschäftige dich nicht mit deinen eigenen Ange-&lt;br /&gt;
legenheiten. Lenke deine Gedanken vielmehr auf das, was das Glück der&lt;br /&gt;
Menschheit wiederherstellt und die Herzen und Seelen der Menschen hei-&lt;br /&gt;
ligt... Es geziemt an diesem Tage jedem Menschen, sich an das zu halten,&lt;br /&gt;
was das Wohl aller Nationen und gerechten Regierungen fördert und ihre&lt;br /&gt;
Stufe erhöht. Durch jeden Vers, den die Feder des Höchsten offenbarte,&lt;br /&gt;
sind die Tore der Liebe und Einigkeit geöffnet und weit vor dem Antlitz&lt;br /&gt;
der Menschen aufgetan worden ...“ („Ährenlese“ XLIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht nur Bahä’u’lläh, der sich als umfassender göttlicher Gesetz-&lt;br /&gt;
geber für einen neuen Entwicklungsabschnitt der Menschheitsgeschichte&lt;br /&gt;
versteht, auch jede andere Religion und Philosophie, die überhaupt noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
839&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|840|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anspruch auf Geltung erheben kann, vertritt unseren sozialethischen&lt;br /&gt;
Grundsatz, der sich ja notwendig aus dem von Kant entwickelten Katego-&lt;br /&gt;
rischen Imperativ ergibt. Wir müssen nur logisch bleiben; wir müssen die&lt;br /&gt;
Repressionen unserer negativen Lebenserfahrung überwinden, die vielen&lt;br /&gt;
falschen Eindrücke vom Zwang der Verhältnisse und von unserem eigenen&lt;br /&gt;
Unvermögen, sie zu ändern — dann enthüllt sich uns der Grundtatbestand&lt;br /&gt;
unserer umfassenden sozialen Verpflichtung als der stärkste schöpferische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antrieb unseres Daseins, stärker als alle Hoffnung auf Reichtum, Macht&lt;br /&gt;
oder Prestige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir soliten diesen sozialökonomischen Imperativ mit aller Entschieden-&lt;br /&gt;
heit solchen seelenlosen Technokraten entgegenstellen, die dem Hirnge-&lt;br /&gt;
spinst der „Wertfreiheit“ nachjagen und die Wirtschaftswissenschaften für&lt;br /&gt;
nichts weiter als ein Instrument der Gewinnmaximierung eines Kapita-&lt;br /&gt;
listen, eines Unternehmens, einer Gesellschaftsklasse oder einer nationalen&lt;br /&gt;
Wirtschaftseinheit halten. Nichts, was sich mit dem Menschen und seinen&lt;br /&gt;
sozialen Strukturen beschäftigt, ist wertfrei. Der Mensch hat die Freiheit&lt;br /&gt;
der Entscheidung, ob er sein Denken und Handeln auf die Befriedigung&lt;br /&gt;
tierhafter Triebe der Sättigung, Anhäufung und Geltung vor Artgenossen&lt;br /&gt;
heftet oder ob er — über die zivilisatorische Veredelung dieser Triebe hin-&lt;br /&gt;
aus — umfassende Zielsetzungen in den Mittelpunkt seines Bewußtseins&lt;br /&gt;
stellt und seine berechtigten Eigeninteressen harmonisch darin einbezieht.&lt;br /&gt;
Diese Entscheidungsfreiheit sinnvoll zu nutzen — in jedem Lebensbereich,&lt;br /&gt;
im Beruf so gut wie in der Familie oder der Gesellschaft — ist die zentrale&lt;br /&gt;
Aufgabe allen menschlichen Daseins. Wo diese Sinngebung verloren ist,&lt;br /&gt;
ist alles verloren; sie muß zuerst gefunden werden, ehe über die nackte&lt;br /&gt;
Existenzsicherung hinaus irgendwelche Ziele erstrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klare Begriffe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmen wir zunächst die Begriffe, die wir zu unserem Grundsatz ge-&lt;br /&gt;
formt haben. Der Ausdruck „Wirtschaftssubjekt“ umfaßt jeden Menschen&lt;br /&gt;
in allen wirtschaftlich bedeutsamen Funktionen, als Produzent wie als&lt;br /&gt;
Konsument, als Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, als Bezieher von Arbeits-&lt;br /&gt;
einkommen oder Renten gleich welcher Art. Eingeschlossen sind aber auch&lt;br /&gt;
alle juristischen Personen und ihre Träger: Kapitalgesellschaften, Ver-&lt;br /&gt;
bände, Stiftungen und Gebietskörperschaften, von der Dorfgemeinde bis&lt;br /&gt;
zum künftigen Weltstaat. „Jedes Wirtschaftssubjekt“ ist angesprochen:&lt;br /&gt;
Unser Grundsatz gilt universell und ausnahmslos. Wir sprechen von „Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssubjekten“, da die anderen Lebensbereiche — Wissenschaft, Erzie-&lt;br /&gt;
hung, Kultur, Recht, Politik — teils größere Freiheit zu individueller&lt;br /&gt;
Ausprägung gewähren, teils besonderen Normen unterliegen oder sozial-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ethische Verpflichtungen in ihnen nur insoweit von Bedeutung sind, als sie&lt;br /&gt;
sich wirtschaftlich auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jedes ‚Wirtschaftssubjekt‘ ist verpflichtet ...“: Unser Grundsatz drückt&lt;br /&gt;
eine allgemeine Pflicht aus, wie etwa der einleitende Paragraph der Stra-&lt;br /&gt;
Benverkehrsordnung, der jeden Verkehrsteilnehmer zur Rücksicht auf alle&lt;br /&gt;
anderen anhält. Diese Verpflichtung reicht von der obrigkeitlich erzwing-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
840&lt;br /&gt;
{{page|841|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=11}}baren Einhaltung eines Minimums an Ordnung über die Loyalität gegen&lt;br /&gt;
allgemein anerkannte Usancen, die jedem ordentlichen Kaufmann und&lt;br /&gt;
jedem halbwegs erzogenen Menschen selbstverständlich ist, bis zu ethischen&lt;br /&gt;
Grundregeln, welche so weit sind, daß sie von sittlich reifen Menschen&lt;br /&gt;
nicht als Beeinträchtigung ihrer Entscheidungsfreiheit empfunden werden.&lt;br /&gt;
Der Vergleich zum Straßenverkehr ist sehr anschaulich, hier wie in ande-&lt;br /&gt;
ren Fragen gesellschaftlichen Wohlverhaltens: Selbst der rücksichtsloseste&lt;br /&gt;
Autofahrer denkt nicht daran, ständig auf der Gegenfahrbahn zu bleiben&lt;br /&gt;
oder quer über Äcker und Wiesen zu fahren, weil er weiß, daß dies gefähr-&lt;br /&gt;
lich und unzweckmäßig wäre und daß er so nicht weiterkäme. Sollte es&lt;br /&gt;
im Wirtschaftsleben grundsätzlich anders zugehen, nur weil die administra-&lt;br /&gt;
tive Ordnung der Weltwirtschaft noch nicht so weit durchgebildet ist wie&lt;br /&gt;
die Straßenverkehrsordnung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gemeinschaft“ im Sinne unseres Grundsatzes ist jeder übergeordnete,&lt;br /&gt;
über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinausreichende gesellschaft-&lt;br /&gt;
liche Zusammenhang. Diese Gemeinschaft soll „möglichst umfassend als&lt;br /&gt;
Menschheit verstanden“ werden. Daß der Mensch ein „zoon politikon“ ist,&lt;br /&gt;
ein Lebewesen, das sich nur in der Gemeinschaft sinnvoll entwickeln kann,&lt;br /&gt;
wußte man schon in der- Steinzeit. Aber in der ganzen Geschichte seither&lt;br /&gt;
war der Gemeinschaftsbegriff begrenzt. Selbst die hochkultivierten alten&lt;br /&gt;
Griechen unterschieden sich mit deutlicher Arroganz von den „Barbaren“&lt;br /&gt;
anderer Länder und den „Sklaven“ unter ihnen; selbst die umfassende&lt;br /&gt;
Liebe des christlichen Bewußtseins konnte den Unterschied zu den „Hei-&lt;br /&gt;
den“ nie verwischen, zumal sich der Glaube an deren Bekehrbarkeit nach&lt;br /&gt;
und nach verloren hat; selbst die klare, fast klassenlose Konzeption der&lt;br /&gt;
Dar-ul-Islam, der Gemeinschaft der muslimischen Gläubigen, umschloß nie&lt;br /&gt;
die ganze Erdbevölkerung. Die Vorstellung von der Freiheit, Gleichheit&lt;br /&gt;
und Brüderlichkeit aller Menschen ist kaum älter als zweihundert Jahre&lt;br /&gt;
und wurde schon früh dem Götzendienst an den Idolen des 19. Jahrhun-&lt;br /&gt;
derts geopfert. Das umfassende Bewußtsein der Menschheit als einer ein-&lt;br /&gt;
heitlichen Schicksals- und Entwicklungsgemeinschaft ist außerhalb der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion nur in Ansätzen und Bruchstücken zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei müßte es jedem Menschen, der logisch und ökonomisch denken&lt;br /&gt;
kann, von Tag zu Tag klarer werden, daß Teillösungen, wo auch immer,&lt;br /&gt;
unglaubwürdig und unmöglich geworden sind. Wenn wir in Kategorien der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft denken, das heißt, wenn wir Probleme anpacken, die durch&lt;br /&gt;
private Initiative allein nicht zu lösen sind — und selbst der verstockteste&lt;br /&gt;
Liberale muß bekennen, daß jeder neue Tag mehr solche Probleme bringt&lt;br /&gt;
— dann sind unsere Entscheidungen in dem Maße unproduktiv, wie sie&lt;br /&gt;
exklusiv sind. Was nützt das stürmischste Wirtschaftswachstum, wenn man&lt;br /&gt;
es durch Schutzzölle, Devisenzwangswirtschaft und Einwanderungsbe-&lt;br /&gt;
schränkung nach außen abstützen muß? Was nützen Reichtümer, von&lt;br /&gt;
denen ein Löwenanteil für Rüstungen, zur Abschreckung der „armen&lt;br /&gt;
Nachbarn“ ausgegeben werden muß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „Wohl“ der Gemeinschaft ist nicht schwer zu bestimmen. Es gilt, in&lt;br /&gt;
weltweitem Rahmen eine Sozialordnung zu schaffen, in der der Mangel&lt;br /&gt;
nicht länger Bestimmungsfaktor menschlicher Entscheidungen ist. Was der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung Seite 843)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
841&lt;br /&gt;
{{page|842|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=12}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationaltagung&lt;br /&gt;
in Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über 50 Delegierte aus allen deut-&lt;br /&gt;
schen Bahä’i-Gemeinden kamen&lt;br /&gt;
am 25. und 26. Mai in Frankfurt&lt;br /&gt;
zur 38, Nationaltagung zusam-&lt;br /&gt;
men. Im Mittelpunkt stand die&lt;br /&gt;
Wahl des neuen Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rates. Während der zwei&lt;br /&gt;
Tage diskutierten die Abgeord-&lt;br /&gt;
neten die Aufgaben im neuen&lt;br /&gt;
Bahä’i-Jahr, vor allem aber die&lt;br /&gt;
weitere Proklamation der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion.&lt;br /&gt;
{{page|843|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch mit dieser ins Unermeßliche wachsenden Entscheidungsfreiheit an-&lt;br /&gt;
fängt — diese unendliche wichtige Frage muß von einer höheren Instanz&lt;br /&gt;
als der Wirtschaftswissenschaft beantwortet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausschlaggebende Rolle fällt dem Moment der Erziehung zu. Erzie-&lt;br /&gt;
hung ist die einzig mögliche Hilfe zur Selbsthilfe. Noch drängender als die&lt;br /&gt;
Frage, wie man ein heute anstehendes Problem löst, ist die Frage, wie man&lt;br /&gt;
dafür sorgen kann, daß dieses Problem entweder nicht mehr auftaucht&lt;br /&gt;
oder bei wiederholtem Auftauchen immer wieder gelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehung ist letztlich unmöglich ohne den Glauben an die Erziehbarkeit&lt;br /&gt;
des Menschen und die Kultivierbarkeit der Welt. Dies setzt Bewußtseins-&lt;br /&gt;
strukturen voraus, wie sie die meisten herrschenden Ideologien in ihren&lt;br /&gt;
verkrusteten Erscheinungsformen nicht beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Entscheidungen“ treffen wir in jeder Minute unseres bewußten Lebens.&lt;br /&gt;
Wir haben dabei mehr Freiheit, als wir gemeinhin wahrhaben wollen. Die&lt;br /&gt;
Verhältnisse, die Umstände, die „anderen“, die Vorgesetzten, die wir gern&lt;br /&gt;
als bestimmende Faktoren vorschieben, sind gar nicht so ausschlaggebend&lt;br /&gt;
wie unser freier Wille, zumal wenn es, wie häufig, um die Entscheidung&lt;br /&gt;
zwischen Möglichkeiten geht, die nicht nur ethisch, sondern auch im Sinne&lt;br /&gt;
unternehmerischen Weitblicks höher- oder minderwertig sind. Je stärker&lt;br /&gt;
wir positive, gemeinschaftsfördernde Zielsetzungen verfolgen, desto leich-&lt;br /&gt;
ter fällt es uns, Entscheidungen nicht nur zu treffen, sondern auch durch-&lt;br /&gt;
zusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„... einbeziehen“ bedeutet ein Integrieren, ein Harmonisieren im Stre-&lt;br /&gt;
ben nach dynamischem Gleichgewicht. Es wäre weltfremd zu erwarten,&lt;br /&gt;
daß sich die Menschen von heute auf morgen, etwa durch ein Wunder gött-&lt;br /&gt;
licher Gnade, aus rücksichtslosen Egoisten in selbstaufopfernde Idealisten&lt;br /&gt;
verwandeln könnten. Selbstaufopferung ist schwerlich als eine kontinuier-&lt;br /&gt;
liche, lebenslängliche Übung denkbar; das schaffen höchstens Heilige. Wir&lt;br /&gt;
sind, vor allem durch unser christliches Erbe, viel zu leicht versucht, in&lt;br /&gt;
Grenzsituationen zu denken, wo dies gar nicht nötig ist. Bei vernünftigen,&lt;br /&gt;
bewußt ihr Leben gestaltenden Menschen konkurrieren die persönlichen&lt;br /&gt;
und gesellschaftlichen Ziele allenfalls im Katastrophenfall in solcher Weise,&lt;br /&gt;
daß keine Kompromisse möglich sind. Nur in Ausnahmefällen gilt das alte,&lt;br /&gt;
harte Wort, daß „Gemeinnutz vor Eigennutz“ zu gehen hat. Gerade in der&lt;br /&gt;
Gegenüberstellung zu diesem klotzigen Leitgedanken verflossener Zeiten&lt;br /&gt;
bewährt sich unser Grundsatz als ein flexibles Denkmodell für den täg-&lt;br /&gt;
lichen Gebrauch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In dem Maße, wie...“ beginnen die Sätze, die in der Flut der Gegeben-&lt;br /&gt;
heiten den Bewegungsablauf, die Entwicklung, die Ziele, den Farbfilm des&lt;br /&gt;
bunten Lebens anstelle der Schwarz-Weiß-Aufnahme einer eingebildeten&lt;br /&gt;
Realistik wiedergeben. In unserem Zeitalter sich überstürzender Umbrüche&lt;br /&gt;
und Fortschritte sollten wir viel mehr als bisher auf diesen Bewegungs-&lt;br /&gt;
ablauf sehen. Was sind die Realitäten der Realisten, wenn unberechenbare&lt;br /&gt;
Faktoren von heute auf morgen alles grundlegend ändern können, wie wir&lt;br /&gt;
es täglich erleben? Nicht nur in der Statistik passiert es immer wieder, daß&lt;br /&gt;
die Erhebungen und Wahrnehmungen hoffnungslos veraltet sind, bevor&lt;br /&gt;
wir sie ausgewertet haben, und daß sich der Trend einer Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
843&lt;br /&gt;
{{page|844|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grundlegend geändert hat, ehe wir unsere Schlußfolgerungen ziehen&lt;br /&gt;
können. Dies ist ein Grund von vielen, warum wir viel demütiger werden&lt;br /&gt;
müssen und uns eher an objektivierbaren, allgemeinverbindlichen Zielen&lt;br /&gt;
als an sogenannten Tatsachen ausrichten sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei der Beurteilung der „Leistungsfähigkeit“ von Menschen oder&lt;br /&gt;
Wirtschaftssubjekten sollten wir nicht so sehr die unbestreitbare Tatsache&lt;br /&gt;
sehen, daß die Menschen verschieden sind, als vielmehr den Umstand, daß&lt;br /&gt;
sich die Menschen verschieden stark entwickeln, und zwar nach Maßgabe&lt;br /&gt;
nicht nur ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern vor allem ihrer&lt;br /&gt;
Leitbilder und Bewußtseinsstrukturen. Daß die Menschen verschieden sind&lt;br /&gt;
und es ihnen demzufolge nach ihrem eigenen Empfinden verschieden gut&lt;br /&gt;
geht, ist die schlimmste Ursache der Ungerechtigkeit, vor allem des sub-&lt;br /&gt;
jektiv empfundenen Unrechts in der Welt. Dieses Unrecht kann nur durch&lt;br /&gt;
das Prinzip der Solidarität überwunden werden: dadurch, daß die Pflichten&lt;br /&gt;
der Gemeinschaft gegenüber getreu unserem Grundsatz ins Verhältnis zur&lt;br /&gt;
Leistungsfähigkeit gesetzt werden. Weil aber in aller Regel die Leistungs-&lt;br /&gt;
fähigsten zugleich auch die Mächtigsten sind, läßt sich dieses Prinzip nicht °&lt;br /&gt;
auf die Dauer politisch erzwingen, sondern nur von einer allgemeinver-&lt;br /&gt;
bindlichen Ethik her postulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die angemessene Befriedigung der eigenen Bedürfnisse“ läßt so viele&lt;br /&gt;
Ausdeutungen zu, wie es Menschen gibt. Es geht hier um die Prinzipien&lt;br /&gt;
des Maßhaltens und der Rücksichtnahme. Überwunden werden muß die&lt;br /&gt;
Einstellung, im Gebrauch materieller Güter eine selbständige Sinngebung&lt;br /&gt;
für das menschliche Leben zu sehen — eine Einstellung, die in den west-&lt;br /&gt;
lichen Industrieländern durch verantwortungslose Massenmedien und&lt;br /&gt;
schrankenlose Werbung künstlich hochgezüchtet wird. Die primitivste&lt;br /&gt;
Form des Prestigedenkens ist die weitverbreitete Meinung, es „denanderen“&lt;br /&gt;
nachtun oder sich vor „den anderen“ hervortun zu müssen, durch immer&lt;br /&gt;
neue Blüten übersteigerter Konsumkultur. Wir müssen so weit kommen,&lt;br /&gt;
daß es uns überhaupt keinen Spaß macht, mehr als den nachweislich ange-&lt;br /&gt;
messenen Lebensaufwand zu entfalten, weil unser Gewissen uns an Mil-&lt;br /&gt;
liarden Mitmenschen erinnert, denen das Nötigste zum Leben und vor&lt;br /&gt;
allem die Erziehung zu einer höheren Form des Menschentums fehlt. Jede&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstellung, die uns einreden will, das Elend in der Welt ginge uns nichts&lt;br /&gt;
an, ist geistiger Atavismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverantwortliche Anwendung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spätkapitalismus, das System der sogenannten freien oder auch&lt;br /&gt;
sozialen Marktwirtschaft geht von der Vorstellung aus, das höchste Ziel&lt;br /&gt;
privatwirtschaftlichen Handelns sei die Gewinnmaximierung. Das ist rich-&lt;br /&gt;
tig und falsch zugleich. Richtig ist das Bestreben, Leistungen in Zahlen&lt;br /&gt;
auszudrücken, und in einem hohen Maße lassen sich Erfolgszahlen nicht&lt;br /&gt;
anders als durch Gewinne darlegen. Verständlich ist auch das menschliche&lt;br /&gt;
Bedürfnis, für erbrachte Leistungen Anerkennung zu finden; gleichwohl&lt;br /&gt;
sollte man sich gerade in christlichen Kreisen immer vor Augen halten, wie&lt;br /&gt;
weit man sich damit von der Ethik des Evangeliums entfernt (vgl. Matt-&lt;br /&gt;
häus 6, 1 ££f.). Falsch ist es aber, das Prinzip der Gewinnmaximierung iso-&lt;br /&gt;
liert zu betrachten, die Kamera unseres Bewußtseins sozusagen nur in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
844&lt;br /&gt;
{{page|845|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=15}}Naheinstellung darauf zu richten und höhere, objektivere, verfeinerte Ziele&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Objektiv gesehen ist der Sinn wirtschaftlicher Tätigkeit nicht die egoi-&lt;br /&gt;
stische Nutzensmaximierung jedes einzelnen Beteiligten, wobei irgend-&lt;br /&gt;
welche eingebildeten oder tatsächlichen Naturgesetze dafür sorgen, daß ein&lt;br /&gt;
Ausgleich herbeigeführt wird und daß die Bäume nicht in den Himmel&lt;br /&gt;
wachsen. Sinn und Ziel der Wirtschaft ist objektiv die Bereitstellung von&lt;br /&gt;
Mitteln zur Befriedigung angemessener Bedürfnisse, subjektiv aber etwas&lt;br /&gt;
weit Höheres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Reiche der Wirtschaftswissenschaften ist die Frage nach den Motiven&lt;br /&gt;
des wirtschaftenden Menschen, der sozialökonomischen Gruppierungen und&lt;br /&gt;
der privat- und weltwirtschaftlichen Machtblöcke gleichsam ein schmaler&lt;br /&gt;
Trampelpfad, der in völlig unterentwickelte Gebiete führt. Bis heute ist die&lt;br /&gt;
Wirtschaftswissenschaft alles in allem krasses 19. Jahrhundert geblieben,&lt;br /&gt;
weil sie von der Fiktion ausgeht, der Mensch strebe nur nach Nutzens-&lt;br /&gt;
maximierung. Diese Fiktion setzt auf dem niedersten Niveau sozialen Ver-&lt;br /&gt;
haltens an; folgerichtig drückt sie das tatsächliche Verhalten auf dieses&lt;br /&gt;
niederste Niveau herab, wenn sie praktischen Entscheidungsmodellen zu-&lt;br /&gt;
grundegelegt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich wird bereits auf einer vergleichsweise tiefen Ebene der Be-&lt;br /&gt;
wußtseinsentwicklung das Ziel der Nutzensmaximierung zu einem um-&lt;br /&gt;
fassenderen Streben nach Selbstverwirklichung verfeinert. Dem vorkapi-&lt;br /&gt;
talistischen Handwerker war es selbstverständlich, daß das Werk seiner&lt;br /&gt;
Hände nicht nur Mittel zum Broterwerb, auch nicht allein Dienst am Näch-&lt;br /&gt;
sten oder der Gemeinschaft war; er betrachtete dieses Werk zugleich als&lt;br /&gt;
eine Emanation seines Menschentums, ein stoffgewordenes Stück seiner&lt;br /&gt;
Persönlichkeit. Gewiß ist es heute nur wenigen möglich, solche geistig-&lt;br /&gt;
stofflichen Beziehungen zu ihrer Arbeit herzustellen. Aber wir brauchen&lt;br /&gt;
das nicht als den „Fluch“ der modernen Technik zu betrachten: Sie hat&lt;br /&gt;
eine Fülle neuer Motive in den Bereich des Möglichen gerückt, angefangen&lt;br /&gt;
von den weltweit verbreiterten sozialen Beziehungen bis hin zu einer um-&lt;br /&gt;
fassenden Interpretation geistiger Prinzipien, wie sie ohne die Technik gar&lt;br /&gt;
nicht möglich wäre. Wer hat sich zum Beispiel schon die Mühe gemacht,&lt;br /&gt;
über das Grundgesetz der Wirtschaft zu philosophieren, das ökonomische&lt;br /&gt;
Prinzip, daß mit einem gegebenen Aufwand die höchstmögliche Leistung&lt;br /&gt;
oder eine vorgegebene Leistung mit dem geringstmöglichen Aufwand er-&lt;br /&gt;
reicht werden soll? Ökonomie ist ein Stück Gerechtigkeit, und Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit ist „in den Augen Gottes das Kostbarste“ ... Wer ist überhaupt noch&lt;br /&gt;
in der Lage, religiöse Prinzipien abstrakt zu Ende zu denken? Was für ein&lt;br /&gt;
ungeheuerer geistiger Reichtum liegt darin, daß wir etwa den erstarrten&lt;br /&gt;
und verzerrten Eigentumsbegriff des Spätkapitalismus zu einem Bewußt-&lt;br /&gt;
sein der Treuhandschaft umformen, wie es sich aus unserem sozialökono-&lt;br /&gt;
mischen Imperativ notwendig ergibt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der praktischen Verwirklichung unseres Grundsatzes sind keine Grenzen&lt;br /&gt;
gesetzt, wenn wir, wie angedeutet, das Ziel der Nutzensmaximierung vor&lt;br /&gt;
dem Hintergrund unserer Selbstverwirklichung und unsere Selbstverwirk-&lt;br /&gt;
lichung im Rahmen des umfassendsten Wirtschaftszieles, der Schaffung&lt;br /&gt;
einer weltweiten Wohlstandsgesellschaft, sehen. Natürlich muß der ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
845&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|846|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eignete administrative Unterbau geschaffen werden. Natürlich müssen&lt;br /&gt;
steuerliche Vergünstigungen, Public-Relations-Nutzeffekte und andere An-&lt;br /&gt;
reize geschaffen werden. Warum ist unser deutsches Stiftungswesen so&lt;br /&gt;
unterentwickelt? Ist es nötig, daß Kapitalgesellschaften in Schwierigkeiten&lt;br /&gt;
mit Staatsbürgschaften unterstützt werden, ohne daß sie sozialpolitische&lt;br /&gt;
Gegenleistungen erbringen? Warum wird die Breitenstreuung des Eigen-&lt;br /&gt;
tums an den Produktionsmitteln nicht steuerlich stärker gefördert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine organische Weltwirtschaftsgesellschaft kann nur auf dem Humus&lt;br /&gt;
des guten Willens möglichst vieler Wirtschaftssubjekte heranwachsen, und&lt;br /&gt;
dieser gute Wille muß sich in der täglichen praktischen Befolgung unseres&lt;br /&gt;
sozialökonomischen Imperativs erweisen. Man braucht kein Prophet zu&lt;br /&gt;
sein um vorauszusagen, daß der Frieden der Welt erst dann gesichert sein&lt;br /&gt;
wird, wenn unser Grundsatz fest im Bewußtsein der führenden Wirt-&lt;br /&gt;
schaftssubjekte verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April wurde in Haifa/Israel zum zweiten Mal das Universale Haus&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit, die höchste gesetzgebende Körperschaft der Bah&amp;amp;’i-&lt;br /&gt;
Weltgemeinde, von den Mitgliedern sämtlicher Nationaler Geistiger Räte&lt;br /&gt;
der Bahä&amp;amp;’i in der Welt gewählt. Unser Bild zeigt (von links): H. Borrah&lt;br /&gt;
Kavelin, Hushmand Fatheädzam, ’Ali Nakhjavani, David Hofman, Amoz&lt;br /&gt;
Gibson, David Ruhe, Charles Wolcott, Ian Semple, Hugh Chance.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
846&lt;br /&gt;
{{page|847|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Kinder werden Schuhe haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Mary Fish&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wie vor Jahrhunderten leben Millionen Menschen in Armut. In&lt;br /&gt;
den überfüllten Städten aller Erdteile, in New York, Tokio, Buenos Aires&lt;br /&gt;
und Kairo, auf dem flachen Land in Kolumbien, China und Indien ver-&lt;br /&gt;
‚bringen viele ihre Tage in dem zermürbenden Verlangen nach Nahrung&lt;br /&gt;
und Obdach. Und doch müßte dies nicht sein. Wir haben allen Grund zu&lt;br /&gt;
hoffen, daß die Kinder unserer Kinder in einer andersartigen Welt leben&lt;br /&gt;
werden, einer Welt, die Unterernährung als Todesursache aus ihren Be-&lt;br /&gt;
völkerungsstatistiken gestrichen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den kommenden Jahrhunderten werden die Menschen größer sein als&lt;br /&gt;
wir und eine andere Hautfarbe haben. Die Medizin wird Ersatzteile ver-&lt;br /&gt;
wenden und neue Herzen für alte einsetzen. Reisende werden für einen&lt;br /&gt;
Flug um unseren Planeten so viel Zeit benötigen wie heute für die Fahrt&lt;br /&gt;
zum Flughafen. Elektronengehirne, die jedes Kind programmieren lernt,&lt;br /&gt;
werden die schwierigsten Bankverrechnungen regulieren. Gewiß werden&lt;br /&gt;
manche Familien wohlhabender sein als andere, aber für alle wird es&lt;br /&gt;
Bücher geben, und alle Kinder werden Schuhe haben. Man kann bereits&lt;br /&gt;
sehen, wie sich das Rahmenwerk der Wirtschaft von morgen aus dem&lt;br /&gt;
Tagesgeschehen von heute entwickelt. Die Menschen des zwanzigsten Jahr-&lt;br /&gt;
hunderts halten die verwandelte Weit des einundzwanzigsten und zwei-&lt;br /&gt;
undzwanzigsten Jahrhunderts in Händen, eine Welt mit landwirtschaft-&lt;br /&gt;
lichen und industriellen Grundlagen, die es möglich machen, die Armut&lt;br /&gt;
abzuschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle sollten wir uns genauer überlegen, was die Wirtschafts-&lt;br /&gt;
wissenschaftler wirklich meinen, wenn sie so ganz von der Notwendigkeit&lt;br /&gt;
des wirtschaftlichen Wachstums und der Entwicklung durchdrungen zu&lt;br /&gt;
sein scheinen. Ein Volkswirt wird oft mißverstanden, wenn er über be-&lt;br /&gt;
ängstigend niedrige Prokopfeinkommen und Rückschläge bei den Zuwachs-&lt;br /&gt;
raten spricht. Sicherlich glaubt er daran, daß der Wohlstand aller Men-&lt;br /&gt;
schen weit über das Existenzminimum hinausgehoben werden sollte, daß&lt;br /&gt;
die Leute nicht arm zu sein bräuchten. Aber ich habe noch nie einen Wirt-&lt;br /&gt;
schaftler kennengelernt, der an die Produktion von mehr Autos, besseren&lt;br /&gt;
Straßen, größeren Schwimmbädern und mehr Schuhen als an einen Selbst-&lt;br /&gt;
zweck geglaubt hätte. Der Volkswirt geht vielmehr davon aus, daß der&lt;br /&gt;
Mensch mit mehr Gütern besser, mindestens aber nicht schlechter dran ist;&lt;br /&gt;
wenn aus Armut Schönheit oder geistige Größe erwächst, dann geschieht&lt;br /&gt;
dies nicht wegen, sondern trotz der Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachstum der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bedeutet viel mehr als&lt;br /&gt;
zusätzliche Schuhe oder Nahrungsmittel. Es befähigt den Menschen, sich&lt;br /&gt;
Zeit zu kaufen, um Herz und Gemüt zu erziehen. Lassen Sie mich zu er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
847&lt;br /&gt;
{{page|848|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
klären versuchen, worum es mir geht: Vor wenig mehr als hundert Jahren&lt;br /&gt;
schuftete ein Arbeiter in den Vereinigten Staaten sechzig Stunden in der&lt;br /&gt;
Woche und bekam einen Lohn von 42 Cents die Stunde; heute arbeitet er&lt;br /&gt;
gewöhnlich vierzig Stunden in der Woche und bekommt in der Stunde&lt;br /&gt;
etwa drei Dollar. Man hät sich in den Vereinigten Staaten eine neue Tech-&lt;br /&gt;
nologie und die dazugehörige Maschinerie nutzbar gemacht; man war in&lt;br /&gt;
der Lage, das Produkt je Arbeitsstunde zu vergrößern. Historisch gesehen&lt;br /&gt;
haben wir die Wahlentscheidung getroffen, uns einen Teil dieses Produk-&lt;br /&gt;
tivitätszuwachses in Form von mehr und besseren Gütern, den anderen&lt;br /&gt;
Teil in Form von weniger Arbeitsstunden anzueignen. Mit fortschreiten-&lt;br /&gt;
dem wirtschaftlichem Wachstum ist der Mensch in der Lage, sich Zeit zu&lt;br /&gt;
kaufen, um sich nicht nur als ein stoffliches Wesen, sondern als Geist und&lt;br /&gt;
Seele zu begreifen. Die Zeit zu kaufen, die es dem Menschen ermöglicht,&lt;br /&gt;
mit dem eigentlichen Geschäft des Lebens voranzukommen, ist selbstver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ständlich einer der wichtigsten Gründe für wirtschaftliches Wachstum&lt;br /&gt;
und Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wie in der Vergangenheit müssen die Menschen Not und Armut&lt;br /&gt;
gewärtigen. Es hat bisher noch nie genug Nahrung und Obdach für alle&lt;br /&gt;
gegeben. Der Wirtschaftler ist deshalb immer von der Voraussetzung aus-&lt;br /&gt;
gegangen, daß die Hilfsquellen, die für die Herstellung von Nahrungs-&lt;br /&gt;
mitteln und anderen Gütern zur Verfügung stehen, knapp oder beschränkt&lt;br /&gt;
sind. Das heißt, wir haben nur eine bestimmte Menge Öl, Kohle oder&lt;br /&gt;
Eisenerz. Aber langsam ändern sich diese Zukunftsaussichten. Heute hat&lt;br /&gt;
die Welt nur einen bestimmten Bestand an Hilfsquellen, eine feste Menge&lt;br /&gt;
bebaubaren Landes, aber morgen wird sich die Fähigkeit der Erde, aus&lt;br /&gt;
dem Meer wie aus dem Festland Nahrungsmittel und andere Dinge hervor-&lt;br /&gt;
zubringen, die die Menschen benötigen und haben möchten, entscheidend&lt;br /&gt;
wandeln. Die geologischen und landwirtschaftlichen Durchbrüche von&lt;br /&gt;
heute werden die Hilfsquellen bestimmen, die für die Produktion von&lt;br /&gt;
morgen bereitstehen. So wird die Zuwachsrate der wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwicklung das Maß bestimmen, in dem. wir neue Hilfsquellen benutzen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel wird mir helfen, den entscheidenden Punkt zu verdeut-&lt;br /&gt;
lichen: Als die Amerikaner westwärts zogen, ließen sie das meiste von dem&lt;br /&gt;
fruchtbaren Boden des Mittelwestens ungenutzt liegen, weil der schwere&lt;br /&gt;
Humus dieses Gebietes an ihren grobschlächtigen Eisenpflügen kleben&lt;br /&gt;
blieb. Später wurde ein stahlarmierter Pflug hergestellt, und nun nahm&lt;br /&gt;
man auch das Land in Besitz, an dem man früher vorbeigezogen war;&lt;br /&gt;
denn der neue Pflug machte dieses Land kultivierbar. So verhält es sich&lt;br /&gt;
auch mit anderen Hilfsquellen, und dies bringt mich zu der allgemeinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgerung, daß historisch gesehen alle wirtschaftlichen Hilfsquellen nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorübergehend knapp waren oder sind. Mit diesem Konzept können wir&lt;br /&gt;
heute erstmals die Abschaffung der Armut auf der ganzen Welt ins Auge&lt;br /&gt;
fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keynes, Galbraith und der Überfluß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist somit keineswegs verwunderlich, daß wir im wirtschaftswissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Schrifttum des zwanzigsten Jahrhunderts Anspielungen auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
848&lt;br /&gt;
{{page|849|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=19}}eine künftige Welt der Fülle finden. Zum Beispiel ist in die Schriften&lt;br /&gt;
von John Maynard Keynes und John Kenneth Galbraith der Glaube hin-&lt;br /&gt;
einverwoben, daß schließlich eine Welt wirtschaftlichen Überflusses an-&lt;br /&gt;
brechen wird. Wenngleich die zeitliche Bestimmung durch Lord Keynes&lt;br /&gt;
von derjenigen des Professors Galbraith abweicht, sind die Grundgedanken&lt;br /&gt;
zum Thema weitgehend dieselben. Keynes legt seinen Glauben an eine&lt;br /&gt;
Zukunft der Fülle im Vorwort zu seinen „Essays in Persuasion“ deutlich&lt;br /&gt;
dar. Er schreibt, er habe „die feste Überzeugung, daß das Wirtschafts-&lt;br /&gt;
problem, wie man es kurzgefaßt nennen kann, das Problem des Mangels&lt;br /&gt;
und der Armut, des wirtschaftlichen Kampfes zwischen Klassen und Natio-&lt;br /&gt;
nen, nichts weiter als eine gräßliche Gedankenverwirrung, eine vorüber-&lt;br /&gt;
gehende und unnötige Gedankenverwirrung ist.“ Lord Keynes fährt fort,&lt;br /&gt;
daß er trotz aller seiner Unglücksprophezeiungen dennoch die Hoffnung&lt;br /&gt;
und den Glauben habe, daß der Tag nicht mehr ferne sei, an dem das&lt;br /&gt;
Wirtschaftsproblem den Platz im Hintergrund belege, auf den es gehöre,&lt;br /&gt;
und daß die Arena des Herzens und des Geistes von unseren wirklichen&lt;br /&gt;
Problemen eingenommen, oder besser: wieder eingenommen werde — den&lt;br /&gt;
Problemen des Lebens und der menschlichen Beziehungen, des Schöpfe-&lt;br /&gt;
rischen, des Verhaltens und der Religion. Darüber hinaus glaubt Keynes,&lt;br /&gt;
„die westliche Welt hätte bereits die Hilfsquellen und die Technik — wenn&lt;br /&gt;
wir nur die Organisation schaffen könnten, sie zu gebrauchen —, die in&lt;br /&gt;
der Lage wären, das Wirtschaftsproblem, welches heute unsere sittlichen&lt;br /&gt;
und materiellen Kräfte voll beansprucht, auf eine zweitrangige Bedeutung&lt;br /&gt;
zurückzuschrauben“. Kurz gesagt, er deutet an, daß wir die Mittel haben,&lt;br /&gt;
um die Armut abzuschaffen, wir seien bis jetzt nur noch nicht fähig, unsere&lt;br /&gt;
Angelegenheiten so in Ordnung zu bringen, daß wir dieses Ziel erreichen&lt;br /&gt;
können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter zu Professor Galbraiths Bemerkungen. Da er die An-&lt;br /&gt;
sicht vertritt, wir seien nicht nur unfähig, mit wirtschaftlichem Überfluß&lt;br /&gt;
richtig umzugehen, sondern bemerkten nicht einmal, daß uns dieser Über-&lt;br /&gt;
fiuß Probleme aufgibt, wendet sich Galbraith mit aller Entschiedenheit an&lt;br /&gt;
die westliche Welt des Überflusses. Im letzten Absatz seines Buches „Die&lt;br /&gt;
Überfluß-Gesellschaft“ gebraucht er dafür die folgenden oft zitierten&lt;br /&gt;
Worte: „Ein leeres Zimmer einzurichten, ist eine gute Sache, Es fortgesetzt&lt;br /&gt;
mit Möbeln vollzustopfen, bis sich die Balken biegen, ist etwas ganz&lt;br /&gt;
anderes. Hätten wir das Problem der Produktion von Gütern nicht gelöst,&lt;br /&gt;
müßte der Mensch sich weiterhin mit seinem ältesten, schlimmsten Un-&lt;br /&gt;
glück abfinden. Wenn wir aber nicht sehen könnten, daß wir dieses&lt;br /&gt;
Problem gelöst haben, wenn wir jetzt nicht zur nächsten Aufgabe fort-&lt;br /&gt;
schritten, wäre dies genau so tragisch.“ So glaubt auch Professor Galbraith,&lt;br /&gt;
daß die westliche Welt die Schallmauer des Mangels durchbrochen hat. Er&lt;br /&gt;
ist zutiefst besorgt über die Art und Weise,wie wir unsere Wahlentschei-&lt;br /&gt;
dungen bei der Verwendung unseres Reichtums treffen. Ihm geht es um&lt;br /&gt;
die Frage, ob man bessere Schulen in Alabama oder modische Neonheck-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ leuchten an Straßenkreuzern baut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den vorstehenden Zitaten befassen sich Keynes und Galbraith vor-&lt;br /&gt;
nehmlich mit den Wirtschaftsproblemen der westlichen, der sogenannten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
849&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|850|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entwickelten oder reifen Volkswirtschaften. Was sagt ein Wirtschaftler,&lt;br /&gt;
der sich seit langem mit der grauenhaften Armut in den Entwicklungs-&lt;br /&gt;
ländern auseinandersetzt, über die künftige Wirtschaftsgesellschaft? V.K.&lt;br /&gt;
R.V. Rao, ein indischer Volkswirt, glaubt an eine Zukunft wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Fülle und nennt sie eine wirtschaftliche Utopie, aber er führt aus, daß eine&lt;br /&gt;
solche Wirtschaftsgesellschaft geplant werden muß und wird. Im „Indian&lt;br /&gt;
Economic Review“ (Vol. V, Nr. 3) schreibt er über die Wirtschaftswelt von&lt;br /&gt;
morgen: „Meine Antwort ist klar und kategorisch. Ich glaube an eine wirt-&lt;br /&gt;
schaftliche Utopie; ich weiß, daß sie verwirklicht werden kann, aber sie&lt;br /&gt;
wird nicht auf natürlichem Wege zustande kommen ... Wenn die Mensch-&lt;br /&gt;
heit die wirtschaftliche Utopie erreichen soll, setzt dies die umsichtige,&lt;br /&gt;
planvolle Aktion der gesamten Menschenrasse voraus. Diese Aktion umfaßt&lt;br /&gt;
selbstverständlich sowohl die unterentwickelte wie die entwickelte Welt,&lt;br /&gt;
die noch nicht gestarteten wie die reifen Volkswirtschaften.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob wir unseren Ausgangspunkt bei Lord Keynes suchen, einem briti-&lt;br /&gt;
schen Wirtschaftswissenschaftler, der sich gründlich mit der Depression der&lt;br /&gt;
dreißiger Jahre befaßte, oder bei Professor Galbraith, einem Wirtschafts-&lt;br /&gt;
historiker, der die Art und Weise in Frage stellt, wie wir in den Vereinig-&lt;br /&gt;
ten Staaten die Entscheidung über den Einsatz unseres Überflusses treffen,&lt;br /&gt;
oder aber bei Professor Rao, einem indischen Nationalökonomen, der täg-&lt;br /&gt;
lich den circulus vitiosus der Armut seines Landes vor Augen hat — die&lt;br /&gt;
Antwort scheint so ziemlich dieselbe zu sein. Wahrscheinlich deshalb, weil&lt;br /&gt;
sich noch innerhalb des zwanzigsten Jahrhunderts die Umrisse einer Wirt-&lt;br /&gt;
schaftswelt abzeichnen, in der alle Kinder Schuhe haben werden. Die west-&lt;br /&gt;
lichen Volkswirtschaften haben heute nicht nur wirtschaftlichen Überfluß,&lt;br /&gt;
sondern auch das Potential für immer größere Massen der Produktion. Die&lt;br /&gt;
erstaunlichen Entwicklungen bei der landwirtschaftlichen Erzeugung, ver-&lt;br /&gt;
bunden mit der enorm gesteigerten industriellen Produktivität, macht es&lt;br /&gt;
zum ersten Mal in der Geschichte möglich, die Abschaffung der Weltarmut&lt;br /&gt;
anzuvisieren. Aber die Feststellung, die Menschheit habe das Produktions-&lt;br /&gt;
potential, um die Armut aus der Welt zu schaffen, ist etwas ganz anderes&lt;br /&gt;
als die Feststellung, die westliche Gesellschaft werde ihre Angelegenheiten&lt;br /&gt;
so regeln, daß eine Wirtschaftsgesellschaft des Überflusses zustandekommt.&lt;br /&gt;
Das zweite geht ein bißchen weiter am Kern der Sache vorbei. Die Art und&lt;br /&gt;
Weise, wie die Welt von morgen ihre wirtschaftlichen Kräfte einsetzt,&lt;br /&gt;
hängt mit dem zusammen, was jeden Tag in unserem Land und zwischen&lt;br /&gt;
den Nationen passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die technische Revolution ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lassen Sie uns einige der Kräfte betrachten, die von Wissenschaft und&lt;br /&gt;
Technik ausgelöst worden sind und die unheilvoll am Himmel des zwan-&lt;br /&gt;
zigsten Jahrhunderts donnern — Kräfte, die der Menschheit einerseits eine&lt;br /&gt;
Welt ohne Armut bieten, andererseits die Welt, in der wir jetzt leben,&lt;br /&gt;
drastisch verändern. Obwohl diese Kräfte unentwirrbar miteinander ver-&lt;br /&gt;
flochten sind, können wir zwei Entwicklungsketten herauslösen, die unser&lt;br /&gt;
Leben grundlegend wandeln: erstens die Erfindung solch mörderischer&lt;br /&gt;
Waffen, die den Menschen zu der Einsicht zwingen, daß der Krieg als Aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
850&lt;br /&gt;
{{page|851|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=21}}weg zur Lösung internationaler Konflikte nicht länger möglich ist; zweitens&lt;br /&gt;
die Revolution im Nachrichten- und Transportwesen, die unseren Plane-&lt;br /&gt;
ten zu einer physikalischen Einheit werden ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Völker noch mit vorindustriellen Eisenwaren ausgerüstet waren,&lt;br /&gt;
konnten sie Kriege austragen, die nur begrenzte Wirkung hatten; wenn es&lt;br /&gt;
viel war, tötete man dabei ein paar tausend Soldaten am Tag. Heute&lt;br /&gt;
machen es die Atomwaffen möglich, unseren Planeten fast vollständig zu&lt;br /&gt;
vernichten. Unter diesen Umständen fällt ein Weltkrieg als tragbare&lt;br /&gt;
Lösung internationaler Probleme aus. Wenngleich hier und dort Kriege&lt;br /&gt;
für kürzere oder längere Zeit ausbrechen können, ist ein totaler Krieg, wie&lt;br /&gt;
er mehrere Male im zwanzigsten Jahrhundert vorkam, nicht länger durch-&lt;br /&gt;
führbar. Die Abschaffung des Krieges wird unermeßliche wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Folgen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute geben die Nationen ungeheuere Mittel für Verteidigungszwecke&lt;br /&gt;
aus, einschließlich der Ausbildungs- und Unterhaltskosten für Soldaten,&lt;br /&gt;
der Kosten für Düsenflugzeuge und Flugzeugträger und des Forschungs-&lt;br /&gt;
aufwands für Wasserstoffbomben. Jedoch der größte Verlust vom wirt-&lt;br /&gt;
schaftspolitischen Standpunkt her ist die Ablenkung der fähigsten Arbeits-&lt;br /&gt;
kräfte aller Nationen von der Produktion von Nahrungsmitteln und anderen&lt;br /&gt;
dringend benötigten Gütern zur Produktion von Krieg. Wenn die Völker&lt;br /&gt;
die Kosten überflüssiger Aufrüstung nicht länger auf sich nehmen, werden&lt;br /&gt;
sie in der Lage sein, ihre Verteidigungsetats auf die Nutzbarmachung der&lt;br /&gt;
Kernfusion für industrielle Zwecke, auf den Bau besserer Schulen und&lt;br /&gt;
Straßen, auf die Ausbildung von Wissenschaftlern, Schriftstellern und&lt;br /&gt;
Technikern umzulenken. So gut die Völker ihre Kräfte für die Aufrüstung&lt;br /&gt;
mobilisieren können, so gut können sie dies auch, um Wachstum und Ent-&lt;br /&gt;
wicklung herbeizuführen. Ein Volk kann viele Arten von Kriegen führen&lt;br /&gt;
— eine davon heißt „Kampf gegen die Armut“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht nicht mehr an, daß ein Volk oder eine Volksgruppe Hunger&lt;br /&gt;
leidet, während andere nicht wissen, wohin mit dem Überfluß; dieser Zu-&lt;br /&gt;
stand führt zum Krieg, der heute in der Vernichtung enden kann. Auch&lt;br /&gt;
Professor Rao legt in dem zuvor zitierten Aufsatz die komplizierte Wech-&lt;br /&gt;
selbeziehung zwischen dem Krieg und dem wirtschaftlichen Wohlstand&lt;br /&gt;
dar, wenn er schreibt: „In einer beständig vom Krieg bedrohten Welt kann&lt;br /&gt;
sich unsere wirtschaftliche Utopie nicht wirklich entfalten, und wenn sie&lt;br /&gt;
sich entfaltet, kann sie nicht von Dauer sein. Sollte es zum Krieg kommen,&lt;br /&gt;
würde dies nicht nur das Ende unserer Wirtschaftsutopie bedeuten, sondern&lt;br /&gt;
vielleicht gar das Ende des Menschen selbst. Die Drohung des Krieges aber&lt;br /&gt;
wird fortbestehen, so lange es größere Gebiete mit unterentwickelten Län-&lt;br /&gt;
dern in der Welt gibt.“ Länder, die von Armut gezeichnet sind, werden&lt;br /&gt;
immer Zielscheiben für das propagandistische Geschwätz ängriffslustiger&lt;br /&gt;
Nationen sein, und Diktatoren werden dort weiterhin ihre verarmten&lt;br /&gt;
Untertanen zu „Befreiungskriegen“ aufputschen können, um sich mit Ge-&lt;br /&gt;
walt die reicheren Hilfsquellen der umliegenden Völker anzueignen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Verkehrs- und Nachrichtenwesens zwingt heute die&lt;br /&gt;
Völker und Nationen mit Überschallflugzeugen und Fernsehsatelliten zu&lt;br /&gt;
der langsam dämmernden Erkenntnis, daß niemand mehr isoliert leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
851&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|852|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann. Folgerichtig kann auch der Steinreiche nicht mehr Tür an Tür mit&lt;br /&gt;
dem Bettelarmen leben, und die wohlhabenden Nationen können nicht län-&lt;br /&gt;
ger mit den „Habenichts-Ländern“ koexistieren. Wir sind in einer bemer-&lt;br /&gt;
kenswert kniffligen Situation: Die Völker können nicht länger in der bis-&lt;br /&gt;
her gewohnten Weise miteinander kämpfen, weil die ganze Welt in die&lt;br /&gt;
Luft gehen könnte, noch können sie sich dagegen sperren, an dem -ver-&lt;br /&gt;
wickelten Prozeß teilzunehmen, der auf unserem Planeten vor sich geht.&lt;br /&gt;
Die Nationen sind dementsprechend im Begriff, ihre Angelegenheiten&lt;br /&gt;
national und international neu zu ordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...zwingt zum Umdenken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob wir daran glauben oder nicht, daß die wissenschaftlichen und tech-&lt;br /&gt;
nischen Durchbrüche dieses Jahrhunderts den Menschen zwingen, sein&lt;br /&gt;
politisches, gesellschaftliches und wirtschaftliches Verhalten zu ändern,&lt;br /&gt;
steht überhaupt nicht zur Debatte. Die Welt, in der wir leben, ist im Be-&lt;br /&gt;
griff, sich in einen enorm leistungsfähigen, komplexen Organismus zu ver-&lt;br /&gt;
wandeln. Kein Teil davon kann isoliert weiterbestehen, sei es eine Rasse&lt;br /&gt;
oder eine Nation. Der Mensch wird gezwungen, sich bewußt zu werden, wie&lt;br /&gt;
sehr er mit der Menschheit verbunden ist. Diese neue Dimension des&lt;br /&gt;
menschlichen Bewußtseins zeigt sich deutlich in den politisch-wirtschaft-&lt;br /&gt;
lichen Programmen, die in den letzten Jahren ent£faltet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Sumpf des zwanzigsten Jahrhunderts ragen wirtschaftliche&lt;br /&gt;
Werkzeuge, mit denen wir im nationalen Bereich und in weltweitem Rah-&lt;br /&gt;
men Wachstum und Entwicklung vorantreiben können. Heute mühen sich&lt;br /&gt;
die Wirtschaftswissenschaftler um die überwältigenden Probleme der Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsländer und die Probleme der größtmöglichen Beschäftigung, des&lt;br /&gt;
Wachstums und der Preisstabilität, mit denen die ausgereiften Volkswirt-&lt;br /&gt;
schaften fertig werden müssen. Selbst in den Vereinigten Staaten als einem&lt;br /&gt;
Land, das sich am privaten Unternehmertum ausrichtet, entwickelt man&lt;br /&gt;
ein wirtschaftspolitisches Instrumentarium für die Überwachung der Kon-&lt;br /&gt;
junkturschwankungen, der Arbeitslosigkeit und des Volkseinkommens. Die&lt;br /&gt;
westlichen Nationen einschließlich der Sowjetunion entwerfen neue Metho-&lt;br /&gt;
den, um eine Reihe von Programmen in „Habenichts-Ländern“ voranzu-&lt;br /&gt;
treiben. Vor allem aber entwickeln sich langsam die Institutionen, die eine&lt;br /&gt;
Weltwirtschaft des Überflusses braucht: zum Beispiel die Internationale&lt;br /&gt;
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank), der Internationale&lt;br /&gt;
Währungsfonds und die vielen Vorschläge für eine Weltwährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bauen wir an einem weltwirtschaftlichen System, in dem keiner mehr&lt;br /&gt;
Hunger leiden wird und in dem alle Schuhe haben, auch wenn einige mehr&lt;br /&gt;
und andere weniger besitzen. In den kommenden Jahrhunderten werden&lt;br /&gt;
verbrauchte Herzklappen durch neue ersetzt werden. Die Menschen werden&lt;br /&gt;
nicht nur um die Erde fliegen, sondern auch in den Raum hinaus. Mineral-&lt;br /&gt;
öl aus tierischen Fossilien wird als überholt abgetan; stattdessen wird&lt;br /&gt;
Kernenergie für industrielle Zwecke verwendet. Und der Krieg wird nicht&lt;br /&gt;
länger als eine Lösung für irgendwelche Probleme betrachtet. Die Men-&lt;br /&gt;
schen werden nicht länger materielle Güter ansammeln, um sich selbst&lt;br /&gt;
aufzuwerten, vielmehr wird der Entwicklungszustand ihrer Herzen, ihres&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
852&lt;br /&gt;
{{page|853|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüts, ihres Bewußtseins Maßstab des Erfolges sein — nicht der Wohn-&lt;br /&gt;
komfort ihrer Häuser oder die vielen Paare Schuhe, die sie besitzen, denn&lt;br /&gt;
diese sind keine Wertsymbole mehr in einer Welt, die wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Mangel überwunden hat. Aber wenn sie im Rückblick auf uns als ein&lt;br /&gt;
niedrig gesinntes, materialistisches Geschlecht herunterschauen, dann sollen&lt;br /&gt;
sie sich zugleich bewußt machen, wie sehr sie es der Technik, die wir ent-&lt;br /&gt;
wickelt haben, und den von uns entworfenen Maschinen verdanken, daß&lt;br /&gt;
sie sich die Zeit zum Nachdenken, zu geistigem Wachstum und zur Ent-&lt;br /&gt;
wicklung ihrer Herzen und Seelen kaufen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „World Order, A Bahä’i Magazine“, Jahrgang 2, Nr. 2, Wilmette/Ill., Winter 1967&lt;br /&gt;
Dr. Mary Fish promovierte an der Universität von Oklahoma, Sie ist außerordent-&lt;br /&gt;
liche Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Alabama&lt;br /&gt;
und Mitglied des Forschungsstabs beim staatlichen Investitionsplan für die Appala-&lt;br /&gt;
chen von Alabama.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von unserem Qucdyertiseh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl R. Popper, „Das Elend des Historizismus“, J. C. B. Mohr (Paul Siebeck),&lt;br /&gt;
Tübingen 1965, 132 Seiten, geb. DM 21.50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dem Andenken ungezählter Männer, Frauen und Kinder aller Länder,&lt;br /&gt;
aller Abstammungen, aller Überzeugungen, Opfer von nationalistischen&lt;br /&gt;
und kommunistischen Formen des Irrglaubens an unerbittliche Gesetze&lt;br /&gt;
eines weltgeschichtlichen Ablaufs“ widmet der als Methodiker der So-&lt;br /&gt;
zialwissenschaften bekannte deutsch-englische Professor der Philosophie&lt;br /&gt;
seine Kritik des Historizismus. Mit dem Titel seines Werks knüpft er an&lt;br /&gt;
„Das Elend der Philosophie“ an, mit dem Karl Marx eine Schrift Proud-&lt;br /&gt;
hons, „Philosophie des Elends“, kritisiert hatte. Die Definition des Histo-&lt;br /&gt;
rizismus umfaßt — zunächst provisorisch — „jene Einstellung zu den&lt;br /&gt;
Sozialwissenschaften, die annimmt, daß historische Voraussage deren&lt;br /&gt;
Hauptziel bildet und daß sich dieses Ziel dadurch erreichen läßt, daß man&lt;br /&gt;
die ‚Rhythmen’ oder ‚Patterns’, die ‚Gesetze’ oder ‚Trends’ entdeckt, die&lt;br /&gt;
der geschichtlichen Entwicklung zugrundeliegen“ (S. 2). Die Kritik richtet&lt;br /&gt;
sich aber nicht nur gegen Lehrgebäude wie diejenigen von Marx, Speng-&lt;br /&gt;
ler oder Toynbee; sie trifft alle spirituellen und theistischen, ökonomi-&lt;br /&gt;
schen, organologischen und naturalistischen Formen des Glaubens an&lt;br /&gt;
einen bestimmten Verlauf und ein wißbares Ziel der Geschichte. Der&lt;br /&gt;
Standpunkt, den Popper dabei einnimmt, ist ein „kritischer Rationalis-&lt;br /&gt;
mus“ auf der Grundlage des „Prinzips einer dauernden Fehlerkorrektur“:&lt;br /&gt;
die „Stückwerks“-Methode, politisch-soziale Nahziele anzustreben, stän-&lt;br /&gt;
dig auf der Hut vor Fehlern zu sein und bewußt daraus zu lernen. „Alles&lt;br /&gt;
andere ist Größenwahnsinn und Verantwortungslosigkeit; auch dann,&lt;br /&gt;
wenn es von den besten Absichten geleitet ist“ (S. IX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
853&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|854|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=24}}Popper klassifiziert die Methoden und Doktrinen des Historizismus in&lt;br /&gt;
„antinaturalistische“ und „pronaturalistische“ Lehrsätze, je nachdem, ob&lt;br /&gt;
von einem Gegensatz oder einer Übereinstimmung zwischen Sozial- und&lt;br /&gt;
Naturwissenschaften ausgegangen wird. Der Darstellung dieser Theorien&lt;br /&gt;
folgt die Kritik, deren sorgfältige Pointierung das Buch zu einer wichti-&lt;br /&gt;
gen Arbeitsunterlage für den Sozialwissenschaftler macht. Mit N achdruck&lt;br /&gt;
greift Popper die „ganzheitliche Betrachtungsweise“ (Holismus) und die&lt;br /&gt;
Theorien eines dem Weltgeschehen immanenten Fortschritts an. So sicher&lt;br /&gt;
die meisten Argumente gewisse Übertreibungen und unausgegorenen An-&lt;br /&gt;
schauungen treffen, so ist doch auch manches — „Die Idee einer Bewe-&lt;br /&gt;
gung der Gesellschaft... ist nichts als ein verworrenes holistisches Hirn-&lt;br /&gt;
gespinst“ (S. 90) — in einer Weise vorgetragen, die an diejenigen Medi-&lt;br /&gt;
ziner erinnert, welche vor 150 Jahren nach allen Regeln der Logik und&lt;br /&gt;
der Wissenschaft bewiesen, ein Mensch könnte unmöglich in einer Eisen-&lt;br /&gt;
bahn mit zehnfacher Gehgeschwindigkeit fortbewegt werden, ohne die&lt;br /&gt;
schlimmsten körperlichen Schäden zu erleiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fachweit wird sich mit Poppers Analyse auseinanderzusetzen ha-&lt;br /&gt;
ben. Allgemein interessant ist, daß sich der Sinn der Geschichte, Fort-&lt;br /&gt;
schritt und Entwicklung ebensowenig wissenschaftlich „beweisen“ lassen&lt;br /&gt;
wie die Existenz Gottes und andere Glaubenskategorien. Die Geschichte&lt;br /&gt;
hat letztlich immer den Sinn, den wir ihr geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit kommen wir zu dem Vorwurf, der Popper gemacht werden muß.&lt;br /&gt;
Wenn er Fehlerquellen an historisierenden Lehrmeinungen aufzeigt, er-&lt;br /&gt;
wirbt er sich Verdienste, selbst in den Augen derer, die sich um eine&lt;br /&gt;
Deutung der geschichtlichen Abläufe bemühen und ihre eigenen Metho-&lt;br /&gt;
den vervollkommnen wollen. Wenn er aber die lapidare Grundthese auf-&lt;br /&gt;
stellt, daß „die Lehre von der geschichtlichen Notwendigkeit der reinste&lt;br /&gt;
Aberglaube ist und bleibt“ (S. VII), schüttet er das Kind mit dem Bade&lt;br /&gt;
aus. So sehr der Mensch nach dem Sinn seines Lebens fragt und fragen&lt;br /&gt;
muß, wenn er Mensch sein und bleiben will, so sehr muß er sich auch&lt;br /&gt;
um die geistige Existenzgrundlage der Spezies Mensch bemühen, und dies&lt;br /&gt;
bedeutet, nach dem Sinn der Geschichte zu forschen. Natürlich übersteigt&lt;br /&gt;
dies — heute noch — den Bereich der exakten Wissenschaft, aber muß&lt;br /&gt;
es deshalb gleich unwissenschaftlich und abergläubisch sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Popper bekämpft, sind die Auswüchse der Lehre von der&lt;br /&gt;
geschichtlichen Notwendigkeit: die These von einer absoluten Zwangs-&lt;br /&gt;
läufigkeit, die den individuellen und sozial organisierten freien Willen&lt;br /&gt;
des Menschen völlig negiert oder eng begrenzt, und die Rechtfertigung&lt;br /&gt;
der verschiedensten Formen der Gewaltanwendung aus der Geschichte&lt;br /&gt;
heraus. Wir wissen, daß die Politik ganzer Staatengruppen von solchen&lt;br /&gt;
Theorien geprägt ist. So zerstörerisch und zersetzend diese „falschen Göt-&lt;br /&gt;
ter“ sich heute auswirken, fragt es sich doch, ob ihnen mit methodologischen&lt;br /&gt;
Argumenten nachhaltig beizukommen ist und ob man den Historizismus&lt;br /&gt;
durch einen Ahistorizismus überwinden kann. Genügt es, die Götzen zu&lt;br /&gt;
zertrimmern, ohne sie durch neue, größere historische Glaubensinhalte&lt;br /&gt;
zu ersetzen? Genügt eine „Stückwerks-Technologie“ des sozialen Fort-&lt;br /&gt;
schritts, die sich ohne klares Konzept von Korrektur zu Korrektur voran-&lt;br /&gt;
tastet?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
854&lt;br /&gt;
{{page|855|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=25}}Popper stellt selbst fest, daß ein solches „,‚Herumbasteln’ nicht dem&lt;br /&gt;
politischen Temperament vieler ‚Aktivisten’ entspricht“ (S. 54). Aber er&lt;br /&gt;
stellt sich nicht die Frage, warum diese „Aktivisten“ mit seiner Theorie,&lt;br /&gt;
man könne nur aus Fehlern lernen, nicht zufrieden sind. Begriffe wie&lt;br /&gt;
Leitbild, Idee, Erziehung und dergleichen kommen nicht einmal im Index&lt;br /&gt;
seines Buches vor. Die Möglichkeit eines religiösen Historismus läßt er&lt;br /&gt;
völlig außer Betracht. Gerade hier wären aber doch die in Jahrtausenden&lt;br /&gt;
gewachsenen „historizistischen“ Zielvorstellungen zu prüfen, die als die&lt;br /&gt;
Idee des Reiches Gottes nicht in ein irreales Jenseits hineinprojiziert,&lt;br /&gt;
sondern „auf Erden wie im Himmel“ allen Menschen guten Willens als&lt;br /&gt;
Aufgabe vorgesetzt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Bibel entwickelt eine „Stückwerks-Technologie“ des gesell-&lt;br /&gt;
schaftlichen Fortschritts. Sie tritt in einer der schönsten Stellen des Neuen&lt;br /&gt;
Testaments mit aller Deutlichkeit zutage (1. Kor. 13, 9—13):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist&lt;br /&gt;
Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird&lt;br /&gt;
das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, redete ich wie ein&lt;br /&gt;
Kind, ich dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind; als ich&lt;br /&gt;
aber ein Mann geworden, tat ich das kindhafte Wesen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wir schauen jetzt wie durch einen Spiegel in rätselhaftem&lt;br /&gt;
Bilde, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt ist Stückwerk&lt;br /&gt;
mein Erkennen, dann aber werde ich erkennen, so wie auch ich&lt;br /&gt;
erkannt bin, Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;&lt;br /&gt;
am größten aber unter ihnen ist die Liebe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirklichen Zugang zum Wesen der sozialen Erscheinungen werden die&lt;br /&gt;
Gesellschaftswissenschaften — Soziologie, Ökonomie, Jurisprudenz, Hi-&lt;br /&gt;
storie — erst dann gewinnen, wenn sie die Offenbarung Gottes als ein&lt;br /&gt;
fortschreitendes Geschehen erkennen, das nicht nur die persönliche Ent-&lt;br /&gt;
faltung gläubiger Seelen bewirkt, sondern die normative Basis für die&lt;br /&gt;
Entwicklung einer Weltgemeinschaft aller Menschen im Sinne der Reali-&lt;br /&gt;
sierung eines göttlichen Heilsplans im Gang der Weltgeschichte bietet. Was&lt;br /&gt;
in Jahrtausenden vor allem durch Moses, Christus und Muhammad vorbe-&lt;br /&gt;
reitet worden ist, liegt heute in der Fülle der Offenbarung Bahä’u’llähs als&lt;br /&gt;
Charta einer neuen Weltordnung vor uns ausgebreitet. Hauptaufgabe der&lt;br /&gt;
soziologischen Forschung ist es, dieses Heilsgeschehen kritisch-rational zu&lt;br /&gt;
erfassen und historisch zu verifizieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„World Order. A Bahä’i Magazine“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1910 hatten die Bahä’i der Vereinigten Staaten von Amerika eine&lt;br /&gt;
Zeitschrift gegründet, die sie „Bahä’i News“ nannten. Als „Star of the&lt;br /&gt;
West“ gewann diese Veröffentlichung an Bedeutung. 1922 wurde sie in&lt;br /&gt;
„The Bahä’i Magazine“, 1935 in „World Order“ umbenannt. Die Konzen-&lt;br /&gt;
tration auf die Pioniertätigkeit, d. h. die Verbreitung des Glaubens&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs über die ganze Erde, veranlaßte den Nationalen Geistigen Rat&lt;br /&gt;
der Bahä’i der U.S.A. Anfang der fünfziger Jahre, die Herausgabe der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
855&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|856|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitschrift einzustellen und dafür die „Bahä’i News“, das interne illu-&lt;br /&gt;
strierte Mitteilungsblatt, auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1966 ist „World Order“ als Vierteljahresschrift wiedererstan-&lt;br /&gt;
den. Sie verfolgt die Absicht, „denkende Menschen in ihrer Suche nach&lt;br /&gt;
Bindegliedern zwischen modernem Leben und zeitgenössischer religiöser &#039;&lt;br /&gt;
Lehre und Philosophie anzuregen und zu inspirieren“. Dabei wendet sie&lt;br /&gt;
sich an die breite Öffentlichkeit so sehr wie an die Bahä’i und befaßt&lt;br /&gt;
sich mit „Fragen des internationalen Friedens, der Weltregierung, der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen, einer weltweiten Gesetzgebung und der Menschen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rechte so gut wie mit Religionsvergleichen, Wissenschaften, Literatur und&lt;br /&gt;
Kunst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Hefte im repräsentativen Lexikonformat brachten neben&lt;br /&gt;
vielen anderen Beiträgen Aufsätze über soziologische Probleme und&lt;br /&gt;
Kindererziehung, eine Einführung in die Bahä’i-Lehren und Auszüge aus&lt;br /&gt;
den Berichten des russischen Gesandten in Teheran an seine Regierung&lt;br /&gt;
über die Bábi-Verfolgungen zwischen 1848 und 1856. Einen Höhepunkt&lt;br /&gt;
bildete das Winterheft 1967, dem wir den Aufsatz „Alle Kinder werden&lt;br /&gt;
Schuhe haben“ von Frau Prof. Dr. Mary Fish entnommen haben. Diesem&lt;br /&gt;
Heft ist ein Aufruf zu weltweitem Denken von Lester B. Pearson, bis vor&lt;br /&gt;
kurzem Ministerpräsident von Kanada, vorangestellt; es steht im Zeichen&lt;br /&gt;
der Proklamation Bahä’u’llähs an die Herrscher Seiner Zeit und leitet über&lt;br /&gt;
zu Erziehungsfragen im Sinne der Heranbildung neuer sozialer Struk-&lt;br /&gt;
turen. „Die unerwarteten Wirkungen der Religion auf Ihre Persönlich-&lt;br /&gt;
keit“ ist eine religionssoziologische Untersuchung von Dr. James J. Keene&lt;br /&gt;
überschrieben: Keene hatte in einer umfangreichen Repräsentativerhe-&lt;br /&gt;
bung die Bewußtseinsstrukturen von sorgfältig ausgewählten typischen&lt;br /&gt;
Katholiken, Protestanten, Juden und Bahä’i erfaßt und kommt dabei zu&lt;br /&gt;
verblüffenden Ergebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anforderungen von Probeheften und Bestellungen sind zu richten an&lt;br /&gt;
„World Order“, 112 Linden Avenue, Wilmette, Ill. 60091, USA. Den Be-&lt;br /&gt;
stellungen ist ein Scheck über US $4.— pro Jahresabonnement beizu-&lt;br /&gt;
fügen. pmh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Dreikurs/Vicki Soltz: „Kinder fordern uns heraus“. Deutsch von Erik&lt;br /&gt;
Blumenthal. Ernst-Klett-Verlag, Stuttgart, 331 Seiten, Leinen DM 19.50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Diese Elternbibel gehört in jede Familie. Am simplen alltäglichen&lt;br /&gt;
kleinen Konfliktfall, der sich in der Häufung jedoch katastrophal aus-&lt;br /&gt;
zuwirken pflegt, hängt der Verfasser unkomplizierte, leichtdurchschau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚ bare Lösungen auf, die jedermann bei einiger gelehriger ‚Selbstkennt-&lt;br /&gt;
nis und Selbsterziehung nachvollziehen kann. Für jeden, der Kinder&lt;br /&gt;
zu erziehen oder unerzogene in seiner Umgebung zu ertragen hat!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(DIE BÜCHERKOMMENTARE, Freiburg)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde das Buch nicht „eine Elternbibel“ nennen, obwohl es zweifel-&lt;br /&gt;
los in vielen Familien eine große Hilfe zur Lösung der vielen kleinen All-&lt;br /&gt;
tagsprobleme bedeutete. Das Problem der Kindererziehung wird immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
856&lt;br /&gt;
{{page|857|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwieriger und komplizierter. Die Autorin, Vicki Soltz, bringt die Pro-&lt;br /&gt;
bleme sozusagen auf einen gemeinsamen Nenner und macht sie klar und&lt;br /&gt;
verständlich: Wir leben in einer neuen Zeit, und es ist die Diskrepanz zwi-&lt;br /&gt;
schen der neuen Lebensweise und den verälteten Erziehungsmethoden, die&lt;br /&gt;
die Probleme heraufbeschwören. Weil jedoch soviel Widersprüchliches&lt;br /&gt;
über „neue Erziehungsmethoden“ geschrieben wird, beginnen die Eltern&lt;br /&gt;
und Erzieher mit Zweifeln und Vorurteilen an jegliche neue Erziehungs-&lt;br /&gt;
methode heranzugehen. Dabei ist eine der wichtigsten Forderungen un-&lt;br /&gt;
serer Zeit, Vorurteile abzulegen. Das Buch „Kinder fordern uns heraus“&lt;br /&gt;
bemüht sich, gerade das zu tun. Es ist ein Buch, das Eltern erziehen will!&lt;br /&gt;
Es will sie anleiten, die Probleme ihrer Kinder zu lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vicki Soltz erklärt nicht lang. Anhand unzähliger Alltagsbeispiele be-&lt;br /&gt;
weist sie, wieso die alte Methode der Autorität, des Zwanges, der Über-&lt;br /&gt;
legenheit des „Stärkeren“ nicht mehr in unsere neue Zeit der „Demo-&lt;br /&gt;
kratie“ paßt, sondern elend versagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manches Mal erscheinen die vielen Beispiele fast überflüssig, sie sind&lt;br /&gt;
so einleuchtend, so klar und selbstverständlich — bis man plötzlich in&lt;br /&gt;
unmittelbarer Nähe, oft bei seinen eigenen „fortschrittlichen“ und „auf-&lt;br /&gt;
geklärten“ Freunden, bei Verwandten, in der Bahn, in einer Festver-&lt;br /&gt;
sarnmlung dieselben Schwächen, dasselbe Nachgeben, dasselbe Reden statt&lt;br /&gt;
des Handelns wahrnimmt, wie von Frau Dr. Soltz so meisterhaft geschil-&lt;br /&gt;
dert. Ihre Lösungen der Probleme sind so logisch und klar, daß man sich&lt;br /&gt;
oft wundert, daß sie überhaupt in Worte gefaßt werden müssen. Doch für&lt;br /&gt;
Väter, Mütter, Erzieher — und sind wir nicht alle, die mit Kindern in Be-&lt;br /&gt;
rührung kommen und sie beeinflussen, „Erzieher“? — sind sie wertvolle&lt;br /&gt;
Spiegelbilder von Reaktionen, die wir oft nicht selber wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein typisches Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Donald, sechs Jahre alt, und Pit, vier Jahre alt, kamen zusammen mit&lt;br /&gt;
dem Hund mit schmutzigen Füßen in die Küche, „O“, schrie die Mutter,&lt;br /&gt;
„gerade habe ich den Küchenboden sauber gemacht. Was glaubt ihr denn,&lt;br /&gt;
was ich bin? Schaut, was ihr getan habt! Wie oft muß ich euch noch&lt;br /&gt;
sagen, die Füße abzuputzen, ehe ihr ins Haus kommt? Setzt euch jetzt&lt;br /&gt;
dorthin und zieht eure Schuhe aus. Jetzt kann ich wieder von vorne an-&lt;br /&gt;
fangen!“ Die Mutter warf die Schuhe vor die Tür, um sie später zu putzen,&lt;br /&gt;
und wischte den Boden wieder auf. Die Kinder rannten auf ihren Strümp-&lt;br /&gt;
fen herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellungnahme: Die Kinder tun, was sie wollen, während die&lt;br /&gt;
Mutter die Folgen auf sich nimmt, sich mißbrauchen läßt und durch Schel-&lt;br /&gt;
ten. bestraft. Die Mutter sollte damit aufhören, Worte als Waffen zu be-&lt;br /&gt;
nützen, und müßte den Kindern den Schrubber in die Hand drücken. Sie&lt;br /&gt;
kann damit logische Folgen eintreten lassen. Wie kann sie kochen, solange&lt;br /&gt;
die Küche so schmutzig ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Beispiel Nr. 20:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Lilli, ich sagte, du könntest diese Woche nicht mit Jo ins Kino gehen,&lt;br /&gt;
weil du das letztemal zu spät heimgekommen bist.“ Mutter sprach ruhig&lt;br /&gt;
mit ihrer Neunjährigen. Die Augen des Mädchens füllten sich mit Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
857&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|858|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=28}}Sie wandte sich ab, ohne mit Erklärungen zu kommen. Die Mutter hatte&lt;br /&gt;
ein scheußliches Gefühl. Lilli war so sehr getroffen. „Was wird denn diese&lt;br /&gt;
Woche gespielt?“ „Das spielt ja keine Rolle, Mutti, wenn ich nicht gehen&lt;br /&gt;
darf“, antwortete sie mit Tränen in ihrer Stimme. „Ich glaube, du sagtest&lt;br /&gt;
mir, es laufe ein Film von Disney?“ „Ja!“ Die Mutter überlegte. „Wenn&lt;br /&gt;
ich dich diesmal gehen lasse, wirst du dann gleich heimkommen?“ Immer&lt;br /&gt;
noch voll Tränen antwortete Lilli: „Ja, Mutti!“ „Gut, wenn du aber nicht&lt;br /&gt;
zeitig heimkommst, laß ich dich nächstesmal nicht gehen, gleichgültig, was&lt;br /&gt;
gespielt wird! Verstehst du?“ „Ja, Mutti!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellungnahme: Lilli hat den Wert der „Wasserkraft“ erkannt&lt;br /&gt;
und rief Mitleid hervor, um das zu bekommen, was sie wollte. Die Mutter&lt;br /&gt;
fiel darauf herein. Sie hatte nicht den Mut, „nein“ zu sagen, und war in-&lt;br /&gt;
konsequent. Die Mutter sollte sich durch Lillis Tränen und ihre gekränkte&lt;br /&gt;
Niedergeschlagenheit nicht beeindrucken lassen. Wenn Lilli sich nicht an&lt;br /&gt;
die getroffene Vereinbarung hält, zeitig heimzukommen, ist die logische&lt;br /&gt;
Folge, daß sie das nächstemal nicht gehen kann. Die Mutter kann fest&lt;br /&gt;
bleiben und Ordnung aufrechterhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kind räumt sein Zimmer nicht auf. Die Mutter sagt: „Gut, du&lt;br /&gt;
kriegst kein Eis heute Nachmittag.“ Daß dies eine unlogische Strafe ist,&lt;br /&gt;
wird jedem klar sein. Aber wie oft passiert es!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kind ißt sein Gemüse nicht auf. Die Mutter sagt: „Dann bekommst&lt;br /&gt;
du keinen Nachtisch.“ Das ist eine logische Strafe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten „neuen Prinzipien der Erziehung von Kindern“ in diesem&lt;br /&gt;
Buch kann man vollauf unterschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Z.B.: das Kind ermutigen,&lt;br /&gt;
natürliche und logische Folgen anwenden,&lt;br /&gt;
fest sein, ohne zu beherrschen,&lt;br /&gt;
sich Zeit mit Kindern nehmen,&lt;br /&gt;
handeln, nicht reden,&lt;br /&gt;
die Unabhängigkeit fördern,&lt;br /&gt;
sich nicht auf einen Machtkampf einlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgezeichnet ist die Schlußidee, einen Familienrat zu bilden.&lt;br /&gt;
Dadurch scheiden automatisch viele Erziehungsprobleme aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es ist entschieden ein Buch, das man Freunden, die Kinder haben,&lt;br /&gt;
in die Hand drücken sollte. Und keinem würde es schaden, wenn er&lt;br /&gt;
selber ein bißchen darin rumschnüffelte — um vielleicht gar seine eigene.&lt;br /&gt;
Karrikatur irgendwo zu entdecken. ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, was man vielleicht beanstanden könnte, ist das Übergewicht,&lt;br /&gt;
das die Autorin auf den Machtkampf als Ursache der meisten Erziehungs-&lt;br /&gt;
probleme legt. Wir wissen, daß Ungezogenheit bei Kindern meist auf&lt;br /&gt;
einen Geltungstrieb zurückzuführen ist, und daß tatsächlich das Kind die&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit der Eltern oder betreffenden Erzieher erheischt. Aber&lt;br /&gt;
sind verärgerte Aufmerksamkeit, Prügel und Bestrafung wirklich eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
858&lt;br /&gt;
{{page|859|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=29}}„Befriedigung“ für das Kind, nur weil es den Machtkampf gewonnen hat?&lt;br /&gt;
In meiner langjährigen Erfahrung als Heimleiterin und Hausmutter, als&lt;br /&gt;
Mutter und Großmutter habe ich gefunden, daß es viel eher Liebe und&lt;br /&gt;
Geborgenheit sind, die das Kind ersehnt. Und wo es sich irgendwie darin&lt;br /&gt;
bedroht fühlt, entartet das normale, gesunde, natürliche, gottgewollte Be-&lt;br /&gt;
nehmen des Kindes, und Probleme stellen sich ein. Elterliche Wärme und&lt;br /&gt;
ihr gutes Beispiel sind immer die wichtigsten Faktoren jeglicher Erzie-&lt;br /&gt;
hung. Und alle die logischen Folgen, die konsequente Behandlung, die&lt;br /&gt;
natürlichen Strafen dürfen nie kalte Berechnung sein, sondern müssen&lt;br /&gt;
durchglüht sein von der elterlichen Liebe. Etty Graeffe, Locarno&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerhard Rosenkranz: „Der christliche Glaube angesichts der Weltreligionen“,&lt;br /&gt;
Sammlung Dalp Band 100, Francke Verlag, München/Bern 1967, Ln. DM 15.80&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unüberschaubare Fülle populärwissenschaftlicher Abhandlungen&lt;br /&gt;
über die Begegnung der Religionen hat mit diesem Buch einen markanten&lt;br /&gt;
theologischen Akzent erhalten. Wo Visser’t Hooft der „jüngsten synkreti-&lt;br /&gt;
stischen Welle“ das Paradox eines „christlichen Universalismus“ entgegen-&lt;br /&gt;
stellt‘), holt Rosenkranz, als Professor für Missionswissenschaft und&lt;br /&gt;
ökumenische Theologie aus der Marburger Schule hervorgegangen, zu ei-&lt;br /&gt;
ner umfassenden Analyse der „existentiellen Konfrontation“ des christli-&lt;br /&gt;
chen Glaubens mit den Weltreligionen aus. Dies geschieht durch eine ein-&lt;br /&gt;
gehende Darstellung der Religionen in der Sicht des christlichen Glau-&lt;br /&gt;
bens, historisch aufgebaut vom Neuen Testament bis zur Theologie des&lt;br /&gt;
20. Jahrhunderts. Aber beim Neuen Testament ist, wie üblich, viel von&lt;br /&gt;
Paulus und wenig von Jesus die Rede, bei Luther ist „des Türken&lt;br /&gt;
Alkoran ... ein faules, schändliches Buch“ (S. 159), und den Bemühun-&lt;br /&gt;
gen Friedrich Heilers um „die letzte und tiefste Einheit aller Religionen ..,&lt;br /&gt;
die man nicht künstlich herzustellen, sondern nur aus der Tiefe emporzu-&lt;br /&gt;
heben braucht“ (S. 187), glaubt Rosenkranz „eine ‚Intoleranz‘ des Evange-&lt;br /&gt;
liums“ (S. 189) entgegenstellen zu müssen: „Sätze wie ‚Gott ist Liebe‘, ‚Die&lt;br /&gt;
Liebe ist ein göttliches Werk‘ mit den Folgerungen, die für den Menschen&lt;br /&gt;
daraus gezogen werden, sind nun einmal nicht ‚universal-religiös, allge-&lt;br /&gt;
mein-menschlich‘, sondern ‚christlich‘. Sie bleiben es auch dort, wo sich&lt;br /&gt;
Religionen heute durch Übernahme einer christlichen Liebesethik mo-&lt;br /&gt;
dernisieren“ (S. 188). Ein Glück für die Menschheit, daß die Weltreli-&lt;br /&gt;
gionen das wenigstens tun dürfen und daß es kein Patent auf die christ-&lt;br /&gt;
liche Erfindung der Liebe gibt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre diese Sendung abzuleugnen, welche Sache auf Erden wäre&lt;br /&gt;
dann der Darlegung wert oder verdiente, anerkannt zu werden?...&lt;br /&gt;
Sprich: Sterbet in eurem Zorn! Wahrlich, Er kam mit einer Sache,&lt;br /&gt;
die keiner leugnen kann, der mit Gesicht, Gehör, Scharfsinn, Ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rechtigkeit und Unparteilichkeit ausgestattet ist. Dies bezeugt die&lt;br /&gt;
Feder des Urewigen in dieser Zeit des deutlichen Beweises.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tablet Ishrägät) Bahö’u’lldh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
859&lt;br /&gt;
{{page|860|file=Baha&#039;i_Briefe_33.pdf|page=30}}Die Auffassung, wir hätten ja alle denselben Gott und alle Religionen&lt;br /&gt;
seien „gleich“, ist „ein aus plattester Aufklärung zurückgebliebenes Ar-&lt;br /&gt;
mutszeugnis religiöser Indifferenz“ (S. 37). So ist es nicht verwunderlich,&lt;br /&gt;
daß Rosenkranz die Bahä’i-Religion (S. 45, 101), die er von seinen wie-&lt;br /&gt;
derholten Studien her?) besser kennen sollte, mit gewissen synkretisti-&lt;br /&gt;
schen Bewegungen auf eine Stufe stellt: „Keine von ihnen, wie sehr sie&lt;br /&gt;
ihre universale Bestimmung herausstellt, ist davon frei, sich selbst ge-&lt;br /&gt;
radezu mit irritierender Naivität als Mitte und Maß des von ihr vertre-&lt;br /&gt;
tenen Universalismus zu betrachten“ (S. 102). Sich mit dem Anspruch, den&lt;br /&gt;
Lehren und Gesetzen Bahä’u’llähs sachlich zu befassen, hält er nicht für&lt;br /&gt;
nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer bisher im Zweifel war, hat in diesem Buch den Nachweis, daß&lt;br /&gt;
religiöse Einheit vom Christentum her unmöglich ist; sie ist allenfalls&lt;br /&gt;
durch „die Weltvollendung im zweiten Kommen Christi“ denkbar, die&lt;br /&gt;
Rosenkranz als die höchste christliche Hoffnung darstellt (S. 251). Die&lt;br /&gt;
Frage ist, wann die christliche Theologie aufhören wird, diese Wieder-&lt;br /&gt;
kunft dogmatisch zu präjudizieren, wann die Christen sich wirklich auf&lt;br /&gt;
die Suche nach dieser Wiederkunft begeben, indem sie sich „freimachen&lt;br /&gt;
von allem trübenden Staub erworbenen Wissens“ ®) und vor allem das&lt;br /&gt;
Gemeinsame, Sinnvolle anstelle des Andersartigen, Zufallsbedingten zu&lt;br /&gt;
ihrem Maßstab machen. Dann werden sie in allen Religionen ein wesent-&lt;br /&gt;
liches Verheißungsmoment entdecken, das Rosenkranz fast völlig ver-&lt;br /&gt;
schweigt: In allen Religionen sind diese Wiederkunftserwartungen&lt;br /&gt;
lebendig; sie sind der dynamische Impuls, der die Weltgeschichte zur&lt;br /&gt;
Heilsgeschichte macht. Kann man glauben und hoffen, Gott werde den&lt;br /&gt;
Christen eine Sonderausführung von Jüngstem Gericht und Auferstehung&lt;br /&gt;
bereiten und alle Andersgläubigen ins Unrecht setzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
P. M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) W. A. Visser’t Hooft, „Kein anderer Name. Synkretismus oder christlicher Uni-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
versalismus?“, Basel 1965, vgl. Rezension in „BAHA’&#039;I-BRIEFE“, Jan. 1967/Heft 27,&lt;br /&gt;
S. 689 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Gerhard Rosenkranz, „Die Bahä’f, ein Kapitel neuzeitlicher Religionsgeschichte*,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebendige Wissenschaft, Heft 11, Kreuz-Verlag, Stuttgart 1949; vgl. „Betrachtun-&lt;br /&gt;
gen“ von O. G. in „Sonne der Wahrheit“, 19. Jahrgang 1949, S. 155 ff.&lt;br /&gt;
Dgl., „Die Bahä’f. Eine junge ‚Weltreligion‘ faßt in Deutschland Fuß“, in der&lt;br /&gt;
Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. 5. 58; vgl. Kritik von Dr. U. Schaefer,&lt;br /&gt;
„Die Bahä’f-Religion im Spiegel christlicher Betrachtung“, hgg. vom Nationalen&lt;br /&gt;
Geistigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., Frankfurt 1960.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Bahá’u’lláh, „Das Buch der Gewißheit“ (Kitäb-i-Igän), Frankfurt/Main 1958, S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 nm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar, -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr. 14,&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 74 67, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74 97 67,&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bah&amp;amp;’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 879058 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE*.,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_32/Text&amp;diff=75328</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 32/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|803|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und Politik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Harmonie der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottes Wort&lt;br /&gt;
im Haus der Andacht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interkontinentale&lt;br /&gt;
Konferenzen&lt;br /&gt;
in Wort und Bild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRIL 1968 HEFT 32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D 20155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|804|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=2}}{{page|805|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=3}}APRIL 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHAT-BRIEFE nern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: Dies ist der Tag;&lt;br /&gt;
an dem der Sprecher des Berges Seinen Platz auf dem&lt;br /&gt;
Thron der Offenbarung einnahm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.an dem die Menschen vor Gott, dem Herrn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschöpfe, auferstanden.&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem die Erde Neues&lt;br /&gt;
offenbarte und ihre Schätze entschleierte,&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem das Meer seine Perlen,&lt;br /&gt;
der göttliche Lotosbaum seine Früchte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Sonne ihren Glanz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Monde ihr Licht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Himmel seine Sterne,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die »Stunde« ihre Zeichen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Auferstehung ihre Erhabenheit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Federn ihre Spuren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und die Geister ihre Geheimnisse enthüllten.&lt;br /&gt;
Selig ist, wer Ihn erkennt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wehe denen, die Ihn leugnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und sich von Ihm abwenden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tablet Ishrägät)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
805&lt;br /&gt;
{{page|806|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=4}}Religion und Politik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stellungnahme des Universalen Hauses der Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Universale Haus der Gerechtigkeit, die international leitende&lt;br /&gt;
Körperschaft des Baha’t-Glaubens, hat den Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Räten der Baha’i-Welt vor kurzem Auszüge aus einem Brief zur&lt;br /&gt;
Verfügung gestellt, mit dem Fragen über das Verhältnis der Bahö’i&lt;br /&gt;
zu den gesellschaftlichen und politischen Mächten der heutigen&lt;br /&gt;
Welt beantwortet wurden. Seit Beginn des Bahä’i-Glaubens steht&lt;br /&gt;
die Nichteinmischung der Bahäd’i in das tagespolitische Geschehen&lt;br /&gt;
und ihre Loyalität gegenüber jeder rechtmäßigen Regierung ebenso&lt;br /&gt;
unumstößlich fest wie ihr Engagement für eine universale Lösung&lt;br /&gt;
der heutigen Weltprobleme. Dennoch möchten wir nicht versäumen,&lt;br /&gt;
diese umfassende Klarstellung zur Kenntnis aller unserer Leser zu&lt;br /&gt;
bringen. D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... Wir versuchen gern, einige der Fragen zu klären, die Ihnen in den&lt;br /&gt;
Beziehungen der Bahä’i zur Politik problematisch vorkommen. Es han-&lt;br /&gt;
delt sich hier um eine besonders bedeutsame Angelegenheit, gerade heut-&lt;br /&gt;
zutage, wo die allgemeine Weltlage so wirr ist. Die unüberlegte Handlung&lt;br /&gt;
oder Äußerung einzelner Bahä’i in gewissen Ländern könnte dort oder&lt;br /&gt;
anderswo zu schweren Rückschlägen für den Glauben, ja zum Verlust von&lt;br /&gt;
Menschenleben unter den Mitgläubigen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt sollte die Haltung eines Bahä’i gegenüber den Problemen,&lt;br /&gt;
Leiden und Verwirrungen anderer Menschen im Lichte der Zielsetzungen&lt;br /&gt;
gesehen werden, die Gott in diesem Zeitalter für die Menschheit hegt, wie&lt;br /&gt;
auch am Lichte der Vorgänge, die Er in Gang gesetzt hat, um diese Ziele&lt;br /&gt;
zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bahä’u’lläh im 19. Jahrhundert Seine Botschaft an die Welt verkün-&lt;br /&gt;
dete, machte Er zur Genüge klar, daß der erste, unumgängliche Schritt&lt;br /&gt;
auf dem Weg zu Frieden und Fortschritt der Menschheit ihre Vereinigung&lt;br /&gt;
sei. „Die Wohlfahrt der Menschheit“, sagt Er, „ihr Friede und ihre Sicher-&lt;br /&gt;
heit sind unerreichbar, sofern nicht und ehe nicht ihre Einheit fest&lt;br /&gt;
begründet wird“ (The World Order of Bahä’w’lläh, p. 203). Bis auf den&lt;br /&gt;
heutigen Tag können Sie jedoch feststellen, daß die meisten Menschen&lt;br /&gt;
einen entgegengesetzten Standpunkt einnehmen: Sie halten die Einheit&lt;br /&gt;
für ein letztes, fast unerreichbares Ziel und konzentrieren sich darauf,&lt;br /&gt;
zunächst alle anderen Leiden der Menschheit zu heilen. Wenn sie nur&lt;br /&gt;
wüßten, daß alle diese anderen Leiden lediglich verschiedenartige Symp-&lt;br /&gt;
tome und Nebenwirkungen der grundlegenden Krankheit — der Uneinig-&lt;br /&gt;
keit — sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat darüber hinaus erklärt, daß es für die Wiederbelebung&lt;br /&gt;
der Menschheit und die Heilung aller ihrer Leiden nur ein Mittel gebe:&lt;br /&gt;
Seinen Glauben. „Die Kraft des menschlichen Gottesglaubens ist in allen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
806&lt;br /&gt;
{{page|807|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=5}}Ländern im Schwinden begriffen. Nur noch Seine heilsame Arznei ver-&lt;br /&gt;
mag sie wiederherzustellen. Das ätzende Gift der Gottlosigkeit zerfrißt&lt;br /&gt;
das Mark der menschlichen Gesellschaft. Was anderes kann sie reinigen&lt;br /&gt;
und wiederbeleben als der Lebenstrank Seiner mächtigen Offenbarung?“&lt;br /&gt;
(Ährenlese XCIX). „Was der Herr als höchstes Mittel und mächtigstes&lt;br /&gt;
Werkzeug für die Heilung der ganzen Welt bestimmt hat, ist die Vereini-&lt;br /&gt;
gung aller ihrer Völker in einer allumfassenden Sache, einem gemeinsamen&lt;br /&gt;
Glauben. Das kann nicht anders erreicht werden als durch die Kraft eines&lt;br /&gt;
erfahrenen, allgewaltigen und erleuchteten Arztes. Wahrlich, dies ist die&lt;br /&gt;
Wahrheit, und alles andere ist nichts als Irrtum“ (An die Volksvertreter&lt;br /&gt;
aller Länder, Tablet an Königin Victoria von England, Ährenlese CXX.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise schrieb der Hüter: „Die Menschheit ist, ob wir sie&lt;br /&gt;
im Lichte der persönlichen Lebensführung oder der Beziehungen zwi-&lt;br /&gt;
schen organisierten Gemeinschaften und Nationen betrachten, leider zu&lt;br /&gt;
weit abgeirrt, hat einen zu tiefen Niedergang erlitten, als daß sie allein&lt;br /&gt;
durch die unbeholfenen Anstrengungen der besten ihrer anerkannten&lt;br /&gt;
Herrscher und Staatsmänner — wie uneigennützig sie in ihren Beweg-&lt;br /&gt;
gründen, wie konzertiert sie in ihrer Aktion, wie zähe sie in ihrem Eifer&lt;br /&gt;
und wie ergeben sie gegenüber ihrer Sache auch sein mögen — erlöst -&lt;br /&gt;
werden könnte. Kein Plan, den die Berechnungen höchster staatsmänni-&lt;br /&gt;
scher Kunst noch ersännen, kein Lehrgebäude, das die hervorragendsten&lt;br /&gt;
Vertreter der Wirtschaftstheorie noch ausdächten, kein Grundsatz, den&lt;br /&gt;
der glühendste Moralist noch aufimpfen wollte, können letztenendes aus-&lt;br /&gt;
reichende Grundlagen bieten, auf die die Zukunft einer verrückt gewor-&lt;br /&gt;
denen Welt gebaut werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kein Aufruf zu gegenseitiger Duldsamkeit, den die Weltweisen erheben&lt;br /&gt;
mögen, wie zwingend und beharrlich er auch sei, kann die Leidenschaften&lt;br /&gt;
dieser Welt beruhigen oder ihr helfen, ihre Lebenskraft zurückzugewin-&lt;br /&gt;
nen. Auch hat kein Gesamtplan rein organisatorischer Zusammenarbeit,&lt;br /&gt;
auf welchem Gebiet menschlicher Tätigkeit er sich immer bewegt, wie&lt;br /&gt;
geistreich er erdacht und wie umfassend er aufgefaßt wird, den gewünsch-&lt;br /&gt;
ten Erfolg, wenn es darum geht, die Grundursache des’Übels zu beseiti-&lt;br /&gt;
gen, das die heutige Gesellschaft so hart aus dem Gleichgewicht geworfen&lt;br /&gt;
hat. Ja, ich wage zu behaupten, daß nicht einmal der eigentliche Vorgang&lt;br /&gt;
des Ersinnens einer Maschinerie, wie sie für die politische und wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche Vereinigung der Menschheit erforderlich ist — eine Grundforderung,&lt;br /&gt;
die in letzter Zeit immer stärker vertreten wird — daß nicht einmal die-&lt;br /&gt;
ser Vorgang aus sich selbst heraus das Heilmittel gegen das Gift bieten&lt;br /&gt;
könnte, welches fortgesetzt die Kraftreserven der entwickelten Völker&lt;br /&gt;
und Nationen auszehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was sonst, so können wir getrost behaupten, als die vorbehaltlose An-&lt;br /&gt;
nahme des göttlichen Programms, das Bahä’u’läh vor sechzig (heute vor&lt;br /&gt;
97) Jahren so machtvoll und doch so einfach verkündete, eines Programms,&lt;br /&gt;
das in seinen Wesenszügen Gottes Plan für die Vereinigung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit in diesem Zeitalter beinhaltet, kann in Verbindung mit der unüber-&lt;br /&gt;
windlichen Gewißheit der sicheren Wirkung aller seiner Vorkehrungen&lt;br /&gt;
schließlich den Kräften innerer Auflösung widerstehen, die sich, wenn&lt;br /&gt;
ihnen kein Einhalt geboten wird, immer‘ tiefer in den Lebensnerv&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
807&lt;br /&gt;
{{page|808|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer verzweifelten. Gesellschaft hineinfressen?“ (The World Order of&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh, pp. 33/34).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi erklärt uns, daßzweigroße Prozesse in der Welt&lt;br /&gt;
ablaufen: zum einen der große Plan Gottes, der sich, stürmisch fort-&lt;br /&gt;
schreitend, durch die Menschheit als Ganzes verwirklicht, die Barrieren&lt;br /&gt;
gegen die Welteinheit niederreißt und die menschliche Gesellschaft im&lt;br /&gt;
Feuer des Leides und der Erfahrung zu einem geeinten Organismus um-&lt;br /&gt;
schmiedet. Dieser Prozeß wird in der von Gott bestimmten Zeit den Ge-&lt;br /&gt;
ringeren Frieden, die politische Vereinigung der Welt, herbeiführen. Der&lt;br /&gt;
zweite Vorgang, der diesem geeinten Organismus Leben einhaucht, wahre&lt;br /&gt;
Einheit und Geistigkeit schafft und im Größten Frieden seinen Höhe-&lt;br /&gt;
punkt erreicht, ist die Aufgabe der Bahä’i, die vollbewußt, mit genauen&lt;br /&gt;
Weisungen und unter fortgesetzter göttlicher Führung sich mühen, die&lt;br /&gt;
Strukturen des Reiches Gottes auf Erden zu errichten, ihre Mitmenschen&lt;br /&gt;
dazu aufzurufen und ihnen auf diese Weise ewiges Leben zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die. Verwirklichung des Größeren Planes Gottes geschieht auf geheim-&lt;br /&gt;
nisvollen Wegen, die Er allein zu führen weiß; aber der Kleinere Plan,&lt;br /&gt;
den Er uns als unsere Rolle in Seinem großen Programm für die Erlösung&lt;br /&gt;
anvertraut hat, ist klar beschrieben. Dieser Arbeit müssen wir unsere&lt;br /&gt;
ganze Energie widmen; denn es gibt sonst niemanden, der sie für uns tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So existenznotwendig ist diese Aufgabe der Bahä’i, daß Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
schrieb: „O Freunde! Vernachlässigt die Fähigkeiten nicht, mit denen ihr&lt;br /&gt;
ausgestattet seid, noch versäumt eure hohe Bestimmung! Laßt eure Be-&lt;br /&gt;
mühungen nicht an den Hirngespinsten scheitern, die gewisse Seelen ge-&lt;br /&gt;
sponnen haben! Ihr seid die Sterne am Himmel des Begreifens, der frische&lt;br /&gt;
Wind, der bei Tagesanbruch weht, die lautlos quellenden Wasser, von&lt;br /&gt;
denen alles Leben der Menschen abhängt, und die Buchstaben auf Seiner&lt;br /&gt;
heiligen Rolle. Bemüht euch in äußerster Eintracht und im Geiste treue-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Kameradschaft, das zu vollbringen, was dieser Tag Gottes erfordert!“&lt;br /&gt;
(Ährenlese XCVI).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir bitten die Könige und Führer des Volkes, sich als Offenbarer&lt;br /&gt;
der göttlichen Macht zu bemühen, daß die Uneinigkeit unter den&lt;br /&gt;
Menschen verschwinde und die Welt mit dem Licht der Eintracht&lt;br /&gt;
erleuchtet werde. Alle müssen sich an das halten, was von der Er-&lt;br /&gt;
habenen Feder geoffenbart wurde, und müssen es verwirklichen.&lt;br /&gt;
Der eine wahre Gott und alle Atome des Weltalls bezeugen, daß Wir&lt;br /&gt;
in den Briefen und Tablets durch die Erhabene Feder nur offen-&lt;br /&gt;
barten, was zur Erhöhung, Hebung, Erziehung, zum Schutz und&lt;br /&gt;
Fortschritt der Menschheit führt. Wir bitten Gott, daß Er Seine&lt;br /&gt;
Diener stärken möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lldh&lt;br /&gt;
(Tablet Ishrägät)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
808&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
{{page|809|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil die Liebe zu den Mitmenschen und der Schmerz über ihre traurige&lt;br /&gt;
Lage zum Lebensinhalt jedes wahren Bahä’i gehören, drängt es uns fort-&lt;br /&gt;
gesetzt, zu tun, was wir können, um ihnen zu helfen. Es ist von überra-&lt;br /&gt;
gender Bedeutung, daß wir uns so verhalten, wann immer sich die Ge-&lt;br /&gt;
legenheit dazu bietet; denn unsere Taten müssen dasselbe zum Ausdruck&lt;br /&gt;
bringen, was unsere Worte besagen. Aber dieses Mitleid für unseren&lt;br /&gt;
Nächsten darf uns nicht dazu verleiten, unsere Energien auf Kanäle zu&lt;br /&gt;
verteilen, die letztlich in Fehlschlägen auslaufen und uns die wichtigste,&lt;br /&gt;
grundlegende Arbeit vernachlässigen lassen. Es gibt Hunderttausende von&lt;br /&gt;
Wohltätern der Menschheit, die ihr Leben ganz für Hilfswerke und cari-&lt;br /&gt;
tative Zwecke einsetzen, aber es gibt viel zu wenige, die diejenige Arbeit&lt;br /&gt;
tun, die Gott vor allem anderen getan haben will: die geistige Erweckung&lt;br /&gt;
und Wiederbelebung der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft ist es ein fehlgeleitetes Empfinden, wir könnten unseren Mitmen-&lt;br /&gt;
schen durch irgendwelche Tätigkeiten außerhalb unserer Glaubensgemein-&lt;br /&gt;
schaft besser helfen, das uns Bahä’i dazu verführt, der Politik nachzu-&lt;br /&gt;
gehen. Dies ist eine gefährliche Selbsttäuschung, wie es Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
durch seinen Sekretär zum Ausdruck brachte: „Wir Bahä’f müssen uns&lt;br /&gt;
mit der Tatsache abfinden, daß sich die Gesellschaft so rasch zersetzt, daß&lt;br /&gt;
Moralbegriffe, die noch vor einem halben Jahrhundert klar dastanden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“heute hoffnungslos verwirrt und, was noch schlimmer ist, mit widerstrei-&lt;br /&gt;
tenden politischen Interessen innig vermengt sind. Deshalb müssen die&lt;br /&gt;
Bahä’i ihre ganze Kraft in die Kanäle des Aufbaus der Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
schaft und ihrer Verwaltungsordnung lenken. Auf keine andere Weise&lt;br /&gt;
können sie die Welt gegenwärtig verändern oder ihr helfen. Wenn sie&lt;br /&gt;
sich in die Streitfragen einmischen, in denen sich die Regierungen der&lt;br /&gt;
Welt bekämpfen, werden sie verloren sein; aber wenn sie das Bahä’i-&lt;br /&gt;
Modell aufbauen, können sie es als ein Heilmittel darreichen, wenn alles&lt;br /&gt;
andere versagt haben wird (BN/USA Nr. 241, p. 14). „... Wir müssen un-&lt;br /&gt;
ser Bahä’i-System aufbauen und den unvolikommenen Systemen dieser&lt;br /&gt;
Welt ihren Lauf lassen. Wir können sie nicht ändern, indem wir uns&lt;br /&gt;
hineinverwickeln; ganz im Gegenteil, sie würden uns vernichten“ (BN’&lt;br /&gt;
USA Nr. 215, p. l)...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel zum wahren Verständnis dieser Grundsätze scheint uns in&lt;br /&gt;
den folgenden Worten Bahä’u’llähs zu liegen: „O Volk Gottes! Beschäftige&lt;br /&gt;
dich nicht mit deinen eigenen Angelegenheiten, Lenke deine Gedanken&lt;br /&gt;
vielmehr auf das, was das Glück der Menschheit wiederherstellt und die&lt;br /&gt;
Herzen und Seelen der Menschen heiligt. Das kann am besten durch reine&lt;br /&gt;
und heilige Taten, durch ein Leben der Tugend und durch gutes Betragen&lt;br /&gt;
vollbracht werden. Mutiges Handeln wird den Sieg dieser Sache sichern,&lt;br /&gt;
und eine fromme Wesenshaltung wird ihre Kraft verstärken. Folge der&lt;br /&gt;
Rechtlichkeit, o Volk Bahäs! Dies ist das Gebot, das euch dieser Unter-&lt;br /&gt;
drückte gegeben hat, und die erlesene Wahl Seines unumschränkten Wil-&lt;br /&gt;
lens für jeden von euch“ (Sendschreiben über die Welt, Ährenlese XLIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liebevollen Bahä’i-Grüßen&lt;br /&gt;
DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
809&lt;br /&gt;
{{page|810|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=8}}Zu: Ehre Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht in Langenhain: Symbol der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit alters hat der Mensch Orte geschaffen, an denen er Gott an-&lt;br /&gt;
betete und verehrte. Juden, Hindu, Buddhisten, Christen, Moslem&lt;br /&gt;
versammelten und finden sich in Synagogen, Tempeln, Kathedralen,&lt;br /&gt;
Moscheen und anderen Gebetshäusern zum Lobpreis ihres Schöp-&lt;br /&gt;
fers. In vielen Erdteilen sind die Bahä’t dabei, Häuser der Andacht&lt;br /&gt;
zu bauen, die in einer Welt, in der es keine T’rennung mehr geben&lt;br /&gt;
darf, als Symbol der Einheit dienen sollen, als Symbol für eine&lt;br /&gt;
geeinte, friedliche Welt, eine Stätte der Ausstrahlung göttlichen&lt;br /&gt;
Lichtes. Die Bahäd’i-Religion kennt keine Riten und formstarren&lt;br /&gt;
Gottesdienste; es gibt in ihr keine Berufs-Geistlichen. Im Andachts-&lt;br /&gt;
raum werden keine Predigten und keine Vorträge gehalten; ohne&lt;br /&gt;
Auslegung wird das Wort Gottes nach heiligen Texten aller Offen-&lt;br /&gt;
barungsreligionen gelesen. Das erste europäische Haus der Andacht&lt;br /&gt;
haben die Bahä’i in Langenhain im Taunus errichtet. Jeden Sonn-&lt;br /&gt;
tagnachmittag um 15 Uhr haben die Besucher Gelegenheit, hier an&lt;br /&gt;
einer Andacht teilzunehmen. Um unseren Lesern ein Beispiel davon&lt;br /&gt;
zu vermitteln, in welcher Form ein solcher Gottesdienst stattfindet,&lt;br /&gt;
veröffentlichen wir nachstehend die vollständige Text-Ordnung&lt;br /&gt;
einer der Andachten in Langenhain.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du Herr des Sichtbaren und des Unsichtbaren, Du Erleuchter der&lt;br /&gt;
ganzen Schöpfung! Ich fiehe zu Dir, laß nach allen Richtungen hin die&lt;br /&gt;
Zeichen Deiner tausendfachen Segnungen und die Merkmale Deiner Güte&lt;br /&gt;
offenbar werden, damit ich mit hinreißender Begeisterung Deine wunder-&lt;br /&gt;
samen Kräfte preise, o Du Barmherziger, durch Deine Namen alles Er-&lt;br /&gt;
schaffene aufrüttele und das Feuer Deines Lobpreises mitten unter Dei-&lt;br /&gt;
nen Geschöpfen so hell anfache, daß die ganze Welt mit dem Glanze&lt;br /&gt;
Deiner heiligen Sache entflammt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhülle nicht, o mein Herr, was in Deinem Namen ausgebreitet wurde,&lt;br /&gt;
und lösche die Lampe nicht, die Dein eigenes Feuer entzündete. Halte das&lt;br /&gt;
herabströmende Wasser nicht auf — das Wasser, welches das Leben selbst&lt;br /&gt;
ist und in dessen Murmeln man die wundersamen Melodien hören kann,&lt;br /&gt;
die Dich loben’und verherrlichen. Verweigere Deinen Dienern auch nicht&lt;br /&gt;
den süßen Duft des Hauches, der durch Deine Liebe ausgesandt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du siehst die ruhelosen Wellen, o Du mein Allherrlicher, mein Gelieb-&lt;br /&gt;
ter, die meine Liebe und meine Sehnsucht nach Dir in meinem Herzen&lt;br /&gt;
aufrühren. Ich flehe zu Dir bei den Zeichen Deiner Erhabenheit und den&lt;br /&gt;
sichtbaren Beweisen Deiner höchsten Macht, bezwinge Deine Geschöpfe&lt;br /&gt;
durch diesen Namen, den Du zum König aller Namen im Reiche Deiner&lt;br /&gt;
Schöpfung gemacht hast. Mächtig bist Du zu herrschen, wie es Dir gefällt.&lt;br /&gt;
Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allherrlichen, dem Allgütigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
810&lt;br /&gt;
{{page|811|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=9}}Und weiter verordne Du für jeden, der sich Dir zugewandt hat, was&lt;br /&gt;
ihn in Deiner heiligen Sache so sehr festigen wird, daß weder die nutz-&lt;br /&gt;
losen Vorstellungen der Treulosen unter Deinen Geschöpfen noch das&lt;br /&gt;
leere Geschwätz der Eigensinnigen unter Deinen Dienern ihn von Dir aus-&lt;br /&gt;
zuschließen vermögen. Du bist wahrlich der Helfer in der Not, der All-&lt;br /&gt;
mächtige, der Machtvollste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Gebete und Meditationen, Bahä’u’lldh, Nr. 47)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Recht erfreuet sich an Deinem Ruhme die Welt und ist Dir ehr-&lt;br /&gt;
furchtvoll ergeben; die Rakshas flieh’n entsetzt nach. allen Seiten, die&lt;br /&gt;
Sel’gen Scharen all vor Dir sich neigen. Und warum sollten sie sich Dir&lt;br /&gt;
nicht beugen, dem ersten Schöpfer, würd’ger selbst als Brahman? Du&lt;br /&gt;
Götterherr, Endloser, Weltenwohnstatt, Du bist der Ew’ge, Höchste, Sein&lt;br /&gt;
und Nichtsein! Du bist der erste Gott, der alte Urgeist, Du bis der höchste&lt;br /&gt;
Schatz des ganzen Weltalls, Wisser und Wissenswürd’ges, höchste Stätte,&lt;br /&gt;
Du hast das All gespannt, Endlosgestalt’ger. Wind, Feuer, Yama, Varuna,&lt;br /&gt;
der Mond auch, Prajäpati bist Du, und erster Ahnherr; Verehrung Dir,&lt;br /&gt;
Verehrung tausendmale, und mehr noch, mehr, Verehrung Dir, Ver-&lt;br /&gt;
ehrung! Verehrung Dir im Angesicht, im Rücken, von allen Seiten Ehre&lt;br /&gt;
Dir, Du Alles! Unendlich mannhaft, unermeßlich kraftvoll, vollendest Du&lt;br /&gt;
das All und bist Selbst Alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Bhagavad Gita, Elfter Gesang, Verse 36—40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herr ist König und herrlich geschmückt; der Herr ist geschmückt&lt;br /&gt;
und hat ein Reich angefangen, soweit die Welt ist, und zugerichtet, daß&lt;br /&gt;
es bleiben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anbeginn steht Dein Stuhl fest; Du bist ewig.&lt;br /&gt;
Herr, die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr&lt;br /&gt;
Brausen, die Wasserströme heben empor die Wellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der Herr&lt;br /&gt;
aber ist noch größer in der Höhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Wort ist eine rechte Lehre. Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses,&lt;br /&gt;
o Herr, ewiglich. (93. Psalm)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt! Singet&lt;br /&gt;
dem Herrn und lobet Seinen Namen; verkündet von Tag zu Tag Sein&lt;br /&gt;
Heil! Erzählet unter den Heiden Seine Ehre, unter allen Völkern Seine&lt;br /&gt;
Wunder! Denn der Herr ist groß und hoch zu loben, wunderbar über alle&lt;br /&gt;
Götter. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der Herr hat den&lt;br /&gt;
Himmel gemacht. Es stehet herrlich und prächtig vor Ihm und gehet ge-&lt;br /&gt;
waltig und löblich zu in Seinem Heiligtum. Ihr Völker, bringet her dem&lt;br /&gt;
Herrn, bringet her dem Herrn Ehre und Macht! Bringet her dem Herrn&lt;br /&gt;
die Ehre Seines Namens; bringet Geschenke und kommt in Seine Vorhöfe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8ll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|812|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte Ihn alle Welt!&lt;br /&gt;
Saget ünter den Heiden, daß der Herr König sei und habe Sein Reich,&lt;br /&gt;
soweit die Welt ist, bereitet, daß es bleiben soll, und richtet die Völker&lt;br /&gt;
recht. Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich; das Meer brause&lt;br /&gt;
und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; und&lt;br /&gt;
lasset rühmen alle Bäume im Walde vor dem Herrn; denn er kommt,&lt;br /&gt;
denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdboden richten&lt;br /&gt;
mit Gerechtigkeit und die Völker mit Seiner Wahrheit. (96. Psalm)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er tut Wunder. Er siegt mit sei-&lt;br /&gt;
ner Rechten und mit seinem heiligen Arm. \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herr läßt Sein Heil verkündigen; vor den Völkern läßt er Seine&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er gedenkt an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt&lt;br /&gt;
Enden sehen das Heil unseres Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jauchzet dem Herrn, alle Welt; singet, rühmet und lobet! Lobet den&lt;br /&gt;
Herrn mit Harfen, mit Harfen und Psalmen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Drommeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!&lt;br /&gt;
Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdboden und die darauf&lt;br /&gt;
wohnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wasserströme frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem&lt;br /&gt;
Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdboden&lt;br /&gt;
richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht. (98. Psalm)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum sollt ihr also beten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich&lt;br /&gt;
komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich&lt;br /&gt;
Brot gib uns heute, Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben&lt;br /&gt;
unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse&lt;br /&gt;
uns von dem Übel. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herr-&lt;br /&gt;
lichkeit in Ewigkeit. Amen. (Matthäus 6, Verse 9—13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen. Bei der Sonne und ihrem&lt;br /&gt;
Strahlenglanz und bei dem Mond, welcher ihr folgt, und bei dem Tage,&lt;br /&gt;
wenn er sie in ihrer Pracht zeigt, und bei der Nacht, die sie bedeckt,&lt;br /&gt;
und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute, und bei der Erde und&lt;br /&gt;
dem, welcher sie ausbreitete, bei der Seele und dem, welcher sie bildete&lt;br /&gt;
und ihr die Neigung zur Schlechtigkeit und Frömmigkeit eingegeben hat,&lt;br /&gt;
glückselig ist der, welcher sie läutert; elend aber der, welcher sie unter&lt;br /&gt;
Sünden begräbt. (Qur’an, Sure 91, Verse 1—11)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die göttliche Frühlingszeit ist angebrochen, o erhabenste Feder, denn&lt;br /&gt;
das Fest des Allbarmherzigen naht mit Eile. Spute dich und verherrliche&lt;br /&gt;
vor der ganzen Schöpfung den Namen Gottes und preise Seinen Ruhm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
812&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brei&lt;br /&gt;
{{page|813|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blick in das Haus der Andacht in Langenhain während eines Gottesdienstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
derart, daß alles Erschaffene wiederbelebt und erneuert werde. Sprich&lt;br /&gt;
und zögere nicht. Die Sonne der Glückseligkeit leuchtet über dem Hori-&lt;br /&gt;
zont Unseres Namens, der Selige, da das Reich des Namens Gottes mit&lt;br /&gt;
der Zier der Namen Deines Herrn, Der die Himmel erschaffen hat, ge-&lt;br /&gt;
schmückt ward. Erhebe dich vor den Völkern der Erde, wappne dich mit&lt;br /&gt;
der Macht dieses Größten Namens und gehöre nicht zu den Zögernden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mich dünkt, du verharrst und zögerst, mit der Niederschrift Meines&lt;br /&gt;
Tablets fortzufahren. Hat der Glanz des göttlichen Angesichts dich ver-&lt;br /&gt;
wirrt oder das leere Gerede der Eigensinnigen dich mit Kummer erfüllt&lt;br /&gt;
und deine Bewegung gehindert? Sei achtsam, damit dich nichts hindere,&lt;br /&gt;
die Größe dieses Tages zu preisen, des Tages, an dem die Hand der Er-&lt;br /&gt;
habenheit und Macht das Siegel des Weines der Vereinigung erbrochen&lt;br /&gt;
und alle gerufen hat, die in den Himmeln und auf Erden sind. Willst du&lt;br /&gt;
zögern, da der Windhauch, der Gottes Tag verkündet, schon über dich&lt;br /&gt;
geweht hat, oder gehörst du zu denen, die wie durch einen Schleier von&lt;br /&gt;
Ihm getrennt sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keinem Schleier, o Herr aller Namen und Schöpfer der Himmel, habe&lt;br /&gt;
ich gestattet, mich von der Erkenntnis der Herrlichkeiten Deines Tages zu&lt;br /&gt;
trennen, des Tages, der die Lampe der Führung für die ganze Welt und&lt;br /&gt;
das Zeichen des Urewigen Tages für alle ist, die in ihm leben. Ich schweige&lt;br /&gt;
wegen der Schleier, die die Augen Deiner Geschöpfe gegen Dich blind&lt;br /&gt;
gemacht haben, und mein Schweigen entspringt den Hemmnissen, die Dein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|814|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Volk gehindert haben, Deine Wahrheit zu erkennen. Du weißt, was in mir&lt;br /&gt;
ist, ich jedoch weiß nicht, was in Dir ist. Du bist der Allwissende, der All-&lt;br /&gt;
unterrichtete. Bei Deinem Namen, der über allen anderen Namen steht!&lt;br /&gt;
Sollte Dein übermächtiger und allbezwingender Befehl mich jemals er-&lt;br /&gt;
reichen, so wird er mir Macht verleihen, durch Dein erhabenstes Wort,&lt;br /&gt;
das ich durch Deine Zunge der Macht in Deinem Reich der Herrlichkeit&lt;br /&gt;
äußern hörte, die Seelen aller Menschen neu zu beleben. Er würde mich&lt;br /&gt;
befähigen, die Offenbarung Deines strahlenden Antlitzes zu verkünden,&lt;br /&gt;
wodurch das, was vor den Augen der Menschen verborgen war, in Deinem&lt;br /&gt;
Namen, der Klare, der höchste Beschirmer, der Selbstbestehende,&lt;br /&gt;
kundgemacht wurde. Kannst du, o Feder, an diesem Tage einen anderen&lt;br /&gt;
als Mich entdecken? Was ist aus den Namen und ihrem Reich geworden?&lt;br /&gt;
Wohin ist alles Erschaffene — Sichtbares und Unsichtbares — entschwun-&lt;br /&gt;
den? Was ist mit den verborgenen Geheimnissen des Alls und seinen&lt;br /&gt;
Offenbarungen geschehen? Sieh, die ganze Schöpfung ist vergangen!&lt;br /&gt;
Nichts ist geblieben außer Meinem Antlitz, dem Bleibenden, dem Strah-&lt;br /&gt;
lenden, dem Allherrlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem nichts außer dem Glanz des Lichtes wahr-&lt;br /&gt;
genommen werden kann, das vom Angesicht deines Herrn, des Gnädigen,&lt;br /&gt;
des Gütigsten, ausgeht. Wahrlich, Wir haben kraft Unserer unwidersteh-&lt;br /&gt;
lichen und aliunterwerfenden Herrschaft jede Seele vergehen lassen und&lt;br /&gt;
danach, als Zeichen Unserer Gnade für die Menschen, eine neue Schöp-&lt;br /&gt;
fung ins Leben gerufen. Ich bin fürwahr der Allgütige, der Tag der Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem die Welt des Unsichtbaren ausruft: „Groß ist&lt;br /&gt;
deine Seligkeit, o Erde, denn du wurdest zum Schemel deines Gottes&lt;br /&gt;
gemacht und zum Sitz Seines mächtigen Thrones auserkoren.“ Das Reich&lt;br /&gt;
der Herrlichkeit verkündet: „Könnte doch mein Leben ein Opfer für dich&lt;br /&gt;
sein, denn Er, der Geliebte des Allerbarmers, hat auf dir durch die&lt;br /&gt;
Macht Seines Namens Seine Herrschaft errichtet, die allem Vergangenen&lt;br /&gt;
und Künftigen verheißen ist. Dies ist der Tag, da jeder. süße Duft seine&lt;br /&gt;
Gabe aus dem Wohlgeruch Meines Kleides zieht, eines Kleides, das seinen&lt;br /&gt;
Duft über die ganze Schöpfung verströmt. Dies ist der Tag, da sich die&lt;br /&gt;
rauschenden Wasser ewigen Lebens aus dem Willen des Allbarmherzigen&lt;br /&gt;
ergossen haben. Eilt, um euch mit Herz und Seele daraus satt zu trinken,&lt;br /&gt;
o Scharen der Höhe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: Er ist die Offenbarung des Unerkennbaren, des Unsichtbarsten&lt;br /&gt;
alles Unsichtbaren, vermöchtet ihr doch zu begreifen! Er ist es, Der den&lt;br /&gt;
verborgenen und verwahrten Edelstein offen vor euch hinlegt, wolltet ihr&lt;br /&gt;
ihn doch suchen! Er ist der Geliebte von allem, was vergangen und künf-&lt;br /&gt;
tig ist, wolltet ihr doch Herz und Hoffnung auf Ihn richten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Bahäd’u’lläh, Ährenlese XIV)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Freunde! Es geziemt euch, eure Seelen zu erfrischen und zu beleben&lt;br /&gt;
durch die gnädigen Gunstbeweise, die in dieser göttlichen und herzbewe-&lt;br /&gt;
genden Frühlingszeit über euch ausgegossen werden. Die Sonne Seiner&lt;br /&gt;
hohen Herrlichkeit hat ihren Glanz über euch ergossen, und die Wolken&lt;br /&gt;
&amp;quot;Seiner grenzenlosen Gnade haben euch überschattet. Wie groß ist der&lt;br /&gt;
Lohn dessen, der sich nicht einer so großen Wohltat beraubt noch ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sk&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|815|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=13}}säumt hat, die Schönheit seines Meistgeliebten in diesem, Seinem neuen&lt;br /&gt;
Gewande, zu erkennen. Wacht über euch, denn der Böse liegt auf der&lt;br /&gt;
Lauer, bereit, euch zu überlisten. Rüstet euch gegen seine verruchten&lt;br /&gt;
Anschläge und, geführt vom Lichte des Namens des allsehenden Gottes,&lt;br /&gt;
entflieht der Dunkelheit, die euch umgibt. Laßt euren Blick weltumfas-&lt;br /&gt;
send sein, anstatt ihn auf euer Selbst zu beschränken, Der Böse ist es,&lt;br /&gt;
der den Aufstieg hemmt und den geistigen Fortschritt der Menschenkin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der aufhält, (Bahö’u’lläh, Ährenlese XLIII)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Meine Diener! Erfrischt und belebt eure Seelen mit den huldvollen&lt;br /&gt;
Ginadengaben, mit denen euch diese göttliche, herzerquickende Frühlings-&lt;br /&gt;
zeit überschüttet. Die Sonne Seiner erhabenen Herrlichkeit leuchtet über&lt;br /&gt;
euch, und die Wolken Seiner grenzenlosen Huld spenden euch Schatten.&lt;br /&gt;
Wie groß ist der Lohn für den, der diese hohe Gnade nicht verscherzt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern die Schönheit seines Innigstgeliebten auch in Seinem neuen Ge-&lt;br /&gt;
wande erkannt hat!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: O Volk! Die Lampe Gottes brennt. Hüte dich, ihr Licht mit den&lt;br /&gt;
grimmigen Winden des Ungehorsams zu verlöschen! Jetzt ist es Zeit, dich&lt;br /&gt;
aufzumachen und deinen Gott zu verherrlichen. Strebe nicht nach leib-&lt;br /&gt;
lichem Behagen und bewahre dein Herz rein und fleckenlos! Der Böse&lt;br /&gt;
lauert, dich zu überlisten. Rüste dich gegen seine tückischen Anschläge&lt;br /&gt;
und befreie dich, vom leuchtenden Namen des einen, wahren Gottes gelei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tet, aus der Dunkelheit, die dich umfängt! Richte deine Gedanken auf den&lt;br /&gt;
Vielgeliebten und nicht auf dich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprich: O ihr, die ihr euch verirrt und den Weg verloren habt! Der&lt;br /&gt;
göttliche Bote, Der nur die Wahrheit spricht, hat euch das Kommen des&lt;br /&gt;
Innigstgeliebten angekündigt. Seht, Er ist nun da! Warum seid ihr nie-&lt;br /&gt;
dergeschlagen und mutlos? Warum seid ihr verzagt, wenn der Reine und&lt;br /&gt;
Verborgene enthüllt in eurer Mitte erschienen ist? Er, der Anfang und&lt;br /&gt;
das Ende, die Ruhe und Bewegung, ist jetzt euren Augen sichtbar. Seht,&lt;br /&gt;
wie sich heute der Beginn im Ende widerspiegelt, wie Bewegung aus Ruhe&lt;br /&gt;
entstanden ist! Diese Bewegung ist den starken Kräften entsprungen,&lt;br /&gt;
welche die Worte des Allmächtigen in der ganzen Schöpfung ausgelöst&lt;br /&gt;
haben. Wen ihre belebende Kraft erweckt hat, wird den Drang ver-&lt;br /&gt;
spüren, zum Hofe des Geliebten zu kommen, und wer sie verscherzt hat,&lt;br /&gt;
wird in hoffnungsloser Verzweiflung versinken. Wahrhaft weise ist, wen&lt;br /&gt;
die Welt und alles, was in ihr ist, nicht gehindert hat, dieses Tageslicht zu&lt;br /&gt;
erkennen, und wer sich durch das Geschwätz der Menschen nicht vom&lt;br /&gt;
Wege der Rechtschaffenheit abbringen läßt. Wer aber im wundervollen&lt;br /&gt;
Morgenglanz dieser Offenbarung nicht von ihrem herzerquickenden Odem&lt;br /&gt;
belebt wurde, gleicht in der Tat einem Toten. Ein Gefangener ist der, der&lt;br /&gt;
den höchsten Befreier nicht erkannt, sondern seine elende, hilflose Seele&lt;br /&gt;
in die Fesseln der Begierden hat schlagen lassen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Meine Diener! Wer von diesem Quell gekostet hat, hat das ewige&lt;br /&gt;
Leben erlangt, und wer daraus nicht trinken wollte, gleicht einem Toten.&lt;br /&gt;
Sprich: O ihr Missetäter! Die Begierde hat euch daran gehindert, der&lt;br /&gt;
süßen Stimme des Allgenügenden zu lauschen. Reinigt eure Herzen, damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|816|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch Sein göttliches Geheimnis bekannt werde! Betrachtet Ihn, wie Er&lt;br /&gt;
sichtbar und strahlend wie die Sonne in ihrer ganzen Pracht leuchtet!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Bahá’u’lláh, Ährenlese LXXXV)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gib mir aus dem duftenden Strom Deiner Ewigkeit zu trinken, o mein&lt;br /&gt;
Gott, und lasse mich von den Früchten des Baumes Deines Wesens kosten,&lt;br /&gt;
o meine Hoffnung! Gestatte mir, tief aus den kristallklaren Quellen Dei-&lt;br /&gt;
ner Liebe zu schlürfen, o meine Herrlichkeit, und lasse mich im Schatten&lt;br /&gt;
Deiner ewigen Vorsehung wohnen, o mein Licht! Befähige mich, die Auen&lt;br /&gt;
Deiner Nähe in Deiner Gegenwart zu durchstreifen, o mein Geliebter,&lt;br /&gt;
und setze mich zur Rechten des Thrones Deines Erbarmens, o meine&lt;br /&gt;
Sehensucht! Lasse einen Hauch von den duftenden Winden Deiner Freude&lt;br /&gt;
über mich wehen, o mein Ziel, und gewähre mir Zutritt zu den Höhen des&lt;br /&gt;
Paradieses Deiner Wirklichkeit, o mein Angebeteter! Lasse mich den&lt;br /&gt;
Melodien der Taube Deiner Einheit lauschen, o Strahlender, und belebe&lt;br /&gt;
mich durch den Geist Deiner Kraft und Macht, o mein Versorger! Mache&lt;br /&gt;
mich standhaft im Geiste Deiner Liebe, o mein Helfer, und meine Schritte&lt;br /&gt;
fest auf dem Pfade Deines Wohlgefallens, o mein Schöpfer! Lasse mich&lt;br /&gt;
im Garten Deiner Unsterblichkeit immerdar vor Deinem Angesicht blei-&lt;br /&gt;
ben, o Du, der Du barmherzig zu mir bist, und lasse mich stehen am&lt;br /&gt;
Throne Deiner Herrlichkeit, o Du, der Du mein Besitzer bist! Erhebe&lt;br /&gt;
mich in den Himmel Deiner Güte, o mein Beleber, und geleite mich&lt;br /&gt;
zur Sonne Deiner Führung, o Du, der Du mich anziehst! Lasse mich bei&lt;br /&gt;
den Offenbarungen Deines unsichtbaren Geistes zugegen sein, Du, der&lt;br /&gt;
Du mein Ursprung und meine höchste Sehnsucht bist, und lasse mich&lt;br /&gt;
zurückkehren zum innersten Wesen des Duftes Deiner Schönheit, die Du&lt;br /&gt;
enthüllen willst, o Du, der Du mein Gott bist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast die Macht, zu tun, was Dir beliebt. Du bist wahrlich der Er-&lt;br /&gt;
habenste, der Allherrliche, der Allhöchste. (Gebet von Bahd’u’llah)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Alaska bis Feuerland. ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Berichte von den interkontinentalen Konferenzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Beginn der Proklamationszeit im vergangenen Herbst ist die&lt;br /&gt;
internationale Bahä’i-Tätigkeit in eine neue Phase eingetreten. Wie wir&lt;br /&gt;
schon in Heft Nummer 31 der „Bahä’i-Briefe“ (Januar 1968) berichteten,&lt;br /&gt;
standen am Beginn dieser Proklamationsperiode sechs interkontinentale&lt;br /&gt;
Konferenzen, die im Oktober 1967 in Neu Delhi, Kampala, Frankfurt,&lt;br /&gt;
Chicago, Panama City und Sydney stattgefunden hatten. Über die Konfe-&lt;br /&gt;
renzen auf dem indischen Subkontinent, im Herzen von Afrika und in Europa&lt;br /&gt;
haben wir unsere Leser gleichfalls in der letzten Ausgabe der „Bahä’i-&lt;br /&gt;
Briefe“ informiert. Auf den nächsten Seiten geben wir einen kurzen Über-&lt;br /&gt;
blick über die anderen drei Konferenzen, (Fortsetzung Seite 818)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
816&lt;br /&gt;
{{page|817|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=15}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inmitten von Indianern, Mittel- und Südamerikanern: die Vertreter des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltzentrums bei der Konferenz in Panama, Rühiyyih Khanum |&lt;br /&gt;
und Jaläl Khazeh (Mitte vorn). |&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
817&lt;br /&gt;
{{page|818|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im’Mittelpunkt der Konferenz von Panama City stand die Grundstein-&lt;br /&gt;
legung für das erste Haus der Andacht in Mittel- und Südamerika, Dieser&lt;br /&gt;
feierliche Akt wurde ausgeführt von ‘Amatu’l-Bahä Rühiyyih Khanum,&lt;br /&gt;
der Witwe des Hüters des Bahä’i-Glaubens, Shoghi Effendi. Als Vertreterin&lt;br /&gt;
des Weltzentrums der Bahä’i in Haifa/Israel betonte sie unter anderem,&lt;br /&gt;
der Hüter habe früher selbst erklärt, Panama werde das erste Land Mit-&lt;br /&gt;
telamerikas sein, in dem ein Haus der Andacht errichtet wird. Dieser&lt;br /&gt;
Tempel, so sagte Rühiyyih Khanum, stehe allen Menschen offen, nicht&lt;br /&gt;
nur den Bahä’i. Der eigenwillige Entwurf stammt von dem englischen&lt;br /&gt;
Architekten Peter Tillotson, der selbst kein Bahä’i ist. Schon zu Beginn&lt;br /&gt;
der Konferenz hatte Rühiyyih Khanum die rund 660 Anwesenden, unter&lt;br /&gt;
ihnen etwa 240 Indianer der verschiedensten Stämme, in einer kurzen&lt;br /&gt;
Ansprache auf die Bedeutung- dieser ersten interkontinentalen Konfe-&lt;br /&gt;
renz in Lateinamerika aufmerksam gemacht. Sie erwähnte ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
Worte, der gesagt hatte, von den eingeborenen Völkern Nord-, Mittel-&lt;br /&gt;
und Südamerikas werde, sobald sie die Offenbarung Bahä’u’llähs ange-&lt;br /&gt;
nommen hätten, eine ähnliche Kraft ausgehen wie von den arabischen&lt;br /&gt;
Stämmen, nachdem diese die Offenbarung Muhammads akzeptiert ge-&lt;br /&gt;
habt hatten. Während der Konferenz, an der die Vertreter von 23 Natio-&lt;br /&gt;
nalen Geistigen Räten teilnahmen, wurden die Aufgaben der kommenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Bild aus Indien: Übergabe des Proklamationsbuches durch eine&lt;br /&gt;
Bahä’i-Delegation an den indischen Präsidenten, Dr. Zakir Hussain (Mitte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
818&lt;br /&gt;
{{page|819|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereit, den Glauben in die Welt hinaus zu tragen: ein Teil der „Pioniere“,&lt;br /&gt;
die sich im Verlauf der Konferenz in Chicago/Wilmette gemeldet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre besprochen und entsprechende Beschlüsse gefaßt. Erfreulich ist,&lt;br /&gt;
daß für den Bau des Hauses der Andacht über 80 000 Dollar gespendet&lt;br /&gt;
worden sind. Die lokale Presse würdigte die Konferenz in zahlreichen&lt;br /&gt;
Berichten. Auch das Fernsehen und der Runkfunk berichteten über das&lt;br /&gt;
Ereignis. “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Konferenz in Chicago/Wilmette, USA, nahmen etwa 3000 Bahä’i&lt;br /&gt;
teil. Das Schwergewicht wurde — selbstverständlich — ebenfalls auf die&lt;br /&gt;
Bedeutung der weltweiten Lehrarbeit gelegt. Glenford Mitchell, Vorsit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i RS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Haus der Andacht in Sydney versammeln sich hier die Teilneh-&lt;br /&gt;
wer der interkontinentalen Konferenz.&lt;br /&gt;
(Fotos entnommen aus „Bahä’i-News“, USA)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
819&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|820|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=18}}zender des US-Lehrkomitees, betonte unter anderem, es sei heute die&lt;br /&gt;
Aufgabe der gesamten Bahä’i-Weltgemeinde, die Botschaft von&lt;br /&gt;
Bahä’wllah „in die hintersten Winkel der Erde“ zu tragen. Der Sekretär&lt;br /&gt;
des Nationalen Geistigen Rates der USA, Dr. David Ruhe, zählte die un-&lt;br /&gt;
mittelbar bevorstehenden Ziele auf: die Übergabe des Buches „Die Ver-&lt;br /&gt;
kündigung Bahä’u’llähs an die Könige und Herrscher der Welt“ an Prä-&lt;br /&gt;
sident Johnson (ist inzwischen geschehen), den Versand einer Broschüre&lt;br /&gt;
an 10 000 Führungskräfte in den Vereinigten Staaten, Mitwirkung an dem&lt;br /&gt;
von: den Vereinten Nationen 1968 proklamierten „Jahr der Menschen-&lt;br /&gt;
rechte“. Der Vertreter des Nationalen Geistigen Rates von Kanada teilte&lt;br /&gt;
mit, man werde 10000 Geistlichen Informationsmaterial über den Glau-&lt;br /&gt;
ben zusenden; 34 religiöse Organisationen bekämen die Proklamations-&lt;br /&gt;
schrift. Ähnliche Schritte werden auch in Alaska unternommen. Eine&lt;br /&gt;
Reihe wertvoller Vorträge und Darlegungen, ein sehr gut besuchter&lt;br /&gt;
öffentlicher Vortrag in Chicago und nicht zuletzt die Tatsache, daß 216&lt;br /&gt;
Gläubige sich bereit fanden, das Wort Bahä’u’llähs hinaus zu tragen in die&lt;br /&gt;
Gebiete, für die die Nationalen Geistigen Räte der USA und Canadas&lt;br /&gt;
verantwortlich sind, ließ diese Konferenz zu einem unvergeßl:chen Er-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lebnis werden.&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Konferenz in Sydney gab der Oberbürgermeister dieser&lt;br /&gt;
Stadt einen Empfang, über den Presse und Fernsehen berichteten. Die&lt;br /&gt;
Teilnehmer waren aus Australien und dem gesamten pazifischen Raum&lt;br /&gt;
nach Sydney gekommen. Im Verlaufe der Diskussionen wurde klar, daß&lt;br /&gt;
die Lehrarbeit in diesem Teil der Erde durch die großen Entfernungen&lt;br /&gt;
und die verhältnismäßig geringe Zahl von Bahä’i-Lehrern besonders er-&lt;br /&gt;
schwert wird. An der Andacht im Tempel von Sydney nahmen über 400&lt;br /&gt;
Menschen teil. Kernpunkt aller Beratungen war auch bei dieser Konfe-&lt;br /&gt;
renz die Verbreitung der Bahä’i-Lehre. DS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i in der Westminster- Abtei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Vorabend des „Tages der Menschenrechte“, am 9. Dezember ver-&lt;br /&gt;
gangenen Jahres, fand in der Londoner Westminster-Abtei ein Gottes-&lt;br /&gt;
dienst statt, an dem Vertreter verschiedener Religionen als Sprecher teil-&lt;br /&gt;
nahmen. An dieser historischen Stätte sind dabei erstmals auch&lt;br /&gt;
Worte von Bahä’u’lläh gehört worden. Es war ein feierlicher Augen-&lt;br /&gt;
blick, als der Dekan von Westminster den Vertreter der Bahä’i. auffor-&lt;br /&gt;
derte, aus den Schriften des Begründers der Bahä’i-Religion zu lesen.&lt;br /&gt;
„O ihr erwählten Volksvertreter aller Länder! Berätet miteinander und&lt;br /&gt;
laßt euch nur das angelegen sein, was der Menschheit nützt...“, war einer&lt;br /&gt;
der Sätze. Und: „O ihr einander bekämpfenden Völker und Geschlechter&lt;br /&gt;
der Erde! Wendet euer Angesicht der Einheit zu und laßt den Glanz ihres&lt;br /&gt;
Lichtes auf euch scheinen. Versammelt euch und beschließt um der Sache&lt;br /&gt;
Gottes willen, all das auszurotten, was die Quelle des Streites unter euch&lt;br /&gt;
ist. Alsdann wird der Glanz der erhabenen Leuchte die ganze Erde um-&lt;br /&gt;
hüllen....“ Vor rund 100 Jahren hat Bahä’u’lläh an Königin Viktoria, die&lt;br /&gt;
in der Westminster-Abtei gekrönt worden ist, ein Sendschreiben gesandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
820&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|821|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wir in der letzten Ausgabe der „Bahä’i-Briefe“ ausführlich berich-&lt;br /&gt;
tet haben, haben im Herbst vergangenen Jahres sechs interkontinentale&lt;br /&gt;
große Bahä’i-Konferenzen stattgefunden. Sie leiteten eine Zeit verstärk-&lt;br /&gt;
ter Bemühungen ein, die durch Bahä’u’lläh neu auf die Erde gekommene&lt;br /&gt;
göttliche Botschaft unter den Menschen zu verkünden. An jeder dieser&lt;br /&gt;
Konferenzen nahm als Vertreter des Universalen Hauses der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit in Haifa eine „Hand der Sache Gottes“ teil. Die sechs Repräsentan-&lt;br /&gt;
ten aus dem Weltzentrum der Bahä’i stellen wir hier im Bild vor. Es sind&lt;br /&gt;
(von links): ‘Ali Akbar Furutan, Abu’l-Qäsim Faizi, Ugo Giachery, Amatu’l-&lt;br /&gt;
Bahä Rühiyyih Khänum, Paul E. Haney and Tarazu’lläh Samandari. Die&lt;br /&gt;
Aufnahme entstand in Bahji, dem Ort, an dem Bahä’u’lläh Seine letzten&lt;br /&gt;
Jahre verbracht hatte, ehe Er 1892 verschied. Im Anschluß an die erwähn-&lt;br /&gt;
ten Konferenzen unternahmen die „Hände der Sache Gottes“ ausge-&lt;br /&gt;
dehnte Lehrreisen nach fast allen Teilen der Welt. Amatu’l-Bahä&lt;br /&gt;
Rühiyyih Khänum legte in Panama City den Grundstein für das dort&lt;br /&gt;
entstehende „Haus der Andacht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
821&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|822|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armaggedon-oder die Herrlichkeit Gottes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zur Harmonie der Einheit / von Karl Schück&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bedarf weniger eines lang-suchenden Blickes als des geistigen Mutes,&lt;br /&gt;
Geschautes in der rechten Perspektive zu sehen, um sich zu überzeugen,&lt;br /&gt;
daß die Entwicklung unserer heutigen Welt unaufhaltsam einer großen&lt;br /&gt;
Alternative entgegenrückt, von deren Ausgang die Zukunft der Mensch-&lt;br /&gt;
heit in unausdenkbare Zeiten hinaus abhängt. Vor Jahrhunderten hat&lt;br /&gt;
der große Augustinus in seinem Werk über die „göttliche Zivilisa-&lt;br /&gt;
tion“ den um uns her und im Menschen wirkenden Dualismus aufgezeigt,&lt;br /&gt;
alser von den beiden Städten sprach, d!e sich unvereinbar, grundverschiede-&lt;br /&gt;
nen Wesens gegeneinanderstehen: Babylon und Jerusalem. Die&lt;br /&gt;
eine die Stadt der nehmenden, selbstsüchtigen Liebe, die andere die der&lt;br /&gt;
demütigen, schenkenden Liebe; da die Gottesleugnung, hier die Gottes-&lt;br /&gt;
verehrung. Dann aber sprach er auch von einer dritten Stadt, die da ent-&lt;br /&gt;
stünde, wo man den Geist der einen Stadt in die andere hineintrüge. Und&lt;br /&gt;
in dieser dritten Stadt, so schloß er, lebten die Menschen so dahin. Irgend-&lt;br /&gt;
wie glaubten sie wohl an Gott, ohne jedoch die Verpflichtung zu fühlen,&lt;br /&gt;
in diesem Glaubenssinn auch zu leben; man gebrauchte hochklingende&lt;br /&gt;
Worte von Tugend, Ehre und Würde, aber man fühlte sich nicht getrieben,&lt;br /&gt;
auch zu sein, auch ganz mit Taten auszufüllen, was man so überlaut ver-&lt;br /&gt;
künde und als moralisches, allgemein gültiges Gesetz hinstelle. Diese&lt;br /&gt;
dritte Stadt — was ist sie anderes als die Stätte des Kompromisses, des&lt;br /&gt;
trägen Dahinlebens, der leeren Geste, des korrumpierten Geistes, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Sklaven menschlicher Macht- und Vorteilssucht mißbraucht wor-&lt;br /&gt;
den ist!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser dritten Stadt hat die Menschheit mit ihrer Selbstzufrieden-&lt;br /&gt;
heit, ihren Eitelkeiten, Ängsten und Sorgen dahingelebt, bis außerordent-&lt;br /&gt;
liche Geschehnisse die Schleier des Selbstbetrugs zerrissen. Mit Donner-&lt;br /&gt;
schlägen kündete sich ein neues Zeitalter an. Schärfer denn je&lt;br /&gt;
hoben sich die Konturen der beiden Städte am Horizonte ab. Immer lau-&lt;br /&gt;
ter ließ sich die Forderung hören, sich ganz für die eine oder die andere&lt;br /&gt;
Stadt zu entscheiden. Noch zog man es vor, die Alternative nicht zu sehen,&lt;br /&gt;
nicht zu hören und sich in Kompromisse zu hüllen, die schwachen Schutz&lt;br /&gt;
gegen den heranbrausenden Sturm der Forderung Gottes, sich zu be-&lt;br /&gt;
kennen, boten. Wir sind es gewohnt, die Dinge um uns her auf bequeme,&lt;br /&gt;
unverpflichtende Weise als politische Ereignisse oder soziologische Er-&lt;br /&gt;
scheinungen zu deuten; wir denken nicht daran, daß sie vielleicht von&lt;br /&gt;
Kräften herbeigeführt sein könnten, die außerhalb des menschlichen Wil-&lt;br /&gt;
lens liegen und der Vollstreckung eines Gesetzes dienen, das nicht von&lt;br /&gt;
Menschengeist geformt worden ist. Ein tieferer Zwang, den wir als&lt;br /&gt;
innere Geschichte bezeichnen wollen, hat seit über hundert Jah-&lt;br /&gt;
ren nach Vollendung einer gewissen Entwicklungsphase die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit aufgerüttelt und schließlich die Realität der augustinischen&lt;br /&gt;
zwei Städte in unsere unmittelbare Nähe gerückt — so eindringlich, for-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
822&lt;br /&gt;
{{page|823|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=21}}dernd, unausweichlich, daß wir die Zeit jener dritten Stadt der Kompro-&lt;br /&gt;
misse ein für allemal als beendet ansehen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Schriften des jungen Karl Marx durchblättert, wird zu sei-&lt;br /&gt;
nem Erstaunen hier und da auf Stellen stoßen, in denen in romantisch-&lt;br /&gt;
schwärmerischer, dann wieder seherischer Weise vom Kommen eines&lt;br /&gt;
neuen Menschen und einer neuen, nach geistigen Prinzipien handelnden&lt;br /&gt;
Gesellschaft gesprochen wird, Zu jener Zeit saß Marx zu Füßen des Philo-&lt;br /&gt;
sophen Friedrich Hegel, der.als einer der ersten die Weitschau be-&lt;br /&gt;
saß, die Historie nicht mehr als einen bloßen Ablauf von Geschehnissen,&lt;br /&gt;
als eine Chronik zu bezeichnen, in der der Mensch keine Möglichkeit be-&lt;br /&gt;
saß, eine höhere Geschichte anzustreben. Er war den Hierarchien von&lt;br /&gt;
Fürstenhäusern und Kirchen botmäßig; er hatte deren Willen auszufüh-&lt;br /&gt;
ren; sein Leben war nicht sonderlich sinnvoll, sein Schicksal war, was&lt;br /&gt;
ihm nach Gehorsamsleistungen blieb. Hegel sprach von einer Sinnhaftig-&lt;br /&gt;
keit, einer Zielstrebigkeit der Geeschichte, von einer geistigen Ursache,&lt;br /&gt;
einer geistigen Perspektive, zu der sich alles hinbewege, Das war zu&lt;br /&gt;
einer Zeit, als sich freiheitsliebende Menschen auf die Barrikaden stell-&lt;br /&gt;
ten, um die tyrannischen Methoden eines degenerierten Zeitalters nieder-&lt;br /&gt;
zukämpfen; als sich in Rußland die Leibeigenen aufzulehnen begannen;&lt;br /&gt;
als in den Südstaaten der Neuen Welt — Amerika — die ersten Zeichen&lt;br /&gt;
der Negersklavenbefreiung wahrzunehmen waren; als die Wissenschaft&lt;br /&gt;
mit beispiellosem Mut ins Innere der Natur drang, um ihr Kräfte und&lt;br /&gt;
Geheimnisse zu entreißen, als das Gefühl eines beispiellosen Umbruchs&lt;br /&gt;
die Gemüter erfüllte. Es war eben die Zeit, als der geistige Kosmos von&lt;br /&gt;
dem mit menschlichen Organen nicht faßbaren Ereignis einer Gottes-&lt;br /&gt;
offenbarung erschüttert wurde und eine durch die heilige Gestalt des&lt;br /&gt;
Báb getragene Revolution aus dem Willen Gottes den Auftakt zu einer&lt;br /&gt;
neuen Menschheitsära schlug. Was sich im fernen Persien vollzog, was&lt;br /&gt;
von da mit dem Feuerglanz einer in die Erde stürzenden Sonne durch die&lt;br /&gt;
Lüfte zwischen Himmel und Erde zog und die in den Niederungen hin-&lt;br /&gt;
vegetierende Menschheit, die keinen Namen für dies Geheimnis fand, aus&lt;br /&gt;
dem Morast der Kompromisse riß — das war es, was in Karl Marx ein&lt;br /&gt;
merkwürdiges Ahnen weckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sollte der Mensch nun unter Geschichte verstehen? Welchen&lt;br /&gt;
Sinn konnte er darin sehen oder erfüllen, solange er nicht die Freiheit&lt;br /&gt;
der Selbstbestimmung besaß, solange es ihm verwehrt wurde, über die&lt;br /&gt;
Grenzen hinauszudenken, die ihm die kirchlichen Ordnungen gesetzt hat-&lt;br /&gt;
ten? Wohin sollte denn alles führen? Wenn seit bald zweitausend Jahren&lt;br /&gt;
keine durchgreifenden Änderungen erfolgt waren, die eine soziale Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit näherbrachten und. die feudalistischen, nationalistischen&lt;br /&gt;
Kriege, denen er sein Leben zu opfern hatte, ein für allemal beendeten;&lt;br /&gt;
solange die Beziehungen der Menschen untereinander nicht durch einen&lt;br /&gt;
universalen guten Willen auf brüderliche Weise umgestimmt waren —&lt;br /&gt;
was für Veränderungen wären dann zu erwarten, wohin sollte die Ge-&lt;br /&gt;
schichte führen, wenn nicht zu einem abstumpfenden Kreislauf der Un-&lt;br /&gt;
abänderlichkeit? Wer mochte sich vor ihr aus Apathie und Stumpfheit er-&lt;br /&gt;
heben? Wer wäre noch bereit und gestimmt, sich für die aus dem Feuer-&lt;br /&gt;
werk der Versprechungen fallenden Fünkchen zu erwärmen, die hier und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
823&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|824|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da als reformträchtige Ideen angepriesen wurden? Von den Großen der&lt;br /&gt;
Zeit hörte man solche Worte wie: Gott sei tot, Gott und seine Himmel&lt;br /&gt;
seien Kindermärchen aus fernen Zeiten, für die in diesem neuen Zeit-&lt;br /&gt;
alter donnernder Maschinen und überfüllter Städte kein Platz mehr sei.&lt;br /&gt;
Man besaß ja den Schlüssel, der Natur ihre Geheimnisse zu entlocken.&lt;br /&gt;
Wer mochte da noch frommen Schauder vor ihren Mysterien empfinden,&lt;br /&gt;
wenn sie sich als praktisch nutzbare Energien demaskierten? Das neue,&lt;br /&gt;
das utilitaristische Zeitalter war gekommen. Mit der französischen Revolu-&lt;br /&gt;
tion, ja zuvor noch, mit der Aufklärung hatte es eingesetzt. Das war es:&lt;br /&gt;
Gott existierte noch bestenfalls im Kirchendämmer. Man hatte das&lt;br /&gt;
Menschheitsevangelium von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit&lt;br /&gt;
einem Manne zur Verbreitung anvertraut, der unter dem Namen Napo-&lt;br /&gt;
leon das Vertrauen nutzte, um Kriege umherzutragen. Und doch! Das&lt;br /&gt;
Wort Menschheit war gefallen. Aus den Bereichen frommer Träume&lt;br /&gt;
war es emporgestiegen in die Welt des Bewußtseins. Ob es doch noch&lt;br /&gt;
einen Weg gab, dauerhaften Frieden unter allen Völkern zu begründen?&lt;br /&gt;
„Seid umschlungen, Millionen!“ intonierte Beethoven nach Schillers Ver-&lt;br /&gt;
sen in seiner neunten Symphonie, Goethes Faust erblickte vor der Er-&lt;br /&gt;
blindung im Tale eine von gemeinsamer Bestimmung gebundene Mensch-&lt;br /&gt;
heit, zwischen die sich keine willkürlichen Grenzen drängten. Im un-&lt;br /&gt;
abhängig gewordenen Amerika proklamierte Thomas Jefferson eine Ver-&lt;br /&gt;
fassung, die mit ihren Grundthesen des Rechts auf Freiheit und Glück&lt;br /&gt;
als Vorläufer einer Menschheitsverfassung gelten durfte. Mit genialem&lt;br /&gt;
Blick nahm er auf, was vor ihm die Pilgerväter auf diesem neuen, jung-&lt;br /&gt;
fräulichen Boden zu verwirklichen gedachten, einen Traum, den sie aus&lt;br /&gt;
der vorurteilsvollen Enge Europas herübergerettet hatten wie ein heiliges&lt;br /&gt;
Credo: die Errichtung eines Gottesstaates, der einmal über ihre engen&lt;br /&gt;
Bezirke hinaus die ganze Erde und alle Menschen vor dem einen Gott&lt;br /&gt;
umschließen sollte. |&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine seltsame Kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geist war auf geheimnisvolle Weise aufgerufen. Und doch miß-&lt;br /&gt;
traute man ihm. Die seit Jahrhunderten angesammelte Erfahrung des&lt;br /&gt;
Mißbrauchs, der Entwürdigung und Willkür ließ keinen Glauben auf-&lt;br /&gt;
kommen, daß der menschliche Geist, von Gottes Willen entzündet und&lt;br /&gt;
geführt, die totale Veränderung zu vollbringen vermöchte, Wie sollte man&lt;br /&gt;
diese Menschheit zusammenbringen? Wer wäre bereit, Dunkelhäutige,&lt;br /&gt;
Fremdgesichtige als Gleichberechtigte anzuerkennen, mit gleichen An-&lt;br /&gt;
sprüchen auf Mitbesitz — denn solche Rechte waren, so wußte man, doch&lt;br /&gt;
nur den weißhäutigen Menschen zugesprochen worden. Und dann ge-&lt;br /&gt;
schah es, daß das erste Dampfschiff auf den Wassern glitt, und daß die&lt;br /&gt;
erste Eisenbahn, ein dampfendes, ratterndes Ungeheuer, über die Erde&lt;br /&gt;
klapperte. Auf einmal zogen sich die Entfernungen zusammen, Der&lt;br /&gt;
Fremde jenseits der fernen Grenzen drang heran, man kam zu ihm. Man&lt;br /&gt;
mußte sehen, daß er weder des Teufels noch ein elendes Mißgeschöpf war.&lt;br /&gt;
Auf einmal konnte man Meere überqueren, Berge überwinden, Wüsten&lt;br /&gt;
durchfahren. Was in all den langen Zeitläuften die Fremdheit zwischen&lt;br /&gt;
den Völkern aufgerichtet und bewahrt, was Vorurteile vielerlei Art aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
824&lt;br /&gt;
{{page|825|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=23}}Unkenntnis oder Nichtkennenwollen gebildet hatte — jetzt, da die Gren-&lt;br /&gt;
zen schrumpften, mußte man das allgemeine Menschheitsbild revidieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unfaßbarer Geschwindigkeit vollzog sich die äußere, die geogra-&lt;br /&gt;
phische Annäherung. Auch Chinesen waren Menschen, auch Neger&lt;br /&gt;
besaßen Kulturen, auch Inder knieten nieder in der Anbetung eines Got-&lt;br /&gt;
tes. Wo aber war die moralische Annäherung, die Freundschaft? Eine&lt;br /&gt;
seltsame Kraft bewegte Ost und West zur Einswerdung hin. Wessen war&lt;br /&gt;
sie? Des erfinderischen Menschen? Man erfuhr vom Wunder des Tele-&lt;br /&gt;
graphen, Wie seltsam! dachte man. Statt eine nüchterne Nachricht zu über-&lt;br /&gt;
mitteln, tickte er das wunderliche „Was hat Gott vollbracht!“ als erste&lt;br /&gt;
Botschaft über den Ozean. Wie denn? Gott, ein Geistwesen — wenn es&lt;br /&gt;
das noch gab — das in fernen Himmeln wohnte, habe Funken entzündet, _&lt;br /&gt;
die in bestimmten Rhythmen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land&lt;br /&gt;
springen und Botschaften mit blitzartiger Geschwindigkeit tragen konn-&lt;br /&gt;
ten! Wie, es könnte das Werk eines Gottes sein, daß die Völker zuein-&lt;br /&gt;
anderrückten? Was bezweckte Er damit? Hatten Ihn denn die Menschen&lt;br /&gt;
in ihren Nöten und Verzweifiungen und in ihrem Alleinsein bekümmert?&lt;br /&gt;
Hatte Er sie nicht auf die Erde geworfen, sich selbst überlassen, während&lt;br /&gt;
Er in seinen azuren Undurchsichtigkeiten blieb? Nein, riefen die Pietisten&lt;br /&gt;
aus. Das ist kein Werk Gottes. Gott hat nichts mit Mechanik zu tun, die&lt;br /&gt;
jener Frömmigkeit enträt. Das ist des Teufels Werk, Armaggedon.&lt;br /&gt;
Der Untergang rückt heran. Der Teufel hat das menschliche Hirn inspi-&lt;br /&gt;
riert, Maschinen zu bauen und die Technik zu vergotten. Er ist es, der&lt;br /&gt;
diesen verweichlichenden Komfort schenkt, dieses seelenlose Dasein mit&lt;br /&gt;
leeren Freuden — denn er hat ihnen dafür die Seele genommen, das&lt;br /&gt;
Herz abgeschnürt, nur eine Hülse gelassen, die sich menschenhaft be-&lt;br /&gt;
wegt und kein inneres Leben mehr trägt. Armaggedon! Die Eisensaat&lt;br /&gt;
ist aufgegangen. Babylon ist aus der Tiefe emporgestiegen und hält seine&lt;br /&gt;
Tore offen, durch welche die Menschen in dunklen Wellen hineinströ-&lt;br /&gt;
men. Das Jerusalem der Gottesfurcht ist zerfallen. Schaut sie doch an.&lt;br /&gt;
diese gnadeniosen Städte, diese vom Ruß der Fabriken geschwärzten&lt;br /&gt;
Himmel, diese geschändete Natur. Das Heilige liegt zertreten am Boden.&lt;br /&gt;
Wie könnte Gott in solchem Werk zu finden sein?!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das unüberbrückbare Schisma&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichter und dichter rückte man zusammen. Aber es gab kein brüder-&lt;br /&gt;
liches Umfangen. Was war schon der Nächste? Behinderte er nicht auf&lt;br /&gt;
dem Weg zum Erfolg, bei der Erreichung großer Ziele? Hatte sich etwas&lt;br /&gt;
an der schrecklichen Überzeugung geändert, daß der Mensch von Natur&lt;br /&gt;
ein schlechtes Geschöpf sei? Das sollte sich ändern? Ach, daß man doch&lt;br /&gt;
in dieser Gespaltenheit zwei Evangelien mit sich schleppen mußte,&lt;br /&gt;
zwischen denen kein Kompromiß zu finden war! Hier das Evangelium&lt;br /&gt;
Christi, das der Selbstlosigkeit und Bruderliebe und des Erbarmens —&lt;br /&gt;
dort die brutale Überzeugung, daß nur der Starke Recht habe, und daß&lt;br /&gt;
der Schwache oder gar der Demütige den Untergang verdiene. Aus sol-&lt;br /&gt;
cher Doppelmoral, solcher Doppelsichtigkeit sollte ein neuer Mensch ent-&lt;br /&gt;
stehen, eine neue moralische Gesellschaft erwachsen? Paläste des Reichs-&lt;br /&gt;
tums entstanden. In lichtlos engen Elendsvierteln drängten sich die von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
825&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|826|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott und Natur entfremdeten Benachteiligten zusammen. Wenn einer&lt;br /&gt;
dieses unüberbrückbare Schisma erkannte, die Unvereinbarkeit der Ge-&lt;br /&gt;
gensätze, und sie in den Mittelpunkt seiner umwälzenden Philosophie&lt;br /&gt;
rückte, war es jener einstmals menschheitsgläubige Karl Marx. Die Kir-&lt;br /&gt;
chen widersetzten sich jedem sozialen Fortschritt. Also hinweg mit ihnen,&lt;br /&gt;
Religion ist Opium fürs Volk. Und doch: Das Volk muß sich einen. Das&lt;br /&gt;
war es, was er empfand. In der Luft vibrierte eine geheimnisvolle, über&lt;br /&gt;
alle Länder sich breitende Messiaserwartung. Marxens überscharfer In-&lt;br /&gt;
tellekt verspürte das Ungewöhnliche. Die unsägliche Gottesausstrahlung&lt;br /&gt;
— im fernen Persien vom Báb verkörpert, ins Menschliche übersetzt und&lt;br /&gt;
jubelnd verkündet — durchflutete den geistigen Kosmos, durchdrang&lt;br /&gt;
alles Geschöpfliche, hämmerte an die Verkrustung der Seelen. Marx ih&lt;br /&gt;
seinem Grimm, in seiner zornigen Bitterkeit empfing zwar mit feinen&lt;br /&gt;
Antennen die Vibration des göttlichen Wortes, aber er wollte keinen&lt;br /&gt;
Gott in seine eigene Ordnung aufnehmen. „Proletarier der ganzen Welt,&lt;br /&gt;
vereinigt euch!“ verkündete 1848 sein kommunistisches Manifest, Die Ein-&lt;br /&gt;
heitsidee wurde wie zum Hohne Gottes pervertiert. Die Proletarier&lt;br /&gt;
hatten Front zu bilden gegen die Ausbeuter. Eine Pseudoreligion war ge-&lt;br /&gt;
schaffen, Wo ein Mensch gegen einen anderen gestellt wird, ist kein&lt;br /&gt;
Raum für Liebe. Die proletarische Religion wurde auf den Weg gesetzt,&lt;br /&gt;
und während seit Menschengedenken die Gottesreligionen gleichsam dem&lt;br /&gt;
Gang der Sonne folgend wie in einer mystischen Ordnung von Osten nach&lt;br /&gt;
Westen gedrungen waren, ging diese Pseudoreligion von Westen nach&lt;br /&gt;
dem Osten hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion! Armaggedon war auf dem Plan. Die menschlichen Sinne waren&lt;br /&gt;
Gefangene der Begierden, und unersättliche Wünsche versklavten die&lt;br /&gt;
Geschöpfe der Zivilisation, Man hatte gelernt, sich mit Besitz zu identifi-&lt;br /&gt;
zieren. Wer wollte noch wahrhaben, was der mystische Dichter Angelus&lt;br /&gt;
Silesius in seinem Cherubinischen Wandersmann gesungen hatte: „Das,&lt;br /&gt;
was man liebt, in das wandelt man sich hinein“? Daß die Seele in diesem&lt;br /&gt;
herangerafften Zuviel erstickte, ihre Träume irre Wege liefen, die Lei-&lt;br /&gt;
denschaft des Herzens vom Unkraut hochmütigen Mehr-Scheinen-Wollens&lt;br /&gt;
umwuchert wurde, daß schreckliche Krankheiten sich tief in den Men-&lt;br /&gt;
schen einfraßen, die schließlich ein Siegmund Freud als Siechtum der&lt;br /&gt;
Seele zu deuten verstand — wer mochte daran denken? An Gott glauben,&lt;br /&gt;
der keine Wunder verrichtete, die Armen nicht speiste, die Vereinsamten&lt;br /&gt;
nicht tröstete? Was für eine Religion? Einen Glauben, der zugleich höch-&lt;br /&gt;
stes, unverrückbares Wissen war, in die Wüste pflanzen, in der noch&lt;br /&gt;
kaum ein Lächeln gedieh? Wer wollte diesen Glauben, wer unter den&lt;br /&gt;
Stolzen und Mächtigen, die da wähnten, alles selbst schaffen, über alles&lt;br /&gt;
selbst gebieten zu können und für ihren Fortschritt und ihr Glück keines&lt;br /&gt;
Gottes zu bedürfen? Die Armen? Die Untertanen? Die Namenlosen? Sie&lt;br /&gt;
sollten glauben? Wo? In den Kirchen, in denen gerade noch der Hauch&lt;br /&gt;
frommer Hingabe war? Wer wollte noch an Christus glauben, den man&lt;br /&gt;
jeden Tag ans Kreuz schlug, in dessen Namen man Kanonen segnete und&lt;br /&gt;
Kriege als gottgefällige Werke heiligte? |&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hat da noch ein Ohr, aus der fernen Welt des Ostens die gewaltige&lt;br /&gt;
Stimme dessen zu hören, der unter dem Namen Bahä’u’lläh ausgesandt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
826&lt;br /&gt;
{{page|827|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war, Gottes Willen zu erfüllen, den Gottesfunken im Menschen zu neuem&lt;br /&gt;
Glühen zu bringen und die Kräfte zu lösen, welche auf den Weg zur Voll-&lt;br /&gt;
kommenheit führen, Vollkommenheit in der Harmonie der Einheit aller&lt;br /&gt;
mit allen? Wenn Könige über die göttlichen Befehle und Warnungen&lt;br /&gt;
spotteten, wie sollten da ihre Untertanen glauben, Gott wäre, wie der&lt;br /&gt;
zweite Jeremias sagte, wirklich der Herr der Geschichte, und Sein Wille&lt;br /&gt;
geschähe, und alles stünde unter Seinem Befehl? Liebe sollte auf einmal&lt;br /&gt;
mehr vermögen als erprobte Gewalt und neue Waffen? Und überhaupt —&lt;br /&gt;
was sollte all das Bemühen um den Menschen? War er nicht mißraten,&lt;br /&gt;
“ schlecht, unfähig, Frieden zu halten, für den er — ein Wolf unter Wölfen&lt;br /&gt;
— keinerlei Voraussetzung besaß? Hatte man’s nicht aus der Heiligen&lt;br /&gt;
Schrift gelernt, daß dem Menschen der Fluch der Erbsünde innewohnte?&lt;br /&gt;
Hört nicht hin. auf jene verführerische Stimme aus dem gefährlich auf-&lt;br /&gt;
strahlenden Osten! flüsterte der Widerpart in die Seelen. Nichts und nie-&lt;br /&gt;
mand wird den Menschen verändern...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ost gegen West&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wieder gingen Kriege über die Erde, bis die große Revolution ihre&lt;br /&gt;
Feuer ausspie. Und plötzlich — wie über Nacht — geschah es, daß die&lt;br /&gt;
Welt des Menschen in die Realität jener beiden widersätzlichen Städte&lt;br /&gt;
gerissen wurde. Seltsam! Wo zuvor noch viele Völker gegen viele kämpf-&lt;br /&gt;
ten, gab es jetzt nur noch zwei Blöcke, die man als Ost und West ab-&lt;br /&gt;
stempelte. Ost gegen West, War man in den Zustand der letzten Agonie&lt;br /&gt;
geraten? Ging diese kompromißlose Konfrontation tatsächlich dem voran,&lt;br /&gt;
was endlich den großen Frieden, die gottgewollte Einigung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit bringen sollte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atombomben waren gefallen. Sie waren des Menschen eigene Geschöpfe.&lt;br /&gt;
Sie waren Armaggedons Herausforderung an das Evangelium der Liebe.&lt;br /&gt;
Die Himmel der Angst verdüsterten sich. Eines Tages würden wohl die&lt;br /&gt;
Wasserstoff-, die Kobaltbomben fallen und alles Leben vernichten. Wirk-&lt;br /&gt;
lich? Würde Gott nicht eingreifen, der es doch keiner armseligen Men-&lt;br /&gt;
schenkreatur erlauben würde, in das einzugreifen, was einzig und allein&lt;br /&gt;
von Seinem Willen bestimmt war?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ost gegen West. Man nannte es die Unvereinbarkeit von Ideologien.&lt;br /&gt;
Von Ideen sprach man nicht mehr. Was für Ideologien? Selbstgerecht und&lt;br /&gt;
verachtungsvoll blickte der Westen auf die andere -Welt jenseits der&lt;br /&gt;
Mauer. Man war überzeugt, im Recht zu sein, heilige Güter zu schützen,&lt;br /&gt;
moralisch zu handeln. Wir aber haben Glauben! rief man aus. Man&lt;br /&gt;
brauchte ja nur die Zahl der Kirchen in die Waagschale zu legen! Was&lt;br /&gt;
blieb da für die anderen, die sich dem Atheismus verschrieben hat-&lt;br /&gt;
ten? Hieß es nicht bei ihnen, Religion sei Opium fürs Volk? Haben sie&lt;br /&gt;
nicht Gott abgeschafft und die Kirchen als Warenlager benutzt? Was ist&lt;br /&gt;
schon ihr Gott als der seelenverschlingende, menschenentwürdigende&lt;br /&gt;
Staat, in dem der einzelne kaum mehr sein darf als eine ameisenhafte,&lt;br /&gt;
biologische Funktion, Wirklich? Ist der Glaube abgedrosselt jenseits der&lt;br /&gt;
Mauer? Wie kann ein Mensch ein von Gott entzündetes Feuer niedertre-&lt;br /&gt;
ten? Bleibt nicht unter dem Schutz des Hochmuts, der intellektuellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
827&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|828|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=26}}Prahlerei und der Verlästerung des Ewigen doch noch das unauslöschbare&lt;br /&gt;
Fünkchen bestehen? Wie, wenn sich nun ein Wind erhöbe und brächte es&lt;br /&gt;
zum Lohen? Vielleicht erinnert man sich in diesem Zusammenhang jener&lt;br /&gt;
bedeutsamen Worte, die der seherische russische Dichter Dostojewski in&lt;br /&gt;
seinem Roman „Der Idiot“ über die Religiosität seiner Landsleute sagte:&lt;br /&gt;
„Man nehme dem Russen jeden Glauben und gebe ihm Atheismus dafür,&lt;br /&gt;
so wird es so stark an den Atheismus glauben, daß er eine neue Religion&lt;br /&gt;
gewonnen hat.“ Wenn man nur etwas hat, um daran glauben zu können.&lt;br /&gt;
Heißt es nicht Gott, dann heißt es äußerer Fortschritt oder Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem wuchs mit dem Zweifel die Sehnsucht nach wahrem Glauben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
trotzdem war man bereit, sich vor einem Gott zu neigen, sich in seinen&lt;br /&gt;
Gnadenmantel zu hüllen, der Liebe verhieß, Gerechtigkeit und mensch-&lt;br /&gt;
liche Würde. Denn tief eingeboren in der menschlichen Seele, von keiner&lt;br /&gt;
Grausamkeit, von keinem Terror zu entwurzeln, lebt — und sei’s verbor-&lt;br /&gt;
gen — das feine Gefühl für Gerechtigkeit und Menschenliebe; da ist auch&lt;br /&gt;
der Glaube, daß der Mitmensch kein Widersacher, kein Feind, kein Böse-&lt;br /&gt;
wicht sei. Etwas im Menschen greift zu dieser Wahrheit hin, möchte den&lt;br /&gt;
Nächsten umarmen, wäre da nicht der Schatten der anderen Stadt, die&lt;br /&gt;
Angst vor Verrat und Demütigung. So mißtraut ein Mensch dem ande-&lt;br /&gt;
ren, und es entsteht eine Kettenreaktion von Ängsten und Feindschaft,&lt;br /&gt;
an deren Ende nichts Geringeres zu finden ist als jene entsetzliche Bombe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Unheils, Armaggedon, der Untergang der Liebe in einer vergewaltig-&lt;br /&gt;
ten Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird es so bleiben, daß der Unglaube fortbestehen muß? Was bliebe&lt;br /&gt;
denn? Ist nicht alles dem Gesetz der Wandlung unterworfen? Panta&lt;br /&gt;
rhei, nannten es die Griechen. Alles fließt. Es gibt nur eine Konstante: die&lt;br /&gt;
göttliche Absolutheit. „Wir haben Christus noch nicht gehabt,“ sagt&lt;br /&gt;
Dostojewski in den „Dämonen“, „aber wenn wir ihn einmal haben wer-&lt;br /&gt;
den, wird es ein ganz anderer Cristus sein, als ihn der Westen kennt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie denn, wenn der Osten sich unserer Herausforderung erwehren und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
uns fragen wollte: Und ihr? Wo ist euer Glaube? Was glaubt ihr in jener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anderen Stadt? Ist sie wirklich von Gott und in Gott? Steht Religion im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt eures Lebens und. eurer Interessen? Habt ihr, die ihr mit den&lt;br /&gt;
Evangelien zwei Jahrtausende lang die schrecklichsten Kriege geführt&lt;br /&gt;
habt, — habt ihr eine wahrhaft christliche Gesellschaft, ihr, die ihr den&lt;br /&gt;
Erfolg zur Religion, die Tüchtigkeit zur höchsten Moral erhoben habt?&lt;br /&gt;
Ist euer Christentum nicht in aberhundert einander befeindende Sekten&lt;br /&gt;
gespalten? Sind euch Demut, wahre Nächstenliebe und Ehrfurcht vor Gott&lt;br /&gt;
die obersten Tugenden? Seid nicht auch ihr stolz auf euren Atheismus?&lt;br /&gt;
Was werft ihr ihn uns vor? Ihr im Westen nennt uns Materialisten.&lt;br /&gt;
Selbstgerecht verdammt ihr unseren Materialismus. Und ihr? Versinkt ihr&lt;br /&gt;
nicht bis zum Hals in eurer Anbetung und Überschätzung materieller&lt;br /&gt;
Werte? Was ist euch noch Größe? Daß einer moralisch bedeutend, geistig&lt;br /&gt;
integer sei? Identifiziert ihr nicht den Besitzenden mit seiner irgendwie&lt;br /&gt;
errungenen Habe? Bewundert ihr nicht den Reichen, als sei sein Besitz&lt;br /&gt;
ein innerer Wert? Ihr klagt uns an, daß wir eure Auffassung von Frei-&lt;br /&gt;
heit nicht dulden, Freiheit, des Menschen höchstes Gut, das er,-wie die&lt;br /&gt;
Geschichte lehrt, wenig genutzt hat, um sich zu einem größeren Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
828&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|829|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=27}}zu bilden. Was ist uns Freiheit? Fragt doch die Menschen in China und&lt;br /&gt;
anderen Ländern des Ostens, was sie darunter verstehen! Sie werden&lt;br /&gt;
euch verständnislos anblicken, und trotzdem rüstet ihr Armeen, um die-&lt;br /&gt;
sen Menschen anderer Denkungsart eure Freiheit aufzuzwingen. Frei-&lt;br /&gt;
heit — daß jeder tun und sagen kann, was er gerade mag... daß er auf&lt;br /&gt;
Kosten des Nebenmenschen skrupellos seine Ziele verfolgt, zynisch nie-&lt;br /&gt;
dertritt, was ihn dabei behindert? Freiheit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wegbereiter des neuen Zeitalters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über dem Hin und Her von Meinungen, die zwischen den beiden feind-&lt;br /&gt;
seligen Lagern dahinlärmen, vernimmt das innere Ohr des gottzuge-&lt;br /&gt;
wandten Menschen jene gewaltige Stimme, die der große Gefangene, der&lt;br /&gt;
Künder Gottes, der Wegbereiter des neuen Zeitalters in die Welt schickte:&lt;br /&gt;
„Ich habe meine Freiheit hingegeben, damit die Welt frei werde. Wahre&lt;br /&gt;
Freiheit besteht in der Unterwerfung des Menschen unter Meine Gebote.&lt;br /&gt;
Würden die Menschen das befolgen, was Wir aus dem Himmel der Of-&lt;br /&gt;
fenbarung auf sie herniedersandten, so würden sie sicherlich vollkom-&lt;br /&gt;
mene Freiheit erringen. Die Freiheit, die euch nützt, findet ihr nur in&lt;br /&gt;
vollkommener Dienstbarkeit unter Gott, der Ewigen Wahrheit. Wer ihre&lt;br /&gt;
Süße gekostet hat, wird es verschmähen, sie gegen die Herrschaft der&lt;br /&gt;
Erde und der Himmel einzutauschen.“ Also ist Freiheit die höchste Form&lt;br /&gt;
der Selbstunterwerfung unter den Willen Gottes. Was ist der Wille Got-&lt;br /&gt;
tes? Wie können wir ihn erkennen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i wissen um den Sinn des Neuen Zeitalters, in dem die Heere&lt;br /&gt;
in Ost und West bis zu den Zähnen gewappnet ihre Missionsidee über&lt;br /&gt;
Leichen und durch zerstörte Städte zu tragen bereit sind. Sie wissen, daß&lt;br /&gt;
Gott in Wahrheit der Herr der Geschichte ist. Das Samenkorn des Grases&lt;br /&gt;
trägt die Vollkommenheit eines Grashalms; die kleine Eichel enthält, wie&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá erklärt, die Majestät eines zwanzig Meter hohen Eichbaums,&lt;br /&gt;
der wieder Blätter und wieder Früchte hervorbringt, die wiederum Bäume&lt;br /&gt;
sein und Früchte tragen werden, wahre Abbilder eines ewigen Gedanken.&lt;br /&gt;
Wenn es ein unzerstörbares Gesetz ist, daß alles, was sein soll, auch das&lt;br /&gt;
sein muß, was es als Potential in sich enthält, als der Wille Gottes in&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung und die sichtbare Form des göttlichen Bewußtsein —&lt;br /&gt;
wenn dies ein allgemeines, ein universelles Gesetz ist, wie könnte der&lt;br /&gt;
Mensch, die höchste Form der göttlichen Schöpfung, außerhalb eines sol-&lt;br /&gt;
chen Gesetzes stehen? Was soll er denn werden, er, der mit freier Ent-&lt;br /&gt;
scheidung begabt ist, zu wählen zwischen dem, was im Sinne Gottes ist&lt;br /&gt;
und was gegen Seinen Willen verstößt? Wenn er die Entscheidung im&lt;br /&gt;
Sinne Gottes fällt, bedarf er einer Kraft, die all das übersteigt, was für&lt;br /&gt;
die Notwendigkeit des Tages erforderlich ist. Dieser Kraft schien er ver-&lt;br /&gt;
lustig gegangen zu sein. Sein Hochmut, sein Stolz gaben ihm den Wahn,&lt;br /&gt;
Gottes Anspruch auf ihn mißachten zu können. Gottes Geduld war lang,&lt;br /&gt;
und es kam der Tag, da Sein Langmut endete, nicht, um sich mit Was-&lt;br /&gt;
serfluten und Feuermeeren alles vernichtend über die Menschen zu er-&lt;br /&gt;
gießen und auszulöschen, was vor Ihm zu höherem Leben bestimmt war.&lt;br /&gt;
Seine Geduld war Seine Liebe, und diese Liebe wurde Gestalt. Der diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
829&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|830|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebesströme in sich zu sammeln, auszustrahlen, weiterzugeben, in Ge-&lt;br /&gt;
setze und Wegzeichen umzuwandeln bestimmt war, Bahä’u’lläh, war die&lt;br /&gt;
Güte Gottes in dieser Zeit der äußersten Entscheidung, und das Volk, das&lt;br /&gt;
Er rief, wurde ausgerüstet mit neuem Bewußtsein und neuer Liebe, um&lt;br /&gt;
das Werk Gottes zu vollbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ost und West, die unversöhnlichen Städte — liegen sie auf verschiede-&lt;br /&gt;
nen Landgebieten der Erde? oder sind sie nicht im Menschen selbst?&lt;br /&gt;
Wächst und strahlt Jerusalem nicht durch unsere schenkende Liebe, er-&lt;br /&gt;
hebt sich nicht Babylon mit den Triumphen unserer Selbstsucht und Got-&lt;br /&gt;
tesmißachtung? Lange genug hat man in Augustins Dritter Stadt gelebt,&lt;br /&gt;
in der dumpfen, hoffnungs- und glücklosen Stadt des Kompromisses.&lt;br /&gt;
Diese Zeit ist vorbei, ein für allemal. Jetzt heißt es: entweder — oder.&lt;br /&gt;
Entweder steh’ ich auf dieser Seite oder auf der anderen. Entweder ich&lt;br /&gt;
glaube an Gott; dann glaube ich ganz und rücke den Glauben in die&lt;br /&gt;
Mitte meines Daseins, veredle die Mittel, erhöhe die Zwecke, ein Bruder&lt;br /&gt;
dem Bruder, diene dem anderen — oder ich verschreibe mich ganz dem&lt;br /&gt;
anderen Lager, das seine Soldaten nicht zuletzt aus der Reihe derer&lt;br /&gt;
rekrutiert, die nur halbherzig glauben, vorurteilsvoll denken, Mißtrauen&lt;br /&gt;
säen und Gott verachten. Zwischen den beiden Welten gibt es keine Kom-&lt;br /&gt;
promisse. Das ist die Herausforderung Gottes. Die Entscheidung wird&lt;br /&gt;
nicht von Politikern oder Diplomaten getroffen, sondern von uns selbst,&lt;br /&gt;
und die Mauer der Trennung geht durch das eigene Herz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer würde Ihn erkennen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie soll man noch glauben? rufen manche in der Nacht der Ängste und&lt;br /&gt;
der Verzweiflung. Von allen Seiten wird die Seele bedrängt. Kann es denn&lt;br /&gt;
ein Wunder geben in dieser elektronikgläubigen Welt? Wie, wenn Er&lt;br /&gt;
nun käme, Christus, wie Er’s versprochen, wieder käme in anderem Ge-&lt;br /&gt;
wand, anderer Gestalt? Wer würde Ihn denn erkennen? Würden sich die&lt;br /&gt;
Obrigkeiten nicht auf ihn stürzen als einen Unruhestifter? Würde man&lt;br /&gt;
ihn nicht den Psychiatern überantworten, ihn als Kommunisten, als&lt;br /&gt;
Schwarmgeist, als sonst etwas typisieren? Würde man ihn nicht — wie&lt;br /&gt;
Dostojewskis Großinquisitor — in den Kerker werfen und ihn dann&lt;br /&gt;
einem Henker überantworten? Man kann doch nicht die Wirtschaftsord-&lt;br /&gt;
nung ändern! Teilte man mit den Armen, hielte man die Räder still, die&lt;br /&gt;
ganze Ordnung bräche ja zusammen — und wem wäre damit gedient?&lt;br /&gt;
Würde man uns nicht verspotten, wenn wir uns zu Ihm bekennten? Und&lt;br /&gt;
dann, was würde dann sein? Würde nach kurzer Zeit der Glorie nicht&lt;br /&gt;
alles wie schon vor zwei Jahrtausenden bald zurückfallen ins Frühere?&lt;br /&gt;
Ein neuer Glaube in einer Zeit von Überschallflugzeugen, Raumfahrern,&lt;br /&gt;
Atommeilern und technischen Wundern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Ängstlichen, die solche Fragen stellen, die Feigen, die Wan-&lt;br /&gt;
kelmütigen, die lahmen Herzens sind. Über allen Zweifeln aber hat Gott&lt;br /&gt;
Seinen Himmel aufgetan. Wieder leuchtet der Regenbogen des erneuerten&lt;br /&gt;
Bündnisses, „Ich liebte den Menschen, darum erschuf Ich ihn...“&lt;br /&gt;
Eine ungeheuere Erneuerung durchflutet alles. Alle Atome „vibrieren und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
830&lt;br /&gt;
{{page|831|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=29}}jubilieren“, wie Bahä’u’lläh sagt. Ein Strom unfaßbarer Kräfte durch-&lt;br /&gt;
dringt die frühlingshaft belebte Schöpfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seltsam, daß es erst zweihundert Jahre her sind, seitdem die ersten&lt;br /&gt;
Sozialphilosophen wie Hobbes und Rousseau, später dann ein Marx und&lt;br /&gt;
andere die Erkenntnis zu Papier brachten, es ginge nicht mehr um den&lt;br /&gt;
Menschen als Einzelwesen; die Griechen hätten recht gehabt, wenn sie&lt;br /&gt;
ihn als „zoon politikon“, als geselliges Lebewesen, ein Geschöpf unter&lt;br /&gt;
und mit anderen, verstanden. Auf einmal erkannten die Menschen, daß&lt;br /&gt;
die Gesellschaft ein Abbild des einzelnen sei, und wie der einzelne dächte,&lt;br /&gt;
handelte und plante, so würde die Gesellschaft beschaffen sein. Früher&lt;br /&gt;
hatten kirchliche und fürstliche Hierarchien dem einzelnen seinen Platz&lt;br /&gt;
zugewiesen. Soziale Gerechtigkeit, die Synthese mosaischen Gesetzes und&lt;br /&gt;
christlicher Liebe, wie Bahä’u’lläh sie als Fundament der neuen Ordnung&lt;br /&gt;
verkündete —, wo wäre. dergleichen denkbar gewesen? Eine neue Ge-&lt;br /&gt;
sellschaft mußte geschaffen werden, Marx wählte die Gewalt, Baha&#039;ulläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Liebe. Gesellschaft ist eine Form der Ordnung. Ord nung ist_ein&lt;br /&gt;
kosmisches Gesetz. Sie ist die Harmonie zwischen den Gestirnen und&lt;br /&gt;
allen geschöpflichen Welten. Sie ist der „logos“, den Johannes an den&lt;br /&gt;
Anfang seines Evangeliums stellt. Also muß die Ordnung unter den Men-&lt;br /&gt;
schen ‚derart sein, daß sie mit den größeren Ordnungen harmonisiert.&lt;br /&gt;
Kein Mensch vermag sie zu begründen. Dazu bedarf es jener Kraft, die&lt;br /&gt;
Gott Seiner Manifestation, Bahä’u’lläh, verlieh. Ein neuer Mensch ist&lt;br /&gt;
vonnöten, mit neuer Würde, neuer Sicherheit, neuem Bewußtsein, das&lt;br /&gt;
über die Grenzen aller Willkür dringt, ein Mensch, der sich nicht ver-&lt;br /&gt;
steckt, wenn Gott ihn ruft wie damals Adam, sondern der strahlenden&lt;br /&gt;
Angesichts sagt: Hier bin ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Glaube ist entstanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Neugeburt, zu der Gott die Erde bereitet, die Wesen&lt;br /&gt;
belebt, die Wege geebnet hat. Ein neuer Glaube ist entstanden, der die&lt;br /&gt;
ganze Menschheit erfaßt und umschließt. Das Wunder hat sich vollzogen.&lt;br /&gt;
Die Geschichte Gottes im Menschen hat einen ihrer Höhepunkte erreicht.&lt;br /&gt;
Wer sich diesem Strom entgegenwerfen will, wird als gebrochener Stroh-&lt;br /&gt;
halm auf den Ufersteinen liegen bleiben. Mag man halbgeblendet vom&lt;br /&gt;
Lichtglanz des Himmels sich in den kalten Schattenfalten des brechenden&lt;br /&gt;
Armaggedon verborgen halten, mag das Geschrei der Spötter die sanfte,&lt;br /&gt;
unüberhörbare Stimme des Offenbarers Gottes zu übertönen suchen, mö-&lt;br /&gt;
gen sich alle Heere in Ost und West gegen Ihn verbünden — Seine&lt;br /&gt;
Stimme ruft und ruft, und ‘wer sie wahrhaft hörte, der verschließt sich&lt;br /&gt;
nicht mehr, der will nichts anderes sein als Werkzeug, Ihm zu dienen.&lt;br /&gt;
Aus der Nacht der Verzweiflung, aus dem Frost der Vereinsamung, aus&lt;br /&gt;
der Lauge. der .Bitterkeit empor, weit hinausragend über tödliche, .tren-&lt;br /&gt;
nende Mauern hat sich der unsterbliche Same des göttlichen Willens&lt;br /&gt;
emporgerungen, ist emporgewachsen zum Baume, in dessen Gezweig,;&lt;br /&gt;
wie es im „Tablet an Ahmad“ heißt, die Nachtigall des Paradieses ihre&lt;br /&gt;
Melodien ertönen.läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Armaggedon, jenes Phantom alttestamentarischer Drohung, hun-&lt;br /&gt;
dertköpfig, tausendarmig, das mit Feueratem über die Erde gehen sollte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
831&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|832|file=Baha&#039;i_Briefe_32.pdf|page=30}}Armaggedon, der sich vermessen dürfte, über Gottes Majestät zu spot-&lt;br /&gt;
ten um Seine Schöpfung zu verschlingen? Wer sollte es sein? Ein Teufel,&lt;br /&gt;
ein Urian, feueräugig und geschwänzt, Fürst einer schwefeldampfenden&lt;br /&gt;
Hölle? Eine Hölle? Wo wäre denn die zu finden, wenn nicht im Bereich&lt;br /&gt;
der Unliebe? Ein Satan? Wie könnte er bestehen, da doch alle Schöpfung&lt;br /&gt;
von Gott ist? Warum sollte Gott ein solches Unwesen gebildet haben?&lt;br /&gt;
Bedarf Er eines Schattens, damit Sein Licht heller scheine, oder eines&lt;br /&gt;
herausfordernden Narren, eines. Widerstandes, um Seine Kraft zu üben?&lt;br /&gt;
Was ist dieser Armaggedon anderes als das Schattenwerk unserer Ängste,&lt;br /&gt;
das Machwerk unserer Feigheit vor Gott? — Was wäre er als jene an-&lt;br /&gt;
dere Stadt der Selbstsucht und der Gewalt, das Geschöpf unserer Süchte,&lt;br /&gt;
Vorurteile und Selbstüberschätzung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird sich ein Unwetter zwischen den beiden Städten entladen? Wir,&lt;br /&gt;
die wir gerufen sind, die wir uns entschieden haben, warten nicht. Wenn&lt;br /&gt;
wir Mauern sehen, erblicken wir Arme, die zueinander greifen. Wo sich&lt;br /&gt;
Trennendes erhebt, fühlen wir den Pulsschlag einer ungeheuren Sehn-&lt;br /&gt;
sucht aller zu allen hin, Nichts kann die Gewißheit der neuen Welt zer-&lt;br /&gt;
stören, denn der Glaube, das sind wir selbst, und wir wollen leben um&lt;br /&gt;
der Liebe willen, die in uns ist, die Liebe, die, wie Dante singt, „die&lt;br /&gt;
Sonne und die Gestirne bewegt“, wir wollen den Glauben leben, um&lt;br /&gt;
Gottes und unserer Dankbarkeit willen. Die beiden Städte — wir sehen&lt;br /&gt;
nur eine neue Stadt, welche nach Bahä’u’llähs Äußerung das Wort Gottes&lt;br /&gt;
ist. So, neugeboren, beglückt im heiligen Anschau’n, beseligt im Feuer&lt;br /&gt;
gänzlicher Hingabe, werden wir, wie es schon Krischna lehrte, aussäen,&lt;br /&gt;
ohne an die Ernte zu denken. Wir werden dienend und liebend in&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs Credo leben: „Die Erde ist nur ein Land, und die Menschen&lt;br /&gt;
darin sind seine Bürger“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE* werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volkswirt Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestr, 14.&lt;br /&gt;
Tel. (0 62 57) 7467, u. Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Tel. (07 11) 74:97 67,&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä&amp;amp;’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26,&lt;br /&gt;
Telefon (0711) 879058 oder (0711) 8732.48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,$ je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des’Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
832&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 31/Text</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|775|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=1}}D 20155 F&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’i-Konferenzen&lt;br /&gt;
in aller Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Proklamationszeit&lt;br /&gt;
Gehorsam und freier Wille&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache&lt;br /&gt;
von ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JANUAR 1968 HEFT 31&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|776|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|777|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=3}}JANUAR 1968&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHATI-BRIEFE nee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereitwillig wird an diesem Tag jeder einsichtige Mensch zu-&lt;br /&gt;
geben, daß der Plan, den die Feder dieses Unterdrückten ge-&lt;br /&gt;
offenbart hat, die höchste belebende Kıaft für den Fortschritt&lt;br /&gt;
der Welt und die Erhöhung ihrer Völker darstellt. Erhebt&lt;br /&gt;
euch, o Menschen, und entschließt euch durch die Macht der&lt;br /&gt;
göttlichen Kraft, den Sieg über euer Selbst zu erringen, da-&lt;br /&gt;
mit die ganze Menschheit aus ihrer Hörigkeit gegenüber den&lt;br /&gt;
Götzen ihrer eitlen Einbildung erlöst werde — Götzen, die&lt;br /&gt;
ihren erbärmlichen Anbetern großen Schaden zugefügt ha-&lt;br /&gt;
ben und für ihr Elend verantwortlich sind. Diese Trugbilder&lt;br /&gt;
sind das Hindernis, das den Menschen in seinem Bemühen&lt;br /&gt;
hemmt, auf dem Pfade der Vervollkommnung vorwärts zu&lt;br /&gt;
schreiten. Wir hoffen, daß die Hand göttlicher Macht der&lt;br /&gt;
Menschheit ihre Hilfe leihen und sie aus ihrem Zustand&lt;br /&gt;
schmerzlicher Erniedrigung befreien möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(„Sendschreiben über die Welt“, Ährenlese XLIII)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
777&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|778|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistiger Adel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache ‘Abdu/l-Bahäs in New York am 15. Juni 1912&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Sie eine Weile warten lassen. Ich war sehr müde und bin ein-&lt;br /&gt;
genickt. Während Ich schlief, unterhielt Ich Mich mit Ihnen, wie wenn&lt;br /&gt;
Ich mit lauter Stimme zu Ihnen spräche. Dann wachte Ich an Meiner&lt;br /&gt;
eigenen Stimme auf, und dabei hatte Ich ein Wort — „Imtiyäz“ (Vor-&lt;br /&gt;
nehmheit) — auf den Lippen. So will Ich über dieses Thema heute vor-&lt;br /&gt;
mittag zu Ihnen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Welt des Seins betrachten, stellen wir fest, daß alle stoff-&lt;br /&gt;
lichen Dinge ein gemeinsames Band haben; andererseits gibt es be-&lt;br /&gt;
stimmte Einzelheiten, in denen sie sich voneinander unterscheiden. Alle&lt;br /&gt;
irdischen Gegenstände haben zum Beispiel körperliche Bindungen. Die&lt;br /&gt;
Mineralien, Pflanzen und Tiere haben bestimmte Elementarkörperchen&lt;br /&gt;
miteinander gemein. Außerdem haben sie jeweils einen bestimmten Platz&lt;br /&gt;
in der Schöpfungsordnung. Dies ist das gemeinsame Band, die Kontakt-&lt;br /&gt;
stelle zwischen ihnen. Alle schreiten sie durch den Prozeß der Zusammen-&lt;br /&gt;
setzung und der Auflösung; das ist ein Naturgesetz, dem alle unterworfen&lt;br /&gt;
sind. In der ganzen Schöpfung herrscht dieses Gesetz; es stellt ein Band&lt;br /&gt;
der Gemeinschaft zwischen den erschaffenen Dingen her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gleichzeitig gibt es bestimmte unterschiedliche Wesenszüge bei&lt;br /&gt;
diesen Dingen. So bestehen zwischen Mineral und Pflanze, zwischen&lt;br /&gt;
Pflanze und Tier, zwischen Tier und Mensch Unterscheidungsmerkmale,&lt;br /&gt;
die unverkennbar und bedeutsam sind. Desgleichen gibt es Unterschiede&lt;br /&gt;
zwischen den Arten und Gruppen jedes Schöpfungsreiches. Wenn wir das&lt;br /&gt;
Mineralreich im einzelnen betrachten, stellen wir nicht nur Ähnlichkeiten,&lt;br /&gt;
sondern auch Unterschiede zwischen den Objekten fest. Manche sind un-&lt;br /&gt;
bewegliche Körper, manche sind hart und fest, manche haben die Kraft,&lt;br /&gt;
sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen, manche sind flüssig,&lt;br /&gt;
andere gasförmig, manche Erscheinungen haben ein Gewicht, andere, wie&lt;br /&gt;
Feuer und Elektrizität, haben keines. So gibt es vielerlei Unterschei-&lt;br /&gt;
dungsmerkmale zwischen diesen elementaren Erscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Pflanzenreich nehmen wir Unterschiede zwischen den unzähli-&lt;br /&gt;
gen Arten und Gruppen wahr. Jede hat ihre eigene Form und Farbe,&lt;br /&gt;
ihren eigenen Duft. Im Tierreich herrscht dasselbe Gesetz; wir können&lt;br /&gt;
viele Verschiedenheiten der Form, Farbe und Lebensweise feststellen.&lt;br /&gt;
Das gleiche gilt für das Menschenreich. Vom Standpunkt der Farbe her&lt;br /&gt;
gibt es Weiße und Schwarze, Gelbe und Rote. Unter dem Gesichtspunkt&lt;br /&gt;
der äußeren Erscheinung gibt es große Unterschiede und Eigentümlich-&lt;br /&gt;
keiten zwischen den Rassen. Die Asiaten, Afrikaner und Amerikaner&lt;br /&gt;
haben ein verschiedenartiges Erscheinungsbild; die Menschen des Nordens&lt;br /&gt;
und des Südens sind dem Typ und den Merkmalen nach sehr unter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
778&lt;br /&gt;
{{page|779|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schiedlich. Unter dem Blickwinkel der Wirtschaft und der Lebensführung&lt;br /&gt;
sehen wir eine Vielzahl von Verschiedenartigkeiten. Manche sind arm,&lt;br /&gt;
andere reich; manche sind gelehrt, andere unwissend; manche sind ge-&lt;br /&gt;
duldig und gelassen, andere unwillig und leicht erregt; manche lieben die&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, andere üben Unrecht und Unterdrückung aus; manche sind&lt;br /&gt;
demütig, andere arrogant. Kurz, es gibt viele Unterscheidungsmerkmale&lt;br /&gt;
unter der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wünsche, daß auch Sie sich von anderen Menschen unterscheiden.&lt;br /&gt;
Die Bahä’i müssen sich vor der übrigen Menschheit auszeichnen. Aber&lt;br /&gt;
ihre Vornehmheit darf nicht vom Wohlstand abhängen — daß sie reicher&lt;br /&gt;
werden sollten als andere Menschen. Ich wünsche Ihnen keine finanzielle&lt;br /&gt;
Vornehmheit. Was Ich von Ihnen wünsche, ist keine Berühmtheit der&lt;br /&gt;
bekannten Art, auf wissenschaftlichem, kaufmännischem oder industriel-&lt;br /&gt;
lem Gebiet. Für Sie wünsche Ich geistige Vornehmheit, das heißt, Sie&lt;br /&gt;
müssen durch Ihre Tugenden hervortreten und berühmt werden. In der&lt;br /&gt;
Liebe zu Gott müssen Sie sich von allen anderen unterscheiden. Sie müs-&lt;br /&gt;
sen sich hervortun durch Ihre Liebe zur Menschheit, durch Einheit und&lt;br /&gt;
Eintracht, durch Liebe und Gerechtigkeit. In kurzen Worten, Sie müssen&lt;br /&gt;
für alle Tugenden der Menschenwelt bekannt werden: für Ehrlichkeit&lt;br /&gt;
und Aufrichtigkeit, für Gerechtigkeitssinn und Treue, für Festigkeit und&lt;br /&gt;
Standhaftigkeit, für menschenfreundliche Werke und für den Dienst an&lt;br /&gt;
der Menschheit, für die Liebe zu jedem menschlichen Wesen, für Einheit&lt;br /&gt;
und Einklang mit allen Mitmenschen, dafür, daß Sie Vorurteile beseitigen&lt;br /&gt;
und den Weltfrieden fördern. Schließlich müssen Sie dafür bekannt wer-&lt;br /&gt;
den, daß Sie himmlische Erleuchtung und den Segen Gottes erlangen.&lt;br /&gt;
Diese Vornehmheit wünsche Ich für Sie. Dies muß das Unterscheidungs-&lt;br /&gt;
merkmal für Sie sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „The Promulgation of Universal Peace“, Vol. I., Chicago 1922/1943, S. 184 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Bewegung Unserer Feder der Herrlichkeit&lt;br /&gt;
haben Wir auf Befehl des allmächtigen Verordners neues&lt;br /&gt;
Leben in jede menschliche Hülle gehaucht und in jedes Wort&lt;br /&gt;
frische Kraft geflößt. Alles Erschaffene verkündet die Be-&lt;br /&gt;
weise dieser weltweiten Erneuerung. Dies ist die größte und&lt;br /&gt;
froheste Botschaft, die der Menschheit durch die Feder dieses&lt;br /&gt;
Unterdrückten übermittelt wurde. Warum fürchtet ihr euch&lt;br /&gt;
daher, o Meine Geliebten? Wer könnte euch erschrecken?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(„Sendschreiben über die Welt“, Ährenlese XLIII)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
779&lt;br /&gt;
{{page|780|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Proklamationszeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Phase in der Bahä’i-Tätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den sechs interkontinentalen Konferenzen Anfang Oktober 1967&lt;br /&gt;
in Neu Delhi, Kampala, Frankfurt, Chikago, Panama und Sydney war&lt;br /&gt;
der erste Höhepunkt der Proklamationszeit, daß eine Zusammenstellung&lt;br /&gt;
der Botschaften Bahä’u’lähs an die Herrscher Seiner Zeit 140 heutigen&lt;br /&gt;
Staatsoberhäuptern in Ost und West übergeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verkündigung Bahä’u’llähs an die Könige und Herrscher&lt;br /&gt;
der Welt“, Bahäd’i-Verlag, Frankfurt/Main 1967 (132 Seiten,&lt;br /&gt;
Ln. DM 7.20) — lautet die deutsche Übersetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zusammenstellung wichtiger Texte vermittelt den Geist einer&lt;br /&gt;
machtvollen Manifestation des göttlichen Willens in seiner ganzen Trag-&lt;br /&gt;
weite. In seinem Vorwort zitiert das Universale Haus der Gerechtig-&lt;br /&gt;
keit die Warnung Bahá’u’lláhs: „Das Wohlergehen der Menschheit,&lt;br /&gt;
ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, sofern nicht und&lt;br /&gt;
ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist“ (S. 10) und fährt fort, daß diese&lt;br /&gt;
Einheit zu verwirklichen Bahä’u’llähs ausdrückliche Aufgabe und das&lt;br /&gt;
Ziel aller Bahä’i-Tätigkeit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Aktionen im Rahmen der Proklamationstätigkeit sind in-&lt;br /&gt;
zwischen angelaufen oder sogar schon abgeschlossen worden. Überall auf&lt;br /&gt;
der Welt, wo die Meinungsfreiheit gewährleistet ist, brandet eine Welle&lt;br /&gt;
von Vorträgen und Kundgebungen, Lichtbilder- und Filmvorführungen,&lt;br /&gt;
Ausstellungen und Konferenzen gegen die Indifferenz der öffentlichen&lt;br /&gt;
Meinung an. In Westdeutschland wurde die Festausgabe der „BAHA’-&lt;br /&gt;
BRIEFE“ (Heft 30/Oktober 1967) den Rektoren und Lehrern sämtlicher&lt;br /&gt;
43000 Schulen zugestellt. Das Begleitschreiben des Nationalen Geistigen&lt;br /&gt;
Rates der Bahä’i in Deutschland e.V. weist auf die Zerrissenheit des&lt;br /&gt;
abendländischen Bewußtseins hin, die seit dem ausgehenden Mittelalter&lt;br /&gt;
von keiner der herrschenden Institutionen mehr behoben werden konnte.&lt;br /&gt;
Diesem Ungleichgewicht setze Bahä’u’lläh, wie andeutungsweise schon vor&lt;br /&gt;
Ihm Muhammad, die Geschlossenheit einer universalen Kosmologie ent-&lt;br /&gt;
gegen: die Einheit Gottes, fortschreitende Gottesoffenbarung, die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit als Ziel der gegenwärtigen Weltkrise. Seinen Anspruch,&lt;br /&gt;
alle religiösen Sendungen der Vergangenheit durch Seine Offenbarung&lt;br /&gt;
zu erfüllen, habe Er vor hundert Jahren in unmißverständiicher Weise&lt;br /&gt;
den geistlichen und weltlichen Würdenträgern Seiner Zeit und durch sie&lt;br /&gt;
der ganzen Menschheit dargelegt. Die Bahä’i betrachten es als ihre vor-&lt;br /&gt;
nehmste Aufgabe, ihre Mitmenschen auf die Tragweite der Sendung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für ein weitreichendes und ausgedehntes nationales Prokla-&lt;br /&gt;
mationsprogramm seien die Vorhaben der kanadischen Baha’i erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
780&lt;br /&gt;
{{page|781|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=7}}Sie umfaßten eine Reihe von sehr erfolgreichen Präsentationen beim&lt;br /&gt;
Generalgouverneur (dem Vertreter der britischen Krone), dem Minister-&lt;br /&gt;
präsidenten, den Unterstatthaltern und Premiers sämtlicher Provinzen&lt;br /&gt;
und den Oberhäuptern von 34 religiösen Gemeinschaften in Kanada. Als&lt;br /&gt;
nächstes werden diese Querverbindungen auf örtlicher Ebene bei Bürger-&lt;br /&gt;
meistern, Amtsleuten und Häuptlingen der Indianer- und Eskimoreservate&lt;br /&gt;
fortgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Postweg wurden 11000 Geistliche aller Bekenntnisse in einer&lt;br /&gt;
Folge von vier Briefen, jeweils mit zwei Wochen Abstand, auf die Ver-&lt;br /&gt;
kündigung Bahá’u’lláhs aufmerksam gemacht und eingeladen, Bahä’i-&lt;br /&gt;
Literatur unentgeltlich anzufordern. In den Briefen werden Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
Sendschreiben kurz zitiert und auch erläutert: „Keine Gruppe der&lt;br /&gt;
Gesellschaft ist sich des geistigen Dunkels, das sich heute auf die&lt;br /&gt;
Menschheit senkt, stärker bewußt als Sie, die Geistlichen, denen sich&lt;br /&gt;
nach wie vor tausende zuwenden, um Licht zu empfangen... Niemals&lt;br /&gt;
zuvor ist Gott den Menschen mit solchen Beweisen gegenübergetreten,&lt;br /&gt;
wie Er es heute vor unserer Generation in dieser finstersten Nacht tut.&lt;br /&gt;
Alles, worum wir Sie bitten, ist, daß Sie diese Beweise mit der Loslösung&lt;br /&gt;
und der Sorgfalt prüfen, die Ihnen Ihr Beruf unausweichlich auferlegt.&lt;br /&gt;
‚Wenn du Mich verleugnest, mit welchem Beweis kannst du dann die&lt;br /&gt;
Wahrheit dessen vertreten, was du besitzest?... Urteile gerecht, ich be-&lt;br /&gt;
schwöre dich bei Gott!’ “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig mit dieser Briefaktion wurde in etwa 200 Zeitungen vier-&lt;br /&gt;
mal eine Anzeige in Postkartengröße eingerückt: „Haben Sie von&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh gehört?“ beginnt der Text, der mit den Worten schließt:&lt;br /&gt;
„Mehrere Millionen Menschen sind nunmehr Seinem Ruf gefolgt. Die&lt;br /&gt;
örtliche Geistlichkeit aller Glaubensrichtungen erhielt soeben ein Ange-&lt;br /&gt;
bot auf die Botschaft Bahä’u’llähs. Wir bitten Sie dringend, sich über&lt;br /&gt;
diese Botschaft entweder bei Ihrem Geistlichen oder bei ..... zu erkundi-&lt;br /&gt;
gen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weiteres Hauptelement der Proklamationsarbeit, die von geschulten&lt;br /&gt;
Werbeleuten geleitet wird, haben die kanadischen Bahä’i den Inhalt des&lt;br /&gt;
Buches „Der verheißene Tag ist gekommen“ von Shoghi Effendi in einer&lt;br /&gt;
hervorragend aufgemachten Werbeschrift „Bahá’u’lláh: Sein Ruf an die&lt;br /&gt;
Menschheit“ zusammengerafft, die breitgestreut ausgegeben und in zwei-&lt;br /&gt;
minütigen Werbesendungen wiederholt über 200 Radiostationen angebo-&lt;br /&gt;
ten wird. Ergänzend fanden während der Briefaktion Versammlungen&lt;br /&gt;
der offenen Tür in etwa 200 Proklamationszentren statt, bei denen ab-&lt;br /&gt;
wechselnd der CBS-Film „Und Sein Name wird Einer sein“ und die Dia-&lt;br /&gt;
Serie „Karmel, der Berg Gottes“ gezeigt wurden. Besondere Programme&lt;br /&gt;
sind für die Indianer vorgesehen, die ‘Abdu’l-Bahá in Seinem „Göttlichen&lt;br /&gt;
Plan“ für die Bahä’i-Lehrarbeit so sehr am Herzen lagen. pmh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
781&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|782|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Geiste der Gemeinschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte europäische Bahä’i-Konferenz in Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konferenzen spiegeln den Geist einer Gemeinschaft. Sie machen deut-&lt;br /&gt;
lich, wie es hinter den Fassaden aussieht, was im Bewußtsein jedes Mit-&lt;br /&gt;
glieds vor sich geht. Hier zeigt es sich, ob die Auseinandersetzung zwi-&lt;br /&gt;
schen Interessengruppen die gemeinsame Sache in Frage stellt, ob die&lt;br /&gt;
Eigenständigkeit des Ganzen durch die stimulierte Kampfhaliung gegen&lt;br /&gt;
außenstehende Mächte, Meinungen und Phantome wachgehalten werden&lt;br /&gt;
muß oder ob das in der jeweiligen Gemeinschaft Spezifische als geistige&lt;br /&gt;
Kraft so stark ist, daß es bei jedem Teilnehmer einen Eindruck hinter-&lt;br /&gt;
läßt, ein Gepräge, das ihn mit klaren Vorstellungen und mit gutem Wil-&lt;br /&gt;
len erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechs interkontinentale Bahä’i-Konferenzen fanden Anfang Oktober 1967&lt;br /&gt;
in Kampala, New Delhi, Sydney, Chikago, Panama und Frankfurt/M. statt.&lt;br /&gt;
Ihr Anlaß war, wie Paul Haney, Hand der Sache Gottes, als Vertreter&lt;br /&gt;
des Bahä’i-Weltzentrums zu Beginn der Frankfurter Konferenz ausführte,&lt;br /&gt;
die hundertste Wiederkehr jener Tage, in denen Bahä’u’lläh Seine epoche-&lt;br /&gt;
machenden Sendschreiben an die Herrscher der Welt, vor allem die&lt;br /&gt;
“Süriy-i-Mulük“ (Tablet an die Könige), offenbarte. Auf der Grundlage&lt;br /&gt;
Seines Anspruchs, der Verheißene aller alten Hochreligionen zu sein,&lt;br /&gt;
stellte Er wie noch kein Prophet vor Ihm die Mächtigen Seiner Zeit ins&lt;br /&gt;
Gericht, führte ihnen ihre Fehler vor Augen, ermahnte sie zur Umkehr&lt;br /&gt;
und zur Konzentration auf diejenigen Erfordernisse einer umfassenden&lt;br /&gt;
Entwicklungspolitik, die geradlinig zur Vereinigung der ganzen Mensch-&lt;br /&gt;
heit unter der göttlichen Führung hinlenken. Erneut wurde bei der&lt;br /&gt;
Konferenz deutlich, wie sehr das Fehlverhalten von wenigen kurz-&lt;br /&gt;
sichtigen Herrschern vor hundert Jahren die Schuld an der heutigen&lt;br /&gt;
Weltkrise trägt, wie sich von dieser Sternstunde am Übergang zum letz-&lt;br /&gt;
ten Drittel des vorigen Jahrhunderts her geistige und politische Fehl-&lt;br /&gt;
entscheidungen in Anbetracht der technischen Revolution zu dem un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entwirrbaren Knäuel verdichtet haben, in den die leidende Menschheit&lt;br /&gt;
heute verstrickt ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider war das Echo auf die Pressekonferenz am Freitag, 6. Ok-&lt;br /&gt;
tober 1967, nicht annähernd so nachhaltig wie gleichzeitig in Neu Delhi,&lt;br /&gt;
wo sich der eigentlichen Bahä’i-Konferenz ein mehrtägiges, vom indischen&lt;br /&gt;
Presseverband einberufenes Symposion über die Bedeutung der Presse&lt;br /&gt;
für die geistige Erneuerung der breiten Volksschichten anschloß (vgl. un-&lt;br /&gt;
seren gesonderten Bericht). Nur spärlich informierten die Lokalblätter&lt;br /&gt;
über die Veranstaltungen, die in der Jahrhunderthalle der Farbwerke&lt;br /&gt;
Hoechst vonstatten gingen. In einer „Konferenz-Zeitung“ hat Konrad&lt;br /&gt;
Krüger, ein junger Bahä’i aus Gießen, die Berichte der ersten Tage fest-&lt;br /&gt;
gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
182&lt;br /&gt;
{{page|783|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=9}}Größere Beteiligung herrschte bei dem Empfang, den der Nationale&lt;br /&gt;
Geistige Rat der Bahä’i in Deutschland aus Anlaß der Konferenz am&lt;br /&gt;
Freitag abend im Hotel Frankfurt Intercontinental gab. Regierungsdirek-&lt;br /&gt;
tor Schwarzer vom Regierungspräsidium in Wiesbaden, Professor Dr. Ernst&lt;br /&gt;
Benz von der Universität Marburg und Herr Ewan McLeod, britischer&lt;br /&gt;
Konsul, waren die prominentesten Gäste, Die aus allen Teilen Europas,&lt;br /&gt;
aus Asien und Nordamerika angereisten Bahä’i trafen sich derweil in&lt;br /&gt;
einem anderen Saal des Hotels: ein großes Familienfest, auf dem neue&lt;br /&gt;
Freundschaften geschlossen und alte erneuert wurden. Über 1600 Teil-&lt;br /&gt;
nehmer hatten sich aus 47 Ländern eingefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche Auftakt der Konferenz war am Samstag vormittag die&lt;br /&gt;
Verlesung der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit durch&lt;br /&gt;
Paul Haney, der sie anschließend erläuterte. Die Botschaft ist ein neuer&lt;br /&gt;
Appell, die 1967 im Frühjahr geforderten verstärkten Anstrengungen&lt;br /&gt;
für die Verkündigung der Sendung Bahä’u’llähs tatkräftig voranzutragen.&lt;br /&gt;
Die Sendschreiben Bahä’u’llähs an die Herrscher, Parlamentarier und&lt;br /&gt;
Geistlichen Seiner Zeit sind vom Universalen Haus in einem repräsenta-&lt;br /&gt;
tiven Buch zusammengefaßt worden, das im Herbst 1967 140 Staatsober-&lt;br /&gt;
häuptern in aller Welt zugeleitet wurde — eine späte Chance vor dem&lt;br /&gt;
„schwersten Unheil“, das Bahä’u’lläh der Menschheit angedroht hat. Paul&lt;br /&gt;
Haney zitierte den letzten Absatz der Einleitung, die das Universale Haus&lt;br /&gt;
dem Buch vorangestellt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bahä’u’llähs Botschaft ist eine Botschaft der Hoffnung, der Liebe und&lt;br /&gt;
der praktischen Ermeuerung. Heute ernten wir die erschreckenden Er-&lt;br /&gt;
gebnisse der Zurückweisung Seines göttlichen Rufes durch unsere Vor-&lt;br /&gt;
fahren. Doch gibt es heute andere Herrscher und Menschen, die viel-&lt;br /&gt;
leicht hören und die Schwere der drohenden Katastrophe aufheben oder&lt;br /&gt;
mildern können. Aus dieser Hoffnung und aus dem Gefühl einer heiligen&lt;br /&gt;
Verpflichtung heraus verkündet das Universale Haus der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
die international leitende Körperschaft des Bahäd’i-Glaubens, ... erneut&lt;br /&gt;
den Geist dieses mächtigen Rufes von vor einhundert Jahren. Mit der-&lt;br /&gt;
selben Hoffnung und Überzeugung werden die Bahä’i in der ganzen Welt&lt;br /&gt;
während dieser Periode der Jahrhundertfeier ihr Äußerstes tun, um die&lt;br /&gt;
erlösende Tatsache dieser erneuten Ausgießung göttlicher Führung und&lt;br /&gt;
Liebe dem Bewußtsein ihrer Mitmenschen nahezubringen. Wir sind über-&lt;br /&gt;
zeugt, daß ihre Mühe nicht vergeblich sein wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ergab sich ganz natürlich, daß den eigentlichen Kern der Konferenz&lt;br /&gt;
die Beratung der Lehrziele des Neunjahrplanes 1964-1973 bildete. Dies&lt;br /&gt;
war auch das Ergebnis der Besprechung, die die Hände der Sache Gottes&lt;br /&gt;
mit dem Universalen Haus vor ihrer Abreise in Bahji bei ‘Akkä, dem&lt;br /&gt;
Landhaus Bahá’u’lláhs, geführt hatten. Auf diese Überlegungen lenkten&lt;br /&gt;
auch die Impulse hin, die sie, die offiziellen Vertreter des Weltzentrums&lt;br /&gt;
bei den sechs Konferenzen, von ihrem kurzen Aufenthalt in Adrianopel,&lt;br /&gt;
vor hundert Jahren der Offenbarungsort von vierzehn großen Send-&lt;br /&gt;
schreiben Bahä’u’llähs, mitbrachten. Vor allem der Aufruf zur universel-&lt;br /&gt;
len Teilnahme aller Bahä’i an den Lehraufgaben und ihrer Finanzierung&lt;br /&gt;
stand im Vordergrund: Paul Haney hob die Appelle des Universalen Hau-&lt;br /&gt;
ses nach Pionieren, die den Glauben in neu zu erschließende Gebiete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
783&lt;br /&gt;
{{page|784|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=10}}tragen, und nach Reiselehrern hervor. Für Europa im besonderen gelte&lt;br /&gt;
es, alle Schichten der menschlichen Gesellschaft zu erreichen, sich den&lt;br /&gt;
Inseln um den Kontinent herum zuzuwenden, da sie vielleicht für kürzere&lt;br /&gt;
oder längere Zeit als „Verwahrungsorte des Glaubens“ benötigt würden,&lt;br /&gt;
und in diejenigen europäischen Länder vorzustoßen, in denen der Glaube&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs bis jetzt noch nicht bleibend Fuß fassen konnte. Von den&lt;br /&gt;
30 000 Bahä’i-Zentren in aller Welt sind bis jetzt nur 1000 in Europa ge-&lt;br /&gt;
legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstag nachmittag hatten die Freunde Gelegenheit, das Portrait&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs zu betrachten, welches in Adrianopel, kurze Zeit nach dem&lt;br /&gt;
Giftattentat, das auf Ihn verübt wurde, fotografiert worden war. Das&lt;br /&gt;
kleine Bild strahlt einzigartiges Charisma aus; man versteht die Er-&lt;br /&gt;
griffenheit, mit der Professor Browne als einer der wenigen Westeuro-&lt;br /&gt;
päer, die Bahä’u’lläh begegneten, seinen Besuch bei Ihm zwanzig Jahre&lt;br /&gt;
später schilderte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter gewissen technischen Schwierigkeiten erfolgte gegen 16 Uhr die&lt;br /&gt;
telefonische Ringschaltung zwischen den sechs Konferenzen. Am deut-&lt;br /&gt;
lichsten Chikago: 3000 Gläubige waren dort versammelt, Präsident John-&lt;br /&gt;
son hatte eine Grußadresse übersandt. In Sydney hatten die Konferenz-&lt;br /&gt;
teilnehmer bis spät in der Nacht auf diese Verbindung gewartet. Neu&lt;br /&gt;
Delhi und Panama waren nur undeutlich zu verstehen; die Verbindung&lt;br /&gt;
mit Kampala kam nicht zustande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Einigkeitsfest am Abend stand unter dem Motto der „Frohen Boi-&lt;br /&gt;
schaften“ Bahä’u’llähs. Später wurde der Film „Und Sein Name wird&lt;br /&gt;
Einer sein“ gezeigt, der vor wenigen Monaten vom Columbia Broad-&lt;br /&gt;
casting System gedreht worden war und Millionen amerikanischen Fern-&lt;br /&gt;
seh-Teilnehmern einen ersten Eindruck von der Bahä’i-Religion vermit-&lt;br /&gt;
telt hatte. Der Titel des Films ist dem Alten Testament (Sacharja 14, 9)&lt;br /&gt;
entnommen. Die Dia-Tonband-Serie „Karmel — der Berg Gottes“, die&lt;br /&gt;
vom Internationalen Bahä’i-Zentrum für Bild und Ton im Auftrag des&lt;br /&gt;
Universalen Hauses für die Proklamationsarbeit zusammengestellt wor-&lt;br /&gt;
den war, bildete den Abschluß dieses erlebnisreichen Tages.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sonntag vormittag, 8. Oktober, begann mit der Vorstellung der&lt;br /&gt;
anwesenden Hände der Sache Gottes, der Mitglieder ihres Hilfsamts und&lt;br /&gt;
der Nationalen Geistigen Räte, die auf der Konferenz vertreten waren.&lt;br /&gt;
Grußbotschaften aus der ganzen Welt wurden verlesen. Dorothy Ferraby&lt;br /&gt;
faßte die Berichte der Nationalen Räte über ihre Proklamationsvorhaben&lt;br /&gt;
zusammen. Die Aussprache über dieses Thema ergab Übereinstimmung,&lt;br /&gt;
daß im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die modernsten Kommu-&lt;br /&gt;
nikationsmittel eingesetzt werden müssen, Während das Ziel der Lehr-&lt;br /&gt;
arbeit ist, in möglichst vielen und weitverstreuten Orten Bahä’i-Gemein-&lt;br /&gt;
den und Bahä’i-Institutionen zu schaffen, geht es bei der Proklamations-&lt;br /&gt;
tätigkeit darum, die breite Öffentlichkeit davon zu unterrichten, daß ein&lt;br /&gt;
göttlicher Heilsplan für die Menschheit existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gottesdienst im Haus der Andacht in Langenhain mußte zweimal&lt;br /&gt;
durchgeführt werden; trotzdem war der Andrang so groß, daß nicht alle&lt;br /&gt;
Besucher Platz fanden. (Fortsetzung Seite 786)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
784&lt;br /&gt;
{{page|785|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NTERNATIONALE KONFERENZ FRANKFURT/MAIN: Oben&lt;br /&gt;
inks die Jahrhunderthalle in Höchst, Ort der Zusammenkunft.&lt;br /&gt;
— Recht oben: Paul Haney, der Vertreter des Weltzentrums der&lt;br /&gt;
3ah@’i in Haifa. — Auch ein viel umlagertes Sonderpostamt&lt;br /&gt;
var eingerichtet (Mitte links). — Daneben und unten jeweils&lt;br /&gt;
in Blick in die vollbesetzte Halle. Fotos: K. R. Krüger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|786|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=12}}!&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&#039;&lt;br /&gt;
!&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&#039;&lt;br /&gt;
]&lt;br /&gt;
!&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem öffentlichen Vortrag am Sonntag abend entwickelte Paul&lt;br /&gt;
Haney vor zahlreichen Gästen den Zweck der Proklamationsbemühungen&lt;br /&gt;
und ihren historischen Hintergrund. Er lud die Anwesenden ein, die Leh-&lt;br /&gt;
ren Bahä’u’llähs gründlich zu prüfen, um zu erkennen, daß das Wohl der&lt;br /&gt;
ganzen Menschheit Sein einziges Ziel gewesen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Ferraby, Hand der Sache Gottes, erläuterte in seiner Ansprache&lt;br /&gt;
am Montag nachmittag, der am Morgen eine eingehende Beratung über&lt;br /&gt;
die Lehraufgaben vorangegangen war, zwei Aspekte aus ‘Abdu’l-Bahás&lt;br /&gt;
„Sendschreiben zum Göttlichen Plan“: Die Bahä’i sind aufgerufen, durch&lt;br /&gt;
ihre Tätigkeit die Grundlagen für eine politische Vereinigung der Mensch-&lt;br /&gt;
heit zu festigen und in der Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten&lt;br /&gt;
das Modell einer neuen Gesellschaftsordnung zu schaffen. In der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Administration, wie sie von Bahä’u’lläh geoffenbart, von ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
erklärt und von Shoghi Effendi als Hüter des Bahä’i-Glaubens in die&lt;br /&gt;
Praxis umgesetzt wurde, sind die Grundsätze aller bisherigen Staats-&lt;br /&gt;
ordnungen — Demokratie, Oligarchie und Monarchie — harmonisch ver-&lt;br /&gt;
einigt. Unsere Aufgabe ist es, auf die praktischen Verhältnisse bezogene&lt;br /&gt;
optimale Kombinationen zu erreichen. Wenn ‘Abdu’l-Bahá Jesus zitiert,&lt;br /&gt;
daß die Armen selig seien und zu Führern der Menschheit werden soll-&lt;br /&gt;
ten, bedeutet dies das Ziel eines völligen Aufgehens im neuen Bündnis&lt;br /&gt;
Gottes mit der Menschheit durch Bahä’u’lläh. Nur so kann ein frucht-&lt;br /&gt;
barer Boden für neue soziale Strukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dienstag vormittag war nach einer kurzen Ansprache von Dr.&lt;br /&gt;
Adelbert Mühlschlegel, Hand der Sache Gottes, vor allem der finanziel-&lt;br /&gt;
len Seite der bevorstehenden Aufgaben gewidmet. Paul Haney betonte,&lt;br /&gt;
wie sehr wir alle eigentlich nur Treuhänder unseres „Eigentums“ seien,&lt;br /&gt;
das gerade in diesen unsicheren Zeiten ganz in Gottes Hand liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachmittag gehörte der Jugend: Charles Ioas, Mitglied des Hilfs-&lt;br /&gt;
amtes aus Spanien, leitete eine Podiumsdiskussion; es war eine Freude&lt;br /&gt;
festzustellen, wie aufgeschlossen und tief die jungen Bahä’i die besonde-&lt;br /&gt;
ren Aufgaben, die ihnen das Universale Haus gestellt hat, verstanden&lt;br /&gt;
haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Haney sprach das Schlußwort und brachte die Entschlossenheit&lt;br /&gt;
aller Konferenzteilnehmer zum Ausdruck, sich in den kommenden Jahren&lt;br /&gt;
noch mehr als in den vergangenen für die Lehraufgaben in Europa ein-&lt;br /&gt;
zusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9200 Bahä’i aus 140 Ländern haben an den sechs Konferenzen teilge-&lt;br /&gt;
nommen. Über 230 von ihnen haben sich für neue Pioniervorhaben ge-&lt;br /&gt;
meldet. Amatu’l-Bahä Rühiyyih Khänum, die Witwe Shoghi Effendis,&lt;br /&gt;
legte in Panama den Grundstein zum ersten Haus der Andacht in Latein-&lt;br /&gt;
amerika, Auf allen ihren Tätigkeitsgebieten fühlen sich die Bahä’i ange-&lt;br /&gt;
spornt, wie es das Universale Haus der Gerechtigkeit nach den Konfe-&lt;br /&gt;
renzen in einem Telegramm ausdrückte, „mit noch größerer Weitsicht und&lt;br /&gt;
unverminderter Entschlossenheit die vor uns liegenden ruhmreichen Ziele&lt;br /&gt;
zu verfolgen, bis dieser neue Abschnitt der Proklamation seinen Anteil&lt;br /&gt;
an dem göttlich gelenkten Vorgang der Errichtung des Reiches Gottes in&lt;br /&gt;
den Herzen der Menschen geleistet hat.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
786&lt;br /&gt;
{{page|787|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=13}}Begeisterung führt über die Ziele hinaus&lt;br /&gt;
Die Konferenz im Herzen Afrikas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine große Urwaldtrommel gab das Zeichen beim Beginn der Sitzungen,&lt;br /&gt;
zu denen sich 450 Bahä’i aus siebzehn afrikanischen und sieben über-&lt;br /&gt;
seeischen Ländern zwischen 4. und 8. Oktober 1967 im Klubhaus des&lt;br /&gt;
Logogo-Stadions von Kampala (Uganda) vereinigten. Bahä’i-Gebete in&lt;br /&gt;
unzähligen Sprachen und Dialekten, die getragenen und rhythmischen&lt;br /&gt;
Gesänge der afrikanischen Freunde, hin und wieder auch die bunten&lt;br /&gt;
Stammestrachten gaben der Konferenz ein besonders farbiges Gepräge.&lt;br /&gt;
Ursprünglich hatte die Regierung von Uganda eine Verschiebung gefor-&lt;br /&gt;
dert, da gleichzeitig der Jahrestag der nationalen Unabhängigkeit began-&lt;br /&gt;
gen wurde; aber im Hinblick auf die sechs weltweiten Konferenzen&lt;br /&gt;
konnte die Erlaubnis schließlich erwirkt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ereignis warf seine Schatten voraus: Eine Pressekonferenz brachte&lt;br /&gt;
nachhaltiges Echo; der Rundfunk, der sich den Bahä’i lange verschlossen&lt;br /&gt;
hatte, öffnete seine Pforten und die einzige englischsprachige Tages-&lt;br /&gt;
zeitung, der „Uganda Argus“, brachte am 5. Oktober eine große Sonder-&lt;br /&gt;
beilage über „Bahä’ü’llähs Proklamation an die Menschheit“. Auch&lt;br /&gt;
„Ebony“, die große amerikanische Illustrierte für die farbige Welt, hatte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen Bahä’i als Berichterstatter zusammen mit einem Fotografen ent-&lt;br /&gt;
sandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Vertreter des Weltzentrums verlas Ali Akbar Furutan, Hand der&lt;br /&gt;
Sache Gottes, die Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
Er berichtete über die Pilgerreise nach Adrianopel und die schweren&lt;br /&gt;
Heimsuchungen, die Bahä’u’lläh in jener Stadt und mehr noch in ‘Akkä&lt;br /&gt;
trafen. Enoch Olinga, Hand der Sache Gottes, spannte den Bogen von den&lt;br /&gt;
damaligen Ereignissen zur gegenwärtigen Jahrhundertfeier der Verkün-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
digung des göttlichen Willens durch Bahä’u’lläh an die Herrscher der&lt;br /&gt;
Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Nachmittag des ersten Konferenztages übergab Ali Akbar Furutan&lt;br /&gt;
das neue nationale Haziratu’l-Quds (Verwaltungszentrum) für Uganda&lt;br /&gt;
und Zentralafrika sowie das Gebäude für ein Lehrinstitut ihrer Bestim-&lt;br /&gt;
mung. Sie liegen in der Nähe des Hauses der Andacht auf einem Hügel&lt;br /&gt;
vor der Stadt Kampala. Das Verwaltungszentrum ist ein Rundbau mit einer&lt;br /&gt;
breit ausladenden Kuppel über einem kreisförmigen Versammlungsraum,&lt;br /&gt;
der von Büros, Bibliotheks- und Archivräumen, Gastzimmern und Ver-&lt;br /&gt;
sorgungseinrichtungen rings umgeben wird. Patrick Robarts, ein Bahä’i-&lt;br /&gt;
Architekt, hatte die Pläne entworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einer öffentlichen Kundgebung am Spätnachmittag des 6. Oktober&lt;br /&gt;
war die ganze Prominenz Ugandas brieflich eingeladen worden; jeder&lt;br /&gt;
Sendung lag ein Rundbrief über die Verkündigung Bahä’u’llähs und eine&lt;br /&gt;
eigens vorbereitete Broschüre mit Auszügen aus den Schriften Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
787&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|788|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und einem Abriß der Geschichte und Bedeutung der Bahä’i-Religion bei.&lt;br /&gt;
250 Gäste, darunter Vertreter der Regierung, des diplomatischen Korps,&lt;br /&gt;
der Geistlichkeit, Lehrerschaft und des Geschäftslebens, nahmen anschlie-&lt;br /&gt;
ßend an dem Empfang des Nationalen Geistigen Rates im neuen „Staats-&lt;br /&gt;
hotel“ teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Bahä’i-Lehrarbeit in Afrika wird berichtet, die Begeisterung&lt;br /&gt;
führe weit über die gesteckten Ziele hinaus. In vielen Bereichen seien alle&lt;br /&gt;
Vorhaben des Neunjahresplanes bereits jetzt, zur Halbzeit, erreicht und&lt;br /&gt;
übertroffen worden, obwohl es nicht nur an ausgebildeten Kräften, son-&lt;br /&gt;
dern vor allem auch an finanziellen Mitteln fehle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhepunkt und Abschluß der Konferenz war die Sitzung am Sonntag-&lt;br /&gt;
nachmittag, 8. Oktober, im Anschluß an eine Andacht im Mashriqu’l-&lt;br /&gt;
Adhkär. Vier Hände der Sache Gottes waren anwesend: Neben Ali Akbar&lt;br /&gt;
Furutan, der die Liebe als Wesen der Religion und die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit als Grundlage des Gesetzes Gottes hervorhob, und Enoch&lt;br /&gt;
Olinga, der an den Opfersinn der Gläubigen appellierte, waren auch&lt;br /&gt;
William Sears und Musa Banani, beide trotz schwerer Krankheit, er-&lt;br /&gt;
schienen. William Sears ging von der Botschaft des Universalen Hauses&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit aus, in der es hieß, die Menschheit trete gegenwärtig&lt;br /&gt;
„in das finstere Zentrum der Übergangszeit“ ein. „Die Welt um uns her&lt;br /&gt;
ist schwer krank... Niemand kann mehr glücklich sein ohne die Liebe&lt;br /&gt;
Gottes im Herzen... Nur das eine kann nach den Worten des Hüters mit&lt;br /&gt;
unfehlbarer Sicherheit den Triumph dieser heiligen Sache sicherstellen:&lt;br /&gt;
das Ausmaß, in dem unser Innenleben und unser Charakter in ihren&lt;br /&gt;
mannigfachen Aspekten den Glanz jener ewigen Grundsätze widerstrah-&lt;br /&gt;
len, die Bahä’u’lläh verkündet hat“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Anwesenden erhoben sich spontan von ihren Plätzen, als Musa&lt;br /&gt;
Banani in seinem Rollstuhl auf die Rednerbühne gehoben wurde. Er war&lt;br /&gt;
es, der vor sechzehn Jahren die Religion Bahä’u’llähs in das Herz Afrikas&lt;br /&gt;
getragen hatte. Unter den einfachen, ungebildeten Menschen Afrikas&lt;br /&gt;
hatte er in seiner einfachen, unkomplizierten Art ohne viele Worte die&lt;br /&gt;
Bedeutung dienenden Glaubens gelehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einer abschließenden Andacht im Mashriqu’l-Adhkär ging die Kon-&lt;br /&gt;
ferenz zu Ende. In der warmen, sternklaren Nacht schien der Unendliche&lt;br /&gt;
nahe zu sein. pmhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konferenz in Neu-Delhi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits wenige Tage nach der Konferenz (7. bis 11. Oktober 1967) legte&lt;br /&gt;
der Nationale Geistige Rat der Bahä’i von Indien durch seinen Sekretär,&lt;br /&gt;
K. H. Vajdi, einen ausführlichen Bericht vor. Die Konferenz wurde auf&lt;br /&gt;
den ausgedehnten, gepflegten Rasenflächen um das nationale Verwal-&lt;br /&gt;
tungszentrum der Bahä’i Indiens, ein palastartiges Gebäude im Gesandt-&lt;br /&gt;
schaftsviertel der Hauptstadt, abgehalten. Unter einem riesigen Zeltdach&lt;br /&gt;
waren Sitzgelegenheiten für über 3300 Besucher geschaffen worden. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
788&lt;br /&gt;
{{page|789|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=15}}Rednertribüne war geschmackvoll mit indischen und persischen Teppichen&lt;br /&gt;
bedeckt; davor ein gleichfalls mit Teppichen belegter Platz, auf dem die&lt;br /&gt;
Kinder der verschiedenen Bahä’i-Schulen zu sitzen kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen Autobussen kamen die Freunde aus allen Provinzen Indiens;&lt;br /&gt;
die größte ausländische Delegation stellten die 400 Perser, die mit&lt;br /&gt;
zahlreichen Charterflugzeugen eintrafen. 16 weitere asiatische und vier&lt;br /&gt;
überseeische Länder waren vertreten. Konferenzsprachen waren Hindi,&lt;br /&gt;
Englisch und Persisch, aber Gebete wurden in vielen Nationalsprachen&lt;br /&gt;
gelesen und gesungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A.Q. Faizi, Hand der Sache Gottes, überbrachte die Grüße des Uni-&lt;br /&gt;
versalen Hauses der Gerechtigkeit und berichtete von der Pilgerreise zu&lt;br /&gt;
den Häusern Bahä’u’llähs in Adrianopel. Die Hände Dr. A. M. Vargha,&lt;br /&gt;
General Ala’i und Dr. Mohajer wiesen auf die Fortschritte des Bahä’i-&lt;br /&gt;
Glaubens in den Entwicklungsländern seit der ersten Konferenz von&lt;br /&gt;
Neu Delhi im Jahre 1953 hin: Damals gab es zwölf Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Räte, heute 81; damals setzte die Massengewinnung für den Glauben in&lt;br /&gt;
Afrika ein, um sich nach den Konferenzen von 1958 auch auf den asiati-&lt;br /&gt;
schen Erdteil auszudehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die telefonische Ringschaltung mit den Interkontinentalen Konferenzen&lt;br /&gt;
in Kampala, Frankfurt am Main, Panama, Chicago und Sydney war in&lt;br /&gt;
Neu Delhi durch Leitungsstörungen unverständlich; es mußten stattdes-&lt;br /&gt;
sen die vorbereiteten Tonbänder mit Grußbotschaften abgespielt werden.&lt;br /&gt;
Groß war das Echo, das die Konferenz bei der Presse, dem Informations-&lt;br /&gt;
amt der indischen Bundesregierung und beim Fernsehen fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfänge bei der Regierung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer großen Öffentlichen Kundgebung in der geräumigen Halle&lt;br /&gt;
des Vigyan Bhavan am 9. Oktober führte Jagjivan Ram, der Minister für&lt;br /&gt;
Ernährung und Landwirtschaft in der indischen Zentralregierung, den&lt;br /&gt;
Vorsitz. Dr. M. Salmanpour (Iran) sprach über die Ereignisse in Adriano-&lt;br /&gt;
pel, die in der Offenbarung des Sendschreibens an die Könige durch&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh gipfelten; Frau Shirin Fozdar (Thailand) gab einen Überblick&lt;br /&gt;
über die Wesenszüge des Bahä’i-Glaubens. In seinem Schlußwort äußerte&lt;br /&gt;
sich der Minister überaus anerkennend über die Bahä’i-Religion; er führte&lt;br /&gt;
aus, die Botschaft Bahá’u’lláhs, des Propheten Gottes für unser Zeitalter,&lt;br /&gt;
brächte eine geistige Grundlage für den Weltfrieden und eine moderne&lt;br /&gt;
Zusammenfassung alter Weisheitslehren. Er sagte, jeder vernünftige&lt;br /&gt;
Mensch sei seiner Meinung nach ein potentieller Bahä’i, und er selbst&lt;br /&gt;
wünsche den Bahä’i allen Erfolg für ihre Bemühungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur gleichen Zeit mit dieser Kundgebung empfing der Präsident der&lt;br /&gt;
Indischen Union, Dr. Zakir Hussain, eine Bahä’i-Delegation, die ihm das&lt;br /&gt;
vom Universalen Haus der Gerechtigkeit für alle Staatsoberhäupter zu-&lt;br /&gt;
sammengestellte Werk „Die Verkündigung Bahä’u’llähs“ überreichte. Die&lt;br /&gt;
Abordnung bestand aus der Hand der Sache A. Q. Faizi, der Vorsitzenden&lt;br /&gt;
und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Geistigen Rates&lt;br /&gt;
von Indien, Frau Shirin Boman und Dr. K. K. Bhargava, sowie Frau&lt;br /&gt;
S. Fatheazam, die gleichzeitig einen Band mit den Gedichten von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|790|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tähirih, der großen Bábi-Vorkämpferin für die Frauenrechte, überreichte,&lt;br /&gt;
ein Buch, das sich der Präsident beim letzten Indienbesuch von Amatu’l-&lt;br /&gt;
Bahä Rühiyyih Khänum, der Witwe des Hüters des Bahä’i-Glaubens,&lt;br /&gt;
erbeten hatte. Dr. Hussain nahm die Prokiamationsschrift mit großer&lt;br /&gt;
Ehrerbietung entgegen und versprach, sie zu studieren. A. Q. Faizi be-&lt;br /&gt;
richtete ihm von der Konferenz und führte aus, welche hohe Meinung&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá von der herrlichen Zukunft Indiens gehegt habe. Der Prä-&lt;br /&gt;
sident bat darum, daß ihm dieses Bahä’i-Schrifttum über Indien gesandt&lt;br /&gt;
werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der stellvertretende Ministerpräsident von Indien, Morarji Desai,&lt;br /&gt;
gab einen kurzen Empfang für die Bahä’i. Zuerst wurden ihm die drei&lt;br /&gt;
Hände der Sache, A. ©. Faizi, General S. Ala’i und Dr. A. M. Vargha, vor-&lt;br /&gt;
gestellt, sodann Konferenzteilnehmer aus fast allen der dreißig vertrete-&lt;br /&gt;
nen Länder. Er ließ Bemerkungen darüber fallen, wie weit doch die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion über die ganze Welt verbreitet sei, und lud alle ein, an&lt;br /&gt;
dem großen Konferenztisch seines Amtssitzes Platz zu nehmen. In einer&lt;br /&gt;
kurzen Ansprache erklärte er, er glaube an alle Religionen einschließlich&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion. A. @. Faizi berichtete ihm von einem Sendschreiben&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás über die künftige geistige Bedeutung Indiens, und General&lt;br /&gt;
Ala’i erzählte, wie er vor einigen Jahren Nehru getroffen habe und welch&lt;br /&gt;
freundliche Haltung dieser dem Bahä’i-Glauben gegenüber eingenommen&lt;br /&gt;
habe. Es entspann sich eine lebhafte Unterhaltung, in deren Verlauf einer&lt;br /&gt;
der Bahä’i sagte: „Die Schriften Bahä’u’llähs sind authentisch.“ Dies faßte&lt;br /&gt;
Desai offenbar so auf, als ob die heiligen Schriften der Hindu nach&lt;br /&gt;
Bahä’i-Ansicht nicht authentisch wären; er führte aus, die Bhagavad-&lt;br /&gt;
Gita sei vor 2500 Jahren geoffenbart worden und heute nach wie vor&lt;br /&gt;
authentisch. Nach zehn Minuten weiterer Aussprache schloß Desai das&lt;br /&gt;
Interview mit der Bemerkung, wenn jeder seine eigene Religion gewis-&lt;br /&gt;
senhaft befolgte, gäbe es keine Schwierigkeiten in der heutigen Welt.&lt;br /&gt;
In überaus freundschaftlicher Stimmung verabschiedeten sich die Bahä’i&lt;br /&gt;
von ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend des letzten Konferenztages, der vor allem ein Jugend-&lt;br /&gt;
Symposion über die Rolle der jungen Gläubigen bei der Lehrarbeit in&lt;br /&gt;
Asien brachte, fand um 17.30 Uhr ein großer Empfang der Bahä’i für die&lt;br /&gt;
indische Prominenz im Hotel Oberoi Intercontinental statt. Ehrengast war&lt;br /&gt;
der Oberbürgermeister von Neu-Delhi, die große Halle war mit etwa&lt;br /&gt;
tausend geladenen Gästen voll besetzt. Besonders bei denjenigen, die&lt;br /&gt;
zum erstenmal von der Bahä’i-Religion hörten, erweckten die Ansprache&lt;br /&gt;
von A. @. Faizi und die präzise Fragenbeantwortung, die sich anschloß,&lt;br /&gt;
nachhaltiges Interesse. Auch ein Bahä’i-Lied „Wir sind alle die Blätter&lt;br /&gt;
eines Baumes“, vorgetragen von Frau und Fräulein Polpraid, wurde sehr&lt;br /&gt;
freundlich aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wahrhafte Bahä’i-Modellstadt war das Zeltlager für über 2000&lt;br /&gt;
indische Konferenzteilnehmer im Talkatora-Park. Das Gelände von gut&lt;br /&gt;
800 m Durchmesser war mit großen Zelten bedeckt, die ihrerseits in&lt;br /&gt;
Abteile von 6x12 m untergeteilt waren. Für Frauen und Kinder waren&lt;br /&gt;
besondere Vorkehrungen geschaffen worden. Provisorische Telefon- und&lt;br /&gt;
Lautsprecheranlagen, Erste-Hilfe-Stationen, Registrierungs- und Emp-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
790&lt;br /&gt;
{{page|791|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=17}}fangsräume, Waschküchen und sanitäre Einrichtungen waren sorgfältig&lt;br /&gt;
vorbereitet worden, um für die vielen Bahä’i den Aufenthalt zu einer in&lt;br /&gt;
jeder Hinsicht angenehmen Erinnerung werden zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem bei den abendlichen Veranstaltungen in Hindi kam es zu&lt;br /&gt;
Szenen der Begeisterung, die die kühnsten Erwartungen übertrafen. Als&lt;br /&gt;
beispielsweise einer der Freunde vortrat und sagte: „Ich biete meine&lt;br /&gt;
Dienste für die Lehrarbeit an, obwohl ich erst zehn Tage im Glauben&lt;br /&gt;
stehe und meine Kenntnisse noch nicht sehr tief sind“, da stand ein&lt;br /&gt;
zweiter auf und erklärte: „Nun, Freunde, ich bin erst seit acht Tagen&lt;br /&gt;
Bahä’i, und doch bin ich meiner Sache so sicher, daß ich mich verpflichten&lt;br /&gt;
kann, diese große Botschaft Gottes nicht nur meiner Familie und meinen&lt;br /&gt;
nahen Verwandten zu bringen, sondern allen Menschen, denen ich drau-&lt;br /&gt;
Ben auf den Dörfern begegne.“ Hierauf setzte eine Kettenreaktion ein;&lt;br /&gt;
alle Bahä’i, die sich erst neuerdings erklärt hatten, kamen nach vorn und&lt;br /&gt;
sagten: „Diese Konferenz, diese große Versammlung von Freunden aus&lt;br /&gt;
so vielen Orten hat uns so begeistert, daß wir uns entschlossen haben, in&lt;br /&gt;
unserem neu gefundenen Glauben nicht zu rasten, bis wir die Botschaft&lt;br /&gt;
so vielen Menschen wie irgend möglich übermittelt haben.“ Bisweilen&lt;br /&gt;
schlug ihr Enthusiasmus solche Wellen, daß viele sagten, sie wären bereit,&lt;br /&gt;
ihr Leben hinzugeben, wenn es nötig wäre, um der Welt zu beweisen,&lt;br /&gt;
daß dies die wahre Religion Gottes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem besonderen Pavillon hatten verschiedene Nationale Geistige&lt;br /&gt;
Räte Fotos, Bücher und Landkarten ausgestellt, um die Fortschritte des&lt;br /&gt;
Glaubens in ihren Gebieten zu erläutern. Als beste Ausstellung wurde&lt;br /&gt;
diejenige des Nationalen Rates von Malaysia anerkannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitägige Pressekonferenz in Neu-Delhi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar im Anschluß an die Interkontinentale Bahä’i-Konferenz&lt;br /&gt;
fand am 12. und 13. Oktober ein Presse-Symposion statt, die erste Presse-&lt;br /&gt;
konferenz dieses Ausmaßes in der Bahä’i-Geschichte. Ehrengast war&lt;br /&gt;
J. R. Mudholkar, Präsident des Presserates von Indien, der in seiner&lt;br /&gt;
Eröffnungsansprache seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß sich&lt;br /&gt;
die Presse bisher nur wenig um das geistige Leben gekümmert habe. Der&lt;br /&gt;
Mensch erhebe sich dadurch über das Tier, daß er einen Verstand be-&lt;br /&gt;
sitze, mit dem er denken und entscheiden könne. „Alle geistigen Lehren&lt;br /&gt;
sprechen von einer gemeinsamen Quelle für die gesamte Schöpfung...&lt;br /&gt;
Dennoch hören wir nicht auf, uns voneinander abzutrennen... Der&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaube enthält, so weit ich bis jetzt darüber erfahren konnte, ein&lt;br /&gt;
allumfassendes Heilmittel... Ich fordere deshalb die Vertreter der Presse&lt;br /&gt;
hier und heute auf, eine geordnete Diskussion über dieses Thema voran-&lt;br /&gt;
zutragen und die Avantgarde der neuen Welt zu sein, die bald begründet&lt;br /&gt;
werden muß. Wenn die Presse der Menschheit auf diese Weise dient,&lt;br /&gt;
kann sie das Augenmerk der Öffentlichkeit auf den wichtigsten Aspekt&lt;br /&gt;
des Lebens lenken — die geistige Entwicklung des Menschen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
General Ala’i bedankte sich für das rege Interesse der indischen Presse&lt;br /&gt;
und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die neuen Lehren des Bahä’i-Glau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
791&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|792|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bens, sprach über die Botschaft Bahä’u’llähs an die Herrscher der Welt&lt;br /&gt;
und schloß mit den Worten: „Ich bin überzeugt, daß Sie die Vertreter der&lt;br /&gt;
breiten Bevölkerungsschichten dieser bedeutenden Nation sind. Ich weiß,&lt;br /&gt;
daß Sie sich danach sehnen, einen dauerhaften Frieden zwischen den&lt;br /&gt;
Nationen errichtet und die Vorurteile überwunden zu sehen. Um dieses&lt;br /&gt;
glorreiche Ziel zu erreichen, muß man bei sich selbst anfangen. Beginnen&lt;br /&gt;
Sie heute noch! Jede Verzögerung bedeutet, daß die Weltprobleme einen&lt;br /&gt;
Tag später gelöst werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Presse-Symposion war gut besucht und umfaßte einen Querschnitt&lt;br /&gt;
durch das gesamte Zeitungswesen Indiens. Sein Zweck war zweifacher&lt;br /&gt;
Art: Zum ersten sollte die Presse angeregt werden, sich selbständig mit&lt;br /&gt;
den Lehren Bahä’u’llähs und den Zielsetzungen der Bahä’i-Weltgemein-&lt;br /&gt;
schaft auseinanderzusetzen; zum zweiten sollte offen die Frage diskutiert&lt;br /&gt;
werden: „Kann die Presse eine aktive Rolle beim Aufbau wirklicher Ein-&lt;br /&gt;
heit zwischen den Völkern und Nationen spielen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwölf Sitzungen, bestehend aus Podiumsgesprächen, Vorträgen und&lt;br /&gt;
Ansprachen zahlreicher Bahä’i-Lehrer, wurde über ausgewählte Themen&lt;br /&gt;
einer neuen Sozialphilosophie referiert. Nach jedem Vortrag bestand&lt;br /&gt;
reiche Gelegenheit zu Fragen und Bemerkungen. Die Leitung war bei&lt;br /&gt;
Keith de Folo, Mitglied des Hilfsamtes, in fähigen Händen. A. Q. Faizi&lt;br /&gt;
trug mit seinen weisen und gedankentiefen Bemerkungen am Ende man-&lt;br /&gt;
cher Sitzung viel zum Gelingen der Veranstaltung bei. Das Echo in der&lt;br /&gt;
Presse übertraf alle Erwartungen. Ausführliche Berichte und Kommen-&lt;br /&gt;
tare gingen aus dem ganzen Subkontinent ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahä’i-Konferenz selbst wird in vielen asiatischen Ländern noch&lt;br /&gt;
lange nachklingen. Vorgesehen sind regionale Konferenzen in Süd- und&lt;br /&gt;
Ostasien und eine „Proklamationswoche“ in ganz Indien mit Schwer-&lt;br /&gt;
punktveranstaltungen in 22 wichtigen Städten. Nicht nur bürgerliche&lt;br /&gt;
Vereine, sondern vor allem Colleges und Universitäten gehen in wach-&lt;br /&gt;
sendem Maße auf das Angebot der Bahä’i ein, vor dem Lehrkörper und&lt;br /&gt;
den Studenten Vorträge über die verschiedensten Themen wie „Die Rolle&lt;br /&gt;
der Jugend in der modernen Welt“, Bahä’i-Lehren für das Wirtschafts-&lt;br /&gt;
leben“, „Errichtet oder zerstört die Religion die Einheit zwischen den&lt;br /&gt;
Menschen?“, „Religion und Wissenschaft“, „Weltfriede“ u. a. m. zu halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SARAWAK: Proklamation in der Presse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„The Vanguard“, die führende Zeitung von Kuching, der Hauptstadt&lt;br /&gt;
von Sarawak (Nord-Borneo, Malaysia), brachte in fünf Fortsetzungen&lt;br /&gt;
vom 10. bis 14. Oktober 1967 auf insgesamt 19 Spalten ein ausführliches&lt;br /&gt;
Interview mit Dr. John Fozdar über den Bahä’i-Glauben. In klaren, ein-&lt;br /&gt;
fachen Worten legt Fozdar das Wesen der neuen Gottesoffenbarung dar,&lt;br /&gt;
mit vielen Bildern und Gleichnissen geht er auf die Mentalität der Zei-&lt;br /&gt;
tungsleser in einem Entwicklungsland ein. Nach einer allgemeinen Dar-&lt;br /&gt;
stellung der Geschichte und der Lehren der Bahä’i-Religion beantwortet&lt;br /&gt;
das Interview Fragen über die Stellung der Bahä’i zu den Prophezeihun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
792&lt;br /&gt;
{{page|793|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=19}}gen in den alten Religionen, über deren historische Rolle, über die Häuser&lt;br /&gt;
der Andacht und über die wachsende Bedeutung des Glaubens in den&lt;br /&gt;
Entwicklungsländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während es vor zehn Jahren noch kaum einen Bahä’ı in Nord-Borneo&lt;br /&gt;
gab, bestehen heute Verwaltungszentren in Kuching, Mukah, Kapit und&lt;br /&gt;
Limbang. In den ländlichen Gebieten, unter den Stämmen der Ulus und&lt;br /&gt;
Ibos, wurden Dutzende von Geistigen Räten gebildet. P.M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehorsam und freier Wille in religiöser und psychologischer&lt;br /&gt;
Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das unabhängige Forschen nach Wahrheit ist einer der Grundbegriffe&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion. Dieses Forschen nach Wahrheit führt uns aber nicht&lt;br /&gt;
zum Ziel, wenn wir nicht bereit sind, mit den neuen Erkenntnissen und&lt;br /&gt;
Methoden unserer Zeit zu denken. Wir müssen umdenken, wir müssen&lt;br /&gt;
neu lernen, und etwas vom Wichtigsten dieses Neuen ist, in Kategorien&lt;br /&gt;
und Stufen (z. B. Daseins- und Entwicklungsstufen) zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl uns ‘Abdu’l-Bahá gezeigt hat, wie wichtig der Begriff der&lt;br /&gt;
Stufe allgemein gesehen und im individuellen menschlichen Leben ist,&lt;br /&gt;
sind wir noch weit davon entfernt, in Stufen zu denken und die damit&lt;br /&gt;
verbundenen Gesetze zu erkennen. Das herrschende Vorurteil besteht in&lt;br /&gt;
der Meinung, daß ein einmal gefundenes Gesetz für alle Stufen gelte.&lt;br /&gt;
Hieraus entspringen viele Mißverständnisse. Entweder setzt man Dinge&lt;br /&gt;
gleich, die sich auf verschiedenen Stufen befinden, z. B. das Verhalten&lt;br /&gt;
von Tieren und von Menschen. Dies führt dazu, daß unzulässige Schluß-&lt;br /&gt;
folgerungen aus der modernen Verhaltensforschung den Menschen Ent-&lt;br /&gt;
schuldigungen für ihre Fehlentscheidungen bieten. Oder man sieht Dinge,&lt;br /&gt;
die der gleichen Stufe angehören, als Gegensätze an, wie z. B. Mann und&lt;br /&gt;
Frau im gesellschaftlichen Zusammenleben usw. Tatsache ist, daß jede&lt;br /&gt;
Stufe ihre eigenen Gesetze hat, wenn sie auch von den Gesetzen der dar-&lt;br /&gt;
unterliegenden Stufen abhängig ist, aber niemals determiniert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir alle wissen um die Daseinsstufen des Minerals, der Pflanze, des&lt;br /&gt;
Tieres, des Menschen und des Geistes. Auf der Stufe des Minerals gelten&lt;br /&gt;
physikalische und chemische Gesetze, dann kommen die biologischen,&lt;br /&gt;
psychologischen, sozialen und geistigen Gesetze. Der Mensch ist mit seinem&lt;br /&gt;
Körper von den physikalischen, chemischen und biologischen Gesetzen&lt;br /&gt;
abhängig; er wird aber nicht von ihnen determiniert. Dank den für seine&lt;br /&gt;
Stufe neuen psychologischen, sozialen und geistigen Gesetzen kann er&lt;br /&gt;
immer auch anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Absoluten Gehorsam gibt es nur auf der Stufe des Tieres. Dies erscheint&lt;br /&gt;
uns merkwürdig, wenn wir an die Freiheit wilder Tiere denken. Selbst&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt im „Buch der Gesetze“ (Ährenlese CLIX): „Wisse,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|794|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist.“ Tat-&lt;br /&gt;
sächlich handelt es sich beim Tier aber nur um eine gewisse Art der Frei-&lt;br /&gt;
heit, von der wir später sprechen werden. Das Tier hat nicht die Frei-&lt;br /&gt;
heit, sondern ist nur ihr Sinnbild, ihre Verkörperung. Vielleicht hat Gott&lt;br /&gt;
die Tiere auch deshalb erschaffen, damit sie als Sinnbilder für den Men-&lt;br /&gt;
schen dienen, damit der Mensch erkennen kann, daß er mehr ist als ein&lt;br /&gt;
Tier, damit er sich über die tierische Stufe erheben und anders handeln&lt;br /&gt;
kann als ein Tier. Das Tier als Sinnbild z. B. der Freiheit soll uns zu&lt;br /&gt;
denken geben, ob dies die Freiheit ist, die dem Menschen ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sagten, nur auf der Stufe des Tieres gebe es absoluten Gehorsam.&lt;br /&gt;
Wem gehorcht das Tier? Es folgt seinen Instinkten und Trieben. In dem&lt;br /&gt;
Augenblick, wo wir dies erkennen, wissen wir aber auch schon, daß ein&lt;br /&gt;
Mensch, der nur seinen Instinkten und Trieben folgt, tierisch ist. In den&lt;br /&gt;
„Pariser Ansprachen“ (S. 44) sagt ‘Abdu’l-Bahá: „Der Mensch hat die&lt;br /&gt;
Kraft zum Guten wie auch zum Bösen. Wenn die Kraft zum Guten vor-&lt;br /&gt;
herrscht und seine Neigungen zum Unrechten überwunden werden, mag&lt;br /&gt;
der Mensch mit Recht als Heiliger bezeichnet werden. Doch wenn er statt-&lt;br /&gt;
dessen das, was Gott ist, verwirft und seine üblen Leidenschaften über&lt;br /&gt;
sich siegen läßt, ist er nicht besser als die bloßen Tiere.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß tierisches Dasein nicht absolute Freiheit bedeutet, ersehen wir auch&lt;br /&gt;
aus folgenden Worten ‘Abdu’l-Bahás („Pariser Ansprachen“, S. 25): „Das&lt;br /&gt;
Tierreich ist im Stoff gefangen. Den Menschen aber hat Gott mit Frei-&lt;br /&gt;
heit ausgestattet. Das Tier kann den Naturgesetzen nicht entrinnen, wo-&lt;br /&gt;
gegen der Mensch sie zu beherrschen vermag, weil er die Natur begrei-&lt;br /&gt;
fen und sich dadurch über sie erheben kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Stufen der Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Begriff des Gehorsams kommen wir nicht weiter, ohne uns&lt;br /&gt;
zu überlegen, was Freiheit, was freier Wille ist. Lassen wir zuerst&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh zu Wort kommen (Ährenlese CLIX):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Freiheit muß letzten Endes zum Aufruhr führen, dessen Flammen nie-&lt;br /&gt;
mand löschen kann. Also warnt euch der Fordernde, der Allwissende.&lt;br /&gt;
Wisse, daß die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist.&lt;br /&gt;
Was dem Menschen ziemt, ist die Unterwerfung unter solche Gesetze, die&lt;br /&gt;
ihn vor seiner eigenen Unwissenheit beschützen und ihn vor dem Schaden&lt;br /&gt;
der Unheilstifter bewahren. Freiheit veranlaßt den Menschen, die Gren-&lt;br /&gt;
zen des Sittlichen zu überschreiten und die Würde seiner Stufe zu ver-&lt;br /&gt;
letzen. Sie drückt ihn auf die Ebene äußerster Verderbtheit und Gottlosig-&lt;br /&gt;
keit herab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seht die Menschheit als eine Schafherde an, die einen Hirten zu ihrem&lt;br /&gt;
Schutze braucht. Dies ist die Wahrheit, die unumstößliche Wahrheit. Wir&lt;br /&gt;
billigen die Freiheit unter gewissen Umständen und verwerfen es, sie&lt;br /&gt;
unter anderen gutzuheißen. Wahrlich, Wir sind der Allwissende.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo liegt nun der Unterschied? Welche Freiheit ist richtig und „ge-&lt;br /&gt;
billigt“, welche ist falsch und „verworfen“? Die Lösung ist sehr einfach:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
94&lt;br /&gt;
{{page|795|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen zwischen äußerer und innerer menschlicher Freiheit unter-&lt;br /&gt;
scheiden. Äußerlich frei scheint ein Mensch zu sein, der alles&lt;br /&gt;
tun kann, was er will. Das ist aber in der Praxis kaum möglich, denn&lt;br /&gt;
der Mensch ist nicht allmächtig. Es sind nicht nur andere Menschen, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihm im Wege stehen, sondern auch die Dinge, die Natur und ihre Kräfte&lt;br /&gt;
zeigen seine Grenzen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerlich frei ist ein Mensch, der das will, was er soll. Woher&lt;br /&gt;
weiß er aber, was er soll? Die Antwort gibt uns Bahä’u’lläh, der sagte:&lt;br /&gt;
„Er hat jede Seele mit der Fähigkeit ausgestattet, die Zeichen Gottes zu&lt;br /&gt;
erkennen“ (Ährenlese LII). Die Religionen sind es also, die mit ihrem&lt;br /&gt;
Wertsystem immer gezeigt haben, was richtig ist. Die weitere Frage&lt;br /&gt;
lautet dann, ob ein Mensch das für richtig Erkannte wollen kann. Wir&lt;br /&gt;
haben gesehen, daß ein Mensch an der Ausführung gehindert werden&lt;br /&gt;
kann, aber keine Macht der Welt außer ihm selbst kann ihn daran&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hindern, das für richtig Erkannte zu wollen. Und das ist das Wesen der&lt;br /&gt;
inneren Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diesen Begriff der Freiheit sind wir in unseren Überlegungen&lt;br /&gt;
schon sehr weit vorgestoßen. Knüpfen wir deshalb an unsere früheren&lt;br /&gt;
Ausführungen an. Wir sagten, absoluter Gehorsam bestehe nur auf der&lt;br /&gt;
Stufe des Tieres. Auf der Stufe Gottes kann es natürlich keinen Gehorsam&lt;br /&gt;
geben. Somit unterliegt der Mensch, der sich auf einer Stufe zwischen&lt;br /&gt;
Tier und Gott befindet, teilweise dem Gehorsam, teilweise nicht: Der Ge-&lt;br /&gt;
horsam wird auf der menschlichen Stufe zum Problem. Es ist auch ver-&lt;br /&gt;
ständlich, daß es auf der Stufe des Menschen Gehorsam gibt, der richtig&lt;br /&gt;
ist und Gehorsam, der für den Menschen nicht richtig ist. Untersuchen wir&lt;br /&gt;
also, welche Arten und Stufen des Gehorsams es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Arten des Gehorsams&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächstliegende Gehorsam ist der eines Menschen gegenüber einem&lt;br /&gt;
anderen Menschen. Diese Art von Gehorsam gab es früher, als die&lt;br /&gt;
Menschheit noch in Herrschende und Beherrschte aufgeteilt war. Der&lt;br /&gt;
Untertan mußte dem Herrscher folgen, der Sklave seinem Herrn. Eines&lt;br /&gt;
unserer Hauptprinzipien ist die soziale Gleichwertigkeit aller Menschen.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá sagt (Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 45): „Vor&lt;br /&gt;
Gott sind alle Menschen gleich. Im Reich Seiner Gerechtigkeit und Un-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
parteilichkeit gibt es keinen Unterschied, keinen Vorzug für irgendeine&lt;br /&gt;
Seele.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind wir Menschen wirklich gleichberechtigt, das heißt sozial gleichwer-&lt;br /&gt;
tig, so muß Gehorsam unter Individuen falsch sein. Diese Gleichberechti-&lt;br /&gt;
gung hat ‘Abdu’l-Bahá so wunderschön gezeigt, als Ihn einmal eine&lt;br /&gt;
Amerikanerin mit einem Neger, der ihr Diener war, besuchte. Als man&lt;br /&gt;
sich zu Tisch setzte, war für den Neger nicht gedeckt. Daraufhin be-&lt;br /&gt;
diente ‘Abdu’l-Bahá zusammen mit dem Neger die anderen und aß später&lt;br /&gt;
allein mit ihm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehorsam einzelnen Menschen gegenüber — soweit sie nicht im Namen&lt;br /&gt;
der Gemeinschaft, in der wir leben, uneigennützig handeln — ist heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
795&lt;br /&gt;
{{page|796|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=22}}also keine Tugend mehr. Auch der früher übliche Gehorsam von Kindern&lt;br /&gt;
gegenüber den Eltern gehört einer autokratischen Vergangenheit an. Wir&lt;br /&gt;
haben heute die Möglichkeit, die Kinder als Gleichberechtigte zu behan-&lt;br /&gt;
deindeln und sie nicht wie Sklaven herumzukommandieren. Die auf den&lt;br /&gt;
Lehren sowohl der Bahä’i-Religion als auch der Individualpsychologie be-&lt;br /&gt;
ruhenden neuen Erziehungsmethoden erzeugen zwischen den Genera-&lt;br /&gt;
tionen ein Verhältnis des gegenseitigen Verstehens und Vertrauens, aus&lt;br /&gt;
dem heraus die Kinder heute lernen können, sich aus eigenem Antrieb&lt;br /&gt;
für das richtige Handeln und Verhalten zu entscheiden. Und sollte eine&lt;br /&gt;
außergewöhnliche oder gefahrvolle Situation einen Befehl erfordern, so&lt;br /&gt;
folgen diese Kinder aus ihrem Vertrauen heraus viel rascher als die Kin-&lt;br /&gt;
der, die infolge der seither üblichen Methoden und des damit verbunde-&lt;br /&gt;
nen zuvielen Redens und Befehlens „muttertaub“ und ungehorsam ge-&lt;br /&gt;
worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Gehorsam gegenüber einzelnen Menschen heute keine Tugend&lt;br /&gt;
mehr, so ist es gleichwohl die zweite Art des Gehorsams, nämlich gegen-&lt;br /&gt;
über der Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder können auch heute noch ohne weiteres lernen, den Gesetzen ihrer&lt;br /&gt;
Gruppe, und das ist zuerst einmal die Familie, zu gehorchen. Deshalb wir-&lt;br /&gt;
ken solche neuen Erziehungsmittel wie z. B. die Bildung eines Familien-&lt;br /&gt;
rates so segensreich auf die heutigen Kinder. Auch die Erwachsenen fol-&lt;br /&gt;
gen den Gesetzen ihrer Gruppe, d. h. ihrer Gemeinschaft, ihrer Regierung.&lt;br /&gt;
Dies ist sogar eines der hauptsächlichen Bahä’i-Gebote. ‘Abdu’l-Bahaä sagt&lt;br /&gt;
(Pariser Ansprachen S. 104): „Das Gesetz muß herrschen und nicht der&lt;br /&gt;
einzelne.“ Und Bahä’u’läh Selbst befiehlt (Ährenlese CI]: „Heute muß&lt;br /&gt;
die Menschheit Gehorsam gegenüber den Mächtigen erzeigen und treu am&lt;br /&gt;
Seile der Weisheit festhalten. Die Mittel zum unmittelbaren Schutz, zur&lt;br /&gt;
Ruhe und Sicherheit des Menschengeschlechts sind den Führern der&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft anvertraut und liegen in ihrer Hand.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh Selbst hat sich von dieser Art des Gehorsams nicht ausge-&lt;br /&gt;
nommen. Er fragte den türkischen Sultan ‘Abdu’l-&#039;Aziz (Ährenlese CXIV):&lt;br /&gt;
„O König! War Ich dir jemals ungehorsam? Habe Ich jemals eines deiner&lt;br /&gt;
Gesetze übertreten?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, Gehorsam gegenüber der Gemeinschaft, ihren Gesetzen&lt;br /&gt;
und ihren bevollmächtigten Vertretern ist richtig und notwendig. Natür-&lt;br /&gt;
lich öffnet eine derart lapidare Feststellung allen möglichen Interpreta-&lt;br /&gt;
tionen Tür und Tor. Desto klarer erhellt die Bedeutung der Pflicht, die&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh allen Mächtigen dieser Erde auferlegt: Keine eigensüchtigen&lt;br /&gt;
Ziele zu verfolgen, sondern sich als die Treuhänder Gottes und der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vollständigkeit halber wäre hier noch hinzuzufügen, daß die Ge-&lt;br /&gt;
meinschaft und ihre Gesetze natürlich nicht ungerecht, und das heißt&lt;br /&gt;
nicht dem Willen Gottes entgegen sein dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es eine weitere, dritte Art des Gehorsams — immer daran ge-&lt;br /&gt;
messen, wem wir gehorchen — den Gehorsam gegenüber uns selbst. Wer&lt;br /&gt;
aber sind wir selbst? In der Bahä’i-Religion wird von einem niederen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
796&lt;br /&gt;
{{page|797|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=23}}einem höheren Selbst gesprochen. In der Psychologie wird mehr der&lt;br /&gt;
Unterschied zwischen Ich und Selbst gemacht. Das Ich ist dabei das soge-&lt;br /&gt;
nannte niedrige Ich, das sich in der Ichhaftigkeit zeigt, im Egoismus. Das&lt;br /&gt;
Selbst ist mehr der ganze volle runde Mensch, der sowohl das schlechte&lt;br /&gt;
als auch das gute Ich beinhaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woraus besteht dieses Ich? In einem „Verborgenen Wort“ sagt&lt;br /&gt;
Bahä’u’läh: „O Sohn der Höhe! Zum Unvergänglichen rufe Ich dich, du&lt;br /&gt;
aber verlangst nach dem Vergänglichen. Warum hast du Meinen Willen&lt;br /&gt;
vernachlässigt und folgst nur deinen Wünschen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses schlechte Ich sind demnach unsere Wünsche, unsere Neigungen,&lt;br /&gt;
unsere Begierden, also falsche Ziele. Das weitere Ziel dieser Bestrebungen&lt;br /&gt;
ist wiederum die Ichhaftigkeit, das heißt die Selbsterhöhung. Wir wis-&lt;br /&gt;
sen, daß dieses Ziel falsch ist, und doch folgen wir ihm. Wir benützen&lt;br /&gt;
dazu einen Trick, nämlich unsere Gefühle und Stimmungen. Gefühle und&lt;br /&gt;
Stimmungen sind nicht an sich vorhanden, sie kommen nicht von selbst,&lt;br /&gt;
sondern sie werden von uns, wenn auch meist unbewußt, hervorgerufen,&lt;br /&gt;
damit wir besser unsere falschen Ziele verfolgen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unseren Gefühlen und Stimmungen folgen, machen wir es&lt;br /&gt;
wie die Tiere, nur etwas komplizierter. Die Tiere folgen unmittelbar&lt;br /&gt;
ihren Instinkten und Trieben und haben kein Bewußtsein. Wir Menschen&lt;br /&gt;
haben das Bewußtsein, ohne das ein freier Wille ja nicht möglich ist. Und&lt;br /&gt;
jetzt fängt unsere Selbsttäuschung an: Wir möchten etwas, was mit unse-&lt;br /&gt;
rem guten Gewissen nicht in Einklang zu bringen ist. Deshalb erzeugen&lt;br /&gt;
wir Gefühle und Stimmungen, in deren Gegenwart wir hilflos sind, das&lt;br /&gt;
heißt, unser Bewußtsein sagt uns, wir sind ja nicht schuld an unseren&lt;br /&gt;
Gefühlen und Stimmungen. Auf diese Art können wir die Zweckgerich-&lt;br /&gt;
tetheit unserer Gefühle nicht erkennen. Hätten wir den Mut, die Ziele&lt;br /&gt;
unserer negativen Gefühle zu erkennen, dann könnten diese Gefühle&lt;br /&gt;
nicht mehr so wirkungsvoll unseren geheimen Absichten dienen, das heißt&lt;br /&gt;
sie würden von selbst schwächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist eine Einheit, ein Ganzes, das sich wohl in verschiedene&lt;br /&gt;
Richtungen bewegen kann, aber —- gleichgültig, in welcher Richtung es&lt;br /&gt;
sich bewegt — immer dasselbe Individuum bleibt. Unser Benehmen hat&lt;br /&gt;
einen Zweck und ist auf selbstgesetzte Ziele gerichtet. Wir entscheiden&lt;br /&gt;
selbst über unsere Ziele, oft ohne es zu wissen, weil sich ein großer Teil&lt;br /&gt;
unserer Tätigkeit, sowohl der körperlichen als auch der seelischen, nicht&lt;br /&gt;
zur Ebene des Bewußtseins erhebt. Der Mensch ist ein Entscheidungen&lt;br /&gt;
treffendes Wesen. Wir entscheiden über unsere Gefühle, ja unsere Stim-&lt;br /&gt;
mungen, wir entscheiden kraft unserer Fänigkeit, uns Wünsche zu ver-&lt;br /&gt;
sagen, wir entscheiden auch, ob wir unseren Pflichten und Aufgaben&lt;br /&gt;
entgegenarbeiten (Rudolf Dreikurs).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Auffassung vom Menschen gibt uns zwei Dinge, auf die wir&lt;br /&gt;
nicht vorbereitet sind: Sie gibt uns die Verantwortlichkeit für all unsere&lt;br /&gt;
Taten, seien sie gut oder schlecht, und sie gibt uns die Freiheit zu wählen,&lt;br /&gt;
was wir tun. Wir aber ziehen die Sklaverei vor; wir ziehen immer noch&lt;br /&gt;
die Einbildung vor, wir seien die Opfer der Umstände, unserer Umge-&lt;br /&gt;
bung, unserer Vergangenheit. Wir geben nur zu gerne das Geburtsrecht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
797&lt;br /&gt;
{{page|798|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Freiheit auf für diesen Scheinfrieden der Unterordnung unter fremde&lt;br /&gt;
Mächte (Dreikurs).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt in einem „Verborgenen Wort“: „Meine Einheit ist&lt;br /&gt;
Mein Werk, um deinetwillen erschuf Ich sie. So schmücke dich mit&lt;br /&gt;
ihr, damit du für immer eine Offenbarung Meines ewigen Wesens&lt;br /&gt;
werdest.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von ganz wesentlicher praktischer Bedeutung ist die Erkenntnis, daß&lt;br /&gt;
wir nur das tun, wofür wir uns entscheiden. Können wir nämlich diese&lt;br /&gt;
Erkenntnis akzeptieren, dann vermögen wir auch, unsere Entscheidungen&lt;br /&gt;
zu ändern. Wir wissen dann aber auch, daß kein Ärger, keine Angst und&lt;br /&gt;
keine Selbstbeherrschung uns daran hindern können, das Falsche zu tun,&lt;br /&gt;
wenn wir uns zum Falschen entschieden haben. Diese Einsicht könnte&lt;br /&gt;
das Tor zur Freiheit öffnen, aber die Menschen wollen es nicht, weil sie&lt;br /&gt;
sich sonst eingestehen müßten, daß sie für all ihr Tun die volle Verant-&lt;br /&gt;
wortung tragen (Dreikurs).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt uns (Ährenlese XXXIV), daß „Erfolg oder Fehlschlag,&lt;br /&gt;
Gewinn oder Verlust... vom eigenen Bemühen des Menschen abhängen.“&lt;br /&gt;
Was geschieht zum Beispiel, wenn jemand seine Fassung verliert oder&lt;br /&gt;
in Wut ausbricht? Er sagt Dinge, die er sonst nicht sagen würde, beleidigt&lt;br /&gt;
andere oder schlägt irgendetwas zusammen. Was er damit sagen will,&lt;br /&gt;
ist: „Ihr solltet wissen, daß ich schlechte Nerven habe, und mich nicht&lt;br /&gt;
herausfordern!“ Er will also anderen klarmachen, daß sie zu tun haben,&lt;br /&gt;
was er wünscht. Daß er völlige Kontrolle über seinen Wutausbruch hat,&lt;br /&gt;
können wir sehen, wenn zufällig gerade während dieser Demonstration&lt;br /&gt;
z. B. der Briefträger klingelt. Der Betreffende hört mitten in seinem Wut-&lt;br /&gt;
ausbruch auf, bis der Briefträger gegangen ist, und setzt ihn dann fort.&lt;br /&gt;
Natürlich möchte er nichts davon wissen, daß es seine Entscheidung ist,&lt;br /&gt;
ob er seine Fassung verliert oder nicht. Es ist viel bequemer zu sagen:&lt;br /&gt;
„Auch mein Vater hatte solche Ausbrüche, ich kann nichts dafür, es sind&lt;br /&gt;
meine schwachen Nerven.“ Es erfordert große Überwindung zuzugeben,&lt;br /&gt;
daß wir für alle unsere Handlungen verantwortlich sind. ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
lehrt: „Einige Dinge, wie Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, Gewalt und Un-&lt;br /&gt;
gerechtigkeit unterstehen dem freien Willen des Menschen, wie auch alle&lt;br /&gt;
guten und schlechten Taten“ (Beantwortete Fragen, 70. Kap.). Nur diese&lt;br /&gt;
Einsicht kann uns die Freiheit geben, die wir von Haus aus haben, ohne&lt;br /&gt;
sie zu kennen oder Gebrauch von ihr zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst wenn wir sehen, daß wir Entscheidungen treffende Wesen&lt;br /&gt;
sind, können wir erkennen, daß wir tun, was wir wollen. Das ist aber&lt;br /&gt;
schon wieder eine Überschreitung unserer Daseinsstufe und steht uns&lt;br /&gt;
nicht zu. Nicht umsonst wird z. B. in den Gebeten Bahä’u’llähs immer&lt;br /&gt;
wieder betont, daß „Gott tut, was Er will.“ Zu tun, was Er will, steht&lt;br /&gt;
nur Gott zu. Unsere Aufgabe ist zu tun, was Gott will, nicht was wir&lt;br /&gt;
wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottesfurcht als wahre Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit sind wir bei der vierten Art des Gehorsams angelangt, dem&lt;br /&gt;
Gehorsam gegenüber Gott, Seinem Willen und Seinen Manifestationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
798&lt;br /&gt;
{{page|799|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=25}}Solange wir tun, was wir wollen — und das ist heute die Regel — stehen&lt;br /&gt;
wir mit uns selbst in einem Kampf, auch wenn er unbewußt ist. Es ist&lt;br /&gt;
der sinnlose Kampf zwischen Wollen und Sollen, zwischen Wort und Tat,&lt;br /&gt;
zwischen äußerer und innerer Freiheit. Je mehr wir aber mit uns selbst&lt;br /&gt;
im Kampf stehen, werden die Gebote Gottes als Last empfunden, was im&lt;br /&gt;
Extrem zur Neurose führt, Sich nach den Regeln unserer Religion zu&lt;br /&gt;
richten, wird hingegen als Freude befunden. Wir tun, was Gott will,&lt;br /&gt;
was dazu führt, daß uns die himmlischen Heerscharen zu Hilfe kommen.&lt;br /&gt;
Psychologisch gesprochen, entdeckt das Individuum in sich eine Kraft und&lt;br /&gt;
Macht, die sogar noch größer ist als die Kraft und Macht, die im kleinsten&lt;br /&gt;
Teilchen der Materie, dem Atom, entdeckt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Buch der Gesetze“ (Ährenlese CLIX) sagt Bahä’u’lläh: „Sprich:&lt;br /&gt;
Wahre Freiheit besteht in der Unterwerfung des Menschen unter Meine&lt;br /&gt;
Gebote, sowenig ihr es auch begreifen möget. Würden die Menschen das&lt;br /&gt;
befolgen, was Wir aus dem Himmel der Offenbarung auf sie hernieder-&lt;br /&gt;
sandten, so würden sie sicherlich vollkommene Freiheit erringen. Glück-&lt;br /&gt;
lich ist der Mensch, der die Absicht Gottes in allem erkannt hat, was&lt;br /&gt;
Er aus dem Himmel Seines Willens, der alles Erschaffene durchdringt,&lt;br /&gt;
offenbarte. Sprich: Die Freiheit, die euch nützt, findet ihr nur in voll-&lt;br /&gt;
kommener Dienstbarkeit unter Gott, der Ewigen Wahrheit. Wer ihre&lt;br /&gt;
Süße gekostet hat, wird es verschmähen, sie gegen alle Herrschaft der&lt;br /&gt;
Erde und Himmel einzutauschen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt also vier Arten des Gehorsams. Die erste Art ist der Gehor-&lt;br /&gt;
sam anderen Einzelmenschen gegenüber, der heute nur bedingt richtig&lt;br /&gt;
sein kann. Richtig dagegen ist die zweite Art des Gehorsams gegenüber&lt;br /&gt;
den gerechten Gesetzen der Gemeinschaft. Die dritte Art des Gehorsams,&lt;br /&gt;
nämlich uns selbst gegenüber, hängt auf merkwürdige Art mit der vierten&lt;br /&gt;
Art des Gehorsams als höchster Tugend zusammen, dem Gehorsam dem&lt;br /&gt;
Höchsten gegenüber. Tatsache ist, daß wir die dritte Art des Gehorsams&lt;br /&gt;
dauernd ausüben: Wir tun, was wir wollen. Dabei benützen wir den&lt;br /&gt;
Kunstgriff, unseren Wünschen, Gefühlen, Emotionen, Affekten und Stim-&lt;br /&gt;
mungen zu folgen, was aber falsch sein muß, solange wir den verkehrten&lt;br /&gt;
Zielen der Ichhaftigkeit nachjagen. Hätten wir schon den Idealzustand&lt;br /&gt;
unserer Entwicklung erlangt, wären wir Heilige und Gottes Ebenbild,&lt;br /&gt;
dann würde diese Art des Gehorsams mit der vierten Art des Gehorsams,&lt;br /&gt;
dem Gehorsam Gott gegenüber, zusammenfallen. Da dieser Idealzustand&lt;br /&gt;
aber ein nie erreichtes Ziel ist, kann die dritte Art des Gehorsams uns&lt;br /&gt;
selbst gegenüber nicht richtig sein, so daß nur noch die vierte Art übrig-&lt;br /&gt;
bleibt. Die dritte Art zeigt deutlich unsere Abhängigkeit; von freiem Wil-&lt;br /&gt;
len kann hier keine Rede sein. Wie aber haben wir einen freien Willen,&lt;br /&gt;
wenn wir Gottes Geboten folgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Ährenlese (II) sagt Bahá’u’lláh: „Der Anfang aller Dinge ist die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes, und das Ziel aller Dinge die genaue Befolgung dessen,&lt;br /&gt;
was aus dem höchsten Himmel des göttlichen Willens herabkam, der alles&lt;br /&gt;
durchdringt, was in den Himmeln und auf der Erde ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und noch ein Zitat aus der Ährenlese (CXXXII): „Die Gesetze Gottes&lt;br /&gt;
wurden aus dem Himmel Seiner erhabensten Offenbarung herabgesandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
799&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|800|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle müssen sie sorgfältig befolgen. Die höchste Auszeichnung des Men-&lt;br /&gt;
schen, sein wahrer Fortschritt und sein endlicher Sieg, waren immer von&lt;br /&gt;
ihnen abhängig und werden auch weiterhin von ihnen abhängig bleiben.&lt;br /&gt;
Wer die Gebote Gottes befolgt, wird ewige Glückseligkeit erreichen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Augenblick scheinen das Befolgen von Geboten und der&lt;br /&gt;
freie Wille unvereinbar, ja paradox zu sein. Wir müssen deshalb zur&lt;br /&gt;
Erklärung etwas weiter ausholen: Alle möchten heute frei und unab-&lt;br /&gt;
hängig sein, und viele leugnen deshalb sogar die Existenz Gottes, die den&lt;br /&gt;
Menschen in seiner Freiheit anscheinend einschränkt. Da wir aber im&lt;br /&gt;
allgemeinen den Lebensstil eines verwöhnten Kindes haben, das alles&lt;br /&gt;
darf und zu nichts verpflichtet ist, lehnen wir die mit der Freiheit ver-&lt;br /&gt;
bundene Verantwortung ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stufendenken hilft uns weiter: Wie der Gehorsam gegenüber&lt;br /&gt;
anderen Individuen heute nicht mehr richtig ist, während er gegenüber&lt;br /&gt;
Gott höchste Tugend ist, oder wie die Verbreitung von Angst eine falsche&lt;br /&gt;
Methode ist, um falsche Ziele zu erreichen, so ist Gottesfurcht nicht nur&lt;br /&gt;
richtig, sondern notwendig; denn die Gottesfurcht bewirkt das Gegenteil&lt;br /&gt;
der Angst, nämlich Mut. So löst sich auch das Problem der Abhängig-&lt;br /&gt;
keit oder Unabhängigkeit: Auf der Stufe der Beziehung des Menschen zu&lt;br /&gt;
Gott hat Abhängigkeit eine andere Bedeutung als auf der Stufe der Be-&lt;br /&gt;
ziehung des Menschen zu anderen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Ziel unseres Strebens Gott ist, bedeutet dies eine Abhängig-&lt;br /&gt;
keit vom Schöpfer, die unlösbar mit der menschlichen Freiheit zusammen-&lt;br /&gt;
hängt. In dem Maße, wie sich unser Streben nicht auf Gott richtet und&lt;br /&gt;
wir etwas anderes höher schätzen als das Göttliche, macht dieses andere,&lt;br /&gt;
Nichtgöttliche uns unfrei; es will uns besitzen und beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Aufgabe ist es, in Freiheit und Unabhängigkeit zu erforschen,&lt;br /&gt;
was der Wille Gottes ist, was Gott mit uns meint. Dann müssen wir uns&lt;br /&gt;
für oder gegen das Gefundene, für oder gegen Gott entscheiden. „Lasset&lt;br /&gt;
uns unsere Herzen abwenden von der Welt des Stoffes und in der Welt&lt;br /&gt;
des Geistes leben. Sie allein kann Freiheit geben ... Sind wir auch in der&lt;br /&gt;
stofflichen Welt gefangen, kann sich doch unser Geist in die Himmel er-&lt;br /&gt;
heben, und wir werden tatsächlich frei sein“, sagte ‘Abdu’l-Bahá in den&lt;br /&gt;
„Pariser Ansprachen“ (S. 86) und „Suche die Wahrheit, und die Wahrheit&lt;br /&gt;
wird dir Freiheit bringen“ (S. 109).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollten wir uns allein auf die psychologischen und sozialen Gesetze&lt;br /&gt;
der menschlichen Stufe, auf der die Funktionen des Denkens und Han-&lt;br /&gt;
delns von Wichtigkeit sind, ausrichten, unser Blick bliebe begrenzt, unser&lt;br /&gt;
Leben bestünde in ichhaften Interessen, Wünschen, Hoffnungen und&lt;br /&gt;
Befürchtungen und wir wären unfrei. Erst wenn wir uns auf die „über“-&lt;br /&gt;
menschliche Stufe begeben, auf der geistige, göttliche Gesetze gelten und&lt;br /&gt;
die Funktion des Glaubens Bedeutung hat, können wir unsere eigenen&lt;br /&gt;
Vorteile und Vorurteile vergessen und uns den anderen Lebewesen und&lt;br /&gt;
Dingen der Schöpfung zuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Lebewesen ist der einzelne Mensch Individuum, wie auch das ein-&lt;br /&gt;
zelne Tier, als geistiges Wesen erst ist er Persönlichkeit (Alexander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
800&lt;br /&gt;
{{page|801|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Müller). Nur die Bemühung um Geistigkeit kann den Menschen zum Sub-&lt;br /&gt;
jekt machen, ihn aus dem Objektsein befreien, ihn zu einem schöpferi-&lt;br /&gt;
sche Entscheidungen treffenden und dafür verantwortlichen Wesen wer-&lt;br /&gt;
den lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch sich in seinem Inneren beherrscht fühlt, so war doch&lt;br /&gt;
immer er es, der sich für dieses Beherrschtsein, z. B. durch eigene&lt;br /&gt;
Wünsche und Neigungen, entschieden hat. Meistens läßt er sich durch die&lt;br /&gt;
„Welt“ herabziehen, gibt damit sein geistiges Subjektsein auf und wird&lt;br /&gt;
zum Objekt der eigenen seelischen Vorgänge. In seinem Streben auf&lt;br /&gt;
der menschlichen Stufe — nach Besitz, Geltung, Macht und Genesung —&lt;br /&gt;
will der Mensch von allem frei sein, was ihm Schranken setzt. In&lt;br /&gt;
seinem Streben nach Geistigkeit und der damit verbundenen inneren&lt;br /&gt;
Freiheit will der Mensch frei sein zu etwas, nämlich zur wahren Selbst-&lt;br /&gt;
erkenntnis und letzten Endes zur Erkenntnis Gottes. „Zu wollen, was ich&lt;br /&gt;
will, ist Willkür, zu wollen, was sein soll, ist die gebundene innere&lt;br /&gt;
Freiheit des Menschen“ (Müller).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kurzes Beispiel dafür, wie Geistigkeit und innere Freiheit zusam-&lt;br /&gt;
mengehören: Viktor Frankl, der heute noch in Wien lebende große&lt;br /&gt;
Psychotherapeut, erzählt in seinem Buch „Ein Psychologe erlebt das&lt;br /&gt;
Konzentrationslager“, wie er bar aller Habe in das Lager kam. Unterm&lt;br /&gt;
Arm hatte er das Manuskript eines Buches, von dem er glaubte, daß&lt;br /&gt;
es ihn berühmt machen würde. Selbstverständlich wurde ihm bei Eintritt&lt;br /&gt;
in das Lager dieses Manuskript weggenommen. Nicht nur dies, er geriet&lt;br /&gt;
in eine Situation, die man wohl als die denkbar schlimmste für einen&lt;br /&gt;
Menschen bezeichnen kann. Er war nicht nur ständig der Gefahr aus-&lt;br /&gt;
gesetzt, sein Leben zu verlieren, sondern er war ebenfalls ununterbro-&lt;br /&gt;
chen den Quälereien der Schergen und Büttel ausgeliefert. In diesem&lt;br /&gt;
Zustand äußerster Erniedrigung und völliger Hoffnungslosigkeit ent-&lt;br /&gt;
deckte er die innere Freiheit. Es gelang ihm nämlich eine Kehrtwendung:&lt;br /&gt;
Er stellte plötzlich fest, daß ja nicht er verantwortlich für seine Lage&lt;br /&gt;
war, sondern daß es die anderen waren, die ihm dieses Unrecht zufügten.&lt;br /&gt;
Folglich waren die anderen im Unrecht, nicht er. Folglich hatten die&lt;br /&gt;
anderen Schuld und befanden sich, gemessen an dem Geistig-Göttlichen,&lt;br /&gt;
in einer viel schlechteren Lage als er selbst. Er konnte höchstens gequält&lt;br /&gt;
werden oder seinen Körper verlieren. Die anderen aber schadeten mit&lt;br /&gt;
ihrem Unrecht der eigenen Seele. Und er erkannte, daß nicht er Hilfe&lt;br /&gt;
brauche, sondern in erster Linie die anderen. Er erkannte, daß sie die&lt;br /&gt;
wirklich Leidtragenden waren, und versuchte, sich entsprechend einzu-&lt;br /&gt;
stellen und ihnen zur Erkenntnis ihres unrichtigen Verhaltens zu ver-&lt;br /&gt;
helfen. In diesem Augenblick waren seine Leiden nicht mehr das alles&lt;br /&gt;
Beherrschende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Beispiel zeigt uns, daß die innere Freiheit des Menschen durch&lt;br /&gt;
Äußeres oder durch andere Menschen nicht beeinflußt zu werden braucht.&lt;br /&gt;
Allerdings machen wir von dieser inneren Freiheit meist keinen Ge-&lt;br /&gt;
brauch, weil uns die damit verbundene Mühe und Verantwortung zu groß&lt;br /&gt;
erscheint. Immer ist es meine Entscheidung, ob ich das Richtige für&lt;br /&gt;
mich und andere im Sinne eines Gemeinschaftsbewußtseins tun will.&lt;br /&gt;
Übernehme ich kritiklos ein fertiges Wertsystem, zum Beispiel eine Reli-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
801&lt;br /&gt;
{{page|802|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gion, so habe ich nicht die Ethik im Auge, die das Richtige, Gute will,&lt;br /&gt;
sondern mache den Gehorsam gegenüber den bestehenden Vorschriften&lt;br /&gt;
zur höchsten Forderung. Statt des Guten, zum Beispiel statt des Wohls&lt;br /&gt;
der Mitmenschen, ist Gehorsam mein Ziel, der aber nur dann eine Tugend&lt;br /&gt;
ist, wenn man dem Höchsten, wenn man Gott folgt. „Die Stufe vollkom-&lt;br /&gt;
mener Selbstunterwerfung überragt jede andere Stufe und wird immer&lt;br /&gt;
über sie erhaben bleiben. Es gebührt dir, dich dem Willen Gottes zu&lt;br /&gt;
weihen“ (Bahä’u’lläh, Ährenlese CLX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschliches Zusammenleben ohne Gesetze ist unmöglich. Es ist zum&lt;br /&gt;
Beispiel kein Verkehr ohne Verkehrsvorschriften denkbar. Die äußere&lt;br /&gt;
Freiheit des einzelnen muß in dem Augenblick beschränkt werden, wo&lt;br /&gt;
sie gegen die äußere Freiheit anderer verstößt. Auch die Natur setzt&lt;br /&gt;
unserer äußeren Freiheit Schranken. Die innere Freiheit aber ist unbe-&lt;br /&gt;
schränkt. Die Gesellschaft muß Regeln des Zusammenlebens aufstellen,&lt;br /&gt;
diese dürfen jedoch nicht auch die innere Freiheit regeln wollen. In letzte-&lt;br /&gt;
rem Falle wäre das Ziel der Gesellschaft und ihrer Machthaber nicht&lt;br /&gt;
Ordnung, sondern nackte Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Entscheidung eines Menschen hat größere Folgen als er sich im&lt;br /&gt;
allgemeinen klar macht. Auch wenn es uns nicht bewußt wird, immer&lt;br /&gt;
stehen wir vor Entscheidungen und wählen zwischen Gott und Welt,&lt;br /&gt;
zwischen Wahrheit und Einbildung, zwischen Frieden und Krieg, zwi-&lt;br /&gt;
schen Freiheit und Sklaverei. Immer und überall tragen wir dazu bei,&lt;br /&gt;
daß „in der Welt das Bessere oder Schlechtere dominiere“ (Müller).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß wir es sind, die über unser Tun entscheiden, zeigt uns ‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
so schön in den „Beantworteten Fragen“ in dem Kapitel über die Willens-&lt;br /&gt;
freiheit (S. 241), wo Er von einem Schiff spricht, das durch die Kraft&lt;br /&gt;
des Windes oder Dampfes getrieben wird. In gleicher Weise empfängt&lt;br /&gt;
der Mensch Kraft durch die Hilfe Gottes. ‘Abdu’l-Bahá sagt wörtlich:&lt;br /&gt;
„Trotzdem ist es das Steuer, das das Schiff in jede Richtung lenkt,&lt;br /&gt;
und die Kraft des Dampfes bewegt es nur in der gewünschten Richtung.&lt;br /&gt;
Wird es nach Osten gesteuert, fährt es nach Osten, wird es nach Westen&lt;br /&gt;
gesteuert, fährt es nach Westen. Die Bewegung geht aber nicht vom&lt;br /&gt;
Schiff selbst aus, sondern vom Wind oder Dampf. .... Aber die Wahl des&lt;br /&gt;
Guten oder Bösen liegt beim Menschen selbst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Verborgenen Wort und einem Gebet von Bahä’u’lläh liegt das&lt;br /&gt;
Wesentliche unseres Themas eingeschlossen (A 40): „O Sohn des Men-&lt;br /&gt;
schen! Durchwandere die Weiten der Welt und durchstreife die Höhen&lt;br /&gt;
der Himmel — du wirst doch nirgends Ruhe finden, außer in der Be-&lt;br /&gt;
folgung Unserer Gebote und in der Demut vor Unserem Antlitz.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich flehe zu dir, o mein Herr, bei Deinem Namen, dessen Glanz&lt;br /&gt;
Himmel und Erde umgibt, mache mich fähig, meinen Willen dem zu&lt;br /&gt;
unterwerfen, was Du durch Deine Gebote bestimmt hast, so daß ich kei-&lt;br /&gt;
nen Wunsch mehr fühle außer dem, was Du in der Kraft Deiner höchsten&lt;br /&gt;
Herrschaft wünschest, und keinen Willen außer dem, was Du mir be-&lt;br /&gt;
stimmt hast durch Deinen Willen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Blumenthal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
802&lt;br /&gt;
{{page|803|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=29}}von unserem Quücherrkiseh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Huschmand Sabet „Der gespaltene Himmel“, erschienen im Verbum-&lt;br /&gt;
Verlag Stuttgart, Postfach 321, 184 Seiten, Leinen DM 12.80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Verantwortung fühlende Mensch wird sich heute Gedanken über&lt;br /&gt;
das Fortbestehen der Menschheit machen. Dabei werden ihn Fragen zahl-&lt;br /&gt;
reicher Art beschäftigen — und quälen. Als aufmerksamer Beobachter&lt;br /&gt;
weiß er, daß diese Generation an einem Scheidewege steht, daß den Re-&lt;br /&gt;
gierenden dieser Erde mehr als allen Herrschern je zuvor eine fast über-&lt;br /&gt;
mächtige Verantwortung auferlegt ist. Da und dort kann er Ansätze zu&lt;br /&gt;
neuen Denk- und Betrachtensweisen feststellen; er ist Zeuge neuer Ideen&lt;br /&gt;
auf wirtschaftlichem, sozialem und auch religiösem Gebiet. Aber er muß&lt;br /&gt;
bald erkennen, daß diese — so erfreulich sie auch sein mögen — noch&lt;br /&gt;
nicht ausreichen, die Diskrepanz zwischen einer weithin noch immer dem&lt;br /&gt;
Egoismus und Materialismus zugewandten Menschheit und der von Gott&lt;br /&gt;
gestellten Bestimmung, Sein Reich auf Erden zu verwirklichen, zu über-&lt;br /&gt;
winden. Die heute allseits wahrzunehmende Zerrissenheit erfordert eine&lt;br /&gt;
Kraft, die fähig ist, den Menschen innerlich völlig zu wandeln — in&lt;br /&gt;
seiner Haltung zu den Geschehnissen rings um ihn herum und in seinem&lt;br /&gt;
Verhalten zu seinen Mitmenschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem jetzt im Stuttgarter Verbum-Verlag von Huschmand Sabet ver-&lt;br /&gt;
öffentlichten Buch: „Der gespaltene Himmel“ schreibt Professor A. Bau-&lt;br /&gt;
sani, Universität Neapel, unter anderem: „Das Vorherrschen eines sich&lt;br /&gt;
verflüchtigenden, rein intellektuell ausgerichteten Geistes ist eines der&lt;br /&gt;
typischsten Kennzeichen unserer modernen abendländischen Welt, die sich&lt;br /&gt;
alle Wege zu einer praktischen Welteinheit, zum Weltfrieden, zum har-&lt;br /&gt;
monischen Funktionieren irgendeiner Weltorganisation versperrt. Wir&lt;br /&gt;
brauchen etwas Einfaches, etwas Herz und Intelligenz gleichzeitig Bewe-&lt;br /&gt;
gendes. Mit anderen Worten: Wir brauchen eine Religion,“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Huschmand Sabet, dessen Buch die Frucht ausgedehnter Vortragsreisen&lt;br /&gt;
ist, legt auf 184 Seiten überzeugend dar, weshalb die Religionen in ihrer&lt;br /&gt;
heutigen Struktur — dem hohen Geistesgehalt ihrer Urform entfremdet&lt;br /&gt;
— den Menschen weder Führung noch Erlösung mehr sein können. Auf&lt;br /&gt;
der einen Seite sieht er eine im Alten, Dogmatischen verharrende, gei-&lt;br /&gt;
stig unsichere, gespaltene und verbrauchte Welt, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
das Heraufdämmern einer tatkräftig in die Zukunft blickenden, nach&lt;br /&gt;
vorwärts gerichteten Ordnung, dazu bestimmt, die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
zu verwirklichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heute zu beobachtende Versagen der Religionen, begründet auf&lt;br /&gt;
menschlicher Unzulänglichkeit und der Weigerung anzuerkennen, daß&lt;br /&gt;
Gottes Wort sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder aufs&lt;br /&gt;
neue manifestiert, beleuchtet Huschmand Sabet vom geschichtlichen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
803&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|804|file=Baha&#039;i_Briefe_31.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sozialpolitischen, wissenschaftlichen und selbstverständlich vom weltan-&lt;br /&gt;
schaulichen Standpunkt. Er schildert die großen Gefahren, die den Men-&lt;br /&gt;
schen der Gegenwart materiell, aber auch seelisch-geistig bedrohen. Der&lt;br /&gt;
Verfasser bleibt aber bei einer negativen Schilderung der Situation nicht&lt;br /&gt;
stehen, sondern zeigt recht überzeugend den Weg zu einer geistig ge-&lt;br /&gt;
einten, in Frieden lebenden Gesellschaft. „Dieses Ziel“, schreibt er,&lt;br /&gt;
„Kann jedoch nicht ohne ein geistig-religiöses Leitbild erreicht werden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So lernt der Leser eine neue, alle Lebensgebiete durchdringende Ideen-&lt;br /&gt;
und Geisteswelt kennen: durch einen umfassenden Einblick in die Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion. Spannend und einleuchtend vermittelt Huschmand Sabet Kennt-&lt;br /&gt;
nisse und Erkenntnisse eines tief religiösen Glaubens, der weder im&lt;br /&gt;
Widerspruch zur Wissenschaft und zum modernen Denken noch zur&lt;br /&gt;
Ethik der geschichtlichen Religionen steht und die Menschheit in&lt;br /&gt;
einer umfassenden, gerechten, göttlich sanktionierten Weltordnung zu&lt;br /&gt;
einer Einheit verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Huschmand Sabet untersucht unter anderem den Verfall des Christen-&lt;br /&gt;
tums und des Islams und macht deutlich, daß „die Mauern, die uns&lt;br /&gt;
trennen, nicht bis zum Himmel reichen“. Der Wandel unseres Weltbildes&lt;br /&gt;
habe jeglichen Absolutheitsanspruch fragwürdig gemacht. Die messiani-&lt;br /&gt;
sche Erwartung spielt in seinen Überlegungen eine wichtige Rolle, und&lt;br /&gt;
er setzt sich eingehend mit den vor allem für den Christen so wichtigen&lt;br /&gt;
Begriffen wie Sünde, Erlösung und Himmel auseinander. „Warum“, so&lt;br /&gt;
möchte man fragen, „sollten seine Definitionen nicht richtig sein?“ Sabet&lt;br /&gt;
hält sich bei alledem nämlich streng an die Texte der geoffenbarten&lt;br /&gt;
Religionen und weist deren gemeinsame Grundlage nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses bedeutsame Buch gehört in jedermanns Hand. „Ein Buch“, so&lt;br /&gt;
schreibt Professor Bausani, „das manchen auf Tradition Bedachten her-&lt;br /&gt;
ausfordern mag, das aber jenen zahlreicheren suchenden Menschen freien&lt;br /&gt;
Geistes zu denken gibt, deren Zahl ständig im Steigen begriffen ist,&lt;br /&gt;
in einem Abendland, das allen Glauben in den alten und pessimistischen&lt;br /&gt;
Religionen und in einem pseudo-optimistischen Atheismus zu verlieren&lt;br /&gt;
beginnt.“ H.S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Ausschnitte aus dem Buch von Huschmand Sabet haben wir in&lt;br /&gt;
Heft 1 und Heft 11 der „BAHÄ’I-BRIEFE“ (S.2 und S. 275) wiedergegeben.&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’f in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestraße 14, Telefon&lt;br /&gt;
(0 62 57) 74 67, und Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Telef. (07 11) 74 97 67.&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schlotz, Bahä’i-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 879058 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich, Zahlungen erbeten an Bahä’i-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_30/Text&amp;diff=75326</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 30/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:08:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|744|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=1}}{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt ist nur ein Land...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LITT *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AALIIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. und alle Menschen sind seine Bürger.&lt;br /&gt;
Richtet Verstand und Willen auf die Erziehung der Völker und Geschlechter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Erde, damit... alle Menschen zu Stützen einer Ordnung und zu&lt;br /&gt;
Bewohnern einer Stadt werden... Wahrlich, der ist ein Mensch, der sich&lt;br /&gt;
heute dem Dienst am ganzen Menschengeschlecht weiht. Bahd’u’lläh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festausgabe der „BAHA’I-BRIEFE” zur Interkontinentalen Konferenz in Frankfurt&lt;br /&gt;
Oktober 1967 Heft 30&lt;br /&gt;
�{{page|745|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OKTOBER 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHATI-BRIEFE Her 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts sind vorüber,&lt;br /&gt;
alles spricht dafür, daß dieses Jahrhundert dynamischer, explosiver, unruhiger als jedes vorangegangene in die Weltgeschichte eingeht. Unser Planet ist räumlich kleiner geworden, zugleich sind aber tiefe Klüfte zwischen Völkern und&lt;br /&gt;
Rassen in der politischen Vorstellungswelt aufgebrochen.&lt;br /&gt;
Seıne Bewohner sind wie zu keiner anderen Zeit vor die Entscheidung gestellt, in Gemeinschaft miteinander zu leben oder&lt;br /&gt;
im Kampf gegeneinander unterzugehen. Gewiß tritt diese&lt;br /&gt;
Situation nicht überall gleich kraß zutage. Planetar gesprochen,&lt;br /&gt;
ist jedoch der Weltfrieden unteilbar geworden, wie die Geschehnisse in Vietnam, China und im Nahen Osten erschrekkend vor Augen führen. Jedem denkenden Menschen muß&lt;br /&gt;
heute die Gefahr, in der die Menschheit schwebt, gegenwärtig&lt;br /&gt;
sein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reaktion des menschlichen Bewußtseins kann recht verschiedenartig sein. Resignation, Angst, Entfremdung und Skepsis sind kennzeichnend für die innere Verfassung vieler Menschen im Westen wie im Osten. Was ist nicht alles schon von&lt;br /&gt;
»Gläubigen« und »Ungläubigen« an Ideen und Ideologien&lt;br /&gt;
hervorgebracht worden! Wie mächtig gaben sich einst die&lt;br /&gt;
Institutionen und Gedankengebäude, die heute jämmerlich&lt;br /&gt;
versagen, weil man völlig veränderten Gegebenheiten mit&lt;br /&gt;
den alten Vorstellungen und Denkmodellen nicht mehr gerecht wird. Selbst wenn wir mit Vernunft und gutem Willen&lt;br /&gt;
hier und dort einzelne Probleme zu lösen versuchen — wo ist&lt;br /&gt;
die unbestrittene Führung, die uns nicht nur die nächsten&lt;br /&gt;
Schritte weist, sondern auf die Fragen nach dem Warum und&lt;br /&gt;
Wozu dieser stürmischen Entwicklung eine positive, aufbauende Antwort zu geben vermag?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
745&lt;br /&gt;
�{{page|746|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=3}}146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Führungskraft vermittelt die Religion als die Verbindung zwischen Gott, dem Schöpfer aller Dinge, und dem&lt;br /&gt;
Menschen. Aus der Religion, ihrem Wesen nach dynamisch,&lt;br /&gt;
schöpferisch und fortschreitend, erfahren wir die Erkenntnis&lt;br /&gt;
des Entwicklungsprinzips als Grundlage allen Lebens und&lt;br /&gt;
damit nicht nur der Kultur, sondern in erster Linie des individuellen und gesellschaftlichen Bewußtseins. Dieses Bewußtsein wird von der Religion entscheidend geprägt, was&lt;br /&gt;
sich bei den Hoch- und Offenbarungsreligionen kulturgeschichtlich eindeutig nachweisen läßt. Nichts außer Gott ist&lt;br /&gt;
absolut; so ist auch die Offenbarung des Willens Gottesjenem&lt;br /&gt;
Prinzip fortschreitender Entfaltung unterworfen. Diese Erkenntnis wurzelt zutiefst in der Wahrheit, daß Goit sich in&lt;br /&gt;
unseren Tagen wieder geoffenbart und neue Grundgesetze&lt;br /&gt;
für ein neues Zeitalter &#039;niedergelegt hat: durch Bahä’u&#039;lläh.&lt;br /&gt;
Er hat vor nunmehr einhundert Jahren Herrschern, Geistlichen und Gelehrten, Anhängern aller Religionen und der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesamten Menschheit die Tragweite Seiner Sendung verkündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo immer heute Bahá’í leben und wirken, nehmen sie diese&lt;br /&gt;
vor einhundert Jahren erfolgte Proklamation zum Anlaß einer&lt;br /&gt;
weltweiten Unterrichtung über diese Sendung. In Verbindung&lt;br /&gt;
damit werden sechs internationale Konferenzen stattfinden,&lt;br /&gt;
aufunserem Kontinent vom 7. bis 10. Oktober 1967 in Frankfurt/&lt;br /&gt;
Main. Die vorliegende Festausgabe der n»BAHAT-BRIEFE«&lt;br /&gt;
steht ganz im Zeichen jener Verkündung durch Bahá’u’lláh.&lt;br /&gt;
Sie will darüber hinaus ihren Lesern in kurz gefasster Form&lt;br /&gt;
ein Bild vom Wesen und Werden der Bahäi-Religion vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|747|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neues Zeitalter ist angebrochen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch unserer Tage ist Zeuge eines Um- und Aufbruchs, für den&lt;br /&gt;
es in der Geschichte dieses Planeten keine Parallele gibt. Wissenschaft&lt;br /&gt;
und Technik warten fast jeden Tag mit neuen bahnbrechenden Erkenntnissen auf; immer tieferes Wissen schöpft kühner Menschengeist. Barrieren, die bis vor kurzem noch als unüberschreitbar galten, versinken zu&lt;br /&gt;
Bedeutungslosigkeit. Auf dem Gebiet des Glaubens bahnt sich ein nicht&lt;br /&gt;
minder erregender Umschwung an. Über Jahrhunderte sorgsam gehütete&lt;br /&gt;
Traditionen und Vorstellungen geraten, langsam zwar, aber dennoch allgemein erkennbar, ins Wanken. An allen Enden dieser Erde beginnt der&lt;br /&gt;
Mensch seine Existenz, seine Aufgabe und das Wesen seines Glaubens&lt;br /&gt;
aufs neue zu überdenken. Es ist ein lebenserhaltender, ja lebensnotwendiger, wenngleich für viele Kreise sicherlich schmerzhafter Vorgang, der&lt;br /&gt;
sich hier vollzieht. Aber die Zukunft der Menschheit fordert ihr Recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch können wir nur dunkel ahnen, weiche gewaltigen Kräfte jener&lt;br /&gt;
geistige Impuls freigesetzt hat, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Erde&lt;br /&gt;
erschütterte. Bislang in seinem Ursprung und seinem Wesen nur von&lt;br /&gt;
wenigen schemenhaft erkannt, werden seine Auswirkungen indes von&lt;br /&gt;
Tag zu Tag deutlicher. Wer sich jedoch der Mühe unterzieht, tieferen Einblick in dieses umwälzende geistige Geschehen zu nehmen, wer sich vor&lt;br /&gt;
allem anschickt, ohne Vorurteile die geistes- und religionsgeschichtlichen&lt;br /&gt;
Zusammenhänge aufzuspüren, dem eröffnet sich ein atemberaubendes&lt;br /&gt;
Bild, ein verheißungsvoller Ausblick. Bahä’u’lläah ist der Träger göttlicher&lt;br /&gt;
Offenbarung für unsere Zeit und kommende Jahrhunderte, „der Geist der&lt;br /&gt;
Wahrheit, der in alle Wahrheit leiten“ wird. Kraft unerforschlichen göttlichen Ratschlusses und Befehls hat Er durch Seine Feder „Himmel und&lt;br /&gt;
Erde ins Wanken“ gebracht und all das verkündet, „was zukünftig ist“.&lt;br /&gt;
„Regt euch, ihr Völker“, ist eine Seiner schicksalshaften Warnungen, die&lt;br /&gt;
Er, Gefangener einer fanatischen mohammedanischen Geistlichkeit und&lt;br /&gt;
Regierung, vor rund einhundert Jahren aussprach, „in der Erwartung der&lt;br /&gt;
Tage göttlicher Gerechtigkeit, denn die verheißene Stunde ist nun da...&lt;br /&gt;
Die ganze Erde ist jetzt im Zustand der Trächtigkeit; der Tag naht, da sie&lt;br /&gt;
die edelsten Früchte hervorbringen wird, da ihr die stolzesten Bäume, die&lt;br /&gt;
entzückendsten Blüten, die höchsten himmlischen Segnungen entsprießen&lt;br /&gt;
werden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817 bis 1892) ist der Begründer der Bahá’í-Religion. Diese&lt;br /&gt;
jüngste in der Kette der Offenbarungsreligionen entstand in Persien und&lt;br /&gt;
kreist um drei Zentralgestalten: El Báb, Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahä.&lt;br /&gt;
El Báb („das Tor“) erhob im Mai 1844 im Alter von 25 Jahren in Schiras&lt;br /&gt;
den Anspruch, der Heroid dessen zu sein, der nach den heiligen Schriften&lt;br /&gt;
früherer Offenbarungen die Menschen vereinen und ein Zeitalter des&lt;br /&gt;
Weltfriedens heraufführen soll. Die persische Regierung und die islamische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
747&lt;br /&gt;
�{{page|748|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=5}}Geistlichkeit taten sich gegen Ihn zusammen; Er starb 1850 den Märtyrertod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1863 verkündete Bahá’u’lláh („Herrlichkeit Gottes“), Er sei jener, den&lt;br /&gt;
der Báb angekündigt habe, der Gottgesandte für dieses Zeitalter. Fast&lt;br /&gt;
40 Jahre war Er verbannt und gefangen. In dieser Zeit erklärte Er in&lt;br /&gt;
über 100 Büchern und Sendschreiben Seine Offenbarung und verkündigte&lt;br /&gt;
Seine Botschaft den Herrschern in Ost und West. Bahá’u’lláh ernannte&lt;br /&gt;
Seinen ältesten Sohn ‘“Abdu’l-Bahä („Diener der Herrlichkeit“) zum&lt;br /&gt;
authentischen Erklärer Seiner Lehren. ‘Abdu’l-Bahä unternahm vielbeachtete Lehrreisen nach Europa und Amerika. Er starb 1921. Bis 1957&lt;br /&gt;
wirkte Shoghi Effendi, ein Enkel ‘Abdu’l-Bahäs, als Hüter der Bahá’íReligion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verkündigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Weltgemeinde nimmt die einhundertste Wiederkehr jener&lt;br /&gt;
Zeitspanne, in der Bahá’u’lláh einige Seiner wesentlichsten Sendschreiben&lt;br /&gt;
und Gesetze offenbarte, zum Anlaß, Seine epochale Sendung aus höchster&lt;br /&gt;
Verantwortung für die Zukunft der Menschheit den Völkern der Erde&lt;br /&gt;
kundzutun. 1864 war Bahá’u’lláh nach Adrianopel (Edirne), 1868 nach der&lt;br /&gt;
Strafkolonie ‘Akkä in Palästina verbannt worden. In jenen Jahren hatte&lt;br /&gt;
Er Seinen Ruf mit großem Nachdruck an die Herrscher der Welt, an Könige und Kaiser, Staatsmänner und Fürsten, aber auch an die Vertreter&lt;br /&gt;
und Geistlichen der Religionen gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kaiser von Frankreich, Napoleon III, der mächtigste Herrscher&lt;br /&gt;
seiner Zeit auf dem europäischen Festland; Papst Pius IX., oberstes Haupt&lt;br /&gt;
der größten christlichen Kirche und damals Zepterträger weltlicher wie&lt;br /&gt;
geistlicher Gewalt; Alexander II., allmächtiger Zar des weiten russischen&lt;br /&gt;
Reiches; die berühmte Königin Viktoria, deren Herrschaft sich über das&lt;br /&gt;
größte Imperium ausdehnte, das die Welt je gesehen hat; Wilhelm IL,&lt;br /&gt;
der spätere Besieger Napoleons III., König von Preußen und neu ausgerufener Kaiser des geeinigten Deutschlands; Franz Joseph, selbstherrlicher Kaiser und König der österreichisch-ungarischen Monarchie; der&lt;br /&gt;
tyrannische ‘Abdu’l-&#039;Aziz, Sultän der Türkei, der die zusammengefaßte&lt;br /&gt;
Macht des Sultanats und Kalifats verkörperte; der berüchtigte Nasiri’dDin Shäh, despotischer Beherrscher Persiens und mächtiger Potentat des&lt;br /&gt;
schiitischen Islam — mit einem Wort: Die meisten Vertreter von Herrschergewalt Seiner Zeit wurden einer nach dem andern von Bahä’uwlläh&lt;br /&gt;
eindringlich angesprochen und ermahnt; sie hatten in verschiedenem&lt;br /&gt;
Maße die Kraft, die von Seinen Rufen und Warnungen ausging, in ihrer&lt;br /&gt;
ganzen Wucht zu ertragen.!)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der „Sure der Könige“ wurden darüber hinaus alle Herrscher kollektiv angesprochen und aufgefordert, sich dem Rufe Gottes zu öffnen.&lt;br /&gt;
Vor hundert Jahren, im Herbst 1867, richtete Bahä’u’läh unter anderem&lt;br /&gt;
diese Worte an die Monarchen in Ost und West:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Könige der Erde! Hört auf die Stimme Gottes... Befolgt, was&lt;br /&gt;
Ich euch sage, hört darauf mit euren Herzen und gehört nicht zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
748&lt;br /&gt;
�{{page|749|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denen, die sich abgewandt haben. Euer Ruhm besteht nicht in eurer&lt;br /&gt;
Herrschaft, sondern vielmehr in eurer Nähe zu Gott und im Befolgen Seines Gebotes, wie es in Seinen heiligen und verwahrten&lt;br /&gt;
Tablets herniedergesandt wurde. Sollte einer von euch über die&lt;br /&gt;
ganze Erde herrschen und über alles, was darinnen und darauf besteht, ihre Meere, ihre Länder, ihre Berge und ihre Ebenen, und&lt;br /&gt;
doch nicht von Gott erwähnt werden, so würde ihm all dies nichts&lt;br /&gt;
nützen — o Könntet ihr es doch erkennen!... Hütet euch, daß ihr&lt;br /&gt;
den Odem Gottes nicht hindert, über eure Herzen zu wehen, den&lt;br /&gt;
Odem, durch welchen die Herzen derer, die sich Ihm zugewandt&lt;br /&gt;
haben, lebendig gemacht werden können...“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und weiter finden sich diese eindringlichen Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Legt die Gottesfurcht nicht ab, o Könige der Erde, und hütet&lt;br /&gt;
euch, die Grenzen zu überschreiten, die der Allmächtige bestimmt&lt;br /&gt;
hat... Seid wachsam, daß ihr niemandem ein Unrecht zufügt, und&lt;br /&gt;
sei es auch so klein wie ein Senfkorn. Beschreitet den Pfad der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit... Legt eure Streitigkeiten bei und setzt eure Kriegsrüstung herab, so daß die Last eurer Ausgaben erleichtert und eure&lt;br /&gt;
Gemüter und Herzen beruhigt werden. Heilt die Zwistigkeiten, die&lt;br /&gt;
euch zerspalten, und ihr werdet nicht länger Kriegsrüstungen benötigen, ausgenommen, was der Schutz eurer Städte und Gebiete&lt;br /&gt;
erfordert... Entscheidet gerecht zwischen den Menschen und seid die&lt;br /&gt;
Symbole der Gerechtigkeit unter ihnen... Wenn ihr den Ratschlägen, die Wir in unvergleichlicher und unzweideutiger Sprache in&lt;br /&gt;
diesem Tablet geoffenbart haben, keine Beachtung schenkt, dann&lt;br /&gt;
wird von allen Seiten göttliche Züchtigung über euch kommen, und&lt;br /&gt;
der Urteilsspruch Seiner Gerechtigkeit wird gegen euch verkündet&lt;br /&gt;
werden. An jenem Tage werdet ihr dann keine Macht haben...&lt;br /&gt;
Euer wahrer und dauernder Ruhm liegt nur in eurem Festhalten an&lt;br /&gt;
den Geboten Gottes, in dem Befolgen Seiner Gesetze, in eurem&lt;br /&gt;
Entschluß, sie erfüllt zu sehen und unbeirrt den rechten Weg zu&lt;br /&gt;
wandeln...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machtvoll ist dieser Ruf Bahá’u’lláhs:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihr seid nur Vasallen, o Könige der Erde. Er, der König der&lt;br /&gt;
Könige, ist im Gewande Seiner wunderbarsten Heiligkeit erschienen&lt;br /&gt;
und lädt euch vor sich, den Helfer in der Gefahr, den Selbstbestehenden. Hütet euch, daß euch nicht der Hochmut davon abhalte,&lt;br /&gt;
den Quell der Offenbarung zu erkennen, daß die Dinge dieser Welt&lt;br /&gt;
euch nicht wie mit einem Schleier von Ihm, dem Schöpfer des Himmels, ausschließen. Erhebt euch und dient Ihm, der Sehnsucht aller&lt;br /&gt;
Völker, der euch durch ein Wort erschuf und verordnete, daß ihr für&lt;br /&gt;
alle Zeiten die Wahrzeichen Seiner Herrschaft sein sollt. Bei der&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit Gottes! Es ist nicht Unser Wunsch, Hand an eure&lt;br /&gt;
Königreiche zu legen. Unsere Bestimmung ist, die Herzen der Menschen zu ergreifen und zu besitzen...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
749&lt;br /&gt;
�{{page|750|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Christen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Könige der Christenheit! Höret ihr nicht die Worte Jesu, des&lt;br /&gt;
Geistes Gottes: ‚Ich gehe von hinnen und komme wieder zu euch!&lt;br /&gt;
Warum also versäumtet ihr Ihm zu nahen, als Er in den Wolken&lt;br /&gt;
des Himmels zu euch wiederkam, auf daß ihr Sein Antlitz schautet&lt;br /&gt;
und zu denen gehörtet, die ın Seine Gegenwart gelangen? An einer&lt;br /&gt;
anderen Stelle sagte Er: ‚Wenn Er, der Geist der Wahrheit, kommt,&lt;br /&gt;
wird Er euch in alle Wahrheit leiten.‘ Und doch — seht, was geschah: Als Er die Wahrheit brachte, weigertet ihr euch,das Angesicht&lt;br /&gt;
Ihm zuzuwenden, und verharrtet dabei, euch mit euren Zerstreuungen und Phantastereien zu vergnügen. Ihr botet Ihm kein willkommen, noch suchtet ihr Seine Gegenwart, um die Verse Gottes&lt;br /&gt;
aus Seinem eigenen Munde zu hören und teilzuhaben an der vielfältigen Weisheit des Allmächtigen, des Allherrlichen, des Allweisen... Ihr selbst und alles, was ihr besitzt, wird vergehen. Wahrlich, ihr werdet zu Gott zurückkehren und zur Rechenschaft gerufen werden für eure Taten in der Gegenwart Dessen, Der die&lt;br /&gt;
ganze Schöpfung versammeln wird...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Kaiser Napoleon III. richtete Bahá’u’lláh unter anderem folgende&lt;br /&gt;
Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
750&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O König von Paris! Sage den Priestern, sie sollen die Glocken&lt;br /&gt;
nicht länger läuten. Bei Gott, dem Wahren! Die Mächtigste Glocke&lt;br /&gt;
ist in der Gestalt des Größten Namens erschienen, und die Finger&lt;br /&gt;
des Willens deines Herrn, des Hocherhabenen, des Höchsten, schwingen sie weit im Himmel der Unsterblichkeit in Seinem Namen, der&lt;br /&gt;
Allherrliche. So sind die mächtigen Verse deines Herrn aufs neue&lt;br /&gt;
zu dir herabgesandt worden, auf daß du dich erheben mögest, Gottes&lt;br /&gt;
zu gedenken, des Schöpfers von Himmel und Erde, in diesen Tagen,&lt;br /&gt;
da alle Geschlechter der Erde trauern, die Grundmauern der Städte&lt;br /&gt;
erzittern und der Staub des Unglaubens alle Menschen einhüllt,&lt;br /&gt;
ausgenommen solche, die dein Herr, der Allwissende, der Allweise,&lt;br /&gt;
zu verschonen gewillt war...“ „Für das, was du getan hast, wird&lt;br /&gt;
dein Reich in Verwirrung gestürzt werden, und dein Kaiserreich&lt;br /&gt;
wird deinen Händen entgleiten zur Strafe für das, was du begonnen hast... Hat dein Pomp dich stolz gemacht? Bei Meiner Leben!&lt;br /&gt;
Er wird nicht von Dauer sein, nein, er wird bald dahinschwinden,&lt;br /&gt;
es sei denn, du hälst dich standhaft an dieses feste Seil...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den Papst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius IX. offenbarte Bahá’u’lláh unter anderem das folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Papst! Zerreiße die Schleier! Er, der Herr der Herren, ist gekommen, von Wolken überschattet, und der Ratschluß ist erfüllt&lt;br /&gt;
worden durch Gott, den Allmächtigen, den Unendlichen... Wahrlich, Er ist wieder vom Himmel herniedergekommen, wie Er von&lt;br /&gt;
dort zum ersten Male herniedergekommen war. Hüte dich, mit Ihm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|751|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=8}}In&lt;br /&gt;
unter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu streiten, wie es die Pharisäer mit Ihm (Jesus) taten ohne ein&lt;br /&gt;
klares Zeichen oder einen Beweis... Hüte dich, daß dich nicht&lt;br /&gt;
irgendein Name von Gott ausschließt, dem Schöpfer von Himmel&lt;br /&gt;
und Erde. Lasse die Welt hinter dir und wende dich deinem Herrn&lt;br /&gt;
zu, durch welchen die ganze Erde erleuchtet worden ist... Wohnst&lt;br /&gt;
du in Palästen, während Er, der König der Offenbarung, in der&lt;br /&gt;
trostlosesten Behausung lebt? Überlasse sie denen, die sie begehren,&lt;br /&gt;
und wende dein Antlitz mit Freude und Wonne dem Reiche Gottes&lt;br /&gt;
zu... Erhebe dich im Namen deines Herrn, des Gottes der Barmherzigkeit, inmitten der Völker der Erde und ergreife den Kelch des&lt;br /&gt;
Lebens mit den Händen des Vertrauens; trinke du zuerst davon und&lt;br /&gt;
biete ihn sodann solchen an, die sich Ihm inmitten der Völker allen&lt;br /&gt;
Glaubens zuwenden... Betrachte jene, die sich dem Sohne (Jesus)&lt;br /&gt;
widersetzten, als Er zu ihnen mit Macht und Herrschaft kam...&lt;br /&gt;
Beachte, wie zahlreich heutzutage die Mönche sind, die sich in Meinem Namen in ihren Kirchen abgeschlossen haben und die, als die&lt;br /&gt;
festgesetzte Zeit erfüllt war und Wir Unsere Schönheit enthüllten,&lt;br /&gt;
Uns nicht erkannten, obwohl sie zur Abendzeit und zur Morgendämmerung nach Mir rufen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort, das der Sohn verbarg, ist offenbar geworden. Es&lt;br /&gt;
wurde in Gestalt des Menschentempels am heutigen Tage herabgesandt. Gepriesen sei der Herr, welcher der Vater ist! Wahrlich, Er&lt;br /&gt;
ist zu den Völkern in Seiner größten Majestät gekommen. Wende&lt;br /&gt;
dein Angesicht Ihm zu, o Schar der Rechtschaffenen!... Dies ist der&lt;br /&gt;
Tag, da der Fels (Petrus) ausruft und jauchzt und den Lobpreis&lt;br /&gt;
seines Herrn, des Allbesitzenden, des Höchsten, verherrlicht mit&lt;br /&gt;
den Worten: ‚Seht, der Vater ist gekommen, und was euch verheißen ward in Seinem Reich, ist erfüllt!... Mein Leib sehnt sich&lt;br /&gt;
nach dem Kreuze, und Mein Haupt erwartet den Wurf des Speeres&lt;br /&gt;
auf dem Pfade des Allbarmherzigen, auf daß die Welt von ihren&lt;br /&gt;
Übertretungen geläutert werde...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O höchster Priester! Neige dein Ohr dem zu, was der Gestalter&lt;br /&gt;
modernden Gebeins dir rät, wie es von Ihm, der Sein größter Name&lt;br /&gt;
ist, verkündet wird... Übergib dein Königreich den Königen und&lt;br /&gt;
tritt hervor aus deiner Wohnung, dein Angesicht zum Reiche Gottes&lt;br /&gt;
erhoben. Dann verkünde, losgelöst von der Welt, das Lob deines&lt;br /&gt;
Herrn zwischen Erde und Himmel... Hüte dich, dir die Dinge der&lt;br /&gt;
Welt und ihre Reichtümer anzueignen... Sei so, wie dein Herr gewesen ist... Wahrlich, der Tag der Ernte ist gekommen, und alle&lt;br /&gt;
Dinge sind voneinander geschieden worden...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den deutschen Kaiser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seinem „Buch der Gesetze“ wandte sich Bahá’u’lláh 1873 in ‘Akkä&lt;br /&gt;
anderem mit folgenden Worten an Kaiser Wilhelm I.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sprich: O König von Berlin! Höre auf die Stimme, die aus diesem offenbaren Tempel ruft: Wahrlich, es gibt keinen Gott außer&lt;br /&gt;
Mir, dem Immerwährenden, dem Unvergleichlichen, dem Altehr&lt;br /&gt;
751&lt;br /&gt;
�{{page|752|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würdigen der Tage. Hüte dich, daß dich nicht Stoz hindere, den Tagesanbruch göttlicher Offenbarung zu erkennen, daß irdische Wünsche dich nicht wie durch einen Schleier abschließen von dem Herrn&lt;br /&gt;
des Thrones im Himmel und auf Erden hienieden. Dies rät Dir die&lt;br /&gt;
Feder des Höchsten... O Ufer des Rheins! Wir haben euch mit Blut&lt;br /&gt;
bedeckt gesehen; denn die Schwerter der Vergeltung wurden gegen&lt;br /&gt;
euch gezückt; und es soll noch einmal geschehen. Und wir hören das&lt;br /&gt;
Wehklagen Berlins, obgleich es heute in sichtbarem Ruhme strahlt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat Seine Geschöpfe nie ohne Führung gelassen. Noch immer war&lt;br /&gt;
das Wort Gottes der mächtigste Impuls und Anstoß aller Entwicklungen,&lt;br /&gt;
allen wahren Fortschritts auf der Erde. Und dieses göttliche Wort wird&lt;br /&gt;
auch in Zukunft niemals versiegen. Bahá’u’lláh lehrt, daß die göttlichen&lt;br /&gt;
Offenbarer von Anbeginn der Schöpfung bis heute als eine in sich geschlossene Einheit zu betrachten sind, als die Glieder einer Kette,&lt;br /&gt;
und daß jeder Gottesoffenbarer auf den Worten Seines „Vorgängers“ aufbaut, zugleich aber auch Dessen Erfüllung und Wiederkehr ist. Entsprechend der wachsenden Fähigkeit der Menschen, geistige Wahrheiten aufzunehmen, ist ihnen jeweils ein größeres Ausmaß göttlicher Offenbarung&lt;br /&gt;
zuteil geworden — wie dies jeweils die Entwicklungsstufe der Menschenwelt ihrer Zeit erforderte. Ohne eine tiefe Verwurzelung in der Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und eine Erneuerung durch diese ist keine echte, fortschreitende Kultur&lt;br /&gt;
denkbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zeitalter der Einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Völker und Nationen unserer Erde sind heute so eng zusammengerückt und aufeinander angewiesen, daß jede Erschütterung, und möge&lt;br /&gt;
sie an einem noch so entfernten Punkt auftreten, unweigerlich alle Teile&lt;br /&gt;
erfaßt. Schon eine flüchtige Betrachtung der heutigen Weltlage macht dies&lt;br /&gt;
deutlich. Die Menschheit schickt sich an, in das Zeitalter der Einheit einzutreten. Dieser Schritt ist offensichtlich keineswegs einfach, aber er ist&lt;br /&gt;
entwicklungsbedingt, naturnotwendig — und gottgewollt! „Gottes Plan“,&lt;br /&gt;
betont Shoghi Effendi, „ist kein anderer, als auf Wegen, die Er allein&lt;br /&gt;
bereiten und deren volle Bedeutung Er allein ergründen kann, das Große,&lt;br /&gt;
das Goldene Zeitalter für eine lange zersplitterte und gequälte Menschheit einzuleiten... Ihr gegenwärtiger Zustand ist finster. Die fernere&lt;br /&gt;
Zukunft aber ist strahlend...“ „Diese fruchtlosen Streitigkeiten“, so hat&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh vor hundert Jahren prophezeit, „diese verderblichen Kriege&lt;br /&gt;
werden vergehen und der ‚Größte Friede‘ wird kommen... Dieses Blutvergießen und diese Zwietracht müssen aufhören, und alle Menschen&lt;br /&gt;
müssen wie ein Volk und eine Familie sein... Bald wird die Ordnung&lt;br /&gt;
des heutigen Tages aufgerollt und eine neue an ihrer Statt ausgebreitet&lt;br /&gt;
werden... Alle Menschen werden einen gemeinsamen Glauben haben, ein&lt;br /&gt;
einziges Volk werden. Alle werden in einem gemeinsamen Vaterland wohnen, welches der Planet selbst ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was wir gegenwärtig erleben“, schreibt Shoghi Effendi, „während&lt;br /&gt;
dieser schwersten Krise in der Geschichte der Zivilisation, die uns an Zei&lt;br /&gt;
152&lt;br /&gt;
�{{page|753|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=10}}ten gemahnt, da ‚Religionen untergingen und geboren wurden‘, das ist das&lt;br /&gt;
Jünglingsalter in der langsamen und schmerzensreichen Entwicklung der&lt;br /&gt;
Menschheit, die Vorbereitung zur Erreichung des Zustands des Mannesalters und der Reife, dessen Verheißung in den Lehren Bahá’u’lláhs enthalten und in Seinen Weissagungen eingeschlossen ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdw’l-Bahä erläutert dieses Gesetz der Entwicklung wie folgt: „Alle&lt;br /&gt;
erschaffenen Dinge haben ihren Grad oder ihre Stufe der Reife. Die Zeit&lt;br /&gt;
der Reife im Leben eines Baumes ist die Zeit, da er Früchte trägt... Das&lt;br /&gt;
Tier erreicht eine Stufe vollen Wachstums und der Vollkommenheit, und&lt;br /&gt;
im Menschenreich gelangt der Mensch zur Reife, wenn das Licht seines&lt;br /&gt;
Verstandes seine größte Macht und Entwicklung erreicht... Ähnlich gibt&lt;br /&gt;
es Zeiten und Stufen im gemeinsamen Leben der Menschheit. Einmal&lt;br /&gt;
durchwanderte sie ihre Kindheitsstufe, späterhin ihre Jugendzeit, aber&lt;br /&gt;
jetzt ist sie in ihre lange vorhergesagte Reifezeit eingetreten, deren Beweise überall in Erscheinung treten... Was den Bedürfnissen des Menschen in seiner früheren Geschichte angemessen war, ist weder passend&lt;br /&gt;
noch genügend für die Erfordernisse des heutigen Tages, dieser Zeit des&lt;br /&gt;
Neuen, der Vollendung... In jeder Sendung wurde das Licht göttlicher&lt;br /&gt;
Führung im Brennpunkt einer Hauptaufgabe gesammelt... In dieser&lt;br /&gt;
wunderbaren Offenbarung, diesem glorreichen Jahrhundert, ist die Grundlage der Religion Gottes und das unterscheidende Merkmal Seines Gesetzes das Bewußtsein der Einheit der Menschheit.“ 3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Baha’u’llah selbst betont unermüdlich die Tragweite Seiner Sendung und die Folgenschwere des Gottesgerichts, das die Menschheit erwartet, wenn sie sich Seiner umfassenden Botschaft verschließt: „Regt&lt;br /&gt;
euch, ihr Völker, in der Erwartung der Tage göttlicher Gerechtigkeit, denn&lt;br /&gt;
die verheißene Stunde ist nun da!... Gebt hin, was ihr besitzt, und ergreift, was Gott brachte, Er, der den Menschen den Nacken beugt!...&lt;br /&gt;
Wenn ihr versäumt, euch zur festgesetzten Stunde Gott zuzuwenden, so&lt;br /&gt;
wird Er, wahrlich, gewaltig Hand an euch legen und euch mit schmerzlicher Trübsal von allen Seiten bedecken. Wahrlich, streng ist die Züchtigung, mit der euch euer Herr dann heimsucht!“ — „Wir haben wahrlich&lt;br /&gt;
Unsere Pflicht nicht versäumt, die Menschen zu ermahnen und ihnen zu&lt;br /&gt;
bringen, was Wir von Gott, dem Allmächtigen, dem Allgepriesenen, geheißen wurden. Hätten sie auf Mich gehört, sie hätten die Erde als eine&lt;br /&gt;
andere Erde gesehen... Gibt es noch irgendeine Entschuldigung für irgend&lt;br /&gt;
jemanden in dieser Offenbarung? Bei Gott, dem Herrn des mächtigen&lt;br /&gt;
Thrones, nein! Meine Zeichen sind um die Erde gegangen, und Meine&lt;br /&gt;
Macht hat das ganze Menschengeschlecht umfaßt, und dennoch liegen die&lt;br /&gt;
Menschen in einem seltsamen Schlaf.“ ®)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Schubert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) vgl. Shoghi Effendi, „Der verheißene Tag ist gekommen“, Frankfurt/Main 1967&lt;br /&gt;
N del, S. 45 ff,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’) „Der verheißene Tag ist gekommen“, S. 179 £.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) dgl., S. 24 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
753&lt;br /&gt;
�{{page|754|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu neuem Denken und Tun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
754&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Botschaft Baha’u’llähs stellt&lt;br /&gt;
uns eindringlich vor Augen: Der&lt;br /&gt;
heutige Mensch ist nach dem&lt;br /&gt;
Heilsplan Gottes verpflichtet, sich&lt;br /&gt;
in den Dienst der ganzen Menschheit zu stellen, wie jedeZelle dem&lt;br /&gt;
ganzen Organismus dient. Die&lt;br /&gt;
organisch strukturierte Weltordnung der Zukunft weist jedem&lt;br /&gt;
Menschen, ungeachtet seiner Rasse, Volkszugehörigkeit, seines&lt;br /&gt;
Standes und Geschlechtes, eine&lt;br /&gt;
seiner sinnvollen Entfaltung gemäße Rolle zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Entwicklung zur Einheit&lt;br /&gt;
fordert die konsequente Überwindung zwischenmenschlicher, nationaler, rassischer, religiöser und&lt;br /&gt;
sozialer Vorurteile. Die Herzen&lt;br /&gt;
mässen sich öffnen, im Bewußtsein der geistigen Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit müssen selbstgeschaffene Grenzen fallen. Bahd’u’lläh&lt;br /&gt;
wendet sich an uns alle mit den&lt;br /&gt;
Worten: „Wißt ihr, warum Wir&lt;br /&gt;
euch aus dem gleichen Staube erschaffen haben? Damit sich&lt;br /&gt;
keiner über den anderen erhebe.&lt;br /&gt;
Erwägt immer im Herzen, wie ihr&lt;br /&gt;
erschaffen wurdet. Da Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Stoff erschufen, ziemt es euch, wie eine&lt;br /&gt;
einzige Seele zu sein, in gleicher&lt;br /&gt;
Weise zu wandeln, in gleicher&lt;br /&gt;
Weise zu essen und im gleichen&lt;br /&gt;
Lande zu wohnen, damit aus&lt;br /&gt;
eurem innersten Wesen durch&lt;br /&gt;
eure Taten und Handlungen die&lt;br /&gt;
Zeichen der Einheit und das Wesen der Loslösung sichtbar werden mögen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Räumlich, verkehrs- und nach&lt;br /&gt;
richtentechnisch ist eine schicksalhafte Verkettung in den existentiellen Lebensbedürfnissen der&lt;br /&gt;
Völker eingetreten. Meere, Wüsten, Gebirge, Flüsse verloren&lt;br /&gt;
ihren realen Grenzcharakter zwischen Staaten, Volkswirtschaften&lt;br /&gt;
und traditionellen Kulturen. Dieser planetarischen Entwicklung&lt;br /&gt;
der äußeren zivilisatorischen Bedingungen, die fortschreitend auch&lt;br /&gt;
den Entwicklungsländern zugute&lt;br /&gt;
kommt, steht eine ideologisch, politisch und glaubensmäßig pluralistisch aufgerissene Gesellschaft&lt;br /&gt;
gegenüber. Eine interessengespaltene Menschheit errichtet immer&lt;br /&gt;
neue Grenzen und Mauern eigennütziger Ansprüche,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer kann seine Augen noch&lt;br /&gt;
vor der Gefahr verschließen, daß&lt;br /&gt;
in einer materialistischen Welt&lt;br /&gt;
die zivilisatorisch-technischen Errungenschaften wahrer Kultur&lt;br /&gt;
zuwiderlaufen? Der prestigebestimmte Konsum- und Besitzmensch von heute entzieht bewußt oder unbewußt der Gesellschaft seine aktiv dienende Funktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das leuchtende Gold des Wortes Gottes der Hochreligionen&lt;br /&gt;
wurde im Laufe der Jahrhunderte&lt;br /&gt;
mit menschlichen Elementen verschmolzen, wodurch es seine ursprüngliche Strahlungskraft verlor. „Die törichten Geistlichen&lt;br /&gt;
haben das Buch Gottes weggelegt&lt;br /&gt;
und sich mit dem befaßt, was sie&lt;br /&gt;
sich selbst geschaffen haben.“&lt;br /&gt;
(Bahá’u’lláh). So wurde das Licht&lt;br /&gt;
der Religion verdüstert und büßte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|755|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in erstarrten Formen seine mächtige Lebenskraft ein. Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
wendet sich an die „Führer der&lt;br /&gt;
Religionen“: „Meßt das Buch&lt;br /&gt;
Gottes nicht mit solchen Maßen&lt;br /&gt;
und Wissenschaften, die euch geläufig sind, denn das Buch selbst&lt;br /&gt;
ist die untrügerische Waage, die&lt;br /&gt;
unter den Menschen aufgestellt&lt;br /&gt;
worden ist! Auf dieser vollkommenen Waage soll alles gewogen&lt;br /&gt;
werden, was die Völker und Geschlechter der Erde besitzen...&lt;br /&gt;
Verfälscht nicht das heilige, allumfassende Urwort Gottes und&lt;br /&gt;
versucht nicht seine Heiligkeit zu&lt;br /&gt;
entwerten und seinen erhabenen&lt;br /&gt;
Charakter herabzuwürdigen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier setzt Bahäd’u’lläh für die&lt;br /&gt;
innere Führung des einzelnen und&lt;br /&gt;
der Gemeinschaft ein unfehlbares&lt;br /&gt;
Kriterium freier Daseinsgestaltung. Die Selbstverwirklichung&lt;br /&gt;
des Menschen und die gesellschaftlichen Gruppen aller Bereiche müssen zu ihrer Sinnerfüllung aus dieser Tiefendimension&lt;br /&gt;
schöpfen. Denken und Meditation,&lt;br /&gt;
Wissenschaftlichkeit und Religiosität sind nicht dualistisch, sondern als schöpferische Einheit zu&lt;br /&gt;
verstehen. Beide Grundhaltungen&lt;br /&gt;
sind auf Wahrheitsfindung ausgerichtet. Wenn die Quelle aller Erkenntnis das Wort Gottes ist, wird&lt;br /&gt;
der gemeinsame Ursprung recht&lt;br /&gt;
geleiteter Einsichten deutlich.&lt;br /&gt;
Heisenberg sagt mit Recht, daß&lt;br /&gt;
Glaubensbekenntnisse, „die für&lt;br /&gt;
die Haltung im Leben verbindlich&lt;br /&gt;
sein sollen“, im Blick auf das&lt;br /&gt;
heutige naturwissenschaftliche&lt;br /&gt;
Weltbild unmöglich „allein auf&lt;br /&gt;
wissenschaftliche Erkenntnis zu&lt;br /&gt;
begründen“ sind. „Die Naturwissenschaft steht nicht mehr als&lt;br /&gt;
Beschauer vor der Natur, sondern&lt;br /&gt;
erkennt sich selbst als Teil dieses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wechselspiels&lt;br /&gt;
und Natur.“ 1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird die nicht zu überschätzende Bedeutung des Baha’tiGrundsatzes der Übereinstimmung zwischen Religion und Wissenschaft offenkundig. Das Ethos&lt;br /&gt;
der Wissenschaft liegt in ihrer unabdingbaren Bindung an die göttlich geoffenbarte Wahrheit. Dogmatisierung der Religion einerseits und völlige Süäkularisierung der angewandten Wissenschaft andererseits bedrohen heute&lt;br /&gt;
offensichtlich die innere und&lt;br /&gt;
äußere Einheit und damit die Sicherheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion und Wissenschaft sind&lt;br /&gt;
gleicherweise dem Entwicklungsprinzip unterworfen. Wissenschaftliche Wahrheit ist nur dann&lt;br /&gt;
segensreich, wenn sie dem Lebenssinn des Menschen, den Gott&lt;br /&gt;
bestimmt, gerecht wird. Ihr Auftrag ist heute, die Forschungsergebnisse dem materiellen, sozialen, geistigen und kulturellen&lt;br /&gt;
Wohlergehen aller Völker und&lt;br /&gt;
Rassen dienstbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Wahrheit hat&lt;br /&gt;
Bahd’u’liäh gemäß der heutigen&lt;br /&gt;
Entwicklungsstufe des Menschenin&lt;br /&gt;
bezwingender Klarheit und Eindringlichkeit beantwortet. Die Antwort gilt für jeden Menschen, dem&lt;br /&gt;
es um die wahrlich freimachende,&lt;br /&gt;
Gewißheit des Herzens verleihende Erkenntnis zutunist. Derintellektuell orientierte Leser mag von&lt;br /&gt;
der Priorität und Unabhängigkeit&lt;br /&gt;
seiner Vernunft überzeugt sein.&lt;br /&gt;
Er sollte aber versuchen, das Vorurteil abzubauen, logisches und&lt;br /&gt;
kritisches Denken sei quasiautark&lt;br /&gt;
genug, um aufden Glaubensbezirk&lt;br /&gt;
seiner inneren Erfahrungen verzichten zu können. Niemand ver&lt;br /&gt;
755&lt;br /&gt;
�{{page|756|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=13}}756&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mag zu bestreiten, daß er sich&lt;br /&gt;
selbst ein Geheimnis ist und daß&lt;br /&gt;
seine Existenz und deren Bewältigung sich nicht nur durch rationale Entschlüsse erschöpfen.&lt;br /&gt;
Die Zunahme psychosomatischer&lt;br /&gt;
Krankheiten im Zeichen der Kontaktarmut und Ungeborgenheit&lt;br /&gt;
vieler Menschen, insbesondere in&lt;br /&gt;
den dichtbesiedelten Industriegebieten, spricht eine deutliche&lt;br /&gt;
Sprache. Besinnlichkeit, Stille,&lt;br /&gt;
Meditation, Intuition, Gebet als&lt;br /&gt;
Zwiesprache mit Gott diese&lt;br /&gt;
Kraftquellen sind für das volle&lt;br /&gt;
Selbstverständnis des Menschen&lt;br /&gt;
und seine Lebenserfüllung nicht&lt;br /&gt;
wegzudenken. In diesem Sinne verstehen wir das Wort Baha’u’llähs:&lt;br /&gt;
„Die Quelle aller Gelehrsamkeit&lt;br /&gt;
ist die Erkenntnis Gottes, erhaben&lt;br /&gt;
sei Sein Ruhm! Diese Erkenntnis&lt;br /&gt;
kann auf keine andere Weise erlangt werden als durch die Erkenntnis Seiner göttlichen Offenbarung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine fundamentale Lehre des&lt;br /&gt;
Bahá’í-Glaubens ist die Erkenntnis, „daß religiöse Wahrheit nicht&lt;br /&gt;
absolut, sondern nur relativ ist,&lt;br /&gt;
daß die göttliche Offenbarung&lt;br /&gt;
wohlgeordnet, dauernd und fortschreitend und nicht starr oder&lt;br /&gt;
endlich ist.“ Im Fortschreiten der&lt;br /&gt;
göttlichen Offenbarung liegt die&lt;br /&gt;
wegweisende Führung der Menschheit zu ihrer wahren Bestimmung,&lt;br /&gt;
das Königreich Gottes auf Erden&lt;br /&gt;
zu errichten. Die Bahd’i-Offenbarung als „der Höhepunkt eines&lt;br /&gt;
prophetischen Zyklusses und die&lt;br /&gt;
Erfüllung der Verheißung aller&lt;br /&gt;
Zeiten“ betrachtet die voraufgegangenen Religionen „in keinem&lt;br /&gt;
anderen Lichte denn als verschiedene Stufen in der ewigen Geschichte und andauernden Ent&lt;br /&gt;
wicklung einer göttlichen und&lt;br /&gt;
unteilbaren Religion, von der sie&lt;br /&gt;
selber nur ein abzulösender Teil&lt;br /&gt;
ist.“ (Shoghi Effendi).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese grundlegende Erkenntnis&lt;br /&gt;
findet in den Häusern der Andacht der Bahá’í (Mashriqw!lAdhkar) als einer von Baha’u’lläh&lt;br /&gt;
angeordneten zentralen Einrichtung für die Gläubigenihren sichtbaren Ausdruck. In diesen Gotteshäusern, für alle Menschen offen,&lt;br /&gt;
wird das Wort Gottes aus allen&lt;br /&gt;
Heiligen Schriften der Offenbarungsreligionen gelesen oder gesungen, ohne Predigt, ohne Exegese. Den Andachten, in welchen&lt;br /&gt;
sich die Menschen zur Einigung&lt;br /&gt;
und Erleuchtung ihrer Herzen unter das Wort Gottes stellen, ist&lt;br /&gt;
eine ritus- und kultfreie Form&lt;br /&gt;
eigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrheitsfindung sollte eigenem Entschluß und selbständigem&lt;br /&gt;
unermüdlichkem Willen zum Forschen entspringen. Der Mensch des&lt;br /&gt;
20. Jahrhunderts ist dem Jünglingsalter entwachsen. Seine geistige und intellektuelle Reife, seine&lt;br /&gt;
soziale Rolle in der oft noch von&lt;br /&gt;
anonymen Kräften bestimmten&lt;br /&gt;
Gesellschaft erfordern Mut, Unerschrockenheit, gepaart mit tiefer Gläubigkeit, Liebe und Gerechtigkeitssinn. Wer in unserer&lt;br /&gt;
Zeit den Pfad der Wahrheitssuche&lt;br /&gt;
einschlägt, wird erkennen, daß Gott&lt;br /&gt;
durch Bahá’u’lláh Sein heilbringendes Wort, ausgestattet mit unleugbaren schöpferischen Kräften,&lt;br /&gt;
zur Heraufführung des Zeitalters&lt;br /&gt;
eines neuen geeinigten Menschengeschlechts verkünden hieß.&lt;br /&gt;
Seine Botschaft entreißt die friedlos zerrissene Menschheit dem&lt;br /&gt;
Dunkel der Ungewißheit und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit. Als Sprecher&lt;br /&gt;
�{{page|757|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=14}}Gottes führt Er die Menschen&lt;br /&gt;
„zum Lichte wahren Verstehens.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freiheit ohne Ordnung führt in&lt;br /&gt;
allen Lebensbereichen letztlich zu&lt;br /&gt;
anarchischen Zuständen, wofür&lt;br /&gt;
die Weltgeschichte wahrlich genug&lt;br /&gt;
zwingende Beweise geliefert hat&lt;br /&gt;
und heute gefahrdrohend liefert.&lt;br /&gt;
Das Problem der Macht und ihres&lt;br /&gt;
Mißbrauchs ist damit aufs engste&lt;br /&gt;
verknüpft. Bahd’u’lläh erteilte&lt;br /&gt;
durch Seine in dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
ausschnittweise wiedergegebenen&lt;br /&gt;
Sendschreiben an machtgierige&lt;br /&gt;
Herrscher Seiner Zeit eine unmißverständliche Lektion. Er ließ&lt;br /&gt;
keine Zweifel daran, welches Unheil droht, wenn die Völker und&lt;br /&gt;
ihre Regenten nicht auf Sein&lt;br /&gt;
Wort hören sollten. „Wir haben&lt;br /&gt;
euch eine Zeit bestimmt, o Menschen! Wenn ihr versäumt, euch&lt;br /&gt;
zur festgesetzten Stunde Gott zuzuwenden, so wird Er, wahrlich,&lt;br /&gt;
gewaltig Hand an euch legen und&lt;br /&gt;
euch mit schmerzlicher Trübsal&lt;br /&gt;
von allen Seiten bedecken. Wahrlich, streng ist die Züchtigung, mit&lt;br /&gt;
der euch euer Herr dann heimsucht! ... Das Wesen alles dessen,&lt;br /&gt;
was Wir für dich offenbarten, ist&lt;br /&gt;
die Gerechtigkeit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heute weltumfassende&lt;br /&gt;
Bahüa’i-Gemeinschaft ist dazu berufen, den Heilsplan Gottes, welcher Seiner auf Gerechtigkeit und&lt;br /&gt;
Liebe aufgebauten Weltordnung&lt;br /&gt;
zugrunde liegt, fortschreitend und&lt;br /&gt;
beispielhaft zu verwirklichen. Die&lt;br /&gt;
auf den Gesetzen Bahd’u’llähs beruhende Gemeinschaftsordnung,&lt;br /&gt;
„einzig in der gesamten Geschichte der politischen Einrichtungen“ und „ohne Gegenstück&lt;br /&gt;
in den Annalen aller anerkannten Religionssysteme der Welt“&lt;br /&gt;
(Shoghi Effendi), soll das Modell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der künftigen Gesellschaftsstruktur sein. Die Baha@’ti-Weltgemeinde,&lt;br /&gt;
als Keimzelle für die Gottesherrschaft auf Erden, bestimmt durch&lt;br /&gt;
die Gesetze göttlicher Gerechtigkeit und Liebe, erstreckt sich z. Zt.&lt;br /&gt;
auf 311 Länder und Territorien&lt;br /&gt;
und fußt auf der Tätigkeit von 81&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Räten, mehr&lt;br /&gt;
als 6000 Geistigen Räten und mehr&lt;br /&gt;
als 28000 Bahü’i-Zentren im Zeichen weiteren Wachstums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrierende Elemente der administrativen Einrichtungen der&lt;br /&gt;
Bahöd’i-Gemeinde sind: Mitverantwortung jedes einzelnen durch&lt;br /&gt;
aktive und passive Wahlrechte,&lt;br /&gt;
geheime Persönlichkeitswahl ohne&lt;br /&gt;
Wahlvorschläge, autoritative und&lt;br /&gt;
unabhängige Treuhandräte in&lt;br /&gt;
höchster Verantwortung vor Gott,&lt;br /&gt;
Hochhaltung des Beratungsprinzips, Führung stets in den Händen eines gewählten Gremiums,&lt;br /&gt;
unter Ausschluß jeglicher diktatorischer und persönlicher Machtausübung. Leitgedanke für alle&lt;br /&gt;
Entscheidungen ist die Förderung&lt;br /&gt;
und Erhaltung der geistigen Einheit der Menschheit als oberstes&lt;br /&gt;
Gemeinwesen und das erneuerte&lt;br /&gt;
Bündnis Gottes als Achse der EinReit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha’i-Weltgemeinwesen&lt;br /&gt;
wird, wie verheißen ist, in der&lt;br /&gt;
Fülle der Zeit das Reich Gottes&lt;br /&gt;
als irdisches Ereignis hervorbringen, eine föderative Weltfamilie,&lt;br /&gt;
ein Friedensreich, das sich in einer&lt;br /&gt;
schöpferischen Weltkultur manifestieren wird. Apokalyptische&lt;br /&gt;
Endzeiterwartung wird sich im Anbruch eines neuen planetarischen&lt;br /&gt;
Zeitalters in noch unabsehbarer&lt;br /&gt;
Höherentwicklung des Menschengeschlechts erfüllen. Baha’u’lldh&lt;br /&gt;
hat vor hundert Jahren verkündet, daß die Völker zunächst die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
757&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|758|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=15}}Phase des „Geringeren Friedens“&lt;br /&gt;
durchschreiten müßten, weil sie&lt;br /&gt;
Seinem Rufe kein Gehör schenkten. Die Wandlung des einzelnen,&lt;br /&gt;
die Vergeistigung und Heiligung&lt;br /&gt;
der Menschheit durch die Führung Gottes bilden die Voraussetzung des „Größten Friedens“,&lt;br /&gt;
des Goldenen Zeitalters auf Erden. Nicht eher werden Kriegswaffen abgeschafft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weltordnung Bahd’u’llähs&lt;br /&gt;
zielt auf die Bildung eines Weltbundesstaates ab, der als wesentliche Einrichtung ein Weltparlament, eine Weltregierung, ein&lt;br /&gt;
Weltschiedsgericht, eine Weltexekutive sowie eine Weltsicherheitspolizei haben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) „Das Naturbild der heutigen Physik“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor hundert Jahren richtete&lt;br /&gt;
Baha’u’lliäh Seinen Ruf an die&lt;br /&gt;
ganze Menschheit. Die Welt ist&lt;br /&gt;
seitdem nicht zur Ruhe gekommen. Drohend steht eine Situation&lt;br /&gt;
vor aller Augen, die von den Politikern als ein „Gleichgewicht des&lt;br /&gt;
Schreckens“ beschrieben wird.&lt;br /&gt;
Dieser Zustand wird so lange&lt;br /&gt;
währen, wie die „Ratschläge des&lt;br /&gt;
Allmächtigen unerwogen beiseite&lt;br /&gt;
gelassen werden“. Jeder ist mitverantwortlich für die Zukunft&lt;br /&gt;
des Menschengeschlechts. Ist es&lt;br /&gt;
da nicht die erste Pflicht eines&lt;br /&gt;
jeden, jene „Ratschläge des Allmächtigen“ zu prüfen und am&lt;br /&gt;
Aufbau einer neuen Welt mitzuhelfen? Dr. Eugen Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Werden der Bahá’í-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
22. MAI&lt;br /&gt;
1844: Mullä Husayn.&lt;br /&gt;
HERBST&lt;br /&gt;
1844:&lt;br /&gt;
‘Ali bekennt sich zum Báb.&lt;br /&gt;
SOMMER&lt;br /&gt;
1847:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
758&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb (1819—1850) erklärt Seine Sendung dem ersten Jünger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb reist nach Mekka, die Jünger verkünden Seine Sendung&lt;br /&gt;
im ganzen Land. Mullä Husayn überbringt Mirza Husayn ‘Ali&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Bahá’u’lláh, 1817—1892) ein Sendschreiben des Báb. Mirzä Husayn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb wird in die Festung Mah-Kü verbannt. Ein geplantes&lt;br /&gt;
Zusammentreffen zwischen Ihm und dem Schah wird durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Ministerpräsidenten verhindert.&lt;br /&gt;
�{{page|759|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JULI Der Báb wird in Tabriz in Anwesenheit des Thronfolgers von&lt;br /&gt;
1848: namhaften Würdenträgern der islamischen Geistlichkeit verhört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JULI Der Báb wird mit einem ergebenen Anhänger auf einem Ka50: sernenhof in Tabriz öffentlich erschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AU G UST Höhepunkt der Bábi-Verfolgungen auf Grund eines Attentats auf&lt;br /&gt;
1 :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
85 den Schah. Tausende von Bábi werden hingemetzelt, viele gefangengenommen. Bahá’u’lláh wird in den Siyäh-Chäl („Schwarzes Loch“), das berüchtigste Gefängnis Teherans, gebracht, wo&lt;br /&gt;
Er die erste Offenbarung empfängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 A,NVAR Bahá’u’lláh wird mit Seiner Familie nach Bagdad verbannt.&lt;br /&gt;
53:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1854- Bahá’u’lláh als Einsiedler in Kurdistan. Nach zweijährigem Auf&lt;br /&gt;
1856: enthalt kehrt Er nach Bagdad zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21. APRILBahá’u’lláh erklärt in Bagdad Seine Sendung als der von El&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1863: Báb und allen Ihm vorangegangenen Gottgesandten verheißene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. MAI Verbannung Bahá’u’lláhs und Seiner Angehörigen von Bagdad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1863: nach Konstantinopel (Istanbul).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DEZ. Verbannung Bahá’u’lláhs und Seiner Angehörigen von Konstan&lt;br /&gt;
1863: tinopel nach Adrianopel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1867: Bahá’u’lláh offenbart die Süriy-i-Mulük, ein Tablet an die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könige; außerdem zahlreiche Sendschreiben an weltliche und&lt;br /&gt;
geistliche Herrscher und Würdenträger der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUGUST Weiterverbannung Bahä’ulliähs und Seiner Angehörigen in die&lt;br /&gt;
1868: Gefängnisstadt ‘Akkä (Palästina).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1870/71: Sturz Napoleons III., und Entmachtung von Papst Pius IX.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UM1880: Bahá’u’lláh zieht nach Bahji, einem Gehöft bei ‘Akkä, wo Er&lt;br /&gt;
zwar als Staatsgefangener, doch in relativer Freiheit Seinen&lt;br /&gt;
Lebensabend verbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28. MAI Hinscheiden Bahá’u’lláhs in Bahji. In Seinem Testament ernennt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1892: Er Seinen ältesten Sohn, ‘Abbäs Effendi (1844-1921), genannt&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahä (Diener der Herrlichkeit), zum Mittelpunkt Seines&lt;br /&gt;
Bündnisses und zum authentischen Erklärer Seiner Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23, SE PT. Der Bahá’í-Glaube wird erstmals in den USA bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1902: Beginn der Errichtung des ersten Hauses der Andacht in ‘Ishqä&lt;br /&gt;
bäd (Turkmenistan, Rußland).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
759&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|760|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=17}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEPT&lt;br /&gt;
1908&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910/11:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1912:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1913:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
me&lt;br /&gt;
oo&lt;br /&gt;
wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1937:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1953:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausbruch der Jungtürkischen Revolution, die die Freilassung&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahäs und Seiner Gefährten zur Folge hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahä reist nach Ägypten, Frankreich und England, wo&lt;br /&gt;
Er öffentlich vor großen Zuhörerkreisen spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahä reist nach USA, spricht in verschiedenen Städten&lt;br /&gt;
und legt in Wilmette/Ill. den Grundstein des ersten Hauses der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andacht für den Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahä besucht Europa, u. a. Deutschland (Stuttgart, Eßlingen, Bad Mergentheim).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sturz des Zarenhauses Romanow. Zusammenbruch des Kaiserreichs Österreich — Ungarn und Ende der Habsburger Monarchie.&lt;br /&gt;
Sturz des deutschen Kaiserhauses. Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und Aufhebung von Sultanat und Kalifat. Sturz&lt;br /&gt;
der Kadscharendynastie in Persien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahäs in Haifa. Durch Seinen „Willen und&lt;br /&gt;
Testament“ wird Sein Enkel, Shoghi Effendi (1897—1957), zum&lt;br /&gt;
„Hüter der Sache Gottes“ ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offizielle Anerkennung des Bahá’í-Glaubens und dessen Unabhängigkeit vom Islam durch Gerichtsurteil in Ägypten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auflösung der Bahá’í-Gemeinde, Verbot der Bahá’í-Religion und&lt;br /&gt;
Vernichtung der gesamten Bahá’í-Literatur in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Veranlassung von Shoghi Effendi und in Vollzug des von&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahä niedergelegten „Göttlichen Planes“ beginnt die systematische Verbreitung der Bahá’í-Religion in der ganzen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bestehen zwölf Nationale Geistige Räte und etwa 2500 Bahá’íZentren und Gemeinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinscheiden von Shoghi Effendi. Die von ihm bestimmten obersten „Sachwalter“ des Glaubens arbeiten an dem von ihm aufgezeichneten Plan weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, der obersten&lt;br /&gt;
gesetzgeberischen Körperschaft in der Bahá’í-Religion, durch die&lt;br /&gt;
Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte der ganzen Welt in&lt;br /&gt;
Haifa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltkongreß der Bahá’í in London.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Nationalen Geistigen Räte auf 81, Zahl der Bahá’íZentren und Gemeinden in aller Welt auf 28 217 gestiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|761|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hott&lt;br /&gt;
anzubeten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit alters her hat der Mensch&lt;br /&gt;
Orte geschaffen, an denen er&lt;br /&gt;
Gott anbetete und verehrte.&lt;br /&gt;
Juden, Hindu, Buddhisten, Christen, Moslem versammelten und&lt;br /&gt;
versammeln sich in Synagogen,&lt;br /&gt;
Tempeln, Kathedralen, Moscheen&lt;br /&gt;
und anderen Gebetshäusern&lt;br /&gt;
zum Lobpreis ihres Schöpfers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute und noch mehr in der&lt;br /&gt;
Zukunft darf und wird es keine&lt;br /&gt;
Trennung mehr geben. In einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fortsetzung Seite IV)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ASIEN -Jshqäbäd*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|762|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=19}}100 JAHRE&lt;br /&gt;
BAHA’I-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Offenbarung Bahd’u&#039;llahs kennzeichnet seit der Mitte des 19.&lt;br /&gt;
Jahrhunderts den jüngsten Abschnitt in der Entwicklungsgeschichte der&lt;br /&gt;
Weltreligionen. Mit ihr erfüllen sich die Prophezeiungen vorangegangener Religionsstifter und Propheten. Es sind jetzt 100 Jahre, daß&lt;br /&gt;
Bahd’u’lläh Seine programmatische Botschaft an die Herrscher und&lt;br /&gt;
geistigen Würdenträger der Welt richtete. Alle Seine Lehren und Gesetze sind ausgerichtet auf das hohe Ziel einer göttlich begründeten,&lt;br /&gt;
gerechten Weltordnung. Die Bahd’i-Religion bedeutet somit nicht nur&lt;br /&gt;
eine Erneuerung der ewigen Wahrheiten, die allen Offenbarungsreligionen der Vergangenheit innewohnen; sie vermittelt darüber&lt;br /&gt;
hinaus den göttlichen Heilsplan zur Überwindung der gegenwärtigen&lt;br /&gt;
Krise der Menschheit. Wesentliche Prinzipien dieser Welt-Religion im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wahren Sinne, die Bahd’u’lläh zwischen 1853 und 1892 niederlegte,&lt;br /&gt;
sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ das unabhängige Forschen nach Wahrheit, das sich befreit hat von allen&lt;br /&gt;
Banden engstirnigen Festhaltens an fortschrittshemmenden Überlieferungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Einheit und organische Ganzheit des Menschengeschlechts, die Grunderkenntnis und zentrale Wahrheit eines weltumfassenden Glaubens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Einheit aller Religionen in ihren geistigen Grundlagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Überbrückung aller Vorurteile, seien sie religiöser, sozialer, rassischer&lt;br /&gt;
oder nationaler Art&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Übereinstimmung von Religion und Wissenschaft&lt;br /&gt;
@ gleiche Rechte für Mann und Frau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die gesetzliche Verpflichtung zur besten Erziehung aller Menschen&lt;br /&gt;
�{{page|763|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=20}}@ die allgemeine Einführung einer Welthilfssprache neben der Muttersprache&lt;br /&gt;
@ die Begrenzung des Reichtums und die Behebung sozialer Not&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Bildung eines Weltbundesstaates und eines Weltschiedsgerichtshofs&lt;br /&gt;
zur Schlichtung von Streitigkeiten unter den Völkern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ göttlich bestimmte Gerechtigkeit als Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Würdigung jeglicher Arbeit, die im Geiste des Dienens getan wird,&lt;br /&gt;
als Gottesdienst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ die Religion als Bollwerk der Liebe und Verständigung für den Schutz&lt;br /&gt;
aller Völker und Rassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ das Wirken für einen dauerhaften, umfassenden Frieden als erhabenstes&lt;br /&gt;
Ziel menschlicher Tätigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahd&#039;i in aller Welt „stehen fest zu dem von Bahd&#039;u&#039;lläh verkündeten Grundprinzip, daß Gottesoffenbarung ein fortdauerndes&lt;br /&gt;
und fortschreitendes Geschehen ist, daß alle großen Religionen göttlich in ihrem Ursprung sind, ihre Grundsätze miteinander in völligem&lt;br /&gt;
Einklang stehen, ihre Ziele und Absichten ein und dieselben und ihre&lt;br /&gt;
Lehren nur Widerspiegelungen der einen Wahrheit sind, daß ihr&lt;br /&gt;
Wirken sich ergänzt ... und ihre Sendungen aufeinanderfolgende&lt;br /&gt;
geistige Entwicklungsstufen der Menschheit darstellen”. (Shoghi Effendi)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Auftrag Bahd’u’llähs ist „zu verkünden, daß die Zeiten der&lt;br /&gt;
Kindheit des Menschengeschlechts nun vorüber sind, daß die gegenwärtigen Erschütterungen das Nahen jener Zeit künden, da die&lt;br /&gt;
Schwerter in Pflugscharen verwandelt werden sollen, das von Jesus&lt;br /&gt;
Christus verheißene Reich begründet und der Friede auf dieser Erde&lt;br /&gt;
endgültig gesichert sein wird”. So wenig wie einer der Ihm vorangegangenen Offenbarer „erhebt Bahd&#039;u&#039;lläh den Anspruch auf Endgültigkeit Seiner Offenbarung; Er erklärt ausdrücklich, daß in den späteren Phasen der endlos weiterschreitenden Menschheitsentwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein noch größeres Maß der Wahrheit offenbart werden muß“. (Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi)&lt;br /&gt;
�{{page|764|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=21}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hi r klein gewordenen Welt, einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a &amp;quot;” me. _ Welt der Nachbarschaft, errichee MIR ten die Bahd’i ausschließlich aus&lt;br /&gt;
eigenen Mitteln Häuser der Andacht, die Symbole der Einheit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
u a un Sinnbilder für eine geeinte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 i friedliche Welt, Stätten der Ausstrahlung göttlichen Lichtes sein&lt;br /&gt;
sollen. Nach den Geboten&lt;br /&gt;
Bahd’u&#039;llähs werden sie später&lt;br /&gt;
von Gebäuden umgeben sein,&lt;br /&gt;
die sozialen, erzieherischen,&lt;br /&gt;
humanitären und wissenschaft: lichen Zwecken dienen. Das&lt;br /&gt;
(ass u! erste europäische Haus der An - m | dacht wurde in Langenhain im&lt;br /&gt;
.. nu 5 Taunus gebaut und 1964 eingeine weiht *). — Die Bahd&#039;i-Religion&lt;br /&gt;
kennt keine bezahlte Geistlichkeit, keine Riten und keinen&lt;br /&gt;
formstarren Gottesdienst mit Predigten und Textauslegung durch Priester. In den „Häusern der Andacht” wird das Wort Gottes nach den&lt;br /&gt;
heiligen Schriften aller Offenbarungsreligionen gelesen oder gesungen. Bis jetzt gibt es derartige Bauwerke außer jenem im Taunus in&lt;br /&gt;
Wilmette/USA, Kampala/Afrika und Sydney/Australien. Das erste&lt;br /&gt;
„Haus der Andacht” in ‘Ishgqdbäd/Turkmenistan ist 1963 einem Erd&lt;br /&gt;
beben zum Opfer gefallen. Ein weiterer Bau wird in Kürze in Panama&lt;br /&gt;
errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. x&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= mem; wand ye&lt;br /&gt;
m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*) Offentliche Andachten finden jeden Sonntag um 15 Uhr statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV&lt;br /&gt;
�{{page|765|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=22}}DIE EMPFÄNGER GÖTTLICHER BOTSCHAFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pius IX.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Graf Giovanni Mastai-Feretti,&lt;br /&gt;
geboren 1792 in Sinigaglia.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wurde 1827 Erzbischof von&lt;br /&gt;
Spoleto. In den Revolutionswirren&lt;br /&gt;
1831 verhalf er Louis Napoleon,&lt;br /&gt;
später Kaiser Napoleon III., und&lt;br /&gt;
dessen Mutter Königin Hortense&lt;br /&gt;
zur Flucht in die Schweiz. In Spoleto und später in Imola galt er&lt;br /&gt;
als liberal. 1840 wurde er Kardinal; 1846 zum 254, Papst gewählt,&lt;br /&gt;
nahm er den Namen Pius IX. an.&lt;br /&gt;
In der Folgezeit entpuppte er sich als erregbarer Gefühlsmensch. Da er&lt;br /&gt;
sich in seinem universalen Pontifikat nicht der Volkserhebung gegen&lt;br /&gt;
Österreich anschließen konnte, verlor er seine Beliebtheit. Vor dem Aufstand 1848 abenteuerliche Flucht nach Gaeta, dort zwei Jahre als Flüchtling. Mit Hilfe Napoleons III. in den Vatikan zurückgekehrt, erwies er sich&lt;br /&gt;
immer mehr als ein Gegner der Liberalen und Demokraten; mit seinem&lt;br /&gt;
Minister Antonelli regierte er den Kirchenstaat streng autokratisch. Pius&lt;br /&gt;
IX. erließ 1854 die Bulle über die „unbefleckte Empfängnis Mariä“. Im&lt;br /&gt;
Verlauf der italienischen Einigung verlor er nach 1860 den nördlichen Teil&lt;br /&gt;
des Kirchenstaats; französische Truppen sicherten ihm jedoch noch Rom&lt;br /&gt;
und Umgebung. Während des Vatikanischen Konzils 1869/70 wurden die&lt;br /&gt;
Unfehlbarkeit und das Universalepiskopat des Papstes zum Dogma erhoben. Als Napoleon III. in Sedan gefangen genommen wurde, besetzten&lt;br /&gt;
italienische Truppen Rom und beschränkten die staatliche Oberhoheit des&lt;br /&gt;
Papstes auf den Vatikan. Dies erfolgte kurz nachdem Pius IX. ein mahnendes Sendschreiben von Bahd’u’lläh empfangen und abgelehnt hatte.&lt;br /&gt;
Herrschsüchtig, unversöhnlich und verbittert verbrachte dieser Papst die&lt;br /&gt;
letzten Lebensjahre, bis er 1878 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
761&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|766|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viktoria&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin von Großbritannien, geboren am 24. Mai 1819, folgte&lt;br /&gt;
schon 1837 ihrem Onkel Wilhelm&lt;br /&gt;
IV. auf den Thron. Sie lebte von&lt;br /&gt;
1840 an in glücklicher Ehe mit ihrem Vetter Franz Albert von SachsenCoburg-Gotha, herrschte liberal und paßte sich dem Parlament&lt;br /&gt;
an; doch zog sie sich nach dem frühen Tod ihres Gatten (1861) immer&lt;br /&gt;
mehr von der Öffentlichkeit zurück. Auf ein Sendschreiben Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
schickte sie den Oxforder Orientalisten Professor Browne nach ‘Akkd;&lt;br /&gt;
Browne gab einen eindrucksvollen Bericht von seiner Begegnung mit&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh. 1876 wurde die Regentin zur Kaiserin Indiens proklamiert.&lt;br /&gt;
Ihre Gestalt und lange Regierung wurden für die zweite Hälfte des&lt;br /&gt;
19. Jahrhunderts zum Sinnbild des britischen Weltreichs. Sie erlebte&lt;br /&gt;
noch die Jahrhundertwende und starb 1901.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
762&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|767|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon Il.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geboren in Paris am 20. April&lt;br /&gt;
1808, als Prinz meist Louis Napoleon genannt, war ein Sohn König&lt;br /&gt;
Ludwigs Bonaparte von Holland&lt;br /&gt;
und der Königin Hortense, Tochter der Kaiserin Josephine, dadurch Neffe Napoleons I. und&lt;br /&gt;
Thronprätendent der Bonapartisten in Frankreich. Er lebte von&lt;br /&gt;
1815 an zunächst im Ausland und&lt;br /&gt;
besuchte unter anderem das Gymnasium in Augsburg. Mit Schriften, Reden und mißglückten Staatsstreichen — 1836 in Straßburg, 1840 in&lt;br /&gt;
Boulogne — kämpfte er gegen den „Bürgerkönig“ Louis Philippe für seinen Anspruch auf den Thron. Schließlich geriet er in Festungshaft in Ham,&lt;br /&gt;
entfloh aber 1846 nach London. Durch die Revolution von 1848 wurde er&lt;br /&gt;
Präsident der Zweiten Republik in Frankreich und schließlich durch einen&lt;br /&gt;
Staatsstreich 1851 mit nachfolgender Volksabstimmung 1852 Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 vermählte er sich mit der spanischen Gräfin Eugenie de Montijo,&lt;br /&gt;
einer Gefährtin seiner ehrgeizigen Pläne. Mit England und der Türkei&lt;br /&gt;
verbündet, bekämpfte er 1854 bis 1856 Rußlands Ansprüche im Krimkrieg.&lt;br /&gt;
Gegen den Preis Savoyens und Nizzas unterstützte er 1859 erfolgreich die&lt;br /&gt;
italienische Freiheitsbewegung gegen Österreich. Dann neigte sich sein&lt;br /&gt;
Stern. Sein Eingreifen in Mexiko erwies sich 1867 als Fehlschlag, in der&lt;br /&gt;
Zeit, als ihm von Baha’u’lläh in einem zweiten Sendschreiben — nachdem&lt;br /&gt;
er das erste verhöhnt hatte — sein Niedergang vorausgesagt wurde. Im&lt;br /&gt;
deutsch-französischen Krieg geriet er 1870 bei Sedan in Gefangenschaft,&lt;br /&gt;
in Paris wurde die Republik ausgerufen. Napoleon III. starb 1873 in London im Exil als gescheiterter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
763&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|768|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=25}}Wilhelm I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geboren 1797, war von 1858 an&lt;br /&gt;
Regent, ab 1861 König von Preußen. Anfangs liberal gesinnt, wurde er später sichtlich konservativ&lt;br /&gt;
und militaristisch. Von 1862 an hatte er in Bismarck einen überragenden&lt;br /&gt;
Staatsmann an seiner Seite, der auch im Kriege gegen Frankreich seine&lt;br /&gt;
Ausrufung zum Deutschen Kaiser durchsetzte. So wurde er später als&lt;br /&gt;
der „Alte Kaiser“ in Deutschland beliebt und verehrt. Er starb 1888. Auch&lt;br /&gt;
er wurde von Baha’u’lläih mit warnenden Worten angesprochen. Die&lt;br /&gt;
Erfüllung der darin enthaltenen Prophezeiungen von dem zweimaligen&lt;br /&gt;
Niedergang Deutschlands haben die folgenden Generationen schmerzlich&lt;br /&gt;
erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
764&lt;br /&gt;
�{{page|769|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=26}}Alexander II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zar von Rußland, geboren am 29.&lt;br /&gt;
April 1818, war der Sohn Nikolaus I. Er folgte seinem autokratischen Vater 1855 auf den Thron&lt;br /&gt;
und beendete 1856 den für Rußland unglücklichen Krimkrieg, 1861 die&lt;br /&gt;
Leibeigenschaft. Recht und Verwaltung gestaltete er liberaler. Er&lt;br /&gt;
erhielt ein Sendschreiben Bahá’u’lláhs aus dessen Gefangenschaft in&lt;br /&gt;
‘Akkad, auf das er nicht reagierte. Alexanders Außenpolitik, die 1872 im&lt;br /&gt;
Dreikaiserbündnis Deutschland — Österreich—Rußland gipfelte, hatte nur&lt;br /&gt;
begrenzte Erfolge. Seine letzten Jahre waren tragisch; 1881 wurde er in&lt;br /&gt;
Petersburg ermordet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
765&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|770|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Franz Joseph&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geboren 1830 in Wien, gelangte&lt;br /&gt;
als Nachfolger seines Oheims&lt;br /&gt;
Ferdinand I. 1848 auf den österreichischen Kaiserthron. Er regierte ziemlich absolutistisch. Der Verlust von Österreichs Machtstellung&lt;br /&gt;
in Italien ist ihm zuzuschreiben. Nach dem gegen Preußen ebenfalls verlorenen Krieg konnte er durch die Angliederung Ungarns zur Doppelmonarchie Österreichs Weltgeltung noch für einige Zeit verlängern. Seine&lt;br /&gt;
fast mythisch gewordene Gestalt wurde beliebt. Fast alle seine Familienangehörigen starben eines gewaltsamen Todes. Vor dem Zusammenbruch&lt;br /&gt;
seines Reiches endete 1916 sein langes Leben. Die Schicksalsschläge traten&lt;br /&gt;
bald ein, nachdem er ein warnendes Sendschreiben Bahäd’u’llähs unbeachtet&lt;br /&gt;
gelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
766&lt;br /&gt;
�{{page|771|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=28}}‘Abdu’l-‘Aziz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 16. Jahrhundert war&lt;br /&gt;
das türkische Weltreich im Niedergang begriffen. Auch ‘Abdu’l‘Aziz, geboren 1830, auf dem&lt;br /&gt;
Thron seit 1861, setzte die rückständigen Methoden fort. Für manche Verfolgungen der Bahd’i, für die Strenge und Verlängerung der Gefangenschaft Bahá’u’lláhs in Adrianopel und ‘Akka sind er und seine Ratgeber&lt;br /&gt;
verantwortlich. Nachdem Bahäd’u’lldh mehrmals fruchtlose Mahnungen&lt;br /&gt;
und Warnungen an ihn gerichtet hatte, wurde er 1876 in seinem Harem&lt;br /&gt;
von Ministern und Generälen ermordet. Wenige Jahrzehnte später erlosch seine Dynastie. 1922 wurde das Sultanat, 1924 das Kalifat abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
767&lt;br /&gt;
�{{page|772|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=29}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nasirld-Din&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus der Qäjär (= Kadscharen) —&lt;br /&gt;
Dynastie, wurde 1829 (1830?) geboren und kam 1848 auf den&lt;br /&gt;
Pfauenthron. Durch seinen Befehl&lt;br /&gt;
wurden die Bábi, die Anhänger von El Báb, verfolgt und nahezu vernichtet. Über 20000 starben den Märtyrertod. Auch die Hinrichtung des Báb&lt;br /&gt;
und die Einkerkerung Bahá’u’lláhs gehen auf sein Konto. Der Shäh war&lt;br /&gt;
und blieb ein unerbitterlicher Feind der Bäabi und später der Bahá’í. Er&lt;br /&gt;
wurde von Bahá’u’lláh als „der oberste der Unterdrücker“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
Seine Umgebung war korrupt. 1896 wurde er ermordet. Die Dynastie der&lt;br /&gt;
Qäjär verlor völlig an Bedeutung und erlosch 1925. Seither ist der Iran&lt;br /&gt;
in einem langsamen, von vielen inneren Widerständen gehemmten Modernisierungsprozeß begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
768&lt;br /&gt;
�{{page|773|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE JAHRHUNDERTHALLE IN FRANKFURT-HOCHST war Schauplatz der&lt;br /&gt;
europäischen Bahd&#039;i-Konferenz vom 7. bis 10. Oktober 1967 aus Anlaß der&lt;br /&gt;
hundertsten Wiederkehr jener Tage, in denen Bahá’u’lláh den Herrschern&lt;br /&gt;
der Welt SeineSendung verkündete. Sechs solche Konferenzen fanden gleichzeitig in Frankfurt, Kampala (Uganda), Wilmette, Neu Delhi, Sydney und&lt;br /&gt;
Panama statt; sie waren am Samstag, 7. Oktober, durch eine weltweite&lt;br /&gt;
telefonische Ringschaltung miteinander verbunden. Mit diesen interkontinentalen Konferenzen begann die Proklamationszeit, die die&lt;br /&gt;
Bahd’i der ganzen Welt zu verstärkten Bemühungen um die Verbreitung der&lt;br /&gt;
Lehren und Gebote Bahd’u’llähs vereinigt. Unter anderem fand ein öffentlicher Vortragsabend statt. Paul Haney sprach als Vertreter des&lt;br /&gt;
Bahá’í-Weltzentrums in Haifa/lsrael über das Thema „Die Verkündigung&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs — Beginn eines neuen Zeitalters”. — Unser Bild zeigt einen Teil&lt;br /&gt;
der rund 1700 Konferenz-Besucher, die aus 49 Ländern gekommen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
769&lt;br /&gt;
�{{page|774|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte von Bahä’u’llah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bezeuge vor Gott die Größe, die unfaßbare Größe&lt;br /&gt;
dieser Offenbarung. Wieder und immer wieder haben Wir in den&lt;br /&gt;
meisten Unserer Tablets für diese Wahrheit Zeugnis abgelegt, auf&lt;br /&gt;
daß die Menschheit aus ihrer Nachlässigkeit erwache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neues Leben regt sich in diesem Zeitalter in allen&lt;br /&gt;
Völkern der Erde, und dennoch hat niemand seine Ursache entdeckt&lt;br /&gt;
oder seine Triebkraft wahrgenommen. O ihr Menschenkinder, die&lt;br /&gt;
Grundabsicht, die den Gottesglauben und Seine Religion beseelt, ist,&lt;br /&gt;
das Wohl der Menschheit zu schützen und ihre Einheit zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind dann und nur dann zu erreichen, wenn ihre Ein&lt;br /&gt;
heit fest begründet ist. — So mächtig ist das Licht der Einheit, daß&lt;br /&gt;
es die ganze Erde zu erleuchten vermag ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V \ as in dieser hervorragenden, erhabensten Offenbarung kundgemacht wurde, ist ohne Beispiel in der Geschichte, noch&lt;br /&gt;
werden zukünftige Zeitalter Gleiches erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser mächtigsten Offenbarung haben alle Sen&lt;br /&gt;
dungen der Vergangenheit ihre höchste und letzte Vollendung ge&lt;br /&gt;
funden.&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tag naht heran, da Wir die Welt und alles, was&lt;br /&gt;
darinnen ist, aufgerollt und eine neue Ordnung an ihrer Statt ausgebreitet haben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Absicht, die der ganzen Schöpfung zu Grunde&lt;br /&gt;
liegt, ist die Offenbarung dieses erhabensten, dieses heiligsten Tages,&lt;br /&gt;
des Tages, der als Tag Gottes in Seinen Büchern und Schriften be&lt;br /&gt;
770&lt;br /&gt;
�{{page|775|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=32}}kannt ist — der Tag, den alle die Propheten, die Auserwählten und&lt;br /&gt;
die Heiligen wünschten miterleben zu können. Dies ist der Tag, an&lt;br /&gt;
dem Gottes vortrefflichste Gunstbezeigungen über die Menschen ausgeschüttet wurden, der Tag, an dem Seine mächtigste Gnade allen&lt;br /&gt;
erschaffenen Dingen eingeflößt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mächtig, unvorstellbar mächtig ist dieser Tag! Jeder&lt;br /&gt;
Prophet hat das Kommen dieses Tages angekündigt, und jeder Bote&lt;br /&gt;
sehnte sich voll Verlangen nach dieser Offenbarung — einer Offenbarung, bei deren Enthüllung alle erschaffenen Dinge ausriefen und&lt;br /&gt;
sprachen: „Die Erde ist Gottes, des Erhabensten, des Größten!“ Der&lt;br /&gt;
Tag der Verheißung ist gekommen, und Er, der der Verheißene ist,&lt;br /&gt;
verkündet laut vor allen, die im Himmel, und allen, die auf Erden&lt;br /&gt;
sind: „Wahrlich, es gibt keinen andern Gott! Was von Ewigkeit her&lt;br /&gt;
in der Weisheit Gottes, des Kenners des Sichtbaren und des Unsichtbaren, verwahrt war, ist geoffenbart. Glücklich das Auge, das sieht&lt;br /&gt;
und das sich dem Antlitz Gottes, des Herrn alles Seins, zuwendet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem der Ozean des Erbarmens&lt;br /&gt;
Gottes den Menschen kundgetan wurde, der Tag, an dem das Tagesgestirn Seiner Güte seinen Glanz über sie ausgoß, der Tag, an dem&lt;br /&gt;
die Wolken Seiner gnadenreichen Gunst die Gesamtheit der Menschheit überschatteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Groß, wahrhaftig, ist dieser Tag! Die Hinweise, die in allen Heiligen Schriften auf ihn als den Tag Gottes gegeben wurden, bestätigen seine Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag ist ein Tor geöffnet, weiter als Himmel und Erde&lt;br /&gt;
zusammen. Das Auge des Erbarmens Dessen, der das Verlangen der&lt;br /&gt;
Welt ist, ist auf alle Menschen gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist der Tag, an dem die unsichtbare Welt ausruft: „Groß ist&lt;br /&gt;
deine Glückseligkeit, o Erde, denn du wurdest zum Fußschemel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deines Gottes gemacht und zum Sitz Seines mächtigen Thrones erwählt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zıı&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|776|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei freigebig im Glück und dankbar im Unglück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei des Vertrauens deines Nächsten wert&lt;br /&gt;
und schaue hellen und freundlichen Auges auf ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei ein Schatz dem Armen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Mahner dem Reichen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Antwort auf den Schrei des Bedrückten,&lt;br /&gt;
und halte dein Versprechen heilig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei gerecht in deinem Urteil&lt;br /&gt;
und behutsam in deiner Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei zu keinem Menschen unbillig,&lt;br /&gt;
sondern erweise allen Sanftmut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei wie eine Lampe für die, so im Dunkeln gehn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Freude den Betrübten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Meer für die Dürstenden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein schützender Port für die Bedrängten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stütze und Verteidiger für das Opfer der Unterdrückung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laß Sauberkeit und Redlichkeit all dein Handeln auszeichnen.&lt;br /&gt;
Sei eine Heimat dem Fremdling,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Balsam dem Leidenden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Flüchtling ein starker Turm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei dem Blinden Auge&lt;br /&gt;
und ein Licht der Rechtleitung für den Fuß des Irrenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei ein Schmuck für das Antlitz der Wahrheit,&lt;br /&gt;
eine Krone für die Stirn der Treue,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Pfeiler am Tempel der Redlichkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lebenshauch dem Körper der Menschheit,&lt;br /&gt;
ein Banner für die Heerscharen der Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
ein Himmelslicht am Horizont der Tugend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tau für den Urgrund des Menschenherzens,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Arche auf dem Meer der Erkenntnis,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Sonne am Himmel der Gnade,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein Stein im Diadem der Weisheit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein strahlendes Licht am Firmament deiner Zeitgenossen,&lt;br /&gt;
eine Frucht am Baume der Demut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dich vor der Glut der Eifersucht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und vor der Kälte des Hasses zu schützen,&lt;br /&gt;
darum bitten Wir Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, wahrlich, ist nahe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bereit zur Antwort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(„Ährenlese“ CXXX; „Brief an den Sohn des Wolfes“, S. 88 £.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
772&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|777|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahä (1844-1921)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
773&lt;br /&gt;
�{{page|778|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Schrein am Berg Karmel in Haifa/Israel, dem Weltzentrum der&lt;br /&gt;
Bahá’í, sind die sterblichen Überreste von El Báb, dem Herold und Vorläufer der Bahd’i-Religion, beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
774&lt;br /&gt;
�{{page|779|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AHRENLESE&lt;br /&gt;
aus den Schriften Bahd’u’llähs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, der autorisierte Ausleger der Bahá’í-Lehren, besorgte diese Auswahl von 165 Textstellen, die vom Wesen der Gottesoffenbarer, der geistigen&lt;br /&gt;
Natur des Menschen und der neuen, im Aufbau begriffenen Weltordnung handeln.&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Wahrheiten der Bahá’í-Religion sind hier in einem grundlegenden Kompendium vereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
240 Seiten, Ganzleinen DM 18,90; sFr. 20,40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘ABDU’L-BAHÄA&lt;br /&gt;
BEANTWORTETE FRAGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Tischgesprächen in ‘Akkäa äußerte sich &#039;Abdu’l-Baha zu einer Vielfalt von&lt;br /&gt;
geistigen und philosophischen Fragen: Wesen und Bedeutung der Offenbarer,&lt;br /&gt;
die wahre Natur des Menschen, einige christliche Themen, Willensfreiheit, Reinkarnation und vieles andere mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
306 Seiten, Ganzleinen DM 15,80; sFr. 17,&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH&lt;br /&gt;
UND DAS NEUE ZEITALTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Dr. J. E. Esslemont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Einführung in die Geschichte und die Lehren des Bahad!iGlaubens. Das umfassende Handbuch und Nachschlagewerk. In viele Sprachen&lt;br /&gt;
übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
324 Seiten, Ganzleinen DM 16,80; sFr. 18,10&lt;br /&gt;
kartoniert (cellophaniert) DM 13,90; sFr. 15,—&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTUSUNDBAHA’U’LLÄAH&lt;br /&gt;
von George Townshend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein hervorragender Theologe und Wissenschaftler überprüft hier die Aussagen&lt;br /&gt;
der Bibel über die „Wiederkunft” Christi im Lichte der göttlichen Offenbarung.&lt;br /&gt;
Das Buch wendet sich an alle Christen, für die das „Dein Reich komme“ noch&lt;br /&gt;
eine lebendige Bedeutung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
128 Seiten, Ganzleinen DM 6,70; sFr. 7,20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS IST DIE BAHA’I-RELIGION...?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine umfassende Darstellung des neuen Glaubens. Klar werden Anspruch und&lt;br /&gt;
Lehren der Bahá’í-Religion in vier großen Themenkreisen behandelt: Grundzüge&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion — Menschen nach Gottes Bild — Erkenntnis — Geist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
775&lt;br /&gt;
�{{page|780|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaft. Objektive Darlegung und geoffenbartes Textgut verbinden sich&lt;br /&gt;
zu einem abgerundeten Bild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
68 Seiten, kartoniert DM 1,50; sFr. 1,60&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-BRIEFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blätter für Weltreligion und Weltbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viermal im Jahr erscheinende Zeitschrift. Die „Baha’i-Briefe“ informieren über alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ereignisse und Entwicklungen in der Baha’i-Weltgemeinschaft.&lt;br /&gt;
DM 0,80 je Heft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA’I-VERLAG GMBH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6 Frankfurt am Main, Westendstraße 24, Telefon 72 36 26&lt;br /&gt;
Postscheckkonto: Frankfurt am Main 205 43&lt;br /&gt;
Bankkonto: Dresdner Bank, Frankfurt, Konto 114 793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auslieferung in der Schweiz durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schweizer. Buchkomitee der Bahö’i&lt;br /&gt;
3000 Bern, Dufourstraße 13, Telefon (031) 44 10 20&lt;br /&gt;
Postscheckkonto: Bern 30-30 013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nationalen Bahá’í-Zentren&lt;br /&gt;
erteilen gern jede Auskunft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
der Bahá’í in Deutschland e.V. der Bahá’í in Österreich&lt;br /&gt;
D-6 Frankfurt 1 A-1180 Wien XVIU&lt;br /&gt;
Westendstraße 24 Thiemiggasse 12&lt;br /&gt;
Tel. (0611) 72 27 32 Tel. 471153&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í der Schweiz&lt;br /&gt;
der Bahá’í in Luxemburg CH-3000 Bern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luxemburg Dufourstraße 13&lt;br /&gt;
8, rue Marechal Foch Tel. (031) 44 10 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestraße 14, Telefon&lt;br /&gt;
(0 62 57) 74 67, und Dieter Schubert, 7021 Oberaichen, Viehweg 15, Telef. (07 11) 74 97 67.&lt;br /&gt;
Vertrieb: Georg Schloz, Bahá’í-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdäruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jährlich, Zahlungen erbeten an Bahá’í-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE*,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
776&lt;br /&gt;
�{{page|781|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=38}}„Ein Buch, das&lt;br /&gt;
manchen auf Tradition Bedachten&lt;br /&gt;
herausfordern&lt;br /&gt;
mag, das aber jenen zahlreicheren suchenden&lt;br /&gt;
Menschen freien&lt;br /&gt;
Geistes zu denken gibt, deren&lt;br /&gt;
Zahl ständig im Steigen begriffen ist, in einem Abendland, das allen&lt;br /&gt;
Glauben in den alten und pessimistischen Religionen und in einem pseudo-optischen Atheismus zu verlieren beginnt.“ Professor Alessandro&lt;br /&gt;
Bausani, Universität Neapel. 184 Seiten, Ganzleinen DM 12,80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soeben erschienen im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERBUM-VERLAG — STUTTGART I — POSTFACH 321&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�{{page|782|file=Baha&#039;i_Briefe_30.pdf|page=39}}Shoghi Effendi, der Urenkel Bahá’u’lláhs, des Begründers&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Weltreligion, schrieb dieses Werk aus der Sicht&lt;br /&gt;
unserer Tage heraus. Es gibt einerseits rückblickend ein&lt;br /&gt;
fesselndes und erschütterndes Bild der geschichtlichen&lt;br /&gt;
Entwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in&lt;br /&gt;
die unmittelbare Gegenwart und verdeutlicht andererseits das Wesen, die Wichtigkeit und die Größe des&lt;br /&gt;
Führungsanspruches Bahá’u’lláhs und Seiner Lehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieses ursprünglich an die Bahá’í im Westen gerichtete&lt;br /&gt;
bedeutsame Buch ist eine Herausforderung an jeden. In&lt;br /&gt;
raschem und dramatischem Fluß berichtetes die Geschichte des neuesten Gottesboten, der sich an die ganze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschheit wandte, auf den aber nur einige wenige&lt;br /&gt;
hörten. Es stellt den Niedergang der alten Ordnung und&lt;br /&gt;
die verborgene Geburt der neuen dar. Es zeigt aber auch&lt;br /&gt;
die tiefe Schwärze der heutigen Dunkelheit und verheißt&lt;br /&gt;
eine neue Morgendämmerung für die Menschheit.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Firuz Kazemzadeh, a.o. Professor für Geschichte an der&lt;br /&gt;
Yale Universität New Haven, Connecticut&lt;br /&gt;
212 Seiten, Ganzleinen DM 7,40; sFr. 8,10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;I-VERLAG GMBH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6000 Frankfurt/Main, Westendstraße 24, Tel. 0611/723626&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_3/Text&amp;diff=75325</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 3/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:08:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|47|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{header&lt;br /&gt;
 | title      = [[../../]]&lt;br /&gt;
 | author     = &lt;br /&gt;
 | translator = &lt;br /&gt;
 | section    = Januar 1961&lt;br /&gt;
 | previous   = [[../../Heft 2/Text|Heft 2]]&lt;br /&gt;
 | next       = [[../../Heft 4/Text|Heft 4]]&lt;br /&gt;
 | notes      = {{ks|1}}{{zurück}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BAHÁ&#039;I-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;BRIEFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION UND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|AUS DEM INHALT:}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsteinlegung für europäischen Mutter-Tempel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildberichte aus Langenhain und Frankfurt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht am Michigansee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Christentum im Lichte der Bahá’í-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JANUAR 1961 HEFT 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postverlagsort Frankfurt/Main&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|48|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|49|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20. November 1960:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Grundsteinlegung für europäischen Muttertempel===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haus der Andacht wird im Taunus gebaut&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohl noch selten hatte die Taunus-Gemeinde {{Sperrsatz|Langenhain}} bei&lt;br /&gt;
Frankfurt einen so großen Besucherstrom erlebt wie an diesem Sonntagmorgen, &lt;br /&gt;
am 20. November 1960, dem Tag der Grundsteinlegung des Muttertempels von Europa &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Weltgemeinde, des ersten Mashriqu’l-Adhkár auf europäischem Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein herrischer, kalter Wind, stark genug, um die wohl mehr als 500&lt;br /&gt;
Gläubigen aus Holland, Belgien, Luxemburg, Skandinavien, England,&lt;br /&gt;
Österreich, Schweiz, Persien und Deutschland tüchtig durchzupusten, &lt;br /&gt;
jedoch zu schwach, um den vom Regen völlig aufgeweichten Boden schnell&lt;br /&gt;
zu trocknen, fegte über das Gelände des künftigen Hauses der Andacht.&lt;br /&gt;
Trotzdem sah man nur glückliche, frohe Gesichter und fühlte sich von&lt;br /&gt;
der Herzlichkeit, mit der sich die Mitglieder der großen „Bahá’í-Familie“ &lt;br /&gt;
begrüßten, warm berührt. Das wind- und wetterschützende Zelt&lt;br /&gt;
konnte nicht alle Teilnehmer an dieser denkwürdigen Feierstunde aufnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Beginn der Feier bildeten Worte von Bahá’u’lláh und &#039;Abdu&#039;l-Bahá. Zuvor &lt;br /&gt;
waren alle Anwesenden, unter denen sich auch viele Gäste sowie Bewohner Langenhains &lt;br /&gt;
befanden, namens des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Deutschland&lt;br /&gt;
durch Ruprecht {{Sperrsatz|Krüger}} herzlich begrüßt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Platte über dem Grundstein&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Architekt des Hauses der Andacht, Dipl.-Ing. Teuto {{Sperrsatz|Rocholl}},&lt;br /&gt;
betonte in seiner Ansprache, daß dieses Gelände von all den Bauplätzen, &lt;br /&gt;
die in der langen Vorbereitungszeit in Erwägung gezogen&lt;br /&gt;
worden seien, das für einen Tempelbau günstigste sei. Ein schönerer&lt;br /&gt;
Rundblick, als man ihn von dieser Anhöhe aus habe, sei in der Umgebung&lt;br /&gt;
Frankfurts kaum zu finden. Ein tiefer symbolischer Sinn liege darin, daß&lt;br /&gt;
der Weg zum künftigen Tempel ansteige. Allein schon der Weg zur Höhe&lt;br /&gt;
könne eine Vorbereitung zur Andacht sein, besonders in dieser wohltuenden &lt;br /&gt;
Abgeschiedenheit. Das runde und symmetrische Gebäude mit seinen neun Toren &lt;br /&gt;
erfordere ein Gelände, das nach allen Seiten hin frei ist.&lt;br /&gt;
{{page|50|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
Er erläuterte umrißhaft das Modell des Tempels und sagte abschließend:&lt;br /&gt;
„Zwei Dinge sind es, die mich bewegen. Das ist erstens mein Dank dem&lt;br /&gt;
gegenüber, der die Idee zu dieser großen Aufgabe gehabt und gegeben&lt;br /&gt;
hat. Und das zweite ist meine Bitte, daß alle, die an diesem Bauwerk&lt;br /&gt;
arbeiten, in Gottes Schutz stehen mögen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Ströme der Gnade und des Segens sei nun, nach sieben Jahren&lt;br /&gt;
voller Widerstände und Schwierigkeiten, der ersehnte Tag gekommen,&lt;br /&gt;
an dem der Grundstein zum Muttertempel von Europa, dem fünften&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár, gelegt werden könne, sagte Amelia {{Sperrsatz|Collins}}, &lt;br /&gt;
Hand der Sache Gottes und hochbetagte Vertreterin des Bahá’í-Weltzentrums &lt;br /&gt;
in Haifa/Israel. Die Kraft Bahá’u’lláhs habe sich hierdurch erneut geoffenbart; &lt;br /&gt;
ein weiterer Sieg sei in Seinem Namen errungen worden. Ausgezeichnet werde &lt;br /&gt;
diese Grundsteinlegung durch ein kostbares Geschenk des ersten Hüters des &lt;br /&gt;
Bahá’í-Glaubens, {{Sperrsatz|Shoghi Effendi}}: eine Handvoll Erde vom Heiligen &lt;br /&gt;
Schrein auf dem Berge Karmel. Anläßlich der Interkontinentalen Konferenz der &lt;br /&gt;
Bahá’í im Jahre 1958 in Frankfurt habe sie dieses Geschenk zur Aufbewahrung &lt;br /&gt;
übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Collins sprach abschließend die Hoffnung aus, das Haus der Andacht möge &lt;br /&gt;
als Zeichen der Liebe der Bahá’í der ganzen Welt und unterstützt durch Gebete &lt;br /&gt;
und Gaben als sichtbare Verkörperung des Glaubens bald vollendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Eugen {{Sperrsatz|Schmidt}}, der Vorsitzende des Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rates der Bahá’í in Deutschland, brachte in seiner Ansprache die tiefe &lt;br /&gt;
Dankbarkeit aller Bahá’í dem Stifter des Hauses der Andacht, Bahá’u’lláh,&lt;br /&gt;
Begründer der Bahá’í-Weltreligion, zum Ausdruck. Wörtlich sagte er:&lt;br /&gt;
„Im Hinblick auf das höchste Ziel, dem die Sendung Bahá’u’lláhs nach&lt;br /&gt;
Worten Shoghi Effendis dient —, die Erlösung des ganzen Planeten durch&lt;br /&gt;
Einigung — bedeutet der Grundstein des nun beginnenden Bauwerks&lt;br /&gt;
einen Markstein in der Ära der Einigung der Menschheit in {{Sperrsatz|einem}}&lt;br /&gt;
Glauben an den einen und einzigen Schöpfer und Erhalter aller Dinge.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Offenbarungsreligionen solle sichtbar gemacht werden&lt;br /&gt;
durch die Häuser der Andacht der Bahä’i, in denen das Wort Gottes aus&lt;br /&gt;
den Heiligen Schriften {{Sperrsatz|aller}} Hochreligionen verkündet und dem kein&lt;br /&gt;
menschliches Wort hinzugefügt werde. Durch die verehrende Anbetung&lt;br /&gt;
Gottes im Hause der Andacht werde in den Herzen der Gläubigen aller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Langenhain: John Long — Amelia Collins — Bürgermeister Heuss&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Fotos von der Grundsteinlegung finden die Leser auf den Seiten 58 und 59&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|51|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
Religionen, Rassen und Völker eine gemeinschaftsbildende göttliche&lt;br /&gt;
Geistesmacht wirksam werden. Als Institution der Verehrung Gottes&lt;br /&gt;
werde das entstehende Haus der Andacht im Laufe der Zeit seinen Niederschlag &lt;br /&gt;
in sozialen, humanitären, erzieherischen und wissenschaftlichen&lt;br /&gt;
Einrichtungen für jeden finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sei der göttlich verbriefte Auftrag der Bahá’í, ein geistiges Lichtzentrum &lt;br /&gt;
als Beitrag zur Weltbefriedung zu errichten, die den „tragenden Grund der &lt;br /&gt;
liebenden Einheit und Zusammenarbeit der verantwortungsbewußten Anhänger &lt;br /&gt;
aller Religionen dringend braucht.“ Dr. Schmidt schloß mit den Worten: &lt;br /&gt;
„Die Führung, Heilung und Genesung der von Mißtrauen und Angst befallenen &lt;br /&gt;
Menschheit kann allein aus dem einenden Wort Gottes strömen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nächster Sprecher ergriff der Bürgermeister der Gemeinde Langenhain, &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Heuss}}, das Wort. Er begrüßte mit freundlichen Worten alle &lt;br /&gt;
Anwesenden und sagte: „Wir wollen bei der Grundsteinlegung des Hauses&lt;br /&gt;
der Andacht alle Schwierigkeiten vergessen, die berechtigt und unberechtigt &lt;br /&gt;
aufgetreten sind. Wir wollen alle mithelfen, daß das gegenseitige&lt;br /&gt;
Verstehen Wirklichkeit werden kann. Es soll ein friedliches Zusammenleben &lt;br /&gt;
geschaffen werden. Ich wünsche diesem Bau einen guten Fortschritt&lt;br /&gt;
und eine Vollendung, wie sie im Sinne des Bauherrn und der Bauleitung&lt;br /&gt;
erwünscht ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Vertreter der Bahá’í in England und zugleich als Sprecher der &lt;br /&gt;
anderen europäischen Schwestergemeinden überbrachte John {{Sperrsatz|Long}} &lt;br /&gt;
herzliche Grüße und innige Glückwünsche. „Es wäre für unseren geliebten&lt;br /&gt;
Hüter, Shoghi Effendi, den wir genau heute vor drei Jahren auf einem&lt;br /&gt;
Londoner Friedhof zur letzten Ruhe gebettet haben, eine unendliche&lt;br /&gt;
Freude gewesen“, betonte John Long, „wenn er diese Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
des Hauses der Andacht, die ihm so sehr am Herzen lag, noch hätte erleben &lt;br /&gt;
dürfen... Wir Bahá’í in England versprechen unseren deutschen Freunden, &lt;br /&gt;
daß wir ihnen bei der Errichtung und Vollendung dieses Hauses beistehen &lt;br /&gt;
und jede nur mögliche Hilfe zuteil werden lassen wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der Feier bildete die Grundsteinlegung selbst. Eine&lt;br /&gt;
Handvoll Erde vom Heiligen Schrein Bahá’u’lláhs wurde von Frau Collins&lt;br /&gt;
zusammen mit einer Urkunde folgenden Inhalts in den Grundstein gelegt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anwesenheit von sieben Händen der Sache Gottes, europäischen Hilfsamtsmitgliedern und Vertretern der europäischen Nationalen Geistigen Räte wurde am heutigen Tag von unserer lieben, hochverehrten Frau Amelia Collins, als Beauftragte der Hände der Sache im Heiligen Land, der Grundstein für das Haus der Andacht Europas (Mother Temple of Europe) an diesem Ort der Gemarkung Langenhain im Taunus bei Frankfurt am Main, im Herzen Europas, gelegt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freudig und mit tiefempfundenem Dank an Bahá’u’lláh gedenkt die Bahá’í-Weltgemeinschaft in Liebe und Verehrung des Hüters Shoghi Effendi, der diesen Platz am Vorabend seines Hinscheidens gutgeheißen hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Frankfurt am Main, am 20. November 1960, 17. Qudrat 117&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|52|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschwert wurde diese Urkunde mit einer Silberplatte, die die Worte trägt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Haus der Andacht&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mother Temple of Europe&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mashriqu’l Adhkár&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsteinlegung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;20. November 1960, Bahá’í Era 17. Qudrat 117&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit drei Hammerschlägen besiegelte danach Amelia Collins die feierliche &lt;br /&gt;
Handlung. Beendet wurde die unvergeßliche, schlichte Feierstunde&lt;br /&gt;
mit einem Gebet von ‘Abdu’l-Bahá für den Weltfrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ursula Schubert&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Warum ein Bahá’í-Tempel?”===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über 500 Personen hatten sich schon am Vorabend der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
in Frankfurt im „Kantate“-Saal anläßlich einer öffentlichen Veranstaltung&lt;br /&gt;
eingefunden. {{Sperrsatz|„Warum ein Bahá’í-Tempel?“}} lautete das Thema,&lt;br /&gt;
zu dem Ruprecht {{Sperrsatz|Krüger}} sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er setzte sich zunächst mit den Argumenten auseinander, welche die&lt;br /&gt;
Repräsentanten der großen christlichen Konfessionen gegen das Bauvorhaben ins Feld &lt;br /&gt;
geführt hatten, schilderte den wechselvollen Verlauf der&lt;br /&gt;
Bemühungen um die Bauerlaubnis und verwies in eindringlichen Worten&lt;br /&gt;
auf die im Grundgesetz der Bundesrepublik verankerte Freiheit der &lt;br /&gt;
Religionsausübung. Zitate aus den Bahá’í-Schriften führten den Zuhörern&lt;br /&gt;
die überragende Bedeutung vor Augen, die der Mashriqu’l-Adhkár mit&lt;br /&gt;
seinen Nebenbauten als geistiges, kulturelles und soziales Zentrum in der&lt;br /&gt;
künftigen Gemeinschaft einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David {{Sperrsatz|Hofman}}, London, gab eine kurze Einführung in die Bahá’í-Religion, &lt;br /&gt;
unter dem Aspekt des Friedensgedankens. Im Unterschied zu früheren Offenbarungen &lt;br /&gt;
verhieß Bahá’u’lláh die Verwirklichung des Weltfriedens, das Goldene Zeitalter,&lt;br /&gt;
nicht für eine ferne Zukunft, sondern für die unmittelbar vor uns liegende Zeit. &lt;br /&gt;
Die Entwicklung zur vollkommenen politischen Gesellschaft ist, wie es auch &lt;br /&gt;
Kant ausdrückte, das Ziel der Geschichte, das Ergebnis des organischen Fortschreitens &lt;br /&gt;
der Menschheit. Das chaotische Übergangsstadium, das die Welt heute durchläuft, ist &lt;br /&gt;
eine notwendige Vorbereitungszeit. An uns allen ist es jetzt, umzudenken und uns &lt;br /&gt;
auf die neue geistige Kraft und die neuen Gesetze, die der Menschheit geoffenbart&lt;br /&gt;
wurden, einzustellen. Vor Gott sind alle Völker und Rassen gleich. Von&lt;br /&gt;
besonderer Bedeutung ist, daß Bahá’u’lláh nicht nur die Verheißung und&lt;br /&gt;
die Idee, sondern auch das administrative Gefüge der neuen Weltordnung&lt;br /&gt;
brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;David Hofman, London, spricht&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|53|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dipl. Ing. Teuto Rocholl:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die architektonische Konzeption des Hauses der Andacht===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt für jedes Bauwerk eine vorgegebene Reihenfolge der einzelnen&lt;br /&gt;
Phasen seines Entstehens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die Bauidee,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:das Raumprogramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die architektonische Konzeption,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die Durcharbeitung in funktioneller, konstruktiver und wirtschaftlicher Hinsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:und die Ausführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Architekt kommt es mir nicht zu, über die {{Sperrsatz|geistige}} Idee des&lt;br /&gt;
Hauses der Andacht der Bahá’í zu schreiben. Diese darf ich wohl auch&lt;br /&gt;
in den folgenden Betrachtungen als bekannt voraussetzen. Gleichwohl ist&lt;br /&gt;
das Erfassen der Idee Voraussetzung für das Entstehen einer architektonischen &lt;br /&gt;
Konzeption. Diesen Vorgang möchte ich versuchen zu schildern. Die Arbeit des &lt;br /&gt;
Architekten beginnt mit der Durcharbeitung des gegebenen Raumprogrammes. Je &lt;br /&gt;
klarer sich die Idee in der Aufstellung des Raumprogrammes widerspiegelt, &lt;br /&gt;
desto weniger Umwege müssen später bei der architektonischen Durcharbeitung &lt;br /&gt;
gegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es galt also, in gemeinsamer Arbeit mit dem Bauherrn, dem Nationalen Geistigen Rat, &lt;br /&gt;
das Raumprogramm von all den Dingen zu befreien, die der Bauidee abträglich sind. &lt;br /&gt;
Alle Nebenräume, die technischen Einrichtungen und mancher heute so selbstverständlich &lt;br /&gt;
gewordene Komfort wurden deshalb aus dem Tempelgebäude verbannt zu Gunsten der Wirkung &lt;br /&gt;
des {{Sperrsatz|einen}} Raumes, um dessen willen das Gebäude entsteht: des&lt;br /&gt;
großen Andachtsraumes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neun Zugangswege sollen von allen Seiten her auf das Gebäude zuführen, &lt;br /&gt;
und mit neun Eingängen soll der Innenraum aufgeschlossen werden. Diese &lt;br /&gt;
Forderung läßt den Wunsch einer betonten Verbindung zwischen Außenwelt &lt;br /&gt;
und Innenraum erkennen; denn bereits zwei Eingänge würden der Funktion &lt;br /&gt;
nach ausreichende Dienste tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dadurch bewirkte, bewußt starke, allseitige Auflösung der &lt;br /&gt;
Innenraumwand hat also tieferen Sinn. Warum sollte sie dann nicht zum &lt;br /&gt;
Thema erhoben werden für den Gesamtbau, sollte die Durchdringung von&lt;br /&gt;
innen und außen, die Auflösung der umhüllenden, abgrenzenden Schale&lt;br /&gt;
nicht Teil der architektonischen Konzeption werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere prägnante Punkte bestehen die Forderungen nach dem&lt;br /&gt;
Zentralraum und nach der sich darüber erhebenden Kuppel; die Forderung &lt;br /&gt;
nach einem Raum, in dem sich die Menschen gleichberechtigt zusammenfinden &lt;br /&gt;
können, bei gleichzeitiger Ausrichtung der Gemeinde nach Osten.&lt;br /&gt;
{{page|54|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind Auflagen, die sich nach erster Überlegung zu widersprechen&lt;br /&gt;
scheinen. So waren auch die ersten Entwurfskizzen, die diese Bedingungen &lt;br /&gt;
allzu wörtlich nahmen, letztlich unbefriedigend. Nach meinem Empfinden &lt;br /&gt;
verstößt es gegen die Gesetze des Zentralraumes, wenn die Sitzreihen, &lt;br /&gt;
ohne den Gebäudemittelpunkt zu berücksichtigen, in einer Richtung in &lt;br /&gt;
Reihen hintereinander — nach Art eines Vortragsraumes — angeordnet sind. &lt;br /&gt;
Erst nach weiterem Durchdenken wurde mir die Wertigkeit dieser einzelnen &lt;br /&gt;
Auflagepunkte klar. Eine Ordnung zu schaffen, die das Gesetz des zentralen &lt;br /&gt;
Raumes achtet und unterstreicht, die den Kreis als gemeinschaftsbildende &lt;br /&gt;
Kraft nutzt und die trotzdem einen fühlbaren östlichen Bezugspunkt außerhalb &lt;br /&gt;
des Raumes berücksichtigt, war ein weiterer Teil der architektonischen &lt;br /&gt;
Konzeption.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwurfslösung möchte ich nun an Hand von Zeichnungen — Grundriß, &lt;br /&gt;
Schnitt und Ansicht — erläutern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde vom Gebäudemittelpunkt aus ostwärts ein zweiter Punkt gesucht, &lt;br /&gt;
um den sich die Sitzplätze anordnen und in dessen Nähe Sprecher&lt;br /&gt;
{{page|55|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
und Sänger ihren Platz finden. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt&lt;br /&gt;
des Raumes nach Osten. Sprecher und Sänger wenden sich westwärts zur&lt;br /&gt;
Gemeinde hin, schließen den für den Zentralraum notwendigen Kreis&lt;br /&gt;
und stehen zugleich am akustisch günstigsten Ort des Raumes. Dreimal&lt;br /&gt;
neun Pfeiler, welche die Kuppel tragen, begrenzen den Innenraum. Die&lt;br /&gt;
verbleibenden 27 Felder werden durch große Glaswände geschlossen. Neun&lt;br /&gt;
Portale führen in den Umgang, der den Tempel ringförmig umgibt. Diese&lt;br /&gt;
Halle soll den Besucher auf den zentralen Tempelraum vorbereiten; sie gibt&lt;br /&gt;
die Möglichkeit zur Sammlung und zum Gespräch. Weitere neun Portale&lt;br /&gt;
führen über Freitreppen hinab in das Gelände. Der engere Tempelbezirk&lt;br /&gt;
wird durch eine bewachsene, niedrige Natursteinmauer begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Bild zeigt einen Querschnitt durch das Gebäude. Die Kuppel &lt;br /&gt;
besitzt die Form einer Elipse. 27 Rippen führen vom Fußboden des&lt;br /&gt;
Tempelraumes bis in die Kuppelspitze und enden in einem Ring, der die&lt;br /&gt;
Leuchte trägt. Die Kuppelfelder zwischen den Rippen erhalten in bestimmtem &lt;br /&gt;
System übereinander angeordnete verglaste Öffnungen, die das&lt;br /&gt;
Tageslicht hereinfließen lassen und hierdurch der Kuppel das lastende&lt;br /&gt;
Element nehmen. Auf diese Weise wird der Tempelraum neben aller&lt;br /&gt;
Strenge und Feierlichkeit eine helle und freudige Stimmung erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fußboden des Innenraumes senkt sich zur Mitte hin um 60 cm.&lt;br /&gt;
Dadurch ergibt sich von jedem Platz aus eine gute Sicht auf den Sprecher. &lt;br /&gt;
Chor und Sprecher stehen aus akustischen Gründen leicht erhöht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in eine Höhe von ca. 3 m werden die Stützen mit Natursteinplatten&lt;br /&gt;
verkleidet. Bis zur gleichen Höhe reichen die 27 Glasabschlußwände &lt;br /&gt;
zwischen Tempelraum und Umgang. Der Umgang besitzt eine nach außen&lt;br /&gt;
ansteigende Decke und eine durchsichtige Verglasung. Eine ca. 1 m hohe&lt;br /&gt;
Erdaufschüttung hebt das Gebäude aus seiner Umgebung heraus. Vom&lt;br /&gt;
{{page|56|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
gewachsenen Boden bis zur Spitze hat der Tempel eine Höhe von nahezu&lt;br /&gt;
28 m. Der Kuppelraum besitzt einen Durchmesser von 25 m. Für das Gebäude &lt;br /&gt;
wird eine Grundfläche von ca. 48 m im Durchmesser benötigt. Für&lt;br /&gt;
den engeren Tempelbezirk erweitert sich der Durchmesser auf 75 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bauwerk läßt sich in drei Arten von Konstruktionselementen aufgliedern: &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|tragende}} Teile, {{Sperrsatz|verbindende}} Teile und &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|füllende}} Teile. Die tragenden Teile bestehen aus &lt;br /&gt;
vorfabrizierten Fertigbetonteilen mit Stahleinlagen, die an der Baustelle &lt;br /&gt;
mit Hilfe eines großen Krans lediglich aufgestellt werden müssen. Es sind &lt;br /&gt;
dies in erster Linie die 27 Stützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbindenden Teile sind die beiden großen Ringe — der eine in der&lt;br /&gt;
Kuppelspitze unterhalb der Leuchte, der andere in Verbindung mit dem&lt;br /&gt;
Dach des Umganges —, die auf der Baustelle geschalt und gegossen werden; &lt;br /&gt;
sie geben den großen Rippen untereinander den Halt. Alle verbleibenden &lt;br /&gt;
Öffnungen werden nun mit Glas oder mit dünnen Betonschalen&lt;br /&gt;
ausgefacht. Durch die konsequente Trennung der Bauteile in diese drei&lt;br /&gt;
Aufgabengebiete ergibt sich die Möglichkeit maschineller Vorfabrikation&lt;br /&gt;
und damit einer wesentlichen Kostensenkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schuppenförmig übereinander angeordneten Dachteile erfüllen zugleich &lt;br /&gt;
mehrere Aufgaben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie machen die Anordnung von Lichtöffnungen in der Kuppelschale möglich;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:sie verhindern durch ihre Vorkragungen die direkte Sonneneinstrahlung in den Tempelraum;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:sie leiten das Regenwasser in seitlich der Stützen angeordnete Rinnen ab;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:sie verhindern die Nachhallbildung im Kuppelraum und verbessern auf diese Weise die Akustik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umgang ist nur zum Teil unterkellert und birgt die Kanäle für&lt;br /&gt;
eine Luftheizungsanlage. Alle notwendigen Nebenräume sind in einem &lt;br /&gt;
{{page|57|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
besonderen Gebäude in angemessener Entfernung vom Tempel untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Bild zeigt die Ansicht des fertigen Tempels. Auch von außen,&lt;br /&gt;
durch die Verglasung des Umganges hindurch, lassen sich die Stützen&lt;br /&gt;
vom Erdboden bis zur Kuppelleuchte hin verfolgen. Jede dritte Rippe&lt;br /&gt;
erhält eine Betonung, um auch in der Kuppel die Neunteilung deutlich&lt;br /&gt;
werden zu lassen. Die starke Plastik der Felder, die zwischen den Rippen&lt;br /&gt;
der Kuppel liegen, ergibt ein interessantes Spiel von Licht und Schatten,&lt;br /&gt;
welches durch die Sonnenreflexe auf den 570 Glasscheiben der Kuppel&lt;br /&gt;
noch unterstrichen wird. Der Umgang wirkt mit seiner schlanken, vorgesetzten &lt;br /&gt;
Stützenreihe und der leicht ansteigenden Decke einladend und&lt;br /&gt;
aufgeschlossen. Das Bauwerk liegt eingebettet in parkartige Gartenanlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mögen viele bedauert haben, daß die Umstände den Baubeginn immer wieder &lt;br /&gt;
hinausgeschoben haben. Aus der heutigen Sicht muß ich aber&lt;br /&gt;
sagen, daß ich dankbar bin für die Zeit, die ich dadurch gewonnen habe&lt;br /&gt;
und die sich für die architektonische Arbeit fruchtbar ausgewirkt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der errichtete Tempel die Bauidee in reinster Form sichtbar werden &lt;br /&gt;
läßt, ist das hohe Ziel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Tempel-Gebet===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Herr, mache diese heiligen Seelen, die sich erhoben&lt;br /&gt;
haben, diesen Tempel zu bauen, zu Aufgangsorten des Lichtes&lt;br /&gt;
und zu Offenbarern Deiner Zeichen. Mache jeden zu einem&lt;br /&gt;
Eckstein in diesem großen Gebäude, zu einer Säule seiner&lt;br /&gt;
Säulen; denn Du bist der Helfer, der Beistand, der Belohner!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seelen haben sich erhoben, Dir ergeben zu dienen,&lt;br /&gt;
und haben mit ihrem Dienste begonnen. Bestätige, hilf und&lt;br /&gt;
ermutige jeden durch die Verheißung der Gaben Deiner göttlichen &lt;br /&gt;
Gunst, und mache sie zu Auserwählten. Wahrlich, Du&lt;br /&gt;
bist der Mächtige, der Kraftvolle, der Könner, der Geber, der&lt;br /&gt;
Strahlende, der Hörende und der Sehende!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! O Gott! Ich flehe zu Dir mit klopfendem Herzen&lt;br /&gt;
und strömenden Tränen und bitte Dich, einem jeden beizustehen, &lt;br /&gt;
der sich um die Errichtung des Hauses des Herrn bemüht, des &lt;br /&gt;
Gebäudes, darin Dein Name jeden Morgen und&lt;br /&gt;
Abend gepriesen wird. Sende Deine Segnungen auf jeden&lt;br /&gt;
hernieder, der bemüht ist, inmitten der Sekten und Religionen&lt;br /&gt;
diesen Bau erstehen zu lassen, und bestätige ihn in jeder&lt;br /&gt;
guten Tat für die Menschheit. Öffne ihm die Tore des Reichtums &lt;br /&gt;
und des Wohlstandes und mache ihn zum Erben der&lt;br /&gt;
Schätze des unvergänglichen Königreiches. Mache ihn zum&lt;br /&gt;
Zeichen des Spendens unter den Völkern und stärke ihn&lt;br /&gt;
durch das Meer Deiner Freigebigkeit und Güte, das brandet&lt;br /&gt;
mit Wogen der Gnade und Gunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich, Du bist der Freigebige, der Barmherzige, der&lt;br /&gt;
Wohltätige!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:‘Abdu’l-Bahá&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|58|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gesellschaftshaus des Frankfurter Zoos fand aus Anlaß der Grundsteinlegung &lt;br /&gt;
für das Haus der Andacht am 20. November 1960 eine {{Sperrsatz|Lehrtagung}} statt. &lt;br /&gt;
Unsere Fotos auf dieser Seite vermitteln einen Eindruck davon. Oben und unten links &lt;br /&gt;
ein Blick auf das Podium, auf dem die anwesenden Hände und die Vertreter des &lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Rates Platz genommen hatten. Am Mikrofon Dr. Eugen Schmidt. Unten &lt;br /&gt;
rechts ein Teil der Gäste aus aller Welt. — Die Bilder auf der gegenüberliegenden Seite &lt;br /&gt;
wurden während der Grundsteinlegung bei Langenhain aufgenommen. Man erkennt u.a. &lt;br /&gt;
oben links Frau Amelia Collins, neben ihr den Architekten des Hauses der Andacht, &lt;br /&gt;
Teuto Rocholl. Unten ein Teil des Zeltes, das die Hunderte von Bahá’í nicht fassen &lt;br /&gt;
konnte. Rechts die Urkunde, die dem Grundstein beigegeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|59|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fotos: A. Kohler, D. Schubert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|60|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Ringen um die Bauerlaubnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8. 10. 1952:&#039;&#039; Proklamation des Hüters Shoghi Effendi: „.. . Errichtung&lt;br /&gt;
eines Mashriqu’] Adhkar auf dem europäischen Kontinent...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;19. 4. 1953:&#039;&#039; Botschaft des Hüters Shoghi Effendi: „... Kauf eines Baugrundstücks &lt;br /&gt;
im Raum Frankfurt/Main und Errichtung eines Mashrigu’l Adhkar...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Oktober 1953:&#039;&#039; Baudezernat der Stadt Frankfurt/M lehnt Kaufantrag der Bahá’í-Gemeinde &lt;br /&gt;
für ein stadteigenes Grundstück ab. Es wird empfohlen, Baugrundstücke außerhalb &lt;br /&gt;
des Stadtgebietes zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;10. Juli 1954:&#039;&#039; Kaufvertragsabschluß über drei Grundstücke in der Gemarkung Eschborn &lt;br /&gt;
mit einer Gesamtfläche von 1,7 ha durch den Nationalen Geistigen Rat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8. August 1954:&#039;&#039; Protestversammlung der evangelischen Kirche in Eschborn unter Einsatz &lt;br /&gt;
von Posaunenchören und mehreren Geistlichen der Katholischen und Evangelischen Kirche &lt;br /&gt;
des gesamten Landkreises; Austeilung von Flugblättern, Anschlag von Warnungen, Eingaben &lt;br /&gt;
von Resolutionen an die Regierung — alle des Inhalts, daß die Errichtung eines &lt;br /&gt;
Bahá’í-Tempels innerhalb einer christgläubigen Gemeinde eine Herausforderung der &lt;br /&gt;
Christenheit bedeute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;11. August 1954:&#039;&#039; Ablehnung der beantragten Genehmigung der Kaufverträge durch &lt;br /&gt;
die Aufsichtsbehörde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;11. Oktober 1954:&#039;&#039; Erste Verhandlung beim Amtsgericht Frankfurt über die eingereichte &lt;br /&gt;
Beschwerde des Nationalen Geistigen Rats. Ein Urteil ergeht nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;16. Juli 1955:&#039;&#039; Vorauswahl des Tempelentwurfs aus 19 von 16 Architekten &lt;br /&gt;
eingereichten Entwürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;9. November 1955:&#039;&#039; Zweite Verhandlung des Amtsgerichts Frankfurt. Die&lt;br /&gt;
Kaufverträge von Eschborn werden nicht genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;7. Juli 1956:&#039;&#039; Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/M über&lt;br /&gt;
die weiter eingereichte Beschwerde des Nationalen Geistigen Rats mit&lt;br /&gt;
dem Urteil: Den Kaufverträgen von Eschborn wird die Genehmigung endgültig &lt;br /&gt;
versagt; eine weitere Beschwerde beim Bundesgerichtshof wird&lt;br /&gt;
nicht gestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;22. Juli 1956:&#039;&#039; Entscheidung des Nationalen Geistigen Rats zugunsten des&lt;br /&gt;
Tempelentwurfs von Architekt Teuto Rocholl, Frankfurt/M.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;1. März 1957:&#039;&#039; Kaufvertragsabschluß über 2,10 ha Wiesenland unweit von&lt;br /&gt;
Frankfurt/M in der Gemeinde Diedenbergen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;23. März 1957:&#039;&#039; Verhandlung vor dem Amtsgericht Hochheim. Die Kaufverträge &lt;br /&gt;
von Diedenbergen werden seitens des Bauerngerichts genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;11. August 1957:&#039;&#039; Kaufverträge Diedenbergen werden vom Landkreis nicht&lt;br /&gt;
genehmigt.&lt;br /&gt;
{{page|61|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;29. Oktober 1957:&#039;&#039; Kaufvertrag über 2,06 ha in der Gemarkung {{Sperrsatz|Langenhain}} &lt;br /&gt;
bei Frankfurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;5. Januar 1958:&#039;&#039; Bauvorfrage des Architekten Teuto Rocholl für den Tempel &lt;br /&gt;
in der Gemeinde Langenhain beim Landrat, Frankfurt/Main-Höchst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;14. Januar 1958:&#039;&#039; Kaufvertrag vom Amtsgericht, Abteilung für Landwirtschaftssachen, &lt;br /&gt;
Frankfurt/Main, nach einem Ortstermin genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;30. Juli 1958:&#039;&#039; Schriftliche Appelle der Interkontinentalen Bahá’í-Konferenz, &lt;br /&gt;
Frankfurt/Main, an den hessischen Ministerpräsidenten, den hessischen Minister &lt;br /&gt;
des Innern und den Regierungspräsidenten in Wiesbaden zur Ausräumung der Schwierigkeiten &lt;br /&gt;
bei der Errichtung des Bahá’í-Tempels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;16. Dezember 1958:&#039;&#039; Bauvorfrage wegen der Errichtung des Tempels im&lt;br /&gt;
Außengebiet der Gemeinde Langenhain von der Bauaufsichtsbehörde aus &lt;br /&gt;
„planerischen und baurechtlichen Gründen“ abgelehnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;23. Dezember 1958:&#039;&#039; Beschwerde seitens der Gemeinde Langenhain und&lt;br /&gt;
des Nationalen Geistigen Rates gegen diesen Ablehnungsbescheid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;13. Januar 1959:&#039;&#039; Nachreichung der Beschwerdebegründung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;25. März 1959:&#039;&#039; Vom Regierungspräsidenten in Wiesbaden wird der Beschwerde &lt;br /&gt;
stattgegeben und die Angelegenheit an den Kreisausschuß des Landkreises Main-Taunus &lt;br /&gt;
zur anderweitigen Entscheidung zurückgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;6. April 1959:&#039;&#039; Wohnsiedlungs- und Preisgenehmigung des Landrats des&lt;br /&gt;
Landkreises Main-Taunus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;7. April 1959:&#039;&#039; Kreisausschuß hebt seine negative Entscheidung auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;18. Dezember 1959:&#039;&#039; Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland e.V. &lt;br /&gt;
als Eigentümer des Langenhainer Tempelbaugeländes im Grundbuch eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;7. Juni 1960:&#039;&#039; Der Regierungspräsident erteilt seine Zustimmung zur&lt;br /&gt;
Baugenehmigung gegenüber der Bauaufsichtsbehörde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;15. Juli 1960:&#039;&#039; Die Bauaufsichtsbehörde macht die Erteilung der Baugenehmigung von &lt;br /&gt;
zahlreichen vorab zu erfüllenden Bedingungen neben bestimmten Auflagen abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;22. Juli 1960:&#039;&#039; Form- und fristgerechter Widerspruch vom Bauherrn erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;30. 9. 1960:&#039;&#039; Teilbaugenehmigung für den Tempelbau in der Gemarkung&lt;br /&gt;
Langenhain.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mitte Oktober 1960:&#039;&#039; Erd-, Beton- und Stahlbetonarbeiten vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;15. 11. 1960:&#039;&#039; Endgültige Baugenehmigung durch die Bauaufsichtsbehörde&lt;br /&gt;
mit Zustimmung des Regierungspräsidiums in Wiesbaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|62|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ma&amp;lt;u&amp;gt;sh&amp;lt;/u&amp;gt;riqu’l-A&amp;lt;u&amp;gt;dh&amp;lt;/u&amp;gt;kár und seine geistige Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte von Bahá’u’lláh, ’Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Versammlung der Schöpfung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Errichtet Gebäude in äußerster Schönheit in jeder Stadt, in jedem&lt;br /&gt;
Land, im Namen des Herrn der Religionen. Schmücket sie mit dem, was&lt;br /&gt;
ihrer würdig ist. Alsdann verherrlicht darin in Andacht den Herrn, den&lt;br /&gt;
Gnädigen, den Barmherzigen, im Geiste des Duftes der Eintracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bahá’u’lláh&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;II&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist es fürwahr die größte Aufgabe und die wichtigste Angelegenheit, &lt;br /&gt;
einen Mashriqu’l-Adhkár zu errichten und einen Tempel zu erbauen,&lt;br /&gt;
von dem sich die Stimme des Lobpreises zum Reiche des erhabensten&lt;br /&gt;
Herrn erheben mag. Gesegnet seid ihr, daß ihr daran denkt und beabsichtigt, &lt;br /&gt;
ein solches Bauwerk zu errichten, daß ihr euch drängt, euer Vermögen für &lt;br /&gt;
dieses große Ziel, dieses herrliche Werk hinzugeben. Bald&lt;br /&gt;
werdet ihr sehen, wie euch die Engel der Bestätigung auf dem Fuß folgen, &lt;br /&gt;
und wie sich die Heerscharen der Unterstützung vor euch sammeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mashriqu’l-Adhkár vollendet ist, wenn seine Lichter erstrahlen, &lt;br /&gt;
die Rechtschaffenen sich in ihm versammeln, die Gebete mit&lt;br /&gt;
demütigen Bitten an das geheimnisvolle Königreich verrichtet werden,&lt;br /&gt;
die Stimme der Verherrlichung zum Herrn, dem Höchsten, erhoben wird,&lt;br /&gt;
dann werden die Gläubigen frohlocken, ihre Herzen werden sich weiten&lt;br /&gt;
und überfließen mit der Liebe des allbelebenden, selbstbestehenden Gottes. &lt;br /&gt;
Die Menschen werden herbeieilen, um in diesem himmlischen Tempel&lt;br /&gt;
am Gottesdienst teilzunehmen, die Düfte Gottes werden sich erheben, die&lt;br /&gt;
göttlichen Lehren werden tief in den Herzen verankert, gleichwie Sein&lt;br /&gt;
Geist fest in der Menschheit begründet wird. Dann werden die Menschen&lt;br /&gt;
unerschütterlich in der Sache eures Herrn, des Barmherzigen, stehen.&lt;br /&gt;
Preis und Gruß seien mit euch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;‘Abdu’l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;III&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár ist die wichtigste Aufgabe und die höchste&lt;br /&gt;
göttliche Einrichtung. Bedenket, wie Seine Heiligkeit Moses nach Seinem&lt;br /&gt;
Auszug aus Ägypten als erste Einrichtung dieser Art die „Stiftshütte des&lt;br /&gt;
Opfers“ errichtete, die ein transportabler Tempel war. Sie war ein Zelt,&lt;br /&gt;
das man in der Wüste aufschlug, wo immer man lagerte, und in dem man&lt;br /&gt;
Gott diente. Auch nach dem Kommen Seiner Heiligkeit Christi — möge&lt;br /&gt;
der Geist der Welt ein Opfer für Ihn sein — war die erste Einrichtung&lt;br /&gt;
Seiner Jünger ein Tempel. Sie faßten den Plan, in jedem Land eine&lt;br /&gt;
Kirche zu erbauen. Betrachtet die Bibel, und die Bedeutung des&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár wird euch klar werden.&lt;br /&gt;
{{page|63|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz gesagt, ich hoffe, daß alle Geliebten Gottes auf dem amerikanischen &lt;br /&gt;
Kontinent, Männer wie Frauen, einmütig Tag und Nacht bestrebt sein werden, &lt;br /&gt;
den Mashriqu’l-Adhkár in höchster Gediegenheit und Schönheit zu erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;IV&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tempel ist die höchste Stiftung für die Menschenwelt; er hat viele&lt;br /&gt;
Nebengebäude. Während der Tempel selbst die Stätte der Andacht ist,&lt;br /&gt;
sind ihm ein Krankenhaus, eine Apotheke, ein Pilgerhaus, eine Schule&lt;br /&gt;
für Waisen und eine Hochschule für das Studium der Wissenschaften &lt;br /&gt;
angegliedert. Jeder Tempel ist mit diesen Einrichtungen verbunden. Ich&lt;br /&gt;
hoffe, daß man nun in Amerika einen Tempel errichtet und ihm mit&lt;br /&gt;
höchster Tatkraft und Gründlichkeit nach und nach das Krankenhaus,&lt;br /&gt;
die Schule, die Hochschule, die Apotheke und das Pilgerhaus beigibt...&lt;br /&gt;
Der Tempel ist nicht nur eine Stätte der Andacht; nein, er ist &lt;br /&gt;
Vollkommenheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mashriqu’l-Adhkár muß neun Seiten und Tore, dazu Brunnen,&lt;br /&gt;
Wege, Pforten, Säulen und Gärten haben, mit Erdgeschoß, Galerien und&lt;br /&gt;
Kuppel, und in Entwurf und Ausführung muß er herrlich sein. Das Mysterium &lt;br /&gt;
des Baues ist groß und kann jetzt noch nicht enthüllt werden, aber&lt;br /&gt;
seine Errichtung ist das wichtigste Werk dieses Tages. Der Mashriqu’l-Adhkár &lt;br /&gt;
hat wichtige Ergänzungsgebäude, welche bei der Gründung&lt;br /&gt;
schon mit in Rechnung gezogen werden. Diese sind: ein Waisenhaus, ein&lt;br /&gt;
Krankenhaus und eine Apotheke für die Armen, ein Heim für die Arbeitsunfähigen, &lt;br /&gt;
eine Hochschule für höhere wissenschaftliche Bildung&lt;br /&gt;
und ein Fremdenheim. In jeder Stadt muß nach diesem Befehl ein großer&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár begründet werden. Im Mashriqu’l-Adhkár werden&lt;br /&gt;
jeden Morgen Gottesdienste gehalten. Eine Orgel wird im Mashriqu’l-Adhkár &lt;br /&gt;
nicht sein. In den Nebenbauten werden Feste, Gottesdienste, öffentliche &lt;br /&gt;
Zusammenkünfte und geistige Versammlungen gehalten werden, aber im Tempel &lt;br /&gt;
werden Lied und Gesang unbegleitet sein. Öffnet die Tore des Tempels &lt;br /&gt;
allen Menschen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Einrichtungen geschaffen sind, werden die Tore allen Nationen &lt;br /&gt;
und Religionen offenstehen. Es wird keine Trennungslinie gezogen werden. &lt;br /&gt;
Ihre Tore werden dem Menschengeschlecht geöffnet sein.&lt;br /&gt;
Vorurteil gegen niemand, Liebe für alle. Auf diese Weise... wird &lt;br /&gt;
Religion mit Wissenschaft in Einklang gebracht, und die Wissenschaft wird&lt;br /&gt;
zur Dienerin der Religion werden. Beide werden ihre materiellen und&lt;br /&gt;
geistigen Gaben auf die ganze Menschheit strömen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;VI&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte sich vergegenwärtigen, daß der Zentralbau des Mashriqu’l-Adhkár, &lt;br /&gt;
um den sich künftig einmal soziale Nebengebäude zur Unterstützung der &lt;br /&gt;
Notleidenden und Armen, zum Schutze der Heimatlosen&lt;br /&gt;
{{page|64|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
und Trost der Elenden sowie zur Erziehung der Unwissenden scharen&lt;br /&gt;
werden, als völlig unabhängig von diesen Baulichkeiten betrachtet werden muß, &lt;br /&gt;
nämlich als ein Haus, das ganz und gar der Anbetung Gottes&lt;br /&gt;
geweiht ist, im Einklang mit den wenigen, doch klar formulierten Prinzipien &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs im Kitáb-i-Aqdas (Buch der Gesetze). Aus diesen allgemeinen &lt;br /&gt;
Worten sollte nun nicht geschlossen werden, daß das Innere&lt;br /&gt;
des Zentralbaues selbst in einen Schmelztiegel religiöser Anbetungsformen &lt;br /&gt;
verwandelt werden soll, die mit den seitherigen Gepflogenheiten der&lt;br /&gt;
Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie anderer Gotteshäuser verknüpft &lt;br /&gt;
sind. Seine verschiedenen Zugänge, die alle auf die Halle im Zentrum &lt;br /&gt;
unter der Kuppel weisen, dienen nicht dem Einlaß sektiererischer&lt;br /&gt;
Anhänger von starren Glaubenssätzen und menschengeschaffenen &lt;br /&gt;
Bekenntnisformen, die gemäß ihrer Richtung bestrebt sind, ihre Riten zu&lt;br /&gt;
beachten, ihre Gebete zu lesen, ihre religiösen Gebräuche auszuführen&lt;br /&gt;
und die besonderen Symbole ihres Glaubens innerhalb getrennt begrenzter &lt;br /&gt;
Teile des Universalen Hauses der Anbetung zur Schau zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zentralgebäude der Anbetung Gottes, das im Mittelpunkt des&lt;br /&gt;
Mashriqu’l-Adhkár stehen wird, möchte vielmehr in seinen geheiligten&lt;br /&gt;
Mauern, in einer geistig geläuterten Atmosphäre, nur diejenigen &lt;br /&gt;
versammeln, die für immer die Hüllen einer ausgeklügelten und tendenziösen &lt;br /&gt;
Zeremonie aufgegeben haben und willige Anbeter des Einen wahren Gottes sind, &lt;br /&gt;
Der Sich in diesem Zeitalter durch Bahá’u’lláh geoffenbart hat. Ihnen wird &lt;br /&gt;
der Mashriqu’l-Adhkár Symbol für die grundlegende Wahrheit sein, die dem &lt;br /&gt;
Bahá’í-Glauben innewohnt, daß religiöse Wahrheit nicht absolut, sondern &lt;br /&gt;
relativ ist, und daß die göttliche Offenbarung keine abgeschlossene, sondern &lt;br /&gt;
eine fortschreitende ist. Sie werden davon überzeugt sein, daß ein alliebender &lt;br /&gt;
und allgegenwärtiger Vater, der in der Vergangenheit zu bestimmten Zeitabschnitten &lt;br /&gt;
der menschlichen Entwicklung Seine Propheten als die Träger Seiner Botschaft &lt;br /&gt;
und die Manifestationen Seines Lichtes für die Menschheit aussandte, in dieser &lt;br /&gt;
kritischen Kulturepoche Seinen Kindern nicht die Führung versagen kann, die &lt;br /&gt;
sie in dieser dunklen Stunde dringend benötigen, die weder das Leuchten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft noch Intellekt und Weisheit des Menschen erfolgreich erhellen &lt;br /&gt;
können. In Bahá’u’lláh die Quelle des göttlichen Lichts erkennend, fühlen &lt;br /&gt;
sie sich mit Macht bewogen, den Schutz Seines Hauses zu suchen und sich &lt;br /&gt;
darin zu versammeln, wo sie ungehindert durch Zeremonien und Bekenntnisse &lt;br /&gt;
dem einen wahren Gott huldigen, dem Wesen und Zentrum ewiger Wahrheit,&lt;br /&gt;
und die Namen Seiner Boten und Propheten erhöhen und preisen, die seit&lt;br /&gt;
Urgedenken bis heute unter wechselnden Bedingungen und in verschiedenem &lt;br /&gt;
Maße das Licht göttlicher Führung einer finsteren und irrenden&lt;br /&gt;
Welt widerspiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Shoghi Effendi&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:-----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellenhinweise: &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; „Das Haus der Andacht (Mashriqu’l-Adhkár), Idee und Aufgabe,&lt;br /&gt;
Frankfurt 1958, S. 2; &#039;&#039;&#039;II&#039;&#039;&#039; — &#039;&#039;&#039;IV&#039;&#039;&#039; „Bahá’í World Faith, Selected Writings of &lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh and ’Abdu’l-Bahá“, Wilmette/Ill., USA, 1943, S. 415 ff.; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039; Dr. J. E. Esslemont, „Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“, 3. Aufl. 1948, 11. Kap., &lt;br /&gt;
S. 185; &#039;&#039;&#039;VI&#039;&#039;&#039; aus „The Bahá’í World“, Band XII, Wilmette/Ill., USA, 1956, zitiert in &lt;br /&gt;
„Das Haus der Andacht...“, S. 5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|65|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===WORTE VON BAHÁ’U’LLÁH===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Textinschriften über den neun Eingängen des Bahá’í-Tempels in Wilmette, Illinois, USA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese Erde ist nur {{Sperrsatz|eine}} Heimat und die Menschheit ihre Bürger.”&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Kostbarste von allem ist vor Mir die Gerechtigkeit; wende dich nicht ab von ihr, wenn dich nach Mir verlangt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Meine Liebe ist Meine Feste; wer sie betritt, ist sicher und bewahrt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Äußere dich nicht über die Sünden anderer, solange du selbst ein Sünder bist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dein Herz ist Meine Wohnstätte; heilige sie für Mein Kommen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ich habe den Tod zu einem Freudenboten für dich gemacht; warum grämst du dich?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Erwähne Mich auf Meiner Erde, damit ich in Meinem Himmel deiner gedenke.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„O ihr Reichen auf Erden! Die Armen unter euch sind Meine Anvertrauten; hütet meine Anvertrauten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Quelle aller Gelehrsamkeit ist die Erkenntnis Gottes, gepriesen sei Seine Herrlichkeit!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|66|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Zauber des Tempels===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Baugeschichte des amerikanischen Hauses der Andacht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dem Westufer des Michigansees entlang auf der breiten Einfallstraße &lt;br /&gt;
nach Chikago fährt, dessen Blick wird unweit der kleinen Stadt&lt;br /&gt;
Wilmette gefesselt von einem hochaufragenden, fremdartigen Kuppelbau.&lt;br /&gt;
Weit in das Land und über den See leuchtet sein heller Quarzstein.&lt;br /&gt;
Tausende Ornamente verzieren die neun Streben, die sich im Zenit der&lt;br /&gt;
Kuppel vereinigen. Beim Näherkommen sieht man die drei Stufen des&lt;br /&gt;
Bauwerks: das breit ausladende Erdgeschoß mit neun Seiten, an den&lt;br /&gt;
Kanten durch neun hohe Pfeiler begrenzt, darüber, von einer Terrasse&lt;br /&gt;
umgeben, der gegen das Erdgeschoß versetzte Mittelbau, dessen Seiten &lt;br /&gt;
wiederum durch Säulen getrennt sind, und hinter einem zweiten Balkon, &lt;br /&gt;
von neun Streben und zahlreichen Doppelsäulen getragen, die Kuppel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Besucher auf einem geräumigen Parkplatz seinen Wagen&lt;br /&gt;
abgestellt, betritt er einen der neun von Blumenbeeten, Sträuchern&lt;br /&gt;
und kleinen Teichen umgrenzten Kiespfade, die ihn über eine Treppe&lt;br /&gt;
mit 18 Stufen zu einem der neun Eingangsportale führen. Fast &lt;br /&gt;
überirdisch verklärt mutet den Eintretenden die Stimmung an, die ihn im&lt;br /&gt;
Innern dieses Tempels umgibt. Durch ein gläsernes Vestibül gelangt&lt;br /&gt;
er in die große Halle unter dem Dom. Bequeme Klappsessel laden zum&lt;br /&gt;
Verweilen ein. Sein Blick geht nach oben und folgt dem Linienflug der&lt;br /&gt;
Ornamentik, die sich auf farbigem Hintergrund zu den Galerien und&lt;br /&gt;
höher, vom Sonnenlicht durchflutet, bis in die Kuppel hinaufzieht, in&lt;br /&gt;
deren Zentrum golden der „Größte Name“ glänzt. Der Zauber dieses&lt;br /&gt;
Tempels umfängt den Schauenden; er fühlt, daß dies kein Bauwerk ist,&lt;br /&gt;
das den Menschen und seine Errungenschaften in den Himmel heben&lt;br /&gt;
soll, keine neue Kirche neben den vielen alten, sondern ein geistiger&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, der inmitten unserer Unrast den Geist eines neuen &lt;br /&gt;
Zeitalters widerspiegelt. ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Traum wird wahr&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte des amerikanischen Muttertempels der Bahá’í hat einer&lt;br /&gt;
der technischen Chefberater in einem Buch aufgezeichnet, dem die &lt;br /&gt;
folgenden Einzelheiten teilweise entnommen sind&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Schon 1903, &lt;br /&gt;
kaum zehn Jahre, nachdem der Bahá’í-Glaube in den USA Fuß gefaßt hatte, bat &lt;br /&gt;
die kleine amerikanische Bahá’í-Gemeinde ‘Abdu’l-Bahá um die Erlaubnis,&lt;br /&gt;
gleich den Gläubigen von ‘Ishqábád (Turkestan) im Gebiet von Chikago,&lt;br /&gt;
im Herzen des nordamerikanischen Kontinents, einen Mashriqu’l-Adhkár &lt;br /&gt;
errichten zu dürfen. ‘Abdu’l-Bahá stimmte dem Plan begeistert zu. Jahre&lt;br /&gt;
vergingen mit der Aufbringung der ersten Gelder und der Suche nach&lt;br /&gt;
einem geeigneten Bauplatz, bis man endlich 1907 das Richtige fand:&lt;br /&gt;
Südlich von Wilmette stieg das Ufer des Michigansees zu einer leichten &lt;br /&gt;
{{page|67|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Kuppe an, ein ideales Gelände für den Bau eines Tempels. Einmütig&lt;br /&gt;
entschieden sich die Delegierten der amerikanischen Bahá’í-Gemeinden&lt;br /&gt;
für diesen Platz, mit dem nebenbei eine Geschichte von geistiger &lt;br /&gt;
Vorbedeutung verwoben war; hatte doch hier gegen Ende des 18. Jahrhunderts &lt;br /&gt;
der französische Trapper Ouilmette ein Indianermädchen geheiratet und, &lt;br /&gt;
als er in geringer Entfernung die nach ihm benannte Siedlung begründete, &lt;br /&gt;
viel zur friedlichen Erschließung der Gegend beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus allen Teilen der Welt strömten nun die Mittel zusammen; schon&lt;br /&gt;
1908 wurde der Kern des Tempelgeländes erworben und unter zahlreichen &lt;br /&gt;
glücklichen Begleitumständen durch Zukäufe abgerundet. 1909 wurde &lt;br /&gt;
auf Anweisung ‘Abdu’l-Bahás von 39 Delegierten aus allen Gemeinden &lt;br /&gt;
der USA die „Bahá’í-Tempelvereinigung“ gewählt und als religiöse &lt;br /&gt;
Körperschaft eingetragen, der erste nationale Rat in der Bahá’í-Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá legt den Grundstein&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1. Mai 1912 war ein kalter, windiger Tag. Unter einem großen Rundzelt &lt;br /&gt;
hatten sich die Freunde auf dem Tempelgelände um &#039;Abdu&#039;l-Bahá geschart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In Ost und West,“ sagte Er, „werden viele tausend Häuser der Andacht &lt;br /&gt;
für alle gläubigen Menschen erstehen, aber dieses hier, das erste&lt;br /&gt;
in der westlichen Welt, ist von großer Bedeutung .... Es ist die geistige&lt;br /&gt;
Grundlage, die wichtigste aller Grundlagen. Auf dieser geistigen Grundlage &lt;br /&gt;
werden der Menschenwelt Fortschritte und neue Entwicklungsmöglichkeiten &lt;br /&gt;
jeglicher Art erwachsen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Er Seine Ansprache beendet hatte, schritt ‘Abdu’l-Bahá hinaus. &lt;br /&gt;
Vor dem Zelt blieb Er stehen und schaute in die Weite; die Freunde&lt;br /&gt;
scharten sich um Ihn. Plötzlich ging Er durch die Menge hindurch den&lt;br /&gt;
Weg zur Straße hinunter. Verwundert sahen die Freunde, wie dort&lt;br /&gt;
eine kleine alte Frau geschäftig einen Handwagen den Hügel heraufzog.&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá geleitete sie zu dem Platz, wo Er gewartet hatte, und hob&lt;br /&gt;
einen großen Baustein aus dem Wägelchen. Dann ließ Er Sich Pickel und&lt;br /&gt;
Schaufel geben. Ein Angehöriger jeder Rasse und Nation unter den Anwesenden &lt;br /&gt;
durfte beim Ausheben der Grube mithelfen. Schließlich setzte&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá den Grundstein ein und sagte scherzend: „Der Tempel ist&lt;br /&gt;
schon fertig.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch Jahre später pflegte die alte Dame aus Chikago in der Versammlungshalle &lt;br /&gt;
im Unterbau des Tempels vor dem Stein zu stehen und den Besuchern zu &lt;br /&gt;
berichten, wie er hierher kam. Sie hatte erfahren, daß&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá das Tempelgelände besuche, und dachte sich, daß Er einen&lt;br /&gt;
Stein brauche, um den Bauplatz zu bestimmen. Bei einem Neubau&lt;br /&gt;
in der Nähe ihrer Wohnung sah sie eine Anzahl Steine liegen; sie fragte&lt;br /&gt;
den Bauführer, ob sie nicht einen davon haben könnte. „Aber bitte,&lt;br /&gt;
bedienen Sie sich,“ war die Antwort, „die hier sind übrig.“ Gegen den&lt;br /&gt;
Protest der Schaffner verlud sie ihren Stein in die Straßenbahn und&lt;br /&gt;
brachte ihn nach verschiedenen Zwischenfällen mit einiger Verspätung auf&lt;br /&gt;
das Tempelgelände. Groß war ihre Freude, als „der Stein, den die Bauleute &lt;br /&gt;
verworfen haben, zum Eckstein geworden“ war (Psalm 118,22). &lt;br /&gt;
{{page|68|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Plan und sein geistiges Werkzeug&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Weltkrieg verzögerte die zügige Weiterverfolgung des Bauvorhabens. &lt;br /&gt;
Erst im April 1920 konnte die 12. Nationaltagung der amerikanischen Bahá’í in &lt;br /&gt;
New York über den Ideenwettbewerb befinden, in&lt;br /&gt;
welchem sieben Bahá’í-Architekten Entwürfe für den Mashriqu’l-Adhkár&lt;br /&gt;
unterbreiteten. Drei von ihnen waren anwesend: Sutherland Maxwell,&lt;br /&gt;
Charles Mason Remey und Louis Bourgeois. Dem Modell des letzteren&lt;br /&gt;
wurde die größte Anerkennung und Beachtung geschenkt. Begeistert&lt;br /&gt;
erklärte er, wie ihm nach Jahren pausenloser, unablässiger Bemühungen&lt;br /&gt;
plötzlich der erleuchtende Einfall kam. Trotz seiner begrenzten Mittel und&lt;br /&gt;
Möglichkeiten ruhte er nicht, bis er in jahrelanger Arbeit seinen&lt;br /&gt;
Traum in einem Gipsmodell verwirklicht hatte. „Die Bahá’í-Religion ist&lt;br /&gt;
eine Synthese der geistigen Wesenszüge aller Religionen und Philosophien. &lt;br /&gt;
Wenn man die Persönlichkeiten ihrer Begründer und Führer unberücksichtigt &lt;br /&gt;
läßt, haben alle Glaubensbekenntnisse dieselbe göttliche&lt;br /&gt;
Grundlage .... Die Lehren Christi, Buddhas und Muhammads sind im&lt;br /&gt;
Wesen die gleichen. Wie mit den Religionen, so steht es auch mit der&lt;br /&gt;
Architektur. Wenn man die verschiedenen architektonischen Systeme&lt;br /&gt;
auf ihre ideelle Grundlage zurückführt und alle extremen Formen &lt;br /&gt;
beiseite läßt, sieht man, wie sie so vollkommen miteinander harmonieren,&lt;br /&gt;
daß sie ohne Mißklang verschmolzen werden können. Das ist, was ich&lt;br /&gt;
bei dem Tempel des Lichts versuchte: alle Baustile zu einem Sinnbild&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion zu vereinigen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt späteren Künstlergenerationen vorbehalten zu entscheiden,&lt;br /&gt;
ob sie Bourgeois’ synkretistischer Auffassung folgen können. Sicher ist,&lt;br /&gt;
daß er auf dieser geistigen Grundlage etwas Großes, Neues geschaffen&lt;br /&gt;
hat, das in der Welt der Baukunst viel beachtet und bewundert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Abdu’l-Bahá, Dem Bourgeois seinen Entwurf im Januar 1921 auf einer&lt;br /&gt;
Pilgerfahrt ins Heilige Land vorlegte, bat, das Modell so zu verkleinern,&lt;br /&gt;
daß die Baukosten 1 Million US-Dollar nicht übersteigen. Bourgeois schuf&lt;br /&gt;
ein neues Modell, das einen Durchmesser von 50 anstatt 150 Metern&lt;br /&gt;
vorsah. Wie sehr seine Konstruktion mit althergebrachten Vorstellungen&lt;br /&gt;
brach, erwies sich in der Kritik, die Bautechniker insbesondere dagegen&lt;br /&gt;
vorbrachten, daß der erste Stock und der Oberbau des Tempels gegen das&lt;br /&gt;
Erdgeschoß versetzt sind, was dem anerkannten Architektengrundsatz&lt;br /&gt;
widerspricht, daß die tragenden Elemente eines Baues auf den Fundamenten &lt;br /&gt;
fußen müssen. Aber obwohl dies erhebliche Mehrkosten verursachte, hätte &lt;br /&gt;
doch jede Änderung der Ausdruckskraft des Tempels&lt;br /&gt;
Abbruch getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fundament und Rohbau&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die technische Ausführung des Projekts war sich damals selbst&lt;br /&gt;
der Architekt nicht im klaren. Die Neuartigkeit der Konstruktion verlangte &lt;br /&gt;
nach neuen Mitteln und Wegen. Ein Ausschuß von Bautechnikern&lt;br /&gt;
wurde 1920 eingesetzt; er hatte während der ganzen Bauzeit zusammen&lt;br /&gt;
mit dem Architekten immer neue Probleme zu überwinden.&lt;br /&gt;
{{page|69|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst war ein solider Unterbau zu schaffen. Probebohrungen stießen &lt;br /&gt;
in dem Schwemmland des Tempelgeländes erst in 40 Meter Tiefe&lt;br /&gt;
auf Felsen. Eine Pfahlkonstruktion wäre billiger gewesen, aber der Architekt &lt;br /&gt;
bestand darauf, daß neun große Beton-Senkkästen bis auf den&lt;br /&gt;
Felsgrund hinabgelassen wurden. In 30 Meter Tiefe behinderten starke&lt;br /&gt;
unterirdische Wasserströmungen die Grabarbeiten, aber durch neuartige&lt;br /&gt;
Methoden konnte auch diese Schwierigkeit überwunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wilmette hatten sich die Gemeindebehörden dem Bau der „unerwünschten &lt;br /&gt;
neuen Kultstätte“ zunächst in den Weg gestellt und die Baugenehmigung &lt;br /&gt;
verweigert; so kam es, daß erst am 21. März 1921 mit dem&lt;br /&gt;
Ausschachten begonnen werden konnte. 1922 war der Unterbau mit einer&lt;br /&gt;
großen Versammlungshalle fertig, nach außen hin ein häßlicher &lt;br /&gt;
Betonklotz, der wie ein Wasserreservoir aussah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neun Jahre vergingen, bis der nächste Schritt unternommen wurde,&lt;br /&gt;
die Errichtung des Rohbaues. Der Bauausschuß war in der Zwischenzeit &lt;br /&gt;
nicht müßig gewesen; er hatte alle nur denkbaren Bauverfahren&lt;br /&gt;
untersucht und sich schließlich auf einen betonverkleideten &lt;br /&gt;
Stahlskelettbau geeinigt. Der Architekt Louis Bourgeois erlebte den &lt;br /&gt;
zweiten Bauabschnitt nicht mehr, aber er hinterließ die vollständigen &lt;br /&gt;
Zeichnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war eine buntgemischte Schar von Bauleuten, Angehörige der&lt;br /&gt;
verschiedensten Rassen und Religionen, die Anfang September 1930 die&lt;br /&gt;
Arbeit in Angriff nahm. Ein eindrucksvoller Geist der Zusammenarbeit&lt;br /&gt;
herrschte vor: Jeder Arbeiter hatte vor Baubeginn ein Bild des fertigen&lt;br /&gt;
Baues mitbekommen, und bald sprachen sie allgemein von „ihrem&lt;br /&gt;
Tempel“. Die neunfache Wiederholung aller Einzelteile machte sich&lt;br /&gt;
kostensparend bemerkbar. 1930 war der Bau bis zur Kuppel aufgeführt,&lt;br /&gt;
die dann in zwei voneinander unabhängigen Rahmensystemen, einem&lt;br /&gt;
äußeren und einem inneren, aus etwa 10 000 Stahlteilen zusammengefügt&lt;br /&gt;
wurde. Im Januar 1931 geriet einer der Öfen zur Trocknung der Betonverkleidung &lt;br /&gt;
in Brand; das Feuer fand in der hölzernen Verschalung&lt;br /&gt;
reichlich Nahrung, richtete aber keine strukturellen Schäden an. So&lt;br /&gt;
konnte trotzdem am 1. Mai 1931 der fertige zweite Bauabschnitt &lt;br /&gt;
abgenommen werden. Da er nach seiner Nachkalkulation 30 000 Dollar &lt;br /&gt;
eingespart hatte, richtete der Unternehmer, vom Geist des Tempels ergriffen,&lt;br /&gt;
über den Auftrag hinaus noch einen Teil der Heizanlage und der Nebenräume ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Ornamentik&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein grauer Kuppelbau erhob sich nun am Ortseingang von Wilmette,&lt;br /&gt;
verglast und gegen Wind und Wetter geschützt, aber ein Tempel des&lt;br /&gt;
Lichts war er noch nicht geworden. Noch war über die äußere Verkleidung &lt;br /&gt;
nicht die Entscheidung gefallen: Terracotta, Gußsteine, verschiedene &lt;br /&gt;
Gußmetalle boten sich als Materialien an. Aber in neunzehnjähriger &lt;br /&gt;
Zusammenarbeit mit der Firma John J. Earley, Washington, beschritt &lt;br /&gt;
man einen völlig neuartigen Weg. In handwerklicher Kleinarbeit&lt;br /&gt;
wurden Gipsformen gefertigt, in denen aus weißem Zement und zwei&lt;br /&gt;
sorgfältig ausgewählten, in Süd-Carolina und Südwest-Virginia &lt;br /&gt;
gebrochenen und gemahlenen hellen Quarzsteinen die dicken Platten &lt;br /&gt;
für die äußere Verzierung des Tempels gegossen wurden. Nach zwölf Stunden &lt;br /&gt;
{{page|70|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
wurden die Formen umgestülpt, aber ehe die Platten zur Montage nach&lt;br /&gt;
Wilmette verschickt wurden, blieben sie an Ort und Stelle noch zwei&lt;br /&gt;
Wochen der Witterung ausgesetzt. So wurde mit 387 Einzelteilen im&lt;br /&gt;
Gewicht von 550 Tonnen zunächst die Kuppel verkleidet, bis sie im&lt;br /&gt;
Frühjahr 1934 in ihrem bleibenden Glanz erstrahlte. Aber acht weitere&lt;br /&gt;
Jahre vergingen, ehe 1943 die ganze Außenornamentik angebracht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1953: Die Landschaft um den Tempel ist gestaltet&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1949 begann der Innenausbau, bei dem ebenfalls dem dauerhaften Gußzement &lt;br /&gt;
vor Stukkatur der Vorzug gegeben wurde. Wie bei den Außenarbeiten, wurden &lt;br /&gt;
die etwa 1000 Einzelteile der durchbrochenen Ornamentik, die sich im &lt;br /&gt;
unteren Teil des Domes von pastellfarbenem Hintergrund abhebt und in &lt;br /&gt;
der Kuppel vom Sonnenlicht durchflutet wird, in&lt;br /&gt;
der Werkstatt gegossen, an Ort und Stelle verbracht und eingesetzt.&lt;br /&gt;
Die Teilnehmer der Nationaltagung von 1951 traten in den fertigen Tempelbau &lt;br /&gt;
ein. Hell erklang der Chorgesang zum Preise Dessen, Dem dieses Haus geweiht war.&lt;br /&gt;
{{page|71|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Ornamentik des Tempels kommt hier augenfällig zur Geltung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1953 hatte auch die Landschaft um den Tempel ihre erste Gestaltung &lt;br /&gt;
erfahren. Blumenbeete, Bäume und Strauchwerk säumen die neun&lt;br /&gt;
Wege, die zu seinen Toren führen. Ein Querpfad, der sich im Kreis um&lt;br /&gt;
den Zentralbau zieht, gewährt immer neue Ausblicke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes der Nebengebäude ist inzwischen ein kleines Altersheim&lt;br /&gt;
entstanden, in dem verdiente Bahá’í-Pioniere eine Heimstatt für ihren&lt;br /&gt;
Lebensabend finden. Weitere Bauten sollen folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der stumme Lehrer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus der Andacht ist heute eine der Sehenswürdigkeiten des&lt;br /&gt;
amerikanischen Mittelwestens. Rund 200 000 Menschen aus aller Herren&lt;br /&gt;
Ländern, Angehörige der verschiedensten Rassen und Religionen, haben&lt;br /&gt;
es im Jahr 1959 besucht. Allein im Juli letzten Jahres waren es 17 000&lt;br /&gt;
Besucher, darunter der amerikanische Landwirtschaftsminister mit Familie &lt;br /&gt;
und zahlreiche andere hochgestellte Persönlichkeiten des In- und Auslandes. &lt;br /&gt;
An sonnigen Wochenenden steigt die Gästezahl bis auf 2000 täglich &lt;br /&gt;
neben denen, die an der sonntäglichen Andachtsstunde teilnehmen.&lt;br /&gt;
In diesen Andachten werden, getreu den Vorschriften Bahá’u’lláhs und&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás, nur geoffenbarte Gebete und heilige Texte rezitiert. Für&lt;br /&gt;
Vorträge und andere Veranstaltungen steht die große Versammlungshalle&lt;br /&gt;
im Untergeschoß des Tempels zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon heute, ehe der heilige Bezirk durch den Bau seiner kulturellen&lt;br /&gt;
und sozialen Institutionen abgerundet ist, erfüllt der „Muttertempel des&lt;br /&gt;
Westens“ seine Aufgabe, ein geistiger Sammelpunkt derer zu sein, denen&lt;br /&gt;
die Sehnsucht nach der Vollkommenheit des neuen Zeitalters ins Herz&lt;br /&gt;
geschrieben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Peter Mühlschlegel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;*)&amp;lt;/sup&amp;gt; Allen Boyer Mc Daniel, „The Spell of the Temple“, by Vantage Press, &lt;br /&gt;
Inc., New York 1953; vgl. auch Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber“, Oxford/Frankfurt &lt;br /&gt;
1954, S. 297 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|72|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religion und Völkerrecht===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bahá’í-Vertreter sprach beim zehnten Grotius-Tag in München&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rathaus in München fand am 28. August 1960 der zehnte Grotius-Tag&lt;br /&gt;
statt. Gastgeber war die Internationale Grotius-Stiftung e. V., die sich &lt;br /&gt;
vornehmlich um die Verbreitung des Völkerrechts bemüht. Hugo Grotius, der&lt;br /&gt;
von 1583 bis 1645 in den Niederlanden lebte, gilt als der Begründer des &lt;br /&gt;
modernen Staats- und Völkerrechts. Er war einer der bedeutendsten Juristen&lt;br /&gt;
und Theologen seiner Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;*&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Münchner Tagung erhielten vier Persönlichkeiten, die&lt;br /&gt;
sich in den letzten Jahren um die Verwirklichung des Gedankens des&lt;br /&gt;
Völkerrechts besonders verdient gemacht hatten, die Grotius-Medaille&lt;br /&gt;
verliehen: Professor Dr. Giorgio del {{Sperrsatz|Vecchio}}, Rom; Professor &lt;br /&gt;
Dr. Lucio M. {{Sperrsatz|Moreno}} Quintana, Richter am Internationalen &lt;br /&gt;
Schiedsgerichtshof in Den Haag; Professor Dr. Gustavo {{Sperrsatz|Cordeiro}} Ramos, &lt;br /&gt;
Lissabon; Professor Dr. h. c. Wilhelm {{Sperrsatz|Röpke}}, Genf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tagung in München befaßte sich mit dem Thema: „Religion und&lt;br /&gt;
Völkerrecht“. Es wurde von zwölf Rednern behandelt. So wies z. B. der&lt;br /&gt;
Heidelberger Völkerrechtler Professor Dr. Dr. Fr. W. v. {{Sperrsatz|Rauchhaupt}}&lt;br /&gt;
den religiösen Ursprung des Rechts in den Hochreligionen nach; der&lt;br /&gt;
Innsbrucker Senator Dr. Karl {{Sperrsatz|Baer}} führte aus, wie die buddhistische&lt;br /&gt;
Religion sich ständig um die Verwirklichung des Völkerrechts bemühe,&lt;br /&gt;
und Professor Dr. Dr. Hans {{Sperrsatz|Aufhauser}}, München, gab einen &lt;br /&gt;
geschichtlichen Abriß über die Verdienste der Religionen um die Erziehung&lt;br /&gt;
der Menschheit. Er erwähnte dabei auch die „jüngste aller Weltreligionen,&lt;br /&gt;
die Bahá’í-Religion“, die von „ihrem geistigen Mittelpunkt Haifa aus&lt;br /&gt;
glühende Friedensliebe verkünde“. Auch der Vorsitzende der Tagung,&lt;br /&gt;
der Generalsekretär der Grotius-Stiftung, Dr. Dr. Dr. Hans {{Sperrsatz|Keller}}, &lt;br /&gt;
kam in seinen Ausführungen auf den Bahá’í-Glauben als der „jüngsten Religion“ &lt;br /&gt;
zu sprechen. In dieser Religion sei die Forderung nach einem weltumspannenden &lt;br /&gt;
Völkerrecht bereits in den Heiligen Schriften ausdrücklich verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals bei einer derartigen Veranstaltung nahm auch ein Vertreter&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion das Wort. Huschmand {{Sperrsatz|Sabet}} sprach über die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Religion und das Völkerrecht. Seinen Vortrag, der bei den Delegierten &lt;br /&gt;
in München starkes Echo fand, veröffentlichen wir nachfolgend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;D. Red.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Einheit Gottes als Grundlage modernen Völkerrechts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen der Offenbarung von Bahá’u’lláh heute zeitlich noch zu&lt;br /&gt;
nahe, um die Fragen des Völkerrechts im Lichte Seiner Sendung ganz&lt;br /&gt;
zu überblicken. Es ist bis jetzt nicht möglich gewesen, alle Seine Schriften &lt;br /&gt;
{{page|73|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
unter diesem Gesichtspunkt auszuwerten — einmal, weil es zunächst&lt;br /&gt;
galt, die Bahá’í-Religion zu verbreiten und die Gläubigen innerlich zu&lt;br /&gt;
festigen, und zum andern, weil außer den rund 100 Büchern von&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh einige tausend Briefe von Ihm vorhanden sind, die im &lt;br /&gt;
Zusammenhang mit den hier in Betracht kommenden Fragen durchgesehen&lt;br /&gt;
werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Existenz und die Einheit Gottes sind die Grundlage des Völkerrechts &lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion. Dabei ist die Einheit Gottes für die Bahá’í &lt;br /&gt;
gleichbedeutend mit der Einheit der Gottgesandten, der Propheten. Sie&lt;br /&gt;
alle haben {{Sperrsatz|einen}} Ursprung und wirken im Rahmen {{Sperrsatz|eines}} &lt;br /&gt;
göttlichen Planes für die Erziehung und Erlösung der Völker. Dies begründet die&lt;br /&gt;
grundsätzliche {{Sperrsatz|geistige Einheit}} der Völker Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
muß sich heute in der geistigen und administrativen Einheit der Menschheit &lt;br /&gt;
spiegeln. In diesem Sinne spricht Bahá’u’lláh stets von der&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Menschheit}}, nicht von {{Sperrsatz|Nationen}}. &lt;br /&gt;
„Es rühme sich kein Mensch dessen, daß er sein Land liebt, sondern &lt;br /&gt;
eher dessen, daß er die ganze Menschheit liebt“ ... „Durch die Kraft, &lt;br /&gt;
die durch diese erhabenen Worte frei wurde, hat Er den Vögeln der &lt;br /&gt;
Menschenherzen frischen Schwung und neue Richtung verliehen und &lt;br /&gt;
jede Spur von Beschränkung und Begrenzung aus Gottes Heiligem Buche getilgt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Punkte sind für unsere Betrachtungen von Wichtigkeit: 1. Nach&lt;br /&gt;
Auffassung der Bahá’í ist die Hauptaufgabe der prophetischen Offenbarung &lt;br /&gt;
die geistige Gesetzgebung. 2. Völkerrecht und Weltfrieden müssen auf Prinzipien &lt;br /&gt;
beruhen, in denen alle Gemeinschaften und Religionen&lt;br /&gt;
ihre höchsten Wünsche erfüllt finden. In diesem Sinne schafft Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
die denkbar breiteste Grundlage. Wesentlich sind Seine Gebote für die&lt;br /&gt;
Veredelung der Menschen, so, wie wir sie schon aus der Bergpredigt&lt;br /&gt;
Jesu Christi kennen. Bahá’u’lláh vergleicht einmal den Menschen mit&lt;br /&gt;
einem Bergwerk, aus dem der göttliche Offenbarer kraft Seines schöpferischen &lt;br /&gt;
Wortes die edelsten Diamanten und Edelsteine hervorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus muß bei der Verwirklichung des Weltfriedens nicht&lt;br /&gt;
nur die räumliche Einheit, sondern auch die Einheit der Zeiten berücksichtigt &lt;br /&gt;
werden. Die sogenannten „zivilisierten Völker“ sollen mit „Völkern unter &lt;br /&gt;
Feudalherrschaft“, mit den „Naturvölkern“, unter dem {{Sperrsatz|einen}} Zelt der &lt;br /&gt;
Einheit versammelt werden — das bedeutet ein Zusammenleben von Menschen der &lt;br /&gt;
verschiedensten Entwicklungsstufen. So mögen manche Gebote von Bahá’u’lláh, &lt;br /&gt;
wie z. B. das tägliche Gebet, gewisse jährliche Feiern oder ein neuer Kalender &lt;br /&gt;
für westliche Begriffe seltsam anmuten; sie tragen aber zur Lösung des zentralen Problems&lt;br /&gt;
bei: ein {{Sperrsatz|gemeinsames Weltgewissen}} zu schaffen, nicht nur ein&lt;br /&gt;
Gewissen für die weiße Rasse, die „zivilisierten Völker“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In bezug auf die geistige Gesetzgebung durch die Propheten sagt&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh: „Wisse wahrlich, daß das Wesen der Gerechtigkeit, wie&lt;br /&gt;
auch ihre Quelle, in den Gesetzen verkörpert ist, die von Ihm verordnet&lt;br /&gt;
wurden, Der die Offenbarung von Gott Selbst unter den Menschen ist...&lt;br /&gt;
Er verkörpert, wahrlich, für die ganze Schöpfung die höchste, die &lt;br /&gt;
unfehlbare Stufe der Gerechtigkeit. Würde Sein Gesetz so sein, daß es die&lt;br /&gt;
Herzen aller, die im Himmel und auf Erden sind, mit Schrecken erfüllte, &lt;br /&gt;
{{page|74|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
so wäre dieses Gesetz dennoch nichts anderes als die offenbare Gerechtigkeit. &lt;br /&gt;
Die Furcht und Erschütterung, welche die Offenbarung dieses Gesetzes in den &lt;br /&gt;
Herzen der Menschen hervorruft, sollte tatsächlich mit dem&lt;br /&gt;
Schreien des Säuglings verglichen werden, der von seiner Mutter Milch&lt;br /&gt;
entwöhnt wird... Würden die Menschen die treibende Absicht von&lt;br /&gt;
Gottes Offenbarung entdecken, würden sie sicherlich ihre Furcht beiseite&lt;br /&gt;
legen und mit dankerfülltem Herzen in außerordentlicher Freude frohlocken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Auffassung der Bahá’í vom Völkerrecht sind neben den göttlichen &lt;br /&gt;
Gesetzen Bahá’u’lláhs Dessen geistige und weltliche Prinzipien&lt;br /&gt;
richtungweisend. Der einzelne wird aufgefordert, selbständig nach Wahrheit &lt;br /&gt;
zu suchen, mit eigenen Augen zu sehen, mit eigenen Ohren zu&lt;br /&gt;
hören. Vorurteile jeglicher Art (seien sie religiöser, nationaler, rassischer&lt;br /&gt;
oder politischer Natur) müssen abgelegt werden, bestmögliche sittliche&lt;br /&gt;
und geistige Erziehung für beide Geschlechter wird gefordert. Die &lt;br /&gt;
Gleichberechtigung von Mann und Frau betont Bahá’u’lláh ausdrücklich, und&lt;br /&gt;
Er hebt die besondere Aufgabe der Frau bei der Verwirklichung eines&lt;br /&gt;
dauerhaften Friedens hervor. Das „Hand-in-Hand-Gehen“ von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft wird damit begründet, daß es nur {{Sperrsatz|eine}} Wahrheit&lt;br /&gt;
gibt. Weltsprache und -schrift werden von Bahá’u’lláh gefordert; sie&lt;br /&gt;
sollen in allen Ländern neben der Muttersprache gelehrt werden. Die&lt;br /&gt;
soziale Frage kann nur gelöst werden, wenn Reichtum als &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|soziale Verpflichtung}} verstanden wird und sich daraus eine &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|freiwillige Begrenzung}} des Reichtums und damit zwangsläufig auch &lt;br /&gt;
eine Linderung der Armut ergibt. Vom Völkerrecht in einer Welt zu sprechen, &lt;br /&gt;
in der mehr als die Hälfte ihrer Bewohner buchstäblich hungert,&lt;br /&gt;
heißt eine große Verantwortung tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Prinzipien von Bahá’u’lláh ist verankert, daß alle Religionen&lt;br /&gt;
eine {{Sperrsatz|gemeinsame Grundlage}} haben. Das Ziel ist ein dauerhafter,&lt;br /&gt;
universaler Friede. Die Bahá’í sehen dies als gottgewollt an und &lt;br /&gt;
betrachten es als Bestandteil der Bahá’í-Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicher nennt die moderne westliche Kultur viele dieser Prinzipien ihr&lt;br /&gt;
eigen. Aber die neueste traurige Geschichte Europas läßt uns die Frage&lt;br /&gt;
stellen: „Kann der Weltfriede nur nach wissenschaftlichen, weltlichen&lt;br /&gt;
Maßstäben, ohne {{Sperrsatz|religiösen Impuls}} und Enthusiasmus, &lt;br /&gt;
verwirklicht werden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 90 Jahren hat Bahá’u’lláh, auf Seinen Gesetzen und Prinzipien&lt;br /&gt;
aufbauend, eine {{Sperrsatz|neue Weltordnung}} begründet. „Das Gleichgewicht&lt;br /&gt;
der Welt“, so erklärt Er, „ist durch den schwingenden Einfluß dieser&lt;br /&gt;
größten, dieser neuen Weltordnung ins Wanken geraten. Das geordnete&lt;br /&gt;
Leben der Menschheit ist durch die Wirkung dieses einzigartigen, dieses&lt;br /&gt;
wunderbaren Systems, dessengleichen sterbliche Augen nie bezeugt haben, &lt;br /&gt;
umgewälzt worden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Weltordnungsplan sieht u. a. örtliche und nationale „Häuser&lt;br /&gt;
der Gerechtigkeit“ vor, welche für die jeweiligen Angelegenheiten &lt;br /&gt;
zuständig sind. Gekrönt werden diese Institutionen durch das „Universale&lt;br /&gt;
Haus der Gerechtigkeit“, welches die gesetzgeberischen Belange der ganzen &lt;br /&gt;
{{page|75|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
Menschheit regelt und die letzte Berufungsinstanz darstellt. Die&lt;br /&gt;
Wahlen, die der Bildung dieser Gremien vorangehen, sind demokratisch;&lt;br /&gt;
aber Wähler und Gewählte werden als Instrumente Gottes betrachtet,&lt;br /&gt;
d. h., die Gewählten sind, anders als bei den bekannten demokratischen&lt;br /&gt;
Wahlsystemen, den Wählern gegenüber {{Sperrsatz|nicht}} verantwortlich. Ihre&lt;br /&gt;
Autorität während des einen Jahres ihres Amtes wird als von Gott&lt;br /&gt;
kommend angesehen. Ihr Wirken ist ehrenamtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Institution, die Bahá’u’lláh in Seiner Weltordnung vorgesehen &lt;br /&gt;
hat, ist der Weltschiedsgerichtshof. Er hat die Aufgabe, eventuelle&lt;br /&gt;
Differenzen innerhalb des Weltgemeinwesens zu schlichten. „Die Zeit&lt;br /&gt;
muß kommen,“ erklärt Bahá’u’lláh, „da die gebieterische Notwendigkeit&lt;br /&gt;
zur Abhaltung einer ausgedehnten, einer allumfassenden Versammlung&lt;br /&gt;
der Menschen universal erkannt werden wird... . Sollte ein Land die&lt;br /&gt;
Waffen gegen ein anderes ergreifen, so müßten sich alle vereint erheben&lt;br /&gt;
und es daran hindern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich kann die Einheit der Menschheit nur stufenweise verwirklicht &lt;br /&gt;
werden. Zuerst wird der sogenannte „Geringere Friede“ erreicht&lt;br /&gt;
werden, der auf internationalen Verträgen beruht, den Krieg ächtet und&lt;br /&gt;
als Mittel zum Austragen von Streitigkeiten abschafft. Im Laufe der&lt;br /&gt;
Jahre, wenn die Völker die Segnungen des Friedens verspüren, wird aus&lt;br /&gt;
dem „Geringeren Frieden“ der „Größte Friede“, der religiös wahre&lt;br /&gt;
Friede, erwachsen, der im Friedenswunsch der Völker und in der Demut&lt;br /&gt;
vor Gottes Gebot begründet sein wird. (Vgl. „Bahá’í-Briefe“ Nr. 2, &lt;br /&gt;
Oktober 1960: „Was ist neu in der Bahá’í-Religion?“.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá, der Sohn Bahá’u’lláhs und Mittelpunkt Seines Bündnisses,&lt;br /&gt;
vergleicht die Stufen auf dem Weg zur Einheit mit Strahlen, die von&lt;br /&gt;
der Sonne der Offenbarung ausgehen: „Der erste Strahl ist die Einheit&lt;br /&gt;
im politischen Bereich, dessen erstes Schimmern bereits wahrgenommen&lt;br /&gt;
werden kann. Der zweite Strahl ist die Einheit der Denkart in Weltfragen. &lt;br /&gt;
Der dritte Strahl ist die Einheit in der Freiheit, die gewiß&lt;br /&gt;
kommen wird. Der vierte Strahl ist die Einheit in der Religion, die durch&lt;br /&gt;
Gottes Allmacht in aller Herrlichkeit offenbar werden wird. Der fünfte&lt;br /&gt;
Strahl ist die Einheit der Völker. Der sechste Strahl ist die Einheit der&lt;br /&gt;
Rassen. Der siebte Strahl ist die Einheit der Sprache. Dieses alles wird&lt;br /&gt;
unvermeidlich geschehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Gebote Bahá’u’lláhs sowie Seine Prinzipien betrachten&lt;br /&gt;
und die Weltordnung studieren, die Seinen Namen trägt, sollten wir uns&lt;br /&gt;
klar werden, daß diese nicht die Ergebnisse theoretischer Erwägungen&lt;br /&gt;
sind, sondern das Werk einer Persönlichkeit darstellen, die keine Schule&lt;br /&gt;
besuchte und nicht weniger als 40 Jahre ihres kostbaren Lebens im &lt;br /&gt;
Gefängnis und in der Verbannung verbringen mußte. Er hat den Anspruch&lt;br /&gt;
erhoben, die Offenbarung Gottes für dieses Zeitalter zu sein, und über&lt;br /&gt;
20.000 Märtyrer haben auf Seinem Pfad ihr Leben geopfert. In 250 Ländern &lt;br /&gt;
versuchen heute die Bahá’í, die Weltordnung Bahá’u’lláhs zu verwirklichen. &lt;br /&gt;
Über 2000 örtliche „Häuser der Gerechtigkeit“, „Geistige Räte“ genannt, &lt;br /&gt;
regeln bereits die Angelegenheiten der Gläubigen. Im Jahr 1963 werden &lt;br /&gt;
die Bahá’í das „Universale Haus der Gerechtigkeit“ gründen.&lt;br /&gt;
{{page|76|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende dieser Betrachtungen mögen Worte von Bahá’u’lláh stehen:&lt;br /&gt;
„Er, Der euer Herr ist, Der Allerbarmer, hegt in Seinem Herzen den&lt;br /&gt;
Wunsch, die ganze menschliche Rasse als {{Sperrsatz|eine}} Seele und &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|einen}} Körper zu sehen. Eilet, euren Anteil an Gottes Huld &lt;br /&gt;
und Barmherzigkeit an diesem Tage zu gewinnen, der alle anderen &lt;br /&gt;
erschaffenen Tage in den Schatten stellt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Huschmand Sabet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„Ich habe euch noch viel zu sagen ...“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Lehre Christi im Lichte der Bahá’í-Religion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir Bahá’í sagen, daß die Offenbarer Gottes wie die Glieder&lt;br /&gt;
einer Kette aufeinanderfolgen und jeder von ihnen etwas Neues für&lt;br /&gt;
die Bedürfnisse der Menschheit bringt, hören wir oft den Einwand: &lt;br /&gt;
„Es ist ja möglich, daß Bahá’u’lláh die religiösen Lehren Muhammads &lt;br /&gt;
vertieft hat, aber was kann es Tieferes geben als Christi Gebot: „Liebe&lt;br /&gt;
deinen Nächsten wie dich selbst“?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesen Einwand zu beantworten, sollten wir {{Sperrsatz|drei Punkte}} erörtern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1.&#039;&#039;&#039; Was hat Jesus eigentlich gesagt? Was ist das Wesen der Lehre Christi?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2.&#039;&#039;&#039; Was hat diese Lehre nach dem Tode Christi praktisch, „kulturhistorisch“ &lt;br /&gt;
in der Welt zu Wege gebracht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3.&#039;&#039;&#039; Wie ist die heutige Lage des Christentums als Religion und&lt;br /&gt;
Kulturträger, und auf welche Weise könnte man sie verbessern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesen Problemen auf den Grund zu gehen, müßten wir Bände&lt;br /&gt;
schreiben. Es sei hier nur versucht, knapp und übersichtlich &lt;br /&gt;
den Bahá’í-Standpunkt zu diesen Fragen darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu &#039;&#039;&#039;1:&#039;&#039;&#039; Die Bahá’í sind der Ansicht, daß die Evangelientexte, die wir&lt;br /&gt;
heute besitzen, nicht buchstäblich die Worte Jesu wiedergeben. Die&lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|sicheren}} Ergebnisse der modernen neutestamentlichen Kritik werden&lt;br /&gt;
von den Bahá’í — die auch in diesem Sinn ihrer Lehre von der Harmonie&lt;br /&gt;
zwischen Wissenschaft und Religion treu sind — angenommen. Bekanntlich &lt;br /&gt;
gibt es aber in der modernen geschichtlichen Kritik viele Lehrmeinungen &lt;br /&gt;
über das Wesen des Christentums. Zusammenfassend und von&lt;br /&gt;
der — meiner Meinung nach unhaltbaren — Lehre der sogenannten&lt;br /&gt;
mythologischen Schule abgesehen, könnten wir die folgenden beiden&lt;br /&gt;
Schulen erwähnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;a)&#039;&#039;&#039; Die {{Sperrsatz|Liberalen}}, die, Harnack folgend, sagen, daß das Wesen&lt;br /&gt;
des Christentums die zwei Punkte seien: {{Sperrsatz|Gott als Vater}} und eine&lt;br /&gt;
neue Ethik, {{Sperrsatz|die Ethik der Liebe}}, die die Absicht mehr als das&lt;br /&gt;
Gesetz betont und sich in dem berühmten Gebot: „Liebe deinen Nächsten&lt;br /&gt;
wie dich selbst,“ ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;b)&#039;&#039;&#039; die {{Sperrsatz|eschatologische Schule}}, zu der auch Dr. Albert&lt;br /&gt;
Schweitzer gehört, die das Wesen der Lehre Christi in einer zukunftweisenden, &lt;br /&gt;
asketisch-weltverneinenden Ethik sieht, in der {{Sperrsatz|Vorbereitung}} eines &lt;br /&gt;
künftigen Reiches Gottes auf Erden.&lt;br /&gt;
{{page|77|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wesen des Christentums&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls könnten wir mit einer gewissen Sicherheit das Wesen des&lt;br /&gt;
Christentums wie folgt zusammenfassen: eine neue, reinere, persönlichere&lt;br /&gt;
Ethik, die sich von den Ketten der Abhängigkeit, von den äußerlichen&lt;br /&gt;
Riten und den kanonischen Gesetzen des Judentums losmacht, zusammen mit &lt;br /&gt;
einem starken asketisch-eschatologischen Element: &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Reinigt euch, verlasset alles, denn das Reich Gottes ist nah}}.&lt;br /&gt;
Die spätere Theologie wird dieses individualistische Element der Ethik&lt;br /&gt;
Christi noch mehr betonen: Wer glaubt: „Christus ist mein persönlicher&lt;br /&gt;
Erlöser“, wird {{Sperrsatz|seine Seele}} retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu &#039;&#039;&#039;2:&#039;&#039;&#039; Die Bahá’í glauben, daß alle Offenbarer wirkliche &lt;br /&gt;
Manifestationen Gottes, alle von Gott gesandt, sind. Gott kann es also unmöglich&lt;br /&gt;
zulassen, daß Seine Religion vor der Ankunft des neuen Propheten (in&lt;br /&gt;
diesem Fall Muhammad) keine in sich vollkommene religiöse Kultur bewirkt. &lt;br /&gt;
So haben wir als Bahá’í ein anderes Mittel zur Verfügung, um&lt;br /&gt;
zu verstehen, was das Wesen des Christentums tatsächlich {{Sperrsatz|gewesen ist}}. &lt;br /&gt;
Nach den Bahá’í-Lehren hat das Christentum als einzig wahre&lt;br /&gt;
und autorisierte Gottesoffenbarung und gottgewollte Zivilisation mehr&lt;br /&gt;
oder weniger sieben Jahrhunderte gedauert, d. h. bis auf Muhammad,&lt;br /&gt;
dessen erste prophetische Erfahrung ungefähr im Jahre 610 n. Chr.&lt;br /&gt;
stattfand. Aber Bahá’u’lláh hat auch gesagt, daß die verschiedenen &lt;br /&gt;
religiösen Zyklen in sich einen Frühling, einen Sommer und einen Herbst&lt;br /&gt;
aufweisen: Die Jahre vor dem Kommen Muhammads waren schon die&lt;br /&gt;
Herbst- und Winterjahre des Christentums, seine Verfallsjahre. Also&lt;br /&gt;
können wir vom Bahá’í-Gesichtspunkt her sagen, daß das Christentum &lt;br /&gt;
seine religiös-kulturhistorische Mission in seinen ersten vier &lt;br /&gt;
Jahrhunderten erfüllt hat. Aber gerade im vierten Jahrhundert, bald nach dem&lt;br /&gt;
historischen Befreiungsedikt Konstantins (Mailänder Edikt, 313), haben&lt;br /&gt;
die christlichen Theologen angefangen, die Dogmen vom göttlichen Wesen&lt;br /&gt;
Christi, Marias als der Mutter Gottes usw. zu definieren, die von&lt;br /&gt;
Muhammad als dem folgenden Offenbarer kategorisch abgelehnt wurden. &lt;br /&gt;
So müssen wir zu der Schlußfolgerung kommen, daß &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|das wahre Christentum}} das Christentum der ersten drei &lt;br /&gt;
Jahrhunderte, das&lt;br /&gt;
Christentum der Verfolgungen und der Märtyrer war. In diesem &lt;br /&gt;
zyklisch-geschichtlichen Sinn ist das Wesen des Christentums eine &lt;br /&gt;
heroisch-asketische, weltverneinende Reinigung der individuellen Herzen &lt;br /&gt;
durch Blut und Feuer, eine ethisch vollkommene Vorbereitung einer neuen,&lt;br /&gt;
von Christus {{Sperrsatz|nur angekündigten}} Weltkultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ich sage euch die Wahrheit: Es ist besser für euch, wenn Ich von euch gehe, denn wenn Ich nicht von euch gehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen. Wenn Ich aber hinweggehe, so will Ich Ihn zu euch senden. ....&lt;br /&gt;
:Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber Jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, so wird Er euch in die ganze Wahrheit leiten.... Er wird Mich verherrlichen, denn Er wird von dem Meinigen nehmen und es euch zeigen. Alles, was der Vater besitzt, ist Mein — darum sage Ich, daß Er von dem Meinigen nehmen und es euch zeigen wird.&lt;br /&gt;
{{page|78|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
:Nun aber habe Ich es euch gesagt, ehe es geschehen ist — damit ihr glaubt, wenn es geschieht!“ (Ev. Joh. 16: 7,12—15; 14: 29).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehungen zwischen zwei aufeinander folgenden Offenbarungszyklen &lt;br /&gt;
könnten nicht klarer dargestellt werden. Nur eine weitverbreitete&lt;br /&gt;
kirchliche Überlieferung, für die „der Tröster“ ein unpersönlicher Heiliger&lt;br /&gt;
Geist sein sollte, hat es verhindert, daß der zukunftweisende Charakter&lt;br /&gt;
des christlichen Kulturzyklus erkannt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für diesen Charakterzug des Christentums mag die&lt;br /&gt;
Stellung Christi zu den Fragen der {{Sperrsatz|Ehe}} und des &lt;br /&gt;
{{Sperrsatz|Reichtums}} dienen: Obwohl einige liberale Protestanten &lt;br /&gt;
es abzustreiten: versuchten, steht&lt;br /&gt;
zweifelsfrei fest, daß die alten Christen stark dazu neigten, das Zölibat&lt;br /&gt;
im Gegensatz zum Ehestand als einen Zustand moralischer Reinheit&lt;br /&gt;
zu betrachten. Einige Erklärungen Christi (z. B. Matth. XIX, 10 ff.), die&lt;br /&gt;
ausdrücklichen Empfehlungen des Paulus (1. Kor. 7) und vieles in der&lt;br /&gt;
ersten Geschichte des Christentums zeigen uns, daß das Mönchtum keine&lt;br /&gt;
späte Erfindung der Priester, sondern eine gut fundierte christliche&lt;br /&gt;
Praxis war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was den Reichtum betrifft, gibt es mehr als eine Episode in den&lt;br /&gt;
Evangelien, die uns deutlich beweist, daß die Stellung des frühen &lt;br /&gt;
Christentums zu Geld und Wohlstand durchaus negativ war. Nirgends ist&lt;br /&gt;
in den Evangelien von einer {{Sperrsatz|besseren Verteilung}} des Wohlstands&lt;br /&gt;
die Rede — man: nimmt sogar an, daß es immer Armut geben werde —, sondern &lt;br /&gt;
nur von einem asketischen Auf-das-Geld-Verzichten, einem&lt;br /&gt;
Alles-den-Armen-Geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das höchste Gebot...&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í sind durch die Lehre von der Relativität aller religiösen&lt;br /&gt;
Wahrheit imstande, diese geschichtlichen Tatsachen hinzunehmen, ohne&lt;br /&gt;
„aus dem Konzept zu kommen“. Beide Einstellungen waren für eine&lt;br /&gt;
Übergangszeit der individuellen Läuterung und der geistigen Erwartung&lt;br /&gt;
sehr nützlich; aber für die moderne Welt, die z. B. den Reichtum nicht&lt;br /&gt;
verachten, sondern ihn gerechter, humaner und produktiver verteilen&lt;br /&gt;
will, sind sie unannehmbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zum höchsten Gebot Christi: „Liebe deinen Nächsten wie dich&lt;br /&gt;
selbst“. Geschichtlich sollte dieses Gebot auch als eine &lt;br /&gt;
eschatologisch-reinigende Vorschrift betrachtet werden. Ausschließlich &lt;br /&gt;
mit diesem Gebot kann man ja wohl eine hohe individuelle Moral schaffen, &lt;br /&gt;
aber keine Gemeinschaftsorganisation aufbauen. Wir bleiben im Bereich der &lt;br /&gt;
individuellen Ethik, und Christus ist für uns vor allem der gottgesandte &lt;br /&gt;
Begründer aller möglichen künftigen individual-ethischen Richtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu &#039;&#039;&#039;3:&#039;&#039;&#039; Ist das, und {{Sperrsatz|nur}} das, für die moralischen, religiösen &lt;br /&gt;
und kulturhistorischen Bedürfnisse der modernen Welt genügend? Vergessen wir&lt;br /&gt;
nicht, daß die Probleme unserer Welt keine rein ethischen sind; die&lt;br /&gt;
ethische Frage wurde von Gott durch Christus schon gelöst. Es sind eher&lt;br /&gt;
Probleme einer {{Sperrsatz|moralischen Organisation}}. Es ist eine ungeheuere &lt;br /&gt;
Heuchelei zu sagen, daß die moderne Zivilisation eine christliche Zivilisation &lt;br /&gt;
sei. Die moderne westliche Zivilisation ist nur darin christlich, &lt;br /&gt;
{{page|79|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
daß sie ohne die von Christus in die Welt gebrachte asketische&lt;br /&gt;
Reinigung des Herzens, ohne die vom alten Christentum erreichte Vertiefung der &lt;br /&gt;
ethischen Werte objektiv undenkbar wäre. Aber organisatorisch betrachtet kam &lt;br /&gt;
die moderne Zivilisation nach dem Verfall des Christentums im IV.—VIII. Jahrhundert, &lt;br /&gt;
und nachdem sie die neue weltorganisatorische, aber schon von christlichen ethischen &lt;br /&gt;
Werten durchdrungene islamische Offenbarung abgelehnt hatte, vorwiegend durch&lt;br /&gt;
menschlich-weltliche Geistesströmungen zustande; es ist auch wahr, daß&lt;br /&gt;
diese moderne Kultur ohne den befruchtenden Einfluß der islamischen&lt;br /&gt;
Renaissance des VIII.-X. Jahrhunderts, durch den die griechische Philosophie &lt;br /&gt;
und die experimentelle Wissenschaft der Moslem Europa erreichte,&lt;br /&gt;
nicht hätte zustande kommen können; aber praktisch blieben die Anfänge&lt;br /&gt;
der modernen westlichen Zivilisation {{Sperrsatz|rein menschlich}}, &lt;br /&gt;
ohne den Segen des Wortes Gottes, und was wir jetzt in der Welt sehen, &lt;br /&gt;
ist vielleicht eine Folge davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Welt als ethisches Wirkungsfeld&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Offenbarung, die die islamische Kultur in dem Sinne fortbildet, &lt;br /&gt;
daß der Islam zu religiös-traditionell und zu konservativ wurde&lt;br /&gt;
und dadurch zum Verfall verurteilt war, stellt für unsere moderne &lt;br /&gt;
weltliche Zivilisation eine Richtigstellung in dem Sinne dar, daß wir Europäer&lt;br /&gt;
seit dem VII. Jahrhundert den Islam nicht annahmen und dadurch das&lt;br /&gt;
vorbereitende reinigende Element des Christentums, das seitdem nicht&lt;br /&gt;
mehr zu einem weltkulturorganisatorischen Faktor werden konnte, entweder &lt;br /&gt;
aufgaben oder rein menschlich und falsch deuteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion ergänzt die Lehren Christi in folgender Weise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;a)&#039;&#039;&#039; Sie verlegt das Schwergewicht der religiösen Ethik vom Individuellen &lt;br /&gt;
ins Soziale. Die Christen sagen: „Christus ist mein persönlicher&lt;br /&gt;
Erlöser, und ich kann durch meinen Glauben an Ihn meine Seele retten.“&lt;br /&gt;
Die Bahá’í sagen: „Bahá’u’lláh hat uns die Mittel gegeben, zur Erlösung&lt;br /&gt;
der Welt beizutragen.“ Wenn Bahá’u’lláh sagt: „Gesegnet ist, wer seinen&lt;br /&gt;
Bruder sich selbst vorzieht“ so ist das kein Wortspiel, denn dieses Gebot&lt;br /&gt;
wird in den Bahá’í-Lehren von praktischen „Gesetzen“ für eine bessere&lt;br /&gt;
Weltordnung begleitet, Bahá’u’lláh sagt auch: „Man sagte (im Islam):&lt;br /&gt;
Liebet euer Vaterland! Aber ich sage euch: Liebet eher die ganze Welt“.&lt;br /&gt;
Die {{Sperrsatz|Welt }}wird im Bahá’í-Glauben zum ethischen Wirkungsfeld, anstelle&lt;br /&gt;
bloßer Individualethik. Das konnte Jesus zu seiner Zeit, in der „die Welt“&lt;br /&gt;
nicht mehr als „niedere materielle Interessen“ bedeutete, nicht sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;b)&#039;&#039;&#039; Da die Bahá’í-Lehre die Welt als ethische Wirklichkeit umwertet,&lt;br /&gt;
heiligt sie auch {{Sperrsatz|das Weltliche}}. Ehe, Reichtum, Kunst, Arbeit, &lt;br /&gt;
Staats- und Weltordnung sind positive religiöse Werte im Bahá’í-Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;c)&#039;&#039;&#039; Diese Gewichtsverlagerung drückt sich auch darin aus, daß das &lt;br /&gt;
Organisatorische, das religiöse Gesetz des Zusammenlebens, das von Christus&lt;br /&gt;
als vorläufig unnützlich abgelehnt und von Muhammad wegen der sozialen &lt;br /&gt;
Bedürfnisse einer ziemlich rückständigen Bevölkerung auf einer niedrigen &lt;br /&gt;
kulturellen Ebene gehalten wurde, von Bahá’u’lláh neu belebt wird.&lt;br /&gt;
Aber wir sollten nicht vergessen, daß die religiösen Gesetze Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
{{page|80|file=Baha&#039;i_Briefe_03.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
nicht mehr die talmudische vorchristliche Gesetzgebung sind; die absolute&lt;br /&gt;
Ethik Christi bleibt eine unumstrittene Eroberung des Geistes, sie lebt in&lt;br /&gt;
ihnen weiter. Anders ausgedrückt: Bahá’u’lláh hat uns die praktischen&lt;br /&gt;
Mittel gegeben, in dieser modernen Zeit die religiöse Ethik zum Kern&lt;br /&gt;
und zum Samenkorn einer Weltordnung zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte diese kurzen Ausführungen nicht besser schließen als mit&lt;br /&gt;
folgenden Worten Shoghi Effendis, die zeigen, wie eng die geistigen und&lt;br /&gt;
weltorganisatorischen Fragen in den Augen der Bahá’í verknüpft sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Lebenskraft, welche die organischen Einrichtungen dieser großen,&lt;br /&gt;
sich ständig ausbreitenden Ordnung in so hohem Maße zeigen, die Hindernisse, &lt;br /&gt;
die bereits durch den hohen Mut und die kühne Entschlossenheit&lt;br /&gt;
ihrer Sachwalter überwunden worden sind, das Feuer einer mit unverminderter &lt;br /&gt;
Glut in den Herzen ihrer reisenden Lehrer glühenden unauslöschbaren Begeisterung, &lt;br /&gt;
die Höhe der Selbstaufopferung, die ihre Vorkämpfer erreichen, die &lt;br /&gt;
Weite des Blicks, die zuversichtliche Hoffnung, die schöpferische Freude, &lt;br /&gt;
der innere Friede, die unbestechliche Lauterkeit, die vorbildliche &lt;br /&gt;
Selbstzucht, die unauflösbare Einigkeit und Einmütigkeit, die ihre mutigen &lt;br /&gt;
Verfechter an den Tag legen, der Grad, in dem ihr beweglicher Geist sich &lt;br /&gt;
fähig erwiesen hat, die mannigfachen Elemente ihres Bereiches &lt;br /&gt;
anzugleichen, sie von jeglicher Art von Vorurteilen zu reinigen&lt;br /&gt;
und in ihre eigene Gliederung einzufügen, dies sind Beweise einer Kraft,&lt;br /&gt;
die zu übergehen eine enttäuschte und überaus erschütterte Gesellschaft &lt;br /&gt;
sich schwerlich leisten kann.“ (Die Sendung von Bahá’u’lláh, S.71 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Professor A. Bausani, Rom.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Geistigen &lt;br /&gt;
Rat der Baha’i in Deutschland e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers &lt;br /&gt;
oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, Leinfelden/Württ., Jahnstraße 8,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 79 16 74, und Dieter Schubert, Leinfelden/Württ., Fliederweg 3, &lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 795 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;: Buchdruckerei Karl Scharr, Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vertrieb&#039;&#039;&#039;: „BAHA’I-BRIEFE“, Auslieferungsstelle Eßlingen-Obereßlingen a. N.,&lt;br /&gt;
Georg-Deuschle-Straße 86, Telefon (07 11) 35 91 08.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Preis&#039;&#039;&#039;: DM —,80 je Heft, einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3,20 jährlich. &lt;br /&gt;
Zahlungen erbeten an den Nationalen Geistigen Rat der Baha’i in Deutschland e. V., &lt;br /&gt;
Baha’i-Verlag, Frankfurt (Main), Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem &lt;br /&gt;
Vermerk „BAHA’I-BRIEFE“.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Bahai_Briefe/Heft_29/Text&amp;diff=75324</id>
		<title>Bahai Briefe/Heft 29/Text</title>
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		<updated>2021-12-08T06:07:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|719|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=1}}D 20155 F&lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ex oriente lux“ —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gilt diese These F U R&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heute noch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheit in Liebe —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee WELTRELIGION&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahás ;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief an einen Theologen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchbesprechung UN D&lt;br /&gt;
JULI 1967 HEFT 29 WE LTB EWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT: BLÄTTER&lt;br /&gt;
{{page|720|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=2}}{{page|721|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=3}}JULI 1967&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_  BAHÄT-BRIEFE ET 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O ‚du gütiger Herr! Du hast die ganze Menschheit aus dem glei-&lt;br /&gt;
chen Stamm erschaffen. Du hast bestimmt, daß alle dem gleichen&lt;br /&gt;
Haushalt angehören sollen. In Deiner heiligen Gegenwart sind sie&lt;br /&gt;
alle Deine Diener, und die ganze Menschheit findet Schutz in Dei-&lt;br /&gt;
ner Hütte. Alle haben sich um Deinen Gabentisch versammelt. Alle&lt;br /&gt;
werden erleuchtet durch das Licht Deiner Vorsehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! Du bist gütig zu allen, Du hast für alle gesorgt, Du be-&lt;br /&gt;
schützest alle, Du verleihst allen Leben, Du hast einen jeden und&lt;br /&gt;
alle mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, und alle sind in das&lt;br /&gt;
Meer Deiner Barmherzigkeit untergetaucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du gütiger Herr! Vereinige alle. Gib, daß die Religionen in&lt;br /&gt;
Einklang kommen, und einige die Völker, so daß sie einander ansehen&lt;br /&gt;
mögen wie eine Familie und die ganze Erde wie ein Heim. Möch-&lt;br /&gt;
ten sie doch alle in vollkommener Harmonie zusammenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott! Erhebe das Banner der Einheit der Menschheit.&lt;br /&gt;
O Gott! Errichte den Größten Frieden.&lt;br /&gt;
Schmiede Du, o Gott, die Herzen zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Du gütiger Vater, Gott! Erfreue unsere Herzen durch den Duft&lt;br /&gt;
Deiner Liebe. Mache unsere Augen strahlend durch das Licht Dei-&lt;br /&gt;
ner Führung. Erquicke unsere Ohren mit dem Wohlklang Deines&lt;br /&gt;
Wortes und beschütze uns alle in der Feste Deiner Vorsehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist der Mächtige und Kraftvolle, Du bist der Vergebende&lt;br /&gt;
und Du bist Der, Welcher die Mängel der ganzen Menschheit über-&lt;br /&gt;
sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
721&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|722|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=4}}Einheit in Liebe&lt;br /&gt;
Ansprache ’Abdu’l-Bahás in Green Acre, USA, am 17. August 1912&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute abend möchte ich über die Einheit der Menschenwelt zu Ihnen&lt;br /&gt;
sprechen. Sie ist eines der wichtigen Themen unserer Zeit. Wenn die Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschenwelt fest begründet würde, wären alle Streitigkeiten,&lt;br /&gt;
die die Menschheit entzweien, ausgerottet. Kampf und Krieg würden auf-&lt;br /&gt;
hören, und die Menschheit würde Ruhe finden. Allumfassender Friede&lt;br /&gt;
würde sich ausbreiten, Ost und West schlössen sich in einem starken Ver-&lt;br /&gt;
band zusammen. Alle Menschen fänden Schutz unter einem Taber-&lt;br /&gt;
nakel. Die Vaterländer würden zu einer Heimat, die Rassen und&lt;br /&gt;
Religionen würden vereint. Die Weltbevölkerung würde in Eintracht zu-&lt;br /&gt;
sammenleben; ihre Wohlfahrt wäre gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte bis in die Gegenwart herein&lt;br /&gt;
haben sich die verschiedenen Religionen der Welt gegenseitig verflucht&lt;br /&gt;
und der Falschheit beschuldigt. Jede Religion behauptete, die anderen&lt;br /&gt;
seien der Ansehung Gottes beraubt, gingen Seiner Gnade verlustig und&lt;br /&gt;
unterlägen Seinem göttlichen Zorn. Darum mied man sich peinlich und&lt;br /&gt;
erwies sich gegenseitig Haß und Feindseligkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schauen Sie sich die Berichte über die Glaubenskriege, die Völker-&lt;br /&gt;
schlachten, das Blutvergießen und die Vernichtung im Namen der Reli-&lt;br /&gt;
gion an! Einer der schlimmsten Religionskriege, die Kreuzzüge, erstreckte&lt;br /&gt;
sich über einen Zeitraum von zweihundert Jahren. In dieser Folge&lt;br /&gt;
von großen Feldzügen drangen die westlichen Kreuzfahrer mit dem Vor-&lt;br /&gt;
satz, die Heilige Stadt aus den Händen der Muslim zu befreien, fortge-&lt;br /&gt;
setzt im Orient ein. Ein Heerbann nach dem anderen wurde in Europa&lt;br /&gt;
ausgehoben, um sodann seine fanatischen Legionen über den Osten zu&lt;br /&gt;
ergießen. Die Könige der europäischen Nationen führten selbst die Kreuz-&lt;br /&gt;
züge an, töteten und vergossen das Blut der Orientalen. Während dieses&lt;br /&gt;
Zeitraums von zweihundert Jahren waren Ost und West in einem Zu-&lt;br /&gt;
stand gewalttätiger Erregung. Manchmal waren die Kreuzfahrer erfolg-&lt;br /&gt;
reich, indem sie die Muslim töteten, brandschatzten und gefangen nah-&lt;br /&gt;
men; manchmal trugen die Muslim den Sieg davon und brachten ihrer-&lt;br /&gt;
seits den Eindringlingen Blutbäder, Tod und Vernichtung bei, So ging es&lt;br /&gt;
zwei Jahrhunderte lang; wütende Kämpfe und erschöpfter Scheinfriede&lt;br /&gt;
lösten sich ab, bis sich die europäischen Glaubenskämpfer, Schutt und&lt;br /&gt;
Asche hinter sich lassend, aus dem Osten zurückzogen, um ihre eigenen&lt;br /&gt;
Nationen in einem Zustand der Umwälzung und des Aufruhrs vorzufin-&lt;br /&gt;
den. Hunderttausende von Menschen kamen in diesen nutzlosen Glau-&lt;br /&gt;
benskriegen um, unermeßliche Reichtümer wurden vernichtet. Wie viele&lt;br /&gt;
Väter betrauerten den Verlust ihrer Söhne! Wie viele Mütter und Ehe-&lt;br /&gt;
frauen klagten über das Fernsein ihrer Geliebten! Und doch war dies nur&lt;br /&gt;
einer der „heiligen“ Kriege. Erwägen Sie dies wohl und denken Sie dar-&lt;br /&gt;
über nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
722&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|723|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=5}}Die Religionskriege sind groß an der Zahl. Neunhunderttausend Mär-&lt;br /&gt;
tyrer waren für die Protestanten das Ergebnis der Kämpfe und Streitig-&lt;br /&gt;
keiten mit den Katholiken. Ziehen Sie die Geschichtsschreibung zu Rate,&lt;br /&gt;
um dies bestätigt zu finden! Wie viele verschmachteten in Kerkern! Wie&lt;br /&gt;
grausam wurden die Gefangenen behandelt! All dies geschah im Namen&lt;br /&gt;
der Religion. Betrachten Sie die anderen Kriege zwischen religiösen Be-&lt;br /&gt;
kenntnissen und schätzen Sie ab, was das Ergebnis war!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit den ersten Tagen der Weltgeschichte bis auf unsere Zeit hat die&lt;br /&gt;
Menschenwelt nicht einen Tag völliger Ruhe und Entspannung von&lt;br /&gt;
Kämpfen und Streitigkeiten erlebt. Die meisten Kriege waren durch&lt;br /&gt;
Glaubensvorurteile, Fanatismus und sektiererischen Haß verursacht. Eine&lt;br /&gt;
Gruppe von Eiferern verfluchte die andere; jede meinte, die anderen&lt;br /&gt;
seien von der Gnade Gottes ausgeschlossene, in schwarzer Finsternis be-&lt;br /&gt;
fangene Satanssöhne. Zum Beispiel hielten die Christen und Muslim die&lt;br /&gt;
Juden für teuflische Feinde Gottes; man verfluchte und verfolgte sie. Die&lt;br /&gt;
Juden wurden in großer Zahl getötet, ihre Häuser geplündert und nieder-&lt;br /&gt;
gebrannt, ihre Kinder in die Sklaverei abgeführt. Die Juden ihrerseits&lt;br /&gt;
betrachteten die Christen als Heiden und die Muslim als Feinde und&lt;br /&gt;
Zerstörer des mosaischen Gesetzes. Deshalb fiehten sie die Rache des&lt;br /&gt;
Himmels auf jene hernieder und fluchen ihnen bis auf den heutigen Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überlegen Sie, was der Menschheit seit Anbeginn der Geschichte an&lt;br /&gt;
Beleidigungen, Heimsuchungen und Unheil zugefügt worden ist. Jede&lt;br /&gt;
Stadt, jedes Land, jede Nation, jedes Volk sind der Vernichtung und Ver-&lt;br /&gt;
heerung des Krieges zum Opfer gefallen. Jede der göttlichen Religionen&lt;br /&gt;
betrachtet sich als einen stattlichen, gesegneten Baum, den Baum des&lt;br /&gt;
Allbarmherzigen; die anderen religiösen Systeme rechnet man dagegen&lt;br /&gt;
dem Baum des Bösen, dem Baume Satans zu. Aus diesem Grund häuft&lt;br /&gt;
man Verwünschung und Fluch aufeinander. Dies geht aus den Büchern&lt;br /&gt;
geschichtlicher Berichterstattung klar hervor; es war der Zustand, der&lt;br /&gt;
bis zur Zeit des Auftretens Seiner Heiligkeit Baha’u’llähs vorherrschte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Früchte eines Baumes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Licht Bahä’u’llähs im Osten erstrahlte, verkündete Er die Ein-&lt;br /&gt;
heit der Menschheit als göttliche Verheißung. Er wandte sich an die ganze&lt;br /&gt;
Menschheit mit den Worten: „Ihr seid alle die Früchte eines Baumes.&lt;br /&gt;
Es gibt nicht zwei Bäume, einen Baum göfttlicher Gnade und einen an-&lt;br /&gt;
deren Baum des Teufels.“ Und ein anderes Mal sprach Er: „Ihr seid alle&lt;br /&gt;
die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges.“ Dies war&lt;br /&gt;
Seine Verkündigung; dies war die Verheißung der Einheit der Men-&lt;br /&gt;
schenwelt. Jeder Fluch, jeder Bann wurde ausdrücklich widerrufen. Er&lt;br /&gt;
sagte: „Es geziemt dem Menschen nicht, andere zu verfluchen; es steht&lt;br /&gt;
dem Menschen nicht zu, anderen schwarze Finsternis beizumessen; es&lt;br /&gt;
schickt sich nicht, daß ein Mensch den anderen als böse betrachtet. Nein!&lt;br /&gt;
Alle Menschen sind die Diener eines Gottes; Gott ist der Vater aller,&lt;br /&gt;
und es gibt keinerlei Ausnahme von diesem Gesetz. Es gibt kein Volk&lt;br /&gt;
des Teufels; alle gehören dem Allbarmherzigen zu. Es gibt keine Finster-&lt;br /&gt;
nis; alles ist hell. Alle sind die Diener Gottes, und der Mensch muß die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7123&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|724|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=6}}Menschheit aus ganzem Herzen lieben. Wahrlich, er muß erkennen, wie&lt;br /&gt;
die Menschheit von der göttlichen Gnade überflutet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat keine Ausnahme von dieser Regel gemacht. Er sagte,&lt;br /&gt;
in der Menschheit könne es solche geben, die unwissend sind; sie müssen&lt;br /&gt;
erzogen werden. Manche sind krank; sie müssen behandelt werden. Man-&lt;br /&gt;
che sind unreif; ihnen muß geholfen werden, die Reife zu erlangen. Da-&lt;br /&gt;
von abgesehen, ist die Menschheit von der göttlichen Gnade überflutet.&lt;br /&gt;
Gott ist der Vater aller. Er erzieht, versorgt und liebt alle; denn alle sind&lt;br /&gt;
Seine Diener und Seine Schöpfung. Zweifellos liebt der Schöpfer Seine&lt;br /&gt;
Geschöpfe. Man kann unmöglich einen Künstler finden, der sein eigenes&lt;br /&gt;
Werk nicht liebt. Haben Sie je einen Menschen gesehen, der seine Hand-&lt;br /&gt;
lungen nicht geliebt hätte? Selbst wenn es schlechte Taten sind, liebt er&lt;br /&gt;
sie. Wie unwissend ist deshalb der Gedanke, Gott, der den Menschen ge-&lt;br /&gt;
schaffen, erzogen und ernährt hat, der ihn mit allen Segnungen umgeben&lt;br /&gt;
hat, der die Sonne und die ganze Erscheinungswelt zum Nutzen des Men-&lt;br /&gt;
schen gemacht hat, der ihm Zärtlichkeit und Güte erwiesen hat, Gott&lt;br /&gt;
würde den Menschen nicht lieben! Dies ist handgreifliche Unwissenheit;&lt;br /&gt;
denn welcher Religion ein Mensch auch angehört, selbst wenn er Atheist&lt;br /&gt;
oder Materialist sein sollte, Gott sorgt für ihn, wendet ihm Seine Güte&lt;br /&gt;
zu und gießt Sein Licht über ihn aus. Wie können wir da glauben, Gott&lt;br /&gt;
sei zornerfüllt und lieblos? Wie können wir uns dies einbilden, wenn wir&lt;br /&gt;
selbst in Wirklichkeit, wohin wir uns auch wenden, Zeugen der zärtlichen&lt;br /&gt;
Gnade Gottes sind? Überall um uns her sehen wir die Offenbarungen der&lt;br /&gt;
Liebe Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Gott liebevoll ist, was müssen wir dann tun? Wir brauchen&lt;br /&gt;
nichts zu tun, als Ihm nachzueifern. Wie Gott alle liebt und zu allen gütig&lt;br /&gt;
ist, müssen wir jedermann wirklich lieben und gütig zu jedem sein. Wir&lt;br /&gt;
dürfen niemanden als böse, verabscheuungswürdig oder als Feind be-&lt;br /&gt;
trachten. Wir müssen alle lieben, ja müssen alle als Verwandte betrach-&lt;br /&gt;
ten; denn alle sind die Diener des einen Gottes. Alle stehen unter der&lt;br /&gt;
Anleitung des einen Erziehers. Tag und Nacht müssen wir uns dafür ein-&lt;br /&gt;
setzen, daß Liebe und Freundschaft zunehmen, daß dieses Band der Ein-&lt;br /&gt;
heit gestärkt werde, daß Freude und Glückseligkeit mehr und mehr die&lt;br /&gt;
Oberhand gewinnen, daß sich die ganze Menschheit in Einheit und Soli-&lt;br /&gt;
darität unter dem Schatten Gottes versammle, daß sich die Menschen um&lt;br /&gt;
ihre täglichen Nöte an Gott wenden und bei Ihm das ewige Leben finden.&lt;br /&gt;
So werden sie im Reiche Gottes bestätigt werden und durch Seine Gunst&lt;br /&gt;
und Großmut ewig leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’ulläh sagte in Seinen Sendschreiben deutlich, wenn man einen&lt;br /&gt;
Feind habe, solle man ihn nicht als Feind betrachten. Seien Sie nicht nur&lt;br /&gt;
langmütig zu ihm, lieben Sie ihn vielmehr! Sie sollen ihn so behandeln,&lt;br /&gt;
wie es sich für einen Liebenden geziemt. Sagen Sie nicht einmal, er sei&lt;br /&gt;
Ihr Feind. Sehen Sie überhaupt keine Feinde! Auch wenn er Ihr Mörder&lt;br /&gt;
sein könnte, sehen Sie keinen Feind in ihm. Schauen Sie auf ihn mit dem&lt;br /&gt;
Auge der Freundschaft. Geben Sie acht, daß Sie ihn nicht als Feind an-&lt;br /&gt;
sehen und einfach hinnehmen; denn das wäre nur List und Heuchelei.&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen Menschen als Ihren Feind betrachten und ihn lieben, ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
724&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|725|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=7}}dies Heuchelei. Das steht keiner Seele an. Sie müssen Ihn als einen&lt;br /&gt;
Freund betrachten, Sie müssen ihn gut behandeln. Das ist das Richtige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gesetz der Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommen wir zu unserem eigentlichen Thema zurück: Wenn wir die&lt;br /&gt;
Erscheinungen des Weltalls beobachten, stellen wir fest, daß die Achse,&lt;br /&gt;
um die sich das Leben dreht, die Liebe ist, während Haß und Feindschaft&lt;br /&gt;
die Achse des Todes und der Vernichtung sind. Lassen Sie uns einen&lt;br /&gt;
Blick in das Mineralreich tun. Hier sehen wir, daß der Aufbau zusam-&lt;br /&gt;
mengesetzter Stoffe nicht möglich wäre, wenn es zwischen den Atomen&lt;br /&gt;
keine Anziehungskraft gäbe. Jeder bestehende Körper ist aus Elementen&lt;br /&gt;
und Zellteilchen zusammengesetzt; das ist wissenschaftlich wahr und be-&lt;br /&gt;
wiesen, Wenn zwischen diesen Elementen und Zellteilchen keine Anzie-&lt;br /&gt;
hungskraft herrschte, wäre die Zusammensetzung des Körpers niemals&lt;br /&gt;
möglich gewesen. Zum Beispiel ist der Stein hier ein Körper, eine Zu-&lt;br /&gt;
sammensetzung von Elementen, die durch die Bande der Anziehung zu-&lt;br /&gt;
sammengebracht wurden. Durch die Bindekraft zwischen den Bestandteilen&lt;br /&gt;
ist dieses Felsgebilde geformt worden. Der Stein ist die niederste Stufe der&lt;br /&gt;
Erscheinungswelt, und doch ist in ihm eine Anziehungskraft offenbar,&lt;br /&gt;
ohne die er nicht bestehen könnte. Diese Anziehungskraft im Mineral-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
reich ist Liebe, der einzige Ausdruck von Liebe, den ein Stein offenbaren&lt;br /&gt;
kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schauen Sie nun auf die nächsthöhere Stufe des Lebens, das Pflanzen-&lt;br /&gt;
reich. Hier sehen wir, daß die Pflanze das Ergebnis der Bindekraft zwi-&lt;br /&gt;
schen verschiedenen Elementen ist, ebenso wie das Mineral in seinem&lt;br /&gt;
Schöpfungsreich; aber darüber hinaus hat die Pflanze die Kraft, Stoffe&lt;br /&gt;
aus der Erde aufzusaugen. Dies ist eine höhere Stufe der Anziehungs-&lt;br /&gt;
kraft, durch die sich die Pflanze vom Mineral unterscheidet. Im Pflanzen-&lt;br /&gt;
reich ist dies ein Ausdruck der Liebe, die höchste Ausdrucksfähigkeit, die&lt;br /&gt;
die Pflanze besitzt. Durch diese Anziehungskraft wächst die Pflanze Tag&lt;br /&gt;
für Tag. Somit ist auch in ihrem Reich Liebe die Ursache des Lebens.&lt;br /&gt;
Würden sich die Elemente gegenseitig abstoßen statt anziehen, wäre das&lt;br /&gt;
Ergebnis Auflösung, Zersetzung, Nichtexistenz. Weil aber Bindekräfte&lt;br /&gt;
zwischen den Elementen wirken und Anziehung die Zellen zusammen-&lt;br /&gt;
hält, tritt die Pflanze in Erscheinung. Sobald die Anziehung sich ver-&lt;br /&gt;
flüchtigt und die Bestandteile sich voneinander lösen, hört die Pflanze zu&lt;br /&gt;
bestehen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kommen wir zur Tierwelt, die eine höhere Stufe als das Pflanzen-&lt;br /&gt;
reich einnimmt. Hier macht sich die Kraft der Liebe noch deutlicher be-&lt;br /&gt;
merkbar. Das Licht der Liebe strahlt im Tierreich heller, weil sich die&lt;br /&gt;
Anziehungskraft, die die Elemente aneinanderkettet und die Zellteilchen&lt;br /&gt;
vermengt, hier in gewissen Regungen und Empfindungen offenbart, die&lt;br /&gt;
ihrerseits instinktive Kameradschaft und Vereinigung hervorrufen. Auch&lt;br /&gt;
sind die Tiere von Güte und Zuneigung erfüllt, die zwischen Angehöri-&lt;br /&gt;
gen der gleichen Art auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich erreichen wir das Menschenreich. Hier finden wir alle Grade&lt;br /&gt;
der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Ausdrucksformen von Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
725&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|726|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=8}}gegenwärtig; hinzu kommen unverkennbare Anziehungskräfte des Be-&lt;br /&gt;
wußtseins. Das will besagen, daß dem Menschen ein Grad von Anzie-&lt;br /&gt;
hungskraft eigen ist, der bewußt und geistig ist. Hierin liegt eine un-&lt;br /&gt;
schätzbare Vervollkommnung. Im Bereich des Menschen treten geistige&lt;br /&gt;
Aufnahmefähigkeiten in unser Blickfeld; die Liebe wird im höchsten&lt;br /&gt;
Maße wirksam, und dies ist die Ursache des menschlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist klar bewiesen, daß auf allen Stufen und in allen Reichen der&lt;br /&gt;
Schöpfung Liebe und Kameradschaft Leben bewirken, während Zwie-&lt;br /&gt;
tracht, Feinseligkeit und Absonderung letztlich immer tödlich wirken.&lt;br /&gt;
Deshalb müssen wir mit ganzer Seele bemüht sein, daß Tag für Tag Ein-&lt;br /&gt;
heit und Verständigung unter den Menschen wachsen, daß Liebe und&lt;br /&gt;
Zuneigung immer herrlicher und strahlender offenbar werden. Innerhalb&lt;br /&gt;
des Tierreichs können Sie beobachten, daß die Haustiere in engster Ka-&lt;br /&gt;
meradschaft zusammenleben. Sehen Sie, wie freundlich und gesellig sich&lt;br /&gt;
die Schafe in einer Herde zusammentun. Schauen Sie auf die Tauben und&lt;br /&gt;
das andere Nutzgeflügel. Unter ihnen gibt es kein Parteigängertum, keine&lt;br /&gt;
Trennung nach Vorstellungen wie Volkszugehörigkeit und dergleichen.&lt;br /&gt;
Sie leben in innigster Liebe und Einigkeit zusammen; miteinander fliegen&lt;br /&gt;
sie auf und suchen Nahrung. Grausame Raubtiere wie der Wolf und der&lt;br /&gt;
Bär, der Tiger und die Hyäne sind niemals gütlich gesinnt und gesellen&lt;br /&gt;
sich nicht zueinander. Sie greifen einander an. Wann immer sie sich be-&lt;br /&gt;
gegnen, bekämpfen sie sich. Drei Wölfe kann man nie glücklich vereint&lt;br /&gt;
sehen. Wenn sie sich zusammentun, steckt irgendein grausamer Vorsatz&lt;br /&gt;
dahinter. Sie sind wie selbstische, brutale Menschen, die sich feindselig&lt;br /&gt;
gegenüberstehen, einander verfiuchen und töten. Es steht dem Menschen&lt;br /&gt;
besser an, den Haustieren anstatt den Raubkatzen zu gleichen; denn vor&lt;br /&gt;
Gott ist Liebe annehmbar, Haß und Feindseligkeit dagegen verworfen.&lt;br /&gt;
Warum sollten wir dem Wohlgefallen Gottes zuwiderhandeln? Warum&lt;br /&gt;
sollen wir wie die Raubtiere sein, fortgesetzt Blut vergießen, brand-&lt;br /&gt;
schatzen und zerstören? Wir gehören doch einer Rasse, einer Mensch-&lt;br /&gt;
heitsfamilie an; warum sollten wir da alle anderen als böse und minder-&lt;br /&gt;
wertig, als todeswürdig, als Freiwild für Plünderungen und Angriffe, als&lt;br /&gt;
Volk der Finsternis, vor Gott verhaßt und verabscheut, betrachten? War-&lt;br /&gt;
um tritt der Mensch seinem Mitmenschen mit derartigen Einstellungen&lt;br /&gt;
und Handlungen entgegen? Wir sehen, daß Gott gütig zu allen ist. Wie&lt;br /&gt;
Er uns liebt, so liebt Er die anderen; wie Er für uns sorgt, sorgt Er auch&lt;br /&gt;
für alle übrigen Menschen. Er hegt und erzieht alle mit gleicher Sorge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott ist groß! Gott ist gütig! Er schaut nicht auf die menschlichen Un-&lt;br /&gt;
zulänglichkeiten, Er achtet nicht auf die menschlichen Schwächen. Der&lt;br /&gt;
Mensch ist ein Geschöpf Seiner Gnade, und zu Seiner Gnade ruft Er alle&lt;br /&gt;
auf. Warum sollten wir da Seine Geschöpfe verabscheuen und verachten,&lt;br /&gt;
weil dieser ein Jude, jener ein Buddhist oder Zoroastrier usw. ist? Dies&lt;br /&gt;
wäre Unwissenheit; denn die Einheit der Menschheit als Diener Gottes&lt;br /&gt;
ist eine sichere und bewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat die Einheit der Menschheit als Verheißung proklamiert.&lt;br /&gt;
Wir müssen deshalb die höchste Liebe gegeneinander üben. Allen Men-&lt;br /&gt;
schen der Welt müssen wir Liebe erweisen. Wir dürfen kein Volk als&lt;br /&gt;
Teufelsbrut betrachten, sondern müssen wissen und anerkennen, daß alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
726&lt;br /&gt;
{{page|727|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=9}}die Diener des einen Gottes sind. Allenfalls ist es so, daß manche nicht&lt;br /&gt;
Bescheid wissen; sie müssen geführt und herangebildet werden. Es muß&lt;br /&gt;
ihnen beigebracht werden, ihre Mitgeschöpfe zu lieben; sie müssen er-&lt;br /&gt;
muntert werden, Tugenden zu erwerben. Manche sind unwissend; sie&lt;br /&gt;
müssen ins Bild gesetzt werden. Manche sind unentwickelt wie Kinder;&lt;br /&gt;
ihnen müssen wir helfen, die Reife zu erlangen. Manche sind krank und&lt;br /&gt;
leben in ungesunden sittlichen Verhältnissen; sie müssen behandelt wer-&lt;br /&gt;
den, bis ihre Moralvorstellungen geläutert sind. Aber den Kranken darf&lt;br /&gt;
man nicht hassen, weil er krank ist; das Kind darf man nicht meiden,&lt;br /&gt;
weil es ein Kind ist; den Unwissenden darf man nicht verachten, weil&lt;br /&gt;
ihm Wissen fehlt. Sie müssen alle in Liebe behandelt, erzogen, ausgebildet&lt;br /&gt;
und unterstützt werden. Alles muß getan werden, damit die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in völliger Sicherheit unter dem Schatten Gottes lebe und sich des höch-&lt;br /&gt;
sten Glücks erfreue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „The Promulgation of Universal Peace“, Vol. II, Wilmette/Ill. 1922/1943, S. 259 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ex oriente lux“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gilt diese These für das Europa von heute und morgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ex oriente lux“ — aus dem Osten kommt das Licht! Es ist nicht be-&lt;br /&gt;
kannt, woher dieses geflügelte Wort stammt; wir wissen nicht, ‚welcher&lt;br /&gt;
Philosoph oder Theologe es wann und wo zuerst ausgesprochen hat. Die-&lt;br /&gt;
ser Ausspruch hat sich wohl darum ergeben, weil mit dem Licht sicher&lt;br /&gt;
nicht nur die Sonne, die täglich für uns im Osten aufgeht, sondern mehr&lt;br /&gt;
noch die Erleuchtung, das religiöse und kulturelle Licht gemeint ist, und&lt;br /&gt;
weil alle Religionen, die Europa in den letzten zweitausend Jahren beein-&lt;br /&gt;
flußt haben — Judentum, Christentum und Islam — aus dem Osten ge-&lt;br /&gt;
kommen sind. Fast scheint es ein Naturgesetz zu sein, daß dieses geistige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Licht, das zur Entwicklung der Menschheit dient, ebenso wie die materielle&lt;br /&gt;
Sonne im Osten aufgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mag mit dem Klima zusammenhängen, daß die Menschen im Osten&lt;br /&gt;
schon vor Jahrtausenden mehr dem „Licht“ und dem Geistigen zugekehrt&lt;br /&gt;
waren als die Bewohner des Okzidents, die für den Kampf gegen die&lt;br /&gt;
Witterungsverhältnisse um Nahrung und Kleidung viel mehr Kräfte ein-&lt;br /&gt;
setzen mußten als ihre glücklicheren Zeitgenossen im Orient. Wir wissen,&lt;br /&gt;
daß schon in der Frühgeschichte der Menschheit, zu Zeiten, die von den&lt;br /&gt;
Historikern kaum mehr bestimmt werden können, vor viertausend und&lt;br /&gt;
mehr Jahren, im Orient blühende Kulturen bestanden, während unsere&lt;br /&gt;
Vorfahren in Europa noch in den primitivsten Verhältnissen lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schreibt Werner Keller in seinem Buch „Und die Bibel hat doch&lt;br /&gt;
recht“: „Zieht man von Ägypten aus eine Linie, die über die Mittelmeer-&lt;br /&gt;
länder Palästina und Syrien und weiter, Euphrat und Tigris durch Meso-&lt;br /&gt;
potamien folgend, bis zum Persischen Golf verläuft, so ergibt sich ein&lt;br /&gt;
deutlicher Halbmond. Vor 4000 Jahren barg jener mächtige Halbkreis um&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
727&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|728|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=10}}die Wüste Arabiens — „Fruchtbarer Halbmond“ genannt — aneinander-&lt;br /&gt;
gereiht wie die Perlen einer schimmernden Kette, eine Vielzahl von Kul-&lt;br /&gt;
turen und Zivilisationen. Helles Licht für die Menschheit strahlte von&lt;br /&gt;
ihnen aus. Hier lag das Zentrum der Zivilisation von der Steinzeit bis&lt;br /&gt;
zum Goldenen Zeitalter der griechisch-römischen Kultur. Je weiter sich&lt;br /&gt;
um 2000 vor Christus der Blick vom „Fruchtbaren Halbmond“ entfernt,&lt;br /&gt;
um so dunkler wird es, um so spärlicher sind die Anzeichen zivilisierten&lt;br /&gt;
und kulturellen Lebens. Es ist, als schliefen die Völker der anderen Kon-&lt;br /&gt;
tinente gleichsam wie Kinder erst dem Erwachen entgegen. Im „Frucht-&lt;br /&gt;
baren Halbmond“ und in Ägypten dagegen gibt es in buntem Nebenein-&lt;br /&gt;
ander eine geradezu verwirrende Fülle von Kulturen und hochentwickel-&lt;br /&gt;
ten Zivilisationen. Seit tausend Jahren sitzen die Pharaonen auf ihrem&lt;br /&gt;
Thron... Ägyptens gewaltige Pyramiden, Mesopotamiens mächtige Stu-&lt;br /&gt;
fentürme sehen schon Jahrhunderte kommen und gehen. Seit zwei Jahr-&lt;br /&gt;
tausenden liefern Farmen und Plantagen vom Ausmaß heutiger Groß-&lt;br /&gt;
betriebe in den künstlich bewässerten Stromtälern des Nil, des Euphrat&lt;br /&gt;
und des Tigris Getreide, Gemüse und die erlesensten Früchte. Überall im&lt;br /&gt;
„Fruchtbaren Halbmond“ und im Pharaonenreich wird die Kunst des&lt;br /&gt;
Schreibens in Keilschrift und Hieroglyphen geübt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Herzen dieses mächtigen ‚Fruchtbaren Halbmondes’ aber, aus&lt;br /&gt;
den flimmernden, kargen Weiten der Arabischen Wüste, dort, wo sie von&lt;br /&gt;
den Wassern des Indischen Ozeans umspült wird, brach um jene Zeit in&lt;br /&gt;
gewaltigen Stößen gen Norden und Nordwesten, gen Mesopotamien, Sy-&lt;br /&gt;
rien und Palästina, ein Sturm von Völkern und Stämmen semitischer&lt;br /&gt;
Nomaden los. In unaufhörlichen Wellen brandeten die Amoriter, die&lt;br /&gt;
‚Westlichen’, wie ihr Name besagt, gegen die Reiche des ‚Fruchtbaren&lt;br /&gt;
Halbmondes’”. Das Reich der Könige von Sumer und Akkad brach 1960&lt;br /&gt;
v.Ch. unter ihren hartnäckigen Angriffen zusammen. Die Amoriter be-&lt;br /&gt;
gründeten eine Reihe von Staaten und Dynastien. Eine von ihnen sollte&lt;br /&gt;
schließlich zur Vorherrschaft gelangen: die 1. Dynastie von Babylon, das&lt;br /&gt;
große Machtzentrum von 1830 bis 1530 v.Chr. ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem jener semitischen Nomadenstämme indessen war es bestimmt,&lt;br /&gt;
von schicksalhafter Bedeutung für Millionen und aber Millionen in aller&lt;br /&gt;
Welt bis zum heutigen Tage zu werden. Es war eine kleine Gruppe, viel-&lt;br /&gt;
leicht nur eine Familie, unbekannt und unbedeutend wie ein winziges&lt;br /&gt;
Sandkorn im Wüstensturm. Die Familie des Abraham, Urvater der&lt;br /&gt;
Patriarchen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Licht der Offenbarung ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham war einer der ersten Träger des Lichtes, das — wenn&lt;br /&gt;
auch erst Jahrtausende später — aus dem Orient zum Okzident kam, und&lt;br /&gt;
das somit Einfluß auf unsere heutige Kultur gewann, denn er war es, der&lt;br /&gt;
die Lehre von der Einheit Gottes in seinem Volke zuerst begründet und&lt;br /&gt;
damit große Feindschaft erregt hat. Die Bibel deutet dies an mit den&lt;br /&gt;
Worten: „So sprach der Herr, der Gott Israels: ‚Eure Väter haben von&lt;br /&gt;
alters her jenseits des Euphratstromes gewohnt, nämlich Thora, der Vater&lt;br /&gt;
Abrahams und Nabors, und haben andere Götter verehrt. Da holte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
728&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|729|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=11}}euren Vater Abraham aus dem Lande jenseits des Euphratstromes und&lt;br /&gt;
ließ ihn im Lande Kanaan umherwandern und gab ihm zahlreiche Nach-&lt;br /&gt;
kommenschaft’.“ !)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keller berichtet im erwähnten Buch, im 6. Kapitel „Abraham lebte im&lt;br /&gt;
Reich der Mari“, ausführlich über Ausgrabungen und Forschungen in den&lt;br /&gt;
Jahren 1933-39, und kommt zum Schluß: „Nach den in der Bibel angege-&lt;br /&gt;
benen Daten läßt sich genau errechnen, daß Abraham 645 Jahre vor dem&lt;br /&gt;
Auszug der Kinder Israel seine Heimat Haran verlassen hat. Sie wan-&lt;br /&gt;
derten unter Moses Führung im 13. Jahrhundert v. Chr. durch die Wüste&lt;br /&gt;
nach dem Gelobten Land. Dieses Datum ist, wie wir noch sehen werden,&lt;br /&gt;
archäologisch gesichert. Abraham muß demnach um 1900 v.Chr. gelebt&lt;br /&gt;
haben... Die Dokumente aus dem Mari-Reich liefern erstmals den un-&lt;br /&gt;
erhörten Beweis: Die Patriarchengeschichten der Bibel sind nicht — wie&lt;br /&gt;
oft und gern angenommen wurde — ‚fromme Legende’, sondern Ereig-&lt;br /&gt;
nisse und Schilderungen aus einer genau datierbaren historischen Zeit!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannter als Abraham ist der zweite große „Lichtträger“ aus dem&lt;br /&gt;
Orient, Moses. Er war im Hause des Unterdrückers Seines Volkes, des&lt;br /&gt;
Pharao, erzogen worden und hatte einen Ägypter erschlagen, der einen&lt;br /&gt;
Hebräer bedrohte. Darum mußte Er fliehen und lebte lange Zeit als Hirte,&lt;br /&gt;
bis Er zum Prophetentum berufen und mit solcher Kraft begabt wurde,&lt;br /&gt;
daß Er Sein von den Ägyptern bedrücktes und gefangen gehaltenes Volk&lt;br /&gt;
aus Ägypten herausführen und ihm nach langen Jahren des Umher-&lt;br /&gt;
ziehens in der Wüste das freie Leben im „Gelobten Lande“ ermöglichen&lt;br /&gt;
konnte. Auch die berühmten Zehn Gebote wurden durch Ihn geoffenbart&lt;br /&gt;
und in ihre bis auf unsere Tage gültige Form gefaßt. Aber auch sie ka-&lt;br /&gt;
men, wie die Lehre von der Einheit Gottes, die Abraham begründet hatte,&lt;br /&gt;
erst viel später, nach etwa 1400 Jahren, zusammen mit dem Evangelium&lt;br /&gt;
von Jesus Christus, nach Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moses hat mit diesen Zehn Geboten — und vielen anderen, zeitbeding-&lt;br /&gt;
ten und heute nicht mehr gültigen Vorschriften — ein gewaltiges Erzie-&lt;br /&gt;
hungswerk an Seinem Volk vollbracht, das damals ganz primitiv und&lt;br /&gt;
unwissend war, und hat es zur höchsten Kulturstufe Seiner Zeit und vie-&lt;br /&gt;
ler folgender Jahrhunderte erhoben. Darum auch hat Jesus Christus&lt;br /&gt;
zwölfhundert Jahre später gesagt: „Ich bin nicht gekommen, um das Ge-&lt;br /&gt;
setz und die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine unbestrittene Tatsache und braucht darum kaum erwähnt&lt;br /&gt;
zu werden, daß Jesus Christus durch die Kraft Seines erhabenen&lt;br /&gt;
Evangeliums und durch das Vorbild Seines Lebens die ganze damalige&lt;br /&gt;
Welt aufgerüttelt und grundlegend verändert hat, und daß dieser ver-&lt;br /&gt;
edelnde Einfluß auf die geistig-ethische Erziehung der Menschen durch&lt;br /&gt;
die Jahrhunderte fortwirkte und immer fortwirken wird, wo Sein Evan-&lt;br /&gt;
gelium nicht durch menschliche Irrtümer, durch Vorurteile und Fanatis-&lt;br /&gt;
mus verdunkelt und verfälscht worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa 600 Jahre nach dem kurzen Erdenleben von Jesus Christus er-&lt;br /&gt;
schien ein neues Licht im Orient: Muhammed, der aus den wilden,&lt;br /&gt;
primitiven Stämmen Arabiens durch Seine inspirierte Botschaft, die in&lt;br /&gt;
ihren Grundlagen mit dem Juden- und Christentum übereinstimmt, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
729&lt;br /&gt;
{{page|730|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=12}}durch Sein großes Erziehungswerk eine Nation schuf und überdies die&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu einer so hohen Kultur und Zivilisation gab, daß die&lt;br /&gt;
islamischen Völker viele Jahrhunderte lang den christlichen auf kulturel-&lt;br /&gt;
lem und wissenschaftlichem Gebiet weit überlegen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...und die Schatten menschlicher Beschränktheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine tiefe Tragik liegt in der Geschichte der beiden großen Religionen,&lt;br /&gt;
des Christentums und des Islam. Christen wie Muhammedaner sind von&lt;br /&gt;
den grundlegenden Gesetzen ihrer Stifter weit abgewichen; darum konnte&lt;br /&gt;
es zu Feindseligkeiten und Kriegen zwischen ihnen kommen. Daß diese&lt;br /&gt;
Feindseligkeiten von den Begründern nicht beabsichtigt waren, beweist&lt;br /&gt;
sowohl das neue „Gesetz der Liebe“, das Christus dem alten „Auge um&lt;br /&gt;
Auge, Zahn um Zahn“ entgegengesetzt hat, wie auch ein Edikt von&lt;br /&gt;
Muhammed, das sich heute noch in der Obhut des orthodoxen Patriar-&lt;br /&gt;
chen von Jerusalem befindet. In ihm befahl Muhammed Seinen Anhän-&lt;br /&gt;
gern, die Christen zu achten, zu schützen, ja sogar ihnen zu helfen, wenn&lt;br /&gt;
sie eine Kirche bauen wollten; auch sollten die unter den Moslem leben-&lt;br /&gt;
den Christen vom Kriegsdienst befreit sein, wenn die Muhammedaner&lt;br /&gt;
gegen ihre Feinde Krieg führen müßten. Darüber schreibt Siyyid Ameer&lt;br /&gt;
‘Ali in seinem Buche „Der Geist des Islam“, dieses Edikt sei „mit vollem&lt;br /&gt;
Recht als eines der vornehmsten Denkmäler erleuchteter Toleranz be-&lt;br /&gt;
zeichnet worden, das uns die Weltgeschichte liefern kann“. ... „Der Pro-&lt;br /&gt;
phet nahm es selbst auf sich und schärfte seinen Anhängern ein, die&lt;br /&gt;
Christen zu schützen, ihre Kirchen und die Wohnstätten ihrer Priester&lt;br /&gt;
zu verteidigen und sie vor jedem Unrecht zu bewahren ?).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tode Muhammeds riß die Umayyaden-Sippe, die Ihn am er-&lt;br /&gt;
bittertsten bekämpft hatte, die Nachfolgeschaft gegen den Willen von&lt;br /&gt;
Muhammed, der Seinen Schwiegersohn ‘Ali für dieses Amt ausersehen&lt;br /&gt;
hatte, an sich und mißbrauchte den Islam dazu, ein arabisches Weltreich&lt;br /&gt;
zu beherrschen: Dabei beachtete sie die Gebote des Propheten kaum und&lt;br /&gt;
hielt sich nur an einige äußerliche Vorschriften. So wurde die Möglich-&lt;br /&gt;
keit zerstört, Muhammeds Liebe für die Christenheit weiter zu entwik-&lt;br /&gt;
keln, und darum konnten die Beziehungen zwischen beiden großen Re-&lt;br /&gt;
ligionen nicht in dem Geiste weiter bestehen, den Christus und Muham-&lt;br /&gt;
med gleicherweise begründet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu weiteren Berührungen zwischen beiden Religionen schreibt George&lt;br /&gt;
Townshend: „Trotz der Spannungen zwischen dem Christentum und dem&lt;br /&gt;
Islam übte diese weit vorangeschrittene Zivilisation ihren unvermeid-&lt;br /&gt;
lichen Einfluß auf das Leben und Denken Europas aus. Durch den mu-&lt;br /&gt;
hammedanischen Vorposten in Sizilien, den Glanz des muhammedani-&lt;br /&gt;
schen Spaniens, durch die Intelligenz der Gelehrten und die wissenschaft-&lt;br /&gt;
lichen Quellen der muhammedanischen Universitäten sowie durch Händ-&lt;br /&gt;
ler, Diplomaten, Reisende und durch Soldaten, Seefahrer und zurück-&lt;br /&gt;
erobertes Landvolk, wurden neue Ideen, Techniken und Einrichtungen&lt;br /&gt;
vom Islam in Westeuropa übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Tag des Jahres 1094, an dem der Papst die Ritter und&lt;br /&gt;
Gläubigen der Christenheit aufrief, sich aufzumachen, die Scharen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
730&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|731|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sarazenen aus den geheiligten christlichen Stätten, von denen sie Besitz&lt;br /&gt;
ergriffen hatten, zu vertreiben und den christlichen Glauben wieder an&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Heimstätte aufzurichten. Sein Ruf brachte ganz&lt;br /&gt;
Europa auf die Beine, und fast zweihundert Jahre lang forderte das Auf&lt;br /&gt;
und Ab dieses riesenhaften Krieges zwischen Europa und Asien, Christen&lt;br /&gt;
und „Ungläubigen“, Westen und Osten viele Millionen Opfer, verbreitete&lt;br /&gt;
unendliches Elend und verschleuderte unermeßliche Werte. Die Christen&lt;br /&gt;
mußten sich am Ende nach schimpflicher Niederlage zurückziehen, und der&lt;br /&gt;
Islam blieb nach wie vor im Besitz aller Heiligen Stätten 3).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Christenheit hat lange Zeit gebraucht, um zu erkennen und einzu-&lt;br /&gt;
sehen, was unsere westliche Zivilisation dem Osten schuldet. Aber die&lt;br /&gt;
Tatsachen unserer kulturellen Verschuldung sind in großen Buchstaben in&lt;br /&gt;
die Geschichte eingeschrieben, und nur Vorurteil kann uns dazu verleiten,&lt;br /&gt;
diese Tatsache zu verkleinern ®).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seignobos schrieb in „History of Mediaeval Civilisation“: „Laßt uns&lt;br /&gt;
jene zwei Zivilisationen betrachten, die im elften Jahrhundert die Welt&lt;br /&gt;
des Altertums geteilt haben. Im Westen: elende kleine Städtchen, die Hüt-&lt;br /&gt;
ten der Landbevölkerung und große Festungen; ein Land, das ständig von&lt;br /&gt;
Kriegen heimgesucht wurde und in dem man kaum zehn Meilen reisen&lt;br /&gt;
konnte, ohne Gefahr zu laufen, ausgeraubt zu werden. Und im Osten:&lt;br /&gt;
Konstantinopel, Kairo, Damaskus, Baghdad mit ihren Marmorpalästen und&lt;br /&gt;
Manufakturen, ihren Schulen und Bazars, ihren Dörfern und dem unent-&lt;br /&gt;
wegten Strom der Kaufleute, die in Sicherheit und Frieden von Spanien&lt;br /&gt;
bis nach Persien reisten. Es besteht kein Zweifel, daß die muhammedani-&lt;br /&gt;
schen und byzantinischen Welten reicher waren, eine bessere Polizei hat-&lt;br /&gt;
ten und besser beleuchtet waren als die westliche Welt. Im elften Jahr-&lt;br /&gt;
hundert wurden diese beiden Welten erstmalig miteinander bekannt. Die&lt;br /&gt;
barbarischen Christen kamen auf zwei Weisen — durch Kriege und durch&lt;br /&gt;
Handel — mit den zivilisierten Muhammedanern in Berührung. Und durch&lt;br /&gt;
den Kontakt mit dem Orientalen wurde der Abendländer zivilisiert &amp;gt;).“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá empfahl zum Studium dieses Gegenstandes das Buch von&lt;br /&gt;
G. Ducoudray „Histoire de la Civilisation“, erschienen in Paris 1886, und&lt;br /&gt;
schrieb dazu: „Monsieur Ducoudray beschreibt und beweist, wie die ganze&lt;br /&gt;
Zivilisation Europas auf den Gesetzen, Regeln und Prinzipien, der Lite-&lt;br /&gt;
ratur, Philosophie, den Einrichtungen und den Sitten des Islams aufge-&lt;br /&gt;
baut ist und wie zahlreiche Worte der französischen Sprache aus dem&lt;br /&gt;
Arabischen stammen. Er hat jeden einzelnen Punkt eingehend untersucht&lt;br /&gt;
und sogar die Daten belegt, an denen die verschiedenen Wörter vom Islam&lt;br /&gt;
übernommen wurden ®).“ In weiteren Werken verschiedener Gelehrter&lt;br /&gt;
wird dieses Thema behandelt, so auch in dem erst vor kurzem erschiene-&lt;br /&gt;
nen Buch von Sigrid Hunke „Allahs Sonne über dem Abendland“. Sie&lt;br /&gt;
alle stellen die damalige Überlegenheit der Araber fest: daß die Fäden&lt;br /&gt;
des Welthandels in ihren Händen zusammenliefen, daß sie Künste und&lt;br /&gt;
Wissenschaften, vor allem die Astronomie, die Astrologie und die Mathe-&lt;br /&gt;
matik beherrschten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nun fragen, ob die Religionen heute noch die Bedeutung&lt;br /&gt;
haben, die sie früher hatten, so muß man wohl sagen: äußerlich gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
731&lt;br /&gt;
{{page|732|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=14}}nein! Denn alle Eroberungen des christlichen römischen Reiches und der&lt;br /&gt;
nachrömischen Herrscher, zum Beispiel Karls des Großen, waren vor-&lt;br /&gt;
wiegend religiöse Kriege. Ebenso waren die Vorstöße der islamischen&lt;br /&gt;
Völker letzten Endes Religionskriege; auch der furchtbare Zusammenstoß&lt;br /&gt;
der christlichen Völker im Dreißigjährigen Krieg war ein Religionskrieg.&lt;br /&gt;
In der damaligen Zeit spielte die Religion eine viel größere Rolle als&lt;br /&gt;
heute. Es soll hier nicht darüber geurteilt werden, ob die religiöse Idee&lt;br /&gt;
der wirkliche Beweggrund für diese Kriege war oder ob diese Idee der&lt;br /&gt;
Vorwand war, um die Massen in Bewegung zu bringen. Heute hat die Re-&lt;br /&gt;
ligion ihre damalige Schlagkraft eingebüßt. Philosophie und Wissenschaft&lt;br /&gt;
haben sehr viel zum Schwinden der kirchlichen Machtbefugnisse beigetra-&lt;br /&gt;
gen, denn die christlich-kirchlichen Religionsformen sind auf festgefügte&lt;br /&gt;
Dogmen aufgebaut, die von Philosophen und Wissenschaftlern im Laufe&lt;br /&gt;
der Jahrhunderte mehr und mehr erschüttert worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die These „Ex oriente iux“ bezieht sich auf die ursprünglichen geisti- -&lt;br /&gt;
gen Kräfte der Religion, die zweifellos im Laufe der Zeiten schwächer&lt;br /&gt;
wurden und an Lebendigkeit verloren haben. Sie bedürfen dringend&lt;br /&gt;
einer Erneuerung. In den letzten Jahrzehnten sind gerade in den christ-&lt;br /&gt;
lichen Kirchen verschiedene Reform- und Einheitsbestrebungen entstan-&lt;br /&gt;
den. Sie gipfelten in der Tätigkeit des Weltkirchenrates und wurden seit&lt;br /&gt;
1963 durch das Konzil der Katholischen Kirche, das in drei Perioden in&lt;br /&gt;
Rom stattfand, einem noch viel größeren Kreis bekannt. Erneuerungsbe-&lt;br /&gt;
strebungen zeigten sich aber auch innerhalb des christlichen Lebens&lt;br /&gt;
selbst, in den Versuchen, die Texte der Heiligen Schriften zu „entmytho-&lt;br /&gt;
logisieren“, also neu zu erklären. In zahlreichen in den letzten Jahren er-&lt;br /&gt;
schienen Büchern von namhaften Gelehrten und Theologen fanden diese&lt;br /&gt;
Bemühungen ihren Niederschlag, so z. B. durch Jaspers und Toynbee,&lt;br /&gt;
Bultmann und Bornkamp und viele andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist die Tatsache sehr merkwürdig, daß schon&lt;br /&gt;
vor mehr als hundert Jahren eine große Erwartung der Wiederkunft&lt;br /&gt;
Christi, also eine Hoffnung auf das Wiederkommen des „Lichtes aus dem&lt;br /&gt;
Osten“, in der ganzen Welt unter vielen Christen lebendig war. Darüber&lt;br /&gt;
schrieb William Sears, ein amerikanischer Journalist und Schriftsteller,&lt;br /&gt;
sein Buch „Dieb in der Nacht“ (Frankfurt/M 1964). Er erzählt, wie ihm&lt;br /&gt;
zufällig ein Buch in die Hände kam, das ausführliche Berichte über die&lt;br /&gt;
denkwürdigen vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts enthielt und&lt;br /&gt;
bewies, daß sehr viele Christen an die Wiederkunft im Jahre 1844&lt;br /&gt;
glaubten: „In Flugblättern, auf Rednertribünen, von den Kanzeln und in&lt;br /&gt;
der Presse forderten Bibeldeuter eine achtlose, gleichgültige Welt auf,&lt;br /&gt;
Buße zu tun.... Wie eine Sucht ergriff es zu jener Zeit die Menschen in&lt;br /&gt;
den verschiedensten Gebieten der christlichen Welt. Warum? Warum er-&lt;br /&gt;
warteten sie alle Christus? Warum gerade zu jener Zeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war eine rätselhafte, überaus spannende Detektivgeschichte. Es war,&lt;br /&gt;
als ob der Virus der Erwartung des Tausendjährigen Reiches plötzlich&lt;br /&gt;
Menschen in allen fünf Erdteilen angesteckt hätte Als ich von diesen&lt;br /&gt;
vielen komischen und bisweilen unglaublichen Dingen las, die sich in so&lt;br /&gt;
weit voneinander entfernten Teilen der Welt ereigneten, wurde ich neu-&lt;br /&gt;
gierig, und diese Neugierde war der Anlaß zu diesem Buch.“ (S. 12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
732&lt;br /&gt;
{{page|733|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=15}}Der vielgereiste Verfasser berichtet dann von seinen Nachforschungen,&lt;br /&gt;
die sich über sieben Jahre erstreckten, und die ihn schließlich zu der Er-&lt;br /&gt;
kenntnis führten, daß im Jahre 1844 ein bedeutungsvolles Ereignis statt-&lt;br /&gt;
gefunden hatte, der Beginn einer neuen, allumfassenden Offenbarungs-&lt;br /&gt;
religion, die wiederum im Osten entstanden und nach dem Westen ge-&lt;br /&gt;
kommen war, und deren Bestrebungen zur Einheit weit über den Rahmen&lt;br /&gt;
der christlichen Kirchen hinausgreifen. Sie betont die Einheit der Mensch-&lt;br /&gt;
heit, fordert die Vereinigung aller Religionen und zeigt die Möglichkeiten,&lt;br /&gt;
die zu diesem Ziel führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Ruf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das umfassende Konzept Bahä’u’llähs, des Begründers der Bahä’i-&lt;br /&gt;
Religion, schreibt sein Urenkel Shoghi Effendi:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Weit davon entfernt, auf den Umsturz der bestehenden Gesellschafts-&lt;br /&gt;
ordnung abzuzielen, sucht es ihre Grundlage zu erweitern, ihre Einrich-&lt;br /&gt;
tungen in einer Weise umzugestalten, die mit den Bedürfnissen einer&lt;br /&gt;
stets veränderlichen Welt in Einklang steht. Es kann mit keiner recht-&lt;br /&gt;
mäßigen Untertanenpflicht in Widerspruch sein, noch kann es wirkliche&lt;br /&gt;
Treue untergraben. Seine Absicht ist, weder die Flamme einer vernünfti-&lt;br /&gt;
gen Vaterlandsliebe in den Herzen der Menschen zu ersticken, noch den&lt;br /&gt;
Grundsatz nationaler Selbständigkeit abzuschaffen. ... Es übersieht weder&lt;br /&gt;
die Verschiedenheiten der ethnologischen Herkunft, des Klimas, der Ge-&lt;br /&gt;
schichte, Sprache und Überlieferung, des Denkens und der Gewohnheit,&lt;br /&gt;
die die Völker und Länder der Welt unterschiedlich gestalten, noch ver-&lt;br /&gt;
sucht es, sie auszumerzen. Es ruft nach größerer Treue, stärkerem Be-&lt;br /&gt;
mühen als irgend ein anderes, das je die Menschenwelt beseelt hat. Es&lt;br /&gt;
besteht auf Unterordnung nationaler Triebkräfte und Belange unter die&lt;br /&gt;
dringenden Ansprüche einer geeinten Welt. Es verwirft die übersteigerte&lt;br /&gt;
Zentralisation und entsagt zum anderen allen Versuchen der Gleich-&lt;br /&gt;
macherei. ... Der Grundsatz der menschlichen Einheit — der Angelpunkt,&lt;br /&gt;
um den alle Lehren Bahä’u’llähs kreisen — ist kein bloßer Ausdruck&lt;br /&gt;
unkundiger Gefühlsseligkeit oder unklarer frommer Hoffnung. Sein Ruf&lt;br /&gt;
ist nicht gleichbedeutend mit einer bloßen Wiedererweckung des Geistes&lt;br /&gt;
der Bruderschaft und des guten Willens unter den Menschen, es geht Ihm&lt;br /&gt;
nicht nur um die Förderung harmonischer Beziehungen zwischen den&lt;br /&gt;
einzelnen Völkern und Ländern. Seine Ausfolgerungen gehen vielmehr&lt;br /&gt;
tiefer. Er fordert kühn und weltumfassend dazu heraus, nationalen Glau-&lt;br /&gt;
bensbekenntnissen abzuschwören, deren Zeit gewesen ist. Erfordert nichts&lt;br /&gt;
Geringeres als den Wiederaufbau und die Entmilitarisierung einer Welt,&lt;br /&gt;
die in allen wesentlichen Lebensfragen, in ihrem politischen Mechanismus,&lt;br /&gt;
geistigen Streben, Handel und Finanzwesen, ihrer Schrift und Sprache&lt;br /&gt;
organisch zusammengewachsen und doch von einer unendlichen Mannig-&lt;br /&gt;
faltigkeit an nationalen Eigentümlichkeiten ihrer verbündeten Staaten-&lt;br /&gt;
glieder ist. Die Verkündigung der Einheit der Menschheit ist nicht nur&lt;br /&gt;
ein Ruf. Sie ist Ermahnung und Verheißung zugleich“ ?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur These „Ex oriente lux“ sagte ‘Abdu’l-Bahá: „Vom Anbeginn bis&lt;br /&gt;
zum heutigen Tage ist das Licht der göttlichen Offenbarung noch immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
733&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|734|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im Osten aufgegangen und hat von dort aus seine Strahlen über den&lt;br /&gt;
Westen ergossen. Das so ausgegossene Licht bekam jedoch im Westen&lt;br /&gt;
einen ganz besonderen Glanz. Denken wir nur an die von Jesus verkün-&lt;br /&gt;
dete Religion. Sie trat wohl im Osten in Erscheinung, aber erst, nachdem&lt;br /&gt;
ihr Licht sich auch auf den Westen ergossen hatte, kam das volle Maß&lt;br /&gt;
ihrer Möglichkeiten zur Geltung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Westen hat sein Licht vom Osten empfangen; die Widerspiegelung&lt;br /&gt;
dieses Lichtes war jedoch in mancher Hinsicht im Abendland eine noch&lt;br /&gt;
stärkere“ 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf jeden kommt es an, damit dieses neue Licht aus dem Osten, diese&lt;br /&gt;
Offenbarung, die das Christentum und die andern Religionen nicht ver-&lt;br /&gt;
wirft, sondern im Gegenteil erfüllt und auf den göttlichen Ursprung zu-&lt;br /&gt;
rückführt, deren Lehre alle Gebiete des privaten und öffentlichen Lebens&lt;br /&gt;
umfaßt, eine neue, lebendige und wahre religiöse Bindung zwischen den&lt;br /&gt;
breiten Schichten der Bevölkerung herbeiführt und die Verwirklichung&lt;br /&gt;
neuer ethischer Grundsätze ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johanna von Werthern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Josua 24, 2 und 3 (Übersetzung von Menge).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Zitiert in „Christus und Bahä’u’lläh“ von George Townshend. M. A. ehemaliger&lt;br /&gt;
Domherr der St. Patrick Kathedrale in Dublin, Archidiakon von Clonfort.&lt;br /&gt;
Bahä’i Verlag Frankfurt/M., 1958, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Townshend, „Christus und Bahä’u’lläh“ S. 48/49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Ebenda. S. 50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Townshend „Christus und Bahä’u’lläh“ S. 48/49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Zitiert von Townshend in „Christus und Bahä’u’lläh“, S. 50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Shoghi Effendi, „Das Ziel der Neuen Weltordnung“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Zitiert von Shoghi Effendi in „Gott geht vorüber“, S. 287/288.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gedenken an Friedrich Heiler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 28. April 1967 ist Professor D. Dr. phil. Dr. theol. Friedrich Heiler&lt;br /&gt;
nach einer in den letzten Jahren durch ein Leiden wiederholter Bedrohung&lt;br /&gt;
seiner Gesundheit im Alter von 75 Jahren in die Welt des ewigen Seins&lt;br /&gt;
abberufen worden. Als o. em. Professor der Theologie der Universität&lt;br /&gt;
Marburg übte er noch in den letzten Jahren in seiner Heimatstadt Mün-&lt;br /&gt;
chen als Lehrbeauftragter der Universität eine Gastprofessur für Reli-&lt;br /&gt;
gionsgeschichte aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutschland und die Welt der Religionen hat einen international be-&lt;br /&gt;
kannten und hochgeachteten Theologen und Religionswissenschaftler mit&lt;br /&gt;
seherischem Weitblick im Lichte der Begegnung der Weltreligionen ver-&lt;br /&gt;
loren. Heiler, der in seinem weltoffenen Werdegang Männern wie Nathan&lt;br /&gt;
Söderblom und Rudolf Otto viel zu verdanken hatte, war durch seine&lt;br /&gt;
großen Reisen in viele Länder der Welt, insbesondere in den Orient, durch&lt;br /&gt;
Gespräche mit maßgebenden Vertretern der Offenbarungsreligionen und&lt;br /&gt;
nicht zuletzt dank seiner streng wissenschaftlichen Forschungsmethoden&lt;br /&gt;
ein hervorragender Kenner der Religionen als Mutterboden der großen&lt;br /&gt;
Kulturen. Es sei hier nur auf sein aufschlußreiches umfassendes Werk&lt;br /&gt;
„Erscheinungsformen und Wesen der Religion“ (1961 erschienen als Band 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
734&lt;br /&gt;
{{page|735|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=17}}von „Die Religionen der Menschheit“, W. Kohlhammer Verlag) hinge-&lt;br /&gt;
wiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Professor Heiler persönlich kannte, wußte um seinen Glaubens-&lt;br /&gt;
mut, mit welchem er als Christ die geistige Einheit des Ursprungs der&lt;br /&gt;
Hochreligionen und „die praktische Zusammenarbeit der Religonen in&lt;br /&gt;
allen großen sittlichen Menschheitsaufgaben“ unentwegt vertrat. So war&lt;br /&gt;
er auch bereit, für den Grundgedanken der esoterischen, inneren Einheit&lt;br /&gt;
und für Verständigung der geschichtlichen Religionen, wie er durch den&lt;br /&gt;
Weltreligionstag der Bahä’i bekundet wird, öffentlich einzutreten. In einer&lt;br /&gt;
öffentlichen Feierstunde zum Weltreligionstag am 15. 1. 1961 sprach Pro-&lt;br /&gt;
fessor Heiler in Hamburg über „Gott ist der Gott der ganzen Menschheit“.&lt;br /&gt;
In der Stuttgarter Feier des Weltreligionstages im Januar 1962, die unter&lt;br /&gt;
dem Leitthema stand: „Religion ist der Sieg über die Furcht“, an der&lt;br /&gt;
Heiler wiederum als Redner teilnehmen wollte, mußte seine Ansprache&lt;br /&gt;
wegen Verhinderung durch Krankheit verlesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer gutachtlichen Äußerung über den Charakter der Bahä’i-Reli-&lt;br /&gt;
gion schrieb er u. a.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Bahä’ismus steht somit als geschichtliche Erscheinung den&lt;br /&gt;
anderen Universalreligionen, dem Hinduismus, Buddhismus, Juden-&lt;br /&gt;
tum, Islam, Sikhismus und Christentum ebenbürtig zur Seite...&lt;br /&gt;
Schon der Umstand, das Bahä’u’lläh als Träger der letzten und&lt;br /&gt;
höchsten Gottesoffenbarung die Stelle einnimmt, die im Islam Mo-&lt;br /&gt;
hammed gebührt, macht die Selbständigkeit der Bahä’i-Religion ge-&lt;br /&gt;
genüber dem Islam deutlich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiler war der Vorsitzende des von ihm 1956 gegründeten deutschen&lt;br /&gt;
Zweigs des Weltbundes der Religionen (World Congress of Faiths), der&lt;br /&gt;
sich zum Ziel setzte, die geistigen Werte und ethischen Prinzipien der&lt;br /&gt;
Weltreligionen durch gegenseitige Verständigung und rechtverstandene&lt;br /&gt;
Toleranz zu fördern. Die Grenzen der Ausschließlichkeit sollen überwun-&lt;br /&gt;
den werden, um zu einer umfassenden Erkenntnis der göttlichen Wahr-&lt;br /&gt;
heit in allen Religionen und einem erneuerten Menschenbild aus ge-&lt;br /&gt;
meinsamer Verantwortung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Rundbrief an seine vielen Freunde in Erwiderung der ihm&lt;br /&gt;
zu seinem 75. Geburtstag am 30. 1. 1967 übermittelten Glückwünsche&lt;br /&gt;
gab der Jubilar seinem Dank und seiner Freude Ausdruck gegenüber dem&lt;br /&gt;
großen und verschiedenartigen Kreis der Gratulanten, der, wie er wört-&lt;br /&gt;
lich schrieb, „wissenschaftliche Forscher verschiedener Gebiete und Män-&lt;br /&gt;
ner der Kirche, Mitarbeiter und Freunde, Gesinnungsgenossen und ehe-&lt;br /&gt;
malige Gegner“ umfaßt; „ja, nicht nur eine Vielheit von Nationen, son-&lt;br /&gt;
dern eine solche der Religionen: Juden, Muslime, Bahä’i, Hindu, Buddhi-&lt;br /&gt;
sten unterschiedlicher Denominationen, Parsen und Christen verschiede-&lt;br /&gt;
ner Konfessionen bezeugten mir ihre Verbundenheit. Wenn ich nicht schon&lt;br /&gt;
vorher überzeugt gewesen wäre, daß es nicht nur eine Una Sancta Chri-&lt;br /&gt;
stianorum sondern auch eine Una Sancta Religionum gibt, so hätte ich&lt;br /&gt;
es an diesem Geburtstag erfahren.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weltökumenische Wirken des Verstorbenen aus tiefer Menschen-&lt;br /&gt;
und Friedensliebe heraus möge im Gedanken an ihn bewußt bleiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Eugen Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
735&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|736|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brief an einen Theologen&lt;br /&gt;
von Dr. Adelbert Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr geehrter Herr Pastor!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank für Ihren inhaltsreichen Brief. Die Schwierigkeiten&lt;br /&gt;
beim Auftreten eines neuen ganz Großen sind in der ganzen Religions-&lt;br /&gt;
geschichte grundsätzlich die gleichen; sie liegen vorwiegend im einzelnen&lt;br /&gt;
Menschen, sodann in den religiösen Traditionen und Dogmen, am wenig-&lt;br /&gt;
sten in allen sonstigen Verhältnissen. Dabei hat es der Christ besonders&lt;br /&gt;
schwer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Unbehagen, wenn man umlernen soll. Auch gibt es so viele&lt;br /&gt;
falsche Propheten und Wirrköpfe in der Welt. Aber das „metanoeite“ ist&lt;br /&gt;
eben unerläßlich. Und dazu muß der Christ allein von Jesus ausgehen,&lt;br /&gt;
nicht von der Kirche oder dem Christentum und nicht vom Mythos mit&lt;br /&gt;
der Vergottung. Leider weiß man von Jesus so wenig: etwa 20 Buchsei-&lt;br /&gt;
ten Seiner eigenen Worte, und diese nicht von Ihm geschrieben, sondern&lt;br /&gt;
nacherzählt nach Jahrzehnten der Überlieferung. (Wie anders stehen die&lt;br /&gt;
übrigen Hochreligionen da!) Und dieser spärliche Bericht wurde dann&lt;br /&gt;
von Hieronymus zusammengestellt, so gut es ging, und in andere, plum-&lt;br /&gt;
pere Sprachen übersetzt, wobei fast gleich viele apogryphe Worte Jesu,&lt;br /&gt;
zu recht oder zu unrecht, unter den Tisch fielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen eigenen Aussprüchen bezeichnet Jesus als das höchste und&lt;br /&gt;
vornehmste Gebot: Gott und den Nächsten zu lieben, und zwar ganz&lt;br /&gt;
— was meist übersehen wird — mit Herz, Seele und Denken („synnoia“,&lt;br /&gt;
nicht „Gemüt“ wie bei Luther!). Das heißt, wenn Verstand und Gefühl&lt;br /&gt;
einem echten Christen andeuten, daß hier, mit Bahä’u’lläh, eine neue&lt;br /&gt;
Willensäußerung des Allein- und Ganz-Geliebten geschehen sein könnte,&lt;br /&gt;
müßte sein Herz jubeln; seine Seele müßte sich im Glauben an Gottes&lt;br /&gt;
Führung und Liebe öffnen, er müßte die neue Botschaft eifrig studieren&lt;br /&gt;
und durchdenken. Dabei dürfte er keine althergebrachten Maßstäbe an-&lt;br /&gt;
legen, sondern müßte sich an dem orientieren, was Liebe, Gebet und&lt;br /&gt;
Meditation ihm eingeben. Was das Material angeht, hat der Sucher in&lt;br /&gt;
der Bahä’i-Religion nicht 20, sondern rund 8000 verifizierte Seiten „Wort&lt;br /&gt;
Gottes“ zur Verfügung. Auch seelisch betrachtet, dürfte ihm kaum etwas&lt;br /&gt;
im Wege stehen, denn in den letzten 120 Jahren ist noch jeder wahre&lt;br /&gt;
Bahä’i Christus unendlich viel näher gekommen, als er Ihm vor seinem&lt;br /&gt;
Eintreten für Bahä’u’lläh war. Nur vor dem gedanklichen Erfassen erhebt&lt;br /&gt;
sich die hergebrachte Theologie wie eine Barriere. Der Christ, der ja Je-&lt;br /&gt;
sus näher kommen will, hat ständig das Wort vor sich: „Es werden zu&lt;br /&gt;
Mir kommen nicht, die da sagen Herr, Herr, sondern die den Willen tun&lt;br /&gt;
Meines Vaters im Himmel.“ Es war immer falsch, das Auftreten eines&lt;br /&gt;
neuen Gottgesandten mit den Maßstäben der vorhandenen Traditionen&lt;br /&gt;
und Dogmen zu messen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
736&lt;br /&gt;
{{page|737|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gottgesandten oder — wie Bahä’u’lläh sich ausdrückt — Manifesta-&lt;br /&gt;
tionen Gottes sind die Begründer der geschichtlichen Hochreligionen und&lt;br /&gt;
nach den Bahä’i-Lehren jeweils die Herren eines Zeitalters. Wir wollen&lt;br /&gt;
uns auf diesen Begriff der „Manifestation Gottes“ einigen, im Unterschied&lt;br /&gt;
zum Ausdruck „Prophet“, der im Westen einen Weissager oder im enge-&lt;br /&gt;
ren Sinn eine der tragenden Gestalten des Alten Testaments bedeutet,&lt;br /&gt;
aber auch im Unterschied zum Begriff „Offenbarer“, was sowohl „Mani-&lt;br /&gt;
festation Gottes“ als auch „Prophet“ umfassen kann, oder zum „Sohn&lt;br /&gt;
Gottes“, bei dem die Christen ein einmaliges Geschehnis unterstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion ist eine Verbindung des Göttlichen mit dem Irdischen, die dem&lt;br /&gt;
menschlichen Leben Sinn und Ziel gibt. Dazu bedarf es fünf Elemente,&lt;br /&gt;
die alle Hochreligionen mehr oder weniger aufweisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© der Mittler,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Wandlung des einzelnen Menschen,&lt;br /&gt;
© die Lehren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Gesetz und Ordnung;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn bis in die Bereiche des praktischen Lebens soll sich ja Gottes Wille&lt;br /&gt;
und Sein „Reich auf Erden“ auswirken. Gott (1) ist ewig gleich, unfaßbar.&lt;br /&gt;
Die Mittler (2) wirken als Heilande, wie es die Nöte erfordern und die&lt;br /&gt;
Fassungskraft der Menschen erlaubt; jeder könnte mehr sagen, aber „wir&lt;br /&gt;
können’s noch nicht tragen“. Der Mensch (3) als einer, der sich wandeln&lt;br /&gt;
soll — die Christen nennen diesen Vorgang „Erlösung“ — ist eingebettet&lt;br /&gt;
in Kulturen und Zeitalter, die verschiedene Tugenden und Ziele haben;&lt;br /&gt;
so unterscheiden sich die Wirkungsweisen der Mittler (2) nach den orts-&lt;br /&gt;
und zeitgebundenen Verhältnissen ein wenig voneinander: Ihre Lehren (4)&lt;br /&gt;
weichen in den Einzelheiten scheinbar voneinander ab; Gesetze und Ord-&lt;br /&gt;
nungen (5), auf die materiellen Gegebenheiten bezogen und für jeder-&lt;br /&gt;
mann verbindlich, widersprechen einander bisweilen sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Entwicklungsbedingtheit des Menschen und seiner sozialen&lt;br /&gt;
Strukturen (3—5) ergibt sich zwingend, daß immer neue Manifestationen&lt;br /&gt;
Gottes als Mittler (2) für die Menschheit auftreten müssen. Daß „das&lt;br /&gt;
Kreuz“ alle weiteren Offenbarungen erübrige, ist eine theologische Kon-&lt;br /&gt;
struktion, die sich nicht weiter als bis zu Paulus zurückverfolgen läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Manifestationen Gottes reden je nach der Gelegenheit von ver-&lt;br /&gt;
schiedenen Stufen aus: manchmal nur als „Menschen“ über zeitliche&lt;br /&gt;
Dinge, manchmal „aus Gott“, und dann meist ewig Gültiges; aber immer&lt;br /&gt;
ist es die Wahrheit. Daß Jesus sagte: „Der Vater und Ich sind eines“&lt;br /&gt;
oder „Wer mich siehet, der siehet den Vater“, ist keine Unterlage für das&lt;br /&gt;
Trinitätsdogma. Es ist eher begreiflich durch das Gleichnis von der Sonne&lt;br /&gt;
im Spiegel, das Bahä’u’lläh oft gebraucht. Auch die anderen Manifesta-&lt;br /&gt;
tionen Gottes drücken sich ähnlich aus, nur verwenden sie nicht das Wort&lt;br /&gt;
„Vater“ und nur selten den Begriff „Sohn“. Gegen die Trinität sprechen&lt;br /&gt;
auch Äußerungen Jesu wie: „Wann dies aber geschieht, wissen weder die&lt;br /&gt;
Engel des Himmels, noch der Sohn, sondern allein der Vater“, oder der&lt;br /&gt;
Gethsemane-Konflikt, oder der Aufschrei am Kreuz „Warum hast Du&lt;br /&gt;
Mich verlassen?“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737&lt;br /&gt;
{{page|738|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben keine Vergleichsmaßstäbe für die „Größe“ der&lt;br /&gt;
Manifestationen Gottes; wir sind sozusagen wie kleine Jungen, die sich&lt;br /&gt;
um die Größe ihrer Väter streiten. Wir sehen nicht über Merkmale und&lt;br /&gt;
Äußerlichkeiten hinaus; aber dabei handelt es sich nicht um Rangabzei-&lt;br /&gt;
chen, sondern gleichsam um Strahlungskegel gleichstarker Lampen, die&lt;br /&gt;
verschiedenartige Lampenschirme haben. So kommen wir zu falschen&lt;br /&gt;
Begriffen von historischer Größe und messen nach erfüllten Prophezei-&lt;br /&gt;
ungen, die wir nach unserem Sinn oder nach den Maßstäben unserer Kir-&lt;br /&gt;
che auslegen. Dies führt zu tragischen Fehlentwicklungen, wenn unser&lt;br /&gt;
Forschen nach Wahrheit nicht von dem höchsten Gebot Jesu, derganzen&lt;br /&gt;
Liebe zu Gott und zum Nächsten, geleitet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh spricht von Jesus mit besonderer Liebe und Verehrung;&lt;br /&gt;
Er sagt, daß durch den Opfertod Christi Kräfte ausgelöst worden sind,&lt;br /&gt;
die sich in allen Menschen der Erde dartun und die menschliche Kultur&lt;br /&gt;
maßgeblich beeinflussen. Aber diese Zeichen, wenngleich sie weit über&lt;br /&gt;
menschliches Begreifen hinausgehen, sind kein Beweis für die Einmalig-&lt;br /&gt;
keit der Stellung Jesu. Auch Wunder sind dies nicht. Manche Wunder&lt;br /&gt;
— nach den Bahä’i-Lehren z. B. die Auferstehung Jesu — sind als er-&lt;br /&gt;
habene Symbole zu verstehen. Andere Wunder oder Visionen sind Er-&lt;br /&gt;
lebnisse von Massensuggestion; wieder andere lassen sich tiefenpsycho-&lt;br /&gt;
logisch erklären und sind mit den menschlichen Begrenztheiten der je-&lt;br /&gt;
weiligen Medien behaftet. Nie darf ein Christ Jesus Seiner Wunder we-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen eine einmalige Stufe beimessen; dies entspräche dem Niveau des&lt;br /&gt;
tibetischen Tantrismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Manifestation Gottes bestätigt die Stufe der vorhergegangenen&lt;br /&gt;
Offenbarung und erfüllt deren Sendung, obwohl sie in den Fragen der&lt;br /&gt;
Wandlung (3), der Lehre (4) und der Ordnung (5) Neues bringt und Altes&lt;br /&gt;
abschafft. Besonders deutlich wird dies bei Jesus in der Bergpredigt: „Ihr&lt;br /&gt;
habt gehört, daß zu den Alten gesagt ward...; Ich aber sage euch...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis hierher besteht noch kein tiefgreifender Unterschied zwischen den&lt;br /&gt;
Lehren Bahä’ullähs und den modernen Richtungen der christlichen&lt;br /&gt;
Theologie, abgesehen davon, daß die letzteren in ihren Aussagen auf die&lt;br /&gt;
Bibel begrenzt bleiben. Aber kommen wir zu dem, was die ganze nicht-&lt;br /&gt;
christliche Menschheit der Kirche vorzuwerfen hat: daß sie „vollkommen&lt;br /&gt;
die Welt zugeschlossen und, wie die alten messianischen Hoffnungen, so&lt;br /&gt;
die Apokalypse selber unterschlagen oder vermittelst des Pfingstfestes zu&lt;br /&gt;
einer bloßen universalen Wiederholungsszene und Tautologie des bereits&lt;br /&gt;
Geschehenen abgeschwächt hat“ (Ernst Bloch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Heilige Geist seit Pfingsten bei der Kirche geblieben und wei-&lt;br /&gt;
ter maßgebend gewesen sein sollte als einer, der „in alle Wahrheit leitet“,&lt;br /&gt;
ist ein arges Stück. Dieser „Geist der Wahrheit“ wird ja nach den Wor-&lt;br /&gt;
ten Jesu „nicht von sich selber reden, sondern was er hören wird, das&lt;br /&gt;
wird er reden“, also wie bei Jesus selbst, „was der Vater ihm eingibt“ —&lt;br /&gt;
und dies ist weit eher ein Hinweis auf die nächstfolgende Manifestation&lt;br /&gt;
Gottes als auf einen anonymen Pfingstgeist. Daß der Heilige Geist in den&lt;br /&gt;
Aposteln wirksam gewesen wäre, anerkennen wir Bahä’i nur bedingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
738&lt;br /&gt;
{{page|739|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=21}}Sie mögen zeitweise vom Geist beseelt gewesen sein, aber sie hatten des-&lt;br /&gt;
halb nicht die Stufe einer Allgegenwart des Heiligen Geistes erlangt.&lt;br /&gt;
Paulus war nicht das Wort Gottes, auch wenn er, wie ich vor 50 Jahren&lt;br /&gt;
als Konfirmant heimlich feststelite, von den Kanzeln herab fast dreimal&lt;br /&gt;
so oft zitiert wird wie Jesus. Er war vielleicht nach Jesus die bedeutend-&lt;br /&gt;
ste Gestalt im Christentum, aber wenn er nach seinem Damaskus-Schock&lt;br /&gt;
das „Skandalon“ als die „zentrale Aussage des Neuen Testaments ein-&lt;br /&gt;
führte“, vermischte er auf der ihm eigenen Ebene eines Eiferers das Neue,&lt;br /&gt;
das ihn überwältigt hatte, mit seinem individuellen Erleben und mit sei-&lt;br /&gt;
nem Verständnis des Zeitgeists. Was wußte er von Zarathustra, Laotse&lt;br /&gt;
oder Buddha, was von der Unermeßlichkeit des Universums, als er die&lt;br /&gt;
groteske Idee formulierte, der unendliche Gott habe einen Sohn, den&lt;br /&gt;
Er auf dieses Staubkorn von einem Planeten herabgesandt habe, um die&lt;br /&gt;
dort befindliche Menschheit zu erlösen, und damit sei ein für allemal&lt;br /&gt;
Schluß mit allen weiteren Offenbarungen, die ja nicht mehr nötig seien?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Konto von Paulus geht auch das unentwickelte Verhältnis der&lt;br /&gt;
christlichen Religion zu Ordnung und Gesetz (5). Seine neurotische Reak-&lt;br /&gt;
tion auf früheres, eiferndes Pharisäertum — wissenschaftlich Enantio-&lt;br /&gt;
dromie — schlug um in eine Unterbewertung des Gesetzes. So waren die&lt;br /&gt;
Christen seit dem Apostelkonzil eben römische Bürger; selbst der Kaiser&lt;br /&gt;
Konstantin führte das Corpus juris weiter, und es blieb ein Nebeneinan-&lt;br /&gt;
der von kirchlicher und weltlicher Gewalt bis auf den heutigen Tag; der&lt;br /&gt;
geoffenbarte Wille Gottes konnte nicht im Gesetz seinen Ausdruck fin-&lt;br /&gt;
den, wie es — wenngleich begrenzt — im Brahmanismus, im Mosaismus&lt;br /&gt;
und im Islam geschah. Stattdessen öffnete sich das Christentum den&lt;br /&gt;
Einflüssen orientalischer und hellenistischer Mysterien, vor allem der be-&lt;br /&gt;
reits im Herakleskult gegebenen Vorstellung der Erlösung durch die&lt;br /&gt;
Opferleistungen eines Gottessohnes, in geringerem Maße auch der Gnostik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muhammad, selbst von „gebildeten“ Abendländern dank einseitiger Er-&lt;br /&gt;
ziehung heute noch verkannt, hätte dem damals schon so kranken Chri-&lt;br /&gt;
stentum bringen können, was es brauchte: einen sauberen, absoluten Got-&lt;br /&gt;
tesbegriff, eine Fülle von zuverlässigerem „Wort Gottes“, als Lehraus-&lt;br /&gt;
sage so gut wie als praktische Gesetzesnorm, die Einheit von Religion&lt;br /&gt;
und Staat, geprägt durch das Beispiel des staatsmännisch wirkenden&lt;br /&gt;
Offenbarers, die Einheit der Sprache, die Einheit und Gleichheit eines&lt;br /&gt;
jeden vor Gott. Sofort war allerdings auch der Islam verdorben und über&lt;br /&gt;
der Nachfolgefrage gespalten. Zwischen den beiden großen Religionen&lt;br /&gt;
häuften sich die Vorurteile, oft mit lächerlichen Anschuldigungen — eine&lt;br /&gt;
weltgeschichtliche Tragödie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es aber nicht vermag, durch die „ganze“ Liebe zu Gott und Seiner&lt;br /&gt;
Wahrheit den Dschungel der Theologie zu durchdringen, für den gibt es&lt;br /&gt;
ja in dem herrlichen Jesuswort vom höchsten Gebot noch den zweiten&lt;br /&gt;
Satz: „Das andere aber ist dem gleich“, d.h. das Gleiche, nicht nur gleich-&lt;br /&gt;
wertig: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Es ist dies die tätige&lt;br /&gt;
Liebe zum Göttlichen in jedem Menschen. Der Nächste aber ist heute,&lt;br /&gt;
nach 150 Jahren stürmischer technischer Entwicklung auf unserem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
739&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|740|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=22}}schrumpfenden Planeten, die ganze Menschheit geworden. Sie ist tod-&lt;br /&gt;
krank. Ein religiöser, verantwortungsbewußter Mensch ergreift jede&lt;br /&gt;
Möglichkeit, ihr zu helfen. Er prüft mit allen ihm zu Gebote stehenden&lt;br /&gt;
Mitteln, ob dies nicht doch die Zeit des Endes ist, in der wir leben — nicht&lt;br /&gt;
das „Ende der Welt“ (Kosmos), sondern das „Ende eines Weltzeitalters“&lt;br /&gt;
(Äon), wie es im griechischen Text der Bibel heißt. Er erkennt, daß nur&lt;br /&gt;
ein Bewußtsein der Einheit, der Universalität weiterführen kann, und be-&lt;br /&gt;
müht sich darum, sich selbst und seine Umwelt darauf einzustellen (3).&lt;br /&gt;
Er findet eine Fülle von Wegen und praktischen Grundgedanken in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehren (4); mehr und mehr festigt sich in ihm die Überzeugung,&lt;br /&gt;
daß Bahä’u’llähs Anspruch, die Manifestation Gottes (2) für unser Zeit-&lt;br /&gt;
alter zu sein, zu Recht besteht, und er reiht sich in die rasch wachsende&lt;br /&gt;
Bahä’i-Weltgemeinschaft ein, um in ihrer Ordnung (5) mitzuwirken,&lt;br /&gt;
Modelle für das zukünftige „Reich Gottes auf Erden“ zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie, lieber Herr Pastor, die Bahä’i-Texte lesen und Ihnen die&lt;br /&gt;
Sprache und die Gedankenwelt bisweilen ungewohnt und fremd erschei-&lt;br /&gt;
nen, weil sie sich meistens auf den Islam als geographisch-historische&lt;br /&gt;
Wiege dieser Offenbarung beziehen, dann bedenken Sie bitte, daß die&lt;br /&gt;
Ausdrucksweise und die Bezugssysteme des Neuen Testaments den Rö-&lt;br /&gt;
mern, Griechen und Germanen vor 1800 Jahren ebenso fremd gewesen&lt;br /&gt;
sein mochten. Die Metaphern der blumenreichen persisch-arabischen&lt;br /&gt;
Sprache sind nicht zufällig und nicht nur Ausdruck einer tausendjähri-&lt;br /&gt;
gen poetischen Tradition, sondern haben einen tiefen Sinn, als Aus-&lt;br /&gt;
schöpfung immer neuer Bedeutungen für die Attribute des Göttlichen, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbindung von Vordersatz und Nachsatz, aber auch als Zusammenklang&lt;br /&gt;
von Denkkategorien und Gefühlswerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeiten, Formen und Worte sind der Wandlung unterworfen. Was immer&lt;br /&gt;
währt und uns über die Grenzen der Namen und Bekenntnisse brüder-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lich vereint, ist die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen, und aus dieser&lt;br /&gt;
Liebe heraus die Sehnsucht nach Wahrheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glückauf zum Forschen nach dieser Wahrheit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Religionen verkünden als ihr Ziel die Vereinigung der&lt;br /&gt;
Menschheit. Dies ist im physischen oder geographischen Sinne er-&lt;br /&gt;
reicht, aber unser Denken und unsere Herzen müssen erst noch&lt;br /&gt;
auf diese Einheit der Menschheit vorbereitet werden. Eine neue&lt;br /&gt;
Orientierung ist vonnöten, um aus der Vielzahl von Rassen und&lt;br /&gt;
Völkern, den Rivalitäten unter den Nationen und den Konflikten&lt;br /&gt;
zwischen den Religionen eine Einheit aufzubauen. Dies verlangt&lt;br /&gt;
mutigen Einsatz und eine radikale Änderung unserer Anschauungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sarvapalli Radhakrishnan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erneuerung des Glaubens aus dem Geist, Ullstein 238, S. 16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
740&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|741|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=23}}NEU AUF UNSEREM Bürdertiseh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gericht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi, „Der verheißene Tag ist gekommen“, Bahä’i-Verlag GmbH,,&lt;br /&gt;
Frankfurt/Main 1967, 212 Seiten, Ln. DM 7.40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Buch des Hüters der Bahä’i-Religion, Shoghi Effendi, bietet den&lt;br /&gt;
Bahä’i des Westens und durch ihre Vermittlung der ganzen westlichen&lt;br /&gt;
Welt die Deutung eines Dramas, das die Nachwelt einmal als die er-&lt;br /&gt;
schütterndste Episode der Menschheitsgeschichte einstufen wird, Die Tra-&lt;br /&gt;
gödie entfaltet sich als ein dem Wesen nach geistiges Geschehen durch die&lt;br /&gt;
Anschauungen und Handlungen der christlichen und mohammedanischen&lt;br /&gt;
Völker und ihrer Führer während der Jahre zwischen 1844 und 1944.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den einleitenden Seiten seines Buches charakterisiert Shoghi Ef£-&lt;br /&gt;
fendi den Zeitabschnitt schlimmster Heimsuchung, den die Welt heute&lt;br /&gt;
durchläuft, als „einen Sturm von beispielloser Heftigkeit und unbe-&lt;br /&gt;
rechenbarer Bahn, von verheerenden Wirkungen, aber unvorstellbar&lt;br /&gt;
herrlichen späteren Folgen“ (S. 21). Er wird die Menschen letztlich zu der&lt;br /&gt;
Einsicht führen, daß, um Bahä’u’lläh anzuführen, „das Reich Gottes ist,&lt;br /&gt;
des Allmächtigen, des Allgepriesenen“ (S. 22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Göttliche Heimsuchung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denen, die Bahä’u’lläh als das Sprachrohr Gottes erkannt haben, er-&lt;br /&gt;
scheinen die in der Geschichte beispiellosen Schrecken der jüngsten Ver-&lt;br /&gt;
gangenheit als „eine göttliche Heimsuchung und zugleich eine Läuterung&lt;br /&gt;
für die ganze Menschheit“ (S. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat nicht geschwiegen, sondern wie vor alters zu Seinem Volk&lt;br /&gt;
gesprochen „durch den Mund Seiner heiligen Propheten, die seit Anbe-&lt;br /&gt;
ginn der Welt gekommen sind“. „In einhundert Bänden“, führt Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi aus, „den Aufbewahrungsorten unschätzbarer Lehren, starker&lt;br /&gt;
Gesetze, einzigartiger Grundsätze, inständiger Ermahnungen, wiederhol-&lt;br /&gt;
ter Warnungen“ hat Bahä’u’lläh „wie kein Offenbarer zuvor die Sendung&lt;br /&gt;
verkündet, die Gott Ihm anvertraut hatte“ (S. 25), und all dies als Ge-&lt;br /&gt;
fangener und Verbannter. Um dieser Aufgabe willen entsagte Er Anse-&lt;br /&gt;
hen und Reichtum, nahm leibliche Unbill und grausame Entbehrungen&lt;br /&gt;
auf sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches war das Echo der Welt? Seine Anhänger in den muslimischen&lt;br /&gt;
Ländern wurden Verfolgungen unterworfen, wie sie die Welt bis dahin&lt;br /&gt;
noch nicht kannte. Die Herrscher und Könige schauten gleichgültig zu,&lt;br /&gt;
als die verderbte islamische Geistlichkeit die Volksmassen dazu aufwie-&lt;br /&gt;
gelte, nicht weniger als zwanzigtausend heldenhafte Gläubige niederzu-&lt;br /&gt;
machen, weil sie sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
141&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|742|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=24}}Proklamation an die Herrscher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh wandte sich wie noch kein Prophet vor Ihm an die Herr-&lt;br /&gt;
scher der Welt. Er tat dies, so führt Shoghi Effendi aus, weil jene Könige&lt;br /&gt;
zur Zeit der Verkündigung des Bahä’i-Glaubens um 1863 noch unum-&lt;br /&gt;
schränkte Gewalt ausübten. Die Massen des Volkes hatten damals nicht&lt;br /&gt;
die Freiheit, die Bedeutung der göttlichen Botschaft abzuschätzen und&lt;br /&gt;
ihre Wahrheit anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Verbannter und Gefangener richtete Bahä’u’lläh Sendschreiben an&lt;br /&gt;
die mächtigsten Herrscher Seiner Zeit: Napoleon III, Papst Pius IX., Zar&lt;br /&gt;
Alexander IL, Königin Viktoria, Wilhelm I. von Deutschland, Kaiser&lt;br /&gt;
Franz Joseph von Österreich-Ungarn, ‘Abdu’l-‘Aziz, Sultan der Türkei&lt;br /&gt;
und Kalif des sunnitischen Islam, sowie Shäh Näsiri’d-Din von Persien.&lt;br /&gt;
Ein großer Teil des Buches besteht aus der meisterhaften Charakterschil-&lt;br /&gt;
derung dieser Herrscher; ihre Taten und deren Folgen werden beleuchtet,&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs Briefe an sie werden angeführt, Briefe, die „klar und ein-&lt;br /&gt;
dringlich die Wahrheit Seiner Offenbarung herausstellen, ... die Kostbar-&lt;br /&gt;
keit günstiger Gelegenheiten betonen, die zu ergreifen in der Macht die-&lt;br /&gt;
ser Herrscher und Führer lag, und sie in bedeutsamer Sprache vor der&lt;br /&gt;
schweren Verantwortung warnen, welche mit der Verwerfung von Gottes&lt;br /&gt;
Botschaft auf sie zurückfallen würde“ (S. 43).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwei Briefen forderte Bahä’u’lläh Napoleon III. auf, Ihn als den von&lt;br /&gt;
Christus Verheißenen zu erkennen, von seinen Gelüsten nach militäri-&lt;br /&gt;
schen Eroberungen Abstand zu nehmen und sich dem Diktat seiner Lei-&lt;br /&gt;
denschaften zu entziehen. Wenn er es versäumte, diese Warnungen zu&lt;br /&gt;
beachten, würde sein Reich „in Verwirrung gestürzt werden“ (S. 57) und&lt;br /&gt;
die Herrschaft seinen Händen entgleiten. Diese Prophezeiung erfüllte sich&lt;br /&gt;
wenige Jahre später mit Napoleons Niederlage 1870 bei Sedan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pius IX. wurde aufgerufen, Bahá’u’lláh und Seine Botschaft als die&lt;br /&gt;
Erfüllung der Prophezeiung Christi anzunehmen, Er werde als „der Geist&lt;br /&gt;
der Wahrheit“ wiederkommen, um das Viele zu sagen, das Seine Zeitge-&lt;br /&gt;
nossen „noch nicht tragen“ konnten, und um die Menschen „in alle Wahr-&lt;br /&gt;
heit zu leiten“. Der Papst wurde gedrängt, „seine Paläste denen zu über-&lt;br /&gt;
lassen, die sie begehren“, seinen „verzierten Kirchenschmuck zu ver-&lt;br /&gt;
kaufen“ und „den Erlös auf dem Pfade Gottes dahinzugeben“. Kurz nach-&lt;br /&gt;
dem dieser Brief geoffenbart worden war, erhielt die weltliche Macht des&lt;br /&gt;
Papsttums, die bereits zusammengeschrumpft war, durch die Errichtung&lt;br /&gt;
des Königreichs Italien mit der Hauptstadt Rom 1870 den Todesstoß.&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi hält diese Demütigung des Papsttums für weniger drama-&lt;br /&gt;
tisch, aber geschichtlich bedeutsamer (S. 88) als bei Napoleon III.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Untergang des deutschen Kaiserreichs 1918 war von Bahä’u’lläh in&lt;br /&gt;
Seinem Brief an Wilhelm I. vorhergesagt worden, in dem Er schrieb, Er&lt;br /&gt;
sehe „die Schwerter der Vergeltung gezückt“ und „höre das Wehklagen&lt;br /&gt;
Berlins“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verantwortung der Religionsführer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zahllosen Briefen und Textstellen aus anderen Werken Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
werden die islamische wie die christliche Welt zur Rechenschaft gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7142&lt;br /&gt;
{{page|743|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=25}}Auch hier erlegt Er die Verantwortung für den Niedergang der wahren&lt;br /&gt;
Religion und die daraus folgende Ablehnung Seiner Botschaft den geist-&lt;br /&gt;
lichen Führern dieser Bekenntnisse auf. „Religiöse Führer“, lautet Sein&lt;br /&gt;
klares, umfassendes Urteil, „haben in jedem Zeitalter ihr Volk daran ge-&lt;br /&gt;
hindert, die Ufer des ewigen Heils zu erreichen, da sie die Zügel der&lt;br /&gt;
Autorität in ihrem mächtigen Griff hielten“ (S. 124).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im letzten Teil seines Buches setzt Shoghi Effendi sein Hauptthema zu&lt;br /&gt;
den Problemen unserer Zeit in Beziehung und beseitigt eine Reihe von&lt;br /&gt;
Mißverständnissen, die aus den Anklagen Bahá’u’lláhs gegen die geist-&lt;br /&gt;
lichen und weltlichen Herrscher erwachsen könnten. Obwohl Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
die Könige Seiner Zeit streng verurteilt, setzt Er doch in keiner Weise&lt;br /&gt;
das Prinzip des Königtums herab; Er preist es vielmehr bei zahlreichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten als eine abgeleitete Offenbarung der Autorität, die in er-&lt;br /&gt;
ster Linie bei Gott liegt. Shoghi Effendi führt Stellen aus den Schriften&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs an, die Gehorsam gegenüber denen verlangen, die „mit&lt;br /&gt;
Autorität bekleidet sind“, und in denen Bahä’u’lläh selbst von der „Maje-&lt;br /&gt;
stät des Königtums“ als einem der „Zeichen Gottes“ spricht. „Ein gerech-&lt;br /&gt;
ter König“ ist „der Schatten Gottes auf Erden“. Auch prophezeit Er, es&lt;br /&gt;
werde bald ein König auftreten, der den Bahä’i-Glauben annehmen und&lt;br /&gt;
seine Anhänger schützen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorwürfe an die Adresse der Führer des christlichen und des mo-&lt;br /&gt;
hammedanischen Glaubens dürfen nach den Darlegungen Shoghi Effendis&lt;br /&gt;
nicht als ein Versuch ausgelegt werden, diese Religionen oder ihre redlich&lt;br /&gt;
gesinnten Führerpersönlichkeiten herabzusetzen. Die Bahä’i-Lehren ver-&lt;br /&gt;
fechten den göttlichen Ursprung aller Offenbarer Gottes und streben&lt;br /&gt;
keineswegs danach, den Rang religiöser Führer, deren „Betragen mit&lt;br /&gt;
ihrem Bekenntnis übereinstimmt“, zu verkleinern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Grundproblem unserer Zeit ist, um Bahä’w’lläh zu zitieren, daß&lt;br /&gt;
„der Weg Gottes und die Religion Gottes aufgehört haben, in den Augen&lt;br /&gt;
der Menschen noch irgendeinen Wert zu besitzen“ (S. 171). Die „Schwä-&lt;br /&gt;
chung der Pfeiler der Religion“ führte zu einem Sittenverfall, dessen&lt;br /&gt;
Zeichen uns auf Schritt und Tritt begegnen. Ihr müssen wir „die Aus-&lt;br /&gt;
breitung von Gesetzlosigkeit, Trunksucht, Glückspiel und Verbrechen“ zu-&lt;br /&gt;
schreiben, „die zügellose Sucht nach Vergnügen, ... die verantwortungs-&lt;br /&gt;
lose Haltung gegenüber der Ehe, die Schwächung der elterlichen Auf-&lt;br /&gt;
sicht, ... das Sinken des Durchschnittsniveaus von Literatur und Presse,&lt;br /&gt;
die Befürwortung von Theorien, welche eine glatte Verleugnung von&lt;br /&gt;
Reinheit, Moral und Keuschheit darstellen“ (S, 174).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei falsche Götter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben vielen kleineren Idolen hat die Menschheit drei Hauptgötzen an&lt;br /&gt;
die Stelle der Anbetung des einen wahren Gottes gerückt: den Rassismus,&lt;br /&gt;
den Nationalismus und den Kommunismus. Aber die Zeit wird schließlich&lt;br /&gt;
kommen, da diese „falschen, kriegerzeugenden Doktrinen durch die An-&lt;br /&gt;
erkennung der erlösenden Wahrheiten, die Bahä’u’lläh verkündet, über-&lt;br /&gt;
wunden werden: „Richtet Verstand und Willen auf die Erziehung der Völ-&lt;br /&gt;
ker und Geschlechter der Erde, damit... alle Menschen zu Stützen einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
743&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|744|file=Baha&#039;i_Briefe_29.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ordnung und zu Bewohnern einer Stadt werden mögen.“ „Hütet euch,&lt;br /&gt;
daß nicht die Begierden des Fleisches und einer verderbten Neigung&lt;br /&gt;
Zwiespalt unter euch hervorrufen“ (S. 173).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschheit durchmißt gegenwärtig „das Jünglingsalter in ihrer&lt;br /&gt;
langsamen, schmerzensreichen Entwicklung“ — ein Zustand, der wie beim&lt;br /&gt;
Heranwachsen eines einzelnen Menschen durch Sturm und Drang, „Auf-&lt;br /&gt;
ruhr, Ungestüm, Stolz, Selbstbewußtsein und Mißachtung der Disziplin“&lt;br /&gt;
gekennzeichnet ist (S. 177). Diese Übergangsphase führt zu einem Zu-&lt;br /&gt;
stand der Reife, in dem die schöpferischen Gedanken der Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
zur Wirklichkeit werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend zeigt Shoghi Effendi die Stufenfolge auf, die zu dieser&lt;br /&gt;
großen Vollendung führen und notwendigerweise Schritt für Schritt be-&lt;br /&gt;
gangen werden muß. Sie umfaßt zunächst die Begründung des „Kleineren&lt;br /&gt;
Friedens“, „den die Nationen der Erde von sich aus errichten werden,&lt;br /&gt;
noch ohne Seiner (Bahä’u’llähs) Offenbarung bewußt zu sein und noch&lt;br /&gt;
ohne Wissen darüber, daß sie die allgemeinen Grundsätze durchsetzen,&lt;br /&gt;
die Er verkündet hat“. Dieser Schritt „wird die Vergeistigung der Massen&lt;br /&gt;
unmittelbar mit sich bringen, die auf die Erkenntnis der Wesensart und&lt;br /&gt;
die Anerkennung der Ansprüche des Glaubens Bahä’u’llähs folgt. Sie&lt;br /&gt;
sind die wesentlichen Vorbedingungen zu jener endlichen Verschmelzung&lt;br /&gt;
aller Rassen, Glaubensbekenntnisse, Klassen und Nationen, welche das&lt;br /&gt;
Aufsteigen Seiner Neuen Weltordnung kennzeichnen wird“ (S. 186).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mabel Hyde Paine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus „World Order“, Jgg. 12, S. 243 ff.; vgl. „Bahä’{ News“ (USA), Nr. 431, Febr. 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 30 / Oktober 1967 der “BAHA’I-BRIEFE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird u.a. einen Bericht in Wort und Bild über die Interkontinentale&lt;br /&gt;
Konferenz der Bahäd’i, die vom 7. bis 10. Oktober 1967 in Frankfurt am&lt;br /&gt;
Main stattfindet, bringen. Wir bitten unsere Leser um Verständnis dafür,&lt;br /&gt;
daß dieses Heft voraussichtlich erst Ende Oktober ausgeliefert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’&#039;I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’i in Deutschlard e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 610% Jugenheim, Goethestraße 14,&lt;br /&gt;
Telefon (0 62 57) 7467, und Dieter Schubert, 7021 Oberaichen/Leinfelden, Viehweg 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vertrieb: Georg Schloz, Bahä’i-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11} 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
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Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
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Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE*“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteiligungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, $ 5 Abs. 2.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bot</name></author>
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		<title>Bahai Briefe/Heft 28/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Test replacement, regex true&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|691|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
{{ocr}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DEM INHALT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der&lt;br /&gt;
Sendung des Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruhiyyih Khanum&lt;br /&gt;
in Indien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Benz über die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRIL 1967 HEFT 28&lt;br /&gt;
D 20 155 F&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BLÄTTER&lt;br /&gt;
FÜR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WELTRELIGION&lt;br /&gt;
UND&lt;br /&gt;
WELTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
{{page|692|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=2}} &lt;br /&gt;
{{page|693|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=3}}APRIL 1967 BAHAI-BRIEFE HERT 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgeben von Gärten, flankiert vom Michigan-See: das Haus der Andacht&lt;br /&gt;
in Wilmette/Illinois, USA, erster Bahä’i-Tempel in der westlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
693&lt;br /&gt;
{{page|694|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Schöpfung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás in der Stanford University,&lt;br /&gt;
Palo Alto/Kalifornien, am 8. Oktober 1912&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Errungenschaft in der Menschenwelt war und ist dem We-&lt;br /&gt;
sen nach wissenschaftlich. Es ist die Entdeckung der Wirklichkeit der&lt;br /&gt;
Dinge. Dies hier ist eine der großen Universitäten des Landes, im Aus-&lt;br /&gt;
land hochberühmt, und es erfüllt mich mit großer Freude, in einer Heim-&lt;br /&gt;
statt der Wissenschaft zu weilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Lob gebührt den Menschen, die ihre ganze Tatkraft der&lt;br /&gt;
Wissenschaft widmen, und der vornehmste Versammlungsort ist die&lt;br /&gt;
Stätte, an der die Wissenschaften und Künste gelehrt und studiert wer-&lt;br /&gt;
den. Die Wissenschaft führt allezeit zur Erleuchtung der Menschenwelt.&lt;br /&gt;
Sie verleiht dem Menschen ewige Ehre, und ihre Herrschaft ist viel&lt;br /&gt;
mächtiger als die Herrschaft von Königen. Die Macht von Königen hat&lt;br /&gt;
ein Ende; ein König kann entthront werden. Aber die Oberhoheit der&lt;br /&gt;
Wissenschaft ist immerwährend und ohne Ende. Schaut auf die Philo-&lt;br /&gt;
sophen früherer Zeiten. Ihr Richtmaß und ihre Herrschaft sind noch&lt;br /&gt;
heute in der Welt offenbar. Die Reiche der Griechen und Römer mit all&lt;br /&gt;
ihrer Pracht sind vergangen, die alten Großmächte des Orients sind nur&lt;br /&gt;
noch blasse Erinnerungen, aber die Macht und der Einfluß von Plato und&lt;br /&gt;
Aristoteles bestehen fort. Heute noch werden in den Schulen und Uni-&lt;br /&gt;
versitäten der Welt ihre Namen gepriesen und verehrt; wo aber hören&lt;br /&gt;
wir ein Wort des Lobes über die Namen vergangener Könige? Sie sind&lt;br /&gt;
verschollen und ruhen im Tal der Vergessenheit. Es ist offensichtlich,&lt;br /&gt;
daß die Oberhoheit der Wissenschaft größer ist als die Macht von Herr-&lt;br /&gt;
schern. Könige sind in fremde Länder eingefallen und haben sie durch&lt;br /&gt;
Blutvergießen erobert; aber der Wissenschaftler dringt durch seine men-&lt;br /&gt;
schendienlichen Erfolge in das Land der Unwissenheit ein und erobert das&lt;br /&gt;
Reich des Verstandes und des Herzens. Seine Eroberungen sind deshalb&lt;br /&gt;
von Dauer. Mögen Sie an dieser Bildungsstätte besondere Fortschritte&lt;br /&gt;
machen! Mögen Sie zu strahlenden Leuchten werden, welche die dunklen&lt;br /&gt;
Regionen und die Schlupfwinkel der Unwissenheit mit Erleuchtung über-&lt;br /&gt;
Auten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Prinzip in den Lehren Bahá’u’lláhs ist die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschenwelt. Ich will deshalb über die wesenhafte Einheit aller Erschei-&lt;br /&gt;
nungen zu Ihnen sprechen. Dies ist eines der tiefsten Themen göttlicher&lt;br /&gt;
Philosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kreislauf des Stofflichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde durchschreitet alles Bestehende die selben Stufen und Ent-&lt;br /&gt;
wicklungsphasen, und jede bestimmte Erscheinung verkörpert alle an-&lt;br /&gt;
dern. Ein alter Spruch der arabischen Philosophen lautet, daß „alle Dinge&lt;br /&gt;
in allen Dingen enthalten sind“. Es ist klar, daß jeder materielle Orga-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
694&lt;br /&gt;
{{page|695|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=5}}nismus der Gesamtausdruck einzelner einfacher Bestandteile ist und daß&lt;br /&gt;
ein bestimmtes Zellelement oder Atom Myriaden verschiedener Lebens-&lt;br /&gt;
abschnitte durchreist oder durchläuft. Die Zellelemente, können wir bei-&lt;br /&gt;
spielsweise sagen, die in die Zusammensetzung eines menschlichen Or-&lt;br /&gt;
ganismus eingetreten sind, waren zu einer früheren Zeit Bestandteile des&lt;br /&gt;
Tierreiches; ein andermal waren sie in dem Gefüge einer Pflanze enthal-&lt;br /&gt;
ten, und noch früher existierten sie im Mineralreich. So waren sie dem&lt;br /&gt;
Übergang von einem Lebenszustand zum anderen unterworfen; sie durch-&lt;br /&gt;
liefen dabei verschiedene Formen und Phasen und erfüllten in jedem&lt;br /&gt;
Dasein besondere Aufgaben. Ihre Kreisläufe durch die materiellen Er-&lt;br /&gt;
scheinungen setzen sich weiter fort. Folglich ist jede Erscheinung auf&lt;br /&gt;
ihrer Stufe der Ausdruck aller anderen Erscheinungen. Der Unterschied&lt;br /&gt;
ist eine Frage aufeinanderfolgender Übergänge und der Zeitdauer, die&lt;br /&gt;
der Entwicklungsprozeß benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel hat es eine bestimmte Zeit gedauert, bis dieses Zellele-&lt;br /&gt;
ment in meiner Hand die verschiedenen Abschnitte seiner Formverände-&lt;br /&gt;
rung durchlaufen hat. Einstens war es im Mineralreich den Veränderun-&lt;br /&gt;
gen und Übergängen innerhalb seines anorganischen Zustands unterwor-&lt;br /&gt;
fen. Dann wurde es in das Pflanzenreich übertragen, wo es an verschie-&lt;br /&gt;
denen Graden und Stufen teilnahm. In der Folge erreichte es die Ebene&lt;br /&gt;
des Tierischen und trat in den Formen tierischer Organismen auf, bis es&lt;br /&gt;
schließlich im Laufe seiner Übergänge und Wanderungen in das Reich&lt;br /&gt;
des Menschen gelangte. Später wird es zu seinem ursprünglichen elemen-&lt;br /&gt;
taren Zustand in das Mineralreich zurückkehren; es wird weiterhin end-&lt;br /&gt;
lose Reisen von einer Daseinsstufe zur andern unternehmen und alle Zu-&lt;br /&gt;
stände des Seins und des Lebens durchwandern. Wo immer es in einer&lt;br /&gt;
bestimmten Form oder Verkörperung erscheint, hat es seine Möglichkei-&lt;br /&gt;
ten, Eigenschaften und Aufgaben. Da jeder atomare Bestandteil, jedes&lt;br /&gt;
Element in den physischen Organismen des Lebens dem Kreislauf durch&lt;br /&gt;
endlose Formen und Stufen unterworfen ist und Eigenschaften besitzt,&lt;br /&gt;
die diesen Formen und Zuständen eigentümlich sind, liegt es auf der&lt;br /&gt;
Hand, daß alle Erscheinungen stofflichen Seins im Grunde eins sind. Im&lt;br /&gt;
Mineralreich besitzt dieser atomare Bestandteil, dieses Zellelement ge-&lt;br /&gt;
wisse Eigenschaften des Minerals; im Pflanzenreich ist es mit pflanzlichen&lt;br /&gt;
Eigenschaften oder Fähigkeiten ausgestattet; auf der Stufe des Tieres ist&lt;br /&gt;
es mit tierischen Eigenschaften — den Sinnen — begabt, und im Reiche&lt;br /&gt;
des Menschen offenbart es Eigenschaften, die der menschlichen Stufe vor-&lt;br /&gt;
behalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dies für die stofflichen Erscheinungen gilt, um wieviel klarer&lt;br /&gt;
und wesentlicher ist es dann, daß Einheit den Menschen auf der Ebene&lt;br /&gt;
des Geistigen, die nur im Reiche des Menschen Ausdruck findet, kenn-&lt;br /&gt;
zeichnen sollte? Der Ursprung alles stofflichen Lebens ist wahrlich eins,&lt;br /&gt;
sein Ende und Ziel ist gleichfalls eins. Warum sollte der Mensch — an-&lt;br /&gt;
gesichts dieser grundlegenden Einheit und Übereinstimmung alles Le-&lt;br /&gt;
bens der Erscheinungswelt — in seinem Daseinsbereich Krieg führen und&lt;br /&gt;
sich in Feindschaft und zerstörendem Hader gegen seinen Nebenmen-&lt;br /&gt;
schen wenden? Der Mensch ist das vornehmste aller Geschöpfe. In sei-&lt;br /&gt;
nem stofflichen Organismus besitzt er die Eigenschaften des Mineralrei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
695&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|696|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ches. Desgleichen verkörpert er die Fähigkeit der Vermehrung, die Kraft&lt;br /&gt;
des Wachstums, die das Pflanzenreich kennzeichnet. Auf der Stufe seines&lt;br /&gt;
stofflichen Seins ist er überdies mit den Funktionen und Kräften, die&lt;br /&gt;
dem Tier zu eigen sind, ausgestattet, und jenseits von alledem liegt der&lt;br /&gt;
Bereich seiner eigentlich menschlichen, verstandlichen und geistigen Ga-&lt;br /&gt;
ben. Warum sollte der Mensch in Anbetracht dieser wundervollen Ein-&lt;br /&gt;
heit der Reiche des Seins und ihrer Verkörperung im höchsten und vor-&lt;br /&gt;
nehmsten aller Geschöpfe zu seinem Mitmenschen in Widerspruch stehen&lt;br /&gt;
und mit ihm im Streit liegen? Ist es angemessen und gerechtfertigt, daß&lt;br /&gt;
er Krieg führt, wenn Einklang und wechselseitige Abhängigkeit die Le-&lt;br /&gt;
bensbereiche unter ihm kennzeichnen? Die Grundstoffe und Organismen,&lt;br /&gt;
die unter dem Menschen stehen, laufen in dem großen Plan des Lebens&lt;br /&gt;
zusammen. Soll der Mensch, der seiner Stufe nach unermeßlich hoch über&lt;br /&gt;
ihnen steht, dieser vollkommenen Ordnung widerstreiten und sie zer-&lt;br /&gt;
stören? Gott bewahre uns vor einem solchen Widerspruch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Gemeinschaft und der Vermengung von Elementarteilchen ent-&lt;br /&gt;
steht das Leben. Aus ihrem Einklang, ihrer Mischung ergeben sich immer&lt;br /&gt;
neue Daseinsformen. Dies ist Strahlung, Vollkommenheit, es ist Voll-&lt;br /&gt;
endung, es ist das Leben selbst. Zur Stunde sind die physikalischen Kräfte&lt;br /&gt;
und Naturmächte, die wir von hier aus unmittelbar beobachten können,&lt;br /&gt;
allesamt friedfertig. Die Sonne hält Frieden mit der Erde, die sie be-&lt;br /&gt;
scheint. Die säuselnden Winde halten Frieden mit den Bäumen. Alle Ele-&lt;br /&gt;
mente stehen in Einklang und Gleichgewicht, Die leiseste Störung, der&lt;br /&gt;
geringste Mißklang zwischen ihnen kann ein neues Erdbeben und eine&lt;br /&gt;
Feuersbrunst wie damals in San Francisco mit sich bringen. Ein physi-&lt;br /&gt;
kalischer Zusammenprall, ein kleiner Streit zwischen den Elementen,&lt;br /&gt;
wie es damals der Fall war, und verheerende Umwälzungen der Natur&lt;br /&gt;
sind die Folge. Dies geht im Mineralreich vor sich. Nun denken Sie nach&lt;br /&gt;
über die Auswirkungen von Mißklang und Streit im Reiche des Menschen,&lt;br /&gt;
das der Ebene des unbelebten Seins so hoch überlegen ist. Wie katastro-&lt;br /&gt;
phal sind die Begleitumstände, vor allem, wenn wir uns vergegenwärti-&lt;br /&gt;
gen, daß der Mensch von Gott mit Bewußtsein und Verstand begabt&lt;br /&gt;
wurde! Das Bewußtsein ist wahrlich die höchste Gabe Gottes. Der Ver-&lt;br /&gt;
stand ist wahrlich die Ausstrahlung Gottes. Das ist offenbar und selbst-&lt;br /&gt;
verständlich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Erschaffene außer dem Menschen ist nämlich Sklave und Unter-&lt;br /&gt;
tan der Natur und kann nicht im geringsten von dem Gesetz der Natur&lt;br /&gt;
abweichen oder sich ihrer Kontrolle entziehen. Die riesige Sonne, der&lt;br /&gt;
Mittelpunkt unseres Planetensystems, ist eine Gefangene der Natur und&lt;br /&gt;
nicht fähig, auch nur um Haaresbreite von deren Gesetz und Gebot ab-&lt;br /&gt;
zuweichen. Alle Himmelskörper und Sterne dieses unermeßlichen Welt-&lt;br /&gt;
alls folgen ebenso gehorsam den Vorschriften der Natur. Unser Planet,&lt;br /&gt;
die Erde, anerkennt die allgegenwärtige Herrschaft der Natur. Die Mi-&lt;br /&gt;
neral-, Pflanzen- und Tierwelt gehen auf den Willen der Natur ein und&lt;br /&gt;
fügen sich ihrer Überwachung und ihrem Machtspruch. Der große, massi-&lt;br /&gt;
ge Elefant mit seiner riesigen Körperkraft hat keine Macht, die Beschrän-&lt;br /&gt;
kungen zu übertreten, die die Natur ihm auferlegt hat; einzig der Mensch,&lt;br /&gt;
vergleichsweise schwach und schmächtig wie er ist, aber ausgestattet mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
696&lt;br /&gt;
{{page|697|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=7}}dem Bewußtsein, das eine Ausstrahlung des Göttlichen ist, kann sich der&lt;br /&gt;
Kontrolle der Natur entziehen und ihre Gesetze zu seinem eigenen Ge-&lt;br /&gt;
brauch anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch steht über der Natur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen begrenzten Körperkräften entsprechend sollte der Mensch nach&lt;br /&gt;
dem Schöpfungsplan auf der Erde leben, aber durch den Gebrauch seiner&lt;br /&gt;
Geisteskräfte beseitigt er die Beschränkung dieses Gesetzes und schwingt&lt;br /&gt;
sich wie ein Vogel in die Lüfte. Er durchdringt die Geheimnisse des Mee-&lt;br /&gt;
res in Unterseebooten und baut Flotten, um nach Belieben über die ganze&lt;br /&gt;
Fläche des Ozeans zu fahren; so befiehlt er den Gesetzen der Natur, ihm&lt;br /&gt;
zu Willen zu sein. Alle Wissenschaften und Künste, die wir heute genie-&lt;br /&gt;
ßen und benützen, waren einstmals Geheimnisse und hätten dem Befehl&lt;br /&gt;
der Natur zufolge versteckt und verborgen bleiben sollen; aber der&lt;br /&gt;
menschliche Verstand ist durch die Gesetze hindurchgedrungen, die diese&lt;br /&gt;
Geheimnisse umgeben, und hat die Wirklichkeiten entdeckt, die ihnen&lt;br /&gt;
zugrundeliegen. Aus dem Reiche des Unsichtbaren hat das menschliche&lt;br /&gt;
Bewußtsein diese Geheimnisse auf die Ebene des Bekannten und Sicht-&lt;br /&gt;
baren gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen den Forderungen der Natur hat der Verstand des Menschen&lt;br /&gt;
diese Gesetze in ein System gebracht und seinen Bedürfnissen und Ver-&lt;br /&gt;
wendungsmöglichkeiten angepaßt. Zum Beispiel war die Elektrizität einst&lt;br /&gt;
eine versteckte und verborgene Naturkraft. Sie wäre verborgen geblie-&lt;br /&gt;
ben, hätte sie nicht der menschliche Verstand entdeckt. Der Mensch hat&lt;br /&gt;
das Gesetz ihrer Verborgenheit durchbrochen; er hat diese Energie den&lt;br /&gt;
unsichtbaren Schätzen des Weltalls entnommen und in den Bereich des&lt;br /&gt;
Sichtbaren gerückt. Ist es nicht eine ungewöhnliche Errungenschaft, wenn&lt;br /&gt;
der Mensch, dieses kleine Geschöpf, eine unwiderstehliche kosmische&lt;br /&gt;
Kraft in eine Glühlampe bannt? Es geht weit über die Phantasie und&lt;br /&gt;
die Macht der Natur hinaus, so etwas zu tun. In wenigen Minuten kann&lt;br /&gt;
sich der Osten mit dem Westen in Verbindung setzen. Das ist ein Wunder,&lt;br /&gt;
das die Kontrollgewalt der Natur übersteigt. Der Mensch nimmt die&lt;br /&gt;
menschliche Stimme und speichert sie in einem Phonographen. Nach den&lt;br /&gt;
Gesetzen und der Erscheinungsweise des Schalls sollte die Stimme frei&lt;br /&gt;
und vergänglich sein, aber entgegen den Gesetzen der Natur fängt der&lt;br /&gt;
Mensch die Schwingungen dieser Stimme ein und verwahrt sie in einem&lt;br /&gt;
Kasten. Alle menschlichen Entdeckungen waren einst Mysterien und Ge-&lt;br /&gt;
heimnisse, die im Schoße des stofflichen Alls versiegelt und verwahrt&lt;br /&gt;
lagen, bis der Verstand des Menschen, der die größte Ausstrahlung des&lt;br /&gt;
Göttlichen ist, in diese Geheimnisse eindrang und sie seinem Willen und&lt;br /&gt;
seinen Absichten dienstbar machte. In diesem Sinne hat der Mensch die&lt;br /&gt;
Naturgesetze durchbrochen, und fortgesetzt entnimmt er der Werkstatt&lt;br /&gt;
der Natur neue und wunderbare Dinge. Aber trotz dieser höchsten Gna-&lt;br /&gt;
dengabe Gottes, welche die größte Macht in der Welt der Schöpfung ist,&lt;br /&gt;
fährt der Mensch fort zu kämpfen, Kriege zu führen und seine Mitmen-&lt;br /&gt;
schen zu töten, grausam wie ein wildes Tier. Paßt dies zu seiner erhabe-&lt;br /&gt;
nen Stufe? Nein, es ist ein Widerspruch zu der göttlichen Zielsetzung,&lt;br /&gt;
wie sie sich in seiner Erschaffung und seiner Begabung offenbart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
697&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|698|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=8}}Wenn die Tiere wild und grausam sind, dient dies nur ihrem Schutz&lt;br /&gt;
und ihrer Erhaltung. Sie sind der Stufe verstandlicher Urteilskraft be-&lt;br /&gt;
raubt; sie können nicht vernünftig denken und zwischen Richtigem und&lt;br /&gt;
Falschem, Recht und Unrecht unterscheiden; sie sind zu ihren Taten be-&lt;br /&gt;
rechtigt und nicht dafür verantwortlich. Wenn aber der Mensch zu sei-&lt;br /&gt;
nem Mitmenschen wild und grausam ist, geht es nicht um Lebensunter-&lt;br /&gt;
halt oder Sicherheit. Sein Beweggrund ist selbstsüchtiger Vorteil, vor-&lt;br /&gt;
sätzliches Unrecht. Es ist weder schicklich noch angebracht, daß ein der-&lt;br /&gt;
art edles Geschöpf das Blut seiner Mitgeschöpfe auf dem Schlachtfeld&lt;br /&gt;
vergießen möchte — ein Geschöpf, das mit Verstand und erhabenen Ge-&lt;br /&gt;
danken begabt ist, das die Fähigkeit zu wundervollen Errungenschaften&lt;br /&gt;
und Entdeckungen in Kunst und Wissenschaft besitzt und dem die Mög-&lt;br /&gt;
lichkeit zu noch höheren Wahrnehmungen, zur Verwirklichung göttlicher&lt;br /&gt;
Absichten in seinem Leben innewohnt. Der Mensch ist der Tempel Gottes.&lt;br /&gt;
Er ist kein menschlicher Tempel. Wenn Sie ein Haus zerstören, wird der&lt;br /&gt;
Eigentümer traurig und zornig werden. Wieviel größer ist das Unrecht,&lt;br /&gt;
wenn der Mensch ein Bauwerk vernichtet, das Gott geplant und errichtet&lt;br /&gt;
hat! Ohne Zweifel trägt ihm dies das Gericht und den Zorn Gottes ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hat den Menschen edel und erhaben erschaffen; Er hat ihn zu&lt;br /&gt;
einem beherrschenden Faktor in der Schöpfung gemacht. Mit den höch-&lt;br /&gt;
sten Segnungen hat Er den Menschen ausgezeichnet, indem Er ihm Ver-&lt;br /&gt;
stand, Wahrnehmung, Gedächtnis, Begriffsvermögen und Sinnenkraft ver-&lt;br /&gt;
lieh. Diese Gaben hat Gott dem Menschen geschenkt, um ihn zur Offen-&lt;br /&gt;
barung göttlicher Tugenden, zu einem strahlenden Licht in der Welt der&lt;br /&gt;
Schöpfung, einer Quelle des Lebens und zur eigentlichen Kraft schöpfe-&lt;br /&gt;
rischen Aufbaus in den unendlichen Gefilden des Daseins zu machen.&lt;br /&gt;
Sollen wir nunmehr dieses große Bauwerk und seine feste Grundlage&lt;br /&gt;
zerstören? Sollen wir den Tempel Gottes, den Gesellschaftskörper, das&lt;br /&gt;
Gemeinwesen niederreißen? Wenn wir keine Gefangenen der Natur sind,&lt;br /&gt;
wenn wir die Kraft besitzen, uns selbst zu beherrschen, sollen wir dann&lt;br /&gt;
zu Sklaven der Natur werden und uns ihrer Notdurft beugen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt braucht Erziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur gilt das Gesetz des Kampfes ums Dasein, des Übrigblei-&lt;br /&gt;
bens der Lebenskräftigsten. Selbst wenn der Mensch keine Erziehung&lt;br /&gt;
genösse, würde nach den natürlichen Gegebenheiten dieses Gesetz Über-&lt;br /&gt;
legenheit von ihm fordern. Sinn und Zweck von Schulen, Hochschulen&lt;br /&gt;
und Universitäten ist es, den Menschen zu erziehen, ihn dadurch von den&lt;br /&gt;
Notwendigkeiten und Fehlern der Natur zu erretten und zu erlösen und&lt;br /&gt;
in ihm die Fähigkeit zu wecken, die Gaben der Natur zu beherrschen&lt;br /&gt;
und anzuwenden. Wollten wir dieses Grundstück hier seinem natürlichen&lt;br /&gt;
Zustand überlassen, würde es ein von Unkraut übersätes Dornenfeld&lt;br /&gt;
werden; durch Kultivierung jedoch wird es fruchtbarer Boden, der eine&lt;br /&gt;
Ernte einbringt. Der Kultivierung beraubt, wären die Berghänge Urwäl-&lt;br /&gt;
der und Gehölz ohne nutzbare Bäume. Gärten erbringen Früchte und&lt;br /&gt;
Blumen entsprechend der Sorgfalt und Arbeit, die der Gärtner auf sie&lt;br /&gt;
verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
698&lt;br /&gt;
{{page|699|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=9}}So ist es auch nicht beabsichtigt, daß die Menschenwelt in ihrem na-&lt;br /&gt;
türlichen Zustand belassen wird. Sie bedarf der Erziehung, die Gott für&lt;br /&gt;
sie bestimmt hat. Die heiligen, himmlischen Manifestationen Gottes sind&lt;br /&gt;
die Lehrer. Sie sind die göttlichen Gärtner, die die Urwälder der mensch-&lt;br /&gt;
lichen Natur in fruchtbare Obstgärten verwandeln und die Dornenfelder&lt;br /&gt;
zum Blühen bringen wie Rosen. Somit liegt es auf der Hand, daß die&lt;br /&gt;
planmäßige, besondere Aufgabe des Menschen dahin geht, sich selbst von&lt;br /&gt;
den der Natur innewohnenden Mängeln zu erretten und zu erlösen und&lt;br /&gt;
sich durch die idealen Werte des Göttlichen auszuzeichnen. Sollte er diese&lt;br /&gt;
idealen Werte aufgeben und diese Möglichkeiten des Fortschritts zerstö-&lt;br /&gt;
ren? Gott hat ihm eine Macht verliehen, durch die er sogar die Gesetze&lt;br /&gt;
und Erscheinungen der Natur überwinden kann; er kann der Natur ihr&lt;br /&gt;
Schwert entwinden und es gegen sie selbst einsetzen. Sollte er da ein&lt;br /&gt;
Sklave der Natur bleiben, indem er sogar nach dem Naturgesetz versagt,&lt;br /&gt;
welches das Übrigbleiben des Lebenskräftigsten befiehlt? Das heißt, soll&lt;br /&gt;
er weiterhin auf der Ebene des Tierreichs leben, ohne Unterschied zwi-&lt;br /&gt;
schen Tier und Mensch, was natürliche Impulse und wilde Instinkte an-&lt;br /&gt;
geht? Für den Menschen gibt es keine tiefere Daseinsebene, keine schlim-&lt;br /&gt;
mere Erniedrigung als diesen ursprünglichen Zustand der Tierhaftigkeit.&lt;br /&gt;
Das Schlachtfeld des Krieges ist der Gipfel menschlicher Erniedrigung,&lt;br /&gt;
der Hintergrund des Zorns Gottes, der Untergang der göttlichen Grund-&lt;br /&gt;
lage im Menschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelobt sei Gott! Ich befinde mich hier in einer Versammlung, deren&lt;br /&gt;
Mitglieder den Frieden lieben und die internationale Einheit verfechten.&lt;br /&gt;
Die Gedanken aller Anwesenden sind auf die Einheit der Menschenwelt&lt;br /&gt;
gerichtet, und ihr ganzer Ehrgeiz wendet sich dem Dienst für die Sache&lt;br /&gt;
menschlicher Erhöhung und Entwicklung zu. Ich flehe zu Gott, Er möge&lt;br /&gt;
Sie bestätigen und Ihnen beistehen, daß jeder von Ihnen ein verdienter&lt;br /&gt;
Lehrer im Bereich wissenschaftlicher Erkenntnis werde, ein aufrichtiger&lt;br /&gt;
Bannerträger des Friedens und der Verständigung zwischen den Herzen&lt;br /&gt;
der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor fünfzig Jahren (1862) verkündete Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh die&lt;br /&gt;
Notwendigkeit des Friedens zwischen den Nationen und die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die zur Versöhnung der Weltreligionen führt. Er erklärte, daß die Grund-&lt;br /&gt;
lagen aller Religionen gleich sind, daß das Wesen der Religion in der&lt;br /&gt;
Kameradschaft der Menschen besteht und daß die vorhandenen Glau-&lt;br /&gt;
bensunterschiede auf dogmatische Auslegungen und blinde Nachahmun-&lt;br /&gt;
gen zurückgehen, die jenen Grundlagen, welche die Propheten Gottes&lt;br /&gt;
errichteten, widersprechen. Würde die Wirklichkeit erforscht werden, die&lt;br /&gt;
den religiösen Lehren zugrundeliegt, so erklärt Er, dann würden alle&lt;br /&gt;
Religionen vereint, und die Absicht Gottes, Liebe zu stiften und die&lt;br /&gt;
Herzen der Menschen zu verbinden, wäre erfüllt. Wenn sich religiöser&lt;br /&gt;
Glaube als Ursache des Mißklangs und der Zwietracht erweist, wäre es&lt;br /&gt;
nach den Lehren Bahä’u’llahs vorzuziehen, ohne ihn zu sein; denn die&lt;br /&gt;
Religion ist von Gott dazu ausersehen, das umfassende Heilmittel für die&lt;br /&gt;
Leiden der Menschheit, der helfende Balsam für ihre Wunden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz besonders hob Seine Heiligkeit Bahä’u’lläh den Weltfrieden her-&lt;br /&gt;
vor. Er führte aus, alle Menschen seien die Nachkommen Adams und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
699&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|700|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglieder einer großen, umfassenden Familie. Wenn die verschiedenen&lt;br /&gt;
Rassen und unterschiedlichen Arten der Menschheit jeweils aus einer&lt;br /&gt;
anderen Abkunft herrührten, mit anderen Worten, wenn wir zwei oder&lt;br /&gt;
mehrere Adame zu Stammvätern hätten, gäbe es vielleicht einen ver-&lt;br /&gt;
nünftigen Grund für Streitigkeiten und Abweichungen in der heutigen&lt;br /&gt;
Menschheit, aber da wir alle einer Nachkommenschaft und einer&lt;br /&gt;
Familie angehören, sind sämtliche Namen, die die Menschen unterschei-&lt;br /&gt;
den und gegeneinander abgrenzen, Namen wie „Italiener“, „Deutscher“,&lt;br /&gt;
„Franzose“, „Russe“ und so weiter, ohne jede Bedeutung und Berechti-&lt;br /&gt;
gung. Wir alle sind Menschen, wir alle sind Diener Gottes und stammen&lt;br /&gt;
alle von Herrn Adams Familie ab. Wozu dann all diese verfänglichen&lt;br /&gt;
nationalen und rassischen Unterscheidungen? Diese Grenzlinien, diese&lt;br /&gt;
künstlichen Schranken sind von Gewaltherrschern und Eroberern ge-&lt;br /&gt;
schaffen worden, die die Herrschaft über die Menschheit anstrebten; da-&lt;br /&gt;
her schürten sie patriotische Gefühle und weckten die Hingabe an&lt;br /&gt;
Maßstäbe der Staatskunst, die rein örtlich bedingt waren. In der Regel&lt;br /&gt;
schwelgten sie in ihren Palästen im Luxus, umgeben von sattem Über-&lt;br /&gt;
fluß, während Heere von Soldaten, Bürgern und Ackerbauern nach ihrem&lt;br /&gt;
Befehl auf den Schlachtfeldern kämpften und starben und ihr unschuldi-&lt;br /&gt;
ges Blut für wahnwitzige Parolen wie „Wir sind Deutsche“, „Unsere&lt;br /&gt;
Feinde sind die Franzosen“ usw. vergossen, wo doch in Wirklichkeit alle&lt;br /&gt;
eine Menschheit sind, alle der einen Familie und Nachkommenschaft&lt;br /&gt;
Adams, des Stammvaters, zugehören. In der ganzen Welt herrscht dieses&lt;br /&gt;
Vorurteil, dieser begrenzte Patriotismus, während die Menschen gegen-&lt;br /&gt;
über dem Patriotismus im weiteren Sinne, der alle Rassen und Abstam-&lt;br /&gt;
mungen umfaßt, blind sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott erschuf eine Erde und eine Menschheit, sie zu bevölkern. Der&lt;br /&gt;
Mensch hat keine andere Wohnstatt, dennoch wirft er sich in die Brust,&lt;br /&gt;
verkündet eingebildete Grenzlinien und territoriale Beschränkungen und&lt;br /&gt;
nennt sie „Deutschland“, Frankreich“, „Rußland“ usw. Und unter der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung eines fanatischen, engen Patriotismus werden Ströme&lt;br /&gt;
kostbaren Blutes vergossen, um diese eingebildete Aufteilung unserer&lt;br /&gt;
einen menschlichen Heimstatt zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztenendes sind eine Forderung und ein Besitztitel auf ein Gebiet&lt;br /&gt;
oder Heimatland nur ein Anspruch und eine Bindung an den Staub der&lt;br /&gt;
Erde. Ein paar kurze Tage leben wir auf dieser Erde, dann liegen wir&lt;br /&gt;
für immer unter ihrer Decke. So ist sie unser unvergänglicher Friedhof.&lt;br /&gt;
Soll der Mensch für das Grab kämpfen, das ihn verschlingt, für seine&lt;br /&gt;
ewige Gruft? Welche Dummheit könnte größer sein? Auf dem eigenen&lt;br /&gt;
Grab zu kämpfen, andere zu töten um des Grabes willen! Was für eine&lt;br /&gt;
Gedankenlosigkeit! Was für ein Wahnwitz! Ich hege die Hoffnung, daß&lt;br /&gt;
Sie, die Studenten dieser Universität, nie dazu aufgefordert werden, für&lt;br /&gt;
den Staub der Erde zu kämpfen, der die Gruft und das Grab der ganzen&lt;br /&gt;
Menschheit ist, sondern daß Sie in den Tagen Ihres Lebens miteinander&lt;br /&gt;
die vollkommenste Kameradschaft genießen, wie eine große Familie —&lt;br /&gt;
aus Brüdern, Schwestern, Vätern und Müttern —, die in Frieden und&lt;br /&gt;
wahrer Gemeinschaft miteinander verbunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „The Promulgation of Universal Peace“, Vol. II, Wilmette/Ili. 1922/1943, S. 342 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
700&lt;br /&gt;
{{page|701|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=11}}Die Bedeutung der Sendung des Báb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Dr. Amin’u’lläh Ahmedzadeh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir über die Entstehung einer neuen Religion sprechen, die schon&lt;br /&gt;
in ihren Anfängen den Anspruch erhebt, eine allumfassende Weltreli-&lt;br /&gt;
gion zu sein, müssen wir uns zunächst eine Grundfrage vorlegen: Wie&lt;br /&gt;
kann eine — im traditionellen Sinne begründete — Religion in einer Zeit&lt;br /&gt;
auftreten, in der der Mensch glaubt, er sei durch die hoch entwickelten&lt;br /&gt;
Naturwissenschaften, durch die unerhörten Ergebnissse der Forschung&lt;br /&gt;
(Kopernikus, Newton, Laplace u. a.) im vollen Besitze des Wissens und&lt;br /&gt;
könne die Religion entbehren? In einer Zeit, die es schließlich dahin&lt;br /&gt;
brachte, daß Juiian Huxley behaupten konnte, die Hypothese „Gott“ sei&lt;br /&gt;
nicht verfechtbar? Was kann uns die Religion schlechthin — und insbe-&lt;br /&gt;
sondere eine neue — in einer Zeit zu sagen haben, in der die Entwick-&lt;br /&gt;
lung das materialistisch-mechanistische Weltbild zu bestätigen scheint?&lt;br /&gt;
Es ist nicht weiter verwunderlich, wenn sich der Mensch in einem solchen&lt;br /&gt;
Weltbild als Träger absoluter Macht und Herrschaft auffaßt. Der Mensch&lt;br /&gt;
des 19. und 20. Jahrhunderts war und ist der Meinung, er könne Attri-&lt;br /&gt;
bute Gottes wie Allmacht und Allwissen für sich beanspruchen und den&lt;br /&gt;
Glauben an einen „imaginierten Gott“ aufgeben. „Der Mensch ist dem&lt;br /&gt;
Menschen Gott“, sagte schon Feuerbach !). Heute hört man gar aus dem&lt;br /&gt;
Bereich der modernen Theologie Stimmen wie diese: „Haben wir uns&lt;br /&gt;
schon klar gemacht, daß die Abschaffung eines solchen göttlichen Wesens&lt;br /&gt;
in Zukunft der einzige Weg sein könnte, dem christlichen Glauben Sinn&lt;br /&gt;
und Bedeutung zu erhalten?“ ?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Denker mögen zu der Ansicht gelangt sein, die übersinnlichen,&lt;br /&gt;
jenseitigen Begriffe und Vorstellungen der Religion seien nicht mehr&lt;br /&gt;
zurechtzuleimen, gehörten vielmehr „abgeschafft“. Zweifellos schütten&lt;br /&gt;
sie das Kind mit dem Bade aus, neigen doch die meisten Gelehrten zu&lt;br /&gt;
der Einstellung, daß eine gemäßigte Haltung am Platze ist. Wenn die&lt;br /&gt;
alten religiösen Vorstellungen nicht mehr aufrechtzuerhalten sind, so be-&lt;br /&gt;
deutet das noch nicht, daß die Menschheit ohne Religion auszukommen&lt;br /&gt;
vermag, sondern es kann auch heißen, daß nun die Zeit reif ist, nach&lt;br /&gt;
grundsätzlich neuen Maßstäben und Kategorien zu forschen. Diesem Ge-&lt;br /&gt;
danken wird selbst von einem Kritiker wie Julian Huxley Rechnung&lt;br /&gt;
getragen, der in seinem neuen Werk „Ich sehe den künftigen Menschen“&lt;br /&gt;
der Meinung Ausdruck gibt, wenn die Entwicklung der theologischen&lt;br /&gt;
Gedankensysteme nicht mehr mit dem Vorwärtskommen der Ereignisse&lt;br /&gt;
Schritt halte, werde die Religion immer unfähiger, der Menschheit als&lt;br /&gt;
Zuversicht für ihr Schicksal zu dienen, und verliere als soziales Organ&lt;br /&gt;
an Wirkungskraft. Schließlich verlieren die alten Vorstellungen jeden&lt;br /&gt;
Nutzen und zerbrechen unter der Last der Tatsachen. „Die Folge“, sagte&lt;br /&gt;
er wörtlich, „ist eine neue Gedanken- und Glaubensordnung, so wie ein&lt;br /&gt;
neuer Typ körperlicher Organisation nötig war, um einen weiteren biolo-&lt;br /&gt;
gischen Fortschritt zu ermöglichen... Das Klassische Beispiel ist natürlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
701&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|702|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=12}}das Umdenken der kosmologischen Vorstellungen, das die Erde aus&lt;br /&gt;
ihrer zentralen Stellung im Universum entfernte und an die Stelle des&lt;br /&gt;
‚geozentrischen‘ das ‚heliozentrische‘ System setzte... Ich glaube, daß&lt;br /&gt;
eine ebenso drastische Neugestaltung unseres religiösen Denkens not-&lt;br /&gt;
wendig geworden ist: das theozentrische System muß durch ein evo-&lt;br /&gt;
lutions-zentriertes verdrängt werden...“ ®)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche und ähnliche Hinweise deuten darauf hin, daß man heute,&lt;br /&gt;
kraft desselben kritischen, aber ungleich weiter entwickelten wissen-&lt;br /&gt;
schaftlichen Denkens zur Erkenntnis gelangt, hinter der sichtbaren Welt&lt;br /&gt;
müsse eine unsichtbare, geistige Wirklichkeit verborgen liegen und kein&lt;br /&gt;
Ding, das einmal zu existieren begann, könne sich in „Nichts“ auflösen:&lt;br /&gt;
Aus „Nichts“ wird ja auch nichts. Deswegen wird auch die Religion, die&lt;br /&gt;
jeden Abschnitt der menschlichen Geschichte leitete, jetzt nicht unter-&lt;br /&gt;
gehen; vielmehr erweist sie sich als lebendiger Organismus, der höchstens&lt;br /&gt;
seine Struktur grundlegend ändert. Eine so neugestaltete Religion wird&lt;br /&gt;
aus einem überholten Sachverhalt in einen neuen übergehen, der die&lt;br /&gt;
geistesgeschichtliche Entwicklung bestimmt. Solche Vorstellungen findet&lt;br /&gt;
man bei jenen Denkern, die frei von alten Traditionen und frei von Vor-&lt;br /&gt;
urteilen die Lage der Dinge erkennen und die Zeichen der Zeit nicht&lt;br /&gt;
übersehen. Ihre Ausführungen und Aussagen können bis zu einem ge-&lt;br /&gt;
wissen Grade die Antwort auf die eingangs gestellte Frage nach dem&lt;br /&gt;
Warum einer neuen Religion sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stürmische Neugeburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit verlief die Geburtsstunde jener neuen Religion im&lt;br /&gt;
heutigen Iran vor etwa 120 Jahren weit stürmischer, und sie übertraf&lt;br /&gt;
in ihrer Kraft und Wucht das, was Huxley mit „drastischer Neugestal-&lt;br /&gt;
tung“ bezeichnete, um ein Vielfaches. Der Historiker Muhammad-i-Za-&lt;br /&gt;
randi, genannt Nabil, spricht von „einer großen Umwälzung, die nieder-&lt;br /&gt;
schmetternd, bewußtseinsraubend“ gewesen sei. Zehntausende von Men-&lt;br /&gt;
schen aus dem Volke, Kaufleute, namhafte Theologen, ja Frauen und&lt;br /&gt;
Kinder machten sich auf, ihr Hab und Gut und ihr Leben zu opfern.&lt;br /&gt;
Viele Tausende fielen auf diesem Pfade, „gekreuzigt, vor Kanonen ge-&lt;br /&gt;
bunden, lebendig verbrannt, beschlagen wie Pferde, auseinandergeris-&lt;br /&gt;
sen...“ (Nabil), Eine Bewegung durchbebte das Volk und erschütterte&lt;br /&gt;
das Land; sie drohte, die Grundlagen des Staates ins Wanken zu bringen,&lt;br /&gt;
was den unbarmherzigen Widerstand der Regierung und der Geistlichkeit&lt;br /&gt;
auf den Plan rief. Diese merkwürdigen und einzigartigen Ereignisse zogen&lt;br /&gt;
auch das Augenmerk der im Lande anwesenden Diplomaten, Orientalis-&lt;br /&gt;
ten und Historiker auf sich, erregten ihr Staunen und ihre Bewunderung.&lt;br /&gt;
Sie haben ausführlich über ihre Beobachtungen und Erlebnisse berichtet:&lt;br /&gt;
so Graf Gobineau und A.L.M.Nicolas aus Frankreich, Lord Curzon,&lt;br /&gt;
Prof. E. G. Browne und T. K. Cheyne aus England, Käzim-Beck und Tu-&lt;br /&gt;
mansky aus Rußland und der damalige russische Gesandte in Tihrän,&lt;br /&gt;
Fürst Dolgoruky ®).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Merkwürdigste aber war die rätselhafte Erscheinung des Gründers&lt;br /&gt;
der Bewegung selbst, eines jungen Menschen von 25 Jahren aus kauf-&lt;br /&gt;
männischer Familie, ungelehrt und bis dahin in keiner Weise hervor-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
702&lt;br /&gt;
{{page|703|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=13}}getreten. Der 25jährige erklärte sich als Qä’im („Der, der sich erhebt“),&lt;br /&gt;
als Báb („Tor“) und Wegbereiter für einen anderen, unermeßlich Größe-&lt;br /&gt;
ren, den Gott bald offenbaren werde. Und dennoch verkündete Er eine&lt;br /&gt;
selbständige Offenbarung und erklärte sich als eine neue Manifestation&lt;br /&gt;
Gottes. Von Seinen Lippen und aus Seiner Feder flossen gleich einem&lt;br /&gt;
ununterbrochenen Strom die Verse der Offenbarung; Er verfaßte — ohne&lt;br /&gt;
vorherige Überlegung und Studium — „tiefgründige Abhandlungen,&lt;br /&gt;
Kommentare und ausdrucksvolle Gebete“ (Esslemont, S. 30), was die An-&lt;br /&gt;
wesenden in höchstes Staunen und in Verwirrung versetzte. Denn dieses&lt;br /&gt;
Wissen und die Art und Weise der Darlegung überstiegen alle Grenzen&lt;br /&gt;
des Möglichen und Vorstellbaren. Die Größe und Macht dieser Offenba-&lt;br /&gt;
rung schilderte Bahä’u’lläh mit folgenden Worten: „Kaum hatte die&lt;br /&gt;
Menschheit die Stufe der Reife erlangt, als das Wort den Augen der&lt;br /&gt;
Menschen die verborgenen Kräfte offenbarte, mit denen es ausgestattet&lt;br /&gt;
worden war — Kräfte, die sich in der Fülle ihrer Herrlichkeit dartaten,&lt;br /&gt;
als die Urewige Schönheit im Jahre 60 in der Gestalt von ‘Ali-Muham-&lt;br /&gt;
mad, dem Báb, erschien...“ ’)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo liegen nun die Hauptmerkmale des Báb? Bahä’u’lläh deutet mit&lt;br /&gt;
den oben zitierten Worten auf den prinzipiellen Unterschied der neuen&lt;br /&gt;
Offenbarung zu den bisherigen hin: Diese neue Offenbarung wendet sich&lt;br /&gt;
an die Vernunft des Menschen, die durch die fortschreitenden Offenba-&lt;br /&gt;
rungen Gottes den Zustand der Reife erlangt hat. Dieser Zustand ist in&lt;br /&gt;
einem „weitreichenden, majestätischen Prozeß“ erreicht worden, der „mit&lt;br /&gt;
dem Dämmern des Zyklus Adams sich in Bewegung gesetzt hat“, und&lt;br /&gt;
durch ein Geschehen, „das vor 6000 Jahren mit dem Pflanzen des Bau-&lt;br /&gt;
mes Göttlicher Offenbarung im Erdreich des Göttlichen Willens begann&lt;br /&gt;
und das schon gewisse Stufen durchlaufen hat und notwendig noch&lt;br /&gt;
andere durcheilen muß, bis es seine schließliche Vollendung erreicht“. ®)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechstausend Jahre oder sechs „Tage“ — denn Gottes Tag währt&lt;br /&gt;
tausend Jahre — dauerte die Entwicklung des „göttlichen Lebensbaumes“,&lt;br /&gt;
der Religion Gottes, und damit der geistigen Welt (nicht der kosmischen!),&lt;br /&gt;
bis dieser Baum, wie es Shoghi Effendi ausdrückte, im Báb die voll-&lt;br /&gt;
kommene Frucht hervorbrachte, als dieser im Jahre 60 in Shiräz Seine&lt;br /&gt;
Sendung erklärte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vernunft des Menschen ist während dieser sechs „Tage Gottes“&lt;br /&gt;
herangereift; die Stufen des Keims, des Embryos, des Säuglings- und&lt;br /&gt;
Kindesalters sind vorüber. Eingetreten ins Stadium der Reife, will und&lt;br /&gt;
kann der Mensch die Dinge nicht mehr in blindem Glauben annehmen,&lt;br /&gt;
seibst wenn sie die Grundlage dieses Glaubens darstellen. Angelangt an&lt;br /&gt;
diesem Punkte seiner Entwicklung, will er die Dinge verstehen, begreifen&lt;br /&gt;
und wissen. Blinder Glaube, Aberglaube und Vorurteile werden dadurch&lt;br /&gt;
abgebaut und können sich in Wirklichkeit nicht mehr halten. ”)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würden wir das Erreichen der „Stufe der Reife“ im Sinne einer Ent-&lt;br /&gt;
wicklung der Vernunft vom Keimstadium an verstehen, so könnten wir&lt;br /&gt;
auch ungefähr ermessen, wie sich die Welt durch die neue Konstellation&lt;br /&gt;
in allen Bereichen umgestalten, ja bis zur Unkenntlichkeit ändern muß.&lt;br /&gt;
Von da her kann man die islamische Überlieferung begreifen, die besagt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
703&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|704|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß der Qä’im die Welt mit Gerechtigkeit erfüllen wird, genau so wie sie&lt;br /&gt;
bis dahin voll Ungerechtigkeit war. ®)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umschwung und Auflösungsprozeß in der religiösen Welt ist so&lt;br /&gt;
grundsätzlicher Natur, daß keine noch so moderne, anpassungsfreudige&lt;br /&gt;
Theologie dem gewachsen ist. Die prophetische Schau des Apostels Petrus&lt;br /&gt;
illustriert diesen Vorgang mit drastischen Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„... wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, an&lt;br /&gt;
welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor&lt;br /&gt;
Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels&lt;br /&gt;
und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerech-&lt;br /&gt;
tigkeit wohnt...“ (2. Petrus 3, 12 und 13).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit prophezeit Petrus nicht nur den Untergang der alten, sondern auch&lt;br /&gt;
das Aufsteigen einer neuen Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reife der Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist klar, daß bei dieser Sachlage mit „halben Wahrheiten“ nichts&lt;br /&gt;
mehr anzufangen ist. Unzweifelhaft ist jene „volle Wahrheit“ vonnöten,&lt;br /&gt;
von der Paulus schrieb (1. Kor. 13, 10-12) und von der Christus selbst&lt;br /&gt;
sagte: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt noch nicht&lt;br /&gt;
tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird&lt;br /&gt;
euch in alle Wahrheit leiten“ (Joh. 16, 12—13). Liegt es nicht auf der&lt;br /&gt;
Hand, daß bei einer derart komplexen Umwälzung und Erneuerung das&lt;br /&gt;
menschliche Wissen und Vermögen versagt und nur „der Geist der Wahr-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heit“ — das heißt ein neuer Gottgesandter — richtungweisend wirken&lt;br /&gt;
kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Báb selbst hat dieses Geschehen an einem Beispiel erläutert und&lt;br /&gt;
darin auch die Größe Seiner Offenbarung kundgetan: Er vergleicht Seine&lt;br /&gt;
Offenbarung mit einem 12-jährigen Jungen und schreibt darüber u. a.&lt;br /&gt;
in Seinem Buch „Bayän“, Kapitel 13, Vähid 3:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Offenbarung vereinigt in sich die Vollkommenheiten der ihr&lt;br /&gt;
vorangegangenen mit den Vollkommenheiten der neuen (ihrer&lt;br /&gt;
eigenen) Offenbarung. So hat der 14-jährige Junge die Vollkommen-&lt;br /&gt;
heiten des 12-jährigen, dazu noch andere mehr... Zwischen zwei&lt;br /&gt;
Offenbarungen vergehen durchschnittlich tausend Jahre, zuweilen&lt;br /&gt;
etwas mehr oder weniger, aber durchschnittlich tausend Jahre...“&lt;br /&gt;
(Übers. d. Verf.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann geht Er auf die Bedeutung Seiner eigenen Offenbarung ein und&lt;br /&gt;
schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die sichtbare Wirklichheit der allumfassenden Offenbarer ist ein&lt;br /&gt;
und dieselbe, aber ihre Offenbarungen sind verschieden, genau so,&lt;br /&gt;
wie die Wirklichkeit des Menschen eine ist, ihre Erscheinungen&lt;br /&gt;
aber verschieden sind in den Stufen des Samens, des Embryonalen,&lt;br /&gt;
der Knochen- und Fleischbildung usw. bis zum Alter von zwölf&lt;br /&gt;
und vierzehn Jahren, in dem die Reife einsetzt... Die Offenbarung&lt;br /&gt;
Adams ist die Stufe des Keims dieser einen Wirklichkeit, die in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
704&lt;br /&gt;
{{page|705|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=15}}ihrer weiteren Entwicklung bis zu der Zeit der Offenbarung des&lt;br /&gt;
‚Punktes des Bayän‘ (Báb) ein zwölfjähriger Junge geworden ist,&lt;br /&gt;
und die Offenbarung ‚Dessen, den Gott offenbaren wird‘ (Bahä’-&lt;br /&gt;
u’iläh) ist die Stufe der Reife, vergleichbar einem 14-jährigen Jun-&lt;br /&gt;
gen...“ (Übers. d. Verf.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese Analogie spricht auch ‘Abduw’l-Bahä in den „Beantworteten&lt;br /&gt;
Fragen“ (Kapitel 30, S. 125 unten), wo Er den paradiesischen ‚Baum des&lt;br /&gt;
Lebens‘ als Symbol für das Wort, die Offenbarung Gottes, erklärt. „... die&lt;br /&gt;
Stellung Adams“, sagt ‘Abduwl-Bahä, „war in bezug auf das Erscheinen&lt;br /&gt;
und die Offenbarung der göttlichen Vollkommenheiten in keimhaftemn&lt;br /&gt;
Zustand“. Dieser bildhaften Darstellung der Entfaltung, der Größe, des&lt;br /&gt;
Wissens und der Reife der Offenbarung entsprechen die prophetischen&lt;br /&gt;
Worte: „Wissen entspricht 27 Buchstaben“. Alles, was die Propheten und&lt;br /&gt;
Gesandten Gottes bis jetzt offenbart haben, sind nur zwei Buchstaben&lt;br /&gt;
von insgesamt 27 gewesen, doch wenn der Qä’im sich erhebt, so heißt&lt;br /&gt;
es in der Überlieferung, wird Er die übrigen 25 Buchstaben kund werden&lt;br /&gt;
lassen ®). Was bedeuten diese Worte, und was haben die 27 Buchstaben&lt;br /&gt;
des Wissens zu sagen? Dazu gibt ‘Abdu’l-Bahá folgende Erklärung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit dieser prophetischen Aussage ist nicht ein verhüllter Buch-&lt;br /&gt;
stabe gemeint, sondern es will heißen, daß alles, was in vergan-&lt;br /&gt;
genen Zeitaltern an ausgezeichneten Leistungen und Erkenntnissen&lt;br /&gt;
von der Menschheit hervorgebracht worden ist — in Wissenschaf-&lt;br /&gt;
ten, Künsten, Erfindungen, Entdeckungen, Unternehmungen, der&lt;br /&gt;
Erforschung des in den Dingen Verborgenen und in der Entdek-&lt;br /&gt;
kung ihrer Wirklichkeiten — all das ist vergleichsweise wie die&lt;br /&gt;
Zahl 2. Das aber, was nach der Offenbarung des Qä’im (Báb) an&lt;br /&gt;
Entdeckungen der Geheimnisse der Welt, Wirklichkeiten der Dinge&lt;br /&gt;
in den Künsten, durch wunderbare Entdeckungen und Erkennt-&lt;br /&gt;
nisse in der menschlichen Welt durch die Enthüllung verschlüs-&lt;br /&gt;
selter Chiffren zu Tage treten wird, ist zu vergleichen mit 25 Buch-&lt;br /&gt;
staben, Und fürwahr, du siehst, welch große Dinge nach der Offen-&lt;br /&gt;
barung des Qä’im erreicht wurden. Alles, was bis dahin Objekt&lt;br /&gt;
des Wissens geworden war, kann sich in keiner Weise messen mit&lt;br /&gt;
nur einer einzigen der neuen Erkenntnisse. Betrachte die Dinge in&lt;br /&gt;
der materiellen Welt, die ein Spiegelbild der geistigen ist: Alle im&lt;br /&gt;
Bereich der physischen Welt bisher gemachten Erfindungen und&lt;br /&gt;
Entdeckungen zusammengenommen können sich nicht mit einer&lt;br /&gt;
einzigen Kraft wie Telegraphie oder Phonographie, Photographie,&lt;br /&gt;
Telephon, Elektrizität, drahtlose Kommunikation und dergleichen&lt;br /&gt;
mehr, messen...!®) Jetzt bedenke, was erst noch die kommende&lt;br /&gt;
Zeit bringen wird!“ (Übers. d. Verf.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Auslegung ‘Abdu’l-Bahás ist angedeutet, daß der große&lt;br /&gt;
Aufschwung des modernen Wissens und der Technik (nicht nur in der gei-&lt;br /&gt;
stig-religiösen Welt) von der dynamischen Kraft und Strahlenstärke&lt;br /&gt;
dieses geistigen Gestirns in Bewegung gesetzt wurde, einer Kraft, die&lt;br /&gt;
göttlichen Ursprungs ist. Zugleich weist diese Auslegung auf den einheit-&lt;br /&gt;
lichen Ursprung allen Seins — ob materiell oder geistig — hin. !!)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
705&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|706|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=16}}Wissenschaftlich ist dergleichen nicht zu beweisen, aber das plötzliche,&lt;br /&gt;
unerwartete Hervortreten der modernen Wissenschaft und Technik, die-&lt;br /&gt;
ser unglaubliche Aufschwung innerhalb von wenigen Jahrzehnten ist bis&lt;br /&gt;
heute ein Rätsel geblieben und von keinem der bekannten Denker und&lt;br /&gt;
Wissenschaftler erklärt worden. So fragt Hermann Glaser in seiner&lt;br /&gt;
„Kleinen Kulturgeschichte der Gegenwart“: „Wie kommt es, daß mit&lt;br /&gt;
einem Male ein jahrtausendelanger Stillstand überwunden und die tech-&lt;br /&gt;
nische Entwicklung zum reißenden Strome wird?“ (S. 10).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Frage harrt heute noch einer Antwort; im Gegenteil, das Rätsel&lt;br /&gt;
vertieft sich in dem Maße, als man sich nach und nach bewußt wird, daß&lt;br /&gt;
diese Entwicklung zu allem hin einen zielstrebigen, sinnvollen Ablauf&lt;br /&gt;
annimmt, daß ihre Erkenntnisse einen allgemeinen Frieden, Gerechtigkeit,&lt;br /&gt;
die Einheit der Menschheit und die wahre Freiheit nicht nur fördern,&lt;br /&gt;
sondern geradezu erzwingen. Ja, diese Entwicklung hat es dahin gebracht,&lt;br /&gt;
daß ein Wissenschaftler wie der Frankfurter Universitätsprofessor Fried-&lt;br /&gt;
rich Dessauer zum Verfechter einer „Philosophie der Technik“ 12) wird&lt;br /&gt;
und ein bedeutender Theologe und Geistlicher wie der Kurienkardinal&lt;br /&gt;
Bea vom Podium der Frankfurter Paulskirche herab den Visionen Jesa-&lt;br /&gt;
jas vom Frieden auf Erden Aktualität verleiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage Hermann Glasers erweckt so, wie sie sich heute stellt, von&lt;br /&gt;
neuem die alte, ungelöste Frage nach dem Ursprung des Wissens über-&lt;br /&gt;
haupt. In schwacher Form beleuchtet Toynbee dieses Problem, wenn er&lt;br /&gt;
feststellt, daß mit dem Entstehen jeglicher Kultur und Zivilisation das&lt;br /&gt;
Leben und Wirken solch hervorragender Männer wie Mose, Christus,&lt;br /&gt;
Buddha, Muhammad u. a. zusammenfällt. Im großen und ganzen aber&lt;br /&gt;
bleibt bei dieser Betrachtungsweise des weltbekannten Historikers die&lt;br /&gt;
Gestalt des Gründers oder Offenbarers selbst im Dunkel. Wenn erst ein-&lt;br /&gt;
mal Wissenschaften wie Anthropologie, Historie, Philosophie, Soziologie&lt;br /&gt;
und andere den Geheimnissen der Kategorien „Offenbarung“ und „Offen-&lt;br /&gt;
barer“ näher gekommen sind, ist zu hoffen, daß die Frage nach dem&lt;br /&gt;
Ursprung des Wissens und der Kulturen beantwortet werden kann. Die&lt;br /&gt;
Auffassung des Bahä’i-Glaubens hierzu wurde bereits dargelegt; nach-&lt;br /&gt;
stehende klare Worte von Bahä’u’lläh bestätigen sie unzweifelhaft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihr sollt nicht wähnen, die Offenbarung Gottes nähme allein auf&lt;br /&gt;
das äußere Kulturwesen und auf die Veränderungen im Bereiche&lt;br /&gt;
der althergebrachten Gesetze Bezug. Vielmehr werden alle Dinge&lt;br /&gt;
im Augenblick der Offenbarung zu Empfängern der Kräfte und des&lt;br /&gt;
unermeßlichen Überflusses, die dann allmählich mit den Gegeben-&lt;br /&gt;
heiten der Zeit und unter Zuhilfenahme der weltlichen Mittel zur&lt;br /&gt;
Entfaltung gelangen... 1%), (Übers. d. Verf.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbereitung auf die „volle Wahrheit“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir dem Kern und der Substanz der Offenbarung des Báb näher&lt;br /&gt;
kommen und diese, soweit es für uns möglich ist, in einer Gesamtschau&lt;br /&gt;
betrachten, fallen uns zwei Hauptmerkmale auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) das Element des Wissens, das überall in den Vordergrund tritt,&lt;br /&gt;
2) der Begriff der Reife der menschlichen Vernunft und der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
706&lt;br /&gt;
{{page|707|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=17}}Diese beiden Kardinalpunkte sind für das Erkennen der Lehren des&lt;br /&gt;
Báb von unermeßlicher Bedeutung. Auf diesen zwei Säulen ruht die&lt;br /&gt;
ganze Neugestaltung, eine Neuorientierung, die das Gesicht der Religion&lt;br /&gt;
völlig ändern und umformen muß. Auf diesen zwei Säulen erhebt sich&lt;br /&gt;
die Religion in einem anderen Lichte; der herkömmliche Begriff „Reli-&lt;br /&gt;
gion“ trifft fast nicht mehr zu. Aber das ist nur scheinbar; in Wirklichkeit&lt;br /&gt;
ist hier ein „Organismus“ geschaffen worden, dessen Funktionen dieselben&lt;br /&gt;
sind wie bei seinen Vorgängern, der aber an Breite und Weite in unge-&lt;br /&gt;
heurem Ausmaß zugenommen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der menschliche Verstand war bis jetzt mehr oder weniger nur den&lt;br /&gt;
äußerlichen Phänomenen der materiellen Welt zugewandt. Ein Eindringen&lt;br /&gt;
in die Hintergründe der Dinge war nur teilweise möglich. Auch der&lt;br /&gt;
denkende, geistig orientierte Teil der Menschheit war noch nicht imstande,&lt;br /&gt;
die „volle Wahrheit“ (Joh. 16, 13) zu erfassen, denn vor der Offenbarung&lt;br /&gt;
des Báb, vor der Mitte des 19. Jahrhunderts, hatte die Wissenschaft noch&lt;br /&gt;
nicht jene Horizonte eröffnet, die den menschlichen Geist zur Aufnahme&lt;br /&gt;
der vollen Wahrheit befähigen konnten, Darum sprachen Christus und&lt;br /&gt;
andere Offenbarer in Gleichnissen; auch das „Verborgene“ deutete Chri-&lt;br /&gt;
stus in Gleichnissen an (Matth. 13, 35). Die Religion war also bis heute&lt;br /&gt;
auf Symbolen, Gleichnissen und Mythen aufgebaut; ihr inneres Wesen,&lt;br /&gt;
ihr wahrer Inhalt, blieb noch verborgen. So sprach Daniel von den ver-&lt;br /&gt;
siegelten Versen, deren Bedeutung bis zur „letzten Zeit“ verborgen blei-&lt;br /&gt;
ben sollte (Dan. 12, 9). Christus sprach über die Speise, die nicht vergäng-&lt;br /&gt;
lich ist und die „der Vater“ 14) versiegelt hat (Joh. 6, 27). Und mit der&lt;br /&gt;
Sendung Muhammads war immer noch nicht die Zeit für die Auslegung&lt;br /&gt;
dieser geheimen Aussagen gekommen.&#039;!:) Der Inhalt dieser versiegelten&lt;br /&gt;
und verborgenen Aussagen bezog sich meist auf die Erkenntnis des&lt;br /&gt;
Offenbarers selbst, auf Seine geistige Natur, Seine himmlische Herkunft,&lt;br /&gt;
auf den „Tag des Gerichtes“, die „Auferstehung der Toten“, „Hölle“, „Pa-&lt;br /&gt;
radies“, kurz, auf alles das, was in der christlichen Theologie unter dem&lt;br /&gt;
Ausdruck Eschatologie bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einigen Stellen der Evangelien geht hervor, daß die verborgenen&lt;br /&gt;
Wahrheiten manchen Jüngern Christi bekannt waren; z. B. aus 1. Kor. 2,&lt;br /&gt;
10: „Uns aber hat es Gott offenbart durch Seinen Geist, denn der Geist&lt;br /&gt;
erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit“. Und doch war diese&lt;br /&gt;
Weisheit nur rein intuitiv und glaubensmäßig erfaßt worden; sie konnte&lt;br /&gt;
nicht weitergegeben werden, denn diese Weisheit hat „kein Auge gesehen&lt;br /&gt;
und kein Ohr gehört und ist in keines Menschen Herz gekommen ...“&lt;br /&gt;
(1. Kor. 2, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärte ‘Abdu’l-Bahá: „Die Priester haben die symbolische Sprache&lt;br /&gt;
nicht verstanden, darum glaubten sie, die Religion widerspreche der Wis-&lt;br /&gt;
senschaft und die Wissenschaft stehe im Gegensatz zu der Religion. So&lt;br /&gt;
z. B. die Frage nach der körperlichen Himmelfahrt Christi: Sie wider-&lt;br /&gt;
spricht den mathematisch-astronomischen Tatsachen; ist jedoch die wirk-&lt;br /&gt;
liche Sachlage klargestellt und das Symbol erklärt, so wird kein Wider-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spruch mehr zwischen Religion und Wissenschaft bleiben...“ (Übers. d.&lt;br /&gt;
Verf.) 19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
707&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|708|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=18}}Die Nachfolger aller Religionen, Juden, Christen, Muslim u. a., beste-&lt;br /&gt;
hen unnachgiebig auf buchstäblichen Auslegungen, um damit das „Wun-&lt;br /&gt;
derbare“ in der Religion zu erhalten. Trotz der Entdeckungen von Kepp-&lt;br /&gt;
ler, Kopernikus, Giordano Bruno und Newton klafft bis zum heutigen Tage&lt;br /&gt;
ein Abgrund zwischen Religion und Wissenschaft im Bewußtsein jedes&lt;br /&gt;
traditionsbewußten Gläubigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Zeiten finsterer Unwissenheit waren in dem Augenblick vor-&lt;br /&gt;
bei, als der Báb — bevollmächtigt durch das Wort Gottes — die Siegel&lt;br /&gt;
erbrach und die in den früheren Offenbarungen verborgene Wahrheit&lt;br /&gt;
ans Licht brachte. Seine Entsiegelung der Heiligen Schriften bot in Form&lt;br /&gt;
einer Terminologie den Schlüssel zum Verständnis solcher Begriffe wie&lt;br /&gt;
„Auferstehung“ (= Auftreten einer neuen Manifestation), „Auferstehung&lt;br /&gt;
der Toten“ (= geistige Erweckung der in den Gräbern der Unwissenheit&lt;br /&gt;
Schlafenden), „Himmel“ (= Wort Gottes) usw., ein Werk, das Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
später mit dem „Buch der Gewißheit“ vollendet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche umwälzenden Wahrheiten, verkündet mit göttlicher Macht und&lt;br /&gt;
Kraft, duldeten keine mittelmäßige Reaktion: Sie fanden entweder glü-&lt;br /&gt;
hende Anhänger und Gläubige oder aber den erbitterten Widerstand&lt;br /&gt;
jener, die darin ihre Religion nicht mehr erkannten und verloren glaub-&lt;br /&gt;
ten. Damit hatten jene dramatischen religiösen Auseinandersetzungen in&lt;br /&gt;
Persien begonnen, die bald über die Grenzen dieses Landes hinausdringen&lt;br /&gt;
sollten und über die die westlichen Beobachter berichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend für den Beobachter von heute ist, daß sich nunmehr, nach&lt;br /&gt;
120 Jahren, „en miniature“ etwas Ähnliches im christlichen Abendlande&lt;br /&gt;
abspielt: Heute entfesseln die Auslegungsversuche eines großen Theolo-&lt;br /&gt;
gen den Sturm des Widerspruchs der konservativen Kräfte der Religion.&lt;br /&gt;
Gegenstand ernstlicher Angst und Sorge sind die Entmythologisierungs-&lt;br /&gt;
versuche Bultmanns, die nach Meinung der Konservativen die Wahrheit&lt;br /&gt;
des Evangeliums Christi bedrohen. !&amp;quot;) Wenn man beobachtet, welche Un-&lt;br /&gt;
ruhe, Proteste und Befürchtungen schon ein verhältnismäßig unbedeuten-&lt;br /&gt;
der Vorgang wie der Versuch Bultmanns heute unter den christlichen&lt;br /&gt;
Theologen hervorruft, mag man eine Ahnung dessen bekommen, was die&lt;br /&gt;
Bábi-Offenbarung in jenem zurückgebliebenen Lande vor 120 Jahren bei&lt;br /&gt;
der fanatisch gesinnten Bevölkerung und ihrer Geistlichkeit heraufbe-&lt;br /&gt;
schwor. Selbst die gläubigen Bábi waren ja oft nicht fähig, die neuen&lt;br /&gt;
Erkenntnisse sofort voll und ganz aufzunehmen, und die tiefgreifende&lt;br /&gt;
Liebe zum traditionellen väterlichen Glauben konnte natürlich nicht mit&lt;br /&gt;
einem Schlage von dem unerhört Neuen abgelöst werden. Aber es war&lt;br /&gt;
an der Zeit, die Schleier beiseitezuschieben und die Wahrheit über den&lt;br /&gt;
Anbruch eines neuen Zeitalters den Seelen der Gläubigen einzuprägen.&lt;br /&gt;
So kam es im Jahre 1848 zu der bedeutsamen Versammlung in Badasht,&lt;br /&gt;
die von Bahä’u’lläh einberufen worden war; der Báb selbst befand sich&lt;br /&gt;
zu der Zeit bereits als Gefangener in der Festung Chihriq.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hatte für diese Zusammenkunft eigens drei aneinander-&lt;br /&gt;
liegende Gärten gemietet; anwesend waren 81 Gläubige, unter ihnen eine&lt;br /&gt;
einzige Frau, die bezaubernde, hoch begabte Dichterin und Gelehrte&lt;br /&gt;
Tähirih, sowie Quddüs, ein inspirierter Geist, Mulläh Husayn, der mutige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
708&lt;br /&gt;
{{page|709|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=19}}Geistliche und erste Gläubige des Báb, und nicht zuletzt Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
selbst, in dem sich „Der, den Gott offenbaren wird“, noch verbarg, unter&lt;br /&gt;
Seinem bürgerlichen Namen Mirzä Husayn-‘Ali. Die Diskussionen, Rezi-&lt;br /&gt;
tationen und Ereignisse dieser Konferenz waren nicht nur für Persien&lt;br /&gt;
und den Islam von unerhörter Bedeutung; sie wurden durch westliche&lt;br /&gt;
Beobachter bis in die Einzelheiten aufgezeichnet und erleuchteten all-&lt;br /&gt;
mählich die ganze denkende Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Hauptzweck der Versammlung war, die Offenbarung des Bayän&lt;br /&gt;
durch einen raschen, völligen und dramatischen Bruch mit der Vergan-&lt;br /&gt;
genheit — mit deren Ordnung, Kirchenwesen, Überlieferungen und Bräu-&lt;br /&gt;
chen — zur Durchführung zu bringen... Es war Bahä’u’lläh, der stetig,&lt;br /&gt;
unbeirrbar und ganz unauffällig den Kurs jenes denkwürdigen Ereig-&lt;br /&gt;
nisses steuerte, und auch Bahä’u’lläh, der die Versammlung ihrem schließ-&lt;br /&gt;
lichen Höhepunkt zuführte. Als Er eines Tages durch eine Erkrankung&lt;br /&gt;
ans Bett gefesselt war, erschien Tähirih, die als das reine und makellose&lt;br /&gt;
Sinnbild der Keuschheit und die Verkörperung der heiligen Fätimih&lt;br /&gt;
(Tochter des Propheten Muhammad) angesehen wurde, plötzlich in Seinem&lt;br /&gt;
Beisein geschmückt, aber unverschleiert vor den versammelten Gefährten&lt;br /&gt;
und setzte sich zur Rechten des entsetzten, in Zorn geratenen Quddüs.&lt;br /&gt;
Mit feurigen Worten riß sie die Schleier, welche die Heiligkeit der Ver-&lt;br /&gt;
ordnung des Isläm bewahrten, hinweg, um gleich einem Fanfarenruf&lt;br /&gt;
den feierlichen Beginn einer neuen Sendung zu verkünden. Die Wirkung&lt;br /&gt;
war wie ein plötzlicher elektrischer Schlag... „Dieser Tag ist der Tag&lt;br /&gt;
des Festes und der allgemeinen Freude!“ rief sie aus, „der Tag, an dem&lt;br /&gt;
die Fesseln vergangener Zeiten gesprengt worden sind.“ Und dann zitierte&lt;br /&gt;
sie aus dem Qur’än den Vers: „Wahrlich, inmitten von Gärten und Bächen&lt;br /&gt;
werden die Gläubigen weilen, am Hofe der Wahrheit, in der Gegenwart&lt;br /&gt;
des mächtigen Königs...“ Sie zitierte und sprach weiter: „Ich bin das&lt;br /&gt;
Wort, das der Qä’im sprechen soll, das Wort, durch das die Oberhäupter&lt;br /&gt;
und Edlen auf Erden in die Flucht geschlagen werden!“ 1%)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. T. K. Cheyne schreibt in „The Reconciliation of Races and Reli-&lt;br /&gt;
gions“, als Tähirih geendet hatte, habe Bahä’u’lläh aus dem Qu’rän die 75.&lt;br /&gt;
Sürih von der Auferstehung zitiert. Die tiefe Bedeutung dieser Sürih ist,&lt;br /&gt;
daß die Menschheit bald in einen neuen kosmischen Zyklus eintrete&lt;br /&gt;
und ein neuer Kodex der Sitten und Gebräuche unerläßlich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung dieser Eröffnung war jedoch furchtbar, wie Nabil berich-&lt;br /&gt;
tet: Die einen verbargen ihr Gesicht in den Händen, andere verhüllten&lt;br /&gt;
ihr Haupt mit ihren Kleidern, nur um nicht das Antlitz ihrer Hoheit, der&lt;br /&gt;
Reinen (Tähirih) sehen zu müssen. Sie war doch eine heilige Frau. Einer&lt;br /&gt;
der Anwesenden war so erschüttert, daß er mit eigener Hand sich die&lt;br /&gt;
Kehle durchschnitt. Einige folgten seinem Beispiel, andere verließen ihre&lt;br /&gt;
Gefährten und schworen ihrem Glauben ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, „das Ziel dieser denkwürdigen Zusammenkunft war erreicht&lt;br /&gt;
worden. Der Fanfarenruf der Neuen Weltordnung war erschollen. Die&lt;br /&gt;
veralteten Bräuche, die das Bewußtsein der Menschheit in Fesseln hielten,&lt;br /&gt;
waren kühn angegriffen und hinweggefegt worden“ (Nabil). Die von der&lt;br /&gt;
Offenbarung des Báb in Bewegung gesetzte Neugestaltung des religiösen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
709&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|710|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=20}}Lebens ebnete den Weg für den „Verheißenen aller Religionen und Zeit-&lt;br /&gt;
alter“, als der sich Bahä’u’lläh 1863, genau 19 Jahre nach der Erklärung&lt;br /&gt;
des Báb, verkündigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Georg Sigmund, „Der Kampf um Gott“, S. 155 (Morus, Berlin 1957)&lt;br /&gt;
%) J. Robinson, „Gott ist anders“, S. 27&lt;br /&gt;
*$) Julian Huxley, „Ich sehe den künftigen Menschen“, S. 221&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
%) Literatur: Gobineau, “Les Religion et les Philosophies dans l’Asie Centrale“;&lt;br /&gt;
Curzon, “Persia and the Persian Questions“; Nicolas, “Essai sur le Shaykhisme“&lt;br /&gt;
und “Siyyid ‘A4M-Muhammad dit le Báb”; Browne, “Materials for the Study of&lt;br /&gt;
the Bábi Religion“ und “A Literary History of Persia“ und “A Year amongst&lt;br /&gt;
the Persians”’. Tumansky übersetzte Schriften Bahä’u’llähs und das Buch Aqgdas&lt;br /&gt;
ins Russische; Nicolas übersetzte die Schrift des Báb “The Book of Seven&lt;br /&gt;
Proofs”,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;gt;) „Ährenlese aus den Schriften Bahä’u‘liähs“, XXXIII, S. 55&lt;br /&gt;
(Bahä’i-Verlag GmbH., Ffm. 1961)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘) Shoghi Effendi, „Botschaft an die Bahä’i-Welt vom 4. Mai 1953“&lt;br /&gt;
(„Hüterbotschaften“ S, 17, herausgeg. 1962 vom Lehrausschuß des Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rates der Bahä’i in Deutschland)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Die Theologie versucht sich diesen Gegebenheiten anzupassen. Der englische Bi-&lt;br /&gt;
schof Dr. Robinson schreibt z. B. in seinem Buch „Gott ist anders“, S. 224:&lt;br /&gt;
„Im Zuge der Entwicklung müssen Ritual und Moralnormen umgeformt und den&lt;br /&gt;
neuen Verhältnissen angepaßt werden, Abgesehen davon, was Nietzsche Umwer-&lt;br /&gt;
tung der Werte nannte, bedürfen wir einer Umgestaltung unseres Denkens, einer&lt;br /&gt;
neuen Terminologie, einer Neuformulierung der religiösen Ideen und Konzepte&lt;br /&gt;
in einer neuen Sprache... Eine humanistische, um die Entwicklungsgeschichte&lt;br /&gt;
kreisende Religion bedarf ebenfalls des Göttlichen, aber des Göttlichen ohne&lt;br /&gt;
„Gott“ (d, h. ohne den hergebrachten Gottesbegriff, Anm. d. Verf.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
®) Shoghi Effendi, „Die Entfaltung der neuen Weltzivilisation“ (Der 19-Tage-Brief&lt;br /&gt;
13/114 vom 4. November 1957)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
») Shoghi Effendi, „Die Sendung Bahä’u’llähs“ S. 37 (Georg Ronald, Oxford 1948)&lt;br /&gt;
1%) Ma’adi-Asamäni, Sammlung von Ishräq-Khävarf, Band 2, S. 84-86&lt;br /&gt;
11) Sjehe auch Johannes 1, 1—3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Fr, Dessauer, Aufsatzfolge in der Schweizer Rundschau 194, „Gedanken über&lt;br /&gt;
Weiterführung der Schöpfung Gottes durch den Erfinder“, siehe Klaus Tuchel,&lt;br /&gt;
„Die Philosophie der Technik bei Fr. Dessauer“, S. 41 (Verlag Josef Knecht,&lt;br /&gt;
Ffm. 1964)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13) Amr va Khalq (Sammlung der Tablets von Fädil-i-Mäzindaräni), S. 314&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14) Nach den eigenen Erklärungen Bahä’u’llähs ist mit dem Begriff „Vater“ in der&lt;br /&gt;
Bibel Er Selbst, Bahä’u’lläh, gemeint. Siehe auch Shoghi Effendi, „Die Sendung&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs“, S. 13, und „Gott geht vorüber“, Kap. VI, S. 104 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15) Qur’än, Sürih 5, Vers 102: „O, die ihr glaubt! Fragt nicht nach Dingen, die, wür-&lt;br /&gt;
den sie auch enthüllt, euch nur Wirrnis brächten... .“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sürih 10, Vers 40: „Nein; aber sie haben das verworfen, dessen Kenntnis sie&lt;br /&gt;
nicht erfaßten, auch ist seine wahre Auslegung noch nicht zu ihnen gekom-&lt;br /&gt;
men...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sürih 7, Vers 54: „Warten sie denn darauf, daß seine Auslegung kommt? An&lt;br /&gt;
dem Tag, da die Auslegung kommt, werden all die, die es vordem vergessen&lt;br /&gt;
halten. sprechen: „Die Gesandten unseres Herrn haben in der Tat die Wahrheit&lt;br /&gt;
gebracht...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Amr va Khalq (Sammlung von Fädil-i-Mäzindaräni), S. 411&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) vgl. dazu das Buch von Gerhard Bergmann, „Alarm um die Bibel“, im Schrif-&lt;br /&gt;
tenmissionverlag Gladbeck 1963 erschienen, Die Sorge erscheint berechtigt, wenn&lt;br /&gt;
man bedenkt, daß die Auslegungsversuche Bultmanns zwar manche Wahrheit&lt;br /&gt;
treffen mögen, oft aber fehlgehen und zu falschem Ergebnis gelangen. Wichtig&lt;br /&gt;
ist hier die Aussage der Heiligen Schrift, daß jede Auslegung und „Entsiege-&lt;br /&gt;
lung“ nur dem Geist Gottes selbst zusteht, Daraus ist wiederum ersichtlich,&lt;br /&gt;
wie wichtig die Erkenntnis des Offenbarers ist. Seit der Offenbarung des Báb&lt;br /&gt;
und seiner Auslegung zur Sure Josef (Qayyüm-i-Asmä) ist der Weg zum Ver-&lt;br /&gt;
ständnis der geheimnisvollen Stufe des Offenbarers geöffnet (siehe auch Shoghi&lt;br /&gt;
Effendi, „Die Sendung Bahä’u’lläh“, S. 38), die Jesus Seinen Jüngern (Joh. 6,&lt;br /&gt;
Vers 35 ff.) klarzumachen versuchte und die diese nur mühsam zu ahnen im-&lt;br /&gt;
stande waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;) Shoghi Effendi, „Gott geht vorüber&amp;quot; S. 35 u. 36, und “The Dawn-Breakers, Na-&lt;br /&gt;
bil’s Narrative of the Early Days of the Bahä&#039;f Revelation“, Wilmette 1962,&lt;br /&gt;
Kap. XVI S. 293 f£.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
710&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|711|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus theologischer Perspektive&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem Rundfunkvortrag von Professor Dr. Ernst Benz&lt;br /&gt;
über die Bahä’i-Religion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen eines Vortragszyklus’ über die „neuen Religionen“ sendete&lt;br /&gt;
der Bayerische Rundfunk am 15, Februar 1967 in seinem II. Programm&lt;br /&gt;
ein Referat von Professor Dr. Ernst Benz, dem bekannten Marburger&lt;br /&gt;
Theologen und Religionsforscher, über die Bahä’i-Religion. Es war eine&lt;br /&gt;
umfassende Schilderung der geistesgeschichtlichen und soziologischen&lt;br /&gt;
Grundlagen dieses neuen Glauben; die Lebensschicksale des Baäb,&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs, ‘Abdu’l-Bahás und Shoghi Effendis wurden in groben Zügen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals: „Langenhainer Seminar“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals trafen sich vor einiger Zeit rund 60 Bahäd’i aus der Bundes-&lt;br /&gt;
republik zu dem vom Lehrausschuß des Nationalen Geistigen Rats der&lt;br /&gt;
Bahä’i in Deutschland ins Leben gerufenen „Langenhainer Seminar“. Im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand das Thema: „Der ein-&lt;br /&gt;
zelne und das Lehren“. Die Referenten trugen die verschiedenen Aspekte&lt;br /&gt;
vor, die Diskussionen zeichneten sich durch eine besonders rege Anteil-&lt;br /&gt;
nahme fast aller Tagungsteilnehmer aus. Unser Bild zeigt einen Teil der&lt;br /&gt;
Bahä’i bei der Beratung. Das zweite „Langenhainer Seminar“ wird vom&lt;br /&gt;
13. bis 15. Mai im Verwaltungsgebäude des Hauses der Andacht in Langen-&lt;br /&gt;
hain/Taunus stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
711&lt;br /&gt;
{{page|712|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beschrieben, der Einfluß ihrer Lehren auf die orientalische Welt und ihre&lt;br /&gt;
Ausstrahlungen auf den Westen blieben nicht unerwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Benz beschränkte sich auf eine Darstellung, ohne kritisch ins&lt;br /&gt;
Detail zu gehen. Wenn er auf das Bemühen der Bahä’i um neue ethische&lt;br /&gt;
Grundlagen oder auf ihre modernen Lehrmethoden, etwa durch Mehr-&lt;br /&gt;
jahrespläne für die Ausbreitung, zu sprechen kam, war mitunter sogar&lt;br /&gt;
eine gewisse Anerkennung herauszuhören. Dennoch sind wesentliche Mo-&lt;br /&gt;
mente nur flüchtig erwähnt worden; einzelne Aussagen entsprachen nicht&lt;br /&gt;
ganz dem Sachverhalt, So wurde mehrfach ein Anspruch Bahä’u’llähs&lt;br /&gt;
postuliert, eine „abschließende“, „endgültige“ Offenbarung gebracht zu&lt;br /&gt;
haben. Dadurch schien dem christlichen Absolutheitsanspruch und der&lt;br /&gt;
islamischen Haltung, in Muhammad das Siegel der Propheten zu sehen,&lt;br /&gt;
eine neue Ausschließlichkeit gegenübergestellt. Folgerichtig war von der&lt;br /&gt;
wichtigsten Lehraussage Bahä’u’llähs, der Idee einer forschreitenden Got-&lt;br /&gt;
tesoffenbarung, nur am Rande die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit lehrt Bahä’u’lläh, daß mit dem Báb ein umfassender&lt;br /&gt;
Offenbarungszyklus abgeschlossen ist: eine Übergangszeit, sozusagen die&lt;br /&gt;
jugendliche „Sturm- und Drangperiode“ der Menschheit, während mit&lt;br /&gt;
Seiner eigenen Offenbarung ein neues Zeitalter der Reife und der Einheit&lt;br /&gt;
für die Menschheit beginnt. Daß Bahä’u’lläh Seine Lehren und Gesetze&lt;br /&gt;
nicht als „abschließend“ und „endgültig“ versteht, ergibt sich schon aus&lt;br /&gt;
Seiner deutlichen Prophezeiung, nicht vor Ablauf von mindestens eintau-&lt;br /&gt;
send Jahren werde wiederum eine prophetische Gestalt auftreten, Ohne&lt;br /&gt;
diese Schau eines universellen Weltbildes, in dem die Offenbarungen Got-&lt;br /&gt;
tes die mächtigsten schöpferischen Impulse in der Geistesgeschichte dar-&lt;br /&gt;
stellen, bleibt jede Schilderung der Bahä’i-Lehren unfruchtbar, ihres dy-&lt;br /&gt;
namischen Einflusses auf die Geschicke der Menschheit beraubt. Dieses&lt;br /&gt;
Konzept ist es, was keinen Geringeren als Tolstoi 1908 niederschreiben&lt;br /&gt;
ließ: „Wir verbringen unser Leben mit dem Versuch, das Geheimnis des&lt;br /&gt;
Universums zu erschließen. Da war ein türkischer Gefangener, Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
der hatte den Schlüssel.“ Und diese Offenbarung Gottes ist auch die große&lt;br /&gt;
Herausforderung an das heutige christliche Denken, das von der Vorstel-&lt;br /&gt;
lung einer einmaligen Fleischwerdung des Göttlichen nicht loskommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Gesichtspunkt, der zu kurz kam, ist die Gemeinschaftsord-&lt;br /&gt;
nung der Bahä’i. Professor Benz erwähnte, daß örtliche und nationale&lt;br /&gt;
Geistige Räte bestehen, die sich zu „Häusern der Gerechtigkeit“ weiter-&lt;br /&gt;
entwickeln sollen. Daß es seit vier Jahren ein Universales Haus der Ge-&lt;br /&gt;
rechtigkeit als administrative Spitze der Bahä’i-Weltgemeinde gibt, war&lt;br /&gt;
dem Referenten offenbar noch nicht bekannt. Der Geist, die Lehren und&lt;br /&gt;
die Gesetze aber, auf denen diese Gemeinschaftsordnung beruht und die&lt;br /&gt;
nicht nur Ersatz, sondern Weiterentwicklung der Hierarchien der voraus-&lt;br /&gt;
gegangenen Religionen sind — dies alles kam gar nicht zur Sprache. Da-&lt;br /&gt;
bei liegt hier der zweite Schlüssel verborgen, den Bahä’u’lläh uns bringt:&lt;br /&gt;
der Schlüssel zur organisch-homogenen, „klassenlosen“, „reifen“ mensch-&lt;br /&gt;
lichen Gesellschaft von morgen. Das Prinzip der Selbständigkeit des Men-&lt;br /&gt;
schen im Forschen nach Wahrheit und das Prinzip der solidarischen Ko-&lt;br /&gt;
operation — beides sind keine neuen Gedanken, sondern alte Mensch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
712&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|713|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=23}}heitsträume: Diese Ideen zu einem harmonischen Gleichgewicht zu füh-&lt;br /&gt;
ren und mit einer Fülle demokratischer Tugenden zu einem beispiel-&lt;br /&gt;
losen geistigen System zu integrieren, blieb jedoch Bahä’u’lläh vorbehal-&lt;br /&gt;
ten, der den Anspruch erhob, nicht nur einzelnen Menschen, die an Ihn&lt;br /&gt;
glauben, sondern der Menschheit als Ganzem Erlösung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß gesagt werden, daß in den Darstellungen von Professor Benz&lt;br /&gt;
gerade diese beiden Momente zu wenig Beachtung fanden, mit denen das&lt;br /&gt;
Abendland nach zweitausend Jahren Christentum am schlechtesten zu&lt;br /&gt;
Rande gekommen ist: die Frage nach dem Sinn der Geschichte und die&lt;br /&gt;
Frage nach dem Wesen der menschlichen Gesellschaft. Es wäre zu begrü-&lt;br /&gt;
Ben, wenn sich von religionswissenschaftlich berufener Seite bald je-&lt;br /&gt;
mand fände, der diesen Problemstellungen auf den Grund geht und die&lt;br /&gt;
Lösung, die Bahä’u’lläh aufzeigt, ernsthaft analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Mühlschlegel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehren und Vorbild sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansprache von Ruhiyyih Khanum in Gwalior, Indien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die ausgedehnte Lehrreise, welche Amatu’l-Bahä Rühiyyih&lt;br /&gt;
Khänum, die Witwe von Shoghi Effendi, dem ersten Hüter des&lt;br /&gt;
Bahä’i-Glaubens, im Frühjahr und Herbst 1964 durch Indien und&lt;br /&gt;
die angrenzenden Länder unternahm, liegt nunmehr ein ausführ-&lt;br /&gt;
licher Bericht ihrer Begleiterin, Frau Violette Nakhjavani, vor. In&lt;br /&gt;
beredter Sprache wird in dem kleinen Buch die erstaunliche Auf-&lt;br /&gt;
geschlossenheit geschildert, die auf dem weiten indischen Subkon-&lt;br /&gt;
tinent aus allen Kreisen der Bevölkerung den Bahä’i-Lehren ent-&lt;br /&gt;
gegengebracht wird. Nur wenige Jahre waren nötig, um die Zahl&lt;br /&gt;
der Bahä’t in Indien zu verhundertfachen. — Wir bringen im fol-&lt;br /&gt;
genden Auszüge aus der Ansprache, die Amatu’l-Bahä Rühiyyih&lt;br /&gt;
Khänum am 15. Oktober 1964 vor 500 Teilnehmern einer gesamt-&lt;br /&gt;
indischen Lehrkonferenz in Gwalior hielt. D. Red.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Botschaft Bahä’u’llähs den Menschen lehren wollen, dann&lt;br /&gt;
fällt uns dies umso leichter — davon bin ich fest überzeugt — je klarer wir&lt;br /&gt;
zutiefst darum wissen, wie groß diese Botschaft ist. Ich möchte Sie auf&lt;br /&gt;
eine Reise mitnehmen. Es ist Abend, wir können zum Sternenhimmel auf-&lt;br /&gt;
schauen. Hier in Indien ist der Himmel gewöhnlich besonders klar; wir&lt;br /&gt;
sehen den großen weißen Strom quer über das Himmelsgewölbe, den wir&lt;br /&gt;
die Milchstraße nennen. Ob Sie aus den Städten oder vom Lande kommen,&lt;br /&gt;
Sie alle kennen diesen großen Lichtstrom, aber wissen Sie auch alle, daß&lt;br /&gt;
er aus Millionen und Milliarden von Sternen wie unserer Sonne zusam-&lt;br /&gt;
mengesetzt ist? Wie viele von uns wissen, daß wir kleinen Erdenwürmer,&lt;br /&gt;
die zum Himmel aufschauen, zu den Sternen dieses Lichtstroms gehören?&lt;br /&gt;
So groß ist dieser Strom. Nun ist die Sonne für uns auf dieser Erde der&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, um den alle Planeten angeordnet sind; unsere Erde ist nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
713&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|714|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer der Planeten, die sich um die Sonne drehen. Kommen wir jetzt zu&lt;br /&gt;
dieser Erde. Wir wissen, wo wir in diesem großen Weltall stehen; wir wis-&lt;br /&gt;
sen, wo wir im Verhältnis zu der Sonne stehen, die gerade untergeht.&lt;br /&gt;
Lassen Sie uns jetzt über diesen Planeten sprechen, auf dem wir Men-&lt;br /&gt;
schen leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh lehrt uns, daß in dieser Welt ein Prozeß abläuft, etwas, das&lt;br /&gt;
einen Anfang und ein Ende hat. Vor vielen tausend Jahren, lange bevor&lt;br /&gt;
ein Krischna, ein Rama und ein Buddha in die Welt kamen, erschienen be-&lt;br /&gt;
reits Propheten, um die Menschen zu erziehen. Bahä’u’lläh erklärt, daß&lt;br /&gt;
alle Erkenntnis von diesen großen Propheten Gottes ausgeht, die in die&lt;br /&gt;
Welt kommen, um die Seelen und das Bewußtsein der Menschen zu er-&lt;br /&gt;
leuchten. Er sagte, Er sei zum Abschluß eines Zyklus gekommen, der vor&lt;br /&gt;
Tausenden von Jahren begonnen habe, und Seine Offenbarung werde die&lt;br /&gt;
Welt 500 000 Jahre lang unmittelbar beeinflussen. Der Grund, warum ich&lt;br /&gt;
Ihnen dies erkläre, ist, daß Sie Bahä’i sind. Sie müssen wissen, was Sie&lt;br /&gt;
glauben, und ich bezweifle, daß sich irgendjemand unter uns völlig dar-&lt;br /&gt;
über im klaren ist, was es bedeutet, ein Bahä’i zu sein. Wir werden auch&lt;br /&gt;
in der Zukunft Feinde haben; die Leute werden sagen, die Bahä’i hätten&lt;br /&gt;
unrecht, sie führten die Menschen weg vom wahren Pfad des Hinduismus,&lt;br /&gt;
des Islam oder des Christentums. Sie werden uns angreifen, und dann&lt;br /&gt;
müssen wir wissen, woran wir glauben; nur so können wir fest in unse-&lt;br /&gt;
rem Glauben stehen. Es sollte uns fern liegen, daß wir uns davor fürch-&lt;br /&gt;
ten, Feinde zu haben; wir sollten zu Gott darum beten, daß ein Tag kom-&lt;br /&gt;
me, an dem wir auf die Probe gestellt werden, denn wenn der Sturm&lt;br /&gt;
kommt, dann gehen die Wurzeln der großen Bäume noch tiefer in den&lt;br /&gt;
Boden hinein, und die Bäume wachsen noch höher hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woran glauben wir nun? Mit welcher Absicht ist Bahä’u’lläh in diese&lt;br /&gt;
Welt gekommen? Nur um uns beizubringen, brave Menschen zu sein, ein-&lt;br /&gt;
ander nette Dinge zu sagen, unsere Gebete zu sprechen und an das Leben&lt;br /&gt;
nach dem Tode zu glauben? Es ist viel mehr als dies. Bahä’u’lläh sagte&lt;br /&gt;
zum Volk dieser Welt: „Ihr seid alle unsere Kinder, und wir waren sehr&lt;br /&gt;
geduldig mit euch, wir Propheten, eure Väter, Krischna, Rama, Buddha,&lt;br /&gt;
Christus, Moses, wir waren alle unendlich geduldig mit euch. Wir waren&lt;br /&gt;
eure Väter und ihr unsere Kinder, aber jetzt beginnt eine ganz andere&lt;br /&gt;
Zeit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen es von Ihren eigenen Kindern, wie Sie versuchen, ihnen bei-&lt;br /&gt;
zubringen, daß sie sich richtig benehmen und wie Erwachsene verhalten&lt;br /&gt;
sollen, daß sie Verantwortung tragen lernen; oft aber tun die Kinder&lt;br /&gt;
nicht so, wie Sie, die Eltern, es wollen, und dann sagen Sie: „Nun, es sind&lt;br /&gt;
eben noch Kinder.“ Was sagt uns nun Bahä’w’lläh? Er sagt: „Schluß da-&lt;br /&gt;
mit! Ihr seid keine Kinder mehr. Dies ist der Tag eurer Volljährigkeit.&lt;br /&gt;
Ihr Menschen seid jetzt erwachsen geworden. Ich will jetzt zu euch reden&lt;br /&gt;
wie zu einem Sohn, der 21 Jahre alt geworden ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Größe des Glaubens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh hat uns geistige Lehren gegeben, Er hat uns wirtschaft-&lt;br /&gt;
liche und soziale Lehren gegeben, und über dies alles hinaus hat Er uns&lt;br /&gt;
eine völlig neue Weltordnung, eine Weltzivilisation gegeben. Lassen Sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
714&lt;br /&gt;
{{page|715|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=25}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
uns ein Beispiel nehmen, das einfach ist, weil es uns vor Augen steht.&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Musterung auf diesem schönen Zelt hier. Es ist ein be-&lt;br /&gt;
sonders schönes Zelt, und ich freue mich sehr, daß es jemand über mei-&lt;br /&gt;
nem Kopf aufgespannt hat, so daß ich es als Gleichnis verwenden kann.&lt;br /&gt;
Dieses Zelt hat verschiedene Bestandteile und Verstrebungen, die es auf-&lt;br /&gt;
gespannt halten. Es hat verschiedene Farben und Muster. Aber es hat&lt;br /&gt;
vor allem einen Plan. Über und über ist es mit demselben Muster be-&lt;br /&gt;
deckt. Das Motiv ist gleich, diese Rosetten sind gleich, diese großen Me-&lt;br /&gt;
daillons und Blumen sind gleich. Uns Bahä’i geht es ganz ähnlich. Wir&lt;br /&gt;
sind die Blumen und Blätter. Die Medaillons sind die Geistigen Räte,&lt;br /&gt;
die großen Stangen sind die Nationalen Räte, und das ganze Zelt ist die&lt;br /&gt;
Bahä’i-Welt. Nun wollen wir uns eine Weile hinsetzen und uns vorstellen,&lt;br /&gt;
wir hätten ein Zelt, das ohne jeden Plan gemacht worden wäre. Stellen&lt;br /&gt;
wir uns vor, anstatt dieser Muster hätten Sie die ganzen Unterröcke und&lt;br /&gt;
Saris und Dhotis (Lendentücher) der Menschen hier, und die wären hier&lt;br /&gt;
aufgehängt. Was bekämen Sie da für ein Zelt? Es wäre bestimmt kein&lt;br /&gt;
Zelt wie dieses, es wäre ein Mischmasch! Es gibt viele Leute auf der&lt;br /&gt;
Welt, die meinen, wir Bahä’i hätten eine Organisation, die sozusagen&lt;br /&gt;
eine Choli-, Sari-, Dhoti- und Turban-Organisation ist. Sie wissen nicht,&lt;br /&gt;
daß wir solch ein Zelt haben, die Bahä’i-Welt. Als Bahä’i-Lehrer wissen&lt;br /&gt;
wir alle, daß die Menschen, wenn wir ihnen erklären, was für eine wun-&lt;br /&gt;
derbare Sache die Bahä’i-Religion ist, bei sich selbst nicht recht klar&lt;br /&gt;
darüber werden und sagen: „Nun, der Rock meiner Frau ist so gut wie&lt;br /&gt;
das Dhoti ihres Mannes. Warum sollte ich deshalb Bahä’i werden? Ich&lt;br /&gt;
bleibe Hindu und lasse die anderen Bahä’i sein.“ Wenn die Leute so re-&lt;br /&gt;
den, dann liegt der Fehler bei uns. Es ist uns nicht gelungen, ihnen die&lt;br /&gt;
Größe des Glaubens Bahä’u’llaähs zu vermitteln und ihnen klarzumachen,&lt;br /&gt;
was er in der heutigen Welt bedeutet. Das ist es, was wir lernen müssen,&lt;br /&gt;
wenn wir das Volk Indiens zur Sache Bahä’u’llahs führen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen deshalb immer in großen Maßstäben denken. Ich bin über-&lt;br /&gt;
zeugt, wir kommen weiter, wenn wir zuerst über die Welt, dann über die&lt;br /&gt;
Geschichte, dann über das Weltall, dann über Bahä’u’lläh nachdenken&lt;br /&gt;
und begreifen lernen, warum Er gekommen ist und was Er beabsichtigt.&lt;br /&gt;
In der Bibel heißt es — ich zitiere vielleicht nicht ganz wörtlich: „Als ich&lt;br /&gt;
ein Kind war, dachte ich wie ein Kind und redete wie ein Kind; aber&lt;br /&gt;
jetzt bin ich ein Mann geworden und habe kindische Allüren abgelegt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird von Ihnen erwartet, wenn Sie erwachsen geworden sind? Sie&lt;br /&gt;
müssen ein Vollbürger Ihres Heimatortes werden und die Pflichten eines&lt;br /&gt;
Bürgers auf sich nehmen, Sie zahlen Ihre Steuern, Sie können wählen,&lt;br /&gt;
Sie heiraten, gründen einen Hausstand und eine eigene Familie, Sie&lt;br /&gt;
schließen Ihre Studien ab, gehen in das Geschäftsleben, ergreifen einen&lt;br /&gt;
Beruf oder werden ein selbständiger Bauer. Dies geschieht auch mit der&lt;br /&gt;
heutigen Menschheit. Die ganze Menschheit hat nach den Lehren&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs die Volljährigkeit erreicht, Wir sind erwachsen geworden.&lt;br /&gt;
Die Volljährigkeit bringt Pflichten mit sich. Was sind die Pflichten, die&lt;br /&gt;
uns Bahä’u’lläh auferlegt? Es gibt einige Dinge, die wir uns tief ins Be-&lt;br /&gt;
wußtsein einpflanzen müssen; ich will diese Punkte aus den Schriften&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs anführen, damit Sie wissen, worum es sich handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
715&lt;br /&gt;
{{page|716|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh sagt: „Rede nicht, was du nicht tust, und versprich nicht,&lt;br /&gt;
was du nicht erfüllen kannst.“ Das sind ungeheuer wichtige Dinge, nicht&lt;br /&gt;
nur nette kleine Sprüche. Er fügt noch etwas hinzu: „Wenn eines Men-&lt;br /&gt;
schen Worte seine Taten übertreffen, wäre sein Nichtsein besser als sein&lt;br /&gt;
Dasein, und sein Tod wäre seinem Leben vorzuziehen.“ Was besagt dies?&lt;br /&gt;
Wir sind hier lauter intelligente Bahä’i, wir wollen uns fragen, was diese&lt;br /&gt;
Worte Bahä’u’lähs bedeuten. Sie bedeuten, daß der Bahä’i einen Cha-&lt;br /&gt;
rakter wie einen vollkommenen Quaderstein hat, den man für ein Bau-&lt;br /&gt;
werk verwenden kann, der fest bleibt und nicht schwankt. Das ganze&lt;br /&gt;
Haus kann man bauen, wenn man Steine mit diesen Eigenschaften hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen den ersten Satz Bahä’u’llähs nehmen und die Welt daran&lt;br /&gt;
messen: „Rede nicht, was du nicht tust.“ Wenden wir diesen Satz auf die&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen an, auf die Beziehung eines Landes zu den anderen.&lt;br /&gt;
Behandeln sie einander nach diesem Maßstab oder sagen sie ständig Dinge&lt;br /&gt;
zueinander, die zu erfüllen sie gar keine Absicht haben? Sie versuchen&lt;br /&gt;
es nicht einmal, und jedermann weiß das. „Versprich nicht, was du nicht&lt;br /&gt;
erfüllen kannst!“ Die Nationen machen einander Versprechungen, genau-&lt;br /&gt;
so wie wir Einzelmenschen einander Versprechungen machen: „Ja, freilich,&lt;br /&gt;
ich helfe Ihnen gern, wenn es an der Zeit ist!“ Oder: „Wenn Ihr Sohn&lt;br /&gt;
eine Arbeit sucht, können Sie auf mich zählen!“ Wo ist er, wenn Ihr Sohn&lt;br /&gt;
einmal ins Berufsleben tritt? Dann ist es aus damit. Ich glaube, wir ma-&lt;br /&gt;
chen uns nicht genügend bewußt, daß Bahä’u’lläh lehrt, es sei der&lt;br /&gt;
schlimmste Charakterzug eines Menschen, Lügen zu erzählen; dies sei ein&lt;br /&gt;
Laster, das die ganze menschliche Natur vergifte. Wir lügen uns die&lt;br /&gt;
ganze Zeit an. Ich spreche nicht über die Bahä’i. Ich spreche über die&lt;br /&gt;
menschliche Rasse im allgemeinen. Jemand ruft an und möchte mich&lt;br /&gt;
sprechen; ich mag nicht und sage: „Erzähle ihm, ich sei ausgegangen.“&lt;br /&gt;
Ich bin nicht fort, ich bin da. Was ist dies anderes als eine Lüge? Wir&lt;br /&gt;
sagen über andere Menschen Dinge, die wir nicht so meinen. Wir rufen&lt;br /&gt;
entzückt: „O, was für einen wundervollen Sari Sie tragen! Was für einen&lt;br /&gt;
lieblichen grünen Ton der hat!“ In unserem Herzen denken wir: Mein&lt;br /&gt;
Gott, wenn sie so eine gelbe Hautfarbe hat, warum um Himmels willen&lt;br /&gt;
trägt sie dann einen grünen Sari! Ohne daß es uns bewußt wird, ist die&lt;br /&gt;
Lüge in der heutigen Welt so verbreitet, daß sie ein Bestandteil von&lt;br /&gt;
allem ist, was wir tun. Der Kaufmann lügt seinen Kunden an, der Kunde&lt;br /&gt;
den Kaufmann, der Vater das Kind, das Kind den Vater, der Lehrer den&lt;br /&gt;
Schüler, der Schüler den Lehrer und so weiter. Dies gilt von der ganzen&lt;br /&gt;
menschlichen Gesellschaft, vom einfachen kleinen Mann in seiner Familie&lt;br /&gt;
bis hin zu den Nationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind unehrlich, in großem und in kleinem Maße. Wenngleich wir&lt;br /&gt;
zögern mögen, andern etwas wegzustehlen, weil wir ein Gewissen haben —&lt;br /&gt;
wir legen nicht gerade die Hand auf etwas und nehmen es weg — finden&lt;br /&gt;
wir doch auf andere Art nette kleine Methoden des Stehlens, die in der&lt;br /&gt;
modernen Gesellschaft annehmbar sind. Wir nehmen und geben Beste-&lt;br /&gt;
chungsgelder, wir verlangen mehr, als rechtens ist, um mehr Profit für&lt;br /&gt;
uns zu machen. Das ist eine ganz hintersinnige Art des Stehlens. Ich er-&lt;br /&gt;
innere mich, wie der Hüter eines Tages ein Telegramm erhielt, es sei et-&lt;br /&gt;
was erreicht worden, was er dringend haben wollte. Einesteils war er sehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
716&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|717|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=27}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erfreut, daß es so weit war, aber er sagte: „Weißt du, ich habe Angst,&lt;br /&gt;
die Einzelheiten zu hören, weil ich nicht weiß, was sie gemacht haben,&lt;br /&gt;
um zu Rande zu kommen. Ich hoffe, es war alles in Ordnung.“ Da keiner&lt;br /&gt;
von Ihnen auf den Kopf gefallen ist, wissen Sie genau, was ich Ihnen sagen&lt;br /&gt;
will Jemand erklärt, er sei Bahä’i und glaube an dies, das und jenes.&lt;br /&gt;
Was für ein Unterschied ist zwischen ihm und irgendjemand sonst in der&lt;br /&gt;
Welt? Keiner. Inwieweit ist dann dieser Bahä’i der Welt von Nutzen,&lt;br /&gt;
inwieweit nützt er Bahä’u’lläh? Bahá’u’lláh kann Sein Haus nicht mit&lt;br /&gt;
Steinen bauen, die schwach und verrottet sind. Wir wollen nicht, daß die&lt;br /&gt;
Leute nur so sagen: „Dieser Mann ist ein Bahä’i von Religion und sein&lt;br /&gt;
Prophet ist Bahä’w’lläh.“ Die Menschen sollen sagen: „Ach, Sie meinen&lt;br /&gt;
den Kaufmann, der im Basar an der und der Stelle ist? Wisen Sie, das ist&lt;br /&gt;
ein Bahä’i!“ Wir wollen, daß die Leute fragen: „Kennen Sie das Dorf&lt;br /&gt;
dort, wo die Menschen so anständig und unternehmungslustig und in je-&lt;br /&gt;
der Hinsicht hervorragend sind? Ja, das sind Bahä’i; es ist ein Bahä’i-&lt;br /&gt;
Dorf.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Gebets&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘Abdu’l-Bahá sagte, es werde eine Zeit kommen — Er sagte dies, als Er&lt;br /&gt;
in Amerika war — eine Zeit, in der Sie die Leute auf den Straßen an-&lt;br /&gt;
halten werden; sie werden Ihnen ins Gesicht schauen und Sie fragen:&lt;br /&gt;
„Sagen Sie mir, was ist das, woran Sie glauben? Was haben Sie da?“&lt;br /&gt;
Ich weiß, es ist in der heutigen Welt schwer, ein guter und anständiger&lt;br /&gt;
Mensch zu sein. Die Politik ist schmutzig, die Geschäfte sind schmutzig;&lt;br /&gt;
selbst in den Bildungsstätten und auf dem Lande gibt es alle Arten von&lt;br /&gt;
persönlichen Reibereien und Eifersüchteleien. Die Welt von heute ist in&lt;br /&gt;
einer erbärmlichen moralischen Verfassung. Wir wissen das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der springende Punkt ist, daß wir vieles haben, was uns hilft, besser&lt;br /&gt;
zu werden. Eine der größten dieser Gaben ist das Gebet. Wir müssen&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh darum bitten, daß Er uns hilft, uns zu bessern, und daß Er&lt;br /&gt;
uns unsere Schwächen vergibt. Muhammad sagt: „Das Gebet ist eine Lei-&lt;br /&gt;
ter, auf der der Mensch in den Himmel aufsteigen kann.“ Wenn uns in&lt;br /&gt;
unserem Charakter etwas abgeht, müssen wir Bahä’u’lläh jeden Tag&lt;br /&gt;
darum bitten, es uns zu gewähren. Nehmen wir an, wir seien fromm&lt;br /&gt;
und gottesfürchtig, gute Menschen, aber sehr, sehr geizig, dann sollten&lt;br /&gt;
wir darum beten, daß uns Gott die edle Gabe der Großzügigkeit schenkt.&lt;br /&gt;
Wenn es uns an Geduld mit unseren Kindern oder unseren Kunden oder&lt;br /&gt;
anderen Menschen fehlt, müssen wir Bahá’u’lláh jeden Abend beim&lt;br /&gt;
Schlafengehen bitten: „Bahä’u’lläh, bitte hilf mir, geduldig zu sein; stärke.&lt;br /&gt;
meine Geduld!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Weg, wie wir unseren Charakter wandeln können, ist die&lt;br /&gt;
Art und Weise, in der wir täglich an uns arbeiten. Vor ein paar Tagen&lt;br /&gt;
war ich in Benares; dort ging ich an das Flußufer und sah einigen Yogis&lt;br /&gt;
zu, wie sie ihre morgendlichen Übungen machten und ihre Lungen erwei-&lt;br /&gt;
terten. In Ordnung, ihre Lungen werden kräftiger werden, wenn sie sich&lt;br /&gt;
so üben. Wir müssen diejenigen Eigenschaften schulen, die wir nicht ha-&lt;br /&gt;
ben. Wir müssen uns darin trainieren. Nicht viele Bahä’i sind sich im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
717&lt;br /&gt;
{{page|718|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=28}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
klaren darüber, daß Gott niemals etwas von uns verlangt, ohne uns die&lt;br /&gt;
Kraft zu geben, es zu tun. Er hat die Menschen dieser Welt aufgefordert,&lt;br /&gt;
ihren Charakter zu ändern, ihre Denkweise zu ändern, ihr Verhalten zu&lt;br /&gt;
wandeln, und morgen wie heute gibt Er ihnen die Kraft, es zu tun...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Anwesenden hat die Frage aufgeworfen: „Wie kann ein&lt;br /&gt;
Mensch sicher sein, ob seine Taten gut oder schlecht sind? Gibt es eine&lt;br /&gt;
Liste der guten und der schlechten Dinge?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Religion in der Welt hat uns aufgezeigt, was gut und was schlecht&lt;br /&gt;
ist, und wir haben auch etwas in uns — wir nennen es Gewissen — das&lt;br /&gt;
uns vor dem. Bösen warnt. Wahrscheinlich könnte der Fragesteller selbst&lt;br /&gt;
aufstehen und seine Frage beantworten, wenn er kurz darüber nachdächte,&lt;br /&gt;
was gut und was schlecht ist. Lügen ist schlecht, Diebstahl ist schlecht,&lt;br /&gt;
Ehebruch ist schlecht. Es liegt auf der Hand: Unehrlichkeit ist schlecht,&lt;br /&gt;
Betrug ist schlecht, Grausamkeit ist schlecht. Dies alles ist so offensicht-&lt;br /&gt;
lich böse, daß Sie niemand brauchen, der Ihnen sagt, was auf der Liste&lt;br /&gt;
steht. Der Haß ist etwas Schlechtes. Sich voll Stolz oder im Zorn von an-&lt;br /&gt;
deren Menschen abzukehren, ist schlecht. Und ich will Ihnen etwas sagen,&lt;br /&gt;
was ich für schlecht halte, obwohl ich im Augenblick keine Stelle in den&lt;br /&gt;
Bahä’i-Lehren wüßte, die ich dafür angeben könnte: Viele von uns geben&lt;br /&gt;
gern etwas her, aber wir mögen nichts annehmen, und das, meine ich,&lt;br /&gt;
ist schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte drei Dinge hinzufügen, von denen Bahä’u’lläh sagt, daß sie&lt;br /&gt;
sehr schlecht sind: Das eine ist Trinken, was streng verboten ist; das&lt;br /&gt;
zweite ist der Gebrauch von Rauschgiften, die im Bahä’i-Glauben abso-&lt;br /&gt;
lut verboten sind; und das dritte, was Bahä’u’lläh für das allerschlimmste&lt;br /&gt;
auf der ganzen Welt hält, ist die üble Nachrede. Er sagt: „Die Zunge ist&lt;br /&gt;
ein schwelendes Feuer, und zuvieles Reden ist ein tödliches Gift“. Es ist&lt;br /&gt;
eine verbreitete Seuche in der Menschheit, schlecht über andere Leute zu&lt;br /&gt;
reden und sich die Übeltaten anderer berichten zu lassen. Bahä’u’lläh&lt;br /&gt;
sagt, mit dem Schwert könne man im Nu Menschen töten, aber die Zunge&lt;br /&gt;
zerstöre den Ruf eines Menschen für ein ganzes Jahrhundert. Ich möchte&lt;br /&gt;
den Bahä’i einen kleinen Rat erteilen, was Klatschereien angeht: Denken&lt;br /&gt;
Sie daran, daß sie in den Lehren Bahä’u’llähs verboten sind. Wenn aber&lt;br /&gt;
jemand zu Ihnen kommt, um schlecht von einem anderen zu reden, dann&lt;br /&gt;
lassen Sie ihn nicht zuerst drauf los reden, um ihm dann entgegenzuhal-&lt;br /&gt;
ten: „Sie sollten so etwas nicht sagen.“ Sagen Sie ihm gleich: „Ich möchte&lt;br /&gt;
solche Sachen nicht hören. In dieser Religion ist das verboten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Freund hat folgende Frage gestellt: „Wenn es so viel Un-&lt;br /&gt;
gleichheit in der Welt gibt, wenn wir so verschieden voneinander sind,&lt;br /&gt;
wie ist es uns da möglich, einander zu lieben?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Glück habe ich unseren geliebten Hüter einmal auf die wunder-&lt;br /&gt;
barste Weise zu einem Bahä’i-Pilger über dieses Thema sprechen hören.&lt;br /&gt;
Ich wollte, ich könnte Ihnen den hundertsten Teil dessen vermitteln, was&lt;br /&gt;
er sagte, und den Geist, in dem er es sagte, Jener Pilger beklagte sich, er&lt;br /&gt;
sei nicht recht glücklich in der Bahä’i-Gemeinde, in der er jetzt lebe; aber&lt;br /&gt;
in der Gemeinde, in welcher er zuvor den Glauben angenommen habe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
718&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|719|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=29}}sei er überaus glücklich gewesen. Er sagte: „Ich liebe sie nicht und ich&lt;br /&gt;
kann nicht sehen, daß ich auch nur das Geringste mit ihnen gemein hät-&lt;br /&gt;
te.“ Shoghi Effendi antwortete: „Das ist ganz natürlich. Wir sind sehr ver-&lt;br /&gt;
schieden voneinander. Wie können wir da einander lieben? Es kann nicht&lt;br /&gt;
jeder von uns die ganze Zeit alle anderen lieben, das ist ganz natürlich.“&lt;br /&gt;
Er fuhr fort: „Es gibt einen Weg, dies zu tun, und das ist durch die Liebe&lt;br /&gt;
zu Gott.“ Und er erklärte dies: „Wenn Kinder ihren Vater lieben, stim-&lt;br /&gt;
men sie doch oft als Brüder und Schwestern unter sich nicht über-&lt;br /&gt;
ein; sie mögen dem Temperament nach recht verschieden sein, sie kön-&lt;br /&gt;
nen einander nicht leiden und streiten sich. Aber aus der Liebe zu ihrem&lt;br /&gt;
Vater heraus und weil sie wissen, daß ihr Vater jeden von ihnen liebt,&lt;br /&gt;
von dieser Vaterliebe her werden sie auch ihre Brüder und Schwestern&lt;br /&gt;
lieben. Bahä’u’lläh zuliebe können wir einander mit wirklicher Liebe be-&lt;br /&gt;
gegnen, es hängt nur davon ab, wie sehr wir Bahä’u’lläh lieben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin ein einfacher Mensch und kann mich oft besser durch das aus-&lt;br /&gt;
drücken, was ich erlebt habe. Deshalb möchte ich Ihnen von einer Erfah-&lt;br /&gt;
rung erzählen, die ich seit meinem Aufenthalt in Indien gemacht habe.&lt;br /&gt;
Sie war eine Lehre für mich und hat mit diesem Thema zu tun. Ich liebe&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh; ich bin dessen nicht würdig, aber ich liebe Ihn, und ich kann&lt;br /&gt;
aufrichtig sagen, daß ich meine Mit-Bahä’i liebe. Auf einer Station dieser&lt;br /&gt;
Reise jedoch geschah es, daß ich durch die Haltung eines bestimmten&lt;br /&gt;
Bahä’i drauf und dran war, richtig hochzugehen. Sie wissen, ich war an&lt;br /&gt;
Hunderten von Orten, deshalb kann niemand von Ihnen erraten, wo dies&lt;br /&gt;
passiert ist. An jenem Abend ging ich in mein Zimmer und sagte zu&lt;br /&gt;
mir: „Ich kann diesen Menschen wirklich nicht mehr aushalten. Er ist&lt;br /&gt;
fürchterlich.“ Und ich darf hinzufügen, daß ich allerhand Gründe für&lt;br /&gt;
dieses Gefühl hatte. Ich mußte einen der schwersten Kämpfe mit mir&lt;br /&gt;
selbst austragen, die ich in vielen Jahren hatte. Die ganze Zeit ging es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch dieses Jahr Sommerschulen im In- und Ausland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutschen Bahä’i-Sommerschulen finden dieses Jahr in Hofheim/&lt;br /&gt;
Taunus in der Zeit vom 29. Juli bis 6. August und in Gauting/Oberbayern&lt;br /&gt;
vom 2. bis 8. Juli statt. Anmeldungen nimmt schon jetzt der Natio-&lt;br /&gt;
nale Lehrausschuß, 7 Stuttgart, Parlerstraße 50 (Frau Erna Schmidt), ent-&lt;br /&gt;
gegen. Hofheim liegt in unmittelbarer Nähe des ersten europäischen Hau-&lt;br /&gt;
ses der Andacht in Langenhain. Sommerschulen sind außerdem in zahl-&lt;br /&gt;
reichen europäischen Ländern geplant. Auskunft erteilt das Sekretariat des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nationalen Geistigen Rats der Bahä’i in Deutschland, 6 Frankfurt/Main,&lt;br /&gt;
Westendstraße 24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir so, wie es jedem anderen Menschen ergangen wäre: Ich hatte ständig&lt;br /&gt;
vor Augen, was dieser Mensch gesagt und was er getan hatte; dies ging&lt;br /&gt;
mir im Kopf herum, und ich wurde zornig. Ich sagte zu mir: So geht es&lt;br /&gt;
nicht. Erstens handelt es sich um einen guten Bahä’i. Er liebt seinen Glau-&lt;br /&gt;
ben, er dient ihm, einerlei wie er dich oder diesen oder jenen behandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
719&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|720|file=Baha&#039;i_Briefe_28.pdf|page=30}}hat, oder was er gesagt und getan hat. Er ist ein guter Bahä’i und liebt&lt;br /&gt;
Bahä’u’lliäh. Und weiter sagte ich zu mir: Der ganze Zweck der Lehren&lt;br /&gt;
Bahä’u’llähs ist, Liebe und Einheit zu schaffen, und wenn du dein Herz&lt;br /&gt;
nicht weit genug Öffnen kannst, um diesen Bahä’i-Bruder darin aufzu-&lt;br /&gt;
nehmen und ihn zu lieben, weil Bahä’u’lläh ihn liebt und weil er dein&lt;br /&gt;
Mit-Bahä’i ist, wo bleibt dann der Friede in der Bahä’i-Gemeinschaft,&lt;br /&gt;
wo ist dann unsere Einheit? Und ich war wütend und wälzte mich im&lt;br /&gt;
Bett herum und sagte: Ich will diesen Kerl nicht in meinem Herzen&lt;br /&gt;
aufnehmen. Aber das genügte mir nicht, und ich flehte: Bitte, Bahä’u’lläh,&lt;br /&gt;
hilf mir! Jetzt brauche ich wirklich Hilfe. Bitte nimm dieses Gefühl des&lt;br /&gt;
Zornes aus meinem Herzen. Bitte laß mich meinen Bahä’i-Bruder lieben,&lt;br /&gt;
wie es sich gehört. Bitte laß mich alle Glieder dieser Gemeinschaft lieben,&lt;br /&gt;
denn sonst ist diese Bahä’i-Einheit ein Witz, ein Possenspiel, und wir&lt;br /&gt;
werden sie nie in dieser Welt zustandebringen. Und, Gott sei Dank, Ba-&lt;br /&gt;
hä’u’lläh half mir, und ich habe diese Schlacht mit mir selbst gewonnen.&lt;br /&gt;
Aber glauben Sie mir, Freunde, es war einer der schlimmsten Kämpfe,&lt;br /&gt;
die ich seit vielen Jahren auszustehen hatte, und ich weiß, daß ich jetzt&lt;br /&gt;
ein besserer Bahä’i bin als ich es war, bevor dies geschah, und daß ich&lt;br /&gt;
jetzt mehr Kraft für das nächste Mal habe, wenn ich wieder geprüft&lt;br /&gt;
werde und mit mir kämpfen muß. Was mich dazu befähigte, so zu re-&lt;br /&gt;
agieren, war zweierlei: die Liebe zu Bahá’u’lláh und das Gebet zu Ihm,&lt;br /&gt;
Er möge mir helfen, ein guter Bahä’i zu sein...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus „Amatu’l-Bahä visits India“ von Violette Nakhjavani, Bahä’f Publishing Trust,&lt;br /&gt;
P.O.B. 19, New Delhi, 0. J., S. 137 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „BAHA’I-BRIEFE“ werden vierteljährlich herausgegeben vom Nationalen Gei-&lt;br /&gt;
stigen Rat der Bahä’i in Deutschland e. V., 6 Frankfurt, Westendstraße 24. Alle&lt;br /&gt;
namentlich gezeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Heraus-&lt;br /&gt;
gebers oder der Redaktion dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion: Dipl.-Volksw. Peter A. Mühlschlegel, 6104 Jugenheim, Goethestraße 14,&lt;br /&gt;
Telefon (0 6257) 2133, und Dieter Schubert, 7022 Leinfelden, Fliederweg 3, Tele-&lt;br /&gt;
fon (0711) 79 35 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vertrieb: Georg Schloz, Bahä’f-Haus, 7 Stuttgart-Zuffenhausen, Friesenstraße 26,&lt;br /&gt;
Telefon (07 11) 87 90 58 oder (07 11) 87 32 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck: Buchdruckerei Karl Scharr, 7 Stuttgart-Vaihingen, Scharrstraße 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Preis: DM —,80 je Heft einschließlich Versandkosten, im Abonnement DM 3.20 jähr-&lt;br /&gt;
lich. Zahlungen erbeten an Bahä’f-Verlag GmbH., 6 Frankfurt, Westendstraße 24,&lt;br /&gt;
Postscheckkonto Stuttgart 35 768, mit dem Vermerk „BAHA’I-BRIEFE*.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Zeitschrift bestehen keine wirtschaftlichen oder finanziellen Beteillgungen&lt;br /&gt;
im Sinne des Hessischen Pressegesetzes, 5 5 Abs. 2,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
720&lt;/div&gt;</summary>
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